CLICK KUNST JAN/FEB 26
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Von der Säge zur Druckerei: Die Holztypenfabrik Roman Scherer
Gegründet 1877 in Luzern, verlegte die Fabrik Anfang der 1890er-Jahre
ihren Sitz nach Kriens und spezialisierte sich auf Holzbuchstaben für Plakate
und Grossformate. Holz war leichter und günstiger als Metall – ideal für
grosse Schriftgrössen, die mit Bleilettern kaum wirtschaftlich herstellbar
waren. Die Schriften waren bald weit mehr als regionales Handwerk: Kunden
kauften sie von Deutschland über Frankreich bis Russland. Um 1900
produzierte die Fabrik bis zu 50 000 Buchstaben pro Monat — ein
beeindruckendes Volumen für
handgefertigte Lettern. Doch mit dem
Aufkommen neuer Drucktechnologien
wie Offsetdruck in den 1960er-Jahren
wurde Holztype zunehmend obsolet.
1966 verkaufte die Fabrik ihre
Produktion an die Haas’sche
Schriftgiesserei in Basel – und eine Ära
ging zu Ende.
Warum Holzletter faszinieren – damals
wie heute
Holztypen boten entscheidende
Vorteile: Sie waren leichter, billiger und
erlaubten grosse Zeichenhöhen –
perfekt für Poster, Theater- oder
Werbeschilder. Mit der Entwicklung
mechanisierter Herstellungsmethoden
im 19. Jahrhundert (z. B. Router und Pantograph) konnten Holzlettern
massenhaft reproduziert werden – und eröffneten eine neue Freiheit in der
Schriftgestaltung. Die Vielfalt der damals gefertigten Schriften ist
verblüffend: Von klaren, einfachen Groteskschriften bis zu expressiven
Plakatfonts – alles war möglich. Die ausgestellten Musterbücher zeigen
eindrücklich: Schrift war nicht nur Funktion, sondern auch visuelles
Statement.