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Roadtrips Texas
Texas Roadtrips
Texas – Wild im Westen
Abseits der Highways: Kunst, Kakteen und Cowboys.
In der Geisterstadt Terlingua schunkeln langhaarige Alt-Hippies
im plüschigen Starlight Theatre zu Country-Musik. Die
Gräber auf dem örtlichen Friedhof sind mit leeren Bierflaschen
dekoriert und im Hotel hängen Ölschinken mit Karl-
May-Szenen in kitschig-goldenen Stuckrahmen: Terlingua nahe
des Big Bend National Park, das sich selbst Ghost Town nennt,
ist ein Sammelbecken für alle Verrücktheiten, die der Westen
von Texas bereithält.
Im Grenzgebiet zu Mexiko, weit weg
vom Zeitgeist der Metropolen, treffen
sich freiheitsliebende Individualisten,
Künstler auf der Suche nach Inspiration
und Naturfreaks, die nachts Sterne
›› Artenreichster
Nationalpark
Weit weg von allem ist man auch
im Big Bend National Park, dem artenreichsten
der USA, in dem Schwarzbären,
Berglöwen und Pumas zuhause
sind. Der Park schmiegt sich in eine
große Flussschleife des Rio Grande,
der die Grenze zu Mexiko bildet. Wir sind
von mexikanischem Gebiet umrundet, sagt
Tom Vandenberg, Chef des Besucherzentrums
im Nationalpark. Die Leute kommen
her, um absolute Ruhe, die weite Landschaft
und nachts den spektakulären Sternenhimmel
zu erleben.
Big Bend mit seinen von Kakteen gesprenkelten
Wüstenebenen, den schroffen
Canyons, dem träge dahinmäandernden
Rio Grande und den bizarren Chisos
Mountains ist ein Eldorado für Wanderer.
Mehr als 200 Kilometer ausgewiesene Wege
gibt es im Park. Lohnenswert ist etwa
der Lost Mine Trail. Nach kurzem, mäßig
anstrengendem Aufstieg durch lichten
Kiefern- und Wacholderwald belohnt ein
360-Grad- Panoramablick auf den tief eingeschnittenen
Pine Canyon und die Sierra
del Carmen in Mexiko.
Ein Muss im Nationalpark ist der Besuch
der Chisos Mountains, einem Gebirgszug,
der wie eine riesige Felsenburg mit zahllosen
Wehrtürmen bis fast 2.400 m abrupt
aus der Wüstenlandschaft aufragt. Die Serpentinenstraße
nach oben schlängelt sich
zwischen bizarren Steinformationen hindurch,
die poliert von Wind und Wetter im
Sonnenlicht glänzen.
NEW
MEXICO
El Paso
Marfa
Pampa
Alpine
Big Bend NP
Amarillo
Lubbock
Abilene
Odessa
OKLAHOMA
OKLAHOMA
Dallas
TEXAS
Austin
San Antonio
Nuevo Laredo
Houston
›› Aussteiger, Abenteurer und Künstler
Wer auf seinem Roadtrip den Nationalpark
besucht, lernt zwangsläufig die verrückte
Seite im Westen von Texas kennen.
Rund um den Nationalpark und den angrenzenden
Big Bend Ranch State Park finden
sich kleine Örtchen, die sich so einige
Skurrilitäten leisten. Neben Terlingua mit
den bizarr dekorierten Friedhofsgräbern
hält auch das 75-Seelen-Dorf Lajitas eine
Überraschung parat: Zum Bürgermeister
wird hier traditionell eine Ziege gewählt.
Direkt neben dem Lajitas General Store,
dem einzigen Shop des Ortes, trifft man
auf Clay Henry III., den aktuellen Ziegen-
Bürgermeister.
am Himmel sehen wollen. Wir sind hier weit weg von allem, sagt
Andrew, der in Terlingua in einem Zelt schläft und seinen Lebensunterhalt
mit Paddeltouren auf dem Rio Grande – dem Grenzfluss
zwischen Mexiko und den USA – verdient. Er ist ein Outdoor-Freak
und findet in Terlingua den Lifestyle, der zu ihm passt. Ebenso
wie all die anderen Aussteiger, die hier wohnen und sich ihren bescheidenen
Lebensunterhalt damit verdienen, Touristen an Ziplines
zu hängen oder mit ihnen Pferdeausritte zu unternehmen.
NEVADA
ARIZONA
Hauptort in der Region ist Alpine. Man
sei die größte Stadt im größten Landkreis im
größten Bundesstaat der USA, so lautet die
Eigenwerbung. Alpine hat 6.000 Einwohner.
Denen wird allerdings einiges geboten:
Streetart-Künstler haben das Stadtbild mit
zahlreichen Wandgemälden verziert, es gibt
Galerien, das Museum of the Big Bend mit
einer Landkarten-Sammlung und das historische
Holland Hotel. Ansonsten hat Alpine
die gleichen Vorzüge wie die Nachbarörtchen
im Brewster County: Die Luft ist glasklar,
der Himmel blau und weit und nachts
schimmern am rabenschwarzen Firmament
Abermillionen von Sternen.
FOTOS: JUTTA LEMCKE; TRAVEL TEXAS/CHRIS ZEBO
FOTOS: JUTTA LEMCKE
›› Kunst-Institution
Und dann ist da natürlich Marfa – ein
Mini-Örtchen mitten in der sandigen Ödnis
der Chihuahua-Wüste. In der Ferne schimmern
die Chinati-Berge, Staub weht durch
die Straßen. Die trockenen Grasflächen
sind mit Sotol-Agaven und borstigen Ocotillo-Büschen
getupft. Nennt man Marfa
in der internationalen Kunstwelt – sei es
New York City, Paris oder Berlin – leuchten
die Augen von Künstlern, Kunstliebhabern
und Galeristen. Dreh- und Angelpunkt ihres
Interesses ist ein Museum. Dort, wo früher
die US-Armee stationiert war, zeigt heute
die Chinati Foundation in 30 Baracken moderne
Kunst. Gewidmet ist das international
bedeutende Museum ihrem Gründer,
dem 1994 verstorbenen Donald Judd.
Der Minimalist war zu Beginn der 1970er-
Jahre aus New York City nach Marfa gezogen,
um in der Weite der Wüste Inspiration
zu finden und seine Ideen von Kunst und
Architektur zu verwirklichen. Wer als unbedarfter
Besucher heute durch den Ort
schlendert, ist zunächst ein wenig ratlos.
Die Geschäfte bieten Tarotkarten, Yogamatten
und Cowboy-Hüte – doch die meisten
Läden sind geschlossen und öffnen offenbar
nur nach Lust und Laune. Ebenso wie
die Restaurants und Cafés, die Do your thing
oder Buddha Bakery heißen. Glück hat man
meist im The Sentinel Marfa Coffee Shop.
Dort trifft man auch auf Mary Etherington.
Die elegant gekleidete Dame ist bei
der örtlichen Wochenzeitung The Big Bend
Sentinel beschäftigt und wie die meisten
Marfa-Bewohner der Kunst zugeneigt. Zu
Lebzeiten von Donald Judd sei dies ein
wahrer Ort der Kreativität gewesen, abgeschieden,
inspirierend und auf die Kunst fokussiert,
meint sie. Auch heute noch spüre
man den Spirit, doch es kämen immer
mehr Menschen, die auf laute Partys aus
seien und Marfa vor allem auf ihrer Hipster-Bucket-Liste
abhaken wollen. Doch die
aktuelle Kunstszene trifft sich weiterhin
in Marfa. Das wird klar, wenn man im The
Sentinel Marfa Coffee Shop auf Mitarbeiter
der Berliner Galerie Max Hetzler trifft.
Das renommierte Kunsthaus betreibt Dependancen
in Paris, London – und in Marfa.
Wer die Ausstellungsräume besuchen will,
fährt von Downtown Marfa zwei Kilometer
über eine Staubpiste ins Nirgendwo und
durchquert dann ein Tor mit der Aufschrift
The Space between Thoughts – Der Raum
zwischen den Gedanken.
Schon früher zog es die Prominenz in
diese karge Gegend. Sogar die Hollywood-
Stars James Dean und Elizabeth Taylor
haben bereits 1955 Marfa-Luft geschnuppert.
Einige Meilen nördlich erinnern überdimensionale
Pappkulissen mit den Protagonisten
an den Filmdreh. Die fotogene
Installation mitten in der Wüste zieht immer
wieder reichweitenstarke Influencer
auf der Suche nach ikonischen Bildmotiven
an. Nicht weit entfernt machen sie weitere
Foto-Beute. Hier steht ein Shop der Nobelmarke
Prada mitten im Sande. Ein Laden
mit schicken Auslagen, aber ohne Einlass.
Prada Marfa ist jedoch kein Einkaufstempel
sondern eine Kunstinstallation des
dänisch-norwegischen Künstlerduos Elmgreen
& Dragset.
›› Reiseinfos
• TERLINGUA, TX 79852,
ghosttowntexas.com
The Big Bend Holiday Hotel: frisch
renoviertes Haus mit dem Charme alter
Zeiten, ab 100 USD; 200 Ivey Road,
bigbendholidayhotel.com
Espresso y Poco Mas: liebevoll geführte
Kaffeebar, Frühstück; 45 Milagro Way
Starlight Theatre: Restaurant/Bar mit
Livemusik, der Treffpunkt schlechthin
im Ort, Tex-Mex-Küche; 100 Ivey Road,
thestarlighttheatre.com
• BIG BEND NATIONAL PARK
Eintritt: 30 USD pro Auto oder kostenlos
mit US-Nationalparkpass America the
Beautiful, nps.gov/bibe
• LAJITAS, visitbigbend.com/lajitas
• ALPINE, TX 79830, visitalpinetx.com
Holland Hotel: restauriertes Haus von
1928, ab 150 USD; 209 W. Holland Ave.,
thehollandhoteltexas.com
• MARFA, TX 79834, visitmarfa.com
Chinati Foundation Viewing:
1 Cavalry Row, chinati.org/visit-chinati/
open-viewing
traveltexas.com
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