Unternehmen Österreich 04/2025
Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich
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OSTERREICH
Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich
www.wirtschaftsverband.at
4 | 2022 2025
MAG.A CARINA
SCHMIEDSEDER,
VIZEPRÄSIDENTIN
Explodierende Energiekosten
WER KANN DAS
BEZAHLEN?
MAG. BERND
HINTEREGGER,
PRÄSIDENT
MAG.A DR.IN PETRA
OBERRAUNER,
VIZEPRÄSIDENTIN
Wechsel an der Spitze
Der SWV stellt
sich NEU auf
Das Es geht künftige auch Team. anders
Mit Die dem EU-Staaten neuen SWV-Präsidenten
rigoros Übergewinne Bernd Hintereg-
der
schöpfen
ger Energie-Profiteure und seinen beiden ab. Die
Vizepräsidentinnen türkis-grüne Regierung weht
frischer legt nur Wind ein Minimum im SWV. vor.
Handel COFAG-Günstlinge
unter Druck.
Der Kurz-Freund weltweite Martin Onlinehandel Ho,
im René Billigstsektor Benko, Starbucks macht unserer
etc.: Nun Wirtschaft steht fest, zu schaffen. wer
Abhilfe die größten muss Gewinner kommen, ehe
es der zu Corona-Krise spät ist. sind.
Österreichische Post AG / Sponsoring.Post 04Z035977
„Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1070 Wien“
Arbeitsplätze
schaffen.
Österreichs Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche
und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung
und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt!
Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss
www.iv-net.at
WAS WIR (NICHT) WOLLEN
Übermächtig. Die „stillste Zeit
im Jahr“ ist in vielen Unternehmen
– vor allem im Handel – die
hektischste Zeit im Jahr. Das
„Weihnachtsgeschäft“ ist vieles:
Es liefert Umsatz, es ist ein Indikator
für die Kaufkraft, es lässt die
Kassen klingeln! Aber es ist auch
nicht nachholbar und volatil. Läuft
es schlecht im Advent, bleiben die
Lager voll und die Kassen leer.
Ein übermächtiger Gegner hat
sich in den letzten Jahren breitgemacht:
der Onlinehandel. Die
Konkurrenz ist riesig, billig und
international. Fast die Hälfte der
Internetverkäufe findet auf ausländischen
Plattformen statt. Herr
Heimischer Handel
und Frau Österreicher gaben laut
Studie 2025 unglaubliche 12,5
Milliarden Euro im sogenannten
Distanzhandel aus.
Österreichs Wirtschaft hingegen
wird von kleinen Betrieben – KMU
und EPU – dominiert. Wie können
diese Betriebe dem übermächtigen
Gegner im World Wide Web
die Stirn bieten? Hier lautet die
Erfolgsformel: Qualität und persönliche
Beratung – dem Kunden
„das besondere Einkaufserlebnis“
bieten, besondere Wünsche
erfüllen, Vertrauen aufbauen
und qualitativ hochwertige und
geprüfte Waren verkaufen. Hier ist
der heimische Handel den Onlineriesen
um Längen voraus.
> 06
> INHALT
Aktuell. Die Zukunft der Wirtschaft gestalten: die neuen
Anträge des SWV im Wirtschaftsparlament ...........................04
Coverstory. Der Handel steht unter Druck: Der weltweite
Onlinehandel vor allem im Billigstsektor macht unserer
Wirtschaft zu schaffen ...................................................................... 06
Im Fokus. Ein heißes Thema: die Öffnungszeiten im
Handel. Mit Bernd Hinteregger diskutierten Barbara Teiber,
Ulrike Königsberger-Ludwig und Rainer Will ..........................10
Das neue Team. Wechsel an der Spitze: SWV-Präsident
Bernd Hinteregger im Gespräch .....................................................12
Verbandstag. Kurs auf die Zukunft: Ein harmonischer
Übergang lässt den SWV seine Rolle neu schärfen und
gestärkt in die kommenden Herausforderungen gehen ...14
Frauenpower. Claudia Wittner wird das Blumenstudio
nach der Pensionierung ihrer Mutter Gudrun übernehmen.
Vier Generationen in reiner Frauenhand ...................................... 18
> 16
Tradition
großgeschrieben.
Mit Liebe und
Leidenschaft wird
Michelle Wishofer
Nachfolgerin des
Familienbetriebs
„Zuckerwatte“. Mit
dabei: ein „Süßes
Catering“.
iStock by Getty Images, Ludwig Schedl
Impressum|Herausgeber: Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1060 Wien, Gerichtsstand: Wien, ZVR-Zahl: 42108716 |
Medien inhaber: echo medienhaus Ges. m. b. H., FN 73819h, HG Wien, Windmühlgasse 26, 2. Stock, 1060 Wien, www.echo.at. Eigentümerin der echo medienhaus
Ges. m. b. H. ist die FFPG Beteiligungs GmbH. Gesellschafter der FFPG Beteiligungs GmbH sind KR Anton Feistl (25 %), Anton Feistl jr. (25 %) und Christian Pöttler (50 %)
| Geschäftsführung: Christian Pöttler | Unternehmensgegenstand: Herausgabe diverser Publikationen und Periodika sowie allgemeine Verlags aktivitäten | Hersteller:
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Neumann | Fotoredaktion: Mag. a Claudia Knöpfler (Ltg.) | Coverfoto: Vicky Posch | Druckerei: Walstead Leykam Druck GmbH & Co KG, Bickfordstraße 21, A-7201 Neudörfl
| Verlags- & Herstellungs ort: Wien | Blattlinie: Informationen des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich. Namentlich gekennzeichnete Beiträge
und Gastkommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen. Entgeltliche Einschaltungen werden mit „entgeltliche Einschaltung“ oder
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3
aktuell
DIE ZUKUNFT DER WIRTSCHAFT
GESTALTEN: Die SWV-Anträge
am 27.11. im Wirtschaftsparlament
Am 27.11. fand das Wirtschaftsparlament
in einer Phase statt,
in der viele Unternehmer:innen
weiterhin unter starkem Druck
standen. Hohe Energie und Lohnkosten,
Inflationsfolgen und eine spürbare
Zurückhaltung bei Investitionen belasteten
vor allem EPU und KMU. Gerade in diesem
Umfeld braucht es klare politische Signale,
die Betrieben Sicherheit geben und den Wirtschaftsstandort
wieder stärken.
Als starke Stimme der kleinen und mittleren
Unternehmen brachte der SWV mehrere
zentrale Anträge ein, die strukturelle Hürden
abbauen, Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und
faire Bedingungen für alle Betriebe schaffen
sollten.
Stärkung des Wirtschaftsstandorts
Besonders im Mittelpunkt stand der Antrag
zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Dass
dieser Antrag im Wirtschaftsparlament breite Zustimmung
erhalten hat, ist ein klarer Erfolg. Er zeigt, dass die Interessen
von EPU und KMU nicht nur gehört werden, sondern auch
SICHERHEIT.
Faire Wirtschaftsbedingungen sind kein Privileg großer Konzerne, sondern Voraussetzung
für einen lebendigen, regional verwurzelten Standort.
durchsetzbar sind. Der Beschluss ist ein deutliches Zeichen
für bessere Rahmenbedingungen, mehr Planungssicherheit
und eine Politik, die auf die Realität der Betriebe reagiert.
Der SWV hat damit unterstrichen, dass ein starker Wirtschaftsstandort
nicht von allein entsteht, sondern aktiv gestaltet
werden muss. Faire Abgaben, weniger Bürokratie,
investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und ein funktionierender
Sozialstaat sind keine Nebensachen, sondern
die Grundlage dafür, dass Betriebe wachsen, Arbeitsplätze sichern
und Innovation ermöglichen können. Das Ergebnis des
Wirtschaftsparlaments am 27.11. war daher nicht nur ein formaler
Beschluss, sondern ein politischer Schritt nach vorne
für jene, die den Großteil der heimischen Wirtschaft tragen.
FINANZIERUNGSMODELLE GEFRAGT.
Gerade kleine Betriebe brauchen ein Abgabensystem, das
Wachstum ermöglicht und nicht bremst.
Faktor Arbeit entlasten –
ein modernes Finanzierungssystem
Gleichzeitig wurde im Wirtschaftsparlament deutlich gemacht,
dass Reformen über einzelne Maßnahmen hinausgehen
müssen. Im Zentrum steht die Frage, wie der Sozialstaat
künftig finanziert werden kann, ohne den Faktor Arbeit weiter
zu überlasten. Der SWV forderte eine umfassende Analyse
neuer Finanzierungsmodelle, die solidarisch, zukunftsfähig
und transparent sind und die Auswirkungen auf Betriebe,
Beschäftigte und die Gesamtwirtschaft klar darstellen. Eine
moderne und breiter abgestützte Finanzierung des Sozialstaats
bleibt dafür ein entscheidender Hebel.
ISTOCK BY GETTY IMAGES (4)
4 Unternehmen Österreich 4 | 2025
aktuell
KLEINUNTERNEHMERPAUSCHALE
MODERNISIEREN: Anpassung an
die reale Kostenentwicklung
Die Kleinunternehmerpauschalierung
soll entlasten, doch in ihrer aktuellen
Form ist sie nicht mehr zeitgemäß. Die
Umsatzgrenze ist über Jahre unverändert
geblieben und liegt inzwischen
deutlich unter dem, was wirtschaftlich notwendig
wäre. Viele kleine Betriebe stoßen inflationsbedingt
schneller an diese Grenze – ohne dass ihr tatsächlicher
Gewinn steigt. Die Folge sind zusätzliche bürokratische
Pflichten, die Zeit und Geld kosten.
Der SWV fordert daher eine deutliche Anhebung
der Umsatzgrenze und eine jährliche Valorisierung
entsprechend der Inflation. Gleichzeitig sollen die
Pauschalsätze für Dienstleistungsbetriebe an die realen
Kosten angepasst werden.
Eine moderne Pauschalierung stärkt jene, die den
Großteil der heimischen Unternehmer:innen ausmachen,
und ermöglicht ihnen, sich auf ihr Geschäft
anstatt auf Verwaltungslasten zu konzentrieren.
UNNÖTIG.
Die Pauschale
liegt inzwischen
deutlich
unter dem, was
wirtschaftlich
notwendig wäre.
Der SWV fordert
eine deutliche
Anhebung der
Umsatzgrenze.
TRANSPARENT.
Der SWV fordert
marktnahe
Zinssätze, eine
transparente
Berechnung der
Zuschläge und
unbürokratische
Stundungen
für Betriebe in
wirtschaftlicher
Schieflage.
ISTOCK BY GETTY IMAGES (4)
UNFAIRE VERZUGSZINSEN STOPPEN:
Liquidität für Betriebe sichern
In wirtschaftlich angespannten Zeiten brauchen Unternehmen
Liquidität und faire Rahmenbedingungen.
Doch überhöhte Verzugs-, Stundungs- und Anspruchszinsen
bei SVS, Finanz und ÖGK belasten KMU unnötig.
Viele Zinssätze liegen deutlich über einem sachlich
gerechtfertigten Niveau und wirken wie eine zusätzliche finanzielle
Bestrafung.
Der SWV fordert im Wirtschaftsparlament daher marktnahe
Zinssätze, eine transparente Berechnung der Zuschläge sowie
unbürokratische Stundungen für Betriebe in wirtschaftlicher
Schieflage. Zusätzlich soll die Auszahlung von Guthaben
durch das Finanzamt deutlich beschleunigt werden.
Ziel ist ein faires System, das nicht drückt, sondern stabilisiert.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
5
cover
Handel unter Druck
Jetzt Abhilfe
schaffen!
ZOLLFREI. Onlineplattformen
belasten den österreichischen
Handel schwer. Abhilfe
muss von der Europäischen
Union kommen, bevor es zu
spät ist.
ISTOCK BY GETTY IMAGES
Der sogenannte Distanzhandel
– dazu zählt nicht nur der
Onlinehandel, sondern auch
Katalogbestellungen oder Teleshopping
– erzielte im vergangenen
Jahr einen neuen Rekordwert
von plus 14 Prozent gegenüber
dem Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Bei den Einkäufen via Smartphone, dem
Mobile Commerce, ist der Anteil gar um 28 Prozent
gewachsen, schon im Jahr davor um 36 Prozent. Die
Österreicher:innen gaben auf diesem Weg rund 12,5
Milliarden Euro aus, 1,5 Milliarden mehr als im Jahr davor.
Im Vergleich dazu lag der Wert 2016 noch bei 7,3
Milliarden Euro. Zahlen, die kontinuierlich wachsen.
Zahlen, die auch den stationären Handel stark belasten.
6 Millionen nutzen E-Commerce-Angebote
Die Ergebnisse der E-Commerce-Studie 2025, die vom
Handelsverband (HV) in Kooperation mit der KMU
Forschung Austria seit 16 Jahren veröffentlicht wird,
stellen keine günstige Prognose in Aussicht. Auch die
Pro-Kopf-Ausgaben waren so hoch wie noch nie: Im
Durchschnitt gab jede:r Österreicher:in 2.080 Euro für
Onlineeinkäufe aus, 2024 waren es noch 1.840 Euro.
Rund sechs Millionen Menschen nutzten das E-Commerce-Angebot.
Etwas mehr als die Hälfte aller Ausgaben
im Distanzhandel fließt ins Ausland ab, so der
Bericht in der „Presse“. Allen voran dabei waren natürlich
die Onlineplattformen Amazon, Temu oder Shein.
Umfrage der Wirtschaftskammer
Die EU wird mit über 4 Milliarden Paketen von chinesischen
Onlinehändlern überflutet, davon landen
rund 80 Millionen Pakete in Österreich, eruierte auch
die Wirtschaftskammer. Eine repräsentative Umfrage
zeigt zudem, dass 41 Prozent der Österreicher:innen
in den letzten zwölf Monaten bei asiatischen Onlineplattformen
eingekauft haben – die Kategorien passen
gut zu dem Sortiment von Shein/Temu (Kleidung,
Mode, Billigartikel). Manfred Zaunbauer, SWVÖ-
Spartenobmann, weiß: „Websites und Onlinehandel in
Österreich sind seit Coronazeiten eine wichtige Stütze
des regionalen Handels geworden – und das in allen
06 Unternehmen Österreich 4 | 2025
cover
ONLINEVERSAND
Was für viele Betriebe in Österreich
ein zweites Standbein geworden
ist, wird bei Onlineplattformen aus
Asien zum Fluch.
Branchen. Er ergänzt den stationären Handel, macht
ihn sichtbarer. Gerade für die kleinen Unternehmen
ist es wichtig, vermehrt Präsenz zu zeigen.“
Österreich hinkt hinterher
Leider haben bis heute 70 Prozent der österreichischen
Händler:innen keine Website, geschweige denn einen
Onlineshop. „Wir sind hier Entwicklungsland und
müssen schnellstmöglich alles unternehmen, um diese
Quote stark zu verbessern. Da ist auch die Wirtschaftskammer
gefordert, die einen Teil der Rücklagen für
eine Digitalisierungsoffensive im Bereich E-Commerce
verwenden könnte“, so Zaunbauer. Für die digitalen
Herausforderungen gäbe es bereits jetzt die Möglichkeit
zur Lehre als E-Commerce-Kaufmann/-frau.
Kleine Betriebe als Erfolgsgaranten
„Österreichs Wirtschaft lebt von den kleinen Betrieben.
EPU und KMU sind unsere Erfolgsgaranten“, so
Manfred Zaunbauer weiter. „Seien es die kleinen Nahversorger
und regionalen Betriebe in den ländlichen
Gebieten, die für Arbeitsplätze und die örtliche Gemeinschaft
unerlässlich sind, oder die Nischenbetriebe,
die ihre speziellen Produkte auch außerhalb ihres
Standortes erfolgreich verkaufen.
Sie alle bieten die persönliche Beratung, das besondere
Einkaufserlebnis und das Eingehen auf einzelne
Wünsche. Dazu kommt eine zertifizierte Ware, der die
Kund:innen vertrauen können.“ Und das ist im Onlinebilligstsektor
meist nicht der Fall. Vor allem nicht
bei kleinen Paketen unter 150 Euro, die noch zollfrei
sind.
›
Unternehmen Österreich 4 | 2025
07
cover
EU beschließt Maßnahmen
Die Zollfreigrenze existiert seit über zehn Jahren und
sollte ursprünglich den bürokratischen Aufwand bei
Kleinsendungen verringern. Das hat in den vergangenen
Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen
kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die
EU geführt. Laut EU-Kommission waren 2024 täglich
rund zwölf Millionen Pakete aus Nicht-EU-Ländern in
der EU angekommen – deutlich mehr als in den beiden
Vorjahren. 91 Prozent aller E-Commerce-Importe
mit einem Wert von bis zu 150 Euro kamen 2024 laut
Angaben der EU-Kommission häufig aus China. Die
Anbieter: Onlineplattformen wie Shein, Temu und
AliExpress. Sie passieren bisher zollfrei und profitieren
von geringeren Kontrollen. So werden sie direkt
an Konsument:innen geliefert, ohne die in Österreich
notwendigen Qualitätskontrollen zu durchlaufen.
Franzosen wehren sich
Ursprünglich hatte die EU-Kommission vorgeschlagen,
die Zollfreiheit erst im Jahr 2028 abzuschaffen.
Aufgrund der Menge an Paketen, die in die EU geliefert
werden, protestierten viele Unternehmen.
Am lautesten protestierte die Bevölkerung in Paris:
Der chinesische Onlinehändler Shein eröffnete ausgerechnet
im berühmtesten Kaufhaus von Paris seine
erste Filiale in Frankreich – und empörte damit
Bürger:innen und Politiker:innen. Der Onlineriese
erlebt in Frankreich weiter starken Gegenwind:
Mehrere Handelsverbände verklagten Shein wegen
unlauteren Wettbewerbs. Das Geschäftsmodell
von Shein basiere auf der „Nichteinhaltung der in
Frankreich geltenden Vorschriften“, hieß es in einer
Mitteilung. Etwa hundert Marken schlossen sich
der Initiative an. Die Proteste gegen Shein richten
sich auch gegen das Überschwemmen des europäischen
Marktes mit synthetischer Billigkleidung. Die
Eröffnung weiterer Geschäfte in Frankreich wurde
auf unbestimmte Zeit verschoben.
EU beeilt sich diesmal
Handelskommissar Maroš Šefčovič schlug den EU-
Finanzminister:innen im Herbst vor, die sogenannte
De-minimis-Freigrenze bereits im ersten Quartal
2026 aufzuheben. Der geplante Zeitrahmen sei
„mit der Dringlichkeit der Situation unvereinbar“,
PERSÖNLICHE BERATUNG
Kleine regionale Betriebe haben alles,
was das Herz begehrt. Und es ist genug
Zeit, in Ruhe auszusuchen (o.).
MASSGESCHNEIDERT
Junge EPU sind online-affin. Sie nutzen
Websites und Onlineauftritte (r.).
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08
Unternehmen Österreich 4 | 2025
cover
FAST
FASHION.
Billige Einweg-
Produktionen
dienen oft nur
für eine Saison.
Danach werden
sie achtlos
entsorgt.
Wer denkt
schon daran,
unter welchen
Bedingungen
sie hergestellt
werden?
schrieb er den Finanzminister:innen. Diese „Wettbewerbsverzerrung“
müsse „unverzüglich beseitigt“
werden, betonte er. Keine Frage, dass auch Österreichs
Finanzminister Markus Marterbauer sofort
dafür votierte. Die Entscheidung folgt im Dezember
in Brüssel.
„Wir als SWV haben uns schon lange gegen Temu,
Shein & Co starkgemacht und freuen uns, dass das
nun in absehbarer Zeit eingedämmt wird“, sagt
Manfred Zaunbauer. „Dazu gehört auch unsere Abneigung
gegen die sogenannte Fast-Fashion-Ware.
Diese billigen Einweg-Produktionen, unter menschenverachtenden
Bedingungen hergestellt, dienen
oft nur für eine Saison. Danach werden sie achtlos
weggeworfen. Wie in Frankreich sollten auch wir
entschiedener gegen diesen Billigstsektor auftreten.“
Weitere geplante Maßnahmen der EU sind:
Hersteller:innen müssen künftig für den Müll ihrer
Kleidung zahlen („Erweiterte Herstellerverantwortung“).
Dadurch wird Wegwerfmode deutlich teurer.
Geplant sind weiters Mehrkosten pro Stück bei
extrem schneller, minderwertiger Mode.
QUALITÄT. Der SWV hat sich seit Langem gegen Temu, Shein & Co starkgemacht
und wir freuen uns, dass nun in absehbarer Zeit etwas geschieht.
Der SWV fordert weiters für die
Eindämmung von Ramsch-Produkten:
• Öko-Score & Umweltkennzeichnung: Kleidungsstücke
müssen mit Informationen über Umweltkosten,
Recyclingfähigkeit, CO₂-Ausstoß etc. versehen
werden.
• Finanzielle Abgaben/Ökosteuer für besonders
kurzlebige bzw. umweltschädliche Mode
• Werbe- & Marketingverbot: Angebote von Ultra-
Fast-Fashion dürfen nicht mehr aggressiv beworben
werden.
• Verpflichtung zur Ernennung eines in Österreich
ansässigen Bevollmächtigten für ausländische
Händler:innen. Dabei soll eine zustellungsfähige
juristische oder natürliche Person benannt werden
– damit Haftung, Kontrollen und Durchsetzung
möglich sind.
MIT GROSSEM
WEITBLICK.
SWVÖ-Spartenobmann
Manfred Zaunbauer
setzt
sich für faire
Wettbewerbsbedingungen
im Handel ein.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
09
aktuell
Was für den Handel
geschehen muss
WEICHEN STELLEN. Beim ersten Businesstalk des neuen Präsidenten Bernd Hinteregger
ging es um den Wirtschaftsstandort Österreich. Hochkarätige Teilnehmer:innen
waren Ulrike Königsberger-Ludwig, Barbara Teiber und Rainer Will.
A
nfang Dezember lud Bernd Hinteregger
zum Politiktalk ins Utopia,
um den Wirtschaftsstandort Österreich
von allen Seiten zu beleuchten.
Vertreter:innen aus Gewerkschaft,
Bund und Handel trafen dabei auf
zahlreiche Gäst:innen, die der Diskussion
gespannt folgten. Sie zeigte auf, welche
Schwierigkeiten derzeit auf die kleinen Unternehmen
zukommen. Seien es die extrem hohe Inflation
und Teuerung, der nach wie vor angespannte
Arbeitsmarkt mit seinen fehlenden Facharbeitskräften
oder die oft mangelnde Wertschätzung für die
Wertschöpfung, die regionale Betriebe erwirtschaften.
Ein besonderer Schwerpunkt
lag dabei beim Handel, der dem
exponentiell wachsenden Druck
der Onlineriesen auf dem Billigstsektor
entgegenhalten muss. Was
ist nötig, um den wirtschaftlichen
Aufschwung und den Wettbewerb
wieder anzukurbeln? Mit
SWV-Präsident Bernd Hinteregger
sprachen Barbara Teiber, GPA-
Vorsitzende und Abg. z. NR,
Ulrike Königsberger-Ludwig,
Staatssekretärin für Gesundheit
und Konsumentenschutz,
und Handelsverband-CEO
Rainer Will.
Teuerung treffen uns alle unglaublich heftig. Die Inflation
liegt derzeit bei 4,1 Prozent. Wir haben ein
katastrophales Budget übernommen. Die Sparpakete
treffen alle Ebenen: Bund, Länder, Gemeinden
und Kommunen. Da geht es vielfach um das Eingemachte.
Wichtig ist eine positive Dynamik. Mit bloßen
Einsparungen werden wir das Budgetloch nicht
stopfen können. Dazu brauchen wir weitere Maßnahmen
wie z. B. eine Digitalsteuer und die Minimierung
des Onlinehandels. Der Diskurs zwischen
den Sozialpartnern ist dabei ganz wichtig und muss
unbedingt aufrecht bleiben.“
Den Handel unterstützen
Rainer Will bekräftigte das große
Problem des Handels: Das Weihnachtsgeschäft
laufe gut, aber mehr
als 70 Prozent flössen davor schon
durch gezielte Rabatttage wie z. B.
den Black Friday ab. „Durch die In-
BEGRÜSSUNG.
Dir. Lucia Grabetz, Geschäftsführerin
des SWV, begrüßte die zahlreichen
Gäste.
INFLATION & TEUERUNG
Barbara Teiber traf es auf den
Punkt: „Die Inflation und
DIE TALKRUNDE.
Handelsverband-CEO Rainer Will, GPA-
Vorsitzende Barbara Teiber, Staatssekretärin
Ulrike Königsberger-Ludwig und SWVÖ-Präsident
Bernd Hinteregger (v. l. n. r.).
10
Unternehmen Österreich 4 | 2025
BREITER THEMENREIGEN.
Schwerpunkte waren u. a. die Inflation & Teuerung,
der Arbeitsmarkt, aktuelldie Sonntagsöffnungszeiten,
Aufschwung & Wettbewerbsfähigkeit.
ENGAGIERTE DISKUSSION.
Zahlreiche Vertreter:innen der Sparten und
Landesorganisationen waren zu Gast. Auch AK-
Präsidentin Renate Anderle gab sich die Ehre.
STEFAN DIESNER
auguration von Trump im Vorjahr hat sich das Onlinehandelsproblem
zugespitzt: Innerhalb eines Jahres
haben die Billigpakete in Europa um 60 Prozent
zugenommen. In den Staaten sind sie dagegen um
40 Prozent zurückgegangen. Pro Tag landen mittlerweile
100 sogenannte EU-Bomber mit je 200.000
Paketen an Bord in Budapest. Dort werden sie leger
deklariert, weil 50 Prozent der chinesischen Unternehmungen
nach Ungarn gehen, und dann werden
die für Österreich bestimmten Pakete von der Post
abgeholt und weiterverteilt. Dem Finanzminister
entgehen so Milliarden Euro an Einnahmen.“
Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig
bekräftigte, dass fast alle Produkte aus den Billigst-
Plattformen nicht dem österreichischen Standard
entsprächen: „Chemikalien in synthetischen (Kinder-)Kleidern,
krebserregende Materialien in Plastikspielzeug,
unerlaubte Konservierungsstoffe in Lebensmitteln
und vieles mehr – es ist unglaublich, mit
welchen zutiefst gesundheitsschädlichen Produkten
die Konsument:innen überschwemmt werden.“
Während EU-Lösungen zu lange dauern würden,
schlägt Rainer Will eine nationale Lösung vor: eine
Plattform-Haftung zur
korrekten Deklaration:
„Dann würde sich
auch der Staatshaushalt
positiv entwickeln“, so
Rainer Will.
Ein heißes Thema: die Sonntagsöffnungszeiten
SWV-Präsident Bernd Hintergger leitete die Diskussion
um die Sonntagsöffnungszeiten ein: „Wenn wir am
Wörthersee in den Sommermonaten nicht am Sonntag
geöffnet hätten, würden das weder die Tourist:innen
noch die Händler:innen verstehen, denn sie machen
ihren Hauptumsatz am Wochenende.“
Barbara Teiber machte darauf aufmerksam, dass
eine GPA-Befragung dieser Tage bei 20.000 Beschäftigten
ergab, dass 97 Prozent die Sonntagsöffnung
ablehnen, selbst bei doppelter Bezahlung. Der Sonntag
sei der einzige planbare Tag für familiäre Zusammenkünfte
und Treffen. 99 Prozent der kleinen
Händler:innen könnten sich das finanziell nicht leisten.
Das müsse auf Freiwilligkeit beruhen. Auch was
die Einrichtung von Tourismuszonen betrifft, sieht
Königsberger-Ludwig Schwierigkeiten – vor allem
für Wien: „Viele Bezirke sind durch dieselbe Straße
getrennt. Soll einer auf einer Straßenseite Tourismuszone
werden, der andere auf der gegenüberliegenden
Seite nicht?“ Da gäbe es noch viele Punkte,
die erst besprochen werden müssten.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
11
aktuell
VOLLER ELAN.
Der neue SWV-
Präsident Mag. Bernd
Hinteregger hat
bereits viele Pläne für
die Zukunft des SWV
Österreich.
Eine STARKE STIMME
für die KLEINEN
FRISCHER WIND. Mit Mag. Bernd Hinteregger gibt es einen Wechsel an der
Spitze des SWV Österreich. Wir baten ihn und seine Vizepräsidentinnen
Dr.in Petra Oberrauner und Mag.a Carina Schmidseder zum Gespräch.
Herr Präsident, Sie sind Eigentümer der
Hotelgruppe „HB1 Hotels“. Ein für Sie wichtiger
Teil des Unternehmens ist der Bereich
der Hotelsanierungen. Darüber hinaus sind
Sie Investor mit zahlreichen Firmenbeteiligungen
und machen sich für die Start-up-
Szene stark. Was hat Sie dazu bewogen, für
den SWV-Präsidenten zu kandidieren?
HINTEREGGER: Ich bin seit 26 Jahren in der
Wirtschaft und seit 20 Jahren Unternehmer. Und
seit 2020 Mitglied der Investorenrunde bei der
Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf Puls 4,
die mir sehr wichtig ist. Ich habe alle Höhen und
Tiefen des Unternehmertums kennengelernt. Vor
fünf Jahren bin ich dem SWV beigetreten und das
gleich zweifach: Ich bin sowohl in Wien als auch
in Kärnten als Mitglied gelistet. Als ich von verschiedenen
Landtagspräsidenten angefragt wurde,
habe ich mich beworben.
Wofür steht für Sie der SWV?
Der SWV ist eine ganz starke Stimme für die kleinen
und mittleren Betriebe. Sie sind der Erfolgsgarant
für die österreichische Wirtschaft. Deshalb
verdienen sie die bestmögliche Unterstützung. Ich
möchte sie erfolgreich gegen die Industriellenvereinigung
unterstützen. EPU und KMU sollen endlich
die Anerkennung erhalten, die sie seit Langem
verdienen.
VICKY POSCH, TVSALON
12
Unternehmen Österreich 4 | 2025
aktuell
Auf welche Erfolge Ihres langjährigen Vorgängers
kann der SWV stolz sein?
Christoph Matznetter hat es nicht nur gut geschafft,
den SWV im Parlament zu vertreten.
Immer wieder war er auch sehr erfolgreich, die
SWV-Anliegen im WK-Parlament durchzubringen.
Ich bin dankbar und froh, darauf aufbauen
zu dürfen.
Welche bisherigen Anliegen des SWV sollen
weitergeführt werden?
Die Wertschöpfung, die
das Fundament einer gesunden
Wirtschaft ist.
Gerade kleinere Betriebe,
Selbstständige und innovative
Dienstleister:innen
zeigen, wie durch
Eigeninitiative,
Kund:innenorientierung
und Fachwissen echte
Werte geschaffen werden.
Auch die Vorschläge,
Amazon & Co einzudämmen,
sollten weiterverfolgt
werden.
Ich habe mich wieder
als Vizepräsidentin
des SWV zur Wahl
gestellt, weil es mir
besonders wichtig
ist, Frauen in der
Wirtschaft zu stärken
sowie unbürokratische
Förderungen und
praxisnahe Forschung
zu ermöglichen, damit
unsere KMU nachhaltig
profitieren.
Außerdem ist die
Kommunikation
zwischen SWV und
Nationalrat eine gute
Basis, diese Bereiche
anzusprechen.
Dr.in Petra Oberrauner,
Vizepräsidentin des SWV
Österreich und Abgeordnete
zum Nationalrat
Start-ups sind Ihre
Herzensangelegenheit
…
Start-ups sind für Österreich
enorm wichtig. Wir
brauchen dringend neue Ideen
und deren Unterstützung.
Deswegen bin ich auch bei der
Start-up-Show „2 Minuten
2 Millionen“ dabei. Wir unterstützen
aufstrebende, visionäre
Jungunternehmer:innen
bei ihrer Präsentation. Ist sie
erfolgreich, gibt es am Ende
womöglich ein gewaltiges
Startpotenzial.
Viele Neo-
Gründer:innen
kämpfen immer
wieder mit
den gleichen
Schwierigkeiten
und Problemen.
Mit anderen
Unternehmer:innen
ist schon vor einigen Jahren
die Idee gereift, eine Initiative
vorzubereiten, die für
EPU, Start-ups und Unternehmensgründungen
die
bestmöglichen Rahmenbedingungen
und Voraussetzungen
schafft.
Was haben Sie vor?
Ein Start-up-Beteiligungsfonds,
von österreichischer
Hand eingerichtet, könnte
Abhilfe schaffen. Dieser
Fonds sollte sich vor allem
um innovative Ideen zur
erneuerbaren Energie, um
Projekte für die Natur, z. B.
zur Reduktion von CO2, um
digitale Neuerungen zur KI
oder zur Vereinfachung von
Arbeitsvorgängen drehen.
Was möchten Sie für den SWV verwirklichen?
Mir ist ganz wichtig, dass wir bei der
nächsten Wirtschaftskammerwahl 2030 wieder an
zweiter Stelle stehen. Sehr wichtig sind mir zudem
die EPU, die sich durch den Dschungel an finanziellen
Anforderungen kämpfen müssen. Hier
möchte ich umsetzen, dass EPU in den ersten zwei
Jahren nur 49 Euro monatlich als Wirtschaftskammer-Beitrag
zahlen, danach 99 Euro bis zu
200.000 Euro jährlichen Umsatz.
Ich möchte als
SWV-Vizepräsidentin
die österreichweite
Zusammenarbeit an
Projekten für EPU
und Kleinunternehmen
weiter stärken.
Besonders wichtig
ist mir, Bewährtes
fortzuführen und
neue Ideen konsequent
weiterzudenken.
Ich freue mich
auf die kommenden
Herausforderungen
und werde mich mit
voller Leidenschaft für
unseren SWV
engagieren.
Mag.a Carina Schmidseder,
Vizepräsidentin des
SWV Österreich
Unternehmen Österreich 4 | 2025
13
Neuer Präsident gew
des SWV Österreich mark
aktuell
WECHSEL. Nach der langjährigen Präsidentschaft
Christoph Matznetters wurde nun
Bernd Hinteregger zu seinem Nachfolger.
AKKLAMATION.
Mit Standing Ovations
ernannten die Delegierten
den langjährigen
SWV-Präsidenten
Dr. Christoph Matznetter
nach seiner
Rede zum Ehrenpräsidenten
14des SWV.
In Salzburg trafen einander 146 Delegierte aus allen
Bundesländern, um die zentralen Weichen für
die kommenden Jahre zu stellen. Die Stimmung
war von Aufbruch, Erwartung und intensiven politischen
Diskussionen geprägt. Im Zentrum des
Treffens stand die Wahl des neuen Präsidenten.
Mit 85,52 Prozent
Zustimmung wurde der
Kärntner Hotelier und
Unternehmer Bernd
Hinteregger zum neuen
Präsidenten des SWV
Österreich gewählt. Er
übernimmt damit die
Führung des Bundesverbands.
EHRENGAST.
SPÖ-Staatssekretärin
Michaela Schmidt bekräftigte
die Vorhaben
des SWV. In seiner ersten
Rede betonte auch
Bernd Hinteregger
den klaren Auftrag,
der vom SWV kommt.
Ein starkes Mandat für
Bernd Hinteregger
Der Moment der Verkündung
des Wahlergebnisses
zählte zu den prägendsten
Augenblicken des Tages. Als Hinteregger mit
breiter Mehrheit gewählt wurde,
erfüllten Applaus und Zustimmung
den Saal. Die Delegierten
würdigten damit nicht
nur seine langjährige Erfahrung
als Unternehmer, sondern auch
seine Haltung, Wirtschaft und
soziale Verantwortung konsequent
zu vereinbaren. In seiner ersten Ansprache
als Präsident sprach Hinteregger
von einem klaren Auftrag. Er kündigte an,
die Strukturen des Verbands weiterzuentwickeln
und eine Bewegung zu stärken, die
wirtschaftliche Stärke mit sozialer Gerechtigkeit
verbindet. Seine Worte trafen sichtbar
den Nerv der Delegierten, die seine Botschaft
mit positiver Resonanz aufnahmen.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
CHRISTOPH HAUBNER
aktuell
ählt: Der Verbandstag
iert einen Wendepunkt
EMOTIONEN.
Bundesgeschäftsführerin
Lucia Grabetz (l. o.)
und Vizepräsidentin
Carina Schmiedseder (l. u.)
bewegten in ihren Reden
Vergangenheit und Zukunft;
Alexander Safferthal,
Vizepräsident des SWV
Wien und SWV Ö-Spartenobmann,
überreichte
Christoph Matznetter die
Ehrenurkunde des SWV.
Politische Signale und
klare Erwartungen
Die Diskussionen während
der Tagung machten unmissverständlich
deutlich,
dass der SWV eine zunehmend
aktive Rolle in der Wirtschaftspolitik einnehmen
soll. Zahlreiche Delegierte sprachen die drängendsten
Anliegen der kleinen und mittleren Unternehmen an.
Genannt wurden unter anderem realistische Entlastungspakete,
faire Rahmenbedingungen in Energie
und Finanzierung sowie Maßnahmen zur Sicherung
von Arbeitskräften. In vielen Wortmeldungen kam der
Wunsch nach einer Politik zum Ausdruck, die praktische
Verbesserungen schafft und nicht bei abstrakten
Formulierungen stehen bleibt. Hinteregger bekam damit
ein klares Erwartungsbild mit auf den Weg: Der
Verband soll mutig Position beziehen, Debatten vorantreiben
und sowohl wirtschaftliche als auch soziale
Fragen gleichwertig vertreten.
Harmonischer Übergang und große Würdigung für
Christoph Matznetter
Besonders emotional wurde es, als Christoph Matznetter
nach zwei Jahrzehnten an der Spitze
verabschiedet wurde. Nach seiner Rede
erhoben sich die Delegierten und ernannten
ihn per Akklamation zum Ehrenpräsidenten
des SWV Österreich.
Viele nutzten die Gelegenheit, ihm persönlich
für seine jahrzehntelange Arbeit
zu danken und seine Rolle als prägende
Figur des Verbands zu würdigen.
Die Übergabe an Hinteregger wurde als gelungener Generationenwechsel
erlebt, der Zuversicht und Energie
ausstrahlte. Matznetter betonte, wie wichtig es sei, die
Interessen der kleinen und mittleren Betriebe weiterhin
ins Zentrum zu stellen. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt,
dass sein Nachfolger diesen Kurs entschlossen
fortführen wird.
Kurs auf die Zukunft
Deutlich wurde an diesem Tag auch, dass der Verband
vor entscheidenden Jahren steht. Die Delegierten zeigten
klar, dass sie eine sichtbare und schlagkräftige Interessenvertretung
wollen, die ökologische, wirtschaftliche
und soziale Zukunftsfragen zusammenführt und im politischen
Raum mit starker Stimme vertritt.
Mit Bernd Hinteregger an der Spitze beginnt eine Phase,
in der der SWV seine Rolle neu schärfen und gestärkt in
die kommenden Herausforderungen gehen kann. Die
breite Zustimmung, die intensiven Diskussionen und
der geschlossene Rückhalt für die neue Führung machten
diese Tagung zu einem der wichtigsten Ereignisse
der vergangenen Jahre. Nun wird es darauf ankommen,
wie der neue Präsident die Impulse des Treffens in konkrete
politische Arbeit übersetzt.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
15
porträt
Mit Leidenschaft
und großem Einsatz
TRADITION. Bereits in der 4. Generation übernimmt Michelle Wishofer,
noch gemeinsam mit ihren Eltern, den Familienbetrieb „Zuckerwatte“.
Herzlich und entspannt werden wir
am Standl am Weihnachtsmarkt in
Hirschstetten empfangen. Die designierte
Jung-Chefin Michelle Wishofer
begrüßt uns mit einem strahlenden
Lächeln. „Diese Wochen am Markt
sind mein Ein und Alles! Schon als
4-Jährige bin ich mit meinen Eltern
hier gewesen. Das war vor 21 Jahren,
ein Jahr nach der ersten Eröffnung“,
erzählt sie und schwelgt in Erinnerungen.
„Wir waren damals auf vielen
Kirtagen und Bezirksfesten in
Wien unterwegs, Hirschstetten war
aber für mich immer der absolute
„Schon als 4-Jährige
bin ich mit meinen
Eltern am Weihnachtsmarkt
in Hirschstetten
gewesen. Diese wunderbare
Tradition will
ich unbedingt weiterführen.“
Michelle Wishofer
Höhepunkt.“ Warum? „Es war und ist diese familiäre
Atmosphäre, die mich stets mitgenommen hat. Wir
Standler:innen kennen einander seit vielen Jahren. Fast
alle sind von Beginn an dabei und es ist jedes Jahr ein
fröhliches Wiedersehen. Eine richtige Gemeinschaft,
die fest zusammenhält. Vor ein paar Jahren haben wir
sogar Engerl und Bengerl untereinander gespielt.“ Als
treue Begleiterinnen stets an ihrer
Seite: Patentante Christiane Kugler,
Besitzerin von „Nane’s Kinderwelt“,
und die langjährige Mitarbeiterin Silvia
Scharizer. „Diesen Weihnachtsmarkt
geben wir nie auf“, sind sich
alle einig.
Standlerleben
Das Marktleben verlangt von jeder
Familie viel ab. „Nur an auftragsfreien
Wochenenden und saisonal gab
es eine Pause. Vor allem von Anfang
Herbst bis Weihnachten herrschte Hochbetrieb. Für
uns Kinder hieß das: nach der Schule ab zum Standl.
Auch Weihnachten wurde nicht üppig gefeiert. Aber
Zuckerwatte
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TREUE BEGLEITERINNEN.
Seit vielen Jahren stets an der Seite: Patentante Christiane
Kugler und Mitarbeiterin Silvia Scharizer (v. l. n. r.).
LUDWIG SCHEDL
16
Unternehmen Österreich 4 | 2025
porträt
HANDGEFERTIGT.
Maroni, natürlich nur im Holzofen
gebraten, Zuckerwatte und in
Schokolade getauchtes Obst –
alles ist selbst gefertigt.
es war auch immer etwas Besonderes, das alle anderen
in der Klasse nicht hatten“, erinnert sich Michelle. Der
Betrieb stammt von den Urgroßeltern, die noch als
Marktfahrer an jedem Wochenmarkt in den Bezirken
ihre Waren anboten. Von der Großmutter über Michelles
Mutter gelangt das Unternehmen nun in absehbarer
Zeit in ihre Hände. Ihr älterer Bruder Marco ist
gelernter Binnenschifffahrer und in der viadonau tätig.
„Aber er hilft nach wie vor beim Auf- und Abbau des
Standls“, ist Michelle Wishofer dankbar.
Zweiter Berufsweg
Auch Michelle steht vor dem Abschluss eines weiteren
Berufswegs: „Unsere Eltern haben uns immer auf eine
Ausbildung fernab des Marktlebens vorbereitet und
dazu ermuntert.“ Nach einem kurzen Schnuppern ins
Studium der Pharmazie und Chemie entschied sie sich
für den Lehrberuf in Französisch und Englisch. „Ich
habe ein wunderbares Semester an der Sorbonne in Paris
verbracht“, schwärmt sie. Derzeit macht sie noch kurze
Zeit eine Masterpraxis in einer Schule im 18. Bezirk.
Wie sich das später mit ihrem Betrieb ausgehen wird?
„Ich arbeite gerne und
viel. Schon während
des Studiums habe
ich alles rund um den
Christkindlmarkt in
Hirschstetten geplant
und die Prüfungen in
den Sommersemestern
absolviert“, lacht sie.
Erfolgreiches Catering
Heute steht das Zuckerwatte-Standl neben dem Reindorf-Fest
im 15. Bezirk ausschließlich bei ausgewählten
Veranstaltungen in der Donaustadt. „Hier bin ich geboren,
aufgewachsen und hier lebe ich“, sagt sie einfach.
Dennoch ist sie weiter in ganz Wien vertreten. Ihr Vater
eröffnete vor einigen Jahren ein weiteres erfolgreiches
Standbein: das Catering mit traditionellen Maronibrätern
oder einem Zuckerwatte-Stand, in dem die handgesponnene
Watte in sämtlichen Farben live zubereitet
wird. Auch ein Popcornstand mit vor Ort frisch geröstetem
Popcorn steht bereit. Das „Süße Catering“ wiederum
kann nach Lust und Laune selbst zusammengestellt
werden – vom Schokoobst bis zu den gebrannten
Mandeln ist alles handgefertigt. „Jede Veranstaltung ist
einzigartig. Wir helfen dabei“, so Michelle Wishofer.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
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porträt
FAMILIENBETRIEB. 1955
gegründet, durchlief das
Geschäft mehrere Verwandlungen,
bis es heute
ein renommiertes Blumenstudio
geworden ist.
MEISTERIN.
Claudia Wittner wird
den Betrieb nach der
Pensionierung ihrer
Mutter Gudrun übernehmen.
Und das in
vierter Generation.
Sie sieht so jung aus, dass
man ihr gar nicht glauben
kann, dass sie drei
Kinder im Alter von fünfzehn,
dreizehneinhalb und
zwölf Jahren hat. „Leider
interessieren sie sich gar
nicht für den Betrieb“, erzählt Mutter
Claudia Wittner. Doch wer weiß, was
die Zukunft bringt ... Das Sprichwort
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“
trifft jedenfalls voll auf sie zu. „Obwohl
oder vielleicht gerade weil ich im Familienbetrieb
aufgewachsen bin, wollte
ich das Geschäft
in meiner Jugend
keinesfalls übernehmen“,
lacht sie.
Der Betrieb, 1955
in Kuchl von ihrer
Urgroßmutter gegründet,
hatte zunächst
den Schwerpunkt
auf Obst und Gemüse. Blumen
wurden nur zusätzlich verkauft. Bereits
ihre Großmutter verwandelte ihn in ein
reines Blumengeschäft. Mit ihrer Mutter
Gudrun wuchsen Claudia und ihre
Brüder im Betrieb auf. „Als ich noch
klein war, hat sie mich aus den Resterln
Blumenstraußerln binden lassen, sie danach
‚verkauft‘ und mir ein paar Schilling
übergeben“, schmunzelt Claudia
Wittner.
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Über Umwege zur Floristin
Diese kleine Täuschung brachte zunächst
nicht den gewünschten Erfolg.
Nach der Handelsakademie absolvierte
Claudia die Lehre zur Grafikerin. „Für
mich kann nur ein kreativer Beruf zur
Berufung werden“, erzählt sie. Einige
Jahre arbeitete sie erfolgreich in diesem
Metier. Aber als es darum ging, irgendwann
die Nachfolge im Blumengeschäft
anzutreten, gab es für sie keine Alterna-
Florale
Frauen-
Power
18
Unternehmen Österreich 4 | 2025
porträt
FÜR JEDEN ANLASS.
Am liebsten kreieren
Gudrun und Claudia
Wittner Auftragsfloristik
für Events,
Raum- und Schaufensterdekorationen.
BLUMEN NIEBAUER
tive. „Meine drei Brüder wollten den Betrieb nicht
übernehmen. Ich musste mich also entscheiden.“ Da
Claudia Wittner eine Perfektionistin ist, machte sie
Nägel mit Köpfen und absolvierte die Floristiklehre
bis zur Meisterin. „Ich bin in der Familie die einzige
gelernte Floristin“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Damit
war der Grundstein vom herkömmlichen Blumengeschäft
zur kreativen Auftragsfloristik gelegt.
Individuelles Sortiment
Ob saisonale Angebote, Hochzeiten, Beerdigungen
oder die Dekoration für Räume, Schaufenster und
Events jeder Art:
„Das Wichtigste
dabei ist das
Handwerk, nicht
das Basteln“, sagt
Claudia
Wittner.
„Wir werden aus
den Materialien heraus
kreativ.“ So werden
jährlich 250–300 Adventskränze
selbst hergestellt
– für jeden Geschmack ist
etwas dabei. Natürlich auch nach
persönlichen Kund:innenwünschen.
„Man muss sich gerade in diesem Bereich
von dem Angebot in den Baumärkten besonders abheben.
Sie werden zwar immer besser, bleiben aber
dennoch die üblichen Massenprodukte“, weiß sie.
Besonders am Herzen liegen ihr und ihrer Mutter
die Blumenbegleitungen bei Hochzeiten, Events und
Beerdigungen. „Dabei ist vor allem entscheidend,
die Stimmung für den jeweiligen Anlass zu treffen
und einzufangen. Wir nehmen uns dafür immer viel
Zeit für Gespräche, machen Vorschläge und sind
erst glücklich, wenn die Auftraggeber:innen zufrieden
sind.“ Zwei Mitarbeiter:innen hat ihr Betrieb;
mit Gudrun und Claudia Wittner sind es vier. „Wir
suchen weitere Mitarbeiter:innen, aber das ist nicht
so leicht.“ Für Claudia hat sich jedenfalls ein neuer,
erfüllender Beruf aufgetan: „Er ist, wie früher die
Grafik, zu meiner zweiten Berufung geworden.“
Unternehmen Österreich 4 | 2025
19
aus den bundesländern
NÖ: „Wir stehen für ENTLASTUNG, SOZIALE
SICHERHEIT UND ECHTE MITBESTIMMUNG!“
Selbstständigen das Leben erleichtern:
Das ist das Ziel des Sozialdemokratischen
Wirtschaftsverbands
(SWV) NÖ. Beim Wirtschaftsparlament
der WKNÖ am 12. November
wurden dazu drei Anträge eingebracht.
Verzugszinsen: Keine Strafsteuer
auf Krisen
„Wenn ein Unternehmen eine Zahlung
an die SVS, das Finanzamt oder die
ÖGK nicht fristgerecht leisten kann,
zahlt es derzeit bis zu 7,03 % Verzugszinsen.
Beim Finanzamt liegen Umsatzsteuerzinsen
bei 3,53 %, Stundungszinsen
sogar bei 6,03 %“, erklärt KommRin
Martina Klengl, Vizepräsidentin des
SWV NÖ. „Diese Sätze sind völlig unangebracht,
nicht nur in der aktuell
wirtschaftlich schwierigen Situation,
und treffen gerade jene, die es ohnehin
schon schwer haben – durch die
flaue Konjunktur, durch Krankheit,
Auftragsausfälle oder horrende Kosten
aufgrund der enormen Inflation. Diese
Zinsen sind kein Anreiz für Pünktlichkeit,
sondern eine Strafsteuer auf
Krisen und sollen auf ein deutlich niedrigeres,
angemessenes, marktübliches
Niveau gesenkt werden.“ Diesem Antrag
haben alle Fraktionen einstimmig
zugestimmt.
Einig. SWV NÖ (v. l. n. r.): vorne: Alfred Strohmayer MSc., MBA, Spartenvorsitzender des SWV NÖ im
Gewerbe und Handwerk, KommR Albert Kisling MSc., MAS, Spartenvorsitzender des SWV NÖ Information
und Consulting; hinten: KommR Ing. Christian Freitag, Spartenvorsitzender des SWV NÖ und SWVÖ im
Transport und Verkehr, Senator KommR Manfred Rieger, Vizepräsident des SWV NÖ und Spartenvorsitzender
im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft, Mag.a Ing. DI Marion Medlitsch, Spartenobmann-Stv.in in
der Industrie der WKNÖ, KommR Thomas Schaden, Präsident des SWV NÖ und Vizepräsident der WKNÖ,
und KommRin Martina Klengl, Vizepräsidentin des SWV NÖ und Spartenvorsitzende im Handel.
Selbstständige im Insolvenzfall
besser absichern
Der Anstieg bei Unternehmensinsolvenzen
setzt sich laut Kreditschutzverband
KSV 1870 fort. Besonders EPU
sowie kleine und mittlere Betriebe
kämpfen mit der Teuerung und den hohen
Energiepreisen. „Es ist unbedingt
notwendig, Unternehmer:innen nach
Zurücklegung des Gewerbes und speziell
auch im Extremfall einer Insolvenz
besser abzusichern“, fordert SWV-NÖ-
Vizepräsident Senator KommR Manfred
Rieger. „Derzeit ist es so, dass die
Pflichtversicherung mit Ende des Monats
erlischt, in dem das Gewerbe zurückgelegt
oder ruhend gestellt wurde.
Danach greift die Nachversicherung,
die generell auf 13 Wochen verlängert
werden soll.“ Dieser Antrag wurde im
Wirtschaftsparlament auch einstimmig
angenommen.
Einfacher und direkter Zugang zur
Wirtschaftskammerwahl
„Die Bedeutung der Sozialpartnerschaft
für die österreichische Wirtschaft ist
auch in Zukunft enorm,
nicht zuletzt durch die dynamische
Entwicklung der
Arbeitswelt“, meint SWV-
NÖ-Präsident KommR
Thomas Schaden. „Deswegen
ist eine hohe Wahlbeteiligung
bei der WK-Wahl
wichtig. Bei der WK-Wahl
2025 sank in Niederösterreich
die Wahlbeteiligung
jedoch – von rund 41 % im
Jahr 2020 auf knapp 24 %.
Dieser alarmierenden Entwicklung
muss entgegengetreten
werden.“ Der Wirtschaftsverband
NÖ verlangt
daher, dass alle Wahlberechtigten
automatisch
eine Wahlkarte per Post
zugestellt bekommen. Jene,
die eine ruhende Gewerbeberechtigung
haben, sollen
auch automatisch wählen
dürfen. Wenn die Briefwahl
erleichtert wird, braucht es
nur noch ein Wahllokal pro
Bezirk, das an einem Tag geöffnet
hat, nicht mehrere.“
Dieser Antrag wurde leider
abgelehnt.
SWV NÖ
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Unternehmen Österreich 4 | 2025
STMK: Gemeinsame Aktion von
SWV UND DEN SPÖ BAUERN
aus den bundesländern
Auftakt. Gemeinsame Aktion des SWV und der SPÖ Bauern in der Steiermark. Zum
Wahlkampfauftakt von Andreas Mekis – Spitzenkandidat für die Landwirtschaftskammerwahlen
im Jänner 2026 – wurde zu einer gemeinsamen Wanderung im Generationenwald
geladen. Anschließend ließ man den Tag mit guten Gesprächen bei Sturm und
Maroni ausklingen.
SWV STEIERMARK, VORARLBERG
VBG: VORARLBERGS HANDEL IM WANDEL –
lokal stark, digital gefordert
Starke Stimme. Der Handel in Vorarlberg
befindet sich 2025 in einer
Phase großer Veränderungen. Mit
mehr als 2.000 Handelsbetrieben und
rund 21.000 Beschäftigten bleibt die
Branche ein zentraler Motor unserer
Wirtschaft – doch der Druck steigt.
Digitalisierung, verändertes Konsumverhalten
und die regionale Grenzlage
stellen Unternehmer:innen vor neue
Herausforderungen.
Kund:innen erwarten heute beides:
digitale Sichtbarkeit und persönliche
Betreuung. Ohne Onlinepräsenz, aktuelle
Informationen und moderne Services
wird es zunehmend schwierig, im
Wettbewerb zu bestehen. Gleichzeitig
bleibt das, was den stationären Handel
ausmacht – Beratung, Service, Regionalität
– ein unverzichtbarer Vorteil.
Erfolgreich sind jene Betriebe, die beides
verbinden: digitale Kompetenz und
ein starkes Erlebnis vor Ort.
Auch die Standortfrage wird immer
wichtiger. Ortskerne profitieren, wenn
Infrastruktur, Gastronomie und Handel
ineinandergreifen. Randlagen geraten
unter Druck: Sinkende Frequenz
und Leerstände zeigen, wie sensibel der
Handel auf Standortqualität reagiert.
In einer Grenzregion wie Vorarlberg
SWV-Präsident
Michael
Andreas
Egger.
kommt hinzu, dass Kaufkraft sowohl
zufließt als auch abwandert – abhängig
von Preisniveau, Zollregelungen und
Onlineangeboten.
Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband
Vorarlberg setzt sich deshalb
für faire Rahmenbedingungen ein:
digitale Unterstützung für KMU und
EPU, eine aktive Standortpolitik, die
lebendige Ortskerne stärkt, und klare
Regeln im Wettbewerb mit internationalen
Plattformen.
SWV-Präsident Michael Andreas
Egger betont:
„Wenn wir den lokalen Handel zukunftsfit
machen wollen, brauchen wir
digitale Kompetenz, faire Spielregeln
und echte Standortpolitik – nicht nur
Sonntagsreden.“
Der Handel im Ländle steht vor großen
Aufgaben – aber auch vor großen
Chancen. Wer Regionalität, Service
und Digitalisierung verbindet, wird
weiterhin stark bleiben.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
21
aus den bundesländern
Unternehmer:innen-Preis
des Wirtschaftsverbands NÖ
NÖ: Move on: WALDVIERTLER
BETRIEBE vor den Vorhang!
Ausgezeichnet. Es ist das Gala-
Event des Jahres: Move on, der
Unternehmer:innen-Preis, den der
Sozialdemokratische Wirtschaftsverband
(SWV) NÖ in Kooperation mit
dem Verband sozialdemokratischer
Gemeindevertreter:innen (NÖ GVV)
in den ländlichen Regionen des Waldviertels
vergibt. Dieses Jahr wurden die
Gewinner:innen am 4. November nach
Zwettl in den Waldviertlerhof in Langschlag
eingeladen.
Insgesamt 14 Unternehmer:innen
aus Horn, Gmünd, Waidhofen/T.,
Zwettl und Krems wurden in
den folgenden Kategorien ausgezeichnet:
Jungunternehmer:innen,
Einpersonenunternehmer:innen, Unternehmerinnen
sowie innovative und
nachhaltige Unternehmen. Ein Preis
wurde für das Lebenswerk vergeben.
Über den ersten Platz freuten sich
folgende Betriebe: In der Kategorie
„Jungunternehmer:innen“ gewann Nina
Grünstäudl mit ihrem „Nah & Frisch“-
Hybridmarkt in Gutenbrunn.
Den ersten Preis bei den „Unternehmerinnen“
holte sich Sonja Sigmund,
Inhaberin des Friseursalons „Sonjas
Friseur Team“ in Horn, und in der
Kategorie „Einpersonenunternehmen“
konnte Harald Dudas aus Mautern an
der Donau mit seiner VIWE OG den
ersten Preis mit nach Hause nehmen.
In der Kategorie „Innovativ und nachhaltig“
erhielten Evelyn und Michael
Ettenauer sowie Bernhard Lehmerhofer
mit der Etronix Ettenauer GmbH
aus Grunddorf den ersten Preis.
Besondere Ehrung
Die besondere Move-on-Auszeichnung
für das Lebenswerk ging heuer an Johann
Rabls Schuhhaus Rabl/Pfeffer.
Thomas Schaden hob in seinen Grußworten
hervor, dass Innovation auch
regional ist: „Gerade kleine Betriebe
in den ländlichen Bereichen erschaffen
Zukunft, sind eine wichtige Säule der
Wirtschaft und generieren Arbeitsplätze.
Und genau diese Betriebe wollen
wir heute ehren und feiern!“
„Wenn die Wirtschaft in den Regionen
nicht funktioniert, funktioniert die
Region nicht. Deshalb ist es wichtig,
die kleinsten Betriebe mit ihrem Mut
und ihrer Tatkraft vor den Vorhang zu
holen“, betonte Staatssekretärin Ulrike
Königsberger-Ludwig in ihrer Festrede
und gratulierte allen Gewinner:innen
herzlich. „Wir sind vor sieben Jahren
mit Move on in Zwettl gestartet, haben
das Event in alle Bezirke im Waldviertel
gebracht und heute starten wir in
die zweite Runde. Das zeigt, wie vielfältig
das Waldviertel an Branchen und
Innovationskraft ist!“, freute sich Herbert
Kraus, Initiator von Move on und
Bezirksvorsitzender des SWV Zwettl.
TIROL: ZOLLFREIGRENZE IN DER DISKUSSION –
faire Chancen für heimische Betriebe gefordert
Faire Chancen.
KommR Mst.
Michael Kirchmair,
Präsident des SWV
Tirol, fordert faire
Wettbewerbsbedingungen
für
heimische
Betriebe.
Die Europäische Union verhandelt
derzeit über die
Abschaffung der bisherigen
Zollfreigrenze von 150 Euro
für Importe aus Drittstaaten.
Ziel der Reform ist es, Wettbewerbsverzerrungen
zu verringern,
die durch zollfreie
Kleinsendungen aus dem
außereuropäischen Raum
entstehen. Die Diskussionen
laufen aktuell in Brüssel, wo
die EU-Wirtschafts- und
-Finanzminister:innen die
Details ausloten. „Das ist
längst überfällig“, meint Michael
Kirchmair, Präsident
des SWV Tirol. Kirchmair
sieht in der geplanten Maßnahme
eine Chance, die
Rahmenbedingungen für
heimische Handelsbetriebe
zu verbessern: „Unsere
Unternehmer:innen stehen
im Wettbewerb mit Anbietern,
die unter völlig anderen
Bedingungen verkaufen“, so
Kirchmair.
Die Reform sieht ein digitales
Erfassungssystem vor,
das jede Sendung lückenlos
dokumentieren soll. So sollen
sowohl Zollbehörden
als auch Händler:innen den
Überblick behalten. „Nur
mit transparenter Erfassung
kann ein fairer Wettbewerb
gewährleistet werden“, sagt
Kirchmair. Dabei wird auch
der heimische Handel entlastet,
weil die Betriebe wieder
konkurrieren könnten.
SWV TIROL. NÖ
22 Unternehmen Österreich 4 | 2025
aus den bundesländern
WIEN: 40-köpfige CHINESISCHE
WIRTSCHAFTSDELEGATION zu Gast in Wien
Verbindend. Am 10. November besuchte
eine 40-köpfige Delegation aus
der Provinz Zhejiang im Südosten
Chinas nahe Shanghai den Sozialdemokratischen
Wirtschaftsverband in
Wien. Empfangen wurden die Gäste
von SWV-Österreich-Präsident Bernd
Hinteregger und SWV-WIEN-Präsident
Marko Fischer. Angeführt wurde
die Delegation von Chen Jianzhong,
Chairman des China Council for the
Promotion of International Trade Zhejiang
(CCPIT), sowie dem Botschaftsrat
der Republik China in Österreich,
Zheng Xuan.
Top. (v. l. n. r.): Marko Fischer, Bernd Hinteregger, CCPIT-Chairman Chen
Jianzhong und Botschaftsrat Zheng Xuan nach der Unterzeichnung.
China ist bereits Österreichs viertgrößter
Handelspartner
„China ist Österreichs viertgrößter
Handelspartner – über die Hälfte unserer
Wirtschaftsleistung geht ins Ausland.
Kooperationen wie diese schaffen
Wachstum und sichern Arbeitsplätze“,
betonte Bernd Hinteregger.
Marko Fischer unterstrich die Rolle
Wiens als Exportdrehscheibe: „In Wien
bündeln sich die Güter aus ganz Österreich
– von Maschinen über Fahrzeuge
bis zu Pharmaprodukten und Lebensmitteln.
Unsere Stadt ist damit die Brücke
nach Ostasien.“
Rund 650 österreichische Unternehmen
in China tätig
Insgesamt sind rund 650 österreichische
Unternehmen mit 900 Niederlassungen
in China aktiv, das Investitionsvolumen
beträgt 6,3 Milliarden
Euro. Mit einem Forschungs- und Entwicklungsanteil
von 3,2 Prozent des
BIP zählt Zhejiang zu den innovationsstärksten
Regionen Chinas. „Gerade in
den Bereichen Digitalisierung, KI und
nachhaltige Produktion sowie dem
Tourismus liegen große Chancen für
beide Seiten“, so Hinteregger. Abschließend
lud der Präsident die Delegation
in sein Heimatbundesland Kärnten ein.
Um die wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen Österreich und China zu
festigen und eine nachhaltige Partnerschaft
aufzubauen, wurde abschließend
eine Erklärung der Zusammenarbeit
unterzeichnet. Hinteregger und Fischer
betonten, dass der Dialog auf
Augenhöhe der Schlüssel sei, um wirtschaftliche
Brücken zu bauen, die halten
– für eine Wirtschaft mit Zukunft
und Verantwortung.
SWV OÖ, WIEN
OÖ: Franz Kirchgatterer WIRTSCHAFTSPREIS
2025 – Mühlviertel
Stolz. Leidenschaft, Mut und Unternehmergeist
standen im Mittelpunkt,
als der SWV OÖ und der GVV OÖ im
Mühlviertel den diesjährigen Franz-
Kirchgatterer-Wirtschaftspreis „Victoria
2025“ verliehen. In vier Kategorien
wurden engagierte Unternehmer:innen
ausgezeichnet, die mit Herzblut und
Innovationskraft das Rückgrat unserer
regionalen Wirtschaft bilden. Über
den Sommer konnten Unternehmen
aus der Region nominiert werden –
ob jung, erfahren, innovativ oder besonders
nachhaltig. Eine unabhängige
Fachjury hatte die ehrenvolle, aber
schwierige Aufgabe, aus zahlreichen
beeindruckenden Einreichungen die
diesjährigen Preisträger:innen zu küren.
Die Gala in Perg wurde zu einem
Abend voller Emotionen, Stolz und
Inspiration. Die Geschichten hinter
den Unternehmen zeigten, dass Erfolg
selten geradlinig verläuft: Von mutigen
Neustarts über kreative Ideen bis hin
zu unerschütterlichem Durchhaltevermögen
– jedes der ausgezeichneten
Unternehmen steht für gelebte Leidenschaft
und regionale Stärke. Zahlreiche
prominente Gäst:innen feierten mit.
Unternehmen Österreich 4 | 2025
23
Das Team des
SWV Österreich
wünscht ein
schönes & besinnliches
Weihnachtsfest sowie
ein erfolgreiches &
gesundes neues Jahr!
EDITH
HOFER
LUCIA
GRABETZ
BERND
HINTEREGGER
JULIA
LESSACHER
SANDRA
PENIK
ZEINA ABDEL-
KEREAM