Leseprobe von „Soul Places Schweden“
- Keine Tags gefunden...
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Jeder Soul Place in diesem
Buch hat eine ganz
besondere Atmosphäre:
Abenteuer
erleben und Schweden
mit allen Sinnen genießen
Sich treiben lassen, Ruhe
Den eigenen Geist
Kunst
Kategorien.
Schweden
Sabine Schwieder
Välkomna!
Für die meisten Schweden-Reisenden ist dieses Land der Inbegriff
von Natur und Einsamkeit. Sie möchten auf Wälder, Seen, Flüsse und
Berge treffen – und auf möglichst wenig Menschen. Sie möchten
Blaubeeren und Pfifferlinge pflücken und im Sommer in einen der
klaren Seen oder in die Ostsee springen. Und es stimmt schon: Richtig
voll wird es nur auf der Västerlånggatan in Stockholms Altstadt
oder in Vergnügungsparks wie Gröna Lund. Überall sonst ist man
oft unter sich. Und doch wird manchmal übersehen: Schweden ist
auch das Land interessanter Städte und zahlreicher kleiner, eher unbekannter
Orte, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben.
Soul Places, also Orte, an denen sich die Seele der Reisenden erfreuen
kann, gibt es mehr als genug: Eine geheimnisvolle Schiffssetzung
im Süden. Ein altmodisches Damen- und Herrenbad an der
Stockholmer Küste. Wohnhäuser von Künstlern, in denen man sich in
einer besonders schönen Ausstattung verlieren kann. Ein begehbares
Kunstwerk an einer Steilküste, das aus Treibholz gemacht ist. Das
Atelier eines Glasbläsers, in dem aus einer alten Wodka-Flasche eine
ansprechende Vase wird. Ein Garten, der die Atmosphäre von Kinderbüchern
kongenial wiedergibt. Feste wie Mittsommer oder das
Lucia-Singen im schneereichen Winter. Eine herrliche Sommerbrise
und Fisch aus der Hand an der Bohuslän-Küste. Uralte Runensteine
und geheimnisvolle, unter Gras verborgene Königsgräber. Ein 1628
versunkenes Schiff, das gut erhalten geborgen wurde und dem eines
der schönsten Museen gewidmet ist. Werkstätten, in denen die in aller
Welt bekannten Dala-Pferde entstehen. Eine Polarnacht im hohen
Norden mit der faszinierenden Aurora borealis.
Das ganze Land, so könnte man sagen, ist ein Soul Place neben
dem anderen. Jeder der in diesem Buch vorgestellten Orte ist es
wert, entdeckt zu werden. Genauso wie die tausend anderen, für die
eine dreiwöchige Sommerreise einfach nicht ausreicht. Was also tun?
Nächstes Jahr wieder hinfahren.
Inhalt
1 Øresundsbron – eine Brücke wie eine Harfe.
2 Baden an der „Copacabana von Malmö“.
3 Vater, Mutter, Kind – Riesen im Dom von Lund.
4 Ales Stenar, steinernes Boot hoch über der Ostsee.
5 Glimmingehus: Wo der letzte Ritter zu Hause war.
6 Klippenwanderung rund um die Kullen-Halbinsel.
7 In Nimis ist die Kunst aus Treibholz.
8 Bosjökloster. Entspannen, wo einst Nonnen lebten.
9 Eine Reise durch Kristianstads Wasserwelt.
10 In Karlskrona dreht sich alles um die Marine.
11 Aus Ölands Kalkplateau wird ein Blütenmeer.
12 Borgholm, Lieblingsruine und Drehort für Popstars.
13 Zu Besuch bei Carl von Linné in Råshult.
14 Växjö erzählt die Geschichte der Auswanderer.
15 Eine umkämpfte Burg wird zum Erholungsort.
16 Wenn aus Altglas Glaskunst wird.
17 Wilde Schafe und Vogelkolonien auf Lilla Karlsö.
18 Ruinen und rote Rosen im mittelalterlichen Visby.
19 Champagner im Kalksteinbruch von Furillen.
20 Kulisse für Ingmar-Bergman-Filme: die Insel Fårö.
21 Eine Nacht in Västerviks Fischerhäuschen.
22 Ein Freizeitpark mit Musik und Theater in Vimmerby.
23 Lebenslust und Melancholie bei Astrid Lindgren.
24 Jönköping und das Monopol auf Schwedenhölzer.
25 Pferdewagen auf Visingsö, Zuckerstangen in Gränna.
26 Rebellin und Klostergründerin: auf Birgittas Spuren.
27 Der Tåkern – Paradies für Vogelbeobachter.
28 Hemslöjd – in Nääs wird mit der Hand gearbeitet.
29 Charme und Nervenkitzel im Freizeitpark Liseberg.
30 Ein Tempel für Feinschmecker: Göteborgs Feskekôrka.
31 Marstrand, wo sich Kattegat und Skagerrak treffen.
32 Skärhamn, strahlendes Eldorado für Kunstliebhaber.
33 Die ganze Farbenpracht der Küste in Gullholmen.
34 Auf den Väderöarna schmeckt Fisch besonders gut.
35 Fjällbackas Hausberg, eine ideale Filmkulisse.
36 Die schönste Kreuzung: das Aquädukt von Håverud.
37 Wald, Wasser und Wildnis – der Blick vom Sörknatten.
38 Mit dem Kanu unterwegs auf Dalslands Seen.
39 Rottneros, ein Herrenhaus wie aus „Gösta Berling“.
40 Inspiration Kindheit – Selma Lagerlöfs Mårbacka.
41 Kleinstadt-Idylle am Kanal: Söderköping.
42 Fjällmossen, unberührtes Moor im Kolmården-Gebiet.
43 Hafengewusel und idealer Pausenplatz: Nyköping.
44 In Södermanland reiht sich Herrenhaus an Herrenhaus.
45 Ein Felsen am Mälar erzählt eine Sage als Comic.
46 Gripsholm, beliebtes Fotomotiv aus Backstein.
47 Wikinger am Mälar – Handwerker und Kaufleute.
48 Eine Bootsfahrt mit Opernbesuch in Drottningholm.
49 Sauna und Meer – entspannen in Saltsjöbaden.
50 Beste Aussicht, nobelstes Diner: das Stadthaus.
51 Prosecco im Park, Picknick hoch über Stockholm.
52 Königlich Kaffee trinken in Gamla Stan.
53 Drei Jungs singen a cappella auf dem Schärendampfer.
54 Unterwegs auf Djurgården mit Rad, Kanu oder zu Fuß.
55 Mit der Gondel zu Astrid Lindgrens Geschichten.
56 Hölzerne Schönheit: Untergang und Bergung der Vasa.
57 Ein Tangoabend auf dem Tanzboden von Skansen.
58 Abendlicht und Craft Beer in Hammarby Sjöstad.
59 Einst Hauptstadt, heute kuschelig: Sigtuna.
60 Vereinte Nationen: Uppsalas Studentenleben.
Die farbigen Punkte vermitteln die Atmosphäre des jeweiligen Soul Places.
Die Bedeutung der Farben ergibt sich aus den folgenden Seiten.
61 Uralt, geheimnisvoll – die Hügel von Gamla Uppsala.
62 Im Reich der Eisenschmiede – Engelsbergs bruk.
63 Schwefelgelb und schwedenrot: Faluns Kupferbergwerk.
64 Schwedisches Design bei Carl und Karin Larsson.
65 Eine Binnenseebrücke und Kirchenboote in Rättvik.
66 Wo Schwedens Wahrzeichen, das Dalapferd, herkommt.
67 Das Haus des Malers Anders Zorn am Siljansee.
68 Geige und Akkordeon: Spielmannstreffen im Grünen.
69 Eine Klettertour über den Dächern von Sundsvall.
70 Die Höga Kusten zeigt das Phänomen der Landhebung.
71 Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum Jamtli.
72 Umeå im Norden ist attraktiv für Schwedens Jugend.
73 Natur pur: die Panoramastraße Vildmarksvägen.
74 Häuschen ducken sich unter eine Kirche: Gammelstad.
75 Rentiere und Trachten: Wintermarkt in Jokkmokk.
76 Licht im Haar – Lucia im winterlichen Gällivare.
77 Wildnis, Wasser und Weite am Padjelantaleden.
78 Nach dem Wandern Schlemmen in der Fjällstation.
79 Die Jugendstil-Kirche von Kiruna muss umziehen.
80 Tanz der Polarlichter an Lapplands Himmel.
Leidenschaft ist immer
siegreich.
Theodor Fontane
Es gibt keine richtige Art, die Natur
zu sehen. Es gibt hundert.
Kurt Tucholsky
Der Geist spricht zum Geist
und nicht zu den Ohren.
Giacomo Girolamo Casanova
Übersprudelnde
Lebensfreude und
dunkle Melancholie.
Kann man durch Blumen und Bäume Gefühle
ausdrücken? Karin Eliasson, eine
schwedische Gärtnerin, hat gemeinsam
mit einem Team von Gärtnern, Landschaftsplanern
und Künstlern bewiesen,
dass das sogar sehr gut möglich ist. Sie
hat in Näs bei Vimmerby Themengärten
geschaffen, mit denen die Atmosphäre
in den Büchern der Kinderbuchautorin
Astrid Lindgren kongenial wiedergegeben
wird.
Ein freudiges Gefühl: bubblande livsglädje
Dieser Platz ist wahrlich bezaubernd.
Eine halbrunde Bank, etwas versteckt
auf einer Anhöhe über dem Gartengelände
gelegen. Ein künstlicher und dennoch
echt wirkender Bach plätschert
daneben. Aus der Musikbox ertönt leise
eine Melodie von Georg Riedel: Der Jazz-
Komponist hat einen Großteil der Liedtexte
Astrid Lindgrens vertont, die in
Schweden zum Allgemeingut geworden
sind. Für diesen „Raum der Hoffnung“
hat er eine kleine Musik komponiert, die
perfekt zu diesem verwunschenen Platz
passt.
Zu Füßen der Besucher erstrecken
sich die unterschiedlichen Themengärten.
Roter Mohn, blaue Kornblumen,
gemütliche Hängekörbe: So sieht im
bunten „Blättersaal“ das Lebensgefühl
aus, das auf Schwedisch bubblande livsglädje
(übersprudelnde Lebensfreude)
genannt wird. Und wirklich: Hat man
nicht sofort Kinder wie Erwachsene vor
Augen, die fröhlich durch eine schwedische
Sommerwiese laufen?
Tannen und Moos
Sogar die Melancholie, die das Leben
der Schriftstellerin und ihrer Figuren
zuweilen prägte, findet ihren Platz. Hier
dominieren Hemlocktannen und Moos
um einen dunklen Teich. Wem das zu
viel Traurigkeit (und Kühle) ist, der wandert
weiter zur Kirschbaumtreppe, an
der man beim Balancieren auf Holzbalken
seinen Mut erproben kann.
Die Themengärten von Näs sind aber
auch eines: ein ständiges work in progress.
Wer im Sommer kommt, wenn
sich die Heckenrosen öffnen, wird die
Gärten vollkommen anders erleben als
diejenigen, die dort im Herbst rot und
gelb leuchtende Blätter vorfinden. Und
so ist den Gärtnern noch mehr gelungen
als die Illustration von Gefühlen: Hier erfährt
man hautnah etwas über die Natur.
Und weiß sie am Ende zu schätzen.
23
VIMMERBY, NÄS
Wo?
Rund um das Rote Haus in Näs
bei Vimmerby (Prästgårdsgatan
24), in dem die Kinderbuchautorin
Astrid Lindgren aufgewachsen
ist.
Wann?
Von Mitte Mai bis Mitte/Ende
September, Öffnungszeiten
siehe Homepage. Schön ist auch
der Weihnachtsmarkt Anfang
Dezember. astridlindgrensnas.
se/de/die-gaerten
Wichtiges
Wer des Schwedischen mächtig
ist und Freude an Gartenbüchern
hat, dem sei der Bildband
„Trädgårdarna på Astrid Lindgrens
Näs“ von Karin Eliasson
empfohlen.
»Roter Mohn, blaue
Kornblumen, gemütliche
Hängekörbe: So sieht im
bunten ‚Blättersaal‘
das Lebensgefühl aus,
das auf Schwedisch
‚bubblande livsglädje‘
(übersprudelnde Lebensfreude)
genannt wird.«
23
VIMMERBY, NÄS
Hier wird geschnitzt,
geflochten, gesungen
und getanzt.
Wer leicht angestaubten Charme zu
schätzen weiß, der sollte Schloss Nääs
am See Sävelången besuchen. Von hier
aus breitete sich Ende des 19. Jahrhunderts
die Hemslöjd-Bewegung aus. Eine
Pädagogik, bei der es darum ging, alte
Handwerksfertigkeiten und traditionelle
Kenntnisse trotz der Industrialisierung
nicht verloren gehen zu lassen.
Noch heute ist etwas von dieser besonderen
Stimmung der Gründerjahre zu
spüren, und neben Tango wird oft gammaldans
(Volkstanz) unterrichtet.
Tradition ist selbstverständlich
Über eine kleine Brücke gelangt man
auf die andere Seite des Schlossparks
und betritt eine große Wiese, umgeben
von märchenhaften Holzhäusern. Hier,
beim Lekhus (Spielhaus), trifft man sich
an den Wochenenden zum Singen und
Tanzen. Oder um sich in einem der vielen
Kurse, etwa im Holzschnitzen oder
Flechten von Strohhüten zu üben.
Slöjd kennt man unter anderem auch
in England als Arts and Crafts movement.
Otto Salomon, der Gründer der
Slöjd schule auf Nääs, war nicht der Begründer
dieser Bewegung, doch hat er
entscheidend zu ihrer Verbreitung beigetragen.
Der Sohn einer Göteborger
Familie wurde darin von seinem Onkel,
dem Besitzer von Schloss Nääs, unterstützt.
Zunächst wurden von 1872 an
nur Jungen unterrichtet, doch dann
erschien es sinnvoller, Lehrkräfte zu
unterweisen, damit sie das Wissen weitergeben.
Traditionen wie diese haben
in Schweden einen ganz anderen Stellenwert
als bei uns: In fast jedem kleinen
Ort gibt es einen hembygdgård, ein
Heimatmuseum.
Eines der schönsten Mittsommerfeste
Nääs ist überdies Schauplatz eines der
schönsten Mittsommerfeste. Am Freitag
und Samstag, die dem Johannistag
(24. Juni) am nächsten liegen, wird im
ganzen Land groß gefeiert. Man trägt
Tracht und Blumenkränze im Haar, singt
fröhliche Lieder wie das von den kleinen
Fröschen („Små grodorna“), alle tanzen
um die majstång, den geschmückten
Mittsommerbaum. In Nääs wird das
am Abend bei Spielmannsmusik fortgesetzt,
und nach einem stimmungsvollen
Fackelzug wird gemeinsam gesungen.
Jeder, der mag, stimmt einfach
an. Alle singen mit, textsicher auch bei
den ganz alten Liedern. Und dann geht
es weiter mit polska und vals – bis die
Sonne aufgeht.
28
NÄÄS, HEMSLÖJD-BEWEGUNG
Wo?
Nääs am See Sävelången ist Teil
der Gemeinde Lerum und etwa
25 Kilometer von Göteborg
entfernt. Parken: Otto Salomons
Väg/Nääs allé, Floda.
Wann?
Das Schloss ist von Juni bis August
täglich geöffnet, außerhalb
der Saison an den Wochenenden.
Es ist nur im Rahmen einer
Führung zu besichtigen. Kurse
des Slöjdseminars: slojdochbyg
gnadsvard.se
Wichtiges
Mittsommer: Als das größte Fest
dieser Art gilt das in Leksand,
Dalarna, zu dem 20.000 bis
30.000 Besucher erwartet werden.
Besonders beliebt ist auch
das im Freilichtmuseum Skansen
in Stockholm. Tipp: Picknick und
Getränk mitbringen.
28
NÄÄS, HEMSLÖJD-BEWEGUNG
Ein Moor sollte nass
sein: Wanderung im
Fjällmossen.
Urlaub in Schweden geplant? Und eigentlich
würde man gerne nach Lappland
reisen, aber die Zeit reicht nicht?
Kein Problem, es gibt auch im Süden
Gegenden, die ausreichend Natur zum
Wandern bieten. Der Kolmården, ein
langgestreckter, waldiger Bergrücken
südwestlich von Nyköping ist so ein
Ziel. Unter den zahlreichen Wanderwegen
nehmen wir heute einen, der durch
eines der wenigen unberührten Moorgebiete
Schwedens führt: Fjällmossens
Naturreservat.
Ruhe über dunklem Wasser: Lilla Göljen
Einst war der Kolmården als Wildnis gefürchtet,
doch dann wurde Erz gefunden,
der Wald abgeholzt. Nach der Bergmannszeit
durfte alles wieder wachsen,
doch man brauchte auch Bauholz für
Schiffe und Häuser. So hat sich der Wald
immer wieder neu erfinden müssen.
Wer ihn ganz ursprünglich erleben
will, kann das besonders gut im Moor
Fjällmossen. Eine offene Landschaft,
umgeben von dichtem Wald. Vor uns
liegt ein kleiner See mit Namen Lilla Göljen
(„Kleiner Tümpel“). Kiefern, Fichten,
Birken und weiße Wolken spiegeln sich
in seinem dunklen Wasser. Der Boden ist
sumpfig, Holzbohlen helfen beim Weiterkommen.
Es herrscht Stille, nur Vögel
sind zu hören und das leise Rauschen
der Baumwipfel. Man wird selbst unwillkürlich
stiller, wenn man sich in dieser
Umgebung bewegt. Und dann die Blaubeeren!
Gut, dass wir ein kleines Gefäß
dabeihaben – doch das meiste landet
sowieso gleich im Mund. Von einem Bad
ist allerdings abzuraten: Im Lilla Göljen
gibt es Blutegel!
Kohlenstoff-Speicher
War es früher sinnvoll, Moore durch
Gräben zu entwässern, um die Mücken
loszuwerden und Platz für Äcker zu
schaffen, so werden sie heute als Kohlenstoff-Speicher
geschätzt. Ein gutes
Moor ist vor allem eins: nass. Denn ein
hoher Grundwasserspiegel bietet Platz
für diejenigen Pflanzen, die Wasser vertragen
und brauchen. Das von ihnen
während des Wachstums aufgenommene
Kohlendioxid wird nach dem Absterben
in Torf gebunden. Würde man
das Moor entwässern, so gelänge Luft
hinein, der Torf würde mineralisiert und
es würde CO₂ entweichen, anstatt gebunden
zu bleiben. Wenn also unsere
Stiefel nass werden und uns die Mücken
umschwirren, dann wissen wir: Es ist für
einen guten Zweck.
42
KOLMÅRDEN, FJÄLLMOSSEN
Wo?
Der Kolmården trennt Östergötland
und Södermanland
und fällt steil zur Bucht Bråviken
herab. Der Lilla-Göljen-Rundweg
beginnt südwestlich von Ålberga
(Parkplatz Hjortronmyren,
N 58.69953, E 16.55819).
Wann?
Das Moor ist das ganze Jahr über
zugänglich (Hunde müssen angeleint
sein).
Wichtiges
Die Wanderung rund um das
Fjällmossen-Moor dauert zwischen
zwei und drei Stunden. Da
tut ein Bad im nahegelegenen
Bålsjö gut (Badeplatz Bålsjöbadet:
N 58.71820, E 16.59871).
»Es herrscht Stille, nur
Vögel sind zu hören und
das leise Rauschen der
Baumwipfel. Man wird
selbst unwillkürlich
stiller, wenn man sich in
dieser Umgebung
bewegt.«
42
KOLMÅRDEN, FJÄLLMOSSEN
Die erste Stadt
Schwedens? Birka
und seine Wikinger.
Ein offenes Feuer am Ufer. Eine Frau,
gekleidet wie eine Wikingerin, rührt in
einem Topf, in einer Pfanne werden Fladen
gebacken. Am Steg dahinter landet
ein Boot mit braunem Segel. Reisen wir
mit einer Zeitmaschine? Nein, wir sind
in Birka, auf der Insel Björkö im Mälar-
See, und hier herrscht im Sommer reges
Wikingerleben.
Handwerker und Kaufleute
Lange Zeit war Birka, das als die erste
Stadt Schwedens gilt, nicht viel mehr
als eine Ausgrabungsstätte. Seit einigen
Jahren können sich die Besucher hier
anschaulich mit der Lebensweise der
Nordmänner vertraut machen. Dank der
Landhebung war es möglich, ein Museum,
ein Restaurant und eine Wikingersiedlung
einzurichten, ohne mögliche
Ausgrabungen zu verhindern.
Original ist an dem kleinen Dorf natürlich
nichts. Durch jahrzehntelange
Forschung weiß man aber immer mehr
über die damalige Lebensweise. Und so
wird hier vermutlich wahrhaftiger berichtet
als in den beliebten – und durchaus
unterhaltsamen – Serien „Norsemen“
und „Vikings“. Denn die Wikinger waren
nicht in erster Linie Haudegen, die anderen
die Köpfe abschlugen, sondern auch
geschickte Handwerker und Kaufleute.
Zur Gründungszeit um das Jahr 750 war
der Mälar noch Teil der Ostsee. Birka war
als sicherer Ort das Zentrum der Svea-
Region. Beschützt wurde es vom König,
der von der Nachbarinsel Adelsö aus
den Handel kontrollierte. Von seinem
Adelssitz Hovgården sind aber nur noch
Grundmauern übrig.
Reger Warenaustausch
Die günstige Lage lockte Händler an,
die Silber, Keramik und Seide gegen
Eisen, Hörner und Felle tauschten. Warum
Birka um das Jahr 975 verlassen
wurde, weiß man nicht genau. Vermutlich
machte die Landhebung den Ort
angreifbarer. Zudem gab es mit dem
Erstarken einer anderen Königsmacht in
Sigtuna ein neues Zentrum.
Mit bis zu 1000 Einwohnern war
Birka quasi eine Großstadt. Die niedrigen
Häuschen wurden von bis zu zehn
Menschen bewohnt. So eng zusammengepfercht,
das machte das Leben sicherer
– und wärmer. Dabei waren die Wikinger
durchaus auf Sauberkeit bedacht.
Lördag, der schwedische Samstag, bedeutet
„Badetag“. Wer es ihnen nachtun
will, hat an einem kleinen Strand Gelegenheit
zum Baden. Nicht nur samstags.
47
BIRKA, WIKINGER AM MÄLAR
Wo?
Birka liegt auf der Mälar-Insel
Björkö. Die Reederei Strömma
bietet von Stockholm aus eine
Tagestour mit Eintritt und
Führung an. Weitere Verbindungen:
von Adelsö (Hovgården),
Mariefred und Södertälje.
Wann?
Von Stockholm aus Mai bis
September. Von allen anderen
Ausgangspunkten nur Anfang
Juli bis Mitte August; außerhalb
der Saison nur am Wochenende.
Wichtiges
In Birka werden Unterhaltung
und Wissen gut verbunden.
Junge Archäologen führen
fachkundig über das Gelände;
im Sommer wird die Insel zudem
von auskunftsfreudigen Wikinger-Enthusiasten
bewohnt.
Königlich Kaffee
trinken im schönsten
Kaffeehaus der Stadt.
Wer gern unter den Porträts von königlichen
Hoheiten Kaffee trinkt, dem sei
Sundbergs konditori am Järntorget in
Stockholm empfohlen. Das Café, 1785
von Gustav Adolf Sundberg gegründet,
gilt als das älteste der Stadt. Für viele Besucher
ist es auch das schönste. So wohltuend
altmodisch kann man sonst selten
pausieren.
Vom Zuckerbäcker zum Mord in der Oper
Zugegeben: es ist ein wenig eng zwischen
den filigranen Stühlen und dem großen
Tisch in der Mitte, auf dem rund um einen
Samowar Tassen mit Goldrand gedeckt
sind. Ein Samowar? Tee? In Schweden?
Nein, das kann doch nicht sein: Aus diesem
Samowar kommt Kaffee, das inoffizielle
Nationalgetränk des Landes.
Im Übrigen hat man die Wahl, sich
unter dem Porträt der gegenwärtigen
königlichen Familie niederzulassen oder
das Bild des jungen Königs Gustav III. zu
bewundern. Dieser, 1792 beim Besuch
eines Maskenballs in der Oper ermordet,
hat nämlich eine besondere Verbindung
zu Sundbergs. Angeblich war der feinsinnige
Monarch, der sich für die schönen
Künste und die Literatur einsetzte,
ein Schleckermaul. Und so soll es – dies
ist nicht belegt – einen unterirdischen
Gang vom Zuckerbäcker zum Königlichen
Schloss gegeben haben.
Seine adligen Gegenspieler allerdings
warfen ihm Eitelkeit und Protzerei
vor, ja sogar Sittenverderbnis (was
vermutlich seiner Homosexualität geschuldet
war). Jedenfalls schlug der König
zu seinem Unglück eine anonyme
Warnung in den Wind. Giuseppe Verdi
machte später aus der Mordgeschichte
die Oper „Ein Maskenball“. Allerdings
verlegte er sie aus Furcht vor der Zensur
ins amerikanische Boston (gelegentlich
wird eine Stockholm-Version gegeben).
Princesstårta oder Citronmarängpaj?
Wer sich an den Spekulationen um den
in Schweden äußerst beliebten Gustav
III. nicht beteiligen will, wendet sich der
Auslage mit Kuchen, Torten und Gebäckstücken
zu. Was soll man bestellen? Eine
Princesstårta vielleicht, diese Köstlichkeit
aus hellgrünem Marzipan, Himbeeren,
Vanillecreme und sehr viel Sahne?
Oder eine Zitronentarte mit dekorativer
Schicht aus Eischnee? Ja, natürlich: Zimtschnecken
gibt es auch.
52
STOCKHOLM, SUNDBERGS KONDITOREI
Wo?
Sundbergs konditori, Järntorget
83, liegt auf der Südseite der Altstadt
(Gamla Stan) in Stockholm.
Wann?
Im Sommer kann man auch
draußen auf dem kleinen und
hübschen Järntorget sitzen.
Kuschliger ist es drinnen, und
das zu allen Jahreszeiten.
Wichtiges
Einst trafen sich hier Reeder und
Kaufleute, von den Stockholmern
spöttisch „Skeppsbro-Adel“
genannt. Später kamen die Banker
dazu. Man kennt Sundbergs
daher auch als „Lilla Börsen“
(Kleine Börse).
Schwebend unterwegs
zu Astrid Lindgrens
Geschichten.
Eine Gondelfahrt entlang von Kinderbuchfiguren?
Ein Haus voller spielender
Gören? Ach, das ist doch nichts für Erwachsene
ohne Nachwuchs, so denken
viele. Sie waren wohl noch nicht in Junibacken
auf der Insel Djurgården. Denn
diese kurze Reise auf den Spuren von
Astrid Lindgren ist etwas ganz Besonderes,
wahrhaftig etwas für die Seele.
Eine adäquat gestaltete Puppenwelt
Allerdings ist es hilfreich, die Schriftstellerin
und ihre Bücher ein wenig zu kennen.
Michel (der auf Schwedisch Emil
heißt), Madita, Ronja Räubertochter, die
Brüder Löwenherz, sie alle sind hier vertreten.
Als kleine oder große Puppen,
die in eine besonders schön gestaltete
Puppenwelt gesetzt wurden.
Vom Sagotåget (Märchenzug) aus ist
die Bilderwelt der Astrid Lindgren’schen
Bücher und die mit den Verfilmungen
verknüpfte Musik zu erleben. Wer sich
wundert, dass bei der Gondelfahrt Pippi
Langstrumpf nicht erwähnt ist: Die Reise
endet bei der Villa Kunterbunt, wo blutjunge,
aber überzeugende Schauspielerinnen
und Schauspieler kurze Szenen
aus den Pippi-Erzählungen präsentieren.
Die Stimme der hochbetagten Autorin
Als der Schauspieler und Regisseur Staffan
Götestam die Idee zu diesem Haus
für Kinder hatte, brauchte er jemanden,
der die zweidimensionalen Bilder in die
Dreidimensionalität übersetzte und die
Puppenmacher und Szenografen anleitete.
Die damals noch junge Illustratorin
Marit Törnqvist zögerte zunächst, arbeitete
dann aber intensiv mit der hochbetagten
und fast blinden Astrid Lindgren
zusammen. Die Jüngere las der Älteren
die kurzen Begleitsätze vor. Und die
Autorin, die Zeit ihres Lebens gern und
oft vorgelesen hat, sprach sie dann auf
Band.
Wer eine Gondelfahrt unternehmen
möchte, kann natürlich eine deutsche
Version hören. Besonders anrührend
aber ist es, die Stimme Astrid Lindgrens
zu hören. Hej alla barn, so beginnt sie:
„Hallo, alle Kinder! Jetzt machen wir eine
kleine Rundreise und besuchen einige
andere Kinder, von denen ich glaube,
dass Ihr sie kennt …“ Und dann folgt
eine kurze Fahrt, die auch Erwachsene
begeistert. Sodass sie am Schluss betteln:
„Noch einmal, bitte.“
55
STOCKHOLM, JUNIBACKEN
Wo?
Junibacken, benannt nach
dem Heim der Kinderbuchfigur
Madita (Birkenlund auf Deutsch),
ist auf der Insel Djurgården,
Galärsvägen 8, in Stockholm zu
finden. junibacken.se
Wann?
Mo–Fr 10–17 Uhr, Sa 9–17 Uhr,
So 10–17 Uhr. In der Nebensaison
ist das Haus an einzelnen
Tagen geschlossen (siehe
Homepage).
Wichtiges
Am Ende des Rundgangs landen
die Besucher in der Buchhandlung
– sie gilt als eine der
besten Kinderbuchhandlungen
Schwedens und kann auch ohne
Eintrittskarte besucht werden.
Schwedisches Design
aus der Zeit von Carl
und Karin Larsson.
Schwedisches Wohndesign? Wem da
nur IKEA einfällt, der hat das Schönste
verpasst. Es war Ende des 19., Anfang
des 20. Jahrhunderts, als der heute auf
aller Welt als „schwedisch“ deklarierte
Wohnstil – hell, freundlich und immer
praktisch – durch die gemeinsame
Arbeit eines Künstlerpaares inspiriert
wurde.
Der Künstler malt seine Familie
Ein Mädchen im Hängekleidchen, die
Haare hängen in einem locker gebundenen
Zopf über den Rücken. Konzentriert
gießt es die Blumen auf der Fensterbank,
von draußen strömt helles Licht in den
großen Raum. Auf dem runden Ausziehtisch
liegt Strickzeug, über das Sofa ist
eine gestreifte Decke geworfen, an der
Wand Kerzenleuchter. Ein Idyll wie aus
einem Lifestyle-Prospekt – wären da
nicht der in Unordnung geratene Flickenteppich
und der durchgesessene
Stuhlbezug. Nein, ordentlich ging es bei
der Familie von Carl und Karin Larsson
nicht immer zu.
Sieben Kinder mitsamt Hund und
Katze bevölkerten von 1888 an das Haus
namens „Lilla Hyttnäs“ in Sundborn. Es
ist heute nahezu unverändert so eingerichtet
wie zu Lebzeiten des Künstlerpaares
und zu besichtigen, allerdings
nur im Rahmen einer Führung. Und
dennoch: Beim Betreten dieser vermutlich
berühmtesten aller schwedischen
Wohnräume fühlen sich die Besucher
geradezu in ein Gemälde versetzt.
Man ist zu Besuch bei einer befreundeten
Familie, denn Carl Larsson hat seine
Frau und seine Kinder unzählige Male
in Alltagssituationen dargestellt: beim
Frühstück unter der großen Birke, beim
Baden, bei der Apfelernte, beim Nähen,
beim Angeln, beim Theaterspielen, beim
Schlittenfahren im Schnee, beim großen
Weihnachtsfest. All diese Aquarelle sind
bis heute beliebte Motive für Kunstkalender
und Postkarten.
Die Künstlerin richtet „Ett hem“ ein
Mehr als einmal ist Ehefrau Karin zu sehen,
die kreative Seele von Sundborn. Ihr
ist die Inneneinrichtung zu verdanken,
die mit Hilfe der Bilder ihres Mannes in
aller Welt bekannt wurde. Sie war für die
Ausschmückung der Wände zuständig,
sie webte die Teppiche und bestickte die
Textilien, sie wählte die Möbel aus. Eine
Künstlerin, die im Schatten ihres Mannes
wirkte. Doch schwedisches Wohndesign
ist ohne Karin Larsson nicht zu denken.
Und IKEA vermutlich auch nicht.
64
SUNDBORN, LARSSONS „ETT HEM“
Wo?
„Lilla Hyttnäs“ in Sundborn liegt
in Dalarna. Es ist nur mit einer
geführten Tour zu besichtigen.
Der Garten ist für alle offen,
auch für diejenigen, die mit
einem Lunchpaket kommen.
Carl Larssons väg 12, Sundborn;
carllarsson.se
Wann?
Ganzjährig geöffnet
Wichtiges
In seinem Buch „Ett hem“ („Ein
Heim“) erzählt Carl Larsson in
Bildern und Texten vom Leben
der Familie. In Deutschland
ist vor allem „Das Haus in der
Sonne“ (1909) bekannt.
Ein bemaltes Holzpferdchen
als Symbol
für ganz Schweden.
Es ist dieser Geruch, der eine Werkstatt,
in der geschnitzt wird, zu einem besonderen
Ort macht: ein Duft von Holz,
Spänen und Farben. In Schweden sind
es die Werkstätten von Dalarna, die von
besonderer Bedeutung sind. Hier, am
Nordende des Siljan-Sees, werden die
berühmten Dalapferde hergestellt, die
in aller Welt zum Symbol für das Land
geworden sind.
Lange Winterabende
Nicht zufällig kommt das Wahrzeichen
Schwedens von hier. Die Dalekarlier, wie
die Bewohner der Region genannt werden,
gelten als ein willensstarker, kräftiger
Menschenschlag. Ohne sie hätte
König Gustav I. Wasa das Land nie von
der Herrschaft der Dänen befreit. Die
Geschichte der Dalapferde aber beginnt
in den Wohnstuben von Bauernfamilien
im Bezirk Mora.
In dieser Gegend sind die Winter
hart und lang. Es gab wenig zu tun und
noch weniger zu verdienen. Also verlegte
man sich im 17. Jahrhundert auf
das Schnitzen von Spielzeug. Warum
Pferde? Weil sie als Arbeitstiere besonders
geschätzt wurden. Später malte
man das Holz in den Farben Ziegelrot,
Weiß, Blau oder Schwarz an und trug
mit feinen Pinseln Sattel, Zaumzeug
und Fantasieblumen auf. Mit Hilfe von
reisenden Handwerkern und Kaufleuten
kam das Produkt dann in die übrigen
Landesteile.
Weltausstellung in New York
Zur Erfolgsgeschichte gehört auch die
der Brüder Olsson in Nusnäs. Grannas
Anders, der älteste, begann 1922, größere
Stückzahlen herzustellen. Seine
jüngeren Brüder machten bald eigene
Werkstätten auf. In der Reisezeit kommen
hier zahlreiche Besucher her, um
zuzusehen, wie aus Holzrohlingen feine
Figuren entstehen und filigran bemalt
werden. Eine Arbeit, die erstaunlich
schnell abläuft und viel Fingerspitzengefühl
erfordert.
Richtig berühmt wurde das beliebte
Souvenir aber 1939, als während der
Weltausstellung in New York ein riesiges
Holzpferd vor dem schwedischen
Pavillon aufgestellt wurde. Wer heute
in einem der unzähligen Souvenirshops
ein kleines Exemplar in der Hand hält,
wundert sich über den stolzen Preis.
Doch: Auch wenn es die vielen, vielen
Pferdchen nicht vermuten lassen, sind
sie alle in Handarbeit gefertigt. Und echte
Dalekarlier.
66
NUSNÄS, DALAPFERDE
Wo?
Der Großteil der weltweit verkauften
Dalapferde entsteht
in Nusnäs am Siljan-See. Zwei
benachbarte Werkstätten in Familienbesitz
können besichtigt
werden: N 60.96191, E 14.65106.
Wann?
Von Mitte Juni bis Mitte August
täglich geöffnet. Näheres siehe
Homepages: Grannas Anders
Olsson Hemslöjd AB, grannas.
com. Nils Olssons Dalahästar AB,
nilsolsson.se
Wichtiges
Der Skilanglauf Vasaloppet zwischen
Mora und Sälen erinnert
alljährlich an die Flucht Gustav
Wasas vor den Dänen (1521), als
es zwei Dalekarliern auf Skiern
gelang, den König zur Umkehr
zu bewegen.
Man trifft sich zum
Handel und erfährt
den neuesten Klatsch.
Asbjörn verkauft Rentierfelle, Per Kuhmunen
zeigt sich in seiner traditionellen
Samen-Tracht, und im Ájtte-Museum
von Jokkmokk jojkt die Band Jarnna.
Jojk, so wird der Gesang des indigenen
Volks im Norden genannt. Es ist das erste
Wochenende im Februar. Ein Termin, fett
eingetragen im Kalender der Sami, wie
sie sich selbst nennen.
Eine Reise in die Seele des Nordens
Aus Norwegen, Schweden und Finnland
reisen sie an und bauen ihre Stände entlang
der Hauptstraße von Jokkmokk auf.
Der Wintermarkt, zu dem sich so gut wie
alle treffen, zählt zu den ältesten regelmäßig
stattfindenden Märkten der Welt.
Und ist bis heute das wichtigste Ereignis
der Sami aus ganz Skandinavien
wie auch von der russischen Kola-Halbinsel.
Von Donnerstag bis Samstag gibt
es Konzerte, Lesungen und Vorträge, in
den Schulen wird samisches Essen angeboten,
in den Räumen der Gemeinde
kann man samische Trachten sehen. An
den Ständen kauft man Stoffe, Geweihe,
Rentierfelle und anderes Zubehör zur
Herstellung von Kunsthandwerk. In fast
jedem öffentlichen Gebäude ist Neues
und Interessantes zu entdecken. Von außen
ist das nicht immer ersichtlich, darum
dürfen die Besucher gern die eine
oder andere Tür öffnen und neugierig in
die Räume hineinsehen. Der Jokkmokk-
Wintermarkt ist ein lebendiges Schaufenster
in die reiche Kultur und das Erbe
der Sami, eine Reise in die Seele des
hohen Nordens. Das Besondere dieses
Marktes besteht oft in kleinen, authentischen
Momenten, die hier zu erleben
sind.
Auf die Plätze, fertig, los ...
Bei aller Besinnung, so ganz ohne Spektakel
geht es natürlich nicht. Am Rand
der Stadt, auf dem zugefrorenen See
Talvatissjön, finden die berühmten Rentierschlittenrennen
statt. Ein echtes
Schauspiel, das man sich nicht entgehen
lassen sollte. Dabei muss man wissen,
dass Rentiere sehr schwer zu domestizieren
sind. Anders als Pferde oder Kamele
bleiben sie ihrem Wesen nach ursprünglich
und wild, sie sind nur schwer
zu kontrollieren. Es kommt nicht selten
vor, dass ein Rentier mit dem Schlitten
schon unterwegs ist, der Jockey aber
noch am Start steht …
75
JOKKMOKK, WINTERMARKT DER SAMEN
Wo?
Jokkmokk liegt knapp nördlich
des Polarkreises. Der Markt
und die Aktivitäten verteilen
sich über die ganze Stadt. Alle
relevanten Informationen auf
jokkmokksmarknad.se.
Wann?
Erstes Wochenende im Februar,
von Donnerstag bis Samstag
Wichtiges
Etwa vier Kilometer von
Jokkmokk entfernt gibt es den
Campingplatz Arctic Camp mit
Wohnmobilstellplätzen (vorher
reservieren). Wegen des Besucherandrangs
sollte man den
Samstagmittag meiden.
Der Tanz der Polarlichter
über der
Aurora Sky Station.
Inmitten der unberührten Schönheit
der nordschwedischen Landschaft, hoch
oben im Abisko-Nationalpark, liegt einer
der besten Orte, um Polarlichter zu sehen:
die Aurora Sky Station. Sie befindet
sich am Mount Nuolja, einem Berggipfel
hoch über dem Torneträsk-See, der für
seine klaren Nächte bekannt ist. Ideale
Bedingungen also für die Beobachtung
des Nordlichts, das auch als Aurora borealis
bekannt ist.
Immer der Nacht entgegen
Dick eingepackt in einen Thermoanzug
und ausgestattet mit warmen Winterstiefeln
steigt man an der Abisko Mountain
Station in den Sessellift und fährt
der Sky Station entgegen. Die mächtigen
Berge in der Ferne und der beeindruckende
Sternenhimmel über einem
vermitteln ein Gefühl der Unendlichkeit.
Der Blick wandert jetzt schon suchend
über den Himmel, immer in Erwartung
der mystischen Lichter, die den Nachthimmel
mit ihren tanzenden Farben und
Formen erhellen.
Gefangen zwischen Himmel und Erde
Oben angekommen, bläst der Wind
eisig und nur mit Mühe gelingt es, Stativ
und Kamera in Position zu bringen.
Sobald die ersten zarten Polarlichter am
Firmament zu sehen sind, vergisst man
jedoch alles und ist ganz gefangen von
dem wunderbaren Schauspiel der Natur.
Die beste Zeit für eine Reise dorthin
sind natürlich die dunklen Wintermonate
von Mitte November bis Mitte März.
Darüber hinaus ist dies eine Gelegenheit,
mehr über das faszinierende Phänomen
zu erfahren. Die Station bietet
regelmäßige Führungen und wissenschaftliche
Vorträge zur Aurora borealis
an. Für Laien kurz zusammengefasst:
Energiereiche Teilchen von der Sonne
werden vom schützenden Erdmagnetfeld
zu den Polen hin abgelenkt. Dort
dringt ein Teil in einem ringförmigen
Gebiet um die magnetischen Pole in
die Atmosphäre und ruft dieses farbige
Leuchten am Himmel hervor.
Man kann sich aber auch voll und
ganz der romantischen Seite der Aurora
borealis widmen. Für Abenteuerlustige
gibt es zudem die Möglichkeit, die Station
im Rahmen einer geführten Schneeschuhwanderung
oder einer Skitour zu
erreichen. Wer die Anstrengung nicht
scheut, wird die Polarlichter dabei noch
viel intensiver erleben.
80
ABISKO, AURORA SKY STATION
Wo?
Sessellift Abisko Mountain Station
N 68.36167, E 18.76919
Wann?
Mitte November–Mitte März,
21– 01 Uhr
Wichtiges
Man muss den Besuch auf
auroraskystation.se online
buchen. Das Ticket beinhaltet:
Sesselliftticket, Arktis-Overall
und warme Stiefel sowie eine
Führung durch die STF Aurora
Sky Station.
Impressum
Sabine Schwieder
Soul Places Schweden – Die Seele Schwedens
spüren
Soul Places ist eine Marke von
Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH,
Osnabrücker Str. 79, 33649 Bielefeld
Deutschland, +49-521-946490
info@reise-know-how.de
© Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH
1. Auflage 2025
Alle Rechte vorbehalten.
PDF-ISBN
978-3-8317-5341-3
Idee & Konzept: Wayan Rump
Gestaltung und Bearbeitung: der Verlag, Anna
Hildebrandt
Fotonachweis: Cover AdobeStock, pyty | Vorwort:
Nordstjernan AB, Bruno Ehrs | SP 4: (1, oben) Adobe Stock,
dudlajzov | SP 5: (1) Adobe Stock, Antony McAulay, (2,
unten links) Riksantikvarieämbetet, Jonas Thunberg, (3,
unten rechts) Riksantikvarieämbetet | SP 9: Kristianstads
kommun, Mattias Roos | SP 10: (1, 2) Marinmuseum,
SMTM, (3) Visit Karlskrona, Joakim Johansson | SP 11: (1)
Adobe Stock, Almgren, (2) Kristin Steinhaus, (3) Adobe
Stock, bildwerfer | SP 12: oland.se (1) Marcus Carlsson, (2)
UpZoneStudios, (3) Alexander Hall | SP 15: (3) Sophie
Stockinger | SP 17: (3) wikimedia, L. G. foto https://
commons.wikimedia.org/wiki/File:1302Lilla_Karlsö.jpg |
SP 27: Naturum Tåkern (1) Henry Stahre, (2) Vadstena
kommun, (3) Stefan Åström | SP 29: (1, 3) Liseberg AB,
Stefan Karlberg, (2) Liseberg AB | SP 31: westsweden.com
(1) Per Pixel, (2) Göran Assner, (3) Jacob Zocherm | SP 34:
(1, 3) westsweden.com, Roger Borgelid, (2) Adobe Stock
HLPhoto | SP 35: (1) Mimi Böckmann, (2) Wolfram
Bohnenberger | SP 38: (1–3) Bernd Heidenreich | SP 39:
(1–3) Rottneros Park, Lars Jacob Jakobsson | SP 40: (1) KM
IDÉ, (2) Oyvind Lund, (3) Mårbackastiftelsen, Alice Strid |
SP 44: (1) Nordiska museet, Peter Segemark | SP 48:
Drottningholms Slottsteater, Markus Gårder | SP 49: (2)
Sabine Boewer | SP 53: (3) Lisa Irvall/Solala | SP 56: (1) Vasamuseet/SMTM,
Anneli Karlsson, (2) Vasamuseet/SMTM,
Karolina Kristensson, (3) Åke E:son Lindman | SP 57: (1–3)
Skansen, Alex Hinchcliffe | SP 61: (2) Destination Uppsala,
Gustav Dalesjö | SP 62: (1–3) Nordstjernan AB, Bruno Ehrs
| SP 63: Visit Dalarna (1) Anna Holm, (2) Richard Lindor
| SP 64: (1, 3) per@myrhed/Carl Larsson-gården, (2)
wikimedia commons, gemeinfrei | SP 67: (3) wikimedia
commons, gemeinfrei | SP 71: Thomas Momsen | SP
73: (1, 2) Thomas Momsen, (3) Jasmin Walter | SP 74:
Christoph Kraul | SP 75: Thomas Momsen | SP 76: Thomas
Momsen | SP 78: (2) Gudrun Kägi | SP 79: (1) Christoph
Kraul, (2, 3) Thomas Momsen | SP 80: Thomas Momsen
Alle weiteren Bilder: Sabine Schwieder
Die Texte der Soul Places 71, 73, 75, 76 und 80 sind
geschrieben von Thomas Momsen.
Bibliografische Information der Deutschen
Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.dnb.de abrufbar.
Reise Know-How-Bücher finden Sie in allen gut
sortierten Buchhandlungen.
Falls nicht, kann Ihre Buchhandlung unsere Bücher
hier bestellen:
D: Prolit, prolit.de und alle Barsortimente
A: Freytag-Berndt und Artaria KG, freytagberndt.com
CH: AVA Verlagsauslieferung AG, ava.ch
B, LUX, NL: Willems Adventure, willemsadventure.nl
oder direkt über den Verlag:
www.reise-know-how.de
Wir freuen uns über Kritik, Kommentare und
Ver besserungsvorschläge, gern per E-Mail an
info@reise-know-how.de.
Alle Informationen in diesem Buch sind von der Autorin
mit größter Sorgfalt gesammelt und vom Lektorat
des Verlages gewissenhaft bearbeitet und überprüft
worden. Da inhalt liche und sachliche Fehler nicht ausgeschlossen
werden können, erklärt der Verlag, dass
alle Angaben im Sinne der Produkthaftung ohne Garantie
erfolgen und dass Verlag wie Autorin keinerlei
Verantwortung und Haftung für inhaltliche und sachliche
Fehler über nehmen. Die Nennung von Firmen
und ihren Produkten und ihre Reihenfolge sind als Beispiel
ohne Wertung gegenüber anderen anzusehen.
Qualitäts- und Quantitätsangaben sind rein subjek tive
Einschätzungen der Autorin und dienen keinesfalls der
Bewerbung von Firmen oder Produkten.
»
Man trägt eine
Tracht und
Blumenkränze
im Haar, singt
fröhliche Lieder
und tanzt um
den geschmückten
Mittsommerbaum.
«
NORRBOTTEN
LAND
VÄSTERBOTTEN
JÄMTLAND
BORG
DALARNA
UPPSALA
LAND
BRO
LAND
VÄRMLAND
ÖSTERGÖTLAND
KALMAR
VÄSTRA
GÖTALAND
JÖNKÖPING
KRONOBERG
HALLAND
SKÅNE
BLEKINGE
74
75
76
80
78
77
72
73
71
70
69
68
67
66 65 64
63
62
39 40
38
37
36
33
32
31
30 29 28
24
25
26 27 41
23
21
16
12
11
10
15
14
13
9
5
4
8
3
2
1
7
6
17
18 19
20
42 43
44
45
46
47
48
49
59
60
61
Malmö
Göteborg
Stockholm
52
51
53
50
55
56
54
57
58
Stockholm
GOTLAND
22
35
34
79
Die Autorin
Schweden
Sabine Schwieder bewegt sich als Journa-
reisend und schreibend durch die Welt. Ihre
Liebe zu Schweden begann mit den Bullerbü-Büchern,
was in den Reise Know-How-
Landkarte daneben studiert, brachte ihr
so nahe, dass sie sich in Schweden besser
auskennt als in Deutschland. So war es nicht
Bei der Beschreibung des nördlichen Landesteils
wurde sie von Thomas Momsen
-
Echte Geheimtipps
Unbekannte Sehnsuchtsorte
Überraschende Entdeckungen
€ 20,-