10.12.2025 Aufrufe

SB_22054LP

  • Keine Tags gefunden...

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

2024

Abschlussbericht

DVS-Forschung

Ausfallsicherheit von

Hartmetallschichten

bei Hochtemperaturanwendungen



Ausfallsicherheit von

Hartmetallschichten bei

Hochtemperaturanwendungen

Abschlussbericht zum

Forschungsvorhaben

IGF-Nr.: 22.054 N

DVS-Nr.: 02.2347

Fraunhofer-Gesellschaft e.V.

Fraunhofer-Institut für Keramische

Technologien und Systeme (IKTS)

Förderhinweis:

Das IGF-Vorhaben Nr.: 22.054 N / DVS-Nr.: 02.2347 der Forschungsvereinigung

Schweißen und verwandte Verfahren e.V. des DVS, Aachener Str. 172, 40223 Düsseldorf,

wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen

Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind online

abrufbar unter: http://dnb.dnb.de

© 2024 DVS Media GmbH, Düsseldorf

DVS Forschung Band 599

Bestell-Nr.: 170709

Kontakt:

Forschungsvereinigung Schweißen

und verwandte Verfahren e.V. des DVS

T +49 211 1591-0

F +49 211 1591-200

forschung@dvs-home.de

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung in andere Sprachen, bleiben

vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages sind Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen nicht gestattet.


Inhaltsverzeichnis

1 Durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse .......................................................................................... 3

1.1 Stand der Forschung und Entwicklung ............................................................................................ 3

1.2 Arbeitspaket 1: Beschichtungspulver und Substratauswahl ......................................................... 10

1.3 Arbeitspaket 2: PA-Vorabgestimmte Substrat-Schicht-Kombinationen ....................................... 15

1.4 Arbeitspaket 3: Erprobung von Haftvermittlerschichten zur Vermeidung der Interdiffusion ...... 21

1.5 Arbeitspaket 4: Charakterisierung der wärmebehandelten Schichten ......................................... 21

1.6 Arbeitspaket 5: Optimierung der Beschichtungslösung ................................................................ 68

1.7 Arbeitspaket 6: Demonstratoren .................................................................................................. 78

1.8 Arbeitspaket 7: Ergebnistransfer .................................................................................................. 80

2 Verwendung der Zuwendung ........................................................................................................ 81

3 Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit ........................................................... 81

4 Darstellung des wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Nutzens der erzielten Ergebnisse

insbesondere für KMU sowie ihres innovativen Beitrags und ihrer industriellen

Anwendungsmöglichkeiten ........................................................................................................... 81

5 Wissenstransfer in die Wirtschaft .................................................................................................. 82

6 Durchgeführte Transfermaßnahmen ............................................................................................. 84

7 Geplante spezifische Transfermaßnahmen nach der Projektlaufzeit ............................................... 85

8 Literaturverzeichnis ...................................................................................................................... 85

Seite 2

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22054N


1 Durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse

1.1 Stand der Forschung und Entwicklung

Verschleißschutz bei hohen Temperaturen

Der Verschleißschutz ist eines der wichtigsten Anwendungsgebiete thermisch gespritzter Beschichtungslösungen,

bei dem der Hochtemperatureinsatz eine immer bedeutendere Rolle spielt. In vielen industriellen

Bereichen sind dafür Cr 3C 2-NiCr-Schichten bis 900 °C im Einsatz, die die beste Kombination von Hochtemperatur-,

Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit bieten (Berger 2014, 2018). Etliche Arbeiten hatten bis zum

Zeitpunkt der Antragstellung bereits nachgewiesen, dass Schichten aus binären WC-Cr 3C 2-Zusammensetzungen

mit einem Cr 3C 2-Gehalt von rund 20 Masse-% und mehr bei 800 °C und einer Versuchsdauer von weniger

als 24 h auch eine Kombination aus hoher Oxidationsbeständigkeit und sehr guter Verschleißbeständigkeit

besitzen (Matikainen et al. 2017b; Janka et al. 2018). In Abhängigkeit von der Einsatztemperatur und der

Anwendungsumgebung kommt es beim Hochtemperatureinsatz von Hartmetallschichten neben der Oxidation

an der Schichtoberfläche zu umfangreichen Strukturänderungen innerhalb der Schichten und zu einem

Austausch von Elementen von Schicht- und Substratwerkstoff durch Interdiffusion. Interdiffusion an der

Grenzfläche Substrat-Schicht führt mit möglicher Porenbildung zu einer inneren Schwächung der Schicht, die

beim Langzeiteinsatz zu Schichtausfällen mit dramatischen Folgen führen kann. Die Bedeutung der Interdiffusion

für die Langzeitstabilität von Schichten kann am enormen Umfang der Arbeiten ermessen werden, die

im Turbinenbau für das Verhalten von MCrAlY-Schichten auf Nickelsuperlegierungen im Temperaturbereich

1000-1100 °C durchgeführt wurden (Galiullin et al. 2018; Yuan et al. 2013). Dagegen wurden die Folgen von

Interdiffusionsvorgängen bis 900 °C zwischen reinen und legierten Cr 3C 2-NiCr-Schichten mit für Hochtemperaturanwendungen

geeigneten Substratwerkstoffen trotz ihrer praktischen Bedeutung bis zum Zeitpunkt der

Antragstellung nur rudimentär untersucht (Matthews und Berger 2019). Seitdem sind international auch nur

wenige Arbeiten dazu bekannt geworden (Ozbek et al. 2025). Die Möglichkeit der Bildung von Oxidlagen auf

den Substratoberflächen war zum Zeitpunkt der Antragstellung bekannt (Matthews und Berger 2019; Berger

et al. 2016), ihre mögliche Bedeutung für den Schichtausfall wurde dagegen noch nicht diskutiert.

Herstellung thermisch gespritzter Hartmetallschichten

Thermisch gespritzte Hartmetallschichten (z.B. WC-Co und Cr 3C 2-NiCr) werden seit rund 70 Jahren hergestellt.

Abbildung 1 illustriert das Prinzip der Schichtbildung. Das Hochgeschwindigkeitsflammspritzen unter

Verwendung von Sauerstoff oder Luft für die Verbrennung (HVOF bzw. HVAF) stellen den aktuellen industriellen

Stand der Technik dar (Berger 2018). Aus im Spritzprozess erwärmten und beschleunigten Beschichtungspulverpartikeln,

die beim Aufprall auf dem Substrat plastisch deformieren, bildet sich die überwiegend

mechanisch an das Substrat gebundene Schicht mit einer typischen Dicke im Bereich von 50 bis 500 µm. Die

Schichten befinden sich nach dem Spritzen in einem starken thermodynamischen Ungleichgewicht, hauptsächlich

hervorgerufen durch die rasche Abkühlung der Spritzpulverpartikel. So verbleiben die während des

Spritzprozesses gelösten Carbide im metallischen Binder.

Seite 3

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22054N


Abbildung 1 Allgemeines Prinzip der Herstellung thermisch gespritzter Hartmetallschichten (Berger 2014).

Hartmetallzusammensetzungen für den Hochtemperatureinsatz

Die für die Herstellung der Schichten gegenwärtig verwendeten kommerziell verfügbaren Hartmetallbeschichtungspulver

basieren auf Zusammensetzungen mit WC und Cr 3C 2 als Hartstoffe, sowie Kobalt, Nickel

und Legierungen auf ihrer Basis als metallische Binder. Eine Übersicht über die aktuell wichtigsten kommerziellen

Zusammensetzungen und eine in diesem Projekt verwendete experimentelle Zusammensetzung wird

in Abbildung 2 gegeben. Die grafische Darstellung zeigt das WC/Cr 3C 2-Verhältnis unabhängig vom Bindermetallgehalt,

welcher für alle Zusammensetzungen bei unterhalb von 30 vol% liegt (Berger 2018). Cr 3C 2 ist gegenüber

WC auf Grund seiner Oxidations- und Korrosionsbeständigkeit bei Einsatztemperaturen von bis zu

900 °C und in korrosiven Medien der geeignetere Hartstoff. Der relativ geringe Unterschied des Wärmeausdehnungskoeffizienten

(WAK) von Cr 3C 2-NiCr zum WAK von Stahl ist ein weiterer Vorteil (Bolelli et al. 2016).

Nachteilig ist die geringere Verschleißbeständigkeit der Cr 3C 2-NiCr-Schichten. Wie eine neue Übersicht über

wichtige Systeme für Sinterhartmetalle zeigt, haben binäre WC-Cr 3C 2-Ni(Co) Zusammensetzungen dort keine

Bedeutung (García et al. 2019). Dies bedeutet, dass bei Werkstoffentwicklungen für das thermische Spritzen

nicht auf Grundlagenarbeiten auf dem Gebiet der Sinterhartmetalle zurückgegriffen werden kann.

Sowohl WC-Co als auch WC-CoCr Schichten oxidieren schon bei 450-500 °C unter Bildung von WO 3 und

CoWO 4 sehr schnell (Berger et al. 2005; Nolan et al. 1998). Cr 3C 2-NiCr ist die Standardzusammensetzung für

den Einsatz bei hohen Temperaturen an Luft. Der Einsatz dieser Schichten bis 900 °C wird durch die Bildung

von Cr 2O 3-Zunderschichten auf der Schichtoberfläche ermöglicht (Berger et al. 2005; Ding et al. 2015;

Matthews et al. 2009). Cr 2O 3 gehört daher zu den “klassischen” Schutzphasen (Schütze et al. 2006). Gemeinhin

wird eine Anwendungsgrenze von 950 °C angegeben, die zur Oxidation des Cr 2O 3 zum flüchtigen CrO 3

führt (Khanna 2004). Untersuchungen an Hochtemperaturlegierungen bis 1200 °C (Jönsson und Westerlund

2017) zeigten, dass die Einsatztemperaturen von Cr 3C 2-NiCr Schichten an Luft auch darüber liegen könnten.

Durch die Oxidation von Cr 2O 3 zu flüchtigen und gesundheitsgefährdenden Cr(VI)-Verbindungen wird der Einsatz

bei Temperaturen > 1200 °C dann endgültig verhindert.

Die ersten Informationen über eine kommerzielle Schichtzusammensetzung 45Cr 3C 2-37WC-18M (mit M =

NiCoCrFe) und die Schichteigenschaften erschienen 2004/2005 (Kirsten und Oechsle 2004; Kirsten et al.

2005), allerdings ohne eine Motivation für diese Binderzusammensetzung anzugeben. Danach folgten etliche

Seite 4

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22054N


Publikationen mit Schwerpunkt tribologische Eigenschaften vergleichend zu Cr 3C 2-NiCr und WC-10Co4Cr, darunter

auch einige bei erhöhten Temperaturen (Hulka et al. 2012; Reisel und Zimmermann 2015; Berger et

al. 2015, 2016; Matikainen et al. 2017a; Matikainen et al. 2017b; Matikainen et al. 2020; Janka et al. 2018).

Die ähnliche Zusammensetzung 42Cr 3C 2-42WC-16Ni wurde ungefähr 10 Jahre später in den Markt eingeführt

(Gries 2015), aber systematische Untersuchungen wurden erst vor kurzem begonnen (Picas et al. 2023;

Matthews et al. 2023; Matthews und O'Neil 2024; Berger et al. 2023).

Die WC-Basis-Zusammensetzung WC-20Cr 3C 2-7Ni mit hohem Cr 3C 2-Anteil geht auf eine Erfindung von 1958

zurück (Berger 2014, 2018). die Besonderheiten dieser Zusammensetzung und deren Eigenschaften wurden

unter anderem wurden in eigenen Arbeiten untersucht (Berger et al. 2007; Berger et al. 2008, 2010; Bolelli

et al. 2014). Nach tribologischen Versuchen bei 800°C über 14 h wurde nach Untersuchungen außerhalb der

Verschleißspur eine Langzeitbeständigkeit vergleichbar mit Cr 3C 2-NiCr prognostiziert (Berger et al. 2008; Berger

2018).

Abbildung 2: Grafische Darstellung des Verhältnisses von WC und Cr 3C 2 (in Masse-%) in kommerziellen Beschichtungspulverzusammensetzungen

und der experimentellen Zusammensetzung 70Cr 3C 2-10WC-20Ni. Für WC-10Co4Cr wird die Verwendung von Cr 3C 2 für

die Beschichtungspulverherstellung angenommen, wie sie auch in kommerziellen Produkten nachgewiesen werden kann. Modifizierte

Fassung von früheren Versionen (Berger 2018; Reisel et al. 2023; Berger et al. 2025a).

Wirkung von hohen Temperaturen auf Hartmetallschichten

Eine Erwärmung, sei es eine thermische Nachbehandlung oder direkt der Hochtemperatureinsatz, führt

schon nach kurzen Zeiten zu strukturellen und somit Eigenschaftsänderungen der Schicht. Abbildung 3 fasst

die wichtigsten strukturellen Veränderungen des Einflusses von Temperatur an Luft am Beispiel einer Cr 3C 2-

NiCr-Schicht zusammen. Dies gilt im Wesentlichen auch für alle für einen Hochtemperatureinsatz geeigneten

binären WC/Cr 3C 2-Zusammensetzungen. Diese Veränderungen dürfen die Schichten und deren Substrathaftung

nicht schwächen, um so dem Angriff von außen durch Verschleiß und Korrosion widerstehen zu können.

Die Veränderungen der Schichtmikrostrukturen und -eigenschaften hängen von der Intensität der Lösung des

Cr 3C 2 in der Bindermatrix während des Spritzprozesses ab, diese wiederum vom Spritzprozess und den Beschichtungspulvereigenschaften

(Janka et al. 2016; Janka et al. 2018; Matikainen et al. 2017a; Matikainen et

al. 2017b). Da der Binder mit Chrom und Kohlenstoff übersättigt ist, kommt es unter dem Einfluss von Wärme

zu Ausscheidungen sekundärer Carbidkörner in der Bindermatrix. Dies sind sehr schnelle Prozesse, die bei

600 °C bereits nach 5 min nachgewiesen werden können (Janka et al. 2016). Das Wachstum dieser sekundären

Carbide kann bei längeren Zeiten und ausreichend hohen Temperaturen in die Ostwald-Reifung

Seite 5

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22054N

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!