Magazin MUT Dezember 2025
Magazin der Stiftung Hospiz Zentralschweiz
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Katzengeschichten
Miau
Jimini's
Hospiz-Alltag
Rituale sind eine gute Sache. Es ist
zum Beispiel absolut notwendig, dass
das Futter-Ritual täglich mehrmals
stattfindet. Auch das mit den rituellen
Ruhepausen ist prima. Was ich einfach
nicht verstehe, sind die Rituale der
Zweibeiner, wenn es draussen kalt wird.
Es läge auf der Pfote, dass man sich bei
Kälte und längeren Nächten mehr in den
warmen Ecken ausruht, sich aufs Leben
besinnt und genüsslich die Erfahrungen
und Erinnerungen der warmen Jahreszeiten
nachwirken lässt. Aber nein: Bei
den Zweibeinern läuft das anders.
Sie haben eine unerklärliche Lust,
jedes Jahr alles zu dekorieren. Und das
gibt ganz schön zu tun. Ich werde das
nie verstehen. In diesem Jahr basteln
sie Sterne. Wenn das nur gut kommt...
Und dann diese Baum-Mode: Jahr für
Jahr schleppen sie die Tannen ins Haus.
Wahrscheinlich befürchten sie, dass
diese Tannen draussen erfrieren würden
und nehmen sie vielleicht deshalb
vorsorglich rein. Wieso nicht mal eine
Eiche? Oder eine Birke? Die würden
sich auch gut machen und wären eine
willkommene Abwechslung. Ob Tannen
wegen ihrer Nadeln für die Zweibeiner
wohl wertvoller sind?
Apropos Abwechslung: Es gibt immer
wieder Zweibeiner, die sich neben
uns Katzen auch Hunde als Besucher
wünschen. Ich habe im grossen
Ganzen nichts gegen Hunde. Ich
verstehe nur nicht, warum sie nie allein
kommen können. Immer sind da Zweibeiner
mit dabei, die sie an einer Schnur
halten. Kein Respekt für die Hunde-Autonomie!
Darum müssen die Hunde dann
auch immer zerren und ziehen. Ich würde
mich niemals an eine Schnur binden
lassen. Interessanterweise kommt auch
keiner auf die Idee.
Kürzlich kam ein Hund zu Besuch,
der wirklich nicht der Hellste war: Der
hat doch tatsächlich den Hölzernen
ausgebellt und hätte ihn auch gebissen,
wäre da nicht die Schnur gewesen, die
ihn mit dem Zweibeiner verband. Der
sah immerhin den Unterschied vom
Hölzernen zu Koko und mir. Aber als
Katzenteam hat uns das ganz schön
mitgenommen. Ausserdem können
diese Hunde auch nicht allein bei den
Zweibeinern, die in den Betten liegen,
verweilen. Dabei ist es das Einfachste
auf der Welt: Rauf aufs Bett und in die
warmen Decken kuscheln. Aber Hunde
sind so unruhig, schnüffeln dauernd
rum und reagieren auf den kleinsten
Furz. Und dann das Bellen! Es gibt doch
entschieden elegantere Methoden, sich
bemerkbar zu machen, meine ich. Und
wenn man ihnen dann mutig entgegentritt,
ziehen sie den Schwanz ein und
schleichen sich. Das ist ja auch
kein richtiger Stil. Ich habe auch
schon bemerkt, dass es Zweibeiner
gibt, die wie Hunde sind: Laut Bellen
und nichts dahinter. Da sag ich bloss:
Nicht beeindrucken lassen und erst mal
eine Runde schnurren.
Und dennoch: Irgendwie mag ich
sie, diese Hunde. Also die Drei, die regelmässig
kommen, verstehen ihr Geschäft
ganz gut und haben ihre Zweibeiner
dabei, die sie unterstützen. Es können
ja nicht alle so schlau sein wie wir
Katzen. Kürzlich hatten wir übrigens
Katzen-Teamsitzung, weil die Arbeit für
uns so zugenommen hat. Wir müssen
uns klug aufteilen, um allen gerecht zu
werden. Ich liebe meine Arbeit und das
Begleiten der Zweibeiner. Und ich schätze
es, dass sie uns nicht an Schnüre
binden, sondern unsere Befehle treulich
ausführen. Ihre Lust, Tiere anzubinden,
können sie ja mit den Hunden ausleben.
Ein Hoch aufs Katzendasein!
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Stiftung Hospiz Zentralschweiz 27