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my life_Ausgabe 15.12.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden

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Ein Geschenk Ihrer Apotheke

24 | 15. Dezember 2025 B

10 Seiten Dossier

Mit

Zuversicht

in ein glückliches neues Jahr

Selbstfürsorge: 12 einfache Wege zu einem erfüllten und gelassenen Leben

Selbstmitgefühl: Warum negative Emotionen für Ihr Glückspotenzial wichtig sind

Selbstversuch: Zufriedenheit kann man lernen – wenn man neue Prioritäten setzt

Hauptsache, cool bleiben

Wundergewebe: Kälte aktiviert den

Abnehm-Booster braunes Fett

Schön trotz Schnupfen

Gute Pflege: Wunde Nase, glasige

Augen, rote Äderchen – das hilft!

Süßes Silvester-Naschwerk

Hallo, 2026! Unsere Dessert-Ideen

für Ihr Party-Buffet sind der Knaller


INHALT

18

Gepflegt trotz Schnupfen

Wie Sie gerötete Augen und eine

erkältungswunde Nase abmildern –

und Ihre Haut gut geschützt

durch die kalte Jahreszeit kommt

GESUNDHEIT

6 Magazin

Aktuelles aus Medizin,

Wellness und Ernährung

12 Wunder Abnehmspritze?

20 Mehlfreie Küche

Alternativen aus Soja oder

Hülsenfrüchten haben viele Voraber

auch manche Nachteile

24 DOSSIER

Zuversicht

Weniger Handyzeit, mehr Dankbarkeit

und Hilfsbereitschaft –

es sind kleine Dinge, die für ein

Plus an Zufriedenheit sorgen

34 Salbei tut richtig gut

Das universelle Heilkraut löst

den Schleim, lindert Entzündungen

und pflegt die Zähne

36 Frieren für die Fitness

Kälte regt unser braunes Fett an,

ein Wundergewebe, das gehörig

den Stoffwechsel ankurbelt

12

Wunder Abnehmspritze?

Semaglutid & Co. können den Appetit

hemmen. Immer mehr Studien zeigen

jetzt, dass auch verschiedene Organe

von den Wirkstoffen profitieren

52 Mit Herz und Menschlichkeit

Unheilbar kranken Kindern zu

helfen – das ist seit neun Jahren

die Mission der Stiftung Valentina

54 Frauen schnarchen doch nicht …

Leider doch! Vor allem nach den

Wechseljahren. Die besten Tipps

64 Ein ganz besonderer Saft

Eine Anämie erschöpft. Diese

Mineralstoffe und Vitamine

unterstützen die Blutbildung

66 Au, der Bauch!

Was zu tun ist, wenn das Kind

eine Verstopfung hat, und was für

mehr Ruhe in der Mitte sorgt

68 „Man muss selbst gesund sein“

Nur so lässt sich auch Gesundheit

vermitteln, sagt Karen Faisst, die

neue PTA des Jahres

BEAUTY

18 Gepflegt trotz Schnupfen

50

Skifahren im Aostatal

Die kleinste Region Italiens ganz groß:

Neben schneesicheren Pisten locken

besondere kulinarische Erlebnisse – und

ein Ausflug an den Mont Blanc!

LIFESTYLE

40 Fingerfood fürs Party-Buffet

Unsere Silvester-Häppchen sind

ein kulinarischer Knaller!

46 Süßer Start ins neue Jahr

Kleine Verführer zum Dessert und

feine Cocktails ganz ohne Alkohol

50 Skifahren im Aostatal

60 Kleine Gäste, großes Glück

Ein liebevoll gestaltetes Vogelhäuschen

macht Balkon und

Garten zum beliebten Treffpunkt

WOHLFÜHLEN

56 Eine Tasse voll Geborgenheit

Warum ein heißer Tee uns rundum

guttut – mit Genuss-Rezepten!

RUBRIKEN

3 Editorial, Stiftungsbeirat

38 Kommentar

70 Glücks-Kalender

72 Kreuzworträtsel, Sudoku

74 Vorschau, Impressum

FOTOS TITEL: GETTY IMAGES/ISTOCK (2); ADOBE STOCK; STOCKFOOD/KAROLINA POLKOWSKA INHALT: GETTY IMAGES/ISTOCK (2); ALL MAURITIUS IMAGES

4 my life 24/2025


my life


GESUNDHEIT

HOFFNUNG

GLP-1-Analoga

könnten das

Fortschreiten

von Alzheimer

verzögern

ENTLASTUNG

Herz und Kreislauf

profitieren,

extrem, wenn

das Gewicht sinkt

SÄTTIGUNG

Die Wirkstoffe

signalisieren

dem Magen ein

„Völlegefühl“

LINDERUNG

Denkbar ist

der Einsatz

bei Gelenkentzündungen

wie Arthritis

SCHUTZ

Die Abnehmspritze

senkt

das Risiko

von Nierenversagen


VIELVERSPRECHENDE NEBENWIRKUNGEN

Wundermittel

Abnehmspritze?

Sie schützen Herz und Nieren, womöglich bewahren sie vor Krebs und Alzheimer.

Immer mehr Studien kommen zu dem Ergebnis: Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid

können offenbar weit mehr, als nur den Appetit hemmen. Ein Überblick

Dr. Johannes Sander findet die Wirkstoffe

der berühmt gewordenen Abnehmspritzen

„faszinierend“. Das hätte man

nicht unbedingt von ihm erwartet, denn Dr.

Sander ist Adipositaschirurg. In der Schön-

Klinik Hamburg-Eilbek verkleinert er Tag für

Tag operativ den Magen von Menschen, die

schwer übergewichtig sind. Und diesem Kunstgriff

soll ein Medikament ebenbürtig sein?

Wirksam. Ist es auch nicht. Die hierzulande

am häufigsten verwendeten Abnehmspritzen –

sie enthalten die Wirkstoffe Semaglutid beziehungsweise

Tirzepatid – führen zu einem Gewichtsverlust

von im Schnitt gut 15 Prozent.

„Die Operation bringt, je nach Methode, etwa

doppelt bis dreimal so viel“, sagt Dr. Sander.

Allerdings bleibt der Eingriff jenen vorbehalten,

deren Körper sich krankhaft ausdehnt. Die

Kassen zahlen ab einem Körper-Masse-Index

(BMI) von 35, wenn also etwa ein 1,80 Meter

großer Mann 115 Kilogramm oder mehr wiegt,

mit schweren Folgeerkrankungen. Gespritzt

werden hingegen darf er auf Privatrezept

schon ab 90 Kilogramm oder einem BMI von

27. An Patienten wird es Dr. Sander dennoch

auch künftig nicht mangeln. Die Begeisterung

des Chirurgen gründet sich vielmehr auf die

Wirkungen der Abnehmspritzen. Sie gehen offenbar

weit über ihre Hauptfunktion hinaus.

Abnehmspritzen ahmen den Effekt eines

körpereigenen Hormons nach. Es heißt GLP-1,

Glucagon-like Peptide-1. Schon lange weiß man,

dass es satt macht und den Blutzuckerspiegel

senkt, indem es dafür sorgt, dass mehr Zucker

von den Körperzellen aufgenommen und vermehrt

das Hormon Insulin produziert wird.

GLP-1 und seine Nachahmer (Analoga) vermitteln

dem Magen sein „Völlegefühl“ und wirken

zugleich im Gehirn. Sie signalisieren ihm Sättigung

und unterdrücken das Hungergefühl.

Eine Fülle an Möglichkeiten

Inzwischen zeigt sich, dass sich darin die Wirkung

der Abnehmstoffe noch lange nicht erschöpft.

Eine wissenschaftliche Untersuchung

nach der anderen ergibt, dass Menschen, die

regelmäßig die pharmazeutischen Versionen

von GLP-1 zu sich nehmen, in vielerlei Hinsicht

gesünder sind. Sie sterben seltener an

Herzinfarkten, sie leiden weniger unter Arthrose,

ihre Nieren sind ebenso gesünder wie

ihre Leber, und schließlich bleiben sie gar

geistig länger fit als andere. Möglicherweise

werden sie seltener depressiv und können sich

beherrschen, wenn es um Suchtmittel wie

Alkohol und Nikotin geht.

Die aktuellste Studie wurde jüngst auf der

Jahrestagung der American Heart Association

(AHA) in New Orleans vorgestellt: Ein Forschungsteam

der TU München und der Harvard

Medical School in Boston belegte für die

Wirkstoffe Sema glutid und Tirzepatid bei ➡

Eine Operation

bringt den doppelten

bis dreifachen

Gewichtsverlust

Dr. med. Johannes Sander,

Chefarzt der Adipositas-

Klinik an der Schön Klinik

Hamburg-Eilbek, Facharzt für

Allgemein- und spezielle

Viszeralchirurgie sowie

für Ernährungsmedizin;

schoen-klinik.de

24/2025 my life

13


Neustart Der Gewichtsverlust

ist die allgemein

bekannte Wirkung

von GLP-1-Analoga. Schon

die purzelnden Pfunde

haben enorme Effekte

auf die Gesundheit

➡ Menschen mit Typ-2-Diabetes eine vergleichbare

kardioprotektive Wirkung – sie erlitten

seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Basis waren fast 600000 Datensätze

von Patienten.

Eine weitere US-Studie aus diesem Jahr legt

eine vorbeugende Wirkung bei 14 Krebsarten

nahe. Dazu zählen Tumoren der Bauchspeicheldrüse,

der Nieren, der Eierstöcke, des Darms,

der Speiseröhre, des Magens und der Leber. Die

Forscher verglichen über zehn Jahre hinweg die

Gesundheitsdaten von 170000 übergewichtigen

Patienten, die wegen ihrer Diabeteserkrankung

unterschiedliche Medikamente verschrieben

bekommen hatten. Gegen Typ-2-Diabetes

sind die GLP-1-Analoga schon länger zugelassen.

Unter jenen, die sie einnahmen, zeigte sich

eine „bescheidene“ Schutzwirkung vor Krebs,

so Lucas Mavromatis aus New York, der Hauptautor

der Studie.

Unklar. Der Effekt scheint also eher gering

zu sein, und es ist noch lange nicht klar, ob er

lediglich dadurch zustande kommt, dass Fettpolster

schwinden und der Blutzucker reguliert

wird. Schließlich zählen Übergewicht und

Diabetes zu den Risikofaktoren für die genannten

Krebsarten. Besser untersucht und

schlichtweg erstaunlich sind die Zusammenhänge

zwischen den GLP-1-Analoga und neurologischen

sowie psychischen Leiden auf der

einen und dem Herz-Kreislauf-System auf der

anderen Seite. Es scheint, dass der 2006 verstorbene

Göttinger Gastroenterologe und Endokrinologe

Prof. Werner Creutzfeldt, der als

Entdecker des GLP-1 gilt, ein extrem vielseitiges

Peptid gefunden hat.

Dockt im Darm an, wirkt im Gehirn

Der wohl entscheidende Unterschied zwischen

künstlichem und körpereigenem Hormon ist

die Wirkdauer. Das natürliche GLP-1 agiert

nur wenige Minuten im Körper, dann wird es

abgebaut. Die Industrieforscher dagegen haben

ihren Stoff mit einigen Tricks so abgehärtet,

dass er mit der Halbwertszeit von einer Woche

im Blut zirkuliert. Die einleuchtende Theorie:

Das gibt dem künstlichen Hormonersatz

die Chance, das Gehirn zu erreichen und dort

seine appetitstillende Wirkung zu entfalten.

„Das aber ist teils überholt“, sagt Prof. Marc

Tittgemeyer. Er erforscht am Max-Planck-Institut

für Stoffwechselforschung, welche Effekte

die Ernährung auf das Gehirn hat. Inzwischen

sei klar, dass die Abnehmstoffe, so wie

ihr natürliches Pendant, im Dünndarm ansetzen.

Dort sitzen Rezeptoren an den Enden

eines Nervenstrangs, der sich durch den gesamten

Körper zieht und lebenswichtige

Funktionen koordiniert: der Vagusnerv. Er

steuert etwa die Herzfrequenz, kontrolliert

die Atmung und reguliert die Verdauung. An

den Kontaktstellen zu diesem Nerv bindet das

GLP-1, sowohl das körpereigene als auch die

Wirkstoffe, und veranlasst ihn, Signale ins Gehirn

auszusenden.

Vernetzt. „Dort sitzen ebenfalls Zellen, die

GLP-1 ausschütten“, erklärt Prof. Tittgemeyer.

Und eben dort ist es in der Lage, den Gehirnstoffwechsel

zu beeinflussen. Es hemmt jene

Zellen im Hypothalamus, die dem Gehirn ein

Hungergefühl vermitteln. Gleichzeitig bremst

es die Ausschüttung von Dopamin, eines Botenstoffs,

der Glücksgefühle und Verlangen

14 my life 24/2025


steuert. Gewöhnlich stehen beide Prozesse in

einer Balance. Sobald der Hunger gestillt ist,

lässt der Appetit wieder nach. Doch bei übergewichtigen

Menschen ist dieses Gleichgewicht

beeinträchtigt. Sie werden von dem Verlangen,

etwas zu essen, mitunter überwältigt.

Tatsächlich zeigen Beobachtungen, dass die

Abnehmspritze auch von Süchten wie Alkohol

oder Zigaretten befreien kann. „GLP-1 scheint

normalisierend auf das Gehirn zu wirken und

die Verknüpfung von Körperzustand und Antrieb

zu regulieren“, sagt Prof. Tittgemeyer. Das

Zusammenspiel mit dem Vagusnerv ist nicht

das einzige Beispiel dafür, wie eng das Hormon

mit dem Nervensystem vernetzt ist. GLP-1

wirkt über Nervenleitungen im Rückenmark

auf den Magen. Es verzögert seine Entleerung

in den Dünndarm und erzeugt so ein Völlegefühl.

Dieser Effekt erkläre auch die wohl häufigste

Nebenwirkung der Abnehmspritze, die

Übelkeit, so Prof. Tittgemeyer. „Wenn die Dosis

minimal zu hoch liegt, fühlt sich das an, als sei

der Magen übermäßig voll“, sagt er.

Kein Beweis, aber eine Hoffnung

Mit diesem Einfluss auf das Gehirn ist es aber

nicht getan. Anfang April legten Forscher aus

Florida, darunter Neurologen und Alzheimer-

Experten, Ergebnisse einer Analyse von knapp

34 000 Patienten vor. Auch sie hatten Diabetes,

kamen also, ähnlich wie die Probanden in

der neuen Krebsstudie, für eine Therapie mit

GLP-1-Analoga schon länger infrage.

Die Teilnehmer der Alzheimer-Studie waren

durchschnittlich 65 Jahre alt. Die Beobachtungszeit

betrug neun Jahre. Die Forscher sahen

sich rückblickend ihre Gesundheitsdaten

an. Das Ergebnis: Jenen Patienten, die GLP-1-

Wirkstoffe erhalten hatten, stellten Ärzte in

den nächsten Jahren deutlich seltener eine

Alzheimer-Diagnose als jenen, die andere Medikamente

gegen ihren Diabetes bekamen.

Alternative. Niemand, auch nicht das Autorenteam

aus Florida, spricht auf Grundlage

dieser im renommierten Journal „JAMA Neurology“

erschienenen Studie von einem Beweis.

Die Wissenschaftler registrierten lediglich

einen statistischen Zusammenhang. Möglichen

biologischen Grundlagen, die diese Beobachtung

erklären könnten, gingen sie nicht nach.

Darauf weisen unter anderem Institutionen

wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie

(DGN) hin. Die DGN ergänzt, dass auch eine gesunde

Lebensführung – mit Bewegung, gesunder

Ernährung, viel sozialen Kontakten und

der Korrektur von Seh- und Hörproblemen –

das Demenzrisiko um bis zu 45 Prozent senken

könne, zu deutlich geringeren Kosten.

DGN-Generalsekretär

Wirkung aufs

Prof. Peter Berlit, der

Antientzündliche

einige fachärztliche Belohnungszentrum Lehrbücher verfasst hat,

4 Effekte im Gehirn

hält aber und einen den Hypothalamus

und Alzheimer keineswegs für

Zusammenhang zwischen

GLP-1-Analoga

ausgeschlossen. Hypothalamus Derartige Medikamente könnten

„die Gewichts-

Neuroinflammation Belohnungs-

hemmen“, stammalso

Schützt vor

3 Hirn-

Entzündungen verlust, unterbinden. zentrum Wie bei so vielen

Parkinson,

Diabetesschutz

spielen Entzündungen auch bei

zu Alzheimer wirken

Krankheiten

Alzheimer eine nicht unbedeutende Vagusnerv Rolle.

Auf der Suche nach dem Mechanismus

Senkung des

Einer, der sich bestens mit der entzündungshemmendespiegels,

Wirkung der Abnehmstoffe aus-

Blutzuckerkennt,

Völlegefühl ist der kanadische Endokrinologe Prof.

Daniel des J. Magens Drucker von der University of Toronto.

Auch er hörte von den Beobachtungen 2 seiner

Kollegen, wonach bei Patienten, die wegen

ihres Diabetes mit einem der GLP-1-Mittel behandelt

wurden, auch andere Krankheiten wie

Arthritis oder Nieren- und Leberentzündungen

zurückgingen. Das ließe sich als eine Folge

des Abnehmeffekts deuten. Schließlich 1 befeuern

hohe Zuckerspiegel und ein Zuviel an

GLP-1

Körperfett chronische Entzündungen. Als ➡

Herz

schützt das Herz und

verbessert dessen Funktion

Niere

schützt vor chronischer

Nierenerkrankung

Gehirn

schützt Nervenzellen,

hemmt den Appetit

Zellen können

wieder mehr Zucker

0

aus dem Blut

aufnehmen

Fettgewebe

fördert Zuckeraufnahme und

-speicherung

GLP-1 scheint

normalisierend

auf das Gehirn

Magen

hemmt die

Magenentleerung

Knochen

bremst Entzündungen

bei Atrithis

Antientzündliche

Effekte

auf Organe

Prof. Dr. rer. nat.

Marc Tittgemeyer,

Forschungsgruppenleiter

am Max-Planck-Institut für

Stoffwechselforschung und

Professor an der Medizinischen

Fakultät der Uni Köln

Gesundheitsbooster

Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid heißen die Wirkstoffe der

Abnehmspritzen. Womöglich helfen sie bei vielen Leiden

Leber

senkt die Zuckerfreisetzung

Bauchspeicheldrüse

fördert die Insulinbildung,

hemmt das Absterben der

wichtigen Betazellen

Umfassend Die Abnehmspritzen wurden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes

entwickelt. Dann beobachteten Mediziner einen rapiden Gewichtsverlust bei

Übergewichtigen. Inzwischen zeigen sich weitere positive Effekte

24/2025 my life

15


BEAUTY

Abdeckcreme Mit einem Hauch Concealer kaschiert man die Winterröte an der Nase

Schön gepflegt

trotz Schnupfen & Co.

Rote Äderchen, wunde Nase, müde Augen – der My Life-Experte weiß, wie

man Erkältungszeichen abmildert und gut geschützt durch die kalte Jahreszeit kommt

Entspanntes Hautgefühl

Wenn die Temperaturen sinken, zeigt

sich das sofort an unserer Haut: Sie ist

gereizt, die Augen tränen schneller, und trockene

Stellen oder rote Äderchen im Gesicht

machen sich bemerkbar. Besonders die empfindliche

Haut um die Nasenflügel leidet jetzt.

Ein Schnupfen führt dazu, dass man die Nase

zigmal am Tag putzt – keine gute Kombination

für die ohnehin dünne, wintergestresste

Haut. „Durch das ständige Schnäuzen wird

die empfindliche Haut stark gereizt und die

natürliche Schutzbarriere geschädigt. Jetzt

helfen am besten rückfettende, parfümfreie

Salben mit Dexpanthenol, Zinkoxid oder Shea-

butter“, weiß Dermatologe Dr. Hans-Ulrich

Voigt aus München. Die Wirkstoffe beruhigen

die Haut, reduzieren Rötungen und schützen

vor neuer Reizung.

Schutzprogramm für kühle Tage

Auch sonst zeigt der Winter der Haut seine

rauen Seiten. Stirn, Wangen oder Kinn können

fahl wirken, die Luftfeuchtigkeit drinnen wie

draußen ist gering. Dr. Voigt erklärt: „Kälte,

Wind und Heizungsluft entziehen der Haut

Feuchtigkeit. Besonders bewährt haben sich

Pflegeprodukte mit Urea, Ceramiden, Glycerin

und Hyaluronsäure. Diese Inhaltsstoffe binden

18 my life 24/2025


Feuchtigkeit, stabilisieren die Hautbarriere.“

Dazu empfiehlt er milde Reinigungsprodukte,

welche die Haut nicht zusätzlich austrocknen.

Couperose. Viele bemerken in der kalten

Jahreszeit auch vermehrt kleine rote Äderchen

rund um die Nase oder an den Wangen.

Die ständigen Temperaturwechsel – draußen

eisig, drinnen warm – setzen den feinen Gefäßen

zu. Sie ziehen sich im Kalten zusammen

und erweitern sich im Warmen wieder, was

ihre Wände schwächt. Spezielle Anti-Rötungs-

Pflege mit Niacinamid oder Panthenol beruhigt

die Haut, mindert sichtbare Äderchen

und beugt neuen Irritationen vor. Für den

Sofort-Effekt eignet sich ein grüner Color

Corrector, der rötliche Areale optisch neutralisiert.

Wenn die Äderchen, auch Couperose

genannt, dauerhaft stören, können Laseroder

IPL-Behandlungen beim Dermatologen

das Hautbild langfristig harmonisieren.

Hilfe für Augen und Lider

Die Augen reagieren ebenso empfindlich auf

Winterstress. Dermatologe Dr. Voigt: „Rötungen

entstehen meist durch trockene Luft, Bildschirmarbeit

oder eine Reizung der Bindehaut.

Linderung bringen konservierungsmittelfreie,

befeuchtende Augentropfen. Wenn die Rötung

jedoch anhält oder mit Schmerzen einhergeht,

1

2

3

sollte ein Augenarzt prüfen, ob eine Bindehaut-

oder Lidrandentzündung vorliegt.“ Auch

die Lidhaut ist extrem dünn und empfindlich.

„Sie reagiert schnell auf Trockenheit, Kälte

oder ungeeignete Kosmetika. Häufig steckt

eine Reizung oder leichte Kontaktallergie dahinter“,

so Dr. Hans-Ulrich Voigt. Er rät dazu,

vorübergehend auf Augen-Make-up zu verzichten

und die Haut mit parfümfreien, ceramid-

oder panthenolhaltigen Augencremes zu

beruhigen. Bei starkem Juckreiz könne kurzfristig

eine cortisonfreie, entzündungshemmende

Creme sinnvoll sein.

Sanfte Texturen für frischen Look

Wer seine Schnupfennase dennoch etwas

frischer schminken möchte, setzt auf cremige

Texturen – Puder betont im Winter lediglich

die trockenen Stellen. Ein Concealer neutralisiert

Rötungen um die Nase, eine getönte Tagescreme

oder Mousse-Make-up sorgt für ein

glattes Finish. Ein Hauch Rouge in Rosé

schenkt dem Teint zusätzlich Lebendigkeit.

Für wache Augen helfen helle Lidschattennuancen

wie Beige oder Champagner, wasserfeste

Mascara ist bei tränenden Augen Pflicht

– idealerweise eine Variante für empfindliche

Augen, die nicht schmiert und nur am oberen

Wimpernkranz aufgetragen wird. ❰

Für Gesicht und Körper

Wertvolle Wirkstoffe und Beauty-Helfer

4

6

8

5

7

9

Kälte, Wind und

Heizungsluft

entziehen der

Haut jetzt

Feuchtigkeit

Dr. med. Hans-Ulrich Voigt,

Facharzt für Dermatologie,

Allergologie und Phlebologie

sowie Gründer des Haut- und

Laserzentrums in München;

dermatologie-am-dom.de

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PR (10)

1 Atoderm Intensive eye 3-1 von Bioderma, 100 ml,

ca. 26,90 €: Augencreme & Reinigung mit Hyaluronsäure;

lindert Juckreiz, beruhigt, repariert; entfernt Make-up.

2 Vitop forte Rescue Pflegecreme von Dermasence,

50 ml, ca. 17,90 €: für sehr trockene und gereizte Haut;

spendet intensive Feuchtigkeit mit Glycerin und Panthenol.

3 Augenlidcreme MED von Allergika, 15 ml, ca. 24,45 €:

bei Lidekzemen am Auge, mit Bisabolol; für sensible Haut.

4 Panthenol Nasencreme von Jenapharm, 5 g, ca. 3,61 €:

Intensivpflege, unterstützt die Wundheilung an der Nase.

5 Lippencreme HS von Ilon, 10 ml, ca. 14,49 €: für herpesempfindliche

Lippenhaut; mit Mikroalgen-Aktivstoff.

6 Hyaluron Teint Perfection Primer von Medipharma,

30 ml, ca. 21,99 €: sehr feuchtigkeitsspendende Textur;

Hautrötungen werden gemindert, Poren verfeinert.

7 Couvrance Hochverträgliche Mascara von Avène, 7 ml,

ca. 23,90 €: für sehr empfindliche, zu Allergien neigenden

Augen; für Schwung und Volumen, mit Glycerin.

8 Toleriane Make-up Fluid von La Roche-Posay, 30 ml,

ca. 27,90 €: korrigierendes Fluid, das Unebenheiten wie

Rötungen und Augenringe abdeckt; mit Thermalwasser.

9 Euphrasia Augentropfen von Wala, 10 x 0,5 ml,

ca. 11,27 €: bei geröteten, gereizten und tränenden

Augen, Bindehautentzündung; wirken beruhigend.

❱ Produktauswahl und Preise können je nach Apotheke abweichen. Alle Produkte können Sie über

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GESUNDHEIT

Gesünder, nachhaltiger, individueller?

Mehlfreie Küche

Immer mehr Menschen klagen über eine Weizenunverträglichkeit.

Sie ersetzen deshalb klassisches Mehl durch getreidefreie Alternativen

wie Soja, Mais oder Linsen. Das hat Vor- und Nachteile

18

Millionen

Tonnen Weizen und

8,9 Millionen Tonnen

Wintergerste wurden

2024 in Deutschland

geerntet

Quelle: Deutscher

Bauernverband

835 000

Menschen in

Deutschland

vertragen kein Gluten

Quelle: Deutsche Zöliakie

Gesellschaft e. V.

40 Kilo

Brot hat jeder

Käuferhaushalt in

Deutschland 2024

durchschnittlich

verzehrt

Quelle:YouGov

20 my life 24/2025


Muffins aus Linsenteig, Brot

aus Sojamehl, geschrotete Bohnen

als Kuchenböden – die Backrevolution

hat sich inzwischen bis in die Supermärkte vorgearbeitet.

Manch ein Kunde kommt schwer

ins Staunen, wenn er sich bei der Suche nach

schlichtem Weizenmehl vor Regalen voller

kreativer – und fast immer teurer – Alternativen

wie Reis-, Kokos-, Kastanien- oder Kichererbsenmehl

wiederfindet. Der jahrhundertealte

Backklassiker aus der Getreidemühle hat

inzwischen nicht nur in den Bioläden starke

Konkurrenz bekommen.

Pseudogetreide auf dem Vormarsch

Backen ohne Getreidemehl liegt schon seit

Längerem im Trend. Kauften 2018 noch

1,69 Millionen Deutsche glutenfreie Produkte,

gibt es 2025 schon 2,23 Millionen Menschen,

die Lebensmittel ohne Weizen, Roggen oder

anderes Ährengetreide verwenden, so eine

Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach

(IfD). Knapp 7,5 Milliarden Dollar wurden

weltweit 2024 mit gluten- und getreidefreien

Broten, Pizzen und Backwaren erzielt;

ihr Umsatz soll sich künftig vervielfachen.

Übeltäter. Statt „Besser essen ohne Gluten“

heißt der aktuelle Ernährungstrend allerdings

„Gesünder backen ohne Mehl“. Zermahlene

Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen oder Körner von

Pseudogetreide wie Hirse oder Buchweizen

lösen immer häufiger das Weizenmehl in Knäckebroten

oder Croissants ab. Einer der Gründe

für den Run auf Ersatzmehle dürfte sein,

dass kaum ein Lebensmittel in den letzten

Jahren einen schlechteren Ruf hatte als Weizen:

Dumm, dick, dement und darmkrank soll

das Getreide machen, hieß es. Als Übeltäter

wurde nicht nur das enthaltene Klebereiweiß

Gluten verdächtigt, sondern auch Antinährstoffe

wie Phytinsäure und Lektine, welche

die Nährstoff- und Mineralienaufnahme im

Darm blockieren können, sowie Eiweiße namens

Amylase-Trypsin-Inhibitoren, kurz ATI

genannt. Sie schützen die Pflanze vor Parasiten

– und sollen auch den menschlichen Darm

schädigen können.

Was ist dran? Einiges, wie Gastroenterologe

und Buchautor Prof. Detlef Schuppan, Leiter

der Ambulanz für Zöliakie, Dünndarmerkrankungen

und Autoimmunität an der Universitätsklinik

Mainz, festgestellt hat. Seit vielen

Jahren hat er die Auswirkungen von Gluten

und anderen Getreideinhaltsstoffen

auf den Darm und auf Entzündungsreaktionen

im Körper erforscht.

„Jeder denkt bei Weizen immer nur an Gluten

als Auslöser von Beschwerden“, sagt der

Mediziner. „Dabei macht Gluten nur Zöliakiepatienten

– etwa ein Prozent der Bevölkerung

– und den 0,1 Prozent der Menschen, die allergisch

auf das Klebereiweiß reagieren, echte

Probleme. Die ATIs aber können Erkrankungen

inner- und außerhalb des Darms verstärken,

wenn nicht gar verursachen.“ Denn weitaus

mehr Menschen, nämlich mehr als zehn

Prozent, litten an zöliakieähnlichen Beschwerden

wie Blähungen, Bauchschmerzen und

Durchfall, ohne nachweisbar daran erkrankt

zu sein. Mediziner sprechen von einer „Nicht-

Zöliakie-Weizensensitivität“ (NCWS).

Symptome. Daran – und womöglich auch

an einigen Autoimmunkrankheiten – könnten,

so vermuten Forscher, genau diese ATIs

schuld sein, die in besonders großen Mengen

in Hochleistungsweizen, aber auch in anderen

glutenhaltigen Getreidesorten vorkommen.

Allein bei 40 Prozent der Reizdarmpatienten

könnten, wie Prof. Detlef Schuppan herausfand,

jene ATIs die wesentlichen Darm-Stressoren

sein – speziell jene aus Weizen. „Sie lösen

atypische Allergiesymptome aus, ohne

dass mit klassischen Allergietests etwas gefunden

wird. Patienten bekommen oft erst viele

Stunden nach dem Weizenverzehr Probleme.“

Von der leichten Entzündungsreaktion, die

ATIs in der Darmschleimhaut auslösen, merken

Gesunde nichts. Wohl aber chronisch

Kranke: Bei ihnen verstärken sich Entzündungen,

wenn sie weiter Weizen und andere

Getreidearten essen. Selbst an Autoimmunerkrankungen

wie Morbus Basedow oder

Rheuma sollen die Abwehreiweiße beteiligt

sein. Außerdem konnten Forscher erst letztes

Jahr nachweisen, dass ein Zusammenhang

zwischen ATIs und Multipler Sklerose besteht.

Viel mehr als nur Mehlersatz

Aber nicht jeder, der plötzlich lieber Kartoffel-

Kichererbsen-Brot statt einen Laib Kastenweizen

kauft oder der mit Bohnenmehl-

Kuchenboden statt mit Weizen-Mürbeteig in

der Küche experimentiert, tut das, weil es ihm

mit Weizen, Roggen oder Dinkel ernsthaft

schlecht ginge. „Manche Menschen probieren

die Mehlalternativen aus, weil es vielleicht ➡

Eine Ernährung

ohne Gluten oder

ATIs ist für die

meisten Menschen

sicherlich gesünder

Prof. Dr. med.

Dr. rer. nat.

Detlef Schuppan,

Biochemiker, Arzt

und Institutsleiter,

Uniklinik Mainz

270

Millionen Tonnen

betrug 2023 die EU-

Getreideproduktion

Quelle: BLE

2,23

Millionen Deutsche

kaufen aktuell

glutenfreie Lebensmittel

Quelle: IfD Allensbach 2025

7,43

Milliarden

US-Dollar betrug der

Umsatz mit glutenfreien

Produkten im Jahr

2024 weltweit

Quelle: Fortune Business

Insights

24/2025 my life

21


Viele Hülsenfrüchte,

aus denen sich

Mehl herstellen lässt,

stammen aus

heimischer

Landwirtschaft

Dipl.-Oecotroph.

Jutta Kamensky,

Gesundheitswissenschaftlerin

in Ulm

Ersatz für Weizen & Co.

➡ ihrem Nachbarn gegen irgendwelche Beschwerden

geholfen hat, andere, weil es als

supergesundes Superfood einer Low-Carb-

Ernährung gilt oder weil sie bei Fleischverzicht

auch über Hülsenfruchtmehle mit Lupinen

oder Bohnen viel Eiweiß erhalten“, weiß

die Ulmer Gesundheitswissenschaftlerin und

Ökotrophologin Jutta Kamensky.

Individuell. Die Ernährungsexpertin kann

den trendigen Mehlalternativen einige positive

Seiten abgewinnen. „Viele Hülsenfrüchte,

aus denen sich Mehl herstellen lässt, stammen

aus heimischer Landwirtschaft und müssen

nicht aufwendig importiert werden“, sagt sie.

Zudem seien sie nährstoffreich. Aber: „Nicht

jeder verträgt alles. Wer etwa auf Bohnen mit

Blähungen reagiert, sollte ausprobieren, ob

er mit Amaranth-, Hirse- oder Maismehlmischungen

besser zurechtkommt.“

Ohnehin sollte einiges beachtet werden,

wenn man Weizen und andere glutenhaltige

Getreide vermeiden will. „Man muss meist

mehrere getreidefreie Mehle mischen, damit

die Backwaren dann nicht zu trocken oder zu

massig werden. Dass passiert, weil ihnen das

Klebereiweiß Gluten fehlt, welches für das

Aufgehen des Teigs und die lockere Brotkonsistenz

sorgt“, erklärt Jutta Kamensky.

Solche Mixturen sind eine Wissenschaft für

sich: Manche Früchte eignen sich vor allem als

Bindemittel, etwa Lupinen, andere imitieren

den „Klebstoff“ Gluten, wie rote Linsen oder

Zu den klassischen Getreidesorten gibt es viele pflanzliche

Mehlalternativen. Das sind die besten zehn:

▶ Kichererbsen Nussige Getreidemehlalternative

aus gerösteten und gemahlenen

Kichererbsen. Sie enthält die Vitamine B 1,

B 6, E und C. Geeignet etwa für Pizzateig,

Pfannkuchen, Brot oder als Soßenbinder.

▶ Sojabohnen Eiweißreiches Mehl

(45 Prozent Protein) aus geschälten

und gerösteten Sojabohnen. Enthält viel

Fett, B-Vitamine, Calcium und Isoflavone

(Phytoöstrogen). Gut als Soßenbinder und

in Kombination mit anderen Mehlen (zum

Beispiel Mais-, Reismehl) für Brot.

▶ Rote Linsen Die fein gemahlenen Linsen

sind reich an Eiweiß und Ballaststoffen.

Das süßliche Mehl eignet sich als Weizenersatz

unter anderem für Muffins, Kuchen,

Quiche oder als Soßenbinder.

▶ Mandeln Entöltes Mandelmehl ist ein

neutral schmeckendes Nebenprodukt der

Mandelölproduktion; es ist sehr trocken

und bindet viel Flüssigkeit. Ideal zum Beispiel

für Apfelkuchen. Nicht entölte

gemahlene Mandeln können für Pfannkuchenteig

genutzt werden.

▶ Buchweizen Glutenfreies Mehl aus

zermahlenen Körnern der Knöterich­

Pflanze. Buchweizen glänzen mit viel

Magnesium. Für Pfannkuchen oder Pizza

lässt sich Weizenmehl 1 : 1 ersetzen; für

Brot/Kuchen sind weitere Mehle nötig.

▶ Süßlupinen Geröstete, gemahlene Samen

von speziell gezüchteten bitterstoffarmen

Süßlupinen. Sehr eiweiß-, fett- und

mineralienhaltig; geeignet für Brot, Gebäck

und Teigwaren. Sollte maximal 20 Prozent

der Mehlmischung ausmachen.

▶ Reismehl Die mit oder ohne Schale

zermahlenen rohen Reiskörner ergeben

glutenfreies braunes oder weißes Mehl,

auch ein beliebtes Bindemittel. Geeignet

für Reisnudeln, flaches Gebäck, Fladenbrot.

Flohsamenschalen. Ein Teig mit Maismehl allein

bleibt meist fladenflach und geht nicht

auf, Mandel- oder Buchweizenmehl brauchen

Mehlpartner, um nicht wie ein Stein im Magen

zu liegen. Speziell bei Hülsenfrüchten ist Vorsicht

geboten, warnt die Ökotrophologin:

„Wer das Mehl selbst zu Hause herstellen will,

muss die Hülsenfrüchte erst schälen, dann

einweichen und aufkochen, um die von Natur

aus enthaltenen Gift-und Bitterstoffe und das

giftige Phasin zu minimieren.“

Sich ohne gluten- und ATI-haltiges Getreide

zu ernähren, hält Mediziner Prof. Schuppan

grundsätzlich für sinnvoll: „Es ist sicher für

die meisten Menschen gesünder. Und es entsteht

dabei kein Mangel.“ Nach Stand der Forschung

scheint also eine Kost ohne Getreidemehl

die gesündere Variante zu sein. Mit

kleinen Einschränkungen, wie er einräumt:

„Manche Allergiker vertragen Bestandteile der

Mehlalternativen oft nicht. Man sollte also die

Zusammensetzung solcher Produkte genau

kennen und, wenn sie einem nicht bekommen,

einen Allergologen oder Gastroenterologen

aufsuchen.“

Achtung: Pollenallergiker entwickeln oft

eine Kreuzallergie auf Getreide wie Roggen

oder seltener auch auf Mais; er zählt ebenfalls

zu den Gräsern. Bekannt sind auch Kreuzreaktionen

auf Hülsenfrüchte wie Bohnen und

Soja, weshalb man bei diesen Ersatzprodukten

vorsichtig sein sollte.

Für Brote sind

weitere Mehle nötig.

▶ Mais Das gelbe

glutenfreie Mehl wird

traditionell für Maisfladen genutzt.

Steckt oft in glutenfreien Fertigprodukten

wie Brot oder Keksen. Soll ein

Teig locker aufgehen, sind weitere Mehlarten

(Reis, Linsen) nötig.

▶ Bohnen Mit dem enzymreichen Mehl

der geschälten, entkeimten, eingeweichten

und gekochten Hülsenfrüchte (weiße, rote,

Saubohnen) werden zum Beispiel Kekse

und Kuchenböden gebacken.

▶ Kokos Getrocknetes entöltes Fruchtfleisch

wird zu süßem Mehl vermahlen.

Muss mit Eiern oder anderen Mehlen

gemischt werden, damit Gebäck oder Brot

nicht zu trocken wird. Bindemittel für

Currys, Pudding, Suppen und Soßen.

FOTOS: STOCKFOOD; JGU/PETER PULKOWSKI; SHUTTERSTOCK (3); EDEKA (3); ALAMY STOCK PHOTOS (3); FOTOLIA; PR (2)

22 my life 24/2025


Gesund essen

Leckere Rezepte –

ganz ohne Gluten

Auch wenn Weizenmehl aufgrund seiner guten Backeigenschaften seit

Generationen stets die erste Wahl beim Backen von Brot, Keksen und Kuchen war,

zeigt mittlerweile der getreidefreie Mehlersatz, dass er sich geschmacklich

keinesfalls hinter dem Getreideklassiker verstecken muss. Hier sind drei Rezepte

für Brot, Gebäck oder Porridge mit gesunden Mehlalternativen

NAHRHAFTE VARIANTEN

Die Vielfalt von Getreide

❱ Dinkel Wegen der Weizen-

Verwandtschaft gilt Dinkel

ebenfalls als unverträglich für

Allergiker. Es enthält mehr

Mineralstoffe und Vitamine als

Weizen. Ideal für Brot, Brötchen

oder Kuchen. Dient auch als

Kaffee-Ersatz („Muckefuck“).

❱ Hafer Glutenfrei, mit einem

hohen Anteil an gesunden Fetten

(7 Gramm pro 100 Gramm).

Seine Ballaststoffe bilden beim

Kochen magenschützenden

Schleim. Enthält Kupfer und

Eisen sowie die Vitamine B, E.

Quinoa-Brot

Mit Nüssen & Buttermilch

Zutaten für 1 Brot

• 150 g Quinoa • 2 EL geschr. Leinsamen

• ½ Würfel Hefe • 1 EL Ahornsirup

• 80 g Reis-, 120 g Buchweizen-, 100 g

Maismehl • 1 TL Salz • 30 g Flohsamenschalen

• 120 g geh. Haselnüsse • 300 ml

Buttermilch • Haselnussöl • 3 EL Sesam

1. Quinoa und Leinsamen mit 350 ml

Wasser über Nacht einweichen.

2. Hefe und Ahornsirup in 100 ml Wasser

lösen. Mehle, Salz, Flohsamenschalen

und Nüsse mischen. Hefe-Sirup, Buttermilch

und ca. 200 ml Wasser verkneten.

Quinoa-Leinsamen-Mix unterziehen.

3. Teig in Brotbackform 2 Std. ruhen

lassen. Mit Nussöl bestreichen und

mit Sesam bestreuen. 60 Min. bei

180 °C backen.

Low-Carb-Porridge

Mit Kokos & Beeren

Zutaten für 2 Portionen

• 2 Bananen • 2 Passionsfrüchte

• 50 g gem. Mandeln • 100 g Kokosmehl

• 4 EL Haferkleie • 4 EL geschr. Leinsamen

• 2 EL Flohsamenschalen

Glutenfreie Pfannkuchen

Mit Reis- & Maismehl

Zutaten für ca. 8 Pfannkuchen

• 100 g Reismehl • 90 g Maismehl

• 4 Eier • ¼ TL Jodsalz

• 200 ml Bio-Milch

• 100 ml Mineralwasser, classic

• 2 EL Rapsöl

1. Reis- und Maismehl in eine Schüssel

sieben. Eier und Salz mit dem Handrührgerät

cremig rühren.

2. Milch und Mineralwasser mit der

Mehlmischung glatt rühren, unter die

Eimasse ziehen. Der Teig sollte eine

sämige Konsistenz aufweisen.

3. Backofen zum Warmhalten auf 80 °C

Ober-/Unterhitze vorheizen. Rapsöl in

einer beschichteten Pfanne erhitzen.

Den Teig portionsweise hineingeben und

von beiden Seiten goldbraun ausbacken.

• 250 ml Kokosmilch • 1 Prise Salz

• je 150 g Himbeeren und Brombeeren

• 1 Pck. Kokos-Chips

• 50 g Pistazien, gehackt

1. Bananen schälen, in Scheiben schneiden.

Passionsfrüchte halbieren.

2. Mandeln, Kokosmehl, Haferkleie, Leinsamen

und Flohsamenschalen mit je

250 ml Wasser und Kokosmilch aufgießen.

Mit 1 Prise Salz bei mittlerer Hitze 5 Minuten

köcheln lassen.

3. Porridge mit Bananen, Himbeeren,

Brombeeren und je 2 Passionsfruchthälften

in Frühstücks-Bowls anrichten,

mit Kokos Chips und Pistazien toppen.

❱ Triticale Eine neuere glutenund

stärkehaltige Kreuzung

aus Weizen und Roggen.

Wird großenteils als Futtergetreide

für Tiere genutzt,

kann aber auch zusammen mit

anderen Mehlsorten für Backwaren

verwendet werden.

❱ Weizen Enthält viel Vitamin E

und Niacin. Gute Backeigenschaft

durch Gluten. Kann

durch ATI Darmbeschwerden

verursachen. Als verträglicher

gilt Hartweizen (etwa in Nudeln), der

vom Urgetreide Emmer abstammt.

❱ Gerste Enthält neben

löslichen Beta-Glucanen als

Ballaststoff auch wichtige

Mineralien wie Magnesium,

Zink und Calcium

sowie weniger Gluten als

Weizen. Sie wird vor allem

für Backwaren oder zum

Bierbrauen verwendet

und hat eine positive

Wirkung auf Haut und

Fingernägel.

❱ Roggen Das dunkle

Korn enthält B-Vitamine,

Kupfer, Zink,

die Aminosäure

Lysin sowie Gluten,

den häufigen Allergie-

Auslöser. Achtung

Allergiker: Für Backwaren

wird Roggen

oft mit Weizen oder

Dinkel gemischt.


DOSSIER

ZUVERSICHT

24 Selbstwirksamkeit Die

zwölf Wege zu mehr Leichtigkeit

30 Selbstfürsorge Weniger

Handyzeit, mehr Gespräche!

32 Selbstversuch Wie

Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit

glücklich machen

24 my life 24/2025


Leben

ltes erfü ein für Strategien 12

Mit

Zuversicht

ins neue Jahr

Weder viel Geld noch Erfolg wärmen unsere Seele.

Es ist die Fähigkeit, Sinn im Alltag zu entdecken, die uns

Zufriedenheit schenkt. Autorin Brianna Wiest weiß,

wie wir Wohlbefinden üben – und so das Glück finden

Der Tag beginnt mit einem Müsliriegel in der

U-Bahn, der Blick schweift im Meeting zum

Fenster, abends läuft Netflix zur Beruhigung, während

das Smartphone selten aus der Hand gelegt wird

– bloß nichts verpassen. Doch trotz gutem Job, vollem

Kalender und stabilem WLAN bleibt das Gefühl

von latenter Erschöpfung oder Leere. Warum eigentlich?

Und woran erkennt man ein erfülltes Leben?

Die Wissenschaft hat längst begonnen, Glück zu

vermessen. Der World Happiness Report lobt jedes

Jahr die glücklichsten Länder aus. Ganz oben auf der

Liste stehen Finnland, Dänemark oder Island. Und

während in den meisten Industrienationen Einsamkeit

und psychische Erkrankungen stetig ansteigen,

wächst auch der Markt für greifbare Lebenshilfe.

Eine der erfolgreichsten Autorinnen des Genres ist

die New Yorkerin Brianna Wiest. Ihr Buch „101 Essays,

die dein Leben verändern werden“ war ein Weltbestseller

und wurde in über 40 Sprachen übersetzt. In

ihrem neuen Werk teilt sie ihre persönliche „Enzyklopädie

der Gefühle“. Hier lesen Sie Auszüge aus „The

Life That’s Waiting“ (siehe Buchtipp S. 29), Wiests

Anleitung für das Menschsein:

1

Entscheide dich

jeden Tag fürs Glück

Glücklich werden

wir nicht durch

Erleuchtung, es

ist eine Praxis

Brianna Wiest

ist eine amerikanische

Bestsellerautorin.

Kürzlich erschien ihr

erster Gedichtband

(„Salt Water –

Salzwasser“, Piper, 22 €)

Lebensfreude

Ein gutes Umfeld

mit sozialen

Kontakten zu

Freunden und

Familie stärkt

unsere Resilienz

Glücklich werden wir nicht durch Erleuchtung, es ist

eine Praxis. So sehr dein bewusster Verstand dir auch

sagen mag, dass du dich einfach nur glücklich fühlen

möchtest, und so oft er auch all die Gründe auflistet

und dir vorrechnet, warum es bereits so sein sollte ➡

24/2025 my life

25


DOSSIER ZUVERSICHT

„Glück bedeutet nicht, sich

ständig positiv zu fühlen“

Die US-Wissenschaftlerin Prof. Laurie Santos erklärt im My Life-Interview,

wie wir negativen Emotionen mit den richtigen Strategien entgegentreten

? Wie können wir zwischen Dingen

unterscheiden, die wir uns wünschen, und jenen,

die uns wirklich glücklich machen?

Ich glaube, es ist wichtig, zu erkennen, dass unsere

Intuition darüber, was uns glücklich machen

wird, oft falsch ist – wir nehmen an, dass mehr

Geld und beruflicher Erfolg uns Freude bringen,

aber diese Dinge sind für unser Glück weit weniger

entscheidend, als wir oft denken. Ich habe

festgestellt, dass es hilfreich ist, sich erst einmal

damit zu beschäftigen, welche Verhaltensweisen

und Denkweisen tatsächlich einen Unterschied

für unsere Stimmung und Lebenszufriedenheit

machen – das kann ein guter erster Schritt sein,

um das Richtige zu priorisieren.

? Wo liegen wir besonders häufig falsch?

Wir unterschätzen die Bedeutung von sozialer

Interaktion. Selbst die mit Fremden. Es gibt ein

Experiment: „Mistakenly Seeking Solitude“. Der

Verhaltensforscher Professor Nicholas Epley hat

Pendler gebeten, während ihrer morgendlichen

Zugfahrt mit anderen Reisenden ein Gespräch

anzufangen. Vorher sollten sie ihr Wohlbefinden

danach auf einer Skala einschätzen. Die meisten

lagen vollkommen daneben: Sie waren nach den

Gesprächen deutlicher glücklicher – womit sie

nicht gerechnet haben. Professor Epley nennt

dieses Phänomen „Untersozialität“, das heißt, wir

unterschätzen, wie stark sich das Verbinden mit

anderen Menschen auf unser Glück auswirkt.

? Die Forschung war sich zuletzt uneins

darüber, wie stark Smartphones und

Social Media unsere mentale Gesundheit

beeinflussen. Wie ist Ihre Haltung?

Der Sozialpsychologe Professor Jonathan Haidt

hat dazu ein viel beachtetes Buch veröffentlicht:

„Generation Angst“. Er legt eine Verbindung zwischen

dem Aufkommen von sozialen Medien und

der schwindenden mentalen Gesundheit bei Kindern

und Jugendlichen nahe. Ich tendiere dazu,

seine Sichtweise zu teilen – ich mache mir generell

Sorgen, dass so viel Zeit am Bildschirm uns

davon abhält, uns im echten Leben zu verbinden.

? Gibt es eine sichere oder sogar positive

Art, mit Social Media und Bildschirmen im

Allgemeinen umzugehen?

Einer meiner liebsten Ratschläge kommt von der

Journalistin Catherine Price, Autorin von „How

to Break Up with Your Phone“. Sie empfiehlt die

Abkürzung WWW: Wofür? Warum jetzt? Was

sonst? Jedes Mal, wenn Sie zum Handy greifen,

stellen Sie diese Fragen: Erstens – wofür? Warum

wollen Sie dieses Gerät jetzt benutzen? Zweitens

– warum jetzt? Was hat Sie veranlasst, gerade

jetzt danach zu greifen? Und am wichtigsten –

was sonst? Was könnten Sie stattdessen tun?

Was verpassen Sie in der echten Welt? Ich liebe

diesen Tipp, weil WWW ein schneller mentaler

Check-in ist, um das eigene Nutzungsverhalten

bewusster zu steuern und sinnloses Scrollen zu

vermeiden.

? Geopolitisch wirkt gerade alles – oder vieles –

hoffnungslos. Aber historisch gesehen fanden

Menschen auch unter viel schlimmeren Bedingungen

ihr Glück. Wie passt sich das Gehirn daran an?

Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass Glück

nicht bedeutet, sich ständig positiv zu fühlen.

Ich mache mir

generell Sorgen,

dass so viel Zeit

am Bildschirm

uns davon

abhält, uns im

echten Leben

zu verbinden

Laurie Santos ist

Psychologie‐Professorin

an der Universität Yale.

Ihre Forschung behandelt

Kognition und die

Mechanismen menschlichen

Glücks. Sie ist

Gastgeberin des Podcasts

„The Happiness Lab“, der

über 100 Millionen Mal

heruntergeladen wurde

30 my life 24/2025


Ein wirklich glückliches Leben beinhaltet auch

viele negative Emotionen. In Zeiten wie diesen ist

es ganz normal, traurig, ängstlich oder wütend zu

sein. Diese Emotionen haben ihre Berechtigung –

sie können uns sogar zu politischem Engagement

motivieren. Aber wir brauchen auch gute Strategien,

um mit diesen Gefühlen umzugehen, damit

sie uns nicht überwältigen. Deshalb empfehle ich

gesunde Formen der Selbstansprache – etwa distanzierte

Selbstgespräche. Also mit sich selbst in

der zweiten oder dritten Person zu sprechen, um

Perspektive zu gewinnen. Oder Selbstmitgefühl –

mit sich selbst wie mit einem Freund sprechen,

wenn es schwer wird.

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Text an

Muss

nicht?ich

oder

muss

ich

? Sind manche Menschen einfach von

Natur aus glücklicher? Und kann man sein

persönliches Glückspotenzial steigern?

Es gibt Hinweise darauf, dass manche Menschen

von Natur aus glücklicher sind und Glück zu einem

gewissen Teil erblich ist – also genetisch beeinflusst

wird. Aber Glück hängt viel stärker von

unseren Verhaltensweisen und Denkweisen ab.

Das bedeutet, wir können vieles verändern, um

uns besser zu fühlen. Dazu gehört, dass wir mehr

von dem tun, was uns guttut: mehr soziale Kontakte,

mehr Freundlichkeit, mehr Bewegung und

Schlaf. Und dass wir unseren Blick auf die Welt

verändern: mehr Dankbarkeit, mehr Achtsamkeit,

mehr Selbstmitgefühl.

FOTOS: MARSLAND MICHAEL

? Gibt es Grundsätze oder Dinge, die man

schon kleinen Kindern mitgeben kann, um ihr

späteres Glück zu fördern?

Es gibt viele Strategien, die man Kindern schon

zeitig beibringen kann, um glücklicher zu sein.

Kinder können bereits früh lernen, gesünder mit

negativen Emotionen umzugehen. Sie können

aber auch Haltungen wie Dankbarkeit und Achtsamkeit

verinnerlichen.

? Was haben Sie von ihren Studierenden

über Glück gelernt?

Ich habe gelernt, dass wir viele schlechte Intuitionen

in Bezug auf Glück haben – wir greifen oft

nach den falschen Dingen. Aber ich habe auch gelernt,

dass wir in der Lage sind, uns zu verändern,

um uns besser zu fühlen.

? Fällt es Ihnen manchmal schwer,

Ihre eigene Forschung im Alltag umzusetzen?

Definitiv! Das nennt man die „GI-Joe-Fallacy“ – benannt

nach einer amerikanischen Zeichentrickserie,

in der es hieß: „Wissen ist die halbe Miete.“

Aber Forschung zeigt: Wissen allein ist nicht die

halbe Miete – man muss das, was man weiß, auch

im Alltag anwenden. Und selbst für eine Expertin

wie mich bedeutet das Arbeit.

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Kann man Zufriedenheit trainieren? Seite 32/33 ➡

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DOSSIER ZUVERSICHT

Kraftspender Natur Bewegung mindert depressive Symptome ähnlich gut wie Psychopharmaka

Schlaf und

Bewegung – zwei

Geheimwaffen

für das Glück

Investieren Sie in

schöne Erlebnisse!

Kann man Zufriedenheit lernen? My Life-Autorin Corinna Baier hat es ausprobiert

Freundlich sein ist

stressiger als erwartet.

Ich sitze in einer Bäckerei und

bestreiche mein Croissant, als

ich einen kleinen Jungen bemerke.

Er sitzt allein am

Nebentisch und weint leise. Ich

schaue mich um, im Verkaufsraum

ist viel los, doch er

scheint zu niemandem zu gehören.

„Ich frage ihn, ob ich

ihm helfen kann“, sage ich mir

und mache einen unsicheren

Schritt in seine Richtung. Ich

komme mir komisch vor.

Seit einer Woche suche ich

nach Möglichkeiten, nett zu

Fremden zu sein. Ich stolpere

dabei aber immer wieder über

meine sozialen Ängste. Was,

wenn ich etwas falsch mache?

Wenn ich Leute beleidige? Aus

Versehen der versuchten Kindesentführung

bezichtigt werde?

Irrationale Gedanken ploppen

auf. Ich stehe nun vor dem

Jungen, der mich fragend anschaut.

Doch bevor ich etwas

sagen kann, taucht seine Mutter

auf – und ich tue so, als

wäre ich auf der Suche nach

der Toilette.

Es ist meine Hausaufgabe für

das Seminar „Die Wissenschaft

des Wohlbefindens“. Die amerikanische

Kognitionswissenschaftlerin

Professorin Laurie

Santos (siehe Seite 30) unterrichtet

den Workshop seit 2018

in Yale. Es ist der beliebteste

Kurs in der über 300-jährigen

Geschichte der amerikanischen

Eliteuniversität. Die Online-

Version, die ich auf der Lernplattform

Coursera durchlaufe,

haben 4,8 Millionen Menschen

vor mir absolviert. Im Schnitt

sind die Nutzer danach einen

Punkt glücklicher – auf einer

Skala von 1 bis 10.

Zu Beginn fülle ich einen

Fragebogen aus, der mein

Glück vermisst. Ich lande bei

einer 5,8. Ich bin gerade 40

geworden, habe ein sieben Monate

altes Baby zu Hause und

seit Monaten hat mich eine

postpartale Depression fest im

Griff. So gesehen ist der Wert

gar nicht so schlecht.

32 my life 24/2025


FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK

Was glauben wir zu wollen?

Was macht uns glücklich? Ein

toller Job, viel Geld, gute Noten,

die wahre Liebe, der perfekte

Körper. Diese Begriffe

stehen auf Prof. Laurie Santos

erster Folie.

Sie geht jeden einzelnen

Punkt durch und belegt mit

Dutzenden von Studien, dass

alle diese Dinge für die Lebenszufriedenheit

entweder keine

oder eine viel geringere Rolle

spielen als wir glauben. Selbst

Lottomillionäre sind nur kurz

überglücklich, zwei Jahre nach

dem Gewinn sind fast alle wieder

auf demselben Niveau wie

vorher. Ähnlich sieht es nach

der Hochzeit aus. Es ist unser

Verstand, der konditioniert ist,

sich an alles zu gewöhnen. Und

wir merken es nicht einmal –

und jagen immer weiter den

falschen Dingen hinterher.

Auch soziale Vergleiche sind

Gift für die Seele, aber wir tun

es ständig. Professorin Santos

zeigt eine Studie, in der sich

über die Hälfte der Teilnehmer

dafür entschieden hat, ein geringeres

Gehalt anzunehmen,

solange sie mehr verdienen als

alle anderen in der Firma.

Charakterstärken,

die zählen

Wie gelingt also das Glück?

Prof. Laurie Santos stellt zwei

Geheimwaffen vor: Schlaf und

Bewegung. Sieben bis acht

Stunden jede Nacht, und das

Gehirn funktioniert besser.

Gut, daran ist bei mir gerade

nicht zu denken. Mein Baby

weckt mich jede Nacht mehrfach

zum Stillen. Auch Sport

klingt schrecklich. Aber ich

freue mich, als ich höre, dass

ein täglicher Spaziergang oder

Fahrradfahren schon hilft. Bewegung

mindert depressive

Symptome sogar besser als Psychopharmaka,

betont die Psychologin.

Okay, ist ja gut. Ich

verlasse die Couch später …

Nun geht es darum, unsere

Charakterstärken zu ermitteln.

Die Forschung definiert

24 Eigenschaften. Mein Ergebnis:

Freundlichkeit. Ich muss

kurz lachen, steht es doch in

direktem Konflikt mit meinen

sozialen Ängsten. Danach

kommen Humor, Urteilsvermögen,

Vergebung und Freude

am Lernen. Am glücklichsten

wird das Leben, wenn der Beruf

diese Stärken widerspiegelt.

Demnach sollte ich wohl

eher Stand-up-Comedian oder

Krankenpflegerin werden.

Schöne Erinnerungen

Fünf Gesten der Freundlichkeit

soll ich in dieser Woche unterbringen.

Von den meisten profitiert

mein Mann. Schwieriger

wird es bei Fremden. Oft traue

ich mich nicht. Am Ende der

Woche helfe ich dann einer alten

Frau mit Gehwagen durch

eine Drehtür. Sie lächelt dankbar

und berührt kurz meine

Hand. Das tut schon gut. Auch

einen Tag später denke ich

noch daran. Jeder Kontakt mit

Menschen steigert unsere Zufriedenheit

– messbar. Intensive

Freundschaften stärken das

Glück mehr als alles andere.

Auch Dankbarkeit ist ein

wichtiger Faktor. Um das zu

üben, schlägt Prof. Laurie Santos

ein Dankbarkeitstagebuch

vor. Noch besser wirkt ein

Brief. Also wenn es Menschen

sind, für die man besonders

dankbar ist, dann sollte man es

ihnen schreiben. Untersuchungen

zeigen, dass das Glücksgefühl

sogar mehrere Wochen

anhält. Ich bedanke mich also

bei meinem Mann dafür, dass

er sich den ganzen Tag um das

Baby kümmert, während ich

arbeite. Er findet, das sei ja

sein Job, ich finde, dass es

nicht selbstverständlich ist.

Andere Werkzeuge, die das

Glück verlängern und verstärken:

jeden Tag acht Minuten

lang sich bewusst schöne Erinnerungen

ins Gedächtnis rufen

oder innehalten und den Augenblick

bewusst genießen.

Auch Fotos können das Glück

steigern, so lange sie nicht zum

Selbstzweck werden. Und man

sollte sich in Situationen bringen,

die das gute Verhalten

unterstützen. Ich bewege mich

häufiger, wenn ich andere dazu

animiere, mitzumachen. Oder

ich schaffe mir einen Hund an.

Dann kommt die Psychologie-Professorin

auf eines der

wirksamsten Glücksrezepte zu

sprechen: Achtsamkeit. Allein

bei dem Wort verdrehe ich so

stark die Augen, dass mir

schwindelig wird. Bitte nicht!

Doch auch ich lasse mich

durchaus von einem MRT-Bild

überzeugen. Prof. Santos zeigt

das Innenleben unserer Gehirne.

Einige Bereiche sind bunt

erleuchtet. Es sind die Areale,

die wir beanspruchen, wenn

wir gerade nichts tun. Unser

Verstand wandert in diesen

Momenten umher, wir erinnern

uns an Sachen aus der

Vergangenheit oder denken in

die Zukunft. Das macht uns

unglücklicher. Doch wie lässt

es sich ausschalten? Die wirksamste

Methode ist Meditation.

Menschen, die das wirklich

gut beherrschen, sind

grundsätzlich häufiger im Hier

und Jetzt, nicht nur während

der Übung.

Neue Prioritäten setzen

Am Ende des Kurses liege ich

auf meiner Glücksskala bei 6 –

also kein Punkt Steigerung.

Trotzdem fühle ich mich hoffnungsvoller.

Auch, weil ich

andere Prioritäten setze. Eine

Formel für das Glück, laut Prof.

Laurie Santos: Investieren Sie

nicht in Dinge, sondern in Erfahrungen.

Also entscheide ich

mich, trotz Reisestress mit

Baby, dafür, ein Oasis-Konzert

in New York anzuschauen. Mit

einer Freundin, die diese Band

auch liebt. Denn zu meiner

Vorstellung von Glück gehören

definitiv betrunkene Briten,

die „Champagne Supernova“

grölen.

Unser Verstand

ist konditioniert,

sich an alles

zu gewöhnen.

Und wir merken

es nicht einmal

– und jagen

immer weiter den

falschen Dingen

hinterher

24/2025 my life

33


NATURAPOTHEKE

Winterhart Salbei kann

an frostfreien Tagen

geerntet werden – und ist

auch in der kalten Jahreszeit

ein probater Helfer

34 my life 24/2025


FOTOS: ADOBE STOCK; MSL/ALEXANDRA ICHTERS

★ SER

IE ★

Grüne

Gesundheit

In Sachen Heilwirkung ist

der Echte Salbei (Salvia officinalis)

ein Multitalent. Und gerade

jetzt in der Erkältungszeit kann

er all seine Vorzüge ausspielen. Die

Blätter enthalten reichlich ätherisches

Öl mit Campher, Gerbstoffe

wie Rosmarinsäure sowie Diterpene,

Triterpene und Flavonoide.

Für Haut und Atemwege

Diese Kombination lässt Salbei

keimhemmend und schleimlösend

auf Mundhöhle, Rachen und Atemwege

sowie entzündungshemmend

und adstringierend auf Haut und

Schleimhäute wirken.

Der Klassiker Salbeitee hilft bei

übermäßigem Schwitzen, etwa in

Salbei-Tinktur

Bei Entzündungen im Mundund

Rachenraum

Zutaten für ca. 100 ml

• 2 EL frischer oder getrockneter

Salbei (ca. 6 Blätter)

• 1 kleiner Trieb frischer

oder getrockneter Thymian

• 4 Wacholderbeeren

• 100 ml neutraler Alkohol

(45 Vol.-%, z. B. Korn oder Wodka)

• Bügelflasche • Tinkturfläschchen

1. Die Salbeiblätter mit einem Wiegemesser

klein schneiden. Die Thymianblättchen

vom Trieb streifen. Die

Wacholderbeeren leicht zerdrücken.

2. Pflanzenteile in das Glas oder die

Flasche geben. Mit dem Alkohol übergießen,

verschließen und zwei Wochen

ziehen lassen. Jeden Tag schütteln.

Natürlich gesund

Salbei

tut richtig gut

Die immergrüne aromatische Heilpflanze ist die Basis für zahlreiche

Hausmittel, die uns das ganze Jahr über begleiten können

den Wechseljahren, und beruhigt

die Verdauung bei Durchfall. Einziger

Unterschied in der Zubereitung:

Während für den Magen-Darm-Tee

zwei Gramm der fein geschnittenen

Blätter fünf Minuten in 150 Milliliter

zuvor kochendem Wasser ziehen,

verwendet man für den Anti­

Schweiß-Aufguss drei Gramm, die

zehn Minuten ziehen (Tages dosis je

vier bis sechs Gramm).

Aufgrund des enthaltenen Thujons

wird jedoch vom Dauergebrauch

abgeraten, längstens vier

Wochen sind ratsam. Für Kleinkinder

und Schwangere ist Salbei ungeeignet.

Nach der Stillzeit kann er

dann beim Abstillen unterstützen.

Ihre Apotheke berät Sie gern. ❰

3. Abseihen und in ein dunkles Fläschchen

füllen. Hält kühl und trocken

gelagert etwa ein Jahr.

▶ Anwendung und Wirkung:

Bei Entzündungen des Zahnfleischs,

im Mund- oder Rachenraum gibt man

ca. 25 Tropfen der Tinktur in ein kleines

Glas warmes Wasser und gurgelt

mehrmals am Tag mit dieser Lösung.

Salbei hilft durch seine zusammenziehende

Wirkung, Entzündungen

zu heilen, und kann Zahnfleischbluten

stoppen. Thymian und

Wacholder stärken die

Immunabwehr und

wirken keimhemmend.

Tipp: Die Tinktur lässt

sich auch aus reinem

Salbei herstellen.

Dampfbad

Befreit die Nase und die Atemwege

Zutaten

• 1 Handvoll frische Salbeiblätter

• 1 l heißes (nicht mehr kochendes) Wasser

• große kochfeste Schüssel • großes Handtuch

Die Salbeiblätter in die

Schüssel geben und

mit dem heißen Wasser

übergießen. Etwas warten,

bis der Dampf nicht mehr

so heiß ist.

▶ Anwendung und

Wirkung:

Kopf und Schüssel mit dem

Handtuch bedecken, die

Dämpfe rund fünf Minuten lang langsam einatmen.

Dies am besten durch den Mund, während

durch die Nase wieder ausgeatmet wird. Danach

30 Minuten ruhen. Das Dampfbad bei akutem

Bedarf bis zu drei Mal täglich wiederholen.

Es öffnet die Atemwege, befreit die Nase und

wirkt desinfizierend auf die Nebenhöhlen.

Zudem fördert Salbei die Durchblutung der

Rachenschleimhaut und fördert damit auch die

Immunabwehr.

Zahnpflege für unterwegs

Kräftigt das Zahnfleisch und verhindert

Zahnfleischbluten

Zutaten

• 1 Salbeiblatt

▶ Anwendung und Wirkung:

Das Salbeiblatt über den Zeigefinger legen und

mit kreisenden Bewegungen über die Zähne

reiben. Dabei auch das Zahnfleisch massieren.

Das mindert Zahnfleischbluten, sorgt für frischen

Atem, stärkt das Zahnfleisch und wirkt damit

Entzündungen im Mundraum entgegen.

24/2025 my life

35


GESUNDHEIT

Gesunder Reiz Wer die körpereigene Heizung anwerfen will, sollte sich regelmäßig Kälte aussetzen. Die darf dann auch gern moderat sein

Frieren für die Fitness

Natürlich schlank: Braunes Fett befeuert unseren Stoffwechsel und hilft im Kampf gegen

Übergewicht und Diabetes. Forscher verstehen immer besser, wie wir es aktivieren

Die braunen Fettzellen

verbrennen

mehr Kalorien als

jede andere Zelle

im Körper

Prof. Dr. rer. nat.

Alexander Bartelt

lehrt an der TU München

Translationale Ernährungsmedizin

und ist Arbeitsgruppenleiter

am Helmholtz

Diabetes Center

Wer Prof. Alexander Bartelt besucht,

muss sich warm anziehen: In seinem

Büro ist es frisch. Mehrmals täglich reißt er

die Fenster auf. Im Winter liegt die Raumtemperatur

selten über nordischen 18 Grad – und

Prof. Bartelt sitzt da im T-Shirt, dezent fröstelnd

mitunter, aber innerlich glühend vor

Überzeugung. „Ich achte darauf, kleine Kältereize

in meinen Alltag einzubauen“, erklärt der

Molekularbiologe. An der Technischen Universität

München forscht er zum menschlichen

Stoffwechsel und den Grundlagen von

Fettleibigkeit und Diabetes. Seinen Lebensstil

nennt er „thermogen“. Er aktiviere seine braunen

Fettzellen, die reichlich Gutes bewirkten.

Kraftpakete. Das braune Fett ist der neue

Liebling der Stoffwechselforschung. Anders als

das weiße Fett, das sich in verpönten Wülsten,

Plauzen und Oberschenkelpolstern manifestiert,

genießt braunes Fettgewebe den Ruf, gesund

und schlankheitsfördernd zu sein. Seine

dunklere Farbe verdankt es einem höheren

Anteil an eisenhaltigen Mitochondrien – den

Kraftwerken in den Zellen. Mit ihrer Hilfe wandelt

es Energie in Wärme um, höchst verschwenderisch

sogar. „Die braunen Fettzellen“,

so beschreibt es Prof. Bartelt, „sind die Porsches

unter den Zellen. Sie haben die meisten

PS und verbrennen mehr Kalorien als jede andere

Zelle im Körper.“ Schätzungen zufolge verfeuern

50 Gramm braunes Fett bis zu 300 Kilokalorien

pro Tag. Das Problem ist nur: „Bei den

meisten Menschen befindet sich das braune

Fett im Dornröschenschlaf“, sagt Prof. Alexander

Bartelt. Es nimmt mit dem Alter und durch

einen allzu bequemen Lebenswandel ab.

Kaum einer hat mehr als 300 Gramm

Neugeborene und Babys verfügen über reichlich

braunes Fettgewebe. Es stellt sicher, dass

ihre kleinen Körper nicht zu stark auskühlen,

denn ihre Muskeln sind noch nicht fähig, über

Zittern genügend Wärme herzustellen. Im

Laufe der Zeit machen sich die Fettzellen jedoch

dünne. „Erwachsene haben in der Regel

50 bis 300 Gramm braunes Fett“, sagt Dr. Tim

Hollstein, Endokrinologe am Institut für Diabetologie

und klinische Stoffwechselforschung

des Universitätsklinikums Schleswig-

Holstein am Campus Kiel. „Es sitzt im Bereich

des Schlüsselbeins, am Hals und entlang der

Wirbelsäule. Wird es nicht genutzt, verkümmert

es, ähnlich wie ein untrainierter Muskel.“

Je nach genetischer Disposition und Lebensstil

hätten manche Menschen mehr braunes

Fett, andere weniger. „Das erklärt die unterschiedlichen

Stoffwechseltypen“, sagt Dr. Hollstein.

„Jene, die gefühlt schon beim Betrachten

eines Kuchens Gewicht zulegen, haben weniger

aktives braunes Fett und eher einen sparsamen

FOTOS: ADOBE STOCK; LUCASMCORSO; PR

36 my life 24/2025


Stoffwechsel.“ Die hochtourigen Stoffwechseltypen

hingegen fackelten reichlich Kalorien

über ihr braunes Fett ab und blieben darum

eher schlank.

Kältereize. Also her mit den Wunderzellen!

Nur wie? Damit es seine segensreiche Wirkung

entfaltet, muss das Fettgewebe vermehrt und

angeregt werden. Beides geschieht in erster Linie

durch Kältereize. Dr. Tim Hollstein baut sie

ebenso in seinen Alltag ein wie sein Münchner

Kollege Prof. Alexander Bartelt. Auf dem Campus

sieht man den Forscher auch winters in

kurzen Hosen herumlaufen. Selbst bei Minusgraden

badet er in der Kieler Förde.

„Zehn Tage bis sechs Wochen, in denen wir

uns täglich ein, zwei Stunden einer gerade

noch verträglichen Kälte aussetzen, genügten,

um die Fettzellen zu mehren und aus ihrem

Schlummer zu wecken“, sagt Dr. Tim Hollstein

und ergänzt: „Wir wissen aus unseren Studien,

dass sich der Stoffwechsel bereits nach wenigen

Tagen regelmäßiger milder Kälteexposition

radikal verändert.“ Blutzucker und Blutfette

würden effizienter verarbeitet. Eine

beginnende Insulinresistenz bessere sich –

„eine superinteressante Therapieoption bei

Prädiabetes“, wie Dr. Hollstein bemerkt.

Den größten Effekt hat das Heizgewebe bei

schlanken Menschen, sie besitzen meist auch

mehr davon. Doch auch bei Übergewichtigen

oder Menschen mit Diabetes ließen sich braune

Fettzellen rekrutieren, weiß Dr. Hollstein. Er

bezeichnet das braune Fettgewebe als endokrines

Organ: „Es schüttet Hormone aus, die sich

positiv auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel

auswirken.“ Entwicklungsbiologisch sei es dem

Muskelgewebe näher verwandt als dem weißen

Fett, ergänzt Biochemiker Prof. Bartelt. Bekannt

ist, dass Menschen, die viel Sport treiben,

eine erhöhte braune Fettaktivität haben.

Botenstoff. Eine zentrale Rolle könnte das

braune Fett bei der Kommunikation zwischen

Darm und Hirn spielen. Ein erster Nachweis

dafür gelang Prof. Martin Klingenspor, Stoffwechselphysiologe

am Lehrstuhl für Molekulare

Ernährungsmedizin der TU München, in

einer Mäusestudie. Er zeigte, dass das Darmhormon

Sekretin, das beim Essen ausgeschüttet

wird, den Energieverbrauch im braunen

Fettgewebe der Tiere erhöht – und damit dessen

Temperatur. Spezielle Nervenzellen im Gehirn

registrieren den Temperaturanstieg und

lösen ein Sättigungsgefühl aus. Neuere Studien

deuten darauf hin, dass sich dieser Mechanismus

auf den Menschen übertragen lässt. „Wäre

dies der Fall, könnte sich Sekretin als vielversprechender

Wirkstoff zur Bekämpfung von

Übergewicht erweisen, da es sowohl den Energieverbrauch

erhöht als auch die Nahrungsaufnahme

begrenzt“, sagt Prof. Klingenspor.

Sein Potenzial für Menschen mit Diabetes

und Adipositas treibt die Erforschung des guten

Fetts an. An der TU München wollen Prof.

Bartelt und sein Team ergründen, warum das

braune Gewebe degeneriert. „Wenn wir es

schaffen, es durch Medikamente länger bei

Laune zu halten, könnte man die altersbedingte

Gewichtszunahme verhindern“, erläutert

Prof. Bartelt. Er träumt von einer günstigen

und jedem zugänglichen Therapie – „wie

ein Aspirin, das das Fettgewebe unterstützt“.

Fortschritte. Auch die Pharmakonzerne Lilly

und Novo Nordisk, die Abnehmspritzen im

Programm haben, interessieren sich dafür. Bei

der Suche nach solchen Aktivatoren entdeckten

Wissenschaftler von Novo Nordisk gemeinsam

mit deutschen Forschern bereits vor gut

einem Jahr ein Protein namens AC3-AT, das für

die Abschaltung der Aktivität des braunen Fettes

verantwortlich ist. Jetzt gilt es herauszufinden,

wie man es hemmen kann.

In US-Studien erwies sich, dass das Medikament

Mirabegron, das bei überaktiver Blase

verordnet wird, braunes Fett aktivieren kann.

Nach vier Wochen zeigten 14 Probandinnen

eine Zunahme der braunen Fettmasse. Zwar

verloren sie kein Gewicht, verbesserten jedoch

ihre Blutfettwerte und erhöhten die Insulinsensitivität.

Weil das Medikament Blutdruck

und Herzfrequenz steigen lässt, eignet es sich

allerdings nicht für übergewichtige Menschen,

die meist kardiovaskulär beeinträchtigt sind.

Hauptsache, erst mal cool bleiben

Erschwert wird die Forschung am Menschen

dadurch, dass sich braunes Fett nicht so leicht

fassen und quantifizieren lässt wie weißes. Bei

der gängigen Positronen-Emissions-Tomografie

(PET) injizieren die Mediziner eine radioaktive

Substanz, die sich im Fettgewebe anreichert

und sichtbar gemacht werden kann.

Neben der Strahlenbelastung birgt die Messung

den Nachteil, dass sie keine Aussagen

über die Stoffwechselaktivität in den Zellen

ermöglicht. An der TU München erproben

Forscher derzeit eine Kombination aus Ultraschall

und Laserlicht, die sogenannte multispektrale

optoakustische Tomografie (MSOT).

Andere Teams suchen nach Biomarkern.

Einstweilen bleibt der thermogene Lebensstil

der einfachste Weg, das Wundergewebe zu

aktivieren. Dr. Tim Hollstein, wird nicht müde,

für mehr gelebte Coolness zu werben – auf Vorträgen

und bei Science-Slams. „Ich möchte zeigen,

dass das im Alltag umsetzbar ist“, sagt er.

„Moderate Kälte hält uns gesund.“ ❰

Wundergewebe

Mitochondrien

verleihen dem

braunen Fett seine

dunkle Färbung.

Diese Zellkraftwerke

verbrennen Kalorien

❱ Jeder Mensch besitzt

braunes Fettgewebe.

Es findet

sich am Schlüsselbein,

am Hals und

entlang der Wirbelsäule

und wandelt

Nährstoffe in Wärme

um. Doch wenn es

nicht angeregt wird,

verkümmert es im

Laufe des Lebens.

❱ Es muss kein tägliches

Eisbad sein,

aber nur hin und

wieder kalt abduschen

reicht auch nicht.

Diabetologe Dr. Tim

Hollstein empfiehlt,

sich regelmäßig moderater

Kälte auszusetzen.

Sport, grüner

Tee, Kaffee und Chili

tragen darüber hinaus

offenbar ebenfalls

zur Aktivierung des

Fettgewebes bei.

❱ Im Tierreich ist

braunes Fett vielfach

zu finden. Bären hilft

es, den Winterschlaf

zu überstehen. Nager

haben besonders viel

davon. Daher zittern

sie nicht bei Kälte –

was sie an Raubvögel

verraten würde.

24/2025 my life

37


GESUNDHEIT

Hand in Hand Renate und Kurt Peter (r.) sind froh, mit der Stiftung Valentina die Arbeit des PalliKJUR-Teams fördern zu können

JUNGE PATIENTEN IM BLICK

Mit Herz und Menschlichkeit

Seit neun Jahren setzt sich die Stiftung Valentina dafür ein, dass schwer kranke Kinder

eine Palliativbetreuung zu Hause bekommen – damit schenkt sie betroffenen Familien

Halt und Hoffnung in den schwierigsten Momenten ihres Lebens

Maskottchen Valentina

wollte keine Blumen

geschenkt bekommen,

sondern einen Kaktus.

So wurde er auch zum

Symbol der Stiftung

Manchmal verändert ein Schicksalsschlag

das Leben so grundlegend, dass

daraus etwas Neues, etwas Großes entsteht.

So war es auch bei der Stiftung Valentina, die

2016 von Renate und Kurt Peter ins Leben gerufen

wurde. Der Verlust ihrer Tochter Valentina,

die mit nur 13 Jahren an einem seltenen

Knochentumor verstarb, war der Ausgangspunkt

für eine Initiative, die heute die medizinische

Versorgung für unzählige schwer kranke

Kinder finanziert.

Valentinas Leben gab den Anstoß

zu einem bedeutungsvollen Projekt

Valentina war ein lebensfrohes Mädchen, das

trotz seiner schweren Krankheit nie den Mut

verlor. Sie liebte es zu lachen, Zeit mit ihrer

Familie zu verbringen und das Leben in vollen

Zügen zu genießen – auch in den schwierigs-

ten Momenten. Sie schwamm, sie war bei den

Pfadfindern aktiv und traf sich mit Freundinnen,

wann immer es ihre Kraft erlaubte.

Als ihr durch die Chemotherapie schließlich

die Haare ausfielen und sich die Tage im Krankenhaus

zogen, hatte Valentina einen ganz

speziellen Wunsch: Sie wollte keine Blumen

gebracht bekommen – sondern einen Kaktus.

„Der hat die gleiche Frisur wie ich!“, sagte sie

damals. So wurde der Kaktus auch zum Symbol

der Stiftung, die in ihrem Namen gegründet

wurde. „Valentina hat uns gezeigt, wie

wichtig es ist, jeden Moment zu leben und nie

die Hoffnung zu verlieren“, erinnert sich ihr

Vater Kurt Peter, der nun Vorsitzender des

Stiftungsrats ist. „Mit der Stiftung wollen wir

diesen Geist weitertragen.“

Ein zentraler Aspekt dabei ist es, dass die

Kinder bis zum Schluss bei ihren Familien blei-

52 my life 24/2025


ALLE FOTOS: STIFTUNG VALENTINA

ben können. Denn dies war für Valentina damals

nicht möglich. Sie besuchte ihre Eltern in

Wangen im Allgäu nur zwischen längeren Krankenhausaufenthalten

und verbrachte ansonsten

viel Zeit in der Uniklinik Ulm, wo sie sich

durch die Versorgungsmaßnahmen gut aufgehoben

fühlte. Kurt und Renate Peter möchten

erreichen, dass andere Kinder und ihre Eltern

eine solche Entscheidung nicht mehr treffen

müssen. Die Stiftung Valentina hat es sich deshalb

zur Aufgabe gemacht, die medizinische

Betreuung von schwerst- und sterbenskranken

Kindern in der Geborgenheit ihres eigenen Zuhauses

finanziell zu fördern.

Beistand. Gemeinsam mit der Universi tätsklinik

Ulm rief sie das mobile Kinderpalliativteam

PalliKJUR ins Leben. Dieses Team aus

speziell geschulten Pflegekräften und Ärzten

begleitet die Kinder und ihre Familien in einer

der schwierigsten Phasen ihres Lebens. Sie

sorgen dafür, dass die jungen Patienten nicht

in Krankenhäusern bleiben müssen, sondern

ihre letzten Tage oder Wochen in ihrer vertrauten

Umgebung verbringen können. So hat

PalliKJUR zum Beispiel einem kleinen Jungen

geholfen, der an einer unheilbaren Krankheit

litt. Er konnte in seinen letzten Wochen bei

sich zu Hause sein, wo er gemeinsam mit seiner

Familie noch einmal all die Dinge erleben

durfte, die ihm Freude bereiteten. Die Eltern

des Jungen berichten, wie wichtig es für sie

war, in dieser schweren Zeit nicht allein zu

sein und auf die Hilfe von Fachkräften zählen

zu können. „Wir wissen aus eigener Erfahrung,

wie belastend diese Situationen sind“, erklärt

Renate Peter. „Deshalb ist es uns so wichtig,

dass Familien nicht nur medizinische Unterstützung

erhalten, sondern auch menschlichen

Beistand. Niemand sollte in solchen

Momenten allein sein.“

Zusammenhalt und Verbindung

schaffen, wo sie nötig sind

Die Mittel der Stiftung fließen jedoch nicht

nur in die medizinische Versorgung. Dank ihr

kann PalliKJUR zusätzliche psychologische

Begleitung anbieten – sowohl für die Kinder

als auch für deren Eltern und Geschwister.

Denn eine schwere Krankheit betrifft immer

die gesamte Familie. „Es geht nicht nur um die

Kinder“, betont Kurt Peter. „Auch die Eltern

und Geschwister brauchen Halt und Unterstützung.

Wir möchten ihnen zeigen, dass immer

jemand für sie da ist.“ So entstand mit der

Zeit ein ganzes Netzwerk, das den Familien in

dieser belastenden Zeit zur Seite steht. Der Erfolg

der ersten neun Jahre ist groß: Seit seiner

Gründung konnte PalliKJUR mithilfe der Stiftung

Valentina bereits über 300 Kinder und

Familien betreuen. Mehr als 20 000 Stunden

sind die Experten aus der Initiative bisher für

ihre jungen Patienten im Einsatz gewesen.

Auszeichnung für die Erfolge und

den Einsatz der Stiftung

Die Stiftung Valentina trägt maßgeblich dazu

bei, dass diese Arbeit weitergehen kann: Das

Geld, das sie für die Arbeit von PalliKJUR

bereitstellt, bezieht sie selbst ausschließlich

durch Spendeneinnahmen. Die Zusammenarbeit

lebt außerdem vom Engagement zahlreicher

Unterstützerinnen und Unterstützer.

Menschen aus der Region – zwischen Ulm und

Oberstaufen, München und Freiburg – und darüber

hinaus sind der Grund, dass weiterhin

Kinder palliativ im eigenen Zuhause betreut

werden können. Kurzum: Die Stiftung ist ein

leuchtendes Beispiel dafür, wie viel Gutes entstehen

kann, wenn Menschen zusammenhalten

und sich gegenseitig stärken.

Förderung. Als Anerkennung ihrer Arbeit

wurde die Stiftung Valentina in diesem Jahr

bei der renommierten Charity-Gala TRIBUTE

TO BAMBI ausgezeichnet. Mit den Fördergeldern

konnte die Stiftung eine ambulante Teilzeit-Pflegefachkraft

finanzieren, die es ermöglicht,

für noch mehr Familien da zu sein.

Diese Würdigung ist auch ein Ansporn, weiterhin

alles für schwer kranke Kinder und ihre

Familien zu geben. „Diese Auszeichnung bedeutet

uns unglaublich viel“, sagt Kurt Peter.

„Sie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg

sind – und dass Valentinas Wunsch, anderen

zu helfen, weiterlebt.“

Die Stiftung Valentina zeigt, wie aus tiefem

Schmerz eine Quelle des Lichts werden kann.

Sie sorgt dafür, dass Kindern und ihren Familien

nicht nur medizinische Hilfe, sondern

auch Trost, Nähe und Geborgenheit gespendet

wird – Werte, die in den dunkelsten Stunden

des Lebens von unschätzbarem Wert sind. ❰

Familie Valentina († 13)

mit Papa Kurt und ihrer

zwölf Jahre älteren

Schwester Isabel

Tribute to Bambi

Aus dem Gedanken heraus,

die mediale Aufmerksamkeit

rund um den Medienpreis

BAMBI zu nutzen,

und um Kindern in Not

zu helfen, entstand 2001

die Idee zur TRIBUTE TO

BAMBI Stiftung. Seitdem

fördert sie ganzjährig

Hilfsprojekte für Kinder

und Jugendliche und macht

zudem auf Missstände

und Themen aufmerksam,

die in der Gesellschaft zu

wenig wahrgenommen

werden – um denen eine

Stimme zu geben, die

sonst nicht gehört werden.

Mehr Infos unter:

tributetobambi-stiftung.de

oder über den QR-Code

24/2025 my life

53


GESUNDHEIT

ZZ Z

Z Z

Riskanter Irrtum

Frauen schnarchen

doch nicht, oder?

Stimmt nicht ganz. Auch wenn das nächtliche „Sägen“ als männertypisch

gilt – in den Wechseljahren flattern die Gaumensegel auch

bei Frauen häufiger. Woran das liegt und was Sie dagegen tun können

Wenn nachts sonores Schnarchen ertönt,

stehen sofort die Männer im Verdacht

– doch auch Frauen sind betroffen, und

das häufiger als gedacht. Mehreren Studien

zufolge geben ungefähr acht bis 25 Prozent

der Frauen regelmäßig das störende Atemgeräusch

von sich. Mit zunehmendem Alter

steigt dieser Anteil dann signifikant: In und

nach den Wechseljahren (ab etwa 45 Jahren)

„sägen“ bereits 40 bis 45 Prozent der Frauen –

fast jede zweite! Und leiser ist die Damenwelt

dabei auch nicht: Mit rund 70 Dezibel, was

in etwa dem Verkehrslärm entspricht, schnarchen

Frauen genauso laut wie Männer. Doch

54 my life 24/2025


ILLUSTRATION: SHUTTERSTOCK

aller Gemeinsamkeit zum Trotz ist Schnarchen

bei Frauen immer noch ein Tabuthema.

Es gilt als „unweiblich“. Die Betroffenen empfinden

Scham und reden daher weder mit dem

Partner noch mit ihrem Arzt darüber. Die Gefahr:

Weibliches Schnarchen wird, anders als

männliches, seltener als gesundheitliches Problem

wahrgenommen.

▶ Auslöser Östrogenmangel

Dass gerade Frauen in den Wechseljahren vermehrt

schnarchen, liegt vor allem an den hormonellen

Veränderungen: Mit Absinken des

Östrogenspiegels wird das Gewebe im Rachenraum

schlaffer, die Muskulatur verliert an

Spannung und die Atemwege verengen sich

leichter. Das begünstigt die Vibrationen, die

das Schnarchgeräusch verursachen. Wie groß

der Einfluss der Hormone ist, zeigt auch, dass

Frauen während einer Schwangerschaft häufiger

schnarchen. Ursache ist hier neben der Gewichtszunahme

das Anschwellen der Schleimhäute

aufgrund hormoneller Veränderungen.

Ursachen. Doch auch andere Faktoren spielen

eine Rolle: Übergewicht etwa, da sich Fettgewebe

auch im Halsbereich einlagert und so

die Atemwege zusätzlich einengen kann. Alkoholkonsum

am Abend verstärkt das Problem

zusätzlich, weil es die Muskulatur ebenfalls

entspannt. Rauchen, Allergien, eine verstopfte

Nase aber auch bestimmte Medikamente können

Schnarchen ebenso fördern – und schließlich

sind manchmal auch anatomische Besonderheiten

wie ein kleiner Unterkiefer oder

eine gekrümmte Nasenscheidewand die Ursache

für die Sägegeräusche.

▶ Diagnose-Lücke

Ein weiteres Problem: Frauen fallen bei der

Diagnose von Schlafapnoe, also gefährlichen

Atemaussetzern im Schlaf, häufiger durchs

Raster. Während Männer meist durch die daraus

resultierende ausgeprägte Tagesmüdigkeit

auffallen, äußern sich die Symptome bei

Frauen oft unspezifischer, etwa durch morgendliche

Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen,

Stimmungsschwankungen oder

depressive Verstimmungen. Dies führt dazu,

dass eine Schlafapnoe bei Frauen deutlich seltener

erkannt und behandelt wird – ein klassisches

Beispiel für den sogenannten Gender

Health Gap.*

▶ Riskante „Nebenwirkungen“

Gelegentliches Schnarchen ist meist völlig

harmlos. Kritisch wird es dann, wenn die erwähnten

Atemaussetzer auftreten. Bleiben sie

unbehandelt, steigt das Risiko für Bluthochdruck,

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes

und Schlaganfälle deutlich an. Warnsignale

auch bei Frauen sind lautes, unregelmäßiges

Schnarchen, Atempausen, nächtliches Erwachen

mit Luftnot begleitet von den beschriebenen

Symptomen am Tag. In solchen Fällen

ist eine ärzt liche Abklärung wichtig.

▶ Prävention und Hilfe

Ein gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugung:

Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung,

Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie

das Schlafen in Seitenlage können das Schnarchen

deutlich verringern. Auch die Behandlung

von Allergien oder einer verstopften Nase

kann helfen. Hilfsmittel wie Nasenklammern

oder spezielle Nasenpflaster, wodurch die Nasenflügel

geweitet werden, können bei rein nasalen

Schnarchproblemen manchmal eine Erleichterung

sein, sind aber bei tiefer liegenden

Ursachen meist wirkungslos.

Appell. Liebe Frauen, tun Sie Schnarchen

nicht als bloßes Männerproblem ab. Sobald

Sie tagsüber davon beeinträchtigt sind, sollten

Sie sich ärztlichen Rat holen. Für einen erholsamen

Schlaf – und für Ihre Gesundheit. ❰

* Der Begriff Gender Health Gap beschreibt ein Ungleichgewicht

in der medizinischen Behandlung von Frauen und

Männern. So sind etwa viele Medikamente und Therapien

auf die Bedürfnisse männlicher Patienten zugeschnitten..

Wie Schnarchschienen funktionieren

❱ Linderung Sogenannte Unterkiefer-Protrusionsschienen

(UKPS)

sollen den Unterkiefer in einer

leicht nach vorn gelagerten Position

halten. Dadurch wird der

Raum hinter der Zunge im Rachen

erweitert, die Atemwege bleiben

offen, die Zunge kann nicht zurückfallen

und sie blockieren. Auf

diese Weise wird der Luftstrom

beim Atmen nicht behindert, zugleich

werden die Vibrationen des

Gewebes, die das Schnarchgeräusch

verursachen, verringert.

20 %

geringer kann das

Schnarch-Risiko

bei Frauen ausfallen,

wenn sie eine

Hormonersatztherapie

machen

Quelle: Journal für

Gynäkologische Endokrinologie,

Vol. 28, Mai 2025

❱ Wichtig Schnarchschienen

wirken besonders gut bei Schnarchen,

das durch das Zurückfallen

der Zunge verursacht wird, auch

Zungenschnarchen genannt, sowie

bei leichter bis mittelschwerer

obstruktiver Schlafapnoe. Die

Kosten für die Schienen liegen

bei 50 Euro für vorgefertigte

und bei bis zu 1 000 Euro für

individuell angefertigte Modelle.

Liegt eine medizinische Indikation

vor, übernehmen die Krankenkassen

häufig die Kosten.

24/2025 my life

55


GESUNDHEIT

★ MY L

FO L G E

IFE-SER

besser

essen

gesund

bleiben

IE ★

4 3 : BLUTB

In jedem Milliliter Blut sind

etwa fünf Milliarden Erythrozyten

enthalten. So nennen

Mediziner die roten Blutkörperchen,

die für den Transport von

Sauerstoff in unserem Körper so

wichtig sind und die im

Knochenmark gebildet werden.

Rund zwei Millionen davon

produziert der menschliche

Organismus in jeder

einzelnen Sekunde – eine

beeindruckende Leistung,

die jedoch nur mit einer

ausgewogenen Ernährung

und einer ausreichenden

Versorgung mit essenziellen

Nährstoffen möglich ist.

„Die Blutbildung ist ein hochkomplexer

Prozess, bei dem verschiedene

Organe und Systeme zusammenarbeiten.

Besonders wichtig sind dabei bestimmte Vitamine

und Mineralstoffe, die als Bausteine dienen“,

sagt die Internistin Prof. Julia Seiderer-

Nack. Bilden wir zu wenig rote Blutkörperchen,

kann dies zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Die betroffenen Patienten leiden dabei

unter Müdigkeit und Konzentrationsproblemen,

Kopfschmerzen, Haarausfall oder auch

Leistungsschwäche und Kurzatmigkeit.

Eine zentrale Rolle für die Blutbildung spielt

dabei das Eisen. „Eisen ist ein essenzieller

Bestandteil des Hämoglobins, des roten

Blutfarbstoffs, der für den Sauerstofftransport

im Körper verantwortlich

ist“, sagt die

Ernährungsmedizinerin.

Ohne Eisenatome

könnte der

Sauerstoff sich

nicht an das Hämoglobin

binden.

OHNE EISEN GEHT ES NICHT

Ein ganz besonderer

Saft

Ein Mangel an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen ist der

häufigste Grund für eine Blutarmut, die Anämie. Die My Life-Expertin erklärt,

mit welchen Lebensmitteln wir die Blutbildung unterstützen können

ILUNG

Rund acht Prozent aller Deutschen

leiden an einem Eisenmangel,

besonders gefährdet sind Vegetarier

und Veganer, aber

auch Schwangere. Frauen im

gebärfähigen Alter wird empfohlen,

15 Milligramm Eisen am Tag zu sich

zu nehmen – nach den Wechseljahren

genügen zehn. Schwangere brauchen mindestens

30 Milligramm Eisen pro Tag, um auch

das Ungeborene ausreichend zu versorgen.

Für Männer liegt die Empfehlung generell bei

zehn Milligramm pro Tag.

Lange galten rotes Fleisch und Leber aufgrund

ihres hohen Eisengehalts als perfekte

Lieferanten. Ihr Verzehr erhöht allerdings

auch das Risiko für andere

Krankheiten wie z. B. Herz-Kreislauf-

Leiden und bestimmte Krebsarten –

erst recht in verarbeiteter Form. Die

Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher,

maximal 300 Gramm Fleisch und Wurst

pro Woche zu essen.

Eisen und Vitamin C – eine

unschlagbare Kombination

Unbedenklich ist dagegen der Verzehr pflanzlicher

Eisenquellen, insbesondere von Hülsenfrüchten

wie Linsen und Kichererbsen, dunklem

Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl,

Vollkornprodukten wie Haferflocken oder Samen

wie Kürbis- und Sonnenblumenkernen.

Sie sollten daher regelmäßig auf dem Speiseplan

stehen. „Gerade pflanzliches Eisen aus

Gemüse und Hülsenfrüchten wird besser aufgenommen,

wenn es mit Vitamin C kombiniert

wird“, erklärt die Expertin aus

München. Ein Salat aus Linsen und Paprika

oder einfach ein Glas Orangensaft

zu einer Mahlzeit mit eisenreichen Zutaten

kann die Aufnahme des Mineralstoffs also

deutlich verbessern.

5

für die

Blutbildung

➊ Auf ausreichende

Eisen zufuhr achten: Rotes

Fleisch, Hülsenfrüchte und

dunkles Blattgemüse sind

gute Lieferanten für den

wert vollen Mineralstoff

➋ Aufnahme steigern:

Ein hoher Vitamin-C-Gehalt

in der Nahrung erhöht die

Eisenaufnahme im Darm –

in Zitrusfrüchten, Paprika

oder Brokkoli steckt besonders

viel davon

➌ Eisenräuber meiden:

Der zeitgleiche Verzehr von

Kaffee, schwarzem Tee, Cola

oder Milchprodukten kann

die Eisenaufnahme hemmen

➍ Vitamin B12 und Folsäure:

sind in tierischen

Produkten enthalten und

fördern ebenfalls die Blutbildung

im Knochenmark

➎ Nahrungsergänzungsmittel:

können bei veganer

oder vegetarischer Kost

helfen, einen Mangel an

Eisen, B12 oder Folsäure

auszugleichen

FOTOS: ADOBE STOCK (2); SHUTTERSTOCK (6); FOTOLIA; GETTY IMAGES/ISTOCK; STOCKFOOD STUDIOS/THORSTEN SÜDFELS; PR

64 my life 24/2025


Allerdings gibt es auch Lebensmittel,

welche die Aufnahme von Eisen aus der

Nahrung bei gleichzeitigem Verzehr

hemmen – dazu gehören beispielsweise

Kaffee, schwarzer Tee oder Milchprodukte.

Viel grünes Gemüse, aber

auch Tierisches in Maßen

Neben Eisen sind auch andere Mikronährstoffe

für die Blutbildung unverzichtbar. „Vitamin

B12 und Folsäure spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle

bei der Bildung von roten Blutkörperchen“,

so Prof. Julia Seiderer-

Nack. Vitamin B12 findet sich

vor allem in tierischen Produkten

wie Fisch, Fleisch,

Eiern und Milchprodukten,

während Folsäure in grünem

Blattgemüse wie Brokkoli,

Feldsalat und Spinat sowie in

Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten

enthalten ist. „Veganer

müssen besonders auf eine ausreichende Zufuhr

von Vitamin B12 achten, da es in pflanzlichen

Lebensmitteln kaum vorkommt“, sagt

die Ernährungsmedizinerin. Sie benötigen in

aller Regel Nahrungsergänzungsmittel.

Ein weiterer wichtiger Faktor für eine

gesunde Blutbildung ist die ausreichende

Zufuhr von Proteinen. „Denn sie liefern die

Aminosäuren, die für die Bildung von Hämoglobin

und anderen Bestandteilen

des Blutes benötigt werden“, erklärt

die My Life-Expertin. Sehr gute

Eiweißquellen sind mageres

Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte

sowie pflanzliche Alternativen

wie Tofu, Quinoa und Hülsenfrüchte,

allen voran Sojabohnen.

Neben der Ernährung spielt aber auch

der Lebensstil eine entscheidende Rolle für

eine gesunde Blutbildung. „Regelmäßige Bewegung

fördert die Durchblutung und unterstützt

die Sauerstoffversorgung des Körpers“,

sagt Prof. Julia Seiderer-Nack.

Zudem sei es wichtig, auf den Konsum

von Alkohol und Nikotin zu verzichten,

da diese Nervengifte die Blutbildung

negativ beeinflussen

können. Stress gilt es

möglichst ebenfalls zu

meiden, da er den Körper

insgesamt belastet und die

Produktion von roten Blutkörperchen

hemmen kann.

Die Mischung macht

den Unterschied

„Eine ausgewogene Ernährung mit

eisenreichen Lebensmitteln wie Spinat und

Hülsenfrüchten, Vitamin-B12-haltigen Produkten

wie Fisch und Eiern sowie entzündungshemmenden

Nährstoffen wie Omega-3-

Fettsäuren aus Walnüssen oder

Leinöl kann einen entscheidenden

Beitrag zur Unterstützung der

Blutbildung leisten“, fasst Prof. Julia

Seiderer-Nack zusammen. Sie

empfiehlt zudem insbesondere

Frauen im gebärfähigen Alter oder

Menschen mit vegetarischer oder

veganer Ernährung, ihren Eisenund

Vitamin-B12-Spiegel regelmäßig

überprüfen zu lassen. ❰

Prof. Dr. med. Julia

Seiderer-Nack, Fachärztin

für Innere Medizin mit

Schwerpunkt Ernährungsmedizin

in München sowie

Autorin; praxis-seiderer.de

Spinat-Hummus mit Lachs

Zutaten für 4 Portionen

• ca. 400 g Kichererbsen (aus der Dose)

• 150 g Babyspinat • 4 Knoblauchzehen

• 6–7 EL Zitronensaft

• ca. 200 g Tahini (oriental. Sesampaste)

• 6 EL Olivenöl • Salz • Pfeffer

• 40 g gehackte Pistazienkerne

• 1 EL Sesamsamen

• 1 Avocado • 1 rote Zwiebel

• 1–2 TL Kreuzkümmelsamen

• 1 TL Paprikapulver (edelsüß)

• 1/2 TL Cayennepfeffer • 1 TL Zucker

• 1 EL Tomatenmark

• 4 Lachsfilets ohne Haut (à ca. 160 g)

▶ Zubereitung: ca. 50 Minuten

1. Kichererbsen abgießen, abbrausen und

abtropfen lassen. Spinat waschen, trocken

schleudern. 2 Knoblauchzehen abziehen.

Kichererbsen mit Spinat, Knoblauch, 2–3 EL

Zitronensaft, Tahini, 3 EL Öl und 100 ml

Wasser cremig pürieren. Salzen und pfeffern.

2. Pistazien mit Sesam in einer Pfanne

rösten, beiseite stellen. Avocado halbieren,

Kern entfernen. Fruchtfleisch von der

Schale lösen, in Spalten schneiden, mit

2 EL Zitronensaft beträufeln. Zwiebel und

übrigen Knoblauch abziehen, fein würfeln,

in 1 EL Öl andünsten. Mit Kreuzkümmel,

Paprika, Cayennepfeffer und Zucker ca.

3 Min. mitrösten. Tomatenmark, ca. 2 EL

Zitronensaft und 150 ml Wasser zufügen.

Soße aufkochen, salzen, pfeffern.

3. Lachsfilets salzen, pfeffern, im übrigen

Öl braten. Hummus, Avocado, Lachs und

Soße anrichten. Mit Pistazien-Mix bestreut

servieren.

▶ Pro Portion: 1085 kcal

80 g F, 34 g KH, 52 g E

24/2025 my life

65


GESUNDHEIT

Verdauungsprobleme bei Kindern

Au, der Bauch!

Manchmal steckt eine ernst zu nehmende Krankheit hinter den Schmerzen, manchmal ist es

„nur“ eine Verstopfung. Wie Eltern Warnsignale erkennen und was sie tun können

Diagnose Neben dem Abtasten kommt auch Ultraschall zum Einsatz

Es dauert, bis der

Darm sich nach

einer Verstopfung

regeneriert und

seine Elastizität

zurückbekommt

Prof. Dr. Thomas Lang,

Kindergastroenterologe

und Chefarzt der Klinik

für Kinder und Jugendliche

am Klinikum Starnberg

Kinderbäuche reagieren empfindlich:

auf zu viele Süßigkeiten, neues Essen,

Keime – aber auch auf Stress und starke Gefühle

wie Angst und Freude. Bauchgrummeln,

Magendrücken und Blähungen sind bei jüngeren

Kindern die häufigste, bei älteren Kindern

und Jugendlichen die zweithäufigste Ursache

von Schmerzen – direkt nach Kopfschmerzen.

Tauchen die Beschwerden immer wieder

auf, sollten Eltern nachforschen, was dem

Nachwuchs auf Magen und Darm schlägt. Als

chronisch bezeichnet man Bauchschmerzen,

die für mehr als zwei Monate einmal die Woche

oder über drei Monate hinweg unregelmäßig

auftreten. Die möglichen organischen

Ursachen sind vielfältig, dazu zählen Nahrungsmittelunverträglichkeiten,

Verstopfung

und entzündliche Darmerkrankungen. Auch

Sanfte Massage

Vorbereitung Reiben Sie Ihre

Hände warm und verwenden

Sie etwas erwärmtes Speiseöl.

Einige Tropfen Pfefferminzöl

(nicht bei Babys und Kleinkindern)

verstärken die Wirkung.

die Veranlagung zu einer Migräne wirkt sich

bei Kindern häufig auf den Bauch aus – die

Folge der „Bauchmigräne“ sind plötzlich einschießende

Schmerzattacken, Übelkeit und

Erbrechen.

Häufiger als gedacht: Verstopfung

Für eine definitive Diagnose überprüfen Mediziner

zunächst, ob es Hinweise für organische

Gründe gibt, und führen entsprechende

Diagnostik wie eine körperliche Untersuchung

und Ultraschall durch. „Als Faustregel

gilt: Je weiter die Schmerzen vom Nabel entfernt

verortet werden und je genauer das Kind

sie lokalisieren kann, desto eher liegt eine körperliche

Ursache vor“, erläutert Prof. Thomas

Lang, Kindergastroenterologe und Chefarzt

der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am

Klinikum Starnberg.

Aber auch psychische Faktoren können

Kinderbäuche belasten. Die Gründe, warum

die Verdauung stockt, reichen etwa von ekligen

Schulklos über Stresssituationen im Alltag

bis hin zu Kindern, die vom Spielen so absorbiert

sind, dass sie schlicht „keine Zeit

haben“ und die Signale des Verdauungsapparats

ignorieren. Das Resultat ist bei allen Szenarien

dasselbe – plötzlich nichts mehr (raus).

Nicht selten beginnt dann ein Teufelskreis

aus Schmerzen und Zurückhalten – eine Verstopfung

entsteht. Davon spricht man, wenn

der Stuhlgang zwei oder drei Tage länger auf

sich warten lässt als gewöhnlich. Außerdem

sind die Symptome entscheidend: Der Stuhl

ist hart und das Kind hat Schmerzen beim

Stuhlgang. Es klagt öfter über Bauchweh, vor

allem nach den Mahlzeiten, muss häufig pupsen

und hat weniger Appetit als sonst.

Hilfreich bei Blähungen, Verstopfung oder funktionellen Bauchschmerzen:

Massage. Malen Sie sanft mit

zwei bis drei Fingern kreisende

Bewegungen im Uhrzeigersinn

rund um den Nabel. Die Kreise

langsam größer werden lassen,

bis sie Rippen und Schambein

erreichen. Dann wieder mit

engen Kreisen um den Nabel

beginnen, die größer werden.

Zusätzlich den unteren Rücken

kreisend bearbeiten. Insgesamt

etwa fünf Minuten.

66 my life 24/2025


FOTOS: ADOBE STOCK; PR (2)

Nach Ansicht der Gesellschaft für Pädiatrie,

Gastroenterologie und Ernährung sollte dieses

Problem nicht unterschätzt und stattdessen

so schnell wie möglich angegangen werden.

Aus gutem Grund, denn Abwarten kann

zu einer Chronifizierung führen – mitunter bis

ins Erwachsenenalter. Nach spätestens zwei

bis drei Wochen sollte man zum Arzt gehen,

empfiehlt Kindergastroenterologe Prof. Lang.

Eine zu lange anhaltende Verstopfung leiere

den Darm regelrecht aus. „Es dauert, bis das

Organ sich regeneriert, seine Elastizität zurückbekommt.“

Denn der Dickdarm besitzt

nur glatte Muskulatur, die sich im Gegensatz

zu anderen Muskeln nicht trainieren lässt.

Irrglauben. Entgegen verbreiteter Meinung

ist das Problem allein mittels Ernährung, erhöhter

Flüssigkeitszufuhr und Bewegung nicht

in den Griff zu kriegen. Die Wirkung von Ballaststoffen

gilt bei kleinen Kindern als überschätzt.

Spezialist Prof. Lang: „Und was man

zusätzlich trinkt, wird einfach über die Blase

ausgeschieden, nicht über den Darm.“ Körperliche

Aktivität ist jedoch unterstützend.

Außerdem gibt es spezielle Medikamente,

die der Arzt verschreiben kann. Sie enthalten

einen komplexen Zucker, der vom Körper

nicht aufgenommen wird, aber Wasser in den

Darm zieht. So mischt sich der Stuhl vermehrt

mit Wasser und bleibt weich. Diese Medikamente

sollen auch bei längerer Behandlung

unbedenklich sein und sollten, laut Deutscher

Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

e. V., angewendet werden, bis das Kind keine

Verstopfungsbeschwerden mehr zeigt. Das

verhindert, dass sich die Angst vor dem Stuhlgang

manifestiert.

Chronische Entzündung im Blick

„Wachsam werde ich, wenn die Kinder sensibel

auf Berührungen des Bauches reagieren

oder nachts wegen Beschwerden aufwachen“,

so Prof. Lang. Kommt zu den Bauchschmerzen

Durchfall hinzu? Treten Schweißausbrüche

oder Kreislaufprobleme auf? Nimmt das Kind

an Gewicht ab? Was umgehend abgeklärt

wird, ist Blut im Stuhl – es weist auf eine chronisch

entzündliche Darmerkrankung (CED)

hin. Bei etwa einem Viertel aller CED-Patienten

zeigt sich die Erkrankung bereits vor dem

18. Lebensjahr, in manchen Fällen sogar schon

vor dem zehnten Lebensjahr. „Die Krankheit

ist in Industrienationen nicht nur häufiger als

gedacht, die Patienten werden auch immer

jünger“, weiß der Kindergastroenterologe.

„Wir haben schon Dreijährige mit einer schweren

Colitis ulcerosa, bei der sich der Dickdarm

chronisch entzündet, und Fünfjährige mit

SELBST AKTIV WERDEN

Für mehr Ruhe in der Mitte

▶ Achtsamer ernähren

Möglichst selbst kochen, Fertigprodukte

und stark verarbeitete

Lebensmittel meiden. Einen positiven

Effekt auf ein ausgewogenes

Mikrobiom scheinen Nahrungsmittel

wie Fermentiertes, Brokkoli,

Grünkohl und aufgewärmte Kartoffeln

zu haben. Probiotika mit

Laktobazillen können einen Versuch

wert sein. Es lohnt sich auch,

auszuprobieren, ob ein Reduzieren

von Fruchtzucker und hoch raffiniertem

Weizen die Bauchschmerzen

bessert.

▶ Ausreichend bewegen

Körperliche Aktivität bringt den

ganzen Organismus in Schwung,

Ausdauertraining baut effektiv

Morbus Crohn.“ Diese Form kann jeden Darmabschnitt

betreffen, meistens sind es der

untere Dünndarm und der Übergang zum

Dickdarm. „Morbus Crohn hat eine genetische

Veranlagung, aber auch Ernährungsfaktoren

spielen eine wichtige Rolle“, sagt Prof. Lang.

Neue Studien deuten darauf hin, dass die Entzündung

durch hoch verarbeitete Produkte

und Zusatzstoffe wie Emulgatoren aktiviert

werden kann, die das Mikrobiom und die

Darmbarriere verändern.

Therapie. Steht die Diagnose Morbus Crohn

fest, versuchen Darmspezialisten wie Prof.

Lang, die Entzündung mit einer Ernährungstherapie

einzudämmen. „Die anfänglichen

sechs Wochen Astronautenkost sind für die

Kinder schon hart, aber nur so kann sich das

Gewebe regenerieren“, erklärt der Experte. Danach

wird das Mikrobiom mit einer Spezialdiät

schonend wieder aufgebaut, sodass es den

Entzündungsprozessen entgegenwirken kann.

„Bei vielen bessern sich nach zwei Wochen die

Bauchschmerzen, die Krankheit kommt zum

Stillstand“, so Prof. Lang. „Mitunter lässt sich

auf diese Weise der gleiche Erfolg erzielen wie

mit einer Hochdosis-Kortisontherapie – und

das ohne Nebenwirkungen.“

Bei von CED betroffenen Kindern mit schwerem

Verlauf werden heute zügig Biologika eingesetzt.

Die biotechnologisch hergestellten

Arzneien blockieren gezielt die entzündungsfördernden

Botenstoffe. „Von unseren Patienten

behandeln wir etwa 30 Prozent mit den

Antikörper-Medikamenten“, sagt Prof. Lang. ❰

Stress ab. Experten empfehlen

Sport auch bei Verstopfung und

entzündlichen Darmerkrankungen.

▶ Zeit für Entspannung einplanen

Versuchen Sie, Stress und Termine

zu verringern. Nehmen Sie sich

Zeit für Ihr Kind – zum Kuscheln,

Musikhören, Vorlesen. Bei Reizdarm

können Entspannungstechniken

Symptome bessern.

▶ Ressourcen ausmachen

Manchen Kindern helfen eher

Ablenkungsstrategien, Auspowern

beim Sport oder ein kreatives

Hobby ohne Leistungsdruck. Andere

brauchen stattdessen Ruhe.

Was wirklich wirkt, gilt es gemeinsam

herauszufinden.

Schnelle Hilfe:

Eine Wärmflasche

oder ein erwärmtes

Körnerkissen fördert

die Durchblutung und

lindert Bauchkrämpfe

und Blähungen

24/2025 my life

67


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Chefredaktion: Dr. Margit Pratschko (V.i.S.d.P.)

Stellvertretende Chefredakteurin: Sabine Schipke

Textchefs: Mike Dütschke, Annette Postel

Redaktion: Miriam Dietz, Ana Goldscheider

Art Director: Jürgen Thies

Grafik: Juliane Kruschke (Grafik Lead My Life)

Eva-Maria D’Auria,

Production Manager: Diana Wenzel

Bildredaktion: Petra Meerjanssen (Ltg.)

Genuss: Gaby Höger (Ltg.)

Rätsel: Andrea Kind (Ltg.)

Redaktionsassistenz: Daniela Gibson,

Nathalie Grunewald, Constanze Röhr

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Corinna Baier (FOCUS),

Carolin Binder, Dennis Dreher, Barbara Esser,

Edda Grabar (FOCUS), Emma Leiber, Miriam

Markantonatos, Dr. Kurt-Martin Mayer (FOCUS),

Marion Meiners, Antje Sommerkamp, Katharina

Sucher

Experten dieser Ausgabe: Univ.-Prof. Dr. rer. nat.

Alexander Bartelt; Prof. Dr. med. Peter Berlit;

Michaela Girsch; PD Dr. med. Tim Hollstein; Jutta

Kamensky, MPH; Prof. Dr. rer. nat. Martin

Klingenspor; Prof. Dr. med. Thomas Lang; Univ.-Doz.

Dr. med. Gernot Langs; Dr. med. Johannes Sander;

Laurie Santos, Ph.D.; Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat.

Detlef Schuppan; Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack;

Prof. Dr. rer. nat. Marc Tittgemeyer; Dr. med. Hans-

Ulrich Voigt; Brianna Wiest

Apotheker-Serie: Karen Faisst

Stiftungs-Beirat: Felix Burda Stiftung, Prof. Dr. Heidrun

M. Thaiss; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-

Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger

Landgraf, Adrian Polok; Dt. Herzstiftung, Prof. Dr. med.

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Jürgen Vogelgesang; Dt. Krebshilfe, Gerd Nettekoven;

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viamedica-Stiftung, Prof. Dr. med. Franz Daschner

Faktencheck: LEKTORNET GmbH, Hamburg

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74 my life 24/2025

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