Kulturfenster Nr. 06|2025 - Dezember 2025
Kulturfenster Nr. 06|2025 - Dezember 2025
Kulturfenster Nr. 06|2025 - Dezember 2025
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BLASMUSIK
CHORWESEN
HEIMATPFLEGE
in Südtirol
Nr.6
DEZ.
2025
Tracht schafft Gemeinschaft
Musizieren im Kirchenraum
Jugendliche für das Singen gewinnen
Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 77. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift
Falls Zeitschrift nicht zustellbar, bitte über das operative Postzentrum Bozen an den Verleger (Verband Südtiroler Musikkapellen) zurück.
Der Verleger verpflichtet sich, die Postspesen für die Rücksendung zu übernehmen.
vorausgeschickt
Motor und Ansporn
Liebe Leserinnen und Leser,
das Ende eines Jahres ist immer Anlass,
Danke zu sagen. Mein erster Dank geht an
die vielen Autor*innen, die unser „Kultur-
Fenster“ durch ihre Beiträge zu dem machen,
was es ist: ein interessanter, aufschlussreicher
und vielschichtiger Blick in
unsere bunte Kulturlandschaft. Der zweite
Dank geht an die Verantwortlichen der drei
Verbände, die unserem Redaktionsteam
ihr uneingeschränktes Vertrauen schenken
und uns in unserer Arbeit tatkräftig
unterstützen. Der dritte, aber nicht weniger
große Dank geht an Sie – unsere treuen
Leser*innen. Ihr Interesse, Ihre konstruktive
Kritik und die vielen Anregungen sind
uns Motor und Ansporn, auf dem eingeschlagenen
Weg weiterzugehen, ohne jedoch
zukünftige Weggabelungen außer
Acht zu lassen.
Und damit darf ich Sie wieder einladen,
in den vorliegenden 72 Seiten dieser Dezemberausgabe
zu blättern, in der Welt
der Trachten zu schmökern, über die Lebensmittelverschwendung
nachzudenken,
sich mit der Tiroler Geschichte im
Allgemeinen und dem Freiheitskämpfer
Michael Gaismair im Besonderen auseinander
zusetzen, das traditionelle Handwerk
wertzuschätzen oder fast vergessene
Berufe wiederzuentdecken.
Der Kirchenmusiker Dominik Bernhard
hebt in seinem Beitrag hervor, dass Musik
in der Kirche nicht bloße Umrahmung
ist, sondern Bestandteil der Liturgie, und
als solcher auch die dort gespielte Musik
immer Raum für göttliche Perspektive lassen.
Die Erfolge des Bezirksjugendblasorchesters
Brixen, des Gebietsorchesters
Unteres Pustertal (Level Up), der Musikkapelle
St. Georgen und der Jugendkapelle
der Bürgerkapelle Brixen sind ebenso lesenswert
wie die Stabführer-Tradition der
Familie Lanthaler im Passeiertal. Nicht unerwähnt
soll an dieser Stelle Josef Egger
aus Nals sein, der vor kurzem seinen 80.
Geburtstag gefeiert hat (S.50).
Der Chorverband geht der Frage nach, wie
man Jugendliche für das Singen gewinnen
kann, und zeigt die erfolgreiche Jugendarbeit
des Deutschen Chorverbandes. Zudem
wird das Projekt „Next Generation“ des Vokalensembles
„Choriosum“ vorgestellt, in
dem Sänger*innen generationenübergreifend
mit ihren Kindern singen. Auch den
Bericht zum Jubiläumskonzert des Landesjugendchors
Südtirol finden Sie in der Rubrik
des Chorverbandes – wie auch ein Interview
mit der Dirigentin Franziska Kuba.
Natürlich gibt es zudem die gewohnten Rubriken,
in denen die einzelnen Verbände
und ihre Mitgliedsvereine ihre Tätigkeiten
dokumentieren, bereichsspezifische Themen
aufarbeiten und auch die Jugend –
die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus
stellen.
Ich wünsche Ihnen wiederum eine unterhaltsame,
aber auch informative Lektüre
und einen aufschlussreichen Blick durch
unser buntes „KulturFenster“.
Stephan Niederegger
Jeder von uns hat die Möglichkeit,
übrige Lebensmittel zu verwerten.
Oft braucht es nur die
Idee, die Umsetzung ist dann
gar nicht schwierig.
Andreas Götsch
Der entscheidende Unterschied
beim Musizieren in
der Kirche ist, dass das Ziel
nicht bloße Unterhaltung ist,
sondern die Menschen zu
Gott – und zugleich zu sich
selbst – zu führen.
Dominik Bernhard
Wir sind davon überzeugt, dass
kulturelle Bildung ein geeignetes
Mittel ist, um gesellschaftlicher
Spaltung entgegenzuwirken,
den Zusammenhalt in der
Gesellschaft zu stärken und
sich für eine zukunftsgewandte,
kulturelle Vielfalt einzusetzen.
Deutsche Chorjugend
2
KulturFenster 06/Dezember 2025
Inhalt
In dieser Ausgabe
Gemeinsam
Chorwesen
Gedanken zum Jahreswechsel ............................................. 4
Heimatpflege
Trachtenexpertinnen im Austausch........................................4
Entwurf für Landesklimagesetz vorgelegt ...............................9
Gemeinschaftsprojekt gewinnt
Kultur.Forscher!-Preis in Deutschland..................................10
Lebensmittel:
Verschwendung (an Weihnachten) vermeiden .....................12
Auf den Spuren von Michael Gaismair.................................14
Vorbildlich: Strohdächer am Tschögglberg ...........................16
Rückblick auf Dialekttagung................................................18
Wertvoll: Biografiearbeit mit Senioren ..................................20
Neues aus den Bezirken ...............................................22–24
Das ist die Allianz der Kultur ...............................................25
60 Jahre Landes-Kathreintanz.............................................26
Jugendliche für das Singen gewinnen.................................. 57
Wenn Sänger*innen mit ihren Kindern singen .................... 59
Neue Chorleitung gesucht................................................... 60
Jubiläumskonzert des Landesjugendchores......................... 61
Landeskinderchor & Landesjuniorchor ................................ 62
Musik für Groß und Klein .................................................... 63
Rubrik PERSÖNLICH – Franziska Kuba .............................. 64
Zehn Jahre Kinder- und Jugendchor Oberrasen .................. 65
Tschögglberger Kirchenchöre feiern Evensong..................... 66
100 Jahre Kirchenchor und -orchester St. Ulrich................. 67
50 Jahre Singkreis Welschnofen.......................................... 68
Pfarrchor Lana feiert hl. Cäcilia............................................ 68
Kirchenchor St. Michael/Eppan in Straßburg........................ 69
Kirchenchor Mölten feiert hl. Cäcilia mit Musikkapelle ......... 69
Kirchenchor Auer führt Faurés Requiem auf........................ 70
Chöre überschreiten Grenzen ............................................. 71
Blasmusik
Musizieren im Kirchenraum ................................................. 28
Die neue VSM-App .............................................................. 32
Bezirksjugendorchester Brixen ............................................. 34
Musik in Bewegung und attraktive Probenarbeit ................... 35
Familie Lanthaler – Drei Stabführer-Generationen ................. 37
Gebietsorchester Unteres Pustertal – Level Up ..................... 39
Blasmusik-Ausstellung am Bergisel ...................................... 40
Blasmusikverband Tirol (BVT) unter neuer Führung ............. 41
Ein „Sehr gut“ für die Musikkapelle St. Georgen ................... 42
Großer Erfolg für die Jugendkapelle BK Lana ........................ 43
MK Terlan mit besonderen Aktionen ..................................... 44
MK Marling bei „Juventus 2025“ ......................................... 46
Gemeinsames Jubiläumsfest in Niederdorf ........................... 48
„Southbrass“ feiert zehn-jähriges Bestehen .......................... 49
Josef Egger zum 80er .......................................................... 50
110 Punkte „cum laude“ für Samuel Oberegger ................... 51
„Festmarsch (1884)“ von Richard Strauss ........................... 52
Prozessionsmarsch-CD der MK Innervillgraten ..................... 52
Impressum
Mitteilungsblatt
- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen
Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it
- des Südtiroler Chorverbandes
Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it
- des Heimatpflegeverbandes Südtirol
Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it
Anschrift:
Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen
Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it
Raiffeisen-Landesbank Bozen
IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771
SWIFT-BIC = RZSBIT2B
Jahresabonnement = 20,00 Euro
Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948
presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger
Druck: Ferrari-Auer, Bozen
Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und
Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.
Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht
zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.
genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.
Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit
sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit
der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder
Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.
Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.
Werbekampagne der MK Dorf Tirol ....................................... 53
kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ........................ 54
– gefördert von der Kulturabteilung
der Südtiroler Landesregierung
KulturFenster 3
06/Dezember 2025
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Rainer Maria Rilke
(04.12.1875 - 29.12.1926)
KulturFenster 4
06/Dezember 2025
Foto: Andreas Rieder
gemeinsam
Gedanken zum Jahreswechsel
Rückblick und Ausblick der Verbandsvorsitzenden
Das Ende des Jahres 2025 naht und wir blicken zurück auf eine Zeit, die sowohl in unserem Land als auch
weltweit nicht unbedingt Anlass gibt, sich zu freuen, bzw. hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken: Krieg und
Zerstörung, Klimawandel und instabile Systeme, orientierungslose Politik und hemmungsloser Kapitalismus
sind auf dem Vormarsch. Auch Südtirol ist längst keine Insel der Seligen mehr: Teuerung, Wohnungsnot,
eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Abwanderung von klugen Köpfen, Schule im Kreuzfeuer,
Verlust an intakter Landschaft sind nur einige Punkte, die man hier anführen kann.
Was brauchen wir, um in diesen herausfordernden Zeiten Resilienz zu entwickeln? Es braucht Kultur – das
Lateinische „colere“ heißt „pflegen, sich kümmern“. Kultur und Bildung liefern die Basis für mündige und verantwortungsbewusste
Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Allgemeinheit einsetzen, die couragiert ihre Stimme
erheben, die sich nicht von falschen Versprechungen täuschen und vereinnahmen lassen.
2025 ist das Gedenkjahr an die Bauernkriege vor 500 Jahren. Der Tschöfser Bauernanführer Michael Gaismair hat die Ungerechtigkeiten
seiner Zeit wahrgenommen, hat sich nicht vor der Konfrontation mit der Obrigkeit gescheut, hat eine für die damalige Zeit
revolutionäre Tiroler Landesordnung verfasst. Oft habe ich den Eindruck, dass wir heute auch wieder vieles neu ordnen, über allgemein
verbindliche Prioritäten sprechen müssten. Der Heimatpflegeverband Südtirol hat sich dieses Jahr prioritär dem Thema Klimagerechtigkeit
und mit vielen anderen Organisationen dem Vorschlag eines dringend notwendigen Landes-Klimagesetzes gewidmet
sowie die Jugendarbeit, also hoffnungsfrohe Arbeit für die Zukunft, vorangetrieben.
Lassen wir uns nicht entmutigen, nützen wir die Chancen zur positiven Veränderung, die sich uns im Leben bieten.
Ich wünsche Ihnen allen ein hoffnungsfrohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie Wohlergehen und Zuversicht für das neue Jahr!
Claudia Plaikner, Obfrau HPV Südtirol
Persönliche Gedanken zum Jahresabschluss!
Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr neigt sich dem Ende zu – es ist wieder Zeit für einen Moment der
Besinnung. Wir blicken auf ein ereignisreiches und von Höhen und Tiefen geprägtes musikalisches Jahr zurück.
Die Klänge unserer Musikkapellen und die Freude am Musizieren haben uns verbunden und uns gemeinsam
gestärkt. Mögen wir diese schönen Erinnerungen in unseren Herzen bewahren und aus den schwierigen
Momenten lernen! Ein neues Jahr steht bevor, mit neuer Hoffnung, neuem Licht und neuem Glück.
Lasst uns mit Freude und Stolz gemeinsam in die Zukunft blicken und unsere Wünsche und Ziele verwirklichen.
Von ganzem Herzen bedanke ich mich bei allen Funktionären, Musikantinnen und Musikanten, Fähnrichen
und Marketenderinnen unserer Mitgliedskapellen für den wertvollen ehrenamtlichen Dienst, für eure Leidenschaft
und euer Engagement für unsere Heimat.
Für das kommende Jahr wünsche ich mir mehr Wertschätzung des Ehrenamtes vonseiten der Politik und vor allem eine klare Lösung
bezüglich der Reform des Dritten Sektors, für unsere Vereine in Südtirol
Abschließend wünsche ich uns allen auf diesem Wege ein schönes Weihnachtsfest, Momente der Ruhe, viel Freude, Frieden und vor
allem Gesundheit für das Jahr 2026. Mit musikalischen Grüßen, in Harmonie vereint!
Pepi Ploner, Obmann VSM
Geschätzte Obleute, Chorleiterinnen und Chorleiter, Sängerinnen und Sänger!
Ein Jahr voller Gesang, vieler wohltuender Begegnungen und gemeinsamer Leidenschaft ist schon bald wieder
zu Ende. Bei zahlreichen Konzerten und Gottesdienstmitgestaltungen durften wir erneut erleben, wie
kraftvoll das gemeinsame Singen ist, gab es doch unzählige Momente, in denen aus Tönen Gemeinschaft
entstand und in denen spürbar wurde, wie sehr uns das Singen verbindet. Im Namen des Südtiroler Chorverbandes
bedanke ich mich bei Euch allen für die vielfältigen und wertvollen Aktivitäten, die ehrenamtliche
Kulturarbeit, das großartige Engagement und wünsche ein gesegnetes Weihnachtsfest, sowie alles Gute, Glück
und Gottes Segen für das kommende Jahr. Möge es viele inspirierende Begegnungen schenken, neue musikalische
Wege eröffnen und uns weiterhin als starke Gemeinschaft verbinden.
Erich Deltedesco, Obmann SCV
KulturFenster
5 06/Dezember 2025
Die Tracht ist ein sehr spezielles
Fachgebiet. Umso wichtiger
ist ein Gedankenaustausch
unter Expert*innen.
Fotos: Agnes Andergassen
Das Foto auf der
Titelseite zeigt eine
Goldhaubentracht, ein
traditionelles, festliches
Gewand, das Frauen
in Niederösterreich zu
besonderen Anlässen
tragen und das sich
durch die aufwändig
verzierte Goldhaube
auszeichnet.
Foto Titelseite: Johann Heinzl
KulturFenster 6
06/Dezember 2025
getragen
Tracht verbindet
Exkursion der österreichischen Trachtenverbände in Südtirol
Der Herbst zeigte sich von seiner schönsten
Seite, als eine stattliche Gruppe von österreichischen
Trachtenfrauen auf Exkursion
zu uns nach Südtirol kam. Die Frauen waren
einer Einladung der Arbeitsgemeinschaft
Lebendige Tracht und des Heimatpflegeverbandes
gefolgt, um an einem verlängerten
Wochenende im Oktober Land und Tracht
näher kennenzulernen.
Jedes Jahr wird die Arbeitsgemeinschaft
Lebendige Tracht von Nachbarverbänden
zu deren Vollversammlungen eingeladen.
Diese Selbstverständlichkeit, mit der wir
Südtiroler*innen, sozusagen als zehntes
Bundesland Österreichs, ganz einfach dazugehören
dürfen, gibt uns ein gutes Gefühl.
Die jahrelange Freundschaft führte
nun dazu, dass in diesem Jahr 20 Trachtenexpertinnen
aus allen österreichischen
Bundesländern zu einem Gegenbesuch
eingeladen wurden.
Alles intern organisiert
Der Besuch des Trachtenmuseums war für die Fachfrauen besonders aufschlussreich.
Es war gar nicht schwierig, ein anspruchsvolles
Programm auf die Beine zu stellen.
Da zeigte sich einmal mehr der große Zusammenhalt
der Mitglieder der Arge Lebendige
Tracht. Alle angesprochenen Trachtenfachleute
sagten spontan zu, und dem
Gelingen dieser Exkursion stand nichts
mehr im Wege. Mit Hilfe der Mitarbeitenden
im Heimatpflegeverband klappte
auch der organisatorische Teil wunderbar.
Allen beteiligten Personen gebührt dafür
ein großer Dank.
Fachleute am Werk
Geselligkeit gehört dazu
Kommt man im Herbst nach Südtirol, gehört
das typische Törggelen natürlich dazu.
Beim „Grafen“ in Kampenn bei Bozen fühlten
sich alle sofort wohl. Da blieb neben
dem köstlichen Essen und Trinken genügend
Zeit, um miteinander ins Gespräch
zu kommen. Es ist dieser Gedankenaustausch,
der uns Trachtler*innen zusammenschweißt.
Schön war auch, dass die
Wir wollten unseren Gästen zeigen, was
wir im Hinblick auf die Tracht so alles zu
bieten haben. Ob das Trachtenmuseum in
Kastelruth oder das Dorfmuseum in Gufidaun
– überall stehen Leute dahinter, die
jahrzehntelang bei der Arge Lebendige
Tracht mitgearbeitet haben. Ihrer fachlichen
Kompetenz und ihrem Einsatz ist es
zu verdanken, dass wir heute so schöne
Museen präsentieren können. Unsere österreichischen
Gäste waren jedenfalls vollauf
begeistert.
Weil Trachten kostbare Kleidungsstücke sind, die beim Anziehen viel Aufwand bedürften,
trafen sich die Frauen in Dirndl (im Bild: eine Gruppe in Salurn).
KulturFenster 7
06/Dezember 2025
getragen
Spitzenklöpplerin, Lederhosenschneider
oder Trachtenschuhmacher – sie alle
zeigten ihr Können. Nachdem alle Trachtenfrauen
ausgewiesene Fachleute sind,
ergab sich so manches interessante Gespräch
unter Expert*innen. Es ist dieser
Austausch zwischen Nord und Süd, zwischen
Ost und West, der durch die Tracht
zustande kommt. Tracht verbindet eben,
ganz spontan, ganz von allein.
Netzwerken ist angesagt
Einmal mehr wurde uns allen während dieser
Exkursion bewusst, dass wir alle im selben
Boot sitzen. Gerade bei der Tracht wird
es immer schwieriger, das richtige Material
zu finden. Da zeigt sich wieder dieser
Zusammenhalt über die Grenze hinweg.
Ein Klick genügt, und schon sind wir alle
über das Netz verbunden. Die eine weiß
diese Anlaufstelle, die andere jene, wo
man fündig werden kann. Man teilt einfach
sein Wissen, ohne Wenn und Aber.
Dadurch spürt man, wie sehr die Tracht
uns allen ein Anliegen ist.
Kein Einzelkampf
Vertreterinnen der österreichischen Trachtenverbände weilten zum Gedankenaustausch
in Südtirol. Die Herausforderungen der Trachtenvereine sind überall dieselben.
Obfrau des Heimatpflegeverbandes, Claudia
Plaikner, und der Geschäftsführer Florian
Trojer mit dabei waren. Einmal mehr
hat sich gezeigt, wie sehr Tracht und auch
das Dirndl Gemeinschaft bilden, egal aus
welcher Ecke man kommt.
Handwerk
kann sich sehen lassen
Foto: Florian Trojer
Was wäre die Südtiroler Tracht ohne das
dazugehörige Handwerk? Ob Handweber,
Federkielsticker, Zinngurtmacher,
Die Tage vergingen viel zu schnell. Wir
hätten noch so viel Interessantes zu bieten
gehabt. Was bleibt, sind viele schöne
Erinnerungen. Was bleibt, ist aber auch
die Gewissheit, dass es für den Erhalt
der Tracht nicht Einzelkämpfer*innen
braucht, sondern viele Gleichgesinnte,
die an derselben Zukunft bauen. Diese
Trachtenexkursion hat das wieder einmal
bestätigt.
Agnes Andergassen
Arge Lebendige Tracht
Die drei Organisatorinnen des Treffens: Agnes
Andergassen, Martina Reitsamer und Helga
Trenkwalder (v. l.)
Auch HPV-Obfrau Claudia Plaikner (r.)
schloss sich den Trachtenfrauen an. Im
Bild mit Agnes Andergassen und Helga
Trenkwalder.
Beim Abendessen in der historischen „Alten
Post“ in Atzwang
KulturFenster 8
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Landesklimagesetz in Reichweite
Vorschlag an die Politik überreicht –
Einbeziehung der Umweltverbände angekündigt
Südtirol braucht dringend ein anspruchsvolles
Regelwerk, um der
Klimapolitik Wirkung und Verbindlichkeit
und den Bürgern
und Unternehmen Planungssicherheit
zu verschaffen. 47 Organisationen
drängen in diesem
Sinn auf ein „starkes Landesklimagesetz“.
Wenn Südtirol tatsächlich in
genau 15 Jahren klimaneutral
werden soll, müssen Land und
Gemeinden die Ärmel hochkrempeln
und beim Klimaschutz
einen Gang höher schalten.
Schon das für 2030 von der
Landesregierung gesetzte Ziel,
die CO 2
-Emissionen um 55 Prozent
gegenüber 2019 zu senken,
ist beim heutigen Tempo
nicht erreichbar. Wenn der Klimaschutz
laut Klimaplan 2040 kein bloßes
Luftschloss bleiben soll, muss er verbindlicher
und umfassender angelegt und wirksamer
umgesetzt werden als bisher.
Nicht Verbote,
sondern Leitplanken
Ein breites Bündnis von 47 Organisationen
aus den Bereichen Umweltschutz, Soziales,
Jugend, Kultur und Gewerkschaft hat
– unter Federführung des Heinmatpflegeverbandes,
des Dachverbandes für Natur
und Umweltschutz
sowie von Climate
Action – zusammengefunden,
um
ein starkes Landesklimagesetz
zu erwirken.
Damit sollen
die Klimaziele
für Südtirol gesetzlich
verankert, klare
Verfahren, Pflichten
und einige institutionelle
Neuerungen eingeführt werden. Anschließend
muss ein neu gefasster Klimaplan
mit strengen Berichtspflichten und
Klimaschutz ist mehr als
eine Pflicht. Er ist eine große
Chance für uns alle.
Claudia Plaikner
Korrekturmechanismen umgesetzt werden.
Ein solches Klimagesetz richtet sich vor
allem an das Land selbst, das damit seine
Zuständigkeiten ausschöpft, aber auch
nicht mehr. Es würde kaum neue Gebote
und Verbote für Bürgerschaft und Unternehmen
vorsehen, sondern vor allem die
Leitplanken für die Landespolitik in Richtung
CO 2
-Neutralität und Energiewende
setzen. Zahlreiche Landesgesetze müssten
angepasst, einige komplexe Bereiche mit
eigenen Verordnungen geregelt werden,
etwa die Heizungswende.
Präventiver Klimaschutz
ist nicht nur
ein Akt der Verantwortung
gegenüber
der Weltgemeinschaft,
gegenüber
anderen Regionen
Europas und den
kommenden Generationen,
die die
Folgen der Erderhitzung
auszubaden
haben, sondern er bringt auch konkrete
Vorteile. „Klimaschutz ist mehr als
eine Pflicht“, unterstrich HPV-Obfrau Clau-
Ende Oktober wurde der
Entwurf für ein Landesklimagesetz
an Landesrat
Peter Brunner wurde
überreicht. Foto: HPV
dia Plaikner bei der Vorstellung
des Gesetzentwurfs am
14. November im Naturmuseum
in Bozen. „Er ist auch
eine große Chance für uns
alle. Mehr Versorgungssicherheit
bei der Energie, geringere
Kosten für den Import fossiler
Brennstoffe, saubere Luft und
zukunftsfähige Arbeitsplätze in
der Energie- und Umwelttechnologie
können unsere Lebensqualität
und den Wirtschaftsstandort
Südtirol stärken.“
39-Punkte-Vorschlag
überreicht
Der sehr konkrete 39-Punkte-Vorschlag
der Plattform (auf www.hpv.bz.it mit einer
erklärenden Broschüre herunterzuladen)
orientiert sich an Beispielen regionaler Klimagesetze
in Deutschland, Österreich und
anderen EU-Ländern. Auch die Lombardei
ist Vorbild. Sie hat als erste Region Italiens
im Juli 2025 ein Klimagesetz in Kraft gesetzt.
Der Gesetzesvorschlag ist Ende Oktober
offiziell Umweltlandesrat Peter Brunner
und Anfang November Landtagspräsident
Arnold Schuler überreicht worden.
Der Ball liegt nun beim Gesetzgeber
und der Landesregierung, die schon Interesse
und Bereitschaft bekundet hat
und die Umweltverbände in die Ausarbeitung
einbeziehen will. Somit geht es
nicht mehr um das Ob, sondern um das
Wie und Wann eines solchen Gesetzes.
Es gilt aber, keine Zeit zu verlieren, denn
im Klimaschutz sind 15 Jahre kurz, und
der Weg ist oft steinig.
Thomas Benedikter
KulturFenster 9
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Wenn Heimat Schule macht
Gemeinschaftsprojekt gewinnt Kultur.Forscher!-Preis in Deutschland
Was entsteht, wenn Schule, Kunst und
Heimatpflege ein gemeinsames Ziel verfolgen?
In der Grundschule Rodeneck ist
aus dieser Verbindung ein Projekt gewachsen,
das zeigt, wie kulturelle Bildung Kinder
und Gemeinschaft gleichermaßen bereichern
kann.
Performance mit den Rodenecker Grundschülerinnen im Rahmen der Preisverteilung in
Frankfurt am Main.
Das zweijährige Schulprojekt überzeugte
auch auf internationaler Bühne: Bei der
Verleihung des Kultur.Forscher!-Preises
2025 in Frankfurt am Main wurde es als
herausragendes Beispiel kultureller Bildung
ausgezeichnet.
Gemeinsam mit dem Südtiroler Künstlerbund
und dem Heimatpflegeverband
Südtirol wurde in Rodeneck ein außergewöhnliches
Kunst- und Kulturvorhaben
verwirklicht, das den Begriff Heimat
auf kreative Weise erschließt.
Kinder, Lehrpersonen, Künstler*innen und
Kulturinstitutionen haben dabei erforscht,
was Heimat bedeutet – in der Geschichte,
im Alltag und im eigenen Erleben.
Die Schüler*innen führten Forschertagebücher,
erzählten Tellergeschichten, bastelten
Setzkästen mit persönlichen Erinnerungsstücken,
zeichneten Dorfszenen
und schufen schließlich ein „wachsendes
Kunstwerk“ in der Mensa der Schule:
ein Mosaik aus Scherben, das sich Jahr
für Jahr fortsetzt (siehe „KulturFenster
5/2025). Jede Scherbe, die ein Kind anbringt,
erzählt eine Geschichte – und in
jedem Schuljahr wächst das Kunstwerk
weiter. So wird Heimat sichtbar als etwas,
Dürfen stolz auf das Erreichte sein: die Beteiligten am Projekt bei der Preisverleihung.
Fotos: HPV
KulturFenster 10
06/Dezember 2025
Heimatpflege
das sich verändert, fortsetzt und von vielen
Händen gestaltet wird. Ein Ansatz, der
auch die Jury des Kultur.Forscher!-Preises
überzeugte: Sie lobte die Verbindung von
künstlerischer Praxis, schulischer Entwicklung
und lokaler Verankerung als
„herausragendes Beispiel kultureller Bildung“.
Das Projekt stärke die kreative und
forschende Haltung an der Schule, öffne
neue ästhetische Zugänge und zeige, wie
Kinder ihr eigenes Verständnis von Heimat
formen.
Ein Preis
mit Strahlkraft
Bei der feierlichen Preisverleihung im
Tower 185 in Frankfurt, organisiert von
der PwC-Stiftung in Zusammenarbeit
mit der Universität Marburg, trafen sich
Schüler*innen, Lehrpersonen und Projektbeteiligte
aus ganz Deutschland und
Südtirol.
Neben Rodeneck wurden auch Projekte
aus Leipzig, Düsseldorf, Willich und Potsdam
ausgezeichnet, die sich auf unterschiedliche
Weise mit Kunst, Stadt und
gesellschaftlichem Miteinander befassten.
Unter den Festredner*innen waren
Vertreter*innen des Hessischen Kultusministeriums,
der Universität Marburg
und der PwC-Stiftung.
Jede Scherbe erzählt ihre eigene Geschichte.
menarbeit vieler Beteiligter ist ein lebendiger
Austausch entstanden, der Identifikation
stiftet und das Thema Heimat in
den Ort hineinträgt.
Der Heimatpflegeverband Südtirol, der
Südtiroler Künstlerbund und die Grundschule
Rodeneck wollen diese erfolgreiche
Foto: Karolina Gacke
Zusammenarbeit fortsetzen und künftig
weitere Projekte im Kultur.Forscher!-Netzwerk
entwickeln.
Das Beispiel zeigt, wie kraftvoll kulturelle
Bildung wirken kann, wenn sie gemeinschaftlich
getragen wird.
Evi Brigl
Heimat ist kein fertiger
Zustand, sondern ein
wachsender Raum.
Evi Brigl
Sie unterstrichen die Bedeutung kultureller
Bildung für die Schule der Zukunft. Mit
Applaus wurde der Preis an Direktorin Monika
Leitner, Lehrpersonen, Schüler*innen
sowie Vertreter*innen des Künstlerbundes
und des Heimatpflegeverbands überreicht
– ein Moment großer Freude und Anerkennung
für alle Beteiligten.
Heimat als
gemeinsame Erfahrung
Die Preisverleihung machte deutlich, dass
„Heimat“ weit über die Schule hinaus
wirkt, dass sie kein fertiger Zustand ist,
sondern ein wachsender Raum – offen
für neue Erfahrungen, Geschichten und
Begegnungen. Durch die enge Zusam-
Kultur.Forscher!
Das Programm „Kultur.Forscher!“ möchte ästhetisches Forschen und kulturelle Bildung
an Schulen nachhaltig und lehrplanbezogen verankern. Schulen und außerschulische
Partner*innen wie Museen, Theatern und anderen Kulturinstitutionen
aus Deutschland und Südtirol arbeiten dabei langfristig im Kultur.Forscher!-Netzwerk
zusammen. Kultur.Forscher! ist ein gemeinsames Programm der Arbeitsstelle
Kulturelle Bildung der Philipps-Universität Marburg und der PwC-Stiftung.
www.kultur-forscher.de
KulturFenster 11
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Genuss statt Überfluss
Weihnachten: Der Lebensmittelverschwendung Einhalt gebieten
Achtsamkeit ist das, was uns an Weihnachten
vielfach abhanden gekommen ist. Das gilt
auch für die Festtagsessen, die uns in diesen
Wochen begleiten und eigentlich Teil
der christlichen Tradition sind. Oft werden
zu viele Lebensmittel eingekauft und zu viele
wieder in die Mülltonne geworfen.
Alle Jahre wieder – bilden sich in den Tagen
vor Weihnachten und am Heiligen
Abend lange Schlangen vor den Lebensmitteltheken
der Geschäfte. Es wird eingekauft,
als hätten unsere Läden nach
den Feiertagen weitere sieben Ruhetage.
Außerdem: nur das Beste vom Rind, nur
das edelste Gemüse, und selbst wenn die
Keksdosen bereits rappelvoll sind oder sich
die geschenkten Panettoni in der Speisekammer
stapeln, müssen noch möglichst
exotische Früchte für den obligatorischen
Obstsalat in die Einkaufstasche.
Freilich – das ist ein wenig überspitzt formuliert.
Doch Tatsache ist: Zu keiner anderen
Zeit im Jahr wird so viel gekauft, gekocht
und weggeworfen wie zu Weihnachten.
Der gute Vorsatz vieler, zum heurigen Fest
bewusster einzukaufen, scheitert Jahr für
Jahr aufs Neue – an der Gewohnheit, an der
Sorge, es könnte nicht reichen, oder einfach
am Wunsch, das Fest außergewöhnlich
zu machen.
Verschwendung mit Folgen
An die Folgen dieser puren Verschwendung
denken wir selten – etwa daran, dass lebenswichtige
Wälder abgeholzt, billige Arbeitskräfte
ausgebeutet und Unmengen an
CO 2
-Emissionen ausgestoßen werden, um
unsere scheinbaren Bedürfnisse zu stillen.
Und auch nicht daran, dass Menschen hungern
müssen, weil Meere überfischt oder
fruchtbare Böden für Futtermittel und Monokulturen
ausgelaugt werden. Dabei wäre
es in einer Gesellschaft, in der alles jederzeit
verfügbar ist, gar nicht so schwer, von
allem weniger zu konsumieren.
Anregungen für die Weihnachtszeit:
Einkaufen mit Plan: Mengen rechtzeitig
und realistisch berechnen statt nur mit ungefähren
Vorstellungen in den Laden gehen.
Meist reicht weniger, als man denkt
– schließlich kann kaum jemand drei Tage
hintereinander Festmenüs essen.
Gezielt auswählen: Nur das kaufen, was
sich nach dem Fest noch verwerten lässt.
Rasch einfrieren: Vor allem Gemüse kann
man gut einfrieren, wenn es noch frisch ist.
Sogar Milch, Butter, Hart- und Schnittkäse
sowie Wurst (in kleinen Portionen luftdicht
Vieles, was in unserem Biomüll landet, ließe
sich noch verwerten. Foto: Edith Runer
verpackt), gekochte Gerichte oder Kuchen
können eingefroren werden.
Edith Runer
Kein Buffet, fast kein Abfall
Wie Chefkoch Andreas Götsch Lebensmittel gezielter einsetzt und verwertet
Es gibt sie, die Köch*innen in Südtirol, die
mit gutem Beispiel vorangehen und den
Nachhaltigkeitsgedanken ganz konkret und
mit viel Mut umsetzen. Einer von ihnen ist
Andreas Götsch vom Vitalpina Hotel „Tonzhaus“
in Schnals.
KulturFenster: Herr Götsch, wie haben Sie
es geschafft, die Speisereste auf den Tellern
der Gäste um rund 70 Prozent zu verringern
und auch beim Kochen kaum noch
Bioabfall zu produzieren?
Andreas Götsch: Ohne unsere innere Überzeugung
wäre das wahrscheinlich nicht gelungen.
Wir haben viele kleine Maßnahmen
getroffen und Konzepte ausgearbeitet, hinter
denen wir zu 100 Prozent stehen. Das
beginnt beim Wohl des Tieres, geht über
die Regionalität bis hin zum Respekt vor
dem Lebensmittel, der sich eben auch in
der Vermeidung von Abfall zeigt.
KF: Warum lassen die Gäste heute viel weniger
übrig als früher?
Götsch: Ausschlaggebend war die Abschaffung
des Frühstücks- und des Salatbuf-
fets. Das hat ziemlich Mut gekostet. Aber
mit entsprechender Kommunikation funktioniert
es. Der Gast lässt sich morgens
Wurst, Käse oder was auch immer von
der Servicekraft auf den Teller legen, kann
aber jederzeit nachbestellen. Die Brötchen
sind kleiner. Auch Joghurt mit Obst gibt es
in kleinen Schalen. Ein bunter Salat wird
abends in einer kleinen Schüssel serviert.
Früher passierte es oft, dass sich die Gäste
aufs Salatbuffet stürzten und dann die
Beilagen der Hauptspeise zurückschickten,
weil sie bereits satt waren.
KulturFenster 12
06/Dezember 2025
Heimatpflege
KF: Was machen Sie in der Küche anders?
Götsch: Die Gäste wählen schon morgens
ihr Abendmenü. So können wir besser
kalkulieren. Alles andere ist gute Verwertung.
Wir verarbeiten grundsätzlich
alle Teile vom Tier. Was
kein Schnitzel oder Braten
wird, eignet sich u. a. als
Füllung von Ravioli oder
Rouladen. Übrige Kräuter
werden getrocknet
und als Würze verwendet,
ebenso Gemüseschalen.
Letztere eignen sich auch
als Basis für Suppen und
Saucen. Kohlrabiblätter kann
man blanchieren und wie Spinat ver-
wenden. Die Pressrückstände von Karottensaft
kommen in den Karottenkuchen.
Das sind alles kleine Beispiele, die jeder
Haushalt umsetzen kann.
KF: Brot gehört zu den am häufigsten
weggeworfenen Lebensmitteln.
Geben Sie
uns bitte einen Tipp.
Oft braucht es nur
die Idee, die Umsetzung
ist dann gar nicht
schwierig.
Andreas Götsch
Götsch: Neben dem klassischen Knödelbrot
kann aus altem Brot, egal, ob dunkel
oder hell, auch wunderbare Chips
herstellen, die überdies viel gesünder
sind als die herkömmlichen. Einfach sehr
dünn schneiden, mit beliebig gewürztem
Öl benetzen und im heißen Ofen knusprig
backen.
KF: Es ist oft einfacher, als man denkt …
Götsch: Ja, man muss sich nur trauen.
Hilfreich wäre es sicher, wenn vermehrt
Kurse für die Verwertung von Lebensmitteln
angeboten würden. Denn oft braucht
es nur die Idee, die Umsetzung ist dann
gar nicht schwierig.
Interview: Edith Runer
Gut planen, gut kommunizieren
Wie Küchenchef Alfred Außerhofer Bewusstsein fürs Essen schafft
„Wie schafft es dieser Koch nur, dass mein
Sohn plötzlich von Gemüse schwärmt?“ Diese
Frage haben sich in Bruneck schon einige Eltern
gestellt – und bei Alfred Außerhofer angerufen.
Der Küchenchef des Studentenrestaurants
„Xund“ versorgt täglich mit seinem Team
rund 500 Schüler*innen und Lehrpersonen
mit frischem Essen. Lebensmittelverschwendung?
Kommt bei ihm nicht auf den Tisch.
KulturFenster: Drei Tagesgerichte zur Auswahl,
rund 500 Gäste in drei Turnussen –
und trotzdem sind Speiseabfälle in Ihrem
Restaurant „Mangelware“. Wie geht das?
Alfred Außerhofer: Vorweg: Wir kochen regional,
saisonal, nur mit ausgewählten Zutaten
und gesund. Das A und O bei unserem
Konzept sind gute Planung, gute Kommunikation
und eine gewisse Flexibilität. Unsere
Küche läuft im Unterschied zu herkömmlichen
Mensen auch während der Essensausgabe
auf Hochtouren. Nach dem ersten
Turnus zeigt sich meist schon, welche Gerichte
besonders gefragt sind – und darauf
reagieren wir sofort, indem wir
vom einen mehr, vom anderen
weniger zubereiten. Indem
wir Schüler*innen und
Lehrpersonen die Speisen
erklären und Empfehlungen
geben, bringen wir
sie dazu, auch mal etwas
Ungewohntes auszuprobieren
und bekommen neue Spielräume.
Im Gespräch erfährt man
viel über Vorlieben und Abneigungen, erkennt
damit Trends frühzeitig und kann
Rezepte anpassen.
KF: Wirkt sich Regionalität und Saisonalität
auch auf den Tellerinhalt aus – also darauf,
wie viel übrig bleibt?
Außerhofer: Natürlich. Von weit her importierte
Tomaten im Winter sind zum Beispiel
schnell matschig und fad im Geschmack.
Was in die Jahreszeit passt, ist eher gefragt
und schmeckt dann am besten.
KF: Was passiert mit dem, was am Ende
tatsächlich in der Küche zurückbleibt?
Außerhofer: Zum einen achten wir durch
die Zutaten darauf, dass nichts übrigbleibt.
Wir müssen zum Beispiel kein Frittieröl von
Pommes frites entsorgen, weil wir keine
Pommes zubereiten – worüber es übrigens
keine Klagen gibt. Auch bieten wir
höchstens zwei- bis dreimal pro Woche
eine Fleischspeise an – das kommt vielen
entgegen und ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.
Unser Vorteil ist, dass
wir auch das Abendessen für
Das A und O bei unserem
Konzept sind
gute Planung, gute
Kommunikation und
eine gewisse Flexibilität.
Alfred Außerhofer
ein Schülerheim zubereiten – so können
wir Restposten gut ins Angebot integrieren.
Bleiben mittags Nachspeisen übrig,
die wir nicht mehr anbieten könnten, gibt’s
sie auch mal gratis. Sehr beliebt ist unser
Angebotsteller am Freitag – da wird viel
von dem verwertet, was bis zum Wochenende
aufgebraucht werden soll.
KF: Trotzdem wird ab und zu etwas auf den
Tellern bleiben, wenn die Augen größer waren
als der Appetit …
Außerhofer: Auch da hilft Kommunikation.
Wir fragen vorher, ob der Hunger wirklich
so groß ist, wie die Portion sein sollte. Und
es klingt vielleicht seltsam, aber Abfallkontrolle
gehört bei uns dazu. Manchmal stehe
ich selbst dort, wo die Schüler ihre Teller
abstellen, und frage nach. Wenn sich zeigt,
dass etwas regelmäßig liegen bleibt, wollen
wir wissen, warum.
KF: Geht es Ihnen dabei auch darum, ein
Bewusstsein für Wertschätzung und gutes
Essen zu vermitteln?
Außerhofer: Natürlich. Deshalb führen wir
neue Gäste – Schüler*innen wie Lehrpersonen
– immer kurz in unser Konzept ein.
So entsteht automatisch ein Gespräch, und
das wirkt Wunder. Uns freut es besonders,
wenn Eltern später anrufen und nach Rezepten
fragen. Dann wissen wir: Unsere
Idee kommt an – und sie wirkt über den
Tellerrand hinaus.
Interview: Edith Runer
KulturFenster 13
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Empörung, Aufstand, Aufbruch
Kulturfahrt auf den Spuren des Bauernführers Michael Gaismair
Groß war das Interesse an der Ausstellung über Michael Gaismair und seine Zeit.
Fotos: HPV
Wie aktuell Geschichte sein kann, zeigte
die Kulturfahrt des Heimatpflegeverbandes
Südtirol am 11. Oktober.
Unter der fachkundigen Begleitung des Historikers
Philipp Tolloi vom Südtiroler Landesarchiv
begaben sich Heimatpfleger*innen
aus allen Landesteilen auf die Spuren von
Michael Gaismair – von Neustift bis Sterzing,
dorthin, wo 1525 der Tiroler Bauernaufstand
seinen Ausgang nahm.
Die Auseinandersetzung mit Michael Gaismair
ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit.
Sie öffnet ein Fenster auf Fragen,
die bis heute drängen: nach Gerechtigkeit,
Mitbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung.
Claudia Plaikner, Obfrau des
Heimatpflegeverbandes, brachte es zu Beginn
der Exkursion auf den Punkt: „Heimatpflege
ist nicht nur Bewahrung, sondern
immer auch ein Nachdenken über Wandel
– über das, was Gemeinschaft trägt.“
Empörung und
Aufbruch in Neustift
Erste Station der Exkursion war Neustift,
wo Kurator Hanns-Paul Ties durch die Ausstellung
„Empörung! Kloster Neustift im
Bauernaufstand 1525“ führte. Die Schau
machte deutlich, wie eng religiöse, soziale
und wirtschaftliche Konflikte im Tirol des
16. Jahrhunderts miteinander verwoben
waren. Hier wurde Michael Gaismair zum
In der Klosterbibliothek Neustift wurden zeitgenössische Dokumente zum Baueraufstand gezeigt (links). In Sterzing führte Kuratorin
Michaela Stolte durch die Ausstellung im Multschermuseum (rechts).
KulturFenster 14
06/Dezember 2025
Heimatpflege
Bauernführer gewählt und formulierte in
der Folge seine Forderungen nach einer
neuen, gerechteren Ordnung. Zwischen
Originaldokumenten und zeitgeschichtlichen
Zeugnissen entstand ein lebendiges
Bild jener Tage, in denen „Empörung“ zum
Motor des Aufbruchs wurde.
Ein Kind des Bergbaus
Auf der Weiterfahrt nach Sterzing vertiefte
Philipp Tolloi das Verständnis für die gesellschaftlichen
Hintergründe der Epoche.
Der Bergbau, über Jahrhunderte Garant
des Wohlstands, befand sich im Umbruch.
Gaismair, „ein Kind des Bergbaus“, war in
diese Welt der Widersprüche hineingeboren
– vertraut mit Arbeit und Abhängigkeit,
mit Hoffnung und Enttäuschung.
Ohne diesen familiären und sozialen Hintergrund,
so Tolloi, wäre er wohl kaum so
empfänglich gewesen für die Ideen des
Aufstands und die Vision einer neuen Gesellschaft.
Mit historischem Tiefblick und
erzählerischem Gespür verband Tolloi Fakten,
Biografie und Rezeptionsgeschichte
– und ließ Gaismair als Mensch und Denker
greifbar werden.
Kunst als Resonanzraum
In Sterzing führte Michaela Stolte durch
die Ausstellung „Den Aufstand proben“
im Multschermuseum, die im Rahmen des
Jubiläumsjahres „Mitmischen! Ma come?“
Kunst, Protest und gesellschaftliche Teilhabe
miteinander verknüpfte.
15 Künstler*innen aus Südtirol, Italien, Österreich
und darüber hinaus setzten sich
kritisch und poetisch mit Fragen nach
Macht, Fürsorge, Geschlechterrollen und
sozialer Gerechtigkeit auseinander. Die gelungene
Schau versteht sich als Labor und
Diskussionsraum – ein Ort, an dem Kunst
den Dialog über Wandel und Verantwortung
anstößt und damit an Gaismairs Vermächtnis
erinnert.
Gedonkn zi do Krippe
A holzans Heisl mit an Krippile drin,
gonz unschuldig und still
isch do ’s Chrischtkind geborn,
ols Heilond wor’s ausokorn!
Der helle Stearn wor gonz ungewehnt,
den hobm die Hirtn ett no gekennt!
Er hot sie hingfiert zi den Stoll,
ban Unblick seinse in die Knie gfoll:
– Die Heilige Familie mitn Jesukind
koa bessara Herberge find –?
A Ochse und an Esl sein ah donebm
und vosuichn awian Werme zi gebm!
Ah die Heiligin Drei Kinige hobm gsegn den Stearn
und sein ihm gfolg, gonz gearn,
hobm ah Gschenke mietgebrocht,
in Herodes obo nicht dozehlt donoch!
Ah ins soll der Stearn begleitn
und insra Herzn weitn,
sie òffe holtn und bereit sein
zi sogn – keahrt ba mier ein – !
’s Krippile soll schmickn inso dohoam,
bol mos unschaugn, fiehl mo ins nia alloan,
wenn mo des Kindl in inson Herzn trogn,
brauch mo gewiss nia zi vozogn!
In dem Sinne winsch ih enk ölla –
a frohes und gsegnts Weihnochtn vor do Krippe –.
Maria Hilber Mutschlechner († März 2025)
Der Geist des Austausches
So, wie die Ausstellung den Dialog zwischen
Vergangenheit und Gegenwart sucht, setzte
sich dieser Geist des Austauschs auch unter
den Teilnehmenden fort. Zwischen den
Stationen, in den Gesprächen im Bus und
beim abschließenden Umtrunk in Sterzing
wurde spürbar, was diesen Tag besonders
machte: Begegnung und gemeinsames
Nachdenken.
Evi Brigl
KulturFenster 15
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Kulturerbe in Gefahr
Exkursion zu den letzten Strohdächern des Tschögglberges
Mehr als 60 Höfe mit Strohdach gab es noch
in den 1970er-Jahren auf dem Tschögglberg.
Heute sind es nur noch vier. Anlässlich des
Tages des Denkmals am Sonntag, dem 28.
September, rückte der Heimatpflegeverband
dieses wertvolle Kulturerbe in den Mittelpunkt
– mit geführten Besichtigungen, praktischen
Vorführungen und einem Appell zur
Rettung der letzten Strohdachhöfe.
Der Tag wurde in Zusammenarbeit mit dem
Landesdenkmalamt, dem Südtiroler Landesmuseum
für Volkskunde, der Gemeinde
Vöran und vor allem mit den Besitzern der
mit Stroh gedeckten Stadel organisiert. Bei
einer ganztägigen Exkursion wurden drei
der vier Höfe mit Strohdach besucht. Diese
Höfe – Spitzegg, Sunnegg und Gfrar in Vöran
sowie der Duregghof in Jenesien – sind die
letzten Strohdachhöfe Südtirols, die weiterhin
von bäuerlichen Familien bewohnt und
bewirtschaftet werden. Besichtigt wurden die
Höfe Spitzegg, Gfrar und Duregg.
Wissen und Fertigkeit
erforderlich
Die Eigentümer gaben dabei authentische
Einblicke in ein fast vergessenes Stück
Kulturgeschichte. Spannend war es, die
Dachkonstruktion von innen zu betrachten:
Durch das hölzerne Tragwerk zeigen
sich die gebündelten Roggenhalme (Schaben),
die mittels Weidenruten (Wieden) an
Der Spitzegghof in Vöran
erlernt hat, die Vorbereitung der Roggenhalme
zu Bündeln. Dabei wurde deutlich,
dass dieses Handwerk spezifisches Wissen
und große Fertigkeit erfordert.
Am Duregghof präsentierten Paul und Christa
Lun ein Holzmodell eines Strohdachs.
Anhand dieses Modells erklärten sie den
Besucher*innen anschaulich die Tech-
nik zur Befestigung der Roggenbündel mit
Weideruten.
Was Strohdächer
so wertvoll macht
Josef Oberhofer, ehemaliger Direktor des
Heimatpflegeverbands, berichtete, wie sich
Damit die wenigen noch existierenden
Strohdächer nicht
unwiederbringlich verloren gehen,
braucht es die öffentliche
Wertschätzung.
HPV
Zwei Strohdachdecker-Generationen: Michael
Reiterer und Franz Pircher
den Dachlatten befestigt werden. Der junge
Zimmermann Michael Reiterer, einer der
wenigen in Südtirol, die dieses Handwerk
noch beherrschen, demonstrierte zusammen
mit dem erfahrenen Strohdachdecker
Franz Pircher, von dem er den Beruf
Vor dem Stadeltor am Duregghof
Paul Lun vom Duregghof befestigt mit zugespitzten
Weideruten die Schaben an den
Dachlatten (Modell)
KulturFenster 16
06/Dezember 2025
Heimatpflege
der Schutz der Strohdächer seit den Anfängen
entwickelt hat. Alle drei Eigentümer –
Markus Pircher (Spitzegg), Thomas Alber
(Gfrar) und Paul Lun – betonten, wie aufwändig
und zeitintensiv die Pflege der Dächer
ist, zugleich aber auch, wie faszinierend
diese Bauweise bleibt: Strohdächer
„atmen“, halten sowohl Kälte als auch Hitze
fern und schaffen ein besonderes Raumklima.
Paul Lun erzählte, dass er und seine
Frau jährlich rund zwei Monate allein für
die Instandhaltung des Daches aufbringen.
Dazu zählen die Aussaat und Pflege
des Roggens, das Mähen, Dreschen und
Bündeln der Halme, das Sammeln und
Zuspitzen der Weidenruten sowie die Erneuerung
eines sogenannten Jahresstreifens
am Dach. Damit die wenigen noch
existierenden Strohdächer nicht unwiederbringlich
verloren gehen, braucht es
die öffentliche Wertschätzung. Seit diesem
Jahr gibt es eine neue, gezielte Förderung
über das Landesdenkmalamt, die
sich hoffentlich bewähren wird.
Tradition in die Zukunft tragen
Gemeinschaftsprojekt fördert Wertschätzung für traditionelles Handwerk
Erneut haben der Heimatpflegeverband Südtirol,
die Seniorenvereinigung im Südtiroler
Bauernbund und der Jugenddienst Lana-Tisens
ein gemeinsames Projekt durchgeführt,
das für Brauchtum und die Weitergabe traditioneller
Handwerkskultur steht.
Im Jugendtreff „T-14“ in Burgstall errichteten
rund 20 Jugendliche in der letzten
Woche der Sommerferien gemeinsam mit
zwei Handwerkern aus dem Ultental einen
Speltenzaun – eine traditionelle, heute selten
gewordene Zaunform aus gespaltenem
Holz. Unterstützt durch die Forststation
Lana, sammelten die Jugendlichen selbst
geeignete Fichtenäste im Wald, bereiteten
sie auf und flochten daraus die Spelten
zum Zaun. Die Landespräsidentin der Seniorenvereinigung
im Südtiroler Bauernbund,
Theresia Agreiter Larcher, bereitete
gemeinsam mit den Jugendlichen zu Mittag
traditionelle Gerichte zu.
Bei einer Projektwoche im Herbst bauten
zwölf Jugendliche ihre eigene Goaßl – und
probierten sie beim Schnölln aus. Beide
Projektwochen konnten weitgehend mit
dem Preisgeld der Südtiroler Bauernjugend
finanziert werden: Im Rahmen der
Initiative „Ge®meinsam erhalten“ war
„Ol(t)s HONDwerk“, eine Projektwoche der
drei Partner zum traditionellen Handwerk
im Sommer 2024, als bestes von 17 Projekten
ausgezeichnet worden.
„Brauchtum ist kein museales Erbe, sondern
lebendige Kultur“, betont die Obfrau
des Heimatpflegeverbands Südtirol, Claudia
Plaikner. „Wenn junge Menschen selbst
Hand anlegen, wenn sie spüren, was hinter
einem alten Handwerk steckt, dann entsteht
echte Wertschätzung – und das ist der beste
Weg, Tradition in die Zukunft zu tragen.“
Ein Speltenzaun, von jugendlicher Hand
gefertigt.
Knödel drehen – auch das muss gelernt sein.
Fotos: JD Lana-Tisens
Eine selbst gebaute Goaßl wird künftig der ganze Stolz dieses Jugendlichen sein.
KulturFenster 17
06/Dezember 2025
informiert & reflektiert
Wo Sprache Wurzeln schlägt
Jahrestreffen des Internationalen Dialektinstitutes (IDI) in Goldrain
Fröhliche
Autor*innen
bei der Jahrestagung
des Internationalen
Dialektinstitutes
Fotos:
Gerd Allmayer
Vom 17. bis zum 19. Oktober traf sich das
Internationale Dialektinstitut (IDI) zu seiner
Jahrestagung, die heuer auf Schloss
Goldrain stattfand. In Zusammenarbeit mit
der Arbeitsgemeinschaft MundArt und ihrer
Dachorganisation, dem Heimatpflegeverband
Südtirol, wurde drei Tage lang diskutiert,
gelesen und zugehört – ganz im
Zeichen der Mundart.
Mundartdichter*innen aus dem gesamten
deutschen Sprachraum kamen in den
Vinschgau.
Unter freiem Himmel führte Johannes Ortner,
Vorsitzender der ArGe Mundart, in die
(Sprach-)Geschichte des Vinschgaus ein
und brachte anschließend in seinem Vortrag
die Mundartbezeichnungen der Südtiroler
Pflanzen sprichwörtlich zum Blühen.
Am Abend gaben Autor*innen Textproben
zum Besten, humorvoll-pointiert bis poetisch
– und jeweils nur zwei bis fünf Minuten
lang. Vom Platt Schleswig-Holsteins
über die alemannischen Mundarten und
jene Hessens und Frankens bis zum Waldviertel
– Deutsch in all seinen Spielarten war
da zu hören. Je nach Dialekt musste man
gehörig die Ohren spitzen. Faszinierend
war die Varianz an Färbungen und Nuancen
des Deutschen.
Am Samstag führte der Weg der Sprachinteressierten
zum Kloster Marienberg, wo die
Kulturführerin Helene Dietl durch die neue
„alte“ Stiftsbibliothek führte. Anschließend
gaben Südtiroler Mundartdichter*innen
Kostproben ihres Könnens ab.
Literatur
vom Feinsten
Am Abend dann der Höhepunkt: Der Begrüßung
durch den Latscher Bürgermeister
Mauro Dalla Barba und durch die Obfrau
des Heimatpflegeverbandes Südtirol, Claudia
Plaikner, folgte der literarische Vortrag
der beiden Grödnerinnen Rut Bernardi und
Nadia Rungger – auch das Ladinische hatte
einen prominenten Platz bei diesem Treffen.
Viel Zuspruch bekamen auch die Poetry-
Slamerin Lene Morgenstern aus Salurn und
der Dichter Wolfgang S. Baur (Toblach/Berlin),
der als und Multisprachentalent gilt.
Musikalisch umrahmt wurde die Abendveranstaltung
von Vintschgr Korrnrliadrn,
die der Malser Komponist und Musiklehrer
Ernst Thoma mit Begleitung vortrug. Als
Dankeschön erhielten alle Tagungsteilnehmenden
das Buchgeschenk „Korrnrliadr“
von Luis Stefan Stecher.
Sprachenvielfalt in Südtirol
Am Sonntag moderierte Johannes Ortner
eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachenvielfalt
in Südtirol“. Rut Bernardi, Günther
Pallaver, Angelika Pedron, Franz Lanthaler
und Markus Manfred Jung, der sehr
rührige Vorsitzende der IDI, fachsimpelten
über die Dialekte unseres Landes.
Reich beschenkt verabschiedete sich das
lokale Organisationsteam, bestehend aus
Margit von Elzenbaum aus Auer, selbst
langjähriges IDI-Mitglied, und Johannes
Ortner. Gedankt wurde auch dem Heimatpflegeverband
Südtirol und der Bezirksgemeinschaft
Vinschgau für die finanzielle
Zuwendung.
Johannes Ortner
Besondere
„Sprachen“
und besondere
Musik prägten
den zweiten
Tag auf
Schloss
Goldrain.
KulturFenster 18
06/Dezember 2025
Heimatpflege
Zweite Trachtenwallfahrt
Ein Stück Weg gemeinsam gehen
Am Sonntag, 12. Oktober, fand in Sarnthein
die zweite Südtiroler Trachtenwallfahrt statt.
Bei schönem Herbstwetter versammelten
sich auf Einladung des Landesverbandes
für Heimatpflege, des Heimat- und Kulturvereins
Sarntal und der Pfarrei Sarnthein
Trachtenträger*innen, die Musikkapelle
Sarnthein und Fahnenabordnungen
am Griesplatz im Sarntaler Hauptort. Es
folgte ein feierlicher Einzug in die Pfarrkirche,
wo Pater Basilius Schlögl den Festgottesdienst
zelebrierte.
In seiner Ansprache verglich Pater Basilius
den strahlenden Herbsttag mit der bunten
Vielfalt der Trachten und sagte, dass
das Tragen der Tracht vor allem im Sarntal,
aber auch in den anderen Landesteilen,
eng mit den kirchlichen Feiertagen
und dem kirchlichen Brauchtum verbun-
Beim Gottesdienst in der Pfarrkirche
den ist. Wallfahren bedeute, ein Stück Weg
hin zu einem Ziel gemeinsam mit anderen
Menschen zu gehen und Dankbarkeit zu
zeigen. Tracht tragen sei auch nachhaltig,
da diese Kleidungsstücke oft von Generation
zu Generation weitergegeben werden.
Der Gottesdienst wurde vom Kirchenchor
Sarnthein musikalisch umrahmt. Karolina
Aichner, die Obmannstellvertreterin des Heimat-
und Kulturvereins Sarnthein, dankte
anschließend allen, die diese Trachtenwallfahrt
mitgetragen hattten. Sie endete
mit einer Aufführung der Volkstanzgruppe
und einem Umtrunk mit Köstlichkeiten von
Sarner Bäuerinnen auf dem Kirchplatz.
Johanna Weithaler Gapp
VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK
Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr
Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol*
Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest
18./20. Dezember 2025: Bräuche im Wandel
von Halloween bis Heiligabend. Ein Streifzug mit der Volkskundlerin Barbara Stocker
Mit Heike Tschenett
22./24. Jänner 2026: Strohdächer am Tschögglberg
Michael Reiterer über eine verschwindende Handwerkskunst.
Mit Barbara Wiest
Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr
Dahoam in Tirol
Dialekte, liebgewonnene oder
längst vergessene Tiroler
Bräuche, Plaudereien
*Kurzfristige Programmänderungen möglich
KulturFenster 19
06/Dezember 2025
hinausgeblickt
Mit Wohlwollen
auf das Leben schauen
Biografiearbeit mit Senioren – Ein wertvolles Kulturgut
Der Heimatpflegeverein Marling lud Mitte
Oktober in Zusammenarbeit mit der Bibliothek
Marling zu einem Kurzfilm und einem
anschließenden Vortrag ein. Im Mittelpunkt
stand die Biografiearbeit, bei der sich ältere
Menschen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte
befassen. Elisabeth Grutsch,
Ausschussmitglied des Vereins, hat ältere
Marlinger*innen dazu motiviert, ihre Erinnerungen
aufzuschreiben. Und das sind ihre
spannenden Erfahrungen.
Als junge Sozialassistentin bin ich zur Biografiearbeit
gekommen und habe viele Menschen
in schwierigen Situationen begleitet.
Nur wenn ich ihre Geschichte kenne, kann
gemeinsam ein Projekt entwickelt werden.
Ich habe viel gelesen und Fortbildungen besucht.
Seit 2014 bin ich im Heimatpflegeverein
Marling aktiv und beschäftige mich
mit Zeitzeugen meines Dorfes. Sie geben
ihre Erinnerungen gerne weiter. Sie verfügen
über viel Wissen über Zeitgeschichte,
Politik, Soziales, Kultur und Wirtschaft. Es
ist ein Anliegen des Heimatpflegevereines,
Erinnerungen zu sammeln. Erinnerungen
sind Kulturgut. Dialekt wird so bewahrt.
Es gibt in jedem Leben Erfahrungen,
die „eingeforen“
sind und durch die Erinnerungsarbeit
wieder ins Fließen
kommen können.
Elisabeth Grutsch
Was ist Biografiearbeit?
Elisabeth Grutsch im Gespräch mit Ferdl Kaufmann einige Wochen vor seinem Tod.
Biografiearbeit ist strukturiertes, angeleitetes
Erinnern. Darum geht es:
Wohlwollen, nicht Bitterkeit, Groll, Traurigkeit,
Enttäuschung, Zorn … sollen unsere
Erinnerungen bestimmen. Aber diese Gefühle
sollen aber auch Platz haben.
Erinnerungspflege versucht, bei Hochbetagten
und Menschen mit Demenz Erinnerungen
wieder zum Klingen zu bringen.
Häufig werden Gegenstände eingesetzt, wie
ein altes Telefon, 47/11 (Kölnisch Wasser),
eine alte Kaffee- oder Nähmaschine …
Wozu Biografiearbeit?
Sie kann viel bewirken: Schutz vor Isolation
und Einsamkeit – emotionales Wohlbefinden
– einen Menschen über seine Erfahrungen
besser verstehen – Rückschau auf
das Leben – Identitätsbewusstsein – Training
des Gedächtnisses und der Sprache.
Es gibt in jedem Leben Erfahrungen, die
„eingeforen“ sind und durch die Erinnerungsarbeit
wieder ins Fließen kommen
können. Im Erzählen wird oft klar, dass
äußerst schwierige Lebenssituationen bewältigt
wurden. Manchmal kann ein alter
Groll aufgegeben werden; Versöhnung ist
möglich.
Verschiedene Studien zeigen, dass die
Menschen, die sich mit ihren autobiografischen
Erinnerungen beschäftigen, weniger
depressiv und geistig beweglicher
bleiben als jene, die das nicht tun. Traumata
können bearbeitet werden und weniger
belasten. Eine über 80-jährige Frau
erzählte mir immer wieder vom tödlichen
Unfall ihres Bruders. Dieses traumatische
Ereignis belastete sie ihr Leben lang. Durch
aufmerksames Zuhören meinerseits gelang
es ihr, diese Erfahrung zu integrieren; der
Schmerz wurde spürbar kleiner.
Woran erinnern sich alte
Menschen?
Einige Beispiele: an die Kindheit mehr als
an die Jahre als Erwachsene – Option und
Kriegsjahre – Familiengeschichten – besondere
Ereignisse im Dorf oder Land – berufliche
Erfahrungen – Unfälle und Krankheiten
– Reisen – sportliche Tätigkeiten …
Eine Zeitzeugin im Interview
In Marling gab es zwei Schreibwerkstätten
(„augrouglg und niedrgschriebn“ 2010 und
„Marlinger Berg“ 2013) unter der Leitung
von Lena Adami und mehrere Veröffentlichungen
über bekannte Persönlichkeiten
KulturFenster 20
06/Dezember 2025
Heimatpflege
Buchvorschläge
für Biografiearbeit
Verena Kast, „Was wirklich zählt, ist
das gelebte Leben, die Kraft des Lebensrückblicks“,
Herder Verlag 2024
Esther Matolycz, „100 Fragen zur
Biografiearbeit“, Brigitte Kurz Verlag
2013
aus dem Dorf. Die Bücher können in der
Bibliothek Marling ausgeliehen werden.
Sepp Gufler vom HPV Marling war eine
treibende Kraft dieser Initiativen.
Bei der Veranstaltung in Marling wurde der
Film „Lisl Haller – Törggele Lis“ (1927–
2019) von Sepp Gufler 2014 gezeigt. Lisl
Haller war eine lebendige Frau und viel
im Dorf unterwegs. Sie ist bei ihren Verwandten
aufgewachsen. Trotz schwieriger
Ausgangssituation entwickelte sie innere
Stärke. Auf die Frage, wie sie es schaffte,
bis ins hohe Alter gesund und beweglich
zu bleiben, antwortete sie: „Olle Tog aufwärts
oder owärts“ (täglich hinauf- oder hinuntergehen).
Sie beteiligte sich aktiv an
der Schreibwerkstatt. Der Film begeisterte
das Publikum und weckte Erinnerungen
an eine liebenswerte Frau.
Bewegende Lebensgeschichte
Anschließend berichtete ich über die Treffen
mit weiteren Senioren aus Marling.
2023 führte ich drei Gespräche mit Wendelin
Pircher („Törggele“
1931–2023),
er war Lisls Cousin.
1996 fing er an, die
Erinnerungen seiner
Eltern zu transkribieren,
etwa an seine
Kindheit und Jugend,
an landwirtschaftliche
Geräte und Arbeitsmethoden,
an Ereignisse
im Dorf und in Südtirol.
Die Familie war 1929 nach Argentinien
ausgewandert, 1932 wieder nach Marling
zurückgekehrt. Die Rückkehr in die Heimat
erfolgte, weil seine Mutter das Klima in
Südamerika nicht vertrug und es zu Hause
Probleme mit den Pächtern gab. Es war
ein sehr schwieriger Schritt für seinen Vater.
Im Buch von Georg Grote – „Die zerrissene
Generation. Südtiroler Schicksale
Durch den Faschischtischen
Druck auf uns Deutsche,
viel uns der Entschluß nicht
so schwer auszuwandern.
im Faschismus und Nationalsozialismus
1922–1942“ – wurden Auszüge aus den
Tagebüchern seiner Eltern und Fotos veröffentlicht.
Viele Menschen verließen die
Heimat aus Politikverdrossenheit. Sehr
oft spielte auch Abenteuerlust eine Rolle.
Der Vater beschrieb seine Beweggründe
sehr treffend (unkorrigierte Version):
„Durch den Faschischtischen Druck auf
uns Deutsche, viel uns der Entschluß nicht
so schwer auszuwandern, denn ich sagte
mir stets: Der erste Krieg mit der darauffolgenden
Kriegsgefangenschaft wo wir kaum
ein Wiedersehen in der Heimat hofften, in
der Folge des russischen Bürgerkrieges;
Krankheiten u.s.w. und als wir endlich
doch heim kamen, waren diese Verhetzten
Schwarzhemden Teufel da…Weshalb ich
mir sagte, es hat keinen wert hier Lebenslänglich
auf bessere Zeiten zu warten, wen
wir uns in der Heimat als Fremde fühlen
müssen, dann gehen wir nochmals in die
Fremde, den soviel Recht können wir dort
auch finden. In der Heimat sich als Fremder
fühlen ist noch schwerer.“
Die Menschen, die heute in unser Land
kommen, tun dies oft aus ähnlichen Beweggründen.
Wenn wir uns mit den Geschichten
aus früheren Zeiten auseinandersetzen,
können wir die heutigen Einwanderer
oder Flüchtlinge besser verstehen.
Erinnerungen
an die Schule von damals
Auch Ferdl Kaufmann („Knabler“, 1921–
2022) erzählte mit fast 100 Jahren sehr
lebendig und bildhaft von seiner Kindheit
und Jugend, seinen Erfahrungen im Krieg
und in der Gefangenschaft
sowie von der
Landwirtschaft, wo er
Zeit seines Lebens
tätig war:
„Die Schual wor ban
Theiner. In Forst die
Okürzungen oi, a guate
Rodlbun gwesn,
bis zun Theiner oigforn.
Die 1. und 2.
Klasse und die 3., 4. und 5. Klass. Um 10
hobn mir 20 Minuten Pause kopp. In Pfinstig
(Donnerstag) hobn mir frei ghob. Mir
hobn italienische Schual gkop. Olleweil
walsch reiden. Die Lehrpersonen sein nit
sou schlimm gwesn wia in ondre Ortn. Im
Hof hobn mir „Derwischaluss“ und „Schlongen
ziachn“ getun: einonder heben, Kurven
mochn, in leschten reißt aweck. (lacht)
A Turnstong isch a gwesen, mir hobm ins
Wendelin Pircher
Wendelin Pirchers Wut auf die Faschisten
war in seinen Texten deutlich zu spüren.
eigstemp. Sport wor nicht soviel wia heint.
Ober der Schual wor an Eisplotz, mir hom
gekennt ummerschleifen.
Bin a schlechter Schialer gwesn, hon kuan
Willn kop, soviel, dass i a Zeignis gekriegt
hon, dass i aufgstiegn bin. Hon mir iberhap
nicht dermerkt. Mein Bruder hot ba
der Londkort olls gewisst. I hon olm liabr
gorbatet. Der Votr hot olm mi ungstellt. Die
Reber, Platter, worn Kollegen. Ban Huamgian
hobn mir viel zu rafen gkop. Wenn
sie zomgholtn hobn, hon i mi nit derwert.
Mein Bruader Sepp hot sich nia für de Sochn
interessiert, der wor gonz ondersch.“
Gabriella Foresti, eine 1945 geborene Italienerin,
die bis 1988 in Marling gewohnt
hat, erklärte in ihren Erinnerungen sehr
deutlich, warum die Beschäftigung mit der
Lebensgeschichte sinnvoll ist: „La mia infanzia
a Marlengo e stata proprio bella. Ricordare
è sempre come rivivere.“
Zum Abschluss lade ich ein, Senioren aufmerksam
zuzuhören. Es kann für sie und
auch für uns eine große Bereicherung sein.
Elisabeth Grutsch
Lisl Haller – hier eine Abbildung aus dem
Kurzfilm – war im Dorf vielen bekannt.
Fotos: privat
KulturFenster 21
06/Dezember 2025
hinausgeblickt
Fast vergessene Berufe
Handwerkerfest zum Staunen und Mitmachen in Seis am Schlern
Wie wird aus Weidenholz ein Korb? Was
macht ein handwerklich hergestelltes Messer
aus? Wie fertigt man einen Zaun ohne
Nägel? Das erfuhren die Besucher*innen
bei einem Handwerkerfest.
Gemeinsam mit den Heimatpflegevereinen
Schlern-Kastelruth und Völs, der Ortsgruppe
Kastelruth des Wirtschaftsverbandes
für Handwerk und Dienstleister (lvh) sowie
dem Pfarrgemeinderat Seis veranstaltete
der Tourismusverein Seis am Schlern
im September ein Fest zum Thema „Altes
Handwerk unterm Schlern“.
Schuster, Spinner, Drechsler, Fassbinder,
Korbflechter, Messerschmied – zahlreiche
erfahrene Handwerker*innen gaben Einblick
in ihre Berufe, die fast in Vergessenheit
geratene sind. Besucher*innen durften
sich im Weidenflechten üben, und auf
Bauernmarktständen wurden Produkte
aus der Umgebung angeboten. Traditionelle
Volksmusik und eine Schuhplattlergruppe
trugen zur Unterhaltung bei. Auch
wurden regionale Spezialitäten serviert.
Einige (fast) vergessene Berufe:
die Spinnerin, die Trachtenschneiderin,
der Schuster und der Speltenzaunbauer.
Fotos: Roschan Fill
Redaktionsschluss für
Aus der Redaktion
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des
Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter
folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)
die nächste Ausgabe des
„KulturFensters“ ist:
Freitag, 17. Jänner 2026
22
KulturFenster 06/Dezember 2025
Kulturgeschichte
und Gaumenfreuden
Heimatschutzverein Lana im oberen Vinschgau und in Tisens unterwegs
Der Heimatschutzverein Lana unternahm
eine Kulturfahrt in den oberen Vinschgau und
eine volkskundliche Wanderung in Tisens.
Im oberen Vinschgau begaben sich die
Teilnehmenden der Kulturfahrt zunächst
auf eine Entdeckungsreise durch Südtirols
kleinste Stadt Glurns mit ihrer vollständig
erhaltenen Ringmauer aus dem
16. Jahrhundert und den drei wuchtigen
Tortürmen. Die Stadttore, die Laubengasse
und die Bürgerhäuser würden auch heute
noch ein malerisches Bild lebendiger Geschichte
vermitteln, erklärte der Stadtführer
Adolf Wittmer.
Er beeindruckte auch mit Erzählungen
aus der Vergangenheit von Glurns als regionales
Handelszentrum, von einem kuriosen
Prozess rund um eine Schar von
Mäusen oder über den Maler Paul Flora.
Nach dem Besuch am Gamsegghof in Melag
in Langtaufers – samt Käseverkostung
– machte die Gruppe noch kurz Halt am
Reschensee, der genau vor 75 Jahren
gestaut wurde, wodurch Alt-Graun verschwand.
Der versunkene Turm im Reschensee
ist eines der Wahrzeichen des
Vinschgaus.
Gebäuden aus dem Mittelalter begegnet man in Glurns immer wieder.
dort vorkommenden Pflanzen mit eigentümlichen
Namen wie Teufelszwirn und
Drudenfuß trugen im Mittelalter sicher
dazu bei, den Glauben an Dämonen zu
schüren, und haben die Entstehung von
Sagen gefördert. So wurden auch bei der
Wanderung die Töniger Wetterhexen, der
Tuifl und der Tazlwurm erwähnt, allesamt
Figuren, die sich rund um die einstige
Fotos: Albert Innerhofer
St.-Anton-Abt-Kirche tummelten und die
Gegend am Vorbichl, insbesondere beim
Tuiflstoan, im Höllental und beim Schiachen
Berg, unsicher gemacht haben sollen.
Albert Innerhofer
Weitere Informationen über diese Kirche siehe: Elfriede
Zöggeler Gabrieli, Die abgekommene St.-Anton-Abt-
Kirche bei Tisens, Mythos und Wahrheit.
In: Der Schlern 99/2025, Heft 8/9, S. 54–94.
Heilige und Dämonen
Bei der volkskundlichen Wanderung in
Tisens begaben sich die Teilnehmenden
auf die Spuren der aufgelassenen St.-Anton-Abt-Kirche.
Der Rundgang begann
in der Pfarrkirche Tisens, wo der hl. Anton
Abt gemeinsam mit weiteren Heiligen
auf einem Fresko an der Südwand des
Glockenturms abgebildet ist. Über den
St.-Anton-Weg, der durch Obstwiesen führt,
erreichte die Gruppe die Reste der alten
Umfriedungsmauer des einstigen Wallfahrtskirchleins,
das in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts den Reformen von
Kaiser Joseph II. zum Opfer gefallen war.
Interessant war der Aufenthalt auf dem
bereits 1305 urkundlich erwähnten Unholdenbühel.
Seltsame Steinformationen,
die heute noch zu sehen sind, sowie die
Robert Hohenegger
erklärte seine
Arbeit am Hof.
Mitglieder des Heimatschutzvereins
Lana bei der
St.-Anton-Abt-Wegkapelle
in Tisens
KulturFenster 23
06/Dezember 2025
hinausgeblickt
Schmucke Hofkapelle
Patrozinium in der Noafer-Hofkapelle
Die schlichte Hofkapelle beim Noafer in Glaning
Die Kapelle beim Gasthaus „Noafer“ in
Glaning/Jenesien ist der heiligen Maria,
der Mutter Gottes, geweiht. Daher wurde
am 13. September 2025, wie jedes Jahr
am Samstag nach Maria Namen, das Patrozinium
gefeiert.
und den hl. Ärzten Cosmas und Damian
sind zu sehen, zudem ein Bild des Heiligen
Herzens Jesu. Die Kapelle ist öffentlich
zugänglich und wird stets liebevoll
mit Blumenschmuck geziert.
Maria Lamprecht
Pater Urban Stillhard zelebrierte den Gottesdienst.
Ein Dreigesang aus Weitental
durfte die Messe mitgestalten, ist doch
der Hausherr ein gebürtiger Weitentaler.
Die Hofkapelle ist im Jahr 2017 neu erbaut
worden, als Dank, da der Erbauer
sehr gut von einer schweren Erkrankung
genesen ist.
Im Inneren ist sie mit einem Flügelaltar
ausgestattet. Auf diesem steht eine geschnitzte
Statue der Schutzmantelmadonna.
Kopien der Bilder aus der St.-Martins-Kirche
in Glaning mit dem hl. Martin
In der Kapelle in
Glaning wurde das
Patrozinium mit
musikalischer Gestaltung
durch einen
Dreigesang aus
Weitental gefeiert.
Fotos: privat
KulturFenster 24
06/Dezember 2025
Heimatpflege
Das ist die Allianz der Kultur
Netzwerk: Heimatpflegeverband als Teil einer Initiativgruppe
Seit genau einem Jahr – seit dem 12. Dezember
2024 – ist die Allianz der Kultur
(ADK) offiziell als Verein organisiert. Kürzlich
veranstaltete das Netzwerk, in dem auch
der Heimatpflegeverband Südtirol vertreten
ist, einen Online-„Kulturaustausch“ mit dem
Thema „Kultur und Klima“.
Kultur in all ihren Formen ist nicht nur
schmückendes Beiwerk, sondern sie besitzt
eine integrale gesellschaftliche Funktion
und ist neben einem Arbeitsplatz und
einem tragfähigen sozialen Umfeld ein wichtiger
Faktor für ein lebenswertes Land. Zu
dieser Haltung der Allianz der Kultur bekennt
sich auch der Heimatpflegeverband,
der mit Geschäftsführer Florian Trojer ein
Vorstandsmitglied stellt. Die Initiativgruppe
aus mehreren Kulturorganisationen und
-verbänden möchte die Kultur in Südtirol
stärker in den Mittelpunkt rücken.
Beim Kulturaustausch zum Thema „Kultur
und Klima“ wurde darüber diskutiert, wie
Tradition und Aktivismus zusammenhängen
und welche Rolle der Klimaschutz in
der Kulturarbeit spielt – und umgekehrt.
Kultur und Klima
David Hofmann, Klimaaktivist und Neurowissenschaftler,
berichtete beispielsweise
von der Arbeit des Bündnisses Climate Action,
dem auch der Heimatpflegeverband
angehört. Es habe bereits spannende Projekte
in Zusammenarbeit mit Kulturorganisationen
gegeben. So sei u. a. in Kooperation
mit den South Tyrol Music Festivals
der Nachhaltigkeitsleitfaden „Bühne frei“
entstanden. Eine neue Initiative sind die
Klimabotschafter*innen, die in Zusammenarbeit
mit den Bildungsausschüssen
ins Leben gerufen wurden. Sie bieten neben
Informationsmaterialien zur Klimakrise
auch Raum für Austausch und Unterstützung,
um Menschen in ganz Südtirol zu
befähigen, sich aktiv für den Klimaschutz
einzusetzen.
HPV stellt sich vor
kleiner Kulturorganisationen, die sich für
den Schutz der Kultur- und Naturlandschaft
Südtirols engagieren. Für den HPV
sei die Klimakrise kein isoliertes Phänomen,
sondern eng mit vielen anderen
Bereichen verwoben. Klimaschutz müsse
nicht immer als globale Herausforderung
verstanden werden – auch kleine Initiativen
könnten viel bewirken.
Im Rahmen des Austausches stellte Florian
Trojer das Projekt „Meine Heimatmappe“
vor, das bereits in über 500 Schulklassen
umgesetzt wurde und sich als wahre Erfolgsgeschichte
erwiesen hat. Außerdem
wies er auf die Seminarreihe „Klimagerechtigkeit“
hin, die zentrale Fragen globaler
Verantwortung aufgreift.
HPV
Florian Trojer beschrieb den Heimatpflegeverband
als Zusammenschluss vieler
Ein Teil des Vorstandes der Allianz für Kultur mit Landesrat Philipp Achammer
Foto: Allianz der Kultur
KulturFenster 25
06/Dezember 2025
getanzt
60 Jahre Kathreintanz in Meran
Jubiläumsfest im Zeichen der Tradition – Tanzjahr nun abgeschlossen
Vor 60 Jahren fand in Meran erstmals das
Landes-Kathrein-Tanzfest statt, eine Veranstaltung,
die sich seither fest im Südtiroler
Kultur-Jahreskreis verankert hat.
Wie es die Tradition vorsieht, beginnt mit
dem Advent eine tanzfreie Zeit. Der Kathreintanz
bildet daher alljährlich den feierlichen
Abschluss des Tanzjahres und
gerade im Jubiläumsjahr zeigte sich einmal
mehr, welch große Bedeutung dieser
Abend für die Südtiroler Volkstanzszene hat.
Das Ende der Tanzzeit
Ursprünglich reicht die Tradition des Kathreintanzes
weit über Südtirol hinaus:
Besonders in Süddeutschland, Bayern,
Franken und in Teilen Österreichs war der
„Kathreintanz“ seit Jahrhunderten ein wichtiger
Termin im bäuerlichen und dörflichen
Jahresablauf. Rund um den 25. November,
dem Gedenktag der heiligen Katharina,
bot das Tanzfest jungen Menschen
eine der letzten Gelegenheiten im Jahr,
öffentlich zu tanzen, bevor mit dem Advent
die stille Zeit begann. Ganz im Sinne
der alten Sprichwörter „Kathrein stellt den
Tanz ein“ und „Kathrein sperrt Geigen und
Bass ein“ wurde so die Tanz- und Feierzeit
bis Weihnachten beendet.
Heuer wurde dieses lebendige Brauchtum
erneut im festlichen Ambiente des Meraner
Kursaals veranstaltet. Am Abend des
15. November füllten über 500 Tänzer*innen
aus Südtirol, dem Alpenraum und weiteren
Ländern den Saal mit Leben und Tanzfreude,
sodass die Veranstaltung ihrem Ruf
als eine der schönsten Kathreintanz-Feiern
gerecht wurde.
Für die musikalische Gestaltung sorgte
die Strawanza Musi, eine junge Gruppe
aus Kärnten, die mit Polkas, Walzern und
volkstümlicher Musik aus Tirol für eine
ausgelassene und zugleich stilvolle Stimmung
sorgte.
Die Pausengestaltung
60 Jahre Landes-Kathreintanz: Der Kur- wurde zum Ballsaal. Fotos: ArGe Volkstanz in Südtirol
Ein Höhepunkt war die Aufführung des Adlerwalzers
durch die Volkstanzgruppe Wolkenstein-St.
Christina. Dieser ganz neue
KulturFenster 26
06/Dezember 2025
Heimatpflege
Tanz wurde von Anna Demez und Margit
Marmsoler choreografiert. Die Figuren stellen
den eleganten Flug eines Adlers dar.
Entstanden ist der Tanz im Gedenken an
das verstorbene Vereinsmitglied Matthias
Weithaler. Der Tanz wurde von einem eigens
dafür komponierten Musikstück begleitet,
geschrieben von David Prinoth und
Mattia Demetz.
Auch junge Schüler*innen der Landesmusikschulen
sorgten für Begeisterung:
Sie übernahmen zwei mit ihren Musiklehrern
Christof Amenitsch und Markus
Hochkofler vorbereitete Tanzrunden und
erhielten so die Gelegenheit, Bühnenluft
zu schnuppern.
Tradition und Tanzfreude
Unter der Leitung von Bezirksreferent
Hannes Knoll leisteten die Mitglieder der
Tanzgruppen aus dem Bezirk Burggrafenamt
mit großem Engagement ihre ehrenamtliche
Arbeit beim Fest. Ob bei der anspruchsvollen
Organisation einer so großen
Veranstaltung, an der Abendkasse, bei der
Vorbereitung der Dekoration, an der Getränkeausgabe
oder bei der spätnächtlichen
Betreuung der Garderobe – überall wurde
sichtbar, wie viel Leidenschaft für Tanz, Tradition
und Gemeinschaft in ihnen steckt.
Aber: Das Landes-Kathrein-Tanzfest ist eigentlich
weit mehr als ein Ball. Er ist ein
kultureller Höhepunkt, der Generationen
verbindet, und ein lebendiges Zeugnis dafür,
dass Tradition und Tanzfreude in Südtirol
weiterhin fest verankert bleiben.
Claudia Entres Santana
Volkstanz ist Gemeinschaft.
Aus ganz Südtirol und weit darüber
hinaus kamen die Tänzer*innen.
Die Fahne der Arbeitsgemeinschaft
Volkstanz in Südtirol
Der Adlerwalzer, aufgeführt von
der Volkstanzgruppe Wolkenstein-
St. Christina
Hereinspaziert
➤ Offenes Tanzen beim Winterlehrgang am 29. Dezember um 20 Uhr im Haus der Familie,
Lichtenstern am Ritten
➤ Tagesseminar „Bewegungsaktivitäten für zwischendurch und verschiedene Bewegungsspiele“
für Kindertanzreferent*innen und Interessierte am 19. Jänner im Bürgersaal (Angerheim im KiMM)
in Meran-Untermais
➤ Landesvollversammlung der Arge Volkstanz in Südtirol am 7. Februar im Kulturhaus in Seis am Schlern
Die aktuellen Tanztermine sind auf der Website der Arge Volkstanz Südtirol zu finden: www.arge-Volkstanz.org
KulturFenster 27
06/Dezember 2025
Musik ist keine Umrahmung, sondern
Bestandteil der Liturgie –
im Bild der Festgottesdienst zum
75-Jahr-Jubiläum des VSM
KulturFenster
28 06/Dezember 2025
Foto: Stephan Niederegger
empfohlen
Musizieren im Kirchenraum
Warum Gladiatoren im Gottesdienst nichts zu suchen haben
Die Kirche ist das Haus Gottes, in dem wir
uns versammeln, um mit IHM in Verbindung
zu treten. Deshalb sollte die in der Kirche
gespielte Musik immer Raum für eine göttliche
Perspektive lassen.
Viele Musikstücke und Lieder, auch solche
aus dem weltlichen Bereich, greifen Themen
auf, die auf das Göttliche verweisen:
Schöpfung, Freude, Liebe, Begegnung,
Staunen, Wunder, aber auch Tod, Trauer,
Auferstehung oder Neuanfang. Ohne Gott
ausdrücklich zu nennen, spiegeln sie Erfahrungen
wider, die ihren Ursprung in ihm
haben. Im Gegensatz dazu steht Musik, die
vor allem der Unterhaltung dient oder christlichen
Werten widerspricht.
Der entscheidende Unterschied beim Musizieren
in der Kirche ist, dass das Ziel nicht
bloße Unterhaltung ist, sondern die Menschen
zu Gott – und zugleich zu sich selbst
– zu führen. Dies kann in leisen, nachdenklichen
Klängen ebenso geschehen wie in
lebhaften, freudigen Stücken.
Kirchenkonzerte
Man hat oft den Eindruck, dass alle choralartigen
Stücke oder Balladen von Musikkapellen
per se als kirchentauglich eingestuft
werden. Dabei geht es weniger um
das Tempo, sondern ausschließlich um den
inhaltlichen Hintergrund, auch von Instrumentalmusik.
Es liegt auf der Hand, dass sich für Filmmusik
wie z. B. „Gladiator“, die von einem
Kriegshelden handelt, keine christliche Verbindung
herstellen lässt.
Auch Musik zu Märchen wie „Aschenbrödel“
oder Ähnlichem vermisst diesen Bezug.
Hier ist eine reflektierte Auswahl der Stücke
durch die Dirigenten unumgänglich.
Das Kirchenkonzert erfordert eine andere
Grundhaltung als das Jahreskonzert im Gemeindesaal.
Gottesdienstgestaltung
Gottesdienst feiern bedeutet, einen Dialog
mit Gott und den Menschen zu führen. Dieser
Dialog wird als „Liturgie“ bezeichnet und
heißt wörtlich übersetzt „Dienst des Volkes“.
Die bestmögliche Auswahl der Gesänge und Musikstücke für den jeweiligen Gottesdienst
setzt eine sorgfältige Vorbereitung voraus (Festgottesdienst zum 75-Jahr-Jubiläum des VSM).
Unverzichtbar ist deshalb in jeder Feier die
aktive Beteiligung aller Mitfeiernden beim
Beten und Singen. Kirchenmusik ist also integrierender
Bestandteil des Gottesdienstes
und KEINE „musikalische Umrahmung“.
Sie ist Ausdruck des Glaubens und liturgischer
Vollzug. Es sollten in jedem Gottesdienst
mindestens drei Gemeindegesänge
eingeplant werden.
Die Musik hat als „Dienst“ zwei Aufgaben
und ist deshalb keinesfalls willkürlich mit
„Lieblingsliedern“ zu bestücken:
➤ Begleitung des Gemeindegesangs (und
der Kantoren)
➤ Schaffung einer gottesdienstlichen Atmosphäre
mit Instrumentalmusik, die
in die Begegnung mit Gott führt.
Das Zusammenwirken von Gemeinde, Instrumenten
und Kantoren stiftet Gemeinschaft
und schafft Lebendigkeit. Jeder
Gottesdienst besitzt zudem eine eigene „Architektur“
aus abwechslungsreichen Ele-
Foto: Stephan Niederegger
KulturFenster
29 06/Dezember 2025
empfohlen
Sonntägliche Messfeier (GL 581 ff)
Eröffnung
Wortgottesdienst
Eucharistiefeier
Abschluss
Gesang zur Eröffnung
Kreuzzeichen, Liturgischer Gruß,
Einführung
Schuldbekenntnis oder
Taufgedächtnis
Kyrie
Gloria (nicht in Advents- &
Fastenzeit)
Tagesgebet
Erste Lesung
Antwortpsalm
Zweite Lesung
Ruf vor dem Evangelium
(Christusruf anstatt Halleluja zur
Fastenzeit)
Evangelium
Predigt
Glaubensbekenntnis
Fürbitten
Gabenbereitung
Bereitung des Altars
Gabenprozession
Gabengebet
Eucharistisches Hochgebet (1. Teil)
Heilig (Sanctus)
Eucharistisches Hochgebet (2. Teil)
Vater unser
Friedensgruß
Brechung des Brotes (Agnus Dei)
Kommunionspendung
Stille und Dankgesang
Schlussgebet
ggf. Mitteilungen
Segen
Entlassungsruf
Auszug
Sonntägliche Wort-Gottes-Feier
Eröffnung
Wortgottesdienst
Antwort der Gemeinde
Abschluss
Gesang zur Eröffnung
Kreuzzeichen, Liturgischer Gruß,
Einführung
Christusrufe
Eröffnungsgebet
Erste Lesung
Psalm
Zweite Lesung
Ruf vor dem Evangelium
(Christusruf anstatt Halleluja zur
Fastenzeit)
Evangelium
Auslegung & Deutung
Stille
Antwort der Gemeinde
A) Glaubensbekenntnis
B) Predigtlied
C) Taufgedächtnis
D) Schuldbekenntnis &
Vergebungsbitte
E) Segnung, die zum
Sonntag gehört
Friedensgruß
Gesang zum Friedenszeichen
oder zur Kollekte
Sonntäglicher Lobpreis (mit Ruf)
Gloria (Antwort der Gemeinde)
Fürbitten
Vater unser
Dankgesang
ggf. Mitteilungen
Segensbitte
Entlassungsruf
Auszug
menten, etwa Mitsingen, Zuhören, Nachdenken
oder das Antworten im Gesang.
Aus diesen Bausteinen entsteht ein natürlicher
Spannungsverlauf.
Der inhaltliche Leitfaden ergibt sich aus
der jeweiligen Kirchenjahreszeit, den biblischen
Lesungen und den liturgischen
Handlungen. Die Musik sollte sich daran
orientieren.
Für eine optimale Vorbereitung aller Beteiligten
sollte die Musik rechtzeitig mit
den Verantwortlichen abgestimmt werden.
Allzu oft werden z. B. Priester nach
einer mehrwöchigen Probenzeit kurz vor
der Messgestaltung vor vollendete Tatsachen
gestellt.
Ein Must-have für
alle Kapellen
In den Bläsersätzen zum Gotteslob (Abel-
Verlag, 2019) findet man eine reiche Auswahl
an Gotteslob-Liedern für alle Gottesdienstteile
und denkbaren Feieranlässe.
Für die Auswahl empfehlen wir folgende
Verzeichnisse:
➤ Seite 17 ff: Gesänge im Gottesdienst
und Kirchenjahr
➤ Seite 23 ff: Gesänge zu konkreten Feieranlässen
Alle Sätze haben ausgeschriebene Vorspiele.
Einige Lieder sind zum Musizieren
mit Kantoren, wie im Gotteslob nach dem
Prinzip „Vorsänger/Alle“, vorgesehen. Alle
Sätze können im Quartett und mit dem gesamten
Blasorchester realisiert werden.
Dazu sind auf Seite 5 Hinweise zum Gebrauch
zu finden.
Es empfiehlt sich, z. B. die Vorspiele sowie
die Kantorenteile nur mit einer (leisen)
Registergruppe zu besetzen. Der
darauffolgende Gemeindegesang wird
hingegen wieder mit dem vollen Orchester,
als Signal an die Gemeinde zum Mitsingen,
besetzt.
Wissenswertes
Das „Gotteslob“ sollte (nicht nur) bei den Gottesdiensten der Begleiter für alle sein.
Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus
Dei sind (Ordinariums-)Gesänge mit vorgegebenen
Gebetstexten, wie z. B. auch das
„Vater unser“. Sie sind seit dem Zweiten
Vatikanischem Konzil ein unveränderlicher
Teil der Liturgie und können nicht mit Instrumentalmusik
oder anderen Liedern ersetzt
werden. Sämtliche rein instrumentale
„Messen“ aus vergangenen Zeiten, z. B.
die „Floriani-Messe“ von Karl Pramstaller
oder die „Europa-Messe“ von Franz Nagel
u. v. m. sind an diesen Stellen ungeeignet!
KulturFenster
30 06/Dezember 2025
Blasmusik
Nach der Lesung folgt in der Mess- und
Wort-Gottes-Feier ein Psalm. Dieser ist gemäß
der Leseordnung des Tages vorgegeben.
Im Idealfall sollte er von einem Kantor
bzw. von einer Kantorin vorgetragen werden.
Auch Blasorchester können diesen Teil
der Liturgie musikalisch gestalten. Fertige
Psalm-Modelle finden sich in den Bläsersätzen
zum Gotteslob (Übersicht auf Seite 17).
Es kann auch ein Psalmlied oder in Ausnahmefällen
Instrumentalmusik erklingen.
Marienlieder sollten (außer an Marienfesten)
nur nach dem Segen programmiert
werden.
Das Kirchenjahr
Zum „Gotteslob“
wurden im
Auftrag der Österreichischen
Kirchenmusikkommission
eigene
Bläsersätze
komponiert.
Fastenzeit
Der Osterzeit geht eine 40-tägige Bußzeit
voraus. In dieser Zeit der inneren Neuausrichtung
wird auf das Gloria und das Halleluja
verzichtet. Häufig fällt in diese Zeit
der Josefstag (19.3.). An diesem Tag ist,
wenn die Feier an einem Werktag stattfindet,
ausnahmsweise ein Gloria vorgesehen,
jedoch kein Halleluja.
Osterzeit
Mit der Feier der Osternacht beginnt die
50-tägige Osterzeit, die am Pfingstsonntag
endet. Im gesamten Zeitraum werden Osterlieder
gesungen und das Halleluja als
österlicher Jubelruf besonders hervorgehoben.
Der Floriani-Sonntag, der von vielen
Kapellen und Gruppen mitgestaltet
wird, steht z. B. stets im österlichen Kontext,
und deshalb können und sollen dann
österliche Lieder erklingen.
Allerheiligen (1.11.) – Allerseelen (2.11.)
Allerheiligen ist ein Fest der Freude über
die Schar aller Heiligen in der Nachfolge
Jesu. Der Gottesdienst zum Hochfest hat
nichts mit dem Totengedenken zu tun.
Düsteres und Totengedenkendes hat im
Allerheiligengottesdienst also keinen Platz.
Am Nachmittag wird vielerorts auf dem
Friedhof der Toten gedacht, was dem
gestrichenen Feiertag „Allerseelen“ am
2. November geschuldet ist. Der ursprünglich
dem Allerseelentag zugedachte Gang
zu den Gräbern wird deshalb in vielen Pfarreien
bereits am Allerheiligentag abgehalten.
Vermischen: Impossible!
In vielen Pfarreien werden ungünstiger
Weise der Allerheiligengottesdienst und
der Gang zum Friedhof zusammengelegt.
In diesem Spannungsfeld muss genau
zwischen den beiden Elementen unterschieden
werden!
Dominik Bernhard, Verband der
Kirchenmusik Südtirol (VKM)
Advent
„Vor Weihnachten schmecken die Kekse
am besten“, und trotzdem gilt es, in dieser
Zeit des Wartens noch KEINE Weihnachtslieder
zu spielen.
Auf das Gloria wird in dieser Zeit bewusst
verzichtet. Es ist der Gesang der Engel
bei den Hirten und damit der weihnachtliche
Lobpreis.
„Rorate“ ist ursprünglich eine feierliche
Marienmesse mit Gloria, die an den Werktagen
gefeiert wird. Umgangssprachlich
werden oft auch die Gottesdienste am
Samstagabend oder am Sonntag als „Rorate“
bezeichnet. Diese sind aber keine
Marienmessen, weshalb dort kein Gloria
vorgesehen ist.
Weihnachtszeit
Ab dem Heiligen Abend bis zum Sonntag
nach Dreikönig haben Weihnachtslieder
ihren Platz.
Zur Person
Dominik Bernhard, Jahrgang 1982, hat an der
Hochschule für Musik und Theater in München
die Fächer Katholische Kirchenmusik (A-Diplom)
und Orgel (Meisterklassendiplom) studiert.
Als Organist war er Preisträger bei verschiedenen
Orgelwettbewerben. Unter anderem wurde ihm
der Kulturpreis Bayern verliehen.
Seit 2018 ist er als Kirchenmusikreferent der Diözese
Bozen-Brixen im Verband der Kirchenmusik
Südtirol (VKM) tätig. In dieser Funktion
leitet der den zweijährigen Kirchenmusiklehrgang
und ist Herausgeber
der 2021 erschienenen
Sammlung „Südtiroler Chorbuch
zum Gotteslob“. Zudem
ist er als Chorleiter
des Grieser Stiftspfarrchors
und des Jugendchors der
Kantorei Leonhard Lechner
aktiv.
KulturFenster
31 06/Dezember 2025
hinausgeblickt
Süd-Osttiroler
Blasorchester 40+
Konzert – Kulturzentrum Toblach
https://vsm.bz.it
26.12.2025
VSM intern
Die neue VSM-App
Einfacher und schneller Zugang zum VSM Office
Der Verband Südtiroler Musikkapellen
hat in diesem Frühjahr seinen Mitgliedern
eine App zu Verfügung gestellt, welche
auf Android und Apple Geräten kostenlos
installiert werden kann. Sie bietet
als einfacher und schneller Zugang zum
VSM Office viele Vorteile; dazu ein aktueller
Überblick:
In der App hat man
➤ Zugriff und Einsicht in die freigegeben
Kontaktdaten der Mitgliedskapellen.
➤ Zugriff und Einsicht auf die eigenen
Kontaktdaten, kann diese bei Bedarf
korrigieren oder ändern sowie in die
freigegeben Kontaktdaten der Mitglieder
der eigenen Musikkapelle.
➤ Einsicht in das Ausbildungsprogramm
des VSM und den einzelnen Bezirken
und kann sich direkt zu Fortbildungen,
Kursen und Projekten anmelden.
➤ Einsicht in die Tätigkeiten der eigenen
Musikkapelle. Eine Anwesen-
KulturFenster
32 06/Dezember 2025
Blasmusik
heitsliste kann über die App geführt
werden. Die Tätigkeiten können auf
Wunsch mit dem Kalender des Smartphones
synchronisiert werden und erleichtern
so zusätzlich die Übersicht.
➤ Einsicht in den Veranstaltungskalender
aller Musikkapellen. Somit kann
auf Konzerte und sonstige Veranstaltung
leicht hingewiesen werden und
Interessierte finden schnell und unkompliziert
die Angebote.
Die notwendigen Zugangsdaten wurden
für jedes Mitglied einer Musikkapelle
automatisch erstellt und können
über die Kapelle oder auch das VSM-
Büro an das Mitglied weitergegeben werden.
Dazu wird nochmals eine E-Mail
mit allen Informationen an die Mitglieder
geschickt.
Der VSM ist überzeugt, mit der App seinen
Mitgliedskapellen und auch den
Musikant*innen eine nützliche Unterstützung
zu geben, welche die Arbeit im Verein
erleichtert und eine Möglichkeit der Kommunikation
zwischen VSM, Bezirken, Musikkapellen
und Mitgliedern bietet.
Werner Mair
➤ Einsicht in hilfreiche Dokumente und
Vorlagen, welche vom VSM zu Verfügung
gestellt werden. Man kann
die Dokumente direkt herunterladen
und weiterverwenden.
➤ die Möglichkeit, Push Mitteilungen
als Informationen - Erinnerungen an
alle oder an Gruppen zu schicken.
Diese bleiben im Archiv erhalten
und können somit auch bei Bedarf
nachgelesen werden.
➤ schnellen Zugriff auf die Newsletter des
VSM Büros, in welchen über aktuelle
Themen informiert werden. Auch hier
bleibt das Archiv erhalten und man
kann somit auf die komplette Wissensdatenbank
zurückgreifen.
KulturFenster
33 06/Dezember 2025
VSM intern
Begeisterung durch
Spielfreude und Gemeinschaft
Bezirksjugendorchester Brixen vereint 53 Jungmusikant*innen
Der VSM-Bezirk Brixen hat heuer ein gemeinsames
Orchester für junge, engagierte
Musikant*innen aus dem Bezirk auf die
Beine gestellt. Unter der Leitung von Kapellmeister
Bernhard Reifer fanden sich 53
Jungmusikant*innen – 32 Mädchen und 21
Burschen, größtenteils unter 30 Jahre alt –
aus 17 Kapellen zusammen, um in wenigen
intensiven Proben ein anspruchsvolles Konzertprogramm
zu erarbeiten.
Solche Bezirksorchesterprojekte haben
in Südtirol bereits mehrfach gezeigt, wie
wertvoll gemeinsames Musizieren über die
Grenzen der eigenen Kapelle hinaus ist. Kapellmeister
Reifer verstand es, die Gruppe
mit seiner energiegeladenen, kreativen Art
zu fordern und zu motivieren. Neben dem
klassischen Proben der Stücke wurde gesungen,
dirigiert und geklatscht – Jede*r
durfte zwischendurch die Stimme wechseln
und neue musikalische Perspektiven
ausprobieren. Diese Vielseitigkeit und der
Spaß am gemeinsamen Lernen sorgten für
eine tolle Atmosphäre und ein rasches musikalisches
Zusammenwachsen.
Sozialer Gewinn an
erster Stelle
Ein ähnliches Bezirksprojekt hatte es zuletzt
2016 gegeben. Umso erfreulicher,
dass der Bezirksvorstand diesmal wieder
so viele junge Talente gewinnen konnte. Dadurch
stand ein Orchester auf der Bühne,
das mit seinem frischen Klang und seiner
Leidenschaft überzeugte. Noch wichtiger
als das musikalische Niveau war aber der
soziale Gewinn: Zahlreiche neue Freundschaften
entstanden – und einige Teilnehmende
fühlten sich durch das Projekt
zusätzlich motiviert, sich auch in ihren Heimatkapellen
noch stärker einzubringen.
Kapellmeister Reifer resümiert: „Ich war
gespannt, was mich erwartet – und am
Ende begeistert von der Spielfreude und
dem Ergebnis. Wir produzierten einen richtig
coolen Sound und hatten gemeinsam
ein tolles, herausforderndes Erlebnis.“ Die
Mit frischem Klang und Leidenschaft überzeugte das Bezirksjugendblasorchester Brixen
bei seiner zweiten „Auflage“.
Eltern eines 14-jährigen Teilnehmers bestätigen
den positiven Eindruck: „Wir mussten
unseren Sohn anfangs etwas schubsen,
aber am Ende war er stolz, Teil dieses
tollen Projektes gewesen zu sein.“
Pläne für die Zukunft
Für die Zukunft plant der VSM-Bezirk
Brixen, solche Projekte im zwei- bis dreijährigen
Rhythmus fortzuführen – abwech-
selnd als Jugendkapelle, Erwachsenenorchester
oder Frauenorchester. Schon
beim Bezirksmusikfest im Herbst 2026
soll das nächste musikalische Highlight
folgen: Die besten Musikant*innen des
Bezirkes – darunter hauptsächlich Profis
und Musiklehrende – sollen unter der Leitung
eines international renommierten Dirigenten
ein außergewöhnliches Konzertorchester
bilden.
Oskar Zingerle
Auch wenn der eine
oder die andere
möglicherweise etwas
„geschubst“
werden musste, das
Projekt war für alle
Teilnehmenden sowohl
in musikalischer
wie auch in
sozialer Hinsicht
ein Gewinn.
Fotos: Oskar Zingerle
KulturFenster
34 06/Dezember 2025
bewegt
Mit Klarheit führen –
mit Begeisterung musizieren
Wie moderne Probenarbeit Motivation stärkt, Menschen verbindet
und Musik lebendig macht
Mit einem innovativen Fortbildungstag hat
die Fachgruppe der Stabführer des Verbandes
Südtiroler Musikkapellen unter der
Leitung von Klaus Fischnaller zu einem außergewöhnlichen
Workshop eingeladen.
Musik in Bewegung
und attraktive Probenarbeit
Im Mittelpunkt stand diesmal nicht nur das
fachliche Handwerk, sondern vor allem die
pädagogische und kommunikative Kompetenz,
ein entscheidender Schritt, um
Musikproben und Musik in Bewegung
zeitgemäß, lebendig und motivierend zu
gestalten. Als Referent konnte Andreas
Schaffer, Direktor der Gustav Mahler Musikschule
in Klagenfurt, gewonnen werden.
Seine Expertise wird weit über die Grenzen
Österreichs hinaus geschätzt. Schaffer
ist nicht nur Flötist und ehemaliger Stabführer,
sondern er verbindet sein Wissen
aus der Instrumental- und Gesangspädagogik
sowie der Ensembleleitung mit langjähriger
praktischer Erfahrung. Seine lebendige
Art, theoretische Inhalte greifbar
und emotional zu vermitteln, machte die
Fortbildung zu einem inspirierenden
Erlebnis für alle Teilnehmenden.
Kommunikation
als Schlüssel zur
Motivation
Der Workshop richtete sich an Stabführerinnen
und Stabführer, Kapellmeisterinnen
und Kapellmeister sowie
interessierte Musikerinnen und Musiker.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie musikalische
Führungsarbeit heute wirksam,
motivierend und menschlich gestaltet werden
kann. Themen wie Motivation, Kommunikation,
Methodik, Überzeugungskraft
und attraktive Probenarbeit wurden praxisnah
und mit vielen Beispielen behandelt.
Schaffer betonte, dass erfolgreiche Führung
in der Musik immer mit bewusster
Ein Dankeschön an die Bürgerkapelle Kaltern und an die 35 Teilnehmer an der Fortbildung
Kommunikation beginnt. Eine Führungspersönlichkeit
müsse Werte leben, Orientierung
geben und ein Gefühl von Vertrauen
schaffen. Ebenso wichtig ist es, die unterschiedlichen
Typen innerhalb einer Gruppe
zu erkennen und gezielt anzusprechen,
visuell, auditiv, haptisch oder kognitiv geprägt.
Wer Menschen individuell abholt,
erzeugt Motivation und Verständnis. Auch
langjährige Mitglieder, die manchmal un-
Aus der Sicht des
Referenten Andreas Schaffer
„32 hoch motivierte Damen und Herren folgten der
Einladung des VSM zum Stabführertag am 25. Oktober
2025. Mein Auftrag für diesen Tag war am Vormittag
die theoretische Einführung in die Pädagogik für das
Stabführen sowie Feedback und praktische Anwendung
anhand zweier Klangkörper, die am Sportplatz Margreid von
der Instrumentenhaltung bis zur großen Wende alle Elemente
vorführten. Es war mir ein großes Anliegen zu zeigen, wie wichtig eine
umfassende Vorbereitung für eine Marschierprobe ist. Dabei wurden Aspekte
der Probenplanung, der Lerntypen und Überzeugungsarbeit innerhalb des Vereines
besprochen. Vor allem ging es mir um eine professionelle Beobachtung
von Details beim Zusehen und Zuhören. Alle Teilnehmer konnten das am Nachmittag
unter der Anleitung von Verbands- und Bezirksstabführern selbst austesten.
Besonders hervorheben möchte ich die wunderbare Vorbereitung des intensiven
Tages durch das VSM-Büro sowie Verbandsstabführer Klaus Fischnaller!“
KulturFenster
35 06/Dezember 2025
bewegt
terfordert sind, und neue Musikantinnen
und Musikanten, die noch Sicherheit suchen,
sollen gleichermaßen eingebunden
werden. So entsteht ein respektvolles Miteinander,
das jede Probe stärkt und den
Zusammenhalt vertieft.
Vom Denken ins Fühlen,
der Weg in den Flow!
Ein zentrales Ziel jeder Musikprobe, ob
Konzert- oder Marschprobe, sollte sein,
in den Flow zu kommen.
Der Flow beschreibt jenen Zustand, in dem
alle Beteiligten völlig in der Musik aufgehen:
konzentriert, motiviert und voller Freude
am Tun. Anspruch und Fähigkeit stehen
dabei im idealen Gleichgewicht. Schaffer
machte deutlich, dass dieser Zustand kein
Zufall ist, sondern das Ergebnis bewusster,
pädagogisch durchdachter Probenarbeit.
Wer klare Ziele setzt, verständlich kommuniziert
und empathisch führt, schafft
eine Atmosphäre, in der Musik entsteht,
die berührt. Eine gut strukturierte Probe
führt nicht nur zu besseren Ergebnissen,
sondern auch zu spürbarer Begeisterung
– gerade heute, wo Zeit kostbar ist und
Motivation gezielt gepflegt werden muss.
Musikalische Leitung bedeutet daher nicht
nur, Takte zu schlagen oder Kommandos
zu geben, sondern Menschen zu führen,
die gemeinsam in Bewegung kommen,
körperlich, geistig und emotional.
Praxis und Reflexion
Simulierte
Vorstandssitzung
im Verein
- mit gemeinsamer
Analyse
Am Nachmittag wurde das Erlernte direkt
in die Praxis umgesetzt. Mit Unterstützung
der Bürgerkapelle Kaltern und
der Musikkapelle Kurtatsch konnten die
Teilnehmenden die Inhalte real erleben.
Die Ergebnisse zeigten eindrucksvoll, wie
sehr Sprache, Struktur und Haltung Motivation
und Klang beeinflussen. Ein weiterer
Schwerpunkt lag auf der Reflexion:
Was gelingt gut? Wo kann ich mich selbst
verbessern? Welche Wirkung haben meine
Worte und meine Haltung? Schaffer erinnerte
daran, dass wahre Führung immer
mit Selbstreflexion beginnt. Bevor man andere
kritisiert, sollte man sich fragen, welchen
Anteil man selbst an einer Situation
hat. Nur wer sich selbst hinterfragt, kann
andere glaubwürdig führen.
Ein Impuls für die Gegenwart
Der Fortbildungstag hat gezeigt, wie wichtig
es ist, pädagogisches Denken, Achtsamkeit
und menschliches Verständnis in die musikalische
Arbeit zu integrieren. Gerade heute,
in einer Zeit, in der Vereine um Engagement
und Begeisterung ringen, braucht es
Führungspersönlichkeiten, die inspirieren,
nicht nur instruieren. Klaus Fischnaller und
sein Team haben mit dieser Veranstaltung
einen wichtigen Impuls für die Gegenwart
gesetzt. Pädagogik, Kommunikation und
Musik in Bewegung wurden zu einem gemeinsamen
Erlebnis, das Mut macht, neue
Wege zu gehen. Denn letztlich ist das Ziel
jeder Probe dasselbe: Musik so zu gestalten,
dass sie bewegt – die Musizierenden,
das Publikum und die Zeit, in der wir leben.
Martin Astner
BLASMUSIK IM RUNDFUNK
jeden Montag von 17 bis 18 Uhr
„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue
Blasmusik mit Norbert Rabanser
jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr
„Blasmusik“ mit Dieter Scoz
jeden Samstag
von 18 bis 19 Uhr
„Faszination Blasmusik“
mit Arnold Leimgruber
(Wiederholung
am Sonntag um 9 Uhr)
jeden Freitag
von 18 bis 19 Uhr
„Das Platzkonzert"
mit Wolfgang Kostner
jeden Dienstag
von 18 bis 19 Uhr
„Tiroler Weis"
mit Peter Kostner
KulturFenster
36 06/Dezember 2025
Blasmusik
Stabführen als Familientradition
Drei Generationen im Einsatz für die Musik in Bewegung
Andreas Lanthaler,
Johann Lanthaler
und Tobias Egger-
Karlegger bei einem
Familientreffen im
August 2025
Foto Johanna Gufler
In der Welt der Marschmusik, in der Rhythmus
und Präzision harmonisch aufeinandertreffen,
spielt der Stabführer eine unverzichtbare
Rolle. Er ist derjenige, der
mit geschickten Handbewegungen und unfehlbarem
Taktgefühl die Kapelle anführt
und sie vereint. In der Familie Lanthaler
aus Passeier wird die Tradition des Stabführers
großgeschrieben. Dort treffen sich
gleich drei Generationen wieder.
und 1964 am Bezirksmusikfest bzw. 1960
und 1963 jeweils am Landesmusikfest in
Meran. Bei weiteren Auftritten im In- und
Ausland führte er die Kapelle mit seinem
untrüglichen Gespür für Rhythmus und
einem unverwechselbaren Auftreten an.
Andreas Lanthaler, geboren 1969 und Sohn
von Johann Lanthaler, ist seit 1989 Stabführer
der Musikkapelle Walten. Schon im
Jahr 1990 nahm die Kapelle dann gleich
an zwei Marschmusikbewertungen teil:
am 11. Österreichischen Blasmusikfest
Johann Lanthaler, geboren im Jahr 1933
beim Wanserhof in Walten, war – mit einigen
kurzen Unterbrechungen – von 1953
bis 1981 Stabführer der Musikkapelle Walten.
Als Gründungsmitglied von 1952 und
Ehrenkapellmeister der Kapelle ist er ein
wichtiger Zeitzeuge und kennt den Werdegang
der Stabführer genauestens. Anfangs
gab es kein definiertes Regelwerk
und das meiste musste man sich selbst
beibringen. Den ersten Tambour-Stab
musste er sich anfertigen lassen. Bereits
im Oktober 1955 nahm er mit der Kapelle
das erste Mal an einer Marschmusikbewertung
teil. Beim 3. Bezirksmusikfest in Meran
erreichte die MK Walten 137 von 150
möglichen Punkten. Ebenso teilgenommen
hat er mit der Kapelle in den Jahren 1958
Johann Lanthaler als junger Stabführer in
den 1950er-Jahren.
Bei einem Umzug 1981 in Osterode im
Harz Fotos: Fotoarchiv der Familie Lanthaler
KulturFenster
37 06/Dezember 2025
Redaktionsschluss für
hinausgeblickt
Süd-Osttiroler
Blasorchester 40+
Konzert – Tauernhalle
Matrei/Osttirol
https://vsm.bz.it
05.01.2026
Andreas Lanthaler beim 15. Bezirksmusikfest
2025 in St. Martin in Passeier.
Fotos: Live-Style Agency
in Wien und am Landesmusikfest in Me-
ran jeweils mit ausgezeichnetem Erfolg.
Beim Bezirksmusikfest Inn-Salzach in
Ramsau (D) im Jahre 1991 wurde sogar
die höchstmögliche Punktezahl erreicht.
Es folgten weitere Teilnahmen 1993 in
Dorf Tirol, 1995 am Landesmusikfest in
Meran, 1999 am Bezirksmusikfest in St.
Martin i. P., im Jahr 2000 am Kreismusikfest
in Blitzenreute (D) und 2001 am
Bezirksmusikfest in Ramsau (D). Der Höhepunkt
war mit Sicherheit die Teilnahme
beim internationalen Marschmusikwettbewerb
in Roncone im Trentino in den Jahren
2000, 2002 und 2004. In der höchsten
Stufe E erreichten sie zweimal die
höchste Punktezahl und einmal den zweiten
Platz. Weiters nahm die Kapelle an einigen
Marschparaden teil sowie 2010 an
der Marschmusikbewertung beim Landesmusikfest
in Meran. Unter seiner Führung
war und ist die MK Walten stets eine Vorzeigekapelle
für die Musik in Bewegung.
Von 2006 bis 2019 war Andreas Lanthaler
Bezirksstabführer vom Bezirk Meran;
ebenso ist er festes Mitglied in der Stabführer-Fachgruppe.
Für eine Periode war
er Verbandsstabführer-Stellvertreter. Zudem
absolvierte er die Marschmusikbewerter-Ausbildung.
Er ist maßgeblich daran
beteiligt, dass die Musik in Bewegung im
Bezirk und im ganzen Land einen großen
Aufschwung erlebte. Bei Fortbildungen
und Expertentreffen sind sein Wissen und
seine Erfahrung unverzichtbar.
Tobias Egger-Karlegger, geboren 1991
und Enkel von Johann Lanthaler, ist seit
2024 Stabführer der Musikkapelle St.
Martin i. P. und somit der jüngste Stabführer
in der Familie. Mit der gleichen
Leidenschaft und Entschlossenheit wie
seine Vorbilder beherrscht er die Kunst
des Stabführens mit Niveau. Dieses erlangte
er durch die Stabführer-Ausbildung
Auch Tobias Egger-Karlegger war beim 15.
Bezirksmusikfest 2025 in St. Martin in Passeier
als Stabführer im Einsatz.
im VSM: ein Senkrechtstart vom Grundkurs
bis zum Abschlusskurs mit erfolgreicher
Abschlussprüfung des Stabführerabzeichens
in nur einem Jahr. Tobias
ist Mitglied des Bezirksausschusses Meran
sowie in der Stabführer-Fachgruppe
im Bezirk und Verband tätig. Gemeinsam
mit den Traditionsvereinen von St.
Martin wurde im Mai 2025 das 15. VSM-
Bezirksmusikfest vom Bezirk Meran und
das Mårtiner Dorffestival in St. Martin mit
vollem Erfolg organisiert. Im Mittelpunkt
stand dabei die Musik in Bewegung, mit
zwei Festumzügen und einer Marschmusikbewertung.
Tobias Egger-Karlegger
die nächste Ausgabe des
„KulturFensters“ ist:
Aus der Redaktion
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten
senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it
Freitag, 17. Jänner 2026
KulturFenster
38 06/Dezember 2025
jung musiziert
85 junge Musiker*innen bilden das Gebietsjugendorchester
Unteres Pustertal
und begeistern mit ihrer Musik.
Foto: Hannes Gartner
Level Up – ein Projekt, das begeistert
Gebietsjugendorchester Unteres Pustertal überzeugt mit zwei Konzerten
Das Gebietsjugendorchester Unteres Pustertal
(Kurzform: Level Up) ist 2025 in
sein viertes Jahr gestartet und hat es
Mitte September mit zwei Konzerten beendet.
85 junge Musiker*innen präsentierten
anspruchsvolle und unterhaltsame
Literatur, welche unter der Leitung von Jakob
Augschöll für Begeisterung beim Publikum
sorgte.
Level Up – so heißt das musikalische Projekt,
welches sich aus Jungmusikant*innen
aus dem unteren Pustertal zusammensetzt.
Der Name setzt sich dabei folgendermaßen
zusammen: während „Level“ die gemeinsame
„Ebene“ bedeuten soll, auf welcher
sich die Musikanten befinden, steht das
„UP“ für „Unteres Pustertal“.
85 Musikant*innen bilden dieses Orchester
und formen es zu einem großartigen
Klangkörper.
Verknüpfung von
Musik und Sprache
Die musikalische Leitung hat der 27-jährige
Musiker, Komponist und Pädagoge Jakob
Augschöll aus dem Pustertal inne. In
nur sechs Proben studierte er eine spannende
und anspruchsvolle Blasorchesterliteratur
ein. Diese wurde bei zwei Konzerten
präsentiert: am 19. und 20. September in
Pfalzen. Das Motto des diesjährigen Konzerts
war inspiriert von einem Gedanken:
2,4 Milliarden Jugendliche leben auf dieser
Welt – geprägt von Kultur, Umgebung und
Träumen. Und doch verbindet sie alle etwas:
ein Tag voller kleiner Momente, die so
vertraut und gleichzeitig einzigartig sind. Level
up übersetzte diesen Rhythmus in Musik
und so wurde der Alltag eines Jugendlichen
künstlerisch zum Leben erweckt.
Besonders machte das diesjährige Projekt die
Verknüpfung von Musik und Sprache. Eigens
geschriebene Poetry-Slam-Texte fassten das
Gefühl des Moments zwischen den Stücken
in Worte und spannten einen roten Faden
durch die Konzerte. Die Level-Up-Mitglieder
durften sich dabei beide Male über einen fast
vollbesetzten Saal freuen. Durch den Konzertabend
führte die Saxophonistin Lilli Gruber.
Projekt, das Sinn
und Freundschaften stiftet
Der tosende Applaus des Publikums war
nicht nur „das Brot der Künstler“, sondern
auch die Bestätigung der Sinnhaftigkeit dieses
Projektes. Die jungen Musiker*innen
nehmen dadurch nicht bloß viel Erfahrung
in ihre jeweiligen Heimatkapellen mit, sondern
es entwickeln sich auch tolle Freundschaften
innerhalb des Level-Up-Orchesters.
Und dies lässt nicht zuletzt auf eine Fortsetzung
im nächsten Jahr blicken.
Hannes Zingerle
KulturFenster 39
06 Dezember 2025
ersten Bereich sind das „Gab’s das immer
schon?“ und „Woher kommt das?“ – hier
widmen wir uns den Wurzeln. Unter dem
Motto „Bist du richtig angezogen?“ widmen
wir uns der Tracht, die sich erst im
20. Jahrhundert flächendeckend etablierte.
Die Frage „Warum klingst du so?“ führt uns
zu Instrumentarium und Klangbild. Beide
veränderten sich über die Jahrhunderte
markant. Ähnliches gilt auch für das Re-
hinausgeblickt
bewegt
Aufbau & Grundkurse
für Stabführer
Anmeldung innerhalb 21. Februar
2026 im VSM Office/VSM APP
https://vsm.bz.it
Jänner-April 2026
hinausgeblickt
Spielweisen – was
Blasmusik sein kann
Ausstellung der Tiroler Landesmuseen im
Tirol Panorama am Bergisel
Die Ausstellung „Spielweisen – was Blasmusik sein kann“ ist bis 6. Juli 2026 im Tirol Panorama am Innsbrucker Bergisel zugänglich.
Die Aufmachung, in der sich das Blasmusikwesen in der aufwändig gestalteten Ausstellung präsentiert, ist im wahrsten Sinne des
Wortes ansprechend.
Der Blasmusikverband Tirol feiert 2025
seinen 100. Geburtstag. Für Elmar Juen,
ehemaliger Obmann des Verbandes, ist die
Ausstellung ein wesentliches Projekt des
Jubiläums. Zu deren Konzeption, an der er
selbst wesentlich mitgewirkt hat, sagt er:
„Es werden allen, sowohl ‚Blasmusik-Insidern‘
als auch Außenstehenden, reichlich
Möglichkeiten geboten, sich umfassend
und kritisch mit dem Phänomen Blasmusik
auseinanderzusetzen.“
Fragen führen zum Wesen
der Blasmusik
Die Besucher*innen betreten die Ausstellung
durch einen riesigen Schalltrichter. Er
steht für die sogartige Wirkung der Blasmusik.
In Videostationen begegnen uns Personen,
die mit ihr zu tun haben und von
ihren Erfahrungen und Motivationen erzählen.
Fragen bilden den Ausgangspunkt: Im
Blasmusik ist ein erstaunlich vielfältiges
Phänomen. Musikkapellen bewegen sich
in einem Spannungsfeld: Sie pflegen und
vermitteln Tradition, aber sie bleiben nicht
unberührt von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen.
Die Blasmusik ist ein wesentlicher
Bestandteil einer Tiroler Identität,
gleichzeitig ist dieses Musikgenre mit
vielen Klischees behaftet. Die Ausstellung
will einerseits der Faszination von Blasmusik
und andererseits diesen Klischees
auf den Grund gehen.
Das Ausstellungsteam: (v. l.) Kurator Andreas Holzmann, Ausstellungsmanagerin Charisse
Santos, Elmar Juen, ehemaliger BVT-Obmann, Katharina Walter, Leiterin des Bereichs
Kulturvermittlung, Sonia Buchroithner, Leiterin des Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum,
Kulturvermittlerin Monika Mazegger, Franz Gratl, Kurator und Leiter der
Musiksammlung
Foto: © Martin Vandory
KulturFenster
40 06/Dezember 2025
Blasmusik
pertoire („Ist das Blasmusik?“). Die Frage
„Marschierst du überall mit?“ führt zum
Verhältnis der Blasmusik zur Politik. In einer
weiteren Station spüren wir der Faszination
der Blasmusik nach. Ausgewählte
Musikant*innen vermitteln ihre Begeisterung
in einer Videostation, Fotos porträtieren
Blasmusikant*innen und geben einen
Eindruck von der Vielfalt der Szene.
Podiumsdiskussionen
Zu den verschiedenen Fragen und Themenbereichen
werden interessante Podiumsdiskussionen
angeboten, die jeweils
freitags um 18 Uhr im Tirol Panorama stattfinden
und von Markus Koschuh moderiert
werden. Der Start dazu erfolgte bereits am
21. November mit dem Thema „Kaiserjägermarsch
und Harry Potter – das Blasmusik-Repertoire
im Spannungsfeld zwischen
Tradition und Moderne“.
Freitag, 16. Jänner 2026
Marschierst du überall mit? Das Verhältnis
der Blasmusik zur Politik
Am Podium u. a.: Matthias Breit (Museumsmacher),
Andrea Sommerauer (Historikerin
und Journalistin)
Die Ausstellung bietet Raum und Gelegenheit, um mit der Blasmusik in Dialog zu treten.
Freitag, 20. Februar 2026
Uniformität oder Vielfalt – Blasmusik, Tracht
und Identitätspolitik
Am Podium u. a.: Elsbeth Wallnöfer (Volkskundlerin
und Autorin), Erich Riegler (Präsident
des Österreichischen Blasmusikverbandes)
Freitag, 6. März 2026
Wer mitspielen darf. Ist Blasmusik inklusiv
oder exklusiv?
Am Podium u. a.: Ellinor Forster (Historikerin),
Andreas Waldner (Landeskapellmeister)
„Museum im Dialog“ ist eine Diskussionsreihe
der Tiroler Landesmuseen, bei der
das Museum Plattform für gesellschaftsrelevante
und aktuelle Themen ist.
Franz Gratl, Tiroler Landesmuseen
Elmar Juen, ehem. Obmann des BVT
Der Blasmusikverband Tirol (BVT) unter neuer Führung
Großer Wechsel an der Spitze im Zeichen des 100-Jahr-Jubiläums
Die Delegierten der Tiroler Musikkapellen
und Musikbezirke wählten bei der Generalversammlung
am vergangenen 15.
November im Congress Innsbruck den
neuen Landesvorstand des Blasmusikverbandes
Tirol.
Dabei stand ein großer Wechsel bevor, da
sich mehrere der bisherigen Funktionäre
nicht mehr der Wahl stellten.
Anlässlich des von Bischof Hermann Glettler
im Dom zu St. Jakob zelebrierten Festgottesdienstes
zum heurigen 100-Jahr-
Jubiläum des Verbandes wurde von der
Stadtmusikkapelle Wilten und dem Kammerchor
„Collegium vocale Innsbruck“
die von Josef Wetzinger, dem bisherigen
Landeskapellmeister-Stellvertreter, komponierte
„Missa Solemnis“ uraufgeführt.
An der Spitze des Verbandes löst Peter
Spanblöchl den bisherigen Obmann Elmar
Juen ab und Landeskapellmeister
Rudi Pascher hat den Stab an Andreas
Stabübergabe in Innsbruck (v. l.) – Elmar Juen, Josef Geisler (Tiroler Landeshauptmann-
Stellvertreter), Peter Spanblöchl und Günther Platter
Foto: BVTl/Die Fotografen
Waldner übergeben. Verbandspräsident
Günther Platter dankte den Musikkapellen
und den bisherigen und den neu gewählten
Landesfunktionär*innen für ihr
Engagement: „Es ist viel weitergegangen
und ich bin überzeugt, dass damit ein
guter Grundstein für die nächste Funktionsperiode
gelegt wurde.“
Judith Haaser,
bisherige Medienreferentin des BVT
KulturFenster
41 06/Dezember 2025
Oberösterreich unter der Leitung von
Reinhard Schimpl mit 95,17 Punkten.
VSM-Verbandskapellmeister-Stellvertreter
Daniel Niederegger mischte sich un-
hinausgeblickt
Konzert des Bezirkblasorchesters
Bozen (BOB)
Konzerthaus Bozen 19 Uhr
https://vsm.bz.it
07.02.2026
Ein „Sehr gut“ für
die MK St. Georgen
Erfolgreiche Vertretung Südtirols beim
Österreichischen Blasorchesterwettbewerb
Die Musikkapelle St. Georgen im „Haus der Musik“ in Innsbruck
Fotos: Bernd Golas
Als Partnerverband des Österreichischen
Blasmusikverbandes ist Südtirol gern gesehener
und „gefürchteter“ Teilnehmer bei
den verschiedenen Bundeswettbewerben:
Vor kurzem hat die Musikkapelle St. Georgen
einmal mehr das Niveau der Südtiroler
Blasmusik unter Beweis gestellt.
ter das Publikum und gratulierte als einer
der Ersten im Namen des Verbandes
zum „sehr guten“ Erfolg.
Stephan Niederegger
In Innsbruck fand am 18. Oktober der Österreichische
Blasorchesterwettbewerb der
Leistungsstufe C statt. Die Jury war mit
Helmut Schmid (A), Oliver Waespi (CH),
Marco Somadossi (I) und Walter Ratzek
(D) international besetzt.
Die Musikkapelle St. Georgen unter der
Leitung von Kapellmeister Thomas Kiniger
stellte sich der Jury mit dem Pflichtstück
„Caledonia“ von Oliver Waespi und dem
Selbstwahlstück „Pfeifer Huisile“ des aus
St. Georgen stammenden Komponisten
Robert Neumair. Der Auftritt der zehn
Kapellen im „Haus der Musik“ konnte
auch live über Youtube verfolgt werden.
Die Südtiroler wurden schließlich mit
88,17 von 100 Punkten (5. Platz) belohnt.
Gewonnen hat den Wettbewerb
der Musikverein Vorderweißenbach aus
Preisverleihung (v.l.): Daniel Niederegger, Bernhard Thain (ÖBV-Vizepräsident), Philipp
Egger (Obmann MK St. Georgen), Josef Unterfrauner (Stabführer MK St. Georgen), Helmut
Schmid (ÖBV-Bundeskapellmeister) und Elmar Juen (ÖBV-Vizepräsident und ehemaliger
Obmann des Tiroler Blasmusikverbandes)
KulturFenster
42 06/Dezember 2025
Blasmusik
Großer Erfolg in Linz
Jugendkapelle der Bürgerkapelle Lana beim Bundeswettbewerb
Die Jugendkapelle
der
BK Lana
beim Wettbewerbsauftritt
im Brucknerhaus
Die Jugendkapelle der Bürgerkapelle Lana
hat nach ihrem Erfolg beim Landeswettbewerb
beim 12. Österreichischen Jugendblasorchesterwettbewerb
in Linz das Land
Südtirol vertreten. Die Teilnahme war ein
voller Erfolg.
„Schon die Einladung ins renommierte
Brucknerhaus, eine der bedeutendsten
Musikstätten Österreichs, war eine große
Ehre“, erzählt Jugendleiterin Sophie Holzner.
Der Jugendblasorchester-Wettbewerb
wurde am Samstag, 25. Oktober 2025, im
Brucknerhaus ausgetragen und findet alle
zwei Jahre, abwechselnd mit dem Wettbewerb
„Musik in kleinen Gruppen“, statt.
Nach der Qualifikation beim heurigen Jugendkapellentreffen
in Völs am Schlern
durften die Burggräfler als Vertreter Südtirols
auf die große Bühne treten – mit Lampenfieber,
Mut und einer ordentlichen Portion
Vorfreude im Gepäck.
Abenteuer
voller Emotionen
Unter der Leitung von Martin Knoll zeigten
die 44 Jungmusikant*innen in der Alterskategorie
AJ (Durchschnittsalter bis 14 Jahre),
was in ihnen steckt. Mit Präzision, Leidenschaft
und jugendlicher Energie spielten
sie sich zu 94,00 Punkten – ein Ergebnis,
das nicht nur den ersten Platz in ihrer Alterskategorie,
sondern auch den dritten
Platz in der Gesamtwertung unter 15 Orchestern
bedeutete.
Auch Verbandsjugendleiter Hannes Schrötter
war beim Auftritt vor Ort und konnte sich
vom Spiel der Jugendkapelle überzeugen:
„Der Erfolg beim Bundeswettbewerb in Linz
kommt nicht von ungefähr, sondern ist das
Ergebnis jahrelanger engagierter Jugendarbeit
und einer sehr intensiven musikalischen
Vorbereitung. Ich gratuliere allen
Jungmusikant*innen, dem Jugendleiterteam
sowie Kapellmeister Martin Knoll zu
diesem hervorragenden Ergebnis“, resümierte
er nach der Preisverleihung.
„Die Tage in Linz waren für die Jugend-
kapelle weit mehr als nur ein Wettbewerb
– sie waren ein Abenteuer voller Emotionen,
neuer Freundschaften und unvergesslicher
Erlebnisse. Als schließlich die
Punkte verkündet wurden, kannte der Jubel
keine Grenzen: Tränen, Lachen, Umarmungen
– pure Freude!“, blickt Sophie
Holzner zurück.
Mit diesem Erfolg hat die Jugendkapelle
gezeigt, wie viel musikalisches Können, Begeisterung
und Teamgeist in den Jungmusikantinnen
und Jungmusikanten steckt.
Der Wettbewerb in Linz war für alle ein
prägendes Erlebnis und eine wertvolle sowie
besondere Erfahrung, die sicher noch
lange in Erinnerung bleiben wird.
Jugendkapelle Lana
Strahlende Gesichter
bei der
Preisverleihung:
Martin Knoll und
Tobias Gruber (BK
Lana) freuten sich
über den Stufensieg
sowie den 3.
Platz in der Gesamtwertung.
KulturFenster
43 06/Dezember 2025
gehört & gesehen
„Klangwelten“ zur
Langen Nacht der Kirchen
Die Musikkapelle Terlan lässt mit besonderen Aktionen aufhorchen
Die Musikkapelle Terlan wurde 1840 gegründet,
sie zählt heute 58 Musikantinnen
und Musikanten. Seit November 2019 wird
die Kapelle von Meinhard Windisch dirigiert.
Seit 2024 ist Sylvia Verdroß Obfrau des Vereins.
Die rührige Musikkapelle lässt immer
wieder durch besondere Aktionen und musikalische
Akzente aufhorchen.
Das mitreißende Hofkonzert „Rock & Pop“
am 29. August im Heinrichhof mit der Gastsängerin
Judit Pixner war der krönende Abschluss
der heurigen Musiksaison, die mit
dem traditionellen Frühjahrskonzert und
dem Gastauftritt der Fagottistin Miriam Kofler
am 5. April eröffnet worden war. Ein besonderer
Höhepunkt im heurigen Jahr war
das Kirchenkonzert anlässlich der „Langen
Nacht der Kirchen“ am 23. Mai.
Zum Thema „wir können #(H)OFFEN“ hat
die Musikkapelle Terlan dazu ein interessantes
Rahmenprogramm geboten, das in
Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat
mit dem bemerkenswerten Konzert abgeschlossen
wurde.
Am abendlichen Konzert unter dem Motto
„Klangwelten“ wirkten mehrere Hauptdarsteller
mit: der Organist Michael Weinreich,
der die Kapelle bei mehreren Stücken begleitete;
Pater Urban Stillhard, der besinnliche
Texte und Gedanken zum Thema „Glocken“
vortrug; die Kirchenglocken, für die
heuer ein Jubiläumsjahr ist, und natürlich
die Musikkapelle Terlan.
Für ein besonderes Klangerlebnis begaben sich einige Musikanten der MK Terlan in die
schwindelerregenden Höhen des Kirchturms.
Fotos: Florian Mair
beim Gießen keineswegs willkürlich gewählt
wird, sondern einer ganz bestimmten
Tonlage entsprechen soll.
Besinnliche
Musik in der Kirche
Im Anschluss wurde das Konzert in der
Kirche fortgesetzt, und das zahlreich erschienene
Publikum wurde mit dem weltbekannten
„Air“ von J. S. Bach, dargeboten
von den Holzbläsern, willkommen geheißen.
In der darauffolgenden „Canzona per
Organo e Orchestra a Fiato“ (Kees Schoonenbeek)
musizierte die gesamte Musikkapelle
im Zusammen- und Wechselspiel
mit der Orgel. Ein Blechbläserensemble
begab sich anschließend auf die Empore
Zusammenspiel
mit den Kirchenglocken
Los ging es aber zunächst außerhalb der
Kirche, oder besser gesagt, über der Kirche:
Einige schwindelfreie Musikanten stiegen
in den Kirchturm hinauf, um dort aus
dem großen Fenster zwei Fanfaren für das
gespannt auf dem Dorfplatz lauschende
Publikum zu spielen. Der Clou dabei: Die
Kirchenglocken wurden als Perkussionsinstrumente
genutzt und begleiteten die
Blechbläser im Rhythmus. So konnte man
auch hören, dass der Klang einer Glocke
Die Blechbläser im musikalischen Dialog mit der Orgel
KulturFenster
44 06/Dezember 2025
Blasmusik
hinauf, wo gemeinsam mit der Orgel das
„Halleluja“ und „Wie einer durch den Tod“
von G. F. Händel dargebracht wurde. Die
gesamte Kapelle spielte anschließend mit
„Pavan“ von J. F. Michel und dem „Hymnus
Pastorale“ von Bert Appermont zwei
wunderschön harmonische und besinnliche
Werke. Mit den „Four Intradas“ (J.
I. Linek) und dem „Psalm XIX“ (Benedetto
Marcello) folgten zwei schwungvolle
Stücke, welche wiederum von der Orgel
begleitet wurden.
Interessante Details
zu den Kirchenglocken
Abschließend wurden dem Publikum einige
sehr interessante Fakten zu den Terlaner
Kirchenglocken näher gebracht: Zwei
der Glocken werden heuer 30 Jahre alt,
nämlich die „Enzenberg-Glocke“ im großen
Turm (144 kg) und die „Kleine“ im kleinen
Turm (61 kg).
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Terlan
zeitweise überhaupt nur mehr zwei
Glocken, nämlich das „Zügenglöckchen“
(52 kg, gegossen 1772) und die „Große“:
Letztere wurde bereits im Jahr 1700 gegossen,
also vor genau 325 Jahren, und
bringt stolze 2.350 kg auf die Waage. Sie
hat also den Kampf Andreas Hofers gegen
die Truppen Napoleons miterlebt, die
Schieflage des Kirchturms überstanden,
beide Weltkriege überlebt und bisher 13
Generationen von Terlanern von der Taufe
bis zur Beerdigung begleitet.
Großes Finale
auf dem Dorfplatz
Um diese Anlässe zu feiern, begab sich die
Kapelle samt Publikum nochmals auf den
Dorfplatz, wo mit einem Auszug aus der
„Overture 1812“ von P.I. Tschaikowsky ein
furioses Werk zum Besten gegeben wurde.
Nach einer ruhigen, gebetsartigen Einleitung
erklangen sämtliche Kirchenglocken
zugleich, während die Schützenkompanie
in atemberaubender Geschwindigkeit
Schüsse aus der Böllerkanone abfeuerte
und die Musikkapelle im Fortissimo gegen
diese Klangkulisse anspielte. Als der
letzte Ton verhallte und sich der Kanonenrauch
langsam legte, konnte man in die
beeindruckten Gesichter des begeisterten
Publikums blicken, und Stille kehrte unter
dem Terlaner Nachthimmel ein – zumindest
bis zum nächsten Läuten der Kirchenglocken.
Daniel Geier
Mehrere berührende Werke wurden in der Pfarrkirche von Terlan aufgeführt
KulturFenster
45 06/Dezember 2025
gehört & gesehen
„Musik&Film“, das oscarreife
Projekt der MK Marling
Best 10 bei Juventus 2025 und Oscar-Gala im Zeichen des roten Löwen
Ein besonders kreativ gestaltetes und stimmungsvolles Konzert gab es bei der „Oscar-Gala“ wie auch beim darauffolgenden Familienkonzert
der MK Marling.
Fotos: Heinrich Leiter
Die Musikkapelle Marling hatte ihr Herbstprojekt
2024 mit einer umfangreichen Präsentation
für den Innovationspreis „JUVEN-
TUS“ eingereicht. Die über 30 Projekte, sehr
viele von Bezirks- oder Landesverbänden,
wurden von einer dreizehnköpfigen Jury bewertet.
Im Rahmen der ÖBV/ÖBJ-Lehrgänge
fand am vergangenen 11. Oktober die Preisverleihung
in Salzburg-Wals statt.
Die „Best 10“, darunter die MK Marling,
waren zur Verleihung eingeladen, zu der
eine vierköpfige Delegation anreiste. Alle
Projekte wurden kurz vorgestellt, die drei
Preisträger in den jeweiligen Kategorien
präsentierten ihre Initiative noch einmal
ausführlich.
Für die „Stockerlplätze“ hat es nicht ganz
gereicht, doch die Einladung, die Urkunde
und Auszeichnung aus den Händen des
ÖBV-Präsidenten Erich Riegler sind Anerkennung
genug für die Kreativität und
Leidenschaft, die hinter diesem Projekt
standen.
Das Projekt mit
glamourösem Abschluss
Die Oscar-Night, ein glamouröser Abend
ganz im Stile einer Oscar-Gala: roter Teppich,
Sektempfang, ausgewählte Filmmusik,
der Einsatz professioneller Licht- und
Tontechnik… und natürlich die Verleihung
der begehrten Statue. Keine Attrappe, sondern
eine eigene Trophäe, der „Marlinger
Löwe“. Als Vorlage diente hierfür der weit
über die Dorfgrenzen hinaus bekannte rote
Löwe, welcher am Kreisverkehr der Ortseinfahrt
zum etwas oberhalb gelegenen Dorfzentrum
blickt und zugleich Wappentier der
Gemeinde Marling ist. Die Musikkapelle Marling
wollte den Anlass der Oscar-Verleihung
nutzen, um verdiente Persönlichkeiten aus
dem Dorf, dem Verein und darüber hinaus zu
würdigen – darunter auch jene, die im Hintergrund
Großartiges geleistet haben, ohne
dabei im Rampenlicht zu stehen.
Die Geehrten in
den fiktiven Kategorien
Verdiente Personen und Gruppen wurden bei der „Oscar-Gala“ mit dem roten Löwen ausgezeichnet.
Sportsfreunde – ASV Tscherms Marling: erfolgreiche
Fußballmannschaft und zweimaliger
Aufstieg innerhalb kürzerster Zeit
Lebenswerk Kultur– Alois Arquin: langjähriger
Obmann der Musikkapelle Marling,
Präsident des Tourismusvereins, unermüdlicher
Einsatz für sein geliebtes Dorf
Newcomer – die Jungmusikant*innen der
MK Marling, stellvertretend verliehen an
Jugendleiterin Julia Fill
KulturFenster
46 06/Dezember 2025
Blasmusik
Comeback des Jahrzehnts – Gaston Waldner:
seit nunmehr fast 60 Jahren Mitglied
der Musikkapelle. Trotz zahlreicher gesundheitlicher
Schwierigkeiten hat er nie aufgehört,
seiner großen Leidenschaft – dem
Musizieren – nachzugehen und sich immer
wieder in die Reihen der Kapelle zurückgekämpft.
Frischer Wind – für Florian Schmalzl: Hobbymeteorologe
und Internetberühmtheit
aus Marling
Bestes Ensemble – Klarinetten und Saxophone:
Sie wurden durch ein Live-Publikumsvoting
zum Sieger der Kategorie
gekürt.
Zwei Überraschungslöwen gab es auch,
einmal für den MV Dewangen (D) für die
20-jährige musikalische Freundschaft und
für Beste Regie/Produktion – Kapellmeister
Hannes Schrötter für die Gesamtleitung und
intensive Vorbereitung auf die Konzerte.
Live-Voting
und Familienkonzert
Ein Höhepunkt war sicher das Live-Voting
für das beste Ensemble. Im Laufe des Galaabends
hat jedes Register ein Stück Filmmusik
mehr oder weniger groß inszeniert
vorgetragen, und das Publikum stimmte
via QR-Code ab.
Beim Innovationspreis „JUVENTUS“ zwar nicht ganz vorne mit dabei, konnte die MK Marling
doch stolz auf die Platzierung unter den „Top Ten“ sein.
Eine besondere Überraschung war der
Auftritt des musikalischen Nachwuchses
der Kapelle. Sie spielten drei Stücke, zwei
davon mit der „großen“ Musikkapelle. Der
Bühnenbereich wurde mit Schwarzlicht
ausgeleuchtet, die Jungmusikanten mit
fluoreszierenden Kleidungsstücken leuchteten
hell in der Dunkelheit.
Das Familienkonzert am darauffolgenden
Tag war keine Wiederholung, sondern ein
Erlebnis für Klein und Groß. Dazu beigetragen
haben die familienfreundliche
Spielzeit (Sonntag, 18 Uhr), die Anpassung
des musikalischen Programms, die
kindgerechte Moderation, der Einbau interaktiver
Elemente und Mitmachaktionen,
z.B. Quizspiel im Stil von „1, 2 oder 3“, die
gemeinsame Suche nach dem verlorenen
Taktstock, die Vorstellung der verschiedenen
Instrumente und eine Fotowand
mit lebensgroßen Filmfiguren.
Thomas Hölzl
BLASMUSIK
CHORWESEN
HEIMATPFLEGE
in Südtirol
Aboaktion
Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab
September 1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler
Volkskultur“ und seit 2008 als „KulturFenster“ lebendig, bunt und vielfältig
über die Musikkapellen, die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und
das Trachtenwesen in Südtirol derzeit in einer Gesamtauflage von rund
3.300 Stück pro Ausgabe.
Sie möchten keine
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Sie bekommen das „KulturFenster“ sechs Mal im Jahr
direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen
finden Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.
KulturFenster
47
06/Dezember 2025
gehört & gesehen
Gemeinsames Jubiläumsfest
in Niederdorf
175 Jahre Musikkapelle und 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr
Freitag, den 25.Juli – trotz Regenwetters und
für Juli relativ kühler Temperaturen ließ man
sich nicht beirren und startete mit großer
Zuversicht in das Jubiläumsfest.
Der Bierfassanstich – daraus wurde eine
nicht enden wollende Bierdusche – wurde
vom Kulturlandesrat Philipp Achammer
vorgenommen. Vor Ort war auch das Fernsehteam
von ORF „Südtirol heute“ mit Moderatorin
Sabine Amhof, das den Festbeginn
mit Interviews am selben Tag live in
die Südtiroler Haushalte übertrug. Musikalisch
startete man den Festbetrieb mit der
Gruppe „Die Blechzinnen“. Anschließend
heizte die Band „Die Jung Puschtra“ die
Stimmung im gut gefüllten Festzelt kräftig
an. Der Samstag stand ganz im Zeichen
der Blaulicht-Organisationen. Abgerundet
wurde der zweite Tag im Festzelt mit Musik
der „Niederdorfer Böhmischen“, der
Gruppe „Brässluft“ und der wiedererstandenen
Partyband „Down Village“.
Jubiläum mit Festgottesdienst
und Festakt
Am Sonntag – pünktlich um 8 Uhr – erfolgte
der Empfang der Verbandsfahne des
Verbandes Südtiroler Musikkapellen (VSM),
der Ehrengäste, der Fahnen und der vielen
Abordnungen von den benachbarten
wie befreundeten Musikkapellen und Feuerwehren
vor dem Gerätehaus. Ortspfarrer
Josef Gschnitzer zelebrierte den Festgottesdienst
und fand lobende Worte für
beide jubilierenden Vereine. Beim Festakt
berichteten Feuerwehr-Kommandant
Werner Plack und Musikobmann Robert
Burger von der Geschichte und der angestrebten
Zukunft ihrer Vereine. Grußworte
an die Anwesenden richteten Bürgermeister
Günther Wisthaler, VSM-Obmann Pepi
Ploner und der Landesfeuerwehrpräsident
Martin Künig. Eine motivierende und ebenso
bürgernahe wie anerkennende Festrede
hielt die Landeshauptmann-Stellvertreterin
Rosmarie Pamer. Geehrt fühlten wir
uns durch die Anwesenheit vieler Ehrengäste
aus Politik, Blasmusik- und Feuerwehrwesen.
Als große Ehre haben wir auch
empfunden, dass aus unserem Gebiet fast
alle Fahnenabordnungen vertreten waren
sowie jene der befreundeten Kapelle aus
Cortina D’Ampezzo. Musikalisch umrahmt
wurde die Feier in ansprechender Weise
mit ortsbezogenen Musikstücken durch
die Jubelkapelle selbst unter der Leitung
von Kapellmeister Simon Burger.
Höhepunkt mit Festumzug
und Konzerten
Festwagen
zum großen
Jubiläum der
MK Niederdorf
Ein glanzvoller
Auftritt
der Jubelkapelle
Niederdorf
beim Festumzug
Anschließend begann der große Festumzug
durch das Dorf unter dem Motto „Feuerwehr
im Laufe der Jahrhunderte & 175
Jahre Musikkapelle“. Gefallen fanden
nicht nur die vier von Pferdegespannen
gezogenen schönen Festwägen, sondern
auch die vielen historischen sowie modernen
Geräte der Feuerwehren. Im Festumzug
eingebettet war am Anfang die Jubelkapelle
selbst, ebenso die Musikkapellen
Innichen und Luttach, die Stadtmusikkapelle
Wilten/Innsbruck, die Wurzelkapelle
aus Wahlen/Toblach und zum Abschluss
die Freiwillige Feuerwehr in voller Stärke
mit den Patinnen und den Ehrenmitgliedern.
Im Festzelt konzertierten die MK
Luttach (Kpm. Patrick Künig), die MK Innichen
(Kpm. Korbinian Hofmann) und
als Höhepunkt die Stadtmusikkapelle Wilten
mit Kpm. Raimund Walder. Zum krönenden
Festabschluss spielte die Musikgruppe
„Rifflblech“ auf. Mit viel Spannung
verfolgt wurde auch die öffentliche Ziehung
aller Gewinnerlose der Lotterie.
Es war für uns Verantwortliche beider Vereine
eine große Genugtuung zu verspüren,
wie viel Unterstützung, Anerkennung und
Wohlwollen wir erfahren durften.
Robert Burger
Obmann der MK Niederdorf
KulturFenster
48 06/Dezember 2025
Blasmusik
„Southbrass“ feiert
10-jähriges Bestehen
Jubiläumsfest mit vielen musikalischen Überraschungen in Meransen
Ein Jahrzehnt voller Musik, Leidenschaft
und mitreißender Blasmusik: Die Südtiroler
Formation „Southbrass“ feiert am 28. Februar
2026 ihr 10-jähriges Bestehen. Für
das große Jubiläum hat die Band ein außergewöhnliches
Festprogramm zusammengestellt,
das Musikfreunde aus ganz Südtirol
– und darüber hinaus – anlocken dürfte.
Hochkarätiges Line-up
Die Feier beginnt um 15 Uhr in der Veranstaltungshalle
Meransen. Auf die Besucher
wartet ein abwechslungsreiches
Line-up, das sowohl traditionelle als auch
moderne Klänge vereint.
Für die passende musikalische Vielfalt
sorgen namhafte Gruppen aus der Blasmusikszene:
➤ Brauhaus Musikanten
➤ Kaiser Musikanten
➤ Hutter Family & Friends
➤ Southbrass Family – die Jubiläums-
Spezialformation „Southbrass“ mit ihren
Eltern gemeinsam auf der Bühne
➤ DJ Giannex – mit exklusiven Southbrass-Specials
➤ Und selbstverständlich: Southbrass
selbst
„Southbrass"
lädt zum
großen Treffen
mit Musikfreunden.
Damit verspricht das Jubiläumsfest beste
Unterhaltung, ausgelassene Stimmung
und viele musikalische Überraschungen
bis tief in die Nacht.
Attraktive
Angebote für Musikkapellen
Musikkapellen profitieren von einem vergünstigten
Gruppenpreis ab zwölf Personen.
Teilnehmende erhalten nicht nur
Zutritt zum gesamten Programm, sondern
auch ein Los im Wert von 5 Euro.
Zu gewinnen gibt es unter anderem:
➤ einen Live-Auftritt von Southbrass,
➤ zwei Übernachtungen im Chalet Kirchwies
inklusive Hubschrauberflug,
➤ drei Nächte auf der Campedel Schwaige
auf der Seiser Alm.
Zudem können Musikkapellen einen oder
mehrere Tische reservieren – ideal für Vereinsausflüge
und gemeinsame Feiern.
Workshops am Vortag
Bereits am 27. Februar bietet „Southbrass“
exklusive Workshops an. Diese richten sich
an interessierte Musikerinnen und Musiker,
die ihr Können vertiefen möchten. Die
Teilnahme gilt als besondere Gelegenheit,
von erfahrenen Profis Einblicke in Technik,
Stilistik und musikalische Bühnenarbeit
zu erhalten.
Ein spezieller Termin
für alle Blasmusik-Fans
Mit einem starken Programm, besonderen
Jubiläumsaktionen und zahlreichen musikalischen
Höhepunkten wird der Nachmittag
und Abend in Meransen zu einem
unvergesslichen Erlebnis. „Southbrass“
lädt alle Musikfreunde ein, mitzufeiern,
mitzusingen und diesen besonderen Meilenstein
gemeinsam zu begehen.
Alle Infos & Tickets verfügbar unter:
southbrass.com/fete
Details zu den Workshops:
southbrass.com/workshop
Alexander Egger (Southbrass)
KulturFenster
49 06/Dezember 2025
hinausgeblickt
bewegt
78. VSM-Mitgliedervollversammlung
Waltherhaus, Bozen
https://vsm.bz.it
14.03.2026
persönlich
In die Klarinette
verliebt
Der VSM-Bezirk Meran gratuliert
Josef Egger zum 80er
Josef Egger, mit 80 Jahren ein junggebliebener
vielseitiger Musiker
„Eigentlich wollte ich Fußballer werden,
verliebte mich jedoch mit 15 Jahren in die
Klarinette“, sagt Josef Egger, der Altbauer
vom Graberhof in Nals. Am 30. November
feierte er seinen 80. Geburtstag.
Bereits sein Vater und sein Großvater waren
Klarinettisten der Bürgerkapelle Nals.
So trat auch der kleine Seppl in deren Fußstapfen
und war fortan fasziniert von diesem
Instrument. 25 lange Jahre dirigierte
er seine Heimatkapelle und stand auch am
Dirigentenpult der Musikkapellen von St.
Michael Eppan und Zwölfmalgreien. Nun
ist er wieder als Bläser in den Reihen der
BK Nals und bereichert diese mit seiner
Musikalität und Rüstigkeit.
Als sehr wertvoll zu betrachten sind seine
ehrenamtlichen Dienste im Vorstand des
VSM-Bezirkes Meran. Er war von 1977 bis
1980 Jugendleiterstellvertreter, von 1980
bis 1983 Jugendleiter und von 1983 bis
1998 Bezirkskapellmeister-Stellvertreter –
insgesamt 21 Jahre lang. Diese Funktionen
übte Sepp mit Eifer und Hingabe aus, zum
Wohle der Musikkapellen weit über den Bezirk
hinaus. Zudem war er viele Jahre ein
geschätzter und gern gesehener Referent
bei den Kapellmeisterkursen des VSM.
Seit 54 Jahren leitet Josef nun schon den
Kirchenchor von Nals und glänzt als Organist:
Er war der erste Südtiroler, der das
Staatsdiplom in Kirchenmusik absolviert
hat. Sein ausgeprägtes musikalisches Talent
bewies er auch als künstlerischer Leiter
der Musikfreunde Meran. Von 2007 bis
2016 stand er am Dirigentenpult des Orchesters,
wobei er vor allem Werke der Romantik
bevorzugte.
Lieber Sepp, zu deinem runden Geburtstag
wünschen wir dir viel Gesundheit und
Glück. Mögen dein sonniges Gemüt und
deine musikalische Leidenschaft uns noch
viele Jahre begleiten.
Albert Zerzer, Obmann-Stellvertreter
im VSM-Bezirk Meran
Ein Leben lang ...
In der Juniausgabe unseres KulturFensters (S.50) haben wir die 13 Musikanten ins Rampenlicht geholt, die seit 70 Jahren in der Kapelle
spielen. In der Zwischenzeit konnte der VSM diese Ehrung noch drei Mal vergeben:
Josef Lamprecht
MK Vernuer (Trompete) 2019
Friedrich Pomella
MK Kurtatsch (Tenorhorn) 2019
Josef Prister (+ 2024)
MK Kastelbell (Tenorhorn) 2019
Alois Laimer
MK St. Pankraz (Klarinette) 2021
Karl Adolf Laimer
MK St. Pankraz (Tuba) 2021
Heinrich Gabrielli
MK Auer (Tenorhorn) 2023
Alfred Reich
MK Platt (Flügelhorn) 2023
Kassian Urthaler
MK Percha (Flügelhorn) 2023
Emil Lechner
SK Meransen (Klarinette) 2023
Walter Reden
BK Sand in Taufers (Flügelhorn) 2024
Gottlieb Maas
MK Reschen (Tuba) 2025
Josef Nischler
MK Burgstall (Tenorhorn) 2025
Josef Oberschmied
MK Reischach (Klarinette) 2025
Franz Raich
MK Moos i.P. (Tenorhorn) 2025
Josef Scherer
MK St. Martin i.P. (Horn) 2025
Franz Windegger
MK Prissian (Klarinette) 2025
Foto: AlphaPhoto
Foto: fm
Foto: Roland Pircher
Seit 70 Jahren in
der Musikkapelle:
Josef Scherer,
Josef Nischler und
Franz Windegger
KulturFenster
50 06/Dezember 2025
Blasmusik
110 Punkte „cum laude“
für Samuel Oberegger
Erfolgreicher Bachelor-Abschluss in Blasorchesterleitung
Am vergangenen 24. Oktober fand das Bachelor-Prüfungskonzert
von Samuel Oberegger,
dem Kapellmeister der Bürgerkapelle
Gries, statt.
Samuel Oberegger (geboren 2002) besuchte
das Sprachengymnasium „Walther
von der Vogelweide“ mit Landesschwerpunkt
Musik in Bozen sowie parallel den
Kapellmeisterlehrgang an der Musikschule
Gries bei Georg Thaler. Seit Herbst 2022
studiert er am Konservatorium „Claudio
Monteverdi“ Klarinette bei Roberto Gander
sowie Blasorchesterleitung und Instrumentation
für Blasorchester bei Thomas
Ludescher. Er nahm an mehreren internationalen
Meisterkursen teil. In seiner
Bachelorarbeit, betreut von Thomas Ludescher,
befasste er sich mit der „Kunst
der Programmgestaltung: Dramaturgie als
Gestaltungsfaktor im Blasorchester“. Mit
großem Engagement leitet er seit Herbst
2023 die Bürgerkapelle Gries.
Abschluss mit
höchster Punktezahl
Bereits im ersten Prüfungsteil, der die Gestaltung
einer Probe umfasste, bewies Samuel
Oberegger sein Können. Er konnte rasch die
wesentlichen Elemente des Werkes „Deliverance“
von Etienne Crausaz herausarbeiten
und das Stück musikalisch so gestalten,
dass sein Charakter voll zur Geltung kam.
Mit der Bürgerkapelle Gries als Prüfungsorchester
zeigte Samuel Oberegger beim
darauffolgenden Konzert Talent in all seinen
Facetten. Auf dem Programm standen
die „Fanfare aus La Péri“ von Paul Dukas
für Blechbläserensemble, das ausdrucksstarke
Solokonzert „Sonorous“ von Peter
Diesenberger – meisterhaft gespielt von
Fagottistin Anna Furgler – „Capriccio“ von
Christian Janssen sowie das von ihm selbst
im Rahmen des Studienabschlusses komponierte
Stück „Esfera“. Die Bekanntgabe
des Prüfungsergebnisses wurde dann mit
großer Spannung erwartet: Die Kommission
bewertete die Prüfung mit der vollen
Punktezahl 110 cum laude.
Die Bürgerkapelle Gries gratuliert herzlich zu
diesem Erfolg und blickt mit viel Freude auf
weitere Konzerte und Projekte unter der musikalischen
Leitung von Samuel Oberegger.
Roland Furgler
Samuel Oberegger hochkonzentriert bei
der Prüfung
Als frisch gebackener „Bachelor“ freut sich Samuel Oberegger (Bildmitte mit Lorbeerkranz) mit der Bürgerkapelle Gries über seinen
großen Erfolg.
KulturFenster
51 06/Dezember 2025
entdeckt
Festmarsch (1884) von Richard Strauss
Instrumentiert für Blasorchester von Gottfried Veit
Gottfried Veit hat sich an die Bearbeitung
und Instrumentation einer Gelegenheitskomposition
von Richard Strauss herangewagt,
um den für Klavierquartett konzipierten
Festmarsch für Blasorchester
einzurichten. In kompetenter Weise wurden
hier die Stimmen den charakteristischen
Instrumentengruppen eines großen Blasorchesters
zugeteilt. Gottfried Veit schreibt
in der Einführung: „Da dieser Festmarsch
spieltechnisch nicht besonders anspruchsvoll
ist, bietet er sich förmlich an, für Blasorchester
instrumentiert zu werden.“ Entstanden
ist ein Werk, das sich von den
gebräuchlichen, traditionellen Konzertmärschen
abhebt und sich daher besonders
gut für wichtige, feierliche Anlässe wie
Eröffnungen und Segnungen von Einrichtungen,
Empfängen von Persönlichkeiten
usw. eignet.
In der Partitur sind alle im großen Blasorchester
besetzten Stimmen enthalten. Der
Marsch wurde jedoch so instrumentiert,
dass er auch ohne die sogenannten „Mangelinstrumente“
wie beispielsweise Oboe,
Fagott, Bassklarinette, Saxofone, bedenkenlos
gespielt werden kann. Das Stück steht
in klingendem B-Dur (ursprünglich um eine
große Terz höher) und das Trio in Es-Dur.
Erschienen ist dieses rund sechsminütige
Werk im DIN A4 Format im TATZER-
Musikverlag (A-2263 Waidendorf) in bester
Druckqualität. Es ist seit kurzem im
Fachhandel erhältlich.
Walter Cazzanelli
Gottfried Veit hat den Festmarsch (1884)
von Richard Strauss für Blasorchester
instrumentiert.
Feierlich und majestätisch
Die neue Prozessionsmarsch-CD der MK Innervillgraten
Vor allem bei kirchlichen Anlässen im
Freien spielt die Musikkapelle eine
wesentliche Rolle, sie schafft eine
feierliche Stimmung und bringt die
christliche Gemeinschaft zusammen.
Die Musikkapelle dient als Botschafter
in der regionalen Kultur, indem
sie lokale Melodien, die vor Ort entstanden
sind, erhält und die musikalische
Tradition pflegt und weitergibt.
1831 wurde die Musikkapelle Innervillgraten
genau aus dieser ehrenvollen
und zugleich herausfordernden
Aufgabe gegründet, nämlich
„um kirchliche Feste musikalisch zu
umrahmen.“ Feierlichkeiten außerhalb
des kirchlichen Rahmens kamen
erst später dazu, wie die Vereinschronik
erzählt. Vor mittlerweile 10 Jahren
hat die Musikkapelle eine Sammlung
von Trauermärschen auf der CD „Nachklänge“
veröffentlicht. Seit einiger Zeit ist
nun die Idee entstanden, einen Tonträger
mit Prozessionsmärschen aufzunehmen.
Gemeinsam mit dem Aufnahmeleiter Roland
Fuchs aus Anras und dem Tonstudio
Sound Service aus Lienz und unter der Leitung
von Johannes Schett wurde im vergangenen
Herbst das Probelokal kurzerhand
zum Tonstudio umfunktioniert. Vor
wenigen Wochen wurde die CD offiziell vorgestellt.
Sie vereint eine Auswahl majestätischer
und würdevoller Märsche, die mit
großer Sorgfalt ausgewählt wurden. Jeder
einzelne Titel ist darauf ausgelegt, die feierliche
Stimmung von Prozessionen
einzufangen – sei es im kirchlichen,
kulturellen oder festlichen Rahmen.
Zudem zeugen einige nur handschriftlich
im Notenarchiv der Kapelle
vorliegende Prozessionsmärsche von
der kreativen Schaffenskraft vergangener
Generationen, die es verdienen,
auch heute noch gespielt und
gehört zu werden. Das vergilbte Notenpapier
erzählt von einer Zeit, in
der Musik mit Feder, Tinte und viel
Herzblut festgehalten wurde. Das
Musizieren ist sehr speziell und die
zum Teil selbst komponierten Prozessionsmärsche
von Altkapellmeister
Josef Steidl jun. (Högger) mit Sicherheit
einzigartig.
Mit dieser Prozessionsmarsch-CD hat die
Musikkapelle Innervillgraten ein klingendes
Denkmal geschaffen, das zur Erhaltung
kirchlich, kulturellen Erbes beiträgt. Der
Tonträger ist im Label „col legno“ von Andreas
Schett erschienen und auch über
die Musikkapelle erhältlich.
Stephan Niederegger
KulturFenster
52 06/Dezember 2025
Blasmusik
Blas’ Musik ins Dorf!
Eine kreative Werbekampagne der Musikkapelle Dorf Tirol
Mit einer kreativen Werbekampagne hat
die Musikkapelle Dorf Tirol gezeigt, wie
Vereinsarbeit auch außerhalb des Probelokals
sichtbar werden kann.
Ziel der Aktion war es, die Musikkapelle
im Gemeindeleben stärker präsent zu machen
– besonders für jene Dorfbewohner
und Bewohnerinnen, die bisher keinen
direkten Bezug zum Verein hatten.
Im Mittelpunkt der Kampagne standen
elf hochwertige Fotomotive, die jeweils
ein Instrument in Szene setzten. Prägnante
Slogans und die klare Präsentation
des Instrumentennamens machten
jedes Plakat zu einem eigenständigen
Blickfang. Die Motive wurden an verschiedenen
Standorten in der Gemeinde
ausgehängt und luden Passantinnen und
Passanten dazu ein, die Vielfalt der Blasmusik
zu entdecken.
Ergänzend dazu wurde ein Werbevideo
produziert, das die Kampagne auf unterhaltsame
Weise abrundete.
Mit dieser charmanten Idee gelang
es der Musikkapelle Dorf
Tirol, Neugier zu wecken und
Kinder für ein Instrument zu
begeistern.
Hannes Schrötter
Besonders für Kinder wurde die Aktion zu
einem kleinen Abenteuer: Sie sollten alle
elf Motive in der Gemeinde suchen – und
wer alle gefunden hatte, erhielt als Belohnung
einen Eisgutschein.
Mit dieser charmanten Idee gelang es der
Musikkapelle Dorf Tirol, Neugier zu wecken
und Kinder für ein Instrument zu begeistern.
Die Bevölkerung begegnet der Musikkapelle
nun im Alltag immer wieder –
und wird so auf spielerische Weise an die
Welt der Blasmusik herangeführt.
Hannes Schrötter
Mit einer besonders kreativen Vorstellung
der Musikinstrumente wird in Dorf
Tirol um neue Mitglieder für die Musikkapelle
geworben.
KulturFenster
53 06/Dezember 2025
kurz notiert
Musikkapelle und Kirchenchor Latzfons
feiern das Fest der hl. Cäcilia
Festgottesdienst, Standkonzert und Festakt mit Ehrungen
Jedes Jahr feiern die Musikkapelle und
der Kirchenchor Latzfons traditionell das
Fest der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin
der Musik. Der diesjährige Festtag
am 16. November begann mit einem feierlichen
Gottesdienst. Anschließend gab
die Musikkapelle ein kurzes Standkonzert
auf dem Dorfplatz.
Beim anschließenden Festakt im Vereinssaal
mit gemeinsamem Mittagessen wurden
wieder Ehrungen vorgenommen:
Musikkapelle:
➤ 25 Jahre Mitgliedschaft: Sandra Meraner
(Klarinette) und Mirjam Waldboth
(Flöte)
➤ 40 Jahre: Norbert Waldboth (Tuba),
Josef Schrott (Trompete) und Thomas
Gantioler (Flügelhorn)
➤ 50 Jahre: Paul Meraner (Schlagzeug),
Georg Oberrauch (Klarinette), Franz
Oberrauch (Klarinette) und Leo Torggler
(Posaune)
Kirchenchor:
➤ 25 Jahre: Manfred Senn (Bass) und
Werner Mitterrutzner (Bass)
➤ 40 Jahre: Roswitha Prader (Sopran)
➤ 50 Jahre: Erna Stampfl (Sopran)
Roland Mitterrutzner
Alle Geehrten der Musikkapelle und
des Kirchenchors Latzfons auf einen
Blick
y.m.b. Vintl mit neuen Polo-Shirts
Einheitliches Erscheinungsbild dank Sponsoren
Die Jugendkapelle der Musikkapelle Vintl
„y.m.b. Vintl“ gibt es bereits seit 24 Jahren.
Sie besteht momentan aus 23 Mitgliedern
bei einem Durchschnittsalter von knapp
15 Jahren. Für die verschiedenen Auftritte
wurden neue Polo-Shirts bei der Firma
„Full Promotion“ in Brixen angekauft. Somit
ist es der Jugendkapelle auch weiterhin
möglich, ihr sichtbar geschlossenes Auftreten
bei Konzerten zu präsentieren. So waren
die Jungmusikant*innen bei den diesjährigen
Konzerten beim Kirchtag in Vintl,
beim Abendkonzert in Obervintl, beim Konzert
im Seniorenwohnheim Freyenthurn in
Mühlbach sowie beim Konzert im Nordtiroler
Polling beim 1. Jungmusiktag bereits neu
eingekleidet. Die Finanzierung der neuen
Polo-Shirts übernahmen die Sponsoren Rieper
und Dolomites Milk aus Vintl. Im Namen
aller Mitglieder der „y.m.b. Vintl“ gilt
ihnen ein herzliches Dankeschön.
Hannes Zingerle
Die Musikant*innen der JuKa Vintl präsentieren sich in neuen Polo-Shirts mit Ulrich
Marcher, Geschäftsführer von Dolomites Milk (1. von links), Katrin Rieper von der
Rieper Unternehmensleitung (hinten Mitte) und Hannes Zingerle, Jugendleiter der MK
Vintl (rechts)
KulturFenster
54 06/Dezember 2025
Neues Leben in alten Mauern
Die MK Taisten erhält neues Probelokal und das Dorf ein neues Zentrum
Der Festplatz samt Musikpavillon ist ein attraktiver Ort der Begegnung geworden.
Nach langer Vorbereitungs- und Planungszeit
ging mit dem neuen Festplatz samt Musikpavillon
und fixer Aufschankstruktur ein
langersehnter Wunsch der Taistner Bevölkerung
und der örtlichen Vereine in Erfüllung.
Die Musikkapelle Taisten bekam zudem
ein neues Probelokal, nachdem die
Halle der Feuerwehr nach deren Auszug
leergestanden hatte. Das Gesamtprojekt im
Ausmaß von 3,8 Millionen Euro wurde aus
gemeindeeigenen Mitteln und mit Landesgeldern
realisiert.
Die Eröffnung fand im Rahmen des traditionellen
Kirchtagsfestes Anfang September
Premiere im neuen Probelokal der MK Taisten: Hier lässt es sich gut musizieren!
statt. Beim Festakt nach dem Festgottesdienst
unterstrich Bürgermeister Dominik
Oberstaller die Bedeutung des neuen Musikpavillons
und Platzes als Orte der Begegnung
und des Miteinanders, wo mit
Konzerten, Veranstaltungen und Festen
das kulturelle Leben im Dorf bereichert
werden könne.
Landeshauptmann Arno Kompatscher würdigte
in seiner Rede das gelungene Projekt.
Es sei wichtig, dass alle Vereine des Dorfes
diese Struktur nützen können und somit
Zusammenhalt und Gemeinschaft aktiv gelebt
wird. Ihre Freude und Anerkennung
über diese wichtige kulturelle und soziale
Infrastruktur drückten auch die weiteren
Ehrengäste und Festredner aus, u.a. Senator
Meinhard Durnwalder, Verbandsobmann-Stellvertreter
und Obmann des Bezirks
Bruneck Johann Hilber und Taistens
Obmann der Musikkapelle Michael Prieth.
Im Anschluss segnete Pfarrer Paul Schwienbacher
die neuen Infrastrukturen, und die
zahlreichen Festbesucher ließen es sich
nicht nehmen, sie zu besichtigen und den
Anlass ausgiebig zu feiern.
Klaus Mairhofer
KulturFenster
55 06/Dezember 2025
Wir sind davon überzeugt, dass kulturelle
Bildung ein geeignetes Mittel ist, um gesellschaftlicher
Spaltung entgegenzuwirken, den
Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken
und sich für eine zukunftsgewandte, kulturelle
Vielfalt einzusetzen.
Deutsche Chorjugend
KulturFenster 56
06/Dezember 2025
Foto: SCV
motiviert
Singen ist Zukunft
Kreative Ansätze um Jugendliche für das Singen zu gewinnen
Wie gewinnt man Jugendliche für das Singen
im Chor? Diese alte und immer aktuelle
Frage erfordert immer neue und immer kreative
Antworten. Ein Blick ins deutschsprachige
Ausland zeigt, dass es viele Wege
und Möglichkeiten gibt, die auch erfolgreich
umgesetzt werden.
Besonders aktiv ist der Jugendverband
des Deutschen Chorverbands: Die Deutsche
Chorjugend vertritt rund 75.000 Kinder
und Jugendliche in etwa 2.500 Chören
und Ensembles. Was die Initiativen der
Deutschen Chorjugend besonders macht,
sind ihre niederschwelligen Angebote und
die Betonung des kulturellen und auch
gesellschaftspolitischen Auftrags der Jugendchöre,
der weit über das reine Singen
hinausgeht. Gerade dieses Bewusstsein ermöglicht
kreative Ansätze. So schafft die
Deutsche Chorjugend etwa mit Chören wie
„YouTH-Rock it!!!“ Räume, in denen Jugendliche
mit und ohne Behinderung zusammen
singen, sie setzt insgesamt auf
flache Hierarchien und auf die Zusammenarbeit
mit Schulen, wo sich Chöre auch im
Unterricht vorstellen. Erfolgreich ist auch
der „SingBus“, der durch Deutschland fährt
und Chormusik direkt zu Kindern und Jugendlichen
bringt und so auch Jugendliche
erreicht, die vorher nicht gesungen haben:
Er fährt direkt in Dörfer und Städte, baut
eine Bühne auf und lädt Kinder spontan
zum Mitmachen ein – auch jene, die bisher
keinen Zugang zu Chören hatten. Kinder
können spontan vorbeikommen, zuhören
oder gleich mitsingen.
Jugendliche, die
noch nie gesungen haben
Es gibt viele Möglichkeiten, Jugendliche für das Singen im Chor zu begeistern.
„Wir sind davon überzeugt, dass kulturelle
Bildung ein geeignetes Mittel ist,
um gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken,
den Zusammenhalt in der
Gesellschaft zu stärken und sich für eine
zukunftsgewandte, kulturelle Vielfalt einzusetzen.
Singen in einem Chor eignet
sich dahingehend ganz besonders, denn
es ist ein niedrigschwelliges und unmittelbares
Angebot kultureller Bildung und
wirkt gemeinschaftsstiftend über die musikalischen
Erlebnisse hinaus“, schreibt
die Deutsche Chorjugend auf ihrer Webseite.
Denn durch gemeinsames Singen
können junge Menschen eine Gemeinschaft
erleben, in der es nicht auf die geographische,
ethnische, ökonomische
oder soziale Herkunft, Hautfarbe, Erstsprachen,
Bildungsnähe oder -ferne, körperliche
und kognitive Voraussetzungen,
Geschlechts- oder Religionszugehörigkeit
ankommt, sondern es einzig darum geht,
miteinander Musik zu machen und eigene
Ideen zu verwirklichen. Im Rahmen des
Modellprojektes ‚Together! – Chor.Leben‘
haben sich deutschlandweit 14 Jugendchöre
mit Singbegeisterten gegründet, die
ganz unterschiedliche Motivationen, Hintergründe
und Visionen mitbringen und sowohl
den Gründungsprozess als auch die
Probenarbeit aktiv mitgestalten. Dabei steht
stets ein offener, aufsuchender Charakter
im Vordergrund: das Suchen von Wegen,
um Jugendliche gezielt in ihrer Lebenswelt
mit ihren Interessen anzusprechen.
So entsteht zum Beispiel ein Jugendchor,
der sich auf Videospiel-Musik konzentriert
Foto: Choriosum
und die Proben wie ein Videospiel gestaltet,
oder ein queerer Jugendchor, ein interdisziplinäres
Tanz-Chorprojekt, ein reiner
Mädchenchor, der sich mit Empowerment
auseinandersetzt, ein reiner Jungenchor,
der Jungs davon überzeugt, wie cool Singen
ist, zwei Mehrgenerationenchöre, bei
denen die Jugendlichen mit Jüngeren und
Älteren zusammenkommen, oder ein Jugendchor,
der ohne erwachsene Chorleiter
von sechs 15- bis 16-Jährigen ins Leben
gerufen wurde.
Chorsingen als gesellschaftspolitischer
Auftrag
Einen besonderen Ansatz der Förderung
des Chorgesangs bei Jugendlichen verfolgt
die Deutsche Chorjugend e.V. mit
dem Projekt „Chorleica – Jugendbeteiligung
leben!“. Sie will mit den Projekt-Wochenenden,
die in verschiedenen deutschen
Bundesländern stattfinden, nicht
nur junge Menschen zur Chorleitung hinführen,
sondern das Singen im Chorverein
auch als gesellschaftspolitischen Auftrag
57
KulturFenster 06/Dezember 2025
motiviert
sehen. Die Lehrgänge bieten Theorie und
Praxis für junge Menschen zwischen 16
und 26 Jahren an, die Grundlagen in der
Gestaltung von Proben sammeln und sich
als Chorleiter*innen ausprobieren wollen.
Gestaltung von Gruppensituationen, Erlebnispädagogik,
Umgang mit Konflikten, Willkommens-
und Mitgestaltungskultur, Aufsichtspflicht,
Musiktheorie, Führungsstile,
Jugendschutz, Datenschutz, Kinderschutz
und viele andere Themen stehen auf dem
Programm. Die Deutsche Chorjugend will
dabei nicht nur Chorleiternachwuchs „rekrutieren“,
sondern die Partizipation junger
Menschen in Chorvereinen und allgemein
die demokratische Mitbestimmung
fördern. Neben der Ausbildung in den
Lehrgängen haben alle Teilnehmenden
und Absolvent*innen die Möglichkeit, an
begleitenden Online-Veranstaltungen teilzunehmen
und diese mitzugestalten, etwa
zu Themen wie „Mobbing im Kinderchor“
oder „Diversität im Jugendchor“. Der Ansatz,
über das reine Singen hinaus den
gesellschaftspolitischen Auftrag der Chorarbeit
zu fördern, ist typisch für die Projekte:
Wie können wir unser Chorleben so
gestalten, dass sich wirklich alle willkommen
und sicher fühlen? Wie gestalten wir
unseren Choralltag so, dass alle Stimmen
Gehör bekommen? Der erste Schulungs-
Durchlauf fand 2024 statt und wurde auch
in diesem Jahr fortgesetzt.
Gesangsabzeichen
Fotos: SCV
und musiktheoretische Kompetenzen und
nehmen dann eine entsprechende Prüfung
ab. Die erlernten Kompetenzen in
„Stimmpraxis“, „Stimmbildung“, „Rhythmik
& Gehörbildung“ und „Musiklehre“
werden mit einem Abzeichen zertifiziert.
So werden regelmäßig Ausbildungen im
Chorsingen angeboten, welche die Teilnehmenden
dazu befähigt, kompetent mit
der eigenen Stimme umzugehen, sich Musikstücke
selbständig zu erschließen und
musikalische Anweisungen der Chorleitenden
in der Probe besser umzusetzen.
Mit diese „Ausbildung im Chorsingen bekommt
das Chorsingen in der Gesellschaft
eine Wertigkeit. Die Transparenz der Fähigkeiten
unterstützt die Wertschätzung
der Leistungen der Jugendlichen“, sagt
Alexandra Becker, eine der Pilotprojektleiterinnen.
Paul Bertagnolli
Neben dieser auf Gemeinschaft und Inklusion
fokussierten Initiativen fördert die
Deutsche Chorjugend den Chorgesang in
der Jugend über eine andere, wohl ebenso
wichtige Schiene, nämlich der Begeisterung,
die durch Können und Leistung entsteht.
Die „D-Ausbildung im Chorsingen“
ist ein Ausbildungsprogramm, das Chorleitende
ihren Sänger*innen anbieten. Die
Ausbildner*innen erarbeiten gemeinsam
mit den Jugendlichen gesangspraktische
Redaktionsschluss für
die nächste Ausgabe des
Aus der Redaktion
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen
senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter
folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)
„KulturFensters“ ist:
Freitag, 16. Jänner 2026
58
KulturFenster 06/Dezember 2025
SCV-Intern
„Unsere Kinder haben die
Bühne gerockt“
Next Generation: Wenn Sänger*innen mit ihren Kindern singen
Sänger*innen geben gemeinsam Konzerte
mit ihren Kindern: Diese Idee hatte das
Vokalensemble „Choriosum“ und setzte
sie Anfang Oktober und Ende November
mit mehreren Konzerten unter dem Motto
„Next Generation“ um.
42 Töchter und Söhne sangen gemeinsam
mit ihren Eltern auf der Bühne und begeisterten
im erweiterten Choriosum-Chor rund
1.500 Zuhörer*innen mit Rockklassikern
wie Eye of the Tiger, modernen Pop-Songs
wie Titanium und gefühlvollen Balladen wie
„Shallow“ oder bekannten Coldplay-Hits.
„Die Rückmeldungen aus dem Publikum
waren überwältigend“, freut sich Hannes
Knollseisen, der Chorleiter von Choriosum.
KulturFenster: Wie kam es zum Projekt
„Next Generation“?
Hannes Knollseisen: Die Idee entstand
schon vor rund zehn Jahren – damals waren
die Kinder unserer Sänger*innen aber
noch zu klein. Jetzt war der richtige Zeitpunkt
gekommen: Mit Kids und Jugendlichen
zwischen vier und 26 Jahren hatten
wir endlich genug Nachwuchs, um so
ein Projekt zu wagen. Wir wollten die Begeisterung,
die uns als Chor seit Jahren
verbindet, an die nächste Generation weitergeben.
Viele unserer Mitglieder haben
eigene Kinder, und diese sind mit unseren
Proben, Konzerten und Tourneen aufgewachsen.
Es lag also nahe, sie selbst einmal
auf die Bühne zu holen. Ziel war es,
jungen Menschen zu zeigen, wie bereichernd
gemeinsames Singen sein kann –
musikalisch, aber auch menschlich. Next
Generation sollte Brücken schlagen zwischen
den Generationen, zwischen Erfahrung
und jugendlicher Energie – und ich
glaube, das ist uns tatsächlich gelungen.
KF: Das Projekt war aber sicher auch eine
Herausforderung für Sie als Chorleiter.
Knollseisen: Die erste Probe mit den Kindern
und Jugendlichen fand bereits vor
eineinhalb Jahren statt. Zunächst ging es
darum herauszufinden, wie die Stimmen
klingen, wie sie in den verschiedenen Registern
verteilt sind und ob es überhaupt
möglich ist, mit ihnen einen mehrstimmigen
A-cappella-Satz zu singen. Viele
hatten kaum oder gar keine Chorerfahrung,
also habe ich in dieser ersten Phase
einfach ausprobiert, was möglich ist – und
versucht zu verstehen,
welches Potenzial in
den jungen Stimmen
steckt. Auf
dieser Grundlage
habe ich
das Projekt konzipiert und das Repertoire
ausgewählt.
KF: Woran erinnern Sie sich besonders
gerne?
Knollseisen: Vor der ersten Probe hatte
ich etwas Sorge, dass ich vor einer Schar
von Kindern und Jugendlichen stehen
würde, die nur gekommen waren, um
ihren Eltern einen Gefallen zu tun und
eigentlich gar keine große Lust auf Chor
haben. Doch ich wurde schnell eines
Besseren belehrt. Es war berührend zu
sehen, mit welcher Freude und Energie
sie dabei waren. Das Strahlen in ihren
Gesichtern während der Proben hat
deutlich gezeigt, wie sehr ihnen das gemeinsame
Singen und unsere besondere
Gemeinschaft guttun. Für mich steht nun
endgültig fest: Das Singen im Chor hat
eine große Zukunft – gerade für die
nächste Generation! Zudem war ich
beeindruckt – und ehrlich gesagt
auch erleichtert – zu erleben, wie
sehr sich unser Nachwuchs von
Probe zu Probe gesteigert hat.
Sie haben jedes musikalische
Detail mit erstaunlicher Offenheit
aufgenommen und in kurzer Zeit
ein beachtliches Niveau erreicht.
KF: Wie verliefen die Konzerte?
Knollseisen: Das Konzert war so
aufgebaut, dass zunächst Choriosum
wie gewohnt auf der
Bühne stand. Erst nach einigen
Liedern kamen die Jugendlichen
dazu – und
dieser Moment war jedes
Mal magisch. Mit
Hannes Knollseisen,
Chorleiter von Choriosum:
„Wir werden
auch in Zukunft Jugendprojekte
planen!“
KulturFenster 59
06/Dezember 2025
SCV-Intern
Die Kinder der Choriosum-Sänger*innen begeisterten das Publikum mit ihrer Energie.
Fotos: Choriosum
Schwung stürmten sie die Bühne und
mischten sich zwischen die Choriosen.
Ab da war nichts mehr wie zuvor. Die Kids
(4–10 Jahre), die Teens (11–14 Jahre)
und die Jugendlichen (15–26 Jahre) haben
uns regelrecht die Show gestohlen.
Trotz voller Säle, Rampenlicht und keinerlei
Bühnenerfahrung standen sie dort mit
unglaublicher Energie und strahlenden
Gesichtern – sie haben die Bühne einfach
gerockt. Das waren wirklich bewegende
Abende, die wir alle nicht so schnell vergessen
werden.
KF: Die Konzerte sind beim Publikum
gut angekommen – geht dieses Projekt
weiter?
Knollseisen: Ein Projekt mit über 80
Sänger*innen auf die Beine zu stellen,
ist organisatorisch enorm komplex – vor
allem, wenn einige der Teilnehmenden im
Ausland leben. Aber die Resonanz war
so positiv, dass wir uns entschlossen haben,
Ende November ein Zusatzkonzert
zu organisieren. Und bereits zwei Wochen
nach Bekanntmachung waren alle 450 Tickets
für das Konzert in Eppan ausverkauft.
Unser Obmann Reinhard Feichter
und der gesamte Vorstand haben hier
großartige Organisations- und Koordinationsarbeit
geleistet. Mit diesem Zusatzkonzert
haben wir das Projekt vorerst abgeschlossen
– aber eines steht fest: Die
Nachwuchsförderung soll keine einmalige
Aktion bleiben.
Wir haben gesehen, wie viel Potenzial in
diesen jungen Stimmen steckt – und das
möchten wir auch in Zukunft weiter begleiten
und fördern.
Interview: Paul Bertagnolli
Diese Mitgliedschöre
suchen eine neue Chorleitung
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60
KulturFenster 06/Dezember 2025
Chorwesen
Seit 15 Jahren
Botschafter der Chormusik
Jubiläumskonzert des Landesjugendchors Südtirol im Meraner Kurhaus
Der Landesjugendchor Südtirol unter der Leitung von Johann van der Sandt beim Jubiläumskonzert im Meraner Kurhaus
Foto: Paul Bertagnolli
„Der Landesjugendchor ist seit 15 Jahren
Aushängeschild und Botschafter der Chormusik
in Südtirol, und darüber hinaus und
das äußerst erfolgreich!“ So beschrieb der
Obmann des Südtiroler Chorverbandes Erich
Deltedesco bei seiner Begrüßung den Chor,
der 2010 in Zusammenarbeit mit dem Verband
der Kirchenmusik und den Musikschulen
gegründet worden war.
Seither singen im Landesjugendchor
Sänger*innen im Alter zwischen 16 und 28
Jahren aus allen Landesteilen anspruchsvolle
Werke und erleben eine Gemeinschaft,
die sie auch nach dem Verlassen
des Chors aus „Altersgründen“ nie vergessen
werden, wie die Sänger*innen bei
der Moderation des Jubiläumskonzerts am
4. Oktober im Meraner Kurhaus betonten.
Gemeinsam mit ihrem Künstlerischen
Leiter Johann van der Sandt brachten
sie zum Großteil zeitgenössische
Komponisten
und afrikanische
Spirituals zur
Aufführung, ein Markenzeichen
des Landesjugendchors.
Aber
auch ein Tanzlied
des Südtiroler Komponisten
Sepp Unterhofer
sangen und
tanzten sie, und auch
„Heast es net“ von Hubert von Goisern erklang.
Eine perfekte Choreographie gab es
beim Ohrwurm „Jerusalema“. Zwischen
den Liedern blickten die Sänger*innen
auf die Höhepunkte der 15 Jahre zurück,
darunter die erfolgreiche Teilnahme
beim Chorwettbewerb
„Praga cantat“
oder die gemeinsame
Chorreise nach
Südafrika in diesem
Sommer.
Ein Höhepunkt des
Konzerts war der gemeinsame
Auftritt
mit ehemaligen Mitgliedern
des Landesjugendchors
und
dem ersten Künstlerischen Leiter Stefan
Kaltenböck.
Paul Bertagnolli
KulturFenster 61
06/Dezember 2025
SCV-Intern
Bezaubernder
Abschluss in Brixen
Landeskinderchor und Landesjuniorchor begeistern
Der Südtiroler Chorverband hat sein Versprechen
eingelöst: Gemeinschaft und pure
Freude am Gesang standen im Mittelpunkt
des großen Konzertes des Landeskinderchores
und des Landesjuniorchores. Am
30. November präsentierten die jungen
Talente im restlos gefüllten Parzivalsaal
des Vinzentinums in Brixen die Früchte intensiver
Probenarbeit und bewiesen, dass
gemeinsames Singen wirklich "noch viel
toller" ist.
Ein erfolgreicher
Abschluss
Das Konzert markierte den krönenden
Abschluss der ersten Probenphase des
Landeskinderchores und des Landesjuniorchores
2025. Die Begeisterung der Kinder
und Jugendlichen war im Saal deutlich
spürbar.
Der Landeskinderchor (36 Sängerinnen
und Sänger von der 3. Grundschule bis
zur 1. Mittelschule) unter der Leitung von
Renate Unterthiner und Franziska Seiwald
präsentierte ein charmantes Programm.
Renate Unterthiner berichtete: „Wir haben
uns vor allem auf Kanons, ein- bis
zweistimmige Lieder konzentriert, darunter
viele deutsche Lieder und Volkslieder,
teils sogar im Dialekt.“ Die Motivation der
jungen Sänger sei fantastisch gewesen,
sie hätten mit spürbarer Freude gesungen
und fantastisch mitgemacht.
Die 39 Mitglieder des Landesjuniorchores
(2. Mittelschule bis 2. Oberschule) unter
der Leitung von Waltraud Pörnbacher
stimmten ein abwechslungsreiches
Repertoire an, das von englischen und
deutschen Liedern bis hin zu Volksliedern
reichte.
Waltraud Pörnbacher bestätigte die positive
Erfahrung: An mehreren Probenwochenenden
wurden die Kinder und Jugendlichen
spielerisch an einen bewussten
Umgang mit ihrer Stimme herangeführt
und konnten so in der Gemeinschaft die
Freude am Singen erfahren.
Mit ihren Liedern begeisterten der
Landeskinderchor und der Landesjuniorchor
das zahlreich erschienene
Publikum. Foto: Südtiroler Chorverband
Freude steht im Mittelpunkt
Das zentrale Credo des Projekts fasste Renate
Unterthiner zusammen: „Im Zentrum
stehen der Spaß und die Motivation der Kinder
und Jugendlichen am Singen, ganz unabhängig
von Begabung und Vorbildung.“
Das Brixner Publikum konnte sich davon
überzeugen und an dieser sprühenden
Freude teilhaben. Als Höhepunkt des
Abends trugen die beiden Chöre neben
ihren umfangreichen Einzelprogrammen
auch drei gemeinsam einstudierte Lieder
vor und sorgten so für einen unvergesslichen
musikalischen Abend. Ein herzlicher
Dank geht an die Stiftung Südtiroler Sparkasse
für die finanzielle Unterstützung.
Paul Bertagnolli
KulturFenster 62
06/Dezember 2025
Chorwesen
Meran bringt
den Kursaal zum Klingen
Klangvoller Erfolg – mit 250 Musiker*innen und Sänger*innen
Zum ersten Mal mit Orchesterbegleitung durften die Kinder der Musikschule Meran/Passeier und Lana/Ulten beim Konzert der Musikfreunde
Meran singen.
Foto: Südtiroler Chorverband
Unter dem enthusiastischen Motto „Musik
für Groß und Klein“ verwandelten am Sonntag,
den 30. November 2025, rund 250 Mitwirkende
– Kinder und Erwachsene – den
Meraner Kursaal in einen Ort des gemeinsamen
Klangs.
Das beeindruckende Herbstkonzert des
Orchesters der Musikfreunde Meran unter
der Leitung von Michael Hillebrand war
das Ergebnis einer gewinnbringenden Kooperation
mit dem Südtiroler Chorverband
und den Musikschulen Meran/Passeier
und Lana/Ulten.
Nach einer stimmungsvollen Ouvertüre
des Orchesters selbst, betraten die jungen
Talente der beiden Musikschulen
die Bühne. Sie präsentierten mitreißende
Lieder aus dem beliebten Liederbuch „Singen
macht Spaß“.
Ein Geschenk
für die jungen Stimmen
Dieses Liederbuch wurde vom Südtiroler
Chorverband in Zusammenarbeit mit der
Landesmusikschuldirektion herausgegeben
und jedem teilnehmenden Kind vom
Chorverband als Geschenk überreicht – ein
Zeichen der Wertschätzung für die junge
Sängerschaft.
Die farbenfrohen und dynamischen
Orchester-Arrangements für die Kinderchöre
stammten aus der Feder von
Ivan Marini.
Das Gemeinschaftskonzert unterstrich einmal
mehr die Freude am Musizieren und
die erfolgreiche Vernetzung der musikalischen
Kräfte in Südtirol.
Paul Bertagnolli
KulturFenster 63
06/Dezember 2025
persönlich
„Musik ist ein Anker,
der mich erdet“
Im Sommer 2026 wird erstmals Franziska
Kuba, Professorin für Chorleitung an der
Hochschule für Musik in Detmold (D), die
Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis
leiten.
Seit 2018 leitet sie den Kammerchor Vocalconsort
Leipzig. Ihre Leidenschaft für
zeitgenössische und Alte Musik spiegelt
sich auch in der Gründung des Ensembles
Neue Kammer wider. Dieses Ensemble verfolgt
innovative, publikumsnahe Konzertformate.
Als gefragte freie Dirigentin war
Franziska Kuba bereits an vielen prestigeträchtigen
Häusern tätig.
Die Dirigentin Franziska Kuba
KulturFenster: Wie möchten Sie sich den
Südtiroler Sänger*innen vorstellen?
Franziska Kuba: Ich lebe mit meinem Mann
und unseren drei Kindern in Leipzig. Mein
beruflicher Weg hat mich nach einem Studium
der Schulmusik und Geschichte,
des Chordirigierens und Gesangs in Leipzig
und Weimar über viele Stationen in die
Chorlandschaft geführt – von der Arbeit mit
professionellen Ensembles wie dem WDR
Rundfunkchor, dem Rundfunkchor Berlin,
dem Chor der Oper Leipzig bis hin zur
Gründung eigener Formate. Ich leite das
Vocalconsort Leipzig sowie das Ensemble
Neue Kammer und bin seit 2022 Professorin
für Chorleitung an der Hochschule
für Musik Detmold.
KF: Sie werden im Sommer die Chor- und
Stimmbildungswoche in Südtirol leiten.
Kennen Sie Südtirol bereits?
Kuba: Ja, ich durfte Südtirol schon auf besondere
Weise erleben – ich bin einmal
den E5 von Oberstdorf bis nach Meran
gewandert. Nach der langen Wanderung
über die Alpen war es besonders schön,
endlich in Südtirol anzukommen, labende
Kühe auf den Weiden zu sehen, Berge und
gute Luft zu genießen.
KF: Wie haben Sie persönlich den Weg zu
Musik und Gesang gefunden?
Kuba: Musik war und ist immer Teil meines
Lebens. Ich bin in einer Familie aufgewachsen,
in der viel gesungen wurde, und habe
früh in Gemeindechören mitgesungen. Besonders
prägend war meine Zeit im Landesjugendchor
Niedersachsen – dort habe
ich erlebt, dass gemeinsames Singen mein
Herz öffnet, tiefe Emotionalität anrührt und
Gemeinschaft stiftet. Im Studium der Schulmusik
habe ich dann entdeckt, dass meine
Leidenschaft vor allem im Leiten und Gestalten
von Ensembles liegt – das hat mich
seitdem nicht mehr losgelassen.
KF: Welche Musik hören Sie „privat“?
Musik war und ist immer Teil
meines Lebens. Ich bin in einer
Familie aufgewachsen, in
der viel gesungen wurde, …
Franziska Kuba
Kuba: Musik ist für mich ein Anker – etwas,
das mich in allen Lebenslagen begleitet,
trägt und erdet. Ich liebe Werke,
die Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit
verbinden – z.B. von Bach oder Poulenc,
aber auch vielen anderen.
KF: An welche Momente in ihrer Tätigkeit
als Chorleiterin denken Sie
besonders gerne?
Kuba: Besonders bewegend
sind für mich die
Momente im Probenprozess,
in denen spürbar
wird, dass alle im Chor das
gleiche Ziel verfolgen: unsere
Musik so gut wie möglich zu machen.
Es gibt dabei oft Augenblicke
voller Energie, Humor und Liebe.
KF: Was ist Ihnen als Dirigentin besonders
wichtig, wenn Sie mit Laienchören
arbeiten?
Kuba: Ich glaube an die Kraft der Begeisterung.
Entscheidend ist für mich, Menschen
musikalisch zu fordern und zugleich
zu fördern – immer in einer Atmosphäre
der Offenheit und Freude. Musik entsteht
für mich nicht aus Perfektion, sondern aus
Hingabe, Neugier und der Bereitschaft,
etwas miteinander zu gestalten.
Interview: Paul Bertagnolli
KulturFenster 64
06/Dezember 2025
Jung+
Stimmgewaltig
io
jahre
2014-2024
Der Kinder- und Jugendchor Oberrasen und „CHORrekt“ aus
dem Zillertal.
Foto: Kinder- und Jugendchor Oberrasen
oberrasen
Konzerte, Gottesdienste und Singen
..
mit anderen Choren
Zehn Jahre Kinder- und Jugendchor Oberrasen
Das Jubiläumsjahr 2024/25 war ein besonders
buntes und abwechslungsreiches Jahr
mit vielen interessanten Projekten.
Am 1. Adventssonntag 2024, dem Patrozinium
der Pfarrkirche in Oberrasen, gestalteten
wir gemeinsam mit dem Kirchenchor
den Festgottesdienst. Zur Aufführung kam
die von Hansjörg Mutschlechner eigens für
uns komponierte, jugendlich frische Jubiläumsmesse.
Begleitet wurden wir von einem
kleinen Orchester, der Komponist selbst
übernahm den Klavierpart. Wenige Wochen
später folgte bereits das nächste Projekt.
Wir luden alle ehemaligen Sänger*innen
ein, mit uns einen Gottesdienst musikalisch
zu gestalten. Viele sind unserer Einladung
gefolgt, und wir erfreuten die Pfarrgemeinde
mit neu einstudierten rhythmischen
Liedern, die wir mit einigen Highlights aus
den vergangenen Jahren ergänzten. Im
Rahmen einer Filmpräsentation blickten wir
anschließend auf zehn Jahre Kinder- und
Jugendchor zurück und ließen die Höhepunkte
Revue passieren.
Im Februar 2025 beteiligten wir uns am Gottesdienst
im Kongresshaus Olang, bei dem
zehn Jahre Seelsorgeeinheit ORAP gefeiert
wurden. Die jüngeren Sänger*innen sangen
gemeinsam mit den Olanger Pfarrspatzen einige
Lieder, die jugendlichen Sänger*innen
schlossen sich dem Gesamtchor der Seelsorgeeinheit
an. Im April stand unser Chorausflug
nach Innsbruck auf dem Programm.
Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendchor
„CHORrekt“ aus dem Zillertal gestalteten
wir den Gottesdienst in der Auferstehungskirche
in Neu-Rum. Die Messe war
für alle Teilnehmenden ein Erlebnis. Nach
einem vorzüglichen Mittagessen gaben wir
beim Platzl-Singen vor dem Haus der Musik
einige Lieder zum Besten und ließen
uns ein köstliches Eis schmecken. Den Abschluss
unseres Ausflugs bildete der Besuch
des Musicals „Ritter Rüdiger“ im Landesjugendtheater.
Wir danken dem Südtiroler
Chorverband ganz herzlich für die finanzielle
Unterstützung dieses Chor-Austausches.
Nach einer intensiven Probenzeit brachten
wir im Mai gemeinsam mit der Juka „RasAnt“
das Musical „Ein zauberhaftes Märchenbuch“
auf die Bühne. Den Text dieser Uraufführung
verfasste Thomas Mittermair, die Musik
dazu komponierte Jakob Augschöll. Unter
der Regie von Alexander Messner vereinte
sich Gesang, Schauspiel und Blasmusik zu
einem Gesamtkunstwerk. Wir konnten unsere
sängerischen und schauspielerischen
Fähigkeiten unter Beweis stellen und unser
Publikum begeistern. Am 1. Juni gestalteten
wir auf Einladung des Prälaten das Pontifikalamt
in Neustift. Die herrliche Akustik in
der wunderschönen Stiftskirche wird uns in
guter Erinnerung bleiben. Zum Abschluss
des Chorjahres 2024/25 nahmen wir gemeinsam
mit zahlreichen weiteren Chören
am traditionellen Brunnensingen in Welsberg
teil. Es war ein sehr heißer Tag, doch
für den Vortrag unserer Lieder konnten wir
ein schattiges Plätzchen ergattern. Ein Filmteam
von Rai Südtirol war vor Ort, um sowohl
die Lieder als auch einige Interviews
mit unseren redegewandten Sänger*innen
aufzunehmen.
Kinder- und Jugendchor Oberrasen
KulturFenster 65
06 Dezember 2025
kurz notiert
Evensong - ein Abend voller
Klang und gelebter Gemeinschaft
Die Kirchenchöre des Tschögglbergs singen
in der Pfarrkirche von Jenesien
Gemeinsam proben,
gemeinsam
singen und gemeinsam
feiern
war das Motto
des Gemeinschaftsprojekts.
Foto:
Kirchenchor Jenesien
In der Pfarrkirche von Jenesien fand Mitte
Oktober ein Evensong statt, zu dem sich
über 100 Sänger*innen sechs Kirchenchöre
des Tschögglbergs versammelt haben,
um gemeinsam liturgische Musik zu
präsentieren.
Der Evensong ist ein anglikanischer Abendgottesdienst,
der von Chormusik lebt und
auf der traditionellen Vesper basiert. Er besteht
aus festlichen Gesängen, Lesungen
von biblischen Texten, von Psalmen und
Gebeten. Entsprechend war auch der
Abend voller schöner, abwechslungsreicher
Klänge.
Der Chorleiter von Jenesien, Klaus Reiterer,
wollte diese Form des Gottesdienstes
mit den Kirchenchören des gesamten
Tschögglbergs nach Jenesien holen. Die
Idee wurde von den Chorleiter*innen der
sechs Chöre – Silvia Innerhofer (Afing),
Martina Mittelberger (Flaas), Paul Höhn
(Mölten), Armin Gritsch (Vöran) und Wolfgang
Niederbacher (Hafling) – mitgetragen
und gemeinsam umgesetzt. Jeder
Chor lernte die Lieder für sich ein, alle
probten einmal gemeinsam in der Aula
Magna von Jenesien und ein weiteres
Mal vor dem Auftritt.
Ein wunderbares Projekt
Es wurden unter anderem folgende Lieder
gesungen: der Psalm „Wie ein Hirsch
lechzt nach frischem Wasser“ von Martin
Nystrom, „Ich lobe meinen Gott“ von Alfred
Hochedlinger, das Magnificat von Jean
Paul Lècot und das Friedenslied „Frieden
wünsch ich dir“ von Kathi Stimmer-Salzeder.
Die liturgische Leitung übernahm
die Leiterin von Wort-Gottes-Feiern Brigitte
Höller aus Jenesien und an der Orgel war
Klaus Reiterer. Der besondere Abendgottesdienst
hat viele Besucher angezogen
und gezeigt, dass Kirchen Orte der Begegnung
und Kultur sind. Mit Evensong
könnte es gelingen, leere Kirchen wieder
zu Orten der spirituellen Gemeinschaft
zu machen.
Anschließend waren alle Beteiligten in der
Aula Magna zu einem Umtrunk und zum
geselligen Beisammensein eingeladen. Es
wurden Erfahrungen ausgetauscht, gemeinsam
wurde gesungen und auf dieses
wunderbare Projekt angestoßen. Ein großer
Dank geht an den Kirchenchor Jenesien
mit Obfrau Seffi Gasser für die Organisation
und den gelungenen Abschluss des
Abends. Und wer weiß, vielleicht gibt es
schon bald wieder eine Gelegenheit zum
gemeinsamen Proben, gemeinsamen Singen
und gemeinsamen Feiern.
Claudia Wieser
KulturFenster 66
06/Dezember 2025
Chorwesen
Buchvorstellung mit
Theodor Riffeser
100 Jahre Kirchenchor und -orchester St. Ulrich
Seit 100 Jahren gibt es den Kirchenchor St. Ulrich als Verein.
Fotos: Kirchenchor St. Ulrich
Eigentlich wurde schon 1340 in St. Ulrichs
Kirche gesungen. Doch einen echten Verein
gibt es erst seit 1925. Auf diese 100 Jahre
wurde in St. Ulrich bei einer Feier zurückgeblickt,
bei welcher der ehemalige Dirigent
und jetzige Organist Theodor Riffeser
ein Buch vorstellte, in dem er mit vielen
Details und netten Anekdoten die wechselvolle
Geschichte des Kirchenchores St. Ulrich
beleuchtet.
Mit dem Chorwerk „Dank sei dir, Herr“ von
Friedrich Händel eröffneten Chor und Orchester
die Feier. In informativ-unterhaltsamer
Form schilderte dann Riffeser die
vielen Jahre der Pflege der Kirchenmusik
im Grödner Hauptort.
Wertvolle Basis für seine Recherchen waren
die Aufzeichnungen ehemaliger Kuraten,
ehe dann mit der Gründung des Vereines
an sich im Jänner 1925 Protokolle
genauer über die Tätigkeit der Sängerinnen
und Sänger sowie der Orchestermitglieder
informieren. „Ungemein wertvoll
waren da auch die Aufzeichnungen
von Alex Moroder-Rusina, der mit viel Fleiß
unsere Geschichte dokumentiert hat“, betonte
Rifesser.
Historische Tonaufnahmen
und Namenslisten
Das Buch beinhaltet zahlreiche Namenslisten
von Mitwirkenden in Chor und Orchester,
ist reich bebildert und hat historischen
Wert. So erfährt man z.B., dass die
Ulricher schon immer bemerkenswert offen
waren, denn schon bei der Gründung
war eine Frau als Organistin dabei: Maria
Moroder de Batista de Trinadeinesc. QR-
Codes ermöglichen es, in einige historische
Tonaufnahmen hineinzuhören. Neben
dem „Kerntext“ in ladinischer Sprache
sind auch passende Zusammenfassungen
in Deutsch und Italienisch hinzugefügt.
Neben einigen Grußworten gab es am Ende
der Feierstunde auch ein großes Dankeschön,
das die Obfrau Margit Peristi an die
Theodor Riffeser beschreibt im Buch akribisch
und auch humorvoll die lange Geschichte
des Kirchenchors und Kirchenorchesters
St. Ulrich.
derzeitige Chorleiterin Felizitas Schweizer
und an Theodor Rifesser aussprach, ehe
ein weiteres Lied den Abend abrundete.
Luis Mahlknecht
KulturFenster 67
06/Dezember 2025
kurz notiert
Singen, weil's Freude macht
Seit 50 Jahren gibt es den Singkreis Welschnofen
Der Singkreis Welschnofen sieht seine
Aufgabe in der Gestaltung von Gottesdiensten,
aber auch von weltlichen Konzerten.
Bild: Singkreis Welschnofen
Seit 50 Jahren gibt es den Singkreis
Welschnofen, und so blickte der Chor
auf die Geschichte seiner Gründung zurück.
Alles begann damit, dass sich 1974
der damalige Kirchenchor nach internen
Schwierigkeiten auflöste. Die Pfarre blieb
für ca. neun Monate ohne Chor. Daraufhin
beschlossen einige Sänger, unter der
Leitung von Luis Kafmann, einen neuen
Chor zu gründen, stießen jedoch auf heftigen
Widerstand bei Vertretern des Pfarrgemeinderates
und einigen Sängern des
ehemaligen Kirchenchores. Da man sich
trotz zäher Verhandlungen nicht einigen
konnte, nahm der ehemalige Kirchenchor
seine Tätigkeit wieder auf. Gleichzeitig
wurde im Jänner 1975 der „Singkreis
Welschnofen“, bestehend aus dreißig Sängern
und Sängerinnen, gegründet.
Man beschloss, sich hauptsächlich weltlichem
Liedgut zuzuwenden, da dem Singkreis
zeitweise das Singen in der Kirche
verwehrt wurde. Nach vielen Aussprachen
einigte man sich zu Weihnachten 1976 erstmals,
gemeinsam mit dem noch bestehenden
Kirchenchor, die Mitternachtsmette
und in der Folge einige Feiertagsmessen
gemeinsam zu gestalten. Aber bald darauf
löste sich der Kirchenchor endgültig auf und
der Singkreis übernahm die musikalische
Gestaltung an Fest- und Feiertagen. Neben
den nun übernommenen kirchlichen Verpflichtungen
beteiligte sich der Singkreis
auch aktiv am Dorfgeschehen. Man wirkte
regelmäßig bei den damals beliebten Bunten
Abenden mit, beteiligte sich an den Faschingsumzügen,
nahm an Ski- und Rodelrennen
teil und umrahmte so manche
weltliche Feier mit Gesang.
Wichtige Stationen in der Geschichte des
Chores waren 1976 der Ankauf eines Klaviers
mit Hilfe von Beiträgen und Spenden,
1981 trat der Chor erstmals in Tracht
auf, 1982 begann die Tradition des Neujahrswünschens
durch eine Gruppe vom
Singkreis. Zum Programm des Chores gehörten
auch Auftritte im Ausland, oft verbunden
mit schönen Kulturfahrten, etwa
nach Wien, nach Bayern zu den Königsschlössern,
nach Verona in die Oper, nach
Salzburg zum Adventsingen, um nur einige
zu nennen. 2005 gab Luis Kafmann die
Leitung des Chores ab, stand aber weiterhin
für die Leitung der Beerdigungen zur
Verfügung.
Singkreis Welschnofen
Dank und Ehrung für verdiente Chormitglieder
Pfarrchor Lana feiert Cäciliensonntag
Mit einem Festgottesdienst in der Hl.-Kreuz-
Kirche, dem Dekan P. Peter Unterhofer OT
vorstand, wurde das Fest der hl. Cäcilia feierlich
begangen. Unter der Leitung von Ingrid
Rieder und Organistin Heidi Nock wurden
die „Missa Solemnis“ von F. J. Schütky
und „Cantate Domino“ von Tobias Psaier
aufgeführt. Zum anschließenden Festmahl
traf man sich traditionell im Deutschordenskonvent.
Mit dabei Alt-Hochmeister P. Bruno
Platter OT, Prior P. Christian Stuefer OT, Dekan
P. Peter Unterhofer OT, Alt-Dekan P. Peter
Lantschner OT sowie Alexander Holzner
vom Pfarrchorchester und Martin Knoll, Kapellmeister
der Bürgerkapelle Lana. Dabei
wurden verdiente Chormitglieder gewürdigt.
Chorobmann Reinhard Ladurner und Chorleiterin
Ingrid Rieder nahmen die Ehrungen
vor. Dank und Anerkennung für 15 Jahre
Singen zur Ehre und zum Lobe Gottes gingen
an Verena Kraus und Walter Gruber.
Für 25-jährige Sängertätigkeit wurde Maria
0berhofer Kofler geehrt.
Maria Sulzer
Alt-Hochmeister P. Bruno Platter OT, Chorobmann
Reinhard Ladurner, die Geehrten
mit Urkunde, Maria 0berofer Kofler, Walter
Gruber und Verena Kraus, Chorleiterin
Ingrid Rieder und Dekan P. Peter Unterhofer
OT (v.l.) Foto: Pfarrchor Lana
KulturFenster 68
06/Dezember 2025
Chorwesen
Auf nach Straßburg…
Kirchenchor St. Michael-Eppan auf Europareise
… hieß es für 42 Sänger*innen des Kirchenchores
St. Michael/Eppan am Sonntag,
19. Oktober. Schon lange hatten wir
uns darauf gefreut.
Auf der langen Busreise wurde uns zwischen
Gesang, netten Gesprächen, einem
Watter und einem „Gutele“ nicht langweilig!
Am späten Nachmittag kamen wir in
Straßburg an und konnten die Stadt im
Abendlicht kennenlernen. Am Montag
ging's dann mit dem Programm erst richtig
los. Morgens haben wir die Stadt mit einer
Führung erkundet, bevor es am Nachmittag
mit dem Boot zum Parlament ging,
wo uns EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann
begrüßt hat. Wir durften auch eine
Parlamentssitzung live miterleben und das
Parlamentsgebäude kennenlernen. Beim
gemeinsamen Abendessen mit Herrn Dorfmann
hatten wir nochmals die Möglichkeit,
viele Fragen zu stellen und Europa
besser zu verstehen. Wir möchten uns bei
Herrn Dorfmann für die Zeit, die freundlichen
Gespräche und spannenden Einblicke
herzlich bedanken. Bevor es am
Dienstag nach Hause ging, hielten wir in
der Stadt Colmar an, welche wir mit einer
kleinen Bootstour erkunden durften. Zu
Bei der Führung
im Europaparlament
mit Parlamentarier
Herbert
Dorfmann
Foto: Kirchenchor
St. Michael-Eppan
Mittag gab es noch einen letzten Flammkuchen,
und dann ging es schon wieder
zurück nach Eppan. Es war für alle Teilnehmenden
ein toller Ausflug, der noch
lange in Erinnerung bleiben wird.
Simon Ebner
Mölten feiert heilige Cäcilia
Erfolgreiche Premiere für Chor und Musikapelle!
Der Kirchenchor und die Musikkapelle
Mölten haben am 16. November anlässlich
des Cäciliensonntages erstmals ein
gemeinsames Festprojekt ins Leben gerufen
– eine Initiative, die die beiden traditionsreichen
Vereine eindrucksvoll zusammenführte.
Die Feierlichkeiten begannen mit einem
gemeinsam gestalteten Gottesdienst. Im
Anschluss daran luden die Musizierenden
zu einer festlichen Matinee ein, bei der die
Kooperation der beiden Klangkörper besonders
zur Geltung kam.
Als musikalische Höhepunkte präsentierten
Chor und Kapelle gemeinsam das feierliche
„Ave Maria“ von Caccini und das lebensfrohe
Stück „Freut euch des Lebens“ von
Ludwig van Beethoven.
Die Initiative fand ihren geselligen Ausklang
bei einem gemeinsamen Mittagessen
in der Feuerwehrhalle Mölten, wo die
Mitglieder beider Vereine die Gelegenheit
hatten, sich abseits der Probenarbeit auszutauschen.
Viele fleißige Hände aus beiden
Vereinen sorgten dafür, dass alle mit
Köstlichkeiten aus der Küche versorgt wurden.
Bei ein paar weiteren Liedern in gemütlicher
Runde klang der Sonntag in netter
Atmosphäre aus.
Dieses erste gemeinsame Projekt wurde
auf Initiative der beiden Obleute Evi Amhof
und Wolfgang Tratter ins Rollen gebracht
und dank der künstlerischen Zusammenarbeit
der beiden musikalischen
Der Kirchenchor
und die Musikkapelle
Mölten feierten
erstmals
gemeinsam die
Cäcilienmesse.
Foto: Valentin Tratter
Leiter Paul Höhn und Hannes Premstaller
erfolgreich umgesetzt. Der Tag war ein
voller Erfolg und stellte eine wertvolle Bereicherung
für das Dorfleben dar, indem
er den Zusammenhalt zwischen Kirchenchor
und Musikkapelle Mölten nachhaltig
stärkte und den Weg für eine weitere Zusammenarbeit
bereitet hat.
KulturFenster 69
06/Dezember 2025
kurz notiert
Zutiefst emotionale Klangbilder
Kirchenchor Auer führt Gabriel Faurés Requiem auf
Die kirchlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen
erinnern uns an die Vergänglichkeit
des Lebens und gleichzeitig daran, liebe
Menschen durch unsere Erinnerungen in
unserem Leben zu behalten. Mit der Aufführung
von Gabriel Faurés Requiem am 8.
November durch den Kirchenchor Auer mit
Orchester gelang die tröstliche, sanfte Darstellung
des Lebens im Jenseits.
Vor gut 100 Jahren, im November 1924,
starb der französische Komponist Gabriel
Fauré. Zu seinen bekanntesten Werken
zählt das Requiem op. 48, eine Totenmesse.
Doch wer glaubt, es handle sich
um ein schwermütiges, monumentales
Werk, der irrt.
Faurés Vorstellung vom Jenseits ist an die
Leichtigkeit der Kammermusik angelehnt
und lebt vom zarten Zusammenspiel zwischen
Chor, Solisten und Orchester. Zusammen
mit seinem engagierten Chorleiter
Tobias Simonini wagte sich der Kirchenchor
Auer an die Realisierung dieses anspruchsvollen
Werkes.
Aufführung
in der Aula Magna Auer
„Wir haben unsere gewohnte Umgebung,
die Kirche, verlassen und betreten musikalisch
wie räumlich neues Terrain“, sagte
Obfrau Petra Job einleitend. Sie begrüßte
das zahlreiche Publikum, die Ehrengäste,
unter ihnen Bürgermeister Martin
Feichter und Kulturreferent Roland Pichler,
sowie die Sponsoren und alle, die
ihren Beitrag zum ambitionierten Projekt
geleistet hatten. Bevor er seinen Taktstock
erhob, wandte sich Chorleiter Tobias Simonini
erklärend ans Publikum: „Warum
heute Abend gerade ein Requiem, eine
Totenmesse?
Die Antwort ist einfach und interessant
zugleich: Weil keine andere Komposition
einen tieferen Einblick in das Innere
eines Künstlers gewährt. Gabriel Fauré
hat mit seinem Requiem nicht nur komponiert,
er hat die Maßstäbe dieses Genres
neu definiert. Es ist nicht das verurteilende
Gericht, sondern die sanfte Bitte
um ewige Ruhe.“
„Die Musik der Toten ist immer auch für die Lebenden geschrieben“, sagte Chorleiter Tobias
Simonini. Der Kirchenchor hatte sich akribisch auf die Aufführung mit Orchester vorbereitet.
Foto: David Mottes
Zwei kammermusikalische
Werke vorab
Quasi als Einstimmung auf das große, über
30-minütige Requiem bekam das Publikum
zunächst die Pavane op. 50 von 1887 und
dann den Cantique de Jean Racine op. 11
von Gabriel Fauré zu hören. Die leicht melancholische
Pavane in fis-moll wurde von
vier Streichern aus dem Orchester dargeboten,
einfühlsam, leicht, nie überladen,
und mit einer unterschwelligen Sehnsucht,
die wohl Fauré genauso beabsichtigt hatte.
Den „Lobgesang des Jean Racine“ hatte
Gabriel Fauré hingegen 1865 als 19-Jähriger
für einen Wettbewerb komponiert,
auf der Grundlage eines Gedichts von
Jean Racine, und ursprünglich für Chor
und Orgel konzipiert. Der junge Fauré gewann
damit den Wettbewerb. Die Aufführung
des Werkes in Auer bestach durch
ihre Feinfühligkeit und das klare, mit erkennbarer
Freude geführte Dirigat von Tobias
Simonini.
„Ich wollte
etwas anderes machen!“
Diese Aussage tätigte Gabriel Fauré, nachdem
er jahrzehntelang als Organist gespielt
hatte und alle Begräbnismusik auswendig
zu kennen glaubte. Das „Andere“ ist ihm
gelungen. In seinem Requiem, an dem
er zehn Jahre lang arbeitete, verzichtete
Fauré auf die Vertonung des „Dies Irae“
(Tag des Zorns), welches das himmlische
Strafgericht und die Höllenqualen zum
Inhalt hat. Seine Vision des Jenseits war
eine friedliche, angenehme, fernab von
ewiger Verdammnis, und er fügte in diesem
Sinne das „Pie Jesu“ (Gütiger Jesus)
hinzu. Der Chor begann seine Darbietung
mit gekonntem Spannungsaufbau; Baritonsolist
Michael Feichter fügte sich im Offertoire
harmonisch in den Gesamtklang ein
und vermied stets ein Abrutschen in die
Schwermut. Sopransolistin Elena Di Marino
vermochte Gefühl und Inbrunst im Pie Jesu
zu transportieren. Das aus Streichern und
Blechbläsern, unter anderem der Musikkapelle
Auer, gebildete Orchester mit Konzertmeister
Ivo Crepaldi unterstützte den
Chor mit passender Phrasierung und homogenem
Klang, ohne je vorherrschend
zu werden. Das zarte Harfenspiel ließ die
Anklänge ans Paradies erahnen.
Alles in allem ist dem Kirchenchor Auer ein
Kompliment auszusprechen für die äußerst
disziplinierte Vorstellung und dafür, dass er
dem Requiem – das sonst von weit versierteren
Ensembles aufgeführt wird – die erforderliche
Sanftheit, melodiöse Transparenz
und gleichzeitige Tiefgründigkeit verleihen
konnte. Lob auch dem Chorleiter Tobias Si-
KulturFenster 70
06/Dezember 2025
Chorwesen
monini, der mutig und gleichzeitig durchdacht
an die Auswahl der Stücke gegangen
war. Seine Botschaft: „Vergessen wir
nicht, dass die Musik für die Toten immer
auch für die Lebenden geschrieben worden
ist. Wir alle tragen einen Menschen
in unseren Herzen, der nicht mehr unter
uns weilt. Diesen Personen ist der heutige
Konzertabend gewidmet.“ Langanhaltender
Applaus belohnte die Ausführenden für
ihren Einsatz; die Zugabe von Felix Mendelssohn-Bartholdy
und ihre zeitlose Bitte
passte wunderbar zum Abend und auch
in unsere bewegte Zeit: „Verleih uns Frieden
gnädiglich!“
Ausstellung „Schwingungen“
Die zutiefst emotionalen Klangbilder des
Abends wurden abgerundet durch zutiefst
inspirierende Kunstbilder zum Thema
„Schwingungen“ der Künstlerin Andrea
G. Zingerle, welche im Foyer der Aula
Magna vom 5. bis 14. November ausgestellt
waren.
Das Publikum konnte sich dort bei einem
Umtrunk nach dem Konzert über das Erlebte
und Gesehene austauschen.
Sibylle Finatzer
Kirchenchor Auer
Zwei unvergessliche Chorkonzerte
Chöre aus der Europaregion Tirol singen gemeinsam
im Pustertal und in Osttirol
Am 8. und 9. November 2025 fanden in Osttirol
und Südtirol zwei außergewöhnliche
Chorkonzerte statt, die von einer beeindruckenden
musikalischen Zusammenarbeit zwischen
Brummnet, dem Männerchor aus dem
Pustertal, dem Kirchenchor Anras und dem
Barockensemble Anras aus Osttirol zeugten.
Die Konzerte in der Pfarrkirche Asch in Osttirol
bzw. der Kirche Niedervintl boten den
Zuhörern eine Kombination aus traditioneller
Chormusik und barocken Klängen.
Das erste Konzert in der Pfarrkirche Asch
bot den Zuhörern eine Mischung aus Chorund
Ensemblemusik. Der Kirchenchor Anras
unter der Leitung von Josef Mascher
stellte unter Beweis, wie viel Energie und
Präzision in einem gut einstudierten Chor
stecken kann. Bereichert wurde das Konzert
vom Barockensemble Anras, das unter
der Leitung von Wilfried Kollreider eine
meisterhafte Interpretation barocker Werke
auf die Bühne brachte. Das zweite Konzert
in der Kirche Niedervintl stand im Zeichen
des ehrenden Gedenkens an den Priester
und Professor Erwin Knapp, der weit über
Niedervintl hinaus geschätzt wurde. Die
Veranstaltung zeigte, wie Musik als verbindendes
Element in der Erinnerung an
geliebte Menschen wirken kann.
Im Zeichen des Chorgesangs
und der Gemeinschaft
Emotional tief und technisch exzellent: Brummnet konzertierte gemeinsam mit dem Kirchenchor
Anras und dem Barockensemble Anras.
Foto: Assmayr
Clara Sattler, die Leiterin von Brummnet,
beeindruckte mit ihrer Fähigkeit, die Stimmen
zu einem harmonischen Ganzen zu
formen. Petra Huber setzte mit ihrem Cello
eindrucksvolle Akzente, während Franz
Comploi an der Orgel mit seiner meisterhaften
Beherrschung des Instruments das
gesamte Konzert klanglich bereicherte. Valentin
Pernter, Bariton bei Brummnet, ergänzte
zudem mit seinem einfühlsamem
Spiel am Euphonium das Stück „Benedictus“
von Carl Jenkins. Nach den Konzerten
wurde in Asch ein gemeinsames
Essen vom Kirchenchor organisiert. In
Niedervintl wurde das Festmahl von der
Bäuerinnenorganisation Vintl ausgerichtet,
und Brummnet unterhielt die Gäste
mit abwechslungsreichen Liedern.
Insgesamt war es ein Wochenende, das
nicht nur die hohe Kunst des Chorgesangs
und der barocken Musik feierte, sondern
auch die Gemeinschaft und die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit in der
Europaregion Tirol würdigte. Zuhörer und
Zuhörerinnen gingen mit einem tiefen Gefühl
der Verbundenheit und der Dankbarkeit
nach Hause.
Valentin Pernter
KulturFenster 71
06/Dezember 2025
www.hpv.bz.it
Kontakt: Tel. 0471 973693, E-Mail: info@hpv.bz.it
Facebook: https://www.facebook.com/HPV.Suedtirol
Veranstaltungen und andere Videos auf unserem youtube-Kanal:
https://www.youtube.com/c/heimatpflegeverbandsudtirol
Hinweis: Die für 16.12.2025 geplante Podiumsdiskussion zur Seminarreihe
„Klimagerechtigkeit“ ist abgesagt und auf 2026 verschoben worden.
Termine
Infos unter:
http://hpv.bz.it
28.02.2026
15. Landeswettbewerb
„Musik in kleinen Gruppen“
Musikschule Brixen
Anmeldeschluss: 11.01.2026
Infos unter:
https://vsm.bz.it
21.03.2026
77. Vollversammlung
des Südtiroler Chorverbandes
Raiffeisensaal Terlan
Infos unter:
https://scv.bz.it