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Kulturfenster Nr. 06|2025 - Dezember 2025

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BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Nr.6

DEZ.

2025

Tracht schafft Gemeinschaft

Musizieren im Kirchenraum

Jugendliche für das Singen gewinnen

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 77. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift

Falls Zeitschrift nicht zustellbar, bitte über das operative Postzentrum Bozen an den Verleger (Verband Südtiroler Musikkapellen) zurück.

Der Verleger verpflichtet sich, die Postspesen für die Rücksendung zu übernehmen.


vorausgeschickt

Motor und Ansporn

Liebe Leserinnen und Leser,

das Ende eines Jahres ist immer Anlass,

Danke zu sagen. Mein erster Dank geht an

die vielen Autor*innen, die unser „Kultur-

Fenster“ durch ihre Beiträge zu dem machen,

was es ist: ein interessanter, aufschlussreicher

und vielschichtiger Blick in

unsere bunte Kulturlandschaft. Der zweite

Dank geht an die Verantwortlichen der drei

Verbände, die unserem Redaktionsteam

ihr uneingeschränktes Vertrauen schenken

und uns in unserer Arbeit tatkräftig

unterstützen. Der dritte, aber nicht weniger

große Dank geht an Sie – unsere treuen

Leser*innen. Ihr Interesse, Ihre konstruktive

Kritik und die vielen Anregungen sind

uns Motor und Ansporn, auf dem eingeschlagenen

Weg weiterzugehen, ohne jedoch

zukünftige Weggabelungen außer

Acht zu lassen.

Und damit darf ich Sie wieder einladen,

in den vorliegenden 72 Seiten dieser Dezemberausgabe

zu blättern, in der Welt

der Trachten zu schmökern, über die Lebensmittelverschwendung

nachzudenken,

sich mit der Tiroler Geschichte im

Allgemeinen und dem Freiheitskämpfer

Michael Gaismair im Besonderen auseinander

zusetzen, das traditionelle Handwerk

wertzuschätzen oder fast vergessene

Berufe wiederzuentdecken.

Der Kirchenmusiker Dominik Bernhard

hebt in seinem Beitrag hervor, dass Musik

in der Kirche nicht bloße Umrahmung

ist, sondern Bestandteil der Liturgie, und

als solcher auch die dort gespielte Musik

immer Raum für göttliche Perspektive lassen.

Die Erfolge des Bezirksjugendblasorchesters

Brixen, des Gebietsorchesters

Unteres Pustertal (Level Up), der Musikkapelle

St. Georgen und der Jugendkapelle

der Bürgerkapelle Brixen sind ebenso lesenswert

wie die Stabführer-Tradition der

Familie Lanthaler im Passeiertal. Nicht unerwähnt

soll an dieser Stelle Josef Egger

aus Nals sein, der vor kurzem seinen 80.

Geburtstag gefeiert hat (S.50).

Der Chorverband geht der Frage nach, wie

man Jugendliche für das Singen gewinnen

kann, und zeigt die erfolgreiche Jugendarbeit

des Deutschen Chorverbandes. Zudem

wird das Projekt „Next Generation“ des Vokalensembles

„Choriosum“ vorgestellt, in

dem Sänger*innen generationenübergreifend

mit ihren Kindern singen. Auch den

Bericht zum Jubiläumskonzert des Landesjugendchors

Südtirol finden Sie in der Rubrik

des Chorverbandes – wie auch ein Interview

mit der Dirigentin Franziska Kuba.

Natürlich gibt es zudem die gewohnten Rubriken,

in denen die einzelnen Verbände

und ihre Mitgliedsvereine ihre Tätigkeiten

dokumentieren, bereichsspezifische Themen

aufarbeiten und auch die Jugend –

die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus

stellen.

Ich wünsche Ihnen wiederum eine unterhaltsame,

aber auch informative Lektüre

und einen aufschlussreichen Blick durch

unser buntes „KulturFenster“.

Stephan Niederegger

Jeder von uns hat die Möglichkeit,

übrige Lebensmittel zu verwerten.

Oft braucht es nur die

Idee, die Umsetzung ist dann

gar nicht schwierig.

Andreas Götsch

Der entscheidende Unterschied

beim Musizieren in

der Kirche ist, dass das Ziel

nicht bloße Unterhaltung ist,

sondern die Menschen zu

Gott – und zugleich zu sich

selbst – zu führen.

Dominik Bernhard

Wir sind davon überzeugt, dass

kulturelle Bildung ein geeignetes

Mittel ist, um gesellschaftlicher

Spaltung entgegenzuwirken,

den Zusammenhalt in der

Gesellschaft zu stärken und

sich für eine zukunftsgewandte,

kulturelle Vielfalt einzusetzen.

Deutsche Chorjugend

2

KulturFenster 06/Dezember 2025


Inhalt

In dieser Ausgabe

Gemeinsam

Chorwesen

Gedanken zum Jahreswechsel ............................................. 4

Heimatpflege

Trachtenexpertinnen im Austausch........................................4

Entwurf für Landesklimagesetz vorgelegt ...............................9

Gemeinschaftsprojekt gewinnt

Kultur.Forscher!-Preis in Deutschland..................................10

Lebensmittel:

Verschwendung (an Weihnachten) vermeiden .....................12

Auf den Spuren von Michael Gaismair.................................14

Vorbildlich: Strohdächer am Tschögglberg ...........................16

Rückblick auf Dialekttagung................................................18

Wertvoll: Biografiearbeit mit Senioren ..................................20

Neues aus den Bezirken ...............................................22–24

Das ist die Allianz der Kultur ...............................................25

60 Jahre Landes-Kathreintanz.............................................26

Jugendliche für das Singen gewinnen.................................. 57

Wenn Sänger*innen mit ihren Kindern singen .................... 59

Neue Chorleitung gesucht................................................... 60

Jubiläumskonzert des Landesjugendchores......................... 61

Landeskinderchor & Landesjuniorchor ................................ 62

Musik für Groß und Klein .................................................... 63

Rubrik PERSÖNLICH – Franziska Kuba .............................. 64

Zehn Jahre Kinder- und Jugendchor Oberrasen .................. 65

Tschögglberger Kirchenchöre feiern Evensong..................... 66

100 Jahre Kirchenchor und -orchester St. Ulrich................. 67

50 Jahre Singkreis Welschnofen.......................................... 68

Pfarrchor Lana feiert hl. Cäcilia............................................ 68

Kirchenchor St. Michael/Eppan in Straßburg........................ 69

Kirchenchor Mölten feiert hl. Cäcilia mit Musikkapelle ......... 69

Kirchenchor Auer führt Faurés Requiem auf........................ 70

Chöre überschreiten Grenzen ............................................. 71

Blasmusik

Musizieren im Kirchenraum ................................................. 28

Die neue VSM-App .............................................................. 32

Bezirksjugendorchester Brixen ............................................. 34

Musik in Bewegung und attraktive Probenarbeit ................... 35

Familie Lanthaler – Drei Stabführer-Generationen ................. 37

Gebietsorchester Unteres Pustertal – Level Up ..................... 39

Blasmusik-Ausstellung am Bergisel ...................................... 40

Blasmusikverband Tirol (BVT) unter neuer Führung ............. 41

Ein „Sehr gut“ für die Musikkapelle St. Georgen ................... 42

Großer Erfolg für die Jugendkapelle BK Lana ........................ 43

MK Terlan mit besonderen Aktionen ..................................... 44

MK Marling bei „Juventus 2025“ ......................................... 46

Gemeinsames Jubiläumsfest in Niederdorf ........................... 48

„Southbrass“ feiert zehn-jähriges Bestehen .......................... 49

Josef Egger zum 80er .......................................................... 50

110 Punkte „cum laude“ für Samuel Oberegger ................... 51

„Festmarsch (1884)“ von Richard Strauss ........................... 52

Prozessionsmarsch-CD der MK Innervillgraten ..................... 52

Impressum

Mitteilungsblatt

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it

- des Südtiroler Chorverbandes

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it

Anschrift:

Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

Raiffeisen-Landesbank Bozen

IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771

SWIFT-BIC = RZSBIT2B

Jahresabonnement = 20,00 Euro

Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.

Werbekampagne der MK Dorf Tirol ....................................... 53

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ........................ 54

– gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung

KulturFenster 3

06/Dezember 2025


Die hohen Tannen atmen heiser

im Winterschnee, und bauschiger

schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.

Die weißen Wege werden leiser,

die trauten Stuben lauschiger.

Rainer Maria Rilke

(04.12.1875 - 29.12.1926)

KulturFenster 4

06/Dezember 2025

Foto: Andreas Rieder


gemeinsam

Gedanken zum Jahreswechsel

Rückblick und Ausblick der Verbandsvorsitzenden

Das Ende des Jahres 2025 naht und wir blicken zurück auf eine Zeit, die sowohl in unserem Land als auch

weltweit nicht unbedingt Anlass gibt, sich zu freuen, bzw. hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken: Krieg und

Zerstörung, Klimawandel und instabile Systeme, orientierungslose Politik und hemmungsloser Kapitalismus

sind auf dem Vormarsch. Auch Südtirol ist längst keine Insel der Seligen mehr: Teuerung, Wohnungsnot,

eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Abwanderung von klugen Köpfen, Schule im Kreuzfeuer,

Verlust an intakter Landschaft sind nur einige Punkte, die man hier anführen kann.

Was brauchen wir, um in diesen herausfordernden Zeiten Resilienz zu entwickeln? Es braucht Kultur – das

Lateinische „colere“ heißt „pflegen, sich kümmern“. Kultur und Bildung liefern die Basis für mündige und verantwortungsbewusste

Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Allgemeinheit einsetzen, die couragiert ihre Stimme

erheben, die sich nicht von falschen Versprechungen täuschen und vereinnahmen lassen.

2025 ist das Gedenkjahr an die Bauernkriege vor 500 Jahren. Der Tschöfser Bauernanführer Michael Gaismair hat die Ungerechtigkeiten

seiner Zeit wahrgenommen, hat sich nicht vor der Konfrontation mit der Obrigkeit gescheut, hat eine für die damalige Zeit

revolutionäre Tiroler Landesordnung verfasst. Oft habe ich den Eindruck, dass wir heute auch wieder vieles neu ordnen, über allgemein

verbindliche Prioritäten sprechen müssten. Der Heimatpflegeverband Südtirol hat sich dieses Jahr prioritär dem Thema Klimagerechtigkeit

und mit vielen anderen Organisationen dem Vorschlag eines dringend notwendigen Landes-Klimagesetzes gewidmet

sowie die Jugendarbeit, also hoffnungsfrohe Arbeit für die Zukunft, vorangetrieben.

Lassen wir uns nicht entmutigen, nützen wir die Chancen zur positiven Veränderung, die sich uns im Leben bieten.

Ich wünsche Ihnen allen ein hoffnungsfrohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie Wohlergehen und Zuversicht für das neue Jahr!

Claudia Plaikner, Obfrau HPV Südtirol

Persönliche Gedanken zum Jahresabschluss!

Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr neigt sich dem Ende zu – es ist wieder Zeit für einen Moment der

Besinnung. Wir blicken auf ein ereignisreiches und von Höhen und Tiefen geprägtes musikalisches Jahr zurück.

Die Klänge unserer Musikkapellen und die Freude am Musizieren haben uns verbunden und uns gemeinsam

gestärkt. Mögen wir diese schönen Erinnerungen in unseren Herzen bewahren und aus den schwierigen

Momenten lernen! Ein neues Jahr steht bevor, mit neuer Hoffnung, neuem Licht und neuem Glück.

Lasst uns mit Freude und Stolz gemeinsam in die Zukunft blicken und unsere Wünsche und Ziele verwirklichen.

Von ganzem Herzen bedanke ich mich bei allen Funktionären, Musikantinnen und Musikanten, Fähnrichen

und Marketenderinnen unserer Mitgliedskapellen für den wertvollen ehrenamtlichen Dienst, für eure Leidenschaft

und euer Engagement für unsere Heimat.

Für das kommende Jahr wünsche ich mir mehr Wertschätzung des Ehrenamtes vonseiten der Politik und vor allem eine klare Lösung

bezüglich der Reform des Dritten Sektors, für unsere Vereine in Südtirol

Abschließend wünsche ich uns allen auf diesem Wege ein schönes Weihnachtsfest, Momente der Ruhe, viel Freude, Frieden und vor

allem Gesundheit für das Jahr 2026. Mit musikalischen Grüßen, in Harmonie vereint!

Pepi Ploner, Obmann VSM

Geschätzte Obleute, Chorleiterinnen und Chorleiter, Sängerinnen und Sänger!

Ein Jahr voller Gesang, vieler wohltuender Begegnungen und gemeinsamer Leidenschaft ist schon bald wieder

zu Ende. Bei zahlreichen Konzerten und Gottesdienstmitgestaltungen durften wir erneut erleben, wie

kraftvoll das gemeinsame Singen ist, gab es doch unzählige Momente, in denen aus Tönen Gemeinschaft

entstand und in denen spürbar wurde, wie sehr uns das Singen verbindet. Im Namen des Südtiroler Chorverbandes

bedanke ich mich bei Euch allen für die vielfältigen und wertvollen Aktivitäten, die ehrenamtliche

Kulturarbeit, das großartige Engagement und wünsche ein gesegnetes Weihnachtsfest, sowie alles Gute, Glück

und Gottes Segen für das kommende Jahr. Möge es viele inspirierende Begegnungen schenken, neue musikalische

Wege eröffnen und uns weiterhin als starke Gemeinschaft verbinden.

Erich Deltedesco, Obmann SCV

KulturFenster

5 06/Dezember 2025


Die Tracht ist ein sehr spezielles

Fachgebiet. Umso wichtiger

ist ein Gedankenaustausch

unter Expert*innen.

Fotos: Agnes Andergassen

Das Foto auf der

Titelseite zeigt eine

Goldhaubentracht, ein

traditionelles, festliches

Gewand, das Frauen

in Niederösterreich zu

besonderen Anlässen

tragen und das sich

durch die aufwändig

verzierte Goldhaube

auszeichnet.

Foto Titelseite: Johann Heinzl

KulturFenster 6

06/Dezember 2025


getragen

Tracht verbindet

Exkursion der österreichischen Trachtenverbände in Südtirol

Der Herbst zeigte sich von seiner schönsten

Seite, als eine stattliche Gruppe von österreichischen

Trachtenfrauen auf Exkursion

zu uns nach Südtirol kam. Die Frauen waren

einer Einladung der Arbeitsgemeinschaft

Lebendige Tracht und des Heimatpflegeverbandes

gefolgt, um an einem verlängerten

Wochenende im Oktober Land und Tracht

näher kennenzulernen.

Jedes Jahr wird die Arbeitsgemeinschaft

Lebendige Tracht von Nachbarverbänden

zu deren Vollversammlungen eingeladen.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der wir

Südtiroler*innen, sozusagen als zehntes

Bundesland Österreichs, ganz einfach dazugehören

dürfen, gibt uns ein gutes Gefühl.

Die jahrelange Freundschaft führte

nun dazu, dass in diesem Jahr 20 Trachtenexpertinnen

aus allen österreichischen

Bundesländern zu einem Gegenbesuch

eingeladen wurden.

Alles intern organisiert

Der Besuch des Trachtenmuseums war für die Fachfrauen besonders aufschlussreich.

Es war gar nicht schwierig, ein anspruchsvolles

Programm auf die Beine zu stellen.

Da zeigte sich einmal mehr der große Zusammenhalt

der Mitglieder der Arge Lebendige

Tracht. Alle angesprochenen Trachtenfachleute

sagten spontan zu, und dem

Gelingen dieser Exkursion stand nichts

mehr im Wege. Mit Hilfe der Mitarbeitenden

im Heimatpflegeverband klappte

auch der organisatorische Teil wunderbar.

Allen beteiligten Personen gebührt dafür

ein großer Dank.

Fachleute am Werk

Geselligkeit gehört dazu

Kommt man im Herbst nach Südtirol, gehört

das typische Törggelen natürlich dazu.

Beim „Grafen“ in Kampenn bei Bozen fühlten

sich alle sofort wohl. Da blieb neben

dem köstlichen Essen und Trinken genügend

Zeit, um miteinander ins Gespräch

zu kommen. Es ist dieser Gedankenaustausch,

der uns Trachtler*innen zusammenschweißt.

Schön war auch, dass die

Wir wollten unseren Gästen zeigen, was

wir im Hinblick auf die Tracht so alles zu

bieten haben. Ob das Trachtenmuseum in

Kastelruth oder das Dorfmuseum in Gufidaun

– überall stehen Leute dahinter, die

jahrzehntelang bei der Arge Lebendige

Tracht mitgearbeitet haben. Ihrer fachlichen

Kompetenz und ihrem Einsatz ist es

zu verdanken, dass wir heute so schöne

Museen präsentieren können. Unsere österreichischen

Gäste waren jedenfalls vollauf

begeistert.

Weil Trachten kostbare Kleidungsstücke sind, die beim Anziehen viel Aufwand bedürften,

trafen sich die Frauen in Dirndl (im Bild: eine Gruppe in Salurn).

KulturFenster 7

06/Dezember 2025


getragen

Spitzenklöpplerin, Lederhosenschneider

oder Trachtenschuhmacher – sie alle

zeigten ihr Können. Nachdem alle Trachtenfrauen

ausgewiesene Fachleute sind,

ergab sich so manches interessante Gespräch

unter Expert*innen. Es ist dieser

Austausch zwischen Nord und Süd, zwischen

Ost und West, der durch die Tracht

zustande kommt. Tracht verbindet eben,

ganz spontan, ganz von allein.

Netzwerken ist angesagt

Einmal mehr wurde uns allen während dieser

Exkursion bewusst, dass wir alle im selben

Boot sitzen. Gerade bei der Tracht wird

es immer schwieriger, das richtige Material

zu finden. Da zeigt sich wieder dieser

Zusammenhalt über die Grenze hinweg.

Ein Klick genügt, und schon sind wir alle

über das Netz verbunden. Die eine weiß

diese Anlaufstelle, die andere jene, wo

man fündig werden kann. Man teilt einfach

sein Wissen, ohne Wenn und Aber.

Dadurch spürt man, wie sehr die Tracht

uns allen ein Anliegen ist.

Kein Einzelkampf

Vertreterinnen der österreichischen Trachtenverbände weilten zum Gedankenaustausch

in Südtirol. Die Herausforderungen der Trachtenvereine sind überall dieselben.

Obfrau des Heimatpflegeverbandes, Claudia

Plaikner, und der Geschäftsführer Florian

Trojer mit dabei waren. Einmal mehr

hat sich gezeigt, wie sehr Tracht und auch

das Dirndl Gemeinschaft bilden, egal aus

welcher Ecke man kommt.

Handwerk

kann sich sehen lassen

Foto: Florian Trojer

Was wäre die Südtiroler Tracht ohne das

dazugehörige Handwerk? Ob Handweber,

Federkielsticker, Zinngurtmacher,

Die Tage vergingen viel zu schnell. Wir

hätten noch so viel Interessantes zu bieten

gehabt. Was bleibt, sind viele schöne

Erinnerungen. Was bleibt, ist aber auch

die Gewissheit, dass es für den Erhalt

der Tracht nicht Einzelkämpfer*innen

braucht, sondern viele Gleichgesinnte,

die an derselben Zukunft bauen. Diese

Trachtenexkursion hat das wieder einmal

bestätigt.

Agnes Andergassen

Arge Lebendige Tracht

Die drei Organisatorinnen des Treffens: Agnes

Andergassen, Martina Reitsamer und Helga

Trenkwalder (v. l.)

Auch HPV-Obfrau Claudia Plaikner (r.)

schloss sich den Trachtenfrauen an. Im

Bild mit Agnes Andergassen und Helga

Trenkwalder.

Beim Abendessen in der historischen „Alten

Post“ in Atzwang

KulturFenster 8

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Landesklimagesetz in Reichweite

Vorschlag an die Politik überreicht –

Einbeziehung der Umweltverbände angekündigt

Südtirol braucht dringend ein anspruchsvolles

Regelwerk, um der

Klimapolitik Wirkung und Verbindlichkeit

und den Bürgern

und Unternehmen Planungssicherheit

zu verschaffen. 47 Organisationen

drängen in diesem

Sinn auf ein „starkes Landesklimagesetz“.

Wenn Südtirol tatsächlich in

genau 15 Jahren klimaneutral

werden soll, müssen Land und

Gemeinden die Ärmel hochkrempeln

und beim Klimaschutz

einen Gang höher schalten.

Schon das für 2030 von der

Landesregierung gesetzte Ziel,

die CO 2

-Emissionen um 55 Prozent

gegenüber 2019 zu senken,

ist beim heutigen Tempo

nicht erreichbar. Wenn der Klimaschutz

laut Klimaplan 2040 kein bloßes

Luftschloss bleiben soll, muss er verbindlicher

und umfassender angelegt und wirksamer

umgesetzt werden als bisher.

Nicht Verbote,

sondern Leitplanken

Ein breites Bündnis von 47 Organisationen

aus den Bereichen Umweltschutz, Soziales,

Jugend, Kultur und Gewerkschaft hat

– unter Federführung des Heinmatpflegeverbandes,

des Dachverbandes für Natur

und Umweltschutz

sowie von Climate

Action – zusammengefunden,

um

ein starkes Landesklimagesetz

zu erwirken.

Damit sollen

die Klimaziele

für Südtirol gesetzlich

verankert, klare

Verfahren, Pflichten

und einige institutionelle

Neuerungen eingeführt werden. Anschließend

muss ein neu gefasster Klimaplan

mit strengen Berichtspflichten und

Klimaschutz ist mehr als

eine Pflicht. Er ist eine große

Chance für uns alle.

Claudia Plaikner

Korrekturmechanismen umgesetzt werden.

Ein solches Klimagesetz richtet sich vor

allem an das Land selbst, das damit seine

Zuständigkeiten ausschöpft, aber auch

nicht mehr. Es würde kaum neue Gebote

und Verbote für Bürgerschaft und Unternehmen

vorsehen, sondern vor allem die

Leitplanken für die Landespolitik in Richtung

CO 2

-Neutralität und Energiewende

setzen. Zahlreiche Landesgesetze müssten

angepasst, einige komplexe Bereiche mit

eigenen Verordnungen geregelt werden,

etwa die Heizungswende.

Präventiver Klimaschutz

ist nicht nur

ein Akt der Verantwortung

gegenüber

der Weltgemeinschaft,

gegenüber

anderen Regionen

Europas und den

kommenden Generationen,

die die

Folgen der Erderhitzung

auszubaden

haben, sondern er bringt auch konkrete

Vorteile. „Klimaschutz ist mehr als

eine Pflicht“, unterstrich HPV-Obfrau Clau-

Ende Oktober wurde der

Entwurf für ein Landesklimagesetz

an Landesrat

Peter Brunner wurde

überreicht. Foto: HPV

dia Plaikner bei der Vorstellung

des Gesetzentwurfs am

14. November im Naturmuseum

in Bozen. „Er ist auch

eine große Chance für uns

alle. Mehr Versorgungssicherheit

bei der Energie, geringere

Kosten für den Import fossiler

Brennstoffe, saubere Luft und

zukunftsfähige Arbeitsplätze in

der Energie- und Umwelttechnologie

können unsere Lebensqualität

und den Wirtschaftsstandort

Südtirol stärken.“

39-Punkte-Vorschlag

überreicht

Der sehr konkrete 39-Punkte-Vorschlag

der Plattform (auf www.hpv.bz.it mit einer

erklärenden Broschüre herunterzuladen)

orientiert sich an Beispielen regionaler Klimagesetze

in Deutschland, Österreich und

anderen EU-Ländern. Auch die Lombardei

ist Vorbild. Sie hat als erste Region Italiens

im Juli 2025 ein Klimagesetz in Kraft gesetzt.

Der Gesetzesvorschlag ist Ende Oktober

offiziell Umweltlandesrat Peter Brunner

und Anfang November Landtagspräsident

Arnold Schuler überreicht worden.

Der Ball liegt nun beim Gesetzgeber

und der Landesregierung, die schon Interesse

und Bereitschaft bekundet hat

und die Umweltverbände in die Ausarbeitung

einbeziehen will. Somit geht es

nicht mehr um das Ob, sondern um das

Wie und Wann eines solchen Gesetzes.

Es gilt aber, keine Zeit zu verlieren, denn

im Klimaschutz sind 15 Jahre kurz, und

der Weg ist oft steinig.

Thomas Benedikter

KulturFenster 9

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Wenn Heimat Schule macht

Gemeinschaftsprojekt gewinnt Kultur.Forscher!-Preis in Deutschland

Was entsteht, wenn Schule, Kunst und

Heimatpflege ein gemeinsames Ziel verfolgen?

In der Grundschule Rodeneck ist

aus dieser Verbindung ein Projekt gewachsen,

das zeigt, wie kulturelle Bildung Kinder

und Gemeinschaft gleichermaßen bereichern

kann.

Performance mit den Rodenecker Grundschülerinnen im Rahmen der Preisverteilung in

Frankfurt am Main.

Das zweijährige Schulprojekt überzeugte

auch auf internationaler Bühne: Bei der

Verleihung des Kultur.Forscher!-Preises

2025 in Frankfurt am Main wurde es als

herausragendes Beispiel kultureller Bildung

ausgezeichnet.

Gemeinsam mit dem Südtiroler Künstlerbund

und dem Heimatpflegeverband

Südtirol wurde in Rodeneck ein außergewöhnliches

Kunst- und Kulturvorhaben

verwirklicht, das den Begriff Heimat

auf kreative Weise erschließt.

Kinder, Lehrpersonen, Künstler*innen und

Kulturinstitutionen haben dabei erforscht,

was Heimat bedeutet – in der Geschichte,

im Alltag und im eigenen Erleben.

Die Schüler*innen führten Forschertagebücher,

erzählten Tellergeschichten, bastelten

Setzkästen mit persönlichen Erinnerungsstücken,

zeichneten Dorfszenen

und schufen schließlich ein „wachsendes

Kunstwerk“ in der Mensa der Schule:

ein Mosaik aus Scherben, das sich Jahr

für Jahr fortsetzt (siehe „KulturFenster

5/2025). Jede Scherbe, die ein Kind anbringt,

erzählt eine Geschichte – und in

jedem Schuljahr wächst das Kunstwerk

weiter. So wird Heimat sichtbar als etwas,

Dürfen stolz auf das Erreichte sein: die Beteiligten am Projekt bei der Preisverleihung.

Fotos: HPV

KulturFenster 10

06/Dezember 2025


Heimatpflege

das sich verändert, fortsetzt und von vielen

Händen gestaltet wird. Ein Ansatz, der

auch die Jury des Kultur.Forscher!-Preises

überzeugte: Sie lobte die Verbindung von

künstlerischer Praxis, schulischer Entwicklung

und lokaler Verankerung als

„herausragendes Beispiel kultureller Bildung“.

Das Projekt stärke die kreative und

forschende Haltung an der Schule, öffne

neue ästhetische Zugänge und zeige, wie

Kinder ihr eigenes Verständnis von Heimat

formen.

Ein Preis

mit Strahlkraft

Bei der feierlichen Preisverleihung im

Tower 185 in Frankfurt, organisiert von

der PwC-Stiftung in Zusammenarbeit

mit der Universität Marburg, trafen sich

Schüler*innen, Lehrpersonen und Projektbeteiligte

aus ganz Deutschland und

Südtirol.

Neben Rodeneck wurden auch Projekte

aus Leipzig, Düsseldorf, Willich und Potsdam

ausgezeichnet, die sich auf unterschiedliche

Weise mit Kunst, Stadt und

gesellschaftlichem Miteinander befassten.

Unter den Festredner*innen waren

Vertreter*innen des Hessischen Kultusministeriums,

der Universität Marburg

und der PwC-Stiftung.

Jede Scherbe erzählt ihre eigene Geschichte.

menarbeit vieler Beteiligter ist ein lebendiger

Austausch entstanden, der Identifikation

stiftet und das Thema Heimat in

den Ort hineinträgt.

Der Heimatpflegeverband Südtirol, der

Südtiroler Künstlerbund und die Grundschule

Rodeneck wollen diese erfolgreiche

Foto: Karolina Gacke

Zusammenarbeit fortsetzen und künftig

weitere Projekte im Kultur.Forscher!-Netzwerk

entwickeln.

Das Beispiel zeigt, wie kraftvoll kulturelle

Bildung wirken kann, wenn sie gemeinschaftlich

getragen wird.

Evi Brigl

Heimat ist kein fertiger

Zustand, sondern ein

wachsender Raum.

Evi Brigl

Sie unterstrichen die Bedeutung kultureller

Bildung für die Schule der Zukunft. Mit

Applaus wurde der Preis an Direktorin Monika

Leitner, Lehrpersonen, Schüler*innen

sowie Vertreter*innen des Künstlerbundes

und des Heimatpflegeverbands überreicht

– ein Moment großer Freude und Anerkennung

für alle Beteiligten.

Heimat als

gemeinsame Erfahrung

Die Preisverleihung machte deutlich, dass

„Heimat“ weit über die Schule hinaus

wirkt, dass sie kein fertiger Zustand ist,

sondern ein wachsender Raum – offen

für neue Erfahrungen, Geschichten und

Begegnungen. Durch die enge Zusam-

Kultur.Forscher!

Das Programm „Kultur.Forscher!“ möchte ästhetisches Forschen und kulturelle Bildung

an Schulen nachhaltig und lehrplanbezogen verankern. Schulen und außerschulische

Partner*innen wie Museen, Theatern und anderen Kulturinstitutionen

aus Deutschland und Südtirol arbeiten dabei langfristig im Kultur.Forscher!-Netzwerk

zusammen. Kultur.Forscher! ist ein gemeinsames Programm der Arbeitsstelle

Kulturelle Bildung der Philipps-Universität Marburg und der PwC-Stiftung.

www.kultur-forscher.de

KulturFenster 11

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Genuss statt Überfluss

Weihnachten: Der Lebensmittelverschwendung Einhalt gebieten

Achtsamkeit ist das, was uns an Weihnachten

vielfach abhanden gekommen ist. Das gilt

auch für die Festtagsessen, die uns in diesen

Wochen begleiten und eigentlich Teil

der christlichen Tradition sind. Oft werden

zu viele Lebensmittel eingekauft und zu viele

wieder in die Mülltonne geworfen.

Alle Jahre wieder – bilden sich in den Tagen

vor Weihnachten und am Heiligen

Abend lange Schlangen vor den Lebensmitteltheken

der Geschäfte. Es wird eingekauft,

als hätten unsere Läden nach

den Feiertagen weitere sieben Ruhetage.

Außerdem: nur das Beste vom Rind, nur

das edelste Gemüse, und selbst wenn die

Keksdosen bereits rappelvoll sind oder sich

die geschenkten Panettoni in der Speisekammer

stapeln, müssen noch möglichst

exotische Früchte für den obligatorischen

Obstsalat in die Einkaufstasche.

Freilich – das ist ein wenig überspitzt formuliert.

Doch Tatsache ist: Zu keiner anderen

Zeit im Jahr wird so viel gekauft, gekocht

und weggeworfen wie zu Weihnachten.

Der gute Vorsatz vieler, zum heurigen Fest

bewusster einzukaufen, scheitert Jahr für

Jahr aufs Neue – an der Gewohnheit, an der

Sorge, es könnte nicht reichen, oder einfach

am Wunsch, das Fest außergewöhnlich

zu machen.

Verschwendung mit Folgen

An die Folgen dieser puren Verschwendung

denken wir selten – etwa daran, dass lebenswichtige

Wälder abgeholzt, billige Arbeitskräfte

ausgebeutet und Unmengen an

CO 2

-Emissionen ausgestoßen werden, um

unsere scheinbaren Bedürfnisse zu stillen.

Und auch nicht daran, dass Menschen hungern

müssen, weil Meere überfischt oder

fruchtbare Böden für Futtermittel und Monokulturen

ausgelaugt werden. Dabei wäre

es in einer Gesellschaft, in der alles jederzeit

verfügbar ist, gar nicht so schwer, von

allem weniger zu konsumieren.

Anregungen für die Weihnachtszeit:

Einkaufen mit Plan: Mengen rechtzeitig

und realistisch berechnen statt nur mit ungefähren

Vorstellungen in den Laden gehen.

Meist reicht weniger, als man denkt

– schließlich kann kaum jemand drei Tage

hintereinander Festmenüs essen.

Gezielt auswählen: Nur das kaufen, was

sich nach dem Fest noch verwerten lässt.

Rasch einfrieren: Vor allem Gemüse kann

man gut einfrieren, wenn es noch frisch ist.

Sogar Milch, Butter, Hart- und Schnittkäse

sowie Wurst (in kleinen Portionen luftdicht

Vieles, was in unserem Biomüll landet, ließe

sich noch verwerten. Foto: Edith Runer

verpackt), gekochte Gerichte oder Kuchen

können eingefroren werden.

Edith Runer

Kein Buffet, fast kein Abfall

Wie Chefkoch Andreas Götsch Lebensmittel gezielter einsetzt und verwertet

Es gibt sie, die Köch*innen in Südtirol, die

mit gutem Beispiel vorangehen und den

Nachhaltigkeitsgedanken ganz konkret und

mit viel Mut umsetzen. Einer von ihnen ist

Andreas Götsch vom Vitalpina Hotel „Tonzhaus“

in Schnals.

KulturFenster: Herr Götsch, wie haben Sie

es geschafft, die Speisereste auf den Tellern

der Gäste um rund 70 Prozent zu verringern

und auch beim Kochen kaum noch

Bioabfall zu produzieren?

Andreas Götsch: Ohne unsere innere Überzeugung

wäre das wahrscheinlich nicht gelungen.

Wir haben viele kleine Maßnahmen

getroffen und Konzepte ausgearbeitet, hinter

denen wir zu 100 Prozent stehen. Das

beginnt beim Wohl des Tieres, geht über

die Regionalität bis hin zum Respekt vor

dem Lebensmittel, der sich eben auch in

der Vermeidung von Abfall zeigt.

KF: Warum lassen die Gäste heute viel weniger

übrig als früher?

Götsch: Ausschlaggebend war die Abschaffung

des Frühstücks- und des Salatbuf-

fets. Das hat ziemlich Mut gekostet. Aber

mit entsprechender Kommunikation funktioniert

es. Der Gast lässt sich morgens

Wurst, Käse oder was auch immer von

der Servicekraft auf den Teller legen, kann

aber jederzeit nachbestellen. Die Brötchen

sind kleiner. Auch Joghurt mit Obst gibt es

in kleinen Schalen. Ein bunter Salat wird

abends in einer kleinen Schüssel serviert.

Früher passierte es oft, dass sich die Gäste

aufs Salatbuffet stürzten und dann die

Beilagen der Hauptspeise zurückschickten,

weil sie bereits satt waren.

KulturFenster 12

06/Dezember 2025


Heimatpflege

KF: Was machen Sie in der Küche anders?

Götsch: Die Gäste wählen schon morgens

ihr Abendmenü. So können wir besser

kalkulieren. Alles andere ist gute Verwertung.

Wir verarbeiten grundsätzlich

alle Teile vom Tier. Was

kein Schnitzel oder Braten

wird, eignet sich u. a. als

Füllung von Ravioli oder

Rouladen. Übrige Kräuter

werden getrocknet

und als Würze verwendet,

ebenso Gemüseschalen.

Letztere eignen sich auch

als Basis für Suppen und

Saucen. Kohlrabiblätter kann

man blanchieren und wie Spinat ver-

wenden. Die Pressrückstände von Karottensaft

kommen in den Karottenkuchen.

Das sind alles kleine Beispiele, die jeder

Haushalt umsetzen kann.

KF: Brot gehört zu den am häufigsten

weggeworfenen Lebensmitteln.

Geben Sie

uns bitte einen Tipp.

Oft braucht es nur

die Idee, die Umsetzung

ist dann gar nicht

schwierig.

Andreas Götsch

Götsch: Neben dem klassischen Knödelbrot

kann aus altem Brot, egal, ob dunkel

oder hell, auch wunderbare Chips

herstellen, die überdies viel gesünder

sind als die herkömmlichen. Einfach sehr

dünn schneiden, mit beliebig gewürztem

Öl benetzen und im heißen Ofen knusprig

backen.

KF: Es ist oft einfacher, als man denkt …

Götsch: Ja, man muss sich nur trauen.

Hilfreich wäre es sicher, wenn vermehrt

Kurse für die Verwertung von Lebensmitteln

angeboten würden. Denn oft braucht

es nur die Idee, die Umsetzung ist dann

gar nicht schwierig.

Interview: Edith Runer

Gut planen, gut kommunizieren

Wie Küchenchef Alfred Außerhofer Bewusstsein fürs Essen schafft

„Wie schafft es dieser Koch nur, dass mein

Sohn plötzlich von Gemüse schwärmt?“ Diese

Frage haben sich in Bruneck schon einige Eltern

gestellt – und bei Alfred Außerhofer angerufen.

Der Küchenchef des Studentenrestaurants

„Xund“ versorgt täglich mit seinem Team

rund 500 Schüler*innen und Lehrpersonen

mit frischem Essen. Lebensmittelverschwendung?

Kommt bei ihm nicht auf den Tisch.

KulturFenster: Drei Tagesgerichte zur Auswahl,

rund 500 Gäste in drei Turnussen –

und trotzdem sind Speiseabfälle in Ihrem

Restaurant „Mangelware“. Wie geht das?

Alfred Außerhofer: Vorweg: Wir kochen regional,

saisonal, nur mit ausgewählten Zutaten

und gesund. Das A und O bei unserem

Konzept sind gute Planung, gute Kommunikation

und eine gewisse Flexibilität. Unsere

Küche läuft im Unterschied zu herkömmlichen

Mensen auch während der Essensausgabe

auf Hochtouren. Nach dem ersten

Turnus zeigt sich meist schon, welche Gerichte

besonders gefragt sind – und darauf

reagieren wir sofort, indem wir

vom einen mehr, vom anderen

weniger zubereiten. Indem

wir Schüler*innen und

Lehrpersonen die Speisen

erklären und Empfehlungen

geben, bringen wir

sie dazu, auch mal etwas

Ungewohntes auszuprobieren

und bekommen neue Spielräume.

Im Gespräch erfährt man

viel über Vorlieben und Abneigungen, erkennt

damit Trends frühzeitig und kann

Rezepte anpassen.

KF: Wirkt sich Regionalität und Saisonalität

auch auf den Tellerinhalt aus – also darauf,

wie viel übrig bleibt?

Außerhofer: Natürlich. Von weit her importierte

Tomaten im Winter sind zum Beispiel

schnell matschig und fad im Geschmack.

Was in die Jahreszeit passt, ist eher gefragt

und schmeckt dann am besten.

KF: Was passiert mit dem, was am Ende

tatsächlich in der Küche zurückbleibt?

Außerhofer: Zum einen achten wir durch

die Zutaten darauf, dass nichts übrigbleibt.

Wir müssen zum Beispiel kein Frittieröl von

Pommes frites entsorgen, weil wir keine

Pommes zubereiten – worüber es übrigens

keine Klagen gibt. Auch bieten wir

höchstens zwei- bis dreimal pro Woche

eine Fleischspeise an – das kommt vielen

entgegen und ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Unser Vorteil ist, dass

wir auch das Abendessen für

Das A und O bei unserem

Konzept sind

gute Planung, gute

Kommunikation und

eine gewisse Flexibilität.

Alfred Außerhofer

ein Schülerheim zubereiten – so können

wir Restposten gut ins Angebot integrieren.

Bleiben mittags Nachspeisen übrig,

die wir nicht mehr anbieten könnten, gibt’s

sie auch mal gratis. Sehr beliebt ist unser

Angebotsteller am Freitag – da wird viel

von dem verwertet, was bis zum Wochenende

aufgebraucht werden soll.

KF: Trotzdem wird ab und zu etwas auf den

Tellern bleiben, wenn die Augen größer waren

als der Appetit …

Außerhofer: Auch da hilft Kommunikation.

Wir fragen vorher, ob der Hunger wirklich

so groß ist, wie die Portion sein sollte. Und

es klingt vielleicht seltsam, aber Abfallkontrolle

gehört bei uns dazu. Manchmal stehe

ich selbst dort, wo die Schüler ihre Teller

abstellen, und frage nach. Wenn sich zeigt,

dass etwas regelmäßig liegen bleibt, wollen

wir wissen, warum.

KF: Geht es Ihnen dabei auch darum, ein

Bewusstsein für Wertschätzung und gutes

Essen zu vermitteln?

Außerhofer: Natürlich. Deshalb führen wir

neue Gäste – Schüler*innen wie Lehrpersonen

– immer kurz in unser Konzept ein.

So entsteht automatisch ein Gespräch, und

das wirkt Wunder. Uns freut es besonders,

wenn Eltern später anrufen und nach Rezepten

fragen. Dann wissen wir: Unsere

Idee kommt an – und sie wirkt über den

Tellerrand hinaus.

Interview: Edith Runer

KulturFenster 13

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Empörung, Aufstand, Aufbruch

Kulturfahrt auf den Spuren des Bauernführers Michael Gaismair

Groß war das Interesse an der Ausstellung über Michael Gaismair und seine Zeit.

Fotos: HPV

Wie aktuell Geschichte sein kann, zeigte

die Kulturfahrt des Heimatpflegeverbandes

Südtirol am 11. Oktober.

Unter der fachkundigen Begleitung des Historikers

Philipp Tolloi vom Südtiroler Landesarchiv

begaben sich Heimatpfleger*innen

aus allen Landesteilen auf die Spuren von

Michael Gaismair – von Neustift bis Sterzing,

dorthin, wo 1525 der Tiroler Bauernaufstand

seinen Ausgang nahm.

Die Auseinandersetzung mit Michael Gaismair

ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit.

Sie öffnet ein Fenster auf Fragen,

die bis heute drängen: nach Gerechtigkeit,

Mitbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung.

Claudia Plaikner, Obfrau des

Heimatpflegeverbandes, brachte es zu Beginn

der Exkursion auf den Punkt: „Heimatpflege

ist nicht nur Bewahrung, sondern

immer auch ein Nachdenken über Wandel

– über das, was Gemeinschaft trägt.“

Empörung und

Aufbruch in Neustift

Erste Station der Exkursion war Neustift,

wo Kurator Hanns-Paul Ties durch die Ausstellung

„Empörung! Kloster Neustift im

Bauernaufstand 1525“ führte. Die Schau

machte deutlich, wie eng religiöse, soziale

und wirtschaftliche Konflikte im Tirol des

16. Jahrhunderts miteinander verwoben

waren. Hier wurde Michael Gaismair zum

In der Klosterbibliothek Neustift wurden zeitgenössische Dokumente zum Baueraufstand gezeigt (links). In Sterzing führte Kuratorin

Michaela Stolte durch die Ausstellung im Multschermuseum (rechts).

KulturFenster 14

06/Dezember 2025


Heimatpflege

Bauernführer gewählt und formulierte in

der Folge seine Forderungen nach einer

neuen, gerechteren Ordnung. Zwischen

Originaldokumenten und zeitgeschichtlichen

Zeugnissen entstand ein lebendiges

Bild jener Tage, in denen „Empörung“ zum

Motor des Aufbruchs wurde.

Ein Kind des Bergbaus

Auf der Weiterfahrt nach Sterzing vertiefte

Philipp Tolloi das Verständnis für die gesellschaftlichen

Hintergründe der Epoche.

Der Bergbau, über Jahrhunderte Garant

des Wohlstands, befand sich im Umbruch.

Gaismair, „ein Kind des Bergbaus“, war in

diese Welt der Widersprüche hineingeboren

– vertraut mit Arbeit und Abhängigkeit,

mit Hoffnung und Enttäuschung.

Ohne diesen familiären und sozialen Hintergrund,

so Tolloi, wäre er wohl kaum so

empfänglich gewesen für die Ideen des

Aufstands und die Vision einer neuen Gesellschaft.

Mit historischem Tiefblick und

erzählerischem Gespür verband Tolloi Fakten,

Biografie und Rezeptionsgeschichte

– und ließ Gaismair als Mensch und Denker

greifbar werden.

Kunst als Resonanzraum

In Sterzing führte Michaela Stolte durch

die Ausstellung „Den Aufstand proben“

im Multschermuseum, die im Rahmen des

Jubiläumsjahres „Mitmischen! Ma come?“

Kunst, Protest und gesellschaftliche Teilhabe

miteinander verknüpfte.

15 Künstler*innen aus Südtirol, Italien, Österreich

und darüber hinaus setzten sich

kritisch und poetisch mit Fragen nach

Macht, Fürsorge, Geschlechterrollen und

sozialer Gerechtigkeit auseinander. Die gelungene

Schau versteht sich als Labor und

Diskussionsraum – ein Ort, an dem Kunst

den Dialog über Wandel und Verantwortung

anstößt und damit an Gaismairs Vermächtnis

erinnert.

Gedonkn zi do Krippe

A holzans Heisl mit an Krippile drin,

gonz unschuldig und still

isch do ’s Chrischtkind geborn,

ols Heilond wor’s ausokorn!

Der helle Stearn wor gonz ungewehnt,

den hobm die Hirtn ett no gekennt!

Er hot sie hingfiert zi den Stoll,

ban Unblick seinse in die Knie gfoll:

– Die Heilige Familie mitn Jesukind

koa bessara Herberge find –?

A Ochse und an Esl sein ah donebm

und vosuichn awian Werme zi gebm!

Ah die Heiligin Drei Kinige hobm gsegn den Stearn

und sein ihm gfolg, gonz gearn,

hobm ah Gschenke mietgebrocht,

in Herodes obo nicht dozehlt donoch!

Ah ins soll der Stearn begleitn

und insra Herzn weitn,

sie òffe holtn und bereit sein

zi sogn – keahrt ba mier ein – !

’s Krippile soll schmickn inso dohoam,

bol mos unschaugn, fiehl mo ins nia alloan,

wenn mo des Kindl in inson Herzn trogn,

brauch mo gewiss nia zi vozogn!

In dem Sinne winsch ih enk ölla –

a frohes und gsegnts Weihnochtn vor do Krippe –.

Maria Hilber Mutschlechner († März 2025)

Der Geist des Austausches

So, wie die Ausstellung den Dialog zwischen

Vergangenheit und Gegenwart sucht, setzte

sich dieser Geist des Austauschs auch unter

den Teilnehmenden fort. Zwischen den

Stationen, in den Gesprächen im Bus und

beim abschließenden Umtrunk in Sterzing

wurde spürbar, was diesen Tag besonders

machte: Begegnung und gemeinsames

Nachdenken.

Evi Brigl

KulturFenster 15

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Kulturerbe in Gefahr

Exkursion zu den letzten Strohdächern des Tschögglberges

Mehr als 60 Höfe mit Strohdach gab es noch

in den 1970er-Jahren auf dem Tschögglberg.

Heute sind es nur noch vier. Anlässlich des

Tages des Denkmals am Sonntag, dem 28.

September, rückte der Heimatpflegeverband

dieses wertvolle Kulturerbe in den Mittelpunkt

– mit geführten Besichtigungen, praktischen

Vorführungen und einem Appell zur

Rettung der letzten Strohdachhöfe.

Der Tag wurde in Zusammenarbeit mit dem

Landesdenkmalamt, dem Südtiroler Landesmuseum

für Volkskunde, der Gemeinde

Vöran und vor allem mit den Besitzern der

mit Stroh gedeckten Stadel organisiert. Bei

einer ganztägigen Exkursion wurden drei

der vier Höfe mit Strohdach besucht. Diese

Höfe – Spitzegg, Sunnegg und Gfrar in Vöran

sowie der Duregghof in Jenesien – sind die

letzten Strohdachhöfe Südtirols, die weiterhin

von bäuerlichen Familien bewohnt und

bewirtschaftet werden. Besichtigt wurden die

Höfe Spitzegg, Gfrar und Duregg.

Wissen und Fertigkeit

erforderlich

Die Eigentümer gaben dabei authentische

Einblicke in ein fast vergessenes Stück

Kulturgeschichte. Spannend war es, die

Dachkonstruktion von innen zu betrachten:

Durch das hölzerne Tragwerk zeigen

sich die gebündelten Roggenhalme (Schaben),

die mittels Weidenruten (Wieden) an

Der Spitzegghof in Vöran

erlernt hat, die Vorbereitung der Roggenhalme

zu Bündeln. Dabei wurde deutlich,

dass dieses Handwerk spezifisches Wissen

und große Fertigkeit erfordert.

Am Duregghof präsentierten Paul und Christa

Lun ein Holzmodell eines Strohdachs.

Anhand dieses Modells erklärten sie den

Besucher*innen anschaulich die Tech-

nik zur Befestigung der Roggenbündel mit

Weideruten.

Was Strohdächer

so wertvoll macht

Josef Oberhofer, ehemaliger Direktor des

Heimatpflegeverbands, berichtete, wie sich

Damit die wenigen noch existierenden

Strohdächer nicht

unwiederbringlich verloren gehen,

braucht es die öffentliche

Wertschätzung.

HPV

Zwei Strohdachdecker-Generationen: Michael

Reiterer und Franz Pircher

den Dachlatten befestigt werden. Der junge

Zimmermann Michael Reiterer, einer der

wenigen in Südtirol, die dieses Handwerk

noch beherrschen, demonstrierte zusammen

mit dem erfahrenen Strohdachdecker

Franz Pircher, von dem er den Beruf

Vor dem Stadeltor am Duregghof

Paul Lun vom Duregghof befestigt mit zugespitzten

Weideruten die Schaben an den

Dachlatten (Modell)

KulturFenster 16

06/Dezember 2025


Heimatpflege

der Schutz der Strohdächer seit den Anfängen

entwickelt hat. Alle drei Eigentümer –

Markus Pircher (Spitzegg), Thomas Alber

(Gfrar) und Paul Lun – betonten, wie aufwändig

und zeitintensiv die Pflege der Dächer

ist, zugleich aber auch, wie faszinierend

diese Bauweise bleibt: Strohdächer

„atmen“, halten sowohl Kälte als auch Hitze

fern und schaffen ein besonderes Raumklima.

Paul Lun erzählte, dass er und seine

Frau jährlich rund zwei Monate allein für

die Instandhaltung des Daches aufbringen.

Dazu zählen die Aussaat und Pflege

des Roggens, das Mähen, Dreschen und

Bündeln der Halme, das Sammeln und

Zuspitzen der Weidenruten sowie die Erneuerung

eines sogenannten Jahresstreifens

am Dach. Damit die wenigen noch

existierenden Strohdächer nicht unwiederbringlich

verloren gehen, braucht es

die öffentliche Wertschätzung. Seit diesem

Jahr gibt es eine neue, gezielte Förderung

über das Landesdenkmalamt, die

sich hoffentlich bewähren wird.

Tradition in die Zukunft tragen

Gemeinschaftsprojekt fördert Wertschätzung für traditionelles Handwerk

Erneut haben der Heimatpflegeverband Südtirol,

die Seniorenvereinigung im Südtiroler

Bauernbund und der Jugenddienst Lana-Tisens

ein gemeinsames Projekt durchgeführt,

das für Brauchtum und die Weitergabe traditioneller

Handwerkskultur steht.

Im Jugendtreff „T-14“ in Burgstall errichteten

rund 20 Jugendliche in der letzten

Woche der Sommerferien gemeinsam mit

zwei Handwerkern aus dem Ultental einen

Speltenzaun – eine traditionelle, heute selten

gewordene Zaunform aus gespaltenem

Holz. Unterstützt durch die Forststation

Lana, sammelten die Jugendlichen selbst

geeignete Fichtenäste im Wald, bereiteten

sie auf und flochten daraus die Spelten

zum Zaun. Die Landespräsidentin der Seniorenvereinigung

im Südtiroler Bauernbund,

Theresia Agreiter Larcher, bereitete

gemeinsam mit den Jugendlichen zu Mittag

traditionelle Gerichte zu.

Bei einer Projektwoche im Herbst bauten

zwölf Jugendliche ihre eigene Goaßl – und

probierten sie beim Schnölln aus. Beide

Projektwochen konnten weitgehend mit

dem Preisgeld der Südtiroler Bauernjugend

finanziert werden: Im Rahmen der

Initiative „Ge®meinsam erhalten“ war

„Ol(t)s HONDwerk“, eine Projektwoche der

drei Partner zum traditionellen Handwerk

im Sommer 2024, als bestes von 17 Projekten

ausgezeichnet worden.

„Brauchtum ist kein museales Erbe, sondern

lebendige Kultur“, betont die Obfrau

des Heimatpflegeverbands Südtirol, Claudia

Plaikner. „Wenn junge Menschen selbst

Hand anlegen, wenn sie spüren, was hinter

einem alten Handwerk steckt, dann entsteht

echte Wertschätzung – und das ist der beste

Weg, Tradition in die Zukunft zu tragen.“

Ein Speltenzaun, von jugendlicher Hand

gefertigt.

Knödel drehen – auch das muss gelernt sein.

Fotos: JD Lana-Tisens

Eine selbst gebaute Goaßl wird künftig der ganze Stolz dieses Jugendlichen sein.

KulturFenster 17

06/Dezember 2025


informiert & reflektiert

Wo Sprache Wurzeln schlägt

Jahrestreffen des Internationalen Dialektinstitutes (IDI) in Goldrain

Fröhliche

Autor*innen

bei der Jahrestagung

des Internationalen

Dialektinstitutes

Fotos:

Gerd Allmayer

Vom 17. bis zum 19. Oktober traf sich das

Internationale Dialektinstitut (IDI) zu seiner

Jahrestagung, die heuer auf Schloss

Goldrain stattfand. In Zusammenarbeit mit

der Arbeitsgemeinschaft MundArt und ihrer

Dachorganisation, dem Heimatpflegeverband

Südtirol, wurde drei Tage lang diskutiert,

gelesen und zugehört – ganz im

Zeichen der Mundart.

Mundartdichter*innen aus dem gesamten

deutschen Sprachraum kamen in den

Vinschgau.

Unter freiem Himmel führte Johannes Ortner,

Vorsitzender der ArGe Mundart, in die

(Sprach-)Geschichte des Vinschgaus ein

und brachte anschließend in seinem Vortrag

die Mundartbezeichnungen der Südtiroler

Pflanzen sprichwörtlich zum Blühen.

Am Abend gaben Autor*innen Textproben

zum Besten, humorvoll-pointiert bis poetisch

– und jeweils nur zwei bis fünf Minuten

lang. Vom Platt Schleswig-Holsteins

über die alemannischen Mundarten und

jene Hessens und Frankens bis zum Waldviertel

– Deutsch in all seinen Spielarten war

da zu hören. Je nach Dialekt musste man

gehörig die Ohren spitzen. Faszinierend

war die Varianz an Färbungen und Nuancen

des Deutschen.

Am Samstag führte der Weg der Sprachinteressierten

zum Kloster Marienberg, wo die

Kulturführerin Helene Dietl durch die neue

„alte“ Stiftsbibliothek führte. Anschließend

gaben Südtiroler Mundartdichter*innen

Kostproben ihres Könnens ab.

Literatur

vom Feinsten

Am Abend dann der Höhepunkt: Der Begrüßung

durch den Latscher Bürgermeister

Mauro Dalla Barba und durch die Obfrau

des Heimatpflegeverbandes Südtirol, Claudia

Plaikner, folgte der literarische Vortrag

der beiden Grödnerinnen Rut Bernardi und

Nadia Rungger – auch das Ladinische hatte

einen prominenten Platz bei diesem Treffen.

Viel Zuspruch bekamen auch die Poetry-

Slamerin Lene Morgenstern aus Salurn und

der Dichter Wolfgang S. Baur (Toblach/Berlin),

der als und Multisprachentalent gilt.

Musikalisch umrahmt wurde die Abendveranstaltung

von Vintschgr Korrnrliadrn,

die der Malser Komponist und Musiklehrer

Ernst Thoma mit Begleitung vortrug. Als

Dankeschön erhielten alle Tagungsteilnehmenden

das Buchgeschenk „Korrnrliadr“

von Luis Stefan Stecher.

Sprachenvielfalt in Südtirol

Am Sonntag moderierte Johannes Ortner

eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachenvielfalt

in Südtirol“. Rut Bernardi, Günther

Pallaver, Angelika Pedron, Franz Lanthaler

und Markus Manfred Jung, der sehr

rührige Vorsitzende der IDI, fachsimpelten

über die Dialekte unseres Landes.

Reich beschenkt verabschiedete sich das

lokale Organisationsteam, bestehend aus

Margit von Elzenbaum aus Auer, selbst

langjähriges IDI-Mitglied, und Johannes

Ortner. Gedankt wurde auch dem Heimatpflegeverband

Südtirol und der Bezirksgemeinschaft

Vinschgau für die finanzielle

Zuwendung.

Johannes Ortner

Besondere

„Sprachen“

und besondere

Musik prägten

den zweiten

Tag auf

Schloss

Goldrain.

KulturFenster 18

06/Dezember 2025


Heimatpflege

Zweite Trachtenwallfahrt

Ein Stück Weg gemeinsam gehen

Am Sonntag, 12. Oktober, fand in Sarnthein

die zweite Südtiroler Trachtenwallfahrt statt.

Bei schönem Herbstwetter versammelten

sich auf Einladung des Landesverbandes

für Heimatpflege, des Heimat- und Kulturvereins

Sarntal und der Pfarrei Sarnthein

Trachtenträger*innen, die Musikkapelle

Sarnthein und Fahnenabordnungen

am Griesplatz im Sarntaler Hauptort. Es

folgte ein feierlicher Einzug in die Pfarrkirche,

wo Pater Basilius Schlögl den Festgottesdienst

zelebrierte.

In seiner Ansprache verglich Pater Basilius

den strahlenden Herbsttag mit der bunten

Vielfalt der Trachten und sagte, dass

das Tragen der Tracht vor allem im Sarntal,

aber auch in den anderen Landesteilen,

eng mit den kirchlichen Feiertagen

und dem kirchlichen Brauchtum verbun-

Beim Gottesdienst in der Pfarrkirche

den ist. Wallfahren bedeute, ein Stück Weg

hin zu einem Ziel gemeinsam mit anderen

Menschen zu gehen und Dankbarkeit zu

zeigen. Tracht tragen sei auch nachhaltig,

da diese Kleidungsstücke oft von Generation

zu Generation weitergegeben werden.

Der Gottesdienst wurde vom Kirchenchor

Sarnthein musikalisch umrahmt. Karolina

Aichner, die Obmannstellvertreterin des Heimat-

und Kulturvereins Sarnthein, dankte

anschließend allen, die diese Trachtenwallfahrt

mitgetragen hattten. Sie endete

mit einer Aufführung der Volkstanzgruppe

und einem Umtrunk mit Köstlichkeiten von

Sarner Bäuerinnen auf dem Kirchplatz.

Johanna Weithaler Gapp

VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK

Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr

Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol*

Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest

18./20. Dezember 2025: Bräuche im Wandel

von Halloween bis Heiligabend. Ein Streifzug mit der Volkskundlerin Barbara Stocker

Mit Heike Tschenett

22./24. Jänner 2026: Strohdächer am Tschögglberg

Michael Reiterer über eine verschwindende Handwerkskunst.

Mit Barbara Wiest

Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr

Dahoam in Tirol

Dialekte, liebgewonnene oder

längst vergessene Tiroler

Bräuche, Plaudereien

*Kurzfristige Programmänderungen möglich

KulturFenster 19

06/Dezember 2025


hinausgeblickt

Mit Wohlwollen

auf das Leben schauen

Biografiearbeit mit Senioren – Ein wertvolles Kulturgut

Der Heimatpflegeverein Marling lud Mitte

Oktober in Zusammenarbeit mit der Bibliothek

Marling zu einem Kurzfilm und einem

anschließenden Vortrag ein. Im Mittelpunkt

stand die Biografiearbeit, bei der sich ältere

Menschen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte

befassen. Elisabeth Grutsch,

Ausschussmitglied des Vereins, hat ältere

Marlinger*innen dazu motiviert, ihre Erinnerungen

aufzuschreiben. Und das sind ihre

spannenden Erfahrungen.

Als junge Sozialassistentin bin ich zur Biografiearbeit

gekommen und habe viele Menschen

in schwierigen Situationen begleitet.

Nur wenn ich ihre Geschichte kenne, kann

gemeinsam ein Projekt entwickelt werden.

Ich habe viel gelesen und Fortbildungen besucht.

Seit 2014 bin ich im Heimatpflegeverein

Marling aktiv und beschäftige mich

mit Zeitzeugen meines Dorfes. Sie geben

ihre Erinnerungen gerne weiter. Sie verfügen

über viel Wissen über Zeitgeschichte,

Politik, Soziales, Kultur und Wirtschaft. Es

ist ein Anliegen des Heimatpflegevereines,

Erinnerungen zu sammeln. Erinnerungen

sind Kulturgut. Dialekt wird so bewahrt.

Es gibt in jedem Leben Erfahrungen,

die „eingeforen“

sind und durch die Erinnerungsarbeit

wieder ins Fließen

kommen können.

Elisabeth Grutsch

Was ist Biografiearbeit?

Elisabeth Grutsch im Gespräch mit Ferdl Kaufmann einige Wochen vor seinem Tod.

Biografiearbeit ist strukturiertes, angeleitetes

Erinnern. Darum geht es:

Wohlwollen, nicht Bitterkeit, Groll, Traurigkeit,

Enttäuschung, Zorn … sollen unsere

Erinnerungen bestimmen. Aber diese Gefühle

sollen aber auch Platz haben.

Erinnerungspflege versucht, bei Hochbetagten

und Menschen mit Demenz Erinnerungen

wieder zum Klingen zu bringen.

Häufig werden Gegenstände eingesetzt, wie

ein altes Telefon, 47/11 (Kölnisch Wasser),

eine alte Kaffee- oder Nähmaschine …

Wozu Biografiearbeit?

Sie kann viel bewirken: Schutz vor Isolation

und Einsamkeit – emotionales Wohlbefinden

– einen Menschen über seine Erfahrungen

besser verstehen – Rückschau auf

das Leben – Identitätsbewusstsein – Training

des Gedächtnisses und der Sprache.

Es gibt in jedem Leben Erfahrungen, die

„eingeforen“ sind und durch die Erinnerungsarbeit

wieder ins Fließen kommen

können. Im Erzählen wird oft klar, dass

äußerst schwierige Lebenssituationen bewältigt

wurden. Manchmal kann ein alter

Groll aufgegeben werden; Versöhnung ist

möglich.

Verschiedene Studien zeigen, dass die

Menschen, die sich mit ihren autobiografischen

Erinnerungen beschäftigen, weniger

depressiv und geistig beweglicher

bleiben als jene, die das nicht tun. Traumata

können bearbeitet werden und weniger

belasten. Eine über 80-jährige Frau

erzählte mir immer wieder vom tödlichen

Unfall ihres Bruders. Dieses traumatische

Ereignis belastete sie ihr Leben lang. Durch

aufmerksames Zuhören meinerseits gelang

es ihr, diese Erfahrung zu integrieren; der

Schmerz wurde spürbar kleiner.

Woran erinnern sich alte

Menschen?

Einige Beispiele: an die Kindheit mehr als

an die Jahre als Erwachsene – Option und

Kriegsjahre – Familiengeschichten – besondere

Ereignisse im Dorf oder Land – berufliche

Erfahrungen – Unfälle und Krankheiten

– Reisen – sportliche Tätigkeiten …

Eine Zeitzeugin im Interview

In Marling gab es zwei Schreibwerkstätten

(„augrouglg und niedrgschriebn“ 2010 und

„Marlinger Berg“ 2013) unter der Leitung

von Lena Adami und mehrere Veröffentlichungen

über bekannte Persönlichkeiten

KulturFenster 20

06/Dezember 2025


Heimatpflege

Buchvorschläge

für Biografiearbeit

Verena Kast, „Was wirklich zählt, ist

das gelebte Leben, die Kraft des Lebensrückblicks“,

Herder Verlag 2024

Esther Matolycz, „100 Fragen zur

Biografiearbeit“, Brigitte Kurz Verlag

2013

aus dem Dorf. Die Bücher können in der

Bibliothek Marling ausgeliehen werden.

Sepp Gufler vom HPV Marling war eine

treibende Kraft dieser Initiativen.

Bei der Veranstaltung in Marling wurde der

Film „Lisl Haller – Törggele Lis“ (1927–

2019) von Sepp Gufler 2014 gezeigt. Lisl

Haller war eine lebendige Frau und viel

im Dorf unterwegs. Sie ist bei ihren Verwandten

aufgewachsen. Trotz schwieriger

Ausgangssituation entwickelte sie innere

Stärke. Auf die Frage, wie sie es schaffte,

bis ins hohe Alter gesund und beweglich

zu bleiben, antwortete sie: „Olle Tog aufwärts

oder owärts“ (täglich hinauf- oder hinuntergehen).

Sie beteiligte sich aktiv an

der Schreibwerkstatt. Der Film begeisterte

das Publikum und weckte Erinnerungen

an eine liebenswerte Frau.

Bewegende Lebensgeschichte

Anschließend berichtete ich über die Treffen

mit weiteren Senioren aus Marling.

2023 führte ich drei Gespräche mit Wendelin

Pircher („Törggele“

1931–2023),

er war Lisls Cousin.

1996 fing er an, die

Erinnerungen seiner

Eltern zu transkribieren,

etwa an seine

Kindheit und Jugend,

an landwirtschaftliche

Geräte und Arbeitsmethoden,

an Ereignisse

im Dorf und in Südtirol.

Die Familie war 1929 nach Argentinien

ausgewandert, 1932 wieder nach Marling

zurückgekehrt. Die Rückkehr in die Heimat

erfolgte, weil seine Mutter das Klima in

Südamerika nicht vertrug und es zu Hause

Probleme mit den Pächtern gab. Es war

ein sehr schwieriger Schritt für seinen Vater.

Im Buch von Georg Grote – „Die zerrissene

Generation. Südtiroler Schicksale

Durch den Faschischtischen

Druck auf uns Deutsche,

viel uns der Entschluß nicht

so schwer auszuwandern.

im Faschismus und Nationalsozialismus

1922–1942“ – wurden Auszüge aus den

Tagebüchern seiner Eltern und Fotos veröffentlicht.

Viele Menschen verließen die

Heimat aus Politikverdrossenheit. Sehr

oft spielte auch Abenteuerlust eine Rolle.

Der Vater beschrieb seine Beweggründe

sehr treffend (unkorrigierte Version):

„Durch den Faschischtischen Druck auf

uns Deutsche, viel uns der Entschluß nicht

so schwer auszuwandern, denn ich sagte

mir stets: Der erste Krieg mit der darauffolgenden

Kriegsgefangenschaft wo wir kaum

ein Wiedersehen in der Heimat hofften, in

der Folge des russischen Bürgerkrieges;

Krankheiten u.s.w. und als wir endlich

doch heim kamen, waren diese Verhetzten

Schwarzhemden Teufel da…Weshalb ich

mir sagte, es hat keinen wert hier Lebenslänglich

auf bessere Zeiten zu warten, wen

wir uns in der Heimat als Fremde fühlen

müssen, dann gehen wir nochmals in die

Fremde, den soviel Recht können wir dort

auch finden. In der Heimat sich als Fremder

fühlen ist noch schwerer.“

Die Menschen, die heute in unser Land

kommen, tun dies oft aus ähnlichen Beweggründen.

Wenn wir uns mit den Geschichten

aus früheren Zeiten auseinandersetzen,

können wir die heutigen Einwanderer

oder Flüchtlinge besser verstehen.

Erinnerungen

an die Schule von damals

Auch Ferdl Kaufmann („Knabler“, 1921–

2022) erzählte mit fast 100 Jahren sehr

lebendig und bildhaft von seiner Kindheit

und Jugend, seinen Erfahrungen im Krieg

und in der Gefangenschaft

sowie von der

Landwirtschaft, wo er

Zeit seines Lebens

tätig war:

„Die Schual wor ban

Theiner. In Forst die

Okürzungen oi, a guate

Rodlbun gwesn,

bis zun Theiner oigforn.

Die 1. und 2.

Klasse und die 3., 4. und 5. Klass. Um 10

hobn mir 20 Minuten Pause kopp. In Pfinstig

(Donnerstag) hobn mir frei ghob. Mir

hobn italienische Schual gkop. Olleweil

walsch reiden. Die Lehrpersonen sein nit

sou schlimm gwesn wia in ondre Ortn. Im

Hof hobn mir „Derwischaluss“ und „Schlongen

ziachn“ getun: einonder heben, Kurven

mochn, in leschten reißt aweck. (lacht)

A Turnstong isch a gwesen, mir hobm ins

Wendelin Pircher

Wendelin Pirchers Wut auf die Faschisten

war in seinen Texten deutlich zu spüren.

eigstemp. Sport wor nicht soviel wia heint.

Ober der Schual wor an Eisplotz, mir hom

gekennt ummerschleifen.

Bin a schlechter Schialer gwesn, hon kuan

Willn kop, soviel, dass i a Zeignis gekriegt

hon, dass i aufgstiegn bin. Hon mir iberhap

nicht dermerkt. Mein Bruder hot ba

der Londkort olls gewisst. I hon olm liabr

gorbatet. Der Votr hot olm mi ungstellt. Die

Reber, Platter, worn Kollegen. Ban Huamgian

hobn mir viel zu rafen gkop. Wenn

sie zomgholtn hobn, hon i mi nit derwert.

Mein Bruader Sepp hot sich nia für de Sochn

interessiert, der wor gonz ondersch.“

Gabriella Foresti, eine 1945 geborene Italienerin,

die bis 1988 in Marling gewohnt

hat, erklärte in ihren Erinnerungen sehr

deutlich, warum die Beschäftigung mit der

Lebensgeschichte sinnvoll ist: „La mia infanzia

a Marlengo e stata proprio bella. Ricordare

è sempre come rivivere.“

Zum Abschluss lade ich ein, Senioren aufmerksam

zuzuhören. Es kann für sie und

auch für uns eine große Bereicherung sein.

Elisabeth Grutsch

Lisl Haller – hier eine Abbildung aus dem

Kurzfilm – war im Dorf vielen bekannt.

Fotos: privat

KulturFenster 21

06/Dezember 2025


hinausgeblickt

Fast vergessene Berufe

Handwerkerfest zum Staunen und Mitmachen in Seis am Schlern

Wie wird aus Weidenholz ein Korb? Was

macht ein handwerklich hergestelltes Messer

aus? Wie fertigt man einen Zaun ohne

Nägel? Das erfuhren die Besucher*innen

bei einem Handwerkerfest.

Gemeinsam mit den Heimatpflegevereinen

Schlern-Kastelruth und Völs, der Ortsgruppe

Kastelruth des Wirtschaftsverbandes

für Handwerk und Dienstleister (lvh) sowie

dem Pfarrgemeinderat Seis veranstaltete

der Tourismusverein Seis am Schlern

im September ein Fest zum Thema „Altes

Handwerk unterm Schlern“.

Schuster, Spinner, Drechsler, Fassbinder,

Korbflechter, Messerschmied – zahlreiche

erfahrene Handwerker*innen gaben Einblick

in ihre Berufe, die fast in Vergessenheit

geratene sind. Besucher*innen durften

sich im Weidenflechten üben, und auf

Bauernmarktständen wurden Produkte

aus der Umgebung angeboten. Traditionelle

Volksmusik und eine Schuhplattlergruppe

trugen zur Unterhaltung bei. Auch

wurden regionale Spezialitäten serviert.

Einige (fast) vergessene Berufe:

die Spinnerin, die Trachtenschneiderin,

der Schuster und der Speltenzaunbauer.

Fotos: Roschan Fill

Redaktionsschluss für

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des

Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 17. Jänner 2026

22

KulturFenster 06/Dezember 2025


Kulturgeschichte

und Gaumenfreuden

Heimatschutzverein Lana im oberen Vinschgau und in Tisens unterwegs

Der Heimatschutzverein Lana unternahm

eine Kulturfahrt in den oberen Vinschgau und

eine volkskundliche Wanderung in Tisens.

Im oberen Vinschgau begaben sich die

Teilnehmenden der Kulturfahrt zunächst

auf eine Entdeckungsreise durch Südtirols

kleinste Stadt Glurns mit ihrer vollständig

erhaltenen Ringmauer aus dem

16. Jahrhundert und den drei wuchtigen

Tortürmen. Die Stadttore, die Laubengasse

und die Bürgerhäuser würden auch heute

noch ein malerisches Bild lebendiger Geschichte

vermitteln, erklärte der Stadtführer

Adolf Wittmer.

Er beeindruckte auch mit Erzählungen

aus der Vergangenheit von Glurns als regionales

Handelszentrum, von einem kuriosen

Prozess rund um eine Schar von

Mäusen oder über den Maler Paul Flora.

Nach dem Besuch am Gamsegghof in Melag

in Langtaufers – samt Käseverkostung

– machte die Gruppe noch kurz Halt am

Reschensee, der genau vor 75 Jahren

gestaut wurde, wodurch Alt-Graun verschwand.

Der versunkene Turm im Reschensee

ist eines der Wahrzeichen des

Vinschgaus.

Gebäuden aus dem Mittelalter begegnet man in Glurns immer wieder.

dort vorkommenden Pflanzen mit eigentümlichen

Namen wie Teufelszwirn und

Drudenfuß trugen im Mittelalter sicher

dazu bei, den Glauben an Dämonen zu

schüren, und haben die Entstehung von

Sagen gefördert. So wurden auch bei der

Wanderung die Töniger Wetterhexen, der

Tuifl und der Tazlwurm erwähnt, allesamt

Figuren, die sich rund um die einstige

Fotos: Albert Innerhofer

St.-Anton-Abt-Kirche tummelten und die

Gegend am Vorbichl, insbesondere beim

Tuiflstoan, im Höllental und beim Schiachen

Berg, unsicher gemacht haben sollen.

Albert Innerhofer

Weitere Informationen über diese Kirche siehe: Elfriede

Zöggeler Gabrieli, Die abgekommene St.-Anton-Abt-

Kirche bei Tisens, Mythos und Wahrheit.

In: Der Schlern 99/2025, Heft 8/9, S. 54–94.

Heilige und Dämonen

Bei der volkskundlichen Wanderung in

Tisens begaben sich die Teilnehmenden

auf die Spuren der aufgelassenen St.-Anton-Abt-Kirche.

Der Rundgang begann

in der Pfarrkirche Tisens, wo der hl. Anton

Abt gemeinsam mit weiteren Heiligen

auf einem Fresko an der Südwand des

Glockenturms abgebildet ist. Über den

St.-Anton-Weg, der durch Obstwiesen führt,

erreichte die Gruppe die Reste der alten

Umfriedungsmauer des einstigen Wallfahrtskirchleins,

das in der zweiten Hälfte

des 18. Jahrhunderts den Reformen von

Kaiser Joseph II. zum Opfer gefallen war.

Interessant war der Aufenthalt auf dem

bereits 1305 urkundlich erwähnten Unholdenbühel.

Seltsame Steinformationen,

die heute noch zu sehen sind, sowie die

Robert Hohenegger

erklärte seine

Arbeit am Hof.

Mitglieder des Heimatschutzvereins

Lana bei der

St.-Anton-Abt-Wegkapelle

in Tisens

KulturFenster 23

06/Dezember 2025


hinausgeblickt

Schmucke Hofkapelle

Patrozinium in der Noafer-Hofkapelle

Die schlichte Hofkapelle beim Noafer in Glaning

Die Kapelle beim Gasthaus „Noafer“ in

Glaning/Jenesien ist der heiligen Maria,

der Mutter Gottes, geweiht. Daher wurde

am 13. September 2025, wie jedes Jahr

am Samstag nach Maria Namen, das Patrozinium

gefeiert.

und den hl. Ärzten Cosmas und Damian

sind zu sehen, zudem ein Bild des Heiligen

Herzens Jesu. Die Kapelle ist öffentlich

zugänglich und wird stets liebevoll

mit Blumenschmuck geziert.

Maria Lamprecht

Pater Urban Stillhard zelebrierte den Gottesdienst.

Ein Dreigesang aus Weitental

durfte die Messe mitgestalten, ist doch

der Hausherr ein gebürtiger Weitentaler.

Die Hofkapelle ist im Jahr 2017 neu erbaut

worden, als Dank, da der Erbauer

sehr gut von einer schweren Erkrankung

genesen ist.

Im Inneren ist sie mit einem Flügelaltar

ausgestattet. Auf diesem steht eine geschnitzte

Statue der Schutzmantelmadonna.

Kopien der Bilder aus der St.-Martins-Kirche

in Glaning mit dem hl. Martin

In der Kapelle in

Glaning wurde das

Patrozinium mit

musikalischer Gestaltung

durch einen

Dreigesang aus

Weitental gefeiert.

Fotos: privat

KulturFenster 24

06/Dezember 2025


Heimatpflege

Das ist die Allianz der Kultur

Netzwerk: Heimatpflegeverband als Teil einer Initiativgruppe

Seit genau einem Jahr – seit dem 12. Dezember

2024 – ist die Allianz der Kultur

(ADK) offiziell als Verein organisiert. Kürzlich

veranstaltete das Netzwerk, in dem auch

der Heimatpflegeverband Südtirol vertreten

ist, einen Online-„Kulturaustausch“ mit dem

Thema „Kultur und Klima“.

Kultur in all ihren Formen ist nicht nur

schmückendes Beiwerk, sondern sie besitzt

eine integrale gesellschaftliche Funktion

und ist neben einem Arbeitsplatz und

einem tragfähigen sozialen Umfeld ein wichtiger

Faktor für ein lebenswertes Land. Zu

dieser Haltung der Allianz der Kultur bekennt

sich auch der Heimatpflegeverband,

der mit Geschäftsführer Florian Trojer ein

Vorstandsmitglied stellt. Die Initiativgruppe

aus mehreren Kulturorganisationen und

-verbänden möchte die Kultur in Südtirol

stärker in den Mittelpunkt rücken.

Beim Kulturaustausch zum Thema „Kultur

und Klima“ wurde darüber diskutiert, wie

Tradition und Aktivismus zusammenhängen

und welche Rolle der Klimaschutz in

der Kulturarbeit spielt – und umgekehrt.

Kultur und Klima

David Hofmann, Klimaaktivist und Neurowissenschaftler,

berichtete beispielsweise

von der Arbeit des Bündnisses Climate Action,

dem auch der Heimatpflegeverband

angehört. Es habe bereits spannende Projekte

in Zusammenarbeit mit Kulturorganisationen

gegeben. So sei u. a. in Kooperation

mit den South Tyrol Music Festivals

der Nachhaltigkeitsleitfaden „Bühne frei“

entstanden. Eine neue Initiative sind die

Klimabotschafter*innen, die in Zusammenarbeit

mit den Bildungsausschüssen

ins Leben gerufen wurden. Sie bieten neben

Informationsmaterialien zur Klimakrise

auch Raum für Austausch und Unterstützung,

um Menschen in ganz Südtirol zu

befähigen, sich aktiv für den Klimaschutz

einzusetzen.

HPV stellt sich vor

kleiner Kulturorganisationen, die sich für

den Schutz der Kultur- und Naturlandschaft

Südtirols engagieren. Für den HPV

sei die Klimakrise kein isoliertes Phänomen,

sondern eng mit vielen anderen

Bereichen verwoben. Klimaschutz müsse

nicht immer als globale Herausforderung

verstanden werden – auch kleine Initiativen

könnten viel bewirken.

Im Rahmen des Austausches stellte Florian

Trojer das Projekt „Meine Heimatmappe“

vor, das bereits in über 500 Schulklassen

umgesetzt wurde und sich als wahre Erfolgsgeschichte

erwiesen hat. Außerdem

wies er auf die Seminarreihe „Klimagerechtigkeit“

hin, die zentrale Fragen globaler

Verantwortung aufgreift.

HPV

Florian Trojer beschrieb den Heimatpflegeverband

als Zusammenschluss vieler

Ein Teil des Vorstandes der Allianz für Kultur mit Landesrat Philipp Achammer

Foto: Allianz der Kultur

KulturFenster 25

06/Dezember 2025


getanzt

60 Jahre Kathreintanz in Meran

Jubiläumsfest im Zeichen der Tradition – Tanzjahr nun abgeschlossen

Vor 60 Jahren fand in Meran erstmals das

Landes-Kathrein-Tanzfest statt, eine Veranstaltung,

die sich seither fest im Südtiroler

Kultur-Jahreskreis verankert hat.

Wie es die Tradition vorsieht, beginnt mit

dem Advent eine tanzfreie Zeit. Der Kathreintanz

bildet daher alljährlich den feierlichen

Abschluss des Tanzjahres und

gerade im Jubiläumsjahr zeigte sich einmal

mehr, welch große Bedeutung dieser

Abend für die Südtiroler Volkstanzszene hat.

Das Ende der Tanzzeit

Ursprünglich reicht die Tradition des Kathreintanzes

weit über Südtirol hinaus:

Besonders in Süddeutschland, Bayern,

Franken und in Teilen Österreichs war der

„Kathreintanz“ seit Jahrhunderten ein wichtiger

Termin im bäuerlichen und dörflichen

Jahresablauf. Rund um den 25. November,

dem Gedenktag der heiligen Katharina,

bot das Tanzfest jungen Menschen

eine der letzten Gelegenheiten im Jahr,

öffentlich zu tanzen, bevor mit dem Advent

die stille Zeit begann. Ganz im Sinne

der alten Sprichwörter „Kathrein stellt den

Tanz ein“ und „Kathrein sperrt Geigen und

Bass ein“ wurde so die Tanz- und Feierzeit

bis Weihnachten beendet.

Heuer wurde dieses lebendige Brauchtum

erneut im festlichen Ambiente des Meraner

Kursaals veranstaltet. Am Abend des

15. November füllten über 500 Tänzer*innen

aus Südtirol, dem Alpenraum und weiteren

Ländern den Saal mit Leben und Tanzfreude,

sodass die Veranstaltung ihrem Ruf

als eine der schönsten Kathreintanz-Feiern

gerecht wurde.

Für die musikalische Gestaltung sorgte

die Strawanza Musi, eine junge Gruppe

aus Kärnten, die mit Polkas, Walzern und

volkstümlicher Musik aus Tirol für eine

ausgelassene und zugleich stilvolle Stimmung

sorgte.

Die Pausengestaltung

60 Jahre Landes-Kathreintanz: Der Kur- wurde zum Ballsaal. Fotos: ArGe Volkstanz in Südtirol

Ein Höhepunkt war die Aufführung des Adlerwalzers

durch die Volkstanzgruppe Wolkenstein-St.

Christina. Dieser ganz neue

KulturFenster 26

06/Dezember 2025


Heimatpflege

Tanz wurde von Anna Demez und Margit

Marmsoler choreografiert. Die Figuren stellen

den eleganten Flug eines Adlers dar.

Entstanden ist der Tanz im Gedenken an

das verstorbene Vereinsmitglied Matthias

Weithaler. Der Tanz wurde von einem eigens

dafür komponierten Musikstück begleitet,

geschrieben von David Prinoth und

Mattia Demetz.

Auch junge Schüler*innen der Landesmusikschulen

sorgten für Begeisterung:

Sie übernahmen zwei mit ihren Musiklehrern

Christof Amenitsch und Markus

Hochkofler vorbereitete Tanzrunden und

erhielten so die Gelegenheit, Bühnenluft

zu schnuppern.

Tradition und Tanzfreude

Unter der Leitung von Bezirksreferent

Hannes Knoll leisteten die Mitglieder der

Tanzgruppen aus dem Bezirk Burggrafenamt

mit großem Engagement ihre ehrenamtliche

Arbeit beim Fest. Ob bei der anspruchsvollen

Organisation einer so großen

Veranstaltung, an der Abendkasse, bei der

Vorbereitung der Dekoration, an der Getränkeausgabe

oder bei der spätnächtlichen

Betreuung der Garderobe – überall wurde

sichtbar, wie viel Leidenschaft für Tanz, Tradition

und Gemeinschaft in ihnen steckt.

Aber: Das Landes-Kathrein-Tanzfest ist eigentlich

weit mehr als ein Ball. Er ist ein

kultureller Höhepunkt, der Generationen

verbindet, und ein lebendiges Zeugnis dafür,

dass Tradition und Tanzfreude in Südtirol

weiterhin fest verankert bleiben.

Claudia Entres Santana

Volkstanz ist Gemeinschaft.

Aus ganz Südtirol und weit darüber

hinaus kamen die Tänzer*innen.

Die Fahne der Arbeitsgemeinschaft

Volkstanz in Südtirol

Der Adlerwalzer, aufgeführt von

der Volkstanzgruppe Wolkenstein-

St. Christina

Hereinspaziert

➤ Offenes Tanzen beim Winterlehrgang am 29. Dezember um 20 Uhr im Haus der Familie,

Lichtenstern am Ritten

➤ Tagesseminar „Bewegungsaktivitäten für zwischendurch und verschiedene Bewegungsspiele“

für Kindertanzreferent*innen und Interessierte am 19. Jänner im Bürgersaal (Angerheim im KiMM)

in Meran-Untermais

➤ Landesvollversammlung der Arge Volkstanz in Südtirol am 7. Februar im Kulturhaus in Seis am Schlern

Die aktuellen Tanztermine sind auf der Website der Arge Volkstanz Südtirol zu finden: www.arge-Volkstanz.org

KulturFenster 27

06/Dezember 2025


Musik ist keine Umrahmung, sondern

Bestandteil der Liturgie –

im Bild der Festgottesdienst zum

75-Jahr-Jubiläum des VSM

KulturFenster

28 06/Dezember 2025

Foto: Stephan Niederegger


empfohlen

Musizieren im Kirchenraum

Warum Gladiatoren im Gottesdienst nichts zu suchen haben

Die Kirche ist das Haus Gottes, in dem wir

uns versammeln, um mit IHM in Verbindung

zu treten. Deshalb sollte die in der Kirche

gespielte Musik immer Raum für eine göttliche

Perspektive lassen.

Viele Musikstücke und Lieder, auch solche

aus dem weltlichen Bereich, greifen Themen

auf, die auf das Göttliche verweisen:

Schöpfung, Freude, Liebe, Begegnung,

Staunen, Wunder, aber auch Tod, Trauer,

Auferstehung oder Neuanfang. Ohne Gott

ausdrücklich zu nennen, spiegeln sie Erfahrungen

wider, die ihren Ursprung in ihm

haben. Im Gegensatz dazu steht Musik, die

vor allem der Unterhaltung dient oder christlichen

Werten widerspricht.

Der entscheidende Unterschied beim Musizieren

in der Kirche ist, dass das Ziel nicht

bloße Unterhaltung ist, sondern die Menschen

zu Gott – und zugleich zu sich selbst

– zu führen. Dies kann in leisen, nachdenklichen

Klängen ebenso geschehen wie in

lebhaften, freudigen Stücken.

Kirchenkonzerte

Man hat oft den Eindruck, dass alle choralartigen

Stücke oder Balladen von Musikkapellen

per se als kirchentauglich eingestuft

werden. Dabei geht es weniger um

das Tempo, sondern ausschließlich um den

inhaltlichen Hintergrund, auch von Instrumentalmusik.

Es liegt auf der Hand, dass sich für Filmmusik

wie z. B. „Gladiator“, die von einem

Kriegshelden handelt, keine christliche Verbindung

herstellen lässt.

Auch Musik zu Märchen wie „Aschenbrödel“

oder Ähnlichem vermisst diesen Bezug.

Hier ist eine reflektierte Auswahl der Stücke

durch die Dirigenten unumgänglich.

Das Kirchenkonzert erfordert eine andere

Grundhaltung als das Jahreskonzert im Gemeindesaal.

Gottesdienstgestaltung

Gottesdienst feiern bedeutet, einen Dialog

mit Gott und den Menschen zu führen. Dieser

Dialog wird als „Liturgie“ bezeichnet und

heißt wörtlich übersetzt „Dienst des Volkes“.

Die bestmögliche Auswahl der Gesänge und Musikstücke für den jeweiligen Gottesdienst

setzt eine sorgfältige Vorbereitung voraus (Festgottesdienst zum 75-Jahr-Jubiläum des VSM).

Unverzichtbar ist deshalb in jeder Feier die

aktive Beteiligung aller Mitfeiernden beim

Beten und Singen. Kirchenmusik ist also integrierender

Bestandteil des Gottesdienstes

und KEINE „musikalische Umrahmung“.

Sie ist Ausdruck des Glaubens und liturgischer

Vollzug. Es sollten in jedem Gottesdienst

mindestens drei Gemeindegesänge

eingeplant werden.

Die Musik hat als „Dienst“ zwei Aufgaben

und ist deshalb keinesfalls willkürlich mit

„Lieblingsliedern“ zu bestücken:

➤ Begleitung des Gemeindegesangs (und

der Kantoren)

➤ Schaffung einer gottesdienstlichen Atmosphäre

mit Instrumentalmusik, die

in die Begegnung mit Gott führt.

Das Zusammenwirken von Gemeinde, Instrumenten

und Kantoren stiftet Gemeinschaft

und schafft Lebendigkeit. Jeder

Gottesdienst besitzt zudem eine eigene „Architektur“

aus abwechslungsreichen Ele-

Foto: Stephan Niederegger

KulturFenster

29 06/Dezember 2025


empfohlen

Sonntägliche Messfeier (GL 581 ff)

Eröffnung

Wortgottesdienst

Eucharistiefeier

Abschluss

Gesang zur Eröffnung

Kreuzzeichen, Liturgischer Gruß,

Einführung

Schuldbekenntnis oder

Taufgedächtnis

Kyrie

Gloria (nicht in Advents- &

Fastenzeit)

Tagesgebet

Erste Lesung

Antwortpsalm

Zweite Lesung

Ruf vor dem Evangelium

(Christusruf anstatt Halleluja zur

Fastenzeit)

Evangelium

Predigt

Glaubensbekenntnis

Fürbitten

Gabenbereitung

Bereitung des Altars

Gabenprozession

Gabengebet

Eucharistisches Hochgebet (1. Teil)

Heilig (Sanctus)

Eucharistisches Hochgebet (2. Teil)

Vater unser

Friedensgruß

Brechung des Brotes (Agnus Dei)

Kommunionspendung

Stille und Dankgesang

Schlussgebet

ggf. Mitteilungen

Segen

Entlassungsruf

Auszug

Sonntägliche Wort-Gottes-Feier

Eröffnung

Wortgottesdienst

Antwort der Gemeinde

Abschluss

Gesang zur Eröffnung

Kreuzzeichen, Liturgischer Gruß,

Einführung

Christusrufe

Eröffnungsgebet

Erste Lesung

Psalm

Zweite Lesung

Ruf vor dem Evangelium

(Christusruf anstatt Halleluja zur

Fastenzeit)

Evangelium

Auslegung & Deutung

Stille

Antwort der Gemeinde

A) Glaubensbekenntnis

B) Predigtlied

C) Taufgedächtnis

D) Schuldbekenntnis &

Vergebungsbitte

E) Segnung, die zum

Sonntag gehört

Friedensgruß

Gesang zum Friedenszeichen

oder zur Kollekte

Sonntäglicher Lobpreis (mit Ruf)

Gloria (Antwort der Gemeinde)

Fürbitten

Vater unser

Dankgesang

ggf. Mitteilungen

Segensbitte

Entlassungsruf

Auszug

menten, etwa Mitsingen, Zuhören, Nachdenken

oder das Antworten im Gesang.

Aus diesen Bausteinen entsteht ein natürlicher

Spannungsverlauf.

Der inhaltliche Leitfaden ergibt sich aus

der jeweiligen Kirchenjahreszeit, den biblischen

Lesungen und den liturgischen

Handlungen. Die Musik sollte sich daran

orientieren.

Für eine optimale Vorbereitung aller Beteiligten

sollte die Musik rechtzeitig mit

den Verantwortlichen abgestimmt werden.

Allzu oft werden z. B. Priester nach

einer mehrwöchigen Probenzeit kurz vor

der Messgestaltung vor vollendete Tatsachen

gestellt.

Ein Must-have für

alle Kapellen

In den Bläsersätzen zum Gotteslob (Abel-

Verlag, 2019) findet man eine reiche Auswahl

an Gotteslob-Liedern für alle Gottesdienstteile

und denkbaren Feieranlässe.

Für die Auswahl empfehlen wir folgende

Verzeichnisse:

➤ Seite 17 ff: Gesänge im Gottesdienst

und Kirchenjahr

➤ Seite 23 ff: Gesänge zu konkreten Feieranlässen

Alle Sätze haben ausgeschriebene Vorspiele.

Einige Lieder sind zum Musizieren

mit Kantoren, wie im Gotteslob nach dem

Prinzip „Vorsänger/Alle“, vorgesehen. Alle

Sätze können im Quartett und mit dem gesamten

Blasorchester realisiert werden.

Dazu sind auf Seite 5 Hinweise zum Gebrauch

zu finden.

Es empfiehlt sich, z. B. die Vorspiele sowie

die Kantorenteile nur mit einer (leisen)

Registergruppe zu besetzen. Der

darauffolgende Gemeindegesang wird

hingegen wieder mit dem vollen Orchester,

als Signal an die Gemeinde zum Mitsingen,

besetzt.

Wissenswertes

Das „Gotteslob“ sollte (nicht nur) bei den Gottesdiensten der Begleiter für alle sein.

Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus

Dei sind (Ordinariums-)Gesänge mit vorgegebenen

Gebetstexten, wie z. B. auch das

„Vater unser“. Sie sind seit dem Zweiten

Vatikanischem Konzil ein unveränderlicher

Teil der Liturgie und können nicht mit Instrumentalmusik

oder anderen Liedern ersetzt

werden. Sämtliche rein instrumentale

„Messen“ aus vergangenen Zeiten, z. B.

die „Floriani-Messe“ von Karl Pramstaller

oder die „Europa-Messe“ von Franz Nagel

u. v. m. sind an diesen Stellen ungeeignet!

KulturFenster

30 06/Dezember 2025


Blasmusik

Nach der Lesung folgt in der Mess- und

Wort-Gottes-Feier ein Psalm. Dieser ist gemäß

der Leseordnung des Tages vorgegeben.

Im Idealfall sollte er von einem Kantor

bzw. von einer Kantorin vorgetragen werden.

Auch Blasorchester können diesen Teil

der Liturgie musikalisch gestalten. Fertige

Psalm-Modelle finden sich in den Bläsersätzen

zum Gotteslob (Übersicht auf Seite 17).

Es kann auch ein Psalmlied oder in Ausnahmefällen

Instrumentalmusik erklingen.

Marienlieder sollten (außer an Marienfesten)

nur nach dem Segen programmiert

werden.

Das Kirchenjahr

Zum „Gotteslob“

wurden im

Auftrag der Österreichischen

Kirchenmusikkommission

eigene

Bläsersätze

komponiert.

Fastenzeit

Der Osterzeit geht eine 40-tägige Bußzeit

voraus. In dieser Zeit der inneren Neuausrichtung

wird auf das Gloria und das Halleluja

verzichtet. Häufig fällt in diese Zeit

der Josefstag (19.3.). An diesem Tag ist,

wenn die Feier an einem Werktag stattfindet,

ausnahmsweise ein Gloria vorgesehen,

jedoch kein Halleluja.

Osterzeit

Mit der Feier der Osternacht beginnt die

50-tägige Osterzeit, die am Pfingstsonntag

endet. Im gesamten Zeitraum werden Osterlieder

gesungen und das Halleluja als

österlicher Jubelruf besonders hervorgehoben.

Der Floriani-Sonntag, der von vielen

Kapellen und Gruppen mitgestaltet

wird, steht z. B. stets im österlichen Kontext,

und deshalb können und sollen dann

österliche Lieder erklingen.

Allerheiligen (1.11.) – Allerseelen (2.11.)

Allerheiligen ist ein Fest der Freude über

die Schar aller Heiligen in der Nachfolge

Jesu. Der Gottesdienst zum Hochfest hat

nichts mit dem Totengedenken zu tun.

Düsteres und Totengedenkendes hat im

Allerheiligengottesdienst also keinen Platz.

Am Nachmittag wird vielerorts auf dem

Friedhof der Toten gedacht, was dem

gestrichenen Feiertag „Allerseelen“ am

2. November geschuldet ist. Der ursprünglich

dem Allerseelentag zugedachte Gang

zu den Gräbern wird deshalb in vielen Pfarreien

bereits am Allerheiligentag abgehalten.

Vermischen: Impossible!

In vielen Pfarreien werden ungünstiger

Weise der Allerheiligengottesdienst und

der Gang zum Friedhof zusammengelegt.

In diesem Spannungsfeld muss genau

zwischen den beiden Elementen unterschieden

werden!

Dominik Bernhard, Verband der

Kirchenmusik Südtirol (VKM)

Advent

„Vor Weihnachten schmecken die Kekse

am besten“, und trotzdem gilt es, in dieser

Zeit des Wartens noch KEINE Weihnachtslieder

zu spielen.

Auf das Gloria wird in dieser Zeit bewusst

verzichtet. Es ist der Gesang der Engel

bei den Hirten und damit der weihnachtliche

Lobpreis.

„Rorate“ ist ursprünglich eine feierliche

Marienmesse mit Gloria, die an den Werktagen

gefeiert wird. Umgangssprachlich

werden oft auch die Gottesdienste am

Samstagabend oder am Sonntag als „Rorate“

bezeichnet. Diese sind aber keine

Marienmessen, weshalb dort kein Gloria

vorgesehen ist.

Weihnachtszeit

Ab dem Heiligen Abend bis zum Sonntag

nach Dreikönig haben Weihnachtslieder

ihren Platz.

Zur Person

Dominik Bernhard, Jahrgang 1982, hat an der

Hochschule für Musik und Theater in München

die Fächer Katholische Kirchenmusik (A-Diplom)

und Orgel (Meisterklassendiplom) studiert.

Als Organist war er Preisträger bei verschiedenen

Orgelwettbewerben. Unter anderem wurde ihm

der Kulturpreis Bayern verliehen.

Seit 2018 ist er als Kirchenmusikreferent der Diözese

Bozen-Brixen im Verband der Kirchenmusik

Südtirol (VKM) tätig. In dieser Funktion

leitet der den zweijährigen Kirchenmusiklehrgang

und ist Herausgeber

der 2021 erschienenen

Sammlung „Südtiroler Chorbuch

zum Gotteslob“. Zudem

ist er als Chorleiter

des Grieser Stiftspfarrchors

und des Jugendchors der

Kantorei Leonhard Lechner

aktiv.

KulturFenster

31 06/Dezember 2025


hinausgeblickt

Süd-Osttiroler

Blasorchester 40+

Konzert – Kulturzentrum Toblach

https://vsm.bz.it

26.12.2025

VSM intern

Die neue VSM-App

Einfacher und schneller Zugang zum VSM Office

Der Verband Südtiroler Musikkapellen

hat in diesem Frühjahr seinen Mitgliedern

eine App zu Verfügung gestellt, welche

auf Android und Apple Geräten kostenlos

installiert werden kann. Sie bietet

als einfacher und schneller Zugang zum

VSM Office viele Vorteile; dazu ein aktueller

Überblick:

In der App hat man

➤ Zugriff und Einsicht in die freigegeben

Kontaktdaten der Mitgliedskapellen.

➤ Zugriff und Einsicht auf die eigenen

Kontaktdaten, kann diese bei Bedarf

korrigieren oder ändern sowie in die

freigegeben Kontaktdaten der Mitglieder

der eigenen Musikkapelle.

➤ Einsicht in das Ausbildungsprogramm

des VSM und den einzelnen Bezirken

und kann sich direkt zu Fortbildungen,

Kursen und Projekten anmelden.

➤ Einsicht in die Tätigkeiten der eigenen

Musikkapelle. Eine Anwesen-

KulturFenster

32 06/Dezember 2025


Blasmusik

heitsliste kann über die App geführt

werden. Die Tätigkeiten können auf

Wunsch mit dem Kalender des Smartphones

synchronisiert werden und erleichtern

so zusätzlich die Übersicht.

➤ Einsicht in den Veranstaltungskalender

aller Musikkapellen. Somit kann

auf Konzerte und sonstige Veranstaltung

leicht hingewiesen werden und

Interessierte finden schnell und unkompliziert

die Angebote.

Die notwendigen Zugangsdaten wurden

für jedes Mitglied einer Musikkapelle

automatisch erstellt und können

über die Kapelle oder auch das VSM-

Büro an das Mitglied weitergegeben werden.

Dazu wird nochmals eine E-Mail

mit allen Informationen an die Mitglieder

geschickt.

Der VSM ist überzeugt, mit der App seinen

Mitgliedskapellen und auch den

Musikant*innen eine nützliche Unterstützung

zu geben, welche die Arbeit im Verein

erleichtert und eine Möglichkeit der Kommunikation

zwischen VSM, Bezirken, Musikkapellen

und Mitgliedern bietet.

Werner Mair

➤ Einsicht in hilfreiche Dokumente und

Vorlagen, welche vom VSM zu Verfügung

gestellt werden. Man kann

die Dokumente direkt herunterladen

und weiterverwenden.

➤ die Möglichkeit, Push Mitteilungen

als Informationen - Erinnerungen an

alle oder an Gruppen zu schicken.

Diese bleiben im Archiv erhalten

und können somit auch bei Bedarf

nachgelesen werden.

➤ schnellen Zugriff auf die Newsletter des

VSM Büros, in welchen über aktuelle

Themen informiert werden. Auch hier

bleibt das Archiv erhalten und man

kann somit auf die komplette Wissensdatenbank

zurückgreifen.

KulturFenster

33 06/Dezember 2025


VSM intern

Begeisterung durch

Spielfreude und Gemeinschaft

Bezirksjugendorchester Brixen vereint 53 Jungmusikant*innen

Der VSM-Bezirk Brixen hat heuer ein gemeinsames

Orchester für junge, engagierte

Musikant*innen aus dem Bezirk auf die

Beine gestellt. Unter der Leitung von Kapellmeister

Bernhard Reifer fanden sich 53

Jungmusikant*innen – 32 Mädchen und 21

Burschen, größtenteils unter 30 Jahre alt –

aus 17 Kapellen zusammen, um in wenigen

intensiven Proben ein anspruchsvolles Konzertprogramm

zu erarbeiten.

Solche Bezirksorchesterprojekte haben

in Südtirol bereits mehrfach gezeigt, wie

wertvoll gemeinsames Musizieren über die

Grenzen der eigenen Kapelle hinaus ist. Kapellmeister

Reifer verstand es, die Gruppe

mit seiner energiegeladenen, kreativen Art

zu fordern und zu motivieren. Neben dem

klassischen Proben der Stücke wurde gesungen,

dirigiert und geklatscht – Jede*r

durfte zwischendurch die Stimme wechseln

und neue musikalische Perspektiven

ausprobieren. Diese Vielseitigkeit und der

Spaß am gemeinsamen Lernen sorgten für

eine tolle Atmosphäre und ein rasches musikalisches

Zusammenwachsen.

Sozialer Gewinn an

erster Stelle

Ein ähnliches Bezirksprojekt hatte es zuletzt

2016 gegeben. Umso erfreulicher,

dass der Bezirksvorstand diesmal wieder

so viele junge Talente gewinnen konnte. Dadurch

stand ein Orchester auf der Bühne,

das mit seinem frischen Klang und seiner

Leidenschaft überzeugte. Noch wichtiger

als das musikalische Niveau war aber der

soziale Gewinn: Zahlreiche neue Freundschaften

entstanden – und einige Teilnehmende

fühlten sich durch das Projekt

zusätzlich motiviert, sich auch in ihren Heimatkapellen

noch stärker einzubringen.

Kapellmeister Reifer resümiert: „Ich war

gespannt, was mich erwartet – und am

Ende begeistert von der Spielfreude und

dem Ergebnis. Wir produzierten einen richtig

coolen Sound und hatten gemeinsam

ein tolles, herausforderndes Erlebnis.“ Die

Mit frischem Klang und Leidenschaft überzeugte das Bezirksjugendblasorchester Brixen

bei seiner zweiten „Auflage“.

Eltern eines 14-jährigen Teilnehmers bestätigen

den positiven Eindruck: „Wir mussten

unseren Sohn anfangs etwas schubsen,

aber am Ende war er stolz, Teil dieses

tollen Projektes gewesen zu sein.“

Pläne für die Zukunft

Für die Zukunft plant der VSM-Bezirk

Brixen, solche Projekte im zwei- bis dreijährigen

Rhythmus fortzuführen – abwech-

selnd als Jugendkapelle, Erwachsenenorchester

oder Frauenorchester. Schon

beim Bezirksmusikfest im Herbst 2026

soll das nächste musikalische Highlight

folgen: Die besten Musikant*innen des

Bezirkes – darunter hauptsächlich Profis

und Musiklehrende – sollen unter der Leitung

eines international renommierten Dirigenten

ein außergewöhnliches Konzertorchester

bilden.

Oskar Zingerle

Auch wenn der eine

oder die andere

möglicherweise etwas

„geschubst“

werden musste, das

Projekt war für alle

Teilnehmenden sowohl

in musikalischer

wie auch in

sozialer Hinsicht

ein Gewinn.

Fotos: Oskar Zingerle

KulturFenster

34 06/Dezember 2025


bewegt

Mit Klarheit führen –

mit Begeisterung musizieren

Wie moderne Probenarbeit Motivation stärkt, Menschen verbindet

und Musik lebendig macht

Mit einem innovativen Fortbildungstag hat

die Fachgruppe der Stabführer des Verbandes

Südtiroler Musikkapellen unter der

Leitung von Klaus Fischnaller zu einem außergewöhnlichen

Workshop eingeladen.

Musik in Bewegung

und attraktive Probenarbeit

Im Mittelpunkt stand diesmal nicht nur das

fachliche Handwerk, sondern vor allem die

pädagogische und kommunikative Kompetenz,

ein entscheidender Schritt, um

Musikproben und Musik in Bewegung

zeitgemäß, lebendig und motivierend zu

gestalten. Als Referent konnte Andreas

Schaffer, Direktor der Gustav Mahler Musikschule

in Klagenfurt, gewonnen werden.

Seine Expertise wird weit über die Grenzen

Österreichs hinaus geschätzt. Schaffer

ist nicht nur Flötist und ehemaliger Stabführer,

sondern er verbindet sein Wissen

aus der Instrumental- und Gesangspädagogik

sowie der Ensembleleitung mit langjähriger

praktischer Erfahrung. Seine lebendige

Art, theoretische Inhalte greifbar

und emotional zu vermitteln, machte die

Fortbildung zu einem inspirierenden

Erlebnis für alle Teilnehmenden.

Kommunikation

als Schlüssel zur

Motivation

Der Workshop richtete sich an Stabführerinnen

und Stabführer, Kapellmeisterinnen

und Kapellmeister sowie

interessierte Musikerinnen und Musiker.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie musikalische

Führungsarbeit heute wirksam,

motivierend und menschlich gestaltet werden

kann. Themen wie Motivation, Kommunikation,

Methodik, Überzeugungskraft

und attraktive Probenarbeit wurden praxisnah

und mit vielen Beispielen behandelt.

Schaffer betonte, dass erfolgreiche Führung

in der Musik immer mit bewusster

Ein Dankeschön an die Bürgerkapelle Kaltern und an die 35 Teilnehmer an der Fortbildung

Kommunikation beginnt. Eine Führungspersönlichkeit

müsse Werte leben, Orientierung

geben und ein Gefühl von Vertrauen

schaffen. Ebenso wichtig ist es, die unterschiedlichen

Typen innerhalb einer Gruppe

zu erkennen und gezielt anzusprechen,

visuell, auditiv, haptisch oder kognitiv geprägt.

Wer Menschen individuell abholt,

erzeugt Motivation und Verständnis. Auch

langjährige Mitglieder, die manchmal un-

Aus der Sicht des

Referenten Andreas Schaffer

„32 hoch motivierte Damen und Herren folgten der

Einladung des VSM zum Stabführertag am 25. Oktober

2025. Mein Auftrag für diesen Tag war am Vormittag

die theoretische Einführung in die Pädagogik für das

Stabführen sowie Feedback und praktische Anwendung

anhand zweier Klangkörper, die am Sportplatz Margreid von

der Instrumentenhaltung bis zur großen Wende alle Elemente

vorführten. Es war mir ein großes Anliegen zu zeigen, wie wichtig eine

umfassende Vorbereitung für eine Marschierprobe ist. Dabei wurden Aspekte

der Probenplanung, der Lerntypen und Überzeugungsarbeit innerhalb des Vereines

besprochen. Vor allem ging es mir um eine professionelle Beobachtung

von Details beim Zusehen und Zuhören. Alle Teilnehmer konnten das am Nachmittag

unter der Anleitung von Verbands- und Bezirksstabführern selbst austesten.

Besonders hervorheben möchte ich die wunderbare Vorbereitung des intensiven

Tages durch das VSM-Büro sowie Verbandsstabführer Klaus Fischnaller!“

KulturFenster

35 06/Dezember 2025


bewegt

terfordert sind, und neue Musikantinnen

und Musikanten, die noch Sicherheit suchen,

sollen gleichermaßen eingebunden

werden. So entsteht ein respektvolles Miteinander,

das jede Probe stärkt und den

Zusammenhalt vertieft.

Vom Denken ins Fühlen,

der Weg in den Flow!

Ein zentrales Ziel jeder Musikprobe, ob

Konzert- oder Marschprobe, sollte sein,

in den Flow zu kommen.

Der Flow beschreibt jenen Zustand, in dem

alle Beteiligten völlig in der Musik aufgehen:

konzentriert, motiviert und voller Freude

am Tun. Anspruch und Fähigkeit stehen

dabei im idealen Gleichgewicht. Schaffer

machte deutlich, dass dieser Zustand kein

Zufall ist, sondern das Ergebnis bewusster,

pädagogisch durchdachter Probenarbeit.

Wer klare Ziele setzt, verständlich kommuniziert

und empathisch führt, schafft

eine Atmosphäre, in der Musik entsteht,

die berührt. Eine gut strukturierte Probe

führt nicht nur zu besseren Ergebnissen,

sondern auch zu spürbarer Begeisterung

– gerade heute, wo Zeit kostbar ist und

Motivation gezielt gepflegt werden muss.

Musikalische Leitung bedeutet daher nicht

nur, Takte zu schlagen oder Kommandos

zu geben, sondern Menschen zu führen,

die gemeinsam in Bewegung kommen,

körperlich, geistig und emotional.

Praxis und Reflexion

Simulierte

Vorstandssitzung

im Verein

- mit gemeinsamer

Analyse

Am Nachmittag wurde das Erlernte direkt

in die Praxis umgesetzt. Mit Unterstützung

der Bürgerkapelle Kaltern und

der Musikkapelle Kurtatsch konnten die

Teilnehmenden die Inhalte real erleben.

Die Ergebnisse zeigten eindrucksvoll, wie

sehr Sprache, Struktur und Haltung Motivation

und Klang beeinflussen. Ein weiterer

Schwerpunkt lag auf der Reflexion:

Was gelingt gut? Wo kann ich mich selbst

verbessern? Welche Wirkung haben meine

Worte und meine Haltung? Schaffer erinnerte

daran, dass wahre Führung immer

mit Selbstreflexion beginnt. Bevor man andere

kritisiert, sollte man sich fragen, welchen

Anteil man selbst an einer Situation

hat. Nur wer sich selbst hinterfragt, kann

andere glaubwürdig führen.

Ein Impuls für die Gegenwart

Der Fortbildungstag hat gezeigt, wie wichtig

es ist, pädagogisches Denken, Achtsamkeit

und menschliches Verständnis in die musikalische

Arbeit zu integrieren. Gerade heute,

in einer Zeit, in der Vereine um Engagement

und Begeisterung ringen, braucht es

Führungspersönlichkeiten, die inspirieren,

nicht nur instruieren. Klaus Fischnaller und

sein Team haben mit dieser Veranstaltung

einen wichtigen Impuls für die Gegenwart

gesetzt. Pädagogik, Kommunikation und

Musik in Bewegung wurden zu einem gemeinsamen

Erlebnis, das Mut macht, neue

Wege zu gehen. Denn letztlich ist das Ziel

jeder Probe dasselbe: Musik so zu gestalten,

dass sie bewegt – die Musizierenden,

das Publikum und die Zeit, in der wir leben.

Martin Astner

BLASMUSIK IM RUNDFUNK

jeden Montag von 17 bis 18 Uhr

„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue

Blasmusik mit Norbert Rabanser

jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz

jeden Samstag

von 18 bis 19 Uhr

„Faszination Blasmusik“

mit Arnold Leimgruber

(Wiederholung

am Sonntag um 9 Uhr)

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Das Platzkonzert"

mit Wolfgang Kostner

jeden Dienstag

von 18 bis 19 Uhr

„Tiroler Weis"

mit Peter Kostner

KulturFenster

36 06/Dezember 2025


Blasmusik

Stabführen als Familientradition

Drei Generationen im Einsatz für die Musik in Bewegung

Andreas Lanthaler,

Johann Lanthaler

und Tobias Egger-

Karlegger bei einem

Familientreffen im

August 2025

Foto Johanna Gufler

In der Welt der Marschmusik, in der Rhythmus

und Präzision harmonisch aufeinandertreffen,

spielt der Stabführer eine unverzichtbare

Rolle. Er ist derjenige, der

mit geschickten Handbewegungen und unfehlbarem

Taktgefühl die Kapelle anführt

und sie vereint. In der Familie Lanthaler

aus Passeier wird die Tradition des Stabführers

großgeschrieben. Dort treffen sich

gleich drei Generationen wieder.

und 1964 am Bezirksmusikfest bzw. 1960

und 1963 jeweils am Landesmusikfest in

Meran. Bei weiteren Auftritten im In- und

Ausland führte er die Kapelle mit seinem

untrüglichen Gespür für Rhythmus und

einem unverwechselbaren Auftreten an.

Andreas Lanthaler, geboren 1969 und Sohn

von Johann Lanthaler, ist seit 1989 Stabführer

der Musikkapelle Walten. Schon im

Jahr 1990 nahm die Kapelle dann gleich

an zwei Marschmusikbewertungen teil:

am 11. Österreichischen Blasmusikfest

Johann Lanthaler, geboren im Jahr 1933

beim Wanserhof in Walten, war – mit einigen

kurzen Unterbrechungen – von 1953

bis 1981 Stabführer der Musikkapelle Walten.

Als Gründungsmitglied von 1952 und

Ehrenkapellmeister der Kapelle ist er ein

wichtiger Zeitzeuge und kennt den Werdegang

der Stabführer genauestens. Anfangs

gab es kein definiertes Regelwerk

und das meiste musste man sich selbst

beibringen. Den ersten Tambour-Stab

musste er sich anfertigen lassen. Bereits

im Oktober 1955 nahm er mit der Kapelle

das erste Mal an einer Marschmusikbewertung

teil. Beim 3. Bezirksmusikfest in Meran

erreichte die MK Walten 137 von 150

möglichen Punkten. Ebenso teilgenommen

hat er mit der Kapelle in den Jahren 1958

Johann Lanthaler als junger Stabführer in

den 1950er-Jahren.

Bei einem Umzug 1981 in Osterode im

Harz Fotos: Fotoarchiv der Familie Lanthaler

KulturFenster

37 06/Dezember 2025


Redaktionsschluss für

hinausgeblickt

Süd-Osttiroler

Blasorchester 40+

Konzert – Tauernhalle

Matrei/Osttirol

https://vsm.bz.it

05.01.2026

Andreas Lanthaler beim 15. Bezirksmusikfest

2025 in St. Martin in Passeier.

Fotos: Live-Style Agency

in Wien und am Landesmusikfest in Me-

ran jeweils mit ausgezeichnetem Erfolg.

Beim Bezirksmusikfest Inn-Salzach in

Ramsau (D) im Jahre 1991 wurde sogar

die höchstmögliche Punktezahl erreicht.

Es folgten weitere Teilnahmen 1993 in

Dorf Tirol, 1995 am Landesmusikfest in

Meran, 1999 am Bezirksmusikfest in St.

Martin i. P., im Jahr 2000 am Kreismusikfest

in Blitzenreute (D) und 2001 am

Bezirksmusikfest in Ramsau (D). Der Höhepunkt

war mit Sicherheit die Teilnahme

beim internationalen Marschmusikwettbewerb

in Roncone im Trentino in den Jahren

2000, 2002 und 2004. In der höchsten

Stufe E erreichten sie zweimal die

höchste Punktezahl und einmal den zweiten

Platz. Weiters nahm die Kapelle an einigen

Marschparaden teil sowie 2010 an

der Marschmusikbewertung beim Landesmusikfest

in Meran. Unter seiner Führung

war und ist die MK Walten stets eine Vorzeigekapelle

für die Musik in Bewegung.

Von 2006 bis 2019 war Andreas Lanthaler

Bezirksstabführer vom Bezirk Meran;

ebenso ist er festes Mitglied in der Stabführer-Fachgruppe.

Für eine Periode war

er Verbandsstabführer-Stellvertreter. Zudem

absolvierte er die Marschmusikbewerter-Ausbildung.

Er ist maßgeblich daran

beteiligt, dass die Musik in Bewegung im

Bezirk und im ganzen Land einen großen

Aufschwung erlebte. Bei Fortbildungen

und Expertentreffen sind sein Wissen und

seine Erfahrung unverzichtbar.

Tobias Egger-Karlegger, geboren 1991

und Enkel von Johann Lanthaler, ist seit

2024 Stabführer der Musikkapelle St.

Martin i. P. und somit der jüngste Stabführer

in der Familie. Mit der gleichen

Leidenschaft und Entschlossenheit wie

seine Vorbilder beherrscht er die Kunst

des Stabführens mit Niveau. Dieses erlangte

er durch die Stabführer-Ausbildung

Auch Tobias Egger-Karlegger war beim 15.

Bezirksmusikfest 2025 in St. Martin in Passeier

als Stabführer im Einsatz.

im VSM: ein Senkrechtstart vom Grundkurs

bis zum Abschlusskurs mit erfolgreicher

Abschlussprüfung des Stabführerabzeichens

in nur einem Jahr. Tobias

ist Mitglied des Bezirksausschusses Meran

sowie in der Stabführer-Fachgruppe

im Bezirk und Verband tätig. Gemeinsam

mit den Traditionsvereinen von St.

Martin wurde im Mai 2025 das 15. VSM-

Bezirksmusikfest vom Bezirk Meran und

das Mårtiner Dorffestival in St. Martin mit

vollem Erfolg organisiert. Im Mittelpunkt

stand dabei die Musik in Bewegung, mit

zwei Festumzügen und einer Marschmusikbewertung.

Tobias Egger-Karlegger

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Freitag, 17. Jänner 2026

KulturFenster

38 06/Dezember 2025


jung musiziert

85 junge Musiker*innen bilden das Gebietsjugendorchester

Unteres Pustertal

und begeistern mit ihrer Musik.

Foto: Hannes Gartner

Level Up – ein Projekt, das begeistert

Gebietsjugendorchester Unteres Pustertal überzeugt mit zwei Konzerten

Das Gebietsjugendorchester Unteres Pustertal

(Kurzform: Level Up) ist 2025 in

sein viertes Jahr gestartet und hat es

Mitte September mit zwei Konzerten beendet.

85 junge Musiker*innen präsentierten

anspruchsvolle und unterhaltsame

Literatur, welche unter der Leitung von Jakob

Augschöll für Begeisterung beim Publikum

sorgte.

Level Up – so heißt das musikalische Projekt,

welches sich aus Jungmusikant*innen

aus dem unteren Pustertal zusammensetzt.

Der Name setzt sich dabei folgendermaßen

zusammen: während „Level“ die gemeinsame

„Ebene“ bedeuten soll, auf welcher

sich die Musikanten befinden, steht das

„UP“ für „Unteres Pustertal“.

85 Musikant*innen bilden dieses Orchester

und formen es zu einem großartigen

Klangkörper.

Verknüpfung von

Musik und Sprache

Die musikalische Leitung hat der 27-jährige

Musiker, Komponist und Pädagoge Jakob

Augschöll aus dem Pustertal inne. In

nur sechs Proben studierte er eine spannende

und anspruchsvolle Blasorchesterliteratur

ein. Diese wurde bei zwei Konzerten

präsentiert: am 19. und 20. September in

Pfalzen. Das Motto des diesjährigen Konzerts

war inspiriert von einem Gedanken:

2,4 Milliarden Jugendliche leben auf dieser

Welt – geprägt von Kultur, Umgebung und

Träumen. Und doch verbindet sie alle etwas:

ein Tag voller kleiner Momente, die so

vertraut und gleichzeitig einzigartig sind. Level

up übersetzte diesen Rhythmus in Musik

und so wurde der Alltag eines Jugendlichen

künstlerisch zum Leben erweckt.

Besonders machte das diesjährige Projekt die

Verknüpfung von Musik und Sprache. Eigens

geschriebene Poetry-Slam-Texte fassten das

Gefühl des Moments zwischen den Stücken

in Worte und spannten einen roten Faden

durch die Konzerte. Die Level-Up-Mitglieder

durften sich dabei beide Male über einen fast

vollbesetzten Saal freuen. Durch den Konzertabend

führte die Saxophonistin Lilli Gruber.

Projekt, das Sinn

und Freundschaften stiftet

Der tosende Applaus des Publikums war

nicht nur „das Brot der Künstler“, sondern

auch die Bestätigung der Sinnhaftigkeit dieses

Projektes. Die jungen Musiker*innen

nehmen dadurch nicht bloß viel Erfahrung

in ihre jeweiligen Heimatkapellen mit, sondern

es entwickeln sich auch tolle Freundschaften

innerhalb des Level-Up-Orchesters.

Und dies lässt nicht zuletzt auf eine Fortsetzung

im nächsten Jahr blicken.

Hannes Zingerle

KulturFenster 39

06 Dezember 2025


ersten Bereich sind das „Gab’s das immer

schon?“ und „Woher kommt das?“ – hier

widmen wir uns den Wurzeln. Unter dem

Motto „Bist du richtig angezogen?“ widmen

wir uns der Tracht, die sich erst im

20. Jahrhundert flächendeckend etablierte.

Die Frage „Warum klingst du so?“ führt uns

zu Instrumentarium und Klangbild. Beide

veränderten sich über die Jahrhunderte

markant. Ähnliches gilt auch für das Re-

hinausgeblickt

bewegt

Aufbau & Grundkurse

für Stabführer

Anmeldung innerhalb 21. Februar

2026 im VSM Office/VSM APP

https://vsm.bz.it

Jänner-April 2026

hinausgeblickt

Spielweisen – was

Blasmusik sein kann

Ausstellung der Tiroler Landesmuseen im

Tirol Panorama am Bergisel

Die Ausstellung „Spielweisen – was Blasmusik sein kann“ ist bis 6. Juli 2026 im Tirol Panorama am Innsbrucker Bergisel zugänglich.

Die Aufmachung, in der sich das Blasmusikwesen in der aufwändig gestalteten Ausstellung präsentiert, ist im wahrsten Sinne des

Wortes ansprechend.

Der Blasmusikverband Tirol feiert 2025

seinen 100. Geburtstag. Für Elmar Juen,

ehemaliger Obmann des Verbandes, ist die

Ausstellung ein wesentliches Projekt des

Jubiläums. Zu deren Konzeption, an der er

selbst wesentlich mitgewirkt hat, sagt er:

„Es werden allen, sowohl ‚Blasmusik-Insidern‘

als auch Außenstehenden, reichlich

Möglichkeiten geboten, sich umfassend

und kritisch mit dem Phänomen Blasmusik

auseinanderzusetzen.“

Fragen führen zum Wesen

der Blasmusik

Die Besucher*innen betreten die Ausstellung

durch einen riesigen Schalltrichter. Er

steht für die sogartige Wirkung der Blasmusik.

In Videostationen begegnen uns Personen,

die mit ihr zu tun haben und von

ihren Erfahrungen und Motivationen erzählen.

Fragen bilden den Ausgangspunkt: Im

Blasmusik ist ein erstaunlich vielfältiges

Phänomen. Musikkapellen bewegen sich

in einem Spannungsfeld: Sie pflegen und

vermitteln Tradition, aber sie bleiben nicht

unberührt von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen.

Die Blasmusik ist ein wesentlicher

Bestandteil einer Tiroler Identität,

gleichzeitig ist dieses Musikgenre mit

vielen Klischees behaftet. Die Ausstellung

will einerseits der Faszination von Blasmusik

und andererseits diesen Klischees

auf den Grund gehen.

Das Ausstellungsteam: (v. l.) Kurator Andreas Holzmann, Ausstellungsmanagerin Charisse

Santos, Elmar Juen, ehemaliger BVT-Obmann, Katharina Walter, Leiterin des Bereichs

Kulturvermittlung, Sonia Buchroithner, Leiterin des Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum,

Kulturvermittlerin Monika Mazegger, Franz Gratl, Kurator und Leiter der

Musiksammlung

Foto: © Martin Vandory

KulturFenster

40 06/Dezember 2025


Blasmusik

pertoire („Ist das Blasmusik?“). Die Frage

„Marschierst du überall mit?“ führt zum

Verhältnis der Blasmusik zur Politik. In einer

weiteren Station spüren wir der Faszination

der Blasmusik nach. Ausgewählte

Musikant*innen vermitteln ihre Begeisterung

in einer Videostation, Fotos porträtieren

Blasmusikant*innen und geben einen

Eindruck von der Vielfalt der Szene.

Podiumsdiskussionen

Zu den verschiedenen Fragen und Themenbereichen

werden interessante Podiumsdiskussionen

angeboten, die jeweils

freitags um 18 Uhr im Tirol Panorama stattfinden

und von Markus Koschuh moderiert

werden. Der Start dazu erfolgte bereits am

21. November mit dem Thema „Kaiserjägermarsch

und Harry Potter – das Blasmusik-Repertoire

im Spannungsfeld zwischen

Tradition und Moderne“.

Freitag, 16. Jänner 2026

Marschierst du überall mit? Das Verhältnis

der Blasmusik zur Politik

Am Podium u. a.: Matthias Breit (Museumsmacher),

Andrea Sommerauer (Historikerin

und Journalistin)

Die Ausstellung bietet Raum und Gelegenheit, um mit der Blasmusik in Dialog zu treten.

Freitag, 20. Februar 2026

Uniformität oder Vielfalt – Blasmusik, Tracht

und Identitätspolitik

Am Podium u. a.: Elsbeth Wallnöfer (Volkskundlerin

und Autorin), Erich Riegler (Präsident

des Österreichischen Blasmusikverbandes)

Freitag, 6. März 2026

Wer mitspielen darf. Ist Blasmusik inklusiv

oder exklusiv?

Am Podium u. a.: Ellinor Forster (Historikerin),

Andreas Waldner (Landeskapellmeister)

„Museum im Dialog“ ist eine Diskussionsreihe

der Tiroler Landesmuseen, bei der

das Museum Plattform für gesellschaftsrelevante

und aktuelle Themen ist.

Franz Gratl, Tiroler Landesmuseen

Elmar Juen, ehem. Obmann des BVT

Der Blasmusikverband Tirol (BVT) unter neuer Führung

Großer Wechsel an der Spitze im Zeichen des 100-Jahr-Jubiläums

Die Delegierten der Tiroler Musikkapellen

und Musikbezirke wählten bei der Generalversammlung

am vergangenen 15.

November im Congress Innsbruck den

neuen Landesvorstand des Blasmusikverbandes

Tirol.

Dabei stand ein großer Wechsel bevor, da

sich mehrere der bisherigen Funktionäre

nicht mehr der Wahl stellten.

Anlässlich des von Bischof Hermann Glettler

im Dom zu St. Jakob zelebrierten Festgottesdienstes

zum heurigen 100-Jahr-

Jubiläum des Verbandes wurde von der

Stadtmusikkapelle Wilten und dem Kammerchor

„Collegium vocale Innsbruck“

die von Josef Wetzinger, dem bisherigen

Landeskapellmeister-Stellvertreter, komponierte

„Missa Solemnis“ uraufgeführt.

An der Spitze des Verbandes löst Peter

Spanblöchl den bisherigen Obmann Elmar

Juen ab und Landeskapellmeister

Rudi Pascher hat den Stab an Andreas

Stabübergabe in Innsbruck (v. l.) – Elmar Juen, Josef Geisler (Tiroler Landeshauptmann-

Stellvertreter), Peter Spanblöchl und Günther Platter

Foto: BVTl/Die Fotografen

Waldner übergeben. Verbandspräsident

Günther Platter dankte den Musikkapellen

und den bisherigen und den neu gewählten

Landesfunktionär*innen für ihr

Engagement: „Es ist viel weitergegangen

und ich bin überzeugt, dass damit ein

guter Grundstein für die nächste Funktionsperiode

gelegt wurde.“

Judith Haaser,

bisherige Medienreferentin des BVT

KulturFenster

41 06/Dezember 2025


Oberösterreich unter der Leitung von

Reinhard Schimpl mit 95,17 Punkten.

VSM-Verbandskapellmeister-Stellvertreter

Daniel Niederegger mischte sich un-

hinausgeblickt

Konzert des Bezirkblasorchesters

Bozen (BOB)

Konzerthaus Bozen 19 Uhr

https://vsm.bz.it

07.02.2026

Ein „Sehr gut“ für

die MK St. Georgen

Erfolgreiche Vertretung Südtirols beim

Österreichischen Blasorchesterwettbewerb

Die Musikkapelle St. Georgen im „Haus der Musik“ in Innsbruck

Fotos: Bernd Golas

Als Partnerverband des Österreichischen

Blasmusikverbandes ist Südtirol gern gesehener

und „gefürchteter“ Teilnehmer bei

den verschiedenen Bundeswettbewerben:

Vor kurzem hat die Musikkapelle St. Georgen

einmal mehr das Niveau der Südtiroler

Blasmusik unter Beweis gestellt.

ter das Publikum und gratulierte als einer

der Ersten im Namen des Verbandes

zum „sehr guten“ Erfolg.

Stephan Niederegger

In Innsbruck fand am 18. Oktober der Österreichische

Blasorchesterwettbewerb der

Leistungsstufe C statt. Die Jury war mit

Helmut Schmid (A), Oliver Waespi (CH),

Marco Somadossi (I) und Walter Ratzek

(D) international besetzt.

Die Musikkapelle St. Georgen unter der

Leitung von Kapellmeister Thomas Kiniger

stellte sich der Jury mit dem Pflichtstück

„Caledonia“ von Oliver Waespi und dem

Selbstwahlstück „Pfeifer Huisile“ des aus

St. Georgen stammenden Komponisten

Robert Neumair. Der Auftritt der zehn

Kapellen im „Haus der Musik“ konnte

auch live über Youtube verfolgt werden.

Die Südtiroler wurden schließlich mit

88,17 von 100 Punkten (5. Platz) belohnt.

Gewonnen hat den Wettbewerb

der Musikverein Vorderweißenbach aus

Preisverleihung (v.l.): Daniel Niederegger, Bernhard Thain (ÖBV-Vizepräsident), Philipp

Egger (Obmann MK St. Georgen), Josef Unterfrauner (Stabführer MK St. Georgen), Helmut

Schmid (ÖBV-Bundeskapellmeister) und Elmar Juen (ÖBV-Vizepräsident und ehemaliger

Obmann des Tiroler Blasmusikverbandes)

KulturFenster

42 06/Dezember 2025


Blasmusik

Großer Erfolg in Linz

Jugendkapelle der Bürgerkapelle Lana beim Bundeswettbewerb

Die Jugendkapelle

der

BK Lana

beim Wettbewerbsauftritt

im Brucknerhaus

Die Jugendkapelle der Bürgerkapelle Lana

hat nach ihrem Erfolg beim Landeswettbewerb

beim 12. Österreichischen Jugendblasorchesterwettbewerb

in Linz das Land

Südtirol vertreten. Die Teilnahme war ein

voller Erfolg.

„Schon die Einladung ins renommierte

Brucknerhaus, eine der bedeutendsten

Musikstätten Österreichs, war eine große

Ehre“, erzählt Jugendleiterin Sophie Holzner.

Der Jugendblasorchester-Wettbewerb

wurde am Samstag, 25. Oktober 2025, im

Brucknerhaus ausgetragen und findet alle

zwei Jahre, abwechselnd mit dem Wettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“, statt.

Nach der Qualifikation beim heurigen Jugendkapellentreffen

in Völs am Schlern

durften die Burggräfler als Vertreter Südtirols

auf die große Bühne treten – mit Lampenfieber,

Mut und einer ordentlichen Portion

Vorfreude im Gepäck.

Abenteuer

voller Emotionen

Unter der Leitung von Martin Knoll zeigten

die 44 Jungmusikant*innen in der Alterskategorie

AJ (Durchschnittsalter bis 14 Jahre),

was in ihnen steckt. Mit Präzision, Leidenschaft

und jugendlicher Energie spielten

sie sich zu 94,00 Punkten – ein Ergebnis,

das nicht nur den ersten Platz in ihrer Alterskategorie,

sondern auch den dritten

Platz in der Gesamtwertung unter 15 Orchestern

bedeutete.

Auch Verbandsjugendleiter Hannes Schrötter

war beim Auftritt vor Ort und konnte sich

vom Spiel der Jugendkapelle überzeugen:

„Der Erfolg beim Bundeswettbewerb in Linz

kommt nicht von ungefähr, sondern ist das

Ergebnis jahrelanger engagierter Jugendarbeit

und einer sehr intensiven musikalischen

Vorbereitung. Ich gratuliere allen

Jungmusikant*innen, dem Jugendleiterteam

sowie Kapellmeister Martin Knoll zu

diesem hervorragenden Ergebnis“, resümierte

er nach der Preisverleihung.

„Die Tage in Linz waren für die Jugend-

kapelle weit mehr als nur ein Wettbewerb

– sie waren ein Abenteuer voller Emotionen,

neuer Freundschaften und unvergesslicher

Erlebnisse. Als schließlich die

Punkte verkündet wurden, kannte der Jubel

keine Grenzen: Tränen, Lachen, Umarmungen

– pure Freude!“, blickt Sophie

Holzner zurück.

Mit diesem Erfolg hat die Jugendkapelle

gezeigt, wie viel musikalisches Können, Begeisterung

und Teamgeist in den Jungmusikantinnen

und Jungmusikanten steckt.

Der Wettbewerb in Linz war für alle ein

prägendes Erlebnis und eine wertvolle sowie

besondere Erfahrung, die sicher noch

lange in Erinnerung bleiben wird.

Jugendkapelle Lana

Strahlende Gesichter

bei der

Preisverleihung:

Martin Knoll und

Tobias Gruber (BK

Lana) freuten sich

über den Stufensieg

sowie den 3.

Platz in der Gesamtwertung.

KulturFenster

43 06/Dezember 2025


gehört & gesehen

„Klangwelten“ zur

Langen Nacht der Kirchen

Die Musikkapelle Terlan lässt mit besonderen Aktionen aufhorchen

Die Musikkapelle Terlan wurde 1840 gegründet,

sie zählt heute 58 Musikantinnen

und Musikanten. Seit November 2019 wird

die Kapelle von Meinhard Windisch dirigiert.

Seit 2024 ist Sylvia Verdroß Obfrau des Vereins.

Die rührige Musikkapelle lässt immer

wieder durch besondere Aktionen und musikalische

Akzente aufhorchen.

Das mitreißende Hofkonzert „Rock & Pop“

am 29. August im Heinrichhof mit der Gastsängerin

Judit Pixner war der krönende Abschluss

der heurigen Musiksaison, die mit

dem traditionellen Frühjahrskonzert und

dem Gastauftritt der Fagottistin Miriam Kofler

am 5. April eröffnet worden war. Ein besonderer

Höhepunkt im heurigen Jahr war

das Kirchenkonzert anlässlich der „Langen

Nacht der Kirchen“ am 23. Mai.

Zum Thema „wir können #(H)OFFEN“ hat

die Musikkapelle Terlan dazu ein interessantes

Rahmenprogramm geboten, das in

Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat

mit dem bemerkenswerten Konzert abgeschlossen

wurde.

Am abendlichen Konzert unter dem Motto

„Klangwelten“ wirkten mehrere Hauptdarsteller

mit: der Organist Michael Weinreich,

der die Kapelle bei mehreren Stücken begleitete;

Pater Urban Stillhard, der besinnliche

Texte und Gedanken zum Thema „Glocken“

vortrug; die Kirchenglocken, für die

heuer ein Jubiläumsjahr ist, und natürlich

die Musikkapelle Terlan.

Für ein besonderes Klangerlebnis begaben sich einige Musikanten der MK Terlan in die

schwindelerregenden Höhen des Kirchturms.

Fotos: Florian Mair

beim Gießen keineswegs willkürlich gewählt

wird, sondern einer ganz bestimmten

Tonlage entsprechen soll.

Besinnliche

Musik in der Kirche

Im Anschluss wurde das Konzert in der

Kirche fortgesetzt, und das zahlreich erschienene

Publikum wurde mit dem weltbekannten

„Air“ von J. S. Bach, dargeboten

von den Holzbläsern, willkommen geheißen.

In der darauffolgenden „Canzona per

Organo e Orchestra a Fiato“ (Kees Schoonenbeek)

musizierte die gesamte Musikkapelle

im Zusammen- und Wechselspiel

mit der Orgel. Ein Blechbläserensemble

begab sich anschließend auf die Empore

Zusammenspiel

mit den Kirchenglocken

Los ging es aber zunächst außerhalb der

Kirche, oder besser gesagt, über der Kirche:

Einige schwindelfreie Musikanten stiegen

in den Kirchturm hinauf, um dort aus

dem großen Fenster zwei Fanfaren für das

gespannt auf dem Dorfplatz lauschende

Publikum zu spielen. Der Clou dabei: Die

Kirchenglocken wurden als Perkussionsinstrumente

genutzt und begleiteten die

Blechbläser im Rhythmus. So konnte man

auch hören, dass der Klang einer Glocke

Die Blechbläser im musikalischen Dialog mit der Orgel

KulturFenster

44 06/Dezember 2025


Blasmusik

hinauf, wo gemeinsam mit der Orgel das

„Halleluja“ und „Wie einer durch den Tod“

von G. F. Händel dargebracht wurde. Die

gesamte Kapelle spielte anschließend mit

„Pavan“ von J. F. Michel und dem „Hymnus

Pastorale“ von Bert Appermont zwei

wunderschön harmonische und besinnliche

Werke. Mit den „Four Intradas“ (J.

I. Linek) und dem „Psalm XIX“ (Benedetto

Marcello) folgten zwei schwungvolle

Stücke, welche wiederum von der Orgel

begleitet wurden.

Interessante Details

zu den Kirchenglocken

Abschließend wurden dem Publikum einige

sehr interessante Fakten zu den Terlaner

Kirchenglocken näher gebracht: Zwei

der Glocken werden heuer 30 Jahre alt,

nämlich die „Enzenberg-Glocke“ im großen

Turm (144 kg) und die „Kleine“ im kleinen

Turm (61 kg).

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Terlan

zeitweise überhaupt nur mehr zwei

Glocken, nämlich das „Zügenglöckchen“

(52 kg, gegossen 1772) und die „Große“:

Letztere wurde bereits im Jahr 1700 gegossen,

also vor genau 325 Jahren, und

bringt stolze 2.350 kg auf die Waage. Sie

hat also den Kampf Andreas Hofers gegen

die Truppen Napoleons miterlebt, die

Schieflage des Kirchturms überstanden,

beide Weltkriege überlebt und bisher 13

Generationen von Terlanern von der Taufe

bis zur Beerdigung begleitet.

Großes Finale

auf dem Dorfplatz

Um diese Anlässe zu feiern, begab sich die

Kapelle samt Publikum nochmals auf den

Dorfplatz, wo mit einem Auszug aus der

„Overture 1812“ von P.I. Tschaikowsky ein

furioses Werk zum Besten gegeben wurde.

Nach einer ruhigen, gebetsartigen Einleitung

erklangen sämtliche Kirchenglocken

zugleich, während die Schützenkompanie

in atemberaubender Geschwindigkeit

Schüsse aus der Böllerkanone abfeuerte

und die Musikkapelle im Fortissimo gegen

diese Klangkulisse anspielte. Als der

letzte Ton verhallte und sich der Kanonenrauch

langsam legte, konnte man in die

beeindruckten Gesichter des begeisterten

Publikums blicken, und Stille kehrte unter

dem Terlaner Nachthimmel ein – zumindest

bis zum nächsten Läuten der Kirchenglocken.

Daniel Geier

Mehrere berührende Werke wurden in der Pfarrkirche von Terlan aufgeführt

KulturFenster

45 06/Dezember 2025


gehört & gesehen

„Musik&Film“, das oscarreife

Projekt der MK Marling

Best 10 bei Juventus 2025 und Oscar-Gala im Zeichen des roten Löwen

Ein besonders kreativ gestaltetes und stimmungsvolles Konzert gab es bei der „Oscar-Gala“ wie auch beim darauffolgenden Familienkonzert

der MK Marling.

Fotos: Heinrich Leiter

Die Musikkapelle Marling hatte ihr Herbstprojekt

2024 mit einer umfangreichen Präsentation

für den Innovationspreis „JUVEN-

TUS“ eingereicht. Die über 30 Projekte, sehr

viele von Bezirks- oder Landesverbänden,

wurden von einer dreizehnköpfigen Jury bewertet.

Im Rahmen der ÖBV/ÖBJ-Lehrgänge

fand am vergangenen 11. Oktober die Preisverleihung

in Salzburg-Wals statt.

Die „Best 10“, darunter die MK Marling,

waren zur Verleihung eingeladen, zu der

eine vierköpfige Delegation anreiste. Alle

Projekte wurden kurz vorgestellt, die drei

Preisträger in den jeweiligen Kategorien

präsentierten ihre Initiative noch einmal

ausführlich.

Für die „Stockerlplätze“ hat es nicht ganz

gereicht, doch die Einladung, die Urkunde

und Auszeichnung aus den Händen des

ÖBV-Präsidenten Erich Riegler sind Anerkennung

genug für die Kreativität und

Leidenschaft, die hinter diesem Projekt

standen.

Das Projekt mit

glamourösem Abschluss

Die Oscar-Night, ein glamouröser Abend

ganz im Stile einer Oscar-Gala: roter Teppich,

Sektempfang, ausgewählte Filmmusik,

der Einsatz professioneller Licht- und

Tontechnik… und natürlich die Verleihung

der begehrten Statue. Keine Attrappe, sondern

eine eigene Trophäe, der „Marlinger

Löwe“. Als Vorlage diente hierfür der weit

über die Dorfgrenzen hinaus bekannte rote

Löwe, welcher am Kreisverkehr der Ortseinfahrt

zum etwas oberhalb gelegenen Dorfzentrum

blickt und zugleich Wappentier der

Gemeinde Marling ist. Die Musikkapelle Marling

wollte den Anlass der Oscar-Verleihung

nutzen, um verdiente Persönlichkeiten aus

dem Dorf, dem Verein und darüber hinaus zu

würdigen – darunter auch jene, die im Hintergrund

Großartiges geleistet haben, ohne

dabei im Rampenlicht zu stehen.

Die Geehrten in

den fiktiven Kategorien

Verdiente Personen und Gruppen wurden bei der „Oscar-Gala“ mit dem roten Löwen ausgezeichnet.

Sportsfreunde – ASV Tscherms Marling: erfolgreiche

Fußballmannschaft und zweimaliger

Aufstieg innerhalb kürzerster Zeit

Lebenswerk Kultur– Alois Arquin: langjähriger

Obmann der Musikkapelle Marling,

Präsident des Tourismusvereins, unermüdlicher

Einsatz für sein geliebtes Dorf

Newcomer – die Jungmusikant*innen der

MK Marling, stellvertretend verliehen an

Jugendleiterin Julia Fill

KulturFenster

46 06/Dezember 2025


Blasmusik

Comeback des Jahrzehnts – Gaston Waldner:

seit nunmehr fast 60 Jahren Mitglied

der Musikkapelle. Trotz zahlreicher gesundheitlicher

Schwierigkeiten hat er nie aufgehört,

seiner großen Leidenschaft – dem

Musizieren – nachzugehen und sich immer

wieder in die Reihen der Kapelle zurückgekämpft.

Frischer Wind – für Florian Schmalzl: Hobbymeteorologe

und Internetberühmtheit

aus Marling

Bestes Ensemble – Klarinetten und Saxophone:

Sie wurden durch ein Live-Publikumsvoting

zum Sieger der Kategorie

gekürt.

Zwei Überraschungslöwen gab es auch,

einmal für den MV Dewangen (D) für die

20-jährige musikalische Freundschaft und

für Beste Regie/Produktion – Kapellmeister

Hannes Schrötter für die Gesamtleitung und

intensive Vorbereitung auf die Konzerte.

Live-Voting

und Familienkonzert

Ein Höhepunkt war sicher das Live-Voting

für das beste Ensemble. Im Laufe des Galaabends

hat jedes Register ein Stück Filmmusik

mehr oder weniger groß inszeniert

vorgetragen, und das Publikum stimmte

via QR-Code ab.

Beim Innovationspreis „JUVENTUS“ zwar nicht ganz vorne mit dabei, konnte die MK Marling

doch stolz auf die Platzierung unter den „Top Ten“ sein.

Eine besondere Überraschung war der

Auftritt des musikalischen Nachwuchses

der Kapelle. Sie spielten drei Stücke, zwei

davon mit der „großen“ Musikkapelle. Der

Bühnenbereich wurde mit Schwarzlicht

ausgeleuchtet, die Jungmusikanten mit

fluoreszierenden Kleidungsstücken leuchteten

hell in der Dunkelheit.

Das Familienkonzert am darauffolgenden

Tag war keine Wiederholung, sondern ein

Erlebnis für Klein und Groß. Dazu beigetragen

haben die familienfreundliche

Spielzeit (Sonntag, 18 Uhr), die Anpassung

des musikalischen Programms, die

kindgerechte Moderation, der Einbau interaktiver

Elemente und Mitmachaktionen,

z.B. Quizspiel im Stil von „1, 2 oder 3“, die

gemeinsame Suche nach dem verlorenen

Taktstock, die Vorstellung der verschiedenen

Instrumente und eine Fotowand

mit lebensgroßen Filmfiguren.

Thomas Hölzl

BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Aboaktion

Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab

September 1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler

Volkskultur“ und seit 2008 als „KulturFenster“ lebendig, bunt und vielfältig

über die Musikkapellen, die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und

das Trachtenwesen in Südtirol derzeit in einer Gesamtauflage von rund

3.300 Stück pro Ausgabe.

Sie möchten keine

Ausgabe verpassen?

Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)

oder schreiben uns eine E-Mai an: info@vsm.bz.it

Sie bekommen das „KulturFenster“ sechs Mal im Jahr

direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen

finden Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.

KulturFenster

47

06/Dezember 2025


gehört & gesehen

Gemeinsames Jubiläumsfest

in Niederdorf

175 Jahre Musikkapelle und 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr

Freitag, den 25.Juli – trotz Regenwetters und

für Juli relativ kühler Temperaturen ließ man

sich nicht beirren und startete mit großer

Zuversicht in das Jubiläumsfest.

Der Bierfassanstich – daraus wurde eine

nicht enden wollende Bierdusche – wurde

vom Kulturlandesrat Philipp Achammer

vorgenommen. Vor Ort war auch das Fernsehteam

von ORF „Südtirol heute“ mit Moderatorin

Sabine Amhof, das den Festbeginn

mit Interviews am selben Tag live in

die Südtiroler Haushalte übertrug. Musikalisch

startete man den Festbetrieb mit der

Gruppe „Die Blechzinnen“. Anschließend

heizte die Band „Die Jung Puschtra“ die

Stimmung im gut gefüllten Festzelt kräftig

an. Der Samstag stand ganz im Zeichen

der Blaulicht-Organisationen. Abgerundet

wurde der zweite Tag im Festzelt mit Musik

der „Niederdorfer Böhmischen“, der

Gruppe „Brässluft“ und der wiedererstandenen

Partyband „Down Village“.

Jubiläum mit Festgottesdienst

und Festakt

Am Sonntag – pünktlich um 8 Uhr – erfolgte

der Empfang der Verbandsfahne des

Verbandes Südtiroler Musikkapellen (VSM),

der Ehrengäste, der Fahnen und der vielen

Abordnungen von den benachbarten

wie befreundeten Musikkapellen und Feuerwehren

vor dem Gerätehaus. Ortspfarrer

Josef Gschnitzer zelebrierte den Festgottesdienst

und fand lobende Worte für

beide jubilierenden Vereine. Beim Festakt

berichteten Feuerwehr-Kommandant

Werner Plack und Musikobmann Robert

Burger von der Geschichte und der angestrebten

Zukunft ihrer Vereine. Grußworte

an die Anwesenden richteten Bürgermeister

Günther Wisthaler, VSM-Obmann Pepi

Ploner und der Landesfeuerwehrpräsident

Martin Künig. Eine motivierende und ebenso

bürgernahe wie anerkennende Festrede

hielt die Landeshauptmann-Stellvertreterin

Rosmarie Pamer. Geehrt fühlten wir

uns durch die Anwesenheit vieler Ehrengäste

aus Politik, Blasmusik- und Feuerwehrwesen.

Als große Ehre haben wir auch

empfunden, dass aus unserem Gebiet fast

alle Fahnenabordnungen vertreten waren

sowie jene der befreundeten Kapelle aus

Cortina D’Ampezzo. Musikalisch umrahmt

wurde die Feier in ansprechender Weise

mit ortsbezogenen Musikstücken durch

die Jubelkapelle selbst unter der Leitung

von Kapellmeister Simon Burger.

Höhepunkt mit Festumzug

und Konzerten

Festwagen

zum großen

Jubiläum der

MK Niederdorf

Ein glanzvoller

Auftritt

der Jubelkapelle

Niederdorf

beim Festumzug

Anschließend begann der große Festumzug

durch das Dorf unter dem Motto „Feuerwehr

im Laufe der Jahrhunderte & 175

Jahre Musikkapelle“. Gefallen fanden

nicht nur die vier von Pferdegespannen

gezogenen schönen Festwägen, sondern

auch die vielen historischen sowie modernen

Geräte der Feuerwehren. Im Festumzug

eingebettet war am Anfang die Jubelkapelle

selbst, ebenso die Musikkapellen

Innichen und Luttach, die Stadtmusikkapelle

Wilten/Innsbruck, die Wurzelkapelle

aus Wahlen/Toblach und zum Abschluss

die Freiwillige Feuerwehr in voller Stärke

mit den Patinnen und den Ehrenmitgliedern.

Im Festzelt konzertierten die MK

Luttach (Kpm. Patrick Künig), die MK Innichen

(Kpm. Korbinian Hofmann) und

als Höhepunkt die Stadtmusikkapelle Wilten

mit Kpm. Raimund Walder. Zum krönenden

Festabschluss spielte die Musikgruppe

„Rifflblech“ auf. Mit viel Spannung

verfolgt wurde auch die öffentliche Ziehung

aller Gewinnerlose der Lotterie.

Es war für uns Verantwortliche beider Vereine

eine große Genugtuung zu verspüren,

wie viel Unterstützung, Anerkennung und

Wohlwollen wir erfahren durften.

Robert Burger

Obmann der MK Niederdorf

KulturFenster

48 06/Dezember 2025


Blasmusik

„Southbrass“ feiert

10-jähriges Bestehen

Jubiläumsfest mit vielen musikalischen Überraschungen in Meransen

Ein Jahrzehnt voller Musik, Leidenschaft

und mitreißender Blasmusik: Die Südtiroler

Formation „Southbrass“ feiert am 28. Februar

2026 ihr 10-jähriges Bestehen. Für

das große Jubiläum hat die Band ein außergewöhnliches

Festprogramm zusammengestellt,

das Musikfreunde aus ganz Südtirol

– und darüber hinaus – anlocken dürfte.

Hochkarätiges Line-up

Die Feier beginnt um 15 Uhr in der Veranstaltungshalle

Meransen. Auf die Besucher

wartet ein abwechslungsreiches

Line-up, das sowohl traditionelle als auch

moderne Klänge vereint.

Für die passende musikalische Vielfalt

sorgen namhafte Gruppen aus der Blasmusikszene:

➤ Brauhaus Musikanten

➤ Kaiser Musikanten

➤ Hutter Family & Friends

➤ Southbrass Family – die Jubiläums-

Spezialformation „Southbrass“ mit ihren

Eltern gemeinsam auf der Bühne

➤ DJ Giannex – mit exklusiven Southbrass-Specials

➤ Und selbstverständlich: Southbrass

selbst

„Southbrass"

lädt zum

großen Treffen

mit Musikfreunden.

Damit verspricht das Jubiläumsfest beste

Unterhaltung, ausgelassene Stimmung

und viele musikalische Überraschungen

bis tief in die Nacht.

Attraktive

Angebote für Musikkapellen

Musikkapellen profitieren von einem vergünstigten

Gruppenpreis ab zwölf Personen.

Teilnehmende erhalten nicht nur

Zutritt zum gesamten Programm, sondern

auch ein Los im Wert von 5 Euro.

Zu gewinnen gibt es unter anderem:

➤ einen Live-Auftritt von Southbrass,

➤ zwei Übernachtungen im Chalet Kirchwies

inklusive Hubschrauberflug,

➤ drei Nächte auf der Campedel Schwaige

auf der Seiser Alm.

Zudem können Musikkapellen einen oder

mehrere Tische reservieren – ideal für Vereinsausflüge

und gemeinsame Feiern.

Workshops am Vortag

Bereits am 27. Februar bietet „Southbrass“

exklusive Workshops an. Diese richten sich

an interessierte Musikerinnen und Musiker,

die ihr Können vertiefen möchten. Die

Teilnahme gilt als besondere Gelegenheit,

von erfahrenen Profis Einblicke in Technik,

Stilistik und musikalische Bühnenarbeit

zu erhalten.

Ein spezieller Termin

für alle Blasmusik-Fans

Mit einem starken Programm, besonderen

Jubiläumsaktionen und zahlreichen musikalischen

Höhepunkten wird der Nachmittag

und Abend in Meransen zu einem

unvergesslichen Erlebnis. „Southbrass“

lädt alle Musikfreunde ein, mitzufeiern,

mitzusingen und diesen besonderen Meilenstein

gemeinsam zu begehen.

Alle Infos & Tickets verfügbar unter:

southbrass.com/fete

Details zu den Workshops:

southbrass.com/workshop

Alexander Egger (Southbrass)

KulturFenster

49 06/Dezember 2025


hinausgeblickt

bewegt

78. VSM-Mitgliedervollversammlung

Waltherhaus, Bozen

https://vsm.bz.it

14.03.2026

persönlich

In die Klarinette

verliebt

Der VSM-Bezirk Meran gratuliert

Josef Egger zum 80er

Josef Egger, mit 80 Jahren ein junggebliebener

vielseitiger Musiker

„Eigentlich wollte ich Fußballer werden,

verliebte mich jedoch mit 15 Jahren in die

Klarinette“, sagt Josef Egger, der Altbauer

vom Graberhof in Nals. Am 30. November

feierte er seinen 80. Geburtstag.

Bereits sein Vater und sein Großvater waren

Klarinettisten der Bürgerkapelle Nals.

So trat auch der kleine Seppl in deren Fußstapfen

und war fortan fasziniert von diesem

Instrument. 25 lange Jahre dirigierte

er seine Heimatkapelle und stand auch am

Dirigentenpult der Musikkapellen von St.

Michael Eppan und Zwölfmalgreien. Nun

ist er wieder als Bläser in den Reihen der

BK Nals und bereichert diese mit seiner

Musikalität und Rüstigkeit.

Als sehr wertvoll zu betrachten sind seine

ehrenamtlichen Dienste im Vorstand des

VSM-Bezirkes Meran. Er war von 1977 bis

1980 Jugendleiterstellvertreter, von 1980

bis 1983 Jugendleiter und von 1983 bis

1998 Bezirkskapellmeister-Stellvertreter –

insgesamt 21 Jahre lang. Diese Funktionen

übte Sepp mit Eifer und Hingabe aus, zum

Wohle der Musikkapellen weit über den Bezirk

hinaus. Zudem war er viele Jahre ein

geschätzter und gern gesehener Referent

bei den Kapellmeisterkursen des VSM.

Seit 54 Jahren leitet Josef nun schon den

Kirchenchor von Nals und glänzt als Organist:

Er war der erste Südtiroler, der das

Staatsdiplom in Kirchenmusik absolviert

hat. Sein ausgeprägtes musikalisches Talent

bewies er auch als künstlerischer Leiter

der Musikfreunde Meran. Von 2007 bis

2016 stand er am Dirigentenpult des Orchesters,

wobei er vor allem Werke der Romantik

bevorzugte.

Lieber Sepp, zu deinem runden Geburtstag

wünschen wir dir viel Gesundheit und

Glück. Mögen dein sonniges Gemüt und

deine musikalische Leidenschaft uns noch

viele Jahre begleiten.

Albert Zerzer, Obmann-Stellvertreter

im VSM-Bezirk Meran

Ein Leben lang ...

In der Juniausgabe unseres KulturFensters (S.50) haben wir die 13 Musikanten ins Rampenlicht geholt, die seit 70 Jahren in der Kapelle

spielen. In der Zwischenzeit konnte der VSM diese Ehrung noch drei Mal vergeben:

Josef Lamprecht

MK Vernuer (Trompete) 2019

Friedrich Pomella

MK Kurtatsch (Tenorhorn) 2019

Josef Prister (+ 2024)

MK Kastelbell (Tenorhorn) 2019

Alois Laimer

MK St. Pankraz (Klarinette) 2021

Karl Adolf Laimer

MK St. Pankraz (Tuba) 2021

Heinrich Gabrielli

MK Auer (Tenorhorn) 2023

Alfred Reich

MK Platt (Flügelhorn) 2023

Kassian Urthaler

MK Percha (Flügelhorn) 2023

Emil Lechner

SK Meransen (Klarinette) 2023

Walter Reden

BK Sand in Taufers (Flügelhorn) 2024

Gottlieb Maas

MK Reschen (Tuba) 2025

Josef Nischler

MK Burgstall (Tenorhorn) 2025

Josef Oberschmied

MK Reischach (Klarinette) 2025

Franz Raich

MK Moos i.P. (Tenorhorn) 2025

Josef Scherer

MK St. Martin i.P. (Horn) 2025

Franz Windegger

MK Prissian (Klarinette) 2025

Foto: AlphaPhoto

Foto: fm

Foto: Roland Pircher

Seit 70 Jahren in

der Musikkapelle:

Josef Scherer,

Josef Nischler und

Franz Windegger

KulturFenster

50 06/Dezember 2025


Blasmusik

110 Punkte „cum laude“

für Samuel Oberegger

Erfolgreicher Bachelor-Abschluss in Blasorchesterleitung

Am vergangenen 24. Oktober fand das Bachelor-Prüfungskonzert

von Samuel Oberegger,

dem Kapellmeister der Bürgerkapelle

Gries, statt.

Samuel Oberegger (geboren 2002) besuchte

das Sprachengymnasium „Walther

von der Vogelweide“ mit Landesschwerpunkt

Musik in Bozen sowie parallel den

Kapellmeisterlehrgang an der Musikschule

Gries bei Georg Thaler. Seit Herbst 2022

studiert er am Konservatorium „Claudio

Monteverdi“ Klarinette bei Roberto Gander

sowie Blasorchesterleitung und Instrumentation

für Blasorchester bei Thomas

Ludescher. Er nahm an mehreren internationalen

Meisterkursen teil. In seiner

Bachelorarbeit, betreut von Thomas Ludescher,

befasste er sich mit der „Kunst

der Programmgestaltung: Dramaturgie als

Gestaltungsfaktor im Blasorchester“. Mit

großem Engagement leitet er seit Herbst

2023 die Bürgerkapelle Gries.

Abschluss mit

höchster Punktezahl

Bereits im ersten Prüfungsteil, der die Gestaltung

einer Probe umfasste, bewies Samuel

Oberegger sein Können. Er konnte rasch die

wesentlichen Elemente des Werkes „Deliverance“

von Etienne Crausaz herausarbeiten

und das Stück musikalisch so gestalten,

dass sein Charakter voll zur Geltung kam.

Mit der Bürgerkapelle Gries als Prüfungsorchester

zeigte Samuel Oberegger beim

darauffolgenden Konzert Talent in all seinen

Facetten. Auf dem Programm standen

die „Fanfare aus La Péri“ von Paul Dukas

für Blechbläserensemble, das ausdrucksstarke

Solokonzert „Sonorous“ von Peter

Diesenberger – meisterhaft gespielt von

Fagottistin Anna Furgler – „Capriccio“ von

Christian Janssen sowie das von ihm selbst

im Rahmen des Studienabschlusses komponierte

Stück „Esfera“. Die Bekanntgabe

des Prüfungsergebnisses wurde dann mit

großer Spannung erwartet: Die Kommission

bewertete die Prüfung mit der vollen

Punktezahl 110 cum laude.

Die Bürgerkapelle Gries gratuliert herzlich zu

diesem Erfolg und blickt mit viel Freude auf

weitere Konzerte und Projekte unter der musikalischen

Leitung von Samuel Oberegger.

Roland Furgler

Samuel Oberegger hochkonzentriert bei

der Prüfung

Als frisch gebackener „Bachelor“ freut sich Samuel Oberegger (Bildmitte mit Lorbeerkranz) mit der Bürgerkapelle Gries über seinen

großen Erfolg.

KulturFenster

51 06/Dezember 2025


entdeckt

Festmarsch (1884) von Richard Strauss

Instrumentiert für Blasorchester von Gottfried Veit

Gottfried Veit hat sich an die Bearbeitung

und Instrumentation einer Gelegenheitskomposition

von Richard Strauss herangewagt,

um den für Klavierquartett konzipierten

Festmarsch für Blasorchester

einzurichten. In kompetenter Weise wurden

hier die Stimmen den charakteristischen

Instrumentengruppen eines großen Blasorchesters

zugeteilt. Gottfried Veit schreibt

in der Einführung: „Da dieser Festmarsch

spieltechnisch nicht besonders anspruchsvoll

ist, bietet er sich förmlich an, für Blasorchester

instrumentiert zu werden.“ Entstanden

ist ein Werk, das sich von den

gebräuchlichen, traditionellen Konzertmärschen

abhebt und sich daher besonders

gut für wichtige, feierliche Anlässe wie

Eröffnungen und Segnungen von Einrichtungen,

Empfängen von Persönlichkeiten

usw. eignet.

In der Partitur sind alle im großen Blasorchester

besetzten Stimmen enthalten. Der

Marsch wurde jedoch so instrumentiert,

dass er auch ohne die sogenannten „Mangelinstrumente“

wie beispielsweise Oboe,

Fagott, Bassklarinette, Saxofone, bedenkenlos

gespielt werden kann. Das Stück steht

in klingendem B-Dur (ursprünglich um eine

große Terz höher) und das Trio in Es-Dur.

Erschienen ist dieses rund sechsminütige

Werk im DIN A4 Format im TATZER-

Musikverlag (A-2263 Waidendorf) in bester

Druckqualität. Es ist seit kurzem im

Fachhandel erhältlich.

Walter Cazzanelli

Gottfried Veit hat den Festmarsch (1884)

von Richard Strauss für Blasorchester

instrumentiert.

Feierlich und majestätisch

Die neue Prozessionsmarsch-CD der MK Innervillgraten

Vor allem bei kirchlichen Anlässen im

Freien spielt die Musikkapelle eine

wesentliche Rolle, sie schafft eine

feierliche Stimmung und bringt die

christliche Gemeinschaft zusammen.

Die Musikkapelle dient als Botschafter

in der regionalen Kultur, indem

sie lokale Melodien, die vor Ort entstanden

sind, erhält und die musikalische

Tradition pflegt und weitergibt.

1831 wurde die Musikkapelle Innervillgraten

genau aus dieser ehrenvollen

und zugleich herausfordernden

Aufgabe gegründet, nämlich

„um kirchliche Feste musikalisch zu

umrahmen.“ Feierlichkeiten außerhalb

des kirchlichen Rahmens kamen

erst später dazu, wie die Vereinschronik

erzählt. Vor mittlerweile 10 Jahren

hat die Musikkapelle eine Sammlung

von Trauermärschen auf der CD „Nachklänge“

veröffentlicht. Seit einiger Zeit ist

nun die Idee entstanden, einen Tonträger

mit Prozessionsmärschen aufzunehmen.

Gemeinsam mit dem Aufnahmeleiter Roland

Fuchs aus Anras und dem Tonstudio

Sound Service aus Lienz und unter der Leitung

von Johannes Schett wurde im vergangenen

Herbst das Probelokal kurzerhand

zum Tonstudio umfunktioniert. Vor

wenigen Wochen wurde die CD offiziell vorgestellt.

Sie vereint eine Auswahl majestätischer

und würdevoller Märsche, die mit

großer Sorgfalt ausgewählt wurden. Jeder

einzelne Titel ist darauf ausgelegt, die feierliche

Stimmung von Prozessionen

einzufangen – sei es im kirchlichen,

kulturellen oder festlichen Rahmen.

Zudem zeugen einige nur handschriftlich

im Notenarchiv der Kapelle

vorliegende Prozessionsmärsche von

der kreativen Schaffenskraft vergangener

Generationen, die es verdienen,

auch heute noch gespielt und

gehört zu werden. Das vergilbte Notenpapier

erzählt von einer Zeit, in

der Musik mit Feder, Tinte und viel

Herzblut festgehalten wurde. Das

Musizieren ist sehr speziell und die

zum Teil selbst komponierten Prozessionsmärsche

von Altkapellmeister

Josef Steidl jun. (Högger) mit Sicherheit

einzigartig.

Mit dieser Prozessionsmarsch-CD hat die

Musikkapelle Innervillgraten ein klingendes

Denkmal geschaffen, das zur Erhaltung

kirchlich, kulturellen Erbes beiträgt. Der

Tonträger ist im Label „col legno“ von Andreas

Schett erschienen und auch über

die Musikkapelle erhältlich.

Stephan Niederegger

KulturFenster

52 06/Dezember 2025


Blasmusik

Blas’ Musik ins Dorf!

Eine kreative Werbekampagne der Musikkapelle Dorf Tirol

Mit einer kreativen Werbekampagne hat

die Musikkapelle Dorf Tirol gezeigt, wie

Vereinsarbeit auch außerhalb des Probelokals

sichtbar werden kann.

Ziel der Aktion war es, die Musikkapelle

im Gemeindeleben stärker präsent zu machen

– besonders für jene Dorfbewohner

und Bewohnerinnen, die bisher keinen

direkten Bezug zum Verein hatten.

Im Mittelpunkt der Kampagne standen

elf hochwertige Fotomotive, die jeweils

ein Instrument in Szene setzten. Prägnante

Slogans und die klare Präsentation

des Instrumentennamens machten

jedes Plakat zu einem eigenständigen

Blickfang. Die Motive wurden an verschiedenen

Standorten in der Gemeinde

ausgehängt und luden Passantinnen und

Passanten dazu ein, die Vielfalt der Blasmusik

zu entdecken.

Ergänzend dazu wurde ein Werbevideo

produziert, das die Kampagne auf unterhaltsame

Weise abrundete.

Mit dieser charmanten Idee gelang

es der Musikkapelle Dorf

Tirol, Neugier zu wecken und

Kinder für ein Instrument zu

begeistern.

Hannes Schrötter

Besonders für Kinder wurde die Aktion zu

einem kleinen Abenteuer: Sie sollten alle

elf Motive in der Gemeinde suchen – und

wer alle gefunden hatte, erhielt als Belohnung

einen Eisgutschein.

Mit dieser charmanten Idee gelang es der

Musikkapelle Dorf Tirol, Neugier zu wecken

und Kinder für ein Instrument zu begeistern.

Die Bevölkerung begegnet der Musikkapelle

nun im Alltag immer wieder –

und wird so auf spielerische Weise an die

Welt der Blasmusik herangeführt.

Hannes Schrötter

Mit einer besonders kreativen Vorstellung

der Musikinstrumente wird in Dorf

Tirol um neue Mitglieder für die Musikkapelle

geworben.

KulturFenster

53 06/Dezember 2025


kurz notiert

Musikkapelle und Kirchenchor Latzfons

feiern das Fest der hl. Cäcilia

Festgottesdienst, Standkonzert und Festakt mit Ehrungen

Jedes Jahr feiern die Musikkapelle und

der Kirchenchor Latzfons traditionell das

Fest der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin

der Musik. Der diesjährige Festtag

am 16. November begann mit einem feierlichen

Gottesdienst. Anschließend gab

die Musikkapelle ein kurzes Standkonzert

auf dem Dorfplatz.

Beim anschließenden Festakt im Vereinssaal

mit gemeinsamem Mittagessen wurden

wieder Ehrungen vorgenommen:

Musikkapelle:

➤ 25 Jahre Mitgliedschaft: Sandra Meraner

(Klarinette) und Mirjam Waldboth

(Flöte)

➤ 40 Jahre: Norbert Waldboth (Tuba),

Josef Schrott (Trompete) und Thomas

Gantioler (Flügelhorn)

➤ 50 Jahre: Paul Meraner (Schlagzeug),

Georg Oberrauch (Klarinette), Franz

Oberrauch (Klarinette) und Leo Torggler

(Posaune)

Kirchenchor:

➤ 25 Jahre: Manfred Senn (Bass) und

Werner Mitterrutzner (Bass)

➤ 40 Jahre: Roswitha Prader (Sopran)

➤ 50 Jahre: Erna Stampfl (Sopran)

Roland Mitterrutzner

Alle Geehrten der Musikkapelle und

des Kirchenchors Latzfons auf einen

Blick

y.m.b. Vintl mit neuen Polo-Shirts

Einheitliches Erscheinungsbild dank Sponsoren

Die Jugendkapelle der Musikkapelle Vintl

„y.m.b. Vintl“ gibt es bereits seit 24 Jahren.

Sie besteht momentan aus 23 Mitgliedern

bei einem Durchschnittsalter von knapp

15 Jahren. Für die verschiedenen Auftritte

wurden neue Polo-Shirts bei der Firma

„Full Promotion“ in Brixen angekauft. Somit

ist es der Jugendkapelle auch weiterhin

möglich, ihr sichtbar geschlossenes Auftreten

bei Konzerten zu präsentieren. So waren

die Jungmusikant*innen bei den diesjährigen

Konzerten beim Kirchtag in Vintl,

beim Abendkonzert in Obervintl, beim Konzert

im Seniorenwohnheim Freyenthurn in

Mühlbach sowie beim Konzert im Nordtiroler

Polling beim 1. Jungmusiktag bereits neu

eingekleidet. Die Finanzierung der neuen

Polo-Shirts übernahmen die Sponsoren Rieper

und Dolomites Milk aus Vintl. Im Namen

aller Mitglieder der „y.m.b. Vintl“ gilt

ihnen ein herzliches Dankeschön.

Hannes Zingerle

Die Musikant*innen der JuKa Vintl präsentieren sich in neuen Polo-Shirts mit Ulrich

Marcher, Geschäftsführer von Dolomites Milk (1. von links), Katrin Rieper von der

Rieper Unternehmensleitung (hinten Mitte) und Hannes Zingerle, Jugendleiter der MK

Vintl (rechts)

KulturFenster

54 06/Dezember 2025


Neues Leben in alten Mauern

Die MK Taisten erhält neues Probelokal und das Dorf ein neues Zentrum

Der Festplatz samt Musikpavillon ist ein attraktiver Ort der Begegnung geworden.

Nach langer Vorbereitungs- und Planungszeit

ging mit dem neuen Festplatz samt Musikpavillon

und fixer Aufschankstruktur ein

langersehnter Wunsch der Taistner Bevölkerung

und der örtlichen Vereine in Erfüllung.

Die Musikkapelle Taisten bekam zudem

ein neues Probelokal, nachdem die

Halle der Feuerwehr nach deren Auszug

leergestanden hatte. Das Gesamtprojekt im

Ausmaß von 3,8 Millionen Euro wurde aus

gemeindeeigenen Mitteln und mit Landesgeldern

realisiert.

Die Eröffnung fand im Rahmen des traditionellen

Kirchtagsfestes Anfang September

Premiere im neuen Probelokal der MK Taisten: Hier lässt es sich gut musizieren!

statt. Beim Festakt nach dem Festgottesdienst

unterstrich Bürgermeister Dominik

Oberstaller die Bedeutung des neuen Musikpavillons

und Platzes als Orte der Begegnung

und des Miteinanders, wo mit

Konzerten, Veranstaltungen und Festen

das kulturelle Leben im Dorf bereichert

werden könne.

Landeshauptmann Arno Kompatscher würdigte

in seiner Rede das gelungene Projekt.

Es sei wichtig, dass alle Vereine des Dorfes

diese Struktur nützen können und somit

Zusammenhalt und Gemeinschaft aktiv gelebt

wird. Ihre Freude und Anerkennung

über diese wichtige kulturelle und soziale

Infrastruktur drückten auch die weiteren

Ehrengäste und Festredner aus, u.a. Senator

Meinhard Durnwalder, Verbandsobmann-Stellvertreter

und Obmann des Bezirks

Bruneck Johann Hilber und Taistens

Obmann der Musikkapelle Michael Prieth.

Im Anschluss segnete Pfarrer Paul Schwienbacher

die neuen Infrastrukturen, und die

zahlreichen Festbesucher ließen es sich

nicht nehmen, sie zu besichtigen und den

Anlass ausgiebig zu feiern.

Klaus Mairhofer

KulturFenster

55 06/Dezember 2025


Wir sind davon überzeugt, dass kulturelle

Bildung ein geeignetes Mittel ist, um gesellschaftlicher

Spaltung entgegenzuwirken, den

Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken

und sich für eine zukunftsgewandte, kulturelle

Vielfalt einzusetzen.

Deutsche Chorjugend

KulturFenster 56

06/Dezember 2025

Foto: SCV


motiviert

Singen ist Zukunft

Kreative Ansätze um Jugendliche für das Singen zu gewinnen

Wie gewinnt man Jugendliche für das Singen

im Chor? Diese alte und immer aktuelle

Frage erfordert immer neue und immer kreative

Antworten. Ein Blick ins deutschsprachige

Ausland zeigt, dass es viele Wege

und Möglichkeiten gibt, die auch erfolgreich

umgesetzt werden.

Besonders aktiv ist der Jugendverband

des Deutschen Chorverbands: Die Deutsche

Chorjugend vertritt rund 75.000 Kinder

und Jugendliche in etwa 2.500 Chören

und Ensembles. Was die Initiativen der

Deutschen Chorjugend besonders macht,

sind ihre niederschwelligen Angebote und

die Betonung des kulturellen und auch

gesellschaftspolitischen Auftrags der Jugendchöre,

der weit über das reine Singen

hinausgeht. Gerade dieses Bewusstsein ermöglicht

kreative Ansätze. So schafft die

Deutsche Chorjugend etwa mit Chören wie

„YouTH-Rock it!!!“ Räume, in denen Jugendliche

mit und ohne Behinderung zusammen

singen, sie setzt insgesamt auf

flache Hierarchien und auf die Zusammenarbeit

mit Schulen, wo sich Chöre auch im

Unterricht vorstellen. Erfolgreich ist auch

der „SingBus“, der durch Deutschland fährt

und Chormusik direkt zu Kindern und Jugendlichen

bringt und so auch Jugendliche

erreicht, die vorher nicht gesungen haben:

Er fährt direkt in Dörfer und Städte, baut

eine Bühne auf und lädt Kinder spontan

zum Mitmachen ein – auch jene, die bisher

keinen Zugang zu Chören hatten. Kinder

können spontan vorbeikommen, zuhören

oder gleich mitsingen.

Jugendliche, die

noch nie gesungen haben

Es gibt viele Möglichkeiten, Jugendliche für das Singen im Chor zu begeistern.

„Wir sind davon überzeugt, dass kulturelle

Bildung ein geeignetes Mittel ist,

um gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken,

den Zusammenhalt in der

Gesellschaft zu stärken und sich für eine

zukunftsgewandte, kulturelle Vielfalt einzusetzen.

Singen in einem Chor eignet

sich dahingehend ganz besonders, denn

es ist ein niedrigschwelliges und unmittelbares

Angebot kultureller Bildung und

wirkt gemeinschaftsstiftend über die musikalischen

Erlebnisse hinaus“, schreibt

die Deutsche Chorjugend auf ihrer Webseite.

Denn durch gemeinsames Singen

können junge Menschen eine Gemeinschaft

erleben, in der es nicht auf die geographische,

ethnische, ökonomische

oder soziale Herkunft, Hautfarbe, Erstsprachen,

Bildungsnähe oder -ferne, körperliche

und kognitive Voraussetzungen,

Geschlechts- oder Religionszugehörigkeit

ankommt, sondern es einzig darum geht,

miteinander Musik zu machen und eigene

Ideen zu verwirklichen. Im Rahmen des

Modellprojektes ‚Together! – Chor.Leben‘

haben sich deutschlandweit 14 Jugendchöre

mit Singbegeisterten gegründet, die

ganz unterschiedliche Motivationen, Hintergründe

und Visionen mitbringen und sowohl

den Gründungsprozess als auch die

Probenarbeit aktiv mitgestalten. Dabei steht

stets ein offener, aufsuchender Charakter

im Vordergrund: das Suchen von Wegen,

um Jugendliche gezielt in ihrer Lebenswelt

mit ihren Interessen anzusprechen.

So entsteht zum Beispiel ein Jugendchor,

der sich auf Videospiel-Musik konzentriert

Foto: Choriosum

und die Proben wie ein Videospiel gestaltet,

oder ein queerer Jugendchor, ein interdisziplinäres

Tanz-Chorprojekt, ein reiner

Mädchenchor, der sich mit Empowerment

auseinandersetzt, ein reiner Jungenchor,

der Jungs davon überzeugt, wie cool Singen

ist, zwei Mehrgenerationenchöre, bei

denen die Jugendlichen mit Jüngeren und

Älteren zusammenkommen, oder ein Jugendchor,

der ohne erwachsene Chorleiter

von sechs 15- bis 16-Jährigen ins Leben

gerufen wurde.

Chorsingen als gesellschaftspolitischer

Auftrag

Einen besonderen Ansatz der Förderung

des Chorgesangs bei Jugendlichen verfolgt

die Deutsche Chorjugend e.V. mit

dem Projekt „Chorleica – Jugendbeteiligung

leben!“. Sie will mit den Projekt-Wochenenden,

die in verschiedenen deutschen

Bundesländern stattfinden, nicht

nur junge Menschen zur Chorleitung hinführen,

sondern das Singen im Chorverein

auch als gesellschaftspolitischen Auftrag

57

KulturFenster 06/Dezember 2025


motiviert

sehen. Die Lehrgänge bieten Theorie und

Praxis für junge Menschen zwischen 16

und 26 Jahren an, die Grundlagen in der

Gestaltung von Proben sammeln und sich

als Chorleiter*innen ausprobieren wollen.

Gestaltung von Gruppensituationen, Erlebnispädagogik,

Umgang mit Konflikten, Willkommens-

und Mitgestaltungskultur, Aufsichtspflicht,

Musiktheorie, Führungsstile,

Jugendschutz, Datenschutz, Kinderschutz

und viele andere Themen stehen auf dem

Programm. Die Deutsche Chorjugend will

dabei nicht nur Chorleiternachwuchs „rekrutieren“,

sondern die Partizipation junger

Menschen in Chorvereinen und allgemein

die demokratische Mitbestimmung

fördern. Neben der Ausbildung in den

Lehrgängen haben alle Teilnehmenden

und Absolvent*innen die Möglichkeit, an

begleitenden Online-Veranstaltungen teilzunehmen

und diese mitzugestalten, etwa

zu Themen wie „Mobbing im Kinderchor“

oder „Diversität im Jugendchor“. Der Ansatz,

über das reine Singen hinaus den

gesellschaftspolitischen Auftrag der Chorarbeit

zu fördern, ist typisch für die Projekte:

Wie können wir unser Chorleben so

gestalten, dass sich wirklich alle willkommen

und sicher fühlen? Wie gestalten wir

unseren Choralltag so, dass alle Stimmen

Gehör bekommen? Der erste Schulungs-

Durchlauf fand 2024 statt und wurde auch

in diesem Jahr fortgesetzt.

Gesangsabzeichen

Fotos: SCV

und musiktheoretische Kompetenzen und

nehmen dann eine entsprechende Prüfung

ab. Die erlernten Kompetenzen in

„Stimmpraxis“, „Stimmbildung“, „Rhythmik

& Gehörbildung“ und „Musiklehre“

werden mit einem Abzeichen zertifiziert.

So werden regelmäßig Ausbildungen im

Chorsingen angeboten, welche die Teilnehmenden

dazu befähigt, kompetent mit

der eigenen Stimme umzugehen, sich Musikstücke

selbständig zu erschließen und

musikalische Anweisungen der Chorleitenden

in der Probe besser umzusetzen.

Mit diese „Ausbildung im Chorsingen bekommt

das Chorsingen in der Gesellschaft

eine Wertigkeit. Die Transparenz der Fähigkeiten

unterstützt die Wertschätzung

der Leistungen der Jugendlichen“, sagt

Alexandra Becker, eine der Pilotprojektleiterinnen.

Paul Bertagnolli

Neben dieser auf Gemeinschaft und Inklusion

fokussierten Initiativen fördert die

Deutsche Chorjugend den Chorgesang in

der Jugend über eine andere, wohl ebenso

wichtige Schiene, nämlich der Begeisterung,

die durch Können und Leistung entsteht.

Die „D-Ausbildung im Chorsingen“

ist ein Ausbildungsprogramm, das Chorleitende

ihren Sänger*innen anbieten. Die

Ausbildner*innen erarbeiten gemeinsam

mit den Jugendlichen gesangspraktische

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 16. Jänner 2026

58

KulturFenster 06/Dezember 2025


SCV-Intern

„Unsere Kinder haben die

Bühne gerockt“

Next Generation: Wenn Sänger*innen mit ihren Kindern singen

Sänger*innen geben gemeinsam Konzerte

mit ihren Kindern: Diese Idee hatte das

Vokalensemble „Choriosum“ und setzte

sie Anfang Oktober und Ende November

mit mehreren Konzerten unter dem Motto

„Next Generation“ um.

42 Töchter und Söhne sangen gemeinsam

mit ihren Eltern auf der Bühne und begeisterten

im erweiterten Choriosum-Chor rund

1.500 Zuhörer*innen mit Rockklassikern

wie Eye of the Tiger, modernen Pop-Songs

wie Titanium und gefühlvollen Balladen wie

„Shallow“ oder bekannten Coldplay-Hits.

„Die Rückmeldungen aus dem Publikum

waren überwältigend“, freut sich Hannes

Knollseisen, der Chorleiter von Choriosum.

KulturFenster: Wie kam es zum Projekt

„Next Generation“?

Hannes Knollseisen: Die Idee entstand

schon vor rund zehn Jahren – damals waren

die Kinder unserer Sänger*innen aber

noch zu klein. Jetzt war der richtige Zeitpunkt

gekommen: Mit Kids und Jugendlichen

zwischen vier und 26 Jahren hatten

wir endlich genug Nachwuchs, um so

ein Projekt zu wagen. Wir wollten die Begeisterung,

die uns als Chor seit Jahren

verbindet, an die nächste Generation weitergeben.

Viele unserer Mitglieder haben

eigene Kinder, und diese sind mit unseren

Proben, Konzerten und Tourneen aufgewachsen.

Es lag also nahe, sie selbst einmal

auf die Bühne zu holen. Ziel war es,

jungen Menschen zu zeigen, wie bereichernd

gemeinsames Singen sein kann –

musikalisch, aber auch menschlich. Next

Generation sollte Brücken schlagen zwischen

den Generationen, zwischen Erfahrung

und jugendlicher Energie – und ich

glaube, das ist uns tatsächlich gelungen.

KF: Das Projekt war aber sicher auch eine

Herausforderung für Sie als Chorleiter.

Knollseisen: Die erste Probe mit den Kindern

und Jugendlichen fand bereits vor

eineinhalb Jahren statt. Zunächst ging es

darum herauszufinden, wie die Stimmen

klingen, wie sie in den verschiedenen Registern

verteilt sind und ob es überhaupt

möglich ist, mit ihnen einen mehrstimmigen

A-cappella-Satz zu singen. Viele

hatten kaum oder gar keine Chorerfahrung,

also habe ich in dieser ersten Phase

einfach ausprobiert, was möglich ist – und

versucht zu verstehen,

welches Potenzial in

den jungen Stimmen

steckt. Auf

dieser Grundlage

habe ich

das Projekt konzipiert und das Repertoire

ausgewählt.

KF: Woran erinnern Sie sich besonders

gerne?

Knollseisen: Vor der ersten Probe hatte

ich etwas Sorge, dass ich vor einer Schar

von Kindern und Jugendlichen stehen

würde, die nur gekommen waren, um

ihren Eltern einen Gefallen zu tun und

eigentlich gar keine große Lust auf Chor

haben. Doch ich wurde schnell eines

Besseren belehrt. Es war berührend zu

sehen, mit welcher Freude und Energie

sie dabei waren. Das Strahlen in ihren

Gesichtern während der Proben hat

deutlich gezeigt, wie sehr ihnen das gemeinsame

Singen und unsere besondere

Gemeinschaft guttun. Für mich steht nun

endgültig fest: Das Singen im Chor hat

eine große Zukunft – gerade für die

nächste Generation! Zudem war ich

beeindruckt – und ehrlich gesagt

auch erleichtert – zu erleben, wie

sehr sich unser Nachwuchs von

Probe zu Probe gesteigert hat.

Sie haben jedes musikalische

Detail mit erstaunlicher Offenheit

aufgenommen und in kurzer Zeit

ein beachtliches Niveau erreicht.

KF: Wie verliefen die Konzerte?

Knollseisen: Das Konzert war so

aufgebaut, dass zunächst Choriosum

wie gewohnt auf der

Bühne stand. Erst nach einigen

Liedern kamen die Jugendlichen

dazu – und

dieser Moment war jedes

Mal magisch. Mit

Hannes Knollseisen,

Chorleiter von Choriosum:

„Wir werden

auch in Zukunft Jugendprojekte

planen!“

KulturFenster 59

06/Dezember 2025


SCV-Intern

Die Kinder der Choriosum-Sänger*innen begeisterten das Publikum mit ihrer Energie.

Fotos: Choriosum

Schwung stürmten sie die Bühne und

mischten sich zwischen die Choriosen.

Ab da war nichts mehr wie zuvor. Die Kids

(4–10 Jahre), die Teens (11–14 Jahre)

und die Jugendlichen (15–26 Jahre) haben

uns regelrecht die Show gestohlen.

Trotz voller Säle, Rampenlicht und keinerlei

Bühnenerfahrung standen sie dort mit

unglaublicher Energie und strahlenden

Gesichtern – sie haben die Bühne einfach

gerockt. Das waren wirklich bewegende

Abende, die wir alle nicht so schnell vergessen

werden.

KF: Die Konzerte sind beim Publikum

gut angekommen – geht dieses Projekt

weiter?

Knollseisen: Ein Projekt mit über 80

Sänger*innen auf die Beine zu stellen,

ist organisatorisch enorm komplex – vor

allem, wenn einige der Teilnehmenden im

Ausland leben. Aber die Resonanz war

so positiv, dass wir uns entschlossen haben,

Ende November ein Zusatzkonzert

zu organisieren. Und bereits zwei Wochen

nach Bekanntmachung waren alle 450 Tickets

für das Konzert in Eppan ausverkauft.

Unser Obmann Reinhard Feichter

und der gesamte Vorstand haben hier

großartige Organisations- und Koordinationsarbeit

geleistet. Mit diesem Zusatzkonzert

haben wir das Projekt vorerst abgeschlossen

– aber eines steht fest: Die

Nachwuchsförderung soll keine einmalige

Aktion bleiben.

Wir haben gesehen, wie viel Potenzial in

diesen jungen Stimmen steckt – und das

möchten wir auch in Zukunft weiter begleiten

und fördern.

Interview: Paul Bertagnolli

Diese Mitgliedschöre

suchen eine neue Chorleitung

➤ Kirchenchor Lengstein

➤ Kirchenchor Vilpian

➤ Kirchenchor Niederrasen

➤ Ahrntaler Männerchor

Infos und

Kontakte

auf unserer

Homepage

60

KulturFenster 06/Dezember 2025


Chorwesen

Seit 15 Jahren

Botschafter der Chormusik

Jubiläumskonzert des Landesjugendchors Südtirol im Meraner Kurhaus

Der Landesjugendchor Südtirol unter der Leitung von Johann van der Sandt beim Jubiläumskonzert im Meraner Kurhaus

Foto: Paul Bertagnolli

„Der Landesjugendchor ist seit 15 Jahren

Aushängeschild und Botschafter der Chormusik

in Südtirol, und darüber hinaus und

das äußerst erfolgreich!“ So beschrieb der

Obmann des Südtiroler Chorverbandes Erich

Deltedesco bei seiner Begrüßung den Chor,

der 2010 in Zusammenarbeit mit dem Verband

der Kirchenmusik und den Musikschulen

gegründet worden war.

Seither singen im Landesjugendchor

Sänger*innen im Alter zwischen 16 und 28

Jahren aus allen Landesteilen anspruchsvolle

Werke und erleben eine Gemeinschaft,

die sie auch nach dem Verlassen

des Chors aus „Altersgründen“ nie vergessen

werden, wie die Sänger*innen bei

der Moderation des Jubiläumskonzerts am

4. Oktober im Meraner Kurhaus betonten.

Gemeinsam mit ihrem Künstlerischen

Leiter Johann van der Sandt brachten

sie zum Großteil zeitgenössische

Komponisten

und afrikanische

Spirituals zur

Aufführung, ein Markenzeichen

des Landesjugendchors.

Aber

auch ein Tanzlied

des Südtiroler Komponisten

Sepp Unterhofer

sangen und

tanzten sie, und auch

„Heast es net“ von Hubert von Goisern erklang.

Eine perfekte Choreographie gab es

beim Ohrwurm „Jerusalema“. Zwischen

den Liedern blickten die Sänger*innen

auf die Höhepunkte der 15 Jahre zurück,

darunter die erfolgreiche Teilnahme

beim Chorwettbewerb

„Praga cantat“

oder die gemeinsame

Chorreise nach

Südafrika in diesem

Sommer.

Ein Höhepunkt des

Konzerts war der gemeinsame

Auftritt

mit ehemaligen Mitgliedern

des Landesjugendchors

und

dem ersten Künstlerischen Leiter Stefan

Kaltenböck.

Paul Bertagnolli

KulturFenster 61

06/Dezember 2025


SCV-Intern

Bezaubernder

Abschluss in Brixen

Landeskinderchor und Landesjuniorchor begeistern

Der Südtiroler Chorverband hat sein Versprechen

eingelöst: Gemeinschaft und pure

Freude am Gesang standen im Mittelpunkt

des großen Konzertes des Landeskinderchores

und des Landesjuniorchores. Am

30. November präsentierten die jungen

Talente im restlos gefüllten Parzivalsaal

des Vinzentinums in Brixen die Früchte intensiver

Probenarbeit und bewiesen, dass

gemeinsames Singen wirklich "noch viel

toller" ist.

Ein erfolgreicher

Abschluss

Das Konzert markierte den krönenden

Abschluss der ersten Probenphase des

Landeskinderchores und des Landesjuniorchores

2025. Die Begeisterung der Kinder

und Jugendlichen war im Saal deutlich

spürbar.

Der Landeskinderchor (36 Sängerinnen

und Sänger von der 3. Grundschule bis

zur 1. Mittelschule) unter der Leitung von

Renate Unterthiner und Franziska Seiwald

präsentierte ein charmantes Programm.

Renate Unterthiner berichtete: „Wir haben

uns vor allem auf Kanons, ein- bis

zweistimmige Lieder konzentriert, darunter

viele deutsche Lieder und Volkslieder,

teils sogar im Dialekt.“ Die Motivation der

jungen Sänger sei fantastisch gewesen,

sie hätten mit spürbarer Freude gesungen

und fantastisch mitgemacht.

Die 39 Mitglieder des Landesjuniorchores

(2. Mittelschule bis 2. Oberschule) unter

der Leitung von Waltraud Pörnbacher

stimmten ein abwechslungsreiches

Repertoire an, das von englischen und

deutschen Liedern bis hin zu Volksliedern

reichte.

Waltraud Pörnbacher bestätigte die positive

Erfahrung: An mehreren Probenwochenenden

wurden die Kinder und Jugendlichen

spielerisch an einen bewussten

Umgang mit ihrer Stimme herangeführt

und konnten so in der Gemeinschaft die

Freude am Singen erfahren.

Mit ihren Liedern begeisterten der

Landeskinderchor und der Landesjuniorchor

das zahlreich erschienene

Publikum. Foto: Südtiroler Chorverband

Freude steht im Mittelpunkt

Das zentrale Credo des Projekts fasste Renate

Unterthiner zusammen: „Im Zentrum

stehen der Spaß und die Motivation der Kinder

und Jugendlichen am Singen, ganz unabhängig

von Begabung und Vorbildung.“

Das Brixner Publikum konnte sich davon

überzeugen und an dieser sprühenden

Freude teilhaben. Als Höhepunkt des

Abends trugen die beiden Chöre neben

ihren umfangreichen Einzelprogrammen

auch drei gemeinsam einstudierte Lieder

vor und sorgten so für einen unvergesslichen

musikalischen Abend. Ein herzlicher

Dank geht an die Stiftung Südtiroler Sparkasse

für die finanzielle Unterstützung.

Paul Bertagnolli

KulturFenster 62

06/Dezember 2025


Chorwesen

Meran bringt

den Kursaal zum Klingen

Klangvoller Erfolg – mit 250 Musiker*innen und Sänger*innen

Zum ersten Mal mit Orchesterbegleitung durften die Kinder der Musikschule Meran/Passeier und Lana/Ulten beim Konzert der Musikfreunde

Meran singen.

Foto: Südtiroler Chorverband

Unter dem enthusiastischen Motto „Musik

für Groß und Klein“ verwandelten am Sonntag,

den 30. November 2025, rund 250 Mitwirkende

– Kinder und Erwachsene – den

Meraner Kursaal in einen Ort des gemeinsamen

Klangs.

Das beeindruckende Herbstkonzert des

Orchesters der Musikfreunde Meran unter

der Leitung von Michael Hillebrand war

das Ergebnis einer gewinnbringenden Kooperation

mit dem Südtiroler Chorverband

und den Musikschulen Meran/Passeier

und Lana/Ulten.

Nach einer stimmungsvollen Ouvertüre

des Orchesters selbst, betraten die jungen

Talente der beiden Musikschulen

die Bühne. Sie präsentierten mitreißende

Lieder aus dem beliebten Liederbuch „Singen

macht Spaß“.

Ein Geschenk

für die jungen Stimmen

Dieses Liederbuch wurde vom Südtiroler

Chorverband in Zusammenarbeit mit der

Landesmusikschuldirektion herausgegeben

und jedem teilnehmenden Kind vom

Chorverband als Geschenk überreicht – ein

Zeichen der Wertschätzung für die junge

Sängerschaft.

Die farbenfrohen und dynamischen

Orchester-Arrangements für die Kinderchöre

stammten aus der Feder von

Ivan Marini.

Das Gemeinschaftskonzert unterstrich einmal

mehr die Freude am Musizieren und

die erfolgreiche Vernetzung der musikalischen

Kräfte in Südtirol.

Paul Bertagnolli

KulturFenster 63

06/Dezember 2025


persönlich

„Musik ist ein Anker,

der mich erdet“

Im Sommer 2026 wird erstmals Franziska

Kuba, Professorin für Chorleitung an der

Hochschule für Musik in Detmold (D), die

Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis

leiten.

Seit 2018 leitet sie den Kammerchor Vocalconsort

Leipzig. Ihre Leidenschaft für

zeitgenössische und Alte Musik spiegelt

sich auch in der Gründung des Ensembles

Neue Kammer wider. Dieses Ensemble verfolgt

innovative, publikumsnahe Konzertformate.

Als gefragte freie Dirigentin war

Franziska Kuba bereits an vielen prestigeträchtigen

Häusern tätig.

Die Dirigentin Franziska Kuba

KulturFenster: Wie möchten Sie sich den

Südtiroler Sänger*innen vorstellen?

Franziska Kuba: Ich lebe mit meinem Mann

und unseren drei Kindern in Leipzig. Mein

beruflicher Weg hat mich nach einem Studium

der Schulmusik und Geschichte,

des Chordirigierens und Gesangs in Leipzig

und Weimar über viele Stationen in die

Chorlandschaft geführt – von der Arbeit mit

professionellen Ensembles wie dem WDR

Rundfunkchor, dem Rundfunkchor Berlin,

dem Chor der Oper Leipzig bis hin zur

Gründung eigener Formate. Ich leite das

Vocalconsort Leipzig sowie das Ensemble

Neue Kammer und bin seit 2022 Professorin

für Chorleitung an der Hochschule

für Musik Detmold.

KF: Sie werden im Sommer die Chor- und

Stimmbildungswoche in Südtirol leiten.

Kennen Sie Südtirol bereits?

Kuba: Ja, ich durfte Südtirol schon auf besondere

Weise erleben – ich bin einmal

den E5 von Oberstdorf bis nach Meran

gewandert. Nach der langen Wanderung

über die Alpen war es besonders schön,

endlich in Südtirol anzukommen, labende

Kühe auf den Weiden zu sehen, Berge und

gute Luft zu genießen.

KF: Wie haben Sie persönlich den Weg zu

Musik und Gesang gefunden?

Kuba: Musik war und ist immer Teil meines

Lebens. Ich bin in einer Familie aufgewachsen,

in der viel gesungen wurde, und habe

früh in Gemeindechören mitgesungen. Besonders

prägend war meine Zeit im Landesjugendchor

Niedersachsen – dort habe

ich erlebt, dass gemeinsames Singen mein

Herz öffnet, tiefe Emotionalität anrührt und

Gemeinschaft stiftet. Im Studium der Schulmusik

habe ich dann entdeckt, dass meine

Leidenschaft vor allem im Leiten und Gestalten

von Ensembles liegt – das hat mich

seitdem nicht mehr losgelassen.

KF: Welche Musik hören Sie „privat“?

Musik war und ist immer Teil

meines Lebens. Ich bin in einer

Familie aufgewachsen, in

der viel gesungen wurde, …

Franziska Kuba

Kuba: Musik ist für mich ein Anker – etwas,

das mich in allen Lebenslagen begleitet,

trägt und erdet. Ich liebe Werke,

die Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit

verbinden – z.B. von Bach oder Poulenc,

aber auch vielen anderen.

KF: An welche Momente in ihrer Tätigkeit

als Chorleiterin denken Sie

besonders gerne?

Kuba: Besonders bewegend

sind für mich die

Momente im Probenprozess,

in denen spürbar

wird, dass alle im Chor das

gleiche Ziel verfolgen: unsere

Musik so gut wie möglich zu machen.

Es gibt dabei oft Augenblicke

voller Energie, Humor und Liebe.

KF: Was ist Ihnen als Dirigentin besonders

wichtig, wenn Sie mit Laienchören

arbeiten?

Kuba: Ich glaube an die Kraft der Begeisterung.

Entscheidend ist für mich, Menschen

musikalisch zu fordern und zugleich

zu fördern – immer in einer Atmosphäre

der Offenheit und Freude. Musik entsteht

für mich nicht aus Perfektion, sondern aus

Hingabe, Neugier und der Bereitschaft,

etwas miteinander zu gestalten.

Interview: Paul Bertagnolli

KulturFenster 64

06/Dezember 2025


Jung+

Stimmgewaltig

io

jahre

2014-2024

Der Kinder- und Jugendchor Oberrasen und „CHORrekt“ aus

dem Zillertal.

Foto: Kinder- und Jugendchor Oberrasen

oberrasen

Konzerte, Gottesdienste und Singen

..

mit anderen Choren

Zehn Jahre Kinder- und Jugendchor Oberrasen

Das Jubiläumsjahr 2024/25 war ein besonders

buntes und abwechslungsreiches Jahr

mit vielen interessanten Projekten.

Am 1. Adventssonntag 2024, dem Patrozinium

der Pfarrkirche in Oberrasen, gestalteten

wir gemeinsam mit dem Kirchenchor

den Festgottesdienst. Zur Aufführung kam

die von Hansjörg Mutschlechner eigens für

uns komponierte, jugendlich frische Jubiläumsmesse.

Begleitet wurden wir von einem

kleinen Orchester, der Komponist selbst

übernahm den Klavierpart. Wenige Wochen

später folgte bereits das nächste Projekt.

Wir luden alle ehemaligen Sänger*innen

ein, mit uns einen Gottesdienst musikalisch

zu gestalten. Viele sind unserer Einladung

gefolgt, und wir erfreuten die Pfarrgemeinde

mit neu einstudierten rhythmischen

Liedern, die wir mit einigen Highlights aus

den vergangenen Jahren ergänzten. Im

Rahmen einer Filmpräsentation blickten wir

anschließend auf zehn Jahre Kinder- und

Jugendchor zurück und ließen die Höhepunkte

Revue passieren.

Im Februar 2025 beteiligten wir uns am Gottesdienst

im Kongresshaus Olang, bei dem

zehn Jahre Seelsorgeeinheit ORAP gefeiert

wurden. Die jüngeren Sänger*innen sangen

gemeinsam mit den Olanger Pfarrspatzen einige

Lieder, die jugendlichen Sänger*innen

schlossen sich dem Gesamtchor der Seelsorgeeinheit

an. Im April stand unser Chorausflug

nach Innsbruck auf dem Programm.

Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendchor

„CHORrekt“ aus dem Zillertal gestalteten

wir den Gottesdienst in der Auferstehungskirche

in Neu-Rum. Die Messe war

für alle Teilnehmenden ein Erlebnis. Nach

einem vorzüglichen Mittagessen gaben wir

beim Platzl-Singen vor dem Haus der Musik

einige Lieder zum Besten und ließen

uns ein köstliches Eis schmecken. Den Abschluss

unseres Ausflugs bildete der Besuch

des Musicals „Ritter Rüdiger“ im Landesjugendtheater.

Wir danken dem Südtiroler

Chorverband ganz herzlich für die finanzielle

Unterstützung dieses Chor-Austausches.

Nach einer intensiven Probenzeit brachten

wir im Mai gemeinsam mit der Juka „RasAnt“

das Musical „Ein zauberhaftes Märchenbuch“

auf die Bühne. Den Text dieser Uraufführung

verfasste Thomas Mittermair, die Musik

dazu komponierte Jakob Augschöll. Unter

der Regie von Alexander Messner vereinte

sich Gesang, Schauspiel und Blasmusik zu

einem Gesamtkunstwerk. Wir konnten unsere

sängerischen und schauspielerischen

Fähigkeiten unter Beweis stellen und unser

Publikum begeistern. Am 1. Juni gestalteten

wir auf Einladung des Prälaten das Pontifikalamt

in Neustift. Die herrliche Akustik in

der wunderschönen Stiftskirche wird uns in

guter Erinnerung bleiben. Zum Abschluss

des Chorjahres 2024/25 nahmen wir gemeinsam

mit zahlreichen weiteren Chören

am traditionellen Brunnensingen in Welsberg

teil. Es war ein sehr heißer Tag, doch

für den Vortrag unserer Lieder konnten wir

ein schattiges Plätzchen ergattern. Ein Filmteam

von Rai Südtirol war vor Ort, um sowohl

die Lieder als auch einige Interviews

mit unseren redegewandten Sänger*innen

aufzunehmen.

Kinder- und Jugendchor Oberrasen

KulturFenster 65

06 Dezember 2025


kurz notiert

Evensong - ein Abend voller

Klang und gelebter Gemeinschaft

Die Kirchenchöre des Tschögglbergs singen

in der Pfarrkirche von Jenesien

Gemeinsam proben,

gemeinsam

singen und gemeinsam

feiern

war das Motto

des Gemeinschaftsprojekts.

Foto:

Kirchenchor Jenesien

In der Pfarrkirche von Jenesien fand Mitte

Oktober ein Evensong statt, zu dem sich

über 100 Sänger*innen sechs Kirchenchöre

des Tschögglbergs versammelt haben,

um gemeinsam liturgische Musik zu

präsentieren.

Der Evensong ist ein anglikanischer Abendgottesdienst,

der von Chormusik lebt und

auf der traditionellen Vesper basiert. Er besteht

aus festlichen Gesängen, Lesungen

von biblischen Texten, von Psalmen und

Gebeten. Entsprechend war auch der

Abend voller schöner, abwechslungsreicher

Klänge.

Der Chorleiter von Jenesien, Klaus Reiterer,

wollte diese Form des Gottesdienstes

mit den Kirchenchören des gesamten

Tschögglbergs nach Jenesien holen. Die

Idee wurde von den Chorleiter*innen der

sechs Chöre – Silvia Innerhofer (Afing),

Martina Mittelberger (Flaas), Paul Höhn

(Mölten), Armin Gritsch (Vöran) und Wolfgang

Niederbacher (Hafling) – mitgetragen

und gemeinsam umgesetzt. Jeder

Chor lernte die Lieder für sich ein, alle

probten einmal gemeinsam in der Aula

Magna von Jenesien und ein weiteres

Mal vor dem Auftritt.

Ein wunderbares Projekt

Es wurden unter anderem folgende Lieder

gesungen: der Psalm „Wie ein Hirsch

lechzt nach frischem Wasser“ von Martin

Nystrom, „Ich lobe meinen Gott“ von Alfred

Hochedlinger, das Magnificat von Jean

Paul Lècot und das Friedenslied „Frieden

wünsch ich dir“ von Kathi Stimmer-Salzeder.

Die liturgische Leitung übernahm

die Leiterin von Wort-Gottes-Feiern Brigitte

Höller aus Jenesien und an der Orgel war

Klaus Reiterer. Der besondere Abendgottesdienst

hat viele Besucher angezogen

und gezeigt, dass Kirchen Orte der Begegnung

und Kultur sind. Mit Evensong

könnte es gelingen, leere Kirchen wieder

zu Orten der spirituellen Gemeinschaft

zu machen.

Anschließend waren alle Beteiligten in der

Aula Magna zu einem Umtrunk und zum

geselligen Beisammensein eingeladen. Es

wurden Erfahrungen ausgetauscht, gemeinsam

wurde gesungen und auf dieses

wunderbare Projekt angestoßen. Ein großer

Dank geht an den Kirchenchor Jenesien

mit Obfrau Seffi Gasser für die Organisation

und den gelungenen Abschluss des

Abends. Und wer weiß, vielleicht gibt es

schon bald wieder eine Gelegenheit zum

gemeinsamen Proben, gemeinsamen Singen

und gemeinsamen Feiern.

Claudia Wieser

KulturFenster 66

06/Dezember 2025


Chorwesen

Buchvorstellung mit

Theodor Riffeser

100 Jahre Kirchenchor und -orchester St. Ulrich

Seit 100 Jahren gibt es den Kirchenchor St. Ulrich als Verein.

Fotos: Kirchenchor St. Ulrich

Eigentlich wurde schon 1340 in St. Ulrichs

Kirche gesungen. Doch einen echten Verein

gibt es erst seit 1925. Auf diese 100 Jahre

wurde in St. Ulrich bei einer Feier zurückgeblickt,

bei welcher der ehemalige Dirigent

und jetzige Organist Theodor Riffeser

ein Buch vorstellte, in dem er mit vielen

Details und netten Anekdoten die wechselvolle

Geschichte des Kirchenchores St. Ulrich

beleuchtet.

Mit dem Chorwerk „Dank sei dir, Herr“ von

Friedrich Händel eröffneten Chor und Orchester

die Feier. In informativ-unterhaltsamer

Form schilderte dann Riffeser die

vielen Jahre der Pflege der Kirchenmusik

im Grödner Hauptort.

Wertvolle Basis für seine Recherchen waren

die Aufzeichnungen ehemaliger Kuraten,

ehe dann mit der Gründung des Vereines

an sich im Jänner 1925 Protokolle

genauer über die Tätigkeit der Sängerinnen

und Sänger sowie der Orchestermitglieder

informieren. „Ungemein wertvoll

waren da auch die Aufzeichnungen

von Alex Moroder-Rusina, der mit viel Fleiß

unsere Geschichte dokumentiert hat“, betonte

Rifesser.

Historische Tonaufnahmen

und Namenslisten

Das Buch beinhaltet zahlreiche Namenslisten

von Mitwirkenden in Chor und Orchester,

ist reich bebildert und hat historischen

Wert. So erfährt man z.B., dass die

Ulricher schon immer bemerkenswert offen

waren, denn schon bei der Gründung

war eine Frau als Organistin dabei: Maria

Moroder de Batista de Trinadeinesc. QR-

Codes ermöglichen es, in einige historische

Tonaufnahmen hineinzuhören. Neben

dem „Kerntext“ in ladinischer Sprache

sind auch passende Zusammenfassungen

in Deutsch und Italienisch hinzugefügt.

Neben einigen Grußworten gab es am Ende

der Feierstunde auch ein großes Dankeschön,

das die Obfrau Margit Peristi an die

Theodor Riffeser beschreibt im Buch akribisch

und auch humorvoll die lange Geschichte

des Kirchenchors und Kirchenorchesters

St. Ulrich.

derzeitige Chorleiterin Felizitas Schweizer

und an Theodor Rifesser aussprach, ehe

ein weiteres Lied den Abend abrundete.

Luis Mahlknecht

KulturFenster 67

06/Dezember 2025


kurz notiert

Singen, weil's Freude macht

Seit 50 Jahren gibt es den Singkreis Welschnofen

Der Singkreis Welschnofen sieht seine

Aufgabe in der Gestaltung von Gottesdiensten,

aber auch von weltlichen Konzerten.

Bild: Singkreis Welschnofen

Seit 50 Jahren gibt es den Singkreis

Welschnofen, und so blickte der Chor

auf die Geschichte seiner Gründung zurück.

Alles begann damit, dass sich 1974

der damalige Kirchenchor nach internen

Schwierigkeiten auflöste. Die Pfarre blieb

für ca. neun Monate ohne Chor. Daraufhin

beschlossen einige Sänger, unter der

Leitung von Luis Kafmann, einen neuen

Chor zu gründen, stießen jedoch auf heftigen

Widerstand bei Vertretern des Pfarrgemeinderates

und einigen Sängern des

ehemaligen Kirchenchores. Da man sich

trotz zäher Verhandlungen nicht einigen

konnte, nahm der ehemalige Kirchenchor

seine Tätigkeit wieder auf. Gleichzeitig

wurde im Jänner 1975 der „Singkreis

Welschnofen“, bestehend aus dreißig Sängern

und Sängerinnen, gegründet.

Man beschloss, sich hauptsächlich weltlichem

Liedgut zuzuwenden, da dem Singkreis

zeitweise das Singen in der Kirche

verwehrt wurde. Nach vielen Aussprachen

einigte man sich zu Weihnachten 1976 erstmals,

gemeinsam mit dem noch bestehenden

Kirchenchor, die Mitternachtsmette

und in der Folge einige Feiertagsmessen

gemeinsam zu gestalten. Aber bald darauf

löste sich der Kirchenchor endgültig auf und

der Singkreis übernahm die musikalische

Gestaltung an Fest- und Feiertagen. Neben

den nun übernommenen kirchlichen Verpflichtungen

beteiligte sich der Singkreis

auch aktiv am Dorfgeschehen. Man wirkte

regelmäßig bei den damals beliebten Bunten

Abenden mit, beteiligte sich an den Faschingsumzügen,

nahm an Ski- und Rodelrennen

teil und umrahmte so manche

weltliche Feier mit Gesang.

Wichtige Stationen in der Geschichte des

Chores waren 1976 der Ankauf eines Klaviers

mit Hilfe von Beiträgen und Spenden,

1981 trat der Chor erstmals in Tracht

auf, 1982 begann die Tradition des Neujahrswünschens

durch eine Gruppe vom

Singkreis. Zum Programm des Chores gehörten

auch Auftritte im Ausland, oft verbunden

mit schönen Kulturfahrten, etwa

nach Wien, nach Bayern zu den Königsschlössern,

nach Verona in die Oper, nach

Salzburg zum Adventsingen, um nur einige

zu nennen. 2005 gab Luis Kafmann die

Leitung des Chores ab, stand aber weiterhin

für die Leitung der Beerdigungen zur

Verfügung.

Singkreis Welschnofen

Dank und Ehrung für verdiente Chormitglieder

Pfarrchor Lana feiert Cäciliensonntag

Mit einem Festgottesdienst in der Hl.-Kreuz-

Kirche, dem Dekan P. Peter Unterhofer OT

vorstand, wurde das Fest der hl. Cäcilia feierlich

begangen. Unter der Leitung von Ingrid

Rieder und Organistin Heidi Nock wurden

die „Missa Solemnis“ von F. J. Schütky

und „Cantate Domino“ von Tobias Psaier

aufgeführt. Zum anschließenden Festmahl

traf man sich traditionell im Deutschordenskonvent.

Mit dabei Alt-Hochmeister P. Bruno

Platter OT, Prior P. Christian Stuefer OT, Dekan

P. Peter Unterhofer OT, Alt-Dekan P. Peter

Lantschner OT sowie Alexander Holzner

vom Pfarrchorchester und Martin Knoll, Kapellmeister

der Bürgerkapelle Lana. Dabei

wurden verdiente Chormitglieder gewürdigt.

Chorobmann Reinhard Ladurner und Chorleiterin

Ingrid Rieder nahmen die Ehrungen

vor. Dank und Anerkennung für 15 Jahre

Singen zur Ehre und zum Lobe Gottes gingen

an Verena Kraus und Walter Gruber.

Für 25-jährige Sängertätigkeit wurde Maria

0berhofer Kofler geehrt.

Maria Sulzer

Alt-Hochmeister P. Bruno Platter OT, Chorobmann

Reinhard Ladurner, die Geehrten

mit Urkunde, Maria 0berofer Kofler, Walter

Gruber und Verena Kraus, Chorleiterin

Ingrid Rieder und Dekan P. Peter Unterhofer

OT (v.l.) Foto: Pfarrchor Lana

KulturFenster 68

06/Dezember 2025


Chorwesen

Auf nach Straßburg…

Kirchenchor St. Michael-Eppan auf Europareise

… hieß es für 42 Sänger*innen des Kirchenchores

St. Michael/Eppan am Sonntag,

19. Oktober. Schon lange hatten wir

uns darauf gefreut.

Auf der langen Busreise wurde uns zwischen

Gesang, netten Gesprächen, einem

Watter und einem „Gutele“ nicht langweilig!

Am späten Nachmittag kamen wir in

Straßburg an und konnten die Stadt im

Abendlicht kennenlernen. Am Montag

ging's dann mit dem Programm erst richtig

los. Morgens haben wir die Stadt mit einer

Führung erkundet, bevor es am Nachmittag

mit dem Boot zum Parlament ging,

wo uns EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann

begrüßt hat. Wir durften auch eine

Parlamentssitzung live miterleben und das

Parlamentsgebäude kennenlernen. Beim

gemeinsamen Abendessen mit Herrn Dorfmann

hatten wir nochmals die Möglichkeit,

viele Fragen zu stellen und Europa

besser zu verstehen. Wir möchten uns bei

Herrn Dorfmann für die Zeit, die freundlichen

Gespräche und spannenden Einblicke

herzlich bedanken. Bevor es am

Dienstag nach Hause ging, hielten wir in

der Stadt Colmar an, welche wir mit einer

kleinen Bootstour erkunden durften. Zu

Bei der Führung

im Europaparlament

mit Parlamentarier

Herbert

Dorfmann

Foto: Kirchenchor

St. Michael-Eppan

Mittag gab es noch einen letzten Flammkuchen,

und dann ging es schon wieder

zurück nach Eppan. Es war für alle Teilnehmenden

ein toller Ausflug, der noch

lange in Erinnerung bleiben wird.

Simon Ebner

Mölten feiert heilige Cäcilia

Erfolgreiche Premiere für Chor und Musikapelle!

Der Kirchenchor und die Musikkapelle

Mölten haben am 16. November anlässlich

des Cäciliensonntages erstmals ein

gemeinsames Festprojekt ins Leben gerufen

– eine Initiative, die die beiden traditionsreichen

Vereine eindrucksvoll zusammenführte.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem

gemeinsam gestalteten Gottesdienst. Im

Anschluss daran luden die Musizierenden

zu einer festlichen Matinee ein, bei der die

Kooperation der beiden Klangkörper besonders

zur Geltung kam.

Als musikalische Höhepunkte präsentierten

Chor und Kapelle gemeinsam das feierliche

„Ave Maria“ von Caccini und das lebensfrohe

Stück „Freut euch des Lebens“ von

Ludwig van Beethoven.

Die Initiative fand ihren geselligen Ausklang

bei einem gemeinsamen Mittagessen

in der Feuerwehrhalle Mölten, wo die

Mitglieder beider Vereine die Gelegenheit

hatten, sich abseits der Probenarbeit auszutauschen.

Viele fleißige Hände aus beiden

Vereinen sorgten dafür, dass alle mit

Köstlichkeiten aus der Küche versorgt wurden.

Bei ein paar weiteren Liedern in gemütlicher

Runde klang der Sonntag in netter

Atmosphäre aus.

Dieses erste gemeinsame Projekt wurde

auf Initiative der beiden Obleute Evi Amhof

und Wolfgang Tratter ins Rollen gebracht

und dank der künstlerischen Zusammenarbeit

der beiden musikalischen

Der Kirchenchor

und die Musikkapelle

Mölten feierten

erstmals

gemeinsam die

Cäcilienmesse.

Foto: Valentin Tratter

Leiter Paul Höhn und Hannes Premstaller

erfolgreich umgesetzt. Der Tag war ein

voller Erfolg und stellte eine wertvolle Bereicherung

für das Dorfleben dar, indem

er den Zusammenhalt zwischen Kirchenchor

und Musikkapelle Mölten nachhaltig

stärkte und den Weg für eine weitere Zusammenarbeit

bereitet hat.

KulturFenster 69

06/Dezember 2025


kurz notiert

Zutiefst emotionale Klangbilder

Kirchenchor Auer führt Gabriel Faurés Requiem auf

Die kirchlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen

erinnern uns an die Vergänglichkeit

des Lebens und gleichzeitig daran, liebe

Menschen durch unsere Erinnerungen in

unserem Leben zu behalten. Mit der Aufführung

von Gabriel Faurés Requiem am 8.

November durch den Kirchenchor Auer mit

Orchester gelang die tröstliche, sanfte Darstellung

des Lebens im Jenseits.

Vor gut 100 Jahren, im November 1924,

starb der französische Komponist Gabriel

Fauré. Zu seinen bekanntesten Werken

zählt das Requiem op. 48, eine Totenmesse.

Doch wer glaubt, es handle sich

um ein schwermütiges, monumentales

Werk, der irrt.

Faurés Vorstellung vom Jenseits ist an die

Leichtigkeit der Kammermusik angelehnt

und lebt vom zarten Zusammenspiel zwischen

Chor, Solisten und Orchester. Zusammen

mit seinem engagierten Chorleiter

Tobias Simonini wagte sich der Kirchenchor

Auer an die Realisierung dieses anspruchsvollen

Werkes.

Aufführung

in der Aula Magna Auer

„Wir haben unsere gewohnte Umgebung,

die Kirche, verlassen und betreten musikalisch

wie räumlich neues Terrain“, sagte

Obfrau Petra Job einleitend. Sie begrüßte

das zahlreiche Publikum, die Ehrengäste,

unter ihnen Bürgermeister Martin

Feichter und Kulturreferent Roland Pichler,

sowie die Sponsoren und alle, die

ihren Beitrag zum ambitionierten Projekt

geleistet hatten. Bevor er seinen Taktstock

erhob, wandte sich Chorleiter Tobias Simonini

erklärend ans Publikum: „Warum

heute Abend gerade ein Requiem, eine

Totenmesse?

Die Antwort ist einfach und interessant

zugleich: Weil keine andere Komposition

einen tieferen Einblick in das Innere

eines Künstlers gewährt. Gabriel Fauré

hat mit seinem Requiem nicht nur komponiert,

er hat die Maßstäbe dieses Genres

neu definiert. Es ist nicht das verurteilende

Gericht, sondern die sanfte Bitte

um ewige Ruhe.“

„Die Musik der Toten ist immer auch für die Lebenden geschrieben“, sagte Chorleiter Tobias

Simonini. Der Kirchenchor hatte sich akribisch auf die Aufführung mit Orchester vorbereitet.

Foto: David Mottes

Zwei kammermusikalische

Werke vorab

Quasi als Einstimmung auf das große, über

30-minütige Requiem bekam das Publikum

zunächst die Pavane op. 50 von 1887 und

dann den Cantique de Jean Racine op. 11

von Gabriel Fauré zu hören. Die leicht melancholische

Pavane in fis-moll wurde von

vier Streichern aus dem Orchester dargeboten,

einfühlsam, leicht, nie überladen,

und mit einer unterschwelligen Sehnsucht,

die wohl Fauré genauso beabsichtigt hatte.

Den „Lobgesang des Jean Racine“ hatte

Gabriel Fauré hingegen 1865 als 19-Jähriger

für einen Wettbewerb komponiert,

auf der Grundlage eines Gedichts von

Jean Racine, und ursprünglich für Chor

und Orgel konzipiert. Der junge Fauré gewann

damit den Wettbewerb. Die Aufführung

des Werkes in Auer bestach durch

ihre Feinfühligkeit und das klare, mit erkennbarer

Freude geführte Dirigat von Tobias

Simonini.

„Ich wollte

etwas anderes machen!“

Diese Aussage tätigte Gabriel Fauré, nachdem

er jahrzehntelang als Organist gespielt

hatte und alle Begräbnismusik auswendig

zu kennen glaubte. Das „Andere“ ist ihm

gelungen. In seinem Requiem, an dem

er zehn Jahre lang arbeitete, verzichtete

Fauré auf die Vertonung des „Dies Irae“

(Tag des Zorns), welches das himmlische

Strafgericht und die Höllenqualen zum

Inhalt hat. Seine Vision des Jenseits war

eine friedliche, angenehme, fernab von

ewiger Verdammnis, und er fügte in diesem

Sinne das „Pie Jesu“ (Gütiger Jesus)

hinzu. Der Chor begann seine Darbietung

mit gekonntem Spannungsaufbau; Baritonsolist

Michael Feichter fügte sich im Offertoire

harmonisch in den Gesamtklang ein

und vermied stets ein Abrutschen in die

Schwermut. Sopransolistin Elena Di Marino

vermochte Gefühl und Inbrunst im Pie Jesu

zu transportieren. Das aus Streichern und

Blechbläsern, unter anderem der Musikkapelle

Auer, gebildete Orchester mit Konzertmeister

Ivo Crepaldi unterstützte den

Chor mit passender Phrasierung und homogenem

Klang, ohne je vorherrschend

zu werden. Das zarte Harfenspiel ließ die

Anklänge ans Paradies erahnen.

Alles in allem ist dem Kirchenchor Auer ein

Kompliment auszusprechen für die äußerst

disziplinierte Vorstellung und dafür, dass er

dem Requiem – das sonst von weit versierteren

Ensembles aufgeführt wird – die erforderliche

Sanftheit, melodiöse Transparenz

und gleichzeitige Tiefgründigkeit verleihen

konnte. Lob auch dem Chorleiter Tobias Si-

KulturFenster 70

06/Dezember 2025


Chorwesen

monini, der mutig und gleichzeitig durchdacht

an die Auswahl der Stücke gegangen

war. Seine Botschaft: „Vergessen wir

nicht, dass die Musik für die Toten immer

auch für die Lebenden geschrieben worden

ist. Wir alle tragen einen Menschen

in unseren Herzen, der nicht mehr unter

uns weilt. Diesen Personen ist der heutige

Konzertabend gewidmet.“ Langanhaltender

Applaus belohnte die Ausführenden für

ihren Einsatz; die Zugabe von Felix Mendelssohn-Bartholdy

und ihre zeitlose Bitte

passte wunderbar zum Abend und auch

in unsere bewegte Zeit: „Verleih uns Frieden

gnädiglich!“

Ausstellung „Schwingungen“

Die zutiefst emotionalen Klangbilder des

Abends wurden abgerundet durch zutiefst

inspirierende Kunstbilder zum Thema

„Schwingungen“ der Künstlerin Andrea

G. Zingerle, welche im Foyer der Aula

Magna vom 5. bis 14. November ausgestellt

waren.

Das Publikum konnte sich dort bei einem

Umtrunk nach dem Konzert über das Erlebte

und Gesehene austauschen.

Sibylle Finatzer

Kirchenchor Auer

Zwei unvergessliche Chorkonzerte

Chöre aus der Europaregion Tirol singen gemeinsam

im Pustertal und in Osttirol

Am 8. und 9. November 2025 fanden in Osttirol

und Südtirol zwei außergewöhnliche

Chorkonzerte statt, die von einer beeindruckenden

musikalischen Zusammenarbeit zwischen

Brummnet, dem Männerchor aus dem

Pustertal, dem Kirchenchor Anras und dem

Barockensemble Anras aus Osttirol zeugten.

Die Konzerte in der Pfarrkirche Asch in Osttirol

bzw. der Kirche Niedervintl boten den

Zuhörern eine Kombination aus traditioneller

Chormusik und barocken Klängen.

Das erste Konzert in der Pfarrkirche Asch

bot den Zuhörern eine Mischung aus Chorund

Ensemblemusik. Der Kirchenchor Anras

unter der Leitung von Josef Mascher

stellte unter Beweis, wie viel Energie und

Präzision in einem gut einstudierten Chor

stecken kann. Bereichert wurde das Konzert

vom Barockensemble Anras, das unter

der Leitung von Wilfried Kollreider eine

meisterhafte Interpretation barocker Werke

auf die Bühne brachte. Das zweite Konzert

in der Kirche Niedervintl stand im Zeichen

des ehrenden Gedenkens an den Priester

und Professor Erwin Knapp, der weit über

Niedervintl hinaus geschätzt wurde. Die

Veranstaltung zeigte, wie Musik als verbindendes

Element in der Erinnerung an

geliebte Menschen wirken kann.

Im Zeichen des Chorgesangs

und der Gemeinschaft

Emotional tief und technisch exzellent: Brummnet konzertierte gemeinsam mit dem Kirchenchor

Anras und dem Barockensemble Anras.

Foto: Assmayr

Clara Sattler, die Leiterin von Brummnet,

beeindruckte mit ihrer Fähigkeit, die Stimmen

zu einem harmonischen Ganzen zu

formen. Petra Huber setzte mit ihrem Cello

eindrucksvolle Akzente, während Franz

Comploi an der Orgel mit seiner meisterhaften

Beherrschung des Instruments das

gesamte Konzert klanglich bereicherte. Valentin

Pernter, Bariton bei Brummnet, ergänzte

zudem mit seinem einfühlsamem

Spiel am Euphonium das Stück „Benedictus“

von Carl Jenkins. Nach den Konzerten

wurde in Asch ein gemeinsames

Essen vom Kirchenchor organisiert. In

Niedervintl wurde das Festmahl von der

Bäuerinnenorganisation Vintl ausgerichtet,

und Brummnet unterhielt die Gäste

mit abwechslungsreichen Liedern.

Insgesamt war es ein Wochenende, das

nicht nur die hohe Kunst des Chorgesangs

und der barocken Musik feierte, sondern

auch die Gemeinschaft und die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit in der

Europaregion Tirol würdigte. Zuhörer und

Zuhörerinnen gingen mit einem tiefen Gefühl

der Verbundenheit und der Dankbarkeit

nach Hause.

Valentin Pernter

KulturFenster 71

06/Dezember 2025


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Hinweis: Die für 16.12.2025 geplante Podiumsdiskussion zur Seminarreihe

„Klimagerechtigkeit“ ist abgesagt und auf 2026 verschoben worden.

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28.02.2026

15. Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“

Musikschule Brixen

Anmeldeschluss: 11.01.2026

Infos unter:

https://vsm.bz.it

21.03.2026

77. Vollversammlung

des Südtiroler Chorverbandes

Raiffeisensaal Terlan

Infos unter:

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