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Ein Baumeister mit Pinzette

Fridolin Britschgi aus Giswil hat einen Beruf, von dem viele nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt: Architekturmodellbauer. Seine millimetergenaue Arbeit wird von Fachleuten geschätzt.

Fridolin Britschgi aus Giswil hat einen Beruf, von dem viele nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt: Architekturmodellbauer. Seine millimetergenaue Arbeit wird von Fachleuten geschätzt.

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AKTUELL

PORTRÄT

Ein Baumeister mit Pinzette

Fridolin Britschgi aus Giswil hat einen Beruf, von dem viele

nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt: Architekturmodellbauer.

Seine millimetergenaue Arbeit wird von Fachleuten geschätzt.

«Modellbauer? Ist das ein richtiger Beruf?»

So reagierte Fridolin Britschgi vor Jahrzehnten,

als ihm ein Berufsberater Vorschläge

unterbreitete. Britschgi hatte soeben seine

Schreinerlehre wegen körperlicher Beschwerden

abbrechen müssen. «Ich hatte

keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.»

Bis der Berufsberater ihm einen Bausatz

vorlegte, um seine Fähigkeiten zu testen.

«Er attestierte mir ein ausgesprochen gutes

Vorstellungsvermögen und handwerkliches

Geschick», erinnert sich der heute 62-Jährige.

Die zweiwöchige Schnupperlehre in

einem Betrieb für Architekturmodellbau

begeisterte ihn. «Ich wäre am liebsten geblieben.»

Doch eine feste Lehrstelle fand er

nicht. «Es ist heute noch schwierig. Pro Jahr

werden in der ganzen Schweiz nur zwischen

vier und zehn Modellbauer ausgebildet.» So

absolvierte Fridolin Britschgi eine Lehre als

Hochbauzeichner. Sein Traumberuf ging

ihm jedoch nie aus dem Kopf.

Durststrecke in den 90er-Jahren

Um sich finanziell über Wasser zu halten,

arbeitete er als Lastwagenfahrer und hielt

stets die Augen offen für eine Chance, als

Modellbauer zu arbeiten. «Ich nahm das

Telefonbuch in die Hand, rief verschiedene

Modellbauer in der Region an und fragte,

1000 Stunden Arbeit: Ein riesiges Modell der A8 in Giswil für die damalige Vorstellung des Bauprojekts.


auch wenn hier vermutlich die Zukunft des

präzisen Architekturmodellbaus liegt.

Freude am genauen Arbeiten: Fridolin Britschgi (62) in seiner Werkstatt in Luzern. (Bild ve)

Fridolin Britschgi erstellt aus Kunststoffplatten

winzige kubische Modelle von Gebäuden.

Toleranzgrenze 0,1 Millimeter

Nun wollen wir aber wissen, was genau ein

Architekturmodellbauer macht und wie seine

Arbeit aussieht. Bei Bauvorhaben – sei

es eine Wohnsiedlung, ein Schwimmbad

oder eine Autobahn – wollen sich Planer,

Behörden und auch die Bevölkerung ein Bild

davon machen, wie das Ganze in der Landschaft

aussehen soll. Genau diesem Zweck

dienen Architekturmodelle. Erstellt werden

diese Modelle nicht nach «Handgelenk mal

Pi», sondern mit präzisen Daten aus Plänen.

«Meine Modelle haben eine Toleranzgrenze

von einem Zehntel Millimeter.» Von den

vielen Einzelteilen, aus denen ein Modell

zusammengesetzt wird, sind einige so winzig,

dass sie nur mit einer Pinzette gehalten

werden können.

Im Architekturmodellbau wird grundsätzlich

zwischen drei Typen unterschieden:

Grundlagenmodelle, Wettbewerbsmodelle

und Ausführungsmodelle. Die grossen A8-

Modelle (siehe Bilder auf erster und letzter

ob sie Arbeit für mich haben.» Tatsächlich

klappte es nach einigen Anläufen. In Fredy

von Holzen fand er einen Modellbauer, der

ihn unterstützte. 1985 gründete Britschgi

seinen eigenen Modellbaubetrieb in Stalden

und arbeitete eng mit von Holzen zusammen.

1996 konnte er von Holzens Betrieb in

Luzern übernehmen.

Die 90er-Jahre waren allerdings auch von

einer Talfahrt geprägt. «Wir hatten kaum

noch Aufträge.» Ein Grund war, dass mit dem

Aufkommen von Computern viele Planer und

Architekten auf handgefertigte Modelle verzichteten

und stattdessen digitale Visualisierungen

nutzten. «Es war besorgniserregend.

Ich musste immer wieder Aushilfsjobs annehmen,

um über die Runden zu kommen.

Und ich war nah dran, alles hinzuschmeissen

und mit dem Modellbau aufzuhören.»

Doch plötzlich, nach einer langen Durststrecke,

kamen wieder mehr Aufträge rein. «Viele

haben gemerkt, dass ein Modell einige

Vorzüge hat gegenüber reinen Darstellungen

am Computer. Der Betrachter kann sich

bei einem Modell, das vor ihm steht, ein viel

besseres Bild der Situation machen als bei

einer computergenerierten Visualisierung.»

Mehr Aufträge bedeutet aber nicht, dass

einem Modellbauer die Arbeit nur so zufliegt.

Ohne treuen Kundenstamm müsste

sich Britschgi als Einzelkämpfer regelmässig

fragen, ob genügend Aufträge reinkommen.

Mit den Preisen und der Geschwindigkeit

von modernen Modellbau-Firmen kann

er nicht immer mithalten. Er besitzt keine

hochpräzisen CNC-Fräsen, und im Alter von

62 Jahren mag er auch nicht die moderne

(und teure) Welt des 3D-Drucks betreten –

Grundlagenmodell Giswil Rudenz: Jedes Gebäude wird in millimetergenauer Arbeit hergestellt und verleimt.



geschätzte Preis für die Variante «Gotthard

West» betrug knapp 2,5 Milliarden Franken.

Auch zu hohe Kosten

Im Jahr 1970 sprach sich die Kommission

«Eisenbahntunnel durch die Alpen» klar für

den Bau eines Gotthard-Basistunnels aus

(15 zu 3 Stimmen). Mit Vorstössen im Nationalrat

wurde zwar versucht, die Variante

«Gotthard West» noch zu retten. Die Unterstützer

dieser Variante stammten vor allem

aus Bern und der Westschweiz, denn ein

Basistunnel von Innertkirchen ins Tessin

hätte diesen Kantonen eine viel schnellere

Verbindung in den Süden erlaubt. Doch der

Bundesrat hielt am Gotthard-Basistunnel

fest und betonte, dass die Variante «Gotthard

West» die weitaus höchsten Investitionskosten

aufwies. Zusammenfassend

und rückblickend lässt sich sagen, dass

«Gotthard West» zwar eine mutige Idee war,

letztlich aber nie zum Favoritenkreis der

möglichen Varianten gehörte.

Was folgte, war die jahrzehntelange Diskussion

rund um die Neue Eisenbahn-Alpentransversale

(Neat). Am 27. September

1992 sagten die Schweizer Stimmbürger

mit 64 Prozent Ja zur Neat-Vorlage. Sie umfasste

die Basistunnels Gotthard, Ceneri

und Lötschberg sowie weitere Bauten. (ve)

Ein Grundlagenmodell (links) und die dazugehörende Negativform aus Silikon für Kopien aus Gips.

Seite) sind Ausführungsmodelle. Es handelt

sich um Unikate, die ein bereits beschlossenes

(oder abgeschlossenes) Bauprojekt abbilden.

Solche Ausführungsmodelle stellen

auch detailliert die Landschaft dar: mit Feldern,

Bäumen, Hochspannungsleitungen.

Wettbewerbsmodelle dienen dazu, ein

Bauprojekt vorzustellen, das einem Architekturwettbewerb

unterliegt. Auch solche Modelle

sind sehr filigran und detailliert, doch

ob das Projekt tatsächlich gebaut wird, steht

zum Zeitpunkt des Modellbaus noch in den

Sternen. Das Bild auf der letzten Seite (Sportzentrum

in Südkorea) ist ein typisches Wettbewerbsmodell.

Gebaut wurde es leider nie.

Darum müssen Formen einfach bleiben

Und schliesslich das Grundlagenmodell.

Das Bild auf der Seite links zeigt ein solches

Modell von Giswil. Die verschiedenen

Masse (Längen, Höhen, Abstände) sind

zwar äusserst präzise dargestellt, doch

schmucke Details fehlen – keine Balkone,

keine Bäume, keine Farben. Und das hat

einen ganz bestimmten Grund: Aus einem

solchen Modell werden Gipskopien erstellt.

Dies geschieht, indem man das Originalmodell

mit Silikon übergiesst und das Silikon

härten lässt. Danach hat man sozusagen

eine elastische Negativ-Kopie des Modells

(siehe Bild oben). Giesst man Gips in diese

Silikonform und lässt den Gips aushärten,

hat man eine Gipskopie des Originalmodells.

Dies bedingt aber, dass das Originalmodell

sehr stabil und in eher einfachen

Formen gehalten wird. Bäume und andere

filigrane Verzierungen lassen sich nicht in

Gips giessen.

125 Kopien aus Gips – wozu das?

Gipskopien kann man mit dieser Methode

dutzendfach herstellen. «Mein Rekord sind

125 Kopien eines Modells», sagt Fridolin

Britschgi. Doch warum braucht es so viele?

Dazu muss man sich vor Augen halten, wie

ein Bauverfahren oft abläuft. Beispiel: Will

eine Gemeinde ein Schwimmbad bauen,

werden verschiedene Planer und Architekten

eingeladen, ihre Projekte einzureichen.

Dies tun sie nicht nur mit Projektbeschreibungen,

Plänen und Grundrissen auf Papier,

sondern auch mit Modellen. Als Vorlage

Stimmung in Obwalden «etwas zwiespältig»

Unter dem Titel «Eisenbahnpolitische Zukunftsmusik

– ein SBB-Riesenbahnhof in

Obwalden?» berichtete auch der «Volksfreund»

am 16. März 1965 über die Variante

«Gotthard West». Nachfolgend eine gekürzte

Version dieses Artikels.

«Als im letzten Sommer das Projekt des

Walliser Ingenieurs Coudray bekannt wurde,

wonach der Ausbau der Gotthardbahn nicht

durch einen Basistunnel Amsteg–Giornico,

sondern durch den Bau einer neuen Nord-

Süd-Verbindung unter der Bezeichnung

«Gotthard-West» erfolgen solle, haben wir

im «Obwaldner Volksfreund» kurz darauf

hingewiesen und dazu bemerkt, dass vorläufig

das Ergebnis der Prüfung durch die zuständigen

Instanzen abzuwarten sei. Dieses

kühne Projekt ist für unsern Kanton insofern

von Bedeutung, als diese neue «Gotthard-

Linie» von Luzern her am Niederstad oder

in Alpnachstad aus dem Berg hinaus käme

und bis Giswil weitmöglichst das Trassee

der jetzigen Brüniglinie benützt würde, um

dort in einem Tunnel direkt nach Meiringen

zu führen. [...]

Als Einwohner Obwaldens steht man diesem

neuen Projekt etwas zwiespältig gegenüber.

Für die wirtschaftliche Entwicklung wäre der

direkte Anschluss an die leistungsfähigste

europäische Nord-Süd-Verbindung wohl

vorteilhaft, und die Aussicht, in wenigen

Stunden nach Mailand zu gelangen, wäre

verlockend. Aber was würde mit der übrigbleibenden

Schmalspurlinie Giswil–Brünig–

Meiringen geschehen? Wo würde sich die

neue Normalspurlinie zwischen Alpnachstad

und Giswil, die wohl doppelspurig gebaut

werden müsste, überall durchzwängen,

nachdem schon die jetzige einspurige

Schmalspurlinie der Brünigbahn manchenorts

nur knapp durchkommt? Es würden

wohl viele bauliche Veränderungen nötig

werden! Und vor allem die Standortfrage für

den notwendig werdenden neuen Riesenbahnhof

im Raume Luzern, von welchem

der Referent meinte, dass er nötigenfalls in

Obwalden «untergebracht» werden könnte.

Ein Gewirr von Rangiergeleisen im vordern

und hintern Städerried? [...]

Es sei mit diesen Zeilen weder dafür noch

dagegen Stimmung gemacht, denn die vielen

Fragen, die für den Entscheid einer so wichtigen

Sache von Bedeutung sind, können nicht

in wenigen Sätzen behandelt werden.»


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