Jubiläumsbericht 2025
Tätigkeitsbericht der Padre Wasson Foundation über die ersten fünf Jahre 2020 bis 2025
Tätigkeitsbericht der Padre Wasson Foundation über die ersten fünf Jahre 2020 bis 2025
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2020-2025: Fünf Jahre Wirkung!
„Wir sind alle Schwestern und Brüder und sollten füreinander Sorge tragen.“
Padre Wasson
1
Danke
INHALT
MIT IHRER HILFE .................................................................................. 4
NOTHILFE & SOLIDARITÄT ................................................................... 6
Solidarität in der Not – gelebte Familie ......................................................................... 6
Haiti. Suche nach Sicherheit .......................................................................................... 6
Frantzy & Wouseline mit zwei Kindern - Flucht aufs Land ..................................... 6
Erdbebenhilfe Haiti 2021/2022 – Mut, Verlust und Hoffnung ............................... 8
Entbindung Wouseline .......................................................................................... 12
Dringende Zahnwurzelbehandlung in Honduras ......................................................... 14
Eine Toilette für die Familie in Tegucigalpa ................................................................. 14
Ahrtal-Überschwemmung 2021: Solidarität aus Lateinamerika für die Flutopfer in
Stolberg ........................................................................................................................ 16
Warum uns das Ahrtal berührt .................................................................................... 17
ALUMNI UND IHRE KINDER: STIPENDIEN ............................................. 18
Wirkung und Reichweite .............................................................................................. 19
Nicaragua. Bildung als Schlüssel zur Zukunft ............................................................... 20
Lennard Junior Cabezas – Engagement, Disziplin und der Traum vom Arztberuf 23
gesellschaftliche und politische Situation in Nicaragua .............................................. 24
gesellschaftliche und politische Situation in Haiti ....................................................... 25
Haiti .............................................................................................................................. 26
Oliver Joseph Senat und sein Schwesterchen Noah ............................................. 26
Kervens Édouard: Vom Traum des Studiums zur Ausbildung im Traumberuf ..... 28
Lovensky Maurice: Handwerk, Integration und Durchhalten ............................... 29
Dieusson Lafrance: So hatte er sich das nicht vorgestellt .................................... 30
Dieulaine Clerville erkämpft sich Respekt ............................................................. 31
Dr. Georg Friedrich Schröder – Einsatz für die Kinder von Honduras ................... 32
Andrea, Daniel, Estrella und Anderson ................................................................. 32
2
Mexiko.......................................................................................................................... 38
Chendo und die Herman@s de crianza ................................................................. 38
Wir trauern um Boris Gilsdorff ............................................................................. 43
ZAHLEN, FAKTEN & TRANSPARENZ...................................................... 44
Warum Transparenz für uns Herzenssache ist ..................................................... 44
Entwicklung der Stiftung in Zahlen (2021–2024) .................................................. 46
DIE STIFTUNG ...................................................................................... 50
Unabhängigkeit der Stiftung – Chancen und Verantwortung ..................................... 50
Die Herausforderungen und Chancen moderner Stiftungsarbeit......................... 50
Die Haltung zu aktuellen ethischen Themen ........................................................ 51
Stiftungsrat ................................................................................................................... 51
Dr. Joseph Ferdinand, Vorsitzender des Stiftungsrats .......................................... 52
Danke, Alejandra Garcia und Christine Hofer ....................................................... 52
Stefan Gräfe, Treuhänder der Padre Wasson Foundation.................................... 53
Teamarbeit ................................................................................................................... 53
DANKE, DANKE, DANKE! IHR SEID EINE TOLLE GEMEINSCHAFT .......... 55
Ganz besondere Anlässe .............................................................................................. 56
100 JAHRE PADRE WASSON – EIN LEBEN FÜR KINDER ......................... 58
AUSBLICK & MITMACHEN .................................................................. 61
Padre Wasson Foundation
Schützenstr. 16 Patio Amistad
76137 Karlsruhe/Germany
Treuhänder: Stefan Gräfe
Vorsitzender des Stiftungsrats:
Dr. Joseph Ferdinand
Tel. 0721-9379035
info@PadreWassonFoundation.org
www.PadreWassonFoundation.org
Spendenkonto Volksbank Karlsruhe
IBAN: DE 196619 0000 0000 797979
3
Die Stiftung ist vom Finanzamt
Karlsruhe-Stadt als mildtätig und
gemeinnützig
anerkannt.
Bildnachweis:
Archiv Padre Wasson Foundation, Gabriel
Rozycki Sanchez, Stefan Gräfe und die im
Bericht genannten Stipendiat:innen und Hilfeempfänger.
MIT IHRER HILFE
Vielen Dank!
Herzlich willkommen zum Jubiläum der Padre Wasson Foundation! Wir möchten
Ihnen und Euch einen persönlichen, authentischen und transparenten Einblick in unsere
Arbeit der letzten fünf Jahre geben.
Die Stiftung versteht sich als familiäre Gemeinschaft, die das Lebenswerk von Padre
William Wasson bewahrt und weiterträgt. Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen:
unsere Alumni, ihre Familien, unsere Partner:innen, Spender:innen, Mitarbeitenden
und alle, die unsere Arbeit begleiten und unterstützen.
Neben der inhaltlichen Planung, Vorbereitung und Dokumentation von Padre Wassons
Lebenswerk, dem Netzwerk der ehemaligen Waisenkinder („Alumni“) und der
Anwendung seiner Philosophie in unserer heutigen Zeit haben wir vor allem eines
getan: viel Zeit im direkten Kontakt mit den Alumni und ihren Familien verbracht.
Diese schätzungsweise 100.000 Menschen in vielen Ländern sind unser wichtigster
Wirkungskreis. Unser Fokus ist Ausbildung und Hilfe zur Selbsthilfe – ganz im Sinne
von Padre Wassons Motto: „Bildung wird die Kinder aus der Armut führen“.
Jede Spende fließt zu 100% in die Projekte, unsere Verwaltungskosten werden vollständig
aus einer Zustiftung gedeckt. Im Sinne der Kinder, bitten wir um hemmungsloses
Spenden!
Mit lieben Grüßen
Euer und Ihr
Stefan Gräfe
Treuhänder
Padre Wasson Foundation
4
Grundschule bei Cap Haitien/Haiti
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NOTHILFE &
SOLIDARITÄT
SOLIDARITÄT IN DER NOT – GELEBTE FAMILIE
Wenn Not am größten ist, zeigt sich, was eine Gemeinschaft wirklich ausmacht. Für
uns als Familie von Padre Wasson bedeutet Nothilfe nicht nur schnelle Hilfe, sondern
gelebte Solidarität – getragen von Vertrauen, Nähe und dem festen Glauben daran,
dass niemand allein gelassen wird. In den letzten Jahren wurde unsere Stiftung immer
wieder vor große Herausforderungen gestellt: Naturkatastrophen, politische Krisen,
Flucht und existenzielle Not. Gerade in diesen Momenten ist die Kraft unserer
weltweiten Familie spürbar geworden.
HAITI. SUCHE NACH SICHERHEIT
Frantzy & Wouseline mit zwei Kindern - Flucht aufs Land
Die Geschichte von Frantzy und Wouseline Joseph steht exemplarisch für die Kraft
der Familie von Padre Wasson in Zeiten größter Not. Als Banden ihr Viertel in Portau-Prince
besetzten, blieb ihnen keine Wahl: Mit ihren beiden kleinen Kindern Sohn
Oliver (4J) und Tochter Noah (1/2J) flohen sie Ende 2024 ins abgelegene Dorf Ducis
bei Aux Cayes. Die Flucht ins Ungewisse war gefährlich – mit dem Schiff, Bus und
Motorrad, immer in Angst vor Überfällen. Am Ziel angekommen, fanden sie Unterschlupf
bei Freunden, doch der Wohnraum ist knapp, das Leben beengt und die Zukunft
ungewiss. Frantzy wollte unbedingt zurück in die Hauptstadt, um die letzten
Habseligkeiten zu verkaufen. Doch die Reise war vergeblich, denn niemand kauft
mehr etwas. Als er endlich wieder zurück bei seiner Familie war erfuhr er, dass das
6
Haus in dem sie die Wohnung gemietet und noch fast alle ihre Sachen hatten, komplett
niedergebrannt wurde. Am Ende steht der totale materielle Verlust, aber auch
die Dankbarkeit, mit dem Leben davongekommen zu sein.
Familie Joseph in Aux Cayes angekommen
Gerade in dieser Situation zeigt sich, was unsere Stiftung bedeutet: Wir begleiten
Frantzy und Wouseline nicht nur finanziell, sondern stehen ihnen mit Rat, Mut und
konkreter Hilfe zur Seite. Wir finanzieren die Schule für ihren Sohn Oliver, helfen bei
der Suche nach Perspektiven und stärken sie darin, wieder Hoffnung zu schöpfen.
Es sind diese kleinen Schritte und die gegenseitige Unterstützung, die Zuversicht
schenken.
Frantzy ist kreativ – er gestaltet mit dem Laptop, den ihm eine Familie aus Baden-
Württemberg finanziert hat, Trauerkarten und Einladungen. Doch dafür gibt es nur
selten Aufträge. Wenn es nicht regnet und die Furt durch den Fluss passierbar ist,
geht er meist dorthin und hilft, mit der Schaufel LKWs mit Sand und Steinen zu beladen.
Für einen Sechsachser voller Sand bekommt er 2500 Gourdes (16€) und voller
Kies 3500 Gourdes (23€). Pro Woche schaffen die Männer dann zwei bis drei LKW.
Er kann sich also mit dieser schweren körperlichen Arbeit maximal rund 70€ pro Woche
verdienen, um wenigstens ein kleines Einkommen zu sichern. Manchmal findet
er auch eine kleine Arbeit in seinem Beruf als Klempner.
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Seine Frau kann ab und zu Kochkurse geben. Es sind erste Schritte in der neuen
Umgebung, vor allem werden sie aber noch von ihren Freunden dort mitgetragen, bei
denen sie wohnen. Denn für eine Miete würde das Geld noch nicht reichen, die kostet
inzwischen um die 2000€ pro Jahr. Ich hoffe, dass wir ihnen einmal ein Haus finanzieren
können, allerdings sind so viele Menschen in diese abgelegene Region
geflohen, dass die Preise enorm gestiegen sind.
Wir hatten für die Familie sogar einen Sponsor in USA gefunden, der sie beim Visa-
Programm von Präsident Biden angemeldet und sich als Bürge verpflichtet hat. Doch
diese klitzekleine Hoffnung ging mit der Amtsübernahme des Nachfolgers wie auch
an vielen anderen Stellen verloren.
Frantzy: „Wir sind sehr froh, dass unser Kindr hier in die Schule gehen können.
Es war am Anfang schwer, aber jetzt haben wir Hoffnung auf eine bessere Zukunft.“
Wouseline: „Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Ohne Ihre Hilfe hätten wir es
nicht geschafft.“
Erdbebenhilfe Haiti 2021/2022 – Mut, Verlust und Hoffnung
Am 14. August 2021 erschütterte ein schweres Erdbeben den Südwesten Haitis.
Viele unserer Alumni, ihre Familien und Freunde waren betroffen. Die Nachrichten
aus Les Cayes, Jérémie und den umliegenden Dörfern erreichten uns direkt – oft mit
der Bitte um Hilfe, manchmal einfach als stumme Zeichen der Verzweiflung.
Innerhalb weniger Stunden nach der Katastrophe begannen wir, Kontakte zu unseren
Alumni und Partnerorganisationen vor Ort zu aktivieren. Dank der engen Verbindungen
auch zu ehemaligen Kinderdorfkindern und ihren Familien konnten wir gezielt
und unbürokratisch helfen:
• Direkte Geldtransfers für Alumni und Familien, die dringend Wasser, Lebensmittel
und Medikamente brauchten
• Kooperation mit lokalen Partnern wie Fond des Blancs, Diyite und St. Luc
Foundation für die Verteilung von Hilfsgütern
• Transparente Mittelverwendung: Jede Spende wurde dokumentiert und nachweislich
für die Betroffenen eingesetzt
Insgesamt konnten im Jahr 2021 rund 16.000 € an Nothilfe für Haiti ausgezahlt werden
(siehe geprüfte Jahresrechnung). Über 40 Familien erhielten direkte Unterstützung.
Die Verwaltungskosten wurden wie immer aus dem Verbrauchsvermögen gedeckt
– jede Spende kam zu 100 % an.
Viele unserer Alumni haben sich nach dem Erdbeben aktiv eingebracht, um anderen
zu helfen. Einige Beispiele:
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• Kenson Kaas koordinierte vor Ort die Verteilung von Hilfsgütern und berichtete
regelmäßig per E-Mail und WhatsApp über die Lage.
• Marie-Louise aus Jérémie schrieb: „Dank der Unterstützung konnte ich meine
Kinder wieder zur Schule schicken, obwohl unser Haus zerstört wurde.“
• Die Familie Pierre erhielt nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch psychologischen
Beistand durch unsere Partner.
Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen war entscheidend. Ohne die
enge Kooperation mit Fond des Blancs, Diyite, St. Luc Foundation und Biohaus Stiftung
wäre die schnelle Hilfe nicht möglich gewesen. Diese Partner kennen die Menschen
vor Ort, wissen, wo die Not am größten ist, und haben unsere Mittel verantwortungsvoll
eingesetzt.
Die Organisation von Nothilfe ist immer auch ein Lernprozess. Die Situation in Haiti
war und ist extrem schwierig: Gewalt, Unsicherheit, zerstörte Infrastruktur, fehlende
Transportwege. Oft mussten wir improvisieren, neue Wege finden, um Hilfe sicher
und schnell zu den Menschen zu bringen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern,
die Flexibilität bei der Mittelverwendung und die ständige Kommunikation mit den Betroffenen
waren entscheidend. Dennoch dauerte es teilweise lange, bis die Herausforderungen
geschafft waren und manche Berichte und Belege erreichten uns erst im
Jahr danach.
Wir haben gelernt, dass es nicht nur um Geld geht, sondern um Vertrauen, um Zuhören,
um das Gefühl, Teil einer Familie zu sein. Viele unserer Alumni engagieren sich
bis heute in ihren Gemeinden – das ist gelebte Solidarität im Sinne von Padre Wasson.
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Alumni und Zahnarzt Moise Frechette gibt Frantzy sein Lächeln zurück
Frantzy hat nie gelächelt. Zu
groß war die Scham über seine
abgefaulten Schneidezähne
schon seit sehr langer Zeit. Das
notwendige Implantat ist für ihn
unerschwinglich (etwa 2500
Euro) und für uns leider auch.
Doch eine kosmetische Prothese
konnten wir ihm 2022 ermöglichen.
Sein Zahnarzt Moise Frechette
wuchs ebenfalls in der NPH-Familie
von Padre Wasson in Haiti
auf. In dieser besonderen Gemeinschaft
sind sie wie Brüder.
Frantzy mit seiner Prothese und sein
Zahnarzt Moise Frechette
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Moise Frechette fand seine Berufung in der Zahnmedizin. Heute steht in seiner Zahnarztpraxis
ein besonderer Leitsatz an der Wand:
„Ihr Lächeln spiegelt Ihre Gesundheit wider.“
Die Zahnarztpraxis von Moise Frechette
Dank einer großzügigen Spende konnte Moise seinem Alumni-Bruder Frantzy endlich
ein neues Lächeln schenken – in Form einer Zahnprothese für nur 250 Euro. Die
Freude in Frantzys Gesicht, sein herzliches Lachen und das strahlende Familienfoto
berühren umso mehr, wenn man die katastrophalen Zustände bedenkt, unter denen
die Menschen in Haiti leben. Und genau deshalb backt und kocht Moise und verkauft
Essen. Denn für ihre Zähne haben die Haitianer:innen kein Geld mehr und seine Praxis
bleibt meist leer.
Solche Geschichten werden durch Spenden möglich.
Ein Lächeln ist mehr als nur eine Geste – es schenkt Würde, Selbstvertrauen und
Hoffnung.
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Entbindung Wouseline
Im September 2024 brachte Wouseline ihr zweites Kind Noah auf die Welt. Die
Schwangerschaft lief nicht ohne Komplikationen, so war die Entbindung etwas problematischer
als erhofft. Aber alle haben es gut überstanden und dank der medizinischen
Begleitung sind Mutter und Kind wohlauf. Danke für die Spenden, die diese
Hilfe ermöglicht haben!
Wouseline Joseph mit ihrer Tochter Noah
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Wir haben mehrere Rechnungen vom Krankenhaus
für die Entbindung und Behandlung
übernommen
Das müde Baby Noah spater zu Hause
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DRINGENDE ZAHNWURZELBEHANDLUNG IN HONDURAS
Der Alumni und alleinerziehende Vater Gerardo Mejía in Honduras klagte 2024 über
quälende Zahnschmerzen. An eine Behandlung war nicht zu denken, er konnte sich
die nicht leisten. Wir haben ihn umgehend zum Zahnarzt geschickt, der mit einer
Wurzelbehandlung für 193€ den Zahn noch retten konnte.
Für uns ist es selbstverständlich, bei Bedarf zum Arzt gehen zu können. Und wenn
wir einen Teil selbst bezahlen müssen, finden wir meist noch eine Möglichkeit. Nicht
so für viele unserer Alumni in Lateinamerika. Daher unterstützen wir öfters Alumni
mit Geld für Arzt oder Medikamente.
EINE TOILETTE FÜR DIE FAMILIE IN TEGUCIGALPA
Die Häuser in den wild entstandenen Vororten von Honduras
Hauptstadt Tegucigalpa haben keine Abwasserleitungen.
Stattdessen behelfen sich die Menschen mit einer
einfachen Toilette mit Sickergrube. Doch was tun, wenn
die voll ist? „Es gibt Firmen, die solche Sickergruben leeren“,
berichtet uns Gerardo, der für uns als „Hilfsperson“
die Verteilung der Gelder vor Ort überwacht. „Aber die
kommen nicht in unserer Stadtviertel.“
Bei der Familie von Alumni Juan Andres und seiner Frau
war Anfang 2023 der Lokus voll. Die Lösung sei, eine neue
Grube zu graben. Weil eine Toilette absolut notwendig ist,
haben wir dafür 400€ zur Verfügung gestellt. Doch der Boden
dort ist felsig und sie mussten für umgerechnet 80€
einen Arbeiter anheuern, der die Felsen in der Grube mit
dem Vorschlaghammer zerschmetterte. Soweit das jedenfalls
möglich war. Die Zement- und Mauerarbeiten hat
Andres mit den Nachbarn in Eigenleistung gemacht.
Die fertige Toilette
14
Der felsige Untergrund machte
den Bau zur Knochenarbeit.
Die gemauerte Sickergrube erreicht
nicht ganz das gewünschte
Volumen, dürfte
aber einige Jahre genügen.
Übrigens…
Die meisten Menschen mögen es
verständlicherweise nicht, wenn wir
ihre persönliche Lebenssituation
darstellen. Es ist ihnen peinlich und
hat vielleicht auch etwas von Voyeurismus
auf unserer Seite. Gleichzeitig
möchten und müssen wir berichten
und nichts erklärt die Umstände
besser als Fotos. Aber wenn
wir keine explizite Freigabe haben,
verzichten wir auf Bilder oder persönliche
Details.
15
AHRTAL-ÜBERSCHWEMMUNG 2021: SOLIDARITÄT AUS LATEINAME-
RIKA FÜR DIE FLUTOPFER IN STOLBERG
„Lieber Herr Bürgermeister…
…in der Vergangenheit waren es in aller Regel wir Deutschen, die in zahlreichen
Naturkatastrophen solidarisch mit den Menschen in Lateinamerika waren.
Doch bei der auch in Stolberg so verheerenden Hochwasserkatastrophe haben
mich viele sehr besorgte Anfragen aus Lateinamerika erreicht, wie es uns denn
hier gehen würde. Gerade Menschen, die selbst ähnliche Situationen erlebt haben,
wie zum Beispiel letztes Jahr in El Salvador von wo mich dieses Bild erreicht
hatte:
Wer das erlebt hat, kann Ihre Situation nachfühlen.
Im Namen dieser Menschen, die sich jetzt in der Ferne um die Flutopfer in
Deutschland Sorgen machen und als Zeichen der Solidarität aus Lateinamerika
grüßen wir Sie stellvertretend für die vielen Menschen, die jetzt hier bei uns von
dem extremen Hochwasser betroffen sind. Gleichzeitig sind wir beeindruckt, mit
welcher Kraft, Unterstützung und tollen Koordination die Aufräumarbeiten und
die Notversorgung Ihrer Bürger geleistet wird. Davon können die Menschen in
Lateinamerika nur träumen. Wir wünschen, dass unsere Spende einer bedürftigen
Familie Mut macht und hilft.“
Padre Wasson Foundation
Der Kontakt zur Stadt Stolberg kam durch das Kindermissionswerk in Aachen zustande
das ganz in der Nähe der Katastrophe seinen Sitz hat und wo Mitarbeitende
direkt betroffen waren. Wir sind sehr sensibel bei Überschwemmungen, denn die haben
oft das Schicksal von Unsere kleinen Schwestern und Brüder, der Familie von
Padre Wasson beeinflusst. Und so war es schnell beschlossen, dass wir ein Zeichen
der Solidarität auch in Deutschland setzen, dem Sitz der Stiftung. Aus Karlsruhe
reiste zudem eine Gruppe Freiwilliger ins Krisengebiet, um zu helfen.
16
WARUM UNS DAS AHRTAL BERÜHRT
Viele Naturkatastrophen haben die Familie von Padre Wasson über die Jahrzehnte geprägt,
darunter auch einige Überschwemmungen: 1973 erfuhr Padre Wasson von einem verheerenden
Hurrikan in Veracruz/Mexiko, der hunderte Häuser zerstört und tausende Menschen obdachlos
gemacht hatte. Er fuhr mit einigen Freiwilligen aus dem Kinderdorf dorthin, um zu
helfen und sie kamen mit einer Gruppe Waisenkinder im Schlepptau zurück. 1998 machte der
Hurrikan Mitch in Honduras 1,5 Millionen Menschen obdachlos, die Überschwemmungen zerstörten
weite Teile der Hauptstadt und über 80 Brücken im Land. Unsere kleinen Schwestern
und Brüder lud 1000 Opfer ein, ein neues Dorf zu gründen und taufte es „Nueva Esperanza“ –
neue Hoffnung. Auch in Haiti haben die erwachsenen Kinder der Familie bei zahlreichen Überschwemmungen
geholfen. Unter der Leitung von Pater Richard und seinem Team aus Haitianer:innen
brachten sie Hilfsgüter und Hoffnung in die entlegensten Gebiete.
Die Antwort per Email
der Gemeinde
17
ALUMNI UND IHRE
KINDER: STIPENDIEN
Die Alumni stehen im Zentrum unserer Arbeit. Sie sind schätzungsweise 50.000 bis
100.000 ehemalige Kinder aus den Kinderdörfern von Padre Wasson mit ihren Nachkommen.
Wir begleiten einzelne auf ihrem Lebensweg, fördern Bildung, Gesundheit
und Gemeinschaft und geben ihnen eine Stimme. Die Förderung der Alumni durch
Stipendien ist aktuell unser größter Arbeits- und Ausgabenbereich. Stipendien ermöglichen
ihnen den Schulbesuch oder ein Studium.
Alumnitreffen 2022 in Mexiko
18
WIRKUNG UND REICHWEITE
Neun Alumni nutzten
das Coachingund
Mentoringangebot
Förderung von
zwölf Schüler:innen
und Studierenden
in fünf Ländern
Fünf Alumni konnten
zinsfreie private
Darlehen vermittelt
werden
Enge Begleitung
der Alumni und
transparente Mittelverwendung
Ihre Geschichten zeigen: Es ist nicht nur das Geld, das zählt – es ist die Gemeinschaft,
die Beratung, der Glaube aneinander und das Gefühl, Teil einer Familie zu
sein. Die Herausforderungen sind immens: Flucht, Neuanfang, Sprache, Bürokratie,
Unsicherheit und der tägliche Kampf um Zugehörigkeit. Unsere Aufgabe ist es, zu
begleiten, Mut zu machen und gemeinsam kleine und große Erfolge zu feiern.
19
NICARAGUA. BILDUNG ALS SCHLÜSSEL ZUR ZUKUNFT
Brandy Eleonor Cabezas – Medizin, Menschlichkeit und ein Hauch Vanille
Brandy ist eine der wenigen jungen Frauen, die wir auf ihrem Weg zum Medizinstudium
begleiten dürfen. Sie lebt mit ihrer Familie in León, Nicaragua, und studiert inzwischen
im vierten Jahr Medizin. Ihr Alltag ist geprägt von Disziplin, Neugier und einer
großen Portion Herzlichkeit. Sie nutzt jede Gelegenheit zum Lernen – ob im Hörsaal,
beim Backen zu Hause oder beim Austausch mit ihrer Familie.
Brandy berichtet regelmäßig und sehr lebendig über ihren Studienalltag, ihre Erfolge
und ihre Herausforderungen. Dabei spürt man, wie sehr sie für ihren Beruf brennt
und wie wichtig ihr die Unterstützung der Stiftung ist. Die finanzielle Hilfe ist für sie
und ihre Familie entscheidend, aber mindestens genauso wichtig ist die emotionale
Begleitung und die Wertschätzung, die sie erfährt. Oft teilt sie kleine Alltagsbeobachtungen,
ihre Freude über das Bestehen einer Prüfung oder auch ihre Sorgen, wenn
es einmal schwierig wird.
O-Ton Brandy:
„Me gusta, a mi siempre me ha gustado estudiar, y me estoy esforzando para ir
bien en clase siempre con el objetivo de ser una buena profesional.“
(Übersetzung: „Ich lerne gerne, das hat mir schon immer gefallen, und ich bemühe
mich, in der Uni gut zu sein – immer mit dem Ziel, eine gute Ärztin zu werden.“)
Ihr Studium ist fordernd und manchmal anstrengend, aber Brandy geht ihren Weg mit
einer bewundernswerten Mischung aus Zielstrebigkeit und Wärme. Sie berichtet zum
Beispiel:
„Aqui vamos estudiando y dando pelea a las clases para ir bien. (…) Aunque la
verdad medicina es una carrera muy bonita, bonita pero cansada.? pero sin
esfuerzo no hay nada.“
(Übersetzung: „Hier sind wir, wir lernen und kämpfen uns durch die Kurse, um gut zu
bleiben. (…) Medizin ist wirklich ein schönes Studium, schön aber anstrengend. Aber
ohne Anstrengung gibt es nichts.“)
Was Brandy besonders auszeichnet, ist ihre Dankbarkeit. Sie weiß, wie sehr sie gebraucht
wird – in einem Land, in dem Gesundheitsversorgung oft ein Privileg ist. Sie
nutzt die Unterstützung, um nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familie und ihre
Mitmenschen etwas zu bewirken. Wenn sie von ihren Fortschritten berichtet, strahlt
sie Zuversicht aus:
„Muchas gracias por todo su apoyo y por brindarme la oportunidad de estudiar,
todo gracias a su esfuerzo en conseguir fondos para mi educación, le agradezco
a Dios, a usted, y al donante.“
20
(Übersetzung: „Vielen Dank für all Ihre Unterstützung und dafür, dass Sie mir die
Möglichkeit geben zu studieren, alles dank Ihrer Mühe, die Mittel für meine Ausbildung
zu beschaffen. Ich danke Gott, Ihnen und dem Spender.“)
Auch die kleinen Dinge des Lebens teilt sie mit uns – sei es die Freude über den Regen,
das Pflanzen von Chiltomas mit der Mutter oder die Aufregung vor einer Prüfung.
Sie ist stolz darauf, Verantwortung zu übernehmen, und hilft, wo sie kann, auch
bei der Unterstützung von Geschwistern oder in der Nachbarschaft. Brandy ist ein
Vorbild für viele junge Frauen in Nicaragua.
Brandy:
„La medicina es
una carrera
asombrosa que
muestra una gran
belleza de como es
la vida y como se
forma y funciona.“
Übersetzung: „Medizin
ist ein erstaunliches
Studium,
das zeigt, wie
schön das Leben
ist, wie es entsteht
und funktioniert.“
Brandy beim Praktikum im Krankenhaus
Die Stiftung begleitet Brandy nicht nur finanziell, sondern auch mit Rat, Ermutigung
und praktischem Beistand – etwa bei der Beschaffung von Lernmaterialien, der Überweisung
von Stipendien oder einfach durch regelmäßigen, persönlichen Kontakt.
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22
Lennard und Brandy mit ihrem Dozenten (Mitte)
Lennard Junior Cabezas – Engagement, Disziplin und der Traum vom Arztberuf
Lennard, Brandys Bruder, ist ebenfalls auf dem Weg, Arzt zu werden. Er studiert Medizin
in León und steht inzwischen kurz vor dem Abschluss. Lennard erhält sein Stipendium
von „Unsere kleinen Schwestern und Brüder“ in Nicaragua. Unsere Stiftung
springt ein, wenn das Stipendium nicht reicht oder Zahlungen verzögert eintreffen –
vor allem zum Jahreswechsel kommt es immer wieder zu Engpässen. Wir begleiten
Lennard als Ansprechpartner, helfen bei der Kommunikation mit den Stipendiengebern
und unterstützen ihn auch mit finanziellen Mitteln, wenn es nötig ist.
Lennard ist ein Beispiel für Zielstrebigkeit, Verantwortungsbewusstsein und den
Wunsch, nicht nur für sich, sondern auch für seine Familie und Gemeinschaft etwas
zu bewegen. Sein Alltag ist geprägt von Studium, Sport und familiären Aufgaben. Er
engagiert sich im Karate und Boxen, was ihm nicht nur körperliche Fitness, sondern
auch Disziplin und Selbstvertrauen gibt. Trotz aller Herausforderungen – wirtschaftliche
Unsicherheit, schwierige Studienbedingungen und gelegentliche Naturkatastrophen
– bleibt Lennard optimistisch und dankbar. Die Unterstützung durch die Familie
von Padre Wasson ist für ihn eine entscheidende Stütze auf dem Weg zum Abschluss.
Lennard:
„Vielen Dank für die Unterstützung, ohne euch könnte ich nicht weiterlernen.
Mein Traum ist es, Arzt zu werden und meiner Gemeinde zu helfen.“)
In seinen Nachrichten spürt man, wie sehr ihn die familiäre Verbundenheit und das
Vorbild von Padre Wasson geprägt haben. Lennard hilft zu Hause mit, engagiert sich
für seine jüngeren Geschwister und unterstützt seine Mutter beim Unterrichten anderer
Kinder. Auch handwerklich ist er geschickt – die Familie baut gemeinsam einen
Hühnerstall und einen Backofen, um sich selbst zu versorgen.
„Ich möchte Ihnen danken, dass Sie mir helfen, Medizin zu studieren. Dank
Ihnen, meinen Eltern, meinen Schwestern und Gott habe ich die Kraft, Weisheit
und Entschlossenheit, nach einer besseren Zukunft zu streben, niemals vor Hindernissen
aufzugeben und immer mein Bestes zu geben, um mein Ziel zu erreichen,
ein sehr guter Arzt zu werden – so wie Padre Wasson wollte, dass seine
Kinder produktive Mitglieder der Gesellschaft werden.“
Unser Treuhänder begleitet Lennard seit vielen Jahren – mit Beratung, persönlicher
Unterstützung und immer dann, wenn es nötig ist, auch mit finanzieller Hilfe. Bald
wird er sein Studium abschließen und freut sich darauf, als Arzt in seiner Heimat einen
Unterschied zu machen. Lennard ist ein Vorbild für viele junge Männer in Nicaragua
und zeigt, wie viel Mut, Ausdauer und familiärer Rückhalt bewirken können. Umgekehrt
konnten wir Lennard schon bitten, bei medizinischen Notfällen in seiner
Nähe Hilfe zu organisieren, die uns zugetragen wurden.
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GESELLSCHAFTLICHE UND POLITISCHE SITUATION IN NICARAGUA
Nicaragua ist ein Land mit großer Herzlichkeit, aber auch mit besonderen gesellschaftlichen
und politischen Herausforderungen. Der Staat unterstützt Studierende,
insbesondere im Bereich Medizin, sehr aktiv – viele werden schon während des Studiums
in der medizinischen Versorgung eingesetzt. Gleichzeitig ist das Hochschulstudium
stark in den staatlichen Kontext eingebettet: Nach den studentischen Protesten
und Unruhen wurden neue Pflichtfächer wie „Vaterlandskunde“ eingeführt, die
alle Studierenden absolvieren müssen. Für junge Menschen bedeutet das, dass sie
sich im staatlichen Umfeld zurechtfinden und anpassen müssen, um ihre beruflichen
Ziele verfolgen zu können. Dabei ist es wichtig, mit Fingerspitzengefühl und großer
Umsicht zu agieren. Die familiäre und solidarische Unterstützung, die wir als Stiftung
leisten, hilft dabei, den eigenen Weg zu gehen und das Studium erfolgreich abzuschließen.
Die KI fasst die Situation folgendermaßen zusammen (diesen Text werden wir zum
Schutz der Einrichtungen vor Ort aus unseren Onlineberichten entfernen):
• Die Regierung von Daniel Ortega und Co-Präsidentin Rosario Murillo hat ihre
Macht stark zentralisiert, beherrscht sämtliche Staatsorgane und unterdrückt
konsequent politische Opposition, Medien und zivilgesellschaftliche Akteure.
• Seit 2018 wurden systematisch über 5 600 NGOs, viele Medien und auch Universitäten
geschlossen oder deren Rechtsstatus entzogen, um kritische Stimmen
mundtot zu machen.
• Mindestens 37 Hochschulen wurden zwischen 2021 und 2024 zwangsweise
enteignet oder geschlossen – darunter die traditionsreiche Zentralamerikanische
Universität (UCA), die als Zentrum studentischen Protests galt.
• Studierende und Lehrende werden häufig willkürlich aus Universitäten geworfen,
überwacht, eingeschüchtert oder gar kriminalisiert, wenn sie sich kritisch
äußern.
• Die akademische Freiheit ist stark eingeschränkt: Lehrpläne werden zentral
kontrolliert, politische Indoktrination ist an der Tagesordnung, und universitäre
Autonomie existiert kaum noch.
• Viele Studierende verlieren dadurch Zugang zu Abschlüssen oder können ihre
Zeugnisse nicht legal anerkennen lassen – internationale Mobilität und Arbeitsmöglichkeiten
sind stark beeinträchtigt.
• Die politische Repression trifft besonders Aktivist:innen, Studierende und Oppositionelle
hart: Willkürliche Verhaftungen, Ausbürgerungen und Menschenrechtsverletzungen
sind systematisch dokumentiert.
• Trotz alledem arbeiten viele Studierende im Untergrund weiter, kämpfen für
akademische Freiheit und suchen internationale Unterstützung für eine demokratische
Zukunft Nicaraguas
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GESELLSCHAFTLICHE UND POLITISCHE SITUATION IN HAITI
Die Situation im Land ist für uns kaum nachvollziehbar: Haiti befindet sich in einer tiefen
politischen und humanitären Krise, geprägt von einem Machtvakuum nach der
Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021. Die Regierung hat kaum
Kontrolle über das Land, weite Teile werden von bewaffneten Banden beherrscht.
Die Sicherheitslage ist katastrophal, Tausende Menschen sind auf der Flucht vor Gewalt,
Entführungen und Plünderungen. Gleichzeitig leidet die Bevölkerung unter extremer
Armut, Hunger und dem Zusammenbruch staatlicher Strukturen wie Polizei,
Justiz und Gesundheitswesen.
„Seit vier Monaten lebe ich mit meiner Familie als Nomade auf der Flucht. Sie haben
unser Dorf überfallen“ schreibt uns Jean Buteau, ein Alumni. Jean und seine Familie
hatten in Kenscoff gelebt, das Dorf direkt neben dem Kinderdorf. In Kenscoff hatte
die Bande ein Blutbad angerichtet und über hundert Bewohner ermordet.
Am 3. August 2025 wurden sieben Mitarbeiter:innen
und ein Kind mit Behinderung
gewaltsam aus dem Kinderdorf entführt.
Unter ihnen auch die Freiwillige Gina aus
Irland, die sich seit Jahrzehnten um inzwischen
hunderte Kinder mit Behinderungen
kümmert. Die Entführer wollen Lösegeld
erpressen. In Haiti sind solche Entführungen
leider sehr häufig und stürzen viele
Familien in den finanziellen Ruin. Doch
was tun? Lösegeld zu bezahlen ist keine
Option, damit wäre die nächste Entführung
direkt vorprogrammiert. Stattdessen haben
die Organisation von Padre Wasson „Nos
Petits Soeurs et Freres“ und ihre Schwesterorganisation
von Pater Richard „Saint
Luc“ umgehend alle Hilfsprojekte gestoppt,
Krankenhaus, Schulen, Suppenküche,
Werkstätten bleiben geschlossen bis die
Geiseln wieder frei sind. Wir beten und hoffen.
Die 50 Kinder wurden inwischen in die
zweite Einrichtung nach Tabarre evakuiert.
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HAITI
Oliver Joseph Senat und sein Schwesterchen Noah
Der Sohn von Wouseline und Frantzy hat den Umzug von der Hauptstadt aufs Land
und den Wechsel in die Schule dort gut überstanden. Die Familie hat ein Video geschickt,
wie er ganz fasziniert durch das klare Wasser des Flusses stapft. Der erste
starke Regen hat aber auch die Kraft des Wassers gezeigt, denn dann ist der Fluss
unpassierbar und er kann nicht zur Schule laufen (und sein Vater kommt nicht zur Arbeit).
Wir finanzieren die Schule für Oliver, helfen bei der Suche nach Perspektiven
und stärken sie darin, wieder Hoffnung zu schöpfen. Es sind diese kleinen Schritte
und die gegenseitige Unterstützung, die Zuversicht schenken.
Oliver im klaren Wasser des Flusses
Noah, Olivers kleine Schwester, kam 2024 zur Welt. Wegen Komplikationen während
der Schwangerschaft brauchte ihre Mutter ärztliche Unterstützung, außerdem haben
wir die Geburt bezahlt. Inzwischen entwickelt sich die kleine prächtig und in der Zukunft
möchten wir ihr auch gerne den Kindergarten und die Vorschule möglich machen.
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Noah im Mittelpunkt
von Bruder und Vater
Oliver wird beim Abschluss der Vorschule von seinen Lehrerinnen gelobt. Den Schulwechsel
hat er prima hinbekommen
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Kervens und der Winter in Deutschland
Kervens Édouard: Vom Traum des Studiums zur Ausbildung im Traumberuf
Kervens kam aus Haiti nach Deutschland, voller Hoffnung auf ein Wirtschaftsstudium.
Doch der Weg war steinig: Sprachbarrieren, das anspruchsvolle Studienkolleg,
Unsicherheiten beim Aufenthaltsstatus – und schließlich die Ablehnung des Bundesfreiwilligendienstes
durch die Ausländerbehörde. Die Alternative wäre die Rückkehr
nach Haiti gewesen, doch das war angesichts der Lage dort keine Option. Mit viel
Geduld, Beratung und Unterstützung durch die Stiftung fand Kervens einen neuen
Weg: eine Ausbildung zum Sozialassistenten in Berlin mit der er später im Bereich
der Erziehung arbeiten und sich weiterbilden kann. Bei seinen Praktika in verschiedenen
Kitas hat er erkannt, dass die Arbeit mit Kindern seine Berufung ist. Kervens
verdient sich in der Gastronomie ein kleines Taschengeld dazu und sieht seinen Berufsweg
auch als Chance, anderen zu helfen. Wie fast alle Menschen, die aus ärmeren
Ländern kommen versucht auch er, seiner Familie zu helfen. Als seine Mutter in
der Heimat schwer an Typhus erkrankt ist, hat er ihr Geld für die Behandlung geschickt.
Kervens: „Die Arbeit mit Kindern macht mich glücklich. Da meine Eltern wenig
Zeit hatten, habe ich mich immer nach der Schule um meine beiden viel jüngeren
Geschwister gekümmert. Das war nicht immer einfach, aber mein Kontakt zu
ihnen ist sehr eng. Ich möchte meine Ausbildung unbedingt abschließen, damit
ich später auch anderen helfen kann. Danke für alles, was Sie für uns tun.“
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Lovensky Maurice: Handwerk, Integration und Durchhalten
Lovenskys Mutter hatte Haiti schon verlassen, sein Vater kämpfte mit den Schwierigkeiten
seine Schreinerei zu erhalten, doch die wurde angezündet und brannte vollständig
aus. Er fand vorübergehend wieder im Kinderdorf Zuflucht und etwas Arbeit,
wo er aufgewachsen war.
Lovensky hat die Chance genutzt, nach
Deutschland zu kommen. Er hatte viel Glück
und in kürzester Zeit sein Visum bekommen,
gerade noch rechtzeitig für die Einschreibung
in Heidelberg. Doch auch für ihn war der Start
voller Herausforderungen: Sprachkurse, viel
komplizierte Bürokratie und Behördengänge.
Und dann das Studienkolleg: “Stefan, dort sitzen
fast nur Menschen aus der Ukraine und
die haben überhaupt kein Interesse am Unterricht,
sie reden die ganze Zeit. Ich kann dort
nichts lernen”, berichtete er frustriert.
Lovenskys Herz schlägt fürs Handwerk. Bei
seinem Vater hat er seit seiner Kindheit mit
Holz gearbeitet und kennt alle Tätigkeiten einer
traditionellen Schreinerei. Auch sonst ist er
Lovensky wechselt vom Studium zur Ausbildung
außerordentlich geschickt: er half erfolgreich bei Heizungsinstallationen, elektrischen
Anschlüssen, Fahrradreparaturen und machte Praktika in einer Zimmerei und in zwei
Schreinereien. Alle wollten ihn “haben”. Aber niemand hatte den Mut, ihn über eine
Nachqualifizierung auf den Stand der Technik hierzulande zu bringen. Das Gesetz
bietet diese Möglichkeit. Am Ende blieb nur der Weg über eine Ausbildung, was sicherlich
auch Vorteile hat. Aber haben Sie schon einmal versucht, einen jungen Menschen
aus dem Ausland in eine Ausbildung zu bringen? Es war ein monatelanger
Prozess mit allen denkbaren und undenkbaren Hürden. Und das, obwohl die Betriebe
und die Handwerkskammern alles taten, um es möglich zu machen.
Endlich. Im Juli 2025 ist er schon vom Studentenwohnheim in ein eigenes Zimmer
umgezogen und endlich in Ausbildung, pardon im Praktikum. Unbezahlt versteht
sich...
Lovensky freut sich, endlich den Weg zum anerkannten Beruf zu gehen, der ihm eine
Perspektive gibt. Er ist motiviert, die Dinge nun „richtig zu lernen“, wie er sagt – und
weiß die Begleitung der Stiftung sehr zu schätzen:
„Ohne die Hilfe von der Stiftung wäre das alles nicht möglich. Ich bin sehr dankbar,
dass ich hier lernen darf und in Sicherheit bin.“
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Dieusson Lafrance: So hatte er sich das
nicht vorgestellt
Oder: Vom respektierten Arzt in die Mühlen
des deutschen Gesundheitssystems–
ein langer Weg mit Frust und Ausdauer
In Haiti arbeitete Dieusson als Arzt am Krankenhaus
Saint Damien von Unsere kleinen
Schwestern und Brüder und begleitete Arzt
und Pater Richard Frechette an den anderen
Tagen in die Kliniken in den Slums. Bis
die Situation immer riskanter wurde und er
die Gelegenheit bekam, in Deutschland zu
arbeiten. Doch das war alles andere als einfach
und Dieusson ist ein weiteres Beispiel
für Mut und Durchhaltevermögen.
Ein Krankenhaus der Unikliniken Heidelberg
glaubte schließlich an ihn und stellte
ihn ein. Nach Jahren der Vorbereitung,
Sprachkurse, Prüfungen und vielen bürokratischen
Hürden hat er die Approbation
als Arzt in Deutschland dann endlich erhalten.
Auch ihm stand die Stiftung mit Rat, finanzieller
Hilfe und persönlicher Begleitung zur
Seite. Heute arbeitet Dieusson als Arzt in
Pforzheim, beginnt das Darlehen zurückzuzahlen,
das ihm den Weg ermöglicht hat,
und engagiert sich für andere. Doch sein
Weg ist weiterhin steinig: Auf dem Weg zu
seinem Facharzt verlangt der Mangel an
medizinischem Personal lange Arbeitstage
und Nächte, Alleinbesetzung der Notaufnahme
oder fachfremde Entscheidungen.
Faktoren, die Ärzte, Pflegekräfte und Patienten
gleichermaßen an ihre Grenzen bringen.
Dieusson bei der Arbeit: keine Zeit für ein Foto
außer im Fahrstuhl...
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Dieulaine Clerville erkämpft sich Respekt
Die gelernte Krankenschwester schaffte es vor Jahren mit ihrem Kind nach USA zu
fliehen. Doch ihr Visum lief ab und sie konnte sich nur mit schlecht bezahlter Putzarbeit
über Wasser halten. Dabei erfuhrt sie erniedrigende Diskriminierung. Freunde
rieten ihr, Asyl zu beantragen. Der Anwalt, den sie dafür braucht, wollte 1000 Dollar
vorab und sie wandte sich an uns, ob wir helfen könnten.
Wir wussten, dass sie im Krankenhaus von Unsere kleinen Schwestern und Brüder
eine sehr gute Ausbildung in der Krankenpflege hatte. Ein Beruf, der in USA wie auch
bei uns gesucht ist, der Bedarf ist groß. Anstatt den unsicheren Weg eines Asylantrags
zu unterstützen, konnten wir eine Organisation in ihrer Nähe ausfindig machen
die bereit war, sie zu beraten und auf dem Weg durch die Bürokratie zu begleiten.
Außerdem konnte sie ihr Visum erneuern und ist unserem Rat gefolgt, ihren Sohn bei
sich zu behalten, statt ihn zu einer Pflegefamilie zu geben. Heute lernt sie, um die erforderlichen
Prüfungen zu bestehen und hat die begründete Hoffnung, bald wieder
in ihrem Beruf arbeiten und endlich ein normales Gehalt beziehen zu können. Alles
was sie brauchte, um ihre Situation zu verändern, war nur eine Info, ein Kontakt…
Dieulaine
mit Sohn Cliffdgy
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Honduras – Schule und täglicher Kraftakt
Dr. Georg Friedrich Schröder – Einsatz für die Kinder von Honduras
Zeitungsartikel über Dr. Schröders Engagement für Honduras
Seit vielen Jahren ist Dr. Schröder der Pate und Wegbegleiter der Familien, die wir in
Honduras unterstützen. Er war selbst vor Ort, kennt die Familien persönlich und steht
bis heute in engem Kontakt mit ihnen. Vor seinem 80. Geburtstag hat er die Verantwortung
für die Verbuchung und die Verwendung der von ihm gesammelten Spenden
an uns übergeben. Wir helfen bei der Abstimmung der Stipendien und stehen
mit den Eltern bzw. den älteren Schüler:innen direkt in Kontakt. Die Organisation vor
Ort hält immer wieder neue Herausforderungen bereit. Für die Kinder und Familien
ist er dennoch eine feste Größe und ein Vorbild, er berät sie als Arzt wo es geht bei
gesundheitlichen Problemen und mit seiner eigenen Erfahrung und Sorge als Vater
und Großvater.
Andrea, Daniel, Estrella und Anderson
Für diese vier schicken wir monatlich Geld nach Honduras. Bis 2024 hat Gerardo
Mejia die Verteilung der Stipendien vor Ort übernommen, inzwischen können wir das
Geld direkt an die Familien schicken. Jedem Stipendium liegt eine Vereinbarung zugrunde,
die den Familien die Gewissheit gibt, dass dieser Teil der Ausgaben schonmal
gedeckt ist. Dort sind auch die Aufgaben der Stipendiat:innen geregelt, zum Beispiel
dass wir immer die Zeugnisse bekommen und Quittungen für besondere Ausgaben
wie Schulsachen. Die Eltern Gerardo, Oscar und Juan Andres sind selbst in
32
Padre Wassons Familie aufgewachsen. Gerardo und Juan Andres sind junge Witwer
und alleinerziehend. Juan Andres unterstützt als Vater, seine Töchter leben bei der
Mutter. Alle drei sind in Padre Wassons Familie aufgewachsen und geben ihren Kindern
nun die Chance auf eine bessere Bildung. Gerade in Honduras ist das keine
Selbstverständlichkeit: Öffentliche Schulen sind oft schlecht ausgestattet, viele Familien
können sich nicht einmal die Fahrtkosten leisten. Die Stipendien sind für die Kinder
der Schlüssel zu einer Zukunft mit Perspektive.
Unsere Stipendiat:innen:
• Andrea Nicol (Tochter von Juan Andres)
• Daniel Gerardo (Sohn von Gerardo)
• Estrella und Anderson (Kinder von Oscar)
Die Familien stehen in engem Kontakt, schicken Belege, Noten und Fotos per
WhatsApp und bedanken sich immer wieder für die Unterstützung. Manchmal geht
es um kleine Dinge: Schulmaterial, Schulkleidung, Transport, aber auch um medizinische
Hilfe, wenn ein Kind krank wird. Die Familienhilfen, die wir zusätzlich zu den Stipendien
leisten konnten, machen oft den entscheidenden Unterschied.
Gerardo:
„Ja klar, ich bin sehr streng mit meinem Sohn, ich mache ihm klar, welches Opfer
ihr bringt, damit er lernen und es im Leben zu etwas bringen kann... Er soll
die Chance nutzen, solange Federico lebt, denn das Leben ist in meinem Land
hier sehr schwer, deshalb müssen die jungen das nutzen und lernen, was sie
können.“
Daniel:
„Heute habe ich die Schulsachen bekommen, ich bin sehr glücklich. Gott sei
Dank und danke an euch für diese Chance.“
Wirkung und Dankbarkeit
Die Unterstützung ist mehr als nur das Geld: Es ist ein Zeichen,
dass jemand an sie glaubt. Die Eltern und Kinder wissen,
dass sie Teil einer großen Familie sind, die sich gegenseitig
hilft. Und sie geben diese Werte weiter – in kleinen
Schritten, Tag für Tag.
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Andrea Nicols Zeugnis der Mittelschule
34
35
Die Mittelschul-
Noten von Andrea
Nicol und
ihr aktuelles
Zeugnis vom
Gymnasium
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Links: Anderson mit seinem Zeugnis: Der Schulabschluss ist ein großes Ereignis in Honduras
Unten: Mittelschulzeugnis von Anderson
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MEXIKO
Chendo und die Herman@s de crianza
Mexiko ist das Ursprungsland von Padre Wassons Lebenswerk. Hier gründete er
1954 das erste Kinderdorf, aus dem inzwischen tausende junge Menschen hervorgegangen
sind. Viele von ihnen sind heute als Erwachsene in ganz Mexiko und darüber
hinaus aktiv – in ihren Berufen, Familien und in der gegenseitigen Unterstützung. Besonders
sichtbar wird das in der Gruppe, die Rosendo „Chendo“ Sibaja zusammen
mit gleichgesinnten aufgebaut hat. Sie nennen sich „herman@s de crianza“: Ziehgeschwister,
die sich seit fast zwei Jahrzehnten gegenseitig helfen, vor allem bei persönlichen
Notfällen, medizinischen Kosten oder – auch das ist ein dominantes
Thema dieser Gruppe – bei Beerdigungen.
Tausende Waisenkinder im Seniorenalter.
Nach über 70 Jahren Familiengeschichte sind schon viele Generationen in der Familie
von Padre Wasson aufgewachsen, haben ein eigenes Leben geführt und nähern
sich ihrem Lebensabend. Andere sind schon in jüngeren Jahren Krankheiten, Unfällen
oder Gewalttaten zum Opfer gefallen. So sind Todesanzeigen und gegenseitige
Unterstützung bei Trauerfeiern und Beerdigungen ein wichtiges Thema dieser
Gruppe.
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„Liebe Familie der ehemaligen
Schwestern und Brüder von NPH Mexiko,
mit großer Traurigkeit teile ich Euch den Tod unserer
Schwester Maria Feliz Alcántara Rosales
mit, Ehefrau von Fidencio García und Mutter von
vier Kindern.
Frau Alcántara war meine Lehrerin in der vierten
Klasse, als ich acht Jahre alt war. Sie war stets
sehr engagiert in ihrem Lehrerberuf, und mit viel
Geduld vermittelte sie mir – und auch vielen anderen
– die Freude am Lernen, besonders an
der Mathematik. Jedes Mal, wenn wir uns wiedertrafen,
nannte sie mich „Rosembo“, weil sie
meinte, ich hätte meinen richtigen Namen nicht
schreiben können oder wollen.
Danke, Maestra Alcántara, für alles, was Sie mir
und all jenen beigebracht haben, die durch Ihre
Klassenzimmer gegangen sind.
Ruhe in Frieden, Maria Feliz Alcántara Rosales.“
Rosendo Sibja
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40
Bei den Posadas an Weihnachten spielen die Kinder die Herbergssuche nach.
Am Abend leuchten die Kerzen unserer Stiftung für Maria und Josef den Weg in der
Casa Buen Señor in Cuernavaca/Mexiko.
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Diese Solidarität ist gelebte Philosophie von Padre Wasson
Die Gruppe der mexikanischen Schwestern und Brüder organisiert sich selbst, sammelt
Spenden und hilft dort, wo Not am größten ist – etwa, wenn ein ehemaliges Kind
schwer erkrankt oder verstirbt und keine direkten Angehörigen mehr da sind. Gemeinsam
mit Padre Wassons Organisation NPH vor Ort in Mexiko können so wichtige
Unterstützung und würdevolle Abschiede ermöglicht werden.
Wir als Stiftung helfen, diese Initiativen zu begleiten und zu stärken: Wir beraten bei
der Vereinsgründung, vermitteln Kontakte und fördern die Vernetzung der Alumni untereinander.
Chendo organisiert regelmäßige Events bei denen die ehemaligen mit
den aktuellen Bewohner:innen des Kinderdorfs zusammenkommen und voneinander
lernen. Wir sind regelmäßig eingeladen dort zu sprechen und nehmen das wegen
der Entfernung und der Zeitverschiebung gerne per Videobotschaft wahr.
Unsere Stiftung leuchtet den Weg
In einzelnen Fällen helfen wir auch und bei den jährlichen Posadas, den Krippenspielen,
stiften wir die Kerzen, die Maria und Joseph traditionell den Weg bei der Herbergssuche
erleuchten.
„Hier bleibt niemand allein. Wenn jemand Hilfe braucht, suchen wir gemeinsam
nach einer Lösung. Wir sind wie eine Familie, auch wenn heute jeder sein eigenes
Leben führt.“ Rosendo Sibaja
Zukunft und Vision
Die Zusammenarbeit mit den Alumni in Mexiko zeigt, wie stark das Band der Familie
von Padre Wasson auch Jahrzehnte nach dem Aufwachsen im Kinderdorf noch trägt.
Wir sehen unsere Aufgabe darin, diese Netzwerke weiter zu stärken – durch Beratung,
finanzielle Unterstützung in Notfällen und die Förderung von Gemeinschaftsprojekten.
Die Werte von Padre Wasson – Liebe, Verantwortung und lebenslange
Solidarität – bleiben dabei unser Kompass.
42
Tief bewegt
Wir trauern um
Boris Gilsdorff
Im November letzten Jahres erfuhr ich, dass
Boris Gilsdorff den Kampf gegen den Krebs
verloren hatte. Daraufhin teilte ich diese traurige
Nachricht mit der Familie von Padre Wasson
in Mexiko, wo Boris als Freiwilliger Betreuer
gewesen war.
Die vielen bewegenden Reaktionen der heute
erwachsenen Kinder bei Unsere kleinen
Schwestern und Brüder haben mich überwältigt.
Ich durfte sie bei der Trauerfeier bei Berlin
seiner Familie überreichen.
Boris war unter meiner Leitung des Spendenbüros
von NPH in Karlsruhe vor rund 20 Jahren
Freiwilliger im Kinderdorf in Miacatlan
und zehn Jahre später Mitarbeiter im Karlsruher
Team, wo er selbst Freiwillige auf ihren
Einsatz bei NPH vorbereitete. Seine Verbundenheit
mit den Menschen in Lateinamerika
und insbesondere mit benachteiligten Gruppen,
brachte neue Impulse für unser Wirken. Seine
Kreativität und seinen hohen Anspruch an inhaltliche
Qualität habe ich sehr geschätzt. Und
auch seine Quesadillas in Berlin, wo uns auch
sein Einsatz beim Fahrrad-Schrauben mit Geflüchteten
verband. Ich vermisse ihn.
In herzlicher Anteilnahme
Stefan Gräfe
Treuhänder der Padre Wasson Foundation
ehem. Büroleiter von NPH in Karlsruhe und
Fundraising Consultant bei NPH International
43
ZAHLEN, FAKTEN &
TRANSPARENZ
Warum Transparenz für uns Herzenssache ist
Transparenz ist für uns nicht nur eine Pflicht, sondern ein Zeichen des Respekts gegenüber
allen, die unsere Arbeit möglich machen.
Die Padre Wasson Foundation ist vom Finanzamt Karlsruhe-Stadt als gemeinnützig
und mildtätig anerkannt. Unsere Jahresabschlüsse werden regelmäßig und unabhängig
von Dr. Jäckle geprüft – zuletzt auch für das Jahr 2024 ohne Beanstandung. Wir
achten darauf, dass jede Spende genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Die Anzahl der Buchungen pro Jahr hat sich seit 2022 auf 600 im Jahr verdoppelt.
Wir schicken die meisten Stipendien monatlich und dokumentieren akribisch jedes
Detail und zu allen anderen Zahlungen sammeln wir die Belege in fünf verschiedenen
Währungen mit Wechselkurs. Einmal im Jahr erstellen wir die Spendenbestätigungen
für unsere Spender:innen und schicken die je nach Bedarf per Post oder
Email. Für unsere kleine Stiftung ist das schon ein beträchtlicher Aufwand. Die erfolgreiche
Wirkung davon möchten wir Ihnen in diesem Bericht zeigen.
Unsere Verwaltungskosten werden vollständig aus dem Stiftungsvermögen gedeckt,
sodass 100% Ihrer Spende für die Projekte und Menschen eingesetzt werden, für die
Sie sich engagieren. Wir dokumentieren jede Mittelverwendung transparent und stehen
jederzeit für Rückfragen zur Verfügung – denn Vertrauen ist die Basis unserer
Gemeinschaft.
44
Die jährlichen Belege aus Honduras
45
Entwicklung der Stiftung in Zahlen (2021–2024)
Die letzten Jahre waren geprägt von Wachstum, neuen Herausforderungen und einer
beeindruckenden Solidarität unserer Unterstützer:innen. Die wichtigsten Kennzahlen
im Überblick:
Jahr Einnahmen (€) Ausgaben (€) Jahresergebnis (€)
2024 30.688 30.145 543
2023 23.924 21.114 3.928
2022 16.485 19.375 -1.997
2021 26.402 20.303 7.751
Erläuterung:
• Das erste komplette Jahr unserer Stiftung 2021 war geprägt vom Erdbeben in
Haiti und außerordentlich vielen dafür zweckbestimmten Spenden. Die Folgejahre
zeigen ein gesundes Wachstum der Spenden für alle Bereiche.
• Die Einnahmen aus Spenden sind im Jahr 2024 auf 29.113 € gestiegen – ein
deutlicher Anstieg gegenüber 2023 (23.924 €) und 2022 (16.485 €).
• Besonders für Honduras (11.528 €), Haiti (5.260 €) und Nicaragua (3.630 €)
konnten deutlich mehr Stipendienmittel bereitgestellt werden.
• Neben Stipendien wurden 2024 auch Familienhilfe (1.067 €) und Gesundheitsfürsorge
(785 €) finanziert.
46
• Die Verwaltungsausgaben blieben niedrig (nur 758 € in 2024), da sie aus dem
Stiftungsvermögen gedeckt werden und das Team ehrenamtlich arbeitet.
• Das Jahr 2024 wurde mit einem kleinen Überschuss von 543 € abgeschlossen
– ein Zeichen für eine stabile und nachhaltige Finanzlage.
Mittelverwendung im Detail
Unsere Mittelverwendung orientiert sich an den satzungsgemäßen Zwecken und den
aktuellen Bedarfen der Alumni und ihrer Familien. Die wichtigsten Bereiche:
• Stipendien für Bildung und Ausbildung: Der größte Teil der Ausgaben
fließt in Stipendien für Kinder und junge Erwachsene aus Haiti, Honduras, Nicaragua
und Mexiko. 2024 konnten wir 12 Schüler:innen und Studierende aus
fünf Ländern fördern.
• Familienhilfe und Gesundheitsfürsorge: In akuten Notlagen unterstützen
wir Familien direkt – etwa mit Mietzuschüssen, medizinischer Versorgung
oder Lebensmitteln.
• Nothilfe und Katastrophenhilfe: Nach dem Erdbeben in Haiti 2021/22 wurden
über 16.000 € an Nothilfe ausgezahlt, über 40 Familien erhielten direkte
Unterstützung.
• Mentoring und Coaching: Neun Alumni und sechs ausländische Bürger:innen
in Deutschland nutzten unser Coaching- und Mentoringangebot. Fünf
Alumni konnten zinsfreie private Darlehen vermittelt werden.
Mittelverwendung 2024 (€) 2023 (€) 2022 (€) 2021 (€)
Stipendien Haiti 15.834 12.131 8.035 2.449
Stipendien Honduras 7.821 5.649 1.977
Stipendien Nicaragua 3.780 1.746 1.806
Familienhilfe 1.067 976
Gesundheitsfürsorge 785 480 182
Katastrophenhilfe 100 16.202
Stipendien sonstige 68 5.506
Gesamtsumme 29.387 20.074 18.482 18.651
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Zuordnung zur Stiftungssatzung
Bereich
Stiftungssatzung-Zweck
Stipendien Haiti Bildung/Erziehung, Jugendhilfe, Entwicklungshilfe
Stipendien Honduras Bildung/Erziehung, Jugendhilfe, Entwicklungshilfe
Stipendien Nicaragua Bildung/Erziehung, Jugendhilfe, Entwicklungshilfe
Familienhilfe Jugendhilfe, Entwicklungshilfe, mildtätige Zwecke
Gesundheitsfürsorge Gesundheit, mildtätige Zwecke
Katastrophenhilfe Katastrophenhilfe, Entwicklungshilfe, mildtätige Zwecke
Stipendien sonstige Bildung/Erziehung, Jugendhilfe, Entwicklungshilfe
48
Zuordnung zu den Zwecken der Abgabenordnung (§ 52 Abs. 2 Satz 1 AO)
Bereich
AO-Zweck (Nummer)
Erläuterung
Stipendien Nr. 2, 4, 15
Bildung, Jugendhilfe, Entwicklungszusammenarbeit
Familienhilfe Nr. 4, 15 Jugendhilfe, Entwicklungszusammenarbeit
Gesundheitsfürsorgbeit
Gesundheitswesen, Entwicklungszusammenar-
Nr. 13, 15
Katastrophenhilfe
Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Entwicklungszusammenarbeit
Nr. 4, 13, 15
Verwaltungskosten
Verwaltungskosten 2024 (€) 2023 (€) 2022 (€) 2021 (€)
Webseite, Gebühren, Büromaterial 758 1.040 893 1.652
(jeweils entsprechend mit Entnahmen aus dem Verbrauchsvermögen verrechnet)
Mit 2,5% Verwaltungskosten in 2024 und 100% Einsatz von jeder Spende für den
Zweck setzen wir einen neuen Maßstab und sind stolz darauf.
Zum Vergleich: Die Spendenbüros von NPH und sogar sehr große Organisationen
haben sehr viel weniger der Spendengelder für den Zweck ausgegeben:
NPH Deutschland 2023: 72% zum Zweck und 28% für Kosten
NPH USA 2024:
72% zum Zweck und 28% für Kosten
NPH Österreich 2024: 70% zum Zweck und 30% für Kosten
NPH Schweiz 2024: 61% zum Zweck und 39% für Kosten
NPH Frankreich 2024: 48% zum Zweck und 52% für Kosten
CBM Deutschland 2024: 40% zum Zweck (ohne Sachspenden)
NPH Italien 2023/24: 37% zum Zweck
Zugrundeliegende Quellen: die jeweiligen Jahresberichte
Danke!
49
DIE STIFTUNG
UNABHÄNGIGKEIT DER STIFTUNG – CHANCEN UND VERANTWORTUNG
Die Padre Wasson Foundation wurde mit NPH International konzipiert und aufgebaut.
Heute sind wir unabhängig – das ist manchmal eine Herausforderung, aber vor
allem eine große Chance. Wir können flexibel und unbürokratisch handeln, eigene
Schwerpunkte setzen und neue Wege gehen, ohne auf große Strukturen Rücksicht
nehmen zu müssen. Das gibt uns die Freiheit, ganz nah bei den Menschen zu sein,
die unsere Hilfe brauchen, und schnell auf neue Situationen zu reagieren.
Diese Unabhängigkeit ist auch eine Verantwortung: Wir pflegen die familiären Werte
und das Vermächtnis von Padre Wasson, aber wir sind offen für Innovationen, neue
Partnerschaften und kreative Ideen. So bleiben wir lebendig und können auf die Bedürfnisse
der nächsten Generationen eingehen – immer im Geiste von Vertrauen,
Solidarität und gegenseitiger Unterstützung.
Die Herausforderungen und Chancen moderner Stiftungsarbeit
• Flexibilität und Reaktionsfähigkeit: Die Stiftung muss auf unerwartete Krisen
wie Naturkatastrophen oder politische Instabilität schnell reagieren können.
Das Beispiel der Erdbebenhilfe in Haiti zeigt, wie wichtig es ist, bestehende
Netzwerke und lokale Partner zu haben, um Hilfe zielgerichtet und sicher
zu leisten.
• Transparenz und Vertrauen: Die Rückmeldungen an Spender:innen und die
offene Kommunikation über die Verwendung der Mittel sind zentrale Herausforderungen.
Die Stiftung legt Wert darauf, Spender:innen regelmäßig zu informieren
und auf individuelle Fragen einzugehen, um das Vertrauen zu stärken.
50
• Langfristige Wirkung statt kurzfristiger Erfolge: Projekte wie das Mikrokreditprogramm
in Haiti zeigen, dass nachhaltige Entwicklung Zeit braucht
und Rückschläge – etwa durch Naturkatastrophen – dazugehören. Entscheidend
ist, dass die Unterstützung nicht abreißt und die Hilfe gemeinsam mit
den Betroffenen weiterentwickelt wird.
• Innovative Ansätze: Die Stiftung nutzt gezielt kleine Impulse, um große Veränderungen
zu bewirken (z.B. Schulungen für Frauen in Haiti). Die Herausforderung
besteht darin, immer wieder neue Wege zu finden, um Hilfe wirksam
und effizient zu gestalten.
• Grenzen der Stiftungsarbeit: Trotz aller Bemühungen stößt die Stiftung an
Grenzen, etwa wenn Gewalt, Korruption oder strukturelle Probleme die Arbeit
erschweren. Hier ist es wichtig, realistisch zu bleiben und dennoch nicht den
Mut zu verlieren.
Die Haltung zu aktuellen ethischen Themen
• Ablehnung von Gewalt und Krieg: Die Stiftung orientiert sich an Padre
Wassons Überzeugung, dass es keinen gerechten Krieg gibt. Sie setzt sich
für Frieden, Gewaltfreiheit und die Würde jedes Menschen ein.
• Solidarität und soziale Gerechtigkeit: Die Stiftung sieht Teilen nicht nur als
materielle, sondern auch als soziale und emotionale Verpflichtung. Solidarität
bedeutet, Verantwortung für andere zu übernehmen, unabhängig von Herkunft
oder Religion.
• Selbstkritik und Lernbereitschaft: Die Stiftung reflektiert kritisch die Wirkung
ihrer Projekte, etwa im Bereich Mikrokredite, und ist bereit, aus Fehlern
zu lernen und neue Wege zu gehen.
• Würde und Selbstbestimmung: Die Arbeit der Stiftung zielt darauf ab, Menschen
zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben selbstbestimmt
zu gestalten. Hilfe soll immer Hilfe zur Selbsthilfe sein.
• Transparenz und Verantwortung: Die Stiftung legt Wert auf eine ethisch
saubere Mittelverwendung und eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten.
STIFTUNGSRAT
Der Stiftungsrat unterstützt den Treuhänder bei größeren Entscheidungen, sei es
strategischer oder finanzieller Art. In regelmäßigen Treffen besprechen wir die anstehenden
Themen und entscheiden, welche Schwerpunkte wir aktiv setzen können.
51
Herzlichen Dank an die Sozialpädagogin Alejandra Garcia Bühler und an Christine
Hofer für die geleistete Mitarbeit sowie den Psychologen Dr. Joseph Ferdinand für
seine besondere Rolle als Vorsitzender. Alle drei verbindet ihre persönliche Erfahrung
in der Familie von Padre Wasson in Mexiko, Guatemala und Haiti.
Dr. Joseph Ferdinand, Vorsitzender des Stiftungsrats
Joseph Ferdinand ist in Haiti in der Familie von Padre Wasson aufgewachsen. Schon
früh hat er erlebt, wie Gemeinschaft, Fürsorge und Bildung Lebenswege prägen können
– und wie wichtig es ist, jungen Menschen Chancen zu eröffnen. Nach dem verheerenden
Erdbeben 2010, das ihm und vielen anderen die Lebensgrundlage nahm,
kam Joseph nach Deutschland. Hier setzte er sein Psychologiestudium in Heidelberg
und Leipzig fort und promovierte schließlich an der Eberhard Karls Universität in Tübingen.
Heute arbeitet Joseph als Wissenschaftler am renommierten Institut zur Qualitätsentwicklung
im Bildungswesen (IQB) der Humboldt-Universität in Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt
liegt auf der Förderung von Bildungsgerechtigkeit, Diversität
und psychischer Gesundheit – Themen, die sein eigenes Leben und seine Arbeit für
die Stiftung prägen. Joseph bringt seine Erfahrung als ehemaliges Kind der NPH-Familie,
als Haitianer und als Wissenschaftler in die Stiftung ein. Besonders am Herzen
liegt ihm die Begleitung und Förderung der Alumni, die wie er selbst den Weg aus
schwierigen Verhältnissen in eine neue Zukunft suchen.
Sein persönlicher Weg steht beispielhaft für Resilienz, Mut und den Glauben an die
Kraft von Bildung und Gemeinschaft. Im Stiftungsrat sorgt Joseph dafür, dass die
Philosophie von Padre Wasson nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu gedacht
und gelebt wird.
Danke, Alejandra Garcia und Christine Hofer
Wir danken Alejandra Garcia Bühler und Christine Hofer für die geleistete Mitarbeit
im Stiftungsrat der Padre Wasson Foundation. Alejandra hat als Alumna von NPH
Mexiko ihre ganz eigene, wertvolle Perspektive. Ihr Lebensweg und ihre Worte sind
ein Geschenk an die ganze Familie von Padre Wasson – und eine Ermutigung für
uns alle. Christine hat als Freiwillige im Kinderdorf von NPH-Guatemala und später
als langjährige Mitarbeiterin im deutschen Spendenbüro einen tiefen Einblick in beide
Welten der Familie bekommen: Die der Kinder und die der Spenderinnen und Spender.
Aufgabe der Strukturen wie auch unserer Stiftung ist es, diese beiden Welten zu
verbinden. Vielen Dank an Christine für ihren unschätzbaren Beitrag dazu.
52
Stefan Gräfe, Treuhänder der Padre Wasson Foundation
Stefan Gräfe ist seit seiner Jugend mit Padre Wasson und der weltweiten NPH-Familie
eng verbunden. Was ihn von vielen anderen unterscheidet: Er durfte viel Zeit persönlich
mit Padre Wasson verbringen – nicht nur als Mitarbeiter, sondern als enger
Wegbegleiter. Während Padre Wassons schwerer Krebsbehandlung war Stefan in
Arizona an seiner Seite, hat ihn im Krankenhaus besucht und sogar sein Haus für die
Genesungszeit umgebaut. Diese intensive Zeit hat sein Verständnis für Fürsorge,
Verantwortung und Solidarität geprägt.
Jahr für Jahr begleitete Stefan Padre Wasson auch auf Reisen durch Deutschland
und Europa, um Spender:innen persönlich zu danken und neue Unterstützer zu gewinnen.
Als Geschäftsführer von „Unsere kleinen Schwestern und Brüder“ in
Deutschland pflegte er den Kontakt zu rund 300.000 Spenderinnen und Spendern
und koordinierte die Zusammenarbeit aller europäischen NPH-Büros. Die letzten gemeinsamen
Begegnungen – das Singen mit Padre Wasson, seinem Bruder und einigen
seiner „Kinder“ – sind für ihn unvergessliche Erinnerungen.
Nach dem Tod von Padre Wasson hat Stefan das internationale Fundraising für NPH
weiterentwickelt, neue Strukturen aufgebaut und mit NPH International die Padre
Wasson Foundation konzipiert. Heute führt er die Stiftung unabhängig weiter – mit
dem Anspruch, das familiäre Erbe von Padre Wasson lebendig zu halten und immer
wieder neu mit Leben zu füllen.
Stefan liebt Sprachen, kreative Lösungen, Holzarbeiten und gemeinschaftliches Kochen.
In seiner „Karlsruher Werkstatt“ lebt und arbeitet er mit Menschen aus vielen
Ländern zusammen und engagiert sich für Integration und soziale Projekte vor Ort.
Die Familie von Padre Wasson ist für ihn Heimat, Inspiration und Lebensaufgabe zugleich.
TEAMARBEIT
Wir danken den vielen Menschen, die mit Rat und Tat zur Seite standen, insbesondere
Rainer Reker und John Maugham (Webseite)
Parmi Giri (Social Media)
Schwester Kolbe und Padre Alberto (Theologie und Padre Wasson)
Benjamin Brill, Joel Mansiangi und Clark Cung (Büro und Buchhaltung)
Dr. Joachim Jäckle (Rechnungsprüfung)
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54
DANKE, DANKE, DANKE!
IHR SEID EINE TOLLE
GEMEINSCHAFT
Ohne Sie wäre das alles nicht möglich!
Jeder Beitrag, jede Spende, jede helfende
Hand und jedes offene Herz machen unsere
Arbeit erst möglich. Wir danken allen Spenderinnen
und Spendern, Partnern, Mitarbeitenden
und Ehrenamtlichen, die sich mit uns
für Kinder und Familien engagieren .
Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
55
GANZ BESONDERE ANLÄSSE
Happy Birthday Dr. Schröder!
Wir gratulieren Dr. Schröder herzlich zum 80. Geburtstag und feiern seine wertvollen
Beiträge zur Stiftung. Zu seinem Geburtstag hatte er Familie und Freunde eingeladen
und wir konnten von seinem Engagement für seine ehemaligen Patenkinder in
Honduras und den Schulstipendien berichten, für die er weiterhin Spenden sammelt,
die sich inzwischen schon auf über 23.000 Euro summieren!
Danke für 2.130 Euro Spenden für Medizin zu Ehren von Albert Miller!
Die großzügigen Spenden zu Ehren von Albert Miller anlässlich seines 90. Geburtstags
ermöglichen unseren Stipendiat:innen ihr Medizinstudium. Wir danken ihm und
seiner Familie von Herzen und werden sein Andenken in Ehren halten. Möge er in
Frieden ruhen.
Erstes Stiftungstreffen im Patio Amistad
Am 26. August 2023 trafen sich die Stiftungsgründer, Förder:innen, Alumni und Freiwillige
am Sitz der Stiftung im Haus Patio Amistad zum gemeinsamen Austausch und
Zusammensein. Stella & Joachim Jäckle und Gianna Jann sorgten für klassische
Musik und humorvollen Gesang. Es war eine besondere und sehr persönliche Begegnung
und für einige ein erstmaliges Kennenlernen. Und natürlich auch eine Gelegenheit
zu spenden: Ganze 3.609,55 Euro kamen zusammen!
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Frank Krafft wird 100 Jahre alt!
Wir feiern den 100. Geburtstag von Frank Krafft und
würdigen sein langjähriges Engagement. Frank hat mit
seiner Frau Pauline für Padre Wasson die Spendenbüros
in USA und Europa aufgebaut und so die Expansion der
Familie in viele Länder Lateinamerikas möglich gemacht.
Seine Familie hatte eingeladen und unser Treuhänder
war online dabei.
Franks Tochter Jeanne schreibt uns danach:
„Vielen Dank für diese wunderbare Anerkennung von Franks und Pollys Beitrag
zu NPH und zur Vision von Padre Wasson!
Du bist seit so langer Zeit eine zentrale Figur in der Geschichte von NPH!
Ich werde deinen Brief Frank vorlesen... er hat dein Engagement, einen Unterschied
zu machen, immer sehr geschätzt!“
Wohnzimmerkonzert mit Benefiz
Just zum 100. Geburtstag Padre Wassons fand im Dezember 2023 ein Wohnzimmerkonzert
statt, das jeden Rahmen sprengte und für neue Spenden sorgte. Danke
an die Künstler:innen und die Wohngemeinschaft für diesen gelungenen Abend!
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100 JAHRE PADRE
WASSON – EIN LEBEN
FÜR KINDER
Am 21. Dezember 2023 hätten
wir den 100. Geburtstag
von Padre William Bryce Wasson
gefeiert, der das Leben
von zehntausenden Kindern
und Familien verändert hat.
Padre Wasson wurde 1923 in Phoenix, Arizona geboren. Bereits früh zeigte er ein
tiefes soziales Bewusstsein und engagierte sich für die Armen. Nach einem Studienabschluss
in Recht und Sozialwissenschaften wollte er Priester werden, wurde jedoch
aus gesundheitlichen Gründen zunächst abgelehnt. Sein Vater gab ihm damals
100 Dollar und schickte ihn auf eine Reise nach Mexiko – eine Reise, die sein Leben
in eine neue Richtung lenkte.
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In Mexiko fand er
schließlich seine Berufung:
1953 wurde er
zum Priester geweiht
und übernahm eine
kleine Kapelle in
Cuernavaca. Dort eröffnete
er bald eine
Suppenküche für die
Armen. Als ein Junge
verhaftet wurde, weil
er aus Hunger Geld
aus dem Opferkasten
gestohlen hatte, nahm
Padre Wasson ihn bei
sich auf – der Anfang
einer außergewöhnlichen
Familiengeschichte.
Schon bald
fragte ihn der Jugendrichter,
ob er weitere
acht Jungen aufnehmen
könne – und damit
war die Idee
von Nuestros
Pequeños Hermanos
(„Unsere kleinen
Schwestern und Brüder“)
geboren.
Der Name entstand nach Matthäus 25,40: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten
Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ (im Spanischen: „…mis
hermanos mas pequeños…“).
Was mit einem Kind begann, wuchs zu einer der größten Langzeit-Initiativen für verlassene
und notleidende Kinder in Lateinamerika heran.
Heute wirkt NPH in neun Ländern und hat mehr als 20.000 Kindern ein sicheres Zuhause,
Bildung und Zukunftsperspektiven ermöglicht. Padre Wasson war nicht nur
ein Vater für viele, sondern auch Lehrer, Seelsorger und Autor. Sein letztes Buch
über die Bergpredigt wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
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Am 16. August 2006 starb Padre
Wasson in Arizona, begleitet von vielen
seiner „Kinder“. Sein Lebenswerk
lebt fort – durch die tausenden „großen
Schwestern und Brüder“, die
heute Verantwortung übernehmen,
und durch die Arbeit unserer Stiftung,
der Padre Wasson Foundation.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, sein Wirken zu bewahren, fortzuführen – und
eine Brücke zu schlagen zwischen all den Menschen, die er oder seine Familie
während seines Lebens und danach berührt hat.
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AUSBLICK &
MITMACHEN
Die nächsten Jahre werden neue Aufgaben bringen. Wir wollen unsere Arbeit weiter
professionalisieren, die Alumni-Arbeit stärken, neue Partnerschaften aufbauen und
das digitale Museum als Ort der Erinnerung und Inspiration realisieren. Dabei bleibt
unser Ziel immer gleich: Hoffnung schenken, Chancen eröffnen und die Werte von
Padre Wasson lebendig halten. Mit dem geplanten Online-Museum und weiteren digitalen
Angeboten wollen wir die Philosophie von Padre Wasson noch mehr Menschen
zugänglich machen.
Wir laden Sie herzlich ein, die Zukunft der Stiftung mitzugestalten und Ihre eigenen
Ideen einzubringen. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft – im Geist von Padre
Wasson.
Einladung zum Mitmachen:
● Werden Sie Fördermitglied oder übernehmen Sie eine Stipendien-Patenschaft.
● Spenden Sie einmalig oder regelmäßig – jeder Beitrag zählt.
● Bringen Sie sich ehrenamtlich ein oder starten Sie Ihre eigene Aktion.
● Zustiften: Stärken Sie das Stiftungskapital und sichern Sie die nachhaltige
Basis unserer Arbeit.
● Setzen Sie ein Zeichen für die Zukunft und berücksichtigen Sie die Padre
Wasson Foundation in Ihrem Testament.
Mehr Informationen und aktuelle Engagementmöglichkeiten finden Sie auf unserer
Homepage www.padrewassonfoundation.org
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Padre Wasson Foundation
Schützenstr. 16 Patio Amistad
76137 Karlsruhe/Germany
Tel. 0721-9379035
info@PadreWassonFoundation.org
www.PadreWassonFoundation.org
Treuhänder: Stefan Gräfe
Vorsitzender des Stiftungsrats:
Dr. Joseph Ferdinand
Spendenkonto Volksbank Karlsruhe
IBAN: DE 196619 0000 0000 797979
Die Stiftung ist vom Finanzamt
Karlsruhe-Stadt als mildtätig und gemeinnützig
anerkannt.
Bildnachweis:
Archiv Padre Wasson Foundation, Gabriel
Rozycki Sanchez, Stefan Gräfe und die im
Bericht genannten Stipendiat:innen und Hilfeempfänger.
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