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AUSGABE 52/1 19. Dezember 2025 € 5,50

EUROPEAN MAGAZINE AWARD WINNER 2025 /// ADC GRAND PRIX 2024

Yuval Noah

Harari

Wie der Historiker den

Konflikt zwischen Israel und

Palästina lösen will

Friedrich

Merz

Kann der deutsche

Kanzler zum starken

Mann Europas werden?

GUT ESSEN,

GESUND LEBEN

Die sieben Weisheiten

für Ihre perfekte

Ernährung


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Wir reagieren immer flexibel und passen uns

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Lassen Sie sich hier beraten:


Editorial

FOTOS: MAXLOUIS KOEBELE FÜR FOCUS-MAGAZIN, JOE ST.PIERRE/SHUTTERSTOCK

In eigener

Sache

Die nächste Ausgabe

erscheint am

Freitag, dem

2. Januar 2026

FOCUS+

Mit unserem

digitalen Angebot

erhalten Sie

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Inhalten der

FOCUS Magazin-

Welt sowie das

Aktuellste

aus Politik, Wirtschaft,

Finanzen,

Wissenschaft

und Kultur –

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focusplus.de

oder in der

FOCUS+App

im App-Store.

Trump, Merz und die Dummheit der KI –

die fünf Lehren eines wilden Jahres

Bevor wir Sie in die Besinnlichkeit

der Feiertage

entlassen, wollen

wir noch die Lehren

ziehen aus diesem wilden,

bisweilen auch

strapaziösen Jahr 2025.

• Lektion eins: Stehen wir auf

gegen Hass und Antisemitismus!

Es ist eine Schande, wie Juden

weltweit angefeindet und mit Gewalt

überzogen werden. „From

the River to the Sea“ und „Globalize

the Intifada“, schreit es auch

auf Palästinenser-Demos in unseren

Straßen. Ein Skandal. Nicht

länger hinnehmbar.

• Lektion zwei: Wir müssen

wehrhaft sein! Auf die Schutzmacht

Amerika ist unter Donald

Trump nur bedingt Verlass, und

sein Vize J. D. Vance macht die

Sache nicht besser. Europa muss

sich auf seine Werte und seine

Stärken besinnen. Und massiv ins

Militär investieren. Ein Aggressor

wie Putin wartet nicht, der hybride

Angriff ist längst im Gange.

• Lektion drei: Leistung muss

sich lohnen! Eine florierende Wirtschaft

ist die Grundlage für alles.

Dementsprechend sind die Prioritäten

der Politik neu zu justieren.

Drei Jahre Rezession sind genug.

„Noch nie war die Stimmung so

verzweifelt, ja aggressiv“, berichten

Vertreter der Industrie. Noch

nie auch hat sich die Laune so

schnell gedreht. Als wir im Frühsommer,

kurz nach Start der Regierung,

den Puls der Konzerne

Liebe Leserin, lieber Leser!

erspürten, fanden wir schnell

50 CEOs, die auf dem FOCUS-

Cover frohen Mutes für einen

Aufbruch warben. Ein halbes

Jahr später ist die Euphorie verflogen.

Dabei mangelt es nicht

an Erkenntnis, was fehlt, sind

die Taten. Daran wird Friedrich

Merz gemessen werden im neuen

Jahr. Wenn der „Herbst der

Reformen“ schon ausgefallen

ist, wie wäre es dann mit einem

„Frühling der Vernunft“?

• Lektion vier: Nutzen wir die

Chancen der künstlichen Intelligenz!

Die KI-Revolution marschiert

unverdrossen – und noch

schneller als gedacht. KI hilft

der Medizin, KI revolutioniert

die Wertschöpfung, KI verändert

unseren Alltag. Überzogen ist

dagegen die Furcht, sie könnte

die Weltherrschaft an sich reißen.

So verschlagen-schlau sei sie gar

nicht, beruhigte der Philosophieprofessor

Vincent C. Müller, KI-

Vordenker und Mitglied der EU-

Ethikkommission, jüngst auf dem

Korbinians-Kolleg am Tegernsee.

Bedrohlicher als die künstliche

Intelligenz ist immer noch die

menschliche Dummheit.

• Lektion fünf: Wir schaffen das!

Wir hätten den technologischen

Anschluss verloren, so die wohlfeile

Klage, Deutschland sei abgehängt

in jeglicher Hinsicht.

Ein Irrtum, widerspricht der Vorstand

eines Techkonzerns: „Beim

Quantencomputing sind wir an

der Weltspitze, da macht uns niemand

etwas vor.“ Und da geht

noch mehr. Schlaue Köpfe und

stabile Institutionen – darauf lässt

sich bauen. „Es müsste mit dem

Teufel zugehen, wenn wir das

in Deutschland nicht schaffen“,

sagt der Star des deutschen Mittelstands,

Nicola Leibinger-Kammüller,

und zitiert den Satz von

Karl Popper, der in jeder Lebenslage

gilt: „Optimismus ist Pflicht.“

In diesem Sinne wünschen

wir Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest

und einen guten Start

ins neue Jahr!

Herzlich

Georg Meck, Chefredakteur

Ein frohes Fest! „Optimismus ist Pflicht.“ Der Satz von Karl Popper gilt auch 2026

FOCUS 52/2025_01/2026 3


Inhalt

Politik

Wirtschaft

Wissen

Titelthemen

sind rot markiert

26

32

36

Europas Kanzler

Deutschland nimmt

die europäische

Führungsrolle an. Doch gelingt

Merz die Waffenruhe in

der Ukraine?

Alarmstufe Rot

Überall in Europa sind die

nationalen Regierungen

unter Druck. Was bedeutet

das für die Zukunft der EU?

Zwischen Front und Frieden

Jan Hecht überlebte Afghanistan,

nun will der Soldat Litauen

vor Russland schützen

46

54

58

„Wir müssen mehr arbeiten“

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller

ist der Star

des deutschen Mittelstands.

Ein Gespräch über Glaube,

Erfolg und Kanzler Merz

Die Schlacht um die Brause

Paulaner greift Pepsi und

Coca-Cola mit einem eigenen

Getränk an. Lässt sich der

Spezi-Erfolg wieder holen?

Finanziell absichern

Gerade Frauen beschäftigen

sich oft zu spät mit Vermögensaufbau.

Eine Anleitung

68

80

Noch besser essen

Die Feiertage können Spuren

hinterlassen. Für den Start

ins neue Jahr raten Ernährungsmediziner

zu Qualität

und Vielfalt auf dem Teller –

und Fett

Fantasie in Dosen

Musik und Hörspiel kommen

im Kinderzimmer aus

der Plastikbox. FOCUS hat

sechs Modelle getestet

40

„Die BBC steckt in der Krise“

Müssen Journalisten jetzt

zittern? Die „Economist“-

Chefin spricht über den Umgang

mit Donald Trump

Die Story

Die Toniebox aus

Düsseldorf ist weltweit

erfolgreich

42

Glaube, Liebe,

Algorithmen

KI im Beichtstuhl,

Tech-Gurus als Propheten:

Während US-Konzerne an

der digitalen Unsterblichkeit

basteln, ringt der Vatikan

um eine ethische Antwort

46

26 68

Selenskyj und Merz am Montag im Kanzleramt Nicola Leibinger-Kammüller Gesunde Festtagsschlemmerei

4 FOCUS 52/2025_01/2026 VOM 19. DEZEMBER 2025


Kultur

82

88

92

94

98

100

102

Frieden wagen!

Der israelische

Historiker Yuval

Noah Harari sieht nur eine

Möglichkeit, den Konflikt

im Nahen Osten zu lösen

Wunder geschehen

Warum es zwölf Jahre gedauert

hat, die Fortsetzung

des „Medicus“ zu drehen.

Ein Film, der die Produktion

fast in den Wahnsinn trieb

Pandora brennt

In „Avatar 3“ sind die Rollen

von Gut und Böse nicht mehr

so klar verteilt

Reise ins Klischee

Der Hype um die Serie „Emily

in Paris“ hat Europa zum

Sehnsuchtsort für junge

Amerikanerinnen gemacht

Die Schneekönigin

Nach ihrem Comeback gelang

Skistar Lindsey Vonn

jetzt der erste Weltcup-Sieg

Für Körper und Seele

Ottolenghi serviert Hähnchenpastete

als Seelenfutter

Ein Herz für Bayern

Mit dem iX3 startet BMW

seine Neue Klasse

Rubriken

3 Editorial

6 Kolumne von

Jan Fleischhauer

8 Starke Stimme:

Anne Applebaum

10 Fotos des Jahres

17 Nachrichten

52 Grafik der Woche:

Lieferdienste

92 Kulturtipps

103 Impressum/

Servicenummern

104 Nachrufe

105 Leserbriefe

106 Tagebuch

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Die Amerikanerin

siegte in St. Moritz

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Die

Fakten

am

Morgen

82

TITEL: IGOR MADJINCA/ADOBE STOCK, ISTOCK, SHUTTERSTOCK (4),

MONTAGE: FOCUS-MAGAZIN

FOTOS: HALIL SAGIRKAYA/DDP IMAGES, NICOLE GROSS FÜR FOCUS-

MAGAZIN, LANDON NORDEMAN/TRUNK ARCHIVE, EYAD BABA/AFP VIA

GETTY IMAGES, FABRICE COFFRINI/AFP VIA GETTY IMAGES

FOCUS Briefing – Ihr

Newsletter von FOCUS.

Kompakte Infos aus Politik,

Wirtschaft und Wissenschaft.

Auf den Punkt gebracht von

Tanit Koch und Thomas Tuma.

Immer werktags um 6 Uhr

in Ihrem Postfach.

Ein Landstrich in Schutt und Asche. Kann es in Gaza echten Frieden geben?

FOCUS 52/2025_01/2026 VOM 19. DEZEMBER 2025

focusbriefing.de


Kolumne

DER SCHWARZE KANAL

Leinen los!

Die Bundesregierung gibt das Geld

aus, als gäbe es kein Morgen.

Nur bei einer Behörde wird jetzt

kräftig der Rotstift angesetzt:

beim Bundesrechnungshof.

Verständlich, ohne Prüfer lebt

sich’s leichter

Jan Fleischhauer

ist Kolumnist und Buchautor. Er sieht sich als

Stimme der Vernunft – was links der Mitte naturgemäß

Protest hervorruft

Neulich im Haushaltsausschuss, ein Mitarbeiter des

Bundesrechnungshofs trägt vor. Es geht um ein geplantes

„Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und

Europäische Transformation“ in Halle. Der Mann gibt

Einschätzungen zur Kostenentwicklung. Baukosten

200 Millionen, 110 Stellen, 15 Millionen Personalkosten

allein zum Start.

„Gestatten Sie mir eine persönliche Bemerkung“,

sagt der Controller, nachdem er seine Papiere eingesammelt hat.

Er habe sich gefragt, ob ein Projekt in dieser Größenordnung

35 Jahre nach Vollendung der Einheit nicht etwas aus der Zeit

gefallen sei. Die Menschen in Ostdeutschland seien möglicherweise

mehr interessiert an tragfähigen Lebensbedingungen und

einer funktionierenden Infrastruktur.

Kurzer Moment der Verblüffung. Ob er die Anstrengungen

zur Stärkung der Demokratie infrage stellen wolle, blafft ihn

eine Vertreterin der Grünen an. Mit solchen Einlassungen sei

Beifall der AfD garantiert, erklärt der Mann von der SPD scharf.

Die Vertreter der CDU schweigen, wie so oft, wenn es ums Geld

geht und sich die andere Seite einig ist.

So geht es zu, wenn jemand im parlamentarischen Betrieb

Ausgaben hinterfragt. Immer geht es um höhere Dinge – die

soziale Gerechtigkeit, den Zusammenhalt der Gesellschaft, den

Kampf gegen rechts. Wer da widerspricht, gilt als Störenfried

oder, schlimmer noch, als Demokratiefeind.

Die Liste der Verfehlungen des Rechnungshofs sind lang. Bei

den Grünen hat man nicht vergessen, dass es die Aufseher aus

Berlin waren, die die Weisheit der Klimapolitik in Zweifel zogen.

Was gab das für eine Aufregung, als die Behörde vor drei Jahren

feststellte, dass die Regierung zwar Milliarden in den Klimaschutz

investiere, aber nicht sagen könne, ob diese Investitionen

das Erwünschte bewirkten. Auch die Sozialdemokraten, die von

jeher ein lockeres Verhältnis zum Geldausgeben haben, sehen

mit Argwohn auf die Prüfer, die jede Ausgabe unter Begründungspflicht

stellen.

Nun gibt es die Quittung. Keine Bundesbehörde hat in den vergangenen

Jahren so vorbildlich gewirtschaftet wie der Rechnungshof.

In zehn Jahren von 1300 Stellen freiwillig runter auf 1000: Das

ist in Berlin einzigartig. Der Rechnungshof-Präsident, Kay Scheller,

hatte gedacht, das würde ihm angerechnet. Aber nichts da! Jetzt

ist Payback-Time. Eine ganze Prüfebene soll weg, so sieht es der

Plan aus dem Hause Klingbeil vor. Und das ist erst der Anfang.

Es ist ein Treppenwitz: Für alles ist Geld da – die Mütter, die

Gastronomen, die Pendler, die Gewerkschafter. Nur für die Leute,

die aufs Geld achten, leider nicht. Normalerweise hat man in Berlin

nicht viel für Bürokratieabbau übrig. Hier kommt er gelegen.

Ich bin kein Freund der Buchhaltung. Wenn das Controlling

anrückt, gehe ich in Deckung. Aber der Rechnungshof ist die

einzige Institution, die zwischen uns Steuerzahlern und dem

finanziellen „Leinen los“ steht.

Es gibt beim Geldausgeben ja auch keine wirkliche Opposition.

Die Grünen und die Linkspartei sind im Zweifel für noch mehr

Sozialprogramme. Und die AfD hat anderes zu tun, als sich dem

Laissez-faire entgegenzustellen. Außerdem will man ja selbst ran,

da nimmt man es mit der Haushaltsdisziplin lieber nicht so genau.

Ich dachte, mit einer Billion Euro im Rücken könnte jeder Depp

regieren. Im Rückblick auf die vergangenen Monate muss ich

sagen: Ich lag daneben. Ich habe mir nicht vorstellen können,

dass man trotz des größten Schuldenaufnahmeprogramms der

Nachkriegsgeschichte mit dem Geld nicht auskommen würde.

Aber so ist es. Im Haushalt für 2026 fehlen 182 Milliarden Euro –

FOTO: JESSICA KASSNER / JMK-PHOTOGRAPHY; ILLUSTRATION: SILKE WERZINGER

6 FOCUS 52/2025_01/2026


Jan Fleischhauer

trotz Steuereinnahmen auf Spitzenniveau

und Rekordverschuldung.

Ein Blick nach Berlin reicht, und

man weiß, wo die wundersame Geldvermehrung

bleibt. Fünf Milliarden

Euro erhält die Hauptstadt aus dem großen Schuldentopf. Eigentlich

soll das Geld in die Ertüchtigung der Wirtschaft gehen. Jeder

Euro, den man aufnehme, diene der Investition in die Zukunft,

das waren die Worte unseres Finanzministers.

In der Hauptstadt pflanzen sie mit dem Geld jetzt Bäume.

Dass Berlin ergrünt, ist auch schön. Wer freut sich nicht an einer

prächtig ausschlagenden Erle oder Esche? Mehr als 5000 Euro

pro Baum lässt man sich den Spaß kosten. Aber das war nicht

das, was Lars Klingbeil versprochen hatte, als er erklärte, dass

man Deutschland wieder nach vorne bringen wolle.

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat neulich darauf hingewiesen,

dass spätestens 2030 nahezu 100 Prozent des Bundeshaushalts

durch Verpflichtungen für Verteidigung, Soziales

und Zinsen aufgezehrt sein werden. Ich glaube, vielen ist

nicht klar, was das bedeutet. Das heißt: kein Geld mehr für Bildung

und Forschung, nicht ein müder Euro für die Sicherung

der Zukunft. Das ist die Lage, auf die wir zusteuern.

Warum man mit dem Geld nicht auskommt? Weil man immer

neue Gruppen findet, die bei jedem Sparpaket von vornhe rein

ausgenommen sind. Rentner sind schon mal tabu. Auch die

Beamten dürfen mit umfassender Für- und Nachsorge rechnen.

Und natürlich alle, die beschlossen haben, dass man auch ohne

geregelte Arbeit durchs Leben kommt.

Dass man mit den Sätzen runtergeht, ist von vornherein ausgeschlossen.

Selbst die Pläne der CDU, bei arbeitsunwilligen

Bürgergeldempfängern etwas genauer hinzuschauen, stoßen auf

erbitterten Widerstand. Sozialabbau ist in Deutschland schon,

wenn man den Leuten, die von der Allgemeinheit leben, zumutet,

hin und wieder auf dem Amt zu erscheinen, um zu zeigen,

dass es sie noch gibt.

Genau genommen ist es eine Gruppe, die es am Ende immer

trifft, weil sie als einzige ohne mächtige Fürsprecher ist:

In der Hauptstadt pflanzen sie

mit dem Geld jetzt Bäume

Menschen, die nicht vom Staat abhängig

sind, sondern auf eigenen

Beinen stehen.

Ich will nicht in das Lamento über

Beamte einstimmen. Welche Wohltat

eine funktionierende Verwaltung ist, weiß man spätestens

dann, wenn nichts mehr funktioniert. Aber ich denke, wir können

uns darauf einigen, das eine entwickelte Volkswirtschaft

an ihre Grenzen stößt, wenn alle sich nur noch gegenseitig verwalten,

weil niemand mehr produktiv tätig ist. Das wäre dann

der SPD-Staat.

Anfang des Monats erreichte uns die Nachricht, dass die Ausgaben

des Bundestages weiter steigen – und das bei deutlich

weniger Abgeordneten. Einer der größten Posten dabei: die

Reisekosten. Allein in den anderthalb Jahren zwischen Oktober

2023 und Februar 2025 genehmigten sich die Abgeordneten

546 Dienstreisen ins Ausland, wie aus einer Aufstellung der

damaligen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hervorgeht. Und

seit Dezember ist für Reisen von mehr als zwei Stunden endlich

wieder Businessclass drin, das hatte die Regierung Scholz aus

Spargründen gestrichen.

Auch die Ausgaben für die Bundestagsverwaltung steigen

munter weiter, weil bisher vakante Planstellen nachbesetzt werden.

„Warum die Bundestagsverwaltung diese Stellen trotz niedrigerer

Abgeordnetenzahl besetzen will, führte sie nicht aus“,

heißt es im Bericht des Bundesrechnungshofs zum Haushalt 2026.

Kein Wunder, dass die Regierung die Prüfbehörde zusammenstutzen

will. Solche Mäkelei von der Seite kann nun wirklich

niemand brauchen! 7

»Der schwarze Kanal«

jetzt auch als Podcast. Immer freitags mit den größten

Aufregern der Woche, den Auf- und Absteigern

und allem, was auf keinen Fall untergehen

sollte. Wie immer garantiert unbestechlich

und gnadenlos gerecht. Der QR-Code

führt direkt zum Podcast.

FOCUS 52/2025_01/2026 7


Meinung

STARKE STIMME

Korrupt und korrupter

In Russland und den USA bereichern sich

die Eliten immer schamloser, in der Ukraine

funktioniert immerhin die Kontrolle

Ersten, die geheime Offshore-Konten und Briefkastenfirmen nutzen,

um staatliches Vermögen in eigene Taschen umzuleiten.

Seit Jahren versucht er, seinen wahren Reichtum vor den einfachen

Russen zu verschleiern.

2021 veröffentlichte der russische Regimekritiker Alexej

Nawalny seine akribische Recherche mit dem Titel „Ein Palast

für Putin“. Die Dokumentation enthüllte ein Netzwerk aus

Schmiergeldern und Direktzahlungen an den russischen Präsidenten

– wesentlich weitreichender und dekadenter als der

Skandal, der nun in der Ukraine ans Licht kam.

Doch das Ergebnis war, das Nawalny verhaftet und in ein sibirisches

Lager geschickt wurde, wo er wenig später starb. Putin

behielt seine Gelder und seinen Palast, der über ein eigenes Eishockeyfeld

verfügt. Er unterband alle weiteren Nachforschungen

zu seinem Vermögen, ließ Demonstranten einsperren und

trieb kritische Journalisten aus dem Land.

US-Publizistin Anne Vor einigen Tagen telefonierte

ich mit Oleksandr

Applebaum wurde

mit dem Pulitzerpreis

Abakumow, einem leitenden

Ermittler des ukrai-

und dem Friedenspreis

des Deutschen Buchhandels

ausgezeichnet

nischen Nationalen Antikorruptionsbüros

NABU,

über seine Nachforschungen

zum jüngsten Bestechungsskandal

in der Ukraine. Dabei wurde ich immer neugieriger,

mehr über Abakumow selbst zu erfahren.

Denn während er mir seine Beweggründe schilderte, wurde

mir der Kontrast bewusst zwischen Menschen wie ihm – Beamten

und Aktivisten, die in der Ukraine seit zwei Jahrzehnten

Transparenz von ihren Politikern einfordern – und den amerikanischen

und russischen Unterhändlern, die sich kürzlich in Moskau

trafen, um über das Schicksal der Ukraine zu entscheiden.

Die Ukraine kämpft ums Überleben. Jede Nacht attackieren

russische Raketen ukrainische Städte. Aber selbst in diesen Zeiten

wollen die Menschen dort eine Regierung, die dem Volk

gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Unterdessen suchen amerikanische

und russische Kleptokraten nach Möglichkeiten, sich

zu bereichern.

Abakumow war bis 2014 Kriminalbeamter in Luhansk. Damals

führten Massenproteste in Kiew dazu, dass der korrupte, russlandfreundliche

Präsident Viktor Janukowitsch aus dem Land

floh. Die Ukraine bekam einen frei gewählten Präsidenten und

gründete neue Institutionen wie NABU.

Abakumow trat 2016 in Kiew die Stelle beim NABU an: Die Aufgabe

sei für ihn eine große Ehre, denn sie trage dazu bei, die Souveränität

der Ukraine zu bewahren. „Russland steht für Korruption

– aber wir sind nicht Russland“, sagte er mir.

Obwohl sie selbst Teil des Staatsapparats sind,

haben Abakumow und seine Kollegen dafür gesorgt,

dass nun Ermittlungen gegen Regierungsmitglieder

aufgenommen wurden, die Schmiergelder

in Millionenhöhe kassiert haben sollen.

Das beweist, dass das politische System in der

Ukraine gesetzestreu arbeitet.

Ihre Haltung unterscheidet sich diametral von

den Gegebenheiten in Russland. Von Anfang an

hat der russische Herrscher Wladimir Putin seine

Macht genutzt, um sich selbst und sein engstes

Umfeld zu bereichern. Putin gehörte zu den

»In den USA

wäre es derzeit

undenkbar,

dass das FBI

gegen Trumps

Umfeld

ermittelt«

Die US-Gesandten, die nun in Moskau am Verhandlungstisch

sitzen, sind natürlich keine brutalen Autokraten. Doch ebenso

wenig sind sie treue Staatsbeamte, die ausschließlich im

Sinne von Transparenz, Verantwortung und im Staatsinteresse

handeln. Die amerikanischen Gespräche mit Russland leiten

Steve Witkoff, ein Immobilienunternehmer, und Jared Kushner,

der Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump und Inhaber

einer Investmentfirma, die zwei Milliarden Dollar aus Saudi-

Arabien erhalten hat. Auf russischer Seite sitzt Kirill Dmitrijew,

Chef des staatlichen russischen Investmentfonds mit engen Verbindungen

zu seinem saudischen Pendant. Es heißt, er habe

Kushner bei Geschäften am Persischen Golf kennengelernt.

Kürzlich enthüllte das „Wall Street Journal“, dass die drei

Männer bereits im Oktober heimlich in Miami zusammentrafen.

Dabei sprachen sie nicht nur über das Schicksal der Ukraine,

sondern auch über mögliche künftige russisch-amerikanische

Handelsabkommen. Laut Informationen der Zeitung haben russische

Unternehmer aus Putins innerstem Kreis US-Firmen „Milliardendeals“

bei der Ausbeutung von seltenen Erden und im

Energiebereich in Aussicht gestellt, mit dem Ziel, „die wirtschaftliche

Landkarte Europas neu zu gestalten“ – und gleichzeitig

einen Keil zwischen die USA und ihre langjährigen Partner zu

treiben. Mehrere beteiligte Unternehmen sollen direkte Verbindungen

zur Familie von Donald Trump haben.

Witkoff und Kushner nehmen keine Schmiergelder aus Staatsaufträgen

an, wie es einigen ukrainischen Beamten derzeit vorgeworfen

wird. Die Art der Korruption, für die sie stehen, ist viel

tiefgreifender: Sie nutzen die Machtinstrumente der USA auf

eine Weise, die ihren Freunden und Geschäftspartnern zugutekommt,

während sie zugleich den eigenen Verbündeten und

dem Ansehen der USA schweren Schaden zufügen. Ein Interessenkonflikt

dieses Ausmaßes ist in der jüngeren

US-Außenpolitik beispiellos.

In der Ukraine hingegen ist es der Staat selbst,

der die Regierung, das Kabinett, sogar den engsten

Berater des Präsidenten durchleuchtet. In

den USA wäre es derzeit undenkbar, dass das

FBI unter Kash Patel gegen Trumps Umfeld

ermittelt. In Russland landet ohnehin jeder hinter

Gittern, der versucht, Putins Machenschaften

aufzudecken.

Korruption hat viele Gesichter – und nicht nur

das eine, das wir gerade in der Ukraine gesehen

haben. 7

© THE ATLANTIC

FOTO: CARL TIMPONE/BFA.COM/SHUTTERSTOCK

8 FOCUS 52/2025_01/2026


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Fotos des Jahres

MÄRZ

JANUAR

Im Feuer: In Los

Angeles brennt es

ab Anfang Januar

an mehreren Orten.

In Altadena fährt

ein Schaulustiger

trotz Verbots durch

die Straßen

Das neue Jahr beginnt wenig ermutigend. Menschen sterben, Präsidenten

In Trümmern:

Muslime im Gaza-

Streifen begehen

ihr Fastenbrechen.

Es ist ihr zweites

Iftar-Fest nach dem

Anschlag auf Israel

am 7. Oktober 2023

10 FOCUS 52/2025_01/2026


streiten, Muslime versuchen zu feiern, und eine Terroristin lächelt

FOTOS: JOSH EDELSON / AFP VIA GETTY IMAGES,

REUTERS/BRIAN SNYDER, OMAR AL-QATTAA/

AFP VIA GETTY IMAGES, RONNY HARTMANN/AFP

In Bedrängnis: US-

Präsident Donald

Trump und sein Vize

J. D. Vance beschämen

Wolodymyr

Selenskyj und verweisen

ihn dann

des Weißen Hauses

Hinter Panzerglas:

Am Landgericht

Verden beginnt der

Prozess gegen die

RAF-Terroristin Daniela

Klette. Über

dreißig Jahre war

sie untergetaucht

FEBRUAR APRIL

FOCUS 52/2025_01/2026 11


Fotos des Jahres

JULI

MAI

Im Vatikan: Papst

Leo XIV., der US-

Amerikaner Robert

Prevost, begrüßt

nach dem Konklave

vom Balkon des

Petersdoms die

Gläubigen

Im Frühling und Sommer wird viel miteinander gesprochen. Die großen

Am Start:

61 Unternehmen

gründen in Berlin

„Made for Germany“.

Die Initiative

will hierzulande

631 Milliarden Euro

investieren

12 FOCUS 52/2025_01/2026


innen- und außenpolitischen Fragen bleiben jedoch ungelöst

FOTOS: ALESSANDRA TARANTINO/DPA, REUTERS/

DAVID RYDER, JOHN MACDOUGALL/AFP, ANDREW

CABALLERO-REYNOLDS/AFP VIA GETTY IMAGES

In Wut: Beim

No Kings Day protestieren,

hier

in Los Angeles,

fünf Millionen

US-Amerikaner

gegen ihren

Präsidenten

Unter sich: Das

Treffen von US-

Präsident Trump

und Russlands

Machthaber Wladimir

Putin in Alaska

endet ohne konkrete

Ergebnisse

JUNI AUGUST

FOCUS 52/2025_01/2026 13


Fotos des Jahres

NOVEMBER

SEPTEMBER

Im Taumel:

Deutschland wird

Basketball-Europameister.

Nach

schwierigem Start

gewinnt das Team

im Finale mit 88:83

gegen die Türkei

Das Jahr endet mit sportlichen Siegen, menschengemachten

In Not: Durch Überschwemmungen

und Hochwasser

werden in Südostasien,

hier in Thailand,

Zehntausende

Menschen obdachlos,

etliche sterben

14 FOCUS 52/2025_01/2026


Tragödien und der Hoffnung auf ein friedlicheres 2026

FOTOS: TILO WIEDENSOHLER/DPA, REUTERS/HANNAH MCKAY,

ROYLEE SURIYAWORAKUL/REUTERS, OLEG PETRASIUK/

UKRAINIAN ARMED FORCES/HANDOUT VIA REUTERS

In Freiheit: Die israelischen

Zwillingsbrüder

Gali und

Ziv Berman sehen

einander nach

zwei Jahren als

Geiseln der Hamas

endlich wieder

Im Flug: Tauben

schwirren über der

von russischen

Truppen zerstörten

ukrainischen Stadt

Kostjantyniwka im

Donbass. Wann

kommt Frieden?

OKTOBER DEZEMBER

FOCUS 52/2025_01/2026 15


ieser Text

eigt evtl. Proleme

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ext an

Jetzt scannen

und reinhören!

Jeden Freitag überall, wo es Podcasts gibt.


FOTO: FELIX HÖRHAGER/DPA

Nachrichten

AUF EINEN BLICK: FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN AUS ALLER WELT

PODCAST

ON TOUR

„Machtmenschen“

wird

Live-Event

Im Jahr 2026

wählen Baden-

Württemberg,

Rheinland-Pfalz,

Sachsen-Anhalt,

Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

FOCUS

wird das Studio

verlassen und

den „Machtmenschen“-

Podcast in den

Bundesländern

aufzeichnen, in

denen die Wahlkämpfe

laufen.

Melden Sie sich

an und seien Sie

dabei. Überall, wo

es Podcasts gibt.

Kardinal Reinhard Marx feiert die heilige Messe im Münchner Dom

Hubertus Heil: »Eine stumme

Kirche ist eine dumme Kirche!«

POLITIK UND GLAUBE

tisch äußern sollten. Klöckner

hatte gewarnt, die Kirche werde

„austauschbar“, wenn sie sich

wie eine NGO zu tagesaktuellen

Themen positioniere. Als Beispiel

nannte die CDU-Politikerin das

Tempolimit: „Dafür zahle ich jetzt

Verteilung neu zugelassener

Pkw in

der EU nach Antriebsart

in Prozent

Alternative

Kraftstoffe

Batterieelektrisch

Plug-in-Hybrid

Hybrid

Diesel

Benzin

STATISTIK DER WOCHE

Der religions- und glaubenspolitische

Sprecher der

SPD-Bundestagsfraktion,

Hubertus Heil, hat die Kirchen

in Deutschland dazu

aufgerufen, sich stärker zu politischen

Fragen zu äußern. „Eine

politisch stumme Kirche ist eine

dumme Kirche“, sagte Heil im

Gespräch mit FOCUS.

Der frühere Arbeitsminister

betonte, es sei „wichtig und richtig“,

dass sich Kirchen in gesellschaftliche

und politische Debatten

einbrächten. „Ich würde mir

in dieser Zeit manchmal sogar

eine lautere Stimme der Kirchen

wünschen“, so Heil weiter.

Mit seinen Äußerungen widerspricht

der SPD-Politiker der Haltung

von Bundestagspräsidentin

Julia Klöckner, die eine Diskussion

darüber angestoßen hatte, in

welchem Maß sich Kirchen polinicht

unbedingt Kirchensteuer“,

sagte sie.

Die Evangelische Kirche hatte

2022 beschlossen, dass Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter bei

Dienstfahrten maximal 100 km/h

fahren dürfen. Zudem unterstützt

sie ein generelles Tempolimit von

120 km/h. Solche Stellungnahmen

zu gesellschaftlichen Fragen

sind in Deutschland längst üblich

– so hatten etwa vor der Fußball-

Weltmeisterschaft in Katar mehrere

Kirchenvertreter zu einem

Fernsehboykott aufgerufen.

Heil hält die Kritik an politischen

Äußerungen der Kirchen

grundsätzlich für verfehlt. „Als

Politiker sollte ich mir nie eine

bequeme Kirche wünschen“, sagte

der Sozialdemokrat mit Blick

auf Klöckners Aussagen. „Man

muss die Positionierung der Kirchen

ja nicht immer teilen – aber

kein Politiker sollte Kirchen vorschreiben

wollen, wozu sie sich

äußern und wozu nicht.“

Derzeit ist das Interesse an

kirchlichen Angeboten offenbar

wieder leicht gestiegen. Laut

einer aktuellen, repräsentativen

Umfrage der Bundeswehruniversität

München planen in diesem

Jahr 18 Prozent der Befragten, an

Weihnachten einen Gottesdienst

zu besuchen – zwei Prozentpunkte

mehr als im Vorjahr. Insgesamt

gehören in Deutschland

47,3 Millionen Menschen einer

Glaubensgemeinschaft an, darunter

19,8 Millionen Katholiken und

18 Millionen Protestanten. JCW

Verbrenner dominieren weiter den Pkw-Markt in der EU

2,8 3,0 3,0 3,1

9,1

8,9

19,8

19,6

39,9

12,1

9,4

22,7

16,4

36,4

14,6

7,7

25,8

13,6

35,3

13,6

7,1

30,9

11,9

33,3

2021 2022 2023 2024

Trotz Umweltaspekten und staatlicher Förderung für

E-Autos sind Verbrenner immer noch am beliebtesten

Quelle: statista / ACEA

FOCUS 52/2025_01/2026 17


Nachrichten

ZITAT DER

WOCHE

»Die Stimmung

ist extrem

negativ, teils

regelrecht

aggressiv«

So drastisch

schildert Peter

Leibinger, Präsident

des Bundesverbands

der

Deutschen Industrie

(BDI), die

Enttäuschung der

Wirtschaft über

das fehlende

Reformtempo der

Regierung von

Friedrich Merz

Allein in Berlin wurden vergangenes Silvester 363 Menschen verletzt

SILVESTER

Polizei warnt vor Gaspistolen

Die Gewerkschaft der Polizei

(GdP) warnt vor dem

Abfeuern von Schreckschusswaffen

in der Silvesternacht.

Viele dieser

Gaswaffen seien von scharfen

Pistolen oder Revolvern kaum

zu unterscheiden. „Dadurch

besteht die Gefahr einer Fehleinschätzung

durch Bevölkerung

und Polizei“, sagt Jochen Kopelke,

Bundesvorsitzender der GdP,

Die Aufsteigerin

Eigentlich überfällig. Wirtschaftsstaatssekretärin

und Chefin des Wirtschaftsflügels

der Union Gitta Connemann, 61,

soll beim nächsten Parteitag in das Präsidium

der CDU aufrücken – dem höchsten

Gremium der Christdemokraten.

zu FOCUS. Polizisten könnten

Schreckschusswaffen für echt

halten und Schützen verhaften –

im schlimmsten Fall auch unter

Einsatz der Dienstwaffe.

Schreckschusswaffen verschießen

im Unterschied zu scharfen

Waffen keine Projektile, sondern

Platzpatronen, Reizstoff- oder Signalmunition.

In Deutschland sind

Waffen und Munition ab 18 frei

verkäuflich. Abfeuern darf man

Der Absteiger

Welche Schande für einen Parlamentarier.

Im Garderobenbereich des Bundestages

soll der AfD-Abgeordnete Matthias

Moosdorf im Juni den Hitlergruß gezeigt

haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun

Anklage gegen 60-Jährigen erhoben.

sie aber nur auf dem eigenen

Grundstück. Als Ordnungswidrigkeit

werden Verstöße mit Geldbußen

bis zu 10 000 Euro geahndet.

Auch zu Silvester ist das Schießen

mit Schreckschusswaffen

in der Öffentlichkeit verboten.

Allerdings gibt es jährlich etliche

Verstöße. Aus diesem Grund

fordert Kopelke, einen sogenannten

Kleinen Waffenschein als Voraussetzung

für den Erwerb einzuführen.

Dieser ist bislang nur

notwendig, um die Waffen in der

Öffentlichkeit führen zu dürfen.

Ohne Beschränkungen, so Kopelke,

sei die Polizei „Böllern, Raketen,

Kugelbomben und Schreckschusswaffen

in der Nacht im

Einsatz ausgeliefert“.

Unterstützung bekommt er

aus der Politik. Millionen Schreckschusswaffen

im Umlauf zu belassen,

sei „sicherheitspolitisch

nicht tragbar“, sagt Marcel Emmerich,

innenpolitischer Sprecher

der Grünenfraktion im Bundestag.

„Dass hier nichts geschieht,

liegt an der Untätigkeit des Bundesinnenministers,

das Sprengstoffgesetz

und das Waffengesetz

nachzuschärfen.“

Nach Schätzungen des Waffenhändlerverbands

wurden in den

letzten 50 Jahren über 40 Millionen

Schreckschusswaffen in

Deutschland verkauft. Da sie

nicht registrierungspflichtig sind,

lässt sich nicht bestimmen, wie

viele funktionsfähige Schreckschusswaffen

in Umlauf sind. LUK

Der Einsteiger

Er ist der Mann für schwierige Fälle:

Ex-Chef der Arbeitsagentur, Hertie-

Stiftung, Bundeswehrstrukturreform,

Tarifverhandler. Jetzt soll Frank-Jürgen

Weise, 74, für die Union den Co-Vorsitz

der Rentenkommission übernehmen.

FOTOS: ULLSTEIN BILD/SNAPSHOT-PHOTOGRAPHY,

DPA, IMAGO IMAGES

18 FOCUS 52/2025_01/2026


Politik

MACHTMENSCHEN

»Mein Vater wollte,

dass ich was

Vernünftiges lerne«

Bischöfin Kirsten Fehrs,

EKD-Ratsvorsitzende

FOTOS: HENDRIK SCHMIDT/DPA, AUSTRALIAN

PRIME MINISTER OFFICE/AP/DPA

Sie ist seit über einem Jahr die

Ratsvorsitzende der Evangelischen

Kirche in Deutschland und damit

höchste Repräsentantin der

rund 18 Millionen Protestanten in

Deutschland. Im „Machtmenschen“-Podcast

spricht die

64-Jährige mit FOCUS-Chefredakteurin

Franziska Reich über

ihre Kindheit und Jugend in

Schleswig-Holstein, den Entschluss,

Pfarrerin zu werden, und

schließlich über die Herausforderungen

in ihrem derzeitigen Amt:

Die Aufarbeitung der zahlreichen

Missbrauchsfälle in der

Vergangenheit, die Positionierung

der Kirche in kriegerischen Auseinandersetzungen

oder auch

die wachsende Zahl derer, die

der Kirche als Institution den

Rücken kehrt. Kirsten Fehrs

erklärt, wann sich Kirche einmischen

muss auch in quasi weltliche

Belange. Hier vertritt die

Ratsvorsitzende eine gänzlich

andere Haltung als Bundestagspräsidentin

Julia Klöckner, die

kritisiert hatte, dass Kirchen

mitunter wie NGOs auftreten.

»Machtmenschen« Was bewegt diejenigen,

die unser Land prägen?

Jede Woche lädt Chefredakteurin Franziska

Reich Frauen und Männer zum

Gespräch, um dieser Frage nachzugehen.

Überall, wo es Podcasts gibt

AUSTRALIEN

Sein Leben für andere eingesetzt

Im Krankenzimmer eines Sydneyer Krankenhauses beugt

sich Australiens Premierminister Anthony Albanese über

das Bett von Ahmed al-Ahmed, jenem Mann, den viele inzwischen

den „Helden von Bondi Beach“ nennen. Der Regierungschef

hält die Hand des 43-Jährigen, der einen der Attentäter

des Anschlags auf die Chanukka-Feier entwaffnet

hatte und dabei schwer verletzt wurde. Zwischen Infusionsständer,

Monitoren und einem Strauß weißer Blumen bedankt

sich Albanese sichtbar bewegt für den Mut des zweifachen

Vaters, dessen Eingreifen nach Behördenangaben

wohl zahlreiche Menschenleben gerettet hat. Australiens

Premierminister bedankt sich bei einem verletzten Migranten

aus Syrien, der dem Hass gegen Juden entgegengetreten

ist und dafür selbstlos sein Leben riskiert hat.

Premier Anthony

Albanese am

Bett von Ahmed

al-Ahmed

FOCUS 52/2025_01/2026 19


Nachrichten

DAS KAUFE ICH JETZT

Süss MicroTec

kommt aus dem Tal

Der Finanztipp von Andreas Körner,

Chefstratege Alpha Cap Report und Ex-

Wertpapierhändler

ZAHL DER

WOCHE

4,2 Mrd.

Euro erbeuteten

Betrüger 2024

mit Bankkarten

und Überweisungen

in der

Euro-Zone. 2023

waren es noch

3,5 Milliarden. Die

meisten Betrugsfälle

entfielen auf

Überweisungen,

oft als Folge

sogenannter

Phishing-Angriffe.

Schluss mit dem Doppeljob: Oliver Blume ist im neuen Jahr nur

noch VW-Chef, den CEO-Posten bei Porsche gibt er ab

OLIVER BLUME, BALD NUR NOCH VW-CEO

»Porsche wird für immer in

meinem Herzen bleiben«

Herr Blume, wie lautet Ihre Bilanz

nach zehn Jahren als Porsche-Chef?

Es war vor allem eine großartige

Teamleistung. Die zehn Jahre waren

spannend, herausfordernd und

haben sehr viel Freude bereitet. Für

Porsche war es das mit Abstand erfolgreichste

Jahrzehnt der Unternehmensgeschichte:

bei den Produkten,

im Motorsport und auch aus

wirtschaftlicher Sicht. Im Durchschnitt

lag die jährliche Rendite

über 16 Prozent, das operative

Ergebnis bei rund fünf Milliarden

Euro pro Jahr. Acht der vergangenen

zehn Jahre waren finanzielle

Rekordjahre.

Zuletzt hat Porsche eher negative

Schlagzeilen gemacht.

Ich würde sagen: positive und negative.

Unsere neuen Produkte erfahren

eine hervorragende Resonanz.

In den letzten Monaten der neue

911 Turbo S und der neue elektrische

Cayenne. Porsche setzt den

Maßstab bei Verbrennern und in

der Elektromobilität.

Die Zahlen sind weniger erfreulich.

Natürlich ist die finanzielle Lage

aktuell extrem angespannt. Das gilt

für die gesamte Industrie und ganz

besonders für Porsche. Wir haben

seit jeher ein klares Bekenntnis zum

Standort Deutschland. Hierzulande

haben wir über die Jahre Tausende

neuer Arbeitsplätze geschaffen.

Die globalen Handelskonflikte

bringen Porsche in eine schwierige

Sandwich-Position. Wir exportieren

den Großteil unserer Fahrzeuge

aus Europa nach China und

in die USA. Der chinesische Luxusmarkt

ist in kurzer Zeit um über

80 Prozent eingebrochen. In den

USA haben wir zeitweise 27,5 Prozent

Zölle gezahlt, aktuell sind es

15 Prozent. Die beiden größten

Einzelmärkte machen weit über

50 Prozent des Porsche-Absatzes

aus. Das setzt uns massiv unter

Druck. Wir haben gehandelt und

Porsche zukunftsfest ausgerichtet.

Wie wird Ihre Rolle künftig

aussehen?

Ich fokussiere mich auf meine

CEO-Aufgabe im VW-Konzern –

und wirke noch stärker markenübergreifend.

Wir haben dort bereits

wichtige Weichen gestellt

und gute operative Fortschritte

gemacht. Sichtbar und messbar.

Porsche bleibe ich in der Konzernrolle

eng verbunden, die Sportwagenmarke

hat mich geprägt und

wird für immer in meinem Herzen

bleiben.

GM

„In den USA ist es ausschließlich der

Bereich KI, der die Konjunktur treibt

und bisher eine Rezession verhindert

hat“, erklärt der Chef von DJE

Kapital, Jens Ehrhardt. Er erwartet in

den nächsten Jahren in diesem Segment

Investitionen von bis zu fünf

Billionen Dollar. Das könnte auch

dem Zulieferer für die Chipindustrie

Süss MicroTec, der auch an Schwergewichte

wie Nvidia verkauft, wieder

auf die Sprünge helfen. Konkret

stellt die Firma aus Garching bei

München unter anderem Anlagen

für die Lithografie oder für das Zusammenfügen

von Platinen her.

Nach zwei sehr guten Geschäftsjahren

2023 und 2024 war die Aktie

kräftig gestiegen und korrigierte

heftig, als im ersten Halbjahr 2025

die Auftragseingänge schwächelten.

Jetzt sehen Experten Besserung.

Die Zeiten sinkender Gewinnerwartungen

seien vorüber, heißt es etwa

bei Oddo BHF. Die Privatbank hob

ihre Gewinnerwartungen für 2026

um 15 Prozent an. Ein bis 2030 laufendes

Effizienzprogramm sei aussichtsreich.

Auch ist der Titel nun

mit einem 2026er-KGV von 15 sehr

günstig (ISIN: DE000A1K0235).

Süss MicroTec

Aktienkurs in Euro

2021 22 23 24 25

Quelle: Finanzen 100

60

40

20

20 FOCUS 52/2025_01/2026


Wirtschaft

KRANKE ZUM RAPPORT

Jagd auf Blaumacher

RÜSTUNG

Massenfertigung von

Drohnen in Deutschland

FOTOS: DPA (3), GETTY IMAGES

Die historisch hohen Krankenstände

in deutschen

Unternehmen zwingen die

Arbeitgeber zu Gegenmaßnahmen.

Blaumachern

geht es demnach an den Kragen,

wie eine FOCUS-Umfrage ergeben

hat. Wer auffällig oft am Montag

oder Freitag fehlt, muss vielerorts

zum Rapport. Die Auto- wie

die Chemieindustrie greift verstärkt

zu diesem Mittel, Großkonzerne

wie BMW oder BASF vorneweg.

Auch Familienunternehmen

wie der Maschinenbauer

Trumpf bitten zum „fürsorglichen

Gespräch“, wenn Krankmeldungen

häufig montags oder freitags

eintreffen. „In mehreren Runden

wird dann mit dem Mitarbeiter da-

Die Fehlzeiten in Deutschland sind historisch hoch

KREUZFAHRTINDUSTRIE

rüber gesprochen“, sagt Trumpf-

Chefin Nicola Leibinger-Kammüller.

Die IG Metall-Vorsitzende

Christiane Benner, ehemals im

Aufsichtsrat von BMW, lobt die

dort praktizierte „Kultur des Hinschauens“

bei häufigen Absenzen

rund ums Wochenende. Um

die Krankheitskosten zu dämpfen,

fordert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer

der Vereinigung

der Bayerischen Wirtschaft, die

Abschaffung der elektronischen

Krankschreibung und die Einführung

eines Karenztages: „Die

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

sollte erst ab dem zweiten Krankheitstag

gelten. Das würde die

Kosten für die Firmen erheblich

dämpfen.“

GM/UTZ

Milliardendeal für Meyer Werft

Die Papenburger Meyer Werft erhält von der Schweizer Kreuzfahrtreederei

MSC Cruises einen Auftrag im Wert von bis zu zehn Milliarden Euro.

Der Großauftrag umfasst vier bis sechs Schiffe. Damit dürfte das niedersächsische

Unternehmen bis 2035 ausgelastet sein. 2024 war das ehemalige

Familienunternehmen unter anderem wegen Missmanagement in finanzielle

Schwierigkeiten geraten. Der Bund und das Land Niedersachsen übernahmen

für 400 Millionen Euro jeweils 40 Prozent der Anteile und bürgten für

Kredite über 2,6 Milliarden Euro. Für die Realisierung des Milliarden-Auftrages

wird der designierte Chef der Werft verantwortlich sein, der jetzige Airbus-

Manager André Walter.

SUN

Frontline-Landdrohne Buria: Quantum

Systems und der ukrainische Hersteller

wollen eng zusammenarbeiten und

Kow-How austauschen

Der deutsche Hersteller

Quantum Systems und das

ukrainische Unternehmen

Frontline Robotics haben ein

Joint Venture gegründet

und starten die Produktion

von mehreren 10 000 Drohnen

pro Jahr in Deutschland.

Insgesamt geht es um ein

Volumen im dreistelligen Millionenbereich.

Bei den ferngesteuerten

Flug- und Landgeräten

handelt es sich um

die auf dem Schlachtfeld erprobte

Logistikdrohne Linsa,

die Aufklärungsdrohne

Zoom und den mobilen Geschützturm

Buria. Das Vorhaben

fügt sich in die neue

Rüstungskooperation zwischen

Deutschland der Ukraine

ein. Unter anderem soll in

Berlin ein Büro der ukrainischen

Verteidigungsindustrie

eröffnet werden.

KOPF DER

WOCHE

Elon Musk,

SpaceX-Gründer

Anfang der

Woche überstieg

das Vermögen

des exzentrischen

Tech-

Pioniers laut

„Forbes“ erstmals

die Marke von

600 Milliarden

Dollar. Der Grund

waren neue Berechnungen

des

Werts von Musks

Raumfahrt-Unternehmen

SpaceX.

Musk führt damit

die Liste der

reichsten Menschen

auf dem

Globus an.

FOCUS 52/2025_01/2026 21


Nachrichten Wissen

ARCHÄOLOGIE

Partyboot aus

der Antike

ZAHL DER

WOCHE

4,6

Jahre Leben

kostet Ruhm als

Musikgröße.

Stars haben laut

einer neuen Studie

ein 33 Prozent

höheres Sterberisiko

als unbekannte

Sängerinnen

und Sänger

Quelle: Universität

Witten/Herdecke

Laute Musik, viel Essen und

Alkohol gehören auf Partybooten

zum Ambiente.

Eine Erfindung der Neuzeit

sind sie nicht. Schon Kleopatra

schipperte wohl einst mit

einem Vergnügungsschiff, um

Julius Cäsar ihr Reich zu präsentieren.

Zum ersten Mal sind Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler

nun auf Überreste einer

solchen Barke gestoßen.

Auf dem Grund des Hafens der

ägyptischen Stadt Alexandria,

wo einst die heute überflutete

Königsinsel Antirhodos lag, barg

ein Team um Franck Goddio vom

Europäischen Institut für Unterwasserarchäologie

ein gut erhaltenes

Wrack. Das Schiff sei etwa

35 Meter lang und rund sieben

Meter breit gewesen. „Es dürfte

eine luxuriös ausgestattete Kabine

gehabt haben und wurde

offenbar nur mit Rudern angetrieben“,

heißt es auf Goddios Homepage.

Eine griechische Inschrift

auf dem Mittelteil datiere es auf

die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts.

Der Fundort des Schiffes

könne auf eine Verbindung zum

Tempel der ägyptischen Göttin

Isis hindeuten, der vor 2000 Jahren

auf der Insel Antirhodos stand,

so Goddios Theorie. Das besonders

prächtige Boot könnte demnach

auch zu rituellen Zwecken

genutzt worden sein, um die Herrin

der Meere zu feiern. ALIR

Taucher entdeckten bei Alexandria ein

„Thalamegos“, ein prunkvolles Nilschiff

BUNTER HÜPFER

Weniger als 14 Millimeter misst der frisch entdeckte Minifrosch

„Brachycephalus lulai“. Zu seiner leuchtend bunten

Familie zählen weitere 42 Arten, die auf Berggipfeln im Süden

Brasiliens leben. Das schwer zugängliche Gebiet ist nahezu

menschenleer und auch daher besonders artenreich.

Das Sterben der Gletscher

Weltweit könnten bis Ende

des Jahrhunderts nur

noch 18 000 von heute

über 200000 Gletschern

übrig sein. Das prognostiziert

eine neue Studie

für den Fall, dass sich

Klima um vier Grad

erwärmt. Selbst bei

den unwahrscheinlichen,

von der Weltgemeinschaft

anvisierten

1,5 Grad

würden wohl nur

100000 Gletscher

überleben. Errechnet

hat die Werte ein internationales

Team unter der

Leitung der Eidgenössische Technische

Hochschule Zürich. Als

Grundlage dienten klimatische

Entwicklungen sowie derzeitige

Maßnahmen.

Bei der aktuellen Klimaschutzpolitik

geht die Forschung davon

KLIMA

aus, dass sich die Erde um 2,7 Grad

erwärmt. In 75 Jahren gäbe es

in Mitteleuropa dann nur noch

110 Gletscher, drei Prozent der

heutigen Anzahl. Bei einem Anstieg

von vier Grad wären es

nur noch 20 Gletscher. In

diesem Extremfall würden

die amerikanischen

Rocky Mountains

bis 2100 rund

99 Prozent, die südamerikanischen

Anden 94 und Zentralasien

96 Prozent

des Eises verlieren.

Bei einem Temperaturanstieg

von 1,5 Grad blieben

in Amerika 25 Prozent, in den

anderen beiden Regionen etwa

43 Prozent der Eismassen. Gletscher

haben je nach Größe und

Lage Einfluss auf Meeresspiegel,

Trinkwasserversorgung sowie

den Tourismus.

ALIR

FOTOS: LUIZ FERNANDO RIBEIRO/UNESP/DPA, CHRISTOPH GERIGK /

FRANCK GODDIO /HILTI FOUNDATION, ISTOCKPHOT

22 FOCUS 52/2025_01/2026


Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

ANZEIGE

Text an

Für eine rauchfreie Welt

Wenn es eine

Lösung gibt –

warum nicht

handeln?

„Es gehört oft mehr Mut dazu, seine

Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.“

Friedrich Hebbel, deutscher Dramatiker und Lyriker

Mutig zu denken und zu handeln, erfordert Offenheit.

Es bedeutet, umzudenken sowie den Wandel zu wagen

und zu gestalten – für eine bessere Zukunft.

BAT verfolgt ein klares Ziel: A Better Tomorrow.

Wir wollen die gesundheitlichen Folgen unseres Geschäfts

minimieren – durch risikoreduzierte Alternativen für

erwachsene Konsumentinnen und Konsumenten. Dafür

braucht es ein Umfeld, das die Risiken des Rauchens klar

benennt und gleichzeitig bessere Optionen bietet.

Wir glauben: Deutschland kann rauchfrei werden.

Aber dafür müssen wir gemeinsam handeln – mit dem Mut,

die Industrie als Teil der Lösung zu sehen. Fakt ist, dass

Schweden, wo überzeugende Alternativen wie tabakfreie

Nikotinbeutel zur Verfügung stehen, kurz davor ist, rauchfrei

zu werden. Wir haben jetzt eine gesundheitspolitische Chance.

Nutzen wir sie. Auch in Deutschland.

British American Tobacco (Germany) GmbH, Alsterufer 4, 20354 Hamburg

Politische Werbung

Der Auftraggeber ist die British American Tobacco (Germany) GmbH, Teil der British American Tobacco (Industrie) GmbH.

Die Anzeige bezieht sich auf eine mögliche Regulierung von tabakfreien nikotinhaltigen Produkten in Deutschland.

Vollständige Transparenzinformationen sind über den QR-Code erhältlich.


ieser Text

eigt evtl. Proleme

beim

ext an

Wo ist die Mitte?


Hier sind die Fakten.


Politik

Richtungsweisend:

Bundeskanzler

Friedrich Merz

empfängt die US-

Gesandten Steve

Witkoff (Mitte) und

Jared Kushner

26

FOCUS 52/2025_01/2026


Europas Kanzler

FOTO: MICHAEL KAPPELER/DPA

Endlich nimmt Deutschland die europäische

Führungsrolle an. Doch wie kann Friedrich Merz

eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg erreichen?

Text von Marc Brost, Julian Hans, Jan-Philipp Hein und Alisha Mendgen

FOCUS 52/2025_01/2026 27


Politik

Nonsecep udigniendi dollenet ommodit quid quam

rese coribearum eum quatecaesero eum facipis cus nihiliat

W

Wie aus dem Krieg in der Ukraine

ein dauerhafter Frieden wird, darüber

haben wenige Sicherheitsexperten

so früh nachgedacht wie

Claudia Major. Vor anderthalb Jahren

formulierte sie in einem Essay

im FOCUS die Schlüsselmomente

auf dem Weg zu einer Waffenruhe.

Sie gelten bis heute. Ganz wichtig

sei „eine verlässliche Absicherung

der Ukraine für den Fall, dass

Russland sich nicht an Abmachungen

hält“, schrieb Major. Vor allem

aber müsse sich das Aufhören für

alle Kriegsparteien lohnen: „Diesen

Moment zu erkennen, ist schwierig,

nicht immer lässt sich der aufrichtige

Wunsch nach Verhandlungen

von rein taktischen Angeboten

unterscheiden.“

Anruf bei Claudia Major am

Dienstagmorgen dieser Woche:

Wie blickt sie auf die vergangenen

48 Stunden im Berliner Kanzleramt,

auf die Gespräche zwischen der

Ukraine, den europäischen Staatsund

Regierungschefs und den Sondergesandten

der USA? Wie viel

Aufrichtigkeit steckte in den Verhandlungen,

wie viel Taktik?

„Es ist schon ein Fortschritt, dass

sich Europa, die Ukraine und die

USA weitgehend auf eine Position

verständigt haben“, sagt die Vizechefin

des German Marshall Fund.

„Doch wenn Russland sich nicht bewegt,

wird nichts passieren.“

So ist das also am Ende einer

diplomatisch beeindruckenden Woche,

nach den schlau inszenierten

Gesprächen von Berlin: Es ist jetzt

völlig klar, dass die Europäer nicht

tatenlos zusehen werden, wie die

USA und Russland über die Zukunft

der Ukraine verhandeln. Und es ist

auch für jedermann klar, dass der

deutsche Bundeskanzler eine Führungsrolle

unter den europäischen

Spitzenpolitikern beansprucht; dass

Friedrich Merz diese Rolle annehmen

und ausfüllen will. Insofern hat

sich tatsächlich etwas getan. Doch

was könnte Wladimir Putin jetzt

dazu bringen, die Waffen endlich

schweigen zu lassen?

Verzicht auf Folklore

Wer dem Kanzler dieser Tage genau

zuhört, der erkennt, wie ernst er

die Lage einschätzt. Die Europäer

müssten sich auf eine „fundamentale

Veränderung des transatlantischen

Verhältnisses“ einstellen,

hatte Merz ausgerechnet auf dem

CSU-Parteitag, kurz vor den Ukraine-Gesprächen

in Berlin, gesagt.

In München verzichtete er auf Parteitagsfolklore

– es war seine letzte

Gelegenheit für eine Grundsatz-

2

3

Im Kanzleramt:

Der ukrainische

Staatschef Wolodymyr

Selenskyj

mit Spitzenpolitikern

Europas

Belarus

4

Um diese ukrainischen Gebiete

wird gekämpft

von Russland annektiert

und besetzt

von Russland annektiert, aber

von der Ukraine gehalten

Kiew

Saporischschja

Odessa

Sumy

Charkiw

UKRAINE

16. Dezember 2025

300 km

Cherson

RUSSLAND

Donezk

Luhansk

Krim

2014 von Russland

annektiert

Quelle: ISW – Institute for the Study of War

5

28 FOCUS 52/2025_01/2026


Ukraine

FOTO: JESCO DENZEL/BUNDESREGIERUNG

rede vor den Verhandlungen. „Die

Jahrzehnte der Pax Americana sind

für uns in Europa und auch für uns

in Deutschland weitestgehend vorbei“,

sagte er.

Es gab nicht den einen Moment,

in dem Merz spürte, dass er handeln

müsse. Vielmehr waren es mehrere

Entwicklungen – die neue amerikanische

Sicherheitsstrategie, der massiv

gestiegene Druck von Donald

Trump auf die Ukraine, die gefährliche

Lage auf dem Schlachtfeld

und die innenpolitische Stimmung

in Deutschland, wo sich immer mehr

Menschen eine rasche Waffenruhe

wünschen –, die alle nur einen

Schluss zuließen: Wenn Deutschland

die Verhandlungen über einen

Frieden nicht an sich ziehe, würden

Putin und Trump die Dinge unter

sich ausmachen. Und die Ukraine

6

Ein Treffen,

mehrere

Interessen

Der finnische

Präsident

Alexander Stubb

muss die längste

Grenze eines

Nato-Landes zu

Russland beschützen:

rund

1300 Kilometer

2 Polens Regierungschef

Donald

Tusk hat als Nachbar

größtes Interesse

daran, dass

die Ukraine gegen

Russland besteht

3 Frankreichs

Präsident Emmanuel

Macron steht

innenpolitisch

unter Druck – für

die Ukraine übernimmt

er die Rolle

des diplomatischen

Antreibers

4 Im September

überflogen Drohnen

dänische

Flughäfen und

Militäranlagen.

Ministerpräsidentin

Mette Frederiksen

fordert

ein härteres Vorgehen

gegen

Russland

5 Steve Witkoff

und Jared

Kushner, die beiden

US-Repräsentanten,

sind

als Einzige keine

Politiker – die

Geschäftsleute

dürften allerdings

die reichsten

Teilnehmer der

Gespräche sein

6 Die Italienerin

Giorgia Meloni

muss sich als

Ministerpräsidentin

gegen ihren

Vize Matteo Salvini

durchsetzen,

der Hilfen für die

Ukraine ablehnt

und Europa? Dürften bloß noch die

Scherben aufsammeln.

In offiziellen Stellungnahmen

hatte die Bundesregierung die neue

US-Sicherheitsstrategie zunächst

heruntergespielt. Außenminister

Johann Wadephul (CDU) sagte,

manche Sätze würden Fragen aufwerfen,

die Vereinigten Staaten

stünden aber klar zur Nato. Der

Kanzler jedoch denkt längst über

die Zeit nach Donald Trump nach:

Wer folgt auf ihn? Merz glaubt

wohl: nichts Gutes. US-Vizepräsident

J. D. Vance steht Europa noch

feindlicher gegenüber als der Präsident.

Im Kanzleramt erinnert man

sich gut an dessen Rede Anfang des

Jahres auf der Münchner Sicherheitskonferenz

– sie lieferte Merz

einen zusätzlichen Grund, die deutschen

Verteidigungsausgaben von

der Schuldenbremse auszunehmen.

Und so wird der Kanzler derzeit

von drei zentralen Zielen geleitet:

die europäische Perspektive der

Ukraine zu sichern, die Nato nach

einem Waffenstillstand zu stärken –

und gleichzeitig Europa zusammenzuhalten.

Wie sehr die Europäische Union

unter Druck ist und wie brutal die

Fliehkräfte innerhalb der Staatengemeinschaft

bereits sind, zeigt das

zweite große Ereignis dieser Woche

– der Europäische Rat in Brüssel.

Denn neben den stetig wachsenden

Kosten der Unterstützung für die

Ukraine machen den Regierungen

überall in der EU die stark wachsenden

und meist prorussischen Rechtsaußen-Parteien

große Probleme.

Am Donnerstag (nach Redaktionsschluss

dieser Ausgabe) sollte die

Entscheidung über die Nutzung des

in der EU eingefrorenen russischen

Staatsvermögens fallen. Doch solche

gemeinsamen Entscheidungen werden

immer schwieriger, nationale

Interessen dominieren (siehe auch

„Alarmstufe Rot“, Seite 32).

Europa realisiert gerade, dass die

eigene Russland-Strategie sich mittlerweile

gegen die EU selbst richtet.

Mit fast 20 Sanktionspaketen, finanzieller

Unterstützung der Ukraine in

Milliardenhöhe und moderaten Waffenlieferungen

sollte Wladimir Putin

zur Einsicht gebracht werden, dass

eine Fortsetzung des Krieges sich für

ihn nicht lohne – aber nun sind es die

Europäer, die von Monat zu Monat

stärkeren Druck verspüren. Das ist

der Grund, warum man (ebenso wie

die Ukraine) inzwischen zu immer

größeren Konzessionen an Russland

bereit ist. Waren territoriale Zugeständnisse

der Ukraine anfangs ausgeschlossen,

liegen diese nun auf

dem Tisch. Die Nato-Mitgliedschaft

des angegriffenen Landes Ukraine?

Hat sich faktisch erledigt.

Witkoff und Kushner hörten zu

Die Berliner Verhandlungen dienten

in erster Linie dazu, die Vereinigten

Staaten an der Seite der

Ukraine und Europäer zu halten.

So gilt es im Kanzleramt schon als

Erfolg, dass die amerikanischen

Unterhändler Steve Witkoff und

Jared Kushner den Ukrainern und

Europäern überhaupt zugehört

haben – und dass die USA offenbar

weitreichende Sicherheitsgarantien

unterstützen wollen. In

der Bundesregierung glaubt man

aber nicht daran, dass Putin aktuell

einem Deal zustimmt, der mit echten

Zugeständnissen für ihn verbunden

wäre. Oder vielleicht doch?

Weltpolitik, wie Wladimir Putin

sie sich vorstellt, läuft so: Die Führer

der Großmächte besprechen

die Ordnung der Welt untereinander

wie einst Roosevelt, Churchill

und Stalin auf der Konferenz von

Jalta 1945 – bevor die internationalen

Beziehungen durch Abkommen

und Institutionen immer stärker

geregelt wurden. Das Gefühl, dass

diese Regeln ein Korsett seien, das

den Handlungsspielraum mächtiger

Nationen unangenehm einschränke,

teilen Putin und Trump.

Insofern ist es logisch, dass sie in

der Ukraine-Frage ihre diplomatischen

Apparate, die Spezialisten

für all diese Regeln und Abkommen

sind, aufs Nebengleis gestellt

haben. Für Trump sondieren der

Immobilieninvestor Steve Witkoff

und sein Schwiegersohn Jared

Kushner. Auf russischer Seite verhandelt

statt Sergej Lawrow, dem

dienstältesten Außenminister der

Welt, ein russischer Investmentbanker:

Kirill Dmitrijew. In dieser Logik

bietet sich eine Einigung an, bei der

die Ukrainer und die Europäer zahlen

und Amerikaner und Russen sich

die Profite teilen.

FOCUS 52/2025_01/2026

29


Politik Ukraine

Warum also sollte Putin überhaupt

von seinen Maximalforderungen

abweichen?

Seit Monaten beteuert der russische

Staatspräsident seine grundsätzliche

Bereitschaft für einen Frieden,

um Donald Trump gewogen zu

halten – immer mit dem Nachsatz, es

gebe „Nuancen“ oder „Details“, die

zu klären seien. Zu diesen „Nuancen“

gehört all das, was Moskau

die „Grundursachen des Konflikts“

nennt. Sie dürften der eigentliche

Knackpunkt für beide Seiten sein.

Russland will mitreden

Denn zu den „Grundursachen“

zählt laut Moskau, dass in Kiew

angeblich eine illegitime Regierung

aus korrupten Faschisten herrsche,

unter dem Schutz des Westens. Man

möchte also mitreden dabei, wer

die Ukraine regiert, und jederzeit

Einfluss darauf nehmen – so wie

es Moskau bis 2014 in der Ukraine

ganz selbstverständlich tat und bis

heute in vielen ehemaligen Sowjetrepubliken

ebenso selbstverständlich

tut. Hier allerdings verläuft für

die Ukrainer die rote Linie: Während

Gebietsabtretungen aktuellen

Umfragen zufolge für eine Mehrheit

der Ukrainer akzeptabel wären,

solange im Gegenzug garantiert

sei, dass Moskau nicht wieder neu

angreifen werde, würde die ukrainische

Gesellschaft keiner Lösung

zustimmen, die sie erneut dem russischen

Einfluss aussetzt.

Als gelernter KGB-Agent versteht

sich Putin darauf, seine Absichten

im Ungefähren zu lassen

und je nach Kontext und Adressat

unterschiedliche Ziele zu formulieren.

Da ist zunächst das Ziel, das er

für das heimische Publikum formuliert

hat: Demnach wurde der Feldzug

notwendig, um einem Angriff

von Ukrainern und Nato zuvorzukommen.

In dieser Lesart der staatlichen

Propagandamedien führt

Russland keinen Angriffskrieg, sondern

eine „Spezialoperation“ mit

dem Ziel, einen Krieg zu beenden,

den die Führung in Kiew angeblich

2014 gegen die eigene Bevölkerung

im Donbass angezettelt hat.

Dass die Tötung Hunderttausender,

die Austilgung ganzer Städte

und die tägliche Bombardierung

von Wohngebieten dem Frieden

dienen, glauben höchstens diejenigen,

die sich komplett der

russischen Propaganda ergeben

haben. Dennoch muss man feststellen:

Dieses vorgebliche Ziel hat

Putin nicht erreicht. Im Gegenteil:

Die Zerstörung und das Leid sind

unendlich größer als während der

ersten acht Jahre der verdeckten

Invasion durch Russland. Natürlich

machen die Kreml-Medien dafür

die westlichen Verbündeten der

Ukraine verantwortlich. Tatsächlich

kämpfe man längst gegen die

Nato, heißt es.

Auf einer zweiten Ebene steht der

Anschluss von Donezk, Luhansk,

Cherson und Saporischja, verbunden

mit einer Anerkennung der

Krim als russisch. Das ist das Ziel,

das Putin ins Gesetz schreiben ließ

und das er nicht ohne Weiteres aufgeben

kann. Eine Einigung, die

Russland die Krim sowie die vier

formal annektierten Gebiete überließe

– in welcher rechtlichen Form

auch immer –, könnte von Putin als

Sieg in der „Spezialoperation“ verkauft

werden.

Wer aber glaubt, dass Putin mit

Gebietsgewinnen zufrieden wäre

und von weiteren militärischen

Abenteuern absehen würde, der hat

vergessen, was der russische Präsident

im Dezember 2021 in zwei

Forderungskatalogen an die Adresse

der USA und der Nato verlangte:

die Rückabwicklung der Nato-

FOCUS-

LESER-

DEBAT TE

Soll die Ukraine

auf Gebiete

verzichten?

Schreiben Sie

uns an leserbriefe@

focusmagazin.de

Putins Show:

Öffentlich bespricht

der

Kreml-Herrscher

mit Militärs die

angeblichen

Kriegserfolge

Selenskyjs

Faktencheck:

Der ukrainische

Präsident reist

an die Front –

und entlarvt

Putins Lügen

Osterweiterung auf den Stand von

1997. 16 Staaten wurden seitdem

in das Bündnis aufgenommen. Insbesondere

Polen und die baltischen

Staaten, die sich besonders bedroht

fühlen, wären ohne Schutz. Mitteleuropa

würde wieder zur Einflusszone

Moskaus.

Ersten Regionen geht das Geld aus

Weitermachen wie bisher ist für

Putin kein bedrohliches Szenario.

Zwar ist der Boom, den die Aufrüstung

der russischen Volkswirtschaft

2023 und 2024 beschert hat, vorbei.

Die zivile Wirtschaft befindet sich in

der Rezession, die von Washington

im Oktober eingeführten Sekundärsanktionen

gegen Käufer russischen

Öls haben zu einem weiteren

Rückgang der Einnahmen

im Staatshaushalt geführt. Ersten

Regionen geht das Geld aus,

um Anwerbeprämien für Soldaten

und das sogenannte „Sarggeld“ für

Hinterbliebene zu zahlen.

Das Volk mag über steigende

Preise stöhnen, vermeidet es aber,

die negativen Auswirkungen auf

das eigene Leben als direkte Auswirkung

der Kriegspolitik des Präsidenten

zu deuten. In mehr als

25 Jahren mit Wladimir Putin haben

die Menschen geübt, sich aus der

Politik herauszuhalten. Insbesondere

nach der Ausreisewelle der

aktivsten Vertreter der Zivilgesellschaft

im Herbst 2022 ist von Proteststimmung

weit und breit nichts

zu spüren. Putin kann also vorerst

weiter Krieg führen, ohne auf Wirtschaft

und Gesellschaft Rücksicht

nehmen zu müssen.

Am Dienstag dieser Woche, nach

48 Stunden voller Gespräche und

Verhandlungen in Berlin, wirkt

Claudia Major am Telefon sehr

skeptisch, was eine rasche Waffenruhe

betrifft. Erst wenn Russland

ein schnelles Kriegsende lohnenswerter

finde als die Fortsetzung,

werde es die Angriffe stoppen, sagt

sie. So gilt nach wie vor der Satz,

den Major schon 2024 in ihrem

großen Essay schrieb: Der Westen

müsse „nicht nur die Verantwortung

für die Folgen seines Handelns

übernehmen – sondern auch für die

Folgen seines Nicht-Handelns“.

Es sind die Worte, die Friedrich

Merz jetzt als Auftrag nimmt. 7

FOTOS: SPUTNIK/GAVRIIL GRIGOROV/REUTERS, UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE/REUTERS

30 FOCUS 52/2025_01/2026


Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Text an

Journalismus

mit Faktengarantie

In Politik, Wirtschaft,

Wissenschaft

und Finanzen.

focusplus.de


Politik

Brüssel gilt als Ort der Behäbigkeit.

Der EU-Apparat setzt

auf Verwaltung, da haben Gefühle

nichts verloren. Doch

das ändert sich gerade. Wer

in diesen Tagen mit Beamten

und Politikern aus dem

Machtzentrum der Europäischen

Union spricht, hört von Zukunftsängsten,

von einer „existenzbedrohenden

Krise“, von einem „Endspiel um

Europa“. Ein ranghoher Diplomat warnt:

„Uns steht das Wasser bis zum Hals.

Wenn wir nicht aufpassen, gibt es die

EU in ein paar Jahren nicht mehr.“

An diesem Donnerstag und Freitag

tagen die 27 Staats- und Regierungschefs

beim Europäischen Rat in Brüssel.

Der Gipfel soll ein Signal der Geschlossenheit

senden – aber selbst wenn es

gelingt, den Streit um das russische Zentralbankvermögen

zu lösen (worum bei

Redaktionsschluss noch gerungen wurde):

Europa steckt in einer Art „Superkrise“.

Wirtschaftliche Stagnation, steigende Verschuldung

und ein zäher Reformstau lähmen

die einstigen Kraftzentren des Kontinents

– Deutschland, Frankreich und auch

Großbritannien. Die ungelöste Migrationsfrage

setzt die nationalen Regierungen

unter Druck, überall sind Populisten

im Aufwind.

US-Präsident Donald Trump sieht in

Europa den größten Loser der Weltpoli tik

und schlägt sich auf die Seite der Feinde

eines vereinigten Europas. Amerikas Abkehr

verbunden mit Russlands Krieg in

der Ukraine gilt als wohl größte Zäsur in

Europas Geschichte seit Ende des Zweiten

Weltkriegs. Das Friedensprojekt steht

an einem historischen Wendepunkt. Bekommt

Europa die Kurve? Oder steuert

es weiter in Richtung Abgrund?

Mark Leonard gilt als einer der scharfsinnigsten

Beobachter des Kontinents.

Der Mitbegründer der Denkfabrik European

Council on Foreign Relations wuchs

in Brüssel als Sohn eines Briten und einer

Deutschen auf, Tony Blair war sein Förderer,

sein Netzwerk reicht heute tief in

die Machtzirkel in Washington, Brüssel

und Peking.

Leonard spricht von einer tektonischen

Verschiebung, ausgelöst von drei gleichzeitigen

Krisen: dem Krieg in der Ukraine,

den globalen Handelskonflikten sowie

dem politischen Rechtsruck in Europa.

Jahrhundertelang hätten die Europäer

der Welt im Grunde den eigenen Willen

aufgezwungen. Jetzt aber beginne

die Welt, den Europäern ihren Willen

120

80

40

Portugal

Asylanträge* in Tsd.

3

2

1

Alarmstufe Rot

Hohe Schulden und knappe Mehrheiten im Parlament:

Überall in Europa sind nationale Regierungen unter

Druck. Was bedeutet das für die Zukunft der EU?

Stimmanteile der stärksten extrem rechten Parteien

bei den letzten Parlamentswahlen

ab 40% 30–39% 20–29% 10–19% 1–9%

BIP Reale Veränderung von 2024 im Vergleich zu 2023

in Prozent

Anstieg Rückgang

Staatsschulden

2024 (konsolidiert)

pro Kopf in Tsd. Euro

Quellen: Eurostat, Statista,

Statistisches Bundesamt

Großbritannien

Asylanträge* in Tsd.

2014 2024

Seit dem Brexit steigt

die Zahl der Bootsflüchtlinge.

Die rechte

Partei Reform UK bestimmt

die Asyldebatte

Chega, 23 %

2014 2024

Text von Marlene Brey und Reinhard Keck

Frankreich

Asylanträge* in Tsd.

150

90

30

25,5 26,7

+2,1%

BIP 2024

pro Kopf

in Tsd. Euro

2014 2024

Vox, 12 %

33,3 32,6

+3,5%

*Erstanträge

Spanien

Asylanträge* in Tsd.

200

150

100

50

Reform UK,

14%

45,6 44,8

+1,1%

48,3 42,6

2014 2024

+1,2%

RN, 33 %

Statt in die USA strömen

Lateinamerikaner nach

Spanien, das eine halbe

Million Migranten pro Jahr

legal integrieren will

32 FOCUS 52/2025_01/2026


Europa

Niederlande

Asylanträge* in Tsd.

Dänemark

Asylanträge* in Tsd.

Schweden

Asylanträge* in Tsd.

Finnland

Asylanträge* in Tsd.

50

25 200

35

40

30

20

10

20

15

10

5

150

100

50

PS, 20 %

40,6 49,2

25

15

5

2014 2024 2014 2024 2014 2024

+0,4%

2014 2024

+1,1%

+3,5%

SD, 21 %

18,0 53,0

+0,8%

Polen

Asylanträge* in Tsd.

15

12

9

27,4 63,0

20,1 66,4

DD, 8 %

6

3

2014 2024

Brüssel

PVV, 17 %

32,3 50,8

Berlin

AfD, 21 %

PiS, 35 %

12,9 22,6

+3,0%

Ungarn

Asylanträge* in Tsd.

200

–0,5%

43,1 52,5

–0,7%

FPÖ,

29 %

Fidesz-KDNP,

54 %

15,2

21,6

+0,5%

150

100

50

2014 2024

50,3 37,2

21,2 31,5

SDS,

24 %

+0,7%

+1,7%

FdI, 26 %

Deutschland

Asylanträge* in Tsd.

800

600

400

Italien

Asylanträge* in Tsd.

200

Slowenien

Asylanträge* in Tsd.

8

Österreich

Asylanträge* in Tsd.

120

200

150

6

80

2014 2024

Die Zahl der Asylanträge

sank zuletzt um 60 Prozent.

Die Bundespolizei weist

Einwanderer zurück, die

Asyl beantragen wollen

100

4

50

2

2014 2024 2014 2024

40

2014 2024

FOCUS 52/2025_01/2026

33


Politik

zu diktieren. Die Europäische Union entwickle

sich von einem Friedensprojekt

zu einem Sicherheitsprojekt. Die Ära des

Freihandels gehe zu Ende, und Europas

Wirtschaftsbasis löse sich auf.

Heute seien globale Lieferketten und

Handelsbeziehungen ein Faktor der

Sicherheitspolitik. Die USA, China und

Russland teilten den Globus in Einflusssphären

auf. In diesem geopolitischen

Darwinismus könnte ein wirtschaftlich

kraftloses und politisch zerstrittenes Europa

in Häppchen filetiert und den Stärkeren

zum Lunch serviert werden.

Ein weiterer Schock für das System Europa

kommt von innen: der Aufstieg der

nationalistischen Rechten in den europäischen

Kernländern Großbritannien,

Frankreich und Deutschland. Mark Leonard

sieht die AfD als Musterbeispiel dieses

Wandels. Die Partei der Eurokritiker

verwandelte sich 2015 in eine Anti-Migrations-Partei,

wurde während der Pandemie

zur Partei der Impfgegner, präsentiert

sich heute klimaskeptisch und treibt

die politische Mitte mit Ressentiments vor

sich her.

Dabei sieht sich die Europäische Union

eigentlich als Wertegemeinschaft, als

Verfechterin von Freiheit, Demokratie und

Rechtsstaatlichkeit. Dass US-Präsident

Donald Trump die Staatengemeinschaft,

eher als Belastung denn als Gewinn betrachtet,

hatte sich länger angebahnt. Mit

Trumps Papier zur nationalen Sicherheitsstrategie

der USA haben die Europäer nun

schwarz auf weiß, dass Amerika unter diesem

Präsidenten auf der Seite der Europafeinde

im Inneren (AfD, Rassemblement

National, Reform UK) und Äußeren (Russland)

steht.

Trump hat das EU-Bashing auch unter

eher gemäßigten Republikanern in den

USA salonfähig gemacht. Der ehemalige

britische Botschafter Kim Darroch warnt:

Selbst wenn 2029 wieder die Demokraten

an die Macht kämen, dürften sich Elemente

des Trumpismus langfristig festsetzen,

neben hohen Tarifen auch der „America

First“-Gedanke in der Außenpolitik.

Ein Zurück zur alten Ordnung werde es

nicht geben.

Kein europäisches Land war eingeladen

Dass die Vereinigten Staaten unter Donald

Trump zukünftig ohne die von ihm verachtete

EU planen, zeigte sich vergangene

Woche. Da verhandelten die USA mit

Japan und Australien über die Erschließung

von Mineralien und seltenen Erden

für den Aufbau einer von China unabhän-

Sie entscheiden über die Zukunft Europas:

Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Rat in Brüssel

gigen KI-Infrastruktur. Und kein europäisches

Industrieland war zu diesem Treffen

eingeladen.

Zum Erfolg von Populisten gehört, dass

sie ein messerscharfes Gespür für den

wunden Punkt einer Sache haben und

ihre Kritik oft einen kleinen Kern Wahrheit

beinhaltet. Dass ausgerechnet Trump, der

in den USA den Rechtsstaat untergräbt,

Europa nun in Sachen Meinungsfreiheit

belehrt, empfinden leidenschaftliche

»Die EU wandelt

sich zu einem

Sicherheitsprojekt.

Die Ära des

Freihandels endet«

Mark Leonard ist Mitbegründer

der Denkfabrik ECFR

Europäer als Affront. Doch Trumps Einschätzung,

dass die meisten Regierungen

in Europa „keinen guten Job machen“,

hört man auch aus der politischen Mitte

vieler EU-Staaten.

Martin Schulz, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung

und ehemaliger Präsident

des EU-Parlamentes, sagt: „Die EU

erscheint zurzeit nicht nur wehrlos, sie ist

es objektiv.“ Die Mitgliedsstaaten der EU

hätten es „fahrlässig“ und über Jahrzehnte

versäumt, ihre ökonomische Macht politisch

und militärisch abzusichern. Schulz

sagt: Jedes EU-Mitglied habe immer ein

Stück vom Kuchen gewollt, wenn es um

ökonomische Macht ging. Doch die politischen

Kosten dafür wollte niemand tragen.

Die Folge: Wirtschaftlich war die EU

ein Riese, geopolitisch blieb sie ein Zwerg.

„Das rächt sich jetzt.“

Dabei sollten der EU-Verfassungsvertrag

von 2005 und später der Lissabon-Vertrag

von 2009 die Union viel handlungsfähiger

machen – auch in der Außen- und

Sicherheitspolitik. Doch es blieb beim Einstimmigkeitsprinzip

und damit auch beim

Vetorecht für einzelne Länder wie Ungarn.

Mario Draghi, der frühere Präsident der

EZB, warnte in seinem Bericht zur Zukunft

der europäischen Wettbewerbsfähigkeit

im vergangenen Herbst vor einem „langsamen,

aber qualvollen Niedergang“ der

FOTOS: IMAGO/EUROPEAN COUNCIL, IMAGO IMAGES

34 FOCUS 52/2025_01/2026


Europa

Eine Wende in der Migrationsfrage

„Europa wird in Krisen geschmiedet“,

sagte einst der Franzose Jean Monnet,

einer der Vordenker der europäischen

Integration. Tatsächlich meisterte die EU

in den vergangenen Jahren die Finanzund

Eurokrise und bewies Zusammenhalt

und kollektive Finanzkraft auch während

der Corona-Pandemie. Frühere Krisenländer

wie Griechenland, Spanien und Portugal

setzten harte Spar- und Reformen

auch als sicherheitspolitischen Verbündeten

wieder enger an den Kontinent

gebunden.

Europapolitiker wie Schulz oder der

frühere belgische Ministerpräsident Guy

Verhofstadt wittern in der aktuellen Krise

sogar die Chance auf eine Wiederbelebung

einer alten Utopie: die Vereinigten

Staaten von Europa. Unterstützer verweisen

auf Umfragen, wonach 81 Prozent der

Europäer sich eine gemeinsame Verteidigungs-

und Sicherheitspolitik wünschen

und eine Mehrzahl der Europäer der EU

mehr als den eigenen nationalen Regierungen

vertraue.

FOTOS: REUTERS/KAI PFAFFENBACH, MARTIN BERTRAND/DPA

Sie ziehen viel Kritik auf sich:

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EZB-Chefin Christine Lagarde

EU, bedingt durch viel zu viel Bürokratie,

viel zu geringe Produktivität und einen

viel zu großen Rückstand in der Digitalisierung.

Ein Jahr später hat eine Taskforce von

Draghis damaligen 400 Empfehlungen

gerade mal elf Prozent umgesetzt. Draghi

selbst wirkt zunehmend frustriert: „Ihr

sagt Nein zu Schulden, ihr sagt Nein zum

Binnenmarkt, ihr sagt Nein zur Kapitalmarktunion.

Man kann nicht zu allem

Nein sagen.“ Er spricht von einer Selbsttäuschung:

Die EU habe lange geglaubt,

ihre 450 Millionen Einwohner würden ihr

auch geopolitische Macht verleihen. Doch

in diesem Jahr sei diese Illusion endgültig

geplatzt.

War’s das also mit dem Traum eines

pros perierenden Europa? Arrivederci, EU?

Goodbye, Europe?

auflagen um und werden dafür heute

mit überdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum

belohnt.

Auch in der Migrationskrise zeichnet

sich eine Wende ab. Nach langem Ringen

um eine Reform des Asylrechts sank die

irreguläre Migration in diesem Jahr um

35 Prozent. Und der russische Angriffskrieg

auf die Ukraine hat Investitionen

in europäische Rüstungsprojekte gefördert

und die Atommacht Großbritanni-

»Ihr sagt Nein zu

Schulden, Nein

zum Binnenmarkt,

Nein zur Kapitalmarktunion«

Mario Draghi war Chef der EZB und

Ministerpräsident von Italien

„Ein starkes Signal an Washington“

Der ehemalige deutsche Botschafter in

den USA, Wolfgang Ischinger, und Frankreichs

frühere Verteidigungsministerin Sylvie

Goulard fordern bereits die Umsetzung

einer pragmatischer wirkenden Idee: die

Schaffung eines „Kerneuropa“. Das Modell

geht auf die Christdemokraten Wolfgang

Schäuble und Karl Lamers zurück. Eine

Gruppe mit Deutschland und Frankreich

im Zentrum, so die Vision, solle einen politischen

Block bilden, der bei Verteidigung,

Außenpolitik und Währung – heute auch

in der Technologie – eng zusammenarbeite

und mit einer Stimme spreche. Blockierer

wären ausgebremst. Ischinger und Goulard

meinen: Das Modell wäre „ein starkes

Signal an Washington“.

Bei der Verteidigung könnte man diese

Idee rasch umsetzen – gemeinsam mit

Großbritannien etwa. Doch dafür müsste

aus der „Koalition der Willigen“, der

europäischen Kontaktgruppe zur Unterstützung

der Ukraine, eine „Koalition der

Macher“ werden – etwa mit mehr gemeinsamen

Investitionen im europäischen Verteidigungsmarkt.

Wie zersplittert Europa hier agiert, zeigt

in diesen Tagen etwa die Farce um das

Kampfjet-Projekt Future Combat Air System

(FCAS). Das 100 Milliarden Euro teure

Investment sollte den Eurofighter ablösen,

steht wegen Streitereien zwischen der

konkurrierenden deutschen und französischen

Industrie aber vor dem Aus. Italien

bietet den Einstieg in das mit Großbritannien

und Japan entwickelte System

GCAP an und würde auch Australien gern

dazuholen.

Ob Berlin und Paris tatsächlich gegen

die Interessen ihrer nationalen Rüstungsindustrien

diese Kooperation eingehen?

Wieder einmal könnten Kleinstaaterei und

Konkurrenzdenken Europas Interessen im

Weg stehen. 7

FOCUS 52/2025_01/2026

35


Oberstabsfeldwebel

Jan Hecht, 51,

dient seit 1994 in

der Bundeswehr


Politik

FOTO: MATTHIAS RIETSCHEL/DPA

Zwischen Front

und Frieden

Er überlebte in Afghanistan einen Hinterhalt. Jetzt

baut Jan Hecht in Litauen eine Brigade zum Schutz

vor Russland mit auf. Ein Soldat erzählt

E

Es ist wahrscheinlich der letzte

große Auftrag für Oberstabsfeldwebel

Jan Hecht, 51: In Litauen

hilft er, das wichtigste Projekte der

Truppe voranzutreiben, den Aufbau

einer deutschen Brigade mit 5000

Soldaten bis Ende 2027. Er weiß als

Afghanistan-Veteran, was es heißt,

zu kämpfen. Jetzt muss die Bundeswehr

an der Nato-Ostflanke Stärke

zeigen. Hecht sagt, er und seine

Leute seien bereit für jeden Auftrag.

Herr Hecht, was bedeutet für Sie,

zu dienen?

Dienen heißt, Verantwortung zu

übernehmen. Dienen heißt, im

Ernstfall für dieses Land in gefährliche

Einsätze zu gehen. Und wer

Truppe führt, spürt auch Verantwortung

seinen Soldaten gegenüber.

Mir gibt Dienen das Gefühl,

dass die Strapazen, die mit dem

Soldatenberuf verbunden, einen

Sinn haben.

Dienen ist Strapaze?

Ja. Das Soldatenleben ist glücklicherweise

nicht immer hoch intensiv.

Aber wenn es hoch intensiv

wird, dann ist das ein Leben jenseits

dessen, was Menschen normalerweise

tun würden.

Interview von Mike Szymanski,

Foto von Tobias Kruse

Sie meinen, zu kämpfen?

Ja, der Kampf ist aber nur ein Beispiel.

Es ist aber auch eine Strapaze,

lange von zu Hause weg und

von der Familie getrennt zu sein.

Wir können im Einsatz auch nicht

immer unsere Handys benutzen.

Dann gibt es manchmal lange gar

keinen Kontakt.

Sie sagen, Sie tun das fürs Land.

Lieben Sie Deutschland?

Ich liebe an Deutschland die Art und

Weise, wie wir unser Leben führen

können: frei, unbesorgt und uns Soldaten

gegenüber auch manchmal

gleichgültig. Es bedarf aber unseres

Einsatzes, damit das so bleiben kann.

Sie helfen, die Brigade in Litauen

aufzubauen. Was ist genau Ihr Job?

Ich bin im Brigadestab in der Abteilung

tätig, die verantwortlich für

alles ist, was Ausbildung und Übung

betrifft, die Operationen plant und

durchführt. Wir arbeiten dem Kommandeur

zu.

Um am Ende die Nato-Ostflanke

verteidigen zu können?

Es geht um Landes- und Bündnisverteidigung.

Für mich schließt sich

ein Kreis. Ich bin Anfang der 90er

Jahre mit einem ähnlichen Auf-trag

in die Bundeswehr gekommen. Der

Kalte Krieg war gerade zu Ende, die

Bundeswehr noch auf Landesverteidigung

ausgerichtet. Aber es gibt

einen Unterschied zu damals. Die

Bedrohung Mitte der 90er Jahre war

eher abstrakt. Heute ist sie sehr real.

Erleben Sie die Lage als so ernst?

Ja. Das Gefühl, in einem sicheren,

beschützten Land zu leben, das

haben wir in Deutschland noch sehr

exklusiv. Wenn ich in den Flieger

nach Litauen steige, dauert es eine

Stunde und 15 Minuten, und die

Welt ist eine andere. Zur russischen

Grenze ist es nicht weit. Die Litauer

fühlen sich von Russland bedroht.

Sind Ihre Soldaten auf den Ernstfall

vorbereitet?

Sie sind so weit darauf vorbereitet,

wie man das eben sein kann. Sie

sind körperlich leistungsfähig und

beherrschen ihre Waffensysteme.

Trotzdem bleibt ein Gefühl von

Ungewissheit, ob man in der Situation

gut bestehen kann. Mir ging

es vor meinem Einsatz in Afghanistan

auch so. Dort habe ich dann erlebt,

wie schnell wir Soldaten uns in

einer neuen Situation zurechtfinden

können. Das geht nur deshalb, weil

wir wissen, welche Handgriffe, welche

Schritte wir zu tun haben. Ich

bin mir sicher: Wir wären bereit für

jede Art von Auftrag.

Fühlen Sie sich als deutscher Soldat

in Litauen willkommen?

Wir spüren Dankbarkeit, und das

jeden Tag. Ich gehe in Uniform zum

Dienst. Ich erlebe es ganz oft, dass

Leute mich ansprechen und sagen,

wie froh sie sind, dass wir da sind.

Das kennen Sie aus Deutschland

so nicht, oder?

Nicht so offensiv, so würde ich das

sagen. Ich blicke jetzt auf 30 Jahre

im Soldatenberuf zurück. Heute

spüre ich aber das höchste Maß an

Akzeptanz in meiner Dienstzeit. Es

hat sich etwas verändert. Es kommt

inzwischen auch hier vor, dass mir

Menschen für meinen Dienst danken.

Das wäre vor ein paar Jahren

eher nicht denkbar gewesen.

Sie sind zur Bundeswehr gekommen,

als der Westen sich nicht

mehr bedroht sah. Haben Sie sich

zwischenzeitlich überhaupt gebraucht

gefühlt?

Ja, das haben wir. Wir haben in der

Truppe nicht hinterfragt, wie realistisch

ein möglicher Einsatz der

Bundeswehr ist. Wir haben all die

Jahre mit der gleichen Ernsthaftigkeit

ausgebildet und geübt. Es fehlte

aber zeitweise die Ernsthaftigkeit

dabei, uns gut auszurüsten.

Als Sie in den 90er Jahren in der

Panzergrenadiertruppe anfingen,

hatten Sie da alles, was Sie

brauchten?

»Heute

spüre ich

das höchste

Maß an

Akzeptanz

in meiner

Dienstzeit«

Stationen

eines

Soldatenlebens

1974

geboren in Suhl,

Thüringen

1994

Panzergrenadierbataillon

391 in

Bad Salzungen

1998-1999

SFOR-Einsatz

Bosnien und

Herzegowina

2009

Einsatz in

Afghanistan

2010

Tapferkeitsmedaille,

überreicht

durch Minister

zu Guttenberg

seit März 2025

Aufbau Brigade

Litauen

FOCUS 52/2025_01/2026

37


Politik

»Angriffe

auf deutsche

Kräfte

gehörten

zum Alltag,

als wir

ankamen«

Einsatz in Afghanistan:

Bundeswehrsoldaten

auf

Patrouillenfahrt

nahe Kundus

Ich hatte in meinem Grenadierzug

alles, was benötigt wurde, um den

Auftrag zu erfüllen: mein Personal

und meine Schützenpanzer „Marder“.

Und es waren auch meine Marder.

Die Fahrzeuge gehörten fest zu

uns. Dann aber kam die Zeit, dass

Großgerät gepoolt wurde und man

anfing, es durch die Verbände rotieren

zu lassen, weil es immer weniger

Material gab.

Wie groß war der Frust?

Der Frust war groß, wenn etwa

Munition für das Schießen nur

eingeschränkt vorhanden war. Irgendwann

wurden auch die Kettenkilometer

für den Marder beschränkt,

also konnten wir die

Fahrzeuge nicht mehr so viel bewegen.

Wir haben das Beste aus der

Situation gemacht. Man kann einen

Ausbildungseffekt drin sehen, mit

knappen Ressourcen auszukommen.

Wir hatten aber immer noch

das Gefühl, wir wären in der Lage,

den Auftrag zu erfüllen.

Als Sie sich zur Bundeswehr meldeten,

hatten sie wahrscheinlich

nicht gedacht, dass Sie einmal

in Afghanistan kämpfen würden.

Ich selbst hatte noch Ausbilder, die

sagten, ein deutscher Soldat werde

niemals außerhalb der Grenze von

Deutschland eingesetzt. Das war

ganz schnell nicht mehr wahr. Afghanistan

war nicht nur ein anderes

Land, sondern eine ganz

andere Welt: Die ungewohnten

Gerüche, der Staub, die Hitze und

die Sonne, die so unfassbar auf der

Haut brennt. Und trotzdem waren

wir froh, als es endlich losging, weil

dieser Einsatz dann nichts Abstraktes

mehr war.

Als Sie 2009 in den Einsatz gingen,

verschärfte sich die Sicherheitslage.

Es wurde ein blutiges Jahr für

die Bundeswehr.

Das stimmt. Angriffe auf deutsche

Kräfte gehörten zum Alltag, als wir

ankamen. Wir waren als schnelle

Eingreiftruppe für Nordafghanistan

im Einsatz und die meiste Zeit

mit unserem Schützenpanzerzug

in Kundus eingesetzt. Wir sind fast

jeden Tag rausgefahren, weil so viel

los war. Es gab eine Straße, da lag

die Wahrscheinlichkeit, angegriffen

zu werden, bei 100 Prozent.

Sie gerieten mit Ihren Leuten in ein

schweres Gefecht. Erzählen Sie bitte

von diesem Tag.

Es war der 4. Juni 2009. Wir hatten

den Auftrag, eine Verbindungsstraße

nach Sprengmitteln abzusuchen.

Kein schöner Auftrag, das muss

man so sagen. Am frühen Nachmittag

hatte ich einen Funkspruch

erhalten, dass ein Spähtrupp acht

Kilometer nordwestlich von uns in

einen Hinterhalt geraten war. Wir

haben entschieden, den Kameraden

zur Hilfe zu kommen, und sind dann

selbst in einen Hinterhalt geraten.

Wie befreit man sich aus einer

solchen Situation?

Man muss Feuerüberlegenheit herstellen.

Das heißt, den Gegner dazu

bringen, dass er reagieren muss.

Der Spähtrupp hatte die Fahrzeuge

verlassen und kam auf uns zu.

Aufständische waren hinter ihnen

her und meine Leute erwiderten das

Feuer. Meinem Stellvertreter ist es

dann gelungen, die Angreifer abzuwehren

und auszuschalten. Wir

hatten in vielen Situationen auch

unfassbar Glück.

Niemand wurde verwundet?

Einem Soldaten wurde ein Trageriemen

abgeschossen. Einer hatte

einen Schuss in die Sohle vom

Kampfstiefel abbekommen. Aber

es gab nicht einen Treffer auf den

Körper. In einem unserer Fahrzeuge

schlug später eine Panzerfaust ein,

50 Zentimeter rechts vom Kopf meines

Stellvertreters. Sie blieb beim

Munitionskasten stecken. Aber sie

hat nicht umgesetzt. Ich sag mal so:

Wenn diese Panzerfaust explodiert

wäre, hätte ich sieben Tote gehabt.

Wie lange dauerte das Gefecht?

Fünf Stunden. Wir sind immer wieder

aus verschiedenen Richtungen

angegriffen worden. Ich hatte das

Kommando. Mir tat am nächsten

Tag der ganze Körper weh, weil ich

so voller Adrenalin war und die

Muskeln permanent angespannt

waren. Ich hatte mich hinterher gefragt:

Wie reagiert der Einzelne auf

so einen Tag? Es ist nicht selbstverständlich,

dass man dann am nächsten

Tag seine Waffe wieder packt

und nach draußen fährt.

Und wie sind Ihre Leute damit

umgegangen?

Wir hatten einen Platz, wo wir uns

in der Früh immer zum Kaffee getroffen

haben. Da saßen am nächsten

Morgen alle beisammen. Für

mich war es erst mal schön, zu

sehen, dass alle da sind. Aber einigen

hat man angesehen, wie ihnen

das Gefecht zugesetzt hatte. Trotzdem

haben alle gesagt: Wir halten

zusammen und machen weiter.

Sind auch alle gut durch die

nächsten Jahre gekommen?

Nein, leider hat das Erlebte Folgen

für das Leben einiger gehabt. Einer

meiner Männer war zwei Wochen

später an dem Punkt angelangt, wo

es nicht mehr weiterging. Da hieß

FOTO: MICHAEL KAPPELER/DDP

38 FOCUS 52/2025_01/2026


Bundeswehr

FOTO: YAUHEN YERCHAK/IMAGES/DPA

es, kurz bevor wir wieder rausfahren

mussten, vom Truppenpsychologen:

Der fährt nirgendwo mehr

hin. Ich kannte diesen Soldaten als

Frohnatur und sah ihn unter Tränen

sagen, das Schlimmste für ihn sei

das Gefühl, uns jetzt im Stich zu lassen.

Bei anderen dauerte es Jahre,

bis etwas aufbrach.

Wie viele Soldaten haben Probleme

bekommen, mehr als die Hälfte?

Nein, nicht mehr als die Hälfte, um

Gottes Willen. Aber jeder hat sich

verändert. Von den 36 Männern ist

keiner so wiedergekommen, wie er

in den Einsatz hineingegangen ist.

Hat Ihre Seele Wunden davongetragen?

Meine Frau würde wohl anders antworten

als ich, aber ich sage: Nein,

hat sie nicht. Ich schlafe. Ich lebe

mein Leben. Alles ist gut und schön.

Aber ich habe mich schon auch verändert:

Es ist mehr Ernsthaftigkeit

in mein Leben eingekehrt, aber das

finde ich eher positiv.

Würden Sie sagen, Sie standen in

Afghanistan im Krieg?

Was wir erlebt haben, hat viele

Züge von Krieg gehabt. Ich weiß,

was es bedeutet, in einem hochintensiven

Gefecht zu stehen. Aber

wenn wir heute über Krieg reden,

und das zeigt uns ja die Erfahrung

aus der Ukraine, dann reden wir

immer auch davon, dass mal an

einem Tag 1000 Leute fallen können

und dass man tage- oder wochenlang

unter Artilleriefeuer steht.

Das ist eine Erfahrung, die haben

auch wir noch nicht gemacht.

Ihre Einheit stand im Gefecht, Gegner

wurden ausgeschaltet. Wie gehen Sie

damit um, auch töten zu müssen?

Für mich war das ein Kampf ums

Überleben der Gruppe. Ich glaube,

so reflektieren das auch meine Soldaten:

Wir haben den Auftrag erfüllt.

Wir haben in dem Moment das

getan, was getan werden musste, um

als Gruppe zu bestehen. Dabei sind

die Leistung und die Tat des Einzelnen

nur kleine Rädchen in einem

großen Mechanismus, der greift.

Menschen wachsen in solchen Situationen

über sich hinaus, weil sie

ihr eigenes Wohl hintanstellen.

Allein wäre man verloren?

Allein wäre man verloren. Auch

die Verarbeitung ist eine Gemeinschaftsleistung.

Das ist genau der

Punkt, weswegen Soldaten sich untereinander

oftmals am wohlsten

fühlen und am offensten mit dem

Erlebten umgehen.

Sie wurden für Ihren Einsatz in

Afghanistan mit der Tapferkeitsmedaille

ausgezeichnet. Was heißt es

für Sie, tapfer zu sein?

Es heißt, meinem Beruf nachzukommen.

Wir Soldaten geloben

Tapferkeit. Aber ich gebe zu, als

junger Rekrut habe ich mir da keinen

großen Kopf darüber gemacht,

was das heißt. In der konkreten Situation

bedeutet Tapferkeit, unabhängig

von der Gefahr zu funktionieren.

Das verlangt dieser Beruf

von uns.

Sie hätten nach Afghanistan auch

sagen können: Es reicht. Ich habe

meinen Beitrag geleistet. Sie sind

Soldat geblieben. Warum?

Ich habe Afghanistan nicht als negatives

Erlebnis wahrgenommen.

Aber dazu möchte ich zwei Punkte

anmerken: Mich hat er Einsatz

psychisch nicht zu stark belastet.

Mein Leben ging ganz normal

weiter. Und ich habe, Gott sei Dank,

niemanden verloren. Deshalb kann

ich sagen: Mein Dienen ist beendet,

wenn ich pensioniert bin.

Als Sie zur Bundeswehr gingen,

waren Sie wahrscheinlich auch

unbeschwert, oder?

Ich bin es auch heute noch. Wenn

wir abends daheim essen, wenn ich

mit meinen Kindern spiele, bin ich

ein unbeschwerter Mensch. Dieses

Gefühl wünsche ich mir auch für

meine Kinder. Es muss Leute geben,

die dafür sorgen, und da zähle ich

mich dazu und ich mache das gerne.

Was muss ein junger Wehrdienstleistender

über diesen Beruf wissen?

Dieser Beruf kann bedeuten, dass

man sein Leben lässt. Das ist es, was

man wissen muss. Aber zum vollständigen

Bild gehört auch: Es gibt

Generationen von Soldaten vor mir,

aber auch Soldaten, mit denen ich

heute diene, die haben nie Einsatz

oder Krieg erlebt und haben eine

erfüllte Dienstzeit, ohne dass sie

kämpfen mussten.

Wie erleben Sie es als Soldat, wenn

eine Gesellschaft kriegstüchtig

werden muss?

Sie muss sich noch viel bewusster

machen, dass da eine reale Gefahr

ist. Zur Kriegstüchtigkeit gehört

für mich der enge Schulterschluss

zwischen Gesellschaft und

Soldaten. Ich meine damit nicht,

dass jetzt alle kämpfen sollen.

Aber die Gesellschaft muss moralische

Unterstützung leisten, damit

der Soldatenberuf ausgeübt werden

kann.

Wünschen Sie sich mehr Anerkennung?

Ich empfinde Anerkennung für uns

Soldaten. Wir sind auf einem guten

Weg. 7

»Ich bin

mir sicher:

Wir wären

bereit

für jede

Art von

Auftrag«

Zur Aufstellung

der Brigade Litauen

reiste auch

Kanzler Merz

(3. v. r.) nach Vilnius

FOCUS 52/2025_01/2026

39


Politik

Kritische Berichterstatter stehen

in den USA enorm unter

Druck. Donald Trump überzieht

Medien mit Schadensersatzklagen,

droht Sendern

mit dem Entzug der Lizenz

und beleidigt unliebsame

Reporter. Auch der britische

„Economist“ berichtet kritisch über

Trump und dessen Attacken auf die Pressefreiheit.

Das Magazin erreicht rund

1,3 Millionen Leser, die Hälfte davon lebt

in den USA. Chefredakteurin Zanny

Minton Beddoes gilt als eine der einflussreichsten

Journalistinnen weltweit.

Frau Minton Beddoes, wenn Sie in die USA

reisen, löschen Sie vorher einige Daten

und Chats von Ihrem Smartphone. Warum?

Ich kommuniziere mit meinen Korrespondenten

und Mitarbeitern sehr viel

über WhatsApp, wir diskutieren Ideen

und tauschen vertrauliche Informationen

aus. Und bei manchen Inhalten frage ich

mich schon: Will ich, dass die US-Regierung

das sieht? Wahrscheinlich ist das unnötig

und übervorsichtig, dennoch halte

ich es für klug und richtig. Wenn ich in

andere Länder, etwa nach China reise,

mache ich das genauso.

Sie vergleichen die Vereinigten Staaten

mit einem Überwachungsstaat wie China?

Natürlich stelle ich sie nicht gleich, aber

heute reist man nun mal mit einem anderen

Gefühl in die USA. Ich möchte nicht,

dass Inhalte auf meinem Telefon versehentlich

falsch interpretiert werden. Ich

hatte nie Probleme an der Grenze. Aber

auch EU-Beamte, die in die USA reisen,

sind inzwischen angewiesen, Wegwerfhandys

zu benutzen.

Was sagen all diese Vorsichtsmaßnahmen

über die USA aus?

Ganz allgemein herrscht unter Donald

Trump eine andere Haltung gegenüber

der Presse als früher. Man muss sich nur

anschauen, wie der Präsident in Pressekonferenzen

einzelne Publikationen

angreift. Ich selbst war nie Ziel solcher

Attacken, aber es ist offensichtlich: Die

aktuelle US-Regierung ist bereit, Journalisten

zu bestrafen, die ihr nicht passen.

In einem anderen Gespräch erwähnten Sie,

dass Sie Ihren Mitarbeitern in den USA

psychologische Unterstützung anbieten.

Wie muss man sich das vorstellen?

Das bezog sich auf die ersten Monate

der neuen Trump-Regierung, als eine

ganze Welle an Maßnahmen auf uns zurollte:

Neue Dekrete im Stundentakt, die

Schließung von Institutionen, die aggres-

US-Präsident Donald Trump beschimpft eine Journalistin an Bord der Air Force One

»Dieses Verhalten

ist schändlich«

Müssen Journalisten jetzt Angst vor Amerika haben?

Ein Interview mit der Chefin des »Economist«

über mögliche Schadenersatzklagen von Donald Trump

sive Durchsetzung der Einwanderungsgesetze

– die Arbeitsbelastung für unsere Reporter

war enorm.

Seitdem ist der Wahnsinn aber nicht

weniger geworden.

Umso entscheidender ist es für uns Journalisten,

das Wesentliche vom Unwesentlichen

zu trennen. Der „Economist“ setzt

sich für freie Märkte und liberale Werte

ein. Und meine Kollegen sollen in ihrem

Urteil sorgfältig sein. Ich will einen Journalismus,

der – selbst wenn man unsere

Ansichten und unsere Weltanschauung

nicht teilt – wertvolle Erkenntnisse bietet.

Interview von Reinhard Keck

Darum geht es immer darum, eine Balance

zu finden: Was ist Hysterie, was ist wirklich

relevant? Es ist wichtig, dass wir als unabhängige

Journalisten die Dinge beim Namen

nennen. Und dass wir uns nicht dazu

verleiten lassen, Dinge zu akzeptieren

oder zu normalisieren, die in einer liberalen

Demokratie absolut inakzeptabel sind.

Auf der Website des Weißen Hauses gibt

es neuerdings eine Art digitalen Pranger für

Journalisten, die angeblich unsauber gearbeitet

haben. Und als eine Fernsehjournalistin

bei einer Pressebegegnung im Oval

Office den Präsidenten auf den Epstein-

FOTO: ROBERTO SCHMIDT/GETTY IMAGES VIA AFP

40 FOCUS 52/2025_01/2026


Pressefreiheit

Skandal ansprach, drohte Trump mit einem

Entzug der Sendelizenz ihres Arbeitgebers

ABC. Wie beurteilen Sie das?

Die amerikanische Regierung will unliebsame

Berichterstattung unterdrücken.

Das beunruhigt mich sehr.

Umgekehrt könnte man fragen, warum so

viele Journalisten sich die öffentlichen

Attacken des US-Präsidenten gefallen

lassen? Sie könnten bei einem Vorfall doch

geschlossen den Raum verlassen und

somit ein Zeichen setzen.

Ich finde die Vorstellung, dass Mobbing

gegen einzelne Journalisten akzeptabel

sein könnte, befremdlich. Dieses Verhalten

ist schändlich. Wir leben allerdings auch in

einer Welt, in der sich sehr viele Menschen

extrem schlecht benehmen. Wir erleben

eine bedauerliche Verrohung.

Das Weiße Haus argumentiert: Journalisten

teilen gerne aus, also müssen sie

auch einstecken können.

Entscheidend ist, dass Journalisten ihre

Aufgabe ordnungsgemäß erfüllen können:

Die Mächtigen kontrollieren, Missstände

aufdecken, die Öffentlichkeit informieren.

Was mir noch mehr Sorgen bereitet als die

Verrohung der Umgangsformen, ist der

Versuch, die Medien genau daran zu hindern.

Die Regierung baut kommerziellen

Druck auf Medienunternehmen auf – etwa

durch Verleumdungsklagen in Milliardenhöhe

–, um die redaktionelle Arbeit beeinflussen

zu können. Die USA begeben sich

auf einen sehr gefährlichen Weg.

In einer Ihrer jüngsten Ausgaben haben

Sie die Korruption unter Trump zum

Titelthema gemacht. Hatten Sie Angst,

daraufhin verklagt zu werden, ähnlich

wie das „Wall Street Journal“ oder die

„New York Times“?

Nein. Ich mache mir darüber keine Gedanken.

Aber natürlich kenne ich mich

mit der rechtlichen Lage rund um Verleumdungsklagen

in Großbritannien und

den USA inzwischen recht gut aus.

Für viele Leser stellt sich wohl dennoch die

Frage: Gehen Ihre Journalisten aufgrund

dieses feindseligen Klimas, das Sie beschrieben

haben, anders an Geschichten

über Donald Trump heran? Gibt es eine

Schere im Kopf?

Nein, wirklich nicht.

Ehrlich?

Ich denke nur daran, was unsere Leser in

den USA und weltweit über dieses Land

wissen müssen. Wie können wir Zusammenhänge

verständlich machen und aufzeigen,

wohin die Reise geht? Wie können

wir die liberalen Werte, für die der

„Economist“ gegründet wurde, verteidi-

Zanny Minton Beddoes ist

die erste Frau an der Spitze

des britischen Nachrichtenmagazins

„Economist“. Sie

leitet die Redaktion seit 2015

Titelstory des

„Economist“

aus dem

Oktober 2025

gen und ihnen weiterhin gerecht werden?

Das treibt mich an.

Donald Trump will auch die BBC auf 10 Milliarden

Dollar Schadenersatz verklagen,

weil der Sender seine damalige Rede vor

dem Sturm auf das Kapitol 2021 so zusammengeschnitten

hatte, dass es wirkte, als

rufe der Präsident zu Gewalt auf. Wie beurteilen

Sie diesen Vorgang?

Die BBC steckt in der Krise, das ist offensichtlich.

Ich finde diesen Zusammenschnitt

unverzeihlich, ein wirklich schwerwiegender

Fehler. Offenbar wusste man

bei der BBC von diesem Zusammenschnitt

in der Trump-Dokumentation

schon seit einiger Zeit, aber niemand

hielt es für nötig, etwas zu unternehmen.

Ich will das keinesfalls entschuldigen,

jeder patzt mal. Leider kam es bei der

BBC zuletzt häufiger zu Fehlern. Etwa

bei der Kontroverse um einen Beitrag aus

Gaza, in dem der Protagonist der Sohn

eines Hamas-Offiziellen war. Trotzdem

bin ich eine große Befürworterin der

BBC, weil ich sie für ein sehr wichtiges

Instrument von Großbritanniens Softpower

halte.

Was heißt das genau?

Die BBC ist eine der größten Anbieterinnen

englischsprachiger Nachrichten, mehr

Reichweite haben ansonsten vor allem

News-Angebote aus China oder Russia

Today. Die „BBC“ ist eine globale Marke

und ein wichtiger Ankerpunkt unserer innenpolitischen

Debatte. Einer der Gründe

für die starke Polarisierung der USA ist,

dass es dort keinen zentralen Sender gibt,

wie die BBC. Wer in den USA morgens

Fox News schaut und abends MSNBC,

hat nicht das Gefühl, dass die Sender über

dasselbe Land berichten.

Kritiker werfen der BBC eine linksliberale

Schlagseite vor. Stimmt das?

Die BBC verkörpert eine eher linksgerichtete

und großstädtische Politik-Kultur

– das stimmt schon. Ich denke, das ist

beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in

Deutschland oder Frankreich sogar noch

ausgeprägter, wie auch eine Studie des

Reuters Institute festgestellt hat. Aber im

Großen und Ganzen führt das nicht zu

einer Verzerrung der Berichterstattung,

insgesamt ist man recht nahe an der politischen

Mitte dran. Die BBC ist eine zu

große und zu unübersichtliche Organisation,

sie lässt sich nicht effektiv managen –

das ist ein Problem. Denn dadurch wird

sie zum politischen Spielball. Aber gäbe

es die BBC nicht, würden alle sie vermissen.

Ich denke, das gilt für alle politischen

Lager.

Gilt das auch für das Trump-Lager?

Die BBC braucht eine Reform. Aber ich

gehöre nicht zu jenen, die die BBC für

hoffnungslos fehlerbehaftet halten. Im

Gegenteil: Sie leistet wirklich fantastische

Arbeit. Und sie ist eine wichtige Institution.

Für Donald Trump ist der jüngste

Fehler eine willkommene Gelegenheit,

eine Institution anzugreifen und sein Narrativ

zu bestätigen, wonach Großbritannien

ein Land ohne Meinungsfreiheit sei,

in dem der Wokeness-Wahnsinn herrsche.

Sie sagen selbst: Die alte Ordnung kommt

nicht wieder. Glauben Sie, die Pressefreiheit

hat in dieser neuen Ära noch eine

Zukunft?

Die Pressefreiheit ist gefährdet. Das ist

sehr gefährlich, und wir müssen darauf

hinweisen. Doch es gibt so viele Kollegen,

die außerhalb von Europa oder den USA

arbeiten und dabei jeden Tag ihr Leben

riskieren – und diese Journalisten bewundere

ich sehr. Da geht es uns im Westen

doch viel besser. Wir sollten nicht jammern

und uns bemitleiden. 7

FOCUS 52/2025_01/2026

41


Politik

Glaube, Liebe,

Algorithmen

Ob auf Social Media oder in der Popkultur:

Die Sehnsucht nach Transzendenz ist zurück. Doch wer

füllt dieses Vakuum? Während Tech-Milliardäre

die KI heiligsprechen und sich selbst zu neuen Erlösern

stilisieren, warnte schon Papst Franziskus vor der

»technologischen Diktatur«. Ein Report über die Neuvermessung

der Seele und eine spirituelle Zeitenwende

Text von Corinna Baier

Während des Kirchentages 2023 im bayerischen Fürth fand ein KI-Gottesdienst statt.

Die von ChatGPT geschriebene Predigt hielt ein digitaler Avatar

42 FOCUS 52/2025_01/2026


DieStory

FOTO: DANIEL VOGL/DPA

Es ist dieser Moment, kurz bevor es losgeht, in

dem die St.-Paul-Kirche in Fürth noch so wirkt

wie seit Jahrhunderten: der Geruch von altem

Holz und kaltem Stein, das gedämpfte Husten

in den voll besetzten Bänken. Doch auf der

Kanzel steht kein Pfarrer. Auf einer Leinwand,

die im Altarraum aufgebaut wurde, erscheint

ein Avatar.

Das Gesicht von irritierender Durchschnittlichkeit,

irgendwo zwischen Nachrichtensprecher

und Videospielcharakter. Die Augen starren leblos

ins Kirchenschiff, die Lippen bewegen sich

einen Millisekunden-Takt versetzt zum Ton.

„Um unsere Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und in

unserem Glauben zu verharren“, leiert die synthetische Stimme

aus den Lautsprechern, „müssen wir regelmäßig beten.“

Es klingt nach einem Motivationsspruch aus dem mittleren

Management. So fehlerfrei, dass man menschliches Verhaspeln

‘vermisst und trocken wie Zwieback. Die KI hat diesen Text generiert,

basierend auf Millionen theologischer Datensätze.

Als der Bildschirm später schwarz wird, bleibt Leere. War das

ein Gottesdienst? Oder Performance-Kunst über die Einsamkeit

des modernen Menschen? Die Besucher wirken an diesem Vormittag

2023 weniger beseelt als verwirrt.

Ein paar Hundert Kilometer weiter südlich, in der Peterskapelle

in Luzern, ging das Experiment „Deus in Machina“ ein

Jahr später noch einen Schritt weiter. Hier predigte die KI nicht

aus dem Altarraum, der sogenannte KI-Jesus saß im Beichtstuhl

und flüsterte den über 1000 Besuchern Ratschläge und

Vergebung zu. Das Erstaunliche: Viele von ihnen beschrieben

die Erfahrung als „spirituell echt“, fühlten sich verstanden.

Versuche wie in Fürth und Luzern sind natürlich keine Alltagspraxis.

Sie machen aber sichtbar, in welche Richtung sich

unser Umgang mit künstlicher Intelligenz entwickelt. Nicht nur

im Bereich des Glaubens. Millionen von Menschen vertrauen

ihre intimsten Gedanken nicht mehr einem Priester oder Therapeuten

an, sondern einem Algorithmus, entwickelt von großen

Tech-Konzernen in den USA oder in China.

Bei Umfragen ist mittlerweile eine der häufigsten Antworten

auf die Frage, wofür Menschen Chatbots wie ChatGPT oder

Gemini verwenden: Lebensberatung. Plattformen wie Replika,

wo man Beziehungen zu KI-Avataren führen kann, haben Millionen

von Nutzern, die ihre digitalen Gefährten teils als Seelenverwandte

bezeichnen. In einigen Extremfällen nahmen

sich psychisch labile Menschen, die sich einem Chatbot regelmäßig

anvertraut hatten, sogar das Leben.

Die KI erscheint immer lebendiger, schmeichelt uns, will uns

helfen, will uns gleichen und wirft dabei uralte Fragen auf:

Was ist der Mensch? Was sollen wir tun?

Kein Wunder, dass viele Antworten in der Spiritualität suchen.

Auf TikTok und Instagram sind plötzlich Influencer erfolgreich,

die beten, deren Profilbeschreibungen mit Kreuzen,

Lotus-Blumen oder Mondsicheln versehen sind. Popstars wie

Rosalía inszenieren sich mit sakraler Ästhetik, in Podcasts wird

über Stoizismus und Sinn debattiert. Der Markt für spirituelle

Wellness-Apps war 2024 zwei Milliarden Euro wert – darunter

ein KI-Rabbi, dem sich gläubige Juden anvertrauen.

Die Menschen suchen nach dem Echten, nach Transzendenz.

Und genau in dieses Vakuum stoßen zwei Mächte: das

Silicon Valley mit durch Biohacking und Ozempic jungoptimierten

Körpern und dem Ziel, den Tod zu überwinden durch

Paolo Benanti berät Papst Leo XIV. in KI-Fragen.

Der Franziskaner ist Technik-Experte

und Theologe. In Italien wird der 52-Jährige

„Padre Algoritmo“ genannt

ein Upload des Seins. Und auf der anderen Seite der Humanismus

und die Kirche, die vor allem die Würde und das Mysterium

der Menschlichkeit bewahren will.

Dabei geht es nicht um die Frage, ob KI religiös genutzt werden

darf – das darf sie natürlich –, sondern darum, wer künftig

das ethische Koordinatensystem einer Gesellschaft bestimmt.

Googles moderne Bergpredigt und der Mensch als Produkt

Dabei hatte das Silicon Valley schon immer etwas Quasi-

Religiöses. Es war eine mit Pingpong-Tischen und hauseigenen

Fitnessstudios ausgestattete Kathedrale des Fortschritts.

Die Tech-Gründer inszenierten sich als Messias-Figuren, die

gekommen waren, um die Welt zu „verbinden“ und zu „verbessern“.

Google gab sich mit „Don’t be evil“ sein eigenes,

performatives Gebot – eine Art moderne Bergpredigt, die

suggerierte, man wisse mit der Machtposition, die man sich

durch Datensammeln erarbeitet hatte, schon umzugehen.

Jahr für Jahr grub sich die Technologie tiefer in die menschliche

Existenz. Erst eroberte sie den Schreibtisch, dann die

Hosentasche, das neuronale Belohnungszentrum. Der Mensch

wurde vom Nutzer zum Produkt, sein Verhalten zum Rohstoff.

Spätestens als durch die Whistleblowerin Frances Haugen

bekannt wurde, dass Facebook intern längst wusste, wie toxisch

Instagram für die Psyche von Teenagern ist, und diese

Studien dennoch unter Verschluss hielt, wurde deutlich, dass

all die hauseigenen Ethik-Räte nichts nutzten.

Sarah Spiekermann beobachtet das seit 25 Jahren. Die

Wirtschaftsinformatikerin an der WU Wien analysiert, warum

selbst die europäische DSGVO oder die neue KI-Verordnung

ins Leere laufen – mal abgesehen davon, dass es noch relativ

junge Gesetze sind: „Wir haben uns als Gesellschaft auf ein

Geschäftsmodell eingelassen, das strukturell im Widerspruch

zu Datenschutz und ethischem Design steht: die Aufmerksamkeitsökonomie.“

Es ist schlicht profitabel, das Gesetz zu

ignorieren. Selbst wenn mal eine Millionenstrafe fällig wird.

KI-Systeme potenzieren dieses Problem. Sie benötigen noch

mehr Daten, beeinflussen uns noch stärker.

„Wir haben eine lange kulturelle Tradition des Glaubens,

dass Maschinen perfekt sind und keine Fehler machen“, ordnet

Spiekermann ein. „Wir fetischisieren Effizienz – und opfern

dafür Würde und Wahrheit.“

FOCUS 52/2025_01/2026 43


Politik

Und das, obwohl gerade Chatbots, die auf Large Language

Models beruhen, ständig Fehler machen. Spiekermanns

Antwort ist pragmatisch: Wir brauchen neue Normen. In der

Future Foundation hat sie, gemeinsam mit 16 Kollegen von

13 Universitäten, deshalb zehn Regeln für die digitale Welt

entworfen. Bewusst einfach, inspiriert von den zehn Geboten.

Regel eins: Erhebt digitale Technik nicht zum Selbstzweck.

Es soll Nutzern ein Stück Orientierung zurückgeben.

Spiekermann warnt explizit vor der Vermischung von KI, Profitgier

und Spiritualität. „Das erzeugt Abhängigkeit und enorme

Manipulierbarkeit“, sagt sie. Das gilt für allgemeine Chatbots

wie ChatGPT, aber auch für spezialisierte Anwendungen.

Ein Beispiel für diese Gefahr ist die App Hallow. Eine Meditations-App

für Katholiken, schick gestaltet, beworben von

Hollywood-Stars. Doch die App nutzt aggressive Gamification:

Challenges für tägliches Beten. Der Glaube wird zum Sucht-

Spiel, optimiert nach denselben psychologischen Strategien

wie Instagram oder TikTok. Eine eingebaute KI beantwortet

Fragen zu Bibel und Moral.

„Gerade KI schafft immersive Erfahrungen, die wir mit Gefühlen

der Transzendenz verbinden. Man muss sich aber fra-

Die Propheten des Silicon Valley

Im Tech-Mekka war Religion lange verpönt. Das

hat sich gedreht – auch wegen dieser Akteure

Der Vordenker

Peter Thiel hat das

Christentum im

Valley zum Statussymbol

gemacht.

Für den Investor ist

der Glaube ein

Bollwerk gegen

den liberalen Zeitgeist

und Rechtfertigung

für radikalen

Fortschritt

Die Missionare

Trae Stephens ist

Mitgründer des

Rüstungs-Startups

Anduril. Seine

Frau Michelle rief

die religiöse Organisation

Acts 17 ins

Leben. Neue Mitglieder

werden bei

elitären Dinner-

Partys rekrutiert

gen: Ist das authentisch?“, erklärt die Religionswissenschaftlerin

Inken Prohl von der Universität Heidelberg und antwortet:

Nicht unbedingt. „Es lenkt uns von der Entwicklung ab, dass

die KI selbst zur Religion wird.“ Auch darin liege eine Gefahr,

dass Glaube für Profitinteressen genutzt wird.

Zu den Investoren von Hallow gehört Peter Thiel, der als

Mitgründer von PayPal und Unterstützer von Donald Trump

bekannt wurde. Kritiker weisen auf die Datenschutzprobleme

der App hin und darauf, wie sie spirituelle Praxis mit politischer

Agenda vermischt. Wer hier betet, liefert über voreingestellte

Tracking-Cookies Daten, die das Unternehmen zu nutzen

weiß. Das zeigte sich auch während des US-Wahlkampfs

2024: Das Gebet auf Hallow wurde subtil politisiert.

Peter Thiel ist der spirituelle Guru einer ganzen Generation

von Tech-Gründern. Seit Kurzem trägt er seinen christlichen

Glauben bewusst nach außen. Erst vor einigen Wochen leitete

er einen Workshop zum Thema „Antichrist“.

Der Antichrist, vor dem er warnt, ist derweil keine künstliche

Superintelligenz, die uns unterjocht. Im Gegenteil. In

Thiels Weltbild sind es Figuren wie Greta Thunberg, die

Natur bewahren wollen. Ihm geht es um ungebremstes technologisches

Fortkommen – angeblich als göttlichen Auftrag.

Religiöse Sprache wird instrumentalisiert, um Macht zu erlangen

Diese Botschaft wirkt im Silicon Valley wie eine Droge. Denn

sie liefert den Tech-Milliardären nicht nur einen spirituellen

Rahmen im Angesicht einer Technologie, die sie selbst nicht

mehr verstehen, die sich auch über sie erhebt, sondern auch

eine moralische Rechtfertigung für Disruption.

Die Gottesdienste finden nicht in Kirchen statt, sondern in

beigefarbenen Wohnzimmern. Organisationen wie Acts 17

haben sich darauf spezialisiert, die Elite zu missionieren. Die

Gründerin Michelle Stephens nennt ihre Zielgruppe ganz

unbescheiden die „Könige und Königinnen der Kultur“.

Für Paolo Benanti, den KI-Ethiker des Vatikans, ist dieses

Schauspiel leicht zu durchschauen. „Man muss sehr genau

unterscheiden: Geht es hier um Religion – oder um politische

und ökonomische Narrative?“, sagt er am Telefon. „Religiöse

Sprache wurde oft instrumentalisiert, um Macht zu erlangen.“

Niemand verkörpert diese Hybris mehr als Anthony Levandowski.

Der einstige Google-Ingenieur gründete vor einigen

Jahren offiziell die KI-Religion „Way of the Future“. Sein Dogma?

Wir bauen eine Superintelligenz, die faktisch ein Gott

sein wird. Also sei es nur rational, sie jetzt schon anzubeten.

Diese „Kirche“ wurde zwar aufgelöst, aber der Geist weht

weiter durchs Valley. Viele glauben daran, dass der Mensch

in seiner biologischen Form ein Auslaufmodell ist. Die Erlösung

kommt nicht vom Kreuz, sondern aus dem Serverraum.

Im Vatikan betrachtet man diese Entwicklung mit der

kühlen Erfahrung einer Weltmacht, die seit Jahrhunderten

weiß, wie schnell Imperien aufsteigen und wieder zerfallen.

Doch die immer schneller voranschreitende Entwicklung von

KI nimmt man sehr ernst: Der Nachfolger des verstorbenen

Papstes Franziskus wählte den Namen Leo XIV.

Nicht aus bloßer Nostalgie, sondern als programmatisches

Signal. Denn Leo XIII. war jener Papst, der im 19. Jahrhundert

auf das Elend der Arbeiter durch die industrielle Revolution mit

der berühmten Enzyklika „Rerum Novarum“ antwortete, der

katholischen Soziallehre. Damals zerrissen Dampfmaschinen

und ungebremster Kapitalismus das soziale Gefüge. Heute, so

die Botschaft des neuen Pontifex, stehen wir wieder an einem

FOTOS: REBECCA BLACKWELL/DPA, AARON WOJACK/NYT/REDUX/LAIF

44 FOCUS 52/2025_01/2026


DieStory

2019 vollzogen

Mönche im japanischen

Kodaiji-

Tempel die

„Augenöffnung“

für den Roboter

Mindar. Er predigt

dort seither als

Inkarnation der

buddhistischen

Barmherzigkeitsgöttin

Kannon

FOTO: THE YOMIURI SHIMBUN VIA AP IMAGES

solchen Wendepunkt. Der Algorithmus ist die Dampfmaschine

des 21. Jahrhunderts. Und die Kirche arbeitet an einer digitalen

„Rerum Novarum“.

Einer der Architekten des Vorhabens trägt Kutte und kennt

sich bestens mit Code aus: Paolo Benanti. Der Franziskaner

studierte Ingenieurwesen und berät die italienische Regierung

und den Papst in KI-Fragen. Er beschäftigt sich schon seit 2007

mit künstlicher Intelligenz. Benantis Analyse ist nüchtern:

„Jede Technologie wirkt, sobald sie in der Gesellschaft eingesetzt

wird, wie eine formale Ordnung – und verschiebt Macht.“

Er bemüht gern historische Beispiele: Wer im 19. Jahrhundert

entschied, wo Eisenbahnschienen verlegt wurden, der entschied

über die Zukunft von Regionen. Die Technologie schuf

eine neue Ordnung. Heute ist die Verschiebung noch radikaler.

Es werden keine Schienen verlegt, sondern Gedanken sortiert.

Benanti nennt generative KI einen „Super-Überzeuger“.

Die KI schreibt Texte, generiert Bilder, kuratiert Wissen.

„Sprache ist Kultur“, sagt Benanti. „Wenn wenige Akteure

Maschinen kontrollieren, die Sprache, Deutung und Sinnproduktion

beeinflussen, dann entsteht eine gefährliche Machtkonzentration.

Europa kennt aus seiner Geschichte, wohin

Monokulturen führen können.“

Das ist die „technologische Diktatur“, vor der schon Papst

Franziskus warnte. Um das zu verhindern, setzt Benanti auf

Diplomatie und Vereinbarungen. Ein wichtiges Werkzeug

ist dabei der „Rome Call for AI Ethics“. Den kann man sich

wie das Klimaschutzabkommen von Paris vorstellen. Eine Art

Selbstverpflichtung. Alle geloben Besserung und im Idealfall

halten sich auch alle daran. Es ist der Versuch, globale Standards

für eine Algor-Ethik zu etablieren. Tech-Giganten wie

Microsoft, IBM und Cisco haben unterzeichnet, waren aber,

so warnen Kritiker, auch daran beteiligt, die Formulierungen

möglichst vage zu gestalten.

Der Kern des Abkommens von 2020 besteht aus sechs Prinzipien:

Transparenz, Inklusion, Verantwortung, Unabhängigkeit,

Zuverlässigkeit und Sicherheit. KI-Systeme müssen erklärbar

sein, sie dürfen nicht diskriminieren, müssen für alle da sein,

und die Verantwortung müssen Menschen tragen. Der „Call“

fordert, dass Ethik im Design verankert ist. Das Dokument ist

interreligiös gestaltet. Auch jüdische und muslimische Führer,

insgesamt 21 Weltreligionen, haben unterschrieben.

Und darüber hinaus? In einer Welt, in der KI Wissen fragmentiert

oder Fake News produziert, kann die Kirche ein Ort

sein, wo man lernt, Wahrheit von Simulation zu unterscheiden.

„Wir sind noch nicht trainiert, mit dieser Form von Wissensvermittlung

umzugehen“, sagt Benanti. Sein Credo ist

der Gegenentwurf zur Erlösungsfantasie der Tech-Bros. Wo

sie den Menschen überwinden wollen, will er ihn mündig

machen: „Innovation macht Dinge effizienter. Entwicklung

fragt, ob sie dem Menschen nützt.“

Am Ende führen die Drähte aus der fränkischen Provinz,

aus der Luzerner Kapelle und kalifornischen Luxus-Villen zu

einer Frage: Es geht nicht darum, ob die KI ein Bewusstsein

entwickelt. Das ist Science-Fiction. Es geht darum, was passiert,

wenn wir uns an die Maschinen gewöhnen. Wir werden

gezwungen, neu zu definieren, was einen Menschen ausmacht.

Paolo Benanti zitiert dazu gerne den Gedankengang „Etsi

deus non daretur“ – als ob es Gott nicht gäbe. „Wenn es

keinen Unterschied mehr macht, ob ein Mensch oder eine

Maschine urteilt“, so der Mönch, „dann haben wir ein kulturelles

Problem, kein technisches.“

Klar, die Maschine kann trösten, predigen, missionieren –

schneller und billiger als jeder Pfarrer, Priester oder Imam.

Aber sie kann nicht glauben. Sie kann nicht zweifeln. Das

Problem ist nur: Wenn wir uns lange genug von Avataren

berieseln lassen, wenn wir Trost aus der Dose akzeptieren,

merken wir den Unterschied vielleicht gar nicht mehr. Dann

hätte die Maschine nicht Gott ersetzt. Sie hätte uns ersetzt. 7

Noch mehr Analyse: Sarah Spiekermann und Paolo Benanti

werden bei der wichtigsten Innovationskonferenz Europas

sprechen. Vom 15. bis 17. Januar findet in München die DLD

statt. Ein globales Netzwerk, das Entscheider aus den Bereichen Technologie,

Kunst, Business und Wissenschaft zusammenbringt

FOCUS 52/2025_01/2026 45


Wirtschaft

»Es müsste mit dem Teufel

zugehen, wenn wir das in

Deutschland nicht schaffen«

Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Laserspezialisten Trumpf, ist der Star

des deutschen Mittelstands. Ein Gespräch über die Schwäche der

Wirtschaft, die Kraft ihres Glaubens und ihre Erwartungen an den Kanzler

Interview von Georg Meck und Thomas Tuma, Fotos von Nicole Groß

46 FOCUS 52/2025_01/2026


Zwischen Reinst-

Räumen und ehernen

Familienwerten:

Trumpf-Chefin

Nicola Leibinger-

Kammüller

FOCUS 52/2025_01/2026

47


Wirtschaft

F

Frau Leibinger-Kammüller, Deutschlands Wirtschaft

ist im freien Fall, hilft jetzt nur noch beten? Was sagt die

gläubige Protestantin?

Man sollte nicht erst dann anfangen zu beten, wenn

alles über einem hereinbricht. Regelmäßige innere Einkehr

übers Jahr halte ich als Konzept für tragfähiger.

Die Lage zu analysieren und dann die Probleme anzugehen

– das müssen wir schon selbst erledigen. Aber

über dem Tagesgeschehen kann der Gedanke durchaus

helfen, dass wir in allem, was wir tun, getragen

und geführt werden.

Ihr schwäbischer Pietismus sagt: Wenn du dich hier

anstrengst, hilft das auch in einer anderen Welt, oder?

Dass Anstrengung belohnt wird, ist nicht der Kern dessen,

worum es geht. Sondern dass man geradezu die

Verpflichtung hat, aus seinen Talenten das Bestmögliche

zu machen, mit seinen Pfunden sprichwörtlich zu

wuchern. Ebenso die Erkenntnis: Man ist nie allein.

Mir geht es zum Beispiel so, dass ich immer wieder auf

tolle Menschen treffe, die mich weiterbringen. In der

eigenen Firma, aber auch im Rest der Welt. Vielleicht

sind das ja Engel. Jedenfalls geben sie mir Hoffnung.

Sie wurden streng protestantisch erzogen. Wie sah das

konkret aus? Durften Sie sich in Ihrer Jugend in keinen

Katholiken verlieben?

Selbstverständlich durfte ich. Mein Elternhaus war

trotzdem immer sehr liberal. Nur der Rahmen war klar

gesetzt: Kirchgang, Gebete, Gespräche über Religion –

das alles. Eine stark an christlichen Werten orientierte

Erziehung. Bei mir ging’s ja auch gut: Ich habe sogar

einen Pfarrerssohn geheiratet.

Die evangelische Kirche gibt sich gern antikapitalistisch,

links und woke. Wie oft hadern Sie mit Ihrer Amtskirche?

Die Kirche ist groß. Und – das darf man nicht vergessen –

sie ist immer und zuallererst für die Schwachen da.

Die Starken können sich im Zweifel selbst helfen. Das

bringt das Denken, auch meines, immer in eine gewisse

Richtung. Nicht nur, wer in diakonischen Einrichtungen

arbeitet, wird davon geleitet. Auch wenn ich nicht alles

verteidigen will, was aus der Spitze der evangelischen

Kirche so an „Innovationen“ kommt. Leider stoße ich

bei Kirchenvertretern oft auf ein gewisses Unwissen

über die soziale Seite des Unternehmertums.

Von den Kanzeln wird oft gegen die bösen Kapitalisten

gepredigt: „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,

als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“, sagte

schon Jesus in der Bibel.

Nicola

Leibinger-

Kammüller

1959

wurde sie in

Wilmington/Ohio

geboren, wo ihre

Eltern aus beruflichen

Gründen

gerade lebten

1984

begann sie nach

einem Philologiestudium

ihre Arbeit

im Familienunternehmen

2005

übergab Vater

Berthold Leibinger

ihr die

Geschäftsführung,

die sie nunmehr

20 Jahre innehat

Auch Jesus brauchte Bilder, um seine Wahrheiten einprägsamer

zu gestalten. Dieses Gleichnis ist zudem

viel breiter angelegt. Es geht um große Fragen wie:

Was bin ich bereit aufzugeben? Nicht nur Geld, auch

Gewohnheiten.

Dabei ist Geld nun mal ein Indiz für Erfolg.

Aber nur eines. Wenn ich denke, was wir als Firma alles

an sozialen Projekten unterstützen! Übrigens bieten wir

angehenden Geistlichen bei uns regelmäßig Betriebspraktika

an. Das hilft beiden Seiten im Verständnis füreinander.

Jedenfalls bleibe ich meiner Kirche treu und

lasse mich ganz gewiss nicht aus ihr vertreiben.

Stand Ihnen Ihr Glaube schon mal bei einer Geschäftsentscheidung

im Weg?

Nein, aber er schwebt über einem und bildet unsichtbare

Leitlinien. Man darf sich auch als CEO gelegentlich

ganz naiv fragen: Wie würde Jesus entscheiden?

Machen Sie das oft?

Wenn es nötig scheint. Und nicht nur bei der Frage,

ob Entlassungen unumgehbar sind. Man will ja nicht

schlecht mit Menschen umgehen. Das bedeutet aber

nicht, dass wir Entscheidungen aufschieben, die für

das Überleben der Firma und damit zum Wohl des

Ganzen existenziell zu werden drohen.

Darf man als Christ mit Rüstung Geld verdienen?

Sie investieren mit dem Elektronikkonzern Rohde &

Schwarz künftig in Militärprojekte. Was würde Jesus

dazu sagen?

Es geht um Drohnen, für die wir nun mal die ideale

Laser-Technologie liefern können. Diese Entscheidung

haben wir uns nicht leicht gemacht. Ich kann es anerkennen,

wenn jemand eine pazifistische Grundhaltung

hat. Aber ich selbst bin keine Pazifistin. Ich sehe,

dass die Ukraine seit über drei Jahren von Putin zerstört

wird. Und wenn ich oder mein Land in einer ähnlichen

Lage wäre, würde ich einschreiten. Mit allem,

was mir zur Verfügung steht.

Sie würden sich wehren?

Wenn ich angegriffen werde, klar. Und so handhaben

wir auch unser Projekt mit Rohde & Schwarz. Das sind

Laser zur Drohnenabwehr, die uns hoffentlich in wenigen

Jahren auf unserem eigenen Boden potenzielle

Angriffe ersparen, wie die Ukraine sie leider jede Nacht

erlebt.

Sie handeln nicht dem Profit zuliebe, sondern aus

Vaterlandsliebe?

Geschäftlich spielt das Drohnenprojekt wirklich nur

eine Nebenrolle. Wenn Sie so wollen, stecken wir in

einem Dilemma, das wir aus innerer Überzeugung annehmen:

Wir haben den passenden Laser. Und es ist

ein deutscher Laser. Das ist angesichts der geopolitischen

Verwerfungen heutzutage auch nicht ganz unwichtig.

Zu dieser – verzeihen Sie die Großspurigkeit –

patriotischen Tat fühlten wir uns verpflichtet.

Selbst der grüne Ministerpräsident in Stuttgart,

Winfried Kretschmann, ist für Rüstung.

Herr Kretschmann hat eben auch erkannt, dass wir

mittlerweile Waffen brauchen. Nicht um andere anzugreifen,

sondern um im Ernstfall das verteidigen zu

können, was wir uns hier aufgebaut haben an Freiheiten,

Werten und Wohlstand.

48 FOCUS 52/2025_01/2026


Familienunternehmen

Laser-Hightech aus Ditzingen: In dem schwäbischen Städtchen in der Nähe von

Stuttgart hat das Familienunternehmen Trumpf von je her seinen Sitz

Die schwächelnde Autoindustrie im Südwesten sucht ihr

Heil ebenfalls in der Rüstung.

Die hiesige Autoindustrie samt all ihrer Zulieferer beschäftigt

sich in erster Linie damit, die eigene Transformation

zu stemmen, in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung

und Produktivitätssteigerung. Das ist schon

hart genug, auch wenn sie meiner Ansicht nach auf dem

richtigen Weg ist. Den muss sie mit Verve weitergehen.

Haben Sie es jemals erlebt, dass es dem ökonomischen

Kraftzentrum Baden-Württemberg derart schlecht ging

wie aktuell?

Ich arbeite jetzt seit 41 Jahren bei und für Trumpf.

Die momentane Situation ist beispiellos. Alle Probleme

kommen gleichzeitig. Wir leben ja auch von vielen

kleinen Mittelständlern, die zugleich unsere Kunden

sind. Und deren Problem ist nicht unbedingt Donald

Trump, sondern dass sie hier in ihrer Heimat stranguliert

werden von ausufernden Berichtspflichten, hohen

Energiepreisen und politischer Unentschlossenheit.

Reihenweise gehen die Firmen kaputt.

Hat die Politik das verstanden?

Ich denke schon. Allen ist mittlerweile klar: Der Mittelstand

samt Maschinen- und Fahrzeugbau ist das Herz

unseres Wohlstands in der Region. Wenn dieses Herz

schwächelt, können wir uns alles andere nicht mehr

leisten: Kultur, Vereinsförderung, Soziales, Bildung.

Das sieht auch Berlin …

… wo sie mit der Politik von Friedrich Merz trotzdem

nicht zufrieden sein können.

Unser Wohlstand ist bislang immer gewachsen, es gab

nur eine Richtung, jedenfalls für viele: nach oben. Die

Menschen haben sich an viele Annehmlichkeiten gewöhnt.

Die anstehenden Schmerzen und Veränderungen

müssen aber auch ehrlich erklärt werden.

Manuel Hagel, der CDU-Spitzenkandidat im Südwesten,

hat mit Gerhard Schröder neulich über Reformen wie die

Trumpf in

Zahlen

4,33

Milliarden Euro

Umsatz machte

der Laser-Spezialist

im Geschäftsjahr

24/25

18 300

Beschäftigte

zählte das Familienunternehmen

Mitte des Jahres

14

Standorte unterhält

Trumpf in

Deutschland,

29 im Rest Europas

und weitere

28 weltweit,

darunter auch

in China und

den USA

Agenda 2010 gesprochen. So was könne jetzt nicht

gelingen, sagte Schröder, weil es den Deutschen noch

immer zu gut gehe.

Ich mag diese Deutung nicht, denn wir wollen ja, dass

es uns gut geht, oder? Aber ich verstehe die Aussage.

Zu Schröders Regierungszeit war die Arbeitslosigkeit

viel höher als heute. Deshalb fand er mehr Mitstreiter

für dringend nötige Reformen.

Heute fehlt der nach links gerückten SPD die Einsicht

ins ökonomisch Notwendige?

Wir müssen endlich anfangen, uns mit anderen zu vergleichen,

etwa bei den Arbeitszeiten, wo fast alle anderen

Länder, selbst die Schweiz, weit mehr Einsatz

zeigen. Wir haben als Firma auch Dependancen in

China und sehen dort, mit welchem unfassbaren Ehrgeiz

die Chinesen an ihre Arbeit gehen. Zumindest ein

bisschen was könnten wir uns davon schon abschauen.

Stattdessen gibt es bei uns schon ein Riesengeschrei,

wenn mal jemand einen Feiertag weniger fordert.

Sie haben die Abschaffung des Ostermontags gefordert

und damit einen Sturm der Entrüstung provoziert.

Ja, und das als bibelfeste Christin. Dabei war das nur

ein markantes Beispiel, das wachrütteln sollte. Wir müssen

mehr arbeiten, lautete der entscheidende Subtext.

Mal ehrlich: Gehen Sie am Ostermontag noch in die

Kirche, wenn Sie es Freitag und Sonntag getan haben?

Hm.

Sehen Sie! Es könnte statt des Ostermontags auch Himmelfahrt

sein. Welchen Mehrwert bringt es, wenn sich

an diesem Tag junge Männer gemeinsam betrinken,

um jetzt noch ein weiteres Mal ironisch zu überspitzen?

Vergessen Sie von mir aus auch diesen „Vorschlag“! Es

geht um die Symbolik und das Verständnis: Wir müssen

als Volkswirtschaft wieder mehr tun, weil der Wettbewerb

angezogen hat, idealerweise außerhalb der Feiertage.

Wir absolvieren im Ländervergleich in puncto

Arbeitsstunden zu wenig und fallen zu oft aus. Deutschland

hat mit die höchsten krankheitsbedingten Fehlzeiten

in ganz Europa.

Sind wir ein Volk von Blaumachern? Müssen bei Trumpf

auch Leute vorsprechen, wenn sie auffällig oft am Montag

fehlen, wie bei manchen Arbeitgebern inzwischen üblich.

Um solche Fälle kümmern wir uns schon länger. Ganz

fürsorglich. In mehreren Runden wird mit dem Mitarbeiter

darüber gesprochen. Natürlich vor allem, um

herauszufinden, ob wir was für ihn tun können, weshalb

es ihm oder ihr nicht ausreichend bei uns gefällt.

Das gebietet das pietistische Arbeitsethos?

Es ist doch so: Wenn ich fehle, obwohl ich vielleicht

nicht mal wirklich krank bin, muss meine Arbeit von

anderen erledigt werden. Ist das in Ordnung? Natürlich

gilt zunächst immer: In dubio pro reo. Aber wenn

sich Muster des Sich-raus-Mogelns zeigen, müssen

wir einschreiten. Solche Auszeiten können wir uns –

als Firma und Land – einfach nicht mehr leisten. Wir

sind nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig, weil

viele Produkte der Industrie kein Selbstläufer auf dem

Weltmarkt mehr sind wie früher.

Sie sehen das Manko in der Einstellung?

Eigentlich haben es die Leute verstanden. Aber es ist

unbequem. Dann müssen wir uns zur Leistung eben

FOCUS 52/2025_01/2026

49


Wirtschaft Familienunternehmen

Seit 20 Jahren Firmenchefin: Nicola Leibinger-Kammüller

gegenseitig zwingen. Unser System muss von Grund

auf erneuert werden. Ich hoffe nur, dass etwa die Rentenkommission

mit echten Fachleuten besetzt ist.

Sagen Sie das auch dem Kanzler, wenn Sie ihn treffen?

Natürlich. Ich sag’s ihm, weil ich gern ehrlich bin. Aber

er weiß es auch selbst.

Warum duckt er sich dann weg, und lässt den Herbst

der Reformen ausfallen?

Ich finde nicht, dass der Kanzler sich wegduckt. Aber

er muss neben einer außenpolitischen Herkulesaufgabe

eine schwierige Koalition zusammenhalten.

Nach der Wahl herrschte Aufbruchsstimmung.

Kein halbes Jahr später scheint alle Euphorie verflogen.

Inzwischen ist fraglos eine gewisse Ernüchterung eingetreten.

Aber man kann die Krise auch zusätzlich verstärken,

das geht auch an Sie, die Medien ...

… es sind Manager, die am lautesten über die Versäumnisse

in Berlin klagen. Oder sogar mit der AfD flirten.

Ich glaube zum Beispiel nicht, dass wir alle drei Tage

eine neue Umfrage brauchen, die das Genörgel abbildet

und dadurch weiter aufbaut. Als Schwäbin sage

ich: „Jetzt lasst sie doch mal schaffen!“ Leider verhindert

die SPD vieles an Umbau. Und leider gelingt es

den Koalitionspartnern nicht, ihre Diskussionen hinter

verschlossenen Türen auszutragen. Dann ist immer

gleich die Rede von „Streit“ und „Krach“ und „Krise“.

Alle sind Getriebene. Alle haben Angst, irgendwas

Falsches zu machen.

Angst ist ein gutes Stichwort. Was ist für Sie aktuell das

größere Problem: die SPD oder die AfD?

Der Vergleich ist schief. Die SPD hat die viel größere

Verantwortung, der sie sich leider zu wenig stellt. Die

AfD kann rumstänkern, wie sie will. Völlig egal. Sie

muss nicht zeigen, ob sie’s besser könnte. Das macht

es ihr einfach. Die einzige Möglichkeit, die AfD wieder

kleinzukriegen, wäre es, eine Politik zu liefern,

in der sich die Wähler wiedererkennen und sichtbare

Verbesserungen spüren.

»Es

ist völlig

sinnlos,

mit AfD-

Leuten zu

sprechen«

Ist die AfD mit dem Christentum vereinbar?

Schwierige Frage. Anfeindungen gegen einzelne Bevölkerungsgruppen,

die es seitens der AfD systematisch

gibt, sind es zumindest nicht.

Oder anders: Ist mit ihr Staat zu machen? Oder hilft

nur ein Verbot?

Die Verbote gab’s auch schon mal gegen links. Beim

damaligen Radikalenerlass dachte ich: Na ja, wer

schon den Staat ablehnt, sollte vielleicht nicht unsere

Kinder unterrichten. Aber gilt das auch für den Hausmeister

in der Kita? Es sind streitbare Fragen, die andere

Länder übrigens ganz anders sehen. Die Briten zum

Beispiel verstehen das Brandmauer-Thema nicht, das

ja so weit reicht, dass AfD-Abgeordnete nicht in der

Bundestags-Fußballmannschaft mitspielen dürfen. Da

fassen sich viele Leute im Ausland an den Kopf. Aber

wir haben auch eine andere Verantwortung unserer

Geschichte gegenüber.

Der Präsidentin des Familienunternehmer-Verbandes

Ostermann ist es schlecht bekommen, einen AfD-Mann

zu einem Parlamentarischen Abend einzuladen.

Deshalb bin ich ihr als Mitmensch beigesprungen in

diesem Shitstorm, den sie wirklich nicht verdient hatte.

Obwohl ich persönlich es für völlig sinnlos halte, mit

AfD-Leuten über ihren Standpunkt zu sprechen.

Warum?

Die kriegt man aus ihrem Tunnel nicht mehr raus. Sie

haben oft jede Kompromissfähigkeit verloren.

Frau Ostermann drehte dann bei und baute alle Brandmauern

zwischen Unternehmerlager und AfD wieder auf.

Ich weiß, aber das kann auch nicht die Lösung sein.

Wir sind da in einer Diskurs-Falle, denn der Unmut der

Menschen löst sich nicht von selbst oder durch Mauern

in Luft auf. Dieser Falle können wir nur mit dem besseren

politischen Angebot an die Wähler begegnen. Auf

allen Ebenen, auch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Ihr Bruder Peter Leibinger klingt als Präsident des mächtigen

Industrieverbandes BDI jeden Tag alarmierter. Bespricht

er das mit Ihnen?

Dafür braucht er mich nicht, aber natürlich tauschen

wir uns aus. Seine wachsende Sorge kann ich verstehen.

Darüber müssen wir alle gesellschaftlich deutlich

mehr reden. Dafür setze ich mich gern ein, auch mit

Ihnen hier, wenn es etwas in Gang setzt.

Wie zuversichtlich schaut Trumpf ins nächste Jahr?

Verhalten optimistisch. Es ist noch kein echter Aufschwung

zu erkennen, wie wir ihn nach früheren Krisen

erlebt haben. Aber auch kein weiterer Rückgang,

eher vorsichtige Anzeichen der Besserung.

Um noch mal zum Glauben zurückzukehren: Woran

glauben Sie, wenn Sie an Deutschland denken?

Dass wir gute Chancen haben, wenn wir uns zusammenreißen.

Wenn wir gemeinsame Ziele definieren.

Die Erfolgszutaten sind alle da: hervorragende Forschungseinrichtungen

und Universitäten, der Mittelstand,

hervorragende Technologien, eine duale Ausbildung,

um die uns viele Länder beneiden und – nicht

zuletzt – im Kern immer noch viele ideenstarke, fleißige

Leute. Um bei unserem Glaubens-Thema zu bleiben:

Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir

das nicht schaffen. 7

50 FOCUS 52/2025_01/2026


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in gemeinsamer Verantwortlichkeit mit mehreren Verlagen von Hubert Burda Media (siehe www.burda.com/de/gvv). Informationen zum Datenschutz können Sie unserer Impressum-Seite entnehmen.


Ressort Wirtschaft

Geschenkt und geschickt: Liefer- und

Paketdienste in Deutschland

Leben und

liefern lassen

Nicht nur zur Weihnachtszeit:

Ein Rausch der Pakete

hat das Land erfasst

Erwarten Sie ein Paket? Oder

zwei? Oder zehn? Weihnachtszeit

ist Lieferzeit. Die Deutschen

bestellen online und lassen liefern.

So ziemlich alles. Oder sie packen

und verschicken selbst. So ziemlich

alles. Der Geschenkerausch löst einen

Lieferwahn aus. Vor den angeblich

„stillen Tagen“ fluten Pakete die

Depots, Lastwagen und Annahmestellen.

Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt

ist das tägliche Paketaufkommen

in der Weihnachtszeit

doppelt so hoch. DHL, der Marktführer

unter den Paketdiensten, verzeichnete

bereits Anfang Dezember

einen Tages rekord von 12,4 Millionen

Paketen. Warum der nationale

Paketkollaps auch in diesem Jahr

ausbleibt? Weil Tausende zusätzliche

Kuriere arbeiten – und weil auch

Nachbarn Pakete annehmen. Klingeln

Sie doch mal nebenan! Dort

wartet ein Paket auf Sie. 7

NOAH RAFFENBERG

Mit 13,83 Lieferdiensten

pro

100 000 Einwohnern

ist Hamburg

die Metropole

mit der höchsten

Dichte

1292

Lieferdienste

gibt es in Nordrhein-

Westfalen –

die meisten

bundes weit

Anzahl Lieferdienste

nach Bundesland, 2025

Umsatz von Kurier-, Expressund

Paketdiensten

in Millionen Euro, in Deutschland

30 000

20 000

10 000

0

229

52

1292

2000

70

428

670

266

256

427

100

Stand: 10. Dezember 2025

91

843

64

96

Corona-Pandemie

298

240

20

24

5422

Lieferdienste sind

derzeit in Deutschland

aktiv

298

Lieferdienste

gibt es in Berlin –

mehr als in jeder

anderen Stadt

Marktanteile der größten

Paketdienste

nach Volumen, in Prozent,

in Deutschland, 2022

49

13

12

11

8

6

1

DHL

Hermes

UPS

DPD

GLS

FedEx/TNT

andere

Sendungsmenge von Kurier-, Express- und Paketdiensten

in Millionen, in Deutschland

6000

4000

Corona-Pandemie

4290

Prognose

5190

2000

2014 2020 2024

2030

Die Statistik umfasst nur tragbare Pakete unter 31,5 kg, die einzeln getrackt und im regulären

Transportnetz befördert werden. Briefsendungen und nicht als Paket geführte

Kleinsendungen sind ausgeschlossen

Quellen: Bitkom, Destatis, Getir,

Lieferando, Listflix, Statista, Znaki

52 FOCUS 52/2025_01/2026


Grafik der Woche

Essen, Kleider, Bücher: was sich die

Deutschen liefern lassen

Käufe, Bestellungen und Abonnements

über das Internet

in Prozent, Mehrfachnennungen möglich, 2024

Modeartikel 48

Filme/Serien, Musik

40

davon

Film- u. Sportstreaming

31

Musikstreaming

26

Medienprodukte

12

Verbrauchsgüter

Medieninhalte

davon

Printmedien

E-Books u. Audiobooks

digitale Abos

Eintrittskarten

Essenslieferung

Beherbergung

Einrichtung und Haushalt

9

7

19

29

27

26

24

23

23

64 % der

Bevölkerung

sprechen sich

für Drohnenlieferungen

aus.

51 Prozent sind

jedoch über

Kollisionen

und Abstürze

besorgt

Diese Lebensmittel bestellten die

Deutschen 2023 am liebsten

über Gorillas

Hafermilch

Bananen

Wasser

Bereitschaft, für klimafreundliche

Paketlieferungen mehr zu zahlen

in Prozent, 2023

Österreich

Deutschland

Spanien

Frankreich

Schweden

Eur. Durchs.

Italien

Großbrit.

Niederlande

Tschechien

Polen

28

26

24

23

22

20

19

16

16

16

13

Mit einem

Marktanteil von

75 Prozent im

Jahr 2024 steht

Lieferando

auf Platz eins

bei Essensbestellungen

in

Deutschland

HelloFresh

liefert Zutatenboxen

mit

Rezept und

Anleitung statt

fertiger

Mahlzeiten

Uber Eats nutzt

Ubers Logistiknetzwerk,

das

Kurieren hilft,

Bestellungen

schnell und

zuverlässig zu

liefern

Die Wolt-App

erlaubt geplante

Bestellungen,

bei denen Datum

und Uhrzeit

gewählt

werden können,

sodass das

Essen pünktlich

geliefert wird

50 %

Retourenquote

hat Zalando,

Deutschlands

größtes Online­

Modehaus

Diese Essensrichtungen bestellen

die Deutschen am liebsten

Amerikanisch

Japanisch

Italienisch

Deutsche Haushalte

erhielten

2024 im Schnitt

63 Pakete

FOCUS 52/2025_01/2026 53


Jörg Biebernick, CEO der

Paulaner Gruppe, verfügt

über 30 Jahre Erfahrung

in den Bereichen Konsumgüter,

Getränke und Tabak

54 FOCUS 52/2025_01/2026


Handel

Die Schlacht um die Brause

Coca-Cola, Pepsi und danach lange nichts. Das will Paulaner jetzt ändern.

Der bayerische Braukonzern greift mit einer eigenen Cola die Giganten aus

Amerika an. Lässt sich ein Erfolg wie mit Spezi wiederholen?

Text von Zoë Brunner und Georg Meck

FOTOS: SIMON KOY FÜR FOCUS-MAGAZIN, API

T

»Wir haben über 40 Prozent Marktanteil im Cola-Mix-

Segment. Wir haben so Selbstbewusstsein gewonnen.

Deshalb wagen wir uns an das größte Segment: Cola«

„Typisch Bayerisch“– das ist, woran die

meisten denken, wenn von Paulaner die

Rede ist. Als eine der sechs Münchner

Brauereien, die auf der Wiesn ausschenken

dürfen, betreibt Paulaner gleich auch

eines der größten Festzelte auf dem Oktoberfest.

Die Marke steht aber nicht nur für

Weißbier, Helles und Radler. Denn: Paulaner,

der Braukonzern, der zur Schörghuber

Gruppe und Heineken gehört, wagt

im März 2026 den Schritt in den Cola-

Markt.

Das Design? Pink, magenta, lila und

schwarze Wellen, die man doch schon

mal gesehen hat. In Dosen und 0,33-Liter-

Flaschen kommt die Paulaner-Cola in

den Einzelhandel und in die Gastronomie.

Cola steht für Popkultur, Fast Food,

jugendliches Lebensgefühl und gilt als typisch

amerikanisch. Der geplante Launch

wirkt wie ein Bruch mit Paulaners Identität.

Kann das gut gehen mit der bayerischen

Cola? Oder hat die Brauer der

Übermut gepackt?

Urban, leise, erfolgreich

Die farbige Welle hat man schon gesehen,

ein Sortiment alkoholfreier Getränke ist

bei Paulaner auch nichts Neues, und ein

Hauch Cola steckt schon in einem Produkt

drin. Gemeint ist das Getränk Paulaner

Spezi, offiziell ein Cola-Mix, aus Cola und

Orangenlimonade, der in Deutschland

den Markt dominiert. In diesem Segment

besitzen die Münchner einen Marktanteil

von rund 40 Prozent, der Absatz stieg

alleine im Jahr 2024 um knapp 25 Prozent.

Bei den Cola-Mix-Getränken ist Paulaner

damit Marktführer. „In Deutschland

erwirtschaften wir inzwischen mit alkoholfreien

Getränken mehr Umsatz als

mit alkoholhaltigen“, erklärt Jörg Biebernick,

seit September 2023 Chef der

Paulaner Brauerei Gruppe, im Gespräch

mit FOCUS. Das liegt vor allem an der

Beliebtheit der Süßgetränke, alkoholfreie

Biere können längst nicht mithalten. Und

das traditionelle Bier hat es, angesichts

von Fitness- und Gesundheitsbewusstsein,

schon länger schwer. Der Biermarkt

steht unter Druck. Fast krampfhaft suchen

Brauer, Alternativen zu entwickeln, präbiotische

oder probiotische Milchgetränke

und was die Fantasie sonst noch so hergibt.

Das Schrumpfen der Branche, die

Konzentration auf große Spieler bremst

Premiere im

März 2026:

So soll die

Paulaner-Cola

aussehen.

Die Ähnlichkeit

mit Spezi ist

erwünscht

das nur bedingt. Einst große Marken,

die sogenannten Fernsehbiere, verlieren

an Glanz, mit jeder Rabattaktion im

Getränkemarkt noch ein bisschen mehr.

Paulaner, der stabile Familienkonzern

der Schörghubers, ist mit breitem Rücken

unterwegs. „Es läuft hervorragend“, sagt

der Chef. Im Ausland etwa wird mit Bier

das große Geld gemacht. Sein Spezi darf

Paulaner allerdings erst nach einer Einigung

mit der Augsburger Brauerei Riegele

unter diesem Namen im kommenden

Jahr exportieren. Ab 2026 soll die Brause

in der Schweiz, Spanien, Italien, Frankreich

und Polen erhältlich sein.

Zum Erfolg des Paulaner Spezi-Getränks

in Deutschland trägt eine Marketingstrategie

bei, die sich bewusst von klassischen

Softdrinks wie Mezzo Mix aus

FOCUS 52/2025_01/2026

55


Wirtschaft

dem Hause Coca-Cola abhebt. Denn

während Coca-Cola, seit 1929 auf dem

deutschen Markt, zu jeder Saison, jeden

Feiertag und jedem Sportereignis massiv

in Werbekampagnen investiert, setzt

man bei Paulaner auf: Weniger ist mehr.

„Bloß keine Werbung, die nach Werbung

aussieht“, heißt es in der Werbestrategie

für Paulaner Spezi. Die Marke taucht in

urbanen Teilen der Stadt auf. In angesagten

Vierteln und Lifestyle-Läden hängen

die Retro aussehenden Logo-Plakate. Sie

hängen einfach da, wirken wie Teil des

Straßenbilds, ohne aufdringliche Handlungsaufrufe.

„Wir hatten bei Spezi das

Problem, dass die Leute die Plakate aus

den Gaststätten abreißen und über das

Bett hängen“, erklärt Biebernick mit

einem Lächeln. Ob das tatsächlich so

häufig passiert, lässt sich nicht belegen.

Klar ist: Für junge, urbane Konsumenten

ist die Braunglasflasche mit Kronkorken

und warmen Erdtönen „in“; man

trinkt sie an der Spree oder der Isar und

teilt sie gerne in den sozialen Netzwerken.

Für eine Marke gibt es kaum etwas

Besseres: Kein teures Marketing ist nötig,

die Konsumenten übernehmen die Arbeit

von selbst.

An den Erfolg mit Spezi will Biebernick

jetzt anknüpfen – und sich im kommenden

Jahr mit dem größten Getränkekonzern

der Welt anlegen. „Keine Cola schmeckt

besser“, tönt der Paulaner-Chef. Das hätten

alle Tests bestätigt.

Der geschmackliche Unterschied sei

klar erkennbar. Also ist mehr Koffein

enthalten? Weniger Zucker? Ein anderer

Kohlensäuregehalt? Das bleibt so ungewiss

wie das geheime Coca-Cola-Rezept.

Aber wird das wirklich klappen mit dem

Kampf gegen die Giganten – oder übernehmen

sich die Münchner Brauer?

Ein Markt mit kaum Platz für Neue?

Vor allem ihre optische Marken-DNA

ist ein Alleinstellungsmerkmal, das sie

um jeden Preis schützen. Das zeigte sich

im Rechtsstreit mit der Konkurrenzmarke

Berentzen. Paulaner klagte gegen

das Design des Mio-Mio-Cola-Mischgetränks,

weil dessen Etikettengestaltung

den Eindruck erwecken könnte, das

Produkt stehe in Verbindung zu Paulaner.

Einen weiteren markenrechtlichen

Streit gab es bereits Anfang des Jahres

mit der Brauerlimo von Karlsberg, den

Paulaner ebenfalls gewann. Bei einem

Cola-Produkt dürften so manche juristische

Bedenken aufkommen, könnte

man meinen. Schließlich ist das Feld aufgrund

von Rezeptur und Design stark

durch Patente geschützt. Der Paulaner-

Chef gibt sich allerdings gelassen: „Wir

haben keine rechtlichen Risiken zurückgespielt

bekommen“, sagt er.

Das größte Risiko ist der harte Wettbewerb

im Cola-Markt. Paulaner tritt als

Underdog an. Das ist dem Chef bewusst:

„Wir sind in der Rolle des David, aber wir

sind es gewohnt, von Goliaths umzingelt

zu sein.“ Sein Selbstbewusstsein, sich

kämpferisch durchzusetzen, schöpft er

nicht nur aus der Spezi, sondern auch

aus Erfolgen im Limo-Markt. Die Paulaner

Zitronen-Limo rangiert auf Platz

zwei im deutschen Markt. Rückenwind

kommt zudem vom Konsumverhalten: Der

Pro-Kopf-Verbrauch von Cola und Cola-

Mischgetränken ist in Deutschland zwischen

2021 und 2024 gestiegen. 2024 lag

dieser bei 36,2 Litern.

Wer wirklich Goliath in der Cola-Branche

ist, zeigt eine Auswertung des Marktforschungsinstituts

Global Data. Die Marketingmaschine

Coca-Cola führt gleich

mit drei Produkten im Marktanteilranking

in Deutschland: der klassischen Cola

(53 Prozent), Cola Zero (15 Prozent) und

Cola Light (8,5 Prozent). Zusammengerechnet

liegt der Marktanteil von Coca-

Cola bei fast 80 Prozent. Direkt dahinter

folgt der nächste US-Konzern, ebenfalls

mit drei Varianten. Zuerst die klassische

Pepsi, anschließend Pepsi Light und die

zuckerfreie Sorte Pepsi Max. Erst danach

Das Paulaner

Oktoberfestzelt,

früher Winzerer

Fähndl, zählt zu

den bekanntesten

und größten

auf der Wiesn

»Im Limonadenbereich haben wir in Deutschland bereits

einen höheren Absatz als mit Bier. Allein dieses Jahr

haben wir damit um 20 Prozent zugelegt. Der Biermarkt

dagegen steht unter Druck«

schaffen es deutsche Marken im eigenen

Land ins Spielfeld. Dazu gehört laut der

Auswertung die ostdeutsche Vita Cola,

die vor allem regional, etwa in Thüringen,

stark ist. Weitere Marken sind Sinalco,

Glorietta und Fritz-Kola.

Auf die Kampagne kommt es an

Warum also überhaupt den Versuch wagen,

in diesem stark umkämpften Markt

Fuß zu fassen? „Markteintrittsbarrieren

sind höher als in Segmenten wie dem

Cola-Mix-Markt“, erklärt Michael Pusler,

Dozent für Wirtschaftspsychologie an der

Hochschule Fresenius in München. Pepsi

beispielsweise schaffe es trotz Marketinganstrengungen

nicht, Coca-Cola nennenswerte

Marktanteile abzujagen. „Auf

Anhieb werden es keine zweistelligen

Marktanteile“, gesteht auch der Paulaner-Chef.

Coca-Cola versteht, dass Markenmacht

nur funktioniert, wenn sie mit

lokaler Feinjustierung kombiniert wird.

Paulaner hat das nicht erfunden. Die

„Share a Coke“-Kampagne ist dafür ein

Paradebeispiel. Seit Mai tragen Flaschen

und Dosen typische Vornamen der jeweiligen

Länder. In Deutschland ist es zum

Beispiel „Felix“, in Spanien „Maria“. So

wird selbst ein amerikanischer Großkonzern

für lokale Kunden nahbarer – und

schafft gleichzeitig einen Kaufanreiz, nämlich

eine Flasche mit dem eigenen Namen

zu suchen. Genau das gleiche Ziel verfolgt

Coca-Cola mit ihrer „Made in Germany“-

56 FOCUS 52/2025_01/2026


Handel

FOTOS: MARYAM MAJD/REUTERS, STEFAN FINGER/LAIF

Kampagne, die auf ihre regionale Präsenz

aufmerksam machen soll.

Zugleich sei die Marke ohnehin „mental

in den Köpfen der Verbraucher“ fest

verankert, so Pusler. Das heißt: Selbst,

wenn deutsche Kunden aufgrund der politischen

Lage in den Vereinigten Staaten

Produkte von dort meiden wollen, wird das

Coca-Cola vermutlich kaum betreffen. Das

Getränk bleibt generationsübergreifend

der Lieblingssoftdrink. Auch zwischen den

Geschlechtern und Generationen herrscht

in dieser Frage Einigkeit. Das zeigt eine

Umfrage des Instituts YouGov: Gen Z, Millennials,

Gen X und Babyboomer nannten

Coca Cola als Favoriten unter den zuckerhaltigen

Getränken.

Im deutschen Cola-Markt hat man in

der Vergangenheit durchaus gesehen,

dass heimische Marken einen Hype erleben

können. Zum Beispiel Afri-Cola. Ende

der 60er Jahre sprach die Marke mit provokanten

Werbungen den Zeitgeist an

und bot eine Cola mit höherem Koffeingehalt.

Eltern hielten das Getränk deshalb

von ihren Kindern fern – die wollten Afri-

Cola deshalb umso mehr. Ende der 80er

Jahre flaute das Interesse jedoch wieder

ab, heute ist der Marktanteil der Marke

sehr überschaubar.

Wie Paulaner abschneiden wird, zeigt

sich im März, wenn das Volk zum ersten

Mal die neue Brause probieren kann.

Schon im Sommer gab es vorab mehrere

Produkttests, bei dem jede Testperson eine

Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben

musste, damit alles streng geheim

bleibt.

Paulaners Erfolg im Spezi-Markt kann

entweder die Paulaner-Cola beflügeln

oder sich dort als Nachteil erweisen. Der

Grund: Paulaner könne mit einem weiteren

Cola-Produkt die eigenen Süßgetränke

wie Spezi und Limo kannibalisieren,

ohne im Markt nennenswert dazuzugewinnen,

sagt Pusler. Doch das Unternehmen

könnte auch von seiner treuen, jungen

Kundschaft profitieren. Ganz nach

dem Prinzip: Wer schon ein Paulaner-

Spezi-Fan ist, greift bestimmt auch zu

einer Cola aus dem Haus. „Die Marke ist

bekannt und kann durch zielgruppengerechte

Social-Media-Kampagnen sowie

Sponsoring publikumsstarker Kulturund

Sportevents effektiv Aufmerksamkeit

gewinnen“, nennt Pusler als positive

Eigenschaft. Tatsächlich setzt der CEO

auf genau diese Zielgruppe. TV-Spots,

wie man sie etwa von Coca-Cola kennt,

soll es eher nicht geben. Vorbild ist die

Spezi-Kampagne, mit Vermarktung über

Paulaner setzt

beim Branding

bewusst nicht

auf die Optik der

Konkurrenz

Der Sprung nach Amerika ins Cola-Mutterland

ist nicht geplant, sagt der Paulaner-Chef: »In den

USA gibt es zwei große Wettbewerber. Wir sind

nicht so vermessen, dieses Oligopol anzugreifen«

Die Erlöse der

Schörghuber Gruppe 2023

914 Mio.

Mit Getränken erzielt der Konzern den

größten Umsatz. In diesem Bereich

vereint die Gruppe ihre Beteiligungen an

Brauereien — zentral unter dem Dach

der Paulaner Brauerei Gruppe, einem

Joint Venture mit Heineken

297 Mio.

Die zweitstärkste Sparte ist Bauen und

Immobilien. Das Portfolio umfasst Wohnungen,

Büro- und Einzelhandelsimmobilien –

z. B. Objekte in besten Lagen Münchens

256 Mio.

Zu dem Bereich Seafood gehört die Firma

Productos del Mar Ventisqueros

in Chile. Ventisqueros fokussiert

sich auf die Aufzucht und Vermarktung

von Atlantiklachs

237 Mio.

Auch mit Hotels erzielt die Gruppe einen

Teil ihres Umsatzes. Dieser Bereich wird

von Arabella Hospitality geführt, die Hotels

und Resorts in Deutschland, Österreich,

der Schweiz und auf Mallorca betreibt

klassische Outdoor-Werbung und Social-

Media-Einsatz. „Wir kündigen die Marke

kaum groß an. Wir machen keine Massenwerbung,

weil wir den Kultstatus und

unsere Verwender sehr schätzen und respektieren.“

Eine Brause ohne politische Botschaft

Scharf grenzt Biebernick sich ab von

Cola-Wettbewerbern, die auf politische

Botschaften setzen, sich so ihre Nische

in einem speziellen Milieu suchen. „Wir

laden die Marke nicht politisch auf. Wir

machen keine ‚für Diversity‘ oder ‚gegen

Diversity‘ oder für links oder rechts – wir

bleiben sachlich bei dem, worum es hier

geht.“ Seine Zielgruppe sei die breite

Masse – so wie im Kerngeschäft: „Wir

machen Bier für alle. Wir bringen auf

dem Oktoberfest Menschen aus aller Welt

aus allen Schichten mit allen Ansichten

zusammen.“

Paulaner steht bei der Einführung seiner

Cola unter Druck. Schließlich sinkt

der Konsum von alkoholhaltigem Bier seit

den 90er Jahren kontinuierlich. Im ersten

Halbjahr 2025 erreichte der Bierabsatz

den niedrigsten Stand seit Beginn der

Messungen. Gleichzeitig stieg die Nachfrage

nach Cola- und Mischgetränken

zwischen 2012 und 2024 um 15 Prozent,

vor allem bei kalorien- und zuckerarmen

Varianten. Dem Trend zu einer gesünderen

Ernährung zum Trotz: Süßgetränke

bleiben weiter gefragt. 7

FOCUS 52/2025_01/2026

57


Wirtschaft Altersvorsorge

Zinseszins oder das

achte Weltwunder

Wie vorsorgen fürs Alter? Gerade Frauen verdrängen diese Frage oft.

Dabei ist der Aufbau von Vermögen gar nicht so schwer

40 Jahren bereits auf (brutto) 148 885 Euro

anwachsen. Eine doppelt so lange Anspardauer

führt also zu einem mehr als dreieinhalbmal

so hohen Vermögen. Das

heißt: Wer zu Beginn des Arbeitslebens

startet und bis zur Rente durchhält, nutzt

den Zinseszinseffekt optimal.

An der Börse gibt es jedoch noch einen

weiteren Vorteil. Wer beispielsweise per

Sparplan in einen Investmentfonds oder

einen ETF investiert, kann zusätzlich vom

sogenannten Durchschnittskosteneffekt

(Cost-Average-Effekt) profitieren. Dieser

funktioniert so: Anleger kaufen mit dem

Sparbetrag bei fallenden Kursen automatisch

mehr Fonds-Anteile und bei

steigenden Kursen entsprechend weniger.

Dadurch kann der durchschnittliche

Einstiegskurs im Laufe der Zeit niedriger

sein, als bei einer vollständigen Anlage

des Kapitals zu Beginn – was unterm

Strich zu einer höheren Rendite führt.

Strategischer Vermögensaufbau: Ein frühzeitiger Einstieg ist bei Sparplänen besonders sinnvoll

Das Rentenpaket der Bundesregierung

ist verabschiedet, was aus

noch an Reformen kommt, bleibt

fraglich. Sicher ist nur eines: Wollen

die Menschen in Deutschland

im Ruhestand nicht auf ihren gewohnten

Lebensstandard verzichten, müssen

sie ihre finanzielle Vorsorge mehr denn je

selbst in die Hand nehmen. Gerade Frauen

unterschätzen dies oft, wenn sie sich auf

ihre Partner vertrauen. Klüger ist es, aktiv

zu werden. Wertpapiersparpläne sind dafür

das perfekte Werkzeug. Mit ihnen kann

jeder einfach und effektiv ein Vermögen

aufbauen.

„Wer nicht durch Erbschaften mit größeren

Vermögenswerten startet, muss

frühzeitig mit dem Aufbau eines eigenen

Vermögens beginnen“, sagt

Andreas Schyra, Vorstandsmitglied

der unabhängigen

Vermögensverwaltung PVV

aus Essen. Ein häufiger Irrglaube

sei dabei, dass dafür

große Summen benötigt würden,

so der Portfoliomanager.

Tatsächlich lässt sich aber

bereits mit überschaubaren

Beträgen ein solider Grundstein

für ein sorgenfreies Alter

»Vermögensaufbau

ist

keine Frage

des Einkommens,

sondern

der Regelmäßigkeit«

Andreas Schyra, PVV

legen – allein durch Disziplin, Zeit und den

Zinseszinseffekt.

Albert Einstein bezeichnete die Zinseszinsen

einmal als das „achte Weltwunder“,

da sie die enorme Kraft der Zinsen verdeutlicht.

Denn werden die Erträge stets

neu angelegt und mitverzinst, entstehen

Zinseszinsen. So werden aus 10 000 Euro

und zwei Prozent Zinsen nach 30 Jahren

18 114 Euro, bei einer Verzinsung von fünf

Prozent sind es bereits 43 219 Euro.

Auch Sparplaninhaber profitieren vom

Zinseszinseffekt: Wer beispielsweise monatlich

100 Euro breit am Kapitalmarkt

investiert und damit eine durchschnittliche

jährliche Rendite von fünf Prozent

erzielt, hat nach 20 Jahren aus den Einzahlungen

von 24 000 Euro vor Steuern

40 754 Euro gemacht. „Vermögensaufbau

ist somit keine

Frage des Einkommens,

sondern der Regelmäßigkeit“,

erklärt Schyra.

Dabei ist Zeit der wichtigste

Verbündete aller Anleger.

Denn je länger gespart

wird, desto stärker wirkt der

Zinseszinseffekt. So würde

das Kapital im obigen Beispiel

bei einer Laufzeit von

Keine Angst vor der Börse

Hohe Kursschwankungen, die gerade für

Aktien typisch sind, können bei einem

Wertpapiersparplan sogar ein Vorteil

gegenüber der Einmalanlage sein. Zum

einen erlaubt dies langfristig eine höhere

Aktienquote. Zum anderen entfällt der

oft erfolglose Versuch, den „richtigen“

Einstiegszeitpunkt zu treffen. Dadurch

sinkt nicht zuletzt die (psychologische)

Einstiegshürde. „Vielen Menschen fällt

es emotional leichter, monatlich einen

kleinen Betrag anzulegen, als sich von

einer größeren Summe auf dem Konto zu

trennen“, bestätigt Michael Koschatzki,

Investmentprofi der Postbank.

Wie bei einer Einmalanlage ist allerdings

auch bei Wertpapiersparplänen die Wahl

des richtigen Anlagevehikels entscheidend.

Dieses muss vor allem zum eigenen

Risikoappetit passen. Denn was nützt der

beste Plan, wenn der besparte Fonds oder

ETF permanent an Wert verliert oder viel

zu stark im Wert schwankt? Glücklicherweise

stehen Anleger hier jedoch nicht

vor einem echten Problem. Seit Jahren

nimmt sowohl das Angebot an Sparplänen

als auch die Anzahl der Anlageprodukte

und -klassen, die bespart werden

können, in Deutschland kontinuierlich zu.

Am häufigsten investieren Anleger mithilfe

von Investmentfonds und vor allem ETFs

weltweit in Aktien und Anleihen. So wird

das Anlagekapital schon von Haus aus

besonders breit gestreut. In Kombination

mit einem langfristig angelegten Sparplan

erhöht sich so die Chance auf eine ordentliche

Rendite deutlich. 7 SASCHA ROSE

FOTO: FRANCESCO CARTA/GETTY IMAGES

58 FOCUS 52/2025_01/2026


»Aktien ohne

Ahnung: zocken.

Aktien mit

Ahnung: rocken.«

So checkst du Aktien und Co.

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Wie lässt sich der Alltag

jeden Tag ein bisschen

besser machen?

Um das herauszufinden, schauen die Forschenden

am German Innovation Center

(GIC) in Schwalbach ganz genau hin.

In einem Laborraum etwa werden die rund

200 Einzelteile, aus denen ein Rasierer der

Marke Braun besteht, im 4D-Computertomographen

und mit höchster Präzision vermessen:

Selbst Abweichungen von 0,004 Millimetern

werden detektiert. In einem anderen

Labor kämmt ein Roboter im Dauerbetrieb

Haare. Und in einem weiteren Raum sausen

Kleinkinder auf Dreirädern umher unter den

prüfenden Blicken der Mütter und Experten:

Sitzt die Pampers selbst unter Vollast einwandfrei?

Seit Gründung vor 20 Jahren hat sich das

GIC zum größten Forschungs- und Entwicklungszentrum

außerhalb den USA von

Procter & Gamble ausgebildet. Ob Babywindeln

oder Damenhygiene, Haushaltsgeräte,

Gesundheits- und Kosmetikprodukte:

Viele Innovationen aus den Laboren

von Procter & Gamble in Deutschland

haben die Welt erobert. Als globaler Takt-

Qualität made in Germany

Trends anstoßen, Technologien vorantreiben:

Procter & Gamble setzt auf

Forschung und Fertigung in Deutschland

Im German Innovation Center (GIC) am

Firmensitz im Taunus bei Frankfurt

werden Produkte von Procter &Gamble

kontinuierlich optimiert.

Die zentralen Einheiten in Schwalbach

und Kronberg werden derzeit in Form

eines „ONE Campus“-Modells mit Sitz

in Schwalbach zusammengeführt. Baubeginn

war Ende 2024.

Ab 2030 werden am neugestalteten

Firmensitz rund 2500 Beschäftigte in

modernstem Umfeld arbeiten.

Euskirchen

Super-Absorber und Luftkanal-Technologie:

Die Pampers-Windel wird stetig optimiert

Kronberg

Schwalbach

Groß-Gerau

Worms

Marktheidenfeld

Altfeld

geber nutzen die Forschungsteams am GIC

auch KI-gestützte Datenanalyse sowie

Industrie 4.0-Technologien. Dabei arbeitet

Procter & Gamble zusammen mit Start-ups,

Universitäten sowie Forschungsorganisationen

wie der Fraunhofer-Gesellschaft:

Qualität entsteht nicht im Alleingang.

Im Fokus steht dabei längst auch das Thema

Nachhaltigkeit. Am GIC erarbeiten interdisziplinäre

Forschungsteams Lösungen für

den effizienten und kreislauffähigen Rohstoffeinsatz,

für die weitere Reduktion von

Treibhausgas-Emissionen sowie für wasserund

energieoptimierte Prozesse – mit dem

Ziel, den Alltag der Menschen nicht nur besser,

sondern auch nachhaltiger zu machen.

Das Werk im rheinlandpfälzischen

Worms

versorgt Standorte von

Procter &Gamble

weltweit mit Parfums

und Aromen.

Das Verteilungszentrum

im mainfränkischen

Altfeld ist Teil des großen

Distributionsnetzwerks

von Procter &Gamble

in Europa.

Walldürn

Crailsheim


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Berlin

Für das Beste (nicht nur) im Mann: Seit mehr

als 80 Jahren ist Gillette in Berlin zu Hause.

Im Zentrum der deutschen Hauptstadt werden

Premium-Klingen für Rasierer von

Gillette sowie Gillette Venus hergestellt.

1975 nahm das erste deutsche Pampers-Werk

den Betrieb auf. In Euskirchen, einer Kreisstadt am

Nordrand der Eifel, dreht sich seither

alles ums Baby: Hier werden Pampers-Windeln

sowie Feuchttücher produziert.

Innovationen für die Mundhygiene und

Gesundheit: Das P&G-Werk nahe

Frankfurt am Main stellt WICK Erkältungsprodukte

sowie Zahnpasten der

Marken Oral-B und blend-a-med her.

Hochtechnisches Umfeld: Im unterfränkischen

Marktheidenfeld entstehen elektrische Zahnbürsten

und Aufsteckbürsten der Marke Oral-B.

Das Werk im baden-württembergischen Walldürn

produziert Damen- und Herren-Rasierer

der 1921 in Deutschland gegründeten Marke Braun.

Die Traditionsmarke ist seit 2005 ein

Teil der großen Markenfamilie von Procter &Gamble.

In Crailsheim im Südwesten Deutschlands

stellt Procter &Gamble seit inzwischen

mehr als vier Jahrzehnten Markenprodukte

für Damenhygiene (Always) sowie diverse Haushaltsprodukte

(Swiffer) her.

Aus Deutschland in die Welt

Start 1960: Procter & Gamble hat starke

Wurzeln in Deutschland

FOTOS: PETER GINTER PHOTOGRAPHY, INA STROHBRÜCKER PICTUREPARTNERS

Nah dran an

den Menschen

Dr. Heiko Tischler über

Forschung am GIC

Herr Dr. Tischler, Sie leiten das

Geman Innovation Center

in Schwalbach. Was zeichnet

den Forschungsstandort

Deutschland für Sie aus?

Deutschland verfügt über ein leistungsstarkes

Innovations-Ökosystem

kombiniert mit exzellenter Bildung, herausragender

Forschung und industrieller

Kompetenz. Die enge Zusammenarbeit

zwischen Universitäten,

Forschungseinrichtungen und Unternehmen

speziell in der Rhein-Main-

Region befördert die Entwicklung

neuer Technologien und deren Einsatz

auf breiter Ebene.

Und was macht das German Innovation

Center so besonders?

Im GIC arbeiten rund 1400 Forscherinnen

und Forscher nah am Alltag der

Menschen. Das Zusammenspiel von

30 Fachdisziplinen ermöglicht technologische

Spitzenleistungen, die „made

in Germany“ sind, aber weltweit zum

Einsatz kommen. Besonders stolz

sind wir auf Produkte, die exzellente

Leistung liefern und zugleich für mehr

Nachhaltigkeit sorgen – etwa die umweltfreundliche

Papierverpackung der

Always Binden oder unsere Windeln

mit Extra-Auslauf-Schutz am Rücken.

Über welche Innovation können

Verbraucher demnächst staunen?

Das ist natürlich noch geheim. Nur

so viel: Unser Fokus liegt stets auf

den Menschen sowie auf Innovationen,

die ihnen im Alltag echten Nutzen

bringen. Zudem befassen wir uns mit

neuen Ansätzen etwa zu Verpackungsreduktion

und Recyclingfähigkeit.

Mit zunehmend datengetriebener

Forschung und KI-gestützter Entwicklung

erfüllen wir das hohe Qualitätsversprechen

der Marken von

Procter & Gamble mit Leben. Unsere

Innovations-Pipeline ist gut gefüllt.


VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG

Breite Analyse

Basis der Auswertung sind

vier verschiedene Studien

mit mehreren Millionen

Quellen

Studie

Beste Perspektiven

Ausbildung, Karrierechancen, Sicherheit – bei welchen Arbeitgebern

dürfen die Mitarbeiter das beste Gesamtpaket erwarten?

Junge Talente stellen zunehmend

die Frage nach dem Sinn ihrer

Arbeit. Studien zeigen, dass viele

Hochschulabsolventen bereit sind,

auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten,

wenn sie dafür eine Tätigkeit mit

höherem gesellschaftlichem oder persönlichem

Nutzen ausüben können. Für

die High Potentials – die Führungskräfte

der Zukunft – zählen vor allem Sinnhaftigkeit,

gesellschaftlicher Impact, Nach-

haltigkeit und die Übereinstimmung mit

den eigenen Werten. Gleichzeitig rücken

Themen wie mentale Gesundheit, Work-

Life-Balance und die Möglichkeit, Arbeit

flexibel ins Leben zu integrieren, in den

Vordergrund. Beim Wettbewerb um

die Talente der Zukunft können Unternehmen

deshalb nicht allein mit einem

guten Zweck punkten. Sie müssen den

Bewerbern vielmehr ein stimmiges

Gesamtpaket anbieten.

An diesem Punkt setzt die vorliegende

Studie an: Gemeinsam mit dem

Kölner Analysehaus ServiceValue hat

DEUTSCHLAND TEST diejenigen

Arbeitgeber gesucht, die die Bedürfnisse

der Arbeitnehmer am besten erfüllen.

Welche Unternehmen buchstäblich

ausgezeichnet sind, zeigen die Ergebnisse

auf den folgenden Seiten.

SANDRA LEINFELDER

Illustration: Adobe Stock


DEUTSCHLAND TEST

Methodik

Datengrundlage

Für die Studie „Arbeitgeber des Jahres 2026“

wurden circa 16 000 Unternehmen untersucht.

Basis dieser Auswertung, die die Themengebiete

Ausbildung, Jobs mit Zukunft, Top-Karrierechancen

und Fairness im Job umfasst, ist ein

Social-Media-Monitoring. Die in den Themengebieten

erzielten Punktwerte wurden als Grundlage

für die Studie herangezogen. Durchgeführt

wurden die einzelnen Erhebungen vom Kölner

Marktforschungsinstitut ServiceValue im Auftrag

von DEUTSCHLAND TEST.

ARBEITGEBER

DES JAHRES

2026

ARBEITGEBERREPUTATION

FOCUS 52-1/26 | DEUTSCHLANDTEST.DE

Datenerhebung

Die Datenerhebung des Social-Media-Monitorings

erfolgte jeweils in zwei Schritten. Zunächst

wurden sämtliche Texte, die die zuvor definierten

Suchbegriffe enthielten, aus dem Internet geladen

und in einer Datenbank erfasst. Das Quellenset

umfasste unter anderem Zehntausende

Online-Nachrichten sowie mehrere Millionen

Social-Media-Quellen. Berücksichtigt wurden

dabei sämtliche Seiten beziehungsweise Inhalte

von Seiten, die folgende zwei Bedingungen erfüllt

haben: Es sollte eine deutschsprachige Domain

sein (.at- und .ch-Seiten wurden ausgeschlossen)

und es sollte einen uneingeschränkten

Zugang zum Inhalt der Seite geben. Anschließend

wurden die Daten in drei Stufen analysiert:

Welches Unternehmen/welche Marke wurde

erwähnt? Welches Thema wurde besprochen?

Welche Tonalität wies das Textfragment auf?

Auswertung und Auszeichnung

Zur Berechnung der einzelnen Punktwerte wurden

für jedes Unternehmen zwei Werte ermittelt:

die Differenz aus positiven und negativen Nennungen

geteilt durch die Gesamtzahl der Nennungen

(Tonalitätssaldo je Eventtyp) und die

Anzahl der Gesamtnennungen im Verhältnis zum

Mittelwert der Branche (Reichweite je Eventtyp).

Dabei wurden die folgenden Eventtypen in den

zugrunde liegenden Themengebieten verwendet:

ökonomische Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit,

Arbeitgeber, Arbeitsklima, Unternehmenskultur,

Ausbildung, Karriere sowie die Fairness.

Die Berechnung des Punktwerts erfolgte branchenspezifisch

auf einer Skala von null bis 100

Punkten. Der jeweilige Branchensieger erhielt 100

Punkte und setzte damit die Benchmark für alle

anderen untersuchten Unternehmen der Branche.

Der durchschnittliche Punktwert aller Teilnehmer

in einer Branche bildete die Untergrenze

für die Vergabe der Auszeichnungen. Eine Auszeichnung

bekamen diejenigen Unternehmen,

die überdurchschnittlich gut in der Gesamtwertung

abgeschlossen haben. Sie sind in der nachstehenden

Tabelle aufgeführt.

Gut, besser, ausgezeichnet.

DEUTSCHLAND TEST untersucht Produkte und Dienstleistungen

aus allen Lebenswelten nach wissenschaftlichen

Methoden. Ausführliche

Ergebnisberichte und spannende

Artikel helfen Ihnen dabei, Kaufentscheidungen

klar und informiert

zu treffen. Besuchen Sie uns

auf deutschlandtest.de und

erfahren Sie mehr über unsere

Tests und Auswertungen.

Die Bestenliste

Branche/Unternehmen

Score

Autohändler

Glinicke 100,0

STERNPARTNER Gruppe 99,6

widmann 98,1

Borgmann 96,4

Fischer Automobile 92,6

Autohaus Weeber 91,4

May & Olde 89,1

KOHL automobile 87,3

Hülpert Automobile 83,2

Autohaus Jürgens 79,6

Autohaus Peter Gruppe 77,4

Auto Bierschneider 73,5

Automatisierungs- &

Systemtechnikanbieter

HEITEC 100,0

Weidmüller 98,4

Schneider Electric 95,2

ABB 93,2

VAHLE 87,3

Automobilhersteller

BMW 100,0

Porsche 98,3

Hyundai 95,3

Branche/Unternehmen

Score

Renault 92,9

Honda 89,8

Toyota 88,4

Mazda 88,3

Škoda 87,4

Opel 85,7

Citroën 84,3

Kia 84,2

Volvo 82,6

Automobilzulieferer

KSM Castings 100,0

TMD Friction 98,6

GEDIA 96,2

ISRINGHAUSEN 93,9

FORVIA 93,2

HÖRMANN Automotive 91,8

BPW 88,1

Röchling Automotive 86,2

Winkelmann Group 83,3

Mubea 81,3

BOS 80,5

Brose 80,3

Kiekert 78,5

Tenneco 76,8

Branche/Unternehmen

Score

Continental 76,3

Bäckereien

Junge Die Bäckerei 100,0

SCHÄFERS BACKSTUBEN 92,7

pappert 84,4

Backstube Wünsche 80,1

Kamps 79,6

Baumärkte

GLOBUS Baumarkt 100,0

hagebau 95,3

toom Baumarkt 94,7

HORNBACH 90,6

Bausparkassen

LBS NordWest 100,0

Wüstenrot Bausparkasse 98,8

LBS Süd 93,1

ALTE LEIPZIGER Bauspar 89,0

Baustoff- & Bauchemieanbieter

MUNK 100,0

Wienerberger 96,9

PERI 93,2

ACO 88,6

PCI Augsburg 86,1

BAUDER 83,0

Branche/Unternehmen

Score

Layher 80,8

Schöck 77,7

remmers 74,7

Bauunternehmen

KLEBL 100,0

Peter Gross Bau 98,5

Matthäi 97,9

Swietelsky 94,7

ALHO 90,6

Hentschke Bau 87,2

DEPENBROCK 87,0

PORR 86,9

GOLDBECK 82,9

HOCHTIEF 81,8

Beleuchtungsanbieter

TRILUX 100,0

SITECO 99,5

LEDVANCE 91,3

Branchen- &

Spezialsoftwareanbieter

Vimcar 100,0

LIS Logistische Informationssysteme

98,0

Enreach 96,2


VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG

Branche/Unternehmen

Score

PCS Systemtechnik 96,0

MVTec 94,2

Eplan Software & Service 91,2

Maxon Computer 90,2

GUBSE 89,8

MeVis Medical Solutions 89,6

AUCOTEC 88,5

Workday 88,3

Brauereien

Fürstenberg Brauerei 100,0

Weihenstephaner 99,0

Heidelberger 97,7

Flensburger 96,9

VELTINS 96,1

Anheuser-Busch InBev

(AB InBev)

92,9

Krombacher 92,8

Radeberger 89,9

Caterer &

Lebensmittellieferanten

apetito catering 100,0

Compass Group 94,0

SANDER Gourmet 92,8

Aramark 85,6

Chemieunternehmen

BASF 100,0

TUNAP 99,7

BÜFA 96,5

Covestro 89,4

Alzchem 86,1

LyondellBasell 83,1

Computer- & Zubehöranbieter

medion 100,0

NVIDIA 97,4

Epson 92,0

ASUS 91,8

HP 91,3

BenQ 89,0

EIZO 88,3

Digital-Marketing-Agenturen

dotSource 100,0

Digistore24 97,0

Ray Sono 84,6

Direktbanken

norisbank 100,0

Consorsbank 98,5

CRONBANK 95,3

ING 90,0

UmweltBank 88,8

Direktversicherer

Sparkassen DirektVersicherung 100,0

CosmosDirekt 97,4

HUK24 93,8

DFV Deutsche

Familienversicherung

92,1

Hannoversche 90,5

Drogeriemärkte

dm-drogerie markt 100,0

Drogeriemarkt Müller 97,1

ROSSMANN 88,4

Branche/Unternehmen

Score

E-Learning-Anbieter

Lecturio 100,0

WEKA E-Learning 93,5

Udemy 88,4

Elektroindustrieunternehmen

Friedhelm Loh Group 100,0

Legrand 99,7

NKT 88,0

Glen Dimplex 83,9

LEONI 76,7

Elektronik-Großhändler

UNI ELEKTRO 100,0

Rutronik 98,5

Avnet Silica 95,7

FEGA & Schmitt 94,6

GRANZOW 90,3

KOSATEC 88,4

Alexander Bürkle 81,6

Elektronische-Bauteile-

Hersteller

Rittal 100,0

Texas Instruments (TI) 97,6

Siltronic 97,3

AEG Power Solutions 94,4

Würth Elektronik 93,9

METZ CONNECT 92,8

TTI 86,8

Infineon Technologies 83,1

KOSTAL 81,4

Schmersal 81,2

Elektrotechnikanbieter

HELDELE 100,0

NAT Neuberger Anlagen-Technik 98,0

LEIBINGER

Coding & Marking Systeme

96,4

Hitachi 87,0

Theben 81,9

Energieversorger (regional)

EAM 100,0

HanseWerk 98,0

enviaM 96,5

Avacon 94,9

GGEW 92,1

EWE 89,2

Süwag 86,2

TEAG Thüringer Energie 84,7

Lechwerke (LEW) 83,0

AVU 82,9

Energie SaarLorLux 82,8

Technische Werke Ludwigshafen 78,9

SachsenEnergie

(DREWAG/ENSO)

76,7

Pfalzwerke 76,2

WEMAG 74,7

Energieversorger (überregional)

EnBW 100,0

eprimo 99,2

MAINGAU Energie 98,6

RWE 93,7

E WIE EINFACH 90,1

Branche/Unternehmen

Score

Facility Manager

ray facility management 100,0

Klüh Service Management 98,6

Geiger Facility Management 95,9

Piepenbrock 90,0

Götz-Gebäudemanagement 81,7

Fahrrad-/E-Bike-Hersteller

HP Velotechnik 100,0

Specialized 99,5

ROSE Bikes 92,4

Farben- & Lackhersteller

Brillux 100,0

Caparol 93,0

AkzoNobel 88,2

Fashion-Discounter

NKD 100,0

KiK 97,4

Takko Fashion 90,8

Fertighausanbieter

DFH Haus 100,0

SchwörerHaus 99,2

WeberHaus 96,4

FingerHaus 92,8

RENSCH-HAUS 91,7

HAAS FERTIGBAU 88,9

BIEN-ZENKER 87,4

Regnauer 85,1

Finanz- & Anlageberater

tecis 100,0

OVB 99,1

FORMAXX 97,6

MLP 95,3

TauRes 91,8

LAUREUS PRIVAT FINANZ 89,0

Deutsche Vermögensberatung

(DVAG)

86,4

Bonnfinanz 84,9

Fitnessstudiobetreiber

INJOY 100,0

clever fit 93,5

EASYFITNESS 93,2

Forschungs- &

Entwicklungszentren

Helmholtz-Gemeinschaft

Deutscher Forschungszentren

100,0

Deutsches Zentrum für

Luft- und Raumfahrt (DLR)

98,6

Deutsches Forschungszentrum

für Künstliche Intelligenz 92,0

(DFKI)

Max-Planck-Gesellschaft 87,0

European Space Agency (ESA) 83,7

Gemeinnützige Krankenhäuser

Robert Bosch Krankenhaus 100,0

BG Klinikum Duisburg 98,2

Diakonissen-Stiftungs-

Kranken haus Speyer

97,4

Krankenhaus St. Joseph-Stift

Bremen

95,3

Klinikum Hochsauerland 92,1

Branche/Unternehmen

Score

Klinikum Westmünsterland

(KWML)

90,6

BG Klinik Tübingen 88,3

DRK Kliniken Berlin 87,1

Gesichtspflege- &

Kosmetikhersteller

BABOR 100,0

AVON 99,3

Beiersdorf 98,9

cosnova 98,1

Weleda 92,7

Glasverarbeitende

Unternehmen

SCHOTT 100,0

Pilkington 91,1

SEMCO 86,0

Gummi- & Kunststoffindustrieunternehmen

Pöppelmann 100,0

OKE Group 96,3

igus 95,8

LAMILUX 87,3

POLIFILM 83,4

Kautex Textron 81,6

RENOLIT 79,6

Haushaltselektrogerätehersteller

ELECTROSTAR 100,0

BSH Hausgeräte 99,8

AEG 98,0

KÄRCHER 95,3

Miele 92,3

Gaggenau 90,0

Midea 89,8

Hörgeräteakustiker

HörPartner 100,0

audibene 98,5

NEUROTH 91,2

GEERS 87,8

Hotels

Maritim Hotels 100,0

Accor Gruppe 99,2

Classik Hotel Collection 98,9

Best Western Hotels & Resorts 93,9

Seminaris 89,1

Kempinski 85,8

Leonardo Hotels 85,4

Marriott Hotels 82,5

a&o hostels 82,3

WELCOME HOTELS 81,5

Atlantic Hotels 80,1

HR-Software-Anbieter

Haufe Group 100,0

HANSALOG 94,8

ATOSS 86,7

Atoria 79,9

Immobilienmakler

Laufenberg Immobilien 100,0

GARANT Immobilien 97,5

VON POLL IMMOBILIEN 96,0


DEUTSCHLAND TEST

Branche/Unternehmen

Score

RE/MAX 95,0

Engel & Völkers 90,1

CBRE 76,1

Ingenieurbüros &

-dienstleister

Bilfinger 100,0

Arcadis 97,2

engineering people 94,7

EDAG 85,2

Ramboll 80,7

IT-Berater

ORBIS 100,0

FIS Informationssysteme und

Consulting

99,5

audius 94,1

apsolut 92,0

Devoteam 90,8

Cideon 90,5

codecentric 89,1

Allgeier 88,0

DIGITALL 86,4

viadee 85,8

cbs Corporate Business

Solutions

85,1

Claranet 83,5

EITCO 83,4

COSMO CONSULT 83,2

IT-Dienstleister

Würth IT 100,0

Hessische Zentrale für

Datenverarbeitung (HZD)

99,3

infinit.cx 97,0

Atruvia 94,4

Prodware 91,9

TechniData IT-Service 89,6

SV Informatik 89,4

SYNAXON 89,1

Unisys 88,3

COMRAMO 84,4

telent 84,3

NTT DATA 83,7

Ansys 83,0

IT-Systemhäuser

CVS Ingenieurgesellschaft 100,0

interface systems 95,4

Controlware 94,3

Westcon-Comstor 93,3

WBS IT-Service 87,6

Axians 83,0

BWI 77,2

Krankenkassen

BKK firmus 100,0

IKK classic 99,1

BKK24 96,6

AOK NordWest 95,8

HEK Hanseatische

Krankenkasse

95,4

Pronova BKK 94,9

AOK Baden-Württemberg 92,2

AOK Niedersachsen 90,4

Branche/Unternehmen

Score

AOK Bayern 88,7

AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 85,6

TK Die Techniker 85,2

BARMER 85,1

VIACTIV Krankenkasse 84,4

BERGISCHE KRANKENKASSE 82,5

AOK Hessen 77,6

IKK Südwest 77,4

Audi BKK 76,4

BIG direkt gesund 72,6

Kreditbanken

TeamBank 100,0

Creditplus Bank 99,7

akf bank 92,6

TEBA Kreditbank 91,2

Kreditkartenanbieter

Mastercard 100,0

American Express 95,7

VISA 87,8

Küchenmöbelhersteller

nobilia 100,0

SieMatic 98,5

Bauformat Küchen 95,1

nolte 91,0

Rotpunkt 90,4

LEICHT Küchen 88,7

Laborunternehmen

Bioscientia 100,0

SYNLAB 96,1

SGS Institut Fresenius 92,5

amedes 90,7

Landes- & Förderbanken

NRW.BANK 100,0

IFB Hamburg 92,8

Norddeutsche Landesbank

(Nord/LB)

90,8

Landesbank

Baden-Württemberg (LBBW)

85,3

Investitionsbank des Landes

Brandenburg (ILB)

83,9

Leasinggesellschaften

MLF Mercator-Leasing 100,0

Arval 98,8

Deutsche Leasing 98,2

ATHLON 90,4

Lebensmittel & Getränke

(Großhändler)

dennree 100,0

Transgourmet 99,5

WESTFLEISCH 88,1

Landgard Service 78,0

OMEGA SORG 76,7

Lebensmittel-Discounter

Netto Marken-Discount 100,0

NORMA 94,7

LIDL 86,0

PENNY 85,7

Lebensmitteleinzelhändler

WASGAU 100,0

EDEKA 99,9

Branche/Unternehmen

Score

REWE 87,6

MARKTKAUF 80,6

Lebensmittelproduzenten

Dr. Oetker 100,0

Barilla 92,9

Nestlé 92,8

Mondelez 82,5

Kraft Heinz 82,3

RAPS 81,5

Lkw- &

Nutzfahrzeugproduzenten

Renault Trucks 100,0

MAN Truck & Bus 95,6

Kögel Trailer 92,5

FAUN Umwelttechnik 90,9

Daimler Truck 85,7

HORSCH 84,9

STEYR 83,4

STILL 82,2

MECALAC 80,4

Komatsu 74,8

Maschinen- &

Anlagenbauunternehmen

KSB 100,0

Rommelag 99,9

Kiesel 98,4

Erwin Junker Maschinenfabrik 97,2

ProMinent 96,1

OPTIMA packaging group 95,6

ARBURG 94,4

Leistritz 93,3

WIRTGEN GROUP 92,0

TRACTO-TECHNIK 91,6

BUSCH 90,9

Kurtz Ersa 89,2

Sturm-Gruppe 88,0

SCHMID Group 87,0

Caterpillar 86,8

WAFIOS 85,8

thyssenkrupp 84,2

Knorr-Bremse 84,0

MOSCA 83,8

TRUMPF 82,1

MEIKO 81,5

Medizintechnikunternehmen

Medica Medizintechnik 100,0

B. Braun 97,6

Stryker 92,8

Drägerwerk 87,7

Henke Sass Wolf 85,1

Erbe Elektromedizin 83,9

Ziehm Imaging 83,1

Messestandorte

Koelnmesse 100,0

Messe München 98,3

Messe Düsseldorf 89,0

Hannover Messe 85,4

Messtechnikanbieter

VEGA 100,0

PFISTERER 98,9

Branche/Unternehmen

Score

Endress+Hauser 93,0

WIKA 90,9

SONOTEC 86,8

Rohde & Schwarz 82,7

Wöhler Technik 77,3

Metallindustrieunternehmen

VDM Metals 100,0

Heraeus 99,4

RUD 99,3

SCHÄFER WERKE 95,0

CERATIZIT 89,9

Uponor 82,4

TRIMET 81,7

G.RAU 75,1

ARI-Armaturen 74,0

Möbelhändler

Höffner 100,0

XXXLutz 99,6

BRAUN Möbel-Center 92,5

porta 91,2

SEGMÜLLER 89,4

Möbel RIEGER 88,2

Möbel Inhofer 86,5

MÖBEL MARTIN 85,1

Möbelhändler – Discount

SB-MÖBEL BOSS 100,0

POCO Einrichtungsmärkte 96,4

mömax 91,0

Mode- & Textilhäuser

Leffers 100,0

Lodenfrey 99,1

engbers 98,5

ADLER 83,4

LUDWIG BECK 81,9

Ernsting’s family 80,9

HIRMER 79,9

C&A 79,6

Molkereien

Berchtesgadener Land 100,0

DANONE 98,9

Münsterland 86,8

Netzbetreiber

EWE NETZ 100,0

Schleswig-Holstein Netz 99,2

WEMAG Netz 98,2

e-netz Südhessen 96,9

ONTRAS 94,9

TenneT TSO 94,3

VNG Verbundnetz Gas 90,2

Netze BW 88,1

Westfalen Weser Netz 87,0

Netzwerk-Technologie-Anbieter

LANCOM Systems 100,0

Schubert System Elektronik 91,0

TP-Link 83,9

Media Broadcast Satellite 83,3

Cisco 82,7

Extreme Networks 82,0

Öffentliche Krankenhäuser

Universitätsklinikum Erlangen 100,0


VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG

Branche/Unternehmen

Score

Universitätsklinikum

Regensburg

99,4

Städtische Kliniken

Mönchengladbach

98,3

Wertachkliniken 97,0

Ortenau Klinikum 96,5

Klinikum Darmstadt 91,9

RoMed Klinikum Rosenheim 91,7

Klinikum Gütersloh 90,3

Städtisches Klinikum Karlsruhe 88,8

Klinikum Osnabrück 87,7

Oberschwabenklinik 86,4

Klinikum am Weissenhof (ZfP) 84,2

Klinikum Ingolstadt 83,8

Knappschaft Kliniken

Westfalen

81,1

Waldkliniken Eisenberg 80,9

Klinikum Fürth 80,5

Universitätsklinikum Jena 78,3

Universitätsklinikum

Schleswig-Holstein (UKSH)

78,1

Klinikum Region Hannover

(KRH)

76,2

Öffentlicher Dienst

Gebäudemanagement

Schleswig-Holstein (GMSH)

100,0

ITZBund (Informationstechnikzentrum

Bund)

99,0

Bayerische Staatsforsten 96,5

Bundesagentur für Arbeit 94,6

DFS Deutsche Flugsicherung 81,8

Deutsche Rentenversicherung

Bund

79,8

Ökostrom- & Gasanbieter

Naturwerke 100,0

Grünwelt Energie 98,2

Statkraft 95,4

naturstrom 92,3

goldgas 91,0

naturenergie 88,5

Octopus Energy 87,1

Optiker

Binder Optik 100,0

neusehland 98,5

Brillen ROTTLER 93,1

fielmann 89,0

Papierhersteller & -verarbeiter

Steinbeis 100,0

Koehler Paper 97,0

Progroup 89,7

Fripa 80,3

Personaldienstleister

office people 100,0

MYPEGASUS 99,5

SOLCOM 98,3

zeitconcept 95,0

division one 91,2

Randstad 88,4

Amadeus Fire 85,8

InStaff & Jobs 84,2

Branche/Unternehmen

Score

Manpower 77,2

Trenkwalder 75,8

Adecco 73,0

Etengo 68,5

top itservices 65,4

Pflege- & Gesundheitsproduktanbieter

Kneipp 100,0

Klosterfrau 97,2

DERMASENCE 89,6

Pflege- & Hilfsdienste

Pflegehelden 100,0

HUMANITAS Pflegeservice 90,1

AWO 86,8

Pflege- &

Seniorenheimbetreiber

Alloheim Senioren-Residenzen 100,0

Krefelder Caritasheime 97,7

Rosenium 96,3

Johanniter Seniorenhäuser 91,0

ALPENLAND

Pflege- und Altenheim

89,9

DSG Deutsche Seniorenstift 89,8

Vitalis Senioren-Zentren 89,2

KWA Kuratorium Wohnen im Alter 87,5

Kursana Care 85,2

Gesellschaft für Dienste im

Alter GDA

84,2

Haus Edelberg 83,2

Pharmaunternehmen

medac 100,0

Vetter Pharma 97,9

Salus 94,5

Aenova 94,4

AstraZeneca 93,3

Ratiopharm 92,2

Takeda 92,1

Roche 91,6

LTS Lohmann

Therapie-Systeme

90,7

Daiichi Sankyo 82,8

Lilly 79,8

MEDICE 77,3

Privatbanken

MERKUR PRIVATBANK 100,0

ODDO BHF 94,7

DONNER & REUSCHEL 86,4

Bankhaus Metzler 82,9

Julius Bär 75,9

Hauck Aufhäuser Lampe 72,2

Private Krankenhäuser

Artemed Kliniken 100,0

Asklepios Kliniken 98,3

AMEOS 92,9

Schön Klinik 90,5

MEDICLIN 87,6

Sana Kliniken 85,9

Prüfgesellschaften &

Sachverständige

TÜV Hessen 100,0

Branche/Unternehmen

Score

TÜV SÜD 92,7

TÜV NORD 88,1

PSD Banken

PSD Bank Braunschweig 100,0

PSD Bank Nürnberg 95,5

PSD Bank Hannover 91,2

Putz-, Pflege- &

Waschmittelhersteller

Henkel 100,0

ECOLAB 98,5

Procter & Gamble (P&G) 93,9

MELLERUD 90,9

Werner & Mertz 88,5

JEMAKO 87,0

Raffination &

Rohstoffgewinnung

Südwestdeutsche Salzwerke 100,0

Lhoist | Rheinkalk 97,8

ExxonMobil 82,7

Verbio 78,6

Rechtsdienstleister & -anwälte

LUTHER

Rechtsanwaltsgesellschaft

100,0

Taylor Wessing 97,4

Peters, Schönberger & Partner 95,0

Kanzlei Voigt 89,6

Weil Gotshal & Manges 88,1

Rohrbauer

FRÄNKISCHE Rohrwerke 100,0

BUTTING 96,5

Weber Unternehmensgruppe 92,1

Softwareunternehmen

iSYS Software 100,0

Ergosign 96,7

Comsysto Reply 96,6

Loy & Hutz Solutions 93,9

attempto 92,3

tecRacer 87,3

Travian Games 80,9

Sozial- &

Gesundheitsunternehmen

AGAPLESION 100,0

Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) 98,9

Rummelsberger Diakonie 93,8

Malteser 90,9

Bergische Diakonie 87,3

Gesundheitsholding Werra

Meißner

87,1

Johannes-Diakonie Mosbach 86,4

Diakonie Hessen 80,3

Graf Recke Stiftung 78,6

Diakonie in Südwestfalen 74,5

Diakonie Stiftung Salem 71,8

Alexianer 70,9

Augustinum Gruppe 70,6

Sparda-Banken

Sparda-Bank

Baden-Württemberg

100,0

Sparda-Bank Hessen 99,8

Sparda-Bank West 91,0

Branche/Unternehmen

Score

Sparda-Bank München 85,6

Sparkassen

Sparkasse Schwarzwald-Baar 100,0

Kreissparkasse Heidenheim 99,5

Förde Sparkasse 98,6

Sparkasse Oberhessen 97,8

Sparkasse Mainfranken

Würzburg

96,1

Sparkasse Mülheim an der Ruhr 95,0

Sparkasse am Niederrhein 94,2

Rhön-Rennsteig-Sparkasse 93,5

Sparkasse Westerwald-Sieg 92,1

Sparkasse

Bad Hersfeld-Rotenburg

91,6

Sparkasse Regensburg 89,7

Sparkasse zu Lübeck 88,2

Kreissparkasse Biberach 87,3

Sparkasse Harburg-Buxtehude 86,9

Sparkasse Südholstein 85,7

Spezialbanken

apoBank Deutsche

Apotheker- und Ärztebank

100,0

GEFA BANK 99,0

MMV Bank 97,0

Baader Bank 96,2

FNZ Bank 92,1

FIL Fondsbank (FFB) 90,5

Spezialversicherer

Uelzener 100,0

Coface 97,6

Hannover Rück (Hannover Re) 95,0

SOKA-BAU 91,2

mdt travel 88,5

Stadtwerke

SWN Stadtwerke Neumünster 100,0

Stadtwerke Oranienburg 99,5

enercity 98,4

Stadtwerke Kiel 97,0

Stadtwerke Göttingen 96,9

Stadtwerke Halle 95,9

Stadtwerke Düsseldorf 94,6

Mainzer Stadtwerke 93,3

Stadtwerke Rosenheim 92,4

Stadtwerke Bochum 91,7

Stadtwerke Duisburg 90,9

Stadtwerke Osnabrück 89,2

Stadtwerke Konstanz 88,4

Erlanger Stadtwerke 87,8

Stahlunternehmen

Salzgitter 100,0

BENTELER 98,6

Peiner Träger 92,1

Lech-Stahlwerke (LSW) 89,7

Süßgebäckproduzenten

Lebkuchen-Schmidt 100,0

Griesson – de Beukelaer 92,8

Loacker 83,9

Systemgastronomiebetreiber

ALEX Gaststätten 100,0

L’Osteria 84,0


DEUTSCHLAND TEST

Branche/Unternehmen

Score

Kentucky Fried Chicken (KFC) 75,8

NORDSEE 73,1

Subway 69,6

Technische Dienstleister

SPIE 100,0

BIRCO 92,0

GNS Gesellschaft für

Nuklear-Service

87,6

Technische-Komponenten-

Hersteller

brennenstuhl 100,0

BÖLLHOFF 98,0

Vossloh 97,6

HAWE Hydraulik 96,8

KESSEL 84,3

MBDA 77,4

Witzenmann 74,7

Broadcom 74,0

Optibelt 73,8

Premium AEROTEC 70,2

Telekommunikationsanbieter

Deutsche Telekom 100,0

M-net 96,2

freenet 95,5

1&1 82,8

Vodafone 77,9

Telefónica 77,5

Themen- &

Freizeitparkbetreiber

HANSA-PARK 100,0

Europa-Park 98,5

Plopsaland Deutschland 91,2

Transport- &

Logistikunternehmen

Geis 100,0

Seifert Logistics Group (SLG) 95,1

L.I.T. 90,3

NOSTA 87,5

Hellmann 87,1

MOSOLF 86,1

DACHSER 82,4

trans-o-flex 78,6

Logwin 77,4

Schnellecke Logistics 72,4

Schäflein 71,8

Duvenbeck 71,0

DB Cargo 70,6

Sasse Traffic Logistic 69,6

Nagel-Group 66,8

Tür- & Fenstertechnikanbieter

BKS 100,0

Roto 98,8

SCHÜCO 98,3

Dr. Hahn 88,3

heroal 83,9

profine 79,3

Universalbanken

TARGOBANK 100,0

BW-Bank 95,9

BBBank 92,0

Branche/Unternehmen

Score

Santander 90,7

Commerzbank 87,7

Unternehmensberater

Seibert Group 100,0

THOST Projektmanagement 96,4

PROMOS consult 95,3

Mercer 92,9

UNITY 90,0

Information Services Group

(ISG)

88,9

Cofinpro 87,8

SALT AND PEPPER 87,1

Roland Berger 83,0

CAMELOT Management

Consultants

80,3

CIMPA 75,1

Unternehmenssoftwareanbieter

ConSol 100,0

xSuite 96,1

Ceyoniq Technology 95,2

Unit4 93,0

Infor 91,0

SelectLine Software 88,2

OMNINET 87,9

Exasol 87,5

Proalpha 87,1

SEEBURGER 84,9

Microsoft 84,3

Comarch 83,2

JAGGAER 81,6

SAP Concur 80,9

Serviceware 78,5

Diamant Software 78,3

Vergleichsportalbetreiber

Verivox 100,0

CHECK24 98,4

FFG FINANZCHECK

Finanzportale

86,3

idealo 78,0

Vermieter von Nutzfahrzeugen,

Maschinen & Geräten

HKL 100,0

BEUTLHAUSER 93,6

Boels 90,7

Verpackungshersteller

SÜDPACK 100,0

TUBEX 94,2

DS Smith Packaging 90,6

BUNZL 89,3

Gerresheimer 86,9

Versicherer

Debeka 100,0

PROVINZIAL 99,8

ERGO 98,1

WWK 97,3

HanseMerkur 96,6

die Bayerische 95,2

Canada Life 94,2

BarmeniaGothaer 93,5

Versicherungskammer Bayern 92,8

Branche/Unternehmen

Score

LVM Versicherung 91,6

VGH Versicherungen 90,6

Allianz 89,5

VOLKSWOHL BUND 88,5

Swiss Life 87,2

SV SparkassenVersicherung 86,4

AXA 85,7

Helvetia 84,7

Versicherungsmakler

MRH Trowe 100,0

DOMCURA 98,6

Aon 95,2

FidesSecur 86,6

Willis Towers Watson (WTW) 82,3

Ecclesia Versicherungsdienst 81,2

Versicherungsvertreter

Lampe & Schwartze 100,0

DUAL Deutschland 96,2

BDAE 91,7

Volks- & Raiffeisenbanken

VR Bank HessenLand 100,0

Volksbank Raiffeisenbank

Niederschlesien

99,4

Frankfurter Volksbank

Rhein/Main

98,0

Raiffeisenbank

Holzkirchen-Otterfing

97,8

Volksbank Plochingen 96,6

VR VerbundBank 95,3

Berliner Volksbank 94,8

VR Bank

Schleswig-Mittelholstein

93,7

Raiffeisenbank Westkreis

Fürstenfeldbruck

92,2

Volksbank Jever 91,9

Raiffeisenbank Straubing 90,5

VR-Bank Bonn Rhein-Sieg 89,7

Volksbank Darmstadt Mainz 88,3

Volksbank Gronau-Ahaus 87,3

Raiffeisen-Volksbank Aurich 86,7

VR Bank Nord 85,2

Dortmunder Volksbank 84,4

VR Bank RheinAhrEifel 83,9

Wärme- &

Kältetechnikanbieter

TROX 100,0

STIEBEL ELTRON 90,6

STULZ 86,8

CLAGE 81,6

Weiterbildungsanbieter

Rhein-Erft Akademie 100,0

bbw Akademie für Betriebswirtschaftliche

Weiterbildung

95,5

qSkills 91,9

Haufe Akademie 85,9

IBB Institut für Berufliche

Bildung

84,7

ExperTeach 82,1

Die Kolping Akademie 81,2

alfatraining 74,7

Branche/Unternehmen

Score

Eckert Schulen 71,9

Werbe- & PR-Agenturen

UNBOUND MEDIA 100,0

Edelman 90,4

marbet 89,8

fischerAppelt 69,2

Werkzeug- & Gerätehersteller

LUKAS-ERZETT 100,0

Festool 92,7

Einhell 92,3

RÖHM 89,4

HASCO 81,3

Karl Marbach 78,6

Walter Werkzeuge 76,6

Hoffmann Group 75,9

Windkraftanlagen produzenten

Nordex 100,0

ENERCON 98,6

wpd 90,5

Wirtschaftsprüfer &

Steuerberater

PKF Fasselt 100,0

Deloitte 94,6

RSM Ebner Stolz 93,5

KPMG 92,9

LBH Steuerberatung 85,3

BDO 83,8

Wohnungsunternehmen

GWH Immobilien 100,0

GCP Grand City Property 98,8

Covivio 97,1

Nassauische Heimstätte/

Wohnstadt

92,2

SWSG 90,5

ABG Frankfurt Holding 88,1

Gewobag 87,4

degewo 86,8

GAG Immobilien 84,3

Wohnwagen- &

Reisemobilproduzenten

HYMER 100,0

Bürstner 95,0

Carthago 92,6

Niesmann+Bischoff 83,9

Quelle: ServiceValue (2025/2026);

die Tabelle enthält nur Unternehmen/Marken,

die überdurchschnittlich viele Punkte erreicht

haben; Gelb = Branchensieger (100 Punkte)

Anmerkung:

Unsere Tests und Studien werden journalistisch

unabhängig durchgeführt und redaktionell

veröffentlicht. Die positiv bewerteten Anbieter

können nach Abschluss der Untersuchung

ggf. eine Lizenz zur werblichen Nutzung von

Testsiegeln erwerben. Die Lizenzierung hat

aber weder Einfluss auf die Methodik noch

auf die Ergebnisse.


Wissen

Die grüne Olive steckt voller

gesunder Fettsäuren und

Antioxidantien und enthält

weniger Kalorien als die

schwarze Olive. Tipp: Sie

schmeckt auch mit alkoholfreiem

Martini

68

FOCUS 52/2025_01/2026


Prost Mahlzeit

Diäten sind so unnütz wie Blattgold auf dem Steak:

Wozu Experten tatsächlich raten, ist die langfristige Entscheidung,

gesünder zu leben. Dann darf man an den

Feiertagen auch mal ohne schlechtes Gewissen genießen

Text von Kurt-Martin Mayer, Fotos von Landon Nordeman

FOCUS 52/2025_01/2026

69


Titel

1,4 140

Gramm Salz

gelten als

tägliche Mindestmenge,

sechs Gramm

als Höchstmenge.

Mehr

greift die

Gefäße an

Milligramm

Vitamin C

stecken in

100 Gramm

roter Paprika.

Zum Vergleich:

In

100 Gramm

Orange sind

es nur 50 Milligramm

E

Er könne allem widerstehen, „nur

nicht der Versuchung“, sagte Oscar

Wilde. Es ist einer der berühmten

Sätze des dichtenden Dandys aus

dem London des späten 19. Jahrhunderts.

In den kommenden Feiertagen

mag er das unterschwellige

Motto von Millionen sein. Dort

eine Handvoll Spekulatius, da ein

Glas Punsch und abends Gänsebraten

mit Rotkraut und Knödeln

und zwei Gläsern Rotwein –

schnell kommt der weihnachtlich

gestimmte Mensch auf 3000 Kalorien

pro Tag. Das ist bei Männern

in den meisten Altersklassen und

bei Frauen gleich welchen Alters

mehr als empfohlen.

Studien und Schätzungen zufolge

legt der Durchschnittsbürger im

Dezember und Januar zwischen

370 Gramm und einem knappen

Kilo an Gewicht zu. Das kann ein

deutlicher Teil jenes Kilogramms

sein, das sich Frauen und Männer

zwischen 30 und 60 im Mittel Jahr

um Jahr anfuttern. Ernährungsmediziner

raten gleichwohl dringend

von Turbo-Diäten ab, die den

Braten und die Knödel beinahe so

schnell wieder abbauen sollen, wie

sie auf den Tisch gekommen sind.

Gesundes Essen soll keine Qual

und auch keine sportliche Höchstleistung

sein, sondern ein langfristiges

und im Idealfall lustbetontes

Lernprojekt.

Zwar trifft es weiterhin zu, dass

Menschen runder werden, wenn

sie auf Dauer mehr Kalorien zu sich

nehmen, als sie verbrauchen. Auch

haben Körper-Masse-Index BMI

und Taillenumfang noch immer

eine starke Aussagekraft. (Der

BMI sollte unbedingt unter 30, besser

noch unter 25 liegen, und der

Bauchumfang sollte bei Männern

allerhöchstens 102 und bei Frauen

maximal 88 Zentimeter betragen.)

Aber die Höhe des Blutzuckers, der

Blutdruck und das Verhältnis der

Fette im Blut zueinander informieren

über den Gesundheitsstatus

exakter als Waage oder Maßband.

Gemeinsam ist diesen Werten,

dass die Ernährungsweise einen

großen Einfluss auf sie ausübt. Sind

sie zu hoch, sprechen Mediziner

vom metabolischen Syndrom, einer

Vorstufe des Diabetes Typ 2. Darum

empfiehlt es sich, beim Essen

Regeln zu befolgen. „Eine Kost,

die reich an Omega-3-Fettsäuren,

an sekundären Pflanzenstoffen

aus verschiedenen Gemüsesorten

und natürlichen Antioxidantien

wie Vitaminen und Mineralstoffen

ist, kann das Immunsystem stärken,

entzündlich-rheumatische

Beschwerden lindern sowie dem

metabolischen Syndrom entgegenwirken“,

sagt Daniel Dürschmied,

Direktor der Medizinischen Universitätsklinik

in Mannheim und Berater

der Deutschen Herzstiftung.

Dem zeitgemäßen Verständnis

zufolge soll der gesunde Speiseplan

Genuss nicht untersagen.

„Wir haben jahrzehntelang versucht,

Menschen durch Verbote

zum gesunden Essen zu bewegen“,

sagt die Endokrinologin (Hormonspezialistin)

Pia Roser, Oberärztin

am Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf. „Dabei haben wir aber

ignoriert, dass Essverhalten über

Belohnung und Motivation gesteuert

wird und dass der Botenstoff

Dopamin langfristig stärker ist als

reine Willenskraft.“

1. Achten Sie auf die Vielfalt

unserer Lebensmittel

Zum Leben benötigt der Mensch

Makronährstoffe und Mikronährstoffe.

Letztere ernähren nicht,

sondern schützen Zellen, unterstützen

das Immunsystem, werden von

FOTOS: ISTOCK

70 FOCUS 52/2025_01/2026


Wissen

Knochen ebenso wie von Organen

benötigt. Es handelt sich bei ihnen

um die vielen verschiedenen Vitamine

und Mineralstoffe.

Energie hingegen geben die

Makronährstoffe. Das sind die Proteine,

die Kohlenhydrate und die

Fette. Die empfohlene Mengenverteilung,

bezogen auf die gesamte

Kalorienzahl, schwankt enorm. Im

Detail heißt das: Proteine dürfen

zehn bis 35 Prozent Anteil haben,

Kohlenhydrate 45 bis 65 Prozent,

Lipide 15 bis 35 Prozent.

Letztere sind die mit Abstand effizientesten

Energielieferanten. Ein

Gramm Fett bringt neun Kalorien,

doppelt so viele wie ein Gramm der

beiden anderen Makronährstoffe.

Jeder von ihnen hat noch weiteren

Nutzen. Eiweiße (Proteine) treten

auch als Bausteine hervor, etwa für

Nägel und Haare. Gemeinsam mit

Ja, Burger klingt nach Völlerei

– aber kleine Burger sind

auch nur kleine Sünden.

Und Gurken bestehen zu

90 Prozent aus Wasser

den Kohlenhydraten versorgen sie

außerdem die Muskeln. Herrscht

ein Überfluss an Kohlenhydraten,

wandelt der Körper diese Zuckermolekül-Konstrukte

in Fett um. Das

Fett lagert er ein.

Schon die Rollenverteilung des

Makronährstoff-Trios verdeutlicht,

dass man vielfältig essen sollte. Wer

etwas Wesentliches weglässt, schadet

sich. Innerhalb der drei Stoffgruppen

gibt es freilich Unterschiede.

Manche Lebensmittel, in denen

der jeweilige Nährstoff steckt, sind

gesund, andere eher nicht. Kohlenhydrate

aus Möhren gelten als gut,

jene aus dem Kuchen als böse. Fette

aus Nüssen – gut; aus gewissen

Wurstsorten – böse. Proteine aus

Linsen – gut; aus gesüßten Shakes

– böse. Wie streng muss man sich

daran halten, und wie solide ist die

wissenschaftliche Evidenz?

2. Lernen Sie Ihren

Esstyp kennen

Einen starken Einfluss auf die Essgewohnheiten

und Vorlieben hat

das Geschlecht. Männer machen

sich deutlich öfter über Fleisch

her als Frauen. Dafür bezeichnen

sich mehr Frauen als Männer

als Vegetarier oder Flexitarier.

Das Wort bezeichnet Menschen,

die hauptsächlich pflanzenbasiert

essen und eher selten Fisch, Fleisch

und Wurst.

Die Gründe für die kulinarischen

Geschlechtsunterschiede suchen

Forscher in einer althergebrachten

Rollenverteilung im Körperbau

und der Physiologie. Männer haben

mehr Muskelmasse, und die lässt

sich eben mal schnell mit Fleisch

versorgen. Nehmen Männer dann

zu, sammelt sich das Fett eher in

der Mitte des Körpers. Das beeinträchtigt

relativ rasch Herz und

Kreislauf. Frauen gehen zuerst in

der Hüftgegend in die Breite, was

als harmloser gilt. Außerdem hat

sie die Evolution bis zur Menopause

mit einem hormonellen Schutz

vor Stoffwechselstörungen ausgestattet.

Das ergibt Sinn. Ihr höherer

Anteil an Fett im Körper hilft beim

Kinderkriegen.

Um die Faktoren zu erkennen,

die das eigene, alltägliche Essverhalten

bestimmen, sollte man

sich einige Zeit selbst beobachten.

Neigt man zum Beispiel dazu,

aus Langeweile zu naschen, oder

bestellt man immer dann eine Pizza,

wenn der Stress überhandzunehmen

droht?

Psychologen raten in derartigen

Fällen, Alternativstrategien zu entwickeln.

Tritt der Impuls auf, könne

man auch eine Runde spazieren

gehen oder eine Plauderei im

Büro oder am Gartenzaun beginnen.

Oder man hört sich endlich

wieder einmal eines seiner liebsten

Musikstücke an. „Wer entspannt

ist, isst bewusster“, merkt Endokrinologin

Roser dazu in ihrem Buch

„Die neue Wissenschaft vom Sattsein“

(GU Verlag) an.

100 13

Gramm Lachs

enthalten

etwa

20 Gramm

hochwertiges

Eiweiß, zehn

Mikrogramm

Vitamin D

und reichlich

Omega-3-

Fettsäuren

bis 33 Prozent

weniger Risiko

für Herzerkrankungen,

Diabetes und

Darmkrebs

für alle, die

Weißmehl

durch Vollkorn

ersetzen

FOCUS 52/2025_01/2026

71


Titel

30

verschiedene

Pflanzen pro

Woche zu

verzehren, rät

Naturmediziner

Andreas

Michalsen.

Das ist ideales

Futter für die

Darmflora

550

Milligramm

Kalium

stecken in

100 Gramm

Avocado – das

sind bereits

14 Prozent der

Tagesdosis

dieses wichtigen

Minerals.

Kalium hilft,

den Blutdruck

zu regulieren

3. Hüten Sie sich vor dem,

was wirklich schadet

Gänzlich schlecht sind wenige Le ­

bensmittel – und das meist auch

nur, wenn man sie öfter konsumiert.

Alles, was den Blutzuckerspiegel

rasant emporschnellen lässt, zählt

zu den wenig empfehlenswerten

Produkten. Diese Eigenschaft

besitzen viele der Schokoriegel,

wie man sie aus Snack­Automaten

ziehen kann. Der Blutzuckerspiegel

fällt nach ihrem Genuss

rasch wieder ab, das Verlangen

nach mehr kehrt bald zurück. Auf

Dauer überlastet der schnelle Süß­

Schock durch das Auf und Ab den

Stoffwechsel. Insulin kommt kaum

mit seiner Arbeit nach, die darin

besteht, die Zuckermoleküle in die

Zellen zu transportieren. Diabetesforscher

des Universitätsklinikums

Tübingen folgern aus einer aktuellen

Studie, dass weniger Blutzucker

besser vor Herzkrankheit schützt

als bloß weniger Gewicht.

Sehr kohlenhydratreiche Essgewohnheiten,

womöglich noch

bei wenig Bewegung, können im

Körper anhaltende Entzündungen

Das sieht doch gut aus: eine

kleine Portion Fleisch und

dazu buntes Gemüse.

Selbst das Abendkleid ist

farblich abgestimmt

hervorrufen. Sie schädigen dann oft

nicht nur die Blutgefäße des Herzens,

sondern fördern auch Krebs.

Vor allem das typisch männliche

Bauchfett kann Botenstoffe herstellen,

die derartige Prozesse anstoßen.

„Es gibt keinen stärkeren

Faktor für Entzündungen als die

Ernährung“, sagt die Kieler Allgemeinärztin

Silja Schäfer, die als

einer von vier „Ernährungs­Docs“

im NDR auftritt.

Das Quartett hat soeben seine

„Anti­Entzündungs­Formel“ als

Buch herausgegeben. Zu den entzündungshemmenden

Lebensmitteln

zählt Schäfer zwei, die eigentlich

viel Energie liefern und mancherorts

als Dickmacher gelten,

Nüsse und pflanzliche Fette. Aber

sie machten eher satt als etwa eine

Scheibe Toastbrot, die vielleicht in

einer Kalorientabelle weiter unten

stehe und doch nur bald den Hunger

zurückkehren lasse.

Betrachtet man andere Organe,

erhält selbst eher fetter Käse Pluspunkte.

Brie, Gouda und Cheddar,

die mehr als 20 Prozent aufweisen,

schützen einer soeben veröffentlichten

Studie zufolge vor Alzheimer­Demenz.

Die Forscher der

Universität Lund stützten sich auf

Gesundheitsdaten von 28 000 Menschen

in Schweden, die 25 Jahre

lang beobachtet wurden und über

ihr Essen Auskunft gaben.

Wie üblich bei derartigen Erhebungen,

liefert die Studie keinen

wasserdichten Beweis. Schließlich

beruhten die Angaben auf Selbstauskünften

der Probanden, und

diese sind fehleranfällig. Sie gibt

aber einen starken Hinweis, dass

fetter Käse dem Gehirn nützen

kann, möglicherweise durch eine

antientzündliche Wirkung.

4. Essen Sie angstfrei

Häufig durchzieht Streit die Ernährungswissenschaft.

Eine aktuelle

Auseinandersetzung dreht sich um

hoch verarbeitete Lebensmittel,

nach ihrem englischen Namen

kurz UPFs genannt. Darunter fallen

stark gesüßte Limonaden,

72 FOCUS 52/2025_01/2026


Lachspäckchen

mit Granatapfel-Minz-Joghurt

Rezept für 2 Portionen

ZUTATEN

LACHSPÄCKCHEN

2 küchenfertige frische Lachsfilets

ohne Haut (à 130 g)

1 TL frisch gehackter Estragon

4 Scheiben Räucherlachs

1 EL Butter

DIP

150 g griechischer Naturjoghurt (10 % Fett)

Saft von ½ Zitrone

2 EL Granatapfelkerne

5 Minzeblätter

1 kleine Prise Zucker

Salz

schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Wissen

2

Gut fürs Herz,

schlecht

für den Lachs:

eines der

80 mediterranen

Rezepte

aus dem Buch

„Kochen fürs

Herz“, das

Küchenchef

Christian

Henze gemeinsam

mit

Experten der

Deutschen

Herzstiftung

gestaltete

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Text an

Schlaf

Den Backofen auf 160 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Für die Lachspäckchen die Lachsfilets

mit gehacktem Estragon bestreuen, mit je

zwei Räucherlachsscheiben umwickeln und in

eine kleinere Auflaufform setzen. Butter in einem

kleinen Topf aufschäumen und bei mittlerer

Temperatur so lange erhitzen, bis sie goldbraun

ist und nussig duftet (Vorsicht, sie kann schnell

verbrennen!). Die goldbraune Nussbutter über

die Lachspäckchen träufeln und im vorgeheizten

Backofen 10 Minuten garen. Inzwischen für den

Dip Joghurt und Zitronensaft glatt rühren und

die Granatapfelkerne unterrühren. Die Minze

waschen, trocken tupfen, hacken und mit dem

Zucker untermischen. Den Dip mit Salz und

Pfeffer abschmecken. Die Lachspäckchen aus

dem Ofen nehmen, je eine Portion auf zwei Teller

setzen und mit dem Dip servieren.

Guter Schlaf braucht

3 Eigenschaften:

Schneller einschlafen 1

MIT 1,9 mg

MELATONIN

Durchschlafen 2

13

Erholsam schlafen 3

FOTOS: ISTOCK, HUBERTUS SCHÜLER

FOCUS 52/2025_01/2026

Lebensjahre

gewinnen

Männer, die

sich ab dem

Alter von

20 Jahren an

eine optimale

Ernährungsweise

halten

Mit der besonderen 3-Phasen-Technologie

Zeitlich versetzte Freisetzung der Inhaltsstoffe,

schnell und bis zu 8 Stunden.

1. Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen. Der positive Effekt von Melatonin stellt sich ein, wenn

kurz vor dem Schlafengehen 1 mg Melatonin eingenommen wird. Ashwagandha unterstützt das Einschlafen.

2. Baldrian unterstützt das Durchschlafen. 3. Baldrian trägt zur Aufrechterhaltung des Schlafs und zur Entspannung

bei. Lavendel unterstützt die Erholung und trägt zu einem besseren Schlaf bei.

Divapharma GmbH | Motzener Str. 41 | 12277 Berlin


Titel

2600

Kalorien beträgt

der tägliche

Energiebedarf

eines

männlichen

Teenagers, ab

65 sinkt der

Bedarf auf

2100 Kalorien

(bei Frauen

von 2000 auf

1700 Kalorien)

60

Milligramm

Kalzium und

20 Milligramm

Magnesium

stecken in

100 Gramm

Brokkoli, was

das grüne Gemüse

zur Top-

Mineralstoffquelle

macht

Wurst und andere Produkte aus

rotem Fleisch, Knabbereien und

alles, was viel Zucker, Salz, Fett

und chemische Zusatzstoffe wie

etwa Geschmacksverstärker enthält.

Die Lebensmittelindustrie

verwendet die Zusätze oft, um ihre

Produkte zu normieren und Kosten

zu sparen.

Möglicherweise verfolgen die

Hersteller dabei eine Art Kundenbindungsstrategie.

Mathias Fasshauer,

Professor für Ernährungsmedizin

an der Universität Gießen:

„Lebensmittel mit zusätzlichen

Aromen schmecken intensiver und

fördern so das hedonische Essen,

also das Essen aus Lust, was zu

Über essen führt, selbst wenn der

Energiebedarf längst gedeckt ist.“

Gegen derartige Zumutungen für

den menschlichen Stoffwechsel fordern

Verbraucherorganisationen wie

„Foodwatch“ Maßnahmen, etwa

eine deutlichere Deklaration von Inhaltsstoffen,

Werbeverbote und eine

Extrasteuer auf Zucker.

Kritiker der Warnungen vor UPFs

stehen im Verdacht, industrienah

zu sein. Sie geben zum Beispiel zu

bedenken, dass keine einheitliche

Süße Ausnahmen sollten

ausschließlich süßen Anlässen

vorbehalten bleiben. Zimt

immerhin ist gesund, aber nur

in Maßen, eh klar

Definition für „hoch verarbeitet“

existiere. Das verwendete Klassifikationssystem

„Nova“, das die UN-

Organisation für Ernährung unterstützt,

weise Lücken und Ungereimtheiten

auf. So kann Brot offenbar

bereits dann als stark verarbeitet

gelten, wenn es verpackt ist. Außerdem

muss der Zweck der Verarbeitung

nicht in jedem Fall verwerflich

sein. Ein Zusatzstoff kann auch der

mikrobiologischen Sicherheit dienen,

also dem Schutz vor Lebensmittelinfektionen.

Einer Studie zufolge soll ein gutes

Viertel, exakt 27,2 Prozent, der

täglichen Energieaufnahme eines

Durchschnittseuropäers von UPFs

stammen. Der Anteil sinkt bei Menschen,

die häufiger selbst kochen.

Schließlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten,

frische Produkte zu

kaufen, auf Märkten, aber auch in

Supermärkten und selbst bei den

Discountern. Wer sie nutzt, entgeht

der Gefahr, zu oft Hochverarbeitetes

zu essen.

Eine geschmackvolle und weitgehend

naturbelassene Kochschule

ist die mediterrane Küche, früher

als Mittelmeerdiät bezeichnet.

Sie genießt unter Medizinern

einen guten Ruf. So glaubt die

Deutsche Herzstiftung, ein Verein

mit rund 100 000 Mitgliedern,

fest an ihre segensreiche Wirkung.

Mit Experten wie dem Kardiologen

Dürschmied hat die Stiftung soeben

den Ernährungs- und Kochführer

„Kochen fürs Herz“ herausgegeben

(28 Euro plus Versandkosten).

Enthalten sind 80 Rezepte des

Kemptener Fernseh- und Sternekochs

Christian Henze. (Eines seiner

liebsten Gerichte finden sie auf

Seite 73.)

Selbstverständlich zählen Gemüse

und Obst zur mediterranen Kost,

aber auch frischer, eher fetter Fisch.

„Makrele und Lachs haben eine

wahnsinnig gute Zusammensetzung

an Fettsäuren“, sagt Henze.

Auch Fleisch lassen er und die

ärztlichen Berater zu, wenn auch in

kleineren Portionen. In einem sehr

engen Rahmen verwendet Henze

FOTOS: ISTOCK

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74 FOCUS 52/2025_01/2026


Wissen

den „Herzkiller“ Salz. Ihn, so empfiehlt

er, könne man in vielen Fällen

durch Aroma-Kreationen aus Zitrone,

Knoblauch, Olivenöl, Kräutern

und passenden Gewürzen ersetzen.

Apropos Olivenöl: Für Henze ist

das „extra native“ die bevorzugte

Quelle. „Tierische Fette und Butter

werden nur in Ausnahmefällen

verwendet.“ Der Küchenchef setzt

das Olivenöl sparsam ein – weil es

viele Kalorien hat und teuer ist. Er

hat stets zwei Flaschen zu Hause,

jene mit der exakten Herkunftsbezeichnung

zum Drübergießen und

die billigere zum Kochen.

Den UPF-Konflikt löst Henze mit

einer eigenen Formel: „Stehen in

der Zutatenliste Dinge, die in einer

Haushaltsküche nicht zu finden

sind, handelt es sich um ein hoch

verarbeitetes Lebensmittel.“

5. Wählen Sie das Echte

„Wer normgewichtig ist, muss sich

um seine Ernährung im Grunde

nicht besonders kümmern“, sagt

Stephan Martin, Direktor des Westdeutschen

Diabetes- und Gesundheitszentrums

in Düsseldorf. Martin

arbeitet mit Menschen, die oft

nur durch falsche Ernährung und

zu wenig Bewegung an der Stoffwechselstörung

erkrankt sind. Im

Idealfall verhilft er ihnen dazu,

dass sie nach einer Ernährungsumstellung

ohne Medikamente

ihr Gewicht und ihre Blutwerte so

weit verbessern, dass alles wieder

in den Normbereich rutscht.

Martins Strategie besteht hauptsächlich

darin, den Konsum von

kohlenhydratreichen Speisen auf

ein gerade noch verträgliches Minimum

zu reduzieren. Fisch, Fleisch,

Eier und viele Sorten Gemüse sind

gestattet. Genussfeindlich ist das

nicht.

Zwar warnt Martin seine Patienten

wegen der Glukose vor frischem

Obst, aber gesunde Menschen dürfen

und sollen ruhig zugreifen. Säfte

hingegen enthalten zwar Vitamine,

aber auch jede Menge Zucker.

Sie lösen auch kein Sättigungsgefühl

aus.

Wer einmal erlebt hat, wie

schnell eine Chipstüte leer gefuttert

war, hat eine Ahnung davon:

Vieles, was man sich für den kleinen

Hunger zwischendurch aus

dem Regal schnappt, ist durch

geschickte Zugabe von Salz und

Zucker und mehr darauf ausgerichtet,

den Appetit aufrechtzuerhalten.

Man sollte den – oft kleinen

– Aufwand nicht scheuen und

besser zum Original greifen, anstelle

der Chips zu ein paar Kartoffeln

und anstelle des Saftes zum Apfel.

Die Originale liefern eher die

wichtigen Ballaststoffe. Ballaststoffe

sind unverdauliche Bestandteile

meist pflanzlicher Lebensmittel.

Sie verlängern die Aufenthaltsdauer

des Nahrungsbreis im Magen,

saugen Wasser an, lassen den Stuhl

quellen, machen ihn weich und

regen die Darmbewegung an. Man

fühlt sich schneller satt. Außerdem

sind Ballaststoffe in der Lage,

1

Ei pro Tag

stellt kein (!)

Risiko für

Herz und Gefäße

dar. Stattdessen

liefert

es wertvolle

Proteine

ieser Text

eigt evtl. Proleme

beim

ext an

Direkt auf den Schmerz.

Besser Ibu. Aus der Tube.

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Schmerzgel

So wirksam wie

Tabletten, * aber

besser verträglich.

sehr gut

ÖKO-TEST-Magazin 08/2025

Bei entzündungsbedingten

Rücken- und Gelenkschmerzen.

* 3 x täglich Ibuprofen Schmerzgel (5 %) im Vergleich zu 3 x täglich 400 mg Ibuprofen-Tabletten bei akuten Weichteilverletzungen.

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Stand 12/2023


Titel

2

bis drei

Tassen Kaffee

sind eine

ideale Dosis.

Er schützt

vor Lebererkrankung

und Diabetes

Typ 2

2,3

Milligramm

bioaktiver

Scharfstoffe

wie Gingerole

und Shogaole

pro Gramm

machen Ingwer

zum echten

Entzündungshemmer

Gifte und Krankheitserreger zu binden

und abzutransportieren.

6. Vegan, vegetarisch oder

doch viel Fleisch? Am besten

lebt es sich flexitarisch

Die EU hegt Pläne, Bezeichnungen

wie „Vleisch“ und „Veggie-Schnitzel

“ zu verbieten. Eigenartigerweise

opponieren unter anderem jene

Kräfte dagegen, die sonst für eine

ehrliche Lebensmitteldeklaration

eintreten und jeden verklagen, der

etwa Erdbeeren auf die Verpackung

druckt, obwohl nur Erdbeeraroma

im Produkt ist.

Aber nicht nur die Benennung der

veganen Supermarktware ist umstritten,

sondern auch ihr Inhalt.

Manch ein Hersteller verfremdet

Erbsen und Bohnen mithilfe von

maschinellen Prozessen und Zusatzstoffen

sehr stark. Er will damit

Textur und Geschmack so hinbekommen,

dass sie möglichst fleischähnlich

wirken. Derartige vegane

Produkte mögen in ihrer Umweltbilanz

klimafreundlicher sein, die

Anzahl der verwendeten Zusatzstoffe

aber erinnert manchmal an hoch

verarbeitete Lebensmittel.

Okay, Transfette und Wurst

sind der Endgegner.

Aber einmal im Jahr, um

genau 00.12 Uhr, muss auch

das erlaubt sein

Dass „vegan“ nicht automatisch

gesund bedeutet, zeigt sich nebenbei

darin, dass kräftig gesalzene

Pommes frites in diese Kategorie

fallen.

Man kann sich jedenfalls ohne

Fleischimitate vegan, aber möglicherweise

gesünder ernähren. Tofu

zum Beispiel wird seltener verfremdet,

sondern eher mit Gewürzen

aufgepeppt. Darüber hinaus bieten

heimische und mediterrane

Gemüsesorten von der Paprika bis

zur Aubergine viele Möglichkeiten,

ein schmackhaftes veganes Essen

zuzubereiten.

Allerdings fehlt in Pflanzen ein

wichtiger Mikronährstoff fast völlig,

das Vitamin Cobalamin (B12).

Er unterstützt die Nerven. So wird

Veganern häufig empfohlen, B12

zu supplementieren, also entsprechende

Nahrungsergänzungsmittel

einzunehmen. Fleisch hingegen ist

eine hervorragende Quelle für Vitamin

B12. Nicht-Veganer erhalten

auch anderweitig wichtige Nährstoffe,

etwa Omega-3-Fettsäuren

aus Fischen und Eiern.

In den USA läuft derzeit eine politische

Initiative mit dem Ziel, die

bislang verfemten gesättigten Fettsäuren

zu rehabilitieren. Sie sind

etwa in Butter oder fettem Fleisch

enthalten. Das Vorhaben dürfte

medizinisch eher nicht gerechtfertigt

sein. Dennoch unterstützt es

Donald Trumps Gesundheitsminister

Robert F. Kennedy Jr. offenbar.

Seine Verfechter argumentieren im

Wesentlichen, der Mensch nehme

seit Jahrtausenden gesättigte Fettsäuren

zu sich. Er habe sich dabei

– oder sogar dadurch – gut entwickelt,

heißt es aus dem Trump-

Lager. Darüber hinaus spricht für

Fleisch, dass es sehr nährstoffreich

ist. Eisen nimmt der Körper aus karnivoren

Quellen leichter auf als aus

pflanzlichen.

Dem Rehabilitierungsversuch

für gesättigte Fettsäuren stehen

allerdings Studien gegenüber, die

zu dem Schluss kamen, ein hoher

Konsum dieser tierischen Fette

erhöhe die Wahrscheinlichkeit, an

D

z

b

T

76 FOCUS 52/2025_01/2026


Wissen

FOTOS: ISTOCK

Herz und Kreislauf zu erkranken.

Manche sprechen gar von einem

zusätzlichen Darmkrebsrisiko. Bei

rotem Fleisch, also etwa Rind,

Wild und Lamm, zeigte sich dieser

Zusammenhang. Bei vegetarischen

Quellen gesättigter Fettsäuren wie

Joghurt und Käse scheint ein anderer

Mechanismus zu wirken, denn

für sie ist keine Risikoerhöhung

nachweisbar.

So dürfte der Rat der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung (DGE)

zum Fleischkonsum ein guter Kompromiss

zu sein. Die DGE empfiehlt,

nicht mehr als 300 Gramm Fleisch

und Wurst pro Woche zu essen, also

zwei bis drei Portionen. Der Rest

des Bedarfs lässt sich aus Fisch,

Gemüse und so weiter bestreiten,

„flexitarisch“ eben.

Ernährungsberatung/-therapie

Zur FOCUS-Liste mit 275 empfohlenen

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Podcasts

Stoffwechsel-Experte Andreas

Pfeiffer klärt über Zucker im Essen

auf: focus-gesund

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zuckerfreie-ernaehrung

7.Undwieistdasjetztmit

demAlkohol?

Gab es früher Stimmen, die dem

täglichen Glas Rotwein einen herzschützenden

Effekt zustanden,

herrscht seit einigen Monaten Prohibitionsstimmung.

Die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) will,

dass Menschen überhaupt keinen

Alkohol mehr trinken. In einem

vor knapp einem Jahr erschienenen

Bericht fordert sie eine Kennzeichnung

auf den Flaschen. Diese

solle „eine konkrete Krebswarnung

enthalten“, so der Schwede Hans

Kluge, Regionaldirektor für Europa

der WHO.

Dass Alkohol ein Zellgift ist, weiß

die Wissenschaft schon lange. Nun

kommen Belege hinzu, wonach bereits

geringe Mengen Krebs – darunter

Brustkrebs – auslösen können.

Die meisten Mediziner bestreiten

mittlerweile die Existenz einer

„erlaubten“ Dosis, wie sie die Promillegrenzen

fürs Autofahren suggerieren.

Welche Rolle spielt es angesichts

dessen noch, dass Alkohol in maßvollen

Mengen die Stimmung

15

Gramm Eiweiß

stecken in

100 Gramm

Walnüssen.

Zudem sieben

Gramm

Ballaststoffe

und besonders

viel

Alpha-Linolensäure

ieser Text

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Titel Wissen

Geheimnis des guten Geschmacks

Ab dem fünften Monat im Mutterleib können Ungeborene schmecken.

Zuerst mögen wir »süß«, der Rest entwickelt sich

Augen und Tastsinn sind beteiligt, aber

hauptsächlich läuft das Geschmacksempfinden

via Zunge und Nase. Im Gehirn

kommen Geschmacksinformationen in

Riechkolben: Er

gehört zum Gehirn

und trägt die Geruchssignale

weiter

Olfaktorisches System:

Der Mensch besitzt rund

zehn Millionen Riechzellen.

Damit ist er etwa dem

Hund weit unterlegen

Geschmacksknospen:

Der Mensch verfügt über

etwa 9000 von ihnen. Sie

enthalten jeweils mehrere

Dutzend Sinneszellen

Quelle: MSD, Stuenzi, Openstax

2

1

gustatorischen Cortex­Arealen an. Einbezogen

sind der Hypothalamus – Produktionsort

des Botenstoffs Dopamin – und das für

Emotionen zuständige limbische System.

Verzweigende Riechnerven

verbinden sich mit

dem Riechkolben

1

2

Chorda tympani: Sie ist

ein Ast des Gesichtsnervs

und übermittelt die

Geschmackssignale

von den vorderen zwei

Dritteln der Zunge

Die Zungenoberfläche

ist mit Papillen bedeckt,

die Geschmacksknospen

tragen

sauer

salzig

bitter

umami

süß

salzig

Karte der Geschmäcker:

Sie sind nicht scharf

voneinander abgegrenzt.

Die Karte zeigt die jeweils

dominierende Richtung.

Neuerdings sprechen

Forscher auch von einem

Rezeptor für Fett

sauer

hebt und Ängste verjagt? Von langer

Dauer ist die Freude am Alkoholgenuss

bei vielen Menschen

ohnedies nicht. Jenseits ihres 50.

oder 60. Geburtstags machen sie

die Erfahrung, dass sie Alkohol

schlechter vertragen. Wie alles im

Körper arbeitet auch die Entgiftungszentrale

Leber mit den Jahren

nicht mehr so flink. Ein weiterer

Grund für die späte Neigung zum

frühen Kater ist, dass Muskeln zu

bis zu 80 Prozent aus Wasser bestehen,

Fett zu nicht einmal einem

Drittel. Weil im Alter die Muskelmasse

zugunsten des Fetts schwindet,

Alkohol aber wasserlöslich ist,

verbleibt mehr davon im Blut.

Andererseits weiß die Menschheit

im Großen und Ganzen mit

Alkohol umzugehen. Schließlich

kultiviert sie ihn und seine verbindende

Funktion seit mindestens

8000 Jahren. Prost und Prosit, Santé

und Zum Wohl gehören in diesen

Tagen einfach dazu.

Der eingangs erwähnte Dichter

Oscar Wilde mochte Absinth, eine

wegen ihrer angeblichen halluzinogenen

Wirkung in vielen Ländern

zeitweise verbotene Spirituose mit

bis zu 90 Prozent Alkoholgehalt. Er

nannte den Absinth „grüne Fee“.

Wilde wurde nur 46 Jahre alt. Er soll

allerdings an der Syphilis gestorben

sein. Laut WHO verlieren in Europa

jährlich 800 000 Menschen wegen

Alkoholkonsums ihr Leben.

Vor Alkohol muss man also warnen.

Wer dennoch in diesen Tagen

nicht davon lassen will: Hinweise

zum risikoarmen Trinken beinhalten,

das Glas nicht zu schnell

zu leeren und nach jedem geistigen

Getränk zu Mineralwasser zu

greifen.

Im neuen Jahr kann man dann

endlich den Rat beherzigen, mindestens

drei Tage in der Woche

alkoholfrei zu bleiben und es an

den anderen Tagen bei einem,

höchstens zwei Drinks bewenden

zu lassen. Oder man legt einen Dry

January ein und, wer weiß, verlängert

ihn für eine ungewisse Zeit. 7

Kurt-Martin Mayer

nimmt sich jetzt fest vor,

im kommenden Jahr einen

Kochkurs in mediterraner

Küche zu belegen.

FOTOS: LANDON NORDEMAN/TRUNK ARCHIVE (5)

78 FOCUS 52/2025_01/2026


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Wissen Warentest

Fantasie in

Dosen

Die Kinder-Kassette

hat ausgedient – Musik und

Hörbücher für Kids liefern

heute bunte Plastikboxen.

FOCUS hat die sechs

wichtigsten Modelle getestet

Zum zehnten Mal Benjamin Blümchen?

Als Hörspiele und Musik für

Kinder noch vor allem auf Kassetten

oder CDs verkauft wurden, litt mitunter

die ganze Familie mit. Dank

Kopfhörer und Bluetooth muss das heute

nicht mehr sein. Welches System eignet

sich für wen, und welche Folgekosten sind

zu erwarten?

Marktführer aus

Deutschland: Die

Toniebox ist weltweit

erfolgreich

Der Galakto-Player

Mit sogenannten Token, die an die Module

von Gameboy-Spielen erinnern, arbeitet

der Galakto-Player (70 Euro). Man steckt

sie in den farbig umrandeten Schlitz, wo

sie magnetisch Halt finden. Es ist keinerlei

Installation notwendig, ebenso wenig

irgendwelche Downloads. Die Plus- und

Minus-Tasten regeln die Lautstärke, zwei

andere Tasten springen zwischen Kapiteln.

„Pause“ oder ein Ausschalter fehlen –

den Token herauszuziehen

genügt. Es gibt

zwei Kopfhörerbuchsen.

Geschwister können

sich eine Box teilen.

Ein Token kostet

etwa 10 Euro. Selbst bespielbare

Token bietet

das System nicht.

Die Tigerbox

Die Tigerbox Touch Plus (130 Euro) erfordert

ein bisschen mehr Arbeit. Die Eltern

müssen eine App herunterladen und dort

einen Account einrichten, auch um das

System mit den „Tigercards“ zu füttern

(etwa 10 Euro). Diese enthalten einen

Code, den die Box erkennt, woraufhin sie

die Inhalte aus dem Netz lädt. Alternativ

gibt es eine Flatrate (12,99 € monatlich), bei

der etwa 30 000 kindgerechte Hörinhalte

im Abo zur Verfügung

stehen. Eigene Inhalte

der Nutzer nimmt

die Tigerbox über

„Wildcards“ entgegen.

Pluspunkt: Kopfhörer

lassen sich auch

per Bluetooth-Funk

koppeln.

Die Wobie-Box

Auf eine Handfläche passt die Wobie-Box

(ca. 130 Euro). Eine App dient als Fernbedienung

für Spotify. Wer seine Kinder

werbefrei hören lassen will, muss ein Abo

bezahlen. Auf sieben farbigen Feldern

können die Eltern Playlists mit Musik,

Hörbüchern oder Podcasts belegen. Das

Kind kann sie auf einfache Art abrufen,

ohne sich im Spotify-Dschungel zu verirren.

Über die App lässt sich der Wobie

auch aus der Ferne leise schalten, etwa

wenn das Kind eingeschlafen ist.

Hörbert

Ein stabiles Holzgehäuse, die Ecken abgerundet:

Hörbert (260 Euro) sieht aus wie

ein klassisches Kofferradio. Die Bedienung

für das Kind ist einfach – eine der

farbigen Tasten drücken, und eine Playlist

startet. Was es zu hören gibt, bestimmen

die Eltern über einen Webbrowser

auf Computer oder Handy. Anders als bei

der Konkurrenz ist keine Registrierung

nötig. Alle Daten und Inhalte verbleiben

auf dem Gerät. Die Eltern können auch

alte CDs oder Kassetten digitalisieren oder

über ein Mikrofon selbst Bücher einlesen.

Der Hersteller bietet aber auch vorbespielte

Speicherkarten an. Die niedrigen

Folgekosten können den hohen Kaufpreis

wettmachen.

Die Toniebox

Etwa zehn Millionen Exemplare hat der

Hersteller bereits abgesetzt. Derzeit ist die

Toniebox 2 (110 Euro) auf dem Markt. Das

rundum wattierte Gerät ist so widerstandsfähig,

dass es für Kinder ab einem Jahr

zertifiziert wurde. Für die Einrichtung ist

ein Account beim Hersteller nötig. Der

Nachwuchs kann dann eine der Tonie-

Figuren (ab 14 Euro pro Stück) in den

Leuchtkreis stellen, und schon spielt die

Box die mit der Figur verknüpften Inhalte

ab. Eigene Dateien lassen sich über

„Kreativ-Tonies“ abspielen, die 13 Euro

kosten und je 90 Minuten speichern.

Yoto-Player

Aus Großbritannien kommt der Yoto-Player

(100 Euro). Das schicke Gerät ist schnell

und bequem eingerichtet. Die Inhalte sind

über „Karten“ kodiert und kommen ebenfalls

aus der Cloud. Eine Anmeldung wird

also vorausgesetzt. Zu kaufen gibt es nur

fremdsprachige Inhalte, aber auch „Make

your own“-Karten, zehn Stück für 25 Euro,

auf die sich je bis

zu hundert Musikstücke

bzw. 500 Megabyte

spielen lassen,

etwa auch von

Großeltern vorgelesene

Märchen.

Fazit: Die Konzepte der sechs ausgewählten

Kindermusikboxen sind so verschieden,

dass ein Testsieger nicht zu

küren ist. Die meisten Inhalte bieten die

Toniebox mit ihren Figuren und die Tigerbox

im Stream. Hörbert ermöglicht, alle

Zusatzkosten zu vermeiden. 7

MATTHIAS MATTING

FOTO: PETER BRODBECK

80 FOCUS 52/2025_01/2026


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Kultur

Frieden wagen!

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari sieht

nur eine Möglichkeit, den Konflikt im Nahen Osten zu

lösen. Hier erklärt er, warum die Zeit dafür drängt

Text von Yuval Noah Harari

82 FOCUS 52/2025_01/2026


Wenn die Waffen

schweigen: Palästinenser

zwischen zerstörten

Häusern im Gazastreifen

2021. Das Foto wurde

beim World Press Photo

Contest prämiert

FOTO: FATIMA SHBAIR/WORLD PRESS

PHOTO ASIA/GETTY IMAGES

FOCUS 52/2025_01/2026

83


Kultur

Es gibt keinen objektiven Grund, warum Israelis

und Palästinenser einander bekämpfen müssen.

Das Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer,

auf das beide Anspruch erheben, ist groß und

reich genug, um allen seinen derzeitigen Bewohnern

ein Leben in Sicherheit, Wohlstand und Würde zu

ermöglichen. Wenn wir einmal alle moralischen und

ideologischen Vorurteile beiseitelassen und einfach

zählen, wie viele Quadratkilometer es umfasst, wie

viele Kilowatt Strom hier produziert werden, wie viele

Kilogramm Weizen das Land importieren und wie

viel Wasser es entsalzen kann, würden wir feststellen,

dass es alle Israelis und alle Palästinenser problemlos

ernähren könnte.

Was den israelisch-palästinensischen Konflikt schürt, ist nicht

ein Mangel an Territorium oder Ressourcen, sondern falsche

moralische Gewissheiten, die durch vereinfachte historische

Darstellungen hervorgerufen werden. Tief im Inneren sind zu

viele Israelis und Palästinenser davon überzeugt, dass sie vollkommen

im Recht sind und die jeweils andere Seite vollkommen

im Unrecht, und dass die Gegenpartei daher kein Existenzrecht

besitzt. Selbst wenn sie durch die Umstände gezwungen sind,

irgendein Abkommen zu unterzeichnen, neigen beide Seiten

dazu, dies höchstens als vorübergehenden Zustand zu betrachten

und hoffen, dass sich auf lange Sicht die wahre Gerechtigkeit

durchsetzen wird und sie das gesamte Land in ihren

Besitz bringen können. Darüber hinaus sind sich beide Seiten

der moralischen Überzeugung ihres Gegenübers bewusst und

haben Angst davor. Beide Seiten befürchten, dass die andere

Partei sie vernichten will, und beide Seiten haben durchaus

Anlass, dies zu befürchten.

Der Kreislauf von Gewalt und Leid kann nur durchbrochen

werden, wenn die Menschen ihre moralischen Gewissheiten

aufgeben und stattdessen praktische und großzügige Lösungen

suchen. Um zu verstehen, woher die falschen und destruktiven

Überzeugungen rühren, müssen wir einen Blick auf die

lange Geschichte des Landes zwischen dem Jordan und dem

Mittelmeer werfen und auf die verzerrten historischen Narrative,

die Israelis, Palästinenser und viele andere Menschen auf

der ganzen Welt viel zu lange gepflegt haben.

Die Erzählung, die die Überzeugung der Palästinenser hervorbringt,

lautet in etwa so: Die Palästinenser sind die ursprünglichen

Ureinwohner des Landes zwischen dem Jordan und dem

Mittelmeer. Dieses Land gehörte immer ihnen, bis

die Juden es ihnen stahlen. Diese Juden sind laut

dem palästinensischen Narrativ europäische Kolonialisten.

Sie kamen im späten 19. Jahrhundert im

Rahmen des umfassenderen kolonialistischen Projekts

Europas in den Nahen Osten. So wie christliche

Europäer Südafrika erobert und besiedelt haben,

so haben jüdische Europäer Palästina erobert und

besiedelt. Politische Schwäche mag die Palästinenser

zwingen, vorübergehend Kompromisse mit den

jüdischen Siedlern einzugehen, aber tief im Inneren

wissen sie, dass die Juden keine Verbindung zu

diesem Land haben und kein Recht, dort zu leben.

Die Erzählung, die die moralische Überzeugung

der Israelis hervorbringt, lautet dagegen in etwa

so: Die Juden sind die ursprünglichen Ureinwohner

des Landes zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer.

Sie wurden von den Römern aus diesem

E

Yuval Noah Harari

Der israelische

Historiker ist

Autor der Weltbestseller

„Eine

kurze Geschichte

der Menschheit“

oder „Nexus“

Land vertrieben. Während ihres Exils wollten die

Juden immer in ihr angestammtes Land zurückkehren,

wurden jedoch durch feindliche imperialistische

Mächte daran gehindert. Schließlich brachte

die zionistische Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts

die Juden dazu, enorme Hürden zu überwinden,

um endlich heimzukehren.

Was die Palästinenser betrifft, so glauben viele Israelis,

dass es so etwas wie ein palästinensisches Volk

gar nicht gibt. Als die zionistischen Juden Ende des

19. Jahrhunderts begannen, in ihre Heimat zurückzukehren,

war diese angeblich weitgehend menschenleer.

Zwar gab es dort einige Nomadenstämme und

in Armut dahinvegetierende Dörfer, aber ihre Zahl war gering

und sie bildeten keine erkennbare palästinensische Nation.

Beide Darstellungen stehen im Widerspruch zu zahlreichen

historischen Fakten. Lassen Sie uns einige der wichtigsten dieser

Fakten betrachten und dann überlegen, wie die beiden Darstellungen

dennoch miteinander in Einklang gebracht werden

können.

Die Fehler im Narrativ der Israelis

Die Behauptung, dass Juden die ursprünglichen Bewohner des

Landes zwischen Jordan und Mittelmeer seien, ist eindeutig

falsch, denn dieses Land hat keine erkennbaren „Ureinwohner“.

Wie die meisten anderen Länder auf der Erde wurde auch

diese Region Tausende von Jahren vor der Ankunft der ersten

Juden (oder Palästinenser) von zahlreichen verschiedenen

Völkern besiedelt und wiederbesiedelt. Zwar gab es im ersten

Jahrtausend v. Chr. eine jahrhundertelange Phase, in denen

Juden die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Aber selbst da

waren sie nicht die einzigen Bewohner; vor ihnen lebten dort

Kanaaniter, Natufier und Neandertaler; und es gibt keinen

zwingenden Grund, die Geschichte des Landes im ersten Jahrtausend

v. Chr. beginnen zu lassen.

Es ist auch nicht wahr, dass die Juden von den Römern oder

einem anderen nachfolgenden Reich aus der Region vertrieben

wurden. Nach dem großen Jüdischen Krieg (66–70 n. Chr.) und

dem Bar-Kochba-Aufstand (132–136 n. Chr.) wurden viele Juden

von den Römern versklavt, und es wurde ihnen verboten, an

bestimmten Orten in Judäa zu leben, insbesondere in der Stadt

Jerusalem. Allerdings erließ kein römischer Kaiser jemals ein

Dekret, das Juden dauerhaft aus dem Land zwischen Jordan

und Mittelmeer verbannte, wie die Tatsache belegt,

dass einige Juden, wie die Verfasser der Mischna

und des Jerusalemer Talmuds, während der gesamten

Römerzeit dort weiterlebten. Dennoch übersiedelten

die meisten Juden an andere Orte, aber sie

wanderten freiwillig aus, auf der Suche nach besseren

Lebensbedingungen.

Bereits vor dem Jüdischen Krieg gegen die Römer

lebten etwa 50 Prozent der Juden außerhalb des

Landes, beispielsweise in Ägypten und Mesopotamien.

Nachdem die meisten das Land verlassen hatten,

hinderte sie niemand daran, zurückzukehren.

Die römischen, arabischen und osmanischen Reiche,

die die Region während der vergangenen zwei

Jahrtausende beherrschten, verboten die jüdische

Einwanderung nicht, und im Falle der Osmanen

wurde sie zeitweise sogar begrüßt. Vor dem Aufkommen

des modernen Zionismus wollten jedoch

FOTO: FILIP POWIDZKI CASSERBLAD/IMAGO/TT

84 FOCUS 52/2025_01/2026


Zeitgeschichte

Ewige Trauer:

Gedenken an

die Opfer des

Massakers auf

dem Nova-

Festival zwei

Jahre nach dem

Angriff der

Hamas vom

7. Oktober 2023

FOTO: ELI BASRI/SOPA IMAGES/LIGHTROCKET/GETTY IMAGES

nur wenige Juden in dem Land zwischen dem Jordan und dem

Mittelmeer leben, sodass sie nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung

ausmachten.

Die Israelis betonen, dass zwar nur wenige Juden eingewandert

seien, aber alle Juden weltweit dafür gebetet hätten,

eines Tages zurückkehren zu können. Aber Gebete rechtfertigen

keinen Anspruch auf Immobilienbesitz. Wenn mein Nachbar

ein schönes Haus hat und ich jeden Tag darum bete, dass

dieses Haus irgendwann mir gehöre, nach wie vielen Gebeten

darf ich zum Grundbuchamt gehen und bekomme die entsprechende

Urkunde?

Entgegen der israelischen Darstellung war das Land, das die

ersten Zionisten Ende des 19. Jahrhunderts vorfanden, keineswegs

unbewohnt. Es umfasste nicht nur Hunderte von Dörfern

und die Stadt Jerusalem, sondern auch mehrere andere bedeutende

Zentren wie Akko, Jaffa, Gaza, Nablus und Hebron. Man

könnte darüber diskutieren, inwieweit sich die Bewohner im

19. Jahrhundert – Muslime, Christen und Juden – als eigenständige

palästinensische Nation verstanden. Aber selbst, wenn

die israelischen Hardliner recht haben und es im 19. Jahrhundert

keine starke und ausgeprägte palästinensische nationale

Identität gab, untergräbt dies nicht die Ansprüche auf eine

palästinensische Nation im 21. Jahrhundert. Es braucht Zeit,

bis eine Nation entsteht, und zwei Jahrhunderte reichen sicher

für solch einen Identitätsfindungsprozess aus.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen: Im

19. Jahrhundert fehlte auch den Juden eine starke und ausgeprägte

nationale Identität. Die überwiegende Mehrheit lehnte

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die zionistische

Idee ab und hatte kein Interesse daran, ihre Heimatländer zu

verlassen und einen jüdischen Nationalstaat zu gründen.

Juden, die sich aufgrund von Antisemitismus und Krieg dazu

entschlossen hatten, ihre Heimat, etwa Polen, zu verlassen,

bevorzugten, in die USA, nach Kanada oder Argentinien auszuwandern,

anstatt in das Land zwischen Jordan und Mittelmeer.

Von 1880 bis 1924 zogen nur etwa dreieinhalb Prozent

der jüdischen Migranten dorthin.

Die Fehler im Narrativ der Palästinenser

Die eklatanten Schwächen in der israelischen Darstellung moralischer

Überzeugungen bedeuten jedoch nicht, dass die palästinensische

Darstellung frei von Fehlern ist. Die Behauptung

vieler Palästinenser, das ursprüngliche indigene Volk des Landes

zwischen Jordan und Mittelmeer zu sein, leidet unter dem

gleichen Problem wie die jüdische Behauptung. Wie gesagt,

gibt es in diesem Land kein „ursprüngliches indigenes Volk“,

es sei denn, man möchte sich für die Rechte der Neandertaler

einsetzen, die dort bereits vor der Ankunft der ersten Homosapiens-Siedler

aus Afrika seit Hunderttausenden von Jahren

lebten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Land wiederholt

erobert und neu besiedelt. Niemals in seiner langen Geschichte

war die Region mit einem unabhängigen Staat namens „Palästina“

identisch.

Der Name „Palästina“ ist uralt und geht zurück auf die biblischen

Philister und auf die Entscheidung des römischen Kaisers

Hadrian, die römische Provinz Judäa als Strafe für den

Bar-Kochba-Aufstand in „Syria Palaestina“ umzubenennen.

Aber das Gebiet, das dieser Name bezeichnet, war in der Regel

entweder ein Flickenteppich aus viel kleineren Einheiten oder

eine Provinz eines viel größeren Reiches. Vom Untergang des

Königreichs Juda über das Neubabylonische Reich im Jahr

586 v. Chr. bis zur Gründung des Staates Israel im Jahr 1948

beherrschten nur zweimal unabhängige Königreiche über einen

längeren Zeitraum hinweg den größten Teil des Landes, nämlich

das jüdische Hasmonäerreich (ca. 140–37 v. Chr.) und das

Kreuzfahrerreich Jerusalem (1099–1291).

Im 7. Jahrhundert n. Chr. eroberte das arabische Reich das

Land, aber dieser neue Imperialismus war nicht wirklich besser

oder lobenswerter als der frühere römische oder der spätere

britische Imperialismus. Diejenigen, die glauben, dass die

Briten kein Recht hatten, Südafrika im 19. Jahrhundert und

Palästina zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu erobern, sollten

anerkennen, dass auch das arabische Reich kein Recht hatte,

das Land zwischen Jordan und Mittelmeer im 7. Jahrhundert

zu annektieren.

FOCUS 52/2025_01/2026

85


Kultur Zeitgeschichte

Tatsächlich war es eher das britische Reich als eines der früheren

muslimischen Reiche, das maßgeblich darüber entschied,

wer heute als Palästinenser gilt und wer nicht. In der späten

osmanischen Zeit war das Land zwischen Jordan und Mittelmeer

in mehrere Verwaltungseinheiten aufgeteilt, wobei beispielsweise

Akko und Gaza zu unterschiedlichen Provinzen

gehörten. Nach dem Ersten Weltkrieg zeichneten die Briten und

Franzosen die Karte des Nahen Ostens neu, und es waren vor

allem die Briten, die entschieden, dass die Menschen in Akko

und Gaza fortan derselben neuen politischen Einheit angehören

sollten, dem britischen Mandatsgebiet Palästina.

Die palästinensische Behauptung, Israelis seien Nachkommen

europäischer Kolonialisten, ignoriert die Tatsache, dass die

Region seit 3000 Jahren einen bedeutenden jüdischen Bevölkerungsanteil

besitzt und dass die Verbindung der Juden zu

diesem Land keine moderne Erfindung ist. Als britische Siedler

in Südafrika aus irgendwelchen Gründen in der Erde gruben,

fanden sie niemals englische Inschriften aus der Zeit vor

2000 Jahren. Wenn Israelis jedoch ein Haus bauen und dafür

Fundamente legen, finden sie gelegentlich hebräische Inschriften

aus der Zeit vor 2000 Jahren.

Dies gewährt den Juden jedoch kein absolutes Eigentumsrecht

an dem Land, in dem auch zahlreiche alte Inschriften

in Arabisch, Latein, Griechisch, Aramäisch, Kanaanitisch und

anderen Sprachen zu finden sind. Es bedeutet jedoch, dass es

höchst irreführend ist, die Geschichte des modernen europäischen

Kolonialismus als Modell für das Verständnis des jüdischen

Lebens im Nahen Osten heranzuziehen. Es ist besonders

ärgerlich, israelische Juden als europäische Kolonialisten

zu bezeichnen, da etwa die Hälfte der heutigen israelischen

Juden Nachkommen von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten

sind, die nach 1948 aus ihren angestammten Heimatländern

wie Ägypten, Irak und Jemen vertrieben wurden, als Rache für

die wiederholten Niederlagen der Araber gegen Israel.

Ein großzügiger Frieden

Als die Briten Anfang der 1920er Jahre die Grenzen der neuen

Provinz Palästina zogen, hatten die Menschen, die in diesem

politischen Gebilde lebten, einen viel stärkeren Anspruch auf

das Land als alle Einwanderer. Damals waren nur etwa zehn

Prozent der Bevölkerung des britischen Palästina Juden. Die

Tatsache, dass vor 2000 Jahren ein jüdisches Königreich einen

Großteil des Landes beherrschte, gab dem jüdischen Volk kaum

das Recht, es im 20. Jahrhundert zu beanspruchen. Ebenso war

die Tatsache, dass Juden im 20. Jahrhundert in vielen

Ländern verfolgt wurden, ein großes Problem,

aber es war kein Problem, das von den Palästinensern

verursacht wurde, und kein Problem, für dessen

Lösung die Palästinenser verantwortlich gemacht

werden konnten.

Seit 1920 ist jedoch mehr als ein Jahrhundert vergangen.

Heutzutage können sowohl Israelis als auch

Palästinenser Anspruch auf das Land geltend machen,

aus dem einfachen Grund, dass beide darauf

leben und keiner von ihnen woanders hingehen

kann. Das Land zwischen Jordan und dem Mittelmeer

ist derzeit die Heimat von über sieben Millionen

Juden, von denen die meisten dort geboren

wurden. Gleichzeitig ist das Land die Heimat von

mehr als sieben Millionen Palästinensern, die ebenfalls

dort geboren wurden und ebenfalls nirgendwo

anders hinkönnen.

»Beide

Parteien

berufen

sich letztlich

auf

dasselbe.

Und beide

Parteien

irren«

Yuval Noah

Harari

All dies bedeutet, dass weder Israelis noch Palästinenser zu

100 Prozent Recht oder Unrecht haben und dass keine Seite ausreichende

Gründe hat, sich die vollständige Vernichtung der anderen

zu wünschen. Gewalt in der Gegenwart kann keine Toten

zum Leben erwecken oder Schmerzen rückwirkend lindern. Es

ist jedoch möglich, Kriege und Gräueltaten in der Zukunft zu

verhindern.

Dazu reicht es nicht aus, dass die Kriegsparteien eine vorübergehende

Einigung erzielen. Kein Kompromiss kann Bestand haben,

solange jede Seite davon überzeugt ist, dass sie vollkommen im

Recht ist und dass Gerechtigkeit das endgültige Verschwinden

der anderen Seite erfordert. Der Kreislauf von Krieg und Leid kann

nur beendet werden, wenn beide Seiten ihre moralischen Gewissheiten

aufgeben, das Existenzrecht der anderen anerkennen und

einen großzügigen Frieden statt eines kleinmütigen Waffenstillstands

anbieten. Beide Seiten müssen sich fragen: „Wenn ich auf

der anderen Seite stünde, was würde ich benötigen, um in Sicherheit,

Wohlstand und Würde leben zu können?“ Vor allem müssen

beide Seiten Großzügigkeit walten lassen. Die Israelis sollten aufhören,

um jeden Hügel und jede Quelle zu feilschen. Ein guter

Frieden für Israel ist kein Frieden, der den Israelis einen weiteren

Quadratkilometer Wüste oder eine weitere Oase beschert. Es ist

ein Frieden, der ihnen gute Nachbarn beschert. Es liegt im besten

Interesse Israels, dass Palästina ein sicheres, prosperierendes

und würdevolles Land ist, und das kann nur geschehen, wenn

es sich dabei wirklich um ein Land handelt und nicht um eine

Ansammlung eingezäunter Siedlungen.

Die Bedrohung ist viel gravierender – für uns alle

Auch die Palästinenser sollten großzügig sein. Was sie Israel

anbieten könnten, ist nicht ein weiteres Tal oder weitere Palmen,

sondern etwas viel Wertvolleres: Legitimität. Die Israelis

leben in ständiger Angst vor der Vernichtung, und ihre Ängste

sind berechtigt. Das derzeitige Kräfteverhältnis spricht eindeutig

für Israel, aber die arabische Welt und die muslimische Welt

sind Israel überlegen, und die Zukunft wird das Kräfteverhältnis

zwangsläufig verändern, vielleicht zum Nachteil Israels. Wenn

die Palästinenser das Existenzrecht Israels wirklich anerkennen,

wird dies den Weg für die gesamte arabische und muslimische

Welt ebnen, dasselbe zu tun. Nur dann können die Israelis frei

atmen, was es auch den Palästinensern ermöglichen würde, endlich

in Ruhe zu leben.

Beide Seiten sollten Großzügigkeit zeigen, denn nur so kann

endlich Frieden einziehen in der um-kämpften Region,

bevor es zu spät ist. Fanatiker sprechen gerne von

Ewigkeit und glauben, sie hätten alle Zeit der Welt.

Aber die Ewigkeit ist eine Illusion, und die Zeit läuft

für alle ab. Vor Millionen von Jahren gab es weder

Israelis noch Palästinenser. Es gab überhaupt keine

Menschen, nicht in dieser Region, nicht auf unserem

Planeten. Jetzt ist die Zukunft der gesamten

Menschheit in Gefahr, aufgrund mächtiger neuer

Technologien, die wir entwickeln, von Atomwaffen

der nächsten Generation bis zu KI-gesteuerten Drohnenschwärmen

und vollständig autonomen Armeen.

Jahrzehntelang lautete das Mantra zur Lösung des

israelisch-palästinensischen Konflikts: „Zwei Staaten

für zwei Völker“. Wenn die beiden Völker nicht

etwas mehr Großmut wagen, könnte die letztendliche

Lösung ihres Konflikts lauten: „Null Staaten für

null Menschen.“ 7

COPYRIGHT: THE FINANCIAL TIMES 2025 / ÜBERSETZUNG: JOBST-ULRICH BRAND

86 FOCUS 52/2025_01/2026


Für

alle,

die auf Erfolg nicht warten –

sondern starten.

wiwo.de/fueralle


Kultur

Auf Tuchfühlung: Tom Payne, Aidan Gillen, Anne Ratte-Polle, Owen Teale und Malick Bauer in „Der Medicus 2“

Sie sind der Heimat schon ganz

nah, der frühere Bader-Bengel

Rob, der nach mehr als zwei

Jahrzehnten Wanderschaft und

Lehre im persischen Isfahan

nun als ausgebildeter Medicus

nach England zurückkehren

will – sowie seine Frau, das

Baby, die Gefährten und Heiler-Kollegen.

Die Felsen von Dover zeichnen sich bereits

ab am Horizont, da verfinstert sich der

Himmel, ein gewaltiges Unwetter durchtost

den Ärmelkanal und zerschmettert den

alten Schoner an den Klippen.

Ein Schiffbruch, mit dem die Fortsetzung

der Kinohits „Der Medicus“ von 2013

imposant beginnt, drohte dieser Produktion

indes zwölf Jahre lang selbst. „Dass

der Film realisiert wurde, ist ein Wunder“,

resümiert Regisseur und Mit-Produzent

Philipp Stölzl.

Mehr als 3,6 Millionen Zuschauer begeisterte

Teil eins in Deutschland, die Ver-

Wunder

geschehen

Zwölf Jahre dauerte es,

die Fortsetzung des

Hits »Der Medicus« zu

drehen. Die Produktion

führte die Macher –

der Geschichte durchaus

angemessen – an den

Rand des Wahnsinns

filmung des Bestsellers von Noah Gordon

verkaufte sich zudem in über 60 Länder.

Schnell war klar, dass der Erfolg eine Fortsetzung

nach sich ziehen sollte. Treibende

Kraft dabei: der Produzent Wolf Bauer, damals

noch Chef der UFA.

Aber man kam mit „Der Medicus 2“

nicht recht voran. Plotideen, etwa den Helden

auf einer Italienreise mit einem verrückten

Papst zu konfrontieren oder ihn

nach Amerika zu schicken, trugen nicht.

Oder es platzte die Finanzierung. Oder

„Medicus“-Star Tom Payne, der in Hollywood

in diverse TV-Serien eingebunden

war, fand keine Zeit. Stölzl, auch als Theater-

und Opernregisseur gefragt, zeigte

sich ohnehin reserviert, was die Inszenierung

betraf. Er wollte Teil zwei nur als

Produzent begleiten. Schließlich schien

einmal alles zu passen, Katja von Garnier

sollte Regie führen, Tom Payne stand zur

Verfügung und das Geld war auch beisammen

– doch dann kam Corona ...

FOTO: WOLFGANG ENNENBACH/CONSTANTIN FILM

DISTRIBUTION GMBH/ZEITSPRUNG PICTURES GMBH

88 FOCUS 52/2025_01/2026


Kein Opfer der Pandemie, sondern eines

Stopps von Eigenproduktionen beim Pay-

TV-Sender Sky wurde kurz darauf Stölzls

ambitioniertes Serienprojekt „Frankenstein“,

in das er fünf Jahre lang Herzblut

gespendet hatte. „Ein Verlust, als wäre

ein nahestehender Mensch gestorben“,

sagt er. Wolf Bauer tröstete ihn alsbald

mit einer besonderen Motivationsidee: Er

könne doch jetzt „Der Medicus 2“ übernehmen.

Es galt allerdings, noch Klippen zu umschiffen,

um eine finale Havarie zu vermeiden.

Bauer tat etwas, was deutsche

Produzenten so gut wie nie tun: Er ging

ins persönliche Risiko, um die Buchrechte

nicht zu verlieren. Und es mussten neue

Partner aufgetrieben werden: die Constantin

(statt Universal) als Verleih, ZDF statt

ARD und das in Kombination mit Amazon

Prime, eine so innovative wie schwierige

Finanzierungsvariante.

Die Macht der Seele

Trotzdem ließ sich damit nur ein eher bescheidenes

Budget von 20 Millionen Euro

erreichen – sechs Millionen weniger als

beim ersten „Medicus“ (bei massiv gestiegenen

Kosten). Gedreht wurde deshalb in

Budapest, „das hätte man in Deutschland

nie so hinbekommen“, sagt Stölzl. Vorbehalte

gegen die Orbán-Regierung musste

er ausblenden. „Ungarn ist einfach als

Drehland sehr attraktiv, zum einem wegen

der großen Erfahrung mit internationalen

Historien-Filmen, zum anderen wegen

der Steueranreize, die fast alle europäische

Länder anbieten.“ Weshalb er über

die aktuelle Kulturpolitik in Deutschland

nur den Kopf schütteln kann: „Hier schafft

man das wieder nicht und lässt die großen

Studios leer stehen, ein Irrsinn.“

Den Schiffbruch zu Beginn überlebt

der Held natürlich, auch sein Baby kann

gerettet werden. Nur seine geliebte Frau

ist verschwunden, Rob bleibt schwer traumatisiert

zurück. Erst eine keltische Schamanin

kann ihm per Trance-Ritual wieder

etwas Lebenssinn einhauchen. Die Medizinertruppe

macht sich also auf gen London,

um dem Land ihre persischen Heilkünste

zugutekommen zu lassen. Aber

Rob und seine Gefährten stoßen auf den

Widerstand des korrupten Berufsstandes

und Ablehnung als jüdische und muslimische

Immigranten. Bald geraten sie auch

noch in ein mörderisches Intrigenspiel à la

Shakespeare am Königshof.

„Erst mal ist es eine Einwanderungsgeschichte

– die Fremden, die kommen und die

englische Kultur bereichern könnten,

26

Film

Erfolgsgeschichte:

Plakat zum ersten

Teil „Der Medicus“

von 2013

Millionen Euro

betrug das

Budget beim

ersten Teil,

jetzt musste es

auf 20 Millionen

reduziert

werden

57,3

Millionen Dollar

spielte der

erste Teil in den

Kinos ein,

er lief in mehr

als 60 Ländern

42,3

Millionen Dollar

betrug das

Einspielergebnis

allein in

Deutschland

3,6

Millionen Zuschauer

sahen

Teil eins

in Deutschland

im Kino

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

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FOCUS 52/2025_01/2026


Kultur Film

»Einfach nicht mehr verkraftet«

Schauspieler Tom Payne über die Herausforderung, den traumatisierten »Medicus«

zu spielen. Eine Rolle, in die er seinen persönlichen Schmerz einfließen ließ

Haben Sie all die Jahre lang an eine

Fortsetzung des „Medicus“ überhaupt

geglaubt?

Wir versuchten, das ja sehr früh nach

dem ersten Film anzugehen. Aber da

kam Verschiedenes dazwischen, etwa

meine Karriere in Hollywood. Wenn

man dort einen Job annimmt, ist man

erst mal gebunden – und zwar rigide.

Vor allem wenn es um langlaufende

Fernsehserien geht wie „The Walking

Dead“ und „Prodigal Son“, in denen

ich mitwirken durfte. Das hat man in

Deutschland erst nicht richtig verstanden

(lacht).

Aber man wollte Sie ja haben.

Ich habe zumindest immer betont, dass

man Teil zwei doch nicht mit jemand anderem

machen könne: „Wartet auf mich,

ich komme zurück!“ (lacht). Tja, irgendwann

haben wir alle wieder zusammengefunden.

Ich war nun sogar etwas in

die Entwicklung der Geschichte involviert,

vor allem in die meiner Figur Rob.

War Ihnen Rob zu einer Art inneren

Begleiter geworden?

Natürlich, diese Figur hat mir immer

etwas bedeutet und gerade heutzutage

ist es toll, jemanden mit einem wirklich

guten Herz zu verkörpern. Vielleicht

ist er mir sogar etwas ähnlich, weil ich

auch mit einer gewissen Naivität Leuten

begegne.

Roman und Verfilmung waren vor allem

in Europa erfolgreich, besonders in

Deutschland und Spanien. Haben Sie

eine Erklärung dafür?

Nicht wirklich – dabei war der Autor

Noah Gordon Amerikaner, aber dort hat

der Stoff nicht verfangen. Man weiß es

einfach nicht, warum manche Dinge in

einem Land einen Nerv treffen und woanders

nicht.

Aber Ihre „Medicus“-Verfilmung ist in

der US-Branche bekannt?

Nein. Ich war damals auch ziemlich

enttäuscht: Meine erste Hauptrolle, ein

Cast mit Ben Kingsley, Stellan Skarsgård

und Olivier Martinez – und dann

interessiert es keinen in Hollywood.

Aber rückblickend sehe ich das auch

als Vorteil.

Wieso?

Ich hatte meinen Durchbruch ja später

mit meiner „Jesus“-Rolle in „The Walking

Dead“. Da wirst du permanent erkannt

und angesprochen. Als ich jünger

war, wäre das wohl ungesund gewesen.

Beim Schiffbruch zu Filmbeginn verliert

Rob seine Frau und ist schwer traumatisiert.

Sie sind inzwischen dreifacher

Vater – führt das dazu, dass man so

einer Rolle mehr Tiefe verleihen kann?

Es öffnet einfach eine ganz neue Dimension

der Gefühlswelt, man setzt

sich mit seiner eigenen Kindheit auseinander

in einer unerwarteten Art.

Und das passiert oft und überraschend

auch beim Dreh. Die Szene, in der ich

bei der Sitzung mit der Schamanin zusammenbreche,

spiegelt wirklich mein

Ich wieder, meinen Schmerz in meiner

Beziehung zu meinen Eltern.

Sie erlitten beim ersten Film auch eine

Art Zusammenbruch.

Der war anders geartet. Ich hatte zuvor

nie eine Hauptrolle und so intensiv und

lange gedreht. Das habe ich irgendwann

einfach nicht mehr verkraftet,

dazu kamen noch Beziehungsprobleme.

Heute bin ich älter und persönlich

gefestigt. 7

Heilungsprozess – im Film wie bei

den Dreharbeiten: Tom Payne, 42

aber anfangs Gewalt und Misstrauen

gegenüberstehen und sich ihren Platz

erkämpfen müssen“, erläutert Stölzl.

„Das ist ja durchaus aktuell“. Eine Gewalt

gegenüber anderen Kulturkreisen, der

auch die heimischen Kelten ausgesetzt

sind. „Und es geht um Populismus, um

‚Fake News‘, darum wie die Mächtigen

das Volk belügen und aufhetzen“, so der

Filmemacher.

Die Thematik um Toleranz und Respekt

hatte ja bereits der erste Teil der Saga

gesetzt. Neu ist nun, dass jenseits der körperlichen

Gesundheit auch die psychische

hinzukommt. Oder wie es Stölzl formuliert:

„Der Weg in die Seele – also die Frage,

wie wir eigentlich mit unseren Traumata

umgehen. Dass da jenseits der Schulmedizin

Türen in eine Innenwelt aufgehen,

dafür interessieren wir uns heute immer

mehr, es ist aber zugleich absolut historisch“.

Das hätten bereits die alten Ägypter,

Griechen und archaische Naturreligionen

praktiziert.

Held Rob lernt also, dass anatomische

Kenntnisse nicht alles bedeuten bei der

Heilung. Rote Linien in Sachen Esoterik

hatte Stölzl dabei keine, der 58-Jährige

erkennt ohnehin bei sich „mit dem

Älterwerden immer mehr Interesse am

Metaphysischen“. Was vielleicht auch mit

„intensiver werdenden Begegnungen mit

dem Tod“ zu tun habe.

Die Auseinandersetzung mit dem Jenseits

dominierte bereits seine jüngsten

Theaterarbeiten „Liliom“, „Gschichtn vom

Brandner Kaspar“ und „Grand Finale“.

„Jetzt genügt es erst mal“, sagt Stölzl. Und

so markiert das spektakuläre Abenteuer-

Epos „Der Medicus 2“ das Ende einer langen

Reise in zweierlei Hinsicht: ein Ringen

um eine über Jahre unmöglich scheinende

Großproduktion und eine künstlerische

Trauerarbeit durch den Verlust des Vaters,

der Anfang 2023 überraschend starb. 7

Seelennöte: Finty Williams,

Owen Teale, Áine Rose Daly

HARALDPAULI

FOTOS:GORDONMÜHLE/CONSTANTINFILMDISTRIBUTIONGMBH/ZEITSPRUNGPICTURESGMBH

90 FOCUS 52/2025_01/2026


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Kultur

SEHEN

»Sorry, Baby« Schwarze Komödie

von Eva Victor, die in ihrem

Regiedebüt auch die Hauptrolle

spielt. Als Literaturprofessorin

Agnes versucht sie, nach

einem sexuellen Übergriff wieder

Fuß zu fassen, während ihr

Umfeld den Vorfall wahlweise

ignoriert oder in den Vordergrund

stellt. (Kino) ••••◦

»Herz aus Eis« Wie eine junge

Frau in den Bann einer Diva

gerät, die gerade die Schneekönigin

spielt und dabei so

eisig ist, dass bald die Grenze

zwischen Realität und Film zufriert.

Märchenfilm mit Marion

Cotillard, der auch als Dokudrama

über den Job als Personal

Assistant taugt. (Kino) ••••◦

»Lurker« Wie ein junger Mann

in den Bann eines aufstrebenden

Popstars gerät und bald

nicht mehr unterscheiden

kann, was Freundschaft, Co-

Abhängigkeit oder Geschäftsbeziehung

ist. Regiedebüt von

Alex Russell, dem Produzenten

der Serienhits „The Bear“ und

„Beef“. (Kino)

•••◦◦

Kiri (Sigourney Weaver) entdeckt ihre magischen Fähigkeiten

»AVATAR: FIRE AND ASH«

Das Licht kehrt immer zurück

Im dritten Teil von James Camerons Saga über den Mond Pandora sind

die Rollen von Gut und Böse nicht mehr so klar verteilt

»Miss Sophie« Endlich wird

die Wahrheit hinter dem Sketch

erläutert, der den Deutschen

wichtiger als die Neujahrsansprache

des Kanzlers ist. Was

hat es also mit Sir Toby, Admiral

von Schneider, Mr. Pommeroy

und Mr. Winterbottom auf sich?

Sie wollten alle Miss Sophie

heiraten. (Prime) •••◦◦

»Westernhagen Live« Das Konzert,

das 1989 kurz nach dem

Mauerfall aufgenommen wurde,

sollte vor allem wegen des

eigentlich unpolitischen Songs

„Freiheit“ zum Soundtrack der

Wendezeit werden. Jetzt rundum

restauriert auf Blu-ray und

an Silvester auch im Free-TV.

(3sat)

•••◦◦

Eines vorweg: Mit dem „Avatar“-Imperium

verhält es sich wie mit Koriander.

Man liebt es oder eben nicht.

Jene, die mit dieser mythischen Welt

irgendwo zwischen Kolonialismuskritik,

Esoterik und knallbunten Kampfszenen

so gar nichts anfangen können,

werden mit dem dritten Teil auch nicht zu

„Avatar“-Fans. Die Millionen aber, die es

schon sind, bekommen in „Fire

»Die letzten

Teile werden

die besten.

Die anderen

waren eine

Einführung,

bevor der

Hauptgang

serviert wird«

Regisseur James

Cameron

and Ash“ alles serviert, was

sie an diesem großen und eindrucksvollen

Projekt der Filmgeschichte

schätzen – und noch

mehr. Wundersame Tierwesen

wie die riesigen Meeresbewohner

Tulkun und den Kampf-

Flugdinosaurier (oder so) Leonopteryx,

leuchtende Pflanzen,

mit denen sich die Bewohner

Pandoras verbinden können,

denn, so haben wir in den ersten

beiden Teilen gelernt: Alles

gehört zusammen, Flora, Fauna,

die Ureinwohner Na’vi und die mächtige

Gottheit Eywa. Und irgendwie auch

der Mensch, wie sich herausstellt, einer auf

eine besondere Art und Weise, aber hier

soll nicht gespoilert werden. Jake Sully

(Sam Worthington) jedenfalls, der im ersten

Teil vom Marine zum Na’vi des Clans

der Omatikaya wurde, muss seine Familie

und seine Wahlheimat wieder einmal

verteidigen vor fiesen Ka-

pitalisten in menschlicher Gestalt,

die in all der Schönheit

nur Rohstoffe und Bodenschätze

sehen.

Diesmal allerdings sind

nicht alle Na’vi gut und nicht

alle Menschen böse: Der

neue Clan der Mangkwan

um die fauchende Kriegerin

Varang (Oona Chaplin)

steht den anderen Pandoranern

durchaus feindlich und

Waffen aller Art sehr wohlwollend

gegenüber. Als „Ash

FOTOS: 20TH CENTURY STUDIOS, GRANDFILM, MUB, PRIME VIDEO

92 FOCUS 52/2025_01/2026


Tipps

People“ ist ihr Element das Feuer –

und damit die Zuschauer die Hitze geradezu

spüren können, wurde ganz oldschool

mit echten Flammen gedreht. Und

natürlich spielt auch Bösewicht Miles

Quaritch (Stephen Lang) wieder sein falsches

Spiel, bis auch er am Ende Erfüllung

findet.

Es wird wirklich wahnsinnig viel verhandelt

in diesem Film: Geburt und Tod,

Familienzusammenhalt, die Trauer um

einen verstorbenen Sohn, Teenie-Flirts,

Vater-Sohn-Konflikte, Ehestreitereien, die

Frage, ob man ein Adoptivkind so sehr

lieben kann wie sein eigenes (ja), ob es

ein Leben nach dem Tod gibt (natürlich!)

und ob man dort, wo dieses stattfindet,

die leibhaftige Dr. Grace Augustine alias

Sigourney Weaver wiedersehen kann (das

weiß nur Eywa).

Der erfolgreichste Film aller Zeiten

Der erste Teil „Aufbruch nach Pandora“

(2009) ist mit über 2,9 Milliarden Dollar

Einnahmen weltweit der erfolgreichste

Film überhaupt, der zweite „The Way

of Water“ (2022) liegt auf Platz drei. Die

Produktionskosten waren allerdings auch

gigantisch. Laut einem Bericht des Branchenmagazins

„Variety“ beläuft sich das

geschätzte Budget auf über 400 Millionen

US-Dollar, noch mal 50 Millionen mehr

als „Avatar 2“. Die Werke setzen allerdings

auch cineastische Maßstäbe, schon

allein durch die aufwendigen Technologien,

mit denen Gestik und Mimik der

Schauspieler auf ein Computermodell

übertragen werden, sodass Hollywoodstar

Sigourney Weaver ihrem jugendlichen

Alter-Ego Kiri ihre Gesichtszüge

verleihen kann. Der Na’vi-Begrüßungssatz

„Ich sehe dich“ bekommt hier gleich

eine ganz neue Bedeutung.

Der dritte Teil wurde zeitgleich mit dem

zweiten gedreht, er sollte schon vor einem

Jahr anlaufen. Regisseur Cameron gilt als

Meister der Postproduktion – angeblich

hat der 71-Jährige bis kurz vor Kinostart

an den Effekten gebastelt. Und er hat noch

einiges vor mit seinem Avatar-Universum:

Kapitel vier und fünf sind schon lange in

Planung. „Die letzten Teile werden die

besten. Die anderen waren eine Einführung,

eine Art, den Tisch zu decken,

bevor der Hauptgang serviert wird“, so

der Regisseur recht unbescheiden.

In jedem Fall sind seine Pandora-Vorspeisen

wunderbar geeignet, den realen

Krisen unseres ja auch ganz schönen Planeten

Erde für ein paar Stunden zu entfliehen.

7

BARBARA JUNG-ARNTZ

LESEN

László Krasznahorkai »Zsömle

ist weg« Der neue Roman

des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers:

Er handelt –

in der typisch mäandernden

Sprache – vom alten Józsi, der

(vielleicht) ungarischer Thronfolger

ist. Jedenfalls soll er

an die Macht, finden seine Getreuen.

(S. Fischer) ••••◦

Marianne Ludes »Trio mit

Tiger« Zum 75. Todestag des

Künstlers Max Beckmann erscheint

dieser Roman: Marianne

Ludes erzählt von der Flucht,

vom Exil, von Max’ Sorge und

der Zuversicht seiner Frau Mathilde

– und von einem Kunstverehrer,

dem Nazi Erhard Göpel.

(C. Bertelsmann) •••◦◦

Christopher Clark »Skandal in

Königsberg« Der australische

Historiker hat sich einer delikaten

Affäre angenommen: Es

geht um Geistliche, erotische

Geheimnisse und handfeste Intrigen.

Alles historisch verbürgt

und ein klarer Beleg dafür, dass

es wüst zuging in Preußen um

1835. (DVA) ••••◦

Bora Chung »Dein Utopia«

Spuk-Geschichten über unsere

durchtechnologisierte nähere

Zukunft. Sie handeln von KIgesteuerten

Autos und empfindsame

Aufzüge – und letztlich

von der Frage, wie sich der

Mensch in all dem Wahnsinn

seine Menschlichkeit bewahren

kann. (Culturbooks) ••••◦

Thomas Harding / Britta

Teckentrup: »Das Haus am

Park« 1935 emigrierte Judith

Kerr. nach London. Sie zog ins

„Haus am Park“ und schrieb „Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Dieses Bilderbuch stellt den

verwunschenen Palast und seine

wunderbare Bewohnerin vor.

(Jacoby und Stuart ) •••◦◦

HÖREN

Peter Criss »Peter Criss«

Zum 80. Geburtstag am 20. Dezember

schenkt sich der Catman

und ehemalige Schlagzeuger

von Kiss sein sechstes

Soloalbum. Die Single „Creepy

Crawlers“ gibt hoffentlich die

Richtung vor: Es ist mit wunderbar

schaurigem Hard-Rock-

Bombast zu rechnen. •••◦◦

21 Savage »What Happened To

The Streets?« Der Rap-Superstar

aus Atlanta hat sich einen

Namen damit gemacht, so kühl

über Gewalt und Verbrechen zu

berichten, dass man sich eine

dicke Jacke anziehen möchte.

Das Ganze kulminiert dann in

einer Version von R. Kellys Hit

„I Wish“ – kontrovers! ••••◦

Shallipopi »Auracle« Der Musiker,

der 2023 mit dem Loblied

„Elon Musk“ zu Ruhm kam,

ist in seiner Heimat Nigeria

mittlerweile ein Star. Das dritte

Album zielt nun auf den internationalen

Markt, was sich

vor allem in der Wahl der Gäste

niederschlägt: Gunna, Swae

Lee und Wizkid. ••••◦

Summer Walker »Finally Over

It« So ein schönes Paar! Nach

„Over it“ und „Still Over It“ hat

die Musikerin aus Georgia den

Herzschmerz endlich bewältigt

und feiert die neue Liebe mit

dem beeindruckend geschliffenem

R&B-Sound der späten

90er. Hoffentlich ist das junge

Glück von Dauer. ••••◦

Fat White Family »Konk If

You‘re Lonely« Sie sind weder

eine Familie noch sind sie fett.

Dafür haben die Londoner ein

Händchen für moralisch zweifelhafte

Gassenhauer wie „Wet

Hot Beef“ oder „Polygamy Is

Only For The Chief“. Jetzt erneut

live in den Konk Studios

aufgenommen. •••◦◦

FOCUS 52/2025_01/2026 93


Kultur

So herrlich

blaugrün war

die Lagune

Venedigs schon

lange nicht mehr:

Emily Cooper

(Lily Collins),

diesmal nicht

in Paris

94 FOCUS 52/2025_01/2026


Serie

Bella Ciao,

Ciao Bella

Die Serie »Emily in Paris« gehört zu den größten Erfolgen

des Netflix-Zeitalters – und mit gnadenloser Zuckrigkeit

auch zu den umstrittensten. Jetzt startet die fünfte Staffel

Text von Joachim Hentschel

E

FOTOS: GIULIA PARMIGIANI/NETFLIX

Es hätte ein herrlicher Tag werden können

in Solitano, dem sonnigen, hinter den

sieben Hügeln von Rom versteckten Kaff.

Stattdessen ist dort heute das Chaos ausgebrochen.

Eine Horde junger Touristinnen

und Touristen hat den Ort in Beschlag

genommen, die Einheimischen sind verstört.

Weil es nicht mal eine öffentliche

Toilette bei ihnen gibt, haben die Gäste

schon begonnen, sich in den antiken Ruinen

zu erleichtern.

Solitano war davor nur Eingeweihten

bekannt, als Sitz der Modemanufaktur

Muratori. Jetzt hat eine Marketingkampagne

den Ort Social-Media-bekannt

gemacht. „Sie haben Solitano zerstört!“,

schimpft die Firmenchefin auf die Frau

von der Werbeagentur. Der Damm sei

gebrochen, nun würden immer mehr Störenfriede

kommen. „Wie Zombies!“

Was als Nächstes passiert, muss vorerst

geheim bleiben. Es wäre ein Spoiler. Denn

die Szene stammt aus Folge vier der fünften,

gerade auf Netflix gestarteten Staffel

der Serie „Emily in Paris“. Die Marke

Muratori ist erfunden, nicht einmal der Ort

Solitano existiert. Und trotzdem steckt in

In der fünften Staffel erobert Emily Venedig ...

... und feiert die Liebe in der Ewigen Stadt

der Episode eine Wahrheit über die extrem

erfolgreiche, heiß geliebte, von anderen

umso wilder verspottete Serie „Emily

in Paris“. Ein kapitaler Meta-Gag.

Denn die Serie hat tatsächlich für solche

Großkampfszenen gesorgt. Nicht dass

Paris davor ein Geheimtipp gewesen wäre –

aber im Quartier Latin und an anderen

Während die USA sich immer weiter von ihren Nato-

Verbündeten distanzieren, feiert hier eine US-Hochglanzproduktion

die europäisch-amerikanische Achse

FOCUS 52/2025_01/2026

95


Kultur

Fotospots hat der Rummel noch weiter

zugenommen, seit vor fünf Jahren die erste

Staffel lief. Von den zehn Prozent der

Paris-Reisenden, die 2024 laut einer Studie

der Filmförderungsbehörde CNC von

einem Film in die Stadt gelockt worden

waren, kam mehr als jeder Dritte wegen

„Emily in Paris“. Und jetzt nimmt sich die

Serie die nächsten Übertourismus-Orte vor:

Rom und Venedig.

Der zeitlose Glamour Europas

Warum? Aus den zwei Gründen, die in

der Serie gefühlte 95 Prozent aller Ereignisse

motivieren: Business und Verliebtheit.

Emily Cooper, die von Lily Collins

gespielte Social-Media-Strategin aus Chicago,

hatte in der vierten Staffel mit dem

Muratori-Erben Marcello angebandelt.

Was dazu führte, dass ihre Pariser Agentur

eine Filiale in Rom eröffnen musste. Warum

die so immens arbeits- und liebeslustige

Emily dann auch noch in Venedig auftaucht,

darf hier ebenfalls nicht verraten

werden. Die dortigen Brackwasserkanäle

haben allerdings lange nicht mehr in so

kristalltürkisen Netflix-Farben gestrahlt.

Die Location-Entscheidung von Showrunner

Darren Star – der schon Wohlfühlserien

wie „Beverly Hills, 90210“ und

„Sex and the City“ erfand – sorgte sogar

für politischen Tumult. Man werde „hart

darum kämpfen“, dass die Produktion in

Frankreich bleibe, sagte Präsident Emmanuel

Macron 2024 in einem Interview mit

dem Magazin „Variety“: „,Emily in Paris‘

in Rom, das ergibt keinen Sinn.“ Die lästigen

Set-Jetter, wie man zeitgenössische

Film- und Serientouristen nennt,

sind offenbar leichter zu ertragen als der

Verlust an Image und Produktionsaufträgen.

Endgültig zur Staatsaffäre wurde die

Geschichte, als sich auch noch Roms Bürgermeister

Roberto Gualtieri einschaltete.

„Seien Sie unbesorgt“, antwortete er

Macron über den Nachrichtendienst X.

„Emily geht es in Rom sehr gut.“

„Seit ich als 19-Jähriger zum ersten Mal

durch Europa reiste, fasziniert mich euer

Kontinent“, sagt Darren Star, der inzwischen

64 ist, aus Maryland stammt und

zum Interview stilecht aus Paris zugeschaltet

wird. „Bei Emily geht es allerdings

eher um den abstrakten, zeitlosen

Glamour von Paris, wie er schon im alten

Hollywood geliebt wurde. Weniger um

die Gegenwart.“ Dabei haben die jüngsten

Entwicklungen der Serie durchaus

einen weltpolitischen Hauch verliehen.

Während die USA sich immer weiter von

ihren Nato-Verbündeten distanzieren,

Fast wie im echten Leben: Emily und Camille am Place Dalida mit Blick auf Sacré-Coeur, Staffel zwei

»Emily in Paris« gilt als Paradebeispiel für das sogenannte

Hate Watching. Aber auch Hassgucker bringen Quote

Brigitte Macron trat in der vierten Staffel auf

feiert hier eine US-Hochglanzproduktion

die europäisch-amerikanische Achse.

Das Ende der neuen Staffel deutet sogar

an, dass Emily demnächst nach Griechenland

expandieren könnte. (Bevor jemand

fragt: wegen eines Mannes.)

Mit so viel kokettem Kosmopolitismus

haben nicht nur MAGA-Falken Probleme.

„Emily in Paris“ gehört einerseits zu

den größten Erfolgen des Netflix-Zeitalters,

mit 58 Millionen Haushalten, die

2020 schon in den ersten vier Wochen

die Debütstaffel streamten – aber auch

zu den umstrittensten. Sie gilt als Paradebeispiel

für ein Phänomen, das man Hate

Watching nennt. Demnach konsumiert ein

gewisser Teil des Publikums die Serie vor

allem, um sich später in Kommentarspalten

oder Bewertungsportalen öffentlich

über sie zu ärgern. „Vermutlich wissen

ihre Macher und Vermarkter das sogar“,

sagt Kritikerin Alissa Wilkinson in der

„New York Times“. Auch Hassgucker treiben

die Quote hoch.

Es sind nicht nur die simplen Figuren

und Handlungsbögen, der oft kaum zu

ertragende Fröhliche-Welt-Glanz und die

schamlosen Product Placements, die viele

Zuschauer auf die Palme treiben. Auch

die groben Stereotypisierungen werden

regelmäßig kritisiert – die Kehrseite des

gelobten europäischen Flairs.

Emilys Pariser Kollegen sind durchweg

arbeitsfaul und vergnügungssüchtig, die

französischen und italienischen Männer

treten als allzeit bereite Womanizer auf,

die sich durch blitzblank gewienerte Städte

bewegen und sorglos lächelnd Sternerestaurants

managen.

FOTOS: CAROLE BETHUEL/NETFLIX/ THE HOLLYWOOD ARCHIVE/PICTURE ALLIANCE,

STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX

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z

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96 FOCUS 52/2025_01/2026


Serie

FOTOS: ALEXANDRE DELAITRE/PICTURE ALLIANCE/DPA,

SOFIA MAZHAR/PICTURE ALLIANCE/DPA

Entsprechend groß müsste die Enttäuschung

bei den Set-Jettern sein, die

sich am Place de l’Estrapade anstellen,

um Selfies vor der Serien-Haustür ihrer

Heldin zu machen – und dabei zwangsläufig

das gestresste Nicht-Hollywood-

Frankreich erleben. An manchen Orten

werden sie von Graffitis begrüßt: „Emily

Not Welcome“ haben Anwohner auf die

Wand gesprüht. Solange sich die jungen

Fans ein Beispiel an der schmiedeeisernen

Resilienz der Emily-Figur nehmen, wird

ihnen aber auch das wenig ausmachen.

Die fünfte Staffel dürfte an der Wahrnehmung

nichts ändern. Die Liebe bleibt

bei Emily ein komödiantisches Karussell,

und die Werbespots für Sponsoren sind

so tief in die Handlung eingewoben, dass

kein Adblocker sie löschen kann. Ab und

zu werden zeitpolitische Tiefen angedeutet,

ein MeToo-Fall oder das Problem eines

Wasserabfüllers, der queerfeindliche Organisationen

unterstützt hat und nun bei

Emilys Agentur eine Imagekorrektur

anfordert. Doch auch solche Konflikte werden

schneller abgearbeitet als ein TikTok-

Selfie-Touristinnen vor Emilys Haustür ...

... und vor ihrer berühmten Lieblingsbäckerei

Video zum Hochladen braucht. Dabei

steckt gerade in der gestörten Work-Life-

Balance, die „Emily in Paris“ durchzieht,

ein hochinteressanter Punkt. „In ,Sex

and the City‘ ging es vor allem ums echte

Leben, das Carrie Bradshaw später in

die Kolumnen hineinkanalisierte, die sie

schrieb“, sagt Darren Star über die Serie,

die ihn vor rund 25 Jahren weltbekannt

machte. „Emily hat da einen völlig anderen

Zugang. Ihr Leben wird von der Arbeit

angetrieben. Nicht umgekehrt.“

Man könnte „Emily in Paris“ also auch

als große Post-Millenniums-Dystopie verstehen:

als Geschichte einer Welt, in der

digitale Perfektion und der ständige Wettbewerb

um Liebe, Luxus und gutes Aussehen

zur einzigen, bitteren Realität geworden

sind. Während die Figuren mit Würde

und Restmoral versuchen, trotz allem als

bestmögliche Menschen zu leben.

„Es kann doch nichts Falsches daran

sein, das Richtige zu tun“, sagt Emily an

einer denkwürdigen Stelle der vierten

Staffel. Nicht einmal Sokrates hätte es

besser formulieren können. 7

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Kultur

Wo sonst als in St.

Moritz, dem wohl

mondänsten aller

Ski-Orte, sollte

das letzte Kapitel

in der Geschichte

der Rennläuferin

Lindsey Caroline

Vonn geborene Kildow beginnen?

Ein passenderes Ambiente ist für

die „Schneekönigin“, wie ein französisches

Magazin unlängst titelte,

weltweit kaum zu finden. Wie

bestellt funkeln die Sterne über dem

St. Moritzersee, wo, wenn es richtig

kalt ist, Polo gespielt wird. Darüber

thront das legendäre Kulm Hotel,

am Start der genauso legendären

Natureisbahn runter nach Celerina;

nicht weit davon beeindruckt der

mindestens majestätische Badrutt‘s

Palace an der Via Serlas, wo nicht

nur zur Weihnachtszeit die Schaufenster

von Dior, Cartier, Gucci

und Louis Vuitton um die Wette

glitzern. Und dann ist da im Ortsteil

Bad noch das Grand Hotel Des

Bains Kempinski, gegenüber der

Signal-Bahn, neben dem Billionaire,

einem, wie der Name schon

sagt, maximal luxuriösen Show-

Fine-Dining-Club – insgesamt die

perfekte Bühne für die mittlerweile

41-jährige Grande Dame des alpinen

Skisports.

Sie sei bereit für ein letztes Hurra,

für den Griff nach der nächsten

olympischen Goldmedaille, sagt sie

zwei Tage vor der ersten Weltcup-

Abfahrt des Winters bei einer Pressekonferenz

in einem für die Verhältnisse

hier erstaunlich schmucklosen

Raum des Fünf-Sterne-Hotels. Wie

fast immer bei winterlichen Auftritten

trägt sie diese Mütze mit den

Mickey-Mouse-Ohren, diesmal in

Schwarz. Ihre Laune ist dagegen

kunterbunt. „Ich bin womöglich in

der besten Form meines Lebens“,

sagt die Frau, die auf Skiern so viele

Rekorde hält, dass man bei Wikipedia

ein paar Mal scrollen muss,

um alle zu sehen. Und was soll man

sagen? Als zwei Tage später oben

auf der Corviglia, dieser herrlichen

Piste mit einem der spektakulärsten

Ausblicke im Ski-Weltcup, die erste

Speed-Siegerin des Winters gekürt

wird, ist es natürlich Lindsey Vonn,

die – so abgebrüht sie sonst erscheinen

mag – Glückstränen vergießt.

Offenes Visier:

Lindsey Vonn, 41,

peilt ihren nächsten

Olympiasieg an

»Du bist eine Göttin!«

Sie habe einen »Vollschuss«, sagten Kritiker. Für Skistar Lindsey

Vonn sind solche Schmähungen Extramotivation. Nach ihrem

Comeback gelang ihr jetzt der erste Weltcup-Sieg. Mit 41 Jahren

Text von Thomas Becker

FOTO: JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL

98 FOCUS 52/2025_01/2026


Sport

FOTO: FABRICE COFFRINI/AFP VIA GETTY IMAGES

Dieser 83. Weltcupsieg, der erste

seit März 2018, ist ein Triumph jenseits

aller Erwartungen. Damit ist

sie nun die älteste Skiläuferin, die

je ein Weltcuprennen gewonnen

hat. Felix Neureuther, der als ARD-

Experte ihren Fabellauf kommentierte,

war die tief empfundene

Bewunderung sehr deutlich anzumerken:

„Boah, ist das gut! Wer soll

diese Kurve schneller fahren? Das

ist wie früher – oder sogar noch besser.

Eine der besten Fahrten, die ich

je in meinem Leben gesehen habe.

Lindsey, du bist eine Göttin!“

Letzte Abfahrt: Olympia

Später, als er mit der göttlichen Vonn

vor der Kamera steht, scheint auch

Neureuther Tränen der Rührung in

den Augen zu haben. Unfassbar cool

dagegen: Vonns Coach Aksel Lund

Svindal, Olympiasieger, Weltmeister,

Gesamtweltcupsieger und seit

ein paar Monaten der Mann, der

der US-Amerikanerin hilft, ihren

Olympiatraum zu verwirklichen.

Als sein Schützling mit einer Sekunde

Vorsprung die gesamte Weltelite

düpiert, lächelt er nur still. Keine

Überraschung für ihn, ebenso wenig

wie die Ränge zwei und vier an den

folgenden Tagen.

Denn schon bei der Pressekonferenz

im Kempinski hatte der Norweger

die Stärke Vonns dargelegt:

„Sie ist so ungeheuer gut in den

Kurven!“ Er sollte recht behalten,

denn das Rennen auf der Corviglia

gewann Vonn nicht in den Gleitpassagen,

sondern da, wo es dreht.

Dort ist sie um Klassen besser als in

der vergangenen Saison. Diese hatte

sie mit zu wenig Vorbereitung nach

der ausgiebig diskutierten Knie-OP

in Angriff genommen, unter einem

vielstimmigen Kritiker-Chor, der

rasant übers Ziel hinaus schoss.

Abfahrt-Legende Franz Klammer

bescheinigte Vonn gar einen „Vollschuss“.

Ein Jahr später hat sie die

Häme nicht vergessen: „Ich weiß

genau, wer was über mich gesagt

hat. Du kannst dich runterziehen

lassen oder es als Motivation nutzen,

so wie ich. Ich liebe, was ich

tue. Ich liebe es, schnell zu sein.

Und das wird sich nie ändern.“

Nach der Genugtuung auf der Corviglia

dankte sie den Kritikern für

den zusätzlichen Schub.

Wobei man ja schon Zweifel an

Vonns Comeback-Plänen haben

konnte. Zig Knie-OPs hatte sie in

ihrer Karriere überstehen müssen.

Und dann nach fast sechs Jahren

Wettkampfpause im reifen Sportleralter

von 40 Jahren und mit einem

in Teilen künstlichen Kniegelenk

noch mal zurückkommen, in diesem

Harakiri-Wettbewerb namens

Ski-Abfahrtslauf?

Einige hatten noch das Drama um

Bill Johnson, den Abfahrt-Olympiasieger

von 1984, im Kopf. Der hatte

auch mit 40 ein Comeback gegeben,

nach elf Jahren Wettkampfpause,

stürzte vor Olympia 2002 im

Training schwer, erlitt ein Schädel-

Hirn-Trauma, wurde zum Pflegefall,

jahrelang betreut von der Mutter.

Mit 55 Jahren starb er an den

Spätfolgen eines Schlaganfalls.

Wer Vonn nun fragt, ob sie nicht

auch Zweifel gehabt habe, erntet

Stirnrunzeln, einen Unverständnis

ausdrückenden Blick und die

Worte: „Nein. Wieso?“ Schon vor

Jahren hat sie sich in der Olympia-

Sprache Griechisch „Glauben“ auf

die Innenseite eines Fingers tätowieren

lassen.

2,6 Millionen Menschen folgen

Vonn auf Instagram – fast fünf

Mal so viele wie Marco Odermatt,

Dominator bei den Männern. In

ihrer Selbstbeschreibung ist sie

nicht nur „Olympic Champion“,

Bestseller-Autorin, Gründerin der

Lindsey Vonn Foundation, Unternehmerin

und Investorin, sondern

auch „Dog Mom“. Klickt man sich

durch all die Abendkleid-Bilder,

»Ich glaube

nicht, dass

ich ohne

Olympia-

Medaille

nach Hause

komme«

Ge-Vonnen:

Sieg in St. Moritz

– mit unerschütterlichem

Selbstvertrauen

Wiederkehrschwung:

„Time” feiert

Vonns Neustart

scheint sie zuletzt nur wenige Galas

und rote Teppiche ausgelassen zu

haben – doch genauso konsequent

kann sie den Schalter umlegen und

im Gym Vollgas geben.

Fünfeinhalb Kilo Muskelmasse

habe sie im Vergleich zum Vorjahr

zugelegt, sagt sie. „Mein Körper ist

etwas anders jetzt, ich habe mehr

Selbstvertrauen als im vergangenen

Jahr, da war ich unsicher,

wie schnell ich sein würde. Nun

hoffe ich, dass ich auch so schnell

Ski fahren kann, wie ich mir das

im Kopf vorstelle.“ Coach Svindal

meint: „Von der Balance her habe

ich sie lange nicht so sicher gesehen.“

Schön auch die Schote von

ihrer WhatsApp-Kommunikation:

„Ich hab’ irgendwo gesehen, dass

Lindsey ein paar Tore fährt, und

ihr geschrieben: ‚Comeback?‘ Keine

Antwort. Da wusste ich: ‚Comeback!‘.

Sie muss da ja nicht machen.

Sie macht es, weil sie es liebt.“

Und weil Olympia nun auf ihrer

hochgeschätzten Tofana-Piste stattfindet,

wo sie sechs Mal im Super G

gewann, im Vorjahr jedoch gestürzt

ist. „Cortina ist der Grund“, sagt

Vonn, keiner dieser „Random Places“,

wo die letzten Male Olympiamedaillen

verteilt wurden –

schöne Grüße nach Peking und

Pyeongchang. Abfahrt, Super-G

und Team-Kombination will sie

bei ihren fünften Winterspielen

bestreiten – und natürlich gewinnen:

„Ich weiß nicht, wie zufrieden

ich wäre, wenn ich ohne Medaille

nach Hause käme“, hat sie dem

Magazin „Time“ gesagt, „aber ich

glaube nicht, dass das passieren

wird. Egal, was geschieht: Ich habe

schon gewonnen, weil ich meinem

Herzen gefolgt bin, meiner Leidenschaft,

meiner Bestimmung.“

Mehr Pathos geht kaum. „Ich

hoffe, dass nicht nur die Siege und

Misserfolge gesehen werden, sondern

wie ich mich wieder aufgerappelt

habe“, fügt sie dann noch hinzu.

„Nur weil du 41 bist, heißt das

ja nicht, dass du dich nach einer

gewissen Norm verhalten musst.

Wenn du einen Traum hast, und

meinst, dass es geht, dann solltest

du es versuchen: Folge deinem

Traum, und gib niemals auf.“ Na

also, ein bisschen mehr Pathos geht

dann doch noch. 7

FOCUS 52/2025_01/2026

99


Genuss

Er ist Chefkoch der Ottolenghi-

Delis sowie der Restaurants

„Nopi“ und „Rovi“ in London.

Seine elf Kochbücher sind

Bestseller – sein neuestes

heißt „Comfort: Rezepte, die du

lieben wirst“ (DK Verlag)

Hähnchenpastete

mit Backpflaumen und

Spalterbsen

Für 6 Personen

Vorbereitung 20 Minuten

Garzeit 1 Stunde

15 Minuten

Für Körper und Seele

Folge 326: Bis die Tage länger werden, dauert es noch eine

Weile. Da hilft Seelenfutter – wie diese Pastete

Ein weiteres Jahr ist geschafft – Respekt! Es gibt viele

Möglichkeiten, es ausklingen zu lassen, doch egal, ob

man sich für eine Party in Schale schmeißt oder es sich

mit Pantoffeln zu Hause gemütlich macht, die kommenden

Wochen verlangen von der Küche nur eines:

Seelenfutter. Das ist für jeden etwas anderes, aber oft

ist es die Konsistenz, die es dazu macht – buttriger, knuspriger

Blätterteig, fluffig-flauschige Polenta, saftig-schmelzige

Backpflaumen, cremig geschmolzener Käse … Das sind nur

einige der Dinge, mit denen ich mich im neuen Jahr bei Laune

halten werde. Tun Sie es auch! Auf ein gutes 2026!

Dieses Gericht ist vom Khoresh inspiriert, einem persischen

Eintopf, der ebenso festlich wie wohltuend ist. Ein ideales

Hauptgericht, dazu reicht als Beilage ein grüner Salat. 7

Für die Füllung:

100 g gelbe Spalterbsen, in

heißem Wasser 10 Minuten

eingeweicht und abgetropft

30 g rote Linsen

3 schwarze Limetten, mit der

Spitze eines scharfen Messer

je dreimal eingestochen

Für den Teig:

1 vorgerollter Blätterteigboden

(325 g)

1 Ei, verschlagen

1 TL Schwarzkümmelsamen

Für das Hähnchen:

2 Zwiebeln, geschält und

in feine Streifen geschnitten

(365 g)

3 EL Olivenöl

feines Meersalz

1 kg ausgelöste Hähnchenoberschenkel

ohne Haut,

in 4 cm große Stücke geschnitten

½ TL frisch zerstoßener

schwarzer Pfeffer

½ TL gemahlene Kurkuma

½ TL gemahlener Zimt

½ TL gemahlener Kardamom

¼ TL gemahlener Kreuzkümmel

3 EL Mehl

55 ml Apfelessig

20 g Koriandergrün,

fein gehackt

200 g Backpflaumen,

entsteint und in je 6 Stücke

geschnitten

Die ersten drei Zutaten in

850 ml Wasser 35 Minuten köcheln

lassen. Die Limetten am

Topfrand gut ausdrücken

und anschließend wegwerfen.

Blätterteig entrollen und auf

23 x 36 cm ausrollen. Mit der

Hälfte des verschlagenen Eis bestreichen

und quer in neun Streifen

von 5 cm Breite schneiden.

Mit Schwarzkümmel bestreuen,

auf ein mit Backpapier bedecktes

Blech legen und kaltstellen.

In einer großen Pfanne die Zwiebeln

in dem Olivenöl mit 1 TL Salz

15–20 Minuten rösten, ab und zu

umrühren. Hähnchenfleisch und

1 weiteren TL Salz zugeben und

kurz anbraten. Gewürze und

Mehl unterrühren und 2 Minuten

anschwitzen, bis die Mischung

aromatisch duftet.

Backofen auf 200 °C (180 °C Umluft)

erhitzen. Linsen und Erbsen

samt Flüssigkeit zum Hähnchen

in die Pfanne geben, Essig,

Koriandergrün und Backpflaumen

unterrühren. Mischung in

eine 30 x 20 cm große Auflaufform

füllen und 10 Minuten abkühlen

lassen.

Den Rand der Form mit dem

restlichen Ei bestreichen und

5 Teigstreifen diagonal darüberlegen.

Zwischen den Streifen

1 cm Abstand lassen, die Enden

am Formrand fest andrücken.

Die restlichen 4 Teigstreifen

diagonal in entgegengesetzter

Richtung auflegen. Pastete im

Ofen 35 Minuten goldbraun

backen.

Die Pastete aus dem Ofen

nehmen, 10 Minuten abkühlen

lassen und warm servieren.

ÜBERSETZUNG: HELMUT ERTL

FOTOS: EROL GURIAN/LAIF; LOUISE HAGGER/PHOTOGRAPHY, EMILY KYDD/FOOD STYLING, JENNIFER KAY/PROP STYLING, KRISTINE JAKOBSSON/FOOD STYLING ASSISTANT; SUNBIRD IMAGES/IMAGO

100 FOCUS 52/2025_01/2026


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Auto

BMW iX3 50

xDrive

Motor

2 Elektro

(469 PS)

Maße (L × B × H)

4,78x1,90x1,64 m

Gewicht

2285 kg

Ladedauer

von 10% auf 80%

in 21 Minuten

Reichweite

679–805 km

Preis

68 900 Euro

Nicht zu viel Veränderung auf einmal: Die lange Motorhaube des iX3 soll an die Verbrenner-Ära erinnern

Marcus Efler

fuhr einst einen

1980er BMW 323i

– und fand das

typische Fahrgefühl

im iX3

wieder. Der Autor

reiste auf

Einladung des

Herstellers

Ein Herz für Bayern

Mit dem iX3 startet BMW seine Neue Klasse. Das SUV soll

Maßstäbe für Deutschlands Autobranche setzen

Auch wenn Deutschlands Automanager,

inklusive Noch-

BMW-Chef Oliver Zipse, hart

am Aufweichen des Verbots

klimaschädlicher Verbrenner gearbeitet

haben: Hinter den Kulissen

haben sie sich längst mit der elektrischen

Zukunft arrangiert. Bei BMW

trägt diese den Namen Neue Klasse.

Zwar umfasst sie auch überarbeitete

Benziner und Hybride, ihr technologisches

Prunkstück ist aber

fraglos die komplett neu entworfene

Elektroplattform – auf der nun

zuerst der iX3 aus dem Werk in

Ungarn rollt.

Gemessen an dessen Hightech-

Anspruch wirkt das Exterieurdesign

eher konventionell – nicht

nur dank der schmalen Niere, die

auf den schlanken Hochkantlook

der 70er-Jahre-Modelle zurückschrumpft.

Aufgrund der langen

Motorhaube ist der Knieraum vor

der Rückbank ganz okay, aber

nicht revolutionär groß.

Die größte Neuerung findet sich

im vorderen Innenraum: Statt des

derzeit üblichen, riesigen Digitaldisplays

unterlegt eine schmale

Anzeige die gesamte Frontscheibe.

Dieses „Panoramic iDrive“ blendet

die wichtigsten Fahrdaten ein.

Zum Ablesen muss der Fahrer seinen

Blick also nicht auf nah fokussieren

– fast wie bei einem Headup-Display,

dessen Aufpreis man

sich nun im Grunde sparen kann.

Die noch größere Revolution für

einen deutschen Autohersteller

nennen die Bayern „Heart of Joy“:

Ein Bordcomputer, der Antrieb,

Bremsen, Laden und Rekuperation

in einem Gerät vereint. Gegen-

über den bisher üblichen, untereinander

vernetzten Einzelcomputern

spare das, so erklären die Entwickler

stolz, wertvolle Millisekunden

bei der Signalverarbeitung.

Im iX3 kann das Herz der Freude

zwei Motoren in Echtzeit ansteuern,

mit einer Systemleistung von

469 PS. Dementsprechend krass

beschleunigt das SUV im Sportmodus.

Dank aufwendiger Detailarbeit

an Package und Fahrwerk

lässt sich der BMW mit einer Agilität

durch enge und weite Kurven

steuern, die nicht nur angesichts

seines Leergewichts von fast

2,3 Tonnen verblüfft.

Die versprochene Reichweite von

800 Kilometern schrumpft im Real-

Verkehr auf immer noch beachtliche

600. Dank 800-Volt-Technik

lädt der Neue mit bis zu 400 Kilowatt

– entsprechende Supersäulen

vorausgesetzt.

Mit knapp 69 000 Euro lässt sich

BMW seine hochmoderne Technologie

gut bezahlen, liefert dafür aber

auch ab. Eine günstigere, heckgetriebene

Version wird folgen. 7

102 FOCUS 52/2025_01/2026


Impressum

Redaktion

Chefredaktion Franziska Reich, Georg Meck

(V. i. S. d. P.: Anschrift siehe Redaktionsadresse)

Stellvertretende Chefredakteure Jörg Harlan Rohleder, Markus Krischer

Mitglieder der Chefredaktion

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Kolumnist Jan Fleischhauer

Chefautor Thomas Tuma

Creative Director Frances Uckermann

Stv. Artdirectorin Miriam Bloching

Visual Director Frank Seidlitz

Executive Editors Jobst-Ulrich Brand (Senior Executive Editor),

Bruno Gaigl, Barbara Jung-Arntz (Senior Executive Editor & Autorin)

Chefkorrespondent Mike Szymanski

Chefreporterin Anja Maier

Chefs vom Dienst Sonja Wiggermann; Christian Stein (Stv.)

Geschäftsführende Redakteurin Katharina Hunold

Die Story Corinna Baier (Ltg)

Politik Franziska Reich (Ltg.), Markus C. Hurek (Ltg.);

Andreas Große Halbuer, Felix Heck, Antje Hildebrandt, Lukas Koperek,

Annica Kramer, Alisha Mendgen, Noah Raffenberg, Leon Werner

Ausland Marc Brost (Ltg.), Alexander Bartl (Autor), Margot Zeslawski

Investigation Christoph Elflein (Ltg.); Lara Wernig

Wirtschaft Georg Meck (Ltg); Johannes Bauer, Petra Hollweg

(Leitende Redakteurin), Matthias Jauch, Sina Osterholt,

Peter Steinkirchner, Susanne Stephan

Wissen & Gesundheit Bernhard Borgeest (Ltg.); Sonja Fröhlich,

Edda Grabar, Dr. Kurt-Martin Mayer (Autor), Alina Reichardt

Social Media Darline Bussäus; Alicia Winter

Bildredaktion Nadja Angermann, Kathrin Bruch, Arne Deepen,

Maike Feder, Florian Kernwein

Titelgrafik Svenja Kruse, Thorsten H. Michel

Grafik Heike Noffke, Petra Rehder, Betül Rühmann, Katharina Sörgel,

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Info-Grafik Stefan Hartmann, Jaroslaw Kaschtalinski, Sebastian Müller

Dokumentation Jochen Bausback, Bernd Hempeler,

Joachim J. Petersen, Fabrice Rüping, Nina Schilling, Marie Vassan

(Kooperation mit F.A.Z.-Research)

Redaktionsassistenz Anke Hildebrandt, Victoria Mutz, Tom Tietze

Schlussredaktion Lektornet, Willy-Brandt-Straße 51, 20457 Hamburg

Redaktionstechnik Ingo Bettendorf, Oliver Seehaus, Jörg Haensel

Nachrichtendienst dpa

FOCUS+

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Chefs vom Dienst Ben Bünte (Ltg.); Felix Eick, Veit Ellerbrock,

Lea Fabbrini

Multimedia-Editor Juliane Schneider

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Chef vom Dienst Thomas Schmidtutz

Redaktion Ruben Giuliano, Janna Claudia Wolf

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Kiew Lieselotte Hasselhoff, l.hasselhoff.extern@focus-magazin.de,

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London Reinhard Keck; E-Mail: reinhard.keck.extern@burda.com

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FOCUS 52/2025_01/2026 103


Nachrufe

Das große Herz

Hollywoods

Geboren 1947

in New York. Sein

Vater war der

Regisseur Carl

Reiner, seine

Mutter die Schauspielerin

Estelle

Reiner

Als 12-Jähriger

trat Rob schon in

einer TV-Serie auf,

der Durchbruch

gelang ihm mit

„All in the Family“

in den 70ern

1984

erster großer Erfolg

als Regisseur

mit „This Is Spinal

Tap“. Es folgten

Klassiker wie

„Stand By Me“

(1986), „Harry und

Sally“ (1989) oder

„Eine Frage der

Ehre“ (1992)

Rolf Becker, 90,

Schauspieler

»Du warst und bleibst ein

großer Mensch, der jeden

mit Interesse und (wenn

nötig) Fürsorge bedachte.

Du hattest Humor,

Charme, Freundlichkeit für

zehn! Und du wirst eine

Lücke hinterlassen, die wir

nur versuchen können

zu füllen – mit den besten

Erinnerungen an dich«

Alexa Maria Surholt,

Schauspielerin

2025

Im September

kam „This Is Spinal

Tap II“ in die US-

Kinos, in dem Paul

McCartney eine

kleine Rolle spielt.

Am 14.12.25

wurden Reiner

und seine Frau

Michele in ihrem

Haus in L.A. tot

aufgefunden

Rob Reiner, 78

„Welch eine Tragödie der Tod von Rob Reiner und seiner Frau Michele

darstellt“, schreibt der Musiker Paul McCartney. „Es ist in vielerlei Hinsicht

schockierend, aber für mich ganz besonders, weil ich im vergangenen

Jahr mit ihm zusammengearbeitet habe. Er führte Regie bei ‚Spinal

Tap II: The End Continues‘. Er war ein so optimistischer, liebenswerter

Mensch.“Reiner, der Hollywood-Klassiker wie „Harry und Sally“ oder

„Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ drehte, und seine Frau

wurden in ihrem Haus in Los Angeles erstochen aufgefunden, der gemeinsame

Sohn Nick steht unter Mordverdacht. „Das Leben kann so ungerecht

sein“, schreibt McCartney weiter „und diese Tragödie beweist es.“ Der

frühere US-Präsident Barack Obama betont in einem Nachruf neben der

erfolgreichen Filmkarriere Reiners auch dessen Einsatz für Umweltschutz,

die Rechte von Kindern und LGBTQ-Menschen, der etwa US-Präsident

Donald Trump ein stetes Ärgernis war: „Hinter allen Geschichten, die Rob

produziert hat, stand ein tiefer Glaube an das Gute im Menschen – und ein

lebenslanges Engagement, diesen Glauben in die Tat umzusetzen“, schreibt

Obama. „Gemeinsam führten er und seine Frau ein Leben, das

von Sinnhaftigkeit geprägt war.

Sie werden für die Werte, für

die sie eintraten, und für die

unzähligen Menschen, die

sie inspirierten, in besonderer

Erinnerung bleiben.“

Eine Würdigung von Jobst-Ulrich Brand,

FOCUS-Redakteur

Malte Pittner, 48,

Musiker

Unser ehemaliger Bandkollege ist

nach langer Krankheit gestorben.

Das hat uns ziemlich geschockt.

Malte war eines der Gründungsmitglieder

von Deichkind im Jahre

1997 und blieb bis 2005 bei uns.

Unsere ersten beiden Alben wurden

sehr stark von ihm geprägt,

und wir haben unzählige Male zusammen

auf der Bühne gestanden

sowie im Studio viele inspirierende

Tage und Nächte verbracht. Er war

ein genialer Musiker, Entertainer

und unglaublich talentierter Songwriter

und Texter – nicht nur für

Deichkind.

Deichkind,

Hamburger HipHop-Formation

FOTOS: ANDY SCHWARTZ/FOTOS INTERNATIONAL/GETTY IMAGES,

IMAGO/BREUEL-BILD, BRAUER PHOTOS

104 FOCUS 52/2025_01/2026


Leserbriefe

FOCUS-Ausgabe

51/2025 mit

dem Titel zur

Medizin aus dem

Internet

Liebe Leserin,

lieber Leser,

schreiben Sie uns

Ihre Meinung zu

den Themen in

diesem Heft –

bitte unbedingt

mit Angabe Ihrer

vollständigen

Adresse und

Telefonnummer:

Redaktion

FOCUS

Heiligegeistkirchplatz

1,

10178 Berlin

oder E-Mail:

leserbriefe@

focus-magazin.de

Die Redaktion

behält sich

das Recht auf

Kürzungen vor.

Das Editorial der Chefredakteurin

zu Donald

Trump und seine Pläne

mit Europa war in Woche

51 das alles bestimmende

Thema. Dutzende Leser

reagierten mit Zuschriften

und diskutierten

die Lage höchst kontrovers

Was Europa tun muss

(51/2025) Editorial

Ihre Deutlichkeit zur Situation

Europa/USA tut weh. Ich habe

Bauchschmerzen das Geschehene

in den Medien weiter zu

verfolgen. Natürlich muss Europa

jetzt Klartext gegenüber den

USA sprechen und vielleicht den

USA gegebenenfalls anbieten,

aus der Nato auszutreten. Aber

wer in Gottes Namen soll diesen

Mut aufbringen und dabei sogar

Gefahr laufen von einigen Euro

Staaten sogar noch beschimpft

zu werden.

Reinhart Broy, 31303 Burgdorf

Ich teile Ihre Schlussfolgerungen

nicht. Hätten Deutschland und

die EU in den letzten 25 Jahren

ihre Hausaufgaben gemacht,

gäbe es den Ukraine-Krieg sehr

wahrscheinlich nicht und wir

würden heute auf Augenhöhe

mit Trump und Xi reden. Jetzt die

beleidigte Leberwurst zu spielen,

weil wir nicht am großen Tisch

sitzen dürfen, ist nicht besonders

professionell und erwachsen.

Dietmar Baier, 83278 Traunstein

Wozu die Aufregung? Donald

Trump möchte doch nur einen

neuen Deal machen. Ihr Europäer

gebt uns das in Belgien

ruhende russische Guthaben und

dafür schützen wir euch schwache

Europäer vor Russland. Und

demnächst machen wir einen

neuen Deal. Dann gebt ihr uns

Grönland, damit wir das auch

beschützen können.

Philipp Baltin, 58285 Gevelsberg

Sie liegen vollkommen falsch. Die

EU beutet uns aus, unterdrückt

die Bürger und will bevormunden,

zensieren und gängeln. Bevor man

permanent auf Donald Trump herumhackt,

sollte man erst einmal

den eigenen Laden auf Vordermann

bringen.

Gerd Sander, 22956 Grönwohld

Ihren Zeilen über Trump, Putin

und Europa stimme ich voll zu.

Viele Europäer sind sich wahrscheinlich

gar nicht bewusst, was

sich da über ihren Köpfen abspielt.

Europa darf sich nicht auseinanderdividieren

lassen. Die EU ist im

Prinzip eine gute Sache und sollte

weiter an einem starken Zusammenhalt

arbeiten.

Peter Kowalski, 90766 Fürth

Jahrzehntelang hat sich der

Westen, insbesondere die BRD

auf Amerika verlassen und sich

auf seine Kernkompetenz, die

Wirtschaft besonnen. Das Spiel

ist nicht aufgegangen. Ebenso

das der DDR mit den Russen. Dieses

Europa hat es mit den Großmächten

vergeigt. Jetzt kommen

die Folgen. So kann Europa nicht

»Wer glaubt denn im

Ernst, dass Bürokraten

Bürokratie abbauen?

Sie sägen doch niemals

an dem Ast, auf dem sie

selbst sitzen!«

Friedrich Handwerker

78073 Bad Dürrheim

weitermachen. Der Krieg ist nicht

unser Krieg. Also Finger weg!

Lars Hahn, per Mail

Sie haben recht, man könnte verzweifeln.

Die Armeen Europas

sind so stark, Russland würde es

nicht wagen, Krieg mit uns zu

führen, aber hier regieren nur

Feiglinge, kein vereintes Europa,

nur Nationalstaaten mit eigenem

Ego. Traurig, dabei fühle ich

mich als Europäer.

Klaus-Peter Beckamp,

55546 Pfaffen-Schwabenheim

Es ist leicht, am Schreibtisch moralisch

zu sein – wenn die Folgen

einer Handlung andere tragen

müssen. Und die würden eintreten,

soweit kann man Putin inzwischen

einschätzen. Ja, Putin ist

ein Verbrecher. Aber ich wäre

sehr vorsichtig, über dieses Geld

einfach zu verfügen. Letztlich werden

wir nicht moralischer, wenn

wir auch unmoralisch handeln.

Brigitte Helfmann, per Mail

Es braucht einen europäischen

Gipfel, bei dem man so lange

verhandelt, bis man eine gemeinsame

europäische Armee unter

einem Kommandorat hat und

bis man die Grundlagen geschaffen

hat für die United States of

Europe. Sonst überlebt Europa

die nächsten 10 Jahre nicht.

Remy Baillon,

F-83340 Flassans sur Issole

Post vom Leserbeirat

US-General a. D. Ben Hodges

bringt es auf den Punkt: Die

Töne, die von der US-amerikanischen

Administration kommen,

fühlen sich an wie „Verrat“ und

„Schläge in die Magengrube“.

Die Stimmen, die an jahrzehntelanger

Freundschaft und Bündnistreue

festhalten, sind zurzeit leiser,

werden aber wieder dominieren.

Wenn Europa berechtigte Kritik

annimmt und an sich arbeitet,

wird es erstarken und mit dem

Freiheitskampf der Ukraine wachsen.

Ein Vitali Klitschko weiß trotz

unfairer Tiefschläge zu siegen.

Friedhelm Maurer, 55490 Gemünden

FOCUS 52/2025_01/2026 105


Tagebuch

Mittwoch

FOCUS-Gründer

Helmut Markwort

leitete das Nachrichtenmagazin

von 1993 bis 2010

als erster

Chefredakteur

Mitten unter uns:

Waren die Attentäter als

Gefährder bekannt?

Montag

Menschen in Niederbayern haben

Glück gehabt. Ein Anschlag auf

einen Weihnachtsmarkt in der

Gegend um Dingolfing ist verhindert

worden. Bayerische Behörden

nahmen fünf Männer in Haft, die

offenbar gemeinsam ein Attentat

vorbereitet hatten. Mit einem Fahrzeug

wollten sie in die Besuchermenge

fahren, um möglichst viele

„Ungläubige“ zu töten.

Alle fünf sind Ausländer: ein

Ägypter, ein Syrer und drei Marokkaner.

Die Menschen in Niederbayern

und in ganz Deutschland haben ein

Recht auf ausführliche Informationen.

Sie wollen erfahren, wie es

möglich ist, dass solche Terroristen

mitten unter uns leben.

Es ist höchst unwahrscheinlich,

dass sie sich in ihren Heimatländern

kennengelernt haben. Viele

Indizien sprechen dafür, dass sie

Weihnachtlich geschmückter

Marktplatz: Fünf Ausländer planten

einen Anschlag im Raum Dingolfing

Von Helmut Markwort

sich in unserem Land zu einer kriminellen

Vereinigung verabredet

haben.

Sind sie dem Verfassungsschutz

aufgefallen? Standen sie auf der

Liste der Gefährder?

Die Frage zielt vor allem auf den

56-jährigen Ägypter Moustafa M.

Er lebt seit Jahrzehnten in Deutschland,

verdient sein Geld als Autohändler

und besitzt mehrere Lkw.

Nebenbei ist er als islamischer Vorbeter

aktiv. In einer Hinterhof-Moschee

soll er die drei jungen Marokkaner

zu dem Anschlag aufgehetzt

haben. Sie sind angeblich erst vor

wenigen Wochen als Fachkräfte

eingereist und arbeiteten für den

Ägypter als Lkw-Fahrer.

Anders der fünfte Mann, der Syrer.

Er soll einen Asylantrag gestellt

haben und seit zwei Jahren subsidiären

Schutz genießen.

Das Beispiel zeigt, dass es nicht

reicht, wenn Innenminister Dobrindt

seine aktuellen Abwehrzahlen

rühmt. Für die Sicherheit

ist es auch notwendig, sich um die

bereits hier lebenden Migranten zu

kümmern.

Dienstag

Jede Woche erstaunlich, wie ungehemmt

Cem Özdemir im öffentlichrechtlichen

Fernsehen Wahlkampf

betreiben darf. Er ist der Liebling.

Wenn die Kameras abgeschaltet

sind, wird geduzt. Dann ist er der

liebe Cem.

Seit das Lager von Donald Trump

seine Sympathie für die AfD offenbart

hat, ist der Streit um den

Umgang mit dieser Partei noch einmal

verschärft worden. Zwei Lehrmeinungen

stehen sich gegenüber.

Häufig zu hören: Man soll diesen

Leuten keine Bühne bieten, auf der

sie ihre Parolen verbreiten können.

Öffentliche Auftritte der AfD-Prominenz

könnten ihre Popularität

noch steigern. Die Gegenthese:

Wird die Partei verschwiegen oder

unterdrückt, könnte diese Haltung

ihre Opferrolle stärken. Auch die

25 Prozent, die aktuell AfD wählen

würden, zahlen TV-Gebühren.

Sie könnten ihre Position vermissen

und mangelnde Meinungsfreiheit

beklagen.

Der Streit ist hundert Jahre alt.

Damals, als es noch keine Talkshows

gab, plädierte der erfolgreiche

Linke Kurt Tucholsky für Streitsendungen

mit Teilnehmern aus

allen politischen Lagern. Er schrieb

über das Radio, dem er heuchlerische

Neutralität vorwarf. In der

„Weltbühne“ heißt es wörtlich:

„Selbstverständlich hat auch der

schärfste Hitler-Mann das Recht,

seine Bücher und seine Helden,

seine Gedenktage und Ideale im

Rundfunk zu propagieren – solange

er damit keine strafbare Handlung

begeht. Der Kommunist hat

das gleiche Recht. Der steuerfeindliche

Bauer hat es. Die Großindustrie.

Der Arbeiter. Die Frau, die für

den Gebärzwang ist. Die Frau, die

gegen den Gebärzwang ist.

Nur eines geht nicht: dass eine

Partei auf Kosten der anderen

bevorzugt wird.“ Tucholsky wäre

ein spannender Talkshow-Gast.

Plädierte vor 100 Jahren

für mehr Toleranz im Rundfunk:

Erfolgsautor Kurt Tucholsky

FOTOS: LARS HAUBNER/NEWS5/DPA, DPA

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