CLICK FILM Januar 2026
Das E-Film-Magazin von arttv.ch
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CF CLICK FILM
Das E-Magazin für Kino, Film & Streaming
JAN 26
EDITORIAL
«Verwechslungen mit
unserem eigenen
französischsprachigen
Filmportal clickcinema.ch
sollen künftig
ausgeschlossen sein.»
HINWEIS:
Wenn nicht anders
vermerkt, findest du
die Bildlegenden auf
unserer Website.
Cover: Helmut Förnbacher in DER GLETSCHERPILOT (1958)
Liebe CLICK FILM-Community
CLICK CINEMA wird zu CLICK FILM – ein klares Statement
Namen erzählen Geschichten. Unser Film-Magazin hiess seit vielen Jahren CLICK
CINEMA – ein Titel mit internationalem Klang und angloamerikanischer Anmutung.
Doch mit der drastisch gesteigerten Reichweite, seit wir unser Magazin über einen
neuen Anbieter auch in Deutschland und Österreich verbreiten (den Rekord hält das
CLICK CINEMA vom JUNI/JULI 2025 mit über 4 Millionen Views), haben wir uns
entschieden: Es ist Zeit für einen Namen, der noch konsequenter zu unserer
Ausrichtung passt.
CLICK FILM heisst unser Magazin ab sofort. Ein Wort, das näher an unserer Realität
liegt: Film – so, wie wir ihn hier verstehen. Nah an den Filmschaffenden, am
unabhängigen Schweizer und europäischen Filmschaffen. Weniger Anglizismus, mehr
Selbstbewusstsein. Nie war Hollywood unser Massstab – im Zentrum standen immer
die Werke, die vor unserer Haustür entstehen: in unseren Regionen, in unseren Kinos,
in unserer eigenen Filmsprache. Dazu passt auch mein Essay über Helmut
Förnbacher. Der Basler Filmstar, Theatermann und Regisseur wird diesen Januar 90
Jahre alt. Er war auf dem Titelbild der «BRAVO», hatte in Deutschland 250 Fanclubs
und hat TV-Geschichte geschrieben.
Doch zurück zum CLICK FILM. Der Namenswechsel hat nämlich noch einen zweiten,
ganz pragmatischen Grund: Verwechslungen mit unserem eigenen
französischsprachigen Filmportal clickcinema.ch sollen künftig ausgeschlossen sein.
Ja, ganz genau! Auch wenn das Bundesamt für Kultur, Sektion Film, sämtliche Gelder
gestrichen hat, versuchen wir, die französischsprachige Filmpublizistik am Leben zu
halten. Ob uns das langfristig gelingt, können wir nicht versprechen. In den sozialen
Medien geht es auf alle Fälle weiter, die Website bleibt jedoch vorerst sistiert.
Was bleibt? Unsere Hartnäckigkeit. Unsere Leidenschaft für den Film in all seiner
Vielfalt. Was kommt? Noch mehr Sichtbarkeit für Filmkultur aus der Schweiz und
Europa. Denn wir sind überzeugt: Film ist Kunst, Film ist Debatte, Film ist Freude.
Dabei ist uns wichtig, dass wir nicht isoliert über das Kino berichten, sondern im
Kontext mit den anderen Künsten: Literatur, Musik, Malerei. Darum freuen wir uns,
wenn unsere anderen Magazine genauso auf Interesse stossen.
Mit Gruss
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
61.
S&LOTHURNER
FILMTAGE
61"#
JOURNÉES
DE S$LEURE
61"
GIORNATE
DI S%LETTA
21.!
28.1.
2026
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Filmstill: «Didy», Gaël Kamilindi, François-Xavier Destors, 2024
FOKUS
SOLOTHURNER FILMTAGE
FILMTAGE
Empathie statt
Belehrung: Die 61.
Solothurner
Filmtage
Vom 21. bis 28. Januar 2026 zeigt Solothurn ein
Schweizer Kino, das lieber versteht als urteilt.
Wenn sich Solothurn Ende Januar erneut in den
wichtigsten Treffpunkt des Schweizer Films
verwandelt, geht es um weit mehr als Premieren
und Preise. Die 61. Solothurner Filmtage
präsentieren 164 Spiel- und Dokumentarfilme,
die sich mehrheitlich bewusst von einfachen
Antworten verabschieden. Statt moralischer
Gewissheiten rücken Empathie,
Perspektivenvielfalt und Zwischentöne ins
Zentrum – ein Kino, das zuhört, beobachtet und
einordnet.
EIN FESTIVAL IM ZEICHEN DER VIELSTIMMIGKEIT
Aus insgesamt 478 eingereichten Filmen wurden für die 61.
Ausgabe 164 Werke ausgewählt. Im PANORAMA, dem Herzstück
der Solothurner Filmtage, sind 93 Lang- und 71 Kurzfilme zu
sehen. 22 Filme konkurrieren in den drei Wettbewerben PRIX DE
SOLEURE, PRIX DU PUBLIC und VISIONI. Das Publikum darf sich
auf 21 Weltpremieren und 18 Schweizer Premieren freuen. Mit
einem Anteil von 68 Prozent Dokumentarfilmen und 32 Prozent
Spielfilmen spiegelt das Programm die Vielfalt und Aktualität des
Schweizer Filmschaffens – geografisch ausgewogen zwischen
Romandie, Deutschschweiz und italienischer Schweiz. Inhaltlich
fällt auf, dass sich viele Filme neuen Themenfeldern wie
Wissenschaft, Erinnerung und gesellschaftlicher Verantwortung
öffnen. Der künstlerische Leiter Niccolò Castelli beschreibt diese
Entwicklung treffend: Der empathische Zugang zu den
Protagonist:innen sei wichtiger geworden als die Belehrung des
Publikums. Erzählt werden vielschichtige Geschichten, weniger
moralistisch, oft auch weniger westlich geprägt – im
Dokumentarfilm wie im Spielfilm. Der Eröffnungsfilm THE
NARRATIVE von Bernard Weber und Martin Schilt steht
exemplarisch für eine Haltung, die fragt und nicht verurteilt. Der
Film begleitet Kweku Adoboli, der 2011 für einen
Milliardenverlust bei der UBS verantwortlich gemacht wurde, und
ermöglicht durch langjährige Beobachtung eine neue Perspektive
auf einen medial stark vereinfachten Fall. Der Film verzichtet auf
Schwarz-Weiss-Zeichnungen und lässt Ambivalenzen zu – und ist
zugleich für den PRIX DE SOLEURE nominiert.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
QUI VIT ENCORE
SOLOTHURN EMPFEHLUNG
Der Schweizer
Filmemacher Nicolas
Wadimoff gibt den
palästinensischen
Geflüchteten eine
Stimme und ein
Gesicht
Anstatt sich ausschliesslich auf die Zerstörung zu
konzentrieren, beleuchtet der Film das frühere
Leben der Menschen in Gaza – als
Unternehmer:innen, Musiker:innen, Doktor:innen
oder Influencer:innen. Dies zeigt die Normalität
und Vielfalt ihres Lebens vor dem Krieg und
unterstreicht die Tragweite des Verlusts umso
dramatischer. Trotz der schrecklichen Erlebnisse
und des immensen Leids ist der Film auch eine
Geschichte von Resilienz, Kreativität und der
Suche nach Wegen zurück ins Leben.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
HIRSCHFELD –
UNBEKANNTER
BEKANNTER
SOLOTHURN EMPFEHLUNG
Stina Werenfels und
Samir machen sichtbar,
wie ein Dramaturg das
Schauspielhaus Zürich
zur Bühne des
Widerstands machte.
Kurt Hirschfeld war Kommunist, deutscher Jude,
Emigrant – und eine der zentralen Figuren, die
das Schauspielhaus Zürich im 20. Jahrhundert zu
einem kulturellen Bollwerk gegen den
Faschismus formten. Der Dokumentarfilm folgt
der Biografie des Dramaturgen, Intendanten,
Publizisten und späteren Direktor des Zürcher
Schauspielhauses Kurt Hirschfeld von der
deutschen Provinz über Frankfurt und Darmstadt
nach Zürich. Eine exemplarische Geschichte von
Haltung, Kunst und politischer Konsequenz.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
THE NARRATIVE
SOLOTHURN EMPFEHLUNG
Ein Dokumentarfilm
über Wahrheit,
Verantwortung und
ein globales
Finanzsystem
THE NARRATIVE eröffnet die 61. Solothurner
Filmtage. Im Zentrum steht Kweku Adoboli,
ehemaliger Investmentbanker der UBS in
London. Solange er Milliarden bewegt und
Gewinne produziert, gilt er als Leistungsträger
eines Systems, das Risiken feiert und
Verantwortung verschiebt. Als ein Handelsfehler
jedoch zu einem Verlust von über 2,3 Milliarden
Dollar führt, kippt das Bild: Aus dem gefeierten
Akteur wird ein Schuldiger, aus systemischem
Versagen eine persönliche Geschichte.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
SIE GLAUBEN AN
ENGEL, HERR
DROWAK?
SOLOTHURN EMPFEHLUNG
Eine
Tragikomödie
über Hoffnung,
Niedergang und
den Glauben an
Veränderung
Das Spielfilmdebüt des Schweizer Regisseurs
Nicolas Steiner zählt zu den eindrücklichen
deutschsprachigen Kino-Highlights der Saison.
Die tragikomische Geschichte über Begegnung,
Verbitterung und kreative Befreiung feierte 2025
ihre Weltpremiere beim Shanghai International
Film Festival und wurde als Eröffnungsfilm des
Max-Ophüls-Preis-Festivals gezeigt. Der Film
dürfte wohl das Spielfilm-Highlight der
Solothurner Filmtage 2026 sein.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
Brad Pitt: Made in
Switzerland
SOLOTHURN BACKGROUND
Warum der
Weltstar seine
Karriere (auch) der
Schweiz zu
verdanken hat!
Brad Pitts Weltkarriere wurde 1991 durch den
Kultfilm JOHNNY SUEDE ausgelöst – eine Indie-
Produktion, die massgeblich dank des mutigen
Engagements der Schweizer Produzentin Ruth
Waldburger realisiert werden konnte. Nun kehrt
der Film, der 1991 den Goldenen Leoparden in
Locarno gewann, als nostalgisches Highlight im
Rahmen der Reihe «Downtown New York» bei
den Solothurner Filmtagen 2026 auf die grosse
Leinwand zurück. Dank filmo.ch in 4K, frisch
restauriert.
> ZUM ARTIKEL AUF UNSERER WEBSITE
FOKUS SOLOTHURNER
21. bis 28. Januar 2026
Weitere Artikel
findest du in
unserem
Dossier
FILMTAGE
SPIELFILM DES MONATS
ANZEIGE
ON VOUS CROIT
Ein packender
Gerichtsfilm, der sich mit
Inzest und sexueller
Gewalt innerhalb einer
Familie befasst. Die
grosse Entdeckung der
letzten Berlinale.
In ON VOUS CROIT, dem dicht inszenierten und
herausragend gespielten Debut-Film von
Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys, sind die
persönlichen Erfahrungen der Co-Regisseurin
Devillers allgegenwärtig. Als ehemalige
Krankenschwester, die mit Jugendlichen und
Familien konfrontiert wurde, die von Inzest und
sexueller Gewalt betroffen waren, schöpft sie aus
dieser Erfahrung eine bemerkenswerte Stärke für
den Film. Madeleine Hirsiger hat für uns den
Film gesehen.
SYNOPSIS
ON VOUS CROIT | SYNOPSIS
Heute steht Alice vor einem Richter und darf sich
keinen Fehler erlauben. Sie muss ihre Kinder
verteidigen, deren Sorgerecht in Frage gestellt
wird. Wird es ihr gelingen, sie vor ihrem Vater zu
schützen, bevor es zu spät ist?
Von Madeleine Hirsiger
REZENSION
ON VOUS CROIT bietet echtes Drama, das uns von der ersten bis
zur letzten Minute in seinen Bann zieht und uns den Atem raubt.
Bereits die Eröffnungsszene schockiert: Eine verzweifelte Mutter
versucht auf einem Stadtplatz, ihren kleinen Sohn Etienne dazu zu
bringen, mit ihr in den nächsten Bus zu steigen. Er wälzt sich auf
dem Boden und schreit wie am Spies. Dieser emotionale Auftakt
kündigt eine spannungsgeladene Geschichte an. Es steht viel auf
dem Spiel: Alice, die Mutter, brillant gespielt von Myriem
Akheddiou, kämpft vor Gericht darum, dass ihrem Ex-Mann
jeglicher Kontakt zu ihren beiden Kindern untersagt wird. Im
Kampf um das Sorgerecht darf sie sich keinen Fehler
erlauben. Die fast 50-minütige Gerichtsszene, in der Alice ihrem
Ex-Mann auf der Anklagebank gegenübersitzt, ist geschickt in
den Alltag eingebettet, der das verstörende Verhalten von
Etienne zeigt. Das Kind ist traumatisiert, und man ahnt, dass ein
Missbrauch vorliegt. Die Gerichtsverhandlung entwickelt sich zu
einem Kammerspiel: In hochemotionalen Szenen wird eine
unglaubliche Spannung aufgebaut, die schliesslich die
schreckliche Vermutung enthüllt.
> WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
FAZIT: WARUM DAS UNSER SPIELFILM DES MONATS IST
Fesselnder Thriller: Der Film ist unglaublich spannend, mit einem
Rhythmus, der kaum Zeit zum Luftholen lässt.
Kammerspiel-Charakter: ON VOUS CROIT ist ein intensives
Kammerspiel, das eine Familiengeschichte nahezu in Echtzeit erzählt,
wodurch eine dichte und beklemmende Atmosphäre entsteht.
Starke Darsteller:innen: Die schauspielerischen Leistungen
überzeugen. Insbesondere die subtile und gleichzeitig kraftvolle
Darbietung von Myriem Akheddiou ist ein echtes Highlight.
Fokus auf einen Gerichtsdrama-Konflikt: Die Handlung dreht sich um
eine Frau, die vor Gericht um das Sorgerecht für ihre Kinder kämpft,
was zu einem intensiven Gerichtsdrama führt.
Dichte: ON VOUS CROIT ist dicht geschrieben und tadellos gespielt,
was zu einem fesselnden Filmerlebnis beiträgt, das man sich nicht
entgehen lassen sollte.
TRAILER
arttv.ch Film des Monats | ON VOUS
CROIT | Regie: Charlotte Devillers und
Arnaud Dufeys | Cast: Myriem
Akheddiou, Natali Broods, Laurent
Capelluto, Ulysse Goffin, Adèle
Pinckaers | Drama | 78 Minuten |
Belgien, 2025 | Verleih: Frenetic Films
Kinostart
Deutschschweiz: 20. Januar 2026
DOKFILM DES MONATS
Läuft auch
an den
Solothurner
Filmtagen
DER MANN AUF DEM
KIRCHTURM
Filmemacher Edwin
Beeler begibt sich
auf die Spuren
seines Grossvaters
Als Kaminfeger und als Dachdecker liebte es
Beelers Grossvater auf Kirchtürmen in
schwindelerregender Höhe zu arbeiten. Für
den kleinen Edwin war sein Opa ein
Glücksbringer und die Verkörperung des
starken Mannes. Doch der Sturz des
Grossvaters vom Dach veränderte alles.
Hauptprotagonistin in Beelers Film ist seine
Mutter, 88-jährig. Zusammen mit drei
Geschwistern blickt sie auf ihr Leben zurück,
erinnert sich an weibliche Rollenzuweisungen
und wie sie mit dem Tod ihrer Eltern
umgegangen ist.
SYNOPSIS
DER MANN AUF DEM KIRCHTURM | SYNOPSIS
Der Film folgt Edwin Beelers persönlicher Reise in die
eigene Familiengeschichte. Ausgehend vom Unfall seines
Grossvaters entfaltet sich ein tiefes Nachdenken über
Verlust und Erinnerung. Im Mittelpunkt steht Beelers
Mutter, die mit ihren 88 Jahren auf ein Leben voller
Pflichten und verpasster Möglichkeiten zurückblickt. Ihre
Erzählungen offenbaren die engen Grenzen weiblicher
Rollenbilder in ihrer Generation. Poetische Bilder und
Archivmaterial verweben sich zu einem intimen Porträt
von Stärke und Verletzlichkeit. Der Film zeigt, wie das
eigene Erbe weiterwirkt – und wie wir durch das Erzählen
neuen Halt finden.
Von Rolf Breiner
REZENSION
Zwischen Höhe und Absturz
Johann Nussbaumer war im zugerischen Oberägeri eine
bekannte Figur. Kaminfeger, Dachdecker, Handwerker alter
Schule – einer, der hoch hinausstieg, auf Dächer und Kirchtürme,
und der im Dorf als Glücksbringer galt. Schwarz gekleidet, mit
Zylinder, respektiert und angesehen. Für seinen Enkel Edwin
Beeler war dieser Grossvater eine prägende Gestalt. DER MANN
AUF DEM KIRCHTURM ist der Versuch, dieser Figur filmisch
nahezukommen – und zugleich zu verstehen, warum sie 1989
ihrem Leben selbst ein Ende setzte.
Erinnern als filmische Recherche
Beeler wählt keinen rein biografischen Zugang. Sein Film ist eine
tastende Recherche, gespeist aus Erinnerungsstücken,
Archivmaterial und Gesprächen. Super-8-Farbfilme und 16-mm-
Schwarzweissaufnahmen treffen auf Fotografien, Dokumente und
Zeugnisse von Familienangehörigen und Zeitzeugen. Dazwischen
kurze, bewusst einfache Spielszenen: Der junge Edwin, verkörpert
von David Meile, begegnet symbolischen Objekten – dem
Zylinder des Kaminfegers, einem turnenden Clown.
Erinnerungsfragmente, keine Rekonstruktionen.
Ein Erzähler (Hanspeter Müller-Drossaart) ordnet ein, stellt Fragen,
denkt laut nach. Seine Stimme drängt sich nicht auf, sondern
schafft Distanz und Reflexion – auch dort, wo das Bild emotional
wird.
> WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
FAZIT: WARUM DAS UNSER DOKFILM DES MONATS IST
Ein zutiefst persönlicher Blick auf Schweizer Familiengeschichte:
Der Film erzählt mit emotionaler Klarheit, wie ein tragisches Ereignis
ein Familienschicksal prägt – und wie Erinnerung, Verlust und
Weiterleben miteinander verwoben sind.
Starke Protagonistin mit seltener Offenheit:
Die 88-jährige Mutter des Regisseurs steht im Zentrum: eine
Frauengeneration, die viel geschwiegen hat – und hier mit Souveränität
über Rollenbilder und Trauer spricht.
Visuelle Poesie in luftiger Höhe:
Der Blick über Dächer und Kirchturmspitzen hinaus schafft eine
einzigartige, fast metaphysische Bildsprache – typisch für Beelers
kontemplatives Kino.
Relevante Reflexion über Tradition und Wandel: Was bedeutet
Stärke? Was heisst es, Emotionen zu zeigen – oder zu unterdrücken?
Der Film trifft universelle Fragen über Männlichkeit, Familie und den
Umgang mit Verlust.
Etablierter Filmemacher: DER MANN AUF DEM KIRCHTURM ist ein
Werk des etablierten Schweizer Dokumentarfilmers Edwin Beeler.
Präzise recherchiert: Edwin Beeler (CH-Documentary Voice seit
Jahren) setzt seine Handschrift fort: präzise recherchiert, kulturell
verankert und zugleich poetisch erzählend – ein klarer Beitrag zur
Schweizer Filmkultur.
«Mir scheint, mein Grossvater wurde mit
einem Rollenverständnis sozialisiert, das
emotionale Offenheit bei Männern als
Schwäche wertet. Seine Gefühle konnte
er weder erkennen noch ausdrücken.» –
Edwin Beeler
TRAILER
arttv.ch Dokfilm des Monats | DER
MANN AUF DEM KIRCHTURM | Regie:
Edwin Beeler | Cast: Anna Beeler-
Nussbaumer, Agatha Schuler-
Nussbaumer, Ruth Besmer-
Nussbaumer, Erich Nussbaumer, Adolf
Besmer, Edi Iten, Alois Rogenmoser
und David Meile als «Bub» |
Dokumentarfilm | 80 Minuten | Schweiz
| Verleih: Calypso Film AG
Kinostart
Deutschschweiz: 15. Januar 2026
ENTTÄUSCHUNG DES MONATS
AVATAR:
FIRE AND ASH
Von Djamila Zünd
REZENSION
Grosse Erwartungen
Den neuen Film von James Cameron als Flop zu bezeichnen, mag
hart sein, doch hinterlässt trotz enormer Vorschusslorbeeren ein
Gefühl der Ernüchterung. Beflügelt vom Enthusiasmus
prominenter Stimmen – darunter Guillermo del Toro, der den Film
als Höhepunkt von Camerons Saga bezeichnete – waren die
Erwartungen entsprechend hoch.
Technisch überwältigend
Auf technischer Ebene bleibt Cameron weiterhin ohne ernsthafte
Konkurrenz. Die visuellen Leistungen sind überwältigend, die
Innovationen bei Unterwasser-Drehs beeindruckend, die
Immersion der Schauspieler:innen nahezu vollständig. Als
audiovisuelles Ereignis funktioniert der Film makellos, die
handwerkliche Kontrolle ist unbestreitbar.
Erzählerisch ermüdend
Gerade im Kontrast zu dieser ästhetischen Wucht treten die
erzählerischen Schwächen deutlich hervor. Während Avatar (2009)
epischen Atem, eine fast dokumentarische Erkundung einer
fremden Welt und ihres Ökosystems sowie ein klares
ökologisches Anliegen verband und der zweite Teil mit einer
aussergewöhnlich imaginierten Unterwasserwelt überzeugte, fehlt
diesem neuen Kapitel der erzählerische Zug. Die intensiv
beworbene «Welt der Asche» bleibt erstaunlich unterbelichtet.
> WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
EINLADUNG
HISTORIA PRESENTE
Lateinamerika und seine Geschichte
THE SECRET AGENT
von Kleber Mendonça Filho
Als Mitglied bist du
kostenlos dabei
DETAILS & ANMELDUNG SIEHE SEPARATES MITGLIEDER-MAIL
EL ABRAZO DE LA SERPIENTE
von Por Ciro Guerra
Die Filmreihe «Historia presente»
versammelt aktuelle Filme aus
Lateinamerika, die sich mit der eigenen
Geschichte beschäftigen. Von den bösen
Geistern der Diktatur und des Kolonialismus
bis hin zu den Stimmen der indigenen
Bevölkerung des Kontinents, handeln diese
Rückblicke immer auch von heute. Von
kleinen Indiefilmen bis zu Oscar-
Preisträger:innen.
Noch nicht
Mitglied?
JETZT ANMELDEN
RÜCKBLICK
Das Kinojahr 2025
Unsere Favoriten
und Enttäuschungen
Zwölf Monate Film
voller Kontraste –
radikal reduzierte
Formen, politisches
Kino, grosse Emotionen
Zum Jahresende blickt die Filmcrew von
arttv.ch auf ihre persönlichen Höhepunkte
und Enttäuschungen zurück. Subjektiv,
streitbar, unaufgeregt. Wir zeigen, welche
drei Filme jedem einzelnen von uns aus dem
vergangenen Kinojahr besonders in
Erinnerung geblieben sind – und welcher
Film uns am meisten enttäuscht hat. Nicht
zwingend, weil er schlecht war, sondern
vielleicht einfach, weil wir zu viel erwartet
haben und ihn in unseren Köpfen
selbstbewusst besser inszeniert hätten.
Bist du mit
unseren Tops &
Flops
einverstanden?
> hier klicken
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Flops
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SCHWEIZER FILM
NACKTGELD
Läuft auch
an den
Solothurner
Filmtagen
Thomas
Imbach gilt
als einer der
mutigsten
Schweizer
Regisseure
Für seinen innovativen Stil und das
Überschreiten der Grenzen zwischen
Dokumentar- und Spielfilm hat er zahlreiche
nationale und internationale Auszeichnungen
erhalten. Sein neuester Spielfilm, der auf
Arthur Schnitzlers Novelle «Fräulein Else»
(1924) basiert, setzt diese Innovationskraft
fort: NACKTGELD wurde vollständig im
Studio gedreht, wobei historische
Schauplätze des Engadins aus den 1920er-
Jahren mithilfe von 3D-Projektionen auf 16-
mm-Film erzeugt wurden.
SYNOPSIS
NACKTGELD | SYNOPSIS
Lilis Sommerferien nehmen eine unerwartete Wendung,
als ihre Mutter sie drängt, Dorsday, einen Freund der
Familie, um Geld zu bitten, damit ihr Vater nicht ins
Gefängnis muss. In dieser Nacht verliert sie nicht nur ihre
Würde, sondern auch alle bisherigen Gewissheiten.
Von Rolf Breiner
REZENSION
Die Haut zu Markte tragen
Eine gehobene Gesellschaft um die Jahrhundertwende. Die
Vorlage ist bekannt: Arthur Schnitzlers Novelle «Fräulein Else»
erschien 1924 und schildert den inneren Konflikt einer jungen
Frau, die im Auftrag ihrer Familie um Geld bitten soll – zu einem
Preis, der ihre Würde infrage stellt. Thomas Imbach übernimmt
diese Ausgangslage, verlegt sie filmisch ins Heute der
Wahrnehmung und bleibt doch fest in der Zeit verankert. Lili
(Delaila Piasko) verbringt ihren Aufenthalt in einem Grand Hotel in
den Bergen, als sie von der existenziellen Not ihres Vaters erfährt:
Veruntreuung, Schulden, drohendes Gefängnis. Die Rettung
scheint greifbar – in Gestalt des wohlhabenden Herrn Dorsday
(Milan Peschi), der bereit ist zu zahlen. Seine Gegenleistung: Lili
soll sich ihm nackt zeigen. Kein Körperkontakt, kein expliziter Akt
– und doch ein tiefgreifender Übergriff.
Zwischen Pflicht und Selbstbestimmung
Im Gegensatz zu Schnitzlers innerem Monolog muss der Film
andere Mittel finden. Imbach erzählt radikal aus der Perspektive
seiner Protagonistin. Die Kamera bleibt nahe bei Lili, bei ihrem
Zögern, ihrem Schwanken, ihrer inneren Zerrissenheit. Hier
Loyalität gegenüber dem Vater, dort der Ruch von Prostitution,
von käuflicher Weiblichkeit.
> WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
SCHLAGWORTARTIG – WAS FÜR DEN FILM SPRICHT
Intensiver Ansatz: NACKTGELD setzt sich mit der toxischen
Männlichkeit und deren Auswirkungen auf Beziehungen und
Individuen auseinander. Spannend!
Charakterstudie: Der Film thematisier Obsession und die
Dynamik von Liebe und Abhängigkeit. Ein richtiger Imbach-
Film halt.
Prägnante Regiehandschrift: Thomas Imbach ist bekannt
für seinen unverwechselbaren Stil, der oft dokumentarische
und fiktionale Elemente vermischt, was den Film vom
üblichen
«Instant-
Konsum»
abhebt. Auch
sein neuster
Film zeichnet
sich durch eine
starke visuelle
Sprache aus
Premiere: NACKTGELD feierte seine Weltpremiere auf dem
Filmfest München, was auf seine Qualität und Relevanz
hinweist.
Herausforderung: NACKTGELD ist genau richtig für dich,
wenn du anspruchsvolles, thematisch tiefgehendes Kino
schätzt, das dich herausfordert und zum Nachdenken
anregt.
ZU THOMAS IMBACH PROMINENTESTEN FILMEN GEHÖREN:
HAPPINESS IS A WARM GUN (2001): Ein Spielfilm
über das tragische Liebespaar Petra Kelly und Gert
Bastian, der auf der Berlinale Premiere feierte.
LENZ (2006): Ebenfalls bei der Berlinale uraufgeführt.
I WAS A SWISS BANKER (2007): Ein «Unterwasser-
Märchen» über einen Schweizer Banker, das auch auf
der Berlinale gezeigt wurde.
DAY IS DONE (2011): Ein Dokumentarfilm, der im
Wettbewerb der Berlinale lief.
MARY QUEEN OF SCOTS (2013): Ein
englischsprachiges Historiendrama, das beim Toronto
International Film Festival (TIFF) gezeigt wurde.
MY BROTHER MY LOVE (Glaubenberg) (2018): Hatte
Premiere im Wettbewerb des Locarno Festivals.
NEMESIS (2020): Dieser Film feierte seine
internationale Premiere im Wettbewerb des IDFA
(International Documentary Film Amsterdam) und
gewann dort den Preis für die beste Kamera.
TRAILER
NACKTGELD | The Exposure | Regie:
Thomas Imbach | Cast: Katharina
Schüttler, Deleila Piasko, Milan
Peschel, Jan Bülow, Claudia
Hübschmann | Drama | 90 Minuten |
Schweiz, 2025 | Verleih: Filmbüro
Kinostart
Deutschschweiz: 8. Januar 2026
Interview
THOMAS IMBACH
«Die ganze Macho-
Logik, dieses ewige
Macht- und
Reviergehabe, geht
mir ehrlich gesagt
ziemlich auf den
Sack. »
Thomas Imbach über seine
Neuinterpretation von Arthur Schnitzlers
«Fräulein Else», die Aktualität sexueller
und moralischer Erpressung, die innere
Perspektive seiner Hauptfigur Lili sowie
über formale Entscheidungen wie Virtual
Production und analogen 16-mm-Film, mit
denen er Macht, Abhängigkeit und
weibliche Selbstbestimmung filmisch
erfahrbar macht.
Die Schauspieler:innen agieren
vor einer Leinwand, auf der die
Schauplätze projiziert werden; wir
haben den ganzen Film im Studio
vor Rückprojektionen gedreht
Das ist in der Vorbereitung sehr
aufwändig und bringt einige
Einschränkungen mit sich, aber es
hat mir ermöglicht, die
Verschmelzung von Realität und
Vorstellung auf eine originelle
Weise sichtbar zu machen.
Mit Thomas Imbach sprach arttv Chefredaktor Felix Schenker
Was hat dich dazu bewegt, Schnitzlers «Fräulein Else» heute neu zu
erzählen – was macht die Geschichte gerade jetzt so brisant?
Beim Lesen hatte ich sofort einen Film im Kopf, ganz nah an Lilis innerer
Welt. Da hat es mich getriggert, die Geschichte filmisch modern
umzusetzen. Lili kommt in eine Situation, in der ihr Körper plötzlich als
Gegenleistung im Raum steht, um die Schulden der Familie zu tilgen. Diese
Verschiebung – von Hilfe zu sexueller
Lilis leidenschaftliche Art
hat mich schon beim ersten
Lesen gepackt. Sie lässt
sich nicht brechen und
sucht immer wieder einen
eigenen Weg.
Gegenleistung – passiert auch heute noch,
nur oft subtiler.
Warum heisst in deinem Film Else Lili?
Else ist die altmodische Kurzform von
Elisabeth und Lili die moderne.
Du hat für NACKTGELD mit «Virtual
Production»-Technik gearbeitet. Was
passiert da genau am Set, und warum war das für «NACKTGELD» die
richtige Wahl?
Die Schauspieler:innen agieren vor einer Leinwand, auf der die Schauplätze
projiziert werden; wir haben den ganzen Film im Studio vor Rückprojektionen
gedreht. Das ist in der Vorbereitung sehr aufwändig und bringt einige
Einschränkungen mit sich, aber es hat mir ermöglicht, die Verschmelzung
von Realität und Vorstellung auf eine originelle Weise sichtbar zu machen.
Lili steht in «NACKTGELD» unter enormem Druck: zwischen familiärer
Verantwortung, gesellschaftlicher Moral und einem übergriffigen
Angebot. Was fasziniert dich an ihr als Figur – und wie hast du ihre
innere Stärke sichtbar gemacht, obwohl sie gleichzeitig so verletzlich ist?
Lilis leidenschaftliche Art hat mich schon beim ersten Lesen gepackt. Sie
lässt sich nicht brechen und sucht immer wieder einen eigenen Weg.
Sichtbar wird das vor allem durch das Spiel von Deleila Piasko, die diese
Balance zwischen Widerstand und Zerbrechlichkeit sehr präzise trägt.
Lili soll die Familie retten – und zahlt dafür mit ihrer Würde. Ist sie eher
klassische «Opferfigur», oder eine Heldin wider Willen?
Für mich ist sie weder Opfer noch Heldin. Lili wird in ein Spiel gedrängt, aus
dem es keinen richtigen Ausweg gibt und versucht trotzdem, Verantwortung
zu übernehmen. Ihre Entscheidungen sind widersprüchlich: Man kann sie
verstehen und gleichzeitig hinterfragen.
Gerade das macht ihre Präsenz so intensiv.
Die moralische Erpressung im Zentrum
des Films wirkt erschreckend
zeitgenössisch. Welche gesellschaftlichen
Parallelen waren dir besonders wichtig?
Mich interessiert diese stillere Form von
Macht: Sie operiert über Abhängigkeiten
und unausgesprochene Erwartungen und
erzeugt Momente, in denen es keinen
guten Ausweg gibt. In so einem Klima
wurde #MeToo sichtbar und daran hat sich
bis heute wenig geändert.
Macht, Identität, gesellschaftlicher Druck
– Themen, die sich auch durch deine
früheren Filme ziehen. Wie entwickelt sich
das in «NACKTGELD» weiter?
Mich interessiert diese
stillere Form von Macht: Sie
operiert über
Abhängigkeiten und
unausgesprochene
Erwartungen und erzeugt
Momente, in denen es
keinen guten Ausweg gibt.
In so einem Klima wurde
#MeToo sichtbar und daran
hat sich bis heute wenig
geändert.
Für mich ist es eine Weiterentwicklung; weg von der Beobachtung von
aussen, hin zu einem intensiven Eintauchen in die innere Krise einer Figur.
Gibt es einen Moment im Film, der für dich den Kern der Geschichte
trägt – den Augenblick, in dem alles kippt?
Ja klar, in dem Moment, in dem Lili den verstörenden Brief ihrer Mutter
erhält, setzt ein innerer Film ein, der nicht mehr zum Stillstand kommt.
Wie hast du deine Schauspieler:innen durch diese emotionalen
Grenzbereiche geführt – was war dir im Umgang mit ihnen besonders
wichtig?
In der beengten Studiosituation wollte ich den Schauspieler:innen möglichst
viel Spielraum geben, wirklich einzutauchen. Deshalb habe ich die
technischen Einschränkungen immer wieder ausgereizt, um Einstellungen
von bis zu zwei Minuten am Stück spielen zu lassen.
Du arbeitest häufig mit starken Frauenfiguren. Was reizt dich an
weiblicher Selbstbestimmung – und an ihrem Preis?
Ich fühle mich Frauen in vielen Dingen näher. Sie interessieren mich einfach
mehr. Die ganze Macho-Logik, dieses ewige Macht- und Reviergehabe, geht
mir ehrlich gesagt ziemlich auf den Sack. Frauen überraschen mich. Sie
finden andere Wege, sie kämpfen anders.
Nochmals zurück zur Technik: Du kombinierst analogen 16-mm-Film mit
einer hochmodernen «Virtual Production»-Arbeitsweise. Dieser Kontrast
zwischen körniger Körperlichkeit und digital generierten Räumen ist
ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Für mich gab es zwei Gründe für 16-mm: Die analoge Körnung verbindet
Vorder- und Hintergrund im Studio organischer als jedes
superhochauflösende Digitalbild. Und die Arbeitsweise mit der analogen
Kamera setzt einen produktiven Kontrast zur Hightech-Virtual-Production. Du
kannst nicht jeden Take sofort kontrollieren, die Bilder kommen erst am
nächsten Tag aus dem Labor. Das erfordert viel Konzentration und Vertrauen.
Thomas Imbach, vielen Dank für das Gespräch
KINO ZUM HERZHAFT LACHEN
EXTRAWURST
Alltagsrassismus
und Vorurteile
humorvoll und
gleichzeitig
ernsthaft behandelt
EXTRAWURST als Culture-Clash-
Komödie zeigt satirisch und absolut
genial, wie eine harmlose Diskussion
über einen Grill im Tennisclub aufgrund
tiefgründiger Ängste eskaliert. Kaum
zuvor hat ein Film so viel Grund zum
Lachen und gleichzeitig ernsthafte
Denkanstösse zu Rassismus, Integration
und Klischees geboten. Die starke
Besetzung mit bekannten Namen wie
Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst
und Fahri Yardım gibt es erst noch
obendrauf.
SYNOPSIS
EXTRAWURST | SYNOPSIS
In einem Tennisclub irgendwo in der deutschen
Provinz wird das Sommerfest geplant, und unter
Heriberts strenger Leitung stehen die Vorbereitungen
im Mittelpunkt. Als vorgeschlagen wird, für Erol, das
einzige muslimische Clubmitglied, einen separaten
Grill zu organisieren, brechen unerwartete
Spannungen auf. Was als scheinbar harmlose
Diskussion beginnt, weitet sich schnell zu einer
Debatte über gesellschaftliche und persönliche
Konflikte aus. Während die Gemüter immer höher
kochen, steht der Verein schliesslich kurz vor dem
Zerfall.
Saugute Vorlage: Das gleichnamige Bühnenstück auf dem der
Film berührt, ist etwas vom besten, das man bisher gesehen
hat (siehe Bericht zur Aufführung der Shake Company).
Humor und Ernsthaftigkeit: Die Culture-Clash-Komödie
nimmt das Publikum mit auf eine Reise, bei der Lachen und
Nachdenken im Vordergrund stehen. Der Film regt mit einer
guten Portion Humor zum Nachdenken über heikle Themen
wie Integration und Vorurteile an, ohne dabei belehrend zu
sein.
Hochkarätige Besetzung: Die Verfilmung basiert auf einem
erfolgreichen Theaterstück und bietet eine starke Besetzung
mit bekannten Namen wie Hape Kerkeling, Christoph Maria
Herbst und Fahri Yardım.
Relevante und aktuelle Themen: Die Geschichte dreht sich
um eine vermeintlich harmlose Situation in einem Tennisclub,
die jedoch die Spannungen und Klischees im Umgang mit
Andersartigkeit offenlegt.
Anregung zur Diskussion: Der Film hat das Potenzial die
Zuschauer:innen dazu bringen, eigene Positionen zu
überdenken und sich mit den Meinungen anderer
auseinanderzusetzen.
Austausch: Das Thema regt zu Gesprächen und Austausch an,
wie auch die zugrundeliegende Theaterproduktion bereits
bewiesen hat. Und das völlig unverkrampft.
GUTE GRÜNDE, SICH DEN FILM ANZUSEHEN
TRAILER
EXTRAWURST | Regie: Marcus H.
Rosenmüller | Cast: Hape Kerkeling,
Christoph Maria Herbst, Fahri Yardım |
Komödie | Deutschland, 2026 | Verleih:
Filmcoopi
Kinostart
Deutschschweiz: 15. Januar 2026
FATHER MOTHER
SISTER BROTHER
Drei entfremdete
Familien, drei
Kontinente, ein
unvergessliches
Wiedersehen
Jim Jarmuschs prämierter Episodenfilm
FATHER MOTHER SISTER BROTHER,
Gewinner des Goldenen Löwen in Venedig,
zeichnet drei voneinander unabhängige
Geschichten von entfremdeten
Familienmitgliedern. Mit seinem gewohnt
subtilen, beobachtenden Stil kreiert der
Regisseur ruhige, melancholisch-komische
Charakterstudien, die auf einzigartige
Weise die widersprüchlichen Familien-
Bande beleuchten. Ein meisterhafter Film
und ein beeindruckender Start ins neue
Kinojahr 2026.
SYNOPSIS
FATHER MOTHER SISTER BROTHER | SYNOPSIS
Was passiert, wenn die Familie so weit auseinanderlebt,
dass selbst die Gesprächsthemen fehlen? In FATHER
MOTHER SISTER BROTHER treffen Geschwister nach
Jahren wieder aufeinander und müssen sich den
ungelösten Spannungen und der emotionalen Distanz
ihrer Eltern stellen. In drei Kurzgeschichten erkundet
Kultregisseur Jim Jarmusch die feinen Mechanismen
familiärer Entfremdung – und die Tatsache, dass man sich
die Familie nicht aussuchen kann.
WARUM DER FILM WIRKLICH GUT IST
Jim Jarmuschs Handschrift: Der Film trägt die unverwechselbare
Handschrift des Kultregisseurs (BROKEN FLOWERS, GHOST
DOG). Er ist bekannt für seinen minimalistischen, melancholischen
und oft skurrilen Erzählstil, der in FATHER MOTHER SISTER
BROTHER perfekt zur Geltung kommt.
Starbesetzung: Die Besetzung ist phänomenal. Schauspieler wie
Cate Blanchett, Adam Driver, Tom Waits und Vicky Krieps liefern
nuancierte und glaubwürdige Darstellungen ab, die die komplexen
Emotionen der Charaktere tragen.
Thematische Tiefe: Der Film behandelt universelle Themen wie
Familie, Entfremdung, Verlust und die Suche nach Verbindung auf
eine ehrliche und unaufdringliche Weise. Die Episodenstruktur
ermöglicht unterschiedliche Perspektiven auf diese Themen.
Atmosphäre und Dialoge: Jarmuschs Stärke liegt in der
Atmosphäre und den pointierten, oft lakonischen Dialogen. Der
Humor ist subtil, die Beobachtungen sind scharf und die
Inszenierung ist visuell ansprechend.
Preisgekrönt: Der Gewinn des Goldenen Löwen bei den
Filmfestspielen von Venedig 2025 setzt ein starkes Zeichen für
Qualität und Relevanz. Ein Highlight des internationalen Kinos und
ein wunderbarer Start ins Filmjahr 2026
Ein
scheussliches
Plakat, aber ein
guter Film!
TRAILER
FATHER MOTHER SISTER BROTHER |
Regie: Jim Jarmusch | Cast: Tom Waits,
Adam Driver, Mayim Bialik, Cate
Blanchett, Vicky Krieps, Charlotte
Rampling, Sarah Greene, India Moore |
Komödie | 110 Minuten | USA, 2025 |
Verleih: Filmcoopi
Kinostart
Deutschschweiz: 8. Januar 2026
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E-MAGAZINE
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AUTOUR DU FEU
Um ein flackerndes
Feuer sitzend, ringen
fünf Menschen darum,
was Widerstand darf –
und was er kostet.
AUTOUR DU FEU blickt zurück auf eine Zeit, in
der politischer Widerstand in der Schweiz zu
bewaffneten Aktionen führte. Die «Bande à
Fasel» sorgte in den 1970er-Jahren mit
antikapitalistischen Banküberfällen und
Geiselnahmen für Schlagzeilen. Ihre damaligen
Ideale: eine gerechtere, befreite Gesellschaft.
Jahre später schlagen drei junge Aktivistinnen
aus der Klima- und Hausbesetzerbewegung
mit zwei älteren Mitgliedern der «Bande à
Fasel» den Bogen von der der 1968er-Revolte
in die Gegenwart.
SYNOPSIS
AUTOUR DU FEU | SYNOSPSIS
In einem Wald treffen zwei ehemalige Mitglieder der
bewaffneten antikapitalistischen Westschweizer Gruppierung
«La Bande à Fasel» an einem Lagerfeuer auf drei junge
Aktivistinnen von in der Schweiz aktiven Klima- und
antirassistischen Kollektiven. Eine Nacht lang diskutieren sie
Fragen über den zivilen Ungehorsam und radikalere Formen
des Widerstands. Wie weit darf man gehen, um seine Ideale
zu verteidigen?
WARUM DIESER FILM WICHTIG IST
AUTOUR DU FEU erinnert daran, dass politischer Protest in
der Schweiz eine eigene radikale Geschichte hat – nicht nur
stille Neutralität. Er zeigt auch, wie sich die Formen des
Widerstands verändern: von konspirativen Zellen hin zu
offenen Kollektiven, von bewaffneten Aktionen hin zu
symbolischen Besetzungen, von ideologischen Fronten hin zu
inklusiveren Bewegungen. Was jedoch bleibt: der Kampf um
Gerechtigkeit – und die Frage, welchen Preis man bereit ist zu
zahlen. AUTOUR DU FEU ist ein Kinoerlebnis, das nachwirkt –
ein Film, der Aktivismus nicht glorifiziert, sondern menschlich
macht, mit all seinen Widersprüchen.
AUTOUR DU FEU ist sehenswert für alle, die:
• Neugierig sind auf die wenig bekannte Geschichte des
Schweizer Aktivismus
• Sich in Klimastreiks, sozialen Bewegungen oder
antirassistischen Initiativen engagieren
• Politische Fragen lieber diskutieren statt dogmatisch
beantworten
• An das Feuer der Veränderung glauben
TRAILER
AUTOUR DU FEU | Regie: Laura
Cazador & Amanda Cortés | 80
Minuten | Schweiz, 2024 | Verleih: Sister
Distribution
Der Film gewann an den Solothurner
Filmtage den mit 20 000 Franken
dotierten Jury-Preis Visioni.
Kinostart
Deutschschweiz: 8. Januar 2026
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Die längst überfällige Monografie
rückt das zu Unrecht vergessene
Werk der Künstlerin Erna Schillig
(1900–1993) ins Licht. Bisher fehlte
eine kunsthistorische Aufarbeitung
ihres vielfältigen Schaffens im
Kontext ihrer Weggefährten
Babberger und Danioth.
Die reich illustrierten Aufsätze
beleuchten Schilligs Beitrag zur
Moderne, ihre Rolle als
Textilkünstlerin in der
internationalen Avantgarde sowie
ihre Wandbilder und Paramentik. Die
Publikation thematisiert auch die
Herausforderungen, denen Frauen in
der Kunst des 20. Jahrhunderts
begegneten.
BUCH BESTELLEN
Eine vielseitige Künstlerin
wiederentdeckt:
Erna Schillig und ihr Werk
Gebunden
224 Seiten, 170 farbige und
38 s/w-Abbildungen
20 x 26,5 cm
ISBN 978-3-03942-295-1
CHF 49.00
zzgl. Versandkosten
Herausgegeben von Dr. Beat Stutzer im Rahmen des Jubiläumsprojektes 20 Jahre arttv.ch
REBUILDING
Eine Hommage an
die menschliche
Widerstandskraft, die
berührt.
In REBUILDING zeichnet Regisseur Max
Walker-Silverman das intime Porträt einer
Gemeinschaft in Süd-Colorado, die nach
einer Naturkatastrophe vor den Trümmern
ihrer Existenz steht. Anstatt das Drama der
Zerstörung in den Mittelpunkt zu rücken,
fängt der Film mit zärtlicher Authentizität den
mühsamen, aber notwendigen Prozess des
Neuanfangs ein. Ein humanistisches
Meisterwerk, das beweist, dass Wiederaufbau
weit mehr als nur Steine stapeln bedeutet.
SYNOPSIS
REBUILDING | SYNOPSIS
Dusty, ein geschiedener Rancher, verliert seine
Familienranch in Colorado durch einen verheerenden
Waldbrand. Das Feuer zerstört sein Zuhause und einen
Grossteil dessen, was seine Identität als Rancher
ausmacht. Nach der Katastrophe wird Dusty in einer
temporären Wohnwagensiedlung untergebracht, die von
der Katastrophenschutzbehörde (FEMA) für andere
obdachlos gewordene Menschen eingerichtet wurde. In
dieser unfreiwilligen Gemeinschaft verbringt er die Zeit
nach dem Verlust. Dustys Prozess des Wiederaufbaus
beginnt. Er setzt sich mit der Idee auseinander, eine
Vergangenheit wiederherzustellen, die nicht mehr existiert.
In dieser Phase beginnt er, sich wieder mit seiner
entfremdeten Ex-Frau Ruby und seiner jungen Tochter
Callie-Rose zu verbinden. Durch die Interaktion mit seiner
Tochter und der neu entstandenen Gemeinschaft in der
Wohnwagensiedlung lernt Dusty, Hilfe anzunehmen. Der
Film thematisiert seinen Weg von der Isolation hin zur
Akzeptanz von Unterstützung und der Möglichkeit eines
Neuanfangs nach einem tiefgreifenden Verlust.
Einfühlsame Inszenierung und Darsteller: REBUILDING ist
ein «zärtliches Drama» mit Josh O’Connor, ein
überzeugender Hauptdarsteller.
WAS FÜR DEN FILM SPRICHT
Menschlichkeit und Resilienz: Der Film konzentriert sich auf
die menschliche Reaktion nach einer Waldbrand-Katastrophe
und zeigt, wie Menschen trotz Schmerz und Verlust
Widerstandskraft entwickeln.
Authentizität und Inspiration aus dem echten Leben:
Walker-Silverman liess sich für seinen Film von eigenen
Erlebnissen inspirieren, nachdem das Haus seiner
Grossmutter abgebrannt war.
Zurückhaltung: Der Film thematisiert Trauma und Verlust,
ohne diese zu sensationell darzustellen.
Eye-Catcher: Die Aufnahmen der Landschaft Süd-Colorados
sind wunderschön.
Preisgekrönt: Der Film wurde unter anderem mit dem Preis
der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Karlovy Vary
ausgezeichnet.
Positive Botschaft: Ein tiefgründiger Film voller
Menschlichkeit, emotionaler Intelligenz und einer
hoffnungsvollen Botschaft.
TRAILER
REBUILDING | Regie: Max Walker-
Silverman | Cast: Josh O’Connor,
Meghann Fahy, Lily LaTorre, Kali Reis,
Eli Malouff, Jefferson Mays | Drama |
95 Minuten | USA, 2025 | Verleih:
Cineworx
Jetzt im Kino
Formwandlerin:
Tilda Swinton als
Gesamtkunstwerk
Ausstellung und Buch
zeigen die Schauspielerin
als radikale Künstlerin, die
Wandel, Erinnerung und
Identität zu einer
fortlaufenden
Performance macht
Tilda Swinton ist nicht bloss eine Darstellerin
in Filmen. Sie ist ein Zustand. Ein Ereignis.
Die Ausstellung «Tilda Swinton – Ongoing»
macht erlebbar, dass ihre Kunst weit über
Film hinausgeht: Identität, Erinnerung und
Performance verschmelzen zu einem
einzigen, offenen Werk. Begleitet wird die
Schau von einem opulenten Bildband aus
dem Belser Verlag, der Swintons
künstlerische Welt in seiner ganzen Fülle
sichtbar macht.
Die Ausstellung: Kunst, die nicht stillsteht
Im Eye Filmmuseum Amsterdam wird Tilda Swinton nicht
rückblickend präsentiert, sondern als lebendige, formverändernde
Kraft. «Ongoing» bedeutet hier: Das Werk wächst weiter, während es
betrachtet wird. Filmstills, Performances, Mode, Fotografien und
persönliche Archivstücke verschmelzen zu einem sinnlichen Porträt –
und zeigen, wie radikal Swinton Identitäten erfindet, verwirft und neu
zusammensetzt. Die Schau ist ein Dialog über Jahrzehnte hinweg –
mit filmischen Seelenverwandten wie Derek Jarman, Joanna Hogg,
Jim Jarmusch oder Luca Guadagnino. Swintons Beziehungen sind
Motor und Ko-Autor ihres Lebenswerks. Erinnerung wird
Performance, Kostüm wird Biografie, Kunst wird Gegenwart.
Das Buch: Eine visuelle Offenbarung
Der Katalogband «Tilda Swinton: Ongoing» (Belser Verlag) ist selbst
ein Kunstobjekt. Auf rund 296 Seiten entfaltet sich Swintons
universelles Schaffen – mit seltenen Fotos, bisher unveröffentlichtem
Material und Beiträgen ihrer engsten Mitstreiter:innen wie Pedro
Almodóvar und Jim Jarmusch. Gestaltet von der legendären
Designerin Irma Boom wird der Band zu einer haptischen, visuellen
Biografie. Englische Texte werden durch einen deutschen Beileger
ergänzt – und so entsteht ein Buch, das Swinton nicht erklärt,
sondern in Szene setzt: poetisch, kompromisslos, atemberaubend in
seiner Präsenz.
Tilda Swinton – androgyn, anders, authentisch
Tilda Swinton ist ein Wesen aus einer anderen Welt – und zugleich
ein Mensch mit unerschöpflicher Neugier für diese hier. 1960 in
London geboren, wuchs sie im schottischen Hochland auf – zwischen
alten Mythen und weiter Landschaft. Vielleicht beginnt hier ihre
Verbundenheit mit Figuren, die sich jeder Zuordnung entziehen.
Ihre Karriere startete nicht im Mainstream, sondern im radikalen Kino
von Derek Jarman. Dort lernte sie, dass Kunst eine Haltung ist – nicht
ein Beruf. Seither bewegt sie sich mühelos zwischen Blockbuster und
Avantgarde, zwischen NARNIA
und ORLANDO, zwischen
MARVEL und I AM LOVE. Sie
spielt keine Rollen. Sie bewohnt
sie. Und wenn sie sie verlässt,
bleibt etwas von ihr zurück.
Sie hat sich selbst immer als queer
bezeichnet – nicht als Label,
sondern als tiefes Lebensgefühl,
als Haltung zur Welt und zu
Identität. Grenzen des
Geschlechts? Kategorien der
Liebe? Für sie sind das Felder der
Erforschung, nicht der Festlegung.
Ob mit raspelkurzem Haar,
androgyn, überhöht, verletzlich
oder unergründlich: Swinton zeigt, dass Identität fluide ist. Dass
Schönheit sich wandelt. Dass Kino grösser sein darf als das Leben. Sie
ist Künstlerin, Aktivistin, Mutter, Träumerin, Leistungsverweigerin
gegenüber dem Erwartbaren – und ein Gesamtkunstwerk im Werden.
Ongoing. Immer.
Tilda Swinton | Buch und
Ausstellung
Ausstellung: Tilda Swinton –
Ongoing, Eye Filmmuseum,
IJpromenade 1, 1031 KT
Amsterdam, bis 8. Februar 2026
Kern der Ausstellung: Neue und
bestehende Werke in
Kooperation mit acht kreativen
Partner:innen und
Freund:innen — darunter Pedro
Almodóvar, Luca Guadagnino,
Joanna Hogg, Derek Jarman, Jim Jarmusch,
Olivier Saillard, Tim Walker und Apichatpong
Weerasethakul — ergänzt durch
Installationen, Performances, Filmbeiträge
und Archivmaterial.
Buch: Tilda Swinton: Ongoing, Verlag: Belser
Verlag, 296 Seiten; Format ca. 30,7 × 23,9 ×
2,6 cm
Inhalt: Ausstellungskatalog und visuelle
Biografie — mit zahlreichen Fotos, Filmstills,
Archivmaterial und Beiträgen ihrer
kreativen Partner:innen. Der Band
dokumentiert Swintons Werk an der
Schnittstelle von Film, Performance, Mode
und Fotografie und beleuchtet ihre
wichtigsten Rollen sowie ihre
künstlerischen Kollaborationen.
Der Mann, der keine
Geburtstage mag
Der Basler Filmund
Theaterstar
Helmut
Förnbacher wird
90. Ein Leben im
Rampenlicht!
Ein Essay von Felix Schenker
Er hasst Geburtstage, vor allem runde. Und
doch will Helmut Förnbacher zu seinem 90.
am 26. Januar 2026 plötzlich etwas anderes:
zurückschauen, nach vorne schauen – und
seine Leidenschaft für Film und Theater
noch einmal mit Publikum und Medien
teilen. Nach einem überstandenen
Herzinfarkt und einem Leben voller Rollen,
Regiearbeiten und waghalsiger
Theaterprojekte ist der Basler Film- und
Theatermacher so präsent wie eh und je.
Ein Basler Bub mit Weltkarriere
Geboren 1936 im Basel des Zweiten Weltkriegs, wächst Helmut
Förnbacher bei einer alleinerziehenden Mutter auf – und mit
einem frühen Traum: Bühne, Film, Kamera. Kurz glänzt er noch in
der Handball-U-Nationalmannschaft, dann gewinnt endgültig die
Kunst. Nach der Schauspielschule in Wien steht er mit 19 an der
legendären Basler «Komödie» bereits in seiner ersten Hauptrolle.
Am Theater Basel inszeniert er Sartres «Die ehrbare Dirne» – seine
erste Regiearbeit, noch keine 25 Jahre alt. Der Sprung in die
Filmwelt folgt rasant: 1959 holt ihn Hollywood-Regisseur Victor
Vicas für den in den Schweizer Bergen gedrehten Spielfilm THE
LOST ONES – SOS GLETSCHERPILOT. Die Tür zur grossen
Leinwand steht offen.
Von Bravo-Titelblättern zu «Tatort» und «Tatort»
Es ist die Zeit, in der die TV-Familien gemeinsam vor dem
Bildschirm sitzen: Serien wie «Forellenhof» oder «Rabe, Pilz und
13 Stühle» machen Förnbacher im gesamten deutschsprachigen
Raum bekannt. Bis zu 250 Fanclubs und Titelbilder in
Jugendzeitschriften wie «Bravo» gehören plötzlich zum Alltag.
Filmisch zeigt er die ganze Bandbreite: vom preisgekrönten
Schamonis-Film SCHONZEIT FÜR FÜCHSE (Silberner Bär in Berlin)
über AM GRÜNEN STRAND DER SPREE, HEINTJE – EINMAL WIRD
DIE SONNE WIEDER SCHEINEN, STEPPENWOLF und JERRY
COTTON – SCHÜSSE AUS DEM GEIGENKASTEN bis hin zur Rolle
als Robert Kennedy in der Serie über die Kuba-Krise. Förnbacher
bewegt sich selbstverständlich zwischen Unterhaltungskino,
Literaturverfilmung und politischem Stoff. Und er bleibt nicht vor,
sondern geht auch hinter die Kamera: Er inszeniert mehrere «Tatort»-
Folgen (u. a. mit Manfred Krug), schreibt und realisiert die ersten
Folgen der ZDF-Serie «Unser Charly», prägt «Grossstadtrevier» und
«Polizeiruf 110». Ein Schweizer in der deutschen TV-Maschinerie –
aber stets mit eigener Handschrift.
Basel bleibt Heimat – auf der Leinwand und im echten Leben
Trotz der vielen Jahre Arbeit in Deutschland reisst die Verbindung zu
Basel nie ab. 1968 dreht Förnbacher seinen eigenen Spielfilm
SOMMERSPROSSEN in seiner Heimatstadt – basierend auf einer
realen Basler Gangster-Story. Jahrzehnte später wird der Film vom
SRF restauriert und 2025 an Festivals in Hamburg und Prag gezeigt;
ein spätes, aber verdientes Comeback. Parallel dazu mischt er die
Basler Kulturszene auf: Gründung des Intermediären Studios und des
Studios für Musik und Theater an der Musikakademie Basel (1975),
Mitwirkung bei der Eröffnung des Neubaus des Theater Basel,
Rettung der Elisabethenkirche vor dem Abriss 1980, Leitung des
Theaters «Vis à Vis» im legendären Atlantis, Etablierung neuer
Spielorte vom Sarasinpark bis zu ungewöhnlichen Stadtorten. 1985
wird ihm für seine Verdienste um das Basler Kulturleben die
«Goldene Eule» verliehen – ein Preis mit Augenzwinkern, aber
grosser Aussage: Förnbacher ist aus dem kulturellen Ökosystem der
Stadt nicht wegzudenken.
Ein eigenes Theater – und ein schmerzlicher Abschied
Mit seiner Frau Kristina Nel baut Helmut Förnbacher am Badischen
Bahnhof Basel sein eigenes Theater auf. 25 Jahre lang ist das
Förnbacher-Theater dort zuhause. Über 100 Inszenierungen – von
Shakespeare bis Dürrenmatt, von Klassikern bis Komödien – holen
ein breites Publikum ins Haus. Besonders junge Menschen
entdecken hier zum ersten Mal, was Theater kann, wenn es mit
Herzblut gemacht ist. Dann der Bruch: Die Deutsche Bahn verlängert
den Mietvertrag nicht. Das Haus muss schliessen, die Bühne, die so
lange Heimat war, verschwindet. Für viele wäre das der Moment, den
Vorhang endgültig zu schliessen. Förnbacher aber spielt weiter – mit
seiner Company als Gast im Basler Theater Fauteuil, gemeinsam mit
Kristina und Tochter Sandra. Neue Inszenierungen entstehen, das
Ensemble bleibt lebendig. Der Traum vom neuen festen Zuhause für
die Company: noch nicht begraben, sondern in Arbeit.
Kino bis ins hohe Alter – und ein gewaltiger Schock
Auch im hohen Alter bleibt Förnbacher Teil der Schweizer
Filmlandschaft. Nach frühen Auftritten etwa in HINTER DEN SIEBEN
GLEISEN steht er in jüngerer Zeit in Filmen wie GROUNDING, AKTE
GRÜNIGER oder in YOUTH von Oscarpreisträger Paolo Sorrentino
(an der Seite von Jane Fonda und Sir Michael Caine) vor der Kamera.
Der Basler Junge hat es längst auf die ganz grossen Sets geschafft –
ohne jemals seine Herkunft zu verleugnen. 2022 dann der Schock:
ein Herzinfarkt. Dank schneller Hilfe der Ärzt:innen überlebt er – und
spricht selber von einem «geschenkten» Leben. Vielleicht ist es auch
dieser Einschnitt, der den Mann, der sein ganzes Leben lang keine
Geburtstage feiern wollte, umdenken lässt.
90 – und jetzt erst recht
Am 26. Januar 2026 wird Helmut Förnbacher 90 Jahre alt. Zum
ersten Mal möchte er diesen runden Geburtstag nicht ignorieren,
sondern nutzen: als Anlass zum Zurückschauen – und zum
Vorausblick. Sein Leben gäbe genug Stoff für mehrere Bücher:
Monatelange Reisen durch Afrika. Ein spektakulär gescheitertes
Investment in die Denner Crème, Ein Herz, das fast stehen blieb –
und jetzt wieder im Takt schlägt. Ein künstlerisches Schaffen, das
Bühne, Film und Fernsehen umspannt. Und trotzdem wirkt er nicht
wie jemand, der abschliesst, sondern wie einer, der mitten in einem
nächsten Kapitel steckt. Gemeinsam mit seiner Familie steht er
weiterhin regelmässig auf der Bühne. Die Vision: ein neues Haus für
seine Theatercompany. Der Antrieb: derselbe wie mit 19 – die Lust
auf Geschichten, Figuren, Begegnungen.
Ein Gala-Abend und viele offene Fragen
Zu seinem 90. ist ein Gala-Abend in einem Basler Kino geplant. Dort
soll nicht nur gefeiert, sondern auch erzählt, gefragt und erinnert
werden: Wie überlebt man sieben Jahrzehnte im Haifischbecken Film
und Theater? Wie rettet man Kirchen, eröffnet Theater, verliert
Bühnen – und bleibt dabei trotzdem ein leidenschaftlicher Spieler?
Und was bedeutet es, nach all dem plötzlich einen «geschenkten»
Geburtstag zu feiern? Helmut Förnbacher wäre ein idealer Gast für
Porträts, Gespräche und Retrospektiven – egal ob in Print, TV, Radio,
Online oder Podcast. Denn hinter den vielen Rollen steckt vor allem
eines: eine unverwechselbare, eigenwillige, zutiefst theaterverliebte
Persönlichkeit.
Ein Leben auf, neben und hinter der Bühne – und ein 90.
Geburtstag, der sich nicht wie ein Schlussapplaus, sondern wie eine
weitere Premiere anfühlt.
Helmut Förnbacher | arttv.ch Essay
von Chefredaktor Felix Schenker
ROOFMAN
Eine wahre
Geschichte,
überraschend
witzig und
gefühlvoll erzählt
Regisseur Derek Cianfrance – auch bekannt für
seine Arbeit an Filmen wie BLUE VALENTINE,
THE PLACE BEYOND THE PINES und als Co-
Autor des Oscar-nominierten Drehbuchs für
SOUND OF METAL – ist mit ROOFMAN eine
gelungene Mischung aus Komödie und Tragik
gelungen. Sein Film schafft es, die Figur des
liebenswerten Betrügers Jeffrey Manchester
menschlich darzustellen. Ein Kinoerlebnis voller
kleiner, echter Momente, das eine willkommene
Alternative zu den grossen Hollywood-
Blockbustern darstellt.
> MEHR AUF UNSERER WEBSITE
THE LOVE THAT
REMAINS
Eine bittersüsse
Familiengeschichte
aus Island von
Hlynur Pálmason
Mit feinem Humor, verspielten
Sequenzen und seiner
unverwechselbaren Bildsprache erzählt
der isländische Regisseur Hlynur
Pálmason von verblassender Liebe und
gemeinsamen Erinnerungen – im
Wandel der Jahreszeiten. Ein Film, der
seine emotionale Tiefe durch skurrile
Einfälle und leise Zwischentöne spürbar
macht.
> MEHR AUF UNSERER WEBSITE
VORSCHAU
Auf diesen Film
freuen wir uns
im Februar:
Mehr im
kommenden
CLICK FILM
MARTY SUPREME
FREE STREAMING
WIR ERBEN
Ein grandioser Film über
die Frage, was von uns
bleibt und was wir an
unsere Nachkommen
weitergeben.
«Meine Eltern wollen uns ihr Lebenswerk
vererben. Wir müssen reden. Über Erwartungen
und Ideale. Über Privilegien und Lasten. Aber
auch über Geld.» So schildert der Schweizer
Filmregisseur Simon Baumann, der bereits 2012
mit seinem Dokumentarfilm ZUM BEISPIEL
SUBERG für Furore sorgte und mehrere
Festivalpreise gewann – die Ausgangslage für
seinen neuen Dokumentarfilm. Ein charmantes
und humorvolles Porträt seiner Eltern, seiner
Familie und den damit verbundenen Erwartungen
an die Zukunft.
SYNOPSIS
WIR ERBEN | SYNOPSIS
Als Kind hat Filmemacher Simon Baumann seine Eltern im
Fernsehen beobachtet, und sich für sie geschämt und sie
dennoch bewundert. Sie kämpften als Nationalräte für
eine naturnahe Landwirtschaft und verwirklichten später
ihre Ideale in einem Hof in Südfrankreich. Weil der
abgelegene Hof nicht als Alterswohnsitz taugt, möchten
sie ihn nun Simon und seinen Bruder vererben. Für die
beiden stellt sich die Frage: Sollen wir weiterführen, was
ihre Eltern begonnen haben, oder sie enttäuschen? Dabei
ist es nicht das erste Mal, dass die beiden sich gegenüber
ihren Eltern positionieren müssen. Während Simons
Bruder als Bauer und Nationalrat ihre politischen Kämpfe
weiterführt, entdeckt Simon im Filmemachen die
Möglichkeit, auf Distanz zu gehen und ihnen doch nahe
zu bleiben.
KOSTENLOS STREAMEN
WIR ERBEN | Regie: Simon Baumann |
Dokumentarfilm | 96 Minuten | Schweiz
| Verleih: Filmcoopi
Der Film wurde am Film Festival
Locarno mit dem Grand prix de la
Semaine de la critique ausgezeichnet
und war für den Schweizer Filmpreis
als bester Dokumentarfilm nominiert.
WIR ERBEN kam im Januar 2025 in
unsere Kinos.
CLICKMAGS
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IMPRESSUM
arttv.ch
Schöneggplatz 10
8004 Zürich
kontakt@arttv.ch
PRÄSIDIUM
Dr. Jean-Pierre Hoby
GESCHÄFTSLEITUNG
lic. phil Georg Kling
CHEFREDAKTION
lic. phil Felix Schenker