Männer MIT STIl - Prolit Verlagsauslieferung GmbH

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Männer MIT STIl

Midas Collection


012 — MÄNNER MIT STIL

STEVE MCQUEEN

118 — MÄNNER MIT STIL

SCHUHE

Gegenüber und unten: Von Blue Suede Shoes zu weißen

Leinentretern: Elvis Presley schwingt die Hüften in einem

Paar Jack Purcells, einem der wichtigsten Stile aus dem

Haus Converse. Keiner kam jedoch an das Chuck-Taylor-

Basketballmodell heran. Eine frühe Version dieses Schuhs

sehen Sie unten.

080 — MÄNNER MIT STIL

Die Ursprünge des Converse All Star liegen in unschuldigen Zeiten. 1921

betrat ein bekannter Basketballspieler namens Charles »Chuck« Taylor auf der

Suche nach einem Job das Büro der Firma Converse in Chicago. Damals wurde

die Welt noch nicht von Berühmtheiten regiert, so dass man ihn nicht als das

neue Gesicht des Produkts einstellte, sondern als Verkäufer. Taylor verkaufte

die Basketballschuhe der Firma und machte so viele Verbesserungsvorschläge,

dass man irgendwann seinen Namen mit auf die Schuhe druckte.

Taylors Chef war Marquis Mills Converse, der Manager eines Unternehmens

für Fußbekleidung, der 1908 beschlossen hatte, selbst eine solche Firma

zu gründen. Die Converse Rubber Shoe Company mit Sitz in Malden,

Massachussetts, erarbeitete sich schnell einen guten Ruf mit ihren

Gummisohlenschuhen für Herren. 1915 betrat man den Tennisschuhmarkt,

zwei Jahre später erschien der Converse All Star-Basketballschuh. Es war ein

bahnbrechender Stil. Zu einer Ikone wurde er allerdings erst mit der Taylor-

Version.

Der Schuh wies alle Verbesserungen auf, die Taylor vorgeschlagen hatte – die

wichtigste davon war das Emblem zum Schutz der Knöchel. Der wahre Grund

aber, warum die so genannten Chuck Taylors während des Zweiten Weltkriegs

zu offiziellen Schuhen für das physische Training in der US Army wurden,

war Taylors Verkaufstalent – das schließlich sogar zur Gründung der ersten

Converse Basketball Clinic führte, um die Fähigkeiten von College-Studenten

in den gesamten Vereinigten Staaten zu verbessern. Taylor überzeugte Trainer

und Betreiber von Sportgeschäften, auf Converse-Schuhe zu wechseln. 1949

war der All Star der offizielle Schuh für alle Spieler in der National Basketball

League, dem Vorgänger der National Basketball Association.

Taylor war bis zu seinem Tod 1969, also 48 Jahre lang, Verkäufer und

Botschafter für den Basketballschuh. Während er den einfachen All Star-

Leinenschuh betreute, wurde dieser zu einem Teil der amerikanischen Folklore.

Bis 1947 nur in Schwarz verfügbar, wurde der Boot nach der Einführung einer

rein weißen Version genauso zum Teil der Teenager- und College-Studenten-

Kleidung wie Jeans und karierte Flanellhemden. Der Leinenschuh hielt Einzug

in die Rockabilly-Subkultur der damaligen Zeit. Das war zu einem großen Teil

dem cleveren Marketing zuzuschreiben: Jedes Jahr brachte das Unternehmen

das Converse Yearbook heraus, das die Höhepunkte des Basketballjahrs feierte

und den Sport an den Highschools mit einbezog. Dieses Jahrbuch enthielt

Illustrationen von Charles Kerin, dessen Arbeit zusammen mit der von Norman

Rockwell die archetypische Kulisse des amerikanischen Traums der 1950er

Jahre schuf.

In den 1960er Jahren dominierte Converse den Markt für Sportschuhe –

1966 führte man sogar sechs andere Farben ein. Allerdings war die Zeit an

der Spitze nicht von Dauer. Im Laufe der 1970er Jahre drängten immer neue

Konkurrenten auf den Markt, Converse brachte keine Neuerungen heraus und

wurde von den technisch weiter fortgeschrittenen Designs von Unternehmen

wie Nike und Adidas überholt.

Dennoch stehen immer noch viele Fans loyal zu den Chuck Taylors – oder

Chucks, Connies und Cons, wie sie auch liebevoll genannt werden. Seit Ende der

1970er Jahre waren sie immer wieder an den Füßen der Mitglieder wichtiger,

meist musikalischer, Subkulturen zu sehen. Dazu gehörten: amerikanischer

Punkrock, Grunge (Kurt Cobain von Nirvana trug kaum etwas anderes), G-Funk

(die bassgewaltige Variante des amerikanischen Westküsten-Rap/Hiphop) und

seit Beginn des 21. Jahrhunderts Hardcore-Punk/EMO. Bei einer derart großen

Anhängerschaft auch außerhalb des Sports kann der Converse All Star von sich

behaupten, der am meisten verkaufte Turnschuh aller Zeiten zu sein.

Nicht zufrieden damit, ein Ärgernis für die westliche Welt zu sein, wurde der

iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad auch noch zu einem sehr

unfreiwilligen Stilführer. Grund war sein für ihn typischer beigefarbener

Baumwollblouson, der von ausländischen Korrespondenten »Ahmadine-Jacke«

getauft wurde und iranische Unternehmer dazu anregte, containerweise Kopien

aus China zu importieren, damit die loyaleren Anhänger des Präsidenten sich in

OBERBEKLEIDUNG

den Basaren damit ausstatten und kleiden können.

Ahmadinedschad hörte es vermutlich nicht gerne, dass der Blouson – schlicht,

einfach, lässig, bequem, eleganter als eine Jeansjacke, nicht so stereotyp

wie eine Lederjacke – für viele mächtige Männer im Westen die Jacke der

Wahl gewesen ist. US-Präsident John F. Kennedy war ein Fan, wenn auch nur

beim Segeln; Bill Clinton wurde so oft im Blouson fotografiert, dass er schon

fast zu seinem Markenzeichen wurde; George W. Bush trug ihn gern, wenn er

Ankündigungen an Bord von Flugzeugträgern machte.

Der Blouson – oder auch Windjacke, Golfjacke oder Harrington – kann beinahe

als offizielles Kleidungsstück für US-Präsidenten angesehen werden. Die US

Air Force liefert jedem Amtsinhaber einen Blouson mit dem Präsidentenwappen,

damit dieser ihn an Bord der Air Force One tragen kann. Im Gegensatz dazu wohnt

dem Blouson eine Schlichtheit inne, die daher rührt, dass auch Postangestellte

und Feuerwehrleute, Polizeibeamte, Lieferanten und Parkwächter ihn tragen.

Die Funktionalität des Blousons ist ganz klar Teil seiner Attraktivität: er ist

leicht, aber regendicht, und er eignet sich für alle Altersgruppen. In der zweiten

Hälfte des 20. Jahrhunderts jedoch wurde die Jacke mit Hilfe der Popkultur

zu einem Standard der Männerkleidung. Sie gehörte in den 1950er Jahren zur

Teenageruniform, dem so genannten Preppy-Stil, und wurde 20 Jahre später

von den Skinhead- und Mod-Bewegungen in Großbritannien aufgegriffen. Das

ist zu großen Teilen dem Londoner Händler John Simons und seinem Ivy Shop

zu verdanken, bei dem die Leute Schlange standen, um Blousons zu kaufen. The

Clash waren Fans der Jacke und trugen sie bei ihren legendären Times Square-

Gegenüber: James Dean spielte 1955 den archetypischen

Teenager im Film …denn sie wissen nicht, was sie tun. Der Konzerten im Jahre 1981.

Blouson wird mit einer gewissen Sorglosigkeit getragen

– nur halb geschlossen –, wodurch ein anderes wichtiges

Kleidungsstück von Jugendlichen der 1950er Jahre gut zu

sehen ist: das T-Shirt.

2.

HOSEN

OBERBEKLEIDUNG — 013

Der Smoking ist eine Kuriosität in der männlichen Garderobe: ein spezielles

Stück, dennoch mehr für den Effekt gedacht als für Funktionalität, teuer, dennoch

selten getragen, ausgesprochen elegant und geliebt von Schürzenjägern

und von James Bond, dennoch mit relativ geringen Möglichkeiten der

Selbstdarstellung. Seit seiner Entstehung in der Mitte des 19. Jahrhunderts

hat er sich zwar Schritt für Schritt weiterentwickelt, aber kaum geändert: eine

SCHNEIDERWARE

auf Passform geschnittene Jacke mit Paspeltaschen, einem Schließknopf und

– sein charakteristischstes Merkmal – einem Kragen aus Seide, Samt oder

Seidenrips, der entweder als Schalkragen oder als militärisch anmutendes,

spitz aufsteigendes Revers ausgeführt ist, dazu passende Hosen, ein weißes

Stehkragenhemd und die obligatorische Fliege.

Im englischen Sprachraum wird der Smoking auch »Dinner Suit« genannt.

Vermutlich stammt der Ausdruck daher, dass sich Herren der Oberklasse, deren

Kleidung von den Aktivitäten auf ihren Anwesen schmutzig geworden war, vor

dem Essen umziehen mussten. Beeinflusst von der Liebe der Männer zur Farbe

Schwarz – von Beau Brummels Ablehnung greller Schmuckelemente über

viktorianische Praktikabilität bis hin zu protestantischer Zurückhaltung –, war

der Smoking ursprünglich die Adaption einer militärischen Uniform, ausgeführt

in der Farbe der Nacht. Das gestärkte weiße Hemd wurde mit einer passenden

Fliege und einer Weste getragen, darüber eine Frackjacke mit Seidenrevers

oder eine Jacke mit Schößen (zum Reiten geeignet) sowie Hosen mit einer

bortenbesetzten Naht (wie an den Uniformen dieser Zeit). Dieser »Große

Gegenüber: Fred Astaire war vielleicht der berühmteste Gesellschaftsanzug« ist heute nur bei besonders formellen Anlässen gefragt.

Träger von Zylinder und Frack, Sean Connery als James

Bond hingegen ist sicher der berühmteste Träger des Ein kürzeres »Dinner Jacket« tauchte bei Abendveranstaltungen auf, ging über

Smoking. Hier nimmt er eine Pose ein, die an den Film in das »Smoking Jacket« und entwickelte sich schließlich zur entspannteren

Liebesgrüße aus Moskau (1963) erinnert. Unten: Bob

Version des Großen Gesellschaftsanzugs. Der älteste Sohn von Königin

Hope, rechts, im Smoking. Ganz unten: Cary Grant, links,

im Frack mit weißer Fliege (»White Tie«), neben seiner Frau, Victoria, der künftige Edward VII., übernahm 1860 diesen Look und sicherte

Virginia Cherrill, und Randolph Scott. Rechts: Der Smoking ihm damit seinen Platz in der vornehmen Gesellschaft. 1886 imitierte der New

ist zweifelsohne das glamouröseste Stück in der Garderobe

Yorker Millionär und Kaffeehändler James Brown Potter den Thronfolger und

eines Mannes, eine Verbindung, von der Werbeleute oft zu

profitieren hofften.

stellte diesen Stil den Mitgliedern von Tuxedo Park, einem privaten Club für

SCHNEIDERWARE — 119

SCHUHE — 081

050 — MÄNNER MIT STIL

066 — MÄNNER MIT STIL

ACCESSOIRES

Gegenüber: Mick Jagger von den Rolling Stones Mitte der

1970er Jahre mit einem Panamahut, Sattelschuhen und

Schlaghosen – die Rock'n'Roll-Version des Großen Gatsby.

166 — MÄNNER MIT STIL

ACCESSOIRES

170 — MÄNNER MIT STIL

Der Panamahut, lange von alternden Golfprofis, eleganten Pferderennexperten

und Mittelklasseherren im Ruhestand favorisiert, ist der König der sommerlichen

Kopfbedeckungen – und vermutlich die einzige Ikone der Männerkleidung,

deren Ursprünge in Ecuador liegen. Die moderne Ausführung gehört seit dem

frühen 20. Jahrhundert zur Männergarderobe und war während des goldenen

Zeitalters der Männerkleidung, von den 1930er bis zu den frühen 1950er

Jahren, ein wesentliches Zubehör für den wohlgekleideten Herren. Der Panama

wurde vor allem von Filmstars gern getragen, darunter Humphrey Bogart und

Gary Cooper, von Politikern wie Winston Churchill und Harry Truman sowie

Künstlern wie Salvador Dalí und Frank Sinatra. Die Geschichte des Hutes reicht

allerdings mehrere Jahrhunderte zurück.

Die Inkas wussten sicherlich sowohl über die Notwendigkeit, einen kühlen Kopf

zu bewahren, als auch über menschliche Opfer Bescheid – sie waren im 16.

Jahrhundert die ersten, die eine Art Panamahut trugen. Dieser so genannte

Paja toquilla schützte vor der intensiven Sonneneinstrahlung und wurde aus

Palmblättern hergestellt. Damals wie heute wurden die Blätter in Fasern

zerlegt, die nicht dicker waren als ein Faden, und so dicht verwebt – mit bis zu

1200 Gewebefäden auf 2,5 cm2 –, dass das Ergebnis wie Leinen wirkte.

Jeder Hut wird von Hand hergestellt – keine zwei sind gleich – und erfordert

monatelange Arbeit von Handwerkern aus diesem aussterbenden Gewerbe,

die es vorziehen, ohne helles Licht und idealerweise an einem bedeckten Tag

zu weben, da dann die Fasern leichter zu erkennen sind. An den allerbesten

Exemplaren sind die Ränder in der Krempe verwoben, bei weniger aufwändig

gearbeiteten Modellen werden die Ränder abgeschnitten und vernäht. Nach der

Herstellung wird der Hut geschlagen – eine Kunst für sich –, um Regelmäßigkeit

und Geschmeidigkeit zu erreichen, in Regenwasser gewaschen, von Hand

gebügelt, um ihn wieder in Form zu bringen, und schließlich getrimmt. Panamahüte

sind von Natur aus hellcremefarben, obwohl manchmal auch dunklere Fasern

eingearbeitet werden, um das Design interessanter zu gestalten, oder es wird

Er war nicht der erste Füllfederhalter und es gibt sicher auch andere, die einen

gewissen Ruhm für sich beanspruchen können: der Pink Nib von Waterman,

Parkers Duofold, der Pelikan 100, Sheaffers Lifetime Balance… Doch

durch das Gütesiegel, das er erworben hat, hat es vermutlich kein anderes

Schreibinstrument besser geschafft, den Füllfederhalter in das digitale

Zeitalter hinüberzuretten, als der Montblanc Meisterstück 149.

Sein symbolisches Gewicht ist derart groß, dass das deutsche Außenministerium

in Berlin (Montblanc war ursprünglich ein deutsches Unternehmen) immer

zwei Meisterstück-Füller bereithält, um damit Verträge zu unterzeichnen.

Dieser Stift wird auch am häufigsten benutzt, um andere wichtige Abkommen

abzuschließen, von Geschäftsverträgen bis zum Besiegeln einer Ehe. John F.

Kennedy unterschrieb damit Gesetze und Ernest Hemingway machte mit ihm

seine Notizen.

Während das Schreiben mit dem 149 im Prinzip nicht viel anders ist als

das Benutzen eines anderen prestigeträchtigen Stifts, ist er zu einem

Designklassiker geworden, der dauerhaft im Museum of Modern Art in New York

ausgestellt wird. 1974 benutzte Roger Moore in seiner Rolle als James Bond

einen goldenen Montblanc Meisterstück – vom Meisterbastler Q modifiziert

–, um den namensgebenden Killer in Der Mann mit dem goldenen Colt zu

erschießen. In Octopussy (1983) kam wieder einer zum Einsatz.

Der Füllfederhalter wurde 1924 auf den Markt gebracht. Die 149 war

dabei nur eine interne Produktionsnummer. Wichtiger war die 4810, die in

die Feder eingraviert war, da dies die Höhe des Montblanc, des höchsten

europäischen Berges, in Metern angibt. Zwei weitere Merkmale kennzeichnen

den kompakten, aber schlicht schwarzen Schaft als den des Meisterstück: drei

Gold- oder Platinringe und ein weißer »Stern« mit sechs Spitzen auf der Kappe,

ein Hinweis auf die sechs Gletscher um den Gipfel des Montblanc herum. Diese

subtile, aber dennoch eindeutige Markierung war einer der Gründe, weshalb der

Meisterstück zu einem Ausdruck des guten Geschmacks wurde.

Als der Meisterstück auf den Markt kam, war das Unternehmen dahinter

bereits sehr gut aufgestellt. Der in Hamburg ansässige Schreibwarenhändler

Claus-Johannes Voß, der Ingenieur August Eberstein und der Kaufmann

Alfred Nehemias trafen sich 1906 zum Austausch von Geschäftsideen. Sie

beschlossen, sich auf den noch in den Kinderschuhen steckenden Markt mit

Füllfederhaltern zu konzentrieren, der in England und den Vereinigten Staaten

von Amerika stetig wuchs – mit Waterman als dem Marktführer in den USA.

Voß hatte den größten Einblick: Ein Füllfederhalter mit einem Tintenbehälter,

der unabhängig von einem Tintenfass funktionieren würde, wäre das perfekte

Produkt für eine immer dynamischer und mobiler werdende Gesellschaft. Die

drei Männer gründeten in Hamburg die Simplo Filler Pen Company und brachten

1909 ihren ersten Füller heraus, das Modell »Rouge et Noir« nach dem Roman

von Stendhal, bestehend aus schwarzem Hartgummi mit einer roten Kappe. Es

war, wie eine Werbeanzeige aus dieser Zeit besagte, »ein Füllfederhalter, der

nicht kleckste«. Der Montblanc, der im folgenden Jahr vorgestellt wurde, wurde

mit der bahnbrechenden Behauptung verkauft, dass er auch in geschlossenem

Zustand nicht tropft.

Zu dieser Zeit schrieb die Füllerindustrie mit ihren neuen Ideen schon

Geschichte: Sheaffers Hebelfüller von 1912, der Druckknopffüller von Parker…

Das Trio tat jedoch eine Goldgrube auf. Der Vorgänger des Meisterstück war so

erfolgreich und seine Marke so bemerkenswert, dass sich das Unternehmen in

Montblanc Simplo umbenannte. Während der globalen Depression der 1930er

Jahre führte man eine lebenslange Garantie für den Meisterstück ein, um die

besondere Qualität des Produkts zu betonen.

Nach den 1950er Jahren, als sich die Technik der Kugelschreiber verbesserte,

ließ die Beliebtheit von Füllfederhaltern als Schreibgeräte des täglichen

Gebrauchs nach. Wichtiger wurde der Status, den sie symbolisierten. Ein

Meisterstück, der aus der Tasche eines Mannes herausschaute, sagte viel über

ihn aus – bevor überhaupt ein einziges Wort geschrieben war.

Als Frank Sinatra versuchte, in Colonel von Ryans Express (1965) ein harter

Bursche zu sein, und Bob Crane ein wirklich militärisch wirkendes Kleidungsstück

für seine Rolle des Colonel Hogan in der amerikanischen Fernsehserie Ein Käfig

voller Helden (1965-71) suchte, griffen die Kostümbildner zur A2-Fliegerjacke

und weckten damit neues Interesse an diesem Stück. Dasselbe geschah nach

der Veröffentlichung des Films Pearl Harbor (2001).

Die Anziehungskraft dieser Lederjacke mit Reißverschluss ist so groß,

dass ihr Schnitt – oder Varianten davon – inzwischen die archetypische

OBERBEKLEIDUNG

Fliegerjacke repräsentiert. Für ein Kleidungsstück, das 1930 entworfen und

im darauffolgenden Jahr beim United States Army Air Corps eingeführt wurde,

um die geknöpfte A1 mit Strickkragen zu ersetzen, ist das eine große Leistung.

Die A2 war bis 1943 Standard, bis sie schrittweise durch Stoffjacken ersetzt

wurde.

Wie bei vielen militärischen Kleidungsstücken von unterschiedlichsten

militärischen wie zivilen Herstellern – Cooper Sportswear, Poughkeepsie

Leather Coat Co., Aero Leather, Spiewak & Sons, Cable Raincoat Co. u. a. –

gibt es feine Unterschiede im Design. Diese entzücken heutzutage Sammler,

die sich diese antiken Stücke zulegen, und zwar nicht nur wegen der Jacken

selbst, sondern wegen der leeren »Leinwand«, die die Rückseite aufstrebenden

Künstlern bot. Während der Vorderteil eines Bombers Platz für »Nose Art« bot

– Illustrationen, in denen Sex und Tod verschmolzen, und langbeinige Pinups im

Stil eines Alberto Vargas – war die Rückseite der Jacke eines Fliegers der ideale

Ort, um seine Touren aufzuzeichnen.

Drei Staffeln – die so genannten Flying Tigers der 1st American Volunteer

Group, amerikanische Piloten, die von 1941 bis 1942 zusammen mit der

chinesischen Luftwaffe gegen die Japaner kämpften – zeichneten an diese

Stelle ein Blood Chit. Dabei handelt es sich um einen Informationszettel aus

Papier oder Stoff, der Anweisungen in chinesisch enthielt, die besagten, dass

jedem abgestürzten Piloten Hilfe und Schutz zuteil werden sollten. Es wurde

Gegenüber: Frank Sinatra trägt als Colonel Joseph Ryan in

Colonel von Ryans Express (1965) eine A2-Jacke. Es war

kein Original, sondern wurde von den Kostümbildnern der

Filmfirma hergestellt. Rechts: Die A2 war bei Piloten so

beliebt, dass einige kleine Unternehmen Soldaten, die keine

mehr bekommen konnten, weiterhin damit belieferten. Auch

Generäle wie Patton und MacArthur trugen sie, obwohl sie

ursprünglich nur an die Luftstreitkräfte ausgegeben wurden.

Auf Kriegsbildern tragen James Stewart und Glenn Miller

– die beide Aktivdienst geleistet hatten – oft A2-Jacken.

Piloten, die im Koreakrieg (1950-53) gedient hatten, trugen

weiterhin ein Modell der Jacke, obwohl es schon zehn Jahre

zuvor nicht mehr zur offiziellen Bekleidung gehörte.

OBERBEKLEIDUNG — 051

Nicht einmal Levi's sind sich sicher, weshalb ihre 501-Jeans so heißen. Bis etwa

1890 wurde die Originalversion mit ihrem geschnürten Rückenteil und den

Knöpfen für die Hosenträger auf ihrem Lederschild mit XX bezeichnet, was auf

Denim höchster Qualität hinwies. Seit 1886 zeigten die Jeans auf ihrem Logo

HOSEN

die berühmten zwei Pferde, die – vergeblich – versuchen, ein Paar Levi's-Jeans

auseinanderzureißen: eine großartige Darstellung der Strapazierfähigkeit des

Produkts für alle, die kein englisch sprachen. Doch obwohl die neue Beschreibung

des Stils – »lot 501 patent riveted waist overalls« – ein Jahrzehnt vor Beginn

des neuen Jahrhunderts auf den Hosen auftauchte, ging die Begründung dafür

am 18. April 1906 verloren, als der Unternehmenssitz der Levi Strauss & Co.

und damit auch die Archive der Firma bei dem Erdbeben zerstört wurden, das

auch große Teile von San Francisco dem Erdboden gleichmachte. Sicherlich

wurde die 5 allen hochwertigen Kleidungsstücken zugewiesen.

Jeans, das Kultkleidungsstück des 20. Jahrhunderts, waren die Erfindung von

Jacob Davis, einem lettischen Immigranten und Schneider, der Arbeiter der

neuen amerikanischen Eisenbahn bediente. Er wurde gebeten, Arbeitshosen

herzustellen, die nicht auseinanderfielen, und kam auf die Idee, die stark

beanspruchten Stellen der bis dahin eher jeansartigen Hose aus hellem

Segeltuch mit Nieten zu versehen. Er brauchte einen Partner, um seine Pläne

zu verwirklichen, und 1873 patentierten er und Levi Strauss, ein bayerischer

Einwanderer und erfolgreicher Kurzwaren- und Textilhändler, die Nieten mit

Hilfe von Strauss' Geld. Das Ergebnis war das erste Paar Jeans – damals

als Waist Overalls bezeichnet – aus 9-Unzen- (255 Gramm) Denim aus der

Amoskeag Mill in Manchester, New Hampshire, und genäht in San Francisco.

Jeans stellten sich als die idealen, superstarken Kleidungsstücke für

Bergarbeiter und Cowboys, Eisenbahnarbeiter und Holzfäller heraus. Knapp

70 Jahre später war die 501 ein Symbol sowohl für generationenübergreifende

Einigkeit als auch für individuelle Rebellion. Jeans wurden nicht nur von

Arbeitern, sondern auch von Bikern, Rockern und Friedensbewegten und

schließlich auch von Otto Normalverbraucher getragen.

Gegenüber: Paul Newman, der unter anderem in den

Western Einer muss dran glauben (1958), Der Wildeste

unter Tausend (1963), Man nannte ihn Hombre (1966)

und Zwei Banditen (1969) mitspielte. Unten: Levi's-

Jeans wurden nicht nur von Cowboys, sondern auch von

Bergarbeitern getragen: Eines der ältesten Exemplare in den

Archiven des Unternehmens fand man in einer Mine. 1920

erhielt Levi's eine Beschwerde des Bergarbeiters Homer

Campbell, die besagte, dass die Jeans, die er sechs Tage pro

Woche über einen Zeitraum von drei Jahren getragen hatte,

nicht so gut gehalten hatte wie das Paar, das er die 30 Jahre

davor angezogen hatte. Bei näherem Hinsehen erwies sich,

dass die Jeans in Ordnung war, lediglich die Flicken, die er

zum weiteren Schutz aufgenäht hatte, waren zerfetzt.

HOSEN — 067

ACCESSOIRES — 167

Ganz oben: Präsident John F. Kennedy gibt Konrad

Adenauer, dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik

Deutschland, nach dem Unterzeichnen eines Vertrags im

Jahre 1962 einen Meisterstück zurück. Die Deutschen

waren die ersten, die eine Art prototypischen Füllfederhalter

herstellten: 1636 baute der Erfinder Daniel Schwenter

einen Füllfederhalter, indem er einen Gänsekiel in einen

anderen schob und das Ganze dann mit Kork versiegelte.

Aber erst die Feder mit Iridiumspitze von Montblanc, Gummi,

der mit der Zeit nicht spröde wurde, und Tinte, die nicht

klumpte, ließen den Füllfederhalter zu einer benutzbaren

Realität werden. Oben und links: Montblancs frühe Anzeigen

spiegelten den Geist und Stil der Zeiten wider und manchmal

hatte das Unternehmen den Mut, seine Produkte überhaupt

nicht zu zeigen.

ACCESSOIRES — 171


«Bei Frauen dreht sich alles um Mode,

bei Männern um Stil. Stil lebt ewig.»

Domenico Dolce, Dolce & Gabbana

Von nahezu jedem Stück der modernen Männergarderobe gibt

es ein »Erstes seiner Art« – das ultimative Vorbild, oft entwickelt

von einem einzelnen Unternehmen oder einer Marke für

spezifische Anwendungszwecke, aus dem sich alle nach folgenden

Fassungen ableiten (und deren Originale heute auf dem boomenden

Markt für Vintage-Artikel heiß begehrt sind).

Das T-Shirt zum Beispiel mag heute zwar allgegenwärtig sein,

es wurde jedoch an der Wende zum 20. Jahrhundert vom ameri kanischen

Unternehmen Hanes für die Soldaten der US Navy geschaffen

und später von Sportlern und Motorradfahrern über nommen. Andere

Ikonen der Männerbekleidung wurden für das Militär, die Arbeit auf

dem Land oder zum Schutz entworfen und machten sich von dort aus

auf den Weg ins tägliche Leben.

»Männer mit Stil« untersucht Stück für Stück die wichtigsten und

berühmtesten dieser Produkte – ihre Herkunft und Historie, die

Geschichten hinter dem Design, die Marke oder das Unternehmen,

das damit angefangen hat – sowie die Frage, welchen Einfluss das

Kleidungsstück darauf hat, wie Männer sich heute anziehen.

Der Autor

Josh Sims ist freischaffender Stil- und Modeexperte.

Er schreibt für renommierte Zeitungen

wie The Financial Times, The In de pendent, Mail

on Sunday, Esquire, GQ, Wallpaper und i-D.

Zu seinen Buchpublikationen gehören Cult

Streetwear, Rock/Fashion und Dictionary

of Fashion Designers.

Die fachliche Beratung für die deutsche

Ausgabe besorgte Jeroen van Roojen,

Stilredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung

und Autor mehrerer Bücher u.a. Hat das Stil?

Das Buch

192 Seiten, vierfarbig, Fadenheftung

mit 264 Illustrationen, davon 173 in Farbe,

edle Ausstattung, Englische Broschur

Format 20 x 28 cm

Euro 34.90 / sFr. 44.–

ISBN: 978-3-907100-50-9

ISBN 978-3-907100-50-9

9 7 8 3 9 0 7 1 0 0 5 0 9


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Midas Management Verlag AG

Dunantstrasse 3

CH 8044 Zürich

Tel 044 242 61 02

Fax 044 242 61 05

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D 48308 Senden

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Fax 02597 690 16 87

A.Kueppers-Verlagsvertretungen@t-online.de

Midas Collection

Josh Smith

Männer mit Stil

Stilikonen der Herrenmode

192 Seiten, vierfarbig,

Engl. Broschur, Format 20 x 28 cm

Euro 34.90 / sFr. 44.–

ISBN: 978-3-907100-50-9

ET: Oktober 2012

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