architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 7 2025
Raster, Modulbau, Vorfertigung ...
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FACHMAGAZIN
WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT
Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550
07
www.architektur-online.com
November 2025
System,
Technik &
Effizienz
© Jan Thoma / Blumer Lehmann
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the ordinary
with an AXOR shower experience
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3
Editorial
Raster, Modulbau, Vorfertigung ...
... diese Begriffe lösen bei Architekturschaffenden
nicht immer Begeisterungsstürme
aus. Zu oft werden sie mit Monotonie, reiner
Kostenoptimierung oder dem Verlust individueller
Gestaltung assoziiert. Doch wir erleben
derzeit eine Renaissance des seriellen
Bauens, die mit den „Plattenbauten“ vergangener
Tage kaum noch etwas gemein hat.
Die Verlagerung der Wertschöpfung von der
Baustelle in die wettergeschützte Werkhalle
ist heute ein Schlüssel zu Präzision, Kostensicherheit
und – so paradox es klingen mag
– auch zu neuen gestalterischen Freiheiten.
In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb
dem Spannungsfeld aus System, Technik
und Effizienz. Wir wollen zeigen, wie der
Algorithmus zur Hand des Handwerkers
wird, wie serielle Vorfertigung individuelle
Qualitäten hervorbringen kann und wie sich
Effizienz als architektonischer Mehrwert
denken lässt.
Den Auftakt macht das neue Stammhaus
der Holzspezialisten von Blumer Lehmann.
Die parametrisch entwickelte Treppens-
kulptur führt exemplarisch vor, wie digitale
Modellierung, CNC-Fertigung und handwerkliches
Wissen ineinandergreifen können,
um technische Präzision mit räumlicher
Atmosphäre zu verbinden – und wie
leistungsfähig moderne Holzbauweisen als
System sein können. Daran knüpft Cube68
an: Ein modularer Holzbau, der trotz strenger
Raster überraschend viel räumliche Individualität
erzeugt und auf minimaler Fläche
hohe Wohnqualität schafft. Ein Pilotprojekt
mit Signalwirkung für die angespannten
Wohnungsmärkte. Das Projekt Siège intercommunal
erweitert diesen Blick um die
Low-Tech-Perspektive. Lehmziegel, Holz
und natürliche Klimatisierung zeigen, dass
Effizienz nicht zwingend aus High-Tech
entsteht, sondern ebenso aus Reduktion,
Klarheit und zukunftsoffenen Grundrissen.
Einen sozial orientierten Ansatz verfolgt darüber
hinaus das Collegium Academicum in
Heidelberg. Der partizipative Prozess, das
suffiziente Raumprogramm und die gemeinschaftlich
organisierten Strukturen machen
deutlich: Effizienz kann auch bedeuten,
architektonische Systeme im Dienste sozialer
Nachhaltigkeit zu denken. Weitere
Projektberichte führen diese Gedanken in
unterschiedliche Richtungen weiter: Mit
dem Vienna Green Hub z.B. gelingt es, durch
konsequentes Weiterbauen, bestehende
Strukturen in klimaneutrale Arbeitswelten
zu transformieren. Und der Campus SHED in
Berlin demonstriert, wie industrielle Typologien
zu flexiblen, robusten Räumen werden,
die ganze Quartiere neu beleben.
Am Ende bleibt bei aller Faszination für
CNC-Fräsen, Modulraster und Energiekonzepte
eine Erkenntnis: Technik ist kein
Selbstzweck und ein System ist nur so gut
wie die Lebensqualität, die es ermöglicht.
Die hier vorgestellten Projekte machen
Mut, dass Effizienz und Empathie im modernen
Bauen keine Gegensätze mehr sind,
sondern Partner einer neuen architektonischen
Kultur.
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architektur FACHMAGAZIN
4
Inhalt
Editorial 03
Start 08
cera.LAB
Keramik im Wandel
Magazin 14
Wettbewerbe 26
Bundesschulcluster in Liezen
Kindergarten in Puch bei Weiz
Im Kern aus Holz 30
Stammhaus Blumer Lehmann /
Gossau SG, Schweiz / K&L Architekten
Von der Sanierung 38
zur Klimaneutralität
Vienna Green Hub – Revitalisierung
des Europäischen Patentamts /
Wien / ATP architekten ingenieure
30
44
38
Großzügigkeit im 44
Mikro-Format
Cube68 / Dinkelsbühl / Liebel/Architekten
Gemeinschaft als Bauprinzip 50
Collegium Academicum / Heidelberg,
Deutschland / DGJ Architektur GmbH
Zwischen Stadt und Industrie 56
Campus SHED / Berlin-Neukölln /
Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft
von Architekten & REALACE GmbH
50
Moderner Low-Tech-Ansatz 62
Siège intercommunal / Neuves-Maisons,
Grand Est / Studiolada
Naturstein 68
Licht 78
Wie Boris Podrecca
das Immaterielle baut
Hotelarchitektur 82
Produkt News 92
edv 120
Großformatdrucker
56
62
MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich
CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck
LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)
GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion
GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)
ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):
€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)
EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at
BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW
UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550
Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet
sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.
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architektur FACHMAGAZIN
8
Keramik
im Wandel
Start
Keramik erlebt ein Comeback – vielseitig, experimentell, überraschend modern.
Ob in großformatigen Fassaden, skulpturalen Möbeln oder als schlichte Tasse im
Alltag: Immer mehr Architekt:innen und Designer:innen entdecken das Material
neu. Auch in Innsbruck, wo man im kürzlich eröffneten Unbound Coffee Shop
seinen Flat White aus einem schlichten cera.LAB-Cup genießen kann – weit entfernt
von der provokanten Geometrie des „Ugly Cup“, aber mit derselben Haltung:
Keramik als Experimentierfeld zwischen Alltag und Kunst.
Text: Linda Pezzei
Jan Contala (1994) versteht sich als
digitaler Keramikhandwerker, der zwischen
Code und Ton, Algorithmus und
Intuition arbeitet. Sein Werk bewegt
sich zwischen Architektur, Forschung
und Design – mit Fokus auf die Verbindung
von Material, Handwerk und
digitalen Werkzeugen. Contala versteht
Design als eng verwoben mit den
Eigenheiten des Materials, der lokalen
handwerklichen Tradition und dem
kulturellen Kontext – sein Framework
nennt er „Terroir“. Digitale Werkzeuge
sieht er nicht als Gegensatz, sondern als
Erweiterung handwerklicher Prozesse:
Sie machen Qualitäten von Material und
Tradition sichtbar und verbinden sie
mit Innovation.
Mit seinem Studio cera.LAB entwickelt der Architektur-Designer
und Materialforscher Jan Contala
digitale Werkzeuge, die wie eine Verlängerung der
Hand funktionieren. So entstehen keramische Objekte
zwischen Algorithmus und Zufall, zwischen architektonischem
Denken und handwerklicher Intuition.
Ob skulpturale Installationen wie Keratop, die Natur
und Stadt versöhnen sollen, oder Alltagsobjekte, die
Rituale neu erfahrbar machen: cera.LAB steht exemplarisch
für die Renaissance eines uralten Materials
im digitalen Zeitalter.
Keramik zwischen Handwerk und Digitalität
„Das Experiment ist zentral in meinem Gestaltungsprozess“,
sagt Contala. Digitale Simulationen erlauben
präzise Modellierungen und schnelle Variationen
– „doch erst im physischen Material zeigen sich
Struktur, Oberfläche und Verhalten.“ Dieses Wechselspiel
beschreibt er als Motor seiner Arbeit: „Das Digitale
schärft die Form, das Material die Realität.“ Seine
ersten 3D-Druck-Tests sind ihm dabei bis heute präsent:
„Im Modell war die Form perfekt, im Brennofen
aber kollabierte sie völlig – genau in solchen Momenten
zeigt sich die wahre Qualität des Experiments.“
Für Contala ist Handwerk die Basis, nicht der Gegenpol
seiner digitalen Arbeit: „Handwerk verstehe
ich als Zusammenspiel von Material, Werkzeug und
Erfahrung.“ Digitale Tools seien keine Ersatztechnologien,
sondern Erweiterungen. „Ton, Glasur und
Brennprozess folgen weiterhin ihren Gesetzen – genau
darin liegt die Nähe zum Handwerk.“ Erst dort,
wo Präzision und Erfahrung aufeinandertreffen, entstehe
Neues: „So wird das Handwerk nicht nur bewahrt,
sondern weiterentwickelt – eine Evolution, die
Tradition und Technologie verbindet.“
u
„Ich sehe Technologie als Erweiterung des Handwerks
– als Möglichkeit, Objekte zu schaffen, die zugleich zeitgenössisch
und tief in der Tradition verwurzelt sind.“
© David Kratzer
Jan Contala, Gründer von cera.LAB
www.architektur-online.com
9
Magazin
Mehr Raum
für neue Ideen.
Der Besprechungstisch m500 bringt alle zusammen.
www.hali.at
architektur FACHMAGAZIN
10
Start
Unregelmäßig, kantig, irritierend: Der Ugly Cup fordert
die Hand heraus und verwandelt den Akt des Trinkens
in ein haptisches Experiment zwischen Balance und
Überraschung.
© David Kratzer
Corona als Katalysator
Die Idee für cera.LAB entstand in der Pandemie.
„Plötzlich waren die Universitätslabore geschlossen,
Forschung und Experimente praktisch unmöglich –
das war der Auslöser, eine eigene, unabhängige Forschungsstätte
aufzubauen.“ Gleichzeitig spürte er,
„wie Architektur durch Standardisierung und globale
Bauteile ihre Nähe zum Handwerk verlor.“ Mit cera.LAB
wollte er einen Gegenentwurf schaffen: „Ein Ort, an
dem Planung und Fertigung eng verbunden sind, digitale
Tools für lokale Prozesse genutzt werden und
innerhalb eines Raumes vom Entwurf bis zum Prototyp
alles möglich ist.“
Material als Medium
Wie konsequent sich diese Haltung umsetzen lässt,
zeigen Projekte wie Another Ceramic Brick in the
Wall. „Mit keramischem 3D-Druck haben wir Bausteine
entwickelt, die nicht nur dekorativ sind, sondern
aktiv Licht und Klima im Raum steuern.“ Keramik
wird hier zum funktionalen Baustoff im architektonischen
Maßstab – lokal produziert, individuell anpassbar,
nachhaltig.
In der Forschungsreihe Keratop geht er einen Schritt
weiter. „Maßgeschneiderte Keramikstrukturen schaffen
lebendige Ökosysteme in der Stadt, fördern Biodiversität,
unterstützen Mikroklimata und steigern das
Wohlbefinden der Menschen.“ Statt nur zu bestehen,
schaffen die Strukturen Lebensräume für Pflanzen
und Tiere. „So entsteht ein architektonisches Biotop,
das weniger durch seine Dauerhaftigkeit, sondern
durch seine Fähigkeit überzeugt, ökologische Resilienz
in Städten zu fördern.“
© Max Schorch
Skulpturale Ziegel aus dem 3D-Drucker: Keratop versteht Keramik
als Katalysator für naturintegrierte Architektur – Bausteine, die
Biodiversität und Mikroklimata in die Stadt zurückholen.
Vision einer lokalen Architektur
Materialexperimente werden aus Contalas Sicht in
den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen:
„Ökologische Verantwortung, technologische Innovation
und kulturelle Identität müssen wieder stärker
zusammenfinden.“ Hybride Prozesse – also die Kombination
von digitaler Präzision und handwerklicher
Nähe – könnten Architektur nachhaltig verändern.
„Meine Vision ist, Architektur nicht länger als Produkt
globaler Lieferketten zu verstehen, sondern als
lokales, digitales Handwerk – innovativ, nachhaltig
und ortsverbunden.“
Dass Keramik dabei an Schnittstellen zu Kunst, Forschung
und Industrie immer neue Dimensionen eröffnet,
ist für ihn selbstverständlich. „Spannend ist
nicht, bestehende Formen zu kopieren, sondern solche
zu entwickeln, die nur durch diese Technologie
möglich sind.“
u
www.architektur-online.com
11
Magazin
DIE KÄLTE
BLEIBT
DRAUSSEN
ROLLLÄDEN UND JALOUSIEN FÜR BESTES RAUMKLIMA
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architektur FACHMAGAZIN
12
Start
© David Kratzer
© David Kratzer
Ein Relief aus hexagonalen Keramikfliesen:
Tundra übersetzt die Spuren von Frost und
Zeit in eine subtile Landschaft, die die Wand
zur topografischen Oberfläche macht.
Work in Progress
cera.LAB versteht sich als „Digital Design & Craft Studio at the intersection of
digital experimentation and material craft“, das im Spannungsfeld von traditionellem
Keramikhandwerk und digitalen Technologien erforscht, wie sich Keramik
als jahrtausendealtes Material neu definieren lässt. Der nächste Schritt liegt in
der Weiterentwicklung der eigenen Maschinen und Tools: Weil die keramische
3D-Drucktechnologie noch am Anfang steht, entwickelt Gründer Jan Contala seine
Systeme parallel zu den Projekten selbst – maßgeschneidert für spezifische
Anwendungen. Ergänzend dazu arbeitet das Studio an innovativen architektonischen
Bauteilen, die zeigen sollen, wie Keramik im digitalen Zeitalter weit über
das klassische Objekt hinauswachsen kann – hin zu einem Material der Zukunft
zwischen Forschung, Gestaltung und kultureller Tradition.
Vom Alltag bis zur Architektur
Diese Haltung übersetzt Contala auch in den Alltag.
„Selbst eine Espressotasse wird bei mir zur Versuchsfläche.“
Kleine Objekte bieten für ihn die Möglichkeit,
haptische Qualitäten zu erkunden und Formen zu
entwickeln, „die nur durch digitale Prozesse möglich
sind.“ Iteratives Arbeiten – Prototyping, Testen, Anpassen
– bleibe in jedem Maßstab zentral.
Dabei setzt er auf Kooperationen: „Ich arbeite bevorzugt
mit keramischen Handwerksbetrieben zusammen
– ihr Wissen über Material und Verarbeitung ist
unverzichtbar.“ Ergänzend sucht er die Nähe zur Forschung,
um neue Technologien systematisch zu erproben.
Und er hofft auf Partnerschaften mit mutigen
Architekturbüros, „die gemeinsam Pionierarbeit leisten
wollen – von exklusiven Designserien bis hin zu
architektonischen Wandgestaltungen mit 3D-Reliefs.“
So schließt sich der Kreis: Von großmaßstäblichen
Stadtbiotopen bis zur Espressotasse – bei cera.LAB
wird Keramik zum Medium für Experimente, das Handwerk
und Technologie, Alltag und Architektur miteinander
verschränkt. Und wer in Innsbruck beim Flat
White im Unbound Coffee Shop den schlichten Becher
in der Hand hält, spürt genau diesen Anspruch: dass
Keramik nicht nur Form ist, sondern Haltung – zeitgenössisch,
sinnlich und voller Zukunftspotenzial. •
© David Kratzer
Alveo ist ein skulpturaler Tisch, in dem
Keramik wie ein erstarrter Strom durch Glas
aufsteigt – inspiriert von Blasen und zellularem
Wachstum, eingefroren zwischen Luft,
Erde und Zeit.
www.architektur-online.com
13
Magazin
Nürnberg, 24.-27. März 2026
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architektur FACHMAGAZIN
14
Magazin
The Berres im 22. Wiener Gemeindebezirk ist ein Vorzeigeobjekt mit Bauteilaktivierung
© tschinkersten fotografie
++
Innovation im leistbaren Wohnraum
Leistbares Wohnen und gleichzeitiger Wohnkomfort: Die Bauteilaktivierung gewinnt
an Beliebtheit, wie zahlreiche aktuelle Bauvorhaben und ein jüngst abgeschlossenes
Forschungsprojekt zeigen.
Wien erweist sich als Vorreiter für leistbaren
Wohnraum mit klugen Energiekonzepten,
auch gemeinnützige Bauträger und die
Stadt Wien setzten vermehrt auf Bauteilaktivierung
zum Heizen und Kühlen der Wohnungen.
Architekt Bernhard Weinberger von
WUP architektur zeigt sich begeistert von
der Technologie: „Bei dem von uns gemeinsam
mit Artec Architekten soeben fertiggestellten
Wohnbau ‚The Berres‘ nützen wir
selbstverständlich die Technologie der Bauteilaktivierung.“
In Kombination mit Fernwärme
und PV werden die 308 Mietwohnungen,
errichtet von ÖSW und Schwarzatal,
nachhaltig beheizt und gekühlt.
Vor kurzem erfolgte der Spatenstich für den
nächsten Gemeindebau Neu im 22. Bezirk
in Wien. Geplant von Lorenzateliers bietet
der L-förmig angeordnete Bau 70 leistbare
Wohnungen. Erstmals wird Grundwasser
sowohl für das Heizen als auch das Kühlen
als nachhaltige Energiequelle genutzt. Neben
der Wärmepumpenanlage sorgen auch
PV, Bauteilaktivierung, Fassadenbegrünung
und Sonnenschutz für einen hohen ökologischen
Standard sowie ein angenehmes
Wohnklima zu jeder Jahreszeit. Und langsam
kommt die Bauteilaktivierung auch in
den Bundesländern an – wie z. B. bei dem
Schulcampus Adnet der Salzburg Wohnbau.
Forschung bestätigt Praxis
Einem Breitentest unterzogen wurde die
Bauteilaktivierung in einem mehrjährigen
Forschungsprojekt, in Auftrag gegeben
2021 vom Innovationsministerium im Forschungsprogramm
„Stadt der Zukunft“. Ein
Konsortium unter Leitung der AEE INTEC
hat 16 bauteilaktivierte Pilotgebäude in
ganz Österreich einem Energie- und Komfortmonitoring
unterzogen, inklusive Nutzer:innen-Befragungen.
Projektleiter Walter
Becke, AEE INTEC, zieht Resümee: „Der
Breitentest hat klar gezeigt, thermische
Bauteilaktivierung funktioniert und kommt
auch gut bei den Nutzerinnen und Nutzern
an. Jetzt gilt es noch, das enorme Speicherpotenzial
für volatile erneuerbare Energieerzeugung
auch aktiv zu nutzen.“
Mehr Infos gibt es auf:
www.zement.at/energiespeicher-beton
www.architektur-online.com
15
Magazin
© Javier Callejas
Das Potenzial
des Einfachen
Die Ausstellung „Reichtum statt Kapital“ im Architekturzentrum
Wien widmet sich dem radikal anderen Architekturverständnis
der indischen Architektin Anupama Kundoo. Ihr Werk
zeigt, wie Bauen jenseits kapitalgetriebener Zwänge möglich
wird: ressourcenschonend, lokal verankert, sozial großzügig
und ästhetisch kraftvoll. Auf Basis einer über drei Jahrzehnte
währenden Praxis verbindet Kundoo traditionelle Techniken
mit innovativen Bauweisen und entwickelt aus lokal verfügbaren
Materialien architektonische Lösungen von beeindruckender
Präzision und Schönheit.
Kuratiert von Angelika Fitz und Elke Krasny gliedert sich die
Ausstellung in acht Dimensionen von Reichtum und Fülle – von
Wissen und Material über Großzügigkeit bis hin zu Erholung.
Die Gestaltung folgt dem Grundriss von Kundoos ikonischem
Wall House und macht anhand von Modellen, Materialproben
und 1:1-Installationen erfahrbar, wie Architektur zu einem regenerativen,
gemeinschaftlich getragenen Beitrag für Mensch
und Natur werden kann.
Reichtum statt Kapital. Anupama Kundoo
18.09.2025 bis 16.02.2026 im Architekturzentrum Wien
© Reiner Riedler
architektur FACHMAGAZIN
16
Magazin
Der weiße Turm
Ein weißer Turm erhebt sich über Mulegns im Val Surses: 30 Meter hoch, filigran,
beinahe mystisch mit einem Hauch von Herr der Ringe. Der Tor Alva – entworfen
von Michael Hansmeyer und Benjamin Dillenburger für die Nova Fundaziun Origen
– ist das weltweit höchste 3D-gedruckte Gebäude und zugleich ein temporärer
Kulturort. „Der Turm fügt sich nahtlos in die alpine Landschaft ein und setzt die bemerkenswerte
architektonische Geschichte von Mulegns fort“, erklärt Hansmeyer.
Text: Linda Pezzei Fotos: Birdviewpicture, Benjamin Hofer
Digitale Systeme statt Schalung
Das Besondere liegt nicht nur in der Erscheinung, sondern
in der Methode: Statt Schalungen zu gießen, arbeiten
Roboter im Doppel. „Ein Arm extrudierte Beton
Schicht für Schicht, während der andere die Bewehrung
zwischen die Lagen einfügte“. Das Ergebnis: 32
tragende Säulen, jede einzigartig, jede generiert durch
algorithmisches Entwerfen. Hansmeyer beschreibt es
als „Proof of Concept im Maßstab 1:1, das die Eignung
des 3D-Drucks für großformatige, dauerhafte und architektonisch
komplexe Strukturen demonstriert“.
Die additive Fertigung spart Material: Beton wird nur
dort eingesetzt, wo er statisch notwendig ist. Gleichzeitig
werden neue ökologische Potenziale sichtbar.
„3D-gedruckter Beton kann CO 2 aus der Luft deutlich
schneller aufnehmen als herkömmlicher Beton – diese
beschleunigte Karbonatisierung verbessert aktiv
die Klimabilanz“. Auch die Zirkularität ist Teil des
Konzepts: Der Turm wurde für fünf Jahre errichtet
und kann danach abgebaut und an einem neuen Ort
wiederaufgebaut werden.
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17
Magazin
Digitale Handwerkskunst
„Wir können den Extrusionsweg so manipulieren, dass
komplexe Texturen und Muster direkt in das Material
eingebettet werden. So entsteht eine materialgetriebene
Ornamentik – eine digitale Handwerkskunst“.
Das Innere wird zur Raumdramaturgie: massive, dunkle
Kammern unten, lichte, verzweigte Kuppel oben.
Ein „Wald aus filigranen Säulen“ umschließt das kleine
Theater über den Dächern von Mulegns.
Doch der Turm ist nicht nur Technologie, sondern
auch Kulturprojekt. Mulegns hat nur noch zwölf
ständige Einwohner:innen. Während Besucher:innen
neugierig strömen, gibt es auch Skepsis. „Nicht unbedingt
gegenüber dem Turm selbst, sondern gegenüber
dem plötzlichen Zustrom von Tourist:innen“, so
Hansmeyer. Damit wird Tor Alva auch zum Prüfstein:
Wie kann experimentelle Architektur zur Revitalisierung
beitragen, ohne lokale Identität zu überlagern?
fiziente Verfahren und zirkuläre Bauweisen können
künftig nicht nur spektakuläre Kulturorte prägen,
sondern auch alltagstaugliche Architektur.
Signalwirkung für die Baukultur
Tor Alva versteht sich nicht als singuläres Event, sondern
als Modell. „Wir befürworten nicht den 3D-Druck
als universelle Lösung. Tor Alva zeigt vielmehr, wo
diese Technologien ihre Stärken haben: bei geometrisch
komplexen, standortspezifischen Strukturen“.
Die zentrale Botschaft: Digitale Systeme, materialefnicht-ohne-beton.at
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architektur FACHMAGAZIN
18
Magazin
Gefaltete Effizienz
Der Gebäudesektor steht unter Druck: Rund acht Prozent der weltweiten
CO 2 -Emissionen gehen auf das Konto von Zement. Besonders konventionelle
Flachdecken gelten als „CO 2 -Hotspots“ – sie verschlingen Material, benötigen
viel Stahl und dominieren den Rohbau. Ein Forschungsteam der Block Research
Group (BRG) an der ETH Zürich zeigt nun, wie strukturelle Geometrie diesen
Fußabdruck deutlich reduzieren kann. Für das Projekt „Unfold Form“ wurde
Lotte Scheder-Bieschin mit dem BLT Built Design Award 2025 als Emerging
Architect of the Year ausgezeichnet.
Text: Linda Pezzei Fotos: Andrei Jipa, Lotte Scheder-Bieschin
Strukturelle Effizienz statt Masse
Das Prinzip ist alt, aber hochrelevant: Gewölbe übertragen
Lasten nicht über massive Querschnitte, sondern
über optimierte Kraftverläufe. „Unfold Form“
übersetzt diese Logik in eine nur 5 bis 13 Zentimeter
dünne Betondecke, bei der über 70 Prozent der
Fläche mit weniger als 25 Zentimetern Aufbauhöhe
auskommen. Das Ergebnis: rund 60 Prozent weniger
Beton und 90 Prozent weniger Stahl als bei konventionellen
Stahlbetondecken. Möglich macht das eine
gerippte, gewellte Geometrie, die Steifigkeit erzeugt,
ohne Masse zu verbrauchen. Bemerkenswert ist dabei,
dass die Betonschale vollständig ohne eingebetteten
Bewehrungsstahl auskommt: Die Lastabtragung erfolgt
rein geometrisch, was die drastische Reduktion
des Stahlbedarfs überhaupt erst ermöglicht.
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19
Magazin
Curved-Crease Unfolding:
Origami fürs Bauwesen
Die Schalung basiert auf dem von Scheder-Bieschin
weiterentwickelten Curved-Crease Unfolding — einer
Origami-Technik mit gekrümmten Faltlinien.
Vorgefertigt aus 8 Millimeter starkem Sperrholz und
textilen Scharnieren entfalten sich vier kompakte
Paneele auf der Baustelle zu einer selbsttragenden,
zackenförmigen Form. Der Aufbau dauert rund 30
Minuten und kommt ohne Spezialwerkzeug aus.
Trotz komplexer Geometrie ist die Schalung leicht,
flach zusammenfaltbar und kostengünstig in der
Herstellung. Während digitale Fertigungsmethoden
oft teure Infrastruktur erfordern, genügt hier eine
Schablone und ein Heftgerät — ein überraschend
einfacher Zugang zu einer leistungsstarken Struktur.
Wiederverwendbarkeit als Schlüssel
Während herkömmliche Schalungen meist nur einmal
verwendet und anschließend entsorgt werden,
lässt sich „Unfold Form“ mehrfach einsetzen, ohne an
Präzision zu verlieren. Das eröffnet eine bislang fehlende
zirkuläre Komponente im Betonbau, der traditionell
von linearen Materialflüssen geprägt ist. Entscheidend
ist dabei, dass die Leistungsfähigkeit der
Schalung nicht von empfindlichen High-Tech-Komponenten
abhängt, sondern auf einer robusten,
low-tech-fähigen Konstruktion basiert.
Die Block Research Group demonstriert damit erneut,
wie computational design konstruktive Intelligenz
hervorbringen kann, gleichzeitig aber Fertigungsprozesse
ermöglicht, die auch in Regionen mit
begrenzten Ressourcen funktionieren. CNC-Tools
können den Aufbau unterstützen, sind jedoch nicht
zwingend erforderlich — ein wichtiger Faktor für
die globale Skalierbarkeit des Systems. Seit Oktober
2025 vermittelt der neue MAS in Computational
Structural Design dieses Wissen systematisch an
eine nächste Generation von Architekt:innen und Ingenieur:innen
und stärkt so die Verbreitung materialeffizienter
Konstruktionsmethoden.
Die resultierende Deckenuntersicht erinnert mit
ihren feinen Rippen an Muschel- oder Wellenstrukturen.
Dieser ausdrucksstarke Charakter ist kein
gestalterischer Selbstzweck, sondern das direkte Ergebnis
statischer Optimierung – und macht die Konstruktion
ästhetisch ehrlich: Schönheit entsteht hier
aus Effizienz.
Effizienz als System
Für eine breite industrielle Anwendung müssen künftig
Standards zu Anschlussdetails, Haustechnik,
Brandschutz, Akustik und Fertigungsvorschriften
definiert werden. Angesichts der jährlich neu entstehenden
Millionen Quadratmeter Stahlbetondecken
ist der Hebel jedoch enorm: Jede eingesparte
Tonne Zement zählt. „Unfold Form“ zeigt, wie sich
der CO 2 -intensive Werkstoff Beton konstruktiv entschärfen
lässt, ohne den Komfortbereich etablierter
Baupraxis zu verlassen. Dass die Gewölbe vollständig
ohne konventionelle Bewehrungsschichten auskommen,
unterstreicht das Potenzial zusätzlich — sowohl
im Hinblick auf Kosten als auch auf graue Emissionen
in der Herstellung von Stahl.
In Zeiten strengerer Regulierung, schwindender Ressourcen
und wachsender Neubauvolumina — insbesondere
im globalen Süden — bietet das System
eine systemische Antwort auf die Frage, wie Struktur,
Fertigung und Klimastrategie zusammenfinden können.
Nicht trotz, sondern gerade wegen der Zwänge
entsteht ein neuer architektonischer Ausdruck. Und
vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zu seiner
Akzeptanz: nachhaltige Bauweisen, die logisch und
schön zugleich sind.
architektur FACHMAGAZIN
20
Magazin
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21
Magazin
Sozialwohnungen
in Stampflehm
Sozialwohnungen in den oberen Etagen, Gewerbeflächen im Erdgeschoss – auf den
ersten Blick scheint das Projekt in der 17 Rue des Quatre-Cheminées einer von vielen
Neubauten in Boulogne-Billancourt im Südwesten von Paris zu sein. Doch das
täuscht: Der vierstöckige Wohnkomplex von Déchelette Architecture beruht mit
Lehm, Holz und Stein auf möglichst unverarbeiteten, organischen Materialien.
Text: Edina Obermoser Fotos: Salem Mostefaoui
2021 gewann das französische Büro den vom sozialen
Wohnbauträger Seine Ouest Habitat et Patrimoine
(SOHP) ausgeschriebenen Wettbewerb zur
Gestaltung des neuen Gebäudes im Vorort der Metropole.
Obwohl lediglich eine Holzkonstruktion gefordert
war, legten die Architekten noch einen drauf
und integrierten mit Lehm und Stein zwei weitere,
biobasierte Werkstoffe in ihren Entwurf, um so die
CO 2 -Bilanz noch weiter zu optimieren. Das Ergebnis
ist ein Neubau, der sich über einem Naturstein-Sockel
mit seiner rohen Straßenfront aus Stampflehm
deutlich von den umgebenden Putzfassaden abhebt.
Beim Tragwerk sowie der zum Hof gewandten Ansicht
handelt es sich um Brettsperrholz. Zusätzlich
wurden in die strukturellen Holzbauteile Dämmplatten
aus Holzwolle integriert. Lediglich bei den Geschossdecken
und dem Erschließungskern griff man
auf Beton zurück. Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken
ging es auch darum, im Inneren eine möglichst
hohe Wohnqualität zu schaffen. Die acht Sozialwohnungen
sind in zwei Einheiten pro Stock unterteilt.
Jede von ihnen verfügt über einen Wohnbereich,
der zur Straße orientiert ist, und Schlafzimmer, die
sich über private Balkone zum begrünten Hinterhof
hin öffnen. Durch die zweiseitige Ausrichtung erhält
jedes der Apartments genügend Tageslicht und ermöglicht
eine natürliche Belüftung.
Mit der unkonventionellen Materialwahl entschied
sich das junge Planerteam nicht nur für einen „Cradle-to-Cradle“-fähigen
Ansatz, sondern beschritt auch
ungewohntes Terrain: Die Struktur mit Lehmbausteinen
ist alles andere als eine Standardlösung. Während
die Rohstoffe für den Sockelbereich aus einem nahen
Steinbruch stammen, gab es bei den ausführenden
Unternehmen der Stampflehmfassade deutlich weniger
Auswahl. Die 50 cm dicken Blöcke wurden
schließlich von Terrio, einem Lehmbau-Spezialisten
aus Lyon, vorgefertigt. Dieser bezog die rund 40 m 3
Rohmaterial aus der direkten Umgebung seiner Betriebsstätte,
formte bzw. trocknete die Blöcke und
schulte anschließend die ausführenden Gewerke für
eine reibungslose Montage auf der Baustelle. Nach
der Anlieferung erfolgte die Errichtung der selbsttragenden
Konstruktion innerhalb weniger Tage. Durch
den hohen Vorfertigungsgrad (lediglich die Geschossdecken
aus Beton wurden vor Ort gegossen)
gelang eine zeit- und kosteneffiziente Umsetzung
des Projekts in der Rue des Quatre-Cheminées.
Lehmfugen verleihen der viergeschossigen Straßenansicht
bei einer Höhe von 12 m ein durchgängiges
Erscheinungsbild. Das Naturmaterial reduziert den
CO 2 -Fußabdruck des Hauses und wirkt sich darüber
hinaus mit seinen thermischen und akustischen Eigenschaften
positiv auf den Komfort der Bewohner
im Inneren aus.
architektur FACHMAGAZIN
22
Magazin
Ein Quartier
für die Zukunft
Mit der Erweiterung des Campus Krems hat Baumschlager Eberle Architekten
ein Ensemble geschaffen, das die Entwicklung des Wissenschaftsstandorts auf
städtebaulicher, architektonischer und technologischer Ebene weiterdenkt.
Drei Bildungseinrichtungen – die Karl-Landsteiner-Universität, die Universität
für Weiterbildung Krems sowie die IMC Fachhochschule – erhalten damit einen
gemeinsamen räumlichen Rahmen, der den heterogenen Anforderungen moderner
Forschung und Lehre gerecht wird.
Text: Andreas Laser Fotos: Maximilian Haidacher
Die Antwort der Architekten auf das komplexe Raumprogramm
ist eine klare städtebauliche Setzung. Vier
kompakte Baukörper ergänzen das bestehende Campusgefüge,
wobei drei davon auf einem gemeinsamen
Sockelgeschoss ruhen. Dieser Sockel fungiert als funktionales
Rückgrat: Er bündelt halböffentliche Nutzungen
wie Campus Hall, Seminarräume und das Learning
Center. Darüber entfaltet sich eine Sequenz aus Wegen,
Plätzen und Terrassen, die das Motiv der „Stadt in der
Stadt“ aufgreifen. Die Setzung der Volumina generiert
spannungsvolle Zwischenräume und Durchwegungen,
die dennoch eine intuitive Orientierung ermöglichen,
während südlich vorgelagerte Freibereiche die Aufenthaltsqualität
in den Außenraum erweitern.
www.architektur-online.com
23
Magazin
Zwischen Klarheit und Reduktion
Die Erweiterung ist geprägt von einer Architektur,
die sich bewusst auf elementare Mittel stützt. Plastizität,
Geometrie, Licht und Materialität bestimmen
das Erscheinungsbild. Die Fassaden werden von drei
hochrechteckigen Fensterformaten rhythmisiert, die
den Gebäuden eine ruhige, klare Ordnung verleihen.
Aluminiumtafeln in verschiedenen Formaten und
Farbstellungen modulieren die Tiefe der Hülle, wobei
das wechselnde Spiel von Licht und Schatten subtile
Variationen erzeugt. So entsteht trotz reduzierter
Mittel ein vielschichtiges Fassadenbild mit einer zurückhaltenden,
zeitlosen Wirkung.
Funktionale und atmosphärische Landschaft
Im Inneren setzt sich die Klarheit der Hülle fort, wird
jedoch durch warme Materialitäten atmosphärisch
aufgeladen. Das Foyer im Erdgeschoss empfängt mit
hellen Holzlamellenwänden, die als akustisch wirksame
Raumteiler fungieren. Die Obergeschosse sind
als kommunikative Landschaften konzipiert: Gangzonen
weiten sich zu Begegnungsorten, Blickbeziehungen
zum Außenraum und hell gestaltete Nischen
fördern sowohl den akademischen Diskurs als auch
konzentriertes Arbeiten. Dank nutzungsneutraler
Grundrissstrukturen bleibt das Gebäude langfristig
anpassungsfähig – eine Resilienz gegenüber sich
wandelnden Lehrkonzepten.
u
architektur FACHMAGAZIN
24
Magazin
Konstruktive Logik & nachhaltige Strategie
Die nachhaltige Ausrichtung des Projekts beruht auf
dem abgestimmten Zusammenspiel von Städtebau,
Architektur und Haustechnik. Die kompakte Gebäudestruktur
reduziert den Energiebedarf bereits auf
städtebaulicher Ebene, während die architektonische
Klarheit auf Langlebigkeit und einen ressourcenschonenden
Betrieb abzielt. Ergänzend sorgt eine
hochwertige technische Ausstattung für Effizienz im
laufenden Gebäudebetrieb.
Die Energieversorgung erfolgt über Wärmepumpen,
unterstützt von Photovoltaikanlagen auf
den Dächern. Die energetischen Kennwerte – ein
Heizwärmebedarf von 25,51 kWh/m²a und ein Primärenergiebedarf
von 83,2 kWh/m²a – bestätigen die
Leistungsfähigkeit des Konzepts und trugen wesentlich
zur Auszeichnung mit dem klimaaktiv-Gold-Label
bei, das in diesem Fall die Maximalbewertung von
1.000 Punkten erreichte.
Auch konstruktiv folgt das Projekt einer Philosophie
der Reduktion und Dauerhaftigkeit. Robuste Materialien,
klare Detailausbildung und nutzungsneutrale
Grundrisse ermöglichen langfristige Anpassungen
und minimieren den Ressourcenverbrauch über den
gesamten Lebenszyklus hinweg. Die plastische Fassadenstruktur
kommt ohne technisch anfällige Elemente
aus und unterstützt so den nachhaltigen Anspruch
des Ensembles.
www.architektur-online.com
25
Magazin
Fazit
Die Erweiterung des Campus Krems zeigt, wie ein
Bildungsquartier durch räumliche Präzision, architektonische
Klarheit und eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie
an Stärke gewinnt. Baumschlager
Eberle Architekten gelingt es, eine Balance zwischen
Funktionalität und Atmosphäre, zwischen Reduktion
und Ausdruck herzustellen. Das Ergebnis ist ein
Ensemble, das nicht nur den Wissenschaftsstandort
Krems stärkt, sondern zugleich als Beispiel für langlebige,
ressourcenschonende Architektur dient. •
Solozip ®
Fassadenmarkise.
Stil & Funktionalität
für moderne
Architektur.
Smarter Sonnenschutz für
höchste architektonische
Ansprüche. Ideal für Wohnund
Objektbau.
Große Gestaltungsfreiheit
durch eine breite Auswahl
an Tüchern und Profilfarben.
Nachhaltige Materialien
und kurze Transportwege –
für umweltfreundliche
Bauprojekte.
architektur FACHMAGAZIN
26
Wettbewerbe & Awards
Rendering: © zoom VP
Hohe Aufenthaltsqualität
Mit einem von Leichtigkeit getragenen Entwurf gewinnen WORK SPACE Architekten
den Realisierungswettbewerb für den Bundesschulcluster in Liezen, Steiermark.
Der Neubau des Bundesschulclusters
Liezen am Dr. Karl Renner-Ring
40 wird am bestehenden Gelände
des BSC Liezen errichtet. Der alte
Schulbau wird phasenweise komplett
abgebrochen. Der Bundesschulcluster
beinhaltet eine Bundeshandelsakademie
(BHAK), eine Bundeshandelsschule
(BHAS) und eine
Bildungsanstalt für Elementarpädagogik
(BAfEP). Insgesamt umfasst
die Bildungseinrichtung 25 Klassen
und zusätzlich eine Abendschule.
1. Preis
Projekt 19
WORK SPACE
Architekten ZT GmbH
Architekt Peter Larcher
Architektin Karin Triendl
Aus dem Juryprotokoll:
Die Verfasser lösen die gestellte,
schwierige Aufgabe gekonnt und
mit Leichtigkeit im Sinne der Nutzer
und der Architektur. Das Projekt
zeigt in allen Bereichen eine schlüssige
Wegeführung und Orientierung.
Raumproportionen, Belichtung und
Sichtbezüge nach innen und außen
sind gut durchdacht und führen
trotz der Größe des Schulgebäudes
zu einem selbstverständlichen
Ergebnis. Die räumliche Zuordnung
der Departments und Homebases
wird schlüssig gelöst. Orientierung
und Zusammenführung der unterschiedlichen
„Orte“ der Schule sind
klar unterstützt, insbesondere durch
den hofquerenden Steg im 1. Obergeschoss,
der direkt an die vertikale
Erschließung anschließt.
Der Baukörper ist aufgrund der inneren
Organisation nur E+2 Geschosse
hoch und nimmt gekonnt Bezug auf
die bestehende Wohnbebauung. Die
Entscheidung zugunsten eines großzügigen
Innenhofes — nach Westen
geöffnet, geschützt vor dem Lärm
der Salzburger Straße — schafft hohe
Aufenthaltsqualität im Schulalltag.
Das Konzept bietet Potenzial für Optimierungen
in weiteren Planungsphasen,
ohne seine wesentlichen
Qualitäten zu verlieren.
Empfehlungen der Jury:
Prüfung Überschneidungen Zufahrt,
Stellplätze und Fußwege. Präzisierung
Außenraum, Weiterentwicklung
des Grünraumkonzeptes, Optimierung
der transparenten Bauteile im
Hinblick auf die Nutzungsfreundlichkeit
der Raumfunktionen.
Auslober
Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
Unternehmensbereich Schulen
Verfahrensbetreuung
Kampus GmbH, Graz; Daniel Kampus,
Katharina Platzer, Anita Zotter
Art des Verfahrens
EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb
m. anschließendem Verhandlungsverfahren
für Generalplanung
AUSSCHREIBUNG
Jurymitglieder (ohne Titel)
Fachpreisrichter: Werner Burtscher (Vorsitzender),
Iris Rampula-Farrag, Johannes
Wiesflecker, Bernd Wiltschek (BIG), Franz
Hermann-Makotschnig, Peter Dietl
Sachpreisrichter: Gudrun Rieger, Manfred
Trummer, Andrea Heinrich (Bgm.)
Jurysitzungen
19./20.05.2025
Einreichungen: 41
Preisträger
1. Preis: WORK SPACE Architekten ZT GmbH,
Wien/Innsbruck
2. Preis: Ederer Haghirian Architekten ZT
GmbH, Graz
3. Preis: Riepl Riepl Architekten ZT GmbH,
Linz
Preisgelder gesamt
€ 135.000
www.architektur-online.com
27
Wettbewerbe & Awards
DAS PROJEKT – DAS BÜRO
Ein Ort zum Wohlfühlen, der die Gemeinschaft
fördert und Freiraum für alle bietet
Die kompakte Bauform des Bundesschulclusters
Liezen mit drei Geschossen fügt sich
sensibel in das Umfeld ein. Eine klare Ad-
Pläne, Foto: © WORK SPACE Architekten
Lageplan
Erdgeschoss
ressbildung an der Straße und ein großzügig
geöffneter Innenhof strukturieren den neuen
Campus und schaffen eine einladende Geste
in Richtung Grünraum.
Die Wege der Schülerinnen und Schüler vom
Bahnhofs- und Busbereich führen logisch
zum Vorplatz und zum gedeckten Haupteingang.
Innen sorgt eine klare Orientierung für
einfache Auffindbarkeit aller Bereiche. Aula,
Speisesaal, Bibliothek und Mehrzweckbereiche
sind im Erdgeschoss zu einer flexibel
nutzbaren Mitte verbunden und stärken das
gemeinschaftliche Leben der Schule. Offene
Lernzonen und Homebases gruppieren
sich um den begrünten Innenhof, während
abgetreppte Terrassen Licht und Luft in die
oberen Ebenen bringen. Die Verschränkung
von Innen- und Außenraum unterstützt neue
Lernformen und schafft abwechslungsreiche
Raumqualitäten. Sichtbezüge über mehrere
Ebenen tragen zu Offenheit und Transparenz
bei. Die Ausrichtung der Lernräume nach
außen ermöglicht eine klare räumliche Zonierung
ruhiger Arbeitsbereiche.
Die kompakte Gebäudehülle, hochwertig
gedämmte Bauteile und ein ressourcenschonendes
Energiekonzept unterschreiten die
klimaaktiv-Kriterien deutlich. Die Wahl einer
modulierbaren Holzbauweise erleichtert
Rückbau und Wiederverwertung am Ende
des Lebenszyklus.
Karin Triendl und Peter Larcher
WORK SPACE Architekten
Das Büro Work Space Architekten ZT GmbH
wurde von Karin Triendl und Peter Larcher
gegründet und entstand aus der intensiven
Zusammenarbeit zweier erfahrener Architekturbüros.
Wir sehen uns als Teamplayer und
entwickeln im intensiven Dialog mit allen Projektbeteiligten
nachhaltige, energieeffiziente
Gebäude mit bleibendem Wert und hoher
Qualität. Dabei ist es unser Ziel, Räume für
Menschen zu planen, die Freude bereiten und
langfristige Werte schaffen. Im Sinne recyclierbarer
Gebäude, dem Wunsch höchster Energieeffizienz
und der Berücksichtigung neuer
Wohnbedürfnisse ist das ständige Lernen und
der aktive Austausch von Erfahrungswerten
Teil unserer Bürokultur.
Wir sind überzeugt davon: Projekte, die aus
Wettbewerbsverfahren hervorgehen, sind
nicht nur wirtschaftlicher und innovativer, sie
stärken die Entscheidungsfindung und die
partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen
Architekten und Auftraggeber. Qualität in der
Architektur rechnet sich.
www.workspace.at
architektur FACHMAGAZIN
28
Wettbewerbe & Awards
Begegnung und Bewegung
Aus 121 eingegangenen Beiträgen wurde tagger3architektur als Sieger des Realisierungswettbewerbs
Neubau Kindergarten / Kinderkrippe Gemeinde Puch bei Weiz gekürt.
Seit dem Jahr 1977 ist die Kinderbetreuung
der Gemeinde Puch bei
Weiz im Kellergeschoss der örtlichen
Hauptschule bzw. späteren Neuen
Mittelschule und aktuellen Mittelschule
untergebracht. Die Gemeinde
plant nun in Abstimmung mit den
zuständigen Vertretern des Landes
Steiermark den Neubau eines örtlichen
Kindergartens für drei Gruppen
inkl. Mehrzweck- und Bewegungsraum
sowie einer Kinderkrippe für
zwei Gruppen, um dem gestiegenen
Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen
in adäquaten Räumlichkeiten
gerecht zu werden. In unmittelbarer
Umgebung befinden sich die örtliche
Volksschule, die Mittelschule mit den
Auslober
Gemeinde Puch bei Weiz (Stmk.)
Verfahrensbetreuung/Vorprüfung
Spener Ziviltechniker KG, Ilz
AUSSCHREIBUNG
Art des Verfahrens
Offener einstufiger Realisierungswettbewerb
gemäß § 32 Abs 5 Bundesvergabegesetz
Jurymitglieder (ohne Titel)
Fachpreisrichter: Thomas Pilz (Vorsitz),
Elmar Hauser;
Sachpreisrichter: Gerlinde Schneider (Bgm.),
Hanspeter Höfler, Karl Pfeifer
Jurysitzungen
25./26./27.08.2025
bestehenden Kindergartenräumlichkeiten,
die Musikschule, der Sportplatz
sowie der Bauhof. Dabei sollte
Bedacht auf das vorhandene Ortsbild
genommen und eine ausdrucksstarke
Dachlandschaft ausgebildet werden.
Die Kindergartenkinder werden in
der Regel mit dem Kindergartenbus
gebracht, der unmittelbar vor dem
Kindergarten halten kann. Für Eltern,
die ihre Kinder mit dem Auto bringen,
ist das Parken direkt vor dem Eingang
nicht vorgesehen. Für die Kinderkrippe
muss die Hol- und Bringmobilität
ebenfalls gewährleistet sein, was eine
klare Entflechtung der Zugänge von
Kindergarten und Kinderkrippe erforderlich
macht. Die Ausloberin hat
Einreichungen
121
Preisträger, Preisgeld
1. Preis (€ 20.000): tagger3architektur, Graz
2. Preis (€ 15.000): ARHILINK siat d.o.o., Isel
Hanzekovic, Veržej
3. Preis (€ 10.000): Caramel architekten
zt-gmbh, Architekt DI Patrick Gerber, Wien
sedomini[zt], Breitensee
Anerkennungen (je € 5.000):
Hofrichter-Ritter Architekten ZT GmbH, Graz
g.o.y.a. ZT GmbH, Wien
Paul Mikolasch, Seiersberg
ein nachhaltiges, energieeffizientes
und finanziell realisierbares Gesamtkonzept
mit niedrigen Betriebs- und
Lebenszykluskosten erwartet.
1. Preis
Projekt 104
tagger3architektur, Graz
Arch. DI Ursula Tagger
Aus dem Juryprotokoll:
Die Gestaltung aus zwei versetzten
Baukörpern mit Satteldächern sowie
der gelungene Umgang mit der
Hangsituation führen zu einer eleganten
Gliederung des Bauvolumens.
Die Größen der beiden Baukörper
nehmen Bezug auf die umgebende
Bebauung. Durch die Verschiebung
der „Satteldachschiffe“ entstehen
zwei klar definierte Vorbereiche mit
differenzierten Erschließungen für
Kindergarten und Kinderkrippe. Alle
Gruppenräume verfügen über direkte,
überdachte Ausgänge zu Spielund
Freibereichen. Die Situierung
des Speisesaals im Bereich der Kinderkrippe
und des Bewegungsraums
beim Kindergarten wird aufgrund
kurzer Wege als vorteilhaft beurteilt;
auch die Lage des Speisesaals beim
Eingang wird begrüßt. Der Gang im
Untergeschoss wird durch einen
www.architektur-online.com
29
Wettbewerbe & Awards
Ansicht West
Ansicht Ost
Ansicht Süd
Pläne, Fotos: © tagger3architektur
Ebene 2 Ebene 1
zentralen Lichthof natürlich belichtet.
Kritisch wird angemerkt, dass dem
Entwurf aufgrund der klaren Funktionszuordnung
und komprimierten
Erschließungsflächen eine gewisse
Großzügigkeit fehlt. Der übergroß di-
mensionierte Bewegungsraum wirkt
in seiner Proportion relativ schmal.
Die Kindersanitäranlagen im Kindergarten
sind flächenmäßig vorhanden,
jedoch nicht jeder Gruppe
direkt zugeordnet.
Empfehlungen der Jury:
Die möglichen Flächen könnten noch
besser ausgeschöpft werden, um
dem Gebäude mehr Großzügigkeit zu
verleihen. Zudem wird eine Überarbeitung
der Sanitärräume empfohlen.
DAS PROJEKT – DAS BÜRO
Gemeinsame Mitte
Städtebaulich zeichnet sich das Projekt durch
seine klare Einbindung in das dörfliche Umfeld
aus. Im größeren Ortsgefüge wirken die zwei
Gebäude verbindend, im direkten Umfeld
platzbildend. Die giebelständige Ausrichtung
zur Straße nimmt Bezug zur Nachbarschaft
und stellt einen gestalterischen Dialog mit
dem benachbarten Schulgebäude her. Diese
Orientierung stärkt die Identifikation mit dem
Ort und trägt zur städtebaulichen Kohärenz
bei. Zwischen den beiden Gebäuderiegeln
entsteht eine zentrale Mitte, die sowohl im
Innen- als auch im Außenraum als lebendiger
Treffpunkt fungiert und eine gemeinschaftliche
Atmosphäre schafft.
Kindergarten und Kinderkrippe sind als
zwei funktional getrennte Einheiten in zwei
Ebenen organisiert. Zwischen den Baukörpern
spannt sich eine helle, lichtdurchströmte
Mitte auf – ein transparenter Freiraum, der
weit mehr als ein Verkehrsbereich ist. Sie ist
das verbindende Herzstück, das Krippe und
Kindergarten räumlich und atmosphärisch
miteinander verknüpft, Begegnung, Bewegung
und Orientierung ermöglicht. Dieser zentrale,
vertikale Raum mit Luftraum schafft nicht
nur funktionale Verbindung, sondern auch
Transparenz, räumliche Qualität und ein Gefühl
von Zusammengehörigkeit unter einem Dach.
Offene Sichtbeziehungen und der direkte Bezug
zu Innen- und Außenräumen stärken das
Miteinander und machen die Mitte zu einem
lebendigen Raum voller Möglichkeiten – zum
Spielen, Begegnen und Wachsen. Zudem wird
die Hanglage des Grundstücks gezielt genutzt,
um die Freiräume topografisch sinnvoll zu
staffeln. Wegeverbindungen gewährleisten
eine gute Erschließung und vernetzen den
Neubau sinnvoll mit der umgebenden dörflichen
Struktur
tagger3architektur
Wir verstehen Architektur als kulturellen Auftrag.
Als Familienunternehmen arbeiten wir mit ganzheitlichem
Blick und decken das gesamte Leistungsspektrum
der Architektur ab. Unsere besondere
Leidenschaft gilt dem Bildungsbau. Wir
glauben an Architektur, die Fragen stellt, neue
Wege öffnet und Räume als lebendige Systeme
versteht. Mit Engagement, Mut, Präzision und
Neugier gestalten wir Räume, die Möglichkeiten
schaffen, Identitäten prägen und Menschen stärken.
Architektur ist für uns ein gesellschaftlicher
Beitrag – ein Mittel, Verbindungen zu schaffen,
Werte sichtbar zu machen und Orte zu entwickeln,
die inspirieren.
tagger3architektur.at
Dominik, Ursula und Alexander Tagger (v. l.)
architektur FACHMAGAZIN
30
System, Technik & Effizienz
Im Kern aus Holz
Stammhaus Blumer Lehmann / Gossau SG, Schweiz / K&L Architekten
Text: Linda Pezzei Fotos: Jan Thoma / Blumer Lehmann
www.architektur-online.com
31
K&L Architekten
Im neuen Stammhaus von
Blumer Lehmann trifft
Hightech auf Handwerk,
Forschung auf Baupraxis,
Algorithmus auf Fräse.
Das Bürogebäude im
schweizerischen Gossau
ist mehr als ein Firmensitz:
Es ist ein Manifest für
den Holzbau der Zukunft
– mit einer skulpturalen
Treppenkonstruktion aus
gebogenem Brettsperrholz
im Zentrum.
Ein Baum, der durch fünf Geschosse wächst: Was poetisch
klingt, ist das gebaute Sinnbild eines Unternehmens,
das Holz lebt, denkt und weiterentwickelt.
Blumer Lehmann, ein seit 1875 familiengeführtes
Holzbauunternehmen aus Gossau und einer der international
führenden Akteure im modernen Ingenieur-
und Modulholzbau, vereint am eigenen Standort
die gesamte Wertschöpfungskette – vom Sägewerk
über die Planung bis zur CNC-Fertigung komplexer
Free Form-Konstruktionen.
Im neuen Stammhaus des Unternehmens bildet eine
freigeformte, parametrisch entwickelte Treppenkonstruktion
das Herzstück des Gebäudes. Sie prägt
das Atrium – als räumliches Gefüge aus Treppe, gekrümmten
Wandelementen und integrierten Nischen.
Die Form der Atriumskulptur wurde aus gekrümmten
Brettsperrholzplatten gefertigt, die mit Algorithmen
entworfen und mit CNC-Präzision umgesetzt wurden.
So entstand ein wachsendes Element aus Holz,
das die fünf Geschosse des Gebäudes miteinander
verbindet – das Stammhaus Blumer Lehmann. u
architektur FACHMAGAZIN
32
System, Technik & Effizienz
K&L Architekten entwickelten ein räumliches Konzept,
das Forschung und Handwerk verbindet. Der
Entwurf für das Bürogebäude stand bereits, als Blumer
Lehmann vorschlug, das zentrale Treppenhaus
mit gekrümmten Brettsperrholzplatten zu realisieren
– ein Verfahren, das das Unternehmen zusammen mit
dem ICD Institut für Computerbasiertes Entwerfen
und Baufertigung der Universität Stuttgart weiterentwickelt
hatte und das hier erstmals zur Anwendung
kam. Beteiligt war auch die Geometrie-Abteilung von
K&L Architekten, die die komplexe Formgebung koordinierte.
„Wir sind gemeinsam mit einem Workshop
gestartet, bei dem die Möglichkeiten des Verfahrens
und wichtige Rahmenbedingungen erarbeitet wurden“,
erzählt Johanna Deinet, Projektleiterin bei K&L:
„Neben funktionalen Aspekten wie Fluchtbreiten und
Brandschutz ging es auch um Fragen der Raumwirkung,
der Podeste, der offenen und geschlossenen
Flächen. Es war ein intensiver, iterativer Prozess.“
Die Treppenkonstruktion aus CLT-curved-Elementen
übernimmt dabei nicht nur eine gestalterische,
sondern auch eine statische Funktion: Die äußere,
dickere Wange trägt Teile der Geschossdecken mit,
während die innere Wange als integraler Bestandteil
der Treppenskulptur eine rein statische Aufgabe innerhalb
des Systems erfüllt.
Die präzise Balance zwischen Konstruktion, Tragwerk
und Fertigung stellte eine der besonderen Herausforderungen
dar. Doch bei der Montage passten
alle Fugen der gebogenen Platten exakt zusammen
– ein Beweis für die Leistungsfähigkeit digitaler Entwurfs-
und Fertigungsmethoden.
u
www.architektur-online.com
33
K&L Architekten
Zentrales Element des Gebäudes: eine skulpturale, parametrisch
entworfene Treppenkonstruktion aus gebogenem
Brettsperrholz, gefertigt mit robotischer Präzision.
architektur FACHMAGAZIN
34
System, Technik & Effizienz
Hightech vereint mit Handwerk: Offene
Bürostrukturen, natürliche Materialien
und viel Tageslicht prägen die Arbeitswelt
im Stammhaus.
www.architektur-online.com
35
K&L Architekten
Parallel zur Hightech-Produktion setzt das Gebäude
auf Lowtech-Klimaarchitektur. Umlaufende Balkone,
strukturierte Holzfassaden und integrierter Sonnenschutz
verhindern Überhitzung. „In der Nacht kann
die warme Luft über das Atrium entweichen, während
kühle Luft über motorisierte Fenster nachströmt“, erklärt
Deinet. Auf eine Klimaanlage wurde bewusst
verzichtet; stattdessen regulieren Lehmkühldecken
die Temperatur, gespeist durch geothermische Energiepfähle.
„Thermostate und CO 2 -Fühler helfen, das
System abzustimmen, so dass Lüftungs- und Kühlintervalle
optimal koordiniert werden können.“
Auch konstruktiv setzt das Stammhaus auf ressourcenschonende
Innovation. Der Holz-Beton-
Holz-Verbund der Geschossdecken spart Beton und
verzichtet vollständig auf Klebstoffe. Gefräste Aussparungen
in Platte und Balken werden erst nach der
Montage mit Beton ausgegossen – eine Lösung, die
einfach, reversibel und materialsparend ist.
Die vorgehängte Fassade übersetzt die DNA des Unternehmens
in Architektur: vertikale Lisenen und horizontale
Holzstapel, inspiriert von den getrockneten
Brettern im benachbarten Sägewerk – der Produktionsort
selbst wird hier zur ästhetischen Referenz.
Sie verleiht dem Gebäude Tiefe und Schattenspiel,
schützt die Arbeitsplätze und schafft eine Verbindung
zwischen Industrie und Architektur. u
architektur FACHMAGAZIN
36
System, Technik & Effizienz
Das Stammhaus als Manifest für den Holzbau der
Zukunft: systematisch gedacht, digital gefertigt und
sinnlich erlebbar.
Mit dem Stammhaus hat Blumer Lehmann nicht
nur seinen neuen Hauptsitz gebaut, sondern auch
eine neue Produktlinie begründet. Das gekrümmte
Brettsperrholz CLT-curved wird derzeit für den internationalen
Markt weiterentwickelt. „Das Know-how
bei Blumer Lehmann ist groß, Lösungen zu entwickeln“,
so Deinet. „Ich bin sehr gespannt, welche kleineren
und größeren Projekte in Zukunft mit dieser
Technik umgesetzt werden können.“
„Für mich stellt sich die Frage, welche Anforderungen
Free Form-Elemente aus CLT-curved räumlich und
funktional erfüllen sollen“, erklärt Deinet. „Genau das
sind die spannenden Faktoren für die Entwicklung
neuer Formen.“ So steht das Stammhaus sinnbildlich
für eine neue Generation des Holzbaus: systematisch
gedacht, digital gefertigt und sinnlich erlebbar – ein
Bau, der aus dem Stamm des Handwerks wächst und
in die Zukunft verzweigt.
•
Gi te rost
Steigzone E
Steigzone E
Steigzone E
Steigzone E
www.architektur-online.com
37
K&L Architekten
3. OG
3. OG
chnitt
Schnitt
1. OG
Schnitt 1:500 0 2 5 10 25
4. OG Schnitt 1:500
0 2 5 10 25
OG 1 OG 4
2. OG
2. OG
EG
EG
N
3. OG
N
Grundriss 1:500
0Grundriss 2 5 1:500 10 0 2 5 10 25
25
UG
Stammhaus Blumer Lehmann
Gossau, Schweiz
2. OG
Bauherr:
Architektur:
Entwurf Atriumskulptur:
Statik:
Blumer Lehmann AG
K&L Architekten,
ICD Institut für Computerbasiertes Entwerfen
und Baufertigung, (Prof. Achim Menges)
Universität Stuttgart
Atrium: SJB Kempter Fitze AG
Holz-Skelettbau: Blumer Lehmann
N
Grundriss 1:500
Griesser AG:
Fassadenmarkisen Griesser, Soloscreen IV
Terrassenmarkisen Griesser G2000
0 2 5 10 25
Grundstücksfläche: 2.000 m²
Bebaute Fläche: 950 m²
Nutzfläche: 4.950 m²
Planungsbeginn: 11/2021
Baubeginn: 11/2022
Fertigstellung: 01/2025
www.kl-architekten.ch
N
Grundriss 1:500
„Unsere Umwelt verändert sich ständig. Wir wollen
diese
0 2 5Veränderungen 10
mitbestimmen
25
und mitgestalten,
um einen aktiven Beitrag zur gezielten und qualitativen
Entwicklung der Gesellschaft und Umwelt zu
leisten. Wir sind uns der Verantwortung gegenüber
der Umwelt und Gesellschaft bewusst und sind bestrebt,
durch gesamtheitliche Betrachtung optimale
Ergebnisse zu realisieren.“
Johanna Deinet & Thomas Lehmann,
Partner und Geschäftsleitung
architektur FACHMAGAZIN
38
System, Technik & Effizienz
Von der Sanierung
zur Klimaneutralität
Vienna Green Hub – Revitalisierung des Europäischen Patentamts /
Wien / ATP architekten ingenieure
Text: Linda Pezzei Fotos: Helmut Pierer
www.architektur-online.com
39
ATP architekten ingenieure
Sanieren statt abreißen
– und dabei Standards
für nachhaltiges Bauen
etablieren: Mit der Revitalisierung
des Europäischen
Patentamts in Wien
zeigt ATP architekten
ingenieure, wie sich ein
unscheinbarer Zweckbau
der 1970er-Jahre in ein
klimaneutrales Bürogebäude
verwandeln lässt.
Der „Vienna Green Hub“
verbindet technische
Effizienz mit architektonischer
Qualität – und beweist,
dass sich Nachhaltigkeit
und Funktionalität
verbinden lassen.
Die Generalsanierung des Europäischen Patentamts
in Wien ist ein repräsentatives Beispiel dafür, wie
nachhaltige Transformation im Bestand gelingen
kann. Statt das 1972 errichtete Bürogebäude – einen
typischen Zweckbau der Nachkriegsmoderne – abzureißen,
entschieden sich Bauherr und Planer für
die ressourcenschonende Sanierung. Bereits diese
Maßnahme sparte rund 50 Prozent der CO 2 -Emissionen
gegenüber einem Neubau.
Das Ergebnis ist der Vienna Green Hub, ein modernes
Bürogebäude, das Technik, Nachhaltigkeit
und architektonische Haltung vereint. Mit der
BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“ erreichte es die
bislang höchste Bewertung im gesamten DACH-Raum.
Architektur zwischen Bestand und Zukunft
Der Baukörper fügt sich als freistehendes Gebäude
in die Parklandschaft zwischen Schloss Belvedere,
Salesianerinnenkloster und Botanischen Garten.
Die neue Fassade aus vorgefertigten Holzelementen
integriert Photovoltaikmodule in regelmäßigem
Raster und verbindet Energieeffizienz mit architektonischer
Klarheit. Ein großzügiges Atrium mit
durchgängiger Treppe bildet die zentrale Erschließung
des Gebäudes. Dachterrasse, Cafeteria und
multifunktionale Räume erweitern die Arbeitswelten,
während offene, flexible Grundrisse verschiedene
Nutzungen ermöglichen.
u
architektur FACHMAGAZIN
40
System, Technik & Effizienz
Technik als Systemlösung
Gemeinsam mit den Expert:innen von ATP
sustain entwickelte ATP ein integrales
Konzept für die Technische Gebäudeausrüstung.
Herzstück des Systems ist die
Nutzung erneuerbarer Energiequellen: Erdwärmesonden
und Wärmepumpen bilden
die Basis der Versorgung, ergänzt durch
eine umfassende Photovoltaik-Anlage, die
sowohl in die Dachflächen als auch in die
Fassaden integriert ist und in Kombination
mit einem Batteriespeicher eine maximale
Eigenversorgung ermöglicht. Für ein optimiertes
Raumklima sorgen Akustik-Klimapaneele,
die Heizen und Kühlen in einem
System vereinen, während eine intelligente
Einzelraumregelung den Energieeinsatz
bedarfsgerecht steuert. Das Ergebnis ist
ein Gebäude, das bilanziell klimaneutral arbeitet.
Damit leistet der Vienna Green Hub
einen Beitrag zu den Klimazielen des European
Green Deal und unterstützt zugleich
das geplante Vorhaben des Europäischen
Patentamts, bereits bis 2030 vollständig
CO 2 -neutral zu sein.
www.architektur-online.com
41
ATP architekten ingenieure
Integrale Planung und BIM
Wesentlich für den Erfolg war die integrale
Planung mit Building Information Modeling
(BIM). Alle architektonischen, technischen
und organisatorischen Aspekte wurden in
einem zentralen digitalen Modell abgebildet.
Die cloudbasierte Zusammenarbeit mit der
Autodesk Construction Cloud ermöglichte
eine koordinierte Zusammenarbeit aller Beteiligten
– von der Planung über die Ausführung
bis zum Facility Management.
Der so entstandene digitale Zwilling dient
heute als digitales Werkzeug für den Betrieb:
von Wartung und Instandhaltung bis hin zu
künftigen Umbauten. Dafür wurde das Projekt
bereits mehrfach ausgezeichnet – unter
anderem mit dem Österreichischen Betonpreis,
dem Wiener Stadterneuerungspreis
sowie dem „gebaut 2024“-Preis. u
Architektur als Energiesystem – Die
filigrane Holzelementfassade mit integrierten
Photovoltaikmodulen macht
Nachhaltigkeit sichtbar und formt die
neue Identität des Gebäudes.
architektur FACHMAGAZIN
42
System, Technik & Effizienz
Kommunikation im
Zentrum – Das Atrium mit
durchgängiger Treppe
schafft Offenheit und
Begegnung und steht
sinnbildlich für die integrale
Planung von ATP.
Nachgefragt bei Thomas Krohn
Associate und Head Architect bei ATP architekten ingenieure
Herr Krohn, der Erhalt der Tragstruktur hat
50 % CO 2 eingespart. Welche Rolle spielt
die Entscheidung zur Sanierung gegenüber
einem Neubau in Ihrer Strategie für
ressourcenschonendes Planen?
Das zeigt sehr deutlich, welchen Stellenwert
die Sanierung in unserer Strategie hat.
Wir sehen im Bestand eine große Chance:
Sie spart nicht nur graue Energie, sondern
erhält auch kulturelle und städtebauliche
Identität. Entscheidend ist die integrale Planung
– also die enge Zusammenarbeit aller
Disziplinen von Anfang an. Dieser Ansatz
lässt sich auch bei Projekten mit kleineren
Budgets anwenden, wenn man frühzeitig
die Potenziale im Bestand erkennt und gezielt
mit digitalen Werkzeugen wie BIM arbeitet.
Nachhaltigkeit ist keine Frage des
Maßstabs, sondern der Haltung.
Die Kombination aus Erdwärmesonden,
Wärmepumpen, PV-Fassade, Batteriespeicher
und Einzelraumregelung klingt wie ein
energieeffizientes Puzzle. Wie wurde das
System im Planungsprozess abgestimmt?
Das Energiesystem wurde iterativ anhand
von Simulationen und Variantenvergleichen
entwickelt. Wichtige Erkenntnisse betrafen
die optimale Dimensionierung der Erdwärmesonden,
die Speicherstrategie für den
PV-Strom – abgestimmt auf die maximale
Belegung der Gebäudehülle mit Modulen
– sowie die Feinjustierung der Einzelraum-
regelung für Heizen, Kühlen und Lüften. So
konnten Energieverluste minimiert und der
Nutzerkomfort deutlich gesteigert werden.
Die modulare Holzelementfassade gilt als
besonders effizient. Welche Vorteile brachte
die Vorfertigung?
Durch die industrielle Vorfertigung konnten
wir die Montagezeiten deutlich verkürzen
und die Logistik exakt takten – das reduziert
Emissionen, Lärm und Materialverluste.
Gleichzeitig ermöglichte die enge
Verzahnung von Planung, Ausführung und
Fertigung eine hohe Maßgenauigkeit und
Materialeffizienz. Diese Herangehensweise
lässt sich gut auf andere Projekte übertragen
– besonders dort, wo Nachhaltigkeit,
Bauzeit und Qualität gleichermaßen zählen.
www.architektur-online.com
43
ATP architekten ingenieure
Welche konkreten Vorteile brachte die
cloudbasierte BIM-Koordination?
Die Arbeit mit der Autodesk Construction
Cloud hat unsere Prozesse erheblich effizienter
gemacht – insbesondere an komplexen
Schnittstellen wie der TGA und im
Zusammenspiel mit externen Fachplanern.
Automatisierte Kollisionsprüfungen und
der ortsunabhängige Zugriff auf zentrale
Datenmodelle beschleunigten Abstimmungen
und erhöhten die Planungsqualität.
In der Betriebsphase fungiert das Modell
als digitaler Zwilling und unterstützt das
Facility Management – von Wartungszyklen
bis zu Umbauten. Das spart Zeit und Kosten
und schafft die Basis für nachhaltiges Gebäudemanagement.
Wie verbindet ATP Technik, Architektur
und Organisation zu einem zukunftsfähigen
Ganzen?
Integrale Planung bei ATP bedeutet, dass
Architekt:innen und Ingenieur:innen von
Anfang an gemeinsam denken. Dadurch
entstehen Lösungen, die technische Effizienz,
Nutzerkomfort und architektonische
Klarheit verbinden. Gerade für die Arbeitswelt
der Zukunft ist das entscheidend: Wir
schaffen Räume, die nicht nur funktionieren,
sondern inspirieren. Durch diese Haltung
können wir ökologische Verantwortung,
Flexibilität und Gestaltung auf hohem
Niveau vereinen.
•
Europäisches Patentamt
Wien, Österreich
Bauherr:
Planung:
Statik:
Grundstücksfläche: 4.300 m²
BGF: 13.323 m²
Planungsbeginn: 2021
Baubeginn: 2022
Fertigstellung: 2024
www.atp.ag
Europäische Patentorganisation
ATP architekten ingenieure
ATP architekten ingenieure
„Mit der Revitalisierung des Europäischen
Patentamts setzt ATP ein starkes
Zeichen für zukunftsfähiges Bauen:
Durch integrale Planung, digitale Werkzeuge
und effiziente Systemlösungen
ist ein hochmodernes Gebäude entstanden,
das Technik, Nachhaltigkeit und
architektonische Qualität auf höchstem
Niveau vereint.“
Thomas Krohn,
Head Architect bei ATP Wien
Assoziierter bei ATP architekten ingenieure
architektur FACHMAGAZIN
44
System, Technik & Effizienz
Großzügigkeit im
Mikro-Format
Cube68 / Dinkelsbühl / Liebel/Architekten
Text: Edina Obermoser Fotos: Brigida González
Qualität statt Quantität lautete das Motto beim Projekt
Cube68 von Liebel/Architekten. Das Planungsbüro
aus Aalen entwarf mit dem Apartmenthaus in Dinkelsbühl
einen Holzmodulbau, der 57 Mikro-Einheiten auf
kleinster Fläche unterbringt und dabei erstaunlich viel
Gestaltungsspielraum bietet. Entstanden ist nicht nur
ein Pilotprojekt, das eine Lösung für die Wohnraumproblematik
bietet, sondern in erster Linie ein Neubau, der
trotz Fokus auf Nachhaltigkeit und Effizienz nicht auf
den Nutzerkomfort vergisst.
Im mittelfränkischen Dinkelsbühl setzten es sich
Bauherrschaft und Architekten zum Ziel, neuen
Wohnraum zu schaffen und dabei auf dem Grundstück
zwischen Natur und der historischen Altstadt
im Neubaugebiet Gaisfeld möglichst wenig Fläche zu
verbrauchen. Um das zu erreichen, wählte man einen
modularen Ansatz, der viele kompakte Apartments
kombiniert. Neben effizienten Grundrissen stand
dabei aber auch im Fokus, nicht bei der Qualität der
Räume einzusparen. Das Ergebnis ist ein viergeschossiges
Gebäude in Holzbauweise mit 68 Holzmodulen,
die dem Projekt seinen Namen verleihen.
www.architektur-online.com
45
Liebel/Architekten
100 % vorgefertigte Mikro-Module
Beim Thema Modularität entschieden sich die Planer
für einen besonderen Ansatz: Die 68 Holzmodule
wurden komplett vorgefertigt und auf der Baustelle
lediglich aufeinandergestapelt. Vor Ort fügten sich
die einzelnen, schlüsselfertig ausgeführten Bauteile
dann innerhalb weniger Tage zu einem Apartmenthaus
mit vier Etagen zusammen. Jedes der Module
ist 43 m 2 groß und verfügt dank Vorfabrikation unter
gleichbleibenden, wetterunabhängigen Bedingungen
über eine hohe Ausbauqualität. Da sämtliche
Einheiten über eigene Wände, Böden und Decken
verfügen, erwies sich das baukastenartige System
nicht nur in Hinblick auf die Bauzeit, sondern auch
auf den Schallschutz als ökonomische Wahl. Da die
Wandkonstruktionen die Brandausweitung minimieren,
war es außerdem möglich, die Wand- und Deckenoberflächen
unverkleidet zu belassen und das
Naturmaterial in den Innenräumen als gestalterisches
Element zu nutzen.
u
architektur FACHMAGAZIN
46
System, Technik & Effizienz
Wohnkomfort trifft Flächeneffizienz
Trotz der Standardmaße ermöglichen die Module
eine flexible Grundrissgestaltung. Die Zellen lassen
sich zu Einheiten mit 1,5 bzw. 2 Modulen zusammenlegen.
Daraus ergeben sich 4 Wohnungstypen mit
Größen zwischen 43 und 113 m 2 . Die auf diese Weise
entstandenen 57 Apartments erstrecken sich jeweils
über die gesamte Gebäudetiefe und öffnen sich auf
der einen Seite zu einer privaten, vorgelagerten Loggia,
auf der anderen zum gemeinsamen Hof hin, wo
sich die laubengangartige Erschließung befindet.
Damit verfügt jede Einheit über Außenbereiche und
wird dank der zweiseitigen Orientierung und bodentiefer
Fensterflächen gut belüftet und belichtet.
Maßgefertigte Einbaumöbel nutzen den begrenzten
Platz bestmöglich. Sie bieten Stauraum und lassen
die flächeneffizienten Wohnungen erstaunlich großzügig
wirken. Während die natürlichen Holzoberflächen
für den nötigen Komfort und ein angenehmes
Raumklima sorgen, wurden auch Ausstattung, Farben
und Licht von einem interdisziplinären Planerteam
perfekt aufeinander abgestimmt.
Die Loggien erweitern den privaten Wohnraum
nach draußen. Wie auch die Apartments
sind sie Holz-Sichtqualität und ohne
Verkleidung ausgeführt – eine Besonderheit
im deutschen Geschosswohnungsbau bei
Gebäudeklasse 4.
www.architektur-online.com
47
Liebel/Architekten
Gemeinschaftsräume für soziale Interaktion
Die soziale Komponente spielte bei dem Entwurf von
Cube68 ebenfalls eine zentrale Rolle: Um informelle
Gemeinschaftsorte zu schaffen, die zufällige Treffen
ermöglichen, fiel die Wahl bei der Erschließung auf
Laubengänge. Mit Platz für Sitzgelegenheiten im
Freien fördern die Zirkulationswege den Austausch
der Bewohner untereinander. Die einzelnen Gebäude
sind zusätzlich rund um einen Hof gruppiert, der das
kommunikative Herzstück der Wohnanlage bildet.
Neben einer Boule-Anlage und Aufenthaltsbereichen
komplettieren eine Paketstation und – in einem
Modul untergebracht – eine Sauna das kollektiv
nutzbare Angebot.
u
architektur FACHMAGAZIN
48
System, Technik & Effizienz
Nachhaltigkeit in Bau & Betrieb
Aufgrund der Masse der Massivholzbauteile konnte
in den Wohngeschossen, abseits der Erschließungsflächen,
auf Beton verzichtet werden. Die Holzmodule
speichern Liebel/Architekten zufolge rund 1.200 t
CO 2 . Weitere Entwurfsentscheidungen machen
Cube68 besonders nachhaltig: Sämtliche Module
wurden mit Schraubverbindungen umgesetzt und
lassen sich so bei Bedarf vollständig demontieren
und rückbauen. Zusätzlich setzte man mit Holzfaserdämmung,
Trockenestrich und regionalem Holz
gänzlich auf ökologische Materialien. In der unterirdischen
Tiefgarage konnte man den Stahlbetonverbrauch
– dank einer Ausnahmegenehmigung der
Stadt mit einem Stellplatz pro Einheit – minimieren
und auf dem Grundstück zusätzliche Retentionsund
Versickerungsflächen realisieren. Für Grün und
Bepflanzung steht im Hof, in den Laubengängen
sowie auf den Terrassen und dem extensiv begrünten
Dach ebenfalls genügend Raum zur Verfügung
– die Projektfotos spiegelten das noch nicht wieder,
da sie Ende November und vor Fertigstellung der
Außenanlagen gemacht wurden. Ergänzend zur effizienten,
seriellen Bauweise ist das Haus auch im
Betrieb nachhaltig konzipiert. Dazu beitragen sollen
eine Fernwärmeheizung, ein Wohnraumbelüftungssystem
mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage
mit Batteriespeicher, die das gesamte
Apartmenthaus mit Strom versorgt. Zusätzlich dienen
die weit auskragenden Loggien und Erschließungsbereiche
als passiver Sonnenschutz und runden
die modulare Anlage stimmig ab.
Cube68 soll außerdem kein Einzelprojekt bleiben,
sondern erst der Anfang sein. Der Modularbau kann
an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden
und lässt sich damit einfach reproduzieren. Je
nach Rahmenbedingungen kann man die einzelnen
Zellen beliebig staffeln und damit Folgeprojekte an
weiteren Standorten umsetzen – was laut dem Architekturbüro
auch bereits in Planung ist.
•
Ob Offenheit zur Nachbarschaft hin oder
privater Rückzug – dank der dualen
Ausrichtung und mithilfe von Vorhängen
können die Bewohner die Wohnbereiche
individuell steuern und an ihre Bedürfnisse
anpassen.
www.architektur-online.com
49
Liebel/Architekten
1
A
A
SAUNA
BOULE PLATZ
1
GRUNDRISS E0 M 1:200
Cube68
Dinkelsbühl, Deutschland
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung:
Modulbau:
Geologie:
Bauphysik:
Elektroplanung:
HLS-Planung:
Brandschutz:
Innenarchitektur:
Lichtplanung:
WISA Baubetreuungs- und Bauträgergesellschaft mbH
Liebel/Architekten
Merz Kley Partner
Kaufmann Zimmerei und Tischlerei
Geotechnik
GN Bauphysik
Planungsbüro für Elektrotechnische
Gebäudeausrüstung, Siegfried Wilde
IB Bautz
Joachim Gaißer, Büro für Brandschutzplanung
Liebel/Architekten &
lark - laboratorium für lokale architektur und raumkonzepte
Lichtstudio Eisenkeil
Grundstücksfläche: 2.970 m 2
Nutzfläche:
4.340 m 2 inkl. Tiefgarage
Planungsbeginn: 02/2021
Baubeginn: 09/2023
Fertigstellung: 11/2024
www.liebelarchitekten.de
„Ziel der Konzeption von Cube68 war
die Schaffung von kleinen Wohneinheiten
in hoher Gestaltungsqualität zur generellen
Reduzierung von Wohnfläche.“
Bernd Liebel
architektur FACHMAGAZIN
50
System, Technik & Effizienz
Gemeinschaft
als Bauprinzip
Collegium Academicum / Heidelberg, Deutschland / DGJ Architektur GmbH
Text: Andreas Laser Fotos: Thilo Ross, DGJ Architektur GmbH
www.architektur-online.com
51
DGJ Architektur
Mit dem Collegium Academicum (CA) in Heidelberg
ist ein außergewöhnliches Projekt entstanden, das
aus der Initiative einer Gruppe junger Aktivist:innen
hervorging. Sie entwickelten die Idee eines dauerhaft
bezahlbaren, gemeinschaftlich organisierten Studierendenwohnheims,
das zugleich ein Ort für Bildung, Kultur
und selbstbestimmtes Zusammenleben sein sollte. Aus
dieser Vorstellung wuchs eine Vision, die weit über die
Schaffung von Wohnraum hinausging und ein neues
Verständnis von sozialer Nachhaltigkeit, Suffizienz
und kollektiver Verantwortung formulierte. Für die
architektonische und bauliche Umsetzung dieses
anspruchsvollen Konzepts holte die Projektgruppe die
DGJ Architektur GmbH ins Team – ein Büro, das seit
vielen Jahren intensiv an nachhaltigen Bauweisen und
partizipativen Planungsprozessen arbeitet und diese
Expertise entscheidend in das Projekt einbrachte.
Von Beginn an prägte das Zusammenspiel zwischen
der aktivistischen Projektgruppe und DGJ Architektur
den gesamten Entwicklungsprozess. Während die
jungen Initiator:innen ihre Vorstellungen einer selbstverwalteten,
flexiblen und sozial verankerten Wohnform
einbrachten, entwickelte DGJ Architektur die
planerische Struktur, die konstruktive Logik und die
räumlichen Möglichkeiten, die diese Ideen dauerhaft
tragfähig machen. Aus diesem engen, dialogischen
Miteinander entstand ein Gebäude, das die Haltung
der Projektgruppe räumlich fassbar macht und
gleichzeitig die architektonische Handschrift eines
Büros trägt, das suffizientes und nachhaltiges Bauen
auf hohem gestalterischen Niveau beherrscht. u
architektur FACHMAGAZIN
52
System, Technik & Effizienz
Lernen im Alltag der Gemeinschaft
Das Collegium Academicum versteht sich nicht nur
als Wohnprojekt, sondern als Bildungsinstitution. Die
Selbstverwaltung ist integraler Bestandteil des pädagogischen
Konzepts: Bewohnerinnen und Bewohner
übernehmen Verantwortung für Mietverwaltung,
Instandhaltung oder Finanzierung und erlernen auf
diese Weise im Sinne des Projektlernens neue Fähigkeiten.
Entscheidungen werden basisdemokratisch
im Plenum getroffen, wodurch kollektive Prozesse
nicht nur gelebt, sondern strukturell verankert sind.
Ergänzt wird das Bildungsverständnis durch ein vielseitiges
kulturelles und akademisches Programm aus
Workshops, Seminaren und Lesungen. Das einjährige
Orientierungsjahr falt*r bietet jungen Menschen
zudem die Möglichkeit, sich zwischen Schule und
Ausbildung in einem interdisziplinären Rahmen persönlich
und fachlich weiterzuentwickeln.
Gemeinsam entwickelter Raum
Bereits in der Planungsphase setzte DGJ Architektur
auf ein partizipatives Vorgehen, das über klassische
Beteiligungsprozesse hinausging. In gemeinsamen
Werkstätten entwickelten künftige Bewohnerinnen
und Bewohner zusammen mit dem Planungsteam
die Grundstruktur des Gebäudes. Aus dieser intensiven
Zusammenarbeit entstand eine Wohnform,
die sich durch hohe Anpassungsfähigkeit auszeichnet.
Jede Wohnung gliedert sich um einen zentralen
Gemeinschaftsraum, von dem aus die Individualbereiche
erschlossen werden. Diese bestehen aus
einer geschlossenen Kernzone und einer offenen,
variablen Zone, die je nach Bedarf geöffnet, möbliert
oder räumlich abgetrennt werden kann. In der hauseigenen
Werkstatt fertigen die Bewohnerinnen und
Bewohner Trennwände und Möbel selbst – ein Ausdruck
gelebter Selbstbestimmung und unmittelbarer
Materialerfahrung. Das Gebäude wird so zu einem
Labor für Raumaneignung, in dem alltägliches Wohnen
zum Prozess kollektiver Gestaltung wird.
www.architektur-online.com
53
DGJ Architektur
Präzision & ökologische Zielsetzung
Auch in bautechnischer Hinsicht verkörpert das Projekt
den Anspruch einer zukunftsweisenden Baukultur.
DGJ Architektur realisierte den Neubau in einer
nachhaltigen Element-Holzbauweise, die vollständig
auf metallische Verbindungsmittel verzichtet. Stattdessen
kommen traditionelle Zimmermannsverbindungen
zum Einsatz, die eine präzise, reversible Konstruktion
ermöglichen. Das Tragwerk aus Holzskelett
und aussteifenden Wandscheiben um die Sanitärkerne
erlaubt kurze Montagezeiten und einen späteren
Rückbau mit minimalem Materialverlust. Holz als
nachwachsender Rohstoff und CO 2 -Speicher bildet
das konstruktive Rückgrat des Gebäudes und prägt
dessen warme, sinnlich erfahrbare Atmosphäre. Die
ökologische Konsequenz zeigt sich in jedem Detail –
vom Einsatz von Recyclingbeton in der Bodenplatte
über eine Fassade aus zu neunzig Prozent recyceltem
Aluminium bis hin zu einer leistungsstarken Photovoltaikanlage,
die bilanziell den gesamten Strombedarf
deckt. Durch die Passivhausbauweise ist
eine Beheizung mittels Fernwärme nur an wenigen
Tagen im Jahr erforderlich. So entsteht ein nahezu
klimaneutrales Gebäude, das auch im Betrieb durch
minimalen Energiebedarf überzeugt und mit dem
Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh)
zertifiziert wurde.
u
architektur FACHMAGAZIN
54
System, Technik & Effizienz
Ein urbaner Katalysator
Der Neubau des Collegium Academicum markiert
zugleich einen städtebaulichen Impuls für den Heidelberger
Stadtteil Rohrbach. Auf der Konversionsfläche
des ehemaligen Militärhospitals bildet das
Ensemble aus Alt- und Neubau den Auftakt zur Revitalisierung
eines lange vernachlässigten Quartiers.
DGJ Architektur ordnete die Baukörper so an, dass
sie einen offenen Innenhof umschließen, der zum gemeinschaftlichen
Herz des Projekts wird. Hier finden
Feste ebenso wie zufällige Begegnungen im Alltag
statt – Momente, in denen Gemeinschaft räumlich
erfahrbar wird. Ein Laubengang, der alle Wohnungen
erschließt, öffnet sich zu diesem Hof hin und fördert
spontane Begegnungen und soziale Interaktion. Die
beweglichen Schiebeläden der Fassade, entwickelt
im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt, verleihen dem Bau ein wandelbares
Erscheinungsbild und spiegeln das lebendige,
vielfältige Leben seiner Bewohnerinnen und
Bewohner wider.
Holz, Licht und Gemeinschaft
Die architektonische Sprache des Projekts ist geprägt
von Offenheit und Klarheit. Sichtbares Holz, präzise
Strukturen und der Dialog zwischen Innen und Außen
bestimmen das Erscheinungsbild. Die eingeschossige
Aula im Erdgeschoss verbindet die beiden Gebäudeteile
und schafft Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten,
während eine Dachterrasse als grüner Treffpunkt
den Blick über das Quartier öffnet. Insgesamt
bietet der Neubau 176 Wohnplätze, die barrierefrei zugänglich
und langfristig auch für andere Wohnformen
– etwa seniorengerechtes oder betreutes Wohnen
– nutzbar sind. Damit beweist das Projekt, dass soziale
und architektonische Nachhaltigkeit sich nicht
ausschließen, sondern einander bedingen. •
www.architektur-online.com
55
DGJ Architektur
OG
Planstudien der flexiblen Zimmertypen
Planmaterial: DGJ Architektur GmbH
EG
Collegium Academicum (CA)
Heidelberg, Deutschland
Bauherr: Collegium Academicum e. V.
Planung:
DGJ Architektur
Projektleitung:
Frederik Ehling, M.A. Arch.
Statik Holz, Schallschutz: Pirmin Jung Deutschland GmbH
Statik Beton:
Jäger Ingenieure
Landschaftsarchitektur: GDLA - Gornik Denkel
landschaftsarchitektur partg mbb
Nutzfläche: ca. 7 200 m²
Planungsbeginn: 2016
Fertigstellung: 2023
www.dgj.eu
„Mit dem Collegium Academicum
wollten wir zeigen, dass nachhaltige
Architektur, soziale Teilhabe
und hohe Lebensqualität kein Widerspruch sind. Unser Entwurf
schafft flexible, gemeinschaftlich gestaltbare Räume, die sich an
die Bedürfnisse der Bewohner:innen anpassen – heute und in Zukunft.
Das Projekt steht für eine neue Baukultur: ökologisch, suffizient,
demokratisch und offen für alle, die gemeinschaftlich und
verantwortungsvoll leben wollen.“
Univ.-Prof. Dr. Hans Drexler, Geschäftsführender Partner
architektur FACHMAGAZIN
56
System, Technik & Effizienz
Zwischen Stadt
und Industrie
Campus SHED / Berlin-Neukölln /
Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten & REALACE GmbH
Text: Roland Kanfer Fotos: Stefan Müller
www.architektur-online.com
57
Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE
Am Bahndamm des Berliner S-Bahn-Rings, dort, wo die dichte Blockrandbebauung
Neuköllns abrupt endet, öffnet sich ein Raum, der lange brachlag. Zwischen
Bahndamm und dem Neuköllner Schifffahrtskanal entstand einst ein industrielles
Areal aus Fabriken, Lagerhallen und Umschlagplätzen. Jahrzehntelang war dieser
Abschnitt ein Zwischenraum – zu groß für Wohnbebauung, zu unzugänglich für
öffentlichen Raum. Heute markiert hier der Campus SHED den Übergang von der
gewachsenen Stadt zur offenen Wasserlandschaft.
Vom Werkhof zum Wissenscampus
Auf dem langgestreckten Grundstück reihen sich
Neubauten und umgenutzte Industriebauten entlang
des Kanals zu einem linearen Ensemble. Unter dem
Titel „SHED“ entstand auf rund 31.000 m 2 Nutzfläche
ein urbaner Campus mit Hochschulnutzung, Startups,
Leichtindustrie, Gastronomie und öffentlichen
Freiräumen. Das Konzept folgt der Idee einer neutralen,
offenen Architektur: kein klassisches Bürohaus,
keine Werkhalle, sondern eine räumliche Infrastruktur,
die unterschiedlichste Nutzungen aufnehmen
kann. So wird aus der Industriebrache ein Ort der
„New Work“-Kultur.
Das Herzstück des Ensembles
Den Mittelpunkt des Areals bildet das Warehouse,
ein sechsgeschossiger Baukörper mit markantem
Sheddach, das der gesamten Anlage den Namen
gab. Der gezackte Dachverlauf – ein Motiv aus der
Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts – wird hier
zur identitätsstiftenden Geste. Wie in alten Werkhallen
fangen die nach Norden gerichteten Dachflächen
das Tageslicht blendfrei ein und bringen es
tief in die Gebäudeflucht. Unter dem Dach entfalten
sich großzügige, lichtdurchflutete Geschosse, die
nicht für eine bestimmte Nutzung entworfen, sondern
als Stapel leerer, flexibel bespielbarer Räume
angelegt sind.
Vier identische Kerne erschließen den Bau, drei Höfe
gliedern das Volumen zum Wasser hin und führen
zusätzlich Licht und Luft in die Tiefe des Grundrisses.
Diese räumliche Struktur erlaubt eine hohe Flexibilität.
So nutzt die SRH-Hochschule 13.000 m 2 im
Warehouse für Tonstudios, Ateliers, Ingenieurlabore
sowie eine Bühne.
u
architektur FACHMAGAZIN
58
System, Technik & Effizienz
Industrielles Vokabular in neuer Grammatik
Architektonisch übersetzt das Warehouse industrielle
Robustheit in zeitgenössische Eleganz. Die vertikal
gegliederte Metall-Glas-Fassade verleiht dem großen
Baukörper eine feine Maßstäblichkeit. Von unten
nach oben verdichten sich die Lisenen – die Erdgeschosszone
bleibt offen und durchlässig, während die
oberen Geschosse eine fast textile Geschlossenheit
zeigen. So entsteht ein Wechselspiel aus Transparenz
und Reflexion, aus Leichtigkeit und Präzision. Die
gleichmäßige Rasterung nimmt jede spätere Raumteilung
auf, ohne das klare Erscheinungsbild zu stören.
Die metallische Haut integriert absturzsichernde
Fensterbänder, die eine natürliche Belüftung ermöglichen
– ein subtiler Dialog zwischen technischer Rationalität
und gestalterischer Disziplin.
Konstruktion mit System
Die Tragstruktur folgt einem rationalen Raster von 11
Metern in Längs- und 7,20 Metern in Querrichtung.
Stahlverbundträger und vorgespannte Hohldielen
bilden weit gespannte Decken. Diese Hybridbauweise
erlaubt große Spannweiten bei geringem Materialeinsatz
und damit eine Balance aus Effizienz und
Nachhaltigkeit. Die Sheddächer greifen das Prinzip
der Regelgeschosse auf: Schräggelegte Hohldielen,
auf Stahlträger aufgelegt, tragen eine metallische
Dachhaut mit Photovoltaik-Paneelen auf den südorientierten
Flächen. Das Dach wird so zur Energiequelle
und vereint Funktion und Form.
u
www.architektur-online.com
59
Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE
architektur FACHMAGAZIN
60
System, Technik & Effizienz
SHED folgt der Idee einer
neutralen Architektur:
kein klassisches Bürohaus,
keine Werkhalle,
sondern Räume, die unterschiedlichste
Nutzungen
aufnehmen können.
Ein Campus aus vier Solitären
Neben dem Warehouse gehören die Gebäude Workshop,
Loft und die umgebaute Community Hall zum
Campus. Jedes Bauwerk interpretiert das Thema „industrieller
Archetypus“ auf eigene Weise: als Werkstatt,
als Loft, als Halle. Zusammen bilden sie ein fein
austariertes Ensemble aus unterschiedlichen Volumina,
Materialien und Raumhöhen, verbunden durch
öffentliche Wege, Höfe und Terrassen bis ans Wasser.
Die Gebäudefassaden folgen dem Leitmotiv einer
reduzierten Materialität: Metall, Glas, Beton. Ihre Farbigkeit
bleibt neutral, die Oberflächen changieren je
nach Licht zwischen matt und reflektierend. Im Inneren
setzen rohe Sichtbetonflächen, helle Estriche
und offene Installationen den Werkcharakter fort.
Diese bewusste Einfachheit verleiht den Räumen
Authentizität, Nutzer:innen können hier ihre eigenen
Arbeitswelten gestalten.
Öffnung zum Wasser
Ein besonderes Element bildet die westlich orientierte
Loggia im fünften Obergeschoss, , die als ein urbaner
Balkon zur Innenstadt fungiert. Von hier aus bietet
sich ein weiter Blick über die angrenzenden Stadtviertel.
Somit ist die Loggia ein Signal der Öffnung: der
Campus als Teil eines größeren Stadtraums. Geplant
ist die öffentliche Zugänglichkeit des Ufers, mit Gastronomie
und offenen Flächen am Wasser.
Nachhaltigkeit als Haltung
Alle Gebäude des Campus sind nach LEED-Gold zertifiziert,
die Neubauten erfüllen zusätzlich ESG-Kriterien.
Neben energieeffizienter Gebäudetechnik
und Bauteilaktivierung setzt das Projekt auf Tageslichtnutzung,
natürliche Belüftung, außenliegende
Sonnenschutzelemente, mechanische Lüftung mit
Wärmerückgewinnung und massive Decken zur thermischen
Trägheit.
•
www.architektur-online.com
61
Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE
000
Thomas Müller Ivan Reimann Ges. von Architekten
SHED Büro- und Hochschulcampus
Berlin - Neukölln
Bauherr:
Planung:
Klingsöhr Unternehmensgruppe, Berlin
Arbeitsgemeinschaft Sonneninsel Müller Reimann | REALACE
Landschaftsplanung:
Statik:
Technische Gebäudeausrüstung:
Brandschutz:
Bauphysik:
POLA Landschaftsarchitekten GmbH
Engelsmann Peters
Plan B-Beratende Ingenieure
IB Knoth
Ingenieurbüro Axel C. Rahn
Grundstücksfläche: 15.500 m 2
Bebaute Fläche: 6.900 m 2
Nutzfläche: 30.250 m 2
Bruttogeschoßfläche: 41.500 m 2
Planungsbeginn:
07/2018 (Lp2-4) | 08/2020 (Lp5-8)
Baubeginn: 03/2021
Fertigstellung: 08/2024
www.mueller-reimann.de
REALACE
Name und Lage des Projektes „SHED“ (Schuppen,
Unterstand, Hütte) sind das Ergebnis einer
programmatischen Entscheidung. SHED ist
weniger ein Bürohaus als ein Stück städtischer
Infrastruktur und nimmt bewusst Bezug auf die
industrielle Vergangenheit des Standortes.
architektur FACHMAGAZIN
62
System, Technik & Effizienz
Moderner
Low-Tech-Ansatz
Siège intercommunal / Neuves-Maisons, Grand Est / Studiolada
Text: Edina Obermoser Fotos: Ludmilla Cerveny
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63
Studiolada
Ganz ohne Klimaanlage, dafür mit 18.000 Lehmziegeln
realisierte das Architektenkollektiv rund um Aurélie
Husson und Benoît Sindt das Projekt Siège intercommunal
in Neuves-Maisons. Der moderne Bau zeigt aber
nicht nur, wie Low-Tech-Ansätze im öffentlichen Sektor
aussehen können, sondern kombiniert als neuer Verwaltungssitz
außerdem eine nachhaltige Holzkonstruktion
mit einem flexibel anpassbaren Gebäudekonzept.
Der Neubau bildet in Neuves-Maisons im Südwesten
von Nancy den Sitz des Gemeindeverbandes
Moselle et Madon, der insgesamt 19 Gemeinden
umfasst. Am Rande der 7.000-Einwohner-Ortschaft
gelegen, gibt er dort den Startschuss für ein urbanes
Entwicklungsprojekt. Dieses sieht vor, das Areal
am Kanal vom Gewerbe- und Einkaufsstandort in
ein zukunftsfähiges Stadtquartier mit Wohn- und
Bildungsbauten sowie Sportanlagen zu verwandeln.
Neben dem neuen Gebäude mit Platz für die
Stadtverwaltung sollen hier in den umliegenden Bestandsstrukturen
unter anderem ein neuer Busterminal
und ein Fuhrpark-Ersatzteillager entstehen.
Für die Errichtung des Siége intercommunal wollte
man dabei zunächst das Fundament einer einstigen
Industriehalle wiederverwenden. Aufgrund von mangelnder
Tragfähigkeit auf dem sumpfigen Gelände
mussten die Architekten diesen Plan allerdings verwerfen
und stattdessen auf eine Pfahlgründung setzen.
Im Zuge dessen gelang es, die versiegelten Flächen
aufzubrechen und die Böden durchlässiger zu
machen. Üppige Grünstreifen rund um das Gebäude,
ein Regengarten und unterirdische Tanks sammeln
künftig Regen- und Oberflächenwasser. Dieses wird
durch Phytosanierung – Reinigung mittels Pflanzen
– aufbereitet und deckt anschließend mit der Versorgung
einer Buswaschanlage und der Sanitäranlagen
einen Teil des Brauchwasserbedarfs. u
architektur FACHMAGAZIN
64
System, Technik & Effizienz
Aufs Wesentliche reduziert
Bei der Gestaltung fiel die Wahl auf ein reduziertes,
funktionales Design mit einem möglichst geringen
CO 2 -Fußabdruck. Das Ergebnis ist ein kompakter,
rechteckiger Holzbau. Dieser erstreckt sich über
zwei Geschosse und orientiert sich in seinen Dimensionen
an dem ehemaligen Betonfertigteilwerk, das
zuvor an seiner Stelle stand. Formal setzt sich der
Grundriss aus drei Schiffen zusammen und legt mit
seiner Modularität den Grundstein für eine spätere
Umnutzung des Baus: Die Büros sind jeweils entlang
der Längsfassaden im Osten und Westen angeordnet
und flankieren den offenen Bereich, der sich in
der Mitte des Gebäudes bis unters Dach erstreckt
und als gemeinschaftlicher Treffpunkt der Verwaltungsmitarbeiter
dient. Erschlossen werden die Arbeitsbereiche
ebenfalls über den Luftraum. Zwei zentral
positionierte Holztreppen führen hier ins obere
Stockwerk und über Laubengänge weiter in die
einzelnen Büroräume. Außenliegende, witterungsgeschützte
Loggien, Gemeinschaftsflächen und ein
Versammlungs- sowie ein Festsaal komplettieren das
Raumprogramm. Im Norden dockt das Haus außerdem
über ein Glasvolumen direkt an ein bestehendes
Verwaltungsgebäude an.
Im Inneren prägen zum einen die markante,
reversible Fachwerkkonstruktion, zum anderen
die gestampften Lehmziegelwände die natürliche
Optik des Hauses.
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65
Studiolada
Funktionalität trifft Materialehrlichkeit
Von außen besonders markant zeigt sich das
Walmdach des neuen Verwaltungssitzes. Trotz der
flachen Neigung fällt es durch seine rotbraun patinierte
Zinkhaut auf und legt sich mit seinem großzügigen
Überstand schützend über die Fassaden, um
unter anderem die Überhitzung der Innenräume im
oberen Stockwerk auf passive Weise zu verhindern.
An drei Stellen ragen pyramidenartige Dachlaternen
in den Himmel. Die sogenannten Flamandes sind mit
Tonziegeln gedeckt und haben mehrere Funktionen:
Sie verleihen dem Haus sein charakteristisches Aussehen,
belichten den hohen Luftraum außerdem von
oben und tragen zur Belüftung bzw. Regulierung der
Temperatur des Atriums bei.
Die Holzkonstruktion prägt den Neubau nicht nur an
der Außenseite, sondern auch im Gebäude. Während
die Ansichten rundum in vertikalen Douglasienlamellen
ausgeführt und mit Holzwolle isoliert sind, bleibt
das Tragwerk aus hellem Fichtenholz im Inneren sichtbar.
Von den Dachsparren abgehängte Pfosten tragen
das Obergeschoss. In vertikaler Richtung sorgen Kehlbalken,
diagonale, weiße Stahlstreben und Brettsperrholzplatten
für die Aussteifung der Rahmenstruktur.
Hinter den nichttragenden Fachwerkelementen zwischen
Büros und Atrium unterteilen Trennwände aus
handgefertigten Lehmziegeln die einzelnen Räume.
Diese erhöhen die thermische Trägheit des Baus, welcher
ohne Klimaanlage konzipiert wurde. Anstelle von
aufwendiger Technik unterstützen lediglich einige
Ventilatoren die natürliche Durchlüftung. u
architektur FACHMAGAZIN
66
System, Technik & Effizienz
Im Obergeschoss gibt es
entlang der Westseite
mehrere Loggien. Als
geschützte Außenbereiche
laden sie die Mitarbeitenden
zu Pausen im
Freien ein.
Naturmaterial mit regionalem Bezug
Mit dem Naturbaustoff Lehm setzte Studiolada zudem
auf eine lokale Ressource. Dem Auftraggeber gefiel
diese Wahl besonders wegen der natürlichen Ästhetik,
aber auch aufgrund seiner Low-Tech-Qualitäten.
Das Material wirkt nicht nur schalldämmend, sondern
speichert Wärme und reguliert die Luftfeuchtigkeit.
Die verwendeten Rohstoffe stammen aus umliegenden
Orten in einem Umkreis von maximal 20 km Entfernung
und schaffen so einen regionalen Bezug. Im
Vorfeld wurden dafür Böden getestet, um die optimale
Zusammensetzung zu ermitteln. Für die einfache
Herstellung der Ziegel versetzte man den Lehm
schließlich mit Stroh und formte bzw. trocknete die
Mischung. Diesen Prozess kombinierte man mit einem
Schulungsprogramm, das zugleich einen positiven
Effekt auf die lokale Wirtschaft hatte. Gemeinsam
mit amàco – einem französischen Forschungs- und
Schulungsexperten für natürliche Baumaterialien
bzw. -techniken – wurden Workshops organisiert, in
denen sich 300 Freiwillige zunächst Fachkenntnisse
im Bereich Lehmbau aneignen konnten und im Anschluss
die rund 18.000 Ziegel produzierten. Der Erfolg
des Programms zeigte sich noch im Bauprozess
selbst: Nach einigen Monaten Trocknungszeit übernahm
einer der ausgebildeten, lokalen Handwerksbetriebe
den Einbau der Lehmziegel.
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67
Studiolada
EG
Nachhaltiges Gesamtkonzept
Neben unverkleideten Holz- und Lehmoberflächen
versuchten die französischen Planer auch sonst, den
Innenausbau möglichst materialecht und einfach zu
halten. Auf Gipskarton verzichtete man weitgehend,
versah die Außenwände mit Sperrholzplatten und verkleidete
die Decken mit Holzwolle-Leichtbauplatten,
die einen positiven Effekt auf die Raumakustik haben.
Sämtliche Entwurfsentscheidungen wurden laut Aurélie
Husson und Benoît Sindt so getroffen, dass sie
das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus so
nachhaltig wie möglich gestalten. Sowohl Tragwerk
als auch Grundrisse sind flexibel anpassbar. Sollte
das Siège intercommunal einmal nicht mehr gebraucht
werden, ließe es sich je nach Bedarf zu Wohnungen
oder einer Bildungseinrichtung umbauen
und so noch länger nutzen. Damit beginnt Studiolada
im Südwesten von Nancy einen Prozess der Erneuerung
mit Vorbildcharakter für viele weitere, zukunftsfähige
Projekte.
•
Siège intercommunal
Neuves-Maisons, Grand Est
Bauherr:
Planung:
Communauté de Communes Moselle et Madon
Studiolada – Aurélie Husson & Benoît Sindt
Tragwerksplanung (Holz):
Ingenieurbüro (Lehm):
TGA-Planung:
Energieplanung:
Brandschutz:
Projektsteuerung:
Fläche: 2.000 m 2
Fertigstellung: 2024
Baukosten: 4 Mio. €
www.studiolada.fr
Barthes bois
amàco
Oak Ingénierie
Fluid‘CONCEPT
AJA
Franck Barlé OPC
„Studiolada ist ein französisches Architektenkollektiv mit
sechs Partnern. Wir definieren unsere Praxis rund um Themen
wie das Gemeinwohl, den schonenden Umgang mit
Ressourcen, das gemeinschaftliche Engagement, kurze
Lieferketten und Kreislaufwirtschaft. Diese Werte bilden die
Grundlage für unser Schaffen, das stets Rücksicht auf den
jeweiligen Ort, seine Ressourcen und seine Dynamik nimmt.“
Aurélie Husson & Benoît Sindt
architektur FACHMAGAZIN
68
Naturstein
Weltpremiere: Eröffnung des Stone Demonstrators
im Londoner Stadtteil Earls Court Ende Oktober 2025.
Foto: Bas Princen, Courtesy of the Design Museum and Future Observatory
Eine tragfähige Verbindung
Schneller, leichter und ökologischer bauen – eine neuartige Holz-Stein-Verbunddecke
löst mehrere Herausforderungen der Baubranche. Beim Stone
Demonstrator in London erlebte das neuartige System seine große Premiere.
Text: Richard Watzke
Eine Holz-Stein-Verbunddecke erschließt ein neues
Kapitel im hybriden, kreislauffähigen Bauen. Das System
steht für eine deutliche Reduktion grauer Emissionen,
für eine serielle, trockene und kreislauffähige
Bauweise und für eine neue architektonische Ausdrucksform
des nachhaltigen Bauens. Für das System
haben die beteiligten Partner – das Bamberger
Natursteinwerk gemeinsam mit der Friedrich Verbundsysteme
GmbH aus Helmbrechts – ein Patent
angemeldet. Bamberger-Geschäftsführer Hermann
Graser erläutert es.
Wie unterscheidet sich das Strukturverhalten von
dem einer herkömmlichen Stahlbetonplatte?
Hermann Graser: In einer herkömmlichen Stahlbetonplatte
übernimmt der Beton die Druck- und der
Bewehrungsstahl die Zugkräfte. Erst mit der Rissbildung
in der Zugzone greift der Stahl aktiv ein, um
die auftretenden Zugspannungen aufzunehmen. Bei
der Holz-Stein-Verbunddecke liegt ein grundsätzlich
günstiges Systemverhalten vor: Die obenliegende
Steinplatte trägt nahezu ausschließlich Druck, die Zugzone
wird vorwiegend vom darunterliegenden Holz-
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69
Naturstein
querschnitt aufgenommen. Über die eingeschraubten
Verbundanker erfolgt die elastische Kraftübertragung
in der Schubfuge zwischen beiden Materialien. Der
große Abstand der Bauteilnulllinien bewirkt eine hohe
statische Höhe und damit eine bemerkenswerte Steifigkeit
bei sehr geringer Verformung.
Dieses Prinzip nutzt die natürlichen Stärken beider
Werkstoffe optimal. Stein zeichnet sich durch hohe
Druckfestigkeit aus, Holz durch Zugfestigkeit und
geringes Eigengewicht. Der eingesetzte BiFRi-Verbundanker
aus ungehärtetem Stahl verleiht dem System
zudem eine hohe Duktilität, also ein gutmütiges
Tragverhalten auch bei Überlast.
Welche Spannweiten und Tragfähigkeiten
können mit diesem System erreicht werden?
Die Spannweiten liegen je nach Querschnitt über den
im Wohnungsbau üblichen Werten. Aufgrund des geringen
Eigengewichts werden die Lasten wirtschaftlich
weitergeleitet, wodurch auch größere Spannweiten
effizient möglich sind.
Wie ist die Verbindung zu tragenden
Wänden oder Stützen ausgelegt?
Die Auflagerung erfolgt analog zu Holzbalkendecken
– also durch direkte Druckauflager auf Wände oder
Stützen. Anschlüsse können über Balkenschuhe, Auflagerplatten
oder Aufhängungen hergestellt werden.
Dadurch bleibt das System kompatibel zu gängigen
Konstruktionsprinzipien im Holz- und Massivbau.
Gibt es besondere Überlegungen hinsichtlich Installationen
oder Durchführungen?
Ja. Innerhalb der Holzbalken sind Durchführungen
bis etwa ein Sechstel der Balkenhöhe möglich, bei
einem Abstand von etwa dem Doppelten der Balkenhöhe.
Zwischen den Balken – also im Hohlraum unterhalb
der Steinplatte – bestehen keine Einschränkungen.
Damit lassen sich Leitungen, Kabel oder
Haustechnikkomponenten problemlos integrieren.
Die Granitplatten nehmen den Druck auf, die
Holzbalken darunter dienen als Zugstufe.
Das System ist kompatibel mit gängigen Konstruktionsprinzipien
im Holz- und Massivbau.
Welche Prüfungen oder Zertifizierungen
wurden bisher durchgeführt?
Im Werk wurde ein Deckenmodell im Maßstab 1:1
mit einer Spannweite von rund 6 Metern hergestellt.
Grundlage war die Berechnung nach dem Gamma-Verfahren
bei einer Nutzlast von 5,0 kN/m². Die
dokumentierten Versuche umfassten Belastung,
Entlastung, Wiederbelastung und Überlast. Dabei
zeigten sich weder übermäßige Verformungen noch
Schädigungen – die Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit
wurden bestätigt.
Wie verhält sich die Konstruktion
unter Brandbeanspruchung?
Der Brandwiderstand für das Holz kann nach den Regeln
des Eurocode berechnet werden. Standardmäßig
sind Widerstandsdauern bis F 60 nachweisbar.
Der Naturstein gilt als nicht brennbar (Baustoffklasse
A1) und bildet eine natürliche Brandschutzschicht,
die das Holz schützt.
Wie hoch ist der Materialverbrauch im
Vergleich zur herkömmlichen Betonplatte?
Der Materialeinsatz reduziert sich deutlich. Eine konventionelle
Stahlbetondecke mit 30 cm Stärke wiegt
etwa 0,75 t/m². Die Holz-Stein-Verbunddecke kommt
bei einer 6 cm starken Steinplatte und Holzträgern
auf rund 0,17 t/m² – also weniger als ein Viertel des
Gewichts bei vergleichbarer Tragfähigkeit. Das geringere
Eigengewicht verringert zudem die Lasten
auf Wände und Fundamente und ermöglicht schlankere
Bauweisen.
u
Grafiken: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser
architektur FACHMAGAZIN
70
Naturstein
1
Foto: Bas Princen, Courtesy of the Design Museum and Future Observatory
Welche Einsparungen bei der Bauzeit oder logistische
Vorteile lassen sich auf der Baustelle erzielen?
Da die Elemente im Werk vorgefertigt und trocken
montiert werden, entfallen aufwändige Schalungs-,
Betonier- und Abbindeprozesse. Die Decken sind unmittelbar
nach der Montage belastbar. Dies führt zu
2
einer erheblichen Verkürzung der Bauzeit und zu planungssicheren
Abläufen – insbesondere bei serieller
Fertigung aber auch bei Sanierungsprojekten.
Für welche Gebäudetypen eignet sich das System?
Das System ist für Wohn- und Bürogebäude ebenso
geeignet wie für Museen, öffentliche Bauten oder
Umbauten im Bestand. Es kann bestehende Holzbalkendecken
ertüchtigen, ohne zusätzliche Lasten in
die Tragstruktur einzuleiten, und bietet durch seine
hohe Duktilität und Scheibenwirkung auch Potenzial
für erdbebengefährdete Gebiete.
1 Die Spannweiten liegen je
nach Querschnitt über den
im Wohnungsbau üblichen
Werten.
2 Hermann und Nina Graser
bei der Vorstellung des
Systems auf der Fachmesse
Marmomac 2025.
Wie haben Planer und Bauherren bisher reagiert?
Die Resonanz ist ausgesprochen positiv. Insbesondere
das Projekt Stone Demonstrator in London, bei
dem die Holz-Stein-Verbunddecke in einem architektonischen
Kontext gezeigt wurde, stieß auf großes
Interesse. Architekten, Ingenieure und ausführende
Unternehmen zeigen sich gleichermaßen beeindruckt
von der Tragwirkung, der einfachen Anwendung,
der Kreislauffähigkeit und der Nachhaltigkeit
des Systems.
•
Foto: Richard Watzke
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FACHMAGAZIN
71
Wettbewerbe Naturstein
CASAWEST GmbH
4055 Pucking
office@casawest.at
www.casawest.at
Sölker Marmor
Bergbau
8961 Sölk
office@soelker.at
www.soelker.at
Poschacher Natursteine
Baustoffhandel GmbH
4310 Mauthausen
office@poschacher.com
www.poschacher.com
Lauster
Naturstein GmbH
9971 Huben/Osttirol
st.johann@lausternaturstein.at
www.lausternaturstein.at
Kienesberger
Steinmetzmeister
4707 Schlüßlberg
office@kienesberger-stein.at
www.kienesberger-stein.at
Steinmetzbetrieb
Wolfgang Ecker
2514 Traiskirchen
office@ecker-stein.at
www.ecker-stein.at
Steinmetzmeister
Dietmar Steller
4600 Wels
office@steller-stein.at
www.steller-stein.at
Schreiber & Partner
Natursteine
2170 Poysdorf
office@sp-natursteine.at
www.sp-natursteine.at
Marmor
Industrie Kiefer
5411 Oberalm
office@marmor-kiefer.at
www.marmor-kiefer.at
Josef Kogler
Steinbruch & Schotterwerk
9554 St. Urban
kogler.naturstein@aon.at
www.kogler-natursteinwerk.at
Gustav Hummel
GmbH & Co KG
2452 Mannersdorf
info@hummel-stein.at
www.hummel-stein.at
Stone4you
Steinmetzbetriebe
2020 Hollabrunn
office@stone4you.at
www.stone4you.at
Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen
vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,
welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer
Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen
www.pronaturstein.at
architektur FACHMAGAZIN
72
Naturstein
1 © Richard Watzke
Wandelbarer
Baustoff
Vom Bodenbelag bis zum filigranen Vorhang: Kaum ein Werkstoff
vereint Zweckmäßigkeit, Ökologie und Ästhetik wie Naturstein.
Text: Richard Watzke
Im ehemaligen Sitz der Wiener Wirtschaftskammer,
einem Nachkriegsbau von Carl Appel, eröffnete 2024
das Hotel The Hoxton Vienna. Der 2020 unter Denkmalschutz
gestellte Bau im 3. Wiener Gemeindebezirk
steht für einen sachlichen und ressourcenschonenden
Umgang mit vorhandener Substanz und gilt
als Paradebeispiel, wie sich ein geschütztes Bürogebäude
nachhaltig umnutzen lässt. Das Wiener Büro
BWM Designers & Architects setzte auf Anpassung
und Weiterverwendung der bestehenden Substanz.
Wo möglich und sinnvoll, wurden Bauelemente beibehalten.
Die sichtbarste Klammer zwischen Vorgängerbau
und neuem Hotel bildet – innen wie außen –
die umfangreiche Ausstattung mit Naturstein. Nach
außen hin fallen besonders die weit ausladenden,
in dunkelgrünem Serpentin ausgeführten Portale
auf. Zahnschnittartige Profile entlang aller Kanten
zitieren spielerisch antike Vorbilder und verleihen
den Portalen besondere Raffinesse. Die Fassadenfläche
selbst ist mit hellblau-grünlichem, senkrecht
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gebändertem Naturstein bekleidet. Einer Zeitreise
gleicht die Lobby: Die originale Wandbekleidung aus
beigem Travertin und der gut erhaltene Terrazzoboden
aus den 1950er Jahren bestimmen weiterhin
den Raumeindruck, ergänzt durch handverlesenes
Mobiliar einschließlich authentischer Bepflanzung.
Durch die Erhaltung der tragenden Struktur und
der Steinoberflächen blieb ein Großteil der grauen
Energie im Gebäude erhalten. Das Projekt zeigt, wie
der bewusste Erhalt von Naturstein und Bestandsarchitektur
zur Reduktion von Ressourcenverbrauch
und zur langfristigen Sicherung baugeschichtlicher
Qualität beitragen kann.
73
Naturstein
Schön bei Tag und bei Nacht
Kein Bauplatz in New York dürfte symbolisch bedeutsamer
sein als Ground Zero. Wenn ein Theaterbau an
einem so prominenten Ort errichtet wird, ist ihm vom
ersten Spatenstich an große Aufmerksamkeit sicher.
Und genau dort, auf dem World Trade Center-Gelände
in Manhattan, wurde 2023 mit dem Perelman Performing
Arts Center ein Bauwerk eröffnet, dessen Außenwirkung
wesentlich von der ästhetischen Erscheinung
von Naturstein geprägt wird. Das mit dem Neubau
beauftragte New Yorker Architekturbüro REX umhüllte
den streng geometrischen Kubus mit einer transluzenten
Hightech-Fassade aus Estremoz-Marmor und
Glas. Bei Tageslicht wirkt das Gebäude wie ein riesiger
Steinblock, bei Nacht wird die Gebäudehülle von innen
beleuchtet und der farbenprächtige Marmor beginnt
zu Strahlen. Der portugiesische Naturstein ist in Form
von 12-mm-Scheiben beidseitig mit Glas laminiert
und zu mehr als 50-mm-starken Isolierglaseinheiten
gefügt. Insgesamt wurden fast fünftausend Paneele
gefertigt und spiegelbildlich an langspannenden
Stahlpfosten verankert. Um die Zeichnung der fertigen
Fassade präzise zu planen, wurden sämtliche Rohplatten
zuvor einzeln fotografiert und nummeriert. 2
Dutch Treat © Wiki-Commons
u
3
1 Im einstigen Sitz der Wiener
Wirtschaftskammer ist
heute das Hotel The Hoxton
Vienna untergebracht.
2 Die Marmorfassaden des
neuen Perelman Performing
Arts Center in Manhattan:
Mit dem Gebäude ist die Neugestaltung
des Ground Zero
nach 9/11 abgeschlossen.
3 Multifunktionale Theke
aus gebürstetem Nero Assoluto
im Schauraum der Möbelwerkstätte
Seliger, Wien.
© Richard Watzke
architektur FACHMAGAZIN
74
Naturstein
© Erich Trummer GmbH
4
In der Volksoper Wien ist die 2025 abgeschlossene
Sanierung der sechs Publikumsgarderoben Teil
einer umfassenden Modernisierungsoffensive. Die
ehemals durchgehenden, von Wand zu Wand reichenden
Garderobenpulte wurden nach Entwürfen
der Wiener Architektinnen Rita Reisinger und Doris
Kutscher sowie dem Atelier Peter Weisz von den
Wänden gelöst und in einzelne Segmente unter-
teilt. Die Grundkörper bestehen aus einer soliden
Holzkonstruktion, die allseits mit dem türkischen
Marmor Rosso Lepanto bekleidet sind. Mit ihrer polierten
Oberfläche strahlen die Pulte Eleganz und
Zeitlosigkeit aus, während das Material selbst durch
sein kräftiges Rot und die lebhafte Maserung die optische
Wirkung unterstreicht.
5
4 Bei der Neugestaltung
der Garderoben der
Volksoper Wien stehen
die lebhaften Marmortheken
im Mittelpunkt.
5 Im Bahnhof Schwaz
durchziehen flächenbündige
Lampen wie
Silber adern die Wandbekleidung
aus Schremser
Granit.
© Richard Watzke
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75
Naturstein
Identität schaffen mit Stein
In der neu gestalteten Bahnhofsunterführung von
Schwaz erinnern in die Wandbekleidung eingelassene
LED-Lichtbänder an die Geschichte der Stadt
als einst bedeutendes Zentrum des Silberbergbaus.
Die schmalen Linien durchziehen die großformatigen
Platten aus dunkelgrauem Schremser Granit wie
metallische Adern und lassen das historische „Silber
von Schwaz“ neu aufscheinen. Die 2021 eröffnete
Unterführung übersetzt damit lokale Identität in
ein prägnantes Gestaltungselement. Zusätzlich zur
Symbolwirkung des dunklen Materials punktet das
Hartgestein aus dem Waldviertel zugleich mit seiner
Robustheit. Im Rahmen der Bahnhofsoffensive der
ÖBB waren zuvor bereits zahlreiche österreichische
Natursteine für die Sanierung und Neugestaltung
von Bahnhöfen als Leitmaterialien ausgeschrieben
und auch eingesetzt worden. Prominente Beispiele
sind der Wiener Hauptbahnhof, dessen Passagen an
Wänden und Böden mit den Osttiroler Natursteinen
Dorfergrün und Tauerngrün ausgestattet wurden,
aber auch die Bahnhöfe in Linz und Klagenfurt, bei
denen ebenfalls österreichische Natursteine entscheidend
Anteil an der repräsentativen und dauerhaften
Gestaltung haben.
Stein spricht für sich selbst
Neben aller Zweckmäßigkeit und ökologischer Vorteile
gegenüber künstlichen Werkstoffen besitzt je-
7
des Produkt aus Naturstein ein wesentliches Merkmal:
Kein Stück ist wie das andere. Besonders beim
Interieur Design setzen Gestalter daher gerne auf
die Natürlichkeit und Einzigartigkeit strukturierter
Natursteine. Dank moderner Maschinentechnik werden
die am Computer entworfenen Objekte präzise
in Stein umgesetzt. Die natürliche Maserung jedes
Steines lässt sich dabei bereits in der Entwurfsphase
als Gestaltungmittel berücksichtigen.
•
6 © Richard Watzke
6 Jedes Stück ein Unikat:
Mittels CNC-Technik wurden
die Lampenschirme gefertig.
© Richard Watzke
7 Mit Wasserstrahltechnik
vorgefertigte Elemente
bilden einen transparenten
Marmorvorhang.
architektur FACHMAGAZIN
76
Naturstein
1
2
Solide Basis
Ruhe, Klarheit und zurückhaltenden Luxus
strahlt der neue Besprechungsbereich im Wiener
Formdepot aus. Im Zentrum der Gestaltung steht
ein nach allen Regeln der Kunst verarbeiteter,
österreichischer Naturstein.
Die Zen Area markiert einen zentralen Ort im Formdepot.
Auf einer Fläche von rund 40 Quadratmetern
laden – je nach Bedarf – ein Ess- oder Besprechungstisch,
eine Theke und ein Sitzbereich zu unterschiedlichen
Formen der Interaktion ein. Nichts ist hier
zu viel, nichts zu wenig. Mit dem Namen geben die
Hausherren des Formdepots, Joachim Mayr und
Heinz Glatzl, das Leitprinzip vor: Reduktion auf das
Wesentliche – in Material, Form und Atmosphäre. Für
die angemessene Grundlage aus Pannonia Grey sorgte
die Formdepot-Mitgliedsfirma Schreiber & Partner
Natursteine. Der burgenländische Chloritschiefer ist
eine elegante Wahl. Ruhige Bereiche wechseln sich
ab mit lebhaft strukturierten Partien, die die Urkräfte
bei der Entstehung des Natursteins erahnen lassen.
Bei der Ausführung zeigen die Steintechniker, was
gutes Steindesign ausmacht. Wo möglich und sinnvoll,
wurden die Werkstücke massiv gefertigt. Nach
dem Motto „was massiv aussieht, soll es auch sein“
sind nicht nur die Stufen beim Pflanztrog, sondern
vor allem auch die umlaufenden Randstreifen samt
der Bogenstücke aus dem Vollen gearbeitet. Der auf
der Unterseite verborgene Falz bietet Platz für ein
umlaufendes LED-Band. Blickfang an der Stirnseite
der Zen Area ist ein aus massiven Steintrommeln aufgeschichteter
Trinkbrunnen.
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77
Naturstein
3
Fotos: Richard Watzke
4 5
1 Die massive Holzplatte
ist im rustikal bearbeiteten
Steinsockel eingespannt.
2 Zwei indirekt beleuchtete
Massivstufen
überbrücken den Höhenunterschied.
Zen Area im Formdepot
1160 Wien
Architektur:
Mayr & Glatzl Innenarchitektur und Bauplanung,
mayr-glatzl.at
Fertigstellung: 2025
Natursteine: Pannonia Grey, Chloritschiefer, Burgenland,
Oberfläche gebürstet; Avorio-Kalkstein,
Kroatien; Ternitzer Konglomerat, Niederösterreich
3 Alle Randsteine wurden
mittels CNC-Technik
massiv ausgeführt.
4 Die Bodenplatten wurden
im Format 52x52 cm
für das Projekt maßgefertigt.
5 Der Fuß des Trinkbrunnens
zeigt verschiedene
Oberflächen von grob bis
fein aufsteigend.
Natursteinarbeiten:
Schreiber & Partner Natursteine, Poysdorf
sp-natursteine.at
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78
Licht
Lichtkörper
Wie Boris Podrecca das Immaterielle baut
Ein persönlicher Essay über das Werk eines Architekten, der Licht als Baumaterial
denkt – und Hospitalityräume so komponiert, dass Atmosphäre zum tragenden
Bauteil wird. Zwischen dem gedämpften, introvertierten Licht des Orients und
der mitteleuropäischen Klarheit entsteht eine Poetik, die weder dekoriert noch
beleuchtet, sondern baut und berührt.
Text: Linda Pezzei
Vorspann
Herbst in Wien. Regen perlt von den Gesimsen, der
Himmel ist matt. Boris Podrecca begrüßt mich mit
festem Händedruck – und türkischem Kaffee, „aber
einem richtigen“. Vom Besprechungsraum hinunter ins
Atelier, weiter in sein Büro: ein Tisch aus Lieblingsstein,
Modelle, Mock-ups, Bücherstapel; Skizzenbücher, die
er „nur schnelle Handskizzen“ nennt. Kunst an den
Wänden, im Depot, zuletzt die Dachterrasse – trotz
Regen ein weiter Blick über Wien. Podrecca spricht im
Fluss, springt durch Jahrzehnte, fast enttäuscht, dass
die Zeit nicht reicht. Ich muss wiederkommen.
„Du baust mit dem Licht
so wie mit einem Ziegel.“
Für Podrecca ist Licht die dritte fundamentale Komponente
neben Tektonik und Material. Seine Selbstverortung
ist eine kleine Kompassrose: „Die Form
kommt aus dem Mittelmeerraum, die Textur aus Wien,
das Licht aus dem Orient, das Detail aus Skandinavien
– und der Humor aus Bosnien.“ Das orientalische Erbe
liefert die Schule der Hell-Dunkel-Welt: gefasste Intimität
statt flächiger Helligkeit, wie in Hamams oder
Innenhöfen. Die mitteleuropäische Seite antwortet
mit präziser Führung: Fenstermaß, Profil, Glas – Licht
als Ordnung, nicht als Effekt. Daraus entstehen Werkzeuge:
zenitale Oberlichter („dreimal so stark wie
laterales“), perforierte Decken, Lichttaschen und die
kleinen Oberlicht-„Tränen“ – öffenbare Zenit-Augen
aus Plexi/Glas, die Stimmung differenzieren.
„Anthropologie interessiert mich
mehr als Architektur als Stil.“
© Linda Pezzei
Boris Podrecca (geb. 1940 in Belgrad), aufgewachsen in
Triest, studierte Architektur in Wien (Diplom bei Roland
Rainer, 1968). Büros in Wien, Stuttgart, Venedig; über
400 Projekte in Europa. Lehrtätigkeiten u. a. in Lausanne,
Paris, London, Wien, Venedig, Philadelphia, Harvard
(Cambridge); 1988–2006 Ordinarius in Stuttgart. Seine
mitteleuropäische Mehrsprachigkeit prägt jene „Poetik der
Unterschiede“, die sein Werk bestimmt.
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79
Licht
© Miran Kambič
Punta Skala, Zadar: Zenitales Oberlicht
bündelt Ruhe – gedimmte Zonen für eine
nach innen gerichtete Wahrnehmung.
Hospitality als Stimmungsraum
Podreccas Hotels sind keine Behausungen, sondern
Stimmungsräume. Sensorik vor Optik: Materialtexturen,
Gerüche, Temperatur und Lichtdramaturgie
als erste Botschaft. Die klassische Dichotomie
Wohnen/Hospitality tritt zurück zugunsten einer
These: Erleben wird gebaut, indem Licht führt, bündelt,
beruhigt.
Fallstudie: Punta Skala, Zadar –
zenitale Ruhe, laterale Weite
Das Falkensteiner Hotel & Spa Iadera ist Podreccas
präzise Antwort auf Küste und Klima. Außen eine
intelligente Schuppenhaut aus Glasbändern, die wie
Fischschuppen Farbnuancen reflektiert und die Tageschromatik
des Meeres in changierende Blau-Töne
übersetzt. Innen eine klare Choreografie aus Helligkeit
und Schatten: Oberlichter an den Winkelpunkten
ziehen Tageslicht tief in die Erschließung, während
die Spa-Räume bewusst gedimmt bleiben – Wahrnehmung
nach innen gerichtet, Körper statt Kulisse.
Die Hamam-Typologie liefert hier das Vokabular: gefasstes,
weiches Licht von oben, das nicht blendet,
sondern ruht. Die zenitale Linse wird zum baulichen
Fokus des Bads – kein Effektlicht, sondern atmosphärische
Statik. Wo die öffentlichen Bereiche mit
der Küstenlandschaft in Austausch treten, schließen
die Therapieräume die Welt aus. Zwei Lichtarten –
zwei Tempi – eine Raumdramaturgie.
u
Punta Skala, Zadar: Oberlichter an Winkelpunkten
ziehen Tageslicht tief in die Erschließung.
© Miran Kambič
architektur FACHMAGAZIN
80
Licht
© Miran Kambič © Miran Kambič
Hotel Mons, Ljubljana: Glasgedecktes Atrium –
geführtes Tageslicht modelliert die Bewegung im Raum.
Cvjetni Center, Zagreb: Vertikale Glaszylinder leiten
Licht in die Tiefe – urbanes Orientierungslicht.
Gegenbilder und Variationen
Während das Hotel- und Konferenzzentrum Mons in
Ljubljana wie ein ausgebreiteter Körper im Grün liegt
und das Tageslicht durch glasgedeckte Atrien als bewegte
Zeichnung über weiß modellierte Brüstungen
führt, verdichtet und öffnet Podrecca den Raum zugleich
– ein kreisförmiges Zenitlicht im Spa wirkt fast
sakral. Wo Zadar das Licht an der Küstenlinie abholt,
wendet Mons die Geste nach innen: Regie statt Panorama,
Kontemplation statt Aussicht.
Im Cvjetni Center in Zagreb wiederum leitet er das
Tageslicht mitten im Block vertikal – zylindrische
Glaskörper führen Helligkeit in die Tiefe, spiegeln
Bewegung und machen die Passagen lesbar. Hier
wird Licht zum Werkzeug urbaner Orientierung: oben
direkte Helle, unten reflektierte Strahlung, die Stadt
pulsiert als Lichtkurve.
Auch in der Stadtbibliothek von Biberach, einem 500
Jahre alten Speicher, geht es nicht um spektakuläre
Öffnung, sondern um Maß und Rhythmus. Ein kurzer
Blick in die Geschichte zeigt: Solche Speicher lebten
stets vom Wechselspiel zwischen Struktur und Licht
– schmale Scharten, tiefes Mauerwerk, ein Takt aus
Helligkeit und Schatten. Scharten bleiben Scharten,
das Licht fällt taktweise ins Innere und verbindet
Fachwerk, Ziegel, Stahl und Glas zu einer leisen Komposition
mitteleuropäischer Präzision.
In der Bar Platana in Ljubljana verdichtet sich dieses
Denken zur Intimität: Pastell, Putz, Leder und Glas
werden vom gedimmten Kunstlicht modelliert, das
Körpernähe erzeugt und alles zum Glühen bringt –
ein frühes Manifest gegen die Eitelkeit der Leuchte
und für Atmosphäre als Bauaufgabe.
In der Grifoncino Bar in Bozen schließlich wird Licht
selbst zum Material – es bricht sich in Glasquadern,
Alabaster und Messing, streut und reflektiert, ohne
zu blenden. Der Raum leuchtet aus sich heraus, das
Gehen wird zur Szene: Hospitality als leise Choreografie
aus Reflex und Farbe.
Stadtbibliothek Biberach: Schartenfenster als Taktgeber –
rhythmisches Tageslicht im historischen Speicher.
© Wolfram Otlinghaus
Info
Podreccas Lichtarchitektur gründet auf wenigen Prinzipien: Zenitales
Licht als Primärquelle in Spa- und Innenräumen, rhythmisches Tageslicht
durch Scharten, Atrien oder Glaszylinder als Orientierungssystem
und Reflex-Architektur, bei der Glas, Alabaster und Messing haptische
Leuchtkraft erzeugen. So wird Licht nicht gesetzt, sondern gebaut.
Q&A – Fünf kurze Antworten
Ihre wichtigste Konstante? „Anthropologie vor Stil. Ich reagiere auf Orte,
nicht auf Moden.“
Hotel vs. Haus? „Hotel ist Erleben – ein Stimmungsraum.“
Was kann Licht, was Material nicht kann? „Führen, verbinden, erzählen –
unsichtbar und doch strukturbildend.“
Mitteleuropa – Orient? „Präzision trifft Intimität.“
Wie beginnt ein Entwurf? „Mit einem Blick. Oft mit einer Skizze, die eine
Stimmung einfängt.“
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81
Licht
© Ludwig Thalheimer
Grifoncino Bar, Bozen: Glasquader und
Alabaster brechen das Licht – haptische
Leuchtkraft statt Leuchtenshow.
Prinzip statt Stil
Aus den Beispielen tritt kein „Look“ hervor, sondern
eine Methode: Podrecca liest den Kontext – Klima,
Kultur, Zeit – bevor er baut. Er typologisiert das Licht,
unterscheidet zwischen zenitalen, lateralen und reflektierten
Quellen und komponiert daraus Atmosphäre,
eine feine Dramaturgie aus Dunkel und Hell.
Die Materialien werden geschaltet, Oberflächen zu
Werkzeugen des Lichts. Und die Details zivilisiert er:
Schattenfugen, Profile, Glasgüte statt Effekthunger.
So entsteht eine Architektur, die das Immaterielle
verbindlich macht – Licht ist hier kein Nachtrag, sondern
tragendes Element.
Zurück auf der Wiener Dachterrasse
Der Regen hat nachgelassen, die Stadt ist noch
feucht, das Licht stumpf und milchig. Podrecca zeigt
keine Ikonen, sondern Kanten, Kanten mit Geschichte.
„Man muss wissen, wie das Licht fällt, bevor man
baut.“ In Zadar ruht es von oben, in Ljubljana wird es
geführt, in Zagreb verläuft es vertikal, in Biberach
schlägt es Takt, in den Bars glimmt es nah an der
Haut. Fünf Atmosphären, fünf geografische Lichter,
eine Haltung: das Bauen mit dem, was man nicht anfassen
kann. Vielleicht ist das der eigentliche Luxus
seiner Hospitality – dass sie uns nicht blendet, sondern
berührt.
•
© Damjan Gale
Bar Platana, Ljubljana: Gedämpftes Kunstlicht,
Pastell und Glas – Intimität als räumliche Dichte.
architektur FACHMAGAZIN
82
Hotelarchitektur
Die Postmoderne
als Denkmal
BWM Designers & Architects revitalisieren ein Stück Wiener Architekturgeschichte
– und zeigen, dass auch die Postmoderne inzwischen zum kulturellen Erbe
gehört. Von der k. & k. Stallanlage hin zum Autograph-Hotel entwickelt sich in
der Imperial Riding School in Wien ein Ort, an dem drei Jahrhunderte Architekturgeschichte
aufeinandertreffen. Dabei ist es gelungen, die denkmalgeschützten
Fassaden und postmodernen Innenräume sensibel zu erneuern – und zugleich den
Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart neu zu inszenieren.
Text: Linda Pezzei Fotos: Cathrine Stukhard
Wo einst die Stallungen der kaiserlich-königlichen
Militärreitschule standen, zieht heute ein internationales
Publikum ein – in ein Hotel, das Geschichte,
Stil und Zeitgeist in sich vereint. Die Imperial Riding
School, Österreichs erstes Haus der Autograph Collection,
markiert nicht nur eine neue Adresse der
gehobenen Hotellerie, sondern auch ein spannendes
Kapitel im architektonischen Diskurs: jenes der Postmoderne
als schützenswertes Erbe.
Das von BWM Designers & Architects behutsam revitalisierte
Ensemble vereint gleich drei Epochen unter
einem Dach – den laut BWM Tudorstil des ursprünglichen
Stallgebäudes (1850), die postmoderne Erweiterung
der 1990er Jahre sowie zeitgenössische Eingriffe,
die Form, Material und Farbigkeit subtil in Balance bringen.
„Das Spannende für uns als Architekten war es, einen
Umgang mit den in denkmalpflegerischer Hinsicht
so unterschiedlichen Epochen zu finden“, beschreibt
Markus Kaplan von BWM die Herausforderung.
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83
Hotelarchitektur
Architekturgeschichte in Schichten
Im Zuge der umfassenden Sanierung wurden alle
Oberflächen neu gefasst, Fenster restauriert oder ersetzt
und die farbliche Abstimmung in enger Kooperation
mit dem Bundesdenkmalamt entwickelt. Das
charakteristische Quadratmotiv der Postmoderne,
das die Proportionen der Fassade prägt, blieb erhalten;
die Pfosten-Riegel-Fassade wurde gereinigt und
in differenzierten Farbnuancen neu akzentuiert.
Besonders sichtbar wird die Haltung von BWM im Inneren:
Hier trifft die restaurierte Säulenhalle mit freigelegten
Natursteinsäulen auf eine Neuinszenierung,
die Offenheit und Materialehrlichkeit betont. „Das
Freistellen einiger Säulen verstärkte den Eindruck
der ursprünglichen Gewölbekonstruktion, der Umbau
stellte eine Annäherung an den früheren Zustand des
Gebäudes dar“, erklärt Gerhard Girsch, Projektverantwortlicher
bei BWM. Der denkmalgeschützte Lift mit
Glasfacettierung – ein „Prachtexemplar postmoderner
Baukunst“ – wurde detailgenau saniert und bildet
nun das glänzende Herzstück der Lobby. Ebenso
blieben Freitreppe, Leuchten und Steinmetzdetails als
Ensemble erhalten – feinsinnig überarbeitet, aber in
ihrer gestalterischen Eigenheit respektiert. u
architektur FACHMAGAZIN
84
Hotelarchitektur
www.architektur-online.com
85
RETAILarchitektur
Zwischen Ironie und Ikone
Dass die Postmoderne heute unter Denkmalschutz
steht, markiert einen bemerkenswerten
Wandel im architektonischen
Bewusstsein. Was einst als verspielt,
provokant oder ironisch galt, wird inzwischen
als Ausdruck einer ganzen Epoche
verstanden – als gebaute Haltung
zwischen Historismus und Avantgarde.
In Wien zeigt sich diese Neubewertung
exemplarisch an Bauten wie dem Bundesamtsgebäude
Radetzkystraße, dem sogenannten
Oktoneum (1985/86, seit 2024
denkmalgeschützt), oder dem Haas-Haus
von Hans Hollein (1990) – Ikonen einer
Zeit, die nun selbst Teil des kulturellen
Gedächtnisses geworden ist.
Vom Zwischenraum zum Stadtraum
Auch der Freiraum wurde neu gedacht.
Die Landschaftsplaner Lindle Bukor
verwandelten die Verbindung zwischen
Ungargasse und Bahngasse in einen
kleinen urbanen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität
– als grüne Geste im dichten
Gefüge des 3. Bezirks. So erzählt die
neue Imperial Riding School nicht nur
von Luxus und Hospitality, sondern von
Transformation und kultureller Neubewertung.
Ein Ort, an dem Architekturgeschichte
weitergeschrieben wird – mit
postmoderner Finesse und zeitgenössischem
Feingefühl.
•
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architektur FACHMAGAZIN
86
Hotelarchitektur
Vom Korn
zum Komfort
Im Westen der Hansestadt Bremen entsteht mit der „Überseestadt“ eines der
größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Auf dem Gelände des ehemaligen
Überseehafens wächst ein rund 300 Hektar großes urbanes Quartier, das
Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur vereint. Ein besonderer Abschnitt ist die
„Überseeinsel“, wo sich die einstigen Produktionsstätten des Lebensmittelkonzerns
Kellogg’s befinden.
Fotos: Piet Niemann
Hier setzt das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl
Associated Architects (DMAA) ein architektonisches
Statement: Die markanten Getreidesilos aus den
1970er-Jahren – einst Symbol industrieller Lebensmittelherstellung
– wurden zu einem zeitgenössischen
Hotel transformiert. Das Ergebnis ist das John & Will
Silo-Hotel, benannt nach den beiden Kellogg-Brüdern.
Transformation mit Symbolkraft
Die Kellogg’s Silos, ehemals Lager für bis zu 5.000
Tonnen Mais, Weizen und Hafer, prägen seit Jahrzehnten
die Bremer Skyline. Der Entwurf von DMAA
sah vor, die ikonische Silhouette und den roten
„Kellogg’s“-Schriftzug zu erhalten und in das neue
Nutzungskonzept zu integrieren.
In den 40 Meter hohen zylindrischen Körpern entstanden
117 kreisrunde und halbkreisförmige Hotelzimmer,
die sich wie Kapseln in die ursprünglichen
Betonschalungen einfügen. Das ehemalige Vitaminlager,
ein niedrigerer Anbau, wurde zu einem Büround
Konferenzgebäude mit fünf Geschossen umgebaut.
Auf dem Dach bietet eine Eventfläche mit Blick
über die Weser Raum für Begegnung, Veranstaltungen
und Ausblicke über das Quartier
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87
Hotelarchitektur
Vom Speicher zum Designhotel
Die Verwandlung vom industriellen Speicher zum
John & Will Silo-Hotel war ein technischer und gestalterischer
Kraftakt. Durch das Fräsen von Fensteröffnungen
in die 16 cm dicken Betonringe gelang der
Übergang vom dunklen Kornspeicher zu lichtdurchfluteten
Zimmern. Schmale vertikale Schlitze eröffnen
neue Perspektiven auf die Weser, während die
trichterförmigen Auslässe der Silos in die Gestaltung
der Hotellobby integriert wurden.
Für die Erschließung der Zimmer wurden verbindende
Strukturen zwischen den Silos aufgeschnitten –
ein massiver Eingriff in die Bausubstanz: 3.500 m³
Beton mussten aus dem Bestand entfernt und teils
per Schubkarre abtransportiert werden. Das Resultat
ist ein spannungsvolles Wechselspiel aus roher
Materialität und eleganter Innenarchitektur, das den
industriellen Geist des Ortes bewahrt und zugleich
neue Atmosphäre schafft
Ein lebendiges Quartier an der Weser
Das neue Ensemble aus Hotel, Markthalle, Gastronomie,
Büros und Eventflächen ist Teil eines langfristig
angelegten Entwicklungsprozesses über zehn Jahre.
Diese schrittweise Umsetzung ermöglicht eine organische
Transformation und erlaubt es, Erfahrungen
und neue Ideen kontinuierlich in die Planung zu integrieren.
Neben dem Hotel beherbergen die Silos und
das benachbarte, zur Markthalle umgestaltete Reislager
eine eigene Brauerei, gastronomische Angebote
sowie großzügige Terrassen an der Weser – ein
vitaler Ort, der Geschichte, Gegenwart und Zukunft
der Stadt auf eindrucksvolle Weise verbindet
Die freigelegte Silostruktur
bleibt als
kreisförmige Betonkurve
sichtbar, während die
neu eingeschnittenen
Öffnungen gezielt Licht
und Ausblicke in den zuvor
fensterlosen Speicher
bringen. Das Interieur
setzt auf ruhige Materialien
und eine klare Formensprache,
die die rohe
Geometrie des Bestands
bewusst hervorheben
und zugleich wohnliche
Atmosphäre schaffen.
architektur FACHMAGAZIN
88
Hotelarchitektur
Symbiotische Architektur
In der Skyline von Dubai markiert One Za’abeel, entworfen vom japanischen
Architekturbüro Nikken Sekkei, ein prägnantes Beispiel für zeitgenössische
Stadtarchitektur. Das Großprojekt vereint Ingenieurkunst, Design und ein
neuartiges Nutzungskonzept. Die Integration des SIRO One Za’abeel Hotels,
gestaltet von LW Design Group, zeigt, wie Architektur als Medium für körperliches
und mentales Wohlbefinden wirken kann.
Fotos: Kerzner International, SIRO One Za’abeel
Ingenieurskunst als Stadtbild
Das architektonische Konzept von Nikken Sekkei
reagiert auf eine komplexe städtebauliche Situation:
Zwei unterschiedlich hohe Türme, getrennt durch
eine Hauptverkehrsstraße, werden durch das horizontale
Bauteil The Link in 100 Metern Höhe verbunden.
Diese 230 Meter lange Brücke dient als gemeinsames
Element und prägt das Erscheinungsbild der Anlage.
Die freitragende Sektion von 66 Metern stellte besondere
Anforderungen an die statische Planung.
Das Gewicht wurde bereits in den Entwurf der Türme
integriert, um strukturelle Stabilität zu gewährleisten.
Die Podiumszone verbindet beide Grundstücksteile
visuell und funktional, während die Glasfassade
mit ihren Lamellen auf Lichtverhältnisse und Blickwinkel
reagiert. Dadurch entsteht ein wechselndes,
aber ruhiges Fassadenbild, das auf die Dynamik der
Umgebung eingeht.
u
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89
RETAILarchitektur
architektur FACHMAGAZIN
90
Hotelarchitektur
Architektur für aktives Wohlbefinden
Im Inneren überträgt das SIRO One Za’abeel Hotel
diese Haltung auf das Gästeerlebnis. Das Konzept
basiert auf fünf Säulen – Fitness, Erholung, Ernährung,
Achtsamkeit und Schlaf – und nutzt Architektur
als Rahmen für einen gesundheitsorientierten
Lebensstil. Das 900 Quadratmeter große Fitness
Lab auf der 30. Etage nutzt den Ausblick als Teil des
Raumkonzepts. Geräte von Technogym und die Experience
Box, in der Workouts mit Partnern wie dem
AC Mailand stattfinden, schaffen eine sportlich-funktionale
Atmosphäre. Ruhigere Zonen wie die Recovery
Labs sind auf mentale und körperliche Regeneration
ausgerichtet und setzen auf zurückhaltende
Gestaltung. Küche und Essbereiche sind integraler
Bestandteil des Wellness-Ansatzes. Transparente
Informationen über die Nährstoffzusammensetzung
der Speisen sowie Beratungsangebote durch Ernährungswissenschaftler
unterstreichen die funktionale
Ausrichtung. Das Design unterstützt diesen Ansatz
mit offenen Strukturen und klarer Materialität, die
gesunde Ernährung als Teil eines bewussten Lebensstils
inszenieren.
www.architektur-online.com
91
Hotelarchitektur
Die Zimmer sind als Rückzugsorte konzipiert, mit
schalldämmenden Wänden, regulierbaren Matratzen
und Materialien, die Ruhe fördern. Eine reduzierte
Gestaltung und natürliche Farbgebung unterstützen
die Erholungsqualität. Technische Elemente sind unaufdringlich
integriert. Trainingszubehör ist dezent
in die Einrichtung eingebettet, während Licht- und
Medieninstallationen die Atmosphäre ergänzen.
Das SIRO One Za’abeel Hotel zeigt, wie Architektur
zur aktiven Komponente eines ganzheitlichen
Gesundheitskonzepts in der gehobenen Hotellerie
werden kann. Die Gestaltung ist nicht bloße Hülle,
sondern Teil eines Systems, das Bewegung, Regeneration
und Achtsamkeit räumlich unterstützt. Indem
das Projekt Wellness, Technologie und Raumgestaltung
zusammenführt, liefert es ein Beispiel für eine
Architektur, die den Menschen ins Zentrum eines urbanen
Großprojekts stellt.
•
architektur FACHMAGAZIN
92
Produkt News
Sanfte Reinigung & perfekter Komfort
Hygiene, Komfort und Benutzerfreundlichkeit sind die zentralen Ansprüche an
moderne Badezimmer. Eine wichtige Rolle spielen dabei Toiletten und hansgrohe
stellt mit LavaPura Element ein Dusch-WC vor, das die tägliche Körperpflege auf
ein neues Niveau hebt: Es vereint clevere Funktionen mit einer klaren, zeitlosen
Asthetik, die sich perfekt in jedes Badezimmer einfügt.
LavaPura Element Dusch-WCs bieten dabei eine sanfte
und gründliche Reinigung durch Gesäß- und Lady-Duschen,
die sich individuell anpassen lassen. So
können Strahlstärke, -position und -temperatur sowie
die Sitzheizung und der Warmluftföhn nach persönlichen
Vorlieben eingestellt und gespeichert werden.
Ein eingebautes Nachtlicht sorgt für Orientierung im
Dunkeln, ohne den Schlaf zu stören. Der Bewegungssensor
ermöglicht eine kontaktlose Bedienung, denn
der Deckel öffnet automatisch und schließt sanft. Die
Bedienung selbst erfolgt einfach und intuitiv über die
Fernbedienung oder Select-Tasten an den Seiten. Eine
Geruchsabsaugung beseitigt unangenehme Gerüche
einfach auf Knopfdruck. Auch optisch fügt sich Lava-
Pura Element in eine Vielzahl von Badezimmerlösungen
ein – unabhängig von Stil und Größe. Im Einklang
mit der Designsprache der hansgrohe Duschsysteme
und Möbel überzeugt das geometrische und schlanke
Design des Dusch-WCs.
Hansgrohe
Handelsges.m.b.H.
info@hansgrohe.at
www.hansgrohe.at
www.architektur-online.com
93
Produkt News
Klassisches Design neu interpretiert
Mit der neuen Kollektion PRO X präsentiert LAUFEN die Weiterentwicklung von
LAUFEN Pro, einer seiner erfolgreichsten Produktlinien. Entwickelt in Zusammenarbeit
mit dem Schweizer Designer Peter Wirz vom multidisziplinären Studio Vetica
kombiniert die neue Kollektion das Beste aus der Produktionstechnologie von
LAUFEN mit einer hochwertigen Ästhetik, die für jedermann zugänglich ist.
Das minimalistische, zeitlose Design bleibt der ursprünglichen
Formensprache treu, wurde jedoch
technologisch und gestalterisch neu interpretiert. Das
Ergebnis ist eine Kollektion, die höchste Funktionalität
mit einem klaren, modernen Look verbindet – ideal
für private, halböffentliche und öffentliche Räume.
Das Sortiment umfasst zahlreiche Keramiken, kompakte
Varianten und neu definierte Beckenformen
mit optimiertem Wasserfluss: Die spülrandlosen
WCs mit Silent Flush 2.0 Technologie erfüllen
höchste Schallschutzanforderungen. Das Dusch-WC
CLEANET PRO X überzeugt durch Komfort, Hygiene
und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis. Neu
ist die Armaturenkollektion PRO X mit geradlinigem
Design, ergonomischen Griffen und präziser Wasserregulierung.
Und die Möbelserie Base 2.0 ergänzt
PRO X perfekt: minimalistische Formen, abgerundete
Kanten und über 40 Farbvarianten bieten maximale
Gestaltungsfreiheit.
LAUFEN Austria GmbH
T +43 (0)2746 6060-0
office@at.laufen.com
www.laufen.co.at
architektur FACHMAGAZIN
94
Produkt News
Revolutionäres Refurbishment
Der Premium-Badhersteller Kaldewei demonstriert mit einem richtungsweisenden
Pilotprojekt im 25hours Hotel Bikini Berlin, wie echte Kreislaufwirtschaft im Bauund
Projektgeschäft funktionieren kann. Erstmals hat das Unternehmen ausgediente
Duschflächen und Badewannen in größerem Umfang recycelt, technisch und
optisch weiterentwickelt und als vollwertige Produkte wieder eingebaut.
Seit über zehn Jahren werden in den Badezimmern
des Berliner 25hours Hotels Kaldewei Badewannen
und Superplan-Duschen genutzt. Im Zuge einer
Sanierung wurden nun bestehende Duschflächen
und Wannen demontiert und von Kaldewei in einem
mehrstufigen Verfahren umfassend behandelt: Sandstrahlen
und Emaillieren mit der Secure Plus Oberfläche
gehörten zu den zentralen Maßnahmen. Die
runderneuerten Badobjekte wurden anschließend
wieder ausgeliefert und im Hotel von einem Fachbetrieb
erneut eingebaut.
Experten errechnen, dass durch die Wiederaufbereitung
der Duschflächen und Badewannen durch
Kaldewei etwa 65 Prozent weniger CO 2 entstanden
sind als bei der Herstellung neuer Badprodukte. Zudem
sind wertvolle Ressourcen und Energie eingespart
worden und die eingesetzte neue Spezial-Emaille
erhöht die Standfestigkeit unter der Dusche und
sorgt nun für zusätzliche Sicherheit. Die erfolgreiche
Umsetzung dieses Projekts zeigt, welche Möglichkeiten
moderne Industrieprozesse gepaart mit einem
hohen Individualisierungsgrad für die Kreislaufwirtschaft
bieten.
Franz Kaldewei GmbH & Co. KG
T +49 (0)2382 785-0
info@kaldewei.de
www.kaldewei.de
www.architektur-online.com
95
Produkt News
Zeitloses Design trifft präzise Funktion
Die mit dem iF Design Award 2025 ausgezeichnete
Armaturenfamilie HANSAGENESIS von HANSA wurde
gemeinsam von Enrico Bosa (Head of Design der
Oras Group, Muttergesellschaft von HANSA) und
dem italienischen Designstudio Debiasi Sandri entwickelt
und verbindet Kunstfertigkeit, Handwerkskunst
und Funktionalität zu einer Kollektion mit zeitlosem
Charakter. Die Gestaltung folgt dem Anspruch, Form,
Funktion und Alltagserlebnis in Einklang zu bringen:
Klare Linien und elegante Oberflächen erzeugen eine
zeitlose Präsenz. Gleichzeitig überzeugt das nahtlose
Design durch Pflegeleichtigkeit: Fugen und Rillen
wurden auf ein Minimum reduziert, sodass kaum
Schmutz oder Rückstände haften bleiben können.
HANSAGENESIS ist in einer großen Auswahl an
Oberflächenvarianten verfügbar – von klassischem
Chrom über Matt-Schwarz bis hin zu Stahl gebürstet
und Bronze gebürstet.
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architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Effiziente Energienutzung,
moderne Sanitärlösungen
Der EUREF-Campus in Berlin ist ein innovatives Vorzeigemodell für die klimaneutrale
Stadt und fördert den Austausch von Wissen und Innovation durch enge Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. EUREF steht dabei für das
„Europäische Energieforum“ und das Projekt setzt auf energieeffiziente Bauweisen,
innovative Mobilitätslösungen sowie nachhaltige Energienutzung, beispielsweise
durch das eigene Micro Smart Grid, das den Campus mit Energie versorgt.
Dem Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts werden
auch die verwendeten DELABIE Sanitärprodukte gerecht,
die speziell für Einrichtungen mit Publikumsverkehr
geeignet sind. Diese sind für ihre wassersparenden
Technologien bekannt und zeichnen sich
durch ihre Langlebigkeit und robuste Bauweise aus.
Auch in puncto Hygiene bieten DELABIE-Produkte
dank ihrer berührungslosen Systeme innovative
Lösungen, die den Komfort und die Sicherheit der
Nutzer erhöhen. Die Einbindung solcher innovativen
Sanitärlösungen unterstützt das Gesamtkonzept
des EUREF-Campus, der als Modell für klimaneutrale
Stadtentwicklung dient, und passt sich nahtlos
in die ökologisch ausgerichtete Philosophie des Gebäudes
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hoher Komfort
Uponor Siccus 16 ist ein Fußbodenheizungssystem
in Trockenbauweise und vor allem für die Modernisierung
von Wohngebäuden konzipiert. Das System
bietet eine komplette Fußbodenheizung mit niedriger
Aufbauhöhe, einer minimalen Anzahl von Komponenten
und kann auf verschiedenen vorhandenen
Untergründen realisiert werden. Speziell für die
schnelle und effiziente Verarbeitung konzipiert bietet
das System viele zusätzliche Vorteile: So können
etwa nachfolgende Gewerke ohne zeitlichen Verzug
mit ihren nachfolgenden Arbeiten beginnen, da sich
dank der innovativen und ultraflachen Bodenkonstruktion
Laminat, Parkett, Fliesen oder Naturstein
direkt auf die Systemplatte des Trockenbausystems
verlegen lassen.
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Produkt News
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Produkt News
Gelungene Symbiose
Das Designhotel Ullrhaus in St. Anton am Arlberg ist harmonisch in die Skyline des
Ortes einfügt. In den 40 Zimmern und Suiten dominieren sanfte Naturfarben sowie
viele Holz- und Steinelemente, die ein natürliches Ambiente erzeugen.
Der Kontrast zwischen Antiquität und Moderne ist
allgegenwärtig: Liebevoll erhaltene Möbel treffen
auf zeitlos modernes Interior. Diese Liebe zu ästhetischen
Details zeigt sich im Ullrhaus selbst hinter
den Kulissen: Wie etwa in der hauseigenen Tiefgarage,
die zum Gesamteindruck beiträgt und mit
geradliniger Architektur, klaren Struktur und viel
Raum empfängt. Darauf basiert auch der Einsatz der
Parkdeckrinne Securin des Edelstahlspezialisten
Aschl (1A Edelstahl GmbH) – drei Linien der Parkdeckrinne
Securin Typ150 mit einer Gesamtlänge
von 60,2 m sorgen dort für sichere Entwässerung.
Dank ihrer modularen Bauweise ließ sich die Securin,
die aus korrosionsfreiem Edelstahl V4A besteht,
schnell und unkompliziert in den Boden integrieren.
Der gelochte Anschlussflansch eignete sich optimal
für die Anbindung an den Kunstharzbodenbelag.
Er sorgt für eine zuverlässige Verkrallung mit dem
Boden, sodass Rinne und Bodenbelag eine absolut
dichte Einheit bilden. Dank Securin bleibt die Tiefgarage
des Ullrhauses nicht nur optisch ansprechend,
sondern ist auch gegen Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse
jeglicher Art gewappnet.
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Produkt News
Intelligente
Gebäudesteuerung
Planer und Architekten stehen oft vor der Herausforderung,
Gebäudetechnik sichtbar, aber ästhetisch
in den Raum zu integrieren. Gira liefert hierfür nun
eine duale Lösung. Der Gira G1 der zweiten Generation
positioniert sich als das neue High-End-Modell.
Sein hochauflösendes 7-Zoll-Display (800 x 1280 Pixel)
überzeugt durch brillante Lesbarkeit aus jedem
Blickwinkel und bildet das visuelle Zentrum für die
Systeme Gira One, Gira X1 sowie den Gira Home-
Server. Dank optimierter Hardware und Software
reagiert das System extrem flüssig auf Touch- und
Wischgesten zur Steuerung von Licht, Klima und
Beschattung. Näherungssensoren und optionale
Temperaturfühler erhöhen den Komfort, während die
Nutzung als vollwertige Wohnungsstation die Funktionalität
abrundet. Der G1 ist in Glas Schwarz oder
Weiß für 24 V oder PoE-Installation verfügbar.
Als kompakte und wirtschaftliche Alternative ergänzt
der Gira G1 XS das Portfolio. Er ist die ideale
Wahl für Projekte, die Kosteneffizienz fordern,
ohne Abstriche beim Design zu machen. Mit einem
6-Zoll-Display, Glasfront und verchromtem Rahmen
fügt er sich elegant in die Architektur ein. Er fungiert
als Zentrale für Gira One und X1 oder als natives
KNX-Raumbediengerät und unterstützt KNX Secure
sowie SIP-Türkommunikation.
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Schöck Isokorb® IQ.
Die intelligente Wahl für schnelles und
effizientes Bauen.
Mit dem neuen Schöck Isokorb® IQ
wird die Balkonmontage revolutioniert:
schneller, flexibler und einfacher
als je zuvor. In nur 5 Minuten
lässt sich das Balkonfertigteil per Kran
an Ihr Neubauprojekt anschließen –
ganz ohne aufwendige Gerüste oder
zusätzliche Unterstützungen.
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Produkt News
Intelligent laden, stilvoll leben
E-Auto-Laden muss unkompliziert, kostengünstig und effizient sein. Die mobile
Wallbox go-e Charger Gemini flex 2.0 vereint innovatives, elegantes Design und
bietet maximale Flexibilität, da keine Installation erforderlich ist: Der Nutzer muss
sie lediglich in eine rote CEE Steckdose einstecken und schon ist die Ladestation
einsatzbereit. Eine Wandmontageplatte ermöglicht schnelles Ein- und Ausrasten
der Ladestation und das minimalistische Design erlaubt eine unauffällige Montage
an Garagenwänden, Säulen oder Gebäudefassaden.
Die stationäre Variante go-e Charger Gemini 2.0 bietet
dieselben smarten Funktionen und kann schnell
von einem Elektriker dauerhaft installiert werden.
Die go-e Wallboxen mit Schutzklasse IP66/IP65
(abhängig von der Modellvariante) erlauben zudem
eine dauerhafte Außeninstallation. An öffentlich zugänglichen
Orten oder in Mehrparteienhäusern ermöglicht
die aktivierbare RFID-Autorisierung dabei
die individuelle Freigabe von Ladevorgängen, für
deren Abrechnung ein MID-konformer Stromzähler
erforderlich ist, wie beim go-e Charger PRO CABLE.
Mit Wallboxen von go-e und der dazugehörigen
benutzerfreundlichen App haben E-Autofahrer die
vollständige Kontrolle und behalten bei Bedarf bequem
den Überblick über alle Ladevorgänge. Darüber
hinaus ermöglicht die App zahlreiche intelligente
Funktionen, so ist ein go-e Charger beispielsweise in
der Lage, die Ladezeit und -leistung automatisiert
anhand von PV-Überschuss und zeitlich variablen
Strompreisen zu optimieren.
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Präzises Licht unter der Kuppel
Das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe Darmstadt,
UNESCO-Weltkulturerbe und Ikone des Jugendstils, erhielt im
Zuge seiner Sanierung eine neue Lichtlösung für den zentralen
Kuppelbau. Ziel war es, modernste Technik unsichtbar in
die denkmalgeschützte Substanz zu integrieren.
Lichtplaner Jörg Wenderoth realisierte gemeinsam mit
Regiolux ein Konzept basierend auf dem modularen SDT-Lichtbandsystem.
150 Leuchten wurden in einer speziell eingezogenen,
technischen Zwischenkonstruktion verborgen. Dies lässt
die historische Glasdecke als homogen leuchtende Fläche wirken
– absolut blendfrei und ohne sichtbare Technik im Ausstellungsraum.
Ausgestattet mit stufenlosem Tunable-White und
einer Human-Centric-Lighting-Steuerung (HCL), simuliert das
System den natürlichen Tageslichtverlauf. Dies inszeniert die
Exponate farbgetreu und steigert durch biologisch wirksames
Licht die Aufenthaltsqualität der Besucher signifikant.
Das für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 nominierte
Projekt punktet zudem mit hoher Wirtschaftlichkeit: Langlebige
LED-Komponenten und die flexible Modulbauweise sichern
Effizienz und Wartungsfreundlichkeit. Regiolux begleitete die
komplexe Umsetzung als technischer Partner von der Planung
bis zur Montage.
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der Fassadensanierung.
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bis hin zum individuellen Designkonzept
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geplante Sanierung.
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102
Produkt News
Inspirierende
Beleuchtung
Ob tagsüber als gestalterisches Element oder
nachts als funktionale Lichtquelle – die neuen
BEGA Leuchten verbinden Technik und Form
zu einem stimmigen Gesamtbild. Wie etwa die
neuen Decken- und Deckeneinbauleuchten,
deren konische Gittergewebestruktur für seitliche
Blendfreiheit auch bei flachen Einblickwinkeln
sorgt.
Ebenso neue Maßstäbe setzt die von natürlichen
Wellenformen inspirierte, neue BEGA Systempendelleuchte.
Ihre organische Struktur bricht das Licht
sanft und erzeugt eine faszinierende Tiefenwirkung.
Ein eleganter messingfarbener Ring akzentuiert die
fließende Form und unterstreicht die Exklusivität.
Ob ein- oder ausgeschaltet: Das ästhetische Erscheinungsbild
sowie die technische und optische Qualität
der BEGA Leuchten setzen Maßstäbe. In Räumen, in
denen ein einladendes stilvolles Ambiente gewünscht
wird, sind sie die ideale Lösung und fügen sich als
Hingucker und beeindruckende Lichtquelle nahtlos
in unterschiedliche Raumkonzepte ein. Damit macht
die bewährte und innovative Formgebung eine Frage
nach Veränderung über viele Jahrzehnte überflüssig
– so finden und behalten BEGA Produkte ihren Platz
in der Architektur.
BEGA Leuchten GmbH
Competence Center Innsbruck
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info-austria@bega.com
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Neue Generation der
Funk Regelung
Der Raumklimaspezialist Schütz Energy Systems ersetzt
mit der neuen Generation der varimatic Funk
Regelung seine bisher angebotenen Funk-Regelungen.
Die neuen Raumthermostate und Basismodule
funktionieren in Kombination miteinander und die
Verbindung erfolgt über Funk, was besonders für Sanierungsprojekte
von Vorteil ist, da hier keine Kabel
für die Regelung verlegt werden müssen. Zusätzlich
bietet Schütz ein Smart Gateway an. Dieser „zentrale
Knotenpunkt“ ermöglicht eine smarte Vernetzung
und Verwaltung der Einzelkomponenten untereinander.
Mittels einer separaten App auf dem Handy, die
sich über WLAN mit dem Gateway verbindet, kann
ganz einfach die Temperatur der Flächenheizung
eingestellt bzw. gesteuert werden. Eine weitere Neuerung
im Programm ist ein zusätzliches kabelgebundenes
Raumthermostat. Dieser digitale Regler kann
mit den kabelgebundenen Standardkomponenten
gesteuert werden, kann also bei einer bestehenden
Flächenheizung problemlos nachgerüstet bzw. ausgetauscht
werden. Die Besonderheit des Thermostats:
Es lässt sich über WLAN ganz einfach mit den
103
Smart Home Systemen von Amazon Alexa, IOS oder
beispielsweise Google Home koppeln und sich in bestehende
Smart Home Systeme integrieren.
Schütz GmbH & Co. KGaA
T +49 (0)26 26 77 0
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Produkt News
WO TECHNIK AUF DESIGN TRIFFT
FUNKTIONSTÜREN IN MUSEEN
Sicherheit in jeder Hinsicht, Kunst
in jedem Detail. Museen begeistern
jährlich viele Besucher und sind
die Heimat wertvoller Exponate.
Um beides umfassend zu schützen,
gelten daher hohe Brandschutzund
Sicherheitsauflagen. Anspruchsvolle
Bauvorhaben lassen
sich mit Funktionstüren von Teckentrup
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realisieren. Sie
bewähren sich bereits in zahlreichen
Ausstellungsgebäuden, wie auch im
Deutschen Museum in München.
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architektur FACHMAGAZIN
104
Produkt News
© Jakob Severin
Elegante Beschattung
für modernen Holzbau
Beim neuen Stammhaus von Blumer Lehmann spielt der Sonnenschutz eine wichtige
Rolle für Komfort, Energieeffizienz und Gestaltung. Griesser lieferte dafür ein
umfassendes Beschattungskonzept, das sowohl technisch als auch ästhetisch
überzeugt und perfekt auf den modernen Holzbau abgestimmt ist.
Im Fokus stehen die 112 Fassadenmarkisen
vom Typ Soloscreen, die einen zentralen
Beitrag zur Lowtech-Klimatisierung des
Gebäudes leisten. Die seilgeführten Markisen
bleiben im geöffneten Zustand nahezu
unsichtbar und fügen sich dank eines speziell
entwickelten Metallwinkels präzise in
die Architektur ein. Dieser ermöglicht sowohl
die Befestigung des Metallgewebes
im Brüstungsbereich als auch die Einspannung
der Seilführungen von oben – eine
Lösung, die hohe gestalterische Zurückhaltung
gewährleistet und die ruhige Wirkung
der Holzfassade unterstützt.
Die Textilmarkisen bieten wirkungsvollen
Sonnenschutz, ohne den Innenräumen ihre
Offenheit zu nehmen. Ihre leichte Transparenz
sorgt dafür, dass auch im beschatteten
Zustand ein angenehmes, diffuses Licht
eindringt. Durch umfangreiche Windtests
konnte die für Holzbauten untypische, nach
vorne versetzte Montage realisiert werden.
Ergänzend sichern Windwächter den Betrieb,
indem sie die Markisen bei starkem
Wind automatisch hochfahren.
Für den Außenbereich ergänzen drei G2000
Terrassenmarkisen das Gesamtkonzept.
Farblich auf die Soloscreen abgestimmt
und in der dezenten Nuance „Charcoal“
ausgeführt, fügen sie sich harmonisch in
das Gebäude ein. Beide Systeme unterstreichen
die moderne Ästhetik und unterstützen
gleichzeitig die nachhaltige Klimastrategie
des Neubaus.
Griesser Austria GmbH
+43 (0)5525 64222-0
info@griesser.at
www.griesser.at
© Jan Thoma
www.architektur-online.com
105
Produkt News
Für mehr Tageslicht
Mit Zirkon bringt Josko eines der schlanksten und nachhaltigsten Kunststoff/
Alu-Fenster im klassisch versetzten Stil auf den Markt. Die neue Produktfamilie
des Premiumherstellers unterstreicht den zeitlosen Charakter klassischer Häuser
und vereint ihn mit exzellenten Energiewerten von heute.
Der Rahmen von Zirkon entspricht dabei mit nur
79 mm* sichtbarem Rahmen nicht einmal der Breite
einer Kreditkarte und ist damit knapp 15 % schlanker
als der von marktüblichen Kunststoff/Alu-Fenstern im
klassisch versetzten Stil. Besonders bei Sanierungen,
wo die Größe der Maueröffnungen bereits vorgegeben
ist, macht sich dieser Vorteil deutlich bemerkbar.
Denn Fenster mit schlankem Rahmen bieten mehr
Glasfläche: Sie fluten Räume mit Tageslicht, eröffnen
weite Ausblicke und bringen Eleganz in jede Architektur.
Neben innovativem Design setzt Josko auch
bei dieser Produktneuheit wieder konsequent auf
Nachhaltigkeit: Das Kunststoff-Profil von Zirkon besteht
zu 80 % aus recyceltem Kunststoff, das Aluminium-Profil
zu 60 % aus recyceltem Aluminium.
Zirkon fügt sich dabei in das bestehende Portfolio
im New Classic Stil ein, welches bereits durch das
erfolgreiche Holz/Alu-Fenster Amber bekannt ist.
Durch ihre einheitliche Optik aus Aluminium wirken
Zirkon (Kunststoff/Alu) und Amber (Holz/Alu) außen
identisch und können je nach Budget harmonisch
kombiniert werden.
Josko Fenster & Türen GmbH
T +43 (0)7763 2241-0
office@josko.com
www.josko.com
*bei 15 mm Putzstärke
architektur FACHMAGAZIN
106
Produkt News
Fotos: Mediashots
Kreislaufwirtschaft trifft
innovative Wendefenster-Lösung
Im Rahmen der Gesamtsanierung der Schule für Gestaltung in Bern wird derzeit
auch die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes erneuert. Errichtet zwischen
1968 und 1971, zählt die Schule zu den bedeutendsten Berufsfachschulen
im Kanton Bern und bietet gestalterisch-künstlerische sowie gestalterisch-handwerkliche
Ausbildungen.
Für die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes
kommen für die seit 2024 andauernde Sanierung
speziell entwickelte Verbund-Wendefenster von
WICONA zum Einsatz, die auf dem System WICLINE
75 basieren und die funktionalen, energetischen und
gestalterischen Anforderungen erfüllen. Dabei werden
ein innerer und ein äußerer Flügel über einen
gemeinsamen Drehbeschlag mechanisch verbunden
und lassen sich synchron um eine vertikale Achse
drehen – jeweils mittig gelagert. Dazwischenliegend
ist ein motorisierter Sonnenschutz verbaut, der witterungsgeschützt
und wartungsarm betrieben und
über die zentrale Gebäudeleittechnik gesteuert wird.
Eingebunden ist das Verbund-Wendefenster in eine
geschosshohe Elementfassade auf Basis des Systems
WICTEC EL Evo. Dabei wurden in die opaken
Bereiche Photovoltaik-Module integriert, die optisch
auf die ursprüngliche Brüstungsgestaltung abgestimmt
sind.
Ein weiteres Highlight des Projekts ist die in der
Schweiz in dieser Form erstmals realisierte Umsetzung
eines geschlossenen Materialkreislaufs für Aluminium.
Rund 50 Tonnen alte Aluminiumprofile aus
dem Rückbau der Fassade wurden ins Hydro Recyclingwerk
nach Dormagen transportiert, aufbereitet
und im Folgenden zu Hydro CIRCAL 75R verarbeitet.
Dieses recycelte Aluminium weist einen End-of-Life-Materialanteil
von mindestens 75 % auf und verfügt
über einen sehr geringen CO 2 -Fussabdruck von
nur 1,9 kg CO 2 pro kg Aluminium.
Hydro Building Systems Austria GmbH
T +43 (0)6212 20000
info@wicona.at
www.wicona.at
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Höchste Sicherheit
Mit zertifizierten Lösungen für Einbruchhemmung,
Flucht- und Rettungswege sowie
Brand- und Rauchschutz ermöglicht heroal
die vollumfängliche Realisierung von Sicherheit
in Gewerbe- und Industrieobjekten sowie
öffentlichen Gebäuden. Trotz Erfüllung
höchster Sicherheitsanforderungen integrieren
sich die ganzheitlichen Systemlösungen
nahtlos in die Architektur. Optisch nicht von
Ausführungen ohne besondere Schutzanforderungen
unterscheidbar, ermöglichen sie
durchgängige Gestaltungskonzepte. Zusätzlich
bietet das abgestimmte Portfolio Mehrwerte
in Funktionalität, Design und Komfort
und überzeugt mit effizienter Fertigung,
einfacher Montage und vielfältigen Gestaltungsoptionen
für die Gebäudehülle.
heroal – Johann Henkenjohann
GmbH & Co. KG
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107
Produkt News
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Photovoltaik
architektur FACHMAGAZIN
108
Produkt News
Das große Potenzial passiver Kühlstrategien
Wie gelingt es, bei steigenden Durchschnittstemperaturen und dichten Gebäudehüllen
Wohnräume mit passiven Kühlstrategien das ganze Jahr angenehm kühl zu
halten? Zu dieser Frage wurden nun erstmals empirische Daten im Rahmen eines
Forschungsprojekts erhoben. Die Lösung liegt oft näher als gedacht – in einer
durchdachten Fensterplanung und gezielter Nachtlüftung.
Wer Dachfenster hat, kann alle Vorteile der besonders effektiven Kaminlüftung nutzen.
++
Für das Forschungsprojekt rund um das
Thema Ventilative Cooling wurden zwei
baugleiche Testhäuser mit über 200 Sensoren
ausgestattet und überwacht. Das Ergebnis:
Werden die Fenster nachts gezielt
geöffnet, können Räume um mehrere Grad
abkühlen und damit Komfort sowie Energieeffizienz
steigen.
Die Untersuchung belegt: während ein gekipptes
Fenster nur für den Mindestluftwechsel
sorgt, senkt eine gezielte Querlüftung die
Temperatur deutlich. Noch effektiver ist die
Kaminlüftung, bei der Fassaden- und Dachfenster
gleichzeitig geöffnet werden. Warme
Luft entweicht nach oben, kühlere Nachtluft
strömt nach – so konnte die Raumtempe-
Bis zu 5,5 °C niedrigere Raumtemperatur:
Die Kaminlüftung ist die effektivste passive Kühlstrategie.
ratur im Sommer um bis zu 5,5 °C gesenkt
werden. Automatisierte Fensterlösungen
unterstützen zusätzlich: Sie lassen sich bequem
bedienen und ermöglichen programmierbare
Lüftungsintervalle.
Bedeutung für Baupraxis und
nachhaltige Gebäudeplanung
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen,
wie wichtig durchdachte Lüftungskonzepte
für den Neubau und die Sanierung von Gebäuden
sind. Moderne Gebäude sind heute
besonders gut gedämmt und luftdicht gebaut.
Das spart zwar Heizenergie im Winter,
stellt aber im Sommer eine echte Herausforderung
dar. Ohne gezielte Lüftungsstrategien
kann sich die Hitze schnell im Inneren
stauen und es kann zu unangenehmen
Raumtemperaturen kommen. Lüftungskonzepte,
die auf natürliche Nachtkühlung und
automatisierte Steuerung setzen, ermöglichen
es, Wohn- und Arbeitsräume effizient
und passiv zu kühlen und gutes Innenraumklima
zu gewährleisten.
www.velux.at
www.architektur-online.com
109
Produkt News
Zusammenspiel aus Holz und Beton
Die Tiroler Versicherung setzt mit dem Neubau ihrer Unternehmenszentrale mitten
in Innsbruck ein starkes Zeichen für zukunftsorientiertes, verantwortungsbewusstes
Bauen. Der Entwurf des Architekturbüros DIN A4 vereint ökologische
Innovation mit energieeffizienter Architektur und setzt bewusst auf regionale
Baustoffe und einen möglichst niedrigen ökologischen Fußabdruck.
Fotos: Ditz Fejer
Im Zentrum des Gebäudekonzepts steht eine durchdachte
Holzhybridbauweise, bei der massive Treppenhäuser
mit einer Tragkonstruktion aus Holz in
Verbindung mit Brettschichtholzdecken und -wänden
umrahmt sind. Ergänzt wird die Holzstruktur
durch Fassadenplatten aus Glasfaserbeton, ein
Werkstoff, der mit seiner Langlebigkeit, Witterungsbeständigkeit
und Gestaltungsfreiheit überzeugt.
Die nur 13 mm dünnen, robusten Elemente schützen
das Gebäude zuverlässig vor äußeren Einflüssen
und tragen durch ihre wartungsarme Oberfläche zur
langfristigen Ressourcenschonung bei. Die großformatigen
Fassadenelemente wurden werkseitig vorgefertigt
und konnten auf der Baustelle passgenau
montiert werden. Das witterungs- und brandbeständige
Material bildet die perfekte Symbiose mit Holz:
technisch robust, ästhetisch hochwertig und umweltfreundlich
zugleich
Rieder
T +43 (0)6542 690-844
office@rieder.cc
www.rieder.cc
architektur FACHMAGAZIN
110
Produkt News
Architektur, Genuss und Sicherheit
Inmitten der Weinberge von Straden entstand beim Weingut Krispel ein Gebäude,
das modernen Produktionsanspruch mit regionaler Identität verbindet. Der traditionsreiche
Familienbetrieb entwickelte sich in den letzten Jahren vom kleinen
Weingut zum architektonisch anspruchsvollen Genussgut und für die neue Produktionshalle
übernahm Peneder die vollständige Planung und Umsetzung des Brandschutzes
– von der Konzeption bis zur Montage.
Ziel war es, technische Sicherheit nahtlos in die klare
architektonische Gestaltung zu integrieren. Die
Auswahl der Produkte erfolgte nach einer präzisen
Checkliste, abgestimmt auf Brandschutzklasse,
Nutzung und Design. Zum Einsatz kamen robuste
Stahltüren, sowie maßgefertigte Aluminiumlösungen,
die sich harmonisch in das architektonische Gesamtbild
einfügen. Im Rahmen der Planung wurden
Öffnungen, Fluchtwege und Funktionszonen so ausgelegt,
dass sie den betrieblichen Abläufen optimal
entsprechen. Besonderes Augenmerk galt der sicheren
Gestaltung von Warenfluss, Logistik und Arbeits-
prozessen im laufenden Betrieb. So ermöglicht etwa
die großformatige zweiflügelige Drehflügeltür mit
einer Durchgangslichte von 3.580 mm den sicheren
Transport von Produktionsmaschinen und Materialien,
ohne den architektonischen Anspruch zu stören.
Damit wird Sicherheit nicht zur Einschränkung, sondern
Teil des Designs.
Peneder Bau-Elemente GmbH
T +43 (0)50 5603 - 0
brandschutz@peneder.com
www.peneder.com
www.architektur-online.com
111
Produkt News
© www.Lindner-Group.com
Mehr Sicherheit,
weniger Aufwand
Die Lindner F90 Senk-Schiebe Decke vereint exzellenten
Brandschutz mit herausragender Wartungsfreundlichkeit.
Besonders für komplexe Bauprojekte wie Krankenhäuser
und Verwaltungsgebäude, in denen höchste Sicherheitsstandards
und eine effiziente Instandhaltung unverzichtbar
sind, bietet sie die ideale Lösung. Neben einer deutlichen
Verbesserung des Brandschutzes ermöglicht die einzigartige
Senk-Schiebe-Funktion einen schnellen, werkzeuglosen
Zugang zu Deckenhohlräumen. Die freigespannten Deckenelemente
mit Maßen bis zu 2.500 x 400 mm lassen sich einzeln
absenken und in Flurlängsrichtung horizontal unter die
anderen Deckenelemente verschieben. Dadurch entstehen
große Revisionsöffnungen, die einen effizienten und störungsfreien
Zugang zu Installationen im Deckenhohlraum
ermöglichen – ideal für die regelmäßige Wartung und Instandhaltung
ohne Beeinträchtigung des Gebäudebetriebs.
Wartungsarbeiten werden somit nicht nur einfacher, sondern
auch deutlich kosten- und zeitsparender.
Die Lindner F90 Senk-Schiebe Decke lässt sich nicht nur
problemlos in neue Bauprojekte integrieren, sondern bietet
auch hervorragende Möglichkeiten für Sanierungen.
Lindner GmbH
T +43 (0)2252 86160-0
austria@lindner-group.com
www.lindner-group.at
Foto: Harry Schiffer - www.fotodesign.at
Sanierungslösungen
für Dächer und Fassaden
Kreatives Bauen
mit Beständigkeit
50 JAHRE
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DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG
A-4870 Vöcklamarkt • Mösenthal 1
architektur FACHMAGAZIN
112
Produkt News
Fotos: Christian Schellander
Wohnbau in Holz-Hybrid Bauweise
Mit dem LeopoldQuartier entsteht im 2. Wiener Gemeindebezirk Europas erstes
großmaßstäbliches Stadtquartier in Holz-Hybrid-Bauweise. Geplant vom Grazer
Büro Gangoly & Kristiner Architekten, gilt es als Leuchtturmprojekt für nachhaltige
Stadtentwicklung. Mit rund 6.600 m³ verbautem Holz – davon 3.800 m³
allein in den Wohnbauten mit 253 Apartments – entsteht so Österreichs größtes
Holz-Beton-Hybridquartier.
Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der architektonischen
Vision des Projekts nimmt dabei die Fassadenlösung
ein. Bei deren Realisierung entschied man
sich bewusst für das StoVentec R System, da der
Wandaufbau aus klassischen Holzriegelwänden mit
innenliegender Dämmung und einer brandschutzrelevanten
äußeren Platte besteht, die nicht direkt
verputzbar ist. Hier ist eine zusätzliche Lösung für
die Putzfassade notwendig – und genau diese bietet
StoVentec R.
Durch den Systemaufbau mit StoCarrier Aero
(Verotec -Leichtbauplatte) konnte eine schlanke und
leichte Konstruktion realisiert werden, die die Brandschutzanforderungen
erfüllt und gleichzeitig gestalterische
Freiheit schafft.
Das eingesetzte Fassadensystem kombiniert nachhaltige
Trägerplatten aus Blähglasgranulat mit hoher
Dämmleistung und einer fugenlos verputzbaren
Oberfläche. Neben sicherem Feuchte- und Witterungsschutz
der Holzkonstruktion punktet das System
mit verbessertem Schallschutz von bis zu 18
dB, geringem Gewicht von nur ca. 13 kg/m² bei einer
schlanken Aufbaustärke von rund 5 cm sowie besonders
geringen Wartungsaufwänden dank langlebiger
Putzoberfläche.
Sto Ges.m.b.H.
T +43 (0)4242 33 133-0
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www.architektur-online.com
113
Produkt News
Maßgeschneiderte
Perfektion in Rot
Um seine Büros den künftigen Anforderungen eines
modernen Workspaces anzupassen, suchte die
Galliker Transport AG nach einem innovativen Bodenbelag,
der das architektonische Gesamtkonzept
komplettierte. Er sollte nicht nur den hohen funktionalen
Ansprüchen gerecht werden, sondern sich
auch nahtlos in das Corporate Design integrieren.
Die Wahl fiel auf Kugelgarn® von Fabromont, da der
Bodenbelag durch seine Robustheit und Langlebigkeit
von allen Möglichkeiten am meisten überzeugte.
Ein besonderes Highlight bildete dabei die speziell
für dieses Projekt entwickelte exklusive Sonderfarbe
„Galliker“, ein spezieller Rotton mit Grautönen und
einem Hauch von Aubergine, der die Identität des
Unternehmens perfekt unterstreicht.
Der Kugelgarn®-Bodenbelag überzeugte die Entscheider
zudem durch seine Strapazierfähigkeit
sowie die Möglichkeit, stark beanspruchte Stellen
schnell und ohne sichtbare Unterschiede auszutauschen.
Die nachhaltigen Eigenschaften des Materials
sind ein weiterer Pluspunkt, der zur Verlegung von
2.600 m 2 Kugelgarn® bei dem Schweizer Logistikunternehmen
führte.
Fabromont AG
T +41 (0)26 497 88 11
kontakt@fabromont.ch
www.fabromont.ch
Fotos: René Rötheli
Freiheit in der Architektur
Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko
DELTABEAM®
Verbundträger
ATLANT® Strong
Verbundstütze
www.peikko.at/atlant
architektur FACHMAGAZIN
114
Produkt News
Fotos: Hannes Heitmüller
Architektonisches Highlight
Der Neubau der Stadtteilschule Kirchwerder in Hamburg ist ein beeindruckendes
architektonisches Statement, das moderne Gestaltung mit funktionaler Pädagogik
auf harmonische Weise verbindet.
Das Schulgebäude entstand auf einem rund
drei Hektar großen Grundstück und bietet
Raum für knapp 1.100 Schülerinnen und
Schüler. Im Innenbereich kam der Kautschukbelag
noraplan unita auf rund 11.000
m 2 zum Einsatz, für dessen Wahl neben den
gestalterischen und funktionalen Vorteilen
auch ein technischer Aspekt eine zentrale
Rolle spielte: Um den geforderten Helligkeitswert
im Innenraum sicherzustellen,
musste ein besonders heller Bodenbelag
eingesetzt werden. Der freundliche Rosaton,
eine eigens für das Projekt entwickelte Sonderfarbe,
harmoniert perfekt mit dem Beton
im Innenraum und schafft eine helle, einladende
Atmosphäre. Zudem benötigen die
nora Kautschukböden keine Beschichtung,
lassen sich chemiearm reinigen, tragen den
Blauen Engel und erfüllen die Referenzobjekt
Qualitätsstufe 4 des DGNB-Kriteriums
ENV1.2 – Risiken für die lokale Umwelt. Der
verlegte Kautschukboden in den Klassenräumen,
Fluren, Aufenthaltsbereichen und
dem Eingangsbereich erfüllt dabei die hohen
Anforderungen der Schulbau Hamburg
an Umweltverträglichkeit und Funktionalität,
etwa in Bezug auf Rutschfestigkeit für
ein sicheres Gehen im Schulalltag.
nora flooring systems GesmbH
+43 (0)7242 74 001-0
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115
Produkt News
Von der Kaserne zum Wohnpark
Aus dem Areal der ehemaligen Kirchner Kaserne im Grazer Bezirk Jakomini entstand
eine öffentlich zugängliche Parklandschaft – frei darin verteilt zehn Häuser
mit insgesamt 577 Wohnungen, die sich ganz unterschiedlich zeigen. Die fünf
Gebäude im Süden des Geländes lassen italienischen Einfluss eindeutig erkennen:
Holzfassaden und umlaufende Balkone verweisen auf das Leben im Freien inmitten
der Natur.
Die nördlichen fünf dagegen haben gegliederte Putzfassaden,
die nach Wunsch der Architekten an gründerzeitliche
Vorbilder mit horizontaler Gliederung
erinnern: Zwei Geschosse wurden als Sockel zusammengefasst,
der einen rauen Putz erhielt; ein Gurtgesimse
trennt ihn von der Hauptfassade, die glatter
geputzt wurde. Dem Vorbild entsprechend wurde zudem
auf eine Verblechung der Fensterbänke verzichtet
und ein speziell entwickeltes Austrotherm Fassadenprofil
als Fensterbank verbaut. Links und rechts
befinden sich seitliche Hochzüge, die in das WDVS
integriert sind. Aus demselben Austrotherm-Element
wurden auch die Gesimsbänder gearbeitet,
wobei zum Fensterbankprofil noch ein Gurtgesimse
und eine Loggien-Brüstungsabdeckung dazukam.
Auch über der Tiefgaragendecke kamen Produkte
des heimischen Dämmstoffspezialisten zum Einsatz:
Austrotherm XPS® TOP 70 bildet dort die Schutzlage
unter dem intensiven Begrünungsaufbau.
Austrotherm GmbH
T +43 (0)2633 401-0
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www.austrotherm.at
architektur FACHMAGAZIN
116
Produkt News
Fotos: voestalpine
Metallisches Farbenspiel
Eine langjährige Partnerschaft und innovative Baulösungen vereinen DOMICO und die
voestalpine Stahl GmbH. Dies wird insbesondere beim neuen Betriebsgebäude 53 des
Stahl- und Technologiekonzern in Linz sichtbar. Die Planum®-Fassade aus colofer® in
der greentec steel Edition in drei metallischen Farbtönen verändert je nach Lichteinfall
und Betrachtungswinkel ihre Wirkung.
Die Gestaltungsidee der Generalplaner von Delta
Pods Architects lebt dabei vom spannungsreichen
Spiel dreier metallischer Farbtöne: RAL 7037 (Staubgrau)
steht für den Rohzustand – unauffällig, funktional.
RAL 9007 (Graualuminium) verweist auf die
technische Veredelung, bei der das Material formbar,
differenzierter und reflektierender wird. RAL 9006
(Weißaluminium) symbolisiert schließlich die finale,
polierte Oberfläche – hell, glänzend, einsatzbereit in
der Architektur.
Für die Realisierung der Architekturidee setzten die
Architekten auf das bewährte Planum®-Fassadensystem
von DOMICO, das den bauphysikalisch korrekten
Aufbau gewährleistet. Gleichzeitig ist der Ausgleich
von vorhandenen Toleranzen im Mauerwerk möglich,
womit sich das System auch für den Einsatz im Sanierungsbereich
an Bestandsgebäuden auszeichnet.
Die Planum®-Profile können in Deckbreiten von 200
bis 800 mm und Längen bis 12 m gefertigt werden
und werden bereits montagefertig in der gewünschten
RAL-Farbe zur Baustelle geliefert.
DOMICO Dach-, Wandund
Fassadensysteme KG
T +43 (0)7682 2671-0
office@domico.at
www.domico.at
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117
Produkt News
BESSER HEIZEN.
BESSER LÜFTEN.
BESSER KÜHLEN.
Modular, präzise, skalierbar
In Ravensburg entstand ein zukunftsweisendes
Bürogebäude in Holz-Hybridbauweise
mit dem Ziel, einen modulareren
Bau mit hoher Präzision, schneller
Montage und architektonischer Qualität
entstehen zu lassen. Die Integration der
DELTABEAM® Verbundträger von Peikko
in das CREE-System ermöglichte dabei
eine schlanke Deckenkonstruktion
und reduzierte die Komplexität deutlich.
Der Bauablauf folgte einem klaren
Schema: Um den aussteifenden Stahlbetonkern
herum wurde zügig das Tragwerk
für das fünfgeschossige Gebäude
errichtet – bestehend aus deckengleichen
DELTABEAM® Trägern, schlanken
ATLANT® Stützen und den Fassaden- und
Deckenelementen von CREE. Die Kräfteübertragung
zwischen Deckenpaneelen
und Trägern erfolgte über MODIX®
Schraubmuffen und STUDIX® Kopfanker.
Die Kombination ermöglicht eine langlebige,
flexible und belastbare Tragstruktur
– ideal für moderne Bürogebäude. Für die
Verbindung der DELTABEAM® Träger mit
dem Stahlbetonkern kamen PCs® Konsolen
zum Einsatz. Diese werden im Fertigteilwerk
in die Schalung eingebracht und
auf der Baustelle verschraubt. Nach dem
Einbau sind sie sofort belastbar – ein Vorteil
für den zügigen Bauablauf.
Peikko Austria GmbH
T +43 (0)5523 521 210
austria@peikko.com
www.peikko.com
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MODIX® Muffensystem und STUDIX® Kopfanker –
Kraftübertragung zwischen Decke und Verbundträger.
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energiesparende Flächenheiztechnik
mit den Vorteilen
der kontrollierten Be- und
Entlüftung. So schaffen
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allen Sinnen genießen lassen.
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architektur FACHMAGAZIN
Schnell,
bauzeitenflexibel,
wirtschaftlich
Mit dem neuen tragenden Wärmedämmelement
Isokorb IQ Typ K setzt Schöck neue Maßstäbe in der
Bauindustrie. Das innovative Produkt ergänzt das
Schöck Telligent Baukonzept um eine intelligente
Anschlusslösung für Fertigteilbalkone aus Stahlbeton.
Dabei vereint Isokorb IQ höchste Effizienz mit
maximaler Gestaltungsfreiheit und überzeugt sowohl
Bauunternehmen als auch Planer. Ein weiterer
Vorteil: Dank der flexiblen Montagezeit können Fertigteilbalkone
mit Isokorb IQ in nur wenigen Minuten
direkt auf der Baustelle just-in-time angebracht werden
– die Montage erfolgt trocken und ohne Abstützungen,
selbst bei bereits fertiggestellten Gebäuden.
Der bauzeitenflexible Anschluss trägt außerdem
dazu bei, dass Fertigteilbalkone auch an herausfordernden
Standorten oder bei beengten Platzverhältnissen
problemlos eingebaut werden können. Da die
Balkone just-in-time geliefert werden, müssen sie
nicht auf der Baustelle gelagert werden.
118
Schöck Bauteile Ges.m.b.H.
T +43 (0)1 786 5760
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www.schoeck.com
Produkt News
Technologie Upgrade
Die neue Version ABIS AVA 38 basiert auf der aktuellen
.NET 8.0 Plattform. Dies führt zu einer Verbesserung
der Reaktionszeit der Benutzeroberfläche und
einer Beschleunigung langer Verarbeitungsoperationen.
Im AVA-IFC Import wurden die bisherigen Element-Filter
durch ein auf IDS (Information Delivery
Specification) basierendes Filtersystem ersetzt. Die
IDS-Datei ist in vielen BIM-Viewern nutzbar und modifizierbar,
was die Interoperabilität erhöht. Zudem
wurde der Import fit für IFC 4.3-Dateien gemacht.
Wie die Kostenmengenauswertung verfügt nun der
SOLL-Ist Vergleich über ein eigenes Auswertungsfenster,
das einen direkten, frei konfigurierbaren
Excel-Export ermöglicht. Die Schnittstelle zur Standardkalkulation
Hochbau wurde von SOAP auf das
REST-Interface umgestellt, wodurch die Datenübertragung
sicherer und schneller erfolgt. Und auch die
Druckoptionen beim Preisspiegel wurden erweitert:
Das Summenblatt (Übersicht) ist frei anpassbar, und
die Reihenfolge der Bieter kann konfiguriert werden.
ABIS Softwareentwicklungs GesmbH
T +43 (0)316 83 13 61
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119
Produkt News
Altes Mauerwerk, neuer Geist
Im Grazer Einzugsgebiet, dem heutigen
Rosenhain, wurde im 17. Jhdt. ein stattliches
barockes Gebäude errichtet, das
eine wechselhafte Geschichte bis hin
zur Ruine in der Neuzeit erlebte. Unter
Denkmalschutz gestellt wurde es als
Jesuitenrefektorium am Rosenhain der
Universität Graz zugeordnet, und nach
vielen Überlegungen entschloss man
sich, das Baujuwel von Leb-Idris architektur
aus seinem Dornröschenschlaf erwecken
zu lassen. Als wichtiger Begleiter
für das Projekt war dabei die Cooperative
Leichtbeton eingebunden.
Der Plan sah die Sanierung des Bestandes,
die Wiedererrichtung der zuvor eingestürzten
Arkaden sowie einen zweigeschossigen
Dachaufbau vor. Die über
400 Jahre alten Gemäuer wurden als
raumbildende Elemente verwendet und
eine Rahmenkonstruktion aus Stahlbeton
ermöglichte zusätzlich ein zweigeschossiges
Dach aufzusetzen. 2023 war Baubeginn,
die Fertigstellung erfolgte 2025.
Das Kellergewölbe konnte dabei nicht
erhalten werden und wurde durch eine
Betonschachtel für Technik und Fahrradabstellplätze
ergänzt. Auf der denkmalgeschützten,
revitalisierten Bausubstanz
wurden ein Hörsaal, Seminar- und
Arbeitsräume für das Institut für Bewegungswissenschaften,
Sport und Gesundheit
errichtet. Dem Nachbild der abgekommenen
Arkaden und Giebelwände
aus bis zu sechzig Zentimeter starken,
homogenen Dämmbetonwänden, mit ihren
Schattierungen, dem industriellen
Raster der Schaltafeln, Rödellöchern und
Fließspuren, ist der Entstehungsprozess
eingeschrieben. Altes Mauerwerk und
hochmoderner, gegossener Baustoff ergänzen
sich in ihrer Haptik, Optik und
Mächtigkeit zu einem hellen, Ruhe vermittelnden
Bauwerk unter einem gemeinsamen
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architektur FACHMAGAZIN
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Großformatdrucker:
Schnell, smart und multifunktional
Aktuelle Großformatdrucker sind nicht nur schneller und sparsamer, sie sind
auch smarter. Sie können scannen, kopieren und lassen sich fernbedienen
oder fernwarten. Was leisten aktuelle Einsteiger-, Profi- und Multifunktionsgeräte
und was kosten Druckdienstleister?
Text: Marian Behaneck
Auch im Zeitalter der Digitalisierung sind
Papierpläne unverzichtbar. Großformatdrucker
oder „Large Format Printer“ (LFP),
teilweise auch noch „Plotter“ genannt, gehören
deshalb zur unentbehrlichen Standardausstattung
von Planungsbüros. In
vielen Unternehmen sind sie allerdings in
die Jahre gekommen und deshalb langsam,
wartungsanfällig und teuer im Betrieb. Aktuelle
Druckermodelle sind einfacher und
intuitiver bedienbar, bieten höhere Ausgabequalitäten
und -geschwindigkeiten,
bei gleichzeitig niedrigeren Anschaffungsund
Betriebskosten. So sind aktuelle DIN
A1-Tischgeräte für Einsteiger bereits ab
800 Euro erhältlich.
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Zu den wichtigsten Auswahlkriterien bei
Großformatdruckern zählen die Ausgabequalität
und Druckgeschwindigkeit, das
Ausgabeformat, das Ausgabemedium, die
Bedienung, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit.
Auch Geräusch- und Schadstoffemission,
den Platzbedarf und die Nachhaltigkeit
sollte man berücksichtigen. Für
die Ausgabe von Bauplänen, technischen
Zeichnungen oder fotorealistischen Renderings
kommen überwiegend Tintenstrahldrucker
zum Einsatz. Diese Technologie
arbeitet mit mikroskopisch kleinen Tintentröpfchen,
die präzise auf das Papier aufgebracht
werden. Dadurch lassen sich selbst
feinste Linien und komplexe Farbverläufe
darstellen. Die typische Druckauflösung
liegt zwischen 600 und 2400 dpi und mehr.
Damit werden auch farbig angelegte Pläne,
fein abgestufte Grau- oder Farbverläufe,
Grafiken, fotorealistische Renderings oder
Fotos im Posterformat brillant gedruckt.
Im Gegensatz dazu nutzen Laser- und
LED-Drucker ein tonerbasiertes Verfahren,
bei dem Farbpulver elektrostatisch auf
Großformatige Ausgabegeräte sind trotz Digitalisierung
in vielen planenden Unternehmen unersetzlich. © Hewlett-Packard
das Medium übertragen und anschließend
fixiert wird. Während Laserdrucker mit einem
fokussierten Lichtstrahl auf eine Bildtrommel
arbeiten, setzen LED-Drucker auf
eine zeilenweise Belichtung durch Leuchtdioden.
Diese Bauweise ermöglicht eine
kompaktere Konstruktion, höhere Druckgeschwindigkeiten
und eine gleichmäßige
Ausgabequalität. Da LED-Systeme mit
weniger beweglichen Teilen auskommen,
gelten sie als besonders wartungsarm und
langlebig. Zudem sind die Druckkosten
gegenüber Tintenstrahldruckern deutlich
günstiger, auch bei der Farbausgabe.
Schön oder schnell drucken?
Die Qualität großformatiger Ausdrucke
hängt von mehreren Faktoren ab. Ein zentraler
Aspekt ist die Druckauflösung, gemessen
in dots per inch (dpi). Je höher
dieser Wert, desto feiner und exakter lassen
sich Details wie Kurven oder schräge
Linien darstellen. Moderne Geräte für den
CAD- und Präsentationsbereich erreichen
1.200 × 2.400 dpi, während fototaugliche
Systeme noch höhere Werte erzielen können.
Allerdings beeinflussen neben dem
dpi-Wert auch andere Faktoren wie Druckereinstellungen,
die Tinten-/Tonerqualität
oder die Papierwahl die Linienpräzision
und Farbwiedergabe – und damit die Ausgabequalität.
Für hochwertige Präsentationen
oder Wettbewerbe haben sich Tintenstrahldrucker
mit separaten Farbpatronen
bewährt, da sie brillante Ergebnisse liefern
und feine Abstufungen ermöglichen.
Sind hingegen hohe Druckvolumina im
Schwarzweißbereich gefragt – etwa bei
Plänen für Baustellen – bieten Geräte mit
LED-Drucktechnologie eine wirtschaftliche
Alternative. Diese Systeme punkten
mit hoher Geschwindigkeit, robuster Bau-
www.architektur-online.com
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Wenn kleinere Ausgabeformate genügen, sind platzsparende A2/A1-Tischgeräte
eine echte Alternative, … © Epson
… die auch im Homeoffice einen Platz finden. © Canon
weise und Zuverlässigkeit. Die Ausgabegeschwindigkeit
wird allgemein meist in A0-
oder A1-Seiten pro Minute angegeben. Je
nach Modell und Betriebsmodus liegt sie
zwischen 1 und 10 A0-Seiten pro Minute.
Dabei ist zu beachten, dass Herstellerangaben
oft auf den schnellen Entwurfsmodus
(Draft) oder den Schwarzweißbetrieb
bezogen sind. Im Farb druck reduziert sich
die Leistung spürbar. Für die Auswahl eines
geeigneten Systems empfiehlt es sich,
das maximale Druckaufkommen im Projektverlauf
zu berücksichtigen – inklusive
Spitzenlasten. Zwar sind schnelle Geräte in
der Anschaffung teurer, doch bei regelmäßigem
Einsatz amortisieren sich die Mehrkosten
durch verkürzte Wartezeiten und
höhere Produktivität im Büroalltag schnell.
Welches Papierformat?
Großformatdrucker verarbeiten Papier in
Rollenform bis zur Formatgröße A1, A0 –
und mehr, wobei die Papierrolle in einer
Richtung auch Überformate ermöglicht.
Mit randlos druckenden Ausgabegeräten
lassen sich beispielsweise Visualisierungen
für die Projektpräsentation über das
gesamte Papierformat ausgeben. Die meisten
Großformatdrucker können auch kleine
Formate in A3 oder A4 drucken. Mit einem
separaten A3/A2-fähigen Drucker (ab ca.
250 bzw. 500 Euro), lassen sich allerdings
kleinformatige CAD-Pläne oder verkleinerte
Probedrucke papiersparend ausgeben,
ohne große Ausgabegeräte zu blockieren.
Großformatdrucker verarbeiten, je nach
Modell, neben Normalpapier einer Stärke
von 60 bis 150 g/qm und mehr, auch Recycling-,
Film-, Transparent- oder Fotopapier,
teilweise sogar Karton bis zu einer Stärke
von etwa 1,5 mm. Neben der konventionellen
Bauform mit oder ohne Ständer,
gibt es auch kastenförmige Gehäuse mit
integrierten Rollenhaltern, Schneid- und
Faltvorrichtungen. Multifunktionale Großformatdrucker
können mit einem integrierten
oder aufgesetzten Scanner zusätzlich
auch scannen oder kopieren. Das spart
Platz, Anschaffungs- und Betriebskosten.
Der Platzaspekt ist nicht unerheblich, denn
neben einer Standfläche von 1-2 Quadratmetern
setzen Großformatdrucker vor dem
Gerät auch einen mindestens 80 Zentimeter
tiefen Bedien- und Arbeitsraum voraus.
Kommt dann noch eine Faltvorrichtung
hinzu, entsteht schnell ein Flächenbedarf
von 3-4 Quadratmetern pro Gerät. Multifunktions-Großformatdrucker
vermeiden
zugleich auch „Kabelsalat“, da nur ein
Netz- und Druckerkabel benötigt wird.
Zudem ist gegenüber Einzelgeräten unterschiedlicher
Hersteller die Bedienung von
Multifunktionsgeräten durch die einheitliche
Menüführung einfacher.
Wie einfach ist die Bedienung?
Stichwort „Bedienung“: Neben den technischen
Daten entscheidet auch sie darüber,
wie gut sich ein Ausgabegerät im Alltag
bewährt und letztlich wie wirtschaftlich
es ist. Ein gut lesbares, berührungssensitives
Display sollte dem Bedienungspersonal,
anstelle kryptischer Befehle, klar
verständliche Schritt-für-Schritt-Anweisungen
geben. Auch im Hinblick auf gelegentlich
durchzuführende Arbeiten wie
Papiertrommel einlegen, Tonerkartusche
tauschen, Papierstau beheben etc. sollte
man auf Benutzerfreundlichkeit achten. Alles
sollte möglichst einfach durchzuführen
sein und beispielsweise am Display durch
einen „Assistenten“ unterstützt werden.
Eine automatische Einzelblattzuführung
und Papierschneidevorrichtung sind heute
Standard. Einige Geräte verfügen darüber
hinaus über eine intelligente Medien-
erkennung (die allerdings nicht immer
zuverlässig funktioniert), eine optionale
Dokumentenablage oder eine Medienheizung,
welche die Umgebungstemperatur
und Luftfeuchte kontrolliert und bei Bedarf
korrigiert. Da bei der Planausgabe teilweise
sehr große Dateien mit den entsprechenden
Steuerbefehlen für den Drucker entstehen,
ist es wichtig, dass das Gerät über
einen ausreichend großen internen Speicher
verfügt (ab 1 GB Größe). Andernfalls
kann es bei großen CAD-Dateien zu Problemen
kommen. Integrierte Festplatten
ermöglichen eine zeitversetzte Ausgabe
von Druckaufträgen. Müssen viele Druckdateien
unterschiedlicher Datenformate in
möglichst kurzer Zeit ausgegeben werden,
sind die von einigen Herstellern angebotenen
gerätespezifischen Ausgabeprogramme
nützlich. Angesteuert werden Großformatdrucker
direkt über CAD-Programme,
respektive hersteller-/modellspezifische
Druckertreiber, die ausgewählt, heruntergeladen
und installiert werden müssen.
Manche Druckerhersteller stellen auch für
bestimmte CAD-Programme, beispielsweise
für Archicad oder Revit zugeschnittene
Treiber bereit, die eine umfassende Kompatibilität
bieten. Bei der Ausgabe sollten
alle gängigen Vektor- und Pixel-Dateiformate
verarbeitet werden, wie HP-GL, HP-
RTL, PDF, DWF, TIF, JPG etc., PostScript
ist meist optional. Neue Geräte lassen sich
per Internet bedienen: Wird beispielsweise
ein Plan am Mobilrechner auf der Baustelle
geändert, kann man ihn zunächst in
der Planvorschau prüfen und sofort quasi
ferngesteuert im Büro ausdrucken lassen.
Umgekehrt lässt sich eine brandneue
Planänderung vom Büro aus direkt an den
Drucker im Baustellencontainer senden
und ausgeben.
u
architektur FACHMAGAZIN
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Wie einfach ist die Wartung?
Eine so wichtige Bürohardware, wie einen
Großformatdrucker, sollte man stets
inklusive einem Wartungs-/Servicevertrag
erwerben. Die Leistungen sind unterschiedlich
und umfassen teilweise auch
die Versorgung mit Verbrauchsmaterial. Im
Fall der Fälle werden innerhalb eines definierten
Zeitfensters Reparaturen vor Ort
vorgenommen oder ein Ersatzgerät bereitgestellt.
Das ist immer dann sinnvoll, wenn
das Ausgabevolumen hoch ist und man
keinesfalls auf das Gerät verzichten kann.
Teilweise werden auch Verschleißteile nach
einem Serviceplan prophylaktisch ausgetauscht,
um Defekten vorzubeugen. Einige
Geräte lassen sich fernwarten. Dabei kann
das Service-Personal per Internetverbindung
nachvollziehen, welches Problem das
Gerät oder der Anwender gerade haben.
Die Wirtschaftlichkeit eines Ausgabegeräts
bestimmen Faktoren wie Anschaffungs-,
Service- und Betriebskosten (Kosten für
Papier, Tinten und Toner), die Ausgabegeschwindigkeit
(Durchsatz), aber auch
der operative Aufwand (Papier einlegen,
ggf. Ausgabevorgang kontrollieren, Papier
entnehmen etc.). Betrachtet man Druckertechnologien
unter diesem Aspekt, macht
die Laser-/LED-Technik das Rennen. Da
Tinten und Toner viel Geld kosten, sollte
man sich diese Verbrauchsmedien genauer
anschauen: Was kostet ein Tinten-/Tonersatz?
Für wie viele Planausdrucke reicht
der Inhalt? Können leere Farbkartuschen
auch einzeln ausgewechselt werden? Gibt
es Alternativen von Drittanbietern und
wie gut ist deren Qualität? Wird Tinte für
die Reinigung der Tintenstrahl-Druckdüsen
verbraucht – und wenn ja, wieviel? Je
höher das Druckvolumen, desto wichtiger
sind die Druckkosten. Sie unterscheiden
sich geräteabhängig teilweise erheblich
und liegen bei A3-Druckern zwischen 0,06
und 2,57 Cent pro A3-SW-Druckseite sowie
0,13 und 9,70 Cent pro A3-Farb-Druckseite
(ohne Gerätepreis, Papier, Strom und
Service, siehe auch: www.printer4you.com
oder www.druckkosten.de). Bei größeren
Formaten dürften die Unterschiede ähnlich
sein. Bei der Geräteauswahl sollte man
auch auf Umweltaspekte achten und nach
Recyclingmöglichkeiten bzw. der Möglichkeit
einer Wiederbefüllung oder des Austauschs
verbrauchter Teile (Kartuschen,
Druckkopf, Belichtereinheit etc.) fragen.
Das schont die Umwelt und den Geldbeutel.
Wegen der Geräuschbelastung von bis
zu 50 dB und mehr, teilweise auch wegen
des Ozon-Ausstoßes von Lasergeräten ist
eine Aufstellung in einem separaten Raum
empfehlenswert, sofern möglich.
Neben der Standfläche sollte man bei der Aufstellung auch den Bedien- und Arbeitsraum,
Ablagen und ggf. eine Faltvorrichtung berücksichtigen. © Hewlett-Packard
Was kosten Druckdienstleister?
Großformatdrucker müssen nicht nur gewartet
und im Schadensfall repariert werden.
Sie müssen auch verwaltet werden,
was in der Praxis hohe Kosten verursacht:
Verbrauchsmaterialien wie Papier, Tonerkartuschen
oder Druckerpatronen müssen
bevorratet und rechtzeitig bestellt werden,
wenn sie zur Neige gehen. Das generiert
bei mehreren Geräten einen nicht zu unterschätzenden
Verwaltungs-, Buchungs- und
Koordinationsaufwand. Klappt mal etwas
nicht, entstehen in harmlosen Fällen unproduktive
Wartezeiten. Kurz vor einem wichtigen
Abgabetermin kann das an die Substanz
gehen. Einige Hersteller bieten deshalb
auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittene
Servicepakete an. Dabei kümmert sich
ein Vertriebspartner vor Ort um alle Verwaltungs-
und Wartungsaufgaben, inklusive
Lagerhaltung für Papier, Tonerkartuschen,
Tintenpatronen oder Ersatzteile. Als weiteren
Schritt ermöglicht ein „Monitoring-Service“
die kontinuierliche Online-Erfassung
von Nutzungsdaten und des Wartungsbedarf
aller Ausgabegeräte im Unternehmen
Multifunktionale Geräte mit integriertem
oder aufgesetztem Scanner benötigen
gegenüber Einzelgeräten nicht so viel Platz.
© Canon
sowie die Weitergabe des aktuellen Bedarfs.
Eine Belieferungs-, Wartungs- oder Reparaturanforderung
wird automatisch ausgelöst
und ist innerhalb weniger Stunden erledigt.
Bei so viel Aufwand „drumherum“ können
auch (Online-)Dienstleister eine echte Alternative
zum Großformatdrucker-Kauf sein,
insbesondere für kleine Büros mit einem
geringen Ausgabevolumen von wenigen
Plänen pro Monat. Dabei muss lediglich eine
mit dem jeweiligen CAD-Programm erstellte
PDF-Datei mit der gewünschten Maßstab-/
Formateinstellung erzeugt und einem Online-Dienstleister
als E-Mail-Anhang, inklusive
Fertigstellungstermin und weiteren
Angaben (Plan gefaltet/gerollt, Abholung/
Versand etc.) zugesandt werden. Die Kosten
sind unterschiedlich, liegen aber bei einem
DIN A0-Ausdruck in Schwarz-Weiß bei etwa
einem Euro, bzw. zwei Euro bei Farbe – zuzüglich
Mehrwertsteuer, ggf. Faltung/Bearbeitungsgebühr
und Versandkosten. Weitere
Alternativen zum Neukauf sind auch
eine Gerätemiete, das Leasing oder der Kauf
gebrauchter und generalüberholter (refurbished)
Geräte.
•
Wichtig ist auch eine einfache Bedienung – etwa
beim Wechsel der Papiertrommel, der Tinten-/Toner
kartuschen oder beim Beheben von Papierstau.
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