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architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 7 2025

Raster, Modulbau, Vorfertigung ...

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

07

www.architektur-online.com

November 2025

System,

Technik &

Effizienz

© Jan Thoma / Blumer Lehmann


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the ordinary

with an AXOR shower experience

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www.architektur-online.com

3

Editorial

Raster, Modulbau, Vorfertigung ...

... diese Begriffe lösen bei Architekturschaffenden

nicht immer Begeisterungsstürme

aus. Zu oft werden sie mit Monotonie, reiner

Kostenoptimierung oder dem Verlust individueller

Gestaltung assoziiert. Doch wir erleben

derzeit eine Renaissance des seriellen

Bauens, die mit den „Plattenbauten“ vergangener

Tage kaum noch etwas gemein hat.

Die Verlagerung der Wertschöpfung von der

Baustelle in die wettergeschützte Werkhalle

ist heute ein Schlüssel zu Präzision, Kostensicherheit

und – so paradox es klingen mag

– auch zu neuen gestalterischen Freiheiten.

In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb

dem Spannungsfeld aus System, Technik

und Effizienz. Wir wollen zeigen, wie der

Algorithmus zur Hand des Handwerkers

wird, wie serielle Vorfertigung individuelle

Qualitäten hervorbringen kann und wie sich

Effizienz als architektonischer Mehrwert

denken lässt.

Den Auftakt macht das neue Stammhaus

der Holzspezialisten von Blumer Lehmann.

Die parametrisch entwickelte Treppens-

kulptur führt exemplarisch vor, wie digitale

Modellierung, CNC-Fertigung und handwerkliches

Wissen ineinandergreifen können,

um technische Präzision mit räumlicher

Atmosphäre zu verbinden – und wie

leistungsfähig moderne Holzbauweisen als

System sein können. Daran knüpft Cube68

an: Ein modularer Holzbau, der trotz strenger

Raster überraschend viel räumliche Individualität

erzeugt und auf minimaler Fläche

hohe Wohnqualität schafft. Ein Pilotprojekt

mit Signalwirkung für die angespannten

Wohnungsmärkte. Das Projekt Siège intercommunal

erweitert diesen Blick um die

Low-Tech-Perspektive. Lehmziegel, Holz

und natürliche Klimatisierung zeigen, dass

Effizienz nicht zwingend aus High-Tech

entsteht, sondern ebenso aus Reduktion,

Klarheit und zukunftsoffenen Grundrissen.

Einen sozial orientierten Ansatz verfolgt darüber

hinaus das Collegium Academicum in

Heidelberg. Der partizipative Prozess, das

suffiziente Raumprogramm und die gemeinschaftlich

organisierten Strukturen machen

deutlich: Effizienz kann auch bedeuten,

architektonische Systeme im Dienste sozialer

Nachhaltigkeit zu denken. Weitere

Projektberichte führen diese Gedanken in

unterschiedliche Richtungen weiter: Mit

dem Vienna Green Hub z.B. gelingt es, durch

konsequentes Weiterbauen, bestehende

Strukturen in klimaneutrale Arbeitswelten

zu transformieren. Und der Campus SHED in

Berlin demonstriert, wie industrielle Typologien

zu flexiblen, robusten Räumen werden,

die ganze Quartiere neu beleben.

Am Ende bleibt bei aller Faszination für

CNC-Fräsen, Modulraster und Energiekonzepte

eine Erkenntnis: Technik ist kein

Selbstzweck und ein System ist nur so gut

wie die Lebensqualität, die es ermöglicht.

Die hier vorgestellten Projekte machen

Mut, dass Effizienz und Empathie im modernen

Bauen keine Gegensätze mehr sind,

sondern Partner einer neuen architektonischen

Kultur.

Andreas Laser

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Start 08

cera.LAB

Keramik im Wandel

Magazin 14

Wettbewerbe 26

Bundesschulcluster in Liezen

Kindergarten in Puch bei Weiz

Im Kern aus Holz 30

Stammhaus Blumer Lehmann /

Gossau SG, Schweiz / K&L Architekten

Von der Sanierung 38

zur Klimaneutralität

Vienna Green Hub – Revitalisierung

des Europäischen Patentamts /

Wien / ATP architekten ingenieure

30

44

38

Großzügigkeit im 44

Mikro-Format

Cube68 / Dinkelsbühl / Liebel/Architekten

Gemeinschaft als Bauprinzip 50

Collegium Academicum / Heidelberg,

Deutschland / DGJ Architektur GmbH

Zwischen Stadt und Industrie 56

Campus SHED / Berlin-Neukölln /

Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft

von Architekten & REALACE GmbH

50

Moderner Low-Tech-Ansatz 62

Siège intercommunal / Neuves-Maisons,

Grand Est / Studiolada

Naturstein 68

Licht 78

Wie Boris Podrecca

das Immaterielle baut

Hotelarchitektur 82

Produkt News 92

edv 120

Großformatdrucker

56

62

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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architektur FACHMAGAZIN

8

Keramik

im Wandel

Start

Keramik erlebt ein Comeback – vielseitig, experimentell, überraschend modern.

Ob in großformatigen Fassaden, skulpturalen Möbeln oder als schlichte Tasse im

Alltag: Immer mehr Architekt:innen und Designer:innen entdecken das Material

neu. Auch in Innsbruck, wo man im kürzlich eröffneten Unbound Coffee Shop

seinen Flat White aus einem schlichten cera.LAB-Cup genießen kann – weit entfernt

von der provokanten Geometrie des „Ugly Cup“, aber mit derselben Haltung:

Keramik als Experimentierfeld zwischen Alltag und Kunst.

Text: Linda Pezzei

Jan Contala (1994) versteht sich als

digitaler Keramikhandwerker, der zwischen

Code und Ton, Algorithmus und

Intuition arbeitet. Sein Werk bewegt

sich zwischen Architektur, Forschung

und Design – mit Fokus auf die Verbindung

von Material, Handwerk und

digitalen Werkzeugen. Contala versteht

Design als eng verwoben mit den

Eigenheiten des Materials, der lokalen

handwerklichen Tradition und dem

kulturellen Kontext – sein Framework

nennt er „Terroir“. Digitale Werkzeuge

sieht er nicht als Gegensatz, sondern als

Erweiterung handwerklicher Prozesse:

Sie machen Qualitäten von Material und

Tradition sichtbar und verbinden sie

mit Innovation.

Mit seinem Studio cera.LAB entwickelt der Architektur-Designer

und Materialforscher Jan Contala

digitale Werkzeuge, die wie eine Verlängerung der

Hand funktionieren. So entstehen keramische Objekte

zwischen Algorithmus und Zufall, zwischen architektonischem

Denken und handwerklicher Intuition.

Ob skulpturale Installationen wie Keratop, die Natur

und Stadt versöhnen sollen, oder Alltagsobjekte, die

Rituale neu erfahrbar machen: cera.LAB steht exemplarisch

für die Renaissance eines uralten Materials

im digitalen Zeitalter.

Keramik zwischen Handwerk und Digitalität

„Das Experiment ist zentral in meinem Gestaltungsprozess“,

sagt Contala. Digitale Simulationen erlauben

präzise Modellierungen und schnelle Variationen

– „doch erst im physischen Material zeigen sich

Struktur, Oberfläche und Verhalten.“ Dieses Wechselspiel

beschreibt er als Motor seiner Arbeit: „Das Digitale

schärft die Form, das Material die Realität.“ Seine

ersten 3D-Druck-Tests sind ihm dabei bis heute präsent:

„Im Modell war die Form perfekt, im Brennofen

aber kollabierte sie völlig – genau in solchen Momenten

zeigt sich die wahre Qualität des Experiments.“

Für Contala ist Handwerk die Basis, nicht der Gegenpol

seiner digitalen Arbeit: „Handwerk verstehe

ich als Zusammenspiel von Material, Werkzeug und

Erfahrung.“ Digitale Tools seien keine Ersatztechnologien,

sondern Erweiterungen. „Ton, Glasur und

Brennprozess folgen weiterhin ihren Gesetzen – genau

darin liegt die Nähe zum Handwerk.“ Erst dort,

wo Präzision und Erfahrung aufeinandertreffen, entstehe

Neues: „So wird das Handwerk nicht nur bewahrt,

sondern weiterentwickelt – eine Evolution, die

Tradition und Technologie verbindet.“

u

„Ich sehe Technologie als Erweiterung des Handwerks

– als Möglichkeit, Objekte zu schaffen, die zugleich zeitgenössisch

und tief in der Tradition verwurzelt sind.“

© David Kratzer

Jan Contala, Gründer von cera.LAB


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9

Magazin

Mehr Raum

für neue Ideen.

Der Besprechungstisch m500 bringt alle zusammen.

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architektur FACHMAGAZIN

10

Start

Unregelmäßig, kantig, irritierend: Der Ugly Cup fordert

die Hand heraus und verwandelt den Akt des Trinkens

in ein haptisches Experiment zwischen Balance und

Überraschung.

© David Kratzer

Corona als Katalysator

Die Idee für cera.LAB entstand in der Pandemie.

„Plötzlich waren die Universitätslabore geschlossen,

Forschung und Experimente praktisch unmöglich –

das war der Auslöser, eine eigene, unabhängige Forschungsstätte

aufzubauen.“ Gleichzeitig spürte er,

„wie Architektur durch Standardisierung und globale

Bauteile ihre Nähe zum Handwerk verlor.“ Mit cera.LAB

wollte er einen Gegenentwurf schaffen: „Ein Ort, an

dem Planung und Fertigung eng verbunden sind, digitale

Tools für lokale Prozesse genutzt werden und

innerhalb eines Raumes vom Entwurf bis zum Prototyp

alles möglich ist.“

Material als Medium

Wie konsequent sich diese Haltung umsetzen lässt,

zeigen Projekte wie Another Ceramic Brick in the

Wall. „Mit keramischem 3D-Druck haben wir Bausteine

entwickelt, die nicht nur dekorativ sind, sondern

aktiv Licht und Klima im Raum steuern.“ Keramik

wird hier zum funktionalen Baustoff im architektonischen

Maßstab – lokal produziert, individuell anpassbar,

nachhaltig.

In der Forschungsreihe Keratop geht er einen Schritt

weiter. „Maßgeschneiderte Keramikstrukturen schaffen

lebendige Ökosysteme in der Stadt, fördern Biodiversität,

unterstützen Mikroklimata und steigern das

Wohlbefinden der Menschen.“ Statt nur zu bestehen,

schaffen die Strukturen Lebensräume für Pflanzen

und Tiere. „So entsteht ein architektonisches Biotop,

das weniger durch seine Dauerhaftigkeit, sondern

durch seine Fähigkeit überzeugt, ökologische Resilienz

in Städten zu fördern.“

© Max Schorch

Skulpturale Ziegel aus dem 3D-Drucker: Keratop versteht Keramik

als Katalysator für naturintegrierte Architektur – Bausteine, die

Biodiversität und Mikroklimata in die Stadt zurückholen.

Vision einer lokalen Architektur

Materialexperimente werden aus Contalas Sicht in

den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen:

„Ökologische Verantwortung, technologische Innovation

und kulturelle Identität müssen wieder stärker

zusammenfinden.“ Hybride Prozesse – also die Kombination

von digitaler Präzision und handwerklicher

Nähe – könnten Architektur nachhaltig verändern.

„Meine Vision ist, Architektur nicht länger als Produkt

globaler Lieferketten zu verstehen, sondern als

lokales, digitales Handwerk – innovativ, nachhaltig

und ortsverbunden.“

Dass Keramik dabei an Schnittstellen zu Kunst, Forschung

und Industrie immer neue Dimensionen eröffnet,

ist für ihn selbstverständlich. „Spannend ist

nicht, bestehende Formen zu kopieren, sondern solche

zu entwickeln, die nur durch diese Technologie

möglich sind.“

u


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11

Magazin

DIE KÄLTE

BLEIBT

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architektur FACHMAGAZIN

12

Start

© David Kratzer

© David Kratzer

Ein Relief aus hexagonalen Keramikfliesen:

Tundra übersetzt die Spuren von Frost und

Zeit in eine subtile Landschaft, die die Wand

zur topografischen Oberfläche macht.

Work in Progress

cera.LAB versteht sich als „Digital Design & Craft Studio at the intersection of

digital experimentation and material craft“, das im Spannungsfeld von traditionellem

Keramikhandwerk und digitalen Technologien erforscht, wie sich Keramik

als jahrtausendealtes Material neu definieren lässt. Der nächste Schritt liegt in

der Weiterentwicklung der eigenen Maschinen und Tools: Weil die keramische

3D-Drucktechnologie noch am Anfang steht, entwickelt Gründer Jan Contala seine

Systeme parallel zu den Projekten selbst – maßgeschneidert für spezifische

Anwendungen. Ergänzend dazu arbeitet das Studio an innovativen architektonischen

Bauteilen, die zeigen sollen, wie Keramik im digitalen Zeitalter weit über

das klassische Objekt hinauswachsen kann – hin zu einem Material der Zukunft

zwischen Forschung, Gestaltung und kultureller Tradition.

Vom Alltag bis zur Architektur

Diese Haltung übersetzt Contala auch in den Alltag.

„Selbst eine Espressotasse wird bei mir zur Versuchsfläche.“

Kleine Objekte bieten für ihn die Möglichkeit,

haptische Qualitäten zu erkunden und Formen zu

entwickeln, „die nur durch digitale Prozesse möglich

sind.“ Iteratives Arbeiten – Prototyping, Testen, Anpassen

– bleibe in jedem Maßstab zentral.

Dabei setzt er auf Kooperationen: „Ich arbeite bevorzugt

mit keramischen Handwerksbetrieben zusammen

– ihr Wissen über Material und Verarbeitung ist

unverzichtbar.“ Ergänzend sucht er die Nähe zur Forschung,

um neue Technologien systematisch zu erproben.

Und er hofft auf Partnerschaften mit mutigen

Architekturbüros, „die gemeinsam Pionierarbeit leisten

wollen – von exklusiven Designserien bis hin zu

architektonischen Wandgestaltungen mit 3D-Reliefs.“

So schließt sich der Kreis: Von großmaßstäblichen

Stadtbiotopen bis zur Espressotasse – bei cera.LAB

wird Keramik zum Medium für Experimente, das Handwerk

und Technologie, Alltag und Architektur miteinander

verschränkt. Und wer in Innsbruck beim Flat

White im Unbound Coffee Shop den schlichten Becher

in der Hand hält, spürt genau diesen Anspruch: dass

Keramik nicht nur Form ist, sondern Haltung – zeitgenössisch,

sinnlich und voller Zukunftspotenzial. •

© David Kratzer

Alveo ist ein skulpturaler Tisch, in dem

Keramik wie ein erstarrter Strom durch Glas

aufsteigt – inspiriert von Blasen und zellularem

Wachstum, eingefroren zwischen Luft,

Erde und Zeit.


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13

Magazin

Nürnberg, 24.-27. März 2026

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architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

The Berres im 22. Wiener Gemeindebezirk ist ein Vorzeigeobjekt mit Bauteilaktivierung

© tschinkersten fotografie

++

Innovation im leistbaren Wohnraum

Leistbares Wohnen und gleichzeitiger Wohnkomfort: Die Bauteilaktivierung gewinnt

an Beliebtheit, wie zahlreiche aktuelle Bauvorhaben und ein jüngst abgeschlossenes

Forschungsprojekt zeigen.

Wien erweist sich als Vorreiter für leistbaren

Wohnraum mit klugen Energiekonzepten,

auch gemeinnützige Bauträger und die

Stadt Wien setzten vermehrt auf Bauteilaktivierung

zum Heizen und Kühlen der Wohnungen.

Architekt Bernhard Weinberger von

WUP architektur zeigt sich begeistert von

der Technologie: „Bei dem von uns gemeinsam

mit Artec Architekten soeben fertiggestellten

Wohnbau ‚The Berres‘ nützen wir

selbstverständlich die Technologie der Bauteilaktivierung.“

In Kombination mit Fernwärme

und PV werden die 308 Mietwohnungen,

errichtet von ÖSW und Schwarzatal,

nachhaltig beheizt und gekühlt.

Vor kurzem erfolgte der Spatenstich für den

nächsten Gemeindebau Neu im 22. Bezirk

in Wien. Geplant von Lorenzateliers bietet

der L-förmig angeordnete Bau 70 leistbare

Wohnungen. Erstmals wird Grundwasser

sowohl für das Heizen als auch das Kühlen

als nachhaltige Energiequelle genutzt. Neben

der Wärmepumpenanlage sorgen auch

PV, Bauteilaktivierung, Fassadenbegrünung

und Sonnenschutz für einen hohen ökologischen

Standard sowie ein angenehmes

Wohnklima zu jeder Jahreszeit. Und langsam

kommt die Bauteilaktivierung auch in

den Bundesländern an – wie z. B. bei dem

Schulcampus Adnet der Salzburg Wohnbau.

Forschung bestätigt Praxis

Einem Breitentest unterzogen wurde die

Bauteilaktivierung in einem mehrjährigen

Forschungsprojekt, in Auftrag gegeben

2021 vom Innovationsministerium im Forschungsprogramm

„Stadt der Zukunft“. Ein

Konsortium unter Leitung der AEE INTEC

hat 16 bauteilaktivierte Pilotgebäude in

ganz Österreich einem Energie- und Komfortmonitoring

unterzogen, inklusive Nutzer:innen-Befragungen.

Projektleiter Walter

Becke, AEE INTEC, zieht Resümee: „Der

Breitentest hat klar gezeigt, thermische

Bauteilaktivierung funktioniert und kommt

auch gut bei den Nutzerinnen und Nutzern

an. Jetzt gilt es noch, das enorme Speicherpotenzial

für volatile erneuerbare Energieerzeugung

auch aktiv zu nutzen.“

Mehr Infos gibt es auf:

www.zement.at/energiespeicher-beton


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15

Magazin

© Javier Callejas

Das Potenzial

des Einfachen

Die Ausstellung „Reichtum statt Kapital“ im Architekturzentrum

Wien widmet sich dem radikal anderen Architekturverständnis

der indischen Architektin Anupama Kundoo. Ihr Werk

zeigt, wie Bauen jenseits kapitalgetriebener Zwänge möglich

wird: ressourcenschonend, lokal verankert, sozial großzügig

und ästhetisch kraftvoll. Auf Basis einer über drei Jahrzehnte

währenden Praxis verbindet Kundoo traditionelle Techniken

mit innovativen Bauweisen und entwickelt aus lokal verfügbaren

Materialien architektonische Lösungen von beeindruckender

Präzision und Schönheit.

Kuratiert von Angelika Fitz und Elke Krasny gliedert sich die

Ausstellung in acht Dimensionen von Reichtum und Fülle – von

Wissen und Material über Großzügigkeit bis hin zu Erholung.

Die Gestaltung folgt dem Grundriss von Kundoos ikonischem

Wall House und macht anhand von Modellen, Materialproben

und 1:1-Installationen erfahrbar, wie Architektur zu einem regenerativen,

gemeinschaftlich getragenen Beitrag für Mensch

und Natur werden kann.

Reichtum statt Kapital. Anupama Kundoo

18.09.2025 bis 16.02.2026 im Architekturzentrum Wien

© Reiner Riedler


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Der weiße Turm

Ein weißer Turm erhebt sich über Mulegns im Val Surses: 30 Meter hoch, filigran,

beinahe mystisch mit einem Hauch von Herr der Ringe. Der Tor Alva – entworfen

von Michael Hansmeyer und Benjamin Dillenburger für die Nova Fundaziun Origen

– ist das weltweit höchste 3D-gedruckte Gebäude und zugleich ein temporärer

Kulturort. „Der Turm fügt sich nahtlos in die alpine Landschaft ein und setzt die bemerkenswerte

architektonische Geschichte von Mulegns fort“, erklärt Hansmeyer.

Text: Linda Pezzei Fotos: Birdviewpicture, Benjamin Hofer

Digitale Systeme statt Schalung

Das Besondere liegt nicht nur in der Erscheinung, sondern

in der Methode: Statt Schalungen zu gießen, arbeiten

Roboter im Doppel. „Ein Arm extrudierte Beton

Schicht für Schicht, während der andere die Bewehrung

zwischen die Lagen einfügte“. Das Ergebnis: 32

tragende Säulen, jede einzigartig, jede generiert durch

algorithmisches Entwerfen. Hansmeyer beschreibt es

als „Proof of Concept im Maßstab 1:1, das die Eignung

des 3D-Drucks für großformatige, dauerhafte und architektonisch

komplexe Strukturen demonstriert“.

Die additive Fertigung spart Material: Beton wird nur

dort eingesetzt, wo er statisch notwendig ist. Gleichzeitig

werden neue ökologische Potenziale sichtbar.

„3D-gedruckter Beton kann CO 2 aus der Luft deutlich

schneller aufnehmen als herkömmlicher Beton – diese

beschleunigte Karbonatisierung verbessert aktiv

die Klimabilanz“. Auch die Zirkularität ist Teil des

Konzepts: Der Turm wurde für fünf Jahre errichtet

und kann danach abgebaut und an einem neuen Ort

wiederaufgebaut werden.


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17

Magazin

Digitale Handwerkskunst

„Wir können den Extrusionsweg so manipulieren, dass

komplexe Texturen und Muster direkt in das Material

eingebettet werden. So entsteht eine materialgetriebene

Ornamentik – eine digitale Handwerkskunst“.

Das Innere wird zur Raumdramaturgie: massive, dunkle

Kammern unten, lichte, verzweigte Kuppel oben.

Ein „Wald aus filigranen Säulen“ umschließt das kleine

Theater über den Dächern von Mulegns.

Doch der Turm ist nicht nur Technologie, sondern

auch Kulturprojekt. Mulegns hat nur noch zwölf

ständige Einwohner:innen. Während Besucher:innen

neugierig strömen, gibt es auch Skepsis. „Nicht unbedingt

gegenüber dem Turm selbst, sondern gegenüber

dem plötzlichen Zustrom von Tourist:innen“, so

Hansmeyer. Damit wird Tor Alva auch zum Prüfstein:

Wie kann experimentelle Architektur zur Revitalisierung

beitragen, ohne lokale Identität zu überlagern?

fiziente Verfahren und zirkuläre Bauweisen können

künftig nicht nur spektakuläre Kulturorte prägen,

sondern auch alltagstaugliche Architektur.

Signalwirkung für die Baukultur

Tor Alva versteht sich nicht als singuläres Event, sondern

als Modell. „Wir befürworten nicht den 3D-Druck

als universelle Lösung. Tor Alva zeigt vielmehr, wo

diese Technologien ihre Stärken haben: bei geometrisch

komplexen, standortspezifischen Strukturen“.

Die zentrale Botschaft: Digitale Systeme, materialefnicht-ohne-beton.at

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architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Gefaltete Effizienz

Der Gebäudesektor steht unter Druck: Rund acht Prozent der weltweiten

CO 2 -Emissionen gehen auf das Konto von Zement. Besonders konventionelle

Flachdecken gelten als „CO 2 -Hotspots“ – sie verschlingen Material, benötigen

viel Stahl und dominieren den Rohbau. Ein Forschungsteam der Block Research

Group (BRG) an der ETH Zürich zeigt nun, wie strukturelle Geometrie diesen

Fußabdruck deutlich reduzieren kann. Für das Projekt „Unfold Form“ wurde

Lotte Scheder-Bieschin mit dem BLT Built Design Award 2025 als Emerging

Architect of the Year ausgezeichnet.

Text: Linda Pezzei Fotos: Andrei Jipa, Lotte Scheder-Bieschin

Strukturelle Effizienz statt Masse

Das Prinzip ist alt, aber hochrelevant: Gewölbe übertragen

Lasten nicht über massive Querschnitte, sondern

über optimierte Kraftverläufe. „Unfold Form“

übersetzt diese Logik in eine nur 5 bis 13 Zentimeter

dünne Betondecke, bei der über 70 Prozent der

Fläche mit weniger als 25 Zentimetern Aufbauhöhe

auskommen. Das Ergebnis: rund 60 Prozent weniger

Beton und 90 Prozent weniger Stahl als bei konventionellen

Stahlbetondecken. Möglich macht das eine

gerippte, gewellte Geometrie, die Steifigkeit erzeugt,

ohne Masse zu verbrauchen. Bemerkenswert ist dabei,

dass die Betonschale vollständig ohne eingebetteten

Bewehrungsstahl auskommt: Die Lastabtragung erfolgt

rein geometrisch, was die drastische Reduktion

des Stahlbedarfs überhaupt erst ermöglicht.


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19

Magazin

Curved-Crease Unfolding:

Origami fürs Bauwesen

Die Schalung basiert auf dem von Scheder-Bieschin

weiterentwickelten Curved-Crease Unfolding — einer

Origami-Technik mit gekrümmten Faltlinien.

Vorgefertigt aus 8 Millimeter starkem Sperrholz und

textilen Scharnieren entfalten sich vier kompakte

Paneele auf der Baustelle zu einer selbsttragenden,

zackenförmigen Form. Der Aufbau dauert rund 30

Minuten und kommt ohne Spezialwerkzeug aus.

Trotz komplexer Geometrie ist die Schalung leicht,

flach zusammenfaltbar und kostengünstig in der

Herstellung. Während digitale Fertigungsmethoden

oft teure Infrastruktur erfordern, genügt hier eine

Schablone und ein Heftgerät — ein überraschend

einfacher Zugang zu einer leistungsstarken Struktur.

Wiederverwendbarkeit als Schlüssel

Während herkömmliche Schalungen meist nur einmal

verwendet und anschließend entsorgt werden,

lässt sich „Unfold Form“ mehrfach einsetzen, ohne an

Präzision zu verlieren. Das eröffnet eine bislang fehlende

zirkuläre Komponente im Betonbau, der traditionell

von linearen Materialflüssen geprägt ist. Entscheidend

ist dabei, dass die Leistungsfähigkeit der

Schalung nicht von empfindlichen High-Tech-Komponenten

abhängt, sondern auf einer robusten,

low-tech-fähigen Konstruktion basiert.

Die Block Research Group demonstriert damit erneut,

wie computational design konstruktive Intelligenz

hervorbringen kann, gleichzeitig aber Fertigungsprozesse

ermöglicht, die auch in Regionen mit

begrenzten Ressourcen funktionieren. CNC-Tools

können den Aufbau unterstützen, sind jedoch nicht

zwingend erforderlich — ein wichtiger Faktor für

die globale Skalierbarkeit des Systems. Seit Oktober

2025 vermittelt der neue MAS in Computational

Structural Design dieses Wissen systematisch an

eine nächste Generation von Architekt:innen und Ingenieur:innen

und stärkt so die Verbreitung materialeffizienter

Konstruktionsmethoden.

Die resultierende Deckenuntersicht erinnert mit

ihren feinen Rippen an Muschel- oder Wellenstrukturen.

Dieser ausdrucksstarke Charakter ist kein

gestalterischer Selbstzweck, sondern das direkte Ergebnis

statischer Optimierung – und macht die Konstruktion

ästhetisch ehrlich: Schönheit entsteht hier

aus Effizienz.

Effizienz als System

Für eine breite industrielle Anwendung müssen künftig

Standards zu Anschlussdetails, Haustechnik,

Brandschutz, Akustik und Fertigungsvorschriften

definiert werden. Angesichts der jährlich neu entstehenden

Millionen Quadratmeter Stahlbetondecken

ist der Hebel jedoch enorm: Jede eingesparte

Tonne Zement zählt. „Unfold Form“ zeigt, wie sich

der CO 2 -intensive Werkstoff Beton konstruktiv entschärfen

lässt, ohne den Komfortbereich etablierter

Baupraxis zu verlassen. Dass die Gewölbe vollständig

ohne konventionelle Bewehrungsschichten auskommen,

unterstreicht das Potenzial zusätzlich — sowohl

im Hinblick auf Kosten als auch auf graue Emissionen

in der Herstellung von Stahl.

In Zeiten strengerer Regulierung, schwindender Ressourcen

und wachsender Neubauvolumina — insbesondere

im globalen Süden — bietet das System

eine systemische Antwort auf die Frage, wie Struktur,

Fertigung und Klimastrategie zusammenfinden können.

Nicht trotz, sondern gerade wegen der Zwänge

entsteht ein neuer architektonischer Ausdruck. Und

vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zu seiner

Akzeptanz: nachhaltige Bauweisen, die logisch und

schön zugleich sind.


architektur FACHMAGAZIN

20

Magazin


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21

Magazin

Sozialwohnungen

in Stampflehm

Sozialwohnungen in den oberen Etagen, Gewerbeflächen im Erdgeschoss – auf den

ersten Blick scheint das Projekt in der 17 Rue des Quatre-Cheminées einer von vielen

Neubauten in Boulogne-Billancourt im Südwesten von Paris zu sein. Doch das

täuscht: Der vierstöckige Wohnkomplex von Déchelette Architecture beruht mit

Lehm, Holz und Stein auf möglichst unverarbeiteten, organischen Materialien.

Text: Edina Obermoser Fotos: Salem Mostefaoui

2021 gewann das französische Büro den vom sozialen

Wohnbauträger Seine Ouest Habitat et Patrimoine

(SOHP) ausgeschriebenen Wettbewerb zur

Gestaltung des neuen Gebäudes im Vorort der Metropole.

Obwohl lediglich eine Holzkonstruktion gefordert

war, legten die Architekten noch einen drauf

und integrierten mit Lehm und Stein zwei weitere,

biobasierte Werkstoffe in ihren Entwurf, um so die

CO 2 -Bilanz noch weiter zu optimieren. Das Ergebnis

ist ein Neubau, der sich über einem Naturstein-Sockel

mit seiner rohen Straßenfront aus Stampflehm

deutlich von den umgebenden Putzfassaden abhebt.

Beim Tragwerk sowie der zum Hof gewandten Ansicht

handelt es sich um Brettsperrholz. Zusätzlich

wurden in die strukturellen Holzbauteile Dämmplatten

aus Holzwolle integriert. Lediglich bei den Geschossdecken

und dem Erschließungskern griff man

auf Beton zurück. Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken

ging es auch darum, im Inneren eine möglichst

hohe Wohnqualität zu schaffen. Die acht Sozialwohnungen

sind in zwei Einheiten pro Stock unterteilt.

Jede von ihnen verfügt über einen Wohnbereich,

der zur Straße orientiert ist, und Schlafzimmer, die

sich über private Balkone zum begrünten Hinterhof

hin öffnen. Durch die zweiseitige Ausrichtung erhält

jedes der Apartments genügend Tageslicht und ermöglicht

eine natürliche Belüftung.

Mit der unkonventionellen Materialwahl entschied

sich das junge Planerteam nicht nur für einen „Cradle-to-Cradle“-fähigen

Ansatz, sondern beschritt auch

ungewohntes Terrain: Die Struktur mit Lehmbausteinen

ist alles andere als eine Standardlösung. Während

die Rohstoffe für den Sockelbereich aus einem nahen

Steinbruch stammen, gab es bei den ausführenden

Unternehmen der Stampflehmfassade deutlich weniger

Auswahl. Die 50 cm dicken Blöcke wurden

schließlich von Terrio, einem Lehmbau-Spezialisten

aus Lyon, vorgefertigt. Dieser bezog die rund 40 m 3

Rohmaterial aus der direkten Umgebung seiner Betriebsstätte,

formte bzw. trocknete die Blöcke und

schulte anschließend die ausführenden Gewerke für

eine reibungslose Montage auf der Baustelle. Nach

der Anlieferung erfolgte die Errichtung der selbsttragenden

Konstruktion innerhalb weniger Tage. Durch

den hohen Vorfertigungsgrad (lediglich die Geschossdecken

aus Beton wurden vor Ort gegossen)

gelang eine zeit- und kosteneffiziente Umsetzung

des Projekts in der Rue des Quatre-Cheminées.

Lehmfugen verleihen der viergeschossigen Straßenansicht

bei einer Höhe von 12 m ein durchgängiges

Erscheinungsbild. Das Naturmaterial reduziert den

CO 2 -Fußabdruck des Hauses und wirkt sich darüber

hinaus mit seinen thermischen und akustischen Eigenschaften

positiv auf den Komfort der Bewohner

im Inneren aus.


architektur FACHMAGAZIN

22

Magazin

Ein Quartier

für die Zukunft

Mit der Erweiterung des Campus Krems hat Baumschlager Eberle Architekten

ein Ensemble geschaffen, das die Entwicklung des Wissenschaftsstandorts auf

städtebaulicher, architektonischer und technologischer Ebene weiterdenkt.

Drei Bildungseinrichtungen – die Karl-Landsteiner-Universität, die Universität

für Weiterbildung Krems sowie die IMC Fachhochschule – erhalten damit einen

gemeinsamen räumlichen Rahmen, der den heterogenen Anforderungen moderner

Forschung und Lehre gerecht wird.

Text: Andreas Laser Fotos: Maximilian Haidacher

Die Antwort der Architekten auf das komplexe Raumprogramm

ist eine klare städtebauliche Setzung. Vier

kompakte Baukörper ergänzen das bestehende Campusgefüge,

wobei drei davon auf einem gemeinsamen

Sockelgeschoss ruhen. Dieser Sockel fungiert als funktionales

Rückgrat: Er bündelt halböffentliche Nutzungen

wie Campus Hall, Seminarräume und das Learning

Center. Darüber entfaltet sich eine Sequenz aus Wegen,

Plätzen und Terrassen, die das Motiv der „Stadt in der

Stadt“ aufgreifen. Die Setzung der Volumina generiert

spannungsvolle Zwischenräume und Durchwegungen,

die dennoch eine intuitive Orientierung ermöglichen,

während südlich vorgelagerte Freibereiche die Aufenthaltsqualität

in den Außenraum erweitern.


www.architektur-online.com

23

Magazin

Zwischen Klarheit und Reduktion

Die Erweiterung ist geprägt von einer Architektur,

die sich bewusst auf elementare Mittel stützt. Plastizität,

Geometrie, Licht und Materialität bestimmen

das Erscheinungsbild. Die Fassaden werden von drei

hochrechteckigen Fensterformaten rhythmisiert, die

den Gebäuden eine ruhige, klare Ordnung verleihen.

Aluminiumtafeln in verschiedenen Formaten und

Farbstellungen modulieren die Tiefe der Hülle, wobei

das wechselnde Spiel von Licht und Schatten subtile

Variationen erzeugt. So entsteht trotz reduzierter

Mittel ein vielschichtiges Fassadenbild mit einer zurückhaltenden,

zeitlosen Wirkung.

Funktionale und atmosphärische Landschaft

Im Inneren setzt sich die Klarheit der Hülle fort, wird

jedoch durch warme Materialitäten atmosphärisch

aufgeladen. Das Foyer im Erdgeschoss empfängt mit

hellen Holzlamellenwänden, die als akustisch wirksame

Raumteiler fungieren. Die Obergeschosse sind

als kommunikative Landschaften konzipiert: Gangzonen

weiten sich zu Begegnungsorten, Blickbeziehungen

zum Außenraum und hell gestaltete Nischen

fördern sowohl den akademischen Diskurs als auch

konzentriertes Arbeiten. Dank nutzungsneutraler

Grundrissstrukturen bleibt das Gebäude langfristig

anpassungsfähig – eine Resilienz gegenüber sich

wandelnden Lehrkonzepten.

u


architektur FACHMAGAZIN

24

Magazin

Konstruktive Logik & nachhaltige Strategie

Die nachhaltige Ausrichtung des Projekts beruht auf

dem abgestimmten Zusammenspiel von Städtebau,

Architektur und Haustechnik. Die kompakte Gebäudestruktur

reduziert den Energiebedarf bereits auf

städtebaulicher Ebene, während die architektonische

Klarheit auf Langlebigkeit und einen ressourcenschonenden

Betrieb abzielt. Ergänzend sorgt eine

hochwertige technische Ausstattung für Effizienz im

laufenden Gebäudebetrieb.

Die Energieversorgung erfolgt über Wärmepumpen,

unterstützt von Photovoltaikanlagen auf

den Dächern. Die energetischen Kennwerte – ein

Heizwärmebedarf von 25,51 kWh/m²a und ein Primärenergiebedarf

von 83,2 kWh/m²a – bestätigen die

Leistungsfähigkeit des Konzepts und trugen wesentlich

zur Auszeichnung mit dem klimaaktiv-Gold-Label

bei, das in diesem Fall die Maximalbewertung von

1.000 Punkten erreichte.

Auch konstruktiv folgt das Projekt einer Philosophie

der Reduktion und Dauerhaftigkeit. Robuste Materialien,

klare Detailausbildung und nutzungsneutrale

Grundrisse ermöglichen langfristige Anpassungen

und minimieren den Ressourcenverbrauch über den

gesamten Lebenszyklus hinweg. Die plastische Fassadenstruktur

kommt ohne technisch anfällige Elemente

aus und unterstützt so den nachhaltigen Anspruch

des Ensembles.


www.architektur-online.com

25

Magazin

Fazit

Die Erweiterung des Campus Krems zeigt, wie ein

Bildungsquartier durch räumliche Präzision, architektonische

Klarheit und eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie

an Stärke gewinnt. Baumschlager

Eberle Architekten gelingt es, eine Balance zwischen

Funktionalität und Atmosphäre, zwischen Reduktion

und Ausdruck herzustellen. Das Ergebnis ist ein

Ensemble, das nicht nur den Wissenschaftsstandort

Krems stärkt, sondern zugleich als Beispiel für langlebige,

ressourcenschonende Architektur dient. •

Solozip ®

Fassadenmarkise.

Stil & Funktionalität

für moderne

Architektur.

Smarter Sonnenschutz für

höchste architektonische

Ansprüche. Ideal für Wohnund

Objektbau.

Große Gestaltungsfreiheit

durch eine breite Auswahl

an Tüchern und Profilfarben.

Nachhaltige Materialien

und kurze Transportwege –

für umweltfreundliche

Bauprojekte.


architektur FACHMAGAZIN

26

Wettbewerbe & Awards

Rendering: © zoom VP

Hohe Aufenthaltsqualität

Mit einem von Leichtigkeit getragenen Entwurf gewinnen WORK SPACE Architekten

den Realisierungswettbewerb für den Bundesschulcluster in Liezen, Steiermark.

Der Neubau des Bundesschulclusters

Liezen am Dr. Karl Renner-Ring

40 wird am bestehenden Gelände

des BSC Liezen errichtet. Der alte

Schulbau wird phasenweise komplett

abgebrochen. Der Bundesschulcluster

beinhaltet eine Bundeshandelsakademie

(BHAK), eine Bundeshandelsschule

(BHAS) und eine

Bildungsanstalt für Elementarpädagogik

(BAfEP). Insgesamt umfasst

die Bildungseinrichtung 25 Klassen

und zusätzlich eine Abendschule.

1. Preis

Projekt 19

WORK SPACE

Architekten ZT GmbH

Architekt Peter Larcher

Architektin Karin Triendl

Aus dem Juryprotokoll:

Die Verfasser lösen die gestellte,

schwierige Aufgabe gekonnt und

mit Leichtigkeit im Sinne der Nutzer

und der Architektur. Das Projekt

zeigt in allen Bereichen eine schlüssige

Wegeführung und Orientierung.

Raumproportionen, Belichtung und

Sichtbezüge nach innen und außen

sind gut durchdacht und führen

trotz der Größe des Schulgebäudes

zu einem selbstverständlichen

Ergebnis. Die räumliche Zuordnung

der Departments und Homebases

wird schlüssig gelöst. Orientierung

und Zusammenführung der unterschiedlichen

„Orte“ der Schule sind

klar unterstützt, insbesondere durch

den hofquerenden Steg im 1. Obergeschoss,

der direkt an die vertikale

Erschließung anschließt.

Der Baukörper ist aufgrund der inneren

Organisation nur E+2 Geschosse

hoch und nimmt gekonnt Bezug auf

die bestehende Wohnbebauung. Die

Entscheidung zugunsten eines großzügigen

Innenhofes — nach Westen

geöffnet, geschützt vor dem Lärm

der Salzburger Straße — schafft hohe

Aufenthaltsqualität im Schulalltag.

Das Konzept bietet Potenzial für Optimierungen

in weiteren Planungsphasen,

ohne seine wesentlichen

Qualitäten zu verlieren.

Empfehlungen der Jury:

Prüfung Überschneidungen Zufahrt,

Stellplätze und Fußwege. Präzisierung

Außenraum, Weiterentwicklung

des Grünraumkonzeptes, Optimierung

der transparenten Bauteile im

Hinblick auf die Nutzungsfreundlichkeit

der Raumfunktionen.

Auslober

Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.

Unternehmensbereich Schulen

Verfahrensbetreuung

Kampus GmbH, Graz; Daniel Kampus,

Katharina Platzer, Anita Zotter

Art des Verfahrens

EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

m. anschließendem Verhandlungsverfahren

für Generalplanung

AUSSCHREIBUNG

Jurymitglieder (ohne Titel)

Fachpreisrichter: Werner Burtscher (Vorsitzender),

Iris Rampula-Farrag, Johannes

Wiesflecker, Bernd Wiltschek (BIG), Franz

Hermann-Makotschnig, Peter Dietl

Sachpreisrichter: Gudrun Rieger, Manfred

Trummer, Andrea Heinrich (Bgm.)

Jurysitzungen

19./20.05.2025

Einreichungen: 41

Preisträger

1. Preis: WORK SPACE Architekten ZT GmbH,

Wien/Innsbruck

2. Preis: Ederer Haghirian Architekten ZT

GmbH, Graz

3. Preis: Riepl Riepl Architekten ZT GmbH,

Linz

Preisgelder gesamt

€ 135.000


www.architektur-online.com

27

Wettbewerbe & Awards

DAS PROJEKT – DAS BÜRO

Ein Ort zum Wohlfühlen, der die Gemeinschaft

fördert und Freiraum für alle bietet

Die kompakte Bauform des Bundesschulclusters

Liezen mit drei Geschossen fügt sich

sensibel in das Umfeld ein. Eine klare Ad-

Pläne, Foto: © WORK SPACE Architekten

Lageplan

Erdgeschoss

ressbildung an der Straße und ein großzügig

geöffneter Innenhof strukturieren den neuen

Campus und schaffen eine einladende Geste

in Richtung Grünraum.

Die Wege der Schülerinnen und Schüler vom

Bahnhofs- und Busbereich führen logisch

zum Vorplatz und zum gedeckten Haupteingang.

Innen sorgt eine klare Orientierung für

einfache Auffindbarkeit aller Bereiche. Aula,

Speisesaal, Bibliothek und Mehrzweckbereiche

sind im Erdgeschoss zu einer flexibel

nutzbaren Mitte verbunden und stärken das

gemeinschaftliche Leben der Schule. Offene

Lernzonen und Homebases gruppieren

sich um den begrünten Innenhof, während

abgetreppte Terrassen Licht und Luft in die

oberen Ebenen bringen. Die Verschränkung

von Innen- und Außenraum unterstützt neue

Lernformen und schafft abwechslungsreiche

Raumqualitäten. Sichtbezüge über mehrere

Ebenen tragen zu Offenheit und Transparenz

bei. Die Ausrichtung der Lernräume nach

außen ermöglicht eine klare räumliche Zonierung

ruhiger Arbeitsbereiche.

Die kompakte Gebäudehülle, hochwertig

gedämmte Bauteile und ein ressourcenschonendes

Energiekonzept unterschreiten die

klimaaktiv-Kriterien deutlich. Die Wahl einer

modulierbaren Holzbauweise erleichtert

Rückbau und Wiederverwertung am Ende

des Lebenszyklus.

Karin Triendl und Peter Larcher

WORK SPACE Architekten

Das Büro Work Space Architekten ZT GmbH

wurde von Karin Triendl und Peter Larcher

gegründet und entstand aus der intensiven

Zusammenarbeit zweier erfahrener Architekturbüros.

Wir sehen uns als Teamplayer und

entwickeln im intensiven Dialog mit allen Projektbeteiligten

nachhaltige, energieeffiziente

Gebäude mit bleibendem Wert und hoher

Qualität. Dabei ist es unser Ziel, Räume für

Menschen zu planen, die Freude bereiten und

langfristige Werte schaffen. Im Sinne recyclierbarer

Gebäude, dem Wunsch höchster Energieeffizienz

und der Berücksichtigung neuer

Wohnbedürfnisse ist das ständige Lernen und

der aktive Austausch von Erfahrungswerten

Teil unserer Bürokultur.

Wir sind überzeugt davon: Projekte, die aus

Wettbewerbsverfahren hervorgehen, sind

nicht nur wirtschaftlicher und innovativer, sie

stärken die Entscheidungsfindung und die

partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen

Architekten und Auftraggeber. Qualität in der

Architektur rechnet sich.

www.workspace.at


architektur FACHMAGAZIN

28

Wettbewerbe & Awards

Begegnung und Bewegung

Aus 121 eingegangenen Beiträgen wurde tagger3architektur als Sieger des Realisierungswettbewerbs

Neubau Kindergarten / Kinderkrippe Gemeinde Puch bei Weiz gekürt.

Seit dem Jahr 1977 ist die Kinderbetreuung

der Gemeinde Puch bei

Weiz im Kellergeschoss der örtlichen

Hauptschule bzw. späteren Neuen

Mittelschule und aktuellen Mittelschule

untergebracht. Die Gemeinde

plant nun in Abstimmung mit den

zuständigen Vertretern des Landes

Steiermark den Neubau eines örtlichen

Kindergartens für drei Gruppen

inkl. Mehrzweck- und Bewegungsraum

sowie einer Kinderkrippe für

zwei Gruppen, um dem gestiegenen

Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen

in adäquaten Räumlichkeiten

gerecht zu werden. In unmittelbarer

Umgebung befinden sich die örtliche

Volksschule, die Mittelschule mit den

Auslober

Gemeinde Puch bei Weiz (Stmk.)

Verfahrensbetreuung/Vorprüfung

Spener Ziviltechniker KG, Ilz

AUSSCHREIBUNG

Art des Verfahrens

Offener einstufiger Realisierungswettbewerb

gemäß § 32 Abs 5 Bundesvergabegesetz

Jurymitglieder (ohne Titel)

Fachpreisrichter: Thomas Pilz (Vorsitz),

Elmar Hauser;

Sachpreisrichter: Gerlinde Schneider (Bgm.),

Hanspeter Höfler, Karl Pfeifer

Jurysitzungen

25./26./27.08.2025

bestehenden Kindergartenräumlichkeiten,

die Musikschule, der Sportplatz

sowie der Bauhof. Dabei sollte

Bedacht auf das vorhandene Ortsbild

genommen und eine ausdrucksstarke

Dachlandschaft ausgebildet werden.

Die Kindergartenkinder werden in

der Regel mit dem Kindergartenbus

gebracht, der unmittelbar vor dem

Kindergarten halten kann. Für Eltern,

die ihre Kinder mit dem Auto bringen,

ist das Parken direkt vor dem Eingang

nicht vorgesehen. Für die Kinderkrippe

muss die Hol- und Bringmobilität

ebenfalls gewährleistet sein, was eine

klare Entflechtung der Zugänge von

Kindergarten und Kinderkrippe erforderlich

macht. Die Ausloberin hat

Einreichungen

121

Preisträger, Preisgeld

1. Preis (€ 20.000): tagger3architektur, Graz

2. Preis (€ 15.000): ARHILINK siat d.o.o., Isel

Hanzekovic, Veržej

3. Preis (€ 10.000): Caramel architekten

zt-gmbh, Architekt DI Patrick Gerber, Wien

sedomini[zt], Breitensee

Anerkennungen (je € 5.000):

Hofrichter-Ritter Architekten ZT GmbH, Graz

g.o.y.a. ZT GmbH, Wien

Paul Mikolasch, Seiersberg

ein nachhaltiges, energieeffizientes

und finanziell realisierbares Gesamtkonzept

mit niedrigen Betriebs- und

Lebenszykluskosten erwartet.

1. Preis

Projekt 104

tagger3architektur, Graz

Arch. DI Ursula Tagger

Aus dem Juryprotokoll:

Die Gestaltung aus zwei versetzten

Baukörpern mit Satteldächern sowie

der gelungene Umgang mit der

Hangsituation führen zu einer eleganten

Gliederung des Bauvolumens.

Die Größen der beiden Baukörper

nehmen Bezug auf die umgebende

Bebauung. Durch die Verschiebung

der „Satteldachschiffe“ entstehen

zwei klar definierte Vorbereiche mit

differenzierten Erschließungen für

Kindergarten und Kinderkrippe. Alle

Gruppenräume verfügen über direkte,

überdachte Ausgänge zu Spielund

Freibereichen. Die Situierung

des Speisesaals im Bereich der Kinderkrippe

und des Bewegungsraums

beim Kindergarten wird aufgrund

kurzer Wege als vorteilhaft beurteilt;

auch die Lage des Speisesaals beim

Eingang wird begrüßt. Der Gang im

Untergeschoss wird durch einen


www.architektur-online.com

29

Wettbewerbe & Awards

Ansicht West

Ansicht Ost

Ansicht Süd

Pläne, Fotos: © tagger3architektur

Ebene 2 Ebene 1

zentralen Lichthof natürlich belichtet.

Kritisch wird angemerkt, dass dem

Entwurf aufgrund der klaren Funktionszuordnung

und komprimierten

Erschließungsflächen eine gewisse

Großzügigkeit fehlt. Der übergroß di-

mensionierte Bewegungsraum wirkt

in seiner Proportion relativ schmal.

Die Kindersanitäranlagen im Kindergarten

sind flächenmäßig vorhanden,

jedoch nicht jeder Gruppe

direkt zugeordnet.

Empfehlungen der Jury:

Die möglichen Flächen könnten noch

besser ausgeschöpft werden, um

dem Gebäude mehr Großzügigkeit zu

verleihen. Zudem wird eine Überarbeitung

der Sanitärräume empfohlen.

DAS PROJEKT – DAS BÜRO

Gemeinsame Mitte

Städtebaulich zeichnet sich das Projekt durch

seine klare Einbindung in das dörfliche Umfeld

aus. Im größeren Ortsgefüge wirken die zwei

Gebäude verbindend, im direkten Umfeld

platzbildend. Die giebelständige Ausrichtung

zur Straße nimmt Bezug zur Nachbarschaft

und stellt einen gestalterischen Dialog mit

dem benachbarten Schulgebäude her. Diese

Orientierung stärkt die Identifikation mit dem

Ort und trägt zur städtebaulichen Kohärenz

bei. Zwischen den beiden Gebäuderiegeln

entsteht eine zentrale Mitte, die sowohl im

Innen- als auch im Außenraum als lebendiger

Treffpunkt fungiert und eine gemeinschaftliche

Atmosphäre schafft.

Kindergarten und Kinderkrippe sind als

zwei funktional getrennte Einheiten in zwei

Ebenen organisiert. Zwischen den Baukörpern

spannt sich eine helle, lichtdurchströmte

Mitte auf – ein transparenter Freiraum, der

weit mehr als ein Verkehrsbereich ist. Sie ist

das verbindende Herzstück, das Krippe und

Kindergarten räumlich und atmosphärisch

miteinander verknüpft, Begegnung, Bewegung

und Orientierung ermöglicht. Dieser zentrale,

vertikale Raum mit Luftraum schafft nicht

nur funktionale Verbindung, sondern auch

Transparenz, räumliche Qualität und ein Gefühl

von Zusammengehörigkeit unter einem Dach.

Offene Sichtbeziehungen und der direkte Bezug

zu Innen- und Außenräumen stärken das

Miteinander und machen die Mitte zu einem

lebendigen Raum voller Möglichkeiten – zum

Spielen, Begegnen und Wachsen. Zudem wird

die Hanglage des Grundstücks gezielt genutzt,

um die Freiräume topografisch sinnvoll zu

staffeln. Wegeverbindungen gewährleisten

eine gute Erschließung und vernetzen den

Neubau sinnvoll mit der umgebenden dörflichen

Struktur

tagger3architektur

Wir verstehen Architektur als kulturellen Auftrag.

Als Familienunternehmen arbeiten wir mit ganzheitlichem

Blick und decken das gesamte Leistungsspektrum

der Architektur ab. Unsere besondere

Leidenschaft gilt dem Bildungsbau. Wir

glauben an Architektur, die Fragen stellt, neue

Wege öffnet und Räume als lebendige Systeme

versteht. Mit Engagement, Mut, Präzision und

Neugier gestalten wir Räume, die Möglichkeiten

schaffen, Identitäten prägen und Menschen stärken.

Architektur ist für uns ein gesellschaftlicher

Beitrag – ein Mittel, Verbindungen zu schaffen,

Werte sichtbar zu machen und Orte zu entwickeln,

die inspirieren.

tagger3architektur.at

Dominik, Ursula und Alexander Tagger (v. l.)


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30

System, Technik & Effizienz

Im Kern aus Holz

Stammhaus Blumer Lehmann / Gossau SG, Schweiz / K&L Architekten

Text: Linda Pezzei Fotos: Jan Thoma / Blumer Lehmann


www.architektur-online.com

31

K&L Architekten

Im neuen Stammhaus von

Blumer Lehmann trifft

Hightech auf Handwerk,

Forschung auf Baupraxis,

Algorithmus auf Fräse.

Das Bürogebäude im

schweizerischen Gossau

ist mehr als ein Firmensitz:

Es ist ein Manifest für

den Holzbau der Zukunft

– mit einer skulpturalen

Treppenkonstruktion aus

gebogenem Brettsperrholz

im Zentrum.

Ein Baum, der durch fünf Geschosse wächst: Was poetisch

klingt, ist das gebaute Sinnbild eines Unternehmens,

das Holz lebt, denkt und weiterentwickelt.

Blumer Lehmann, ein seit 1875 familiengeführtes

Holzbauunternehmen aus Gossau und einer der international

führenden Akteure im modernen Ingenieur-

und Modulholzbau, vereint am eigenen Standort

die gesamte Wertschöpfungskette – vom Sägewerk

über die Planung bis zur CNC-Fertigung komplexer

Free Form-Konstruktionen.

Im neuen Stammhaus des Unternehmens bildet eine

freigeformte, parametrisch entwickelte Treppenkonstruktion

das Herzstück des Gebäudes. Sie prägt

das Atrium – als räumliches Gefüge aus Treppe, gekrümmten

Wandelementen und integrierten Nischen.

Die Form der Atriumskulptur wurde aus gekrümmten

Brettsperrholzplatten gefertigt, die mit Algorithmen

entworfen und mit CNC-Präzision umgesetzt wurden.

So entstand ein wachsendes Element aus Holz,

das die fünf Geschosse des Gebäudes miteinander

verbindet – das Stammhaus Blumer Lehmann. u


architektur FACHMAGAZIN

32

System, Technik & Effizienz

K&L Architekten entwickelten ein räumliches Konzept,

das Forschung und Handwerk verbindet. Der

Entwurf für das Bürogebäude stand bereits, als Blumer

Lehmann vorschlug, das zentrale Treppenhaus

mit gekrümmten Brettsperrholzplatten zu realisieren

– ein Verfahren, das das Unternehmen zusammen mit

dem ICD Institut für Computerbasiertes Entwerfen

und Baufertigung der Universität Stuttgart weiterentwickelt

hatte und das hier erstmals zur Anwendung

kam. Beteiligt war auch die Geometrie-Abteilung von

K&L Architekten, die die komplexe Formgebung koordinierte.

„Wir sind gemeinsam mit einem Workshop

gestartet, bei dem die Möglichkeiten des Verfahrens

und wichtige Rahmenbedingungen erarbeitet wurden“,

erzählt Johanna Deinet, Projektleiterin bei K&L:

„Neben funktionalen Aspekten wie Fluchtbreiten und

Brandschutz ging es auch um Fragen der Raumwirkung,

der Podeste, der offenen und geschlossenen

Flächen. Es war ein intensiver, iterativer Prozess.“

Die Treppenkonstruktion aus CLT-curved-Elementen

übernimmt dabei nicht nur eine gestalterische,

sondern auch eine statische Funktion: Die äußere,

dickere Wange trägt Teile der Geschossdecken mit,

während die innere Wange als integraler Bestandteil

der Treppenskulptur eine rein statische Aufgabe innerhalb

des Systems erfüllt.

Die präzise Balance zwischen Konstruktion, Tragwerk

und Fertigung stellte eine der besonderen Herausforderungen

dar. Doch bei der Montage passten

alle Fugen der gebogenen Platten exakt zusammen

– ein Beweis für die Leistungsfähigkeit digitaler Entwurfs-

und Fertigungsmethoden.

u


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33

K&L Architekten

Zentrales Element des Gebäudes: eine skulpturale, parametrisch

entworfene Treppenkonstruktion aus gebogenem

Brettsperrholz, gefertigt mit robotischer Präzision.


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34

System, Technik & Effizienz

Hightech vereint mit Handwerk: Offene

Bürostrukturen, natürliche Materialien

und viel Tageslicht prägen die Arbeitswelt

im Stammhaus.


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35

K&L Architekten

Parallel zur Hightech-Produktion setzt das Gebäude

auf Lowtech-Klimaarchitektur. Umlaufende Balkone,

strukturierte Holzfassaden und integrierter Sonnenschutz

verhindern Überhitzung. „In der Nacht kann

die warme Luft über das Atrium entweichen, während

kühle Luft über motorisierte Fenster nachströmt“, erklärt

Deinet. Auf eine Klimaanlage wurde bewusst

verzichtet; stattdessen regulieren Lehmkühldecken

die Temperatur, gespeist durch geothermische Energiepfähle.

„Thermostate und CO 2 -Fühler helfen, das

System abzustimmen, so dass Lüftungs- und Kühlintervalle

optimal koordiniert werden können.“

Auch konstruktiv setzt das Stammhaus auf ressourcenschonende

Innovation. Der Holz-Beton-

Holz-Verbund der Geschossdecken spart Beton und

verzichtet vollständig auf Klebstoffe. Gefräste Aussparungen

in Platte und Balken werden erst nach der

Montage mit Beton ausgegossen – eine Lösung, die

einfach, reversibel und materialsparend ist.

Die vorgehängte Fassade übersetzt die DNA des Unternehmens

in Architektur: vertikale Lisenen und horizontale

Holzstapel, inspiriert von den getrockneten

Brettern im benachbarten Sägewerk – der Produktionsort

selbst wird hier zur ästhetischen Referenz.

Sie verleiht dem Gebäude Tiefe und Schattenspiel,

schützt die Arbeitsplätze und schafft eine Verbindung

zwischen Industrie und Architektur. u


architektur FACHMAGAZIN

36

System, Technik & Effizienz

Das Stammhaus als Manifest für den Holzbau der

Zukunft: systematisch gedacht, digital gefertigt und

sinnlich erlebbar.

Mit dem Stammhaus hat Blumer Lehmann nicht

nur seinen neuen Hauptsitz gebaut, sondern auch

eine neue Produktlinie begründet. Das gekrümmte

Brettsperrholz CLT-curved wird derzeit für den internationalen

Markt weiterentwickelt. „Das Know-how

bei Blumer Lehmann ist groß, Lösungen zu entwickeln“,

so Deinet. „Ich bin sehr gespannt, welche kleineren

und größeren Projekte in Zukunft mit dieser

Technik umgesetzt werden können.“

„Für mich stellt sich die Frage, welche Anforderungen

Free Form-Elemente aus CLT-curved räumlich und

funktional erfüllen sollen“, erklärt Deinet. „Genau das

sind die spannenden Faktoren für die Entwicklung

neuer Formen.“ So steht das Stammhaus sinnbildlich

für eine neue Generation des Holzbaus: systematisch

gedacht, digital gefertigt und sinnlich erlebbar – ein

Bau, der aus dem Stamm des Handwerks wächst und

in die Zukunft verzweigt.


Gi te rost

Steigzone E

Steigzone E

Steigzone E

Steigzone E

www.architektur-online.com

37

K&L Architekten

3. OG

3. OG

chnitt

Schnitt

1. OG

Schnitt 1:500 0 2 5 10 25

4. OG Schnitt 1:500

0 2 5 10 25

OG 1 OG 4

2. OG

2. OG

EG

EG

N

3. OG

N

Grundriss 1:500

0Grundriss 2 5 1:500 10 0 2 5 10 25

25

UG

Stammhaus Blumer Lehmann

Gossau, Schweiz

2. OG

Bauherr:

Architektur:

Entwurf Atriumskulptur:

Statik:

Blumer Lehmann AG

K&L Architekten,

ICD Institut für Computerbasiertes Entwerfen

und Baufertigung, (Prof. Achim Menges)

Universität Stuttgart

Atrium: SJB Kempter Fitze AG

Holz-Skelettbau: Blumer Lehmann

N

Grundriss 1:500

Griesser AG:

Fassadenmarkisen Griesser, Soloscreen IV

Terrassenmarkisen Griesser G2000

0 2 5 10 25

Grundstücksfläche: 2.000 m²

Bebaute Fläche: 950 m²

Nutzfläche: 4.950 m²

Planungsbeginn: 11/2021

Baubeginn: 11/2022

Fertigstellung: 01/2025

www.kl-architekten.ch

N

Grundriss 1:500

„Unsere Umwelt verändert sich ständig. Wir wollen

diese

0 2 5Veränderungen 10

mitbestimmen

25

und mitgestalten,

um einen aktiven Beitrag zur gezielten und qualitativen

Entwicklung der Gesellschaft und Umwelt zu

leisten. Wir sind uns der Verantwortung gegenüber

der Umwelt und Gesellschaft bewusst und sind bestrebt,

durch gesamtheitliche Betrachtung optimale

Ergebnisse zu realisieren.“

Johanna Deinet & Thomas Lehmann,

Partner und Geschäftsleitung


architektur FACHMAGAZIN

38

System, Technik & Effizienz

Von der Sanierung

zur Klimaneutralität

Vienna Green Hub – Revitalisierung des Europäischen Patentamts /

Wien / ATP architekten ingenieure

Text: Linda Pezzei Fotos: Helmut Pierer


www.architektur-online.com

39

ATP architekten ingenieure

Sanieren statt abreißen

– und dabei Standards

für nachhaltiges Bauen

etablieren: Mit der Revitalisierung

des Europäischen

Patentamts in Wien

zeigt ATP architekten

ingenieure, wie sich ein

unscheinbarer Zweckbau

der 1970er-Jahre in ein

klimaneutrales Bürogebäude

verwandeln lässt.

Der „Vienna Green Hub“

verbindet technische

Effizienz mit architektonischer

Qualität – und beweist,

dass sich Nachhaltigkeit

und Funktionalität

verbinden lassen.

Die Generalsanierung des Europäischen Patentamts

in Wien ist ein repräsentatives Beispiel dafür, wie

nachhaltige Transformation im Bestand gelingen

kann. Statt das 1972 errichtete Bürogebäude – einen

typischen Zweckbau der Nachkriegsmoderne – abzureißen,

entschieden sich Bauherr und Planer für

die ressourcenschonende Sanierung. Bereits diese

Maßnahme sparte rund 50 Prozent der CO 2 -Emissionen

gegenüber einem Neubau.

Das Ergebnis ist der Vienna Green Hub, ein modernes

Bürogebäude, das Technik, Nachhaltigkeit

und architektonische Haltung vereint. Mit der

BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“ erreichte es die

bislang höchste Bewertung im gesamten DACH-Raum.

Architektur zwischen Bestand und Zukunft

Der Baukörper fügt sich als freistehendes Gebäude

in die Parklandschaft zwischen Schloss Belvedere,

Salesianerinnenkloster und Botanischen Garten.

Die neue Fassade aus vorgefertigten Holzelementen

integriert Photovoltaikmodule in regelmäßigem

Raster und verbindet Energieeffizienz mit architektonischer

Klarheit. Ein großzügiges Atrium mit

durchgängiger Treppe bildet die zentrale Erschließung

des Gebäudes. Dachterrasse, Cafeteria und

multifunktionale Räume erweitern die Arbeitswelten,

während offene, flexible Grundrisse verschiedene

Nutzungen ermöglichen.

u


architektur FACHMAGAZIN

40

System, Technik & Effizienz

Technik als Systemlösung

Gemeinsam mit den Expert:innen von ATP

sustain entwickelte ATP ein integrales

Konzept für die Technische Gebäudeausrüstung.

Herzstück des Systems ist die

Nutzung erneuerbarer Energiequellen: Erdwärmesonden

und Wärmepumpen bilden

die Basis der Versorgung, ergänzt durch

eine umfassende Photovoltaik-Anlage, die

sowohl in die Dachflächen als auch in die

Fassaden integriert ist und in Kombination

mit einem Batteriespeicher eine maximale

Eigenversorgung ermöglicht. Für ein optimiertes

Raumklima sorgen Akustik-Klimapaneele,

die Heizen und Kühlen in einem

System vereinen, während eine intelligente

Einzelraumregelung den Energieeinsatz

bedarfsgerecht steuert. Das Ergebnis ist

ein Gebäude, das bilanziell klimaneutral arbeitet.

Damit leistet der Vienna Green Hub

einen Beitrag zu den Klimazielen des European

Green Deal und unterstützt zugleich

das geplante Vorhaben des Europäischen

Patentamts, bereits bis 2030 vollständig

CO 2 -neutral zu sein.


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41

ATP architekten ingenieure

Integrale Planung und BIM

Wesentlich für den Erfolg war die integrale

Planung mit Building Information Modeling

(BIM). Alle architektonischen, technischen

und organisatorischen Aspekte wurden in

einem zentralen digitalen Modell abgebildet.

Die cloudbasierte Zusammenarbeit mit der

Autodesk Construction Cloud ermöglichte

eine koordinierte Zusammenarbeit aller Beteiligten

– von der Planung über die Ausführung

bis zum Facility Management.

Der so entstandene digitale Zwilling dient

heute als digitales Werkzeug für den Betrieb:

von Wartung und Instandhaltung bis hin zu

künftigen Umbauten. Dafür wurde das Projekt

bereits mehrfach ausgezeichnet – unter

anderem mit dem Österreichischen Betonpreis,

dem Wiener Stadterneuerungspreis

sowie dem „gebaut 2024“-Preis. u

Architektur als Energiesystem – Die

filigrane Holzelementfassade mit integrierten

Photovoltaikmodulen macht

Nachhaltigkeit sichtbar und formt die

neue Identität des Gebäudes.


architektur FACHMAGAZIN

42

System, Technik & Effizienz

Kommunikation im

Zentrum – Das Atrium mit

durchgängiger Treppe

schafft Offenheit und

Begegnung und steht

sinnbildlich für die integrale

Planung von ATP.

Nachgefragt bei Thomas Krohn

Associate und Head Architect bei ATP architekten ingenieure

Herr Krohn, der Erhalt der Tragstruktur hat

50 % CO 2 eingespart. Welche Rolle spielt

die Entscheidung zur Sanierung gegenüber

einem Neubau in Ihrer Strategie für

ressourcenschonendes Planen?

Das zeigt sehr deutlich, welchen Stellenwert

die Sanierung in unserer Strategie hat.

Wir sehen im Bestand eine große Chance:

Sie spart nicht nur graue Energie, sondern

erhält auch kulturelle und städtebauliche

Identität. Entscheidend ist die integrale Planung

– also die enge Zusammenarbeit aller

Disziplinen von Anfang an. Dieser Ansatz

lässt sich auch bei Projekten mit kleineren

Budgets anwenden, wenn man frühzeitig

die Potenziale im Bestand erkennt und gezielt

mit digitalen Werkzeugen wie BIM arbeitet.

Nachhaltigkeit ist keine Frage des

Maßstabs, sondern der Haltung.

Die Kombination aus Erdwärmesonden,

Wärmepumpen, PV-Fassade, Batteriespeicher

und Einzelraumregelung klingt wie ein

energieeffizientes Puzzle. Wie wurde das

System im Planungsprozess abgestimmt?

Das Energiesystem wurde iterativ anhand

von Simulationen und Variantenvergleichen

entwickelt. Wichtige Erkenntnisse betrafen

die optimale Dimensionierung der Erdwärmesonden,

die Speicherstrategie für den

PV-Strom – abgestimmt auf die maximale

Belegung der Gebäudehülle mit Modulen

– sowie die Feinjustierung der Einzelraum-

regelung für Heizen, Kühlen und Lüften. So

konnten Energieverluste minimiert und der

Nutzerkomfort deutlich gesteigert werden.

Die modulare Holzelementfassade gilt als

besonders effizient. Welche Vorteile brachte

die Vorfertigung?

Durch die industrielle Vorfertigung konnten

wir die Montagezeiten deutlich verkürzen

und die Logistik exakt takten – das reduziert

Emissionen, Lärm und Materialverluste.

Gleichzeitig ermöglichte die enge

Verzahnung von Planung, Ausführung und

Fertigung eine hohe Maßgenauigkeit und

Materialeffizienz. Diese Herangehensweise

lässt sich gut auf andere Projekte übertragen

– besonders dort, wo Nachhaltigkeit,

Bauzeit und Qualität gleichermaßen zählen.


www.architektur-online.com

43

ATP architekten ingenieure

Welche konkreten Vorteile brachte die

cloudbasierte BIM-Koordination?

Die Arbeit mit der Autodesk Construction

Cloud hat unsere Prozesse erheblich effizienter

gemacht – insbesondere an komplexen

Schnittstellen wie der TGA und im

Zusammenspiel mit externen Fachplanern.

Automatisierte Kollisionsprüfungen und

der ortsunabhängige Zugriff auf zentrale

Datenmodelle beschleunigten Abstimmungen

und erhöhten die Planungsqualität.

In der Betriebsphase fungiert das Modell

als digitaler Zwilling und unterstützt das

Facility Management – von Wartungszyklen

bis zu Umbauten. Das spart Zeit und Kosten

und schafft die Basis für nachhaltiges Gebäudemanagement.

Wie verbindet ATP Technik, Architektur

und Organisation zu einem zukunftsfähigen

Ganzen?

Integrale Planung bei ATP bedeutet, dass

Architekt:innen und Ingenieur:innen von

Anfang an gemeinsam denken. Dadurch

entstehen Lösungen, die technische Effizienz,

Nutzerkomfort und architektonische

Klarheit verbinden. Gerade für die Arbeitswelt

der Zukunft ist das entscheidend: Wir

schaffen Räume, die nicht nur funktionieren,

sondern inspirieren. Durch diese Haltung

können wir ökologische Verantwortung,

Flexibilität und Gestaltung auf hohem

Niveau vereinen.

Europäisches Patentamt

Wien, Österreich

Bauherr:

Planung:

Statik:

Grundstücksfläche: 4.300 m²

BGF: 13.323 m²

Planungsbeginn: 2021

Baubeginn: 2022

Fertigstellung: 2024

www.atp.ag

Europäische Patentorganisation

ATP architekten ingenieure

ATP architekten ingenieure

„Mit der Revitalisierung des Europäischen

Patentamts setzt ATP ein starkes

Zeichen für zukunftsfähiges Bauen:

Durch integrale Planung, digitale Werkzeuge

und effiziente Systemlösungen

ist ein hochmodernes Gebäude entstanden,

das Technik, Nachhaltigkeit und

architektonische Qualität auf höchstem

Niveau vereint.“

Thomas Krohn,

Head Architect bei ATP Wien

Assoziierter bei ATP architekten ingenieure


architektur FACHMAGAZIN

44

System, Technik & Effizienz

Großzügigkeit im

Mikro-Format

Cube68 / Dinkelsbühl / Liebel/Architekten

Text: Edina Obermoser Fotos: Brigida González

Qualität statt Quantität lautete das Motto beim Projekt

Cube68 von Liebel/Architekten. Das Planungsbüro

aus Aalen entwarf mit dem Apartmenthaus in Dinkelsbühl

einen Holzmodulbau, der 57 Mikro-Einheiten auf

kleinster Fläche unterbringt und dabei erstaunlich viel

Gestaltungsspielraum bietet. Entstanden ist nicht nur

ein Pilotprojekt, das eine Lösung für die Wohnraumproblematik

bietet, sondern in erster Linie ein Neubau, der

trotz Fokus auf Nachhaltigkeit und Effizienz nicht auf

den Nutzerkomfort vergisst.

Im mittelfränkischen Dinkelsbühl setzten es sich

Bauherrschaft und Architekten zum Ziel, neuen

Wohnraum zu schaffen und dabei auf dem Grundstück

zwischen Natur und der historischen Altstadt

im Neubaugebiet Gaisfeld möglichst wenig Fläche zu

verbrauchen. Um das zu erreichen, wählte man einen

modularen Ansatz, der viele kompakte Apartments

kombiniert. Neben effizienten Grundrissen stand

dabei aber auch im Fokus, nicht bei der Qualität der

Räume einzusparen. Das Ergebnis ist ein viergeschossiges

Gebäude in Holzbauweise mit 68 Holzmodulen,

die dem Projekt seinen Namen verleihen.


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45

Liebel/Architekten

100 % vorgefertigte Mikro-Module

Beim Thema Modularität entschieden sich die Planer

für einen besonderen Ansatz: Die 68 Holzmodule

wurden komplett vorgefertigt und auf der Baustelle

lediglich aufeinandergestapelt. Vor Ort fügten sich

die einzelnen, schlüsselfertig ausgeführten Bauteile

dann innerhalb weniger Tage zu einem Apartmenthaus

mit vier Etagen zusammen. Jedes der Module

ist 43 m 2 groß und verfügt dank Vorfabrikation unter

gleichbleibenden, wetterunabhängigen Bedingungen

über eine hohe Ausbauqualität. Da sämtliche

Einheiten über eigene Wände, Böden und Decken

verfügen, erwies sich das baukastenartige System

nicht nur in Hinblick auf die Bauzeit, sondern auch

auf den Schallschutz als ökonomische Wahl. Da die

Wandkonstruktionen die Brandausweitung minimieren,

war es außerdem möglich, die Wand- und Deckenoberflächen

unverkleidet zu belassen und das

Naturmaterial in den Innenräumen als gestalterisches

Element zu nutzen.

u


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46

System, Technik & Effizienz

Wohnkomfort trifft Flächeneffizienz

Trotz der Standardmaße ermöglichen die Module

eine flexible Grundrissgestaltung. Die Zellen lassen

sich zu Einheiten mit 1,5 bzw. 2 Modulen zusammenlegen.

Daraus ergeben sich 4 Wohnungstypen mit

Größen zwischen 43 und 113 m 2 . Die auf diese Weise

entstandenen 57 Apartments erstrecken sich jeweils

über die gesamte Gebäudetiefe und öffnen sich auf

der einen Seite zu einer privaten, vorgelagerten Loggia,

auf der anderen zum gemeinsamen Hof hin, wo

sich die laubengangartige Erschließung befindet.

Damit verfügt jede Einheit über Außenbereiche und

wird dank der zweiseitigen Orientierung und bodentiefer

Fensterflächen gut belüftet und belichtet.

Maßgefertigte Einbaumöbel nutzen den begrenzten

Platz bestmöglich. Sie bieten Stauraum und lassen

die flächeneffizienten Wohnungen erstaunlich großzügig

wirken. Während die natürlichen Holzoberflächen

für den nötigen Komfort und ein angenehmes

Raumklima sorgen, wurden auch Ausstattung, Farben

und Licht von einem interdisziplinären Planerteam

perfekt aufeinander abgestimmt.

Die Loggien erweitern den privaten Wohnraum

nach draußen. Wie auch die Apartments

sind sie Holz-Sichtqualität und ohne

Verkleidung ausgeführt – eine Besonderheit

im deutschen Geschosswohnungsbau bei

Gebäudeklasse 4.


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47

Liebel/Architekten

Gemeinschaftsräume für soziale Interaktion

Die soziale Komponente spielte bei dem Entwurf von

Cube68 ebenfalls eine zentrale Rolle: Um informelle

Gemeinschaftsorte zu schaffen, die zufällige Treffen

ermöglichen, fiel die Wahl bei der Erschließung auf

Laubengänge. Mit Platz für Sitzgelegenheiten im

Freien fördern die Zirkulationswege den Austausch

der Bewohner untereinander. Die einzelnen Gebäude

sind zusätzlich rund um einen Hof gruppiert, der das

kommunikative Herzstück der Wohnanlage bildet.

Neben einer Boule-Anlage und Aufenthaltsbereichen

komplettieren eine Paketstation und – in einem

Modul untergebracht – eine Sauna das kollektiv

nutzbare Angebot.

u


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48

System, Technik & Effizienz

Nachhaltigkeit in Bau & Betrieb

Aufgrund der Masse der Massivholzbauteile konnte

in den Wohngeschossen, abseits der Erschließungsflächen,

auf Beton verzichtet werden. Die Holzmodule

speichern Liebel/Architekten zufolge rund 1.200 t

CO 2 . Weitere Entwurfsentscheidungen machen

Cube68 besonders nachhaltig: Sämtliche Module

wurden mit Schraubverbindungen umgesetzt und

lassen sich so bei Bedarf vollständig demontieren

und rückbauen. Zusätzlich setzte man mit Holzfaserdämmung,

Trockenestrich und regionalem Holz

gänzlich auf ökologische Materialien. In der unterirdischen

Tiefgarage konnte man den Stahlbetonverbrauch

– dank einer Ausnahmegenehmigung der

Stadt mit einem Stellplatz pro Einheit – minimieren

und auf dem Grundstück zusätzliche Retentionsund

Versickerungsflächen realisieren. Für Grün und

Bepflanzung steht im Hof, in den Laubengängen

sowie auf den Terrassen und dem extensiv begrünten

Dach ebenfalls genügend Raum zur Verfügung

– die Projektfotos spiegelten das noch nicht wieder,

da sie Ende November und vor Fertigstellung der

Außenanlagen gemacht wurden. Ergänzend zur effizienten,

seriellen Bauweise ist das Haus auch im

Betrieb nachhaltig konzipiert. Dazu beitragen sollen

eine Fernwärmeheizung, ein Wohnraumbelüftungssystem

mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage

mit Batteriespeicher, die das gesamte

Apartmenthaus mit Strom versorgt. Zusätzlich dienen

die weit auskragenden Loggien und Erschließungsbereiche

als passiver Sonnenschutz und runden

die modulare Anlage stimmig ab.

Cube68 soll außerdem kein Einzelprojekt bleiben,

sondern erst der Anfang sein. Der Modularbau kann

an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden

und lässt sich damit einfach reproduzieren. Je

nach Rahmenbedingungen kann man die einzelnen

Zellen beliebig staffeln und damit Folgeprojekte an

weiteren Standorten umsetzen – was laut dem Architekturbüro

auch bereits in Planung ist.

Ob Offenheit zur Nachbarschaft hin oder

privater Rückzug – dank der dualen

Ausrichtung und mithilfe von Vorhängen

können die Bewohner die Wohnbereiche

individuell steuern und an ihre Bedürfnisse

anpassen.


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49

Liebel/Architekten

1

A

A

SAUNA

BOULE PLATZ

1

GRUNDRISS E0 M 1:200

Cube68

Dinkelsbühl, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung:

Modulbau:

Geologie:

Bauphysik:

Elektroplanung:

HLS-Planung:

Brandschutz:

Innenarchitektur:

Lichtplanung:

WISA Baubetreuungs- und Bauträgergesellschaft mbH

Liebel/Architekten

Merz Kley Partner

Kaufmann Zimmerei und Tischlerei

Geotechnik

GN Bauphysik

Planungsbüro für Elektrotechnische

Gebäudeausrüstung, Siegfried Wilde

IB Bautz

Joachim Gaißer, Büro für Brandschutzplanung

Liebel/Architekten &

lark - laboratorium für lokale architektur und raumkonzepte

Lichtstudio Eisenkeil

Grundstücksfläche: 2.970 m 2

Nutzfläche:

4.340 m 2 inkl. Tiefgarage

Planungsbeginn: 02/2021

Baubeginn: 09/2023

Fertigstellung: 11/2024

www.liebelarchitekten.de

„Ziel der Konzeption von Cube68 war

die Schaffung von kleinen Wohneinheiten

in hoher Gestaltungsqualität zur generellen

Reduzierung von Wohnfläche.“

Bernd Liebel


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50

System, Technik & Effizienz

Gemeinschaft

als Bauprinzip

Collegium Academicum / Heidelberg, Deutschland / DGJ Architektur GmbH

Text: Andreas Laser Fotos: Thilo Ross, DGJ Architektur GmbH


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51

DGJ Architektur

Mit dem Collegium Academicum (CA) in Heidelberg

ist ein außergewöhnliches Projekt entstanden, das

aus der Initiative einer Gruppe junger Aktivist:innen

hervorging. Sie entwickelten die Idee eines dauerhaft

bezahlbaren, gemeinschaftlich organisierten Studierendenwohnheims,

das zugleich ein Ort für Bildung, Kultur

und selbstbestimmtes Zusammenleben sein sollte. Aus

dieser Vorstellung wuchs eine Vision, die weit über die

Schaffung von Wohnraum hinausging und ein neues

Verständnis von sozialer Nachhaltigkeit, Suffizienz

und kollektiver Verantwortung formulierte. Für die

architektonische und bauliche Umsetzung dieses

anspruchsvollen Konzepts holte die Projektgruppe die

DGJ Architektur GmbH ins Team – ein Büro, das seit

vielen Jahren intensiv an nachhaltigen Bauweisen und

partizipativen Planungsprozessen arbeitet und diese

Expertise entscheidend in das Projekt einbrachte.

Von Beginn an prägte das Zusammenspiel zwischen

der aktivistischen Projektgruppe und DGJ Architektur

den gesamten Entwicklungsprozess. Während die

jungen Initiator:innen ihre Vorstellungen einer selbstverwalteten,

flexiblen und sozial verankerten Wohnform

einbrachten, entwickelte DGJ Architektur die

planerische Struktur, die konstruktive Logik und die

räumlichen Möglichkeiten, die diese Ideen dauerhaft

tragfähig machen. Aus diesem engen, dialogischen

Miteinander entstand ein Gebäude, das die Haltung

der Projektgruppe räumlich fassbar macht und

gleichzeitig die architektonische Handschrift eines

Büros trägt, das suffizientes und nachhaltiges Bauen

auf hohem gestalterischen Niveau beherrscht. u


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52

System, Technik & Effizienz

Lernen im Alltag der Gemeinschaft

Das Collegium Academicum versteht sich nicht nur

als Wohnprojekt, sondern als Bildungsinstitution. Die

Selbstverwaltung ist integraler Bestandteil des pädagogischen

Konzepts: Bewohnerinnen und Bewohner

übernehmen Verantwortung für Mietverwaltung,

Instandhaltung oder Finanzierung und erlernen auf

diese Weise im Sinne des Projektlernens neue Fähigkeiten.

Entscheidungen werden basisdemokratisch

im Plenum getroffen, wodurch kollektive Prozesse

nicht nur gelebt, sondern strukturell verankert sind.

Ergänzt wird das Bildungsverständnis durch ein vielseitiges

kulturelles und akademisches Programm aus

Workshops, Seminaren und Lesungen. Das einjährige

Orientierungsjahr falt*r bietet jungen Menschen

zudem die Möglichkeit, sich zwischen Schule und

Ausbildung in einem interdisziplinären Rahmen persönlich

und fachlich weiterzuentwickeln.

Gemeinsam entwickelter Raum

Bereits in der Planungsphase setzte DGJ Architektur

auf ein partizipatives Vorgehen, das über klassische

Beteiligungsprozesse hinausging. In gemeinsamen

Werkstätten entwickelten künftige Bewohnerinnen

und Bewohner zusammen mit dem Planungsteam

die Grundstruktur des Gebäudes. Aus dieser intensiven

Zusammenarbeit entstand eine Wohnform,

die sich durch hohe Anpassungsfähigkeit auszeichnet.

Jede Wohnung gliedert sich um einen zentralen

Gemeinschaftsraum, von dem aus die Individualbereiche

erschlossen werden. Diese bestehen aus

einer geschlossenen Kernzone und einer offenen,

variablen Zone, die je nach Bedarf geöffnet, möbliert

oder räumlich abgetrennt werden kann. In der hauseigenen

Werkstatt fertigen die Bewohnerinnen und

Bewohner Trennwände und Möbel selbst – ein Ausdruck

gelebter Selbstbestimmung und unmittelbarer

Materialerfahrung. Das Gebäude wird so zu einem

Labor für Raumaneignung, in dem alltägliches Wohnen

zum Prozess kollektiver Gestaltung wird.


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53

DGJ Architektur

Präzision & ökologische Zielsetzung

Auch in bautechnischer Hinsicht verkörpert das Projekt

den Anspruch einer zukunftsweisenden Baukultur.

DGJ Architektur realisierte den Neubau in einer

nachhaltigen Element-Holzbauweise, die vollständig

auf metallische Verbindungsmittel verzichtet. Stattdessen

kommen traditionelle Zimmermannsverbindungen

zum Einsatz, die eine präzise, reversible Konstruktion

ermöglichen. Das Tragwerk aus Holzskelett

und aussteifenden Wandscheiben um die Sanitärkerne

erlaubt kurze Montagezeiten und einen späteren

Rückbau mit minimalem Materialverlust. Holz als

nachwachsender Rohstoff und CO 2 -Speicher bildet

das konstruktive Rückgrat des Gebäudes und prägt

dessen warme, sinnlich erfahrbare Atmosphäre. Die

ökologische Konsequenz zeigt sich in jedem Detail –

vom Einsatz von Recyclingbeton in der Bodenplatte

über eine Fassade aus zu neunzig Prozent recyceltem

Aluminium bis hin zu einer leistungsstarken Photovoltaikanlage,

die bilanziell den gesamten Strombedarf

deckt. Durch die Passivhausbauweise ist

eine Beheizung mittels Fernwärme nur an wenigen

Tagen im Jahr erforderlich. So entsteht ein nahezu

klimaneutrales Gebäude, das auch im Betrieb durch

minimalen Energiebedarf überzeugt und mit dem

Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh)

zertifiziert wurde.

u


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54

System, Technik & Effizienz

Ein urbaner Katalysator

Der Neubau des Collegium Academicum markiert

zugleich einen städtebaulichen Impuls für den Heidelberger

Stadtteil Rohrbach. Auf der Konversionsfläche

des ehemaligen Militärhospitals bildet das

Ensemble aus Alt- und Neubau den Auftakt zur Revitalisierung

eines lange vernachlässigten Quartiers.

DGJ Architektur ordnete die Baukörper so an, dass

sie einen offenen Innenhof umschließen, der zum gemeinschaftlichen

Herz des Projekts wird. Hier finden

Feste ebenso wie zufällige Begegnungen im Alltag

statt – Momente, in denen Gemeinschaft räumlich

erfahrbar wird. Ein Laubengang, der alle Wohnungen

erschließt, öffnet sich zu diesem Hof hin und fördert

spontane Begegnungen und soziale Interaktion. Die

beweglichen Schiebeläden der Fassade, entwickelt

im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen

Bundesstiftung Umwelt, verleihen dem Bau ein wandelbares

Erscheinungsbild und spiegeln das lebendige,

vielfältige Leben seiner Bewohnerinnen und

Bewohner wider.

Holz, Licht und Gemeinschaft

Die architektonische Sprache des Projekts ist geprägt

von Offenheit und Klarheit. Sichtbares Holz, präzise

Strukturen und der Dialog zwischen Innen und Außen

bestimmen das Erscheinungsbild. Die eingeschossige

Aula im Erdgeschoss verbindet die beiden Gebäudeteile

und schafft Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten,

während eine Dachterrasse als grüner Treffpunkt

den Blick über das Quartier öffnet. Insgesamt

bietet der Neubau 176 Wohnplätze, die barrierefrei zugänglich

und langfristig auch für andere Wohnformen

– etwa seniorengerechtes oder betreutes Wohnen

– nutzbar sind. Damit beweist das Projekt, dass soziale

und architektonische Nachhaltigkeit sich nicht

ausschließen, sondern einander bedingen. •


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55

DGJ Architektur

OG

Planstudien der flexiblen Zimmertypen

Planmaterial: DGJ Architektur GmbH

EG

Collegium Academicum (CA)

Heidelberg, Deutschland

Bauherr: Collegium Academicum e. V.

Planung:

DGJ Architektur

Projektleitung:

Frederik Ehling, M.A. Arch.

Statik Holz, Schallschutz: Pirmin Jung Deutschland GmbH

Statik Beton:

Jäger Ingenieure

Landschaftsarchitektur: GDLA - Gornik Denkel

landschaftsarchitektur partg mbb

Nutzfläche: ca. 7 200 m²

Planungsbeginn: 2016

Fertigstellung: 2023

www.dgj.eu

„Mit dem Collegium Academicum

wollten wir zeigen, dass nachhaltige

Architektur, soziale Teilhabe

und hohe Lebensqualität kein Widerspruch sind. Unser Entwurf

schafft flexible, gemeinschaftlich gestaltbare Räume, die sich an

die Bedürfnisse der Bewohner:innen anpassen – heute und in Zukunft.

Das Projekt steht für eine neue Baukultur: ökologisch, suffizient,

demokratisch und offen für alle, die gemeinschaftlich und

verantwortungsvoll leben wollen.“

Univ.-Prof. Dr. Hans Drexler, Geschäftsführender Partner


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56

System, Technik & Effizienz

Zwischen Stadt

und Industrie

Campus SHED / Berlin-Neukölln /

Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten & REALACE GmbH

Text: Roland Kanfer Fotos: Stefan Müller


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Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE

Am Bahndamm des Berliner S-Bahn-Rings, dort, wo die dichte Blockrandbebauung

Neuköllns abrupt endet, öffnet sich ein Raum, der lange brachlag. Zwischen

Bahndamm und dem Neuköllner Schifffahrtskanal entstand einst ein industrielles

Areal aus Fabriken, Lagerhallen und Umschlagplätzen. Jahrzehntelang war dieser

Abschnitt ein Zwischenraum – zu groß für Wohnbebauung, zu unzugänglich für

öffentlichen Raum. Heute markiert hier der Campus SHED den Übergang von der

gewachsenen Stadt zur offenen Wasserlandschaft.

Vom Werkhof zum Wissenscampus

Auf dem langgestreckten Grundstück reihen sich

Neubauten und umgenutzte Industriebauten entlang

des Kanals zu einem linearen Ensemble. Unter dem

Titel „SHED“ entstand auf rund 31.000 m 2 Nutzfläche

ein urbaner Campus mit Hochschulnutzung, Startups,

Leichtindustrie, Gastronomie und öffentlichen

Freiräumen. Das Konzept folgt der Idee einer neutralen,

offenen Architektur: kein klassisches Bürohaus,

keine Werkhalle, sondern eine räumliche Infrastruktur,

die unterschiedlichste Nutzungen aufnehmen

kann. So wird aus der Industriebrache ein Ort der

„New Work“-Kultur.

Das Herzstück des Ensembles

Den Mittelpunkt des Areals bildet das Warehouse,

ein sechsgeschossiger Baukörper mit markantem

Sheddach, das der gesamten Anlage den Namen

gab. Der gezackte Dachverlauf – ein Motiv aus der

Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts – wird hier

zur identitätsstiftenden Geste. Wie in alten Werkhallen

fangen die nach Norden gerichteten Dachflächen

das Tageslicht blendfrei ein und bringen es

tief in die Gebäudeflucht. Unter dem Dach entfalten

sich großzügige, lichtdurchflutete Geschosse, die

nicht für eine bestimmte Nutzung entworfen, sondern

als Stapel leerer, flexibel bespielbarer Räume

angelegt sind.

Vier identische Kerne erschließen den Bau, drei Höfe

gliedern das Volumen zum Wasser hin und führen

zusätzlich Licht und Luft in die Tiefe des Grundrisses.

Diese räumliche Struktur erlaubt eine hohe Flexibilität.

So nutzt die SRH-Hochschule 13.000 m 2 im

Warehouse für Tonstudios, Ateliers, Ingenieurlabore

sowie eine Bühne.

u


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58

System, Technik & Effizienz

Industrielles Vokabular in neuer Grammatik

Architektonisch übersetzt das Warehouse industrielle

Robustheit in zeitgenössische Eleganz. Die vertikal

gegliederte Metall-Glas-Fassade verleiht dem großen

Baukörper eine feine Maßstäblichkeit. Von unten

nach oben verdichten sich die Lisenen – die Erdgeschosszone

bleibt offen und durchlässig, während die

oberen Geschosse eine fast textile Geschlossenheit

zeigen. So entsteht ein Wechselspiel aus Transparenz

und Reflexion, aus Leichtigkeit und Präzision. Die

gleichmäßige Rasterung nimmt jede spätere Raumteilung

auf, ohne das klare Erscheinungsbild zu stören.

Die metallische Haut integriert absturzsichernde

Fensterbänder, die eine natürliche Belüftung ermöglichen

– ein subtiler Dialog zwischen technischer Rationalität

und gestalterischer Disziplin.

Konstruktion mit System

Die Tragstruktur folgt einem rationalen Raster von 11

Metern in Längs- und 7,20 Metern in Querrichtung.

Stahlverbundträger und vorgespannte Hohldielen

bilden weit gespannte Decken. Diese Hybridbauweise

erlaubt große Spannweiten bei geringem Materialeinsatz

und damit eine Balance aus Effizienz und

Nachhaltigkeit. Die Sheddächer greifen das Prinzip

der Regelgeschosse auf: Schräggelegte Hohldielen,

auf Stahlträger aufgelegt, tragen eine metallische

Dachhaut mit Photovoltaik-Paneelen auf den südorientierten

Flächen. Das Dach wird so zur Energiequelle

und vereint Funktion und Form.

u


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Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE


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60

System, Technik & Effizienz

SHED folgt der Idee einer

neutralen Architektur:

kein klassisches Bürohaus,

keine Werkhalle,

sondern Räume, die unterschiedlichste

Nutzungen

aufnehmen können.

Ein Campus aus vier Solitären

Neben dem Warehouse gehören die Gebäude Workshop,

Loft und die umgebaute Community Hall zum

Campus. Jedes Bauwerk interpretiert das Thema „industrieller

Archetypus“ auf eigene Weise: als Werkstatt,

als Loft, als Halle. Zusammen bilden sie ein fein

austariertes Ensemble aus unterschiedlichen Volumina,

Materialien und Raumhöhen, verbunden durch

öffentliche Wege, Höfe und Terrassen bis ans Wasser.

Die Gebäudefassaden folgen dem Leitmotiv einer

reduzierten Materialität: Metall, Glas, Beton. Ihre Farbigkeit

bleibt neutral, die Oberflächen changieren je

nach Licht zwischen matt und reflektierend. Im Inneren

setzen rohe Sichtbetonflächen, helle Estriche

und offene Installationen den Werkcharakter fort.

Diese bewusste Einfachheit verleiht den Räumen

Authentizität, Nutzer:innen können hier ihre eigenen

Arbeitswelten gestalten.

Öffnung zum Wasser

Ein besonderes Element bildet die westlich orientierte

Loggia im fünften Obergeschoss, , die als ein urbaner

Balkon zur Innenstadt fungiert. Von hier aus bietet

sich ein weiter Blick über die angrenzenden Stadtviertel.

Somit ist die Loggia ein Signal der Öffnung: der

Campus als Teil eines größeren Stadtraums. Geplant

ist die öffentliche Zugänglichkeit des Ufers, mit Gastronomie

und offenen Flächen am Wasser.

Nachhaltigkeit als Haltung

Alle Gebäude des Campus sind nach LEED-Gold zertifiziert,

die Neubauten erfüllen zusätzlich ESG-Kriterien.

Neben energieeffizienter Gebäudetechnik

und Bauteilaktivierung setzt das Projekt auf Tageslichtnutzung,

natürliche Belüftung, außenliegende

Sonnenschutzelemente, mechanische Lüftung mit

Wärmerückgewinnung und massive Decken zur thermischen

Trägheit.


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Thomas Müller Ivan Reimann & REALACE

000

Thomas Müller Ivan Reimann Ges. von Architekten

SHED Büro- und Hochschulcampus

Berlin - Neukölln

Bauherr:

Planung:

Klingsöhr Unternehmensgruppe, Berlin

Arbeitsgemeinschaft Sonneninsel Müller Reimann | REALACE

Landschaftsplanung:

Statik:

Technische Gebäudeausrüstung:

Brandschutz:

Bauphysik:

POLA Landschaftsarchitekten GmbH

Engelsmann Peters

Plan B-Beratende Ingenieure

IB Knoth

Ingenieurbüro Axel C. Rahn

Grundstücksfläche: 15.500 m 2

Bebaute Fläche: 6.900 m 2

Nutzfläche: 30.250 m 2

Bruttogeschoßfläche: 41.500 m 2

Planungsbeginn:

07/2018 (Lp2-4) | 08/2020 (Lp5-8)

Baubeginn: 03/2021

Fertigstellung: 08/2024

www.mueller-reimann.de

REALACE

Name und Lage des Projektes „SHED“ (Schuppen,

Unterstand, Hütte) sind das Ergebnis einer

programmatischen Entscheidung. SHED ist

weniger ein Bürohaus als ein Stück städtischer

Infrastruktur und nimmt bewusst Bezug auf die

industrielle Vergangenheit des Standortes.


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62

System, Technik & Effizienz

Moderner

Low-Tech-Ansatz

Siège intercommunal / Neuves-Maisons, Grand Est / Studiolada

Text: Edina Obermoser Fotos: Ludmilla Cerveny


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Studiolada

Ganz ohne Klimaanlage, dafür mit 18.000 Lehmziegeln

realisierte das Architektenkollektiv rund um Aurélie

Husson und Benoît Sindt das Projekt Siège intercommunal

in Neuves-Maisons. Der moderne Bau zeigt aber

nicht nur, wie Low-Tech-Ansätze im öffentlichen Sektor

aussehen können, sondern kombiniert als neuer Verwaltungssitz

außerdem eine nachhaltige Holzkonstruktion

mit einem flexibel anpassbaren Gebäudekonzept.

Der Neubau bildet in Neuves-Maisons im Südwesten

von Nancy den Sitz des Gemeindeverbandes

Moselle et Madon, der insgesamt 19 Gemeinden

umfasst. Am Rande der 7.000-Einwohner-Ortschaft

gelegen, gibt er dort den Startschuss für ein urbanes

Entwicklungsprojekt. Dieses sieht vor, das Areal

am Kanal vom Gewerbe- und Einkaufsstandort in

ein zukunftsfähiges Stadtquartier mit Wohn- und

Bildungsbauten sowie Sportanlagen zu verwandeln.

Neben dem neuen Gebäude mit Platz für die

Stadtverwaltung sollen hier in den umliegenden Bestandsstrukturen

unter anderem ein neuer Busterminal

und ein Fuhrpark-Ersatzteillager entstehen.

Für die Errichtung des Siége intercommunal wollte

man dabei zunächst das Fundament einer einstigen

Industriehalle wiederverwenden. Aufgrund von mangelnder

Tragfähigkeit auf dem sumpfigen Gelände

mussten die Architekten diesen Plan allerdings verwerfen

und stattdessen auf eine Pfahlgründung setzen.

Im Zuge dessen gelang es, die versiegelten Flächen

aufzubrechen und die Böden durchlässiger zu

machen. Üppige Grünstreifen rund um das Gebäude,

ein Regengarten und unterirdische Tanks sammeln

künftig Regen- und Oberflächenwasser. Dieses wird

durch Phytosanierung – Reinigung mittels Pflanzen

– aufbereitet und deckt anschließend mit der Versorgung

einer Buswaschanlage und der Sanitäranlagen

einen Teil des Brauchwasserbedarfs. u


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System, Technik & Effizienz

Aufs Wesentliche reduziert

Bei der Gestaltung fiel die Wahl auf ein reduziertes,

funktionales Design mit einem möglichst geringen

CO 2 -Fußabdruck. Das Ergebnis ist ein kompakter,

rechteckiger Holzbau. Dieser erstreckt sich über

zwei Geschosse und orientiert sich in seinen Dimensionen

an dem ehemaligen Betonfertigteilwerk, das

zuvor an seiner Stelle stand. Formal setzt sich der

Grundriss aus drei Schiffen zusammen und legt mit

seiner Modularität den Grundstein für eine spätere

Umnutzung des Baus: Die Büros sind jeweils entlang

der Längsfassaden im Osten und Westen angeordnet

und flankieren den offenen Bereich, der sich in

der Mitte des Gebäudes bis unters Dach erstreckt

und als gemeinschaftlicher Treffpunkt der Verwaltungsmitarbeiter

dient. Erschlossen werden die Arbeitsbereiche

ebenfalls über den Luftraum. Zwei zentral

positionierte Holztreppen führen hier ins obere

Stockwerk und über Laubengänge weiter in die

einzelnen Büroräume. Außenliegende, witterungsgeschützte

Loggien, Gemeinschaftsflächen und ein

Versammlungs- sowie ein Festsaal komplettieren das

Raumprogramm. Im Norden dockt das Haus außerdem

über ein Glasvolumen direkt an ein bestehendes

Verwaltungsgebäude an.

Im Inneren prägen zum einen die markante,

reversible Fachwerkkonstruktion, zum anderen

die gestampften Lehmziegelwände die natürliche

Optik des Hauses.


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65

Studiolada

Funktionalität trifft Materialehrlichkeit

Von außen besonders markant zeigt sich das

Walmdach des neuen Verwaltungssitzes. Trotz der

flachen Neigung fällt es durch seine rotbraun patinierte

Zinkhaut auf und legt sich mit seinem großzügigen

Überstand schützend über die Fassaden, um

unter anderem die Überhitzung der Innenräume im

oberen Stockwerk auf passive Weise zu verhindern.

An drei Stellen ragen pyramidenartige Dachlaternen

in den Himmel. Die sogenannten Flamandes sind mit

Tonziegeln gedeckt und haben mehrere Funktionen:

Sie verleihen dem Haus sein charakteristisches Aussehen,

belichten den hohen Luftraum außerdem von

oben und tragen zur Belüftung bzw. Regulierung der

Temperatur des Atriums bei.

Die Holzkonstruktion prägt den Neubau nicht nur an

der Außenseite, sondern auch im Gebäude. Während

die Ansichten rundum in vertikalen Douglasienlamellen

ausgeführt und mit Holzwolle isoliert sind, bleibt

das Tragwerk aus hellem Fichtenholz im Inneren sichtbar.

Von den Dachsparren abgehängte Pfosten tragen

das Obergeschoss. In vertikaler Richtung sorgen Kehlbalken,

diagonale, weiße Stahlstreben und Brettsperrholzplatten

für die Aussteifung der Rahmenstruktur.

Hinter den nichttragenden Fachwerkelementen zwischen

Büros und Atrium unterteilen Trennwände aus

handgefertigten Lehmziegeln die einzelnen Räume.

Diese erhöhen die thermische Trägheit des Baus, welcher

ohne Klimaanlage konzipiert wurde. Anstelle von

aufwendiger Technik unterstützen lediglich einige

Ventilatoren die natürliche Durchlüftung. u


architektur FACHMAGAZIN

66

System, Technik & Effizienz

Im Obergeschoss gibt es

entlang der Westseite

mehrere Loggien. Als

geschützte Außenbereiche

laden sie die Mitarbeitenden

zu Pausen im

Freien ein.

Naturmaterial mit regionalem Bezug

Mit dem Naturbaustoff Lehm setzte Studiolada zudem

auf eine lokale Ressource. Dem Auftraggeber gefiel

diese Wahl besonders wegen der natürlichen Ästhetik,

aber auch aufgrund seiner Low-Tech-Qualitäten.

Das Material wirkt nicht nur schalldämmend, sondern

speichert Wärme und reguliert die Luftfeuchtigkeit.

Die verwendeten Rohstoffe stammen aus umliegenden

Orten in einem Umkreis von maximal 20 km Entfernung

und schaffen so einen regionalen Bezug. Im

Vorfeld wurden dafür Böden getestet, um die optimale

Zusammensetzung zu ermitteln. Für die einfache

Herstellung der Ziegel versetzte man den Lehm

schließlich mit Stroh und formte bzw. trocknete die

Mischung. Diesen Prozess kombinierte man mit einem

Schulungsprogramm, das zugleich einen positiven

Effekt auf die lokale Wirtschaft hatte. Gemeinsam

mit amàco – einem französischen Forschungs- und

Schulungsexperten für natürliche Baumaterialien

bzw. -techniken – wurden Workshops organisiert, in

denen sich 300 Freiwillige zunächst Fachkenntnisse

im Bereich Lehmbau aneignen konnten und im Anschluss

die rund 18.000 Ziegel produzierten. Der Erfolg

des Programms zeigte sich noch im Bauprozess

selbst: Nach einigen Monaten Trocknungszeit übernahm

einer der ausgebildeten, lokalen Handwerksbetriebe

den Einbau der Lehmziegel.


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67

Studiolada

EG

Nachhaltiges Gesamtkonzept

Neben unverkleideten Holz- und Lehmoberflächen

versuchten die französischen Planer auch sonst, den

Innenausbau möglichst materialecht und einfach zu

halten. Auf Gipskarton verzichtete man weitgehend,

versah die Außenwände mit Sperrholzplatten und verkleidete

die Decken mit Holzwolle-Leichtbauplatten,

die einen positiven Effekt auf die Raumakustik haben.

Sämtliche Entwurfsentscheidungen wurden laut Aurélie

Husson und Benoît Sindt so getroffen, dass sie

das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus so

nachhaltig wie möglich gestalten. Sowohl Tragwerk

als auch Grundrisse sind flexibel anpassbar. Sollte

das Siège intercommunal einmal nicht mehr gebraucht

werden, ließe es sich je nach Bedarf zu Wohnungen

oder einer Bildungseinrichtung umbauen

und so noch länger nutzen. Damit beginnt Studiolada

im Südwesten von Nancy einen Prozess der Erneuerung

mit Vorbildcharakter für viele weitere, zukunftsfähige

Projekte.

Siège intercommunal

Neuves-Maisons, Grand Est

Bauherr:

Planung:

Communauté de Communes Moselle et Madon

Studiolada – Aurélie Husson & Benoît Sindt

Tragwerksplanung (Holz):

Ingenieurbüro (Lehm):

TGA-Planung:

Energieplanung:

Brandschutz:

Projektsteuerung:

Fläche: 2.000 m 2

Fertigstellung: 2024

Baukosten: 4 Mio. €

www.studiolada.fr

Barthes bois

amàco

Oak Ingénierie

Fluid‘CONCEPT

AJA

Franck Barlé OPC

„Studiolada ist ein französisches Architektenkollektiv mit

sechs Partnern. Wir definieren unsere Praxis rund um Themen

wie das Gemeinwohl, den schonenden Umgang mit

Ressourcen, das gemeinschaftliche Engagement, kurze

Lieferketten und Kreislaufwirtschaft. Diese Werte bilden die

Grundlage für unser Schaffen, das stets Rücksicht auf den

jeweiligen Ort, seine Ressourcen und seine Dynamik nimmt.“

Aurélie Husson & Benoît Sindt


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68

Naturstein

Weltpremiere: Eröffnung des Stone Demonstrators

im Londoner Stadtteil Earls Court Ende Oktober 2025.

Foto: Bas Princen, Courtesy of the Design Museum and Future Observatory

Eine tragfähige Verbindung

Schneller, leichter und ökologischer bauen – eine neuartige Holz-Stein-Verbunddecke

löst mehrere Herausforderungen der Baubranche. Beim Stone

Demonstrator in London erlebte das neuartige System seine große Premiere.

Text: Richard Watzke

Eine Holz-Stein-Verbunddecke erschließt ein neues

Kapitel im hybriden, kreislauffähigen Bauen. Das System

steht für eine deutliche Reduktion grauer Emissionen,

für eine serielle, trockene und kreislauffähige

Bauweise und für eine neue architektonische Ausdrucksform

des nachhaltigen Bauens. Für das System

haben die beteiligten Partner – das Bamberger

Natursteinwerk gemeinsam mit der Friedrich Verbundsysteme

GmbH aus Helmbrechts – ein Patent

angemeldet. Bamberger-Geschäftsführer Hermann

Graser erläutert es.

Wie unterscheidet sich das Strukturverhalten von

dem einer herkömmlichen Stahlbetonplatte?

Hermann Graser: In einer herkömmlichen Stahlbetonplatte

übernimmt der Beton die Druck- und der

Bewehrungsstahl die Zugkräfte. Erst mit der Rissbildung

in der Zugzone greift der Stahl aktiv ein, um

die auftretenden Zugspannungen aufzunehmen. Bei

der Holz-Stein-Verbunddecke liegt ein grundsätzlich

günstiges Systemverhalten vor: Die obenliegende

Steinplatte trägt nahezu ausschließlich Druck, die Zugzone

wird vorwiegend vom darunterliegenden Holz-


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69

Naturstein

querschnitt aufgenommen. Über die eingeschraubten

Verbundanker erfolgt die elastische Kraftübertragung

in der Schubfuge zwischen beiden Materialien. Der

große Abstand der Bauteilnulllinien bewirkt eine hohe

statische Höhe und damit eine bemerkenswerte Steifigkeit

bei sehr geringer Verformung.

Dieses Prinzip nutzt die natürlichen Stärken beider

Werkstoffe optimal. Stein zeichnet sich durch hohe

Druckfestigkeit aus, Holz durch Zugfestigkeit und

geringes Eigengewicht. Der eingesetzte BiFRi-Verbundanker

aus ungehärtetem Stahl verleiht dem System

zudem eine hohe Duktilität, also ein gutmütiges

Tragverhalten auch bei Überlast.

Welche Spannweiten und Tragfähigkeiten

können mit diesem System erreicht werden?

Die Spannweiten liegen je nach Querschnitt über den

im Wohnungsbau üblichen Werten. Aufgrund des geringen

Eigengewichts werden die Lasten wirtschaftlich

weitergeleitet, wodurch auch größere Spannweiten

effizient möglich sind.

Wie ist die Verbindung zu tragenden

Wänden oder Stützen ausgelegt?

Die Auflagerung erfolgt analog zu Holzbalkendecken

– also durch direkte Druckauflager auf Wände oder

Stützen. Anschlüsse können über Balkenschuhe, Auflagerplatten

oder Aufhängungen hergestellt werden.

Dadurch bleibt das System kompatibel zu gängigen

Konstruktionsprinzipien im Holz- und Massivbau.

Gibt es besondere Überlegungen hinsichtlich Installationen

oder Durchführungen?

Ja. Innerhalb der Holzbalken sind Durchführungen

bis etwa ein Sechstel der Balkenhöhe möglich, bei

einem Abstand von etwa dem Doppelten der Balkenhöhe.

Zwischen den Balken – also im Hohlraum unterhalb

der Steinplatte – bestehen keine Einschränkungen.

Damit lassen sich Leitungen, Kabel oder

Haustechnikkomponenten problemlos integrieren.

Die Granitplatten nehmen den Druck auf, die

Holzbalken darunter dienen als Zugstufe.

Das System ist kompatibel mit gängigen Konstruktionsprinzipien

im Holz- und Massivbau.

Welche Prüfungen oder Zertifizierungen

wurden bisher durchgeführt?

Im Werk wurde ein Deckenmodell im Maßstab 1:1

mit einer Spannweite von rund 6 Metern hergestellt.

Grundlage war die Berechnung nach dem Gamma-Verfahren

bei einer Nutzlast von 5,0 kN/m². Die

dokumentierten Versuche umfassten Belastung,

Entlastung, Wiederbelastung und Überlast. Dabei

zeigten sich weder übermäßige Verformungen noch

Schädigungen – die Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit

wurden bestätigt.

Wie verhält sich die Konstruktion

unter Brandbeanspruchung?

Der Brandwiderstand für das Holz kann nach den Regeln

des Eurocode berechnet werden. Standardmäßig

sind Widerstandsdauern bis F 60 nachweisbar.

Der Naturstein gilt als nicht brennbar (Baustoffklasse

A1) und bildet eine natürliche Brandschutzschicht,

die das Holz schützt.

Wie hoch ist der Materialverbrauch im

Vergleich zur herkömmlichen Betonplatte?

Der Materialeinsatz reduziert sich deutlich. Eine konventionelle

Stahlbetondecke mit 30 cm Stärke wiegt

etwa 0,75 t/m². Die Holz-Stein-Verbunddecke kommt

bei einer 6 cm starken Steinplatte und Holzträgern

auf rund 0,17 t/m² – also weniger als ein Viertel des

Gewichts bei vergleichbarer Tragfähigkeit. Das geringere

Eigengewicht verringert zudem die Lasten

auf Wände und Fundamente und ermöglicht schlankere

Bauweisen.

u

Grafiken: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser


architektur FACHMAGAZIN

70

Naturstein

1

Foto: Bas Princen, Courtesy of the Design Museum and Future Observatory

Welche Einsparungen bei der Bauzeit oder logistische

Vorteile lassen sich auf der Baustelle erzielen?

Da die Elemente im Werk vorgefertigt und trocken

montiert werden, entfallen aufwändige Schalungs-,

Betonier- und Abbindeprozesse. Die Decken sind unmittelbar

nach der Montage belastbar. Dies führt zu

2

einer erheblichen Verkürzung der Bauzeit und zu planungssicheren

Abläufen – insbesondere bei serieller

Fertigung aber auch bei Sanierungsprojekten.

Für welche Gebäudetypen eignet sich das System?

Das System ist für Wohn- und Bürogebäude ebenso

geeignet wie für Museen, öffentliche Bauten oder

Umbauten im Bestand. Es kann bestehende Holzbalkendecken

ertüchtigen, ohne zusätzliche Lasten in

die Tragstruktur einzuleiten, und bietet durch seine

hohe Duktilität und Scheibenwirkung auch Potenzial

für erdbebengefährdete Gebiete.

1 Die Spannweiten liegen je

nach Querschnitt über den

im Wohnungsbau üblichen

Werten.

2 Hermann und Nina Graser

bei der Vorstellung des

Systems auf der Fachmesse

Marmomac 2025.

Wie haben Planer und Bauherren bisher reagiert?

Die Resonanz ist ausgesprochen positiv. Insbesondere

das Projekt Stone Demonstrator in London, bei

dem die Holz-Stein-Verbunddecke in einem architektonischen

Kontext gezeigt wurde, stieß auf großes

Interesse. Architekten, Ingenieure und ausführende

Unternehmen zeigen sich gleichermaßen beeindruckt

von der Tragwirkung, der einfachen Anwendung,

der Kreislauffähigkeit und der Nachhaltigkeit

des Systems.

Foto: Richard Watzke


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71

Wettbewerbe Naturstein

CASAWEST GmbH

4055 Pucking

office@casawest.at

www.casawest.at

Sölker Marmor

Bergbau

8961 Sölk

office@soelker.at

www.soelker.at

Poschacher Natursteine

Baustoffhandel GmbH

4310 Mauthausen

office@poschacher.com

www.poschacher.com

Lauster

Naturstein GmbH

9971 Huben/Osttirol

st.johann@lausternaturstein.at

www.lausternaturstein.at

Kienesberger

Steinmetzmeister

4707 Schlüßlberg

office@kienesberger-stein.at

www.kienesberger-stein.at

Steinmetzbetrieb

Wolfgang Ecker

2514 Traiskirchen

office@ecker-stein.at

www.ecker-stein.at

Steinmetzmeister

Dietmar Steller

4600 Wels

office@steller-stein.at

www.steller-stein.at

Schreiber & Partner

Natursteine

2170 Poysdorf

office@sp-natursteine.at

www.sp-natursteine.at

Marmor

Industrie Kiefer

5411 Oberalm

office@marmor-kiefer.at

www.marmor-kiefer.at

Josef Kogler

Steinbruch & Schotterwerk

9554 St. Urban

kogler.naturstein@aon.at

www.kogler-natursteinwerk.at

Gustav Hummel

GmbH & Co KG

2452 Mannersdorf

info@hummel-stein.at

www.hummel-stein.at

Stone4you

Steinmetzbetriebe

2020 Hollabrunn

office@stone4you.at

www.stone4you.at

Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen

vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,

welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer

Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen

www.pronaturstein.at


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72

Naturstein

1 © Richard Watzke

Wandelbarer

Baustoff

Vom Bodenbelag bis zum filigranen Vorhang: Kaum ein Werkstoff

vereint Zweckmäßigkeit, Ökologie und Ästhetik wie Naturstein.

Text: Richard Watzke

Im ehemaligen Sitz der Wiener Wirtschaftskammer,

einem Nachkriegsbau von Carl Appel, eröffnete 2024

das Hotel The Hoxton Vienna. Der 2020 unter Denkmalschutz

gestellte Bau im 3. Wiener Gemeindebezirk

steht für einen sachlichen und ressourcenschonenden

Umgang mit vorhandener Substanz und gilt

als Paradebeispiel, wie sich ein geschütztes Bürogebäude

nachhaltig umnutzen lässt. Das Wiener Büro

BWM Designers & Architects setzte auf Anpassung

und Weiterverwendung der bestehenden Substanz.

Wo möglich und sinnvoll, wurden Bauelemente beibehalten.

Die sichtbarste Klammer zwischen Vorgängerbau

und neuem Hotel bildet – innen wie außen –

die umfangreiche Ausstattung mit Naturstein. Nach

außen hin fallen besonders die weit ausladenden,

in dunkelgrünem Serpentin ausgeführten Portale

auf. Zahnschnittartige Profile entlang aller Kanten

zitieren spielerisch antike Vorbilder und verleihen

den Portalen besondere Raffinesse. Die Fassadenfläche

selbst ist mit hellblau-grünlichem, senkrecht


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gebändertem Naturstein bekleidet. Einer Zeitreise

gleicht die Lobby: Die originale Wandbekleidung aus

beigem Travertin und der gut erhaltene Terrazzoboden

aus den 1950er Jahren bestimmen weiterhin

den Raumeindruck, ergänzt durch handverlesenes

Mobiliar einschließlich authentischer Bepflanzung.

Durch die Erhaltung der tragenden Struktur und

der Steinoberflächen blieb ein Großteil der grauen

Energie im Gebäude erhalten. Das Projekt zeigt, wie

der bewusste Erhalt von Naturstein und Bestandsarchitektur

zur Reduktion von Ressourcenverbrauch

und zur langfristigen Sicherung baugeschichtlicher

Qualität beitragen kann.

73

Naturstein

Schön bei Tag und bei Nacht

Kein Bauplatz in New York dürfte symbolisch bedeutsamer

sein als Ground Zero. Wenn ein Theaterbau an

einem so prominenten Ort errichtet wird, ist ihm vom

ersten Spatenstich an große Aufmerksamkeit sicher.

Und genau dort, auf dem World Trade Center-Gelände

in Manhattan, wurde 2023 mit dem Perelman Performing

Arts Center ein Bauwerk eröffnet, dessen Außenwirkung

wesentlich von der ästhetischen Erscheinung

von Naturstein geprägt wird. Das mit dem Neubau

beauftragte New Yorker Architekturbüro REX umhüllte

den streng geometrischen Kubus mit einer transluzenten

Hightech-Fassade aus Estremoz-Marmor und

Glas. Bei Tageslicht wirkt das Gebäude wie ein riesiger

Steinblock, bei Nacht wird die Gebäudehülle von innen

beleuchtet und der farbenprächtige Marmor beginnt

zu Strahlen. Der portugiesische Naturstein ist in Form

von 12-mm-Scheiben beidseitig mit Glas laminiert

und zu mehr als 50-mm-starken Isolierglaseinheiten

gefügt. Insgesamt wurden fast fünftausend Paneele

gefertigt und spiegelbildlich an langspannenden

Stahlpfosten verankert. Um die Zeichnung der fertigen

Fassade präzise zu planen, wurden sämtliche Rohplatten

zuvor einzeln fotografiert und nummeriert. 2

Dutch Treat © Wiki-Commons

u

3

1 Im einstigen Sitz der Wiener

Wirtschaftskammer ist

heute das Hotel The Hoxton

Vienna untergebracht.

2 Die Marmorfassaden des

neuen Perelman Performing

Arts Center in Manhattan:

Mit dem Gebäude ist die Neugestaltung

des Ground Zero

nach 9/11 abgeschlossen.

3 Multifunktionale Theke

aus gebürstetem Nero Assoluto

im Schauraum der Möbelwerkstätte

Seliger, Wien.

© Richard Watzke


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74

Naturstein

© Erich Trummer GmbH

4

In der Volksoper Wien ist die 2025 abgeschlossene

Sanierung der sechs Publikumsgarderoben Teil

einer umfassenden Modernisierungsoffensive. Die

ehemals durchgehenden, von Wand zu Wand reichenden

Garderobenpulte wurden nach Entwürfen

der Wiener Architektinnen Rita Reisinger und Doris

Kutscher sowie dem Atelier Peter Weisz von den

Wänden gelöst und in einzelne Segmente unter-

teilt. Die Grundkörper bestehen aus einer soliden

Holzkonstruktion, die allseits mit dem türkischen

Marmor Rosso Lepanto bekleidet sind. Mit ihrer polierten

Oberfläche strahlen die Pulte Eleganz und

Zeitlosigkeit aus, während das Material selbst durch

sein kräftiges Rot und die lebhafte Maserung die optische

Wirkung unterstreicht.

5

4 Bei der Neugestaltung

der Garderoben der

Volksoper Wien stehen

die lebhaften Marmortheken

im Mittelpunkt.

5 Im Bahnhof Schwaz

durchziehen flächenbündige

Lampen wie

Silber adern die Wandbekleidung

aus Schremser

Granit.

© Richard Watzke


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75

Naturstein

Identität schaffen mit Stein

In der neu gestalteten Bahnhofsunterführung von

Schwaz erinnern in die Wandbekleidung eingelassene

LED-Lichtbänder an die Geschichte der Stadt

als einst bedeutendes Zentrum des Silberbergbaus.

Die schmalen Linien durchziehen die großformatigen

Platten aus dunkelgrauem Schremser Granit wie

metallische Adern und lassen das historische „Silber

von Schwaz“ neu aufscheinen. Die 2021 eröffnete

Unterführung übersetzt damit lokale Identität in

ein prägnantes Gestaltungselement. Zusätzlich zur

Symbolwirkung des dunklen Materials punktet das

Hartgestein aus dem Waldviertel zugleich mit seiner

Robustheit. Im Rahmen der Bahnhofsoffensive der

ÖBB waren zuvor bereits zahlreiche österreichische

Natursteine für die Sanierung und Neugestaltung

von Bahnhöfen als Leitmaterialien ausgeschrieben

und auch eingesetzt worden. Prominente Beispiele

sind der Wiener Hauptbahnhof, dessen Passagen an

Wänden und Böden mit den Osttiroler Natursteinen

Dorfergrün und Tauerngrün ausgestattet wurden,

aber auch die Bahnhöfe in Linz und Klagenfurt, bei

denen ebenfalls österreichische Natursteine entscheidend

Anteil an der repräsentativen und dauerhaften

Gestaltung haben.

Stein spricht für sich selbst

Neben aller Zweckmäßigkeit und ökologischer Vorteile

gegenüber künstlichen Werkstoffen besitzt je-

7

des Produkt aus Naturstein ein wesentliches Merkmal:

Kein Stück ist wie das andere. Besonders beim

Interieur Design setzen Gestalter daher gerne auf

die Natürlichkeit und Einzigartigkeit strukturierter

Natursteine. Dank moderner Maschinentechnik werden

die am Computer entworfenen Objekte präzise

in Stein umgesetzt. Die natürliche Maserung jedes

Steines lässt sich dabei bereits in der Entwurfsphase

als Gestaltungmittel berücksichtigen.

6 © Richard Watzke

6 Jedes Stück ein Unikat:

Mittels CNC-Technik wurden

die Lampenschirme gefertig.

© Richard Watzke

7 Mit Wasserstrahltechnik

vorgefertigte Elemente

bilden einen transparenten

Marmorvorhang.


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76

Naturstein

1

2

Solide Basis

Ruhe, Klarheit und zurückhaltenden Luxus

strahlt der neue Besprechungsbereich im Wiener

Formdepot aus. Im Zentrum der Gestaltung steht

ein nach allen Regeln der Kunst verarbeiteter,

österreichischer Naturstein.

Die Zen Area markiert einen zentralen Ort im Formdepot.

Auf einer Fläche von rund 40 Quadratmetern

laden – je nach Bedarf – ein Ess- oder Besprechungstisch,

eine Theke und ein Sitzbereich zu unterschiedlichen

Formen der Interaktion ein. Nichts ist hier

zu viel, nichts zu wenig. Mit dem Namen geben die

Hausherren des Formdepots, Joachim Mayr und

Heinz Glatzl, das Leitprinzip vor: Reduktion auf das

Wesentliche – in Material, Form und Atmosphäre. Für

die angemessene Grundlage aus Pannonia Grey sorgte

die Formdepot-Mitgliedsfirma Schreiber & Partner

Natursteine. Der burgenländische Chloritschiefer ist

eine elegante Wahl. Ruhige Bereiche wechseln sich

ab mit lebhaft strukturierten Partien, die die Urkräfte

bei der Entstehung des Natursteins erahnen lassen.

Bei der Ausführung zeigen die Steintechniker, was

gutes Steindesign ausmacht. Wo möglich und sinnvoll,

wurden die Werkstücke massiv gefertigt. Nach

dem Motto „was massiv aussieht, soll es auch sein“

sind nicht nur die Stufen beim Pflanztrog, sondern

vor allem auch die umlaufenden Randstreifen samt

der Bogenstücke aus dem Vollen gearbeitet. Der auf

der Unterseite verborgene Falz bietet Platz für ein

umlaufendes LED-Band. Blickfang an der Stirnseite

der Zen Area ist ein aus massiven Steintrommeln aufgeschichteter

Trinkbrunnen.


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77

Naturstein

3

Fotos: Richard Watzke

4 5

1 Die massive Holzplatte

ist im rustikal bearbeiteten

Steinsockel eingespannt.

2 Zwei indirekt beleuchtete

Massivstufen

überbrücken den Höhenunterschied.

Zen Area im Formdepot

1160 Wien

Architektur:

Mayr & Glatzl Innenarchitektur und Bauplanung,

mayr-glatzl.at

Fertigstellung: 2025

Natursteine: Pannonia Grey, Chloritschiefer, Burgenland,

Oberfläche gebürstet; Avorio-Kalkstein,

Kroatien; Ternitzer Konglomerat, Niederösterreich

3 Alle Randsteine wurden

mittels CNC-Technik

massiv ausgeführt.

4 Die Bodenplatten wurden

im Format 52x52 cm

für das Projekt maßgefertigt.

5 Der Fuß des Trinkbrunnens

zeigt verschiedene

Oberflächen von grob bis

fein aufsteigend.

Natursteinarbeiten:

Schreiber & Partner Natursteine, Poysdorf

sp-natursteine.at


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78

Licht

Lichtkörper

Wie Boris Podrecca das Immaterielle baut

Ein persönlicher Essay über das Werk eines Architekten, der Licht als Baumaterial

denkt – und Hospitalityräume so komponiert, dass Atmosphäre zum tragenden

Bauteil wird. Zwischen dem gedämpften, introvertierten Licht des Orients und

der mitteleuropäischen Klarheit entsteht eine Poetik, die weder dekoriert noch

beleuchtet, sondern baut und berührt.

Text: Linda Pezzei

Vorspann

Herbst in Wien. Regen perlt von den Gesimsen, der

Himmel ist matt. Boris Podrecca begrüßt mich mit

festem Händedruck – und türkischem Kaffee, „aber

einem richtigen“. Vom Besprechungsraum hinunter ins

Atelier, weiter in sein Büro: ein Tisch aus Lieblingsstein,

Modelle, Mock-ups, Bücherstapel; Skizzenbücher, die

er „nur schnelle Handskizzen“ nennt. Kunst an den

Wänden, im Depot, zuletzt die Dachterrasse – trotz

Regen ein weiter Blick über Wien. Podrecca spricht im

Fluss, springt durch Jahrzehnte, fast enttäuscht, dass

die Zeit nicht reicht. Ich muss wiederkommen.

„Du baust mit dem Licht

so wie mit einem Ziegel.“

Für Podrecca ist Licht die dritte fundamentale Komponente

neben Tektonik und Material. Seine Selbstverortung

ist eine kleine Kompassrose: „Die Form

kommt aus dem Mittelmeerraum, die Textur aus Wien,

das Licht aus dem Orient, das Detail aus Skandinavien

– und der Humor aus Bosnien.“ Das orientalische Erbe

liefert die Schule der Hell-Dunkel-Welt: gefasste Intimität

statt flächiger Helligkeit, wie in Hamams oder

Innenhöfen. Die mitteleuropäische Seite antwortet

mit präziser Führung: Fenstermaß, Profil, Glas – Licht

als Ordnung, nicht als Effekt. Daraus entstehen Werkzeuge:

zenitale Oberlichter („dreimal so stark wie

laterales“), perforierte Decken, Lichttaschen und die

kleinen Oberlicht-„Tränen“ – öffenbare Zenit-Augen

aus Plexi/Glas, die Stimmung differenzieren.

„Anthropologie interessiert mich

mehr als Architektur als Stil.“

© Linda Pezzei

Boris Podrecca (geb. 1940 in Belgrad), aufgewachsen in

Triest, studierte Architektur in Wien (Diplom bei Roland

Rainer, 1968). Büros in Wien, Stuttgart, Venedig; über

400 Projekte in Europa. Lehrtätigkeiten u. a. in Lausanne,

Paris, London, Wien, Venedig, Philadelphia, Harvard

(Cambridge); 1988–2006 Ordinarius in Stuttgart. Seine

mitteleuropäische Mehrsprachigkeit prägt jene „Poetik der

Unterschiede“, die sein Werk bestimmt.


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79

Licht

© Miran Kambič

Punta Skala, Zadar: Zenitales Oberlicht

bündelt Ruhe – gedimmte Zonen für eine

nach innen gerichtete Wahrnehmung.

Hospitality als Stimmungsraum

Podreccas Hotels sind keine Behausungen, sondern

Stimmungsräume. Sensorik vor Optik: Materialtexturen,

Gerüche, Temperatur und Lichtdramaturgie

als erste Botschaft. Die klassische Dichotomie

Wohnen/Hospitality tritt zurück zugunsten einer

These: Erleben wird gebaut, indem Licht führt, bündelt,

beruhigt.

Fallstudie: Punta Skala, Zadar –

zenitale Ruhe, laterale Weite

Das Falkensteiner Hotel & Spa Iadera ist Podreccas

präzise Antwort auf Küste und Klima. Außen eine

intelligente Schuppenhaut aus Glasbändern, die wie

Fischschuppen Farbnuancen reflektiert und die Tageschromatik

des Meeres in changierende Blau-Töne

übersetzt. Innen eine klare Choreografie aus Helligkeit

und Schatten: Oberlichter an den Winkelpunkten

ziehen Tageslicht tief in die Erschließung, während

die Spa-Räume bewusst gedimmt bleiben – Wahrnehmung

nach innen gerichtet, Körper statt Kulisse.

Die Hamam-Typologie liefert hier das Vokabular: gefasstes,

weiches Licht von oben, das nicht blendet,

sondern ruht. Die zenitale Linse wird zum baulichen

Fokus des Bads – kein Effektlicht, sondern atmosphärische

Statik. Wo die öffentlichen Bereiche mit

der Küstenlandschaft in Austausch treten, schließen

die Therapieräume die Welt aus. Zwei Lichtarten –

zwei Tempi – eine Raumdramaturgie.

u

Punta Skala, Zadar: Oberlichter an Winkelpunkten

ziehen Tageslicht tief in die Erschließung.

© Miran Kambič


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80

Licht

© Miran Kambič © Miran Kambič

Hotel Mons, Ljubljana: Glasgedecktes Atrium –

geführtes Tageslicht modelliert die Bewegung im Raum.

Cvjetni Center, Zagreb: Vertikale Glaszylinder leiten

Licht in die Tiefe – urbanes Orientierungslicht.

Gegenbilder und Variationen

Während das Hotel- und Konferenzzentrum Mons in

Ljubljana wie ein ausgebreiteter Körper im Grün liegt

und das Tageslicht durch glasgedeckte Atrien als bewegte

Zeichnung über weiß modellierte Brüstungen

führt, verdichtet und öffnet Podrecca den Raum zugleich

– ein kreisförmiges Zenitlicht im Spa wirkt fast

sakral. Wo Zadar das Licht an der Küstenlinie abholt,

wendet Mons die Geste nach innen: Regie statt Panorama,

Kontemplation statt Aussicht.

Im Cvjetni Center in Zagreb wiederum leitet er das

Tageslicht mitten im Block vertikal – zylindrische

Glaskörper führen Helligkeit in die Tiefe, spiegeln

Bewegung und machen die Passagen lesbar. Hier

wird Licht zum Werkzeug urbaner Orientierung: oben

direkte Helle, unten reflektierte Strahlung, die Stadt

pulsiert als Lichtkurve.

Auch in der Stadtbibliothek von Biberach, einem 500

Jahre alten Speicher, geht es nicht um spektakuläre

Öffnung, sondern um Maß und Rhythmus. Ein kurzer

Blick in die Geschichte zeigt: Solche Speicher lebten

stets vom Wechselspiel zwischen Struktur und Licht

– schmale Scharten, tiefes Mauerwerk, ein Takt aus

Helligkeit und Schatten. Scharten bleiben Scharten,

das Licht fällt taktweise ins Innere und verbindet

Fachwerk, Ziegel, Stahl und Glas zu einer leisen Komposition

mitteleuropäischer Präzision.

In der Bar Platana in Ljubljana verdichtet sich dieses

Denken zur Intimität: Pastell, Putz, Leder und Glas

werden vom gedimmten Kunstlicht modelliert, das

Körpernähe erzeugt und alles zum Glühen bringt –

ein frühes Manifest gegen die Eitelkeit der Leuchte

und für Atmosphäre als Bauaufgabe.

In der Grifoncino Bar in Bozen schließlich wird Licht

selbst zum Material – es bricht sich in Glasquadern,

Alabaster und Messing, streut und reflektiert, ohne

zu blenden. Der Raum leuchtet aus sich heraus, das

Gehen wird zur Szene: Hospitality als leise Choreografie

aus Reflex und Farbe.

Stadtbibliothek Biberach: Schartenfenster als Taktgeber –

rhythmisches Tageslicht im historischen Speicher.

© Wolfram Otlinghaus

Info

Podreccas Lichtarchitektur gründet auf wenigen Prinzipien: Zenitales

Licht als Primärquelle in Spa- und Innenräumen, rhythmisches Tageslicht

durch Scharten, Atrien oder Glaszylinder als Orientierungssystem

und Reflex-Architektur, bei der Glas, Alabaster und Messing haptische

Leuchtkraft erzeugen. So wird Licht nicht gesetzt, sondern gebaut.

Q&A – Fünf kurze Antworten

Ihre wichtigste Konstante? „Anthropologie vor Stil. Ich reagiere auf Orte,

nicht auf Moden.“

Hotel vs. Haus? „Hotel ist Erleben – ein Stimmungsraum.“

Was kann Licht, was Material nicht kann? „Führen, verbinden, erzählen –

unsichtbar und doch strukturbildend.“

Mitteleuropa – Orient? „Präzision trifft Intimität.“

Wie beginnt ein Entwurf? „Mit einem Blick. Oft mit einer Skizze, die eine

Stimmung einfängt.“


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81

Licht

© Ludwig Thalheimer

Grifoncino Bar, Bozen: Glasquader und

Alabaster brechen das Licht – haptische

Leuchtkraft statt Leuchtenshow.

Prinzip statt Stil

Aus den Beispielen tritt kein „Look“ hervor, sondern

eine Methode: Podrecca liest den Kontext – Klima,

Kultur, Zeit – bevor er baut. Er typologisiert das Licht,

unterscheidet zwischen zenitalen, lateralen und reflektierten

Quellen und komponiert daraus Atmosphäre,

eine feine Dramaturgie aus Dunkel und Hell.

Die Materialien werden geschaltet, Oberflächen zu

Werkzeugen des Lichts. Und die Details zivilisiert er:

Schattenfugen, Profile, Glasgüte statt Effekthunger.

So entsteht eine Architektur, die das Immaterielle

verbindlich macht – Licht ist hier kein Nachtrag, sondern

tragendes Element.

Zurück auf der Wiener Dachterrasse

Der Regen hat nachgelassen, die Stadt ist noch

feucht, das Licht stumpf und milchig. Podrecca zeigt

keine Ikonen, sondern Kanten, Kanten mit Geschichte.

„Man muss wissen, wie das Licht fällt, bevor man

baut.“ In Zadar ruht es von oben, in Ljubljana wird es

geführt, in Zagreb verläuft es vertikal, in Biberach

schlägt es Takt, in den Bars glimmt es nah an der

Haut. Fünf Atmosphären, fünf geografische Lichter,

eine Haltung: das Bauen mit dem, was man nicht anfassen

kann. Vielleicht ist das der eigentliche Luxus

seiner Hospitality – dass sie uns nicht blendet, sondern

berührt.

© Damjan Gale

Bar Platana, Ljubljana: Gedämpftes Kunstlicht,

Pastell und Glas – Intimität als räumliche Dichte.


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82

Hotelarchitektur

Die Postmoderne

als Denkmal

BWM Designers & Architects revitalisieren ein Stück Wiener Architekturgeschichte

– und zeigen, dass auch die Postmoderne inzwischen zum kulturellen Erbe

gehört. Von der k. & k. Stallanlage hin zum Autograph-Hotel entwickelt sich in

der Imperial Riding School in Wien ein Ort, an dem drei Jahrhunderte Architekturgeschichte

aufeinandertreffen. Dabei ist es gelungen, die denkmalgeschützten

Fassaden und postmodernen Innenräume sensibel zu erneuern – und zugleich den

Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart neu zu inszenieren.

Text: Linda Pezzei Fotos: Cathrine Stukhard

Wo einst die Stallungen der kaiserlich-königlichen

Militärreitschule standen, zieht heute ein internationales

Publikum ein – in ein Hotel, das Geschichte,

Stil und Zeitgeist in sich vereint. Die Imperial Riding

School, Österreichs erstes Haus der Autograph Collection,

markiert nicht nur eine neue Adresse der

gehobenen Hotellerie, sondern auch ein spannendes

Kapitel im architektonischen Diskurs: jenes der Postmoderne

als schützenswertes Erbe.

Das von BWM Designers & Architects behutsam revitalisierte

Ensemble vereint gleich drei Epochen unter

einem Dach – den laut BWM Tudorstil des ursprünglichen

Stallgebäudes (1850), die postmoderne Erweiterung

der 1990er Jahre sowie zeitgenössische Eingriffe,

die Form, Material und Farbigkeit subtil in Balance bringen.

„Das Spannende für uns als Architekten war es, einen

Umgang mit den in denkmalpflegerischer Hinsicht

so unterschiedlichen Epochen zu finden“, beschreibt

Markus Kaplan von BWM die Herausforderung.


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Hotelarchitektur

Architekturgeschichte in Schichten

Im Zuge der umfassenden Sanierung wurden alle

Oberflächen neu gefasst, Fenster restauriert oder ersetzt

und die farbliche Abstimmung in enger Kooperation

mit dem Bundesdenkmalamt entwickelt. Das

charakteristische Quadratmotiv der Postmoderne,

das die Proportionen der Fassade prägt, blieb erhalten;

die Pfosten-Riegel-Fassade wurde gereinigt und

in differenzierten Farbnuancen neu akzentuiert.

Besonders sichtbar wird die Haltung von BWM im Inneren:

Hier trifft die restaurierte Säulenhalle mit freigelegten

Natursteinsäulen auf eine Neuinszenierung,

die Offenheit und Materialehrlichkeit betont. „Das

Freistellen einiger Säulen verstärkte den Eindruck

der ursprünglichen Gewölbekonstruktion, der Umbau

stellte eine Annäherung an den früheren Zustand des

Gebäudes dar“, erklärt Gerhard Girsch, Projektverantwortlicher

bei BWM. Der denkmalgeschützte Lift mit

Glasfacettierung – ein „Prachtexemplar postmoderner

Baukunst“ – wurde detailgenau saniert und bildet

nun das glänzende Herzstück der Lobby. Ebenso

blieben Freitreppe, Leuchten und Steinmetzdetails als

Ensemble erhalten – feinsinnig überarbeitet, aber in

ihrer gestalterischen Eigenheit respektiert. u


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84

Hotelarchitektur


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RETAILarchitektur

Zwischen Ironie und Ikone

Dass die Postmoderne heute unter Denkmalschutz

steht, markiert einen bemerkenswerten

Wandel im architektonischen

Bewusstsein. Was einst als verspielt,

provokant oder ironisch galt, wird inzwischen

als Ausdruck einer ganzen Epoche

verstanden – als gebaute Haltung

zwischen Historismus und Avantgarde.

In Wien zeigt sich diese Neubewertung

exemplarisch an Bauten wie dem Bundesamtsgebäude

Radetzkystraße, dem sogenannten

Oktoneum (1985/86, seit 2024

denkmalgeschützt), oder dem Haas-Haus

von Hans Hollein (1990) – Ikonen einer

Zeit, die nun selbst Teil des kulturellen

Gedächtnisses geworden ist.

Vom Zwischenraum zum Stadtraum

Auch der Freiraum wurde neu gedacht.

Die Landschaftsplaner Lindle Bukor

verwandelten die Verbindung zwischen

Ungargasse und Bahngasse in einen

kleinen urbanen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität

– als grüne Geste im dichten

Gefüge des 3. Bezirks. So erzählt die

neue Imperial Riding School nicht nur

von Luxus und Hospitality, sondern von

Transformation und kultureller Neubewertung.

Ein Ort, an dem Architekturgeschichte

weitergeschrieben wird – mit

postmoderner Finesse und zeitgenössischem

Feingefühl.

OptiLens ®

Exzellente Lichtqualität

für idealen Sehkomfort!

Mit der innovativen Kombination

zweier fortschrittlicher

Lichttechnologien – der

mikroprismatischen Optik

und der Einzellinsenoptik –

vereinen wir das Beste aus

beiden Welten.

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86

Hotelarchitektur

Vom Korn

zum Komfort

Im Westen der Hansestadt Bremen entsteht mit der „Überseestadt“ eines der

größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Auf dem Gelände des ehemaligen

Überseehafens wächst ein rund 300 Hektar großes urbanes Quartier, das

Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur vereint. Ein besonderer Abschnitt ist die

„Überseeinsel“, wo sich die einstigen Produktionsstätten des Lebensmittelkonzerns

Kellogg’s befinden.

Fotos: Piet Niemann

Hier setzt das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl

Associated Architects (DMAA) ein architektonisches

Statement: Die markanten Getreidesilos aus den

1970er-Jahren – einst Symbol industrieller Lebensmittelherstellung

– wurden zu einem zeitgenössischen

Hotel transformiert. Das Ergebnis ist das John & Will

Silo-Hotel, benannt nach den beiden Kellogg-Brüdern.

Transformation mit Symbolkraft

Die Kellogg’s Silos, ehemals Lager für bis zu 5.000

Tonnen Mais, Weizen und Hafer, prägen seit Jahrzehnten

die Bremer Skyline. Der Entwurf von DMAA

sah vor, die ikonische Silhouette und den roten

„Kellogg’s“-Schriftzug zu erhalten und in das neue

Nutzungskonzept zu integrieren.

In den 40 Meter hohen zylindrischen Körpern entstanden

117 kreisrunde und halbkreisförmige Hotelzimmer,

die sich wie Kapseln in die ursprünglichen

Betonschalungen einfügen. Das ehemalige Vitaminlager,

ein niedrigerer Anbau, wurde zu einem Büround

Konferenzgebäude mit fünf Geschossen umgebaut.

Auf dem Dach bietet eine Eventfläche mit Blick

über die Weser Raum für Begegnung, Veranstaltungen

und Ausblicke über das Quartier


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87

Hotelarchitektur

Vom Speicher zum Designhotel

Die Verwandlung vom industriellen Speicher zum

John & Will Silo-Hotel war ein technischer und gestalterischer

Kraftakt. Durch das Fräsen von Fensteröffnungen

in die 16 cm dicken Betonringe gelang der

Übergang vom dunklen Kornspeicher zu lichtdurchfluteten

Zimmern. Schmale vertikale Schlitze eröffnen

neue Perspektiven auf die Weser, während die

trichterförmigen Auslässe der Silos in die Gestaltung

der Hotellobby integriert wurden.

Für die Erschließung der Zimmer wurden verbindende

Strukturen zwischen den Silos aufgeschnitten –

ein massiver Eingriff in die Bausubstanz: 3.500 m³

Beton mussten aus dem Bestand entfernt und teils

per Schubkarre abtransportiert werden. Das Resultat

ist ein spannungsvolles Wechselspiel aus roher

Materialität und eleganter Innenarchitektur, das den

industriellen Geist des Ortes bewahrt und zugleich

neue Atmosphäre schafft

Ein lebendiges Quartier an der Weser

Das neue Ensemble aus Hotel, Markthalle, Gastronomie,

Büros und Eventflächen ist Teil eines langfristig

angelegten Entwicklungsprozesses über zehn Jahre.

Diese schrittweise Umsetzung ermöglicht eine organische

Transformation und erlaubt es, Erfahrungen

und neue Ideen kontinuierlich in die Planung zu integrieren.

Neben dem Hotel beherbergen die Silos und

das benachbarte, zur Markthalle umgestaltete Reislager

eine eigene Brauerei, gastronomische Angebote

sowie großzügige Terrassen an der Weser – ein

vitaler Ort, der Geschichte, Gegenwart und Zukunft

der Stadt auf eindrucksvolle Weise verbindet

Die freigelegte Silostruktur

bleibt als

kreisförmige Betonkurve

sichtbar, während die

neu eingeschnittenen

Öffnungen gezielt Licht

und Ausblicke in den zuvor

fensterlosen Speicher

bringen. Das Interieur

setzt auf ruhige Materialien

und eine klare Formensprache,

die die rohe

Geometrie des Bestands

bewusst hervorheben

und zugleich wohnliche

Atmosphäre schaffen.


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88

Hotelarchitektur

Symbiotische Architektur

In der Skyline von Dubai markiert One Za’abeel, entworfen vom japanischen

Architekturbüro Nikken Sekkei, ein prägnantes Beispiel für zeitgenössische

Stadtarchitektur. Das Großprojekt vereint Ingenieurkunst, Design und ein

neuartiges Nutzungskonzept. Die Integration des SIRO One Za’abeel Hotels,

gestaltet von LW Design Group, zeigt, wie Architektur als Medium für körperliches

und mentales Wohlbefinden wirken kann.

Fotos: Kerzner International, SIRO One Za’abeel

Ingenieurskunst als Stadtbild

Das architektonische Konzept von Nikken Sekkei

reagiert auf eine komplexe städtebauliche Situation:

Zwei unterschiedlich hohe Türme, getrennt durch

eine Hauptverkehrsstraße, werden durch das horizontale

Bauteil The Link in 100 Metern Höhe verbunden.

Diese 230 Meter lange Brücke dient als gemeinsames

Element und prägt das Erscheinungsbild der Anlage.

Die freitragende Sektion von 66 Metern stellte besondere

Anforderungen an die statische Planung.

Das Gewicht wurde bereits in den Entwurf der Türme

integriert, um strukturelle Stabilität zu gewährleisten.

Die Podiumszone verbindet beide Grundstücksteile

visuell und funktional, während die Glasfassade

mit ihren Lamellen auf Lichtverhältnisse und Blickwinkel

reagiert. Dadurch entsteht ein wechselndes,

aber ruhiges Fassadenbild, das auf die Dynamik der

Umgebung eingeht.

u


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89

RETAILarchitektur


architektur FACHMAGAZIN

90

Hotelarchitektur

Architektur für aktives Wohlbefinden

Im Inneren überträgt das SIRO One Za’abeel Hotel

diese Haltung auf das Gästeerlebnis. Das Konzept

basiert auf fünf Säulen – Fitness, Erholung, Ernährung,

Achtsamkeit und Schlaf – und nutzt Architektur

als Rahmen für einen gesundheitsorientierten

Lebensstil. Das 900 Quadratmeter große Fitness

Lab auf der 30. Etage nutzt den Ausblick als Teil des

Raumkonzepts. Geräte von Technogym und die Experience

Box, in der Workouts mit Partnern wie dem

AC Mailand stattfinden, schaffen eine sportlich-funktionale

Atmosphäre. Ruhigere Zonen wie die Recovery

Labs sind auf mentale und körperliche Regeneration

ausgerichtet und setzen auf zurückhaltende

Gestaltung. Küche und Essbereiche sind integraler

Bestandteil des Wellness-Ansatzes. Transparente

Informationen über die Nährstoffzusammensetzung

der Speisen sowie Beratungsangebote durch Ernährungswissenschaftler

unterstreichen die funktionale

Ausrichtung. Das Design unterstützt diesen Ansatz

mit offenen Strukturen und klarer Materialität, die

gesunde Ernährung als Teil eines bewussten Lebensstils

inszenieren.


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Hotelarchitektur

Die Zimmer sind als Rückzugsorte konzipiert, mit

schalldämmenden Wänden, regulierbaren Matratzen

und Materialien, die Ruhe fördern. Eine reduzierte

Gestaltung und natürliche Farbgebung unterstützen

die Erholungsqualität. Technische Elemente sind unaufdringlich

integriert. Trainingszubehör ist dezent

in die Einrichtung eingebettet, während Licht- und

Medieninstallationen die Atmosphäre ergänzen.

Das SIRO One Za’abeel Hotel zeigt, wie Architektur

zur aktiven Komponente eines ganzheitlichen

Gesundheitskonzepts in der gehobenen Hotellerie

werden kann. Die Gestaltung ist nicht bloße Hülle,

sondern Teil eines Systems, das Bewegung, Regeneration

und Achtsamkeit räumlich unterstützt. Indem

das Projekt Wellness, Technologie und Raumgestaltung

zusammenführt, liefert es ein Beispiel für eine

Architektur, die den Menschen ins Zentrum eines urbanen

Großprojekts stellt.


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Produkt News

Sanfte Reinigung & perfekter Komfort

Hygiene, Komfort und Benutzerfreundlichkeit sind die zentralen Ansprüche an

moderne Badezimmer. Eine wichtige Rolle spielen dabei Toiletten und hansgrohe

stellt mit LavaPura Element ein Dusch-WC vor, das die tägliche Körperpflege auf

ein neues Niveau hebt: Es vereint clevere Funktionen mit einer klaren, zeitlosen

Asthetik, die sich perfekt in jedes Badezimmer einfügt.

LavaPura Element Dusch-WCs bieten dabei eine sanfte

und gründliche Reinigung durch Gesäß- und Lady-Duschen,

die sich individuell anpassen lassen. So

können Strahlstärke, -position und -temperatur sowie

die Sitzheizung und der Warmluftföhn nach persönlichen

Vorlieben eingestellt und gespeichert werden.

Ein eingebautes Nachtlicht sorgt für Orientierung im

Dunkeln, ohne den Schlaf zu stören. Der Bewegungssensor

ermöglicht eine kontaktlose Bedienung, denn

der Deckel öffnet automatisch und schließt sanft. Die

Bedienung selbst erfolgt einfach und intuitiv über die

Fernbedienung oder Select-Tasten an den Seiten. Eine

Geruchsabsaugung beseitigt unangenehme Gerüche

einfach auf Knopfdruck. Auch optisch fügt sich Lava-

Pura Element in eine Vielzahl von Badezimmerlösungen

ein – unabhängig von Stil und Größe. Im Einklang

mit der Designsprache der hansgrohe Duschsysteme

und Möbel überzeugt das geometrische und schlanke

Design des Dusch-WCs.

Hansgrohe

Handelsges.m.b.H.

info@hansgrohe.at

www.hansgrohe.at


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93

Produkt News

Klassisches Design neu interpretiert

Mit der neuen Kollektion PRO X präsentiert LAUFEN die Weiterentwicklung von

LAUFEN Pro, einer seiner erfolgreichsten Produktlinien. Entwickelt in Zusammenarbeit

mit dem Schweizer Designer Peter Wirz vom multidisziplinären Studio Vetica

kombiniert die neue Kollektion das Beste aus der Produktionstechnologie von

LAUFEN mit einer hochwertigen Ästhetik, die für jedermann zugänglich ist.

Das minimalistische, zeitlose Design bleibt der ursprünglichen

Formensprache treu, wurde jedoch

technologisch und gestalterisch neu interpretiert. Das

Ergebnis ist eine Kollektion, die höchste Funktionalität

mit einem klaren, modernen Look verbindet – ideal

für private, halböffentliche und öffentliche Räume.

Das Sortiment umfasst zahlreiche Keramiken, kompakte

Varianten und neu definierte Beckenformen

mit optimiertem Wasserfluss: Die spülrandlosen

WCs mit Silent Flush 2.0 Technologie erfüllen

höchste Schallschutzanforderungen. Das Dusch-WC

CLEANET PRO X überzeugt durch Komfort, Hygiene

und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis. Neu

ist die Armaturenkollektion PRO X mit geradlinigem

Design, ergonomischen Griffen und präziser Wasserregulierung.

Und die Möbelserie Base 2.0 ergänzt

PRO X perfekt: minimalistische Formen, abgerundete

Kanten und über 40 Farbvarianten bieten maximale

Gestaltungsfreiheit.

LAUFEN Austria GmbH

T +43 (0)2746 6060-0

office@at.laufen.com

www.laufen.co.at


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94

Produkt News

Revolutionäres Refurbishment

Der Premium-Badhersteller Kaldewei demonstriert mit einem richtungsweisenden

Pilotprojekt im 25hours Hotel Bikini Berlin, wie echte Kreislaufwirtschaft im Bauund

Projektgeschäft funktionieren kann. Erstmals hat das Unternehmen ausgediente

Duschflächen und Badewannen in größerem Umfang recycelt, technisch und

optisch weiterentwickelt und als vollwertige Produkte wieder eingebaut.

Seit über zehn Jahren werden in den Badezimmern

des Berliner 25hours Hotels Kaldewei Badewannen

und Superplan-Duschen genutzt. Im Zuge einer

Sanierung wurden nun bestehende Duschflächen

und Wannen demontiert und von Kaldewei in einem

mehrstufigen Verfahren umfassend behandelt: Sandstrahlen

und Emaillieren mit der Secure Plus Oberfläche

gehörten zu den zentralen Maßnahmen. Die

runderneuerten Badobjekte wurden anschließend

wieder ausgeliefert und im Hotel von einem Fachbetrieb

erneut eingebaut.

Experten errechnen, dass durch die Wiederaufbereitung

der Duschflächen und Badewannen durch

Kaldewei etwa 65 Prozent weniger CO 2 entstanden

sind als bei der Herstellung neuer Badprodukte. Zudem

sind wertvolle Ressourcen und Energie eingespart

worden und die eingesetzte neue Spezial-Emaille

erhöht die Standfestigkeit unter der Dusche und

sorgt nun für zusätzliche Sicherheit. Die erfolgreiche

Umsetzung dieses Projekts zeigt, welche Möglichkeiten

moderne Industrieprozesse gepaart mit einem

hohen Individualisierungsgrad für die Kreislaufwirtschaft

bieten.

Franz Kaldewei GmbH & Co. KG

T +49 (0)2382 785-0

info@kaldewei.de

www.kaldewei.de


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95

Produkt News

Zeitloses Design trifft präzise Funktion

Die mit dem iF Design Award 2025 ausgezeichnete

Armaturenfamilie HANSAGENESIS von HANSA wurde

gemeinsam von Enrico Bosa (Head of Design der

Oras Group, Muttergesellschaft von HANSA) und

dem italienischen Designstudio Debiasi Sandri entwickelt

und verbindet Kunstfertigkeit, Handwerkskunst

und Funktionalität zu einer Kollektion mit zeitlosem

Charakter. Die Gestaltung folgt dem Anspruch, Form,

Funktion und Alltagserlebnis in Einklang zu bringen:

Klare Linien und elegante Oberflächen erzeugen eine

zeitlose Präsenz. Gleichzeitig überzeugt das nahtlose

Design durch Pflegeleichtigkeit: Fugen und Rillen

wurden auf ein Minimum reduziert, sodass kaum

Schmutz oder Rückstände haften bleiben können.

HANSAGENESIS ist in einer großen Auswahl an

Oberflächenvarianten verfügbar – von klassischem

Chrom über Matt-Schwarz bis hin zu Stahl gebürstet

und Bronze gebürstet.

++

HANSA AUSTRIA GmbH

T +43 (0)662 433 100-0

office@hansa.at

www.hansa.at

Gute Ideen

für Leichtbeton

Betont leicht.

Ideal als Ausgangsstoff

im Leichtbeton.

Informationen

direkt anfordern:

Telefon 03155-23 68-0

oder unter

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Lias Österreich GesmbH. • A-8350 Fehring • Tel. ++43 (0) 3155 -23 68-0 • Fax ++43 (0) 3155 - 23 68-20 • www.liapor.at • info@liapor.at


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96

Produkt News

Effiziente Energienutzung,

moderne Sanitärlösungen

Der EUREF-Campus in Berlin ist ein innovatives Vorzeigemodell für die klimaneutrale

Stadt und fördert den Austausch von Wissen und Innovation durch enge Zusammenarbeit

zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. EUREF steht dabei für das

„Europäische Energieforum“ und das Projekt setzt auf energieeffiziente Bauweisen,

innovative Mobilitätslösungen sowie nachhaltige Energienutzung, beispielsweise

durch das eigene Micro Smart Grid, das den Campus mit Energie versorgt.

Dem Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts werden

auch die verwendeten DELABIE Sanitärprodukte gerecht,

die speziell für Einrichtungen mit Publikumsverkehr

geeignet sind. Diese sind für ihre wassersparenden

Technologien bekannt und zeichnen sich

durch ihre Langlebigkeit und robuste Bauweise aus.

Auch in puncto Hygiene bieten DELABIE-Produkte

dank ihrer berührungslosen Systeme innovative

Lösungen, die den Komfort und die Sicherheit der

Nutzer erhöhen. Die Einbindung solcher innovativen

Sanitärlösungen unterstützt das Gesamtkonzept

des EUREF-Campus, der als Modell für klimaneutrale

Stadtentwicklung dient, und passt sich nahtlos

in die ökologisch ausgerichtete Philosophie des Gebäudes

ein.

DELABIE GmbH

+49 (0)231496634-0

www.delabie.de


www.architektur-online.com

Schnelle Installation,

hoher Komfort

Uponor Siccus 16 ist ein Fußbodenheizungssystem

in Trockenbauweise und vor allem für die Modernisierung

von Wohngebäuden konzipiert. Das System

bietet eine komplette Fußbodenheizung mit niedriger

Aufbauhöhe, einer minimalen Anzahl von Komponenten

und kann auf verschiedenen vorhandenen

Untergründen realisiert werden. Speziell für die

schnelle und effiziente Verarbeitung konzipiert bietet

das System viele zusätzliche Vorteile: So können

etwa nachfolgende Gewerke ohne zeitlichen Verzug

mit ihren nachfolgenden Arbeiten beginnen, da sich

dank der innovativen und ultraflachen Bodenkonstruktion

Laminat, Parkett, Fliesen oder Naturstein

direkt auf die Systemplatte des Trockenbausystems

verlegen lassen.

Uponor Vertriebs GmbH

T +43 (0)2236 23003-0

kundendienst@uponor.com

www.uponor.at

97

Produkt News

BEI UNS GIBT ES

KEINE UNDICHTEN

STELLEN

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Jedes Produkt ist auf maximale

Lebensdauer ausgelegt.

30 JAHRE ASCHL

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98

Produkt News

Gelungene Symbiose

Das Designhotel Ullrhaus in St. Anton am Arlberg ist harmonisch in die Skyline des

Ortes einfügt. In den 40 Zimmern und Suiten dominieren sanfte Naturfarben sowie

viele Holz- und Steinelemente, die ein natürliches Ambiente erzeugen.

Der Kontrast zwischen Antiquität und Moderne ist

allgegenwärtig: Liebevoll erhaltene Möbel treffen

auf zeitlos modernes Interior. Diese Liebe zu ästhetischen

Details zeigt sich im Ullrhaus selbst hinter

den Kulissen: Wie etwa in der hauseigenen Tiefgarage,

die zum Gesamteindruck beiträgt und mit

geradliniger Architektur, klaren Struktur und viel

Raum empfängt. Darauf basiert auch der Einsatz der

Parkdeckrinne Securin des Edelstahlspezialisten

Aschl (1A Edelstahl GmbH) – drei Linien der Parkdeckrinne

Securin Typ150 mit einer Gesamtlänge

von 60,2 m sorgen dort für sichere Entwässerung.

Dank ihrer modularen Bauweise ließ sich die Securin,

die aus korrosionsfreiem Edelstahl V4A besteht,

schnell und unkompliziert in den Boden integrieren.

Der gelochte Anschlussflansch eignete sich optimal

für die Anbindung an den Kunstharzbodenbelag.

Er sorgt für eine zuverlässige Verkrallung mit dem

Boden, sodass Rinne und Bodenbelag eine absolut

dichte Einheit bilden. Dank Securin bleibt die Tiefgarage

des Ullrhauses nicht nur optisch ansprechend,

sondern ist auch gegen Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse

jeglicher Art gewappnet.

1A Edelstahl GmbH

T +43 (0)7247 8778-0

office@aschl-edelstahl.com

www.aschl-edelstahl.com


www.architektur-online.com

99

Produkt News

Intelligente

Gebäudesteuerung

Planer und Architekten stehen oft vor der Herausforderung,

Gebäudetechnik sichtbar, aber ästhetisch

in den Raum zu integrieren. Gira liefert hierfür nun

eine duale Lösung. Der Gira G1 der zweiten Generation

positioniert sich als das neue High-End-Modell.

Sein hochauflösendes 7-Zoll-Display (800 x 1280 Pixel)

überzeugt durch brillante Lesbarkeit aus jedem

Blickwinkel und bildet das visuelle Zentrum für die

Systeme Gira One, Gira X1 sowie den Gira Home-

Server. Dank optimierter Hardware und Software

reagiert das System extrem flüssig auf Touch- und

Wischgesten zur Steuerung von Licht, Klima und

Beschattung. Näherungssensoren und optionale

Temperaturfühler erhöhen den Komfort, während die

Nutzung als vollwertige Wohnungsstation die Funktionalität

abrundet. Der G1 ist in Glas Schwarz oder

Weiß für 24 V oder PoE-Installation verfügbar.

Als kompakte und wirtschaftliche Alternative ergänzt

der Gira G1 XS das Portfolio. Er ist die ideale

Wahl für Projekte, die Kosteneffizienz fordern,

ohne Abstriche beim Design zu machen. Mit einem

6-Zoll-Display, Glasfront und verchromtem Rahmen

fügt er sich elegant in die Architektur ein. Er fungiert

als Zentrale für Gira One und X1 oder als natives

KNX-Raumbediengerät und unterstützt KNX Secure

sowie SIP-Türkommunikation.

Gira Giersiepen

GmbH & Co. KG

T +43 (0)800 293662

info@gira.at

www.gira.at

Schöck Isokorb® IQ.

Die intelligente Wahl für schnelles und

effizientes Bauen.

Mit dem neuen Schöck Isokorb® IQ

wird die Balkonmontage revolutioniert:

schneller, flexibler und einfacher

als je zuvor. In nur 5 Minuten

lässt sich das Balkonfertigteil per Kran

an Ihr Neubauprojekt anschließen –

ganz ohne aufwendige Gerüste oder

zusätzliche Unterstützungen.


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Intelligent laden, stilvoll leben

E-Auto-Laden muss unkompliziert, kostengünstig und effizient sein. Die mobile

Wallbox go-e Charger Gemini flex 2.0 vereint innovatives, elegantes Design und

bietet maximale Flexibilität, da keine Installation erforderlich ist: Der Nutzer muss

sie lediglich in eine rote CEE Steckdose einstecken und schon ist die Ladestation

einsatzbereit. Eine Wandmontageplatte ermöglicht schnelles Ein- und Ausrasten

der Ladestation und das minimalistische Design erlaubt eine unauffällige Montage

an Garagenwänden, Säulen oder Gebäudefassaden.

Die stationäre Variante go-e Charger Gemini 2.0 bietet

dieselben smarten Funktionen und kann schnell

von einem Elektriker dauerhaft installiert werden.

Die go-e Wallboxen mit Schutzklasse IP66/IP65

(abhängig von der Modellvariante) erlauben zudem

eine dauerhafte Außeninstallation. An öffentlich zugänglichen

Orten oder in Mehrparteienhäusern ermöglicht

die aktivierbare RFID-Autorisierung dabei

die individuelle Freigabe von Ladevorgängen, für

deren Abrechnung ein MID-konformer Stromzähler

erforderlich ist, wie beim go-e Charger PRO CABLE.

Mit Wallboxen von go-e und der dazugehörigen

benutzerfreundlichen App haben E-Autofahrer die

vollständige Kontrolle und behalten bei Bedarf bequem

den Überblick über alle Ladevorgänge. Darüber

hinaus ermöglicht die App zahlreiche intelligente

Funktionen, so ist ein go-e Charger beispielsweise in

der Lage, die Ladezeit und -leistung automatisiert

anhand von PV-Überschuss und zeitlich variablen

Strompreisen zu optimieren.

go-e GmbH

T+43 (0)4276 62400

office@go-e.com

www.go-e.com/de-at


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Präzises Licht unter der Kuppel

Das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe Darmstadt,

UNESCO-Weltkulturerbe und Ikone des Jugendstils, erhielt im

Zuge seiner Sanierung eine neue Lichtlösung für den zentralen

Kuppelbau. Ziel war es, modernste Technik unsichtbar in

die denkmalgeschützte Substanz zu integrieren.

Lichtplaner Jörg Wenderoth realisierte gemeinsam mit

Regiolux ein Konzept basierend auf dem modularen SDT-Lichtbandsystem.

150 Leuchten wurden in einer speziell eingezogenen,

technischen Zwischenkonstruktion verborgen. Dies lässt

die historische Glasdecke als homogen leuchtende Fläche wirken

– absolut blendfrei und ohne sichtbare Technik im Ausstellungsraum.

Ausgestattet mit stufenlosem Tunable-White und

einer Human-Centric-Lighting-Steuerung (HCL), simuliert das

System den natürlichen Tageslichtverlauf. Dies inszeniert die

Exponate farbgetreu und steigert durch biologisch wirksames

Licht die Aufenthaltsqualität der Besucher signifikant.

Das für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 nominierte

Projekt punktet zudem mit hoher Wirtschaftlichkeit: Langlebige

LED-Komponenten und die flexible Modulbauweise sichern

Effizienz und Wartungsfreundlichkeit. Regiolux begleitete die

komplexe Umsetzung als technischer Partner von der Planung

bis zur Montage.

Produkt News

Sto Scan2Plan.

Die Zukunft

der Fassadensanierung.

Mit Sto Scan2Plan erhalten Sie ein

komplettes Rundum-Paket für die

digitale Gebäudevermessung. Von

der exakten 3D-Laserscan-Erfassung

über die digitale Mengenermittlung

bis hin zum individuellen Designkonzept

– für eine effiziente, sichere und perfekt

geplante Sanierung.

Alles aus einer Hand.

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102

Produkt News

Inspirierende

Beleuchtung

Ob tagsüber als gestalterisches Element oder

nachts als funktionale Lichtquelle – die neuen

BEGA Leuchten verbinden Technik und Form

zu einem stimmigen Gesamtbild. Wie etwa die

neuen Decken- und Deckeneinbauleuchten,

deren konische Gittergewebestruktur für seitliche

Blendfreiheit auch bei flachen Einblickwinkeln

sorgt.

Ebenso neue Maßstäbe setzt die von natürlichen

Wellenformen inspirierte, neue BEGA Systempendelleuchte.

Ihre organische Struktur bricht das Licht

sanft und erzeugt eine faszinierende Tiefenwirkung.

Ein eleganter messingfarbener Ring akzentuiert die

fließende Form und unterstreicht die Exklusivität.

Ob ein- oder ausgeschaltet: Das ästhetische Erscheinungsbild

sowie die technische und optische Qualität

der BEGA Leuchten setzen Maßstäbe. In Räumen, in

denen ein einladendes stilvolles Ambiente gewünscht

wird, sind sie die ideale Lösung und fügen sich als

Hingucker und beeindruckende Lichtquelle nahtlos

in unterschiedliche Raumkonzepte ein. Damit macht

die bewährte und innovative Formgebung eine Frage

nach Veränderung über viele Jahrzehnte überflüssig

– so finden und behalten BEGA Produkte ihren Platz

in der Architektur.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


www.architektur-online.com

Neue Generation der

Funk Regelung

Der Raumklimaspezialist Schütz Energy Systems ersetzt

mit der neuen Generation der varimatic Funk

Regelung seine bisher angebotenen Funk-Regelungen.

Die neuen Raumthermostate und Basismodule

funktionieren in Kombination miteinander und die

Verbindung erfolgt über Funk, was besonders für Sanierungsprojekte

von Vorteil ist, da hier keine Kabel

für die Regelung verlegt werden müssen. Zusätzlich

bietet Schütz ein Smart Gateway an. Dieser „zentrale

Knotenpunkt“ ermöglicht eine smarte Vernetzung

und Verwaltung der Einzelkomponenten untereinander.

Mittels einer separaten App auf dem Handy, die

sich über WLAN mit dem Gateway verbindet, kann

ganz einfach die Temperatur der Flächenheizung

eingestellt bzw. gesteuert werden. Eine weitere Neuerung

im Programm ist ein zusätzliches kabelgebundenes

Raumthermostat. Dieser digitale Regler kann

mit den kabelgebundenen Standardkomponenten

gesteuert werden, kann also bei einer bestehenden

Flächenheizung problemlos nachgerüstet bzw. ausgetauscht

werden. Die Besonderheit des Thermostats:

Es lässt sich über WLAN ganz einfach mit den

103

Smart Home Systemen von Amazon Alexa, IOS oder

beispielsweise Google Home koppeln und sich in bestehende

Smart Home Systeme integrieren.

Schütz GmbH & Co. KGaA

T +49 (0)26 26 77 0

Info2@schuetz.net

www.schuetz.net

Produkt News

WO TECHNIK AUF DESIGN TRIFFT

FUNKTIONSTÜREN IN MUSEEN

Sicherheit in jeder Hinsicht, Kunst

in jedem Detail. Museen begeistern

jährlich viele Besucher und sind

die Heimat wertvoller Exponate.

Um beides umfassend zu schützen,

gelten daher hohe Brandschutzund

Sicherheitsauflagen. Anspruchsvolle

Bauvorhaben lassen

sich mit Funktionstüren von Teckentrup

u.a. durch vielfältige Ausstattungsmerkmale

realisieren. Sie

bewähren sich bereits in zahlreichen

Ausstellungsgebäuden, wie auch im

Deutschen Museum in München.

Profitieren Sie von höchster

Fertigungsqualität, Zuverlässigkeit

und langer Lebensdauer und

konfigurieren Sie die passende

Tür für Ihr Projekt einfach und

sicher im TEO Produktkonfigurator.

Für mehr Infos:

T: +43 676 6743130

stephan.rist@teckentrup.biz

Begleiten Sie

uns ins Museum!

WWW.TECKENTRUP.BIZ


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

© Jakob Severin

Elegante Beschattung

für modernen Holzbau

Beim neuen Stammhaus von Blumer Lehmann spielt der Sonnenschutz eine wichtige

Rolle für Komfort, Energieeffizienz und Gestaltung. Griesser lieferte dafür ein

umfassendes Beschattungskonzept, das sowohl technisch als auch ästhetisch

überzeugt und perfekt auf den modernen Holzbau abgestimmt ist.

Im Fokus stehen die 112 Fassadenmarkisen

vom Typ Soloscreen, die einen zentralen

Beitrag zur Lowtech-Klimatisierung des

Gebäudes leisten. Die seilgeführten Markisen

bleiben im geöffneten Zustand nahezu

unsichtbar und fügen sich dank eines speziell

entwickelten Metallwinkels präzise in

die Architektur ein. Dieser ermöglicht sowohl

die Befestigung des Metallgewebes

im Brüstungsbereich als auch die Einspannung

der Seilführungen von oben – eine

Lösung, die hohe gestalterische Zurückhaltung

gewährleistet und die ruhige Wirkung

der Holzfassade unterstützt.

Die Textilmarkisen bieten wirkungsvollen

Sonnenschutz, ohne den Innenräumen ihre

Offenheit zu nehmen. Ihre leichte Transparenz

sorgt dafür, dass auch im beschatteten

Zustand ein angenehmes, diffuses Licht

eindringt. Durch umfangreiche Windtests

konnte die für Holzbauten untypische, nach

vorne versetzte Montage realisiert werden.

Ergänzend sichern Windwächter den Betrieb,

indem sie die Markisen bei starkem

Wind automatisch hochfahren.

Für den Außenbereich ergänzen drei G2000

Terrassenmarkisen das Gesamtkonzept.

Farblich auf die Soloscreen abgestimmt

und in der dezenten Nuance „Charcoal“

ausgeführt, fügen sie sich harmonisch in

das Gebäude ein. Beide Systeme unterstreichen

die moderne Ästhetik und unterstützen

gleichzeitig die nachhaltige Klimastrategie

des Neubaus.

Griesser Austria GmbH

+43 (0)5525 64222-0

info@griesser.at

www.griesser.at

© Jan Thoma


www.architektur-online.com

105

Produkt News

Für mehr Tageslicht

Mit Zirkon bringt Josko eines der schlanksten und nachhaltigsten Kunststoff/

Alu-Fenster im klassisch versetzten Stil auf den Markt. Die neue Produktfamilie

des Premiumherstellers unterstreicht den zeitlosen Charakter klassischer Häuser

und vereint ihn mit exzellenten Energiewerten von heute.

Der Rahmen von Zirkon entspricht dabei mit nur

79 mm* sichtbarem Rahmen nicht einmal der Breite

einer Kreditkarte und ist damit knapp 15 % schlanker

als der von marktüblichen Kunststoff/Alu-Fenstern im

klassisch versetzten Stil. Besonders bei Sanierungen,

wo die Größe der Maueröffnungen bereits vorgegeben

ist, macht sich dieser Vorteil deutlich bemerkbar.

Denn Fenster mit schlankem Rahmen bieten mehr

Glasfläche: Sie fluten Räume mit Tageslicht, eröffnen

weite Ausblicke und bringen Eleganz in jede Architektur.

Neben innovativem Design setzt Josko auch

bei dieser Produktneuheit wieder konsequent auf

Nachhaltigkeit: Das Kunststoff-Profil von Zirkon besteht

zu 80 % aus recyceltem Kunststoff, das Aluminium-Profil

zu 60 % aus recyceltem Aluminium.

Zirkon fügt sich dabei in das bestehende Portfolio

im New Classic Stil ein, welches bereits durch das

erfolgreiche Holz/Alu-Fenster Amber bekannt ist.

Durch ihre einheitliche Optik aus Aluminium wirken

Zirkon (Kunststoff/Alu) und Amber (Holz/Alu) außen

identisch und können je nach Budget harmonisch

kombiniert werden.

Josko Fenster & Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.com

www.josko.com

*bei 15 mm Putzstärke


architektur FACHMAGAZIN

106

Produkt News

Fotos: Mediashots

Kreislaufwirtschaft trifft

innovative Wendefenster-Lösung

Im Rahmen der Gesamtsanierung der Schule für Gestaltung in Bern wird derzeit

auch die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes erneuert. Errichtet zwischen

1968 und 1971, zählt die Schule zu den bedeutendsten Berufsfachschulen

im Kanton Bern und bietet gestalterisch-künstlerische sowie gestalterisch-handwerkliche

Ausbildungen.

Für die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes

kommen für die seit 2024 andauernde Sanierung

speziell entwickelte Verbund-Wendefenster von

WICONA zum Einsatz, die auf dem System WICLINE

75 basieren und die funktionalen, energetischen und

gestalterischen Anforderungen erfüllen. Dabei werden

ein innerer und ein äußerer Flügel über einen

gemeinsamen Drehbeschlag mechanisch verbunden

und lassen sich synchron um eine vertikale Achse

drehen – jeweils mittig gelagert. Dazwischenliegend

ist ein motorisierter Sonnenschutz verbaut, der witterungsgeschützt

und wartungsarm betrieben und

über die zentrale Gebäudeleittechnik gesteuert wird.

Eingebunden ist das Verbund-Wendefenster in eine

geschosshohe Elementfassade auf Basis des Systems

WICTEC EL Evo. Dabei wurden in die opaken

Bereiche Photovoltaik-Module integriert, die optisch

auf die ursprüngliche Brüstungsgestaltung abgestimmt

sind.

Ein weiteres Highlight des Projekts ist die in der

Schweiz in dieser Form erstmals realisierte Umsetzung

eines geschlossenen Materialkreislaufs für Aluminium.

Rund 50 Tonnen alte Aluminiumprofile aus

dem Rückbau der Fassade wurden ins Hydro Recyclingwerk

nach Dormagen transportiert, aufbereitet

und im Folgenden zu Hydro CIRCAL 75R verarbeitet.

Dieses recycelte Aluminium weist einen End-of-Life-Materialanteil

von mindestens 75 % auf und verfügt

über einen sehr geringen CO 2 -Fussabdruck von

nur 1,9 kg CO 2 pro kg Aluminium.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


www.architektur-online.com

Höchste Sicherheit

Mit zertifizierten Lösungen für Einbruchhemmung,

Flucht- und Rettungswege sowie

Brand- und Rauchschutz ermöglicht heroal

die vollumfängliche Realisierung von Sicherheit

in Gewerbe- und Industrieobjekten sowie

öffentlichen Gebäuden. Trotz Erfüllung

höchster Sicherheitsanforderungen integrieren

sich die ganzheitlichen Systemlösungen

nahtlos in die Architektur. Optisch nicht von

Ausführungen ohne besondere Schutzanforderungen

unterscheidbar, ermöglichen sie

durchgängige Gestaltungskonzepte. Zusätzlich

bietet das abgestimmte Portfolio Mehrwerte

in Funktionalität, Design und Komfort

und überzeugt mit effizienter Fertigung,

einfacher Montage und vielfältigen Gestaltungsoptionen

für die Gebäudehülle.

heroal – Johann Henkenjohann

GmbH & Co. KG

T +49 (0)5246 507-0

info@heroal.de

www.heroal.de/architekten

107

Produkt News

EINFACH, GÜNSTIG &

NACHHALTIG LADEN!

Kompatibel mit allen Elektroautos und Plug-In-Hybriden

Mit PV-Überschuss (inkl. automatische Phasenumschaltung)*

Berücksichtigung von dynamischen Stromtarifen möglich

Über die App alle Ladevorgänge im Blick

Internetanbindung je nach Modell über WLAN, LTE

und/oder LAN

Einfache Installation

*kompatibel mit allen Wechselrichtern

über go-e Controller oder andere EMS

3 JAHRE

Garantie

go-e Charger Gemini Flex

Flexibel zu Hause oder unterwegs laden

Made in Austria | www.go-e.com

Lastmanagement

Flexible

Energietarife

LAN

MID konform*

Photovoltaik


architektur FACHMAGAZIN

108

Produkt News

Das große Potenzial passiver Kühlstrategien

Wie gelingt es, bei steigenden Durchschnittstemperaturen und dichten Gebäudehüllen

Wohnräume mit passiven Kühlstrategien das ganze Jahr angenehm kühl zu

halten? Zu dieser Frage wurden nun erstmals empirische Daten im Rahmen eines

Forschungsprojekts erhoben. Die Lösung liegt oft näher als gedacht – in einer

durchdachten Fensterplanung und gezielter Nachtlüftung.

Wer Dachfenster hat, kann alle Vorteile der besonders effektiven Kaminlüftung nutzen.

++

Für das Forschungsprojekt rund um das

Thema Ventilative Cooling wurden zwei

baugleiche Testhäuser mit über 200 Sensoren

ausgestattet und überwacht. Das Ergebnis:

Werden die Fenster nachts gezielt

geöffnet, können Räume um mehrere Grad

abkühlen und damit Komfort sowie Energieeffizienz

steigen.

Die Untersuchung belegt: während ein gekipptes

Fenster nur für den Mindestluftwechsel

sorgt, senkt eine gezielte Querlüftung die

Temperatur deutlich. Noch effektiver ist die

Kaminlüftung, bei der Fassaden- und Dachfenster

gleichzeitig geöffnet werden. Warme

Luft entweicht nach oben, kühlere Nachtluft

strömt nach – so konnte die Raumtempe-

Bis zu 5,5 °C niedrigere Raumtemperatur:

Die Kaminlüftung ist die effektivste passive Kühlstrategie.

ratur im Sommer um bis zu 5,5 °C gesenkt

werden. Automatisierte Fensterlösungen

unterstützen zusätzlich: Sie lassen sich bequem

bedienen und ermöglichen programmierbare

Lüftungsintervalle.

Bedeutung für Baupraxis und

nachhaltige Gebäudeplanung

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen,

wie wichtig durchdachte Lüftungskonzepte

für den Neubau und die Sanierung von Gebäuden

sind. Moderne Gebäude sind heute

besonders gut gedämmt und luftdicht gebaut.

Das spart zwar Heizenergie im Winter,

stellt aber im Sommer eine echte Herausforderung

dar. Ohne gezielte Lüftungsstrategien

kann sich die Hitze schnell im Inneren

stauen und es kann zu unangenehmen

Raumtemperaturen kommen. Lüftungskonzepte,

die auf natürliche Nachtkühlung und

automatisierte Steuerung setzen, ermöglichen

es, Wohn- und Arbeitsräume effizient

und passiv zu kühlen und gutes Innenraumklima

zu gewährleisten.

www.velux.at


www.architektur-online.com

109

Produkt News

Zusammenspiel aus Holz und Beton

Die Tiroler Versicherung setzt mit dem Neubau ihrer Unternehmenszentrale mitten

in Innsbruck ein starkes Zeichen für zukunftsorientiertes, verantwortungsbewusstes

Bauen. Der Entwurf des Architekturbüros DIN A4 vereint ökologische

Innovation mit energieeffizienter Architektur und setzt bewusst auf regionale

Baustoffe und einen möglichst niedrigen ökologischen Fußabdruck.

Fotos: Ditz Fejer

Im Zentrum des Gebäudekonzepts steht eine durchdachte

Holzhybridbauweise, bei der massive Treppenhäuser

mit einer Tragkonstruktion aus Holz in

Verbindung mit Brettschichtholzdecken und -wänden

umrahmt sind. Ergänzt wird die Holzstruktur

durch Fassadenplatten aus Glasfaserbeton, ein

Werkstoff, der mit seiner Langlebigkeit, Witterungsbeständigkeit

und Gestaltungsfreiheit überzeugt.

Die nur 13 mm dünnen, robusten Elemente schützen

das Gebäude zuverlässig vor äußeren Einflüssen

und tragen durch ihre wartungsarme Oberfläche zur

langfristigen Ressourcenschonung bei. Die großformatigen

Fassadenelemente wurden werkseitig vorgefertigt

und konnten auf der Baustelle passgenau

montiert werden. Das witterungs- und brandbeständige

Material bildet die perfekte Symbiose mit Holz:

technisch robust, ästhetisch hochwertig und umweltfreundlich

zugleich

Rieder

T +43 (0)6542 690-844

office@rieder.cc

www.rieder.cc


architektur FACHMAGAZIN

110

Produkt News

Architektur, Genuss und Sicherheit

Inmitten der Weinberge von Straden entstand beim Weingut Krispel ein Gebäude,

das modernen Produktionsanspruch mit regionaler Identität verbindet. Der traditionsreiche

Familienbetrieb entwickelte sich in den letzten Jahren vom kleinen

Weingut zum architektonisch anspruchsvollen Genussgut und für die neue Produktionshalle

übernahm Peneder die vollständige Planung und Umsetzung des Brandschutzes

– von der Konzeption bis zur Montage.

Ziel war es, technische Sicherheit nahtlos in die klare

architektonische Gestaltung zu integrieren. Die

Auswahl der Produkte erfolgte nach einer präzisen

Checkliste, abgestimmt auf Brandschutzklasse,

Nutzung und Design. Zum Einsatz kamen robuste

Stahltüren, sowie maßgefertigte Aluminiumlösungen,

die sich harmonisch in das architektonische Gesamtbild

einfügen. Im Rahmen der Planung wurden

Öffnungen, Fluchtwege und Funktionszonen so ausgelegt,

dass sie den betrieblichen Abläufen optimal

entsprechen. Besonderes Augenmerk galt der sicheren

Gestaltung von Warenfluss, Logistik und Arbeits-

prozessen im laufenden Betrieb. So ermöglicht etwa

die großformatige zweiflügelige Drehflügeltür mit

einer Durchgangslichte von 3.580 mm den sicheren

Transport von Produktionsmaschinen und Materialien,

ohne den architektonischen Anspruch zu stören.

Damit wird Sicherheit nicht zur Einschränkung, sondern

Teil des Designs.

Peneder Bau-Elemente GmbH

T +43 (0)50 5603 - 0

brandschutz@peneder.com

www.peneder.com


www.architektur-online.com

111

Produkt News

© www.Lindner-Group.com

Mehr Sicherheit,

weniger Aufwand

Die Lindner F90 Senk-Schiebe Decke vereint exzellenten

Brandschutz mit herausragender Wartungsfreundlichkeit.

Besonders für komplexe Bauprojekte wie Krankenhäuser

und Verwaltungsgebäude, in denen höchste Sicherheitsstandards

und eine effiziente Instandhaltung unverzichtbar

sind, bietet sie die ideale Lösung. Neben einer deutlichen

Verbesserung des Brandschutzes ermöglicht die einzigartige

Senk-Schiebe-Funktion einen schnellen, werkzeuglosen

Zugang zu Deckenhohlräumen. Die freigespannten Deckenelemente

mit Maßen bis zu 2.500 x 400 mm lassen sich einzeln

absenken und in Flurlängsrichtung horizontal unter die

anderen Deckenelemente verschieben. Dadurch entstehen

große Revisionsöffnungen, die einen effizienten und störungsfreien

Zugang zu Installationen im Deckenhohlraum

ermöglichen – ideal für die regelmäßige Wartung und Instandhaltung

ohne Beeinträchtigung des Gebäudebetriebs.

Wartungsarbeiten werden somit nicht nur einfacher, sondern

auch deutlich kosten- und zeitsparender.

Die Lindner F90 Senk-Schiebe Decke lässt sich nicht nur

problemlos in neue Bauprojekte integrieren, sondern bietet

auch hervorragende Möglichkeiten für Sanierungen.

Lindner GmbH

T +43 (0)2252 86160-0

austria@lindner-group.com

www.lindner-group.at

Foto: Harry Schiffer - www.fotodesign.at

Sanierungslösungen

für Dächer und Fassaden

Kreatives Bauen

mit Beständigkeit

50 JAHRE

www.domico.at

DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG

A-4870 Vöcklamarkt • Mösenthal 1


architektur FACHMAGAZIN

112

Produkt News

Fotos: Christian Schellander

Wohnbau in Holz-Hybrid Bauweise

Mit dem LeopoldQuartier entsteht im 2. Wiener Gemeindebezirk Europas erstes

großmaßstäbliches Stadtquartier in Holz-Hybrid-Bauweise. Geplant vom Grazer

Büro Gangoly & Kristiner Architekten, gilt es als Leuchtturmprojekt für nachhaltige

Stadtentwicklung. Mit rund 6.600 m³ verbautem Holz – davon 3.800 m³

allein in den Wohnbauten mit 253 Apartments – entsteht so Österreichs größtes

Holz-Beton-Hybridquartier.

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der architektonischen

Vision des Projekts nimmt dabei die Fassadenlösung

ein. Bei deren Realisierung entschied man

sich bewusst für das StoVentec R System, da der

Wandaufbau aus klassischen Holzriegelwänden mit

innenliegender Dämmung und einer brandschutzrelevanten

äußeren Platte besteht, die nicht direkt

verputzbar ist. Hier ist eine zusätzliche Lösung für

die Putzfassade notwendig – und genau diese bietet

StoVentec R.

Durch den Systemaufbau mit StoCarrier Aero

(Verotec -Leichtbauplatte) konnte eine schlanke und

leichte Konstruktion realisiert werden, die die Brandschutzanforderungen

erfüllt und gleichzeitig gestalterische

Freiheit schafft.

Das eingesetzte Fassadensystem kombiniert nachhaltige

Trägerplatten aus Blähglasgranulat mit hoher

Dämmleistung und einer fugenlos verputzbaren

Oberfläche. Neben sicherem Feuchte- und Witterungsschutz

der Holzkonstruktion punktet das System

mit verbessertem Schallschutz von bis zu 18

dB, geringem Gewicht von nur ca. 13 kg/m² bei einer

schlanken Aufbaustärke von rund 5 cm sowie besonders

geringen Wartungsaufwänden dank langlebiger

Putzoberfläche.

Sto Ges.m.b.H.

T +43 (0)4242 33 133-0

info.at@sto.com

www.sto.at


www.architektur-online.com

113

Produkt News

Maßgeschneiderte

Perfektion in Rot

Um seine Büros den künftigen Anforderungen eines

modernen Workspaces anzupassen, suchte die

Galliker Transport AG nach einem innovativen Bodenbelag,

der das architektonische Gesamtkonzept

komplettierte. Er sollte nicht nur den hohen funktionalen

Ansprüchen gerecht werden, sondern sich

auch nahtlos in das Corporate Design integrieren.

Die Wahl fiel auf Kugelgarn® von Fabromont, da der

Bodenbelag durch seine Robustheit und Langlebigkeit

von allen Möglichkeiten am meisten überzeugte.

Ein besonderes Highlight bildete dabei die speziell

für dieses Projekt entwickelte exklusive Sonderfarbe

„Galliker“, ein spezieller Rotton mit Grautönen und

einem Hauch von Aubergine, der die Identität des

Unternehmens perfekt unterstreicht.

Der Kugelgarn®-Bodenbelag überzeugte die Entscheider

zudem durch seine Strapazierfähigkeit

sowie die Möglichkeit, stark beanspruchte Stellen

schnell und ohne sichtbare Unterschiede auszutauschen.

Die nachhaltigen Eigenschaften des Materials

sind ein weiterer Pluspunkt, der zur Verlegung von

2.600 m 2 Kugelgarn® bei dem Schweizer Logistikunternehmen

führte.

Fabromont AG

T +41 (0)26 497 88 11

kontakt@fabromont.ch

www.fabromont.ch

Fotos: René Rötheli

Freiheit in der Architektur

Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko

DELTABEAM®

Verbundträger

ATLANT® Strong

Verbundstütze

www.peikko.at/atlant


architektur FACHMAGAZIN

114

Produkt News

Fotos: Hannes Heitmüller

Architektonisches Highlight

Der Neubau der Stadtteilschule Kirchwerder in Hamburg ist ein beeindruckendes

architektonisches Statement, das moderne Gestaltung mit funktionaler Pädagogik

auf harmonische Weise verbindet.

Das Schulgebäude entstand auf einem rund

drei Hektar großen Grundstück und bietet

Raum für knapp 1.100 Schülerinnen und

Schüler. Im Innenbereich kam der Kautschukbelag

noraplan unita auf rund 11.000

m 2 zum Einsatz, für dessen Wahl neben den

gestalterischen und funktionalen Vorteilen

auch ein technischer Aspekt eine zentrale

Rolle spielte: Um den geforderten Helligkeitswert

im Innenraum sicherzustellen,

musste ein besonders heller Bodenbelag

eingesetzt werden. Der freundliche Rosaton,

eine eigens für das Projekt entwickelte Sonderfarbe,

harmoniert perfekt mit dem Beton

im Innenraum und schafft eine helle, einladende

Atmosphäre. Zudem benötigen die

nora Kautschukböden keine Beschichtung,

lassen sich chemiearm reinigen, tragen den

Blauen Engel und erfüllen die Referenzobjekt

Qualitätsstufe 4 des DGNB-Kriteriums

ENV1.2 – Risiken für die lokale Umwelt. Der

verlegte Kautschukboden in den Klassenräumen,

Fluren, Aufenthaltsbereichen und

dem Eingangsbereich erfüllt dabei die hohen

Anforderungen der Schulbau Hamburg

an Umweltverträglichkeit und Funktionalität,

etwa in Bezug auf Rutschfestigkeit für

ein sicheres Gehen im Schulalltag.

nora flooring systems GesmbH

+43 (0)7242 74 001-0

info-at@nora.com

www.nora.com


www.architektur-online.com

115

Produkt News

Von der Kaserne zum Wohnpark

Aus dem Areal der ehemaligen Kirchner Kaserne im Grazer Bezirk Jakomini entstand

eine öffentlich zugängliche Parklandschaft – frei darin verteilt zehn Häuser

mit insgesamt 577 Wohnungen, die sich ganz unterschiedlich zeigen. Die fünf

Gebäude im Süden des Geländes lassen italienischen Einfluss eindeutig erkennen:

Holzfassaden und umlaufende Balkone verweisen auf das Leben im Freien inmitten

der Natur.

Die nördlichen fünf dagegen haben gegliederte Putzfassaden,

die nach Wunsch der Architekten an gründerzeitliche

Vorbilder mit horizontaler Gliederung

erinnern: Zwei Geschosse wurden als Sockel zusammengefasst,

der einen rauen Putz erhielt; ein Gurtgesimse

trennt ihn von der Hauptfassade, die glatter

geputzt wurde. Dem Vorbild entsprechend wurde zudem

auf eine Verblechung der Fensterbänke verzichtet

und ein speziell entwickeltes Austrotherm Fassadenprofil

als Fensterbank verbaut. Links und rechts

befinden sich seitliche Hochzüge, die in das WDVS

integriert sind. Aus demselben Austrotherm-Element

wurden auch die Gesimsbänder gearbeitet,

wobei zum Fensterbankprofil noch ein Gurtgesimse

und eine Loggien-Brüstungsabdeckung dazukam.

Auch über der Tiefgaragendecke kamen Produkte

des heimischen Dämmstoffspezialisten zum Einsatz:

Austrotherm XPS® TOP 70 bildet dort die Schutzlage

unter dem intensiven Begrünungsaufbau.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at


architektur FACHMAGAZIN

116

Produkt News

Fotos: voestalpine

Metallisches Farbenspiel

Eine langjährige Partnerschaft und innovative Baulösungen vereinen DOMICO und die

voestalpine Stahl GmbH. Dies wird insbesondere beim neuen Betriebsgebäude 53 des

Stahl- und Technologiekonzern in Linz sichtbar. Die Planum®-Fassade aus colofer® in

der greentec steel Edition in drei metallischen Farbtönen verändert je nach Lichteinfall

und Betrachtungswinkel ihre Wirkung.

Die Gestaltungsidee der Generalplaner von Delta

Pods Architects lebt dabei vom spannungsreichen

Spiel dreier metallischer Farbtöne: RAL 7037 (Staubgrau)

steht für den Rohzustand – unauffällig, funktional.

RAL 9007 (Graualuminium) verweist auf die

technische Veredelung, bei der das Material formbar,

differenzierter und reflektierender wird. RAL 9006

(Weißaluminium) symbolisiert schließlich die finale,

polierte Oberfläche – hell, glänzend, einsatzbereit in

der Architektur.

Für die Realisierung der Architekturidee setzten die

Architekten auf das bewährte Planum®-Fassadensystem

von DOMICO, das den bauphysikalisch korrekten

Aufbau gewährleistet. Gleichzeitig ist der Ausgleich

von vorhandenen Toleranzen im Mauerwerk möglich,

womit sich das System auch für den Einsatz im Sanierungsbereich

an Bestandsgebäuden auszeichnet.

Die Planum®-Profile können in Deckbreiten von 200

bis 800 mm und Längen bis 12 m gefertigt werden

und werden bereits montagefertig in der gewünschten

RAL-Farbe zur Baustelle geliefert.

DOMICO Dach-, Wandund

Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at


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117

Produkt News

BESSER HEIZEN.

BESSER LÜFTEN.

BESSER KÜHLEN.

Modular, präzise, skalierbar

In Ravensburg entstand ein zukunftsweisendes

Bürogebäude in Holz-Hybridbauweise

mit dem Ziel, einen modulareren

Bau mit hoher Präzision, schneller

Montage und architektonischer Qualität

entstehen zu lassen. Die Integration der

DELTABEAM® Verbundträger von Peikko

in das CREE-System ermöglichte dabei

eine schlanke Deckenkonstruktion

und reduzierte die Komplexität deutlich.

Der Bauablauf folgte einem klaren

Schema: Um den aussteifenden Stahlbetonkern

herum wurde zügig das Tragwerk

für das fünfgeschossige Gebäude

errichtet – bestehend aus deckengleichen

DELTABEAM® Trägern, schlanken

ATLANT® Stützen und den Fassaden- und

Deckenelementen von CREE. Die Kräfteübertragung

zwischen Deckenpaneelen

und Trägern erfolgte über MODIX®

Schraubmuffen und STUDIX® Kopfanker.

Die Kombination ermöglicht eine langlebige,

flexible und belastbare Tragstruktur

– ideal für moderne Bürogebäude. Für die

Verbindung der DELTABEAM® Träger mit

dem Stahlbetonkern kamen PCs® Konsolen

zum Einsatz. Diese werden im Fertigteilwerk

in die Schalung eingebracht und

auf der Baustelle verschraubt. Nach dem

Einbau sind sie sofort belastbar – ein Vorteil

für den zügigen Bauablauf.

Peikko Austria GmbH

T +43 (0)5523 521 210

austria@peikko.com

www.peikko.com

INKLUSIVE UNSER

RUNDUM-

SERVICE

MODIX® Muffensystem und STUDIX® Kopfanker –

Kraftübertragung zwischen Decke und Verbundträger.

AIRCONOMY ® kombiniert

energiesparende Flächenheiztechnik

mit den Vorteilen

der kontrollierten Be- und

Entlüftung. So schaffen

Sie moderne Wohn- und

Arbeitsräume, die sich mit

allen Sinnen genießen lassen.

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Komplett lösung für das

ideale Raumklima:

www.airconomy.net


architektur FACHMAGAZIN

Schnell,

bauzeitenflexibel,

wirtschaftlich

Mit dem neuen tragenden Wärmedämmelement

Isokorb IQ Typ K setzt Schöck neue Maßstäbe in der

Bauindustrie. Das innovative Produkt ergänzt das

Schöck Telligent Baukonzept um eine intelligente

Anschlusslösung für Fertigteilbalkone aus Stahlbeton.

Dabei vereint Isokorb IQ höchste Effizienz mit

maximaler Gestaltungsfreiheit und überzeugt sowohl

Bauunternehmen als auch Planer. Ein weiterer

Vorteil: Dank der flexiblen Montagezeit können Fertigteilbalkone

mit Isokorb IQ in nur wenigen Minuten

direkt auf der Baustelle just-in-time angebracht werden

– die Montage erfolgt trocken und ohne Abstützungen,

selbst bei bereits fertiggestellten Gebäuden.

Der bauzeitenflexible Anschluss trägt außerdem

dazu bei, dass Fertigteilbalkone auch an herausfordernden

Standorten oder bei beengten Platzverhältnissen

problemlos eingebaut werden können. Da die

Balkone just-in-time geliefert werden, müssen sie

nicht auf der Baustelle gelagert werden.

118

Schöck Bauteile Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office-at@schoeck.com

www.schoeck.com

Produkt News

Technologie Upgrade

Die neue Version ABIS AVA 38 basiert auf der aktuellen

.NET 8.0 Plattform. Dies führt zu einer Verbesserung

der Reaktionszeit der Benutzeroberfläche und

einer Beschleunigung langer Verarbeitungsoperationen.

Im AVA-IFC Import wurden die bisherigen Element-Filter

durch ein auf IDS (Information Delivery

Specification) basierendes Filtersystem ersetzt. Die

IDS-Datei ist in vielen BIM-Viewern nutzbar und modifizierbar,

was die Interoperabilität erhöht. Zudem

wurde der Import fit für IFC 4.3-Dateien gemacht.

Wie die Kostenmengenauswertung verfügt nun der

SOLL-Ist Vergleich über ein eigenes Auswertungsfenster,

das einen direkten, frei konfigurierbaren

Excel-Export ermöglicht. Die Schnittstelle zur Standardkalkulation

Hochbau wurde von SOAP auf das

REST-Interface umgestellt, wodurch die Datenübertragung

sicherer und schneller erfolgt. Und auch die

Druckoptionen beim Preisspiegel wurden erweitert:

Das Summenblatt (Übersicht) ist frei anpassbar, und

die Reihenfolge der Bieter kann konfiguriert werden.

ABIS Softwareentwicklungs GesmbH

T +43 (0)316 83 13 61

reichhart@abis-software.com

www.abis.at


www.architektur-online.com

119

Produkt News

Altes Mauerwerk, neuer Geist

Im Grazer Einzugsgebiet, dem heutigen

Rosenhain, wurde im 17. Jhdt. ein stattliches

barockes Gebäude errichtet, das

eine wechselhafte Geschichte bis hin

zur Ruine in der Neuzeit erlebte. Unter

Denkmalschutz gestellt wurde es als

Jesuitenrefektorium am Rosenhain der

Universität Graz zugeordnet, und nach

vielen Überlegungen entschloss man

sich, das Baujuwel von Leb-Idris architektur

aus seinem Dornröschenschlaf erwecken

zu lassen. Als wichtiger Begleiter

für das Projekt war dabei die Cooperative

Leichtbeton eingebunden.

Der Plan sah die Sanierung des Bestandes,

die Wiedererrichtung der zuvor eingestürzten

Arkaden sowie einen zweigeschossigen

Dachaufbau vor. Die über

400 Jahre alten Gemäuer wurden als

raumbildende Elemente verwendet und

eine Rahmenkonstruktion aus Stahlbeton

ermöglichte zusätzlich ein zweigeschossiges

Dach aufzusetzen. 2023 war Baubeginn,

die Fertigstellung erfolgte 2025.

Das Kellergewölbe konnte dabei nicht

erhalten werden und wurde durch eine

Betonschachtel für Technik und Fahrradabstellplätze

ergänzt. Auf der denkmalgeschützten,

revitalisierten Bausubstanz

wurden ein Hörsaal, Seminar- und

Arbeitsräume für das Institut für Bewegungswissenschaften,

Sport und Gesundheit

errichtet. Dem Nachbild der abgekommenen

Arkaden und Giebelwände

aus bis zu sechzig Zentimeter starken,

homogenen Dämmbetonwänden, mit ihren

Schattierungen, dem industriellen

Raster der Schaltafeln, Rödellöchern und

Fließspuren, ist der Entstehungsprozess

eingeschrieben. Altes Mauerwerk und

hochmoderner, gegossener Baustoff ergänzen

sich in ihrer Haptik, Optik und

Mächtigkeit zu einem hellen, Ruhe vermittelnden

Bauwerk unter einem gemeinsamen

Dach.

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edv

Großformatdrucker:

Schnell, smart und multifunktional

Aktuelle Großformatdrucker sind nicht nur schneller und sparsamer, sie sind

auch smarter. Sie können scannen, kopieren und lassen sich fernbedienen

oder fernwarten. Was leisten aktuelle Einsteiger-, Profi- und Multifunktionsgeräte

und was kosten Druckdienstleister?

Text: Marian Behaneck

Auch im Zeitalter der Digitalisierung sind

Papierpläne unverzichtbar. Großformatdrucker

oder „Large Format Printer“ (LFP),

teilweise auch noch „Plotter“ genannt, gehören

deshalb zur unentbehrlichen Standardausstattung

von Planungsbüros. In

vielen Unternehmen sind sie allerdings in

die Jahre gekommen und deshalb langsam,

wartungsanfällig und teuer im Betrieb. Aktuelle

Druckermodelle sind einfacher und

intuitiver bedienbar, bieten höhere Ausgabequalitäten

und -geschwindigkeiten,

bei gleichzeitig niedrigeren Anschaffungsund

Betriebskosten. So sind aktuelle DIN

A1-Tischgeräte für Einsteiger bereits ab

800 Euro erhältlich.

Worauf kommt es bei der Auswahl an?

Zu den wichtigsten Auswahlkriterien bei

Großformatdruckern zählen die Ausgabequalität

und Druckgeschwindigkeit, das

Ausgabeformat, das Ausgabemedium, die

Bedienung, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit.

Auch Geräusch- und Schadstoffemission,

den Platzbedarf und die Nachhaltigkeit

sollte man berücksichtigen. Für

die Ausgabe von Bauplänen, technischen

Zeichnungen oder fotorealistischen Renderings

kommen überwiegend Tintenstrahldrucker

zum Einsatz. Diese Technologie

arbeitet mit mikroskopisch kleinen Tintentröpfchen,

die präzise auf das Papier aufgebracht

werden. Dadurch lassen sich selbst

feinste Linien und komplexe Farbverläufe

darstellen. Die typische Druckauflösung

liegt zwischen 600 und 2400 dpi und mehr.

Damit werden auch farbig angelegte Pläne,

fein abgestufte Grau- oder Farbverläufe,

Grafiken, fotorealistische Renderings oder

Fotos im Posterformat brillant gedruckt.

Im Gegensatz dazu nutzen Laser- und

LED-Drucker ein tonerbasiertes Verfahren,

bei dem Farbpulver elektrostatisch auf

Großformatige Ausgabegeräte sind trotz Digitalisierung

in vielen planenden Unternehmen unersetzlich. © Hewlett-Packard

das Medium übertragen und anschließend

fixiert wird. Während Laserdrucker mit einem

fokussierten Lichtstrahl auf eine Bildtrommel

arbeiten, setzen LED-Drucker auf

eine zeilenweise Belichtung durch Leuchtdioden.

Diese Bauweise ermöglicht eine

kompaktere Konstruktion, höhere Druckgeschwindigkeiten

und eine gleichmäßige

Ausgabequalität. Da LED-Systeme mit

weniger beweglichen Teilen auskommen,

gelten sie als besonders wartungsarm und

langlebig. Zudem sind die Druckkosten

gegenüber Tintenstrahldruckern deutlich

günstiger, auch bei der Farbausgabe.

Schön oder schnell drucken?

Die Qualität großformatiger Ausdrucke

hängt von mehreren Faktoren ab. Ein zentraler

Aspekt ist die Druckauflösung, gemessen

in dots per inch (dpi). Je höher

dieser Wert, desto feiner und exakter lassen

sich Details wie Kurven oder schräge

Linien darstellen. Moderne Geräte für den

CAD- und Präsentationsbereich erreichen

1.200 × 2.400 dpi, während fototaugliche

Systeme noch höhere Werte erzielen können.

Allerdings beeinflussen neben dem

dpi-Wert auch andere Faktoren wie Druckereinstellungen,

die Tinten-/Tonerqualität

oder die Papierwahl die Linienpräzision

und Farbwiedergabe – und damit die Ausgabequalität.

Für hochwertige Präsentationen

oder Wettbewerbe haben sich Tintenstrahldrucker

mit separaten Farbpatronen

bewährt, da sie brillante Ergebnisse liefern

und feine Abstufungen ermöglichen.

Sind hingegen hohe Druckvolumina im

Schwarzweißbereich gefragt – etwa bei

Plänen für Baustellen – bieten Geräte mit

LED-Drucktechnologie eine wirtschaftliche

Alternative. Diese Systeme punkten

mit hoher Geschwindigkeit, robuster Bau-


www.architektur-online.com

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Wenn kleinere Ausgabeformate genügen, sind platzsparende A2/A1-Tischgeräte

eine echte Alternative, … © Epson

… die auch im Homeoffice einen Platz finden. © Canon

weise und Zuverlässigkeit. Die Ausgabegeschwindigkeit

wird allgemein meist in A0-

oder A1-Seiten pro Minute angegeben. Je

nach Modell und Betriebsmodus liegt sie

zwischen 1 und 10 A0-Seiten pro Minute.

Dabei ist zu beachten, dass Herstellerangaben

oft auf den schnellen Entwurfsmodus

(Draft) oder den Schwarzweißbetrieb

bezogen sind. Im Farb druck reduziert sich

die Leistung spürbar. Für die Auswahl eines

geeigneten Systems empfiehlt es sich,

das maximale Druckaufkommen im Projektverlauf

zu berücksichtigen – inklusive

Spitzenlasten. Zwar sind schnelle Geräte in

der Anschaffung teurer, doch bei regelmäßigem

Einsatz amortisieren sich die Mehrkosten

durch verkürzte Wartezeiten und

höhere Produktivität im Büroalltag schnell.

Welches Papierformat?

Großformatdrucker verarbeiten Papier in

Rollenform bis zur Formatgröße A1, A0 –

und mehr, wobei die Papierrolle in einer

Richtung auch Überformate ermöglicht.

Mit randlos druckenden Ausgabegeräten

lassen sich beispielsweise Visualisierungen

für die Projektpräsentation über das

gesamte Papierformat ausgeben. Die meisten

Großformatdrucker können auch kleine

Formate in A3 oder A4 drucken. Mit einem

separaten A3/A2-fähigen Drucker (ab ca.

250 bzw. 500 Euro), lassen sich allerdings

kleinformatige CAD-Pläne oder verkleinerte

Probedrucke papiersparend ausgeben,

ohne große Ausgabegeräte zu blockieren.

Großformatdrucker verarbeiten, je nach

Modell, neben Normalpapier einer Stärke

von 60 bis 150 g/qm und mehr, auch Recycling-,

Film-, Transparent- oder Fotopapier,

teilweise sogar Karton bis zu einer Stärke

von etwa 1,5 mm. Neben der konventionellen

Bauform mit oder ohne Ständer,

gibt es auch kastenförmige Gehäuse mit

integrierten Rollenhaltern, Schneid- und

Faltvorrichtungen. Multifunktionale Großformatdrucker

können mit einem integrierten

oder aufgesetzten Scanner zusätzlich

auch scannen oder kopieren. Das spart

Platz, Anschaffungs- und Betriebskosten.

Der Platzaspekt ist nicht unerheblich, denn

neben einer Standfläche von 1-2 Quadratmetern

setzen Großformatdrucker vor dem

Gerät auch einen mindestens 80 Zentimeter

tiefen Bedien- und Arbeitsraum voraus.

Kommt dann noch eine Faltvorrichtung

hinzu, entsteht schnell ein Flächenbedarf

von 3-4 Quadratmetern pro Gerät. Multifunktions-Großformatdrucker

vermeiden

zugleich auch „Kabelsalat“, da nur ein

Netz- und Druckerkabel benötigt wird.

Zudem ist gegenüber Einzelgeräten unterschiedlicher

Hersteller die Bedienung von

Multifunktionsgeräten durch die einheitliche

Menüführung einfacher.

Wie einfach ist die Bedienung?

Stichwort „Bedienung“: Neben den technischen

Daten entscheidet auch sie darüber,

wie gut sich ein Ausgabegerät im Alltag

bewährt und letztlich wie wirtschaftlich

es ist. Ein gut lesbares, berührungssensitives

Display sollte dem Bedienungspersonal,

anstelle kryptischer Befehle, klar

verständliche Schritt-für-Schritt-Anweisungen

geben. Auch im Hinblick auf gelegentlich

durchzuführende Arbeiten wie

Papiertrommel einlegen, Tonerkartusche

tauschen, Papierstau beheben etc. sollte

man auf Benutzerfreundlichkeit achten. Alles

sollte möglichst einfach durchzuführen

sein und beispielsweise am Display durch

einen „Assistenten“ unterstützt werden.

Eine automatische Einzelblattzuführung

und Papierschneidevorrichtung sind heute

Standard. Einige Geräte verfügen darüber

hinaus über eine intelligente Medien-

erkennung (die allerdings nicht immer

zuverlässig funktioniert), eine optionale

Dokumentenablage oder eine Medienheizung,

welche die Umgebungstemperatur

und Luftfeuchte kontrolliert und bei Bedarf

korrigiert. Da bei der Planausgabe teilweise

sehr große Dateien mit den entsprechenden

Steuerbefehlen für den Drucker entstehen,

ist es wichtig, dass das Gerät über

einen ausreichend großen internen Speicher

verfügt (ab 1 GB Größe). Andernfalls

kann es bei großen CAD-Dateien zu Problemen

kommen. Integrierte Festplatten

ermöglichen eine zeitversetzte Ausgabe

von Druckaufträgen. Müssen viele Druckdateien

unterschiedlicher Datenformate in

möglichst kurzer Zeit ausgegeben werden,

sind die von einigen Herstellern angebotenen

gerätespezifischen Ausgabeprogramme

nützlich. Angesteuert werden Großformatdrucker

direkt über CAD-Programme,

respektive hersteller-/modellspezifische

Druckertreiber, die ausgewählt, heruntergeladen

und installiert werden müssen.

Manche Druckerhersteller stellen auch für

bestimmte CAD-Programme, beispielsweise

für Archicad oder Revit zugeschnittene

Treiber bereit, die eine umfassende Kompatibilität

bieten. Bei der Ausgabe sollten

alle gängigen Vektor- und Pixel-Dateiformate

verarbeitet werden, wie HP-GL, HP-

RTL, PDF, DWF, TIF, JPG etc., PostScript

ist meist optional. Neue Geräte lassen sich

per Internet bedienen: Wird beispielsweise

ein Plan am Mobilrechner auf der Baustelle

geändert, kann man ihn zunächst in

der Planvorschau prüfen und sofort quasi

ferngesteuert im Büro ausdrucken lassen.

Umgekehrt lässt sich eine brandneue

Planänderung vom Büro aus direkt an den

Drucker im Baustellencontainer senden

und ausgeben.

u


architektur FACHMAGAZIN

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Wie einfach ist die Wartung?

Eine so wichtige Bürohardware, wie einen

Großformatdrucker, sollte man stets

inklusive einem Wartungs-/Servicevertrag

erwerben. Die Leistungen sind unterschiedlich

und umfassen teilweise auch

die Versorgung mit Verbrauchsmaterial. Im

Fall der Fälle werden innerhalb eines definierten

Zeitfensters Reparaturen vor Ort

vorgenommen oder ein Ersatzgerät bereitgestellt.

Das ist immer dann sinnvoll, wenn

das Ausgabevolumen hoch ist und man

keinesfalls auf das Gerät verzichten kann.

Teilweise werden auch Verschleißteile nach

einem Serviceplan prophylaktisch ausgetauscht,

um Defekten vorzubeugen. Einige

Geräte lassen sich fernwarten. Dabei kann

das Service-Personal per Internetverbindung

nachvollziehen, welches Problem das

Gerät oder der Anwender gerade haben.

Die Wirtschaftlichkeit eines Ausgabegeräts

bestimmen Faktoren wie Anschaffungs-,

Service- und Betriebskosten (Kosten für

Papier, Tinten und Toner), die Ausgabegeschwindigkeit

(Durchsatz), aber auch

der operative Aufwand (Papier einlegen,

ggf. Ausgabevorgang kontrollieren, Papier

entnehmen etc.). Betrachtet man Druckertechnologien

unter diesem Aspekt, macht

die Laser-/LED-Technik das Rennen. Da

Tinten und Toner viel Geld kosten, sollte

man sich diese Verbrauchsmedien genauer

anschauen: Was kostet ein Tinten-/Tonersatz?

Für wie viele Planausdrucke reicht

der Inhalt? Können leere Farbkartuschen

auch einzeln ausgewechselt werden? Gibt

es Alternativen von Drittanbietern und

wie gut ist deren Qualität? Wird Tinte für

die Reinigung der Tintenstrahl-Druckdüsen

verbraucht – und wenn ja, wieviel? Je

höher das Druckvolumen, desto wichtiger

sind die Druckkosten. Sie unterscheiden

sich geräteabhängig teilweise erheblich

und liegen bei A3-Druckern zwischen 0,06

und 2,57 Cent pro A3-SW-Druckseite sowie

0,13 und 9,70 Cent pro A3-Farb-Druckseite

(ohne Gerätepreis, Papier, Strom und

Service, siehe auch: www.printer4you.com

oder www.druckkosten.de). Bei größeren

Formaten dürften die Unterschiede ähnlich

sein. Bei der Geräteauswahl sollte man

auch auf Umweltaspekte achten und nach

Recyclingmöglichkeiten bzw. der Möglichkeit

einer Wiederbefüllung oder des Austauschs

verbrauchter Teile (Kartuschen,

Druckkopf, Belichtereinheit etc.) fragen.

Das schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Wegen der Geräuschbelastung von bis

zu 50 dB und mehr, teilweise auch wegen

des Ozon-Ausstoßes von Lasergeräten ist

eine Aufstellung in einem separaten Raum

empfehlenswert, sofern möglich.

Neben der Standfläche sollte man bei der Aufstellung auch den Bedien- und Arbeitsraum,

Ablagen und ggf. eine Faltvorrichtung berücksichtigen. © Hewlett-Packard

Was kosten Druckdienstleister?

Großformatdrucker müssen nicht nur gewartet

und im Schadensfall repariert werden.

Sie müssen auch verwaltet werden,

was in der Praxis hohe Kosten verursacht:

Verbrauchsmaterialien wie Papier, Tonerkartuschen

oder Druckerpatronen müssen

bevorratet und rechtzeitig bestellt werden,

wenn sie zur Neige gehen. Das generiert

bei mehreren Geräten einen nicht zu unterschätzenden

Verwaltungs-, Buchungs- und

Koordinationsaufwand. Klappt mal etwas

nicht, entstehen in harmlosen Fällen unproduktive

Wartezeiten. Kurz vor einem wichtigen

Abgabetermin kann das an die Substanz

gehen. Einige Hersteller bieten deshalb

auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittene

Servicepakete an. Dabei kümmert sich

ein Vertriebspartner vor Ort um alle Verwaltungs-

und Wartungsaufgaben, inklusive

Lagerhaltung für Papier, Tonerkartuschen,

Tintenpatronen oder Ersatzteile. Als weiteren

Schritt ermöglicht ein „Monitoring-Service“

die kontinuierliche Online-Erfassung

von Nutzungsdaten und des Wartungsbedarf

aller Ausgabegeräte im Unternehmen

Multifunktionale Geräte mit integriertem

oder aufgesetztem Scanner benötigen

gegenüber Einzelgeräten nicht so viel Platz.

© Canon

sowie die Weitergabe des aktuellen Bedarfs.

Eine Belieferungs-, Wartungs- oder Reparaturanforderung

wird automatisch ausgelöst

und ist innerhalb weniger Stunden erledigt.

Bei so viel Aufwand „drumherum“ können

auch (Online-)Dienstleister eine echte Alternative

zum Großformatdrucker-Kauf sein,

insbesondere für kleine Büros mit einem

geringen Ausgabevolumen von wenigen

Plänen pro Monat. Dabei muss lediglich eine

mit dem jeweiligen CAD-Programm erstellte

PDF-Datei mit der gewünschten Maßstab-/

Formateinstellung erzeugt und einem Online-Dienstleister

als E-Mail-Anhang, inklusive

Fertigstellungstermin und weiteren

Angaben (Plan gefaltet/gerollt, Abholung/

Versand etc.) zugesandt werden. Die Kosten

sind unterschiedlich, liegen aber bei einem

DIN A0-Ausdruck in Schwarz-Weiß bei etwa

einem Euro, bzw. zwei Euro bei Farbe – zuzüglich

Mehrwertsteuer, ggf. Faltung/Bearbeitungsgebühr

und Versandkosten. Weitere

Alternativen zum Neukauf sind auch

eine Gerätemiete, das Leasing oder der Kauf

gebrauchter und generalüberholter (refurbished)

Geräte.

Wichtig ist auch eine einfache Bedienung – etwa

beim Wechsel der Papiertrommel, der Tinten-/Toner

kartuschen oder beim Beheben von Papierstau.

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