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ORNITHOLOGISCHE
MITTEILUNGEN
Monatsschrift für Vogelbeobachtung, Feldornithologie und Avifaunistik
Ornithologische
Mitteilungen
Jahrgang 75 • Nr. 11/12 • 2024
Ornithologische
Mitteilungen
ORNITHOLOGISCHE
MITTEILUNGEN
Monatsschrift für Vogelbeobachtung, Feldornithologie und Avifaunistik
1948 begründet und bis 1997 herausgegeben von Prof. Dr. Herbert Bruns,
bis 2011 fortgeführt von Dr. Walther Thiede.
Herausgeber
Dr.-Walther-Thiede-Stiftung
Schriftleitung
Ubbo Mammen, Buchenweg 14,
D-06132 Halle (Saale),
Tel. 0345/6869884,
E-Mail: ubbo.mammen@ornithologischemitteilungen.de
Herbert Grimm, Nordstr. 17,
D-06567 Bad Frankenhausen
Internet
www.ornithologische-mitteilungen.de
Redaktionsbeirat
David Conlin (Berlin), Dr. Bernd Nicolai
(Halberstadt)
Erscheinungsweise
12 Nummern im Kalenderjahr
Bezug
Jahresabonnement 12 Nummern,
Bezugspreis im Inland 50,00 €,
zzgl. Versand kosten.
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Bis spätestens 1. November bei der
Schriftleitung, sonst erfolgt Verlängerung
des Abonnements um einen weiteren
Jahrgang.
Manuskripte
Manuskripte sind an die Schriftleitung zu
richten.
Inhalt
Der Inhalt der Beiträge spiegelt nicht
zwangs läufig die Auffassung des
Herausgebers oder der Schriftleitung wider.
Für den Inhalt der Beiträge sind die Autoren
verantwortlich.
Satz
Susanne Blomenkamp, Mainz
Druck
Strube Druck & Medien OHG, Felsberg
ISSN 0030-5723
Titelfoto:
Halbringschnäpper Ficedula semitorquata, M, Iran, 02.05.2019.
Foto: R. Aeschlimann
Ornithologische
Mitteilungen
Ornithologische Mitteilungen Jahrgang 75 • 2024 • Nr. 11/12: 281
Vorwort
Der erste Beitrag dieses Doppelheftes beschäftigt
sich mit einer Vogelart, die im Verhältnis zu vielen
anderen Arten weniger gut erforscht ist und mit
der Ornithologen in Deutschland nur selten in
Kontakt kommen, dem Halbringschnäpper. Ein
großer Teil der europäischen Brutvorkommen
liegt in Bulgarien. Georgi P. Stoyanov, Todor
todorov und Nikolay Svetlanov haben in zwei
Gebieten im Nordwesten Bulgariens, am nördlichen
Rand des Verbreitungsgebiets auf der
Balkan halbinsel, Studien zur Brutbiologie des
Halbringschnäppers durchgeführt. Die mitgeteilten
brutbiologischen Daten werten sie im Kontext
mit der Klimaveränderung und dem Einfluss von
Prädatoren.
Die Wirkung von Neobiota auf die heimische
Fauna und Flora wird in erster Linie in Verbindung
mit negativen Einflüssen auf das heimische
Ökosystem diskutiert. Aus ganz anderer Sicht hat
Michael Kuhn die Rolle von Neozoen-Krebsen
betrachtet, nämlich als Nahrung für Vögel. In
einer umfangreichen Studie hat er mit fast detektivischen
Methoden alle erreichbaren Informationen
dazu zusammengetragen und verschiedene
Aspekte ausführlich diskutiert. Wenn Ihnen die
im Beitrag überwiegend als Belegfotos gedachten
Bilder nicht ausreichen, so geben Sie gern in Ihrer
Internet-Suchmaschine die Wörter „Crayfish“
und „Bird“ ein. Wir waren überrascht, welche
Fülle an Bildern und Videos es dort gibt. Michael
Kuhn ist es gelungen, hier etwas Ordnung in das
System zu bringen – eine fast unmögliche Aufgabe
angesichts der Dynamik im World Wide
Web.
In unserer 39. Folge der Reihe zu Biografien
osteuropäischer Ornithologen stellen Dejan
Đapić und Thomas Oliver Mérő den turbulenten
Lebensweg und die naturwissenschaftlichen Leistungen
von Sergej Dimitrijevič Matvejev vor, der
als der bedeutendste Ornithologe Serbiens und
Jugoslawiens gilt.
Eine ornithologische Abschlussarbeit zur Habitatwahl
des Bluthänflings schließt dieses Heft
und damit den Jahrgang 2024 ab.
Wir danken allen Autoren, Fotografen, Gutachtern
und vor allem unserer Layouterin Susanne
BloMenKaMp, die zum Gelingen dieses Bandes
beigetragen haben. Mit Hochdruck arbeiten wir
an den nächsten Heften, um den Rückstand, der
doch leider wieder eingetreten ist, abzubauen.
Ubbo Mammen und Herbert Grimm
282 Ornithologische Mitteilungen 75 • 2024 • Nr. 11/12
Halbringschnäpper Ficedula semitorquata, M, Bulgarien, 26.04.2023.
Foto: G. P. Stoyanov
Halbringschnäpper Ficedula semitorquata, W, Kuwait, 24.04.2010.
Foto: R. Ertel/www.5erls-naturfotos.de
Ornithologische
Mitteilungen
Ornithologische Mitteilungen Jahrgang 75 • 2024 • Nr. 11/12: 283 – 300
Studie zur Brutbiologie des Halbringschnäppers Ficedula
semitorquata im Nordwesten Bulgariens
Georgi P. Stoyanov, Todor Todorov, Nikolay Svetlanov
Georgi P. Stoyanov, Sofia 1618, Golyam Bratan Str. Nr. 23, fl. 2; E-Mail: georgips@abv.bg
Todor Todorov, Nikolay Svetlanov, Belogradtschik 3900, Tsolo Todorov Str. Nr. 43, Abteilung für Natur,
Historisches Museum von Belogradtschik
1. Einleitung
Der Halbringschnäpper Ficedula semitorquata ist
eine monotypische Art mit einer lückenhaften
Brutverbreitung im südöstlichen Teil der Balkanhalbinsel,
in der Türkei, im Kaukasus und im
Nordosten des Irans (Matvejev 1976, peKlo
1987, CraMp & perrinS 1993, GeorGiev & ianKov
2009, MiChev et al. 2012).
Während verschiedener Perioden des 20. Jahrhunderts
wurde der Halbringschnäpper von verschiedenen
Autoren als Unterart des Halsbandschnäppers
Ficedula albicollis oder sogar des
Trauer schnäppers F. hypoleuca angesehen (nan-
Kinov 2009). Als eigenständige Art wurde er erstmals
von StreSeMann (1926) benannt, gefolgt
von Curio (1959), der neue Beweise für seinen
Status als eigenständige Art vorlegte. Zu Beginn
des 21. Jahrhunderts bestätigten genetische Forschungen
von hoGner (2008) die taxonomische
Unterscheidung des Halbringschnäppers (F. semitorquata)
vom Halsbandschnäpper (F. albicollis).
Laut Birdlife international (2024) macht die
europäische Population der Art 50–74 % des Weltbestandes
aus, wobei Bulgarien eines der Länder
mit der größten Brutpopulation in Europa ist. Die
Art wird von der IUCN in die Kategorie LC (Least
Concern, „nicht gefährdet“) eingestuft, während
sie in Bulgarien nach dem Biodiversitätsschutzgesetz
geschützt ist und im Roten Buch der Republik
Bulgarien als VU (Vulnerable, „gefährdet“) aufgeführt
ist (GeorGiev & ianKov 2015).
Die Art ist insgesamt noch wenig erforscht
(Birdlife international 2024). Derzeit gibt es
nur sehr begrenzte Daten über die Brutbiologie
des Halbringschnäppers in Bulgarien und auch aus
ihren weiteren Verbreitungsgebieten sind die Daten
spärlich. Ein Großteil der früheren Literaturquellen
wurden in den Arbeiten von peKlo (1987) und
CraMp & perrinS (1993) zusammengefasst.
Das Ziel dieser Studie ist es, einen Beitrag zur
Brutbiologie des Halbringschnäppers zu leisten.
2. Material und Methoden
Die Untersuchungen wurde in zwei Gebieten im
Nordwesten Bulgariens durchgeführt. Das Hauptgebiet
war der Park der Stadt Varshets, wo zwischen
2013 und 2022 Daten gesammelt wurden.
Enthalten sind aber auch Daten aus anderen
Zeiträumen – so wurde die erste Ankunft von
Altvögeln im Frühjahr, die Beringung von Jungvögeln
und negative Faktoren für die Art in dieser
Region auch zwischen 2010 und 2012 sowie im
Jahr 2023 dokumentiert. In den Jahren 1911 und
1912 wurde mit der Einrichtung des Parks von
Varshets (Abb. 1) begonnen. Seine Fläche beträgt
80 ha 1 . Er befindet sich auf einer Höhe von
ca. 400 m im südlichen Teil der Stadt und besteht
aus einem Stadtpark und einem Waldpark, der
sich in Richtung der bewaldeten Hänge des westlichen
Berges Stara Planina ohne deutliche Grenze
erstreckt. Die Nistkästen wurden in dem Teil
angebracht, der zur Stadt gehört – in der Ortschaft
„Sonniger Garten“ und südlich davon
entlang der beiden Ufer des Flusses Botunya.
Hier herrschen folgende Baumarten vor: Orientalische
Platane Platanus orientalis, Rosskastanie
1
Municipal Development Plan 2007-2013, 128 S. (bulg.).
284 Ornithologische Mitteilungen • 2024 • Nr. 11/12
Abb. 1: Stadtpark von Varshets – Teil des Untersuchungsgebiets,
der vor allem vom Halbringschnäpper
bevorzugt wird. – Varshets City Park – part of the study
area that is particularly favoured by the Semi-collared
Flycatcher.
Das zweite Gebiet ist der Waldpark südlich der
Stadt Belogradtschik (Abb. 2), der sich etwa 70 km
Luftlinie nordwestlich von Varshets, auf einer
Höhe von etwa 500 m befindet. Die Studie wurde
im Zeitraum 2013–2020 durchgeführt. In einem
Teil des Gebietes dominiert die Traubeneiche und
in dem anderen die Rotbuche.
In beiden Untersuchungsgebieten wurden identische
Nistkästen mit folgenden Parametern montiert:
Dicke der Holzbretter: 2 cm, Bodenfläche:
8x12 cm, Höhe: 25 cm, Einflugloch: 3,5–4 cm. Die
Seitenwand des Nistkastens konnte zum Zwecke
der Inspektion geöffnet werden. Die Einfluglöcher
wurden mit Metallplatten gegen Kauen und
Picken geschützt und die Bretter der Nistkästen
wurden zum Schutz vor Schimmel und Insekten
mit gebrauchtem Motoröl oder handelsüblicher
Farbe imprägniert. Die Nistkästen wurden in Abständen
von 20–50 m platziert und in 5–7 m Höhe
über dem Boden auf unverzweigten Bäumen montiert,
sodass sie für Menschen nicht zugänglich
sind.
3. Ergebnisse und Diskussion
Abb. 2: Eichenwald in der Nähe der Stadt Belogradtschik
– typischer Nistplatz des Halbringschnäppers.
– Oak forest near the town of Belogradchik – typical
nesting site of the Semi-collared Flycatcher.
Aesculus hippocastanum , Gemeine Esche Fraxinus
excelsior, Bergahorn Acer pseudoplatanus, Traubeneiche
Quercus petraea, Schwarzkiefer Pinus nigra,
Waldkiefer P. sylvestris und in einem separaten
Bereich gibt es auch einen Wald aus Rotbuche
Fagus sylvatica.
In beiden Studien kamen die Männchen 2–4 Tage
vor den Weibchen im Brutgebiet im Bereich der
Nistkästen an.
Die frühesten Ankünfte im Gebiet von Varshets
für den Zeitraum von 2011 bis 2023 wurden in
der letzten Märzdekade (in 3 Jahren des Untersuchungszeitraums)
registriert, während sie am
häufigsten in den ersten zehn Tagen des Aprils (in
8 Jahren des Untersuchungszeitraums) zu verzeichnen
waren. In nur 2 Jahren des Untersuchungszeitraums
erschienen die ersten Ankömmlinge
erst in der zweiten Aprildekade. Beobachtungen
im Zeitraum von 2013 bis 2020 zeigen,
dass die Halbringschnäpper im Belogradtschik-
Gebiet 2–4 Tage später in ihren Nistgebieten ankommen
als die in Varshets.
Diese Beobachtungen stimmen auch mit Daten
aus Ostbulgarien (BriediS et al. 2016) überein, die
belegen, dass die Vögel von Ende März bis Mitte
April am Nistplatz ankommen (mittleres Ankunftsdatum:
9. April).
Nach der Ankunft aus dem Süden beginnt die
Brutzeit des Halbringschnäppers mit der aktiven
Vegetation (dem Austreiben) der Laubbäume.
Zuerst besetzen die männlichen Vögel den Nist-
G. P. Stoyanov et al.: Studie zur Brutbiologie des Halbringschnäppers im Nordwesten Bulgariens 285
Abb. 3: Weiblicher Halbringschnäpper beim Nestbau,
15.04.2019, Park Varshets. – Female Semi-collared Flycatcher
building a nest, 15.04.2019, Varshets City Park.
kasten, singen daneben und schützen ihr Territorium
vor anderen Männchen. Nach der Paarbildung
erfolgt der Nestbau durch das Weibchen
(Abb. 3), der 4–12 Tage, in seltenen Fällen bis zu
20 Tage dauert. Einige der Nester in den Nistkästen
waren 6–7 cm hoch, andere waren viel
höher (12–14 cm), sodass ihre Ränder bis in die
Nähe der Einfluglöcher reichten. Die Basis des
Nestes besteht aus trockenen Grashalmen, manchmal
auch (zu unterschiedlichen Anteilen) aus
Moos. Der mittlere und obere Teil des Nestes besteht
zu mehr als 90 % aus trockenen Grashalmen,
trockenen Blättern von Laub- und Nadelbäumen,
Bastfasern, Lindensamenblättchen, Wurzeln,
Blüten ständen von Holunder Sambucus nigra und
in seltenen Fällen aus dickeren trockenen Zweigen
mit einem Durchmesser von bis zu 4 mm (Abb. 4).
Die Nistmulde ist 5,5–6,5 cm breit und 2–3 cm
tief. Sie ist mit trockenen Blättern und Bastfasern
ausgelegt und in einigen Nestern waren Hühnerdaunenfedern
(bei Varshets), oder auch Pferdeund
Hundehaare zu finden. Im Varshets-Park
benutzten einige Paare auch Plastiktütenstücke
und Folie, Nylongarn oder Fäden. Als einige
Nester bei strömendem Regen nass wurden, wurde
beobachtet, dass die Paare den oberen Teil des
Nestes überbauten, um die Eier zu schützen.
Der Abstand zwischen den besetzten Nistkästen
betrug in der Regel zwischen 50 und 80 m. Im
Gebiet mit der höheren Nistkasten-Dichte (Park
Varshets) betrug der geringste Abstand zwischen
zwei Nistpaaren 30 m.
Der Zeitraum zwischen dem Ende des Nestbaus
und dem Beginn der Eiablage lag zwischen
1 und 8 Tagen, wobei die Verlängerung dieser
Zeit in der Regel auf schlechtes Wetter zurückzuführen
war. Nach Beginn der Eiablage legte
das Weibchen alle 24 Stunden 1 oder 2 Eier. Die
Anzahl eines vollen Geleges schwankte zwischen
5 und 8 Eiern, deren Farbe hellblau mit glänzender
Oberfläche war (Abb. 4, Abb. 5). Aus unserer Studie
ging hervor, dass der Halbringschnäpper in einer
Abb. 4 und 5: Nester mit 6 und 7 Eiern, 13.05.2015, Park Varshets. – Nests with 6 and 7 eggs, 13.05.2015, Varshets
City Park.
286 Ornithologische Mitteilungen • 2024 • Nr. 11/12
Abb. 6: Legendes Weibchen eines Halbringschnäppers, 19.05.2017, Park Varshets. – Laying Semi-Collared Flycatcher
female, 19.05.2017, Varshets City Park.
Brutsaison nur ein Gelege hat. Ein Ersatzgelege
wurde nur in 3 Fällen festgestellt (bei zwei Paaren
in Varshets und einem Paar bei Belogradtschik)
und bestand aus 3–4 Eiern. CraMp et al. (1993),
peKlo (1987) und nanKinov (2009) geben ebenfalls
ein Gelege pro Saison für diese Art an, und
GeorGiev & ianKov (2015) erwähnen 1–2 Gelege
pro Jahr an.
Die Größe der Eier (84) beträgt durchschnittlich
18,0 x 13,5 mm (16,7–18,6 x 13,0–14,2 mm).
Die Inkubation begann nach der Eiablage und
wurde hauptsächlich vom Weibchen durchgeführt
(Abb. 6). Für kurze Zeit wurde in einigen Fällen
auch das Männchen beim Brüten beobachtet, aber
in vielen Fällen wechselte das Männchen nicht mit
dem Weibchen – auch nicht bei kaltem Wetter
(um und unter +10 °C), wenn es während des
Brütens zum Fressen hinausflog. Nach polivanov
& polivanova (1986) brütet nur das Weibchen.
In Varshets betrug die Inkubationszeit für 51 Gelege
18 Tage (54,63 %), für 28 Gelege 17 Tage
(28,86 %), für 11 Gelege 19 Tage (11,33 %), für
5 Gelege 16 Tage (5,15 %) und für 2 Gelege 20 Tage
(2,06 %). Für Griechenland berichtete Curio
(1959) und für die Kaukasusregion polivanov &
polivanova (1986) von einer Inkubationszeit von
12 bis 14 Tagen, während adaMyan (1975) von
13 bis 14 Tagen für Armenien berichtete, was eine
erheblich kürzere Inkubationszeit ist als die in
Varshets.
Von den 97 erfolgreichen Brutpaaren in Varshets
dauerte die Verweildauer der Jungtiere bei
38 Gelegen 18–19 Tage (39,17 %), gefolgt von
32 Gelegen mit 16–17 Tagen (32,98 %) und 27 Gelegen
mit 20–21 Tagen (27,82 %). Die Dauer dieser
Periode hing von den meteorologischen Bedingungen
ab – bei kaltem und regnerischem
Wetter war sie länger. Verschiedenen Perioden der
postembryonalen Entwicklung der Jungtiere sind
zu sehen auf Abb. 7 bis 10. In einigen Nestern gab
es erhebliche Unterschiede im Alter der Jungvögel,
manchmal bis zu 4–5 Tage (Abb. 11).
Die Jungvögel im Nest werden von beiden Elternteilen
aktiv gefüttert (Abb. 12), die in einem
Umkreis von 100 m um das Nest nach Nahrung
suchen. Im Jahr 1986 wurde die Fütterung von
Halbringschnäppern (9 Paare und 50 Jungvögel
in Nistkästen) in den Eichenwäldern bei Belogradtschik
erforscht (penev 1988). Es wurde festgestellt,
dass sich die Individuen von Insekten der
G. P. Stoyanov et al.: Studie zur Brutbiologie des Halbringschnäppers im Nordwesten Bulgariens 287
Abb. 7: Geschlüpfte Jungvögel im Alter von 1 bis 2
Tagen, 12.05.2018, Park Varshets. – Hatchlings aged 1
to 2 days, 12.05.2018, Varshets City Park.
Abb. 8: Jungvögel 8 bis 9 Tage alt, 19.05.2017, Park
Varshets. – Young birds aged 8 to 9 days, 19.05.2017,
Varshets City Park.
Abb. 9: Jungvögel 13 bis 14 Tage alt, 26.05.2021, Park
Varshets. – Young birds aged 13 to 14 days, 26.05.2021,
Varshets City Park.
Ordnungen Coleoptera, Hemiptera, Rhaphidioptera,
Diptera, Lepidoptera, aber auch von
Araneidae und Crustacea ernährt haben. Die am
meisten bevorzugte Nahrung waren die Raupen
der Familie der Noctuidae mit 18,77 % in der Anzahl
und 38,22 % des Gewichts. Es gab weiterhin
eine hohe Anzahl von Geometridae – 19,37 % in
der Anzahl und 18,96 % des Gewichts sowie Vertreter
der Familie Torticidae mit 13,77 % in der
Anzahl und 6,54 % des Gewichtsanteils.
Abb. 10: Jungvogel 17 Tage alt, vor dem Verlassen des
Nestes, 02.06.2022, Park Varshets. – Young bird 17 days,
before leaving the nest, 02.06.2022, Varshets City Park.
Alle Jungtiere verlassen das Nest innerhalb von
1–2 Tagen vollständig. Danach werden sie für
weitere 2–3 Tage in der Nähe des Nestes von den
Altvögeln gefüttert. Nach polivanov & polivanova
(1986) beträgt die Verweildauer der Jungtiere
in den Nestern im Kaukasus 14–17 (durchschnittlich
15) Tage.
In beiden Untersuchungsgebieten wurden die
adulten und jungen Vögel etwa 10 Tage lang in
der Nähe des Nestes beobachtet, nachdem die
288 Ornithologische Mitteilungen • 2024 • Nr. 11/12
Abb. 11: Jungvogel aus einer Brut mit 4 Tagen Unterschied
in der Entwicklung, 28.06.2016, Park Varshets.
– Young bird from a hatch with a 4-day difference in
development, 28.06.2016, Varshets City Park.
Jungvögel das Nest verlassen hatten. Danach, Ende
Juni bis spätestens Anfang Juli, verlassen sie die
Brutgebiete. Während einer Studie in Gorica, Ostbulgarien,
fanden BriediS et al. (2016) heraus, dass
die Vögel im Durchschnitt um den 21. Juli herum
begannen, nach Süden zu ziehen.
Philopatrie wurde für die Art im Nordwesten
Bulgariens nachgewiesen. Bei den aktuellen Forschungen
in Varshets wurden zahlreiche beringte
nistende Weibchen (Abb. 12) und Männchen
(Abb. 13) beobachtet. Die adulten Vögel wurden
nicht gefangen, um die Nummer des Rings zu
überprüfen; einige Ringe wurden jedoch mit optischen
Geräten ausgelesen. Wir gehen davon aus,
dass es sich in diesen Fällen um Jungvögel handelt,
die in den vergangenen Jahren im Park von
Varshets beringt wurden und als adulte Tiere zurückkehrten,
um hier erneut zu nisten. In diesem
Untersuchungsgebiet wurden zwischen 2012 und
2023 insgesamt 530 Nestjunge beringt (Abb. 14).
Adulte Vögel wurden nie markiert. Im Untersuchungsgebiet
in Belogradtschik registrierte
juninSKi (1979) im Mai 1978 ein nistendes Weibchen,
das im Mai 1977 in einem anderen Nistkasten
in ca. 500 m Entfernung als Schlüpfling
beringt wurde. traff (2016) gibt für das Gebiet
von Gorica in Ostbulgarien an, dass im Zeitraum
von 2012 bis 2015 40 im Nest beringte Jungtiere
und 127 adulte Tiere auch in einem zweiten Jahr
registriert wurden.
In einem Nistkasten in Varshets wurden im Mai
2015 zwei Weibchen beobachtet, die gemeinsam
ein Nest bauten und während dieser Zeit verjagte
ein Männchen zwei andere Männchen. Eine wahr-
Abb. 12: Männlicher und weiblicher Halbringschnäpper
füttern Jungvögel, 19.05.2020, Park Varshets. –
Male and female Semi-collared Flycatchers feeding
young birds, 19.05.2020, Varshets City Park.
Abb. 13: Adulter männlicher Halbringschnäpper,
25.05.2021, Park Varshets. – Adult male Semi-collared
Flycatcher, 25.05.2021, Park Varshets.
G. P. Stoyanov et al.: Studie zur Brutbiologie des Halbringschnäppers im Nordwesten Bulgariens 289
Abb. 14: Halbringschnäpper, Jungvogel, 28.05.2016, Park
Varshets. – Semi-collared Flycatcher, young bird, 28.05.2016,
Varshets City Park.
scheinliche sukzessive Polygynie für diese
Art wurde von Curio (1959) aus Griechenland
festgestellt, während laut CraMp et al.
(1993) Monogamie das Hauptverpaarungssystem
für den Halbringschnäpper ist. Im
Mai 2021 wurden zwei Männchen und ein
Weibchen bei der Fütterung von Jungtieren
in einem Nistkasten in Varshets beobachtet.
In diesem Fall hatte das zweite Männchen
einen anderen Nistkasten in ca. 30 m Entfernung
besetzt, sich aber mangels Partner
nicht fortgepflanzt. Dieses einzelne Männchen
schloss sich später dem engsten Paar
an und begann, dessen Jungtiere zu füttern.
Die Besiedlung und der Nisterfolg in Nistkästen
durch den Halbringschnäpper in den
Untersuchungsgebieten Varshets und Belogradtschik
sind in Tab. 1 dargestellt. Generell
zeigen die Daten einen großen Unterschied
zwischen den beiden Gebieten in
Bezug auf die Besiedlung der Nistkästen und
Tab. 1: Jährliche Daten zur Anzahl der installierten Nistkästen, des Besatzes und der erfolgreichen Bruten des
Halbringschnäppers in den Untersuchungsgebieten Varshets und Belogradtschik. – Annual data on the number
of nesting boxes installed, occupancy and successful broods of the Semi-collared Flycatcher in the Varshets and
Belogradchik study areas.
Anzahl der Nistkästen Besetzte Nistkästen Nistkästen mit erfolgreichen Bruten
Jahr
Varshets
Belogradtschik
Varshets Belogradtschik Varshets Belogradtschik
n % n % n % n %
2013 20 40 11 55 1 2,5 10 50 1 2,5
2014 25 55 18 72 10 18,2 15 60 7 12,7
2015 28 55 22 78,6 11 20 14 50 3 5,4
2016 38 53 19 50 5 9,4 14 36,8 3 5,7
2017 40 50 15 37,5 7 14 13 32,5 5 10
2018 51 44 11 21,6 9 20,4 7 13,7 7 15,9
2019 50 38 8 16 5 13,2 5 10 2 5,3
2020 51 31 7 13,7 4 12,9 5 9,8 1 3,2
2021 51 -* 10 19,6 - - 6 11,8 - -
2022 51 - 8 15,7 - - 5 9,8 - -
Durchschnitt 41 46 13 31,8 7 14,2 9 23,2 4 7,9
* - keine Daten
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Biografien osteuropäischer Ornithologen (39): Sergej Dimitrijevič Matvejev (1913–2003)
– einer der bedeutendsten Ornithologen Serbiens und Jugoslawiens ......................................... 331
Ornithologische Abschlussarbeiten ..................................................................................................... 336
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