Heimatblätter des Kreises Aachen 1988
Heimatblätter des Kreises Aachen 1988
Heimatblätter des Kreises Aachen 1988
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
1\
Impressum
Heimatblätter des Kreises Aachen
Abonnementpreis dieses Heftes 6,- DM
Einzelverkaufspreis 10,- DM
jeweils zuzüglich Porto
Auflage: 2 500
Herausgeber und Vertrieb:
Kreis Aachen
5100 Aachen , Zollernstr. 1 0 (Kreishaus)
Telefon 02 41 / 51 98 - 1
Redaktion:
Rudolf Dieregsweiler, Karl-Heinz Herren
5100 Aachen , Kreishaus
Herstellung :
Weiss-Druck, 5108 Monschau-lmgenbroich
Layout: Peter Eschweiler
Titelbild:
Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. Juni 888;
in der fünftletzten Zeile unser »Compendio«,
die erste Erwähnung des Ortsnamens Konzen
Aus Gründen der vollständigen Jahresfolgen
erscheint dieses Heft unter
43. Jahrgang, 1988
© 1988 by Hans Steinröx, Konzen
1100 Jahre Konzen
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Von Hans Steinröx
Zum Geleit
Sehr verehrter Leser!
Mit dem 13. Juni des Jahres 888 wurde
Konzen als erster Ort des ganzen Monschauer
Landes urkundlich erwähnt. Dies
gab uns Veranlassung, in diesem Sommer
des Jahres 1988 die 1100-Jahr-Feier festlich
zu begehen.
Daß unsere Geschichte aber noch weiter
zurückreicht bis auf Karl den Großen
selbst, ja bis in die Römerzeit des 2./3.
Jahrhunderts, ist im Verlaufe der letzten
Jahrzehnte an den Tag gekommen, wenn
auch in Urkunden nicht festgehalten .
Um ein bleibendes Andenken an unsere
Jubiläumsfeier und vor allem an unsere
Geschichte zu schaffen, haben wir Konzener
den Entschluß gefaßt, ein Buch herauszubringen,
das die wechselvolle Geschichte
unseres Dorfes in gebotener Kürze
zusammenfaßt und der Nachwelt überliefern
soll .
Die vorliegende Ausgabe der Heimatblätter
des Kreises Aachen gibt unverändert
den 1. Teil des Buches wieder, der sich
mit der allgemeinen Geschichte des Ortes
von den Anfängen bis zur Gegenwart befaßt.
Verfasser ist Hans Steinröx, der lang -
jährige ehemalige Vorsitzende des Geschichtsvereins
des Kreises Monschau
bzw. seit 1972 des Monsch au er Landes.
Die Familie Steinröx ist seit Jahrhunderten
in Konzen ansässig und Hans Steinröx,
durch zahlreiche Veröffentlichungen zu r
Heimatgeschichte bekannt, wie kein anderer
durch Herkunft und Neigung zu r lebendigen
und anschaulichen Darstellung unserer
Ortsgeschichte berufen. In jahrelangen
Forschungen, vor allem im Hauptstaatsarchiv
Düsseldorf, hat Herr Steinröx
alle erreichbaren Unterlagen gesichtet und
verarbeitet.
Möge das Werk auch außerhalb unseres
Dorfes eine freundl iche Aufnahme und interessierte
Leser finden . Sollten Sie auf
einer Reise in das Monschauer Land auch
du rch unseren Ort kommen, so legen Sie
eine kleine Pause ein und besuchen Sie
unsere altehrwürdige Pfarrkirche St. Peter
und St. Pankratius und die noch ältere
Pankratiuskapelle.
Josef Henn, Ortsvorsteher
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Die Johannis-Kapelle ....... ... ... 28 Der Hof Lauterbach . ... . . ........ 59
Die Kapelle am Gasthaus
Ein historischer Überblick 5 Huppertz-Steinröx ....... .. . . .... 28
Der kameradschaftliche
Die alten Grabkreuze auf
Kriegerverein ..... .. ... .. ..... . . 1 o dem Konzener Friedhof . .. ... . . ... 28
Unsere Ämter und Gemeinden ...... 16 Kleine Kirchenchronik ... . . .... . .. 31
Die Entwicklung Kleine Glockenkunde .. ....... .... 39
der Bevölkerung • • • • • • • • • • • • • • • • • 17 Die Pfarre Konzen . . . . . . . . . . . . . . . 39
Ein echtes Wunder . . . ..... ... .... 17
Ein anderes Wunder . . . . . . . . . . . . . . 17
Die mechanische
Webereigenossenschaft
zu Conzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Die Konsum-GerJossenschaft . . . . . . . 18
Kirchen und Kapellen
Die Pfarrkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Die Pankratius-Kirche .......... ... 23
Die Schule in Konzen ....... 45
Die Ortsteile
Der Ortsteil Beigenbach . . .... ..... 49
Der öntepohl = Entenpfuhl .. .. . ... 49
Fringshaus .. . .. . . .. .. .. . ....... 51
Die Rochusmühle ..... . .... . . .... 52
Am Gericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Der Straubershof . . . . . . . . . . . . . . . 61
Der freiadel ige Hof Stillbusch . . . . . . 63
Der Gutshof Staffelbusch . . . . . . . . . 65
Die alten Häuser . . . . . . . . . . . 67
Die Straßen und Wege . . . . . 72
Die Flurnamen . . . . . . . . . . . . . 75
Land und Leute . . . . . . . . . . . . 80
Die »gute alte Zeit« . . . . . . . . . . . . . . 82
Das Klima . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Alte Sitten und Bräuche . . . . . . . . . . 85
Die Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . 89
»Schätze« aus dem Hohen Venn . . . 92
Unsere Muttersprache -
Die Rochus-Kapelle .. . .... .. . .... 25 Die alten Gutshöfe Konzer Platt . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Die Quirinus-Kapelle . .. ... . ... . .. 27 Der Hardthof ................ .. .. 56 Literaturangaben . . . . . . . . . . . . . . . 104
Vorwort
Es wird hier vorgelegt die Geschichte des
Dorfes Konzen bis zum Herbst 1944 von
einem Mann aus Konzen für die Leute in
Konzen. Da die Arbeit in dieser Absicht
geschrieben ist, kann nicht erwartet werden,
daß auf jeder Seite wissenschaftliche
Anmerkungen zu finden sind, wie sie von
Historikern vom Fach erwartet werden.
Die notwendigen Hinweise auf Archive,
Bücher und Beiträge finden sich innerhalb
des Textes für die Leser, die genauere
Informationen oder Unterlagen suchen
mögen, (siehe auch Literatur-Verzeichnis).
Da der Raum für diese Geschichte von
Konzen in Grenzen gehalten war, mußten
viele Einzelheiten aus der überfülle des
Materials zurückgestellt werden. Das betrifft
besonders eine ausführliche Darstellung
des Menschen hier mit Sitte und
Brauch, mit alter Bekleidung , alter Einrichtung
der Wohnungen und mit dem Charakter
des Menschen.
Es hätten auch wohl einige Teile inhaltlich
noch mehr gestrafft und stilistisch überarbeitet
werden können und auch wohl sollen,
wenn eine Jubiläumsschrift für 1100
Jahre zeitlich nicht festgelegt gewesen
wäre.
Insbesondere mußte ein umfangreicher
Beitrag über 53 alte Konzener Familien
zurückgestellt werden. Diese Arbeit soll
aber in Bälde als eigenes Heft in Druck
gehen und allgemein verfügbar gemacht
werden .
Der besondere Dank gilt allen Leuten, die
mit Informationen und mit Bildern aus alter
Zeit das Werk gefördert haben , wobei aus
dem Archiv Manfred Huppertz 12 Aufnahmen
dankbar verwandt werden konnten.
Als häufige Abkürzungen sind eingefügt:
HStAD = Hauptstaatsarchiv Dü sseldorf
E.H.V. = Eremit am Hohen Venn,
1926 - 1971
Heim . Kai. Monschau = Heimatkalender
M. = 1953 -1972
Mon . Land = Jahrbücher:
»Das Monschauer Land « = ab 1973
W. Ritz : Urkunden . . .
H. Laumans: Geschichte . ..
Diese Arbeit soll dem Leser zeigen, wie
Konzen im laufe seiner fast 2000jährigen
Geschichte zu der heute blühenden Ortschaft
geworden ist. Möge das Dorf mit
den alten Fami lien, den Häusern und Straßen,
den Höfen inmitten fruchtbarer Felder
auch in Zukunft bestehen und sich weiterentwickeln.
Hans Steinröx
Alle Beiträge aus dem E. H.V., aus den Heimatkalendern
und den Jahrgängen »Das Monschauer Land«,
die nicht mit Namen benannt sind, stammen aus der
Hand hier des Verfassers.
Ein historischer Uberblick
Nur in gebotener Kürze kann hier die Entwickl
ung des Ortes Konzen von den Anfänge
n an dargelegt werden , ohne auf alle
Einzelheiten auch in der Beweisführung
einzugehen.
Daß unser Gebiet mit Ausnahme der großen
Moore im Hohen Venn mit dichtem
Laubwald bedeckt war, geht schon aus der ·
Bezeichnung der Römer als »arduenna silva«
= Ardennerwald hervor, womit sie das
ganze Gebiet links des Rheines benannt
haben. So sind denn auch die mehr als 40
römischen Siedlungen besonders im
Raum von Schmidt-Kommerscheidt nur
klei ne Oasen gewesen in dem großen
Wald gebiet, das nach dem Abzug der Römer
wieder völlig von den Laubwäldern
überwuchert worden ist.
Vorher hat es z·).,ar geringe Spuren von
Menschen der Steinzeit gegeben mit einigen
we nigen Steinbeilen, die man hier und
da hat aufheben können . (»Über die Steinzeit
im Kreis Monschau « = Heim . Kai.
1967, S. 29-31)
Das ganze unbebaute Land aber unterstand
der Krone, also der Königsgewalt,
so daß die Könige in Aachen frei darüber
verfügen konnten . Nachdem Aachen seit
etwa 780 immer mehr zur festen Residenz
des Königs geworden war, mußte für den
Unterhalt der königlichen Hofhaltung gesorgt
werden; zu diesem Zweck sind dann
die Königshöfe gegründet und zum Ausbau
und der wirtschaftlichen Förderung
des noch freien Landes angelegt worden .
Darunter gehört nun auch unser Konzen ,
das unter weiteren 43 Königshöfen in der
Urkunde vom 13. Juni 888 aufgeführt ist
durch die Bestätigung des Königs Arnolf
(oder Arnulf} einer Schenkung durch den
König Lothar II., 855 - 869, wonach der
neunte Teil aller Erträge dieser Höfe an
das Marienstift in Aachen gehen mußte.
Der Zehnte dagegen bedurfte keiner Frage,
da er ohnehin seit den ältesten Zeiten
zum Unterhalt der Kirche erhoben worden
ist.
Mit der erwähnten Urkunde ist Konzen =
die »terra Cumeze« oder das »Kuntzerland
« in die Geschichte eingetreten als
Mittelpunkt dieses noch unerschlossenen
Gebietes auch in der Aufgabe, einen
christlich-religiösen Mittelpunkt zu bilden .
Man muß allerdings auch annehmen , daß
hier noch ein Rest der römischen Siedler
vorhanden gewesen ist, da unser Konzen
in der Urkunde genannt ist als »compendium
« mit der Nebenform compendio in
der Abhängigkeit von dem vorangegangenen
Wort de . .. und seinen Namen genau
wie Mützenich und Kesternich von einem
römerzeitlichen Wort ableitet, das in dem
Zusammenhang hier als »Verbindungsweg
« zwischen der römischen Kupferstraße
von Friesenrath über Roetgen und das
Hohe Venn bis zum Grünen-Kloster an der
Rur unweit des Lagers Elsenborn oder der
in der Nähe der Hillquelle aufgedeckten
Via Mansuerisca, einer römerzeitlichen festen
Straße, teilweise aufgegraben, zu sehen
ist.
Diese Straße über Mützenich - Konzen -
Kesternich zu der großen Römerstraße bei
Dreiborn-Herhahn hat schon Franz Cramer
in der »Eifel-Festschrift« des Jahres
1913, S. 222 angedeutet. Der Beweis dafür
konnte aber erst geführt werden, als
1958 die römischen Funde bei unserer
Pankratiuskirche und kurz danach bei Kesternich
gemacht worden sind . (Einzelheiten
darüber im Heim . Kai. 1961 , S. 85-90:
Konzen und die Römerstraßen.) Daß unser
Wort »compendium « hier wirklich den
Verbindungsweg bedeutet, wird bewiesen
durch ein anderes »compendium « gelegen
zwischen zwei großen röm ischen
Straßenzügen genau als Verbindungsweg
in Frankreich und recht bekannt unter dem
Namen »Compiegne«.
Seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, daß
es in unserer Urkunde nicht 43, sondern in
Wirklichkeit 44 Königshöfe sind , da zwei
Namen ineinander geschrieben waren und
so diesen Fehler auf die weiteren Belehnungen
vererbt haben , da sich offenkun-
Steinbeile aus dem Monschauer Land
dig nichts dauerhafter weiterpflanzt als
einmal begangene Fehler.
In unserer Urkunde hat König Arnolf die
Schenkung an das Marienstift in Aachen ja
auch nur bestätigt für seine Regierungszeit.
Solche Schenkungen sind dann immer
wieder beim Antritt eines neuen Herrschers
bestätigt worden , wie wir es auch
wissen im Juni 930 durch König Heinrich
1., dann 966 durch Otto 1. , dann im Juni
1226 durch Kaiser Friedrich II. , der als
ersten Stifter Karl d. Gr. nennt, was bis vor
etlichen Jahren immer wieder · als Irrtum
angesehen worden ist. Nach den Forschungen
aber durch D. Flach, L. Falkenstein
und besonders R. Nolden in seiner
Dissertation: »Besitzungen und Einkünfte
des Aachener Marienstiftes .. . « vom Jahre
1981 hat man mit hinreichender Sicherheit
nachweisen können, daß tatsächlich
schon Karl d. Gr. diese 44 Königshöfe
zum mindesten gegründet haben muß,
wohl zunächst für die Unterhaltung des
Hofes in Aachen . In unserer Nachbarschaft
sind die Orte Walhorn , Baelen und
Büllingen auch in der Schenkungsurkunde
enthalten.
Durch den Nachweis auf Karl d. Gr. hin ist
auch die Frage einer Kirche in Konzen neu
zu stellen gewesen. Es muß dann vor der
Pankratiuskirche, die wir mit gutem Grund
König Arnolf zuschreiben können mit dem
Bau etwa 890, einen irgendwie beschaffenen
Raum, sei es eine Kapelle vielleicht
noch aus Holz oder einen größeren Raum
5
...i
~
tJttua wlLt·
tL1 ·"'Uadm
utk-
~ tJmmn-i,-
pdhfioLt·~. ,
a, • bäinnf1LlS'-lo1l(tot.vr
,.'"aflan". f1•duna• Jm
Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. Juni 888; in der fünftletzten Zeile unser »Compendio« , von der
Grundform Compendium. In der Nähe gut zu lesen Bulinge = Büllingen, Manderveld, Dura =
Düren, Moffondurp = Muttendorf
innerhalb des Hofes, für gottesdienstliche
Zwecke gegeben haben, da genau wie für
eine Burg auch für diese Zentralhöfe ein
Kaplan vorhanden gewesen sein muß, da
ja auch das Christentum hier seinen Ursprung
und seine Verbreitung finden
mußte.
Unter diesen Umständen können wir auch
mit Sicherheit behaupten, daß Karl d. Gr.
hier in Konzen wie anderswo seiner Jagdleidenschaft
gefrönt hat und es gerade die
richtige Entfernung von Aachen gewesen
ist, einen kleinen Tagesritt nach hier zu
unternehmen. (Zu der Jagdleidenschaft s.
Helga Müller-Kehlen: »Die Ardennen im
Frühmittelalter«, S. 109.)
Gleichzeitig erscheint Konzen auch als ein
Forstbezirk innerhalb des Reichswaldes
unter dem Namen »Oberwald « und ist Sitz
der Forstverwaltung geblieben bis zur
Franzosenzeit, wo auch das Forstgericht
getagt hat, entweder noch monatlich oder
später nur noch jährlich.
Wenn nach der genauen Stelle des Königshofes
in Konzen gefragt wird, kann mit
guten Gründen nur der Hardt-Hof genannt
werden, jetzt das Gasthaus Huppertz
Schartmann mit seinem auffallenden
Steinhaus mit drei Stockwerken, wie es
sonst auch nicht entfernt bei alten Häusern
hier zu sehen ist. Allerdings muß das Hofgut
weitere Gebäude in der Umgebung
gehabt haben, da alle anfallenden Arbeiten
mit den Handwerkern in den Höfen selbst
ausgeführt worden sind.
Vielleicht hat zu unserem Hof auch eine
Eisenschmelze gehört, da in der Nähe
beim Neubau des Hauses Trierer Straße
Nr. 66 im Sommer 1956 etliche Kartons
von Eisenschlacken aufgehoben worden
sind, die an Ort und Stelle auf einer dicken
Unterlage von Grauwacken geschmolzen
worden sind. Genaue Untersuchungen
dieser Schlacken durch die Firma Hoesch
Hüttenwerke AG in Dortmund im Jahre
1972 durch chemische und mikroskopische
Untersuchungen haben sie als »eine
typische Schlacke von der Eisenerschmelzung
« erwiesen. Da aber keine Scherben
oder sonstige Gegenstände eine genauere
Datierung ermöglicht haben, kann die
Zeit dieser Schlacken nicht exakt festgelegt
werden.
Die Grenzen unseres Hof- und Forstbezirkes
sind schon bestimmt worden durch
die Einwanderung der Franken, die das
Hohe Venn nicht überschritten haben , da
jenseits ja auch schon die wallonische Bevölkerung
beginnt. Elsenborn gehört
schon zu den Moselfranken, und im Norden
verlief die Grenze vor Hattlich vorbei,
wo im Jahre 1774 noch ein gerader
Grenzgraben gezogen worden ist, um
endlich die Streitereien zwischen der
Monschauer und der Limburger Seite zu
beenden. Die Getz und der Steinbach bildeten
die Grenze auf Aachen zu , also etwa
beim Reinartzhof, dann die Vieh! bis nach
Zweifall mit dem Hasselbach. Im Osten
war es etwa die Rur bei Zerkall , Nidegger
Brück und Hetzingen.
Und doch muß das Gebiet weiter auf das
frühe Aachener Reich hin noch zu Konzen
gehört haben, da der Abt von Korneli münster,
als Kloster gegründet 817, noch besondere
Rechte im Wald von Konzen und
auch Pflichten gehabt hat. So mußte er
den Förstern des Monschauer Landes
jährlich drei Festessen geben mit einer
Speisekarte und Mengen aller Gaumengenüsse,
daß un-s heute noch das Wasser im
Munde zusammenläuft in Gedan ken an
derartige Gelage.
Auch in dem Gebiet jenseits der Rur sind
nocti alte Beziehungen festzuhalten wie in
Dreiborn, Walberhof und im Raum von
Wirtzfeld , so daß die Vermutung naheliegt,
daß bis an die alte Römerstraße Köln -
Reims, z. T. noch zu seh en dicht bei Wahlerscheid,
auf die dann bei Herhahn -
Dreiborn die Straße Mützenich - Konzen -
Kesternich stoßen mußte, das ganze frühe
Gebiet des Königshofes Konzen und zugleich
des Oberwaldes ausgedeh nt gewesen
ist.
Diese Außenbezirke in Ri chtung Aachen
und der Römerstraße bei Wahlerscheid -
Dreiborn sind später zurückgenommen
worden , so daß besonders im Süden in
Richtung Kalterherberg - Elsenborn eine
wenig gesicherte Grenze entstanden ist.
Und gerade an dieser ungeschützten Flanke
lassen die Grafen, späteren Herzöge
von Limburg ur:iweit von Eupen oberhalb
der Weser, vielleicht um das Jah r 1000
eine Burg errichten. Diese Limburger entstammten
wahrsch einlich noch irgendwie
der karolingischen Familie, und der Erbauer
dieser Burg mu ß Ri chowin gewesen
sein, nach dem die Bu rg Ri chwinstein,
später Reichenstein - aber nicht »reich an
Steinen « - den Namen bekommen hat.
Eine Burg aber bedeutet Macht, und so
kommt es, daß die Limburger ihre Macht
auf das Gebiet des Hofes und des Forstbezirkes
Konzen ausgedehnt haben . Eine
rechtliche Grundlage dazu ist bisher nicht
ersichtlich gewesen. Der Pfalzgraf in Aachen
aber, der da hätte ein schreiten können
und müssen, war nicht mehr in Aachen
anwesend , sondern hatte sich in den
Bereich der Mosel abgesetzt, und wenn
die Katze aus dem Haus ist, pflegen die
Mäuse auf dem Tisch zu tanzen, was eine
ziemlich alltägliche Erfahrung ist.
Diese Burg nun im oberen Rurtal auf einem
nur mäßig gesicherten Gelände, einem
ehemaligen Umlaufberg der Rur gelegen,
wird in den Jahren von 1131 - 1137
in ein Kloster umgewandelt und hat eine
wechselvolle Geschichte erlebt bis zur
Auflösung im Jahre 1802 durch die Franzosen
. (Einzelheiten darüber im Mon.
Land 1987, S. 57-64 »Das Kloster Reichenstein,
ein historischer Überblick«)
Man gibt aber nicht eine Burg auf, ohne
vorher einen anderen und wohl auch festeren
Platz gefunden und ausgebaut zu
haben. Das kann nach unserem Ermessen
nur der Haller, also die Urburg von Monschau
gewesen sein, wenn er auch in den
damaligen Akten nicht genannt ist. Es ist
ein ganz fester Wohnturm mit meterdicken
Mauern gewesen, der erst 1543 teilweise
zerstört worden ist, wobei auch noch zu
erfahren ist, daß das Material zur Reparatur
der nachmaligen Burg verwandt worden
ist.
Diese erscheint erstmals in den Akten im
Jahre 1198, als ein Herr »de monte Joci«
= ein Herr vom Berg des Spaßes, später
woh l besser Herr des Berges der Freude
= Mont-joie als Kreuzzugserinnerung genannt
ist. Aber auch im Jahre 1217 liegt
diese Burg immer noch im Land von Konzen,
und erst danach wird der Mittelpunkt
6
der Verwaltung nach dem langsam entstandenen
Ort Monschau verlegt, so daß
Konzen dann in das Land von Monschau
zu liegen kommt. (S. Mon . Land, 1988, S.
84-85)
Bis zu m Jahre 1226 diente Monschau den
Herzögen von Limburg als Ausstattung
der Th ronanwärter oder der jüngeren Söhne,
wobei die Verbindung von Limburg zu
Monschau auch schon lockerer geworden
war. Walram der Lange, jüngerer Sohn
Herzog Walrams III. von Limburg, ist es
nun, der ab 1226 Monschau losgelöst von
Limbu rg als ein eigenständiges Herrschaftsgebiet
innehat bis zu seinem Tode
1242 ; ihn bezeichnen wir folglich als Walram
1. von Monschau. Ihm folgt
1242- 1266 Walram II. von Monschau,
der leider ohne Nachkommen stirbt, so
daß die selbständige Herrschaft Monschau
in andere Hände übergeht. Das ist für uns
hier nun eine bittere Sache gewesen, weil
es sonst mit gewisser Wahrscheinlichkeit
eine Grafschaft Monschau gegeben hätte,
die dann noch für lange Zeit hätte Bestand
haben können. So aber hat es nur für
genau 40 Jahre eine selbständige Herrschaft,
nie aber ei/7e Grafschaft oder einen
Grafen von Mdnschau gegeben, und
schon gar keinen Herzog von Monschau,
was man auch schon einmal hat lesen
1
können.
So kommt Monschau , natürlich auch wieder
nicht ohne Streitereien in die Hand der
verschwägerten Linie Falkenburg im nahegelegenen
Holland , wo Dietrich von Falkenb
urg die Schwester Berta des Monschauers
geheiratet hatte. Von
1269- 1302 ist es Walram III. Rufus (der
Rote) von Monschau-Falkenburg. Die
Herrschaft über Monschau durch die Falken
burger dauert bis zum Jahre 1352 (Valkenburger
Straße) . Nun hat es aber eine
Das Dorf Konzen von der Hu-e aus 1976 mit Blick auf den Stehling
recht merkwürdige Zweiteilung in der
Herrschaft über das Konzener-Monschauer
Land gegeben. Neben der eigentlichen
Herrschaft über das Land, der Vogtei , hat
es eine eigene Grafschaft über den Waldbezirk
gegeben, »die Waldgrafschaft«,
den »Comitatus nemoris«. Hierzu haben
wir die Sonderschrift von Heinrich Kaspers
vom Jahre 1957 mit 265 Seiten. Wenn
auch bis heute nicht alles bei Heinr. Caspers
als ganz sicher gilt und immer wieder
andere mögliche Aspekte in der Literatur
erscheinen, können wir doch festhalten,
daß diese Grafschaft zunächst von den
Aachener Pfalzgrafen ausgegangen ist, an
die Grafen von Maubach gekommen und
1177 an die Grafen, späteren Herzöge von
Jülich durch Erbschaft gelangt ist. Daß hier
wieder der Anlaß zu Streitigkeiten mit den
eigentlichen Herrn von Monschau auftreten
mußte, braucht fast nicht mehr erwähnt
zu werden. Da die »Grafschaft am Walde «
aber eine Herrschaft am Reichswald gewesen
ist, kann man die Herzöge von
Jülich als die ersten »Reichsjägermeister«
bezeichnen , ein Titel, der dann wieder im
12jährigen 1000jährigen Reich zu neuem
Ruhm gekommen ist.
Walram 1. aber von Monschau einigt sich
im Jahre 1238 mit seinem Neffen, dem
Grafen Wilhelm IV. von Jülich, der die
Rechte am Wald behält, während Walram
von Monschau in seinen Rechten über die
Vogtei , also das Recht als Landesherr, bestätigt
wird. So gibt es folglich zwei Herren
im Monschauer-Konzener Land , wobei die
allgemeine Verwaltung in Monschau aufgebaut
wird, die Herrschaft aber über den
Wald bei Jülich bleibt und damit auch die
Verwaltung des Waldes in Konzen bleibt
bis zur Franzosenzeit.
Johann 1. , der letzte Herr der Falkenburger
Linie, stirbt im Jahre 1352 kinderlos, und
so geht das alte Spiel um die Nachfolge
wieder los. Es handelt sich in der Hauptsache
um die Finanzen, die von jeder der
erbberechtigten Parteien in die Waagschale
geworfen werden, und schließlich
kommt Reinhard von Schönau-Schönforst
bei Aachen, der Bankier Europas, der etwa
die Stellung damals innehatte wie die
späteren Fugger, die auch als Geldgeber
an den Kaiser in die Geschichte eingegangen
sind . Reinhard von Schönforst wird
also mit der Herrschaft Monschau belehnt,
er ist nicht in unserem Sinne Eigentümer,
sondern in gewisser Weise auch vom
Markgrafen von Jülich abhängig und kann
den Titel »Burggraf« führen, ist aber nie
Graf gewesen oder geworden. Von den
Schöntorstern stammt auch das Wappen,
wie wir es heute von Monschau kennen
mit den neun Kugeln und dem zugefügten
Jülicher Löwen.
Im Jahre 1361 findet unter Reinhard v.
Sch . ein Tausch von Caster bei Bergheim
gegen Monschau statt, so daß dort alle
bestehenden Orte des Monschauer Landes
aufgelistet sind . Dasselbe geschieht
im Jahr 1369, als Reinhard seinen großen
Besitz an die beiden Söhne Reinhard und
Johann aufteilt, wobei wieder unsere Ortschaften
hier benannt sind, und so kommt
es, daß wir gut unterrichtet sind auch über
die noch fehlenden Ortschaften oder größeren
Gehöfte. (Mon . Land 1955, S. 53
und S. 56)
In der Zeit der Schönforster muß die Stadt
auch mit Mauern und Toren umgeben worden
sein und wird in den 50er Jahren
gelegentlich als »statt« bezeichnet, ohne
daß aber eine Urkunde darüber vorliegt.
Monschau hat auf Grund mancher Indizien
im Jahre 1956 seine 600-Jahrfeier als
Stadterhebung festlich begangen, wobei
die Frage der Stadtwerdung aber bis heute
sehr umstritten ist.
Die Tage des alten Reinhard waren auch
schließlich gezählt, und er soll sie als Büßer
bei den Johannitern auf Rhodos verlebt
haben.
Danach wird Johann 1. Burggraf von Monschau
1377 - 1381. Ab 1381 regiert der
junge Johann II. , der noch unter der Vormundschaft
seiner Mutter gestanden hat
ob seiner Jugend. Unter ihm hat im Jahre
1400 die Schlacht bei Konzen stattgefunden,
von der aber angenommen wird, daß
der kriegserfahrene Onkel Reinhard II. der
»Feldherr« gewesen sei.
Unter Johann II. muß das Monschauer
Land kriegerische Verwicklungen erleben;
zuerst soll es im Jahre 1384 durch den
Erzbischof von Köln verbrannt worden
sein, wobei aber keine genauen Angaben
gemacht werden können, ob das wirklich
große Verwüstungen gewesen sind. Wir
müssen uns nur vor Augen halten, daß die
Erzbischöfe von Köln Landesherren waren
wie alle anderen auch und genauso in
Kriege verwickelt waren .
Dann gibt es einen Kriegszug des Königs
Karl VI. von Frankreich gegen Jülich und
7
Geldern, wobei das französische Heer im
Jahre 1388 Wollersheim bei Nideggen erreicht
hatte. Auch soll es Dreiborn und
Gemünd durchschritten und in das Jülicher
Gebiet eingefallen sein. Ob im Verlauf
dieses Feldzuges aber Monschau berührt
worden ist, kann nicht mit Sicherheit
gesagt werden; möglich ist aber, daß die
Truppen sich aus dem Monschauer Land
verproviantiert haben , was damals nicht
gerade in sehr vornehmer Weise zu geschehen
pflegte. (Eremit 23. Jahrg. S 38 ff.
von Prof. Aloys Schulte) (Mon . Land 1988,
S. 91)
Es wird vielfach angenommen, daß durch
diese Ereignisse die Bewohner der Ortschaft
Frohnrath am Gericht ihre angestammten
Wohnsitze verlassen und sich
neu angesiedelt haben in dem jetzigen Ort .
Eicherscheid, wo sie fernab der bekannten
Straßen sich eine ruhige Heimat gesucht
haben. Ob das nicht auch durch große
Brände oder Epidemien veranlaßt worden
ist, muß als Frage stehenbleiben.
Johann II . von Schönforst hat noch großen
Einfluß hier im Westen gehabt, gerät aber
schließlich in Schwierigkeiten mit dem
Herzog von Burgund , der ihn kurzerhand
in seinem Schloß in Sichern gefangen setzen
läßt. Dort ist er im Jahre 1433 einsam
und kinderlos gestorben, nachdem das
große Vermögen der Familie schon längst
sich in gewaltige Schuldenberge verwandelt
hatte. Und nur noch die »Schönforster
Straße« in Monschau erinnert an die etwa
80jährige Herrschaft der Schönforster in
Monschau.
Damit beginnt ein neues Kapitel der Geschichte
des Monschauer Landes, da nun
endgültig die Herzöge von Jülich hier die
volle Herrschaft antreten vom Jahre 1435
an ; auch das geht wieder nicht mit so
friedlichem Übergang vor sich, da noch
über Jahrzehnte hinweg Streitereien wegen
verschiedener Erbansprüche und
Pfandgeschichten zu verzeichnen sind .
Als Teilgebiet des Herzogtums Jülich wird
das Monschauer Land ein Jülich'sches
Amt und bleibt es bis zur Franzosenzeit im
Jahre 1794. Es muß nochmal betont werden
: das ganze Monschauer Land , auch
wenn etliche Ortschaften erst nach 1435
entstehen. Aber selbst in dem Standardwerk
»Historische Stätten« kann man lesen
, daß unsere einzelnen Dörfer im Jahre
1790 etwa zum Amt Monschau gehören,
was aber schon seit 1435 der Fall gewesen
ist, und diese falsche Datierung kann
man nun sogar als offizielle Geschichte auf
historischen Tafeln bei den Gemeinden
lesen.
Die wichtigsten Leute in dem Amt waren
der Amtmann als Vertreter des Herzogs,
der Rentmeister als Finanzchef und der
Forstmeister als Chef der gesamten Wälder.
Dazu kam noch der Schultheiß, eine
Bezeichnung, die ursprünglich für den
Eintreiber der Gemeindesteuern eingerichtet
war, bei uns aber meistens mit dem
Amt des Rentmeisters verbunden gewe-
sen ist. Alle diese Amtsträger sind uns aus
den Akten bekannt, die Liste der Rentmeister
und Forstmeister ist veröffentlicht im
E. H. V. 15. Jahrg. S. 20 - 22.
Im HStAD liegen die Akten der Forstmeister
mit der jährlichen Abrechnung der
Einnahmen und Ausgaben vom Jahre
1502/03 an fast vollständig und dieselben
Akten der Rentmeister ab 1507 und enthalten
nicht nur die Einnahmen aus den
allgemeinen Steuern durch die Rentmeister
und aus den Wäldern durch die Forstmeister,
sondern auch eine Fü lle anderer
Informationen z. B. über die Waldfrevler
mit Angabe der Namen und der Waldbezirke.
So erfahren wir z. B. für Konzen , daß
im Jahre 1557 »uß dem Dorff Kointzen
125 Vercken in die Buschen gedrieven «
worden sind , wofür an den Forstmeister
eine kleine Gebühr erhoben worden ist.
Kurz, diese Akten sind eine großartige Geschichtsquelle,
und wir können nicht genugsam
dankbar sein, daß alle diese Akten
den Krieg überstanden haben .
Wieder wegen einer Erbfolge beim Herzogtum
Geldern zwischen dem Herzog
von Jülich, der dort Ansprüche anmelden
konnte, und dem Kaiser, der die Macht
des Jülichers nicht zu groß werden lassen
wollte, ist es in den Jahren 1538 - 1543 zu
den schlimmsten Verwüstungen im Monschauer
Land gekommen. Der Herzog von
Jülich wird nach anfänglichen Erfolgen von
den kaiserl ichen Truppen geschlagen, die
das Kloster Reichenstein völlig ruiniert haben
mitsamt dem Kloster-Archiv, die dann
Monschau erobert und die Stadt und die
Burg stark beschädigt, aber nicht völlig
zerstört haben, wie jahrzehntelang behauptet
worden ist.
Für Konzen wird ausdrücklich die Zerstörung
des Hardthofes erwähnt, wahrscheinlich
auch des Lauterbach-Hofes, die danach
von dem neuen Lehnsträger Christoph
v . Rolshausen wieder aufgebaut
worden sind . Ob das Pfarrhaus zerstört
worden ist, kann nicht festgestellt werden;
es wird aber wohl mit guten Gründen vermutet,
daß das Pfarrarchiv in Verlust geraten
ist. An anderer Stelle ist vermerkt, daß
die Kirche drei Jahre lang keine Fenster
gehabt habe wegen der Armut der Leute.
Es ist auch nicht bekannt, wie es um die
Häuser der kleinen Bauern hier bestellt
gewesen is( wobei aber zu vermuten ist,
daß nicht jedes einzelne H~us dem Erdboden
gleichgemacht werden konnte. Die
alten Bann-Mühlen sind »zerbrochen «
worden, wie ausdrücklich gesagt wird . Das
kann sich aber nur um das Mahlwerk gehandelt
haben, da z. B. die Belgenbacher
Mühle im nächsten Jahr wieder die Arbeit
aufgenommen haben muß, da die üblichen
Pachterträge abgeliefert worden sind.
Daß Monschau mehr zerstört worden ist
als Konzen , geht daraDs hervor, daß der
Markt von Monschau nach Konzen verlegt
wurde und erst um 1575 wieder nach
Monschau gekommen ist. Dieser Markt in
Monschau ist schon bestätigt für das Jahr
1516 in dem »Landrecht des Jülicher Amtes
Monschau «, (E. H. V. 6. Jah rg. in mehreren
Fortsetzungen) wo es heißt, daß am
Tage nach St. Remigius in Monschau der
Markt stattfinde und drei Tage vorher und
nachher frei sei (S. 101). Dort heißt es
auch , daß im ganzen Monschauer Land
nach St.-Urbans-Tag, 25. Mai, drei Tage
frei sei vorher und nachher, und so ist es
auch für Simmerath an den Tagen der
kirchwieonck = Kirchweihe = Kirmes vor
und nach St-Johanns-Tag und auch für
Konzen vor und nach der Kirchweihe. Das
bedeutet abe r, daß zusammen mit den
Kirmesfeierlichkeiten und der Woche im
Mai - über deren Bedeutung nichts gesagt
ist - überall hier zwei Wochen arbeitsfrei
sind ; dazu kor,:imen damals mi ndestens
40 re ligiöse Feiertage, so daß man aufgerechnet
die »Fünf-Tage-Woche« hier gehabt
hat.
Der Amtmann Chr. v. Rolshausen hat sich
damals tatkräftig fü r den Wiederaufbau
eingesetzt, man hat den Leuten die Abgaben
erlassen, ja noch vo rhandene Vorräte
an Hafer au ch von seilen der Kirche ausgegeben,
so daß das Leben wieder in
Gang gekommen ist. Auf Grund dieser
Verhältnisse fehlen auch in den Jahren
nach 1543 die Steuerlisten der Forst- und
Rentm eister.
Und wie wir es schon häufiger gesehen
haben , auch das Haus Jülich stirbt aus im
Jahre 1609 mit dem letzten Herzog, der in
geistiger Umnachtung endet.
Und wie sollte es anders sein, nun ·geht es
wieder los. Sofort werden durch die Verwandten
Besitzansprüche angemeldet
und schon am Eingang zur Burg feierlich
angeschlagen . Es sind in der Hauptsache
der Kurfürst von Brandenburg und der
Pfalzgraf von Neuburg an der Donau. Sie
einigen sich vorläufig auf eine gemeinsame
Verwaltung , trennen aber provisorisch
das Herzogtum im Jahre 161 4 auf, wonach
der Kurfürst von Brandenburg Kleve,
Mark, Ravensberg und Ravenstein erhält
und der Pfalzgraf von Neuburg das vereinigte
Jülich-Berg. Der endgültige Vertrag
darüber ist aber erst im Jahre 1666 zustande
gekommen.
Und das war schon nach dem 30jährigen
Krieg von 1618 - 1648, der unser Gebiet
nur wen ig berührt hat. Was wäre hier auch
schon zu holen gewesen im Gegensatz zu
den reichen Gegenden etwa um Jülich,
am Niederrhein und weiter im Inneren
Deutschlands? Wohl sind 1642 weimarisch-hessische
Truppen in der Nähe gewesen,
die auch zwei Dörfer - wohl Roetgen
und vielleicht Rott - und die Reinartzhöfe
geplündert bzw. verbrannt haben.
Erst nach dem westfälischen Frieden des
Jahres 1648 haben marodierende Truppen
des Herzogs von Lothringen noch
etliche Jahre hier gehaust; es ist zu dem
Gefecht bei Kalterherberg gekommen, wo
bei dem befestigten Friedhof die Bauern
zusammen mit Hilfe aus dem Kornelimünster-Land
gegen diese Soldateska mit un-
8
gleichen Waffen gekämpft haben und erhebliche
Verluste haben hinnehmen müssen.
(Über mancherlei Plünderungen in
der Konzener Kirche s. in der Kirchenchronik!)
In den Jahren 1678/79 und 1689 sind die
Franzosen im Amt Monschau gewesen,
sind aber durch enorme Geldspenden an
die Herren Kommandeure von der Plünderung
und Zerstörung abgehalten worden .
Konzen allerdings muß sich geweigert haben,
zu r Beköstigung der Truppen beizutragen,
und ist deswegen geplündert (zerplundert)
worden (Bürgermeister-Rechnu
ng Monschau , 1691 /92 im Stadtarchiv).
Im Jahre 1690 sterben auch die Pfalz
Neuburger wieder aus, nachdem schon
Philipp Wilhelm 1685 auch Kurfürst von
der Pfalz geworden war. Die Regierung hat
sich damals in Düsseldorf befunden, wird
aber beim Regierungsantritt von Karl Philipp
sofort nach Mannheim und Schwetzingen
verlegt. Auch diese Linie erlischt im
Jahre 17 42, und die Herrschaft geht über
an den Kurfürsten Karl Theodor, der sein
Reich im Jahre 1777 noch mit Kurbayern
vereinigen konnte und so bis zur Franzosenzeit
das früh ~re Herzogtum Jülich und
zug leich auch Monschau von München
aus regiert hat.
Inzwischen war in Monschau die Feintuch
Industrie aufgeblüht, die Leute hatten zwar
harte Arbeit mit dem üblichen 14-Stundentag,
z. T. in den Fabriken , z. T. auch in
der Haus-Industrie, wo gesponnen und
gewebt wurde, sie waren z. T. Fuhrleute,
die die Welt kennengelernt hatten , sie hatten
auch etwas mehr Geld in der Tasche
als vorher, wurden aber gerade durch den
Kurfürsten Karl Theodor hart an der Kandare
gehalten. Sogar die kleinen Freuden
des Kartenspiels, des Besuches der Wirtshäuser
nach 10 Uhr abends wurden ihnen
untersagt, von einem Kurfürsten , der weltlichen
Genüssen durchaus nicht abgeneigt
war. So hat ihn denn auch bei einem
festlichen Gelage mit Wein, Weib und Gesang
im Jahre 1799 der Schlaganfall getroffen
und seinem Leben ein Ende gesetzt
(Leo Dohmen: »Wenn die braven
Untertanen zu üppig werden «, E. H. V. 11 .
Jahrg. Seite 129-134).
Inzwischen war die ganze fürstliche Herrlichkeit
in Europa wie durch ein Erdbeben
erschüttert worden durch die Franz. Revolution
im Jahre 1789, als die evangelische
Kirche in Monschau endlich fertiggestellt
war, in der Hauptsache von den Geldern
der protestantischen Fabrikanten. Allein
für die Genehmigung dazu hatte man den
Regierungsräten in Düsseldorf kleine Gaben
in die Taschen stecken müssen von
mehreren tausend Talern, etwa dem zehnten
Teil der Bausumme. Auch da also
nichts Neues auf der Welt!
Nachdem der Adel einschließlich des Königs
und der Königin in Frankreich mit dem
Tode bedroht waren, sind Flüchtlinge sogar
im Monschauer Land und auch in Konzen
gewesen. So wird z. B. in Konzen der
kleine Augustus Ludovicus Maria Joseph
am 14. August 1794 getauft; die Mutter ist
die Maria Eva Schreiber, der Pate ist der
Herr Ludovicus Margaritta Antonius Franciscus
Comes (Graf) de Salivet forchecourt,
Patin ist die Dame Anna Barbara
Gohy. Die Dame Maria Eva Schreiber ist
später noch hier gewesen, von dem Knaben
mit den hier fremdartigen Vornamen
ist nichts mehr bekannt geworden ; vielleicht
hat ihn der Pate bei der weiteren
Flucht mitgenommen.
Die franz. Revolutionsheere hatten 1792/
93 Aachen schon einmal besetzt, sind
aber durch die Schlacht bei Aldenhoven
nochmal zurückgeschlagen worden. Im
Sept. 1794 erfolgte die zweite Einnahme
Aachens, und am 18. Okt. 1794 erschien
der erste franz. Soldat in Monschau und
brachte als »Gastgeschenk« einen Requisitionsschein
über 200 Säcke Hafer mit.
Monschau wird in seinen alten Grenzen zu
einem Kanton erklärt, die franz. Verwaltung
setzt die Beamten ein für den Kanton
Monschau und die einzelnen Bürgermeistereien
(mairie}, alle fürstlichen und kirchlichen
Rechte und Vorrechte fallen, es gibt
keine Fronarbeit mehr, man führt einen
ganz neuen Kalender ein mit dem 22.
Sept. 1792 als dem Neujahrstag mit franz.
Monatsnamen und der Dekaden-Woche,
d. h. daß der zehnte Tag als Ruhetag gilt
und nicht mehr der Sonntag ; bes. bis zum
Jahre 1796 nehmen die Requisitionen einen
unerträglichen Umfang an, man führt
die Tü ren- u. Fenstersteuer ein , die erst
viel später von den Preußen wieder abgeschafft
wird, die franz. Feste müssen mitgefeiert
werden , wobei der auch in Monschau
gepflanzte Freiheitsbaum eine große
Rolle spielt.
Die Franzosen bringen das bis dahin unbekannte
Papiergeld mit, die Assignaten,
mit denen zwangsweise z. B. die guten
Monschauer Tuche für das Militär bezahlt
werden , obwohl sie völlig wertlos sind.
Darüber kursiert noch heute ein Spottgedicht:
»Aus Lumpen wurde ich gemacht,
und Lumpen haben mich gebracht« ...
Dadurch hat die Monschauer Tuchindustrie
gewaltige Verluste erlitten, von denen
sie sich nicht mehr völlig hat erholen
können .
Im Jahre 1795 wird das Rheinland schon
provisorisch an das franz. Mutterland angeschlossen,
endgültig dann im Jahre
1801. Alle fürstlichen Güter und kirchlicher
Besitz werden zum Eigentum des franz.
Staates erklärt, und darunter fallen bei uns
die Reinartshöfe, die herzoglichen Mühlen,
das Kloster Reichenstein mit den Höfen
Ruitz und Bredtbaum, das Haus de
Berghes (Benno Kaulard), das der Kurfürst
am 25. Jan. des Jahres 1780 für 427 4
Reichsthaler von dem Schultheißen und
Rentmeister D. Th . de Berghes gekauft
hatte . Alle diese nun staatlichen Besitzungen
sind dann von den Franzosen oder
später von den Preußen an Privat verkauft
worden. Da auch die kirchlichen Güter eingezogen
werden , muß der Staat nun
selbst für den Unterhalt der Priester sorgen
, so daß es zum Staatsgehalt für die
Pfarrer kommt und bis heute geblieben ist.
Die Pfarrer auf den Dörfern bekommen
damals 500 Frcs. im Jahr, der Kantonalpfarrer
in Monschau 1000 Frcs. und die
Pfarrer der Großgemeinden in Aachen
1500 Frcs. jährlich. Der Titel »Oberpfarrer«
in Monschau stammt noch aus dieser
Zeit, auch wenn er innerhalb der Kirche
keinerlei besondere Vorrechte genießt.
Auch die Mönche in Reichenstein, die
1802 das Kloster haben verlassen müssen,
sind mit ähnlichen Gehältern entlassen
worden.
1798 sind allgemein die Standesämter
eingerichtet worden, die heute noch eine
wichtige historische Quelle darstellen.
Nachdem also das Königtum 1789 entmachtet
war zusammen mit aller Adels- u.
Kirchenherrschaft, hat man zur rationelleren
Arbeit die Köpfmaschine, die Guillotine,
erfinden müssen. Und schon im Jahre
1804 haben die Franzosen nicht einen
neuen König, sondern sogar einen Kaiser
bekommen, der nun durch eine Schlacht
nach der anderen Europa geeinigt hat. Im
Jahre 1806 hat er den alten gregorianischen
Kalender wieder eingeführt; er hat
persönlich an dem bürgerlichen Gesetzbuch
, dem »Code Napoleon« mitgewirkt,
der im Rheinland gültig gewesen ist bis
zum Jahr 1900.
Auch ein erstes Bistum Aachen ist unter
dem Bischof Berdolet eingerichtet, durch
die Preußen aber wieder aufgelöst
worden.
In diesem französischen Rheinland sollte
natürlich auch die franz . Sprache eingeführt
werden, was aber in der Hauptsache
am Mangel geeigneter Lehrer gescheitert
ist.
Vieles hat aber Napoleon für die Wiederbelebung
der Industrie getan, allerdings
auch mit der Absicht, mehr Steuern einziehen
zu kör:men. Nach den ununterbrochenen
Siegen hat ihn dann in Rußland
das Schicksal ereilt, nachdem die Armee
von etwa 500 000 Mann kläglich bei Moskau
und auf dem Rückzug gescheitert war.
Dabei sind auch viele tausend junge Leute
aus dem Rheinland gewesen und mehr als
20 aus Konzen. Davon haben 19 Jungen
zu Fastnacht 1812 auf dem Tanzboden in
dem Gasthaus önte-Pohl den Gestellungsbefehl
bekommen, sind gegangen
und alle nicht mehr zurückgekommen.
Joh. Peter Huppertz (Marxe) hat noch einige
Namen davon überliefert: Joh. Leonard
Huppertz, Christian Schmitz, Math . Peter
Palm, ein Mann mit Namen Förster, zwei
Brüder Müllenmeister, Michael Cremer,
Paul Peters; ein Mann mit Namen Mohr ist
in Rußland »blessiert« gewesen und auch
nicht mehr zurückgekommen, wie ein Soldat
nach Höfen geschrieben hatte.
Napoleons Sturz war durch die Niederlage
in Rußland vorgezeichnet und wurde
durch die Völkerschlacht bei Leipzig im
9
Jahre 1813 besiegelt, mußte aber schließlich
unter englischer und preußischer Führung
nochmals bei Waterloo im Jahre 1815
unter großen Verlusten auf beiden Seiten
erkämpft werden .
Schon im Jahre 1813 waren die Franzosen
hier abgerückt, und so wurde auch unser
Gebiet nach 20 Jahren franz . Herrschaft
im Januar 1814 zuerst von Don'schen Kosaken
besetzt, die vor dem Roten Haus in
Monschau biwakiert haben sollen .
Was aber haben die Franzosen uns hinterlassen?
Die Ideen von Freiheit, bürgerlicher
Gleichheit sind trotz aller Rückschläge für
die moderne Demokratie als Richtlinien
geblieben und haben die absolutistischen
Staatsformen weitgehend abgelöst.
Durch den täglichen Umgang mit dem andersartigen
Volk und seiner Kultur und
Sprache ist die Eigenart der hiesigen Bevölkerung
erst näher erkannt worden.
Nach dem Abzug der Franzosen ist der
große Napoleon noch über Jahrzehnte in
den Häusern hier im Bild verehrt worden ;
trotzdem aber ist damals dann unter preußischer
Führung erstmals ein deutsches
Nationalbewußtsein u. -gefühl entstanden ,
wie es in einem Herzogtum Jülich etwa
oder in anderen Kleinstaaten nicht möglich
gewesen ist.
Die Standesämter gehören heute als
Selbstverständlichkeit zu jedem Gemeindeverband
; viele Fremdwörter in unserer
Muttersprache sind geblieben und werden
so bald auch nicht ganz verschwinden .
Sichtbar zu jeder Tageszeit ist unsere
Landstraße in ihr~r schnurgeraden Linienführung
, die bei dem heutigen Verkehr
nicht nur Vorteile gebracht hat.
(Ein hervorragender Forscher über die
ganze Zeit der franz. Fremdherrschaft hier
ist der Rechtsanwalt und Notar Dr. Dr.
August Pauls gewesen, der seine Herkunft
noch von der alten Familie Pauls in Höfen
abgeleitet hat. In unserem Geschichtsbuch
: »Das Monschauer Land ...« 1955
hat er darüber ausführlich berichtet S.
81-127; dazu stammen aus seiner Feder
eine ganze Anzahl wertvoller Beiträge
in dem E. H. V., die hier nicht alle aufgeführt
werden können .)
Die preußische Zeit: Beginnt nach dem
Rückzug der Franzosen und führt am 24.
April 1816 zur Bildung des preußischen
Landkreises Monschau. Im übrigen haben
die Preußen das Rheinland gar nicht gern
übernommen, da sie sich ganz anderen
Gebietszuwachs erhofft hatten.
In den streng katholischen Rheinlanden
war es für das protestantische Preußen
ohnehin nicht ganz einfach, sich , wenn
nicht die Liebe, so doch die Anerkennung
der Bevölkerung zu erwerben. Besonders
die Tuchindustrie war arg enttäuscht, da
die franz. Märkte jetzt verloren waren,
Preußen aber die altpreußischen Gebiete
jenseits des Rheins noch längere Zeit für
die Waren der linksrheinischen Gegend
gesperrt hielt. Eine gute Gelegenheit zu r
Fürsorge hat sich in den ganz bösen Hungerjahren
1816/17 ergeben , als die Bevölkerung
wohl nur durch die Lieferung auswärtigen
Roggens das Schlimmste überstanden
hat. 1825 wird durch Gesetz auch
im Rheinland die allgemeine Schulpflicht
eingeführt, die dann auch zum Bau richtiger
Schulen geführt hat. Die unter Napoleon
fast vollendete Landstraße Aachen -
Monschau ist von den Preußen bald fertiggestellt
worden , so daß dann auch eine
Postverbindung von Aachen nach Trier
eingerichtet werden konnte. Das bekannte
Relais Königsberg war die erste Station
zum Pferdewechsel, dann in Monschau ,
und Übernachtung fand statt in Losheim.
So war die Strecke Aachen - Trier in zwei
Tagen zu bewältigen. Auch für eine Reihe
weiterer Landstraßen ist gesorgt worden,
so Monschau-lmgenbroich über die Serpentinen
1844, Monschau-Eupen 1846,
Monschau-Kalterherberg 1834, Monschau-Schleiden
1847, dann ist die schon
um 1780 erbaute Landstraße Monschaulmgenbroich-Düren
weiter ausgebaut
worden .
Die unglaubliche Kinderarbeit in den Fabriken
ist erstmals von der preußischen Regierung
in den schlimmsten Auswüchsen
beseitigt worden . Kurz nach 1820 ist das
ganze Monschauer Land mit allen Grundstücken
vermessen und in die Grundbücher
eingetragen worden .
Durch alle diese Maßnahmen ist das Gefühl
für den preußischen Staat hier gewachsen,
was sich besonders bei Besuchen
kön iglicher Personen wie des Kronprinzen
schon im Jahre 1833 bemerkbar
gemacht hat, der dann als Friedrich Wilhelm
IV. im Jahre 1840 König geworden
war; und eine Delegation aus Monschau
ist bei der feierlichen Erbhuldigung mit in
Berlin gewesen. Selbst die versuchte Revolution
des Jahres 1848 hat nicht an der
Regierung durch die Preußen gerüttelt,
woh l aber demokratischere Formen in einem
deutschen Kaiserreich zu erstreben
versucht. Das »Volksbegehren « hat sich
z. T. noch gegen den verhaßten preußischen
Schulzwang gerichtet, der den Bauern
die notwendigen Arbeits kräfte vorenthalten
hat. Damals sind auch noch wiederholt
die jungen Fichtenpflanzen im H.
Venn heimlich ausgerissen worden, weil
man immer noch um die Waldweide be-.
sorgt war.
Einen großen Schrecken hat im Jahr 1832
die bis Aachen vorgedrungene asiatische
Cholera verbreitet; es wurden viele Vorsichtsmaßnahmen
getroffen durch die Bereitstellung
eines Cholera-Lazarettes in
Monschau, durch die Anlage von besonderen
Friedhöfen für die schon mit Sicherheit
erwartet~n Toten ; diese Friedhöfe
sind in den Dörfern z .• T. heute noch bekannt,
auch wenn niemand darauf zur letzten
Ruhe gebettet worden ist; in Roetgen
allerdings ist später ein Selbstmörder dort
bestattet worden. Die Cholera, die in Aachen
222 Personen dahingerafft hatte, ist
aber vor den Grenzen unseres Kreises
zum Stehen gekommen, so daß diese große
Last von den Menschen genommen
war.
Unter dem »eisernen« Kanzler Bismarck
ist es zu den Kriegen der Jahre 1864,
1866 gegen Österreich und 1870/ 71 gegen
Frankreich gekommen. Und gerade
der schnelle Sieg über das »erbfeindliche
« Frankreich hat das deutsche Nationalgefühl
stark gefördert und das preußische
Militär stimmungsfähig seh r gehoben.
Aus Konzen haben über 30 Leute an
dem Krieg gegen Frankreich teilgenommen,
von denen aber nur ein Mann eine
leichte Wunde am Arm erlitten hat. In anderen
Dörfern unserer Gegend sind aber
etliche Leute damals in Fran kreich gefallen
oder durch Krankheiten zu Tode gekommen.
Der kameradschaftliche
Kriegerverein
Gleich nach dem Krieg gegen Fran kreich
im Jahre 1870 ist in Konzen wie auch wohl
anderswo dieser Krieg erverein gegründet
worden für die Veteranen auch der Kriege
von 1864 und 1866.
Der erste Präsident ist der Sergeant a. D.
Math . Peter Blumensath geworden von
1871 - 1887. M. P. Blumensath ist im Ort
lange Polizeidiener gewesen, der mit einer
Hellebarde abends in den Gasthäusern
Feierabend geboten hat.
Von 1887 - 1905 ist Ludwig Steinröx der
nächste Präsident gewesen, der bei besonderen
Gelegen heiten eine »kernige
Ansprache« gehalten hat. Bis in den Zweiten
Weltkrieg hinein hat Werner Schreiber
(Jaß-Arets aus der Lutterbach) dem Verein
vorgestanden und ist dann von Heinrich
Huppertz (Mechelches) abgelöst worden.
Anfang Februar 1873 hat man den Peter
Michael Call , den letzten Veteranen von
1813/14 feierlich zu Grabe geleitet. Das
Vereinslokal ist bei Dagobert Völl, heute
Heinz Huppertz, gewesen, wo 1876 ein
weiteres Zimmer mit einem kleinen Saal
im Obergeschoß angebaut wu rde. Dort hat
der Verein dann ein kulturelles Leben begonnen,
indem er am 2. Weihnachtstag
Theateraufführungen durchgeführt hat, die
aber zumeist in besseren Soldatenschwänken
bestanden haben. Aber es
sind auch Gedichte vorgetragen worden
und gelegentlich Theaterstücke von hohem
Rang. So ist z. B. einmal »Nathan der
Weise« aufgeführt worden, immer nur in
einer kleinen Ecke des Saales, wo die
Schauspieler sich kaum haben bewegen
können.
Gleich im Anfang hat sich innerhalb des
Vereines eine noch kleine Blaskapelle gebildet,
die aber nicht lange danach selbständig
geworden ist und bis heute Bestand
gehabt hat.
Für den 26. Dezember 1879 ist ein lnstrumental-Conzert
mit Bühnenvorstellung in
der Mon . Zeitung angekündigt.
10
Neun Männer vom k riegerverein um 191 O; von links: Wilhelm Huppertz, Borchs-Wellem; Johann Läufer, Kappenmacher; Arnold Offermann; Joh. Pet.
Huppertz; Marxe, Kirchenrendant; Karl Steinröx; Ludwig Steinröx; Joh. Jos. Weishaupt aus Mützenich; Karl Krings; Joh. Hubert Kali, Schuster
Sch riftfü hrer ist für lange Jahre Karl Steinröx
gewesen , allgemein bekannt als
»Ohm-Kaarel «.
1905 hat man das 35jährige Stiftungsfest
fei erlich begehen können , wobei an die
wertvo lle Fahne, die leider im letzten Krieg
verlo ren gegangen ist, durch den Landrat
Dr. v. Kesseler ein Fahnenschmuck übergeben
werden konnte.
Schon während des Ersten Weltkrieges
hat der damalige Pfr. Thelen die Pankratius-Kapelle
als Kriegergedächtnis-Denkmal
durch Wandbilder und die Namen der
Gefallenen eingerichtet mit dem richtigen
Gedanken, daß sie ja auch kurz nach dem
Jahr 1400 in dem Gebetsraum als Gedenkstätte
für die damals bei Konzen Gefallenen
errichtet worden war.
Als aber nun in anderen Dörfern auf freien
Plätzen Denkmäler für die Gefallenen mit
Platz für Kundgebungen entstanden sind,
haben die Leute aus Konzen nicht zurückstehen
wollen und gegen den Willen des
Pfarrers ein solches Denkmal an der Straße
(jetzt Metzgerei B. Huppertz) aus
Spenden aus dem ganzen Ort errichtet
und Ende September 1922 feierlich enthüllen
lassen, wobei besonders alle »gestandenen
« Männer des Ortes in Frack
und Zylinder zugegen gewesen sind einschließlich
Bürgermeister Dominik, Hauptlehrer
Hüpgens und Lehrer Capellmann .
Der Pfr. Thelen aber hat es nicht kirchlich
einsegnen wollen und dem Kirchenchor
verboten, dort zu singen. Daraufhin haben
die Mitglieder des Kirchenchores einstimmig
beschlossen, dann eben aus ihren
Reihen einen weltlichen Gesangverein zu
gründen, dem der Pfr. nichts mehr verbieten
könne. So ist es dann geschehen, und
dieser Gesangverein hat bis vor ein paar
Jahren bestanden und sich selbst in den
einstweiligen Ruhestand versetzt.
Erst Mitte März 1927 hat der nunmehrige
Pfr. J. Pontzen dieses Kriegerdenkmal
kirchlich eingesegnet, nachdem Pfr. Thelen
1924 den Ort verlassen hatte. Bei dieser
Einsegnung hat Hubert Müllenmeister,
der später verzogen ist, noch eine große
Rede gehalten.
Nachdem 1922 der neue große Saal bei
Huppertz-Steinröx erbaut und eingerichtet
war, haben die kulturellen Veranstaltungen
des Kriegervereins ihr Ende gefunden.
Man mag heute über die bescheidenen
Theateraufführungen nur noch lächeln
können, sie sind aber in der damaligen
Zeit ein wichtiger Bestandteil des kulturellen
Lebens in Konzen gewesen, da es ja
nichts anderes gegeben hat als Kirmes
und Fastnacht, und man für jede kleine
Freude zwischendurch sehr dankbar gewesen
ist.
An den Dienstagen nach Kirmes hat der
Kriegerverein immer gemeinsam an Messen
für die Gefallenen teilgenommen und
dann am Abend selbst die Tanzveranstaltung
übernommen.
Den letzten Veteranen von 1870/71 , den
94jährigen Michael Blumensath (Scheelche)
hat man im Herbst 1936 zu Grabe
getragen, wobei der Major d. R. Walter
Scheibler noch in der schmucken Uniform
der Bonner Husaren eine kleine Ansprache
gehalten hat.
Während des Dritten Reiches wurde natürlich
auch der Kriegerverein gleichgeschaltet,
und die Mitglieder bekamen für öffentliche
Auftritte bei den besonderen Ehrungen
für die Gefallenen Armbinden mit den
Hakenkreuzen. Nach einer letzten Veranstaltung
im Frühjahr 1944 ist auch das
alles zum Ende gekommen. Die Mitgliederzahl
hat sich zwischen 50 und 60 bewegt,
ist aber durch den Tod älterer Leute
stark zurückgegangen.
Am Kirmesdienstag des Jahres 1966 haben
die restlichen Mitglieder noch die übliche
Seelenmesse für die gefallenen und
verstorbenen Mitglieder lesen lassen, und
damit war das Ende dieses langjährigen
kameradschaftlichen Kriegervereins gekommen
.
Die nationale Hochstimmung dieser Jahre
nach 1870/71 ist aber bald sehr getrübt
worden durch den sogenannten Kulturkampf,
den Bismarck entfesselt hat, um
den Einfluß der kath . Kirche zurückzudrängen.
Er hat begonnen im Jahr 1872 mit
scharfen Verfügungen gegenüber der
kath. Kirche, Gehaltssperre gegenüber
den Pfarrern, keine neue Ernennung von
Pfarrern, so daß in Konzen lange Zeit nur
Vikare tätig sein konnten, Aufhebung von
Orden, Wegfall der geistlichen Schulaufsicht
durch die jeweiligen Pfarrer, Übernahme
der Kirchenverwaltung durch die
Bürgermeister usw. Gegenüber diesen
vermögensrechtlichen Maßnahmen hat
sich der Kirchenvorstand Konzen ganz
energisch gewehrt und den Gang zu den
Gerichten angedroht.
Allmählich hat aber auch Bismarck einsehen
müssen, daß er sich verrannt hatte,
und langsam wieder normale Zustände
eingeführt, so daß auch der neue Vikar
Heinr. Laumans im Jahr 1888 Pfarrer werden
konnte, nachdem er seit dem 23. März
1 887 als Pfarrverwalter nach Konzen gekommen
war. Auch die geistliche Schul-
11
Kurz und gut: Der Krieg war zu Ende, das
Kaiserreich zur Republik gewo rden, das
Leben mußte weitergehen .
Die erste Musik-Kapelle, hervorgegangen aus dem Kriegerverein, Aufnahme um 1880, stehend
von links: Johann Läufer, Hubert Erkens, Paul Erkens, Michael Huppertz, Johann Steinröx, Johann
Schreiber, Hubert Call; sitzend von links: Dirigent Peter Widdauer, lmgenbroich; Ludwig Steinröx,
Joseph Kleiner, Karl-Joseph Menzerath
aufsieht ist ihm danach übertragen worden
. In Hammer war sogar ein junger Kaplan,
dem jede geistliche Tätigkeit untersagt
war, vom Staat wohlgemerkt, vor Gericht
gekommen ; das Schlimmste aber war
die Verhaftung des Kölner Erzbischofs
Paulus Melchers und der heimliche Transport
in das Gefängnis zu Magdeburg.
Ein lang g·ehegter Wunsch ging im Jahre
1885 in Erfüllung, als endlich auch Monschau
an das Eisenbahnnetz angeschlossen
wurde. Die großen Hoffnungen allerdings
für ein starkes Aufblühen unserer
Industrie haben sich zwar nicht erfüllt,
trotzdem aber war das für die Bevölkerung
mit großen Vorteilen verbunden, wenn sie
etwa Arbeit in Aachen gefunden hatten
und nun wenigstens zum Wochenende mit
der Bahn nach Hause kommen konnten.
Die Industrialisierung hat zum Ende des
Jahrhunderts große Fortschritte gemacht
und Arbeitsplätze geschaffen, auch z. B. in
Aachen mit dem Hüttenwerk Rothe-Erde.
So kann man im allgemeinen sagen, daß
das 19. Jahrhundert auf vielen Gebieten
auch hier am Hohen Venn Fortschritte gebracht
hat, wenn auch das Leben immer
noch hart genug gewesen ist. Neben vielen
Leuten , die zur Arbeit in die nahe
gelegenen Städte gezogen sind, wissen
wir nur von einem Mann aus Konzen, daß
er ausgewandert ist in die USA; es ist
Franz Gerhards gewesen, der um 1880
nach Amerika gegangen ist aus dem Haus
jetzt Jos. Schreiber an der Blumgasse; er
hat gewohnt in New York, war etwas wie
ein Aufseher und hat etliche Jahre später
noch in Konzen sein ererbtes Vermögen
versteigern lassen , Notar Schotten, Nr.
602, 1888. Von ihm hat noch ein Grundstück
an der Ecke Krähwinkel-Breitestraße
den Namen »Gerhards-Hoff« bekommen.
Daß unsere jungen Leute zum Militär, zum
»Kammiß « gingen für zwei oder sogar drei
Jahre, war inzwischen zur Selbstverständlichkeit
geworden. Wer bei der jährlichen
Musterung nicht für taugl ich befunden war,
hat das als einen ausgesprochenen persönlichen
Mangel empfunden . Wer sogar
zur stolzen Garde nach Berlin gezogen
wurde, hat das als eine ganz besondere
Ehre angesehen.
Nachdem es in Europa, das damals noch
fast allein die Welt bedeutet hat, schon
lange gegärt hatte, Balkankrieg usw., hat
die Ermordung des österreichischen
Thronfolgerpaares 1914 in Serajewo den
Funken in das Pulverfaß geworfen und den
großen Weltbrand entzündet.
Wer sich über den Verlauf dieses bis dahin
größten Krieges informieren will, findet genügend
gute und objektive Literatur darüber.
Uns als Kindern ist noch gut das
Hungerjahr 1917 in Erinnerung, als man
den widerlichen Stockfisch, das Dörrgemüse
= besserer Drahtverhau und nur
sehr wen ig Brot und Kartoffeln zu essen
bekommen konnte. 1918 haben wir das
Grummeln der Kanonen im Westen gehört,
wenn die großen Kämpfe an der
Westfront stattgefunden haben. Daß der
Krieg für Deutschland verloren war, haben
wir schon sehen können an den ausgemergelten
deutschen Soldaten, die zu Ende
des Krieges zurückmarschiert sind ,
dann an den Amerikanern , die mit Panzern
von Grünenthal her durch lmgenbroich
gekommen sind, weil die Brücken in Monschau
für die Panzer zu schwach gewesen
sind, an den jungen frischen und wohlgenährten
Engländern, die oben auf Hengstbrüchelchen
Fußball gespielt haben, an
den belgischen Truppe r:i, die uns Kindern
schon mal ein kleines Stück braunen
Zeugs in die Hand gedrückt haben , das wir
in de r:i Mund stecken sollten: das war die
erste Schokolade, die wir zu sehen bekommen
haben.
Die Verluste an Menschenleben si nd sehr
hoch gewesen. Allein aus Konzen sind
gefallen:
Boltersdorf, Marti n; Call, Heinrich;
Fammels, Franz; Huppertz , Rudolf;
Kirch, Joseph ; Kleiner, Heinrich;
Kleiner, Johann; Kleiner, Richard ;
Kleiner, Karl; Kreitz, Joseph ;
Kreitz, Wilhelm ; Krings, Karl;
Lenzen , Franz ; Menzerath, Johann;
Neyken , Hubert; Offermann , Dagobert;
Palm, Wilhelm ; Reinartz, Joh . Peter;
Rosenwick, Karl; Scheidt, August;
Scheid!, Hubert, Schmitz, Arnold;
Schmitz , Robert; Schreiber, Hubert;
Schreiber, Wilhelm; Schröder, Michael;
Schütt, Paul; Siemens, Johann;
Steffens, Karl; Steinröx, Johann;
Steinröx, Joseph ; Stoffels, Wilhelm ;
Weishaupt, Bernhard; Wilden , August;
Vermißte Soldaten:
Frings, Johan n; Schreibe r,
Werker, Joseph.
Arnold und
An den Folgen der Verwundu ngen gestorben
:
Steinröx, Johann 23 . 3. 1920
Stoffels, Joseph 11 . 4. 1923
Wi lden, Karl 12. 5. 1939
Zu diesen Toten können auch etliche
Frauen gerechnet werd en, die sich ohne
die Männer im Haus, im Garten und auch
noch auf den Feldern buchstäblich zu Tode
gearbeitet haben .
Vor Abschluß des Friedensvertrages von
Versailles hat die deutsche Del egation unte
rschreiben müssen, daß Deutschland
die Allein-Schuld am Ausbru ch des Weltkrieges
gehabt habe, wenn die Hungerblockade
nicht fortgesetzt werden sollte.
Auf dieser Erklärung ist dann alles aufgebaut
worden , was Deutschland auferlegt
worden ist und nur zu den bösen Folgen
hat fü hren können. Bei uns ist Eupen -
Malmedy mitsamt der Bahn an Belgien
abgetreten worden, trotz des unermüdlichen
Widerstandes der deutschen Vertreter
und auch der hiesigen Bevölkerung.
Unsere Wälder sind zwar belgisches
Staatsgebiet geworden, aber im Eigentum
der deutschen Gemeinden verblieben.
Auch ist die Straße Konzen - Roetgen
deutsches Staatsgebiet geblieben, aber
rechts und links im belgischen Gebiet liegend.
Es sind damals schon die Enklaven
Ruitz bei Kalterherberg und das Haus bei
uns oberhalb des Bahnhofes gebildet
worden .
Nach kurzer Beruhigung ist es zu der nie
erfahrenen Inflation gekommen, die so
schlimm war, daß man nur heute mit verdientem
Geld etwas kaufen konnte, weil
es morgen schon zum größten Teil entwertet
war. Als es zunächst damals erst
mit der Zahl Tausend angefangen hatte,
12
haben die alten Leute schon nichts mehr
verstanden, so daß eine ältere Frau in
einem unserer Dörfer auf die Frage, wie alt
sie sei, nur kurz und bündig geantwortet
hatte: »Och ich bönn em sevenzigdusendste
= Ach, ich bin im siebzigtausendsten
(Jahr) .
Es ist dann schließlich so weit gekommen,
daß die neue Rentenmark eingeführt worden
ist, wobei eine Billion, und das waren
1 000 Milliarden, einer Rentenmark gleichgesetzt
wo rden ist. In dieser Zeit haben
die meisten deutschen Städte eigenes
Notgeld ged ruckt für kleinere Beträge, so
auch die Stadt Monschau, die übrigens
diesen Namen auf kaiserlichen Befehl hin
erst im Herbst 1918 bekommen hat gegenüber
dem alten Montjoie, das heute
noch beim Schützenverein gepflegt wird.
Auf diesen Scheinen des Notgeldes hat
man echt Monschauer Sprüche lesen können
wie :
»Monscher Langk on Monscher Lück
jeht et baschtig kollig hück;
denn wat fange merr nu aan
ohne Böesch on ohne Bahn ... « =
Monschauer Land und Monschauer
Leuten 1
geht es sehr schlecht heute ;
denn was fangen wir nun an
ohne Wald und ohne Bahn . •
Es hat noch etliche derartiger Scheine gegeben
mit ähnlichen echt Monschauer
Sprüchen. Vor der Einfuhr der Rentenmark
ist es schließlich so gewesen, daß die
Leute sich die Pfeife angezündet haben
mit Geldscheinen für 20 oder 50 Millionen,
die ja keinerlei Wert mehr hatten, als zum
Schluß 10 Milliarden nur einen einzigen
Pfennig wert gewesen sind .
In dieser Zeit der Inflation ist als Notstand
Maßnahme das Hatzevenn urbar gemacht
worden, wo wir als Kinder noch Waldbeeren
gepflückt hatten . Viele Leute haben
dort zwar Arbeit gefunden, die aber durch
diese Inflation kaum verwertbares Geld erbracht
hat. Später ist zuerst Hafer dort
eingesät worden , der in den Jahren 1925
und 1926 mit 122 Morgen versteigert worden
ist. Danach sind aus den ausgehobenen
Steinen die Höfe errichtet worden mit
jeweils etwa 60 Morgen Land unter den
Namen »Haus Viktor« von Karl Viktor aus
lmgenbroich, »Gut-Vennstein« = Jos. Esser
und »Gut-Vennweide« = Seb. Wergen
. Da das Gebiet Hatzevenn aber zur
Gemeinde lmgenbroich gehört hat, ist es
erst bei der Gebietsreform des Jahres
1972 mit Konzener Land in der Gegend
des Gewerbegebietes in lmgenbroich
ausgetauscht worden.
Es müßte noch vieles berichtet werden
aus der turbulenten Zeit nach dem Ersten
Weltkrieg, von den noch lange andauernden
Kämpfen in Oberschlesien, von der
Besetzung des Ruhrgebietes durch die
Franzosen und dem nachfolgenden »Passiven-Widerstand
«, von den »Sonderbündlern«,
die das Rheinland zu einem
von Deutschland getrennten Staat mit Anlehnung
an Frankreich machen wollten,
von den Machenschaften dieser Leute in
Aachen , ja auch in Monschau. (s. Wilh.
Vogt: »Die Herrschaft der Sonderbündler«
E. H. V. 5. Jhg. S. 149-154). Dann wäre zu
erwähnen der rechtsradikale Kapp-Putsch
mit dem Generalstreik der Arbeiterschaft
usw.
Trotz aller Schwierigkeiten ist es aber seit
der damaligen Währungsreform aufwärts
gegangen. Die deutsche Industrie hat wieder
gearbeitet, es wurde wieder kaufkräftiges
Geld verdient; man war sich nur nicht
im klaren darüber, daß das Kapital dazu
aus Amerika stammte, was sich nach 1929
verheerend ausgewirkt hat.
Mit dem deutschen Außenminister Dr.
Stresemann und dem franz. Kollegen Aristide
Briand haben sich dann erste Möglichkeiten
geboten, das Verhältnis zwischen
diesen beiden Staaten zu entkrampfen;
Dr. Stresemann hat auch schon
1924 öffentlich auf die Frage der Alleinschuld
Deutschlands am Ersten Weltkrieg
hinweisen können, was der Reichskanzler
Die Enthüllung des Kriegerdenkmals vom 24. Sept. 1922 mit den folgenden Teilnehmern, von links nach rechts.
Hintere Reihe: Jakob Fammels, Werner Kleiner, Friedr. Fammels, Johann Jung, Josef Erkens, Paul Huppertz, Wilh. Huppertz (Mechelches), Heinrich
Kapellmann (Lehrer), Reiner Dominik (Bürgermeister), Hubert Erkens, Leonard Hüpgens (Lehrer), Friedr. Gottschalk, Karl Huppertz (Bäcker), Paul
Call, Willi Jansen, August Palm, Heinrich Roder, Josef Rosenwick.
Vordere Reihe: Heinrich Huppertz, Wilhelm Kreitz, Johann Rosenwick, Wilhelm Werker, Hermann Josef Kreitz, Karl Krings, Josef Weishaupt (gebürtig
aus Höfen), Hubert Müllenmeister, Christian Josef Schmitz, Wilhelm Palm (Schneider), Wilh. Offermann (Breitestr.), Peter Stollenwerk (Hecke),
Johann Palm (Breitestr.), August Huppertz, Peter Lenzen
13
Blick von der Hardt auf das Hatze-Venn
Dr. Marx 1928 wiederholt hat. In diesen
Jahren ist man allgemein wohl zu der richtigen
Beurteilung gekommen, daß alle europäischen
Staaten damals in die Katastrophe
»hineingeschliddert« sind in dem brodelnden
Europa dieser Zeit, wo man allgemein
der Überzeugung gewesen ist, daß
mal ein reinigendes Gewitter kommen
müsse, wobei aber niemand in seiner
schlimmsten Phantasie an einen Weltbrand
von über vier Jahren gedacht hat.
1925 hat es große Feierlichkeiten gerade
in Deutschland gegeben, als man die
1000-Jahr-Feier des Rheinlandes an das
deutsche Reich begehen konnte ; damals
war das Zwischenreich Lothringen endgültig
an das ostfränkische = ost-karolingische
Teilreich angeschlossen worden , das
danach zum deutschen Staatsverband geführt
hat.
Nach all der Schmach, dem Elend und
.dem Ausschluß aus der europäischen Völkerfamilie
konnte Deutschland in den Völkerbund
einziehen, der bekanntlich zum
ewigen Frieden auf diesem Erdteil führen
sollte.
Das Jahr 1930 brachte einen Höhepunkt in
dem Abzug der letzten Besatzungstruppen
aus dem Rheinland . »Montjoie ist
frei! « hieß es am 5. Juli 1930 in der Mon .
Zeitung.
Nach all den Schwierigkeiten und auch
wohl schon Mißständen in der Weimarer
Republik, der ersten demokratischen Parteienregierung
ohne das Kaiserhaus,
konnte man auf eine gedeihliche Entwicklung
hoffen, wenn auch monarchistische
Kreise dem alten Kaiserhaus mit seinen
starken Bindungen nachtrauerten. Der
greise Feldmarschall v. Hindenburg bildete
als Reichspräsident für sie so etwas wie
eine Ersatzfigur des früheren Kaisers.
Die Katastrophe aber hat sich abgezeichnet
mit dem unseligen schwarzen Freitag
an der amerikanischen Börse des Jahres
1929, als nicht nur amerikanische Millionä-
re über Nacht an den Bettelstab gerieten,
sondern das amerikanische Kapital nun
aus Deutschland abgezogen wurde und
die deutsche Wirtschaft praktisch zum Erliegen
brachte. Die Zahl der Arbeitslosen
stieg von Jahr zu Jahr, bis sie Ende 1932
die Sechsmillionengrenze überschritten
hatte. Und das war genau die Verelendung
der Massen , die zu den rad ikalen Parteien
geführt hat.
Bei uns hier ist das ganz anders verlaufen,
wobei das katholische Rheinland , mehr
noch der Reg.-Bezirk Aachen und das
Monschauer Land und Konzen kein Zeichen
dieser Entwicklung gegeben haben.
Die Verhältnisse waren aber auch nicht mit
denen in den Großstädten zu vergleichen.
Hier hatte fast jeder sein bescheidenes
Haus, er hatte eine oder zwei Kühe, die
ihm bares Geld aus der Molkerei brachte'n,
er hatte seinen Gemüsegarten, er hatte
seinen Hahn mit 10 Hühnern im Stall, er
hatte sein Feld Roggen für das kräftige
Schwarzbrot, er hatte sein Kartoffelfeld, er
hatte meistens im November ein Schwein
geschlachtet und die knusprigen Speckseiten
und Schinken in der Bodenkammer
hängen , er hatte für Brand gesorgt und je
nach Größe der Familie mehrere Zentner
Weißkohl = Kappes in dem großen Faß im
Keller eingesalzen, in der »Kappesstang «.
Wenn der Hausvater im Herbst sein Haus
rundum in Ordnung brachte, das Ke llerfenster
mit einer kräftigen Lage guten
Kuhmistes abgedichtet hatte gegen die
scharfen Fröste im Winter, konnte er mit
Stolz oder Befriedigung sagen : »So, nun
kann der Winter kommen! « Es soll damit
gesagt sein, daß in der Zeit der vielen
Arbeitslosen das bare Geld auch hier natürlich
knapp gewesen ..ist, daß aber nicht
die allgemeine Verelendung wie in den
Städten zu spüren war.
Wie aber hat es dort ausgesehen? Die Zeit
war noch ganz anders als heute. Daß junge
Mädchen gearbeitet haben in den Fabri
ken oder im Haushalt, war normal. Die
Arbeit in den Büros hat nach dem ersten
Weltkrieg erst eingesetzt; eine junge Frau,
die ein Kind bekam , blieb zu Hause, in den
bäuerlichen Betrieben ohnehin. Ei ne Lehrerin,
die heiratete, mu ßte den Schuldienst
quittieren. Es war also so, daß die große
Mehrheit dieser Arbeitslosen Familienväter
waren mit 4-5 Kindern im Durchschnitt
und in den Städten lebten und Miete bezahlen
mußten. Die Unterstützu ng fü r die
Arbeitslosen ist mit den heutigen Verhältnissen
nicht zu ve rgleichen. Es rei chte
kaum für das trockene Brot fü r die Kinder!
Die bürgerlichen Parteien haben sich
selbst zerfleischt ! Es wechselte eine Regierung
mit der anderen ab. Schließlich
kam der ehrenwerte, tüchtige Reichskanzler
Dr. Brüning, der glaubte, mit Notverordnungen
der Krise Herr we rd en zu können
. Das nun war die Zeit der radikalen
Parteien von rechts und li nks , die die einzigen
waren, die nicht »Blut und Tränen «
wie später Churchill, sondern ein irgendwie
beschaffenes Paradies versprochen
haben . Die hungernden Männer sind für
eine warme Suppe und ein Paar Schuhe
an den Füßen in die radikalen Parteien
eingetreten ; es hat die Straßenschlachten
zwischen den roten und den braunen
Stoßtrupps gegeben ! Im deutschen
Reichstag hat man sich mit Fäusten geprügelt!
Das ist doch nicht vorstellbar!
Schließlich hat es den Ruf nach dem »starken
Mann « gegeben, und der ist ja dann
auch gekommen !
Leider ist er dann gekommen nach den
kurzen Regierungszeiten v. Papen und v.
Sch leicher, als im Herbst 1932 die NSDAP
bei der Reichtstagswahl schon eine empfindl
iche Schlappe erlitten hatte und sich
ein kle iner Hoffnungsschimmer auf eine
Besserung abgezeichnet hatte.
In der letzten Reichstagswahl im November
1932 hat es hier fast keine Wähler für
die NSDAP gegeben, und bei den Landtagswahlen
im November 1929 hat Konzen
Zentrum gewählt, sechs Kommunisten
und nicht einen einzigen NSDAP.
Trotz allem aber ist Hitler am 30. Januar
1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg
zum Reichskanzler ernannt worden, nachdem
alles andere versagt hatte und der
große Trommler Hitler endlich sein Ziel
erreicht hatte. Wer anders aber auch war in
der Lage gewesen, vor den Wahlen die
Menschen in ihrer Not, in ihrer Hoffnung
auf eine Besserung der bestehenden Verhältnisse
zu mobilisieren, ihnen alles vorzureden
von der Schmach, den November-Verbrechern
mit ihrer Unterschrift auf
dem Versailler Vertrag, mit der verbrauchten
Parteienstruktur, der Arbeitslosigkeit
und Aussichtlosigkeit ihrer Lage außer
dem Tro mmler Hitler mit dem organisierten
Straßenterror in den Städten? Wie hätte
ein gelehrter Heinr. Brüning die Massen
mobilisieren können von seinem Schreibtisch
aus, welcher andere hat vor den
Wah len mit dem Flugzeug der damaligen
14
Zeit das Reich durchquert und jeden Tag
an mehreren Orten mit all den gängigen
Schlagworten die Menschen in ihrer sicher
primitiven Hoffnung auf den kommenden
»Messias« in seinen Bann ziehen können?
So war die Machtergreifung schließlich
da, ehe wir hier es so richtig bemerkt
hatten , und man in den Schulen erst erklären
mu ßte, daß wir eine Revolution erlebt
hatten. Viele Menschen haben damals geglaubt,
daß der ganze »Spuk« in einigen
Monaten vorbei sein müsse, andere haben
aber auch schon früh klar gesehen, was da
auf uns zukommen werde.
Am 3. Februar 1933 steht im Montj. Volksblatt
in einem Kommentar zu einer Rede
Hitlers zu lesen: »Möge an seinem Ende
nicht ein Trü mmerfeld stehen, das größer
sein wird als das der Schuld der 14 Jahre!
« Leider oh ne Unterschrift. Nach dem
Buch »Der Aufstieg der NSDAP in Augenzeugenberichten«
, 1974, S. 418 hat der
bekannte General Ludendorff, der im November
1923 in voller Uniform neben Hitler
an der Feldherrenhalle mitmarschiert
war, an den Reichspräsidenten v. Hindenburg
geschrieben, er (Hindenburg) habe
durch diese Ernennung das heilige deutsche
Vaterland d~m größten Demagogen
aller Zeiten ausgeliefert, der es in unfaßbares
Elen d stürzen werde; und kommende
Geschlechter würden ihn wegen dieser
Handlung noch im Grabe verfluchen .
Es ist dann gleich die Propagandamaschine
gelaufen unter dem neuen Reichsminister
für Volksaufklärung und Propaganda,
dem fast satanischen Dr. J. Göbbels, es
kam der ominöse Reichstagsbrand mit der
Jagd auf die Kommunisten; es kam der
berühmte »Tag von Potsdam «, an dem
Hitler in Frack und Zylinder sich tief verneigte
vor dem greisen Feldmarschall als
Versöhnu ng der nationalen Kräfte mit der
preußischen Tradition am Grabe Friedrichs
d. Gr.; es kam das Ermächtigungsgesetz,
das Hitler für vier Jahre freie Hand ließ
ohne jede parlamentarische Kontrolle; es
kam dann die Reichstagswahl im März
1933, als das Zentrum im Kreis Monschau
7 115, die NSDAP 2 707 Stimmen erhielt;
in Konzen waren es 431 für das Zentrum
und 58 NSDAP. Und das war selbst für
unser Monschauer Land extrem wenig.
Noch am 29. März 1933 berichtet der
Stadt- und Landbote Monschau, daß in
Deutschland der Einfluß des Judentums
auf die Volksquote zurückgedrängt werden
solle. Von einer Massenvernichtung
der Juden ist keine Rede gewesen. Woher
hätten wir hier auch Judenhaß haben sollen,
da es keine Juden hier gegeben hat
bis auf die eine Familie in Eicherscheid,
die erst nach dem Ersten Weltkrieg aus
der Gegend von Hellenthal zugezogen
war, etwas Landwirtschaft und Viehhandel
betrieb und voll »integriert« war, wie man
heute sagen muß.
Aber, man hat an eine bessere Zukunft
geglaubt; Mitte März 1933 hat der tüchtige
und ehrenwerte Landrat Dr. Schwenzer
von Monschau als Sonderbeilage zum
Stadt- und Landboten einen Aufruf veröffentlicht:
» Deutschland ist erwacht! «, der
Deutsche Glaube erblüht wieder, Freude
und innere Ergriffenheit bei der nationalen
Volkserhebung , ein Wendepunkt und Ehrentag
der deutschen Geschichte usw.
Der erste außenpolitische Erfolg Hitlers
war das Konkordat mit der kath. Kirche im
Juli 1933, das Zentrum hat sich damals
»freiwillig « aufgelöst, Konzen hat schon
1933 von der Reichsregierung bare
8 000,- Mark erhalten zur Verbesserung
des Ortsgefängnisses; vor der nächsten
Reichstagswahl im November 1933 war
das Verhältnis zwischen dem Staat und
der kath. Kirche durch das Konkordat geregelt,
Deutschland war aus dem Völkerbund
ausgetreten. Bei dieser Wahl hat es
sich nicht mehr um Parteien gehandelt,
sondern ob »ja« oder »nein « zu der Politik
der neuen Regierung . Und das alles war
sehr geschickt inszeniert, dafür hatte man
ja den Dr. Göbbels, der seit dem Januar
die gesamte Presse, den Rundfunk, das
Theaterwesen usw. nur nach seinen genauen
Anweisungen hat arbeiten lassen.
Kurz vor dieser Wahl ist in der Monschauer
Zeitung ein Aufruf erschienen mit der
Unterschrift maßgebender und überall bekannter
Persönlichkeiten mit dem Motto:
»für Frieden, Ehre und Gleichberechtigung
« und »wählt Adolf Hitler und seine
Getreuen!« Was hätten unsere Leute da
noch wählen können?
Das Ergebnis war eindeutig: Ja-Stimmen
im Kreis Monschau 12 760, Nein-Stimmen
= 427; in Konzen Ja = 584, nein = 24.
Daß es danach etwa bei einer Wahl 1936
nur noch 100 % Ja-Stimmen geben konnte
, ist schon fast selbstverständlich.
Man mag aber aus diesen etwas ausführlicheren
Worten keinesfalls den Eindruck
gewinnen, als solle irgendetwas aus den
12 Jahren des 1000jährigen Reiches beschönigt,
verharmlost oder gar entschuldigt
werden. Es soll nur eine kleine Anregung
, ein Denkanstoß sein für jüngere und
recht junge Leute, die heute das ganze
damalige deutsche Volk schlichtweg für
dumm und töricht erklären und die vollmundig
verkünden, was sie damals alles
schon gewußt hätten, ja was sie damals
getan und auch nicht getan hätten . Es soll
also nur eine Anregung sein für Leute, die
in der Wohlstands-, ja in der Wegwert
Gesellschaft aufgewachsen sind, wenigstens
den Versuch , den ernsthaften Versuch
zu machen, etwas von der damaligen
Zeit, von ihrer Not und Hoffnungslosigkeit,
von dem inneren Verfall der Weimarer Republik
zu begreifen, ehe sie aus ihrer heutigen
Sicht derartige Urteile fällen.
Im übrigen gibt es genügend gute und
objektive Literatur für den, der sich wirklich
orientieren will, um zu einem fundierten
historischen Urteil zu gelangen.
Der weitere Verlauf braucht nur noch in
Stichworten dargelegt zu werden:
Vor allem ging es fortwährend aufwärts! Es
kamen Arbeitslose von der Straße, man
fing an mit dem Bau der Reichsautobahnen
; im Frühjahr 1935 wurde die neue
deutsche Wehrmacht öffentlich verkündet,
nachdem schon lange vorher heimlich aufgerüstet
worden war, im Frühjahr 1936
marschierten die deutschen Truppen gegen
den Rat der Generale in das Rheinland
ein gegen alle bestehenden Verträge;
außer papierenen Protesten geschah von
den Westmächten nichts.
Ein großer Propaganda-Erfolg war die
Olympiade 1936 in Berlin ; die Partei war
kaum zu sehen, die Ausrichtung hat in den
Händen der Wehrmacht gelegen. Das
wichtigste aber außer der so friedliebenden
Regierung und Bevölkerung war der
Erfolg der deutschen Sportler: 33 Goldmedaillen,
26 Silber, 30 Bronze; und das
lag weit vor den Amerikanern! Und das
konnte man so schön ausschlachten als
den Erfolg der neuen Weltanschauung,
der neuen Erziehung, des neuen Bewußtseins
der blonden germanischen Leistungsrasse!
Im Oktober 1936 wird der Name »Ganzen
« auf Antrag der Gemeindebehörde
umgewandelt in unser jetziges Konzen.
Das war zwar auch nicht so ganz neu , da
wir schon früh das »Kuntzerland « gesehen
haben, 1505/06 finden wir in der
Forstmstr. Rechng . »das steyntgen zo
kuntze«, 1557 /58 wurden aus »Kointzen «
125 Schweine in den Wald getrieben.
Auch andere Ortsnamen auf der Basis lateinischer
Wörter sind geändert worden
wie Kornelimünster, Köln und Koblenz.
Nach dem Anschluß Österreichs im Frühjahr
1938 hat es die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
gegeben durch den
Bau des uns hier so wohlbekannten Westwalles,
der auch in unsere Dörfer Scharen
von fremden Arbeitskräften gebracht hat.
Und alle diese Leute waren froh , endlich
wieder mit ihrer Hände Arbeit für sich und
die Familien ein einigermaßen auskömmliches
Brot verdienen zu können.
Das Schlimme war ja nur, daß auch Hitler
keine neuen Werte hat schaffen können,
die nun in Geld umzusetzen gewesen wären.
Man kann Geld ganz einfach dadurch
schaffen, daß man die Notenpresse in Bewegung
setzt. Und genau das ist geschehen,
so daß die Blüte nur eine Scheinblüte
und alles auf einen Scheck auf die Zukunft
gerichtet war. Und diesen Scheck hat das
ganze deutsche Volk zu Ende des Krieges
einlösen müssen.
Hier in Konzen ist die Zeit bis Ende des
Krieges verhältnismäßig ruhig verlaufen .
Es hat natürlich Leute gegeben, die in die
Partei eingetreten sind, nur ein Mann aus
Konzen ist hier Zellenleiter = örtlicher Leiter
der NSDAP gewesen, die anderen waren
zugezogen, es sind junge Leute in die
SA eingetreten; es war doch in Monschau
ein Spaß, als Primaner in SA-Uniform in
das Gymnasium zu kommen mit einer Pistole
in der hinteren Hosentasche. Aber,
15
Das Kriegerdenkmal; dahinter das HJ (Hitler-Jugend)-Heim vom Jahre 1936, abgebrannt schon
1939
es ist hier niemand im KZ gewesen; daß
es diese gab, wußte jeder, es stand in der
Zeitung: »Wer schwarz schlachtet, kommt
in das Konzentrationslager.«
Wie es aber darin aussah, konnte man
einigermaßen ahnen, echte Kenntnis dagegen
hatte man nicht.
Die Juden sollten in Madagaskar angesiedelt
werden, konnte man hören, oder später
in einem großen Gebiet im Osten. Von
dem, was wirklich in den KZ geschehen
war, hat man erst nach dem Krieg erfahren.
Wann die ersten Bomben hier in der Gegend
gefallen sind, wie sich das Geschehen
während des Krieges hier abgespielt
hat, wie immer wieder Meldungen über
gefallene Soldaten überbracht werden
mußten, wie man schließlich auf die Flucht
gegangen ist, hat unser tätiger Chronist J.
Erkens mit großer Sorgfalt festgehalten
und nach dem Krieg zusammen mit dem
ersten Wiederaufbau in Druck gebracht in
unserem E.H.V. 39. Jhrg. 1967, S. 6-92,
in der Gestaltung und mit zahlreichen Bildern
versehen durch Heinr. Huppertz.
Als sich die Leute im September gezwungen
gesehen haben, aus der geliebten
Heimat weg die Flucht zu ergreifen, hat
mancher wohl an das Wort der Bibel gedacht:
»Betet, daß Eure Flucht nicht auf
den Sabbat falle! « (Weil die Juden an diesem
Tag keinerlei Arbeit verrichten durften).
Ein Teil der Leute hat noch versucht
gehabt, hier im Dorf zu bleiben und die
Front über sich ergehen zu lassen, andere
Leute aus lmgenbroich haben sich an der
Mündung des Beigenbaches primitive Unterstände
und Hütten gebaut oder versucht,
bei der Ölmühle im Tiefenbachtal
den Krieg zu überstehen, aber es ist alles
vergebens gewesen. Dann schließlich hat
die verderbliche Rundstedt-Offensive im
Dez. 1944 gerade unser Gebiet in ganz
besonderem Maße der Zerstörung ausgesetzt.
Mützenich dagegen und Roetgen
und Kalterherberg haben nur wenig gelitten
, Monschau ist wie durch ein Wunder
trotz der Lage zwischen den Fronten über
sechs Wochen hinweg nur ganz wenig
zerstört worden . (Über alles das Walter
Scheibler: »Zwischen den Fronten «,
1959)
Für unser Konzen ist der schlimmste Tag
der Geschichte gekommen, als nach der
Räumung durch die Bevölkerung bis Mitte
September am 27. Oktober 1944 die amerikanischen
Geschütze und Panzer die
Konzener Kirche beschießen und zusammen
mit dem schönsten Fachwerkhaus
Neiken und der Schule in einen großen
Trümmerhaufen verwandeln , der von der
Kirche nur die Außenmauern übrigläßt.
Nach Feststellungen nach dem Krieg
durch genaue Angaben deutscher Soldaten,
die ganz in der Nähe gewesen sind,
soll es durch die Torheit eines deutschen
Oberleutnants gekommen sein, der den
Amerikanern zum Spott in Konzen eine
halbe Stunde habe läuten lassen.
Unsere Ämter und Gemeinden
Nach der Franzosenzeit war mit Verfügung
der Regierung in Aachen der »landräthliche
Kreis Montjoie« (ab 1918 Monschau)
gebildet worden mit einer Einwohnerzahl
von 16 984 Leuten. Der frühere franz.
Kanton war in seinen Grenzen nun auch
zu dem neuen Kreisgebiet geworden, wobei
aber die kleinen Orte Zerkall , Nidegger-Brück
und Hetzingen abgetrennt wurden
und somit die uralte Grenze des Konzen-Monschauer
Landes eine kleine Veränderung
hatte hinnehmen müssen. Daß
ein so kleines Gebiet wie das Konzen
Monschauer Land in seinen Grenzen sich
ein Jahrtausend lang praktisch unverändert
hat halten können, dü rfte in unserer
westdeutschen Geschichte ein wohl einmaliger
Vorgang sein.
Die Einteilung des neuen Kreises hat sich
streng an die von den Franzosen eingeführten
mairien = Bürgermeistereien gehalten.
Für uns war es die Bürgermeisterei
lmgenbroich, die für lmgenbroich, Konzen
und Mützenich zuständig war. Eicherscheid
dagegen war gleichzeitig Einzelgemeinde
und auch Bürgermeisterei, während
Konzen Einzelgemeinde war innerhalb
der Bürgermeisterei. Genaue Bestimmungen
darüber sind von der Regierung
in Aachen ergangen in den Jahren 1850
und 1851 . Die Einzelgemeinden wie Konzen
hatten einen Gemeindevorsteher, der
ab 1887 von den Gemeinderäten auf
sechs Jahre zu wählen war. Ab 1927 hat
die Landbürgermeisterei die Bezeichnung
»Am t« geführt. Die Bürgermeisterei Eicherscheid
ist ab 1861 in Personalunion
mit dem Amt lmgenbroich verwaltet worden
bis zum Jahre 1936, als das Amt
lmgenbroich nun aus den Gemeinden lmgenbroich,
Mützenich, Konzen und Eicherscheid
gebildet wurde, Eicherscheid
also völlig eingegliedert war.
Es sei noch kurz an den Plan des Monschauer
Landrates vom Jahre 1932 erinnert,
die Ämter lmgenbroich, Eicherscheid
und Monschau zu einem einzigen Amt zu
vereinigen, wie es damals aber noch nicht
durchgeführt worden ist. (K. Mertens:
Heim.-Kal. 1972, S. 18-29). Die Einzelgemeinden
hatten also ih re Ortsvorsteher,
und das waren in Konzen : mit dem amtlichen
Tite l Gemeindevorsteher:
Math . Peter Schreiber,
vom Hof Öntepohl 1816- 1828
Math . Huppertz (Börbe),
Bäcker und Wirt
1828 -1832
Johann Hermanns aus
Mützen ich
1832-1843
Math . Wilh. Sehartmann,
Haus Hard!
1843 -1846
Wilh . Heinrich Huppertz,
Ackerer
1846-1860
Math . Wilh. Sehartmann,
Haus Hardt
1860-1863
Peter Wilh. Esser,
auch Kirchenrendant 1863 - 1885
Wilh . Heinr. Schreiber,
Hof öntepohl, kurze Zeit 1885/86
Peter Wilh . Schreiber,
am Kapellchen 1885 - 1900
Wilh . Heinr. Huppertz, Börbe,
Wirt, Breitestraße 1900 - 1918
Hubert Erkens,
auf der Steinröx 1918 - 1933
Peter Kessel,
jetzt = »Bürgermeister« 1933 - 1937
Heinrich Huppertz,
auf der Steinröx 1937 - 1944
16
Die Entwicklung der
Bevölkerung
Wie vi ele Leute seit der Gründung des
Kön igshofes bis etwa zum Jahr 1200 hier
im Bereich des Hofes selbst und in den
sicher auch schon verstreut liegenden
Einzelsiedlungen gewohnt haben, wissen
wir nicht. Es können aber nicht so ganz
wenige gewesen sein, da der Hof sonst
seine Aufgabe als Lieferant von Lebensmitteln
für das Marienstift und die Hofhaltung
in Aachen nicht hätte erfüllen können
.
Die erste sichere Nachricht erhalten wir
durch das Verzeichnis der Mitglieder der
St-Matthias- Bru derschaft Trier aus der
Zeit um das Jahr 1190. Wenn auch die dort
eingetragenen Mitglieder des Konzener
Monschauer Landes die Zahl von 260 erreichen
, so muß man doch sicher mit einer
Gesamtbevölkerung von 400-450 Leuten
rechnen . Dann müssen auch die wichtigsten
Orte hier auf der Hochfläche schon
mit etlichen Häusern bestanden haben,
und das ist der Umfang des später genannten
Feldgeleits, wie es im Mon. Land
1988, S. 87, eing €l'(ragen ist. Daß sich die
Bevöl kerung weite 1 r entwickelt hat, können
wir daraus schließen , daß zwischen etwa
dem Jahre 1300 und 1346 die zweite Kirche
in Simmerath errichtet worden ist in
dem damals genannten Kirchenspiel = Kiesch-pell.
Genauere Zahlen erhalten wir aber erst mit
den Forst- und Rentmeister-Rechnungen,
die bis zum Jahre 1550 aber nur wenige
Einzelpersonen nennen, die erste richtige
Liste aber im Jahre 1550 erstellt haben.
Da sind verzeichnet für Konzen 34 Namen
(E.H.V. 31 . Jhrg. S. 26/27). Es handelt
sich hier um die Haushaltungen, die zur
Steuer herangezogen werden; und man
rechnet allgemein mit 5-6 Personen in
den Häusern und den Haushaltungen, so
daß wir mit etwa 200 Leuten in Konzen
rechnen können.
Im Jahre 1647/48, also gleich nach dem
30jährigen Krieg, sind es dann schon 95
Namen in Konzen, also eine sehr auffallende
Steigerung, wenn die Liste vom
Jahre 1550 vollständig gewesen ist. (E.
H.V. 33. Jhrg. S. 5/6).
In der Liste der Erbhuldigung vom Jahre
1730/31 sind in Konzen 76 Leute eingetragen,
in der Forstmstr. Rechng . aber
desselben Jahres sind es 95 Leute, so daß
bei der Erbhuldigung vielleicht nur die
Häuser vertreten gewesen sind . (E.H .V.
26. Jhrg. S. 87 /88.).
Die letzte große Namensliste vor der Franzosenzeit
haben wir vom Jahre 1793/94
und finden in Konzen 123 Namen; das
stimmt dann auch mit einer Statistik der
Franzosen vom Jahre 1800 überein, in der
für Konzen 662 Einwohner angegeben
sind.
Diese Zahl entspricht auch der Zahl der
Häuser, die für 1799 mit 120 genannt ist,
und das kommt auf das Verhältnis der
Bewohner = 5-6 hinaus, wie es ja allgemein
angenommen wird .
Im Jahre 1900 hat Konzen dann 825 Einwohner,
wobei aber etwa 25-30 Knechte
und Mägde anzurechnen sind, die durchschnittlich
hier beschäftigt waren, zum
großen Teil aus dem »Trööter-Langk« =
Malmedyer-Land, woher man glaubte, daß
in der Hauptsache der Regen käme, wenn
es so richtig vom Himmel schüttet = tröötet.
Durch diese Leute aus den entfernteren
Orten sind dann auch viele Heiraten
zustande gekommen mit neuen Familiennamen
im Dorf.
1939 war die Zahl 1 000 bei den Einwohnern
schon überschritten, und für den 1.
April 1944 sind es 1 066 gewesen, wobei
aber auch ausgebombte Leute aus den
Städten hinzugekommen sein dürften.
Wir sehen aber auch, daß trotz der hohen
Geburtenraten in den 100 Jahren von
1800 - 1900 der Zuwachs nur gut 150
Personen betragen hat, wobei an die noch
immer hohe Kindersterblichkeit und manche
Abwanderung in die Großstädte gedacht
werden muß.
Damit ist ein gewisser Abschluß erreicht
bis zum Ende des unseligsten aller Kriege,
als unser Dorf verlassen und zu einem
großen Teil zerschossen den Winter 1944/
45 hat überstehen müssen.
Die Rückkehr der Bewohner aus der Evakuierung,
den Wiederaufbau , das Warten
auf immer noch vermißte Angehörige usw.
werden spätere Kapitel behandeln.
Als kleiner Anhang folgen noch kurze Berichte
über das erste elektrische Licht,
über die Wasserleitung, über die Weberei
Genossenschaft und die Konsumgenossenschaft,
die alle große Bedeutung für
das Leben im Dorf gehabt haben und auch
jetzt noch zum Teil von größtem Nutzen
sind.
Ein echtes Wunder
Nachdem vor über 100 Jahren die abendliche
Beleuchtung in den Wohnungen ein
mageres Rüböl-Lämpchen gewesen war,
ist dann die Petroleumlampe in die Häuser
gekommen, die schon ein recht angenehmes
Licht verbreitet hat. Da es weder Radio
noch Fernsehen gegeben hatte, sind
die älteren Leute im Winter nach der Arbeit
im Stall zusammen gekommen und haben
sich in einem der Häuser zu gemütlicher
Plauderstunde zueinander gesetzt, zu der
»U-etel « von der »Uchta«, der Morgenoder
Abenddämmerung. Auch hat man im
Kreis der Frauen und Mädchen gesessen
und das Spinnrad gedreht zur Verarbeitung
der selbstgezogenen Wolle oder des
Flachses.
Im Jahre 1922 sind Handwerker in die
Häuser gekommen und haben etwas an
den Wänden gearbeitet, ohne daß wir Kinder
das verstanden hätten. Eines Abends
aber war es soweit! Man drehte an einem
Knopf, und es brannte an der Zimmerdekke
eine Lampe! Ein echtes Wunder, das
wir Kinder gar nicht begreifen konnten. Wir
hatten elektrisches Licht, und besonders
die Hindenburglichter und die stinkenden
Karbidlampen der Kriegszeit waren vergessen.
Natürlich waren es zunächst nur ganz
schwache Birnen mit 15 Watt, später
schon mit 25 und ganz verschwenderisch
mit 40 Watt, und die auch nur in der Huuß
Küche und im Wohnzimmer. Auch eine
bescheidene Straßenbeleuchtung ist dann
bald installiert worden, die natürlich auch
mit den heutigen dicht gedrängten Lampen
noch nicht zu vergleichen war. Bald
danach hat es auch schon Elektromotoren
gegeben, mit denen man eine Gattersäge
betreiben konnte und das recht mühsame
Schneiden von Balken und Brettern mit
der Handsäge aufgehört hat.
Im übrigen haben die Verhandlungen für
die Versorgung mit elektrischem Strom
schon vor dem Krieg begonnen und haben
sich dann noch so lange hingezogen und
zu vielen Sitzungen in den einzelnen Behörden
geführt, ehe es dann endlich zum
Erfolg gekommen war.
Ein anderes Wunder
Ein weiteres Wunder für unsere Leute ist
die Wasserleitung gewesen, die im Jahre
1934 in die Häuser verlegt worden ist.
Damit hat das mühsame Schleppen des
Wassers aus einem Brunnen neben dem
Haus oder im Keller aufgehört. Es mußte
allerdings jetzt bares Geld auf den Tisch
gelegt werden.
Das Wasser ist früher aus den Brunnen
heraufgeholt worden, nur noch selten hier
mittels eines langen Balkens wie noch in
der Pußta oder mit einer langen Stange mit
Eimer, der in den Brunnen gestoßen wurde,
oder mit einer Kurbel mit Kette, woran
der Eimer gehangen hat. Selbst der Pfarrer
bzw. seine Magd haben das Wasser aus
dem Brunnen im Keller mit Kurbel und
Kette heraufgeholt; das beweist der Betrag
von 7 frcs, den der Peter Mathie (wohl
aus lmgenbroich) bekommen hat für den
»neuen Pützschwengel in des Herrn Pastors
Keller«. (Rendantenrechnung des
Jahres 1813/14.)
Später hat es in den Häusern selbst im
»Huuß« schon richtige Pumpen gegeben,
die aber auch oft wieder repariert werden
mußten.
Auf einmal aber ist das Wasser aus der
Leitung gekommen und ist auch von ganz
besonderer Qualität gewesen, da es völlig
ohne Zusatz aus den beiden Quellfassungen
an der Lutterbach und am Tiefen
Weiher, dem »Deeve-Weyjer« gekommen
ist. Im Jahre 1933 ist dann auf der Hu-e
ein Behälter gebaut worden für die Versorgung
mit dem guten Wasser für weitere
Ortschaften.
Es hat zunächst in jedem Haus nur einen
einzigen Wasserhahn gegeben, der für
Mensch und Vieh ausgereicht hat. Die erste
Badewanne ist Ende der 20er Jahre in
17
der Pastorat, zusammen mit einem richtigen
Badezimmer, eingebaut worden, nicht
ohne daß noch viele moralische Bedenken
deswegen hätten zerstreut werden müssen.
Und auch das ist heute nicht mehr
vorstellbar.
Die mechanische
Webereigenossenschaft
zu -Conzen
Da der Gedanke einer Genossenschaft
durch die Gründung der eigenen Molkerei
im Jahre 1893 so gut eingeschlagen hatte,
hat man im Jahre 1906 geglaubt, dieses
Prinzip auch auf eine Weberei anwenden
zu können. Bis dahin war es so, daß Leute,
die als Weber Arbeit suchten, in Aachen in
die Fabriken gingen, die Woche über zu
mehreren in einer möglichst billigen Kammer
hausten, um dann am Wochenende
das sauer verdiente Geld nach Hause zu
bringen . Auch von der Seite der Kirche
suchte man dem entgegenzusteuern, um
den »sittlichen Gefahren der Großstadt«
den Boden zu entziehen.
Nach der recht ausführlichen Akte Landratsamt
Monschau, Nr. 186 im HStAD
scheint der Anstoß dazu von dem Fabrikanten
Geh.Rat Carl Delius in Aachen ausgegangen
zu sein, aber unter Beteiligung
der hiesigen Weber.
Schon im Dez. 1906 ist ein Statut für eine
Webereigenossenschaft mit beschränkter
Haftung zu Ganzen erarbeitet worden, wobei
schon 40 .künftige Mitglieder unterschrieben
haben ; und das waren nicht nur
Weber, sondern auch andere Leute aus
dem Dorf mit Landwirtschaft usw. Es sind
dann eine ganze Reihe von Verhandlungen
geführt worden mit der Firma Delius,
mit dem Landrat, wobei es sich in der
Hauptsache um die Beschaffung des notwendigen
Kapitals von etwa 60 000,- M.
gehandelt hat. Als Bauplatz ist die Ecke
Landstraße-Kirchbruch ausgewählt worden;
46 Genossen sollen Bürgschaft leisten
für 45 000,- M., wobei die meisten
dieser Leute selbst wieder Bürgen stellen
mußten ; bei einem Bewohner ist aber ein
Vermögen von 28 500,.:... M. und bei einem
anderen sogar von 36 000,- M. nachgewiesen
worden.
Man tritt an die »Landesversicherungsanstalt
der Rheinprovinz« heran, dann an
den »Aachener Verein zur Förderung der
Arbeitsamkeit«. Schließlich schießt die
Kreissparkasse in Monschau 20 000,- M.
vor; nach vielem Hin und Her, wobei auch
der gute Pfr. H. Laumans mit Rat und Tat
sich einsetzt, erklärt sich die Landesversicherungsanstalt
der Rheinprovinz bereit,
65 000,- M. als Darlehen zu geben, wenn
nicht die Genossen in Konzen, sondern
der Kreis Monschau oder die Gemeinde
selbst dieses Darlehen aufnehmen wollten.
Nach langen Beratungen kommt es
schließlich dazu, daß die Gemeinde Konzen
das Darlehen aufnimmt. Am 2. April
18
1908 wird es auf die Sparkasse Monschau
überwiesen, nachdem aber die Betriebseröffnung
schon auf den 20. Dez. 1907,
½ 6 Uhr abends festgesetzt war.
Die Fabrik hat dann gearbeitet unter nicht
ganz einfachen Bedingungen und einer
großen Anzahl einheimischer Leute Brot
und Arbeit gegeben. Dazu sind eine Reihe
von Stöpferinnen gekommen, die die Tuche
fertig gemacht haben. Das Wichtige
aber ist gewesen, daß die Leute hier im
Ort ihre Arbeit gehabt haben, daß sie mittags
zu Hause essen konnten und nach
17.00 Uhr wieder bei der Familie waren.
Zwischendurch hat es auch Arbeitslose
gegeben und Kurzarbeit, und es ist aus
mancherlei Gründen so gekommen, daß
die Fabrik im Jahre 1933 vor dem Konkurs
gestanden hat. Da hätten die eingetragenen
Genossen schwer an ihr Vermögen
gehen müssen, wenn nicht die NSDAP
Regierung eingesprungen wäre unter dem
gut katholischen Landrat Laumen und den
drohenden Konkurs 1934 abgewandt hätte
zum großen Nutzen des Ortes. Das ist
natürlich auch nicht geschehen unserer
schönen blauen Augen wegen, sondern
um gerade hier im streng katholischen
Westen Anerkennung und Einfluß zu gewinnen.
So hat die Fabrik ihre Arbeit fortsetzen
können bis lange nach dem Kriege, allerdings
nicht mehr als Genossenschaft,
sondern unter dem Namen einer Firma
Köstring.
Zur sozialen Lage der Arbeiter mag noch
die Notiz kommen, daß es in den 20er
Jahren zum erstenmal zu einer Woche
Urlaub für die Arbeiter gekommen ist.
Aber! Was haben sie damit gemacht? Sie
haben diese Woche Urlaub im Hochsommer
genommen, wenn eine Heuwetter
Periode in Sicht war; in diesen paar Tagen
hat man dann möglichst viel Heu gemacht
und in die Scheune gefahren. Der Rest
mußte dann zwischendurch bearbeitet
werden, und so war jedenfalls diese eine
Urlaubswoche gut und erfolgreich ausgenutzt.
Die Konsum
Genossenschaft
Daß es bei der zentralen Kirche in Konzen
für den ganzen Bezirk hier schon eine
wenn auch noch so bescheidene Gastwirtschaft
gegeben hat, kann als selbstverständlich
vorausgesetzt werden. Und in
den Steuerakten der 1570er Jahre ist in
Konzen schon r,1al ein »Wirth « erwähnt.
Auch das erste kleine Kaufhaus im Ort
dürfte sich in der Nähe der Kirche befunden
haben und hat wahrscheinlich schon
kurz nach 1500 einem Mann mit dem Berufsnamen
» Kaufmann « gehört, der zu
den ältesten Familiennamen hier zählt.
Von .den späteren Namen Kaumann, Coumann,
Coman usw. haben wir an anderer
Stelle gehört.
Historisch zu belegen ist ein kl einer Verkaufsladen
= eine »Puttik« in dem Haus
»Orjeleißje« des Johann Wilhelm Huppertz
= Jaß-Weilern. Dann sind noch lange
bekannt gewesen die Läden der Hardt
Eev von der Hardt und bei Steffens-Bäkkesch
an der Landstraße. Dazu Joh. Peter
Braun , Eisenwaren.
Nach dem Erfolg der Molkerei-Genossenschaft
haben sich dann die Arbeiter zusammengetan
und in ihrem Interesse eine
»Konsumgenossenschaft« gegründet im
Jahre 1901 .
Der Verkaufsraum ist zunächst in dem
Hause Jas. Huppertz-Bäckesch, dann bei
Michael Sehartmann gewesen, bis man
schon im Jahre 1916 das jetzt noch so
bestehende Konsumgebäude hat errichten
können. Das war natürlic 1
h ein Fortschritt
mit dem großen Verkaufsraum und
der mannigfaltigen Ware vo n den Erbsen,
Bohnen, dem Zucker, der Herren- und
Damenwäsche über den Tabak und die
Heringe bis zu allen Dingen, die so in den
bescheidenen Haushalten nötig waren.
Der Geschäftsführer ist für lange Jahre
August Huppertz (Borch) und dann der
Sohn Johann· Huppertz gewesen. Die
Chef-Verkäuferin ist zu unserer Jugendzeit
Anna Kreitz = Kreetze-Annche von
der Hardt gewesen.
Das Wichtigste aber sind die Prozente gewesen,
die im Spätherbst je nach der Ertragslage
ausgezahlt worden sind. Und
das hat bei größeren Familien eine ganze
Menge Geld gebracht, so daß mit diesen
Beträgen ein vorgezogenes Weihnachtsfest
in den Fam ilien gestaltet werden
konnte. Da hat man vor allen Dingen größere
Anschaffungen machen können wie
Bettwäsche, neue Hemden usw. Und der
Hausvater hat ein paar neue warme Unterbeinkleider
bekommen, um den vornehmeren
Ausdruck zu gebrauchen.
So hat sich diese Einrichtung innerhalb
des Dorfes ganz vorzüglich halten können,
zwar unter etwas anderen Bedingungen
und anderem Namen bis zur jetzigen Zeit
und viel Gutes für die wirtschaftliche Lage
bewirkt.
Es hat dann aber auch noch andere kleinere
Verkaufsläden gegeben wie von Wilh.
Werker in der Breitestraße vor dem Bau
seines Hauses, an der Ecke Heerstraße -
Lutterbach, in den 30er Jahren von Maria
Fammels = Fammels Marieche in dem
ersten der Fammels-Häuser, aber mehr
nur für Kleinkram wie Süßigkeiten für Kinder
und Jugendliche.
Aus einem kleinen Betrieb für Speiseeis
im Sommer hat sich dann das Geschäft in
der Kette ~, Edeka« entwickelt, das nun
auch vor kurzer Zeit die Pforten geschlossen
hat.
Der genossenschaftliche Gedanke aber
von der Molkerei über die Weberei und
den Konsum hat dem Ort und seiner Bevölkerung
bis heute große Vorteile und
wirtschaftliche Sicherheit geboten in eigener
Mitverantwortung tüchtiger Leute.
Kirchen und Kapellen
Die Pfarrkirche
Zustand bis Herbst 1944
Es soll hier nu r in Kürze dargelegt werden,
wie das Bauwe rk von außen und in seinem
Innern den älteren Leuten noch in der
Erinnerung geblieben ist bis zur Zerstörung
im Herbst 1944 am 27 . Oktober.
Viele Einzelheiten über Schäden , Reparaturen
, Um bauten , Plünderungen, über die
alten Altäre, die Orgeln, die Uhrglocke,
Möbel , Heiligenbilder, Kreuzwege, über
die Pastorate und manches andere werden
in der » Klei nen Kirchenchronik« zu
lesen sein .
Die Pankratius-Kirche mit einem Innenraum
von höchstens 180----200 m 2 konnte
mit Mühe etwa 209 /Personen fassen. Um
1150, also etwa 250 Jahre später, hatte
sich die Bevölkerung auf etwa 400-500
Menschen im Konzener-Monschauer Gebiet
erhöht, so daß die Pankratius-Kirche
viel zu klein geworden war, zumal Monschau
mit seiner Burg und der späteren
Schloßkapelle noch gar nicht existierte.
Folglich mu ßte Abhilfe geschaffen werden
durch das Marienstift in Aachen, das ja für
die Kirche und den Geistlichen in Konzen
zuständig war.
Man hat sich sicher auch die Frage gestellt,
ob man die Pankratius-Kirche abreißen
und an Ort und Stelle einen größeren
Neubau errichten solle. Dann hätte aber
jeglicher Gottesdienst für etwa 2 Jahre
unterbleiben müssen . Vielleicht aber auch
aus anderen Gründen hat man sich für
einen völligen Neubau oberhalb entschieden
und in etwa der gleichen Richtung wie
die Pankratius-Kirche, ohne die Ost-/
Westrichtung korrekt einzuhalten. Aber
der Chor ist doch grob nach Osten gerichtet,
so daß man da keine großen Schlüsse
ziehen sollte.
Der Bau muß etwa aus dem Jahre 1160
stammen , da die älteste Glocke die Jahreszahl
1166 trägt und nicht aus der Pankratius-Kirche
übernommen sein kann. Es
war eine dreischiffige romanische Säulenbasilika,
damals schon von großer Seltenheit
im rheinischen Raum . Der Grundriß
dieser Kirche mit dem Turm ist bis heute
erhalten, also etwa 800 Jah re alt.
Auffallend ist der schwere Turm, nach
oben etwas konisch sich verjüngend , am
Grunde nach Westen zu, wo er heute mit
Schiefer bekleidet ist, waren einige größere
Quader aus rotem Sandstein zu sehen ,
die ein Archäologe aus Köln möglicherweise
für Reste aus der römischen Anlage
unter der Pankratius-Kirche gehalten hat.
Wenn man sich das Mauerwerk ansieht,
kann man nur staunen , daß ein solches
Werk aus unbehauenen Steinen , die so
klein sind, daß man sie fast als Lesesteine
ansehen kann, so lange gehalten hat. Allerdings
si nd besonders oberhalb des Eingangs
mehrere Stellen zu sehen , die deutlich
mit größeren Mauersteinen ausgebessert
sind . Das ist auch der Fall kurz unterhalb
des Schall-Loches auf die Hardt zu,
wo eine Öffnung zugemauert sein muß für
die Turmuh r, die schon 1635 dagewesen
ist und immer wieder hat repariert werden
müssen . Die uns noch bekannte Kirchenuhr
hat sich in dem Dachreiter oberhalb
des Chores befunden mit Stunden-/ und
Minutenzeiger,' ist aber erst nach dem
Brand des Jahres 1869 angebracht worden
zugleich mit dem Dachreiter, der
dann auch das Sterbeglöckchen getragen
hat.
Nach dem Brand des Jahres 1869 ist der
Turm ein gutes Stück höher gebaut worden,
was durch die hellen Kalksteine an
den Ecken angezeigt ist. Der Turm hat
damals ja auch einen neuen recht spitzen
Helm bekommen , ohne daß jemand weiß ,
wie er vorher gewesen ist, da es keine
Ze ichnung etwa vor diesem Jahre gibt.
Die Schall-Löcher stammen auch aus dem
Jahr 1869, als man wie üblich solche an
den vier Seiten anbringen wollte ; da hat
aber jemand aus dem Kirchenvorstand
darauf aufmerksam gemacht, daß ein
Schall-Loch nach Mützenich zu allem
Wind und Wetter ausgesetzt sei und daß
außerdem in dieser Richtung ja ohnehin
niemand mehr die Glocken zu hören brauche.
Und da hat er Recht bekommen, zumal
die Mützenicher seit dem Jahre 1856
nicht mehr in die Konzener Kirche zu kommen
brauchten.
Die Kirche hat früher zwei Eingänge gehabt:
einen in der Ecke zur Pankratius
Kirche hin, wohl besonders für die Leute
aus Mützenich, der andere neben dem
jetzigen Eingang von der Landstraße her,
der noch deutlich an dem Spitzbogen in
Sandsteiri zu s~hen ist, aber so unorganisch
unter die Ecke eines Fensters gesetzt,
daß es so sicher nicht im ursprünglichen
Baubestand vorgesehen gewesen
ist. Dieser Eingang hatte den Namen
»Monscher-Hüßje« und damit auch ein
Vor-Häuschen gehabt. Wenn diese beiden
Eingänge bei dem hier üblichen heftigen
Westwind aufgestanden haben, muß es
einen ganz bösen Durchzug in der Kirche
gegeben haben , so daß man zum Schutz
ein sogenanntes Vorhäuschen nach Westen
zu errichtet hat, »e Vür-Hüßje« im
Jahre 1758/59.
Ab 1850 hat man dann den Plan verfolgt,
einen ganz neuen Eingang durch den
Turm zu schaffen , und das ist trotz großer
Bedenken wegen der vermuteten Gefährdung
des Turmes im Jahre 1855 fertig
geworden. Die schwere Eisentür hat der
damalige Ortsvorsteher und Kirchenrendant
Peter Wi lhelm Esser - Maanesse -
selbst angefertigt in der Schmiede, die
noch zu unserer Zeit am Gasthaus Huppertz-Steinröx
vorhanden gewesen ist.
Dieses schwere Eisentor war im Kriege
beschädigt und ist von einem Jagdherren
aus Aach en kostenlos repariert worden , so
daß es wohl weitere 100 Jahre bestehen
wird . Oben in dem Tor befindet sich ein
Spruch mit ein em sogenannten Chronogramm
, aus dem die Zahl 1855 zu ersehen
ist.
So hat der Turm bis auf die Erhöhung im
Jahre 1869 die Jahrhunderte fast unverändert
überstanden, während der Kirchenraum
wohl vor 1500 gründlich umgebaut
worden ist zu einer spätgotischen Hallenkirche,
wobei vielleicht nur die vier schweren
Säulen und ein Teil des alten Mauerwerks
noch aus dem alten romanischen
Bauwerk einbezogen worden sind . Das
Mittelschiff ist gegenüber den Seitenschiffen
erhöht worden, und in den Gewölben
und den Fenstern in gotische Formen gebracht.
Sehr auffallend in dem hohen Chor
haben wir die schmalen hohen Fenster mit
dem reichen Maßwerk vor allem in den
Spitzbögen aller Fenster. So ist das Bauwerk
dann bis in unsere Zeit geblieben,
und nur nach dem Brand von 1869 hat
man einige Teile geändert. So ist das Mauerwerk
ringsum um etwa ½ m höher gebaut
worden , und auf dem Chor hat der
spitze Dachreiter mit der Turm-Uhr seinen
Platz gefunden. So konnte man dann auch
das Loch für die Turm-Uhr im eigentlichen
Kirchenturm zumauern, wie man heute
wohl noch sehen kann .
Schon 1857 hatte man einen ganz neuen
Taufstein erworben für 105 Thlr. , und der
dazu passende Deckel hat nochmal 55
Thlr. gekostet und steht heute mitten beim
Eingang als Weihwasser-Becken. Er trägt
die Inschrift aus Joh. 111,5 in Deutsch: »So
einer nicht wiedergeboren wird aus dem
Wasser und dem HI. Geist, wird er nicht
eingehen, in das Himmelreich.«
Nach diesem Jahr 1857 mit dem neuen
Taufstein hat man den alten ehrwürdigen
Taufstein in der Kirche ja nicht mehr benötigt
und ihn vor der Pankratius-Kirche auf-
19
Kirche mit der Pastorat und der Kapelle um das Missionskreuz im Jahre 1929
gestellt, wo nun in jedem Jahr das Pankratius-Wasser
geweiht wurde, das als Heilmittel
gegen Augenkrankheiten gegolten
hat. Dort war er aber auseinandergebrochen
und ist nach dem Krieg - Gott sei
Dank! - in die erneuerte Kirche gebracht,
zusammengesetzt und in der jetzigen
Taufkapelle aufgestellt worden . Er hat genaue
Gegenstücke in anderen karolingischen
Königshöfen, bei uns am nächsten
zu sehen in Büllingen.
Vieles hat sich nach 1869 verändert im
Innern. Die Orgel war völlig zerstört und
mußte ersetzt werden. Der große geschnitzte
Hochaltar vom Jahre 1712, der
so groß gewesen ist und den Chor so
ausgefüllt hatte, daß man das mittlere Fenster
zugemauert hatte, dieser wertvolle Altar
für damals 225 Reichsthaler und 50
Pfund Butter nach guter Fertigstellung ist
entfernt worden. Aber er war nicht zerstört,
wie man überall lesen kann . Er war
beschädigt, wahrscheinlich durch die Hitze
des etwas niederen Chores im Gegensatz
zu der Höhe im Mittelschiff. Für die
zerstörte Orgel nämlich hat man von der
Feuerversicherung 1 549 Thlr. bekommen,
für den soviel wertvolleren Hochaltar
200 Thlr. Man hätte dieses ausgezeichnete
Kunstwerk nach dem Muster des Hochaltares
in St. Vith sicher restaurieren kön-
Das alte romanische Taufbecken wohl von der
Erstausstattung um das Jahr 1160, jetzt in der
Taufkapelle, dem früheren Chor
nen , wenn man es gewollt hätte. So hat
man den ähnlichen Altar in Houffalize nach
dem letzten Krieg restauriert, der sicher
viel mehr beschädigt gewesen ist und
heute noch besichtigt werden kann. Unser
Altar hätte auch kaum völlig zerstört werden
können, da das Gewölbe bei dem
Brand nicht heruntergebrochen war und
die beiden Nebenaltäre und die Kommunionbank
überhaupt nicht beschädigt worden
sind.
Und es kom mt hinzu, daß erst im Jahre
1872 durch das Generalvikariat in Köln die
Genehmigung erteilt worden ist, einen
neuen Altar aufzustellen, der auch »elegantius«
= zierlicher sei; das war dann der
gotische Altar, wie wir ihn alle noch gekannt
haben. Dieser neue Altar, für den
der damalige Pfarrer Peter Conrad Bonseis
wohl gesorgt hatte, da ihm der alte
wuchtige Altar nicht mehr gepaßt hat im
Rahmen der damaligen Auffassungen, ist
1872 eingesegnet, aber im Jahre 1895
erst geweiht worden durch den Weihbischof
Dr. Hermann Schmitz aus Köln .
Es sind dann nacheinander angeschafft
worden :
1870 eine neue Turm-Uhr in den Dachreiter,
1872 = neue gotische Chorstühle ;
alle diese Kirchenmöbel sind den älteren
Leuten noch gut bekannt gewesen, und es
mußte nun alles gotisch sein!
Aus der Zeit davor noch die folgenden
Einzelheiten:
1882 = neue Beichtstühle.
Aus den alten Glocken des Jahres 1869,
die im Feuer ze rschmolzen waren , ist eine
neu gegossen worden in Aachen, zwei
weitere sind dann hinzugekommen
(Kunstdenkmäler S. 23/24).
1772/73 ist erstmals ein Steinfußboden in
die Kirche gekommen, wo vorher nur Bretter
gewesen sind; unser Fußboden aus
Marmorplatten aus Namur ist 1856 gelegt
und beim Brand von 1869 nicht beschädigt
worden.
1867 ist ein neues Friedhofskreuz aus
Köln aufgerichtet worden , etwa 3 m hoch
und 1906/07 ausgebessert worden, im
Krieg zerstört;
1879 ist eine neue Rüstkam mer = Jörr
Kammer angebaut worden , dort, wo sich
früher die Tü r nach Mützenich hin befunden
hat; in einer Federzeichnung in den
Kunstdenkmälern S. 15 noch zu sehen, im
Krieg zerstört;
1883 hat ein Baumeister Fuß aus Aachen
der Kirche eine Petrus-Statue geschenkt
im Wert von 900.- Mark, die heute oberhalb
der Eingangstür steht;
1884 ist das Bild am Maria-Hilf-Altar von
Unbekannt geschenkt wo rd en im Wert von
400.- Mark und in der Ecke zur Pastorat
hin als Altar aufgestellt worden;
1892 ist ein neuer Traghimmel aus Paderborn
gekauft worden, der bis zur Zerstörung
in der Fronleichnamsprozession mitgeführt
worden ist;
1903 ist die Pastorat (nach dem Duden =
das Pastorat) ganz umgebaut worden, so
wie wir sie alle noch gekannt haben bis
nach dem Krieg, (Einzelheiten in der Kirchenchronik);
1903 ist auch der heutige Kreuzweg, eine
hervorragende Schnitzarbeit des Raerener
Künstlers L. Mennicken, in die Kirche gekommen,
während des Krieges beschädigt,
aber ohne das Rahmenwerk heute
wieder in voller Schönheit zu sehen;
1912 ist eine Gasolin-Beleuchtung und
1922 die elektrische Beleuchtung in die
Kirche gekommen;
die erste Heizung ist eingebaut worden im
Jahre 1919 durch den Unternehmer Moeris
aus lmgenbroich ;
1938 ist dann wieder eine neue Orgel
eingebaut worden, die auch den Krieg
nicht überlebt hat;
1864 sind junge Fichten gekauft worden
für 11 Thlr., die einen notwendigen Schutz
auf dem Friedhof gewährt haben.
Die Sakristei erscheint erstmals in den
Akten im Jahre 1646/164 7, als dafür 18
Karren Steine und 12 Karren Mauersteine
aus dem Beigenbach angefahren worden
sind, und der Leyendecker hat mit zwei
Knechten 15 Tage auf der Kirche und der
Sakristei gearbeitet. Ob das die erste Sakristei
hier gewesen ist oder nur eine Erweiterung,
läßt sich nicht feststellen. Auffallend
aber ist, daß im Chor noch zwei
Fenster zur Hardt hin vorhanden sind, der
gleiche Platz aber zum Venn hin keine
Fenster hat. Ob das nur des bösen Wetters
wegen nach Norden hin so gemacht
worden ist, oder ob dort schon eine bescheidene
Sakristei gestanden hat, läßt
sich auch am Mauerwerk im Innern nicht
feststellen. Die Tür der Sakristei nach außen
hin hat zunächst einen Holzrahmen
gehabt, später aber die jetzt vorhandene
Steinfassung, in die 1849 eine neue Tür
eingebaut worden ist.
20
Auch das Missionskreuz auf dem »Pley«
hat schon ein hohes Alter. Es ist später
kapellenartig umbaut worden mit einem
Gitter nach vorne, so wie auf dem Bild der
Pasto rat von hinten zu sehen. 1846 ist es
weitgehend restauriert worden für 117
Rthlr., was damals eine bedeutende Summe
gewesen ist. Dort am Missonskreuz ist
ursprünglich für die Toten gebetet worden ,
und später hat es noch lange geheißen,
dafür »nomm Pley jooh « = zum Pley
gehen.
Die Glocken , die nach 1869 wieder vollzählig
waren, sind bis auf eine 1917 für
Zwecke des Krieges entfernt worden ; erst
1925 hat es dann wieder ein neues Geläut
gegeben zur großen Freude aller Leute ;
leider hat man damals nicht gewußt, daß
diese neuen Glocken nicht einmal 20 Jahre
dort erklingen sollten;
1925 ist die Siedlung am Gericht mit Datu
m vom 5. November aus der Pfarre Konzen
ausgeschieden und der Pfarre Simmerath
zugeordnet worden;
von 1925 bis 1929 ist die Kirche durch den
neuen Pfarre r Pontzen gründlich instandgesetzt
worden, besonders was die Nordwand
betrifft, aber iauch in allen anderen
Bereich en, so daß Uas ganze Bild mit Kirche,
Pfarrhaus, Friedhof und Pley ri chtig in
Ordnung war und die Pfarre mit sich -
nach großen Opfern und dem Geschehen
nach dem Ersten Weltkrieg - voll zufrieden
sein konnte ;
1934 ist erstmals ein Schweitzer angestellt
worden, und danach hat es endlich - besonders
bei den jungen Männern - »Ruhe
und Ordnung gegeben «.
Wenn Konzen heute durch die jahrelange
Arbeit usw. des Pfarrers Jansen eine weithin
bekannte Krippe hat, so steht auch das
in guter Tradition , so daß man in 11 Jahren
das Jubiläum der Konzener Krippe für 300
Der prachtvolle Altar des Jean Pecourt in St.
Vith, das Muster auch unseres Altares vom
Jahre 1712
Die Kirche bis zum Herbst 1944, Mittelschiff
Jahre begehen kann. Im Jahre 1699 nämlich
hat der damalige Pfarrer Johann Werner
Fabritius für die Kirche »ein Kriptlein
bauen lassen «, und 1700 hat man schon
zwei Kerzen »an den hl. drey Konigen «
angezündet; da müssen also auch schon
die Figuren der hl. drei Könige vorhanden
gewesen sein .
Von den Statuen der alten Kirche sind
noch vorhanden:
Der hl. Pankratius natürlich an seinem früheren
Platz,
der hl. Michael mit der Seelen-Waage, der
früher im Eingang des Turmes seinen
Platz hatte,
die Christusfigur mit dem abgebrochenen
Arm ,
der hl. Rochus aus der Rochuskapelle, die
alle drei von ihrem reich verzierten Hintergrund
gelöst sind ,
die hl. Brigida mit der Kuh als Sinnbild
ihrer Tätigkeit zum Schutz des Viehes, in
den Kunstdenkmälern merkwürdigerweise
nicht erwähnt,
der hl. Nepomuk, von dem nichts bekannt
ist,
die hhl. Bruno und Benno, über deren
Herkunft usw. nichts zu finden ist;
in der Pankratius-Kapelle muß noch um
1927 der Ort gewesen sein für die beiden
hhl. Gertrud und Lucia, die beide nicht
mehr hier bekannt sind; die hl. Lucia dürfte
auch aus der Rochuskapelle stammen, da
sie die zweite Patronin dort gewesen ist.
Im übrigen müssen viele Kunstwerke aus
alter Zeit verschwunden sein, wie längst
bekannt ist. Vielleicht waren sie etwas beschädigt,
wie auch eine Menge von Gemälden
in den Akten genannt sind.
Noch gut bekannt ist die Geschichte, daß
einer der früheren Pfarrer dem Küster gesagt
haben soll, er möge die alten wohl
beschädigten Heiligen in den Ofen stekken.
Das hat der natürlich getan; als er sie
aber auf dem Sägebock, dem »Schraak«
hatte zum Zerkleinern, soll er wenig erfreut
gesagt haben : »Hackertjüß, wat
sennt die Deuvele vri-ed! « = Donnerwetter,
was sind die Teufel (die Heiligen) hart.
Die Kirche Konzen ist noch heute ausgezeichnet
durch etliche alte, ja ganz alte
Grab- und Gedenksteine, die zum Teil in
der Südmauer im Kirchenschiff und in der
jetzigen Taufkapelle, dem ehemaligen
Chor, zu sehen sind .
Im Kirchenschiff haben wir die Gedenkplatte
eingemauert des Gerichtsschöffen
und Kirchmeisters von Konzen Dierich
(Theodor) Offermann, gestorben am 19.
Januar 1708, 89 Jahre alt, mit der Frau
Geirdgen (Gertrudchen) Vesters, die mit
81 Jahren 1699 gestorben war. Sie haben
gelebt in der Ehe 55 Jahre, haben gehabt
7 Kinder, 50 Enkel und 10 Ur-Enkel. Dieses
Ehepaar Offermann hat aber gelebt in
lmgenbroich und soll recht begütert gewesen
sein.
Nicht weit davon entfernt sehen wir den
Gedenkstein des Leonhart Huberts (Huppertz),
der Schöffe des Amtes Monschau,
auch Kirchmeister und Küster in Konzen
gewesen ist, gestorben am 7. März 1706,
seine Hausfrau Johanna Clermont starb
anno . .. Das Todesdatum sollte später
nachgetragen werden, ist aber unterblieben.
Sie ist gestorben am 25. März 1723 in
Monschau am Schlaganfall.
In der Chorwand nach Süden zu ist eingesetzt
der Gedenkstein des Pfarrers Joh.
Werner Fabritius, gestorben in Konzen im
Alter von 47 Jahren, im 22. Jahr des Priestertums
am 1 . Februar 1704.
An derselben Wand befindet sich der
Grabstein für die Mutter und die Schwester
des Pfarrers Arnold Merkelbach. Die
Mutter war gestorben am 22. März 1713,
75 Jahre alt; am 5. Juli 1739 war dann
gestorben die Schwester Anna mit 69 Jahren.
Oben ist ein Spruchband mit dem
Text zu lesen: »Heudt mich, morgen dich
wird der Tod hinreißen. « Dieser eine
21
Die alten Heiligenfiguren noch in ihren geschnitzten Rahmen
Grabstein ist geteilt der Höhe nach für die
Mutter und die Schwester.
Daneben der Gedenkstein für den Pfarrer
Arnold Merkelbach, geboren zu Aubel am
16. August 1678, 1704 mit 26 Jahren
Nachfolger des Pfarrers Fabritius, hat sich
diesen Grabstein schon zu Lebzeiten gesetzt
im Jahre 1718, also mit 40 Jahren,
und ist gestorben in Konzen am 2. April
1760 mit über 80 Jahren, nachdem er im
Jahre 1749 aus gesundheitlichen Gründen
vom Amt des Pfarrers zurückgetreten war.
Früher hat unter dem Predigtstuhl gelegen
die große Grabplatte des Forstmeisters
Matthias Brewer; die Inschrift ist verfaßt in
lateinischen Versen und beklagt den Tod
dieses vortrefflichen Mannes, der Forstmeister
hier gewesen ist, (von 1583 bis
1606) als er an einer schweren Verwundung
gestorben war am Tag des hl. Laurentius
im August. Um ihn weinen die Gattin
zusammen mit 9 Kindern, und jedes
mitleidige Herz wird aufgefordert zu einem
Gebet.
(Über diese sehr wichtige Familie Bewer,
Brewer usw. im Gebiet von Monschau
sind Beiträge erschienen von Dr. Rud . Bewer
im E. H.V. 4. Jahrg., S. 117 ff. und
E. H.V. 5. Jahrg., S. 67 ff.) Die Grabplatte
Math . Brewer liegt jetzt mitten in der Taufkapelle
und sollte möglichst bald auch in
einer Wand aufgestellt werden wie auch
die anderen Grabsteine und Platten.
In der nördlichen Chorwand sind zwei weitere
Grabsteine zu sehen, links für die
vornehme Margareta Broll, über 2,50 m
hoch , schwarz gefärbt, mit reichem Wappenschmuck,
gestorben am 9. Februar
1588, und sie war die erste Frau des Christoph
v. Rolshausen jun .
Daneben aus rötl ichem Stein mit dem
Doppelwappen Rolshausen-Reuschen-
berg mit der Inschrift: »anno 1583 am 13.
Juni ist die edle ehr und tugentreyche
(tugendreiche) Elisabeth v. Rolshausen
des edlen und ehrenhaften Johan von
Reuschenberg zu Lupenaw gewesene
eheliche Hausfraw in Gott entschlafen
. . .« Die Elisabeth v. Rolshausen
scheint nicht sehr alt geworden zu sein, da
ihr Mann = Joh . v. Reuschenberg zu Luppenaw
noch im Jahre 1596 belehnt worden
ist mit »hauß Erb und Guth Hetzingen
mit Zubehör« im Jahre 1596 (Große Akte
Hardthof u. Lauterbach).
Das interessanteste Denkmal in der Konzener
Kirche überhaupt aber und völlig
einmalig hat sich befunden über der Tür
zur Sakristei mit eingemauertem Rahmen
mit vielen Wappen und Säulen , in der Mitte
eine kniende Frauengestalt vor einem Kruzifixus.
In den Armen hat sie gehalten ein
kleines Kind, das »Baby« war damals noch
nicht bekannt in Deutschland, das ohne
Ärmchen und Beinchen in ihren Händen
gelegen war. Nach dem Brand im Jahre
1869 ist dieses »Hüpfen« entfernt worden ,
weil es Anstoß erregt habe. Nach der Inschrift
unterhalb veröffentlicht in den
Kunstdenkmälern S. 21 ist dargestellt die
vornehme und auserlesene Frau Margaretha
v. Broill, ganz unerwartet gestorben,
Frau des vornehmen und gestrengen
Christ. v. Rolshausen, der in großer Trauer
dieses Denkmal gesetzt hat im Jahre
1588. Über diese Frau mit dem Hüpfen auf
den Händen ist genügend spekuliert worden
mit den ungestümen Bitten um ein
Kind , wenn es auch weder Arme noch
Beine habe, was der Herrgott ihr dann in
dieser Form auch habe zukommen lassen.
Ob däs der Wahrheit nahe kommt, oder als
Erklärung einer auffallenden Erscheinung
im Verlaufe der Jahrhunderte als Legende
gebildet worden ist, kann nicht ausgemacht
we rden. Es kann jedenfal ls auch
etwas ganz anderes gewesen sein. Aber
nun kommt das Merkwürdigste: Obwohl
die Inschrift unterhalb der knienden Frau
eindeutig die Margaretha v. Broill bezeichnet,
ist bei H. Laumans S. 124 und in den
Kunstdenkmälern S. 22 mit dem Abbild die
Elisabeth v. Rolshausen als die dargestellte
Frau angegeben. Wie das möglich ist,
entzieht sich jeder Erklärung. Darüber, daß
die Elisabeth v. Rolshausen in dem Hof auf
dem öntepool gestorben sei, braucht nicht
mehr diskutiert zu we rden. Der oben erwähnte
Hof Hetzingen liegt an der Rur bei
Grabmal der Margarethe von Broell über der
Sakristeitür, nicht = Elisabeth v. Rolshausen
22
Nideggen und ist zu m größten Teil dem
Amte Monschau zugehörig gewesen, wie
viele Akten im HStAD beweisen, auch
E. H.V. 20. Jahrg., S. 13 ff.
Und au sg erechnet dieses einmalige
Denkmal ist 1944 nicht etwa zerstört, sondern
durch die Hand ei nes ganz bösen
Buben vom Inneren der Kirche aus mit
Steinen heruntergeworfen worden . Dabei
kann aber nur die Fig ur der Frau , nicht
aber das ganze Denkm al zerstört worden
sein, das auf alle Fäll e hätte gerettet wer- .
den können, vielleicht mit späterem Ersatz
der knienden Frau vor dem Kruzifix. Aber!
Es ist geschehen, und so kann nur das
beigefügte Bild noch die Erinnerung an
dieses merkwürdige Denkmal festhalten .
Und doch muß etwas ganz Außergewöhnliches
mit dieser Margarete von Broill geschehen
sei n. Wie ande rs wäre es zu erklären,
daß der Chr. v. Rolshausen neben
dem großen und gewiß nicht billigen Grabstein
für seine versto rbene Frau zusätzlich
dieses Denkmal mit dem angeblich mißgebildeten
Kind chen auf den Armen hat an
fertigen und in der Ki rche anbringen lassen
. Das tut niemand ohne einen ganz
besonderen Anlaß . 1 f11an könnte auch an
den Tod im Kindbettld enken und manches
andere. Da aber keinerlei Unterlagen vorhanden
sind, sollte man von müßigen
Spekulationen absehen.
Nach den Ku nstdenkmälern S. 22 ist auch
noch ein Epitaph vorhanden gewesen, nur
teilweise erhalten, mit der Inschrift »Der
Mensch, geboren vom Weibe, lebt nur
kurze Zeit, erfüllt von vielem Mißgeschick.
« Auch dieses Teil-Monument ist
nicht mehr erhalten, ohne daß etwas Genaueres
über den 1589 Verstorbenen zu
erfahren gewesen wäre.
Die Pankratius-Kirche
Diese Kirche auf dem Konzener Friedhof
ist ohne Zweifel die erste aus Stein erbaute
Kirche des ganzen Monschauer Landes
gewesen . Es wird allgemein angenommen,
daß sie etwa um das Jahr 890 von
König Arnu lf, König ab 887, Kaiser ab 896,
gegründet worden ist, der der letzte Karolinger
auf dem Thron hier gewesen ist. Er
war ein großer Verehrer des hl. Pankratius
und hat nachweislich dessen Kult eingeführt
durch Gründung einer Pankratius
Kirche in Roding im Bayrischen Wald , Originalurkunde
im Bayr. Hauptstaats-Archiv
in München, und in Ranshofen in Österreich
bei Braunau . Ausführl iche Darstellung
in »Die Verehrung des hl. Pankratius
in West- und Mitteleuropa«, von Dr. A. Z.
Huisman, Haarlem 1939, wo bes. auf S.
126/127 die herausragende Rolle von
Konzen als Zentrum der Pankratius-Verehrung
in Nordwestdeutschland, in Bel
gien, den Niederlanden und Frankreich
dargelegt ist.
Nach R. Nolden ist es so gut wie bewiesen,
daß der Königshof Konzen schon zur
Zeit Karls des Großen gegründet worden
ist und zum Unterhalt des Marienstiftes in
Aachen hat beitragen müssen . In jedem
dieser Höfe aber hat es mit Sicherheit
auch einen Geistlichen gegeben, da sie ja
auch Mittelpunkt für das religiöse Leben
sein mußten. Dann muß es dort in der
Hofanlage selbst oder schon in einer Kapelle
- vielleicht zuerst nur aus Holz -
einen Raum für die Ausübung der christlichen
Religion gegeben haben. Wie das
aber im einzelnen ausgesehen hat, kann
mit einiger Sicherheit nicht gesagt werden.
Als dann später um 1160 die Bevölkerung
stark angewachsen war und man mit etwa
400 Leuten im Konzener Gebiet rechnen
konnte, hat die Pankratius-Kirche mit einem
Innenraum von etwa 100 m 2 nicht
mehr ausgereicht, und man hat sich gezwungen
gesehen, in kurzer Entfernung
die jetzige Kirche ganz neu zu errichten ;
dabei dürften die Steine der Pankratius
Kirche zu dem neuen Bau verwandt worden
sein ; wohl aber hat man das Chörchen
der alten Kirche stehen lassen .
Nun ist bei Konzen vor dem Oktober des
Jahres 1400 eine Schlacht, oder sagen wir
bescheidener, ein Gefecht gewesen zwischen
dem Burggrafen Johann v. Schönforst,
dem letzten Schönforster bis zum
Jahre 1433 in Monschau , und Walram von
Schleiden, dem Abt des Doppelklosters
Malmedy-Stavelot. Es kann uns heute nur
noch ein heftiges Kopfschütteln entlocken
darüber, daß sich solche kleinen Potentaten
in einem offenen Krieg bekämpft haben.
Uns aber bleibt die Hoffnung, daß ein
solches Kopfschütteln auch einmal verursacht
werden kann darüber, daß sich die
europäischen Staaten im 20. Jahrhundert
bis zum Weißbluten bekämpft haben . Damals
aber war es so, daß jeder kleine
Landsherr - auch die Äbte und Bischöfe
waren Landesherren - selbst in kleineren
Fehden zu den Waffen gegriffen hat.
Den Monschauern sind damals die Heinsberger
zu Hilfe geeilt, so daß das Heer der
Malmedyer - wohl einige hundert Mann -
nach einem Ausfall aus Monschau auf der
Hardt bei Konzen in der Nähe eines »Siefchens«
(Vlötz oder beginnender Laufenbach)
vernichtend geschlagen worden ist,
und daß das erwähnte Siefchen rot von
Blut gewesen sein soll, nachdem die Malmedyer
drei Tage lang in dem Land Monschau
gehaust hatten mit Belagern, Plündern
und Brennen. (Darüber gibt es Berichte
in den Jahrbüchern des Landes von
Stavelot.)
Es sollen etwa 300 Leute des Abtes von
Malmedy-Stavelot bei Konzen gefallen
und die übrigen gefangen worden sein.
Zur Auslösung der Gefallenen hat der Abt
12 000 Rhein. Gulden aufbringen müssen,
was damals eine gewaltige Summe gewesen
ist. Dann heißt es weiter: »Beynebens
der Contzer Pfahr-Kirchen ist aufgerichtet
worden ein Capelgen zur gedächtniß deren,
die dorten tot geblieben .«
Soweit waren die Dinge bekannt oder
auch nicht so sicher bekannt. Das alles ist
geklärt worden , als in den Jahren 1904/
1905 diese Kapelle wieder einmal renoviert
und mit einem neuen Dach versehen
worden ist. Dabei stellte sich heraus, daß
sie aus zwei Teilen bestanden hatte; das
alte Chörchen erwies sich mit den besonders
starken Mauern als der sehr alte Teil,
der Teil nach Westen zu - der Kirchenraum
- aber nur angelehnt und aus
schlechtem Mauerwerk bestehend. Dann
hat Pfr. H. Laumans damals auch im Inneren
graben lassen, wo in einer Tiefe von 1
m fünf menschliche Skelette mit prachtvollen
Zähnen gefunden wurden, die man
den Rittern oder Anführern der Schlacht
zugeordnet hat. östlich der Kapelle wurde
ein Massengrab der Gefallenen in drei
Schichten übereinander entdeckt, wobei
es sich wohl um die Soldaten gehandelt
haben muß . Auf Mützenich zu sind dann
Grundmauern von 10 mal 10 m im Quadrat
freigelegt worden, die den Innenraum der
alten Pankratius-Kirche gebildet haben
müssen. So konnte durch die Arbeit mit
dem Spaten auf einmal die ganze Geschichte
dieser Kapelle und Kirche klargestellt
werden.
Daraus ist aber auch zu erkennen, daß
man nicht nur durch schöne Theorien,
sondern gelegentlich auch durch die Arbeit
mit »Hack und Schöpp« einer Sache
auf den buchstäblichen Grund zu gehen
vermag .
Es kann also festgehalten werden , daß der
Abt Walram nach dem Jahr 1400 nicht eine
neue Sühne-Kapelle errichten , sondern
nach Beerdigung der Toten an das noch
vorhandene Chörchen den heutigen Gebetsraum
anbauen ließ.
Erstaunlich bleibt an den Arbeiten der Jahre
1904/05, die unter Mitwi rkung des Kirchenrendanten
Johann Peter Huppertz =
Marxe Jannes-Petter stattgefunden haben,
eine große Menge von altem Bauschutt
bewegt worden ist, besonders bei
der Freilegung der Mauern auf Mützenich
zu, und man nichts davon gemerkt hat,
daß man mitten in röm ischem Trümmerschutt
gestanden hat; auch der damals
noch recht junge Prof. Joseph Vogt, der
spätere Bischof von Aachen , hat die Ausgrabungsstätte
besucht, ohne etwas von
der römischen Grundlage der Kapelle zu
merken.
Die Verehrung des hl. Pankratius ist in
Konzen lebendig geblieben über die Jahrhunderte
hinweg bis in unsere Zeit. Der
älteste Taufstein der Konzener Kirche aus
dem 12. Jahrhundert, der jetzt wieder in
der Taufkapelle steht, hatte seinen Platz
früher vor der Pankratius-Kapelle, und der
Pfarrer weihte am Pankratius-Sonntag darin
das Pankratius-Wasser, das als Heilmittel
gegen Augenkrankheiten diente. Die
Besucher tauchten die Finger in das Wasser
und benetzten sich damit die Augen.
Ob das so sehr hygienisch war, mag dahingestellt
sein. Nach dem Hochamt wurde
die Reliquie des hl. Pankratius in der
Kirche in einer Art von Monstranz ausge-
23
Die Pankratius-Kapelle bis zum Herbst 1944
stellt und von den Gläubigen mit einem
Kuß auf die Glasscheibe verehrt. Auf dem
Vorplatz der Kirche gab es eine Reihe von
Kirmesbuden mit allerlei Krimskram , bei
uns bezeichnet als » Tänte«, die besonders
die damals noch zahlreichen Kinderscharen
angezogen haben . Ein recht lebendiger
Bericht darüber ist zu lesen im
Heimatkalender Monschau 1960, S.
103--106. Auch der Monschauer »Stadt- u.
Landbote« hat mehrfach über das Pankratius-Fest
berichtet, so im Mai 1860 und
besonders am 30. Mai 187 4, als man von
den großen Feierlichkeiten und dem großen
Zustrom berichten konnte unter der
Teilnahme von 7 Geistlichen. Im übrigen
ist bis in die 20er Jahre am Vorabend des
Pankratius-Festes mit den Glocken gebeiert
worden, wobei die Glocken durch Seilzüge
von den Klöppeln angeschlagen
wurden in einer bestimmten Melodienfolge.
Bis in die 20er Jahre ist jährlich eine Prozession
von Eupen aus über Reinhartzhof
oder über Roetgen zu Fuß zum Pankratius-Fest
gekommen, bis zuletzt mit Blasmusik.
Man kann diese Prozession schon
nachweisen bis zum Jahre 1846, als der
Konzener Pfarrer deswegen einen zusätzlichen
Geistlichen beim Generalvikariat in
Köln anforderte und auch erhalten hat. Damit
ist der Beginn dieser Prozession natürlich
nicht auf das Jahr 1846 festgelegt.
Genau wie in Konzen ist auch in dem Ort
Floßdorf in der Gegend von Zülpich mit
dem Pankratius-Patrozinium das Wasser
als Heilmittel für die Augen = Kott-Ooche
Wasser am Pankratius-Tag geweiht worden.
Diese Pankratius-Kirche aber in Floßdorf
und in allen anderen Kirchen in Westeuropa
haben diesen Kult eingeführt durch die
Vermittlung oder zum mindesten den Ursprung
dieses Kultes hier in Konzen. Das
ist mit genügender Sicherheit nachgewiesen
in dem Buch des Dr. Huisman aus
dem Jahre 1939.
Nach der Geschichte der christlichen Märtyrer
soll der hl. Pankratius bei den Verfolgungen
unter den Kaisern Valerian oder
Diokletian als 15jähriger Knabe enthauptet
worden sein, und so zeigt ja auch heute
noch die Statue in barocker Ausführung
aus dem 17. Jahrhundert einen ritterl ich
gepanzerten Knaben, heute in der Taufkapelle,
früher in der Pankratiuskapelle
(Kunstdenkmäler, S. 24) aber schon vor
Jahrzehnten in der Kirche an der Seite des
Josephs-Altares.
Nach der Restaurierung durch den Pfr. H.
Laumans nach den Grabungen des.Jahres
1904/05 ist die Pankratius-Kapelle also bis
zum Herbst 1944 so geblieben, wie wir
alle sie noch gekannt haben . Eine Zeichnung
mit der Konzener Kirche, dem spitzen
Helm, der gewaltigen Buche, die ihre
Äste bis zum Helm des Kirchenturmes
reckt, dem Pfarrhaus und der Pankratius
Kapelle befindet sich in den Kunstdenkmälern,
S. 15.
Hier noch eine Reihe von Arbeiten an der
Pankratius-Kapelle, wie sie aus den Rendanten-Rechnungen
im Pfarrarchiv zusammengestellt
werden konnten :
1645 ist von Deuren (Düren) ein Altar nach
Konzen gekommen, geschenkt, für den
nur 7 gld . für den Transport gezahlt worden
sind. Vielleicht ist dieser Altar nach
1710 - 1712, nach dem Einbau des großen
neuen Altars von Meister Pecourt, in
die Pankratius-Kapelle gekommen.
Im Mai 1647L48 und auch 1651 /52 ist an
der Pankratius-Kapelle gemauert worden .
1684 ist der Leyendecker auf beiden Kirchen
tätig gewesen, und das ist der Beweis
für das damals schon vorhandene
Schieferdach, und dafür sind 1674 auch
schon Dachlatten gekauft worden ;
1687 ist die Kapelle ren oviert worden für
den Betrag von fast 100 gld. (Gulden).
1692 und 1697 sind Dillen (Dielen) und
Bunn-Nägel für die Kapelle bezahlt worden,
und die Kapelle ist damit »gebunnt«
= jebönnt = Fußbodenbretter angebracht
worden . » 1750 ist der Turm der Pankratius-Kapelle
übern Haufen geworfen«, und
im nächsten Jahr sind die Kefferen =
Dachsparren am Turm mit eisernen Klammern
festgemacht worden, und es sind
Latzen und Dei ll (Dielenbretter) beschafft
worden »für die Kapelle zu böhnen« = für
16 Rthlr.
1752/53 ist, wie auch sonst öfters vorgekommen,
in der Kapelle 7½ Tage »geplästert
und gewißt« worden = verputzt und
weiß gekälkt worden für 23 Thlr.
1819/20 sind Arbeiten am Missionskreuz
und an der Mauer der Pankratius- Kirche
durchgeführt worden;
1821 sind die Türen an der Kapelle erneuert
worden;
1860 ist der Westgiebel (auf Mützenich zu)
erneuert worden, aus Mitteln der Gemeinde.
Nach den Kunstdenkmälern S. 26 heißt
es, daß der Barockaltar aus dem Jahre
1717 nicht mehr vorhanden sei, auf dem
Tabernakel habe die Figur des hl. Pankratius
gestanden, kü nstlerisch von bescheidenem
Wert; beiderseits haben die Barockfiguren
der hl. Benno und Bruno gestanden
, die heute noch in der Taufkapelle
stehen , an der Westmauer Ko nsolfiguren
der hl. Gertrud und Lucia, 90 cm hoch.
Diese hl. Lucia könnte aus der Rochuskapelle
stammen , da sie ja als zweite Patronin
dort verehrt worden ist. Von der hl.
Gertrud und den hl. Bruno und Benno ist
kein Wort bekannt geworden, weder von
der Herkunft, von einer Restaurierung auf
Kosten der Kirchenkasse noch sonst etwas.
Diese Sache wird im dunkeln bleiben
müssen.
Bei der Restaurierung nach 1904/05 hat
man das Fenster im Ostgiebel zugemauert
und einen alten Grabstein dort in die Lükke
eingefügt mit der Inschrift:
Theiß hermes haußfraw 1620. Das ist
demnach ein ganz alter Grabstein hier gewesen
, leider aber nach dem letzten Krieg
irgendwie weggekommen.
Im letzten Krieg ist die Pankratius-Kapelle
auch stark beschädigt worden, aber nicht
völlig zerstört, wie man auch gelegentlich
lesen kann, s. E. H. V. 1937, S. 64, die
Kapelle mit dem zerstörten Dachstuhl aber
mit Erhalt der Außenmauern. Das Dach ist
dann aber schon bald restauriert und mit
Dachziegeln, mit Pannen, gedeckt worden,
um es vor dem Verfall zu schützen.
Im Jahre 1958 ist die Pankratius-Kapelle
nochmal gründlich renoviert worden, was
nicht mehr in den hier behandelten Zeitabschnitt
gehört, aber aus einem ganz wichtigen
Grund noch kurz behandelt werden
muß.
Es war seit langer Zeit bekannt, daß die
karolingischen Königshöfe zu einem guten
24
Teil auf rö mischer Grundlage errichtet
worden sind. Deshalb auch seit vielen
Jahren die Nachsuche in der Gegend des
Hardthofes nach einer wenn auch noch so
kleinen Spur aus der Römerzeit. Aber alles
war vergebens. Zu der gründlichen Renovierung
im Jahre 1958 ist zunächst ein
Graben gezogen worden rund um das
Mauerwerk, um von unten her die Feuchtigkeit
abzuh alten. In dieser Zeit kam eines
Nachmittags der Pfr. Henn mit einem
handgroßen Stück eines hellroten Ziegels
und fragte nach dem Was und Wie. Das
Stück hatte die typische hellrote Farbe der
römischen Dachziegel und den auffallenden
Wulst an der Seite.
In dem Augenblick hat es einen geistigen
Luftsprung gegeben, weil damit die römische
Grundlage des Ortes Konzen dokumentiert
war. Bei den weiteren Arbeiten
sind besonders unter dem Vorplatz große
Mengen römischen Schuttes zum Vorschein
gekommen, und an Hand der Tonscherben
konnten die Archäologen die
Funde auf das 2. und 3. Jahrhundert unserer
Zeitrechnung datieren. Weitere interessante
Funde waren damals eine große
Steinplatte aus hiH igem Schiefer in der
Größe von etwa 120 mal 80 cm mit einem
sauber ausgebohrten Loch von etwa 20
cm genau in der Mitte. Es ist wohl nicht
ganz abwegig zu vermuten, daß es sich
dabei um eine ganz alte Altarplatte gehandelt
hat mit dem Loch in der Mitte zur
Aufnahme der Reliquien . Am Rand des
gezogenen Grabens lagen noch zwei sehr
gut erhaltene Schädel junger Leute mit
vollständigem Gebiß, von denen der eine
in der Schädeldecke eine lange Kerbe aufwies,
einen »Schnaaf«, der sicher von einem
Schwerthieb in der Schlacht des Jahres
1400 herrühren mußte. Leider sind
diese Stücke ohne genaue Dokumentation
oder Photographie wohl in dem Sammelgrab
an der Giebelseite der Kapelle in die
Erde gekommen.
Für uns aber ergab dieser römische Fund
nun auch den lange gesuchten Namen
unseres Ortes Konzen . Auch darüber war
schon manches an blanker Theorie entwickelt
worden, z. B. von dem Kreisschulinspektor
Dr. Quirin Esser aus Malmedy,
veröffentlicht 1880 in der »Monatsschrift
für die Geschichte Westdeutschlands«,
Nachdruck in unserem E. H. V. 1927, wo
er Konzen mit einem Cunopennius, einem
aus keltischen Silben zusammengestükkelten
Vornamen erklären wollte.
In der Schule hatten wir von unserem Lehrer
Heinrich Benedikt Capellmann gelernt,
Konzen liege in einem »Kamp « = einer
Schüssel, zwischen der Hu-e und der
Hardt, und habe daher den Namen bekommen.
Von der Version, daß die Leute
in Konzen Karl den Großen erwartet und
endlich bei der Ankunft ausgerufen hätten:
»Do Konze! « = da kommen sie, wollen wir
nicht weiter reden. Daß das Wort Compendium
mit der Nebenform Compendio aus
der lateinischen Sprache zu erklären sei ,
zumal dieses Wort schon in vielerlei Bedeutungen
im klassischen Latein vorkommt,
hätte man aber auch früher schon
erkennen können. Der damals recht bekannte
Franz Cramer aber hat schon vorher
und dann wieder in der Festschrift zum
25jährigen Jubiläum des Eifelvereins 1913
die Orte Mützenich, Konzen und Kesternich
als Orte an einer römischen Straße
angesehen. Mit dem Fund aus der Römerzeit
in Konzen und der bald darauf entdeckten
römischen großen Fundstelle in
Kesternich ist diese Annahme von Franz
Cramer zur Gewißheit geworden. Nur von
dem römischen Mützenich ist bisher nur
eine wahrscheinlich römische Scherbe
gefunden, ohne daß die Baustelle bisher
entdeckt worden wäre.
Nachdem durch die römischen Funde ein
helles Licht auf den römischen Ursprung
mit dem lateinischen Namen gefallen war,
ist schon ausführlich darüber geschrieben
in unserem Heimat-Kalender 1961 , S.
85-90, unter dem Titel : »Konzen und die
Römerstraßen «, wo diese Frage noch wesentlich
ausführlicher behandelt worden
ist.
Und noch eine letzte Bemerkung zu diesem
Thema: Wir haben im ganzen Gebiet
von Monschau bisher etwa 40 römische
Fundstellen ausmachen können. Davon ist
z. B. 1957 ein großes Bauerngehöft der
Römerzeit in Eicherscheid ausgegraben
worden in einer Länge von 26 m; im Buhlert
ist kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine
römische Villa mit Unterbodenheizung
(Hypokausten) entdeckt worden, aber nur
Mützenich, Konzen und Kesternich haben
Ortsnamen aus der Römerzeit behalten,
Mützenich = der Hof eines Mutinius, Konzen
= Compendium = Verbindungsweg
und Kesternich der Hof eines Castrinius;
alle anderen Siedlungen der Römerzeit
sind ohne Namen untergegangen. Auch
das ein Beweis, daß es mit unseren drei
röm ischen Namen eine besondere Bewandtnis
gehabt haben muß, nämlich als
Straßenverbindung, die auch nach der
Übersiedlung durch die nachrückenden
Franken die Namen der Römerzeit weitergegeben
hat.
Die Rochus-Kapelle
Es ist bekannt, daß diese Kapelle dort
gestanden hat, wo seit dem Jahre 1930 an
dem Kreuzweg lmgenbroich-Mützenich
und Konzen-Stillbusch das große Stillbuschkreuz
steht.
Sie kann aber nicht wie etwa die Johanniskapelle
nur ein kleiner Gebetsraum gewesen
sein , da jährlich zwei Messen darin zu
lesen und sogar zu singen waren. Dazu
gehört aber auch ein kleiner Altar wohl mit
der Statue des hl. Rochus darauf, die sich
heute in der Konzener Kirche befindet.
Und es mußte Platz sein für den Priester
und den Küster, die sich ja auch bewegen
mußten. Wir müssen folglich einen Innenraum
von etwa sechs m 2 voraussetzen,
und das wäre auch etwa die Größe der
Quirinuskapelle oben im Dorf.
Die große Frage ist die nach dem Alter der
Kapelle! Auf dem Kreuz ist seit Jahren
eine Tafel angebracht mit der Jahreszahl
1630. Woher aber gerade diese Zahl
stammt, ist ungewiß. Im allgemeinen wird
das Pestjahr 1636 hier als Jahr der Gründung
angesehen, und »kurz nach 1630«
heißt es auch in den Kunstdenkmälern S.
26.
Prälat Peter Schreiber, lmgenbroich-Mauenheim,
meint im »Eremit« 1966, S. 110,
daß vielleicht Pfr. Lingens selbst diese Kapelle
errichtet haben könne. Der war aber
damals ein alter und schwacher Mann und
bereits seit längerer Zeit krank. Für wahrscheinlich
hält es aber Prälat Schreiber,
daß die Kapelle 1703 gleichzeitig mit der
Stiftung für zwei Messen jährlich durch die
Familie Müller in Monschau errichtet worden
sei. Und dieses Wort »wahrscheinlich
« können wir mit guten Gründen in ein
»tatsächlich« umwandeln.
Denn: Wer sollte eine solche Kapelle mit
Altarraum dorthin außerhalb der Ortschaften
bauen lassen, ohne daß irgend jemand
sich darum kümmern mußte für die Unternaltung
usw.? Es müßten sonst in den
Rendanten-Rechnungen ab 1634 irgendwelche
Ausgaben dafür oder sonst etwas
vermerkt sein; aber kein Wort darüber ist
zu finden . Wenn diese Kapelle seit etwa
70 Jahren dort gestanden hätte, müßte sie
auch schon einen Namen gehabt haben
wie »Rochuskapelle« oder etwas anderes!
Und auch das ist nicht der Fall.
Nun befindet sich im Diözesan-Archiv in
Aachen ein Schreiben 1 ½ Seiten des damaligen
Pfarrers J. W. Fabritius vom 21 .
Juli 1703, daß er »von dem wohlachtbaren
und ehrenfesten Michael Müller, sodann
Gerhard, Peter, Mees, Jan und Theiß Müller
als Gebrüder und nächsten Blutsverwandten
empfangen habe 60 Thlr. (Thaler)
zu dem Ende, (Zweck) daß zwei Messen
an St. Rochus (16. August) und St. Lucia
(13. Dezember) von dem derzeitigen Pastor
und seinen Nachfolgern von nun an
bis zu ewigen Zeiten jährlich gesungen
werden müssen. « Während dieser Messen
sollen die Namen der Stifter genannt
werden auch »daß für lebende und abgestorbene
der ganzen familie und freundschaft
zeitliche und ewige Wohlfahrt gebettet
würde. « In einem Schreiben vom
Jahre 1807 im Pfarrarchiv Konzen wird
beiläufig erwähnt, daß die Frau des erstgenannten
Michael Müller eine Lucia Schreiber
gewesen sei und deshalb also die
Messe an dem sehr ungelegenen 13. Dezember
jeden Jahres.
Und 1704 trägt der neue Pfarrer A. Merkelbach
gleich ein, daß er die Anniversarien
(Jahrgedächtnisse) ordentlich gehalten
habe am Fest des hl. Rochus in der »Capellen
von Michael Müller«, und das beweist,
daß er noch keinen Namen für diese
Kapelle kennt. Noch deutlicher wird das in
der Rendanten-Rechnung des Jahres
25
1704, in der es heißt: »das Capelgen an
der Viehtriefft von Michel Müller, welcher
dargestellt vier reyß Leystein zu Notbaw
dessen, aber zu Nothbaw der Kirchen
Contzen abgeholt = sechs Thlr. 8 alb.
(Diese Summe hat der Rendant also dafür
ausgeben müssen.) Ein reyß oder Ries ist
ein altes Maß und bedeutet für Dachschiefer
nach dem Rhein. Wörterbuch in der
Gegend des Maifeldes acht Fuß oder 2½
m 2 Schiefer; ob dieses Maß damals auch
hier genau dieselbe Größe gehabt hat,
muß fraglich bleiben. Auf jeden Fall aber
ist es so, daß der Pfarrer diesen Dachschiefer
1703, das kommt dann in die
Rechnung des Jahres 1704, weggenommen
hat für eine notwendige Reparatur der
Kirche, wobei aber nur ein kleiner Teil des
großen Kirchendaches. hat repariert werden
können.
Es erhebt sich aber die Frage, warum die
Familie Müller in Monschau 1703/1704
diese Kapelle zu Ehren des hl. Rochus hat
errichten lassen, als von der Pest hier
keine Rede mehr gewesen ist?
Der hl. Rochus soll nach der Legende im
13./14. Jahrhundert Pestkranke gepflegt
und sich selbst dabei angesteckt haben.
Als einziger wohl unter vielen Tausenden
habe er aber diese scheußliche Krankheit,
die damals ganze Dörfer und Landstriche
verwüstet hatte, überwunden und mußte
folglich - nach Meinung des Volkes - über
besondere Kräfte dagegen verfügen.
Die Statuen und Bilder des hl. Rochus
deuten das so an, daß der Heilige selbst
auf ein offenes Geschwür am Oberschenkel
zeigt wie auch in Konzen.
Daß die Pest tatsächlich bei uns hier gewütet
hat, geht sehr deutlich hervor aus
einem Schreiben des Herzogs von Jülich
an den Prior von Reichenstein vom 16.
Okt. 1636, worin er darum bittet, daß die
Mönche »in dieser Zeit, in der unser Amt
Monjoye die abscheulich Pest und andere
contagiose (ansteckende) Krankheiten
stark eingerissen (seien) und grassieren
thun ... wegen des Abganges der Pastoren
und Seelsorger den »sterbenden Leuten
geistlichen Trost und Heil spenden
mögen «, was auch etwa 70 Jahre später
noch in Reichensteiner Akten bestätigt
wird. Zwischen 1636 und 1640 gibt es
leider keine Steuerlisten in unserem Amt,
im HStAD. Im Jahre 1640/41 aber sind
Häuser als »leddig« = leerstehend aufgeführt
wie niemals zuvor, oder nachher. Da
sind also leddig: Huppenbroich = sechs,
lmgenbroich-Menzerath = elf, Höfen =
27, Kalterherberg = 29, Eicherscheid =
20, im jetzigen Rurberg = neun, Kesternich
= 17, zusammen also 119 Häuser!
Die anderen Dörfer dagegen müssen wohl
verschont geblieben sein, da nur hier und
dort mal ein Haus leer steht, wie das auch
sonst vorgekommen ist. Auch unser Konzen
scheint von der Pest kaum betroffen
gewesen sein, und der Pfarrer Lingens, in
den Reichensteiner Akten auch als »Linckens«
bezeichnet, dürfte sich in lmgen-
broich angesteckt haben und daran gestorben
sein. Was in der Stadt Monschau
selbst gewesen ist, wissen wir nicht, da
die Bürger nicht in den allgemeinen
Steuerakten erscheinen, da sie andere
Aufgaben und auch Pflichten haben.
Eine große und auch entscheidende
Schwierigkeit bei den gestifteten Messen
bereitet der Tag der hl. Lucia am 13. Dezember.
Was an diesem Tag das Wetter
bei uns machen und anrichten kann ,
braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.
Jedenfalls mußte der alte Pfarrer bei Sturm
und peitschendem Regen, bei Frost und
vielleicht bei knietiefem Schnee und
Schneesturm an die Kapelle in »Rommpool
« ziehen und dort wohl bei geöffneter
Tür singend das gestiftete Amt halten. Dazu
kommt, daß die Kapelle mehrfach aufgebrochen
und der Opferstock beraubt
worden war. So hat dann der damals
80jährige Pfarrer Schreiber sich entschlossen,
die Kapelle aufzugeben und
die beiden Messen in die viel geeignetere
Pankratiuskapelle oder in die Pfarrkirche
verlegen zu lassen, natürlich nur mit Genehmigung
des Generalvikariats in Köln .
Darüber gibt es nun einen längeren
Schriftverkehr in dem Aktenstück im Diözesan-Archiv
in Aachen = Ala Konzen Nr.
9, aus dem Johann Zimmermann in unserem
Heimatkalender 1961 schon eine ganze
Reihe von Einzelheiten berichtet hat.
Darin gibt Pfr. Schreiber auch an, daß die
Kapelle so eng sei , daß sie kaum den
Zelebranten fassen könne, daß auch die
Unterhaltung aus den geringen Zinsen
nicht möglich sei . Er habe die Kapelle
zweimal unter großen Kosten herstellen
lassen , die schöne Tür mit eisernen Beschlägen
und Schloß sei aber zerstört,
weshalb er keine vergeblichen Unkosten
mehr habe aufwenden wollen. Sein Entschluß
stehe fest, und Herr Derich Dunkel
aus den (Stiftungs) Anverwandten habe
ihm schriftlich sein Einverständnis erklärt.
Und es sei auch so, daß der Zelebrant bei
entstehendem geringsten Ungewitter
nicht einmal die HI. Species auf dem Altar
zu erhalten in der Lage sei ; auch sei die
Kapellentür dreimal gewaltsam erbrochen
worden und also den Vorbeigehenden der
Zugang offen ; dazu sei die von frommen
Leuten eingebrachte Opfergabe diebisch
entwendet usw. Die Kapelle sei so nicht
mehr zu unterhalten.
Nach all dem entscheidet das Gen. Vikariat
in Köln endgültig wie folgt:
»Als wird hiemit von Ordinariatswegen
verordnet, daß sothane 2 Messen in zukunft
an den vorgeschriebenen Tagen
nach vorheriger Verkündung von der Kanzel
in der Pfarrkirche zu Contzen ad intentionem
fundato rum (na,.ch Absicht der Stifter)
gehalten und obgemelter Überschuß
unter die Pfarrarmen ausgeteilt werden
soll~.«
Köln, den 28. Oktober 1793
J. P. von Horn-Goldschmit
Damit war das Todesurteil über unsere
St.-Rochus-Kapelle gesprochen, aber
nicht ohne scharfen Widerspruch der
nachgeborenen Verwandten der Stifter
Familie Müller. Daraus geht hervor, daß
bei den beiden Messen großer Zulauf gewesen
sei aus den umliegenden Ortschaften,
besonders zum hl. Rochus als dem
sonderbaren Patron und Nothelfer in verschiedenen
Anl iegen. Jetzt aber sei die
Kapelle vollends demoliert, sie aber hätten
für 30 Th lr. repariert auf eigene Kosten
und deshalb seien die Messen dort wieder
zu lesen; sonst werde es schlimme Folgen
haben, zumal bei diesen »sogenannten
aufgeklärten freydenkenden Zeiten« . . .
Der Pastor habe au s bloßem Eigensinn
gehandelt und bestehe darauf. Das Kapital
der Stiftung solle zu rückgegeben werden,
das z. Z. Matheis Call in Konz~n leihweise
in Besitz habe. Besondere Forderungen
wegen der Reparaturen an der Kapelle
gegenüber dem Pfr. Schreiber behielten
sie sich noch vor usw .. .. »zumal die
Messen schon zwei Jahre nicht mehr gehalten
worden seien «. Unterschrieben von
J. W. Jansen, Amtsverwalter, Joh. Bertram
Strun k, Bürgermeister, Hubertus und Merlen
Müller.
Auch wurde dem Pfr. Schreiber der Vorwurf
gemacht, daß er schon seit Jahren
nichts davon habe repariere n lassen, sondern
im Gegenteil vor einem Jahr die Tür
samt steinernem Tü rgespann und Altarsteinen
habe wegfü hren lassen . (Das dürfte
al lerdings kaum der Wahrheit entsprechen.)
Es ist eine alte Erfahrung, daß gerade bei
Streitereien manche Dinge ans Tageslicht
kommen, die sonst im Verborgenen geblieben
wären . So ist es auch hier, als die
Erben und Nachkommen Müller genau angeben,
was sie in letzter Zeit an Reparaturen
veranlaßt und ausgegeben hätten als
da sind : für Kalk = 2 Thlr. 45 Stbr. (Stüber)
, an Sand = 1 Thlr., an Maurer/u.
Leyendecker, Arbeit an dannen Bord, Leyen
und Fuhrlohn = 16 Th lr. 47½ Stbr., an
Bilder neu anstreichen, neue Leuchter und
Altar-Fuß = 6 Thlr. = zusammen = 29
Thlr., 54½ Stbr.
Daraus ersehen wir also, daß die Kapelle
mit Schiefer gedeckt war, was auch bei der
Wegnahme der Schieferplatten 1703/
1704 schon zu erkennen war; der »dannen
Bord« dürften Bretter aus Tannenholz
am Dachrand gewesen sein ; (woher aber
hat es damals Tannenholz gegeben?) es
sind Bilder und Leuchter vorhanden, aber
wieviele Bilder und was haben sie dargestellt?
Und der Altar muß vorhanden gewesen
sein; die Trallien sind eiserne Gitterstäbe,
die wahrscheinlich an einem
Fenster in der Tür angebracht waren . Die
Statue des hl. Rochus wird wohl auf diesem
Altar gestanden haben, so daß andächtige
Wanderer und Beter sie durch
das Fenster auch bei geschlossener Tür
haben sehen können .
So können wi r für diese Kostenaufstellung
26
nur dan kbar sein und uns dadurch ein
ziem lich genaues Bild der St.-Rochus-Kapelle
machen.
Auf diese Vo rwürfe muß Pfr. Schreiber
natürlich noch antworten, daß er ja die
beiden gestifteten Messen weiterhin halten
wolle, aber in der Pankratius-Kapelle
oder in der Pfarrki rche, wegen der Ungelegenheiten
aber nicht mehr in der Kapelle.
Er sei fest entschlossen, in dieser aufgebrochenen
Kapelle nicht mehr zu zelebrieren
und sie eingehen zu lassen. Damit
enden die Schriftstücke, und wir müssen
annehmen, daß die Sache endgültig entschieden
war im Sinne des alten Pfr.
Schreiber.
Wenn die Tür zusammen mit dem steinernen
Rahmen sch on auseinander gerissen
war, muß die Kapelle in den nächsten Jahren
verfallen sei n. Im übrigen waren Mauersteine
damals eine gesuchte Sache, und
wir könn en annehmen, daß sie bald für
andere Zwecke in Privathäusern neu verarbeitet
worden sind. An einer Stelle heißt
es zwar, daß die Kapelle im Jahre 1825
abgebrochen worden sei , aber auch dafür
gibt es keinen sicheren Beweis.
Bis zum Jahre 193d ist die Stelle der Rochuskapelle
zwar ri eh bekannt gewesen,
aber ohne ei ne Spur im Gelände. Dort hat
Pfr. Johannes Pontzen das große Kreuz
mit geschnitztem Kruzifixus errichten lassen
, das in ein er Feierstunde der Öffentlichkeit
übergeben worden ist. Aber auch
an dieser frommen Gebetsstätte ist die
Geschichte nicht spurlos vorübergegangen,
da am 14./15. Juni 1937 der Christus-Körper
durch böser Buben Hand zerschlagen
worden ist. Nachforschungen
nach den Tätern sind in der damaligen Zeit
- fast natürlich - erfolglos geblieben. Das
Kreuz aber ist noch in demselben Jahr
wieder hergestellt worden , so wie es heute
dort zu sehen ist.
Das Stillbusch-Kreuz
Einmal im Jahr findet heute noch eine
Prozession für den Frieden dorthin statt,
wo das große Kreuz, von einer heimischen
Buchenhecke geschützt und einem niedrigen
Zaun umgeben, einen andachtsvollen
aber auch malerischen Platz bietet. P. S.
Im Jahre 1971 ist das Holzwerk des Stillbusch-Kreuzes
erneuert, die Umzäunung
neu angefertigt und der ganze Platz rundum
in Ordnung gebracht worden mit einer
Spende von Ungenannt in der Höhe von
2 000,- DM .
Die Quirinus-Kapelle
Diese Kapelle dürf1e nicht ganz zufällig
dort oben an der »Hu-e« gegründet sein.
Wenn nämlich der Dechant von Zülpich
zum Send = zum kirchlichen Gericht und
zur Visitation nach Konzen kam, hat er den
Weg von Abenden herauf entweder gleich
über die Hohe Straße oder von der Lutterbach
aus genommen.
In einem Weistum zu diesem Sendgericht
des Jahres 1415 heißt es nämlich, daß der
Dechant mit seinen Begleitern kommt von
Abenden aus und soll in »Coemptz« empfangen
werden »up dem hoechsten bi
dem Cruitz« und dann sich zum Widemhof
= der Pastorat begeben . Diese Stelle auf
dem Höchsten dürfte wohl genau unsere
Stelle am Eingang des Dorfes gewesen
sein, wo dann die Quirinus-Kapelle erbaut
worden ist.
Die Gründung bzw. Stiftung dieser Kapelle
ist schon kurz erwähnt im Kirchenbuch bei
den Anniversarien (Jahrgedächtnissen)
mit den drei gestifteten Messen.
Eine Kopie, beglaubigt durch den Notarius
Lauterbach , drei eng beschriebene Seiten,
befindet sich im Diözesan-Archiv in Aachen.
Daraus in Kürze die wichtigsten Angaben:
10. July 1679: »Der tugendsame Gerhard
Lauterbach und Agnes bewel (Beuel) Eheleute
haben an der hohe eine Capelle aufbawen
lassen zu ehren ihrer sonderlich
dazu erwählten Patronen « . . . Für die Unterhaltung
des Gebäudes ist ein Graßhöffgen
(Hauswiese) in seinen Hagen (Hekken)
an der hohe neben Nelles Beweis
gelegen bestimmt, das die Eheleute zeitlebens
noch benutzen gegen jährliche Unterhaltung
des Baues; nach beider Tod
kann der Pfarrer das Höffgen vermieten
und das Geld für die Kapelle oder Zierrat,
Kaseln oder andere Meßgewänder verwenden.
Dieses Grundstück hatte die
Größe von 18 ar, 13 m 2 ; ein zweites
Grundstück ist gestiftet für drei Lesemessen,
gelegen auf der Höhe, Größe 32 ar,
91 m 2 . Die drei Lesemessen sind zu halten
am 7. April zum damals noch seligen, seit
etlichen Jahren Heiligen Hermann Joseph
von Steinfeld, am 30. April zum hl. Quirinus
und am 5. August am Tag »Maria
Schnee«; das geht zurück auf eine mittelalterliche
Legende, wonach in Rom etwa
im Jahre 400 eine Marienkirche neu geweiht
worden sei, wobei wie durch ein
Die Quirinus-Kapelle des Jahres 1679 vor dem
völligen Neubau
Wunder Schnee gefallen sei; und so ist
der 5. August zu dem Fest »Maria
Schnee« geworden.
Außerdem haben die Eheleute Lauterbach-Beuel
ein drittes Grundstück gestiftet
von ca. 1 Morgen auf der Hohe für zwei
Jahrgedächtnisse für sie selbst mit dem
Flurnamen »das Zäunchen «.
Die Ouirinus-Kapelle ist errichtet worden
auf einem fast quadratischen Grundriß aus
hiesigem Bruchstein in einer schlichten
Form. Es sind zwar öfters Reparaturen
vorgenommen worden, aber nach unseren
Kenntnissen keine wesentlichen Veränderungen
in der Substanz, so daß wir diese
Kapelle in ihrem alten Zustand fast genau
300 Jahre auf der Hohe gehabt haben. Sie
war durch die kriegerischen Ereignisse
zwar stark beschädigt, sollte aber zunächst
in der alten Form restauriert bzw.
neu aufgezogen werden. Nach neuen Plänen
ist sie aber im Jahre 1967 abgerissen
und durch einen sogenannten fortschrittlichen
Neubau ersetzt worden, nicht gerade
zur Zierde des Dorfes an dieser wahrlich
historischen Stätte. Am Abend des 1. Juni
1969 ist die neue Kapelle durch den Aachener
Weihbischof Buchkremer neu geweiht
worden und hat Kosten verursacht in
der Höhe von 1 643,31 DM, die durch
Spenden und Opfer der Pfarrangehörigen
aufgebracht worden sind.
Der hl. Ouirinus ist in Konzen verehrt worden
als Fürbitter in schwerer Krankheit,
dabei meistens als Helfer für eine glückselige
Sterbestunde. Noch bis in die 60er
Jahre hat man einzelne Leute oder kleine
Gruppen von Leuten gesehen, die z. T.
aus lmgenbroich hörbar betend über die
Landstraße kamen, um in diesem Sinne
für ihre Angehörigen bei der Quirinuskapelle
zu beten.
Daß auch Leute von weiterher gekommen
27
sind, beweist ein Eintrag im Konzener Kirchenbuch;
danachistam26. August1721
die Tochter Catharina des Franciscus Wilden
aus Lammersdorf dorthin gekommen
aus Devotion = frommer Andacht; plötzlich
ist sie von einer Kolik gepackt worden
und innerhalb von 24 Stunden gestorben
und hier (in Konzen) zu Grabe getragen
worden .
Auf dem Grashöffchen ist 1937 das Wohnhaus
der Familie Leuther errichtet worden,
nachdem für dieses Kirchenstück ein anderes
Grundstück eingetauscht worden
war. (Akte im Pfarr-Archiv .)
Die Johannis-Kapelle
Wir haben gehört, daß früher die Verehrung
des hl. Evangelisten Johannes sehr
groß gewesen ist. So kann es auch nicht
verwundern, daß eine alte Kapelle seinen
Namen getragen hat. Sie hat gestanden
angebaut an das Haus Gillessen oben an
der Ecke Landstraße - Blumgasse. Als
dieses Haus um 1885 nach Osten hin
erweitert wurde, hat die Kapelle weichen
müssen und ist abgebrochen worden .
Nach Ansicht ganz alter Leute und nach
einer Notiz aus der Kirchenchronik durch
den Rendanten Joh . Peter Huppertz ist sie
errichtet worden im Jahre 1665. Darüber
konnte aber nichts gefunden werden , auch
nicht über den späteren Abbruch um
1885. Auch in den gesamten Rendanten
Rechnungen sind keinerlei Ausgaben oder
sonst etwas über diese Kapelle gefunden
worden. Man kann nicht umhin, die Angaben
mit der Zahl 1665 als recht fraglich zu
bezeichnen. Nun ist aber in diesem Jahr
1665 die Johanniskapelle in Simmerath
am Markt erbaut worden, wie über dem
Türstein zu lesen. Sollte man diese Jahreszahl
hier nicht einfach übernommen
haben?
Da unsere Johanniskapelle nie als Stätte
irgendwelcher rel igiöser Veranstaltungen
genannt ist so wie die Rochus- oder Quirinuskapelle,
muß man sie für ein klein es
wohl offenes Gebetshäuschen halten, wie
es in ähnlicher Form am Gasthaus Huppertz-Steinröx
bestanden hat.
An der Front des Hauses Gillessen hat
lange ein etwa ¾ m großes Kreuz mit
Kruzifixus gehangen, das woh l der Kapelle
beim Abbruch entnommen worden ist. Es
ist heute nicht mehr vorhanden, sondern
vor etlichen Jahren ganz schlicht und einfach
gestohlen worden. Hoch lebe die
Sucht nach Antiquitäten!
Da diese Kapelle den Namen des Evangelisten
Johannes getragen hat, kann man
auch vermuten, daß sich ein bescheidenes
Bild oder eine kleine Statue dieses
Heiligen darin befunden hat. Aber auch
das kann nicht mehr sein als eine Vermutung
.
Die Kapelle am Gasthaus
Huppertz-Steinröx
Diese kleine Gebetskapelle ohne besonderen
Namen war angebaut an das erwähnte
Gasthaus mit der offenen Seite zur
Landstraße hin; eine Zeichnung mit dem
Haus und auch der Kapelle ist noch vorhanden
und nach einer Photographie angefertigt.
Es ist aber nichts darüber bekannt, daß sie
einem besonderen Zweck gedient habe,
als daß bei der Fronleichnamsprozession
der sakramentale Segen dort erteilt worden
ist.
Das Haus dort ist errichtet im Jahre 1817
an die noch fast neue und auch noch fast
leere Landstraße und ist das erste Haus
hier gewesen, das gleich als Gasthaus
gebaut worden ist von Peter Joseph Esser
und seiner Frau Catharina Gehlen aus
Schöneseiffen. Es war ·das Jahr der großen
Hungersnot nach dem völligeri Ausfall
des Sommers im Jahre 1816. Im Haus
befindet sich noch eine Tafel mit der Angabe:
»Dieses Haus ist errichtet im Jahr
1817, als der Malter Roggen 37 Reichsthaler
gekostet hat.«
Ob die kleine Kapelle damals gleich mit
angebaut worden ist oder erst später,
konnte nicht mehr festgestellt werden. Jedenfalls
hat sie seit Menschengedenken
dort gestanden, ist aber nach dem Krieg
nicht wieder erneuert worden.
Die alten Grabkreuze
auf dem Konzener Friedhof
Eine eingehende Abhandlung über diese
wichtigen Zeugnisse der Kultur- und Familiengeschichte
ist deponiert beim Monschauer
Geschichtsverein, im Pfarrarchiv.
in Konzen sowie im Diözesan~rchiv in Aachen.
Wir können hier nur diese Kreuze der Reihe
nach aufführen mit den Inschriften und
ganz knapper Erläuterung. Weitere Einzelheiten
können an den genannten Stellen
eingesehen werden.
Wir gehen aus vom Eingang zum Friedhof
von der Hardt aus; da finden wir rechts
vom Eingang das Kreuz
Nr. 1: Niclas Weishaupt
von Emgenbroich
12. Januar 1762
Weisheutt, Weishaubt, Weishaupt und
ähnliche Formen ist ein ganz alter Name in
unserer Gegend, damals besonders häufig
in lmgenbroich.
Nr. 2: am Eingang, links in der Mauer:
1769 28 ten Dezember
ist Peter Schriber in den
Herren entschlafen
Dieser Peter Schreiber war zwei Jahre
verheiratet mit der Barbara Radermacher
aus Kalterherberg oder Mützenich; Die
Witwe Barbara hat dann 1772 den Mathias
Huppertz geheiratet und ist so die Stamm
Mutter der Familie Huppertz-Börbe in
Konzen geworden.
Nr. 3: Vom Eingang der Kirche etwas
rechts an der Mauer des Chores:
den sebten August 1773
anna Maria Lentzen Mützenich
genannt Voell in den Herren
entschlafen
Die Familien Lenzen und Voell sind sehr
alt und verbreitet in Mützenich; »genannt«
heißt »geboren «.
Das Gasthaus Huppertz-Steinröx mit Kapelle und Schmiede
Nr. 4: An der Ecke der Kirche in Richtung
Jugendraum, und nun immer weiter
nach rechts:
1770 den 12. August
ist der ehrsamer Junggesell
Hubertus Gielen im Herrn
entschlafen
hat der ehrsamer Niclas Cüppers
dieses verehrt
Niclas Cüpper war der Schwager des Hubertus
Gielen.
28
Grabstein Nr. 6 des Wilhelm Heinrich Schreiber
Nr. 5: a o (anno) 1749 14. July ist der
ehrbare Johann Dagobert
schreiber, förster zu Contzen
a o 17 die tugendhafte
anna Wa lter gestorben.
J. D. Schreiber war der Bruder des Schöffen
Schreiber = ~{. 8 und Bruder des
Pfarrers Joh . Wilh. Sehr. 17 49-1798 hier.
Das Todesdatum der Frau Anna Walter ist
vergessen worden .
Nr. 6: A O 1782 den 1. Januari starb die
ehrsame Maria Agnes Breuers
und der Eheman Wilhelm Heinrich
Schreiber starb A 0
Auch dieses Todesdatum ist nicht mehr
eingetragen; es war der 28. April 1813.
Die Tochter Schreiber-Breuers hat nach
Monschau einen Mathar geheiratet, ist die
Vorfahrin des Dr. Ludwig Mathar geworden
.
Nr. 7: 1690 8. Januar ist die ehrsame
Clai s Jans haußfraw in Gott
entschlafen. G.T.D.S.
Keine weiteren Angaben, da die Sterberegister
eine Lücke aufweisen von
1686-1690. G.T.D.S. = Gott trost die
Seel.
Nr. 8: 1770 ist der wohlachtbarer
gewesener Scheffe
Peter Schreiber
anno 1776 die Ehefraw
gottsel ig im Herrn
entschlafen
Frau des P. Schreiber war die Agnes Zimmermann,
gest. am 19. Mai 1776; die Heirat
der beiden leider nicht eingetragen.
Nr. 9: anno 1764 den 6. Okt.
ist der ehrsamer Michael Rother
im Herrn entschlafen seines
Alters im 59 Jahr seine ehrsame
Hausfraw Maria steffens starb
5. Mai 1779, 69 Jahr
Der Name Rother ist = Roder, auch schon
eine alte Familie in Konzen, lmgenbroich
und Mützenich .
Nr.10: An der Westseite der Kirche, neben
der großen Bronzetafel :
28. März 1701
Huppert Schreiber
haußfraw Susanne Voell
Die Susanne Voell war geb. in lmgenbroich
am 9. Juni 1652, der Vater Christapfel
Foel .
Nr. 11: Anno 1689 den 30 April
ist der ehrsamer Johann schreiber
von Kontzen in dem Herren
entschlafen GTDSA
(Gott trost die Seel Amen)
Das Ehepaar Joh . Schreiber mit der Frau
Catharina hat 17 Kinder bekommen von
1661-1682, davon waren 13 Söhne. Nur 4
Kinder sind ganz jung gestorben.
Nr. 12: Anno 16 . .. July
starb Michael weyßheut
denn ... begrab
Das Kreuz, freistehend in der Ecke Kirche
Anbau stark abgeschliffen. Ein Michael
Weyßheut = Weishaubt ist nicht zu finden.
Letzte Zeile vielleicht »denselben Tag begrab.
«
Nr. 13: Neben Nr. 12 freistehend:
1619 9 März
ist Cathrina Sphor in
Gott entschlafen
Entweder die Frau oder die Tochter des
Johann Spoer, Forstmeister von Monschau
im Jahre 1576/1577.
Nr. 14: Grabkreuz in der Ecke oberhalb
der Bronzetafel.
1702 den ... April?
ist der Ehrsamer
Claßen peter in
dem Herren entschlafen
GTDS
Der Claßen Peter stammte wahrscheinlich
aus Mützenich, der Tod aber im Kirchenbuch
nicht eingetragen .
Grabstein Nr. 11 des Johann Schreiber, Vater
von 13 Söhnen und vier Töchtern
Nr. 15 : Eingemauert in der Kirche oberhalb
Nr. 13 und Nr. 14.
Steffens Merten
in Gott entschlafen
anno 1622
Keine näheren Angaben möglich, da noch
keine Kirchenbücher damals vorhanden .
Der Name Steffens aber kurz nach 1600
hier schon mehrfach notiert.
Nr. 16: Ganz schmales gotisches Kreuz,
Inschrift auf dem waagerechten
und dem senkrechten Balken.
von oben nach unten : ... Kaffer anno
1607
von links nach rechts : Judex zu Monioie
Der Vorname oben nicht zu entziffern, Kaffer
ist die Familie Käfer, später oft in Hoefen
. Der Richter soll wohl ein Schöffe gewesen
sein, die z. T. auch eine richterliche
Tätigkeit ausgeübt haben. Die Jahreszahl
ist auf dem Kreuz 1407; das muß aber ein
Irrtum des Steinmetzen sein, wie auch das
Kreuz Nr. 18 zeigt.
Nr. 17: oberhalb Nr. 16, hinter einem
Strauch versteckt, nur noch
schwer zu lesen ;
1669 ... November
ist gestorben Mertens
Liennert aus Contzen.
Nach dem Kirchenbuch ist der Tod des
Leonhard Mertens eingetragen am 9. November
1669.
Nr. 18 : Grabkreuz sehr ähnlich wie Nr.
16, eingemauert
von oben nach unten : Bürger zo Monioye
16 ...
von links nach rechts = hermanß Joan
Die Zahl 16 . . . ist leider abgebrochen, es
muß aber auch kurz nach 1600 gewesen
sein, wie Nr. 16; 1666 haben wir in Monschau
drei Familien Hermanns, die aber
später gelebt haben.
Grabstein Nr. 18 des Hermanß Johan, Bürger
zo Monioye
29
Nr. 19: Grabkreuz in Außenmauer unterhalb
des Turmes.
Anno 1727 24 August ist der
viel Ehr/und wohlachtbarer
Junggesell Mattheis pleus
gottseelig im Herrn entschlafen
Die Familie Pleus kommt aus der Kesternicher/Einruhrer
Gegend, hat nicht lange
nach 1500 die Pleushütte gegründet und
ist kurz nach 1660 in Konzen und lmgenbroich
ansäßig ; unser wohlachtbarer
Junggesell ist gestorben in Neudorf, einem
Ortsteil von Raeren . (Kirchenbuch)
Nr. 20: Grabkreuz gleich neben dem Eingang
zur Pastorat hinter einem
Strauch versteckt.
1636 den 8 September ist
theis henne (n) Muzkender
in Gott entschlafen
Die Inschrift ist nur schwer zu entziffern,
bes. das Wort Muzkender = Musketier
oder ein Mutzender = Mann aus Mützenich.
Wahrscheinlich ist der Mattheis Henn
im 30jährigen Krieg als Soldat ums Leben
gekommen.
Nr. 21: Grabkreuz freistehend gleich
oberhalb der Pankratiuskapelle.
Jan Kreitz 1651
der alte und 16 . . .
Trinchen seine Haußfraw
Dieses Kreuz ist das letzte Zeugnis für die
Grabstätte der Leute aus Roetgen in Konzen,
da dort 1660 eine selbständige Kirche.
Der Name Kreitz typisch für Roetgen
und Rott, ab 1659 ein Tillmann Kreitz und
Frau Catharina in Konzen.
Nr. 22 : Grabkreuz neben Nr. 21 oberhalb
der Kapelle.
Jan Müller auf
den Rahren
1614
Auf den Rahren ist unser Roh ren, die Familien
Müller später meistens in Monschau.
Nr. 23 : Grabkreuz eingemauert in den Altar
der Pankratius-Kapelle.
1620 theiß
hermans Haußfraw
... Cathrin
Es kann sich hierbei handeln um eine Verwandte
des Monschauer Bürgers Herman
Joan von dem Kreuz Nr. 18. Weitere Angaben
nicht möglich.
Nr. 24 : Grabkreuz unterhalb der Kapelle
mit einem abgebrochenen linken
Arm .
1674 15 März ist
Wilh Geil im Herrn entschlafen
und seine Haußfraw
Jen ...
Dieser Wilh. Geil ist in Wirklichkeit der
Wilh. Michaely, langjähriger Pächter des
freiadligen Hofes Stillbusch. Alles Weitere
in dem Beitrag über Stillbusch.
Nr. 25: Grabkreuz unterhalb der Kapelle:
1677 26 Mai
ist der ehrsamer
Clais Jan forster
Die Schrift nur sehr schwer zu entziffern ;
beim Datum kann ein Irrtum vorliegen, da
in lmgenbroich ein Claeßen Johan am 28.
Januar 1677 gestorben ist.
Nr. 26 : Grabkreuz unterhalb der Kapelle,
ein Arm abgebrochen, nur schwer
zu entziffern.
1634
Donscher
Haußfraw Maria
und Mathias Donscher
Der Name Donscher stammt von der Eicherscheider
Flur Dornscheidt, ist dann
aber auch in Konzen mehrfach vertreten ,
so Johan Donscher Schöffe um 1630.
Nr. 27: Grabkreuz unterhalb der Kapelle
in der neu gesetzten Mauer.
22. Sept. 1702
Elisabeth offermann
peter Walters von
lmgenbroich seine
haußfraw 78 Jahre
Gott gib ihnen ihre ewige
Ruhe Amen
Der Text stimmt mit dem Kirchenbuch
überein. Am 19. Mai ist auch ein petter
wolter in lmgenbroich gestorben.
Nr. 28 : auch in der Mauer unterhalb der
Kapelle, ein ganz kleines Kreuz
wie noch eines in dieser Mauer
ohne jede Inschrift oder sonst ein
Zeichen . Ein weiteres Kreuz dieser
Art befindet sich auch in einer
Mauer von der Kapelle auf Mützenich
zu . Diese Kreuze ohne jedes
eingemeißelte Zeichen sind
mit Sicherheit die ältesten auf
dem Konzener Friedhof und dürften
nicht lange nach dem Jahre
1500 entstanden sein.
Nr. 29 : Es ist das Grabkreuz des »Unbekannten
Toten « in Konzen. Vom
Typ her so wie die Kreuze Nr. 1
und Nr. 2. Aber, es ist woh l schon
fertig gekauft und aufgestellt worden,
bevor die Inschrift eingemeißelt
werden sollte, und das ist
dann später aus irgendwelchen
Gründen unterblieben.
Nr. 30: wieder ein Kreuz wie Nr. 28.
Nr. 31 : Ein Grabkreuz auch in der Mauer
unterhalb der Kapelle:
1720 November
der ehrsame Peter Voell
Der Tod dieses ehrsamen Mannes ist im
Kirchenbuch nicht zu finden ; er dürfte
»geschlabbert« sein, wie das nicht so
ganz selten vorgekommen ist.
Nr. 32 : Grabkreuz neben dem »Unbekannten
Toten « in der Mauer unterhalb
der Kapelle.
Maria Foersters
von
Mützen ich
Das ist alles, keine Jahreszahl, kein anderer
Hinweis, so daß auf ein hohes Alter zu
schließen ist, wohl gestorben vor dem
Jahre 1666 = vor dem Eintrag der Toten
im Konzener Kirchenbuch.
Nr. 33 : Wieder ein kleines Grabkreuz wie
Nr. 28.
Nr. 34 : Grabkreuz in der Mauer unterhalb
der Kapelle .
Hammer Jan
Darüber ist eingemeißelt ein Hammer und
eine Zange. Sonst nichts! Dieser Familienname
stammt mit Siche rheit aus dem Ort
Hammer, 1463 als Hammerwerk durch
den Hermann Hammersch mid angelegt,
deshalb später der Ortsname »Hermeshammer«.
Ab 1575/1576 gibt es dort
schon den Familiennamen »Hammer«.
Nr. 35 : Grabkreuz in der Friedhofsmauer
außen an der vorbeiführenden
Straße.
theiß lauterbach
dochter treingen 16 ..
Die Jahreszahl ist nicht vollständig; es
muß sich aber um ein recht altes Kreuz
handeln der bekannten Familie Lutterbach
- Lauterbach, schon ku rz nach 1500 hier
in den Steuerlisten der Forstmeister.
Nr. 36 : Grabkreuz in der Außenmauer
neben Nr. 35.
Anno 17 .. den ...
ist die ehr und tugendreiche
Agatha Offermanns Mathias
Huperts gewesene Ehefraw
in Got entschlafen
G.S.D.S.G.
(Gott sei der Seele gnädig)
Der Theis Hubberts war gestorben am 29.
Jan . 1734, und die Frau Agathe am 12.
April 17 42 als des »theiß hupperts valde
pia vidua Agata« = Theis hupperts sehr
fromme Witwe Agata. (Kirchenbuch
Konzen .)
Nr. 37 : Erst vor kurzer Zeit ist ein noch
recht junges Kreuz eingesetzt
worden in die niedrige Mauer von
der Kapelle auf Mützenich zu .
Wilhelm Theodor
Schmitz
1859-1919
Es ist der letzte männliche Vertreter der
Familie Schmitz in Konzen gewesen mit
dem Dorfnamen »Luckes-Janns«.
Nr. 38: Dieses wohl interessanteste
Grabkreuz befindet sich nicht auf
dem Friedhof, sondern in der Garagenmauer
des Hauses Trierer
30
Str. 66. Es war beim Erweiterungsbau
der Kirche, da vom
Sockel abgetrennt, mit in den
Straßenschutt abgefahren und
dort gefunden und gerettet
worden .
A O (anno)
1785 der 10 Marty
NCHFMA
RIAM M
Das war nun ein wahres Kreuz-Wort-Rätsel
mit der folgend en Auflösung: Am 10.
März 1785 (ist gestorben) des Niclos Cloßen
Haus Frau Maria Mül lenmeister. So ist
es auch im Kirchenbuch zu finden. Die
Maria Müllenmeister war die Tochter des
Burgvogtes Arn old Müllenmeister, gest.
am 27 . April 1767 am Reinartzpfad, wo
heute noch ein Kreuz steht; sie hat Kinder
bekommen von 1758 bis 1782, als sie 47
Jahre alt war. Der Niclos Cloßen (später
Claßen) aus Mützenich ist gest. am 29.
Aug. 1790, und das Ehepaar Cloßen-Müllenmeister
ist etwa 30 Jahre lang Pächter •
des Gutes Stillbusch gewesen . Alles Nähere
siehe in dem Beitrag über Stillbusch.
Kleine Kirchenchronik
Die Grundlagen hierzu bilden vor allem die
• Jahresabrechnungen der Kirchenrendanten
vom Jahre 1634 an mit wenigen Lükken
erhalten im Pfarr-Archiv. Dabei kann
man sich nur wundern, daß diese Leute so
anständig geschrieben und gerechnet haben,
ohne geregelten Unterricht in wenigen
Schulstunden vielleicht in den Wintermonaten
.
Zu diesen Rechnungen sind mit verwertet
die Privatnotizen besonders des Pfrs. A.
Merkelbach, Mitteilungen aus dem Buch
des Pfrs. H. Laumans, Akten aus den Diözesan-Archiven
in Köln und in Aachen,
Notarakten und verschiedene andere
Quellen, die nicht immer aufgeführt werden
können .
Insgesamt liegt aber so viel Material vor zu
unserem Thema, daß gut und gerne ein
Buch von 120 Seiten daraus verfaßt werden
könnte. Hier also nur ein ganz knapper
Auszug : Im Jahre 1634/35 ist Jacob
Palm verordneter Kirchmeister und hat die
Ausgaben und Einnahmen berechnet mit
573 Gulden von Ostern zu Ostern.
Ausgaben sind hier vermerkt für ein neues
Glockenseil, und dafür finden wir Ausgaben
später fast in jedem Jahr. Bei der
Prozession vor dem venerabili = Sanctissimum
= dem Allerheiligsten für die Spielleute
ausgegeben 19 ½ albus (Weißgeld);
das muß also schon die Fronleichnamsprozession
gewesen sein, und es ist die
erste Erwähnung einer sicher noch sehr
bescheidenen Musik-Kapelle in Konzen .
Es ist ein Betrag ausgezahlt für den Kommunikanten-Wein
in Höhe von 8 Gulden;
dieser Wein wurde aus einem bescheidenen
Gefäß getrunken zum Abspülen der
Hostie, auch »Ablutionswein« genannt.
1635/36 ist durch den Schöffen Thomas
Reuter das Uhrwerk »schonn « gemacht
worden = ganz gemacht = repariert worden,
so daß wir damit wissen, daß eine Uhr
an der Kirche schon vorhanden war, die
auch später immer wieder Reparaturkosten
verursacht hat.
1636/37 ist am Fest Allerheiligen ein Festmahl
gehalten worden durch den Herrn
Petrus Ellen, den neuen Pfarrer in Konzen
aus dem Kloster Reichenstein, zusammen
mit dem Küster und dem Kirchmeister;
dieses Fest ist danach immer in den Akten
für 2-3 Gulden. Pater Ellen war der Nachfolger
für den 1636 an der Pest verstorbenen
Pater Lingens. Pater Ellen hat dann
1637 auch mit dem Kirchenbuch begonnen.
Das Führen von Kirchenbüchern war
schon vorgeschrieben durch das Konzil
von Trient 1545 - 1563, allgemein aber
erst viel später durchgeführt worden wie in
Simmerath z. B. erst um 1690. Es ist auch
nicht wahrscheinlich, daß es in Konzen vor
1637 schon Kirchenbücher gegeben hat,
da dieses erste sehr mangelhaft geführt
ist, wobei die Kinder aus den einzelnen
Dörfern wie lmgenbroich, Eicherscheid
oder Monschau noch durcheinander gehen
und nur mühsam getrennt werden
können .
Später sind in den Kirchenbüchern auch
Krankheiten eingetragen, die zum Tod geführt
haben, dann auch andere besondere
Vorkommnisse etwa bei vorehelichen Geburten,
bei sehr hohem Lebensalter; wir
erfahren von Leuten, die im Venn tot gefunden
worden sind , ohne daß sie sonst
bekannt geworden wären.
Besonders streng waren früher die Bestimmungen
über Blutsverwandtschaften,
ja über Schwägerschaften , die bis in das
vierte Glied Dispens durch das Gen.Vikariat
in Köln erforderten. So ist es auch zu
erklären , daß in einigen Fällen Leute geheiratet
haben in dem guten Glauben, daß
kein Ehehindernis vorliege. Hat sich das
aber später herausgestellt, war die Ehe
nicht gültig, es mußte die notwendige Dispens
eingeholt werden, und dann durften
dieselben Leute nochmal heiraten = »matrimonium
revalidaverunt«. Dieser Fall ist
z. B. eingetreten bei dem Ehepaar Petrus
Calenberg u. Joanna Marie Erckes in Konzen,
bei denen ein solches Ehehindernis
bekannt geworden war. Nach Erhalt der
Dispens haben sie am 14. November 1788
nochmals heiraten dürfen, nachdem die
erste Ehe schon vor fünf Jahren geschlossen
worden war.
1637 /38 = nach den Zerstörungen des
Jahres 1543 hat es geheißen, daß unsere
Kirche drei Jahre lang ohne Fenster gewesen
sei wegen der Armut der Leute. Jetzt
hat »aber Leonnardt der Glaßmecher die
»finstern in der Kirche« repariert. Man hat
die Leuchter auf dem St. Brigittenaltar ausbessern
lassen, ein Beweis für das hohe
Alter der St. Brigida-Verehrung also schon
vor 1637; der Altar dazu scheint aber nur
ein Sockel gewesen zu sein, wie man das
auch später feststellen kann . Noch Anfang
der 30er Jahre sind am St. Brigida-Tag
auch Leute aus lmgenbroich nach Konzen
gekommen, wo noch Brigida-Wasser geweiht
worden ist, das die Bauern mitgenommen
und dem Vieh in das Getränk
getan haben zum Schutz vor Krankheiten.
Jetzt haben wir eine Lücke bis zum Jahr
1644/45. 1644/45 wird die Osterkerze erwähnt,
und im August ist »unser lieben
Frauen Bild « von Aachen auf den Altar
getragen worden, und das ist der erste
Muttergottes-Altar in den Akten.
1645/46 sind 5 große Bilder und noch 5
Bilder und das Cruzifix frisch gemacht
worden, leider ohne daß wir etwas Näheres
über diese Bilder wissen. Auch ist die
Kirche neu gepliestert und geweißt und im
Chor sind 10 neue Glasfenster eingesetzt
worden .
Für 7 Gulden Fracht hat man aus Deuren
(Düren) einen Altar in die Kirche holen
lassen, von dem wir auch nichts weiter
wissen. Vielleicht stammen noch Heiligenfiguren
von diesem Alter, der nach 1712
unter Umständen in die Pankratius-Kapelle
umgesetzt worden ist.
1646/47 sind wieder Glasfenster ausgebessert
worden, die der Wind zerschlagen
hatte, und es scheint die erste Sakristei
gebaut worden zu sein, da 30 Karren Steine
dafür aus der Beigenbach herangefahren
worden sind und die Maurermeister
und die Knechte 8 Tage daran gearbeitet
haben. Auch der Leyendecker hat mit zwei
Knechten 15 Tage auf der Kirche und der
Ger-Kammer = Sakristei gearbeitet mit
Dachschiefer aus Gey. Leider ist aber
nicht ausdrücklich gesagt, ob das nun eine
ganz neue Sakristei gewesen ist, oder ob
man eine vorherige vergrößert oder ganz
erneuert hat.
1649/50 sind neue Schlösser und Gehänge
an der Kirchentür gemacht worden, die
die Lothringer »zu stücken geschlagen«
hatten. Das war nach Abschluß des 30jährigen
Krieges, als noch lothringische Truppen
marodierend hier durch die lande gezogen
sind und öfters die Kirche in Konzen
aufgebrochen und beschädigt haben,
ja 1654 noch die Glasfenster zerschlagen,
das Turmschloß zerbrochen und sogar die
Leichenriemen mitgenommen haben . Im
Jahre 1648 war es gegen diese Soldateska
auf dem Friedhof in Kalterherberg zu
einem blutigen Gefecht gekommen, bei
dem 70-80 Leute zu Tode gekommen
sind . (Ausführlich darüber = E. H.V. 3.
Jhrg. S. 97, 20. Jhrg. S. 49 und 21. Jhrg.
S. 69) .
Sonst ist der 30jährige Krieg hier vorbeigegangen.
Was hätte man auch aus diesem
armen Landstrich groß entnehmen
können? Zwar sind 1642 Weimarisch
Hessische Truppen wohl von Eupen aus
eingefallen, die die Reinartzhöfe und auch
zwei Dörfer gebrandschatzt haben.
1650 ist der Wey-Bischof in Monschau
gewesen zur Einweihung der ersten Mon-
31
schauer Kirche, wobei viele Leute aus den
Dörfern gefirmt worden sind.
1651 /52 hat der Pastor nicht hier bleiben
können, sondern sich wegen der Gefahr
(durch die Lothringer) nach Monjoy begeben.
Wir hören nichts von der Pest hier im
Jahre 1636, als der alte Pfr. Lingens daran
gestorben war. Wohl muß die Pest in den
anderen Dörfern stark gewütet haben, wie
in dem Beitrag über die Rochuskapelle
berichtet ist.
1654 - 1670 = Lücke.
1674 ist ein »fäßgen roten Weins geholt
worden für die Kommunikanten am St.
Johannistag aus dem Kelch zu trinken « =
für 9 Gulden. Das wiederholt sich nun über
viele Jahrzehnte und bedeutet, daß an
dem St. Johannnistag = Evangelist =
Lieblingsjünger Christi, die Leute aus dem
Kelch haben Wein trinken dürfen, der geweiht
aber nicht konsekriert war; das ist in
Konzen nicht allein gewesen, sondern
auch allgemein bekannt unter dem Wort:
»Johannis-Minne«.
Ab 1676 und dann in jedem Jahr haben
junge Burschen etwas frisches Grün =
»ein mey aus dem Wald « geholt und auf
den Turm in die Fenster »ausgestochen «
= herausgesteckt, wofür sie ein wen ig
Geld bekommen haben; das ist dann der
Vorläufer gewesen unseres heutigen Kirmesbaumes.
Vom Jahre 1676 an sind
auch in jedem Jahr in der Abrechnung die
Grundstücke genannt, die die Leute meistens
für Jahrgedächtnisse der Kirche gestiftet
hatten und an einzelne Bauern verpachtet
waren . Das ist noch lange auf Lebenszeit
gemacht worden, später auf 24
Jahre und danach auf 9 Jahre, wie es
heute noch ist. Die Verpachtungen haben
etwa ab 1850 die Notare vorgenommen ,
so daß wir sie in den Akten im HStAD
finden mit allen Angaben der Ortschaften
bis Dedenborn hin und mit der genauen
Größe und den Pachterträgen.
Am 4. Okt. 1860 = Notar Menzen, Nr.
9273 = 95 Morgen, am 5. Nov. 1913 =
Notar Pomp, Nr. 648 = ca. 170 Morgen.
1671 ist ein großer Baum (Esche) am
»Beinhaus« gefällt worden, der der Kirche
am Dachwerk geschadet hat; auch ist an
dem »Bein-Häuschen« noch zwei Tage
gearbeitet worden. Das Beinhaus ist meistens
ein kleines turmartiges Gebäude gewesen,
in dem die ausgegrabenen Schädel
der Toten aufbewahrt worden sind und
ist in Österreich bekannt unter dem Namen
»Karner«; noch bis kurz nach 1800
sind immer wieder Reparaturen an dem
Bein-Häuschen durchgeführt worden ; danach
hören wir nichts mehr davon. Später
hat man diese Toten-Schädel auf dem
kleinen Dachboden der Pankratius-Kapelle·
aufgehoben und haben noch zu makabren
Geschichten unter den jungen Burschen
geführt.
Der Wind hat einen großen Baum niedergeschlagen,
den man zur Ausbesserung
des Kirchendaches verwandt hat. 1686 ist
der Landdechant (aus Zülpich) mit seinem
Sekretär zur Visitation gekommen mit zwei
Pferden, Kosten = Zus. 10 Gulden . In
diesem bescheidenen Rahmen ist der
Landdechant von Zü lpich dann immer gekommen
, während das früher ganz anders
gewesen ist, wie wir den genauen Bericht
haben vom Jahre 1415 (Prälat P. Schreiber
E. H.V. 11. Jhrg. S. 40 ff.) Damals ist er
angereist mit vielen Leuten und 24 Pferden,
mit seinem Kaplan und 6 Pastören,
mit Rittergenossen , mit einem Jäger und
zwei weißen Windhunden, mit einem Falkner
und Vögeln und Vogelhunden. Dann
ist der Empfang mit der Verpflegung in
allen Einzelheiten beschrieben mit Gesottenem
und Gebratenem , mit Wein und
Brot usw.
Das alles kommt uns heute in höchstem
Maße merkwürdig vor, ist aber zu erklären
aus der Stellung des Landdechanten, der
in dieser Aufgabe dem Bischof in Köln
oder dem Weihbischof gleichgestellt war,
auch als »Archivdiakon « bezeichnet, und
in dem fürstlichen Auftreten diese kirch liche,
oberhirtliche Aufgabe repräsentieren
sollte. Bezeichnend dafür ist es auch, daß
in jedem Jahr das besonders geweihte Öl
= Chrisam in Zülpich abgeholt werden
mußte für eine geringe Bezahlung natürlich.
Mehrfach hören wir, daß »Flambauen
« für die Kirche gekauft worden sind,
was allgemein die Gestelle für die großen
Kerzen bei Prozessionen sind ; hier aber
sind es die großen Kerzen selbst gewesen,
da sie aus weißem Wachs hergestellt
waren .
1688 ist eine hl. Scapularius-Erzbruderschaft
errichtet worden, wobei den zwei
Patres 20 Gld. gezahlt werden mußten. Es
muß sich um eine Mutter-Gottes-Bruderschaft
gehandelt haben, über die wir aber
nichts weiter erfahren. In demselben Jahr
ist auch ein Bildnis der hl. Jungfrau Maria
aus Aachen geholt worden für 36 Gulden
= gld .
1690 haben junge Burschen etwas Geld
bekommen, um Kreuz und Fahne nach
dem Kloster »Grünen-Wald « zu tragen ,
und im nächsten Jahr erscheint dann der
heutige Name »Maria-Wald«. Von Monschau
aus hat die Prozession nach Maria
Wald schon viel frü her stattgefunden, notiert
in den Stadt-Rechnungen. 1690 sind
zwei Jesuiten in Konzen gewesen, was
wohl auf die erste Mission im Ort schließen
läßt.
Im Jahre 1694 ist ein neuer Mutter-Gottes-Altar
in die Konzener Kirche gekommen,
nicht seit unvordenklichen Zeiten,
auch nicht erst 1720, wie in den Kunstdenkmälern.
Er ist geschnitzt worden
durch den Bildhauer Hubert Hachet aus
dem Land um St. Vith _und von dem Theißen
huperts in Bütgenbach abgeholt worden
für 5 gld ., der Bildhauer hat erhalten
96 _Rthl. auch für Kost und Logis beim
Aufstellen ; dann haben die Mähler (Maler)
aus St. Vith 1696 diesen neuen Altar und
einige Bilder bunt ausgemalt für 132 gld.
Auch der Pastor ist wegen dieses Altars
einmal in Bütgenbach gewesen und hat 2
gld. dafür erhalten. 1705 sind noch zwei
Leuchter auf den Mutter-Gottes-Altar gekommen
. Es muß sich fol glich um ein
schönes Werk gehandelt haben, natürlich
nicht zu ve rgleichen mit dem bald darauf
angefertigten Hochaltar des Jahres 1712.
1697 sind 2 000 Leysteine (Dachschiefer)
von Dreysteghen gekommen. Das hängt
mit dem immer wieder reparierten Kirchendach
zusammen. Diese Dachschiefer
sind sicher nicht so schön dünn und glatt
gehauen gewesen wie heute ; sie haben
wohl den Regen abgehalten, aber nicht
den wi rbelnden Schneesturm im Winter,
da es auch keine richtig e Unterlage mit
Brettern und Dachpappe gegeben hat wie
heute. Wir hören gelegentlich, '\daß Latten
für das Kirchendach hergestellt worden
sind , die aber mit den vielen Ritzen keinen
Schutz gegen den Sch neestaub haben
bieten können . So kommt es au ch, daß wir
öfters hören , daß Leute im Winter dafür
bezahlt werden mußten, daß sie den
Schnee vom Gewölbe haben herunterschaffen
müssen. Auch der Kirchenturm
hat immer wieder Kosten verursacht, da er
nur aus unbehauenen Steinen gemauert
war und deshalb wiederholt Schäden aufweisen
mußte, besonders in unserem unwirtl
ichen Klima. Wir können das nicht immer
für die ei nzelnen Jahre aufführen,
müssen aber auf die ganz hohen Kosten
hinweisen , die die Gemeinde zus. mit den
anderen Dörfern hat aufbringen müssen.
1699 ist auch die Muschel am St. Johannisaltar
und das St. Johannisbild abgestrichen
(wohl gerei nigt) und illuminiert =
wohl bunt ausgemalt worden. Die drei
Altäre = Hochaltar, Marienaltar und Johannisaltar
waren früher typisch nicht nur für
Konzen. Denn die Dreiheit war nicht Jesus,
Maria und Joseph, sondern Jesus,
Maria und Johannes. So soll es auch in
Strauch eine ganz alte Glocke gegeben
haben mit diesen drei Heiligen als Patronen
. Die Josephsverehrung hat erst später
eingesetzt, wie wir noch hören werden.
1699 hat Hr. Pastor (Fabritius) in die Kirchen
ein Kriptlein machen lassen = 12
gld . Im nächsten Jahr hat der Rendant
etwas Geld bezahlen müssen für »zwei
Kerzen vor die heilige drey Konige gesetzt«;
damit hat Konzen allen Grund, im
Jahre 1999 ein rundes Jubiläum zu feiern
für seine heute so weithin bekannte Krippe
in der Kirche , was damals noch etwas
Neues war.
Im Jahre 1696 sind schon das Kreuz und
der Hahn von der Kirche heruntergeholt
und repariert worden , so daß wir auch
darüber Kenntnis haben.
1701 hat der Peter Lauterbach ein Grundstück
gepachtet »hinden im Dorf« und das
ist genau unser heute gebrauchtes »ernrn
höngeren Dorp«.
1703 hören wir, daß das Gehalt des Küsters
28 gld . beträgt und des Kirchmeisters
30 gld. Der Gulden wurde gerechnet
32
als ½ des Reichsthalers, und für 10 Rthlr.
konnte man eine Kuh kaufen, so daß der
Kirchmeister für ein Jahreseinkommen
drei Kühe kaufen konnte, was damals gar
nicht so wenig gewesen ist.
Auch der Pfarrer war nicht so schlecht
gestellt, da er für die Beerdigung eines
Erwachsenen einen ganzen und für ein
Kind einen halben Reichsthaler bekommen
hat.
1703 hat man einen besonderen Stuhl machen
lassen für 7 Rthlr., worauf der Frühmesser
= Kaplan die Predigt und am
Nachmittag die christliche Lehre gehalten .
Erst im Jahre 1702 ist ein Kaplan hier
amtlich angestellt worden mit dem notwendigen
Einkommen. (Prälat P. Schreiber
im E. H.V. 34. Jhrg. S. 82 : »Konzen
erhält einen Frühmesner« (Primissär). Das
heißt aber nicht, daß der Pfarrer in Konzen
mit seinem riesigen Pfarrbezirk bis dahin
immer allein als Geistlicher hier hätte wirken
können. Selbst in dem Liber Valoris
um 1300 sehr wahrscheinlich 1308, ist der
Konzener Pfarrer schon eingetragen, zusammen
mit seinem Vikar; weitere Vikare
werden genannt bei der Geschichte der
Pfarre Konzen . 1 /
Schon im Jahre 1680 war der Herr Landdechant
mit Sekretär in Konzen gewesen,
am 20. und 21. Oktober, wobei für 17 gld.
verzehrt worden ist mit Schnepfen und
Wein und für Futter für das Pferd .
Und bereits 1682 ist bei dem Leinenkremer
zu Monioie Leinentuch für zwei Röcklein
gekauft worden, damit die Jungen, so
die Messe dienen, sich bekleiden können.
Vielleicht ist das überhaupt die erste kirchliche
Bekleidung für die Meßdiener gewesen
.
1706 - 1710 ist eine Lücke in diesen Aufzeichnungen.
1710 ist auff Kirchweyung (Kirmes) einem
Pater das Röcklein angebrannt, zu reparieren
= 2 gld .
Von 1710 - 1722 ist der neue große
Schnitzaltar durch den Meister Johann Pecourt
aus der Gegend von St. Vith angefertigt
worden, genau nach den Angaben
des Pfrs. Arnold Merkelbach aus Aubel in
Belgien, seit 1704 hier tätig . Er hatte gleich
nach der Priesterweihe mit 26 Jahren die
Pfarrstelle in Konzen erhalten. Der Meister
Pecourt hatte vorher einen großen
Schnitzaltar in Houffalize und in St. Vith
geschaffen . Der Altar in Houffalize ist im
letzten Krieg stark beschädigt aber restauriert
worden und so heute noch zu sehen ,
während der Altar in St. Vith im Krieg völlig
zerstört, aber noch als Photographie gut
zu erkennen ist. Nur hat Pfr. Merkelbach
einige andere Heiligenfiguren gewünscht
für sich selbst seinen Namenspatron, den
hl. Arnold . Daneben wollte er auch einige
andere kleinere Änderungen , im Grunde
aber nach dem Muster in St. Vith, so daß
wir eine gute Vorstellung dieses Kunstwerkes
haben, das die Konzener Fuhrleute
abgeholt haben im Jahre 1712; dann hat
der Meister mit zwei Knechten 12 Tage in
Konzen logiert, um den Altar aufzuschlagen.
Der Preis hat 225 Reichsthaler betragen,
die in mehreren Raten bezahlt worden
sind. Wenn das Werk zur Zufriedenheit
ausgefallen wäre, sind noch zusätzlich
50 Pfd. Butter versprochen worden, die
auch geliefert wurden . Diese Einzelheiten
erfahren wir aus einem dicken Urkundenbuch
im Pfarr-Archiv, aus dem nun auch
andere Nachrichten herausgeschrieben
werden . Der Altar aber war so groß in der
Höhe und der Breite, daß man das Fenster
in der Mitte des Chores zugemauert hat,
da es völlig verdeckt gewesen ist.
1716 ist erstmals ein St-Josephs-Bild gemalt
worden für 11 gld.
1717 ist 'Mission in Konzen gewesen, die
erste, von der wir sicher wissen.
1721 ist für den St-Josephs-Altar Tuch
und ein Kelchtuch gekauft worden.
1726 ist im Januar und im April Schnee
vom Gewölbe der Kirche und des Chores
geworfen worden, wie es dann noch öfters
zu vernehmen ist.
Der junge Pfr. A. Merkelbach ist ein etwas
streitbarer Mann gewesen, der 1721 mit
seinen Pfarrgenossen Schwierigkeiten gehabt
hat, die z. T. auf den neuen großen
Altar zurückzuführen sind, der aus der
Kasse der Pfarre bezahlt worden war, obwohl
nach altem Recht dem Marienstift in
Aachen als dem Zehntherrn die Pflicht
oblag , »den hohen Altar in allem Geleucht
und Zierat und mit allem seinem Zubehör
zu unterhalten«. Dabei wird auch betont,
daß der bisherige Altar (aus Düren?) würdig
und gut genug für die Kirche gewesen
sei. Darüber und noch viele andere Dinge,
daß der Pfr. z. B. fünf Kühe halte, über die
Gebühren für seine Amtshandlungen usw.
haben wir eine ausführliche Darstellung
wieder von P. Schreiber im E. H.V. 12.
Jhrg. S. 113-120. 1731 ist Pfr. Merkelbach
in einen Rechtsstreit geraten mit seiner
vorgesetzten Behörde, dem Marienstift,
wegen einiger Ausgaben und hat sich an
die Regierung in Düsseldorf gewandt und
schon Geld für einen Rechtsvertreter geschickt.
Sicher zu Recht war sein energisches
Eintreten gegen den Zehntpächter
Stoltzen, der ihm mit Gewalt eine geladene
Karre Hafer nach Monschau in den
Pfandstall weggeführt habe, obwohl diese
Grundstücke nicht dem allgemeinen Zehnt
unterlagen. Nach langwierigem Prozeß hat
Pfr. Merkelbach sein Recht bekommen ,
das er auch nochmal im Jahr 1739 gegen
den Schöffen Peter Schreiber hat verteidigen
müssen, der von einem Grundstück
»owier« den Zehnten hat kassieren wollen
(H . Laumans S. 217 /218) .
1731 : Durch Maurer und Pliesterer sind
die Dielen in der Kirche »ganz versaut«
und nicht mehr zu gebrauchen , aber noch
für 31 gld . verkauft worden.
17 46: Merlen und Joannis Kulartz am Uhrwerk
repariert, der Orgelmecher Odenthal
eine neue Orgel gemacht und aufgesetzt
innerhalb von 45 Tagen, Restbetrag gezahlt
von 44 Gulden.
1752/53 - unter dem neuen Pfarrer Johann
Wilhelm Schreiber aus Konzen -
werden dem früheren Pfr. Merkelbach 87
Thaler zurückgezahlt, die er für die neue
Orgel vorgeschossen hatte.
1755/56 dreimal gebetet wegen der »erdbebung!
«
1758/59: der Capellan Philipp Lacroix
(Neffe des Pfr. Merkelbach) bekommt für
die Frühmesse jährlich 30 Rthlr. , für die
Samstag-Muttergottesmesse 15 Rthlr.
An der untersten Seite der Kirche ist ein
Vor-Häuschen angebracht worden für 3
Rthlr.
Für ein neues Pankratiusbild sind 4 Rthlr.
ausgezahlt worden .
1767 /68 Ausgaben für eine Communikanten-Bank
mit Steinen aus Raeren, die
Bank aus Monschau abgeholt zus. 213
Rthlr. (Das müßte ja wohl die schön geschnitzte
Kommunionbank im Rokoko-Stil
gewesen sein, die nach dem Brand von
1869 nach Aachen in das Sourmondt-Museum
verkauft worden ist). 1784/85: Von
Michel Kremer wegen gekaufter Capellaney
empfangen 200 Thlr. am 3. Mai 1766.
1787: Der Orgelmecher Odenthal aus
Münstereifel hat für gänzliche Reparatur
der Orgel 133 Rthlr. erhalten .
1787: Hier gibt es eine höchst merkwürdige
und dunkle Sache: »der Schreinermeister
und Bildhauer Matheis Honns (später
Hohn?) von Monjoye hat in hiesiger Kirche
veraccordiert einen Newen aldar mit dem
Neben aldar zu verfertigen und anzustreichen
für 350 Rthlr. und ein neues Muttergottesbild
zu machen für 15 Rthlr. also
zus. = 365 Rthlr.« ; dann noch die Fracht
für zwei Karren von Monjoye nach Konzen
= 1 Rthlr. Das kann aber keinesfalls ein
neuer Hochaltar gewesen sein, der auch
nicht in zwei Fuhren nach Konzen hätte
geschafft werden können. Der Marienaltar
kann es auch nicht sein, höchstens ein
St-Josephs-Altar, der aber auch nicht diese
gewaltige Summe gekostet haben
könnte. Da muß irgendwo ein Fehler eingeschlichen
sein, der heute kaum noch zu
finden sein dürfte.
1779/80: Das hochwürdige Capitel zu Aachen
gibt jährlich für die Paramente drei
Müth = Scheffel Hafer, dieses Jahr gerechnet
als 7 Rthlr., so daß die Frucht in
Geld aufgerechnet ist.
1797 /98 haben die Franzosen alle alten
Gerechtsamen aufgelöst, so daß diese
drei Müth Hafer nicht mehr eingekommen
sind, aber zur Erinnerung noch eingetragen
werden. Für das Geleucht auf dem
Hochaltar hat das Kapitel jährlich 1 Rthlr.
gezahlt, was auch nur noch Erinnerung
sein soll.
1802/03 sind g.enau wie vorher 41 Grundstücke
verpachtet worden, und es ist genau
wie vorher Kapital ausgeliehen worden
in 37 Fällen . Man hat bisher gemeint,
zur Franzosenzeit seien alle kirchlichen
Güter für Rechnung des franz. Staates
eingezogen und verkauft worden, was
aber hier offenkundig widerlegt ist für die
33
Dorfkirchen. Wohl hat das gegolten für den
Besitz von Klöstern und für den Besitz, der
in fürstlicher Hand gewesen ist.
1804: Kirchenrendant ist Joh. Math . Müllenmeister.
Einkünfte:
ständige Renten
Verpachtungen
Zinsen
Zinsen von Organistengehalt
zusammen
Ausgaben zusammen
Deficit
84 Rthlr.
620 Rthlr.
320 Rthlr.
140 Rthlr.
1 170 Rthlr.
1 291 Rthlr.
123 Rthlr.
Später sind aber fast in jedem Jahr Überschüsse
erzielt worden.
Der Pfarrer Joh . Wilh. Schreiber, geb.
1712 als Sohn des Schöffen Johannes
Schreiber u. der Eva Schmitz, Schwester
des Pfrs. Fabritius, hat in seiner Amtszeit
von 1749 - 1798 eine neue Pastorat erbauen
lassen, für die ja auch das Marienstift
zuständig war. Der Pfr. selbst aber hat
aus eigener Tasche 500 Thlr. beigesteuert,
womit er vielleicht auch Einfluß auf das
neue Gebäude gehabt hat.
Das neue Wohnhaus hat für unsere Verhältnisse
schon eine gewisse Höhe gehabt,
Stall und Scheune sind niedriger gewesen,
und es haben noch ein paar
Schuppen daneben gestanden in Richtung
auf die Hardt zu . (Darüber aber mehr beim
Umbau 1902/03).
Über das Jahr des Baues war nichts zu
erfahren, wir dürfen aber die Jahre
1760 - 1770 annehmen, da der aus dem
Amt geschiedene Pfr. A. Merkelbach noch
Wohnrecht in dem Pastorat gehabt hat bis
zu seinem Tode im Jahre 1760.
Wir wüßten natürlich auch gern, wie die
früheren Pastorate ausgesehen haben
noch unter dem Pfr. Merkelbach. (Die Pastorat
wird häufig bezeichnet mit dem Wort
»Widumshof« und das »wittum « ist schon
ein ganz altes Wort für die Ausstattung
einer Braut oder eines Pfarrers mit Haus
und Grundstücken).
Da wir aber die erste Kaplanei kennen aus
dem Jahre 1720/21 , das jetzige Haus
Meurers-Schreiber gegenüber der Bäckerei
R. Isaac, müssen wir annehmen, daß
die Pastorey nicht kleiner gewesen ist. Sie
muß ausgereicht haben für den Pfarrer mit
Knecht und Magd, und der Pfr. Merkelbach
hat seine Mutter und seine Schwester
bis zu ihrem Tode bei sich gehabt.
Gleich nach seiner Stelle in Konzen hat A.
Merkelbach im Jahre 1706 an die Pastorat
ein eigenes Backhaus errichten lassen, so
wie es heißt: »Mit dem Bäcker auf der
Steinrots gerechnet 99 Brote, es ist antiquiert
und backe nun selbst«. Dieses
Backhaus muß ein eigener Bau neben
dem Wohnhaus gewesen sein, da wir
noch öfters von Reparaturen am Mauerwerk
lesen. Den letzten Eintrag finden wir
1815/16: »am Pastorafsbackhaus repariert
und geplästert und am Pastoratsscheunen
Th-or gearbeitet«. Danach scheint man das
Backhaus nicht mehr lange benutzt zu
haben.
Im Jahre 1811 / 12 ist auch das Bein-Häuschen
zu letzt erwähnt, an dem der Küster
Wilh . Sehartmann nochmal gearbeitet hatte,
und 1818/19 hat Marx Huppertz gearbeitet
»an der Pastorat am Kuhstall «.
1815/16 sind 26 frcs und 5 Centimes eingekommen
aus einer Kollekte der Contzer
Jungfrauen, die »durch das Dorf singen «
gewesen.
1819/20 hören wir, daß am Missionskreuz
gearbeitet worden ist und auch später sind
noch Reparaturen daran in den Akten. Wir
wissen aber nicht, wann die Kapelle darum
mit der offenen Seite zur Kirche hin gebaut
worden ist mit dem Gitter davor.
Hier noch ein paar Einzelnotizen: Der Pfarrer
in Konzen hat das Recht seit uralter
Zeit, das Gras vom Kirchhof und Brandholz
vom Platz am Missionskreuz für sich
zu verwenden.
1782/83 erfahren wir, daß den Pastoren
von Konzen und Simmerath ist zugelegt
worden jährlich 2 Rthlr. »daß sie alle Sonnund
Feiertage von den Kanzeln für das
Kuhrhauß (das Haus des Kurfürsten) beten
lassen «.
Unter anderen Dingen hat der Pfr. Merkelbach
sorgfältig notiert, wer ihm im Venn
den Torf gestochen und eingefahren, wer
ihm Heu und Hafer im O-Wier gemäht und
in die Scheune gebracht, wer ihm 5 Karren
Streuver gemacht und eingefahren , wer
ihm geholfen hat, den »Kappis« = Weißkohl
zu stampfen usw. (Man könnte und
sollte vielleicht einen eigenen Beitrag
schreiben unter dem Thema: »Pastor und
Bauer«, und das wäre eine amüsante kulturhistorische
Studie) .
Der Pfarrer hat natürlich nicht selbst die
Sense, den Torfspaten und die Mistgabel
in der Hand gehabt, aber er hat zum Teil
von der Landwirtschaft gelebt und ist stolz
gewesen, wenn er z. 8. 1728 nach Monschau
»208 pont botter« hat verkaufen
können .
1712 hat er »auff dem kemmergen laßen
machen die bibliotheck«. Da er kein ungelehrter
Mann gewesen ist, der die lat.
Sprache recht gut beherrscht hat, könnte
man schon eine Menge von Büchern erwarten,
wie sie etwa notiert sind im Jahre
1770, als das Pfarrhaus des Rektors Anton
Küttingen in Kalterherberg inventarisiert
worden ist. (E. H.V. 33. Jhrg. S. 65 : »Ein
Pfarrhaushalt im Jahre 1770«).
1729: hat die Magd Mreygen Mentzroth an
Jahreslohn erhalten 14 Gulden und nach
Landesbrauch Schuhe, Hemd, usw. Die
letzte Magd des Pfrs. Merkelbach ist das
treue Mariechen Weishäupt gewesen, die
auch im Testament vom Jahre 1750 für
ihre treuen Dienste gut bedacht worden
ist. Nach einem Aktenstück im Gen.-Vik.
Archiv in Aachen hat Pfr. Merkelbach auch
eine »schilderey vom gantzen leiden Christi«
angeschafft, und das dürfte der erste
Kreuzweg gewesen sein.
Zum Einkommen des Pfrs. gehört auch ein
Rthlr. von den Ostereiern kurz nach 1800.
Fast in jeder Rechnung taucht ein Betrag
auf für das Wachs, das immer teuer bezahlt
werden mußte, so 1803 = 63 Pfd.
Wachs = 36 Rthlr. und 1804 je Pfd. = ein
Rthlr.
Wieder zur Chronik
Im Jahre 1807 erhält der Organist Wilhelm
Sehartmann für das Orgelschlagen jährlich
35 Rthlr., für das Kehren der Kirche, das
Aufziehn der Uhr und wöchentlich drei
Messen zu singen zusätzlich 15 Rthlr. =
zus. 50 Rthl r.
1808 ist eingebrochen worde~, die Monstranz
und ein Kelch gestohlen; 1830 ist
die silberne Monstranz und anderes gestohlen
worden ; 1825 werden immer noch
34 Grundstücke verpachtet mit einer Gesamtgröße
von 69 Morgen.
Am 13. Juli 1827 hat der Erzbischof Gral
Spiegel von Köln in Konzen die alte Pfarrkirche
besichtigt, nachdem er von der ganzen
Bevölkerung mit Triumphbögen usw.
festlich empfangen war. Am nächsten Tag
hat er in Monschau das Sakrament der
Firmung erteilt auch für die noch nicht
gefirmten Leute aus der Bürgermeisterei
lmgenbroich, die in geschlossener Prozession
nach Monschau gezogen sind.
1844 wird die Genehmigung erteilt, die
alte = zweite Vikarie zu versteigern und
geht an den Math . Peter Sehartmann und
hat noch lange den Namen gehabt
»Sehartmanns Hüßje«. In dem zugehörigen
Garten wird dann die letzte Vikarie
errichtet, die am 3. 8. 1931 völlig abgebrannt
ist, als sie aber schon lange an
Privat verpachtet war, an die Familie Gottschalk.
Das Gehalt des Pfarrers beträgt 1826:
Staatsgehalt
Zuschuß der Gemeinde
aus Stiftungen
Realgefälle der Stolgebühren
zusammen
131 Thlr.
78 Thlr.
70 Thlr.
35 Thlr.
314 Thlr.
1846 stiftet ein Wohltäter ein silbernes
Weihrauchfaß und ein dazugehöriges
Schiffchen im Wert von 120 Thlr.; da der
Name des Stifters eingraviert ist, sind diese
Geräte nach dem Krieg wieder in die
Konzener Kirche zurückgekommen.
1846 ist auch das Missionskreuz ganz renoviert
worden. Ab 1850 hat man den Plan
gehabt, einen ganz neuen Eingang durch
den Turm zu schaffen, was aber zu großen
Streitereien, ja sogar zu einem Prozeß geführt
hat. Gleichwohl ist der neue Eingang
gebrochen worden, und der Kirchenrendant
Peter Wilh. Esser hat die Eisentür mit
Oberlicht und dem Chronogramm = 1856
ausgeführt für 121 Thlr.
1854 sind Ölgemälde des Kreuzweges in
14 Stationen samt passenden Wandleuchtern
angeschafft worden für 151 Thlr. 1856
34
Kriegerdenkmal und dahinter die dritte Vikarie, abgebrannt am. 3. Aug . 1931
ist eine neue Orgel aufgestellt worden für
1793 Thlr. , wovon durch die Zivilgemeinde
800 Thlr. beigesteuert worden sind. Die
alte Orgel ist dann [ür 150 Thlr. nach Mützenich
gegangen.
Im Jahre 1846 erfahren wir, daß zum Pankratiusfest
jährlich eine Prozession von
Eupen-Nispert nach Konzen gekommen
ist, da der Pfarrer fü r diese Leute einen
besonderen Geistlichen beim General-Vikariat
in Köln anfordert und auch zugesagt
bekommt. Diese Prozession ist noch jährlich
gekommen mit Blasmusik bis in die
20er Jahre.
Am 30. Juni 1850 hat Pfarrer Maehren
eine Bruderschaft gegründet »zum heiligsten
und unbefleckten Herzen Mariae« mit
Genehmigung durch den Erzbischof von
Köln. Dieser frommen Bruderschaft sind
beigetreten nicht nur fast alle Leute aus
Konzen, sondern aus dem Gebiet von
Monschau, aus der Eifel und viele andere.
Ja, es ist darin vermerkt ein Einsiedler aus
Schlesien, es ist beigetreten im Jahre
1857 Friedrich Wilh . IV., König von Preußen
und 1858 Leopold 1. , König von Belgien.
Erst 1878 sind durch die Pfarrer jedes
Jahr auch die Kinder der Erstkommunion
eingetragen worden , ohne daß sie
etwas davon gewußt haben bis 1924. Die
Liste der Bruderschaft füllt ein ganzes Heft
mit - sage und schreibe - viertausend und
siebenhundert und dreißig Namen.
1864: der Küster hat früher den sogenannten
»Klepp-Hafer« zu Ostern von jedem
Haushalt bezogen für das Kleppen =
das Läuten, und das hat zu seinem Einkommen
gehört. 1864 beantragt die Pfarrgemeinde,
den Wert in Höhe von 34 Thlr.
von der Gemeindeverwaltung zu bekommen
. Das wird natürlich durch den Bürgermeister
Philippi in lmgenbroich abgelehnt.
Wie sollte er auch? So ist es beim alten
Zustand geblieben und soll noch bis zum
ersten Weltkrieg gezahlt worden sein mit 1
Thlr. je Haushalt.
1862 sind eine gotische Monstranz = 140
Thlr. und ein gotischer Kelch für 240 Thlr.
gestiftet worden.
Nachdem schon 1855 ein sogenannter
kalter Blitz Schäden am Kirchturm angerichtet
hatte, kommt es am 9. Februar
1869 zu einer Katastrophe für die Kirche,
als ein Blitz in den Turm einschlägt und
zündet. Der Helm des Turmes mit drei
schweren Glocken und der Orgel, der
ganze Dachstuhl der Kirche und des Chores
werden ein Raub der Flammen . Die
Feuerwehren von Konzen , lmgenbroich
und Mützenich können mit ihren bescheidenen
Handspritzen nicht mehr ausrichten,
als die umliegenden Häuser und besonders
das Haus Neiken mit dem gewaltigen
Strohdach fast bis zur Erde vor dem
Feuer zu bewahren . Aber! Das Gewölbe
hat dem Brand standgehalten, so daß im
Inneren nicht viel Schaden angerichtet
worden ist. Der Gottesdienst ist mit Genehmigung
des General-Vikariats bis zum
4. April in die Schule verlegt und dann
wieder in der Kirche gehalten worden, da
das Gewölbe ja standgehalten hatte.
Den Wiederaufbau hat der tüchtige und
eifrige Kirchenrendant Peter Wilh. Esser
geleitet, so daß die Kirche ohne Turm zu
Ende 1869 wieder unter Dach und Fach
gewesen ist.
Auch der Turm mit einem neuen Helm in
der spitzen Form , wie sie älteren Leuten
noch bekannt gewesen ist, hat schon 1869
vollendet werden können; er ist um ein
gutes Stück höher gebaut worden , wie die
hellen Steine an den Ecken noch anzeigen.
Im Turm sind heute noch eiserne
Anker zu sehen mit der Jahreszahl 1869.
Auch das Langhaus ist um etwa 1 /2 Meter
höher gebaut worden, und auf das Dach
des Chores ist der kleine Turm gekommen,
der nun die Uhr hat aufnehmen können
, die sicher früher im Turm selbst gewesen
ist. Schon im Jahre 1869 hat man
neue Glocken gehabt, in die man das geschmolzene
Material der alten Glocken
eingearbeitet hatte, angerechnet auf 1137
Thlr. Schon am 29. August 1869 sind die
neuen Glocken durch den Domkapitular
Dr. Kirch von Köln, geb. in lmgenbroich,
eingeweiht worden; diese neuen Glocken
haben 2364 Thlr. gekostet.
Die ganze Restaurierung hat den Betrag
erfordert von 7651 Thlr., wozu aus der
Feuerversicherung 4236 Thlr. und aus der
Gemeindekasse 3414 Thlr. gekommen
sind, so daß die Kosten noch in demselben
Jahr gedeckt waren.
Es sind dann angeschafft worden :
Die neue Orgel mit Gehäuse = 1450 Thlr. ,
ein neuer Hochaltar durch die Gebrüder
Bong aus Köln für 660 Thlr. , aber erst
später!
1877 unter Vikar Gimken zwei neue Seitenaltäre
von dem Bildhauer Gerh. Breuer
aus Aachen für 2454 Mark, die ab 1871
nach der Gründung des neuen Kaiserreiches
allgemein eingeführt worden ist.
1879 ist das zugemauerte Fenster hinter
dem Hochaltar wieder geöffnet und durch
die Glasmalerei H. Oidtmann eingesetzt
worden für 661 Mark das noch bekannte
• Bild, auf dem Christus dem hl. Petrus den
Schlüssel überreicht.
1880 ist eine neue gotische Kanzel angeschafft
worden für 1420 Mark 1882 sind
zwei neue Beichtstühle gekommen, und
die neue Bemalung hat 460 Mark gekostet.
1885 ist die neue Kommunionbank für 700
Mark angeschafft worden.
1885 sind auch Glasfenster mit den Gestalten
des hl. Bonifatius und Xaverius in
den Chor gekommen für ca. 1000 Mark,
eingebaut in das linke Chorfenster.
In das rechte Chorfenster ist dann das Bild
gekommen, wie der Papst Karl dem Großen
die Krone aufsetzt.
Während des Hochamtes war stets ein
wunderbares Lichtspiel in dem Raum des
Chores, wenn die Sonne durchbrach, die
Zweige der Kastanien sich bewegten und
die bunten Lichtreflexe um den Altar getanzt
haben .
Bei dem Brand ist auch die alte Kanzel
unbeschädigt geblieben, so daß die Versicherung
dafür und den alten Belag und die
Kommunionbank 300 Thlr. abgezogen
hatte. Vom Verbleib der Kanzel ist auch
nichts bekannt geworden.
1879 ist der Plan für eine neue gotische
Kanzel gefaßt und auch wohl ausgeführt
worden für 1575 Mark. Nach dem Bau der
Seitenaltäre im Jahre 1877 ist von dem
sicher uralten St-Johannis-Altar nichts
mehr zu hören gewesen; auch er dürfte
wie so manches damals zu Brennholz zerschlagen,
verkauft oder verschenkt worden
sein , ohne daß wir die geringste
Kenntnis hätten, seit wann er dort gewesen
sein muß und wie er ausgesehen haben
kann .
Die neuen Glocken waren geliefert worden
durch den Glockengießer Beduwe
und sind erstmals geläutet worden bei
35
dem Tod durch eine Lungenentzündung
des Vikars Kemper, gest. am 18. April
1869 im Alter von nicht ganz 35 Jahren.
Durch das Geld aus der Feuerversicherung
, durch den Zuschuß von der Gemeinde
und frommen Stiftungen war die
Kirche im nächsten Jahr schon wieder in
der Lage, Kapital auszuleihen.
Für die Feuerversicherung sind dann neue
Vermögenswerte aufgestellt worden, wie
folgt:
Kirche + Sakristei +
3 Chorfenster
Turm und Glockenstuhl
Möbel in den Gebäuden
neue Rumpelkammer
Kirchenmöbel u. Paramente
im Pfarrhaus
Kirchenleinwand bei
Wwe. Joh. Zimmermann
zusammen
27 000,- Mark
16 800,- Mark
28 785,- Mark
1 600,- Mark
2 700,- Mark
540,- Mark
78 115,- Mark
Immer wieder hören wir von Reparaturen
am Kirchenturm , was bei den zur Zeit sehr
kleinen und nicht behauenen Steinen nicht
zu verwundern ist. Noch im 18. Jahrhundert
sollen andere Kirchengemeinden zu
den Kosten herangezogen werden. Im
Jahre 1847 ist er wohl außen verputzt
worden, und dazu heißt es, daß Steine,
Sand und Salz (als Frostschutz?) beschafft
worden sind . Und weiter: »Zu diesem Widerwurf
ist ferner Urin gebraucht worden,
den die Nachbarn gratis aufbewahrt und
zugeführt haben .« Wozu allerdings diese
»wertvolle« Flüssigkeit gedient haben
mag, ist bisher nicht geklärt worden .
Der Umbau der Pastorat im Jahre 1902
Diese große Arbeit war schon lange geplant
mit einem Kostenvoranschlag vom
Jahre 1895. Von der Gemeinde konnte
man eine Anleihe von 3000,- Mark bekommen
und die gesperrten Gelder aus der
Zeit des Kulturkampfes einsetzen. Für die
Holzarbeiten hatten Kostenvoranschläge
eingereicht ein Schreiner Stollenwerk,
Math. Peter Sehartmann und Joh. Peter
• Kreitz, die alle den Meisterlohn mit 25
Pfennig je Stunde eingesetzt hatten. Das
war nicht viel, erbrachte aber einen Wochenlohn
von 15,- Mark, was damals recht
viel war im Verhältnis zu einem Arbeiter,
der kaum auf 10,- Mark kommen konnte.
Die Wohnung des Pfarrers war in sehr
schlechtem Zustand, so daß der Pfarrer H.
Laumans auch bis dahin in der viel besseren
Kaplanei gewohnt hatte. In der Pastorat
hatten Leute zur Miete gewohnt, wovon
wir noch kennen den Schneidermeister
Wilh. Palm , der um 1900 sein eigenes
Haus an der Ki'rche bauen konnte. Die
Wohnung des Pfarrers befand sich im linken
Flügel mit den schon recht hohen
Zimmern , daran anschließend der Stall
und die Scheune, wie sich das ja auch hier
fast gehörte. Stall und Scheune waren
aber in der Firsthöhe viel niedriger, so daß
alles gehoben wurde. Bis zum 6. Februar
1902 war der Umbau abgeschlossen, das
Ganze mit großen Brettern verschalt,
Schuppen noch auf die Hardt zu abgerissen,
eine neue Abortanlage geschaffen,
die nun nicht mehr von der Küche, sondern
vom Flur aus zu erreichen war. Das
Ganze hat ca. 9000,- Mark gekostet, wozu
der Pfarrer Laumans auch noch einen kleinen
Schaf/Ziegenstall für einige Thlr. sich
hat anbauen lassen .
Ein Gutachten über die Arbeiten haben
dann angefertigt auf über vier großen eng
beschriebenen Seiten der Zimmermann
Arnold Huppertz = Hardt-Mattß - Aredt
und der Stellmacher Hubert Erkens, wobei
alles »fü r in Ordnung « befunden worden
ist, und der Schlußsatz lautet: »So freut
sich jedermann über das schöne klosterartige
Aussehen und daß über der Haustür
die alte Statue des hl. Joseph neu angestrichen
angebracht ist. «
Im Keller ist ein schön schließendes Abteil
als Weinkeller abgetrennt, und es ist eine
elektrische Kl ingel für 127,50 Mark angelegt
worden .
Die letzten Pächter haben dem Pastor aber
geraten, wegen des vielen Ungeziefers
keine Tapete, sondern nur Farbe und Tünche
in den Zimmern zu verwenden . Daraufhin
ist das ganze Haus gründlich ausgeschwefelt
worden, und das Ungeziefer
später nicht mehr erwähnt.
In der Form vom Jahre 1902 haben die
älteren Leute die Pastorat mit der offenen
Kapelle für das Missionskreuz, mit dem
freien Platz und den schön gewachsenen
Kastanien noch gekannt, wie auf dem Bild
Seite 20 zu sehen.
Im Diözesan-Archiv Aachen befindet sich
ein Vermerk, daß der Pfarrer Merkelbach
schon eine »schilderey vom gantzen Leiden
Christi« angeschafft habe. Das muß
neben den schon erwähnten fünf Bildern
mit den fünf Wunden der älteste Kreuzweg
hier gewesen sein. Dann ist angeschafft
worden im Jahre 1854 ein Kreuzweg mit
den 14 Stationen als Ölgemälde und den
dazugehörenden Wandleuchtern für 151
Thlr. Im Pfarr-Archiv in Konzen befindet
sich nun ein Brief des Pfarrers Ortmanns
aus Büllingen an den Pfarrer Laumans
vom 16. April 1903, worin er sich bedankt
für den Kreuzweg, der in die Kapelle von
Honsfeld kommen sol l. Auch die Wandleuchter
möchten mitgeschickt werden ,
und eine angemessene Entschädigung
solle erfolgen, wenn etwas Mittel flüssig
wären . Auf diese Weise erfahren wir, wohin
der alte Kreuzweg gekommen ist, und
man kann vermuten, daß auch der ehemalige
Johannisaltar und der 1895 noch völlig
erhaltene Marienaltar vom Jahre 1694 auf
ähnliche Weis& verschenkt oder verkauft
worden sind , wovon abe-r nichts im Archiv
vorhanden ist.
Bevor man aber einen alten Kreuzweg
verschenkt, muß man einen neuen haben ,
und das ist der jetzt noch vorhandene sehr
gut geschnitzte Kreuzweg, den der Leo-
Pfarrer Heinrich Laumans, in Konzen von 1887
bis 1911
nard Mennicken aus Raeren / Aachen geschnitzt
hat sicher kurz vo r dem Jahre
1903. In den Abrech nungen der Rendanten
ist keine Ausgabe dafür eingetragen,
so daß er ganz aus freiwilligen Spenden
bezahlt worden sein muß . Es hat Spenden
von über 200,- Mark gegeben. Jede der
Stationen hat etwa 200,- Mark gekostet,
so daß der Schnitzer etwa 3000,- Mark
erhalten hat. Der Leonard Mennicken soll
dann noch als fast 90jähriger den großen
Christuskörper geschnitzt haben im Jahre
1961 an dem Belle Croix = dem Schönen
Kreuz an der Straßengabel unterhalb
Baraque-Michel auf Jalhay zu (Heimat-Kalender
1963, S. 108).
Unser Kreuzweg ist nach dem Krieg aus
den Trümmern der Kirche mühsam geborgen
und restauriert worden, wobei aber
die Gehäuse um die einzelnen Stationsbilder
entfernt wurden , so daß sie jetzt ganz
frei als wertvolles Kunstwerk in der Kirche
zur Andacht rufen .
Eine wenig erfreuliche Nachricht gibt es im
Jahre 1909/ 191 O, als es zwar keinen
»Zehnt« gibt, wohl aber eine Kirchensteuer
nach einem Gesetz vom 14. Juni 1905,
die erstmals 191 O in Konzen durchgeführt
wird.
Am 24. Sept. 1911 ist der gute und allseits
beliebte Pfarrer H. Laumans ganz unerwartet
an einem Schlaganfall gestorben. Er
war der richtige Mann, der etwas verstand
von einer schlachtreifen Kuh, der seine
Muttersprache auch als Priester nicht verleugnete.
Er hat als erster in Konzen sich
der Erforschung der Geschichte gewidmet
und 1910 sein schon erwähntes Buch erscheinen
lassen. Ein zweites Buch, das
wohl mehr die innere Entwicklung des Ortes
Konzen dargestellt hat, soll als Manuskript
über Jahrzehnte hinweg auf dem
Speicher der Druckerei Saltzburg in Monschau
gelegen haben, durch den plötzlichen
Tod aber ungedruckt liegengeblieben
sein . Beim Bekanntwerden dieses
Manuskriptes sind sofortige Nachfor-
36
schungen aber ohne Erfolg geblieben. Jedenfalls
war der Pfarrer H. Laumans der
richtige Bauernpastor, der noch Jahrzehnte
später großen Einflu ß auf die alten Leute
gehabt hat. (Eine lebensvolle Plauderei
über Pfarrer Laumans durch Pfarrer P.
Schreiber im Heimat-Kalender 1960, S.
49-56).
Nach verschiedenen Missionen vorher ist
1913 im Advent wieder eine Volksmission
durchgeführt wo rden , und 1914 ist der
monatliche Sakramenten-Empfang der
einzelnen Stände: Jungfrauen , Jünglinge,
Männer und Frauen eingeführt worden ,
und der Kirch enrendant J. P. Huppertz hat
seinerzeit 1000,- Mark gestiftet für die Unkosten
bei öfteren Missionen .
Dann war der erste Weltkrieg da, in den
die einzelnen Staaten - wi e es erst viel
später geheißen hat - alle törichterweise
»hineingeschliddert« waren.
1917 sind zwei große Glocken und das
Glöckchen im Dachreiter entfernt worden,
wobei die Gemeinde auch noch die Kosten
für das Herabholen hat bezahlen
müssen ; später ist dann aber eine Entschädigung
von 6126,- Mark gezahlt
worden
II
• "
Unter dem Pfarrer Hu bert Thelen von
1911 - 1924 ist im Jahre 1918 der »Franciscus-Xaverius-Verein«
gegründet worden,
dem gleich 150 Mitglieder beigetreten
sind.
Im März-April 1922 ist wieder eine Mission
abgehalten worden , an der sich das ganze
Dorf beteiligt hat, außer einem Zollbeamten
und einem Lehrer mit seiner Frau .
1922 ist auch die »Marianische Jungfrauenkongregation«
gegründet worden mit
gleich 105 Jungfrauen als Mitg lieder. Die
Ausfahrt der Jungfrauen an die Ahr am 1. September 1930
erste Präfektin ist Catharina Huppertz =
Marxe Thin gewesen. Der am 28. Oktober
1924 eingeführte neue Pfarrer Johannes
Pontzen hat darüber eine ausführliche
Chronik geführt mit allen Namen, Heiraten,
Neuzugängen und Veranstaltungen, Ausflügen
usw., bis nach dem 2. Weltkrieg, als
durch die veränderte Lage und die Arbeit
für den Wiederaufbau auch dieser Verein
langsam sein Ende gefunden hat. Dieser
Jungfrauen-Verein hat um 1930 schon
Ausfahrten an die Ahr und an den Rhein
gemacht mit Omnibussen, was für diese
Mädchen ein ganz besonderes Erlebnis
gewesen ist.
An den Fastnachtstagen 1923 ist jede
Lustbarkeit (noch wegen des bitteren
Kriegsendes?) untersagt gewesen, und
dafür haben die Jungfrauen Theaterabende
veranstaltet. 1923 ist entsprechend den
Mädchen auch ein Mütterverein gegründet
worden , dem sofort 87 Mütter beigetreten
sind. Die erste Präfektin ist die· Wwe. Jos.
Offermann, geb. Cath. Schreiber, gewesen.
Am 1. Juni 1923 ist der Kardinal Schulte
zur Firmung in Konzen gewesen.
Dann haben wir die kaum vorstellbare Inflation
gehabt, so daß eine Reparatur an
dem Dachreiter auf dem Chor die stolze
Summe von 120 000 000 = 120 Millionen
Mark gekostet hat.
1925 sind endlich wieder neue Glocken
gekommen durch die unermüdliche Arbeit
des neuen Pfarrers Joh . Pontzen und die
Opferfreude der Bewohner. Und das war
ein herrliches Erlebnis, als nun wieder ein
volles und schönes Geläut erklingen
konnte. Wer hätte damals gedacht, daß
diese neuen Glocken nicht einmal 20 Jah-
Pfarrer Johannes Pontzen, in Konzen ab
Herbst 1924
re in Konzen verbleiben würden! 1926 ist
erstmals bei der Feier der Erstkommunion
auch das Fest der 50jährigen Kommunion
eingeführt und bis heute beibehalten
worden .
Pfarrer Joh. Pontzen hat sich dann mit
großem Eifer und viel Arbeit der Restaurierung
der Kirche gewidmet, eine Lotterie
eingerichtet, den Pankratius-Bauverein
gegründet, sich große Mühe gegeben mit
den kirchlichen Behörden, mit der Reg ierung
in Aachen usw. Besonders ist die
Nordwand aus ihrem feuchten Zustand
durch eine Isolierwand trockengemacht
worden, mit allen anderen Maßnahmen
haben es Unkosten gegeben bis 1929 in
Höhe von fast 17 000,- M. und dann sind
noch 6 000,- M. für das Kirchendach hinzugekommen.
Auch die Kirchenuhr ist
gründlich instandgesetzt und gleichzeitig
ein Minutenzeiger an das Uhrwerk angefügt
worden .
1927 ist auch ein »Männer-Apostolat« gegründet
worden mit gleich 56 Mitgliedern.
Am 4. Juni 1931 ist am Fronleichnamstag
das Stillbuschkreuz eingesegnet worden,
das dann leider am 14./15. Juni 1937
durch schändliche Bubenhand zerstört
wurde, wobei der Christuskörper in Stücke
geschlagen worden ist; nicht lange danach
ist aber ein neuer Christus-Körper angefertigt
und angebracht worden.
Am 4. Dezember 1932 ist das Jugendheim,
wie es jetzt noch dort steht, eingeweiht
worden, wo zum erstenmal die jungen
Leute nun einen eigenen Raum benutzen
konnten ; während des Krieges war
es für verschiedene Zwecke beschlagnahmt.
Von Mai bis August 1934 ist die
Kirche neu ausgemalt worden durch Egidius
Emonts-Alt aus Aachen.
1934 ist auch erstmals ein Schweizer in
der Kirche tätig gewesen, durch den »bei
den ·Gottesdiensten eine musterhafte Ruhe
eingekehrt ist, die man lange Zeit vergeblich
angestrebt hatte«.
1932 ist eine Marianische Jünglingskon-
37
Feier der Gold-Kommunion im Jahre 1940
gregation« gegründet worden, die aber
nur bis 1938 bestanden hat, als die geheime
Staatspolizei sämtliche Unterlagen beschlagnahmt
hat und damit diesem Verein
auch durch den Krieg ab 1939 der Boden
entzogen war.
1936 soll ein besonders schönes Pankratius-Fest
gefeiert worden sein mit der
Festpredigt des Mützenicher Pfarrers Fütting.
1937 ist b(;)i der Heiligtumsfahrt nach
Aachen ein auffallend großer Andrang gewesen
als stiller Protest gegen die kirchenfeindliche
Haltung der Reichsregierung
, die den Pfarrern das Betreten der
Schulen verboten hatte usw.
1938 ist wieder eine neue Orgel aufgestellt
worden, wobei der Pfarrer P. Schreiber
aus lmgenbroich die Festpredigt gehalten
hat. Kosten der neuen Orgel
7 756,- Mark.
Eines Abends 1938 ist in der Nacht ein
Pater durch die Staatspolizei aus dem
Pfarrhaus geholt und in Aachen ins Gefängnis
gesteckt worden, weil er in einer
Predigt einige Äußerungen getan hatte,
die einigen SA-Leuten nicht gefallen hatten.
Der Pater ist aber von einem noch
sehr anständigen Richter nur zu einer
Geldstrafe, zum Predigtverbot und zur
Ausweisung aus dem Rheinland verurteilt
worden.
Am 20. Juli 1937 ist der Weihbischof Dr.
Sträter in Konzen gewesen zur Spendung
der Firmung.
1937 erhält Jas. Leuther im Tausch gegen
ein anderes Grundstück das »Grashöffchen«
an der Quirinuskapelle zum Neubau
eines Hauses, und damit ist die gestiftete
Wiese vom Jahre 1679 einem guten
Zweck zugeführt.
1938 wird Felix Palm ab 1. Januar Küster
und Organist in Konzen und zugleich
Chorleiter auf Jahrzehnte hinaus.
Am 1. September 1939 ist der lange befürchtete
Krieg da ! Der gesamte Viehbestand
des Ortes wi rd in den ersten Kriegstagen
schon auf Simmerath zu weggetrieben,
kommt aber bald wieder zurück.
Zu Weihnachten 1939 wird in der Kirche
ein Levitenamt gehalten mit dem Pfarrer
Pontzen als Zelebrant, dem im April 1939
geweihten Pater Ludwig Palm als Diakon
und dem Theologiestudenten Wilhelm
Goffart als Epistelsänger; Priesterweihe
W. Goffart im Dezember 1940 und feierliche
Primiz in Konzen am 21. Dezember
1940.
Zum Pankratiusfest 1941 sind in das Mittelschiff
6 neue Ki rchenfenster eingebaut
worden mit den Wappen des Marienstifts
und von Reichenstein. Und im Jahre 1942
werden die so sauer ersparten Glocken
des Jahres 1925 für Kriegszwecke wieder
ausgebaut. Am 12. Juli 1942 ist der Weihbischof
Hünermann aus Aachen in Konzen
zur Firmung und pflichtgemäßen Visitation.
Es ist derselbe Bischof, der dann im Jahre
1955 die stark · vergrößerte Kirche neu
weihte.
Es kommt dann fast, wie es kommen mußte!
Am 10. September 1944 wird der letzte
sonntägliche Gottesdienst gefeiert. Bei
dieser Gelegenheit findet Pfarrer Pontzen
treffende Worte zur Situation. Und aus der
Totenstille des altehrwürdigen Gotteshauses
steigt noch einmal zum Himmel auf
das »Großer Gott, wir loben Dich! « Unter
dem Druck der Zwangsräumung findet am
12. September der letzte Gottesdienst in
der Kirche sta1t, die durch so viele Opfer
seit dem Jahre 1924 innen und außen in
einen hervorragenden Zustand gebracht
werden konnte.
Der schlimmste Tag in ihrer Geschichte
mußte sie dann erleben am 27. Oktober
1944, als durch das törichte Läuten der
Glocken die Amerikaner erbost unsere
Kirche von Mützenich aus mit schweren
Geschützen in Schutt und Asche gelegt
haben. Alle Einzelheiten über das Geschehen
hier während des· Krieges bis zur
Flucht usw. hat in mustergültiger Form unser
Chronist Jos. Erkens festgehalten, gedruckt
im E. H.V. Jhrg. 39, S. 6-92, wo
aber auch schon über die unglaubliche
Leistung beim Wiederaufbau berichtet ist.
Neben den Priestern Ludwig Palm und
Wilhelm Goffart, die nach vielen Jahrzehnten
wieder die ersten Priester aus Konzen
gewesen sind, hat es eine ganze Reihe
von jungen Leuten in die Klöster getrieben.
Der älteste bekannt gewordene ist der
»broder paulus von Contzen« gewesen,
der im Jahre 1540 so in einem''originaltext
im Pfarramt Aachen Forst eingetragen ist.
Hier nur einige Namen aus der sicher nicht
vol lständigen Liste :
Gertrud Schmitz, Hohestraße
Berta Huppertz, in den Gassen
Klara Huppertz, Breitestraße
Rosa Huppertz, Blumgasse
lda Gillessen, Blumgasse
Therese Schmitz, Kirchenweg
Margaretha Call , Kirchbruch
Maria Kreitz, Hohestraße
Anna Kreitz, Hohestraße
Käthe Löhrer, Lehrerin
Maria und Anna Palm, Kirchenweg
Hermann Kreitz, Schneider, auf der Hard!
Rudolf Huppertz, Boschte, Heerstraße
Etwas zu den frommen Stiftungen
Wenn immer wieder von den vielen
Grundstücken die Rede ist und den Kapital
ien, die der Konzener Kirche gehören,
so sind das fast alles Stiftungen gewesen
für Anniversarien = Jahrgedächtnisse.
Zweimal sind sogar Häuser erblich mit je
vier Singmessen belastet worden, so 1726
das Haus des peter steinrots von der
steinrots und 1800 das Haus der Eheleute
Johannes Schmitt- Catharina Schreiber in
der Wolfskaul.
Eine große Stiftung hat gemacht der Pfarrer
A. Merkelbach im Jahre 1730 für eine
Singmesse jeden Donnerstag, auch bestimmt
für das Seelenheil seiner Familie.
Die größte Stiftung ist im Jahre 1741 gemacht
worden durch einen Herrn Jean
Wantheleth aus der Gegend von Herf in
Belgien, der wohl ein Bekannter des Pfarrers
Merkelbach gewesen sein dürfte. Dieser
Herr stiftet 600 Rthlr. für zwei Messen
in jeder Woche, die allerdings im Jahre
1875 auf 36 Lesemessen herabgesetzt
worden sind.
1827 wird durch den Pfarrer Wolff bestimmt,
daß an jedem Mittwoch über das
Jahr hinweg eine Messe zu halten ist für
die Stifter der Grundstücke »Auweyer«
und »Aderich«. Das Stück Auweyer war
14 Morgen groß und stammte vom Hof
Lauterbach , gekauft damals durch den
38
Gerh. Müllenmeister; es ist immer in vier
Losen verpachtet worden. Ein großes
Grundstück war au ch die Flur Kalberscheid
= Kauvesch in der Größe von 15
Morgen und auch stets in mehreren Losen
verpachtet.
Eine große Woh ltäterin der Kirche ist gewesen
die Jungfrau Anna Maria Schmitz -
Jaaße, die gestiftet hat : 1869 = 1 200
Thlr.; 1879 = 661 Mark für ein neues
Fenster im Chor; 1882 = 2 100,- Mark;
1882 = 1 200,- Mark. Und das waren
zusammen 7 561 ,- Mark, wofür man damals
mehr als drei große Bauernhäuser
mit Garten usw. hätte kaufen können. Die
Anna Maria Schmitz ist gestorben am 27.
1. 1883. Nach dem tragischen Tod des
früheren Vikars Gimkens am 1. 6. 1896
durch eine Ve rwechslung von Drogen , hat
seine Konzener Haush älterin Gertrud
Schmitz - Kaploons- Drück fü r ihren früheren
Dienstherren noch ein Jahrgedächtnis
gestiftet. Auch der Pfarrer H. Laumans hat
noch kurz vor seinem Tod für sich selbst
eine Summe für Jahrgedächtnisse festgelegt,
aber nur für die nächsten 20 Jahre.
Die Kirchenrendanten si nd bekannt durch
die jährlichen Abrec;hnungen ab 1634, wo
wir als ersten finden den Jacob Palm . Die
folgenden Rendanten sind dem Namen
nach bekannt mit einer geringen Lücke,
bedeuten aber für uns nur noch Namen
ohne weitere Erkenntnisse.
Aus dieser Zahl ragt aber hervor der Gemeindevorsteher
von 1863 bis 1885 und
Kirchenrendant Peter Wilhelm Esser (Maanesse),
der die Geschäfte des Rendanten
mit der größten Genauigkeit bis auf den
letzten Pfennig geführt hat, daß man heute
nur staunen kann. Ganz besondere Verdienste
hat er sich erworben nach dem
großen Brand zu Fastnacht 1869, indem er
den Wiederaufbau in ganz kurzer Zeit in
die Wege geleitet und beaufsichtigt hatte.
Er war nicht verheiratet, und so hat auf
seinem Totenzettel stehen können : »Er
war nicht verheiratet und hat sich so mit
voller Kraft den Aufgaben in der Gemeinde
widmen können .«
Dann ist zu erwähnen der Rendant Johann
Peter Huppertz - Marxe, der ein sehr interessierter
Mann gewesen ist, mit dem
Pfarrer H. Laumans zusammen 1904/05
die Ausgrabungen in und an der Pankratius-Kapelle
getätigt hat, eine langjährige
Chronik erarbeitet, sich genau wie sein
Pfarrer um die Geschichte hier bemüht
und 1908 mit einigen anderen Leuten aus
Konzen eine große Reise zum Wallfahrtsort
Lourdes unternommen hat. Darüber
hat er einen recht guten Bericht geschrieben
auf etwa 40 Seiten, der in seiner Art
erstaunlich ist in der Beobachtung der Gebäude,
der Vorgänge usw. und wert wäre,
wenigstens für die Leute aus Konzen veröffentlicht
zu werden. Schon 1904 hat er in
seinem Hause eine kleine Zweigstelle der
Monschauer Sparkasse eröffnet und jeden
Tag - auch des Sonntags - den Leuten
Gelegenheit geboten, ihre Geldgeschäfte
ohne den Gang nach Monschau zu tätigen.
Sein Nachfolger als Rendant ist der Sohn
Heinrich Huppertz, Marxe-Hennche, geworden,
der Ende September 1933 durch
ein Motorrad bei der jetzigen Ampel zu
Tode gekommen ist. Dann hat das Amt für
lange Jahre übernommen der Bahnbeam-
. te Joseph Call, jetzt Kirchbruch, der auch
als Schweizer endlich für Ruhe und Ordnung
während der Messe gesorgt hat.
Allen Rendanten aber, die seit 1634 bekannt
geworden sind, sollte unser Dank
gelten für die viele Mühe, mit der sie sich
um die Finanzen der Kirche verdient gemacht
haben.
Kleine Glockenkunde
Die erste Kirchenglocke in Konzen stammt
aus dem Jahre 1166 und war geweiht der
glorreichen Jungfrau Maria. Auf dieses
Datum von 1166 stützt sich die Annahme,
daß die neue Kirche um das Jahr 1160
erbaut worden ist. Die Glocke von 1166 ist
dann schon 1650 umgegossen worden in
Aachen und hat das Wappen des Marienstiftes
bekommen. Als zweite ist die »Pankratius-Glocke«
1458 entstanden und zuletzt
die Nicolaus-Glocke vom Jahre 1623.
Das war das Geläut bis zu dem Blitzschlag
zu Fastnacht 1869, als dann drei neue
Glocken entstanden sind .
1. wieder eine Muttergottes-Glocke,
2. die Petrusglocke, geweiht dem
Pfarr-Patron ,
3. wieder eine Pankratius-Glocke;
Das Material aus den bei dem Brand zerschmolzenen
Glocken ist bei dem Guß der
neuen Glocken verwandt und mit 1137
Thlr. angerechnet worden. So sieht es
aus, als ob in jeder der drei neuen Glocken
Material aus den alten Glocken, auch aus
der Glocke des Jahres 1166, verwandt
worden wäre.
Im Jahre 1917 sind dann die ersten beiden
Glocken entfernt und zu Kriegszwecken
eingeschmolzen worden.
1925 si nd neu hinzugekommen die Marien-Glocke
= 1 350 kg , die Petrusglocke
= 960 kg.
Und diese beiden letzten sind dann schon
1942 wieder für Kriegszwecke entfernt
worden, so daß nur die Pankratius-Glocke
im Turm geblieben war und den Krieg und
die Zerstörung vom 27. September 1944
überlebt hatte. So hat diese zusammen mit
einem Teil des Materials vom Jahre 1166
noch lange vor der Notkirche zum Gebet
rufen dürfen. Bei dem Guß der jetzigen
Glocken ist sie mit in die Gießerei gekommen
, so daß wir die Hoffnung haben können,
daß auch heute noch etwas von dem
Material der allerersten Glocke des Jahres
1166 in unseren heutigen Glocken mitklingt.
Damit muß diese kleine Chronik ihr Ende
finden, obwohl es wirklich nur ein Auszug
sein konnte aus dem mehr als reichhaltigen
Material; wenn der eine oder andere
diese oder jene Einzelheiten vermissen
sollte, so ist das mit dem beschränkten
Platz zu entschuldigen, der zu einer strengen
Auswahl gezwungen hat.
Die Pfarre Konzen
Nach den Forschungen von L. Falkenstein
und R. Nolden muß die Villa= der Königshof
Konzen schon vor dem Jahre 800
gegründet und dem Marienstift in Aachen
unterstellt worden sein. Da nun das Marienstift
zusammen mit den Klöstern durch
die Franzosen aufgelöst wurde im Jahre
1802, hat die Kirche = die spätere Pfarrei
in Konzen 1000 Jahre lang in enger Verbindung
mit diesem frommen Stift gestanden
.
Schon im alten Testament ist die Abgabe
des Zehnten = des zehnten Teiles der
Einkünfte an den Tempel bzw. an die Armen
bezeugt und seit dem fünften Jahrhundert
auch in den christlichen Kirchen
bekannt.
So ist es auch verständlich, daß der Zehnte
= die Abgabe der zehnten Garbe von
den Feldfrüchten, die durch die Schöffen
festgestellt wurden, dem Marienstift zugefallen
war. Durch unsere Urkunde aber
von 13. Juni 888 wird bestätigt, daß dazu
auch die nona = der Neunte schon durch
König Lothar II. , 855 - 869, gekommen
war, zunächst noch aus dem gesamten
Konzen-Monschauer Land bis zum Ende
des 13. Jahrunderts und dann nur noch
aus dem Bereich des Feldgeleits, des alten
Siedlungsraumes hier, durch die alten
Flurnamen schon sorgfältig bearbeitet
durch den verdienstvollen Jos. Kreitz.
(E. H.V. 19. Jhrg. S. 57, Nachtrag im E.
H.V. Jhrg ., S. 48.) Zu diesem engeren
Gebiet des Feldgeleits haben noch nicht
gehört der Raum von Schmidt, Roetgen,
Rott und Mulartshütte, Rohren, Widdau
und der Raum von · Dedenborn, ja nicht
einmal Höfen und Kalterherberg.
Das übrige Gebiet des Hofes Konzen oder
des Oberwaldes oder des Reichswaldes in
den Grenzen des späteren Jülicher Amtes,
des französischen Kantons und des
noch späteren Landkreises Monschau war
das Waldgeleit, wie es im Jahrbuch »Das
Monschauer Land 1988«, S. 87 und 93
durch Dr. E. Neuß dargestellt ist, in :
»Grundzüge der frühen Siedlungsgeschichte
des Monschauer Landes. « Alle
weiteren Einzelheiten in dem großen Werk
von R. Nolden und daraus eine Zusammenfassung
im Monschauer Land 1983,
S. 26 ff.; dazu auch R. Nolden : » Über den
Konzener Haferzehnten vom 14. bis 18.
Jahrhundert« in Monschauer Land 1985,
S. 27 ff.
Es ist aber nicht so, daß Hafer hier die
einzige Feldfrucht gewesen wäre, sondern
nur etwas wie die allgemeine Währung, zu
vergleichen heute mit dem Dollar. Daß
auch Roggen und Gerste hier gezogen
worden sind in bescheidenem Maße, erfahren
wir bei den Abgaben der Mühlen z.
39
B. im »Neuen Rentlagerbuch« vom Jahre
1649 im Stadtarchiv Monschau, S. 175 u.
191. In der Hauptsache haben die Herren
des Monschauer Landes die Einnahmen
bezogen aus den Abgaben im Waldgeleit,
das Marienstift aus dem Feldgeleit. Die
Trennung in diese beiden Teile wird schon
bekannt in dem Weistum über die Wälder
vom Jahre 1342. Über die Menge an Hafer,
die jährlich nach Aachen gebracht werden
mußte, siehe R. Nolden bei dem Haferzehnten!
Dort erfahren wir auch vieles
über die Pächter dieses Zehnten, die meistens
aus den höheren Beamten mit ihren
Mitarbeitern bestanden haben , wobei die
Zahl der Zehntgarben von den Amtsschöffen
festgelegt werden mußte; wir hören
dort auch von den Zehntscheunen, von
Mißwuchs und Hagelschlag und folglich
über die klimatischen Verhältnisse in ganz
früher Zeit. Der letzte Zehntpächter ist der
Monschauer Rentmeister, Friedensrichter
und Forstgeldempfänger Joh. Jos. de
Berghes gewesen, dessen Pachtvertrag
vom Jahre 1781 sogar erhalten ist = H.
Laumans, S. 221. Diese Pächter haben
natürlich auch nicht um Gotteslohn gearbeitet,
sondern nicht ganz schlecht daran
verdient. Der Joh. Jos. de Berghes hat aus
seinen übrigen Ämtern damals etwa 4 000
Thaler an Einkommen gehabt, was für unsere
Monschauer Verhältnisse ein fürstliches
Gehalt gewesen ist, und gewohnt in
dem Haus jetzt Uhren/Schmuckgeschäft
Benno Kaulard. (Wie groß die sozialen Unterschiede
früher gewesen sind, mag verdeutlichen
das Einkommen der Förster
hier im Jahre 1790/1791 . Damals hat der
Forstmeister Fhr. v. Hompech jährlich erhalten
1 000 Rhthlr., der Forstschreiber
Kesselkaul in Konzen 600 Rthlr. dazu Fouragegeld
für sein Pferd = 65 Rthlr., der
Revierförster = 11 an der Zahl = je 110
Rthlr. und der Forstbote = 25 Rthlr. jährlich)
= Forstmeister-Rechnung!
Aus dem 12. Jahrhundert haben wir eine
Aufstellung über die Leistungen der einzelnen
Königshöfe an die Hofverwaltung
in Aachen. Danach hat neben Aachen nur
Düren und Konzen zwei solcher Servitien
Einheiten an den Hof zu stellen, und die
haben für Konzen bestanden aus : 80
Schweinen, 14 Spanferkeln, 100 Hühnern,
10 Kühen, 1 000 Eiern, 20 Gänsen, 10
Pfd. Pfeffer, 180 (Stück) Käse , 20 Pfd.
Wachs und 8 großen Fudern Wein. Dabei
hat der Pfeffer und der Wein bei uns sicher
in Geld bezahlt werden müssen; und das
geht zurück auf ein sogenantes » Tafelgüter-Verzeichnis«.
(H . Müller-Kehlen, S.
167, und R. Nolden S. 31 .)
Etwa in den Jahren 1760 ist eine ganz
neue Feldfrucht hier aufgetaucht = die
Kartoffeln, die natürlich noch nicht vorher
bei den Zehntabgaben verzeichnet sein
konnten. Darüber hat es große Streitereien
gegeben, die bis zum Anbruch der
Franzosenzeit gedauert haben, dann aber
auch als erledigt angesehen werden konnten,
da alle derartigen Verpflichtungen ja
aufgehoben worden sind. (Darüber auch
im Eifel-Jahrbuch 1982, S. 102.)
Laut diesen Zehntverhältnissen sollen
vom 14. bis 18. Jahrhundert zwischen 200
und 500 Müdde Frucht nach Aachen abgeliefert
worden sein. Nach 0. Redlich sollen
es 1559 ca. 600 Malter und 1582 ca. 500
Malter gewesen sein .
Daß aber auch die Herzöge hier nicht nur
kassiert haben, beweist eine Urkunde,
eingetragen in dem Neuen Rentlagerbuch
des Jahres 1649 im Stadtarchiv Monschau,
S. 14. vom 16. Oktober 1475, wonach
aus dem herzoglichen Hof Eicherscheid-Huppenbroich
nach altem Brauch
jährlich 25 Scheffel Hafer den Hausarmen
ausgeteilt werden sollen durch den Pfarrer
oder Kaplan zu Konzen, auf erbliche und
ewige Rente festgesetzt.
Wenn wir bisher so viel gehört haben über
die Leistungen der Leute hier für das Marienstift,
so kann man erwarten, daß auch
für die Kirche hier von dort einige Verpflichtungen
bestanden haben aus ältester
Zeit. Es ist aber kein Wort darüber auf uns
gekommen bis zu den unglücklichen kriegerischen
Ereignissen des Jahres 1543,
als es ausführlich heißt, daß damals »alle
Rollen und bescheitt« = alle schriftlichen
Unterlagen darüber in Verlust geraten waren
. Dabei ist anzunehmen, daß damals
genau wie der Hardthof auch die Konzener
Pastorat in Flammen aufgegangen ist, da
diese Unterlagen wohl dort aufbewahrt gewesen
sind . Um nun die alten Rechte und
Pfli chten wieder deutlich zu machen, hat
der Amtmann Christoph v. Rolshausen im
Jahre 1553 die Schöffen und alten Leute
zusammengerufen und alle alten Rechte -
so gut es noch ging - aufschreiben und
festlegen lassen. Über diese Neuerkundung
sind mehrere Ausfertigungen vorhanden
z. B. im Gen .-Vik.-Archiv in Köln
und im HStAD = Aachen, Marienstift,
Handschrift Nr. 6, bei uns veröffentlicht im
Monschauer Land 1983, S. 33 ff. Danach
hat das Marienstift die folgenden Verpflichtungen:
es muß in Konzen einen Weltpriester unterhalten,
der Tag und Nacht bereit sein
muß, unentgeltlich die Sakramente zu
spenden,
es muß das ewige Licht in der Kirche
unterhalten,
es muß den Hochalter mit allen Geräten
ausstatten,
es muß das Kirchenschiff in gutem Bauzustand
halten,
es muß den Glockenstuhl unterhalten,
es muß den Widemhof (Pastorat) als Wohnung
des Pfarrers unterhalten,
es muß in jeder Nachbarschaft (Dorf) im
Feldgeleit einen Stier und einen schwarzen
und weißen Widder unterhalten, mit
denen die Leute zufrieden sind .
Dafür erhält das Marienstift den Zehnten
aus dem gesamten Feldgeleit des Monschauer
Landes.
Die Pflicht zum Unterhalt eines Stieres
(Neuttel oder Rindtsteyr) und den Widdern
kommt uns höchst merkwürdig vor, ist
aber nicht auf Konzen beschränkt gewesen.
Dieselbe Verpflichtu ng haben nach
0 . Red lich auch die Pfarrer von Hilbracht
und von Kirchheim gehabt; ja der letztere
hat zudem die Verpflichtung gehabt, »zwei
bieren« = Zuchteber zu unterhalten.
Eine andere Fassung dieses Weistums,
die früher im Pfarrarchiv in Konzen gewesen
ist, hat noch den Zusatz gehabt, daß
die Pfarrangehörigen das Recht gehabt
haben, einen ihnen nicht genehmen Pfarrer
zurückzuweisen. Und das haben sie
tatsächlich einmal getan, wie später ausgeführt
wird.
Diese im Jahre 1553 neu aufgearbeiteten
Pflichten des Marienstiftes haben sicher
auch für die weit zurückliegende Zeit bestanden,
also schon für die ersti kirchliche
Verwaltung in Konzen, die ja noch für das
ganze Konzener-Monschauer Land zuständ
ig gewesen ist, folgl ich zur ersten
Pfarrei hier gehört haben.
Daran hat sich auch nichts geändert bis
zur Franzosenzeit, da wir genaue Unterlagen
haben über die Einkünfte des Pfarrers,
über die ersetzten Kosten fü r das ewige
Licht usw.
Alles das ist z. B. genau nach diesem
Schema festgelegt in der Akte : Ala Konzen
Nr. 3 im Gen .-Vik.-Archiv in Aachen,
wonach der Pfarrer 100 Kön igsthaler in bar
erhält und sechs Müth Hafer, dazu alle
zwei Jahre diese sechs Müth Hafer als
Mantelgeld und dazu die anerkannte Verpflichtung
für Licht, Chor, Kirchenschiff
und Pastoralwohnung zu sorgen. Außerdem
ist dort festgehalten, daß der Pfarrer
noch fünf Dörfer zu betreuen hat, die z. T.
1 ½ Stunden entfernt liegen, daß er etwa
1 000 Kommuni kanten hat und daß er an
hohen Festtagen einen Beihelfer haben
möchte, abgeschlossen am 22. März
1766; dieser Beihelfer ist also noch gefordert
worden, obwoh l schon seit 1702 ein
Kaplan als feste Stelle eingerichtet war.
Nach diesen Vorbemerkungen, die sich in
der Hauptsache mit den kirchlichen Verhältnissen
seit den Anfängen und den
rechtlichen Bedingungen zwischen der
Kirchenverwaltung Konzen und dem Marienstift
in Aachen befassen, können wir
übergehen zur Entwicklung der Pfarre
Konzen besonders nach der Trennung
des ganzen Ki-esch-pels von Simmerath
von der Mutter/und Sendkirche in Konzen.
Aber auch nach der Abtrennung von Simmerath
spätestens im Jahre 1346 hat Konzen
doch die Vorzugsstellung behalten,
der einzige Ort für das Kirchengericht mit
der Visitation im ganzen Konzen-Monschauer
Land zu bleiben .
Konzen war also bis nach dem Jahre 1300
das einzige Pfarrgebiet des ganzen Monschauer
Landes gewesen, und der Pfarrer
von Konzen hatte eine seelsorgerische
Aufgabe bis nach Nidegger-Brück mit dem
alten Hof Hetzingen und bis nach Zweifall
an der Vicht. Inzwischen aber hatte sich
die Bevölkerung stark vermehrt und ein
40
zweites Pfarrgebiet notwendig gemacht.
So ist eine Kirche in Simmerath im Jahre
1346 erwähnt in einer Steinfelder Akte im
HStAD. (Kunstdenkmäler S. 118.)
Simmerath selbst ist natü rlich älter, aber
auch erstmals in die Akten gekommen im
Jahre 1342 in dem Weistum über die
Waldrechte, wo neben Ko nzen auch ein
»Hof zo Semenroede « erwähnt ist. Der
Ort ist naturgemäß viel früh er entstanden,
da man nicht eine zweite Pfarrkirche, die
auch eine »Moderkirch « war, in einen fast
unbebauten Ort setzt. Der »Pfarr-Herr«
auch für die Kirche in Simmerath war genau
wie in Konzen das Marienstift in Aachen
.
Zu diesem neuen Kirchenbezirk = Kirchenspiel
= Ki-esch-peel haben später
gehört: Bickerath, Witzerath, Paustenbach,
Lammersdorf, Mulartshütte, Zweifall ,
Huppenbroich , Kesternich, Dedenborn,
Schmidt, Kommerscheidt, Pleushütte,
Rollesbroich, Ru rberg, Steckenborn, Vossenack
und Woffelsbach. Bei Konzen aber
sind geblieben Roetgen und Rott, obwohl
Mulartshütte weiterhin zu Simmerath gehört
hat.
Damit war die Pfar (.k Ko nzen wesentlich
entlastet, obwohl der Pfarrbezirk auch da
noch mehr als groß genug war. Die Pfarrer
in Konzen sind bearbeitet in dem wichtigen
und ganz ausführlichen Werk von Jos.
Jansen (früher Pfarrer in lmgenbroich) und
dem Archivdi rektor Loh mann: »Der Weltklerus
in den Köln er Erzbistumsprotokollen
« ... z. T. veröffentlicht im E. H.V. 27 .
Jhrg. in Fortsetzungen durch Hans Bongard
. Danach soll ein Priester Lisolphus
um das Jahr 1120 hier eine Bruderschaft
gegründet haben .
Godefridus, Pastor bzw. Priester von Konzen
ist zweimal um 1190 in den Akten und
de~ erste sicher festgestellte Priester und
Pastor in Konzen . Die heutigen rechtlich
gesicherten Pfarreien sollen erst im 12./
13. Jahrhundert entstanden sein , so daß
man nicht von einer Pfarr-Erhebung im
Jahre 1190 reden kann.
Im Jahre 1462 ist ein Heinrich Stein für
kurze Zeit in Konzen tätig gewesen, im
Dezember aber schon durch Johann Coligna
abgelöst worden.
Dieser Pfarrer Coligna ist noch in Konzen
tätig, als 1478 der Send , das kirchliche
Gericht, zusammen mit der Visitation abgehalten
worden ist.
Im Jahre 1543 amtiert in Konzen ein Hilger
aus Monschau, Pater aus Reichenstein ,
der im nächsten Jahr schon in Simmerath
tätig ist. Von 1544 bis 1559 war hier tätig
der Pfarrer Dominicus Beer der in sehr
hohem Alter 1559 hier gest;rben ist.
Er war demnach nach den schlimmen Verwüstungen
des Jahres 1543 nach Konzen
gekommen und hat in den nächsten Jahr~n
sicher eine ganz schwierige Aufgabe
gehabt. In seine Zeit fällt 1550 die Kirchenvisitation
durch die Beamten des Herzogs
von Jülich. Das ist fü r uns höchst
ungewöhnlich, hängt aber zusammen mit
den Wiedertäufern, die 1534/35 in Münster
ein Schreckensregiment mit unglaublichen
Mordtaten errichtet hatten, bis sie
durch die Truppen des Bischofs dann
selbst auch »dran « waren . Diese religiöse
Gruppe war zunächst nicht einverstanden
mit der Taufe der kleinen Kinder, die ja
noch nicht 1m Gebrauch des Verstandes
waren und nach ihrer Ansicht »wiedergetauft«
werden mußten . Nach den schrecklichen
Bluttaten in Münster galten diese
Leute als die » Terroristen« ihrer Zeit und
sind schon durch einen Reichstag in
Speyer im Jahre 1529 mit der Todesstrafe
bedroht worden . Gegen den Willen nun
des Erzbischofs von Köln hat der Herzog
von Jülich diese Visitationen der Kirchen
durchführen lassen . In Konzen ist nur ein
»Pauwels Snyder« (Schneider) festgestellt
worden, der nicht zur Kirche gehe
und »widerwärtig lehre und gute Leute
verwirre«. Anderwärts aber hat es Wiedertäufer
bei uns gegeben, die aber völlig
friedliche Leute gewesen sind und nur ihrer
anderen religiösen Überzeugung gelebt
haben.
Die nächste Visitation, bei der auch die
Geistlichen ein wenig examiniert worden
sind, hat im Jahre 1559 stattgefunden, als
der Pfarrer Beer schon sehr alt war und
man ihm dieses Examen erlassen hatte.
Die Wiedertäufer in unserer Gegend haben
sich in der Schleidener Gegend in
Sicherheit gebracht, wo man nicht so
streng vorgegangen ist. Aber man hat
Haus und Hof und sämtliche Grundstücke
beschlagnahmt und dann verpachtet, so
daß dadurch vor allem in Kesternich viele
Flurnamen schon früh in die Akten gekommen
sind . Das ist besonders der Fall in
dem Jahre 1597 /98, worüber es ein größeres
Aktenstück im HStAD gibt = Jül.
Berg , Geistliche Sachen, J.B. II , 254, das
zum großen Teil veröffentlicht ist von Walter
Scheibler in »Geschichte der evangelischen
Gemeinde Monschau «, Aachen
1939, S. 15--33, worin auch die Namen der
Wiedertäufer aufgelistet sind mit der Zahl
von etwa 60. In Konzen ist kein Wiedertäufer
genannt. Eine Nachricht darüber aber
haben wir im Kirchenbuch , als im Jahre
1655 am 4. April der Coen (Conrad) Gatzweiler
in Rott fünf Kinder taufen läßt, die
jedoch nicht als Fünflinge zu betrachten
sind . Sie heißen : Johann, Gottfried/ Abraham,
Coen, Margareta und Otilia. Wegen
dieser besonderen Angelegenheit sind als
Paten eingetragen der Schultheiß Johannes
Contzen und der Forstmeister Gottfried
Dunckel. Die kleine Notiz am Rande
gibt uns Aufschluß über den Anlaß = anabaptista
= Wiedertäufer. Aus den jährlichen
Rechnungen der Rent_meister ist für
1551 /52 eingetragen, daß der Pastor zu
Contzen mit seiner Magd gefangen gesetzt
wurde in Monschau. Der Scharfrichter
hat die Magd »versucht« = scharf verhört
und mit Ruten ausgetrieben . Mit Rutenaustreiben
ist das Geißeln, und das soll
der zweite Grad der Folterung gewesen
sein. Was mit der Magd sonst geschehen
ist, warum , wieso usw. ist nicht mehr erwähnt
und kann auch nicht mit blühender
Fantasie ergründet werden.
Der Karmelitermönch Johann von St. Vith
ist der nächste Pfarrer von Konzen für die
Jahre 1560 - 1580, von dessen Tätigkeit
weiter nichts bekannt geworden ist. Martin
Molandt hat in Konzen amtiert um 1582,
als er Beschwerde geführt hat über die
unzureichende Besoldung seiner Pfarrstelle.
Johann Mersfeld war ein Weltgeistlicher,
von dem nur das Todesjahr 1606 überliefert
ist. Mit Peter Lingens wird die Reihe
der Reichensteiner Mönche in Könzen begonnen.
Er hat 30 Jahre lang hier regiert,
soll auch schon etwas Schule gehalten
haben und stirbt am 22. 2. 1636 an der
Pest, die er sich wohl in einem der anderen
Dörfer geholt hatte, da sie in Konzen
kaum gewütet haben kann . Er war schon
längere Zeit kränklich, und man hat ihm
kurz vor dem Tod eine kleine Zulage gegeben,
damit »der gebrechliche Mann sich
zur Belebung auch mal ein Gläschen Wein
leisten könne«.
Sein Nachfolger ist Pater Peter Ellen aus
Reichenstein, der mit den Taufbüchern angefangen
hat. Am 7. April 1639 wird ein
ausführlicher Vertrag geschlossen zwischen
dem Marienstift und dem Kloster
Reichenstein über die Verwaltung der
Pfarre Konzen mit allen Rechten und
Pflichten, der Frage des Gehaltes und der
Einkünfte. (Akte im Gen.-Vik.-Archiv Aachen
.)
Im Jahre 1640 wird Monschau zur Pfarre
erklärt aber ohne Gotteshaus und war so
gezwungen, in den nächsten Jahren ein
Privathaus • für die gottesdienstlichen
Handlungen zu benutzen. Erst im Jahre
1650 konnte die bescheidene Kirche am
8. September eingeweiht werden . Zur
Pfarre Monschau haben auch die Orte Höfen
und Rohren gehört, die damit aus dem
Pfarrverband Konzen ausgeschieden sind .
Pater Ellen war es auch, der die Drangsale
der lothringischen Truppen nach dem
30jährigen Krieg zu erdulden hatte und
sogar einmal nach Monschau hatte flüchten
müssen. Der Nachfolger war ab 1654
der Reichensteiner Pater Gottfried Flammersheim
bis zum Jahre 1666. Unter seiner
»Herrschaft« ist im Jahre 1660 zu
Pfingsten die erste Kirche in Roetgen eingeweiht
worden durch den Reichensteiner
Prior Stephan Horrichem; dadurch konnte
ein lange gehegter Wunsch der Leute aus
Roetgen erfüllt werden, nämlich nicht
mehr bei Wind und Wetter, bei Eis und
Schnee den mühevollen Weg zur Konzener
Kirche über das Hohe Venn gehen zu
müssen.
Von 1666 - 1686 war dann Pfarrer der
Reichensteiner Pater Friedrich Wilhelm Jacobi,
der danach Prior in Reichenstein geworden
ist als Nachfolger des bekannten
Stephan Horrichem.
41
Der nächste Pfarrer war Pastor Christian
Blees von 1686 bis 1691, als er Pfarrer in
Aachen geworden war. In seine Zeit fallen
auch Bedrängnisse, diesmal durch die
Franzosen in den Jahren 1689/90, wobei
aber von Plünderungen in der Konzener
Kirche nichts berichtet ist. Mit Johannes
Wernerus Fabritius (geb. Schmitz) ist die
»Herrschaft« der Reichensteiner Mönche
beendet, da er und alle künftigen Pfarrer
Weltgeistliche gewesen sind . Unter ihm ist
der sicher prachtvoll geschnitzte Marienaltar
1694 aus Bütgenbach abgeholt und
andere kirchliche Gegenstände angeschafft
worden . Nach dem frühen Tod des
J.W. Fabritius übernimmt der kurz vorher
erst geweihte Arnold Merkelbach mit 26
Jahren die Pfarre Konzen bis zum Jahre
17 49, als er wegen Kränklichkeit sein Amt
niedergelegt hat. Über ihn ist schon mancherlei
berichtet, und er ist gestorben am
2. 4. 1760.
Pfarrer Merkelbach ist es gewesen, der
den prachtvollen Hochaltar 1712 in die
Kirche besorgt hatte, der selbst schon im
Alter von 40 Jahren seine eigene große
und sicher nicht billige Grabplatte hatte
anfertigen lassen , auch die für seine Mutter
und Schwester. Neben der Stiftung von
300 Rthlr. für die jeden Donnerstag zu
haltende Singmesse hat er noch im Jahre
1742 eine große Stiftung gemacht für die
Kirche in Rott, so daß von den armen
Dorfpfarrern wohl nicht gut gesprochen
werden kann; bei dem Send des Jahres
1721 sind aber etliche Beanstandungen
gemacht worden, besonders über das
Verhalten der Leute, - wohl junge Männer
- die während des Gottesdienstes versuchen,
Karten zu spielen und Trinkereien
zu veranstalten . (E. H.V. 11. Jhrg., S. 144.)
Inzwischen war die erste Kirche in Eicherscheid
nach langen Schwierigkeiten erbaut
und am 8. September 1685 eingeweiht
worden. Nach vielen Verhandlungen
zwischen den Bewohnern, (mit Hilfe des
Klosters Reichenstein) dem Marienstift
und der Verwaltung in Düsseldorf war die
Pfarre Eicherscheid am 24. November
1713 in das Kloster Reichenstein inkorporiert
und damit völlig aus dem Konzener
Pfarrverband ausgeschieden. Aber! Der
Pfarrer von Eicherscheid war verpflichtet,
jährlich mit den Bewohnern am Fronleichnamstag
nach Konzen zu kommen und
dort auf dem Altar eine geziemende
Wachskerze zu opfern . Und das müßten
diese Leute auch heute noch!
1718 bekommt auch Rott eine eigene kleine
Kirche, so daß Konzen nur noch lmgenbroich
und Mützenich zu betreuen hatte.
Der Ort Höfen war ja schon aus der
Pfarre Konzen ausgeschieden im Jahre
1640 zugleich mit Monschau und hatte
1699 eine eigene Kirche, die 1701 auch
dem Kloster Reichenstein inkorporiert
wurde.
Dasselbe ist geschehen in Rohren, das
1700/1701 eine eigene kleine Kirche hatte
beziehen können.
Es soll hier ausdrücklich betont werden,
daß bei diesen Kirchenbauten in Monschau,
in Roetgen, in Eicherscheid und in
Höfen das Kloster Reichenstein eine ganz
entscheidende Hilfe geleistet hat.
Pfarrer Arnold Merkelbach hat wegen Altersschwäche
im Jahre 17 49 auf die Pfarrstelle
verzichtet, erhielt aber Wohnrecht in
der Pastorat, bis er mit über 80 Jahren am
2. 4. 1760 gestorben ist.
Sein Nachfolger war der Pfarrer Johann
Wilhelm Schreiber aus Konzen, der die
Pfarrstelle verwaltet hat bis zu seinem Tode
am 1. Juni 1798. Und auch das dürfte
einmalig sein in einem Dorf, daß es nämlich
in 94 Jahren nur zwei Pfarrer gehabt
hat: A. Merkelbach von 1704 - 17 49 und
Pfarrer J.W. Schreiber von 1749 - 1798!
Unter Pfr. Schreiber hat dann auch lmgenbroich
seine eigene Kirche erhalten. Alle r
dings hatte lmgenbroich schon vorher eine
Kapelle gehabt in dem späteren Schulgarten
bei der heutigen Aral-Tankstelle,
gestiftet von dem Gerichts/ u. Kohlschreiber
Math. Stoltzen aus Monschau. Darin
ist aber nur eine Sonntags- und Feiertagsmesse
gestiftet worden , und auch das nur
für kurze Zeit. Bald ist diese Kapelle zu
einem kleinen • Eremitorium ausgebaut
worden, in dem sich die beiden Eremiten
Johannes Mohr ab 1703, gestorben am
17. Dezember 1722, und danach Andreas
Adenaw, der 1751 die Klause und den Ort
verlassen hatte, aufgehalten und unter
Aufsicht des Konzener Pfarrers ihre geistlichen
Übungen abzuhalten hatten.
Diese Eremitage, die später zu einem
Wohnhaus umgebaut wurde, ist im Jahre
1879 vollständig dem Feuer zum Opfer
gefallen. (Pfr. Jos. Jansen = E. H. V. 4.
Jhrg. S. 39 »Eremiten am Hohen Venn «.)
Schließlich konnte also lmgenbroich mitten
im Ort eine größere Kirche bauen, die
am 11 . Dezember 1768 eingeweiht wurde.
Dieser Kirche aber Pfarr-Rechte zu verleihen,
ist auf den energischen Widerstand
des Konzener Pfarrers gestoßen, der sich
in seinen Einkünften geschmälert sah . Erst
1777 ist es zu einem Vergleich gekommen
, in dem die beiderseitigen Rechte
abgegrenzt werden konnten , aber noch
längst nicht zu einer vollen Selbständigkeit
einer Pfarre lmgenbroich geführt haben .
Der Rektor der neuen Kirche in lmgenbroich
hatte ein Einkommen von 65 Rthlr., die
ihm von den 65 Haushaltungen in lmgenbroich
mit je einem Rthlr. gezahlt werden
sollten. Das aber war so viel, daß sich eine
ganze Reihe von namentlich genannten
Leuten geweigert hat wegen ihrer Armut
mit dem Bemerken, daß ihnen die Kirche
in Konzen nahe genug liege.
Es war immer_ noch nicht so, daß die Kirchen
außerhalb von 1<onzen ihre volle
Selbständigkeit hatten , so daß Pfr. Schreiber
noch im Jahre 17 49 die Bewohner von
Kalterherberg auffordern konnte, sich an
der Reparatur des Konzener Kirchturmes
finanziell zu beteiligen, sie sind aber dazu
»verdonnert« worden, so auch noch 1768/
Prälat Peter Schreiber aus lmgenbroich, gest.
am 23. Mai 1967 in Köln = 80 Jahre
1769. Inzwischen war Pfr. Schreiber 1798
mit 85 Jahren gestorben und hatte zuvor
noch die Übernahme der Herrschaft durch
die Franzosen erleben müssen. Aber
schon seit dem Jahre 1773 hatte er zu
seiner Entlastung den Nicolaus Bongard
aus Steckenborn als Vikar in Konzen.
Diesen Vikar Bongard präsentiert nun das
Marienstift den Konzenern als neuen Pfarrer.
Wir haben gehört, daß die Leute aus
Konzen das Recht hatten, einen ihnen
nicht genehmen Pfarrer abzulehnen und
einen anderen zu verl angen. Und genau
das haben die Konzener zum erstenmal,
so weit wir wissen , 1798 getan. Es waren
keine schlimmen Dinge, die sie ihm vorge·
worfen haben , aber er könne nicht gut
predigen und derartige Kleinigkeiten. Ihre
Ablehnung ist aber nur bis zu den Behör·
den in Monschau gekommen, die den Bescheid
gegeben haben, alle fürstlichen
und kirchlichen Rechte und Vorrechte seien
durch die franz. Verwaltung aufgehoben
, so daß ihr Antrag ohne weitere Begründung
abgelehnt werden müsse. So
haben sie also den Pfarrer N. Bongard
annehmen müssen und haben ihn gehabt
bis zum Jahre 1820, als er schon wegen
Alters am 9. August 1820 um seine Dispensierung
gebeten hatte, die ihm dann
auch gewährt worden ist. So ist er am 27.
11. 1821 im Alter von 82 Jahren gestorben
.
Durch die französische Verwaltung waren
im Jahre 1802 alle Klöster aufgehoben
worden - auch Reichenstein - und 1804
sind alle Pfarreien endlich selbständig geworden,
so daß auch jede Abhängigkei~
von der Kirche in Konzen beendet war. Bei
einer Neuordnung war das Gut Stillbusch
1804 zur Pfarre lmgenbroich gekommen,
1807 aber wieder nach Konzen in den
Pfarrverband überwiesen worden.
1807 hat es wieder eine eingehende Visitation
gegeben über alle Pfarreien im Gebiet
von Monschau ; in Konzen ist fast alles
in Ordnung , die Einkünfte des Pfarrers und
42
des Vikars sind geregelt, der Küster
(Sehartmann) hält den Schulunterricht und
ist zufrieden mit sein em Einkommen.
(Ausführlich für jede Gemei nde im E.H.V.
18. Jahrg. S. 33-44: »Ei ne kirchliche Visi-
• tation in französische r Zeit im Jahre 1807 «
von Prälat P. Schreiber.)
Die nächsten Pfarrer in Konzen sind gewesen:
Johann Matthias Simes,
1821 - 1822; Hermann Joseph Schiffer,
1822 - 1826; Wilhelm Anton Wolff,
1826 - 1828, hier gestorben; Matthias Anton
Frings, 1828 - 1845; Werner Maehren,
1845 - 1863, hier gestorben , Totenzettel
ist vorhanden, worin er als ein tatkräftiger
und entschiedener Diener der
Kirche , aber auch als unermüdlicher Hirt
und liebevoller Vater bezeichnet ist.
Unter dem Pfarrer Maehren hat die Pfarre
Konzen auch noch Mütze nich in die Selbständigkeit
entlassen müssen.
Schon kurz nach der Regierung durch
Preußen hat man in Mützenich angefangen,
den Bau einer eigenen Kirche in die
Wege zu leiten, wobei zu betonen ist, daß
bis zur Visitation des Jahres 1807 niemals
auch nur eine Kapelle in Mützenich erwähnt
worden ist. Nach vielem Hin und
Her, nach Gutachten der kirchlichen und
weltlichen Behörden wegen der armen
Kinder, die teilweise klatschnaß in die Kirche
und dann in die Schule müßten usw.,
nach Plänen für den Kirchenbau usw. hat
man endlich mit der Arbeit beginnen können
im Jahre 1847. (Über alle diese Vorgänge
liegt ein dickes Aktenstück im
HStAD.)
Wahrscheinlich ist der Bau auch nochmal
verzögert worden durch die neue Landstraße
Monschau - Eupen , feierlich eröffnet
am 18. Mai 1846, da man die Kirche
nun mehr nach oben hin oberhalb der
großen Verkehrsverbindung hat bauen
wollen.
Obwohl die Kirche schon 1850 vollendet
war, hat es noch lange gedauert bis zur
Anerkennung der selbständigen Pfarre
wegen der finanziellen Schwierigkeiten
mit dem Pfarrer und dem Küster in Konzen,
die noch eine Entschädigung erhalten
haben für den Verlust an Einkommen,
dann wegen der Stiftungen von Leuten
aus Mützenich an ihre frühere Pfarrki rche
in Konzen .
Das Dekret der selbständigen Pfarre Mützenich
ist schließlich ausgefertigt worden
zum 18. Oktober 1856 durch den Kardinal
v. deißel in Köln . (Mon. Land 1979, S. 101
== »Selbständige Pfarre Müzenich «.) Es ist
da aber ausdrücklich festgelegt, daß die
Rochus-Mühle, zwar zur Gemeinde Mützenich
gehörend, im Pfarrverband Konzen
zu bleiben habe. Das Gehalt des Pfarrers
ist festgelegt auf 300,- Thaler, wovon der
Staat 131 und die Gemeinde 169 Thaler zu
zahlen hatte. Dazu sind wie in allen Pfarreien
die Einkünfte gekommen aus frommen
Stiftungen, aus Jahrgedächtnissen
und den _ normalen Stolgebühren für Taufen,
Hochzeiten und Beerdigungen, die
immer schon bei den Einkünften der
Geistlichen zugerechnet waren.
Im Jahre 1862 ist an das Pfarrhaus noch
Stall und Scheune angebaut worden , wie
das damals noch überall nötig gewesen
ist.
Mit der letzten Beerdigung aus Mützenich
in Konzen am 10. Oktober 1856 hatte
dann auch der alte Leichenweg seine
Funktion und damit auch sein Bestimmungswort
eingebüßt.
Peter Conrad Bonseis, 1863 - 1875, der
nach dem Totenzettel als unermüdlich Tätiger
in der Verkündung des Wortes Gottes
bezeichnet ist. Er hatte die schwere Aufgabe,
nach dem Brand des Jahres 1869
die Kirche wieder aufzubauen, und ist
nach zwölftägigem Krankenlager an einem
hitzigen Fieber gestorben. Bei seinem Tod
hat es allgemein geheißen , daß Konzen so
bald keinen neuen Pfarrer bekäme == Kultur-Kampf!
Und so ist es dann auch gekommen.
Friedrich Gimkens, 1875 - 1887, war
schon seit 1869 Vikar in Konzen und ist ab
1875 Pfarrverwalter gewesen, niemals
aber Pfarrer. Er ist am 1. Juni 1896 in
Dürboslar an einer verwechselten Droge
gestorben. Von Konzen aus war er zunächst
nach Großhau gekommen, wo bei
dem feierlichen Empfang auch der einzige
Jude ein Schild an seinem Haus gezeigt
hatte mit dem Spruch: ·»und wenn ich
auch ein Jude bin, so hab ich doch getreuen
Sinn! Ich grüße mit den Herrn Pastor,
den uns der Oberhirt erkor! « So noch
erzählt von dem über 90 Jahre alten Joh .
Rosenwick und später mit denselben War-
. ten in der Zeitung nachgelesen.
Heinrich Johann Hubert Laumans ist 1887
noch als Pfarrverwalter nach Konzen gekommen,
am 21. Juni 1888 dann wieder
nach langen Jahren richtiger Pfarrer geworden,
der später auch wieder Ortsschulinspektor
werden konnte. Wir haben
schon manches Gute von ihm gehört, und
sein plötzlicher Tod am 24. September
1911 ist ein großer Verlust für die Pfarrgemeinde
gewesen, so daß der Totenzettel
nur voll des Lobes sein konnte.
Johann Peter Hubert Thelen,
1911 - 1924, unter dessen Regierung die
erste Mission nach dem Ersten Weltkrieg
abgehalten wurde im Jahre 1922; dann die
Gründung der Marianischen Jungfrauenkogregation
wie schon berichtet. Er war
ein sehr dunkelhaariger Mann mit ernstem
Gesichtsausdruck, bei dem der Verfasser
selbst noch über ein Jahr den strengen
Religionsunterricht genossen hat.
Johannes Nicolaus Pontzen aus Kettenis
bei Eupen von 1924 bis zu seinem Tode
am 7. 12. 1951 . Unter allen Pfarrern hat er
wohl die schwerste Zeit erleben müssen
nach der erfolgreichen Arbeit für die Kirche
mit den neuen Glocken, der Restaurierung
im Inneren, den neuen Fenstern in
der Südwand, der neuen Orgel noch 1938,
die kirchenfeindliche Regierung, von der
er selbst mit einer hohen Geldstrafe bel_egt
Der alte Johann Rosenwick, geb. am 5. Febr.
1871 , gest. Mitte Januar 1970 mit fast 99
Jahren
worden war, und dann die völlige Zerstörung
der Kirche bis auf die Grundmauern
im Oktober 1944. Aber, er hat auch unter
seiner Leitung noch den Wiederaufbau
vorantreiben können , wenn auch innerhalb
der alten Mauerzüge; er ist sicher im Hospital
in Monschau gestorben in dem Bewußtsein,
daß »sein« Konzen wieder erstehen
werde in der Kirche, in der Schule,
in den Häusern, in den Straßen , auch in
und mit den Menschen und ihrer Heimat
seit den Zeiten Karls des Großen.
Die Vikare oder Frühmeßner
oder Kapläne
Auch hier kann nur in gebotener Kürze die
Abfolge der Namen gebracht werden, da
über die meisten keine weiteren Kenntnisse
mehr vorhanden sind.
Daß die Pfarrer hier nicht ohne einen Gehilfen
auskommen konnten, ist nur zu verständlich,
wenn wir den Umfang des Gebietes
kennen. So ist auch in dem Liber
Valoris (ca. 1308) ein Vikar aufgeführt, ohne
daß der Name genannt wäre . Auch
nach der Abtrennung des Simmerather
Kirchenbezirkes vor 1346 ist sicher noch
ein Vikar notwendig gewesen, wie auch
ein Capellan erwähnt ist im Jahre 1475.
Wenn auch danach keine weiteren Namen
von Vikaren überliefert sind, heißt das
nicht, daß keine vorhanden gewesen
wären.
Sichere Kenntnis haben wir dann von dem
Reichensteiner Pater Matthias Lauterbach,
der von 1685-1687 hier als Gehilfe des
Pfarrers amtiert hat.
1689-1702 ist ein Augustiner-Chorherr
Jacob Moes als Frühmeßner hier tätig gewesen
.
Ab 1702 hat es dann die ständige Einrichtung
der Vikarie mit offiziellem Einkommen
usw. gegeben, wie ausführlich dargestellt.
(E. H. V. 34. Jhrg. S. 82-84: »Konzen erhält
einen Frühmeßner«, von P.
Schreiber.)
43
Martin Baur, 1702-1704, der auch Schulunterricht
erteilt hat.
Martin Lütgers, 1704, aber nur einige Monate
•
Werner Wirtz, nur kurz im Jahre 1705
Christian Schmeul, 1710-1716
Peter Stöckeler, 1716-1722, der der erste
Vikar gewesen sein muß, der die 1720/
21 erbaute eigene Vikarie bewohnt hat.
Degen hart Johann Schmitz, der
1717-1718 auch in Konzen tätig gewesen
sein muß, vielleicht in Vertretung
des Vikars Stöckeler oder sogar in doppelter
Besetzung.
Johann Bungartz, 1721-1725 in Konzen
tätig.
Philipp de la.Croix = Kreutz, der Neffe des
Pfarrers Merkelbach, auch aus Aubel
im jetzigen Belgien geboren,
1725-1765.
Christian Theodor Beckers, 1735-1774 in
Konzen, wenn hier nicht ein Fehler vorliegen
sollte ; er muß lange krank gewesen
sein, da schon 1764 ein Nachfolger
bestimmt worden ist.
Johann Schreiber aus Konzen,
1764-1772, dann Rektor in Rott.
Nicolaus Bongard , 1772-1798, als er dann
Pfarrer in Konzen geworden war.
Peter Brach, 1797-1803.
Matthias Nicolaus Joseph Gert,
1803-1804.
Johann Conrad Theodor Haesen, Pater
aus Steinfeld, 1806-1807.
Johann Wilh . Borgs, 1807-1808 als Vikar
in Konzen.
Wilhelm Anton Wolff, 1808-1812, dann
Pfarrer in Kaster, dann Pfarrer in Konzen
1826-1828.
Servatius Litzaler, 1812-1814.
Wilhelm David Brauweiler nur kurze Zeit in
Konzen 1815.
Kaspar Anton Matthias Nonnemühlen,
1816-1817.
Friedrich Kuck, 1818-1826.
Johann Michael Schmitz, 1826-1828.
Gottfried Noethlichs, 1828-1832.
Dominicus El kes, 1832-1838.
1841-1843 der Vikar Pfeiffer, dessen Vorname
nicht bekannt ist.
Franz Joseph Ludwig Wilhelm Adlof,
1843-1845.
Heinrich Joseph Oepen, 1845-1846.
Nicolaus Schmitz, 1846-1856.
Hermann Joseph Klein , 1854-1858.
Aloys Bohren , 1858-1862.
Johann Heinrich Theodor Middeldorf nur
etliche Monate 1862.
Christian Kemper aus Overath ,
1862-1869, als er an der Lungenentzündung,
die damals hier grassierte, im
Alter von nicht ganz 35 Jahren gestorben
ist. Seine Schwester war die Frau
des Gastwirtes Dagobert Völl und ist so
in der Liste der Vorfahren der verbreiteten
Familie Völl in Konzen.
Friedrich Gimkens, 1869-1875, dann
Pfarrverwalter nach dem frühen Tod
des Pfarrers Bonseis, konnte aber nicht
Pfarrer werden während des Kulturkampfes.
(Über seinen tragischen Tod
siehe bei den. Pfarrern!)
Der Pfarrer Bonseis dürfte noch in der
Pastorat gewohnt haben, während der Vikar
ja die dritte Vi karie zur Verfügung hatte,
in der dann auch H. Laumans gewohnt hat
bis zur Renovierung und Umgestaltung
der Pastorat 1902/03. Die Geschichte der
Konzener Vi karie war aber mit dem Vikar
Gimkens abgeschlossen.
Was aber die Vi kare oder Frühmeßner
oder Kapläne oder Primssäre allgemein
angeht, so ist festzuhalten , daß eine große
Änderung eingetreten war durch die Aufhebung
der Klöster im Jahre 1802 durch
die Franzosen . Dabei sollte man wissen
daß die Zah l der Klöster besonders in de~
Städten ungleich größer gewesen ist als
etwa heute. Dadu rch hatte es eine große
Zahl von Geistlichen gegeben, die froh
waren, für ein geringes Entgelt eine einigermaßen
gesicherte Existenz mit entsprechender
Tätigkeit zu finden . So hat
z. B. Eicherscheid zwar auch vor dem Jahre
1802 schon mal einen zusätzlichen
Geistlichen gehabt, von 1804 aber bis
1810 den dort gebü rtigen Joh. Wilh. Bartholomäus
Claßen . Ein Frühmeßner wäre
in Konzen nach dem Wegfall v'~n Mützenich
1856 nicht mehr vonnöten gewesen,
wenn es die Bination = die Möglichkeit für
einen Geistlichen gegeben hätte, an einem
Tag zwei Eucharistie-Feiern durchzuführen.
Das ist aber nur in dringenden
Ausnahmefällen du rch das Gen . Vik. in
Köln genehmigt worden, als z. 8. 1854 ein
zusätzlicher Geistlicher für die Eupener
Pankratius-Prozession nach Konzen angefordert
wurde und der Kaplan aus Eicherscheid
diese Ausnahmegenehmigung
erhalten hat. Im übrigen war schon bei der
Kirchenvisitation des Jahres 1559 festgestellt
worden, daß die weitläufige Pfarre
Konzen ohne einen Kaplan nicht in gehöriger
Weise betreut werden könne.
Viel später ist dann die Bination = Frühmesse
und Hochamt durch den Ortsgeistliehen
allgemein zugelassen worden. Und
damit kann auch dieses Kapitel nach den
notwendigen historischen Kenntnissen
abgeschlossen werden.
44
Die Schule in Konzen
Daß es mit dem Schulu nterricht hier bis
nach der Einführung der Schulpflicht durch
die preußische Reg ierung im Jahre 1825
nicht allzugut beste llt wa r, bedarf keines
langen Beweises. Wir brauchen uns nur
die Unterschriften der Leute anzusehen,
die bei der Versteigerung des Hardthofes
am 29. Juni 1811 Grundstücke erworben
hatten. Wenn die hiesigen Familiennamen
nicht so gut bekannt wären, könnte man
sie nur mit großer Mü he entziffern; sie
sind nicht geschrieben , sondern »gekrakelt«,
und zwei Leute machen noch das
damals nicht so ganz unü bliche Handzeichen
durch zwei Kreuzchen.
Andererseits haben die Gerichts- und Kirchenschöffen
, die ~örster und die Kirchenrendanten
lesen, schreiben und rechnen
können, wie besonders aus den jährlichen
Berichten der Kirc henrendanten zu
ersehen ist.
Man muß sich auch die Frage stellen, wie
junge Leute aus den Dörfern hier auf das
Studium der Theologie vorbereitet worden
sind, das doch gewisse Kenntnisse vorausgesetzt
hat.
In einem größeren Aktenstück über die
Wiedertäufer vom Jahre 1598 im HStAD
Jül. Berg, Geist!. Sachen, J. B. II , 254, s:
77a wird ein Schulmeister genannt, der
1598 aus dem Pachtertrag der beschlagnahmten
Grundstücke 6 Malter Hafer erhält,
und zum Jahre 1599 heißt es dort:
»Hiervon (von dem gesamten Pachtertrag
von 40 Maltern) gehen ab 8 Malter vor den
schulmeister und 1 Malter vor schrimpf
(Schrumpfungsprozeß und Mäuseverbiß),
bleiben zu leisten 31 Malter.« Dieser
Schulmeister der Jahre 1598 und 1599 ist
der heinrich aldenhouen (Aldenhoven) offerman
und Schulmeister zu Monjoie gewesen.
In dem Erb-Buch 1, S. 379 ist für das Jahr
1631 der Johann Wilhelm Hoch als öffentlicher
Notar und Schollmeister in Monschau
in den Akten , und um 1640 ist in
Monschau der Schulmeister Wilhelm
Braun tätig. 1686 hat die Kirche Konzen 6
gld. (Gulden) bezahlt an den ludimagister
= Schulmeister zu Monjoie mit Namen
Peter Neuß. Sollte dieser Peter Neuß teilweise
Unterricht in. Konzen erteilt haben
oder der Pfarrer den einen oder anderen
begabten Jungen (Mädchen haben noch
lange keinen Unterricht gebraucht) nach
Monschau geschickt haben? Dann müßt~n
wir aber Zahlungen über längere Jahre
hinaus erwarten. Oder hat der Schulmeister
Geld dafür bekommen, daß er gelegentlich
Urkunden oder Akten für die Kirehe
in Konzen in Schönschrift angefertigt
hatte? Wir wissen es nicht und wollen
auch nicht lange darüber kombinieren.
Als nächster Schulmeister wird erwähnt
der Kirchmeister Mattheiß Voell, den der
Pfr. Merkelbach in einem Rechtsstreit des
Jahres 1737 wegen der Benutzung des
Kirchenfußpfades in lmgenbroich zitiert als
Sachverständigen. (E. H.V., 28. Jhrg ., S.
33) . Es sind aber nie Ausgaben für diesen
Schulmeister eingetragen, so daß er vielleicht
auf privater Grundlage etwas Unterricht
erteilt haben mag.
Und doch muß schon Unterricht auch hier
erteilt worden sein spätestens ab dem
Jahre 1630. In der ersten erhaltenen
Rendantenrechnung vom Jahre 1634 ist
nämlich eingetragen :
»ltem ein new wandt am Schollhauß machen
lassen = 1 gld. «
Damit ist erwiesen, daß es in Konzen ein
Schulhaus gegeben hat, an dem man
schon eine Reparatur hat ausführen lassen,
an einem Gebäude, das dann auch
schon längere Zeit dort gestanden haben
muß. Wo aber ein Schulhaus steht, ist
auch Unterricht erteilt worden. Es sind
dann noch mehrfach Reparaturen an diesem
Schu lhaus vorgenommen worden,
und es heißt z. B. im Jahre 1677, daß auch
an dem Kirchhofspfad unterm Schulhäuschen
gearbeitet worden ist, woraus wir
schließen müssen, daß es nicht weit von
der Kirche entfernt gestanden hat. 1686 ist
z. B. die Tür an dem Schulhäuschen repariert
worden.
Es erhebt sich natürlich die Frage, wer den
Unterricht erteilt hat. Ausgaben dafür sind
bis kurz vor 1800 nicht in den Rendantenrechnungen
. Also müssen wohl die Pfarrer
oder ihre Kapläne bzw. Vikare sich als
Lehrer zur Verfügung gestellt haben.
Etwas Genaues hören wir erst über den
Unterricht und vor allem über den Lehrer
im Jahre 1794/95, als der Wilhelm Steinröx
für die »Schulpfacht« = Pacht den
Betrag von 8 Reichsthalern erhält. Das
kann aber doch nur heißen , daß der Unterricht
»gepachtet«, d. h. versteigert worden
ist für das geringste Angebot. Wer ein
wenig lesen, schreiben und rechnen
konnte, war als Schulmeister geeignet und
das ja auch nur für den Winter und für eine
geringe Zahl von Schülern, die auch noch
Schulgeld, man nennt die Zahl von 15
Stüber je Monat, zu zahlen hatten. Mädchen
sind überhaupt nicht unterrichtet
worden; das kann man daraus erkennen,
daß noch lange nach 1800 die meisten
Männer in der Lage waren , ihre bescheidene
Unterschrift zu leisten, die Mädchen
bzw. Frauen dagegen noch lange in der
Regel ihre zwei Kreuzchen gemacht
haben .
1795/96 hat Wilhelm Steinröx wieder die
Schulpacht, wird aber im Jahr 1796/97
abgelöst von dem Rendanten Johann Peter
Huppertz. Und in diesem Jahr sind aus
der Kirchenkasse dem zeitlichen Schulmeister
für den Unterricht der Armenkinder
3 Rthlr. ausgezahlt worden . Das heißt
aber, daß diese Kinder zu arm waren, die
geringe Gebühr für den Unterricht zu bezahlen.
1802/03 hat dann der Caplan Broich die
Pacht des Schulzimmers übernommen. Es
ist aber auch bekannt gewesen, daß der
erste offizielle Kaplan Martin Baur von
1702 - 1706 schon Unterricht hier erteilt
habe.
Wir können nun übergehen zum ersten
langjährigen Schulmeister in Konzen, zu
Johann Wilhelm Sehartmann aus Rott, von
Beruf Schreiner, der auch gelegentlich
noch an der Kirche kleinere Reparaturen
. ausgeführt hat.
Ab jetzt können wir uns berufen auf ein
großes und mit Sorgfalt ausgearbeitetes
Manuskript der früheren Lehrerin Käthe
Löhrer, das in vielen Stücken durch die
Chronik der Bürgermeisterei lmgenbroich
und andere Unterlagen bestätigt werden
konnte.
Der Lehrer, Küster und Organist Sehartmann
hat gewohnt in dem Haus an der
Landstraße, vorletztes vor der Einmündung
der Heerstraße, später in der Hand
des Joh. Wilhelm Huppertz - Jaß-Weilern,
heute aber durch die Kinder der Johann
Huppertz/Anna Jung völlig in viel größerer
Art umgebaut. Weil dieser Organist dort
gewohnt hat, hatte das Haus bei den Leuten
hier den Namen »Orjeleißje «. Vielleicht
hat der Meister Sehartmann schon
ein bescheidenes Harmonium gehabt, das
zu diesem Namen geführt hat.
Dieser Lehrer war natürlich auch nur im
Winter in der Schule tätig und hatte im
Sommer andere Arbeiten zu verrichten,
genau wie die Kinder, die zu Arbeiten bei
der Heuernte, beim Ausmachen der Kartoffeln
mit dem zweizinkigen Karst, dem
»Kaasch « und besonders beim Viehhüten
voll im »Einsatz« waren, wie das noch in
den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts
üblich gewesen ist. Zum Heizen des
.Schuizimmers hatten die Kinder ein Scheit
Holz oder ein Stück Torf mitzubringen,
und dann war fällig das schon erwähnte
Schulgeld. Im übrigen hat der Unterricht
45
□
Die erste Schule des Jahres 1828. Stall und Scheune links erst später angebaut
stattgefunden in dem normalen Wohnzimmer
des Hauses, das üblicherweise 4 mal
5 m groß war, wo mithin nur etwa 20-25
Kinder sich aufhalten konnten.
Durch Kabinettsorder vom 4. Mai 1825 ist
die allgemeine Schulpflicht durch die
preußische Regierung auch hier im Rheinland
eingeführt worden , ohne aber sofort
die Hüteschulen ganz zu verbieten . Diese
Schulpflicht war freilich keineswegs im
Sinne unserer Leute hier, die die Kinder
als billige, aber auch notwendige Arbeitskräfte
betrachtet haben. Ja, noch in den
Wirren der bescheidenen Revolution des
Jahres 1848 hat eine der Hauptforderungen
in einem unserer Dörfer gelautet:
»Abschaffung des verhaßten preußischen
Schulzwanges«.
Am 28. April 1826 ist der »magister scholae
et Custos ecclesiae« (Meister der
Schule und Küster der Kirche) Johann Wilhelm
Sehartmann, 59 Jahre alt, gestorben,
und seine Nachfolge als Lehrer hat sein
Sohn Matthias Peter angetreten , während
der Sohn Johann Hubert am 28. 7. 1827
gestorben ist, unverheiratet, 28 Jahre alt,
als »treuer Küster und erfahrener Organist
dieser Kirche «. (Kirchenbuch)
Nachdem der Schulzwang eingeführt war,
mußte natürlich auch ein entsprechendes
Schulhaus errichtet werden . Das ist geschehen
im Jahre 1828/29 nach dem Entwurf
des Baumeisters Ulich, der ein Schüler
des nicht ganz unbekannten Baumeisters
Schinkel gewesen sein soll und in
diesen Jahrzehnten eine ganze Reihe von
Kirchen und Schulen in unserer Gegend
hat planen können . Das Schulhaus in Konzen
ist am 12. Mai 1828 in Verding gegeben
worden , für 945 Thaler gebaut und
aus der Gemeindekasse bezahlt worden.
Der Unternehmer ist ein G. R. Bauer aus
Monschau gewesen, der ein sehr auffal-
lendes Fachwerk in dem Nordgiebel konstruiert
hat, das vor etlichen Jahren erst
herausgekommen ist bei einer Renovierung.
Die erforderliche Inneneinrichtung
hat der Unternehmer W. H. Boden aus
lmgenbroich geliefert. Das ursprüngliche
Gebäude hatte einen Schulsaal von etwa
7,50 zu 7,50 m und dazu zwei kleine Zimmer
für den Lehrer. Die Höhe des Schulsaales
hat etwa 3,25 m betragen , was für
hier schon recht auffallend gewesen ist.
Als dann die zweite Schule an der jetzigen
Konrad-Adenauer-Straße errichtet war, ist
die alte Schule verkauft worden , nachdem
schon am 12. März 1859 das alte Schulhaus
mit Garten und Gemeindeparzelle
von 1 Morgen, 178 Ruthen öffentlich zum
Verkauf angeboten war. Später sind dann
noch Wohnzimmer, Stall und Scheune angebaut
worden, so daß es als eines der
schönen alten Bauernhäuser anzusehen
war, wie wir sie ja nicht selten hier haben.
Das Haus hatte den Krieg ohne großen
Schaden überstanden und ist in den letzten
Jahren zwar um die Scheune verkleinert
worden, wobei aber der alte Stall noch
zu Wohnzwecken umgebaut werden
konnte. Und wie das hier so ist, das Haus
hat dem Eigentümer den Namen im Dorf
gegeben; wer nämlich darin wohnt, ist
nicht der Schmitz oder Maier, sonder »der
Scholle«. (Ein größerer Beitrag darüber im
Monschauer Land 1975, S. 160-170).
Der Lehrer Math. Peter Sehartmann hat
hier die Schule »regiert« bis zum Jahre
1843 und wurde abgelöst durch den_ Lehrer
Johann Hermanns, •der sich viel Mühe
gegeben hat mit dem Gesang und auch
den ersten mehrstimmigen Kirchenchor
schon im Jahre 1843 gegründet hat, 1846
aber versetzt worden ist.
Ihm ist gefolgt der Lehrer Johann Hubert
Thelen bis 1849, danach der Schulaspirant
Paustenbach aus Rollesbroich bis zum Juni
1850 und wurde abg elöst durch den
Schulamtskandidaten Severin Gehlen bis
September 1853.
Am 15. Oktober 1853 wurde aus Eicherscheid
nach Konzen versetzt der Lehrer
Philibert Keutmann (Keutmanns Phlipp),
der für die nächsten 40 Jahre in Konzen
geblieben und Ende 1893 in Pension gegangen
ist. Er hatte eine Reihe von Kindern
, von denen wieder ein Philibert als
Bauherr das gelbe Ziegelsteinhaus an der
Stelle der zweiten Kaplanei und das Haus
Kreitz oben an der Landstraße hat bauen
lassen. An dem gelben Haus ist aber noch
ein Rest der alten Kaplanei erhalten worden,
wo durch eine rückwärtige Tür eine
kleine Wohnung zusätzlich bezogen worden
ist. Das gelbe Haus ist später von der
Gemeinde als Wohnung für den dritten
Lehrer angekauft worden und ist dem
Krieg zum Opfer gefallen.
Durch die straffere Erfassung der Kinder
zur Schulpflicht war die Schülerzahl in den
50er Jahren auf ca. 170 angewachsen, so
daß die Schule des Jahres 1828/29 längst
nicht ausgereicht hat. So hat man sich
gezwungen gesehen, eine ganz neue
Schule zu errichten an der jetzigen Konrad-Adenauer-Straße,
im damaligen
»Pferdebruch «, in den Akten des Landratsamtes
im »Kirchbruch «. Das war das
Gelände zwischen der Landstraße und
dem Laufenbach , das bei der Anlage des
Ur-Katasters im Jahre 1821 noch völlig frei
von Häusern gewesen ist. Noch am 27. 2.
1858 sind im Kirchbruch 13 Parzellen auf 9
Jahre durch den Gemeindevorsteher Huppertz
zur Pacht angeboten worden. Dieses
alte Gemeindeland ist dann später in Einzelparzellen
an Private verkauft worden.
Beim Bau dieser neuen Schule 1857 /58
hat man nach Auskunft ganz alter Leute
46
Bruchsteine entnommen aus dem verfallenen
Mauerwerk eines Gebäudes auf der
Wiese unterhalb des Hauses Josef
Scheidt in der Lutterbach oder von dem
alten Lauterbachhof, da wo sich jetzt die
Gärtnerei Schmitz befindet. Diese neue
Schule hatte zu ebener Erde zwei Schulsäle
und oben zwei Leh rerwohnungen .
Die Kosten für den Neubau einschließlich
der Utensilien für den zweiten Schulsaal
betrugen 4 470 Thaler. Zur ersten Lehrerwohnung
gehörten im Erdgeschoß noch
eine Küche, eine Stube, eine Remise und
ein kleiner Stall , da man damals noch damit
rechnen mußte, daß der Lehrer wenigstens
etwas Kleinvieh halten wollte.
Nach Fertigstellung des neuen Schulhauses
wurde schon im fo lgenden Jahr die
zweite Schul klasse eingerichtet, die bis
Ostern.1862 von dem Schulaspiranten Johann
Zaun verwaltet worden ist, bis mit der
Berufung einer Lehrerin 1862 die Knaben
und Mädchen getrennt wurden , so daß
zwei einklassige Schulen entstanden sind.
Das ist so geblieben bis zum Jahre 1912,
als die Trennung nach Geschlechtern aufhörte
und die Schu le zweiklassig wurde,
mit den ersten vie /! Jahrgängen für die
Lehrerin und den letzten vier Jahrgängen
für den Lehrer.
Folgende Lehrerinnen sind dann hier tätig
gewesen:
Antonia Gieben = 1862 - 1865
Helena Feiten = 1865 - 1871
Anna Müller = 1871 - 1873
Sophia Wille ms = 1873 - 187 4
Maria Josephine Lenzen = 1875 - 1891,
als sie ausgeschieden ist bzw. hat ausscheiden
müssen, als sie den Landwirt
Johann Widdauer aus lmgenbroich geheiratet
hat, der als Fuhrmann nach
Aachen mühsam etwas Geld verdiente,
hat die frühere Lehrerin »Lenze Fihn «,
wie sie im Dorf genannt wurde, schließlich
ein recht kümmerliches Leben geführt.
Sie muß eine durchaus fähige
Lehrerin gewesen sein, die sich z. B.
auch betätigt hat bei den jäh rlichen Veranstaltungen
des Kriegervereins und
vielleicht dessen Theateraufführungen
geleitet hat.
Es sind dann gefolgt:
Maria Rau = 1891 - 1900
Magdalena Lieberts = 1900 - 1904
Berta Kremer = 1904 - 1907
Elisabeth Bauer = 1908 - 1911
Anna Wolks = 1912 - 1913, ausgeschieden
wegen Heirat
Philippine Geisen = 1913 - 1919, ausgeschieden
wegen Heirat
Maria Meurer = 1919 - 1922, ausgeschieden
wegen Heirat
Käthe Löhrer = 1922 - 1934 Eintritt in ein
Kloster
'
Maria Löhrer = 1934 - 1950.
Nach Philipp Keutmann sind als Lehrer
hier tätig gewesen:
Theodor Joseph Klee = 1893 _ 1894
Johann Arnold Palm = 1894 - 1897
Paul Kalkbrenner = 1897 - 1899
Leonard Hüpgens = 1899 - Herbst 1925
Gottfried Simons = 1925 - Ostern 1926
Ewald Jenniges = Ostern 1926 bis Herbst
1944.
Schon ab 1914 ist die Schule dreiklassig
geführt worden, allerdings nur mit zwei
Lehrkräften . Zur Unterstufe gehörten die
Klassen 1 und 2, zur Mittelstufe die Klassen
3, 4 und 5, zur Oberstufe dann die
Klassen 6, 7 und 8 mit dem Abschluß. Der
Schulleiter hat dann den Titel Hauptlehrer
bekommen.
Nachdem Eupen/Malmedy belgisch geworden
war, ist 1920 der Lehrer Heinrich
Benedikt Capellmann aus Xhoffraix nach
Konzen gekommen bis zum Herbst 1925,
als er sich zusammen mit seinem Schwager
Hüpgens in den Heimatort Kornelimünster
versetzen ließ. B. H. Capellmann
hatte bei den Schülern den sinnigen Namen
»Bonne-Max«, weil er mit Vorliebe
das Stück behandelte »Strohhalm , Kohle
und Bohne «. Von seiner Tätigkeit als Lehrer
haben wir Kinder nur recht wenig profitieren
können. Allerdings war er ein nicht
unbegabter Schriftsteller im Bereich des
Lebens in den Venndörfern, wobei zu nennen
ist der Novellenband »Exitus«.
Für Monschau hat er das Heimatspiel
»Land in Not« geschrieben, das von den
Drangsalen handelte während der kriegerischen
Ereignisse des Jahres 1543, als
Reichenstein zerstört und Monschau erobert
und stark beschädigt worden ist.
Dieses Heimatspiel ist auf der Burg in
Monschau verschiedentlich mit großem
Aufwand in Szene gesetzt worden und hat
in den Jahren um 1930 manches Aufsehen
erregt. Was der gute B. H. Capellmann
allerdings in Zeitschriften und Zeitungen
in manchen Artikeln in historischem
Gewand veröffentlicht hat, sollte
als blühende Phantasie-Produkte schnell
vergessen werden.
Die Schule vom Jahre 1857/58, Teilansicht
Für ihn ist dann im Herbst 1925 der Lehrer
Steffens gekommen und etliche Jahre in
Konzen geblieben. Er war sehr musikalisch,
hat den Kirchenchor geleitet, und
wenn er das Hochamt gesungen hat, war
das ein musikalischer Genuß. Er ist später
in Aachen Direktor einer Realschule geworden
und vor einigen Jahren gestorben.
Danach sind noch die Lehrer Wolff, Lützeler,
Karl Gibfried und Meuthen auf dieser
dritten Lehrerstelle tätig gewesen, bis kurz
vor der Evakuierung im Spätsommer 1944
noch gelegentlich Aushilfslehrer in Konzen
unterrichtet haben. Dann ist nicht nur
der Unterricht zu Ende gegangen, sondern
auch die Schule völlig zerstört worden.
Im Jahre 1937 hat die Schule endlich einen
dritten Schulsaal bekommen, der
schon kurz vor dem Ausbruch des ersten
Weltkrieges geplant gewesen ist. Die
Schule ist umgebaut worden , so daß der
Eingang von der Landstraße her erfolgte
und drei Schulsäle hintereinander zu liegen
gekommen sind .
Für die Mädchen ist schon frühzeitig der
Handarbeitsunterricht eingeführt worden,
wohl einige Zeit schon von einer Maria
Cremer in den Jahren um 1850, die in der
damals sogenannten Böhms-Mühle, der
Rochusmühle, gewohnt hat. Mit dem Eintritt
der ersten Lehrerin ist dieser Unterricht
dann als amtlich betrachtet worden.
Auch ein Hauswirtschaftsunterricht ist ab
1926 in den Lehrplan aufgenommen worden,
der 1927 /28 durch eine Wanderhaushaltungsschule
ergänzt worden ist, wo
man sich aber in der Hauptsache auf
Kenntnisse im Kochen spezialisiert hatte.
Ab 1924 ist jährlich auf dem Sportplatz am
Hargard der Reichsjugendwettkampf ausgetragen
worden, der besonders für die
Knaben (die »Jungen« sind erst im Dritten
Reich erfunden worden) bestimmt war,
während die Mädchen sich an gemeinsamen
Spielen erfreuen konnten.
Ab 1924 hat es auch die Fortbildungs-
47
schule für die männliche Jugend gegeben,
die für die schulentlassenen Jungen für
drei Jahre verpflichtend war an zwei Abenden
in der Woche. Bei der Jugend waren
diese Schulstunden aber recht wenig beliebt,
zumal sie meistens schon einen langen
Arbeitstag hinter sich hatten.
Im Jahre 1920 hat es auch einen Elternbeirat
gegeben, der alle zwei Jahre zu
wählen war; der erste dieser Art hat bestanden
aus:
Hubert Call, Eisenbahnbeamter
Wilhelm Schmitz, Landwirt
Joseph Call, Polizeidiener
Friedrich Krings, Gemeindearbeiter
Arnold Rosenwick, Landwirt
Ersatzleute: Karl Schreiber, Landwirt
Heinrich Steinröx, Landwirt.
Während der preußischen Zeit waren die
Pfarrer in der Regel auch eingesetzt als
Ortsschulinspektoren, die über die Schule
und z. B. über die Einstellung von Lehrern
das Sagen hatten. So kommt es, daß im
Pfarrarchiv die Zeugnisse des Bewerbers
Leonard Hüpgens vom Jahre 1899 liegen,
bevor er für lange Jahre als Lehrer und
zuletzt als Hauptlehrer eingestellt werden
konnte.
Nach dem 1. Weltkrieg sind dann zivile
Schulräte tätig gewesen, von denen einer
die Schule in lmgenbroich 1922 oder 1923
visitiert hat. Ein solcher Mann war für uns
arme Dorfkinder eine Gestalt, die nicht
weit unter dem Herrgott anzusiedeln war.
Er ist aber ein sehr netter und freundlicher
Herr gewesen, der uns kurz vor Beginn
der Ferien fragte, wozu wir denn Ferien
bekämen. Da hat er alles zu hören bekommen,
was er gar nicht hören wollte: daß wir
Ferien bekämen, um bei der Heuernte zu
helfen, bei der Kartoffelernte zu arbeiten,
um die Kühe zu hüten und noch manches
andere. Die richtige Antwort mußte er
dann selbst geben, nämlich: »Um uns zu
erholen!« Das Wort erholen kannten wir
natürlich noch gar nicht, und diese Antwort
war nach unserer Überzeugung auch ganz
falsch! Denn : erholen taten wir uns in der
Schule und nicht umgekehrt! Eine Generation
vorher war es noch klarer! Die Kinder
haben nichts mehr verwünscht als die
Ferien, da sie dann viel mehr arbeiten
mußten als in der Schulzeit. Das werden
junge Leute nicht mehr glauben wollen,
ändert aber nichts an der Tatsache.
Von einem weit verbreiteten Mißverständnis
mag auch noch kurz die Rede sein: Wir
alle haben als Kinder die schöne alte deutsche
Schrift gelernt mit den hohen schmalen
Buchstaben, mit Aufstrich und Abstrich
usw. Dazu gab es regelmäßig Unterricht
im Schönschreiben. Wer etwa aufs Gymnasium
ging, hat die lateinische Schrift
dann nachlernen müssen. Im Jahre 1925
ist nun verbindlich eine etwas geänderte
Schrift eingeführt worden mit kürzeren
Oberlängen und mehr abgerundeten und
kompakteren Buchstaben. Nach dem Erfinder
ist diese Schrift unter dem Namen
»Sütterlin « in die Geschichte eingegangen,
war aber im Grunde auch eine deutsche
Schrift. Wir haben uns auch kaum
daran gehalten und unsere alte schöne Art
zu schreiben beibehalten. Aber ausgerechnet
der auf alles blonde Germanische,
Altdeutsche und historisch überlieferte
geradezu versessene Adolf Hitler hat 1942
die deutsche Schrift grundsätzlich verboten
und zum Absterben gebracht, und die
Folge ist bis heute die, daß die Kinder
nicht mehr imstande sind, die Briefe ihrer
Eltern oder Großeltern zu lesen.
Durch die Führung des tausendjährigen
»Dritten Reiches« von 12 Jahren sind wider
Geist und Buchstaben des Konkordats
die Kreuze aus den Schulen entfernt worden,
was der Pfr. Joh . Pontzen als »dies
ater« = schwarzer Tag in die Chronik der
Kirche aufgenommen hat. Die Pfarrer durften
die Schulen nicht mehr betreten und
haben im Jugendheim, solange es noch
nicht von anderer Seite belegt war, religiöse
Unterweisung erteilt, bis auch das mit
dem Ende des Krieges sein Ende gefunden
hatte.
In der großen Arbeit der Lehrerin Käthe
Löhrer ist die Entwicklung der Einkommen
der Lehrer in allen Einzelheiten mit großer
Sorgfalt aufgezeigt, ohne daß wir hier so
eingehend darüber berichten können. Von
den kümmerlichsten Anfängen heraus ist
die finanzielle Lage der Lehrer, die ja auch
später Seminarbildung hatten, immer wieder
verbessert worden, so daß z. B. der
Lehrer Keutmann, als er 1893 in Pension
ging, mit dem Geld als Organist und aus
Stiftungen ein Jahreseinkommen hatte
von 1 363.- Mark. Das ist für uns heute
sehr wenig, wir müssen aber bedenken ,
daß damals wohl kein Arbeiter 10.- Mark
in der Woche verdient hat, also etwa 500.
Mark im Jahr.
Auch über die Hüteschulen berichtet Frl.
Löhrer recht ausführlich, daß die Regierung
in Aachen solche noch geduldet habe
bis zum Jahre 1854 in der Form , daß nur
Kinder ab 10 Jah ren im Sommer dafür
freigestellt werden konnten, aber mindestens
an zwei Stunden Unterricht täglich
teilnehmen mußten. Ab 1880 wurde für die
Viehhut Halbtagsunterricht eingerichtet,
getrennt für die Unterstufe, Mittelstufe und
Oberstufe. Dabei durfte aus jeder Familie
aber nur ein Kind dafür bestimmt werden.
1904 wurde diese Bestim mung noch verschärft,
so daß jedes Kind mindestens wöchentlich
an 14 Unterrichtsstunden teilnehmen
mußte. Eine noch größere Verschärfung
ist 1907 erfolgt, und die Hüteschulen
sind im Jahre 1912 in Konzen
ganz abgeschafft worden, und alle Anträge
auf Wiedereinführung sind erfolglos geblieben.
Für dieses Problem kann man heute kein
Verständnis mehr erwarten; es war aber
damals so, daß praktisch in allen Häusern
hier Rindvieh gehalten wurde, das im
Frühjahr zunächst auf den Hauswiesen
sein Futter finden mußte. Bis die Heuwiesen
aber wieder neuen Gra aufwuchs
zeigten, mußte man sich behelfen, so daß
z. B. die Straßenränder an den Wegen
verpachtet wurden , um die Futterknappheit
in der Zwischenzeit zu überbrücken.
Auch da schon mußte das Vieh gehütet
werden, bis dann die Heuwiesen an die
Reihe kamen zum Hüten. Das war überall
die Nachweide, und kei n Mensch hat daran
gedacht, einen zweiten Schnitt zur
Heuernte zu machen.
Auf den Weiden mußten die Kinder besonders
darauf aufpassen, daß die Herde
nicht fremde Grundstücke betrat, wo unter
Umständen so wertvoller Hafer oder Kartoffeln
geschädigt worden wären. lustig
ging es dann aber zu, wenn mit dem Michaelstag
bzw. am 15. Oktober es ȟberall
« ging , d. h. daß die gesamte Gemeindeflur
für alle Tiere offen stand, mit Ausnahme
vielleicht noch von Reststücken
der Kartoffelfelder. Dann versammelten
sich die Kinder besonders hinter der
»Hue «, auf Stillbusch oder auf dem »Jönster«,
brannten ein großes Feuer ab aus
alten Zaunpfählen und abgestorbenem
Holz aus den Hecken und hatten großen
Spaß miteinander. Nur ein Kind wurde bestimmt
zum »Harre-Währe«, d. h., daß
dieses Kind aufpassen mußte, daß die Kühe
oder Rinder aus den verschiedenen
Herden keinen Streit untereinander austrugen
und sich dabei vielleicht ein Horn
ausgestoßen hätten, was als ein großer
Schaden für ein solch kostbares Stück
Vieh gegolten hätte. Auch das ist schon
lange Vergangenheit! Kein Kind braucht
mehr bei Wind und Wetter morgens mit
den Kühen auf das Feld und bis zum
Abend dort aufzupassen. Damit können
wir wohl das Kapitel über die Schule insgesamt
abschließen und haben auch einen
guten Einblick in die kulturelle Entwicklung
hier gewinnen können.
48
Die Ortsteile
Der Ortsteil Beigenbach
Die Tuchfabrikanten in lmgenbroich hatten
für die Wäsche und das Färben der Wolle
nichts nötiger als unser sehr gutes fließendes
und völ lig kalkfreies Wasser, das aber
in lmgenbroich selbst nicht vorhanden
war. So haben einige unten im Tal des
Beigenbaches dicht bei m Zusammenfluß
mit dem kleinen Lutterbach eigene Gebäude
dafür geschaffe n, dicht bei der
Brücke an der Straße lmgenbroich - Simmerath.
Von lmgenbroich aus lag zunächst eine
Wollwäsche mit zwei kleinen Weihern, die
noch von dem Lutterbach gespeist wurden
und dem Fabri kanten Johann Heinrich
Böttcher gehörte, dem Vater des weithin
bekannten Malers Christian Böttcher. Weiter
unterhalb schon nahe an der alten
Brücke lag auch eine Wol lwäsche der
Wwe. Christian Arn old Offermann aus lmgenbroich,
der als »Ackersmann und
Tuchfabrikant« 1808 ein Grundstück des
Hofes Lauterbach gekauft hatte. Auch zu
dieser Wollwäsche hat ein kleiner Weiher
gehört, der au ch von dem Lutterbach gespeist
wurde. Etwa 50 m unterhalb der
Brücke gleich am Beigenbach lag die Färberei
des lmgenbroicher Fabrikanten Paul
Mertens, die ihr Wasser gleich aus dem
Beigenbach bezogen hat, der ja auch wesentlich
mehr Wasser zu führen pflegte.
Mit dem Niedergang der lmgenbroicher
Tuchindustrie in den 50er und 60er Jahren
des vorigen Jahrhunderts haben diese
Bauten ihren Zweck verloren und sind abgebrochen
worden oder einfach verfallen .
Nur in dem Haus aus Bruchsteinen der
Wwe. Offermann hat noch eine Zeitlang
eine lmgenbroicher Familie gewohnt bis
um das Jahr 1900.
Dazu hat es aber auch zwei Wohnhäuser
dort gegeben am alten Kahrweg, der
schon in dem Lagerbuch des Jahres 1649
zwischen dem Gericht und lmgenbroich
erwähnt ist. Kurz unterhalb der Jönster
Jaaß = Ginster-Gasse hat das Hausgelegen
des Nicolaus Jacobs nach der Karte
des Ur-Katasters, wo im Jahre 1859 ein
Leonard Jacobs mit seiner Frau Anna Catharina,
Ackerer in der Beigenbach, in einer
Notarakte erscheint. (Notar Menzen
Nr. 8980, 1859.) Dieses Haus, das dann
den Geschwistern Jacobs gehört hat, ist
am 22. Juli 1862 durch Brand vernichtet
worden.
Kurz darunter, wo später der Steinbruch
gleich an der alten Straße zu sehen war,
hat ein Haus des Peter Joseph Schreiber
gestanden, später bewohnt von Wilhelm
Eßer (Maanesse) , und ist am 22. 12. 1895
auch ein Raub der Flammen geworden.
Damit war dieser kleine Flecken, bestehend
aus drei Fabrikanlagen und zwei
Wohnhäusern, das Haus Offermann teilweise
bewohnt, um die Jahrhundertwende
völlig verschwunden. Vor 50 Jahren hat
man bei der Brücke noch die Fundamente
der Gebäude und die Umwallung des einen
oder anderen kleinen Weihers erkennen
können. Aber auch das ist durch den
späteren Westwall und die neue Straßenführung
neben und oberhalb der alten
Brücke im Gelände nicht mehr zu sehen,
so daß diese Zeilen wohl die letzte Nachricht
über einen kleinen Ortsteil sein dürften
. (Viele genauere Einzelheiten auch mit
Nachrichten über die lmgenbroicher Familien
im Heimatkalender Monschau, 1965,
S. 48 - 52 durch den Prälaten P. Schreiber
aus lmgenbroich.)
Aus derselben Ursache und mit sehr ähnlichem
Schicksal ist auch an der Rur in Grünenthal
eine ausgedehnte Fabrikanlage
errichtet worden , die als Beispiel hier kurz
erwähnt sei, wenn auch nicht direkt zu
Kon zen gehörend.
Die größeren Fabrikanten Offermann aus
lmgenbroich in der Linie Matthias 0. hatten
schon vorher für Wasser zum Waschen
und Färben gesorgt, indem sie bei
Grünenthal, »im grünen Dahl «, vom Jahre
1776 an zunächst eine Walkmühle, dann
aber auch Wollwäsche, Färberei , Lohgerberei
, Schneidmühle, Schleifmühle (für
die großen Tuchscheren) und eine mechanische
Spinnerei angelegt hatten in einem
großen Fabrikzentrum . Dazu aber hatten
sie zunächst den ganz bescheidenen Weg
dort, »den Börch-Wääsch = Bergweg«, zu
einer guten Fahrstraße ausbauen müssen
auf eigene Kosten und allein dafür ca.
12 000 Thaler ausgegeben, was damals
eine gewaltige Summe gewesen ist. Dabei
ist auch in den Felsen schon gesprengt
worden, wie die Ausgaben für das Schießpulver
beweisen. Zudem sind 3 700 Hekken
, 70 Obstbäume gepflanzt, ja Spargelfelder
und ein Weinberg angelegt worden,
in dem man am 13. August 1834 die ersten
reifen Trauben geerntet hat. Am 2.
Januar 1861 ist der größte Teil der Anlagen
bei strenger Kälte durch einen verheerenden
Brand vernichtet worden, so
daß nur noch die Spinnerei weiterhin gearbeitet
hat. Die Firma ist dann in der Hand
der Familie Werner gewesen, die nach
1900 den letzten Betrieb hat einstellen
müssen. Als Aufseher der Werke, heute
wäre es der Betriebsleiter, ist der Christian
Schmitz aus Konzen tätig gewesen, als ein
allseits tüchtiger Mann , der großes Vertrauen
genossen hat. Bei dem Fest der
50jährigen Zugehörigkeit zu dem Betrieb
ist er besonders geehrt und beschenkt
worden im Jahre 1873.
Der Fabrikant hat damals gewohnt in einem
großen Haus gleich bei der Linde, wo
in den 20er Jahren des Sonntags getanzt
worden ist. Aber auch dieses letzte Haus
der alten Fabrik und Fabrikantenherrlichkeit
ist im Herbst 1944 durch Granaten
zerstört worden , so daß heute nur noch
ein Rest der früheren Ökonomiegebäude
steht zusammen mit dem bescheidenen
Gasthaus und nicht einmal ahnen läßt,
welch reiches Leben dort durch die Arbeit
der lmgenbroicher Tuchfabrikanten im
»Grünen Dahl « einmal geblüht hat.
(Eine ausführliche Arbeit aus den Akten
des HStAD zum Thema Grünenthal von
Prälat P. Schreiber im E. H.V. 3., Jhg . S.
133-137 und S. 148-152).
Der Öntepohl = Entenpfuhl
Die Geschichte dieses Ortsteils gegenüber
dem Bahnhof, an der alten Straße
über das Venn gelegen, hat auch schon
ein Alter von über 400 Jahren.
Unterhalb des jetzigen Hofes Frings, an
der noch ganz jungen Kali , hat ein kleines
Haus gestanden, das um das Jahr 1810 in
der Tranchot-Karte eingezeichnet ist.
Von dort dürfte die weitverbreitete Familie
Call = Kali stammen , von der »Thoniß von
der Gallen « 1531 /32 erstmals in den Steuerlisten
erscheint; 1550/51 finden wir
dann dort den Peter uf der Kallen, und das
dürfte genau derselbe Peter sein, der
157 4/75 als » Peter auf dem Endenpoill«
eingetragen ist. Damit haben wir die Geburtsurkunde
dieses Ortsteils gefunden,
der vorher in keinen anderen Akten erwähnt
ist.
In den nächsten Jahren wechseln dann ab
der »Peter auf der Kallen « und der »Peter
auff dem Endenpoil«, so daß wir mit gutem
Grund diese beiden als dieselbe Person
ansehen können.
In dem Lagerbuch »Der Cammerwald Eicherscheid
. .. « vom Jahre 1582 finden
wir S. 122 ein Grundstück gelegen »auf
dem Endenpoell ahm Cruitz neben Kaufmans
Carl «; über die Lage und den Ursprung
dieses Kreuzes ist leider nichts zu
erfahren.
Im Jahre 1640/41 ist ein Gastwirt in Konzen
in den Akten , der als »Peter der Wirth «
49
eingetragen ist. 1647/48 wird dann als
Waldfrevler bestraft der Hans Schreiber,
weil der »Zur Contzen ein Brewhauß erbawett,
unangesehen das lhme solches uff
eine Straff von fünf Gulden verbotten «.
Dieser Hans Schreiber kann schon der
Sohn oder auch noch der Bruder des Wirthes
vom Jahre 1640/41 sein und der
Familie Schreiber angehört haben.
Hans Schreiber, der Waldfrevler, hat mit
großer Wahrscheinlichkeit schon auf dem
öntepohl gewohnt, da er 1661 /62 in dem
Erb-Buch II erwähnt ist bei dem Kauf eines
Grundstückes am Entenpoell.
Die Familie Schreiber am Öntepohl ist lange
Zeit im Schöffen-Amt in Konzen gewesen
und hat einige Priester in der Familie
gehabt. Der erste Schöffe Peter Schreiber
ist 1687 gestorben. Weitere Schöffen sind
der Johannes Sehr. gewesen, gestorben
am 3. April 1728. Der Nachfolger als
Schöffe ist wieder ein Peter Sehr. , gestorben
am 1. Sept. 1770, Grabkreuz Nr. 8.
Ihm ist nachgefolgt der Schöffe Johannes
Sehr. , der letzte Schöffe, da die Franzosen
dieses Amt aufgelöst haben. Er ist gestorben
im Jahre 1809, während seine Frau
noch 1821 im Ur-Kataster eingetragen als
die Wwe. Joh. Schreiber, Wirthin .
Diese hat mit ihrem Mann aber nicht mehr
auf dem öntepohl gewohnt, sondern eine
Gastwirtschaft betrieben in dem Haus an
der Kirche = a Scheffesch = Haus Neiken;
dort hat der Schöffe Sehr. auch ein
Memorialbüchlein verfaßt, in dem über das
Gasthaus, über die Gelage usw. berichtet
worden ist. Und dieses Büchlein hat der
Prälat P. Schreiber Ende des Krieges in
lmgenbroich in Sicherheit bringen wollen,
wo es nun gerade vernichtet worden ist.
Wohnen geblieben ist auf dem Hof öntepohl
der Bruder des letzten Schöffen Joh.
Sehr. , der 1732 geborene Wilhelm Heinrich
Sehr., verheiratet mit der Agnes Breuer
aus Kesternich, die ihm 1782 im Tode
vorausgegangen war, s. Grabkreuz Nr. 6.
Wilh. Heinr. Sehr. ist dann viel später erst
Der Hof Schreiber-Frings, Öntepohl
gestorben am 28. April 1813, nachdem er
zwei Tage vor dem Tode noch mit ganz
krakeliger Hand sein Testament unterzeichnet
hatte. Darin sind alle Kinder aufgeführt,
und der Gesamtwert des Hofes
wird angegeben mit 5673 frcs. , ohne daß
aber die Größe der Ländereien angezeigt
ist, die 20-24 Morgen betragen haben soll
nach heutiger Kenntnis. Großen Wert hat
dabei sicher die eigentliche Hofanlage gehabt,
die in der bis heute erhaltenen Form
erst im Jahre 1754 neu errichtet worden
war. Ausdrücklich ist im Testament erwähnt
der Kachelofen, die »Siedel « = eine
aufklappbare Bank für einen kleinen
Vorrat an Holz und Torf neben der Feuerstelle;
selbst die Leitern in der Scheune
scheinen einen gewissen Wert gehabt zu
haben, und vor allem wichtig ist die »brasserie«
= das Brauhaus, das ja zu der
Gastwirtschaft gehört hat und schon im
Jahre 1648 zu dem Bußgeldbescheid geführt
hatte. Zum Schluß heißt es dann:
»Ich vermache meinem Sohn Joh. Wilh.
Sehr. und meiner Tochter Eva Maria, beide
bei mir wohnhaft, zum voraus und ohne
Last . .. alles dasjenige, worüber ich gemäß
den Gesetzen zu verfügen berechtigt
bin. « (Notar Steingießer, Simmerath , Nr.
442, in franz . Sprache.)
Der Erbe Joh. Wilh. Sehr. ist aber nicht
lange in dem Hof geblieben, sondern auf
den Hof Stillbusch gezogen, wo er die
Linie Schreiber-Effelberg begründet hat.
Wahrscheinlich hat er sei ne Geschwister
nicht auszahlen können entsprechend der
Summe von 5673 frcs. als Gesamtwert
des Hofes.
In der Ur-Kataste r-Karte vom Jahre 1821
ist nämlich als Eigentümer eingetragen der
Häuser Nr. 26, 28 und 31 der Matthias
Peter Schreiber, ein Vetter des Joh. Wilhelm
. Dieser ist ab 1816 - 1826 der erste
Gemeindevorsteher in der preußischen
Zeit gewesen.
Das Haus Nr. 28 war der eigentliche Hof
öntepohl, das Haus Nr. 26 = unterhalb auf
die Kali zu gelegen , genannt »a Hack
Steffes« und vor langen Jahren schon abgebrochen
; das Haus Nr. 31 soll gestanden
haben etwa da, wo sich seit langen
Jahren die Schmiede Gillessen befunden
hat, wo nahebei ja auch das Johannis
Kapellchen gestanden hat.
Ein Haus in der Nähe des Hofes mit der
Nr. 29 hat nach dem Ur-Kataster dem Arnold
Frings gehört, dem Erbauer von
Fringshaus, und befindet sich seit langer
Zeit in der Fam ilie Schmitz aus der Linie
Schmitz-J aaße und dürfte weiterbestehen.
Etwa dazwischen ist eingetragen gewesen
das Haus Nr. 27, das von der Familie Call
bewohnt gewesen ist. Kurz vor dem Jahre
1898 ist es aber schon in der Hand des
Bäckers Steffens gewesen , als es in diesem
Jahr 1898 einem Brand öllig zum 1
Opfer gefallen ist.
Der Hof öntepohl Schreiber - Frings ist
also erbaut worden in der heutigen Form
im Jahre 1754 mit den großen und verhältnismäßig
hohen Zimmern, die dem Gasthaus
schon etwas angepaßt waren. Über
der Haustür befindet sich heute noch ein
großes Brett mit der Inschrift: »Haben dieses
Haus aufgericht den 19 August 1754«.
Leider ist der untere Tei l des Brettes abgebrochen,
so daß die Namen der Erbauer,
die mit Sicherheit dort gestanden haben,
nicht mehr vorhanden sind. Nach allem
aber, was wir inzwischen wissen, kann das
nur das Ehepaar Schöffe Peter Schreiber
mit seiner Frau Agnes Zimmermann gewesen
sein; er gest. 1770, sie gest. 1776;
und das waren die Eltern des Wilh . Heinr.
Sehr., gest. im Jahre 1813.
Als letzter Mann aus dieser Linie Schreiber
ist dort gestorben im Jahre 1889 wieder
ein Wi lh. Heinr. Sehr., der Jahrgedächtnisse
gestiftet hat für seine Eltern
Math. Peter Sehr. und Anna Catharina
Brand für 600.- M. Die Schwester der
Mutter Brand hatte den Peter Wilh . Sehr.
zum Mann auf dem bedeutenden Hof
Rommerich bei Mulartshütte, und dorthin
soll der junge P. W. Sehr. des Sonntags
zum Freien geritten sein mit silbernen
Sporen an den Stiefeln.
Daß diese Familie Schreiber auf dem Hof
öntepohl sehr reich gewesen sein muß,
hat vor längerer Zeit erzählt der Prälat Peter
Sehr., der aus dieser Familie stammte.
Bei einer der letzten Erbteilungen nämlich
sollen sich die Geschwister Schreiber um
einen Tisch versammelt gehabt und sich
das lange zusammengesparte Geld aus
einer Kiste mit einer »Schäpp« mit Handgriff
zum Schöpfen von Wasser, ohne zu
zählen, gegenseitig zugeschüttet haben.
Diese »Schäpp« ist in Süddeutschland
und in der Schweiz bekannt unter dem
Namen »Schapf«.
Aus der Familie Schreiber hat zuletzt dort
gewohnt die Anna Maria Sehr., verheiratet
mit Joh. Heinrich Stollenwerk aus Simmerath
. Nach dem Tode der Frau im Jahre
1893 ist der Witwer Stollenwerk nach Simmerath
zurückgezogen, nachdem das
50
Ehepaar schon Anfang 1892 Möbel, Vieh
und dgl. durch die Monschauer Zeitung
zum Verkauf angeboten hatte.
In dem Hof hat danach gewohnt ein junges
Ehepaar, Math. Offerman n und Frau Caroline
geb. Huppertz, aus der Linie Hardt
Mechel. Der Mann ist neun Monate nach
der Heirat gestorben und hat die junge
Frau in dem großen Hof zurückgelassen.
Damals hat aber schon in Miete dort gewohnt
der Venn-Förster Wilhelm Frings
von Fringshaus, der dann die viel jüngere
Wwe . Caroline geheiratet hat im Jahre
1898; der Sohn Oskar Frings ist 1900
geboren worden und hat die Familie weitergeführt.
Leider ist nicht bekanntgeworden, ob das
Ehepaar Offermann-Huppertz den Hof
schon als Eigentum gehabt hat oder ob
erst das Ehepaar F ri ngs-Wwe. -Offerman n
den Hof zu eigen erworben hat. Jedenfalls
befindet er sich heute noch in der Hand
der Familie Frings und dürfte es noch lange
Jahre bleiben.
Aus den Erbbüchern, den -Kirchenbüchern
, den Notarakten und den Monschauer
Zeitungen sind eine ganze Reihe
von Leuten bekannt geworden, die ab
1660 bis in die Neuzeit einmal auf dem
Endenpoil gewohnt haben oder dort Landbesitzer
gewesen si nd. Bei den Familien
wie Hermes, Lutterbach , Carels, Steffes,
Reinarts, Mertens, Roder auf dem öntepohl
kann es sich aber um Mieter gehandelt
haben, wie das früher vielfach hier
üblich gewesen ist. Vielleicht sind auch
noch ein paar Häuser an der nahebei gelegenen
Blumgasse früher mal zum öntepohl
gerechnet worden .
Um 1748 ist erwähnt ein Johann Hupertz
auf Endenpohl, und das kann die Familie
Huppertz Matthias Joseph = »Maß-Joosephs«
gewesen sein, zumal das Haus
oben an der Ecke schon um 181 O in der
Karte vorhanden ist. Am 8. 6. 1861 erscheint
in der Monschauer Zeitung ein
Johann Huppertz, Wirth am Entenpfuhl,
und das müßte der Vater des Math . Jos.
Huppertz gewesen sein.
In den 30er Jahren ist der Ortsteil Öntepohl
bereichert worden durch das Fachwerkhaus
des Venn-Försters M. Bischof,
das später in mehrere Hände übergegangen
ist. Ende der 50er Jahre ist noch
hinzugekommen das Haus Karl Theißen -
Änne Schröder, das ganz in der Nähe des
Bahndammes gelegen ist.
Etwa um 1930 ist ungefähr an der Stelle,
wo das Haus Nr. 26 gestanden hatte, eine
Art von Pavillon errichtet worden, mit kleinen
Brücken in einem Waldstück verbund~n,
mehr gedacht zur Belustigung von
Kindern . Erbauer war der Aachener Kaufmann
M. Kaasch, der 1912 an der Rur
zwischen Dreistegen und Reichenstein als
Sommerlokal die sogenannte Fischerhütte
gegründet hatte mit teuren Diners von
Kalbsbraten , Rehkeule, Geflügel, Forellen ,
Austern und Caviar. (Monschauer Zeitung
15. 6. 1912.)
Dieser Herr Kaasch , der meistens in
Bayerntracht herumzugehen pflegte, hat
scherzhaft den Namen »Salon-Tiroler«
hier bekommen .
Der Pavillon ist durch den Krieg am 4. Okt.
1944 zerstört worden und nur noch an
geringen Resten im Gelände zu erkennen.
(Ein kleiner Bericht über die Fischerhütte
mit dem Rittersteg = Heimatkalender
1962, S. 137.)
Fringshaus
Für diese Siedlung oben auf dem Hohen
Venn gilt dieselbe Vorbemerkung wie für
die Rochus-Mühle. Paul Neuß hat die Geschichte
von Fringshaus in aller Ausführlichkeit
und Sorgfalt bearbeitet, gedruckt
im »Eremit«, 16. Jhg., 1941, S. 81-88.
Daraus kann hier nur in Kürze das Wichtigste
zusammengestellt werden mit einigen
kleinen Ergänzungen .
Dieses Gasthaus mit landwirtschaftlichem
Betrieb ist errichtet worden durch Arnold
Frings im Jahre 1826/1827, nachdem am
23. 8. 1826 von der Regierung in Aachen
die Genehmigung erteilt war. Arnold
Frings war der Enkel des Matheis Frings,
der 1739 erstmals in Roetgen in der Steuerliste
erscheint und wohl aus einem der
Dörfer Strauch, Rollesbroich oder Schmidt
nach Roetgen gekommen war, da der Familienname
Frings in den genannten Dörfern
vielfach vorgekommen ist.
Arnold Frings hatte in Konzen schon zwei
Häuser besessen nach dem Ur-Kataster
des Jahres 1821: das Haus Schmitz am
önte-Pohl und das Haus des vor einigen
Jahren verstorbenen Johann Jung in den
Gassen .
1 m Jahre 1825 hatte Arnold Frings nun
geplant, oben auf dem Hohen Venn ein
Gasthaus zu errichten und den Antrag gestellt,
daß ihm von den zuständigen Gemeinden
vier Morgen Land verkauft werden
sollten, oben auf der »Lammersdorfer
Höhe«, wie das Gebiet noch lange danach
genannt worden ist. Das ist dann genehmigt
worden mit der Bemerkung, das Land
sei so wertlos, daß man ihm genausogut
15 Morgen überlassen könne, was dann
auch so geschehen ist für den Preis von
56 Thlr., sieben Silbergroschen und sechs
Pfennigen . Über die genaue Stelle für das
Haus hat man sich auch geeinigt, so daß
die endgültige Genehmigung also am 23.
8. 1826 erteilt worden ist. Es hat aber noch
etliche Vorbehalte gegeben betr. der Viehhaltung
= kein fremdes Vieh dorthin, Bienenstöcke
ca. 50 m vom Haus entfernt,
keine Wohnung für fremde Personen in
dem Haus, wenn nicht durch die landrätliche
Behörde überprüft usw.
Im übrigen heißt es: ... »ein Etablissement,
wie der Frings beabsichtigt, in jener
wüsten Gegend (ist) für das reisende Publikum
sehr wünschenswert ... und verdient
alle mögliche Beförderung. «
Für den Bau hatte A. Frings den Steinbruch
im Belgenbachtal von der Gemeinde
Konzen gepachtet und hat sicher gleich
nach der Genehmigung mit dem Bau begonnen.
Wann genau die unendlich mühevolle Arbeit
dort oben zu einem gewissen Ab-
, schluß gekommen_ ist und vor allem , wann
das Gasthaus seine Pforten hat eröffnen
können, ist nicht genau bekannt geworden;
die Eröffnung dürfte aber frühestens
im Herbst 1827 stattgefunden haben.
Daß das Gasthaus dort floriert hat, kann
mit Sicherheit angenommen werden, zumal
aller Fuhrverkehr von Aachen nach
Monschau über die Höhe hinwegkommen
mußte, bevor 1885 die Eisenbahn einen
Teil des Güterverkehrs übernehmen
konnte.
Durch den Arnold Frings oder den Sohn
Matthias Gerhard ist dann besonders auf
dem Gebiet in Richtung Simmerath noch
viel weiteres Land urbar gemacht worden,
so daß das ganze Anwesen im Jahre 1890
die Größe von über 15 ha gehabt hat.
In diesem Jahr 1890 nun haben die Enkel
des Arnold Frings das ganze Anwesen
verkauft an den Friedrich August Esser
vom Reinartzhof. Dieser war der Sohn des
Christian Esser vom Vennhof und der wieder
der Sohn des Caspar Esser, geb. kurz
vor 1800 in Harff bei Bergheim und hatte
den oberen Reinartzhof im Jahre 1839
erworben . In einer Erbteilung vom Jahre
1887 hatte Friedrich August Esser die auf
Roetgen zu gelegene Hälfte des oberen
Reinartzhofes mit Wohnhaus usw. und 30
Morgen Land bekommen, der Schwager
Anton Titz aus Paustenbach die auf Eupen
zu gelegene Hälfte auch mit 30 Morgen
Land . Der ganze Komplex aber, der erst
nach einer zerstörenden Feuersbrunst im
Jahre 1883 in dieser Form aufgebaut war,
ist im Jahre 1889 wieder durch Feuer völlig
zerstört worden, und das scheint dem
Friedrich August den Rest gegeben zu
haben .
So verkauft er seine Hälfte des oberen
Hofes an den Bruder Joh. Jos. Esser vom
Vennhof und erwirbt dafür das ganze
Fringshaus von den Enkeln des Arnold
Frings, als da sind : Wilhelm Joseph und
Robert Frings zusammen mit den Eheleuten
Wilhelm Braun und Balbina Frings, die
wohl alle dort oben auf der Lammersdorfer
Höhe gearbeitet hatten, für die Summe
von 12 500,- Mark, zahlbar in mehreren
Raten. (Notarakte im HStAD.)
. Auch in einem Heiratsvertrag zwischen
dem Ackerer Anton Frings und der Anna
Gertrud Haas aus Witzerath vom 5. Mai
1847 wird das Gebiet dort noch immer
eingetragen als die »Lammersdorfer Höhe
«, wo erst in den 1840er Jahren die
Straße nach Lammersdorf zu einer Landstraße
ausgebaut worden war.
Der oben erwähnte Wilhelm Joseph Frings
ist dann als Vennförster nach Konzen gekommen
und hat den Hof önte-Pohl erworben,
wo sein Enkel heute noch »residiert«.
Zusammen mit der neuen Grenzziehung
51
nach dem Ersten Weltkrieg ist Fringshaus
dann an Belgien gegangen, obwohl es bei
der Grenzkommission noch am 20. Dezember
1920 geheißen hatte: »Der Eigentümer
von Fringshaus ist nach wie vor der
deutsche Staatsangehörige August Esser.
« Und nach einem Bericht des Bürgermeisters
von lmgenbroich kommt weder
Verkauf noch Verpachtung von Fringshaus
an belgische Staatsangehörige in Frage.
Besonders durch die Zunahme des Autoverkehrs
ist dann dort oben ein lebhaft
besuchtes Ausflugslokal entstanden, hart
an der Straße gelegen, die als deutsches
Hoheitsgebiet durch das nun belgische
Venngebiet führte.
Friedrich August Esser ist gestorben am
19. 5. 1923 und ist als letzter mit einem
Begräbnis erster Klasse = mit drei Geistlichen
in Konzen zu Grabe getragen worden
; danach ist dieses Zweiklassensystem
bei den Totenämtern abgeschafft
worden.
Seine Frau Anna Maria Schäfer ist gestorben
am 4. 7. 1924, so daß Fringshaus
dann übergegangen ist an den Sohn August
Esser, verheiratet seit 1926 mit Anna,
geb. langer, vom Relais Königsberg , aber
schon 1936 seinen Eltern in den Tod gefolgt.
Nach dem so glorreichen Frankreich-Feldzug
1940 ist Fringshaus zusammen mit
den Kreisen Eupen/Malmedy durch eine
einfache Führer-Anordnung wieder dem
Deutschen Reich angeschlossen worden
bis zum Ende des unseligsten aller Kriege
im Jahre 1945.
Das alte Fringshaus, das aber schon wesentlich
erweitert war, ist dann im November
1946 völlig durch Brand zerstört und in
den folgenden Jahren wesentlich größer
und in moderneren Maßen wieder aufgebaut
worden und befindet sich jetzt in der
Hand der Familie Esser-Lentz.
An der gegenüberliegenden Seite ist
schon im Jahre 1926 ein weiteres größeres
Gasthaus durch einen Herrn Lennartz,
vorher in Reinartzhof, errichtet worden ,
zunächst unter dem Namen »Venn-Höhe«,
dann »Neu-Fringshaus« genannt; die
Funktion als Gasthaus oder Hotel ist aber
schon lange aufgegeben worden.
Ein neues Wohnhaus in bescheidenem
Maße ist neben dem alten Fringshaus im
Jahre 1957 errichtet, so daß nun dort oben
auf der unwirtlichen Lammersdorfer-Höhe,
damals nur mit Gestrüpp bewachsen, eine
kleine Siedlung mit 21 ha urbarem Land,
mit drei Häusern, meist prächtigem Viehbestand,
durch die Initiative des Arnold
Frings entstanden ist.
Die Rochusmühle
Hierüber hat Paul Neuß, lmgenbroich,
schon im Eremit, 16. Jahrg ., S. 33 f., im
März 1941 ausführlich geschrieben. Er hat
diese Arbeit zusammengestellt aus Akten
im Bürgermeisteramt lmgenbroich und
aus privaten Schriftstücken der Familie
Boltersdorf in dieser Mühle. Die Arbeit des
Paul Neuß ist mit großer Sorgfalt verfaßt,
und die Unterlagen konnten zu einem guten
Teil im HStAD eingesehen werden, so·
daß wir nun in einer Zusammenfassung
mit kleinen Ergänzungen berichten
können.
Der Erbauer dieser »Laufenbachsmühle«,
später »Rochusmühle «, ist Peter Konertz
gewesen von Mützenich, der bis dahin
Pächter der Reichensteiner Mühle gewesen
war, wo er wegen geringer Arbeit als
Mahl- und Sägemüller kaum ein Fortkommen
gehabt hatte.
Die Stelle für die Mühle am Laufenbach,
bis dahin noch wenig urbares Land, war
zwischen lmgenbroich , Konzen und Mützenich
sehr geeignet, zumal die Leute bis
dahin den weiten und beschwerlichen
Weg zur Eicherscheider Mühle hatten auf
sich nehmen müssen . Auch war das Tal
des Laufenbaches noch viel weniger eingeschnitten
als das Tal des Beigenbaches
mit seinen steilen Hängen und Karrenwegen
mit starken Steigungen.
Das Gelände für die geplante Mühle hat P.
Konertz von Johann Reinartz, seit 1829
Eigentümer des Hofes Staffelbusch, für
176 Thaler erworben. Ursprünglich hatte
dieses Gelände zum Hof Lauterbach in
Konzen gehört und war von dem Friedensrichter
Joh. Jos. de Berghes am 30.
Juni 1808 in der Größe von 1 ha und 43 ar
ersteigert worden .
Nach vielen Schwierigkeiten, es mußte ein
kleines Grundstück zwischen dem
Scholteße-Troistorffs-Weiher und den
Laufenbachsbenden hinzugekauft werden,
es mußten die Wege für die Leute
aus lmgenbroich die »Dröft« hinab und ins
Venn offengehalten werden usw., konnte
schließlich die Konzession für die Mühle
durch die Regierung in Aachen am 12. 2.
1831 erteilt werden, sogar für zwei oberschlächtige
Wasserräder. Aber selbst die
genauen Maße dieser Räder und andere
Kleinigkeiten waren genau festgelegt, und
der Bau war innerhalb von zwei Jahren
auszuführen.
Der Bau bestand aus einem Steinhaus,
darunter das Mühlenwerk, mit einem Stall
und Backhaus, wie damals noch vielfach
üblich, aber nur mit einem Wasserrad. Und
dann konnte gemahlen werden. Als Lohn
wurde »gemoltert«, d. h., daß der Lohn in
alter Zeit nicht in Geld bezahlt wurde, sondern
daß der Müller einen Teil des gewonnenen
Mehles für sich behielt; das durfte
aber nicht mehr als der 16. oder der 20.
Tei l sein, wie noch in einer Mühlenordnung
vom 28. Okt. 1810 zu lesen ist. Dort
heißt es auch, daß die Leute den Weizen
mit Gartenbohnen und den Roggen mit
Feldbohnen zu vermischen versuchten, so
daß dieses »verbesse"rte « Getreide nicht
gemahlen werden könne. (Reg . Aachen , 1.
Abtlg., Nr. 35 im HStAD)
Später ist das Mahlen aber in Geld bezahlt
worden.
Die finanzielle Belastung aber für P. Konertz,
der alles Geld = 2133 Thlr. zu 5 %
Zinsen hatte aufnehmen müssen, ist zu
groß gewesen. Und so ist die Mühle schon
am 11. 2. 1835 an den lmgenbroicher
Fabri kanten Carl Ludwig Böhme u. Co.
übergegangen mit allen vo rhandenen Anlagen
. Kurz danach ist die Genehmigung
erteilt worden , diese Mahlmühle in eine
Anlage für die Tu chind ustrie umzuwandeln,
woh l zum Waschen der Wolle.
Für die neue Mühle war von vornherein
der Scholteße-Troistorffs-Weiher die Voraussetzung
gewesen , da nur damit im
Sommer eine au sreichende Wasserkraft
möglich war. Dieser Wei her war schon
angelegt worden du rch die Familie de
Berghes und mit ziemlicher Größe schon
eingetragen in einer Karte aus den Jahren
1780 - 1790. Später ist er an •~en Fabrikanten
Tro istorff vom Wiesenthal gekommen
und bei einer Tei lung im Jahre 1834
angegeben mit einer Größe des gesamten
Geländes von fünf Morgen , 115 Ruthen
und 50 Fuß.
Mit einer Eigentümerin des Weihers, Charlotte
Kregl inger in Antwerpen , hat es wegen
der Wasserentnahme noch mancherlei
Schwierigkeiten gegeben .
Am 1. 1. 1841 hat der bisherige Teilhaber
Carl-Ludwig Böhme die gesamte Mühlenanlage
für sich allein erworben für 1710
Thaler und hat in der Nähe noch einige
Grundstücke hinzugekauft und auch ein
Farbhaus errichten dürfen, das wahrscheinlich
an der Stelle der späteren
Scheune gestanden hat.
In dieser Böhms-Mühle hat um 1860 auch
eine Fam ilie Cremer aus Konzen gewohnt,
wohl zur Miete. Deren Sohn Ludwig hat in
den Jahren 1862 und 1863 Geld aus der
Studienstiftung Schreiber bekommen und
ist am 24. Aug . 1872 zum Priester geweiht
worden , hat die Primiz nicht in Konzen,
sondern in Monschau gefeiert, wohin seine
Eltern wohl verzogen gewesen sind.
Am 27. Mai des Jahres 1879 ist er als
Kaplan in Essen an einer Lungenentzündung
gestorben.
Am 26. 1. 1876 hat dann C. L. Böhme -
nach ihm auch Böhms-Mühle genannnt -
die Mühle mit allem Drum und Dran und
zus. 15 Morgen Land verkauft an den
Schreiner und Mühlenbauer Jos. Heinrich
Schröder aus Rohren.
So ist der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen
worden nach den langen Jahren
dazwischen, als man in unseren Dörfern
wieder zur alten Mühle im Beigenbach
oder in die 1833/34 neu erbaute Mühle
unten am Laufenbach, die spätere Blumenauer
Mühle, hat fahren müssen.
Am 20. 2. 1888 hat dann der Müller Heinrich
Boltersdorf aus Drove von der Wwe.
Schröder die Rochusmühle mit allem Zubehör
gekauft für 4 650,- Mark; das ist für
uns heute wieder sehr wenig, ist aber damals
ein bedeutender Betrag gewesen.
Heinrich Boltersdorf ist gestorben am 10.
Januar 1921, und von da ab ist der Sohn
Theodor Boltersdorf als Müller tätig gewe-
52
Die Rochus-Mühle bis Ende des Krieges, darüber das Haus Davids
sen. Nach dieser Familie ist der Name
»Boltersdorfs-Mühle« verbreitet gewesen.
Sie blieb bis heute im Familienbesitz.
Den Krieg hatten die Gebäude fast unbeschädigt
überlebt, bis dann auf der Hauswiese
eine Menge von Minen zusammengetragen
und gesprengt worden ist. Dadurch
war das Mauerwerk des Wohnhauses
so zerrissen , daß es niedergelegt und
ganz neu aufgebaut werden mußte, aber in
der Form eines nun etwas höheren Fachwerkhauses.
Als nach dem Krieg in Konzen wie in anderen
Dörfern elektrisch betriebene Mahlmühlen
eingerichtet waren, hat die Rochusmühle
den Mahlbetrieb eingestellt
und das Anwesen nur noch für landwirtschaftliche
Zwecke benutzt.
Die Mühlen waren früher richtige und
wichtige Kommunikationszentren, wie
man sich heute ausdrücken muß. Jede
Familie mit etwas Landwirtschaft baute die
eigenen Kartoffeln und den eigenen Rogg~n
an; davon trug man mehrmals im Jahr
einen Pöngel = etwa 30 Pfd . in einem
Sack zur Mühle. Teilweise konnte man
dann gleich auf das Mahlen warten, und
das gab Zeit zu einem ausgedehnten »Uetele«
= zu Gesprächen über die Neuigkeiten
usw. Später hat man das fertige
Mehl mit Karre und Pferd = Mölle-Kahr
durch das Dorf gefahren und bei den einzelnen
Häusern abgegeben. An dem
Kummet des Pferdes waren etliche Hohlk~geln
aus Messing befestigt mit losen
Eisenkugeln darin. Diese haben bei jeder
B_ewegung des Pferdes mit dem Kopf ein
nicht gerade sehr melodisches Geläut erklingen
lassen. Jedenfalls hörte man die
Mölle-Kahr schon von weitem und konnte
das Mehl in Empfang nehmen.
Das Roggenmehl wurde dann zum Bäcker
gebracht, der die großen runden Brote von
sechs Pfund herstellte. Wenn diese etliche
Tage in den feuchten und kühlen Kellern
gelagert waren, wurden sie innen weich
wie Lebkuchen und haben die wohlschmeckenden
und sehr nahrhaften großen
Brotschnitten ergeben, mit denen kein
heutiges Roggenbrot mehr konkurrieren
kann.
Das Haus Davids
Im Anschluß an die Rochusmühle mögen
auch noch einige Bemerkungen folgen
über das Haus oberhalb der Mühle, das
zwar nicht zu Konzen gehört, aber doch
von der Hardt aus zugleich mit der Mühle
zu sehen ist. Das Haus aber »err Loof« =
im Tal des Laufenbaches ist nach Auskunft
des Katasteramtes Monschau errichtet
worden in den Jahren 1864/65 von einem
Franz Joseph Lenzen aus Mützenich.
Schon im März 1866 hat es dann der
Elementar-Lehrer Philibert Keutmann aus
Konzen gekauft, der von 1853 bis 1893
die Konzener Jugend unterrichtet hatte.
Ob er aber selbst in dem Haus gewohnt
hat, ist nicht bekannt. Sicher ist, daß das
Haus zwischendurch vermietet gewesen
ist, wobei noch die Namen Schreiner und
ein welscher Besenbinder Egidius Laurent
bekannt sind.
Am 8. Mai 1908 heiratet die Tochter Antonia
des Lehrers Keutmann den in Kalterherberg
geborenen, in Mützenich aber
wohnhaften Joseph David . Eine Tochter
davon wohnt heute noch in dem Haus, das
im Krieg fast völlig zerstört war, aber in
etwa der gleichen Größe und Form wieder
aufgebaut worden ist.
Und doch muß das Haus des Franz Joseph
Lenzen aus Mützenich schon wesentlich
früher bestanden haben , da es am
25. April 1862 dort »in der Laufenbach«
ein Raub.der Flammen geworden war. Am
27. Jan . 1864 ist es erneut teilweise durch
Brand zerstört worden. Bei dem »neuerbauten
« Haus des Jahres 1864/65 muß es
sich mithin um einen Wiederaufbau gehandelt
haben, so daß der Ursprung viel
früher angesetzt werden kann, ohne daß
wir den genauen Zeitpunkt kennen. (Chronik
lmgenbroich)
Am Gericht
Früher hatte jedes selbständige Gebiet eine
eigene Gerichtsbarkeit und einen dazugehörigen
Gerichtsplatz, an dem Todesstrafen
, meistens am Galgen, vollstreckt
wurden . Und noch heute sind solche Stellen
öfters an den Flurnamen wie »Halsgericht«
oder »Galgenfeld« zu erkennen, obwohl
die sonstige Erinnerung an die dortige
z. T. sehr grausame Tätigkeit längst
verschwunden ist.
Für unser Monschauer Land befand sich
die Gerichtsstätte mit dem Galgen »Am
Gericht«, an der Wegekreuzung zwischen
lmgenbroich - Simmerath und Konzen -
Eicherscheid, fast genau in der Mitte unseres
Gebietes.
Wegekreuzungen aber hatten es seit den
ältesten Zeiten in sich, sie bargen Gefahren
für den Wandersmann und wurden
gemieden, so daß sich auch viele Sagen
und volkstümliche Erzählungen daran geknüpft
haben.
Daß besonders an Wegekreuzungen die
Gerichtsstätten eingerichtet worden sind,
wird für den nahen belgischen Raum dargetan
von Dr. B. Willems, in »Das Land
von Malmedy und St. Vith«, 1962, S. 41/
42.
Die älteste Erwähnung für unser Gericht
konnte gefunden werden in dem Erb-Buch
1, in dem für die Jahre 1605 und 1623
Grundstücke eingetragen sind »gelegen
53
hinter dem Gericht«. In dem Rentlagerbuch
in HStAD von 1649, S. 249a, ist dann
ein Grundstück erwähnt des Servaß Wolterß
von Konzen »so gelegen am_ Gericht«.
Ein ausführlicher Bericht über eine Hinrichtung
im Jahre 1633 ist erschienen im
Eremit 27. Jhg., S. 62 und 77, wobei aber
nicht alle Einzelheiten zu stimmen
scheinen.
Bezeichnend und auch nachgewiesen für
die alte Zeit ist die Tatsache, daß alle Unkosten
für die Verpflegung des Delinquenten
im Turm zu Monschau, für das Abholen
des Henkers mit Begleitung aus Jülich,
für die Hinrichtung selbst und die Verpfle-
. gung der Richter und des Henkers von
dem armen Opfer selbst oder der Verwandtschaft
aufgebracht werden mußten.
Der Gerichtsplatz mit dem Galgen hat sich
aber nicht immer an dem heutig·en »Gericht«
befunden. Er muß früher an dem
ganz alten Kreuzweg seinen Ort gehabt
haben, der gelegen war an der Straße von
lmgenbroich - Konzen über die Längsef
Jaaß, die die heutige Landstraße kreuzt
beim Schweizer-Hof und dann durchgeht
über die Rüstenstraße in Kesternich hinunter
nach Einruhr, aufwärts an dem römischen
Heilstein vorbei und dann auf die
große Römerstraße stößt bei Herhahn/
Dreiborn; die Querstraße dazu war die
Wasserkuhls-Jaaß und dann auf Eicherscheid
zu. Ganz in der Nähe hat gelegen
das alte Frohnrath, spätestens in den Akten
im Jahre 1334. (W. Ritz, S. 89/90.) Der
Ort Frohnrath ist um das Jahr 1400 verlassen
worden, und die Bewohner haben sich
eine neue Heimstatt gesucht in dem abgelegenen
Gebiet des heutigen Eicherscheid
. Und ganz alte Leute in Eicherscheid
haben sich noch erinnern können,
daß dort in der Nähe der Flur »Märje
Buer« = Marienborn sich auch ein »Galgenhöffchen«
befunden hat.
Nachdem aber die Straße Monschau -
lmgenbroich - Simmerath vor 1790 als
erste wirkliche Landstraße ausgebaut war,
muß man den Galgen an das jetzige »Gericht«
verlegt haben. (Eremit 14. Jhg ., S.
61 ff. von Dr. H. Schiffers.)
Im Jahre 1795 ist der Galgen dort auf
Anordnung der französischen Verwaltung
entfernt worden, da »derartige Gegenstände
nicht länger Anstoß für sensible
Seelen sein sollen, die sich betroffen fühlen
können .«
Das hing auch damit zusammen, daß die
Leichen der Erhängten noch lange Zeit zur
besonderen Abschreckung am Galgen
hängen gelassen und danach erst in der
Nähe des Gerichtsplatzes verscharrt worden
sind. In einer speziellen Arbeit von
Peter Robertz : »Die Strafrechtspflege am
Haupt-/u . Kriminalgericht zu Jülich «, Zeitschrift
des Aachener Geschichtsvereins
Bd. 61 , 1940, wird angegeben, daß unser
Kurfürst Carl Theodor, von 1742 bis zur
Franzosenzeit Landesherr auch im Herzogtum
Jülich, keine Todesurteile mehr
habe unterschreiben wollen, mithin auch
keine Vollstreckung mehr hier bei uns
stattgefunden hat.
Nach der Entfernung des Galgens 1795
war der Hinrichtungsplatz = Galgenfeldehen
überflüssig geworden und ist im Oktober
1828 versteigert worden zu Gunsten
der Allgemeinheit. Für 18 Thlr. ist es an
den Steuereinnehmer Hubert Schnitzler in
Eicherscheid gekommen und danach in
andere Hände bis zu der Familie Wilden
am Gericht.
Nachdem also das alte Dorf Frohnrath um
etwa 1400 verschwunden und auch der
ganz alte Hof Meisenbroich, erwähnt
schon im Jahre 1369, zwischen dem Gericht
und Simmerath gelegen, untergegangen
war, ist das Gebiet um das Gericht
völlig menschenleer gewesen.
Im Taufbuch der Pfarre Konzen befindet
sich im Innendeckel von der Hand des
Pfrs. H. Laumans folgender Eintrag : »Am
Gericht sind jetzt (1896) drei Häuser, die
Geschichte ist diese: 1838 baute daselbst
Peter Braun und Gertrud Löhrer das erste
Haus, rechts von Konzen aus (jetzt Haus
Hommes) ; 1858 baute das zweite Haus
zur Linken des Weges Mathias Wilden und
Gertrud Offermann, 1884 baute Johann
Wilden als Junggeselle und heiratete Anna
Böhmer aus Stolberg; sein Haus steht auf
der Stelle, wo früher der Galgen stand,
und darum heißt das Feld mit dem Galgen
heute noch »das Galgenfeld «.
Diese Angaben konnten von sehr alten
Leuten bestätigt werden und entsprechen
sicher der dortigen Entwicklung. Frag lich
ist nur, ob das Haus vom Jahre 1884 genau
auf dem Galgenfeld oder nur in der
Nähe erbaut worden ist.
Daß im Jahre 1850 erst ein Haus am Gericht
gestanden hat, wird bestätigt durch
ein Verzeichnis aller Ortschaften und Einzelsiedlungen
im Kreise Monschau vom 1.
Okt. 1850 (Eremit 22. Jhg., S. 92) , wo es
heißt: »Am Gericht (ein) Wirtshaus«. Dieses
waren also die ersten drei Häuser am
Gericht, die anderen auf Eicherscheid zu
sind nach dem Ersten und dem Zweiten
Weltkrieg erbaut worden und bilden fast
ein neues Dorf in der Nähe des früheren
Ortes Frohnrath.
Leider muß die Frage offenbleiben , ob alle
Hinrichtungen im Monschauer Land dort
oben am »Gericht« vollstreckt worden
sind. Aus den Rentmeister-Rechnungen
ist zu ersehen, daß schon kurz nach 1500
Leute im Turm gesessen sind und auf ihre
Hinrichtung gewartet haben . Es gibt aber
dort keinen Hinweis auf den Ort der Vollstreckung
. Selbst die Rur in Monschau
wird einmal als Ort für die Vollstreckung
eines Todesürteils ger,annt, als im Jahre
1552 eine Wiedertäuferin, Maria von Monschau
, im Wasser der Rur erträn kt worden
ist, nachdem sie trotz aller Ermahnungen
und dem Versprechen auf Freiheit ihrem
nun einmal gefaßten Glauben treu geblieben
und mit dem Namen Gottes· auf den
Lippen in den Tod gegangen ist. (Eremit
15. Jhg., S. 91 ff.)
Die Häuser »Am Gericht«, die seit ältester
Zeit zur Gemeinde und zur Pfarre Konzen
gehört hatten , sind mit Wi rkung vom 5.
November 1925 der Pfarre Simmerath angeschlossen
wo rden .
Das Haus, jetzt Gasthaus Reinartz, ist
während des Kri eges am 5. Mai 1943 ein
Raub der Flamm en und dann im Herbst
1944 wieder dem Erdboden . gleichgemacht
worden , so wie es auch dem ersten
Haus, jetzt Hom mes, damals ergangen ist.
Das Haus Wilden dagegen, mehr auf Simmerath
zu , hat den Krieg mit wen iger großen
Schäden überstanden.
Dann ist durch die Neugliederung der Gemeinden
mit Gesetz vom 1. Jan . 1972
auch der zu r Gemeinde Konzerl gehörende
Teil »Am Gericht« der Gemeinde Simmerath
zugeordnet word en.
Zum Schluß mag noch eine andere Gerichtsstätte
hier genannt sein. Es ist seit
langer Zeit bekan nt, daß der Landesherr
das Entnehmen von Perlen aus der
Schwalm, dem später sogenannten Perlbach,
unter Todesstrafe verboten hatte.
Zur Abschreckung sollen deshalb im Jahre
17 46 Galgen an der Bieley im oberen Perlbachtal
errichtet worden sein, wo auch
heute noch die Bezeichnung »Galgendamm
« bekannt ist. Bestätigt wird das
durch einen Eintrag in dem Erb-Buch III, S.
298 um 1785, wo genannt ist »ein Bend an
der Schwalm oberhalb des (oder der)
Galgen «.
Es ist allerdings nicht bekannt geworden,
ob dort an der Bieley jemand tatsächlich
wegen Raubes in dem fürstl ichen Perlenregal
sein Leben am Galgen hat lassen
müssen.
Damit kann dieses nicht gerade sehr erfreuliche
Kap itel über Todesstrafen und
auch über die Siedlung »Am Gericht«
wohl zum Abschluß gebracht werden mit
dem Hinweis auf einen ausführlichen Beitrag
»Am Gericht« im Mon . Land 1981 , S.
220 ff.
Der Schweizer-Hof
Dieser Hof hat zwar nie zur Gemeinde
Konzen gehört, liegt aber nahe am Gericht,
so daß hier ein paar Notizen folgen
mögen :
1913 ist dort ein Kadaverschuppen einer
Firma in Gemünd errichtet worden ;
1915 hat der Dachdeckermeister Wilh.
Breuer aus Einruhr diesen Schuppen umgebaut
in ein kleines Wohnhaus mit Stall,
etwa 1920 ist es übergegangen an Wilh.
Ritter aus Schmidt, der 1918 zwei Häuser
mit Land in lmgenbroich/Hengstbrüchelchen
von der Familie Müllenmeister gekauft
hatte.
1923 ist es an einen Herrn Wirtz aus Aachen
gekommen, der die bescheidene
Anlage zu einer »Villa« umgebaut hatte mit
höchst auffallenden Erkern und einem hier
völlig unpassenden Baustil und hat ihm
54
den Namen »Schweizer-Hof« gegeben.
Darin ist unten eine Gaststube gewesen
und oben ein paar Mini-Kabausen für intimere
Kom munikations-Möglich keiten, um
mich ganz vorsichtig auszudrücken. 1929
ist auch diese Villa durch eine Versteigerung
übergegangen an ei nen Herrn Emmerich
und 1936 wi eder durch eine Ver-
steigerung an den Landwirt Jos. Koll aus
Eicherscheid, der sehr viel umgebaut und
erneuert hat. Am 17. März 1943 ist das
Haus vö llig durch Feuer zerstört worden,
wobei sogar das gesamte Vieh mit elf Kühen
und zwei Schweinen den Tod in den
Flammen gefunden hat. Nach einem sehr
schnellen Aufbau hat man aber Anfang
Dezember 1943 wieder einziehen können
in das Haus, wie es jetzt steht. Im Kriege
sind zwar eine Menge Schäden entstanden
, die aber mehr die Inneneinrichtung
demoliert haben. Und so wird es jetzt noch
bewohnt von der Familie Wilden, zusammen
mit einem nach dem Krieg gleich
nebenan erbauten neuen Haus.
Der Schweizer-Hof vor dem Brand
55
Die alten Gutshöfe
Der Hardthof
Es wird allgemein angenommen, daß der
Hardthof, jetzt das Gasthaus Huppertz
Schartmann, an der Stelle des karolingischen
Königshofes steht. Eine andere
Stelle, etwa der Lauterbach-Hof, dürfte
nicht für diesen Ursprung in Frage kommen,
da der Hof und die Pankratius-Kirche
auf der römischen Grundlage zusammengehören.
Von dieser römischen Grundlage aus muß
es ja auch eine gewisse Kontinuität der
Bevölkerung bis in die spätere Zeit gegeben
haben, schon des Namens wegen .
Wann dieser Gutshof aber entstanden ist,
kann aus den vorhandenen Unterlagen
nicht festgestellt werden . Man muß auch
annehmen, daß die Familie »von der
Hardt«, die hier im Land eine große Rolle
gespielt hat als Forstmeister, Rentmeister
und Schultheißen, von unserem Hardthof
ihren Namen ableitet.
Ein »Hofesmann« in Konzen ist schon erwähnt
im Jahre 1342, und das könnte der
Herr auf dem Hardthof gewesen sein.
Der Flurname »Hardt« bedeutet eine bewaldete
Höhe oder Kuppe und ist weit
verbreitet; selbst bei uns gibt es die »Jißjes-Hardt«
und im H. Venn die »Kuttenhardt«
und die »Kinktenhardt«.
Als erster ist urkundlich erwähnt ein Johann
v. d. Hardt, der im Jahre 1404 Forstmeister
in Monschau ist und in demselben
Jahr durch den Herzog von Jülich mit dem
Hof Alzenau = Alzen bei Höfen belehnt
wird . Um 1430 ist eine Agnes v. d. Hardt
Meisterin im Kloster Reichenstein.
Ein recht auffallender Mann ist dann Winand
v. d. Hardt gewesen; er war geboren
im Jahre 1510, Rentmeister und Schultheiß
ab 1557 und stirbt zu Ostern des
Jahres 1616, nachdem er drei Frauen gehabt
und überlebt hatte, zahlreiche Kinder
hinterlassen und das respektable Alter von
106 Jahren erreicht hatte.
Die Familie v. d. Hardt hat auch noch andere
Lehnsgüter innegehabt wie Eicherscheid-Huppenbroich,
Menzerath und
Lauscherbüchel.
Urkundlich erfaßt ist unser Hardthof erstmals,
als der Herzog von Jülich am 25.
März 1437 dem Johann v. d. Hardt diesen
Hof als Mann-Lehen überträgt.
Ob der Hof vorher schon als Privatbesitz
bestanden hat oder doch schon von einem
der Herren abhängig gewesen ist, kann
nicht beweisbar gesagt werden .
Über die beiden Höfe Hardt und Lauterbach,
der anschließend bearbeitet ist, be-
findet sich im HStAD ein Paket mit Akten
von ca. 1 250 Seiten = Jülich-Berg, Lehen,
Specialia Nr. 128. Darin wird zu einem
großen Teil gehandelt über die Geschichte
der Familie v. Rolshausen mit
ihren internen Streitereien um die Erbfolge
immer, wenn ein Lehnsträger oder auch
der Landesherr gestorben war, weil dann
eine neue Belehnung erfolgen mußte. So
kommt es, daß wir nicht gerade häufig
etwas hören von der Geschichte dieser
beiden Höfe, aber doch soviel, daß wir den
historischen Ablauf mit hinreichender Genauigkeit
vorlegen können.
Da der Hardthof 1437 ausdrücklich als
Mannlehen bezeichnet wird , heißt das,
daß immer nur ein männlicher Nachkomme
der Lehnsfamilien die Nachfolge antreten
kann . Gelegentlich werden beide Höfe
auch als Reiter-Lehen bezeichnet, was
bedeutet, daß ein bewaffneter Reiter zu
stellen war, wenn der Herzog sich in kriegerische
Dinge verwickelt hatte.
Nach dem Jahre 1437 ist keine Lehnsurkunde
überliefert bis zum Jahre 1527, als
»huprecht (Hubert) Weiter aus Eupen mit
seinen mitgedelingen (Mitinhabern?) als
Lehnsträger« genannt ist; auf dem Rand
der Seite ist vermerkt: »ist bestadt mit
agnes dochter van der hart«. Das bedeutet
aber, daß der Hardthof weiterhin über 90
Jahre in der Hand der Familie v. d. Hardt
geblieben war, auch wenn vielleicht keine
offizielle Belehnung mehr stattgefunden
hatte.
Hier finden wir schon das ganz alte Wort
für heiraten = »bestaade«, das bis vor
etwa zwei Jahrzehnten allein hier für diese
Tätigkeit gebraucht worden ist, leider aber
selbst von ganz alten Leuten durch das
etwas angepaßte Wort »hieroode« verdrängt
ist. Leider!
Es ist dann gekommen das ganz schlimme
Jahr 1543, als der Herzog von Jülich im
sogenannten Geldrischen Erbfolgekrieg
gegen den Kaiser unterlegen war und die
kaiserlichen Truppen das Monschauer
(und auch das Dürener) Land erobert und
teilweise zerstört haben. Neben dem völlig
zerstörten Kloster Reichenstein sind Stadt
und Burg Monschau stark beschädigt, die
herzoglichen Höfe und Mühlen verwüstet
oder zerbrochen worden.
Bei dem Hof Hardt wird ausdrücklich erwähnt,
daß er »verbrannt und verdorben «
gewesen sei. Dem Lauterbachhof dürfte
es nicht viel besser ergangen sein.
Daraus können wir wohl den Schluß ziehen
, daß der Hubert Weiter aus Eupen ,
aus einer gehobenen Familie dort stammend,
nicht mehr viel Interesse an diesen
Höfen gehabt hat, da sie ih n zu gewaltigen
Ausgaben verpflichtet hätten. So kommt
es, daß der Herzog diese beiden Höfe
seinem neuen Amtmann in Monschau,
dem alten Freund und Berater, dem Freiherrn
Christoph von Rolshausen überträgt
am 28. August 1548 = wird belehnt der
Frh. v. Rolshausen mit dem »hbf uff der
hardt. «
Chr. v. Rolshausen war seit den Zerstörungen
des Jahres 1543 als Amtmann hier
tätig und hat sich um den Wiederaufbau
usw. die größten Verdienste erworben. Er
hat z. B. dafür gesorgt, daß die Vorräte an
Hafer, die auf den großen Speichern der
Burg lagerten, den geschädigten Leuten
ausgeteilt wurden zur Behebung der größten
Not.
Im Besitz der Lehnshöfe hat Chr. v. Rolshausen
auch bald angefangen, hier in der
Gegend einzelne Grundstücke aufzukaufen
zwischen den Jahren 1546 und 1550,
so daß wir dadurch eine Reihe von Flurnamen
erstmals schriftlich festgehalten
sehen.
Diese Grundstücke sind aber Privatbesitz
des Freiherrn geblieben und gehörten
nicht etwa zum Hardthof, haben auch später
keine Rolle mehr gespielt.
Christoph v. Rolshausen stirbt im Jahre
1588 wahrscheinlich im hohen Alter von
100 Jahren, und der gleichnamige Sohn
wird in diesem Jahre 1588 mit den Höfen
belehnt, dann ein zweites Mal im Jahre
1596 nach dem Tode des Herzogs von
Jülich. Christ. II. stirbt im Jahre 1617, und
neue Lehnsträger der beiden Höfe Hard!
und Lauterbach sind geworden gemeinsam
die Söhne Otto Reinhardt und Marsilius
im Jahre 1622.
Erst im Jahre 1672 wird erneut eine Belehnung
angestrebt von den Brüdern Christophorus,
Otto Reinhardt und Felix Friedrich
v. Rolshausen. So wird es zwar 1676 genehmigt,
aber erst am 20. Sept. 1681 vollzogen.
Im Jahre 1665 berichtet Marsilius
v. R., daß er im Jahre 1664 mit Harnisch
und Pferd zur Musterung in Berchheim
(Bergheim) erschienen sei. Das muß mithin
auch zu den Pflichten gehört haben ,
die auf einem Mannlehen liegen._
Im Jahre 1696 geht es um ein »Pann
Haus« = ein Haus mit einer Brau-Pfanne,
also ein Brauhaus = ein »Bröijes« nach
unserem Sprachgebrauch, das irgendwie
in die Akten des Hardthofes gekommen
ist, als wenn es auch ein kleines Lehnsgut
wäre. Trotz eifriger Nachforschungen aber
in Düsseldorf und beim Amtmann in Mon-
56
schau kann über diese kleine Brauerei,
»vor der Konzener Kirche gelegen «,
nichts festgestellt werden. Es dürfte sich in
Wirklichkeit um das Pann-Haus bei dem
Küster Gerhard Offermann gehandelt haben,
späteres Haus der Schöffen Schreiber,
uns noch bekannt als das Haus a
Neikens, wo ein Pann -Haus tatsächlich
schon im Jahre 1665 nachgewiesen werden
kann , das erst im letzten Krieg zerstört
worden ist.
Am 21. März 1705 ist dann belehnt worden
Christoffel Friedrich von Rolshausen,
und nun gibt es - Gott sei Dank für uns -
große Streitereien wegen der Einnahmen
der beiden Gutshöfe ab 1702 durch die
Wwe. Freifrau v. R. in dem Schloß Türnich
bei Köln, das durch Heirat mit der alten
Adelsfamilie v. Pal ant in die Familie v.
Rolshausen gekom men war. Da wird nun
später vorgerechnet, daß diese Witwe von
1702 -1716 insgesamt 3375 Reichsthaler,
und das sind jährlich 225 Thaler, an
Einkommen bezogen habe.
Vom Hardthof allein sind das jährlich gewesen
:
50 Pfd. Butter = 5 Rthlr.,
115 Rthlr. in bar,
2 Rinder = 3 Rth lr.
18 Holzfahrten = 18 Rthlr. und das alles
laut Pachtzettel.
Hier folgen auch gleich die Abgaben des
Hofes Lauterbach:
25 Pfd. Butter = 2 Rthlr. und 40 alb, (1 /2
Rthlr.)
62 Rthlr. in bar,
1 Rind = 1 Rthlr. und 40 alb.
18 Holzfahrten = 18 Rthlr.
Für beide Höfe zusammen also 225 Rthlr.
zu zahlen durch den jeweiligen Lehnsinhaber.
Das sieht für uns heute wie eine
recht geringe Abgabe aus; wir müssen
Der Hardthof dreistöckig noch mit altem Verputz
aber wissen, daß in den Jahren
1705 - 1710 eine Kuh 10 Rthlr. gekostet
hat, wie aus dem Memorialbuch (Gedenkbüchlein)
des Pfrs. Merkelbach hervorgeht.
Für die 225 Rthlr. hat man damals
also etwa 22 Kühe kaufen können , und so
wird verständlich , daß die Familie v. Rolshausen
sich so eifrig um jede Neubelehnung
bemüht hat. In demselben Jahr 1717
erhalten wir auch ein Verzeichnis über die
Ländereien des Hardthofes wie folgt:
Der Hof mit Garten usw. über die »Neull«
(unbekannt) bis an den Leichenweg = 60
Morgen,
die Flätz (Flötz) über den Lauffen samt
dem Loch bis an das Erb auf Aderich = 8
Morgen,
Ackerland vom Loch langs die Aderichsgaaß
und die Fewrbachsbenden = 8
Morgen,
vom Leichenweg bis an den Ginster (der
Kopf auf der Hardt) = 16 Morgen,
die Ginsterfelder zusammen = schlecht=
20 Morgen,
die Naßen-Benden = 6 Morgen,
das Bendchen Ellenbroich = 2 Zehntel?
»Summa hoeff harth ahn Erb (Grundstükken)
zusammen 120 Morgen zu 180 Ruthen
« (180 Ruthen = 1 Morgen).
Gleich danach sind die Grundstücke des
Hofes Lauterbach angegeben mit zus. 96
Morgen, so daß auch daraus die geringeren
Abgaben zu erkennen sind. Das alles
ist auf Befehl des Schultheißen Johann
Wilh. Bewer ausgemessen, unterschrieben
zu Konzen am 27. April 1717 durch
Joh. Schreiber, Schelfen, Gerhard Offermann
, Schelfen und Joh . Lauterbach,
Landmesser.
Danach ist auch der Hof Lauterbach genau
aufgelistet, so daß wir endlich den Bestand
erfahren haben, der sich bis zu den Verkäufen
der Jahre 1808 und 1811 kaum
noch verändert hat.
1729 und 1733 wird auch über die Gebäude·
berichtet des Hardthofes wie folgt:
(stark gekürzt)
Das Wohnhaus inwendig gut, wie der Augenschein
zeigt, das Leydag (Dach) erfordert
Reparaturen, auf dem Backhaus ist
ein gutes Strohdach, die Mauer daran an
einigen Stellen geborsten, die Scheuer auf
Monschau zu in gutem Dachwerk, nach
dem Hofe zu muß repariert werden, die
Scheuer inwendig muß mit Holz unterbaut
und verbessert werden . Das war im Jahre
1729; am 4. Juni 1733 berichtet der
Schultheiß, daß die Reparationen nicht
durchgeführt seien und daß Holz vom Lauterbachhof
zur Reparation des Hardthofes
verwandt worden sei. (Näheres beim Hof
Lauterbach) .
Nach diesem Bericht hier muß es auf dem
Hardthof mehrere Scheunen gegeben haben
. Leider erfahren wir nichts über die
Größe des Wohnhauses, ob es schon die
drei Stockwerke gehabt habe, die doch
kaum noch nach dem Verkauf an Privat im
Jahre 1811 hinzugefügt worden sind . Vielleicht
waren oben die Schreibstuben für
die Forstverwaltung .
Am 19. Jan . 1733 sind Christoph Adolph v.
Rolshausen zu Türnich und seine ehelichen
männlichen Erben mit den Höfen
Hardt und Lauterbach belehnt worden.
Nach dessen frühzeitigem Tod am 20.
Dez. 1739 wird als Nachfolger eingesetzt
am 16. Juni 1740 der älteste Sohn Ludwig
Carl und endgültig belehnt am 16. Juni
1741.
Carl Ludwig stirbt am 31. Jan . 1790, und
am 30. Mai 1792 wird belehnt der älteste
Sohn Maximilian, mit dem die Reihe der v.
Rolshausen in Konzen abgeschlossen
wird.
Bei einem neuen Eintrag über die Größen
der Höfe im Jahre 1778 war der Hardthof
mit 80 Morgen und der Hof Lauterbach mit
gut 50 Morgen angegeben worden. Nach
der Kritik aber aus der Regierung in Düsseldorf
erscheinen die richtigen Größen
mit der Entschuldigung, daß die Pächter
solche Dinge immer geringer anzugeben
pflegen , woh l um die Pacht zu drücken.
Daraus ist doch wohl der Schluß zu ziehen,
daß der Lehnsträger die Höfe kaum
gekannt hat, wohl aber die Einkünfte sehr
genau einzuziehen gewußt hat.
Eine brutale Aktion hat sich 1729 auf der
Hardt abgespielt, als der Forstmeisterei
Verwalter Stoltzen von einer Karre Hafer
den Zehnten verlangte, den er (Stoltzen)
von der Kirche gepachtet hatte. Der Merlen
L'allemand, Sohn des Pächters Toussaint
L'allemand , hat sich entschieden dagegen
gewehrt, bis der Stoltzen ihm mit
der Flinte auf den Leib gerückt ist und
Pferd samt Karre und Hafer in den Pfandstall
(wohl auf der Burg in Monschau) abgeführt
hat. Nach langen Streitereien sind
Pferd und Karre zwar zurückgekommen,
aber mit so hohen Kosten für Unterbringung
und Verpflegung belastet, daß sie
den Wert merklich überstiegen haben. Wir
57
sehen aber daraus, daß diese Lehnshöfe
nicht der allgemeinen Steuer unterlagen,
sondern nur die Pacht und einen bewaffneten
Reiter im Ernstfall zu zahlen bzw. zu
stellen hatten.
Nachdem der Lauterbach-Hof schon 1808
durch Maximilian v. R. in seinen Einzelteilen
verkauft war, schlägt dem Hardthof die
Stunde am 29. Juni 1811.
Der Verkauf geschieht durch den Notar
Ürlichs in Monschau mit den Nr. 1078 und
1079 auch im HStAD. Es unterschreibt der
Maxim. v. Rolshausen, wohnhaft in Türnich,
darunter als Zeuge der Jean Hubert
Steinröx, dann der Geometer Hilgers und
der kaiserliche Notar (Franzosenzeit) Ürlichs.
Zunächst sind ausführlich die Bedingungen
angegeben und sollen in beiden
Sprachen verlesen worden sein, wie H.
Laumans berichtet. Der ganze Vertrag in
franz. Sprache umfaßt 21 Seiten und ist z.
Teil nur schwer zu entziffern.
Die Gebäulichkeiten werden versteigert
mit Ausschluß der Möbel , des großen
Kessels am Feuer und des Ofens in dem
kleinen Zimmer. Das GaAze wird aber eingeteilt
in zwei Lose, da ein solcher Komplex
für einen kleineren Landwirt viel zu
groß gewesen wäre, geht aber dann doch
nur in eine Hand. Auffallend ist ein großes
Einfahrtstor, von dem später jedoch nichts
mehr bekannt wird. Es gehört auch dazu
eine Wiese = »Flitzbenden « (Vlötz) von
76 ar anstoßend an die Kirche, und genau
diese Wiese am Friedhof gehört heute
noch zum früheren Hardthof. Es ist auch
eine Karte mit allen Grundstücken vorhanden
gewesen, leider aber nicht in die Notarakten
gekommen.
Der ganze Gebäudekomplex wird ersteigert
durch den Michel Huppertz (Hardt
Mechel) für die Summe von 1806 frcs. mit
Einschluß der genannten Wiese am Friedhof.
Das scheint wie immer sehr wenig zu
sein, ist aber damals eine recht große
Summe für einen Bauern aus dem Do rf.
Michel Hubertz, wie er selbst unterschreibt,
hat diese Summe aber schon
bald ganz bezahlt, wie aus einer Notiz in
Türnich bestätigt wird.
Als nächstes wird versteigert ein Haus mit
boulangerie = Backhaus und Garten dicht
an dem großen Wohnhaus gelegen und
zur Hälfte beteiligt an dem Mauerwerk des
Eingangstores, ersteigert durch den Jean
Allemang, Tuchscherer aus Konzen, für
ganze 360 frcs . Diese geringe Summe
deutet auf einen sehr schlechten Zustand
des Hauses mit Backhaus ; es ist das Haus
jetzt Geschwister Palm mit Anschluß an
das Haupthaus durch den Torbogen.
Dann werden versteigert von der großen
Flur Großginster, wie der ganze Hardtkopf
hier genannt wird, 26 Grundstücke mit zusammen
76 Morgen; dann 13 Grundstükke
an der »adris Gaß« mit zus. 24 Morgen,
dann 7 Grundstücke = Flitzbenden = an
der Vlötz mit zus. 11 Morgen, dann 5
Grundstücke = Nasser Bend mit 6 Morgen
und alles, was zum Hofgebäude ge-
hört mit dem Grundstück am Friedhof = 3
Morgen und ergeben zusammen 121 Morgen
und 2 Viertel, was wieder fast genau
der Aufstellung vom Jahre 1717 entspricht.
Eine Parzelle von 66 ar angrenzend an das
Wohnhaus und mit einer jährlichen Rente
von 4 Gulden an die Kirche ist gegangen
an den Gerhard Müllenmeister jun. und
. könnte das Grundstück mit dem späteren
Haus Fritz Krings hinter dem Hardthof gewesen
sein. Zu bemerken ist auch eine
Flur mit Namen »Pferdweyde« von 19 ar
und von einer lebenden Hecke umgeben
für 120 frcs . Da auf der Hardt früher keinerlei
Hecken vorhanden gewesen sind,
dürfte diese Wiese anzusetzen sein hinter
dem Haus Geschw. Palm und hätte dann
die Grenze gehabt zu einem Grundstück
»Kinenhoff«, später »Kingenhöff« = jetzt
Königshof, von dem es ausdrücklich in
den Akten heißt, daß es an des »Herrn v.
Rolshausen Grundstück« anstößt. Um
zum Abschluß zu kommen , hier nur noch
die Namen und meistens die Berufe der
Käufer:
Michel Huppertz, Landwirt = Haupthaus
Gerhard Müllenmeister, Landwirt = mehrfach
u. G. M.meister, jun.
Hubert Call
Joh. Peter Huppertz, Landwirt
Herr Pierre Isaac, maire = Bürgermeister,
lmgenbroich
Stephan Zimmermann, mehrfach,
Landwirt
Jean Rosenwick, Landwirt = mehrfach
Nicolas Claßen , Weber, mehrfach
Jean Pierre Schmitz, jun. , Tuchscherer
Michel Reinartz, Landwirt, mehrfach
Guillaume (Wilhelm) Sehartmann , Küster
Jean Roder
Michel Steffens, Tu chscherer
Heinrich Linnartz, Landwirt
Arnold Call, Landwirt
Peter Weißhaupt, Tagelöhner
Peter Effelberg, Tuchscherer
Paul Steffens, Landwirt
Arnold Erkens, Fuhrmann
Johannes Huppertz
Math. Voell, Landwirt
Theodor Huppertz
Johann Roder
Jean Allemang, Tuchscherer
Leonard Schmitz, Tuchscherer
Franz Peter Mertgens, Tu chscherer
lmgenbroich
Gerard Schmitt, Tagelöhner
Anton Schmitz, Fuhrmann
Leonard Call, Tuchmacher
Jean Steffens, Landwirt
Jean Gerard Schmits u. Heinrich Jung,
eine Parzelle zusammen
Johannes Reinhartz ,- Landwirt
Es bleibt noch festzuhalten , daß alle Käufe_r
ihre Unterschrift hingekrakelt haben bis
auf zwei Leute, die sich vornehm mit einem
Kreuzchen begnügt haben .
Außerhalb dieser Versteigerung ist ein
weiteres Haus verkauft worden an demselben
Tag auch an den Michel Huppertz
für 644 frcs und 10 % Aufgeld. Und das ist
das spätere Haus Kleiner gewesen gegenüber
dem Hardthof, das also schon unter
der Hand den Besitzer gewechselt hatte.
(E. H.V. 8. Jhrg. S. 27, Anmerkung 9.)
In den Steuerakten sind gelegentlich
Pächter des Hardthofes genannt, aber immer
nur mit den Vornam en wie etwa »Peter,
Halffe oder Halfmann oder Hofmann
auf der Hardt, ohne daß wi r den Familiennamen
erfahren , so wie es auch beim Hof
Lauterbach der Fall gewesen ist.
Erst durch die Kirchenbücher finden wir
um 1710 einen Pächter mit Namen Förster
und dann den Jan Kirch, wohl aus Höfen
oder Rohren , der am 2. März 1725 gestorben
ist als »villicus auf der Hqrt« = Gutspächter.
Ihm ist nachgefolgt der Toussaint L'allemagne
= der Deutsche, der als letztes
Kind einer ganzen Reihe am 3. Juli 1726
die kleine Maria Joanna in Konzen taufen
läßt. Die Familie L'allemagne hatte ihren
Ursprung in der Gegend von Malmedy/
Xhoffraix und war in einem Teil nach Eupen
gekommen. Auch die Mutter der kleinen
Maria Joanna = Cathr. Münsters entstammte
einer Eupener Familie. Daß der
Name L'allemagne in unseren Büchern
und Akten in völlig verschiedener Weise
geschrieben worden ist bis hin zum »Lallmann
«, braucht nicht zu wundern.
Der Sohn Peter L'allemagne mit seiner
Frau Johanna Weishaupt, Heirat in Konzen
am 28. Mai 1732, ist der erste Bewohner
des Gebietes von Hattlich gewesen. (Mon.
Land 1985 S. 33 ff. die Geschichte des
Gebietes Hattlich). Toussaint L'allemagne
(alle Heiligen = später Familienname) ist
gestorben im Jahre 1743, und der nächste
Pächter ist der Arnold Müllenmeister, der
am 27. Apri l 1769 plötzlich am Reinartspfad
gestorben ist, wo heute noch ein
öfters erneuertes Kreuz steht für diesen
»Burgvogt« (Pächter und Verwalter) von
Konzen . Nachfolger wird nun der gleichnamige
Sohn Arnold M.meister, der gestorben
ist, als »Aret Müllenmeister, Caelebs
(Junggeselle) und villicus in hardt«
am 12. Dez. 1796.
Wer danach bis zum Verkauf im Jahre
1811 Pächter gewesen ist, war aus den
Bergen von Akten nicht zu ersehen.
Michel Huppertz nun, der Käufer des großen
Hardthofes und des gegenüber liegenden
Hauses, das später in andere
Hände übergegangen ist, erscheint im Ort
nur noch unter dem Namen »Hardt-Mechel«.
Er war 1774 geboren und hat am
29. Juni 1810 die erst 20 Jahre alte Anna
Maria Mohr geheiratet und wird mit einer
großen Zahl von Kindern gesegnet, wie
das bis vor etwa 100 Jahren durchaus
noch üblich war. Am 24. 12. 1816 wird
geboren die Anna Maria, die am 29. 7.
1842 heiratet den Matthias Wilhelm
Sehartmann aus Rott und auch etliche Kinder
zur Taute bringen kann. Darunter sind
einige Söhne, die aber nicht heiraten und
58
im Haus bleiben , wie das früher auch gar
nicht so selten gewesen ist. Einer davon
soll in einem Raum im obersten Stockwerk
sogar geschreinert haben. Es heiratet nur
der Michel Sehartmann, der aus zwei Ehen
aber auch nur Töchter bekommt und am
13. 2. 1928 gestorben ist.
Die Tochter Helena heiratet den Hubert
Huppertz, aber au s der Lin ie Huppertz
Marxe, so daß der Name Huppertz in dem
Gasthaus erhalten bleibt, aber nicht aus
der Linie des Hardt-Mechel.
Da es in Konzen mehrere Gasthäuser
Huppertz gegeben hat, ist der Name der
Frauen zur Unterscheid ung hinzugesetzt
worden , so daß der Famil ienname Sehartmann
in dem Gasthaus erhalten geblieben
ist.
Die jetzige Gaststube ist als kleiner Saal
im Jahre 1914 ang ebaut worden, nachdem
das Gasthaus schon etwa 50 Jahre fort
bestanden hatte, aber nur in dem normalen
Wohnzimm er, wie auch das früher üblich
war z.B. auch in dem früheren Gasthaus
a Scheffen s, später Haus Neiken.
Vor längeren Jahren ist das in unserer
Gegend so auffallende dreistöckige Steinhaus
mit einem modernen Putz überzogen
und dadurch sicher »verschönert« worden.
Le ider! Und damit können wohl diese
knappen Ausführungen über den mehr als
500 Jahre alten Gutshof auf der Hard!
beschlossen werden.
Der Hof Lauterbach
Auch der Ursprung und Anfang dieses
Hofes liegen im dunkeln. Der Konzener
Ortsteil Lauterbach ist schon 1369 urkundlich
belegt und muß folglich bewohnt gewesen
sein.
Von dem Lehnshof Lauterbach aber hören
wir zuerst im Jahre 1481 in dem Jülicher
Mannlehnsverzeichnis, als »den Hof, Erb
und Gut Lauterbach im lande Montjoie
gelegen mit seinem Zubehör hat Heinrich
van Berge empfangen «; aber es ist noch
nicht gesagt als Mannlehen.
Die nächste Belehnung findet statt am 21.
7 . 1525, als Reinhard van Berge, Sohn
Heinrichs van Berge, den Hof Lauterbach
als Mannlehen empfangen hat.
Und nochmals wird Reinhard van ·Berge
mit dem Hof »luyterbach« belehnt im Jahre
1541 , bestätigt am 14. Dez . 1541.
Die Familie van Berge ist schon recht lange
in unserer Gegend bekannt, so ca .
1 270 = R. Nolden S. 277 und in einer
Urkunde der Schönforster im HStAD Nr.
4 2, als »Johann van Berge« am 1 6. März
1394 erwähnt.
Im Jahre 1548 geht der Hof Lauterbach
von Reinhard van Berge und seinem
Schwager Claude von Lasche! an Christ
oph v. Rolshausen wie auch der Hardthof
von der Familie Weiter aus Eupen und
hat dann seine weitere Geschichte gehabt
parallel zu dem Hardthof in der Fami lie von
Rolshausen.
Daß der Lauterbachhof nicht allein dort in
dem Ortsteil Lauterbach gelegen war, beweist
ein Aktenvermerk in der großen Akte
über den Hardt- u. den Lauterbachhof,
(Vol. 1, S. 228) als »Christoph v. Rolshausen
einen Morgen Lands gekauft hat an
seinen Hof zu Lauterbach von Hutten
Theißges Jann, auf welchem derselbe
Jann ein Haus aufstehen hat«, Juni 1549.
Auch die Pächter dieses Hofes sind zunächst
nicht mit Namen genannt; so haben
wir 1556 und 1561 nur genannt »des Amtmanns
Halffen zu Lauterbach «, 1591 in
dem Forstgericht »den Jasper, des Halffen
Sohn zu Lauterbach , bestraft mit 1 Gld.«.
1657 ist genannt der Matheiß Mathiae ;
1683 hat Claeß Forste r, Halffmann des
Haffs Lauterbach ein Kapital von 35 ½
Thaler von der Konzener Ki_rche geliehen .
Dann finden wir noch den Claß Reinartz
und 1731 und 1733 des Claß Renartz
Wwe. Catharina Reinartz, von der es heißt:
»Die gegenwärtig anwesende Lauterbach
'sche Halbwinnerin Cath . Reinartz«, obwohl
der Pächter Th . Allmang schon 1731
als »Pächter und Aufseher zu Hard! und
Lauterbach « genannt ist. Vielleicht ist mit
Cath . Reinartz auch nur die frühere Pächterin
gemeint gewesen.
Über die Lage, die Größe, die Flurstücke
und die Abgaben usw. ist genau wie bei
den anderen Höfen nichts bekannt bis zu
dem für uns glücklichen Jahr 1717, als die
Abgaben für die Höfe Hardt und Lauterbach
aufgeschlüsselt sind:
Der Hof Lauterbach:
in bar
62 Rthlr.
25 Pfund Butter
2 ½ Rthlr.
1 Rind
1 ½ Rthlr.
18 Holzfahrten
18 Rthlr.
zusammen = 84 Reichsthaler
Dann die Grundstücke:
Haus, Hof, Garten und das Erb
(Grundstück) hinter dem
Haus bis Aweyer = zus.
Das Erb in Awayer
Das Erb im Kahrweg
Das Erb auf/ Fron enpatt
(bei lmgenbroich)
Die Ginsterfelder = zus.
= schlecht
Die Benden am
Heppenbüchel zus.
• Das Erb auf/ Krausbüchel
Das Erb am foeßborn
11 Morgen
10 Morgen
7 Morgen
6 Morgen
27 Morgen
2 Morgen
7 Morgen
(Fuchsborn)
6 Morgen
Die Lauffenbenden = passabel 1 Morgen
das Übrige nichts nützig • 3 Morgen
Das Haßen bendchen =
nichts nützig
3 Morgen
Der Bend am weyer
(am Tiefen Weiher)
= nichts nützig
5 Morgen
Der Bend am Hoppenbroch 2 Morgen
Theiß Läger unterm
Reinharth = nichts nützig 7 Morgen
Zusammen = 96 Morgen, wovon über 40
Morgen als schlecht oder sogar als »nichts
nützig « angegeben sind.
Der Hof Lauterbach, Belehnung des Jahres 1541 , Text in Hochdeutsch: Im Jahre 1541 hat Reinhart
van Berge von unserem gnädigen Herrn Herzog Wilhelm von Jülich zu Mannlehen empfangen den
Hof, Erb und Gut, geheischen = genannt - Lauterbach im Land Monschau gelegen.
59
Die beiden Höfe Hardt und Lauterbach
sind auch stets vermerkt in den Abrechnungen
der Rentmeister mit der doppelten
Abgabe wie die kleinen Leute hier. Aber!
1725/1726 steht der Lauterbachhof in der
Abrechnung mit dem Wort »ledig «. Im
nächsten Jahr ist eine halbe Abgabe berechnet,
und es steht am Rand das Wort
»im Aufbau «. Dann aber ist kein Wort
mehr in den Steuerrechnungen oder auch
im Kirchenbuch vom Lauterbach-Hof zu
finden , wo noch 1796 der »villicus (Gutspächter)
auf der Hardt« als gestorben eingetragen
ist.
Auch über die Zustände erhalten wir genaue
Auskunft in dem Aktenpaket im
HStAD, Val. 1. S. 248 u. 248a. Darin ersehen
wir, daß der Schultheiß von Monschau
am 9. Juli 1728 den Auftrag bekommen
hat, diese beiden Höfe in Konzen genau
zu besichtigen und Bericht zu erstatten.
Diese Besichtigung hat stattgefunden unter
Hinzuziehung glaubwürdiger Zeugen
am 30. Mai 1729 und zeigt über den Hof
Lauterbach den folgenden Zustand: Es
gibt keinen Halbwinner daselbst, nur die
Wwe. eines Martin Schreiber bewohnt
noch die »zugehörige Wohnbehausung «,
hat den nächstgelegenen Garten und das
Grashöffchen (Hauswiese) und zahlt als
Pacht 4 ½ Thaler; das Dach über dem
Haus ist ganz und gar unterwohnt, ruinös
und schlecht, und bei nicht baldiger Reparation
dürfte das Gebäude samt dem Dach
einfallen; die Scheune ist schon abgebrochen
wie auch das Backhaus, das ohne
Dach steht und von dem nur noch die
beiden Seitenwände und der »G iffel «
(Giebel) steht; die Ländereien sind nicht
im Gebrauch (eines Pächters) , sondern
werden den Untertanen morgenweise,
Stück vor Stück verpachtet; der Pächter T.
Alleman (vom Hardthof) hat die Aufsicht.
Im übrigen ist das Gehölz (Holzwerk) von
Scheune und Stallungen für die Reparatur
des Hardthofes verwandt worden . Der damalige
Lehnsträger Friedrich v. Rolshausen
zu Salzboden hat schon im Juli 1722
beantragt, die beiden Höfe verkaufen zu
dürfen und hat somit keinerlei Interesse
mehr daran gehabt, so daß der Verfall des
einen Hofes durchaus zu erklären ist.
Von den noch rückständigen Beträgen der
Pacht sollen aber große Reparaturen
durchgeführt werden, wobei über 300
Rthlr. verfügbar sein sollen. Das aber zieht
sich hin noch bis zum Jahre 1735, wobei
offenkundig wird, daß von diesen Geldern
nur der Hardthof repariert worden ist und
folglich von einem Gutshof Lauterbach
nicht mehr gesprochen werden kann.
Als letzter Lehnsträger der Höfe Hardt und
Lauterbach war 1791 Maximilian v. Rolshausen
eingesetzt. Der Verkäufer der Höfe
ist nicht dieser Lehnsträger von 1791 ,
sondern sein Neffe gleichen Namens, da
ausdrücklich vermerkt ist beim Verkauf
des Hofes Lauterbach, daß der Onkel Maxim.
v. Rolshausen in Nothberg verstorben
sei, ohne ein Testament zu hinterlassen
und sein Neffe, in Türnich lebend, der
rechtmäßige Nachfolger sei. (Dieser zweite
Maxim . v. Rolshausen ist natürlich dann
auch der Verkäufer der Güter Hardt 1811 ,
Lauscheiderbüchel 1811 und Stillbusch
1814.) Ein Grund für diese Verkäufe dürfte
in der Franzosenzeit damals zu sehen
sein, als die außerordentlich hohen Requisitionen
auch an Geld durch die Franzosen
mit Vorliebe auf die großen Güter und das
Kloster Reichenstein umgelegt worden
sind.
Der Verkauf findet statt am 30. Juni 1808
durch den kaiserlichen Notar Conrad Henry
Eßer in Monschau Nr. 127 mit einem
Aktenstück von 21 Seiten in französischer
Sprache. Neben dem Notar ist schon tätig
gewesen der arpenteur = Landmesser
Hilgers, dem wir 1811 auch auf dem
Hardthof begegnen. Die Seiten 1-6 enthalten
die Verkaufsbedingungen, wobei nicht
nur die Bezahlung der einzelnen Parzellen
, sondern auch die »Gerechtigkeit« der
Zufahrt einzelner Grundstücke an die
nächste Wegeverbindung festgelegt ist,
wie das auch heute noch bekannt ist, welches
Grundstück die »Jereetechkeet« hat
über welches Grundstück zu fahren , wenn
es nicht unmittelbar an einem fahrbaren
Weg gelegen ist.
Es sind also verkauft worden:
die Senden am Weyer (Deeve Weijer)
ein Stück Land = Heppenbüchgen
Heppenbroicher Senden .
Der Hof, genannt Lauterbacher -Hof, mit
Wohnhaus und Nebenanlagen und einem
Stück Land von 78 ar an den Ackersmann
Peter Lauterbach aus lmgenbroich für
1440 frcs.
Derselbe kauft ein weiteres Grundstück
von 72 ar auch zu dem Hof gehörend für
228 frcs.
Dann folgen noch zwei weitere Grundstücke
am Lauterbacher Hof, die an einen
Peter Gallenberg und Paul Steffens aus
Konzen gehen.
Nun kommen die Ginsterfelder, die an
acht Käufer gehen.
Dann ein Stück Land am Frohnenpatt (in
lmgenbroich), das gelegen ist an dem sogenannten
»Trinckhöven « (Tränk?) , dann
ein zweites Stück am Frohnenpatt und ein
Stück Land, genannt »Hasenbend «, ein
Stück Land , genannt Vasborn (Fuchsborn?)
, und dazu ein weiteres Stück am
Vasborn; ein Stück Land am sogenannten
Krausbüchel und dazu noch ein zweites
Stück Krausbüchel und nun der Laufenbachs
Send in einer Größe von 1 ha und
43 ar und geht an den Friedensrichter
Herrn Joseph de Berghes in Monschau ;
und das dürfte das Stück Land sein, auf
dem nach 1830 die Laufenbachs-Mühle
errichtet worden ist. ..
J. de Berghes hat dieses Stück Land gekauft,
weil ihm ohnehin der Hof Staffelbusch
mit dem großen Weiher gehörte.
Ein Stück Land »Ohvyeyer« = drei Hectar
gehen an den Gerhard Müllenmeister für
2169 frcs., und das ist weit mehr als 1811
der ganze Hardthof mit den Gärten und
dem Grundstück an der Kirche erbracht
hat. Diese zwölf Morgen Ohweyer dürften
genau die sauber abgeteilten Grundstücke
sein , die später in den Besitz der Konzener
Kirche gelangt sind, worüber teilweise
auch Unterlagen im Pfarrarchiv vorliegen.
Es kommen nun vier Grundstücke am
Kahrweg und zuletzt das große Grundstück
Theislager beim Reinartz Hof, das
auch schon 1717 zu diesem Hof gehörte,
in der Größe von zwei ha und 70 ar; es
wird als ganz »steril«, also unfruchtbar bezeichnet
und erreicht den »stolzen« Preis
von 60 frcs.
Die erzielte Summe beträgt 12 211 frcs.
und ist in etwa dieselbe Größe, wie sie um
dieselbe Zeit mit 13 100 frcs. tü r das Kloster
Reichenstein ohne die Höfe Ruitz und
Bredtbaum erzielt worden ist.
Hier noch die Namen der Käufer, soweit
sie noch nicht genannt sind, die fast alle
ihre - wenn auch meistens sehr bescheidene
- Unterschrift geleistet haben. Bemerkenswert
die Unterschrift des Peter
Lutterbach, der den Hof gekauft hat =
»better lutterbach «.
Es haben also gekauft:
Mathias Werker, Mathias Schmitz, Mathias
Beuel, Gerhard Förster, Eicherscheid, Valentin
Förster, Eicherscheid, Christian Arnold
Offermann, Ackersmann und Tuchfabrikant
aus lmgenbroich, Hubert Scheid!
aus Huppenbroich, Peter Carl aus Eicherscheid,
Arnold Müllenmeister, Peter Gallenberg,
Arnold Erkens, Peter Schmitt, Peter
Strauch aus lmgenbroich, Theodor
Knein, Schneider aus lmgenbroich, Hubert
Isaac aus lmgenbroich, Johann Mathias
Müllenmeister, Cath. Reinartz, Wwe.
des Theodor Huppertz, Peter Isaac, lmgenbroich,
Philipp Werner, Tuchfabrikant
aus lmgenbroich, Paulus Mertens, lmgenbroich
, Johannes Rosenwick. Ein weiteres
Stück am Kahrweg ist gegangen an Nicolas
Cloeßgens (wohl Claßen) für 1440
frcs ., hat aber nur die Größe gehabt von 66
ar.
Es bleibt die große Frage, ob das Wohnhaus
des Hofes, das zus. mit dem Grundstück
von 78 ar und mit den daranhängenden
Gebäuden (dependances) für 1440
frcs. das eigentliche Gebäude des Hofes
gewesen ist oder nur ein Nebenhaus, wie
wir sie beim Hardthof gesehen haben. Es
kann aber auch nicht das halbverfallene
Haus von 1729 gewesen sein, wenn es
nicht doch wieder ganz oder teilweise aufgebaut
worden wäre, vielleicht von einem
späteren Lehnsträger. Daß es kein halbverfallenes
Haus gewesen ist, beweist der
verhältnismäßig hohe Preis, der etwa 1100
frcs. gewesen sein muß, wenn wir das
zugehörige Grundstück von 78 ar mit etwa
350 frcs. rechnen wollen. Die dort auch
genannten »dependancen« müssen dann
doch noch irgendwelche Stallungen und
Scheunen oder wenigstens Schuppen gewesen
sein, wie sie zu jedem Bauernhaus
gehören. Oder sollte der »better Lutter-
60
Das alte Haus Strubershof-Schütt wohl aus dem Jahre 1792
bach« oder ein Nachfolger das Haus ganz
neu aufgebaut haben? Es ist auf jeden Fall
das Haus gewesen, das bis 1920/21 als
ein ganz bescheidenes Bauernhaus von
dem damaligen Eigentümer Johann Weishaupt
in der heutigen Form als bäuerliches
Fachwerkhaus mit Wohn haus, Stall und
Scheune errichtet worden ist. Wenn wir all
das voraussetzen wollen, müßten die
schon 1729 abgebrochenen Stallungen
und Scheune in der Mulde gelegen haben,
die jetzt von der Gärtnerei Schmitz bedeckt
ist und von wo 1857 /58 beim Bau
der neuen Schule Steine aus den früheren
Fundamenten entnommen worden sind .
Daß es das Haus des Johann Weishaupt
gewesen ist, geht einwandfrei aus dem
Ur-Kataster des Jahres 1821 hervor, wo
es auf den Namen Peter Lauterbach eingetragen
ist. Der Peter Lauterbach hat
1835 einen großen Posten Mobiliar verkaufen
lassen , Notar Müller Nr. 1888 und
1889, und scheint damit aus dem Haus
ausgeschieden zu sein. Dann ist es in die
st arrsinniger Mann gewesen sein dürfte.
Familie Rosenwick gekommen, wobei zu
bemerken ist, daß der Ackerer Johann
Matthias Rosenwick eine Petronella Lauterbach
zur Frau gehabt hat. Von der Erbengemeinschaft
Rosenwick hat dann Peter
Goffart das Haus mit allem Drum und
Dran gekauft am 19. Juni 1878 für 2 076.
Mark über den Notar Peter Gonen. Dann
ist es gekommen in die Hand des Johann
Weishaupt mit seiner Frau Gertrud Goffart
und in dieser Familie bis heute geblieben.
Der alte Lehnshof Lauterbach also, der ja
schon im Jahre 1729 von dem Platz hinter
dem Haus bis an die große Flur »Aweyer
= Ohweyer = Alte-Weiher gereicht haben
soll, kann mithin nur an der oben beschriebenen
Stelle der Gärtnerei Schmitz gelegen
haben . Das beweisen zudem die beiden
Grundstücke am Haus mit 78 und 72
ar, zusammen 150 ar, und das sind genau
die 6 Morgen des Flurstückes »Schommesch-Hoff«
zwischen dem Gutshof Lauterbach
und dem Gebiet des Oh-Weyers.
Und damit dürfte die Frage nach der Geschichte
des Hofes Lauterbach mit hinreichender
Sicherheit geklärt sein .
Alte Höfe sind ja meistens nach der Lage
benannt wie der Hardthof, Stillbusch,
Vennhof usw. oder nach dem Gründer
oder ersten Besitzer, zuletzt noch hier von
Arnold Frings = »Fringshaus «.
In dem erwähnten Jahr 1461 heißt es nun :
»Peter Luterbach hat ein Lehngut, genannt
Strewerserb zu Luterbach vermög (entsprechend)
lehnbriefs von Herzog Gerhard
. (Von Jülich.)
Es ist mithin ein Lehnshof wie auch der
Hardthof und der Hof Lauterbach ; gelegentlich
heißt es auch im Rentlager Buch
1649 in Düsseldorf S. 377a: »Strubershof
zu Contzeen (ist) ein Reuterlehenhof und
ist Petren Lauterbach zuständig .« Danach
hätte der Lehnspächter bei kriegerischen
Auseinandersetzungen jeweils einen voll
ausgerüsteten Reiter zu stellen gehabt,
dafür dann weniger sonstige Abgaben . Die
nächste Belehnung ist erst wieder in den
Akten im Jahre 1541 , wo es heißt: »Straubersgut
hat Lucas von Lauterbach von
Herzog Wilhelm empfangen 1541.« Dazwischen
muß es natürlich noch mehrere
andere Belehnungen gegeben haben, die
aber nicht mehr vorhanden sind. Der Vorname
»Lucas« ist der typische Vorname
Der Straubershof, auch
Streubers- und Strubershof der Lauterbach; wenn er allein irgendwo
Dieser merkwürdige Name für einen Gutshof,
auftaucht, deutet er schon auf die Familie
der zuerst in den Akten ist als »Stre
Lauterbach hin.
werserb « (Erb = ein großes Stück Land , Die bisherigen Belehnungen sind schon
noch lange in dieser Bedeutung) im Jahre
1461 (HStAD Jül. Berg 11, Nr. 4877) dürfte
zusammenhängen mit dem Namen »strobert«,
den wir schon 1505/06 als Johan
aufgezeichnet in dem Beitrag des Prälaten
Peter Schreiber im E.H.V. 36. Jahrgang
1964, S. 11-113. Die wichtigste Quelle ist
dann das Aktenstück Jül. Berg, Lehen,
Slropert und 1509/1 O als heyn (Heinrich) Specialia, Nr. 223 = Straubersgut im
strobert in den Steuerlisten der Forstmeister
HStAD.
finden .
Auch die nächste Belehnung vom 18. Juni
Und das dürfte wieder mit dem mhd. Wort 1563 geht wieder an den Lucas Lauterbach,
in sehr schöner und gut lesbarer
»struben« = starren, emporstehen zusammenhängen
und die Bedeutung haben Schrift.
von »strotzig « = Strubbel, so daß der Am 16. Dezember 1580 ist dann Arndt
8t rob~rt wohl ein etwas querköpfiger,
Luterbach als neuer Lehnsinhaber verzeichnet.
Am 17. Oktober 1596 ist als neuer Lehnsträger
Peter Lautterbach eingetragen.
Derselbe ist nochmals eingetragen am 21 .
5. 1622, Lind am 28. April 1627 ist es
wieder ein Arnold Lauterbach ; der nun
muß ein höchst merkwürdiger Mann gewesen
sein, da er sich zu Kriegsdiensten
- keineswegs gezwungen - nach Frankreich
begeben hat unter Hinterlassung von
5 minderjährigen Kindern und dort tot geblieben
ist.
Und so bittet der Thoniß Lauterbach am
30. 3. 1637 und am 31 . 8. 1638 um eine
Neubelehnung und wird gebeten, sich
deswegen selbst nach Düsseldorf zum
Hof zu begeben. Am 20. 7. 1647 erfolgt
eine weitere Belehnung über die Vormünder
Thomas Reuter und Hermann Rhor
(oder Khor) für den ältesten Pflegesohn
Petrus Lauterbach .
Am 9. Dezember 1669 gibt es eine weitere
Belehnung über den Bevollmächtigten
Joh. Wilhelm Neumann für den Arndt Lauterbach.
Am 16. März 1676 wird über den
Joh . Winand Stoltzen (von 1683 bis 1684
Forstmeisterei-Verwalter) für des Arndt
Lauterbachs nachgelassene Kinder Gertrud
und Maria belehnt. Diese Belehnung
• wird erneuert für die Kinder Gertrud und
Maria Lauterbach am 2. Mai 1681, und
Gertrud Lauterbach heiratet dann am 27.
Mai 1690 den Matthias Müllenmeister,
wahrscheinlich mit besonderer Genehmigung
, im Kloster Reichenstein, und so
kommt auch das Straubersgut in die Hand
der Familie Müllenmeister wegen der Heirat
mit der Gertrud Lauterbach , da ja keine
Brüder vorhanden gewesen sind. So
kommt es dann auch, daß der Matthias
Müllenmeister selbst 1716 durch den
Pfalzgrafen Carl Wilhelm mit dem Straubersgut
belehnt wird.
Der Math . Müllenmmeister ist aber auch
nicht alt geworden, so daß die noch lebende
Frau Gertrud mit ihren Kindern Arnold,
61
Hubert, Johann Gerhard und Entgen (Ännchen)
am 5. 8. 1721 erneut belehnt wird.
Nach dem Tode der Mutter werden dann
die gerade genannten Kinder der Gertrud
Müllenmeister-Lauterbach belehnt im Jahre
17 44, und diese Belehnung ist im Jahre
1771 erneuert worden durch den nunmehrigen
Kurfürsten Carl Theodor, wobei der
Joh. Gerhard an erster Stelle genannt gewesen
sein muß; die letzte Belehnung
erfolgte am 18. März 1785 an die Kinder
des Johann Gerhard Müllenmeister, der
am 6. Januar 1785 verstorben war.
Damit verlassen uns die Akten über den
Strubershof, es ist nichts mehr darüber
bekannt geworden.
Im E. H.V. 1964, S. 113, schreibt wohl der
Prälat Peter Schreiber, er habe ein Aktenstück
im Besitz gehabt, wonach der Strubershof
im Jahre 1791 geteilt worden sei.
Wenn das stimmt, kann es auch keine
weitere Belehnung gegeben haben, weil
die Franzosen ab 1794 hier ohnehin alle
Güter der Fürsten und die Klöster zum
Staatseigentum erklärt und ab 1803 öffentlich
zum Verkauf gestellt haben. Nach P.
Schreiber habe aber der Matthias Müllenmeister
= Möllesch Theiß den Strubershof
etwa 1803 von den Franzosen zum Eigentum
erworben, und so sei der Hof über
Jahrzehnte hinweg in der Familie Müllenmeister
geblieben. Aber! Auch das dürfte
wieder so nicht stimmen. Denn in den
Verkaufsakten der Franzosen ab 1803,
wovon im HStAD über 6 000 Verkäufe
durchgesehen worden sind für das gesamte
Roer-Departement, wo auch aus
dem Monschauer Land alle Kleinigkeiten
von einzelnen Wiesen, kleinen Häusern,
Gutshöfen und Mühlen aus dem kurfürstlichen
Besitz erfaßt sind, ist kein Wort gefunden
worden über den Strubershof.
Sollte es da nicht so gewesen sein, daß
der Hof 1791 nicht nur geteilt, sondern
auch verkauft worden ist?
Daß einer der Müllenmeister damals den
jetzt noch bekannten Teil mit dem alten
Haus gekauft hat, ist verständlich , während
der andere Teil, der auch mehr verstreut
gewesen sein kann , durch Erbteilungen
zersplittert worden ist, wie das
auch bei dem alten Lehnshof Eicherscheid-Huppenbroich
der Fall gewesen
ist. Und es kommt noch einiges hinzu:
Der Frh . Christoph v. Rolshausen hat ja die
Höfe Hardt und Lauterbach vom Herzog
von Jülich als erbliche Mann-Lehen gegolden
= gekauft. Sie durften mithin nur in
der Manneslinie weiter belehnt werden.
Irgendeinen rechtlichen Anspruch muß
aber auch die Familie Lauterbach-Müllenmeister
auf den Strubershof gehabt haben,
wenn sie von 1461 an ununterbrochen
damit belehnt worden ist, wobei sogar
die beiden Schwestern Gertrud und
Maria Lehnsträger geworden sind, ja
mehrfach sogar unmündige Kinder. Leider
ist über einen irgendwie gearteten Vertrag
bisher nichts bekannt geworden, es ist
aber auch nicht völlig auszuschließen, daß
die Familie Lauterbach und Nachfolger
doch Eigentümer des Hofes geworden
waren vor dem Jahre 1791. Trotz aller
Bedenken aber bleibt es recht eigentümlich,
daß die Herzöge bzw. Kurfürsten unmündige
Kinder mit einem solchen Gutshof
belehnt hätten ohne einen rechtlichen
Anspruch darauf. Nach der letzten Belehnung
im Jahre 1785 muß es zu einer Teilung
und einem Verkauf gekommen sein
im Jahre 1791, da wir sonst in irgendeiner
Weise davon gehört hätten.
Diese Ansicht erfährt eine gute Stütze darin,
daß im Jahr 1818 die Bürgermeister
hier aufgefordert worden sind, über ihnen
noch bekannte Rittergüter und größere
Gutshöfe zu berichten. Das tut der Bürgermeister
in lmgenbroich mit Einzelheiten
über die Verkäufe bzw. Zersplitterungen
der Höfe Hardt = Versteigerung 1811 ,
Das Haus Stubershof-Schütt von der Rückseite, deutlich zu sehen die Wassen = Rasenstücke auf
dem First
Lauterbach schon 1808 und Stillbusch
1814 und nennt au ch noch den Hof Lauscherbüche
l. Aber! Vom Gut Straubershof
kein Wort! Das kann aber doch nur heißen,
fal ls es nicht ein ganz böser Zufall sein
sollte, daß der Strubershof als geschlossene
Einheit schon nicht mehr bekannt
gewesen ist. Man muß auch annehmen,
daß er größer gewesen ist als die Grundstücke
bei dem Haus Schütt mit 27 Morgen
, was man woh l als die Hälfte des
gesamten Lehnshofes ansehen mag. Akte
»Rittergüter« im HStAD .
Und doch muß es Unterlagen über den
Strubershof gegeben haben . Kurz nach
der Übernahme der Pfarre Konzen durch
den Vi kar und späteren Pfarrer H. Lau
mans im Jahre 1887 hat ei ne ältere Tante
in echt frau lichem Rappel ge~laubt, mal
ordentlich »Rendez-Vous« = Ordnung
machen zu müssen, eine Kiste mit Dokumenten
von einem Dachboden in den Hofraum,
den Wann-Hoff, geworfen und angezündet.
Ohne dieses »Verbrechen« gegen
die Ortsgeschichte könnten wir sehr
wahrscheinlich über die genaue Lage, die
Flurnamen, die jährlichen Abgaben usw.
berichten, müssen uns aber hier mit der
lückenhaften Darstellung begnügen.
Als aber der Pfr. Laumans, der schon angefangen
hatte, sich mit unserer Geschichte
zu beschäftigen, von diesem Verbrechen
hörte, soll er gesagt haben: »Onn
dovörr wi-erd se noch jeschnörkt« = und
dafür wird sie noch mit den Flammen (des
Fegfeuers) in Berührung kommen; der gute
Pfr. Laumans pflegte sich nämlich in
seiner Muttersprache, in gutem Platt auszudrücken
.
Der eigentliche Gutshof aber mit den Gebäuden
des Strubershofes muß das Haus
Jos. Scheidt gewesen sein. Auf der Haustür
des Hauses Schütt ist übrigens die
Jahreszahl 1792 eingeschnitten, die auch
das Jahr der Erbauung des Hauses sein
kan n, aber nicht sein muß. Nach der überlieferten
Teilung des Hofes im Jahre 1791
aber könnte diese Zahl ein Hinweis sein
darauf, daß der Eigentümer nun dieser
Hälfte im nächsten Jahr sich das Haus
Schütt neu erbaut hatte genau für diesen
Teil des früheren ganzen Strubershofes.
Da wir den Beweis erbringen können, daß
der andere Hof in der Lutterbach, der Hof
Lauterbach , bei der jetzigen Gärtnerei
Schmitz gelegen war, bleiben wir bei der
Meinung, daß der Strubershof in oder bei
dem Hause Jos. Scheidt gelegen hat und
das Haus Schütt nicht der Platz des Strubershofes
gewesen ist, sondern nur ein
Gebäude für die abgetrennte Hälfte nach
einer Teilung.
Daß dieser Strubershof nicht nur aus 27
Morgen Land bestanden haben kann , beweist
eine Akte aus den Jülicher Lehnsbüchern.
Dort wird kurz nach dem Jahre
1595 erwähnt, daß die Höfe Hardt, Lauterbach
und Strubershof neben dem »oßengespan
« = Ochsengespann auch je zwei
Pferde halten. Da wir die Größe der Höfe
62
Hard! und Lauterbach ken nen , muß auch mann auf Sthilbusch «, und das ist der
Eigentümer, sond~rn der Pächter, der einer Taufe im Jahre 1689 ist als »Jott«
1 574/1575 auch genannt ist als »der Halff- (Patin) genannt die Maria, Tochter des wil-
der Strubershof eine entsprechende Größe
von mindestens 60 Morgen gehabt haben
wie etwa das Gut Stillbusch. Sonst
wären die zwei Pferde neben dem Ochsengespann
nicht zu erklären.
Dieser Teilhof des alten Streubers/Straubers/Strubershofes,
wie wir wohl mit großer
Wahrscheinlichkeit vermuten können ,
ist noch lange in der Hand der Familie
Pächter auf den halben Ertrag ; und dieses
Wort »Halffmann« erscheint danach noch
häufig, und in derselben Bedeutung 1578/
1579 der »hoffman uff Stilbusch «. Ob aber
das Land rings um diesen Hof im Jahre
1571 schon gerodet war oder erst nachträglich
urbar gemacht worden ist, wird
nicht mehr festzustellen sein.
Der Gründer von Stillbusch ist mit Sicherheit
Müllenmeister geblieben und danach
der Jülicher Amtmann in Monschau ab
durch Erbschaft in die Hand einer Familie
Weishaupt gekommen.
Am 20. Februar 191 8 ist dieses Haus mit
den umliegenden Ländereien in der Größe
1544, der Freiherr Christoph von Rolshausen
gewesen, der 1588 im hohen Alter
von mindestens 100 Jahren gestorben ist
und als Nachfolger seinen gleichnamigen
von 27 Morgen und 5 Ar von dem Landwirt Sohn Chr. v. Rolshausen gehabt hat.
Theodor Weishau pt in lmgenbroich an den
Wilhelm Schütt, Landwirt in Konzen, und
seine Frau Anna geb. Roder übergegangen,
Akte Notar Pomp Nr. 65, 1918. In
dieser Familie Schütt befindet sich das alte
Haus zusammen mit ein em großen Neubau
des Jahres 1924/25 heute noch in
Verbindung mit einer für unsere Verhältnisse
bedeutenden Landwirtschaft.
(Über die weiteren Herren v. Rolshausen
siehe den Beitrag über den Hardthof.)
Wahrscheinlich hat der Sohn Chr. v. Rolshausen
den Hof Stillbusch aber gebaut, da
der Vater damals schon sehr alt gewesen
ist. Der Vater Chr. v. R. hat im Jahre 1548
schon ein Stück Land gekauft an der
Schwangelbach kurz unterhalb des Hofes,
und das ist sicher kein Stück mit wildem
Gestrüpp mehr gewesen.
Die Familie v. Rolshausen ist dann Eigentümer
des Hofes geblieben bis zum Jahre
Der freiadlige Hof Stillbusch
Über diesen alten Gutshof ist bisher nur
sehr wenig bekannt geworden. Nach den
Kunstdenkmälern , S. 40, ist neben der
Haustür die Jahreszahl 1571 zu lesen gewesen.
Um das Jahr 1900 sollen die Hofgebäude
zum größten Teil umgebaut worden
sein und bis dahin den kurzen Rest
eines Turmes aufgewiesen haben, dazu
die Stallungen mit Strebepfeilern und
Schießscharten versehen .
Nach dem Codex Weiser vom Jahre 1723
müßten der Hardthof in Konzen und auch
Stillbusch große Burgen gewesen sein
und der Hardthof sogar eine Wasserburg.
(Heimatkalender Monschau 1971 , S. 79.)
Das sind natürlich reine Produkte einer
blühenden Phantasie gewesen.
Dr. Ludwig Mathar redet in seinem Büchlein:
»Wunder der Heimat« 1927, S. 107,
von dem alten Hof Stillbusch mit seinen
Bastionen und Schießscharten, die L. Mathar,
geb. im Jahre 1883, als Kind noch
gesehen haben kann.
Weitere schriftliche Nachrichten über dieses
Gut sind bisher nicht ans Licht gekommen.
Leider gibt es auch keine Zeichnung
oder eine Photographie der Gebäude vor
dem Umbau ca. 1900. Im Grundriß nach
der ersten Kataster-Karte ist allerdings
nach Westen hin ein kleiner Halbkreis zu
sehen, was das Fundament eines Halbturmes
gewesen sein könnte.
Sehr auffallend aber ist bis heute der sehr
große, hohe, aus Bruchsteinen gewölbte
1814, als der Hof in viele Einzelteile versteigert
worden ist, wie wir noch sehen
werden.
Die Bedeutung des Wortes Stillbusch ist
mit Sicherheit nicht zu erklären. Ein »stiller«
Busch? Dann müßte doch wohl jeder
Busch = hier= Wald ein stiller Wald sein!
1623/1624 finden wir das Wort »Stiellbusch
«, was ein Wald sein könnte, in dem
man Stiele für Äxte, Hacken und Schaufeln
zu holen pflegte; ein Stiel ist bei uns
ein »Stöll «, die Mehrzahl sind aber »Stell «,
und die Form »Stellbusch« finden wir im
Jahre 1689; 1715 finden wir die Form
»Steilbusch«, die aber auch keinen rechten
Sinn ergeben will , so daß wir wohl bei
dem »Stielbusch « bleiben sollten .
Aus dem Erbungsbuch 1, Monschau, erfahren
wir 1605/1606 den Thomaß Claeß
und den Gerhard Leuches in Stillbusch,
1608/09 den Marx Völl; in den Jahren
1637, 1644 und 1645 lassen Marx Stilbusch
und seine Frau Berb (Barbara) in
Konzen Kinder taufen . Paten bei der Taufe
1637 sind der »Jan Stilbusch « und das
»Nitgen (Agnes) Stilbusch«.
Daß auf einem solchen Hof mehr als eine
Familie gearbeitet hat, zeigen 1618/1619
ein Jacob Pyr auf Stilbeusch und 1627 der
Henrich Voell, Bruder des Halffen auff
Stillbusch. Über lange Jahre hin ist dann
als Pächter auf Stillbusch bekannt die Familie
des Wilhelm Michaelis bis zum Jahre
1674, als am 15. März gestorben ist Wilhelmus
Chiel, villicus (Pächter) auf stil
Keller, der wohl schon aus dem Jahre
1 571 stammt. Nun aber zur Geschichte: busch, und das ist genau der Wilh Geil von
Das Gründungsjahr 1571 stimmt! Denn in dem Grabkreuz Nr. 24. Dessen Frau Jen
der Forstmeister-Rechnung des Jahres (Johanna) ist dann erst gestorben am 30.
1 572 ist erstmalig verzeichnet ein »Jacob März 1706 mit 84 Jahren als des »wilm
uf (auf) Stilbuisch «· das ist aber nicht der michielen Jenn von Stilbusch « Witwe. Bei
helmi Michaelis aus Stillbusch. So ist deutlich
zu erkennen, daß die Familiennamen
Michaelis, Michielen, Chiel, Chehl, Giel,
Gielen , Gehl , Gehlen und Geilen abgeleitet
werden müssen von dem häufigen Vornamen
Michael. Und noch am 7. 1. 1740
heiratet der Jan geien von Stillbusch die
Jen weißheutt von lmgenbroich.
Arnold Müllenmeister dann , der langjährige
Pächter und Verwalter des Hardthofes,
Burgvogt von Konzen, gest. am 25. April
1767 am Reinartzpfad, heiratet im Jahre
1732 die Maria Gelen, die wohl auch noch
aus Stillbusch gekommen war. Deren
Tochter Maria, geb. am 21 . 12. 1735, heiratet
am 12. 2. 1757 des Johannes Cloßen
Sohn Niclos, geb. am 5. Mai 1726 in Mützenich
. Und dieses Ehepaar wird für Jahrzehnte
Pächter von Stillbusch. Das erste
Kindchen wird getauft am 21 . 3. 1758 und
dann eine Reihe weiterer Kinder bis zum
Jahre 1782, als die Mutter schon 47 Jahre
alt war und gestorben ist am 10. März
1785 mit 50 Jahren ; siehe Grabkreuz Nr.
38. Am 29. 8. 1790 stirbt dann auch Niclos
Claßen , villicus (Gutspächter) in Stillbusch
.
Nachfolger wird dessen Sohn Martin, und
im Jahre 1800 wird dann der Johann Matthias
Claßen als Halffe in Stillbusch erwähnt.
Als Mitarbeiter, früher nannte man das
Knecht, hat gewohnt in Stillbusch der
Sohn Niclos des Gerhard Theißen und des
Mees (Bartholomäus) Küpper Tochter Agnes,
beide aus Kalterherberg »habitantes
(wohnhaft) in Stillbusch «, Heirat am 8. 4.
1777 in Kalterherberg.
Bisher haben wir nichts gehört über die
Größe des Hofes Stillbusch, über die Abgaben
der Pächter usw., während wir solche
Dinge von den Höfen Hardt und Lauterbach
genau kennen, besonders vom
Jahre 1717. Das kommt daher, weil der
Hof Stillbusch Eigentum der Familie v.
Rolshausen gewesen ist, die Höfe Hardt
und Lauterbach dagegen Lehnshöfe, die
jeweils nach dem Tode eines Pächters
oder eines Herzogs neu belehnt werden
mußten und deswegen zu vielen Streitereien
in der Familie v. Rolshausen geführt
haben.
Nachdem Maximilian v. Rolshausen als
der letzte in unserem Gebiet die Höfe
Lauterbach 1808, Hard! und Lauscherbüchel
1811 verkauft hatte, wird nun auch
Stillbusch am 4. Oktober 1814 in 35 Einzelteilen
durch den Notar Ürlichs in Monschau
meistbietend versteigert, Notar-Akte
Nr. 1809 im HStAD. Aber! Obwohl diese
Akte in dem Findbuch, einem Register
etwa, sehr sorgfältig und gut lesbar mit
allen Namen der Käufer, den Flurnamen
und dem Preis für jedes einzelne Grundstück
ausgeschrieben ist, konnte die Notar-Akte
selbst trotz größter Sorgfalt nicht
gefunden werden . Sie muß aber ja vorhanden
gewesen sein, da ohne sie die genauen
Angaben in dem Findbuch nicht hätten
gemacht werden können. Was allein uns
63
aber fehlt, ist die genaue Größe der einzelnen
Grundstücke, die immer in den eigentlichen
Akten, so auch beim Hardthof
und Lauterbach, eingetragen sind.
An Flurnamen sind nur genannt: im Laufenbend,
die Hausbenden . (wohl in der
Schwangelbich) Hengstbroichelche, und
am Rochuskapellchen. Die Käufer kommen
aus Monschau, Konzen und lmgenbroich.
Das Hofgebäude mit Wohnhaus,
Stallungen und Scheune geht an den Arnold
Claßen für ganze 540 Francs und
deutet mit diesem sehr geringen Preis auf
einen sehr schlechten Zustand dieser
ganzen Hofanlage. Der Gesamtbetrag ergibt
die Summe von 7 728 frcs .; wenn
aber der Hardthof mit 121 Morgen 14 100
frcs. und der Hof Lauterbach 12 211 frcs.
erbringt, kann man für Stillbusch mit etwa
50-60 Morgen Land rechnen, zumal die
Preise damals ziemlich stabil gewesen
sind.
Zwei Grundstücke sind aber noch nicht
ve rkauft worden, die dann am 2. 11. 1826
durch Maximilian v. Rolshausen versteigert
werden, wobei ein Grundstück auf
Hengstbrüchelchen an den Fabrikanten
Phil. Heinrich Werner aus lmgenbroich
geht und das andere am Rochuskapellchen
an den Peter Joseph Esser, Thierarzt
in Konzen, den Erbauer des Gasthauses
Huppertz-Steinröx im Jahre 1817.
Damit hat die Familie v. Rolshausen unsere
Gegend verlassen, eine Familie, die
vom Jahre 1544 an eine große Rolle hier
gespielt hat. Nur das Haus Rolshausen in
Monschau erinnert noch an diesen bekannten
Namen; und dieses Haus ist
durch Christian v. Rolshausen jun. mit seiner
Frau v. Palant im Jahre 1597 errichtet
worden, wie bis heute eine Takenplatte im
lrinern beweist.
Als Arnold Claßen den Hof Stillbusch 1814
gekauft hatte, waren nur knapp 6 Morgen
Land dabei geblieben .
Es ist aber schnell ein Wechsel eingetreten,
da schon im Jahre 1816 der Hof Stillbusch
im Eigentum des Jacob Schmitz
von lmgenbroich ist, der 1814 auch schon
ein Stück Land dort gekauft hatte.
Über den Verkauf von Stillbusch an Jacob
Schmitz ist keine Akte zu finden gewesen.
Jacob Schmitz war in lmgenbroich geboren
von den Eltern Niclos Schmitt und
Zeygen (Lucia) Weishaupt im Jahre 1780
und hatte am 12. Mai 1809 die Maria Agnes
Hermanns aus Kesternich geheiratet.
Schon im Jahre 1827 macht das Ehepaar
ein Testament, worin sie sich gegenseitig
alles vermachen, und dabei heißt es, daß
die Ehefrau alles vererbt ihrem Ehemann
Jacob Schmitz »der mir, vor Allem lieb und
werth ist«, Notar Busch Nr. 2380.
In Stillbusch wohnt auch schon der Joh.
Wilh. Schreiber, Sohn des Wilh. Heinr.
Schreiber und der Maria Agnes Breuer
vom Grabkreuz Nr. 6, der 1822 den Tod
seines 15jährigen Sohnes Peter Wilhelm
melden muß.
Jacob Schmitz ist ziemlich früh Witwer
geworden und schenkt den Hof Stillbusch
mit allem Drum und Dran am 20. Juni 1847
seinem Vetter (kann damals noch ein entfernter
Verwandter sein) Johann Hubert
Schreiber, auf Stillbusch wohnend , damit
»derselbe nach meinem gottgefälligen Tod
frei darüber verfügen kann «, Notar Menzen
Nr. 4889.
Joh. Hub. Schreiber heiratet am 14. August
1846 die Anna Gertrud Ettenberg,
und Stillbusch bleibt nun für fast 100 Jahre
in dieser Familie.
Am 4. Juni 1856 ist Jacob Schmitz im Alter
von 76 Jahren gestorben und hat so noch
fast 10 Jahre lang einen schönen alten Tag
bei seinen Verwandten verbringen
können.
Das Ehepaar Schreiber-Ettenberg läßt in
Stillbusch eine Reihe von Kindern taufen:
1847 = Jacob, 1850 = Hubert, 1852 =
Johann Arnold, 1854 = Joseph, 1857 =
Anna Maria, 1859 = Catharina, 1863 =
Gertrud, gestorben 1866. Das Erstaunliche
aber ist, daß alle diese Kinder unverheiratet
geblieben sind, ein arbeitsames
und fleißiges Leben geführt haben und
nach und nach ein Stück Land nach dem
anderen in der Nähe haben kaufen können,
so daß um 1900 das Gut Stillbusch
wieder 50-60 Morgen Land ringsum besessen
hat; so kauft z. B. Hubert Schreiber
von Stillbusch aus der Hand des Hubert
Mertens in lmgenbroich eine Wiese
von 19 ar für 3 000,- Mark am 14. 11.
1889, Notar Schotten Nr. 1238; für eine
solch kleine Wiese war das ein außergewöhnlich
hoher Preis, aber wohl in der
Nähe des Hofes gelegen.
Es sind dann gestorben: die Eltern = Joh.
Hub. Schreiber am 24. 7. 1899, 75 Jahre
alt; am 23. 2. 1903 Wwe . Gertrud Schreiber-Ettenberg,
81 Jahre; 13. 8. 1890 =
Joseph Sehr., Schuster, 36 Jahre; 4. 11.
1908 = Jacob Sehr. , Müller, ledig, 60 Jahre;
15. 10. 1912 = Hubert Sehr. , Müller,
ledig, 62 Jahre; 29. 7. 1917 Joh. Arnold
Sehr., ledig, 65 Jahre mit feierlichen Exequien,
auf dem Grabkreuz eingetragen
als »Gutsbesitzer«; 20. 12. 1925 = Catharina,
sehr klein von Gestalt, und an ihrem
Begräbnis haben in Konzen die neuen Kirchenglocken
zum erstenmal geläutet; am
1. 4. 1943 Anna Maria Sehr., ledig, die
eine große schlanke Frau gewesen ist;
wenn sie im Alter nach Konzen zur Kirche
gekommen ist, hat sie einen schönen
Stock zur Stütze gehabt, den aber am
ersten Haus in Konzen stehen lassen, um
nicht als schwach oder kränklich angesehen
zu werden. Damit war die Familie
Schreiber-Effenberg im Gut Stillbusch
ausgestorben .
Um aber nic_ht ganz ohne Erben zu bleiben,
hat Jacob Sch(eiber am 24. März
1908 zu Cöln (Register Nr. 401) die am 20.
Oktober 1901 geborene Karoline Hahnen
an Kindesstatt adoptiert. Diese hat am 24 .
Oktober 1924 den Lehrer Richard Bertrand
geheiratet, und aus dieser Ehe sind
mehrere Kinder heNorgegangen. Das Gut
aber ist schon seit den 30er Jahren verpachtet
an eine Familie Eußen; von
1940-1960 hat es der Pächter Johann
Küppers aus der Gegend von Forstbach
bearbeitet, jetzt auf einem Hof im Platten
Venn bei Mützenich.
Im Kriege ist der Hof völlig zerstört worden
bis auf den großen gewölbten Keller und
von dem Pächter Küppers etwa in der
alten Form und Größe wieder aufgebaut
worden , so daß wir heute wieder die hufeisenförmige
Anlage vo r uns haben.
Im Jahre 1960 kommt das Gut Stillbusch
mit ca. 60 Morgen Land an die Landesfinanzverwaltung
und schließlich im Jahre
1975 in das Eigentum des Herrn Jacob
Walters vom Reiterhof Eickhof in Katzen
bei Erkelenz. Und damit so ll die 400jährige
Geschichte des freiadligen Gutes Stillbusch
für uns abgeschlossen sei n.
Zur Geschichte des Gutes Stillbusch gehört
aber auch noch die Geschichte der
»Stöllböisch-Mölle« , der Stillbuschmühle,
die amtlich den Namen »Blumenauer
Mühle« führt, oberhalb des Sportplatzes
an der Flora. Diese Mühle ist gegründet
worden von einer Familie Brand aus der
Gegend von Kornelimünster in den Jahren
1833/1834 und hat deshalb zunächst den
Namen gehabt »Brangs-Mölle«. Nähere
Angaben über den Mühlenbetrieb dort bei
B. Hürtgen S. 293. Der Mitgründer Peter
Theodor Brand heiratet am 13. Mai 1833
die Maria Antonette Piana, geb. in Monschau
am 27. 2. 1812.
Längere Zeit hören wir dann nichts mehr
bis zu einer Versteigerung am 15. Mai
1849, als sie an den Hermann Mathie
kommt von dem Vorbesitzer Wienand Gaffante
aus Köln. Am 26. 7. 1849 hat diese
Mühle erworben der am Röttgen wohnende
Gastwirt Hubert Lennartz, Notar Menzen
Nr. 5574 für 1 100 Thaler.
Das Gasthaus mit großer Landwirtschaft
liegt neben der Brauerei in Monschau und
ist von der Familie Lennartz nur gepachtet
gewesen. Es ist gegründet worden von
der adligen Familie de Berghes in Monschau
und am 1. Mai 1872 zum letzten Mal
von Amalia de Berghes verpachtet worden
an die Wwe. Hubert Lennartz, geb. Dederichs;
am 4. Juni 1880 schließlich hat
Amalia de Berghes, die letzte dieser Familie
in Monschau, den gesamten Komplex
mit 16 Grundstücken verkauft an die Eheleute
Michael Giemens August Lennartz
für den hohen Preis von 16 200,- Mark,
Notar Gonen Nr. 1152.
Am 1. Dezember 1862 ist dann die Mühle,
die bald den Namen »Blumenauer-Mühle«
bekommen hat, übergegangen an den
Sohn Joh. Hubert Lennartz, und dieser hat
von dort aus das Hotel Flora errichtet und
am 28. Juni 1874 eröffnet.
Am 21. Dezember 1875 geht die Blumenauer
Mühle über an den Ackerer Hubert
Schreiber von Stillbusch mit allem Zubehör
für 2 700 Thaler oder 8 100 Mark, Notar
Schwenzer, Nr. 3291. Die Größe des
Grundstückes ist angegeben mit 3 ha, 36
64
ar und 55 m 2 und bekommt den Namen
»Stöllböisch-Mölle«, den sie in Konzen
und lmgenbroich bis heute behalten hat.
Nachdem die männlichen Schreiber-Effelberg
gestorben waren, hat der Verwandte
Johann Effelberg sie im Jahre 1919 gekauft,
nachdem er schon längere Zeit die
Arbeit in der Mühle verrichtet hatte. Nach
einem Gutachten des Mühlenbesitzers
und Landwirtes Viktor Scholl zu Simonskall
wird der We rt geschätzt auf 7 000,
Mark, wozu dann noch vielfältige und teure
Ausbesserungen für notwendig erachtet
werden . Für den Betrag von 7 000,- Mark
erfolgt dann der Verkauf im November
1919, Notar Savelsberg Nr. 908.
Im Jahre 1865 ist an das alte Mühlengebäude
auf die Flora zu eine kleine Erweiterung
angebaut worden, die noch gut zu
erkennen ist. Die jetzigen Eigentümer sind
Karl Effelberg und Frau geb. Blumensath;
da mehrere Kinder vorhanden sind , kann
mit einem weiteren Bestand des Namens
und der Familie Effelbe rg in der »Stöllböisch-Mölle«
gerechnet werden.
Die Mühle ist noch voll funktionsfähig, und
so kann man gelegentlich auch heute noch
hören »die klappernde Mühle am rauschenden
Bach«.
Diese Blum enauer Mühle ist also weder
die alte Monschauer Bann-Mühle des Jahres
1516, wie gelegentlich zu lesen, noch
einige hundert Jahre alt, wie vielfach zu
hören.
(Ausführliches Manuskript von 25 Seiten
beim Monschauer Geschichtsverein.)
Der Gutshof Staffelbusch -
Lange Böisch
Wenn auch dieser Hof nicht unmittelbar zu
Konzen gehört, so hat es doch vielfache
Beziehungen gegeben, z. B. durch den
alten Schäfer »dr Langeböisch «,
geb.
1849, gest. 1923, so daß die Geschichte
dieses Hofes kurz zusammengefaßt sein
mag .
Das Wort »Staffe lbusch « als Flurnc:imen
finden wir hier schon im Jahre 1582 in
dem Lagerbuch »Der Cammerwald Eicherscheid
«, S. 99a, wo wir hören, daß ein
Stück Land trotz Verbot gerodet ist »im
Stäfelbusch«; danach kommen gleich die
Flurnamen »Schiffenborn« und »Lauscheidt«,
so daß es sich einwandfrei um
unsere Flur »Staffelbusch« handeln muß.
Das Wort »Staffel « bedeutet ein stufenför
~ig ansteigendes Gelände, wie man es
sich vom Tal des Laufenbaches aus vorzu
~tellen hat. Die große Flur »op Staffelböisch
« liegt vom jetzigen Hof Staffelbusch
auf den Ortskern von Mützenich zu, wo
auch der »Staffelbusch-Hoff« = Wiese be
~annt ist. Auch das Wort »Lange-Böisch«
ist nicht mehr jung. In den Grenzen des
Weidganges für das Vieh waren die Mon
Schauer Bürger berechtigt, ihre Kühe zu
treiben »von alters her über den Schiffenbo~n,
die wilbertz Heide (jetzt = Worbelsheide)
nach dem Langenbüsch und dann
ins Venn « = 1649, H. Laumans S. 236.
In einer ganzen Reihe von Fällen konnten
Grundstücke »auff Staffelbusch, auff Staffelbeusch«
usw. notiert werden aus den
Lagerbüchern , aus den Erbungsbüchern
und besonders aus den Abrechnungen
der Kirchenrendanten von Konzen, wonach
die Kirche von Konzen Einkünfte hatte
aus einem »Feld am Staffelbusch « ab
1634; das dürfte hierzu genügen.
Ab wann aber gibt es den Hof oder das
Gut Staffelbusch? Früher mußte ein Priesteranwärter
vor der Weihe ein freies Einkommen
von jährlich 60 Reichsthalern
vorweisen , damit er nicht u. U. nachher in
Armut ein nicht standesgemäßes Leben
hätte führen müssen . Für den Priesterkandidaten
nun Phil. Gerhard Huppertz aus
Konzen konnten die Eltern 30 Thlr. freies
Ein kommen stellen ; die weiteren 30 Thlr.
sind von dem Monschauer Schultheißen
Joh. Wilh. Bewer gestellt worden aus »einem
Stück von 10 Morgen Land aus dem
Gut Staffelbusch im Jahre 1728«. So ist es
zu lesen in dem dicken Buch »Der Weltklerus«
usw. von dem früheren Pfr. in lmgenbroich
Jas. Jansen, später Kanzlei-Direktor
beim Bischof in Aachen. Dabei ist
aber dem sehr tüchtigen und bienenfleißigen
J. Jansen ein Irrtum unterlaufen, da er
zwei Stiftungen des J.W. Bewer für 1728
und für 1717 zusammengeworfen hat. Der
richtige Text für uns ist vorhanden im Diözesan-Archiv
in Aachen und lautet: »Ihrer
Churf (fürstlicher) Durchlaucht Schultheiß
Joh. Wilh . Bewer cediert für den Phil.
Gerh . Huppertz ein Orth Erbschafts unweith
dem Dorf Contzen gelegen der Staffelbusch
genannt(ent) haltend ungefähr 10
Morgen in seinen lebenden Häcken abgesondert,
jährlich austragend 30 Reichsthaler«
mit Datum vom 15. Sept. 1717; das
mußte ja auch noch 1717 sein, da der Phil.
Gerh. Huppertz am 2. Januar 1718 zum
Priester geweiht worden ist. (Auch im Auszug
nachgedruckt im Eremit 12. Jahrg.
1937, S. 135 mit dem falschen Datum des
Jahres 1728 und dem falschen Gut Staffelbusch
.
Kommen wir nun aber zur richtigen Gründung
des Gutes Staffelbusch! Und da sind
wir gut unterrichtet! In Monschau war tätig
als Schultheiß, Rentmeister und Forstgeldempfänger
Daniel Theodor de Berghes,
abstammend vom Herzog Johann II.
von Brabant um das Jahr 1300; ab 1789
war der Nachfolger in allen Ämtern der
Sohn Joh. Jos. de Berghes, der auch
Pächter des Zehnten war für das Marienstift
in Aachen . Als Forstgeldempfänger
mußte er jedes Jahr eine Kaution stellen ;
bis zum Jahre 1781 waren das 1 000
Reichsthaler, und vom Jahre 1782 stellt er
regelmäßig als Kaution den Staffelbuschhof,
der einen Wert haben sollte von
2 000 - 3 000 Reichsthalern, dazu einige
Grundstücke am Röttgen bei Monschau.
Das ist also das Geburtsjahr dieses Hofes
oder Gutes Staffelbusch, der früher in keinen
Akten zu finden ist, und er war angelegt
noch fast mitten im Venngebiet, wie in
der Tranchotkarte ca. 1810 deutlich zu erkennen
ist. Als Zehntempfänger für den
Hafer des Marienstiftes hatte J. J. de Berghes
auch für die notwendigen Gebäude
und Scheunen zu sorgen, und dafür lag
der Hof Staffelbusch zwischen Mützenich,
Konzen und lmgenbroich schön in der Mitte.
Und alte Leute haben von diesem
Zehnthof sogar noch etwas gewußt, siehe
Kunstdenkmäler S. 98 und Dr. R. Nolden
im »Monschauer Land « 1985, S. 27 ff.,
Ȇber den Konzener Haferzehnten vom
14. bis 18. Jahrhundert«.
Solche Höfe sind natürlich verpachtet gewesen
und brachten meistens Einkünfte
von etwa 100 Thlr. jährlich. Als Pächter ist
bekannt geworden der Wwr. Peter Kirch
aus Staffelbüsch, der in zweiter Ehe heiratet
die Anna Maria, Tochter des Anton
Stephens und der Gertrud Rode r aus Konzen,
am 17. Okt. 1797.
Auch in der Franzosenzeit bleibt der Hof
Staffelbusch in der Hand der Familie de
Berghes. Joh. Jos. de Berghes stirbt im
Jahre 1816 als Friedensrichter und hatte
alle anderen Ämter aufgeben müssen.
Seine Wwe. Clara von Dhaem aus Malmedy
gerät in finanzielle Schwierigkeiten, da
die preußische Regierung von ihr eine
Restzahlung von mehreren 1 000 Thlr.
verlangt; darüber gibt es eine umfangreiche
Korrespondenz im HStAD. Schließlich
einigt man sich darauf, daß die Wwe. de
Berghes dem preußischen Staat, Regierung
Aachen , den gesamten Hof Staffelbusch
zu Eigentum überschreibt. Auch die
schon erwachsenen Kinder erklären sich
mit dieser Regelung einverstanden, Notar
Busch Nr. 344 im Jahre 1821.
Nach Mitteilungen des Carl de Berghes
vom Jahre 1864 sollen vor 1800 auf dem
Ackergut/Staffelbusch die ersten Versu
che einer verbesserten Land- und Viehwi
rtschaft angestellt worden sein, die aber
durch die politischen Umwälzungen (Franzosen
ab 1794 hier) zu keinem guten Resultat
geführt hätten. Ein großer Brand soll
noch vor 1800 große Zerstörungen angerichtet
haben (Kunstdenkmäler S. 98) .
Die preußische Regierung hat an dem
Hofgut selbst nur wenig Interesse und läßt
es schon 1823 zum Verkauf stellen ; dabei
wird die Größe mit 106 Morgen, mit Wohnund
Wirtschaftsgebäuden angegeben, und
das Wohnhaus ist schon mit Schiefer gedeckt
(Akte Reg . Aachen Nr. 3541 im
HStAD).
Bei einer erneuten Versteigerung im Jahre
1824 geht das Domanialgut Staffelbusch
an den wohlhabenden Steuerempfänger
Joh. Hub. Schnitzler aus Eicherscheid,
später in Monschau, für 700 Thlr.
Bei der ersten Versteigerung 1823 war
Pächter der Gerhard Huppertz, danach der
Joh. Arnold Huppertz mit einer jährlichen
Pacht von 53 Rthlr. und 25 Sgr. (Silbergroschen)
. Dieser war auch noch Pächter unter
dem neuen Eigentümer J. H. Schnitzler,
als er eine Quittung unterschreibt mit
65
Der Scholteße-Troistorffs-Weiher
Joh. Arn. Huppertz, Ackerer auf Staffelbusch,
Notar Busch Nr. 2196. J. H.
Schnitzler hat den Hof Staffelbusch dann
verkauft am 26. Sept. 1829 für 500 Rthlr.
an den Ackersmann Johann Reinartz aus
Konzen, Notar Müller Nr. 65.
In dieser Familie Reinartz ist der Hof Staffelbusch
bis heute geblieben. Beim Verkauf
1829 sind alle Einzelheiten aufgeführt
mit den Flurnamen der einzelnen Parzellen
wie Uhrstoppel, Laufenbachsbenden,
Kirschenveen, Heidegrund, Büchelbenden,
Haatzen-Veen, und alles zusammen
ergibt 106 Morgen.
Nach Johann Reinartz ist der 1849 geborene
Sohn Christian Adolf Eigentümer geworden,
bekannt als alter Schäfer und
Mann mit einer »Pörck« = einer Perücke,
gest. am 28. 8. 1923. Dessen Nachfolger
war der Sohn Peter R., der als ein strammer
Soldat beim Garde-Du-Corps in Berlin
vor der Schlafzimmertür der Kaiserin
Wache gestanden haben soll. Als solcher
Soldat mit blinkendem Brustpanzer und
Helm mit Federbusch soll P. R. einmal im
Urlaub auf das damalige Wehrbezirkskommando
in Monschau zugekommen sein,
wo heute das Wohnheim für Asylanten
steht. Der Posten vor Gewehr sieht diese
heroische Gestalt, hält sie für einen hohen
General oder einen preußischen Prinzen,
ruft die Wache mit einem Unteroffizier heraus,
und die präsentiert das Gewehr vor
dem Gefreiten Peter Reinartz vom Hof
Staffelbusch. Noch im Jahre 1934 hat dieser
P. Reinartz zu Gut Staffelbusch die
Urkunde als staatlich anerkannter Schäfermeister
erhalten.
Im letzten Krieg ist der Hof fast ganz zerstört,
aber in etwa den gleichen Maßen
wieder aufgebaut worden . Die Größe ist
durch Erbteilungen auf etwa 60 Morgen
zusammengeschrumpft. Der jetzige Eigentümer
des Hofes Staffelbusch-Langeböisch
ist Franz Reinartz.
Von dem Joh. Jos. de Berghes (über diese
Familie liegt ein Manuskript von 26 Seiten
beim Geschichtsverein Monschau) ist
auch schon der Weiher unten am Laufenbach
angelegt worden, wohl bes. für Fische
in der Fastenzeit, wie auch der Menzerather
Weiher, erstmals erwähnt im Jahre
1549, und dann wieder 1556, als er den
Herrschaften auf der Burg gedient hat. Der
Weiher am Laufenbach ist nämlich schon
in beachtlicher Größe eingetragen in einer
Karte aus der Zeit von 1780 - 1790. Später
ist er in die Hand der Fabrikanten Troistorff
gekommen vom Wiesenthal und hat
daher den Namen bekommen » Troistorffs
Weiher«; in Konzen und lmgenbroich
heißt er aber heute noch nach dem Schultheißen
de Berghes der »Scholteße Weijer«.
Seine Größe mit dem umgebenden
Gelände geht hervor aus einer Notarakte
vom Jahre 1834, als es sind 5 Morgen,
115 Ruthen und 50 Fuß. Eine Ruthe war
der Flächeninhalt von 14 m 2 . Akte Notar
Müller Nr. 1445 vom 16. Mai 1834.
Der Scholthesse - Troistorffs - Konzer
Weiher hat übrigens zwei Todesopfer gefordert.
Am 13. August 1871 ist der Rekrut
Math. Hermann Fischer dort beim Baden
ertrunken, und am 4. Sept. 1888 hat dasselbe
Schicksal den Weber Paul Kirch aus
Montjoie ereilt.
Am 5. Juli 1932 ist der Hermann Hilgers
aus lmgenbroich in letzter Minute durch
den Wilh. Lennartz aus dem tiefen
Schlamm herausgeholt und wieder zum
Atmen gebracht worden.
66
Die alten Häuser
Daß der Mensch sein Haus gebaut hat aus
der Landschaft heraus mit den Mitteln, die
die Landschaft ihm bietet, gehört zu den
allgemeinen Erkenntnissen. Daß auch die
einzelnen Stäm me ih re Besonderheiten
entwickelt haben, ist leicht zu erkennen an
den Hausformen etwa in Niedersachsen,
im Alpenraum , im Schwarzwald usw. Hier
bei uns aber ist besonders deutlich, daß
die Landschaft mit ih rem ungestümen Klima
auch besondere Möglichkeiten zum
Schutz des Menschen und der Bauwerke
gefordert hat. Allerdings ist von den ganz
alten Häusern nur noch sehr wenig erhalten
, so daß wir uns schon zu einem guten
Teil auf alte Bilder verlassen müssen.
Der Mensch hier hat sein Haus bauen
müssen aus den Grundstoffen, die ihm die
Natur geboten hat, und das waren: Steine,
(gute Mauersteine hat es nur sehr selten
hier gegeben) , Holz zum Bauen durch die
Forstbeamten schon in ganz früher Zeit
besonders zugewiesen aus den Wäldern,
Stroh vom Roggen , und Lehm , der in heute
noch bekannten Gruben reichlich verfügbar
war. Und es stand zur Verfügung
der fleißigen Hände Arbeit!
Obwohl diese Bedingungen dieselben waren,
hat man doch schon zwei verschiedene
Hausformen hier festgestellt: Otto
Klemm: »Fachwerkhäuser in der Nordwesteifel
«, Aachen 1932. Da ist unterschieden
das nach O. Klemm genannte
»Venn-Haus « und das »Eifel-Haus «. Das
erste mehr breit angelegt mit dem großen
gemauerten Kamin im Giebel, das zweite
mehr schmal länglich nach Südosten hin
höher aufgesetzt und mit dem Kamin mehr
in der Mitte. Es soll hier keine Analyse
dieser Ansicht vorgelegt werden, zumal
diese beiden Haustypen sich selten in der
geforderten Reinheit gezeigt haben , so
daß man hier große Vorsicht walten lassen
muß.
Auch die Ableitung unserer Hausformen
aus den primitiven Hütten der Steinzeitmenschen
soll nur erwähnt sein , ohne im
einzelnen dazu Stellung zu nehmen.
Das alte Haus unserer Gegend ist jedenfalls
aus den erwähnten Materialien mit
einfachsten Geräten so errichtet worden,
daß es mehr als drei Jahrhunderte hat
überleben können, was man von unseren
heutigen Häusern erst mal abwarten muß.
Das ganz alte Haus wurde zunächst gesetzt
auf das »Jeschöhns« = Geschuhe,
das gemauerte Fundament, falls es nicht
sogar auch umgekehrt hat sein können ,
daß unter das Balkenwerk erst eine bescheidene
Steinlage untergeschoben worden
ist. Im Keller oder vor dem Haus hat
sich der Brunnen = der »Pötz« befunden,
der z. T. ganz in den Schiefergrund eingehauen
werden mußte. Bei ganz niedrigen
Kellern ist der Brunnen sicher vor dem
Haus gewesen, da man sich im Keller nur
gebückt aufhalten konnte. Das Innere des
Hauses bestand und besteht heute noch
in Ausnahmen aus der Diele, wie man
modern sagen müßte, hier aber genannt
nach der Funktion des Wohnens = »et
Huhß «, da dieser Raum wirklich das
»Haus« in seiner ursprünglichen Eigenschaft
des Wohnens gewesen ist. Dieser
Raum hatte etwa die Größe 3 mal 4 m, war
belegt mit ziemlich großen, etwas glatten
Schieferplatten, hatte unter dem Kamin die
offene Feuerstelle mit der »Hahl « oder
»Hiehl «, einem sägeartigen Gestell, an
dem man den Kessel zum Kochen höher
oder niedriger hängen ko nnte ; daneben
stand eine Kiste, die »Seedel « oder »Siede!
«, die etwas Material zum Brennen enthielt
und auch zum Sitzen für zwei oder
drei Personen diente. Ein bescheidener
Tisch mit ein oder zwei Stühlen, ein Wandbrett,
für die wenigen Teller und Tassen,
noch ein paar Küchengeräte, und das
war's. Von dem Huhß aus führte dann ein
niedriger Eingang zum Keller, und zum
Obergeschoß, dem Söller, wenn vorhanden
und zur Kammer. Über der Feuerstelle
befand sich der »Boßem « = der offene
Rauchfang . Eine Tür führte dann gleich in
den Stall, von dort aus zur Scheune, wenn
schon vorhanden ; vielleicht gab es neben
Altes Haus an der Ecke Breitestraße - Blumgasse
dem Stall oder der Scheune noch einen
Schuppen oder einen besonderen Stall für
die Schafe, eine überdeckte Ecke für den
Torf. Die meisten dieser ganz kleinen Häuser
bestehen heute nicht mehr, man hat
eine ganze Stubenseite angebaut, man hat
an den Stall eine große Scheune angesetzt,
so daß man glaubt, schon recht große
Häuser vor sich zu haben. Wirklich alte
Häuser sind noch zu sehen in den Kunstdenkmälern
vom Jahre 1927 oder in den
Freilichtmuseen, am nächsten für uns in
Kammern, wo auch die alte Einrichtung
noch vorhanden ist.
Das hiesige Fachwerk besteht aus den
Eichenbalken, die mit »Stecken« = festen
senkrechten Stäben und »Fetzen « = dünnen
Ruten aus Haselnußholz, die quer in
die Stecken eingeflochten sind zu einem
festen Netzwerk verarbeitet ist; von beiden
Seiten wurde es mit geknetetem
feuchtem Lehm bestrichen, so daß eine
glatte Wand von etwa 12 cm Dicke zustande
kam. Auch die Zwischenräume der
Decken waren mit feuchtem Lehm ausgefüllt,
und die Tenne in der Scheune bestand
aus festgetretenem Lehm , der mit
frischem Tierblut bestrichen wurde. Das
Dach bestand aus Roggenstroh, das am
besten entnommen wurde aus den Feldern,
wo das Schiffel-Korn gewachsen
war.
Zum Schiffeln ist abseits gelegenes verwildertes
oder sonst kaum brauchbarer
Boden mit der Hacke geschiffelt worden,
indem die Grasnarbe mit der Feldhacke
67
abgeschält, die Rasenstücke dann zum
Trocknen hochgestellt und im Herbst mit
etwas Reisigzeug verbrannt wurde. Diese
verbrannte Fläche mußte dann nochmal
mit der Hacke bearbeitet werden vor dem
Einsäen des Roggens, der mit der zerstreuten
Asche nun seinen Dünger bekommen
hatte. Das Stroh daraus war besonders
kräftig und rein und diente so
bevorzugt zum Decken der Dächer. Das
Schiffeln ist in Konzen nicht mehr bekannt
gewesen, wir wissen aber z. B. aus den
Forstmeister-Rechnungen, wieviel Morgen
Land den einzelnen Gemeinden zum
Schiffeln zugewiesen waren. Das geschiffelte
Land hat dann zwei ode.r drei Jahre
der Ernährung gedient, war völlig ausgelaugt
und mußte mehr als 20 Jahre ruhen,
bis sich wieder eine dünne Ackerkrume
gebildet hatte. Dieses Schiffeln hat eine
ungeheure Arbeitskraft erfordert, aber
Roggen und Hafer bedeutete Brot, und
Brot bedeutete Leben . Für den Boden war
es natürlich ein ganz böser Raubbau, zumal
die Ackerkrume hier ohnehin nur sehr
dünn ist, aber Not lehrt Beten und auch •
Schiffeln!
Das Roggenstroh wurde meistens schon
im Winter bei weniger Arbeit zu genau
abgezirkelten Bündeln fertig gemacht, den
»Schoof« = hochtonig und dann im Sommer
vom Spezialisten mit seinem einfachen
Werkzeug auf dem Dach verarbeitet.
Der First wurde mit großen Rasenstücken ,
den Wassen, abgedeckt, die an Stellen mit
fester Grasnarbe an Wegerändern oft am
allgemeinen Vennweg abgestochen worden
sind. Mit Holzkeilen wurden sie auf
dem First befestigt und haben zusammen
mit einem neuen Strohdach etwa 25 Jahre
gehalten. Das neue Dach war etwa 20 cm
dick und hat eine vorzügliche Isolierung
geboten, im Sommer hielt es kühl , im Winter
warm, ganz im Gegensatz zu den modernen
Ziegeldächern .
Wegen der Feuersgefahr hat die preußische
Regierung die Strohdächer z. T.
gänzlich verboten, z. T. nur noch geringe
Reparaturen erlaubt, so daß im Jahre 1880
eine Frau aus Mützenich, die in Belgien
gewohnt hat, vor Gericht gekommen ist,
weil sie eine größere Stelle im Strohdach
hat ausbessern lassen. So ist es gekommen,
daß man immer mehr Dächer umgedeckt
hat auf Dachziegel, die besonders in
Eynatten hergestellt worden sind , bekannt
unter dem Namen »Ennetter-Panne«.
Diese »Pannen« sind von ganz besonderer
Qualität und liegen heute noch vielfach
nach 100 Jahren völlig unbeschädigt auf
den Dächern.
Das letzte Strohdach hier ist rioch gepflegt
worden auf dem Haus Schütt vom Strubershof,
aber auch vor einigen Jahren mit
wenig schönen großen Blechplatten gedeckt
worden .
Zum Schutz vor dem ungestümen Nordwest-Wetter
hat man diese Seite der Häuser
fast bis zur Erde herabgezogen, wie
auf alten Bildern noch vielfach zu sehen
Das kleine Haus Beuel an der Hohestraße
ist. Vor allen Dingen hat man keine Möglichkeit
gehabt, die Außenseiten zu schützen
durch Bretter etwa oder andere Stoffe.
Bretter mußten mit der Hand gesägt werden
und waren viel zu teuer. Das
Schlimmste aber war, daß man die Häuser
von unten her nicht isolieren konnte, so
daß die Schlafkammern zum Venn hin alle
feucht waren . Und daher sind die gichtgekrümmten
Rücken der alten Frauen gekommen,
die fast zum Boden geneigt zu
sehen gewesen sind. Das ist heute kein
Problem mehr. Trocken war nur die Stube
über dem Keller und die eine oder andere
Schlafkammer im Obergeschoß, dem Söller.
Der Speicher war entsprechend der
»övveschde « bzw. der »övveschdije Söller«;
das Wort Speicher dagegen war in
-__,er Mundart nicht bekannt.
Die Wohnstube ist anfangs und noch lange
Zeit geheizt worden durch eine Takenplatte
, eine gußeiserne Platte, vielfach in den
Eisenhütten der Eifel gegossen mit figürlichen
Darstellungen meistens aus der Bibel,
die in einen Mauerdurchbruch zwischen
dem offenen Herdfeuer und der
Stubenwand mit der Bilderseite zur Stube
hin eingelassen, durch die Wärme des offenen
Feuers ein wenig angeheizt war und
so der Stube auch etwas Wärme spenden
konnte. Das hat sich erst ·zum Guten gewendet,
als die Kanonenöfen in der Stube
und die »Furnieß« = der Kochherd im
Huhß aufgestellt werden konnten.
Eine ganz primitive Behausung soll nach
glaubhaften Berichten ein älterer Mann auf
Aderich gehabt haben in einer »Wase
Hött«, d. h. in einer Hütte, die aus aufgeschichteten
8asenstücken zusammengesetzt
war mit ein wenig Dach darüber.
Von den ganz alten Häusern ist in Konzen
auch schon vor dem letzten Krieg nur
noch wenig erhalten gewesen. Man weiß
noch, daß das Haus Goffart an der Hohe
abgerissen und neu in moderner Form
aufgebaut worden ist, so auch das Haus
Menzerath auf Aderich. Ganz alt und klein
ist auch gewesen das Haus in der Mongs
Jaaß, neu gebaut durch Johann Krings;
dann das zwar schon etwas größere Haus
gegenüber der Ouirinuskapelle des Johann
Call mit dem Brunnenbalken davor
wie in der Pußta; leider gibt es kein Bild
mehr davon; dieses Haus ist erst in den
30er Jahren ganz neu aufgebaut worden.
Dann ist das sehr kleine Haus Joseph
Palm auf Aderich neu gebaut worden. Erhalten
in der kleinen Form ist noch das
Haus an der Ecke Hohestraße/Hardt-Mathes-Gasse,
früher Beuel , das in der Art
noch ein gutes Beispiel ist für die Hausform
der alten Zeit.
Und doch sind diese Häuser mit dem
Huhß = Wohnraum , der Stube und zwei
Kammern geradezu fürstliche Anlagen gewesen
gegenüber den Verhältnissen in
Monschau vor der Franzosenzeit, als unten
nur im Tal etwa 4 000 Menschen gewohnt
haben, d. h. jede Familie in einem
bescheidenen Zimmer in den alten Fachwerkhäusern
und dann m[t durchschnittlich
8 - 10 Kindern. Darüber schreibt der
Arzt Dr. Jonas in den Jahren 1800 -1810,
daß er es in einem dieser Räume nur zehn
Minuten ausgehalten habe und dann
mit Kopfschmerzen habe hinausgehen
müssen.
Beim Bau der Häuser ist grundsätzlich die
Nachbarschaft, von denen es in Konzen 7
gegeben hat, verpflichtet gewesen zur Hilfe
beim Heranfahren der Steine, des
Lehms und bei der Arbeit an den Lehmwänden
im Fachwerk. Die Balken der ganz
alten Häuser waren auch nicht gesägt,
sondern nur mit dem Flachbeil behauen
und sind auch in ihrer gebogenen Form
eingearbeitet worden. Die Höhe der Stuben
hat teilweise nur 180 cm betragen, so
daß große Männer in ihrer eigenen Stube
nicht aufrecht haben stehen können.
Von einigen Häusern kennen wir noch das
Alter aus Balken mit den Jahreszahlen. So
68
hat das Haus Heinrich Krings in Brennek
die Jahreszahl 1620 gehabt, das Haus
Huppertz an der Hohestraße Nr. 24 die
Zahl 1634, ist aber deutlich erkennbar
mehrfach umgebaut und vor allen Dingen
höher ausgebaut worden. Die ältesten
noch bis vor Jahrzehnten erhaltenen Häuser
sind gewesen das Haus mit dem Namen
»Kerchmeestesch« = Haus eines
Kirchmeisters an der Breitestraße und soll
um das Jahr 1600 entstanden sein wie
auch das alte Haus Stoltz in den Gassen .
Das durch den Krieg fast zerstörte Haus
Kerchmeestesch ist noch in seinen äußeren
Bauteilen auf der Photographie zu erkennen
und muß aber schon ein recht
großes Haus gewesen oder erweitert worden
sein. Es soll bewohnt gewesen sein
von einem Kirchmeister Huppertz, vielleicht
von dem Schöffen und Kirchmeister
Leonard Huppertz, gestorben 1706. Das
alte Haus in der Breitestraße Jas. Huppertz
Nr. 15 hat in einem Balken den Namen
Claeß Cohmann gehabt, ohne aber
das Jahr zu bezeichnen.
Das Haus mit den Namen die »Burg =
Borch« soll erbaut gewesen sein im Jahre
1701 von einer Familie Lennartz als Winkelbau
mit dem kleinen Haus, dem »Börjelche
«, daneben . Dann ken nen wir genau
das Alter der ersten Kaplanei, jetzt bewohnt
von dem Ehepaar Meurers-Schreiber
gegenüber der Bäckerei Isaac, die für
den Kaplan von der Gemeinde errichtet
worden ist im Jahre 1722; die Pastorat =
Pastorey, der Scheffe und der Förster waren
nämlich steuerfrei; in diesem Jahr
1722 ist zum erstenmal auch als steuerfrei
erwähnt die Kaplanei.
Das Haus »Scheffesch«, später Neiken,
soll stammen aus dem Jahre 1731 , da
beim Zusammensturz eines Torbogens
diese Zahl in eisernen Buchstaben herausgekommen
sein soll. Im Jahre 1649 ist
in diesem Haus an der Kirche unterhalb
des Hardthofes wohnhaft der langjährige
Küster Gerhard Offermann und hat auch
schon ein Brauhaus dort gehabt. Später ist
dann die Schöffenfamilie Schreiber da ansässig
gewesen mit Gastwirtschaft und
zuletzt der letzte Schöffe Johannes
Schreiber, dessen Wwe . noch in der Urkataster-Karte
1821 als Gastwirtin dort eingetragen
ist. Später ist das Haus an einen
Schwiegersohn Huppertz gekommen und
danach in die Hand des Hubert Neiken,
de_r um 1890 schon in Konzen gewesen
sein muß, da ihm 1893 ein Kind hier gestorben
war. Die Familie Neicken stammte
aus der Gegend von Eupen und hat im
Jahre 1856 am 15. Mai den Unterhof des
Reinartzhofes von dem reichen Kreiseinnehmer
Gillard gekauft für 4 500 Thaler
Preußischer Währung.
Auf der Tür des alten Hauses Schütt/Strubershof
in der Lutterbach ist die Jahreszahl
1792 zu lesen ohne aber mit Sicherheit
damit auch d~s Haus bestimmen zu
können. Der Hof önte-Pohl ist in heutiger
Form 1754 errichtet worden, wie auf ei-
Das alte Haus Kerch-meestesch kurz nach 1600
nem starken Brett zu lesen (siehe den
Beitrag über den önte-Pohl).
Im Jahre 1817 ist das erste für diesen
Zweck erbaute Gasthaus erstanden an der
fast noch leeren Landstraße = jetzt das
Gasthaus Huppertz-Steinröx; kurz danach
ist auch das spätere Gasthaus Völl an der
Kreuzung Landstraße - Hohestraße gebaut
worden mit dem Inhaber Joh . Arnold
Roder in der Urkataster-Karte; eine Erweiterung
auf lmgenbroich zu im Jahre 1876,
dazu oben ein kleiner Saal.
Um 1840 ist von dem Ehepaar Math. Kuth
- Maria Müllenmeister das große Fachwerkhaus
»a Bäckesch« - von dem Bäkker
und Gastwirt Steffens - jetzt Bäckerei
Isaac errichtet worden , im Krieg zerstört;
gegenüber der Einmündung Heerstraße in
die Landstraße ist 1851 das große Hofgebäude
Erkens-Schreiber an die Landstraße
gebaut, das vorher in dem jetzigen
Garten seinen Platz gehabt hatte ; die erste
eigentliche Schule ist das Haus, jetzt Geschwister
Frings genannt, »a Scholle«
vom Jahre 1828/29; 1857 /58 die neue
Schule, im Krieg zerstört, gelegen zunächst
am Scholl-Patt = Schul-Pfad, wo
erst später die Straße einigermaßen befestigt
worden ist;
1876 ist das Haus oberhalb der Bahn errichtet,
das nach 1920 und nach dem Zwischenspiel
von 1940 - 1945 wieder als
Enklave im belgischen Staatsgebiet liegt
und nur über Belgien erreicht werden kann
wie auch die Siedlung Ruitzhof bei Kalterherberg;
zwischen 1811 und 1821 ist das Haus
Arnold Werker, später Fritz Krings, hinter
Die »Burg« genanntes Haus = de Borch; jeder Bewohner dieses Hauses hat im Dorf den Namen
Borechs, egal wie er sonst heißt. Dieses Haus soll gebaut sein im Jahre 1701 von einer Familie
Lennartz; im Jahre 1957 ist es durch einen völligen Neubau ersetzt worden. Rechts daneben hat
ein sehr kleines Haus gestanden = et Börjelche« = die kleine Burg
69
Die Kirche mit dem Haus Scheffesch-Neiken, vorne links das alte Bröjes = Brauhaus
dem Hardthof erbaut worden und sehr viel
später erst das Haus Kreitz in der Wegegabel
zwischen den beiden Wegen auf der
Hardt. Nach dem Verkauf des Hardthofes
hätte jedermann auf der Hardt bauen können,
wo aber jedermann sich gescheut hat
zu bauen wegen des harten Bodens und
der sturmgepeitschten Höhenlage. Alle
anderen Häuser dort sind erst nach dem
letzten Krieg entstanden.
Es ist nicht möglich, alle bekannten und
schon längst verschwundenen Häuser
hier aufzuführen ; es soll aber noch kurz
berichtet werden über die Häuser, die
nach 1807 an die damals noch fast leere
Landstraße gebaut worden sind:
An dieser neuen Straße haben damals
schon gelegen die Häuser Schaly am Meilenstein,
aber stark verändert, das Haus
Huppertz an der Ecke Heerstraße - Landstraße,
auf das 1726 als Erblast eingetragen
waren die Kosten für vier Jahresmessen,
dann daneben das »Orjeleißje« =
Geschwister Huppertz, die erste Kaplanei
des Jahres 1721 /22, dann noch an der
Ecke Landstraße - Blumgasse das Haus
jetzt Gillessen. Es sind hinzugekommen
die beiden erwähnten Gasthäuser, das
Haus Erkens-Schreiber, das Haus Arnold
Rosenwick jetzt Wwe. Franz Rosenwick,
das Haus gegenüber zuerst Huppertz,
dann Math. Gerhard Rosenwick = a Maß
Jerrets, jetzt Ehepaar Wiechert-Jansen , in
den 1870er Jahren abgebrannt, aber im
nächsten Jahr in der heutigen Form aufgebaut,
das Haus Esser = Maanesse, jetzt
Ludw. Paustenbach, das Haus Steffens
Bäcker um 1840, die erste Schule 1827 /
28, um 1900 die Häuser Jos. Steffens =
Bäckesch-Jüppches mit Wohnhaus, Stall
und Scheune und Schmiede für 11 000,
Mark, jetzt Karl Johnen, das Haus Jos.
Krings, später Geschäft Edeka, 1903 =
Michael Sehartmann, jetzt Call , 1907 die
Weberei, nach 1900 die beiden großen
Steinhäuser Fammels, das spätere Gasthaus
Justavs, erbaut von Math. Draht, das
Haus Kreitz, erbaut durch Philibert Keutmann
, das spätere Gasthaus a Justins
nach 1821 = Geschw. Förster = in den
letzten Jahren in seiner ganzen Schönheit
erneuert, das Gebäude des Bahnhofs mit
zwei kleinen Wohnhäusern für die Bediensteten
nach 1885, um 1930 das Haus
des Venn-Försters Bischof; um diese Zeit
auch die Siedlungshäuser der beiden Brüder
Joseph und Karl Esser gegenüber
dem Meilenstein und die beiden Siedlungshäuser
Joh. Huppertz und Leuther;
auch die beiden Häuser gegenüber den
beiden Häusern Fammels sind in der Karte
des Ur-Katasters von 1821 noch nicht vorhanden;
das Haus jetzt Adolf Krings war
älter in der Familie Ettenberg mit Backhaus
; das Haus daneben einmal abgebrannt.
In dem Haus neben Erkens-
Gasthaus, früher a Völls, jetzt Huppertz
Schreiber hat gewohnt das Ehepaar Franz
Carl Steinröx-Helene Huppertz, dem von
Januar bis März 1884 fünf Kin der an Diphtherie
gestorben sind. Von den Erben ist
das Haus gekommen an Heinrich Huppertz-Mechelches,
im Kriege zerstört,
durch Sohn Hubert nach dem Krieg neu
gebaut.
Unsere wichtigste Quelle für die alten
Häuser ist die Karte des Ur-Katasters von
1821, in der alle Häuser eingetragen sind
mit den Namen der Eigentümer.
Es sind seit dieser Zeit folgende Häuser
nachweislich verschwunden :
In der Blumgasse: Haus des Joh. Gerhard
Beuel, des Johann Rode r, des Matthias
Völl, drei Häuser in der Hött, ein Haus in
der »Wolfskaul«, wo in der Wiese noch
eine Vertiefung zu sehen , ein Haus hinter
dem Haus Hild-Jäntges, längst verschwunden
.
In der Breitestraße: Haus des Joh. Schreiber,
ca. 1865 abgebrochen, des Dagobert
Offermann , Bäckerei, 1898 verbrannt, des
Joh. Peter Schmitz, längst abgebrochen,
ein Haus bei ganz dicker Buche neben
Haus Huppertz-Reinhartz, Haus zwischen
Ewald Krings und Werker, Haus Call Hubert,
längst abgebrannt, Haus Joh. Gerhard
Weishaupt = 1896 verbrannt, Haus
Joh. Rosenwick, längst abgebrannt, bei
dem Alt-Vahren-Hoff, Haus beim Deerechs-Pohl,
wo noch Teil einer Schutzhekke
zu sehen gewesen ist.
Auf Aderich : die erwähnte Rasenhütte,
Haus Joh. Peter Call längst abgebrannt.
Auf der Wiese vor dem Haus Kirch war das
Haus der Familie Daum.
An der Hohestraße: Haus gleich unterhalb
Bäckerei Huppertz = Haus des Anton
Rombach , längst abgebrannt. Ganz kleines
Haus auf einer kleinen Erhöhung vor
der Schreinerei Paul Kreitz = Wohnung
der Jungfrau Gertrud Meier = Meiertches
Drück, längst verfallen.
An Ecke Heerstraße - Lutterbach = Haus
des Arnold Jung, des Joh. Gerhard Förster
und wo das neue Haus von Wilh. Werker
= alle verschwunden, heute aber wieder
drei Häuser dort; Haus im Garten Erkens
in der Heerstraße, Haus Leonard Palm im
Städtchen = 1887 verbrannt.
Nach der Katasterkarte von 1821 hat es
146 Hausnummern gegeben, also auch
die Zahl der Häuser, dazu sind noch gekommen
die Häuser im Beigenbach, die
auch alle längst verschwunden sind. Nach
der Karte Tranchot um 181 O sind nicht
ganz 100 Häuser zu erkennen; man muß
dort mit Fehlern rechnen . Nach einer Aufstellung
in der Franzosenzeit vom Jahre
1799 sind in Konzen 120 Gebäude eingetragen,
wobei aber vielleicht für die Steuern
auch ein paar alleinstehende Scheunen
mitgerechnet sein können. Die Zahl
der Einwohner ist dann 1800 für Konzen
mit 662 angegeben, und das dürfte stimmen
. Man rechnet in früherer Zeit irn
Durchschnitt 5 - 6 Bewohner für jedes
Haus, und so kommt diese Zahl wohl rich-
70
Fachwerkhaus in der Blumgasse mit Schutzhecke
tig in die Akten (E. H.V. 20 Jhg. S. 52) . Von
den Häusern der Urkarte 1821 sind bis
zum Jahre 1939/1940 fast 40 Häuser
weggekommen , dafür aber bis zum Krieg
ca. 60 Häuser hin zugebaut worden .
Das alles stimmt au ch ziemlich überein mit
der letzten Forstmeister-Rechnung vor der
Franzosenzeit vom Jahre 1793/94, in der
für Konzen 113 Namen eingetragen sind,
die allerdings nicht alle ein eigenes Haus
gehabt haben müssen .
Durch den Krieg und besonders durch die
unselige Ardennenoffensive im Dezember
1944 sind dann viele Häuser ganz zerstört,
aber zum größten Teil wieder aufgebaut
worden .
Dabei hat es auch besonders schlimm getroffen
die wen igen noch ganz alten Häuser
wie das Haus Neiken an der Kirche mit
dem tief gezogenen Strohdach und dem
etwas abseits noch erhaltenen Brauhaus,
dem »Bröjes«. Dann das ganz alte Haus
des Joseph Lauscher in der Hardt-Mathes-Gasse,
tief herabgezogen mit Strohdach,
und soll sogar ursprünglich ein Doppelhaus
gewesen sein . Das alte Haus
Schreiber an der Hohe, nicht mehr aufgebaut,
das sehr alte, kleine Haus Call in den
Gassen, zuletzt bewohnt von Kalle-Pöttesch-Drückche,
neu gebaut durch Bruno
Kali, das große Fachwerkhaus Kuth-Müllenmeister
= Bäckesch, neu gebaut als
Bäckerei Isaac, das Haus Kerchmeestesch
an der Breitestraße so beschädigt,
daß nicht mehr aufgebaut, das Haus Kreitz
etwas gegenüber Erkens-Schreiber =
ganz alt gewesen, neu gebaut durch Hubert
Call ; das sehr kleine alte Haus Müllenmeister
in der Lutterbach . Andere sehr
alte Häuser waren , wie gesagt, schon vorher
abgebrochen und durch neue Häuser
ersetzt worden, so daß nun nach dem
Krieg von der wirklich alten Bausubstanz
nur noch sehr wenig übrig geblieben ist
oder von außen nicht mehr ohne weiteres
erkannt werden kann. Dazu gehört z. B.
das Haus früher Alfons Steinröx, das mit
dem kleinen inneren Kern auf ein hohes
Alter zurückgeht, aber nach dem Bau der
Landstraße um eine ganze Stube erweitert
und um 1890 noch eine große Scheune
erhalten hatte, so daß nun ein ganz anderer
Eindruck entstehen niußte.
Daß der Mensch dieser harten Landschaft
hier sich den gegebenen Bedingungen hat
anpassen müssen , wenn er überleben
wollte, mögen die 6 - 7 Meter hohen
Hauschutzhecken aus Rotbuchen - und
nicht aus Weiß- oder Hahnbuchen - beweisen,
die es in dieser Form nirgendwo
auf der Welt gibt. Welchen Wert sie haben
zum Schutz des Hauses und der ganzen
Anlage, kann abgelesen werden in der
langjährigen Arbeit von Dr. Robert Beckmann
: »Die Hausschutzhecken im Monschauer
Land unter besonderer Berücksichtigung
ihrer klimatischen Auswirkungen«,
Aachen 1979. Früher war es der
Stolz eines Hausherren, eine möglichst
dichte, sauber geschnittene Hecke zur
Nordwestseite des Hauses zu haben, wie
sie besonders heute noch in Mützenich
und Höfen zu bewundern sind , so daß
man von der Vennseite aus von den einzelnen
Häusern überhaupt nichts sehen
kann . Wenn es z. B. in Konzen in der
Blumgasse Hausschutzhecken gegeben
hat, deren Stämme einen Durchmesser
von mehr als 50 cm hatten, müssen sie
uralt gewesen sein, da sie regelmäßig geschnitten
werden und so nur ganz wenig
an Umfang gewinnen können. Dasselbe
gilt für die Feldhecken , wie wir sie noch in
großer Menge in Eicherscheid finden . Auf
den einzelnen Stöcken sind immer wieder
die Bäume als Brandholz weggeschlagen
worden, so daß auch diese Stöcke kaum
mehr in die Dicke wachsen können. Vor
allem in den Hecken an der Hohestraße
und in der Nähe des Stillbuschkreuzes
finden wir Baumstümpfe, die sich in der
Breite auf etwa 2 m ausgedehnt haben und
folglich ein ganz hohes Alter anzeigen .
Das kann man auch daran beweisen, daß
der Forstmeister im Jahre 1665 anordnet,
daß die neuen Aufforstungen in so gerader
Linie erfolgen sollen, wie die Bauern ihre
Hecken zu pflanzen pflegen. Auch der
letzte Kurfürst Carl Theodor hat in den
Jahren um 1770 angeordnet, daß die Bauern
mehr Hecken pflanzen sollen, damit
weniger Holz aus den Waldungen entnommen
zu werden brauche.
Wie geschickt die Leute sich hier zu helfen
gewußt haben, konnte man noch vor etwa
50 Jahren sehen , wenn sie die Seitenwände
einer Scheune etwa nicht mit Brettern
vor den Regengüssen geschützt haben,
sondern durch schuppenartig befestigte
Reihen des »Fedder-Mooses« aus dem
Venn, das etwa 30 Jahre für diesen Zweck
gedient hat und nur Arbeit, aber kein Geld
gekostet hat; damals noch zu sehen an
der Scheune des alten Hauses Schütt
Strubershof.
Wieviele Häuser ganz oder teilweise im
Krieg zerstört worden sind, mag in anderen
Ausführungen dargelegt werden .
71
Die Straßen und Wege
Nach den römischen Funden und dem
Namen »Compendium« ergibt sich, daß
unser Ort an einem Verbindungsweg liegt
von Mützenich -- Konzen - Kesternich bei
Einruhr über die Rur zur großen Römerstraße
bei Herhahn-Dreiborn. Der Verlauf
dieser Straße von Mützenich nach Konzen
muß entweder an dem bekannten Kirschenstein
vorbei über den Laufenbach
zur römischen Fundstätte auf dem Friedhof
geführt haben oder irgendwo über das
Hatzevenn und die Aderichsgasse; etwas
Genaues darüber konnte aber nicht festgestellt
werden . Der weitere Verlauf von
Konzen aus dürfte über die Hohestraße -
Lutterbach - Längseff-Jaaß - Schweizerhof,
rechts an Simmerath vorbei und über
die Rüstenstraße in Kesternich geführt haben.
Diese Straßenführung ist auf der
Tranchot-Karte noch gut zu erkennen.
Es ist dies aber sicher keine befestigte
Straße gewesen, die irgendwann mal zu
Tage gekommen wäre, sondern ein fahrbarer
Weg, auf dem zum mindesten die
Mengen von römischen Dachziegeln herangebracht
worden sein müssen, wohl
von Aachen aus. Davon liegen jetzt noch
bei der Pankratius-Kapelle eine Menge im
Boden, davon sind bei der Ausgrabung
des römischen Gutshofes in Eicherscheid
im Jahre 1958 einige Karren voll wieder im
Boden vergraben worden. Die Römerstraße
auf Dreiborn zu ist bei Wahlerscheid ,
ziemlich dicht an der Landstraße, als bescheidener
Damm noch zu sehen; ähnlich
ist es am Waldrand zwischen Strauch und
dem Buhlert.
Es wird auch ein Weg aus der Römerzeit
vermutet von Kalterherberg über Dreistegen
(vor längeren Jahren ist dort eine römische
Münze gefunden wurden) über
den Kalk, die Flora und Stillbusch nach
Konzen oder von der Flora über den Hargard
nach lmgenbroich usw.; das sind
aber reine Vermutungen, ohne daß jemals
ein Beweis dafür erbracht worden sei .
Dasselbe gilt für Römerstraßen, die angeblich
das Dorf Simmerath berührt hätten,
wie vielfach zu lesen, so in den Kunstdenkmälern,
in den Historischen Stätten
des Rheinlandes und danach auf einer historischen
Tafel im Rathaus in Simmerath.
Das gilt auch für eine vermutete Straße der
Römerzeit von Nideggen über Simmerath
zum Hohen Venn.
Wenn wir ca. 40 römische Fundstellen haben
im Monschauer Land, z. B. in Roetgen,
bei Zweifall, in Eicherscheid, in Kesternich,
reichlich im Raum von Schmidt/
Kammerseheid, wenn römische Eisen-
schmelz-Öfen ausgegraben worden sind
bei Berg/Nideggen, eine römische Villa
mit Hypokausten (Unterboden)-Heizung
im Buhlert, muß es auch verbindende Wege
gegeben haben; da aber sichere Nachweise
darüber fehlen, sollten weiterführende
Diskussionen unterbleiben.
Nun ist der Königshof Konzen ja von Aachen
aus gegründet worden und muß folglich
auch eine Verbindung gehabt haben,
zumal Karl d. Große hier mit Sicherheit, im
Umkreis einer Tagesreise, seiner Jagdleidenschaft
gefrönt hat. (Müller-Kehlen S.
109.) Als Verbindungsweg ist anzunehmen
der Weg von dem röm. Aachen über
das röm. Kornelimünster, das röm. Friesenrath,
das röm. Roetgen am Bahnhof
über das Hohe Venn, wohl irgendwo über
Aderich herunter nach Konzen . Beweise
für diese Streckenführung gibt es aber
nicht.
Nachdem Konzen sich zu einem Ort entwickelt
hatte, müssen die wichtigsten Straßen
oder Wege vorhanden gewesen sein,
um Steine an die Pankratiuskirche und an
die neue Kirche um 1160 zu fahren . Wenn
z. B. ein Bauer aus Konzen im Jahre 1596
Steine oder Bauholz an die Burg in Monschau
gefahren hat, wenn die Bewohner
mehrerer Dörfer das Heu vom Herrenbend
am Gericht an die Burg gefahren haben,
müssen fahrbare Wege vorhanden gewesen
sein.
Besonders durch die Erbungsbücher 1 =
1603 - 1660 werden Wege selbst kleiner
Art aktenkundig, wenn Häuser oder
Grundstücke gekauft, verkauft, geerbt
oder getauscht worden sind. So finden wir
im Jahre 1604 schon erwähnt »das Rottelgeßgen
« = das Rottelgäßchen heute noch
abzweigend vom Weg im Ellenbroich in
Richtung Blumgasse.
1609 haben wir zuerst die »Blumgasse «,
die um 1620 als die »Blommengasse« genannt
ist.
Um 1610 heißt es »auff der Herstraßen «;
das dürfte unsere Heerstraße in Konzen
gewesen sein ; eine Heerstraße gibt es
aber auch nicht lange danach in Kesternich,
und 1616 heißt es : »in der Herstraßen
boffen (oberhalb) Mützenich«, etwas
später ist auch eine Herstraße in lmgenbroich
erwätmt. Es ist nur die Frage, ob
das eine »Heer-Straße« oder eine »Herren-Straße«
gewesen ist. Man muß wohl
• eher die »Herren-Straße« annehmen, auf
der. der Dechant von Zülpich zur Visitation
der Kirche, dem Send, mit großem Gefolge
anfangs vom Rurtal aus gekommen ist.
Daß die große Flur Brenneck an unserer
Heerstraße gelegen war, geht hervor aus
dem Erb-Buch 11, als im Jahre 1758 ein
Grundstück genannt wird in »brinnich mit
dem Vorhaupt ( = Kopfstück) an der herß-
. straß«. Ein Leichenweg ist schon in diesen
Akten um 1615, ohne daß wir aber entscheiden
können , ob hier unser Leichenweg
von Mützenich gemeint gewesen ist,
da damals rioch aus vielen \Ortschaften
Kirchenwege oder auch Leichenwege
nach Konzen geführt haben. Unser Leichenweg
hier ist aber mit Sicherheit genannt
beim Hardthof im Jahre 1717 und
hat seinen Sinn erst verloren 1856, als
Mützenich mit seiner eigenen Kirche aus
der Pfarre Konzen ausgeschieden war.
Vor 1620 ist auch - aber nur nebenbei
erwähnt - schon eingetragen ein Grundstück
»ahm Kharweg « bei lmgenbroich,
wo 1830 der Hubert Beuel als Besitzer des
einsamen Hauses dort erstmals in den
Akten erscheint; um 1620 finden wir auch
schon den Streuwerweg, der von der
Blumgasse abzweigt und in alter Zeit auch
in Huppenbroich erwähnt ist und wohl den
Leuten dort zur Fahrt mit den beladenen
Streuverkarren gedient hat.
Nach dem Erb-Buch II haben wir notiert
um 1740 »daß buschgäßchen « = Verbindungsweg
zwischen dem Hohe-Weg und
der Blumgasse, heute aber fast zugewachsen;
ein Nelles Emonts hat um 1755
ein Haus gekauft . . . »an der gemeinen
Landstraß« gelegen und der Hermann
Eßer = Maanesse hat 1782 »ein Haus
gekauft einerseits an der gemeinen Straß
gelegen «.
Diese gemeine = allgem~ine Landstraße
oder gemeine Straß muß die alte Verbindung
• gewesen sein von lmgenbroich
durch Konzen in Richtung Roetgen. Den
Verlauf dieser sicher noch nicht fest ausgebauten
Straße ist von lmgenbroich aus
verlaufen gleich an den Häusern auf Beuel
vorbei, ist beim späteren Meilenstein mitten
durch das »Städtchen« gegangen, vor
den Häusern Huppertz an der Heerstraße
entlang , hat dann die heutige Landstraße
überquert, ist verlaufen hinter dem Haus
Wiechert Nr. 72, hinter dem Haus Steinröx
Nr. 66 und hinter dem Haus Blumensath
auf die jetzige Schule zu, ist dann durch
die Brüchelchen gegangen in Richtung
Breitestraße und genau am Hof öntepohl
vorbei auf das Venn zu, wo noch ein geringer
Hohlweg zu erkennen ist. Der genaue
Verlauf über Hochseheid, wo sich nach der
Tranchot-Karte etliche Wege gekreuzt haben,
auf Roetgen zu, ist nicht mehr festzustellen.
72
Es muß aber auch schon eine alte Verbindung
bestanden haben irgendwo über
Aderich über den Berg und zwar da, wo
der Höhenzug eine geringe Mulde bildet,
also nicht gerade so steil in die Höhe führt;
von dort ist die Straße weitergegangen
zwischen der Landstraße und der Weser,
wo sie den Namen gehabt hat der »hälle
Wääsch « = der helle Weg; das Wort »häll «
bedeutet aber nicht = hell vom Licht, sondern
häll = vo n dem Wort »hallen «, von
dem Klang eines Hammers auf einen
Stein, der hell klingt, bei einem weichen
Schieferstein aber nur einen dumpfen Ton
ergibt. Dieser »Hälle-Wääsch« muß mithin
über besonders festen Untergrund geführt
haben oder mit Steinen bereits festgemacht
worden sein . Dieser Weg ist dann
unterhalb von Fringshaus weitergegangen
und noch deutlich zu erkennen weiter auf
Roetgen zu an mehreren tief ausgefahrenen
Karrenspu ren , die man schon für eine
römische befestigte Anlage gehalten hat.
Dort ist auch der Mord an dem Offermann
geschehen, dessen Kreuz jetzt auf dem
Straßenrand ca. 300 m unterhalb von
Fringshaus sich befindet und erst nach
dem Bau der Landstraße seinen Platz gewechselt
hat.
Diese tiefen nebeneinanderliegenden Karrenspuren
dort im Venn kommen von dem
nicht befestigten Untergrund, wo jeder
Fuhrmann sich eine neue Fahrspur gesucht
hat, wenn die alte zu sehr in den
Boden eingetrieben war.
Auf dieselbe Weise ist auch die Breitestraße
in Konzen entstanden , wo die Fuhrleute
immer wieder ei ne neue Fahrspur gesucht
haben , wenn die alte zu sehr im
Boden eingefah ren war; als dann die Straße
mit einer fe sten Decke versehen war,
ist das unterblieben, so daß die Anwohner
nun das ehemalige Gelände des »breiten «
Weges erwerben und Gärten anlegen
konnten , wie es auch die Anwohner auf
Beuel in lmgenbroich getan haben nach
dem Bau der Landstraße .
Die jetzige Konrad-Adenauer-Straße nach
dem Bau der neuen Schule als »Scholl
Patt« = Schulpfad bekannt, war nicht mehr
als ein ganz primitiver Weg , der im Früh
Jahr, wenn der Frost ausgegangen war, an
der Oberfläche so weich war, daß man das
Wort »Schöckele-Pötz« = Schaukelbrunnen
hätte gebrauchen können, wenn der
nasse Lehm von unten durchgedrungen
war.
Andere Wege sind nach den entsprechenden
Flurnamen genannt worden wie
Längkseff-Gasse, Ellebroichs-Gasse,
Stendrechs-Gasse, Böschels-Gasse, Hue
Gasse = von der Blumgasse abzweigend
zur Hohe, Rönn-Gasse usw., die hier
nicht besonders besprochen zu werden
brauchen . Alles, was zwischen der Landstraße,
der Hohestraße und der Breitestraße
lag, wurde mit dem Gesamtnamen bezeichnet
»in den Gassen «. Später hat man
dann schon unterschieden etwa die Pietesch-Jaaß,
die Konsums-Jaaß. Alt dagegen
ist die dazwischen liegende Mongs
Jaaß. Wir erinnern uns an die Frau des
Scheffen und Kirchmeisters Leonart Huberts
mit der Gedenktafel in der Kirche,
dessen Frau Johanna Clermonts am 25.
März 1723 gestorben war. Dazu ist auch
ein Mann mit dem Namen Clermont hier
gewesen, und da das Wort auf der letzten
Silbe zu betonen war, ist das »Gier« bald
im Volksmund weggefallen, so daß die
Monts = Mongs-Gasse entstanden ist.
Ähnlich verhält es sich mit der Cohm
Jaaß; wir haben in Konzen schon bald
nach 1500 einen Kaufmann in den Steuerlisten,
der wohl einen ersten Kramladen
hier gehabt hat. Von diesem Namen ausgehend
ist dann im Verlaufe der Zeit ein
freies Kaufmanns-Gut in Konzen entstanden
, das zuletzt in dem Lagerbuch des
Jahres 1649 im HStAD mit 13 Einzelgrundstücken
und zusammen 21 Morgen
Land im Besitz der Familie Wolter mit Behausung
, Grashoff und Garten vorkommt.
Vorher muß es aber der Claiß Kaumann
gehabt haben, der allerdings daneben das
Deusters-Gut in Roetgen als Lehnsgut inne
gehabt hatte. Und dieser Claeß Kaumann
oder Cohman ist ja noch verewigt
gewesen in dem Haus Jos. Huppertz in
der Breitestraße. Aus dem Kaufmann ist
also schon früh der Kaumann , der Koman
und der Coman geworden, und diese Familie
hat in Konzen noch eine lange Tradition
gehabt mit vielen Verwandtschaften ,
ist aber vor dem Jahre 1800 schon einige
Zeit in der männlichen Linie ausgestorben
gewesen . Es ist auch nicht zufällig, daß die
Kohm-Gasse, wie man besser schreiben
sollte, nicht vorne im Dorf zu finden ist,
sondern im »Höngeren-Dorp« = im hinteren
Dorp, auch das ist schon belegt als
»hinten im Dorf« etwa im Jahre 1745, da
die genau bestimmten Grundstücke alle
liegen in Richtung auf Simmerath zu.
Damit soll dieses Kapitel zunächst abgeschlossen
sein , wobei aber betont werden
muß, daß die frühen Eintragungen in den
Akten nur zufäll ig erfolgt sind beim Kaufen
, Verkaufen oder Umtauschen von
Häusern oder Grundstücken und keine
Auskunft geben über das wirkliche Alter
etwa der Heerstraße oder der Blumgasse.
Das wird man nicht mehr feststellen
können.
Eine große Umgestaltung hat Konzen erfahren
, nicht nur im Bereich der Straße,
sondern insgesamt auch im Bestand der
Häuser durch die Landstraße als Verbindung
von Aachen nach Monschau , geplant
durch Napoleon. Der Plan und das Dekret
dazu sind ergangen am 10. September
1804 in Aachen selbst, einem Lieblingsort
Napoleons, der sich selbst in weitem Maße
als den zweiten Karl d. Großen gesehen
hat. Die Kosten sind aufgestellt worden
mit 79 990 frcs. und sind zum Teil auf
die Gemeinden Brand , Kornelimünster,
Roetgen , lmgenbroich , Kalterherberg und
die Städte Monschau und Stolberg - dorthin
ist eine Abzweigung geplant gewesen
- aufgeteilt; das war im Jahre 1806, und
dann ist gleich mit der Arbeit begonnen
worden von lmgenbroich aus schon im
September 1806. Im Herbst 1807 ist diese
Chaussee in Konzen bereits bis am önte
Pohl fertig gewesen, wie der Lehrer Joh.
Huppertz in seiner Chronik schreibt, und
er selbst hat im Oktober und November
auf dieser Straße mitgearbeitet, da der Unterricht
wohl erst im Winter begonnen
hatte.
Es müssen für die damalige Zeit gewaltige
Erdbewegungen stattgefunden haben, da
man zwischen dem Städtchen und dem
Gasthaus Huppertz-Steinröx hat aufschütten
und danach bis zur Kreuzung Hohestraße
- Landstraße das Gelände um mindestens
zwei Meter hat einschneiden
müssen, und das alles doch sicher noch
mit »Hack und Schüpp« in Handarbeit.
Dann hat man wieder viel aufschütten
müssen in der Gegend des Konsums.
Auch zwischen der Breitestraße und dem
späteren Bahnhof ist es ein schwieriges
Gelände gewesen bei dem vennartigen
Boden .
Auffallend ist aber, daß diese Straße gerade
über die höchste Erhebung von Hochscheit
geführt worden ist, was man doch
normalerweise vermeiden sollte. Und
auch das soll nach glaubwürdigen Berichten
einen Grund gehabt haben. In dem Hof
öntepohl hat sich ein Gasthaus befunden ,
und der damals einflußreiche Besitzer Wilhelm
Heinrich Schreiber soll es durchgesetzt
haben , daß man diese ungünstige
Strecke genommen hat gegen die ursprüngliche
Absicht, die Straße ein paar
hundert Meter weiter auf Mützenich zu
auszubauen , wo man ein wesentlich günstigeres
Gelände mit weniger Steigung
gehabt hätte, wo auch der Weg von Konzen
nach Roetgen über den Hälle-Wääsch
verlaufen war. Bei dieser Führung hätte
das Gasthaus önte-Pohl aber seine Bedeutung
verloren gehabt. Auffallend ist
auch ein Knick in der Linienführung an der
Kreuzung Hohestraße-Landstraße auf diese
Höhe Hochscheit hin, die in der Tranchot-Karte
nicht eingetragen ist, wohl natürlich
in der viel genaueren Karte des
Urkatasters vom Jahre 1821 . Durch diese
schnurgerade Linienführung hat die neue
Straße die Grundstücke durch- und abschneiden
müssen, sie hat dann eine Reihe
von Häusern an sich gezogen, wie in
dem Kapitel über die alten Häuser berichtet
wird.
Die Meilensteine zu 7 ½ km preußischer
Art hat einige Jahre später erst die preußi
sche Regierung setzen lassen, mit dem
preußischen Adler verziert. Die Franzosen
haben Ende 1813 das Land am Rhein verlassen
und im Januar 1814 russischen
Kosaken weichen müssen, die zuerst in
Monschau eingerückt sind am 14. Januar
1814.
Die Preußen haben dann nur noch ein
kleines Stück dieser Landstraße fertigstellen
müssen und auf diese Weise die Ver-
73
bindung Aachen - Monschau in chausseemäßiger
Ausführung gehabt.
In Konzen sind alte Wege und Pfade verändert
worden; so ist die Heerstraße erst
später an die neue Landstraße durchgezogen,
andere Wege sind überflüssig geworden
und im laufe der Zeit den benachbarten
Grundstücken zugeschlagen worden .
Dann auch hat es erst den Kirchenpfad
den »Kerche-Patt« vom Gasthaus Huppertz-Steinröx
zur Kirche gegeben, der
auch danach zu einer festen Straße ausgebaut
werden konnte. Eine neue Straße
ist entstanden im »Bruch« um 1920, als
der dortige bescheidene Patt zu der jetzigen
Straße befestigt wurde und bald danach
mit Häusern fast bestückt worden ist.
Mit der großen Rodung Hatze-Venn Anfang
der 20er Jahre als Notstandsmaßnahme,
wo dann die großen Bauernhöfe mit
jeweils 60 Morgen Land entstanden sind,
ist 1925 auch die Straße nach Mützenich
durch das Hatze-Venn ausgebaut worden,
die heute einen wichtigen Verkehrsweg
darstellt.
Zuvor schon ist der allgemeine Venn-Weg
vom Bahnhof in Richtung auf die Landstraße
Mützenicla - Monschau in Angriff genommen
und im Jahre 1876 bis etwa zum
Reinartspfad fertiggestellt gewesen. Nicht
lange danach ist er bis zur Landstraße
Mützenich- Eupen durchgezogen worden
und hat endlich den zahlreichen Fuhrwerken
eine feste Fahrbahn geboten. Oben
auf dem »Berg« sieht man noch längliche
Vertiefungen, wo man die Steine für diesen
Straßenbau herausgeholt hat. (Darüber
befindet sich ein umfangreiches Aktenstück
im HStAD, wo es vor allen Dingen
um die finanziellen Belastungen geht,
die auf die einzelnen Gemeinden zugekommen
sind.)
Wie schwer es für die Gemeinden gewesen
ist, die nötigen Kosten für die Unter-
haltung der Straßen aufzubringen, beweisen
die erhobenen Straßengebühren an
den »Barrieren «, wo für leere Fuhrwerke
zwei und für beladene vier Pfg . erhoben
wurden. Nur Fuhrwerke, die mit Düngekalk
aus Friesenrath durchkamen, sind von
dieser Gebühr befreit gewesen, um diese
so notwendige Düngung zu fördern. Diese
Hebestellen für die Straßengebühren sind
versteigert worden, und es sind noch die
Stellen oben am Bahnhof und in dem Haus
neben Erkens-Schreiber bekannt geblieben.
Die Leute in diesem letzten Haus
haben von den Barrieren im Dorf den Namen
»Pareesch « gehabt. Die letzte bekannte
Hebestelle ist in der Blumgasse bei
dem Gasthaus Schmitz-Jaaße gewesen,
wo die Fuhrleute dann einzukehren pflegten;
und das war dann der Verdienst der
Wirtsleute.
Über den Zustand der Blumgasse haben
wir dadurch Kenntnis, daß im Jahre 1858
die »Chaussierung vom Entenpfuhl bis
zum Gericht« in die Wege geleitet worden
ist, wobei die Steine dazu aus dem Beigenbach
angeliefert worden sind. Trotzdem
ist diese Straße aber wieder in einem
sehr schlechten Zustand gewesen um das
Jahr 1890, als ein Fuhrmann sich darüber
beschwert hatte, daß man diese schlechte
Straße benutzen müsse und auch noch
zur Kasse gebeten werde. Im Jahre 1928
ist diesem Zustand mit einer neuen Steindecke
mit Teerauflage ein Ende gesetzt
worden.
Auch unsere große Landstraße hier ist bis
zum Jahre 1928 nur mit einer Steindecke
und Sand befestigt gewesen ; bei dem
dann zunehmenden Autoverkehr, wobei
man die Personenwagen noch als »Luxus
Autos« bezeichnet hatte, haben diese Wagen
bei gutem Sommerwetter eine lange
Staubfahne hinter sich hergezogen, so
daß die Leute auf der Straße, aber auch
die Wiesen und Gärten rechts und links
mit einer grauen Staubschicht eingedeckt
wurden . Und es war eine große Erleichterung
und ein wichtiger Fortschritt fü r unser
Dorf, als im Jahre 1928 endlich eine
Schwarzdecke = Makadam = Teer aufgetragen
worden ist zur großen Freude allerseits.
Neben den Straßen und Wegen hat es
eine ganze Reihe von Fußpfaden gegeben
für die Leute, die zu den einzelnen Flurstücken
zur Arbeit gegangen sind. Wichtig
waren vor allen Dingen die Pfade an den
Seiten des Leichenweges und an der
Stendrechs-Jaaß, weil diese bei feuchtem
Wetter für die Fußgänger fast unpassierbar
gewesen sind. Weitere Pfad e gab es z. B.
in den Wiesen von Brenneck, über die
Hohe hinweg und zwi schen den Hardtwegen.
Die Zäune an den Flurgrenzen waren
dafür durch einen dreiecki gen Durchlaß=
Stejel geöffnet nur für die Menschen, oder
man hatte zwei hohe Steine in die Erde
gerammt, so eng beieinander, daß kein
Großvieh hindurchschlüpfen konnte. Es
soll dabei aber vorgekommen sein , daß
eine ältere Frau mit mehr als üblich ausladenden
Hüften sich in einem Paar dieser
Steine festgefahren hatte und nur mit Mühe
von einigen kräftigen Männer herausgewuchtet
werden konnte. Jetzt sind zwei
solcher Steine noch zu sehen in der Hohestraße,
wo sie früher Hoher-Weg hieß,
an einem Wieseneingang, nicht weit von
der Blumgasse entfernt. Als nach dem
letzten Krieg alle Feldwege mit einer Teerdecke
versehen worden sind und auch
niemand mehr als Fußgänger zur Arbeit
gegangen ist, sind alle diese alten Pfade
verschwunden , bis auf einen.
Dieses Kapitel hat sicher gezeigt, welche
Veränderungen auch auf diesem Gebiet
ein solcher Ort im Verlaufe der Zeit erlebt
hat.
74
Die Flurnamen
Daß die Flurnamen höchst wichtige historische
Dokumente sind, die aus einer Zeit
stammen, als noch kaum schriftliche
Zeugnisse vo rhanden waren, braucht
kaum noch betont zu werden. Folglich ist
es unser aller Aufgabe, diese Zeugnisse
mit größter Sorgfalt zu erforschen , zu bewahren
und besonders für die Zukunft
festzuhalten , wo immer es noch geht.
Als wichtige Hilfsm ittel dienen hierbei die
alten Wörterbücher aus der frühen Zeit,
bei uns hier die sogenannten » Erbungsbücher«
des Landgerichts Monschau Nr. 1 im
HStAD von 1603 - 1660 und die beiden
weiteren bis zur Franzosenzeit im Stadtarchiv
Monschau . Dort si nd Verkäufe, Käufe,
Erbsachen und Tausch (beuten von
Grundstücken und Häusern) eingetragen
und enthalten fast alle alten Flurnamen in
unserer Gegend. Dann ist für uns wichtig
das bekannte Werk von Heinrich Dittmaier:
»Rheinische Flurnamen « vom Jahre
1963.
Der 1544 hier eingesetzte Amtmann Chri
stoph v. Rolshausen hat gleich danach
eine Reihe von Einzelgrundstücken in der
Umgebung gekauft, so daß wir vor 1550
auch schon etliche Flurnamen überliefert
haben.
Daraus sind für uns wichtig :
Ein Morgen Land »uff Bruel «, neben dem
Erff (großes Grundstück) auff der Hahrt =
Hardt;
ein Platz hinter der Kirche, wofür er jährlich
drei Gulden zahlt, mithin nur gepachtet;
ein Benden , »hinter den Weyren « (mehrfach
erwähnt) ; das kann sich nur um das
Gelände am heutigen »deeve Wejer« gehandelt
haben, die für die Mühlen im Kalltal
bestimmt gewesen sein müssen ;
ein Ort Benden von der Kirche zu Contzen
empfangen genannt »Birckenbach «; die
Lage ist nicht mehr festzustellen ;
ein Bruch, genannt Steinborn, vielleicht
auf Steindrich?;
ein Hoff (Hoff ist immer Wiese und nicht
Hot) zu Contzen von Collarts Theiß, wo
vorher ein Haus abgebrannt war; das dürfte
das heute noch bekannte große Grundstück
sein unterhalb Marxe an der Hohestraße
bis zur Landstraße = »der Kühlert«;
ein Bend boven der Schwangelbach und
noch ein Bend dort; in der Nähe der
Schwangelbach hat wohl sein gleichnamiger
Sohn 1571 den Gutshof Stillbusch an
legen lassen·
ein Ackerland »auff dem Hargarth «, wohl
erste Erwähnung, wo 1582 schon ein
Pächter eines großen Hofes genannt ist;
dann ein Grundstück in der Sprosselbach
bei Eicherscheid und ein Grundstück »auß
der Weydenauwell «; das dürfte die erste
Erwähnung sein des späteren hübschen
Ortes Weidenauel im Rurtal, leider untergegangen
nach 1935 in der Rurtalsperre.
Doch zurück zu den Anfängen :
Der älteste Flurname hier dürfte der Name
»Hardt« sein, wovon der Hof dort schon
1437 in die Akten gekommen ist, aber
sicher wesentlich älter war mit dem Ursprung
der Familie von der Hardt, die
schon 1404 genannt ist. Daß dort auf der
Hardt der karolingische Königshof gestanden
hat, wi rd allgemein angenommen, und
es spricht auch nichts dagegen. Dieser
Hof der Karo lingerzeit muß in der Nähe
der römischen Fundstelle - auf dem Friedhof
- gelegen haben und nicht etwa in der
entfernten Lutterbich, wie man nach dem
Ortsteil vom Jahre 1369 denken könnte.
Die »Steeröksch «, das Gebiet zwischen
Brenneck und dem Steerökscher-Bruch,
ist mit der älteste Flurname hier und bedeutet:
Stein-Stein; das Wort »röksch «
kommt von dem franz. Wort roche =
Stein-Fels, wird später bei uns zu rotsch -
roetsch - roeksch ; das kann vielfältig aus
alte'n Akten und Urkunden bewiesen werden
z. T. aus dem Staats-Archiv in Brüssel.
Die älteste Erwähnung bei uns ist der
Johann Steynrutz, der im Jahre 1387 an
einer Fehde in der Gegend von Köln beteiligt
gewesen ist.
Auch unser Hausberg, die Hu-e, ist sicher
viel älter, als die ersten Namenslisten kurz
nach 1500 ergeben. »Hohe-Straße« und
»Stein-Straße« werden allgemein gedeutet
auf die römische Zeit. Ob das bei uns
mit der Straße der Hu-e, der Hohestraße,
der Fall ist, kann mit Sicherheit nicht festgehalten
werden .
Ganz alt in unserer Gegend und im ganzen
Rheinland sind die vielen Flur-, Ortsund
Familiennamen mit dem Wort »bruch «
= broich, aber stets zu sprechen als
»Bruch «, wie in lmgenbruch, Huppenbruch
und Rollesbruch . Dieses Wort haben
wir schon im mhd . als bruoch = Moor,
Sumpf und allgemein feuchtes Gelände,
im Niederländischen als broek, auch nasses
Uferland, und hat gar nichts zu tun mit
dem Wort brechen.
In der ältesten Namensliste des Konzen
Monschauer Gebietes um 1190 finden wir
als Zusatz der damals noch einfachen Vornamen
nur den »hupert in dem bruch «;
das kann lmgenbroich gewesen sein, auch
1361 erstmals in den Akten , oder ein anderes
Dorf oder ein anderes »broich « in
der Nähe.
In Konzen haben wir beiderseits der Landstraße
die »Brüchelcher«, in der Nähe des
Naaße-Bönd das »Steerökscher-Bruch«,
wo bis vor etwa 100 Jahren noch Torf
gestochen worden ist; es hat der Gemeinde
gehört und ist dann in Einzelparzellen
verkauft worden.
Zwischen der Landstraße und dem Laufenbach
steht in der Ur-Katasterkarte des
Jahres 1821 nicht ein einziges Haus; es
war die Pferde- oder Füllenweide im Besitz
der Gemeinde und ist in einem Teil als
Kirchbroich schon erwähnt im Jahre 1752.
Nach den Landratsakten ist dann 1857 /58
die neue Schule im Kirchbroich erbaut
worden; am 27. Februar 1858 hat die Gemeinde
im Kirchbroich 13 Parzellen auf
neun Jahre zu verpachten . Um 1920 ist
der Fußpfad dort, der bei feuchtem Wetter
kaum begangen werden konnte, zu einer
festen Straße ausgebaut worden und hat
bald eine Reihe von Häusern auf Mützenich
zu bekommen. Oberhalb dieser neuen
Straße wurde das Wasser gesammelt in
dem Kirch-Diech und unter der Straße abgeleitet
in die Vlötz-Benden zur Bewässerung
der Wiesen im Frühjahr. Beim Verkauf
des Hardthofes am 29. Juni 1811 ist
notariell festgelegt worden, wer an welchem
Tag das Wasser aus dem »Broich «
in diese Benden ableiten durfte. Noch vor
gut 50 Jahren sind die letzten Kuhlen und
Löcher in diesem Gebiet aufgefüllt und so
erst richtig urbar gemacht worden. Durch
die Anlage der Kanal isation ist dann auch
noch der Kirch-Diech weggefallen und gibt
um so mehr Anlaß, das »Kirch-Broich « als
historisches Denkmal zu erhalten .
Dann haben wir die große Flur »Ellen
Broich « mit dem Ellenbroichs-Je-eßje =
Gasse, das zu erklären ist als das Erlen
Elsen-Broich; in die Akten ist es gekommen
schon im Jahre 1614, und es ist noch
bekannt, daß man dort den so wichtigen
Torf gestochen hat. Ein Gegenstück dazu
haben wir beim Reinartzhof, wo ein altes
»Ellerbroich ,; zu den großen Flurstücken
gehört.
Andere Gemeinden hier sind bemüht, ihre
alten Broich-Namen ja nicht zu verlieren,
wie Mützenich, lmgenbroich, Simmerath
und bes. Roetgen zeigen, wo es sogar ein
»Faulenbroich « gibt. Selbst Städte wie
Grevenbroich , Bruchsal und sogar die
Landeshauptstadt Brüssel, entstanden aus
»Brock-sel« = kleines Broich , tragen ihren
Namen mit großem Bedacht in die Zukunft.
Zu den ältesten Namen hier gehört sicher
der »lütere«, der lautere = reine Bach im
75
Gegensatz vielleicht zu den Bächen mit
rötlicherem Wasser, die aus dem Venn
entspringen. Man hat auch schon mal an
den »lütenden«, den lautenden, den hörbar
flutenden Bach gedacht. Aber das
dürfte bei unserem kleinen Lutterbach
nicht in Frage kommen.
Die erste Erwähnung als Ortsteil haben wir
1369, den Lehnshof Lauterbach ab 1481.
(S. die Geschichte des Hofes Lauterbach.}
Daher stammt natürlich auch der hier verbreitete
Familienname Lauterbach = Lutterbach,
der in Konzen .aber schon vor
1900 ausgestorben war, zahlreich noch
erhalten in Schmidt, Strauch und Rohren,
verbreitet aber auch als Orts- und Familienname
im viel weiteren Bereich .
An dem Weg, der von der Hohestraße zum
Wasserwerk führt, war früher zu sehen das
»Biechelches-Stennche«, ein kleiner
Felskopf an der oberen Grundstücksgrenze.
Dieser markante Punkt ist 1907 beim
Bau der Fabrik weggeschlagen worden
und als Untergrund in die Fundamente
gekommen. Leider!
Das Wort ist anzuschließen an die Bieley
im oberen Perlbachtal, vielleicht zu keltisch
bil = steil, besser wohl zu germanisch
bili = vorspringend , Vorsprung , und
dabei können wir auch denken an viele
Wörter wie Beilstein an der Mosel, Bilstain
bei Verviers und andere. Wir können auch
denken an das Wort unserer Mundart =
Piel-ret-op pfeilsenkrecht nach oben. Unser
»Biechelchessteen« ist demnach zu
deuten als kleiner Felsvorsprung, was es
ja auch gewesen ist.
Eine »Horstatt« haben wir zweimal = an
der Ecke Heerstraße-Lutterbach und am
öntepohl. Denselben Flurnamen gibt es in
Mützenich und in Woffelsbach . Man nimmt
an ,qie Bec_j~utung, »alte verfallene Hausstätte«
nach einem ahd. Wort »hovastat«,
mhd., »h0,v.estat =; hus-stat« oder als ein
Ort, an dem einmal° ein Hof gestanden hat.
Die »Vürbich« = Feuerbach dürfte mit
dem Feuer nichts zu tun haben. Schon um
1620 finden wir »in der voerbach« und in
der »Vohrbach« , so auch noch in der Tranchot-Karte
um 1810, somit ist gemeint der
Vorbach vor dem Laufenbach, der beim
Weldewiffjes-Loch mündet. Alles aber,
was »vür« heißt, bedeutet für die Leute auf
den Kanzleien = Feuer. Aber, wir kennen
auch das »Vür-hüßje« = das Vorhäuschen
in der Kirche, wir kennen das Vü-erel =
das Kopfstück einer Parzelle, wofür es in
Eicherscheid heute noch heißt= Vür-Höht
= das Vorhaupt, das sehr oft bei Grundstückskäufen
usw. auch in unseren Akten
steht. Um 1750 ist allerdings dann auch
schon die »fürbach « und »ein Bend in der
feuerbach « notiert, aber sicher eine falsche
Übersetzung des alten Vür = Vor
Baches.
»Kri-e-wenkel« = Krähwinkel eine größere
Flur bei uns, wo nach dem Krieg eine
ganz neue Siedlung entstanden ist, die
aber nach der Form der sogenannten modernen
Häuser und dem Zuzug fast nur
auswärtiger Familien noch auf lange Zeit
ein Fremdkörper im Ort bleiben wird. Es ist
ein ganz alter Flurname schon überliefert
aus dem 13. Jahrhundert und soll eine
böse Anspielung sein auf einen nahegelegenen
alten Galgenplatz, an dem die Krähen
an den Leichen der Gehenkten sich
gütlich getan hätten. Hier ist es aber sicher
nur der abgelegene Platz, an dem die Krähen
mit Vorl iebe zu nisten pflegen . In den
Akten ist bei uns ein Stück erwähnt »der
Kreewinkel« um 1780.
»Rom-Pool « in der Nähe des Stillbuschkreuzes
bedeutet einen Grenzpfahl; wo
man die Grenzen innerhalb der Dorffluren
nicht durch natürliche Punkte wie Bachläufe,
Felsen oder markante Bäume festlegen
konnte, hat man einen Pfahl gesetzt, einen
runden Pfahl = einen »rongde Pool«, zu
sprechen wie »Pool « der Pfahl; daraus ist
dann verkürzt der »Rom-Pool « geworden
wie genau so in Kalterherberg, auch am
Rande der Dorfflur. Unser Flurname Rompool
ist schon genannt im Jahre 1614 =
»auf rompaell «, zu sprechen = auf rompaal.
Dort gleich in der Nähe haben wir auch die
Flur Voß-bu-er-Fuchsborn . Zu unserer
Kindheit war noch eine sprudelnde Quelle
zu sehen in dem Wegegraben gleich oberhalb
des Stillbuschkreuzes, durch die moderne
Straßenführung und Kanalisation
aber verschwunden. Der Voß-bu-er ist
schon erwähnt im Jahre 1611 /1612 als
»im Voeßbour«.
Der Naaße-Bönd = eine besonders feuchte
Wiese, da Bönd an sich schon auf ein
feuchtes Gelände hinweist; und diese Bedeutung
stimmt, auch wenn das besonders
Nasse durch Drainage nicht mehr so
schlimm erscheint. Aus diesem Gelände
entspringt ein kleiner Bach, der oberhalb
aer Rochusmühle in den Laufenbach mündet,
aber ohne einen Namen zu haben.
Ähnlich wie der Naaße-Bönd ist der »Naaße-Sief«
im Hohen Venn, ein kleines Gewässer,
das in den Getzbach, die »Jüertz«
mündet. Aus diesem Naaße-Sief ist
dann ein Naaß-Sief und zum Schluß im
Anschluß an die Nacht ein »Nahts-Sief«
geworden; in dieser Form dann auch in die
betreffenden Flurkarten dort eingezeichnet.
Vom Stillbuschkreuz auf die Kirche zu haben
wir den Flurnamen »en de Wenkelcher«
= ein größeres Flurstück mit verwinkelten
Ecken, das so zu seinem Namen
gekommen ist.
»De 11 Jemahr« befinden sich auch dort
in der Nähe und sollen eine kleine Wiese
bezeichnen , auf der nur elf Sensenschnitte
mit den Grasschwaden den »Jemahr«
zu machen w_aren. Die jetzige Form dieses
Grundstückes ist aber nicht in rechteckiger
Art vorhanden, vielleicht nachträglich
geändert worden.
Auf. der Hardt und zum Hardthof gehörend
haben wir die Neulskaule, und 1717 erstreckt
sich das Gelände des Hardthofes
vom Garten mitten über die Neulßkaulen
bis an den Leichen-Weg. Von NE-ul und
der Neulßkaule ist heute nichts mGhr bekannt;
man kann annehmen, daß es die
Flur eines »Nöll «, eines Arnold gewesen
ist, was die Schreiber zu »Neul « verhochdeutscht
haben.
Die Kauverley ist der Ab hang von der
Hardt zum Laufenbach mit Schiefergestein
in stark abschüssiger Lage. Das ist hier die
alte Kälber-Ley, wo die Kälber ihre Gemeinschaftsweide
hatten oder wo schon
mal Kälber abgestürzt sind . Dazu im Jahre
1662 »bei Contzen an der Kalberley«.
Ähnlich auch der oft genannte Flurname
»uf Kauferscheit» schon 1602 in dieser
Form und dann vielfach genannt auch als
»Kalberscheid«, eine große Flur am
Krangsbach auf Simmerath zu und heute
nur noch bekannt als das verkürzte »Kauvesch
«.
Zwischen der Landstraße und der Flur Auweyer
liegt »em Hääsch « = in der Hecke,
= 1642 = zu Conzen »Im Hege«, d. h.
zwischen Hecken gelegen ; die Hecke ist
in unserer Mundart »et Hääsch «, d. h. das
Eingehegte, Eingefriedete, dazu die Haag;
»de Heck« dagegen ist bei uns der Niederwald,
der z. T. zur Lohschälung von
Eichenaufwuchs benutzt worden ist wie
die »Mengßer-Heck«.
Gegenüber dem Hääsch an der anderen
Seite der Landstraße haben wir den
»Kruusch-Böschel «, auch schon früh in
unseren Akten. Dort hat Johan Bauwell ein
Stück Land »uff dem Crauß Büchel!«, und
ein paar Jahre später ist genannt der
»Kraußbeuchel « = wo viel Kraut vielleicht
aber auch viel Unkraut wächst; möglich
wäre auch ein Büchel, eine kleinere Erhebung,
wo früher einmal ein Kreuz gestanden
hat.
Ein Büchel hat zudem immer festes, trokkenes
Gelände, wie wir auch auf dem
»Büchel « haben , ohne Zusatz an der
Blumgasse auf das Krangsvenn zu. Dann
haben wir am Belgenbachtal den »Heppenbüchel
«, wo vielleicht mit der Höpp,
dem gebogenen Beil, gearbeitet worden
ist? Das ist aber sehr fraglich, da dazu
dann auch käme die »Hepp-Laach « bei
Paustenbach. Am Beigenbach finden wir
auch den »Dörre-Böschel «, der wohl besonders
dürr und trocken sein muß. Oberhalb
der Eisenbahn befindet sich dann der
»Joohm-Böschel«, wobei das Wort
»Joohm« ohne Erklärung bleiben muß.
Das Wort Bösche! geht zurück auf das
ahd. buhil und das mhd. bühel = Bühl und
auch unser Beuel bei lmgenbroich, alle in
der Bedeutung = Hügel.
Zwischen dem Joohmböschel und schon
nahe am Hatzevenn ist die Flur »Heinchesfelder«,
gut von Hecken umgeben,
schon vor 1620 genannt zusammen mit
einem Kauffmann »auff Heinrichsfeldt«.
Diese Flur muß demnach von einem Heinrich
gerodet worden sein, und das muß
wesentlich früher gewesen sein als unser
Eintrag in den Akten. Die Heinchesfelder
weisen gutes und trockenes Land auf und
76
sind ein weiterer Beweis dafür, daß die
alten Leute hier früher nicht dümmer gewesen
sind als unsere heutigen Leute
auch; Größe ca. 15 Morgen. Nicht weit
davon, am allgemeinen Vennweg gelegen,
ist die Flur »err Scheeht«, zu vergleichen
mit der Flur Kauver/Kalberscheidt. Die
Scheeht ist etwa 25 Morgen groß mit trokkenem
und gutem Grund, soll vor mehr als
200 Jahren gerodet worden sein von dem
Schöffen Peter Schreiber und seiner Frau
Jen (Johanna) Zimmermann, wohnhaft auf
dem Hof öntepohl.
Gleich an der Kirche, da wo sich jetzt die
Kreuze für die Soldaten und Vermißten
befinden, war die Flur »Tönnert«; das
müßte von einem Vornamen Antonius =
Tönnes herrüh ren , aber nichts ist mehr
darüber in der Erinnerung .
Oberhalb der Landstraße, wo sich früher
das Spritzenhaus und nach dem Krieg die
Notkirche befunden hat, war der »Paafebich«
= ein Stück Land, das früher dem
Pfaffen = dem Pfarrer gehört haben muß.
Damals haben die Leute viele Grundstükke
der Kirche vermacht für Jahrgedächtnisse
oder aber auch für die Einkünfte des
Pfarrers unmittelbar; davon haben wir
noch vorne auf Aderich, oberhalb der
Vlötz, den Pastors hoff = » Pastu-eschhoff«.
Zwischen dem Hardthof und der Landstraße
sind bekannt die »Kingen-hö-ef«, die
man in der jüngsten Zeit zu dem »Kön igshof«
gemacht hat. Die Grundlage dazu ist
der »Kinenhoff«, der 1649 in den Akten ist
mit der Bemerkung : »angrenzend an des
Herrn Rolshausen« (Land); und das ist
genau der Hardthof, der ja von 1548 bis
zum Verkauf 1811 der Familie v. Rolshausen
als Lehnshof gehört hat. Die Bedeutung
allerdings des Wortes »Kinen-hoff»
ist nicht bekannt.
Unterhalb des Friedhofes verläuft die
»Vlötz«, ein kleines Wasser, das bald in
den Laufenbach mündet. Der Name
kommt vom Fließen , und die Benden daran
haben in der Verkaufsakte von 1811
den Namen »Flitzbend'.3n «.
Weiter unten am Laufenbach ist »et Loch «,
die Vertiefung, da wo sich jetzt die Kläranlage
befindet, auch aktenkundig in der
Verkaufsakte von 1811 . Unterhalb dieses
langen Grundstückes am Zusammenfluß
von Vürbich = Vorbach und Laufenbach
haben wir dann das Weldewiffjes-Loch.
Bei der Aderichs-Jaaß, auch schon 1717
bei dem Hardthof erwähnt, liegt der
»Knöpp « oder »Knipp «, eine kleine Anhöhe,
der oberste Punkt eines Weges, ein
weitverbreiteter Flurname bes. in der Gegend
von Aachen.
Von der Hardt herunter zur Vürbich gibt es
den Flurnamen »em Kessel«, eine muldenartige
Vertiefung hin zum Laufenbach,
denselben Flurnamen gibt es in Höfen.
In der Vürbich gibt es den Birkengraben ,
den »Börke-Jraff«, der angelegt worden
ist zur Entwässerung beim Bau der Eisenbahn
1884/1885.
Neben der Flur Kühlert auf das Venn zu
war die Flur »a Jlääsesch « und kommt von
einem Carl Wilhelm Gläsener, der als
Spinnmeister in Grünenthal nach hier gekommen
war aus der Gegend von Essen .
Seine Enkelin Pauline Gläsener hat noch
1913 in Konzen ein Haus und etliche
Grundstücke verkaufen lassen, daher also
der Name »a Jlääsesch«.
»Et Ru-et-Venn = rotes Venn liegt beiderseits
der Landstraße unterhalb des Bahnhofes
= schlechtes, anmooriges Gelände
mit Binsen bestanden , noch heute wenig
fruchtbar; ein anderer Name ist wohl von
dem rötlichen Vennwasser geprägt. Der
»Röckschlaach « = Rück-Schlag? Gelände
links von der Landstraße auf Aderich zu
bis unterhalb der Scheedt. Der Name ist
nicht leicht zu deuten. Ist es der Rück
Schlag in der Karre , wenn es bergab geht?
Verwachsene Buchen, als Unterlage der Hecken immer kurz gehalten = op err Scheeht, etwa 200
Jahre alt
Ist es der Umschwung des Wetters auf das
Venn zu? Eine sichere Deutung kann nicht
gegeben werden.
Der schon erwähnte Ortsteil »Aderich«
muß etwa mit dem Wort »Wasserreich «
übertragen werden und ist sicher verwandt
mit der Adel, dem Kellerabfluß, auch in der
Form Oderich im Rheinland seit alter Zeit
verbreitet. Bei uns müssen wir an das
feuchte Gelände denken im Aderich, aus
dem der Laufenbach entspringt bzw. sich
langsam entwickelt. Schon 1614 finden wir
den Claeß Jung auff aderich , um 1780
wohnt ein Rosenwick auf aderich, und ein
paar Jahre später ist erwähnt ein »graßhoff
(Hauswiese) auff adreeg .« Viel weiter zurück
aber kommen wir schon in der
Rentmstr. Rechng . des Jahres 1566/67,
als in Konzen schon der »Gerhard uff aderich
« in der Steuerliste erscheint.
Es ist aber bis in die Neuzeit ein kleiner
Ortsteil geblieben und verfügt in der Karte
des Ur-Katasters erst über zwei Häuser.
Auch bis zum letzten Krieg sind es nur ein
paar Häuser gewesen, und erst in den
allerletzten Jahrzehnten ist ein engbebauter
Ortsteil dort entstanden.
In der Nähe der Blumgasse beim noch
bekannten Haus Simons ist gewesen die
»Hött« = ein etwas abgeschlossenes Gelände
oder eine Ecke; dort haben früher
mehrere Häuser gestanden, die bis auf
das erwähnte Haus Simons untergegangen
sind. Mehr auf Simmerath zu haben
wir den »Honnesch-Sack« = den Honig
Sack. Das ist ein Gelände mit vielen Honigblumen
oder viel wahrscheinlicher und
auch nicht ganz selten in der Form eines
Sackes, aus dem der weiche Honig herausgepreßt
wird , unten wesentlich breiter
als oben , wo er schmal zuläuft.
Links von der Blumgasse auf das Krangsvenn
zu finden wir die »Sevvesch-Kuhl «,
schon erwähnt als »in der seuerskaulen«
im Jahre 1627, dann in verschiedenen
Schreibweisen . Das Wort »seuers«, zu
sprechen als »severs«, ist nicht zu erklären
. Die Schmetzjes-Kuhl liegt dort in der
Nähe und stammt mit Sicherheit von der
Familie Schmitz-Jaaße.
Auch der »Bröck-Bu-er« liegt in der Richtung
auf das Krangsvenn und wird 1632
genannt als »am Bruckborn«. Aus dem
feuchten Gelände dort entspringt ein kleines
Wasser, das durch das Gebiet am
Deeve-Weyer verläuft und in den Krangsbach
mündet.
Das Krangsvenn, unterhalb des Gerichtes
bis zur Kali hin, leider um 1950 aufgeforstet,
war noch eines der wenigen echten
Venngebiete auf deutscher Seite mit reichem
Bestand an Lungen-Enzian, dem
einzigen Enzian bei uns, Beinheil oder der
Sumpflilie, dürfte früher auch einen reichen
Bestand an Wacholder gehabt haben,
wie auch sonst im Hohen Venn .
Leider ist das Holz des Wacholders sehr
gut geeignet, die saftigen Schinken und
Speckseiten der Schweine zu räuchern,
da es einen besonders aromatischen Ge-
77
schmack abgibt. Und genau das ist der
Tod der Wacholderbestände bei uns gewesen
im Hohen Venn. Nur am Bayhonbach
in der Nähe von Xhotfraix gibt es
noch einen größeren Bestand. Die Wacholderbeeren
sollen die bevorzugte
Mahlzeit der Kraniche sein , und sc kommt
das Wort krane-wite zu der Bedeutung =
Kranich schon im Mhd. Aus dem Kranewits-Venn
wird dann leicht das Kranichs
Venn, das Krans-Venn und unser Krangs
Venn . Der »Krangs-Bu-er« wird dann auch
zum Kram-Bu-er mehr auf Simmerath zu.
In der Nähe der erwähnten »Hött« befindet
sich der »Fagge-wenkel «. Denselben
Flurnamen gibt es in Rott und früher in
Aachen in der Nähe der Pontstraße. Dort
sollen kleine Bündel Reisig zum Anmachen
des Herdfeuers verkauft worden
sein . Fagge sind bei uns = dünnes Reisig
vom franz. fagot in derselben Bedeutung.
Den »Schomechersches Hoff« = Schommesch-Hotf
= Hof eines Schuhmachers
finden wir als ein großes Flurstück an der
Blumgasse in der Nähe der Gastwirtschaft
Legros, schon 1628 so belegt. Ein zweiter
Schommesch-Hotf mit sechs Morgen befindet
sich jetzt bei der Gärtnerei Schmitz
und hat zum Lauterbach-Hof gehört, und
dieser Flurname dort muß erst nach 1808
entstanden sein .
Am Gericht auf Simmerath zu haben wir
die Flur »He-enche«, die mit dem Hahn
nichts zu tun hat, sondern mit dem eingefriedeten
Flurstück, dem »Hägche«.
Schon 1610 in den Akten als »auff'm vordersten
Hengen «, danach = »auf dem
hengen «, »auffm Hengen «, und dann
noch oft in ähnlicher Schreibweise erwähnt.
Die Grundstücke oberhalb des beginnenden
Kalltälchens haben den Namen »op
err Rönn « = auf der Rinne. Schon 1613 =
»auff der rynnen «, einige Jahre später =
»auff der Rinnen« und ähnlich noch mehrfach
genannt: z. B. 1756 = »auf der Rein
zu Contzen«.
Unweit davon haben wir die Flur Jeller (t)
geschrieben meistens als Geiler = 1630
= »auff geldern «, 1635, »autf Geiler«, für
das Wort ist keine Erklärung vorhanden.
Zwischen dem Gericht und dem Schweizer-Hof
liegt der Märje-Bu -er = der Born
einer Maria und ganz in der Nähe der
»Hääre-Bönd« = der Herren-Send ; dieser
hatte die Größe von sechs Morgen und
gehörte wirklich dem Schloßherren von
Monschau ; von den Einwohnern von Simmerath,
Eicherscheid, Huppenbroich und
Konzen mußte er bearbeitet werden . Das
Nähere bei dem Beitrag über die Fron
Arbeit.
Der »Piefert«, der »Schabbert« und der
»Sabbert« sind auch dort in der Nähe, und
es ist für alle drei keine Erklärung vorhanden.
Der Schabbert hat in Höfen das Gegenstück
an dem »Schabbertshoff«. Der
Sabbert ist in den Akten erstmals um 1620
= »an dem Bobardt«, später meistens
dann auf dem »Sabbert«, vielleicht kann
man diesen Namen erklären mit dem
Stück, das »dr bovver« = oberhalb liegt,
aber auch das kann nur eine Vermutung
sein.
Etwa vom Schweizerhof fließt zum Beigenbach
der kleine Stickelbach , die
»Steckelbich «. Kurz vor der Mündung gibt
es den merkwürdigen Namen »auff der
mück« und »auf der Muck«. Dazu haben
wir in Konzen den Steuerzahler schon
1550/51 , den »Jan Muck«, mit einem Familiennamen,
den wir danach aber nicht
mehr hier finden .
Zwischen der Lutterbach und dem oberen
Beigenbach befindet sich die Flur »Stendrich
« mit dem zugehörigen Stendrechs
Je-eßje, entweder hat diese Flur den Namen
als »Stein-Driesch«, wobei ein
Driesch ein wenig fruchtbares Stück Land
ist, das meistens nur gelegentlich benutzt
worden ist, oder es ist tatsächlich ein
»stein-reiches« Stück Land ; beide Möglichkeiten
können bei dieser Flur zutreffen.
Bei der Breitestraße gibt es den »Alt-Vahre-Hoff«,
und das ist die Wiese eines
Großvaters. Die Bezeichnungen für Großvater
und Großmutter, auch die für
Schwiegersohn und Schwiegertochter,
sind jüngeren Datums. Der Großvater war
früher der Bäästevahder, die Großmutter
die Bääste-Mohder oder der Alt-Vahr bzw.
Alt-Vadder und die Alt-Mohr bzw. Alt
Modder. So ist noch im Jahre 1708 ein
Kind gestorben in dem »Altmutters Haus«.
Etwas oberhalb des Altvahrenhoffs haben
wir die Flur »Jißjes-Hardt«. In den Akten
schon 1615 = »an geißges Hardt«, dann
kurz danach = »auff der Geissenhardt«
und um 1740 = »ein Graßhoff die Geißgeßhardt
ahn der Hohe«. Das ist demnach
die heutige Jißjes-Hardt und muß ein größeres
Grundstück der Gemeinde gewesen
sein, das vor allem bestimmt war für
die Ziegen, die zusammen mit den Schafen
früher eine wesentlich größere Bedeutung
gehabt haben als heute.
An der Breitestraße, mehr auf die Blumgasse
zu, müssen früher auffallend mächtige
Bäume gestanden haben , weil es dort
heißt: »en de Boom«. Daher stammen
dann auch die amtlich eingetragenen Familiennamen
in den Steuerlisten = Huppertz-Baum
und Roder-Baum .
An der Blumgasse haben wir auch noch
eine »Wolefs-Kuhl «, und auch diese Bezeichnung
ist schon sehr alt, da wir schon
1577 einen »Simon in der wolffskaulen « in
der Steuerliste finden. Daß hier in der
Franzosenzeit noch richtige Wolfsjagden
abgehalten worden sind, ist belegt, und
mancher Mann hat sich damals gute Prämien
verdient, wenn er die Ohren oder die
Läufe von Wölfen beim Amt vorzeigen
konnte. Der ietzte Wo!f hier ist vor ca. 120
Jahren im Hohen Venn gesehen worden ,
ja, in Simmerath ist noch ein Mann namhaft
gemacht, der einen Wolf mit seinem
derben Knüppel in die Flucht geschlagen
hat. Auch die Ortsnamen Woffelsbach,
Wollseiffen und Wollgarten gehen auf die
Wölfe zurück. Ein Wolfsgarten war eine
Fanggrube, in der Wölfe gefangen und
getötet worden sind. Davon kommt dann
auch der verbreitete Familienname Wo llgarten
. Auch der Wollbüchel bei Widdau
kann nur ein alter Wolfs-Büchel gewesen
sein. In der Nähe der Blumgasse gibt es
die Flur = die Knaach oder besser =
»Knahr«? Denselben Flurnamen gibt es in
lmgenbroich. Es ist ein mageres Stück
Land , wo das Vieh nicht viel zu fressen,
sondern nur zu knabbern, zu knagen, zu
knaachen hat wie man auch einen Knochen
»abknaachen « kann?
Um das Jahr 1670 gibt es eine Weyde, die
»Slum « genannt »am Kranigsvehn«; da
sehen wir auch noch den alten Bestand
des Wortes Krangs-Venn.
Im Jahre 1670 hat die Ko ni ener Kirche
einen »Driesch am Weh rgraß«, und 1695
wird ein Haus am »Wehrgraß « als Kaution
für eine Hypothek eingesetzt; 1749 ist
noch ein Haus am Wehrgraß erwähnt.
Auch zwischen lmgenbroich und Menzerath
hat es eine Flur »Wehrgraß« gegeben
= H. Laumans S. 232. Nach H. Dittmaier
soll ein Wehrgraß im Rheinland nicht sehr
selten sein und wird als Nutzungsrecht am
Gemeindeland bezeichnet, der alten Allmende.
Hier ist davon nichts mehr bekannt.
Der regelmäßige Weg für die Viehherden
ins Venn war die »Dröft« vom Wort treiben
. Die Dröft von lmgenbroich ist der tief
ausgewaschene Weg am Stillbuschkreuz
vorbei , heute noch als »Dröft« bezeichnet.
Die »Dröft« von Eicherscheid ging am Gericht
vorbei ins Venn , einen Namen dafür
in Konzen haben wir nicht. Der Viehtrieb
hier soll über die Gegend am Bahnhof
geführt haben .
Zwischen dem Gasthaus Huppertz-Steinröx
unc;l der Hohestraße heißt es »a de
Treppcher«, obwohl weit und breit nichts
von einer Treppe zu sehen ist. Als aber
durch die Franzosen die Landstraße hier
1807 gebaut worden ist, mußte man sie
etwa 2-3 m tiefer legen als das Gelände.
Da nun ein viel gegangener Pfad diese
Straße kreuzte, hat man eine Treppe angelegt,
die später durch die Zufahrt zu
dem Sägewerk Huppertz überflüssig geworden
war. Nur der Name der Treppchen
ist erhalten geblieben, also wieder ein historisches
Dokument.
Ein »Städtchen « haben wir in der Häusergruppe
am Meilenstein, die für unsere
Verhältnisse auffallend dicht beeinander
stehen . Das ist dann wohl etwas im Scherz
ein »Städtchen« genannt worden; den
gleichen Namen haben die eng beieinanderstehenden
Häuser in Monschau unterhalb
des früheren Ursulinen-Klo-sters, der
jetzigen Kreissparkasse.
Zu den schon behandelten Flurnamen mit
Böschel gehört auch der sogenannte »Rüetches-Böschel«
zwischen der Sauna und
der Schmiede Fammels. Dort sollen die
Leute aus Roetgen, wenn sie zur Konzener
Kirche kamen, eine kleine Pause ge-
78
macht, sich etwas erfrischt und wohl auch
etwas gesäubert haben, ehe sie die letzten
Schritte zur Konzener Kirche taten.
Die Gegend zwischen der Beigenbach
und dem Gericht etwa hat den Namen
»Längkseff« mit der »Längkseff-Jaaß«.
Die erste Erwäh nu ng haben wir schon
1605 = »uf Lentzseyffen « und kurz danach
»auff Lentzsieff «, um 1620 = »uf
Lentzeff« und später noch »auff lentzsieff«
und »in der katzenbich« = die Flur Katzebich,
ein Sickerwässerchen, das in den
oberen Beigenbach mündet. Wenn wir
wissen , daß schon im Jahre 1550 ein Claes
Lentz in Konzen gewohnt hat, braucht
der Flurname Längseff und die Längseff
Jaaß nicht weiter erklärt zu werden.
»Brenneck« ist vielleicht der interessanteste
Flurname in Konzen. Jeder Unbefangene
wird an das Wort »brennen« denken,
zumal es bekannt ist, daß in Höfen und
lmgenbroich Ziegelsteine gebrannt worden
sind. Und da in Brenneck gute Lehmerde
liegt, kann man leicht auf diesen Gedanken
kommen ; es ist aber nichts über
eine Ziegelbrennerei in Konzen bekannt
geworden, weder in den Steuerakten noch
später etwa in Zeitungen. Brenneck
kommt von dem Familiennamen Breidenich,
der hier schon auftaucht im Jahre
1505. Schon um 1604 wird ein Grundstück
genannt » = lanß = entlang Breidenich
«; danach wird erwähnt ein »Breidenichsfeldt«
in der Nähe der Kali , und »in
breidenich « heißt es im Jahre 1636. Der
Familienname Breidenich wird dann verkürzt
zu Breinich-Breinig, wie eine Anne
Maria Breinigs öfter erwähnt ist. So finden
wir dann »ein Orth gelegen in brünning « =
1743, einen Bend an »Breinigserben «, ein
»Ackerfeldt in Breynek« 1755 und ein Feld
in »Brinning« in demselben Jahr; dann ist
noch zu erwähnen ein »Erb in brinnich «
von ca. fünf Morgen um 1770; alles das
dürfte genügen, um unser jetziges Wort
Brenneck zu erklären, weil von brinning ,
brinnich und breyneck nur noch ein Schritt
ist bis zur jetzigen großen Flur Brenneck
am Sportplatz. Ja, wir können sogar die
Lage beweisen. Vor 1620 haben Claeß
und Peter Steinrotzen ein Grundstück gebeut
= getauscht »an der blommengassen«
zwischen des alten Donscher Hauß
und sie (die Steinrotzen) bekommen ein
Ort gelegen in breidenich, zwischen Johann
Lauterbach (in der Lutterbich) und
Thoniß Jungen Erb «; und dieser Thoniß
Jung hat damals gewohnt auf der Steeröksch,
wie aus anderen Akten hervorgeht.
Also liegt das breidenich zwischen
der Lutterbach und der Steeröksch, so wie
wir es heute kennen.
Zwischen dem Kaarweg, schon erwähnt
als »Kahrweg « im Jahre 1625, und den
Grundstücken des Hofes Lauterbach liegt
die große Flur »O-Weyer« schon erwähnt
als »auweyer« um 1610, auch als »owier«
und ist in Wirklichkeit der »alte Weyer«,
auch so noch eingetragen in der Tranchot
Karte um 1810. Dort gibt es gute und
ertragreiche Grundstücke, von denen Joh.
Gerhard Müllenmeister 1808 drei Hektar
gekauft hat für 2169 frcs. , was damals sehr
viel Geld gewesen ist. Dieser alte Weiher
nun, dessen Damm auch nach dem Bau
des Westwalls noch in kleinen Stücken zu
sehen ist gleich oberhalb des Grundstükkes
mit dem Behälter für die Wasserleitung,
hat gedient der ersten Mühle im Belgenbachtal
mit der Erwähnung schon im
Jahre 1306. Sie war die Bann-Mühle = die
Zwangsmühle für die Dörfer lmgenbroich,
Konzen und Frohnrath bzw. das spätere
Eicherscheid und hat gelegen ganz im
oberen Tal des Beigenbaches, etwa da,
wo sich jetzt die Grillhütte befindet, so daß
noch das Wasser des kleinen Stickelbaches
gefaßt werden konnte. Um das Jahr
1560 ist diese Mühle weiter nach unten an
die heutige Stelle verlegt worden, wo das
Haus im Jahre 1704 erneuert worden ist.
In dieser Mühle haben die Leute aus Konzen
also mahlen lassen müssen bis zur
Franzosenzeit, als alle fürstlichen Privilegien
aufgehoben worden sind. Wo anders
hätten sie aber auch mahlen lassen können
bis zur Anlage der Mühle am Laufenbach
im Jahre 1832. Die gleichmäßig aufgeteilten
Grundstücke der Flur O-Weyer
sind später durch Schenkung an die Konzener
Kirche gekommen und immer wieder
verpachtet worden . (Alle Einzelheiten
über die Belgenbacher Mühle P. Neuß E.
H. V. 1942, 17. Jahrg., Ewald Fink= Mon .
Land 1981 , S. 116 ff., und H. Steinröx =
Mon. Land 1983: »Ergänzungen zur Geschichte
der Bann-Mühlen im Amte Monschau
«.)
An der anderen Seite des O-Weyer, oberhalb
der Landstraße, befindet sich der
trockene Kopf = dr Jönster, der Ginster.
Es ist ein verhältnismäßig großes Gebiet,
kommt aber in den Erb-Büchern nicht vor,
wie auch die Felder auf der Hardt. Sie
kommen deshalb nicht vor, weil sie zu den
alten Höfen mit dem festen Bestand gehören
, die weder verkauft, vererbt noch gebeut
- getauscht worden sind. So werden
die Grundstücke »omm Jönster« erstmals
erwähnt in der Bestandsaufnahme des
Hofes Lauterbach im Jahre 1717, wo 27
Morgen Ginsterfelder verzeichnet sind,
die dann 1808 in acht Teilen als Ginsterfelder
versteigert worden sind . Der Flurname
Jönster = Ginster kommt zweifellos von
dem harten und wenig fruchtbaren Boden,
der früher mit Sicherheit mit dem Ginster,
dem Eifelgold, bestanden gewesen ist.
Auch das mithin eine historische Urkunde.
Damit soll der Beitrag über unsere Flurnamen
sein Ende finden. Es muß aber betont
sein, daß längst nicht alle unsere Flurnamen
hier behandelt sind; einfache Namen,
die auch nur aus einer einzigen Wiese
bestehen wie »Welleme Bönd« , »Gerhards
Hoff« und viele ähnliche sind hier
zwar nicht festgestellt und erklärt, aber mit
großer Sorgfalt gesammelt und in ihrer
Lage im Gelände festgehalten. Sie sollen
in eine wirklich große Karte eingetragen
und für die Zwecke im Ort vervielfältigt
werden , so daß sie mit Sicherheit für die
Nachwelt erhalten bleiben.
Wenn unsere Flurnamen fast alle erst ab
dem Jahre 1550 oder zum größten Teil
erst kurz nach 1600 schriftlich festgehalten
sind, so ist das in den meisten Fällen
nur ein mehr zufälliger Eintrag in die Kaufu.
Verkaufsakten gewesen. Daß unsere
wichtigen Flurnamen viel älter sind, kann
man mit voller Sicherheit behaupten. Da in
Konzen 1550/51 mehr als 30 Steuerzahler
in der Rentmstr.-Rechng. eingetragen
sind , bedeutet das eine Bevölkerung von
über 150 Leuten, die nichts anderes sein
konnten als Bauern mit Viehherden. Dazu
hat dann auch urbares Land gehört, das
schon durch Flurnamen in seiner Lage
bestimmt sein mußte, wie ja auch durch
die Käufe des Chr. v. Rolshausen kurz vor
1550 zu ersehen ist. Es ist zwar viel Land
hier gerade in den letzten 100 Jahren stark
verbessert worden , bes. durch Dränage
Genossenschaften in Ellenbroich und im
Naaße-Bönd, es ist auch noch manches
Grundstück neu gerodet und fruchtbar gemacht
worden, die Grundstruktur aber unserer
Feldflur ist vorhanden gewesen und
durch die Flurnamen-Forschung nachgewiesen
worden . Und gerade in heutiger
Zeit, wo so viele Grundstücke durch Kauf
oder Pacht zusammengelegt werden für
die Arbeit mit den modernen Maschinen,
besteht die Gefahr, daß viele der alten
Flurnamen untergehen, weil sie ganz ein~
fach nicht mehr gebraucht werden. Desto
mehr Anlaß besteht für uns dazu, die
wahrlich historischen Dokumente festzuhalten
und den kommenden Generationen
zu überliefern.
79
Land und Leute
Es ist wohl genugsam bekannt, daß wir
hier leben in der Eifel, dem Gebiet zwischen
dem Rhein, der Mosel, der luxemburgisch-belgischen
Grenze und dem
Nordabhang zur rheinischen Tiefebene
hin. Zur Zeit der Römer allerdings war das
alles zusammengefaßt unter dem Namen
»Arduenna silva« = Ardennerwald, da es
für diese Leute praktisch ja auch keinen
Unterschied gegeben hat in diesem riesigen
Waldgebiet. Die Eifel hat sich erst viel
später herausgebildet aus einem kleinen
Ursprungsgebiet, in dem niemand wohnen
wollte, und hat dann den heutigen Umfang
angenommen. Über das Wort »Eifel « und
seine Erklärung gibt es eine ganze Menge
gelehrter Abhandlungen, ohne daß auch
nur eine als die endgültige betrachtet werden
könnte.
Daß die Eifel ein Teil des rheinischen
Schiefergebirges ist, haben wir noch in der
guten alten Volksschule gelernt; die anderen
Teile sind der Hunsrück, der Taunus
und der Westerwald . Das Ganze aber ist
ein alter Gebirgsrumpf, der sich dann langsam
gehoben hat, so daß sich die Flüsse
tief haben eingraben müssen, wobei wir
nur an den Mittelrhein zwischen Koblenz
und Bingen und an die Mosel zu denken
brauchen.
In unserer Gegend ist dieser alte Gebirgsrumpf
so gleichmäßig abgetragen, daß wir
von einer Fast-Ebene reden können ; und
das wird bestätigt, wenn wir nur von unserer
Hue einen Blick in die Runde machen
und alle bekannten Dörfer auf fast der
gleichen Höhe erblicken von etwa 550
Meter.
Von der Erdgeschichte her, der Geologie,
gehört der genannte Gebirgsrumpf zu der
recht alten Schicht des Devons in verschiedenen
Stufen und besteht aus den
uns bekannten Grauwacken und Schiefergesteinen,
die überall hier anstehen. Zum
Teil hat man gute Dachschiefer daraus gewinnen
können unter der Burg in Monschau,
bei Dreistegen, in Küchelscheid,
zwischen Simmerath und Huppenbroich.
Gute Bruchsteine zum Bau von Häusern
sind aber stets eine gesuchte Ware gewesen
. Wenn wir uns das Alter einer solchen
geologischen Schicht vorstellen wollen , so
können wir nur staunen darüber, wenn wir
eine kleine Muschel mit breiten Rippen
sehen = crassicosta, die beim Bau der
Umgehungsstraße bei Monschau in zah l
reichen Exemplaren gefunden worden ist
und vor etwa 400 Millionen Jahren dort
gelebt haben muß !
Dieses ganze Gebiet des röm ischen Ar-
dennenwaldes war sicher bewachsen mit
verschiedenen Laubbäumen wie Eichen,
Buchen, Birken, Erlen usw. und hat nur
sehr zögernd menschlichen Siedlungen
Platz machen müssen. Noch in dem Feldgeleit,
dem ursprünglichen Gebiet mit der
Zehnt- und Neuntpflicht für das Marienstift
in Aachen, sind erst die Siedlungen auf
den Hochflächen, aber nicht einmal Kalterherberg
und Höfen festgelegt. Und erst in
den letzten Jahren sind die Anfänge der
Orte Roetgen = 1485, Rott etwa in derselben
Zeit, Rohren und Widdau , Dedenborn
mit Rauchenauel und Seifenauel , dann
Pleushütte und Erkensruhr festgelegt worden
nach umfangreichen Forschungen in
den Archiven ; auch Schmidt, früher =
Dierescheidt, Kommerscheidt, Harscheidt
und Harperscheid liegen noch nicht in diesem
Feldgeleit und sind folgli ch jüngeren,
wenn auch nicht mehr ganz jungen Datums.
Aber, älter als diese Formation des Devons
ist das Kambrium des Hohen Venns,
das zu der ältesten Erdschicht in Deutschland
gehört und nur im Fichtelgebirge und
im Vogtland seine Entsprechung hat.
Wenn dessen obere Schichten auch stark
verwittert sind und in den Mulden zu der
bekannten Torfbildung geführt haben , so
sind doch etl iche Kuppen aus dem härtesten
Gestein mit Quarzit durchsetzt stehen
geblieben und si nd bekannt als unser
Stehling hier mit der Kaiser-Karls-Bettstatt,
dem Brachkopf, dem Pannensterz,
Im wallonischen Venn
dem Hahnheister und der Botrange, die
man deshalb auch als Härtlinge bezeichnet.
Die Trennungslinie zwischen Kambrium
und Devon kan n man sehr deutlich
erkennen am Laufenbach vom Welde
Wiffjes-Loch an bis zum Troistorffer Weiher,
wo die schon schiefrigen Gesteine
des Devons ·fast steil aufragei;i. Innerhalb
des Devons sind bemerkenswert die Riche
lsley oberhalb von Reichenstein und
der Kirschenstein oberhalb der Rochusmühle,
die aus meist rund geschliffenen
Geröllsteinen durch das äußerst harte Bindemittel
des Quarzits zusammengebakken
sind .
Einer viel jüngeren Schicht aber, dem Tertiär,
gehören die Sande an, die in den
Sandkuhlen am Nordabhang des Stehlings
offen lagen , zusammen mit den großen
Steinblöcken , die in neuerer Zeit am
Reinartspfad aufgestellt sind.
Zu dem Alter der geologischen Formationen
kommen die überaus reichen Niederschläge,
bei der Botrange etwa zwischen
1 300 und 1 400 mm , während sie bei uns
schon etwas niedriger sind 1 100 - 1 200
mm jährlich . Dadurch sind dann die Hochmoore
entstanden, die nicht so heißen
wegen der Höhenlage, sondern weil sie
von unten her aus sich selbst ohne den
Halt im Grundwasser immer höher hinaufwachsen
im Gegensatz zu den Flachmooren
, die nur etwa einen seichten Weiher
langsam , aber sicher auffüllen und zum
Moor werden lassen.
80
Erstaunlich aber ist es festzustellen, wie
schnell und tief sich auch bei uns die
Bäche, die von dem wasserreichen Venn
herunterko mmen , in die fast ebene
Rumpffläch e haben eingraben können . Wir
denken an die Warche von der Ruine
Reinartsstein bis Mal medy, an den Bayhonbach
bei Xhoffraix bis in die Warche,
an die Rur mit dem sickernden Ursprung
im wallon ischen Venn bis unterhalb Reichenstein
und besonders in Monschau, an
die Schwalm = Perlenbach bei Dreistegen,
an die Hili mit der Quelle unweit
Baraque-Michel bei Ternell bis Eupen, an
die Weser von Rei nartshof bis zur Eupener
Talsperre, an die Jüertz = Getzbach vor
der Mündung in die Eupener Talsperre, an
die Kali mit dem Ursprung beim Bahnhof
Konzen von Simonskall bis Zerkall, an den
Tiefenbach von der Tiefenbachmühle bis
zur Ölmühle und bis zur Mündung in die
Rur bei Dedenborn, an den Laufenbach
von der Rochusmühle bis zum Roten Haus
in Monschau und an den Beigenbach von
der Straße lmgenbroich - Simmerath bis
zur Belgenbacher Mühle, und das sind
knapp zwei km in der Luftlinie.
Gerade durch diese tief eingeschnittenen
Täler ist unsere Landschaft so abwechslungsreich
geworden und ergibt den besonderen
Reiz für die vielen Fremden zusammen
mit dem noch recht jungen Bild
der zahlreichen Talsperren bes. an der Rur
bis kurz vor Heimbach. So ist vor allem für
die vielen Besucher aus den Niederlanden
unsere Gegend zu einer bestaunten
»Hochgebirgslandschaft« geworden für
die Leute au s der fast ganz ebenen Landschaft
der »Nieder«-Lande!
In diese so nu r ganz kurz beschriebene
Landschaft hier rings um das Hohe Venn,
die aber auch kaum völlig ohne jeden Bewohner
gewesen ist, wenn wir von den
paar Leuten der Steinzeit absehen , die
wohl nur gelegentlich sich hier aufgehalten
haben, sind dann die Römer unter Caesar
um das Jahr 50 vor Chr. eingedrungen
und haben es für die nächsten 500 Jahre
regiert. Sie sind es dann gewesen, die
nachweisbar etwa 40 Siedlungen im Monschauer
Land angelegt haben und auch
fahrbare Straßen, wie wir ja von Konzen ,
Mützenich und Kesternich gehört haben .
Ihre Siedlungen sind sicher noch kleine
Inseln gewesen mit Ausnahme von
Schmidt-Kommerscheidt, wo sie verstärkt
die Eisenerzlager ausgewertet haben .
Wie viele Einzelsiedlungen der Uferfranken
es vor dem karolingischen Königshof
Konzen hier schon gegeben hat, ist nicht
auszumachen ; auch weiß man nicht, wieviele
Leute aus der Römerzeit, die vielleicht
auch nur romanisierte Kelten gewesen
sind, nun mit den nachrückenden
Franken ein gemeinsames Leben geführt
haben.
Wenn wir aber- nun zu unserem Thema
des Menschen am Hohen Venn kommen ,
sollte man sich das Wort Goethes vor Augen
halten, daß nämlich »das vorzüglichste
Objekt unseres Betrachtens immer der
Mensch zu sein hat«.
Für den Menschen unserer engeren Heimat
hier kann verwiesen werden auf die
Beiträge :
»Mensch und Landschaft« = Heimatkalender
Monschau 1954, Seite 17-18;
Monschauer Land 1955 = »Der Mensch
am Hohen Venn «, Seite 426-459; Heimatkalender
Monschau 1966 = »Mensch und
Landschaft um das Hohe Venn , eine Landschaft
prägt den Menschen «, Seite 17-32.
Für Konzen speziell haben wir aber schon
eine wissenschaftliche Arbeit über die rassischen
Merkmale bei Dr. H. Rübel (s.
Literaturverzeichnis), wo er auf S. 28 feststellt,
daß Konzen und Kalterherberg »den
Rassentypus der vorfränkischen Zeit bis
zur Gegenwart in fast völliger Reinheit bewahrt
haben «; S. 82 heißt es dort, daß
»die hellen, blonden, blauäugigen Menschen
am zah lreichsten in Konzen zu finden
sind «, S. 83, daß »die Dörfer Konzen
und Kalterherberg als Hauptsitze der nordischen
und ostischen Rasse herangezogen
worden sind«, S. 98, daß »dem Bewohner
von Konzen jede eigentliche rassische
Ausprägung feh lt« und S. 99, daß
»der Konzener Typ ein ausgesprochenes
Mischprodukt darstellt ... innerhalb dieses
Rassengemisches «. Dieses ist das
Produkt einer »wissenschaftlichen « Arbeit
ganz im Sinn eines Adolf Hitler und Alfred
Rosenberg , die die gesamte Weltgeschichte
sehen nur unter dem Kampf der
Rassen , wobei der blonden nordischen
Bestie in jedem Fall die Vorherrschaft zuzuweisen
ist. Jedes weitere Wort darüber
dürfte sich erübrigen und gilt auch für andere
Ideologien, die die Weltgeschichte
nur sehen wollen unter einem einzigen
Begriff, was von vornherein nur ein Absurdum
sein kann.
Wir haben es jedenfalls hier mit den wesentlichen
Merkmalen der germanischen
Wollgras-Flocken im Hohen Venn
Franken zu tun, die aber auch nur einen
Sammelbegriff dargestellt haben aus etlichen
germanischen Stämmen innerhalb
dieses größeren Verbandes. Dieser große
Stammesverband der Franken hat die Kölner
Bucht bis zu uns besiedelt als die
Uferfranken, bei Eupen beginnen schon
die Niederfranken , bei Elsenborn die Moselfranken
, und die Rheinfranken haben
die Gebiete am Rhein und am Main besiedelt
bis zum Fichtelgebirge hin.
Was uns hier aber von den Leuten am
Rhein mit der typischen »Rheinischen
Frohnatur« trennt, ist mit Sicherheit eben
unser Gebiet hier mit den ganz anderen
schärferen und härteren Lebensbedingungen,
wie sie aus der dargestellten Landschaft
heraus für jeden einzelnen Menschen
bestanden haben.
Im übrigen könnte man wahrscheinlich bei
langwierigen Untersuchungen der Mundart
im alten Gebiet um Monschau und im
sogenannten Kirchenspiel (Ki-esch-pel)
von Simmerath, Bickerath, Witzerath , Dierescheidt
(später Schmidt), Harscheidt,
Kommerscheidt und Harperscheid feststellen,
daß der nicht geringe Unterschied
auf eine zweite spätere Welle einer Einoder
Nachwanderung aus dem Kölner
Raum heraus zurückgeführt werden kann.
Neben der harten Arbeit um das magere
tägliche Brot hier, wie sie heute noch erkennbar
wird in den schweren Steinen
etwa, die man vorzüglich in Mützenich als
,>Venn-Wacken « aus dem Boden herausgeholt
und zu Steinmauern um die Flurstücke
aufgebaut hat wie in den Hochalpen
oder den Karstgebieten Jugoslawiens,
hat das Hohe Venn sicher einen
entscheidenden Einfluß auch auf den Charakter
aller Menschen in den Siedlungen
rings um die herausragende Moor/Heidelandschaft
ausgeübt, da sich ein großer
Teil des Lebens im Sommer dort abgespielt
hat. Und da gerade das Hohe Venn
81
Joseph Erkens, unser tüchtiger Chronist,
1892-1986
in seiner Grenzenlosigkeit zweifellos etwas
Schwermütiges, Niederdrückendes in
sich birgt, kann man sich aus all diesen
naturhaften Gegebenheiten im Verein mit
dem kärglichen Leben, das so ganz den
einfachsten Bedürfnissen gewidmet war,
unschwer vorstellen, daß hier am Venn nur
ein willensstarker, arbeitsamer, etwas
schwerblütiger, auf sich selbst gestellter,
zurückhaltender Menschenschlag sich
herausgebildet hat, wie ihn der alte Venn
Bauer, die alte Venn-Bäuerin auch heute
noch verkörpern. Dazu wollen wir noch die
Züge von Geradheit, Schlichtheit und gewissenhafter
Ehrlichkeit erwähnen, die mit
wahrer Gottesfurcht und dem großen
Gottvertrauen zu bekannt sind, als daß wir
darüber noch viele Worte machen müßten.
Wenn aber in der Literatur etwa seit der
Jahrhundertwende von den wilden Leidenschaften,
den Ausbrüchen eines heißen
Blutes der Menschen am Hohen Venn
so manches geschrieben worden ist, so
mag das recht hübsch zu lesen sein, hat
aber mit der Wirklichkeit nicht viel gemeinsam
.
Der Mensch hier hält seine Gefühle zurück,
läßt sie möglichst nicht nach außen
dringen, er liebt, er freut sich, er trauert
zwar wie andere Leute auch, aber er zeigt
es nur wenig nach außen. Ja, in seinem
sonst so reichen Wortschatz, mit dem er z.
B. die einzelnen Menschentypen in feinster
Weise zu charakterisieren weiß, fehlt
das Wort »Liebe« gänzlich. Das hindert
natürlich nicht, daß auch hier die Menschen
sich finden, daß geheiratet wird , daß
ein reicher Kindersegen zur Selbstverständlichkeit
zum mindesten gehört hat,
und vergleichsweise heute noch ist, aber
man macht um all diese Dinge nicht viel
»Jedöns« = Getue.
Peter Blumensath, Waldarbeiter
Auf derselben Grundlage der verdeckten
Gefühle lag auch das Verhältnis zwischen
Eltern und Kindern, zwischen denen es
keinerlei Zärtlichkeiten gegeben hat. Von
früh bis spät beherrschte die Arbeit in
Haus und Hof und Feld und Venn das
Leben des Mannes so gut wie das der
Frau und sehr früh auch schon der Kinder;
und nicht zufäl lig ist der ve rhaßte preußische
Schulzwang noch über Jahrzehnte
hinweg ein rege lrechtes Ärgern is gewesen
, das die Arbeitskraft der Kinder den
Familien entzogen hat.
Selbst dem Tod schaut der Mensch hier
ruhig ins Antlitz ; er bedeutet für ihn das
Ende eines harten Lebenskampfes, den
Eingang in eine bessere Welt, wie es
ihn seine religiöse Überzeugung in mehr
als tausendjährigem Christentum gelehrt
hat.
Wenn hier mehr von der herben zurückhaltenden
Art des Menschen gesprochen
worden ist, darf doch nicht vergessen werden,
daß trotz aller Kargheit und Armut in
der Lebensführung auch sein rhein isches
Temperament bei besonderen Gelegenheiten
immer wieder durchzubrechen
pflegt. Auch hier versteht man, die Feste
zu feiern, wie sie fallen , etwa Hochzeiten,
Kirmes oder Fastnacht, auch hier versteht
man zu scherzen und sogar recht witzig
und wortgewandt zu sein . Selbst bei der
Arbeit auf den Feldern, wenn mehrere
Leute beisammen sind, hat man es gern ,
wenn »gute Reden sie begleiten « und
wenn es recht laut . und lustig zugeht.
Wenn im Herbst auf einem Kartoffelfeld
der letzte Schlag mit dem »Kaasch « getan
war, wurde er in die Luft geworfen unter
lautem Juchzen darüber, daß nun die
schwere Arbeit auf dem Felde für dieses
Jahr zu Ende war.
Die »gute alte Zeit«
Über dieses bekannte Thema müßte es
einen großen Beitrag geben , wenn auch
nur wichtige Dinge bearbeitet werd en sollten.
Wir müssen uns ganz ku rz fassen in
knappen Stichworten, worin der karge Boden
hier, das rauhe Kli ma mit Niederschlägen
von 1100-1200 mm jährlich , die dünne
Ackerkrume genannt seien, worauf nur
mit vieler Mühe Hafer und ein wenig Korn
wachsen können ; dazu kommt das kleine
struppige Vieh , wovon vielfach berichtet
wird , daß die Kühe 3-4, höchstens aber
fünf Zentner wiegen. Daß die Leute hier
nu r ein seh r mühevolles, mit härtester Arbeit
angefülltes Leben haben verbringen
können, ist nach diesen Grundlagen nur
zu erklärlich. Ausfüh rl ich hat ~arüber berichtet
der Arzt Dr. Jonas, der um das Jahr
1800 lange Zeit in Monschau praktiziert
hat. Vor allem beschreibt er das unvorstellbare
Elend in den dortigen Häusern, wo in
einem einzigen Zim mer eine ganze Familie
hausen muß mit einer großen Anzahl
von Kindern und zum Teil noch einem
Webstuhl darin .
Dagegen waren die sehr bescheidenen
Häuser auf den Dörfern noch wahre Paläste,
in denen die Mensch en wenigstens
frische Luft und ein wenig Platz für die
Kinder haben konnten. Ganz schlimm ist
es auch gewesen in den Fabriken in Monschau
, wo der erste große Fabrikant Johann
Heinrich Scheibler im Jahre 1762 der
Regierung in Düsseldorf berichtet, daß
schon Kinder von fünf und sechs Jahren
sich von alle rl ei Fabrikarbeiten wohl zu
ernähren vermöchten.
Man sollte an solche Zustände denken,
wenn man die stolzen Burgen des Mittelalters,
die herrlichen Dome und auch viele
bewunderte Bürgerhäuser mit Staunen
betrachtet, welche mühevolle Arbeit des
einfachen Mannes, wieviel Schweiß und
Not erst diese bewunderten Werke der
Kunst möglich gemacht haben. Dasselbe
gilt aber auch für die saftig grünen Wiesen
rings um unsere Dörfer, von denen jeder
Quadratmeter durch Menschenhand mit
Mühe und Schweiß und Schwielen urbar
gemacht worden ist.
Im Jahre 1663 vermerkt der Forstmeister,
die Leute sollten sich Brot oder Brötchen
aus Hafermehl backen , da der Roggen nur
in geringem Maße vorhanden sei . Hafer
war überhaupt die wichtigste Frucht hier,
da er mit schlechtem Boden und wenig
Dünger zufrieden ist. Noch nicht lange vor
1900 bestand das Frühstück hier aus einer
Hafermehlsuppe, da Brot zu teuer war.
Daß die Kühe hier bei uns fast Zwerge
waren, wird auch bewiesen durch den
Wert, den die Butter früher gehabt hat und
erinnert an die Zeit nach dem letzten
Krieg, als ein Pfund Butter einen hohen
Wert darstellte, mit dem man andere Dinge
nicht bezahlen, aber wohl eintauschen
konnte, als das Wort »kompensieren« in
aller Munde war.
82
Und noch bis etwa 1900 war es so, daß
Familien mit einer größeren Kinderschar
nicht einmal das notwendigste Brot beim
Bäcker bezahl en konnten , sondern auf
Borg angewiesen waren. Wenn die Kinder
aus der Schule entlassen waren, mußten
sie sofort auf irgendeine Arbeit geschickt
werden und so lange jede Mark abliefern ,
bis die Schu lden beim Bäcker bezahlt waren.
Und vorh er hätte kein Kind mit Heiratsgedanken
zu den Eltern kommen
dürfen.
Der aus Ko nzen stammende Lehrer Jo- ·
hannes Huppertz stel lt in seiner Chronik
nach 1800 immer die erste Frage im Jahr:
»Was kostet das Brot?« Denn das Brot
bedeutet Leben, teures Brot heißt »hungern«!
Die erwähnte Butter war so wertvoll , daß
die beiden Reinartzhöfe im Hohen Venn
vor 1620 jed es Jahr etwa 50 Pfund Butter
abliefern mußten an den Amtmann , »zur
Zeit resid ierend in Witzerath «. Dasselbe
galt für die Höfe Ruitz und Bredtbaum
sowie für das Kloster Reichenstein. Jean
Pecourt, der den prachtvollen Hochaltar
für Konzen gesch nitzt hatte, bekam noch
50 Pfund Butter besonders für die gute
und zufriedenstellende Arbeit. Der Pfarrer
A. Merkelbach vermerkt in seinem Memorialbuch,
daß er 1721 »66 pont botter«
verkauft habe, und für 1728 waren es sogar
208 pont, die nach Monschau gegangen
sind.
In der Pfarre Konzen - auch natürlich anderswo
- hat es eine Armenkasse und den
dazugehörigen Armenmeister »magister
pauperum « gegeben, der für die Vertei
lung der dafür bestimmten Gelder verantwortlich
war. Aus dieser Kasse sind schon
mal die Mieten armer Leute, der Sarg aus
billigstem Pappelholz = Bebbele bezahlt
worden, haben Leute ein Paar Schuhe bekommen
; im Jahre 1795 waren es 20 Arme,
die mit 34 Thaler unterstützt worden
sind; in demselben Jahr hat eine Frau
einen Thaler aus der Kasse beansprucht,
daß sie sich ein neues Hemd kaufen könne.
Im Jahre 1834 sind im Besitz der Gemeinde
etwa 4 Morgen Armenland, woraus
den Schulkindern schon mal ein Paar
Schuhe oder Strümpfe zugedacht gewesen
sind. Im Jahre 1829 heißt es in der
Eupener Zeitung, man solle den jungen
Leuten, die eingezogen würden , wenigstens
ein Paar Schuhe besorgen, sie müßten
aber nicht gerade neu geliefert
werden.
Im Jahre 1784 ist in Monschau Hausdurchsuchung
abgehalten worden wegen
der teuren Spanischen Wolle, wobei ein
Mann erwischt worden ist, drei Tage an
der Schandsäule, dem »Kaks « gestanden
hat (davon in Aachen der Katschhof) und
ist dann für 1 O Jahre im Zuchthaus in
Kaiserswerth verschwunden, wo die Leute
am Tor mit 30 Stockhieben empfangen
worden sind, damit sie gleich wissen sollten
, wo es hier lang gehe. Dasselbe ist
noch 1818 dem Leonard X aus Konzen
widerfahren, der etwas »wullen Garn « abgezweigt
hatte ; er war verheiratet, mit
mehreren Kindern und gutem Leumund,
bescheinigt durch den Bürgermeister
Isaac aus lmgenbroich, und mit 5 Jahren
Zuchthaus bestraft. Das ist das ärgste
»Verbrechen « gewesen, das jemals in
Konzen vor Gericht gekommen ist.
Das Schlimmste aber war sicher die hohe
Sterblichkeit. Wie weit die Pest, der
schwarze Tod im Mittelalter bei uns hier
gewütet hat, ist nicht bekannt geworden.
Wohl wissen wir von einer pestartigen
Krankheit des Jahres 1580, von der Pest
in den Dörfern hier 1636 mit vielen leeren
Häusern noch 1640 in den Akten . Noch
vor dem letzten Krieg gab es das bekannte
Gebet: » Vor Pest, Hungersnot und Krieg ,
bewahre uns der Herr! « In den Konzener
Kirchenbüchern ab 1637 können wir immer
wieder lesen von der nicht mehr vorstellbaren
Zahl der toten Kinder. Noch vor
150 Jahren sind in Konzen von den Kindern
ein Viertel im ersten Lebensjahr auf
den Friedhof gekommen . Wir lesen von
zahlreichen Kindern , die an Dysenterie,
einer ruhrartigen Krankheit, an den Pokken
gestorben sind , z. B. im März-April
1738 allein zwölf! Die einzigen Drillinge im
Konzener Kirchenbuch hat der Mattheis
Völl aus Mützenich im Jahre 1704 bekommen,
der Pfarrer hat sie in Mützenich getauft,
die Namen sind eingetragen , sie sind
drei Tage später auf dem Friedhof versammelt
gewesen »una cum matre« = zusammen
mit der Mutter!
Auf einer Seite der Sterbeliste des Jahres
1759 sind 22 Tote eingetragen , davon waren
16 Kinder! (Über andere Krankheiten
aus dem Konzener Kirchenbuch = Monschauer
Land 1980, Seite 203.) Das
Durchschnittsalter in Deutschland hat vor
150 Jahren die beachtliche Zah l von 35
Jahren betragen , heute sind es für die
Männer 70 und für die Frauen 78 Jahre. Im
Krieg 1870/71 sind in Frankreich etwa
45 000 Soldaten tot geblieben, aber mehr
an Krankheiten wie Cholera als durch Verwundungen.
Im nächsten Jahr 1871 /72
sind etwa 125 000 Leute an den schwarzen
Pocken gestorben, bei uns viele in
Simmerath-Kesternich. Ein Mann aus
Konzen ist in Simmerath bei einer Beerdigung
gewesen und hat die Pocken mit
nach Konzen gebracht, wovon dann hier
vier Leute gestorben sind . In dem Haus
neben Erkens-Schreiber an der Landstraße
sind 1884 von Januar bis März fünf
Kinder einer Familie an Diphtherie gestorben
. Eine Volksseuche war die Tuberkulose,
an die heute kaum noch gedacht wird .
Im Jahre 1892 sind in Deutschland an
Tuberkulose gestorben 200 000, in Worten
= zweihunderttausend Leute, 1900
noch 160 000, 1918 noch 147 000 und
1939 41 000, heute sind es deutlich unter
2 000 im Jahr. Wieviel Frauen früher bei
der Geburt oder kurz nachher gestorben
sind, kann man auch im Ki rchenbuch
nachlesen. Ȇber das Absterben der
Wöchnerinnen « gibt es im HStAD die Akte
Landratsamt Monschau, Nr. 270, ein erschütterndes
Dokument!
Es erübrigt sich fast, noch von der Kinderarbeit
in unserer Jugend zu reden , wenn
man weiß, daß noch in einer Generation
vorher die Kinder, des Nachmittags auf
dem »övveschte-Söller«, dem Speicher
gesessen und Wolle gesponnen haben.
Welchem Kind sollte man es heute zumuten
, des Morgens mit der Viehherde aufs
Feld zu ziehen und dort bis zum späten
Nachmittag ganz allein auf die Tiere aufzupassen,
und das schon mit 8 oder 9 Jahren!
Welchem Kind sollte man es zumuten
, allein mit 10 oder 11 Jahren im Heu zu
arbeiten, oder einen ganzen Schuppen
Holz zu zersägen , zu spalten und ins Haus
zu schaffen? Welchem Kind sollte man es
zumuten, in dem bekannten ganz strengen
Winter 1929 ohne jede Unterwäsche
täglich nach Monschau zu gehen; das war
derselbe Winter, als junge Damen von hier
in Aachen den Karnevalszug angesehen
haben und mit schlimmen Erfrierungen der
Beine zurückgekommen sind, da sie nur
die dünnen Seidenstrümpfe anziehen
konnten. Eine Dame mit einer langen warmen
Hose wäre wohl der nicht unbekannten
Steinigung übergeben worden.
Daß es auch für eine große Familie nur ein
Wohnzimmer gegeben hat, braucht schon
kaum noch betont zu werden. Daß in solchen
Fami lien zwei Kinder sich ein Bett
haben teilen müssen, war auch eine
Selbstverständlichkeit! Man könnte beliebig
fortfahren, wenn der Platz nicht beschränkt
wäre ! Genug also! Wer heute
noch vor der »guten alten Zeit« zu reden
wagt, sollte sich ein wenig umsehen in der
gar nicht so »guten alten Zeit«!
Das Klima
Zu der Landschaft gehört auch das Klima,
von dem wir schon etwas über die hohen
Niederschläge berichtet haben. Es ist das
atlantische Klima mit den meistens feuchten
und kühlen Sommern, den schneereichen
und selten sehr kalten Wintern . Im
Gegensatz dazu steht das Festlandsklima
im Osten mit den trockenen und heißen
Sommern und den trostreichen Wintern.
Schon als Kinder haben wir von älteren
Leuten immer wieder gehört von den
schönen heißen Sommern und der Arbeit
dann im Hohen Venn und von den Wintern
mit unendlichen Schneemassen über die
Hecken und fast über die Häuser hinweg.
Es muß aber festgestellt werden, daß unser
Klima sich seit der Römerzeit etwa
nicht grundsätzlich geändert hat. Nur im
Spätmittelalter um 1400 etwa muß mal eine
wärmere Periode hier gewesen sein,
was man z.B. an Pflanzen feststellen kann ,
die damals wesentlich höher in die Berge
gegangen sind.
Für uns hier haben wir sichere Aufzeichnungen
in den Kirchenbüchern, da die
Pfarrer Fabritius und Merkelbach geie-
83
gentlich besondere Witterungsverhältnisse
aufgeschrieben haben. Danach ist der
Sommer 1692 sehr verregnet gewesen,
1695/96 haben wir eigentlich keinen Winter
gehabt, der dann wohl im April eingesetzt
hat; 1709 ist ein ungewöhnlich strenger
und harter Winter gewesen; 1714 hat
man zu Ostern schon grüne Zweige in der
Kirche gehabt und auch noch bis Ende
November frische Rosen ; 1718 hat große
Hitze und Trockenheit gebracht; 1719,
1721 und 1729 berichtet der Pfarrer Merkelbach
von erregender Helligkeit am
Himmel, 1721 mehrfach große Helle, breite
Strahlen , zum Teil blutrot, so daß großer
Schrecken entstanden ist; am 16. November
1729 ist es am Himmel hell gewesen
von einem feurigen Flammenball. Das alles
sind natürlich nur hier recht seltene
Erscheinungen von Nordlichtern gewes~n.
die auch nach dem letzten Krieg noch
zweimal hier beobachtet werden konnten.
Nach der Franzosenzeit haben wir dann
die fortlaufenden Chroniken von Monschau
und lmgenbroich, wo für jedes Jahr
die Witterungsverhältnisse eingetragen
sind. Besonders bekannt ist geblieben das
Jahr 1816, in dem es hier überhaupt keinen
Sommer gegeben hat und die nachfolgende
schlimme Hungersnot. Danach
aber sind einige so warme Sommer gekommen,
daß der Lehrer Joh. Huppertz
schreibt, wir hätten ein anderes Klima bekommen
1821 /22! Aber! Die Jahre danach
sind wieder mehr als nur feucht gewesen
. So geht das durch das ganze 19.
Jahrhundert mit viel mehr verregneten als
zu trockenen Sommern, mit Wintern mit
sehr viel Schnee, mit starkem Frost und
mit wenig Kälte, alles so, wie wir es auch
heute noch kennen.
Alte Leute erinnern sich noch an den extrem
trockenen Sommer 1921 , als wir hier
Schneemassen im Winter 1952
nicht einmal 600 mm Niederschlag hatten.
Aber! Der nächste Sommer 1922 brachte
dann über 1550 mm Regen , und die nächsten
Jahre waren auch noch ziemlich verregnet.
Wer aber weiß noch etwas davon?
Der Winter 1927 / 28 war fast überhaupt
kein Winter mit nur ganz wenig Schnee!
Wer erinnert sich noch daran? Aber! Der
Winter 1928/ 29 mit seiner extremen Kälte,
besonders an den Karnevalstagen mit den
erfrorenen Beinen der Konzener jungen
Damen nach dem Karnevalszug in Aachen
, wer hätte das vergessen können?
Viele denken auch noch an den 18. April
1936, als alles hier unter Massen von
Schnee versunken ist. Am übernächsten
Tag war der Weiße Sonntag, als man für
die Kommunionkinder und die lieben Engelchen
Schützengräben hat ausheben
müssen , damit sie überhaupt in die Kirche
kommen konnten. Auch den sehr strengen
Winter 1942 hat niemand vergessen,
als die deutschen Soldaten in Rußland lagen
und tausendfach mit schweren Erfrierungen
zurückgeschickt worden sind, als
bei Bingen Kolonnen von Menschen zu
Fuß über den Rhein spaziert sind. Der
letzte sehr schneereiche Winter ist hier im
Januar/ Februar 1953 gewesen, als zweimal
an den Wochenenden alles dicht war,
besonders oben im Hohen Venn . Der
Jahrhundertsommer war im Jahr 1947, als
es Sommer war von Anfang Mai bis zum
25. Oktober und man froh war, gelegentlich
mal eine schöne Wolke zu sehen.
Aber! Das Jahr 1948 hat den Sommer
vergessen gehabt. Wer denkt noch an eine
Reihe von ganz verregneten Sommern
Mitte der 50er Jahre? Alle Welt, auch Naturwissenschaftler,
Physiker usw., war davon
überzeugt, daß das die Folgen der
zahlreichen Atombomben seien , die damals
noch in der Atmosphäre gezündet
worden sind. Nach dem sehr guten Sommer
1959 war auch das alles vergessen.
Wenn im Sommer oder Herbst so kluge
Fachleute auftreten wie Bauern, Förster,
Pastoren und Professoren und genau den
nahen Winter mit seiner Witterung vorhersagen,
muß man doch mal fragen, wer von
ihnen den Jahrhundertwinter 1962/63 vorhergesagt
hatte, als wir hier Schnee hatten
von Mitte November bis weit in den April
hinein und Frost bis zu 20 Grad. 1974
hatten wir einen normalen Sommer, 1975
schon einen recht guten, 1976 den extrem
trockenen Sommer, als im Herbst die Talsperren
fast leer waren und man kein Auto
mehr waschen durfte. Danach konnte mit
voller Sicherheit die Prognose auf etliche
schl echte und verregnete So~er gestellt
werden und hat sich als völlig richtig erwiesen.
Der erste gute Sommer danach
war der des Jahres 1982.
Das also ist die einzig mög liche Vorhersage
auf längere Zeit, daß nämlich die Natur
extreme Trockenheit in den nächsten Jahren
ausgleicht, alle anderen Mittelchen für
langfristige Vorhersagen gehen fast immer
an der Wahrheit vorbei. Als vor fünf Jahren
ein bekannter Wetterprophet mit Prof. Titel
einen ganz strengen und schneereichen
Winter vorhersagte, ist er durch den mildesten
Winter seit Jahren belehrt worden
und hat dieses Geschäft eingestellt, wie es
auch andere bekannte Propheten inzwischen
getan haben.
Wir können mithin absch ließend feststellen
, daß unser Klima hier sich seit Jahrhunderten
nicht in größerem Maße geändert
hat mit seinen durchschnittlichen unauffälligen
Jahren und mit den seltenen
Extremwerten im Guten und im Schlechten
; diese Extremwerte aber sind es, die
von alten Leuten im Gedächtnis haften
geblieben sind und immer wieder den jüngeren
Leuten als ihre Dauererlebnisse
aufgetischt werden.
Ein solcher Extremwert ist z. 8. im Juni
1803 aufgetreten, als es im Quellgebiet
unseres friedlichen Laufenbaches einen
gewaltigen Wolkenbruch gegeben hat, so
daß in Monschau eine Frau ertrunken ist,
als sie ihre einzige Kuh aus dem Stall
unter dem Haus retten wollte und daß das
Haus oberhalb des Hauses Troistorff an
der Ecke von Fluten zur Hälfte weggespült
worden ist und die Leute sich mit Hilfe
einer Leiter in ein Nachbarhaus gerettet
haben.
Auch Erdbeben, die aber nicht die Form
von Katastrophen angenommen haben,
sind nicht ganz selten gewesen. Es gibt
darüber schon Mitteilungen aus den Jahren
1666, 1692, 1755 - 1767 ziemlich
zahlreich. (Wilh . Vogt: E. H.V. 1. Jhg. S. 44
und 3. Jhg. Seite 38), dazu ein paar Bemerkungen
in den Kirchenbüchern.) Um
das Jahr 1900 hat ein Dorfbürgermeister
mit schönem Rauschebart eine Meldung
an das Landratsamt gemacht über ein Erdbeben
mit folgendem Inhalt: »Ich lag mit
meiner Frau im Bett; es kam ein Stoß vom
84
Hofe her. Meine Frau stieß mich an und
sagte: ,Johannes, merkst Du nichts?, Ich
merkte es wohl, doch sagte ich nichts.
Weiter keine Wahrnehmung .«
Und noch im Sommer 1950 ist hier ein
Erdbeben gut zu spüren gewesen an den
rutschenden Tellern und Tassen in den
Schränken . In Aachen aber sind im Hauptzollamt
beim Bahnhof lange Risse in den
dicken Außenmauern festgestellt worden ,
so daß die Bewohner panikartig das Gebäude
verlassen haben.
Wer sich aber über die übertriebene Angst
der Leute bei Naturkatastrophen oder bei
den »erschröcklichen« Zeichen am Himmel,
die in Wirkli chkeit Nordlichter waren ,
erhaben glaubt, wer sich lustig machen
möchte etwa über die Prozessionen der
Geißelbrüder, die sich peitschend durch
die Städte gezogen sind im 13.-15. Jahrhundert,
als besonders im Jahre 1348 die
Beulenpest, der schwarze Tod, halb Europa
entvölkert hatte, der sollte die vielen
Berichte lesen über die Angst und den
Schrecken, ja über die Weltuntergangsstimmung,
als kurz vor dem 1. Weltkrieg
der harmlose Halleysche Komet sich in
unserer »aufgeklärten« Zeit unserer Erde
genähert hatte.
Alte Sitten und Bräuche
Über den Humor, den Witz und die
Schlagfertigkeit der Leute hier müßte ein
langes Kapitel geschrieben werden , das
aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen
würde. Viel Material dazu ist schon gesammelt
worden in den Heimatkalendern unter
dem Titel: »lachende Heimat«. Und es
steht zu hoffen , daß in gut absehbarer Zeit
ein hübsches kleines Buch auf den Tisch
gelegt werden kann mit dem Titel : »Humor
am Hohen Venn«.
Auch auf die Sprichwörter und sprichwörtlichen
Redensarten, die viel ererbte Weisheit
und Erfahrungen aus der Natur und
ihren Gegebenheiten, aus dem Umgang
mit den Haustieren und den Erfahrungen
aus dem familiären Leben enthalten, kann
hier nur hingewiesen werden. Über die
Dickköpfigkeit eines Esels heißt es z. B.:
»Merr kann ene ösel an et Wasser drive,
sutte moß hä ävver selever« = Man kann
einen Esel an das Wasser treiben, saufen
muß er aber selber. Oder zum Wetter: »Et
öß jenne Aprel esu jott, jeddere Zungsteck
kritt singe Hott« = Es ist kein April so gut,
Jeder Zaunpfahl bekommt seinen Hut (aus
S_chnee), und das trifft fast in jedem Jahr
~ier zu, daß nämlich im April nochmal richtiges
Winterwetter einsetzt. Oder aus dem
menschlichen Bereich : »Heu maache on
vreye joh, wierd döcker ömmesöß jedoh«
== Heu machen und auf die Freite gehen,
Wird vielfach umsonst getan!
Auch über Sitte und Brauchtum kann hier
nur in aller Kürze berichtet werden, wobei
besonders die Seiten des Brauchtums
erörtert werden sollen, die inzwischen der
Vergessenheit anheim gefallen sind .
Die Großmutter Schreiber-Hue-Hendrechs ca.
191 o, Mutter von acht strammen Soldaten
Die wichtigsten Punkte im Leben des
Menschen sind Geburt, Heirat und Tod.
Daß hier stets viele Kinder zur Welt gekommen
sind , ist an anderer Stelle betont;
aber noch vor 150 Jahren sind in Konzen
von den neugeborenen Kindern im ersten
Lebensjahr etwa ein Viertel auf dem Friedhof
gelandet. Erstaunlich aber ist, daß ohne
ärztliche Hilfe, ja ohne ausgebildete
Hebammen so viele Kinder in den Familien
zur Welt gekommen sind und ein normales
Alter erreicht haben. Dabei brauchen
wir nur zu denken an die Familie
Schreiber von dem Grabkreuz Nr. 11, wo
von 17 Kindern nur vier früh gestorben
sind.
Erst mit der Taufe, ganz früher möglichst
noch am ersten, spätestens aber bis nach
dem letzten Krieg am dritten Tag, wurde
das Kind zur Taufe gebracht, wobei auch
an die Wege von den entfernten Dörfern
nach Konzen gedacht werden muß. Dann
aber erst war das Kind wirklich in die Gemeinschaft
aufgenommen; bei auch nur
geringer Gefahr für das Kind waren die
Hebammen und später natürlich auch die
Ärzte verpflichtet, die Nottaufe zu spenden,
um es vor dem »Limbus«, dem Zwischenreich
zwischen Himmel und Hölle zu
bewahren. Selbst ein neugebackener
Großvater hat noch vor einigen Jahrzehnten
dem Sohn und der Schwiegertochter
erst zu dem Kind gratuliert, als es durch
die Taufe nun »vollbürtig« geworden war.
Jeder aus der Nachbarschaft war verpflichtet,
das »Kenkche kicke ze joh « =
das Kindchen ansehen zu gehen. Dabei
brachte man der jungen Mutter eine Kleinigkeit
mit zur Stärkung, wie etwas Würfelzucker,
etwas Bohnenkaffee und dgl. So
hat auch einmal ein unbeholfener und
wortkarger Junggeselle diesen ihm recht
peinlichen Gang tun müssen, hat dann im
Zimmer mit der noch zu Bett liegenden
Mutter und dem Kenkche in der Wiege
gestanden und nach langer Suche nach
einer passenden Unterhaltung endlich
herausgebracht: »Jo, Jo, wat se net alles
maache! « = Ja, ja, was sie nicht alles
machen. Besonders aber die Frauen aus
der Nachbarschaft haben sich um Mutter
und Kind kümmern müssen und sind dann
später zum Taufkaffee eingeladen worden.
Die Vornamen der Kinder haben sich weitgehend
nach dem Namen der Paten und
Patinnen = (Patt und Jott) gerichtet; auffallend
dabei ist die Familie Kesselkaul,
Forstmeisterverwalter in Konzen . Die Tante
Sophia Ferdinandina von Schaumburg
ist mehrfach Patin geworden und hat ihren
Namen an Jungen und Mädchen weitergegeben
als Ferdinand und Ferdinandina.
Sonst hat es wenig auffallende Namen
gegeben, da sie alle in der Tradition der
Heiligen aus dem Kirchenjahrbuch entnommen
worden sind.
Ein großes Ereignis war naturgemäß eine
Hochzeit, an der die Verwandten und die
Nachbarschaft beteiligt gewesen sind
auch schon bei der Vorbereitung. Einen
Polterabend im heutigen Sinne hat es vor
dem letzten Krieg nicht gegeben, wenn
man von einigen Neckereien absieht, die
am Abend vorher durch junge Nachbarsleute
getätigt worden sind . Der Weg zu der
neuen Wohnung ist stark verrammelt »zojemaacht«
= zugemacht worden, mußte
dann natürlich geöffnet werden auf Kosten
des jungen Paares ; dabei ist es früher
auch nicht nur zu Scheingefechten, sondern
zu regelrechten Kämpfen oder Schlägereien
gekommen mit entsprechenden
Verletzungen; das waren zweifellos Auswüchse,
wie sie leicht aus an sich harmlosen
Bräuchen entstehen können . Im übrigen
war es für ein Mädchen gar nicht so
einfach, in die Gemeinschaft der Jugend
aufgenommen zu werden, wenn es nicht
offiziell zu den Kirmes- u. Fastnachtsfeiern
und besonders den Tanzereien aufgefordert
= »jevroocht« war. Falls es nicht Geschwister
hatte, die ein solches Mädchen
mit zum Tanz genommen hatten, mußte es
als Mauerblümchen zu Hause sitzen und
auf andere Weise eine nähere Bekanntschaft
zu machen suchen. Viel öfter als
heute hat es im Dorf unverheiratete Mädchen
und auch Männer gegeben, die dann
in der Familie im Hause geblieben sind
und sich in der Landwirtschaft nützlich gemacht
haben.
Über die anerkannte Moral im Dorf hat die
Allgemeinheit gewacht und bei besonderen
Anlässen Gericht gehalten durch das
sogenannte »Deer-Jaache« = Tierjagen,
das in Süddeutschland bekannt ist unter
dem Namen »Haberfeld-Treiben«. Bei
vor- oder unehelichen Geburten, die im
Kirchenbuch seit 350 Jahren nachzuweisen
sind, bei mehr als üblichen Streitereien
in den Familien und dgl. hat sich die
junge Mannschaft abends versammelt um
das Haus der Übeltäter und mit allerlei
Instrumenten einen höllischen Lärm verursacht
und auch wohl das Sündenregister
85
Ein Hochzeitspaar vom Jahre 1887: Hubert Erkens und Frau Sophia, geb. Huppertz, Goldhochzeit
1937
lauthals vorgelesen. Der Ortsgendarm ist
an solchen Abenden immer - zufällig? -
auf einem auswärtigen Dienstgang gewesen,
da er sonst leicht wegen Hausfriedensbruches
hätte einschreiten müssen.
Daß es auch bei solchen Aktionen Übergriffe
gegeben hat, bezeugt eine Meldung
aus dem Jahre 1897, als es im November
in Mützenich ein »Tierjagen « gegeben hat
mit dem Zerbrechen sämtlicher Fenster im
Haus samt der Holzrahmen und einer starken
Zerstörung sogar des Daches. Das
war natürlich nicht der Sinn der Sache . In
Konzen hat es Mitte der 20er Jahre im
Städtchen das letzte »Deer-Jaache« gegeben,
in entfernteren Dörfern unseres
Gebietes aber noch vereinzelt nach dem
letzten Krieg. In einigen Jahrzehnten wird
man aber von dieser dorfeigenen Justiz
nur noch aus Büchern Kenntnis haben.
Über das Brauchtum beim Trauerfall gibt
es eine ausgezeichnete Arbeit von J. Erkens
im Mon . Land 1973, S. 163 ff. Gestorben
wurde ja grundsätzlich innerhalb
der Familie, wobei durch den Pfarrer die
Sterbesakramente gespendet, durch die
Angehörigen und auch wieder Leute aus
der Nachbarschaft die festgelegten Sterbegebete
in Gegenwart des Sterbenden
und z. T. mit ihm selbst zusammen gebetet
worden waren . Der Tote wu rde aufgebahrt
auf einem großen Tisch , einer langen
Bank oder auf Brettern, und darauf wurden
als Unterlage die zum Decke n der Strohdächer
bereitliegenden Bündel au s Roggenstroh
gelegt, darüber ein Bettu ch.
Der Tote lag dann »op em Schoof« = auf
den Schaub-Bündeln, und auch dieser
Ausdruck ist schon recht alt und weit verbreitet.
Sofort nach dem Tod wurde der
Spiegel verhängt, denn da der Tote so oft
hineingeschaut hatte, hätte ein Rest seiner
Seele vielleicht noch darin sein können .
Der Totenvogel bei uns ist die Elster!
Wenn sie im Falle einer gefährlichen
Krankheit öfters beim Haus zu sehen war,
wurde mit dem Tod gerechnet. Wenn der
Bauer, der Herr des· Hauses, gestorben
war, sagte der Nachfolger den Tod an,
auch dem Großvieh im Stall und den Bienen
im Schuppen. Und früher waren ein
paar Bienenstöcke viel häufiger am Haus
als heutzutage. Wenn eine Leiche im Dorf
über Sonntag »om Schoof« liegt, befürch~ • -
tete man , daß in der kommenden Woche
eine weitere Leiche oder sogar zwei im
Dorf liegen würden ; das wird jetzt zwar
nicht mehr so recht geglau bt, Ȋvver merr
hatt et net je-er« = aber man hat es nicht
gerne, wie man selbst heute noch von
alten Menschen hören kann, und man
nennt eine solche Leiche über Sonntag
einen »Nachzeh rer«. In der arm en Zeit
früher war es au ch so, daß das schöne
weiße Totenhemd au s teurem Lein en nicht
mit in den Sarg gegangen ist, sondern
zurückbehalten und später innerhalb der
Nachbarschaft an die nächste Leiche ausgeliehen
werden konnte. In den drei Nächten
nach dem Tod hielt man aus der Nachbarschaft
oder Ve rwandtschaft im Sterbehaus
die wirkliche Totenwach a_; es wurden
viele Gebete gesprochen, dabei gi ng dann
aber auch die Schnapsflasche durch die
Runde, es sollen au ch gelegentlich jüngere
Mädchen beteiligt gewesen sein , so daß
die Pfarrer vor etwa 100 Jahren diese echte
Totenwache abgeschafft und in die Kirche
als Gebetsgottesd ienst ve rlegt haben.
Während der Sterbezeit oder kurz danach
sind an sieben Kreuzen in der Dorfflur die
»Voß-Väll « = die Fu ßfälle von etlichen
größeren Mädchen au s der Nachbarschaft
gebetet worden ; das hei ßt, daß diese fußfällig
vor diesen Kreuzen für den Sterbenden
oder gerade Verstorbenen gebetet
haben . Der Tote durfte im Sarg nicht mit
dem Kopf zuerst aus dem Haus getragen
werden , wei l er dann mit dem Gesicht
zu rückgesehen hätte und viell eicht in das
Haus hätte zu rückkehren könn en . (Das ist
aber heute nicht meh r bekannt.) Nach der
Beerdigung kamen alle Verwandten im
Trauerhaus zusamm en zu m Leichenessen,
das abe r nu r aus Trockengebäck bestanden
hat und nicht etwa aus Reisfladen
oder sogar Buttercremekuchen. Nach dieser
Stärkung ist dan n nochmal lange Zeit
gebetet worden in ganz bestimmter Abfolge
von Gebeten, und dann erst war die
Trauer abgeschlossen, und es ist manchmal
bei den vielen Verwandten , die man
lange nicht gesehen hatte, zu einem lebhaften
Reden und etwas Trinken gekommen
.
Jedenfalls war früher alles, was mit dem
Tod zu sammenhing, auf das Genaueste
geregelt, und niemand durfte es wagen,
daran eine Kleinigkeit zu verändern . Ein
besonders schönes Beispiel dafür bietet
das Buch von Werner Geiger: »Totenbrau
ch im Odenwald«, 1960, in dem alle
diese festen Bräuche aus der früheren Zeit
mit größter Sorgfalt zusammengestellt
sind und auch für uns hier viele Erkenn!
nisse um das Totenbrauchtum und seinen
Wandel in der Neuzeit gewähren.
Wenn bei einem Todesfall und seinen besonderen
Anforderungen so oft die Nachbarschaft
gefordert ist, wie auch heute
noch etwa bei den Trägern des Sarges auf
den oder dem Friedhof, so mag auch an
dieser Stelle auf die Bedeutung der Nachbarschaft
besonders hingewiesen werden.
86
Konzen war eingeteilt in die acht Nachbarschaften:
Kerchnobberschaft, Steeröksch,
Lutterbich, Huhe-Strooß, de Jaaße (in den
Gassen) , Höngeren -Dorep, öntepohl und
Aderich .
Jede Nachbarschaft bestand aus etwa 20
Häusern, so daß es eine gut überschaubare
Gemeinschaft wa r, in der jeder jeden
kannte und sich geborgen fühlen konnte.
Wer neu in ein Do rf zog, hat sich gleich
nach der Nachbarschaft erkundigt, die ihm
in schwierigen Dingen Hilfe angedeihen
lassen konnte und wohl auch mußte . Das
hat früher in besonderem Maße gegolten
beim Bau eines neuen Hauses durch
Fahrten um den notwendigen Lehm und
das Bauholz, vo r allem dann bei der »Hei-
denarbeit« mit den Stecken und Fetzen
und dem Verarbeiten des Lehms in den
Fachwerkwänden . Und auch heute ist das
Sprichwort noch bekannt: »An ennem jodde
Nobber, hat merr vell Vermaach « = an
einem guten Nachbarn hat man viel Wohltun
(zu erwarten).
Es müßte noch ein langes Kapitel geschrieben
werden über die früheren Bräuche
bei Kirmes und Fastnacht mit den
Gelagen, dem »Jelooch«, d. h. den Vereinigungen
junger Männer (Jos. Erkens =
Heim.-Kal. 1961 , S. 40-47), die in den
einzelnen Gastwirtschaften für die Musik,
für die Kosten des Wirtes und das ganze
Ausrichten der Feier gemeinsam sorgten
und nachher mit dem Wirt abrechneten. Es
gab vor dem Jahre 1876 keinen wirklichen
Saal im Dorf, sondern nur normale Zimmer
von etwa 4-5 Metern, in denen genau in
der Reihe und fast im Gleichschritt getanzt
werden mußte, wenn es überhaupt für eine
größere Zahl von Paaren möglich sein
sollte. Deshalb der oft gehörte Ruf des
Kaprools = des Korporals = des Vorstehers
dieses Jeloochs: »Reyh haalde« =
Reihe halten! , d. h., daß jedes Tanzpaar
sich bewegen mußte in der Reihe des
gesamten Raumes. Es müßte berichtet
werden über die bei Kirmes fast notwendigen
Schlägereien besonders dann, wenn
ein junger Mann aus einem anderen Dorf
in den »Rosengarten « der heimischen
Jungfrauenschar einzudringen versuchte.
Auch das hat es um das Jahr 1930 zuletzt
gegeben. Es müßte berichtet werden über
das Neujahrsfest, wenn die jungen Männer
in der Neujahrsnacht mit alten Pistolen
geschossen haben, was natürlich verboten
war. Der arme Dorfpolizist ist dann
vom Öntepohl zur Lutterbich, von dort zur
Hardt und dann wieder in das Höngere
Dorp gescheucht worden, ohne daß er
jemals einen dieser schlimmen Übeltäter
erwischt hätte. Auch sonst ist in der Neujahrsnacht
viel Schabernack getrieben
worden mit Wegführen der leichten Ochsenkarren,
Ausheben von Gartentoren, erheblichem
Platzwechsel der kleinen Häuser
freistehend auf dem Mistplatz und mit
Herzen in den Türen versehen, die der
Bauer unter Umständen hoch in einem
Baum wiederfinden konnte.
Wir müssen uns aber beschränken und
nur noch das frühere große Feuer am
Sonntag nach Fastnacht erwähnen, den
»Weerel «. Der »We-erel « ist der Wehr
Han und das ist der Wehr-Hagen, wo die
Angreifer in dem abgegrenzten Hagen abgewehrt
werden mußten. Dieses einzige
Jahresfeuer hier mit den verschiedenen
Namen wie Burgsonntag , Funkensonntag
usw. , hat mit einer vermuteten Verbrennung
von Büchern gar nichts zu tun. Es ist
ein jahrhundertealtes Frühlingsfeuer, das
von Italien aus bis zu uns den Weg gefunden
hat und bis zum nördlichsten Punkt
bei Aachen vorgedrungen ist. Kinder und
junge Leute haben vorher Brennmaterial
Stroh = Strü-e im Dorf umziehend eingesammelt
und auf einen erhöhten Platz, bei°
uns auf der »Hue« geschafft, wo es am
Sonntag nach Fastnacht zuerst abgewehrt
und verteidigt, dann aber doch erobert und
angezündet werden mußte.
Beim Sammeln des Brennmaterials wurden
von den Jugendlichen sogenannte
Heische-Lieder = Bittlieder gesungen,
das in Konzen gelautet hat:
Merr heesche öm ene Weerel,
Merr send de bäste Keerels,
Merr heesche öm Sent Huppert,
Merr wellen et sälever bruche,
Merr heesche öm Sent Jan ,
Merr wellen et sälever hann,
Merr heesche öm Sent Kring ,
Merr wellen et sälever sinn!
In Kalterherberg enthält das Heischelied
regelrechte Beschwörungen wie »Muere
wi enne Kerchtuer, Röbbe wie e Bakkes!«
= es sollen Möhren wachsen wie ein Kirchenturm
und Rüben wie ein Backhaus; in
anderen Dörfern wurde um Speck und
Eier gebeten, die dann später zu einer
kräftigen Speise verarbeitet und gemeinsam
nach dem Feuer verzehrt werden
konnte. Aus dem in diese oder jene Richtung
ziehenden Rauch konnte man auf ein
gutes oder auch schlechteres Erntejahr
schließen. Im Montafon z. B. wurde als
reinigende Kraft eine Strohpuppe als Hexe
verbrannt, die sicher noch an die mehr als
zah lreichen Hexenverbrennungen bis Ende
des 18. Jahrhunderts erinnert haben
dürfte.
Wenn Ostern auf einen frühen Termin gefallen
war, mußte Fastnacht schon Mitte
Februar gefeiert werden, wo man bei uns
hier meistens mitten im Wintersteckengeblieben
war, so daß man sich schon wundern
muß, daß dieser Frühlingsbrauch
überhaupt bis zu uns hat vordringen
können .
Im Jahre 1925 oder 1926 ist dieser sehr
alte Brauch durch den Pfarrer Pontzen abgeschafft
worden , der wie die meisten
Leute damals weder Kenntnis noch Verständnis
fü r solches ererbte Brauchtum
gehabt hat und dafür das Martinsfeuer eingeführt
hat, das auch im Rheinland eine
lange Tradition hat. Aber, das eine hätte
das andere ja nicht auszuschließen brau -
chen. Noch nach dem letzten Krieg ist in
Kalterherberg das Wehr-Hahn-Feuer sogar
an zwei verschiedenen Stellen gestocht
worden, inzwischen aber. auch
schon seit Jahren der Vergessenheit anheimgefallen.
(Viele Einzelheiten hierzu im
E. H. V. Jhrg. 1953, S. 101 ff. und in der
Aachener Volkszeitung Februar 1964 in
mehreren Fortsetzungen.)
Wir müssen hier abschließen, obwohl zum
Thema Brauchtum eine große Abhandlung
geschrieben werden könnte und auch sollte.
Besonders sind die Veränderungen im
gesamten Brauchtum seit dem ersten
Weltkrieg nicht nur in den äußeren Dingen,
sondern auch im geistigen Verhalten der
Leute hier und natürlich auch in anderen
Ortschaften sehr aufmerksam zu verfolgen,
festzuhalten und in absehbarer Zeit
zu veröffentlichen , damit der Nachwelt wenigstens
die Änderung der dörflichen
Struktur bewußt bleibt. Und man kann mit
großer Sicherheit annehmen, daß sich auf
diesem Gebiet in den Jahrzehnten nach
dem ersten Weltkrieg mehr verändert hat
als in Jahrhunderten vorher.
(Bei diesen Arbeiten sei ausdrücklich hingewiesen
auf die »Eifeler Volkskunde «,
erweiterte Auflage nach dem letzten Krieg
von dem Kölner Professor Adam Wrede
und die zahlreichen Arbeiten über eine
Menge auch unserer Themen durch den
Bonner Professor Mathias Zender.)
Zu dem Thema »Land und Leute« gehören
auch einige Bemerkungen über das,
was wir unter Sagen, Märchen, Hexen und
Gespenstern verstehen.
Wenn irgendwo in der Nähe einer alten
Kirche oder eines Klosters ein etwas auffallender
Fels oder größerer Stein liegt,
kennt man die weit verbreitete Anschauung,
daß hier der Teufel seine Hand im
Spiele gehabt und damit die Kirche oder
das Kloster habe zerstören wollen. Wir
Der alte Wilhelm Huppertz, gest. 1968 im Alter
von 91 Jahren
87
kennen das von der Richelsley, die auf
dem Kloster Reichenstein landen sollte.
In Konzen ist es der kleine Felskopf, et
Biechelchesstennche oben am Rand der
Hu-e gewesen, womit der Teufel die so
verhaßte Kirche habe zerstören wollen,
aber zu weit geworfen habe. Dasselbe soll
mit einem größeren Stein im Krangsvenn
geschehen sein, an dem noch die Eindrücke
seiner Krallen zu sehen gewesen
seien.
Die Leute aus der früheren Zeit sollen sich
auch noch bekreuzigt haben, wenn sie
etwa bei Dunkelheit über Stillbusch oder
die Hardt hätten gehen müssen und über
ihnen der Sturm geheult und gejault habe ;
da haben sie wohl unterschwellig noch an
die Wilde-Jagd , an den germanischen
Wotan mit seinem wilden Heer gedacht
und sich mit hurtigen Beinen in das nächste
Haus geflüchtet.
Daß Karl der Große hier als mächtige Sagen-
und Heldenfigur gelebt hat, ist nur zu
verständlich; so hat er ja bekanntlich eine
Nacht oben auf dem Stehling auf dem
großen Quarzitblock schlafen müssen, wo
man heute noch diese »Kaiser-Karls
Bettstatt« bewundern kann.
Als unser Dorf noch keinen Namen hatte,
haben die Leute einmal nach ihm Ausschau
gehalten, und als sich dann die kleine
Reitergruppe genähert hatte, habe einer
lauthals gerufen: »Do konnt se! « = da
kommen sie! Und davon habe das Dorf
dann den Namen »Konzen « bekommen.
(So sagt man!) Von dem früheren Glauben
an Hexen zeugt noch die größere Flur
Hexe-Tempel an der Kali zwischen Konzen,
Simmerath und Paustenbach . Dort
soll nämlich der Versammlungs- und
Tanzplatz der Hexen gewesen sein für die
umliegenden Dörfer. Das Wort »Tempel «
bedeutet aber nicht ein großes Bauwerk,
sondern ein größeres Gebiet, wie auch
etwa ein »Geißen-Tempel« der Weidebezirk
für die Geißen = Ziegen gewesen ist.
Erst wenn alle Hexen aus den Dörfern
beim Hexentempel versammelt waren, habe
der richtige »Hexensabbat« beginnen
können. Die Stelle dort ist aber nicht zufällig
zu ihrem Namen gekommen, da in alter
Zeit in dieser Flur sechs Wege von den
verschiedenen Dörfern her zusammengestoßen
waren . Ein einfacher Kreuzweg ist
schon ein gefährlicher Anziehungspunkt
für böse Geister. Wieviel mehr ein Spinnennetz
von sechs solcher Wege, dazu
noch in dem unwirtlichen Gelände dort (E.
H. V., 20. Jhg., Seite 31 = »Ein alter
Verkehrsknotenpunkt im Hohen Venn «.)
Früher ist erzählt worden, daß es besonders
viele Hexen in Mützenich gegeben
habe, und der Versammlungspunkt sei
oberhalb der Rochusmühle beim Ki-schesteen
= Kirschenstein - von den wilden
Kirschenbäumen dort - gewesen. Und
auch dort ist ja wieder ein auffallender
Punkt in dem einsamen Gelände.
Der frühere Küster Joh. Zimmermann, gestorben
im Jahre 1928, soll noch viel von
Hexen und Gespenstern erzählt haben,
aber ohne daß jemand etwas aufgeschrieben
oder mündlich überliefert hätte. Zur
allgemeinen Beruhigung kann aber gesagt
werden, daß im Land von Monschau keine
Hexe zu Tode gebracht worden ist, soweit
wir jedenfalls wissen .
Eine echte Sage aber in Konzen ist die
vom »Welde-Wiffjesloch«, von einem
schmalen Felsgang oberhalb des Laufenbaches
kurz unterhalb der Mündung der
Vür-bich . Darüber hat schon eine lange
Geschichte geschrieben der lmgenbroicher
Lehrer Karl Wirtz im E. H. V., 6. Jhrg.,
S. 171 ff. Dort wird berichtet von diesem
bösartigen Weib, einer echten » Hack
Fey«, die das ganze Dorf in Unheil, Zank
und Streit gestürzt habe, endlich aber
durch die Dorfjustiz verhaftet und in dieses
Felsenloch eingesperrt worden sei . Erst
nach langer Zeit habe man eine Reue und
Besserung erkennen können und ihr die
Freiheit zurückgegeben. Aber immer noch
»vermeint man zur Geisterstunde das Klagen
und Wimmern des weide Wiffches « zu
hören. Das Thema ist dann öfters aufgegriffen
worden, wie im Heimatkalender
1972, S. 150 ff ., wo man hören kann von
dem Gang in der Höhle viele, viele Meter
tief, von den eingehauenen Nischen usw.
Dann kommt die Geschichte von dem
Dorfgericht usw ., wie es ähnlich schon von
K. Wirtz beschrieben worden war. Aber wir
haben schon viel früher einen literarischen
Niederschlag dieser Sage von dem lmgenbroicher
Pfarrer Julius Lefils dort lange
Jahre tätig bis zum Jahre 1891 . Pfarrer
Lefils hatte eine poetische Ader und hat
uns das folgende Gedicht hinterlassen:
In der Näh ' des Dorfes Conzen,
jäh sich senket das Gestein,
Eine Grotte dort sich findet,
unergründlich soll sie sein.
Ein Gefängnis war die Höhle,
einst vor alter langer Zeit.
War für den bestimmt zum Kerker,
der nicht ließ von Zank und Streit.
Wenn drum wiederholte Mahnung
hat gefruchtet nicht,
Den verstockten Sünder brachte man
vor das hohe Dorfgericht.
Und wer schuldig ward befunden,
daß den Frieden er nicht schätzt,
ward der Urteilsspruch verkündet:
»In das Loch wird er gesetzt!«
Da nun lebte eine Frau , ach,
es war ein großes Leid!
War mit Mund und war mit Füßen ,
mit den Händen kampfbereit.
Selbst den _Mann schlug sie mit Stecken,
wenn die Sage richt i_g ist;
wollte nicht ihr Leben bessern,
wie's doch soll ein jeder Christ.
Eridlich strafen sie die Richter,
ob das Weib auch keift und plärrt,
zu der Buße, daß sie werde,
Stunden in das Loch gesperrt.
Nicht das Urteil man verzögert,
gleich es wurde Ernst gemacht;
unter vielem Lärm und Sch reie n
ward sie an den Ort gebracht.
Der Geschichte zum Gedenken,
heißt die Höhle heute noch
jedem Zän ker auch zur Warnung
» Welde-wiffjes-Loch « !
Damit kann die dichterische Gestaltung
unserer Sage, die durchaus we rt ist, auch
noch unseren En keln mit Gruseln erzählt
zu werden, beendet sein . Ko mmen wir
aber nun zur Wirklichkeit:
Dieser langgezogene Felsspalt dürfte entstanden
sein durch das Abrutschen der
oberen Schieferdecke von einer etwas
glatten Unterlage. Zum Laufenbach hin ist
eine kleine Öffnung entstanden, die vielleicht
von spielenden Kindern so erweitert
worden ist, daß ein recht schmaler
Mensch mühsam hineinkriechen kann, wie
es der Verfasser um 1930 als recht junger
»Jüngling « getan hat. Nach dem Hineinkriechen
biegt der Spalt sofort scharfwinklig
ab auf Mützenich zu und war schon
damals dann so schmal , daß man nur drei
bis vier Meter hineinkommen konnte.
Auch nach dem Krieg um 1947 ist die
Höhle nochmal untersucht worden mit einer
Taschenlampe ; si e war noch genauso
wie um 1930, und es war nicht eine Spur
menschlicher Tätigkeit darin zu entdekken
. Damit ist alles hinfällig, was von einer
Länge von 20 bis 30 Metern und was von
Nischen, von Menschenhand geschaffen,
zu lesen ist. Au ch ist es völlig ausgeschlossen,
daß wir es mit einem unterirdischen
Verbindungs- und Fluchtgang zum
Hardthof zu tun hätten, wie man auch verbreitet
hören kann.
Aber! Es ist allgemein bekannt das Wort:
Von nichts kommt nichts! Dieser Felseingang
mit dem langgezogenen Spalt ist natürlich
hier etwas ganz Seltenes. Der
Mensch will und muß sich darauf einen
Reim machen. Da wird dann die Phantasie
in Bewegung versetzt, bis irgendeine irgendwie
plausible Geschichte gefunden
ist, womit ein derartiges Rätsel einigermaßen
begreiflich geworden ist.
Mit dem Welde-Wiffje hat es aber mit Sicherheit
nichts zu tun, da es unmöglich
war, dort eine Art von Gefängnis einzuri
chten.
Es hat sich im Anfang viel eher um wilde
»Wi-etcher« = um Zwerge gehandelt, die
man sich in dieser schmalen Höhl~ vorgestellt
hat. Aus den Wi-etchern , wir reden
heute noch von einem »arme-Wi-et«,
wenn wir einen bedauernswerten Menschen
meinen, aus dem »Welde-Wi-etche«
ist dann in der Sprache leicht ein
»Welde-Wiffje« geworden mit all den Folgerungen
unserer Sage.
Daß im Bereich der römischen Siedlungen
viel von Zwergen die Rede ist, geht auf die
etwa 40 bis 50 cm hohen Unterfußbodenheizungen
zurück, in denen man die Behausungen
solcher Lebewesen vermutet
88
hat. In der weiteren Umgebung werden
auch mehrfach solche Wichter in ähnlichen
Höhlen und Klüften vermutet. Und
wer denkt nicht noch gerne an die Schulzeit
zurück mit dem Gedicht: »Wie war in
Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen
so bequem!« ... Eine derartige Unterfußbodenhe
izungs- (Hypokausten) Villa
der Römerzeit ist im Juli 1913 im Buhlert
entdeckt und teilweise ausgegraben worden,
und ist bis heute die einzige dieser
Art im Gebiet von Monschau geblieben.
(Zwei Beiträge vom Juli 1913 im Monschauer
Stadt- und Landboten .)
Mit der vorgelegten rationalen Erklärung
soll - wie gesagt - nichts von der Freude
an unserer heimischen Sagenwelt genommen
werden, die im mer noch so recht paßt
in unsere so aufgeklärte Welt.
Die Landwi rtschaft
Auch dieses Kapitel kann nur in der gebotenen
Kürze behandelt werden.
Die Leute aus der Steinzeit, die hier im
Monschauer Land ein paar Steinbeile verloren
haben , in Hammer wohl auch im
Sommer kürzere Zeit sich aufgehalten haben,
waren darauf angewiesen, sich von
Jagd und Fischfang zu ernähren. Anders
war das aber schon in Gebieten von Jülich
etwa, die durch Kli ma und Boden in großem
Maße bevorzugt waren; dort auch hat
man in den letzten Jahren ganze Dörfer
der Steinzeit aufdecken können.
Auch über die Kelten als Bauern hier ist
nichts bekannt geworden.
Anders hat es ausgesehen in der Römerzeit,
aus der wir im Gebiet des Monschauer
Landes etwa 40 Fundstellen haben, wo
also auch Leute ihre Wohnungen errichtet
und als Bauern ihr Leben verbracht haben.
In Mützenich, Konzen und Kesternich sind
es Straßenposten gewesen, von denen
wir nicht wissen, ob sie dabei auch Landwirtschaft
betrieben haben . Einen sicheren
Bauernhof hat man aber 1958 feststellen
und ausgraben können in Eicherscheid im
sogenannten »Bongert«.
Das Haus hat die Länge von gut 26 m
gehabt, wovon ein Raum von 4 mal 6 m mit
einer dicken Brandschicht als Wohnzimmer
gedient haben muß. Das andere sind
Stallungen und Scheunen gewesen, wohl
aus Holz/Lehmfachwerk, wie der Archäologe
Dr. Küppers bescheinigt hat mit der
Zeitstellung im dritten Jahrhundert nach
Chr. (E. H. V. 36. Jahrg ., Seite 126.) Diese
Leute in Eicherscheid sind mit Sicherheit
Bauern gewesen und haben nicht etwa
von Eisenerzen und ihrer Verarbeitung gelebt,
wie man von den häufigen Fundstellen
im Raum von Schmidt-Kommerscheid
annehmen kann. Wie der landwirtschaftliche
Betrieb in Eicherscheid ausgesehen
hat, kann leider nicht gesagt werden , da
keine genaueren Funde darüber gemacht
Worden sind. Eine große Lücke in unserer
Geschichte hier haben wir von der Römerzeit
ab etwa 50 vor Chr. - 450 nach Chr.
bis zu unserem Königshof zur Zeit Karls
des Großen. Das wäre in der modernen
Zeit von etwa der Reformation bis in unsere
Gegenwart.
Unser Gebiet ist natürlich nicht menschenleer
gewesen, nachdem die Uferfranken
oder Ribuarier von der Kölner Gegend
aus hier seßhaft geworden sind und
auch von den Römern noch die Ortsnamen
Mützenich, Konzen und Kesternich
haben übernehmen können. Wie stark
aber die Besiedlung gewesen ist, wieviel
Land sie urbar gemacht haben, wie es mit
ihrer Landwirtschaft ausgesehen hat, ist
nicht festzustellen gewesen. Da aber eine
Reihe der Königshöfe auf römischer
Grundlage errichtet worden ist, müssen
wir noch Spuren davon voraussetzen, weil
solche Dinge nicht zufällig sein können .
Auch unser Königshof Konzen ist angelegt
worden, um einen verwaltungsmäßigen ,
landwirtschaftlichen, religiösen Mittelpunkt
zu haben für die weitere Entwicklung dieses
Raumes; zudem waren die Königshöfe
ja gedacht für den Unterhalt der Hofhaltung,
wenn sie in Aachen längere Zeit
bestanden hat. Unser Konzener Hof hat
mithin nicht allein im ganzen Gebiet gelegen
, sondern die schon vorhandenen Leute
zusammengefaßt, neue Höfe gründen
lassen , die Landwirtschaft gefördert, damit
die Lieferungen an den Hof in Aachen
möglich geworden sind . So kommt es
auch, daß Konzen und Düren als die wichtigsten
dieser Königshöfe in den ersten
Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts beim
Aufenthalt des Kaisers in Aachen zwei
Servitien-Einheiten zu stellen hatten , während
die anderen Höfe nur eine dieser
Einheiten zu stellen brauchten. Und eine
solche Dienstleistungseinheit hat bestanden
aus: 40 Schweinen, 7 Ferkeln, 50
Hühnern, 5 Kühen, 500 Eiern, 10 Gänsen,
5 Pfund Pfeffer, 90 Pfund Käse, 10 Pfund
Wachs und 4 großen Fudern Wein. Der
Pfeffer und der Wein sind natürlich nicht
hier gewachsen, sondern haben in Geld
bezahlt.werden müssen. Merkwürdig, daß
keine Schafe dabei genannt worden sind .
Leider wissen wir auch nichts über das
Gewicht der Schweine oder die Größe der
Kühe. Merkwürdig auch, daß keine Butter
erwähnt ist, die doch ein ganz wertvolles
Nahrungsmittel gewesen ist.
Nach anderen Berechnungen können wir
nicht lange nach dem Jahr 1100 mit einer
Bevölkerungszahl von etwa 400 Leuten
hier im Konzener Raum rechnen und sehen
, daß diese Servitien eine recht beachtliche
Leistung der Landwirtschaft hier
gewesen sind, wie sie aus dem Überschuß
abzuliefern waren.
Auch in den nächsten Jahrhunderten hören
wir kaum etwas Genaueres über die
Landwirtschaft hier, müssen aber annehmen,
daß auch die gestiegene Zahl der
Einwohner sich fast ausschließlich von der
Landwirtschaft ernährt hat, wenn wir von
ganz wenigen Leuten absehen , die vielleicht
als Handwerker in der Nähe der
Burg oder des Klosters Reichenstein von
ihrer Hände Arbeit haben leben können.
Wir wüßten auch gerne etwas mehr von
der Größe der Haustiere, besonders der
Kühe und damit verbunden auch der Ochsen,
der Pferde, die sicher auch noch keine
belgischen Kaltblüter gewesen sind .
Die Bauern damals müssen Handwerkszeug
und Fuhrwerke gehabt haben, tim
z. B. im Jahre 1596 Bauholz an die Burg
fahren zu können. Oftmals sind nach 1600
Leute bestraft worden, weil sie heimlich
aus den Wäldern einige Stücke gutes Holz
für eine Speiche oder eine Nabe haben
mitgehen ließen. Wenn wir uns die Leute
vorstellen wollen in den bescheidenen
Fachwerkhäusern, mit ihren einfachen
Pflügen etwa und mit ihren mageren Erträgen
in der Vieh- und Ackerwirtschaft, dürfte
sich dieses Bild nicht allzusehr unterscheiden
von den Leuten um das Jahr
1800, als die Franzosen zunächst auch
versucht haben, möglichst viel Heu und
Hafer zu requirieren.
Besonders für unser Konzen müssen wir
bedenken, daß die landwirtschaftliche Fläche
noch sehr eingeschränkt war durch
die alten Höfe Hardt mit ihren 121 Morg·en,
mit dem Hof Lauterbach mit 120 Morgen,
mit dem Hof Stillbusch mit etwa 60 Morgen
und dem Strubershof mit auch wohl
60 Morgen, die den Leuten hier erst ab
1808, 181 1 und 1814 verfügbar gewesen
sind, so daß die Wälder und Vennflächen
unverzichtbar gewesen sind für die Ernährung
des Viehbestandes.
Auf das Große und Ganze gesehen, dürfte
sich in den Jahrhunderten nach der Karolinger
Zeit bis vor gut 100 Jahren in der
Substanz der Landwirtschaft - von kleineren
Verbesserungen abgesehen - nur wenig
verändert haben.
Bevor wir zum letzten Kapitel, der ersten
landwirtschaftlichen Revolution kommen
vor ca. 100 Jahren, ein paar Bemerkungen
zu dem »furchtbaren« Frondienst, wie die
Kinder in der Schule zu lernen pflegen.
Das mag stimmen für die Provinzen im
Osten Deutschlands, keineswegs aber bei
uns. Die Leute, die innerhalb des karolingischen
Königshofes gewohnt haben, sind
sicher auch zu Arbeiten darin verpflichtet
gewesen.
Aus der Zeit nach 1500 kennen wir die
Abgaben genau aus den Rentmeister- und
den Forstmeister-Rechnungen. Für Konzen
haben wir über viele Jahrzehnte den
immer gleichen Eintrag in der Rentmeister-Rechnung
wie folgt: »Den Herrenbend
Fronrath am Gericht enthaltend 6
Morgen sind verpflichtet zu mähen die aus
Kesternich und Eicherscheid, und die aus
Hammer sind schuldig den obersten Teil
zu rechen und trocken zu machen; und
dann gibt man ihnen die Mahlzeit.« (Die
nach anderen Quellen bestanden hat aus
Brot, Käse und Bier.)
»Die aus Konzen, die hinter der Straßen
(nicht festzustellen) mit denen aus Roetgen
und Rott haben den anderen Teil trok-
89
Mauern aus Feldsteinen um die Felder in Mützenich
ken zu machen.« Der Ertrag dieses Bendes
hat in 14 Wagen Heu bestanden, von
denen der Forstmeister und der Rentmeister
je vier Wagen bekommen haben, der
Schultheiß und der Gerichtsschreiber je
zwei und die »Botten« von Simmerath und
Monschau je einen Wagen. Das war alles
für die Leute aus Konzen . Andere Dörfer
haben z. 8. im Frühjahr auf den Reinartzhöfen
die Multheufel (die Maulwurfshügel)
spreiten müssen, die aus Mützenich und
Lauscheidt haben einen Herrenbend im
kleinen Laufenbach mähen und trocken
machen müssen. Dann hat man schon mal
eine Fuhre für das Schloß zu machen gehabt.
Und das war der ganze »schlimme«
Frondienst in unserer Gegend. Dazu sind
natürlich gekommen die jährlichen kleinen
Abgaben an den Forst- und den Rentmeister
an Steuern bzw. für die Entnahme von
Holz aus den Wäldern.
Bei anderer Gelegenheit sind die Bewohner
mit Fuhrwerken gebeten worden, für
die beiden Brücken in Monschau, die im
Jahre 1642 »wegen des unerhörten großen
gewaltigen Wassers zerstört waren «
(in heutiger Schreibweise) Holz, Kalk und
Steine heranzufahren, wofür sie aber auch
meistens wenigstens eine Mahlzeit erhalten
haben. Auch die Eschbachstraße (geschrieben
mehrmals = Erschbach) samt
etlichen Häusern und Brauhäusern ist damals
»verdorben und verflossen « gewesen.
Aus Konzen haben damals Hausteine
aus Eupen geholt und an die Rommel
Brück (muß die Brücke an der Apotheke
Ziel gewesen sein) gefahren Theis Lauterbach,
Lucas Lauterbach, Theis Kaufmanns
Sohn Peter, Johann Beuel und Peter
Schreiber. (Akte Stadtarchiv Monschau, 1.
Abteilung .)
Anders war es in den Jahren 1590 - 1600,
als an der Burg viel gebaut worden ist und
der Rentmeister in jedem dieser Jahre 6-8
Seiten von Namen eingetragen hat, die
dort gearbeitet haben aus unserem gan-
zen Monschauer Land . Aber! Diese Leute
sind alle bezahlt worden , so daß der Rentmeister
die Ausgaben hat eintragen müssen.
Das ist also eine ganz normale Lohnarbeit
gewesen.
Die Frondienste sind dann natürlich durch
die Franzosen 1794 abgeschafft worden ,
was aber sicher zu keiner Erleichterung für
die Leute hier geführt hat, da sie sofort mit
ganz drückenden Req isitions-Scheinen
angetreten sind für Hafer, Heu, Fuhren
usw.
Eine Menge von Einzelheiten über die allgemeinen
Rechte und Pflichten im Land
von Monschau, dem »Monschauer Landrecht«,
sind enthalten in einem großen
Aktenstück im Stadtarchiv Monschau, veröffentlich
durch den Prof. Braun im E. H. V.
6. Jhrg. in mehreren Abschnitten vom Jahre
1516; dazu kommt das Weistum des
Amtes Monschau vom Jahre 1549 im
HStAD, Jül. Berg , II , Nr. 4877, Blatt 61 -
78, worin über die Schöffen, über die allgemeinen
drei Versammlungen, das
Thing, die Pflichten der Bürger in Monschau
selbst, die freien Güter usw. in allen
Einzelheiten die notwendigen Angaben erstellt
sind, ohne daß hier lange Ausführun
gen gemacht werden kö nnen . Wir hören
aber in dem Landrecht z. B. , daß bei der
allgemeinen »kirchwieonck« = Kirchweihfest
= Kirmes am St. Johannstag drei Tage
vorher und drei Tage nachher frei sein
soll; das heißt, daß man eine ganze Woche
Kirmes zu feiern pflegte. Wenn man noch
die vielen sonstigen Feiertage im Verl auf
des Kirchenjahres hinzurechnet, kommt
man auf 30 - 40 Feiertage im Jahr, was
genau unseren heutigen Urlaubstagen zu
entsprechen scheint Sicher sind die Leute
damals viel ärmer gewesen als heute,
haben aber nicht in einer so bedrängten
Lage leben müssen , wie man das so einfach
anzusehen gewohnt ist.
Wenn wir nun zu unserer jüngeren Vergangenheit
kommen, so haben wir eine
höchst wichtige Quelle in der Chronik der
Bürgermeisterei lmgenbroich, die beginnt
mit dem Jahre 1814, also nach Abzug der
Franzosen , und der beginnenden preußischen
Zeit. Für unsere Leute hier war ja
schon wichtig, daß die Ländereien der Höfe
Hardt, Lauterbach und Stillbusch mit
300 Morgen urbarem Land an die einzelnen
Bauern gekommen waren. Im Jahre
1862 hat die Gemeinde Ko nzen dann 47
Morgen Land verkauft für 1- 700 Thaler;
dann sind 1864 37 Morgen Vennflächen
(wohl bei Aderich) urbar gemacht worden,
wofür 150 Thaler Prämien bezahlt werden
konnten. 1875 hat es schon Beihilfen gegeben
für Drainagen , bessere Dungstätten
und Jauchebehälter; in demselben Jahr
1875 hat die Gemeinde wieder 44 Morgen
Land verkauft für 584,- Mark. In den Jahren
um 1880 sind die landwirtschaftlichen
Casinos gegründet word en , die sich besonders
um die Hebung der Landwirtschaft
verdient gemacht haben: Verbesserung
der Viehrassen, der Saatfrüchte, der
Arbeitsmethoden ; man hat Vorträge halten
lassen , hat Ausstellungen der jährlichen
Produkte mit Prämien veranstaltet und
dann sich für die Verbreitu ng des neuen
Kunstdüngers in hohem Maße eingesetzt.
Der erste fremde Dün ger allerdings ist der
Düngekalk gewesen, den man schon um
1830 von Friesenrath her mit den Ochsenkarren
mühsam herangeschafft hat. Und
das ist schon ein höchst wichtiger Vorgang
gewesen, da uns hier nichts mehr fehlt als
Kal k, der wieder einer der wichtigsten
Nährstoffe für die Pflanzen ist. Nur dem
praktisch völ lig kalkfreien Wasser, das von
dem gewaltigen Schwamm des Hohen
Venns herunterfließt, verdankt die Monschauer
und Eupener Tuchindustrie ihre
Blüte, wie auch die Dürener Papierindu·
strie. Wegen des Mangels an Kalk finden
wir hier so häufig den Krebs an den Rinden
der Obstbäume, gegen die eine starke
Kalkdüngung das beste Heilmittel darstellt.
Der entscheidende Durchbruch war dann
die Möglichkeit, den in der Luft in unbe-
'1' .cJ ,r•.
. ......,_ .;,;
_ ....... ~ :.
Der kräftige Ochse auf dem Acker
--:. ·:'_:'~,....
~ :.~~ -- ..: ~:
4 '.:i • •
90
schränktem Maße vorhandenen Stickstoff
zu entnehmen und als billigen Dünger auf
den Markt zu bringen zu sammen mit den
verschiedenen Verbindungen in der Form
des Ammon iaks, Superphosphats und der
hier sehr bekannten Thomasschlacke. Natürlich
haben die alten Leute von dem
neumodischen »Dreck« nichts halten wollen
und konnten erst überzeugt werden ,
als die »ungehorsamen « Söhne heimlich
mal ein Stück eines Haferfeldes etwa tüchtig
mit dem »Dreck« versorgt hatten und
dann den unvorstellbaren Erfolg vor Augen
führen konnte n. Das war dann der
Durchbruch und hat für die Feldfrüchte
aber auch für die Heuwiesen einen gewaltigen
Fortschritt gebracht. Von einem mageren
Benden mit dem wenigen auch
noch sauren Binsengewächs konnten danach
4--5 tüchtige Karren besten Heues
heimgefahren werden, so daß dadurch
auch die Milchproduktion neben den Feldfrüchten
den größten Vorteil gehabt hat.
Dazu sind in Konzen schon 1863 Viehversicherungen
abgeschlossen worden, ab
1888 sind Entwässerungsgenossenschaften
in Konzen gegrü ndet worden im »Naaße-Bönd
« und in Ellenbruch, wodurch die
feuchten Benden in gute Wiesen verwandelt
werden kon nten.
Am 23. September 1893 hat die neugegründete
Mol kereigenossenschaft ihren
Betrieb eröffnet und zur vollen Zufriedenheit
der Genossen gearbeitet. Auch das
wieder ein gewaltiger Fortschritt! Die
Hausfrau ist weitgehend entlastet worden ,
und es ist jeden Monat bares Geld ins
Haus gekommen.
Eine ganz wichtige Rolle hat die landwirtschaftliche
Winterschule in lmgenbroich
für die allgemeine Bildung und speziell für
die neuen Erkenntnisse in der Landwirtschaft
gespielt für die jungen Bauernsöhne,
die dort im Winter freiwillig die Schulbank
gedrückt haben. Im Jahre 1883 ist
diese Schule von Bütgenbach nach lmgenbroich
verlegt worden und hat 1933
feierlich auf das 50jährige Bestehen zurückblicken
können. Erst durch den Mangel
an Schülern infolge der ganz anderen
Verhältnisse in der Landwirtschaft hat sie
1966 ihre Tätigkeit einstellen müssen. (Alle
Einzelheiten darüber im Heimatkalender
Monschau 1972, Seite 73 = J. Erkens.)
Wie wichtig noch der Hafer hier gewesen
ist, geht hervor aus dem Bericht des Bürgermeisters
vom Jahre 1902, als diese
»Hauptkörnerfrucht« durch die ungünstige
Witterung fast keinen Ertrag gebracht hatte,
und es waren in der Bürgermeisterei
lrngenbroich ca. 300 Hektar damit bestellt
gewesen .
Auch der Obstanbau ist stark gefördert
worden durch die Ausbildung besonderer
Baumwärter in jeder Gemeinde und die
Anlage von Obstbaum-Schulen, wo für
hier spätblühende Sorten gezogen und an
die Bauern abgegeben werden konnten .
Auf diesem Gebiet haben die Volksschullehrer
sich besondere Verdienste erwor-
Beladener Erntewagen
ben, wie z. B. der Lehrer Bongard in Eicherscheid
und Nix in Höfen.
Entscheidend für die Ernährung ist vor
dem Jahre 1800 der Anbau der Kartoffeln
geworden; und dabei ist dann die Frage
aufgetaucht, ob diese neue Frucht auch
unter die Abgabepflicht des Zehnten falle,
da bei den Bestimmungen darüber in den
Jahrhunderten vorher nie etwas erwähnt
war. Zunächst haben die Leute hier die
Kartoffeln nur mal im Garten angepflanzt,
bald aber den hohen Wert erkannt und als
Feldfrucht in die Erde getan. In dem berüchtigten
Hungerjahr 1816 hat man im
November unter dem Schnee hervor die
kleinen halbfaulen Kartoffeln ausgebuddelt
und verzehrt. Im 19. Jahrhundert hat es
manche Mißernten dabei gegeben durch
die gefürchtete Krautfäule bei zu feuchter
Witterung. Aber auch hier haben die landwirtschaftlichen
Casinos gute Arbeit geleistet
durch Verbesserung des Anbaus und
durch neues und besseres Saatgut. So
haben die Kartoffeln einen Hauptanteil an
der Nahrung gehabt mit Ausnahme des
Winters 1917, der als »Steckrübenwinter«
in die Geschichte eingegangen ist. Vielfach
ist es dann so gewesen, daß des
Morgens schon eine Pfanne Bratkartoffeln
auf den Tisch gekommen ist, Mittags auf
jeden Fall Kartoffeln und des Abends entweder
noch Reste vom Mittag oder eine
große Schüssel Pellkartoffeln für die ganze
Familie. Von einer Familie wird noch
recht glaubhaft erzählt, daß des Abends
über dem Tisch mit der großen Schüssel
Pellkartoffeln an einem Bindfaden ein
nackter saurer Hering herabgehangen habe,
an dem jeder seine Pellkartoffel habe
entlangziehen können . Zum Schluß sei
dann dieser arme Hering in sechs Teile
geteilt worden für jedes Mitglied der Familie.
Daß im Herbst für eine Familie mit
sechs Mitgliedern etwa 12- 15 Zentner
Kartoffeln in den Keller gekommen sind,
war der Durchschnitt.
An Gemüse ist in den Gärten hier gezogen
worden das wetterfeste Bohnen- und Erbsensortiment,
Blumenkohl, Grünkohl, Salat
natürlich, Rübstiel, Mangold, Rosenkohl
, dazu die Beerensträucher von Stachel-
und Johannisbeeren. Weißkohl und
Rotkohl hat man nur in kleinem Umfang
angebaut, da man nach der Eisenbahn im
Jahre 1885 diese Sorten aus anderen Gegenden
zu sehr niedrigen Preisen hat einführen
können. Im Herbst kamen die Güterwagen
mit Weißkohl, dem bekannten
»Kappes «, und es begann in den Häusern
ein fleißiges Schaben mit der »Schaaf«,
die man bei bestimmten Leuten ausleihen
konnte.
Daß in einer großen Familie etliche Zentner
Kappes in das große Faß im Keller, die
»Kappesstang « kamen, war eine Selbstverständlichkeit.
Wenn im Herbst das wenige
Gemüse im Garten verbraucht war,
gab es in einzelnen Familien von Montag
bis Samstag jeden Tag zu Mittag Kappes
mit Kartoffeln untereinander gekocht mit
einem Stück Speck darin, am Sonntag
dann als Festschmaus Kappes und weiße
Bohnen allein gekocht mit Kartoffeln allein
gekocht und ein Stück Speck dazu ; montags
fing man dann mit dem gewohnten
Kappes mit Kartoffeln durcheinander und
Speck dazu wieder an, und das hat gedauert
bis Mitte Sommer, wenn wieder etwas
frisches Gemüse im Garten gewachsen
war. Und damit sind diese Leute über 80,
ja über 90 Jahre alt geworden.
Nach dem Jahre 1900 hat man mit noch
recht bescheidenen Maschinen angefangen,
die größeren Grasflächen für das Heu
zu mähen . Aber auch das war anfangs
noch alles andere als ideal, bis dann aber
bessere Maschinen auf den Markt gekommen
sind, die allerdings noch mit Pferd
oder Ochsen gezogen werden mußten.
Aber auch das war nur etwas für die größeren
Bauern . Bis zum letzten Krieg und
darüber hinaus ist von den kleinen Bauern
91
im Nebenberuf noch jeder Grashalm, jeder
Halm vom Hafer oder Roggen mit der Sense
gemäht und nur mit Handarbeit bis in
die Scheune bearbeitet worden. Jede Kartoffel
ist mit der Hand gepflanzt, mit einem
schmalen Pflug, handgezogen, angehäufelt
= jehü-escht, mit dem zweizinkigen
Karst, dem »Kaasch «, aus der Erde geholt
worden . Jede Karre Mist ist daheim sauber
aufgeladen, aufs Feld gefahren und mit der
Mistgabel, dem »Jreef«, gespreitet worden,
was eine harte Knochenarbeit gewesen
ist. Und der wohlgesetzte, sauber geschichtete
Misthaufen vor der Tür oder
hinter dem Haus war der Stolz des tüchtigen
Bauern!
Wer aber sieht heute noch den Mann mit
der Sense auf der Schulter? Wer kann sich
vorstellen, daß zwei oder drei Mäher hintereinander,
»im Jematt«, ein größeres
Feld abmähen, wobei schon 15- oder 16-
jährige Jünglinge ihren Mann zu stehen
hatten? Wer kennt noch die größeren Kinder,
die zusammen etwa mit der Mutter
hinter dem Mäher die Garben binden und
für die Männchen aus vier oder sechs
Garben zusammenstellen? Wer hat noch
ein blühendes Roggenfeld gesehen, dessen
Halme im Sommerwind sich in so
schönen gleichmäßigen Wellen bewegen?
Welches Kind hat noch eine Glucke mit
den frisch geschlüpften Küken gesehen,
wie sie von der Glucke gelockt und zu den
guten Futterplätzen geführt werden? Man
muß demnächst in Ausstellungen gehen,
um das zu betrachten, was vor 50 Jahren
in den Dörfern noch eine Selbstverständlichkeit
gewesen ist.
Trotz aller Verbesserungen und Fortschritte
aber war jeder Quadratmeter Grasfläche
von großem Wert. Nicht umsonst sind im
oberen Aderich noch größere Flächen urbar
gemacht worden; zwischen den Kriegen
ist in der Vürbich von privater Hand
noch mancher Morgen Land entwässert
und zu ertragreichen Wiesen umgestaltet
worden. In der mageren Zeit zwischen
Die Roggenernte
dem Abweiden der Hauswiesen und dem
Nachwuchs auf den Heuwiesen sind von
der Gemeinde die Straßen- und Wegeränder
etwa im Hohen-Weg, in Ellenbroich
und der Blumgasse zum Abweiden verpachtet
worden . Ein zweiter Grasschnitt
für den Grummet war nur gelegentlich in
kleinen Parzellen bekannt.
Die Kinder sind ihrer Hütepflicht nachgekommen
auch noch im Herbst, wenn es ab
15. Oktober »überall« ging und sich auf
Stillbusch, hinter der »Hohe« oder auf
dem »Ginster« 8-10 Kinder zusammengetan
haben ; an einem großen Feuer aus
abgestorbenem Holz aus den Hecken haben
sie viel Spaß miteinander gehabt.
Manchmal war es dann aber schon so kalt,
daß man dem Feuer die Vorder- und die
Rückseite abwechselnd hat zuwenden
müssen , um nicht vor Kälte zu schlottern .
Das Hüten draußen hat in guten Jahren
gedauert bis Ende November, gelegentlich
sogar bis Anfang Dezember.
Damals war eine gesunde und gut genährte
Herde von 6-8 Kühen die Grundlage für
den gesicherten Lebensunterhalt einer
bäuerlichen Familie, was heute nur noch
für eine Nebenerwerbsstelle ausreicht.
Über die zweite landwirtschaftliche Revolution
wird an späterer Stelle berichtet, so
daß diese Abhandlung in ihrer sehr knappen
Art ihr Ende finden mag .
»Schätze«
aus dem Hohen Venn
Daß der ursprüngliche Mensch eine Landschaft
nur danach beurteilt, was er aus ihr
für seine Lebensbedürfnisse entnehmen
kann, braucht hier nicht weiter erörtert zu
werden. Begeisterte Wanderungen durch
das Hohe Venn , wie sie heute besonders
an den Wochenenden schon fast zu einer
Plage geworden sind , waren vor 50 Jahren
kaum vorstellbar.
Die Eifel war früher noch so verrufen, daß
eine Versetzung dorthin für einen Beamten
gleichgestellt wurde mit der Verbannung
nach Sibirien in Rußland. Nachdem
aber dann auch die Eifel vor gut 100 Jahren
in ihrer Schönheit entdeckt war, hat
das Hohe Venn noch den Ehrentitel »Sibirien
Deutschlands« behalten. Und doch
hat der Mensch seit der erkennbaren Geschichte
zu einem großen Teil von und aus
dem Hohen Venn gelebt.
Der wichtigste Rohstoff, den er entnehmen
konnte, ist das Holz gewesen, das er
für den Hausbau mit Fachwerk, für die
Fuhrwerke und die bescheidenen Möbel
benötigt hat. Und alles das hat er entnommen
den Wäldern, die vorzüglich für die
Dörfer am Venn verfügbar waren mit dem
Namen »Feuerbrandswaldungen«, die wie
alle Wälder seit der karolingi9chen Zeit im
Eigentu m des Staates verblieben sind bis
zu ihrer Aufteilung an die einzelnen Gemeinden
durch die preußische Regierung
nach 1820.
Der ursprüngliche Bestand der Wälder hier
war gemischt aus Eichen, Buchen , Birken
und weniger zahlreichen anderen Laubbäumen
, aber auch mit Eiben, Wacholder
und Holzdorn. Sie unterstanden dem
Forstmeister mit den Gehilfen = 20 Förster
aus dem Bereich Konzen/Monschau
und einem Förster aus dem Hofe Blens
Hetzingen. Gegen die Abgabe von 27 Stübern
jährlich konnten die Leute das Stocku.
Sprockholz = abgestorbenes Holz für
den Bedarf an Brandholz, entnehmen.
Bau holz für die Häuser war besonders anzufordern
und von den Förstern anzuweisen.
Später waren in den 8 Hoeden ==
Hütebezirken je zwei Förster angestellt,
die für ihr Gebiet verantwortlich waren.
Wurde dort Holz entwendet, ohne daß die
Förster die Täter feststellen = ergehen
konnten, wurden sie selbst zur Rechenschaft
gezogen; von den eingegangenen
Strafgeldern, den Brüchten, erhielten sie
dagegen den 10ten Teil in die eigene Tasche
; so kann man sich vorstellen, wie
scharf sie ihre Reviere überwacht haben.
Über Vergehen im Wald hat zunächst in
jedem Monat, später nur jährlich das Forstgericht
getagt, in den letzten Jahrhunderten
immer in Konzen als dem Sitz der
Forstverwaltung.
Etwa vom Jahre 1600 an haben wir in den
Forstmeisterakten jährlich die Liste der
Waldfrevler erhalten mit den Namen der
Frevler und vielfach auch mit der Flur, in
der sie »ergangen « waren, so daß wir hier
eine wertvolle Quelle haben für die Familien
und die Flurnamenforschung. Es sind
damals jährlich zwischen 200 - 250 Leute
ergangen worden, wenn sie mal heimlich
ein Stück gutes Holz für eine Speiche oder
eine Nabe für ihre bescheidenen Fahrzeuge
entwendet hatten. Andere sind aber
auch so unbedenklich vorgegangen , daß
sie ganze Karren mit guten Hölzern nach
auswärts haben fahren wollen. (Die Waldfrevler
des Jahres 1647/48 sind veröffentlicht
im E. H. V. 32. Jhrg. S. 29 und S. 43.)
Über das Hochgericht mit einem Schult-
92
heißen und 24 Schöffen und dem Förstergericht
mit dem Forstmeister und 19 Förstern
erfahren wir eine Menge Einzelheiten
in dem Weistu m des Amtes Monschau
vom Jahre 1549 im HStAD, Jül. Berg II ,
Nr. 4877. Einen weiteren dicken Aktenband
haben wir im HStAD = Jül. Berg II I,
Nr. 916 über den Zustand der Waldungen
im Amt Monschau von 1556 - 1665, kurzer
Inhaltsbericht daraus im Mon . Land
1984, S. 47 - 48; darin hören wir auch
über das jagdbare Wild in unseren Wäldern,
über Gebote und Verbote, z. B. um
der Weiden willen den Wald anzuzünden ,
wird mit der Todesstrafe bedroht, aus dem
Jahre 1663 z. B. »daß die Untertanen daß
sie Brötchen haben kunnten, sollen sie
solche aus Hafer machen, da großer Mangel
an Roggen herrscht«; genaue Bestimmungen
für die Entnahme von Bau- und
Brandholz gibt es im Jahre 1665, wo es
auch heißt, daß das Rauchen von Tabak in
den Waldungen grundsätzlich verboten ist,
daß es den Förstern bei Widerstand frei
steht, Feuer zu geben, daß bei Neuanpflanzungen
von Wäldern in so geraden
Linien zu arbeiten ist, wie die Hecken um
die Grundstücke gepflanzt sind. Daß es
hier sehr gute Eichenwälder gegeben hat,
beweisen außer den Bauernhäusern die
Gebäude in Monschau wie etwa das Haus
Troistorff, erbaut 1783 mit einem Holzwerk
in der Dachkonstruktion , das heute noch
sehenswert ist.
Jedenfalls haben die Leute hier ihren Bedarf
an Bau - und Brandholz befriedigen
können, auch bevor durch die preußische
Regierung ab etwa 1840 die heutigen Wälder
von Rotfichten, für uns einfach » Tannen«
oder die verwünschten »Prüße
Bööm« genannt, den Bewohnern reichlich
Holz zum Heizen und besonders auch für
die Zäune haben liefern können.
Sehr nachteilig für die alten Bestände an
Buchen besonders war die Herstellung
von Holzkohlen durch die Köhler, von denen
wir schon im Jahre 1342 in dem Weistum
der Waldrechte hören; für das Haus
(die Burg) in Nideggen durf1en zwischen
der Call und der Rur zwei Köhler tätig sein ,
um Kohlen zu »bernen « (brennen), womit
damals aber wohl nur die eiskalten Gemächer
in den Burgen ohne viel Rauch geheizt
werden sollten. Zu einem ganz
schlimmen Raubbau an den Wäldern hat
aber dann die Eisenindustrie in den Tälern
der Vicht, der Kali und der Rur geführt, da
zum Schmelzen der Erze sehr hohe Hitzegrade
benötigt wurden, die nur durch die
Holzkohle in Verbindung mit den Gebläsen
mittels der Wasserkraft erreicht werden
konnten. Es sind genau festgelegte
K_ohlzirkel eingeteilt worden, aus denen
die eine oder andere Schmelzhütte ihre
Holzkohlen beziehen konnte; es sind jahrelange
Prozesse um diese Kohlzirkel geführt
worden , so daß die Wälder schließlich
bis auf den Bestand zerrüttet waren.
Man hat natürlich auch dagegen Maßnahmen
ergriffen durch strenge Aufsicht und
Strafen, durch das Verbot, die notwendigen
»Stalen« zu fällen (Bäume, die für die
Nachzucht an Pflanzen sorgen sollten
usw.). Es sind Tausende Karren Holzkohlen
gebraucht worden , um den Bedarf zu
decken; andererseits waren natürlich auch
die Landesherren ·an der Produktion von
Eisen sehr interessiert, da das die stets
mageren Kassen füllen konnte und füllen
mußte auch durch die Ablieferung der
Stahlprodukte, des Bleies aus dem Klingelpütz
im unteren Kalltal etwa. So sind
schon lange vor der Franzosenzeit Klagen
über den schlechten Zustand der Waldungen
laut geworden, der vor allem durch
eben die Köhlerei fast devastiert gewesen
ist.
Die Spuren der Köhlerei kann man heute
noch vielfach im Gelände erkennen an
kreisrunden , etwas wallartig umgebenen
Stellen für die runden Kohlenmeiler, die im
Boden noch deutliche Reste der Kohlenasche
erkennen lassen . Vor allem war natürlich
der große Buhlert, das Gebiet um
Wahlerscheid, um Kalterherberg und der
heute noch vorhandene Buchenwald mit
Namen »Rurbusch « zwischen Kalterherberg
etwa und Sourbrodt von großer Bedeutung
für das Handwerk der Köhler, von
dem alte Familien z. B. in Höfen noch genaue
Kenntn is haben.
Zuletzt ist noch die Familie Stollenwerk
aus Schmidt im Köhlerberuf tätig gewesen
. Im allgemeinen aber hatte die Köhlerei
stark abgenommen , als die Steinkohle
mit ihrem billigen Koks zur Verfügung
stand und die letzten Eisenwerke aus dem
Schleidener Tal in die Zone des Ruhrgebiets
abgewandert waren vor gut 100
Jahren.
Die Feuerbrandwaldungen, die seit karolingischer
Zeit zum Königs- und Reichsgut
gehört hatten, sind natürlich auch noch
von der preußischen Regierung 1815 so
übernommen worden.
In wahrl ich großzügiger Weise hat sie aber
im Jahre 1823 vertraglich auf ihr Eigentum
verzichtet und diese Waldgebiete ohne
Entschädigung den Gemeinden als Eigentum
zugesprochen . Die einzelnen Gemeinden
haben es danach verstanden,
genau abgegrenzte eigene Waldgebiete
als Eigentum zu bekommen, was natürlich
auch wieder zu erheblichen Schwierigkeiten
und Streitereien geführt hat. Zuletzt
hatten noch die Orte Roetgen, Rott, Conzen
und Mützenich einen gemeinsamen
Feuerbrand bis zum Jahre 1834, als Roetgen
noch das Recht hatte, 300 Stück Vieh
auch in das Konzen-Mützenicher Venngebiet
zur Weide zu treiben. Auch darüber
hat es wieder lange Streitereien gegeben
(E. H. V. · 43 . Jhrg. S. 61 - 66). Aber der
Verzicht auf diese Waldungen von seilen
der preußischen Regierung war so uneigennützig
nicht, wie man vermuten könnte.
Es heißt nämlich ausdrücklich im Jahre
1818, daß diese Waldungen (nach der
Franzosenzeit) in einem so schlechten Zustand
seien, daß sie nicht einmal den
Holzbedarf der Gemeinden befriedigen
könnten und die Landesregierung keinen
Ertrag daraus erzielen könne, gelegentlich
als »lästiges Eigentum « bezeichnet. Zuletzt
sind noch geteilt worden die Gebiete
für Mützenich und Konzen am 7. Nov.
1851 nach Maßgabe der Häuserzahl; das
waren in Konzen 157 und in Mützenich
127 Häuser, so daß es möglichst gerecht
zugegangen ist ; Konzen hat erhalten
3 154 und Mützenich 2 222 Morgen als
Gemeinde-Eigentum.
Besonders seit den Jahren nach 1840 hat
die preußische Regierung für die Aufforstung
großer Venngebiete mit den sonst
hier nicht üblichen Rotfichten begonnen
und vielfach gegen den Willen der Bevölkerung
durchgesetzt durch Übernahme
der Anfangskosten und der Pflege für die
nächsten Jahre. Diese neuen Wälder
konnten natürlich nicht in den Sumpfgebieten
, sondern nur auf den trockeneren
Höhenlagen wie auf Hochscheit, unserem
Berg (Börch) bis zum Stehling, auf den
Flächen der Botrange usw. angelegt werden.
Trotzdem fürchteten die Bauern um
ihre Weiderechte für die Viehherden, die
täglich ins Venn geführt wurden, soweit es
sich nicht um die Kühe mit Milchertrag
gehandelt hat. So hat in Konzen noch bis
vor etwa 100 Jahren des Morgens der
Kuhhirt mit einem primitiven Blechhorn,
einer »Trööht« das Vieh an den Straßen
abgeholt und abends wieder zurückgebracht
in die einzelnen Ställe. Es soll sich
zuletzt noch um etwa 50-60 Stück Rindvieh
gehandelt haben. Auch das ist dann
durch den besseren Ertrag der Wiesen -
Kunstdünger usw. - nicht mehr nötig gewesen.
Der Kuhhirt ist in ganz früher Zeit
nicht selten der Lehrer gewesen, der ja im
Sommer arbeitslos war, da der Unterricht
nur im Winter stattgefunden hat.
Nach der letzten Vennteilung ist Konzen
nun auch darin selbständig gewesen, und
auf dem Gebiet auf dem Berg zwischen
Hochseheid und dem Stehling sind weitere
Anpflanzungen von Fichten erfolgt noch
in den Jahren nach 1860. Dieser Bestand
dort oben ist vor etwa 10 Jahren abgetrieben
worden und ist also etwa 11 0 Jahre alt
gewesen mit sehr gutem harten Holz, das
sich auf dem schlechten Boden und in
dem ungünstigen Klima nur langsam hat
entwickeln können und den Vergleich mit
dem nordischen Fichtenholz durchaus
verdient gehabt hat.
Nach dem Ersten Weltkrieg ist das ganze
Waldgebiet im Hohen Venn an den belgischen
Staat gekommen, aber in der Nutzung
bei den deutschen Gemeinden verblieben
. Dort hat die Gemeinde Konzen
aus dem wertvollen Waldgebiet »auf dem
Berg« oft Holz verkaufen können, in den
Zeitungen inseriert, hat 5 oder 6 Waldarbeiter
beschäftigt und den größten Teil der
Gemeindeausgaben vom Ertrag der Wälder
bestreiten können.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist aber auch
das den Gemeinden weggenommen wor-
93
Bei der Mahd des Streuvers im Hohen Venn
den, so daß für unseren Ort der reiche
Waldbestand im Venn entfallen ist und
vom Staat einigermaßen hat ausgeglichen
werden müssen durch besondere Zuschüsse.
Neben dem erwähnten Auftrieb
von Rindvieh in das Venngebiet sind auch
die Schafherden eingetrieben worden,
wovon noch das Hammelsläger zwischen
Fringshaus und der Weser zeugt.
Im übrigen ist die Schafzucht früher fast so
wichtig gewesen wie die Zucht von Kühen,
Rindern usw.
Das Schaf war in seiner Härte gegenüber
der Witterung, seiner Genügsamkeit im
Futter vorzüglich geeignet in unserer
Landschaft und ganz besonders für das so
wenig fruchtbare Hohe Venn . Zudem lieferte
es die dringend benötigte Wolle, gutes
Fleisch und auch Milch in geringem
Maße. Aus den Akten der Kirchenvisitationen
kurz nach 1550 wegen der Wiedertäufer
wissen wir, daß man z. B. einer Familie
aus der Gegend von Rurberg das Vieh
weggenommen hatte, und das waren 24
Schafe, 3 Geißböcke und nur eine Kuh .
Aus den Vieh- und Fouragetabellen der
Franzosen um 1800 wissen wir, daß im
Kanton Monschau 9373 Schafe gezählt
worden sind. Im Jahr 1830 hat es z. B. in
dem Gebiet von Malmedy/St.-Vith 30 000
Schafe gegeben, die aber auch bis kurz
nach 1900 auf ganze 700 Schafe zu rückgegangen
waren . Ganz ähnlich ist es bei
uns gewesen, wo durch Kultivierung von
Ödland, durch die Verbesserung der Wiesen
mit dem Kunstdünger usw. die Schafhaltung
bis auf geringe Reste verschwunden
war. So hat einer der letzten Schäfer
in einem Gasthaus hier sich geäußert, daß
die Konzener wohl die richtigen Leute seien,
sie hätten die Schafe nämlich verkauft,
die Köpfe dagegen behalten. Da soll es
aber für den spitzzüngigen Schäfer höchste
Zeit gewesen sein, sich auf den Heimweg
zu machen, da er sonst mit den nicht
so zarten Fäusten der Konzener etwas
unliebsame Bekanntschaft gemacht hätte.
Im übrigen waren die Bauern froh, wenn
die Schafherden bis zum 15. April über die
Saatfelder geführt worden sind, da sie erstens
einigen Dünger hinterlassen hätten
und zudem durch Verbiß der ersten Getreidehalme
diese dazu angeregt hätten,
sich in mehrere Halme aufzuteilen und
damit größeren Ertrag zu bringen. Schon
nach dem ersten Weltkrieg war die Schafzucht
in Konzen fast völlig erloschen und
ist erst in den letzten Jahrzehnten etwas
aufgelebt.
Die letzte Schafherde hier ist in dem Hof
Staffelbusch-Langeböisch gehalten worden,
und noch im Jahre 1934 hat der Peter
Reinartz amtlich den Titel »Schäfermeister«
erhalten mit dem Recht, junge Leute
als Schäfer auszubilden.
Nach einer Statistik über die Verhältnisse
im Kreise Monschau vom Jahre 1864 waren
noch 3 936 Schafe vorhanden, die
dann aber bald zurückgegangen sind.
Auch viele weitere Angaben dort über die
landwirtschaftlichen Verhältnisse, über
Preise von Kühen und Pferden , Anbau der
Getreidearten, Bevölkerungszahlen usw.
(E. H. V. 30. Jhrg. S. 1-7.).
Das Hohe Venn aber mit seinen Buchenu.
Eichenwäldern hat auch noch anderen
Tieren zur Nahrung gedient. Es sind die
Schweine oder Vercken besonders im
Herbst in diese Wälder getrieben worden
zur Bucheln-(Bucheckern) und Eichelmast.
Auch darüber gibt es schon genaue
Bestimmungen in dem erwähnten Weistum
der Waldrechte des Jahres 1342, wo
es heißt, daß die Förster die »sweinre«, an
anderer Stelle = die »verghen « in ihren
hoeden (die Hütebezirke im Hohen Venn
haben also auch damals schon bestanden)
zu zählen und zu • melden haben wegen
der geringen Abgabe dafür; wenn nachher
es sich herausstellt, daß mehr Schweine
als gemeldet im Wald sind, werden sie für
die Behörde beschlagnahmt. In der Forstmeister-Rechnung
des Jahres 1557 / 1558
sind uns sogar die genauen Zahlen der
eingetriebenen Schweine der einzelnen
Dörfer überliefert, und so kön nen wir feststellen
, daß aus Konzen damals 125
Schweine zur Mast im Wald sich aufgehalten
haben. Daß die Schwei ne noch vor
etwa 100 Jahren kein so sattes Leben
gehabt haben wie in heutiger Zeit, ist sicher;
wer hätte sie damals mit Mehl und
Milch und Kartoffeln fütte rn wollen und
kön nen? Sie sind auf die Wiesen am Haus
zur Weide gekommen, wo sie mit mehr
Hunger als Futter groß haben werden
müssen. Um in den primitiven Ställen nicht
vor Hunger die Böden aufzubrechen, sind
sie gebrillt = jebrellt wo rde n, d. h. daß
man ihnen durch die Nasenscheidewand
einen starken Draht gezogen hat mit nach
oben gebogenen Enden, so daß der Eindruck
einer Brille hat entsteh en müssen.
So haben sie draußen weiden, aber nicht
die Erde aufwühlen können , wei l das ihnen
große Schmerzen verursacht hätte. Ein
solches »gebrilltes« Schwein hat noch vor
zwei Jahrzehnten an der luxemburgischen
Grenze sein Futter auf einer Wiese am
Haus suchen müssen. Das Fett haben sie
dann im Herbst in den Wäldern durch die
nahrhaften Bucheckern und Eicheln ansetzen
müssen. Ein wirklich fettes Schwein
hat dagegen jährlich der Pächter der Belgenbacher
Mühle an das Schloß liefern
müssen, das von dem Molterlohn des Müllers
guten Speck hat ansetzen können.
(Einzelheiten schon für das Jahr 1630/
1631 im Mon. Land 1983, S. 51.)
Daß die Schweine zur Mast in die Wälder
geschickt worden sind , muß aber vor langer
Zeit schon aufgehört haben bei uns
hier, da die ältesten Leute sich nicht mehr
daran erinnern können und auch in den
Chroniken der letzten Jahrzehnte keine
Meldungen darüber mehr vorliegen.
Damit können wir übergehen zu einem
weiteren »Schatz« im Hohen Venn, der
Heide/Moosschicht, die gemäht und trokkengemacht
wurde zum Streuen in den
Viehställen bes. im Winter, daher der Name
»Streuver«. Das Gelände dafür gehörte
den Gemeinden und wurde in Abschnitten
in der Breite von 8-12 und der Länge
von etwa 300 m an die Leute verpachtet
für das eine Jahr mit einem Betrag von 5,
Mark. Mit einer kürzeren und besonders
starken Sense mähten die kräftigen jungen
Männer die Heide-Moosschicht kurz
über dem Boden ab, ließen es ein wenig
antrocknen und drehten es immer wieder
in die Sonne, bis es eingefahren werden
konnte. Das Streuver enthielt die gewöhnliche
Heide, die schöne zarte Glockenheide,
verschiedene Gräser, die Vennmoose,
auch »Weißer Klee« genannt oder
»Fomm «, und das widerspenstige Feddermoos,
das auch zum Abdichten der Hauswände
verwandt werden konnte. Es war
eine harte Arbeit dort oben im Venn, wenn
man noch die weiten Anmarschwege mitrechnet
besonders für die Leute aus weiter
entfernt liegenden Dörfern.
Da die Arbeit mit dem Heu früher erst nach
94
Venn-Bauern beim Frühstück
Kirmes begonnen wurde, haben sich jüngere
Leute aus den Webereien nach
Feierabend durch das Mähen eines Streuverloses
10-14 Mark verdient, die sie
dann an den Kirmestagen zusammen mit
ihren Mädchen ausgeben konnten. Über
die Kleidung , die Mahlzeiten während der
schweren Arbeit im Venn, aber auch über
viel Spaß und Freude unter den bekannten
Leuten hat Jos. Erkens mit urwüchsigem
Humor berichtet im Heimatjahrbuch Monschau
1958, S. 47-57. Dort erscheinen
auch die alten Ausdrücke für die Kleidung,
das Werkzeug usw. mit beigefügten Bildern
von dieser schweren Arbeit im Venn
mit den zugehörigen Flurnamen . Aber
auch diese Arbeit um den »Schatz« des
Streuvers, wodurch auch der anfallende
Kuhmist verbessert werden sollte, hat Mitte
der 30er Jahre aufgehört. Man hat zum
Teil sich etwas Sägemehl bei der Stellmacherei
Huppertz geholt für die Viehstreu
oder das Vieh auch in den verbesserten
Ställen ohne Streu gehalten.
Beim Torlstechen im wallonischen Venn , 1959
Daneben ist auch Venngras als Heu gemäht
und eingefahren worden, aber nur in
Notfällen als schlechtes Viehfutter in die
Ställe gekommen. In größerem Maße ist
Venn -Heu gemacht worden in der großen
Flur »Naahtsieff« zwischen dem Reinartzpfad
und der Jü-ertz = Getzbach, wo das
Gelände so eben ist, daß man sogar mit
der Mähmaschine hat arbeiten können.
Das dort gewonnene Heu ist aber zum
größten Teil in die Glasfabriken in der Aachener
Gegend gefahren worden als Verpackungsmaterial.
Aber nur durch das Weiden der Herden
von Rindvieh und von Schafen im Hohen
Venn sowie durch das Abmähen der Heideschicht
für das Streuver in 6jährigem
Turnus sind die Flächen dort baum- u.
strauchfrei geblieben, und das ist mithin
nicht der von der Natur geprägte Zustand,
wie wir ihn alle noch kennen. Ohne diese
menschliche Arbeit wäre das Hohe Venn
schon längst bewaldet mit Ausnahme der
eigentlichen Sumpfstellen. Das kann man
gut beobachten etwa im Brackvenn zwischen
Mützenich und Hattlich, wo der Bewuchs
mit Weidensträuchern, Kiefern,
Fichten und Ebereschen in jedem Jahr
zunimmt und in 30-40 Jahren das Gebiet
überzogen haben dürfte. Ähnlich ist es in
dem Naturschutzgebiet Wollerscheider
Venn zwischen Fringshaus und Lammersdorf,
wo nur durch menschliche Maßnahmen
die Bewaldung gestoppt werden kann
und sonst nur die drei Tümpel oder Pingos
übrigblieben. Der eine davon am Waldrand
hat eine Tiefe von gut drei Metern, wie vor
einigen Jahren ausgemessen werden
konnte. Wer da hineingerät ohne sofortige
Hilfe, ist ganz schnell in die Tiefe gezogen
und kann in 3 000 Jahren als noch erkennbare
Moorleiche gefunde~ werden, wie
das in den Mooren in Norddeutschland
und Dänemark nicht selten beobachtet
werden konnte.
Ein weiterer ganz wichtiger »Schatz« im
Hohen Venn ist der Torf gewesen, der im
wallonischen Venn eine Höhe von 6 m und
mehr erreicht hat. Das bedeutet, daß die
Torfbildung vor mehr als 6 000 Jahren hier
begonnen hat, da man als Regel angibt,
daß der Torf in 1000 Jahren um einen
Meter zu wachsen pflegt. Nach der letzten
Eiszeit haben sich in kleinen Mulden über
dem wasserundurchlässigen Kleiboden
die ersten Moose entwickelt, die immer
wieder unten abgestorben und oben weiter
gewachsen sind, so daß die abgestorbene
Masse die Torfbildung begonnen
hat. Das hat sich immer weiter ausgebreitet,
so daß sogar gesunde Wälder von
Birken und Eichen überwuchert worden
sind und haben absterben müssen. So
kommt es, daß man gelegentlich unter der
Torfschicht dicke Stämme von Eichen und
Birken gefunden hat, die zunächst butterweich
sind, nach Aufnahme aber von Sauerstoff
aus der Luft ungemein hart werden,
was besonders von den Eichen berichtet
wird. Für Konzen kamen in Frage die Torfschichten
im sogenannten Steerökscher
Bruch , wo man noch vor etwa 100 Jahren
Torf gestochen hat, dann teilweise in Ellenbroich
und im Krähwinkel, vor allem
aber in der Vürbi ch . Dann im eigentlichen
Venn hinter dem Berg , wo die Gemeinde
die Torflose an die Einwohner verteilt hat.
So hat auch dem Pfarrer in jedem Jahr ein
Torflos zugestanden, das er natürlich von
bezahlten Leuten hat bearbeiten lassen.
In dem großen Torfgebiet von Hattlich ist
vor etwa 200 Jahren auf einem typischen
Knüppeldamm der Römer ein noch erhaltenes
Skelett eines römischen Offiziers
gefunden worden, das aber in der Luft
dann zerfallen war. Aber der Helm mit
reichen Verzierungen aus Messing ist vollständig
erhalten gewesen und ziert heute
nach das Wappen von Mützenich. Dieses
Skelett hat in etwa 2 m Tiefe gelegen und
beweist die Torfbildung von 1 m in 1 000
Jahren, da die Römerzeit vor etwa 2 000
Jahren hier begonnen hat. Etwa in derselben
Gegend ist in 4 m Tiefe das vollständi-
95
ge Skelett eines Elches gefunden worden ,
von dem der bekannte Prof. M. Schwickerath
vor etwa 25 Jahren in Aachen noch
eine Schaufel hat vorzeigen können.
Man sollte wohl meinen, daß die Leute hier
den Torf als Heizmaterial auch schon vor
2 000 Jahren benutzt hätten. Dem ist aber
mit Sicherheit nicht so gewesen.
Der verdienstvolle Prälat Toussaint aus
Weismes hat die Arbeit veröffentlich: »Seit
wann brennt man Torf?« (E. H. V. Jhrg. 11 ,
S. 187-191) und kann nachweisen, daß
zuerst im Jahre 1583 in Malmedy eine
Steuer auf den jüngst eingeführten Torf in
die Akten gekommen ist und dann wieder
in den Jahren 1615 und 1616. Auch bei
uns hat der Prior Joh. Heep von Reichenstein
nach den großen Zerstörungen mit
dem Verlust des Klosterarchivs im Jahre
1543 aus dem Gedächtnis alle Rechte in
den Grenzen bis weit in das Venn hinein
aufgeschrieben und alles dabei erwähnt
wie Jagd-, Holz-, Fischrecht usw., kein
Wort aber über den Torf. Wohl hat Aachen
nach den Stadtrechnungen schon im Jahre
1344 Geld ausgegeben für das Graben
und Anfahren des Torfes.
In unserem engeren Bereich haben wir
zuerst eine Notiz in den Bußgeldern der
Waldfrevler des Jahres 1647 /48, als jemand
bestraft wird, weil er eine Karre
»Troofen « und der andere, weil er zwei
Karren » Troffen « weggefahren hat. Nun ist
es aber mit Sicherheit nicht zu entscheiden,
ob es Torf oder Truff, das ist auch
heute noch dasselbe Wort hier, oder ob es
nicht »Tri-ef« = Deckenbalken gewesen
sind.
Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfen wir
aber den Torf hier annehmen, da nicht
lange danach im Jahre 1665 der Forstmeister
angibt, daß aus dem besonders reichen
Vorkommen im Brackvenn jährlich
15 000 Karren Torf herausgefahren worden
sind. Dort haben vor allem die Monschauer
Tuchfabrikanten ihre Torfgründe
besessen, ihn im Sommer und Herbst fertigmachen,
in großen Schuppen gelagert
und im Winter in die Fabriken abfahren
lassen, wo der Torf vor allem zum Heizen
der Farbkessel gebraucht wurde. Darüber
haben wir Berichte von Reisenden im Jahre
1871 , als sie im Brackvenn noch die
Torfschuppen gesehen haben auf der
»ungeheuren eintönigen Fläche mit den
Torfschuppen, angefüllt mit dem schwarzbraunen
Brennmaterial , das der Boden in
verschwenderischer Weise seinen Bewohnern
liefert«. Aber auch das ist nun
schon lange Geschichte geworden, da es
die Fabriken nicht mehr gibt in Monschau
und die Torfschuppen in den meisten Fällen
durch Brand zerstört sind.
Über die Arbeit mit dem Torf haben wir
wieder einen ausgezeichneten Beitrag von
Jos. Erkens im Heimatjahrbuch Monschau
1959 ab S. 50. Die Arbeit des Torfstechens
hat danach im Mai nach dem Pan
kratiusfest begonnen, wenn des Morgens
ganze Scharen von Leuten sich mit Werk-
Heimfahrt mit der Torf-Fuhre
zeug und Verpflegung ins Venn begeben
haben bis zu der großen Flur mit dem
Namen Blääch . Dort waren wie beim
Streuver die Lose schon festgelegt, die
drei bis fünf Karren Torf ergeben haben ;
das war der normale Bedarf für eine Haushaltung,
wenn man im Winter neben dem
eigenen Holz aus den Wiesenhecken oder
einem eigenen Waldstü ck auskommen
wollte.
Die schwerste Arbeit dabei hatte der eigentl
iche Torfstecher, der mit dem scharf
geschliffenen Torfspaten die ziegelsteingroßen
Stücke sauber abtrennen und auf
den Grubenrand herausheben mußte .
Frauen oder auch schon Kinder von 1 0
oder 11 Jahren hatten die Aufgabe, diese
Stücke mit einer Schubkarre auf eine ebene
Fläche abzufahren und hochkantig aufzustellen.
Wenn diese nach etlichen Tagen
etwas angetrocknet waren, wurden 4
Stücke gegeneinander hochkant gestellt
und mit einem weiteren Stück abgedeckt.
Danach wurden schon größere Haufen
(Höppere) aufgesetzt und schließlich die
großen Höpper etwa ¾ Meter hoch, aber
so, daß der Vennwind überall gut durchziehen
konnte.
Wenn dann alles gutgegangen war, konnten
die trockenen Torfstücke mit der Ochsenkarre
oder auch mit _dem Pferd in die
Häuser gebracht werden, wo z. Tei l eigene
Torfschuppen die 3 bis 5 Karren Torf aufnehmen
konnten . Schlimm war es natürlich,
wenn im Herbst lange Regenperioden
das Trocknen völlig verhinderten und der
Ertrag so schweißtreibender Arbeit als lehmige
Klumpen im Venn liegenbleiben
mußten. Daß man dabei auch nicht in Jammertönen
sich ergangen hat, sondern mit
Humor und Scherz die schwere Arbeit geleistet
hat, mag in dem genannten Beitrag
nachgelesen werden .
Wenn dann im Winter in der Küche - zunächst
ja noch auf der offenen Feuerstelle
- mit Holz und Torf geheizt wurde, hat bei
ungünstiger Witterung der etwas stickige
Geruch des To rfes das Haus bis in die
Schlafkamme rn hinein durchdrungen. Jedenfalls
aber hat der Torf über etliche
Jahrhunderte hinweg zwar große Mühe
mit all der Arbeit gemacht, hat aber in
Verbindung mit dem eigenen Holz aus den
Feuerbrandswaldungen oder aus eigenem
Bestand fü r die Wärme im Haus gesorgt
und ohne Ausgaben von Geld das Leben
hier in den armen Dörfern im Winter erträgl
ich gemacht.
Das konnte sich erst ändern , als mit dem
Beginn der Eisenbahn hier im Jahre 1885
es möglich wu rde, auch Steinkohle,
Braunkohle, Bri kett und den sehr billigen
Kohlenschlamm zu erträglichen Kosten
heranzubringen . Aber au ch das war zunächst
nur woh lhabenderen Leuten möglich,
während die anderen Schichten noch
lange beim Torf geblieben sind bis in die
30er Jahre, wenn auch nicht mehr so allgemein.
Nach dem letzten Krieg ist nur noch etwas
Torf gestochen worden in der eigenen
Vürbich durch den schon recht betagten
Alfons Steinröx und Sohn, der nun der
letzte aktive Torfstecher in Konzen zum
mindesten geworden ist.
Wohl ist in den sehr mächtigen Torflagern
im wallonischen Venn nach 1960 noch in
größerem Maße Torf gestochen worden,
der ja auch immer besser wird mit der
zunehmenden Tiefe und damit dem größeren
Alter. Aber auch das ist dort heute
nicht mehr der Fall, da die meisten Häuser
mit der Öl-Heizung versehen sind, die an
die frühere Arbeit für ein wenig Wärme
nicht einmal mehr denken läßt.
Beim Amt für rheinische Landeskunde in
Bonn ist vor einigen Jahren im wallonischen
Venn ein Film gedreht worden, der
die Arbeit am Torf in der genauen Abfolge
schildert und an interessierte Vereine etwa
zur Vorführung ausgeliehen werden kann.
In den beiden bekannten Lehmkuhlen
Janns-Kuhl und Boschte-Kuhl oberhalb
der Bahnlinie und unter der Scheeht hat
96
man lange Jahre den benötigten Lehm
entnommen ; auch in der Gegend des
späteren Bahnhofs war eine Lehmgrube,
in der am 9. 6. 1827 das 15jährige Mädchen
Josephine Hauseur unter einer einstürzenden
Lehmwand zu Tode gekommen
war. Die Familie Hauseur stammte
aus Thimister im Raum von Lüttich in Belgien,
später wohnhaft in lmgenbroich.
Zwischen dem Stehling und dem Allgemeinen
Ven nweg lagen die Sandkuhlen ,
wo noch vor dem Kriege langgezogene
Mulden, teilweise zu wenig tiefen Weihern
geworden, zu sehen waren, teilweise mit
jungem Moos bedeckt und einen idealen
Untergrund für die Moosbeeren gebildet
haben . Do rt hat man noch in den 30er
Jahren Sand herausgeholt und mit dem
Ochsenkarren zu Neubauten herangefahren
.
Gelegentli ch hat man am Weserbach , der
Wi-esch , bei Roetgen in alter Zeit auch als
»Wisse! « bezeichnet, Kies zur Befestigung
von Hauseinfahrten herausgeholt,
der sehr schnell eine feste Unterlage gebildet
haben so ll.
Steine hat man nur gewonnen zur Befestigung
der Vennwege, wo heute noch langgezogene
Gruben gleich neben dem Allgemeinen
Vennweg zu sehen sind .
Andere Schätze waren die verschiedenen
Beeren, die frühe r viel mehr als heute aus
dem Venngebiet entnommen worden sind .
Die wichtigsten waren die Waldbeeren,
hier = Worbele, die wir als Kinder noch in
dem freien Hatzevenn gepflückt haben .
Um das Jahr 1930 haben die Leute aus
dem Venn heraus am Bahnhof in Konzen
ihre Ware in einen Lieferwagen verkaufen
können , der dort zu der richtigen Tageszeit
schon gewartet hat. Die gezahlten
Preise lagen bei 25-30 Pfg. und ergaben
bei etwa 10 Pfund einen annehmbaren
Tagesverdienst für Kinder oder auch an
dere Leute. Weniger reichlich waren die
Preiselbeeren vertreten, die Heed-Äppel
bei uns, die aber auch in guten Jahren
recht annehmbare Erträge gebracht haben.
Dann hat es die Moosbeeren gegeben,
bei uns die »Fämmere« genannt, aus
den Vennbeeren zu Vännbere und zu
Fämmere. Diese liegen an ganz dünnen
grünen Fäden auf dem Moospolster in
wirklichen Feuchtgebieten im Gegensatz
zu den Wald - u. Preiselbeeren, die auf
festem Untergrund zu wachsen pflegen.
Die Moosbeeren sind früher viel häufiger
gewesen als heute und z. T. in Monschau
zum Verkauf angeboten worden . Sie ergeben
als Marmelade einen noch besseren
und würzigeren Geschmack und sind in
den nordischen Ländern sehr bekannt und
auch beliebt. Noch in dem guten Jahr und
Herbst 1959 konnte in einer großen moosbedeckten
Vennmulde ein ganzer Wassereimer
voll Moosbeeren gepflückt werden .
Wenn die Kinder in einer Gruppe abends
von der Waldbeerenernte ins Dorf müde
Und froh zurückkehrten, konnte man ein
fröhliches Liedchen hören: »Emm Venn
Der letzte Torf aus Konzen, gestochen 1947 in der Vür-Bich
jewößt, Worbele geploht, Hosse zerrösse,
Schohn verschlösse, Botz bedr.. . alles
voll« = Im Venn gewesen, Waldbeeren
gepflückt, Strümpfe zerrissen, Schuhe
verschlissen , Hose bedr ... alles voll.
Wahrhaftige Schätze hat es aber auch im
Venn gegeben, zwar nicht gerade bei uns,
aber im Raum von Malmedy am Amelbach
und in der Umgebung in Form von Gold!
Dort hat man vor langer Zeit schon merkwürdige
Abraumhalden entdeckt gehabt,
ohne ihren Ursprung zu kennen . Dann hat
man herausgefunden, daß es sich um Abraum
von Goldschürfern gehandelt haben
muß aus der Zeit der Kelten vielleicht,
spätestens aber aus der Zeit der Römer.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hat man die
Absicht gehabt, diesen Abraum von
100 000en von Kubikmetern industriemäßig
nochmals durchzuarbeiten und hat
vom Staat auch schon Konzessionen dafür
erhalten . Dann ist aber der Krieg dazwischen
gekommen, so daß danach diese
geplanten Arbeiten nicht aufgenommen
worden sind. Gold ist mit Sicherheit noch
dort gewesen; es ist dann nur die Frage,
ob sich der Abbau lohnt, so daß man Gewinne
erzielen kann , und das ist doch wohl
nicht der Fall gewesen. Der Dürener Geologe
Dr. August Vogt hat in seiner Jugend
dort nach Gold gesucht und ein kleines
Säckchen herauswaschen können, das er
noch gerne vorgezeigt hat.
(Über diese Frage des Goldes im Hohen
Venn ein großer Beitrag im E. H. V. Jhrg.
25, S. 75-85 von Abbe J. Bastin, übersetzt
von J. Glose.)
Hier noch einige Bemerkungen zu den
Flurnamen im Hohen Venn , soweit sie unser
engeres Gebiet betreffen :
Sie alle sind mit großem Fleiß gesammelt
worden durch Jas. Kreitz im Heimatjahrbuch
1960, S. 150 ff., dazu eine Karte S.
169.
Eine Reihe von Flurnamen im Konzener
Venngebiet ist schon in den angeführten
Beiträgen von J. Erkens erwähnt, der auch
noch wertvolle Ergänzungen dazu notiert
hat. Viele dieser Flurnamen brauchen nicht
besonders erwähnt zu werden, da sie ohne
weiteres durchsichtig sind wie etwa die
Me-ertches-Kuhl, Konnertzfelder, Rotes
Venn und ähnliche. Einige sollen aber hier
erklärt werden, zumal sich auch in die
bekannte Karte der »Amis de la Fagne«
etliche Fehler eingeschlichen haben.
»Blääch« ist ein nicht zu großes Blachfeld
= ein ebenes Flurstück, geeignet zur Lagerung
von Holz etwa oder Holzkohlen
oder Erzen, wie es bei Mulartshütte bekannt
ist, das Wort hat mit dem dünn gewalzten
»Blech « keine Verbindung; die
»Pongs-Heck« ist die Kapaunsheck, ein
Niederwald, für den kastrierte und fett gemachte
Hähne = Kapaune abzuliefern waren,
wie wir es aus alten Akten kennen;
auch in einer alten Forstkarte ist die »Kapaunsheck«
noch erwähnt; »Spenne
Sief« = nördlich der Pongsheck zeigt eine
kleines Sickerwasser an in einer beginnenden
Senke, hier sehr oft im Wortschatz
= Sief bei Walheim, Schöneseiffen bei
Dreiborn usw. Ob das Wort aber mit den
Spinnen-Tieren zusammenhängt, muß
fraglich bleiben. Daß auch diese Flurnamen
schon ein erhebliches Alter haben,
beweist ein Eintrag in den Forstmeister
Akten vom Jahre 1602/03, als jemand im
Wald erwischt wird »in Spynnenseif«; in
demselben Jahr kommen auch schon im
Venn von Mützenich auf das wallonische
Venn zu die Namen »Hargardts Venn « und
»Stillerholtz« vor. Wir müssen folglich
auch bei den anderen Flurnamen hier mit
erheblichem Alter rechnen.
»Onner-Stättche« = der Ort, wo die Mittagspause
verbracht wurde von dem alten
Wort »onnern « = Mittagsschläfchen halten,
so richtig bei J. Kreitz, in der Karte der
Amis d. 1. Fagne = »onnerstältje«;
»Lükschert« und »Jältrich« nördlich des
»Brooß-Kopp« = keine Erklärung;
»die Höllt« ist immer der kaum noch erkennbare
Hohlweg der ganz alten wohl
97
römischen Kupferstraße; ausführlich im
Heimatkalender 1961, S. 85 ff.;
dazu auch der Flurname »Höngerer-Hölt«
= hinter der Hölt, sollte der Name »Vötzer-Hött«
nicht verschrieben sein aus
»Vörrer-Höllt« = vor der Hölt?
der »Schangße-Kopp« westlich von
Fringshaus ist die Stelle, wo man Bündel
von Zweigen wie etwa Faschinen gebunden
hat zum Verbrennen vielleicht in den
vielen alten Backöfen; für den kleinen
Herd hat man kleinere Bündel aus den
Reisern der Hecken gebunden
Schängßjer; der »Krechelsberg« dort in
der Nähe von den halbwilden . kleinen
Pflaumen, den »Krichele«, die es selten
noch in den Gärten hier gibt?
»die Engel-Laach «, bei J. Kreitz und in der
Karte als Engelhart eingetragen, läßt das
ganz alte Wort »Laach « erkennen, das eine"
sehr feuchte, für Fahrzeuge ungeeignete
Stelle bedeutet, kommt mehrfach vor
etwa bei Mützenich, bei Zweifall usw.
die »Böndlaach« = die sehr feuchte Stelle
in den Benden ; die «Jröhn-Heck« = der
Grüne Niederwald; das Wort »grün« in
Flurnamen wird vielfach auf römischen Ursprung
hinweisend gedeutet. Hier ist doch
jeder Wald grün! Die Jröhnheck befindet
sich aber in der Nähe der alten, wohl römischen
Kupferstraße vom Grünen Klosterberg
aus bei Roetgen über die Jröhnheck
bis zum Grünen Kloster vor Elsenborn ;
das dürfte alles kein Zufall sein.
Das heute so genannte »Aachener
Kreuz « oberhalb der Jröhnheck soll an
einen Mann erinnern, der dort von einem
Räuber erschlagen worden sein soll. .Der
tüchtige Chronist Cosler aus Roetgen berichtet,
daß etwa dort ein Postbote aus
Kalterherberg mit dem Dorfnamen
»Schloff-Klooß« ermordet worden und
erst später in der Jröhnheck aufgefunden
worden sei. Leider hat man nichts weiter
feststellen können, da nach Cosler dieser
Mord am Ende des 18ten Jahrhunderts
stattgefunden habe. Wenn dieser Mann
tatsächlich aus Kalterherberg gekommen
wäre, hätte der Mord sicher Eingang in die
Kirchenbücher gefunden. Und nun kommt
wieder das Aber! Leider gibt es in Kalterherberg
von 1760 - 1790 keine Kirchenbücher,
sonst könnte dieses Kreuz sehr
wahrscheinlich einen anderen Namen erhalten.
das »Ball-Loch« = nur das Wort Loch =
Senke oder Mulde; es gibt im Rheinland
ein altes Wort = »ball « = hohl, nicht fest,
aufgedunsen ; ob das hier die Grundlage
ist, muß unklar bleiben.
»Hahne-Streck«, ob das mit den früher
hier häufigen Birkhähnen zusammenhängt?
Solche Tiere sind noch vor etwa 25
Jahren in den Kali-Kuhlen, mehr als 20,
und vor etwa 12 Jahren im Konnertzvenn
ein Dutzend zusammen beobachtet worden.
Selbst Hermann Löns hat in der Nähe
des Stehlings einmal auf Birkhähne angesessen.
Der »Kiefer-Rangk« = Kiefernrand hat tatsächlich
einen schmalen Streifen von Kiefern
aufzuweisen gehabt, und es ist bekannt,
daß schon vor den preußischen
Fichten Kiefern und Lärchen ausgesät
worden sind, auch in den Wäldern bei
lmgenbroich;
»Schenns-Kuhlen«, wo krepiertes Vieh
eingescharrt worden ist, gibt es mehrere;
eine ist schon früh in den Kali-Kuhlen gewesen,
dann für Konzen hinter dem Berg
bei der »Meertches-Kuhl, aber auch unterhalb
von Fringshaus auf Roetgen zu;
der Naats-Sief befindet sich zwischen
dem Reinartzpfad und der Jü-ertz, dem
Getzbach; es ist ein sehr ebenes Gelände ,
in dem das Vennheu z. T. mit der Maschine
gemäht werden konnte. In dem Weistum
vom Jahre 1549 haben wir schon die
Form »Natzen-Seiff«; und das ist der Naaße-Sief
wie in Konzen der Naaße-Bönd,
also eine besonders feuchte Gegend ; daraus
ist dann der Naats-Sief geworden mit
Anschluß an das Wort Nacht.
Neben dem Onnerstättchen haben wir eine
ganze Reihe von Lagerstätten für das
Vieh , »wo die Beesten des Mittags ihre
Ruh und Lager« zu haben pflegen. So
finden wir für die Schafherden das Hammelsläger,
dann das Heedläger, das
Pongsheckläger, das Theißläger unweit
von Reinartzhof, die Dreilägerbach-Talsperre
bei Roetgen und einfach »om
Läger«.
Für die Arbeitsleute im Hohen Venn waren
wichtig die verschiedenen Borne = Buere,
die nie versiegten und trinkbares
Wasser enthielten, für Leute, die. mit den
mitgebrachten Vorräten nicht ausgekommen
waren. Zur Kenntnis hatte man lange
Stangen mit Strohwischen dort aufgestellt.
Di e Namen sind : Lükscherts-Buer, Geißen-Buer,
Hoschets-Buer, Hop-Buer und
Tonne-Buer.
Das Gebiet bei dem späteren Fringshaus
war die Lammersdorfer Höhe = Laimeschter-Hüescht,
nicht L. Hüeck, wie in
der Karte zu lesen.
Der Hahnheister westlich von Mützenich
hat mit den Hähnen nichts zu tun; es ist
ein Hag = ein eingehegtes Stück zur Aufzucht
von jungen Buchen oder Eichen =
Heister.
Schwierig ist zum Schluß der Brach-Kopf,
in der Nähe »err Brooch « und mehr auf
Fringshaus zu = »Broochsfeld « mit langem
offenem O-Laut. In der Karte der
Amis de la Fagne ist .das Gebiet groß
überschrieben mit »Brack« und darunter
klein = »Brack-Kopf«. Das ist mit Sicherheit
falsch, und man wird wohl nicht mehr
wissen können, wer das »verbrochen«
hat. 1884 verkauft die Gemeinde Konzen
Holz auf Spinnesief und am Bragkopf, das
aber als Brachkopf zu sprechen ist. Nach
unserem Wissen kann das nur von dem
Wort Brache und brach-liegen kommen,
das bei uns zu Brooch werd en muß. Die
Brache ist ein Stück Land, das einmal geackert
war, dann aber liegen bleibt als
Brache. Es müßte mithin »err Brooch « einmal
ein Stück Land unter den Pflug gekommen
sein, wovon wir aber nichts wissen
; vielleicht ist es zu der Zeit gewesen,
als man auch »die Scheet« urbar gemacht
und jeden Versuch unternom men hat, Akkerland
zu finden . Von Josef Erkens haben
wir nun eine Vennkarte mit den Flurnamen
, und genau bei der »Brooch « ist eingetragen
»landwirtschaftliche Fläche«; damit
dürfte der Beweis für unsere Erklärung
geführt sein, wenn au ch die landwirtschaftliche
Arbeit dort heute nicht mehr
bekannt ist. Man könnte aber auch denken
, daß das Wort Brache einfach hier bei
uns für ein nicht genutztes Gelände gebraucht
worden ist. Brack ist das Brack
Venn zwischen Mützenich und Hattlich, ist
1665 als das »Frack-Vehn « bezeichnet,
wo die Förster angeben , daß dort von 738
Morgen jährlich 15000 Karren Torf herausgeholt
worden sind. Das Wo rt »frack« bedeutet
etwas Hartes, Scharfes, Durchdringendes,
wie wir heute noch kennen, den
»vracken Wöngk« = den harten, unangenehmen
Wind . Dasselbe Wort Brack ist
auch gebraucht worden fü r das Venngebiet
bei Baraque-Michel, wo es hieß »op
Brack«; nach der ersten Hütte des Michel
Schmitz dort hat man daraus die Baraque
des Michel = Baraque-Michel gemacht
und damit den ursprünglichen Namen vertuscht.
(Mehr darüber in B. Willems »Ostbelgische
Chronik« II , S. 139 ff.)
Und noch ein letztes Wort zu der bekannten
Kaiser-Karls-Bettstatt; dieser Name
wird schon wiederholt zum Urbestand des
Klosters Reichenstein gerechnet 1205
bzw. 1210. Auch das ist bekanntlich
falsch, da der Anfang des Klosters in die
Jahre 1131 - 1137 fällt; der Name Kaiser
Karls-Bettstatt kann schon sehr alt sein,
schriftlich festgelegt ist er aber erst im
Jahre 1730/1731 in dem großen Protokollbuch
I des Klosters Reichenstein, wo die
alten Gerechtsamen des Klosters mit Weiderecht
usw. bis in das Venn hinein aufgeschrieben
sind und Kaiser-Karls-Bettstatt
als ein Grenzpunkt des Klosters erstmals
in die Akten gekommen ist.
Das soll genügen über die alten Flurnamen
im Hohen Venn, wie sie für uns heute
noch von Wichtigkeit sein können und von
dem arbeitsreichen Leben dort einen kleinen
Ausschnitt haben bieten sollen.
98
Unsere Muttersprache - Konzer Platt
Wenn von der Mundart, dem Platt, überhaupt
gesprochen wird, ist man leicht geneigt,
sie als eine primitive Sprache des
Volkes, der Bauern, abzutun, deren man
sich schämen müßte vor anderen, so viel
»gebildetere n« Leuten . Im ersten Schuljahr
lernt ja dann auch das letzte Kind die
hochdeutsche Sprache, die so viel vornehmer
ist und von allen deutschen Menschen
verstanden wird . Folglich glaubt
man, daß die Mundart möglichst bald zum
Absterben gebracht werden müßte. Und
darin sind schon unsere Groß- und Urgroßväter
bestärkt worden nach der Einführung
der allgemeinen Schulpflicht hier
im Jahre 1825, besonders durch die Lehrer,
die nu r noch das Hochdeutsche gelten
ließen und jedes Wort aus der Mundart für
»falsch « erklärt haben. Es ist nur die Frage,
was hier richtig oder falsch ist! Das
Wort »Bach « z. B. ist im Hochdeutschen
männlich = der Bach, in unserer Mundart
und bis nach Norddeutschland ist es »die«
Bach! Nur durch das mehr zufällige Vorkommen
von »der« Bach im südlicheren
Deutschland ist »der« Bach ins Hochdeutsche
gekommen, es hätte aber genau so
gut umgekehrt sein können, ohne daß am
Wert der Sprache sich etwas geändert
hätte.
Aus den oben angeführten Gründen heraus
ist es nun selbst hier so, daß zwar die
Eltern untereinander und mit Leuten aus
dem Dorf die überlieferte Mundart reden,
mit ihren Kindern aber nur die hochdeutsche
Sprache gebrauchen, damit sie es in
der Schule leichter hätten. Ob das so richtig
ist oder nicht, mag eine Frage bleiben .
Zu unserer Kindheit wurde im Haus nur
das »Vaterunser« und dann auch die anderen
Gebete auf Hochdeutsch gesprochen
, sonst aber nicht ein einziges Wort.
Für uns Kinder gab es in der ersten Schulstunde
gleich auch den ersten Unterricht
in der Fremdsprache, so daß wir von früh
an zweisprachig aufgewachsen sind . Mit
Englisch oder Französisch zweisprachig
aufzuwachsen, wird als ein großer Vorteil
empfunden, aber auch darüber läßt sich
streiten .
Wenn man weiß, daß die hochdeutsche
Sprache sich erst langsam entwickelt hat
seit dem 15. Jahrhundert und besonders
durch die Bibelübersetzung Luthers, muß
man ja auch wissen, daß es davor nur die
deutsche Sprache in der jeweiligen Gegend
gegeben hat und daß z. B. auf den
Predigtstühlen auch nicht anders gesprochen
worden sein kann als in der heimischen
Sprache der Leute, etwa der Bayern,
der Rheinländer in unserem weiteren
Bereich, dem Niedersächsischen, dem
Thüringischen usw.
Aber! Die Mundart ist in den letzten Jahren
wieder »in «, wie man heute sagen muß.
Es gibt z. B. im Rheinland Vereine zur
Pflege der Mundart, und wenn diese Leute
ihre Versammlungen abhalten, wird am
Morgen in der Kirche auch auf gut Kölsch
gepredigt von einem Geistlichen, der sich
da frohen Mutes betätigt. Vor etlichen Jahren
ist ein Gebetbuch auf Kölsch herausgekommen
mit den Texten der Bibel usw. ,
dem »Vaterunser«, alles in guter kölnischer
Sprache, und das ist wahrlich eine
gute und sogar amüsante Lektüre.
Wenn man im Kriege nach langer Abwesenheit
nochmal Urlaub hatte und sich im
Zuge der Gegend um Köln näherte und
die ersten echt kölnischen Laute hörte,
war das das erste Gefühl der Heimat; und
so ist die eigene Mundart, bei uns das
Konzer Platt, ein gutes Stück echter Heimat;
da ist unser Ursprung, besonders
wenn unsere Familien schon seit Jahrhunderten
in unserem Dorf oder der näheren
Umgebung zu Hause gewesen sind . So
haben wir also allen Grund, zu unserer
Mundart, die sich aus den ältesten Anfängen
aus dem Volk und seinen Stämmen
heraus entwickelt hat, zu stehen, sie zu
hegen, zu pflegen und vor allem zu gebrauchen.
Die Sprache aber der einzelnen deutschen
Stämme und schließlich des deutschen
Volkes ist hervorgegangen aus der
großen indogermanischen Sprachfamilie,
aus der sich lange vor Christi Geburt die
germanischen Sprachen abgesondert haben
. Der heutige deutsche Sprachrau m ist
besiedelt worden von den Stämmen der
Franken, einem Verband aus mehreren
Einzelstämmen, der Alemannen, der Bayern,
Hessen, Thüringer, Sachsen und
Friesen ; diese haben als Einzelstämme
mit Sicherheit schon sprachliche Besonderheiten
entwickelt gehabt oder mitgebracht.
Durch die sogenannte zweite Lautverschiebung,
in der die germanischen Konsonanten
p, t und k je nach ihrer Stellung
im Wort zu pf, ts (geschrieben als z) oder f
(f), s (s) und eh geworden sind, unterscheiden
wir die oberdeutschen, mitteldeutschen
und niederdeutschen Mundarten.
In den oberdeutschen Mundarten nun,
wozu das Alemannische, das Bayerische,
das Ost- und Südfränkische gehören, hat
sich diese Verschiebung von p-t-k fast
überall durchgesetzt. Dort ist also stets
aus Dorp = Dorf, aus Ap = Affe, aus
Peerd = Pferd geworden ; k ist zu eh geworden
etwa in machen, kochen usw., t ist
zu z geworden in zehn, zwei, zwischen
usw. In den niederdeutschen Mundarten
dagegen, zu denen das Niedersächsische,
das Friesische und Niederfränkische gehören,
sind die alten p-t-k-Laute fast stets
erhalten geblieben; dort heißt es immer
noch Dorp, Ap , maken = machen, tehn =
zehn, Water = Wasser usw. (Am nächsten
für uns ist das schon der Fall in Eupen, wo
Water = Wasser, suppen für saufen steht.)
Im Mitteldeutschen aber, wozu auch wir
gehören, ist diese Verschiebung der p-t-k
Laute teilweise durchgeführt, teilweise
aber auch unterblieben, so daß frei nebeneinander
stehen etwa Wasser = Water,
aber dat und wat für das und was, op für
auf, aber Affe für ap, Apfel für Appel und
vieles andere mehr. So ist unsere mittelfränkisch
-ribuarische Mundart nach dem
Befund der Konsonanten mit den oberdeutschen
verwandt, andererseits gehen
viele Erscheinungen der Vokale und Fürwörter
(hä statt er, höm statt ihm) und des
Wortschatzes mit dem Niederfränkischen
(der Grundlage des Niederländischen) zusammen
.
Die mitteldeutschen Mundarten bestehen
also aus dem Uferfränkischen oder Ribuarischen
um Köln, dem Moselfränkischen
um Trier, dann dem Meißnischen und
Schlesischen, die sich aber erst nach der
Ostsiedlung herausgebildet haben können.
Wir hier im lande von Monschau
sprechen also die uferfränkische/ribuarische
Sprache, da unser Gebiet im 4./5.
Jahrhundert von den Uferfranken aus der
Kölner Gegend besiedelt worden ist. Das
schließt natürlich nicht aus, daß schon eine
kleine kelto-romanische Bevölkerung
hier Fuß gefaßt hatte, sprachlich aber von
den viel zahlreicheren Uferfranken überdeckt
worden ist; Reste der kelto-römischen
Bevölkerung müssen zum mindesten
in Mützenich, Konzen und Kesternich
überlebt haben, da nur sie diese Ortsnamen
aus der Römerzeit überliefert haben
können.
Die genauer umgrenzten Mundarträume
haben sich endgültig erst im hohen und
späten Mittelalter herausgebildet. Und so
kommt es auch, daß der Raum um Monschau-Konzen
am Hohen Venn als Amt
des Herzogtums Jülich stärker nach Düren
und Köln als nach dem viel näher gelegenen
Aachen orientiert gewesen ist und wir
uns viel näher an der Mundart um Köln als
99
um Aachen zu Hause fühlen, wobei besonders
die Aachener Mundart uns hier
durch die seltene Melodienführung sofort
als fremdartig erscheint.
Deutliche Unterschiede im Wortschatz
(Kalterherberg) und auch in der Aussprache
innerhalb der Dörfer gibt es bis heute.
So heißt der Grasschwaden etwa nach
dem Mähen mit der Sense in Konzen =
Jematt, Mehrzahl Jemaach, in lmgenbroich
dagegen heißt die Mehrzahl = Jemadder.
Das ist derselbe Unterschied wie
in Lammersdorf, Simmerath und Eicherscheid
bei den Wörtern Ledder, Bredder
und Wedder für Leder, Bretter und Wetter,
wo wir in Konzen sagen Lähr, Brähr und
Währ. Sehr auffallend ist das r in Eicherscheid
als das ursprüngliche rollende Zungen-R
wie in Italien das Wort »amore« und
dann das fast ganz im Kehlkopf gesprochene
r in Mützenich , in zwei Dörfern, die
nur wenige Kilometer auseinander liegen .
Monschau dagegen hat die Eigenart, das a
fast wie ein ä auszusprechen. Wo wir sagen
für gefahren = jevarre, heißt es in
Monschau fast »jevärre«. Diese kleinräumlichen
Unterschiede aber sind in den
letzten paar Jahrzehnten schon in hohem
Maße verschwunden durch den regen
Verkehr, Sportbegegnungen, berufsbedingtes
Pendlertum , Reisen ins Ausland
usw., so daß man die Zeit absehen kann ,
daß es zwar noch die einzelnen Mundarten
in den Stammesgebieten geben wird,
aber in einem allgemeinen Sprachgebrauch
ohne die kleinräumlichen Unterschiede,
woran man noch die einzelnen
Dörfer hier hat unterscheiden können.
Neben den Mundarten hat sich also etwa
seit der Zeit Luthers die hochdeutsche
Sprache herausgebildet als ein Instrument
für Verwaltung, Literatur und Wissenschaft,
ohne die regionalen Unterschiede
in der Aussprache zunächst zu beseitigen ;
das ist dann erst durch die allgemeine
Schulpflicht durchgeführt wo rden, ohne
aber auch hier sich ganz durchsetzen zu
können . (Gott sei Dank!)
Die Mundarten bilden aber immer noch
den Urgrund unserer Sprache, aus dem
das Hochdeutsche immer wieder schöpft
und schöpfen muß, wenn es nicht zu einer
papierenen Gelehrten- und Schreibstubensprache
erstarren will. Und gerade die
Mundart hat eine Fülle des ältesten
Sprachgutes bis auf den heutigen Tag bewahrt;
sie ist deshalb keine Sprache niederen
Ranges, sondern das Fundament
unserer gesamten Muttersprache, und
darum auch der Ausdruck unseres inner-
. sten Wesens, ja, die geistige Heimat im
besten Sinne dieses Wortes. Dazu besitzt
die Mundart einen großen Reichtum an
bilderreichen treffenden Ausdrücken und
Sprichwörtern, worin älteste Volksweisheit
überliefert ist, so daß der Verlust der
Mundart einen Schaden größter Ordnung
für die deutsche Sprache und Ku ltur insgesamt
bedeutete. Die Mundart darf also
gerade im Hinblick auf die Weiterentwick-
lung auch der hochdeutschen Sprache
keinesfalls verlorengehen. Vielmehr ist es
unser aller Aufgabe, uns mit ihr zu beschäftigen,
sie zu erhalten, sie zu pflegen
und zu fördern .
Noch einige Besonderheiten:
Es gibt hier die sogenannte Rheinische
Schärfung. Das heißt, daß die Wörter in
der Grundform mit ihren Vokalen in einem
anderen Fall geändert werden. » Das ist ein
großes Haus« = »dat öß e jrues Huus«;
aber »ich war in einem großen Haus« =
»ich worr en enem jrueße Huß! « Das u in
dem ersten Fall war lang und in tiefer
Tonlage zu sprechen , im zweiten Fall aber
kürzer und im Ton wesentlich höher. Dasselbe
gi lt etwa für ein großes Dach
Daach, aber auf einem großen Dach , =
kürzer und im Ton höher.
Dann haben wir in der Mundart Laute, die
es im Hochdeutschen überhaupt nicht
gibt. Wir haben da ein langes aber offenes
o und ein langes aber offenes ö! Der
»Pohl « ist der Pfuhl, aber der »Pool « mit
langem offenen o ist der Pfahl! Die Trompete
»tröötet« mit langem offenen ö-Laut,
bei lang anhaltendem Regen ist es am
»Tröhte« = langes geschlossenes ö!
Wenn man derartige Wörter in der Mundart
schreiben will, muß man sich zusätzliche
Zeichen vereinbaren, um sich wirklich verständlich
zu machen.
Andere Wörter velarisieren, d. h. daß auslautendes
n zu ng wird wie in Wein zu
Wing , Zaun zu Zung , braun zu brung ; dasselbe
geschieht mit nd, das auch zu dieser
Erscheinung gehört: binden zu bönge,
hinten zu hänge, finden zu vönge, bringen
zu brönge;
auslautendes t wird zum k - Laut wie Zeit
= Zick, weit = wick, Kind = Kön k, Wind =
Wöngk, Wand = Wangk; der Laut eh im
Wortinneren verschwindet wie in Licht zu
Li-et, Wicht zu Wi-et, Knecht zu Kne-et,
Recht zu Re-et; der Laut r verschwindet
wie in Gerste = Je-esch, Ferse = Veesch
, bersten = baschde ; der Laut eh
schwindet vor Dentalen = gesagt = jesaat,
was ein ursprüngliches »gesacht«
voraussetzt, gebracht = jebraat.
Für einen Fremden sind besonders
schwierig die Vokale, die getrennt zu sprechen
sind wie lernen = li-ere, gewähren =
je-we-ere, Stern = Ste-er usw.
Die Umwandlung von I mit zweitem Konsonant
zu u ist früher bei uns weiter verbreitet
gewesen als heute. Aus früherer
Zeit haben wir Kalb zu Kauf aber nur noch
in den Flurnamen Kauver-ley und Kauvesch,
die aber in alten Akten noch als
Kälber-Ley und Kälberscheidt vorhanden
sind ; dann haben wir noch den Schalte
Riegel an der alten zweigeteilten Haustür
als »Schau «, die Klappe im Ofenroh r als
Falte = »Fau «. Im Raum von Roetgen ist
diese Erscheinung noch recht lebendig,
wo die Alte immer noch ist die »Au «, das
Wort bald wird zu »bau « und jählings =
hier = jöllije heißt dort = »jau «.
Auffallend bei uns sind die vielen ö-Laute
wie in ömmer = immer, Sömmerth = Simmerath
, jömmere = jammern, Höymere =
Himbeeren, dröhme = träu men, lönks =
links, Könk = Kind , Wöngk = Wind .
Die neuhochdeutsche Umwandlung der
langen i-u-ü-Laute zu ei , au und eu bzw.
äu hat unsere Mundart nicht mitgemacht,
so daß wir noch haben Wiif = Weib, Liif =
Leib, driive = treiben , stiif = steif, Huhs =
Haus, Struuch = Strauch , ÜI = Eule, hühlen
= heulen, Strüüch = Sträucher, Bühl
= Beule usw.
Wir Rheinländer sind leicht zu erkennen an
der Aussprache des I-Lautes, der bei uns
etwas weiter zur Keh le hi n und etwas
dunkler gesprochen wird al s in anderen
Gegenden und i n Bonn und Umgebung
extrem lange angehalten wird,. Ähnlich ist
es mit dem eh-Laut, der bei uhs meistens
von dem breiteren sch-Laut nicht oder
kaum zu unterscheiden ist, so daß wir
vielfach sagen »leischt« und »Kirsche«
und »weisch « anstelle von leicht, Kirche
und weich.
An diesen Merkmalen wird unsere Stellung
in der Mundart von zugezogenen
Leuten leicht erkannt. Aber sollte es
sch limm sein, daß unser erster Bundespräsident,
Professo r Theodor Heuss, beim
zweiten Wort schon als typischer Schwabe,
der Bundeskan zler Adenauer als typischer
Rheinländer zu erkennen waren ,
wenn z. B. Konrad Adenauer nicht immer
so besonders »pingelig« sein wollte, und
der Bundeskanzler Helmut Schmidt als typischer
Norddeutscher aus Hamburg zu
erkennen war? Der frühere Ministerpräsident
Hinrich Kopf von Hannover hat sich
jedenfalls nicht gescheut, einmal eine große
Ansprache in unverfälschter niederdeutscher
Mundart zu halten. Und wie froh
war der Prälat Peter Schreiber aus lmgenbroich,
wenn er ein paar Tage hier sein
konnte und die Unterhaltung in echtem
lmgenbroicher Platt vonstatten ging!
Das alles sollte doch auch uns ein Ansporn
und eine Verpflichtung sein , an unserer
angestammten und angemessenen
Sprache unserer Landschaft mit allen Eigentümlichkeiten
in Treue festzuhalten!
Bei der Arbeit an der Mundart sind in der
Hauptsache zu Rate zu ziehen die Wörterbü
cher der althochdeutschen (ahd) und
der mittelhochdeutschen (mhd) Sprache
sowie das Rheinische Wörterbuch mit
neun dicken und eng beschriebenen Bänden,
in dem so ziemlich alle Mundartwörter
der ganzen Rheingegend besprochen
sind mit ihren Verbreitungsgebieten.
Es folgen nun in freier Auswahl eine Reihe
von Wörtern unserer Mundart, die zum Teil
aus uralter Zeit stammen und auch teilweise
nur noch von ganz alten Leuten gekannt
sind , die aber besonders auffallen
und im Hochdeutschen in dieser Form
nicht vorhanden sind. Dazu gibt es etliche
Wörter unserer Mundart, die ganz kurz
und knapp Aussagen machen, für die man
im Hochdeutschen einen ganzen Satz bilden
muß ; andererseits gibt es im Hoch-
100
deutschen auch Wörter, für die wir überhaupt
kein entsprechendes Wort haben .
Da nennen wir zuerst einmal das Wort
»Schnu r« = Schwiegertochter, ein Wort,
das aus der ältesten indo-europäischen
Sprache stammt mit verwandten Wörtern
in der griechischen und lateinischen Sprache,
aber nur noch ganz alten Leuten bekannt
ist und mit der Schnur = Kordel
nichts gemein hat;
der Schwiegersohn war allgemein der
»Edern « = Eidam , heute auch kaum noch
gebraucht, aber noch vielfach gesucht in
Kreuzworträtseln;
der Großvater war früher der »Bääste-Vaader«
und die Großmutter die »Bäästemooder«;
»sich bestaade« ist das Wort für heiraten
und ist bis vor gut 20 Jahren hier allgemein
üblich gewesen, dann aber durch das
mehr angepaßte Wort »hiiroode« ersetzt
worden . Das Wort »bestaade« bedeutet,
daß jemand nach der Heirat an die richtige
Stätte kommt, wenn er oder sie nun in das
eigene Haus kommt; allerdings wird man
bestattet, wenn man nach dem Tode nun
wirklich die letzte und endgültige Stätte
gefunden hat. Im Jahre 1527 ist der Hardthof
in der Hand eines Huprecht Weiter aus
Eupen . Am Rande der Akte steht die Notiz:
»bestadt mit agnes Dochter von der
Hardt. « Und in der Jülich-Bergischen Gerichtsordnung
um 1555 heißt es : »Eltern
die eynen son (Sohn) bestaidt hatten « .. .
und »die ein Kind zo der hilliger ehe bestaden
« . . .
Alle Wörter für die einzelnen Verwandten
sind auch bei uns vorhanden bis auf den
Netten, für den wir überhaupt kein Wort
haben. Wenn man einen solchen Verwandten
bezeichnen will, muß man sagen:
»Dä maß Ohm a mich saa« = der muß
Onkel zu mir sagen; wohl gibt es das wart
für die Nichte = et »Ni-etche«.
Bei den Körperteilen haben wir für die
Waden = die »Broode«, mit langem offenen
o-Laut, die Kniekehlen sind die »Höste«,
das Schlüsselbein ist die »Halskännef«
und kommt her von der Kännef, einem
zum Halbkreis gebogenen Eichenholz
mit einem Holzverschluß, der den
Kühen im Stall um den Hals gelegt wurde
zum Festmachen an dem Balken, der
»Dann«.
Das Schulterblatt zum mindesten beim
Schwein ist der »Pi-epsch «; wenn die
Hand verstaucht ist, ist sie »verbällt«, eine
Narbe ist ein »Lönkzeeche« , die Gesichtsrose
ist die »Bäll-Ru-es«, der Milchschorf
bei kleinen Kindern ist der »Vreeßem «,
und wenn kleine Kinder plötzlich sterben
mit blauen Flecken am Leib ohne eine
andere erkennbare Ursache, haben sie die
»ßejoovung«; man hat da geglaubt, daß
von einer Hexe dem Kind etwas Böses
angetan worden sei mit den blauen Flekken,
daß es mit etwas Schlimmem »begabt«
worden sei. Von dem Wort geben
kommt nämlich das Gift, das auch eine
Gabe ist; und diese soll selten abgelehnt
werden, wenn es sich um die »Mit-Gift«
handelt, die die junge Frau mit in die Ehe
bringt.
»Et öß övverzich« heißt es, wenn es gerade
aufgehört hat zu regnen ; »et hatt merr
jeruumt« = ich bin mit der Arbeit gut vorangekommen;
hier muß man mithin im
Hochdeutschen einen ganzen Satz bilden
für das eine Wort hier.
Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern, die
gleich oder sehr ähnlich klingen, aber mit
ganz verschiedener Bedeutung ; zum Teil
unterscheiden sie sich nur durch den kürzeren
und geschärften Ton, für den man
ein besonderes Lautzeichen einführen
muß, wie man es vor etlichen Jahren im
Rheinland für Texte in Mundart getan hat.
»Du haß dr Krau « sagt man, wenn jemand
mit einer üblen Hautgeschichte belastet
ist; aber des Abends wurde vielfach von
der frischen Buttermilch ein Brei gekocht,
und das war die »Krau« , aber mit kurzem
Hochton;
»mr mosse jett schure« = wir müssen
einen Regenschauer - etwa unter einem
Schuppen - abwarten ; aber: »di Koh öß
sech am schure« = die Kuh scheuert sich
(an einem Balken);
»dr Kai « ist der Überdruß etwa an einer
Speise, »ene Kai « = hochtonig ist ein
etwa faustgroßer Kieselstein oder ein dünner
Holzspan zum Anzünden der Pfeife,
wenn besonders der Großvater im Prötter,
einen Sessel hat es hier nie gegeben, saß
und immer wieder die Pfeife anzünden
mußte ; diese dünnen Späne, auch genannt
»Fiete«;
sehr schlechtes, stark regnerisches Wetter
ist »vlöödesch «, wohl von fließen , aber
»vlöddesch« ist etwas Unsauberes, Gemeines,
auch ein übler Mensch;
das »Schaaf« ist der Schrank, aber die
»Schaf«, hochtonig, ist die Schabe, für das
Weißkraut, den Kappes, und wurde im
Herbst von Haus zu Haus ausgeliehen;
de »Strooß« = hochtonig ist die Straße,
die »Strooß« dagegen ist die Gurgel ;
»trööte« = sehr stark regnen, aber »trööte
mit langem offenem ö-Laut = trompeten ;
die Frucht heißt der Mais, die Kuh aber ist
»maiß«, hochtonig, wenn sie kein Kalb
bekommt;
»Schnodde« sind dünnes Reisig, Schnoode
aber sind Striemen auf der Haut nach
Schlägen mit einem dünnen Stock etwa;
der »Vleem « ist das etwas lose herabhängende
Fell unter dem Hals eines Ochsen ;
der »Vreedel« ist eine kräftige Stange, mit
dem man die Kette um einen mit Holz
beladenen Wagen festdrehte;
»Kai « und »Köhß« bedeuten etwas Dummes
und überflüssiges Geschwätz;
»Jedüüsch« ist viel Lärm verschiedener
Art ;
»Jedöhns« bedeutet viel Getue, viel Aufhebens,
»jimße« = mit dem Fuß ausschlagen vom
Pferd wohl gesagt;
»jütze« = wenn ein Balken sich ein wenig
durchbiegt, wenn man darauf tritt;
»de Week« ist der Docht in der Petroleumlampe
;
»schnorke« = schnarchen;
»schnörke« = etwas versengen oder nur
ansengen;
»Trontes« = nach dem Rh . W. Buch nur
hier im Umkreis von Monschau bekannt,
ist etwas dickflüssiger Matsch, der sich um
den Misthaufen sammelt;
»sich teere« = sich anständig aufführen;
»et Netz« = die Nachgeburt von Kühen
oder Pferden;
»der Nöödel« = ist der Stier oder auch der
Ochse;
»fompen « = schaukeln , und die Fomp ist
die Schaukel ;
»döck« oder »döcks« ist oft, so schon im
mhd. = dicke;
»jöllije« = plötzlich, wohl zu jählings;
»Bolze« oder »Bolze-Eicher« sind die
Bucheckern, in alten Akten entsprechend
den Eicheln auch Bucheln genannt mit
einer dreieckigen Form ; und danach hat
das dreieckige Eisen den Namen gehabt,
das heißgemacht in das Bügeleisen gesteckt
wurde ; und das Bügeleisen war das
Striech-lser, und bügeln hieß »striichen«;
»läppe« = die Karre zurücksetzen;
an jeder Karre, vor allem wenn sie ins
Venn fuhr, hing eine besonders kräftige
Hacke mit dickem Stiel zur Hilfe bei Mißgeschicken
= et Hau-wi-el; über den Ursprung
dieses Wortes ist man sich selbst
im Rh. W. Buch nicht ganz einig;
unter jeder Karre hing et »Rooß-Duch«,
ein größeres Stück aus Sackleinen, in dem
man verschiedene Dinge mitnehmen
konnte ;
»schuffel « ist etwas Übles oder Kränkliches;
ein »Könkel « oder ein »Plotz« ist eine
größere Wasserstelle im Bach; und eine
ältere Tante, die zum erstenmal auf einer
Reise den Vierwaldstätter-See zu sehen
bekam, soll vor Erstaunen lauthals ausgerufen
haben : »Nee, wat ene Platz! «;
eine »Legche-Brööht« sagt man zu· einem
dünnen und schlechten Kaffee, der nach
nichts schmeckt; das kommt von den Besatzstreifen
am unteren Ende der Hosenbeine
und in den Tuchkappen, die einmal
im Jahr herausgetrennt und ausgewaschen
wurden; die da herauskommende
Brühe war dann die »Legche-Brööht«;
die »Hosse« sind die Strümpfe, und ein
Kind ohne Hosse ist nicht ein Kind ohne
Hose, die hier allgemein den Namen
»Botz« hat;
der »Stüpp« ist das verlängerte Rückgrat,
um sich vornehm auszudrücken; denselben
Namen hatte aber auch eine kurze
Männerjacke;
die »Teft« ist die Hündin, der »Bi-er« ist
der Eber;
die »Hüüve« sind die Murmeln, mit denen
besonders im Frühjahr viel gespielt worden
ist,
die »Tromm « war ein muldenförmiges
Verbindungsstück zwischen dem alten Kanonenofen
und dem Ofenrohr, auf dem
101
man die Kaffeekanne warm zu halten
pflegte;
der Bursche kann mit einem Mädchen haben
»e Fisternöllche«, »e Knüüfje «, »e
Küddelche«, alles gesagt für --eine --tief:f~ -
schaft;
»kott« ist böse= ein Junge= »ene kodde
Jong «; auch eine Anhöhe kann kott sein
für den Ochsen mit der schwer beladenen
Karre;
»kollich« = quadlich = übel = kurz vor
dem Umfallen ; beide Wörter von einem
alten Wort »quad « aus dem mhd ;
»verschmööcht« ist ein Kind, wenn es verwöhnt
ist;
»jekrööcht« = dämm hann ich je Hoor
jekrööcht = nichts Böses getan;
»schnack« = aufrecht = gerade, ohne
Krümmung;
»Strämp« sind die Rippen etwa in den
Blättern der Esche;
»Scharfbrett« war eine größere Platte aus
Holz mit Rand, auf dem früher das Wurstfleisch
kleingehackt wurde, ehe man es
durch das Wurstmaschinchen drehen
konnte;
»Termöll« = Lärm, Tumult, Trubel;
»e Wänselche« = ein bißchen, kommt von
Wäntchen und vom Quäntchen, war ¼
Lot, ist aber im Anfang der 5. Teil gewesen
von spätlateinisch quentinus = der fünfte ;
der »Quänger« ist der Gewinner, der
Stärkste, zu dem Wort zwingen ;
der Stiel in der Sense ist der »Worep «, der
Stiel in der Axt = de »Eiste-Häleft«; eine
Delle im Sensenblatt ist eine »Daaver«,
der breitere Teil der Sense nahe am Worep
ist die »Hamm «, dengeln ist »haare«
= härten;
»do hat merr jenne Pack-aa«, da kann man
schlecht anpacken.
In jedem Haus befand sich früher eine
größere Kiste oder Truhe, besonders bestimmt
für die Aussteuer der Tochter; darin
war eingefügt ein kleines Fach = et
»Denkelche«, das auch als Geheimfach
gedient hat.
»U-ezele« sind Reste vom Essen, besonders
vom Brot;
»e Kitt« ist ein Korn und »e Kittche ein
kleines Korn, die Mehrzahl sind die
»Kidder«;
»klüchtech« ist etwas sehr Seltsames, das
man nicht verstehen kann;
»ze-we-esch « ist ein immer nörgelnder,
starrsinniger Mensch, der stets quer steht
zu den anderen Leuten ; und genau das ist
in dem Wort ze-we-esch enthalten, das im
Körper querliegende Fell im Brustraum ist
so richtig das Zwerchfell;
die »Forek« war die Gabel, in der der
große Balken am Ziehbrunnen gelagert
war, zu dem französischen Wort fourche
und die kleine Gabel beim Essen = die
fourchette. Ein solcher Ziehbrunnen wie in
der Pußta an dem Haus gegenüber der
Quirinus-Kapelle bis um 1930 - leider gibt
es kein Bild davon -; ein zweiter solcher
Brunnen hat sich befunden an dem Haus
Call auf dem öntepohl, das 1898 abge-
brannt ist. Sonst sind die Eimer mit Wasser
mittels einer langen Stange oder einer
Kurbel mit Kette aus den Brunnen entnommen
worden.
Dä hat ene »Schiech« mit kurzem geschlossenen
e-Laut = der Mensch, der für
eine bestimmte Sache geschickt ist;
»dr Peps« ist eine Erkältungskrankheit;
en »Splöngs« ist ein dürres, mageres
Frauenzimmer;
»e Mensch « kann man auch sagen für ein
»Vraumingsch « = eine Frau ; da sagte ein
älterer Mann zu einem schon nicht mehr
ganz jungen Junggesellen : »Du moß
senn, dat de e Mensch kriß! « = Du mußt
sehen, daß du eine Frau bekommst.
Ein kleines Kind muß man mal »pööse«,
d. h. sein Gewicht in der Hand abwägen,
von franz. peser.
»trössele« = im Wasser herumpantschen;
»e Krüffje« = ein Leibchen aus Leinen für
kleine Kinder, woran die Strumpfbänder
befestigt wurden, aber auch für Frauen,
bevor die modernen Miederwaren ihren
Einzug gehalten haben;
»mallesch « = jeder einzelne;
der Schnee »fiselt« = kommt in ganz feinen
Strähnen herunter;
der Schnee »schiffelt« wird in dünnen
Schwaden vom Dach geweht oder über
die Straße gefegt;
der »Bööres« ist eine ungeschnittene
Hecke etwa, die zu einem wilden Buschwerk
herauswächst, kann auch ein ungepflegter
Haarschnitt sein;
etwas »verdömpele« = eine Sache sehr
geheim halten ;
»ajangs« noch net = dafür gibt es noch
keinen Angang;
»Leverling « war das alte Wort für die
Lerche ;
»Deeßem « der Sauerteig;
»Boßem « der Rauchfang über dem offenen
Feuer;
»eddrije« = vom Rindvieh , wenn es wiederkaut
= das unzerkaute Gras zurückrücken;
»onnere« = ein Mittagsschläfchen halten,
daher wohl das »Onner-Stättche« im
Venn.
Unten im Haus war et Huus = die Küche,
daneben die Stube und die Kammer, oben
war der Söller als Zimmer, und darüber
war der »övveschte Söller« = der oberste
Söller, aber einen »Speicher« hat es nie
hier gegeben ;
der Deckenbalken in der Stube war der
Trf-ef von alt-franz. tref; auf dem Dach sind
nicht die Sparren, sondern die »Käffere«
(ursprünglich aus Kiefernholz?) ;
die starken Querbalken auf dem Dach sind
nicht die Pfetten, sondern die »Werm «, die
starken Querbalken in der Scheune sind
»Streckbalken « (ges·treckt?);
der aufgeschichtete runde Tu rm von Roggen-
oder Hafergarben in der Scheune ist
der »Barm «;
der Absatz am Schuh ist die »Knüül «;
die Zunge im Schuh = die »Plööß «;
»sich zauen « = sich beeilen ist noch bis
vor etwa 200 Jahren durchaus im Hochdeutschen
üblich gewesen;
»biesen « tun die Kühe und Rinder, wenn
sie bei schwülem Wetter vor den Dasselfl
iegen auf und davonrennen und nur mit
großer Mühe zu beruhigen sind; dazu
schon in der mittelalterlichen Dichtung:
»Die Rinder auf den Wiesen , die fangen an
zu biesen «;
der »Mällem « ist der ganz lockere Straßenstaub,
der vor den geteerten Straßen
im Sommer durch die Automobile eine
große Plage darstellte, auch schon ein
ganz altes Wort seit dem Mittelalter,
»Kröiele« sind die Sumpf-, Rausch- oder
Trunkelbeeren im Venn , und die Kraniche
sind bei uns die »Kröiel-Jänse«, die sich
besonders gerne von diesen Beeren ernähren
.
Einen besonders großen Reichtum hat unsere
Mundart hervorgebracht an Bezeichnungen
für Männer und Frauen und für
beide Geschlechter gemeinsam, um bestimmte
Charaktereigenschaften auszudrücken,
für die es im Hochdeutschen keine
entsprechenden Wörter gibt, so daß
man dort fast immer sagen muß, das ist ein
Mensch, der so und so ist. Eine größere
Zusammenstellung darüber ist erschienen
im Heimatkalender Monschau, 1966, S.
65 ff., unter der Überschrift: »Über den
Reichtum unserer Muttersprache.«
Hier daraus nur eine kleine Auslese, zunächst
für Männer:
der Knüvert = ein verschlossener, älterer
Mann, oft mürrisch;
der Dodderer = ein Unruhegeist, unstet,
immer beschäftigt;
et Knotterdöppe = einer, der immer etwas
zu schimpfen hat;
der Bräseler = viel beschäftigt, wenig mit
Ausdauer;
der Hospes = ursprünglich der Gastfreund
, hier aber etwa ein rechter Dummerjann
;
der Vlüch-Opp = einer der gleich aufbraust,
stets aufgeregt;
der Seever-Jelles = einer, der viel seibert
und dumm redet;
der Blaares , der immer laut zu quatschen
hat;
der Pokrater = der üble Kritikaster.
Nur für Frauen :
die Strööf = bösartiges Frauenzimmer,
Klatschbase ;
die Schlonz = unordentliche, schlampige
Frau;
die Väsch = ein Luder, das herumrennt,
überall die Nase dazwischen ;
die Zibbel = empfindlich und leicht beleidigt;
die Klaaf = die überall herumlaufende
Schwätzerin;
der Köttel = hoffärtig, besonders von jungen
Mädchen gesagt;
die Mööß = unförmig dickes Frauenzimmer;
102
Nun fü r bei de Geschlechter:
die Schnöver = sehr wählerisch im Essen
und Trin ke n;
die Jrühl = ursprünglich eine irdene
Schüssel , dann ein etwas unbeholfener
Mensch ,
die Krent = Korinthe? , ein Mensch, der an
allem etwas auszusetzen hat;
die Brey-Muhl = einer, der dauernd dummes
Zeug quatscht;
der Mocks = ein wortkarger, verbitterter
Mensch;
der Schlodderes = unordentlich in Kleidung
und Arbeit;
der Plack-Kopp = der üble Schuldenmacher
;
eine Brack = ein knochiger, starker und
derber Mensch ;
die Tränte! = immer langsam, auch bei der
Arbeit ;
die Knossel = unsauberer, schmutziger
Mensch;
der Tal epert = ein unbeholfener, tapsiger
Mensch ;
der Jief-Sack = einer, der immer etwas
haben wi ll von anderen und dabeisteht, bis
etwas abfäl lt;
der Kader = ein Mensch, der viel im Dorf
hin und her läuft, meistens noch derber
bezeichnet als »Kader-Arsch «; wenn junge
Mädchen früher des Abends viel hin
und her gelaufen sind, wurden sie von den
Bursch en gepackt und »jeriesert«, das
heißt mit Dornenreisern über die Kehrseite
traktiert.
Auch das war nur eine eher bescheidene
Auswahl , zeigt aber, daß die Mundart eine
ganze Reihe von Wörtern kennt, um den
einzelnen Menschen genau zu beschreiben,
die man nur mühsam ins Hochdeutsche
übertragen kann.
Eine große Anzahl von französischen
Fremdwörtern ist in unsere Mundart ein- •
gedrungen während der Franzosenzeit
von 1794-1814, als das ganze linke
Rheinufer für viele Jahre dem französischen
Staat unmittelbar eingegliedert war.
Nach dem Abzug der Franzosen im Januar
1814 schreibt der Lehrer Johann Huppertz
aus Konzen· in die Chronik: »So, nun kann
ich wieder in Deutsch schreiben! « Andererseits
aber haben sich die Franzosen
nach einer Reihe von Jahren noch beschwert,
daß die französische Sprache
sich immer noch nicht durchgesetzt habe.
Wie sollte sie aber auch, wenn zuerst die
Lehrer nur recht mühsam sich um diese
Sprachkenntnisse haben bemühen
müssen!
Es muß aber auch betont werden, daß
schon eine nicht sehr geringe Anzahl von
französischen Wörtern lange vorher in den
Kölner Sprachschatz eingedrungen war
durch Handelsbeziehungen über die Niederlande
und den jetzt belgischen Raum.
Viele der französischen Fremdwörter sind
inzwischen aus unserer Mundart wieder
verschwunden und nur noch von ganz alten
Leuten überliefert.
Drei größere Beiträge zum Thema: »Französische
Fremdwörter in unserer Muttersprache«
sind erschienen in unseren
Jahrbüchern 1973, 1974 und 1980. Daraus
kann hier nur eine kleine Auswahl
getroffen werden, wie folgt:
arejel frz. en regle = regelrecht z. B. einen
verdreschen, Butelleje = Flasche, von frz.
bouteille, auch »Buddel «;
Hüßje = kleines Haus; a Hüßjes kann
auch auf den huissier zurückgehen, den
Gerichtsvollzieher;
Jroffesne-elcher = Gewürznelke zu frz.
girofle;
Beschütte = Zwieback zu frz. bisquit =
zweimal gebacken;
Knoschele = in Aachen = Kroschele =
Stachelbeere zu frz. grosseille;
Makei = Quarkkäse = aus dem Wallonischen;
Me-erel = Amsel, zu lat. merula = frz .
merle;
Pajaß = Strohsack, zu frz. = paillasse;
Pareplüm = Regenschirm, zu frz. parapluie
;
quanßieß = nur so, ohne bes. Absicht, zu
frz. quasi;
Ringelatte = gelb/grüne Pflaumenart, zu
frz. reineclaude;
Schal6tte-Öllesch = kleine Zwiebel, zu
frz . echalote;
Schasewitt = einen hohen Bogen machen,
in hohem Bogen fliegen , zu frz.
chassez-vite = Kommando beim Tanzsprung;
Scheermüülche = süßes Weizenbrötchen,
zu frz. semoule, wallonisch ehermaule
= Weizen ;
Schwitt = eine ganze Anzahl , zu frz. suite;
Tänte = Kirmesbuden, zu frz. tente = Zelt;
Truffel = Maurerkelle, zu frz. truelle;
tujur = fortwährend, zu frz. toujours = alle
Tage, stets ;
partu = auf jeden Fall, zu frz . partout =
überall;
Vürer = Marder, zu frz. furet = Frettchen ;
Zing = Bütte, zu frz. tine = Kübel , Zuber;
Möisch = Spatz, zu lat. musca, frz. mauehe
= Fliege;
Mostert = Senf, zu frz. moutarde, wallonisch
= mostat;
Traleje = Fenstergitter aus Eisen, zu frz.
treille ;
Jilett = Weste zum Herrenanzug, zu frz.
gilet = dasselbe;
allä = los, Abmarsch , zu frz. allez! Ein
älteres Ehepaar von hier war in einem der
wallonischen Dörfer zugegen, als sich eine
Prozession formierte und der Pfarrer
0
schließlich das Kommando gab zum Abmarsch
mit dem Wort: »Allez! « Da hat das
Ehepaar nicht schlecht gestaunt und zu
Hause berichtet, daß der Pfarrer dort tatsächlich
originales Konzer Platt gesprochen
habe.
Schabau = Schnaps soll aus aqua sabaudica
= savoyisch Wasser entstanden sein
und muß über das Französische den Weg
zu uns gefunden haben ;
dasselbe gilt für Schavunge, das auf dieselbe
Grundlage zurückzuführen ist =
chou de Savoye = Kohl aus Savoyen.
Das muß an dieser Stelle genügen, die,
wie gesagt, nur eine kleine Auswahl bieten
kann .
Beim Amt für Rheinische Landeskunde in
Bonn ist ein Handbuch der rheinischen
Mundarten in Vorbereitung, worin zwei
Beiträge im echten Konzer Platt erscheinen
werden.
Darin soll nochmal vieles für die Nachwelt
erhalten bleiben, was im Rheinischen
Wörterbuch in langjähriger Arbeit von
1928-1978 zusammengetragen worden
ist. Inzwischen hat sich schon wieder vieles
geändert, das in dem Handbuch auch
in Lautschrift nachgewiesen werden soll.
Und im übrigen ist es so, daß mit dem
Verschwinden der alten Sachen auch die
Wörter zum Untergang verurteilt sind. Wer
wird in einigen Jahrzehnten noch die Wörter
kennen , die zum Pflug etwa gehören
oder zu anderen Dingen in der Landwirtschaft,
beim Hausbau, bei der Kleidung,
bei den Nahrungsmitteln usw.? Darum ist
es so wichtig, wenigstens die alten Wörter
zu den Sachen festzuhalten .
Zum Abschluß unserer Betrachtungen zur
Mundart soll noch ein Wort von Goethe
stehen, - das macht sich immer gut - der
in einem Gespräch zu Eckermann gesagt
hat: »Der Dialekt ist doch eigentlich das
Element, in welchem die Seele ihren Atem
schöpft.«
Und ganz zum Schluß soll als Beispiel
noch eine etwas heitere Geschichte aus
unserem früheren Dorfleben stehen in originalem
Konzer Platt, Nachdruck aus dem
Jahrbuch Landkreis Monschau, 1956:
E Fest am Dorep
Err jodde alde Zick joof et märr zwei Feste
em Jahr, dat worr Fastel6ovend on de
Köremes. Da worr natürlich jet looß! De
jong Barsche sparten ävver ach dat halef
Jahr dervörr Jrosche vörr Jrosche; dänn
op Fasteloovend on op err Köremes woht
merr sich doch net lompe lasse; dat Jelo6ch
kost at Jäld, on di Mädcher wohten
ach jätt hann, on vörr dänne woht mallesch
dr' decke Weilern markeere.
Nu joof et ävver noch e dreyt Fest, wo
zwar net jedangst wuer, wat ävver doch
sing Bedügdung hatt, on dat worr der Namensdaach
vam Pastuer oder vam Vikar.
Vörr jot hongdert Johr hatte merr nu e
Konze der Vikar Gimken, on mot Vürnahm
hesch hä Friederich, on singe Namensdaach
veel op dr vönefde Mearz. Do
worr ävver och nu schlaachmfeßesch et
jangße Dorep op de Been. De Vereine
stellten sich en enner lange Reyh op, zeischt
dr Kerchekuer, da de Musik on zelääßt
der Krejerverein. De Mannslück hatte
noch bahl all dr Vollbart stoh, brung on
schwarz on mängelehrt on duvewiß. A de
Been hatte se de langschäftije Stevvele,
oevenerömm e deck wölle Kamesool on
zeövvescht dr blohlinge Ruuschekeddel
103
mot jestekde Böertcher. Märr dr Dirijent
vam Kerchekuer on dr Hauptmann vam
Krejerverein komme e Läpperock on Zylinder.
Wänn se nu all 6pmarscheert worre,
komm dr Vikar vörr et Huus on let sech
iere. Et jangß anger Volek stong drömeröm,
on dat de Könk sich dr Hals ußrängkte,
ka merr jo verstohn.
Nu worr et ävver at arr Naht on reat düster,
wänn er lohs jing, on Lampe johf et dozemohl
noch net. Och Feuerwerkskörper
konnt mr noch net jälde. On doch johf et
en jrueßardije benjalische Beleuchtung.
Dovörr hat Bredenhoffshuppert jesorcht.
Dä hat sech en aalt Erpelspann op en lang
Stang jeneelt, Dorfmöll dre jedohn on
düchtech mott Petroleum jedrängt. Dä
Brassel en därr Pann fing hä da ahn on
hellt di Stang mot därr Pann huech övver
et jangße Volek. Dr Wönk jooch de Vlamm
on dr Qualem övver de Köpp erwefsch, de
Könk resse Muhl on Uere op, de Mädcher
leef et kalt dr Röck eraaf. Bredenhoffshuppert,
e alt klee Männche, mot sech düchtesch
schän dr Wönk stämme, söß wörr et
mot Vürpann on allem ömjevlo6che.
On dann hat Kuhlepittshermännche och
noch en Erfindung jemaacht. Hä hat en
Köst op ener Stang; on en dämm vöddeschte
Brett hat hä e jrueße Buchstabe
ußjessächt: »VIVAT FRIEDERICH! Dan
hatt e en di Köst en Petroleumslamp jestallt,
on esu lüet dä Jlöckwongsch wickeweisch.
Wänn et nu esu richdesch lohs jing , song
ze fescht dr Kerchekuer e Lett, dann speilt
de Musik e Stöck, on dann komm de Fest
Reed. Di mot haalde zo singem jrüeste
Leed dr Hauptmann vamm Krejerverein,
on dat worr Mareiendeeresnöll. Dä arme
Keerel konnt ävver nu jarnet jot kalle. Ävver
domm worr hä jo och net. Vörr nämlesch
net eruszejero6de, hat hä sich di
Reed op ene Zöddel - schriive ka merr
net sah - opjekrakelt; dä Zöddel hat hä
vüer em Zylinder lije, on nu brucht hä märr
afzelösse.
Wi et nu stell wuer, ving hä ahn : »Hochgeehrter
Herr - Herr Vikar! Es ist uns eine
große Ehre - Ehre-« do vingen at e paar a
ze laache. »Sett doch ens stell!« Saht
Mareideeresnöll jangs verkiert, jroße Ehre,
Ihnen, sehr verehrter Herr - Herr Vikar zu
Ihrem Namens - Namensdaach heute -
heute«, do lachten at werr e paar esu
dreckesch. - »Haalt doch ens endlech de
Muhl! « mott hä derzwesche schänge, -
»heute unsere herzlichen Jlück - Jlückwünsche
entjejenbringen zu dürfen. Wir
hoffen - hoffen, daß Sie noch lange hier
leben - leben « - on do jooch höm dr Wönk
dr Zöddel vort - »und sterben werden !«
macht hä jäng dr Satz ze Engkd . Do ving
ävver et Volek balbaresch ahn ze laache.
» Vivat Friederich !« bröllt hä ävver noch
jäng drzwesche.
»Vivat Friederich! « bröllt do och et jangße
Volek.
On dr Wönk bleeß en et Vü r, on dr Qualem
jooch övver de Lück, on se laachde on
hatten en Vreud, on dr Vikar stong on
laacht övver sing brav Lückcher. Dann
hollt der Vikar de Vürstänk van de Vereine
en et Huus, do joof et dann mächtije Öertscher
Resteener, on dat öß jo an sich at e
Fest. Et anger Volek jing nu langsam no
heem, suwick et net noch en de Wirtschafte
jing; on et worr en Kall6t em jangße
Dorep, on et wur noch wääschelang jekallt
on jelaacht övver et fingste Fest vamm
Johr.
Literaturangaben
Auch hier können nur die wichtigsten Unterlagen angezeigt
werden. Es ist besonders gearbeitet worden im
Stadtarchiv Monschau, im Pfarrarchiv Konzen, im
Stadtarchiv Aachen, im Gen. Vikariatsarchiv Aach en,
im Gen. Vikariatsarchiv Köln und vor allem im Hauptstaatsarchiv
in Düsseldorf. Die wichtigsten Aktenstükke
sind jeweils im Text angegeben.
Viele Einzelheiten sind entnommen den jährlichen Abrechnungen
der Forstmeister des Amtes Monschau im
HSIAD, fast vollständig erhalten von 1502/03 bis
1793/94, dann den Abrechnungen der Monschauer
Rentmeister ab 1507 fast vollständig bis 1792/93;
dann den Rentlagerbüchern des Jahres 1649 im Stadtarchiv
Monschau und im HSIAD, die aber nicht ganz
identisch sind; dann den Erbungsbüchern des Landgerichts
Monschau Nr. 1 = 1603-1660 im HStAD, Nr. II =
1661-1777 und Nr. III = 1778-1793 im Stadtarchiv
Monschau.
Die Ak1en der Notare in Monschau von 1798-1920 im
HSIAD.
Durchgearbeitet sind die Monschauer Zeitungen =
»Stadt- u. Landbote« von 1848 bis 1936 mit Lücken,
Das »Montjoier Volksblatt« von 1880-1940 mit kleinen
Lücken.
An gedruckten Werken sind zu nennen:
Wilhelm Ritz: Urkunden und Abhandlungen zur Geschichte
des Niederrheins und der Niedermaas, Aachen
1824.
Fr. Cramer: Rheinische Ortsnamen aus römischer und
vorrömischer Zeit, Düsseldorf 1901.
Heinrich Laumans: Geschichte des Montjoier Landes,
speziell des fränkischen Königshofes Conzen, Monschau
ca. 1910.
Otto R. Redlich: Jülich-Bergische Kirchenpolitik am
Ausgange des Mittelalters,'2 Bände, Bonn 1911 .
J. Janssen - F. W. Lohmann: Der Weltklerus in den
Kölner Erzbistums Protokollen, ein Necrologium Coloniense
1661-1.825; 1935-1936.
Heinrich Rübe!: Die Wechselbeziehungen zwischen
Rasse, ·Geschichte, Familie, Konfession und Beruf,
dargestellt an am Beispiel der Bevölkerung von Monschau,
1939.
Dr. A. Z. Huisman: Die Verehrung des heiligen Pankratius
in West- und Mitteleuropa, Haarlem 1939.
B. Willems: Ostbelgische Chronik, Bd. 1 = 1948, Bd. 2
= 1949.
Gesch. Verein Monschau: »Das Monschauer Land,
historisch und geographisch gesehen«, 1955.
Heinr. Kaspers: Comitatus nemoris: Die Waldgrafschaft
zwischen Maas und Rhein, Aachen, 1957.
Heinrich Dillmaier: Rheinische Flurnamen, Bonn 1963.
Helga Müller-Kehlen: Die Ardennen im Frühmittelalter,
1973.
Dietmar Flach: Untersuchungen zur Verfassung und
Verwaltung des Aachener Reichsgutes von der Karolingerzeit
bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, 1976.
Ludwig Falkenstein: Karl der Große und die Entstehung
des Aachener Marienstiftes, 1981.
Reiner No/den: Besitzungen und Einkünfte des Aachener
Marienstiftes, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins
Bd. 86/87, 1979/80.
Weitere Angaben zur Geschichte unseres Gebietes
hier im Jahrbuch »Das Monschauer Land « 1988, S.
98-101.
104
Jf::; " C
• -
-:lfJs
Ji~r-~ ... ~--:~•~"-JJ,tl:"':J~ -
IJefetdib - bttnhcl
r eich an Vitamin B
(D LG-prämiert)
e ine Spezialität der
Felsenkeller--Br-auer-ei Monschau
SEIT 1847
M onschauer
='1us•m
PILi
FELSEN KELLER BRAUEREI MONSCHAU
Die Monschauer Glashütte*
Museum Demonstration Direktverkauf
• Trinkglasgarnituren, Geschenkartikel, Lampen
zu Fabrikpreisen: z. B. von 5,- DM bis ...
Beachten
Sie bitte unsere
vielen Sonderposten
zu Superpreisen
Öffnungszeiten:
Bis zum 31. 10. 1988
Mo.-Fr. von 10-17.30 Uhr
Sa. u. So. von 10-18 Uhr
Ab L 11. 1988
Mo.-Fr. von 10-17.30 Uhr
Sa. von 10-14 Uhr
langer Sa. bis 18 Uhr
Am 2., 3. und 4.
Adventssamstag u. -sonntag von 10 - 18 Uhr
Vodührungen im Museumsbereich finden an den
geöffneten Tagen bis 17 Uhr statt.
Melden Sie sich bitte rechtzeitig an!
Auch der weiteste Weg lohnt sich!
5108 Monschau · Burgau 15 • Telefon O 24 72 / 32 16
• der Barthmann Cristall GmbH, 7620 Wolfach
Das komplette Ford PKW
Programm steht für Sie bereit.
Vom Fiesta bis zum Scorpio.
&~
Die Umweltfreundlichen. Die Sportlichen.
Pie Dieselmodelle. Die Sondermodelle.
Preiswert geleast, günstig finanziert. Das
komplette Ford-Programm. Bei uns.
Wir sorgen für
Ihr kostbarstes Lebensmittel
trinkwasaer
und Ihre
umweltfreundliche Energie
81d3a
[--11 ►]
r
• Batterie- und Reifendienst
• Autozubehör
• elf SB-Station
Trierer Straße 112 • 5108 Monschau-Konze11
Telefon (0 24 72) 32 74
[III) Gas
§ wasser
ffl Gas/wasser
- Stadt·. Gf!meindegrenze
EWV Energie- und Wasser-Versorgung
Betriebsführungsaesellschaft mbH
Eschweilerstraße 60, 5 t'90 Stolberg, Telefon (0 24 03) 701-0
SIE SOLL
MAL WERDEN, WAS SIE
WERDEN MOCHTE
Mit das Beste, was Sie Ihren Kindern
fürs Leben mitgeben können, ist eine
gute Ausbildung.
Ein geldsorgenfreies, ihren Neigungen
entsprechendes Studium, in
dem sich Ihre Kinder auf den Lehrstoff
ünd auf Prüfungen konzentrieren können,
ist eine wichtige Voraussetzung
für den späteren Erfolg im Beruf und
auch im privaten Leben.
Wer sein Studium nämlich ganz
allein finanzieren muß, ist von vornherein
im Nachteil.
Aber genau das können Sie schon
beizeiten verhindern.
Mit einem langfristigen Sparvertrag,
mit Prämien- oder Versicherungssparen
können Sie die Ausbildung
Ihrer Kinder sichern, lange bevor die
an Beruf oder Studium überhaupt denken.
Aber wenn der Wunschberuf
dann feststeht, sollte auch nichts mehr
dazwischenkommen.
wenn's um Geld geht
• I!!!!!!!!
Kreissparkasse iiiil