15.01.2026 Aufrufe

Heimatblätter des Kreises Aachen 1988

Heimatblätter des Kreises Aachen 1988

Heimatblätter des Kreises Aachen 1988

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.


1\

Impressum

Heimatblätter des Kreises Aachen

Abonnementpreis dieses Heftes 6,- DM

Einzelverkaufspreis 10,- DM

jeweils zuzüglich Porto

Auflage: 2 500

Herausgeber und Vertrieb:

Kreis Aachen

5100 Aachen , Zollernstr. 1 0 (Kreishaus)

Telefon 02 41 / 51 98 - 1

Redaktion:

Rudolf Dieregsweiler, Karl-Heinz Herren

5100 Aachen , Kreishaus

Herstellung :

Weiss-Druck, 5108 Monschau-lmgenbroich

Layout: Peter Eschweiler

Titelbild:

Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. Juni 888;

in der fünftletzten Zeile unser »Compendio«,

die erste Erwähnung des Ortsnamens Konzen

Aus Gründen der vollständigen Jahresfolgen

erscheint dieses Heft unter

43. Jahrgang, 1988

© 1988 by Hans Steinröx, Konzen


1100 Jahre Konzen

Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Von Hans Steinröx


Zum Geleit

Sehr verehrter Leser!

Mit dem 13. Juni des Jahres 888 wurde

Konzen als erster Ort des ganzen Monschauer

Landes urkundlich erwähnt. Dies

gab uns Veranlassung, in diesem Sommer

des Jahres 1988 die 1100-Jahr-Feier festlich

zu begehen.

Daß unsere Geschichte aber noch weiter

zurückreicht bis auf Karl den Großen

selbst, ja bis in die Römerzeit des 2./3.

Jahrhunderts, ist im Verlaufe der letzten

Jahrzehnte an den Tag gekommen, wenn

auch in Urkunden nicht festgehalten .

Um ein bleibendes Andenken an unsere

Jubiläumsfeier und vor allem an unsere

Geschichte zu schaffen, haben wir Konzener

den Entschluß gefaßt, ein Buch herauszubringen,

das die wechselvolle Geschichte

unseres Dorfes in gebotener Kürze

zusammenfaßt und der Nachwelt überliefern

soll .

Die vorliegende Ausgabe der Heimatblätter

des Kreises Aachen gibt unverändert

den 1. Teil des Buches wieder, der sich

mit der allgemeinen Geschichte des Ortes

von den Anfängen bis zur Gegenwart befaßt.

Verfasser ist Hans Steinröx, der lang -

jährige ehemalige Vorsitzende des Geschichtsvereins

des Kreises Monschau

bzw. seit 1972 des Monsch au er Landes.

Die Familie Steinröx ist seit Jahrhunderten

in Konzen ansässig und Hans Steinröx,

durch zahlreiche Veröffentlichungen zu r

Heimatgeschichte bekannt, wie kein anderer

durch Herkunft und Neigung zu r lebendigen

und anschaulichen Darstellung unserer

Ortsgeschichte berufen. In jahrelangen

Forschungen, vor allem im Hauptstaatsarchiv

Düsseldorf, hat Herr Steinröx

alle erreichbaren Unterlagen gesichtet und

verarbeitet.

Möge das Werk auch außerhalb unseres

Dorfes eine freundl iche Aufnahme und interessierte

Leser finden . Sollten Sie auf

einer Reise in das Monschauer Land auch

du rch unseren Ort kommen, so legen Sie

eine kleine Pause ein und besuchen Sie

unsere altehrwürdige Pfarrkirche St. Peter

und St. Pankratius und die noch ältere

Pankratiuskapelle.

Josef Henn, Ortsvorsteher


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Die Johannis-Kapelle ....... ... ... 28 Der Hof Lauterbach . ... . . ........ 59

Die Kapelle am Gasthaus

Ein historischer Überblick 5 Huppertz-Steinröx ....... .. . . .... 28

Der kameradschaftliche

Die alten Grabkreuze auf

Kriegerverein ..... .. ... .. ..... . . 1 o dem Konzener Friedhof . .. ... . . ... 28

Unsere Ämter und Gemeinden ...... 16 Kleine Kirchenchronik ... . . .... . .. 31

Die Entwicklung Kleine Glockenkunde .. ....... .... 39

der Bevölkerung • • • • • • • • • • • • • • • • • 17 Die Pfarre Konzen . . . . . . . . . . . . . . . 39

Ein echtes Wunder . . . ..... ... .... 17

Ein anderes Wunder . . . . . . . . . . . . . . 17

Die mechanische

Webereigenossenschaft

zu Conzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Die Konsum-GerJossenschaft . . . . . . . 18

Kirchen und Kapellen

Die Pfarrkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Die Pankratius-Kirche .......... ... 23

Die Schule in Konzen ....... 45

Die Ortsteile

Der Ortsteil Beigenbach . . .... ..... 49

Der öntepohl = Entenpfuhl .. .. . ... 49

Fringshaus .. . .. . . .. .. .. . ....... 51

Die Rochusmühle ..... . .... . . .... 52

Am Gericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53

Der Straubershof . . . . . . . . . . . . . . . 61

Der freiadel ige Hof Stillbusch . . . . . . 63

Der Gutshof Staffelbusch . . . . . . . . . 65

Die alten Häuser . . . . . . . . . . . 67

Die Straßen und Wege . . . . . 72

Die Flurnamen . . . . . . . . . . . . . 75

Land und Leute . . . . . . . . . . . . 80

Die »gute alte Zeit« . . . . . . . . . . . . . . 82

Das Klima . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83

Alte Sitten und Bräuche . . . . . . . . . . 85

Die Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . 89

»Schätze« aus dem Hohen Venn . . . 92

Unsere Muttersprache -

Die Rochus-Kapelle .. . .... .. . .... 25 Die alten Gutshöfe Konzer Platt . . . . . . . . . . . . . . . . 99

Die Quirinus-Kapelle . .. ... . ... . .. 27 Der Hardthof ................ .. .. 56 Literaturangaben . . . . . . . . . . . . . . . 104


Vorwort

Es wird hier vorgelegt die Geschichte des

Dorfes Konzen bis zum Herbst 1944 von

einem Mann aus Konzen für die Leute in

Konzen. Da die Arbeit in dieser Absicht

geschrieben ist, kann nicht erwartet werden,

daß auf jeder Seite wissenschaftliche

Anmerkungen zu finden sind, wie sie von

Historikern vom Fach erwartet werden.

Die notwendigen Hinweise auf Archive,

Bücher und Beiträge finden sich innerhalb

des Textes für die Leser, die genauere

Informationen oder Unterlagen suchen

mögen, (siehe auch Literatur-Verzeichnis).

Da der Raum für diese Geschichte von

Konzen in Grenzen gehalten war, mußten

viele Einzelheiten aus der überfülle des

Materials zurückgestellt werden. Das betrifft

besonders eine ausführliche Darstellung

des Menschen hier mit Sitte und

Brauch, mit alter Bekleidung , alter Einrichtung

der Wohnungen und mit dem Charakter

des Menschen.

Es hätten auch wohl einige Teile inhaltlich

noch mehr gestrafft und stilistisch überarbeitet

werden können und auch wohl sollen,

wenn eine Jubiläumsschrift für 1100

Jahre zeitlich nicht festgelegt gewesen

wäre.

Insbesondere mußte ein umfangreicher

Beitrag über 53 alte Konzener Familien

zurückgestellt werden. Diese Arbeit soll

aber in Bälde als eigenes Heft in Druck

gehen und allgemein verfügbar gemacht

werden .

Der besondere Dank gilt allen Leuten, die

mit Informationen und mit Bildern aus alter

Zeit das Werk gefördert haben , wobei aus

dem Archiv Manfred Huppertz 12 Aufnahmen

dankbar verwandt werden konnten.

Als häufige Abkürzungen sind eingefügt:

HStAD = Hauptstaatsarchiv Dü sseldorf

E.H.V. = Eremit am Hohen Venn,

1926 - 1971

Heim . Kai. Monschau = Heimatkalender

M. = 1953 -1972

Mon . Land = Jahrbücher:

»Das Monschauer Land « = ab 1973

W. Ritz : Urkunden . . .

H. Laumans: Geschichte . ..

Diese Arbeit soll dem Leser zeigen, wie

Konzen im laufe seiner fast 2000jährigen

Geschichte zu der heute blühenden Ortschaft

geworden ist. Möge das Dorf mit

den alten Fami lien, den Häusern und Straßen,

den Höfen inmitten fruchtbarer Felder

auch in Zukunft bestehen und sich weiterentwickeln.

Hans Steinröx

Alle Beiträge aus dem E. H.V., aus den Heimatkalendern

und den Jahrgängen »Das Monschauer Land«,

die nicht mit Namen benannt sind, stammen aus der

Hand hier des Verfassers.


Ein historischer Uberblick

Nur in gebotener Kürze kann hier die Entwickl

ung des Ortes Konzen von den Anfänge

n an dargelegt werden , ohne auf alle

Einzelheiten auch in der Beweisführung

einzugehen.

Daß unser Gebiet mit Ausnahme der großen

Moore im Hohen Venn mit dichtem

Laubwald bedeckt war, geht schon aus der ·

Bezeichnung der Römer als »arduenna silva«

= Ardennerwald hervor, womit sie das

ganze Gebiet links des Rheines benannt

haben. So sind denn auch die mehr als 40

römischen Siedlungen besonders im

Raum von Schmidt-Kommerscheidt nur

klei ne Oasen gewesen in dem großen

Wald gebiet, das nach dem Abzug der Römer

wieder völlig von den Laubwäldern

überwuchert worden ist.

Vorher hat es z·).,ar geringe Spuren von

Menschen der Steinzeit gegeben mit einigen

we nigen Steinbeilen, die man hier und

da hat aufheben können . (»Über die Steinzeit

im Kreis Monschau « = Heim . Kai.

1967, S. 29-31)

Das ganze unbebaute Land aber unterstand

der Krone, also der Königsgewalt,

so daß die Könige in Aachen frei darüber

verfügen konnten . Nachdem Aachen seit

etwa 780 immer mehr zur festen Residenz

des Königs geworden war, mußte für den

Unterhalt der königlichen Hofhaltung gesorgt

werden; zu diesem Zweck sind dann

die Königshöfe gegründet und zum Ausbau

und der wirtschaftlichen Förderung

des noch freien Landes angelegt worden .

Darunter gehört nun auch unser Konzen ,

das unter weiteren 43 Königshöfen in der

Urkunde vom 13. Juni 888 aufgeführt ist

durch die Bestätigung des Königs Arnolf

(oder Arnulf} einer Schenkung durch den

König Lothar II., 855 - 869, wonach der

neunte Teil aller Erträge dieser Höfe an

das Marienstift in Aachen gehen mußte.

Der Zehnte dagegen bedurfte keiner Frage,

da er ohnehin seit den ältesten Zeiten

zum Unterhalt der Kirche erhoben worden

ist.

Mit der erwähnten Urkunde ist Konzen =

die »terra Cumeze« oder das »Kuntzerland

« in die Geschichte eingetreten als

Mittelpunkt dieses noch unerschlossenen

Gebietes auch in der Aufgabe, einen

christlich-religiösen Mittelpunkt zu bilden .

Man muß allerdings auch annehmen , daß

hier noch ein Rest der römischen Siedler

vorhanden gewesen ist, da unser Konzen

in der Urkunde genannt ist als »compendium

« mit der Nebenform compendio in

der Abhängigkeit von dem vorangegangenen

Wort de . .. und seinen Namen genau

wie Mützenich und Kesternich von einem

römerzeitlichen Wort ableitet, das in dem

Zusammenhang hier als »Verbindungsweg

« zwischen der römischen Kupferstraße

von Friesenrath über Roetgen und das

Hohe Venn bis zum Grünen-Kloster an der

Rur unweit des Lagers Elsenborn oder der

in der Nähe der Hillquelle aufgedeckten

Via Mansuerisca, einer römerzeitlichen festen

Straße, teilweise aufgegraben, zu sehen

ist.

Diese Straße über Mützenich - Konzen -

Kesternich zu der großen Römerstraße bei

Dreiborn-Herhahn hat schon Franz Cramer

in der »Eifel-Festschrift« des Jahres

1913, S. 222 angedeutet. Der Beweis dafür

konnte aber erst geführt werden, als

1958 die römischen Funde bei unserer

Pankratiuskirche und kurz danach bei Kesternich

gemacht worden sind . (Einzelheiten

darüber im Heim . Kai. 1961 , S. 85-90:

Konzen und die Römerstraßen.) Daß unser

Wort »compendium « hier wirklich den

Verbindungsweg bedeutet, wird bewiesen

durch ein anderes »compendium « gelegen

zwischen zwei großen röm ischen

Straßenzügen genau als Verbindungsweg

in Frankreich und recht bekannt unter dem

Namen »Compiegne«.

Seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, daß

es in unserer Urkunde nicht 43, sondern in

Wirklichkeit 44 Königshöfe sind , da zwei

Namen ineinander geschrieben waren und

so diesen Fehler auf die weiteren Belehnungen

vererbt haben , da sich offenkun-

Steinbeile aus dem Monschauer Land

dig nichts dauerhafter weiterpflanzt als

einmal begangene Fehler.

In unserer Urkunde hat König Arnolf die

Schenkung an das Marienstift in Aachen ja

auch nur bestätigt für seine Regierungszeit.

Solche Schenkungen sind dann immer

wieder beim Antritt eines neuen Herrschers

bestätigt worden , wie wir es auch

wissen im Juni 930 durch König Heinrich

1., dann 966 durch Otto 1. , dann im Juni

1226 durch Kaiser Friedrich II. , der als

ersten Stifter Karl d. Gr. nennt, was bis vor

etlichen Jahren immer wieder · als Irrtum

angesehen worden ist. Nach den Forschungen

aber durch D. Flach, L. Falkenstein

und besonders R. Nolden in seiner

Dissertation: »Besitzungen und Einkünfte

des Aachener Marienstiftes .. . « vom Jahre

1981 hat man mit hinreichender Sicherheit

nachweisen können, daß tatsächlich

schon Karl d. Gr. diese 44 Königshöfe

zum mindesten gegründet haben muß,

wohl zunächst für die Unterhaltung des

Hofes in Aachen . In unserer Nachbarschaft

sind die Orte Walhorn , Baelen und

Büllingen auch in der Schenkungsurkunde

enthalten.

Durch den Nachweis auf Karl d. Gr. hin ist

auch die Frage einer Kirche in Konzen neu

zu stellen gewesen. Es muß dann vor der

Pankratiuskirche, die wir mit gutem Grund

König Arnolf zuschreiben können mit dem

Bau etwa 890, einen irgendwie beschaffenen

Raum, sei es eine Kapelle vielleicht

noch aus Holz oder einen größeren Raum

5


...i

~

tJttua wlLt·

tL1 ·"'Uadm

utk-

~ tJmmn-i,-

pdhfioLt·~. ,

a, • bäinnf1LlS'-lo1l(tot.vr­

,.'"aflan". f1•duna• Jm

Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. Juni 888; in der fünftletzten Zeile unser »Compendio« , von der

Grundform Compendium. In der Nähe gut zu lesen Bulinge = Büllingen, Manderveld, Dura =

Düren, Moffondurp = Muttendorf

innerhalb des Hofes, für gottesdienstliche

Zwecke gegeben haben, da genau wie für

eine Burg auch für diese Zentralhöfe ein

Kaplan vorhanden gewesen sein muß, da

ja auch das Christentum hier seinen Ursprung

und seine Verbreitung finden

mußte.

Unter diesen Umständen können wir auch

mit Sicherheit behaupten, daß Karl d. Gr.

hier in Konzen wie anderswo seiner Jagdleidenschaft

gefrönt hat und es gerade die

richtige Entfernung von Aachen gewesen

ist, einen kleinen Tagesritt nach hier zu

unternehmen. (Zu der Jagdleidenschaft s.

Helga Müller-Kehlen: »Die Ardennen im

Frühmittelalter«, S. 109.)

Gleichzeitig erscheint Konzen auch als ein

Forstbezirk innerhalb des Reichswaldes

unter dem Namen »Oberwald « und ist Sitz

der Forstverwaltung geblieben bis zur

Franzosenzeit, wo auch das Forstgericht

getagt hat, entweder noch monatlich oder

später nur noch jährlich.

Wenn nach der genauen Stelle des Königshofes

in Konzen gefragt wird, kann mit

guten Gründen nur der Hardt-Hof genannt

werden, jetzt das Gasthaus Huppertz­

Schartmann mit seinem auffallenden

Steinhaus mit drei Stockwerken, wie es

sonst auch nicht entfernt bei alten Häusern

hier zu sehen ist. Allerdings muß das Hofgut

weitere Gebäude in der Umgebung

gehabt haben, da alle anfallenden Arbeiten

mit den Handwerkern in den Höfen selbst

ausgeführt worden sind.

Vielleicht hat zu unserem Hof auch eine

Eisenschmelze gehört, da in der Nähe

beim Neubau des Hauses Trierer Straße

Nr. 66 im Sommer 1956 etliche Kartons

von Eisenschlacken aufgehoben worden

sind, die an Ort und Stelle auf einer dicken

Unterlage von Grauwacken geschmolzen

worden sind. Genaue Untersuchungen

dieser Schlacken durch die Firma Hoesch

Hüttenwerke AG in Dortmund im Jahre

1972 durch chemische und mikroskopische

Untersuchungen haben sie als »eine

typische Schlacke von der Eisenerschmelzung

« erwiesen. Da aber keine Scherben

oder sonstige Gegenstände eine genauere

Datierung ermöglicht haben, kann die

Zeit dieser Schlacken nicht exakt festgelegt

werden.

Die Grenzen unseres Hof- und Forstbezirkes

sind schon bestimmt worden durch

die Einwanderung der Franken, die das

Hohe Venn nicht überschritten haben , da

jenseits ja auch schon die wallonische Bevölkerung

beginnt. Elsenborn gehört

schon zu den Moselfranken, und im Norden

verlief die Grenze vor Hattlich vorbei,

wo im Jahre 1774 noch ein gerader

Grenzgraben gezogen worden ist, um

endlich die Streitereien zwischen der

Monschauer und der Limburger Seite zu

beenden. Die Getz und der Steinbach bildeten

die Grenze auf Aachen zu , also etwa

beim Reinartzhof, dann die Vieh! bis nach

Zweifall mit dem Hasselbach. Im Osten

war es etwa die Rur bei Zerkall , Nidegger­

Brück und Hetzingen.

Und doch muß das Gebiet weiter auf das

frühe Aachener Reich hin noch zu Konzen

gehört haben, da der Abt von Korneli münster,

als Kloster gegründet 817, noch besondere

Rechte im Wald von Konzen und

auch Pflichten gehabt hat. So mußte er

den Förstern des Monschauer Landes

jährlich drei Festessen geben mit einer

Speisekarte und Mengen aller Gaumengenüsse,

daß un-s heute noch das Wasser im

Munde zusammenläuft in Gedan ken an

derartige Gelage.

Auch in dem Gebiet jenseits der Rur sind

nocti alte Beziehungen festzuhalten wie in

Dreiborn, Walberhof und im Raum von

Wirtzfeld , so daß die Vermutung naheliegt,

daß bis an die alte Römerstraße Köln -

Reims, z. T. noch zu seh en dicht bei Wahlerscheid,

auf die dann bei Herhahn -

Dreiborn die Straße Mützenich - Konzen -

Kesternich stoßen mußte, das ganze frühe

Gebiet des Königshofes Konzen und zugleich

des Oberwaldes ausgedeh nt gewesen

ist.

Diese Außenbezirke in Ri chtung Aachen

und der Römerstraße bei Wahlerscheid -

Dreiborn sind später zurückgenommen

worden , so daß besonders im Süden in

Richtung Kalterherberg - Elsenborn eine

wenig gesicherte Grenze entstanden ist.

Und gerade an dieser ungeschützten Flanke

lassen die Grafen, späteren Herzöge

von Limburg ur:iweit von Eupen oberhalb

der Weser, vielleicht um das Jah r 1000

eine Burg errichten. Diese Limburger entstammten

wahrsch einlich noch irgendwie

der karolingischen Familie, und der Erbauer

dieser Burg mu ß Ri chowin gewesen

sein, nach dem die Bu rg Ri chwinstein,

später Reichenstein - aber nicht »reich an

Steinen « - den Namen bekommen hat.

Eine Burg aber bedeutet Macht, und so

kommt es, daß die Limburger ihre Macht

auf das Gebiet des Hofes und des Forstbezirkes

Konzen ausgedehnt haben . Eine

rechtliche Grundlage dazu ist bisher nicht

ersichtlich gewesen. Der Pfalzgraf in Aachen

aber, der da hätte ein schreiten können

und müssen, war nicht mehr in Aachen

anwesend , sondern hatte sich in den

Bereich der Mosel abgesetzt, und wenn

die Katze aus dem Haus ist, pflegen die

Mäuse auf dem Tisch zu tanzen, was eine

ziemlich alltägliche Erfahrung ist.

Diese Burg nun im oberen Rurtal auf einem

nur mäßig gesicherten Gelände, einem

ehemaligen Umlaufberg der Rur gelegen,

wird in den Jahren von 1131 - 1137

in ein Kloster umgewandelt und hat eine

wechselvolle Geschichte erlebt bis zur

Auflösung im Jahre 1802 durch die Franzosen

. (Einzelheiten darüber im Mon.

Land 1987, S. 57-64 »Das Kloster Reichenstein,

ein historischer Überblick«)

Man gibt aber nicht eine Burg auf, ohne

vorher einen anderen und wohl auch festeren

Platz gefunden und ausgebaut zu

haben. Das kann nach unserem Ermessen

nur der Haller, also die Urburg von Monschau

gewesen sein, wenn er auch in den

damaligen Akten nicht genannt ist. Es ist

ein ganz fester Wohnturm mit meterdicken

Mauern gewesen, der erst 1543 teilweise

zerstört worden ist, wobei auch noch zu

erfahren ist, daß das Material zur Reparatur

der nachmaligen Burg verwandt worden

ist.

Diese erscheint erstmals in den Akten im

Jahre 1198, als ein Herr »de monte Joci«

= ein Herr vom Berg des Spaßes, später

woh l besser Herr des Berges der Freude

= Mont-joie als Kreuzzugserinnerung genannt

ist. Aber auch im Jahre 1217 liegt

diese Burg immer noch im Land von Konzen,

und erst danach wird der Mittelpunkt

6


der Verwaltung nach dem langsam entstandenen

Ort Monschau verlegt, so daß

Konzen dann in das Land von Monschau

zu liegen kommt. (S. Mon . Land, 1988, S.

84-85)

Bis zu m Jahre 1226 diente Monschau den

Herzögen von Limburg als Ausstattung

der Th ronanwärter oder der jüngeren Söhne,

wobei die Verbindung von Limburg zu

Monschau auch schon lockerer geworden

war. Walram der Lange, jüngerer Sohn

Herzog Walrams III. von Limburg, ist es

nun, der ab 1226 Monschau losgelöst von

Limbu rg als ein eigenständiges Herrschaftsgebiet

innehat bis zu seinem Tode

1242 ; ihn bezeichnen wir folglich als Walram

1. von Monschau. Ihm folgt

1242- 1266 Walram II. von Monschau,

der leider ohne Nachkommen stirbt, so

daß die selbständige Herrschaft Monschau

in andere Hände übergeht. Das ist für uns

hier nun eine bittere Sache gewesen, weil

es sonst mit gewisser Wahrscheinlichkeit

eine Grafschaft Monschau gegeben hätte,

die dann noch für lange Zeit hätte Bestand

haben können. So aber hat es nur für

genau 40 Jahre eine selbständige Herrschaft,

nie aber ei/7e Grafschaft oder einen

Grafen von Mdnschau gegeben, und

schon gar keinen Herzog von Monschau,

was man auch schon einmal hat lesen

1

können.

So kommt Monschau , natürlich auch wieder

nicht ohne Streitereien in die Hand der

verschwägerten Linie Falkenburg im nahegelegenen

Holland , wo Dietrich von Falkenb

urg die Schwester Berta des Monschauers

geheiratet hatte. Von

1269- 1302 ist es Walram III. Rufus (der

Rote) von Monschau-Falkenburg. Die

Herrschaft über Monschau durch die Falken

burger dauert bis zum Jahre 1352 (Valkenburger

Straße) . Nun hat es aber eine

Das Dorf Konzen von der Hu-e aus 1976 mit Blick auf den Stehling

recht merkwürdige Zweiteilung in der

Herrschaft über das Konzener-Monschauer

Land gegeben. Neben der eigentlichen

Herrschaft über das Land, der Vogtei , hat

es eine eigene Grafschaft über den Waldbezirk

gegeben, »die Waldgrafschaft«,

den »Comitatus nemoris«. Hierzu haben

wir die Sonderschrift von Heinrich Kaspers

vom Jahre 1957 mit 265 Seiten. Wenn

auch bis heute nicht alles bei Heinr. Caspers

als ganz sicher gilt und immer wieder

andere mögliche Aspekte in der Literatur

erscheinen, können wir doch festhalten,

daß diese Grafschaft zunächst von den

Aachener Pfalzgrafen ausgegangen ist, an

die Grafen von Maubach gekommen und

1177 an die Grafen, späteren Herzöge von

Jülich durch Erbschaft gelangt ist. Daß hier

wieder der Anlaß zu Streitigkeiten mit den

eigentlichen Herrn von Monschau auftreten

mußte, braucht fast nicht mehr erwähnt

zu werden. Da die »Grafschaft am Walde «

aber eine Herrschaft am Reichswald gewesen

ist, kann man die Herzöge von

Jülich als die ersten »Reichsjägermeister«

bezeichnen , ein Titel, der dann wieder im

12jährigen 1000jährigen Reich zu neuem

Ruhm gekommen ist.

Walram 1. aber von Monschau einigt sich

im Jahre 1238 mit seinem Neffen, dem

Grafen Wilhelm IV. von Jülich, der die

Rechte am Wald behält, während Walram

von Monschau in seinen Rechten über die

Vogtei , also das Recht als Landesherr, bestätigt

wird. So gibt es folglich zwei Herren

im Monschauer-Konzener Land , wobei die

allgemeine Verwaltung in Monschau aufgebaut

wird, die Herrschaft aber über den

Wald bei Jülich bleibt und damit auch die

Verwaltung des Waldes in Konzen bleibt

bis zur Franzosenzeit.

Johann 1. , der letzte Herr der Falkenburger

Linie, stirbt im Jahre 1352 kinderlos, und

so geht das alte Spiel um die Nachfolge

wieder los. Es handelt sich in der Hauptsache

um die Finanzen, die von jeder der

erbberechtigten Parteien in die Waagschale

geworfen werden, und schließlich

kommt Reinhard von Schönau-Schönforst

bei Aachen, der Bankier Europas, der etwa

die Stellung damals innehatte wie die

späteren Fugger, die auch als Geldgeber

an den Kaiser in die Geschichte eingegangen

sind . Reinhard von Schönforst wird

also mit der Herrschaft Monschau belehnt,

er ist nicht in unserem Sinne Eigentümer,

sondern in gewisser Weise auch vom

Markgrafen von Jülich abhängig und kann

den Titel »Burggraf« führen, ist aber nie

Graf gewesen oder geworden. Von den

Schöntorstern stammt auch das Wappen,

wie wir es heute von Monschau kennen

mit den neun Kugeln und dem zugefügten

Jülicher Löwen.

Im Jahre 1361 findet unter Reinhard v.

Sch . ein Tausch von Caster bei Bergheim

gegen Monschau statt, so daß dort alle

bestehenden Orte des Monschauer Landes

aufgelistet sind . Dasselbe geschieht

im Jahr 1369, als Reinhard seinen großen

Besitz an die beiden Söhne Reinhard und

Johann aufteilt, wobei wieder unsere Ortschaften

hier benannt sind, und so kommt

es, daß wir gut unterrichtet sind auch über

die noch fehlenden Ortschaften oder größeren

Gehöfte. (Mon . Land 1955, S. 53

und S. 56)

In der Zeit der Schönforster muß die Stadt

auch mit Mauern und Toren umgeben worden

sein und wird in den 50er Jahren

gelegentlich als »statt« bezeichnet, ohne

daß aber eine Urkunde darüber vorliegt.

Monschau hat auf Grund mancher Indizien

im Jahre 1956 seine 600-Jahrfeier als

Stadterhebung festlich begangen, wobei

die Frage der Stadtwerdung aber bis heute

sehr umstritten ist.

Die Tage des alten Reinhard waren auch

schließlich gezählt, und er soll sie als Büßer

bei den Johannitern auf Rhodos verlebt

haben.

Danach wird Johann 1. Burggraf von Monschau

1377 - 1381. Ab 1381 regiert der

junge Johann II. , der noch unter der Vormundschaft

seiner Mutter gestanden hat

ob seiner Jugend. Unter ihm hat im Jahre

1400 die Schlacht bei Konzen stattgefunden,

von der aber angenommen wird, daß

der kriegserfahrene Onkel Reinhard II. der

»Feldherr« gewesen sei.

Unter Johann II. muß das Monschauer

Land kriegerische Verwicklungen erleben;

zuerst soll es im Jahre 1384 durch den

Erzbischof von Köln verbrannt worden

sein, wobei aber keine genauen Angaben

gemacht werden können, ob das wirklich

große Verwüstungen gewesen sind. Wir

müssen uns nur vor Augen halten, daß die

Erzbischöfe von Köln Landesherren waren

wie alle anderen auch und genauso in

Kriege verwickelt waren .

Dann gibt es einen Kriegszug des Königs

Karl VI. von Frankreich gegen Jülich und

7


Geldern, wobei das französische Heer im

Jahre 1388 Wollersheim bei Nideggen erreicht

hatte. Auch soll es Dreiborn und

Gemünd durchschritten und in das Jülicher

Gebiet eingefallen sein. Ob im Verlauf

dieses Feldzuges aber Monschau berührt

worden ist, kann nicht mit Sicherheit

gesagt werden; möglich ist aber, daß die

Truppen sich aus dem Monschauer Land

verproviantiert haben , was damals nicht

gerade in sehr vornehmer Weise zu geschehen

pflegte. (Eremit 23. Jahrg. S 38 ff.

von Prof. Aloys Schulte) (Mon . Land 1988,

S. 91)

Es wird vielfach angenommen, daß durch

diese Ereignisse die Bewohner der Ortschaft

Frohnrath am Gericht ihre angestammten

Wohnsitze verlassen und sich

neu angesiedelt haben in dem jetzigen Ort .

Eicherscheid, wo sie fernab der bekannten

Straßen sich eine ruhige Heimat gesucht

haben. Ob das nicht auch durch große

Brände oder Epidemien veranlaßt worden

ist, muß als Frage stehenbleiben.

Johann II . von Schönforst hat noch großen

Einfluß hier im Westen gehabt, gerät aber

schließlich in Schwierigkeiten mit dem

Herzog von Burgund , der ihn kurzerhand

in seinem Schloß in Sichern gefangen setzen

läßt. Dort ist er im Jahre 1433 einsam

und kinderlos gestorben, nachdem das

große Vermögen der Familie schon längst

sich in gewaltige Schuldenberge verwandelt

hatte. Und nur noch die »Schönforster

Straße« in Monschau erinnert an die etwa

80jährige Herrschaft der Schönforster in

Monschau.

Damit beginnt ein neues Kapitel der Geschichte

des Monschauer Landes, da nun

endgültig die Herzöge von Jülich hier die

volle Herrschaft antreten vom Jahre 1435

an ; auch das geht wieder nicht mit so

friedlichem Übergang vor sich, da noch

über Jahrzehnte hinweg Streitereien wegen

verschiedener Erbansprüche und

Pfandgeschichten zu verzeichnen sind .

Als Teilgebiet des Herzogtums Jülich wird

das Monschauer Land ein Jülich'sches

Amt und bleibt es bis zur Franzosenzeit im

Jahre 1794. Es muß nochmal betont werden

: das ganze Monschauer Land , auch

wenn etliche Ortschaften erst nach 1435

entstehen. Aber selbst in dem Standardwerk

»Historische Stätten« kann man lesen

, daß unsere einzelnen Dörfer im Jahre

1790 etwa zum Amt Monschau gehören,

was aber schon seit 1435 der Fall gewesen

ist, und diese falsche Datierung kann

man nun sogar als offizielle Geschichte auf

historischen Tafeln bei den Gemeinden

lesen.

Die wichtigsten Leute in dem Amt waren

der Amtmann als Vertreter des Herzogs,

der Rentmeister als Finanzchef und der

Forstmeister als Chef der gesamten Wälder.

Dazu kam noch der Schultheiß, eine

Bezeichnung, die ursprünglich für den

Eintreiber der Gemeindesteuern eingerichtet

war, bei uns aber meistens mit dem

Amt des Rentmeisters verbunden gewe-

sen ist. Alle diese Amtsträger sind uns aus

den Akten bekannt, die Liste der Rentmeister

und Forstmeister ist veröffentlicht im

E. H. V. 15. Jahrg. S. 20 - 22.

Im HStAD liegen die Akten der Forstmeister

mit der jährlichen Abrechnung der

Einnahmen und Ausgaben vom Jahre

1502/03 an fast vollständig und dieselben

Akten der Rentmeister ab 1507 und enthalten

nicht nur die Einnahmen aus den

allgemeinen Steuern durch die Rentmeister

und aus den Wäldern durch die Forstmeister,

sondern auch eine Fü lle anderer

Informationen z. B. über die Waldfrevler

mit Angabe der Namen und der Waldbezirke.

So erfahren wir z. B. für Konzen , daß

im Jahre 1557 »uß dem Dorff Kointzen

125 Vercken in die Buschen gedrieven «

worden sind , wofür an den Forstmeister

eine kleine Gebühr erhoben worden ist.

Kurz, diese Akten sind eine großartige Geschichtsquelle,

und wir können nicht genugsam

dankbar sein, daß alle diese Akten

den Krieg überstanden haben .

Wieder wegen einer Erbfolge beim Herzogtum

Geldern zwischen dem Herzog

von Jülich, der dort Ansprüche anmelden

konnte, und dem Kaiser, der die Macht

des Jülichers nicht zu groß werden lassen

wollte, ist es in den Jahren 1538 - 1543 zu

den schlimmsten Verwüstungen im Monschauer

Land gekommen. Der Herzog von

Jülich wird nach anfänglichen Erfolgen von

den kaiserl ichen Truppen geschlagen, die

das Kloster Reichenstein völlig ruiniert haben

mitsamt dem Kloster-Archiv, die dann

Monschau erobert und die Stadt und die

Burg stark beschädigt, aber nicht völlig

zerstört haben, wie jahrzehntelang behauptet

worden ist.

Für Konzen wird ausdrücklich die Zerstörung

des Hardthofes erwähnt, wahrscheinlich

auch des Lauterbach-Hofes, die danach

von dem neuen Lehnsträger Christoph

v . Rolshausen wieder aufgebaut

worden sind . Ob das Pfarrhaus zerstört

worden ist, kann nicht festgestellt werden;

es wird aber wohl mit guten Gründen vermutet,

daß das Pfarrarchiv in Verlust geraten

ist. An anderer Stelle ist vermerkt, daß

die Kirche drei Jahre lang keine Fenster

gehabt habe wegen der Armut der Leute.

Es ist auch nicht bekannt, wie es um die

Häuser der kleinen Bauern hier bestellt

gewesen is( wobei aber zu vermuten ist,

daß nicht jedes einzelne H~us dem Erdboden

gleichgemacht werden konnte. Die

alten Bann-Mühlen sind »zerbrochen «

worden, wie ausdrücklich gesagt wird . Das

kann sich aber nur um das Mahlwerk gehandelt

haben, da z. B. die Belgenbacher

Mühle im nächsten Jahr wieder die Arbeit

aufgenommen haben muß, da die üblichen

Pachterträge abgeliefert worden sind.

Daß Monschau mehr zerstört worden ist

als Konzen , geht daraDs hervor, daß der

Markt von Monschau nach Konzen verlegt

wurde und erst um 1575 wieder nach

Monschau gekommen ist. Dieser Markt in

Monschau ist schon bestätigt für das Jahr

1516 in dem »Landrecht des Jülicher Amtes

Monschau «, (E. H. V. 6. Jah rg. in mehreren

Fortsetzungen) wo es heißt, daß am

Tage nach St. Remigius in Monschau der

Markt stattfinde und drei Tage vorher und

nachher frei sei (S. 101). Dort heißt es

auch , daß im ganzen Monschauer Land

nach St.-Urbans-Tag, 25. Mai, drei Tage

frei sei vorher und nachher, und so ist es

auch für Simmerath an den Tagen der

kirchwieonck = Kirchweihe = Kirmes vor

und nach St-Johanns-Tag und auch für

Konzen vor und nach der Kirchweihe. Das

bedeutet abe r, daß zusammen mit den

Kirmesfeierlichkeiten und der Woche im

Mai - über deren Bedeutung nichts gesagt

ist - überall hier zwei Wochen arbeitsfrei

sind ; dazu kor,:imen damals mi ndestens

40 re ligiöse Feiertage, so daß man aufgerechnet

die »Fünf-Tage-Woche« hier gehabt

hat.

Der Amtmann Chr. v. Rolshausen hat sich

damals tatkräftig fü r den Wiederaufbau

eingesetzt, man hat den Leuten die Abgaben

erlassen, ja noch vo rhandene Vorräte

an Hafer au ch von seilen der Kirche ausgegeben,

so daß das Leben wieder in

Gang gekommen ist. Auf Grund dieser

Verhältnisse fehlen auch in den Jahren

nach 1543 die Steuerlisten der Forst- und

Rentm eister.

Und wie wir es schon häufiger gesehen

haben , auch das Haus Jülich stirbt aus im

Jahre 1609 mit dem letzten Herzog, der in

geistiger Umnachtung endet.

Und wie sollte es anders sein, nun ·geht es

wieder los. Sofort werden durch die Verwandten

Besitzansprüche angemeldet

und schon am Eingang zur Burg feierlich

angeschlagen . Es sind in der Hauptsache

der Kurfürst von Brandenburg und der

Pfalzgraf von Neuburg an der Donau. Sie

einigen sich vorläufig auf eine gemeinsame

Verwaltung , trennen aber provisorisch

das Herzogtum im Jahre 161 4 auf, wonach

der Kurfürst von Brandenburg Kleve,

Mark, Ravensberg und Ravenstein erhält

und der Pfalzgraf von Neuburg das vereinigte

Jülich-Berg. Der endgültige Vertrag

darüber ist aber erst im Jahre 1666 zustande

gekommen.

Und das war schon nach dem 30jährigen

Krieg von 1618 - 1648, der unser Gebiet

nur wen ig berührt hat. Was wäre hier auch

schon zu holen gewesen im Gegensatz zu

den reichen Gegenden etwa um Jülich,

am Niederrhein und weiter im Inneren

Deutschlands? Wohl sind 1642 weimarisch-hessische

Truppen in der Nähe gewesen,

die auch zwei Dörfer - wohl Roetgen

und vielleicht Rott - und die Reinartzhöfe

geplündert bzw. verbrannt haben.

Erst nach dem westfälischen Frieden des

Jahres 1648 haben marodierende Truppen

des Herzogs von Lothringen noch

etliche Jahre hier gehaust; es ist zu dem

Gefecht bei Kalterherberg gekommen, wo

bei dem befestigten Friedhof die Bauern

zusammen mit Hilfe aus dem Kornelimünster-Land

gegen diese Soldateska mit un-

8


gleichen Waffen gekämpft haben und erhebliche

Verluste haben hinnehmen müssen.

(Über mancherlei Plünderungen in

der Konzener Kirche s. in der Kirchenchronik!)

In den Jahren 1678/79 und 1689 sind die

Franzosen im Amt Monschau gewesen,

sind aber durch enorme Geldspenden an

die Herren Kommandeure von der Plünderung

und Zerstörung abgehalten worden .

Konzen allerdings muß sich geweigert haben,

zu r Beköstigung der Truppen beizutragen,

und ist deswegen geplündert (zerplundert)

worden (Bürgermeister-Rechnu

ng Monschau , 1691 /92 im Stadtarchiv).

Im Jahre 1690 sterben auch die Pfalz­

Neuburger wieder aus, nachdem schon

Philipp Wilhelm 1685 auch Kurfürst von

der Pfalz geworden war. Die Regierung hat

sich damals in Düsseldorf befunden, wird

aber beim Regierungsantritt von Karl Philipp

sofort nach Mannheim und Schwetzingen

verlegt. Auch diese Linie erlischt im

Jahre 17 42, und die Herrschaft geht über

an den Kurfürsten Karl Theodor, der sein

Reich im Jahre 1777 noch mit Kurbayern

vereinigen konnte und so bis zur Franzosenzeit

das früh ~re Herzogtum Jülich und

zug leich auch Monschau von München

aus regiert hat.

Inzwischen war in Monschau die Feintuch­

Industrie aufgeblüht, die Leute hatten zwar

harte Arbeit mit dem üblichen 14-Stundentag,

z. T. in den Fabriken , z. T. auch in

der Haus-Industrie, wo gesponnen und

gewebt wurde, sie waren z. T. Fuhrleute,

die die Welt kennengelernt hatten , sie hatten

auch etwas mehr Geld in der Tasche

als vorher, wurden aber gerade durch den

Kurfürsten Karl Theodor hart an der Kandare

gehalten. Sogar die kleinen Freuden

des Kartenspiels, des Besuches der Wirtshäuser

nach 10 Uhr abends wurden ihnen

untersagt, von einem Kurfürsten , der weltlichen

Genüssen durchaus nicht abgeneigt

war. So hat ihn denn auch bei einem

festlichen Gelage mit Wein, Weib und Gesang

im Jahre 1799 der Schlaganfall getroffen

und seinem Leben ein Ende gesetzt

(Leo Dohmen: »Wenn die braven

Untertanen zu üppig werden «, E. H. V. 11 .

Jahrg. Seite 129-134).

Inzwischen war die ganze fürstliche Herrlichkeit

in Europa wie durch ein Erdbeben

erschüttert worden durch die Franz. Revolution

im Jahre 1789, als die evangelische

Kirche in Monschau endlich fertiggestellt

war, in der Hauptsache von den Geldern

der protestantischen Fabrikanten. Allein

für die Genehmigung dazu hatte man den

Regierungsräten in Düsseldorf kleine Gaben

in die Taschen stecken müssen von

mehreren tausend Talern, etwa dem zehnten

Teil der Bausumme. Auch da also

nichts Neues auf der Welt!

Nachdem der Adel einschließlich des Königs

und der Königin in Frankreich mit dem

Tode bedroht waren, sind Flüchtlinge sogar

im Monschauer Land und auch in Konzen

gewesen. So wird z. B. in Konzen der

kleine Augustus Ludovicus Maria Joseph

am 14. August 1794 getauft; die Mutter ist

die Maria Eva Schreiber, der Pate ist der

Herr Ludovicus Margaritta Antonius Franciscus

Comes (Graf) de Salivet forchecourt,

Patin ist die Dame Anna Barbara

Gohy. Die Dame Maria Eva Schreiber ist

später noch hier gewesen, von dem Knaben

mit den hier fremdartigen Vornamen

ist nichts mehr bekannt geworden ; vielleicht

hat ihn der Pate bei der weiteren

Flucht mitgenommen.

Die franz. Revolutionsheere hatten 1792/

93 Aachen schon einmal besetzt, sind

aber durch die Schlacht bei Aldenhoven

nochmal zurückgeschlagen worden. Im

Sept. 1794 erfolgte die zweite Einnahme

Aachens, und am 18. Okt. 1794 erschien

der erste franz. Soldat in Monschau und

brachte als »Gastgeschenk« einen Requisitionsschein

über 200 Säcke Hafer mit.

Monschau wird in seinen alten Grenzen zu

einem Kanton erklärt, die franz. Verwaltung

setzt die Beamten ein für den Kanton

Monschau und die einzelnen Bürgermeistereien

(mairie}, alle fürstlichen und kirchlichen

Rechte und Vorrechte fallen, es gibt

keine Fronarbeit mehr, man führt einen

ganz neuen Kalender ein mit dem 22.

Sept. 1792 als dem Neujahrstag mit franz.

Monatsnamen und der Dekaden-Woche,

d. h. daß der zehnte Tag als Ruhetag gilt

und nicht mehr der Sonntag ; bes. bis zum

Jahre 1796 nehmen die Requisitionen einen

unerträglichen Umfang an, man führt

die Tü ren- u. Fenstersteuer ein , die erst

viel später von den Preußen wieder abgeschafft

wird, die franz. Feste müssen mitgefeiert

werden , wobei der auch in Monschau

gepflanzte Freiheitsbaum eine große

Rolle spielt.

Die Franzosen bringen das bis dahin unbekannte

Papiergeld mit, die Assignaten,

mit denen zwangsweise z. B. die guten

Monschauer Tuche für das Militär bezahlt

werden , obwohl sie völlig wertlos sind.

Darüber kursiert noch heute ein Spottgedicht:

»Aus Lumpen wurde ich gemacht,

und Lumpen haben mich gebracht« ...

Dadurch hat die Monschauer Tuchindustrie

gewaltige Verluste erlitten, von denen

sie sich nicht mehr völlig hat erholen

können .

Im Jahre 1795 wird das Rheinland schon

provisorisch an das franz. Mutterland angeschlossen,

endgültig dann im Jahre

1801. Alle fürstlichen Güter und kirchlicher

Besitz werden zum Eigentum des franz.

Staates erklärt, und darunter fallen bei uns

die Reinartshöfe, die herzoglichen Mühlen,

das Kloster Reichenstein mit den Höfen

Ruitz und Bredtbaum, das Haus de

Berghes (Benno Kaulard), das der Kurfürst

am 25. Jan. des Jahres 1780 für 427 4

Reichsthaler von dem Schultheißen und

Rentmeister D. Th . de Berghes gekauft

hatte . Alle diese nun staatlichen Besitzungen

sind dann von den Franzosen oder

später von den Preußen an Privat verkauft

worden. Da auch die kirchlichen Güter eingezogen

werden , muß der Staat nun

selbst für den Unterhalt der Priester sorgen

, so daß es zum Staatsgehalt für die

Pfarrer kommt und bis heute geblieben ist.

Die Pfarrer auf den Dörfern bekommen

damals 500 Frcs. im Jahr, der Kantonalpfarrer

in Monschau 1000 Frcs. und die

Pfarrer der Großgemeinden in Aachen

1500 Frcs. jährlich. Der Titel »Oberpfarrer«

in Monschau stammt noch aus dieser

Zeit, auch wenn er innerhalb der Kirche

keinerlei besondere Vorrechte genießt.

Auch die Mönche in Reichenstein, die

1802 das Kloster haben verlassen müssen,

sind mit ähnlichen Gehältern entlassen

worden.

1798 sind allgemein die Standesämter

eingerichtet worden, die heute noch eine

wichtige historische Quelle darstellen.

Nachdem also das Königtum 1789 entmachtet

war zusammen mit aller Adels- u.

Kirchenherrschaft, hat man zur rationelleren

Arbeit die Köpfmaschine, die Guillotine,

erfinden müssen. Und schon im Jahre

1804 haben die Franzosen nicht einen

neuen König, sondern sogar einen Kaiser

bekommen, der nun durch eine Schlacht

nach der anderen Europa geeinigt hat. Im

Jahre 1806 hat er den alten gregorianischen

Kalender wieder eingeführt; er hat

persönlich an dem bürgerlichen Gesetzbuch

, dem »Code Napoleon« mitgewirkt,

der im Rheinland gültig gewesen ist bis

zum Jahr 1900.

Auch ein erstes Bistum Aachen ist unter

dem Bischof Berdolet eingerichtet, durch

die Preußen aber wieder aufgelöst

worden.

In diesem französischen Rheinland sollte

natürlich auch die franz . Sprache eingeführt

werden, was aber in der Hauptsache

am Mangel geeigneter Lehrer gescheitert

ist.

Vieles hat aber Napoleon für die Wiederbelebung

der Industrie getan, allerdings

auch mit der Absicht, mehr Steuern einziehen

zu kör:men. Nach den ununterbrochenen

Siegen hat ihn dann in Rußland

das Schicksal ereilt, nachdem die Armee

von etwa 500 000 Mann kläglich bei Moskau

und auf dem Rückzug gescheitert war.

Dabei sind auch viele tausend junge Leute

aus dem Rheinland gewesen und mehr als

20 aus Konzen. Davon haben 19 Jungen

zu Fastnacht 1812 auf dem Tanzboden in

dem Gasthaus önte-Pohl den Gestellungsbefehl

bekommen, sind gegangen

und alle nicht mehr zurückgekommen.

Joh. Peter Huppertz (Marxe) hat noch einige

Namen davon überliefert: Joh. Leonard

Huppertz, Christian Schmitz, Math . Peter

Palm, ein Mann mit Namen Förster, zwei

Brüder Müllenmeister, Michael Cremer,

Paul Peters; ein Mann mit Namen Mohr ist

in Rußland »blessiert« gewesen und auch

nicht mehr zurückgekommen, wie ein Soldat

nach Höfen geschrieben hatte.

Napoleons Sturz war durch die Niederlage

in Rußland vorgezeichnet und wurde

durch die Völkerschlacht bei Leipzig im

9


Jahre 1813 besiegelt, mußte aber schließlich

unter englischer und preußischer Führung

nochmals bei Waterloo im Jahre 1815

unter großen Verlusten auf beiden Seiten

erkämpft werden .

Schon im Jahre 1813 waren die Franzosen

hier abgerückt, und so wurde auch unser

Gebiet nach 20 Jahren franz . Herrschaft

im Januar 1814 zuerst von Don'schen Kosaken

besetzt, die vor dem Roten Haus in

Monschau biwakiert haben sollen .

Was aber haben die Franzosen uns hinterlassen?

Die Ideen von Freiheit, bürgerlicher

Gleichheit sind trotz aller Rückschläge für

die moderne Demokratie als Richtlinien

geblieben und haben die absolutistischen

Staatsformen weitgehend abgelöst.

Durch den täglichen Umgang mit dem andersartigen

Volk und seiner Kultur und

Sprache ist die Eigenart der hiesigen Bevölkerung

erst näher erkannt worden.

Nach dem Abzug der Franzosen ist der

große Napoleon noch über Jahrzehnte in

den Häusern hier im Bild verehrt worden ;

trotzdem aber ist damals dann unter preußischer

Führung erstmals ein deutsches

Nationalbewußtsein u. -gefühl entstanden ,

wie es in einem Herzogtum Jülich etwa

oder in anderen Kleinstaaten nicht möglich

gewesen ist.

Die Standesämter gehören heute als

Selbstverständlichkeit zu jedem Gemeindeverband

; viele Fremdwörter in unserer

Muttersprache sind geblieben und werden

so bald auch nicht ganz verschwinden .

Sichtbar zu jeder Tageszeit ist unsere

Landstraße in ihr~r schnurgeraden Linienführung

, die bei dem heutigen Verkehr

nicht nur Vorteile gebracht hat.

(Ein hervorragender Forscher über die

ganze Zeit der franz. Fremdherrschaft hier

ist der Rechtsanwalt und Notar Dr. Dr.

August Pauls gewesen, der seine Herkunft

noch von der alten Familie Pauls in Höfen

abgeleitet hat. In unserem Geschichtsbuch

: »Das Monschauer Land ...« 1955

hat er darüber ausführlich berichtet S.

81-127; dazu stammen aus seiner Feder

eine ganze Anzahl wertvoller Beiträge

in dem E. H. V., die hier nicht alle aufgeführt

werden können .)

Die preußische Zeit: Beginnt nach dem

Rückzug der Franzosen und führt am 24.

April 1816 zur Bildung des preußischen

Landkreises Monschau. Im übrigen haben

die Preußen das Rheinland gar nicht gern

übernommen, da sie sich ganz anderen

Gebietszuwachs erhofft hatten.

In den streng katholischen Rheinlanden

war es für das protestantische Preußen

ohnehin nicht ganz einfach, sich , wenn

nicht die Liebe, so doch die Anerkennung

der Bevölkerung zu erwerben. Besonders

die Tuchindustrie war arg enttäuscht, da

die franz. Märkte jetzt verloren waren,

Preußen aber die altpreußischen Gebiete

jenseits des Rheins noch längere Zeit für

die Waren der linksrheinischen Gegend

gesperrt hielt. Eine gute Gelegenheit zu r

Fürsorge hat sich in den ganz bösen Hungerjahren

1816/17 ergeben , als die Bevölkerung

wohl nur durch die Lieferung auswärtigen

Roggens das Schlimmste überstanden

hat. 1825 wird durch Gesetz auch

im Rheinland die allgemeine Schulpflicht

eingeführt, die dann auch zum Bau richtiger

Schulen geführt hat. Die unter Napoleon

fast vollendete Landstraße Aachen -

Monschau ist von den Preußen bald fertiggestellt

worden , so daß dann auch eine

Postverbindung von Aachen nach Trier

eingerichtet werden konnte. Das bekannte

Relais Königsberg war die erste Station

zum Pferdewechsel, dann in Monschau ,

und Übernachtung fand statt in Losheim.

So war die Strecke Aachen - Trier in zwei

Tagen zu bewältigen. Auch für eine Reihe

weiterer Landstraßen ist gesorgt worden,

so Monschau-lmgenbroich über die Serpentinen

1844, Monschau-Eupen 1846,

Monschau-Kalterherberg 1834, Monschau-Schleiden

1847, dann ist die schon

um 1780 erbaute Landstraße Monschaulmgenbroich-Düren

weiter ausgebaut

worden .

Die unglaubliche Kinderarbeit in den Fabriken

ist erstmals von der preußischen Regierung

in den schlimmsten Auswüchsen

beseitigt worden . Kurz nach 1820 ist das

ganze Monschauer Land mit allen Grundstücken

vermessen und in die Grundbücher

eingetragen worden .

Durch alle diese Maßnahmen ist das Gefühl

für den preußischen Staat hier gewachsen,

was sich besonders bei Besuchen

kön iglicher Personen wie des Kronprinzen

schon im Jahre 1833 bemerkbar

gemacht hat, der dann als Friedrich Wilhelm

IV. im Jahre 1840 König geworden

war; und eine Delegation aus Monschau

ist bei der feierlichen Erbhuldigung mit in

Berlin gewesen. Selbst die versuchte Revolution

des Jahres 1848 hat nicht an der

Regierung durch die Preußen gerüttelt,

woh l aber demokratischere Formen in einem

deutschen Kaiserreich zu erstreben

versucht. Das »Volksbegehren « hat sich

z. T. noch gegen den verhaßten preußischen

Schulzwang gerichtet, der den Bauern

die notwendigen Arbeits kräfte vorenthalten

hat. Damals sind auch noch wiederholt

die jungen Fichtenpflanzen im H.

Venn heimlich ausgerissen worden, weil

man immer noch um die Waldweide be-.

sorgt war.

Einen großen Schrecken hat im Jahr 1832

die bis Aachen vorgedrungene asiatische

Cholera verbreitet; es wurden viele Vorsichtsmaßnahmen

getroffen durch die Bereitstellung

eines Cholera-Lazarettes in

Monschau, durch die Anlage von besonderen

Friedhöfen für die schon mit Sicherheit

erwartet~n Toten ; diese Friedhöfe

sind in den Dörfern z .• T. heute noch bekannt,

auch wenn niemand darauf zur letzten

Ruhe gebettet worden ist; in Roetgen

allerdings ist später ein Selbstmörder dort

bestattet worden. Die Cholera, die in Aachen

222 Personen dahingerafft hatte, ist

aber vor den Grenzen unseres Kreises

zum Stehen gekommen, so daß diese große

Last von den Menschen genommen

war.

Unter dem »eisernen« Kanzler Bismarck

ist es zu den Kriegen der Jahre 1864,

1866 gegen Österreich und 1870/ 71 gegen

Frankreich gekommen. Und gerade

der schnelle Sieg über das »erbfeindliche

« Frankreich hat das deutsche Nationalgefühl

stark gefördert und das preußische

Militär stimmungsfähig seh r gehoben.

Aus Konzen haben über 30 Leute an

dem Krieg gegen Frankreich teilgenommen,

von denen aber nur ein Mann eine

leichte Wunde am Arm erlitten hat. In anderen

Dörfern unserer Gegend sind aber

etliche Leute damals in Fran kreich gefallen

oder durch Krankheiten zu Tode gekommen.

Der kameradschaftliche

Kriegerverein

Gleich nach dem Krieg gegen Fran kreich

im Jahre 1870 ist in Konzen wie auch wohl

anderswo dieser Krieg erverein gegründet

worden für die Veteranen auch der Kriege

von 1864 und 1866.

Der erste Präsident ist der Sergeant a. D.

Math . Peter Blumensath geworden von

1871 - 1887. M. P. Blumensath ist im Ort

lange Polizeidiener gewesen, der mit einer

Hellebarde abends in den Gasthäusern

Feierabend geboten hat.

Von 1887 - 1905 ist Ludwig Steinröx der

nächste Präsident gewesen, der bei besonderen

Gelegen heiten eine »kernige

Ansprache« gehalten hat. Bis in den Zweiten

Weltkrieg hinein hat Werner Schreiber

(Jaß-Arets aus der Lutterbach) dem Verein

vorgestanden und ist dann von Heinrich

Huppertz (Mechelches) abgelöst worden.

Anfang Februar 1873 hat man den Peter

Michael Call , den letzten Veteranen von

1813/14 feierlich zu Grabe geleitet. Das

Vereinslokal ist bei Dagobert Völl, heute

Heinz Huppertz, gewesen, wo 1876 ein

weiteres Zimmer mit einem kleinen Saal

im Obergeschoß angebaut wu rde. Dort hat

der Verein dann ein kulturelles Leben begonnen,

indem er am 2. Weihnachtstag

Theateraufführungen durchgeführt hat, die

aber zumeist in besseren Soldatenschwänken

bestanden haben. Aber es

sind auch Gedichte vorgetragen worden

und gelegentlich Theaterstücke von hohem

Rang. So ist z. B. einmal »Nathan der

Weise« aufgeführt worden, immer nur in

einer kleinen Ecke des Saales, wo die

Schauspieler sich kaum haben bewegen

können.

Gleich im Anfang hat sich innerhalb des

Vereines eine noch kleine Blaskapelle gebildet,

die aber nicht lange danach selbständig

geworden ist und bis heute Bestand

gehabt hat.

Für den 26. Dezember 1879 ist ein lnstrumental-Conzert

mit Bühnenvorstellung in

der Mon . Zeitung angekündigt.

10


Neun Männer vom k riegerverein um 191 O; von links: Wilhelm Huppertz, Borchs-Wellem; Johann Läufer, Kappenmacher; Arnold Offermann; Joh. Pet.

Huppertz; Marxe, Kirchenrendant; Karl Steinröx; Ludwig Steinröx; Joh. Jos. Weishaupt aus Mützenich; Karl Krings; Joh. Hubert Kali, Schuster

Sch riftfü hrer ist für lange Jahre Karl Steinröx

gewesen , allgemein bekannt als

»Ohm-Kaarel «.

1905 hat man das 35jährige Stiftungsfest

fei erlich begehen können , wobei an die

wertvo lle Fahne, die leider im letzten Krieg

verlo ren gegangen ist, durch den Landrat

Dr. v. Kesseler ein Fahnenschmuck übergeben

werden konnte.

Schon während des Ersten Weltkrieges

hat der damalige Pfr. Thelen die Pankratius-Kapelle

als Kriegergedächtnis-Denkmal

durch Wandbilder und die Namen der

Gefallenen eingerichtet mit dem richtigen

Gedanken, daß sie ja auch kurz nach dem

Jahr 1400 in dem Gebetsraum als Gedenkstätte

für die damals bei Konzen Gefallenen

errichtet worden war.

Als aber nun in anderen Dörfern auf freien

Plätzen Denkmäler für die Gefallenen mit

Platz für Kundgebungen entstanden sind,

haben die Leute aus Konzen nicht zurückstehen

wollen und gegen den Willen des

Pfarrers ein solches Denkmal an der Straße

(jetzt Metzgerei B. Huppertz) aus

Spenden aus dem ganzen Ort errichtet

und Ende September 1922 feierlich enthüllen

lassen, wobei besonders alle »gestandenen

« Männer des Ortes in Frack

und Zylinder zugegen gewesen sind einschließlich

Bürgermeister Dominik, Hauptlehrer

Hüpgens und Lehrer Capellmann .

Der Pfr. Thelen aber hat es nicht kirchlich

einsegnen wollen und dem Kirchenchor

verboten, dort zu singen. Daraufhin haben

die Mitglieder des Kirchenchores einstimmig

beschlossen, dann eben aus ihren

Reihen einen weltlichen Gesangverein zu

gründen, dem der Pfr. nichts mehr verbieten

könne. So ist es dann geschehen, und

dieser Gesangverein hat bis vor ein paar

Jahren bestanden und sich selbst in den

einstweiligen Ruhestand versetzt.

Erst Mitte März 1927 hat der nunmehrige

Pfr. J. Pontzen dieses Kriegerdenkmal

kirchlich eingesegnet, nachdem Pfr. Thelen

1924 den Ort verlassen hatte. Bei dieser

Einsegnung hat Hubert Müllenmeister,

der später verzogen ist, noch eine große

Rede gehalten.

Nachdem 1922 der neue große Saal bei

Huppertz-Steinröx erbaut und eingerichtet

war, haben die kulturellen Veranstaltungen

des Kriegervereins ihr Ende gefunden.

Man mag heute über die bescheidenen

Theateraufführungen nur noch lächeln

können, sie sind aber in der damaligen

Zeit ein wichtiger Bestandteil des kulturellen

Lebens in Konzen gewesen, da es ja

nichts anderes gegeben hat als Kirmes

und Fastnacht, und man für jede kleine

Freude zwischendurch sehr dankbar gewesen

ist.

An den Dienstagen nach Kirmes hat der

Kriegerverein immer gemeinsam an Messen

für die Gefallenen teilgenommen und

dann am Abend selbst die Tanzveranstaltung

übernommen.

Den letzten Veteranen von 1870/71 , den

94jährigen Michael Blumensath (Scheelche)

hat man im Herbst 1936 zu Grabe

getragen, wobei der Major d. R. Walter

Scheibler noch in der schmucken Uniform

der Bonner Husaren eine kleine Ansprache

gehalten hat.

Während des Dritten Reiches wurde natürlich

auch der Kriegerverein gleichgeschaltet,

und die Mitglieder bekamen für öffentliche

Auftritte bei den besonderen Ehrungen

für die Gefallenen Armbinden mit den

Hakenkreuzen. Nach einer letzten Veranstaltung

im Frühjahr 1944 ist auch das

alles zum Ende gekommen. Die Mitgliederzahl

hat sich zwischen 50 und 60 bewegt,

ist aber durch den Tod älterer Leute

stark zurückgegangen.

Am Kirmesdienstag des Jahres 1966 haben

die restlichen Mitglieder noch die übliche

Seelenmesse für die gefallenen und

verstorbenen Mitglieder lesen lassen, und

damit war das Ende dieses langjährigen

kameradschaftlichen Kriegervereins gekommen

.

Die nationale Hochstimmung dieser Jahre

nach 1870/71 ist aber bald sehr getrübt

worden durch den sogenannten Kulturkampf,

den Bismarck entfesselt hat, um

den Einfluß der kath . Kirche zurückzudrängen.

Er hat begonnen im Jahr 1872 mit

scharfen Verfügungen gegenüber der

kath. Kirche, Gehaltssperre gegenüber

den Pfarrern, keine neue Ernennung von

Pfarrern, so daß in Konzen lange Zeit nur

Vikare tätig sein konnten, Aufhebung von

Orden, Wegfall der geistlichen Schulaufsicht

durch die jeweiligen Pfarrer, Übernahme

der Kirchenverwaltung durch die

Bürgermeister usw. Gegenüber diesen

vermögensrechtlichen Maßnahmen hat

sich der Kirchenvorstand Konzen ganz

energisch gewehrt und den Gang zu den

Gerichten angedroht.

Allmählich hat aber auch Bismarck einsehen

müssen, daß er sich verrannt hatte,

und langsam wieder normale Zustände

eingeführt, so daß auch der neue Vikar

Heinr. Laumans im Jahr 1888 Pfarrer werden

konnte, nachdem er seit dem 23. März

1 887 als Pfarrverwalter nach Konzen gekommen

war. Auch die geistliche Schul-

11


Kurz und gut: Der Krieg war zu Ende, das

Kaiserreich zur Republik gewo rden, das

Leben mußte weitergehen .

Die erste Musik-Kapelle, hervorgegangen aus dem Kriegerverein, Aufnahme um 1880, stehend

von links: Johann Läufer, Hubert Erkens, Paul Erkens, Michael Huppertz, Johann Steinröx, Johann

Schreiber, Hubert Call; sitzend von links: Dirigent Peter Widdauer, lmgenbroich; Ludwig Steinröx,

Joseph Kleiner, Karl-Joseph Menzerath

aufsieht ist ihm danach übertragen worden

. In Hammer war sogar ein junger Kaplan,

dem jede geistliche Tätigkeit untersagt

war, vom Staat wohlgemerkt, vor Gericht

gekommen ; das Schlimmste aber war

die Verhaftung des Kölner Erzbischofs

Paulus Melchers und der heimliche Transport

in das Gefängnis zu Magdeburg.

Ein lang g·ehegter Wunsch ging im Jahre

1885 in Erfüllung, als endlich auch Monschau

an das Eisenbahnnetz angeschlossen

wurde. Die großen Hoffnungen allerdings

für ein starkes Aufblühen unserer

Industrie haben sich zwar nicht erfüllt,

trotzdem aber war das für die Bevölkerung

mit großen Vorteilen verbunden, wenn sie

etwa Arbeit in Aachen gefunden hatten

und nun wenigstens zum Wochenende mit

der Bahn nach Hause kommen konnten.

Die Industrialisierung hat zum Ende des

Jahrhunderts große Fortschritte gemacht

und Arbeitsplätze geschaffen, auch z. B. in

Aachen mit dem Hüttenwerk Rothe-Erde.

So kann man im allgemeinen sagen, daß

das 19. Jahrhundert auf vielen Gebieten

auch hier am Hohen Venn Fortschritte gebracht

hat, wenn auch das Leben immer

noch hart genug gewesen ist. Neben vielen

Leuten , die zur Arbeit in die nahe

gelegenen Städte gezogen sind, wissen

wir nur von einem Mann aus Konzen, daß

er ausgewandert ist in die USA; es ist

Franz Gerhards gewesen, der um 1880

nach Amerika gegangen ist aus dem Haus

jetzt Jos. Schreiber an der Blumgasse; er

hat gewohnt in New York, war etwas wie

ein Aufseher und hat etliche Jahre später

noch in Konzen sein ererbtes Vermögen

versteigern lassen , Notar Schotten, Nr.

602, 1888. Von ihm hat noch ein Grundstück

an der Ecke Krähwinkel-Breitestraße

den Namen »Gerhards-Hoff« bekommen.

Daß unsere jungen Leute zum Militär, zum

»Kammiß « gingen für zwei oder sogar drei

Jahre, war inzwischen zur Selbstverständlichkeit

geworden. Wer bei der jährlichen

Musterung nicht für taugl ich befunden war,

hat das als einen ausgesprochenen persönlichen

Mangel empfunden . Wer sogar

zur stolzen Garde nach Berlin gezogen

wurde, hat das als eine ganz besondere

Ehre angesehen.

Nachdem es in Europa, das damals noch

fast allein die Welt bedeutet hat, schon

lange gegärt hatte, Balkankrieg usw., hat

die Ermordung des österreichischen

Thronfolgerpaares 1914 in Serajewo den

Funken in das Pulverfaß geworfen und den

großen Weltbrand entzündet.

Wer sich über den Verlauf dieses bis dahin

größten Krieges informieren will, findet genügend

gute und objektive Literatur darüber.

Uns als Kindern ist noch gut das

Hungerjahr 1917 in Erinnerung, als man

den widerlichen Stockfisch, das Dörrgemüse

= besserer Drahtverhau und nur

sehr wen ig Brot und Kartoffeln zu essen

bekommen konnte. 1918 haben wir das

Grummeln der Kanonen im Westen gehört,

wenn die großen Kämpfe an der

Westfront stattgefunden haben. Daß der

Krieg für Deutschland verloren war, haben

wir schon sehen können an den ausgemergelten

deutschen Soldaten, die zu Ende

des Krieges zurückmarschiert sind ,

dann an den Amerikanern , die mit Panzern

von Grünenthal her durch lmgenbroich

gekommen sind, weil die Brücken in Monschau

für die Panzer zu schwach gewesen

sind, an den jungen frischen und wohlgenährten

Engländern, die oben auf Hengstbrüchelchen

Fußball gespielt haben, an

den belgischen Truppe r:i, die uns Kindern

schon mal ein kleines Stück braunen

Zeugs in die Hand gedrückt haben , das wir

in de r:i Mund stecken sollten: das war die

erste Schokolade, die wir zu sehen bekommen

haben.

Die Verluste an Menschenleben si nd sehr

hoch gewesen. Allein aus Konzen sind

gefallen:

Boltersdorf, Marti n; Call, Heinrich;

Fammels, Franz; Huppertz , Rudolf;

Kirch, Joseph ; Kleiner, Heinrich;

Kleiner, Johann; Kleiner, Richard ;

Kleiner, Karl; Kreitz, Joseph ;

Kreitz, Wilhelm ; Krings, Karl;

Lenzen , Franz ; Menzerath, Johann;

Neyken , Hubert; Offermann , Dagobert;

Palm, Wilhelm ; Reinartz, Joh . Peter;

Rosenwick, Karl; Scheidt, August;

Scheid!, Hubert, Schmitz, Arnold;

Schmitz , Robert; Schreiber, Hubert;

Schreiber, Wilhelm; Schröder, Michael;

Schütt, Paul; Siemens, Johann;

Steffens, Karl; Steinröx, Johann;

Steinröx, Joseph ; Stoffels, Wilhelm ;

Weishaupt, Bernhard; Wilden , August;

Vermißte Soldaten:

Frings, Johan n; Schreibe r,

Werker, Joseph.

Arnold und

An den Folgen der Verwundu ngen gestorben

:

Steinröx, Johann 23 . 3. 1920

Stoffels, Joseph 11 . 4. 1923

Wi lden, Karl 12. 5. 1939

Zu diesen Toten können auch etliche

Frauen gerechnet werd en, die sich ohne

die Männer im Haus, im Garten und auch

noch auf den Feldern buchstäblich zu Tode

gearbeitet haben .

Vor Abschluß des Friedensvertrages von

Versailles hat die deutsche Del egation unte

rschreiben müssen, daß Deutschland

die Allein-Schuld am Ausbru ch des Weltkrieges

gehabt habe, wenn die Hungerblockade

nicht fortgesetzt werden sollte.

Auf dieser Erklärung ist dann alles aufgebaut

worden , was Deutschland auferlegt

worden ist und nur zu den bösen Folgen

hat fü hren können. Bei uns ist Eupen -

Malmedy mitsamt der Bahn an Belgien

abgetreten worden, trotz des unermüdlichen

Widerstandes der deutschen Vertreter

und auch der hiesigen Bevölkerung.

Unsere Wälder sind zwar belgisches

Staatsgebiet geworden, aber im Eigentum

der deutschen Gemeinden verblieben.

Auch ist die Straße Konzen - Roetgen

deutsches Staatsgebiet geblieben, aber

rechts und links im belgischen Gebiet liegend.

Es sind damals schon die Enklaven

Ruitz bei Kalterherberg und das Haus bei

uns oberhalb des Bahnhofes gebildet

worden .

Nach kurzer Beruhigung ist es zu der nie

erfahrenen Inflation gekommen, die so

schlimm war, daß man nur heute mit verdientem

Geld etwas kaufen konnte, weil

es morgen schon zum größten Teil entwertet

war. Als es zunächst damals erst

mit der Zahl Tausend angefangen hatte,

12


haben die alten Leute schon nichts mehr

verstanden, so daß eine ältere Frau in

einem unserer Dörfer auf die Frage, wie alt

sie sei, nur kurz und bündig geantwortet

hatte: »Och ich bönn em sevenzigdusendste

= Ach, ich bin im siebzigtausendsten

(Jahr) .

Es ist dann schließlich so weit gekommen,

daß die neue Rentenmark eingeführt worden

ist, wobei eine Billion, und das waren

1 000 Milliarden, einer Rentenmark gleichgesetzt

wo rden ist. In dieser Zeit haben

die meisten deutschen Städte eigenes

Notgeld ged ruckt für kleinere Beträge, so

auch die Stadt Monschau, die übrigens

diesen Namen auf kaiserlichen Befehl hin

erst im Herbst 1918 bekommen hat gegenüber

dem alten Montjoie, das heute

noch beim Schützenverein gepflegt wird.

Auf diesen Scheinen des Notgeldes hat

man echt Monschauer Sprüche lesen können

wie :

»Monscher Langk on Monscher Lück

jeht et baschtig kollig hück;

denn wat fange merr nu aan

ohne Böesch on ohne Bahn ... « =

Monschauer Land und Monschauer

Leuten 1

geht es sehr schlecht heute ;

denn was fangen wir nun an

ohne Wald und ohne Bahn . •

Es hat noch etliche derartiger Scheine gegeben

mit ähnlichen echt Monschauer

Sprüchen. Vor der Einfuhr der Rentenmark

ist es schließlich so gewesen, daß die

Leute sich die Pfeife angezündet haben

mit Geldscheinen für 20 oder 50 Millionen,

die ja keinerlei Wert mehr hatten, als zum

Schluß 10 Milliarden nur einen einzigen

Pfennig wert gewesen sind .

In dieser Zeit der Inflation ist als Notstand­

Maßnahme das Hatzevenn urbar gemacht

worden, wo wir als Kinder noch Waldbeeren

gepflückt hatten . Viele Leute haben

dort zwar Arbeit gefunden, die aber durch

diese Inflation kaum verwertbares Geld erbracht

hat. Später ist zuerst Hafer dort

eingesät worden , der in den Jahren 1925

und 1926 mit 122 Morgen versteigert worden

ist. Danach sind aus den ausgehobenen

Steinen die Höfe errichtet worden mit

jeweils etwa 60 Morgen Land unter den

Namen »Haus Viktor« von Karl Viktor aus

lmgenbroich, »Gut-Vennstein« = Jos. Esser

und »Gut-Vennweide« = Seb. Wergen

. Da das Gebiet Hatzevenn aber zur

Gemeinde lmgenbroich gehört hat, ist es

erst bei der Gebietsreform des Jahres

1972 mit Konzener Land in der Gegend

des Gewerbegebietes in lmgenbroich

ausgetauscht worden.

Es müßte noch vieles berichtet werden

aus der turbulenten Zeit nach dem Ersten

Weltkrieg, von den noch lange andauernden

Kämpfen in Oberschlesien, von der

Besetzung des Ruhrgebietes durch die

Franzosen und dem nachfolgenden »Passiven-Widerstand

«, von den »Sonderbündlern«,

die das Rheinland zu einem

von Deutschland getrennten Staat mit Anlehnung

an Frankreich machen wollten,

von den Machenschaften dieser Leute in

Aachen , ja auch in Monschau. (s. Wilh.

Vogt: »Die Herrschaft der Sonderbündler«

E. H. V. 5. Jhg. S. 149-154). Dann wäre zu

erwähnen der rechtsradikale Kapp-Putsch

mit dem Generalstreik der Arbeiterschaft

usw.

Trotz aller Schwierigkeiten ist es aber seit

der damaligen Währungsreform aufwärts

gegangen. Die deutsche Industrie hat wieder

gearbeitet, es wurde wieder kaufkräftiges

Geld verdient; man war sich nur nicht

im klaren darüber, daß das Kapital dazu

aus Amerika stammte, was sich nach 1929

verheerend ausgewirkt hat.

Mit dem deutschen Außenminister Dr.

Stresemann und dem franz. Kollegen Aristide

Briand haben sich dann erste Möglichkeiten

geboten, das Verhältnis zwischen

diesen beiden Staaten zu entkrampfen;

Dr. Stresemann hat auch schon

1924 öffentlich auf die Frage der Alleinschuld

Deutschlands am Ersten Weltkrieg

hinweisen können, was der Reichskanzler

Die Enthüllung des Kriegerdenkmals vom 24. Sept. 1922 mit den folgenden Teilnehmern, von links nach rechts.

Hintere Reihe: Jakob Fammels, Werner Kleiner, Friedr. Fammels, Johann Jung, Josef Erkens, Paul Huppertz, Wilh. Huppertz (Mechelches), Heinrich

Kapellmann (Lehrer), Reiner Dominik (Bürgermeister), Hubert Erkens, Leonard Hüpgens (Lehrer), Friedr. Gottschalk, Karl Huppertz (Bäcker), Paul

Call, Willi Jansen, August Palm, Heinrich Roder, Josef Rosenwick.

Vordere Reihe: Heinrich Huppertz, Wilhelm Kreitz, Johann Rosenwick, Wilhelm Werker, Hermann Josef Kreitz, Karl Krings, Josef Weishaupt (gebürtig

aus Höfen), Hubert Müllenmeister, Christian Josef Schmitz, Wilhelm Palm (Schneider), Wilh. Offermann (Breitestr.), Peter Stollenwerk (Hecke),

Johann Palm (Breitestr.), August Huppertz, Peter Lenzen

13


Blick von der Hardt auf das Hatze-Venn

Dr. Marx 1928 wiederholt hat. In diesen

Jahren ist man allgemein wohl zu der richtigen

Beurteilung gekommen, daß alle europäischen

Staaten damals in die Katastrophe

»hineingeschliddert« sind in dem brodelnden

Europa dieser Zeit, wo man allgemein

der Überzeugung gewesen ist, daß

mal ein reinigendes Gewitter kommen

müsse, wobei aber niemand in seiner

schlimmsten Phantasie an einen Weltbrand

von über vier Jahren gedacht hat.

1925 hat es große Feierlichkeiten gerade

in Deutschland gegeben, als man die

1000-Jahr-Feier des Rheinlandes an das

deutsche Reich begehen konnte ; damals

war das Zwischenreich Lothringen endgültig

an das ostfränkische = ost-karolingische

Teilreich angeschlossen worden , das

danach zum deutschen Staatsverband geführt

hat.

Nach all der Schmach, dem Elend und

.dem Ausschluß aus der europäischen Völkerfamilie

konnte Deutschland in den Völkerbund

einziehen, der bekanntlich zum

ewigen Frieden auf diesem Erdteil führen

sollte.

Das Jahr 1930 brachte einen Höhepunkt in

dem Abzug der letzten Besatzungstruppen

aus dem Rheinland . »Montjoie ist

frei! « hieß es am 5. Juli 1930 in der Mon .

Zeitung.

Nach all den Schwierigkeiten und auch

wohl schon Mißständen in der Weimarer

Republik, der ersten demokratischen Parteienregierung

ohne das Kaiserhaus,

konnte man auf eine gedeihliche Entwicklung

hoffen, wenn auch monarchistische

Kreise dem alten Kaiserhaus mit seinen

starken Bindungen nachtrauerten. Der

greise Feldmarschall v. Hindenburg bildete

als Reichspräsident für sie so etwas wie

eine Ersatzfigur des früheren Kaisers.

Die Katastrophe aber hat sich abgezeichnet

mit dem unseligen schwarzen Freitag

an der amerikanischen Börse des Jahres

1929, als nicht nur amerikanische Millionä-

re über Nacht an den Bettelstab gerieten,

sondern das amerikanische Kapital nun

aus Deutschland abgezogen wurde und

die deutsche Wirtschaft praktisch zum Erliegen

brachte. Die Zahl der Arbeitslosen

stieg von Jahr zu Jahr, bis sie Ende 1932

die Sechsmillionengrenze überschritten

hatte. Und das war genau die Verelendung

der Massen , die zu den rad ikalen Parteien

geführt hat.

Bei uns hier ist das ganz anders verlaufen,

wobei das katholische Rheinland , mehr

noch der Reg.-Bezirk Aachen und das

Monschauer Land und Konzen kein Zeichen

dieser Entwicklung gegeben haben.

Die Verhältnisse waren aber auch nicht mit

denen in den Großstädten zu vergleichen.

Hier hatte fast jeder sein bescheidenes

Haus, er hatte eine oder zwei Kühe, die

ihm bares Geld aus der Molkerei brachte'n,

er hatte seinen Gemüsegarten, er hatte

seinen Hahn mit 10 Hühnern im Stall, er

hatte sein Feld Roggen für das kräftige

Schwarzbrot, er hatte sein Kartoffelfeld, er

hatte meistens im November ein Schwein

geschlachtet und die knusprigen Speckseiten

und Schinken in der Bodenkammer

hängen , er hatte für Brand gesorgt und je

nach Größe der Familie mehrere Zentner

Weißkohl = Kappes in dem großen Faß im

Keller eingesalzen, in der »Kappesstang «.

Wenn der Hausvater im Herbst sein Haus

rundum in Ordnung brachte, das Ke llerfenster

mit einer kräftigen Lage guten

Kuhmistes abgedichtet hatte gegen die

scharfen Fröste im Winter, konnte er mit

Stolz oder Befriedigung sagen : »So, nun

kann der Winter kommen! « Es soll damit

gesagt sein, daß in der Zeit der vielen

Arbeitslosen das bare Geld auch hier natürlich

knapp gewesen ..ist, daß aber nicht

die allgemeine Verelendung wie in den

Städten zu spüren war.

Wie aber hat es dort ausgesehen? Die Zeit

war noch ganz anders als heute. Daß junge

Mädchen gearbeitet haben in den Fabri

ken oder im Haushalt, war normal. Die

Arbeit in den Büros hat nach dem ersten

Weltkrieg erst eingesetzt; eine junge Frau,

die ein Kind bekam , blieb zu Hause, in den

bäuerlichen Betrieben ohnehin. Ei ne Lehrerin,

die heiratete, mu ßte den Schuldienst

quittieren. Es war also so, daß die große

Mehrheit dieser Arbeitslosen Familienväter

waren mit 4-5 Kindern im Durchschnitt

und in den Städten lebten und Miete bezahlen

mußten. Die Unterstützu ng fü r die

Arbeitslosen ist mit den heutigen Verhältnissen

nicht zu ve rgleichen. Es rei chte

kaum für das trockene Brot fü r die Kinder!

Die bürgerlichen Parteien haben sich

selbst zerfleischt ! Es wechselte eine Regierung

mit der anderen ab. Schließlich

kam der ehrenwerte, tüchtige Reichskanzler

Dr. Brüning, der glaubte, mit Notverordnungen

der Krise Herr we rd en zu können

. Das nun war die Zeit der radikalen

Parteien von rechts und li nks , die die einzigen

waren, die nicht »Blut und Tränen «

wie später Churchill, sondern ein irgendwie

beschaffenes Paradies versprochen

haben . Die hungernden Männer sind für

eine warme Suppe und ein Paar Schuhe

an den Füßen in die radikalen Parteien

eingetreten ; es hat die Straßenschlachten

zwischen den roten und den braunen

Stoßtrupps gegeben ! Im deutschen

Reichstag hat man sich mit Fäusten geprügelt!

Das ist doch nicht vorstellbar!

Schließlich hat es den Ruf nach dem »starken

Mann « gegeben, und der ist ja dann

auch gekommen !

Leider ist er dann gekommen nach den

kurzen Regierungszeiten v. Papen und v.

Sch leicher, als im Herbst 1932 die NSDAP

bei der Reichtstagswahl schon eine empfindl

iche Schlappe erlitten hatte und sich

ein kle iner Hoffnungsschimmer auf eine

Besserung abgezeichnet hatte.

In der letzten Reichstagswahl im November

1932 hat es hier fast keine Wähler für

die NSDAP gegeben, und bei den Landtagswahlen

im November 1929 hat Konzen

Zentrum gewählt, sechs Kommunisten

und nicht einen einzigen NSDAP.

Trotz allem aber ist Hitler am 30. Januar

1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg

zum Reichskanzler ernannt worden, nachdem

alles andere versagt hatte und der

große Trommler Hitler endlich sein Ziel

erreicht hatte. Wer anders aber auch war in

der Lage gewesen, vor den Wahlen die

Menschen in ihrer Not, in ihrer Hoffnung

auf eine Besserung der bestehenden Verhältnisse

zu mobilisieren, ihnen alles vorzureden

von der Schmach, den November-Verbrechern

mit ihrer Unterschrift auf

dem Versailler Vertrag, mit der verbrauchten

Parteienstruktur, der Arbeitslosigkeit

und Aussichtlosigkeit ihrer Lage außer

dem Tro mmler Hitler mit dem organisierten

Straßenterror in den Städten? Wie hätte

ein gelehrter Heinr. Brüning die Massen

mobilisieren können von seinem Schreibtisch

aus, welcher andere hat vor den

Wah len mit dem Flugzeug der damaligen

14


Zeit das Reich durchquert und jeden Tag

an mehreren Orten mit all den gängigen

Schlagworten die Menschen in ihrer sicher

primitiven Hoffnung auf den kommenden

»Messias« in seinen Bann ziehen können?

So war die Machtergreifung schließlich

da, ehe wir hier es so richtig bemerkt

hatten , und man in den Schulen erst erklären

mu ßte, daß wir eine Revolution erlebt

hatten. Viele Menschen haben damals geglaubt,

daß der ganze »Spuk« in einigen

Monaten vorbei sein müsse, andere haben

aber auch schon früh klar gesehen, was da

auf uns zukommen werde.

Am 3. Februar 1933 steht im Montj. Volksblatt

in einem Kommentar zu einer Rede

Hitlers zu lesen: »Möge an seinem Ende

nicht ein Trü mmerfeld stehen, das größer

sein wird als das der Schuld der 14 Jahre!

« Leider oh ne Unterschrift. Nach dem

Buch »Der Aufstieg der NSDAP in Augenzeugenberichten«

, 1974, S. 418 hat der

bekannte General Ludendorff, der im November

1923 in voller Uniform neben Hitler

an der Feldherrenhalle mitmarschiert

war, an den Reichspräsidenten v. Hindenburg

geschrieben, er (Hindenburg) habe

durch diese Ernennung das heilige deutsche

Vaterland d~m größten Demagogen

aller Zeiten ausgeliefert, der es in unfaßbares

Elen d stürzen werde; und kommende

Geschlechter würden ihn wegen dieser

Handlung noch im Grabe verfluchen .

Es ist dann gleich die Propagandamaschine

gelaufen unter dem neuen Reichsminister

für Volksaufklärung und Propaganda,

dem fast satanischen Dr. J. Göbbels, es

kam der ominöse Reichstagsbrand mit der

Jagd auf die Kommunisten; es kam der

berühmte »Tag von Potsdam «, an dem

Hitler in Frack und Zylinder sich tief verneigte

vor dem greisen Feldmarschall als

Versöhnu ng der nationalen Kräfte mit der

preußischen Tradition am Grabe Friedrichs

d. Gr.; es kam das Ermächtigungsgesetz,

das Hitler für vier Jahre freie Hand ließ

ohne jede parlamentarische Kontrolle; es

kam dann die Reichstagswahl im März

1933, als das Zentrum im Kreis Monschau

7 115, die NSDAP 2 707 Stimmen erhielt;

in Konzen waren es 431 für das Zentrum

und 58 NSDAP. Und das war selbst für

unser Monschauer Land extrem wenig.

Noch am 29. März 1933 berichtet der

Stadt- und Landbote Monschau, daß in

Deutschland der Einfluß des Judentums

auf die Volksquote zurückgedrängt werden

solle. Von einer Massenvernichtung

der Juden ist keine Rede gewesen. Woher

hätten wir hier auch Judenhaß haben sollen,

da es keine Juden hier gegeben hat

bis auf die eine Familie in Eicherscheid,

die erst nach dem Ersten Weltkrieg aus

der Gegend von Hellenthal zugezogen

war, etwas Landwirtschaft und Viehhandel

betrieb und voll »integriert« war, wie man

heute sagen muß.

Aber, man hat an eine bessere Zukunft

geglaubt; Mitte März 1933 hat der tüchtige

und ehrenwerte Landrat Dr. Schwenzer

von Monschau als Sonderbeilage zum

Stadt- und Landboten einen Aufruf veröffentlicht:

» Deutschland ist erwacht! «, der

Deutsche Glaube erblüht wieder, Freude

und innere Ergriffenheit bei der nationalen

Volkserhebung , ein Wendepunkt und Ehrentag

der deutschen Geschichte usw.

Der erste außenpolitische Erfolg Hitlers

war das Konkordat mit der kath. Kirche im

Juli 1933, das Zentrum hat sich damals

»freiwillig « aufgelöst, Konzen hat schon

1933 von der Reichsregierung bare

8 000,- Mark erhalten zur Verbesserung

des Ortsgefängnisses; vor der nächsten

Reichstagswahl im November 1933 war

das Verhältnis zwischen dem Staat und

der kath. Kirche durch das Konkordat geregelt,

Deutschland war aus dem Völkerbund

ausgetreten. Bei dieser Wahl hat es

sich nicht mehr um Parteien gehandelt,

sondern ob »ja« oder »nein « zu der Politik

der neuen Regierung . Und das alles war

sehr geschickt inszeniert, dafür hatte man

ja den Dr. Göbbels, der seit dem Januar

die gesamte Presse, den Rundfunk, das

Theaterwesen usw. nur nach seinen genauen

Anweisungen hat arbeiten lassen.

Kurz vor dieser Wahl ist in der Monschauer

Zeitung ein Aufruf erschienen mit der

Unterschrift maßgebender und überall bekannter

Persönlichkeiten mit dem Motto:

»für Frieden, Ehre und Gleichberechtigung

« und »wählt Adolf Hitler und seine

Getreuen!« Was hätten unsere Leute da

noch wählen können?

Das Ergebnis war eindeutig: Ja-Stimmen

im Kreis Monschau 12 760, Nein-Stimmen

= 427; in Konzen Ja = 584, nein = 24.

Daß es danach etwa bei einer Wahl 1936

nur noch 100 % Ja-Stimmen geben konnte

, ist schon fast selbstverständlich.

Man mag aber aus diesen etwas ausführlicheren

Worten keinesfalls den Eindruck

gewinnen, als solle irgendetwas aus den

12 Jahren des 1000jährigen Reiches beschönigt,

verharmlost oder gar entschuldigt

werden. Es soll nur eine kleine Anregung

, ein Denkanstoß sein für jüngere und

recht junge Leute, die heute das ganze

damalige deutsche Volk schlichtweg für

dumm und töricht erklären und die vollmundig

verkünden, was sie damals alles

schon gewußt hätten, ja was sie damals

getan und auch nicht getan hätten . Es soll

also nur eine Anregung sein für Leute, die

in der Wohlstands-, ja in der Wegwert­

Gesellschaft aufgewachsen sind, wenigstens

den Versuch , den ernsthaften Versuch

zu machen, etwas von der damaligen

Zeit, von ihrer Not und Hoffnungslosigkeit,

von dem inneren Verfall der Weimarer Republik

zu begreifen, ehe sie aus ihrer heutigen

Sicht derartige Urteile fällen.

Im übrigen gibt es genügend gute und

objektive Literatur für den, der sich wirklich

orientieren will, um zu einem fundierten

historischen Urteil zu gelangen.

Der weitere Verlauf braucht nur noch in

Stichworten dargelegt zu werden:

Vor allem ging es fortwährend aufwärts! Es

kamen Arbeitslose von der Straße, man

fing an mit dem Bau der Reichsautobahnen

; im Frühjahr 1935 wurde die neue

deutsche Wehrmacht öffentlich verkündet,

nachdem schon lange vorher heimlich aufgerüstet

worden war, im Frühjahr 1936

marschierten die deutschen Truppen gegen

den Rat der Generale in das Rheinland

ein gegen alle bestehenden Verträge;

außer papierenen Protesten geschah von

den Westmächten nichts.

Ein großer Propaganda-Erfolg war die

Olympiade 1936 in Berlin ; die Partei war

kaum zu sehen, die Ausrichtung hat in den

Händen der Wehrmacht gelegen. Das

wichtigste aber außer der so friedliebenden

Regierung und Bevölkerung war der

Erfolg der deutschen Sportler: 33 Goldmedaillen,

26 Silber, 30 Bronze; und das

lag weit vor den Amerikanern! Und das

konnte man so schön ausschlachten als

den Erfolg der neuen Weltanschauung,

der neuen Erziehung, des neuen Bewußtseins

der blonden germanischen Leistungsrasse!

Im Oktober 1936 wird der Name »Ganzen

« auf Antrag der Gemeindebehörde

umgewandelt in unser jetziges Konzen.

Das war zwar auch nicht so ganz neu , da

wir schon früh das »Kuntzerland « gesehen

haben, 1505/06 finden wir in der

Forstmstr. Rechng . »das steyntgen zo

kuntze«, 1557 /58 wurden aus »Kointzen «

125 Schweine in den Wald getrieben.

Auch andere Ortsnamen auf der Basis lateinischer

Wörter sind geändert worden

wie Kornelimünster, Köln und Koblenz.

Nach dem Anschluß Österreichs im Frühjahr

1938 hat es die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

gegeben durch den

Bau des uns hier so wohlbekannten Westwalles,

der auch in unsere Dörfer Scharen

von fremden Arbeitskräften gebracht hat.

Und alle diese Leute waren froh , endlich

wieder mit ihrer Hände Arbeit für sich und

die Familien ein einigermaßen auskömmliches

Brot verdienen zu können.

Das Schlimme war ja nur, daß auch Hitler

keine neuen Werte hat schaffen können,

die nun in Geld umzusetzen gewesen wären.

Man kann Geld ganz einfach dadurch

schaffen, daß man die Notenpresse in Bewegung

setzt. Und genau das ist geschehen,

so daß die Blüte nur eine Scheinblüte

und alles auf einen Scheck auf die Zukunft

gerichtet war. Und diesen Scheck hat das

ganze deutsche Volk zu Ende des Krieges

einlösen müssen.

Hier in Konzen ist die Zeit bis Ende des

Krieges verhältnismäßig ruhig verlaufen .

Es hat natürlich Leute gegeben, die in die

Partei eingetreten sind, nur ein Mann aus

Konzen ist hier Zellenleiter = örtlicher Leiter

der NSDAP gewesen, die anderen waren

zugezogen, es sind junge Leute in die

SA eingetreten; es war doch in Monschau

ein Spaß, als Primaner in SA-Uniform in

das Gymnasium zu kommen mit einer Pistole

in der hinteren Hosentasche. Aber,

15


Das Kriegerdenkmal; dahinter das HJ (Hitler-Jugend)-Heim vom Jahre 1936, abgebrannt schon

1939

es ist hier niemand im KZ gewesen; daß

es diese gab, wußte jeder, es stand in der

Zeitung: »Wer schwarz schlachtet, kommt

in das Konzentrationslager.«

Wie es aber darin aussah, konnte man

einigermaßen ahnen, echte Kenntnis dagegen

hatte man nicht.

Die Juden sollten in Madagaskar angesiedelt

werden, konnte man hören, oder später

in einem großen Gebiet im Osten. Von

dem, was wirklich in den KZ geschehen

war, hat man erst nach dem Krieg erfahren.

Wann die ersten Bomben hier in der Gegend

gefallen sind, wie sich das Geschehen

während des Krieges hier abgespielt

hat, wie immer wieder Meldungen über

gefallene Soldaten überbracht werden

mußten, wie man schließlich auf die Flucht

gegangen ist, hat unser tätiger Chronist J.

Erkens mit großer Sorgfalt festgehalten

und nach dem Krieg zusammen mit dem

ersten Wiederaufbau in Druck gebracht in

unserem E.H.V. 39. Jhrg. 1967, S. 6-92,

in der Gestaltung und mit zahlreichen Bildern

versehen durch Heinr. Huppertz.

Als sich die Leute im September gezwungen

gesehen haben, aus der geliebten

Heimat weg die Flucht zu ergreifen, hat

mancher wohl an das Wort der Bibel gedacht:

»Betet, daß Eure Flucht nicht auf

den Sabbat falle! « (Weil die Juden an diesem

Tag keinerlei Arbeit verrichten durften).

Ein Teil der Leute hat noch versucht

gehabt, hier im Dorf zu bleiben und die

Front über sich ergehen zu lassen, andere

Leute aus lmgenbroich haben sich an der

Mündung des Beigenbaches primitive Unterstände

und Hütten gebaut oder versucht,

bei der Ölmühle im Tiefenbachtal

den Krieg zu überstehen, aber es ist alles

vergebens gewesen. Dann schließlich hat

die verderbliche Rundstedt-Offensive im

Dez. 1944 gerade unser Gebiet in ganz

besonderem Maße der Zerstörung ausgesetzt.

Mützenich dagegen und Roetgen

und Kalterherberg haben nur wenig gelitten

, Monschau ist wie durch ein Wunder

trotz der Lage zwischen den Fronten über

sechs Wochen hinweg nur ganz wenig

zerstört worden . (Über alles das Walter

Scheibler: »Zwischen den Fronten «,

1959)

Für unser Konzen ist der schlimmste Tag

der Geschichte gekommen, als nach der

Räumung durch die Bevölkerung bis Mitte

September am 27. Oktober 1944 die amerikanischen

Geschütze und Panzer die

Konzener Kirche beschießen und zusammen

mit dem schönsten Fachwerkhaus

Neiken und der Schule in einen großen

Trümmerhaufen verwandeln , der von der

Kirche nur die Außenmauern übrigläßt.

Nach Feststellungen nach dem Krieg

durch genaue Angaben deutscher Soldaten,

die ganz in der Nähe gewesen sind,

soll es durch die Torheit eines deutschen

Oberleutnants gekommen sein, der den

Amerikanern zum Spott in Konzen eine

halbe Stunde habe läuten lassen.

Unsere Ämter und Gemeinden

Nach der Franzosenzeit war mit Verfügung

der Regierung in Aachen der »landräthliche

Kreis Montjoie« (ab 1918 Monschau)

gebildet worden mit einer Einwohnerzahl

von 16 984 Leuten. Der frühere franz.

Kanton war in seinen Grenzen nun auch

zu dem neuen Kreisgebiet geworden, wobei

aber die kleinen Orte Zerkall , Nidegger-Brück

und Hetzingen abgetrennt wurden

und somit die uralte Grenze des Konzen-Monschauer

Landes eine kleine Veränderung

hatte hinnehmen müssen. Daß

ein so kleines Gebiet wie das Konzen­

Monschauer Land in seinen Grenzen sich

ein Jahrtausend lang praktisch unverändert

hat halten können, dü rfte in unserer

westdeutschen Geschichte ein wohl einmaliger

Vorgang sein.

Die Einteilung des neuen Kreises hat sich

streng an die von den Franzosen eingeführten

mairien = Bürgermeistereien gehalten.

Für uns war es die Bürgermeisterei

lmgenbroich, die für lmgenbroich, Konzen

und Mützenich zuständig war. Eicherscheid

dagegen war gleichzeitig Einzelgemeinde

und auch Bürgermeisterei, während

Konzen Einzelgemeinde war innerhalb

der Bürgermeisterei. Genaue Bestimmungen

darüber sind von der Regierung

in Aachen ergangen in den Jahren 1850

und 1851 . Die Einzelgemeinden wie Konzen

hatten einen Gemeindevorsteher, der

ab 1887 von den Gemeinderäten auf

sechs Jahre zu wählen war. Ab 1927 hat

die Landbürgermeisterei die Bezeichnung

»Am t« geführt. Die Bürgermeisterei Eicherscheid

ist ab 1861 in Personalunion

mit dem Amt lmgenbroich verwaltet worden

bis zum Jahre 1936, als das Amt

lmgenbroich nun aus den Gemeinden lmgenbroich,

Mützenich, Konzen und Eicherscheid

gebildet wurde, Eicherscheid

also völlig eingegliedert war.

Es sei noch kurz an den Plan des Monschauer

Landrates vom Jahre 1932 erinnert,

die Ämter lmgenbroich, Eicherscheid

und Monschau zu einem einzigen Amt zu

vereinigen, wie es damals aber noch nicht

durchgeführt worden ist. (K. Mertens:

Heim.-Kal. 1972, S. 18-29). Die Einzelgemeinden

hatten also ih re Ortsvorsteher,

und das waren in Konzen : mit dem amtlichen

Tite l Gemeindevorsteher:

Math . Peter Schreiber,

vom Hof Öntepohl 1816- 1828

Math . Huppertz (Börbe),

Bäcker und Wirt

1828 -1832

Johann Hermanns aus

Mützen ich

1832-1843

Math . Wilh. Sehartmann,

Haus Hard!

1843 -1846

Wilh . Heinrich Huppertz,

Ackerer

1846-1860

Math . Wilh. Sehartmann,

Haus Hardt

1860-1863

Peter Wilh. Esser,

auch Kirchenrendant 1863 - 1885

Wilh . Heinr. Schreiber,

Hof öntepohl, kurze Zeit 1885/86

Peter Wilh . Schreiber,

am Kapellchen 1885 - 1900

Wilh . Heinr. Huppertz, Börbe,

Wirt, Breitestraße 1900 - 1918

Hubert Erkens,

auf der Steinröx 1918 - 1933

Peter Kessel,

jetzt = »Bürgermeister« 1933 - 1937

Heinrich Huppertz,

auf der Steinröx 1937 - 1944

16


Die Entwicklung der

Bevölkerung

Wie vi ele Leute seit der Gründung des

Kön igshofes bis etwa zum Jahr 1200 hier

im Bereich des Hofes selbst und in den

sicher auch schon verstreut liegenden

Einzelsiedlungen gewohnt haben, wissen

wir nicht. Es können aber nicht so ganz

wenige gewesen sein, da der Hof sonst

seine Aufgabe als Lieferant von Lebensmitteln

für das Marienstift und die Hofhaltung

in Aachen nicht hätte erfüllen können

.

Die erste sichere Nachricht erhalten wir

durch das Verzeichnis der Mitglieder der

St-Matthias- Bru derschaft Trier aus der

Zeit um das Jahr 1190. Wenn auch die dort

eingetragenen Mitglieder des Konzener­

Monschauer Landes die Zahl von 260 erreichen

, so muß man doch sicher mit einer

Gesamtbevölkerung von 400-450 Leuten

rechnen . Dann müssen auch die wichtigsten

Orte hier auf der Hochfläche schon

mit etlichen Häusern bestanden haben,

und das ist der Umfang des später genannten

Feldgeleits, wie es im Mon. Land

1988, S. 87, eing €l'(ragen ist. Daß sich die

Bevöl kerung weite 1 r entwickelt hat, können

wir daraus schließen , daß zwischen etwa

dem Jahre 1300 und 1346 die zweite Kirche

in Simmerath errichtet worden ist in

dem damals genannten Kirchenspiel = Kiesch-pell.

Genauere Zahlen erhalten wir aber erst mit

den Forst- und Rentmeister-Rechnungen,

die bis zum Jahre 1550 aber nur wenige

Einzelpersonen nennen, die erste richtige

Liste aber im Jahre 1550 erstellt haben.

Da sind verzeichnet für Konzen 34 Namen

(E.H.V. 31 . Jhrg. S. 26/27). Es handelt

sich hier um die Haushaltungen, die zur

Steuer herangezogen werden; und man

rechnet allgemein mit 5-6 Personen in

den Häusern und den Haushaltungen, so

daß wir mit etwa 200 Leuten in Konzen

rechnen können.

Im Jahre 1647/48, also gleich nach dem

30jährigen Krieg, sind es dann schon 95

Namen in Konzen, also eine sehr auffallende

Steigerung, wenn die Liste vom

Jahre 1550 vollständig gewesen ist. (E.

H.V. 33. Jhrg. S. 5/6).

In der Liste der Erbhuldigung vom Jahre

1730/31 sind in Konzen 76 Leute eingetragen,

in der Forstmstr. Rechng . aber

desselben Jahres sind es 95 Leute, so daß

bei der Erbhuldigung vielleicht nur die

Häuser vertreten gewesen sind . (E.H .V.

26. Jhrg. S. 87 /88.).

Die letzte große Namensliste vor der Franzosenzeit

haben wir vom Jahre 1793/94

und finden in Konzen 123 Namen; das

stimmt dann auch mit einer Statistik der

Franzosen vom Jahre 1800 überein, in der

für Konzen 662 Einwohner angegeben

sind.

Diese Zahl entspricht auch der Zahl der

Häuser, die für 1799 mit 120 genannt ist,

und das kommt auf das Verhältnis der

Bewohner = 5-6 hinaus, wie es ja allgemein

angenommen wird .

Im Jahre 1900 hat Konzen dann 825 Einwohner,

wobei aber etwa 25-30 Knechte

und Mägde anzurechnen sind, die durchschnittlich

hier beschäftigt waren, zum

großen Teil aus dem »Trööter-Langk« =

Malmedyer-Land, woher man glaubte, daß

in der Hauptsache der Regen käme, wenn

es so richtig vom Himmel schüttet = tröötet.

Durch diese Leute aus den entfernteren

Orten sind dann auch viele Heiraten

zustande gekommen mit neuen Familiennamen

im Dorf.

1939 war die Zahl 1 000 bei den Einwohnern

schon überschritten, und für den 1.

April 1944 sind es 1 066 gewesen, wobei

aber auch ausgebombte Leute aus den

Städten hinzugekommen sein dürften.

Wir sehen aber auch, daß trotz der hohen

Geburtenraten in den 100 Jahren von

1800 - 1900 der Zuwachs nur gut 150

Personen betragen hat, wobei an die noch

immer hohe Kindersterblichkeit und manche

Abwanderung in die Großstädte gedacht

werden muß.

Damit ist ein gewisser Abschluß erreicht

bis zum Ende des unseligsten aller Kriege,

als unser Dorf verlassen und zu einem

großen Teil zerschossen den Winter 1944/

45 hat überstehen müssen.

Die Rückkehr der Bewohner aus der Evakuierung,

den Wiederaufbau , das Warten

auf immer noch vermißte Angehörige usw.

werden spätere Kapitel behandeln.

Als kleiner Anhang folgen noch kurze Berichte

über das erste elektrische Licht,

über die Wasserleitung, über die Weberei­

Genossenschaft und die Konsumgenossenschaft,

die alle große Bedeutung für

das Leben im Dorf gehabt haben und auch

jetzt noch zum Teil von größtem Nutzen

sind.

Ein echtes Wunder

Nachdem vor über 100 Jahren die abendliche

Beleuchtung in den Wohnungen ein

mageres Rüböl-Lämpchen gewesen war,

ist dann die Petroleumlampe in die Häuser

gekommen, die schon ein recht angenehmes

Licht verbreitet hat. Da es weder Radio

noch Fernsehen gegeben hatte, sind

die älteren Leute im Winter nach der Arbeit

im Stall zusammen gekommen und haben

sich in einem der Häuser zu gemütlicher

Plauderstunde zueinander gesetzt, zu der

»U-etel « von der »Uchta«, der Morgenoder

Abenddämmerung. Auch hat man im

Kreis der Frauen und Mädchen gesessen

und das Spinnrad gedreht zur Verarbeitung

der selbstgezogenen Wolle oder des

Flachses.

Im Jahre 1922 sind Handwerker in die

Häuser gekommen und haben etwas an

den Wänden gearbeitet, ohne daß wir Kinder

das verstanden hätten. Eines Abends

aber war es soweit! Man drehte an einem

Knopf, und es brannte an der Zimmerdekke

eine Lampe! Ein echtes Wunder, das

wir Kinder gar nicht begreifen konnten. Wir

hatten elektrisches Licht, und besonders

die Hindenburglichter und die stinkenden

Karbidlampen der Kriegszeit waren vergessen.

Natürlich waren es zunächst nur ganz

schwache Birnen mit 15 Watt, später

schon mit 25 und ganz verschwenderisch

mit 40 Watt, und die auch nur in der Huuß­

Küche und im Wohnzimmer. Auch eine

bescheidene Straßenbeleuchtung ist dann

bald installiert worden, die natürlich auch

mit den heutigen dicht gedrängten Lampen

noch nicht zu vergleichen war. Bald

danach hat es auch schon Elektromotoren

gegeben, mit denen man eine Gattersäge

betreiben konnte und das recht mühsame

Schneiden von Balken und Brettern mit

der Handsäge aufgehört hat.

Im übrigen haben die Verhandlungen für

die Versorgung mit elektrischem Strom

schon vor dem Krieg begonnen und haben

sich dann noch so lange hingezogen und

zu vielen Sitzungen in den einzelnen Behörden

geführt, ehe es dann endlich zum

Erfolg gekommen war.

Ein anderes Wunder

Ein weiteres Wunder für unsere Leute ist

die Wasserleitung gewesen, die im Jahre

1934 in die Häuser verlegt worden ist.

Damit hat das mühsame Schleppen des

Wassers aus einem Brunnen neben dem

Haus oder im Keller aufgehört. Es mußte

allerdings jetzt bares Geld auf den Tisch

gelegt werden.

Das Wasser ist früher aus den Brunnen

heraufgeholt worden, nur noch selten hier

mittels eines langen Balkens wie noch in

der Pußta oder mit einer langen Stange mit

Eimer, der in den Brunnen gestoßen wurde,

oder mit einer Kurbel mit Kette, woran

der Eimer gehangen hat. Selbst der Pfarrer

bzw. seine Magd haben das Wasser aus

dem Brunnen im Keller mit Kurbel und

Kette heraufgeholt; das beweist der Betrag

von 7 frcs, den der Peter Mathie (wohl

aus lmgenbroich) bekommen hat für den

»neuen Pützschwengel in des Herrn Pastors

Keller«. (Rendantenrechnung des

Jahres 1813/14.)

Später hat es in den Häusern selbst im

»Huuß« schon richtige Pumpen gegeben,

die aber auch oft wieder repariert werden

mußten.

Auf einmal aber ist das Wasser aus der

Leitung gekommen und ist auch von ganz

besonderer Qualität gewesen, da es völlig

ohne Zusatz aus den beiden Quellfassungen

an der Lutterbach und am Tiefen­

Weiher, dem »Deeve-Weyjer« gekommen

ist. Im Jahre 1933 ist dann auf der Hu-e

ein Behälter gebaut worden für die Versorgung

mit dem guten Wasser für weitere

Ortschaften.

Es hat zunächst in jedem Haus nur einen

einzigen Wasserhahn gegeben, der für

Mensch und Vieh ausgereicht hat. Die erste

Badewanne ist Ende der 20er Jahre in

17


der Pastorat, zusammen mit einem richtigen

Badezimmer, eingebaut worden, nicht

ohne daß noch viele moralische Bedenken

deswegen hätten zerstreut werden müssen.

Und auch das ist heute nicht mehr

vorstellbar.

Die mechanische

Webereigenossenschaft

zu -Conzen

Da der Gedanke einer Genossenschaft

durch die Gründung der eigenen Molkerei

im Jahre 1893 so gut eingeschlagen hatte,

hat man im Jahre 1906 geglaubt, dieses

Prinzip auch auf eine Weberei anwenden

zu können. Bis dahin war es so, daß Leute,

die als Weber Arbeit suchten, in Aachen in

die Fabriken gingen, die Woche über zu

mehreren in einer möglichst billigen Kammer

hausten, um dann am Wochenende

das sauer verdiente Geld nach Hause zu

bringen . Auch von der Seite der Kirche

suchte man dem entgegenzusteuern, um

den »sittlichen Gefahren der Großstadt«

den Boden zu entziehen.

Nach der recht ausführlichen Akte Landratsamt

Monschau, Nr. 186 im HStAD

scheint der Anstoß dazu von dem Fabrikanten

Geh.Rat Carl Delius in Aachen ausgegangen

zu sein, aber unter Beteiligung

der hiesigen Weber.

Schon im Dez. 1906 ist ein Statut für eine

Webereigenossenschaft mit beschränkter

Haftung zu Ganzen erarbeitet worden, wobei

schon 40 .künftige Mitglieder unterschrieben

haben ; und das waren nicht nur

Weber, sondern auch andere Leute aus

dem Dorf mit Landwirtschaft usw. Es sind

dann eine ganze Reihe von Verhandlungen

geführt worden mit der Firma Delius,

mit dem Landrat, wobei es sich in der

Hauptsache um die Beschaffung des notwendigen

Kapitals von etwa 60 000,- M.

gehandelt hat. Als Bauplatz ist die Ecke

Landstraße-Kirchbruch ausgewählt worden;

46 Genossen sollen Bürgschaft leisten

für 45 000,- M., wobei die meisten

dieser Leute selbst wieder Bürgen stellen

mußten ; bei einem Bewohner ist aber ein

Vermögen von 28 500,.:... M. und bei einem

anderen sogar von 36 000,- M. nachgewiesen

worden.

Man tritt an die »Landesversicherungsanstalt

der Rheinprovinz« heran, dann an

den »Aachener Verein zur Förderung der

Arbeitsamkeit«. Schließlich schießt die

Kreissparkasse in Monschau 20 000,- M.

vor; nach vielem Hin und Her, wobei auch

der gute Pfr. H. Laumans mit Rat und Tat

sich einsetzt, erklärt sich die Landesversicherungsanstalt

der Rheinprovinz bereit,

65 000,- M. als Darlehen zu geben, wenn

nicht die Genossen in Konzen, sondern

der Kreis Monschau oder die Gemeinde

selbst dieses Darlehen aufnehmen wollten.

Nach langen Beratungen kommt es

schließlich dazu, daß die Gemeinde Konzen

das Darlehen aufnimmt. Am 2. April

18

1908 wird es auf die Sparkasse Monschau

überwiesen, nachdem aber die Betriebseröffnung

schon auf den 20. Dez. 1907,

½ 6 Uhr abends festgesetzt war.

Die Fabrik hat dann gearbeitet unter nicht

ganz einfachen Bedingungen und einer

großen Anzahl einheimischer Leute Brot

und Arbeit gegeben. Dazu sind eine Reihe

von Stöpferinnen gekommen, die die Tuche

fertig gemacht haben. Das Wichtige

aber ist gewesen, daß die Leute hier im

Ort ihre Arbeit gehabt haben, daß sie mittags

zu Hause essen konnten und nach

17.00 Uhr wieder bei der Familie waren.

Zwischendurch hat es auch Arbeitslose

gegeben und Kurzarbeit, und es ist aus

mancherlei Gründen so gekommen, daß

die Fabrik im Jahre 1933 vor dem Konkurs

gestanden hat. Da hätten die eingetragenen

Genossen schwer an ihr Vermögen

gehen müssen, wenn nicht die NSDAP­

Regierung eingesprungen wäre unter dem

gut katholischen Landrat Laumen und den

drohenden Konkurs 1934 abgewandt hätte

zum großen Nutzen des Ortes. Das ist

natürlich auch nicht geschehen unserer

schönen blauen Augen wegen, sondern

um gerade hier im streng katholischen

Westen Anerkennung und Einfluß zu gewinnen.

So hat die Fabrik ihre Arbeit fortsetzen

können bis lange nach dem Kriege, allerdings

nicht mehr als Genossenschaft,

sondern unter dem Namen einer Firma

Köstring.

Zur sozialen Lage der Arbeiter mag noch

die Notiz kommen, daß es in den 20er

Jahren zum erstenmal zu einer Woche

Urlaub für die Arbeiter gekommen ist.

Aber! Was haben sie damit gemacht? Sie

haben diese Woche Urlaub im Hochsommer

genommen, wenn eine Heuwetter­

Periode in Sicht war; in diesen paar Tagen

hat man dann möglichst viel Heu gemacht

und in die Scheune gefahren. Der Rest

mußte dann zwischendurch bearbeitet

werden, und so war jedenfalls diese eine

Urlaubswoche gut und erfolgreich ausgenutzt.

Die Konsum­

Genossenschaft

Daß es bei der zentralen Kirche in Konzen

für den ganzen Bezirk hier schon eine

wenn auch noch so bescheidene Gastwirtschaft

gegeben hat, kann als selbstverständlich

vorausgesetzt werden. Und in

den Steuerakten der 1570er Jahre ist in

Konzen schon r,1al ein »Wirth « erwähnt.

Auch das erste kleine Kaufhaus im Ort

dürfte sich in der Nähe der Kirche befunden

haben und hat wahrscheinlich schon

kurz nach 1500 einem Mann mit dem Berufsnamen

» Kaufmann « gehört, der zu

den ältesten Familiennamen hier zählt.

Von .den späteren Namen Kaumann, Coumann,

Coman usw. haben wir an anderer

Stelle gehört.

Historisch zu belegen ist ein kl einer Verkaufsladen

= eine »Puttik« in dem Haus

»Orjeleißje« des Johann Wilhelm Huppertz

= Jaß-Weilern. Dann sind noch lange

bekannt gewesen die Läden der Hardt­

Eev von der Hardt und bei Steffens-Bäkkesch

an der Landstraße. Dazu Joh. Peter

Braun , Eisenwaren.

Nach dem Erfolg der Molkerei-Genossenschaft

haben sich dann die Arbeiter zusammengetan

und in ihrem Interesse eine

»Konsumgenossenschaft« gegründet im

Jahre 1901 .

Der Verkaufsraum ist zunächst in dem

Hause Jas. Huppertz-Bäckesch, dann bei

Michael Sehartmann gewesen, bis man

schon im Jahre 1916 das jetzt noch so

bestehende Konsumgebäude hat errichten

können. Das war natürlic 1

h ein Fortschritt

mit dem großen Verkaufsraum und

der mannigfaltigen Ware vo n den Erbsen,

Bohnen, dem Zucker, der Herren- und

Damenwäsche über den Tabak und die

Heringe bis zu allen Dingen, die so in den

bescheidenen Haushalten nötig waren.

Der Geschäftsführer ist für lange Jahre

August Huppertz (Borch) und dann der

Sohn Johann· Huppertz gewesen. Die

Chef-Verkäuferin ist zu unserer Jugendzeit

Anna Kreitz = Kreetze-Annche von

der Hardt gewesen.

Das Wichtigste aber sind die Prozente gewesen,

die im Spätherbst je nach der Ertragslage

ausgezahlt worden sind. Und

das hat bei größeren Familien eine ganze

Menge Geld gebracht, so daß mit diesen

Beträgen ein vorgezogenes Weihnachtsfest

in den Fam ilien gestaltet werden

konnte. Da hat man vor allen Dingen größere

Anschaffungen machen können wie

Bettwäsche, neue Hemden usw. Und der

Hausvater hat ein paar neue warme Unterbeinkleider

bekommen, um den vornehmeren

Ausdruck zu gebrauchen.

So hat sich diese Einrichtung innerhalb

des Dorfes ganz vorzüglich halten können,

zwar unter etwas anderen Bedingungen

und anderem Namen bis zur jetzigen Zeit

und viel Gutes für die wirtschaftliche Lage

bewirkt.

Es hat dann aber auch noch andere kleinere

Verkaufsläden gegeben wie von Wilh.

Werker in der Breitestraße vor dem Bau

seines Hauses, an der Ecke Heerstraße -

Lutterbach, in den 30er Jahren von Maria

Fammels = Fammels Marieche in dem

ersten der Fammels-Häuser, aber mehr

nur für Kleinkram wie Süßigkeiten für Kinder

und Jugendliche.

Aus einem kleinen Betrieb für Speiseeis

im Sommer hat sich dann das Geschäft in

der Kette ~, Edeka« entwickelt, das nun

auch vor kurzer Zeit die Pforten geschlossen

hat.

Der genossenschaftliche Gedanke aber

von der Molkerei über die Weberei und

den Konsum hat dem Ort und seiner Bevölkerung

bis heute große Vorteile und

wirtschaftliche Sicherheit geboten in eigener

Mitverantwortung tüchtiger Leute.


Kirchen und Kapellen

Die Pfarrkirche

Zustand bis Herbst 1944

Es soll hier nu r in Kürze dargelegt werden,

wie das Bauwe rk von außen und in seinem

Innern den älteren Leuten noch in der

Erinnerung geblieben ist bis zur Zerstörung

im Herbst 1944 am 27 . Oktober.

Viele Einzelheiten über Schäden , Reparaturen

, Um bauten , Plünderungen, über die

alten Altäre, die Orgeln, die Uhrglocke,

Möbel , Heiligenbilder, Kreuzwege, über

die Pastorate und manches andere werden

in der » Klei nen Kirchenchronik« zu

lesen sein .

Die Pankratius-Kirche mit einem Innenraum

von höchstens 180----200 m 2 konnte

mit Mühe etwa 209 /Personen fassen. Um

1150, also etwa 250 Jahre später, hatte

sich die Bevölkerung auf etwa 400-500

Menschen im Konzener-Monschauer Gebiet

erhöht, so daß die Pankratius-Kirche

viel zu klein geworden war, zumal Monschau

mit seiner Burg und der späteren

Schloßkapelle noch gar nicht existierte.

Folglich mu ßte Abhilfe geschaffen werden

durch das Marienstift in Aachen, das ja für

die Kirche und den Geistlichen in Konzen

zuständig war.

Man hat sich sicher auch die Frage gestellt,

ob man die Pankratius-Kirche abreißen

und an Ort und Stelle einen größeren

Neubau errichten solle. Dann hätte aber

jeglicher Gottesdienst für etwa 2 Jahre

unterbleiben müssen . Vielleicht aber auch

aus anderen Gründen hat man sich für

einen völligen Neubau oberhalb entschieden

und in etwa der gleichen Richtung wie

die Pankratius-Kirche, ohne die Ost-/

Westrichtung korrekt einzuhalten. Aber

der Chor ist doch grob nach Osten gerichtet,

so daß man da keine großen Schlüsse

ziehen sollte.

Der Bau muß etwa aus dem Jahre 1160

stammen , da die älteste Glocke die Jahreszahl

1166 trägt und nicht aus der Pankratius-Kirche

übernommen sein kann. Es

war eine dreischiffige romanische Säulenbasilika,

damals schon von großer Seltenheit

im rheinischen Raum . Der Grundriß

dieser Kirche mit dem Turm ist bis heute

erhalten, also etwa 800 Jah re alt.

Auffallend ist der schwere Turm, nach

oben etwas konisch sich verjüngend , am

Grunde nach Westen zu, wo er heute mit

Schiefer bekleidet ist, waren einige größere

Quader aus rotem Sandstein zu sehen ,

die ein Archäologe aus Köln möglicherweise

für Reste aus der römischen Anlage

unter der Pankratius-Kirche gehalten hat.

Wenn man sich das Mauerwerk ansieht,

kann man nur staunen , daß ein solches

Werk aus unbehauenen Steinen , die so

klein sind, daß man sie fast als Lesesteine

ansehen kann, so lange gehalten hat. Allerdings

si nd besonders oberhalb des Eingangs

mehrere Stellen zu sehen , die deutlich

mit größeren Mauersteinen ausgebessert

sind . Das ist auch der Fall kurz unterhalb

des Schall-Loches auf die Hardt zu,

wo eine Öffnung zugemauert sein muß für

die Turmuh r, die schon 1635 dagewesen

ist und immer wieder hat repariert werden

müssen . Die uns noch bekannte Kirchenuhr

hat sich in dem Dachreiter oberhalb

des Chores befunden mit Stunden-/ und

Minutenzeiger,' ist aber erst nach dem

Brand des Jahres 1869 angebracht worden

zugleich mit dem Dachreiter, der

dann auch das Sterbeglöckchen getragen

hat.

Nach dem Brand des Jahres 1869 ist der

Turm ein gutes Stück höher gebaut worden,

was durch die hellen Kalksteine an

den Ecken angezeigt ist. Der Turm hat

damals ja auch einen neuen recht spitzen

Helm bekommen , ohne daß jemand weiß ,

wie er vorher gewesen ist, da es keine

Ze ichnung etwa vor diesem Jahre gibt.

Die Schall-Löcher stammen auch aus dem

Jahr 1869, als man wie üblich solche an

den vier Seiten anbringen wollte ; da hat

aber jemand aus dem Kirchenvorstand

darauf aufmerksam gemacht, daß ein

Schall-Loch nach Mützenich zu allem

Wind und Wetter ausgesetzt sei und daß

außerdem in dieser Richtung ja ohnehin

niemand mehr die Glocken zu hören brauche.

Und da hat er Recht bekommen, zumal

die Mützenicher seit dem Jahre 1856

nicht mehr in die Konzener Kirche zu kommen

brauchten.

Die Kirche hat früher zwei Eingänge gehabt:

einen in der Ecke zur Pankratius­

Kirche hin, wohl besonders für die Leute

aus Mützenich, der andere neben dem

jetzigen Eingang von der Landstraße her,

der noch deutlich an dem Spitzbogen in

Sandsteiri zu s~hen ist, aber so unorganisch

unter die Ecke eines Fensters gesetzt,

daß es so sicher nicht im ursprünglichen

Baubestand vorgesehen gewesen

ist. Dieser Eingang hatte den Namen

»Monscher-Hüßje« und damit auch ein

Vor-Häuschen gehabt. Wenn diese beiden

Eingänge bei dem hier üblichen heftigen

Westwind aufgestanden haben, muß es

einen ganz bösen Durchzug in der Kirche

gegeben haben , so daß man zum Schutz

ein sogenanntes Vorhäuschen nach Westen

zu errichtet hat, »e Vür-Hüßje« im

Jahre 1758/59.

Ab 1850 hat man dann den Plan verfolgt,

einen ganz neuen Eingang durch den

Turm zu schaffen , und das ist trotz großer

Bedenken wegen der vermuteten Gefährdung

des Turmes im Jahre 1855 fertig

geworden. Die schwere Eisentür hat der

damalige Ortsvorsteher und Kirchenrendant

Peter Wi lhelm Esser - Maanesse -

selbst angefertigt in der Schmiede, die

noch zu unserer Zeit am Gasthaus Huppertz-Steinröx

vorhanden gewesen ist.

Dieses schwere Eisentor war im Kriege

beschädigt und ist von einem Jagdherren

aus Aach en kostenlos repariert worden , so

daß es wohl weitere 100 Jahre bestehen

wird . Oben in dem Tor befindet sich ein

Spruch mit ein em sogenannten Chronogramm

, aus dem die Zahl 1855 zu ersehen

ist.

So hat der Turm bis auf die Erhöhung im

Jahre 1869 die Jahrhunderte fast unverändert

überstanden, während der Kirchenraum

wohl vor 1500 gründlich umgebaut

worden ist zu einer spätgotischen Hallenkirche,

wobei vielleicht nur die vier schweren

Säulen und ein Teil des alten Mauerwerks

noch aus dem alten romanischen

Bauwerk einbezogen worden sind . Das

Mittelschiff ist gegenüber den Seitenschiffen

erhöht worden, und in den Gewölben

und den Fenstern in gotische Formen gebracht.

Sehr auffallend in dem hohen Chor

haben wir die schmalen hohen Fenster mit

dem reichen Maßwerk vor allem in den

Spitzbögen aller Fenster. So ist das Bauwerk

dann bis in unsere Zeit geblieben,

und nur nach dem Brand von 1869 hat

man einige Teile geändert. So ist das Mauerwerk

ringsum um etwa ½ m höher gebaut

worden , und auf dem Chor hat der

spitze Dachreiter mit der Turm-Uhr seinen

Platz gefunden. So konnte man dann auch

das Loch für die Turm-Uhr im eigentlichen

Kirchenturm zumauern, wie man heute

wohl noch sehen kann .

Schon 1857 hatte man einen ganz neuen

Taufstein erworben für 105 Thlr. , und der

dazu passende Deckel hat nochmal 55

Thlr. gekostet und steht heute mitten beim

Eingang als Weihwasser-Becken. Er trägt

die Inschrift aus Joh. 111,5 in Deutsch: »So

einer nicht wiedergeboren wird aus dem

Wasser und dem HI. Geist, wird er nicht

eingehen, in das Himmelreich.«

Nach diesem Jahr 1857 mit dem neuen

Taufstein hat man den alten ehrwürdigen

Taufstein in der Kirche ja nicht mehr benötigt

und ihn vor der Pankratius-Kirche auf-

19


Kirche mit der Pastorat und der Kapelle um das Missionskreuz im Jahre 1929

gestellt, wo nun in jedem Jahr das Pankratius-Wasser

geweiht wurde, das als Heilmittel

gegen Augenkrankheiten gegolten

hat. Dort war er aber auseinandergebrochen

und ist nach dem Krieg - Gott sei

Dank! - in die erneuerte Kirche gebracht,

zusammengesetzt und in der jetzigen

Taufkapelle aufgestellt worden . Er hat genaue

Gegenstücke in anderen karolingischen

Königshöfen, bei uns am nächsten

zu sehen in Büllingen.

Vieles hat sich nach 1869 verändert im

Innern. Die Orgel war völlig zerstört und

mußte ersetzt werden. Der große geschnitzte

Hochaltar vom Jahre 1712, der

so groß gewesen ist und den Chor so

ausgefüllt hatte, daß man das mittlere Fenster

zugemauert hatte, dieser wertvolle Altar

für damals 225 Reichsthaler und 50

Pfund Butter nach guter Fertigstellung ist

entfernt worden. Aber er war nicht zerstört,

wie man überall lesen kann . Er war

beschädigt, wahrscheinlich durch die Hitze

des etwas niederen Chores im Gegensatz

zu der Höhe im Mittelschiff. Für die

zerstörte Orgel nämlich hat man von der

Feuerversicherung 1 549 Thlr. bekommen,

für den soviel wertvolleren Hochaltar

200 Thlr. Man hätte dieses ausgezeichnete

Kunstwerk nach dem Muster des Hochaltares

in St. Vith sicher restaurieren kön-

Das alte romanische Taufbecken wohl von der

Erstausstattung um das Jahr 1160, jetzt in der

Taufkapelle, dem früheren Chor

nen , wenn man es gewollt hätte. So hat

man den ähnlichen Altar in Houffalize nach

dem letzten Krieg restauriert, der sicher

viel mehr beschädigt gewesen ist und

heute noch besichtigt werden kann. Unser

Altar hätte auch kaum völlig zerstört werden

können, da das Gewölbe bei dem

Brand nicht heruntergebrochen war und

die beiden Nebenaltäre und die Kommunionbank

überhaupt nicht beschädigt worden

sind.

Und es kom mt hinzu, daß erst im Jahre

1872 durch das Generalvikariat in Köln die

Genehmigung erteilt worden ist, einen

neuen Altar aufzustellen, der auch »elegantius«

= zierlicher sei; das war dann der

gotische Altar, wie wir ihn alle noch gekannt

haben. Dieser neue Altar, für den

der damalige Pfarrer Peter Conrad Bonseis

wohl gesorgt hatte, da ihm der alte

wuchtige Altar nicht mehr gepaßt hat im

Rahmen der damaligen Auffassungen, ist

1872 eingesegnet, aber im Jahre 1895

erst geweiht worden durch den Weihbischof

Dr. Hermann Schmitz aus Köln .

Es sind dann nacheinander angeschafft

worden :

1870 eine neue Turm-Uhr in den Dachreiter,

1872 = neue gotische Chorstühle ;

alle diese Kirchenmöbel sind den älteren

Leuten noch gut bekannt gewesen, und es

mußte nun alles gotisch sein!

Aus der Zeit davor noch die folgenden

Einzelheiten:

1882 = neue Beichtstühle.

Aus den alten Glocken des Jahres 1869,

die im Feuer ze rschmolzen waren , ist eine

neu gegossen worden in Aachen, zwei

weitere sind dann hinzugekommen

(Kunstdenkmäler S. 23/24).

1772/73 ist erstmals ein Steinfußboden in

die Kirche gekommen, wo vorher nur Bretter

gewesen sind; unser Fußboden aus

Marmorplatten aus Namur ist 1856 gelegt

und beim Brand von 1869 nicht beschädigt

worden.

1867 ist ein neues Friedhofskreuz aus

Köln aufgerichtet worden , etwa 3 m hoch

und 1906/07 ausgebessert worden, im

Krieg zerstört;

1879 ist eine neue Rüstkam mer = Jörr­

Kammer angebaut worden , dort, wo sich

früher die Tü r nach Mützenich hin befunden

hat; in einer Federzeichnung in den

Kunstdenkmälern S. 15 noch zu sehen, im

Krieg zerstört;

1883 hat ein Baumeister Fuß aus Aachen

der Kirche eine Petrus-Statue geschenkt

im Wert von 900.- Mark, die heute oberhalb

der Eingangstür steht;

1884 ist das Bild am Maria-Hilf-Altar von

Unbekannt geschenkt wo rd en im Wert von

400.- Mark und in der Ecke zur Pastorat

hin als Altar aufgestellt worden;

1892 ist ein neuer Traghimmel aus Paderborn

gekauft worden, der bis zur Zerstörung

in der Fronleichnamsprozession mitgeführt

worden ist;

1903 ist die Pastorat (nach dem Duden =

das Pastorat) ganz umgebaut worden, so

wie wir sie alle noch gekannt haben bis

nach dem Krieg, (Einzelheiten in der Kirchenchronik);

1903 ist auch der heutige Kreuzweg, eine

hervorragende Schnitzarbeit des Raerener

Künstlers L. Mennicken, in die Kirche gekommen,

während des Krieges beschädigt,

aber ohne das Rahmenwerk heute

wieder in voller Schönheit zu sehen;

1912 ist eine Gasolin-Beleuchtung und

1922 die elektrische Beleuchtung in die

Kirche gekommen;

die erste Heizung ist eingebaut worden im

Jahre 1919 durch den Unternehmer Moeris

aus lmgenbroich ;

1938 ist dann wieder eine neue Orgel

eingebaut worden, die auch den Krieg

nicht überlebt hat;

1864 sind junge Fichten gekauft worden

für 11 Thlr., die einen notwendigen Schutz

auf dem Friedhof gewährt haben.

Die Sakristei erscheint erstmals in den

Akten im Jahre 1646/164 7, als dafür 18

Karren Steine und 12 Karren Mauersteine

aus dem Beigenbach angefahren worden

sind, und der Leyendecker hat mit zwei

Knechten 15 Tage auf der Kirche und der

Sakristei gearbeitet. Ob das die erste Sakristei

hier gewesen ist oder nur eine Erweiterung,

läßt sich nicht feststellen. Auffallend

aber ist, daß im Chor noch zwei

Fenster zur Hardt hin vorhanden sind, der

gleiche Platz aber zum Venn hin keine

Fenster hat. Ob das nur des bösen Wetters

wegen nach Norden hin so gemacht

worden ist, oder ob dort schon eine bescheidene

Sakristei gestanden hat, läßt

sich auch am Mauerwerk im Innern nicht

feststellen. Die Tür der Sakristei nach außen

hin hat zunächst einen Holzrahmen

gehabt, später aber die jetzt vorhandene

Steinfassung, in die 1849 eine neue Tür

eingebaut worden ist.

20


Auch das Missionskreuz auf dem »Pley«

hat schon ein hohes Alter. Es ist später

kapellenartig umbaut worden mit einem

Gitter nach vorne, so wie auf dem Bild der

Pasto rat von hinten zu sehen. 1846 ist es

weitgehend restauriert worden für 117

Rthlr., was damals eine bedeutende Summe

gewesen ist. Dort am Missonskreuz ist

ursprünglich für die Toten gebetet worden ,

und später hat es noch lange geheißen,

dafür »nomm Pley jooh « = zum Pley

gehen.

Die Glocken , die nach 1869 wieder vollzählig

waren, sind bis auf eine 1917 für

Zwecke des Krieges entfernt worden ; erst

1925 hat es dann wieder ein neues Geläut

gegeben zur großen Freude aller Leute ;

leider hat man damals nicht gewußt, daß

diese neuen Glocken nicht einmal 20 Jahre

dort erklingen sollten;

1925 ist die Siedlung am Gericht mit Datu

m vom 5. November aus der Pfarre Konzen

ausgeschieden und der Pfarre Simmerath

zugeordnet worden;

von 1925 bis 1929 ist die Kirche durch den

neuen Pfarre r Pontzen gründlich instandgesetzt

worden, besonders was die Nordwand

betrifft, aber iauch in allen anderen

Bereich en, so daß Uas ganze Bild mit Kirche,

Pfarrhaus, Friedhof und Pley ri chtig in

Ordnung war und die Pfarre mit sich -

nach großen Opfern und dem Geschehen

nach dem Ersten Weltkrieg - voll zufrieden

sein konnte ;

1934 ist erstmals ein Schweitzer angestellt

worden, und danach hat es endlich - besonders

bei den jungen Männern - »Ruhe

und Ordnung gegeben «.

Wenn Konzen heute durch die jahrelange

Arbeit usw. des Pfarrers Jansen eine weithin

bekannte Krippe hat, so steht auch das

in guter Tradition , so daß man in 11 Jahren

das Jubiläum der Konzener Krippe für 300

Der prachtvolle Altar des Jean Pecourt in St.

Vith, das Muster auch unseres Altares vom

Jahre 1712

Die Kirche bis zum Herbst 1944, Mittelschiff

Jahre begehen kann. Im Jahre 1699 nämlich

hat der damalige Pfarrer Johann Werner

Fabritius für die Kirche »ein Kriptlein

bauen lassen «, und 1700 hat man schon

zwei Kerzen »an den hl. drey Konigen «

angezündet; da müssen also auch schon

die Figuren der hl. drei Könige vorhanden

gewesen sein .

Von den Statuen der alten Kirche sind

noch vorhanden:

Der hl. Pankratius natürlich an seinem früheren

Platz,

der hl. Michael mit der Seelen-Waage, der

früher im Eingang des Turmes seinen

Platz hatte,

die Christusfigur mit dem abgebrochenen

Arm ,

der hl. Rochus aus der Rochuskapelle, die

alle drei von ihrem reich verzierten Hintergrund

gelöst sind ,

die hl. Brigida mit der Kuh als Sinnbild

ihrer Tätigkeit zum Schutz des Viehes, in

den Kunstdenkmälern merkwürdigerweise

nicht erwähnt,

der hl. Nepomuk, von dem nichts bekannt

ist,

die hhl. Bruno und Benno, über deren

Herkunft usw. nichts zu finden ist;

in der Pankratius-Kapelle muß noch um

1927 der Ort gewesen sein für die beiden

hhl. Gertrud und Lucia, die beide nicht

mehr hier bekannt sind; die hl. Lucia dürfte

auch aus der Rochuskapelle stammen, da

sie die zweite Patronin dort gewesen ist.

Im übrigen müssen viele Kunstwerke aus

alter Zeit verschwunden sein, wie längst

bekannt ist. Vielleicht waren sie etwas beschädigt,

wie auch eine Menge von Gemälden

in den Akten genannt sind.

Noch gut bekannt ist die Geschichte, daß

einer der früheren Pfarrer dem Küster gesagt

haben soll, er möge die alten wohl

beschädigten Heiligen in den Ofen stekken.

Das hat der natürlich getan; als er sie

aber auf dem Sägebock, dem »Schraak«

hatte zum Zerkleinern, soll er wenig erfreut

gesagt haben : »Hackertjüß, wat

sennt die Deuvele vri-ed! « = Donnerwetter,

was sind die Teufel (die Heiligen) hart.

Die Kirche Konzen ist noch heute ausgezeichnet

durch etliche alte, ja ganz alte

Grab- und Gedenksteine, die zum Teil in

der Südmauer im Kirchenschiff und in der

jetzigen Taufkapelle, dem ehemaligen

Chor, zu sehen sind .

Im Kirchenschiff haben wir die Gedenkplatte

eingemauert des Gerichtsschöffen

und Kirchmeisters von Konzen Dierich

(Theodor) Offermann, gestorben am 19.

Januar 1708, 89 Jahre alt, mit der Frau

Geirdgen (Gertrudchen) Vesters, die mit

81 Jahren 1699 gestorben war. Sie haben

gelebt in der Ehe 55 Jahre, haben gehabt

7 Kinder, 50 Enkel und 10 Ur-Enkel. Dieses

Ehepaar Offermann hat aber gelebt in

lmgenbroich und soll recht begütert gewesen

sein.

Nicht weit davon entfernt sehen wir den

Gedenkstein des Leonhart Huberts (Huppertz),

der Schöffe des Amtes Monschau,

auch Kirchmeister und Küster in Konzen

gewesen ist, gestorben am 7. März 1706,

seine Hausfrau Johanna Clermont starb

anno . .. Das Todesdatum sollte später

nachgetragen werden, ist aber unterblieben.

Sie ist gestorben am 25. März 1723 in

Monschau am Schlaganfall.

In der Chorwand nach Süden zu ist eingesetzt

der Gedenkstein des Pfarrers Joh.

Werner Fabritius, gestorben in Konzen im

Alter von 47 Jahren, im 22. Jahr des Priestertums

am 1 . Februar 1704.

An derselben Wand befindet sich der

Grabstein für die Mutter und die Schwester

des Pfarrers Arnold Merkelbach. Die

Mutter war gestorben am 22. März 1713,

75 Jahre alt; am 5. Juli 1739 war dann

gestorben die Schwester Anna mit 69 Jahren.

Oben ist ein Spruchband mit dem

Text zu lesen: »Heudt mich, morgen dich

wird der Tod hinreißen. « Dieser eine

21


Die alten Heiligenfiguren noch in ihren geschnitzten Rahmen

Grabstein ist geteilt der Höhe nach für die

Mutter und die Schwester.

Daneben der Gedenkstein für den Pfarrer

Arnold Merkelbach, geboren zu Aubel am

16. August 1678, 1704 mit 26 Jahren

Nachfolger des Pfarrers Fabritius, hat sich

diesen Grabstein schon zu Lebzeiten gesetzt

im Jahre 1718, also mit 40 Jahren,

und ist gestorben in Konzen am 2. April

1760 mit über 80 Jahren, nachdem er im

Jahre 1749 aus gesundheitlichen Gründen

vom Amt des Pfarrers zurückgetreten war.

Früher hat unter dem Predigtstuhl gelegen

die große Grabplatte des Forstmeisters

Matthias Brewer; die Inschrift ist verfaßt in

lateinischen Versen und beklagt den Tod

dieses vortrefflichen Mannes, der Forstmeister

hier gewesen ist, (von 1583 bis

1606) als er an einer schweren Verwundung

gestorben war am Tag des hl. Laurentius

im August. Um ihn weinen die Gattin

zusammen mit 9 Kindern, und jedes

mitleidige Herz wird aufgefordert zu einem

Gebet.

(Über diese sehr wichtige Familie Bewer,

Brewer usw. im Gebiet von Monschau

sind Beiträge erschienen von Dr. Rud . Bewer

im E. H.V. 4. Jahrg., S. 117 ff. und

E. H.V. 5. Jahrg., S. 67 ff.) Die Grabplatte

Math . Brewer liegt jetzt mitten in der Taufkapelle

und sollte möglichst bald auch in

einer Wand aufgestellt werden wie auch

die anderen Grabsteine und Platten.

In der nördlichen Chorwand sind zwei weitere

Grabsteine zu sehen, links für die

vornehme Margareta Broll, über 2,50 m

hoch , schwarz gefärbt, mit reichem Wappenschmuck,

gestorben am 9. Februar

1588, und sie war die erste Frau des Christoph

v. Rolshausen jun .

Daneben aus rötl ichem Stein mit dem

Doppelwappen Rolshausen-Reuschen-

berg mit der Inschrift: »anno 1583 am 13.

Juni ist die edle ehr und tugentreyche

(tugendreiche) Elisabeth v. Rolshausen

des edlen und ehrenhaften Johan von

Reuschenberg zu Lupenaw gewesene

eheliche Hausfraw in Gott entschlafen

. . .« Die Elisabeth v. Rolshausen

scheint nicht sehr alt geworden zu sein, da

ihr Mann = Joh . v. Reuschenberg zu Luppenaw

noch im Jahre 1596 belehnt worden

ist mit »hauß Erb und Guth Hetzingen

mit Zubehör« im Jahre 1596 (Große Akte

Hardthof u. Lauterbach).

Das interessanteste Denkmal in der Konzener

Kirche überhaupt aber und völlig

einmalig hat sich befunden über der Tür

zur Sakristei mit eingemauertem Rahmen

mit vielen Wappen und Säulen , in der Mitte

eine kniende Frauengestalt vor einem Kruzifixus.

In den Armen hat sie gehalten ein

kleines Kind, das »Baby« war damals noch

nicht bekannt in Deutschland, das ohne

Ärmchen und Beinchen in ihren Händen

gelegen war. Nach dem Brand im Jahre

1869 ist dieses »Hüpfen« entfernt worden ,

weil es Anstoß erregt habe. Nach der Inschrift

unterhalb veröffentlicht in den

Kunstdenkmälern S. 21 ist dargestellt die

vornehme und auserlesene Frau Margaretha

v. Broill, ganz unerwartet gestorben,

Frau des vornehmen und gestrengen

Christ. v. Rolshausen, der in großer Trauer

dieses Denkmal gesetzt hat im Jahre

1588. Über diese Frau mit dem Hüpfen auf

den Händen ist genügend spekuliert worden

mit den ungestümen Bitten um ein

Kind , wenn es auch weder Arme noch

Beine habe, was der Herrgott ihr dann in

dieser Form auch habe zukommen lassen.

Ob däs der Wahrheit nahe kommt, oder als

Erklärung einer auffallenden Erscheinung

im Verlaufe der Jahrhunderte als Legende

gebildet worden ist, kann nicht ausgemacht

we rden. Es kann jedenfal ls auch

etwas ganz anderes gewesen sein. Aber

nun kommt das Merkwürdigste: Obwohl

die Inschrift unterhalb der knienden Frau

eindeutig die Margaretha v. Broill bezeichnet,

ist bei H. Laumans S. 124 und in den

Kunstdenkmälern S. 22 mit dem Abbild die

Elisabeth v. Rolshausen als die dargestellte

Frau angegeben. Wie das möglich ist,

entzieht sich jeder Erklärung. Darüber, daß

die Elisabeth v. Rolshausen in dem Hof auf

dem öntepool gestorben sei, braucht nicht

mehr diskutiert zu we rden. Der oben erwähnte

Hof Hetzingen liegt an der Rur bei

Grabmal der Margarethe von Broell über der

Sakristeitür, nicht = Elisabeth v. Rolshausen

22


Nideggen und ist zu m größten Teil dem

Amte Monschau zugehörig gewesen, wie

viele Akten im HStAD beweisen, auch

E. H.V. 20. Jahrg., S. 13 ff.

Und au sg erechnet dieses einmalige

Denkmal ist 1944 nicht etwa zerstört, sondern

durch die Hand ei nes ganz bösen

Buben vom Inneren der Kirche aus mit

Steinen heruntergeworfen worden . Dabei

kann aber nur die Fig ur der Frau , nicht

aber das ganze Denkm al zerstört worden

sein, das auf alle Fäll e hätte gerettet wer- .

den können, vielleicht mit späterem Ersatz

der knienden Frau vor dem Kruzifix. Aber!

Es ist geschehen, und so kann nur das

beigefügte Bild noch die Erinnerung an

dieses merkwürdige Denkmal festhalten .

Und doch muß etwas ganz Außergewöhnliches

mit dieser Margarete von Broill geschehen

sei n. Wie ande rs wäre es zu erklären,

daß der Chr. v. Rolshausen neben

dem großen und gewiß nicht billigen Grabstein

für seine versto rbene Frau zusätzlich

dieses Denkmal mit dem angeblich mißgebildeten

Kind chen auf den Armen hat an ­

fertigen und in der Ki rche anbringen lassen

. Das tut niemand ohne einen ganz

besonderen Anlaß . 1 f11an könnte auch an

den Tod im Kindbettld enken und manches

andere. Da aber keinerlei Unterlagen vorhanden

sind, sollte man von müßigen

Spekulationen absehen.

Nach den Ku nstdenkmälern S. 22 ist auch

noch ein Epitaph vorhanden gewesen, nur

teilweise erhalten, mit der Inschrift »Der

Mensch, geboren vom Weibe, lebt nur

kurze Zeit, erfüllt von vielem Mißgeschick.

« Auch dieses Teil-Monument ist

nicht mehr erhalten, ohne daß etwas Genaueres

über den 1589 Verstorbenen zu

erfahren gewesen wäre.

Die Pankratius-Kirche

Diese Kirche auf dem Konzener Friedhof

ist ohne Zweifel die erste aus Stein erbaute

Kirche des ganzen Monschauer Landes

gewesen . Es wird allgemein angenommen,

daß sie etwa um das Jahr 890 von

König Arnu lf, König ab 887, Kaiser ab 896,

gegründet worden ist, der der letzte Karolinger

auf dem Thron hier gewesen ist. Er

war ein großer Verehrer des hl. Pankratius

und hat nachweislich dessen Kult eingeführt

durch Gründung einer Pankratius­

Kirche in Roding im Bayrischen Wald , Originalurkunde

im Bayr. Hauptstaats-Archiv

in München, und in Ranshofen in Österreich

bei Braunau . Ausführl iche Darstellung

in »Die Verehrung des hl. Pankratius

in West- und Mitteleuropa«, von Dr. A. Z.

Huisman, Haarlem 1939, wo bes. auf S.

126/127 die herausragende Rolle von

Konzen als Zentrum der Pankratius-Verehrung

in Nordwestdeutschland, in Bel ­

gien, den Niederlanden und Frankreich

dargelegt ist.

Nach R. Nolden ist es so gut wie bewiesen,

daß der Königshof Konzen schon zur

Zeit Karls des Großen gegründet worden

ist und zum Unterhalt des Marienstiftes in

Aachen hat beitragen müssen . In jedem

dieser Höfe aber hat es mit Sicherheit

auch einen Geistlichen gegeben, da sie ja

auch Mittelpunkt für das religiöse Leben

sein mußten. Dann muß es dort in der

Hofanlage selbst oder schon in einer Kapelle

- vielleicht zuerst nur aus Holz -

einen Raum für die Ausübung der christlichen

Religion gegeben haben. Wie das

aber im einzelnen ausgesehen hat, kann

mit einiger Sicherheit nicht gesagt werden.

Als dann später um 1160 die Bevölkerung

stark angewachsen war und man mit etwa

400 Leuten im Konzener Gebiet rechnen

konnte, hat die Pankratius-Kirche mit einem

Innenraum von etwa 100 m 2 nicht

mehr ausgereicht, und man hat sich gezwungen

gesehen, in kurzer Entfernung

die jetzige Kirche ganz neu zu errichten ;

dabei dürften die Steine der Pankratius­

Kirche zu dem neuen Bau verwandt worden

sein ; wohl aber hat man das Chörchen

der alten Kirche stehen lassen .

Nun ist bei Konzen vor dem Oktober des

Jahres 1400 eine Schlacht, oder sagen wir

bescheidener, ein Gefecht gewesen zwischen

dem Burggrafen Johann v. Schönforst,

dem letzten Schönforster bis zum

Jahre 1433 in Monschau , und Walram von

Schleiden, dem Abt des Doppelklosters

Malmedy-Stavelot. Es kann uns heute nur

noch ein heftiges Kopfschütteln entlocken

darüber, daß sich solche kleinen Potentaten

in einem offenen Krieg bekämpft haben.

Uns aber bleibt die Hoffnung, daß ein

solches Kopfschütteln auch einmal verursacht

werden kann darüber, daß sich die

europäischen Staaten im 20. Jahrhundert

bis zum Weißbluten bekämpft haben . Damals

aber war es so, daß jeder kleine

Landsherr - auch die Äbte und Bischöfe

waren Landesherren - selbst in kleineren

Fehden zu den Waffen gegriffen hat.

Den Monschauern sind damals die Heinsberger

zu Hilfe geeilt, so daß das Heer der

Malmedyer - wohl einige hundert Mann -

nach einem Ausfall aus Monschau auf der

Hardt bei Konzen in der Nähe eines »Siefchens«

(Vlötz oder beginnender Laufenbach)

vernichtend geschlagen worden ist,

und daß das erwähnte Siefchen rot von

Blut gewesen sein soll, nachdem die Malmedyer

drei Tage lang in dem Land Monschau

gehaust hatten mit Belagern, Plündern

und Brennen. (Darüber gibt es Berichte

in den Jahrbüchern des Landes von

Stavelot.)

Es sollen etwa 300 Leute des Abtes von

Malmedy-Stavelot bei Konzen gefallen

und die übrigen gefangen worden sein.

Zur Auslösung der Gefallenen hat der Abt

12 000 Rhein. Gulden aufbringen müssen,

was damals eine gewaltige Summe gewesen

ist. Dann heißt es weiter: »Beynebens

der Contzer Pfahr-Kirchen ist aufgerichtet

worden ein Capelgen zur gedächtniß deren,

die dorten tot geblieben .«

Soweit waren die Dinge bekannt oder

auch nicht so sicher bekannt. Das alles ist

geklärt worden , als in den Jahren 1904/

1905 diese Kapelle wieder einmal renoviert

und mit einem neuen Dach versehen

worden ist. Dabei stellte sich heraus, daß

sie aus zwei Teilen bestanden hatte; das

alte Chörchen erwies sich mit den besonders

starken Mauern als der sehr alte Teil,

der Teil nach Westen zu - der Kirchenraum

- aber nur angelehnt und aus

schlechtem Mauerwerk bestehend. Dann

hat Pfr. H. Laumans damals auch im Inneren

graben lassen, wo in einer Tiefe von 1

m fünf menschliche Skelette mit prachtvollen

Zähnen gefunden wurden, die man

den Rittern oder Anführern der Schlacht

zugeordnet hat. östlich der Kapelle wurde

ein Massengrab der Gefallenen in drei

Schichten übereinander entdeckt, wobei

es sich wohl um die Soldaten gehandelt

haben muß . Auf Mützenich zu sind dann

Grundmauern von 10 mal 10 m im Quadrat

freigelegt worden, die den Innenraum der

alten Pankratius-Kirche gebildet haben

müssen. So konnte durch die Arbeit mit

dem Spaten auf einmal die ganze Geschichte

dieser Kapelle und Kirche klargestellt

werden.

Daraus ist aber auch zu erkennen, daß

man nicht nur durch schöne Theorien,

sondern gelegentlich auch durch die Arbeit

mit »Hack und Schöpp« einer Sache

auf den buchstäblichen Grund zu gehen

vermag .

Es kann also festgehalten werden , daß der

Abt Walram nach dem Jahr 1400 nicht eine

neue Sühne-Kapelle errichten , sondern

nach Beerdigung der Toten an das noch

vorhandene Chörchen den heutigen Gebetsraum

anbauen ließ.

Erstaunlich bleibt an den Arbeiten der Jahre

1904/05, die unter Mitwi rkung des Kirchenrendanten

Johann Peter Huppertz =

Marxe Jannes-Petter stattgefunden haben,

eine große Menge von altem Bauschutt

bewegt worden ist, besonders bei

der Freilegung der Mauern auf Mützenich

zu, und man nichts davon gemerkt hat,

daß man mitten in röm ischem Trümmerschutt

gestanden hat; auch der damals

noch recht junge Prof. Joseph Vogt, der

spätere Bischof von Aachen , hat die Ausgrabungsstätte

besucht, ohne etwas von

der römischen Grundlage der Kapelle zu

merken.

Die Verehrung des hl. Pankratius ist in

Konzen lebendig geblieben über die Jahrhunderte

hinweg bis in unsere Zeit. Der

älteste Taufstein der Konzener Kirche aus

dem 12. Jahrhundert, der jetzt wieder in

der Taufkapelle steht, hatte seinen Platz

früher vor der Pankratius-Kapelle, und der

Pfarrer weihte am Pankratius-Sonntag darin

das Pankratius-Wasser, das als Heilmittel

gegen Augenkrankheiten diente. Die

Besucher tauchten die Finger in das Wasser

und benetzten sich damit die Augen.

Ob das so sehr hygienisch war, mag dahingestellt

sein. Nach dem Hochamt wurde

die Reliquie des hl. Pankratius in der

Kirche in einer Art von Monstranz ausge-

23


Die Pankratius-Kapelle bis zum Herbst 1944

stellt und von den Gläubigen mit einem

Kuß auf die Glasscheibe verehrt. Auf dem

Vorplatz der Kirche gab es eine Reihe von

Kirmesbuden mit allerlei Krimskram , bei

uns bezeichnet als » Tänte«, die besonders

die damals noch zahlreichen Kinderscharen

angezogen haben . Ein recht lebendiger

Bericht darüber ist zu lesen im

Heimatkalender Monschau 1960, S.

103--106. Auch der Monschauer »Stadt- u.

Landbote« hat mehrfach über das Pankratius-Fest

berichtet, so im Mai 1860 und

besonders am 30. Mai 187 4, als man von

den großen Feierlichkeiten und dem großen

Zustrom berichten konnte unter der

Teilnahme von 7 Geistlichen. Im übrigen

ist bis in die 20er Jahre am Vorabend des

Pankratius-Festes mit den Glocken gebeiert

worden, wobei die Glocken durch Seilzüge

von den Klöppeln angeschlagen

wurden in einer bestimmten Melodienfolge.

Bis in die 20er Jahre ist jährlich eine Prozession

von Eupen aus über Reinhartzhof

oder über Roetgen zu Fuß zum Pankratius-Fest

gekommen, bis zuletzt mit Blasmusik.

Man kann diese Prozession schon

nachweisen bis zum Jahre 1846, als der

Konzener Pfarrer deswegen einen zusätzlichen

Geistlichen beim Generalvikariat in

Köln anforderte und auch erhalten hat. Damit

ist der Beginn dieser Prozession natürlich

nicht auf das Jahr 1846 festgelegt.

Genau wie in Konzen ist auch in dem Ort

Floßdorf in der Gegend von Zülpich mit

dem Pankratius-Patrozinium das Wasser

als Heilmittel für die Augen = Kott-Ooche­

Wasser am Pankratius-Tag geweiht worden.

Diese Pankratius-Kirche aber in Floßdorf

und in allen anderen Kirchen in Westeuropa

haben diesen Kult eingeführt durch die

Vermittlung oder zum mindesten den Ursprung

dieses Kultes hier in Konzen. Das

ist mit genügender Sicherheit nachgewiesen

in dem Buch des Dr. Huisman aus

dem Jahre 1939.

Nach der Geschichte der christlichen Märtyrer

soll der hl. Pankratius bei den Verfolgungen

unter den Kaisern Valerian oder

Diokletian als 15jähriger Knabe enthauptet

worden sein, und so zeigt ja auch heute

noch die Statue in barocker Ausführung

aus dem 17. Jahrhundert einen ritterl ich

gepanzerten Knaben, heute in der Taufkapelle,

früher in der Pankratiuskapelle

(Kunstdenkmäler, S. 24) aber schon vor

Jahrzehnten in der Kirche an der Seite des

Josephs-Altares.

Nach der Restaurierung durch den Pfr. H.

Laumans nach den Grabungen des.Jahres

1904/05 ist die Pankratius-Kapelle also bis

zum Herbst 1944 so geblieben, wie wir

alle sie noch gekannt haben . Eine Zeichnung

mit der Konzener Kirche, dem spitzen

Helm, der gewaltigen Buche, die ihre

Äste bis zum Helm des Kirchenturmes

reckt, dem Pfarrhaus und der Pankratius­

Kapelle befindet sich in den Kunstdenkmälern,

S. 15.

Hier noch eine Reihe von Arbeiten an der

Pankratius-Kapelle, wie sie aus den Rendanten-Rechnungen

im Pfarrarchiv zusammengestellt

werden konnten :

1645 ist von Deuren (Düren) ein Altar nach

Konzen gekommen, geschenkt, für den

nur 7 gld . für den Transport gezahlt worden

sind. Vielleicht ist dieser Altar nach

1710 - 1712, nach dem Einbau des großen

neuen Altars von Meister Pecourt, in

die Pankratius-Kapelle gekommen.

Im Mai 1647L48 und auch 1651 /52 ist an

der Pankratius-Kapelle gemauert worden .

1684 ist der Leyendecker auf beiden Kirchen

tätig gewesen, und das ist der Beweis

für das damals schon vorhandene

Schieferdach, und dafür sind 1674 auch

schon Dachlatten gekauft worden ;

1687 ist die Kapelle ren oviert worden für

den Betrag von fast 100 gld. (Gulden).

1692 und 1697 sind Dillen (Dielen) und

Bunn-Nägel für die Kapelle bezahlt worden,

und die Kapelle ist damit »gebunnt«

= jebönnt = Fußbodenbretter angebracht

worden . » 1750 ist der Turm der Pankratius-Kapelle

übern Haufen geworfen«, und

im nächsten Jahr sind die Kefferen =

Dachsparren am Turm mit eisernen Klammern

festgemacht worden, und es sind

Latzen und Dei ll (Dielenbretter) beschafft

worden »für die Kapelle zu böhnen« = für

16 Rthlr.

1752/53 ist, wie auch sonst öfters vorgekommen,

in der Kapelle 7½ Tage »geplästert

und gewißt« worden = verputzt und

weiß gekälkt worden für 23 Thlr.

1819/20 sind Arbeiten am Missionskreuz

und an der Mauer der Pankratius- Kirche

durchgeführt worden;

1821 sind die Türen an der Kapelle erneuert

worden;

1860 ist der Westgiebel (auf Mützenich zu)

erneuert worden, aus Mitteln der Gemeinde.

Nach den Kunstdenkmälern S. 26 heißt

es, daß der Barockaltar aus dem Jahre

1717 nicht mehr vorhanden sei, auf dem

Tabernakel habe die Figur des hl. Pankratius

gestanden, kü nstlerisch von bescheidenem

Wert; beiderseits haben die Barockfiguren

der hl. Benno und Bruno gestanden

, die heute noch in der Taufkapelle

stehen , an der Westmauer Ko nsolfiguren

der hl. Gertrud und Lucia, 90 cm hoch.

Diese hl. Lucia könnte aus der Rochuskapelle

stammen , da sie ja als zweite Patronin

dort verehrt worden ist. Von der hl.

Gertrud und den hl. Bruno und Benno ist

kein Wort bekannt geworden, weder von

der Herkunft, von einer Restaurierung auf

Kosten der Kirchenkasse noch sonst etwas.

Diese Sache wird im dunkeln bleiben

müssen.

Bei der Restaurierung nach 1904/05 hat

man das Fenster im Ostgiebel zugemauert

und einen alten Grabstein dort in die Lükke

eingefügt mit der Inschrift:

Theiß hermes haußfraw 1620. Das ist

demnach ein ganz alter Grabstein hier gewesen

, leider aber nach dem letzten Krieg

irgendwie weggekommen.

Im letzten Krieg ist die Pankratius-Kapelle

auch stark beschädigt worden, aber nicht

völlig zerstört, wie man auch gelegentlich

lesen kann, s. E. H. V. 1937, S. 64, die

Kapelle mit dem zerstörten Dachstuhl aber

mit Erhalt der Außenmauern. Das Dach ist

dann aber schon bald restauriert und mit

Dachziegeln, mit Pannen, gedeckt worden,

um es vor dem Verfall zu schützen.

Im Jahre 1958 ist die Pankratius-Kapelle

nochmal gründlich renoviert worden, was

nicht mehr in den hier behandelten Zeitabschnitt

gehört, aber aus einem ganz wichtigen

Grund noch kurz behandelt werden

muß.

Es war seit langer Zeit bekannt, daß die

karolingischen Königshöfe zu einem guten

24


Teil auf rö mischer Grundlage errichtet

worden sind. Deshalb auch seit vielen

Jahren die Nachsuche in der Gegend des

Hardthofes nach einer wenn auch noch so

kleinen Spur aus der Römerzeit. Aber alles

war vergebens. Zu der gründlichen Renovierung

im Jahre 1958 ist zunächst ein

Graben gezogen worden rund um das

Mauerwerk, um von unten her die Feuchtigkeit

abzuh alten. In dieser Zeit kam eines

Nachmittags der Pfr. Henn mit einem

handgroßen Stück eines hellroten Ziegels

und fragte nach dem Was und Wie. Das

Stück hatte die typische hellrote Farbe der

römischen Dachziegel und den auffallenden

Wulst an der Seite.

In dem Augenblick hat es einen geistigen

Luftsprung gegeben, weil damit die römische

Grundlage des Ortes Konzen dokumentiert

war. Bei den weiteren Arbeiten

sind besonders unter dem Vorplatz große

Mengen römischen Schuttes zum Vorschein

gekommen, und an Hand der Tonscherben

konnten die Archäologen die

Funde auf das 2. und 3. Jahrhundert unserer

Zeitrechnung datieren. Weitere interessante

Funde waren damals eine große

Steinplatte aus hiH igem Schiefer in der

Größe von etwa 120 mal 80 cm mit einem

sauber ausgebohrten Loch von etwa 20

cm genau in der Mitte. Es ist wohl nicht

ganz abwegig zu vermuten, daß es sich

dabei um eine ganz alte Altarplatte gehandelt

hat mit dem Loch in der Mitte zur

Aufnahme der Reliquien . Am Rand des

gezogenen Grabens lagen noch zwei sehr

gut erhaltene Schädel junger Leute mit

vollständigem Gebiß, von denen der eine

in der Schädeldecke eine lange Kerbe aufwies,

einen »Schnaaf«, der sicher von einem

Schwerthieb in der Schlacht des Jahres

1400 herrühren mußte. Leider sind

diese Stücke ohne genaue Dokumentation

oder Photographie wohl in dem Sammelgrab

an der Giebelseite der Kapelle in die

Erde gekommen.

Für uns aber ergab dieser römische Fund

nun auch den lange gesuchten Namen

unseres Ortes Konzen . Auch darüber war

schon manches an blanker Theorie entwickelt

worden, z. B. von dem Kreisschulinspektor

Dr. Quirin Esser aus Malmedy,

veröffentlicht 1880 in der »Monatsschrift

für die Geschichte Westdeutschlands«,

Nachdruck in unserem E. H. V. 1927, wo

er Konzen mit einem Cunopennius, einem

aus keltischen Silben zusammengestükkelten

Vornamen erklären wollte.

In der Schule hatten wir von unserem Lehrer

Heinrich Benedikt Capellmann gelernt,

Konzen liege in einem »Kamp « = einer

Schüssel, zwischen der Hu-e und der

Hardt, und habe daher den Namen bekommen.

Von der Version, daß die Leute

in Konzen Karl den Großen erwartet und

endlich bei der Ankunft ausgerufen hätten:

»Do Konze! « = da kommen sie, wollen wir

nicht weiter reden. Daß das Wort Compendium

mit der Nebenform Compendio aus

der lateinischen Sprache zu erklären sei ,

zumal dieses Wort schon in vielerlei Bedeutungen

im klassischen Latein vorkommt,

hätte man aber auch früher schon

erkennen können. Der damals recht bekannte

Franz Cramer aber hat schon vorher

und dann wieder in der Festschrift zum

25jährigen Jubiläum des Eifelvereins 1913

die Orte Mützenich, Konzen und Kesternich

als Orte an einer römischen Straße

angesehen. Mit dem Fund aus der Römerzeit

in Konzen und der bald darauf entdeckten

römischen großen Fundstelle in

Kesternich ist diese Annahme von Franz

Cramer zur Gewißheit geworden. Nur von

dem römischen Mützenich ist bisher nur

eine wahrscheinlich römische Scherbe

gefunden, ohne daß die Baustelle bisher

entdeckt worden wäre.

Nachdem durch die römischen Funde ein

helles Licht auf den römischen Ursprung

mit dem lateinischen Namen gefallen war,

ist schon ausführlich darüber geschrieben

in unserem Heimat-Kalender 1961 , S.

85-90, unter dem Titel : »Konzen und die

Römerstraßen «, wo diese Frage noch wesentlich

ausführlicher behandelt worden

ist.

Und noch eine letzte Bemerkung zu diesem

Thema: Wir haben im ganzen Gebiet

von Monschau bisher etwa 40 römische

Fundstellen ausmachen können. Davon ist

z. B. 1957 ein großes Bauerngehöft der

Römerzeit in Eicherscheid ausgegraben

worden in einer Länge von 26 m; im Buhlert

ist kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine

römische Villa mit Unterbodenheizung

(Hypokausten) entdeckt worden, aber nur

Mützenich, Konzen und Kesternich haben

Ortsnamen aus der Römerzeit behalten,

Mützenich = der Hof eines Mutinius, Konzen

= Compendium = Verbindungsweg

und Kesternich der Hof eines Castrinius;

alle anderen Siedlungen der Römerzeit

sind ohne Namen untergegangen. Auch

das ein Beweis, daß es mit unseren drei

röm ischen Namen eine besondere Bewandtnis

gehabt haben muß, nämlich als

Straßenverbindung, die auch nach der

Übersiedlung durch die nachrückenden

Franken die Namen der Römerzeit weitergegeben

hat.

Die Rochus-Kapelle

Es ist bekannt, daß diese Kapelle dort

gestanden hat, wo seit dem Jahre 1930 an

dem Kreuzweg lmgenbroich-Mützenich

und Konzen-Stillbusch das große Stillbuschkreuz

steht.

Sie kann aber nicht wie etwa die Johanniskapelle

nur ein kleiner Gebetsraum gewesen

sein , da jährlich zwei Messen darin zu

lesen und sogar zu singen waren. Dazu

gehört aber auch ein kleiner Altar wohl mit

der Statue des hl. Rochus darauf, die sich

heute in der Konzener Kirche befindet.

Und es mußte Platz sein für den Priester

und den Küster, die sich ja auch bewegen

mußten. Wir müssen folglich einen Innenraum

von etwa sechs m 2 voraussetzen,

und das wäre auch etwa die Größe der

Quirinuskapelle oben im Dorf.

Die große Frage ist die nach dem Alter der

Kapelle! Auf dem Kreuz ist seit Jahren

eine Tafel angebracht mit der Jahreszahl

1630. Woher aber gerade diese Zahl

stammt, ist ungewiß. Im allgemeinen wird

das Pestjahr 1636 hier als Jahr der Gründung

angesehen, und »kurz nach 1630«

heißt es auch in den Kunstdenkmälern S.

26.

Prälat Peter Schreiber, lmgenbroich-Mauenheim,

meint im »Eremit« 1966, S. 110,

daß vielleicht Pfr. Lingens selbst diese Kapelle

errichtet haben könne. Der war aber

damals ein alter und schwacher Mann und

bereits seit längerer Zeit krank. Für wahrscheinlich

hält es aber Prälat Schreiber,

daß die Kapelle 1703 gleichzeitig mit der

Stiftung für zwei Messen jährlich durch die

Familie Müller in Monschau errichtet worden

sei. Und dieses Wort »wahrscheinlich

« können wir mit guten Gründen in ein

»tatsächlich« umwandeln.

Denn: Wer sollte eine solche Kapelle mit

Altarraum dorthin außerhalb der Ortschaften

bauen lassen, ohne daß irgend jemand

sich darum kümmern mußte für die Unternaltung

usw.? Es müßten sonst in den

Rendanten-Rechnungen ab 1634 irgendwelche

Ausgaben dafür oder sonst etwas

vermerkt sein; aber kein Wort darüber ist

zu finden . Wenn diese Kapelle seit etwa

70 Jahren dort gestanden hätte, müßte sie

auch schon einen Namen gehabt haben

wie »Rochuskapelle« oder etwas anderes!

Und auch das ist nicht der Fall.

Nun befindet sich im Diözesan-Archiv in

Aachen ein Schreiben 1 ½ Seiten des damaligen

Pfarrers J. W. Fabritius vom 21 .

Juli 1703, daß er »von dem wohlachtbaren

und ehrenfesten Michael Müller, sodann

Gerhard, Peter, Mees, Jan und Theiß Müller

als Gebrüder und nächsten Blutsverwandten

empfangen habe 60 Thlr. (Thaler)

zu dem Ende, (Zweck) daß zwei Messen

an St. Rochus (16. August) und St. Lucia

(13. Dezember) von dem derzeitigen Pastor

und seinen Nachfolgern von nun an

bis zu ewigen Zeiten jährlich gesungen

werden müssen. « Während dieser Messen

sollen die Namen der Stifter genannt

werden auch »daß für lebende und abgestorbene

der ganzen familie und freundschaft

zeitliche und ewige Wohlfahrt gebettet

würde. « In einem Schreiben vom

Jahre 1807 im Pfarrarchiv Konzen wird

beiläufig erwähnt, daß die Frau des erstgenannten

Michael Müller eine Lucia Schreiber

gewesen sei und deshalb also die

Messe an dem sehr ungelegenen 13. Dezember

jeden Jahres.

Und 1704 trägt der neue Pfarrer A. Merkelbach

gleich ein, daß er die Anniversarien

(Jahrgedächtnisse) ordentlich gehalten

habe am Fest des hl. Rochus in der »Capellen

von Michael Müller«, und das beweist,

daß er noch keinen Namen für diese

Kapelle kennt. Noch deutlicher wird das in

der Rendanten-Rechnung des Jahres

25


1704, in der es heißt: »das Capelgen an

der Viehtriefft von Michel Müller, welcher

dargestellt vier reyß Leystein zu Notbaw

dessen, aber zu Nothbaw der Kirchen

Contzen abgeholt = sechs Thlr. 8 alb.

(Diese Summe hat der Rendant also dafür

ausgeben müssen.) Ein reyß oder Ries ist

ein altes Maß und bedeutet für Dachschiefer

nach dem Rhein. Wörterbuch in der

Gegend des Maifeldes acht Fuß oder 2½

m 2 Schiefer; ob dieses Maß damals auch

hier genau dieselbe Größe gehabt hat,

muß fraglich bleiben. Auf jeden Fall aber

ist es so, daß der Pfarrer diesen Dachschiefer

1703, das kommt dann in die

Rechnung des Jahres 1704, weggenommen

hat für eine notwendige Reparatur der

Kirche, wobei aber nur ein kleiner Teil des

großen Kirchendaches. hat repariert werden

können.

Es erhebt sich aber die Frage, warum die

Familie Müller in Monschau 1703/1704

diese Kapelle zu Ehren des hl. Rochus hat

errichten lassen, als von der Pest hier

keine Rede mehr gewesen ist?

Der hl. Rochus soll nach der Legende im

13./14. Jahrhundert Pestkranke gepflegt

und sich selbst dabei angesteckt haben.

Als einziger wohl unter vielen Tausenden

habe er aber diese scheußliche Krankheit,

die damals ganze Dörfer und Landstriche

verwüstet hatte, überwunden und mußte

folglich - nach Meinung des Volkes - über

besondere Kräfte dagegen verfügen.

Die Statuen und Bilder des hl. Rochus

deuten das so an, daß der Heilige selbst

auf ein offenes Geschwür am Oberschenkel

zeigt wie auch in Konzen.

Daß die Pest tatsächlich bei uns hier gewütet

hat, geht sehr deutlich hervor aus

einem Schreiben des Herzogs von Jülich

an den Prior von Reichenstein vom 16.

Okt. 1636, worin er darum bittet, daß die

Mönche »in dieser Zeit, in der unser Amt

Monjoye die abscheulich Pest und andere

contagiose (ansteckende) Krankheiten

stark eingerissen (seien) und grassieren

thun ... wegen des Abganges der Pastoren

und Seelsorger den »sterbenden Leuten

geistlichen Trost und Heil spenden

mögen «, was auch etwa 70 Jahre später

noch in Reichensteiner Akten bestätigt

wird. Zwischen 1636 und 1640 gibt es

leider keine Steuerlisten in unserem Amt,

im HStAD. Im Jahre 1640/41 aber sind

Häuser als »leddig« = leerstehend aufgeführt

wie niemals zuvor, oder nachher. Da

sind also leddig: Huppenbroich = sechs,

lmgenbroich-Menzerath = elf, Höfen =

27, Kalterherberg = 29, Eicherscheid =

20, im jetzigen Rurberg = neun, Kesternich

= 17, zusammen also 119 Häuser!

Die anderen Dörfer dagegen müssen wohl

verschont geblieben sein, da nur hier und

dort mal ein Haus leer steht, wie das auch

sonst vorgekommen ist. Auch unser Konzen

scheint von der Pest kaum betroffen

gewesen sein, und der Pfarrer Lingens, in

den Reichensteiner Akten auch als »Linckens«

bezeichnet, dürfte sich in lmgen-

broich angesteckt haben und daran gestorben

sein. Was in der Stadt Monschau

selbst gewesen ist, wissen wir nicht, da

die Bürger nicht in den allgemeinen

Steuerakten erscheinen, da sie andere

Aufgaben und auch Pflichten haben.

Eine große und auch entscheidende

Schwierigkeit bei den gestifteten Messen

bereitet der Tag der hl. Lucia am 13. Dezember.

Was an diesem Tag das Wetter

bei uns machen und anrichten kann ,

braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.

Jedenfalls mußte der alte Pfarrer bei Sturm

und peitschendem Regen, bei Frost und

vielleicht bei knietiefem Schnee und

Schneesturm an die Kapelle in »Rommpool

« ziehen und dort wohl bei geöffneter

Tür singend das gestiftete Amt halten. Dazu

kommt, daß die Kapelle mehrfach aufgebrochen

und der Opferstock beraubt

worden war. So hat dann der damals

80jährige Pfarrer Schreiber sich entschlossen,

die Kapelle aufzugeben und

die beiden Messen in die viel geeignetere

Pankratiuskapelle oder in die Pfarrkirche

verlegen zu lassen, natürlich nur mit Genehmigung

des Generalvikariats in Köln .

Darüber gibt es nun einen längeren

Schriftverkehr in dem Aktenstück im Diözesan-Archiv

in Aachen = Ala Konzen Nr.

9, aus dem Johann Zimmermann in unserem

Heimatkalender 1961 schon eine ganze

Reihe von Einzelheiten berichtet hat.

Darin gibt Pfr. Schreiber auch an, daß die

Kapelle so eng sei , daß sie kaum den

Zelebranten fassen könne, daß auch die

Unterhaltung aus den geringen Zinsen

nicht möglich sei . Er habe die Kapelle

zweimal unter großen Kosten herstellen

lassen , die schöne Tür mit eisernen Beschlägen

und Schloß sei aber zerstört,

weshalb er keine vergeblichen Unkosten

mehr habe aufwenden wollen. Sein Entschluß

stehe fest, und Herr Derich Dunkel

aus den (Stiftungs) Anverwandten habe

ihm schriftlich sein Einverständnis erklärt.

Und es sei auch so, daß der Zelebrant bei

entstehendem geringsten Ungewitter

nicht einmal die HI. Species auf dem Altar

zu erhalten in der Lage sei ; auch sei die

Kapellentür dreimal gewaltsam erbrochen

worden und also den Vorbeigehenden der

Zugang offen ; dazu sei die von frommen

Leuten eingebrachte Opfergabe diebisch

entwendet usw. Die Kapelle sei so nicht

mehr zu unterhalten.

Nach all dem entscheidet das Gen. Vikariat

in Köln endgültig wie folgt:

»Als wird hiemit von Ordinariatswegen

verordnet, daß sothane 2 Messen in zukunft

an den vorgeschriebenen Tagen

nach vorheriger Verkündung von der Kanzel

in der Pfarrkirche zu Contzen ad intentionem

fundato rum (na,.ch Absicht der Stifter)

gehalten und obgemelter Überschuß

unter die Pfarrarmen ausgeteilt werden

soll~.«

Köln, den 28. Oktober 1793

J. P. von Horn-Goldschmit

Damit war das Todesurteil über unsere

St.-Rochus-Kapelle gesprochen, aber

nicht ohne scharfen Widerspruch der

nachgeborenen Verwandten der Stifter­

Familie Müller. Daraus geht hervor, daß

bei den beiden Messen großer Zulauf gewesen

sei aus den umliegenden Ortschaften,

besonders zum hl. Rochus als dem

sonderbaren Patron und Nothelfer in verschiedenen

Anl iegen. Jetzt aber sei die

Kapelle vollends demoliert, sie aber hätten

für 30 Th lr. repariert auf eigene Kosten

und deshalb seien die Messen dort wieder

zu lesen; sonst werde es schlimme Folgen

haben, zumal bei diesen »sogenannten

aufgeklärten freydenkenden Zeiten« . . .

Der Pastor habe au s bloßem Eigensinn

gehandelt und bestehe darauf. Das Kapital

der Stiftung solle zu rückgegeben werden,

das z. Z. Matheis Call in Konz~n leihweise

in Besitz habe. Besondere Forderungen

wegen der Reparaturen an der Kapelle

gegenüber dem Pfr. Schreiber behielten

sie sich noch vor usw .. .. »zumal die

Messen schon zwei Jahre nicht mehr gehalten

worden seien «. Unterschrieben von

J. W. Jansen, Amtsverwalter, Joh. Bertram

Strun k, Bürgermeister, Hubertus und Merlen

Müller.

Auch wurde dem Pfr. Schreiber der Vorwurf

gemacht, daß er schon seit Jahren

nichts davon habe repariere n lassen, sondern

im Gegenteil vor einem Jahr die Tür

samt steinernem Tü rgespann und Altarsteinen

habe wegfü hren lassen . (Das dürfte

al lerdings kaum der Wahrheit entsprechen.)

Es ist eine alte Erfahrung, daß gerade bei

Streitereien manche Dinge ans Tageslicht

kommen, die sonst im Verborgenen geblieben

wären . So ist es auch hier, als die

Erben und Nachkommen Müller genau angeben,

was sie in letzter Zeit an Reparaturen

veranlaßt und ausgegeben hätten als

da sind : für Kalk = 2 Thlr. 45 Stbr. (Stüber)

, an Sand = 1 Thlr., an Maurer/u.

Leyendecker, Arbeit an dannen Bord, Leyen

und Fuhrlohn = 16 Th lr. 47½ Stbr., an

Bilder neu anstreichen, neue Leuchter und

Altar-Fuß = 6 Thlr. = zusammen = 29

Thlr., 54½ Stbr.

Daraus ersehen wir also, daß die Kapelle

mit Schiefer gedeckt war, was auch bei der

Wegnahme der Schieferplatten 1703/

1704 schon zu erkennen war; der »dannen

Bord« dürften Bretter aus Tannenholz

am Dachrand gewesen sein ; (woher aber

hat es damals Tannenholz gegeben?) es

sind Bilder und Leuchter vorhanden, aber

wieviele Bilder und was haben sie dargestellt?

Und der Altar muß vorhanden gewesen

sein; die Trallien sind eiserne Gitterstäbe,

die wahrscheinlich an einem

Fenster in der Tür angebracht waren . Die

Statue des hl. Rochus wird wohl auf diesem

Altar gestanden haben, so daß andächtige

Wanderer und Beter sie durch

das Fenster auch bei geschlossener Tür

haben sehen können .

So können wi r für diese Kostenaufstellung

26


nur dan kbar sein und uns dadurch ein

ziem lich genaues Bild der St.-Rochus-Kapelle

machen.

Auf diese Vo rwürfe muß Pfr. Schreiber

natürlich noch antworten, daß er ja die

beiden gestifteten Messen weiterhin halten

wolle, aber in der Pankratius-Kapelle

oder in der Pfarrki rche, wegen der Ungelegenheiten

aber nicht mehr in der Kapelle.

Er sei fest entschlossen, in dieser aufgebrochenen

Kapelle nicht mehr zu zelebrieren

und sie eingehen zu lassen. Damit

enden die Schriftstücke, und wir müssen

annehmen, daß die Sache endgültig entschieden

war im Sinne des alten Pfr.

Schreiber.

Wenn die Tür zusammen mit dem steinernen

Rahmen sch on auseinander gerissen

war, muß die Kapelle in den nächsten Jahren

verfallen sei n. Im übrigen waren Mauersteine

damals eine gesuchte Sache, und

wir könn en annehmen, daß sie bald für

andere Zwecke in Privathäusern neu verarbeitet

worden sind. An einer Stelle heißt

es zwar, daß die Kapelle im Jahre 1825

abgebrochen worden sei , aber auch dafür

gibt es keinen sicheren Beweis.

Bis zum Jahre 193d ist die Stelle der Rochuskapelle

zwar ri eh bekannt gewesen,

aber ohne ei ne Spur im Gelände. Dort hat

Pfr. Johannes Pontzen das große Kreuz

mit geschnitztem Kruzifixus errichten lassen

, das in ein er Feierstunde der Öffentlichkeit

übergeben worden ist. Aber auch

an dieser frommen Gebetsstätte ist die

Geschichte nicht spurlos vorübergegangen,

da am 14./15. Juni 1937 der Christus-Körper

durch böser Buben Hand zerschlagen

worden ist. Nachforschungen

nach den Tätern sind in der damaligen Zeit

- fast natürlich - erfolglos geblieben. Das

Kreuz aber ist noch in demselben Jahr

wieder hergestellt worden , so wie es heute

dort zu sehen ist.

Das Stillbusch-Kreuz

Einmal im Jahr findet heute noch eine

Prozession für den Frieden dorthin statt,

wo das große Kreuz, von einer heimischen

Buchenhecke geschützt und einem niedrigen

Zaun umgeben, einen andachtsvollen

aber auch malerischen Platz bietet. P. S.

Im Jahre 1971 ist das Holzwerk des Stillbusch-Kreuzes

erneuert, die Umzäunung

neu angefertigt und der ganze Platz rundum

in Ordnung gebracht worden mit einer

Spende von Ungenannt in der Höhe von

2 000,- DM .

Die Quirinus-Kapelle

Diese Kapelle dürf1e nicht ganz zufällig

dort oben an der »Hu-e« gegründet sein.

Wenn nämlich der Dechant von Zülpich

zum Send = zum kirchlichen Gericht und

zur Visitation nach Konzen kam, hat er den

Weg von Abenden herauf entweder gleich

über die Hohe Straße oder von der Lutterbach

aus genommen.

In einem Weistum zu diesem Sendgericht

des Jahres 1415 heißt es nämlich, daß der

Dechant mit seinen Begleitern kommt von

Abenden aus und soll in »Coemptz« empfangen

werden »up dem hoechsten bi

dem Cruitz« und dann sich zum Widemhof

= der Pastorat begeben . Diese Stelle auf

dem Höchsten dürfte wohl genau unsere

Stelle am Eingang des Dorfes gewesen

sein, wo dann die Quirinus-Kapelle erbaut

worden ist.

Die Gründung bzw. Stiftung dieser Kapelle

ist schon kurz erwähnt im Kirchenbuch bei

den Anniversarien (Jahrgedächtnissen)

mit den drei gestifteten Messen.

Eine Kopie, beglaubigt durch den Notarius

Lauterbach , drei eng beschriebene Seiten,

befindet sich im Diözesan-Archiv in Aachen.

Daraus in Kürze die wichtigsten Angaben:

10. July 1679: »Der tugendsame Gerhard

Lauterbach und Agnes bewel (Beuel) Eheleute

haben an der hohe eine Capelle aufbawen

lassen zu ehren ihrer sonderlich

dazu erwählten Patronen « . . . Für die Unterhaltung

des Gebäudes ist ein Graßhöffgen

(Hauswiese) in seinen Hagen (Hekken)

an der hohe neben Nelles Beweis

gelegen bestimmt, das die Eheleute zeitlebens

noch benutzen gegen jährliche Unterhaltung

des Baues; nach beider Tod

kann der Pfarrer das Höffgen vermieten

und das Geld für die Kapelle oder Zierrat,

Kaseln oder andere Meßgewänder verwenden.

Dieses Grundstück hatte die

Größe von 18 ar, 13 m 2 ; ein zweites

Grundstück ist gestiftet für drei Lesemessen,

gelegen auf der Höhe, Größe 32 ar,

91 m 2 . Die drei Lesemessen sind zu halten

am 7. April zum damals noch seligen, seit

etlichen Jahren Heiligen Hermann Joseph

von Steinfeld, am 30. April zum hl. Quirinus

und am 5. August am Tag »Maria­

Schnee«; das geht zurück auf eine mittelalterliche

Legende, wonach in Rom etwa

im Jahre 400 eine Marienkirche neu geweiht

worden sei, wobei wie durch ein

Die Quirinus-Kapelle des Jahres 1679 vor dem

völligen Neubau

Wunder Schnee gefallen sei; und so ist

der 5. August zu dem Fest »Maria­

Schnee« geworden.

Außerdem haben die Eheleute Lauterbach-Beuel

ein drittes Grundstück gestiftet

von ca. 1 Morgen auf der Hohe für zwei

Jahrgedächtnisse für sie selbst mit dem

Flurnamen »das Zäunchen «.

Die Ouirinus-Kapelle ist errichtet worden

auf einem fast quadratischen Grundriß aus

hiesigem Bruchstein in einer schlichten

Form. Es sind zwar öfters Reparaturen

vorgenommen worden, aber nach unseren

Kenntnissen keine wesentlichen Veränderungen

in der Substanz, so daß wir diese

Kapelle in ihrem alten Zustand fast genau

300 Jahre auf der Hohe gehabt haben. Sie

war durch die kriegerischen Ereignisse

zwar stark beschädigt, sollte aber zunächst

in der alten Form restauriert bzw.

neu aufgezogen werden. Nach neuen Plänen

ist sie aber im Jahre 1967 abgerissen

und durch einen sogenannten fortschrittlichen

Neubau ersetzt worden, nicht gerade

zur Zierde des Dorfes an dieser wahrlich

historischen Stätte. Am Abend des 1. Juni

1969 ist die neue Kapelle durch den Aachener

Weihbischof Buchkremer neu geweiht

worden und hat Kosten verursacht in

der Höhe von 1 643,31 DM, die durch

Spenden und Opfer der Pfarrangehörigen

aufgebracht worden sind.

Der hl. Ouirinus ist in Konzen verehrt worden

als Fürbitter in schwerer Krankheit,

dabei meistens als Helfer für eine glückselige

Sterbestunde. Noch bis in die 60er

Jahre hat man einzelne Leute oder kleine

Gruppen von Leuten gesehen, die z. T.

aus lmgenbroich hörbar betend über die

Landstraße kamen, um in diesem Sinne

für ihre Angehörigen bei der Quirinuskapelle

zu beten.

Daß auch Leute von weiterher gekommen

27


sind, beweist ein Eintrag im Konzener Kirchenbuch;

danachistam26. August1721

die Tochter Catharina des Franciscus Wilden

aus Lammersdorf dorthin gekommen

aus Devotion = frommer Andacht; plötzlich

ist sie von einer Kolik gepackt worden

und innerhalb von 24 Stunden gestorben

und hier (in Konzen) zu Grabe getragen

worden .

Auf dem Grashöffchen ist 1937 das Wohnhaus

der Familie Leuther errichtet worden,

nachdem für dieses Kirchenstück ein anderes

Grundstück eingetauscht worden

war. (Akte im Pfarr-Archiv .)

Die Johannis-Kapelle

Wir haben gehört, daß früher die Verehrung

des hl. Evangelisten Johannes sehr

groß gewesen ist. So kann es auch nicht

verwundern, daß eine alte Kapelle seinen

Namen getragen hat. Sie hat gestanden

angebaut an das Haus Gillessen oben an

der Ecke Landstraße - Blumgasse. Als

dieses Haus um 1885 nach Osten hin

erweitert wurde, hat die Kapelle weichen

müssen und ist abgebrochen worden .

Nach Ansicht ganz alter Leute und nach

einer Notiz aus der Kirchenchronik durch

den Rendanten Joh . Peter Huppertz ist sie

errichtet worden im Jahre 1665. Darüber

konnte aber nichts gefunden werden , auch

nicht über den späteren Abbruch um

1885. Auch in den gesamten Rendanten­

Rechnungen sind keinerlei Ausgaben oder

sonst etwas über diese Kapelle gefunden

worden. Man kann nicht umhin, die Angaben

mit der Zahl 1665 als recht fraglich zu

bezeichnen. Nun ist aber in diesem Jahr

1665 die Johanniskapelle in Simmerath

am Markt erbaut worden, wie über dem

Türstein zu lesen. Sollte man diese Jahreszahl

hier nicht einfach übernommen

haben?

Da unsere Johanniskapelle nie als Stätte

irgendwelcher rel igiöser Veranstaltungen

genannt ist so wie die Rochus- oder Quirinuskapelle,

muß man sie für ein klein es

wohl offenes Gebetshäuschen halten, wie

es in ähnlicher Form am Gasthaus Huppertz-Steinröx

bestanden hat.

An der Front des Hauses Gillessen hat

lange ein etwa ¾ m großes Kreuz mit

Kruzifixus gehangen, das woh l der Kapelle

beim Abbruch entnommen worden ist. Es

ist heute nicht mehr vorhanden, sondern

vor etlichen Jahren ganz schlicht und einfach

gestohlen worden. Hoch lebe die

Sucht nach Antiquitäten!

Da diese Kapelle den Namen des Evangelisten

Johannes getragen hat, kann man

auch vermuten, daß sich ein bescheidenes

Bild oder eine kleine Statue dieses

Heiligen darin befunden hat. Aber auch

das kann nicht mehr sein als eine Vermutung

.

Die Kapelle am Gasthaus

Huppertz-Steinröx

Diese kleine Gebetskapelle ohne besonderen

Namen war angebaut an das erwähnte

Gasthaus mit der offenen Seite zur

Landstraße hin; eine Zeichnung mit dem

Haus und auch der Kapelle ist noch vorhanden

und nach einer Photographie angefertigt.

Es ist aber nichts darüber bekannt, daß sie

einem besonderen Zweck gedient habe,

als daß bei der Fronleichnamsprozession

der sakramentale Segen dort erteilt worden

ist.

Das Haus dort ist errichtet im Jahre 1817

an die noch fast neue und auch noch fast

leere Landstraße und ist das erste Haus

hier gewesen, das gleich als Gasthaus

gebaut worden ist von Peter Joseph Esser

und seiner Frau Catharina Gehlen aus

Schöneseiffen. Es war ·das Jahr der großen

Hungersnot nach dem völligeri Ausfall

des Sommers im Jahre 1816. Im Haus

befindet sich noch eine Tafel mit der Angabe:

»Dieses Haus ist errichtet im Jahr

1817, als der Malter Roggen 37 Reichsthaler

gekostet hat.«

Ob die kleine Kapelle damals gleich mit

angebaut worden ist oder erst später,

konnte nicht mehr festgestellt werden. Jedenfalls

hat sie seit Menschengedenken

dort gestanden, ist aber nach dem Krieg

nicht wieder erneuert worden.

Die alten Grabkreuze

auf dem Konzener Friedhof

Eine eingehende Abhandlung über diese

wichtigen Zeugnisse der Kultur- und Familiengeschichte

ist deponiert beim Monschauer

Geschichtsverein, im Pfarrarchiv.

in Konzen sowie im Diözesan~rchiv in Aachen.

Wir können hier nur diese Kreuze der Reihe

nach aufführen mit den Inschriften und

ganz knapper Erläuterung. Weitere Einzelheiten

können an den genannten Stellen

eingesehen werden.

Wir gehen aus vom Eingang zum Friedhof

von der Hardt aus; da finden wir rechts

vom Eingang das Kreuz

Nr. 1: Niclas Weishaupt

von Emgenbroich

12. Januar 1762

Weisheutt, Weishaubt, Weishaupt und

ähnliche Formen ist ein ganz alter Name in

unserer Gegend, damals besonders häufig

in lmgenbroich.

Nr. 2: am Eingang, links in der Mauer:

1769 28 ten Dezember

ist Peter Schriber in den

Herren entschlafen

Dieser Peter Schreiber war zwei Jahre

verheiratet mit der Barbara Radermacher

aus Kalterherberg oder Mützenich; Die

Witwe Barbara hat dann 1772 den Mathias

Huppertz geheiratet und ist so die Stamm­

Mutter der Familie Huppertz-Börbe in

Konzen geworden.

Nr. 3: Vom Eingang der Kirche etwas

rechts an der Mauer des Chores:

den sebten August 1773

anna Maria Lentzen Mützenich

genannt Voell in den Herren

entschlafen

Die Familien Lenzen und Voell sind sehr

alt und verbreitet in Mützenich; »genannt«

heißt »geboren «.

Das Gasthaus Huppertz-Steinröx mit Kapelle und Schmiede

Nr. 4: An der Ecke der Kirche in Richtung

Jugendraum, und nun immer weiter

nach rechts:

1770 den 12. August

ist der ehrsamer Junggesell

Hubertus Gielen im Herrn

entschlafen

hat der ehrsamer Niclas Cüppers

dieses verehrt

Niclas Cüpper war der Schwager des Hubertus

Gielen.

28


Grabstein Nr. 6 des Wilhelm Heinrich Schreiber

Nr. 5: a o (anno) 1749 14. July ist der

ehrbare Johann Dagobert

schreiber, förster zu Contzen

a o 17 die tugendhafte

anna Wa lter gestorben.

J. D. Schreiber war der Bruder des Schöffen

Schreiber = ~{. 8 und Bruder des

Pfarrers Joh . Wilh. Sehr. 17 49-1798 hier.

Das Todesdatum der Frau Anna Walter ist

vergessen worden .

Nr. 6: A O 1782 den 1. Januari starb die

ehrsame Maria Agnes Breuers

und der Eheman Wilhelm Heinrich

Schreiber starb A 0

Auch dieses Todesdatum ist nicht mehr

eingetragen; es war der 28. April 1813.

Die Tochter Schreiber-Breuers hat nach

Monschau einen Mathar geheiratet, ist die

Vorfahrin des Dr. Ludwig Mathar geworden

.

Nr. 7: 1690 8. Januar ist die ehrsame

Clai s Jans haußfraw in Gott

entschlafen. G.T.D.S.

Keine weiteren Angaben, da die Sterberegister

eine Lücke aufweisen von

1686-1690. G.T.D.S. = Gott trost die

Seel.

Nr. 8: 1770 ist der wohlachtbarer

gewesener Scheffe

Peter Schreiber

anno 1776 die Ehefraw

gottsel ig im Herrn

entschlafen

Frau des P. Schreiber war die Agnes Zimmermann,

gest. am 19. Mai 1776; die Heirat

der beiden leider nicht eingetragen.

Nr. 9: anno 1764 den 6. Okt.

ist der ehrsamer Michael Rother

im Herrn entschlafen seines

Alters im 59 Jahr seine ehrsame

Hausfraw Maria steffens starb

5. Mai 1779, 69 Jahr

Der Name Rother ist = Roder, auch schon

eine alte Familie in Konzen, lmgenbroich

und Mützenich .

Nr.10: An der Westseite der Kirche, neben

der großen Bronzetafel :

28. März 1701

Huppert Schreiber

haußfraw Susanne Voell

Die Susanne Voell war geb. in lmgenbroich

am 9. Juni 1652, der Vater Christapfel

Foel .

Nr. 11: Anno 1689 den 30 April

ist der ehrsamer Johann schreiber

von Kontzen in dem Herren

entschlafen GTDSA

(Gott trost die Seel Amen)

Das Ehepaar Joh . Schreiber mit der Frau

Catharina hat 17 Kinder bekommen von

1661-1682, davon waren 13 Söhne. Nur 4

Kinder sind ganz jung gestorben.

Nr. 12: Anno 16 . .. July

starb Michael weyßheut

denn ... begrab

Das Kreuz, freistehend in der Ecke Kirche­

Anbau stark abgeschliffen. Ein Michael

Weyßheut = Weishaubt ist nicht zu finden.

Letzte Zeile vielleicht »denselben Tag begrab.

«

Nr. 13: Neben Nr. 12 freistehend:

1619 9 März

ist Cathrina Sphor in

Gott entschlafen

Entweder die Frau oder die Tochter des

Johann Spoer, Forstmeister von Monschau

im Jahre 1576/1577.

Nr. 14: Grabkreuz in der Ecke oberhalb

der Bronzetafel.

1702 den ... April?

ist der Ehrsamer

Claßen peter in

dem Herren entschlafen

GTDS

Der Claßen Peter stammte wahrscheinlich

aus Mützenich, der Tod aber im Kirchenbuch

nicht eingetragen .

Grabstein Nr. 11 des Johann Schreiber, Vater

von 13 Söhnen und vier Töchtern

Nr. 15 : Eingemauert in der Kirche oberhalb

Nr. 13 und Nr. 14.

Steffens Merten

in Gott entschlafen

anno 1622

Keine näheren Angaben möglich, da noch

keine Kirchenbücher damals vorhanden .

Der Name Steffens aber kurz nach 1600

hier schon mehrfach notiert.

Nr. 16: Ganz schmales gotisches Kreuz,

Inschrift auf dem waagerechten

und dem senkrechten Balken.

von oben nach unten : ... Kaffer anno

1607

von links nach rechts : Judex zu Monioie

Der Vorname oben nicht zu entziffern, Kaffer

ist die Familie Käfer, später oft in Hoefen

. Der Richter soll wohl ein Schöffe gewesen

sein, die z. T. auch eine richterliche

Tätigkeit ausgeübt haben. Die Jahreszahl

ist auf dem Kreuz 1407; das muß aber ein

Irrtum des Steinmetzen sein, wie auch das

Kreuz Nr. 18 zeigt.

Nr. 17: oberhalb Nr. 16, hinter einem

Strauch versteckt, nur noch

schwer zu lesen ;

1669 ... November

ist gestorben Mertens

Liennert aus Contzen.

Nach dem Kirchenbuch ist der Tod des

Leonhard Mertens eingetragen am 9. November

1669.

Nr. 18 : Grabkreuz sehr ähnlich wie Nr.

16, eingemauert

von oben nach unten : Bürger zo Monioye

16 ...

von links nach rechts = hermanß Joan

Die Zahl 16 . . . ist leider abgebrochen, es

muß aber auch kurz nach 1600 gewesen

sein, wie Nr. 16; 1666 haben wir in Monschau

drei Familien Hermanns, die aber

später gelebt haben.

Grabstein Nr. 18 des Hermanß Johan, Bürger

zo Monioye

29


Nr. 19: Grabkreuz in Außenmauer unterhalb

des Turmes.

Anno 1727 24 August ist der

viel Ehr/und wohlachtbarer

Junggesell Mattheis pleus

gottseelig im Herrn entschlafen

Die Familie Pleus kommt aus der Kesternicher/Einruhrer

Gegend, hat nicht lange

nach 1500 die Pleushütte gegründet und

ist kurz nach 1660 in Konzen und lmgenbroich

ansäßig ; unser wohlachtbarer

Junggesell ist gestorben in Neudorf, einem

Ortsteil von Raeren . (Kirchenbuch)

Nr. 20: Grabkreuz gleich neben dem Eingang

zur Pastorat hinter einem

Strauch versteckt.

1636 den 8 September ist

theis henne (n) Muzkender

in Gott entschlafen

Die Inschrift ist nur schwer zu entziffern,

bes. das Wort Muzkender = Musketier

oder ein Mutzender = Mann aus Mützenich.

Wahrscheinlich ist der Mattheis Henn

im 30jährigen Krieg als Soldat ums Leben

gekommen.

Nr. 21: Grabkreuz freistehend gleich

oberhalb der Pankratiuskapelle.

Jan Kreitz 1651

der alte und 16 . . .

Trinchen seine Haußfraw

Dieses Kreuz ist das letzte Zeugnis für die

Grabstätte der Leute aus Roetgen in Konzen,

da dort 1660 eine selbständige Kirche.

Der Name Kreitz typisch für Roetgen

und Rott, ab 1659 ein Tillmann Kreitz und

Frau Catharina in Konzen.

Nr. 22 : Grabkreuz neben Nr. 21 oberhalb

der Kapelle.

Jan Müller auf

den Rahren

1614

Auf den Rahren ist unser Roh ren, die Familien

Müller später meistens in Monschau.

Nr. 23 : Grabkreuz eingemauert in den Altar

der Pankratius-Kapelle.

1620 theiß

hermans Haußfraw

... Cathrin

Es kann sich hierbei handeln um eine Verwandte

des Monschauer Bürgers Herman

Joan von dem Kreuz Nr. 18. Weitere Angaben

nicht möglich.

Nr. 24 : Grabkreuz unterhalb der Kapelle

mit einem abgebrochenen linken

Arm .

1674 15 März ist

Wilh Geil im Herrn entschlafen

und seine Haußfraw

Jen ...

Dieser Wilh. Geil ist in Wirklichkeit der

Wilh. Michaely, langjähriger Pächter des

freiadligen Hofes Stillbusch. Alles Weitere

in dem Beitrag über Stillbusch.

Nr. 25: Grabkreuz unterhalb der Kapelle:

1677 26 Mai

ist der ehrsamer

Clais Jan forster

Die Schrift nur sehr schwer zu entziffern ;

beim Datum kann ein Irrtum vorliegen, da

in lmgenbroich ein Claeßen Johan am 28.

Januar 1677 gestorben ist.

Nr. 26 : Grabkreuz unterhalb der Kapelle,

ein Arm abgebrochen, nur schwer

zu entziffern.

1634

Donscher

Haußfraw Maria

und Mathias Donscher

Der Name Donscher stammt von der Eicherscheider

Flur Dornscheidt, ist dann

aber auch in Konzen mehrfach vertreten ,

so Johan Donscher Schöffe um 1630.

Nr. 27: Grabkreuz unterhalb der Kapelle

in der neu gesetzten Mauer.

22. Sept. 1702

Elisabeth offermann

peter Walters von

lmgenbroich seine

haußfraw 78 Jahre

Gott gib ihnen ihre ewige

Ruhe Amen

Der Text stimmt mit dem Kirchenbuch

überein. Am 19. Mai ist auch ein petter

wolter in lmgenbroich gestorben.

Nr. 28 : auch in der Mauer unterhalb der

Kapelle, ein ganz kleines Kreuz

wie noch eines in dieser Mauer

ohne jede Inschrift oder sonst ein

Zeichen . Ein weiteres Kreuz dieser

Art befindet sich auch in einer

Mauer von der Kapelle auf Mützenich

zu . Diese Kreuze ohne jedes

eingemeißelte Zeichen sind

mit Sicherheit die ältesten auf

dem Konzener Friedhof und dürften

nicht lange nach dem Jahre

1500 entstanden sein.

Nr. 29 : Es ist das Grabkreuz des »Unbekannten

Toten « in Konzen. Vom

Typ her so wie die Kreuze Nr. 1

und Nr. 2. Aber, es ist woh l schon

fertig gekauft und aufgestellt worden,

bevor die Inschrift eingemeißelt

werden sollte, und das ist

dann später aus irgendwelchen

Gründen unterblieben.

Nr. 30: wieder ein Kreuz wie Nr. 28.

Nr. 31 : Ein Grabkreuz auch in der Mauer

unterhalb der Kapelle:

1720 November

der ehrsame Peter Voell

Der Tod dieses ehrsamen Mannes ist im

Kirchenbuch nicht zu finden ; er dürfte

»geschlabbert« sein, wie das nicht so

ganz selten vorgekommen ist.

Nr. 32 : Grabkreuz neben dem »Unbekannten

Toten « in der Mauer unterhalb

der Kapelle.

Maria Foersters

von

Mützen ich

Das ist alles, keine Jahreszahl, kein anderer

Hinweis, so daß auf ein hohes Alter zu

schließen ist, wohl gestorben vor dem

Jahre 1666 = vor dem Eintrag der Toten

im Konzener Kirchenbuch.

Nr. 33 : Wieder ein kleines Grabkreuz wie

Nr. 28.

Nr. 34 : Grabkreuz in der Mauer unterhalb

der Kapelle .

Hammer Jan

Darüber ist eingemeißelt ein Hammer und

eine Zange. Sonst nichts! Dieser Familienname

stammt mit Siche rheit aus dem Ort

Hammer, 1463 als Hammerwerk durch

den Hermann Hammersch mid angelegt,

deshalb später der Ortsname »Hermeshammer«.

Ab 1575/1576 gibt es dort

schon den Familiennamen »Hammer«.

Nr. 35 : Grabkreuz in der Friedhofsmauer

außen an der vorbeiführenden

Straße.

theiß lauterbach

dochter treingen 16 ..

Die Jahreszahl ist nicht vollständig; es

muß sich aber um ein recht altes Kreuz

handeln der bekannten Familie Lutterbach

- Lauterbach, schon ku rz nach 1500 hier

in den Steuerlisten der Forstmeister.

Nr. 36 : Grabkreuz in der Außenmauer

neben Nr. 35.

Anno 17 .. den ...

ist die ehr und tugendreiche

Agatha Offermanns Mathias

Huperts gewesene Ehefraw

in Got entschlafen

G.S.D.S.G.

(Gott sei der Seele gnädig)

Der Theis Hubberts war gestorben am 29.

Jan . 1734, und die Frau Agathe am 12.

April 17 42 als des »theiß hupperts valde

pia vidua Agata« = Theis hupperts sehr

fromme Witwe Agata. (Kirchenbuch

Konzen .)

Nr. 37 : Erst vor kurzer Zeit ist ein noch

recht junges Kreuz eingesetzt

worden in die niedrige Mauer von

der Kapelle auf Mützenich zu .

Wilhelm Theodor

Schmitz

1859-1919

Es ist der letzte männliche Vertreter der

Familie Schmitz in Konzen gewesen mit

dem Dorfnamen »Luckes-Janns«.

Nr. 38: Dieses wohl interessanteste

Grabkreuz befindet sich nicht auf

dem Friedhof, sondern in der Garagenmauer

des Hauses Trierer

30


Str. 66. Es war beim Erweiterungsbau

der Kirche, da vom

Sockel abgetrennt, mit in den

Straßenschutt abgefahren und

dort gefunden und gerettet

worden .

A O (anno)

1785 der 10 Marty

NCHFMA

RIAM M

Das war nun ein wahres Kreuz-Wort-Rätsel

mit der folgend en Auflösung: Am 10.

März 1785 (ist gestorben) des Niclos Cloßen

Haus Frau Maria Mül lenmeister. So ist

es auch im Kirchenbuch zu finden. Die

Maria Müllenmeister war die Tochter des

Burgvogtes Arn old Müllenmeister, gest.

am 27 . April 1767 am Reinartzpfad, wo

heute noch ein Kreuz steht; sie hat Kinder

bekommen von 1758 bis 1782, als sie 47

Jahre alt war. Der Niclos Cloßen (später

Claßen) aus Mützenich ist gest. am 29.

Aug. 1790, und das Ehepaar Cloßen-Müllenmeister

ist etwa 30 Jahre lang Pächter •

des Gutes Stillbusch gewesen . Alles Nähere

siehe in dem Beitrag über Stillbusch.

Kleine Kirchenchronik

Die Grundlagen hierzu bilden vor allem die

• Jahresabrechnungen der Kirchenrendanten

vom Jahre 1634 an mit wenigen Lükken

erhalten im Pfarr-Archiv. Dabei kann

man sich nur wundern, daß diese Leute so

anständig geschrieben und gerechnet haben,

ohne geregelten Unterricht in wenigen

Schulstunden vielleicht in den Wintermonaten

.

Zu diesen Rechnungen sind mit verwertet

die Privatnotizen besonders des Pfrs. A.

Merkelbach, Mitteilungen aus dem Buch

des Pfrs. H. Laumans, Akten aus den Diözesan-Archiven

in Köln und in Aachen,

Notarakten und verschiedene andere

Quellen, die nicht immer aufgeführt werden

können .

Insgesamt liegt aber so viel Material vor zu

unserem Thema, daß gut und gerne ein

Buch von 120 Seiten daraus verfaßt werden

könnte. Hier also nur ein ganz knapper

Auszug : Im Jahre 1634/35 ist Jacob

Palm verordneter Kirchmeister und hat die

Ausgaben und Einnahmen berechnet mit

573 Gulden von Ostern zu Ostern.

Ausgaben sind hier vermerkt für ein neues

Glockenseil, und dafür finden wir Ausgaben

später fast in jedem Jahr. Bei der

Prozession vor dem venerabili = Sanctissimum

= dem Allerheiligsten für die Spielleute

ausgegeben 19 ½ albus (Weißgeld);

das muß also schon die Fronleichnamsprozession

gewesen sein, und es ist die

erste Erwähnung einer sicher noch sehr

bescheidenen Musik-Kapelle in Konzen .

Es ist ein Betrag ausgezahlt für den Kommunikanten-Wein

in Höhe von 8 Gulden;

dieser Wein wurde aus einem bescheidenen

Gefäß getrunken zum Abspülen der

Hostie, auch »Ablutionswein« genannt.

1635/36 ist durch den Schöffen Thomas

Reuter das Uhrwerk »schonn « gemacht

worden = ganz gemacht = repariert worden,

so daß wir damit wissen, daß eine Uhr

an der Kirche schon vorhanden war, die

auch später immer wieder Reparaturkosten

verursacht hat.

1636/37 ist am Fest Allerheiligen ein Festmahl

gehalten worden durch den Herrn

Petrus Ellen, den neuen Pfarrer in Konzen

aus dem Kloster Reichenstein, zusammen

mit dem Küster und dem Kirchmeister;

dieses Fest ist danach immer in den Akten

für 2-3 Gulden. Pater Ellen war der Nachfolger

für den 1636 an der Pest verstorbenen

Pater Lingens. Pater Ellen hat dann

1637 auch mit dem Kirchenbuch begonnen.

Das Führen von Kirchenbüchern war

schon vorgeschrieben durch das Konzil

von Trient 1545 - 1563, allgemein aber

erst viel später durchgeführt worden wie in

Simmerath z. B. erst um 1690. Es ist auch

nicht wahrscheinlich, daß es in Konzen vor

1637 schon Kirchenbücher gegeben hat,

da dieses erste sehr mangelhaft geführt

ist, wobei die Kinder aus den einzelnen

Dörfern wie lmgenbroich, Eicherscheid

oder Monschau noch durcheinander gehen

und nur mühsam getrennt werden

können .

Später sind in den Kirchenbüchern auch

Krankheiten eingetragen, die zum Tod geführt

haben, dann auch andere besondere

Vorkommnisse etwa bei vorehelichen Geburten,

bei sehr hohem Lebensalter; wir

erfahren von Leuten, die im Venn tot gefunden

worden sind , ohne daß sie sonst

bekannt geworden wären.

Besonders streng waren früher die Bestimmungen

über Blutsverwandtschaften,

ja über Schwägerschaften , die bis in das

vierte Glied Dispens durch das Gen.Vikariat

in Köln erforderten. So ist es auch zu

erklären , daß in einigen Fällen Leute geheiratet

haben in dem guten Glauben, daß

kein Ehehindernis vorliege. Hat sich das

aber später herausgestellt, war die Ehe

nicht gültig, es mußte die notwendige Dispens

eingeholt werden, und dann durften

dieselben Leute nochmal heiraten = »matrimonium

revalidaverunt«. Dieser Fall ist

z. B. eingetreten bei dem Ehepaar Petrus

Calenberg u. Joanna Marie Erckes in Konzen,

bei denen ein solches Ehehindernis

bekannt geworden war. Nach Erhalt der

Dispens haben sie am 14. November 1788

nochmals heiraten dürfen, nachdem die

erste Ehe schon vor fünf Jahren geschlossen

worden war.

1637 /38 = nach den Zerstörungen des

Jahres 1543 hat es geheißen, daß unsere

Kirche drei Jahre lang ohne Fenster gewesen

sei wegen der Armut der Leute. Jetzt

hat »aber Leonnardt der Glaßmecher die

»finstern in der Kirche« repariert. Man hat

die Leuchter auf dem St. Brigittenaltar ausbessern

lassen, ein Beweis für das hohe

Alter der St. Brigida-Verehrung also schon

vor 1637; der Altar dazu scheint aber nur

ein Sockel gewesen zu sein, wie man das

auch später feststellen kann . Noch Anfang

der 30er Jahre sind am St. Brigida-Tag

auch Leute aus lmgenbroich nach Konzen

gekommen, wo noch Brigida-Wasser geweiht

worden ist, das die Bauern mitgenommen

und dem Vieh in das Getränk

getan haben zum Schutz vor Krankheiten.

Jetzt haben wir eine Lücke bis zum Jahr

1644/45. 1644/45 wird die Osterkerze erwähnt,

und im August ist »unser lieben

Frauen Bild « von Aachen auf den Altar

getragen worden, und das ist der erste

Muttergottes-Altar in den Akten.

1645/46 sind 5 große Bilder und noch 5

Bilder und das Cruzifix frisch gemacht

worden, leider ohne daß wir etwas Näheres

über diese Bilder wissen. Auch ist die

Kirche neu gepliestert und geweißt und im

Chor sind 10 neue Glasfenster eingesetzt

worden .

Für 7 Gulden Fracht hat man aus Deuren

(Düren) einen Altar in die Kirche holen

lassen, von dem wir auch nichts weiter

wissen. Vielleicht stammen noch Heiligenfiguren

von diesem Alter, der nach 1712

unter Umständen in die Pankratius-Kapelle

umgesetzt worden ist.

1646/47 sind wieder Glasfenster ausgebessert

worden, die der Wind zerschlagen

hatte, und es scheint die erste Sakristei

gebaut worden zu sein, da 30 Karren Steine

dafür aus der Beigenbach herangefahren

worden sind und die Maurermeister

und die Knechte 8 Tage daran gearbeitet

haben. Auch der Leyendecker hat mit zwei

Knechten 15 Tage auf der Kirche und der

Ger-Kammer = Sakristei gearbeitet mit

Dachschiefer aus Gey. Leider ist aber

nicht ausdrücklich gesagt, ob das nun eine

ganz neue Sakristei gewesen ist, oder ob

man eine vorherige vergrößert oder ganz

erneuert hat.

1649/50 sind neue Schlösser und Gehänge

an der Kirchentür gemacht worden, die

die Lothringer »zu stücken geschlagen«

hatten. Das war nach Abschluß des 30jährigen

Krieges, als noch lothringische Truppen

marodierend hier durch die lande gezogen

sind und öfters die Kirche in Konzen

aufgebrochen und beschädigt haben,

ja 1654 noch die Glasfenster zerschlagen,

das Turmschloß zerbrochen und sogar die

Leichenriemen mitgenommen haben . Im

Jahre 1648 war es gegen diese Soldateska

auf dem Friedhof in Kalterherberg zu

einem blutigen Gefecht gekommen, bei

dem 70-80 Leute zu Tode gekommen

sind . (Ausführlich darüber = E. H.V. 3.

Jhrg. S. 97, 20. Jhrg. S. 49 und 21. Jhrg.

S. 69) .

Sonst ist der 30jährige Krieg hier vorbeigegangen.

Was hätte man auch aus diesem

armen Landstrich groß entnehmen

können? Zwar sind 1642 Weimarisch­

Hessische Truppen wohl von Eupen aus

eingefallen, die die Reinartzhöfe und auch

zwei Dörfer gebrandschatzt haben.

1650 ist der Wey-Bischof in Monschau

gewesen zur Einweihung der ersten Mon-

31


schauer Kirche, wobei viele Leute aus den

Dörfern gefirmt worden sind.

1651 /52 hat der Pastor nicht hier bleiben

können, sondern sich wegen der Gefahr

(durch die Lothringer) nach Monjoy begeben.

Wir hören nichts von der Pest hier im

Jahre 1636, als der alte Pfr. Lingens daran

gestorben war. Wohl muß die Pest in den

anderen Dörfern stark gewütet haben, wie

in dem Beitrag über die Rochuskapelle

berichtet ist.

1654 - 1670 = Lücke.

1674 ist ein »fäßgen roten Weins geholt

worden für die Kommunikanten am St.

Johannistag aus dem Kelch zu trinken « =

für 9 Gulden. Das wiederholt sich nun über

viele Jahrzehnte und bedeutet, daß an

dem St. Johannnistag = Evangelist =

Lieblingsjünger Christi, die Leute aus dem

Kelch haben Wein trinken dürfen, der geweiht

aber nicht konsekriert war; das ist in

Konzen nicht allein gewesen, sondern

auch allgemein bekannt unter dem Wort:

»Johannis-Minne«.

Ab 1676 und dann in jedem Jahr haben

junge Burschen etwas frisches Grün =

»ein mey aus dem Wald « geholt und auf

den Turm in die Fenster »ausgestochen «

= herausgesteckt, wofür sie ein wen ig

Geld bekommen haben; das ist dann der

Vorläufer gewesen unseres heutigen Kirmesbaumes.

Vom Jahre 1676 an sind

auch in jedem Jahr in der Abrechnung die

Grundstücke genannt, die die Leute meistens

für Jahrgedächtnisse der Kirche gestiftet

hatten und an einzelne Bauern verpachtet

waren . Das ist noch lange auf Lebenszeit

gemacht worden, später auf 24

Jahre und danach auf 9 Jahre, wie es

heute noch ist. Die Verpachtungen haben

etwa ab 1850 die Notare vorgenommen ,

so daß wir sie in den Akten im HStAD

finden mit allen Angaben der Ortschaften

bis Dedenborn hin und mit der genauen

Größe und den Pachterträgen.

Am 4. Okt. 1860 = Notar Menzen, Nr.

9273 = 95 Morgen, am 5. Nov. 1913 =

Notar Pomp, Nr. 648 = ca. 170 Morgen.

1671 ist ein großer Baum (Esche) am

»Beinhaus« gefällt worden, der der Kirche

am Dachwerk geschadet hat; auch ist an

dem »Bein-Häuschen« noch zwei Tage

gearbeitet worden. Das Beinhaus ist meistens

ein kleines turmartiges Gebäude gewesen,

in dem die ausgegrabenen Schädel

der Toten aufbewahrt worden sind und

ist in Österreich bekannt unter dem Namen

»Karner«; noch bis kurz nach 1800

sind immer wieder Reparaturen an dem

Bein-Häuschen durchgeführt worden ; danach

hören wir nichts mehr davon. Später

hat man diese Toten-Schädel auf dem

kleinen Dachboden der Pankratius-Kapelle·

aufgehoben und haben noch zu makabren

Geschichten unter den jungen Burschen

geführt.

Der Wind hat einen großen Baum niedergeschlagen,

den man zur Ausbesserung

des Kirchendaches verwandt hat. 1686 ist

der Landdechant (aus Zülpich) mit seinem

Sekretär zur Visitation gekommen mit zwei

Pferden, Kosten = Zus. 10 Gulden . In

diesem bescheidenen Rahmen ist der

Landdechant von Zü lpich dann immer gekommen

, während das früher ganz anders

gewesen ist, wie wir den genauen Bericht

haben vom Jahre 1415 (Prälat P. Schreiber

E. H.V. 11. Jhrg. S. 40 ff.) Damals ist er

angereist mit vielen Leuten und 24 Pferden,

mit seinem Kaplan und 6 Pastören,

mit Rittergenossen , mit einem Jäger und

zwei weißen Windhunden, mit einem Falkner

und Vögeln und Vogelhunden. Dann

ist der Empfang mit der Verpflegung in

allen Einzelheiten beschrieben mit Gesottenem

und Gebratenem , mit Wein und

Brot usw.

Das alles kommt uns heute in höchstem

Maße merkwürdig vor, ist aber zu erklären

aus der Stellung des Landdechanten, der

in dieser Aufgabe dem Bischof in Köln

oder dem Weihbischof gleichgestellt war,

auch als »Archivdiakon « bezeichnet, und

in dem fürstlichen Auftreten diese kirch liche,

oberhirtliche Aufgabe repräsentieren

sollte. Bezeichnend dafür ist es auch, daß

in jedem Jahr das besonders geweihte Öl

= Chrisam in Zülpich abgeholt werden

mußte für eine geringe Bezahlung natürlich.

Mehrfach hören wir, daß »Flambauen

« für die Kirche gekauft worden sind,

was allgemein die Gestelle für die großen

Kerzen bei Prozessionen sind ; hier aber

sind es die großen Kerzen selbst gewesen,

da sie aus weißem Wachs hergestellt

waren .

1688 ist eine hl. Scapularius-Erzbruderschaft

errichtet worden, wobei den zwei

Patres 20 Gld. gezahlt werden mußten. Es

muß sich um eine Mutter-Gottes-Bruderschaft

gehandelt haben, über die wir aber

nichts weiter erfahren. In demselben Jahr

ist auch ein Bildnis der hl. Jungfrau Maria

aus Aachen geholt worden für 36 Gulden

= gld .

1690 haben junge Burschen etwas Geld

bekommen, um Kreuz und Fahne nach

dem Kloster »Grünen-Wald « zu tragen ,

und im nächsten Jahr erscheint dann der

heutige Name »Maria-Wald«. Von Monschau

aus hat die Prozession nach Maria­

Wald schon viel frü her stattgefunden, notiert

in den Stadt-Rechnungen. 1690 sind

zwei Jesuiten in Konzen gewesen, was

wohl auf die erste Mission im Ort schließen

läßt.

Im Jahre 1694 ist ein neuer Mutter-Gottes-Altar

in die Konzener Kirche gekommen,

nicht seit unvordenklichen Zeiten,

auch nicht erst 1720, wie in den Kunstdenkmälern.

Er ist geschnitzt worden

durch den Bildhauer Hubert Hachet aus

dem Land um St. Vith _und von dem Theißen

huperts in Bütgenbach abgeholt worden

für 5 gld ., der Bildhauer hat erhalten

96 _Rthl. auch für Kost und Logis beim

Aufstellen ; dann haben die Mähler (Maler)

aus St. Vith 1696 diesen neuen Altar und

einige Bilder bunt ausgemalt für 132 gld.

Auch der Pastor ist wegen dieses Altars

einmal in Bütgenbach gewesen und hat 2

gld. dafür erhalten. 1705 sind noch zwei

Leuchter auf den Mutter-Gottes-Altar gekommen

. Es muß sich fol glich um ein

schönes Werk gehandelt haben, natürlich

nicht zu ve rgleichen mit dem bald darauf

angefertigten Hochaltar des Jahres 1712.

1697 sind 2 000 Leysteine (Dachschiefer)

von Dreysteghen gekommen. Das hängt

mit dem immer wieder reparierten Kirchendach

zusammen. Diese Dachschiefer

sind sicher nicht so schön dünn und glatt

gehauen gewesen wie heute ; sie haben

wohl den Regen abgehalten, aber nicht

den wi rbelnden Schneesturm im Winter,

da es auch keine richtig e Unterlage mit

Brettern und Dachpappe gegeben hat wie

heute. Wir hören gelegentlich, '\daß Latten

für das Kirchendach hergestellt worden

sind , die aber mit den vielen Ritzen keinen

Schutz gegen den Sch neestaub haben

bieten können . So kommt es au ch, daß wir

öfters hören , daß Leute im Winter dafür

bezahlt werden mußten, daß sie den

Schnee vom Gewölbe haben herunterschaffen

müssen. Auch der Kirchenturm

hat immer wieder Kosten verursacht, da er

nur aus unbehauenen Steinen gemauert

war und deshalb wiederholt Schäden aufweisen

mußte, besonders in unserem unwirtl

ichen Klima. Wir können das nicht immer

für die ei nzelnen Jahre aufführen,

müssen aber auf die ganz hohen Kosten

hinweisen , die die Gemeinde zus. mit den

anderen Dörfern hat aufbringen müssen.

1699 ist auch die Muschel am St. Johannisaltar

und das St. Johannisbild abgestrichen

(wohl gerei nigt) und illuminiert =

wohl bunt ausgemalt worden. Die drei

Altäre = Hochaltar, Marienaltar und Johannisaltar

waren früher typisch nicht nur für

Konzen. Denn die Dreiheit war nicht Jesus,

Maria und Joseph, sondern Jesus,

Maria und Johannes. So soll es auch in

Strauch eine ganz alte Glocke gegeben

haben mit diesen drei Heiligen als Patronen

. Die Josephsverehrung hat erst später

eingesetzt, wie wir noch hören werden.

1699 hat Hr. Pastor (Fabritius) in die Kirchen

ein Kriptlein machen lassen = 12

gld . Im nächsten Jahr hat der Rendant

etwas Geld bezahlen müssen für »zwei

Kerzen vor die heilige drey Konige gesetzt«;

damit hat Konzen allen Grund, im

Jahre 1999 ein rundes Jubiläum zu feiern

für seine heute so weithin bekannte Krippe

in der Kirche , was damals noch etwas

Neues war.

Im Jahre 1696 sind schon das Kreuz und

der Hahn von der Kirche heruntergeholt

und repariert worden , so daß wir auch

darüber Kenntnis haben.

1701 hat der Peter Lauterbach ein Grundstück

gepachtet »hinden im Dorf« und das

ist genau unser heute gebrauchtes »ernrn

höngeren Dorp«.

1703 hören wir, daß das Gehalt des Küsters

28 gld . beträgt und des Kirchmeisters

30 gld. Der Gulden wurde gerechnet

32


als ½ des Reichsthalers, und für 10 Rthlr.

konnte man eine Kuh kaufen, so daß der

Kirchmeister für ein Jahreseinkommen

drei Kühe kaufen konnte, was damals gar

nicht so wenig gewesen ist.

Auch der Pfarrer war nicht so schlecht

gestellt, da er für die Beerdigung eines

Erwachsenen einen ganzen und für ein

Kind einen halben Reichsthaler bekommen

hat.

1703 hat man einen besonderen Stuhl machen

lassen für 7 Rthlr., worauf der Frühmesser

= Kaplan die Predigt und am

Nachmittag die christliche Lehre gehalten .

Erst im Jahre 1702 ist ein Kaplan hier

amtlich angestellt worden mit dem notwendigen

Einkommen. (Prälat P. Schreiber

im E. H.V. 34. Jhrg. S. 82 : »Konzen

erhält einen Frühmesner« (Primissär). Das

heißt aber nicht, daß der Pfarrer in Konzen

mit seinem riesigen Pfarrbezirk bis dahin

immer allein als Geistlicher hier hätte wirken

können. Selbst in dem Liber Valoris

um 1300 sehr wahrscheinlich 1308, ist der

Konzener Pfarrer schon eingetragen, zusammen

mit seinem Vikar; weitere Vikare

werden genannt bei der Geschichte der

Pfarre Konzen . 1 /

Schon im Jahre 1680 war der Herr Landdechant

mit Sekretär in Konzen gewesen,

am 20. und 21. Oktober, wobei für 17 gld.

verzehrt worden ist mit Schnepfen und

Wein und für Futter für das Pferd .

Und bereits 1682 ist bei dem Leinenkremer

zu Monioie Leinentuch für zwei Röcklein

gekauft worden, damit die Jungen, so

die Messe dienen, sich bekleiden können.

Vielleicht ist das überhaupt die erste kirchliche

Bekleidung für die Meßdiener gewesen

.

1706 - 1710 ist eine Lücke in diesen Aufzeichnungen.

1710 ist auff Kirchweyung (Kirmes) einem

Pater das Röcklein angebrannt, zu reparieren

= 2 gld .

Von 1710 - 1722 ist der neue große

Schnitzaltar durch den Meister Johann Pecourt

aus der Gegend von St. Vith angefertigt

worden, genau nach den Angaben

des Pfrs. Arnold Merkelbach aus Aubel in

Belgien, seit 1704 hier tätig . Er hatte gleich

nach der Priesterweihe mit 26 Jahren die

Pfarrstelle in Konzen erhalten. Der Meister

Pecourt hatte vorher einen großen

Schnitzaltar in Houffalize und in St. Vith

geschaffen . Der Altar in Houffalize ist im

letzten Krieg stark beschädigt aber restauriert

worden und so heute noch zu sehen ,

während der Altar in St. Vith im Krieg völlig

zerstört, aber noch als Photographie gut

zu erkennen ist. Nur hat Pfr. Merkelbach

einige andere Heiligenfiguren gewünscht

für sich selbst seinen Namenspatron, den

hl. Arnold . Daneben wollte er auch einige

andere kleinere Änderungen , im Grunde

aber nach dem Muster in St. Vith, so daß

wir eine gute Vorstellung dieses Kunstwerkes

haben, das die Konzener Fuhrleute

abgeholt haben im Jahre 1712; dann hat

der Meister mit zwei Knechten 12 Tage in

Konzen logiert, um den Altar aufzuschlagen.

Der Preis hat 225 Reichsthaler betragen,

die in mehreren Raten bezahlt worden

sind. Wenn das Werk zur Zufriedenheit

ausgefallen wäre, sind noch zusätzlich

50 Pfd. Butter versprochen worden, die

auch geliefert wurden . Diese Einzelheiten

erfahren wir aus einem dicken Urkundenbuch

im Pfarr-Archiv, aus dem nun auch

andere Nachrichten herausgeschrieben

werden . Der Altar aber war so groß in der

Höhe und der Breite, daß man das Fenster

in der Mitte des Chores zugemauert hat,

da es völlig verdeckt gewesen ist.

1716 ist erstmals ein St-Josephs-Bild gemalt

worden für 11 gld.

1717 ist 'Mission in Konzen gewesen, die

erste, von der wir sicher wissen.

1721 ist für den St-Josephs-Altar Tuch

und ein Kelchtuch gekauft worden.

1726 ist im Januar und im April Schnee

vom Gewölbe der Kirche und des Chores

geworfen worden, wie es dann noch öfters

zu vernehmen ist.

Der junge Pfr. A. Merkelbach ist ein etwas

streitbarer Mann gewesen, der 1721 mit

seinen Pfarrgenossen Schwierigkeiten gehabt

hat, die z. T. auf den neuen großen

Altar zurückzuführen sind, der aus der

Kasse der Pfarre bezahlt worden war, obwohl

nach altem Recht dem Marienstift in

Aachen als dem Zehntherrn die Pflicht

oblag , »den hohen Altar in allem Geleucht

und Zierat und mit allem seinem Zubehör

zu unterhalten«. Dabei wird auch betont,

daß der bisherige Altar (aus Düren?) würdig

und gut genug für die Kirche gewesen

sei. Darüber und noch viele andere Dinge,

daß der Pfr. z. B. fünf Kühe halte, über die

Gebühren für seine Amtshandlungen usw.

haben wir eine ausführliche Darstellung

wieder von P. Schreiber im E. H.V. 12.

Jhrg. S. 113-120. 1731 ist Pfr. Merkelbach

in einen Rechtsstreit geraten mit seiner

vorgesetzten Behörde, dem Marienstift,

wegen einiger Ausgaben und hat sich an

die Regierung in Düsseldorf gewandt und

schon Geld für einen Rechtsvertreter geschickt.

Sicher zu Recht war sein energisches

Eintreten gegen den Zehntpächter

Stoltzen, der ihm mit Gewalt eine geladene

Karre Hafer nach Monschau in den

Pfandstall weggeführt habe, obwohl diese

Grundstücke nicht dem allgemeinen Zehnt

unterlagen. Nach langwierigem Prozeß hat

Pfr. Merkelbach sein Recht bekommen ,

das er auch nochmal im Jahr 1739 gegen

den Schöffen Peter Schreiber hat verteidigen

müssen, der von einem Grundstück

»owier« den Zehnten hat kassieren wollen

(H . Laumans S. 217 /218) .

1731 : Durch Maurer und Pliesterer sind

die Dielen in der Kirche »ganz versaut«

und nicht mehr zu gebrauchen , aber noch

für 31 gld . verkauft worden.

17 46: Merlen und Joannis Kulartz am Uhrwerk

repariert, der Orgelmecher Odenthal

eine neue Orgel gemacht und aufgesetzt

innerhalb von 45 Tagen, Restbetrag gezahlt

von 44 Gulden.

1752/53 - unter dem neuen Pfarrer Johann

Wilhelm Schreiber aus Konzen -

werden dem früheren Pfr. Merkelbach 87

Thaler zurückgezahlt, die er für die neue

Orgel vorgeschossen hatte.

1755/56 dreimal gebetet wegen der »erdbebung!

«

1758/59: der Capellan Philipp Lacroix

(Neffe des Pfr. Merkelbach) bekommt für

die Frühmesse jährlich 30 Rthlr. , für die

Samstag-Muttergottesmesse 15 Rthlr.

An der untersten Seite der Kirche ist ein

Vor-Häuschen angebracht worden für 3

Rthlr.

Für ein neues Pankratiusbild sind 4 Rthlr.

ausgezahlt worden .

1767 /68 Ausgaben für eine Communikanten-Bank

mit Steinen aus Raeren, die

Bank aus Monschau abgeholt zus. 213

Rthlr. (Das müßte ja wohl die schön geschnitzte

Kommunionbank im Rokoko-Stil

gewesen sein, die nach dem Brand von

1869 nach Aachen in das Sourmondt-Museum

verkauft worden ist). 1784/85: Von

Michel Kremer wegen gekaufter Capellaney

empfangen 200 Thlr. am 3. Mai 1766.

1787: Der Orgelmecher Odenthal aus

Münstereifel hat für gänzliche Reparatur

der Orgel 133 Rthlr. erhalten .

1787: Hier gibt es eine höchst merkwürdige

und dunkle Sache: »der Schreinermeister

und Bildhauer Matheis Honns (später

Hohn?) von Monjoye hat in hiesiger Kirche

veraccordiert einen Newen aldar mit dem

Neben aldar zu verfertigen und anzustreichen

für 350 Rthlr. und ein neues Muttergottesbild

zu machen für 15 Rthlr. also

zus. = 365 Rthlr.« ; dann noch die Fracht

für zwei Karren von Monjoye nach Konzen

= 1 Rthlr. Das kann aber keinesfalls ein

neuer Hochaltar gewesen sein, der auch

nicht in zwei Fuhren nach Konzen hätte

geschafft werden können. Der Marienaltar

kann es auch nicht sein, höchstens ein

St-Josephs-Altar, der aber auch nicht diese

gewaltige Summe gekostet haben

könnte. Da muß irgendwo ein Fehler eingeschlichen

sein, der heute kaum noch zu

finden sein dürfte.

1779/80: Das hochwürdige Capitel zu Aachen

gibt jährlich für die Paramente drei

Müth = Scheffel Hafer, dieses Jahr gerechnet

als 7 Rthlr., so daß die Frucht in

Geld aufgerechnet ist.

1797 /98 haben die Franzosen alle alten

Gerechtsamen aufgelöst, so daß diese

drei Müth Hafer nicht mehr eingekommen

sind, aber zur Erinnerung noch eingetragen

werden. Für das Geleucht auf dem

Hochaltar hat das Kapitel jährlich 1 Rthlr.

gezahlt, was auch nur noch Erinnerung

sein soll.

1802/03 sind g.enau wie vorher 41 Grundstücke

verpachtet worden, und es ist genau

wie vorher Kapital ausgeliehen worden

in 37 Fällen . Man hat bisher gemeint,

zur Franzosenzeit seien alle kirchlichen

Güter für Rechnung des franz. Staates

eingezogen und verkauft worden, was

aber hier offenkundig widerlegt ist für die

33


Dorfkirchen. Wohl hat das gegolten für den

Besitz von Klöstern und für den Besitz, der

in fürstlicher Hand gewesen ist.

1804: Kirchenrendant ist Joh. Math . Müllenmeister.

Einkünfte:

ständige Renten

Verpachtungen

Zinsen

Zinsen von Organistengehalt

zusammen

Ausgaben zusammen

Deficit

84 Rthlr.

620 Rthlr.

320 Rthlr.

140 Rthlr.

1 170 Rthlr.

1 291 Rthlr.

123 Rthlr.

Später sind aber fast in jedem Jahr Überschüsse

erzielt worden.

Der Pfarrer Joh . Wilh. Schreiber, geb.

1712 als Sohn des Schöffen Johannes

Schreiber u. der Eva Schmitz, Schwester

des Pfrs. Fabritius, hat in seiner Amtszeit

von 1749 - 1798 eine neue Pastorat erbauen

lassen, für die ja auch das Marienstift

zuständig war. Der Pfr. selbst aber hat

aus eigener Tasche 500 Thlr. beigesteuert,

womit er vielleicht auch Einfluß auf das

neue Gebäude gehabt hat.

Das neue Wohnhaus hat für unsere Verhältnisse

schon eine gewisse Höhe gehabt,

Stall und Scheune sind niedriger gewesen,

und es haben noch ein paar

Schuppen daneben gestanden in Richtung

auf die Hardt zu . (Darüber aber mehr beim

Umbau 1902/03).

Über das Jahr des Baues war nichts zu

erfahren, wir dürfen aber die Jahre

1760 - 1770 annehmen, da der aus dem

Amt geschiedene Pfr. A. Merkelbach noch

Wohnrecht in dem Pastorat gehabt hat bis

zu seinem Tode im Jahre 1760.

Wir wüßten natürlich auch gern, wie die

früheren Pastorate ausgesehen haben

noch unter dem Pfr. Merkelbach. (Die Pastorat

wird häufig bezeichnet mit dem Wort

»Widumshof« und das »wittum « ist schon

ein ganz altes Wort für die Ausstattung

einer Braut oder eines Pfarrers mit Haus

und Grundstücken).

Da wir aber die erste Kaplanei kennen aus

dem Jahre 1720/21 , das jetzige Haus

Meurers-Schreiber gegenüber der Bäckerei

R. Isaac, müssen wir annehmen, daß

die Pastorey nicht kleiner gewesen ist. Sie

muß ausgereicht haben für den Pfarrer mit

Knecht und Magd, und der Pfr. Merkelbach

hat seine Mutter und seine Schwester

bis zu ihrem Tode bei sich gehabt.

Gleich nach seiner Stelle in Konzen hat A.

Merkelbach im Jahre 1706 an die Pastorat

ein eigenes Backhaus errichten lassen, so

wie es heißt: »Mit dem Bäcker auf der

Steinrots gerechnet 99 Brote, es ist antiquiert

und backe nun selbst«. Dieses

Backhaus muß ein eigener Bau neben

dem Wohnhaus gewesen sein, da wir

noch öfters von Reparaturen am Mauerwerk

lesen. Den letzten Eintrag finden wir

1815/16: »am Pastorafsbackhaus repariert

und geplästert und am Pastoratsscheunen

Th-or gearbeitet«. Danach scheint man das

Backhaus nicht mehr lange benutzt zu

haben.

Im Jahre 1811 / 12 ist auch das Bein-Häuschen

zu letzt erwähnt, an dem der Küster

Wilh . Sehartmann nochmal gearbeitet hatte,

und 1818/19 hat Marx Huppertz gearbeitet

»an der Pastorat am Kuhstall «.

1815/16 sind 26 frcs und 5 Centimes eingekommen

aus einer Kollekte der Contzer

Jungfrauen, die »durch das Dorf singen «

gewesen.

1819/20 hören wir, daß am Missionskreuz

gearbeitet worden ist und auch später sind

noch Reparaturen daran in den Akten. Wir

wissen aber nicht, wann die Kapelle darum

mit der offenen Seite zur Kirche hin gebaut

worden ist mit dem Gitter davor.

Hier noch ein paar Einzelnotizen: Der Pfarrer

in Konzen hat das Recht seit uralter

Zeit, das Gras vom Kirchhof und Brandholz

vom Platz am Missionskreuz für sich

zu verwenden.

1782/83 erfahren wir, daß den Pastoren

von Konzen und Simmerath ist zugelegt

worden jährlich 2 Rthlr. »daß sie alle Sonnund

Feiertage von den Kanzeln für das

Kuhrhauß (das Haus des Kurfürsten) beten

lassen «.

Unter anderen Dingen hat der Pfr. Merkelbach

sorgfältig notiert, wer ihm im Venn

den Torf gestochen und eingefahren, wer

ihm Heu und Hafer im O-Wier gemäht und

in die Scheune gebracht, wer ihm 5 Karren

Streuver gemacht und eingefahren , wer

ihm geholfen hat, den »Kappis« = Weißkohl

zu stampfen usw. (Man könnte und

sollte vielleicht einen eigenen Beitrag

schreiben unter dem Thema: »Pastor und

Bauer«, und das wäre eine amüsante kulturhistorische

Studie) .

Der Pfarrer hat natürlich nicht selbst die

Sense, den Torfspaten und die Mistgabel

in der Hand gehabt, aber er hat zum Teil

von der Landwirtschaft gelebt und ist stolz

gewesen, wenn er z. 8. 1728 nach Monschau

»208 pont botter« hat verkaufen

können .

1712 hat er »auff dem kemmergen laßen

machen die bibliotheck«. Da er kein ungelehrter

Mann gewesen ist, der die lat.

Sprache recht gut beherrscht hat, könnte

man schon eine Menge von Büchern erwarten,

wie sie etwa notiert sind im Jahre

1770, als das Pfarrhaus des Rektors Anton

Küttingen in Kalterherberg inventarisiert

worden ist. (E. H.V. 33. Jhrg. S. 65 : »Ein

Pfarrhaushalt im Jahre 1770«).

1729: hat die Magd Mreygen Mentzroth an

Jahreslohn erhalten 14 Gulden und nach

Landesbrauch Schuhe, Hemd, usw. Die

letzte Magd des Pfrs. Merkelbach ist das

treue Mariechen Weishäupt gewesen, die

auch im Testament vom Jahre 1750 für

ihre treuen Dienste gut bedacht worden

ist. Nach einem Aktenstück im Gen.-Vik.­

Archiv in Aachen hat Pfr. Merkelbach auch

eine »schilderey vom gantzen leiden Christi«

angeschafft, und das dürfte der erste

Kreuzweg gewesen sein.

Zum Einkommen des Pfrs. gehört auch ein

Rthlr. von den Ostereiern kurz nach 1800.

Fast in jeder Rechnung taucht ein Betrag

auf für das Wachs, das immer teuer bezahlt

werden mußte, so 1803 = 63 Pfd.

Wachs = 36 Rthlr. und 1804 je Pfd. = ein

Rthlr.

Wieder zur Chronik

Im Jahre 1807 erhält der Organist Wilhelm

Sehartmann für das Orgelschlagen jährlich

35 Rthlr., für das Kehren der Kirche, das

Aufziehn der Uhr und wöchentlich drei

Messen zu singen zusätzlich 15 Rthlr. =

zus. 50 Rthl r.

1808 ist eingebrochen worde~, die Monstranz

und ein Kelch gestohlen; 1830 ist

die silberne Monstranz und anderes gestohlen

worden ; 1825 werden immer noch

34 Grundstücke verpachtet mit einer Gesamtgröße

von 69 Morgen.

Am 13. Juli 1827 hat der Erzbischof Gral

Spiegel von Köln in Konzen die alte Pfarrkirche

besichtigt, nachdem er von der ganzen

Bevölkerung mit Triumphbögen usw.

festlich empfangen war. Am nächsten Tag

hat er in Monschau das Sakrament der

Firmung erteilt auch für die noch nicht

gefirmten Leute aus der Bürgermeisterei

lmgenbroich, die in geschlossener Prozession

nach Monschau gezogen sind.

1844 wird die Genehmigung erteilt, die

alte = zweite Vikarie zu versteigern und

geht an den Math . Peter Sehartmann und

hat noch lange den Namen gehabt

»Sehartmanns Hüßje«. In dem zugehörigen

Garten wird dann die letzte Vikarie

errichtet, die am 3. 8. 1931 völlig abgebrannt

ist, als sie aber schon lange an

Privat verpachtet war, an die Familie Gottschalk.

Das Gehalt des Pfarrers beträgt 1826:

Staatsgehalt

Zuschuß der Gemeinde

aus Stiftungen

Realgefälle der Stolgebühren

zusammen

131 Thlr.

78 Thlr.

70 Thlr.

35 Thlr.

314 Thlr.

1846 stiftet ein Wohltäter ein silbernes

Weihrauchfaß und ein dazugehöriges

Schiffchen im Wert von 120 Thlr.; da der

Name des Stifters eingraviert ist, sind diese

Geräte nach dem Krieg wieder in die

Konzener Kirche zurückgekommen.

1846 ist auch das Missionskreuz ganz renoviert

worden. Ab 1850 hat man den Plan

gehabt, einen ganz neuen Eingang durch

den Turm zu schaffen, was aber zu großen

Streitereien, ja sogar zu einem Prozeß geführt

hat. Gleichwohl ist der neue Eingang

gebrochen worden, und der Kirchenrendant

Peter Wilh. Esser hat die Eisentür mit

Oberlicht und dem Chronogramm = 1856

ausgeführt für 121 Thlr.

1854 sind Ölgemälde des Kreuzweges in

14 Stationen samt passenden Wandleuchtern

angeschafft worden für 151 Thlr. 1856

34


Kriegerdenkmal und dahinter die dritte Vikarie, abgebrannt am. 3. Aug . 1931

ist eine neue Orgel aufgestellt worden für

1793 Thlr. , wovon durch die Zivilgemeinde

800 Thlr. beigesteuert worden sind. Die

alte Orgel ist dann [ür 150 Thlr. nach Mützenich

gegangen.

Im Jahre 1846 erfahren wir, daß zum Pankratiusfest

jährlich eine Prozession von

Eupen-Nispert nach Konzen gekommen

ist, da der Pfarrer fü r diese Leute einen

besonderen Geistlichen beim General-Vikariat

in Köln anfordert und auch zugesagt

bekommt. Diese Prozession ist noch jährlich

gekommen mit Blasmusik bis in die

20er Jahre.

Am 30. Juni 1850 hat Pfarrer Maehren

eine Bruderschaft gegründet »zum heiligsten

und unbefleckten Herzen Mariae« mit

Genehmigung durch den Erzbischof von

Köln. Dieser frommen Bruderschaft sind

beigetreten nicht nur fast alle Leute aus

Konzen, sondern aus dem Gebiet von

Monschau, aus der Eifel und viele andere.

Ja, es ist darin vermerkt ein Einsiedler aus

Schlesien, es ist beigetreten im Jahre

1857 Friedrich Wilh . IV., König von Preußen

und 1858 Leopold 1. , König von Belgien.

Erst 1878 sind durch die Pfarrer jedes

Jahr auch die Kinder der Erstkommunion

eingetragen worden , ohne daß sie

etwas davon gewußt haben bis 1924. Die

Liste der Bruderschaft füllt ein ganzes Heft

mit - sage und schreibe - viertausend und

siebenhundert und dreißig Namen.

1864: der Küster hat früher den sogenannten

»Klepp-Hafer« zu Ostern von jedem

Haushalt bezogen für das Kleppen =

das Läuten, und das hat zu seinem Einkommen

gehört. 1864 beantragt die Pfarrgemeinde,

den Wert in Höhe von 34 Thlr.

von der Gemeindeverwaltung zu bekommen

. Das wird natürlich durch den Bürgermeister

Philippi in lmgenbroich abgelehnt.

Wie sollte er auch? So ist es beim alten

Zustand geblieben und soll noch bis zum

ersten Weltkrieg gezahlt worden sein mit 1

Thlr. je Haushalt.

1862 sind eine gotische Monstranz = 140

Thlr. und ein gotischer Kelch für 240 Thlr.

gestiftet worden.

Nachdem schon 1855 ein sogenannter

kalter Blitz Schäden am Kirchturm angerichtet

hatte, kommt es am 9. Februar

1869 zu einer Katastrophe für die Kirche,

als ein Blitz in den Turm einschlägt und

zündet. Der Helm des Turmes mit drei

schweren Glocken und der Orgel, der

ganze Dachstuhl der Kirche und des Chores

werden ein Raub der Flammen . Die

Feuerwehren von Konzen , lmgenbroich

und Mützenich können mit ihren bescheidenen

Handspritzen nicht mehr ausrichten,

als die umliegenden Häuser und besonders

das Haus Neiken mit dem gewaltigen

Strohdach fast bis zur Erde vor dem

Feuer zu bewahren . Aber! Das Gewölbe

hat dem Brand standgehalten, so daß im

Inneren nicht viel Schaden angerichtet

worden ist. Der Gottesdienst ist mit Genehmigung

des General-Vikariats bis zum

4. April in die Schule verlegt und dann

wieder in der Kirche gehalten worden, da

das Gewölbe ja standgehalten hatte.

Den Wiederaufbau hat der tüchtige und

eifrige Kirchenrendant Peter Wilh. Esser

geleitet, so daß die Kirche ohne Turm zu

Ende 1869 wieder unter Dach und Fach

gewesen ist.

Auch der Turm mit einem neuen Helm in

der spitzen Form , wie sie älteren Leuten

noch bekannt gewesen ist, hat schon 1869

vollendet werden können; er ist um ein

gutes Stück höher gebaut worden , wie die

hellen Steine an den Ecken noch anzeigen.

Im Turm sind heute noch eiserne

Anker zu sehen mit der Jahreszahl 1869.

Auch das Langhaus ist um etwa 1 /2 Meter

höher gebaut worden, und auf das Dach

des Chores ist der kleine Turm gekommen,

der nun die Uhr hat aufnehmen können

, die sicher früher im Turm selbst gewesen

ist. Schon im Jahre 1869 hat man

neue Glocken gehabt, in die man das geschmolzene

Material der alten Glocken

eingearbeitet hatte, angerechnet auf 1137

Thlr. Schon am 29. August 1869 sind die

neuen Glocken durch den Domkapitular

Dr. Kirch von Köln, geb. in lmgenbroich,

eingeweiht worden; diese neuen Glocken

haben 2364 Thlr. gekostet.

Die ganze Restaurierung hat den Betrag

erfordert von 7651 Thlr., wozu aus der

Feuerversicherung 4236 Thlr. und aus der

Gemeindekasse 3414 Thlr. gekommen

sind, so daß die Kosten noch in demselben

Jahr gedeckt waren.

Es sind dann angeschafft worden :

Die neue Orgel mit Gehäuse = 1450 Thlr. ,

ein neuer Hochaltar durch die Gebrüder

Bong aus Köln für 660 Thlr. , aber erst

später!

1877 unter Vikar Gimken zwei neue Seitenaltäre

von dem Bildhauer Gerh. Breuer

aus Aachen für 2454 Mark, die ab 1871

nach der Gründung des neuen Kaiserreiches

allgemein eingeführt worden ist.

1879 ist das zugemauerte Fenster hinter

dem Hochaltar wieder geöffnet und durch

die Glasmalerei H. Oidtmann eingesetzt

worden für 661 Mark das noch bekannte

• Bild, auf dem Christus dem hl. Petrus den

Schlüssel überreicht.

1880 ist eine neue gotische Kanzel angeschafft

worden für 1420 Mark 1882 sind

zwei neue Beichtstühle gekommen, und

die neue Bemalung hat 460 Mark gekostet.

1885 ist die neue Kommunionbank für 700

Mark angeschafft worden.

1885 sind auch Glasfenster mit den Gestalten

des hl. Bonifatius und Xaverius in

den Chor gekommen für ca. 1000 Mark,

eingebaut in das linke Chorfenster.

In das rechte Chorfenster ist dann das Bild

gekommen, wie der Papst Karl dem Großen

die Krone aufsetzt.

Während des Hochamtes war stets ein

wunderbares Lichtspiel in dem Raum des

Chores, wenn die Sonne durchbrach, die

Zweige der Kastanien sich bewegten und

die bunten Lichtreflexe um den Altar getanzt

haben .

Bei dem Brand ist auch die alte Kanzel

unbeschädigt geblieben, so daß die Versicherung

dafür und den alten Belag und die

Kommunionbank 300 Thlr. abgezogen

hatte. Vom Verbleib der Kanzel ist auch

nichts bekannt geworden.

1879 ist der Plan für eine neue gotische

Kanzel gefaßt und auch wohl ausgeführt

worden für 1575 Mark. Nach dem Bau der

Seitenaltäre im Jahre 1877 ist von dem

sicher uralten St-Johannis-Altar nichts

mehr zu hören gewesen; auch er dürfte

wie so manches damals zu Brennholz zerschlagen,

verkauft oder verschenkt worden

sein , ohne daß wir die geringste

Kenntnis hätten, seit wann er dort gewesen

sein muß und wie er ausgesehen haben

kann .

Die neuen Glocken waren geliefert worden

durch den Glockengießer Beduwe

und sind erstmals geläutet worden bei

35


dem Tod durch eine Lungenentzündung

des Vikars Kemper, gest. am 18. April

1869 im Alter von nicht ganz 35 Jahren.

Durch das Geld aus der Feuerversicherung

, durch den Zuschuß von der Gemeinde

und frommen Stiftungen war die

Kirche im nächsten Jahr schon wieder in

der Lage, Kapital auszuleihen.

Für die Feuerversicherung sind dann neue

Vermögenswerte aufgestellt worden, wie

folgt:

Kirche + Sakristei +

3 Chorfenster

Turm und Glockenstuhl

Möbel in den Gebäuden

neue Rumpelkammer

Kirchenmöbel u. Paramente

im Pfarrhaus

Kirchenleinwand bei

Wwe. Joh. Zimmermann

zusammen

27 000,- Mark

16 800,- Mark

28 785,- Mark

1 600,- Mark

2 700,- Mark

540,- Mark

78 115,- Mark

Immer wieder hören wir von Reparaturen

am Kirchenturm , was bei den zur Zeit sehr

kleinen und nicht behauenen Steinen nicht

zu verwundern ist. Noch im 18. Jahrhundert

sollen andere Kirchengemeinden zu

den Kosten herangezogen werden. Im

Jahre 1847 ist er wohl außen verputzt

worden, und dazu heißt es, daß Steine,

Sand und Salz (als Frostschutz?) beschafft

worden sind . Und weiter: »Zu diesem Widerwurf

ist ferner Urin gebraucht worden,

den die Nachbarn gratis aufbewahrt und

zugeführt haben .« Wozu allerdings diese

»wertvolle« Flüssigkeit gedient haben

mag, ist bisher nicht geklärt worden .

Der Umbau der Pastorat im Jahre 1902

Diese große Arbeit war schon lange geplant

mit einem Kostenvoranschlag vom

Jahre 1895. Von der Gemeinde konnte

man eine Anleihe von 3000,- Mark bekommen

und die gesperrten Gelder aus der

Zeit des Kulturkampfes einsetzen. Für die

Holzarbeiten hatten Kostenvoranschläge

eingereicht ein Schreiner Stollenwerk,

Math. Peter Sehartmann und Joh. Peter

• Kreitz, die alle den Meisterlohn mit 25

Pfennig je Stunde eingesetzt hatten. Das

war nicht viel, erbrachte aber einen Wochenlohn

von 15,- Mark, was damals recht

viel war im Verhältnis zu einem Arbeiter,

der kaum auf 10,- Mark kommen konnte.

Die Wohnung des Pfarrers war in sehr

schlechtem Zustand, so daß der Pfarrer H.

Laumans auch bis dahin in der viel besseren

Kaplanei gewohnt hatte. In der Pastorat

hatten Leute zur Miete gewohnt, wovon

wir noch kennen den Schneidermeister

Wilh. Palm , der um 1900 sein eigenes

Haus an der Ki'rche bauen konnte. Die

Wohnung des Pfarrers befand sich im linken

Flügel mit den schon recht hohen

Zimmern , daran anschließend der Stall

und die Scheune, wie sich das ja auch hier

fast gehörte. Stall und Scheune waren

aber in der Firsthöhe viel niedriger, so daß

alles gehoben wurde. Bis zum 6. Februar

1902 war der Umbau abgeschlossen, das

Ganze mit großen Brettern verschalt,

Schuppen noch auf die Hardt zu abgerissen,

eine neue Abortanlage geschaffen,

die nun nicht mehr von der Küche, sondern

vom Flur aus zu erreichen war. Das

Ganze hat ca. 9000,- Mark gekostet, wozu

der Pfarrer Laumans auch noch einen kleinen

Schaf/Ziegenstall für einige Thlr. sich

hat anbauen lassen .

Ein Gutachten über die Arbeiten haben

dann angefertigt auf über vier großen eng

beschriebenen Seiten der Zimmermann

Arnold Huppertz = Hardt-Mattß - Aredt

und der Stellmacher Hubert Erkens, wobei

alles »fü r in Ordnung « befunden worden

ist, und der Schlußsatz lautet: »So freut

sich jedermann über das schöne klosterartige

Aussehen und daß über der Haustür

die alte Statue des hl. Joseph neu angestrichen

angebracht ist. «

Im Keller ist ein schön schließendes Abteil

als Weinkeller abgetrennt, und es ist eine

elektrische Kl ingel für 127,50 Mark angelegt

worden .

Die letzten Pächter haben dem Pastor aber

geraten, wegen des vielen Ungeziefers

keine Tapete, sondern nur Farbe und Tünche

in den Zimmern zu verwenden . Daraufhin

ist das ganze Haus gründlich ausgeschwefelt

worden, und das Ungeziefer

später nicht mehr erwähnt.

In der Form vom Jahre 1902 haben die

älteren Leute die Pastorat mit der offenen

Kapelle für das Missionskreuz, mit dem

freien Platz und den schön gewachsenen

Kastanien noch gekannt, wie auf dem Bild

Seite 20 zu sehen.

Im Diözesan-Archiv Aachen befindet sich

ein Vermerk, daß der Pfarrer Merkelbach

schon eine »schilderey vom gantzen Leiden

Christi« angeschafft habe. Das muß

neben den schon erwähnten fünf Bildern

mit den fünf Wunden der älteste Kreuzweg

hier gewesen sein. Dann ist angeschafft

worden im Jahre 1854 ein Kreuzweg mit

den 14 Stationen als Ölgemälde und den

dazugehörenden Wandleuchtern für 151

Thlr. Im Pfarr-Archiv in Konzen befindet

sich nun ein Brief des Pfarrers Ortmanns

aus Büllingen an den Pfarrer Laumans

vom 16. April 1903, worin er sich bedankt

für den Kreuzweg, der in die Kapelle von

Honsfeld kommen sol l. Auch die Wandleuchter

möchten mitgeschickt werden ,

und eine angemessene Entschädigung

solle erfolgen, wenn etwas Mittel flüssig

wären . Auf diese Weise erfahren wir, wohin

der alte Kreuzweg gekommen ist, und

man kann vermuten, daß auch der ehemalige

Johannisaltar und der 1895 noch völlig

erhaltene Marienaltar vom Jahre 1694 auf

ähnliche Weis& verschenkt oder verkauft

worden sind , wovon abe-r nichts im Archiv

vorhanden ist.

Bevor man aber einen alten Kreuzweg

verschenkt, muß man einen neuen haben ,

und das ist der jetzt noch vorhandene sehr

gut geschnitzte Kreuzweg, den der Leo-

Pfarrer Heinrich Laumans, in Konzen von 1887

bis 1911

nard Mennicken aus Raeren / Aachen geschnitzt

hat sicher kurz vo r dem Jahre

1903. In den Abrech nungen der Rendanten

ist keine Ausgabe dafür eingetragen,

so daß er ganz aus freiwilligen Spenden

bezahlt worden sein muß . Es hat Spenden

von über 200,- Mark gegeben. Jede der

Stationen hat etwa 200,- Mark gekostet,

so daß der Schnitzer etwa 3000,- Mark

erhalten hat. Der Leonard Mennicken soll

dann noch als fast 90jähriger den großen

Christuskörper geschnitzt haben im Jahre

1961 an dem Belle Croix = dem Schönen­

Kreuz an der Straßengabel unterhalb

Baraque-Michel auf Jalhay zu (Heimat-Kalender

1963, S. 108).

Unser Kreuzweg ist nach dem Krieg aus

den Trümmern der Kirche mühsam geborgen

und restauriert worden, wobei aber

die Gehäuse um die einzelnen Stationsbilder

entfernt wurden , so daß sie jetzt ganz

frei als wertvolles Kunstwerk in der Kirche

zur Andacht rufen .

Eine wenig erfreuliche Nachricht gibt es im

Jahre 1909/ 191 O, als es zwar keinen

»Zehnt« gibt, wohl aber eine Kirchensteuer

nach einem Gesetz vom 14. Juni 1905,

die erstmals 191 O in Konzen durchgeführt

wird.

Am 24. Sept. 1911 ist der gute und allseits

beliebte Pfarrer H. Laumans ganz unerwartet

an einem Schlaganfall gestorben. Er

war der richtige Mann, der etwas verstand

von einer schlachtreifen Kuh, der seine

Muttersprache auch als Priester nicht verleugnete.

Er hat als erster in Konzen sich

der Erforschung der Geschichte gewidmet

und 1910 sein schon erwähntes Buch erscheinen

lassen. Ein zweites Buch, das

wohl mehr die innere Entwicklung des Ortes

Konzen dargestellt hat, soll als Manuskript

über Jahrzehnte hinweg auf dem

Speicher der Druckerei Saltzburg in Monschau

gelegen haben, durch den plötzlichen

Tod aber ungedruckt liegengeblieben

sein . Beim Bekanntwerden dieses

Manuskriptes sind sofortige Nachfor-

36


schungen aber ohne Erfolg geblieben. Jedenfalls

war der Pfarrer H. Laumans der

richtige Bauernpastor, der noch Jahrzehnte

später großen Einflu ß auf die alten Leute

gehabt hat. (Eine lebensvolle Plauderei

über Pfarrer Laumans durch Pfarrer P.

Schreiber im Heimat-Kalender 1960, S.

49-56).

Nach verschiedenen Missionen vorher ist

1913 im Advent wieder eine Volksmission

durchgeführt wo rden , und 1914 ist der

monatliche Sakramenten-Empfang der

einzelnen Stände: Jungfrauen , Jünglinge,

Männer und Frauen eingeführt worden ,

und der Kirch enrendant J. P. Huppertz hat

seinerzeit 1000,- Mark gestiftet für die Unkosten

bei öfteren Missionen .

Dann war der erste Weltkrieg da, in den

die einzelnen Staaten - wi e es erst viel

später geheißen hat - alle törichterweise

»hineingeschliddert« waren.

1917 sind zwei große Glocken und das

Glöckchen im Dachreiter entfernt worden,

wobei die Gemeinde auch noch die Kosten

für das Herabholen hat bezahlen

müssen ; später ist dann aber eine Entschädigung

von 6126,- Mark gezahlt

worden

II

• "

Unter dem Pfarrer Hu bert Thelen von

1911 - 1924 ist im Jahre 1918 der »Franciscus-Xaverius-Verein«

gegründet worden,

dem gleich 150 Mitglieder beigetreten

sind.

Im März-April 1922 ist wieder eine Mission

abgehalten worden , an der sich das ganze

Dorf beteiligt hat, außer einem Zollbeamten

und einem Lehrer mit seiner Frau .

1922 ist auch die »Marianische Jungfrauenkongregation«

gegründet worden mit

gleich 105 Jungfrauen als Mitg lieder. Die

Ausfahrt der Jungfrauen an die Ahr am 1. September 1930

erste Präfektin ist Catharina Huppertz =

Marxe Thin gewesen. Der am 28. Oktober

1924 eingeführte neue Pfarrer Johannes

Pontzen hat darüber eine ausführliche

Chronik geführt mit allen Namen, Heiraten,

Neuzugängen und Veranstaltungen, Ausflügen

usw., bis nach dem 2. Weltkrieg, als

durch die veränderte Lage und die Arbeit

für den Wiederaufbau auch dieser Verein

langsam sein Ende gefunden hat. Dieser

Jungfrauen-Verein hat um 1930 schon

Ausfahrten an die Ahr und an den Rhein

gemacht mit Omnibussen, was für diese

Mädchen ein ganz besonderes Erlebnis

gewesen ist.

An den Fastnachtstagen 1923 ist jede

Lustbarkeit (noch wegen des bitteren

Kriegsendes?) untersagt gewesen, und

dafür haben die Jungfrauen Theaterabende

veranstaltet. 1923 ist entsprechend den

Mädchen auch ein Mütterverein gegründet

worden , dem sofort 87 Mütter beigetreten

sind. Die erste Präfektin ist die· Wwe. Jos.

Offermann, geb. Cath. Schreiber, gewesen.

Am 1. Juni 1923 ist der Kardinal Schulte

zur Firmung in Konzen gewesen.

Dann haben wir die kaum vorstellbare Inflation

gehabt, so daß eine Reparatur an

dem Dachreiter auf dem Chor die stolze

Summe von 120 000 000 = 120 Millionen

Mark gekostet hat.

1925 sind endlich wieder neue Glocken

gekommen durch die unermüdliche Arbeit

des neuen Pfarrers Joh . Pontzen und die

Opferfreude der Bewohner. Und das war

ein herrliches Erlebnis, als nun wieder ein

volles und schönes Geläut erklingen

konnte. Wer hätte damals gedacht, daß

diese neuen Glocken nicht einmal 20 Jah-

Pfarrer Johannes Pontzen, in Konzen ab

Herbst 1924

re in Konzen verbleiben würden! 1926 ist

erstmals bei der Feier der Erstkommunion

auch das Fest der 50jährigen Kommunion

eingeführt und bis heute beibehalten

worden .

Pfarrer Joh. Pontzen hat sich dann mit

großem Eifer und viel Arbeit der Restaurierung

der Kirche gewidmet, eine Lotterie

eingerichtet, den Pankratius-Bauverein

gegründet, sich große Mühe gegeben mit

den kirchlichen Behörden, mit der Reg ierung

in Aachen usw. Besonders ist die

Nordwand aus ihrem feuchten Zustand

durch eine Isolierwand trockengemacht

worden, mit allen anderen Maßnahmen

haben es Unkosten gegeben bis 1929 in

Höhe von fast 17 000,- M. und dann sind

noch 6 000,- M. für das Kirchendach hinzugekommen.

Auch die Kirchenuhr ist

gründlich instandgesetzt und gleichzeitig

ein Minutenzeiger an das Uhrwerk angefügt

worden .

1927 ist auch ein »Männer-Apostolat« gegründet

worden mit gleich 56 Mitgliedern.

Am 4. Juni 1931 ist am Fronleichnamstag

das Stillbuschkreuz eingesegnet worden,

das dann leider am 14./15. Juni 1937

durch schändliche Bubenhand zerstört

wurde, wobei der Christuskörper in Stücke

geschlagen worden ist; nicht lange danach

ist aber ein neuer Christus-Körper angefertigt

und angebracht worden.

Am 4. Dezember 1932 ist das Jugendheim,

wie es jetzt noch dort steht, eingeweiht

worden, wo zum erstenmal die jungen

Leute nun einen eigenen Raum benutzen

konnten ; während des Krieges war

es für verschiedene Zwecke beschlagnahmt.

Von Mai bis August 1934 ist die

Kirche neu ausgemalt worden durch Egidius

Emonts-Alt aus Aachen.

1934 ist auch erstmals ein Schweizer in

der Kirche tätig gewesen, durch den »bei

den ·Gottesdiensten eine musterhafte Ruhe

eingekehrt ist, die man lange Zeit vergeblich

angestrebt hatte«.

1932 ist eine Marianische Jünglingskon-

37


Feier der Gold-Kommunion im Jahre 1940

gregation« gegründet worden, die aber

nur bis 1938 bestanden hat, als die geheime

Staatspolizei sämtliche Unterlagen beschlagnahmt

hat und damit diesem Verein

auch durch den Krieg ab 1939 der Boden

entzogen war.

1936 soll ein besonders schönes Pankratius-Fest

gefeiert worden sein mit der

Festpredigt des Mützenicher Pfarrers Fütting.

1937 ist b(;)i der Heiligtumsfahrt nach

Aachen ein auffallend großer Andrang gewesen

als stiller Protest gegen die kirchenfeindliche

Haltung der Reichsregierung

, die den Pfarrern das Betreten der

Schulen verboten hatte usw.

1938 ist wieder eine neue Orgel aufgestellt

worden, wobei der Pfarrer P. Schreiber

aus lmgenbroich die Festpredigt gehalten

hat. Kosten der neuen Orgel

7 756,- Mark.

Eines Abends 1938 ist in der Nacht ein

Pater durch die Staatspolizei aus dem

Pfarrhaus geholt und in Aachen ins Gefängnis

gesteckt worden, weil er in einer

Predigt einige Äußerungen getan hatte,

die einigen SA-Leuten nicht gefallen hatten.

Der Pater ist aber von einem noch

sehr anständigen Richter nur zu einer

Geldstrafe, zum Predigtverbot und zur

Ausweisung aus dem Rheinland verurteilt

worden.

Am 20. Juli 1937 ist der Weihbischof Dr.

Sträter in Konzen gewesen zur Spendung

der Firmung.

1937 erhält Jas. Leuther im Tausch gegen

ein anderes Grundstück das »Grashöffchen«

an der Quirinuskapelle zum Neubau

eines Hauses, und damit ist die gestiftete

Wiese vom Jahre 1679 einem guten

Zweck zugeführt.

1938 wird Felix Palm ab 1. Januar Küster

und Organist in Konzen und zugleich

Chorleiter auf Jahrzehnte hinaus.

Am 1. September 1939 ist der lange befürchtete

Krieg da ! Der gesamte Viehbestand

des Ortes wi rd in den ersten Kriegstagen

schon auf Simmerath zu weggetrieben,

kommt aber bald wieder zurück.

Zu Weihnachten 1939 wird in der Kirche

ein Levitenamt gehalten mit dem Pfarrer

Pontzen als Zelebrant, dem im April 1939

geweihten Pater Ludwig Palm als Diakon

und dem Theologiestudenten Wilhelm

Goffart als Epistelsänger; Priesterweihe

W. Goffart im Dezember 1940 und feierliche

Primiz in Konzen am 21. Dezember

1940.

Zum Pankratiusfest 1941 sind in das Mittelschiff

6 neue Ki rchenfenster eingebaut

worden mit den Wappen des Marienstifts

und von Reichenstein. Und im Jahre 1942

werden die so sauer ersparten Glocken

des Jahres 1925 für Kriegszwecke wieder

ausgebaut. Am 12. Juli 1942 ist der Weihbischof

Hünermann aus Aachen in Konzen

zur Firmung und pflichtgemäßen Visitation.

Es ist derselbe Bischof, der dann im Jahre

1955 die stark · vergrößerte Kirche neu

weihte.

Es kommt dann fast, wie es kommen mußte!

Am 10. September 1944 wird der letzte

sonntägliche Gottesdienst gefeiert. Bei

dieser Gelegenheit findet Pfarrer Pontzen

treffende Worte zur Situation. Und aus der

Totenstille des altehrwürdigen Gotteshauses

steigt noch einmal zum Himmel auf

das »Großer Gott, wir loben Dich! « Unter

dem Druck der Zwangsräumung findet am

12. September der letzte Gottesdienst in

der Kirche sta1t, die durch so viele Opfer

seit dem Jahre 1924 innen und außen in

einen hervorragenden Zustand gebracht

werden konnte.

Der schlimmste Tag in ihrer Geschichte

mußte sie dann erleben am 27. Oktober

1944, als durch das törichte Läuten der

Glocken die Amerikaner erbost unsere

Kirche von Mützenich aus mit schweren

Geschützen in Schutt und Asche gelegt

haben. Alle Einzelheiten über das Geschehen

hier während des· Krieges bis zur

Flucht usw. hat in mustergültiger Form unser

Chronist Jos. Erkens festgehalten, gedruckt

im E. H.V. Jhrg. 39, S. 6-92, wo

aber auch schon über die unglaubliche

Leistung beim Wiederaufbau berichtet ist.

Neben den Priestern Ludwig Palm und

Wilhelm Goffart, die nach vielen Jahrzehnten

wieder die ersten Priester aus Konzen

gewesen sind, hat es eine ganze Reihe

von jungen Leuten in die Klöster getrieben.

Der älteste bekannt gewordene ist der

»broder paulus von Contzen« gewesen,

der im Jahre 1540 so in einem''originaltext

im Pfarramt Aachen Forst eingetragen ist.

Hier nur einige Namen aus der sicher nicht

vol lständigen Liste :

Gertrud Schmitz, Hohestraße

Berta Huppertz, in den Gassen

Klara Huppertz, Breitestraße

Rosa Huppertz, Blumgasse

lda Gillessen, Blumgasse

Therese Schmitz, Kirchenweg

Margaretha Call , Kirchbruch

Maria Kreitz, Hohestraße

Anna Kreitz, Hohestraße

Käthe Löhrer, Lehrerin

Maria und Anna Palm, Kirchenweg

Hermann Kreitz, Schneider, auf der Hard!

Rudolf Huppertz, Boschte, Heerstraße

Etwas zu den frommen Stiftungen

Wenn immer wieder von den vielen

Grundstücken die Rede ist und den Kapital

ien, die der Konzener Kirche gehören,

so sind das fast alles Stiftungen gewesen

für Anniversarien = Jahrgedächtnisse.

Zweimal sind sogar Häuser erblich mit je

vier Singmessen belastet worden, so 1726

das Haus des peter steinrots von der

steinrots und 1800 das Haus der Eheleute

Johannes Schmitt- Catharina Schreiber in

der Wolfskaul.

Eine große Stiftung hat gemacht der Pfarrer

A. Merkelbach im Jahre 1730 für eine

Singmesse jeden Donnerstag, auch bestimmt

für das Seelenheil seiner Familie.

Die größte Stiftung ist im Jahre 1741 gemacht

worden durch einen Herrn Jean

Wantheleth aus der Gegend von Herf in

Belgien, der wohl ein Bekannter des Pfarrers

Merkelbach gewesen sein dürfte. Dieser

Herr stiftet 600 Rthlr. für zwei Messen

in jeder Woche, die allerdings im Jahre

1875 auf 36 Lesemessen herabgesetzt

worden sind.

1827 wird durch den Pfarrer Wolff bestimmt,

daß an jedem Mittwoch über das

Jahr hinweg eine Messe zu halten ist für

die Stifter der Grundstücke »Auweyer«

und »Aderich«. Das Stück Auweyer war

14 Morgen groß und stammte vom Hof

Lauterbach , gekauft damals durch den

38


Gerh. Müllenmeister; es ist immer in vier

Losen verpachtet worden. Ein großes

Grundstück war au ch die Flur Kalberscheid

= Kauvesch in der Größe von 15

Morgen und auch stets in mehreren Losen

verpachtet.

Eine große Woh ltäterin der Kirche ist gewesen

die Jungfrau Anna Maria Schmitz -

Jaaße, die gestiftet hat : 1869 = 1 200

Thlr.; 1879 = 661 Mark für ein neues

Fenster im Chor; 1882 = 2 100,- Mark;

1882 = 1 200,- Mark. Und das waren

zusammen 7 561 ,- Mark, wofür man damals

mehr als drei große Bauernhäuser

mit Garten usw. hätte kaufen können. Die

Anna Maria Schmitz ist gestorben am 27.

1. 1883. Nach dem tragischen Tod des

früheren Vikars Gimkens am 1. 6. 1896

durch eine Ve rwechslung von Drogen , hat

seine Konzener Haush älterin Gertrud

Schmitz - Kaploons- Drück fü r ihren früheren

Dienstherren noch ein Jahrgedächtnis

gestiftet. Auch der Pfarrer H. Laumans hat

noch kurz vor seinem Tod für sich selbst

eine Summe für Jahrgedächtnisse festgelegt,

aber nur für die nächsten 20 Jahre.

Die Kirchenrendanten si nd bekannt durch

die jährlichen Abrec;hnungen ab 1634, wo

wir als ersten finden den Jacob Palm . Die

folgenden Rendanten sind dem Namen

nach bekannt mit einer geringen Lücke,

bedeuten aber für uns nur noch Namen

ohne weitere Erkenntnisse.

Aus dieser Zahl ragt aber hervor der Gemeindevorsteher

von 1863 bis 1885 und

Kirchenrendant Peter Wilhelm Esser (Maanesse),

der die Geschäfte des Rendanten

mit der größten Genauigkeit bis auf den

letzten Pfennig geführt hat, daß man heute

nur staunen kann. Ganz besondere Verdienste

hat er sich erworben nach dem

großen Brand zu Fastnacht 1869, indem er

den Wiederaufbau in ganz kurzer Zeit in

die Wege geleitet und beaufsichtigt hatte.

Er war nicht verheiratet, und so hat auf

seinem Totenzettel stehen können : »Er

war nicht verheiratet und hat sich so mit

voller Kraft den Aufgaben in der Gemeinde

widmen können .«

Dann ist zu erwähnen der Rendant Johann

Peter Huppertz - Marxe, der ein sehr interessierter

Mann gewesen ist, mit dem

Pfarrer H. Laumans zusammen 1904/05

die Ausgrabungen in und an der Pankratius-Kapelle

getätigt hat, eine langjährige

Chronik erarbeitet, sich genau wie sein

Pfarrer um die Geschichte hier bemüht

und 1908 mit einigen anderen Leuten aus

Konzen eine große Reise zum Wallfahrtsort

Lourdes unternommen hat. Darüber

hat er einen recht guten Bericht geschrieben

auf etwa 40 Seiten, der in seiner Art

erstaunlich ist in der Beobachtung der Gebäude,

der Vorgänge usw. und wert wäre,

wenigstens für die Leute aus Konzen veröffentlicht

zu werden. Schon 1904 hat er in

seinem Hause eine kleine Zweigstelle der

Monschauer Sparkasse eröffnet und jeden

Tag - auch des Sonntags - den Leuten

Gelegenheit geboten, ihre Geldgeschäfte

ohne den Gang nach Monschau zu tätigen.

Sein Nachfolger als Rendant ist der Sohn

Heinrich Huppertz, Marxe-Hennche, geworden,

der Ende September 1933 durch

ein Motorrad bei der jetzigen Ampel zu

Tode gekommen ist. Dann hat das Amt für

lange Jahre übernommen der Bahnbeam-

. te Joseph Call, jetzt Kirchbruch, der auch

als Schweizer endlich für Ruhe und Ordnung

während der Messe gesorgt hat.

Allen Rendanten aber, die seit 1634 bekannt

geworden sind, sollte unser Dank

gelten für die viele Mühe, mit der sie sich

um die Finanzen der Kirche verdient gemacht

haben.

Kleine Glockenkunde

Die erste Kirchenglocke in Konzen stammt

aus dem Jahre 1166 und war geweiht der

glorreichen Jungfrau Maria. Auf dieses

Datum von 1166 stützt sich die Annahme,

daß die neue Kirche um das Jahr 1160

erbaut worden ist. Die Glocke von 1166 ist

dann schon 1650 umgegossen worden in

Aachen und hat das Wappen des Marienstiftes

bekommen. Als zweite ist die »Pankratius-Glocke«

1458 entstanden und zuletzt

die Nicolaus-Glocke vom Jahre 1623.

Das war das Geläut bis zu dem Blitzschlag

zu Fastnacht 1869, als dann drei neue

Glocken entstanden sind .

1. wieder eine Muttergottes-Glocke,

2. die Petrusglocke, geweiht dem

Pfarr-Patron ,

3. wieder eine Pankratius-Glocke;

Das Material aus den bei dem Brand zerschmolzenen

Glocken ist bei dem Guß der

neuen Glocken verwandt und mit 1137

Thlr. angerechnet worden. So sieht es

aus, als ob in jeder der drei neuen Glocken

Material aus den alten Glocken, auch aus

der Glocke des Jahres 1166, verwandt

worden wäre.

Im Jahre 1917 sind dann die ersten beiden

Glocken entfernt und zu Kriegszwecken

eingeschmolzen worden.

1925 si nd neu hinzugekommen die Marien-Glocke

= 1 350 kg , die Petrusglocke

= 960 kg.

Und diese beiden letzten sind dann schon

1942 wieder für Kriegszwecke entfernt

worden, so daß nur die Pankratius-Glocke

im Turm geblieben war und den Krieg und

die Zerstörung vom 27. September 1944

überlebt hatte. So hat diese zusammen mit

einem Teil des Materials vom Jahre 1166

noch lange vor der Notkirche zum Gebet

rufen dürfen. Bei dem Guß der jetzigen

Glocken ist sie mit in die Gießerei gekommen

, so daß wir die Hoffnung haben können,

daß auch heute noch etwas von dem

Material der allerersten Glocke des Jahres

1166 in unseren heutigen Glocken mitklingt.

Damit muß diese kleine Chronik ihr Ende

finden, obwohl es wirklich nur ein Auszug

sein konnte aus dem mehr als reichhaltigen

Material; wenn der eine oder andere

diese oder jene Einzelheiten vermissen

sollte, so ist das mit dem beschränkten

Platz zu entschuldigen, der zu einer strengen

Auswahl gezwungen hat.

Die Pfarre Konzen

Nach den Forschungen von L. Falkenstein

und R. Nolden muß die Villa= der Königshof

Konzen schon vor dem Jahre 800

gegründet und dem Marienstift in Aachen

unterstellt worden sein. Da nun das Marienstift

zusammen mit den Klöstern durch

die Franzosen aufgelöst wurde im Jahre

1802, hat die Kirche = die spätere Pfarrei

in Konzen 1000 Jahre lang in enger Verbindung

mit diesem frommen Stift gestanden

.

Schon im alten Testament ist die Abgabe

des Zehnten = des zehnten Teiles der

Einkünfte an den Tempel bzw. an die Armen

bezeugt und seit dem fünften Jahrhundert

auch in den christlichen Kirchen

bekannt.

So ist es auch verständlich, daß der Zehnte

= die Abgabe der zehnten Garbe von

den Feldfrüchten, die durch die Schöffen

festgestellt wurden, dem Marienstift zugefallen

war. Durch unsere Urkunde aber

von 13. Juni 888 wird bestätigt, daß dazu

auch die nona = der Neunte schon durch

König Lothar II. , 855 - 869, gekommen

war, zunächst noch aus dem gesamten

Konzen-Monschauer Land bis zum Ende

des 13. Jahrunderts und dann nur noch

aus dem Bereich des Feldgeleits, des alten

Siedlungsraumes hier, durch die alten

Flurnamen schon sorgfältig bearbeitet

durch den verdienstvollen Jos. Kreitz.

(E. H.V. 19. Jhrg. S. 57, Nachtrag im E.

H.V. Jhrg ., S. 48.) Zu diesem engeren

Gebiet des Feldgeleits haben noch nicht

gehört der Raum von Schmidt, Roetgen,

Rott und Mulartshütte, Rohren, Widdau

und der Raum von · Dedenborn, ja nicht

einmal Höfen und Kalterherberg.

Das übrige Gebiet des Hofes Konzen oder

des Oberwaldes oder des Reichswaldes in

den Grenzen des späteren Jülicher Amtes,

des französischen Kantons und des

noch späteren Landkreises Monschau war

das Waldgeleit, wie es im Jahrbuch »Das

Monschauer Land 1988«, S. 87 und 93

durch Dr. E. Neuß dargestellt ist, in :

»Grundzüge der frühen Siedlungsgeschichte

des Monschauer Landes. « Alle

weiteren Einzelheiten in dem großen Werk

von R. Nolden und daraus eine Zusammenfassung

im Monschauer Land 1983,

S. 26 ff.; dazu auch R. Nolden : » Über den

Konzener Haferzehnten vom 14. bis 18.

Jahrhundert« in Monschauer Land 1985,

S. 27 ff.

Es ist aber nicht so, daß Hafer hier die

einzige Feldfrucht gewesen wäre, sondern

nur etwas wie die allgemeine Währung, zu

vergleichen heute mit dem Dollar. Daß

auch Roggen und Gerste hier gezogen

worden sind in bescheidenem Maße, erfahren

wir bei den Abgaben der Mühlen z.

39


B. im »Neuen Rentlagerbuch« vom Jahre

1649 im Stadtarchiv Monschau, S. 175 u.

191. In der Hauptsache haben die Herren

des Monschauer Landes die Einnahmen

bezogen aus den Abgaben im Waldgeleit,

das Marienstift aus dem Feldgeleit. Die

Trennung in diese beiden Teile wird schon

bekannt in dem Weistum über die Wälder

vom Jahre 1342. Über die Menge an Hafer,

die jährlich nach Aachen gebracht werden

mußte, siehe R. Nolden bei dem Haferzehnten!

Dort erfahren wir auch vieles

über die Pächter dieses Zehnten, die meistens

aus den höheren Beamten mit ihren

Mitarbeitern bestanden haben , wobei die

Zahl der Zehntgarben von den Amtsschöffen

festgelegt werden mußte; wir hören

dort auch von den Zehntscheunen, von

Mißwuchs und Hagelschlag und folglich

über die klimatischen Verhältnisse in ganz

früher Zeit. Der letzte Zehntpächter ist der

Monschauer Rentmeister, Friedensrichter

und Forstgeldempfänger Joh. Jos. de

Berghes gewesen, dessen Pachtvertrag

vom Jahre 1781 sogar erhalten ist = H.

Laumans, S. 221. Diese Pächter haben

natürlich auch nicht um Gotteslohn gearbeitet,

sondern nicht ganz schlecht daran

verdient. Der Joh. Jos. de Berghes hat aus

seinen übrigen Ämtern damals etwa 4 000

Thaler an Einkommen gehabt, was für unsere

Monschauer Verhältnisse ein fürstliches

Gehalt gewesen ist, und gewohnt in

dem Haus jetzt Uhren/Schmuckgeschäft

Benno Kaulard. (Wie groß die sozialen Unterschiede

früher gewesen sind, mag verdeutlichen

das Einkommen der Förster

hier im Jahre 1790/1791 . Damals hat der

Forstmeister Fhr. v. Hompech jährlich erhalten

1 000 Rhthlr., der Forstschreiber

Kesselkaul in Konzen 600 Rthlr. dazu Fouragegeld

für sein Pferd = 65 Rthlr., der

Revierförster = 11 an der Zahl = je 110

Rthlr. und der Forstbote = 25 Rthlr. jährlich)

= Forstmeister-Rechnung!

Aus dem 12. Jahrhundert haben wir eine

Aufstellung über die Leistungen der einzelnen

Königshöfe an die Hofverwaltung

in Aachen. Danach hat neben Aachen nur

Düren und Konzen zwei solcher Servitien­

Einheiten an den Hof zu stellen, und die

haben für Konzen bestanden aus : 80

Schweinen, 14 Spanferkeln, 100 Hühnern,

10 Kühen, 1 000 Eiern, 20 Gänsen, 10

Pfd. Pfeffer, 180 (Stück) Käse , 20 Pfd.

Wachs und 8 großen Fudern Wein. Dabei

hat der Pfeffer und der Wein bei uns sicher

in Geld bezahlt werden müssen; und das

geht zurück auf ein sogenantes » Tafelgüter-Verzeichnis«.

(H . Müller-Kehlen, S.

167, und R. Nolden S. 31 .)

Etwa in den Jahren 1760 ist eine ganz

neue Feldfrucht hier aufgetaucht = die

Kartoffeln, die natürlich noch nicht vorher

bei den Zehntabgaben verzeichnet sein

konnten. Darüber hat es große Streitereien

gegeben, die bis zum Anbruch der

Franzosenzeit gedauert haben, dann aber

auch als erledigt angesehen werden konnten,

da alle derartigen Verpflichtungen ja

aufgehoben worden sind. (Darüber auch

im Eifel-Jahrbuch 1982, S. 102.)

Laut diesen Zehntverhältnissen sollen

vom 14. bis 18. Jahrhundert zwischen 200

und 500 Müdde Frucht nach Aachen abgeliefert

worden sein. Nach 0. Redlich sollen

es 1559 ca. 600 Malter und 1582 ca. 500

Malter gewesen sein .

Daß aber auch die Herzöge hier nicht nur

kassiert haben, beweist eine Urkunde,

eingetragen in dem Neuen Rentlagerbuch

des Jahres 1649 im Stadtarchiv Monschau,

S. 14. vom 16. Oktober 1475, wonach

aus dem herzoglichen Hof Eicherscheid-Huppenbroich

nach altem Brauch

jährlich 25 Scheffel Hafer den Hausarmen

ausgeteilt werden sollen durch den Pfarrer

oder Kaplan zu Konzen, auf erbliche und

ewige Rente festgesetzt.

Wenn wir bisher so viel gehört haben über

die Leistungen der Leute hier für das Marienstift,

so kann man erwarten, daß auch

für die Kirche hier von dort einige Verpflichtungen

bestanden haben aus ältester

Zeit. Es ist aber kein Wort darüber auf uns

gekommen bis zu den unglücklichen kriegerischen

Ereignissen des Jahres 1543,

als es ausführlich heißt, daß damals »alle

Rollen und bescheitt« = alle schriftlichen

Unterlagen darüber in Verlust geraten waren

. Dabei ist anzunehmen, daß damals

genau wie der Hardthof auch die Konzener

Pastorat in Flammen aufgegangen ist, da

diese Unterlagen wohl dort aufbewahrt gewesen

sind . Um nun die alten Rechte und

Pfli chten wieder deutlich zu machen, hat

der Amtmann Christoph v. Rolshausen im

Jahre 1553 die Schöffen und alten Leute

zusammengerufen und alle alten Rechte -

so gut es noch ging - aufschreiben und

festlegen lassen. Über diese Neuerkundung

sind mehrere Ausfertigungen vorhanden

z. B. im Gen .-Vik.-Archiv in Köln

und im HStAD = Aachen, Marienstift,

Handschrift Nr. 6, bei uns veröffentlicht im

Monschauer Land 1983, S. 33 ff. Danach

hat das Marienstift die folgenden Verpflichtungen:

es muß in Konzen einen Weltpriester unterhalten,

der Tag und Nacht bereit sein

muß, unentgeltlich die Sakramente zu

spenden,

es muß das ewige Licht in der Kirche

unterhalten,

es muß den Hochalter mit allen Geräten

ausstatten,

es muß das Kirchenschiff in gutem Bauzustand

halten,

es muß den Glockenstuhl unterhalten,

es muß den Widemhof (Pastorat) als Wohnung

des Pfarrers unterhalten,

es muß in jeder Nachbarschaft (Dorf) im

Feldgeleit einen Stier und einen schwarzen

und weißen Widder unterhalten, mit

denen die Leute zufrieden sind .

Dafür erhält das Marienstift den Zehnten

aus dem gesamten Feldgeleit des Monschauer

Landes.

Die Pflicht zum Unterhalt eines Stieres

(Neuttel oder Rindtsteyr) und den Widdern

kommt uns höchst merkwürdig vor, ist

aber nicht auf Konzen beschränkt gewesen.

Dieselbe Verpflichtu ng haben nach

0 . Red lich auch die Pfarrer von Hilbracht

und von Kirchheim gehabt; ja der letztere

hat zudem die Verpflichtung gehabt, »zwei

bieren« = Zuchteber zu unterhalten.

Eine andere Fassung dieses Weistums,

die früher im Pfarrarchiv in Konzen gewesen

ist, hat noch den Zusatz gehabt, daß

die Pfarrangehörigen das Recht gehabt

haben, einen ihnen nicht genehmen Pfarrer

zurückzuweisen. Und das haben sie

tatsächlich einmal getan, wie später ausgeführt

wird.

Diese im Jahre 1553 neu aufgearbeiteten

Pflichten des Marienstiftes haben sicher

auch für die weit zurückliegende Zeit bestanden,

also schon für die ersti kirchliche

Verwaltung in Konzen, die ja noch für das

ganze Konzener-Monschauer Land zuständ

ig gewesen ist, folgl ich zur ersten

Pfarrei hier gehört haben.

Daran hat sich auch nichts geändert bis

zur Franzosenzeit, da wir genaue Unterlagen

haben über die Einkünfte des Pfarrers,

über die ersetzten Kosten fü r das ewige

Licht usw.

Alles das ist z. B. genau nach diesem

Schema festgelegt in der Akte : Ala Konzen

Nr. 3 im Gen .-Vik.-Archiv in Aachen,

wonach der Pfarrer 100 Kön igsthaler in bar

erhält und sechs Müth Hafer, dazu alle

zwei Jahre diese sechs Müth Hafer als

Mantelgeld und dazu die anerkannte Verpflichtung

für Licht, Chor, Kirchenschiff

und Pastoralwohnung zu sorgen. Außerdem

ist dort festgehalten, daß der Pfarrer

noch fünf Dörfer zu betreuen hat, die z. T.

1 ½ Stunden entfernt liegen, daß er etwa

1 000 Kommuni kanten hat und daß er an

hohen Festtagen einen Beihelfer haben

möchte, abgeschlossen am 22. März

1766; dieser Beihelfer ist also noch gefordert

worden, obwoh l schon seit 1702 ein

Kaplan als feste Stelle eingerichtet war.

Nach diesen Vorbemerkungen, die sich in

der Hauptsache mit den kirchlichen Verhältnissen

seit den Anfängen und den

rechtlichen Bedingungen zwischen der

Kirchenverwaltung Konzen und dem Marienstift

in Aachen befassen, können wir

übergehen zur Entwicklung der Pfarre

Konzen besonders nach der Trennung

des ganzen Ki-esch-pels von Simmerath

von der Mutter/und Sendkirche in Konzen.

Aber auch nach der Abtrennung von Simmerath

spätestens im Jahre 1346 hat Konzen

doch die Vorzugsstellung behalten,

der einzige Ort für das Kirchengericht mit

der Visitation im ganzen Konzen-Monschauer

Land zu bleiben .

Konzen war also bis nach dem Jahre 1300

das einzige Pfarrgebiet des ganzen Monschauer

Landes gewesen, und der Pfarrer

von Konzen hatte eine seelsorgerische

Aufgabe bis nach Nidegger-Brück mit dem

alten Hof Hetzingen und bis nach Zweifall

an der Vicht. Inzwischen aber hatte sich

die Bevölkerung stark vermehrt und ein

40


zweites Pfarrgebiet notwendig gemacht.

So ist eine Kirche in Simmerath im Jahre

1346 erwähnt in einer Steinfelder Akte im

HStAD. (Kunstdenkmäler S. 118.)

Simmerath selbst ist natü rlich älter, aber

auch erstmals in die Akten gekommen im

Jahre 1342 in dem Weistum über die

Waldrechte, wo neben Ko nzen auch ein

»Hof zo Semenroede « erwähnt ist. Der

Ort ist naturgemäß viel früh er entstanden,

da man nicht eine zweite Pfarrkirche, die

auch eine »Moderkirch « war, in einen fast

unbebauten Ort setzt. Der »Pfarr-Herr«

auch für die Kirche in Simmerath war genau

wie in Konzen das Marienstift in Aachen

.

Zu diesem neuen Kirchenbezirk = Kirchenspiel

= Ki-esch-peel haben später

gehört: Bickerath, Witzerath, Paustenbach,

Lammersdorf, Mulartshütte, Zweifall ,

Huppenbroich , Kesternich, Dedenborn,

Schmidt, Kommerscheidt, Pleushütte,

Rollesbroich, Ru rberg, Steckenborn, Vossenack

und Woffelsbach. Bei Konzen aber

sind geblieben Roetgen und Rott, obwohl

Mulartshütte weiterhin zu Simmerath gehört

hat.

Damit war die Pfar (.k Ko nzen wesentlich

entlastet, obwohl der Pfarrbezirk auch da

noch mehr als groß genug war. Die Pfarrer

in Konzen sind bearbeitet in dem wichtigen

und ganz ausführlichen Werk von Jos.

Jansen (früher Pfarrer in lmgenbroich) und

dem Archivdi rektor Loh mann: »Der Weltklerus

in den Köln er Erzbistumsprotokollen

« ... z. T. veröffentlicht im E. H.V. 27 .

Jhrg. in Fortsetzungen durch Hans Bongard

. Danach soll ein Priester Lisolphus

um das Jahr 1120 hier eine Bruderschaft

gegründet haben .

Godefridus, Pastor bzw. Priester von Konzen

ist zweimal um 1190 in den Akten und

de~ erste sicher festgestellte Priester und

Pastor in Konzen . Die heutigen rechtlich

gesicherten Pfarreien sollen erst im 12./

13. Jahrhundert entstanden sein , so daß

man nicht von einer Pfarr-Erhebung im

Jahre 1190 reden kann.

Im Jahre 1462 ist ein Heinrich Stein für

kurze Zeit in Konzen tätig gewesen, im

Dezember aber schon durch Johann Coligna

abgelöst worden.

Dieser Pfarrer Coligna ist noch in Konzen

tätig, als 1478 der Send , das kirchliche

Gericht, zusammen mit der Visitation abgehalten

worden ist.

Im Jahre 1543 amtiert in Konzen ein Hilger

aus Monschau, Pater aus Reichenstein ,

der im nächsten Jahr schon in Simmerath

tätig ist. Von 1544 bis 1559 war hier tätig

der Pfarrer Dominicus Beer der in sehr

hohem Alter 1559 hier gest;rben ist.

Er war demnach nach den schlimmen Verwüstungen

des Jahres 1543 nach Konzen

gekommen und hat in den nächsten Jahr~n

sicher eine ganz schwierige Aufgabe

gehabt. In seine Zeit fällt 1550 die Kirchenvisitation

durch die Beamten des Herzogs

von Jülich. Das ist fü r uns höchst

ungewöhnlich, hängt aber zusammen mit

den Wiedertäufern, die 1534/35 in Münster

ein Schreckensregiment mit unglaublichen

Mordtaten errichtet hatten, bis sie

durch die Truppen des Bischofs dann

selbst auch »dran « waren . Diese religiöse

Gruppe war zunächst nicht einverstanden

mit der Taufe der kleinen Kinder, die ja

noch nicht 1m Gebrauch des Verstandes

waren und nach ihrer Ansicht »wiedergetauft«

werden mußten . Nach den schrecklichen

Bluttaten in Münster galten diese

Leute als die » Terroristen« ihrer Zeit und

sind schon durch einen Reichstag in

Speyer im Jahre 1529 mit der Todesstrafe

bedroht worden . Gegen den Willen nun

des Erzbischofs von Köln hat der Herzog

von Jülich diese Visitationen der Kirchen

durchführen lassen . In Konzen ist nur ein

»Pauwels Snyder« (Schneider) festgestellt

worden, der nicht zur Kirche gehe

und »widerwärtig lehre und gute Leute

verwirre«. Anderwärts aber hat es Wiedertäufer

bei uns gegeben, die aber völlig

friedliche Leute gewesen sind und nur ihrer

anderen religiösen Überzeugung gelebt

haben.

Die nächste Visitation, bei der auch die

Geistlichen ein wenig examiniert worden

sind, hat im Jahre 1559 stattgefunden, als

der Pfarrer Beer schon sehr alt war und

man ihm dieses Examen erlassen hatte.

Die Wiedertäufer in unserer Gegend haben

sich in der Schleidener Gegend in

Sicherheit gebracht, wo man nicht so

streng vorgegangen ist. Aber man hat

Haus und Hof und sämtliche Grundstücke

beschlagnahmt und dann verpachtet, so

daß dadurch vor allem in Kesternich viele

Flurnamen schon früh in die Akten gekommen

sind . Das ist besonders der Fall in

dem Jahre 1597 /98, worüber es ein größeres

Aktenstück im HStAD gibt = Jül.

Berg , Geistliche Sachen, J.B. II , 254, das

zum großen Teil veröffentlicht ist von Walter

Scheibler in »Geschichte der evangelischen

Gemeinde Monschau «, Aachen

1939, S. 15--33, worin auch die Namen der

Wiedertäufer aufgelistet sind mit der Zahl

von etwa 60. In Konzen ist kein Wiedertäufer

genannt. Eine Nachricht darüber aber

haben wir im Kirchenbuch , als im Jahre

1655 am 4. April der Coen (Conrad) Gatzweiler

in Rott fünf Kinder taufen läßt, die

jedoch nicht als Fünflinge zu betrachten

sind . Sie heißen : Johann, Gottfried/ Abraham,

Coen, Margareta und Otilia. Wegen

dieser besonderen Angelegenheit sind als

Paten eingetragen der Schultheiß Johannes

Contzen und der Forstmeister Gottfried

Dunckel. Die kleine Notiz am Rande

gibt uns Aufschluß über den Anlaß = anabaptista

= Wiedertäufer. Aus den jährlichen

Rechnungen der Rent_meister ist für

1551 /52 eingetragen, daß der Pastor zu

Contzen mit seiner Magd gefangen gesetzt

wurde in Monschau. Der Scharfrichter

hat die Magd »versucht« = scharf verhört

und mit Ruten ausgetrieben . Mit Rutenaustreiben

ist das Geißeln, und das soll

der zweite Grad der Folterung gewesen

sein. Was mit der Magd sonst geschehen

ist, warum , wieso usw. ist nicht mehr erwähnt

und kann auch nicht mit blühender

Fantasie ergründet werden.

Der Karmelitermönch Johann von St. Vith

ist der nächste Pfarrer von Konzen für die

Jahre 1560 - 1580, von dessen Tätigkeit

weiter nichts bekannt geworden ist. Martin

Molandt hat in Konzen amtiert um 1582,

als er Beschwerde geführt hat über die

unzureichende Besoldung seiner Pfarrstelle.

Johann Mersfeld war ein Weltgeistlicher,

von dem nur das Todesjahr 1606 überliefert

ist. Mit Peter Lingens wird die Reihe

der Reichensteiner Mönche in Könzen begonnen.

Er hat 30 Jahre lang hier regiert,

soll auch schon etwas Schule gehalten

haben und stirbt am 22. 2. 1636 an der

Pest, die er sich wohl in einem der anderen

Dörfer geholt hatte, da sie in Konzen

kaum gewütet haben kann . Er war schon

längere Zeit kränklich, und man hat ihm

kurz vor dem Tod eine kleine Zulage gegeben,

damit »der gebrechliche Mann sich

zur Belebung auch mal ein Gläschen Wein

leisten könne«.

Sein Nachfolger ist Pater Peter Ellen aus

Reichenstein, der mit den Taufbüchern angefangen

hat. Am 7. April 1639 wird ein

ausführlicher Vertrag geschlossen zwischen

dem Marienstift und dem Kloster

Reichenstein über die Verwaltung der

Pfarre Konzen mit allen Rechten und

Pflichten, der Frage des Gehaltes und der

Einkünfte. (Akte im Gen.-Vik.-Archiv Aachen

.)

Im Jahre 1640 wird Monschau zur Pfarre

erklärt aber ohne Gotteshaus und war so

gezwungen, in den nächsten Jahren ein

Privathaus • für die gottesdienstlichen

Handlungen zu benutzen. Erst im Jahre

1650 konnte die bescheidene Kirche am

8. September eingeweiht werden . Zur

Pfarre Monschau haben auch die Orte Höfen

und Rohren gehört, die damit aus dem

Pfarrverband Konzen ausgeschieden sind .

Pater Ellen war es auch, der die Drangsale

der lothringischen Truppen nach dem

30jährigen Krieg zu erdulden hatte und

sogar einmal nach Monschau hatte flüchten

müssen. Der Nachfolger war ab 1654

der Reichensteiner Pater Gottfried Flammersheim

bis zum Jahre 1666. Unter seiner

»Herrschaft« ist im Jahre 1660 zu

Pfingsten die erste Kirche in Roetgen eingeweiht

worden durch den Reichensteiner

Prior Stephan Horrichem; dadurch konnte

ein lange gehegter Wunsch der Leute aus

Roetgen erfüllt werden, nämlich nicht

mehr bei Wind und Wetter, bei Eis und

Schnee den mühevollen Weg zur Konzener

Kirche über das Hohe Venn gehen zu

müssen.

Von 1666 - 1686 war dann Pfarrer der

Reichensteiner Pater Friedrich Wilhelm Jacobi,

der danach Prior in Reichenstein geworden

ist als Nachfolger des bekannten

Stephan Horrichem.

41


Der nächste Pfarrer war Pastor Christian

Blees von 1686 bis 1691, als er Pfarrer in

Aachen geworden war. In seine Zeit fallen

auch Bedrängnisse, diesmal durch die

Franzosen in den Jahren 1689/90, wobei

aber von Plünderungen in der Konzener

Kirche nichts berichtet ist. Mit Johannes

Wernerus Fabritius (geb. Schmitz) ist die

»Herrschaft« der Reichensteiner Mönche

beendet, da er und alle künftigen Pfarrer

Weltgeistliche gewesen sind . Unter ihm ist

der sicher prachtvoll geschnitzte Marienaltar

1694 aus Bütgenbach abgeholt und

andere kirchliche Gegenstände angeschafft

worden . Nach dem frühen Tod des

J.W. Fabritius übernimmt der kurz vorher

erst geweihte Arnold Merkelbach mit 26

Jahren die Pfarre Konzen bis zum Jahre

17 49, als er wegen Kränklichkeit sein Amt

niedergelegt hat. Über ihn ist schon mancherlei

berichtet, und er ist gestorben am

2. 4. 1760.

Pfarrer Merkelbach ist es gewesen, der

den prachtvollen Hochaltar 1712 in die

Kirche besorgt hatte, der selbst schon im

Alter von 40 Jahren seine eigene große

und sicher nicht billige Grabplatte hatte

anfertigen lassen , auch die für seine Mutter

und Schwester. Neben der Stiftung von

300 Rthlr. für die jeden Donnerstag zu

haltende Singmesse hat er noch im Jahre

1742 eine große Stiftung gemacht für die

Kirche in Rott, so daß von den armen

Dorfpfarrern wohl nicht gut gesprochen

werden kann; bei dem Send des Jahres

1721 sind aber etliche Beanstandungen

gemacht worden, besonders über das

Verhalten der Leute, - wohl junge Männer

- die während des Gottesdienstes versuchen,

Karten zu spielen und Trinkereien

zu veranstalten . (E. H.V. 11. Jhrg., S. 144.)

Inzwischen war die erste Kirche in Eicherscheid

nach langen Schwierigkeiten erbaut

und am 8. September 1685 eingeweiht

worden. Nach vielen Verhandlungen

zwischen den Bewohnern, (mit Hilfe des

Klosters Reichenstein) dem Marienstift

und der Verwaltung in Düsseldorf war die

Pfarre Eicherscheid am 24. November

1713 in das Kloster Reichenstein inkorporiert

und damit völlig aus dem Konzener

Pfarrverband ausgeschieden. Aber! Der

Pfarrer von Eicherscheid war verpflichtet,

jährlich mit den Bewohnern am Fronleichnamstag

nach Konzen zu kommen und

dort auf dem Altar eine geziemende

Wachskerze zu opfern . Und das müßten

diese Leute auch heute noch!

1718 bekommt auch Rott eine eigene kleine

Kirche, so daß Konzen nur noch lmgenbroich

und Mützenich zu betreuen hatte.

Der Ort Höfen war ja schon aus der

Pfarre Konzen ausgeschieden im Jahre

1640 zugleich mit Monschau und hatte

1699 eine eigene Kirche, die 1701 auch

dem Kloster Reichenstein inkorporiert

wurde.

Dasselbe ist geschehen in Rohren, das

1700/1701 eine eigene kleine Kirche hatte

beziehen können.

Es soll hier ausdrücklich betont werden,

daß bei diesen Kirchenbauten in Monschau,

in Roetgen, in Eicherscheid und in

Höfen das Kloster Reichenstein eine ganz

entscheidende Hilfe geleistet hat.

Pfarrer Arnold Merkelbach hat wegen Altersschwäche

im Jahre 17 49 auf die Pfarrstelle

verzichtet, erhielt aber Wohnrecht in

der Pastorat, bis er mit über 80 Jahren am

2. 4. 1760 gestorben ist.

Sein Nachfolger war der Pfarrer Johann

Wilhelm Schreiber aus Konzen, der die

Pfarrstelle verwaltet hat bis zu seinem Tode

am 1. Juni 1798. Und auch das dürfte

einmalig sein in einem Dorf, daß es nämlich

in 94 Jahren nur zwei Pfarrer gehabt

hat: A. Merkelbach von 1704 - 17 49 und

Pfarrer J.W. Schreiber von 1749 - 1798!

Unter Pfr. Schreiber hat dann auch lmgenbroich

seine eigene Kirche erhalten. Alle r­

dings hatte lmgenbroich schon vorher eine

Kapelle gehabt in dem späteren Schulgarten

bei der heutigen Aral-Tankstelle,

gestiftet von dem Gerichts/ u. Kohlschreiber

Math. Stoltzen aus Monschau. Darin

ist aber nur eine Sonntags- und Feiertagsmesse

gestiftet worden , und auch das nur

für kurze Zeit. Bald ist diese Kapelle zu

einem kleinen • Eremitorium ausgebaut

worden, in dem sich die beiden Eremiten

Johannes Mohr ab 1703, gestorben am

17. Dezember 1722, und danach Andreas

Adenaw, der 1751 die Klause und den Ort

verlassen hatte, aufgehalten und unter

Aufsicht des Konzener Pfarrers ihre geistlichen

Übungen abzuhalten hatten.

Diese Eremitage, die später zu einem

Wohnhaus umgebaut wurde, ist im Jahre

1879 vollständig dem Feuer zum Opfer

gefallen. (Pfr. Jos. Jansen = E. H. V. 4.

Jhrg. S. 39 »Eremiten am Hohen Venn «.)

Schließlich konnte also lmgenbroich mitten

im Ort eine größere Kirche bauen, die

am 11 . Dezember 1768 eingeweiht wurde.

Dieser Kirche aber Pfarr-Rechte zu verleihen,

ist auf den energischen Widerstand

des Konzener Pfarrers gestoßen, der sich

in seinen Einkünften geschmälert sah . Erst

1777 ist es zu einem Vergleich gekommen

, in dem die beiderseitigen Rechte

abgegrenzt werden konnten , aber noch

längst nicht zu einer vollen Selbständigkeit

einer Pfarre lmgenbroich geführt haben .

Der Rektor der neuen Kirche in lmgenbroich

hatte ein Einkommen von 65 Rthlr., die

ihm von den 65 Haushaltungen in lmgenbroich

mit je einem Rthlr. gezahlt werden

sollten. Das aber war so viel, daß sich eine

ganze Reihe von namentlich genannten

Leuten geweigert hat wegen ihrer Armut

mit dem Bemerken, daß ihnen die Kirche

in Konzen nahe genug liege.

Es war immer_ noch nicht so, daß die Kirchen

außerhalb von 1<onzen ihre volle

Selbständigkeit hatten , so daß Pfr. Schreiber

noch im Jahre 17 49 die Bewohner von

Kalterherberg auffordern konnte, sich an

der Reparatur des Konzener Kirchturmes

finanziell zu beteiligen, sie sind aber dazu

»verdonnert« worden, so auch noch 1768/

Prälat Peter Schreiber aus lmgenbroich, gest.

am 23. Mai 1967 in Köln = 80 Jahre

1769. Inzwischen war Pfr. Schreiber 1798

mit 85 Jahren gestorben und hatte zuvor

noch die Übernahme der Herrschaft durch

die Franzosen erleben müssen. Aber

schon seit dem Jahre 1773 hatte er zu

seiner Entlastung den Nicolaus Bongard

aus Steckenborn als Vikar in Konzen.

Diesen Vikar Bongard präsentiert nun das

Marienstift den Konzenern als neuen Pfarrer.

Wir haben gehört, daß die Leute aus

Konzen das Recht hatten, einen ihnen

nicht genehmen Pfarrer abzulehnen und

einen anderen zu verl angen. Und genau

das haben die Konzener zum erstenmal,

so weit wir wissen , 1798 getan. Es waren

keine schlimmen Dinge, die sie ihm vorge·

worfen haben , aber er könne nicht gut

predigen und derartige Kleinigkeiten. Ihre

Ablehnung ist aber nur bis zu den Behör·

den in Monschau gekommen, die den Bescheid

gegeben haben, alle fürstlichen

und kirchlichen Rechte und Vorrechte seien

durch die franz. Verwaltung aufgehoben

, so daß ihr Antrag ohne weitere Begründung

abgelehnt werden müsse. So

haben sie also den Pfarrer N. Bongard

annehmen müssen und haben ihn gehabt

bis zum Jahre 1820, als er schon wegen

Alters am 9. August 1820 um seine Dispensierung

gebeten hatte, die ihm dann

auch gewährt worden ist. So ist er am 27.

11. 1821 im Alter von 82 Jahren gestorben

.

Durch die französische Verwaltung waren

im Jahre 1802 alle Klöster aufgehoben

worden - auch Reichenstein - und 1804

sind alle Pfarreien endlich selbständig geworden,

so daß auch jede Abhängigkei~

von der Kirche in Konzen beendet war. Bei

einer Neuordnung war das Gut Stillbusch

1804 zur Pfarre lmgenbroich gekommen,

1807 aber wieder nach Konzen in den

Pfarrverband überwiesen worden.

1807 hat es wieder eine eingehende Visitation

gegeben über alle Pfarreien im Gebiet

von Monschau ; in Konzen ist fast alles

in Ordnung , die Einkünfte des Pfarrers und

42


des Vikars sind geregelt, der Küster

(Sehartmann) hält den Schulunterricht und

ist zufrieden mit sein em Einkommen.

(Ausführlich für jede Gemei nde im E.H.V.

18. Jahrg. S. 33-44: »Ei ne kirchliche Visi-

• tation in französische r Zeit im Jahre 1807 «

von Prälat P. Schreiber.)

Die nächsten Pfarrer in Konzen sind gewesen:

Johann Matthias Simes,

1821 - 1822; Hermann Joseph Schiffer,

1822 - 1826; Wilhelm Anton Wolff,

1826 - 1828, hier gestorben; Matthias Anton

Frings, 1828 - 1845; Werner Maehren,

1845 - 1863, hier gestorben , Totenzettel

ist vorhanden, worin er als ein tatkräftiger

und entschiedener Diener der

Kirche , aber auch als unermüdlicher Hirt

und liebevoller Vater bezeichnet ist.

Unter dem Pfarrer Maehren hat die Pfarre

Konzen auch noch Mütze nich in die Selbständigkeit

entlassen müssen.

Schon kurz nach der Regierung durch

Preußen hat man in Mützenich angefangen,

den Bau einer eigenen Kirche in die

Wege zu leiten, wobei zu betonen ist, daß

bis zur Visitation des Jahres 1807 niemals

auch nur eine Kapelle in Mützenich erwähnt

worden ist. Nach vielem Hin und

Her, nach Gutachten der kirchlichen und

weltlichen Behörden wegen der armen

Kinder, die teilweise klatschnaß in die Kirche

und dann in die Schule müßten usw.,

nach Plänen für den Kirchenbau usw. hat

man endlich mit der Arbeit beginnen können

im Jahre 1847. (Über alle diese Vorgänge

liegt ein dickes Aktenstück im

HStAD.)

Wahrscheinlich ist der Bau auch nochmal

verzögert worden durch die neue Landstraße

Monschau - Eupen , feierlich eröffnet

am 18. Mai 1846, da man die Kirche

nun mehr nach oben hin oberhalb der

großen Verkehrsverbindung hat bauen

wollen.

Obwohl die Kirche schon 1850 vollendet

war, hat es noch lange gedauert bis zur

Anerkennung der selbständigen Pfarre

wegen der finanziellen Schwierigkeiten

mit dem Pfarrer und dem Küster in Konzen,

die noch eine Entschädigung erhalten

haben für den Verlust an Einkommen,

dann wegen der Stiftungen von Leuten

aus Mützenich an ihre frühere Pfarrki rche

in Konzen .

Das Dekret der selbständigen Pfarre Mützenich

ist schließlich ausgefertigt worden

zum 18. Oktober 1856 durch den Kardinal

v. deißel in Köln . (Mon. Land 1979, S. 101

== »Selbständige Pfarre Müzenich «.) Es ist

da aber ausdrücklich festgelegt, daß die

Rochus-Mühle, zwar zur Gemeinde Mützenich

gehörend, im Pfarrverband Konzen

zu bleiben habe. Das Gehalt des Pfarrers

ist festgelegt auf 300,- Thaler, wovon der

Staat 131 und die Gemeinde 169 Thaler zu

zahlen hatte. Dazu sind wie in allen Pfarreien

die Einkünfte gekommen aus frommen

Stiftungen, aus Jahrgedächtnissen

und den _ normalen Stolgebühren für Taufen,

Hochzeiten und Beerdigungen, die

immer schon bei den Einkünften der

Geistlichen zugerechnet waren.

Im Jahre 1862 ist an das Pfarrhaus noch

Stall und Scheune angebaut worden , wie

das damals noch überall nötig gewesen

ist.

Mit der letzten Beerdigung aus Mützenich

in Konzen am 10. Oktober 1856 hatte

dann auch der alte Leichenweg seine

Funktion und damit auch sein Bestimmungswort

eingebüßt.

Peter Conrad Bonseis, 1863 - 1875, der

nach dem Totenzettel als unermüdlich Tätiger

in der Verkündung des Wortes Gottes

bezeichnet ist. Er hatte die schwere Aufgabe,

nach dem Brand des Jahres 1869

die Kirche wieder aufzubauen, und ist

nach zwölftägigem Krankenlager an einem

hitzigen Fieber gestorben. Bei seinem Tod

hat es allgemein geheißen , daß Konzen so

bald keinen neuen Pfarrer bekäme == Kultur-Kampf!

Und so ist es dann auch gekommen.

Friedrich Gimkens, 1875 - 1887, war

schon seit 1869 Vikar in Konzen und ist ab

1875 Pfarrverwalter gewesen, niemals

aber Pfarrer. Er ist am 1. Juni 1896 in

Dürboslar an einer verwechselten Droge

gestorben. Von Konzen aus war er zunächst

nach Großhau gekommen, wo bei

dem feierlichen Empfang auch der einzige

Jude ein Schild an seinem Haus gezeigt

hatte mit dem Spruch: ·»und wenn ich

auch ein Jude bin, so hab ich doch getreuen

Sinn! Ich grüße mit den Herrn Pastor,

den uns der Oberhirt erkor! « So noch

erzählt von dem über 90 Jahre alten Joh .

Rosenwick und später mit denselben War-

. ten in der Zeitung nachgelesen.

Heinrich Johann Hubert Laumans ist 1887

noch als Pfarrverwalter nach Konzen gekommen,

am 21. Juni 1888 dann wieder

nach langen Jahren richtiger Pfarrer geworden,

der später auch wieder Ortsschulinspektor

werden konnte. Wir haben

schon manches Gute von ihm gehört, und

sein plötzlicher Tod am 24. September

1911 ist ein großer Verlust für die Pfarrgemeinde

gewesen, so daß der Totenzettel

nur voll des Lobes sein konnte.

Johann Peter Hubert Thelen,

1911 - 1924, unter dessen Regierung die

erste Mission nach dem Ersten Weltkrieg

abgehalten wurde im Jahre 1922; dann die

Gründung der Marianischen Jungfrauenkogregation

wie schon berichtet. Er war

ein sehr dunkelhaariger Mann mit ernstem

Gesichtsausdruck, bei dem der Verfasser

selbst noch über ein Jahr den strengen

Religionsunterricht genossen hat.

Johannes Nicolaus Pontzen aus Kettenis

bei Eupen von 1924 bis zu seinem Tode

am 7. 12. 1951 . Unter allen Pfarrern hat er

wohl die schwerste Zeit erleben müssen

nach der erfolgreichen Arbeit für die Kirche

mit den neuen Glocken, der Restaurierung

im Inneren, den neuen Fenstern in

der Südwand, der neuen Orgel noch 1938,

die kirchenfeindliche Regierung, von der

er selbst mit einer hohen Geldstrafe bel_egt

Der alte Johann Rosenwick, geb. am 5. Febr.

1871 , gest. Mitte Januar 1970 mit fast 99

Jahren

worden war, und dann die völlige Zerstörung

der Kirche bis auf die Grundmauern

im Oktober 1944. Aber, er hat auch unter

seiner Leitung noch den Wiederaufbau

vorantreiben können , wenn auch innerhalb

der alten Mauerzüge; er ist sicher im Hospital

in Monschau gestorben in dem Bewußtsein,

daß »sein« Konzen wieder erstehen

werde in der Kirche, in der Schule,

in den Häusern, in den Straßen , auch in

und mit den Menschen und ihrer Heimat

seit den Zeiten Karls des Großen.

Die Vikare oder Frühmeßner

oder Kapläne

Auch hier kann nur in gebotener Kürze die

Abfolge der Namen gebracht werden, da

über die meisten keine weiteren Kenntnisse

mehr vorhanden sind.

Daß die Pfarrer hier nicht ohne einen Gehilfen

auskommen konnten, ist nur zu verständlich,

wenn wir den Umfang des Gebietes

kennen. So ist auch in dem Liber

Valoris (ca. 1308) ein Vikar aufgeführt, ohne

daß der Name genannt wäre . Auch

nach der Abtrennung des Simmerather

Kirchenbezirkes vor 1346 ist sicher noch

ein Vikar notwendig gewesen, wie auch

ein Capellan erwähnt ist im Jahre 1475.

Wenn auch danach keine weiteren Namen

von Vikaren überliefert sind, heißt das

nicht, daß keine vorhanden gewesen

wären.

Sichere Kenntnis haben wir dann von dem

Reichensteiner Pater Matthias Lauterbach,

der von 1685-1687 hier als Gehilfe des

Pfarrers amtiert hat.

1689-1702 ist ein Augustiner-Chorherr

Jacob Moes als Frühmeßner hier tätig gewesen

.

Ab 1702 hat es dann die ständige Einrichtung

der Vikarie mit offiziellem Einkommen

usw. gegeben, wie ausführlich dargestellt.

(E. H. V. 34. Jhrg. S. 82-84: »Konzen erhält

einen Frühmeßner«, von P.

Schreiber.)

43


Martin Baur, 1702-1704, der auch Schulunterricht

erteilt hat.

Martin Lütgers, 1704, aber nur einige Monate

Werner Wirtz, nur kurz im Jahre 1705

Christian Schmeul, 1710-1716

Peter Stöckeler, 1716-1722, der der erste

Vikar gewesen sein muß, der die 1720/

21 erbaute eigene Vikarie bewohnt hat.

Degen hart Johann Schmitz, der

1717-1718 auch in Konzen tätig gewesen

sein muß, vielleicht in Vertretung

des Vikars Stöckeler oder sogar in doppelter

Besetzung.

Johann Bungartz, 1721-1725 in Konzen

tätig.

Philipp de la.Croix = Kreutz, der Neffe des

Pfarrers Merkelbach, auch aus Aubel

im jetzigen Belgien geboren,

1725-1765.

Christian Theodor Beckers, 1735-1774 in

Konzen, wenn hier nicht ein Fehler vorliegen

sollte ; er muß lange krank gewesen

sein, da schon 1764 ein Nachfolger

bestimmt worden ist.

Johann Schreiber aus Konzen,

1764-1772, dann Rektor in Rott.

Nicolaus Bongard , 1772-1798, als er dann

Pfarrer in Konzen geworden war.

Peter Brach, 1797-1803.

Matthias Nicolaus Joseph Gert,

1803-1804.

Johann Conrad Theodor Haesen, Pater

aus Steinfeld, 1806-1807.

Johann Wilh . Borgs, 1807-1808 als Vikar

in Konzen.

Wilhelm Anton Wolff, 1808-1812, dann

Pfarrer in Kaster, dann Pfarrer in Konzen

1826-1828.

Servatius Litzaler, 1812-1814.

Wilhelm David Brauweiler nur kurze Zeit in

Konzen 1815.

Kaspar Anton Matthias Nonnemühlen,

1816-1817.

Friedrich Kuck, 1818-1826.

Johann Michael Schmitz, 1826-1828.

Gottfried Noethlichs, 1828-1832.

Dominicus El kes, 1832-1838.

1841-1843 der Vikar Pfeiffer, dessen Vorname

nicht bekannt ist.

Franz Joseph Ludwig Wilhelm Adlof,

1843-1845.

Heinrich Joseph Oepen, 1845-1846.

Nicolaus Schmitz, 1846-1856.

Hermann Joseph Klein , 1854-1858.

Aloys Bohren , 1858-1862.

Johann Heinrich Theodor Middeldorf nur

etliche Monate 1862.

Christian Kemper aus Overath ,

1862-1869, als er an der Lungenentzündung,

die damals hier grassierte, im

Alter von nicht ganz 35 Jahren gestorben

ist. Seine Schwester war die Frau

des Gastwirtes Dagobert Völl und ist so

in der Liste der Vorfahren der verbreiteten

Familie Völl in Konzen.

Friedrich Gimkens, 1869-1875, dann

Pfarrverwalter nach dem frühen Tod

des Pfarrers Bonseis, konnte aber nicht

Pfarrer werden während des Kulturkampfes.

(Über seinen tragischen Tod

siehe bei den. Pfarrern!)

Der Pfarrer Bonseis dürfte noch in der

Pastorat gewohnt haben, während der Vikar

ja die dritte Vi karie zur Verfügung hatte,

in der dann auch H. Laumans gewohnt hat

bis zur Renovierung und Umgestaltung

der Pastorat 1902/03. Die Geschichte der

Konzener Vi karie war aber mit dem Vikar

Gimkens abgeschlossen.

Was aber die Vi kare oder Frühmeßner

oder Kapläne oder Primssäre allgemein

angeht, so ist festzuhalten , daß eine große

Änderung eingetreten war durch die Aufhebung

der Klöster im Jahre 1802 durch

die Franzosen . Dabei sollte man wissen

daß die Zah l der Klöster besonders in de~

Städten ungleich größer gewesen ist als

etwa heute. Dadu rch hatte es eine große

Zahl von Geistlichen gegeben, die froh

waren, für ein geringes Entgelt eine einigermaßen

gesicherte Existenz mit entsprechender

Tätigkeit zu finden . So hat

z. B. Eicherscheid zwar auch vor dem Jahre

1802 schon mal einen zusätzlichen

Geistlichen gehabt, von 1804 aber bis

1810 den dort gebü rtigen Joh. Wilh. Bartholomäus

Claßen . Ein Frühmeßner wäre

in Konzen nach dem Wegfall v'~n Mützenich

1856 nicht mehr vonnöten gewesen,

wenn es die Bination = die Möglichkeit für

einen Geistlichen gegeben hätte, an einem

Tag zwei Eucharistie-Feiern durchzuführen.

Das ist aber nur in dringenden

Ausnahmefällen du rch das Gen . Vik. in

Köln genehmigt worden, als z. 8. 1854 ein

zusätzlicher Geistlicher für die Eupener

Pankratius-Prozession nach Konzen angefordert

wurde und der Kaplan aus Eicherscheid

diese Ausnahmegenehmigung

erhalten hat. Im übrigen war schon bei der

Kirchenvisitation des Jahres 1559 festgestellt

worden, daß die weitläufige Pfarre

Konzen ohne einen Kaplan nicht in gehöriger

Weise betreut werden könne.

Viel später ist dann die Bination = Frühmesse

und Hochamt durch den Ortsgeistliehen

allgemein zugelassen worden. Und

damit kann auch dieses Kapitel nach den

notwendigen historischen Kenntnissen

abgeschlossen werden.

44


Die Schule in Konzen

Daß es mit dem Schulu nterricht hier bis

nach der Einführung der Schulpflicht durch

die preußische Reg ierung im Jahre 1825

nicht allzugut beste llt wa r, bedarf keines

langen Beweises. Wir brauchen uns nur

die Unterschriften der Leute anzusehen,

die bei der Versteigerung des Hardthofes

am 29. Juni 1811 Grundstücke erworben

hatten. Wenn die hiesigen Familiennamen

nicht so gut bekannt wären, könnte man

sie nur mit großer Mü he entziffern; sie

sind nicht geschrieben , sondern »gekrakelt«,

und zwei Leute machen noch das

damals nicht so ganz unü bliche Handzeichen

durch zwei Kreuzchen.

Andererseits haben die Gerichts- und Kirchenschöffen

, die ~örster und die Kirchenrendanten

lesen, schreiben und rechnen

können, wie besonders aus den jährlichen

Berichten der Kirc henrendanten zu

ersehen ist.

Man muß sich auch die Frage stellen, wie

junge Leute aus den Dörfern hier auf das

Studium der Theologie vorbereitet worden

sind, das doch gewisse Kenntnisse vorausgesetzt

hat.

In einem größeren Aktenstück über die

Wiedertäufer vom Jahre 1598 im HStAD

Jül. Berg, Geist!. Sachen, J. B. II , 254, s:

77a wird ein Schulmeister genannt, der

1598 aus dem Pachtertrag der beschlagnahmten

Grundstücke 6 Malter Hafer erhält,

und zum Jahre 1599 heißt es dort:

»Hiervon (von dem gesamten Pachtertrag

von 40 Maltern) gehen ab 8 Malter vor den

schulmeister und 1 Malter vor schrimpf

(Schrumpfungsprozeß und Mäuseverbiß),

bleiben zu leisten 31 Malter.« Dieser

Schulmeister der Jahre 1598 und 1599 ist

der heinrich aldenhouen (Aldenhoven) offerman

und Schulmeister zu Monjoie gewesen.

In dem Erb-Buch 1, S. 379 ist für das Jahr

1631 der Johann Wilhelm Hoch als öffentlicher

Notar und Schollmeister in Monschau

in den Akten , und um 1640 ist in

Monschau der Schulmeister Wilhelm

Braun tätig. 1686 hat die Kirche Konzen 6

gld. (Gulden) bezahlt an den ludimagister

= Schulmeister zu Monjoie mit Namen

Peter Neuß. Sollte dieser Peter Neuß teilweise

Unterricht in. Konzen erteilt haben

oder der Pfarrer den einen oder anderen

begabten Jungen (Mädchen haben noch

lange keinen Unterricht gebraucht) nach

Monschau geschickt haben? Dann müßt~n

wir aber Zahlungen über längere Jahre

hinaus erwarten. Oder hat der Schulmeister

Geld dafür bekommen, daß er gelegentlich

Urkunden oder Akten für die Kirehe

in Konzen in Schönschrift angefertigt

hatte? Wir wissen es nicht und wollen

auch nicht lange darüber kombinieren.

Als nächster Schulmeister wird erwähnt

der Kirchmeister Mattheiß Voell, den der

Pfr. Merkelbach in einem Rechtsstreit des

Jahres 1737 wegen der Benutzung des

Kirchenfußpfades in lmgenbroich zitiert als

Sachverständigen. (E. H.V., 28. Jhrg ., S.

33) . Es sind aber nie Ausgaben für diesen

Schulmeister eingetragen, so daß er vielleicht

auf privater Grundlage etwas Unterricht

erteilt haben mag.

Und doch muß schon Unterricht auch hier

erteilt worden sein spätestens ab dem

Jahre 1630. In der ersten erhaltenen

Rendantenrechnung vom Jahre 1634 ist

nämlich eingetragen :

»ltem ein new wandt am Schollhauß machen

lassen = 1 gld. «

Damit ist erwiesen, daß es in Konzen ein

Schulhaus gegeben hat, an dem man

schon eine Reparatur hat ausführen lassen,

an einem Gebäude, das dann auch

schon längere Zeit dort gestanden haben

muß. Wo aber ein Schulhaus steht, ist

auch Unterricht erteilt worden. Es sind

dann noch mehrfach Reparaturen an diesem

Schu lhaus vorgenommen worden,

und es heißt z. B. im Jahre 1677, daß auch

an dem Kirchhofspfad unterm Schulhäuschen

gearbeitet worden ist, woraus wir

schließen müssen, daß es nicht weit von

der Kirche entfernt gestanden hat. 1686 ist

z. B. die Tür an dem Schulhäuschen repariert

worden.

Es erhebt sich natürlich die Frage, wer den

Unterricht erteilt hat. Ausgaben dafür sind

bis kurz vor 1800 nicht in den Rendantenrechnungen

. Also müssen wohl die Pfarrer

oder ihre Kapläne bzw. Vikare sich als

Lehrer zur Verfügung gestellt haben.

Etwas Genaues hören wir erst über den

Unterricht und vor allem über den Lehrer

im Jahre 1794/95, als der Wilhelm Steinröx

für die »Schulpfacht« = Pacht den

Betrag von 8 Reichsthalern erhält. Das

kann aber doch nur heißen , daß der Unterricht

»gepachtet«, d. h. versteigert worden

ist für das geringste Angebot. Wer ein

wenig lesen, schreiben und rechnen

konnte, war als Schulmeister geeignet und

das ja auch nur für den Winter und für eine

geringe Zahl von Schülern, die auch noch

Schulgeld, man nennt die Zahl von 15

Stüber je Monat, zu zahlen hatten. Mädchen

sind überhaupt nicht unterrichtet

worden; das kann man daraus erkennen,

daß noch lange nach 1800 die meisten

Männer in der Lage waren , ihre bescheidene

Unterschrift zu leisten, die Mädchen

bzw. Frauen dagegen noch lange in der

Regel ihre zwei Kreuzchen gemacht

haben .

1795/96 hat Wilhelm Steinröx wieder die

Schulpacht, wird aber im Jahr 1796/97

abgelöst von dem Rendanten Johann Peter

Huppertz. Und in diesem Jahr sind aus

der Kirchenkasse dem zeitlichen Schulmeister

für den Unterricht der Armenkinder

3 Rthlr. ausgezahlt worden . Das heißt

aber, daß diese Kinder zu arm waren, die

geringe Gebühr für den Unterricht zu bezahlen.

1802/03 hat dann der Caplan Broich die

Pacht des Schulzimmers übernommen. Es

ist aber auch bekannt gewesen, daß der

erste offizielle Kaplan Martin Baur von

1702 - 1706 schon Unterricht hier erteilt

habe.

Wir können nun übergehen zum ersten

langjährigen Schulmeister in Konzen, zu

Johann Wilhelm Sehartmann aus Rott, von

Beruf Schreiner, der auch gelegentlich

noch an der Kirche kleinere Reparaturen

. ausgeführt hat.

Ab jetzt können wir uns berufen auf ein

großes und mit Sorgfalt ausgearbeitetes

Manuskript der früheren Lehrerin Käthe

Löhrer, das in vielen Stücken durch die

Chronik der Bürgermeisterei lmgenbroich

und andere Unterlagen bestätigt werden

konnte.

Der Lehrer, Küster und Organist Sehartmann

hat gewohnt in dem Haus an der

Landstraße, vorletztes vor der Einmündung

der Heerstraße, später in der Hand

des Joh. Wilhelm Huppertz - Jaß-Weilern,

heute aber durch die Kinder der Johann

Huppertz/Anna Jung völlig in viel größerer

Art umgebaut. Weil dieser Organist dort

gewohnt hat, hatte das Haus bei den Leuten

hier den Namen »Orjeleißje «. Vielleicht

hat der Meister Sehartmann schon

ein bescheidenes Harmonium gehabt, das

zu diesem Namen geführt hat.

Dieser Lehrer war natürlich auch nur im

Winter in der Schule tätig und hatte im

Sommer andere Arbeiten zu verrichten,

genau wie die Kinder, die zu Arbeiten bei

der Heuernte, beim Ausmachen der Kartoffeln

mit dem zweizinkigen Karst, dem

»Kaasch « und besonders beim Viehhüten

voll im »Einsatz« waren, wie das noch in

den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts

üblich gewesen ist. Zum Heizen des

.Schuizimmers hatten die Kinder ein Scheit

Holz oder ein Stück Torf mitzubringen,

und dann war fällig das schon erwähnte

Schulgeld. Im übrigen hat der Unterricht

45


Die erste Schule des Jahres 1828. Stall und Scheune links erst später angebaut

stattgefunden in dem normalen Wohnzimmer

des Hauses, das üblicherweise 4 mal

5 m groß war, wo mithin nur etwa 20-25

Kinder sich aufhalten konnten.

Durch Kabinettsorder vom 4. Mai 1825 ist

die allgemeine Schulpflicht durch die

preußische Regierung auch hier im Rheinland

eingeführt worden , ohne aber sofort

die Hüteschulen ganz zu verbieten . Diese

Schulpflicht war freilich keineswegs im

Sinne unserer Leute hier, die die Kinder

als billige, aber auch notwendige Arbeitskräfte

betrachtet haben. Ja, noch in den

Wirren der bescheidenen Revolution des

Jahres 1848 hat eine der Hauptforderungen

in einem unserer Dörfer gelautet:

»Abschaffung des verhaßten preußischen

Schulzwanges«.

Am 28. April 1826 ist der »magister scholae

et Custos ecclesiae« (Meister der

Schule und Küster der Kirche) Johann Wilhelm

Sehartmann, 59 Jahre alt, gestorben,

und seine Nachfolge als Lehrer hat sein

Sohn Matthias Peter angetreten , während

der Sohn Johann Hubert am 28. 7. 1827

gestorben ist, unverheiratet, 28 Jahre alt,

als »treuer Küster und erfahrener Organist

dieser Kirche «. (Kirchenbuch)

Nachdem der Schulzwang eingeführt war,

mußte natürlich auch ein entsprechendes

Schulhaus errichtet werden . Das ist geschehen

im Jahre 1828/29 nach dem Entwurf

des Baumeisters Ulich, der ein Schüler

des nicht ganz unbekannten Baumeisters

Schinkel gewesen sein soll und in

diesen Jahrzehnten eine ganze Reihe von

Kirchen und Schulen in unserer Gegend

hat planen können . Das Schulhaus in Konzen

ist am 12. Mai 1828 in Verding gegeben

worden , für 945 Thaler gebaut und

aus der Gemeindekasse bezahlt worden.

Der Unternehmer ist ein G. R. Bauer aus

Monschau gewesen, der ein sehr auffal-

lendes Fachwerk in dem Nordgiebel konstruiert

hat, das vor etlichen Jahren erst

herausgekommen ist bei einer Renovierung.

Die erforderliche Inneneinrichtung

hat der Unternehmer W. H. Boden aus

lmgenbroich geliefert. Das ursprüngliche

Gebäude hatte einen Schulsaal von etwa

7,50 zu 7,50 m und dazu zwei kleine Zimmer

für den Lehrer. Die Höhe des Schulsaales

hat etwa 3,25 m betragen , was für

hier schon recht auffallend gewesen ist.

Als dann die zweite Schule an der jetzigen

Konrad-Adenauer-Straße errichtet war, ist

die alte Schule verkauft worden , nachdem

schon am 12. März 1859 das alte Schulhaus

mit Garten und Gemeindeparzelle

von 1 Morgen, 178 Ruthen öffentlich zum

Verkauf angeboten war. Später sind dann

noch Wohnzimmer, Stall und Scheune angebaut

worden, so daß es als eines der

schönen alten Bauernhäuser anzusehen

war, wie wir sie ja nicht selten hier haben.

Das Haus hatte den Krieg ohne großen

Schaden überstanden und ist in den letzten

Jahren zwar um die Scheune verkleinert

worden, wobei aber der alte Stall noch

zu Wohnzwecken umgebaut werden

konnte. Und wie das hier so ist, das Haus

hat dem Eigentümer den Namen im Dorf

gegeben; wer nämlich darin wohnt, ist

nicht der Schmitz oder Maier, sonder »der

Scholle«. (Ein größerer Beitrag darüber im

Monschauer Land 1975, S. 160-170).

Der Lehrer Math. Peter Sehartmann hat

hier die Schule »regiert« bis zum Jahre

1843 und wurde abgelöst durch den_ Lehrer

Johann Hermanns, •der sich viel Mühe

gegeben hat mit dem Gesang und auch

den ersten mehrstimmigen Kirchenchor

schon im Jahre 1843 gegründet hat, 1846

aber versetzt worden ist.

Ihm ist gefolgt der Lehrer Johann Hubert

Thelen bis 1849, danach der Schulaspirant

Paustenbach aus Rollesbroich bis zum Juni

1850 und wurde abg elöst durch den

Schulamtskandidaten Severin Gehlen bis

September 1853.

Am 15. Oktober 1853 wurde aus Eicherscheid

nach Konzen versetzt der Lehrer

Philibert Keutmann (Keutmanns Phlipp),

der für die nächsten 40 Jahre in Konzen

geblieben und Ende 1893 in Pension gegangen

ist. Er hatte eine Reihe von Kindern

, von denen wieder ein Philibert als

Bauherr das gelbe Ziegelsteinhaus an der

Stelle der zweiten Kaplanei und das Haus

Kreitz oben an der Landstraße hat bauen

lassen. An dem gelben Haus ist aber noch

ein Rest der alten Kaplanei erhalten worden,

wo durch eine rückwärtige Tür eine

kleine Wohnung zusätzlich bezogen worden

ist. Das gelbe Haus ist später von der

Gemeinde als Wohnung für den dritten

Lehrer angekauft worden und ist dem

Krieg zum Opfer gefallen.

Durch die straffere Erfassung der Kinder

zur Schulpflicht war die Schülerzahl in den

50er Jahren auf ca. 170 angewachsen, so

daß die Schule des Jahres 1828/29 längst

nicht ausgereicht hat. So hat man sich

gezwungen gesehen, eine ganz neue

Schule zu errichten an der jetzigen Konrad-Adenauer-Straße,

im damaligen

»Pferdebruch «, in den Akten des Landratsamtes

im »Kirchbruch «. Das war das

Gelände zwischen der Landstraße und

dem Laufenbach , das bei der Anlage des

Ur-Katasters im Jahre 1821 noch völlig frei

von Häusern gewesen ist. Noch am 27. 2.

1858 sind im Kirchbruch 13 Parzellen auf 9

Jahre durch den Gemeindevorsteher Huppertz

zur Pacht angeboten worden. Dieses

alte Gemeindeland ist dann später in Einzelparzellen

an Private verkauft worden.

Beim Bau dieser neuen Schule 1857 /58

hat man nach Auskunft ganz alter Leute

46


Bruchsteine entnommen aus dem verfallenen

Mauerwerk eines Gebäudes auf der

Wiese unterhalb des Hauses Josef

Scheidt in der Lutterbach oder von dem

alten Lauterbachhof, da wo sich jetzt die

Gärtnerei Schmitz befindet. Diese neue

Schule hatte zu ebener Erde zwei Schulsäle

und oben zwei Leh rerwohnungen .

Die Kosten für den Neubau einschließlich

der Utensilien für den zweiten Schulsaal

betrugen 4 470 Thaler. Zur ersten Lehrerwohnung

gehörten im Erdgeschoß noch

eine Küche, eine Stube, eine Remise und

ein kleiner Stall , da man damals noch damit

rechnen mußte, daß der Lehrer wenigstens

etwas Kleinvieh halten wollte.

Nach Fertigstellung des neuen Schulhauses

wurde schon im fo lgenden Jahr die

zweite Schul klasse eingerichtet, die bis

Ostern.1862 von dem Schulaspiranten Johann

Zaun verwaltet worden ist, bis mit der

Berufung einer Lehrerin 1862 die Knaben

und Mädchen getrennt wurden , so daß

zwei einklassige Schulen entstanden sind.

Das ist so geblieben bis zum Jahre 1912,

als die Trennung nach Geschlechtern aufhörte

und die Schu le zweiklassig wurde,

mit den ersten vie /! Jahrgängen für die

Lehrerin und den letzten vier Jahrgängen

für den Lehrer.

Folgende Lehrerinnen sind dann hier tätig

gewesen:

Antonia Gieben = 1862 - 1865

Helena Feiten = 1865 - 1871

Anna Müller = 1871 - 1873

Sophia Wille ms = 1873 - 187 4

Maria Josephine Lenzen = 1875 - 1891,

als sie ausgeschieden ist bzw. hat ausscheiden

müssen, als sie den Landwirt

Johann Widdauer aus lmgenbroich geheiratet

hat, der als Fuhrmann nach

Aachen mühsam etwas Geld verdiente,

hat die frühere Lehrerin »Lenze Fihn «,

wie sie im Dorf genannt wurde, schließlich

ein recht kümmerliches Leben geführt.

Sie muß eine durchaus fähige

Lehrerin gewesen sein, die sich z. B.

auch betätigt hat bei den jäh rlichen Veranstaltungen

des Kriegervereins und

vielleicht dessen Theateraufführungen

geleitet hat.

Es sind dann gefolgt:

Maria Rau = 1891 - 1900

Magdalena Lieberts = 1900 - 1904

Berta Kremer = 1904 - 1907

Elisabeth Bauer = 1908 - 1911

Anna Wolks = 1912 - 1913, ausgeschieden

wegen Heirat

Philippine Geisen = 1913 - 1919, ausgeschieden

wegen Heirat

Maria Meurer = 1919 - 1922, ausgeschieden

wegen Heirat

Käthe Löhrer = 1922 - 1934 Eintritt in ein

Kloster

'

Maria Löhrer = 1934 - 1950.

Nach Philipp Keutmann sind als Lehrer

hier tätig gewesen:

Theodor Joseph Klee = 1893 _ 1894

Johann Arnold Palm = 1894 - 1897

Paul Kalkbrenner = 1897 - 1899

Leonard Hüpgens = 1899 - Herbst 1925

Gottfried Simons = 1925 - Ostern 1926

Ewald Jenniges = Ostern 1926 bis Herbst

1944.

Schon ab 1914 ist die Schule dreiklassig

geführt worden, allerdings nur mit zwei

Lehrkräften . Zur Unterstufe gehörten die

Klassen 1 und 2, zur Mittelstufe die Klassen

3, 4 und 5, zur Oberstufe dann die

Klassen 6, 7 und 8 mit dem Abschluß. Der

Schulleiter hat dann den Titel Hauptlehrer

bekommen.

Nachdem Eupen/Malmedy belgisch geworden

war, ist 1920 der Lehrer Heinrich

Benedikt Capellmann aus Xhoffraix nach

Konzen gekommen bis zum Herbst 1925,

als er sich zusammen mit seinem Schwager

Hüpgens in den Heimatort Kornelimünster

versetzen ließ. B. H. Capellmann

hatte bei den Schülern den sinnigen Namen

»Bonne-Max«, weil er mit Vorliebe

das Stück behandelte »Strohhalm , Kohle

und Bohne «. Von seiner Tätigkeit als Lehrer

haben wir Kinder nur recht wenig profitieren

können. Allerdings war er ein nicht

unbegabter Schriftsteller im Bereich des

Lebens in den Venndörfern, wobei zu nennen

ist der Novellenband »Exitus«.

Für Monschau hat er das Heimatspiel

»Land in Not« geschrieben, das von den

Drangsalen handelte während der kriegerischen

Ereignisse des Jahres 1543, als

Reichenstein zerstört und Monschau erobert

und stark beschädigt worden ist.

Dieses Heimatspiel ist auf der Burg in

Monschau verschiedentlich mit großem

Aufwand in Szene gesetzt worden und hat

in den Jahren um 1930 manches Aufsehen

erregt. Was der gute B. H. Capellmann

allerdings in Zeitschriften und Zeitungen

in manchen Artikeln in historischem

Gewand veröffentlicht hat, sollte

als blühende Phantasie-Produkte schnell

vergessen werden.

Die Schule vom Jahre 1857/58, Teilansicht

Für ihn ist dann im Herbst 1925 der Lehrer

Steffens gekommen und etliche Jahre in

Konzen geblieben. Er war sehr musikalisch,

hat den Kirchenchor geleitet, und

wenn er das Hochamt gesungen hat, war

das ein musikalischer Genuß. Er ist später

in Aachen Direktor einer Realschule geworden

und vor einigen Jahren gestorben.

Danach sind noch die Lehrer Wolff, Lützeler,

Karl Gibfried und Meuthen auf dieser

dritten Lehrerstelle tätig gewesen, bis kurz

vor der Evakuierung im Spätsommer 1944

noch gelegentlich Aushilfslehrer in Konzen

unterrichtet haben. Dann ist nicht nur

der Unterricht zu Ende gegangen, sondern

auch die Schule völlig zerstört worden.

Im Jahre 1937 hat die Schule endlich einen

dritten Schulsaal bekommen, der

schon kurz vor dem Ausbruch des ersten

Weltkrieges geplant gewesen ist. Die

Schule ist umgebaut worden , so daß der

Eingang von der Landstraße her erfolgte

und drei Schulsäle hintereinander zu liegen

gekommen sind .

Für die Mädchen ist schon frühzeitig der

Handarbeitsunterricht eingeführt worden,

wohl einige Zeit schon von einer Maria

Cremer in den Jahren um 1850, die in der

damals sogenannten Böhms-Mühle, der

Rochusmühle, gewohnt hat. Mit dem Eintritt

der ersten Lehrerin ist dieser Unterricht

dann als amtlich betrachtet worden.

Auch ein Hauswirtschaftsunterricht ist ab

1926 in den Lehrplan aufgenommen worden,

der 1927 /28 durch eine Wanderhaushaltungsschule

ergänzt worden ist, wo

man sich aber in der Hauptsache auf

Kenntnisse im Kochen spezialisiert hatte.

Ab 1924 ist jährlich auf dem Sportplatz am

Hargard der Reichsjugendwettkampf ausgetragen

worden, der besonders für die

Knaben (die »Jungen« sind erst im Dritten

Reich erfunden worden) bestimmt war,

während die Mädchen sich an gemeinsamen

Spielen erfreuen konnten.

Ab 1924 hat es auch die Fortbildungs-

47


schule für die männliche Jugend gegeben,

die für die schulentlassenen Jungen für

drei Jahre verpflichtend war an zwei Abenden

in der Woche. Bei der Jugend waren

diese Schulstunden aber recht wenig beliebt,

zumal sie meistens schon einen langen

Arbeitstag hinter sich hatten.

Im Jahre 1920 hat es auch einen Elternbeirat

gegeben, der alle zwei Jahre zu

wählen war; der erste dieser Art hat bestanden

aus:

Hubert Call, Eisenbahnbeamter

Wilhelm Schmitz, Landwirt

Joseph Call, Polizeidiener

Friedrich Krings, Gemeindearbeiter

Arnold Rosenwick, Landwirt

Ersatzleute: Karl Schreiber, Landwirt

Heinrich Steinröx, Landwirt.

Während der preußischen Zeit waren die

Pfarrer in der Regel auch eingesetzt als

Ortsschulinspektoren, die über die Schule

und z. B. über die Einstellung von Lehrern

das Sagen hatten. So kommt es, daß im

Pfarrarchiv die Zeugnisse des Bewerbers

Leonard Hüpgens vom Jahre 1899 liegen,

bevor er für lange Jahre als Lehrer und

zuletzt als Hauptlehrer eingestellt werden

konnte.

Nach dem 1. Weltkrieg sind dann zivile

Schulräte tätig gewesen, von denen einer

die Schule in lmgenbroich 1922 oder 1923

visitiert hat. Ein solcher Mann war für uns

arme Dorfkinder eine Gestalt, die nicht

weit unter dem Herrgott anzusiedeln war.

Er ist aber ein sehr netter und freundlicher

Herr gewesen, der uns kurz vor Beginn

der Ferien fragte, wozu wir denn Ferien

bekämen. Da hat er alles zu hören bekommen,

was er gar nicht hören wollte: daß wir

Ferien bekämen, um bei der Heuernte zu

helfen, bei der Kartoffelernte zu arbeiten,

um die Kühe zu hüten und noch manches

andere. Die richtige Antwort mußte er

dann selbst geben, nämlich: »Um uns zu

erholen!« Das Wort erholen kannten wir

natürlich noch gar nicht, und diese Antwort

war nach unserer Überzeugung auch ganz

falsch! Denn : erholen taten wir uns in der

Schule und nicht umgekehrt! Eine Generation

vorher war es noch klarer! Die Kinder

haben nichts mehr verwünscht als die

Ferien, da sie dann viel mehr arbeiten

mußten als in der Schulzeit. Das werden

junge Leute nicht mehr glauben wollen,

ändert aber nichts an der Tatsache.

Von einem weit verbreiteten Mißverständnis

mag auch noch kurz die Rede sein: Wir

alle haben als Kinder die schöne alte deutsche

Schrift gelernt mit den hohen schmalen

Buchstaben, mit Aufstrich und Abstrich

usw. Dazu gab es regelmäßig Unterricht

im Schönschreiben. Wer etwa aufs Gymnasium

ging, hat die lateinische Schrift

dann nachlernen müssen. Im Jahre 1925

ist nun verbindlich eine etwas geänderte

Schrift eingeführt worden mit kürzeren

Oberlängen und mehr abgerundeten und

kompakteren Buchstaben. Nach dem Erfinder

ist diese Schrift unter dem Namen

»Sütterlin « in die Geschichte eingegangen,

war aber im Grunde auch eine deutsche

Schrift. Wir haben uns auch kaum

daran gehalten und unsere alte schöne Art

zu schreiben beibehalten. Aber ausgerechnet

der auf alles blonde Germanische,

Altdeutsche und historisch überlieferte

geradezu versessene Adolf Hitler hat 1942

die deutsche Schrift grundsätzlich verboten

und zum Absterben gebracht, und die

Folge ist bis heute die, daß die Kinder

nicht mehr imstande sind, die Briefe ihrer

Eltern oder Großeltern zu lesen.

Durch die Führung des tausendjährigen

»Dritten Reiches« von 12 Jahren sind wider

Geist und Buchstaben des Konkordats

die Kreuze aus den Schulen entfernt worden,

was der Pfr. Joh . Pontzen als »dies

ater« = schwarzer Tag in die Chronik der

Kirche aufgenommen hat. Die Pfarrer durften

die Schulen nicht mehr betreten und

haben im Jugendheim, solange es noch

nicht von anderer Seite belegt war, religiöse

Unterweisung erteilt, bis auch das mit

dem Ende des Krieges sein Ende gefunden

hatte.

In der großen Arbeit der Lehrerin Käthe

Löhrer ist die Entwicklung der Einkommen

der Lehrer in allen Einzelheiten mit großer

Sorgfalt aufgezeigt, ohne daß wir hier so

eingehend darüber berichten können. Von

den kümmerlichsten Anfängen heraus ist

die finanzielle Lage der Lehrer, die ja auch

später Seminarbildung hatten, immer wieder

verbessert worden, so daß z. B. der

Lehrer Keutmann, als er 1893 in Pension

ging, mit dem Geld als Organist und aus

Stiftungen ein Jahreseinkommen hatte

von 1 363.- Mark. Das ist für uns heute

sehr wenig, wir müssen aber bedenken ,

daß damals wohl kein Arbeiter 10.- Mark

in der Woche verdient hat, also etwa 500.­

Mark im Jahr.

Auch über die Hüteschulen berichtet Frl.

Löhrer recht ausführlich, daß die Regierung

in Aachen solche noch geduldet habe

bis zum Jahre 1854 in der Form , daß nur

Kinder ab 10 Jah ren im Sommer dafür

freigestellt werden konnten, aber mindestens

an zwei Stunden Unterricht täglich

teilnehmen mußten. Ab 1880 wurde für die

Viehhut Halbtagsunterricht eingerichtet,

getrennt für die Unterstufe, Mittelstufe und

Oberstufe. Dabei durfte aus jeder Familie

aber nur ein Kind dafür bestimmt werden.

1904 wurde diese Bestim mung noch verschärft,

so daß jedes Kind mindestens wöchentlich

an 14 Unterrichtsstunden teilnehmen

mußte. Eine noch größere Verschärfung

ist 1907 erfolgt, und die Hüteschulen

sind im Jahre 1912 in Konzen

ganz abgeschafft worden, und alle Anträge

auf Wiedereinführung sind erfolglos geblieben.

Für dieses Problem kann man heute kein

Verständnis mehr erwarten; es war aber

damals so, daß praktisch in allen Häusern

hier Rindvieh gehalten wurde, das im

Frühjahr zunächst auf den Hauswiesen

sein Futter finden mußte. Bis die Heuwiesen

aber wieder neuen Gra aufwuchs

zeigten, mußte man sich behelfen, so daß

z. B. die Straßenränder an den Wegen

verpachtet wurden , um die Futterknappheit

in der Zwischenzeit zu überbrücken.

Auch da schon mußte das Vieh gehütet

werden, bis dann die Heuwiesen an die

Reihe kamen zum Hüten. Das war überall

die Nachweide, und kei n Mensch hat daran

gedacht, einen zweiten Schnitt zur

Heuernte zu machen.

Auf den Weiden mußten die Kinder besonders

darauf aufpassen, daß die Herde

nicht fremde Grundstücke betrat, wo unter

Umständen so wertvoller Hafer oder Kartoffeln

geschädigt worden wären. lustig

ging es dann aber zu, wenn mit dem Michaelstag

bzw. am 15. Oktober es ȟberall

« ging , d. h. daß die gesamte Gemeindeflur

für alle Tiere offen stand, mit Ausnahme

vielleicht noch von Reststücken

der Kartoffelfelder. Dann versammelten

sich die Kinder besonders hinter der

»Hue «, auf Stillbusch oder auf dem »Jönster«,

brannten ein großes Feuer ab aus

alten Zaunpfählen und abgestorbenem

Holz aus den Hecken und hatten großen

Spaß miteinander. Nur ein Kind wurde bestimmt

zum »Harre-Währe«, d. h., daß

dieses Kind aufpassen mußte, daß die Kühe

oder Rinder aus den verschiedenen

Herden keinen Streit untereinander austrugen

und sich dabei vielleicht ein Horn

ausgestoßen hätten, was als ein großer

Schaden für ein solch kostbares Stück

Vieh gegolten hätte. Auch das ist schon

lange Vergangenheit! Kein Kind braucht

mehr bei Wind und Wetter morgens mit

den Kühen auf das Feld und bis zum

Abend dort aufzupassen. Damit können

wir wohl das Kapitel über die Schule insgesamt

abschließen und haben auch einen

guten Einblick in die kulturelle Entwicklung

hier gewinnen können.

48


Die Ortsteile

Der Ortsteil Beigenbach

Die Tuchfabrikanten in lmgenbroich hatten

für die Wäsche und das Färben der Wolle

nichts nötiger als unser sehr gutes fließendes

und völ lig kalkfreies Wasser, das aber

in lmgenbroich selbst nicht vorhanden

war. So haben einige unten im Tal des

Beigenbaches dicht bei m Zusammenfluß

mit dem kleinen Lutterbach eigene Gebäude

dafür geschaffe n, dicht bei der

Brücke an der Straße lmgenbroich - Simmerath.

Von lmgenbroich aus lag zunächst eine

Wollwäsche mit zwei kleinen Weihern, die

noch von dem Lutterbach gespeist wurden

und dem Fabri kanten Johann Heinrich

Böttcher gehörte, dem Vater des weithin

bekannten Malers Christian Böttcher. Weiter

unterhalb schon nahe an der alten

Brücke lag auch eine Wol lwäsche der

Wwe. Christian Arn old Offermann aus lmgenbroich,

der als »Ackersmann und

Tuchfabrikant« 1808 ein Grundstück des

Hofes Lauterbach gekauft hatte. Auch zu

dieser Wollwäsche hat ein kleiner Weiher

gehört, der au ch von dem Lutterbach gespeist

wurde. Etwa 50 m unterhalb der

Brücke gleich am Beigenbach lag die Färberei

des lmgenbroicher Fabrikanten Paul

Mertens, die ihr Wasser gleich aus dem

Beigenbach bezogen hat, der ja auch wesentlich

mehr Wasser zu führen pflegte.

Mit dem Niedergang der lmgenbroicher

Tuchindustrie in den 50er und 60er Jahren

des vorigen Jahrhunderts haben diese

Bauten ihren Zweck verloren und sind abgebrochen

worden oder einfach verfallen .

Nur in dem Haus aus Bruchsteinen der

Wwe. Offermann hat noch eine Zeitlang

eine lmgenbroicher Familie gewohnt bis

um das Jahr 1900.

Dazu hat es aber auch zwei Wohnhäuser

dort gegeben am alten Kahrweg, der

schon in dem Lagerbuch des Jahres 1649

zwischen dem Gericht und lmgenbroich

erwähnt ist. Kurz unterhalb der Jönster­

Jaaß = Ginster-Gasse hat das Hausgelegen

des Nicolaus Jacobs nach der Karte

des Ur-Katasters, wo im Jahre 1859 ein

Leonard Jacobs mit seiner Frau Anna Catharina,

Ackerer in der Beigenbach, in einer

Notarakte erscheint. (Notar Menzen

Nr. 8980, 1859.) Dieses Haus, das dann

den Geschwistern Jacobs gehört hat, ist

am 22. Juli 1862 durch Brand vernichtet

worden.

Kurz darunter, wo später der Steinbruch

gleich an der alten Straße zu sehen war,

hat ein Haus des Peter Joseph Schreiber

gestanden, später bewohnt von Wilhelm

Eßer (Maanesse) , und ist am 22. 12. 1895

auch ein Raub der Flammen geworden.

Damit war dieser kleine Flecken, bestehend

aus drei Fabrikanlagen und zwei

Wohnhäusern, das Haus Offermann teilweise

bewohnt, um die Jahrhundertwende

völlig verschwunden. Vor 50 Jahren hat

man bei der Brücke noch die Fundamente

der Gebäude und die Umwallung des einen

oder anderen kleinen Weihers erkennen

können. Aber auch das ist durch den

späteren Westwall und die neue Straßenführung

neben und oberhalb der alten

Brücke im Gelände nicht mehr zu sehen,

so daß diese Zeilen wohl die letzte Nachricht

über einen kleinen Ortsteil sein dürften

. (Viele genauere Einzelheiten auch mit

Nachrichten über die lmgenbroicher Familien

im Heimatkalender Monschau, 1965,

S. 48 - 52 durch den Prälaten P. Schreiber

aus lmgenbroich.)

Aus derselben Ursache und mit sehr ähnlichem

Schicksal ist auch an der Rur in Grünenthal

eine ausgedehnte Fabrikanlage

errichtet worden , die als Beispiel hier kurz

erwähnt sei, wenn auch nicht direkt zu

Kon zen gehörend.

Die größeren Fabrikanten Offermann aus

lmgenbroich in der Linie Matthias 0. hatten

schon vorher für Wasser zum Waschen

und Färben gesorgt, indem sie bei

Grünenthal, »im grünen Dahl «, vom Jahre

1776 an zunächst eine Walkmühle, dann

aber auch Wollwäsche, Färberei , Lohgerberei

, Schneidmühle, Schleifmühle (für

die großen Tuchscheren) und eine mechanische

Spinnerei angelegt hatten in einem

großen Fabrikzentrum . Dazu aber hatten

sie zunächst den ganz bescheidenen Weg

dort, »den Börch-Wääsch = Bergweg«, zu

einer guten Fahrstraße ausbauen müssen

auf eigene Kosten und allein dafür ca.

12 000 Thaler ausgegeben, was damals

eine gewaltige Summe gewesen ist. Dabei

ist auch in den Felsen schon gesprengt

worden, wie die Ausgaben für das Schießpulver

beweisen. Zudem sind 3 700 Hekken

, 70 Obstbäume gepflanzt, ja Spargelfelder

und ein Weinberg angelegt worden,

in dem man am 13. August 1834 die ersten

reifen Trauben geerntet hat. Am 2.

Januar 1861 ist der größte Teil der Anlagen

bei strenger Kälte durch einen verheerenden

Brand vernichtet worden, so

daß nur noch die Spinnerei weiterhin gearbeitet

hat. Die Firma ist dann in der Hand

der Familie Werner gewesen, die nach

1900 den letzten Betrieb hat einstellen

müssen. Als Aufseher der Werke, heute

wäre es der Betriebsleiter, ist der Christian

Schmitz aus Konzen tätig gewesen, als ein

allseits tüchtiger Mann , der großes Vertrauen

genossen hat. Bei dem Fest der

50jährigen Zugehörigkeit zu dem Betrieb

ist er besonders geehrt und beschenkt

worden im Jahre 1873.

Der Fabrikant hat damals gewohnt in einem

großen Haus gleich bei der Linde, wo

in den 20er Jahren des Sonntags getanzt

worden ist. Aber auch dieses letzte Haus

der alten Fabrik und Fabrikantenherrlichkeit

ist im Herbst 1944 durch Granaten

zerstört worden , so daß heute nur noch

ein Rest der früheren Ökonomiegebäude

steht zusammen mit dem bescheidenen

Gasthaus und nicht einmal ahnen läßt,

welch reiches Leben dort durch die Arbeit

der lmgenbroicher Tuchfabrikanten im

»Grünen Dahl « einmal geblüht hat.

(Eine ausführliche Arbeit aus den Akten

des HStAD zum Thema Grünenthal von

Prälat P. Schreiber im E. H.V. 3., Jhg . S.

133-137 und S. 148-152).

Der Öntepohl = Entenpfuhl

Die Geschichte dieses Ortsteils gegenüber

dem Bahnhof, an der alten Straße

über das Venn gelegen, hat auch schon

ein Alter von über 400 Jahren.

Unterhalb des jetzigen Hofes Frings, an

der noch ganz jungen Kali , hat ein kleines

Haus gestanden, das um das Jahr 1810 in

der Tranchot-Karte eingezeichnet ist.

Von dort dürfte die weitverbreitete Familie

Call = Kali stammen , von der »Thoniß von

der Gallen « 1531 /32 erstmals in den Steuerlisten

erscheint; 1550/51 finden wir

dann dort den Peter uf der Kallen, und das

dürfte genau derselbe Peter sein, der

157 4/75 als » Peter auf dem Endenpoill«

eingetragen ist. Damit haben wir die Geburtsurkunde

dieses Ortsteils gefunden,

der vorher in keinen anderen Akten erwähnt

ist.

In den nächsten Jahren wechseln dann ab

der »Peter auf der Kallen « und der »Peter

auff dem Endenpoil«, so daß wir mit gutem

Grund diese beiden als dieselbe Person

ansehen können.

In dem Lagerbuch »Der Cammerwald Eicherscheid

. .. « vom Jahre 1582 finden

wir S. 122 ein Grundstück gelegen »auf

dem Endenpoell ahm Cruitz neben Kaufmans

Carl «; über die Lage und den Ursprung

dieses Kreuzes ist leider nichts zu

erfahren.

Im Jahre 1640/41 ist ein Gastwirt in Konzen

in den Akten , der als »Peter der Wirth «

49


eingetragen ist. 1647/48 wird dann als

Waldfrevler bestraft der Hans Schreiber,

weil der »Zur Contzen ein Brewhauß erbawett,

unangesehen das lhme solches uff

eine Straff von fünf Gulden verbotten «.

Dieser Hans Schreiber kann schon der

Sohn oder auch noch der Bruder des Wirthes

vom Jahre 1640/41 sein und der

Familie Schreiber angehört haben.

Hans Schreiber, der Waldfrevler, hat mit

großer Wahrscheinlichkeit schon auf dem

öntepohl gewohnt, da er 1661 /62 in dem

Erb-Buch II erwähnt ist bei dem Kauf eines

Grundstückes am Entenpoell.

Die Familie Schreiber am Öntepohl ist lange

Zeit im Schöffen-Amt in Konzen gewesen

und hat einige Priester in der Familie

gehabt. Der erste Schöffe Peter Schreiber

ist 1687 gestorben. Weitere Schöffen sind

der Johannes Sehr. gewesen, gestorben

am 3. April 1728. Der Nachfolger als

Schöffe ist wieder ein Peter Sehr. , gestorben

am 1. Sept. 1770, Grabkreuz Nr. 8.

Ihm ist nachgefolgt der Schöffe Johannes

Sehr. , der letzte Schöffe, da die Franzosen

dieses Amt aufgelöst haben. Er ist gestorben

im Jahre 1809, während seine Frau

noch 1821 im Ur-Kataster eingetragen als

die Wwe. Joh. Schreiber, Wirthin .

Diese hat mit ihrem Mann aber nicht mehr

auf dem öntepohl gewohnt, sondern eine

Gastwirtschaft betrieben in dem Haus an

der Kirche = a Scheffesch = Haus Neiken;

dort hat der Schöffe Sehr. auch ein

Memorialbüchlein verfaßt, in dem über das

Gasthaus, über die Gelage usw. berichtet

worden ist. Und dieses Büchlein hat der

Prälat P. Schreiber Ende des Krieges in

lmgenbroich in Sicherheit bringen wollen,

wo es nun gerade vernichtet worden ist.

Wohnen geblieben ist auf dem Hof öntepohl

der Bruder des letzten Schöffen Joh.

Sehr. , der 1732 geborene Wilhelm Heinrich

Sehr., verheiratet mit der Agnes Breuer

aus Kesternich, die ihm 1782 im Tode

vorausgegangen war, s. Grabkreuz Nr. 6.

Wilh. Heinr. Sehr. ist dann viel später erst

Der Hof Schreiber-Frings, Öntepohl

gestorben am 28. April 1813, nachdem er

zwei Tage vor dem Tode noch mit ganz

krakeliger Hand sein Testament unterzeichnet

hatte. Darin sind alle Kinder aufgeführt,

und der Gesamtwert des Hofes

wird angegeben mit 5673 frcs. , ohne daß

aber die Größe der Ländereien angezeigt

ist, die 20-24 Morgen betragen haben soll

nach heutiger Kenntnis. Großen Wert hat

dabei sicher die eigentliche Hofanlage gehabt,

die in der bis heute erhaltenen Form

erst im Jahre 1754 neu errichtet worden

war. Ausdrücklich ist im Testament erwähnt

der Kachelofen, die »Siedel « = eine

aufklappbare Bank für einen kleinen

Vorrat an Holz und Torf neben der Feuerstelle;

selbst die Leitern in der Scheune

scheinen einen gewissen Wert gehabt zu

haben, und vor allem wichtig ist die »brasserie«

= das Brauhaus, das ja zu der

Gastwirtschaft gehört hat und schon im

Jahre 1648 zu dem Bußgeldbescheid geführt

hatte. Zum Schluß heißt es dann:

»Ich vermache meinem Sohn Joh. Wilh.

Sehr. und meiner Tochter Eva Maria, beide

bei mir wohnhaft, zum voraus und ohne

Last . .. alles dasjenige, worüber ich gemäß

den Gesetzen zu verfügen berechtigt

bin. « (Notar Steingießer, Simmerath , Nr.

442, in franz . Sprache.)

Der Erbe Joh. Wilh. Sehr. ist aber nicht

lange in dem Hof geblieben, sondern auf

den Hof Stillbusch gezogen, wo er die

Linie Schreiber-Effelberg begründet hat.

Wahrscheinlich hat er sei ne Geschwister

nicht auszahlen können entsprechend der

Summe von 5673 frcs. als Gesamtwert

des Hofes.

In der Ur-Kataste r-Karte vom Jahre 1821

ist nämlich als Eigentümer eingetragen der

Häuser Nr. 26, 28 und 31 der Matthias

Peter Schreiber, ein Vetter des Joh. Wilhelm

. Dieser ist ab 1816 - 1826 der erste

Gemeindevorsteher in der preußischen

Zeit gewesen.

Das Haus Nr. 28 war der eigentliche Hof

öntepohl, das Haus Nr. 26 = unterhalb auf

die Kali zu gelegen , genannt »a Hack­

Steffes« und vor langen Jahren schon abgebrochen

; das Haus Nr. 31 soll gestanden

haben etwa da, wo sich seit langen

Jahren die Schmiede Gillessen befunden

hat, wo nahebei ja auch das Johannis­

Kapellchen gestanden hat.

Ein Haus in der Nähe des Hofes mit der

Nr. 29 hat nach dem Ur-Kataster dem Arnold

Frings gehört, dem Erbauer von

Fringshaus, und befindet sich seit langer

Zeit in der Fam ilie Schmitz aus der Linie

Schmitz-J aaße und dürfte weiterbestehen.

Etwa dazwischen ist eingetragen gewesen

das Haus Nr. 27, das von der Familie Call

bewohnt gewesen ist. Kurz vor dem Jahre

1898 ist es aber schon in der Hand des

Bäckers Steffens gewesen , als es in diesem

Jahr 1898 einem Brand öllig zum 1

Opfer gefallen ist.

Der Hof öntepohl Schreiber - Frings ist

also erbaut worden in der heutigen Form

im Jahre 1754 mit den großen und verhältnismäßig

hohen Zimmern, die dem Gasthaus

schon etwas angepaßt waren. Über

der Haustür befindet sich heute noch ein

großes Brett mit der Inschrift: »Haben dieses

Haus aufgericht den 19 August 1754«.

Leider ist der untere Tei l des Brettes abgebrochen,

so daß die Namen der Erbauer,

die mit Sicherheit dort gestanden haben,

nicht mehr vorhanden sind. Nach allem

aber, was wir inzwischen wissen, kann das

nur das Ehepaar Schöffe Peter Schreiber

mit seiner Frau Agnes Zimmermann gewesen

sein; er gest. 1770, sie gest. 1776;

und das waren die Eltern des Wilh . Heinr.

Sehr., gest. im Jahre 1813.

Als letzter Mann aus dieser Linie Schreiber

ist dort gestorben im Jahre 1889 wieder

ein Wi lh. Heinr. Sehr., der Jahrgedächtnisse

gestiftet hat für seine Eltern

Math. Peter Sehr. und Anna Catharina

Brand für 600.- M. Die Schwester der

Mutter Brand hatte den Peter Wilh . Sehr.

zum Mann auf dem bedeutenden Hof

Rommerich bei Mulartshütte, und dorthin

soll der junge P. W. Sehr. des Sonntags

zum Freien geritten sein mit silbernen

Sporen an den Stiefeln.

Daß diese Familie Schreiber auf dem Hof

öntepohl sehr reich gewesen sein muß,

hat vor längerer Zeit erzählt der Prälat Peter

Sehr., der aus dieser Familie stammte.

Bei einer der letzten Erbteilungen nämlich

sollen sich die Geschwister Schreiber um

einen Tisch versammelt gehabt und sich

das lange zusammengesparte Geld aus

einer Kiste mit einer »Schäpp« mit Handgriff

zum Schöpfen von Wasser, ohne zu

zählen, gegenseitig zugeschüttet haben.

Diese »Schäpp« ist in Süddeutschland

und in der Schweiz bekannt unter dem

Namen »Schapf«.

Aus der Familie Schreiber hat zuletzt dort

gewohnt die Anna Maria Sehr., verheiratet

mit Joh. Heinrich Stollenwerk aus Simmerath

. Nach dem Tode der Frau im Jahre

1893 ist der Witwer Stollenwerk nach Simmerath

zurückgezogen, nachdem das

50


Ehepaar schon Anfang 1892 Möbel, Vieh

und dgl. durch die Monschauer Zeitung

zum Verkauf angeboten hatte.

In dem Hof hat danach gewohnt ein junges

Ehepaar, Math. Offerman n und Frau Caroline

geb. Huppertz, aus der Linie Hardt­

Mechel. Der Mann ist neun Monate nach

der Heirat gestorben und hat die junge

Frau in dem großen Hof zurückgelassen.

Damals hat aber schon in Miete dort gewohnt

der Venn-Förster Wilhelm Frings

von Fringshaus, der dann die viel jüngere

Wwe . Caroline geheiratet hat im Jahre

1898; der Sohn Oskar Frings ist 1900

geboren worden und hat die Familie weitergeführt.

Leider ist nicht bekanntgeworden, ob das

Ehepaar Offermann-Huppertz den Hof

schon als Eigentum gehabt hat oder ob

erst das Ehepaar F ri ngs-Wwe. -Offerman n

den Hof zu eigen erworben hat. Jedenfalls

befindet er sich heute noch in der Hand

der Familie Frings und dürfte es noch lange

Jahre bleiben.

Aus den Erbbüchern, den -Kirchenbüchern

, den Notarakten und den Monschauer

Zeitungen sind eine ganze Reihe

von Leuten bekannt geworden, die ab

1660 bis in die Neuzeit einmal auf dem

Endenpoil gewohnt haben oder dort Landbesitzer

gewesen si nd. Bei den Familien

wie Hermes, Lutterbach , Carels, Steffes,

Reinarts, Mertens, Roder auf dem öntepohl

kann es sich aber um Mieter gehandelt

haben, wie das früher vielfach hier

üblich gewesen ist. Vielleicht sind auch

noch ein paar Häuser an der nahebei gelegenen

Blumgasse früher mal zum öntepohl

gerechnet worden .

Um 1748 ist erwähnt ein Johann Hupertz

auf Endenpohl, und das kann die Familie

Huppertz Matthias Joseph = »Maß-Joosephs«

gewesen sein, zumal das Haus

oben an der Ecke schon um 181 O in der

Karte vorhanden ist. Am 8. 6. 1861 erscheint

in der Monschauer Zeitung ein

Johann Huppertz, Wirth am Entenpfuhl,

und das müßte der Vater des Math . Jos.

Huppertz gewesen sein.

In den 30er Jahren ist der Ortsteil Öntepohl

bereichert worden durch das Fachwerkhaus

des Venn-Försters M. Bischof,

das später in mehrere Hände übergegangen

ist. Ende der 50er Jahre ist noch

hinzugekommen das Haus Karl Theißen -

Änne Schröder, das ganz in der Nähe des

Bahndammes gelegen ist.

Etwa um 1930 ist ungefähr an der Stelle,

wo das Haus Nr. 26 gestanden hatte, eine

Art von Pavillon errichtet worden, mit kleinen

Brücken in einem Waldstück verbund~n,

mehr gedacht zur Belustigung von

Kindern . Erbauer war der Aachener Kaufmann

M. Kaasch, der 1912 an der Rur

zwischen Dreistegen und Reichenstein als

Sommerlokal die sogenannte Fischerhütte

gegründet hatte mit teuren Diners von

Kalbsbraten , Rehkeule, Geflügel, Forellen ,

Austern und Caviar. (Monschauer Zeitung

15. 6. 1912.)

Dieser Herr Kaasch , der meistens in

Bayerntracht herumzugehen pflegte, hat

scherzhaft den Namen »Salon-Tiroler«

hier bekommen .

Der Pavillon ist durch den Krieg am 4. Okt.

1944 zerstört worden und nur noch an

geringen Resten im Gelände zu erkennen.

(Ein kleiner Bericht über die Fischerhütte

mit dem Rittersteg = Heimatkalender

1962, S. 137.)

Fringshaus

Für diese Siedlung oben auf dem Hohen

Venn gilt dieselbe Vorbemerkung wie für

die Rochus-Mühle. Paul Neuß hat die Geschichte

von Fringshaus in aller Ausführlichkeit

und Sorgfalt bearbeitet, gedruckt

im »Eremit«, 16. Jhg., 1941, S. 81-88.

Daraus kann hier nur in Kürze das Wichtigste

zusammengestellt werden mit einigen

kleinen Ergänzungen .

Dieses Gasthaus mit landwirtschaftlichem

Betrieb ist errichtet worden durch Arnold

Frings im Jahre 1826/1827, nachdem am

23. 8. 1826 von der Regierung in Aachen

die Genehmigung erteilt war. Arnold

Frings war der Enkel des Matheis Frings,

der 1739 erstmals in Roetgen in der Steuerliste

erscheint und wohl aus einem der

Dörfer Strauch, Rollesbroich oder Schmidt

nach Roetgen gekommen war, da der Familienname

Frings in den genannten Dörfern

vielfach vorgekommen ist.

Arnold Frings hatte in Konzen schon zwei

Häuser besessen nach dem Ur-Kataster

des Jahres 1821: das Haus Schmitz am

önte-Pohl und das Haus des vor einigen

Jahren verstorbenen Johann Jung in den

Gassen .

1 m Jahre 1825 hatte Arnold Frings nun

geplant, oben auf dem Hohen Venn ein

Gasthaus zu errichten und den Antrag gestellt,

daß ihm von den zuständigen Gemeinden

vier Morgen Land verkauft werden

sollten, oben auf der »Lammersdorfer

Höhe«, wie das Gebiet noch lange danach

genannt worden ist. Das ist dann genehmigt

worden mit der Bemerkung, das Land

sei so wertlos, daß man ihm genausogut

15 Morgen überlassen könne, was dann

auch so geschehen ist für den Preis von

56 Thlr., sieben Silbergroschen und sechs

Pfennigen . Über die genaue Stelle für das

Haus hat man sich auch geeinigt, so daß

die endgültige Genehmigung also am 23.

8. 1826 erteilt worden ist. Es hat aber noch

etliche Vorbehalte gegeben betr. der Viehhaltung

= kein fremdes Vieh dorthin, Bienenstöcke

ca. 50 m vom Haus entfernt,

keine Wohnung für fremde Personen in

dem Haus, wenn nicht durch die landrätliche

Behörde überprüft usw.

Im übrigen heißt es: ... »ein Etablissement,

wie der Frings beabsichtigt, in jener

wüsten Gegend (ist) für das reisende Publikum

sehr wünschenswert ... und verdient

alle mögliche Beförderung. «

Für den Bau hatte A. Frings den Steinbruch

im Belgenbachtal von der Gemeinde

Konzen gepachtet und hat sicher gleich

nach der Genehmigung mit dem Bau begonnen.

Wann genau die unendlich mühevolle Arbeit

dort oben zu einem gewissen Ab-

, schluß gekommen_ ist und vor allem , wann

das Gasthaus seine Pforten hat eröffnen

können, ist nicht genau bekannt geworden;

die Eröffnung dürfte aber frühestens

im Herbst 1827 stattgefunden haben.

Daß das Gasthaus dort floriert hat, kann

mit Sicherheit angenommen werden, zumal

aller Fuhrverkehr von Aachen nach

Monschau über die Höhe hinwegkommen

mußte, bevor 1885 die Eisenbahn einen

Teil des Güterverkehrs übernehmen

konnte.

Durch den Arnold Frings oder den Sohn

Matthias Gerhard ist dann besonders auf

dem Gebiet in Richtung Simmerath noch

viel weiteres Land urbar gemacht worden,

so daß das ganze Anwesen im Jahre 1890

die Größe von über 15 ha gehabt hat.

In diesem Jahr 1890 nun haben die Enkel

des Arnold Frings das ganze Anwesen

verkauft an den Friedrich August Esser

vom Reinartzhof. Dieser war der Sohn des

Christian Esser vom Vennhof und der wieder

der Sohn des Caspar Esser, geb. kurz

vor 1800 in Harff bei Bergheim und hatte

den oberen Reinartzhof im Jahre 1839

erworben . In einer Erbteilung vom Jahre

1887 hatte Friedrich August Esser die auf

Roetgen zu gelegene Hälfte des oberen

Reinartzhofes mit Wohnhaus usw. und 30

Morgen Land bekommen, der Schwager

Anton Titz aus Paustenbach die auf Eupen

zu gelegene Hälfte auch mit 30 Morgen

Land . Der ganze Komplex aber, der erst

nach einer zerstörenden Feuersbrunst im

Jahre 1883 in dieser Form aufgebaut war,

ist im Jahre 1889 wieder durch Feuer völlig

zerstört worden, und das scheint dem

Friedrich August den Rest gegeben zu

haben .

So verkauft er seine Hälfte des oberen

Hofes an den Bruder Joh. Jos. Esser vom

Vennhof und erwirbt dafür das ganze

Fringshaus von den Enkeln des Arnold

Frings, als da sind : Wilhelm Joseph und

Robert Frings zusammen mit den Eheleuten

Wilhelm Braun und Balbina Frings, die

wohl alle dort oben auf der Lammersdorfer

Höhe gearbeitet hatten, für die Summe

von 12 500,- Mark, zahlbar in mehreren

Raten. (Notarakte im HStAD.)

. Auch in einem Heiratsvertrag zwischen

dem Ackerer Anton Frings und der Anna

Gertrud Haas aus Witzerath vom 5. Mai

1847 wird das Gebiet dort noch immer

eingetragen als die »Lammersdorfer Höhe

«, wo erst in den 1840er Jahren die

Straße nach Lammersdorf zu einer Landstraße

ausgebaut worden war.

Der oben erwähnte Wilhelm Joseph Frings

ist dann als Vennförster nach Konzen gekommen

und hat den Hof önte-Pohl erworben,

wo sein Enkel heute noch »residiert«.

Zusammen mit der neuen Grenzziehung

51


nach dem Ersten Weltkrieg ist Fringshaus

dann an Belgien gegangen, obwohl es bei

der Grenzkommission noch am 20. Dezember

1920 geheißen hatte: »Der Eigentümer

von Fringshaus ist nach wie vor der

deutsche Staatsangehörige August Esser.

« Und nach einem Bericht des Bürgermeisters

von lmgenbroich kommt weder

Verkauf noch Verpachtung von Fringshaus

an belgische Staatsangehörige in Frage.

Besonders durch die Zunahme des Autoverkehrs

ist dann dort oben ein lebhaft

besuchtes Ausflugslokal entstanden, hart

an der Straße gelegen, die als deutsches

Hoheitsgebiet durch das nun belgische

Venngebiet führte.

Friedrich August Esser ist gestorben am

19. 5. 1923 und ist als letzter mit einem

Begräbnis erster Klasse = mit drei Geistlichen

in Konzen zu Grabe getragen worden

; danach ist dieses Zweiklassensystem

bei den Totenämtern abgeschafft

worden.

Seine Frau Anna Maria Schäfer ist gestorben

am 4. 7. 1924, so daß Fringshaus

dann übergegangen ist an den Sohn August

Esser, verheiratet seit 1926 mit Anna,

geb. langer, vom Relais Königsberg , aber

schon 1936 seinen Eltern in den Tod gefolgt.

Nach dem so glorreichen Frankreich-Feldzug

1940 ist Fringshaus zusammen mit

den Kreisen Eupen/Malmedy durch eine

einfache Führer-Anordnung wieder dem

Deutschen Reich angeschlossen worden

bis zum Ende des unseligsten aller Kriege

im Jahre 1945.

Das alte Fringshaus, das aber schon wesentlich

erweitert war, ist dann im November

1946 völlig durch Brand zerstört und in

den folgenden Jahren wesentlich größer

und in moderneren Maßen wieder aufgebaut

worden und befindet sich jetzt in der

Hand der Familie Esser-Lentz.

An der gegenüberliegenden Seite ist

schon im Jahre 1926 ein weiteres größeres

Gasthaus durch einen Herrn Lennartz,

vorher in Reinartzhof, errichtet worden ,

zunächst unter dem Namen »Venn-Höhe«,

dann »Neu-Fringshaus« genannt; die

Funktion als Gasthaus oder Hotel ist aber

schon lange aufgegeben worden.

Ein neues Wohnhaus in bescheidenem

Maße ist neben dem alten Fringshaus im

Jahre 1957 errichtet, so daß nun dort oben

auf der unwirtlichen Lammersdorfer-Höhe,

damals nur mit Gestrüpp bewachsen, eine

kleine Siedlung mit 21 ha urbarem Land,

mit drei Häusern, meist prächtigem Viehbestand,

durch die Initiative des Arnold

Frings entstanden ist.

Die Rochusmühle

Hierüber hat Paul Neuß, lmgenbroich,

schon im Eremit, 16. Jahrg ., S. 33 f., im

März 1941 ausführlich geschrieben. Er hat

diese Arbeit zusammengestellt aus Akten

im Bürgermeisteramt lmgenbroich und

aus privaten Schriftstücken der Familie

Boltersdorf in dieser Mühle. Die Arbeit des

Paul Neuß ist mit großer Sorgfalt verfaßt,

und die Unterlagen konnten zu einem guten

Teil im HStAD eingesehen werden, so·

daß wir nun in einer Zusammenfassung

mit kleinen Ergänzungen berichten

können.

Der Erbauer dieser »Laufenbachsmühle«,

später »Rochusmühle «, ist Peter Konertz

gewesen von Mützenich, der bis dahin

Pächter der Reichensteiner Mühle gewesen

war, wo er wegen geringer Arbeit als

Mahl- und Sägemüller kaum ein Fortkommen

gehabt hatte.

Die Stelle für die Mühle am Laufenbach,

bis dahin noch wenig urbares Land, war

zwischen lmgenbroich , Konzen und Mützenich

sehr geeignet, zumal die Leute bis

dahin den weiten und beschwerlichen

Weg zur Eicherscheider Mühle hatten auf

sich nehmen müssen . Auch war das Tal

des Laufenbaches noch viel weniger eingeschnitten

als das Tal des Beigenbaches

mit seinen steilen Hängen und Karrenwegen

mit starken Steigungen.

Das Gelände für die geplante Mühle hat P.

Konertz von Johann Reinartz, seit 1829

Eigentümer des Hofes Staffelbusch, für

176 Thaler erworben. Ursprünglich hatte

dieses Gelände zum Hof Lauterbach in

Konzen gehört und war von dem Friedensrichter

Joh. Jos. de Berghes am 30.

Juni 1808 in der Größe von 1 ha und 43 ar

ersteigert worden .

Nach vielen Schwierigkeiten, es mußte ein

kleines Grundstück zwischen dem

Scholteße-Troistorffs-Weiher und den

Laufenbachsbenden hinzugekauft werden,

es mußten die Wege für die Leute

aus lmgenbroich die »Dröft« hinab und ins

Venn offengehalten werden usw., konnte

schließlich die Konzession für die Mühle

durch die Regierung in Aachen am 12. 2.

1831 erteilt werden, sogar für zwei oberschlächtige

Wasserräder. Aber selbst die

genauen Maße dieser Räder und andere

Kleinigkeiten waren genau festgelegt, und

der Bau war innerhalb von zwei Jahren

auszuführen.

Der Bau bestand aus einem Steinhaus,

darunter das Mühlenwerk, mit einem Stall

und Backhaus, wie damals noch vielfach

üblich, aber nur mit einem Wasserrad. Und

dann konnte gemahlen werden. Als Lohn

wurde »gemoltert«, d. h., daß der Lohn in

alter Zeit nicht in Geld bezahlt wurde, sondern

daß der Müller einen Teil des gewonnenen

Mehles für sich behielt; das durfte

aber nicht mehr als der 16. oder der 20.

Tei l sein, wie noch in einer Mühlenordnung

vom 28. Okt. 1810 zu lesen ist. Dort

heißt es auch, daß die Leute den Weizen

mit Gartenbohnen und den Roggen mit

Feldbohnen zu vermischen versuchten, so

daß dieses »verbesse"rte « Getreide nicht

gemahlen werden könne. (Reg . Aachen , 1.

Abtlg., Nr. 35 im HStAD)

Später ist das Mahlen aber in Geld bezahlt

worden.

Die finanzielle Belastung aber für P. Konertz,

der alles Geld = 2133 Thlr. zu 5 %

Zinsen hatte aufnehmen müssen, ist zu

groß gewesen. Und so ist die Mühle schon

am 11. 2. 1835 an den lmgenbroicher

Fabri kanten Carl Ludwig Böhme u. Co.

übergegangen mit allen vo rhandenen Anlagen

. Kurz danach ist die Genehmigung

erteilt worden , diese Mahlmühle in eine

Anlage für die Tu chind ustrie umzuwandeln,

woh l zum Waschen der Wolle.

Für die neue Mühle war von vornherein

der Scholteße-Troistorffs-Weiher die Voraussetzung

gewesen , da nur damit im

Sommer eine au sreichende Wasserkraft

möglich war. Dieser Wei her war schon

angelegt worden du rch die Familie de

Berghes und mit ziemlicher Größe schon

eingetragen in einer Karte aus den Jahren

1780 - 1790. Später ist er an •~en Fabrikanten

Tro istorff vom Wiesenthal gekommen

und bei einer Tei lung im Jahre 1834

angegeben mit einer Größe des gesamten

Geländes von fünf Morgen , 115 Ruthen

und 50 Fuß.

Mit einer Eigentümerin des Weihers, Charlotte

Kregl inger in Antwerpen , hat es wegen

der Wasserentnahme noch mancherlei

Schwierigkeiten gegeben .

Am 1. 1. 1841 hat der bisherige Teilhaber

Carl-Ludwig Böhme die gesamte Mühlenanlage

für sich allein erworben für 1710

Thaler und hat in der Nähe noch einige

Grundstücke hinzugekauft und auch ein

Farbhaus errichten dürfen, das wahrscheinlich

an der Stelle der späteren

Scheune gestanden hat.

In dieser Böhms-Mühle hat um 1860 auch

eine Fam ilie Cremer aus Konzen gewohnt,

wohl zur Miete. Deren Sohn Ludwig hat in

den Jahren 1862 und 1863 Geld aus der

Studienstiftung Schreiber bekommen und

ist am 24. Aug . 1872 zum Priester geweiht

worden , hat die Primiz nicht in Konzen,

sondern in Monschau gefeiert, wohin seine

Eltern wohl verzogen gewesen sind.

Am 27. Mai des Jahres 1879 ist er als

Kaplan in Essen an einer Lungenentzündung

gestorben.

Am 26. 1. 1876 hat dann C. L. Böhme -

nach ihm auch Böhms-Mühle genannnt -

die Mühle mit allem Drum und Dran und

zus. 15 Morgen Land verkauft an den

Schreiner und Mühlenbauer Jos. Heinrich

Schröder aus Rohren.

So ist der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen

worden nach den langen Jahren

dazwischen, als man in unseren Dörfern

wieder zur alten Mühle im Beigenbach

oder in die 1833/34 neu erbaute Mühle

unten am Laufenbach, die spätere Blumenauer

Mühle, hat fahren müssen.

Am 20. 2. 1888 hat dann der Müller Heinrich

Boltersdorf aus Drove von der Wwe.

Schröder die Rochusmühle mit allem Zubehör

gekauft für 4 650,- Mark; das ist für

uns heute wieder sehr wenig, ist aber damals

ein bedeutender Betrag gewesen.

Heinrich Boltersdorf ist gestorben am 10.

Januar 1921, und von da ab ist der Sohn

Theodor Boltersdorf als Müller tätig gewe-

52


Die Rochus-Mühle bis Ende des Krieges, darüber das Haus Davids

sen. Nach dieser Familie ist der Name

»Boltersdorfs-Mühle« verbreitet gewesen.

Sie blieb bis heute im Familienbesitz.

Den Krieg hatten die Gebäude fast unbeschädigt

überlebt, bis dann auf der Hauswiese

eine Menge von Minen zusammengetragen

und gesprengt worden ist. Dadurch

war das Mauerwerk des Wohnhauses

so zerrissen , daß es niedergelegt und

ganz neu aufgebaut werden mußte, aber in

der Form eines nun etwas höheren Fachwerkhauses.

Als nach dem Krieg in Konzen wie in anderen

Dörfern elektrisch betriebene Mahlmühlen

eingerichtet waren, hat die Rochusmühle

den Mahlbetrieb eingestellt

und das Anwesen nur noch für landwirtschaftliche

Zwecke benutzt.

Die Mühlen waren früher richtige und

wichtige Kommunikationszentren, wie

man sich heute ausdrücken muß. Jede

Familie mit etwas Landwirtschaft baute die

eigenen Kartoffeln und den eigenen Rogg~n

an; davon trug man mehrmals im Jahr

einen Pöngel = etwa 30 Pfd . in einem

Sack zur Mühle. Teilweise konnte man

dann gleich auf das Mahlen warten, und

das gab Zeit zu einem ausgedehnten »Uetele«

= zu Gesprächen über die Neuigkeiten

usw. Später hat man das fertige

Mehl mit Karre und Pferd = Mölle-Kahr

durch das Dorf gefahren und bei den einzelnen

Häusern abgegeben. An dem

Kummet des Pferdes waren etliche Hohlk~geln

aus Messing befestigt mit losen

Eisenkugeln darin. Diese haben bei jeder

B_ewegung des Pferdes mit dem Kopf ein

nicht gerade sehr melodisches Geläut erklingen

lassen. Jedenfalls hörte man die

Mölle-Kahr schon von weitem und konnte

das Mehl in Empfang nehmen.

Das Roggenmehl wurde dann zum Bäcker

gebracht, der die großen runden Brote von

sechs Pfund herstellte. Wenn diese etliche

Tage in den feuchten und kühlen Kellern

gelagert waren, wurden sie innen weich

wie Lebkuchen und haben die wohlschmeckenden

und sehr nahrhaften großen

Brotschnitten ergeben, mit denen kein

heutiges Roggenbrot mehr konkurrieren

kann.

Das Haus Davids

Im Anschluß an die Rochusmühle mögen

auch noch einige Bemerkungen folgen

über das Haus oberhalb der Mühle, das

zwar nicht zu Konzen gehört, aber doch

von der Hardt aus zugleich mit der Mühle

zu sehen ist. Das Haus aber »err Loof« =

im Tal des Laufenbaches ist nach Auskunft

des Katasteramtes Monschau errichtet

worden in den Jahren 1864/65 von einem

Franz Joseph Lenzen aus Mützenich.

Schon im März 1866 hat es dann der

Elementar-Lehrer Philibert Keutmann aus

Konzen gekauft, der von 1853 bis 1893

die Konzener Jugend unterrichtet hatte.

Ob er aber selbst in dem Haus gewohnt

hat, ist nicht bekannt. Sicher ist, daß das

Haus zwischendurch vermietet gewesen

ist, wobei noch die Namen Schreiner und

ein welscher Besenbinder Egidius Laurent

bekannt sind.

Am 8. Mai 1908 heiratet die Tochter Antonia

des Lehrers Keutmann den in Kalterherberg

geborenen, in Mützenich aber

wohnhaften Joseph David . Eine Tochter

davon wohnt heute noch in dem Haus, das

im Krieg fast völlig zerstört war, aber in

etwa der gleichen Größe und Form wieder

aufgebaut worden ist.

Und doch muß das Haus des Franz Joseph

Lenzen aus Mützenich schon wesentlich

früher bestanden haben , da es am

25. April 1862 dort »in der Laufenbach«

ein Raub.der Flammen geworden war. Am

27. Jan . 1864 ist es erneut teilweise durch

Brand zerstört worden. Bei dem »neuerbauten

« Haus des Jahres 1864/65 muß es

sich mithin um einen Wiederaufbau gehandelt

haben, so daß der Ursprung viel

früher angesetzt werden kann, ohne daß

wir den genauen Zeitpunkt kennen. (Chronik

lmgenbroich)

Am Gericht

Früher hatte jedes selbständige Gebiet eine

eigene Gerichtsbarkeit und einen dazugehörigen

Gerichtsplatz, an dem Todesstrafen

, meistens am Galgen, vollstreckt

wurden . Und noch heute sind solche Stellen

öfters an den Flurnamen wie »Halsgericht«

oder »Galgenfeld« zu erkennen, obwohl

die sonstige Erinnerung an die dortige

z. T. sehr grausame Tätigkeit längst

verschwunden ist.

Für unser Monschauer Land befand sich

die Gerichtsstätte mit dem Galgen »Am

Gericht«, an der Wegekreuzung zwischen

lmgenbroich - Simmerath und Konzen -

Eicherscheid, fast genau in der Mitte unseres

Gebietes.

Wegekreuzungen aber hatten es seit den

ältesten Zeiten in sich, sie bargen Gefahren

für den Wandersmann und wurden

gemieden, so daß sich auch viele Sagen

und volkstümliche Erzählungen daran geknüpft

haben.

Daß besonders an Wegekreuzungen die

Gerichtsstätten eingerichtet worden sind,

wird für den nahen belgischen Raum dargetan

von Dr. B. Willems, in »Das Land

von Malmedy und St. Vith«, 1962, S. 41/

42.

Die älteste Erwähnung für unser Gericht

konnte gefunden werden in dem Erb-Buch

1, in dem für die Jahre 1605 und 1623

Grundstücke eingetragen sind »gelegen

53


hinter dem Gericht«. In dem Rentlagerbuch

in HStAD von 1649, S. 249a, ist dann

ein Grundstück erwähnt des Servaß Wolterß

von Konzen »so gelegen am_ Gericht«.

Ein ausführlicher Bericht über eine Hinrichtung

im Jahre 1633 ist erschienen im

Eremit 27. Jhg., S. 62 und 77, wobei aber

nicht alle Einzelheiten zu stimmen

scheinen.

Bezeichnend und auch nachgewiesen für

die alte Zeit ist die Tatsache, daß alle Unkosten

für die Verpflegung des Delinquenten

im Turm zu Monschau, für das Abholen

des Henkers mit Begleitung aus Jülich,

für die Hinrichtung selbst und die Verpfle-

. gung der Richter und des Henkers von

dem armen Opfer selbst oder der Verwandtschaft

aufgebracht werden mußten.

Der Gerichtsplatz mit dem Galgen hat sich

aber nicht immer an dem heutig·en »Gericht«

befunden. Er muß früher an dem

ganz alten Kreuzweg seinen Ort gehabt

haben, der gelegen war an der Straße von

lmgenbroich - Konzen über die Längsef­

Jaaß, die die heutige Landstraße kreuzt

beim Schweizer-Hof und dann durchgeht

über die Rüstenstraße in Kesternich hinunter

nach Einruhr, aufwärts an dem römischen

Heilstein vorbei und dann auf die

große Römerstraße stößt bei Herhahn/

Dreiborn; die Querstraße dazu war die

Wasserkuhls-Jaaß und dann auf Eicherscheid

zu. Ganz in der Nähe hat gelegen

das alte Frohnrath, spätestens in den Akten

im Jahre 1334. (W. Ritz, S. 89/90.) Der

Ort Frohnrath ist um das Jahr 1400 verlassen

worden, und die Bewohner haben sich

eine neue Heimstatt gesucht in dem abgelegenen

Gebiet des heutigen Eicherscheid

. Und ganz alte Leute in Eicherscheid

haben sich noch erinnern können,

daß dort in der Nähe der Flur »Märje­

Buer« = Marienborn sich auch ein »Galgenhöffchen«

befunden hat.

Nachdem aber die Straße Monschau -

lmgenbroich - Simmerath vor 1790 als

erste wirkliche Landstraße ausgebaut war,

muß man den Galgen an das jetzige »Gericht«

verlegt haben. (Eremit 14. Jhg ., S.

61 ff. von Dr. H. Schiffers.)

Im Jahre 1795 ist der Galgen dort auf

Anordnung der französischen Verwaltung

entfernt worden, da »derartige Gegenstände

nicht länger Anstoß für sensible

Seelen sein sollen, die sich betroffen fühlen

können .«

Das hing auch damit zusammen, daß die

Leichen der Erhängten noch lange Zeit zur

besonderen Abschreckung am Galgen

hängen gelassen und danach erst in der

Nähe des Gerichtsplatzes verscharrt worden

sind. In einer speziellen Arbeit von

Peter Robertz : »Die Strafrechtspflege am

Haupt-/u . Kriminalgericht zu Jülich «, Zeitschrift

des Aachener Geschichtsvereins

Bd. 61 , 1940, wird angegeben, daß unser

Kurfürst Carl Theodor, von 1742 bis zur

Franzosenzeit Landesherr auch im Herzogtum

Jülich, keine Todesurteile mehr

habe unterschreiben wollen, mithin auch

keine Vollstreckung mehr hier bei uns

stattgefunden hat.

Nach der Entfernung des Galgens 1795

war der Hinrichtungsplatz = Galgenfeldehen

überflüssig geworden und ist im Oktober

1828 versteigert worden zu Gunsten

der Allgemeinheit. Für 18 Thlr. ist es an

den Steuereinnehmer Hubert Schnitzler in

Eicherscheid gekommen und danach in

andere Hände bis zu der Familie Wilden

am Gericht.

Nachdem also das alte Dorf Frohnrath um

etwa 1400 verschwunden und auch der

ganz alte Hof Meisenbroich, erwähnt

schon im Jahre 1369, zwischen dem Gericht

und Simmerath gelegen, untergegangen

war, ist das Gebiet um das Gericht

völlig menschenleer gewesen.

Im Taufbuch der Pfarre Konzen befindet

sich im Innendeckel von der Hand des

Pfrs. H. Laumans folgender Eintrag : »Am

Gericht sind jetzt (1896) drei Häuser, die

Geschichte ist diese: 1838 baute daselbst

Peter Braun und Gertrud Löhrer das erste

Haus, rechts von Konzen aus (jetzt Haus

Hommes) ; 1858 baute das zweite Haus

zur Linken des Weges Mathias Wilden und

Gertrud Offermann, 1884 baute Johann

Wilden als Junggeselle und heiratete Anna

Böhmer aus Stolberg; sein Haus steht auf

der Stelle, wo früher der Galgen stand,

und darum heißt das Feld mit dem Galgen

heute noch »das Galgenfeld «.

Diese Angaben konnten von sehr alten

Leuten bestätigt werden und entsprechen

sicher der dortigen Entwicklung. Frag lich

ist nur, ob das Haus vom Jahre 1884 genau

auf dem Galgenfeld oder nur in der

Nähe erbaut worden ist.

Daß im Jahre 1850 erst ein Haus am Gericht

gestanden hat, wird bestätigt durch

ein Verzeichnis aller Ortschaften und Einzelsiedlungen

im Kreise Monschau vom 1.

Okt. 1850 (Eremit 22. Jhg., S. 92) , wo es

heißt: »Am Gericht (ein) Wirtshaus«. Dieses

waren also die ersten drei Häuser am

Gericht, die anderen auf Eicherscheid zu

sind nach dem Ersten und dem Zweiten

Weltkrieg erbaut worden und bilden fast

ein neues Dorf in der Nähe des früheren

Ortes Frohnrath.

Leider muß die Frage offenbleiben , ob alle

Hinrichtungen im Monschauer Land dort

oben am »Gericht« vollstreckt worden

sind. Aus den Rentmeister-Rechnungen

ist zu ersehen, daß schon kurz nach 1500

Leute im Turm gesessen sind und auf ihre

Hinrichtung gewartet haben . Es gibt aber

dort keinen Hinweis auf den Ort der Vollstreckung

. Selbst die Rur in Monschau

wird einmal als Ort für die Vollstreckung

eines Todesürteils ger,annt, als im Jahre

1552 eine Wiedertäuferin, Maria von Monschau

, im Wasser der Rur erträn kt worden

ist, nachdem sie trotz aller Ermahnungen

und dem Versprechen auf Freiheit ihrem

nun einmal gefaßten Glauben treu geblieben

und mit dem Namen Gottes· auf den

Lippen in den Tod gegangen ist. (Eremit

15. Jhg., S. 91 ff.)

Die Häuser »Am Gericht«, die seit ältester

Zeit zur Gemeinde und zur Pfarre Konzen

gehört hatten , sind mit Wi rkung vom 5.

November 1925 der Pfarre Simmerath angeschlossen

wo rden .

Das Haus, jetzt Gasthaus Reinartz, ist

während des Kri eges am 5. Mai 1943 ein

Raub der Flamm en und dann im Herbst

1944 wieder dem Erdboden . gleichgemacht

worden , so wie es auch dem ersten

Haus, jetzt Hom mes, damals ergangen ist.

Das Haus Wilden dagegen, mehr auf Simmerath

zu , hat den Krieg mit wen iger großen

Schäden überstanden.

Dann ist durch die Neugliederung der Gemeinden

mit Gesetz vom 1. Jan . 1972

auch der zu r Gemeinde Konzerl gehörende

Teil »Am Gericht« der Gemeinde Simmerath

zugeordnet word en.

Zum Schluß mag noch eine andere Gerichtsstätte

hier genannt sein. Es ist seit

langer Zeit bekan nt, daß der Landesherr

das Entnehmen von Perlen aus der

Schwalm, dem später sogenannten Perlbach,

unter Todesstrafe verboten hatte.

Zur Abschreckung sollen deshalb im Jahre

17 46 Galgen an der Bieley im oberen Perlbachtal

errichtet worden sein, wo auch

heute noch die Bezeichnung »Galgendamm

« bekannt ist. Bestätigt wird das

durch einen Eintrag in dem Erb-Buch III, S.

298 um 1785, wo genannt ist »ein Bend an

der Schwalm oberhalb des (oder der)

Galgen «.

Es ist allerdings nicht bekannt geworden,

ob dort an der Bieley jemand tatsächlich

wegen Raubes in dem fürstl ichen Perlenregal

sein Leben am Galgen hat lassen

müssen.

Damit kann dieses nicht gerade sehr erfreuliche

Kap itel über Todesstrafen und

auch über die Siedlung »Am Gericht«

wohl zum Abschluß gebracht werden mit

dem Hinweis auf einen ausführlichen Beitrag

»Am Gericht« im Mon . Land 1981 , S.

220 ff.

Der Schweizer-Hof

Dieser Hof hat zwar nie zur Gemeinde

Konzen gehört, liegt aber nahe am Gericht,

so daß hier ein paar Notizen folgen

mögen :

1913 ist dort ein Kadaverschuppen einer

Firma in Gemünd errichtet worden ;

1915 hat der Dachdeckermeister Wilh.

Breuer aus Einruhr diesen Schuppen umgebaut

in ein kleines Wohnhaus mit Stall,

etwa 1920 ist es übergegangen an Wilh.

Ritter aus Schmidt, der 1918 zwei Häuser

mit Land in lmgenbroich/Hengstbrüchelchen

von der Familie Müllenmeister gekauft

hatte.

1923 ist es an einen Herrn Wirtz aus Aachen

gekommen, der die bescheidene

Anlage zu einer »Villa« umgebaut hatte mit

höchst auffallenden Erkern und einem hier

völlig unpassenden Baustil und hat ihm

54


den Namen »Schweizer-Hof« gegeben.

Darin ist unten eine Gaststube gewesen

und oben ein paar Mini-Kabausen für intimere

Kom munikations-Möglich keiten, um

mich ganz vorsichtig auszudrücken. 1929

ist auch diese Villa durch eine Versteigerung

übergegangen an ei nen Herrn Emmerich

und 1936 wi eder durch eine Ver-

steigerung an den Landwirt Jos. Koll aus

Eicherscheid, der sehr viel umgebaut und

erneuert hat. Am 17. März 1943 ist das

Haus vö llig durch Feuer zerstört worden,

wobei sogar das gesamte Vieh mit elf Kühen

und zwei Schweinen den Tod in den

Flammen gefunden hat. Nach einem sehr

schnellen Aufbau hat man aber Anfang

Dezember 1943 wieder einziehen können

in das Haus, wie es jetzt steht. Im Kriege

sind zwar eine Menge Schäden entstanden

, die aber mehr die Inneneinrichtung

demoliert haben. Und so wird es jetzt noch

bewohnt von der Familie Wilden, zusammen

mit einem nach dem Krieg gleich

nebenan erbauten neuen Haus.

Der Schweizer-Hof vor dem Brand

55


Die alten Gutshöfe

Der Hardthof

Es wird allgemein angenommen, daß der

Hardthof, jetzt das Gasthaus Huppertz­

Schartmann, an der Stelle des karolingischen

Königshofes steht. Eine andere

Stelle, etwa der Lauterbach-Hof, dürfte

nicht für diesen Ursprung in Frage kommen,

da der Hof und die Pankratius-Kirche

auf der römischen Grundlage zusammengehören.

Von dieser römischen Grundlage aus muß

es ja auch eine gewisse Kontinuität der

Bevölkerung bis in die spätere Zeit gegeben

haben, schon des Namens wegen .

Wann dieser Gutshof aber entstanden ist,

kann aus den vorhandenen Unterlagen

nicht festgestellt werden . Man muß auch

annehmen, daß die Familie »von der

Hardt«, die hier im Land eine große Rolle

gespielt hat als Forstmeister, Rentmeister

und Schultheißen, von unserem Hardthof

ihren Namen ableitet.

Ein »Hofesmann« in Konzen ist schon erwähnt

im Jahre 1342, und das könnte der

Herr auf dem Hardthof gewesen sein.

Der Flurname »Hardt« bedeutet eine bewaldete

Höhe oder Kuppe und ist weit

verbreitet; selbst bei uns gibt es die »Jißjes-Hardt«

und im H. Venn die »Kuttenhardt«

und die »Kinktenhardt«.

Als erster ist urkundlich erwähnt ein Johann

v. d. Hardt, der im Jahre 1404 Forstmeister

in Monschau ist und in demselben

Jahr durch den Herzog von Jülich mit dem

Hof Alzenau = Alzen bei Höfen belehnt

wird . Um 1430 ist eine Agnes v. d. Hardt

Meisterin im Kloster Reichenstein.

Ein recht auffallender Mann ist dann Winand

v. d. Hardt gewesen; er war geboren

im Jahre 1510, Rentmeister und Schultheiß

ab 1557 und stirbt zu Ostern des

Jahres 1616, nachdem er drei Frauen gehabt

und überlebt hatte, zahlreiche Kinder

hinterlassen und das respektable Alter von

106 Jahren erreicht hatte.

Die Familie v. d. Hardt hat auch noch andere

Lehnsgüter innegehabt wie Eicherscheid-Huppenbroich,

Menzerath und

Lauscherbüchel.

Urkundlich erfaßt ist unser Hardthof erstmals,

als der Herzog von Jülich am 25.

März 1437 dem Johann v. d. Hardt diesen

Hof als Mann-Lehen überträgt.

Ob der Hof vorher schon als Privatbesitz

bestanden hat oder doch schon von einem

der Herren abhängig gewesen ist, kann

nicht beweisbar gesagt werden .

Über die beiden Höfe Hardt und Lauterbach,

der anschließend bearbeitet ist, be-

findet sich im HStAD ein Paket mit Akten

von ca. 1 250 Seiten = Jülich-Berg, Lehen,

Specialia Nr. 128. Darin wird zu einem

großen Teil gehandelt über die Geschichte

der Familie v. Rolshausen mit

ihren internen Streitereien um die Erbfolge

immer, wenn ein Lehnsträger oder auch

der Landesherr gestorben war, weil dann

eine neue Belehnung erfolgen mußte. So

kommt es, daß wir nicht gerade häufig

etwas hören von der Geschichte dieser

beiden Höfe, aber doch soviel, daß wir den

historischen Ablauf mit hinreichender Genauigkeit

vorlegen können.

Da der Hardthof 1437 ausdrücklich als

Mannlehen bezeichnet wird , heißt das,

daß immer nur ein männlicher Nachkomme

der Lehnsfamilien die Nachfolge antreten

kann . Gelegentlich werden beide Höfe

auch als Reiter-Lehen bezeichnet, was

bedeutet, daß ein bewaffneter Reiter zu

stellen war, wenn der Herzog sich in kriegerische

Dinge verwickelt hatte.

Nach dem Jahre 1437 ist keine Lehnsurkunde

überliefert bis zum Jahre 1527, als

»huprecht (Hubert) Weiter aus Eupen mit

seinen mitgedelingen (Mitinhabern?) als

Lehnsträger« genannt ist; auf dem Rand

der Seite ist vermerkt: »ist bestadt mit

agnes dochter van der hart«. Das bedeutet

aber, daß der Hardthof weiterhin über 90

Jahre in der Hand der Familie v. d. Hardt

geblieben war, auch wenn vielleicht keine

offizielle Belehnung mehr stattgefunden

hatte.

Hier finden wir schon das ganz alte Wort

für heiraten = »bestaade«, das bis vor

etwa zwei Jahrzehnten allein hier für diese

Tätigkeit gebraucht worden ist, leider aber

selbst von ganz alten Leuten durch das

etwas angepaßte Wort »hieroode« verdrängt

ist. Leider!

Es ist dann gekommen das ganz schlimme

Jahr 1543, als der Herzog von Jülich im

sogenannten Geldrischen Erbfolgekrieg

gegen den Kaiser unterlegen war und die

kaiserlichen Truppen das Monschauer

(und auch das Dürener) Land erobert und

teilweise zerstört haben. Neben dem völlig

zerstörten Kloster Reichenstein sind Stadt

und Burg Monschau stark beschädigt, die

herzoglichen Höfe und Mühlen verwüstet

oder zerbrochen worden.

Bei dem Hof Hardt wird ausdrücklich erwähnt,

daß er »verbrannt und verdorben «

gewesen sei. Dem Lauterbachhof dürfte

es nicht viel besser ergangen sein.

Daraus können wir wohl den Schluß ziehen

, daß der Hubert Weiter aus Eupen ,

aus einer gehobenen Familie dort stammend,

nicht mehr viel Interesse an diesen

Höfen gehabt hat, da sie ih n zu gewaltigen

Ausgaben verpflichtet hätten. So kommt

es, daß der Herzog diese beiden Höfe

seinem neuen Amtmann in Monschau,

dem alten Freund und Berater, dem Freiherrn

Christoph von Rolshausen überträgt

am 28. August 1548 = wird belehnt der

Frh. v. Rolshausen mit dem »hbf uff der

hardt. «

Chr. v. Rolshausen war seit den Zerstörungen

des Jahres 1543 als Amtmann hier

tätig und hat sich um den Wiederaufbau

usw. die größten Verdienste erworben. Er

hat z. B. dafür gesorgt, daß die Vorräte an

Hafer, die auf den großen Speichern der

Burg lagerten, den geschädigten Leuten

ausgeteilt wurden zur Behebung der größten

Not.

Im Besitz der Lehnshöfe hat Chr. v. Rolshausen

auch bald angefangen, hier in der

Gegend einzelne Grundstücke aufzukaufen

zwischen den Jahren 1546 und 1550,

so daß wir dadurch eine Reihe von Flurnamen

erstmals schriftlich festgehalten

sehen.

Diese Grundstücke sind aber Privatbesitz

des Freiherrn geblieben und gehörten

nicht etwa zum Hardthof, haben auch später

keine Rolle mehr gespielt.

Christoph v. Rolshausen stirbt im Jahre

1588 wahrscheinlich im hohen Alter von

100 Jahren, und der gleichnamige Sohn

wird in diesem Jahre 1588 mit den Höfen

belehnt, dann ein zweites Mal im Jahre

1596 nach dem Tode des Herzogs von

Jülich. Christ. II. stirbt im Jahre 1617, und

neue Lehnsträger der beiden Höfe Hard!

und Lauterbach sind geworden gemeinsam

die Söhne Otto Reinhardt und Marsilius

im Jahre 1622.

Erst im Jahre 1672 wird erneut eine Belehnung

angestrebt von den Brüdern Christophorus,

Otto Reinhardt und Felix Friedrich

v. Rolshausen. So wird es zwar 1676 genehmigt,

aber erst am 20. Sept. 1681 vollzogen.

Im Jahre 1665 berichtet Marsilius

v. R., daß er im Jahre 1664 mit Harnisch

und Pferd zur Musterung in Berchheim

(Bergheim) erschienen sei. Das muß mithin

auch zu den Pflichten gehört haben ,

die auf einem Mannlehen liegen._

Im Jahre 1696 geht es um ein »Pann­

Haus« = ein Haus mit einer Brau-Pfanne,

also ein Brauhaus = ein »Bröijes« nach

unserem Sprachgebrauch, das irgendwie

in die Akten des Hardthofes gekommen

ist, als wenn es auch ein kleines Lehnsgut

wäre. Trotz eifriger Nachforschungen aber

in Düsseldorf und beim Amtmann in Mon-

56


schau kann über diese kleine Brauerei,

»vor der Konzener Kirche gelegen «,

nichts festgestellt werden. Es dürfte sich in

Wirklichkeit um das Pann-Haus bei dem

Küster Gerhard Offermann gehandelt haben,

späteres Haus der Schöffen Schreiber,

uns noch bekannt als das Haus a

Neikens, wo ein Pann -Haus tatsächlich

schon im Jahre 1665 nachgewiesen werden

kann , das erst im letzten Krieg zerstört

worden ist.

Am 21. März 1705 ist dann belehnt worden

Christoffel Friedrich von Rolshausen,

und nun gibt es - Gott sei Dank für uns -

große Streitereien wegen der Einnahmen

der beiden Gutshöfe ab 1702 durch die

Wwe. Freifrau v. R. in dem Schloß Türnich

bei Köln, das durch Heirat mit der alten

Adelsfamilie v. Pal ant in die Familie v.

Rolshausen gekom men war. Da wird nun

später vorgerechnet, daß diese Witwe von

1702 -1716 insgesamt 3375 Reichsthaler,

und das sind jährlich 225 Thaler, an

Einkommen bezogen habe.

Vom Hardthof allein sind das jährlich gewesen

:

50 Pfd. Butter = 5 Rthlr.,

115 Rthlr. in bar,

2 Rinder = 3 Rth lr.

18 Holzfahrten = 18 Rthlr. und das alles

laut Pachtzettel.

Hier folgen auch gleich die Abgaben des

Hofes Lauterbach:

25 Pfd. Butter = 2 Rthlr. und 40 alb, (1 /2

Rthlr.)

62 Rthlr. in bar,

1 Rind = 1 Rthlr. und 40 alb.

18 Holzfahrten = 18 Rthlr.

Für beide Höfe zusammen also 225 Rthlr.

zu zahlen durch den jeweiligen Lehnsinhaber.

Das sieht für uns heute wie eine

recht geringe Abgabe aus; wir müssen

Der Hardthof dreistöckig noch mit altem Verputz

aber wissen, daß in den Jahren

1705 - 1710 eine Kuh 10 Rthlr. gekostet

hat, wie aus dem Memorialbuch (Gedenkbüchlein)

des Pfrs. Merkelbach hervorgeht.

Für die 225 Rthlr. hat man damals

also etwa 22 Kühe kaufen können , und so

wird verständlich , daß die Familie v. Rolshausen

sich so eifrig um jede Neubelehnung

bemüht hat. In demselben Jahr 1717

erhalten wir auch ein Verzeichnis über die

Ländereien des Hardthofes wie folgt:

Der Hof mit Garten usw. über die »Neull«

(unbekannt) bis an den Leichenweg = 60

Morgen,

die Flätz (Flötz) über den Lauffen samt

dem Loch bis an das Erb auf Aderich = 8

Morgen,

Ackerland vom Loch langs die Aderichsgaaß

und die Fewrbachsbenden = 8

Morgen,

vom Leichenweg bis an den Ginster (der

Kopf auf der Hardt) = 16 Morgen,

die Ginsterfelder zusammen = schlecht=

20 Morgen,

die Naßen-Benden = 6 Morgen,

das Bendchen Ellenbroich = 2 Zehntel?

»Summa hoeff harth ahn Erb (Grundstükken)

zusammen 120 Morgen zu 180 Ruthen

« (180 Ruthen = 1 Morgen).

Gleich danach sind die Grundstücke des

Hofes Lauterbach angegeben mit zus. 96

Morgen, so daß auch daraus die geringeren

Abgaben zu erkennen sind. Das alles

ist auf Befehl des Schultheißen Johann

Wilh. Bewer ausgemessen, unterschrieben

zu Konzen am 27. April 1717 durch

Joh. Schreiber, Schelfen, Gerhard Offermann

, Schelfen und Joh . Lauterbach,

Landmesser.

Danach ist auch der Hof Lauterbach genau

aufgelistet, so daß wir endlich den Bestand

erfahren haben, der sich bis zu den Verkäufen

der Jahre 1808 und 1811 kaum

noch verändert hat.

1729 und 1733 wird auch über die Gebäude·

berichtet des Hardthofes wie folgt:

(stark gekürzt)

Das Wohnhaus inwendig gut, wie der Augenschein

zeigt, das Leydag (Dach) erfordert

Reparaturen, auf dem Backhaus ist

ein gutes Strohdach, die Mauer daran an

einigen Stellen geborsten, die Scheuer auf

Monschau zu in gutem Dachwerk, nach

dem Hofe zu muß repariert werden, die

Scheuer inwendig muß mit Holz unterbaut

und verbessert werden . Das war im Jahre

1729; am 4. Juni 1733 berichtet der

Schultheiß, daß die Reparationen nicht

durchgeführt seien und daß Holz vom Lauterbachhof

zur Reparation des Hardthofes

verwandt worden sei. (Näheres beim Hof

Lauterbach) .

Nach diesem Bericht hier muß es auf dem

Hardthof mehrere Scheunen gegeben haben

. Leider erfahren wir nichts über die

Größe des Wohnhauses, ob es schon die

drei Stockwerke gehabt habe, die doch

kaum noch nach dem Verkauf an Privat im

Jahre 1811 hinzugefügt worden sind . Vielleicht

waren oben die Schreibstuben für

die Forstverwaltung .

Am 19. Jan . 1733 sind Christoph Adolph v.

Rolshausen zu Türnich und seine ehelichen

männlichen Erben mit den Höfen

Hardt und Lauterbach belehnt worden.

Nach dessen frühzeitigem Tod am 20.

Dez. 1739 wird als Nachfolger eingesetzt

am 16. Juni 1740 der älteste Sohn Ludwig

Carl und endgültig belehnt am 16. Juni

1741.

Carl Ludwig stirbt am 31. Jan . 1790, und

am 30. Mai 1792 wird belehnt der älteste

Sohn Maximilian, mit dem die Reihe der v.

Rolshausen in Konzen abgeschlossen

wird.

Bei einem neuen Eintrag über die Größen

der Höfe im Jahre 1778 war der Hardthof

mit 80 Morgen und der Hof Lauterbach mit

gut 50 Morgen angegeben worden. Nach

der Kritik aber aus der Regierung in Düsseldorf

erscheinen die richtigen Größen

mit der Entschuldigung, daß die Pächter

solche Dinge immer geringer anzugeben

pflegen , woh l um die Pacht zu drücken.

Daraus ist doch wohl der Schluß zu ziehen,

daß der Lehnsträger die Höfe kaum

gekannt hat, wohl aber die Einkünfte sehr

genau einzuziehen gewußt hat.

Eine brutale Aktion hat sich 1729 auf der

Hardt abgespielt, als der Forstmeisterei­

Verwalter Stoltzen von einer Karre Hafer

den Zehnten verlangte, den er (Stoltzen)

von der Kirche gepachtet hatte. Der Merlen

L'allemand, Sohn des Pächters Toussaint

L'allemand , hat sich entschieden dagegen

gewehrt, bis der Stoltzen ihm mit

der Flinte auf den Leib gerückt ist und

Pferd samt Karre und Hafer in den Pfandstall

(wohl auf der Burg in Monschau) abgeführt

hat. Nach langen Streitereien sind

Pferd und Karre zwar zurückgekommen,

aber mit so hohen Kosten für Unterbringung

und Verpflegung belastet, daß sie

den Wert merklich überstiegen haben. Wir

57


sehen aber daraus, daß diese Lehnshöfe

nicht der allgemeinen Steuer unterlagen,

sondern nur die Pacht und einen bewaffneten

Reiter im Ernstfall zu zahlen bzw. zu

stellen hatten.

Nachdem der Lauterbach-Hof schon 1808

durch Maximilian v. R. in seinen Einzelteilen

verkauft war, schlägt dem Hardthof die

Stunde am 29. Juni 1811.

Der Verkauf geschieht durch den Notar

Ürlichs in Monschau mit den Nr. 1078 und

1079 auch im HStAD. Es unterschreibt der

Maxim. v. Rolshausen, wohnhaft in Türnich,

darunter als Zeuge der Jean Hubert

Steinröx, dann der Geometer Hilgers und

der kaiserliche Notar (Franzosenzeit) Ürlichs.

Zunächst sind ausführlich die Bedingungen

angegeben und sollen in beiden

Sprachen verlesen worden sein, wie H.

Laumans berichtet. Der ganze Vertrag in

franz. Sprache umfaßt 21 Seiten und ist z.

Teil nur schwer zu entziffern.

Die Gebäulichkeiten werden versteigert

mit Ausschluß der Möbel , des großen

Kessels am Feuer und des Ofens in dem

kleinen Zimmer. Das GaAze wird aber eingeteilt

in zwei Lose, da ein solcher Komplex

für einen kleineren Landwirt viel zu

groß gewesen wäre, geht aber dann doch

nur in eine Hand. Auffallend ist ein großes

Einfahrtstor, von dem später jedoch nichts

mehr bekannt wird. Es gehört auch dazu

eine Wiese = »Flitzbenden « (Vlötz) von

76 ar anstoßend an die Kirche, und genau

diese Wiese am Friedhof gehört heute

noch zum früheren Hardthof. Es ist auch

eine Karte mit allen Grundstücken vorhanden

gewesen, leider aber nicht in die Notarakten

gekommen.

Der ganze Gebäudekomplex wird ersteigert

durch den Michel Huppertz (Hardt­

Mechel) für die Summe von 1806 frcs. mit

Einschluß der genannten Wiese am Friedhof.

Das scheint wie immer sehr wenig zu

sein, ist aber damals eine recht große

Summe für einen Bauern aus dem Do rf.

Michel Hubertz, wie er selbst unterschreibt,

hat diese Summe aber schon

bald ganz bezahlt, wie aus einer Notiz in

Türnich bestätigt wird.

Als nächstes wird versteigert ein Haus mit

boulangerie = Backhaus und Garten dicht

an dem großen Wohnhaus gelegen und

zur Hälfte beteiligt an dem Mauerwerk des

Eingangstores, ersteigert durch den Jean

Allemang, Tuchscherer aus Konzen, für

ganze 360 frcs . Diese geringe Summe

deutet auf einen sehr schlechten Zustand

des Hauses mit Backhaus ; es ist das Haus

jetzt Geschwister Palm mit Anschluß an

das Haupthaus durch den Torbogen.

Dann werden versteigert von der großen

Flur Großginster, wie der ganze Hardtkopf

hier genannt wird, 26 Grundstücke mit zusammen

76 Morgen; dann 13 Grundstükke

an der »adris Gaß« mit zus. 24 Morgen,

dann 7 Grundstücke = Flitzbenden = an

der Vlötz mit zus. 11 Morgen, dann 5

Grundstücke = Nasser Bend mit 6 Morgen

und alles, was zum Hofgebäude ge-

hört mit dem Grundstück am Friedhof = 3

Morgen und ergeben zusammen 121 Morgen

und 2 Viertel, was wieder fast genau

der Aufstellung vom Jahre 1717 entspricht.

Eine Parzelle von 66 ar angrenzend an das

Wohnhaus und mit einer jährlichen Rente

von 4 Gulden an die Kirche ist gegangen

an den Gerhard Müllenmeister jun. und

. könnte das Grundstück mit dem späteren

Haus Fritz Krings hinter dem Hardthof gewesen

sein. Zu bemerken ist auch eine

Flur mit Namen »Pferdweyde« von 19 ar

und von einer lebenden Hecke umgeben

für 120 frcs . Da auf der Hardt früher keinerlei

Hecken vorhanden gewesen sind,

dürfte diese Wiese anzusetzen sein hinter

dem Haus Geschw. Palm und hätte dann

die Grenze gehabt zu einem Grundstück

»Kinenhoff«, später »Kingenhöff« = jetzt

Königshof, von dem es ausdrücklich in

den Akten heißt, daß es an des »Herrn v.

Rolshausen Grundstück« anstößt. Um

zum Abschluß zu kommen , hier nur noch

die Namen und meistens die Berufe der

Käufer:

Michel Huppertz, Landwirt = Haupthaus

Gerhard Müllenmeister, Landwirt = mehrfach

u. G. M.meister, jun.

Hubert Call

Joh. Peter Huppertz, Landwirt

Herr Pierre Isaac, maire = Bürgermeister,

lmgenbroich

Stephan Zimmermann, mehrfach,

Landwirt

Jean Rosenwick, Landwirt = mehrfach

Nicolas Claßen , Weber, mehrfach

Jean Pierre Schmitz, jun. , Tuchscherer

Michel Reinartz, Landwirt, mehrfach

Guillaume (Wilhelm) Sehartmann , Küster

Jean Roder

Michel Steffens, Tu chscherer

Heinrich Linnartz, Landwirt

Arnold Call, Landwirt

Peter Weißhaupt, Tagelöhner

Peter Effelberg, Tuchscherer

Paul Steffens, Landwirt

Arnold Erkens, Fuhrmann

Johannes Huppertz

Math. Voell, Landwirt

Theodor Huppertz

Johann Roder

Jean Allemang, Tuchscherer

Leonard Schmitz, Tuchscherer

Franz Peter Mertgens, Tu chscherer

lmgenbroich

Gerard Schmitt, Tagelöhner

Anton Schmitz, Fuhrmann

Leonard Call, Tuchmacher

Jean Steffens, Landwirt

Jean Gerard Schmits u. Heinrich Jung,

eine Parzelle zusammen

Johannes Reinhartz ,- Landwirt

Es bleibt noch festzuhalten , daß alle Käufe_r

ihre Unterschrift hingekrakelt haben bis

auf zwei Leute, die sich vornehm mit einem

Kreuzchen begnügt haben .

Außerhalb dieser Versteigerung ist ein

weiteres Haus verkauft worden an demselben

Tag auch an den Michel Huppertz

für 644 frcs und 10 % Aufgeld. Und das ist

das spätere Haus Kleiner gewesen gegenüber

dem Hardthof, das also schon unter

der Hand den Besitzer gewechselt hatte.

(E. H.V. 8. Jhrg. S. 27, Anmerkung 9.)

In den Steuerakten sind gelegentlich

Pächter des Hardthofes genannt, aber immer

nur mit den Vornam en wie etwa »Peter,

Halffe oder Halfmann oder Hofmann

auf der Hardt, ohne daß wi r den Familiennamen

erfahren , so wie es auch beim Hof

Lauterbach der Fall gewesen ist.

Erst durch die Kirchenbücher finden wir

um 1710 einen Pächter mit Namen Förster

und dann den Jan Kirch, wohl aus Höfen

oder Rohren , der am 2. März 1725 gestorben

ist als »villicus auf der Hqrt« = Gutspächter.

Ihm ist nachgefolgt der Toussaint L'allemagne

= der Deutsche, der als letztes

Kind einer ganzen Reihe am 3. Juli 1726

die kleine Maria Joanna in Konzen taufen

läßt. Die Familie L'allemagne hatte ihren

Ursprung in der Gegend von Malmedy/

Xhoffraix und war in einem Teil nach Eupen

gekommen. Auch die Mutter der kleinen

Maria Joanna = Cathr. Münsters entstammte

einer Eupener Familie. Daß der

Name L'allemagne in unseren Büchern

und Akten in völlig verschiedener Weise

geschrieben worden ist bis hin zum »Lallmann

«, braucht nicht zu wundern.

Der Sohn Peter L'allemagne mit seiner

Frau Johanna Weishaupt, Heirat in Konzen

am 28. Mai 1732, ist der erste Bewohner

des Gebietes von Hattlich gewesen. (Mon.

Land 1985 S. 33 ff. die Geschichte des

Gebietes Hattlich). Toussaint L'allemagne

(alle Heiligen = später Familienname) ist

gestorben im Jahre 1743, und der nächste

Pächter ist der Arnold Müllenmeister, der

am 27. Apri l 1769 plötzlich am Reinartspfad

gestorben ist, wo heute noch ein

öfters erneuertes Kreuz steht für diesen

»Burgvogt« (Pächter und Verwalter) von

Konzen . Nachfolger wird nun der gleichnamige

Sohn Arnold M.meister, der gestorben

ist, als »Aret Müllenmeister, Caelebs

(Junggeselle) und villicus in hardt«

am 12. Dez. 1796.

Wer danach bis zum Verkauf im Jahre

1811 Pächter gewesen ist, war aus den

Bergen von Akten nicht zu ersehen.

Michel Huppertz nun, der Käufer des großen

Hardthofes und des gegenüber liegenden

Hauses, das später in andere

Hände übergegangen ist, erscheint im Ort

nur noch unter dem Namen »Hardt-Mechel«.

Er war 1774 geboren und hat am

29. Juni 1810 die erst 20 Jahre alte Anna

Maria Mohr geheiratet und wird mit einer

großen Zahl von Kindern gesegnet, wie

das bis vor etwa 100 Jahren durchaus

noch üblich war. Am 24. 12. 1816 wird

geboren die Anna Maria, die am 29. 7.

1842 heiratet den Matthias Wilhelm

Sehartmann aus Rott und auch etliche Kinder

zur Taute bringen kann. Darunter sind

einige Söhne, die aber nicht heiraten und

58


im Haus bleiben , wie das früher auch gar

nicht so selten gewesen ist. Einer davon

soll in einem Raum im obersten Stockwerk

sogar geschreinert haben. Es heiratet nur

der Michel Sehartmann, der aus zwei Ehen

aber auch nur Töchter bekommt und am

13. 2. 1928 gestorben ist.

Die Tochter Helena heiratet den Hubert

Huppertz, aber au s der Lin ie Huppertz­

Marxe, so daß der Name Huppertz in dem

Gasthaus erhalten bleibt, aber nicht aus

der Linie des Hardt-Mechel.

Da es in Konzen mehrere Gasthäuser

Huppertz gegeben hat, ist der Name der

Frauen zur Unterscheid ung hinzugesetzt

worden , so daß der Famil ienname Sehartmann

in dem Gasthaus erhalten geblieben

ist.

Die jetzige Gaststube ist als kleiner Saal

im Jahre 1914 ang ebaut worden, nachdem

das Gasthaus schon etwa 50 Jahre fort

bestanden hatte, aber nur in dem normalen

Wohnzimm er, wie auch das früher üblich

war z.B. auch in dem früheren Gasthaus

a Scheffen s, später Haus Neiken.

Vor längeren Jahren ist das in unserer

Gegend so auffallende dreistöckige Steinhaus

mit einem modernen Putz überzogen

und dadurch sicher »verschönert« worden.

Le ider! Und damit können wohl diese

knappen Ausführungen über den mehr als

500 Jahre alten Gutshof auf der Hard!

beschlossen werden.

Der Hof Lauterbach

Auch der Ursprung und Anfang dieses

Hofes liegen im dunkeln. Der Konzener

Ortsteil Lauterbach ist schon 1369 urkundlich

belegt und muß folglich bewohnt gewesen

sein.

Von dem Lehnshof Lauterbach aber hören

wir zuerst im Jahre 1481 in dem Jülicher

Mannlehnsverzeichnis, als »den Hof, Erb

und Gut Lauterbach im lande Montjoie

gelegen mit seinem Zubehör hat Heinrich

van Berge empfangen «; aber es ist noch

nicht gesagt als Mannlehen.

Die nächste Belehnung findet statt am 21.

7 . 1525, als Reinhard van Berge, Sohn

Heinrichs van Berge, den Hof Lauterbach

als Mannlehen empfangen hat.

Und nochmals wird Reinhard van ·Berge

mit dem Hof »luyterbach« belehnt im Jahre

1541 , bestätigt am 14. Dez . 1541.

Die Familie van Berge ist schon recht lange

in unserer Gegend bekannt, so ca .

1 270 = R. Nolden S. 277 und in einer

Urkunde der Schönforster im HStAD Nr.

4 2, als »Johann van Berge« am 1 6. März

1394 erwähnt.

Im Jahre 1548 geht der Hof Lauterbach

von Reinhard van Berge und seinem

Schwager Claude von Lasche! an Christ

oph v. Rolshausen wie auch der Hardthof

von der Familie Weiter aus Eupen und

hat dann seine weitere Geschichte gehabt

parallel zu dem Hardthof in der Fami lie von

Rolshausen.

Daß der Lauterbachhof nicht allein dort in

dem Ortsteil Lauterbach gelegen war, beweist

ein Aktenvermerk in der großen Akte

über den Hardt- u. den Lauterbachhof,

(Vol. 1, S. 228) als »Christoph v. Rolshausen

einen Morgen Lands gekauft hat an

seinen Hof zu Lauterbach von Hutten

Theißges Jann, auf welchem derselbe

Jann ein Haus aufstehen hat«, Juni 1549.

Auch die Pächter dieses Hofes sind zunächst

nicht mit Namen genannt; so haben

wir 1556 und 1561 nur genannt »des Amtmanns

Halffen zu Lauterbach «, 1591 in

dem Forstgericht »den Jasper, des Halffen

Sohn zu Lauterbach , bestraft mit 1 Gld.«.

1657 ist genannt der Matheiß Mathiae ;

1683 hat Claeß Forste r, Halffmann des

Haffs Lauterbach ein Kapital von 35 ½

Thaler von der Konzener Ki_rche geliehen .

Dann finden wir noch den Claß Reinartz

und 1731 und 1733 des Claß Renartz

Wwe. Catharina Reinartz, von der es heißt:

»Die gegenwärtig anwesende Lauterbach­

'sche Halbwinnerin Cath . Reinartz«, obwohl

der Pächter Th . Allmang schon 1731

als »Pächter und Aufseher zu Hard! und

Lauterbach « genannt ist. Vielleicht ist mit

Cath . Reinartz auch nur die frühere Pächterin

gemeint gewesen.

Über die Lage, die Größe, die Flurstücke

und die Abgaben usw. ist genau wie bei

den anderen Höfen nichts bekannt bis zu

dem für uns glücklichen Jahr 1717, als die

Abgaben für die Höfe Hardt und Lauterbach

aufgeschlüsselt sind:

Der Hof Lauterbach:

in bar

62 Rthlr.

25 Pfund Butter

2 ½ Rthlr.

1 Rind

1 ½ Rthlr.

18 Holzfahrten

18 Rthlr.

zusammen = 84 Reichsthaler

Dann die Grundstücke:

Haus, Hof, Garten und das Erb

(Grundstück) hinter dem

Haus bis Aweyer = zus.

Das Erb in Awayer

Das Erb im Kahrweg

Das Erb auf/ Fron enpatt

(bei lmgenbroich)

Die Ginsterfelder = zus.

= schlecht

Die Benden am

Heppenbüchel zus.

• Das Erb auf/ Krausbüchel

Das Erb am foeßborn

11 Morgen

10 Morgen

7 Morgen

6 Morgen

27 Morgen

2 Morgen

7 Morgen

(Fuchsborn)

6 Morgen

Die Lauffenbenden = passabel 1 Morgen

das Übrige nichts nützig • 3 Morgen

Das Haßen bendchen =

nichts nützig

3 Morgen

Der Bend am weyer

(am Tiefen Weiher)

= nichts nützig

5 Morgen

Der Bend am Hoppenbroch 2 Morgen

Theiß Läger unterm

Reinharth = nichts nützig 7 Morgen

Zusammen = 96 Morgen, wovon über 40

Morgen als schlecht oder sogar als »nichts

nützig « angegeben sind.

Der Hof Lauterbach, Belehnung des Jahres 1541 , Text in Hochdeutsch: Im Jahre 1541 hat Reinhart

van Berge von unserem gnädigen Herrn Herzog Wilhelm von Jülich zu Mannlehen empfangen den

Hof, Erb und Gut, geheischen = genannt - Lauterbach im Land Monschau gelegen.

59


Die beiden Höfe Hardt und Lauterbach

sind auch stets vermerkt in den Abrechnungen

der Rentmeister mit der doppelten

Abgabe wie die kleinen Leute hier. Aber!

1725/1726 steht der Lauterbachhof in der

Abrechnung mit dem Wort »ledig «. Im

nächsten Jahr ist eine halbe Abgabe berechnet,

und es steht am Rand das Wort

»im Aufbau «. Dann aber ist kein Wort

mehr in den Steuerrechnungen oder auch

im Kirchenbuch vom Lauterbach-Hof zu

finden , wo noch 1796 der »villicus (Gutspächter)

auf der Hardt« als gestorben eingetragen

ist.

Auch über die Zustände erhalten wir genaue

Auskunft in dem Aktenpaket im

HStAD, Val. 1. S. 248 u. 248a. Darin ersehen

wir, daß der Schultheiß von Monschau

am 9. Juli 1728 den Auftrag bekommen

hat, diese beiden Höfe in Konzen genau

zu besichtigen und Bericht zu erstatten.

Diese Besichtigung hat stattgefunden unter

Hinzuziehung glaubwürdiger Zeugen

am 30. Mai 1729 und zeigt über den Hof

Lauterbach den folgenden Zustand: Es

gibt keinen Halbwinner daselbst, nur die

Wwe. eines Martin Schreiber bewohnt

noch die »zugehörige Wohnbehausung «,

hat den nächstgelegenen Garten und das

Grashöffchen (Hauswiese) und zahlt als

Pacht 4 ½ Thaler; das Dach über dem

Haus ist ganz und gar unterwohnt, ruinös

und schlecht, und bei nicht baldiger Reparation

dürfte das Gebäude samt dem Dach

einfallen; die Scheune ist schon abgebrochen

wie auch das Backhaus, das ohne

Dach steht und von dem nur noch die

beiden Seitenwände und der »G iffel «

(Giebel) steht; die Ländereien sind nicht

im Gebrauch (eines Pächters) , sondern

werden den Untertanen morgenweise,

Stück vor Stück verpachtet; der Pächter T.

Alleman (vom Hardthof) hat die Aufsicht.

Im übrigen ist das Gehölz (Holzwerk) von

Scheune und Stallungen für die Reparatur

des Hardthofes verwandt worden . Der damalige

Lehnsträger Friedrich v. Rolshausen

zu Salzboden hat schon im Juli 1722

beantragt, die beiden Höfe verkaufen zu

dürfen und hat somit keinerlei Interesse

mehr daran gehabt, so daß der Verfall des

einen Hofes durchaus zu erklären ist.

Von den noch rückständigen Beträgen der

Pacht sollen aber große Reparaturen

durchgeführt werden, wobei über 300

Rthlr. verfügbar sein sollen. Das aber zieht

sich hin noch bis zum Jahre 1735, wobei

offenkundig wird, daß von diesen Geldern

nur der Hardthof repariert worden ist und

folglich von einem Gutshof Lauterbach

nicht mehr gesprochen werden kann.

Als letzter Lehnsträger der Höfe Hardt und

Lauterbach war 1791 Maximilian v. Rolshausen

eingesetzt. Der Verkäufer der Höfe

ist nicht dieser Lehnsträger von 1791 ,

sondern sein Neffe gleichen Namens, da

ausdrücklich vermerkt ist beim Verkauf

des Hofes Lauterbach, daß der Onkel Maxim.

v. Rolshausen in Nothberg verstorben

sei, ohne ein Testament zu hinterlassen

und sein Neffe, in Türnich lebend, der

rechtmäßige Nachfolger sei. (Dieser zweite

Maxim . v. Rolshausen ist natürlich dann

auch der Verkäufer der Güter Hardt 1811 ,

Lauscheiderbüchel 1811 und Stillbusch

1814.) Ein Grund für diese Verkäufe dürfte

in der Franzosenzeit damals zu sehen

sein, als die außerordentlich hohen Requisitionen

auch an Geld durch die Franzosen

mit Vorliebe auf die großen Güter und das

Kloster Reichenstein umgelegt worden

sind.

Der Verkauf findet statt am 30. Juni 1808

durch den kaiserlichen Notar Conrad Henry

Eßer in Monschau Nr. 127 mit einem

Aktenstück von 21 Seiten in französischer

Sprache. Neben dem Notar ist schon tätig

gewesen der arpenteur = Landmesser

Hilgers, dem wir 1811 auch auf dem

Hardthof begegnen. Die Seiten 1-6 enthalten

die Verkaufsbedingungen, wobei nicht

nur die Bezahlung der einzelnen Parzellen

, sondern auch die »Gerechtigkeit« der

Zufahrt einzelner Grundstücke an die

nächste Wegeverbindung festgelegt ist,

wie das auch heute noch bekannt ist, welches

Grundstück die »Jereetechkeet« hat

über welches Grundstück zu fahren , wenn

es nicht unmittelbar an einem fahrbaren

Weg gelegen ist.

Es sind also verkauft worden:

die Senden am Weyer (Deeve Weijer)

ein Stück Land = Heppenbüchgen

Heppenbroicher Senden .

Der Hof, genannt Lauterbacher -Hof, mit

Wohnhaus und Nebenanlagen und einem

Stück Land von 78 ar an den Ackersmann

Peter Lauterbach aus lmgenbroich für

1440 frcs.

Derselbe kauft ein weiteres Grundstück

von 72 ar auch zu dem Hof gehörend für

228 frcs.

Dann folgen noch zwei weitere Grundstücke

am Lauterbacher Hof, die an einen

Peter Gallenberg und Paul Steffens aus

Konzen gehen.

Nun kommen die Ginsterfelder, die an

acht Käufer gehen.

Dann ein Stück Land am Frohnenpatt (in

lmgenbroich), das gelegen ist an dem sogenannten

»Trinckhöven « (Tränk?) , dann

ein zweites Stück am Frohnenpatt und ein

Stück Land, genannt »Hasenbend «, ein

Stück Land , genannt Vasborn (Fuchsborn?)

, und dazu ein weiteres Stück am

Vasborn; ein Stück Land am sogenannten

Krausbüchel und dazu noch ein zweites

Stück Krausbüchel und nun der Laufenbachs

Send in einer Größe von 1 ha und

43 ar und geht an den Friedensrichter

Herrn Joseph de Berghes in Monschau ;

und das dürfte das Stück Land sein, auf

dem nach 1830 die Laufenbachs-Mühle

errichtet worden ist. ..

J. de Berghes hat dieses Stück Land gekauft,

weil ihm ohnehin der Hof Staffelbusch

mit dem großen Weiher gehörte.

Ein Stück Land »Ohvyeyer« = drei Hectar

gehen an den Gerhard Müllenmeister für

2169 frcs., und das ist weit mehr als 1811

der ganze Hardthof mit den Gärten und

dem Grundstück an der Kirche erbracht

hat. Diese zwölf Morgen Ohweyer dürften

genau die sauber abgeteilten Grundstücke

sein , die später in den Besitz der Konzener

Kirche gelangt sind, worüber teilweise

auch Unterlagen im Pfarrarchiv vorliegen.

Es kommen nun vier Grundstücke am

Kahrweg und zuletzt das große Grundstück

Theislager beim Reinartz Hof, das

auch schon 1717 zu diesem Hof gehörte,

in der Größe von zwei ha und 70 ar; es

wird als ganz »steril«, also unfruchtbar bezeichnet

und erreicht den »stolzen« Preis

von 60 frcs.

Die erzielte Summe beträgt 12 211 frcs.

und ist in etwa dieselbe Größe, wie sie um

dieselbe Zeit mit 13 100 frcs. tü r das Kloster

Reichenstein ohne die Höfe Ruitz und

Bredtbaum erzielt worden ist.

Hier noch die Namen der Käufer, soweit

sie noch nicht genannt sind, die fast alle

ihre - wenn auch meistens sehr bescheidene

- Unterschrift geleistet haben. Bemerkenswert

die Unterschrift des Peter

Lutterbach, der den Hof gekauft hat =

»better lutterbach «.

Es haben also gekauft:

Mathias Werker, Mathias Schmitz, Mathias

Beuel, Gerhard Förster, Eicherscheid, Valentin

Förster, Eicherscheid, Christian Arnold

Offermann, Ackersmann und Tuchfabrikant

aus lmgenbroich, Hubert Scheid!

aus Huppenbroich, Peter Carl aus Eicherscheid,

Arnold Müllenmeister, Peter Gallenberg,

Arnold Erkens, Peter Schmitt, Peter

Strauch aus lmgenbroich, Theodor

Knein, Schneider aus lmgenbroich, Hubert

Isaac aus lmgenbroich, Johann Mathias

Müllenmeister, Cath. Reinartz, Wwe.

des Theodor Huppertz, Peter Isaac, lmgenbroich,

Philipp Werner, Tuchfabrikant

aus lmgenbroich, Paulus Mertens, lmgenbroich

, Johannes Rosenwick. Ein weiteres

Stück am Kahrweg ist gegangen an Nicolas

Cloeßgens (wohl Claßen) für 1440

frcs ., hat aber nur die Größe gehabt von 66

ar.

Es bleibt die große Frage, ob das Wohnhaus

des Hofes, das zus. mit dem Grundstück

von 78 ar und mit den daranhängenden

Gebäuden (dependances) für 1440

frcs. das eigentliche Gebäude des Hofes

gewesen ist oder nur ein Nebenhaus, wie

wir sie beim Hardthof gesehen haben. Es

kann aber auch nicht das halbverfallene

Haus von 1729 gewesen sein, wenn es

nicht doch wieder ganz oder teilweise aufgebaut

worden wäre, vielleicht von einem

späteren Lehnsträger. Daß es kein halbverfallenes

Haus gewesen ist, beweist der

verhältnismäßig hohe Preis, der etwa 1100

frcs. gewesen sein muß, wenn wir das

zugehörige Grundstück von 78 ar mit etwa

350 frcs. rechnen wollen. Die dort auch

genannten »dependancen« müssen dann

doch noch irgendwelche Stallungen und

Scheunen oder wenigstens Schuppen gewesen

sein, wie sie zu jedem Bauernhaus

gehören. Oder sollte der »better Lutter-

60


Das alte Haus Strubershof-Schütt wohl aus dem Jahre 1792

bach« oder ein Nachfolger das Haus ganz

neu aufgebaut haben? Es ist auf jeden Fall

das Haus gewesen, das bis 1920/21 als

ein ganz bescheidenes Bauernhaus von

dem damaligen Eigentümer Johann Weishaupt

in der heutigen Form als bäuerliches

Fachwerkhaus mit Wohn haus, Stall und

Scheune errichtet worden ist. Wenn wir all

das voraussetzen wollen, müßten die

schon 1729 abgebrochenen Stallungen

und Scheune in der Mulde gelegen haben,

die jetzt von der Gärtnerei Schmitz bedeckt

ist und von wo 1857 /58 beim Bau

der neuen Schule Steine aus den früheren

Fundamenten entnommen worden sind .

Daß es das Haus des Johann Weishaupt

gewesen ist, geht einwandfrei aus dem

Ur-Kataster des Jahres 1821 hervor, wo

es auf den Namen Peter Lauterbach eingetragen

ist. Der Peter Lauterbach hat

1835 einen großen Posten Mobiliar verkaufen

lassen , Notar Müller Nr. 1888 und

1889, und scheint damit aus dem Haus

ausgeschieden zu sein. Dann ist es in die

st arrsinniger Mann gewesen sein dürfte.

Familie Rosenwick gekommen, wobei zu

bemerken ist, daß der Ackerer Johann

Matthias Rosenwick eine Petronella Lauterbach

zur Frau gehabt hat. Von der Erbengemeinschaft

Rosenwick hat dann Peter

Goffart das Haus mit allem Drum und

Dran gekauft am 19. Juni 1878 für 2 076.­

Mark über den Notar Peter Gonen. Dann

ist es gekommen in die Hand des Johann

Weishaupt mit seiner Frau Gertrud Goffart

und in dieser Familie bis heute geblieben.

Der alte Lehnshof Lauterbach also, der ja

schon im Jahre 1729 von dem Platz hinter

dem Haus bis an die große Flur »Aweyer

= Ohweyer = Alte-Weiher gereicht haben

soll, kann mithin nur an der oben beschriebenen

Stelle der Gärtnerei Schmitz gelegen

haben . Das beweisen zudem die beiden

Grundstücke am Haus mit 78 und 72

ar, zusammen 150 ar, und das sind genau

die 6 Morgen des Flurstückes »Schommesch-Hoff«

zwischen dem Gutshof Lauterbach

und dem Gebiet des Oh-Weyers.

Und damit dürfte die Frage nach der Geschichte

des Hofes Lauterbach mit hinreichender

Sicherheit geklärt sein .

Alte Höfe sind ja meistens nach der Lage

benannt wie der Hardthof, Stillbusch,

Vennhof usw. oder nach dem Gründer

oder ersten Besitzer, zuletzt noch hier von

Arnold Frings = »Fringshaus «.

In dem erwähnten Jahr 1461 heißt es nun :

»Peter Luterbach hat ein Lehngut, genannt

Strewerserb zu Luterbach vermög (entsprechend)

lehnbriefs von Herzog Gerhard

. (Von Jülich.)

Es ist mithin ein Lehnshof wie auch der

Hardthof und der Hof Lauterbach ; gelegentlich

heißt es auch im Rentlager Buch

1649 in Düsseldorf S. 377a: »Strubershof

zu Contzeen (ist) ein Reuterlehenhof und

ist Petren Lauterbach zuständig .« Danach

hätte der Lehnspächter bei kriegerischen

Auseinandersetzungen jeweils einen voll

ausgerüsteten Reiter zu stellen gehabt,

dafür dann weniger sonstige Abgaben . Die

nächste Belehnung ist erst wieder in den

Akten im Jahre 1541 , wo es heißt: »Straubersgut

hat Lucas von Lauterbach von

Herzog Wilhelm empfangen 1541.« Dazwischen

muß es natürlich noch mehrere

andere Belehnungen gegeben haben, die

aber nicht mehr vorhanden sind. Der Vorname

»Lucas« ist der typische Vorname

Der Straubershof, auch

Streubers- und Strubershof der Lauterbach; wenn er allein irgendwo

Dieser merkwürdige Name für einen Gutshof,

auftaucht, deutet er schon auf die Familie

der zuerst in den Akten ist als »Stre­

Lauterbach hin.

werserb « (Erb = ein großes Stück Land , Die bisherigen Belehnungen sind schon

noch lange in dieser Bedeutung) im Jahre

1461 (HStAD Jül. Berg 11, Nr. 4877) dürfte

zusammenhängen mit dem Namen »strobert«,

den wir schon 1505/06 als Johan

aufgezeichnet in dem Beitrag des Prälaten

Peter Schreiber im E.H.V. 36. Jahrgang

1964, S. 11-113. Die wichtigste Quelle ist

dann das Aktenstück Jül. Berg, Lehen,

Slropert und 1509/1 O als heyn (Heinrich) Specialia, Nr. 223 = Straubersgut im

strobert in den Steuerlisten der Forstmeister

HStAD.

finden .

Auch die nächste Belehnung vom 18. Juni

Und das dürfte wieder mit dem mhd. Wort 1563 geht wieder an den Lucas Lauterbach,

in sehr schöner und gut lesbarer

»struben« = starren, emporstehen zusammenhängen

und die Bedeutung haben Schrift.

von »strotzig « = Strubbel, so daß der Am 16. Dezember 1580 ist dann Arndt

8t rob~rt wohl ein etwas querköpfiger,

Luterbach als neuer Lehnsinhaber verzeichnet.

Am 17. Oktober 1596 ist als neuer Lehnsträger

Peter Lautterbach eingetragen.

Derselbe ist nochmals eingetragen am 21 .

5. 1622, Lind am 28. April 1627 ist es

wieder ein Arnold Lauterbach ; der nun

muß ein höchst merkwürdiger Mann gewesen

sein, da er sich zu Kriegsdiensten

- keineswegs gezwungen - nach Frankreich

begeben hat unter Hinterlassung von

5 minderjährigen Kindern und dort tot geblieben

ist.

Und so bittet der Thoniß Lauterbach am

30. 3. 1637 und am 31 . 8. 1638 um eine

Neubelehnung und wird gebeten, sich

deswegen selbst nach Düsseldorf zum

Hof zu begeben. Am 20. 7. 1647 erfolgt

eine weitere Belehnung über die Vormünder

Thomas Reuter und Hermann Rhor

(oder Khor) für den ältesten Pflegesohn

Petrus Lauterbach .

Am 9. Dezember 1669 gibt es eine weitere

Belehnung über den Bevollmächtigten

Joh. Wilhelm Neumann für den Arndt Lauterbach.

Am 16. März 1676 wird über den

Joh . Winand Stoltzen (von 1683 bis 1684

Forstmeisterei-Verwalter) für des Arndt

Lauterbachs nachgelassene Kinder Gertrud

und Maria belehnt. Diese Belehnung

• wird erneuert für die Kinder Gertrud und

Maria Lauterbach am 2. Mai 1681, und

Gertrud Lauterbach heiratet dann am 27.

Mai 1690 den Matthias Müllenmeister,

wahrscheinlich mit besonderer Genehmigung

, im Kloster Reichenstein, und so

kommt auch das Straubersgut in die Hand

der Familie Müllenmeister wegen der Heirat

mit der Gertrud Lauterbach , da ja keine

Brüder vorhanden gewesen sind. So

kommt es dann auch, daß der Matthias

Müllenmeister selbst 1716 durch den

Pfalzgrafen Carl Wilhelm mit dem Straubersgut

belehnt wird.

Der Math . Müllenmmeister ist aber auch

nicht alt geworden, so daß die noch lebende

Frau Gertrud mit ihren Kindern Arnold,

61


Hubert, Johann Gerhard und Entgen (Ännchen)

am 5. 8. 1721 erneut belehnt wird.

Nach dem Tode der Mutter werden dann

die gerade genannten Kinder der Gertrud

Müllenmeister-Lauterbach belehnt im Jahre

17 44, und diese Belehnung ist im Jahre

1771 erneuert worden durch den nunmehrigen

Kurfürsten Carl Theodor, wobei der

Joh. Gerhard an erster Stelle genannt gewesen

sein muß; die letzte Belehnung

erfolgte am 18. März 1785 an die Kinder

des Johann Gerhard Müllenmeister, der

am 6. Januar 1785 verstorben war.

Damit verlassen uns die Akten über den

Strubershof, es ist nichts mehr darüber

bekannt geworden.

Im E. H.V. 1964, S. 113, schreibt wohl der

Prälat Peter Schreiber, er habe ein Aktenstück

im Besitz gehabt, wonach der Strubershof

im Jahre 1791 geteilt worden sei.

Wenn das stimmt, kann es auch keine

weitere Belehnung gegeben haben, weil

die Franzosen ab 1794 hier ohnehin alle

Güter der Fürsten und die Klöster zum

Staatseigentum erklärt und ab 1803 öffentlich

zum Verkauf gestellt haben. Nach P.

Schreiber habe aber der Matthias Müllenmeister

= Möllesch Theiß den Strubershof

etwa 1803 von den Franzosen zum Eigentum

erworben, und so sei der Hof über

Jahrzehnte hinweg in der Familie Müllenmeister

geblieben. Aber! Auch das dürfte

wieder so nicht stimmen. Denn in den

Verkaufsakten der Franzosen ab 1803,

wovon im HStAD über 6 000 Verkäufe

durchgesehen worden sind für das gesamte

Roer-Departement, wo auch aus

dem Monschauer Land alle Kleinigkeiten

von einzelnen Wiesen, kleinen Häusern,

Gutshöfen und Mühlen aus dem kurfürstlichen

Besitz erfaßt sind, ist kein Wort gefunden

worden über den Strubershof.

Sollte es da nicht so gewesen sein, daß

der Hof 1791 nicht nur geteilt, sondern

auch verkauft worden ist?

Daß einer der Müllenmeister damals den

jetzt noch bekannten Teil mit dem alten

Haus gekauft hat, ist verständlich , während

der andere Teil, der auch mehr verstreut

gewesen sein kann , durch Erbteilungen

zersplittert worden ist, wie das

auch bei dem alten Lehnshof Eicherscheid-Huppenbroich

der Fall gewesen

ist. Und es kommt noch einiges hinzu:

Der Frh . Christoph v. Rolshausen hat ja die

Höfe Hardt und Lauterbach vom Herzog

von Jülich als erbliche Mann-Lehen gegolden

= gekauft. Sie durften mithin nur in

der Manneslinie weiter belehnt werden.

Irgendeinen rechtlichen Anspruch muß

aber auch die Familie Lauterbach-Müllenmeister

auf den Strubershof gehabt haben,

wenn sie von 1461 an ununterbrochen

damit belehnt worden ist, wobei sogar

die beiden Schwestern Gertrud und

Maria Lehnsträger geworden sind, ja

mehrfach sogar unmündige Kinder. Leider

ist über einen irgendwie gearteten Vertrag

bisher nichts bekannt geworden, es ist

aber auch nicht völlig auszuschließen, daß

die Familie Lauterbach und Nachfolger

doch Eigentümer des Hofes geworden

waren vor dem Jahre 1791. Trotz aller

Bedenken aber bleibt es recht eigentümlich,

daß die Herzöge bzw. Kurfürsten unmündige

Kinder mit einem solchen Gutshof

belehnt hätten ohne einen rechtlichen

Anspruch darauf. Nach der letzten Belehnung

im Jahre 1785 muß es zu einer Teilung

und einem Verkauf gekommen sein

im Jahre 1791, da wir sonst in irgendeiner

Weise davon gehört hätten.

Diese Ansicht erfährt eine gute Stütze darin,

daß im Jahr 1818 die Bürgermeister

hier aufgefordert worden sind, über ihnen

noch bekannte Rittergüter und größere

Gutshöfe zu berichten. Das tut der Bürgermeister

in lmgenbroich mit Einzelheiten

über die Verkäufe bzw. Zersplitterungen

der Höfe Hardt = Versteigerung 1811 ,

Das Haus Stubershof-Schütt von der Rückseite, deutlich zu sehen die Wassen = Rasenstücke auf

dem First

Lauterbach schon 1808 und Stillbusch

1814 und nennt au ch noch den Hof Lauscherbüche

l. Aber! Vom Gut Straubershof

kein Wort! Das kann aber doch nur heißen,

fal ls es nicht ein ganz böser Zufall sein

sollte, daß der Strubershof als geschlossene

Einheit schon nicht mehr bekannt

gewesen ist. Man muß auch annehmen,

daß er größer gewesen ist als die Grundstücke

bei dem Haus Schütt mit 27 Morgen

, was man woh l als die Hälfte des

gesamten Lehnshofes ansehen mag. Akte

»Rittergüter« im HStAD .

Und doch muß es Unterlagen über den

Strubershof gegeben haben . Kurz nach

der Übernahme der Pfarre Konzen durch

den Vi kar und späteren Pfarrer H. Lau ­

mans im Jahre 1887 hat ei ne ältere Tante

in echt frau lichem Rappel ge~laubt, mal

ordentlich »Rendez-Vous« = Ordnung

machen zu müssen, eine Kiste mit Dokumenten

von einem Dachboden in den Hofraum,

den Wann-Hoff, geworfen und angezündet.

Ohne dieses »Verbrechen« gegen

die Ortsgeschichte könnten wir sehr

wahrscheinlich über die genaue Lage, die

Flurnamen, die jährlichen Abgaben usw.

berichten, müssen uns aber hier mit der

lückenhaften Darstellung begnügen.

Als aber der Pfr. Laumans, der schon angefangen

hatte, sich mit unserer Geschichte

zu beschäftigen, von diesem Verbrechen

hörte, soll er gesagt haben: »Onn

dovörr wi-erd se noch jeschnörkt« = und

dafür wird sie noch mit den Flammen (des

Fegfeuers) in Berührung kommen; der gute

Pfr. Laumans pflegte sich nämlich in

seiner Muttersprache, in gutem Platt auszudrücken

.

Der eigentliche Gutshof aber mit den Gebäuden

des Strubershofes muß das Haus

Jos. Scheidt gewesen sein. Auf der Haustür

des Hauses Schütt ist übrigens die

Jahreszahl 1792 eingeschnitten, die auch

das Jahr der Erbauung des Hauses sein

kan n, aber nicht sein muß. Nach der überlieferten

Teilung des Hofes im Jahre 1791

aber könnte diese Zahl ein Hinweis sein

darauf, daß der Eigentümer nun dieser

Hälfte im nächsten Jahr sich das Haus

Schütt neu erbaut hatte genau für diesen

Teil des früheren ganzen Strubershofes.

Da wir den Beweis erbringen können, daß

der andere Hof in der Lutterbach, der Hof

Lauterbach , bei der jetzigen Gärtnerei

Schmitz gelegen war, bleiben wir bei der

Meinung, daß der Strubershof in oder bei

dem Hause Jos. Scheidt gelegen hat und

das Haus Schütt nicht der Platz des Strubershofes

gewesen ist, sondern nur ein

Gebäude für die abgetrennte Hälfte nach

einer Teilung.

Daß dieser Strubershof nicht nur aus 27

Morgen Land bestanden haben kann , beweist

eine Akte aus den Jülicher Lehnsbüchern.

Dort wird kurz nach dem Jahre

1595 erwähnt, daß die Höfe Hardt, Lauterbach

und Strubershof neben dem »oßengespan

« = Ochsengespann auch je zwei

Pferde halten. Da wir die Größe der Höfe

62


Hard! und Lauterbach ken nen , muß auch mann auf Sthilbusch «, und das ist der

Eigentümer, sond~rn der Pächter, der einer Taufe im Jahre 1689 ist als »Jott«

1 574/1575 auch genannt ist als »der Halff- (Patin) genannt die Maria, Tochter des wil-

der Strubershof eine entsprechende Größe

von mindestens 60 Morgen gehabt haben

wie etwa das Gut Stillbusch. Sonst

wären die zwei Pferde neben dem Ochsengespann

nicht zu erklären.

Dieser Teilhof des alten Streubers/Straubers/Strubershofes,

wie wir wohl mit großer

Wahrscheinlichkeit vermuten können ,

ist noch lange in der Hand der Familie

Pächter auf den halben Ertrag ; und dieses

Wort »Halffmann« erscheint danach noch

häufig, und in derselben Bedeutung 1578/

1579 der »hoffman uff Stilbusch «. Ob aber

das Land rings um diesen Hof im Jahre

1571 schon gerodet war oder erst nachträglich

urbar gemacht worden ist, wird

nicht mehr festzustellen sein.

Der Gründer von Stillbusch ist mit Sicherheit

Müllenmeister geblieben und danach

der Jülicher Amtmann in Monschau ab

durch Erbschaft in die Hand einer Familie

Weishaupt gekommen.

Am 20. Februar 191 8 ist dieses Haus mit

den umliegenden Ländereien in der Größe

1544, der Freiherr Christoph von Rolshausen

gewesen, der 1588 im hohen Alter

von mindestens 100 Jahren gestorben ist

und als Nachfolger seinen gleichnamigen

von 27 Morgen und 5 Ar von dem Landwirt Sohn Chr. v. Rolshausen gehabt hat.

Theodor Weishau pt in lmgenbroich an den

Wilhelm Schütt, Landwirt in Konzen, und

seine Frau Anna geb. Roder übergegangen,

Akte Notar Pomp Nr. 65, 1918. In

dieser Familie Schütt befindet sich das alte

Haus zusammen mit ein em großen Neubau

des Jahres 1924/25 heute noch in

Verbindung mit einer für unsere Verhältnisse

bedeutenden Landwirtschaft.

(Über die weiteren Herren v. Rolshausen

siehe den Beitrag über den Hardthof.)

Wahrscheinlich hat der Sohn Chr. v. Rolshausen

den Hof Stillbusch aber gebaut, da

der Vater damals schon sehr alt gewesen

ist. Der Vater Chr. v. R. hat im Jahre 1548

schon ein Stück Land gekauft an der

Schwangelbach kurz unterhalb des Hofes,

und das ist sicher kein Stück mit wildem

Gestrüpp mehr gewesen.

Die Familie v. Rolshausen ist dann Eigentümer

des Hofes geblieben bis zum Jahre

Der freiadlige Hof Stillbusch

Über diesen alten Gutshof ist bisher nur

sehr wenig bekannt geworden. Nach den

Kunstdenkmälern , S. 40, ist neben der

Haustür die Jahreszahl 1571 zu lesen gewesen.

Um das Jahr 1900 sollen die Hofgebäude

zum größten Teil umgebaut worden

sein und bis dahin den kurzen Rest

eines Turmes aufgewiesen haben, dazu

die Stallungen mit Strebepfeilern und

Schießscharten versehen .

Nach dem Codex Weiser vom Jahre 1723

müßten der Hardthof in Konzen und auch

Stillbusch große Burgen gewesen sein

und der Hardthof sogar eine Wasserburg.

(Heimatkalender Monschau 1971 , S. 79.)

Das sind natürlich reine Produkte einer

blühenden Phantasie gewesen.

Dr. Ludwig Mathar redet in seinem Büchlein:

»Wunder der Heimat« 1927, S. 107,

von dem alten Hof Stillbusch mit seinen

Bastionen und Schießscharten, die L. Mathar,

geb. im Jahre 1883, als Kind noch

gesehen haben kann.

Weitere schriftliche Nachrichten über dieses

Gut sind bisher nicht ans Licht gekommen.

Leider gibt es auch keine Zeichnung

oder eine Photographie der Gebäude vor

dem Umbau ca. 1900. Im Grundriß nach

der ersten Kataster-Karte ist allerdings

nach Westen hin ein kleiner Halbkreis zu

sehen, was das Fundament eines Halbturmes

gewesen sein könnte.

Sehr auffallend aber ist bis heute der sehr

große, hohe, aus Bruchsteinen gewölbte

1814, als der Hof in viele Einzelteile versteigert

worden ist, wie wir noch sehen

werden.

Die Bedeutung des Wortes Stillbusch ist

mit Sicherheit nicht zu erklären. Ein »stiller«

Busch? Dann müßte doch wohl jeder

Busch = hier= Wald ein stiller Wald sein!

1623/1624 finden wir das Wort »Stiellbusch

«, was ein Wald sein könnte, in dem

man Stiele für Äxte, Hacken und Schaufeln

zu holen pflegte; ein Stiel ist bei uns

ein »Stöll «, die Mehrzahl sind aber »Stell «,

und die Form »Stellbusch« finden wir im

Jahre 1689; 1715 finden wir die Form

»Steilbusch«, die aber auch keinen rechten

Sinn ergeben will , so daß wir wohl bei

dem »Stielbusch « bleiben sollten .

Aus dem Erbungsbuch 1, Monschau, erfahren

wir 1605/1606 den Thomaß Claeß

und den Gerhard Leuches in Stillbusch,

1608/09 den Marx Völl; in den Jahren

1637, 1644 und 1645 lassen Marx Stilbusch

und seine Frau Berb (Barbara) in

Konzen Kinder taufen . Paten bei der Taufe

1637 sind der »Jan Stilbusch « und das

»Nitgen (Agnes) Stilbusch«.

Daß auf einem solchen Hof mehr als eine

Familie gearbeitet hat, zeigen 1618/1619

ein Jacob Pyr auf Stilbeusch und 1627 der

Henrich Voell, Bruder des Halffen auff

Stillbusch. Über lange Jahre hin ist dann

als Pächter auf Stillbusch bekannt die Familie

des Wilhelm Michaelis bis zum Jahre

1674, als am 15. März gestorben ist Wilhelmus

Chiel, villicus (Pächter) auf stil­

Keller, der wohl schon aus dem Jahre

1 571 stammt. Nun aber zur Geschichte: busch, und das ist genau der Wilh Geil von

Das Gründungsjahr 1571 stimmt! Denn in dem Grabkreuz Nr. 24. Dessen Frau Jen

der Forstmeister-Rechnung des Jahres (Johanna) ist dann erst gestorben am 30.

1 572 ist erstmalig verzeichnet ein »Jacob März 1706 mit 84 Jahren als des »wilm

uf (auf) Stilbuisch «· das ist aber nicht der michielen Jenn von Stilbusch « Witwe. Bei

helmi Michaelis aus Stillbusch. So ist deutlich

zu erkennen, daß die Familiennamen

Michaelis, Michielen, Chiel, Chehl, Giel,

Gielen , Gehl , Gehlen und Geilen abgeleitet

werden müssen von dem häufigen Vornamen

Michael. Und noch am 7. 1. 1740

heiratet der Jan geien von Stillbusch die

Jen weißheutt von lmgenbroich.

Arnold Müllenmeister dann , der langjährige

Pächter und Verwalter des Hardthofes,

Burgvogt von Konzen, gest. am 25. April

1767 am Reinartzpfad, heiratet im Jahre

1732 die Maria Gelen, die wohl auch noch

aus Stillbusch gekommen war. Deren

Tochter Maria, geb. am 21 . 12. 1735, heiratet

am 12. 2. 1757 des Johannes Cloßen

Sohn Niclos, geb. am 5. Mai 1726 in Mützenich

. Und dieses Ehepaar wird für Jahrzehnte

Pächter von Stillbusch. Das erste

Kindchen wird getauft am 21 . 3. 1758 und

dann eine Reihe weiterer Kinder bis zum

Jahre 1782, als die Mutter schon 47 Jahre

alt war und gestorben ist am 10. März

1785 mit 50 Jahren ; siehe Grabkreuz Nr.

38. Am 29. 8. 1790 stirbt dann auch Niclos

Claßen , villicus (Gutspächter) in Stillbusch

.

Nachfolger wird dessen Sohn Martin, und

im Jahre 1800 wird dann der Johann Matthias

Claßen als Halffe in Stillbusch erwähnt.

Als Mitarbeiter, früher nannte man das

Knecht, hat gewohnt in Stillbusch der

Sohn Niclos des Gerhard Theißen und des

Mees (Bartholomäus) Küpper Tochter Agnes,

beide aus Kalterherberg »habitantes

(wohnhaft) in Stillbusch «, Heirat am 8. 4.

1777 in Kalterherberg.

Bisher haben wir nichts gehört über die

Größe des Hofes Stillbusch, über die Abgaben

der Pächter usw., während wir solche

Dinge von den Höfen Hardt und Lauterbach

genau kennen, besonders vom

Jahre 1717. Das kommt daher, weil der

Hof Stillbusch Eigentum der Familie v.

Rolshausen gewesen ist, die Höfe Hardt

und Lauterbach dagegen Lehnshöfe, die

jeweils nach dem Tode eines Pächters

oder eines Herzogs neu belehnt werden

mußten und deswegen zu vielen Streitereien

in der Familie v. Rolshausen geführt

haben.

Nachdem Maximilian v. Rolshausen als

der letzte in unserem Gebiet die Höfe

Lauterbach 1808, Hard! und Lauscherbüchel

1811 verkauft hatte, wird nun auch

Stillbusch am 4. Oktober 1814 in 35 Einzelteilen

durch den Notar Ürlichs in Monschau

meistbietend versteigert, Notar-Akte

Nr. 1809 im HStAD. Aber! Obwohl diese

Akte in dem Findbuch, einem Register

etwa, sehr sorgfältig und gut lesbar mit

allen Namen der Käufer, den Flurnamen

und dem Preis für jedes einzelne Grundstück

ausgeschrieben ist, konnte die Notar-Akte

selbst trotz größter Sorgfalt nicht

gefunden werden . Sie muß aber ja vorhanden

gewesen sein, da ohne sie die genauen

Angaben in dem Findbuch nicht hätten

gemacht werden können. Was allein uns

63


aber fehlt, ist die genaue Größe der einzelnen

Grundstücke, die immer in den eigentlichen

Akten, so auch beim Hardthof

und Lauterbach, eingetragen sind.

An Flurnamen sind nur genannt: im Laufenbend,

die Hausbenden . (wohl in der

Schwangelbich) Hengstbroichelche, und

am Rochuskapellchen. Die Käufer kommen

aus Monschau, Konzen und lmgenbroich.

Das Hofgebäude mit Wohnhaus,

Stallungen und Scheune geht an den Arnold

Claßen für ganze 540 Francs und

deutet mit diesem sehr geringen Preis auf

einen sehr schlechten Zustand dieser

ganzen Hofanlage. Der Gesamtbetrag ergibt

die Summe von 7 728 frcs .; wenn

aber der Hardthof mit 121 Morgen 14 100

frcs. und der Hof Lauterbach 12 211 frcs.

erbringt, kann man für Stillbusch mit etwa

50-60 Morgen Land rechnen, zumal die

Preise damals ziemlich stabil gewesen

sind.

Zwei Grundstücke sind aber noch nicht

ve rkauft worden, die dann am 2. 11. 1826

durch Maximilian v. Rolshausen versteigert

werden, wobei ein Grundstück auf

Hengstbrüchelchen an den Fabrikanten

Phil. Heinrich Werner aus lmgenbroich

geht und das andere am Rochuskapellchen

an den Peter Joseph Esser, Thierarzt

in Konzen, den Erbauer des Gasthauses

Huppertz-Steinröx im Jahre 1817.

Damit hat die Familie v. Rolshausen unsere

Gegend verlassen, eine Familie, die

vom Jahre 1544 an eine große Rolle hier

gespielt hat. Nur das Haus Rolshausen in

Monschau erinnert noch an diesen bekannten

Namen; und dieses Haus ist

durch Christian v. Rolshausen jun. mit seiner

Frau v. Palant im Jahre 1597 errichtet

worden, wie bis heute eine Takenplatte im

lrinern beweist.

Als Arnold Claßen den Hof Stillbusch 1814

gekauft hatte, waren nur knapp 6 Morgen

Land dabei geblieben .

Es ist aber schnell ein Wechsel eingetreten,

da schon im Jahre 1816 der Hof Stillbusch

im Eigentum des Jacob Schmitz

von lmgenbroich ist, der 1814 auch schon

ein Stück Land dort gekauft hatte.

Über den Verkauf von Stillbusch an Jacob

Schmitz ist keine Akte zu finden gewesen.

Jacob Schmitz war in lmgenbroich geboren

von den Eltern Niclos Schmitt und

Zeygen (Lucia) Weishaupt im Jahre 1780

und hatte am 12. Mai 1809 die Maria Agnes

Hermanns aus Kesternich geheiratet.

Schon im Jahre 1827 macht das Ehepaar

ein Testament, worin sie sich gegenseitig

alles vermachen, und dabei heißt es, daß

die Ehefrau alles vererbt ihrem Ehemann

Jacob Schmitz »der mir, vor Allem lieb und

werth ist«, Notar Busch Nr. 2380.

In Stillbusch wohnt auch schon der Joh.

Wilh. Schreiber, Sohn des Wilh. Heinr.

Schreiber und der Maria Agnes Breuer

vom Grabkreuz Nr. 6, der 1822 den Tod

seines 15jährigen Sohnes Peter Wilhelm

melden muß.

Jacob Schmitz ist ziemlich früh Witwer

geworden und schenkt den Hof Stillbusch

mit allem Drum und Dran am 20. Juni 1847

seinem Vetter (kann damals noch ein entfernter

Verwandter sein) Johann Hubert

Schreiber, auf Stillbusch wohnend , damit

»derselbe nach meinem gottgefälligen Tod

frei darüber verfügen kann «, Notar Menzen

Nr. 4889.

Joh. Hub. Schreiber heiratet am 14. August

1846 die Anna Gertrud Ettenberg,

und Stillbusch bleibt nun für fast 100 Jahre

in dieser Familie.

Am 4. Juni 1856 ist Jacob Schmitz im Alter

von 76 Jahren gestorben und hat so noch

fast 10 Jahre lang einen schönen alten Tag

bei seinen Verwandten verbringen

können.

Das Ehepaar Schreiber-Ettenberg läßt in

Stillbusch eine Reihe von Kindern taufen:

1847 = Jacob, 1850 = Hubert, 1852 =

Johann Arnold, 1854 = Joseph, 1857 =

Anna Maria, 1859 = Catharina, 1863 =

Gertrud, gestorben 1866. Das Erstaunliche

aber ist, daß alle diese Kinder unverheiratet

geblieben sind, ein arbeitsames

und fleißiges Leben geführt haben und

nach und nach ein Stück Land nach dem

anderen in der Nähe haben kaufen können,

so daß um 1900 das Gut Stillbusch

wieder 50-60 Morgen Land ringsum besessen

hat; so kauft z. B. Hubert Schreiber

von Stillbusch aus der Hand des Hubert

Mertens in lmgenbroich eine Wiese

von 19 ar für 3 000,- Mark am 14. 11.

1889, Notar Schotten Nr. 1238; für eine

solch kleine Wiese war das ein außergewöhnlich

hoher Preis, aber wohl in der

Nähe des Hofes gelegen.

Es sind dann gestorben: die Eltern = Joh.

Hub. Schreiber am 24. 7. 1899, 75 Jahre

alt; am 23. 2. 1903 Wwe . Gertrud Schreiber-Ettenberg,

81 Jahre; 13. 8. 1890 =

Joseph Sehr., Schuster, 36 Jahre; 4. 11.

1908 = Jacob Sehr. , Müller, ledig, 60 Jahre;

15. 10. 1912 = Hubert Sehr. , Müller,

ledig, 62 Jahre; 29. 7. 1917 Joh. Arnold

Sehr., ledig, 65 Jahre mit feierlichen Exequien,

auf dem Grabkreuz eingetragen

als »Gutsbesitzer«; 20. 12. 1925 = Catharina,

sehr klein von Gestalt, und an ihrem

Begräbnis haben in Konzen die neuen Kirchenglocken

zum erstenmal geläutet; am

1. 4. 1943 Anna Maria Sehr., ledig, die

eine große schlanke Frau gewesen ist;

wenn sie im Alter nach Konzen zur Kirche

gekommen ist, hat sie einen schönen

Stock zur Stütze gehabt, den aber am

ersten Haus in Konzen stehen lassen, um

nicht als schwach oder kränklich angesehen

zu werden. Damit war die Familie

Schreiber-Effenberg im Gut Stillbusch

ausgestorben .

Um aber nic_ht ganz ohne Erben zu bleiben,

hat Jacob Sch(eiber am 24. März

1908 zu Cöln (Register Nr. 401) die am 20.

Oktober 1901 geborene Karoline Hahnen

an Kindesstatt adoptiert. Diese hat am 24 .

Oktober 1924 den Lehrer Richard Bertrand

geheiratet, und aus dieser Ehe sind

mehrere Kinder heNorgegangen. Das Gut

aber ist schon seit den 30er Jahren verpachtet

an eine Familie Eußen; von

1940-1960 hat es der Pächter Johann

Küppers aus der Gegend von Forstbach

bearbeitet, jetzt auf einem Hof im Platten­

Venn bei Mützenich.

Im Kriege ist der Hof völlig zerstört worden

bis auf den großen gewölbten Keller und

von dem Pächter Küppers etwa in der

alten Form und Größe wieder aufgebaut

worden , so daß wir heute wieder die hufeisenförmige

Anlage vo r uns haben.

Im Jahre 1960 kommt das Gut Stillbusch

mit ca. 60 Morgen Land an die Landesfinanzverwaltung

und schließlich im Jahre

1975 in das Eigentum des Herrn Jacob

Walters vom Reiterhof Eickhof in Katzen

bei Erkelenz. Und damit so ll die 400jährige

Geschichte des freiadligen Gutes Stillbusch

für uns abgeschlossen sei n.

Zur Geschichte des Gutes Stillbusch gehört

aber auch noch die Geschichte der

»Stöllböisch-Mölle« , der Stillbuschmühle,

die amtlich den Namen »Blumenauer

Mühle« führt, oberhalb des Sportplatzes

an der Flora. Diese Mühle ist gegründet

worden von einer Familie Brand aus der

Gegend von Kornelimünster in den Jahren

1833/1834 und hat deshalb zunächst den

Namen gehabt »Brangs-Mölle«. Nähere

Angaben über den Mühlenbetrieb dort bei

B. Hürtgen S. 293. Der Mitgründer Peter

Theodor Brand heiratet am 13. Mai 1833

die Maria Antonette Piana, geb. in Monschau

am 27. 2. 1812.

Längere Zeit hören wir dann nichts mehr

bis zu einer Versteigerung am 15. Mai

1849, als sie an den Hermann Mathie

kommt von dem Vorbesitzer Wienand Gaffante

aus Köln. Am 26. 7. 1849 hat diese

Mühle erworben der am Röttgen wohnende

Gastwirt Hubert Lennartz, Notar Menzen

Nr. 5574 für 1 100 Thaler.

Das Gasthaus mit großer Landwirtschaft

liegt neben der Brauerei in Monschau und

ist von der Familie Lennartz nur gepachtet

gewesen. Es ist gegründet worden von

der adligen Familie de Berghes in Monschau

und am 1. Mai 1872 zum letzten Mal

von Amalia de Berghes verpachtet worden

an die Wwe. Hubert Lennartz, geb. Dederichs;

am 4. Juni 1880 schließlich hat

Amalia de Berghes, die letzte dieser Familie

in Monschau, den gesamten Komplex

mit 16 Grundstücken verkauft an die Eheleute

Michael Giemens August Lennartz

für den hohen Preis von 16 200,- Mark,

Notar Gonen Nr. 1152.

Am 1. Dezember 1862 ist dann die Mühle,

die bald den Namen »Blumenauer-Mühle«

bekommen hat, übergegangen an den

Sohn Joh. Hubert Lennartz, und dieser hat

von dort aus das Hotel Flora errichtet und

am 28. Juni 1874 eröffnet.

Am 21. Dezember 1875 geht die Blumenauer

Mühle über an den Ackerer Hubert

Schreiber von Stillbusch mit allem Zubehör

für 2 700 Thaler oder 8 100 Mark, Notar

Schwenzer, Nr. 3291. Die Größe des

Grundstückes ist angegeben mit 3 ha, 36

64


ar und 55 m 2 und bekommt den Namen

»Stöllböisch-Mölle«, den sie in Konzen

und lmgenbroich bis heute behalten hat.

Nachdem die männlichen Schreiber-Effelberg

gestorben waren, hat der Verwandte

Johann Effelberg sie im Jahre 1919 gekauft,

nachdem er schon längere Zeit die

Arbeit in der Mühle verrichtet hatte. Nach

einem Gutachten des Mühlenbesitzers

und Landwirtes Viktor Scholl zu Simonskall

wird der We rt geschätzt auf 7 000,­

Mark, wozu dann noch vielfältige und teure

Ausbesserungen für notwendig erachtet

werden . Für den Betrag von 7 000,- Mark

erfolgt dann der Verkauf im November

1919, Notar Savelsberg Nr. 908.

Im Jahre 1865 ist an das alte Mühlengebäude

auf die Flora zu eine kleine Erweiterung

angebaut worden, die noch gut zu

erkennen ist. Die jetzigen Eigentümer sind

Karl Effelberg und Frau geb. Blumensath;

da mehrere Kinder vorhanden sind , kann

mit einem weiteren Bestand des Namens

und der Familie Effelbe rg in der »Stöllböisch-Mölle«

gerechnet werden.

Die Mühle ist noch voll funktionsfähig, und

so kann man gelegentlich auch heute noch

hören »die klappernde Mühle am rauschenden

Bach«.

Diese Blum enauer Mühle ist also weder

die alte Monschauer Bann-Mühle des Jahres

1516, wie gelegentlich zu lesen, noch

einige hundert Jahre alt, wie vielfach zu

hören.

(Ausführliches Manuskript von 25 Seiten

beim Monschauer Geschichtsverein.)

Der Gutshof Staffelbusch -

Lange Böisch

Wenn auch dieser Hof nicht unmittelbar zu

Konzen gehört, so hat es doch vielfache

Beziehungen gegeben, z. B. durch den

alten Schäfer »dr Langeböisch «,

geb.

1849, gest. 1923, so daß die Geschichte

dieses Hofes kurz zusammengefaßt sein

mag .

Das Wort »Staffe lbusch « als Flurnc:imen

finden wir hier schon im Jahre 1582 in

dem Lagerbuch »Der Cammerwald Eicherscheid

«, S. 99a, wo wir hören, daß ein

Stück Land trotz Verbot gerodet ist »im

Stäfelbusch«; danach kommen gleich die

Flurnamen »Schiffenborn« und »Lauscheidt«,

so daß es sich einwandfrei um

unsere Flur »Staffelbusch« handeln muß.

Das Wort »Staffel « bedeutet ein stufenför­

~ig ansteigendes Gelände, wie man es

sich vom Tal des Laufenbaches aus vorzu ­

~tellen hat. Die große Flur »op Staffelböisch

« liegt vom jetzigen Hof Staffelbusch

auf den Ortskern von Mützenich zu, wo

auch der »Staffelbusch-Hoff« = Wiese be­

~annt ist. Auch das Wort »Lange-Böisch«

ist nicht mehr jung. In den Grenzen des

Weidganges für das Vieh waren die Mon­

Schauer Bürger berechtigt, ihre Kühe zu

treiben »von alters her über den Schiffenbo~n,

die wilbertz Heide (jetzt = Worbelsheide)

nach dem Langenbüsch und dann

ins Venn « = 1649, H. Laumans S. 236.

In einer ganzen Reihe von Fällen konnten

Grundstücke »auff Staffelbusch, auff Staffelbeusch«

usw. notiert werden aus den

Lagerbüchern , aus den Erbungsbüchern

und besonders aus den Abrechnungen

der Kirchenrendanten von Konzen, wonach

die Kirche von Konzen Einkünfte hatte

aus einem »Feld am Staffelbusch « ab

1634; das dürfte hierzu genügen.

Ab wann aber gibt es den Hof oder das

Gut Staffelbusch? Früher mußte ein Priesteranwärter

vor der Weihe ein freies Einkommen

von jährlich 60 Reichsthalern

vorweisen , damit er nicht u. U. nachher in

Armut ein nicht standesgemäßes Leben

hätte führen müssen . Für den Priesterkandidaten

nun Phil. Gerhard Huppertz aus

Konzen konnten die Eltern 30 Thlr. freies

Ein kommen stellen ; die weiteren 30 Thlr.

sind von dem Monschauer Schultheißen

Joh. Wilh. Bewer gestellt worden aus »einem

Stück von 10 Morgen Land aus dem

Gut Staffelbusch im Jahre 1728«. So ist es

zu lesen in dem dicken Buch »Der Weltklerus«

usw. von dem früheren Pfr. in lmgenbroich

Jas. Jansen, später Kanzlei-Direktor

beim Bischof in Aachen. Dabei ist

aber dem sehr tüchtigen und bienenfleißigen

J. Jansen ein Irrtum unterlaufen, da er

zwei Stiftungen des J.W. Bewer für 1728

und für 1717 zusammengeworfen hat. Der

richtige Text für uns ist vorhanden im Diözesan-Archiv

in Aachen und lautet: »Ihrer

Churf (fürstlicher) Durchlaucht Schultheiß

Joh. Wilh . Bewer cediert für den Phil.

Gerh . Huppertz ein Orth Erbschafts unweith

dem Dorf Contzen gelegen der Staffelbusch

genannt(ent) haltend ungefähr 10

Morgen in seinen lebenden Häcken abgesondert,

jährlich austragend 30 Reichsthaler«

mit Datum vom 15. Sept. 1717; das

mußte ja auch noch 1717 sein, da der Phil.

Gerh. Huppertz am 2. Januar 1718 zum

Priester geweiht worden ist. (Auch im Auszug

nachgedruckt im Eremit 12. Jahrg.

1937, S. 135 mit dem falschen Datum des

Jahres 1728 und dem falschen Gut Staffelbusch

.

Kommen wir nun aber zur richtigen Gründung

des Gutes Staffelbusch! Und da sind

wir gut unterrichtet! In Monschau war tätig

als Schultheiß, Rentmeister und Forstgeldempfänger

Daniel Theodor de Berghes,

abstammend vom Herzog Johann II.

von Brabant um das Jahr 1300; ab 1789

war der Nachfolger in allen Ämtern der

Sohn Joh. Jos. de Berghes, der auch

Pächter des Zehnten war für das Marienstift

in Aachen . Als Forstgeldempfänger

mußte er jedes Jahr eine Kaution stellen ;

bis zum Jahre 1781 waren das 1 000

Reichsthaler, und vom Jahre 1782 stellt er

regelmäßig als Kaution den Staffelbuschhof,

der einen Wert haben sollte von

2 000 - 3 000 Reichsthalern, dazu einige

Grundstücke am Röttgen bei Monschau.

Das ist also das Geburtsjahr dieses Hofes

oder Gutes Staffelbusch, der früher in keinen

Akten zu finden ist, und er war angelegt

noch fast mitten im Venngebiet, wie in

der Tranchotkarte ca. 1810 deutlich zu erkennen

ist. Als Zehntempfänger für den

Hafer des Marienstiftes hatte J. J. de Berghes

auch für die notwendigen Gebäude

und Scheunen zu sorgen, und dafür lag

der Hof Staffelbusch zwischen Mützenich,

Konzen und lmgenbroich schön in der Mitte.

Und alte Leute haben von diesem

Zehnthof sogar noch etwas gewußt, siehe

Kunstdenkmäler S. 98 und Dr. R. Nolden

im »Monschauer Land « 1985, S. 27 ff.,

Ȇber den Konzener Haferzehnten vom

14. bis 18. Jahrhundert«.

Solche Höfe sind natürlich verpachtet gewesen

und brachten meistens Einkünfte

von etwa 100 Thlr. jährlich. Als Pächter ist

bekannt geworden der Wwr. Peter Kirch

aus Staffelbüsch, der in zweiter Ehe heiratet

die Anna Maria, Tochter des Anton

Stephens und der Gertrud Rode r aus Konzen,

am 17. Okt. 1797.

Auch in der Franzosenzeit bleibt der Hof

Staffelbusch in der Hand der Familie de

Berghes. Joh. Jos. de Berghes stirbt im

Jahre 1816 als Friedensrichter und hatte

alle anderen Ämter aufgeben müssen.

Seine Wwe. Clara von Dhaem aus Malmedy

gerät in finanzielle Schwierigkeiten, da

die preußische Regierung von ihr eine

Restzahlung von mehreren 1 000 Thlr.

verlangt; darüber gibt es eine umfangreiche

Korrespondenz im HStAD. Schließlich

einigt man sich darauf, daß die Wwe. de

Berghes dem preußischen Staat, Regierung

Aachen , den gesamten Hof Staffelbusch

zu Eigentum überschreibt. Auch die

schon erwachsenen Kinder erklären sich

mit dieser Regelung einverstanden, Notar

Busch Nr. 344 im Jahre 1821.

Nach Mitteilungen des Carl de Berghes

vom Jahre 1864 sollen vor 1800 auf dem

Ackergut/Staffelbusch die ersten Versu ­

che einer verbesserten Land- und Viehwi

rtschaft angestellt worden sein, die aber

durch die politischen Umwälzungen (Franzosen

ab 1794 hier) zu keinem guten Resultat

geführt hätten. Ein großer Brand soll

noch vor 1800 große Zerstörungen angerichtet

haben (Kunstdenkmäler S. 98) .

Die preußische Regierung hat an dem

Hofgut selbst nur wenig Interesse und läßt

es schon 1823 zum Verkauf stellen ; dabei

wird die Größe mit 106 Morgen, mit Wohnund

Wirtschaftsgebäuden angegeben, und

das Wohnhaus ist schon mit Schiefer gedeckt

(Akte Reg . Aachen Nr. 3541 im

HStAD).

Bei einer erneuten Versteigerung im Jahre

1824 geht das Domanialgut Staffelbusch

an den wohlhabenden Steuerempfänger

Joh. Hub. Schnitzler aus Eicherscheid,

später in Monschau, für 700 Thlr.

Bei der ersten Versteigerung 1823 war

Pächter der Gerhard Huppertz, danach der

Joh. Arnold Huppertz mit einer jährlichen

Pacht von 53 Rthlr. und 25 Sgr. (Silbergroschen)

. Dieser war auch noch Pächter unter

dem neuen Eigentümer J. H. Schnitzler,

als er eine Quittung unterschreibt mit

65


Der Scholteße-Troistorffs-Weiher

Joh. Arn. Huppertz, Ackerer auf Staffelbusch,

Notar Busch Nr. 2196. J. H.

Schnitzler hat den Hof Staffelbusch dann

verkauft am 26. Sept. 1829 für 500 Rthlr.

an den Ackersmann Johann Reinartz aus

Konzen, Notar Müller Nr. 65.

In dieser Familie Reinartz ist der Hof Staffelbusch

bis heute geblieben. Beim Verkauf

1829 sind alle Einzelheiten aufgeführt

mit den Flurnamen der einzelnen Parzellen

wie Uhrstoppel, Laufenbachsbenden,

Kirschenveen, Heidegrund, Büchelbenden,

Haatzen-Veen, und alles zusammen

ergibt 106 Morgen.

Nach Johann Reinartz ist der 1849 geborene

Sohn Christian Adolf Eigentümer geworden,

bekannt als alter Schäfer und

Mann mit einer »Pörck« = einer Perücke,

gest. am 28. 8. 1923. Dessen Nachfolger

war der Sohn Peter R., der als ein strammer

Soldat beim Garde-Du-Corps in Berlin

vor der Schlafzimmertür der Kaiserin

Wache gestanden haben soll. Als solcher

Soldat mit blinkendem Brustpanzer und

Helm mit Federbusch soll P. R. einmal im

Urlaub auf das damalige Wehrbezirkskommando

in Monschau zugekommen sein,

wo heute das Wohnheim für Asylanten

steht. Der Posten vor Gewehr sieht diese

heroische Gestalt, hält sie für einen hohen

General oder einen preußischen Prinzen,

ruft die Wache mit einem Unteroffizier heraus,

und die präsentiert das Gewehr vor

dem Gefreiten Peter Reinartz vom Hof

Staffelbusch. Noch im Jahre 1934 hat dieser

P. Reinartz zu Gut Staffelbusch die

Urkunde als staatlich anerkannter Schäfermeister

erhalten.

Im letzten Krieg ist der Hof fast ganz zerstört,

aber in etwa den gleichen Maßen

wieder aufgebaut worden . Die Größe ist

durch Erbteilungen auf etwa 60 Morgen

zusammengeschrumpft. Der jetzige Eigentümer

des Hofes Staffelbusch-Langeböisch

ist Franz Reinartz.

Von dem Joh. Jos. de Berghes (über diese

Familie liegt ein Manuskript von 26 Seiten

beim Geschichtsverein Monschau) ist

auch schon der Weiher unten am Laufenbach

angelegt worden, wohl bes. für Fische

in der Fastenzeit, wie auch der Menzerather

Weiher, erstmals erwähnt im Jahre

1549, und dann wieder 1556, als er den

Herrschaften auf der Burg gedient hat. Der

Weiher am Laufenbach ist nämlich schon

in beachtlicher Größe eingetragen in einer

Karte aus der Zeit von 1780 - 1790. Später

ist er in die Hand der Fabrikanten Troistorff

gekommen vom Wiesenthal und hat

daher den Namen bekommen » Troistorffs­

Weiher«; in Konzen und lmgenbroich

heißt er aber heute noch nach dem Schultheißen

de Berghes der »Scholteße Weijer«.

Seine Größe mit dem umgebenden

Gelände geht hervor aus einer Notarakte

vom Jahre 1834, als es sind 5 Morgen,

115 Ruthen und 50 Fuß. Eine Ruthe war

der Flächeninhalt von 14 m 2 . Akte Notar

Müller Nr. 1445 vom 16. Mai 1834.

Der Scholthesse - Troistorffs - Konzer

Weiher hat übrigens zwei Todesopfer gefordert.

Am 13. August 1871 ist der Rekrut

Math. Hermann Fischer dort beim Baden

ertrunken, und am 4. Sept. 1888 hat dasselbe

Schicksal den Weber Paul Kirch aus

Montjoie ereilt.

Am 5. Juli 1932 ist der Hermann Hilgers

aus lmgenbroich in letzter Minute durch

den Wilh. Lennartz aus dem tiefen

Schlamm herausgeholt und wieder zum

Atmen gebracht worden.

66


Die alten Häuser

Daß der Mensch sein Haus gebaut hat aus

der Landschaft heraus mit den Mitteln, die

die Landschaft ihm bietet, gehört zu den

allgemeinen Erkenntnissen. Daß auch die

einzelnen Stäm me ih re Besonderheiten

entwickelt haben, ist leicht zu erkennen an

den Hausformen etwa in Niedersachsen,

im Alpenraum , im Schwarzwald usw. Hier

bei uns aber ist besonders deutlich, daß

die Landschaft mit ih rem ungestümen Klima

auch besondere Möglichkeiten zum

Schutz des Menschen und der Bauwerke

gefordert hat. Allerdings ist von den ganz

alten Häusern nur noch sehr wenig erhalten

, so daß wir uns schon zu einem guten

Teil auf alte Bilder verlassen müssen.

Der Mensch hier hat sein Haus bauen

müssen aus den Grundstoffen, die ihm die

Natur geboten hat, und das waren: Steine,

(gute Mauersteine hat es nur sehr selten

hier gegeben) , Holz zum Bauen durch die

Forstbeamten schon in ganz früher Zeit

besonders zugewiesen aus den Wäldern,

Stroh vom Roggen , und Lehm , der in heute

noch bekannten Gruben reichlich verfügbar

war. Und es stand zur Verfügung

der fleißigen Hände Arbeit!

Obwohl diese Bedingungen dieselben waren,

hat man doch schon zwei verschiedene

Hausformen hier festgestellt: Otto

Klemm: »Fachwerkhäuser in der Nordwesteifel

«, Aachen 1932. Da ist unterschieden

das nach O. Klemm genannte

»Venn-Haus « und das »Eifel-Haus «. Das

erste mehr breit angelegt mit dem großen

gemauerten Kamin im Giebel, das zweite

mehr schmal länglich nach Südosten hin

höher aufgesetzt und mit dem Kamin mehr

in der Mitte. Es soll hier keine Analyse

dieser Ansicht vorgelegt werden, zumal

diese beiden Haustypen sich selten in der

geforderten Reinheit gezeigt haben , so

daß man hier große Vorsicht walten lassen

muß.

Auch die Ableitung unserer Hausformen

aus den primitiven Hütten der Steinzeitmenschen

soll nur erwähnt sein , ohne im

einzelnen dazu Stellung zu nehmen.

Das alte Haus unserer Gegend ist jedenfalls

aus den erwähnten Materialien mit

einfachsten Geräten so errichtet worden,

daß es mehr als drei Jahrhunderte hat

überleben können, was man von unseren

heutigen Häusern erst mal abwarten muß.

Das ganz alte Haus wurde zunächst gesetzt

auf das »Jeschöhns« = Geschuhe,

das gemauerte Fundament, falls es nicht

sogar auch umgekehrt hat sein können ,

daß unter das Balkenwerk erst eine bescheidene

Steinlage untergeschoben worden

ist. Im Keller oder vor dem Haus hat

sich der Brunnen = der »Pötz« befunden,

der z. T. ganz in den Schiefergrund eingehauen

werden mußte. Bei ganz niedrigen

Kellern ist der Brunnen sicher vor dem

Haus gewesen, da man sich im Keller nur

gebückt aufhalten konnte. Das Innere des

Hauses bestand und besteht heute noch

in Ausnahmen aus der Diele, wie man

modern sagen müßte, hier aber genannt

nach der Funktion des Wohnens = »et

Huhß «, da dieser Raum wirklich das

»Haus« in seiner ursprünglichen Eigenschaft

des Wohnens gewesen ist. Dieser

Raum hatte etwa die Größe 3 mal 4 m, war

belegt mit ziemlich großen, etwas glatten

Schieferplatten, hatte unter dem Kamin die

offene Feuerstelle mit der »Hahl « oder

»Hiehl «, einem sägeartigen Gestell, an

dem man den Kessel zum Kochen höher

oder niedriger hängen ko nnte ; daneben

stand eine Kiste, die »Seedel « oder »Siede!

«, die etwas Material zum Brennen enthielt

und auch zum Sitzen für zwei oder

drei Personen diente. Ein bescheidener

Tisch mit ein oder zwei Stühlen, ein Wandbrett,

für die wenigen Teller und Tassen,

noch ein paar Küchengeräte, und das

war's. Von dem Huhß aus führte dann ein

niedriger Eingang zum Keller, und zum

Obergeschoß, dem Söller, wenn vorhanden

und zur Kammer. Über der Feuerstelle

befand sich der »Boßem « = der offene

Rauchfang . Eine Tür führte dann gleich in

den Stall, von dort aus zur Scheune, wenn

schon vorhanden ; vielleicht gab es neben

Altes Haus an der Ecke Breitestraße - Blumgasse

dem Stall oder der Scheune noch einen

Schuppen oder einen besonderen Stall für

die Schafe, eine überdeckte Ecke für den

Torf. Die meisten dieser ganz kleinen Häuser

bestehen heute nicht mehr, man hat

eine ganze Stubenseite angebaut, man hat

an den Stall eine große Scheune angesetzt,

so daß man glaubt, schon recht große

Häuser vor sich zu haben. Wirklich alte

Häuser sind noch zu sehen in den Kunstdenkmälern

vom Jahre 1927 oder in den

Freilichtmuseen, am nächsten für uns in

Kammern, wo auch die alte Einrichtung

noch vorhanden ist.

Das hiesige Fachwerk besteht aus den

Eichenbalken, die mit »Stecken« = festen

senkrechten Stäben und »Fetzen « = dünnen

Ruten aus Haselnußholz, die quer in

die Stecken eingeflochten sind zu einem

festen Netzwerk verarbeitet ist; von beiden

Seiten wurde es mit geknetetem

feuchtem Lehm bestrichen, so daß eine

glatte Wand von etwa 12 cm Dicke zustande

kam. Auch die Zwischenräume der

Decken waren mit feuchtem Lehm ausgefüllt,

und die Tenne in der Scheune bestand

aus festgetretenem Lehm , der mit

frischem Tierblut bestrichen wurde. Das

Dach bestand aus Roggenstroh, das am

besten entnommen wurde aus den Feldern,

wo das Schiffel-Korn gewachsen

war.

Zum Schiffeln ist abseits gelegenes verwildertes

oder sonst kaum brauchbarer

Boden mit der Hacke geschiffelt worden,

indem die Grasnarbe mit der Feldhacke

67


abgeschält, die Rasenstücke dann zum

Trocknen hochgestellt und im Herbst mit

etwas Reisigzeug verbrannt wurde. Diese

verbrannte Fläche mußte dann nochmal

mit der Hacke bearbeitet werden vor dem

Einsäen des Roggens, der mit der zerstreuten

Asche nun seinen Dünger bekommen

hatte. Das Stroh daraus war besonders

kräftig und rein und diente so

bevorzugt zum Decken der Dächer. Das

Schiffeln ist in Konzen nicht mehr bekannt

gewesen, wir wissen aber z. B. aus den

Forstmeister-Rechnungen, wieviel Morgen

Land den einzelnen Gemeinden zum

Schiffeln zugewiesen waren. Das geschiffelte

Land hat dann zwei ode.r drei Jahre

der Ernährung gedient, war völlig ausgelaugt

und mußte mehr als 20 Jahre ruhen,

bis sich wieder eine dünne Ackerkrume

gebildet hatte. Dieses Schiffeln hat eine

ungeheure Arbeitskraft erfordert, aber

Roggen und Hafer bedeutete Brot, und

Brot bedeutete Leben . Für den Boden war

es natürlich ein ganz böser Raubbau, zumal

die Ackerkrume hier ohnehin nur sehr

dünn ist, aber Not lehrt Beten und auch •

Schiffeln!

Das Roggenstroh wurde meistens schon

im Winter bei weniger Arbeit zu genau

abgezirkelten Bündeln fertig gemacht, den

»Schoof« = hochtonig und dann im Sommer

vom Spezialisten mit seinem einfachen

Werkzeug auf dem Dach verarbeitet.

Der First wurde mit großen Rasenstücken ,

den Wassen, abgedeckt, die an Stellen mit

fester Grasnarbe an Wegerändern oft am

allgemeinen Vennweg abgestochen worden

sind. Mit Holzkeilen wurden sie auf

dem First befestigt und haben zusammen

mit einem neuen Strohdach etwa 25 Jahre

gehalten. Das neue Dach war etwa 20 cm

dick und hat eine vorzügliche Isolierung

geboten, im Sommer hielt es kühl , im Winter

warm, ganz im Gegensatz zu den modernen

Ziegeldächern .

Wegen der Feuersgefahr hat die preußische

Regierung die Strohdächer z. T.

gänzlich verboten, z. T. nur noch geringe

Reparaturen erlaubt, so daß im Jahre 1880

eine Frau aus Mützenich, die in Belgien

gewohnt hat, vor Gericht gekommen ist,

weil sie eine größere Stelle im Strohdach

hat ausbessern lassen. So ist es gekommen,

daß man immer mehr Dächer umgedeckt

hat auf Dachziegel, die besonders in

Eynatten hergestellt worden sind , bekannt

unter dem Namen »Ennetter-Panne«.

Diese »Pannen« sind von ganz besonderer

Qualität und liegen heute noch vielfach

nach 100 Jahren völlig unbeschädigt auf

den Dächern.

Das letzte Strohdach hier ist rioch gepflegt

worden auf dem Haus Schütt vom Strubershof,

aber auch vor einigen Jahren mit

wenig schönen großen Blechplatten gedeckt

worden .

Zum Schutz vor dem ungestümen Nordwest-Wetter

hat man diese Seite der Häuser

fast bis zur Erde herabgezogen, wie

auf alten Bildern noch vielfach zu sehen

Das kleine Haus Beuel an der Hohestraße

ist. Vor allen Dingen hat man keine Möglichkeit

gehabt, die Außenseiten zu schützen

durch Bretter etwa oder andere Stoffe.

Bretter mußten mit der Hand gesägt werden

und waren viel zu teuer. Das

Schlimmste aber war, daß man die Häuser

von unten her nicht isolieren konnte, so

daß die Schlafkammern zum Venn hin alle

feucht waren . Und daher sind die gichtgekrümmten

Rücken der alten Frauen gekommen,

die fast zum Boden geneigt zu

sehen gewesen sind. Das ist heute kein

Problem mehr. Trocken war nur die Stube

über dem Keller und die eine oder andere

Schlafkammer im Obergeschoß, dem Söller.

Der Speicher war entsprechend der

»övveschde « bzw. der »övveschdije Söller«;

das Wort Speicher dagegen war in

-__,er Mundart nicht bekannt.

Die Wohnstube ist anfangs und noch lange

Zeit geheizt worden durch eine Takenplatte

, eine gußeiserne Platte, vielfach in den

Eisenhütten der Eifel gegossen mit figürlichen

Darstellungen meistens aus der Bibel,

die in einen Mauerdurchbruch zwischen

dem offenen Herdfeuer und der

Stubenwand mit der Bilderseite zur Stube

hin eingelassen, durch die Wärme des offenen

Feuers ein wenig angeheizt war und

so der Stube auch etwas Wärme spenden

konnte. Das hat sich erst ·zum Guten gewendet,

als die Kanonenöfen in der Stube

und die »Furnieß« = der Kochherd im

Huhß aufgestellt werden konnten.

Eine ganz primitive Behausung soll nach

glaubhaften Berichten ein älterer Mann auf

Aderich gehabt haben in einer »Wase­

Hött«, d. h. in einer Hütte, die aus aufgeschichteten

8asenstücken zusammengesetzt

war mit ein wenig Dach darüber.

Von den ganz alten Häusern ist in Konzen

auch schon vor dem letzten Krieg nur

noch wenig erhalten gewesen. Man weiß

noch, daß das Haus Goffart an der Hohe

abgerissen und neu in moderner Form

aufgebaut worden ist, so auch das Haus

Menzerath auf Aderich. Ganz alt und klein

ist auch gewesen das Haus in der Mongs­

Jaaß, neu gebaut durch Johann Krings;

dann das zwar schon etwas größere Haus

gegenüber der Ouirinuskapelle des Johann

Call mit dem Brunnenbalken davor

wie in der Pußta; leider gibt es kein Bild

mehr davon; dieses Haus ist erst in den

30er Jahren ganz neu aufgebaut worden.

Dann ist das sehr kleine Haus Joseph

Palm auf Aderich neu gebaut worden. Erhalten

in der kleinen Form ist noch das

Haus an der Ecke Hohestraße/Hardt-Mathes-Gasse,

früher Beuel , das in der Art

noch ein gutes Beispiel ist für die Hausform

der alten Zeit.

Und doch sind diese Häuser mit dem

Huhß = Wohnraum , der Stube und zwei

Kammern geradezu fürstliche Anlagen gewesen

gegenüber den Verhältnissen in

Monschau vor der Franzosenzeit, als unten

nur im Tal etwa 4 000 Menschen gewohnt

haben, d. h. jede Familie in einem

bescheidenen Zimmer in den alten Fachwerkhäusern

und dann m[t durchschnittlich

8 - 10 Kindern. Darüber schreibt der

Arzt Dr. Jonas in den Jahren 1800 -1810,

daß er es in einem dieser Räume nur zehn

Minuten ausgehalten habe und dann

mit Kopfschmerzen habe hinausgehen

müssen.

Beim Bau der Häuser ist grundsätzlich die

Nachbarschaft, von denen es in Konzen 7

gegeben hat, verpflichtet gewesen zur Hilfe

beim Heranfahren der Steine, des

Lehms und bei der Arbeit an den Lehmwänden

im Fachwerk. Die Balken der ganz

alten Häuser waren auch nicht gesägt,

sondern nur mit dem Flachbeil behauen

und sind auch in ihrer gebogenen Form

eingearbeitet worden. Die Höhe der Stuben

hat teilweise nur 180 cm betragen, so

daß große Männer in ihrer eigenen Stube

nicht aufrecht haben stehen können.

Von einigen Häusern kennen wir noch das

Alter aus Balken mit den Jahreszahlen. So

68


hat das Haus Heinrich Krings in Brennek

die Jahreszahl 1620 gehabt, das Haus

Huppertz an der Hohestraße Nr. 24 die

Zahl 1634, ist aber deutlich erkennbar

mehrfach umgebaut und vor allen Dingen

höher ausgebaut worden. Die ältesten

noch bis vor Jahrzehnten erhaltenen Häuser

sind gewesen das Haus mit dem Namen

»Kerchmeestesch« = Haus eines

Kirchmeisters an der Breitestraße und soll

um das Jahr 1600 entstanden sein wie

auch das alte Haus Stoltz in den Gassen .

Das durch den Krieg fast zerstörte Haus

Kerchmeestesch ist noch in seinen äußeren

Bauteilen auf der Photographie zu erkennen

und muß aber schon ein recht

großes Haus gewesen oder erweitert worden

sein. Es soll bewohnt gewesen sein

von einem Kirchmeister Huppertz, vielleicht

von dem Schöffen und Kirchmeister

Leonard Huppertz, gestorben 1706. Das

alte Haus in der Breitestraße Jas. Huppertz

Nr. 15 hat in einem Balken den Namen

Claeß Cohmann gehabt, ohne aber

das Jahr zu bezeichnen.

Das Haus mit den Namen die »Burg =

Borch« soll erbaut gewesen sein im Jahre

1701 von einer Familie Lennartz als Winkelbau

mit dem kleinen Haus, dem »Börjelche

«, daneben . Dann ken nen wir genau

das Alter der ersten Kaplanei, jetzt bewohnt

von dem Ehepaar Meurers-Schreiber

gegenüber der Bäckerei Isaac, die für

den Kaplan von der Gemeinde errichtet

worden ist im Jahre 1722; die Pastorat =

Pastorey, der Scheffe und der Förster waren

nämlich steuerfrei; in diesem Jahr

1722 ist zum erstenmal auch als steuerfrei

erwähnt die Kaplanei.

Das Haus »Scheffesch«, später Neiken,

soll stammen aus dem Jahre 1731 , da

beim Zusammensturz eines Torbogens

diese Zahl in eisernen Buchstaben herausgekommen

sein soll. Im Jahre 1649 ist

in diesem Haus an der Kirche unterhalb

des Hardthofes wohnhaft der langjährige

Küster Gerhard Offermann und hat auch

schon ein Brauhaus dort gehabt. Später ist

dann die Schöffenfamilie Schreiber da ansässig

gewesen mit Gastwirtschaft und

zuletzt der letzte Schöffe Johannes

Schreiber, dessen Wwe . noch in der Urkataster-Karte

1821 als Gastwirtin dort eingetragen

ist. Später ist das Haus an einen

Schwiegersohn Huppertz gekommen und

danach in die Hand des Hubert Neiken,

de_r um 1890 schon in Konzen gewesen

sein muß, da ihm 1893 ein Kind hier gestorben

war. Die Familie Neicken stammte

aus der Gegend von Eupen und hat im

Jahre 1856 am 15. Mai den Unterhof des

Reinartzhofes von dem reichen Kreiseinnehmer

Gillard gekauft für 4 500 Thaler

Preußischer Währung.

Auf der Tür des alten Hauses Schütt/Strubershof

in der Lutterbach ist die Jahreszahl

1792 zu lesen ohne aber mit Sicherheit

damit auch d~s Haus bestimmen zu

können. Der Hof önte-Pohl ist in heutiger

Form 1754 errichtet worden, wie auf ei-

Das alte Haus Kerch-meestesch kurz nach 1600

nem starken Brett zu lesen (siehe den

Beitrag über den önte-Pohl).

Im Jahre 1817 ist das erste für diesen

Zweck erbaute Gasthaus erstanden an der

fast noch leeren Landstraße = jetzt das

Gasthaus Huppertz-Steinröx; kurz danach

ist auch das spätere Gasthaus Völl an der

Kreuzung Landstraße - Hohestraße gebaut

worden mit dem Inhaber Joh . Arnold

Roder in der Urkataster-Karte; eine Erweiterung

auf lmgenbroich zu im Jahre 1876,

dazu oben ein kleiner Saal.

Um 1840 ist von dem Ehepaar Math. Kuth

- Maria Müllenmeister das große Fachwerkhaus

»a Bäckesch« - von dem Bäkker

und Gastwirt Steffens - jetzt Bäckerei

Isaac errichtet worden , im Krieg zerstört;

gegenüber der Einmündung Heerstraße in

die Landstraße ist 1851 das große Hofgebäude

Erkens-Schreiber an die Landstraße

gebaut, das vorher in dem jetzigen

Garten seinen Platz gehabt hatte ; die erste

eigentliche Schule ist das Haus, jetzt Geschwister

Frings genannt, »a Scholle«

vom Jahre 1828/29; 1857 /58 die neue

Schule, im Krieg zerstört, gelegen zunächst

am Scholl-Patt = Schul-Pfad, wo

erst später die Straße einigermaßen befestigt

worden ist;

1876 ist das Haus oberhalb der Bahn errichtet,

das nach 1920 und nach dem Zwischenspiel

von 1940 - 1945 wieder als

Enklave im belgischen Staatsgebiet liegt

und nur über Belgien erreicht werden kann

wie auch die Siedlung Ruitzhof bei Kalterherberg;

zwischen 1811 und 1821 ist das Haus

Arnold Werker, später Fritz Krings, hinter

Die »Burg« genanntes Haus = de Borch; jeder Bewohner dieses Hauses hat im Dorf den Namen

Borechs, egal wie er sonst heißt. Dieses Haus soll gebaut sein im Jahre 1701 von einer Familie

Lennartz; im Jahre 1957 ist es durch einen völligen Neubau ersetzt worden. Rechts daneben hat

ein sehr kleines Haus gestanden = et Börjelche« = die kleine Burg

69


Die Kirche mit dem Haus Scheffesch-Neiken, vorne links das alte Bröjes = Brauhaus

dem Hardthof erbaut worden und sehr viel

später erst das Haus Kreitz in der Wegegabel

zwischen den beiden Wegen auf der

Hardt. Nach dem Verkauf des Hardthofes

hätte jedermann auf der Hardt bauen können,

wo aber jedermann sich gescheut hat

zu bauen wegen des harten Bodens und

der sturmgepeitschten Höhenlage. Alle

anderen Häuser dort sind erst nach dem

letzten Krieg entstanden.

Es ist nicht möglich, alle bekannten und

schon längst verschwundenen Häuser

hier aufzuführen ; es soll aber noch kurz

berichtet werden über die Häuser, die

nach 1807 an die damals noch fast leere

Landstraße gebaut worden sind:

An dieser neuen Straße haben damals

schon gelegen die Häuser Schaly am Meilenstein,

aber stark verändert, das Haus

Huppertz an der Ecke Heerstraße - Landstraße,

auf das 1726 als Erblast eingetragen

waren die Kosten für vier Jahresmessen,

dann daneben das »Orjeleißje« =

Geschwister Huppertz, die erste Kaplanei

des Jahres 1721 /22, dann noch an der

Ecke Landstraße - Blumgasse das Haus

jetzt Gillessen. Es sind hinzugekommen

die beiden erwähnten Gasthäuser, das

Haus Erkens-Schreiber, das Haus Arnold

Rosenwick jetzt Wwe. Franz Rosenwick,

das Haus gegenüber zuerst Huppertz,

dann Math. Gerhard Rosenwick = a Maß­

Jerrets, jetzt Ehepaar Wiechert-Jansen , in

den 1870er Jahren abgebrannt, aber im

nächsten Jahr in der heutigen Form aufgebaut,

das Haus Esser = Maanesse, jetzt

Ludw. Paustenbach, das Haus Steffens­

Bäcker um 1840, die erste Schule 1827 /

28, um 1900 die Häuser Jos. Steffens =

Bäckesch-Jüppches mit Wohnhaus, Stall

und Scheune und Schmiede für 11 000,­

Mark, jetzt Karl Johnen, das Haus Jos.

Krings, später Geschäft Edeka, 1903 =

Michael Sehartmann, jetzt Call , 1907 die

Weberei, nach 1900 die beiden großen

Steinhäuser Fammels, das spätere Gasthaus

Justavs, erbaut von Math. Draht, das

Haus Kreitz, erbaut durch Philibert Keutmann

, das spätere Gasthaus a Justins

nach 1821 = Geschw. Förster = in den

letzten Jahren in seiner ganzen Schönheit

erneuert, das Gebäude des Bahnhofs mit

zwei kleinen Wohnhäusern für die Bediensteten

nach 1885, um 1930 das Haus

des Venn-Försters Bischof; um diese Zeit

auch die Siedlungshäuser der beiden Brüder

Joseph und Karl Esser gegenüber

dem Meilenstein und die beiden Siedlungshäuser

Joh. Huppertz und Leuther;

auch die beiden Häuser gegenüber den

beiden Häusern Fammels sind in der Karte

des Ur-Katasters von 1821 noch nicht vorhanden;

das Haus jetzt Adolf Krings war

älter in der Familie Ettenberg mit Backhaus

; das Haus daneben einmal abgebrannt.

In dem Haus neben Erkens-

Gasthaus, früher a Völls, jetzt Huppertz

Schreiber hat gewohnt das Ehepaar Franz

Carl Steinröx-Helene Huppertz, dem von

Januar bis März 1884 fünf Kin der an Diphtherie

gestorben sind. Von den Erben ist

das Haus gekommen an Heinrich Huppertz-Mechelches,

im Kriege zerstört,

durch Sohn Hubert nach dem Krieg neu

gebaut.

Unsere wichtigste Quelle für die alten

Häuser ist die Karte des Ur-Katasters von

1821, in der alle Häuser eingetragen sind

mit den Namen der Eigentümer.

Es sind seit dieser Zeit folgende Häuser

nachweislich verschwunden :

In der Blumgasse: Haus des Joh. Gerhard

Beuel, des Johann Rode r, des Matthias

Völl, drei Häuser in der Hött, ein Haus in

der »Wolfskaul«, wo in der Wiese noch

eine Vertiefung zu sehen , ein Haus hinter

dem Haus Hild-Jäntges, längst verschwunden

.

In der Breitestraße: Haus des Joh. Schreiber,

ca. 1865 abgebrochen, des Dagobert

Offermann , Bäckerei, 1898 verbrannt, des

Joh. Peter Schmitz, längst abgebrochen,

ein Haus bei ganz dicker Buche neben

Haus Huppertz-Reinhartz, Haus zwischen

Ewald Krings und Werker, Haus Call Hubert,

längst abgebrannt, Haus Joh. Gerhard

Weishaupt = 1896 verbrannt, Haus

Joh. Rosenwick, längst abgebrannt, bei

dem Alt-Vahren-Hoff, Haus beim Deerechs-Pohl,

wo noch Teil einer Schutzhekke

zu sehen gewesen ist.

Auf Aderich : die erwähnte Rasenhütte,

Haus Joh. Peter Call längst abgebrannt.

Auf der Wiese vor dem Haus Kirch war das

Haus der Familie Daum.

An der Hohestraße: Haus gleich unterhalb

Bäckerei Huppertz = Haus des Anton

Rombach , längst abgebrannt. Ganz kleines

Haus auf einer kleinen Erhöhung vor

der Schreinerei Paul Kreitz = Wohnung

der Jungfrau Gertrud Meier = Meiertches­

Drück, längst verfallen.

An Ecke Heerstraße - Lutterbach = Haus

des Arnold Jung, des Joh. Gerhard Förster

und wo das neue Haus von Wilh. Werker

= alle verschwunden, heute aber wieder

drei Häuser dort; Haus im Garten Erkens

in der Heerstraße, Haus Leonard Palm im

Städtchen = 1887 verbrannt.

Nach der Katasterkarte von 1821 hat es

146 Hausnummern gegeben, also auch

die Zahl der Häuser, dazu sind noch gekommen

die Häuser im Beigenbach, die

auch alle längst verschwunden sind. Nach

der Karte Tranchot um 181 O sind nicht

ganz 100 Häuser zu erkennen; man muß

dort mit Fehlern rechnen . Nach einer Aufstellung

in der Franzosenzeit vom Jahre

1799 sind in Konzen 120 Gebäude eingetragen,

wobei aber vielleicht für die Steuern

auch ein paar alleinstehende Scheunen

mitgerechnet sein können. Die Zahl

der Einwohner ist dann 1800 für Konzen

mit 662 angegeben, und das dürfte stimmen

. Man rechnet in früherer Zeit irn

Durchschnitt 5 - 6 Bewohner für jedes

Haus, und so kommt diese Zahl wohl rich-

70


Fachwerkhaus in der Blumgasse mit Schutzhecke

tig in die Akten (E. H.V. 20 Jhg. S. 52) . Von

den Häusern der Urkarte 1821 sind bis

zum Jahre 1939/1940 fast 40 Häuser

weggekommen , dafür aber bis zum Krieg

ca. 60 Häuser hin zugebaut worden .

Das alles stimmt au ch ziemlich überein mit

der letzten Forstmeister-Rechnung vor der

Franzosenzeit vom Jahre 1793/94, in der

für Konzen 113 Namen eingetragen sind,

die allerdings nicht alle ein eigenes Haus

gehabt haben müssen .

Durch den Krieg und besonders durch die

unselige Ardennenoffensive im Dezember

1944 sind dann viele Häuser ganz zerstört,

aber zum größten Teil wieder aufgebaut

worden .

Dabei hat es auch besonders schlimm getroffen

die wen igen noch ganz alten Häuser

wie das Haus Neiken an der Kirche mit

dem tief gezogenen Strohdach und dem

etwas abseits noch erhaltenen Brauhaus,

dem »Bröjes«. Dann das ganz alte Haus

des Joseph Lauscher in der Hardt-Mathes-Gasse,

tief herabgezogen mit Strohdach,

und soll sogar ursprünglich ein Doppelhaus

gewesen sein . Das alte Haus

Schreiber an der Hohe, nicht mehr aufgebaut,

das sehr alte, kleine Haus Call in den

Gassen, zuletzt bewohnt von Kalle-Pöttesch-Drückche,

neu gebaut durch Bruno

Kali, das große Fachwerkhaus Kuth-Müllenmeister

= Bäckesch, neu gebaut als

Bäckerei Isaac, das Haus Kerchmeestesch

an der Breitestraße so beschädigt,

daß nicht mehr aufgebaut, das Haus Kreitz

etwas gegenüber Erkens-Schreiber =

ganz alt gewesen, neu gebaut durch Hubert

Call ; das sehr kleine alte Haus Müllenmeister

in der Lutterbach . Andere sehr

alte Häuser waren , wie gesagt, schon vorher

abgebrochen und durch neue Häuser

ersetzt worden, so daß nun nach dem

Krieg von der wirklich alten Bausubstanz

nur noch sehr wenig übrig geblieben ist

oder von außen nicht mehr ohne weiteres

erkannt werden kann. Dazu gehört z. B.

das Haus früher Alfons Steinröx, das mit

dem kleinen inneren Kern auf ein hohes

Alter zurückgeht, aber nach dem Bau der

Landstraße um eine ganze Stube erweitert

und um 1890 noch eine große Scheune

erhalten hatte, so daß nun ein ganz anderer

Eindruck entstehen niußte.

Daß der Mensch dieser harten Landschaft

hier sich den gegebenen Bedingungen hat

anpassen müssen , wenn er überleben

wollte, mögen die 6 - 7 Meter hohen

Hauschutzhecken aus Rotbuchen - und

nicht aus Weiß- oder Hahnbuchen - beweisen,

die es in dieser Form nirgendwo

auf der Welt gibt. Welchen Wert sie haben

zum Schutz des Hauses und der ganzen

Anlage, kann abgelesen werden in der

langjährigen Arbeit von Dr. Robert Beckmann

: »Die Hausschutzhecken im Monschauer

Land unter besonderer Berücksichtigung

ihrer klimatischen Auswirkungen«,

Aachen 1979. Früher war es der

Stolz eines Hausherren, eine möglichst

dichte, sauber geschnittene Hecke zur

Nordwestseite des Hauses zu haben, wie

sie besonders heute noch in Mützenich

und Höfen zu bewundern sind , so daß

man von der Vennseite aus von den einzelnen

Häusern überhaupt nichts sehen

kann . Wenn es z. B. in Konzen in der

Blumgasse Hausschutzhecken gegeben

hat, deren Stämme einen Durchmesser

von mehr als 50 cm hatten, müssen sie

uralt gewesen sein, da sie regelmäßig geschnitten

werden und so nur ganz wenig

an Umfang gewinnen können. Dasselbe

gilt für die Feldhecken , wie wir sie noch in

großer Menge in Eicherscheid finden . Auf

den einzelnen Stöcken sind immer wieder

die Bäume als Brandholz weggeschlagen

worden, so daß auch diese Stöcke kaum

mehr in die Dicke wachsen können. Vor

allem in den Hecken an der Hohestraße

und in der Nähe des Stillbuschkreuzes

finden wir Baumstümpfe, die sich in der

Breite auf etwa 2 m ausgedehnt haben und

folglich ein ganz hohes Alter anzeigen .

Das kann man auch daran beweisen, daß

der Forstmeister im Jahre 1665 anordnet,

daß die neuen Aufforstungen in so gerader

Linie erfolgen sollen, wie die Bauern ihre

Hecken zu pflanzen pflegen. Auch der

letzte Kurfürst Carl Theodor hat in den

Jahren um 1770 angeordnet, daß die Bauern

mehr Hecken pflanzen sollen, damit

weniger Holz aus den Waldungen entnommen

zu werden brauche.

Wie geschickt die Leute sich hier zu helfen

gewußt haben, konnte man noch vor etwa

50 Jahren sehen , wenn sie die Seitenwände

einer Scheune etwa nicht mit Brettern

vor den Regengüssen geschützt haben,

sondern durch schuppenartig befestigte

Reihen des »Fedder-Mooses« aus dem

Venn, das etwa 30 Jahre für diesen Zweck

gedient hat und nur Arbeit, aber kein Geld

gekostet hat; damals noch zu sehen an

der Scheune des alten Hauses Schütt­

Strubershof.

Wieviele Häuser ganz oder teilweise im

Krieg zerstört worden sind, mag in anderen

Ausführungen dargelegt werden .

71


Die Straßen und Wege

Nach den römischen Funden und dem

Namen »Compendium« ergibt sich, daß

unser Ort an einem Verbindungsweg liegt

von Mützenich -- Konzen - Kesternich bei

Einruhr über die Rur zur großen Römerstraße

bei Herhahn-Dreiborn. Der Verlauf

dieser Straße von Mützenich nach Konzen

muß entweder an dem bekannten Kirschenstein

vorbei über den Laufenbach

zur römischen Fundstätte auf dem Friedhof

geführt haben oder irgendwo über das

Hatzevenn und die Aderichsgasse; etwas

Genaues darüber konnte aber nicht festgestellt

werden . Der weitere Verlauf von

Konzen aus dürfte über die Hohestraße -

Lutterbach - Längseff-Jaaß - Schweizerhof,

rechts an Simmerath vorbei und über

die Rüstenstraße in Kesternich geführt haben.

Diese Straßenführung ist auf der

Tranchot-Karte noch gut zu erkennen.

Es ist dies aber sicher keine befestigte

Straße gewesen, die irgendwann mal zu

Tage gekommen wäre, sondern ein fahrbarer

Weg, auf dem zum mindesten die

Mengen von römischen Dachziegeln herangebracht

worden sein müssen, wohl

von Aachen aus. Davon liegen jetzt noch

bei der Pankratius-Kapelle eine Menge im

Boden, davon sind bei der Ausgrabung

des römischen Gutshofes in Eicherscheid

im Jahre 1958 einige Karren voll wieder im

Boden vergraben worden. Die Römerstraße

auf Dreiborn zu ist bei Wahlerscheid ,

ziemlich dicht an der Landstraße, als bescheidener

Damm noch zu sehen; ähnlich

ist es am Waldrand zwischen Strauch und

dem Buhlert.

Es wird auch ein Weg aus der Römerzeit

vermutet von Kalterherberg über Dreistegen

(vor längeren Jahren ist dort eine römische

Münze gefunden wurden) über

den Kalk, die Flora und Stillbusch nach

Konzen oder von der Flora über den Hargard

nach lmgenbroich usw.; das sind

aber reine Vermutungen, ohne daß jemals

ein Beweis dafür erbracht worden sei .

Dasselbe gilt für Römerstraßen, die angeblich

das Dorf Simmerath berührt hätten,

wie vielfach zu lesen, so in den Kunstdenkmälern,

in den Historischen Stätten

des Rheinlandes und danach auf einer historischen

Tafel im Rathaus in Simmerath.

Das gilt auch für eine vermutete Straße der

Römerzeit von Nideggen über Simmerath

zum Hohen Venn.

Wenn wir ca. 40 römische Fundstellen haben

im Monschauer Land, z. B. in Roetgen,

bei Zweifall, in Eicherscheid, in Kesternich,

reichlich im Raum von Schmidt/

Kammerseheid, wenn römische Eisen-

schmelz-Öfen ausgegraben worden sind

bei Berg/Nideggen, eine römische Villa

mit Hypokausten (Unterboden)-Heizung

im Buhlert, muß es auch verbindende Wege

gegeben haben; da aber sichere Nachweise

darüber fehlen, sollten weiterführende

Diskussionen unterbleiben.

Nun ist der Königshof Konzen ja von Aachen

aus gegründet worden und muß folglich

auch eine Verbindung gehabt haben,

zumal Karl d. Große hier mit Sicherheit, im

Umkreis einer Tagesreise, seiner Jagdleidenschaft

gefrönt hat. (Müller-Kehlen S.

109.) Als Verbindungsweg ist anzunehmen

der Weg von dem röm. Aachen über

das röm. Kornelimünster, das röm. Friesenrath,

das röm. Roetgen am Bahnhof

über das Hohe Venn, wohl irgendwo über

Aderich herunter nach Konzen . Beweise

für diese Streckenführung gibt es aber

nicht.

Nachdem Konzen sich zu einem Ort entwickelt

hatte, müssen die wichtigsten Straßen

oder Wege vorhanden gewesen sein,

um Steine an die Pankratiuskirche und an

die neue Kirche um 1160 zu fahren . Wenn

z. B. ein Bauer aus Konzen im Jahre 1596

Steine oder Bauholz an die Burg in Monschau

gefahren hat, wenn die Bewohner

mehrerer Dörfer das Heu vom Herrenbend

am Gericht an die Burg gefahren haben,

müssen fahrbare Wege vorhanden gewesen

sein.

Besonders durch die Erbungsbücher 1 =

1603 - 1660 werden Wege selbst kleiner

Art aktenkundig, wenn Häuser oder

Grundstücke gekauft, verkauft, geerbt

oder getauscht worden sind. So finden wir

im Jahre 1604 schon erwähnt »das Rottelgeßgen

« = das Rottelgäßchen heute noch

abzweigend vom Weg im Ellenbroich in

Richtung Blumgasse.

1609 haben wir zuerst die »Blumgasse «,

die um 1620 als die »Blommengasse« genannt

ist.

Um 1610 heißt es »auff der Herstraßen «;

das dürfte unsere Heerstraße in Konzen

gewesen sein ; eine Heerstraße gibt es

aber auch nicht lange danach in Kesternich,

und 1616 heißt es : »in der Herstraßen

boffen (oberhalb) Mützenich«, etwas

später ist auch eine Herstraße in lmgenbroich

erwätmt. Es ist nur die Frage, ob

das eine »Heer-Straße« oder eine »Herren-Straße«

gewesen ist. Man muß wohl

• eher die »Herren-Straße« annehmen, auf

der. der Dechant von Zülpich zur Visitation

der Kirche, dem Send, mit großem Gefolge

anfangs vom Rurtal aus gekommen ist.

Daß die große Flur Brenneck an unserer

Heerstraße gelegen war, geht hervor aus

dem Erb-Buch 11, als im Jahre 1758 ein

Grundstück genannt wird in »brinnich mit

dem Vorhaupt ( = Kopfstück) an der herß-

. straß«. Ein Leichenweg ist schon in diesen

Akten um 1615, ohne daß wir aber entscheiden

können , ob hier unser Leichenweg

von Mützenich gemeint gewesen ist,

da damals rioch aus vielen \Ortschaften

Kirchenwege oder auch Leichenwege

nach Konzen geführt haben. Unser Leichenweg

hier ist aber mit Sicherheit genannt

beim Hardthof im Jahre 1717 und

hat seinen Sinn erst verloren 1856, als

Mützenich mit seiner eigenen Kirche aus

der Pfarre Konzen ausgeschieden war.

Vor 1620 ist auch - aber nur nebenbei

erwähnt - schon eingetragen ein Grundstück

»ahm Kharweg « bei lmgenbroich,

wo 1830 der Hubert Beuel als Besitzer des

einsamen Hauses dort erstmals in den

Akten erscheint; um 1620 finden wir auch

schon den Streuwerweg, der von der

Blumgasse abzweigt und in alter Zeit auch

in Huppenbroich erwähnt ist und wohl den

Leuten dort zur Fahrt mit den beladenen

Streuverkarren gedient hat.

Nach dem Erb-Buch II haben wir notiert

um 1740 »daß buschgäßchen « = Verbindungsweg

zwischen dem Hohe-Weg und

der Blumgasse, heute aber fast zugewachsen;

ein Nelles Emonts hat um 1755

ein Haus gekauft . . . »an der gemeinen

Landstraß« gelegen und der Hermann

Eßer = Maanesse hat 1782 »ein Haus

gekauft einerseits an der gemeinen Straß

gelegen «.

Diese gemeine = allgem~ine Landstraße

oder gemeine Straß muß die alte Verbindung

• gewesen sein von lmgenbroich

durch Konzen in Richtung Roetgen. Den

Verlauf dieser sicher noch nicht fest ausgebauten

Straße ist von lmgenbroich aus

verlaufen gleich an den Häusern auf Beuel

vorbei, ist beim späteren Meilenstein mitten

durch das »Städtchen« gegangen, vor

den Häusern Huppertz an der Heerstraße

entlang , hat dann die heutige Landstraße

überquert, ist verlaufen hinter dem Haus

Wiechert Nr. 72, hinter dem Haus Steinröx

Nr. 66 und hinter dem Haus Blumensath

auf die jetzige Schule zu, ist dann durch

die Brüchelchen gegangen in Richtung

Breitestraße und genau am Hof öntepohl

vorbei auf das Venn zu, wo noch ein geringer

Hohlweg zu erkennen ist. Der genaue

Verlauf über Hochseheid, wo sich nach der

Tranchot-Karte etliche Wege gekreuzt haben,

auf Roetgen zu, ist nicht mehr festzustellen.

72


Es muß aber auch schon eine alte Verbindung

bestanden haben irgendwo über

Aderich über den Berg und zwar da, wo

der Höhenzug eine geringe Mulde bildet,

also nicht gerade so steil in die Höhe führt;

von dort ist die Straße weitergegangen

zwischen der Landstraße und der Weser,

wo sie den Namen gehabt hat der »hälle­

Wääsch « = der helle Weg; das Wort »häll «

bedeutet aber nicht = hell vom Licht, sondern

häll = vo n dem Wort »hallen «, von

dem Klang eines Hammers auf einen

Stein, der hell klingt, bei einem weichen

Schieferstein aber nur einen dumpfen Ton

ergibt. Dieser »Hälle-Wääsch« muß mithin

über besonders festen Untergrund geführt

haben oder mit Steinen bereits festgemacht

worden sein . Dieser Weg ist dann

unterhalb von Fringshaus weitergegangen

und noch deutlich zu erkennen weiter auf

Roetgen zu an mehreren tief ausgefahrenen

Karrenspu ren , die man schon für eine

römische befestigte Anlage gehalten hat.

Dort ist auch der Mord an dem Offermann

geschehen, dessen Kreuz jetzt auf dem

Straßenrand ca. 300 m unterhalb von

Fringshaus sich befindet und erst nach

dem Bau der Landstraße seinen Platz gewechselt

hat.

Diese tiefen nebeneinanderliegenden Karrenspuren

dort im Venn kommen von dem

nicht befestigten Untergrund, wo jeder

Fuhrmann sich eine neue Fahrspur gesucht

hat, wenn die alte zu sehr in den

Boden eingetrieben war.

Auf dieselbe Weise ist auch die Breitestraße

in Konzen entstanden , wo die Fuhrleute

immer wieder ei ne neue Fahrspur gesucht

haben , wenn die alte zu sehr im

Boden eingefah ren war; als dann die Straße

mit einer fe sten Decke versehen war,

ist das unterblieben, so daß die Anwohner

nun das ehemalige Gelände des »breiten «

Weges erwerben und Gärten anlegen

konnten , wie es auch die Anwohner auf

Beuel in lmgenbroich getan haben nach

dem Bau der Landstraße .

Die jetzige Konrad-Adenauer-Straße nach

dem Bau der neuen Schule als »Scholl­

Patt« = Schulpfad bekannt, war nicht mehr

als ein ganz primitiver Weg , der im Früh­

Jahr, wenn der Frost ausgegangen war, an

der Oberfläche so weich war, daß man das

Wort »Schöckele-Pötz« = Schaukelbrunnen

hätte gebrauchen können, wenn der

nasse Lehm von unten durchgedrungen

war.

Andere Wege sind nach den entsprechenden

Flurnamen genannt worden wie

Längkseff-Gasse, Ellebroichs-Gasse,

Stendrechs-Gasse, Böschels-Gasse, Hue

Gasse = von der Blumgasse abzweigend

zur Hohe, Rönn-Gasse usw., die hier

nicht besonders besprochen zu werden

brauchen . Alles, was zwischen der Landstraße,

der Hohestraße und der Breitestraße

lag, wurde mit dem Gesamtnamen bezeichnet

»in den Gassen «. Später hat man

dann schon unterschieden etwa die Pietesch-Jaaß,

die Konsums-Jaaß. Alt dagegen

ist die dazwischen liegende Mongs­

Jaaß. Wir erinnern uns an die Frau des

Scheffen und Kirchmeisters Leonart Huberts

mit der Gedenktafel in der Kirche,

dessen Frau Johanna Clermonts am 25.

März 1723 gestorben war. Dazu ist auch

ein Mann mit dem Namen Clermont hier

gewesen, und da das Wort auf der letzten

Silbe zu betonen war, ist das »Gier« bald

im Volksmund weggefallen, so daß die

Monts = Mongs-Gasse entstanden ist.

Ähnlich verhält es sich mit der Cohm­

Jaaß; wir haben in Konzen schon bald

nach 1500 einen Kaufmann in den Steuerlisten,

der wohl einen ersten Kramladen

hier gehabt hat. Von diesem Namen ausgehend

ist dann im Verlaufe der Zeit ein

freies Kaufmanns-Gut in Konzen entstanden

, das zuletzt in dem Lagerbuch des

Jahres 1649 im HStAD mit 13 Einzelgrundstücken

und zusammen 21 Morgen

Land im Besitz der Familie Wolter mit Behausung

, Grashoff und Garten vorkommt.

Vorher muß es aber der Claiß Kaumann

gehabt haben, der allerdings daneben das

Deusters-Gut in Roetgen als Lehnsgut inne

gehabt hatte. Und dieser Claeß Kaumann

oder Cohman ist ja noch verewigt

gewesen in dem Haus Jos. Huppertz in

der Breitestraße. Aus dem Kaufmann ist

also schon früh der Kaumann , der Koman

und der Coman geworden, und diese Familie

hat in Konzen noch eine lange Tradition

gehabt mit vielen Verwandtschaften ,

ist aber vor dem Jahre 1800 schon einige

Zeit in der männlichen Linie ausgestorben

gewesen . Es ist auch nicht zufällig, daß die

Kohm-Gasse, wie man besser schreiben

sollte, nicht vorne im Dorf zu finden ist,

sondern im »Höngeren-Dorp« = im hinteren

Dorp, auch das ist schon belegt als

»hinten im Dorf« etwa im Jahre 1745, da

die genau bestimmten Grundstücke alle

liegen in Richtung auf Simmerath zu.

Damit soll dieses Kapitel zunächst abgeschlossen

sein , wobei aber betont werden

muß, daß die frühen Eintragungen in den

Akten nur zufäll ig erfolgt sind beim Kaufen

, Verkaufen oder Umtauschen von

Häusern oder Grundstücken und keine

Auskunft geben über das wirkliche Alter

etwa der Heerstraße oder der Blumgasse.

Das wird man nicht mehr feststellen

können.

Eine große Umgestaltung hat Konzen erfahren

, nicht nur im Bereich der Straße,

sondern insgesamt auch im Bestand der

Häuser durch die Landstraße als Verbindung

von Aachen nach Monschau , geplant

durch Napoleon. Der Plan und das Dekret

dazu sind ergangen am 10. September

1804 in Aachen selbst, einem Lieblingsort

Napoleons, der sich selbst in weitem Maße

als den zweiten Karl d. Großen gesehen

hat. Die Kosten sind aufgestellt worden

mit 79 990 frcs. und sind zum Teil auf

die Gemeinden Brand , Kornelimünster,

Roetgen , lmgenbroich , Kalterherberg und

die Städte Monschau und Stolberg - dorthin

ist eine Abzweigung geplant gewesen

- aufgeteilt; das war im Jahre 1806, und

dann ist gleich mit der Arbeit begonnen

worden von lmgenbroich aus schon im

September 1806. Im Herbst 1807 ist diese

Chaussee in Konzen bereits bis am önte­

Pohl fertig gewesen, wie der Lehrer Joh.

Huppertz in seiner Chronik schreibt, und

er selbst hat im Oktober und November

auf dieser Straße mitgearbeitet, da der Unterricht

wohl erst im Winter begonnen

hatte.

Es müssen für die damalige Zeit gewaltige

Erdbewegungen stattgefunden haben, da

man zwischen dem Städtchen und dem

Gasthaus Huppertz-Steinröx hat aufschütten

und danach bis zur Kreuzung Hohestraße

- Landstraße das Gelände um mindestens

zwei Meter hat einschneiden

müssen, und das alles doch sicher noch

mit »Hack und Schüpp« in Handarbeit.

Dann hat man wieder viel aufschütten

müssen in der Gegend des Konsums.

Auch zwischen der Breitestraße und dem

späteren Bahnhof ist es ein schwieriges

Gelände gewesen bei dem vennartigen

Boden .

Auffallend ist aber, daß diese Straße gerade

über die höchste Erhebung von Hochscheit

geführt worden ist, was man doch

normalerweise vermeiden sollte. Und

auch das soll nach glaubwürdigen Berichten

einen Grund gehabt haben. In dem Hof

öntepohl hat sich ein Gasthaus befunden ,

und der damals einflußreiche Besitzer Wilhelm

Heinrich Schreiber soll es durchgesetzt

haben , daß man diese ungünstige

Strecke genommen hat gegen die ursprüngliche

Absicht, die Straße ein paar

hundert Meter weiter auf Mützenich zu

auszubauen , wo man ein wesentlich günstigeres

Gelände mit weniger Steigung

gehabt hätte, wo auch der Weg von Konzen

nach Roetgen über den Hälle-Wääsch

verlaufen war. Bei dieser Führung hätte

das Gasthaus önte-Pohl aber seine Bedeutung

verloren gehabt. Auffallend ist

auch ein Knick in der Linienführung an der

Kreuzung Hohestraße-Landstraße auf diese

Höhe Hochscheit hin, die in der Tranchot-Karte

nicht eingetragen ist, wohl natürlich

in der viel genaueren Karte des

Urkatasters vom Jahre 1821 . Durch diese

schnurgerade Linienführung hat die neue

Straße die Grundstücke durch- und abschneiden

müssen, sie hat dann eine Reihe

von Häusern an sich gezogen, wie in

dem Kapitel über die alten Häuser berichtet

wird.

Die Meilensteine zu 7 ½ km preußischer

Art hat einige Jahre später erst die preußi ­

sche Regierung setzen lassen, mit dem

preußischen Adler verziert. Die Franzosen

haben Ende 1813 das Land am Rhein verlassen

und im Januar 1814 russischen

Kosaken weichen müssen, die zuerst in

Monschau eingerückt sind am 14. Januar

1814.

Die Preußen haben dann nur noch ein

kleines Stück dieser Landstraße fertigstellen

müssen und auf diese Weise die Ver-

73


bindung Aachen - Monschau in chausseemäßiger

Ausführung gehabt.

In Konzen sind alte Wege und Pfade verändert

worden; so ist die Heerstraße erst

später an die neue Landstraße durchgezogen,

andere Wege sind überflüssig geworden

und im laufe der Zeit den benachbarten

Grundstücken zugeschlagen worden .

Dann auch hat es erst den Kirchenpfad

den »Kerche-Patt« vom Gasthaus Huppertz-Steinröx

zur Kirche gegeben, der

auch danach zu einer festen Straße ausgebaut

werden konnte. Eine neue Straße

ist entstanden im »Bruch« um 1920, als

der dortige bescheidene Patt zu der jetzigen

Straße befestigt wurde und bald danach

mit Häusern fast bestückt worden ist.

Mit der großen Rodung Hatze-Venn Anfang

der 20er Jahre als Notstandsmaßnahme,

wo dann die großen Bauernhöfe mit

jeweils 60 Morgen Land entstanden sind,

ist 1925 auch die Straße nach Mützenich

durch das Hatze-Venn ausgebaut worden,

die heute einen wichtigen Verkehrsweg

darstellt.

Zuvor schon ist der allgemeine Venn-Weg

vom Bahnhof in Richtung auf die Landstraße

Mützenicla - Monschau in Angriff genommen

und im Jahre 1876 bis etwa zum

Reinartspfad fertiggestellt gewesen. Nicht

lange danach ist er bis zur Landstraße

Mützenich- Eupen durchgezogen worden

und hat endlich den zahlreichen Fuhrwerken

eine feste Fahrbahn geboten. Oben

auf dem »Berg« sieht man noch längliche

Vertiefungen, wo man die Steine für diesen

Straßenbau herausgeholt hat. (Darüber

befindet sich ein umfangreiches Aktenstück

im HStAD, wo es vor allen Dingen

um die finanziellen Belastungen geht,

die auf die einzelnen Gemeinden zugekommen

sind.)

Wie schwer es für die Gemeinden gewesen

ist, die nötigen Kosten für die Unter-

haltung der Straßen aufzubringen, beweisen

die erhobenen Straßengebühren an

den »Barrieren «, wo für leere Fuhrwerke

zwei und für beladene vier Pfg . erhoben

wurden. Nur Fuhrwerke, die mit Düngekalk

aus Friesenrath durchkamen, sind von

dieser Gebühr befreit gewesen, um diese

so notwendige Düngung zu fördern. Diese

Hebestellen für die Straßengebühren sind

versteigert worden, und es sind noch die

Stellen oben am Bahnhof und in dem Haus

neben Erkens-Schreiber bekannt geblieben.

Die Leute in diesem letzten Haus

haben von den Barrieren im Dorf den Namen

»Pareesch « gehabt. Die letzte bekannte

Hebestelle ist in der Blumgasse bei

dem Gasthaus Schmitz-Jaaße gewesen,

wo die Fuhrleute dann einzukehren pflegten;

und das war dann der Verdienst der

Wirtsleute.

Über den Zustand der Blumgasse haben

wir dadurch Kenntnis, daß im Jahre 1858

die »Chaussierung vom Entenpfuhl bis

zum Gericht« in die Wege geleitet worden

ist, wobei die Steine dazu aus dem Beigenbach

angeliefert worden sind. Trotzdem

ist diese Straße aber wieder in einem

sehr schlechten Zustand gewesen um das

Jahr 1890, als ein Fuhrmann sich darüber

beschwert hatte, daß man diese schlechte

Straße benutzen müsse und auch noch

zur Kasse gebeten werde. Im Jahre 1928

ist diesem Zustand mit einer neuen Steindecke

mit Teerauflage ein Ende gesetzt

worden.

Auch unsere große Landstraße hier ist bis

zum Jahre 1928 nur mit einer Steindecke

und Sand befestigt gewesen ; bei dem

dann zunehmenden Autoverkehr, wobei

man die Personenwagen noch als »Luxus­

Autos« bezeichnet hatte, haben diese Wagen

bei gutem Sommerwetter eine lange

Staubfahne hinter sich hergezogen, so

daß die Leute auf der Straße, aber auch

die Wiesen und Gärten rechts und links

mit einer grauen Staubschicht eingedeckt

wurden . Und es war eine große Erleichterung

und ein wichtiger Fortschritt fü r unser

Dorf, als im Jahre 1928 endlich eine

Schwarzdecke = Makadam = Teer aufgetragen

worden ist zur großen Freude allerseits.

Neben den Straßen und Wegen hat es

eine ganze Reihe von Fußpfaden gegeben

für die Leute, die zu den einzelnen Flurstücken

zur Arbeit gegangen sind. Wichtig

waren vor allen Dingen die Pfade an den

Seiten des Leichenweges und an der

Stendrechs-Jaaß, weil diese bei feuchtem

Wetter für die Fußgänger fast unpassierbar

gewesen sind. Weitere Pfad e gab es z. B.

in den Wiesen von Brenneck, über die

Hohe hinweg und zwi schen den Hardtwegen.

Die Zäune an den Flurgrenzen waren

dafür durch einen dreiecki gen Durchlaß=

Stejel geöffnet nur für die Menschen, oder

man hatte zwei hohe Steine in die Erde

gerammt, so eng beieinander, daß kein

Großvieh hindurchschlüpfen konnte. Es

soll dabei aber vorgekommen sein , daß

eine ältere Frau mit mehr als üblich ausladenden

Hüften sich in einem Paar dieser

Steine festgefahren hatte und nur mit Mühe

von einigen kräftigen Männer herausgewuchtet

werden konnte. Jetzt sind zwei

solcher Steine noch zu sehen in der Hohestraße,

wo sie früher Hoher-Weg hieß,

an einem Wieseneingang, nicht weit von

der Blumgasse entfernt. Als nach dem

letzten Krieg alle Feldwege mit einer Teerdecke

versehen worden sind und auch

niemand mehr als Fußgänger zur Arbeit

gegangen ist, sind alle diese alten Pfade

verschwunden , bis auf einen.

Dieses Kapitel hat sicher gezeigt, welche

Veränderungen auch auf diesem Gebiet

ein solcher Ort im Verlaufe der Zeit erlebt

hat.

74


Die Flurnamen

Daß die Flurnamen höchst wichtige historische

Dokumente sind, die aus einer Zeit

stammen, als noch kaum schriftliche

Zeugnisse vo rhanden waren, braucht

kaum noch betont zu werden. Folglich ist

es unser aller Aufgabe, diese Zeugnisse

mit größter Sorgfalt zu erforschen , zu bewahren

und besonders für die Zukunft

festzuhalten , wo immer es noch geht.

Als wichtige Hilfsm ittel dienen hierbei die

alten Wörterbücher aus der frühen Zeit,

bei uns hier die sogenannten » Erbungsbücher«

des Landgerichts Monschau Nr. 1 im

HStAD von 1603 - 1660 und die beiden

weiteren bis zur Franzosenzeit im Stadtarchiv

Monschau . Dort si nd Verkäufe, Käufe,

Erbsachen und Tausch (beuten von

Grundstücken und Häusern) eingetragen

und enthalten fast alle alten Flurnamen in

unserer Gegend. Dann ist für uns wichtig

das bekannte Werk von Heinrich Dittmaier:

»Rheinische Flurnamen « vom Jahre

1963.

Der 1544 hier eingesetzte Amtmann Chri ­

stoph v. Rolshausen hat gleich danach

eine Reihe von Einzelgrundstücken in der

Umgebung gekauft, so daß wir vor 1550

auch schon etliche Flurnamen überliefert

haben.

Daraus sind für uns wichtig :

Ein Morgen Land »uff Bruel «, neben dem

Erff (großes Grundstück) auff der Hahrt =

Hardt;

ein Platz hinter der Kirche, wofür er jährlich

drei Gulden zahlt, mithin nur gepachtet;

ein Benden , »hinter den Weyren « (mehrfach

erwähnt) ; das kann sich nur um das

Gelände am heutigen »deeve Wejer« gehandelt

haben, die für die Mühlen im Kalltal

bestimmt gewesen sein müssen ;

ein Ort Benden von der Kirche zu Contzen

empfangen genannt »Birckenbach «; die

Lage ist nicht mehr festzustellen ;

ein Bruch, genannt Steinborn, vielleicht

auf Steindrich?;

ein Hoff (Hoff ist immer Wiese und nicht

Hot) zu Contzen von Collarts Theiß, wo

vorher ein Haus abgebrannt war; das dürfte

das heute noch bekannte große Grundstück

sein unterhalb Marxe an der Hohestraße

bis zur Landstraße = »der Kühlert«;

ein Bend boven der Schwangelbach und

noch ein Bend dort; in der Nähe der

Schwangelbach hat wohl sein gleichnamiger

Sohn 1571 den Gutshof Stillbusch an ­

legen lassen·

ein Ackerland »auff dem Hargarth «, wohl

erste Erwähnung, wo 1582 schon ein

Pächter eines großen Hofes genannt ist;

dann ein Grundstück in der Sprosselbach

bei Eicherscheid und ein Grundstück »auß

der Weydenauwell «; das dürfte die erste

Erwähnung sein des späteren hübschen

Ortes Weidenauel im Rurtal, leider untergegangen

nach 1935 in der Rurtalsperre.

Doch zurück zu den Anfängen :

Der älteste Flurname hier dürfte der Name

»Hardt« sein, wovon der Hof dort schon

1437 in die Akten gekommen ist, aber

sicher wesentlich älter war mit dem Ursprung

der Familie von der Hardt, die

schon 1404 genannt ist. Daß dort auf der

Hardt der karolingische Königshof gestanden

hat, wi rd allgemein angenommen, und

es spricht auch nichts dagegen. Dieser

Hof der Karo lingerzeit muß in der Nähe

der römischen Fundstelle - auf dem Friedhof

- gelegen haben und nicht etwa in der

entfernten Lutterbich, wie man nach dem

Ortsteil vom Jahre 1369 denken könnte.

Die »Steeröksch «, das Gebiet zwischen

Brenneck und dem Steerökscher-Bruch,

ist mit der älteste Flurname hier und bedeutet:

Stein-Stein; das Wort »röksch «

kommt von dem franz. Wort roche =

Stein-Fels, wird später bei uns zu rotsch -

roetsch - roeksch ; das kann vielfältig aus

alte'n Akten und Urkunden bewiesen werden

z. T. aus dem Staats-Archiv in Brüssel.

Die älteste Erwähnung bei uns ist der

Johann Steynrutz, der im Jahre 1387 an

einer Fehde in der Gegend von Köln beteiligt

gewesen ist.

Auch unser Hausberg, die Hu-e, ist sicher

viel älter, als die ersten Namenslisten kurz

nach 1500 ergeben. »Hohe-Straße« und

»Stein-Straße« werden allgemein gedeutet

auf die römische Zeit. Ob das bei uns

mit der Straße der Hu-e, der Hohestraße,

der Fall ist, kann mit Sicherheit nicht festgehalten

werden .

Ganz alt in unserer Gegend und im ganzen

Rheinland sind die vielen Flur-, Ortsund

Familiennamen mit dem Wort »bruch «

= broich, aber stets zu sprechen als

»Bruch «, wie in lmgenbruch, Huppenbruch

und Rollesbruch . Dieses Wort haben

wir schon im mhd . als bruoch = Moor,

Sumpf und allgemein feuchtes Gelände,

im Niederländischen als broek, auch nasses

Uferland, und hat gar nichts zu tun mit

dem Wort brechen.

In der ältesten Namensliste des Konzen­

Monschauer Gebietes um 1190 finden wir

als Zusatz der damals noch einfachen Vornamen

nur den »hupert in dem bruch «;

das kann lmgenbroich gewesen sein, auch

1361 erstmals in den Akten , oder ein anderes

Dorf oder ein anderes »broich « in

der Nähe.

In Konzen haben wir beiderseits der Landstraße

die »Brüchelcher«, in der Nähe des

Naaße-Bönd das »Steerökscher-Bruch«,

wo bis vor etwa 100 Jahren noch Torf

gestochen worden ist; es hat der Gemeinde

gehört und ist dann in Einzelparzellen

verkauft worden.

Zwischen der Landstraße und dem Laufenbach

steht in der Ur-Katasterkarte des

Jahres 1821 nicht ein einziges Haus; es

war die Pferde- oder Füllenweide im Besitz

der Gemeinde und ist in einem Teil als

Kirchbroich schon erwähnt im Jahre 1752.

Nach den Landratsakten ist dann 1857 /58

die neue Schule im Kirchbroich erbaut

worden; am 27. Februar 1858 hat die Gemeinde

im Kirchbroich 13 Parzellen auf

neun Jahre zu verpachten . Um 1920 ist

der Fußpfad dort, der bei feuchtem Wetter

kaum begangen werden konnte, zu einer

festen Straße ausgebaut worden und hat

bald eine Reihe von Häusern auf Mützenich

zu bekommen. Oberhalb dieser neuen

Straße wurde das Wasser gesammelt in

dem Kirch-Diech und unter der Straße abgeleitet

in die Vlötz-Benden zur Bewässerung

der Wiesen im Frühjahr. Beim Verkauf

des Hardthofes am 29. Juni 1811 ist

notariell festgelegt worden, wer an welchem

Tag das Wasser aus dem »Broich «

in diese Benden ableiten durfte. Noch vor

gut 50 Jahren sind die letzten Kuhlen und

Löcher in diesem Gebiet aufgefüllt und so

erst richtig urbar gemacht worden. Durch

die Anlage der Kanal isation ist dann auch

noch der Kirch-Diech weggefallen und gibt

um so mehr Anlaß, das »Kirch-Broich « als

historisches Denkmal zu erhalten .

Dann haben wir die große Flur »Ellen­

Broich « mit dem Ellenbroichs-Je-eßje =

Gasse, das zu erklären ist als das Erlen­

Elsen-Broich; in die Akten ist es gekommen

schon im Jahre 1614, und es ist noch

bekannt, daß man dort den so wichtigen

Torf gestochen hat. Ein Gegenstück dazu

haben wir beim Reinartzhof, wo ein altes

»Ellerbroich ,; zu den großen Flurstücken

gehört.

Andere Gemeinden hier sind bemüht, ihre

alten Broich-Namen ja nicht zu verlieren,

wie Mützenich, lmgenbroich, Simmerath

und bes. Roetgen zeigen, wo es sogar ein

»Faulenbroich « gibt. Selbst Städte wie

Grevenbroich , Bruchsal und sogar die

Landeshauptstadt Brüssel, entstanden aus

»Brock-sel« = kleines Broich , tragen ihren

Namen mit großem Bedacht in die Zukunft.

Zu den ältesten Namen hier gehört sicher

der »lütere«, der lautere = reine Bach im

75


Gegensatz vielleicht zu den Bächen mit

rötlicherem Wasser, die aus dem Venn

entspringen. Man hat auch schon mal an

den »lütenden«, den lautenden, den hörbar

flutenden Bach gedacht. Aber das

dürfte bei unserem kleinen Lutterbach

nicht in Frage kommen.

Die erste Erwähnung als Ortsteil haben wir

1369, den Lehnshof Lauterbach ab 1481.

(S. die Geschichte des Hofes Lauterbach.}

Daher stammt natürlich auch der hier verbreitete

Familienname Lauterbach = Lutterbach,

der in Konzen .aber schon vor

1900 ausgestorben war, zahlreich noch

erhalten in Schmidt, Strauch und Rohren,

verbreitet aber auch als Orts- und Familienname

im viel weiteren Bereich .

An dem Weg, der von der Hohestraße zum

Wasserwerk führt, war früher zu sehen das

»Biechelches-Stennche«, ein kleiner

Felskopf an der oberen Grundstücksgrenze.

Dieser markante Punkt ist 1907 beim

Bau der Fabrik weggeschlagen worden

und als Untergrund in die Fundamente

gekommen. Leider!

Das Wort ist anzuschließen an die Bieley

im oberen Perlbachtal, vielleicht zu keltisch

bil = steil, besser wohl zu germanisch

bili = vorspringend , Vorsprung , und

dabei können wir auch denken an viele

Wörter wie Beilstein an der Mosel, Bilstain

bei Verviers und andere. Wir können auch

denken an das Wort unserer Mundart =

Piel-ret-op pfeilsenkrecht nach oben. Unser

»Biechelchessteen« ist demnach zu

deuten als kleiner Felsvorsprung, was es

ja auch gewesen ist.

Eine »Horstatt« haben wir zweimal = an

der Ecke Heerstraße-Lutterbach und am

öntepohl. Denselben Flurnamen gibt es in

Mützenich und in Woffelsbach . Man nimmt

an ,qie Bec_j~utung, »alte verfallene Hausstätte«

nach einem ahd. Wort »hovastat«,

mhd., »h0,v.estat =; hus-stat« oder als ein

Ort, an dem einmal° ein Hof gestanden hat.

Die »Vürbich« = Feuerbach dürfte mit

dem Feuer nichts zu tun haben. Schon um

1620 finden wir »in der voerbach« und in

der »Vohrbach« , so auch noch in der Tranchot-Karte

um 1810, somit ist gemeint der

Vorbach vor dem Laufenbach, der beim

Weldewiffjes-Loch mündet. Alles aber,

was »vür« heißt, bedeutet für die Leute auf

den Kanzleien = Feuer. Aber, wir kennen

auch das »Vür-hüßje« = das Vorhäuschen

in der Kirche, wir kennen das Vü-erel =

das Kopfstück einer Parzelle, wofür es in

Eicherscheid heute noch heißt= Vür-Höht

= das Vorhaupt, das sehr oft bei Grundstückskäufen

usw. auch in unseren Akten

steht. Um 1750 ist allerdings dann auch

schon die »fürbach « und »ein Bend in der

feuerbach « notiert, aber sicher eine falsche

Übersetzung des alten Vür = Vor­

Baches.

»Kri-e-wenkel« = Krähwinkel eine größere

Flur bei uns, wo nach dem Krieg eine

ganz neue Siedlung entstanden ist, die

aber nach der Form der sogenannten modernen

Häuser und dem Zuzug fast nur

auswärtiger Familien noch auf lange Zeit

ein Fremdkörper im Ort bleiben wird. Es ist

ein ganz alter Flurname schon überliefert

aus dem 13. Jahrhundert und soll eine

böse Anspielung sein auf einen nahegelegenen

alten Galgenplatz, an dem die Krähen

an den Leichen der Gehenkten sich

gütlich getan hätten. Hier ist es aber sicher

nur der abgelegene Platz, an dem die Krähen

mit Vorl iebe zu nisten pflegen . In den

Akten ist bei uns ein Stück erwähnt »der

Kreewinkel« um 1780.

»Rom-Pool « in der Nähe des Stillbuschkreuzes

bedeutet einen Grenzpfahl; wo

man die Grenzen innerhalb der Dorffluren

nicht durch natürliche Punkte wie Bachläufe,

Felsen oder markante Bäume festlegen

konnte, hat man einen Pfahl gesetzt, einen

runden Pfahl = einen »rongde Pool«, zu

sprechen wie »Pool « der Pfahl; daraus ist

dann verkürzt der »Rom-Pool « geworden

wie genau so in Kalterherberg, auch am

Rande der Dorfflur. Unser Flurname Rompool

ist schon genannt im Jahre 1614 =

»auf rompaell «, zu sprechen = auf rompaal.

Dort gleich in der Nähe haben wir auch die

Flur Voß-bu-er-Fuchsborn . Zu unserer

Kindheit war noch eine sprudelnde Quelle

zu sehen in dem Wegegraben gleich oberhalb

des Stillbuschkreuzes, durch die moderne

Straßenführung und Kanalisation

aber verschwunden. Der Voß-bu-er ist

schon erwähnt im Jahre 1611 /1612 als

»im Voeßbour«.

Der Naaße-Bönd = eine besonders feuchte

Wiese, da Bönd an sich schon auf ein

feuchtes Gelände hinweist; und diese Bedeutung

stimmt, auch wenn das besonders

Nasse durch Drainage nicht mehr so

schlimm erscheint. Aus diesem Gelände

entspringt ein kleiner Bach, der oberhalb

aer Rochusmühle in den Laufenbach mündet,

aber ohne einen Namen zu haben.

Ähnlich wie der Naaße-Bönd ist der »Naaße-Sief«

im Hohen Venn, ein kleines Gewässer,

das in den Getzbach, die »Jüertz«

mündet. Aus diesem Naaße-Sief ist

dann ein Naaß-Sief und zum Schluß im

Anschluß an die Nacht ein »Nahts-Sief«

geworden; in dieser Form dann auch in die

betreffenden Flurkarten dort eingezeichnet.

Vom Stillbuschkreuz auf die Kirche zu haben

wir den Flurnamen »en de Wenkelcher«

= ein größeres Flurstück mit verwinkelten

Ecken, das so zu seinem Namen

gekommen ist.

»De 11 Jemahr« befinden sich auch dort

in der Nähe und sollen eine kleine Wiese

bezeichnen , auf der nur elf Sensenschnitte

mit den Grasschwaden den »Jemahr«

zu machen w_aren. Die jetzige Form dieses

Grundstückes ist aber nicht in rechteckiger

Art vorhanden, vielleicht nachträglich

geändert worden.

Auf. der Hardt und zum Hardthof gehörend

haben wir die Neulskaule, und 1717 erstreckt

sich das Gelände des Hardthofes

vom Garten mitten über die Neulßkaulen

bis an den Leichen-Weg. Von NE-ul und

der Neulßkaule ist heute nichts mGhr bekannt;

man kann annehmen, daß es die

Flur eines »Nöll «, eines Arnold gewesen

ist, was die Schreiber zu »Neul « verhochdeutscht

haben.

Die Kauverley ist der Ab hang von der

Hardt zum Laufenbach mit Schiefergestein

in stark abschüssiger Lage. Das ist hier die

alte Kälber-Ley, wo die Kälber ihre Gemeinschaftsweide

hatten oder wo schon

mal Kälber abgestürzt sind . Dazu im Jahre

1662 »bei Contzen an der Kalberley«.

Ähnlich auch der oft genannte Flurname

»uf Kauferscheit» schon 1602 in dieser

Form und dann vielfach genannt auch als

»Kalberscheid«, eine große Flur am

Krangsbach auf Simmerath zu und heute

nur noch bekannt als das verkürzte »Kauvesch

«.

Zwischen der Landstraße und der Flur Auweyer

liegt »em Hääsch « = in der Hecke,

= 1642 = zu Conzen »Im Hege«, d. h.

zwischen Hecken gelegen ; die Hecke ist

in unserer Mundart »et Hääsch «, d. h. das

Eingehegte, Eingefriedete, dazu die Haag;

»de Heck« dagegen ist bei uns der Niederwald,

der z. T. zur Lohschälung von

Eichenaufwuchs benutzt worden ist wie

die »Mengßer-Heck«.

Gegenüber dem Hääsch an der anderen

Seite der Landstraße haben wir den

»Kruusch-Böschel «, auch schon früh in

unseren Akten. Dort hat Johan Bauwell ein

Stück Land »uff dem Crauß Büchel!«, und

ein paar Jahre später ist genannt der

»Kraußbeuchel « = wo viel Kraut vielleicht

aber auch viel Unkraut wächst; möglich

wäre auch ein Büchel, eine kleinere Erhebung,

wo früher einmal ein Kreuz gestanden

hat.

Ein Büchel hat zudem immer festes, trokkenes

Gelände, wie wir auch auf dem

»Büchel « haben , ohne Zusatz an der

Blumgasse auf das Krangsvenn zu. Dann

haben wir am Belgenbachtal den »Heppenbüchel

«, wo vielleicht mit der Höpp,

dem gebogenen Beil, gearbeitet worden

ist? Das ist aber sehr fraglich, da dazu

dann auch käme die »Hepp-Laach « bei

Paustenbach. Am Beigenbach finden wir

auch den »Dörre-Böschel «, der wohl besonders

dürr und trocken sein muß. Oberhalb

der Eisenbahn befindet sich dann der

»Joohm-Böschel«, wobei das Wort

»Joohm« ohne Erklärung bleiben muß.

Das Wort Bösche! geht zurück auf das

ahd. buhil und das mhd. bühel = Bühl und

auch unser Beuel bei lmgenbroich, alle in

der Bedeutung = Hügel.

Zwischen dem Joohmböschel und schon

nahe am Hatzevenn ist die Flur »Heinchesfelder«,

gut von Hecken umgeben,

schon vor 1620 genannt zusammen mit

einem Kauffmann »auff Heinrichsfeldt«.

Diese Flur muß demnach von einem Heinrich

gerodet worden sein, und das muß

wesentlich früher gewesen sein als unser

Eintrag in den Akten. Die Heinchesfelder

weisen gutes und trockenes Land auf und

76


sind ein weiterer Beweis dafür, daß die

alten Leute hier früher nicht dümmer gewesen

sind als unsere heutigen Leute

auch; Größe ca. 15 Morgen. Nicht weit

davon, am allgemeinen Vennweg gelegen,

ist die Flur »err Scheeht«, zu vergleichen

mit der Flur Kauver/Kalberscheidt. Die

Scheeht ist etwa 25 Morgen groß mit trokkenem

und gutem Grund, soll vor mehr als

200 Jahren gerodet worden sein von dem

Schöffen Peter Schreiber und seiner Frau

Jen (Johanna) Zimmermann, wohnhaft auf

dem Hof öntepohl.

Gleich an der Kirche, da wo sich jetzt die

Kreuze für die Soldaten und Vermißten

befinden, war die Flur »Tönnert«; das

müßte von einem Vornamen Antonius =

Tönnes herrüh ren , aber nichts ist mehr

darüber in der Erinnerung .

Oberhalb der Landstraße, wo sich früher

das Spritzenhaus und nach dem Krieg die

Notkirche befunden hat, war der »Paafebich«

= ein Stück Land, das früher dem

Pfaffen = dem Pfarrer gehört haben muß.

Damals haben die Leute viele Grundstükke

der Kirche vermacht für Jahrgedächtnisse

oder aber auch für die Einkünfte des

Pfarrers unmittelbar; davon haben wir

noch vorne auf Aderich, oberhalb der

Vlötz, den Pastors hoff = » Pastu-eschhoff«.

Zwischen dem Hardthof und der Landstraße

sind bekannt die »Kingen-hö-ef«, die

man in der jüngsten Zeit zu dem »Kön igshof«

gemacht hat. Die Grundlage dazu ist

der »Kinenhoff«, der 1649 in den Akten ist

mit der Bemerkung : »angrenzend an des

Herrn Rolshausen« (Land); und das ist

genau der Hardthof, der ja von 1548 bis

zum Verkauf 1811 der Familie v. Rolshausen

als Lehnshof gehört hat. Die Bedeutung

allerdings des Wortes »Kinen-hoff»

ist nicht bekannt.

Unterhalb des Friedhofes verläuft die

»Vlötz«, ein kleines Wasser, das bald in

den Laufenbach mündet. Der Name

kommt vom Fließen , und die Benden daran

haben in der Verkaufsakte von 1811

den Namen »Flitzbend'.3n «.

Weiter unten am Laufenbach ist »et Loch «,

die Vertiefung, da wo sich jetzt die Kläranlage

befindet, auch aktenkundig in der

Verkaufsakte von 1811 . Unterhalb dieses

langen Grundstückes am Zusammenfluß

von Vürbich = Vorbach und Laufenbach

haben wir dann das Weldewiffjes-Loch.

Bei der Aderichs-Jaaß, auch schon 1717

bei dem Hardthof erwähnt, liegt der

»Knöpp « oder »Knipp «, eine kleine Anhöhe,

der oberste Punkt eines Weges, ein

weitverbreiteter Flurname bes. in der Gegend

von Aachen.

Von der Hardt herunter zur Vürbich gibt es

den Flurnamen »em Kessel«, eine muldenartige

Vertiefung hin zum Laufenbach,

denselben Flurnamen gibt es in Höfen.

In der Vürbich gibt es den Birkengraben ,

den »Börke-Jraff«, der angelegt worden

ist zur Entwässerung beim Bau der Eisenbahn

1884/1885.

Neben der Flur Kühlert auf das Venn zu

war die Flur »a Jlääsesch « und kommt von

einem Carl Wilhelm Gläsener, der als

Spinnmeister in Grünenthal nach hier gekommen

war aus der Gegend von Essen .

Seine Enkelin Pauline Gläsener hat noch

1913 in Konzen ein Haus und etliche

Grundstücke verkaufen lassen, daher also

der Name »a Jlääsesch«.

»Et Ru-et-Venn = rotes Venn liegt beiderseits

der Landstraße unterhalb des Bahnhofes

= schlechtes, anmooriges Gelände

mit Binsen bestanden , noch heute wenig

fruchtbar; ein anderer Name ist wohl von

dem rötlichen Vennwasser geprägt. Der

»Röckschlaach « = Rück-Schlag? Gelände

links von der Landstraße auf Aderich zu

bis unterhalb der Scheedt. Der Name ist

nicht leicht zu deuten. Ist es der Rück­

Schlag in der Karre , wenn es bergab geht?

Verwachsene Buchen, als Unterlage der Hecken immer kurz gehalten = op err Scheeht, etwa 200

Jahre alt

Ist es der Umschwung des Wetters auf das

Venn zu? Eine sichere Deutung kann nicht

gegeben werden.

Der schon erwähnte Ortsteil »Aderich«

muß etwa mit dem Wort »Wasserreich «

übertragen werden und ist sicher verwandt

mit der Adel, dem Kellerabfluß, auch in der

Form Oderich im Rheinland seit alter Zeit

verbreitet. Bei uns müssen wir an das

feuchte Gelände denken im Aderich, aus

dem der Laufenbach entspringt bzw. sich

langsam entwickelt. Schon 1614 finden wir

den Claeß Jung auff aderich , um 1780

wohnt ein Rosenwick auf aderich, und ein

paar Jahre später ist erwähnt ein »graßhoff

(Hauswiese) auff adreeg .« Viel weiter zurück

aber kommen wir schon in der

Rentmstr. Rechng . des Jahres 1566/67,

als in Konzen schon der »Gerhard uff aderich

« in der Steuerliste erscheint.

Es ist aber bis in die Neuzeit ein kleiner

Ortsteil geblieben und verfügt in der Karte

des Ur-Katasters erst über zwei Häuser.

Auch bis zum letzten Krieg sind es nur ein

paar Häuser gewesen, und erst in den

allerletzten Jahrzehnten ist ein engbebauter

Ortsteil dort entstanden.

In der Nähe der Blumgasse beim noch

bekannten Haus Simons ist gewesen die

»Hött« = ein etwas abgeschlossenes Gelände

oder eine Ecke; dort haben früher

mehrere Häuser gestanden, die bis auf

das erwähnte Haus Simons untergegangen

sind. Mehr auf Simmerath zu haben

wir den »Honnesch-Sack« = den Honig­

Sack. Das ist ein Gelände mit vielen Honigblumen

oder viel wahrscheinlicher und

auch nicht ganz selten in der Form eines

Sackes, aus dem der weiche Honig herausgepreßt

wird , unten wesentlich breiter

als oben , wo er schmal zuläuft.

Links von der Blumgasse auf das Krangsvenn

zu finden wir die »Sevvesch-Kuhl «,

schon erwähnt als »in der seuerskaulen«

im Jahre 1627, dann in verschiedenen

Schreibweisen . Das Wort »seuers«, zu

sprechen als »severs«, ist nicht zu erklären

. Die Schmetzjes-Kuhl liegt dort in der

Nähe und stammt mit Sicherheit von der

Familie Schmitz-Jaaße.

Auch der »Bröck-Bu-er« liegt in der Richtung

auf das Krangsvenn und wird 1632

genannt als »am Bruckborn«. Aus dem

feuchten Gelände dort entspringt ein kleines

Wasser, das durch das Gebiet am

Deeve-Weyer verläuft und in den Krangsbach

mündet.

Das Krangsvenn, unterhalb des Gerichtes

bis zur Kali hin, leider um 1950 aufgeforstet,

war noch eines der wenigen echten

Venngebiete auf deutscher Seite mit reichem

Bestand an Lungen-Enzian, dem

einzigen Enzian bei uns, Beinheil oder der

Sumpflilie, dürfte früher auch einen reichen

Bestand an Wacholder gehabt haben,

wie auch sonst im Hohen Venn .

Leider ist das Holz des Wacholders sehr

gut geeignet, die saftigen Schinken und

Speckseiten der Schweine zu räuchern,

da es einen besonders aromatischen Ge-

77


schmack abgibt. Und genau das ist der

Tod der Wacholderbestände bei uns gewesen

im Hohen Venn. Nur am Bayhonbach

in der Nähe von Xhotfraix gibt es

noch einen größeren Bestand. Die Wacholderbeeren

sollen die bevorzugte

Mahlzeit der Kraniche sein , und sc kommt

das Wort krane-wite zu der Bedeutung =

Kranich schon im Mhd. Aus dem Kranewits-Venn

wird dann leicht das Kranichs

Venn, das Krans-Venn und unser Krangs­

Venn . Der »Krangs-Bu-er« wird dann auch

zum Kram-Bu-er mehr auf Simmerath zu.

In der Nähe der erwähnten »Hött« befindet

sich der »Fagge-wenkel «. Denselben

Flurnamen gibt es in Rott und früher in

Aachen in der Nähe der Pontstraße. Dort

sollen kleine Bündel Reisig zum Anmachen

des Herdfeuers verkauft worden

sein . Fagge sind bei uns = dünnes Reisig

vom franz. fagot in derselben Bedeutung.

Den »Schomechersches Hoff« = Schommesch-Hotf

= Hof eines Schuhmachers

finden wir als ein großes Flurstück an der

Blumgasse in der Nähe der Gastwirtschaft

Legros, schon 1628 so belegt. Ein zweiter

Schommesch-Hotf mit sechs Morgen befindet

sich jetzt bei der Gärtnerei Schmitz

und hat zum Lauterbach-Hof gehört, und

dieser Flurname dort muß erst nach 1808

entstanden sein .

Am Gericht auf Simmerath zu haben wir

die Flur »He-enche«, die mit dem Hahn

nichts zu tun hat, sondern mit dem eingefriedeten

Flurstück, dem »Hägche«.

Schon 1610 in den Akten als »auff'm vordersten

Hengen «, danach = »auf dem

hengen «, »auffm Hengen «, und dann

noch oft in ähnlicher Schreibweise erwähnt.

Die Grundstücke oberhalb des beginnenden

Kalltälchens haben den Namen »op

err Rönn « = auf der Rinne. Schon 1613 =

»auff der rynnen «, einige Jahre später =

»auff der Rinnen« und ähnlich noch mehrfach

genannt: z. B. 1756 = »auf der Rein

zu Contzen«.

Unweit davon haben wir die Flur Jeller (t)

geschrieben meistens als Geiler = 1630

= »auff geldern «, 1635, »autf Geiler«, für

das Wort ist keine Erklärung vorhanden.

Zwischen dem Gericht und dem Schweizer-Hof

liegt der Märje-Bu -er = der Born

einer Maria und ganz in der Nähe der

»Hääre-Bönd« = der Herren-Send ; dieser

hatte die Größe von sechs Morgen und

gehörte wirklich dem Schloßherren von

Monschau ; von den Einwohnern von Simmerath,

Eicherscheid, Huppenbroich und

Konzen mußte er bearbeitet werden . Das

Nähere bei dem Beitrag über die Fron­

Arbeit.

Der »Piefert«, der »Schabbert« und der

»Sabbert« sind auch dort in der Nähe, und

es ist für alle drei keine Erklärung vorhanden.

Der Schabbert hat in Höfen das Gegenstück

an dem »Schabbertshoff«. Der

Sabbert ist in den Akten erstmals um 1620

= »an dem Bobardt«, später meistens

dann auf dem »Sabbert«, vielleicht kann

man diesen Namen erklären mit dem

Stück, das »dr bovver« = oberhalb liegt,

aber auch das kann nur eine Vermutung

sein.

Etwa vom Schweizerhof fließt zum Beigenbach

der kleine Stickelbach , die

»Steckelbich «. Kurz vor der Mündung gibt

es den merkwürdigen Namen »auff der

mück« und »auf der Muck«. Dazu haben

wir in Konzen den Steuerzahler schon

1550/51 , den »Jan Muck«, mit einem Familiennamen,

den wir danach aber nicht

mehr hier finden .

Zwischen der Lutterbach und dem oberen

Beigenbach befindet sich die Flur »Stendrich

« mit dem zugehörigen Stendrechs­

Je-eßje, entweder hat diese Flur den Namen

als »Stein-Driesch«, wobei ein

Driesch ein wenig fruchtbares Stück Land

ist, das meistens nur gelegentlich benutzt

worden ist, oder es ist tatsächlich ein

»stein-reiches« Stück Land ; beide Möglichkeiten

können bei dieser Flur zutreffen.

Bei der Breitestraße gibt es den »Alt-Vahre-Hoff«,

und das ist die Wiese eines

Großvaters. Die Bezeichnungen für Großvater

und Großmutter, auch die für

Schwiegersohn und Schwiegertochter,

sind jüngeren Datums. Der Großvater war

früher der Bäästevahder, die Großmutter

die Bääste-Mohder oder der Alt-Vahr bzw.

Alt-Vadder und die Alt-Mohr bzw. Alt­

Modder. So ist noch im Jahre 1708 ein

Kind gestorben in dem »Altmutters Haus«.

Etwas oberhalb des Altvahrenhoffs haben

wir die Flur »Jißjes-Hardt«. In den Akten

schon 1615 = »an geißges Hardt«, dann

kurz danach = »auff der Geissenhardt«

und um 1740 = »ein Graßhoff die Geißgeßhardt

ahn der Hohe«. Das ist demnach

die heutige Jißjes-Hardt und muß ein größeres

Grundstück der Gemeinde gewesen

sein, das vor allem bestimmt war für

die Ziegen, die zusammen mit den Schafen

früher eine wesentlich größere Bedeutung

gehabt haben als heute.

An der Breitestraße, mehr auf die Blumgasse

zu, müssen früher auffallend mächtige

Bäume gestanden haben , weil es dort

heißt: »en de Boom«. Daher stammen

dann auch die amtlich eingetragenen Familiennamen

in den Steuerlisten = Huppertz-Baum

und Roder-Baum .

An der Blumgasse haben wir auch noch

eine »Wolefs-Kuhl «, und auch diese Bezeichnung

ist schon sehr alt, da wir schon

1577 einen »Simon in der wolffskaulen « in

der Steuerliste finden. Daß hier in der

Franzosenzeit noch richtige Wolfsjagden

abgehalten worden sind, ist belegt, und

mancher Mann hat sich damals gute Prämien

verdient, wenn er die Ohren oder die

Läufe von Wölfen beim Amt vorzeigen

konnte. Der ietzte Wo!f hier ist vor ca. 120

Jahren im Hohen Venn gesehen worden ,

ja, in Simmerath ist noch ein Mann namhaft

gemacht, der einen Wolf mit seinem

derben Knüppel in die Flucht geschlagen

hat. Auch die Ortsnamen Woffelsbach,

Wollseiffen und Wollgarten gehen auf die

Wölfe zurück. Ein Wolfsgarten war eine

Fanggrube, in der Wölfe gefangen und

getötet worden sind. Davon kommt dann

auch der verbreitete Familienname Wo llgarten

. Auch der Wollbüchel bei Widdau

kann nur ein alter Wolfs-Büchel gewesen

sein. In der Nähe der Blumgasse gibt es

die Flur = die Knaach oder besser =

»Knahr«? Denselben Flurnamen gibt es in

lmgenbroich. Es ist ein mageres Stück

Land , wo das Vieh nicht viel zu fressen,

sondern nur zu knabbern, zu knagen, zu

knaachen hat wie man auch einen Knochen

»abknaachen « kann?

Um das Jahr 1670 gibt es eine Weyde, die

»Slum « genannt »am Kranigsvehn«; da

sehen wir auch noch den alten Bestand

des Wortes Krangs-Venn.

Im Jahre 1670 hat die Ko ni ener Kirche

einen »Driesch am Weh rgraß«, und 1695

wird ein Haus am »Wehrgraß « als Kaution

für eine Hypothek eingesetzt; 1749 ist

noch ein Haus am Wehrgraß erwähnt.

Auch zwischen lmgenbroich und Menzerath

hat es eine Flur »Wehrgraß« gegeben

= H. Laumans S. 232. Nach H. Dittmaier

soll ein Wehrgraß im Rheinland nicht sehr

selten sein und wird als Nutzungsrecht am

Gemeindeland bezeichnet, der alten Allmende.

Hier ist davon nichts mehr bekannt.

Der regelmäßige Weg für die Viehherden

ins Venn war die »Dröft« vom Wort treiben

. Die Dröft von lmgenbroich ist der tief

ausgewaschene Weg am Stillbuschkreuz

vorbei , heute noch als »Dröft« bezeichnet.

Die »Dröft« von Eicherscheid ging am Gericht

vorbei ins Venn , einen Namen dafür

in Konzen haben wir nicht. Der Viehtrieb

hier soll über die Gegend am Bahnhof

geführt haben .

Zwischen dem Gasthaus Huppertz-Steinröx

unc;l der Hohestraße heißt es »a de

Treppcher«, obwohl weit und breit nichts

von einer Treppe zu sehen ist. Als aber

durch die Franzosen die Landstraße hier

1807 gebaut worden ist, mußte man sie

etwa 2-3 m tiefer legen als das Gelände.

Da nun ein viel gegangener Pfad diese

Straße kreuzte, hat man eine Treppe angelegt,

die später durch die Zufahrt zu

dem Sägewerk Huppertz überflüssig geworden

war. Nur der Name der Treppchen

ist erhalten geblieben, also wieder ein historisches

Dokument.

Ein »Städtchen « haben wir in der Häusergruppe

am Meilenstein, die für unsere

Verhältnisse auffallend dicht beeinander

stehen . Das ist dann wohl etwas im Scherz

ein »Städtchen« genannt worden; den

gleichen Namen haben die eng beieinanderstehenden

Häuser in Monschau unterhalb

des früheren Ursulinen-Klo-sters, der

jetzigen Kreissparkasse.

Zu den schon behandelten Flurnamen mit

Böschel gehört auch der sogenannte »Rüetches-Böschel«

zwischen der Sauna und

der Schmiede Fammels. Dort sollen die

Leute aus Roetgen, wenn sie zur Konzener

Kirche kamen, eine kleine Pause ge-

78


macht, sich etwas erfrischt und wohl auch

etwas gesäubert haben, ehe sie die letzten

Schritte zur Konzener Kirche taten.

Die Gegend zwischen der Beigenbach

und dem Gericht etwa hat den Namen

»Längkseff« mit der »Längkseff-Jaaß«.

Die erste Erwäh nu ng haben wir schon

1605 = »uf Lentzseyffen « und kurz danach

»auff Lentzsieff «, um 1620 = »uf

Lentzeff« und später noch »auff lentzsieff«

und »in der katzenbich« = die Flur Katzebich,

ein Sickerwässerchen, das in den

oberen Beigenbach mündet. Wenn wir

wissen , daß schon im Jahre 1550 ein Claes

Lentz in Konzen gewohnt hat, braucht

der Flurname Längseff und die Längseff­

Jaaß nicht weiter erklärt zu werden.

»Brenneck« ist vielleicht der interessanteste

Flurname in Konzen. Jeder Unbefangene

wird an das Wort »brennen« denken,

zumal es bekannt ist, daß in Höfen und

lmgenbroich Ziegelsteine gebrannt worden

sind. Und da in Brenneck gute Lehmerde

liegt, kann man leicht auf diesen Gedanken

kommen ; es ist aber nichts über

eine Ziegelbrennerei in Konzen bekannt

geworden, weder in den Steuerakten noch

später etwa in Zeitungen. Brenneck

kommt von dem Familiennamen Breidenich,

der hier schon auftaucht im Jahre

1505. Schon um 1604 wird ein Grundstück

genannt » = lanß = entlang Breidenich

«; danach wird erwähnt ein »Breidenichsfeldt«

in der Nähe der Kali , und »in

breidenich « heißt es im Jahre 1636. Der

Familienname Breidenich wird dann verkürzt

zu Breinich-Breinig, wie eine Anne

Maria Breinigs öfter erwähnt ist. So finden

wir dann »ein Orth gelegen in brünning « =

1743, einen Bend an »Breinigserben «, ein

»Ackerfeldt in Breynek« 1755 und ein Feld

in »Brinning« in demselben Jahr; dann ist

noch zu erwähnen ein »Erb in brinnich «

von ca. fünf Morgen um 1770; alles das

dürfte genügen, um unser jetziges Wort

Brenneck zu erklären, weil von brinning ,

brinnich und breyneck nur noch ein Schritt

ist bis zur jetzigen großen Flur Brenneck

am Sportplatz. Ja, wir können sogar die

Lage beweisen. Vor 1620 haben Claeß

und Peter Steinrotzen ein Grundstück gebeut

= getauscht »an der blommengassen«

zwischen des alten Donscher Hauß

und sie (die Steinrotzen) bekommen ein

Ort gelegen in breidenich, zwischen Johann

Lauterbach (in der Lutterbich) und

Thoniß Jungen Erb «; und dieser Thoniß

Jung hat damals gewohnt auf der Steeröksch,

wie aus anderen Akten hervorgeht.

Also liegt das breidenich zwischen

der Lutterbach und der Steeröksch, so wie

wir es heute kennen.

Zwischen dem Kaarweg, schon erwähnt

als »Kahrweg « im Jahre 1625, und den

Grundstücken des Hofes Lauterbach liegt

die große Flur »O-Weyer« schon erwähnt

als »auweyer« um 1610, auch als »owier«

und ist in Wirklichkeit der »alte Weyer«,

auch so noch eingetragen in der Tranchot­

Karte um 1810. Dort gibt es gute und

ertragreiche Grundstücke, von denen Joh.

Gerhard Müllenmeister 1808 drei Hektar

gekauft hat für 2169 frcs. , was damals sehr

viel Geld gewesen ist. Dieser alte Weiher

nun, dessen Damm auch nach dem Bau

des Westwalls noch in kleinen Stücken zu

sehen ist gleich oberhalb des Grundstükkes

mit dem Behälter für die Wasserleitung,

hat gedient der ersten Mühle im Belgenbachtal

mit der Erwähnung schon im

Jahre 1306. Sie war die Bann-Mühle = die

Zwangsmühle für die Dörfer lmgenbroich,

Konzen und Frohnrath bzw. das spätere

Eicherscheid und hat gelegen ganz im

oberen Tal des Beigenbaches, etwa da,

wo sich jetzt die Grillhütte befindet, so daß

noch das Wasser des kleinen Stickelbaches

gefaßt werden konnte. Um das Jahr

1560 ist diese Mühle weiter nach unten an

die heutige Stelle verlegt worden, wo das

Haus im Jahre 1704 erneuert worden ist.

In dieser Mühle haben die Leute aus Konzen

also mahlen lassen müssen bis zur

Franzosenzeit, als alle fürstlichen Privilegien

aufgehoben worden sind. Wo anders

hätten sie aber auch mahlen lassen können

bis zur Anlage der Mühle am Laufenbach

im Jahre 1832. Die gleichmäßig aufgeteilten

Grundstücke der Flur O-Weyer

sind später durch Schenkung an die Konzener

Kirche gekommen und immer wieder

verpachtet worden . (Alle Einzelheiten

über die Belgenbacher Mühle P. Neuß E.

H. V. 1942, 17. Jahrg., Ewald Fink= Mon .

Land 1981 , S. 116 ff., und H. Steinröx =

Mon. Land 1983: »Ergänzungen zur Geschichte

der Bann-Mühlen im Amte Monschau

«.)

An der anderen Seite des O-Weyer, oberhalb

der Landstraße, befindet sich der

trockene Kopf = dr Jönster, der Ginster.

Es ist ein verhältnismäßig großes Gebiet,

kommt aber in den Erb-Büchern nicht vor,

wie auch die Felder auf der Hardt. Sie

kommen deshalb nicht vor, weil sie zu den

alten Höfen mit dem festen Bestand gehören

, die weder verkauft, vererbt noch gebeut

- getauscht worden sind. So werden

die Grundstücke »omm Jönster« erstmals

erwähnt in der Bestandsaufnahme des

Hofes Lauterbach im Jahre 1717, wo 27

Morgen Ginsterfelder verzeichnet sind,

die dann 1808 in acht Teilen als Ginsterfelder

versteigert worden sind . Der Flurname

Jönster = Ginster kommt zweifellos von

dem harten und wenig fruchtbaren Boden,

der früher mit Sicherheit mit dem Ginster,

dem Eifelgold, bestanden gewesen ist.

Auch das mithin eine historische Urkunde.

Damit soll der Beitrag über unsere Flurnamen

sein Ende finden. Es muß aber betont

sein, daß längst nicht alle unsere Flurnamen

hier behandelt sind; einfache Namen,

die auch nur aus einer einzigen Wiese

bestehen wie »Welleme Bönd« , »Gerhards

Hoff« und viele ähnliche sind hier

zwar nicht festgestellt und erklärt, aber mit

großer Sorgfalt gesammelt und in ihrer

Lage im Gelände festgehalten. Sie sollen

in eine wirklich große Karte eingetragen

und für die Zwecke im Ort vervielfältigt

werden , so daß sie mit Sicherheit für die

Nachwelt erhalten bleiben.

Wenn unsere Flurnamen fast alle erst ab

dem Jahre 1550 oder zum größten Teil

erst kurz nach 1600 schriftlich festgehalten

sind, so ist das in den meisten Fällen

nur ein mehr zufälliger Eintrag in die Kaufu.

Verkaufsakten gewesen. Daß unsere

wichtigen Flurnamen viel älter sind, kann

man mit voller Sicherheit behaupten. Da in

Konzen 1550/51 mehr als 30 Steuerzahler

in der Rentmstr.-Rechng. eingetragen

sind , bedeutet das eine Bevölkerung von

über 150 Leuten, die nichts anderes sein

konnten als Bauern mit Viehherden. Dazu

hat dann auch urbares Land gehört, das

schon durch Flurnamen in seiner Lage

bestimmt sein mußte, wie ja auch durch

die Käufe des Chr. v. Rolshausen kurz vor

1550 zu ersehen ist. Es ist zwar viel Land

hier gerade in den letzten 100 Jahren stark

verbessert worden , bes. durch Dränage­

Genossenschaften in Ellenbroich und im

Naaße-Bönd, es ist auch noch manches

Grundstück neu gerodet und fruchtbar gemacht

worden, die Grundstruktur aber unserer

Feldflur ist vorhanden gewesen und

durch die Flurnamen-Forschung nachgewiesen

worden . Und gerade in heutiger

Zeit, wo so viele Grundstücke durch Kauf

oder Pacht zusammengelegt werden für

die Arbeit mit den modernen Maschinen,

besteht die Gefahr, daß viele der alten

Flurnamen untergehen, weil sie ganz ein~

fach nicht mehr gebraucht werden. Desto

mehr Anlaß besteht für uns dazu, die

wahrlich historischen Dokumente festzuhalten

und den kommenden Generationen

zu überliefern.

79


Land und Leute

Es ist wohl genugsam bekannt, daß wir

hier leben in der Eifel, dem Gebiet zwischen

dem Rhein, der Mosel, der luxemburgisch-belgischen

Grenze und dem

Nordabhang zur rheinischen Tiefebene

hin. Zur Zeit der Römer allerdings war das

alles zusammengefaßt unter dem Namen

»Arduenna silva« = Ardennerwald, da es

für diese Leute praktisch ja auch keinen

Unterschied gegeben hat in diesem riesigen

Waldgebiet. Die Eifel hat sich erst viel

später herausgebildet aus einem kleinen

Ursprungsgebiet, in dem niemand wohnen

wollte, und hat dann den heutigen Umfang

angenommen. Über das Wort »Eifel « und

seine Erklärung gibt es eine ganze Menge

gelehrter Abhandlungen, ohne daß auch

nur eine als die endgültige betrachtet werden

könnte.

Daß die Eifel ein Teil des rheinischen

Schiefergebirges ist, haben wir noch in der

guten alten Volksschule gelernt; die anderen

Teile sind der Hunsrück, der Taunus

und der Westerwald . Das Ganze aber ist

ein alter Gebirgsrumpf, der sich dann langsam

gehoben hat, so daß sich die Flüsse

tief haben eingraben müssen, wobei wir

nur an den Mittelrhein zwischen Koblenz

und Bingen und an die Mosel zu denken

brauchen.

In unserer Gegend ist dieser alte Gebirgsrumpf

so gleichmäßig abgetragen, daß wir

von einer Fast-Ebene reden können ; und

das wird bestätigt, wenn wir nur von unserer

Hue einen Blick in die Runde machen

und alle bekannten Dörfer auf fast der

gleichen Höhe erblicken von etwa 550

Meter.

Von der Erdgeschichte her, der Geologie,

gehört der genannte Gebirgsrumpf zu der

recht alten Schicht des Devons in verschiedenen

Stufen und besteht aus den

uns bekannten Grauwacken und Schiefergesteinen,

die überall hier anstehen. Zum

Teil hat man gute Dachschiefer daraus gewinnen

können unter der Burg in Monschau,

bei Dreistegen, in Küchelscheid,

zwischen Simmerath und Huppenbroich.

Gute Bruchsteine zum Bau von Häusern

sind aber stets eine gesuchte Ware gewesen

. Wenn wir uns das Alter einer solchen

geologischen Schicht vorstellen wollen , so

können wir nur staunen darüber, wenn wir

eine kleine Muschel mit breiten Rippen

sehen = crassicosta, die beim Bau der

Umgehungsstraße bei Monschau in zah l­

reichen Exemplaren gefunden worden ist

und vor etwa 400 Millionen Jahren dort

gelebt haben muß !

Dieses ganze Gebiet des röm ischen Ar-

dennenwaldes war sicher bewachsen mit

verschiedenen Laubbäumen wie Eichen,

Buchen, Birken, Erlen usw. und hat nur

sehr zögernd menschlichen Siedlungen

Platz machen müssen. Noch in dem Feldgeleit,

dem ursprünglichen Gebiet mit der

Zehnt- und Neuntpflicht für das Marienstift

in Aachen, sind erst die Siedlungen auf

den Hochflächen, aber nicht einmal Kalterherberg

und Höfen festgelegt. Und erst in

den letzten Jahren sind die Anfänge der

Orte Roetgen = 1485, Rott etwa in derselben

Zeit, Rohren und Widdau , Dedenborn

mit Rauchenauel und Seifenauel , dann

Pleushütte und Erkensruhr festgelegt worden

nach umfangreichen Forschungen in

den Archiven ; auch Schmidt, früher =

Dierescheidt, Kommerscheidt, Harscheidt

und Harperscheid liegen noch nicht in diesem

Feldgeleit und sind folgli ch jüngeren,

wenn auch nicht mehr ganz jungen Datums.

Aber, älter als diese Formation des Devons

ist das Kambrium des Hohen Venns,

das zu der ältesten Erdschicht in Deutschland

gehört und nur im Fichtelgebirge und

im Vogtland seine Entsprechung hat.

Wenn dessen obere Schichten auch stark

verwittert sind und in den Mulden zu der

bekannten Torfbildung geführt haben , so

sind doch etl iche Kuppen aus dem härtesten

Gestein mit Quarzit durchsetzt stehen

geblieben und si nd bekannt als unser

Stehling hier mit der Kaiser-Karls-Bettstatt,

dem Brachkopf, dem Pannensterz,

Im wallonischen Venn

dem Hahnheister und der Botrange, die

man deshalb auch als Härtlinge bezeichnet.

Die Trennungslinie zwischen Kambrium

und Devon kan n man sehr deutlich

erkennen am Laufenbach vom Welde­

Wiffjes-Loch an bis zum Troistorffer Weiher,

wo die schon schiefrigen Gesteine

des Devons ·fast steil aufragei;i. Innerhalb

des Devons sind bemerkenswert die Riche

lsley oberhalb von Reichenstein und

der Kirschenstein oberhalb der Rochusmühle,

die aus meist rund geschliffenen

Geröllsteinen durch das äußerst harte Bindemittel

des Quarzits zusammengebakken

sind .

Einer viel jüngeren Schicht aber, dem Tertiär,

gehören die Sande an, die in den

Sandkuhlen am Nordabhang des Stehlings

offen lagen , zusammen mit den großen

Steinblöcken , die in neuerer Zeit am

Reinartspfad aufgestellt sind.

Zu dem Alter der geologischen Formationen

kommen die überaus reichen Niederschläge,

bei der Botrange etwa zwischen

1 300 und 1 400 mm , während sie bei uns

schon etwas niedriger sind 1 100 - 1 200

mm jährlich . Dadurch sind dann die Hochmoore

entstanden, die nicht so heißen

wegen der Höhenlage, sondern weil sie

von unten her aus sich selbst ohne den

Halt im Grundwasser immer höher hinaufwachsen

im Gegensatz zu den Flachmooren

, die nur etwa einen seichten Weiher

langsam , aber sicher auffüllen und zum

Moor werden lassen.

80


Erstaunlich aber ist es festzustellen, wie

schnell und tief sich auch bei uns die

Bäche, die von dem wasserreichen Venn

herunterko mmen , in die fast ebene

Rumpffläch e haben eingraben können . Wir

denken an die Warche von der Ruine

Reinartsstein bis Mal medy, an den Bayhonbach

bei Xhoffraix bis in die Warche,

an die Rur mit dem sickernden Ursprung

im wallon ischen Venn bis unterhalb Reichenstein

und besonders in Monschau, an

die Schwalm = Perlenbach bei Dreistegen,

an die Hili mit der Quelle unweit

Baraque-Michel bei Ternell bis Eupen, an

die Weser von Rei nartshof bis zur Eupener

Talsperre, an die Jüertz = Getzbach vor

der Mündung in die Eupener Talsperre, an

die Kali mit dem Ursprung beim Bahnhof

Konzen von Simonskall bis Zerkall, an den

Tiefenbach von der Tiefenbachmühle bis

zur Ölmühle und bis zur Mündung in die

Rur bei Dedenborn, an den Laufenbach

von der Rochusmühle bis zum Roten Haus

in Monschau und an den Beigenbach von

der Straße lmgenbroich - Simmerath bis

zur Belgenbacher Mühle, und das sind

knapp zwei km in der Luftlinie.

Gerade durch diese tief eingeschnittenen

Täler ist unsere Landschaft so abwechslungsreich

geworden und ergibt den besonderen

Reiz für die vielen Fremden zusammen

mit dem noch recht jungen Bild

der zahlreichen Talsperren bes. an der Rur

bis kurz vor Heimbach. So ist vor allem für

die vielen Besucher aus den Niederlanden

unsere Gegend zu einer bestaunten

»Hochgebirgslandschaft« geworden für

die Leute au s der fast ganz ebenen Landschaft

der »Nieder«-Lande!

In diese so nu r ganz kurz beschriebene

Landschaft hier rings um das Hohe Venn,

die aber auch kaum völlig ohne jeden Bewohner

gewesen ist, wenn wir von den

paar Leuten der Steinzeit absehen , die

wohl nur gelegentlich sich hier aufgehalten

haben, sind dann die Römer unter Caesar

um das Jahr 50 vor Chr. eingedrungen

und haben es für die nächsten 500 Jahre

regiert. Sie sind es dann gewesen, die

nachweisbar etwa 40 Siedlungen im Monschauer

Land angelegt haben und auch

fahrbare Straßen, wie wir ja von Konzen ,

Mützenich und Kesternich gehört haben .

Ihre Siedlungen sind sicher noch kleine

Inseln gewesen mit Ausnahme von

Schmidt-Kommerscheidt, wo sie verstärkt

die Eisenerzlager ausgewertet haben .

Wie viele Einzelsiedlungen der Uferfranken

es vor dem karolingischen Königshof

Konzen hier schon gegeben hat, ist nicht

auszumachen ; auch weiß man nicht, wieviele

Leute aus der Römerzeit, die vielleicht

auch nur romanisierte Kelten gewesen

sind, nun mit den nachrückenden

Franken ein gemeinsames Leben geführt

haben.

Wenn wir aber- nun zu unserem Thema

des Menschen am Hohen Venn kommen ,

sollte man sich das Wort Goethes vor Augen

halten, daß nämlich »das vorzüglichste

Objekt unseres Betrachtens immer der

Mensch zu sein hat«.

Für den Menschen unserer engeren Heimat

hier kann verwiesen werden auf die

Beiträge :

»Mensch und Landschaft« = Heimatkalender

Monschau 1954, Seite 17-18;

Monschauer Land 1955 = »Der Mensch

am Hohen Venn «, Seite 426-459; Heimatkalender

Monschau 1966 = »Mensch und

Landschaft um das Hohe Venn , eine Landschaft

prägt den Menschen «, Seite 17-32.

Für Konzen speziell haben wir aber schon

eine wissenschaftliche Arbeit über die rassischen

Merkmale bei Dr. H. Rübel (s.

Literaturverzeichnis), wo er auf S. 28 feststellt,

daß Konzen und Kalterherberg »den

Rassentypus der vorfränkischen Zeit bis

zur Gegenwart in fast völliger Reinheit bewahrt

haben «; S. 82 heißt es dort, daß

»die hellen, blonden, blauäugigen Menschen

am zah lreichsten in Konzen zu finden

sind «, S. 83, daß »die Dörfer Konzen

und Kalterherberg als Hauptsitze der nordischen

und ostischen Rasse herangezogen

worden sind«, S. 98, daß »dem Bewohner

von Konzen jede eigentliche rassische

Ausprägung feh lt« und S. 99, daß

»der Konzener Typ ein ausgesprochenes

Mischprodukt darstellt ... innerhalb dieses

Rassengemisches «. Dieses ist das

Produkt einer »wissenschaftlichen « Arbeit

ganz im Sinn eines Adolf Hitler und Alfred

Rosenberg , die die gesamte Weltgeschichte

sehen nur unter dem Kampf der

Rassen , wobei der blonden nordischen

Bestie in jedem Fall die Vorherrschaft zuzuweisen

ist. Jedes weitere Wort darüber

dürfte sich erübrigen und gilt auch für andere

Ideologien, die die Weltgeschichte

nur sehen wollen unter einem einzigen

Begriff, was von vornherein nur ein Absurdum

sein kann.

Wir haben es jedenfalls hier mit den wesentlichen

Merkmalen der germanischen

Wollgras-Flocken im Hohen Venn

Franken zu tun, die aber auch nur einen

Sammelbegriff dargestellt haben aus etlichen

germanischen Stämmen innerhalb

dieses größeren Verbandes. Dieser große

Stammesverband der Franken hat die Kölner

Bucht bis zu uns besiedelt als die

Uferfranken, bei Eupen beginnen schon

die Niederfranken , bei Elsenborn die Moselfranken

, und die Rheinfranken haben

die Gebiete am Rhein und am Main besiedelt

bis zum Fichtelgebirge hin.

Was uns hier aber von den Leuten am

Rhein mit der typischen »Rheinischen­

Frohnatur« trennt, ist mit Sicherheit eben

unser Gebiet hier mit den ganz anderen

schärferen und härteren Lebensbedingungen,

wie sie aus der dargestellten Landschaft

heraus für jeden einzelnen Menschen

bestanden haben.

Im übrigen könnte man wahrscheinlich bei

langwierigen Untersuchungen der Mundart

im alten Gebiet um Monschau und im

sogenannten Kirchenspiel (Ki-esch-pel)

von Simmerath, Bickerath, Witzerath , Dierescheidt

(später Schmidt), Harscheidt,

Kommerscheidt und Harperscheid feststellen,

daß der nicht geringe Unterschied

auf eine zweite spätere Welle einer Einoder

Nachwanderung aus dem Kölner

Raum heraus zurückgeführt werden kann.

Neben der harten Arbeit um das magere

tägliche Brot hier, wie sie heute noch erkennbar

wird in den schweren Steinen

etwa, die man vorzüglich in Mützenich als

,>Venn-Wacken « aus dem Boden herausgeholt

und zu Steinmauern um die Flurstücke

aufgebaut hat wie in den Hochalpen

oder den Karstgebieten Jugoslawiens,

hat das Hohe Venn sicher einen

entscheidenden Einfluß auch auf den Charakter

aller Menschen in den Siedlungen

rings um die herausragende Moor/Heidelandschaft

ausgeübt, da sich ein großer

Teil des Lebens im Sommer dort abgespielt

hat. Und da gerade das Hohe Venn

81


Joseph Erkens, unser tüchtiger Chronist,

1892-1986

in seiner Grenzenlosigkeit zweifellos etwas

Schwermütiges, Niederdrückendes in

sich birgt, kann man sich aus all diesen

naturhaften Gegebenheiten im Verein mit

dem kärglichen Leben, das so ganz den

einfachsten Bedürfnissen gewidmet war,

unschwer vorstellen, daß hier am Venn nur

ein willensstarker, arbeitsamer, etwas

schwerblütiger, auf sich selbst gestellter,

zurückhaltender Menschenschlag sich

herausgebildet hat, wie ihn der alte Venn ­

Bauer, die alte Venn-Bäuerin auch heute

noch verkörpern. Dazu wollen wir noch die

Züge von Geradheit, Schlichtheit und gewissenhafter

Ehrlichkeit erwähnen, die mit

wahrer Gottesfurcht und dem großen

Gottvertrauen zu bekannt sind, als daß wir

darüber noch viele Worte machen müßten.

Wenn aber in der Literatur etwa seit der

Jahrhundertwende von den wilden Leidenschaften,

den Ausbrüchen eines heißen

Blutes der Menschen am Hohen Venn

so manches geschrieben worden ist, so

mag das recht hübsch zu lesen sein, hat

aber mit der Wirklichkeit nicht viel gemeinsam

.

Der Mensch hier hält seine Gefühle zurück,

läßt sie möglichst nicht nach außen

dringen, er liebt, er freut sich, er trauert

zwar wie andere Leute auch, aber er zeigt

es nur wenig nach außen. Ja, in seinem

sonst so reichen Wortschatz, mit dem er z.

B. die einzelnen Menschentypen in feinster

Weise zu charakterisieren weiß, fehlt

das Wort »Liebe« gänzlich. Das hindert

natürlich nicht, daß auch hier die Menschen

sich finden, daß geheiratet wird , daß

ein reicher Kindersegen zur Selbstverständlichkeit

zum mindesten gehört hat,

und vergleichsweise heute noch ist, aber

man macht um all diese Dinge nicht viel

»Jedöns« = Getue.

Peter Blumensath, Waldarbeiter

Auf derselben Grundlage der verdeckten

Gefühle lag auch das Verhältnis zwischen

Eltern und Kindern, zwischen denen es

keinerlei Zärtlichkeiten gegeben hat. Von

früh bis spät beherrschte die Arbeit in

Haus und Hof und Feld und Venn das

Leben des Mannes so gut wie das der

Frau und sehr früh auch schon der Kinder;

und nicht zufäl lig ist der ve rhaßte preußische

Schulzwang noch über Jahrzehnte

hinweg ein rege lrechtes Ärgern is gewesen

, das die Arbeitskraft der Kinder den

Familien entzogen hat.

Selbst dem Tod schaut der Mensch hier

ruhig ins Antlitz ; er bedeutet für ihn das

Ende eines harten Lebenskampfes, den

Eingang in eine bessere Welt, wie es

ihn seine religiöse Überzeugung in mehr

als tausendjährigem Christentum gelehrt

hat.

Wenn hier mehr von der herben zurückhaltenden

Art des Menschen gesprochen

worden ist, darf doch nicht vergessen werden,

daß trotz aller Kargheit und Armut in

der Lebensführung auch sein rhein isches

Temperament bei besonderen Gelegenheiten

immer wieder durchzubrechen

pflegt. Auch hier versteht man, die Feste

zu feiern, wie sie fallen , etwa Hochzeiten,

Kirmes oder Fastnacht, auch hier versteht

man zu scherzen und sogar recht witzig

und wortgewandt zu sein . Selbst bei der

Arbeit auf den Feldern, wenn mehrere

Leute beisammen sind, hat man es gern ,

wenn »gute Reden sie begleiten « und

wenn es recht laut . und lustig zugeht.

Wenn im Herbst auf einem Kartoffelfeld

der letzte Schlag mit dem »Kaasch « getan

war, wurde er in die Luft geworfen unter

lautem Juchzen darüber, daß nun die

schwere Arbeit auf dem Felde für dieses

Jahr zu Ende war.

Die »gute alte Zeit«

Über dieses bekannte Thema müßte es

einen großen Beitrag geben , wenn auch

nur wichtige Dinge bearbeitet werd en sollten.

Wir müssen uns ganz ku rz fassen in

knappen Stichworten, worin der karge Boden

hier, das rauhe Kli ma mit Niederschlägen

von 1100-1200 mm jährlich , die dünne

Ackerkrume genannt seien, worauf nur

mit vieler Mühe Hafer und ein wenig Korn

wachsen können ; dazu kommt das kleine

struppige Vieh , wovon vielfach berichtet

wird , daß die Kühe 3-4, höchstens aber

fünf Zentner wiegen. Daß die Leute hier

nu r ein seh r mühevolles, mit härtester Arbeit

angefülltes Leben haben verbringen

können, ist nach diesen Grundlagen nur

zu erklärlich. Ausfüh rl ich hat ~arüber berichtet

der Arzt Dr. Jonas, der um das Jahr

1800 lange Zeit in Monschau praktiziert

hat. Vor allem beschreibt er das unvorstellbare

Elend in den dortigen Häusern, wo in

einem einzigen Zim mer eine ganze Familie

hausen muß mit einer großen Anzahl

von Kindern und zum Teil noch einem

Webstuhl darin .

Dagegen waren die sehr bescheidenen

Häuser auf den Dörfern noch wahre Paläste,

in denen die Mensch en wenigstens

frische Luft und ein wenig Platz für die

Kinder haben konnten. Ganz schlimm ist

es auch gewesen in den Fabriken in Monschau

, wo der erste große Fabrikant Johann

Heinrich Scheibler im Jahre 1762 der

Regierung in Düsseldorf berichtet, daß

schon Kinder von fünf und sechs Jahren

sich von alle rl ei Fabrikarbeiten wohl zu

ernähren vermöchten.

Man sollte an solche Zustände denken,

wenn man die stolzen Burgen des Mittelalters,

die herrlichen Dome und auch viele

bewunderte Bürgerhäuser mit Staunen

betrachtet, welche mühevolle Arbeit des

einfachen Mannes, wieviel Schweiß und

Not erst diese bewunderten Werke der

Kunst möglich gemacht haben. Dasselbe

gilt aber auch für die saftig grünen Wiesen

rings um unsere Dörfer, von denen jeder

Quadratmeter durch Menschenhand mit

Mühe und Schweiß und Schwielen urbar

gemacht worden ist.

Im Jahre 1663 vermerkt der Forstmeister,

die Leute sollten sich Brot oder Brötchen

aus Hafermehl backen , da der Roggen nur

in geringem Maße vorhanden sei . Hafer

war überhaupt die wichtigste Frucht hier,

da er mit schlechtem Boden und wenig

Dünger zufrieden ist. Noch nicht lange vor

1900 bestand das Frühstück hier aus einer

Hafermehlsuppe, da Brot zu teuer war.

Daß die Kühe hier bei uns fast Zwerge

waren, wird auch bewiesen durch den

Wert, den die Butter früher gehabt hat und

erinnert an die Zeit nach dem letzten

Krieg, als ein Pfund Butter einen hohen

Wert darstellte, mit dem man andere Dinge

nicht bezahlen, aber wohl eintauschen

konnte, als das Wort »kompensieren« in

aller Munde war.

82


Und noch bis etwa 1900 war es so, daß

Familien mit einer größeren Kinderschar

nicht einmal das notwendigste Brot beim

Bäcker bezahl en konnten , sondern auf

Borg angewiesen waren. Wenn die Kinder

aus der Schule entlassen waren, mußten

sie sofort auf irgendeine Arbeit geschickt

werden und so lange jede Mark abliefern ,

bis die Schu lden beim Bäcker bezahlt waren.

Und vorh er hätte kein Kind mit Heiratsgedanken

zu den Eltern kommen

dürfen.

Der aus Ko nzen stammende Lehrer Jo- ·

hannes Huppertz stel lt in seiner Chronik

nach 1800 immer die erste Frage im Jahr:

»Was kostet das Brot?« Denn das Brot

bedeutet Leben, teures Brot heißt »hungern«!

Die erwähnte Butter war so wertvoll , daß

die beiden Reinartzhöfe im Hohen Venn

vor 1620 jed es Jahr etwa 50 Pfund Butter

abliefern mußten an den Amtmann , »zur

Zeit resid ierend in Witzerath «. Dasselbe

galt für die Höfe Ruitz und Bredtbaum

sowie für das Kloster Reichenstein. Jean

Pecourt, der den prachtvollen Hochaltar

für Konzen gesch nitzt hatte, bekam noch

50 Pfund Butter besonders für die gute

und zufriedenstellende Arbeit. Der Pfarrer

A. Merkelbach vermerkt in seinem Memorialbuch,

daß er 1721 »66 pont botter«

verkauft habe, und für 1728 waren es sogar

208 pont, die nach Monschau gegangen

sind.

In der Pfarre Konzen - auch natürlich anderswo

- hat es eine Armenkasse und den

dazugehörigen Armenmeister »magister

pauperum « gegeben, der für die Vertei ­

lung der dafür bestimmten Gelder verantwortlich

war. Aus dieser Kasse sind schon

mal die Mieten armer Leute, der Sarg aus

billigstem Pappelholz = Bebbele bezahlt

worden, haben Leute ein Paar Schuhe bekommen

; im Jahre 1795 waren es 20 Arme,

die mit 34 Thaler unterstützt worden

sind; in demselben Jahr hat eine Frau

einen Thaler aus der Kasse beansprucht,

daß sie sich ein neues Hemd kaufen könne.

Im Jahre 1834 sind im Besitz der Gemeinde

etwa 4 Morgen Armenland, woraus

den Schulkindern schon mal ein Paar

Schuhe oder Strümpfe zugedacht gewesen

sind. Im Jahre 1829 heißt es in der

Eupener Zeitung, man solle den jungen

Leuten, die eingezogen würden , wenigstens

ein Paar Schuhe besorgen, sie müßten

aber nicht gerade neu geliefert

werden.

Im Jahre 1784 ist in Monschau Hausdurchsuchung

abgehalten worden wegen

der teuren Spanischen Wolle, wobei ein

Mann erwischt worden ist, drei Tage an

der Schandsäule, dem »Kaks « gestanden

hat (davon in Aachen der Katschhof) und

ist dann für 1 O Jahre im Zuchthaus in

Kaiserswerth verschwunden, wo die Leute

am Tor mit 30 Stockhieben empfangen

worden sind, damit sie gleich wissen sollten

, wo es hier lang gehe. Dasselbe ist

noch 1818 dem Leonard X aus Konzen

widerfahren, der etwas »wullen Garn « abgezweigt

hatte ; er war verheiratet, mit

mehreren Kindern und gutem Leumund,

bescheinigt durch den Bürgermeister

Isaac aus lmgenbroich, und mit 5 Jahren

Zuchthaus bestraft. Das ist das ärgste

»Verbrechen « gewesen, das jemals in

Konzen vor Gericht gekommen ist.

Das Schlimmste aber war sicher die hohe

Sterblichkeit. Wie weit die Pest, der

schwarze Tod im Mittelalter bei uns hier

gewütet hat, ist nicht bekannt geworden.

Wohl wissen wir von einer pestartigen

Krankheit des Jahres 1580, von der Pest

in den Dörfern hier 1636 mit vielen leeren

Häusern noch 1640 in den Akten . Noch

vor dem letzten Krieg gab es das bekannte

Gebet: » Vor Pest, Hungersnot und Krieg ,

bewahre uns der Herr! « In den Konzener

Kirchenbüchern ab 1637 können wir immer

wieder lesen von der nicht mehr vorstellbaren

Zahl der toten Kinder. Noch vor

150 Jahren sind in Konzen von den Kindern

ein Viertel im ersten Lebensjahr auf

den Friedhof gekommen . Wir lesen von

zahlreichen Kindern , die an Dysenterie,

einer ruhrartigen Krankheit, an den Pokken

gestorben sind , z. B. im März-April

1738 allein zwölf! Die einzigen Drillinge im

Konzener Kirchenbuch hat der Mattheis

Völl aus Mützenich im Jahre 1704 bekommen,

der Pfarrer hat sie in Mützenich getauft,

die Namen sind eingetragen , sie sind

drei Tage später auf dem Friedhof versammelt

gewesen »una cum matre« = zusammen

mit der Mutter!

Auf einer Seite der Sterbeliste des Jahres

1759 sind 22 Tote eingetragen , davon waren

16 Kinder! (Über andere Krankheiten

aus dem Konzener Kirchenbuch = Monschauer

Land 1980, Seite 203.) Das

Durchschnittsalter in Deutschland hat vor

150 Jahren die beachtliche Zah l von 35

Jahren betragen , heute sind es für die

Männer 70 und für die Frauen 78 Jahre. Im

Krieg 1870/71 sind in Frankreich etwa

45 000 Soldaten tot geblieben, aber mehr

an Krankheiten wie Cholera als durch Verwundungen.

Im nächsten Jahr 1871 /72

sind etwa 125 000 Leute an den schwarzen

Pocken gestorben, bei uns viele in

Simmerath-Kesternich. Ein Mann aus

Konzen ist in Simmerath bei einer Beerdigung

gewesen und hat die Pocken mit

nach Konzen gebracht, wovon dann hier

vier Leute gestorben sind . In dem Haus

neben Erkens-Schreiber an der Landstraße

sind 1884 von Januar bis März fünf

Kinder einer Familie an Diphtherie gestorben

. Eine Volksseuche war die Tuberkulose,

an die heute kaum noch gedacht wird .

Im Jahre 1892 sind in Deutschland an

Tuberkulose gestorben 200 000, in Worten

= zweihunderttausend Leute, 1900

noch 160 000, 1918 noch 147 000 und

1939 41 000, heute sind es deutlich unter

2 000 im Jahr. Wieviel Frauen früher bei

der Geburt oder kurz nachher gestorben

sind, kann man auch im Ki rchenbuch

nachlesen. Ȇber das Absterben der

Wöchnerinnen « gibt es im HStAD die Akte

Landratsamt Monschau, Nr. 270, ein erschütterndes

Dokument!

Es erübrigt sich fast, noch von der Kinderarbeit

in unserer Jugend zu reden , wenn

man weiß, daß noch in einer Generation

vorher die Kinder, des Nachmittags auf

dem »övveschte-Söller«, dem Speicher

gesessen und Wolle gesponnen haben.

Welchem Kind sollte man es heute zumuten

, des Morgens mit der Viehherde aufs

Feld zu ziehen und dort bis zum späten

Nachmittag ganz allein auf die Tiere aufzupassen,

und das schon mit 8 oder 9 Jahren!

Welchem Kind sollte man es zumuten

, allein mit 10 oder 11 Jahren im Heu zu

arbeiten, oder einen ganzen Schuppen

Holz zu zersägen , zu spalten und ins Haus

zu schaffen? Welchem Kind sollte man es

zumuten, in dem bekannten ganz strengen

Winter 1929 ohne jede Unterwäsche

täglich nach Monschau zu gehen; das war

derselbe Winter, als junge Damen von hier

in Aachen den Karnevalszug angesehen

haben und mit schlimmen Erfrierungen der

Beine zurückgekommen sind, da sie nur

die dünnen Seidenstrümpfe anziehen

konnten. Eine Dame mit einer langen warmen

Hose wäre wohl der nicht unbekannten

Steinigung übergeben worden.

Daß es auch für eine große Familie nur ein

Wohnzimmer gegeben hat, braucht schon

kaum noch betont zu werden. Daß in solchen

Fami lien zwei Kinder sich ein Bett

haben teilen müssen, war auch eine

Selbstverständlichkeit! Man könnte beliebig

fortfahren, wenn der Platz nicht beschränkt

wäre ! Genug also! Wer heute

noch vor der »guten alten Zeit« zu reden

wagt, sollte sich ein wenig umsehen in der

gar nicht so »guten alten Zeit«!

Das Klima

Zu der Landschaft gehört auch das Klima,

von dem wir schon etwas über die hohen

Niederschläge berichtet haben. Es ist das

atlantische Klima mit den meistens feuchten

und kühlen Sommern, den schneereichen

und selten sehr kalten Wintern . Im

Gegensatz dazu steht das Festlandsklima

im Osten mit den trockenen und heißen

Sommern und den trostreichen Wintern.

Schon als Kinder haben wir von älteren

Leuten immer wieder gehört von den

schönen heißen Sommern und der Arbeit

dann im Hohen Venn und von den Wintern

mit unendlichen Schneemassen über die

Hecken und fast über die Häuser hinweg.

Es muß aber festgestellt werden, daß unser

Klima sich seit der Römerzeit etwa

nicht grundsätzlich geändert hat. Nur im

Spätmittelalter um 1400 etwa muß mal eine

wärmere Periode hier gewesen sein,

was man z.B. an Pflanzen feststellen kann ,

die damals wesentlich höher in die Berge

gegangen sind.

Für uns hier haben wir sichere Aufzeichnungen

in den Kirchenbüchern, da die

Pfarrer Fabritius und Merkelbach geie-

83


gentlich besondere Witterungsverhältnisse

aufgeschrieben haben. Danach ist der

Sommer 1692 sehr verregnet gewesen,

1695/96 haben wir eigentlich keinen Winter

gehabt, der dann wohl im April eingesetzt

hat; 1709 ist ein ungewöhnlich strenger

und harter Winter gewesen; 1714 hat

man zu Ostern schon grüne Zweige in der

Kirche gehabt und auch noch bis Ende

November frische Rosen ; 1718 hat große

Hitze und Trockenheit gebracht; 1719,

1721 und 1729 berichtet der Pfarrer Merkelbach

von erregender Helligkeit am

Himmel, 1721 mehrfach große Helle, breite

Strahlen , zum Teil blutrot, so daß großer

Schrecken entstanden ist; am 16. November

1729 ist es am Himmel hell gewesen

von einem feurigen Flammenball. Das alles

sind natürlich nur hier recht seltene

Erscheinungen von Nordlichtern gewes~n.

die auch nach dem letzten Krieg noch

zweimal hier beobachtet werden konnten.

Nach der Franzosenzeit haben wir dann

die fortlaufenden Chroniken von Monschau

und lmgenbroich, wo für jedes Jahr

die Witterungsverhältnisse eingetragen

sind. Besonders bekannt ist geblieben das

Jahr 1816, in dem es hier überhaupt keinen

Sommer gegeben hat und die nachfolgende

schlimme Hungersnot. Danach

aber sind einige so warme Sommer gekommen,

daß der Lehrer Joh. Huppertz

schreibt, wir hätten ein anderes Klima bekommen

1821 /22! Aber! Die Jahre danach

sind wieder mehr als nur feucht gewesen

. So geht das durch das ganze 19.

Jahrhundert mit viel mehr verregneten als

zu trockenen Sommern, mit Wintern mit

sehr viel Schnee, mit starkem Frost und

mit wenig Kälte, alles so, wie wir es auch

heute noch kennen.

Alte Leute erinnern sich noch an den extrem

trockenen Sommer 1921 , als wir hier

Schneemassen im Winter 1952

nicht einmal 600 mm Niederschlag hatten.

Aber! Der nächste Sommer 1922 brachte

dann über 1550 mm Regen , und die nächsten

Jahre waren auch noch ziemlich verregnet.

Wer aber weiß noch etwas davon?

Der Winter 1927 / 28 war fast überhaupt

kein Winter mit nur ganz wenig Schnee!

Wer erinnert sich noch daran? Aber! Der

Winter 1928/ 29 mit seiner extremen Kälte,

besonders an den Karnevalstagen mit den

erfrorenen Beinen der Konzener jungen

Damen nach dem Karnevalszug in Aachen

, wer hätte das vergessen können?

Viele denken auch noch an den 18. April

1936, als alles hier unter Massen von

Schnee versunken ist. Am übernächsten

Tag war der Weiße Sonntag, als man für

die Kommunionkinder und die lieben Engelchen

Schützengräben hat ausheben

müssen , damit sie überhaupt in die Kirche

kommen konnten. Auch den sehr strengen

Winter 1942 hat niemand vergessen,

als die deutschen Soldaten in Rußland lagen

und tausendfach mit schweren Erfrierungen

zurückgeschickt worden sind, als

bei Bingen Kolonnen von Menschen zu

Fuß über den Rhein spaziert sind. Der

letzte sehr schneereiche Winter ist hier im

Januar/ Februar 1953 gewesen, als zweimal

an den Wochenenden alles dicht war,

besonders oben im Hohen Venn . Der

Jahrhundertsommer war im Jahr 1947, als

es Sommer war von Anfang Mai bis zum

25. Oktober und man froh war, gelegentlich

mal eine schöne Wolke zu sehen.

Aber! Das Jahr 1948 hat den Sommer

vergessen gehabt. Wer denkt noch an eine

Reihe von ganz verregneten Sommern

Mitte der 50er Jahre? Alle Welt, auch Naturwissenschaftler,

Physiker usw., war davon

überzeugt, daß das die Folgen der

zahlreichen Atombomben seien , die damals

noch in der Atmosphäre gezündet

worden sind. Nach dem sehr guten Sommer

1959 war auch das alles vergessen.

Wenn im Sommer oder Herbst so kluge

Fachleute auftreten wie Bauern, Förster,

Pastoren und Professoren und genau den

nahen Winter mit seiner Witterung vorhersagen,

muß man doch mal fragen, wer von

ihnen den Jahrhundertwinter 1962/63 vorhergesagt

hatte, als wir hier Schnee hatten

von Mitte November bis weit in den April

hinein und Frost bis zu 20 Grad. 1974

hatten wir einen normalen Sommer, 1975

schon einen recht guten, 1976 den extrem

trockenen Sommer, als im Herbst die Talsperren

fast leer waren und man kein Auto

mehr waschen durfte. Danach konnte mit

voller Sicherheit die Prognose auf etliche

schl echte und verregnete So~er gestellt

werden und hat sich als völlig richtig erwiesen.

Der erste gute Sommer danach

war der des Jahres 1982.

Das also ist die einzig mög liche Vorhersage

auf längere Zeit, daß nämlich die Natur

extreme Trockenheit in den nächsten Jahren

ausgleicht, alle anderen Mittelchen für

langfristige Vorhersagen gehen fast immer

an der Wahrheit vorbei. Als vor fünf Jahren

ein bekannter Wetterprophet mit Prof. Titel

einen ganz strengen und schneereichen

Winter vorhersagte, ist er durch den mildesten

Winter seit Jahren belehrt worden

und hat dieses Geschäft eingestellt, wie es

auch andere bekannte Propheten inzwischen

getan haben.

Wir können mithin absch ließend feststellen

, daß unser Klima hier sich seit Jahrhunderten

nicht in größerem Maße geändert

hat mit seinen durchschnittlichen unauffälligen

Jahren und mit den seltenen

Extremwerten im Guten und im Schlechten

; diese Extremwerte aber sind es, die

von alten Leuten im Gedächtnis haften

geblieben sind und immer wieder den jüngeren

Leuten als ihre Dauererlebnisse

aufgetischt werden.

Ein solcher Extremwert ist z. 8. im Juni

1803 aufgetreten, als es im Quellgebiet

unseres friedlichen Laufenbaches einen

gewaltigen Wolkenbruch gegeben hat, so

daß in Monschau eine Frau ertrunken ist,

als sie ihre einzige Kuh aus dem Stall

unter dem Haus retten wollte und daß das

Haus oberhalb des Hauses Troistorff an

der Ecke von Fluten zur Hälfte weggespült

worden ist und die Leute sich mit Hilfe

einer Leiter in ein Nachbarhaus gerettet

haben.

Auch Erdbeben, die aber nicht die Form

von Katastrophen angenommen haben,

sind nicht ganz selten gewesen. Es gibt

darüber schon Mitteilungen aus den Jahren

1666, 1692, 1755 - 1767 ziemlich

zahlreich. (Wilh . Vogt: E. H.V. 1. Jhg. S. 44

und 3. Jhg. Seite 38), dazu ein paar Bemerkungen

in den Kirchenbüchern.) Um

das Jahr 1900 hat ein Dorfbürgermeister

mit schönem Rauschebart eine Meldung

an das Landratsamt gemacht über ein Erdbeben

mit folgendem Inhalt: »Ich lag mit

meiner Frau im Bett; es kam ein Stoß vom

84


Hofe her. Meine Frau stieß mich an und

sagte: ,Johannes, merkst Du nichts?, Ich

merkte es wohl, doch sagte ich nichts.

Weiter keine Wahrnehmung .«

Und noch im Sommer 1950 ist hier ein

Erdbeben gut zu spüren gewesen an den

rutschenden Tellern und Tassen in den

Schränken . In Aachen aber sind im Hauptzollamt

beim Bahnhof lange Risse in den

dicken Außenmauern festgestellt worden ,

so daß die Bewohner panikartig das Gebäude

verlassen haben.

Wer sich aber über die übertriebene Angst

der Leute bei Naturkatastrophen oder bei

den »erschröcklichen« Zeichen am Himmel,

die in Wirkli chkeit Nordlichter waren ,

erhaben glaubt, wer sich lustig machen

möchte etwa über die Prozessionen der

Geißelbrüder, die sich peitschend durch

die Städte gezogen sind im 13.-15. Jahrhundert,

als besonders im Jahre 1348 die

Beulenpest, der schwarze Tod, halb Europa

entvölkert hatte, der sollte die vielen

Berichte lesen über die Angst und den

Schrecken, ja über die Weltuntergangsstimmung,

als kurz vor dem 1. Weltkrieg

der harmlose Halleysche Komet sich in

unserer »aufgeklärten« Zeit unserer Erde

genähert hatte.

Alte Sitten und Bräuche

Über den Humor, den Witz und die

Schlagfertigkeit der Leute hier müßte ein

langes Kapitel geschrieben werden , das

aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen

würde. Viel Material dazu ist schon gesammelt

worden in den Heimatkalendern unter

dem Titel: »lachende Heimat«. Und es

steht zu hoffen , daß in gut absehbarer Zeit

ein hübsches kleines Buch auf den Tisch

gelegt werden kann mit dem Titel : »Humor

am Hohen Venn«.

Auch auf die Sprichwörter und sprichwörtlichen

Redensarten, die viel ererbte Weisheit

und Erfahrungen aus der Natur und

ihren Gegebenheiten, aus dem Umgang

mit den Haustieren und den Erfahrungen

aus dem familiären Leben enthalten, kann

hier nur hingewiesen werden. Über die

Dickköpfigkeit eines Esels heißt es z. B.:

»Merr kann ene ösel an et Wasser drive,

sutte moß hä ävver selever« = Man kann

einen Esel an das Wasser treiben, saufen

muß er aber selber. Oder zum Wetter: »Et

öß jenne Aprel esu jott, jeddere Zungsteck

kritt singe Hott« = Es ist kein April so gut,

Jeder Zaunpfahl bekommt seinen Hut (aus

S_chnee), und das trifft fast in jedem Jahr

~ier zu, daß nämlich im April nochmal richtiges

Winterwetter einsetzt. Oder aus dem

menschlichen Bereich : »Heu maache on

vreye joh, wierd döcker ömmesöß jedoh«

== Heu machen und auf die Freite gehen,

Wird vielfach umsonst getan!

Auch über Sitte und Brauchtum kann hier

nur in aller Kürze berichtet werden, wobei

besonders die Seiten des Brauchtums

erörtert werden sollen, die inzwischen der

Vergessenheit anheim gefallen sind .

Die Großmutter Schreiber-Hue-Hendrechs ca.

191 o, Mutter von acht strammen Soldaten

Die wichtigsten Punkte im Leben des

Menschen sind Geburt, Heirat und Tod.

Daß hier stets viele Kinder zur Welt gekommen

sind , ist an anderer Stelle betont;

aber noch vor 150 Jahren sind in Konzen

von den neugeborenen Kindern im ersten

Lebensjahr etwa ein Viertel auf dem Friedhof

gelandet. Erstaunlich aber ist, daß ohne

ärztliche Hilfe, ja ohne ausgebildete

Hebammen so viele Kinder in den Familien

zur Welt gekommen sind und ein normales

Alter erreicht haben. Dabei brauchen

wir nur zu denken an die Familie

Schreiber von dem Grabkreuz Nr. 11, wo

von 17 Kindern nur vier früh gestorben

sind.

Erst mit der Taufe, ganz früher möglichst

noch am ersten, spätestens aber bis nach

dem letzten Krieg am dritten Tag, wurde

das Kind zur Taufe gebracht, wobei auch

an die Wege von den entfernten Dörfern

nach Konzen gedacht werden muß. Dann

aber erst war das Kind wirklich in die Gemeinschaft

aufgenommen; bei auch nur

geringer Gefahr für das Kind waren die

Hebammen und später natürlich auch die

Ärzte verpflichtet, die Nottaufe zu spenden,

um es vor dem »Limbus«, dem Zwischenreich

zwischen Himmel und Hölle zu

bewahren. Selbst ein neugebackener

Großvater hat noch vor einigen Jahrzehnten

dem Sohn und der Schwiegertochter

erst zu dem Kind gratuliert, als es durch

die Taufe nun »vollbürtig« geworden war.

Jeder aus der Nachbarschaft war verpflichtet,

das »Kenkche kicke ze joh « =

das Kindchen ansehen zu gehen. Dabei

brachte man der jungen Mutter eine Kleinigkeit

mit zur Stärkung, wie etwas Würfelzucker,

etwas Bohnenkaffee und dgl. So

hat auch einmal ein unbeholfener und

wortkarger Junggeselle diesen ihm recht

peinlichen Gang tun müssen, hat dann im

Zimmer mit der noch zu Bett liegenden

Mutter und dem Kenkche in der Wiege

gestanden und nach langer Suche nach

einer passenden Unterhaltung endlich

herausgebracht: »Jo, Jo, wat se net alles

maache! « = Ja, ja, was sie nicht alles

machen. Besonders aber die Frauen aus

der Nachbarschaft haben sich um Mutter

und Kind kümmern müssen und sind dann

später zum Taufkaffee eingeladen worden.

Die Vornamen der Kinder haben sich weitgehend

nach dem Namen der Paten und

Patinnen = (Patt und Jott) gerichtet; auffallend

dabei ist die Familie Kesselkaul,

Forstmeisterverwalter in Konzen . Die Tante

Sophia Ferdinandina von Schaumburg

ist mehrfach Patin geworden und hat ihren

Namen an Jungen und Mädchen weitergegeben

als Ferdinand und Ferdinandina.

Sonst hat es wenig auffallende Namen

gegeben, da sie alle in der Tradition der

Heiligen aus dem Kirchenjahrbuch entnommen

worden sind.

Ein großes Ereignis war naturgemäß eine

Hochzeit, an der die Verwandten und die

Nachbarschaft beteiligt gewesen sind

auch schon bei der Vorbereitung. Einen

Polterabend im heutigen Sinne hat es vor

dem letzten Krieg nicht gegeben, wenn

man von einigen Neckereien absieht, die

am Abend vorher durch junge Nachbarsleute

getätigt worden sind . Der Weg zu der

neuen Wohnung ist stark verrammelt »zojemaacht«

= zugemacht worden, mußte

dann natürlich geöffnet werden auf Kosten

des jungen Paares ; dabei ist es früher

auch nicht nur zu Scheingefechten, sondern

zu regelrechten Kämpfen oder Schlägereien

gekommen mit entsprechenden

Verletzungen; das waren zweifellos Auswüchse,

wie sie leicht aus an sich harmlosen

Bräuchen entstehen können . Im übrigen

war es für ein Mädchen gar nicht so

einfach, in die Gemeinschaft der Jugend

aufgenommen zu werden, wenn es nicht

offiziell zu den Kirmes- u. Fastnachtsfeiern

und besonders den Tanzereien aufgefordert

= »jevroocht« war. Falls es nicht Geschwister

hatte, die ein solches Mädchen

mit zum Tanz genommen hatten, mußte es

als Mauerblümchen zu Hause sitzen und

auf andere Weise eine nähere Bekanntschaft

zu machen suchen. Viel öfter als

heute hat es im Dorf unverheiratete Mädchen

und auch Männer gegeben, die dann

in der Familie im Hause geblieben sind

und sich in der Landwirtschaft nützlich gemacht

haben.

Über die anerkannte Moral im Dorf hat die

Allgemeinheit gewacht und bei besonderen

Anlässen Gericht gehalten durch das

sogenannte »Deer-Jaache« = Tierjagen,

das in Süddeutschland bekannt ist unter

dem Namen »Haberfeld-Treiben«. Bei

vor- oder unehelichen Geburten, die im

Kirchenbuch seit 350 Jahren nachzuweisen

sind, bei mehr als üblichen Streitereien

in den Familien und dgl. hat sich die

junge Mannschaft abends versammelt um

das Haus der Übeltäter und mit allerlei

Instrumenten einen höllischen Lärm verursacht

und auch wohl das Sündenregister

85


Ein Hochzeitspaar vom Jahre 1887: Hubert Erkens und Frau Sophia, geb. Huppertz, Goldhochzeit

1937

lauthals vorgelesen. Der Ortsgendarm ist

an solchen Abenden immer - zufällig? -

auf einem auswärtigen Dienstgang gewesen,

da er sonst leicht wegen Hausfriedensbruches

hätte einschreiten müssen.

Daß es auch bei solchen Aktionen Übergriffe

gegeben hat, bezeugt eine Meldung

aus dem Jahre 1897, als es im November

in Mützenich ein »Tierjagen « gegeben hat

mit dem Zerbrechen sämtlicher Fenster im

Haus samt der Holzrahmen und einer starken

Zerstörung sogar des Daches. Das

war natürlich nicht der Sinn der Sache . In

Konzen hat es Mitte der 20er Jahre im

Städtchen das letzte »Deer-Jaache« gegeben,

in entfernteren Dörfern unseres

Gebietes aber noch vereinzelt nach dem

letzten Krieg. In einigen Jahrzehnten wird

man aber von dieser dorfeigenen Justiz

nur noch aus Büchern Kenntnis haben.

Über das Brauchtum beim Trauerfall gibt

es eine ausgezeichnete Arbeit von J. Erkens

im Mon . Land 1973, S. 163 ff. Gestorben

wurde ja grundsätzlich innerhalb

der Familie, wobei durch den Pfarrer die

Sterbesakramente gespendet, durch die

Angehörigen und auch wieder Leute aus

der Nachbarschaft die festgelegten Sterbegebete

in Gegenwart des Sterbenden

und z. T. mit ihm selbst zusammen gebetet

worden waren . Der Tote wu rde aufgebahrt

auf einem großen Tisch , einer langen

Bank oder auf Brettern, und darauf wurden

als Unterlage die zum Decke n der Strohdächer

bereitliegenden Bündel au s Roggenstroh

gelegt, darüber ein Bettu ch.

Der Tote lag dann »op em Schoof« = auf

den Schaub-Bündeln, und auch dieser

Ausdruck ist schon recht alt und weit verbreitet.

Sofort nach dem Tod wurde der

Spiegel verhängt, denn da der Tote so oft

hineingeschaut hatte, hätte ein Rest seiner

Seele vielleicht noch darin sein können .

Der Totenvogel bei uns ist die Elster!

Wenn sie im Falle einer gefährlichen

Krankheit öfters beim Haus zu sehen war,

wurde mit dem Tod gerechnet. Wenn der

Bauer, der Herr des· Hauses, gestorben

war, sagte der Nachfolger den Tod an,

auch dem Großvieh im Stall und den Bienen

im Schuppen. Und früher waren ein

paar Bienenstöcke viel häufiger am Haus

als heutzutage. Wenn eine Leiche im Dorf

über Sonntag »om Schoof« liegt, befürch~ • -

tete man , daß in der kommenden Woche

eine weitere Leiche oder sogar zwei im

Dorf liegen würden ; das wird jetzt zwar

nicht mehr so recht geglau bt, Ȋvver merr

hatt et net je-er« = aber man hat es nicht

gerne, wie man selbst heute noch von

alten Menschen hören kann, und man

nennt eine solche Leiche über Sonntag

einen »Nachzeh rer«. In der arm en Zeit

früher war es au ch so, daß das schöne

weiße Totenhemd au s teurem Lein en nicht

mit in den Sarg gegangen ist, sondern

zurückbehalten und später innerhalb der

Nachbarschaft an die nächste Leiche ausgeliehen

werden konnte. In den drei Nächten

nach dem Tod hielt man aus der Nachbarschaft

oder Ve rwandtschaft im Sterbehaus

die wirkliche Totenwach a_; es wurden

viele Gebete gesprochen, dabei gi ng dann

aber auch die Schnapsflasche durch die

Runde, es sollen au ch gelegentlich jüngere

Mädchen beteiligt gewesen sein , so daß

die Pfarrer vor etwa 100 Jahren diese echte

Totenwache abgeschafft und in die Kirche

als Gebetsgottesd ienst ve rlegt haben.

Während der Sterbezeit oder kurz danach

sind an sieben Kreuzen in der Dorfflur die

»Voß-Väll « = die Fu ßfälle von etlichen

größeren Mädchen au s der Nachbarschaft

gebetet worden ; das hei ßt, daß diese fußfällig

vor diesen Kreuzen für den Sterbenden

oder gerade Verstorbenen gebetet

haben . Der Tote durfte im Sarg nicht mit

dem Kopf zuerst aus dem Haus getragen

werden , wei l er dann mit dem Gesicht

zu rückgesehen hätte und viell eicht in das

Haus hätte zu rückkehren könn en . (Das ist

aber heute nicht meh r bekannt.) Nach der

Beerdigung kamen alle Verwandten im

Trauerhaus zusamm en zu m Leichenessen,

das abe r nu r aus Trockengebäck bestanden

hat und nicht etwa aus Reisfladen

oder sogar Buttercremekuchen. Nach dieser

Stärkung ist dan n nochmal lange Zeit

gebetet worden in ganz bestimmter Abfolge

von Gebeten, und dann erst war die

Trauer abgeschlossen, und es ist manchmal

bei den vielen Verwandten , die man

lange nicht gesehen hatte, zu einem lebhaften

Reden und etwas Trinken gekommen

.

Jedenfalls war früher alles, was mit dem

Tod zu sammenhing, auf das Genaueste

geregelt, und niemand durfte es wagen,

daran eine Kleinigkeit zu verändern . Ein

besonders schönes Beispiel dafür bietet

das Buch von Werner Geiger: »Totenbrau

ch im Odenwald«, 1960, in dem alle

diese festen Bräuche aus der früheren Zeit

mit größter Sorgfalt zusammengestellt

sind und auch für uns hier viele Erkenn!­

nisse um das Totenbrauchtum und seinen

Wandel in der Neuzeit gewähren.

Wenn bei einem Todesfall und seinen besonderen

Anforderungen so oft die Nachbarschaft

gefordert ist, wie auch heute

noch etwa bei den Trägern des Sarges auf

den oder dem Friedhof, so mag auch an

dieser Stelle auf die Bedeutung der Nachbarschaft

besonders hingewiesen werden.

86


Konzen war eingeteilt in die acht Nachbarschaften:

Kerchnobberschaft, Steeröksch,

Lutterbich, Huhe-Strooß, de Jaaße (in den

Gassen) , Höngeren -Dorep, öntepohl und

Aderich .

Jede Nachbarschaft bestand aus etwa 20

Häusern, so daß es eine gut überschaubare

Gemeinschaft wa r, in der jeder jeden

kannte und sich geborgen fühlen konnte.

Wer neu in ein Do rf zog, hat sich gleich

nach der Nachbarschaft erkundigt, die ihm

in schwierigen Dingen Hilfe angedeihen

lassen konnte und wohl auch mußte . Das

hat früher in besonderem Maße gegolten

beim Bau eines neuen Hauses durch

Fahrten um den notwendigen Lehm und

das Bauholz, vo r allem dann bei der »Hei-­

denarbeit« mit den Stecken und Fetzen

und dem Verarbeiten des Lehms in den

Fachwerkwänden . Und auch heute ist das

Sprichwort noch bekannt: »An ennem jodde

Nobber, hat merr vell Vermaach « = an

einem guten Nachbarn hat man viel Wohltun

(zu erwarten).

Es müßte noch ein langes Kapitel geschrieben

werden über die früheren Bräuche

bei Kirmes und Fastnacht mit den

Gelagen, dem »Jelooch«, d. h. den Vereinigungen

junger Männer (Jos. Erkens =

Heim.-Kal. 1961 , S. 40-47), die in den

einzelnen Gastwirtschaften für die Musik,

für die Kosten des Wirtes und das ganze

Ausrichten der Feier gemeinsam sorgten

und nachher mit dem Wirt abrechneten. Es

gab vor dem Jahre 1876 keinen wirklichen

Saal im Dorf, sondern nur normale Zimmer

von etwa 4-5 Metern, in denen genau in

der Reihe und fast im Gleichschritt getanzt

werden mußte, wenn es überhaupt für eine

größere Zahl von Paaren möglich sein

sollte. Deshalb der oft gehörte Ruf des

Kaprools = des Korporals = des Vorstehers

dieses Jeloochs: »Reyh haalde« =

Reihe halten! , d. h., daß jedes Tanzpaar

sich bewegen mußte in der Reihe des

gesamten Raumes. Es müßte berichtet

werden über die bei Kirmes fast notwendigen

Schlägereien besonders dann, wenn

ein junger Mann aus einem anderen Dorf

in den »Rosengarten « der heimischen

Jungfrauenschar einzudringen versuchte.

Auch das hat es um das Jahr 1930 zuletzt

gegeben. Es müßte berichtet werden über

das Neujahrsfest, wenn die jungen Männer

in der Neujahrsnacht mit alten Pistolen

geschossen haben, was natürlich verboten

war. Der arme Dorfpolizist ist dann

vom Öntepohl zur Lutterbich, von dort zur

Hardt und dann wieder in das Höngere­

Dorp gescheucht worden, ohne daß er

jemals einen dieser schlimmen Übeltäter

erwischt hätte. Auch sonst ist in der Neujahrsnacht

viel Schabernack getrieben

worden mit Wegführen der leichten Ochsenkarren,

Ausheben von Gartentoren, erheblichem

Platzwechsel der kleinen Häuser

freistehend auf dem Mistplatz und mit

Herzen in den Türen versehen, die der

Bauer unter Umständen hoch in einem

Baum wiederfinden konnte.

Wir müssen uns aber beschränken und

nur noch das frühere große Feuer am

Sonntag nach Fastnacht erwähnen, den

»Weerel «. Der »We-erel « ist der Wehr­

Han und das ist der Wehr-Hagen, wo die

Angreifer in dem abgegrenzten Hagen abgewehrt

werden mußten. Dieses einzige

Jahresfeuer hier mit den verschiedenen

Namen wie Burgsonntag , Funkensonntag

usw. , hat mit einer vermuteten Verbrennung

von Büchern gar nichts zu tun. Es ist

ein jahrhundertealtes Frühlingsfeuer, das

von Italien aus bis zu uns den Weg gefunden

hat und bis zum nördlichsten Punkt

bei Aachen vorgedrungen ist. Kinder und

junge Leute haben vorher Brennmaterial

Stroh = Strü-e im Dorf umziehend eingesammelt

und auf einen erhöhten Platz, bei°

uns auf der »Hue« geschafft, wo es am

Sonntag nach Fastnacht zuerst abgewehrt

und verteidigt, dann aber doch erobert und

angezündet werden mußte.

Beim Sammeln des Brennmaterials wurden

von den Jugendlichen sogenannte

Heische-Lieder = Bittlieder gesungen,

das in Konzen gelautet hat:

Merr heesche öm ene Weerel,

Merr send de bäste Keerels,

Merr heesche öm Sent Huppert,

Merr wellen et sälever bruche,

Merr heesche öm Sent Jan ,

Merr wellen et sälever hann,

Merr heesche öm Sent Kring ,

Merr wellen et sälever sinn!

In Kalterherberg enthält das Heischelied

regelrechte Beschwörungen wie »Muere

wi enne Kerchtuer, Röbbe wie e Bakkes!«

= es sollen Möhren wachsen wie ein Kirchenturm

und Rüben wie ein Backhaus; in

anderen Dörfern wurde um Speck und

Eier gebeten, die dann später zu einer

kräftigen Speise verarbeitet und gemeinsam

nach dem Feuer verzehrt werden

konnte. Aus dem in diese oder jene Richtung

ziehenden Rauch konnte man auf ein

gutes oder auch schlechteres Erntejahr

schließen. Im Montafon z. B. wurde als

reinigende Kraft eine Strohpuppe als Hexe

verbrannt, die sicher noch an die mehr als

zah lreichen Hexenverbrennungen bis Ende

des 18. Jahrhunderts erinnert haben

dürfte.

Wenn Ostern auf einen frühen Termin gefallen

war, mußte Fastnacht schon Mitte

Februar gefeiert werden, wo man bei uns

hier meistens mitten im Wintersteckengeblieben

war, so daß man sich schon wundern

muß, daß dieser Frühlingsbrauch

überhaupt bis zu uns hat vordringen

können .

Im Jahre 1925 oder 1926 ist dieser sehr

alte Brauch durch den Pfarrer Pontzen abgeschafft

worden , der wie die meisten

Leute damals weder Kenntnis noch Verständnis

fü r solches ererbte Brauchtum

gehabt hat und dafür das Martinsfeuer eingeführt

hat, das auch im Rheinland eine

lange Tradition hat. Aber, das eine hätte

das andere ja nicht auszuschließen brau -

chen. Noch nach dem letzten Krieg ist in

Kalterherberg das Wehr-Hahn-Feuer sogar

an zwei verschiedenen Stellen gestocht

worden, inzwischen aber. auch

schon seit Jahren der Vergessenheit anheimgefallen.

(Viele Einzelheiten hierzu im

E. H. V. Jhrg. 1953, S. 101 ff. und in der

Aachener Volkszeitung Februar 1964 in

mehreren Fortsetzungen.)

Wir müssen hier abschließen, obwohl zum

Thema Brauchtum eine große Abhandlung

geschrieben werden könnte und auch sollte.

Besonders sind die Veränderungen im

gesamten Brauchtum seit dem ersten

Weltkrieg nicht nur in den äußeren Dingen,

sondern auch im geistigen Verhalten der

Leute hier und natürlich auch in anderen

Ortschaften sehr aufmerksam zu verfolgen,

festzuhalten und in absehbarer Zeit

zu veröffentlichen , damit der Nachwelt wenigstens

die Änderung der dörflichen

Struktur bewußt bleibt. Und man kann mit

großer Sicherheit annehmen, daß sich auf

diesem Gebiet in den Jahrzehnten nach

dem ersten Weltkrieg mehr verändert hat

als in Jahrhunderten vorher.

(Bei diesen Arbeiten sei ausdrücklich hingewiesen

auf die »Eifeler Volkskunde «,

erweiterte Auflage nach dem letzten Krieg

von dem Kölner Professor Adam Wrede

und die zahlreichen Arbeiten über eine

Menge auch unserer Themen durch den

Bonner Professor Mathias Zender.)

Zu dem Thema »Land und Leute« gehören

auch einige Bemerkungen über das,

was wir unter Sagen, Märchen, Hexen und

Gespenstern verstehen.

Wenn irgendwo in der Nähe einer alten

Kirche oder eines Klosters ein etwas auffallender

Fels oder größerer Stein liegt,

kennt man die weit verbreitete Anschauung,

daß hier der Teufel seine Hand im

Spiele gehabt und damit die Kirche oder

das Kloster habe zerstören wollen. Wir

Der alte Wilhelm Huppertz, gest. 1968 im Alter

von 91 Jahren

87


kennen das von der Richelsley, die auf

dem Kloster Reichenstein landen sollte.

In Konzen ist es der kleine Felskopf, et

Biechelchesstennche oben am Rand der

Hu-e gewesen, womit der Teufel die so

verhaßte Kirche habe zerstören wollen,

aber zu weit geworfen habe. Dasselbe soll

mit einem größeren Stein im Krangsvenn

geschehen sein, an dem noch die Eindrücke

seiner Krallen zu sehen gewesen

seien.

Die Leute aus der früheren Zeit sollen sich

auch noch bekreuzigt haben, wenn sie

etwa bei Dunkelheit über Stillbusch oder

die Hardt hätten gehen müssen und über

ihnen der Sturm geheult und gejault habe ;

da haben sie wohl unterschwellig noch an

die Wilde-Jagd , an den germanischen

Wotan mit seinem wilden Heer gedacht

und sich mit hurtigen Beinen in das nächste

Haus geflüchtet.

Daß Karl der Große hier als mächtige Sagen-

und Heldenfigur gelebt hat, ist nur zu

verständlich; so hat er ja bekanntlich eine

Nacht oben auf dem Stehling auf dem

großen Quarzitblock schlafen müssen, wo

man heute noch diese »Kaiser-Karls­

Bettstatt« bewundern kann.

Als unser Dorf noch keinen Namen hatte,

haben die Leute einmal nach ihm Ausschau

gehalten, und als sich dann die kleine

Reitergruppe genähert hatte, habe einer

lauthals gerufen: »Do konnt se! « = da

kommen sie! Und davon habe das Dorf

dann den Namen »Konzen « bekommen.

(So sagt man!) Von dem früheren Glauben

an Hexen zeugt noch die größere Flur

Hexe-Tempel an der Kali zwischen Konzen,

Simmerath und Paustenbach . Dort

soll nämlich der Versammlungs- und

Tanzplatz der Hexen gewesen sein für die

umliegenden Dörfer. Das Wort »Tempel «

bedeutet aber nicht ein großes Bauwerk,

sondern ein größeres Gebiet, wie auch

etwa ein »Geißen-Tempel« der Weidebezirk

für die Geißen = Ziegen gewesen ist.

Erst wenn alle Hexen aus den Dörfern

beim Hexentempel versammelt waren, habe

der richtige »Hexensabbat« beginnen

können. Die Stelle dort ist aber nicht zufällig

zu ihrem Namen gekommen, da in alter

Zeit in dieser Flur sechs Wege von den

verschiedenen Dörfern her zusammengestoßen

waren . Ein einfacher Kreuzweg ist

schon ein gefährlicher Anziehungspunkt

für böse Geister. Wieviel mehr ein Spinnennetz

von sechs solcher Wege, dazu

noch in dem unwirtlichen Gelände dort (E.

H. V., 20. Jhg., Seite 31 = »Ein alter

Verkehrsknotenpunkt im Hohen Venn «.)

Früher ist erzählt worden, daß es besonders

viele Hexen in Mützenich gegeben

habe, und der Versammlungspunkt sei

oberhalb der Rochusmühle beim Ki-schesteen

= Kirschenstein - von den wilden

Kirschenbäumen dort - gewesen. Und

auch dort ist ja wieder ein auffallender

Punkt in dem einsamen Gelände.

Der frühere Küster Joh. Zimmermann, gestorben

im Jahre 1928, soll noch viel von

Hexen und Gespenstern erzählt haben,

aber ohne daß jemand etwas aufgeschrieben

oder mündlich überliefert hätte. Zur

allgemeinen Beruhigung kann aber gesagt

werden, daß im Land von Monschau keine

Hexe zu Tode gebracht worden ist, soweit

wir jedenfalls wissen .

Eine echte Sage aber in Konzen ist die

vom »Welde-Wiffjesloch«, von einem

schmalen Felsgang oberhalb des Laufenbaches

kurz unterhalb der Mündung der

Vür-bich . Darüber hat schon eine lange

Geschichte geschrieben der lmgenbroicher

Lehrer Karl Wirtz im E. H. V., 6. Jhrg.,

S. 171 ff. Dort wird berichtet von diesem

bösartigen Weib, einer echten » Hack­

Fey«, die das ganze Dorf in Unheil, Zank

und Streit gestürzt habe, endlich aber

durch die Dorfjustiz verhaftet und in dieses

Felsenloch eingesperrt worden sei . Erst

nach langer Zeit habe man eine Reue und

Besserung erkennen können und ihr die

Freiheit zurückgegeben. Aber immer noch

»vermeint man zur Geisterstunde das Klagen

und Wimmern des weide Wiffches « zu

hören. Das Thema ist dann öfters aufgegriffen

worden, wie im Heimatkalender

1972, S. 150 ff ., wo man hören kann von

dem Gang in der Höhle viele, viele Meter

tief, von den eingehauenen Nischen usw.

Dann kommt die Geschichte von dem

Dorfgericht usw ., wie es ähnlich schon von

K. Wirtz beschrieben worden war. Aber wir

haben schon viel früher einen literarischen

Niederschlag dieser Sage von dem lmgenbroicher

Pfarrer Julius Lefils dort lange

Jahre tätig bis zum Jahre 1891 . Pfarrer

Lefils hatte eine poetische Ader und hat

uns das folgende Gedicht hinterlassen:

In der Näh ' des Dorfes Conzen,

jäh sich senket das Gestein,

Eine Grotte dort sich findet,

unergründlich soll sie sein.

Ein Gefängnis war die Höhle,

einst vor alter langer Zeit.

War für den bestimmt zum Kerker,

der nicht ließ von Zank und Streit.

Wenn drum wiederholte Mahnung

hat gefruchtet nicht,

Den verstockten Sünder brachte man

vor das hohe Dorfgericht.

Und wer schuldig ward befunden,

daß den Frieden er nicht schätzt,

ward der Urteilsspruch verkündet:

»In das Loch wird er gesetzt!«

Da nun lebte eine Frau , ach,

es war ein großes Leid!

War mit Mund und war mit Füßen ,

mit den Händen kampfbereit.

Selbst den _Mann schlug sie mit Stecken,

wenn die Sage richt i_g ist;

wollte nicht ihr Leben bessern,

wie's doch soll ein jeder Christ.

Eridlich strafen sie die Richter,

ob das Weib auch keift und plärrt,

zu der Buße, daß sie werde,

Stunden in das Loch gesperrt.

Nicht das Urteil man verzögert,

gleich es wurde Ernst gemacht;

unter vielem Lärm und Sch reie n

ward sie an den Ort gebracht.

Der Geschichte zum Gedenken,

heißt die Höhle heute noch

jedem Zän ker auch zur Warnung

» Welde-wiffjes-Loch « !

Damit kann die dichterische Gestaltung

unserer Sage, die durchaus we rt ist, auch

noch unseren En keln mit Gruseln erzählt

zu werden, beendet sein . Ko mmen wir

aber nun zur Wirklichkeit:

Dieser langgezogene Felsspalt dürfte entstanden

sein durch das Abrutschen der

oberen Schieferdecke von einer etwas

glatten Unterlage. Zum Laufenbach hin ist

eine kleine Öffnung entstanden, die vielleicht

von spielenden Kindern so erweitert

worden ist, daß ein recht schmaler

Mensch mühsam hineinkriechen kann, wie

es der Verfasser um 1930 als recht junger

»Jüngling « getan hat. Nach dem Hineinkriechen

biegt der Spalt sofort scharfwinklig

ab auf Mützenich zu und war schon

damals dann so schmal , daß man nur drei

bis vier Meter hineinkommen konnte.

Auch nach dem Krieg um 1947 ist die

Höhle nochmal untersucht worden mit einer

Taschenlampe ; si e war noch genauso

wie um 1930, und es war nicht eine Spur

menschlicher Tätigkeit darin zu entdekken

. Damit ist alles hinfällig, was von einer

Länge von 20 bis 30 Metern und was von

Nischen, von Menschenhand geschaffen,

zu lesen ist. Au ch ist es völlig ausgeschlossen,

daß wir es mit einem unterirdischen

Verbindungs- und Fluchtgang zum

Hardthof zu tun hätten, wie man auch verbreitet

hören kann.

Aber! Es ist allgemein bekannt das Wort:

Von nichts kommt nichts! Dieser Felseingang

mit dem langgezogenen Spalt ist natürlich

hier etwas ganz Seltenes. Der

Mensch will und muß sich darauf einen

Reim machen. Da wird dann die Phantasie

in Bewegung versetzt, bis irgendeine irgendwie

plausible Geschichte gefunden

ist, womit ein derartiges Rätsel einigermaßen

begreiflich geworden ist.

Mit dem Welde-Wiffje hat es aber mit Sicherheit

nichts zu tun, da es unmöglich

war, dort eine Art von Gefängnis einzuri

chten.

Es hat sich im Anfang viel eher um wilde

»Wi-etcher« = um Zwerge gehandelt, die

man sich in dieser schmalen Höhl~ vorgestellt

hat. Aus den Wi-etchern , wir reden

heute noch von einem »arme-Wi-et«,

wenn wir einen bedauernswerten Menschen

meinen, aus dem »Welde-Wi-etche«

ist dann in der Sprache leicht ein

»Welde-Wiffje« geworden mit all den Folgerungen

unserer Sage.

Daß im Bereich der römischen Siedlungen

viel von Zwergen die Rede ist, geht auf die

etwa 40 bis 50 cm hohen Unterfußbodenheizungen

zurück, in denen man die Behausungen

solcher Lebewesen vermutet

88


hat. In der weiteren Umgebung werden

auch mehrfach solche Wichter in ähnlichen

Höhlen und Klüften vermutet. Und

wer denkt nicht noch gerne an die Schulzeit

zurück mit dem Gedicht: »Wie war in

Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen

so bequem!« ... Eine derartige Unterfußbodenhe

izungs- (Hypokausten) Villa

der Römerzeit ist im Juli 1913 im Buhlert

entdeckt und teilweise ausgegraben worden,

und ist bis heute die einzige dieser

Art im Gebiet von Monschau geblieben.

(Zwei Beiträge vom Juli 1913 im Monschauer

Stadt- und Landboten .)

Mit der vorgelegten rationalen Erklärung

soll - wie gesagt - nichts von der Freude

an unserer heimischen Sagenwelt genommen

werden, die im mer noch so recht paßt

in unsere so aufgeklärte Welt.

Die Landwi rtschaft

Auch dieses Kapitel kann nur in der gebotenen

Kürze behandelt werden.

Die Leute aus der Steinzeit, die hier im

Monschauer Land ein paar Steinbeile verloren

haben , in Hammer wohl auch im

Sommer kürzere Zeit sich aufgehalten haben,

waren darauf angewiesen, sich von

Jagd und Fischfang zu ernähren. Anders

war das aber schon in Gebieten von Jülich

etwa, die durch Kli ma und Boden in großem

Maße bevorzugt waren; dort auch hat

man in den letzten Jahren ganze Dörfer

der Steinzeit aufdecken können.

Auch über die Kelten als Bauern hier ist

nichts bekannt geworden.

Anders hat es ausgesehen in der Römerzeit,

aus der wir im Gebiet des Monschauer

Landes etwa 40 Fundstellen haben, wo

also auch Leute ihre Wohnungen errichtet

und als Bauern ihr Leben verbracht haben.

In Mützenich, Konzen und Kesternich sind

es Straßenposten gewesen, von denen

wir nicht wissen, ob sie dabei auch Landwirtschaft

betrieben haben . Einen sicheren

Bauernhof hat man aber 1958 feststellen

und ausgraben können in Eicherscheid im

sogenannten »Bongert«.

Das Haus hat die Länge von gut 26 m

gehabt, wovon ein Raum von 4 mal 6 m mit

einer dicken Brandschicht als Wohnzimmer

gedient haben muß. Das andere sind

Stallungen und Scheunen gewesen, wohl

aus Holz/Lehmfachwerk, wie der Archäologe

Dr. Küppers bescheinigt hat mit der

Zeitstellung im dritten Jahrhundert nach

Chr. (E. H. V. 36. Jahrg ., Seite 126.) Diese

Leute in Eicherscheid sind mit Sicherheit

Bauern gewesen und haben nicht etwa

von Eisenerzen und ihrer Verarbeitung gelebt,

wie man von den häufigen Fundstellen

im Raum von Schmidt-Kommerscheid

annehmen kann. Wie der landwirtschaftliche

Betrieb in Eicherscheid ausgesehen

hat, kann leider nicht gesagt werden , da

keine genaueren Funde darüber gemacht

Worden sind. Eine große Lücke in unserer

Geschichte hier haben wir von der Römerzeit

ab etwa 50 vor Chr. - 450 nach Chr.

bis zu unserem Königshof zur Zeit Karls

des Großen. Das wäre in der modernen

Zeit von etwa der Reformation bis in unsere

Gegenwart.

Unser Gebiet ist natürlich nicht menschenleer

gewesen, nachdem die Uferfranken

oder Ribuarier von der Kölner Gegend

aus hier seßhaft geworden sind und

auch von den Römern noch die Ortsnamen

Mützenich, Konzen und Kesternich

haben übernehmen können. Wie stark

aber die Besiedlung gewesen ist, wieviel

Land sie urbar gemacht haben, wie es mit

ihrer Landwirtschaft ausgesehen hat, ist

nicht festzustellen gewesen. Da aber eine

Reihe der Königshöfe auf römischer

Grundlage errichtet worden ist, müssen

wir noch Spuren davon voraussetzen, weil

solche Dinge nicht zufällig sein können .

Auch unser Königshof Konzen ist angelegt

worden, um einen verwaltungsmäßigen ,

landwirtschaftlichen, religiösen Mittelpunkt

zu haben für die weitere Entwicklung dieses

Raumes; zudem waren die Königshöfe

ja gedacht für den Unterhalt der Hofhaltung,

wenn sie in Aachen längere Zeit

bestanden hat. Unser Konzener Hof hat

mithin nicht allein im ganzen Gebiet gelegen

, sondern die schon vorhandenen Leute

zusammengefaßt, neue Höfe gründen

lassen , die Landwirtschaft gefördert, damit

die Lieferungen an den Hof in Aachen

möglich geworden sind . So kommt es

auch, daß Konzen und Düren als die wichtigsten

dieser Königshöfe in den ersten

Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts beim

Aufenthalt des Kaisers in Aachen zwei

Servitien-Einheiten zu stellen hatten , während

die anderen Höfe nur eine dieser

Einheiten zu stellen brauchten. Und eine

solche Dienstleistungseinheit hat bestanden

aus: 40 Schweinen, 7 Ferkeln, 50

Hühnern, 5 Kühen, 500 Eiern, 10 Gänsen,

5 Pfund Pfeffer, 90 Pfund Käse, 10 Pfund

Wachs und 4 großen Fudern Wein. Der

Pfeffer und der Wein sind natürlich nicht

hier gewachsen, sondern haben in Geld

bezahlt.werden müssen. Merkwürdig, daß

keine Schafe dabei genannt worden sind .

Leider wissen wir auch nichts über das

Gewicht der Schweine oder die Größe der

Kühe. Merkwürdig auch, daß keine Butter

erwähnt ist, die doch ein ganz wertvolles

Nahrungsmittel gewesen ist.

Nach anderen Berechnungen können wir

nicht lange nach dem Jahr 1100 mit einer

Bevölkerungszahl von etwa 400 Leuten

hier im Konzener Raum rechnen und sehen

, daß diese Servitien eine recht beachtliche

Leistung der Landwirtschaft hier

gewesen sind, wie sie aus dem Überschuß

abzuliefern waren.

Auch in den nächsten Jahrhunderten hören

wir kaum etwas Genaueres über die

Landwirtschaft hier, müssen aber annehmen,

daß auch die gestiegene Zahl der

Einwohner sich fast ausschließlich von der

Landwirtschaft ernährt hat, wenn wir von

ganz wenigen Leuten absehen , die vielleicht

als Handwerker in der Nähe der

Burg oder des Klosters Reichenstein von

ihrer Hände Arbeit haben leben können.

Wir wüßten auch gerne etwas mehr von

der Größe der Haustiere, besonders der

Kühe und damit verbunden auch der Ochsen,

der Pferde, die sicher auch noch keine

belgischen Kaltblüter gewesen sind .

Die Bauern damals müssen Handwerkszeug

und Fuhrwerke gehabt haben, tim

z. B. im Jahre 1596 Bauholz an die Burg

fahren zu können. Oftmals sind nach 1600

Leute bestraft worden, weil sie heimlich

aus den Wäldern einige Stücke gutes Holz

für eine Speiche oder eine Nabe haben

mitgehen ließen. Wenn wir uns die Leute

vorstellen wollen in den bescheidenen

Fachwerkhäusern, mit ihren einfachen

Pflügen etwa und mit ihren mageren Erträgen

in der Vieh- und Ackerwirtschaft, dürfte

sich dieses Bild nicht allzusehr unterscheiden

von den Leuten um das Jahr

1800, als die Franzosen zunächst auch

versucht haben, möglichst viel Heu und

Hafer zu requirieren.

Besonders für unser Konzen müssen wir

bedenken, daß die landwirtschaftliche Fläche

noch sehr eingeschränkt war durch

die alten Höfe Hardt mit ihren 121 Morg·en,

mit dem Hof Lauterbach mit 120 Morgen,

mit dem Hof Stillbusch mit etwa 60 Morgen

und dem Strubershof mit auch wohl

60 Morgen, die den Leuten hier erst ab

1808, 181 1 und 1814 verfügbar gewesen

sind, so daß die Wälder und Vennflächen

unverzichtbar gewesen sind für die Ernährung

des Viehbestandes.

Auf das Große und Ganze gesehen, dürfte

sich in den Jahrhunderten nach der Karolinger

Zeit bis vor gut 100 Jahren in der

Substanz der Landwirtschaft - von kleineren

Verbesserungen abgesehen - nur wenig

verändert haben.

Bevor wir zum letzten Kapitel, der ersten

landwirtschaftlichen Revolution kommen

vor ca. 100 Jahren, ein paar Bemerkungen

zu dem »furchtbaren« Frondienst, wie die

Kinder in der Schule zu lernen pflegen.

Das mag stimmen für die Provinzen im

Osten Deutschlands, keineswegs aber bei

uns. Die Leute, die innerhalb des karolingischen

Königshofes gewohnt haben, sind

sicher auch zu Arbeiten darin verpflichtet

gewesen.

Aus der Zeit nach 1500 kennen wir die

Abgaben genau aus den Rentmeister- und

den Forstmeister-Rechnungen. Für Konzen

haben wir über viele Jahrzehnte den

immer gleichen Eintrag in der Rentmeister-Rechnung

wie folgt: »Den Herrenbend

Fronrath am Gericht enthaltend 6

Morgen sind verpflichtet zu mähen die aus

Kesternich und Eicherscheid, und die aus

Hammer sind schuldig den obersten Teil

zu rechen und trocken zu machen; und

dann gibt man ihnen die Mahlzeit.« (Die

nach anderen Quellen bestanden hat aus

Brot, Käse und Bier.)

»Die aus Konzen, die hinter der Straßen

(nicht festzustellen) mit denen aus Roetgen

und Rott haben den anderen Teil trok-

89


Mauern aus Feldsteinen um die Felder in Mützenich

ken zu machen.« Der Ertrag dieses Bendes

hat in 14 Wagen Heu bestanden, von

denen der Forstmeister und der Rentmeister

je vier Wagen bekommen haben, der

Schultheiß und der Gerichtsschreiber je

zwei und die »Botten« von Simmerath und

Monschau je einen Wagen. Das war alles

für die Leute aus Konzen . Andere Dörfer

haben z. 8. im Frühjahr auf den Reinartzhöfen

die Multheufel (die Maulwurfshügel)

spreiten müssen, die aus Mützenich und

Lauscheidt haben einen Herrenbend im

kleinen Laufenbach mähen und trocken

machen müssen. Dann hat man schon mal

eine Fuhre für das Schloß zu machen gehabt.

Und das war der ganze »schlimme«

Frondienst in unserer Gegend. Dazu sind

natürlich gekommen die jährlichen kleinen

Abgaben an den Forst- und den Rentmeister

an Steuern bzw. für die Entnahme von

Holz aus den Wäldern.

Bei anderer Gelegenheit sind die Bewohner

mit Fuhrwerken gebeten worden, für

die beiden Brücken in Monschau, die im

Jahre 1642 »wegen des unerhörten großen

gewaltigen Wassers zerstört waren «

(in heutiger Schreibweise) Holz, Kalk und

Steine heranzufahren, wofür sie aber auch

meistens wenigstens eine Mahlzeit erhalten

haben. Auch die Eschbachstraße (geschrieben

mehrmals = Erschbach) samt

etlichen Häusern und Brauhäusern ist damals

»verdorben und verflossen « gewesen.

Aus Konzen haben damals Hausteine

aus Eupen geholt und an die Rommel­

Brück (muß die Brücke an der Apotheke

Ziel gewesen sein) gefahren Theis Lauterbach,

Lucas Lauterbach, Theis Kaufmanns

Sohn Peter, Johann Beuel und Peter

Schreiber. (Akte Stadtarchiv Monschau, 1.

Abteilung .)

Anders war es in den Jahren 1590 - 1600,

als an der Burg viel gebaut worden ist und

der Rentmeister in jedem dieser Jahre 6-8

Seiten von Namen eingetragen hat, die

dort gearbeitet haben aus unserem gan-

zen Monschauer Land . Aber! Diese Leute

sind alle bezahlt worden , so daß der Rentmeister

die Ausgaben hat eintragen müssen.

Das ist also eine ganz normale Lohnarbeit

gewesen.

Die Frondienste sind dann natürlich durch

die Franzosen 1794 abgeschafft worden ,

was aber sicher zu keiner Erleichterung für

die Leute hier geführt hat, da sie sofort mit

ganz drückenden Req isitions-Scheinen

angetreten sind für Hafer, Heu, Fuhren

usw.

Eine Menge von Einzelheiten über die allgemeinen

Rechte und Pflichten im Land

von Monschau, dem »Monschauer Landrecht«,

sind enthalten in einem großen

Aktenstück im Stadtarchiv Monschau, veröffentlich

durch den Prof. Braun im E. H. V.

6. Jhrg. in mehreren Abschnitten vom Jahre

1516; dazu kommt das Weistum des

Amtes Monschau vom Jahre 1549 im

HStAD, Jül. Berg , II , Nr. 4877, Blatt 61 -

78, worin über die Schöffen, über die allgemeinen

drei Versammlungen, das

Thing, die Pflichten der Bürger in Monschau

selbst, die freien Güter usw. in allen

Einzelheiten die notwendigen Angaben erstellt

sind, ohne daß hier lange Ausführun ­

gen gemacht werden kö nnen . Wir hören

aber in dem Landrecht z. B. , daß bei der

allgemeinen »kirchwieonck« = Kirchweihfest

= Kirmes am St. Johannstag drei Tage

vorher und drei Tage nachher frei sein

soll; das heißt, daß man eine ganze Woche

Kirmes zu feiern pflegte. Wenn man noch

die vielen sonstigen Feiertage im Verl auf

des Kirchenjahres hinzurechnet, kommt

man auf 30 - 40 Feiertage im Jahr, was

genau unseren heutigen Urlaubstagen zu

entsprechen scheint Sicher sind die Leute

damals viel ärmer gewesen als heute,

haben aber nicht in einer so bedrängten

Lage leben müssen , wie man das so einfach

anzusehen gewohnt ist.

Wenn wir nun zu unserer jüngeren Vergangenheit

kommen, so haben wir eine

höchst wichtige Quelle in der Chronik der

Bürgermeisterei lmgenbroich, die beginnt

mit dem Jahre 1814, also nach Abzug der

Franzosen , und der beginnenden preußischen

Zeit. Für unsere Leute hier war ja

schon wichtig, daß die Ländereien der Höfe

Hardt, Lauterbach und Stillbusch mit

300 Morgen urbarem Land an die einzelnen

Bauern gekommen waren. Im Jahre

1862 hat die Gemeinde Ko nzen dann 47

Morgen Land verkauft für 1- 700 Thaler;

dann sind 1864 37 Morgen Vennflächen

(wohl bei Aderich) urbar gemacht worden,

wofür 150 Thaler Prämien bezahlt werden

konnten. 1875 hat es schon Beihilfen gegeben

für Drainagen , bessere Dungstätten

und Jauchebehälter; in demselben Jahr

1875 hat die Gemeinde wieder 44 Morgen

Land verkauft für 584,- Mark. In den Jahren

um 1880 sind die landwirtschaftlichen

Casinos gegründet word en , die sich besonders

um die Hebung der Landwirtschaft

verdient gemacht haben: Verbesserung

der Viehrassen, der Saatfrüchte, der

Arbeitsmethoden ; man hat Vorträge halten

lassen , hat Ausstellungen der jährlichen

Produkte mit Prämien veranstaltet und

dann sich für die Verbreitu ng des neuen

Kunstdüngers in hohem Maße eingesetzt.

Der erste fremde Dün ger allerdings ist der

Düngekalk gewesen, den man schon um

1830 von Friesenrath her mit den Ochsenkarren

mühsam herangeschafft hat. Und

das ist schon ein höchst wichtiger Vorgang

gewesen, da uns hier nichts mehr fehlt als

Kal k, der wieder einer der wichtigsten

Nährstoffe für die Pflanzen ist. Nur dem

praktisch völ lig kalkfreien Wasser, das von

dem gewaltigen Schwamm des Hohen

Venns herunterfließt, verdankt die Monschauer

und Eupener Tuchindustrie ihre

Blüte, wie auch die Dürener Papierindu·

strie. Wegen des Mangels an Kalk finden

wir hier so häufig den Krebs an den Rinden

der Obstbäume, gegen die eine starke

Kalkdüngung das beste Heilmittel darstellt.

Der entscheidende Durchbruch war dann

die Möglichkeit, den in der Luft in unbe-

'1' .cJ ,r•.

. ......,_ .;,;

_ ....... ~ :.

Der kräftige Ochse auf dem Acker

--:. ·:'_:'~,....

~ :.~~ -- ..: ~:

4 '.:i • •

90


schränktem Maße vorhandenen Stickstoff

zu entnehmen und als billigen Dünger auf

den Markt zu bringen zu sammen mit den

verschiedenen Verbindungen in der Form

des Ammon iaks, Superphosphats und der

hier sehr bekannten Thomasschlacke. Natürlich

haben die alten Leute von dem

neumodischen »Dreck« nichts halten wollen

und konnten erst überzeugt werden ,

als die »ungehorsamen « Söhne heimlich

mal ein Stück eines Haferfeldes etwa tüchtig

mit dem »Dreck« versorgt hatten und

dann den unvorstellbaren Erfolg vor Augen

führen konnte n. Das war dann der

Durchbruch und hat für die Feldfrüchte

aber auch für die Heuwiesen einen gewaltigen

Fortschritt gebracht. Von einem mageren

Benden mit dem wenigen auch

noch sauren Binsengewächs konnten danach

4--5 tüchtige Karren besten Heues

heimgefahren werden, so daß dadurch

auch die Milchproduktion neben den Feldfrüchten

den größten Vorteil gehabt hat.

Dazu sind in Konzen schon 1863 Viehversicherungen

abgeschlossen worden, ab

1888 sind Entwässerungsgenossenschaften

in Konzen gegrü ndet worden im »Naaße-Bönd

« und in Ellenbruch, wodurch die

feuchten Benden in gute Wiesen verwandelt

werden kon nten.

Am 23. September 1893 hat die neugegründete

Mol kereigenossenschaft ihren

Betrieb eröffnet und zur vollen Zufriedenheit

der Genossen gearbeitet. Auch das

wieder ein gewaltiger Fortschritt! Die

Hausfrau ist weitgehend entlastet worden ,

und es ist jeden Monat bares Geld ins

Haus gekommen.

Eine ganz wichtige Rolle hat die landwirtschaftliche

Winterschule in lmgenbroich

für die allgemeine Bildung und speziell für

die neuen Erkenntnisse in der Landwirtschaft

gespielt für die jungen Bauernsöhne,

die dort im Winter freiwillig die Schulbank

gedrückt haben. Im Jahre 1883 ist

diese Schule von Bütgenbach nach lmgenbroich

verlegt worden und hat 1933

feierlich auf das 50jährige Bestehen zurückblicken

können. Erst durch den Mangel

an Schülern infolge der ganz anderen

Verhältnisse in der Landwirtschaft hat sie

1966 ihre Tätigkeit einstellen müssen. (Alle

Einzelheiten darüber im Heimatkalender

Monschau 1972, Seite 73 = J. Erkens.)

Wie wichtig noch der Hafer hier gewesen

ist, geht hervor aus dem Bericht des Bürgermeisters

vom Jahre 1902, als diese

»Hauptkörnerfrucht« durch die ungünstige

Witterung fast keinen Ertrag gebracht hatte,

und es waren in der Bürgermeisterei

lrngenbroich ca. 300 Hektar damit bestellt

gewesen .

Auch der Obstanbau ist stark gefördert

worden durch die Ausbildung besonderer

Baumwärter in jeder Gemeinde und die

Anlage von Obstbaum-Schulen, wo für

hier spätblühende Sorten gezogen und an

die Bauern abgegeben werden konnten .

Auf diesem Gebiet haben die Volksschullehrer

sich besondere Verdienste erwor-

Beladener Erntewagen

ben, wie z. B. der Lehrer Bongard in Eicherscheid

und Nix in Höfen.

Entscheidend für die Ernährung ist vor

dem Jahre 1800 der Anbau der Kartoffeln

geworden; und dabei ist dann die Frage

aufgetaucht, ob diese neue Frucht auch

unter die Abgabepflicht des Zehnten falle,

da bei den Bestimmungen darüber in den

Jahrhunderten vorher nie etwas erwähnt

war. Zunächst haben die Leute hier die

Kartoffeln nur mal im Garten angepflanzt,

bald aber den hohen Wert erkannt und als

Feldfrucht in die Erde getan. In dem berüchtigten

Hungerjahr 1816 hat man im

November unter dem Schnee hervor die

kleinen halbfaulen Kartoffeln ausgebuddelt

und verzehrt. Im 19. Jahrhundert hat es

manche Mißernten dabei gegeben durch

die gefürchtete Krautfäule bei zu feuchter

Witterung. Aber auch hier haben die landwirtschaftlichen

Casinos gute Arbeit geleistet

durch Verbesserung des Anbaus und

durch neues und besseres Saatgut. So

haben die Kartoffeln einen Hauptanteil an

der Nahrung gehabt mit Ausnahme des

Winters 1917, der als »Steckrübenwinter«

in die Geschichte eingegangen ist. Vielfach

ist es dann so gewesen, daß des

Morgens schon eine Pfanne Bratkartoffeln

auf den Tisch gekommen ist, Mittags auf

jeden Fall Kartoffeln und des Abends entweder

noch Reste vom Mittag oder eine

große Schüssel Pellkartoffeln für die ganze

Familie. Von einer Familie wird noch

recht glaubhaft erzählt, daß des Abends

über dem Tisch mit der großen Schüssel

Pellkartoffeln an einem Bindfaden ein

nackter saurer Hering herabgehangen habe,

an dem jeder seine Pellkartoffel habe

entlangziehen können . Zum Schluß sei

dann dieser arme Hering in sechs Teile

geteilt worden für jedes Mitglied der Familie.

Daß im Herbst für eine Familie mit

sechs Mitgliedern etwa 12- 15 Zentner

Kartoffeln in den Keller gekommen sind,

war der Durchschnitt.

An Gemüse ist in den Gärten hier gezogen

worden das wetterfeste Bohnen- und Erbsensortiment,

Blumenkohl, Grünkohl, Salat

natürlich, Rübstiel, Mangold, Rosenkohl

, dazu die Beerensträucher von Stachel-

und Johannisbeeren. Weißkohl und

Rotkohl hat man nur in kleinem Umfang

angebaut, da man nach der Eisenbahn im

Jahre 1885 diese Sorten aus anderen Gegenden

zu sehr niedrigen Preisen hat einführen

können. Im Herbst kamen die Güterwagen

mit Weißkohl, dem bekannten

»Kappes «, und es begann in den Häusern

ein fleißiges Schaben mit der »Schaaf«,

die man bei bestimmten Leuten ausleihen

konnte.

Daß in einer großen Familie etliche Zentner

Kappes in das große Faß im Keller, die

»Kappesstang « kamen, war eine Selbstverständlichkeit.

Wenn im Herbst das wenige

Gemüse im Garten verbraucht war,

gab es in einzelnen Familien von Montag

bis Samstag jeden Tag zu Mittag Kappes

mit Kartoffeln untereinander gekocht mit

einem Stück Speck darin, am Sonntag

dann als Festschmaus Kappes und weiße

Bohnen allein gekocht mit Kartoffeln allein

gekocht und ein Stück Speck dazu ; montags

fing man dann mit dem gewohnten

Kappes mit Kartoffeln durcheinander und

Speck dazu wieder an, und das hat gedauert

bis Mitte Sommer, wenn wieder etwas

frisches Gemüse im Garten gewachsen

war. Und damit sind diese Leute über 80,

ja über 90 Jahre alt geworden.

Nach dem Jahre 1900 hat man mit noch

recht bescheidenen Maschinen angefangen,

die größeren Grasflächen für das Heu

zu mähen . Aber auch das war anfangs

noch alles andere als ideal, bis dann aber

bessere Maschinen auf den Markt gekommen

sind, die allerdings noch mit Pferd

oder Ochsen gezogen werden mußten.

Aber auch das war nur etwas für die größeren

Bauern . Bis zum letzten Krieg und

darüber hinaus ist von den kleinen Bauern

91


im Nebenberuf noch jeder Grashalm, jeder

Halm vom Hafer oder Roggen mit der Sense

gemäht und nur mit Handarbeit bis in

die Scheune bearbeitet worden. Jede Kartoffel

ist mit der Hand gepflanzt, mit einem

schmalen Pflug, handgezogen, angehäufelt

= jehü-escht, mit dem zweizinkigen

Karst, dem »Kaasch «, aus der Erde geholt

worden . Jede Karre Mist ist daheim sauber

aufgeladen, aufs Feld gefahren und mit der

Mistgabel, dem »Jreef«, gespreitet worden,

was eine harte Knochenarbeit gewesen

ist. Und der wohlgesetzte, sauber geschichtete

Misthaufen vor der Tür oder

hinter dem Haus war der Stolz des tüchtigen

Bauern!

Wer aber sieht heute noch den Mann mit

der Sense auf der Schulter? Wer kann sich

vorstellen, daß zwei oder drei Mäher hintereinander,

»im Jematt«, ein größeres

Feld abmähen, wobei schon 15- oder 16-

jährige Jünglinge ihren Mann zu stehen

hatten? Wer kennt noch die größeren Kinder,

die zusammen etwa mit der Mutter

hinter dem Mäher die Garben binden und

für die Männchen aus vier oder sechs

Garben zusammenstellen? Wer hat noch

ein blühendes Roggenfeld gesehen, dessen

Halme im Sommerwind sich in so

schönen gleichmäßigen Wellen bewegen?

Welches Kind hat noch eine Glucke mit

den frisch geschlüpften Küken gesehen,

wie sie von der Glucke gelockt und zu den

guten Futterplätzen geführt werden? Man

muß demnächst in Ausstellungen gehen,

um das zu betrachten, was vor 50 Jahren

in den Dörfern noch eine Selbstverständlichkeit

gewesen ist.

Trotz aller Verbesserungen und Fortschritte

aber war jeder Quadratmeter Grasfläche

von großem Wert. Nicht umsonst sind im

oberen Aderich noch größere Flächen urbar

gemacht worden; zwischen den Kriegen

ist in der Vürbich von privater Hand

noch mancher Morgen Land entwässert

und zu ertragreichen Wiesen umgestaltet

worden. In der mageren Zeit zwischen

Die Roggenernte

dem Abweiden der Hauswiesen und dem

Nachwuchs auf den Heuwiesen sind von

der Gemeinde die Straßen- und Wegeränder

etwa im Hohen-Weg, in Ellenbroich

und der Blumgasse zum Abweiden verpachtet

worden . Ein zweiter Grasschnitt

für den Grummet war nur gelegentlich in

kleinen Parzellen bekannt.

Die Kinder sind ihrer Hütepflicht nachgekommen

auch noch im Herbst, wenn es ab

15. Oktober »überall« ging und sich auf

Stillbusch, hinter der »Hohe« oder auf

dem »Ginster« 8-10 Kinder zusammengetan

haben ; an einem großen Feuer aus

abgestorbenem Holz aus den Hecken haben

sie viel Spaß miteinander gehabt.

Manchmal war es dann aber schon so kalt,

daß man dem Feuer die Vorder- und die

Rückseite abwechselnd hat zuwenden

müssen , um nicht vor Kälte zu schlottern .

Das Hüten draußen hat in guten Jahren

gedauert bis Ende November, gelegentlich

sogar bis Anfang Dezember.

Damals war eine gesunde und gut genährte

Herde von 6-8 Kühen die Grundlage für

den gesicherten Lebensunterhalt einer

bäuerlichen Familie, was heute nur noch

für eine Nebenerwerbsstelle ausreicht.

Über die zweite landwirtschaftliche Revolution

wird an späterer Stelle berichtet, so

daß diese Abhandlung in ihrer sehr knappen

Art ihr Ende finden mag .

»Schätze«

aus dem Hohen Venn

Daß der ursprüngliche Mensch eine Landschaft

nur danach beurteilt, was er aus ihr

für seine Lebensbedürfnisse entnehmen

kann, braucht hier nicht weiter erörtert zu

werden. Begeisterte Wanderungen durch

das Hohe Venn , wie sie heute besonders

an den Wochenenden schon fast zu einer

Plage geworden sind , waren vor 50 Jahren

kaum vorstellbar.

Die Eifel war früher noch so verrufen, daß

eine Versetzung dorthin für einen Beamten

gleichgestellt wurde mit der Verbannung

nach Sibirien in Rußland. Nachdem

aber dann auch die Eifel vor gut 100 Jahren

in ihrer Schönheit entdeckt war, hat

das Hohe Venn noch den Ehrentitel »Sibirien

Deutschlands« behalten. Und doch

hat der Mensch seit der erkennbaren Geschichte

zu einem großen Teil von und aus

dem Hohen Venn gelebt.

Der wichtigste Rohstoff, den er entnehmen

konnte, ist das Holz gewesen, das er

für den Hausbau mit Fachwerk, für die

Fuhrwerke und die bescheidenen Möbel

benötigt hat. Und alles das hat er entnommen

den Wäldern, die vorzüglich für die

Dörfer am Venn verfügbar waren mit dem

Namen »Feuerbrandswaldungen«, die wie

alle Wälder seit der karolingi9chen Zeit im

Eigentu m des Staates verblieben sind bis

zu ihrer Aufteilung an die einzelnen Gemeinden

durch die preußische Regierung

nach 1820.

Der ursprüngliche Bestand der Wälder hier

war gemischt aus Eichen, Buchen , Birken

und weniger zahlreichen anderen Laubbäumen

, aber auch mit Eiben, Wacholder

und Holzdorn. Sie unterstanden dem

Forstmeister mit den Gehilfen = 20 Förster

aus dem Bereich Konzen/Monschau

und einem Förster aus dem Hofe Blens­

Hetzingen. Gegen die Abgabe von 27 Stübern

jährlich konnten die Leute das Stocku.

Sprockholz = abgestorbenes Holz für

den Bedarf an Brandholz, entnehmen.

Bau holz für die Häuser war besonders anzufordern

und von den Förstern anzuweisen.

Später waren in den 8 Hoeden ==

Hütebezirken je zwei Förster angestellt,

die für ihr Gebiet verantwortlich waren.

Wurde dort Holz entwendet, ohne daß die

Förster die Täter feststellen = ergehen

konnten, wurden sie selbst zur Rechenschaft

gezogen; von den eingegangenen

Strafgeldern, den Brüchten, erhielten sie

dagegen den 10ten Teil in die eigene Tasche

; so kann man sich vorstellen, wie

scharf sie ihre Reviere überwacht haben.

Über Vergehen im Wald hat zunächst in

jedem Monat, später nur jährlich das Forstgericht

getagt, in den letzten Jahrhunderten

immer in Konzen als dem Sitz der

Forstverwaltung.

Etwa vom Jahre 1600 an haben wir in den

Forstmeisterakten jährlich die Liste der

Waldfrevler erhalten mit den Namen der

Frevler und vielfach auch mit der Flur, in

der sie »ergangen « waren, so daß wir hier

eine wertvolle Quelle haben für die Familien

und die Flurnamenforschung. Es sind

damals jährlich zwischen 200 - 250 Leute

ergangen worden, wenn sie mal heimlich

ein Stück gutes Holz für eine Speiche oder

eine Nabe für ihre bescheidenen Fahrzeuge

entwendet hatten. Andere sind aber

auch so unbedenklich vorgegangen , daß

sie ganze Karren mit guten Hölzern nach

auswärts haben fahren wollen. (Die Waldfrevler

des Jahres 1647/48 sind veröffentlicht

im E. H. V. 32. Jhrg. S. 29 und S. 43.)

Über das Hochgericht mit einem Schult-

92


heißen und 24 Schöffen und dem Förstergericht

mit dem Forstmeister und 19 Förstern

erfahren wir eine Menge Einzelheiten

in dem Weistu m des Amtes Monschau

vom Jahre 1549 im HStAD, Jül. Berg II ,

Nr. 4877. Einen weiteren dicken Aktenband

haben wir im HStAD = Jül. Berg II I,

Nr. 916 über den Zustand der Waldungen

im Amt Monschau von 1556 - 1665, kurzer

Inhaltsbericht daraus im Mon . Land

1984, S. 47 - 48; darin hören wir auch

über das jagdbare Wild in unseren Wäldern,

über Gebote und Verbote, z. B. um

der Weiden willen den Wald anzuzünden ,

wird mit der Todesstrafe bedroht, aus dem

Jahre 1663 z. B. »daß die Untertanen daß

sie Brötchen haben kunnten, sollen sie

solche aus Hafer machen, da großer Mangel

an Roggen herrscht«; genaue Bestimmungen

für die Entnahme von Bau- und

Brandholz gibt es im Jahre 1665, wo es

auch heißt, daß das Rauchen von Tabak in

den Waldungen grundsätzlich verboten ist,

daß es den Förstern bei Widerstand frei

steht, Feuer zu geben, daß bei Neuanpflanzungen

von Wäldern in so geraden

Linien zu arbeiten ist, wie die Hecken um

die Grundstücke gepflanzt sind. Daß es

hier sehr gute Eichenwälder gegeben hat,

beweisen außer den Bauernhäusern die

Gebäude in Monschau wie etwa das Haus

Troistorff, erbaut 1783 mit einem Holzwerk

in der Dachkonstruktion , das heute noch

sehenswert ist.

Jedenfalls haben die Leute hier ihren Bedarf

an Bau - und Brandholz befriedigen

können, auch bevor durch die preußische

Regierung ab etwa 1840 die heutigen Wälder

von Rotfichten, für uns einfach » Tannen«

oder die verwünschten »Prüße­

Bööm« genannt, den Bewohnern reichlich

Holz zum Heizen und besonders auch für

die Zäune haben liefern können.

Sehr nachteilig für die alten Bestände an

Buchen besonders war die Herstellung

von Holzkohlen durch die Köhler, von denen

wir schon im Jahre 1342 in dem Weistum

der Waldrechte hören; für das Haus

(die Burg) in Nideggen durf1en zwischen

der Call und der Rur zwei Köhler tätig sein ,

um Kohlen zu »bernen « (brennen), womit

damals aber wohl nur die eiskalten Gemächer

in den Burgen ohne viel Rauch geheizt

werden sollten. Zu einem ganz

schlimmen Raubbau an den Wäldern hat

aber dann die Eisenindustrie in den Tälern

der Vicht, der Kali und der Rur geführt, da

zum Schmelzen der Erze sehr hohe Hitzegrade

benötigt wurden, die nur durch die

Holzkohle in Verbindung mit den Gebläsen

mittels der Wasserkraft erreicht werden

konnten. Es sind genau festgelegte

K_ohlzirkel eingeteilt worden, aus denen

die eine oder andere Schmelzhütte ihre

Holzkohlen beziehen konnte; es sind jahrelange

Prozesse um diese Kohlzirkel geführt

worden , so daß die Wälder schließlich

bis auf den Bestand zerrüttet waren.

Man hat natürlich auch dagegen Maßnahmen

ergriffen durch strenge Aufsicht und

Strafen, durch das Verbot, die notwendigen

»Stalen« zu fällen (Bäume, die für die

Nachzucht an Pflanzen sorgen sollten

usw.). Es sind Tausende Karren Holzkohlen

gebraucht worden , um den Bedarf zu

decken; andererseits waren natürlich auch

die Landesherren ·an der Produktion von

Eisen sehr interessiert, da das die stets

mageren Kassen füllen konnte und füllen

mußte auch durch die Ablieferung der

Stahlprodukte, des Bleies aus dem Klingelpütz

im unteren Kalltal etwa. So sind

schon lange vor der Franzosenzeit Klagen

über den schlechten Zustand der Waldungen

laut geworden, der vor allem durch

eben die Köhlerei fast devastiert gewesen

ist.

Die Spuren der Köhlerei kann man heute

noch vielfach im Gelände erkennen an

kreisrunden , etwas wallartig umgebenen

Stellen für die runden Kohlenmeiler, die im

Boden noch deutliche Reste der Kohlenasche

erkennen lassen . Vor allem war natürlich

der große Buhlert, das Gebiet um

Wahlerscheid, um Kalterherberg und der

heute noch vorhandene Buchenwald mit

Namen »Rurbusch « zwischen Kalterherberg

etwa und Sourbrodt von großer Bedeutung

für das Handwerk der Köhler, von

dem alte Familien z. B. in Höfen noch genaue

Kenntn is haben.

Zuletzt ist noch die Familie Stollenwerk

aus Schmidt im Köhlerberuf tätig gewesen

. Im allgemeinen aber hatte die Köhlerei

stark abgenommen , als die Steinkohle

mit ihrem billigen Koks zur Verfügung

stand und die letzten Eisenwerke aus dem

Schleidener Tal in die Zone des Ruhrgebiets

abgewandert waren vor gut 100

Jahren.

Die Feuerbrandwaldungen, die seit karolingischer

Zeit zum Königs- und Reichsgut

gehört hatten, sind natürlich auch noch

von der preußischen Regierung 1815 so

übernommen worden.

In wahrl ich großzügiger Weise hat sie aber

im Jahre 1823 vertraglich auf ihr Eigentum

verzichtet und diese Waldgebiete ohne

Entschädigung den Gemeinden als Eigentum

zugesprochen . Die einzelnen Gemeinden

haben es danach verstanden,

genau abgegrenzte eigene Waldgebiete

als Eigentum zu bekommen, was natürlich

auch wieder zu erheblichen Schwierigkeiten

und Streitereien geführt hat. Zuletzt

hatten noch die Orte Roetgen, Rott, Conzen

und Mützenich einen gemeinsamen

Feuerbrand bis zum Jahre 1834, als Roetgen

noch das Recht hatte, 300 Stück Vieh

auch in das Konzen-Mützenicher Venngebiet

zur Weide zu treiben. Auch darüber

hat es wieder lange Streitereien gegeben

(E. H. V. · 43 . Jhrg. S. 61 - 66). Aber der

Verzicht auf diese Waldungen von seilen

der preußischen Regierung war so uneigennützig

nicht, wie man vermuten könnte.

Es heißt nämlich ausdrücklich im Jahre

1818, daß diese Waldungen (nach der

Franzosenzeit) in einem so schlechten Zustand

seien, daß sie nicht einmal den

Holzbedarf der Gemeinden befriedigen

könnten und die Landesregierung keinen

Ertrag daraus erzielen könne, gelegentlich

als »lästiges Eigentum « bezeichnet. Zuletzt

sind noch geteilt worden die Gebiete

für Mützenich und Konzen am 7. Nov.

1851 nach Maßgabe der Häuserzahl; das

waren in Konzen 157 und in Mützenich

127 Häuser, so daß es möglichst gerecht

zugegangen ist ; Konzen hat erhalten

3 154 und Mützenich 2 222 Morgen als

Gemeinde-Eigentum.

Besonders seit den Jahren nach 1840 hat

die preußische Regierung für die Aufforstung

großer Venngebiete mit den sonst

hier nicht üblichen Rotfichten begonnen

und vielfach gegen den Willen der Bevölkerung

durchgesetzt durch Übernahme

der Anfangskosten und der Pflege für die

nächsten Jahre. Diese neuen Wälder

konnten natürlich nicht in den Sumpfgebieten

, sondern nur auf den trockeneren

Höhenlagen wie auf Hochscheit, unserem

Berg (Börch) bis zum Stehling, auf den

Flächen der Botrange usw. angelegt werden.

Trotzdem fürchteten die Bauern um

ihre Weiderechte für die Viehherden, die

täglich ins Venn geführt wurden, soweit es

sich nicht um die Kühe mit Milchertrag

gehandelt hat. So hat in Konzen noch bis

vor etwa 100 Jahren des Morgens der

Kuhhirt mit einem primitiven Blechhorn,

einer »Trööht« das Vieh an den Straßen

abgeholt und abends wieder zurückgebracht

in die einzelnen Ställe. Es soll sich

zuletzt noch um etwa 50-60 Stück Rindvieh

gehandelt haben. Auch das ist dann

durch den besseren Ertrag der Wiesen -

Kunstdünger usw. - nicht mehr nötig gewesen.

Der Kuhhirt ist in ganz früher Zeit

nicht selten der Lehrer gewesen, der ja im

Sommer arbeitslos war, da der Unterricht

nur im Winter stattgefunden hat.

Nach der letzten Vennteilung ist Konzen

nun auch darin selbständig gewesen, und

auf dem Gebiet auf dem Berg zwischen

Hochseheid und dem Stehling sind weitere

Anpflanzungen von Fichten erfolgt noch

in den Jahren nach 1860. Dieser Bestand

dort oben ist vor etwa 10 Jahren abgetrieben

worden und ist also etwa 11 0 Jahre alt

gewesen mit sehr gutem harten Holz, das

sich auf dem schlechten Boden und in

dem ungünstigen Klima nur langsam hat

entwickeln können und den Vergleich mit

dem nordischen Fichtenholz durchaus

verdient gehabt hat.

Nach dem Ersten Weltkrieg ist das ganze

Waldgebiet im Hohen Venn an den belgischen

Staat gekommen, aber in der Nutzung

bei den deutschen Gemeinden verblieben

. Dort hat die Gemeinde Konzen

aus dem wertvollen Waldgebiet »auf dem

Berg« oft Holz verkaufen können, in den

Zeitungen inseriert, hat 5 oder 6 Waldarbeiter

beschäftigt und den größten Teil der

Gemeindeausgaben vom Ertrag der Wälder

bestreiten können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist aber auch

das den Gemeinden weggenommen wor-

93


Bei der Mahd des Streuvers im Hohen Venn

den, so daß für unseren Ort der reiche

Waldbestand im Venn entfallen ist und

vom Staat einigermaßen hat ausgeglichen

werden müssen durch besondere Zuschüsse.

Neben dem erwähnten Auftrieb

von Rindvieh in das Venngebiet sind auch

die Schafherden eingetrieben worden,

wovon noch das Hammelsläger zwischen

Fringshaus und der Weser zeugt.

Im übrigen ist die Schafzucht früher fast so

wichtig gewesen wie die Zucht von Kühen,

Rindern usw.

Das Schaf war in seiner Härte gegenüber

der Witterung, seiner Genügsamkeit im

Futter vorzüglich geeignet in unserer

Landschaft und ganz besonders für das so

wenig fruchtbare Hohe Venn . Zudem lieferte

es die dringend benötigte Wolle, gutes

Fleisch und auch Milch in geringem

Maße. Aus den Akten der Kirchenvisitationen

kurz nach 1550 wegen der Wiedertäufer

wissen wir, daß man z. B. einer Familie

aus der Gegend von Rurberg das Vieh

weggenommen hatte, und das waren 24

Schafe, 3 Geißböcke und nur eine Kuh .

Aus den Vieh- und Fouragetabellen der

Franzosen um 1800 wissen wir, daß im

Kanton Monschau 9373 Schafe gezählt

worden sind. Im Jahr 1830 hat es z. B. in

dem Gebiet von Malmedy/St.-Vith 30 000

Schafe gegeben, die aber auch bis kurz

nach 1900 auf ganze 700 Schafe zu rückgegangen

waren . Ganz ähnlich ist es bei

uns gewesen, wo durch Kultivierung von

Ödland, durch die Verbesserung der Wiesen

mit dem Kunstdünger usw. die Schafhaltung

bis auf geringe Reste verschwunden

war. So hat einer der letzten Schäfer

in einem Gasthaus hier sich geäußert, daß

die Konzener wohl die richtigen Leute seien,

sie hätten die Schafe nämlich verkauft,

die Köpfe dagegen behalten. Da soll es

aber für den spitzzüngigen Schäfer höchste

Zeit gewesen sein, sich auf den Heimweg

zu machen, da er sonst mit den nicht

so zarten Fäusten der Konzener etwas

unliebsame Bekanntschaft gemacht hätte.

Im übrigen waren die Bauern froh, wenn

die Schafherden bis zum 15. April über die

Saatfelder geführt worden sind, da sie erstens

einigen Dünger hinterlassen hätten

und zudem durch Verbiß der ersten Getreidehalme

diese dazu angeregt hätten,

sich in mehrere Halme aufzuteilen und

damit größeren Ertrag zu bringen. Schon

nach dem ersten Weltkrieg war die Schafzucht

in Konzen fast völlig erloschen und

ist erst in den letzten Jahrzehnten etwas

aufgelebt.

Die letzte Schafherde hier ist in dem Hof

Staffelbusch-Langeböisch gehalten worden,

und noch im Jahre 1934 hat der Peter

Reinartz amtlich den Titel »Schäfermeister«

erhalten mit dem Recht, junge Leute

als Schäfer auszubilden.

Nach einer Statistik über die Verhältnisse

im Kreise Monschau vom Jahre 1864 waren

noch 3 936 Schafe vorhanden, die

dann aber bald zurückgegangen sind.

Auch viele weitere Angaben dort über die

landwirtschaftlichen Verhältnisse, über

Preise von Kühen und Pferden , Anbau der

Getreidearten, Bevölkerungszahlen usw.

(E. H. V. 30. Jhrg. S. 1-7.).

Das Hohe Venn aber mit seinen Buchenu.

Eichenwäldern hat auch noch anderen

Tieren zur Nahrung gedient. Es sind die

Schweine oder Vercken besonders im

Herbst in diese Wälder getrieben worden

zur Bucheln-(Bucheckern) und Eichelmast.

Auch darüber gibt es schon genaue

Bestimmungen in dem erwähnten Weistum

der Waldrechte des Jahres 1342, wo

es heißt, daß die Förster die »sweinre«, an

anderer Stelle = die »verghen « in ihren

hoeden (die Hütebezirke im Hohen Venn

haben also auch damals schon bestanden)

zu zählen und zu • melden haben wegen

der geringen Abgabe dafür; wenn nachher

es sich herausstellt, daß mehr Schweine

als gemeldet im Wald sind, werden sie für

die Behörde beschlagnahmt. In der Forstmeister-Rechnung

des Jahres 1557 / 1558

sind uns sogar die genauen Zahlen der

eingetriebenen Schweine der einzelnen

Dörfer überliefert, und so kön nen wir feststellen

, daß aus Konzen damals 125

Schweine zur Mast im Wald sich aufgehalten

haben. Daß die Schwei ne noch vor

etwa 100 Jahren kein so sattes Leben

gehabt haben wie in heutiger Zeit, ist sicher;

wer hätte sie damals mit Mehl und

Milch und Kartoffeln fütte rn wollen und

kön nen? Sie sind auf die Wiesen am Haus

zur Weide gekommen, wo sie mit mehr

Hunger als Futter groß haben werden

müssen. Um in den primitiven Ställen nicht

vor Hunger die Böden aufzubrechen, sind

sie gebrillt = jebrellt wo rde n, d. h. daß

man ihnen durch die Nasenscheidewand

einen starken Draht gezogen hat mit nach

oben gebogenen Enden, so daß der Eindruck

einer Brille hat entsteh en müssen.

So haben sie draußen weiden, aber nicht

die Erde aufwühlen können , wei l das ihnen

große Schmerzen verursacht hätte. Ein

solches »gebrilltes« Schwein hat noch vor

zwei Jahrzehnten an der luxemburgischen

Grenze sein Futter auf einer Wiese am

Haus suchen müssen. Das Fett haben sie

dann im Herbst in den Wäldern durch die

nahrhaften Bucheckern und Eicheln ansetzen

müssen. Ein wirklich fettes Schwein

hat dagegen jährlich der Pächter der Belgenbacher

Mühle an das Schloß liefern

müssen, das von dem Molterlohn des Müllers

guten Speck hat ansetzen können.

(Einzelheiten schon für das Jahr 1630/

1631 im Mon. Land 1983, S. 51.)

Daß die Schweine zur Mast in die Wälder

geschickt worden sind , muß aber vor langer

Zeit schon aufgehört haben bei uns

hier, da die ältesten Leute sich nicht mehr

daran erinnern können und auch in den

Chroniken der letzten Jahrzehnte keine

Meldungen darüber mehr vorliegen.

Damit können wir übergehen zu einem

weiteren »Schatz« im Hohen Venn, der

Heide/Moosschicht, die gemäht und trokkengemacht

wurde zum Streuen in den

Viehställen bes. im Winter, daher der Name

»Streuver«. Das Gelände dafür gehörte

den Gemeinden und wurde in Abschnitten

in der Breite von 8-12 und der Länge

von etwa 300 m an die Leute verpachtet

für das eine Jahr mit einem Betrag von 5,­

Mark. Mit einer kürzeren und besonders

starken Sense mähten die kräftigen jungen

Männer die Heide-Moosschicht kurz

über dem Boden ab, ließen es ein wenig

antrocknen und drehten es immer wieder

in die Sonne, bis es eingefahren werden

konnte. Das Streuver enthielt die gewöhnliche

Heide, die schöne zarte Glockenheide,

verschiedene Gräser, die Vennmoose,

auch »Weißer Klee« genannt oder

»Fomm «, und das widerspenstige Feddermoos,

das auch zum Abdichten der Hauswände

verwandt werden konnte. Es war

eine harte Arbeit dort oben im Venn, wenn

man noch die weiten Anmarschwege mitrechnet

besonders für die Leute aus weiter

entfernt liegenden Dörfern.

Da die Arbeit mit dem Heu früher erst nach

94


Venn-Bauern beim Frühstück

Kirmes begonnen wurde, haben sich jüngere

Leute aus den Webereien nach

Feierabend durch das Mähen eines Streuverloses

10-14 Mark verdient, die sie

dann an den Kirmestagen zusammen mit

ihren Mädchen ausgeben konnten. Über

die Kleidung , die Mahlzeiten während der

schweren Arbeit im Venn, aber auch über

viel Spaß und Freude unter den bekannten

Leuten hat Jos. Erkens mit urwüchsigem

Humor berichtet im Heimatjahrbuch Monschau

1958, S. 47-57. Dort erscheinen

auch die alten Ausdrücke für die Kleidung,

das Werkzeug usw. mit beigefügten Bildern

von dieser schweren Arbeit im Venn

mit den zugehörigen Flurnamen . Aber

auch diese Arbeit um den »Schatz« des

Streuvers, wodurch auch der anfallende

Kuhmist verbessert werden sollte, hat Mitte

der 30er Jahre aufgehört. Man hat zum

Teil sich etwas Sägemehl bei der Stellmacherei

Huppertz geholt für die Viehstreu

oder das Vieh auch in den verbesserten

Ställen ohne Streu gehalten.

Beim Torlstechen im wallonischen Venn , 1959

Daneben ist auch Venngras als Heu gemäht

und eingefahren worden, aber nur in

Notfällen als schlechtes Viehfutter in die

Ställe gekommen. In größerem Maße ist

Venn -Heu gemacht worden in der großen

Flur »Naahtsieff« zwischen dem Reinartzpfad

und der Jü-ertz = Getzbach, wo das

Gelände so eben ist, daß man sogar mit

der Mähmaschine hat arbeiten können.

Das dort gewonnene Heu ist aber zum

größten Teil in die Glasfabriken in der Aachener

Gegend gefahren worden als Verpackungsmaterial.

Aber nur durch das Weiden der Herden

von Rindvieh und von Schafen im Hohen

Venn sowie durch das Abmähen der Heideschicht

für das Streuver in 6jährigem

Turnus sind die Flächen dort baum- u.

strauchfrei geblieben, und das ist mithin

nicht der von der Natur geprägte Zustand,

wie wir ihn alle noch kennen. Ohne diese

menschliche Arbeit wäre das Hohe Venn

schon längst bewaldet mit Ausnahme der

eigentlichen Sumpfstellen. Das kann man

gut beobachten etwa im Brackvenn zwischen

Mützenich und Hattlich, wo der Bewuchs

mit Weidensträuchern, Kiefern,

Fichten und Ebereschen in jedem Jahr

zunimmt und in 30-40 Jahren das Gebiet

überzogen haben dürfte. Ähnlich ist es in

dem Naturschutzgebiet Wollerscheider

Venn zwischen Fringshaus und Lammersdorf,

wo nur durch menschliche Maßnahmen

die Bewaldung gestoppt werden kann

und sonst nur die drei Tümpel oder Pingos

übrigblieben. Der eine davon am Waldrand

hat eine Tiefe von gut drei Metern, wie vor

einigen Jahren ausgemessen werden

konnte. Wer da hineingerät ohne sofortige

Hilfe, ist ganz schnell in die Tiefe gezogen

und kann in 3 000 Jahren als noch erkennbare

Moorleiche gefunde~ werden, wie

das in den Mooren in Norddeutschland

und Dänemark nicht selten beobachtet

werden konnte.

Ein weiterer ganz wichtiger »Schatz« im

Hohen Venn ist der Torf gewesen, der im

wallonischen Venn eine Höhe von 6 m und

mehr erreicht hat. Das bedeutet, daß die

Torfbildung vor mehr als 6 000 Jahren hier

begonnen hat, da man als Regel angibt,

daß der Torf in 1000 Jahren um einen

Meter zu wachsen pflegt. Nach der letzten

Eiszeit haben sich in kleinen Mulden über

dem wasserundurchlässigen Kleiboden

die ersten Moose entwickelt, die immer

wieder unten abgestorben und oben weiter

gewachsen sind, so daß die abgestorbene

Masse die Torfbildung begonnen

hat. Das hat sich immer weiter ausgebreitet,

so daß sogar gesunde Wälder von

Birken und Eichen überwuchert worden

sind und haben absterben müssen. So

kommt es, daß man gelegentlich unter der

Torfschicht dicke Stämme von Eichen und

Birken gefunden hat, die zunächst butterweich

sind, nach Aufnahme aber von Sauerstoff

aus der Luft ungemein hart werden,

was besonders von den Eichen berichtet

wird. Für Konzen kamen in Frage die Torfschichten

im sogenannten Steerökscher­

Bruch , wo man noch vor etwa 100 Jahren

Torf gestochen hat, dann teilweise in Ellenbroich

und im Krähwinkel, vor allem

aber in der Vürbi ch . Dann im eigentlichen

Venn hinter dem Berg , wo die Gemeinde

die Torflose an die Einwohner verteilt hat.

So hat auch dem Pfarrer in jedem Jahr ein

Torflos zugestanden, das er natürlich von

bezahlten Leuten hat bearbeiten lassen.

In dem großen Torfgebiet von Hattlich ist

vor etwa 200 Jahren auf einem typischen

Knüppeldamm der Römer ein noch erhaltenes

Skelett eines römischen Offiziers

gefunden worden, das aber in der Luft

dann zerfallen war. Aber der Helm mit

reichen Verzierungen aus Messing ist vollständig

erhalten gewesen und ziert heute

nach das Wappen von Mützenich. Dieses

Skelett hat in etwa 2 m Tiefe gelegen und

beweist die Torfbildung von 1 m in 1 000

Jahren, da die Römerzeit vor etwa 2 000

Jahren hier begonnen hat. Etwa in derselben

Gegend ist in 4 m Tiefe das vollständi-

95


ge Skelett eines Elches gefunden worden ,

von dem der bekannte Prof. M. Schwickerath

vor etwa 25 Jahren in Aachen noch

eine Schaufel hat vorzeigen können.

Man sollte wohl meinen, daß die Leute hier

den Torf als Heizmaterial auch schon vor

2 000 Jahren benutzt hätten. Dem ist aber

mit Sicherheit nicht so gewesen.

Der verdienstvolle Prälat Toussaint aus

Weismes hat die Arbeit veröffentlich: »Seit

wann brennt man Torf?« (E. H. V. Jhrg. 11 ,

S. 187-191) und kann nachweisen, daß

zuerst im Jahre 1583 in Malmedy eine

Steuer auf den jüngst eingeführten Torf in

die Akten gekommen ist und dann wieder

in den Jahren 1615 und 1616. Auch bei

uns hat der Prior Joh. Heep von Reichenstein

nach den großen Zerstörungen mit

dem Verlust des Klosterarchivs im Jahre

1543 aus dem Gedächtnis alle Rechte in

den Grenzen bis weit in das Venn hinein

aufgeschrieben und alles dabei erwähnt

wie Jagd-, Holz-, Fischrecht usw., kein

Wort aber über den Torf. Wohl hat Aachen

nach den Stadtrechnungen schon im Jahre

1344 Geld ausgegeben für das Graben

und Anfahren des Torfes.

In unserem engeren Bereich haben wir

zuerst eine Notiz in den Bußgeldern der

Waldfrevler des Jahres 1647 /48, als jemand

bestraft wird, weil er eine Karre

»Troofen « und der andere, weil er zwei

Karren » Troffen « weggefahren hat. Nun ist

es aber mit Sicherheit nicht zu entscheiden,

ob es Torf oder Truff, das ist auch

heute noch dasselbe Wort hier, oder ob es

nicht »Tri-ef« = Deckenbalken gewesen

sind.

Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfen wir

aber den Torf hier annehmen, da nicht

lange danach im Jahre 1665 der Forstmeister

angibt, daß aus dem besonders reichen

Vorkommen im Brackvenn jährlich

15 000 Karren Torf herausgefahren worden

sind. Dort haben vor allem die Monschauer

Tuchfabrikanten ihre Torfgründe

besessen, ihn im Sommer und Herbst fertigmachen,

in großen Schuppen gelagert

und im Winter in die Fabriken abfahren

lassen, wo der Torf vor allem zum Heizen

der Farbkessel gebraucht wurde. Darüber

haben wir Berichte von Reisenden im Jahre

1871 , als sie im Brackvenn noch die

Torfschuppen gesehen haben auf der

»ungeheuren eintönigen Fläche mit den

Torfschuppen, angefüllt mit dem schwarzbraunen

Brennmaterial , das der Boden in

verschwenderischer Weise seinen Bewohnern

liefert«. Aber auch das ist nun

schon lange Geschichte geworden, da es

die Fabriken nicht mehr gibt in Monschau

und die Torfschuppen in den meisten Fällen

durch Brand zerstört sind.

Über die Arbeit mit dem Torf haben wir

wieder einen ausgezeichneten Beitrag von

Jos. Erkens im Heimatjahrbuch Monschau

1959 ab S. 50. Die Arbeit des Torfstechens

hat danach im Mai nach dem Pan ­

kratiusfest begonnen, wenn des Morgens

ganze Scharen von Leuten sich mit Werk-

Heimfahrt mit der Torf-Fuhre

zeug und Verpflegung ins Venn begeben

haben bis zu der großen Flur mit dem

Namen Blääch . Dort waren wie beim

Streuver die Lose schon festgelegt, die

drei bis fünf Karren Torf ergeben haben ;

das war der normale Bedarf für eine Haushaltung,

wenn man im Winter neben dem

eigenen Holz aus den Wiesenhecken oder

einem eigenen Waldstü ck auskommen

wollte.

Die schwerste Arbeit dabei hatte der eigentl

iche Torfstecher, der mit dem scharf

geschliffenen Torfspaten die ziegelsteingroßen

Stücke sauber abtrennen und auf

den Grubenrand herausheben mußte .

Frauen oder auch schon Kinder von 1 0

oder 11 Jahren hatten die Aufgabe, diese

Stücke mit einer Schubkarre auf eine ebene

Fläche abzufahren und hochkantig aufzustellen.

Wenn diese nach etlichen Tagen

etwas angetrocknet waren, wurden 4

Stücke gegeneinander hochkant gestellt

und mit einem weiteren Stück abgedeckt.

Danach wurden schon größere Haufen

(Höppere) aufgesetzt und schließlich die

großen Höpper etwa ¾ Meter hoch, aber

so, daß der Vennwind überall gut durchziehen

konnte.

Wenn dann alles gutgegangen war, konnten

die trockenen Torfstücke mit der Ochsenkarre

oder auch mit _dem Pferd in die

Häuser gebracht werden, wo z. Tei l eigene

Torfschuppen die 3 bis 5 Karren Torf aufnehmen

konnten . Schlimm war es natürlich,

wenn im Herbst lange Regenperioden

das Trocknen völlig verhinderten und der

Ertrag so schweißtreibender Arbeit als lehmige

Klumpen im Venn liegenbleiben

mußten. Daß man dabei auch nicht in Jammertönen

sich ergangen hat, sondern mit

Humor und Scherz die schwere Arbeit geleistet

hat, mag in dem genannten Beitrag

nachgelesen werden .

Wenn dann im Winter in der Küche - zunächst

ja noch auf der offenen Feuerstelle

- mit Holz und Torf geheizt wurde, hat bei

ungünstiger Witterung der etwas stickige

Geruch des To rfes das Haus bis in die

Schlafkamme rn hinein durchdrungen. Jedenfalls

aber hat der Torf über etliche

Jahrhunderte hinweg zwar große Mühe

mit all der Arbeit gemacht, hat aber in

Verbindung mit dem eigenen Holz aus den

Feuerbrandswaldungen oder aus eigenem

Bestand fü r die Wärme im Haus gesorgt

und ohne Ausgaben von Geld das Leben

hier in den armen Dörfern im Winter erträgl

ich gemacht.

Das konnte sich erst ändern , als mit dem

Beginn der Eisenbahn hier im Jahre 1885

es möglich wu rde, auch Steinkohle,

Braunkohle, Bri kett und den sehr billigen

Kohlenschlamm zu erträglichen Kosten

heranzubringen . Aber au ch das war zunächst

nur woh lhabenderen Leuten möglich,

während die anderen Schichten noch

lange beim Torf geblieben sind bis in die

30er Jahre, wenn auch nicht mehr so allgemein.

Nach dem letzten Krieg ist nur noch etwas

Torf gestochen worden in der eigenen

Vürbich durch den schon recht betagten

Alfons Steinröx und Sohn, der nun der

letzte aktive Torfstecher in Konzen zum

mindesten geworden ist.

Wohl ist in den sehr mächtigen Torflagern

im wallonischen Venn nach 1960 noch in

größerem Maße Torf gestochen worden,

der ja auch immer besser wird mit der

zunehmenden Tiefe und damit dem größeren

Alter. Aber auch das ist dort heute

nicht mehr der Fall, da die meisten Häuser

mit der Öl-Heizung versehen sind, die an

die frühere Arbeit für ein wenig Wärme

nicht einmal mehr denken läßt.

Beim Amt für rheinische Landeskunde in

Bonn ist vor einigen Jahren im wallonischen

Venn ein Film gedreht worden, der

die Arbeit am Torf in der genauen Abfolge

schildert und an interessierte Vereine etwa

zur Vorführung ausgeliehen werden kann.

In den beiden bekannten Lehmkuhlen

Janns-Kuhl und Boschte-Kuhl oberhalb

der Bahnlinie und unter der Scheeht hat

96


man lange Jahre den benötigten Lehm

entnommen ; auch in der Gegend des

späteren Bahnhofs war eine Lehmgrube,

in der am 9. 6. 1827 das 15jährige Mädchen

Josephine Hauseur unter einer einstürzenden

Lehmwand zu Tode gekommen

war. Die Familie Hauseur stammte

aus Thimister im Raum von Lüttich in Belgien,

später wohnhaft in lmgenbroich.

Zwischen dem Stehling und dem Allgemeinen

Ven nweg lagen die Sandkuhlen ,

wo noch vor dem Kriege langgezogene

Mulden, teilweise zu wenig tiefen Weihern

geworden, zu sehen waren, teilweise mit

jungem Moos bedeckt und einen idealen

Untergrund für die Moosbeeren gebildet

haben . Do rt hat man noch in den 30er

Jahren Sand herausgeholt und mit dem

Ochsenkarren zu Neubauten herangefahren

.

Gelegentli ch hat man am Weserbach , der

Wi-esch , bei Roetgen in alter Zeit auch als

»Wisse! « bezeichnet, Kies zur Befestigung

von Hauseinfahrten herausgeholt,

der sehr schnell eine feste Unterlage gebildet

haben so ll.

Steine hat man nur gewonnen zur Befestigung

der Vennwege, wo heute noch langgezogene

Gruben gleich neben dem Allgemeinen

Vennweg zu sehen sind .

Andere Schätze waren die verschiedenen

Beeren, die frühe r viel mehr als heute aus

dem Venngebiet entnommen worden sind .

Die wichtigsten waren die Waldbeeren,

hier = Worbele, die wir als Kinder noch in

dem freien Hatzevenn gepflückt haben .

Um das Jahr 1930 haben die Leute aus

dem Venn heraus am Bahnhof in Konzen

ihre Ware in einen Lieferwagen verkaufen

können , der dort zu der richtigen Tageszeit

schon gewartet hat. Die gezahlten

Preise lagen bei 25-30 Pfg. und ergaben

bei etwa 10 Pfund einen annehmbaren

Tagesverdienst für Kinder oder auch an ­

dere Leute. Weniger reichlich waren die

Preiselbeeren vertreten, die Heed-Äppel

bei uns, die aber auch in guten Jahren

recht annehmbare Erträge gebracht haben.

Dann hat es die Moosbeeren gegeben,

bei uns die »Fämmere« genannt, aus

den Vennbeeren zu Vännbere und zu

Fämmere. Diese liegen an ganz dünnen

grünen Fäden auf dem Moospolster in

wirklichen Feuchtgebieten im Gegensatz

zu den Wald - u. Preiselbeeren, die auf

festem Untergrund zu wachsen pflegen.

Die Moosbeeren sind früher viel häufiger

gewesen als heute und z. T. in Monschau

zum Verkauf angeboten worden . Sie ergeben

als Marmelade einen noch besseren

und würzigeren Geschmack und sind in

den nordischen Ländern sehr bekannt und

auch beliebt. Noch in dem guten Jahr und

Herbst 1959 konnte in einer großen moosbedeckten

Vennmulde ein ganzer Wassereimer

voll Moosbeeren gepflückt werden .

Wenn die Kinder in einer Gruppe abends

von der Waldbeerenernte ins Dorf müde

Und froh zurückkehrten, konnte man ein

fröhliches Liedchen hören: »Emm Venn

Der letzte Torf aus Konzen, gestochen 1947 in der Vür-Bich

jewößt, Worbele geploht, Hosse zerrösse,

Schohn verschlösse, Botz bedr.. . alles

voll« = Im Venn gewesen, Waldbeeren

gepflückt, Strümpfe zerrissen, Schuhe

verschlissen , Hose bedr ... alles voll.

Wahrhaftige Schätze hat es aber auch im

Venn gegeben, zwar nicht gerade bei uns,

aber im Raum von Malmedy am Amelbach

und in der Umgebung in Form von Gold!

Dort hat man vor langer Zeit schon merkwürdige

Abraumhalden entdeckt gehabt,

ohne ihren Ursprung zu kennen . Dann hat

man herausgefunden, daß es sich um Abraum

von Goldschürfern gehandelt haben

muß aus der Zeit der Kelten vielleicht,

spätestens aber aus der Zeit der Römer.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hat man die

Absicht gehabt, diesen Abraum von

100 000en von Kubikmetern industriemäßig

nochmals durchzuarbeiten und hat

vom Staat auch schon Konzessionen dafür

erhalten . Dann ist aber der Krieg dazwischen

gekommen, so daß danach diese

geplanten Arbeiten nicht aufgenommen

worden sind. Gold ist mit Sicherheit noch

dort gewesen; es ist dann nur die Frage,

ob sich der Abbau lohnt, so daß man Gewinne

erzielen kann , und das ist doch wohl

nicht der Fall gewesen. Der Dürener Geologe

Dr. August Vogt hat in seiner Jugend

dort nach Gold gesucht und ein kleines

Säckchen herauswaschen können, das er

noch gerne vorgezeigt hat.

(Über diese Frage des Goldes im Hohen

Venn ein großer Beitrag im E. H. V. Jhrg.

25, S. 75-85 von Abbe J. Bastin, übersetzt

von J. Glose.)

Hier noch einige Bemerkungen zu den

Flurnamen im Hohen Venn , soweit sie unser

engeres Gebiet betreffen :

Sie alle sind mit großem Fleiß gesammelt

worden durch Jas. Kreitz im Heimatjahrbuch

1960, S. 150 ff., dazu eine Karte S.

169.

Eine Reihe von Flurnamen im Konzener

Venngebiet ist schon in den angeführten

Beiträgen von J. Erkens erwähnt, der auch

noch wertvolle Ergänzungen dazu notiert

hat. Viele dieser Flurnamen brauchen nicht

besonders erwähnt zu werden, da sie ohne

weiteres durchsichtig sind wie etwa die

Me-ertches-Kuhl, Konnertzfelder, Rotes

Venn und ähnliche. Einige sollen aber hier

erklärt werden, zumal sich auch in die

bekannte Karte der »Amis de la Fagne«

etliche Fehler eingeschlichen haben.

»Blääch« ist ein nicht zu großes Blachfeld

= ein ebenes Flurstück, geeignet zur Lagerung

von Holz etwa oder Holzkohlen

oder Erzen, wie es bei Mulartshütte bekannt

ist, das Wort hat mit dem dünn gewalzten

»Blech « keine Verbindung; die

»Pongs-Heck« ist die Kapaunsheck, ein

Niederwald, für den kastrierte und fett gemachte

Hähne = Kapaune abzuliefern waren,

wie wir es aus alten Akten kennen;

auch in einer alten Forstkarte ist die »Kapaunsheck«

noch erwähnt; »Spenne­

Sief« = nördlich der Pongsheck zeigt eine

kleines Sickerwasser an in einer beginnenden

Senke, hier sehr oft im Wortschatz

= Sief bei Walheim, Schöneseiffen bei

Dreiborn usw. Ob das Wort aber mit den

Spinnen-Tieren zusammenhängt, muß

fraglich bleiben. Daß auch diese Flurnamen

schon ein erhebliches Alter haben,

beweist ein Eintrag in den Forstmeister­

Akten vom Jahre 1602/03, als jemand im

Wald erwischt wird »in Spynnenseif«; in

demselben Jahr kommen auch schon im

Venn von Mützenich auf das wallonische

Venn zu die Namen »Hargardts Venn « und

»Stillerholtz« vor. Wir müssen folglich

auch bei den anderen Flurnamen hier mit

erheblichem Alter rechnen.

»Onner-Stättche« = der Ort, wo die Mittagspause

verbracht wurde von dem alten

Wort »onnern « = Mittagsschläfchen halten,

so richtig bei J. Kreitz, in der Karte der

Amis d. 1. Fagne = »onnerstältje«;

»Lükschert« und »Jältrich« nördlich des

»Brooß-Kopp« = keine Erklärung;

»die Höllt« ist immer der kaum noch erkennbare

Hohlweg der ganz alten wohl

97


römischen Kupferstraße; ausführlich im

Heimatkalender 1961, S. 85 ff.;

dazu auch der Flurname »Höngerer-Hölt«

= hinter der Hölt, sollte der Name »Vötzer-Hött«

nicht verschrieben sein aus

»Vörrer-Höllt« = vor der Hölt?

der »Schangße-Kopp« westlich von

Fringshaus ist die Stelle, wo man Bündel

von Zweigen wie etwa Faschinen gebunden

hat zum Verbrennen vielleicht in den

vielen alten Backöfen; für den kleinen

Herd hat man kleinere Bündel aus den

Reisern der Hecken gebunden

Schängßjer; der »Krechelsberg« dort in

der Nähe von den halbwilden . kleinen

Pflaumen, den »Krichele«, die es selten

noch in den Gärten hier gibt?

»die Engel-Laach «, bei J. Kreitz und in der

Karte als Engelhart eingetragen, läßt das

ganz alte Wort »Laach « erkennen, das eine"

sehr feuchte, für Fahrzeuge ungeeignete

Stelle bedeutet, kommt mehrfach vor

etwa bei Mützenich, bei Zweifall usw.

die »Böndlaach« = die sehr feuchte Stelle

in den Benden ; die «Jröhn-Heck« = der

Grüne Niederwald; das Wort »grün« in

Flurnamen wird vielfach auf römischen Ursprung

hinweisend gedeutet. Hier ist doch

jeder Wald grün! Die Jröhnheck befindet

sich aber in der Nähe der alten, wohl römischen

Kupferstraße vom Grünen Klosterberg

aus bei Roetgen über die Jröhnheck

bis zum Grünen Kloster vor Elsenborn ;

das dürfte alles kein Zufall sein.

Das heute so genannte »Aachener­

Kreuz « oberhalb der Jröhnheck soll an

einen Mann erinnern, der dort von einem

Räuber erschlagen worden sein soll. .Der

tüchtige Chronist Cosler aus Roetgen berichtet,

daß etwa dort ein Postbote aus

Kalterherberg mit dem Dorfnamen

»Schloff-Klooß« ermordet worden und

erst später in der Jröhnheck aufgefunden

worden sei. Leider hat man nichts weiter

feststellen können, da nach Cosler dieser

Mord am Ende des 18ten Jahrhunderts

stattgefunden habe. Wenn dieser Mann

tatsächlich aus Kalterherberg gekommen

wäre, hätte der Mord sicher Eingang in die

Kirchenbücher gefunden. Und nun kommt

wieder das Aber! Leider gibt es in Kalterherberg

von 1760 - 1790 keine Kirchenbücher,

sonst könnte dieses Kreuz sehr

wahrscheinlich einen anderen Namen erhalten.

das »Ball-Loch« = nur das Wort Loch =

Senke oder Mulde; es gibt im Rheinland

ein altes Wort = »ball « = hohl, nicht fest,

aufgedunsen ; ob das hier die Grundlage

ist, muß unklar bleiben.

»Hahne-Streck«, ob das mit den früher

hier häufigen Birkhähnen zusammenhängt?

Solche Tiere sind noch vor etwa 25

Jahren in den Kali-Kuhlen, mehr als 20,

und vor etwa 12 Jahren im Konnertzvenn

ein Dutzend zusammen beobachtet worden.

Selbst Hermann Löns hat in der Nähe

des Stehlings einmal auf Birkhähne angesessen.

Der »Kiefer-Rangk« = Kiefernrand hat tatsächlich

einen schmalen Streifen von Kiefern

aufzuweisen gehabt, und es ist bekannt,

daß schon vor den preußischen

Fichten Kiefern und Lärchen ausgesät

worden sind, auch in den Wäldern bei

lmgenbroich;

»Schenns-Kuhlen«, wo krepiertes Vieh

eingescharrt worden ist, gibt es mehrere;

eine ist schon früh in den Kali-Kuhlen gewesen,

dann für Konzen hinter dem Berg

bei der »Meertches-Kuhl, aber auch unterhalb

von Fringshaus auf Roetgen zu;

der Naats-Sief befindet sich zwischen

dem Reinartzpfad und der Jü-ertz, dem

Getzbach; es ist ein sehr ebenes Gelände ,

in dem das Vennheu z. T. mit der Maschine

gemäht werden konnte. In dem Weistum

vom Jahre 1549 haben wir schon die

Form »Natzen-Seiff«; und das ist der Naaße-Sief

wie in Konzen der Naaße-Bönd,

also eine besonders feuchte Gegend ; daraus

ist dann der Naats-Sief geworden mit

Anschluß an das Wort Nacht.

Neben dem Onnerstättchen haben wir eine

ganze Reihe von Lagerstätten für das

Vieh , »wo die Beesten des Mittags ihre

Ruh und Lager« zu haben pflegen. So

finden wir für die Schafherden das Hammelsläger,

dann das Heedläger, das

Pongsheckläger, das Theißläger unweit

von Reinartzhof, die Dreilägerbach-Talsperre

bei Roetgen und einfach »om

Läger«.

Für die Arbeitsleute im Hohen Venn waren

wichtig die verschiedenen Borne = Buere,

die nie versiegten und trinkbares

Wasser enthielten, für Leute, die. mit den

mitgebrachten Vorräten nicht ausgekommen

waren. Zur Kenntnis hatte man lange

Stangen mit Strohwischen dort aufgestellt.

Di e Namen sind : Lükscherts-Buer, Geißen-Buer,

Hoschets-Buer, Hop-Buer und

Tonne-Buer.

Das Gebiet bei dem späteren Fringshaus

war die Lammersdorfer Höhe = Laimeschter-Hüescht,

nicht L. Hüeck, wie in

der Karte zu lesen.

Der Hahnheister westlich von Mützenich

hat mit den Hähnen nichts zu tun; es ist

ein Hag = ein eingehegtes Stück zur Aufzucht

von jungen Buchen oder Eichen =

Heister.

Schwierig ist zum Schluß der Brach-Kopf,

in der Nähe »err Brooch « und mehr auf

Fringshaus zu = »Broochsfeld « mit langem

offenem O-Laut. In der Karte der

Amis de la Fagne ist .das Gebiet groß

überschrieben mit »Brack« und darunter

klein = »Brack-Kopf«. Das ist mit Sicherheit

falsch, und man wird wohl nicht mehr

wissen können, wer das »verbrochen«

hat. 1884 verkauft die Gemeinde Konzen

Holz auf Spinnesief und am Bragkopf, das

aber als Brachkopf zu sprechen ist. Nach

unserem Wissen kann das nur von dem

Wort Brache und brach-liegen kommen,

das bei uns zu Brooch werd en muß. Die

Brache ist ein Stück Land, das einmal geackert

war, dann aber liegen bleibt als

Brache. Es müßte mithin »err Brooch « einmal

ein Stück Land unter den Pflug gekommen

sein, wovon wir aber nichts wissen

; vielleicht ist es zu der Zeit gewesen,

als man auch »die Scheet« urbar gemacht

und jeden Versuch unternom men hat, Akkerland

zu finden . Von Josef Erkens haben

wir nun eine Vennkarte mit den Flurnamen

, und genau bei der »Brooch « ist eingetragen

»landwirtschaftliche Fläche«; damit

dürfte der Beweis für unsere Erklärung

geführt sein, wenn au ch die landwirtschaftliche

Arbeit dort heute nicht mehr

bekannt ist. Man könnte aber auch denken

, daß das Wort Brache einfach hier bei

uns für ein nicht genutztes Gelände gebraucht

worden ist. Brack ist das Brack­

Venn zwischen Mützenich und Hattlich, ist

1665 als das »Frack-Vehn « bezeichnet,

wo die Förster angeben , daß dort von 738

Morgen jährlich 15000 Karren Torf herausgeholt

worden sind. Das Wo rt »frack« bedeutet

etwas Hartes, Scharfes, Durchdringendes,

wie wir heute noch kennen, den

»vracken Wöngk« = den harten, unangenehmen

Wind . Dasselbe Wort Brack ist

auch gebraucht worden fü r das Venngebiet

bei Baraque-Michel, wo es hieß »op

Brack«; nach der ersten Hütte des Michel

Schmitz dort hat man daraus die Baraque

des Michel = Baraque-Michel gemacht

und damit den ursprünglichen Namen vertuscht.

(Mehr darüber in B. Willems »Ostbelgische

Chronik« II , S. 139 ff.)

Und noch ein letztes Wort zu der bekannten

Kaiser-Karls-Bettstatt; dieser Name

wird schon wiederholt zum Urbestand des

Klosters Reichenstein gerechnet 1205

bzw. 1210. Auch das ist bekanntlich

falsch, da der Anfang des Klosters in die

Jahre 1131 - 1137 fällt; der Name Kaiser­

Karls-Bettstatt kann schon sehr alt sein,

schriftlich festgelegt ist er aber erst im

Jahre 1730/1731 in dem großen Protokollbuch

I des Klosters Reichenstein, wo die

alten Gerechtsamen des Klosters mit Weiderecht

usw. bis in das Venn hinein aufgeschrieben

sind und Kaiser-Karls-Bettstatt

als ein Grenzpunkt des Klosters erstmals

in die Akten gekommen ist.

Das soll genügen über die alten Flurnamen

im Hohen Venn, wie sie für uns heute

noch von Wichtigkeit sein können und von

dem arbeitsreichen Leben dort einen kleinen

Ausschnitt haben bieten sollen.

98


Unsere Muttersprache - Konzer Platt

Wenn von der Mundart, dem Platt, überhaupt

gesprochen wird, ist man leicht geneigt,

sie als eine primitive Sprache des

Volkes, der Bauern, abzutun, deren man

sich schämen müßte vor anderen, so viel

»gebildetere n« Leuten . Im ersten Schuljahr

lernt ja dann auch das letzte Kind die

hochdeutsche Sprache, die so viel vornehmer

ist und von allen deutschen Menschen

verstanden wird . Folglich glaubt

man, daß die Mundart möglichst bald zum

Absterben gebracht werden müßte. Und

darin sind schon unsere Groß- und Urgroßväter

bestärkt worden nach der Einführung

der allgemeinen Schulpflicht hier

im Jahre 1825, besonders durch die Lehrer,

die nu r noch das Hochdeutsche gelten

ließen und jedes Wort aus der Mundart für

»falsch « erklärt haben. Es ist nur die Frage,

was hier richtig oder falsch ist! Das

Wort »Bach « z. B. ist im Hochdeutschen

männlich = der Bach, in unserer Mundart

und bis nach Norddeutschland ist es »die«

Bach! Nur durch das mehr zufällige Vorkommen

von »der« Bach im südlicheren

Deutschland ist »der« Bach ins Hochdeutsche

gekommen, es hätte aber genau so

gut umgekehrt sein können, ohne daß am

Wert der Sprache sich etwas geändert

hätte.

Aus den oben angeführten Gründen heraus

ist es nun selbst hier so, daß zwar die

Eltern untereinander und mit Leuten aus

dem Dorf die überlieferte Mundart reden,

mit ihren Kindern aber nur die hochdeutsche

Sprache gebrauchen, damit sie es in

der Schule leichter hätten. Ob das so richtig

ist oder nicht, mag eine Frage bleiben .

Zu unserer Kindheit wurde im Haus nur

das »Vaterunser« und dann auch die anderen

Gebete auf Hochdeutsch gesprochen

, sonst aber nicht ein einziges Wort.

Für uns Kinder gab es in der ersten Schulstunde

gleich auch den ersten Unterricht

in der Fremdsprache, so daß wir von früh

an zweisprachig aufgewachsen sind . Mit

Englisch oder Französisch zweisprachig

aufzuwachsen, wird als ein großer Vorteil

empfunden, aber auch darüber läßt sich

streiten .

Wenn man weiß, daß die hochdeutsche

Sprache sich erst langsam entwickelt hat

seit dem 15. Jahrhundert und besonders

durch die Bibelübersetzung Luthers, muß

man ja auch wissen, daß es davor nur die

deutsche Sprache in der jeweiligen Gegend

gegeben hat und daß z. B. auf den

Predigtstühlen auch nicht anders gesprochen

worden sein kann als in der heimischen

Sprache der Leute, etwa der Bayern,

der Rheinländer in unserem weiteren

Bereich, dem Niedersächsischen, dem

Thüringischen usw.

Aber! Die Mundart ist in den letzten Jahren

wieder »in «, wie man heute sagen muß.

Es gibt z. B. im Rheinland Vereine zur

Pflege der Mundart, und wenn diese Leute

ihre Versammlungen abhalten, wird am

Morgen in der Kirche auch auf gut Kölsch

gepredigt von einem Geistlichen, der sich

da frohen Mutes betätigt. Vor etlichen Jahren

ist ein Gebetbuch auf Kölsch herausgekommen

mit den Texten der Bibel usw. ,

dem »Vaterunser«, alles in guter kölnischer

Sprache, und das ist wahrlich eine

gute und sogar amüsante Lektüre.

Wenn man im Kriege nach langer Abwesenheit

nochmal Urlaub hatte und sich im

Zuge der Gegend um Köln näherte und

die ersten echt kölnischen Laute hörte,

war das das erste Gefühl der Heimat; und

so ist die eigene Mundart, bei uns das

Konzer Platt, ein gutes Stück echter Heimat;

da ist unser Ursprung, besonders

wenn unsere Familien schon seit Jahrhunderten

in unserem Dorf oder der näheren

Umgebung zu Hause gewesen sind . So

haben wir also allen Grund, zu unserer

Mundart, die sich aus den ältesten Anfängen

aus dem Volk und seinen Stämmen

heraus entwickelt hat, zu stehen, sie zu

hegen, zu pflegen und vor allem zu gebrauchen.

Die Sprache aber der einzelnen deutschen

Stämme und schließlich des deutschen

Volkes ist hervorgegangen aus der

großen indogermanischen Sprachfamilie,

aus der sich lange vor Christi Geburt die

germanischen Sprachen abgesondert haben

. Der heutige deutsche Sprachrau m ist

besiedelt worden von den Stämmen der

Franken, einem Verband aus mehreren

Einzelstämmen, der Alemannen, der Bayern,

Hessen, Thüringer, Sachsen und

Friesen ; diese haben als Einzelstämme

mit Sicherheit schon sprachliche Besonderheiten

entwickelt gehabt oder mitgebracht.

Durch die sogenannte zweite Lautverschiebung,

in der die germanischen Konsonanten

p, t und k je nach ihrer Stellung

im Wort zu pf, ts (geschrieben als z) oder f

(f), s (s) und eh geworden sind, unterscheiden

wir die oberdeutschen, mitteldeutschen

und niederdeutschen Mundarten.

In den oberdeutschen Mundarten nun,

wozu das Alemannische, das Bayerische,

das Ost- und Südfränkische gehören, hat

sich diese Verschiebung von p-t-k fast

überall durchgesetzt. Dort ist also stets

aus Dorp = Dorf, aus Ap = Affe, aus

Peerd = Pferd geworden ; k ist zu eh geworden

etwa in machen, kochen usw., t ist

zu z geworden in zehn, zwei, zwischen

usw. In den niederdeutschen Mundarten

dagegen, zu denen das Niedersächsische,

das Friesische und Niederfränkische gehören,

sind die alten p-t-k-Laute fast stets

erhalten geblieben; dort heißt es immer

noch Dorp, Ap , maken = machen, tehn =

zehn, Water = Wasser usw. (Am nächsten

für uns ist das schon der Fall in Eupen, wo

Water = Wasser, suppen für saufen steht.)

Im Mitteldeutschen aber, wozu auch wir

gehören, ist diese Verschiebung der p-t-k­

Laute teilweise durchgeführt, teilweise

aber auch unterblieben, so daß frei nebeneinander

stehen etwa Wasser = Water,

aber dat und wat für das und was, op für

auf, aber Affe für ap, Apfel für Appel und

vieles andere mehr. So ist unsere mittelfränkisch

-ribuarische Mundart nach dem

Befund der Konsonanten mit den oberdeutschen

verwandt, andererseits gehen

viele Erscheinungen der Vokale und Fürwörter

(hä statt er, höm statt ihm) und des

Wortschatzes mit dem Niederfränkischen

(der Grundlage des Niederländischen) zusammen

.

Die mitteldeutschen Mundarten bestehen

also aus dem Uferfränkischen oder Ribuarischen

um Köln, dem Moselfränkischen

um Trier, dann dem Meißnischen und

Schlesischen, die sich aber erst nach der

Ostsiedlung herausgebildet haben können.

Wir hier im lande von Monschau

sprechen also die uferfränkische/ribuarische

Sprache, da unser Gebiet im 4./5.

Jahrhundert von den Uferfranken aus der

Kölner Gegend besiedelt worden ist. Das

schließt natürlich nicht aus, daß schon eine

kleine kelto-romanische Bevölkerung

hier Fuß gefaßt hatte, sprachlich aber von

den viel zahlreicheren Uferfranken überdeckt

worden ist; Reste der kelto-römischen

Bevölkerung müssen zum mindesten

in Mützenich, Konzen und Kesternich

überlebt haben, da nur sie diese Ortsnamen

aus der Römerzeit überliefert haben

können.

Die genauer umgrenzten Mundarträume

haben sich endgültig erst im hohen und

späten Mittelalter herausgebildet. Und so

kommt es auch, daß der Raum um Monschau-Konzen

am Hohen Venn als Amt

des Herzogtums Jülich stärker nach Düren

und Köln als nach dem viel näher gelegenen

Aachen orientiert gewesen ist und wir

uns viel näher an der Mundart um Köln als

99


um Aachen zu Hause fühlen, wobei besonders

die Aachener Mundart uns hier

durch die seltene Melodienführung sofort

als fremdartig erscheint.

Deutliche Unterschiede im Wortschatz

(Kalterherberg) und auch in der Aussprache

innerhalb der Dörfer gibt es bis heute.

So heißt der Grasschwaden etwa nach

dem Mähen mit der Sense in Konzen =

Jematt, Mehrzahl Jemaach, in lmgenbroich

dagegen heißt die Mehrzahl = Jemadder.

Das ist derselbe Unterschied wie

in Lammersdorf, Simmerath und Eicherscheid

bei den Wörtern Ledder, Bredder

und Wedder für Leder, Bretter und Wetter,

wo wir in Konzen sagen Lähr, Brähr und

Währ. Sehr auffallend ist das r in Eicherscheid

als das ursprüngliche rollende Zungen-R

wie in Italien das Wort »amore« und

dann das fast ganz im Kehlkopf gesprochene

r in Mützenich , in zwei Dörfern, die

nur wenige Kilometer auseinander liegen .

Monschau dagegen hat die Eigenart, das a

fast wie ein ä auszusprechen. Wo wir sagen

für gefahren = jevarre, heißt es in

Monschau fast »jevärre«. Diese kleinräumlichen

Unterschiede aber sind in den

letzten paar Jahrzehnten schon in hohem

Maße verschwunden durch den regen

Verkehr, Sportbegegnungen, berufsbedingtes

Pendlertum , Reisen ins Ausland

usw., so daß man die Zeit absehen kann ,

daß es zwar noch die einzelnen Mundarten

in den Stammesgebieten geben wird,

aber in einem allgemeinen Sprachgebrauch

ohne die kleinräumlichen Unterschiede,

woran man noch die einzelnen

Dörfer hier hat unterscheiden können.

Neben den Mundarten hat sich also etwa

seit der Zeit Luthers die hochdeutsche

Sprache herausgebildet als ein Instrument

für Verwaltung, Literatur und Wissenschaft,

ohne die regionalen Unterschiede

in der Aussprache zunächst zu beseitigen ;

das ist dann erst durch die allgemeine

Schulpflicht durchgeführt wo rden, ohne

aber auch hier sich ganz durchsetzen zu

können . (Gott sei Dank!)

Die Mundarten bilden aber immer noch

den Urgrund unserer Sprache, aus dem

das Hochdeutsche immer wieder schöpft

und schöpfen muß, wenn es nicht zu einer

papierenen Gelehrten- und Schreibstubensprache

erstarren will. Und gerade die

Mundart hat eine Fülle des ältesten

Sprachgutes bis auf den heutigen Tag bewahrt;

sie ist deshalb keine Sprache niederen

Ranges, sondern das Fundament

unserer gesamten Muttersprache, und

darum auch der Ausdruck unseres inner-

. sten Wesens, ja, die geistige Heimat im

besten Sinne dieses Wortes. Dazu besitzt

die Mundart einen großen Reichtum an

bilderreichen treffenden Ausdrücken und

Sprichwörtern, worin älteste Volksweisheit

überliefert ist, so daß der Verlust der

Mundart einen Schaden größter Ordnung

für die deutsche Sprache und Ku ltur insgesamt

bedeutete. Die Mundart darf also

gerade im Hinblick auf die Weiterentwick-

lung auch der hochdeutschen Sprache

keinesfalls verlorengehen. Vielmehr ist es

unser aller Aufgabe, uns mit ihr zu beschäftigen,

sie zu erhalten, sie zu pflegen

und zu fördern .

Noch einige Besonderheiten:

Es gibt hier die sogenannte Rheinische

Schärfung. Das heißt, daß die Wörter in

der Grundform mit ihren Vokalen in einem

anderen Fall geändert werden. » Das ist ein

großes Haus« = »dat öß e jrues Huus«;

aber »ich war in einem großen Haus« =

»ich worr en enem jrueße Huß! « Das u in

dem ersten Fall war lang und in tiefer

Tonlage zu sprechen , im zweiten Fall aber

kürzer und im Ton wesentlich höher. Dasselbe

gi lt etwa für ein großes Dach

Daach, aber auf einem großen Dach , =

kürzer und im Ton höher.

Dann haben wir in der Mundart Laute, die

es im Hochdeutschen überhaupt nicht

gibt. Wir haben da ein langes aber offenes

o und ein langes aber offenes ö! Der

»Pohl « ist der Pfuhl, aber der »Pool « mit

langem offenen o ist der Pfahl! Die Trompete

»tröötet« mit langem offenen ö-Laut,

bei lang anhaltendem Regen ist es am

»Tröhte« = langes geschlossenes ö!

Wenn man derartige Wörter in der Mundart

schreiben will, muß man sich zusätzliche

Zeichen vereinbaren, um sich wirklich verständlich

zu machen.

Andere Wörter velarisieren, d. h. daß auslautendes

n zu ng wird wie in Wein zu

Wing , Zaun zu Zung , braun zu brung ; dasselbe

geschieht mit nd, das auch zu dieser

Erscheinung gehört: binden zu bönge,

hinten zu hänge, finden zu vönge, bringen

zu brönge;

auslautendes t wird zum k - Laut wie Zeit

= Zick, weit = wick, Kind = Kön k, Wind =

Wöngk, Wand = Wangk; der Laut eh im

Wortinneren verschwindet wie in Licht zu

Li-et, Wicht zu Wi-et, Knecht zu Kne-et,

Recht zu Re-et; der Laut r verschwindet

wie in Gerste = Je-esch, Ferse = Veesch

, bersten = baschde ; der Laut eh

schwindet vor Dentalen = gesagt = jesaat,

was ein ursprüngliches »gesacht«

voraussetzt, gebracht = jebraat.

Für einen Fremden sind besonders

schwierig die Vokale, die getrennt zu sprechen

sind wie lernen = li-ere, gewähren =

je-we-ere, Stern = Ste-er usw.

Die Umwandlung von I mit zweitem Konsonant

zu u ist früher bei uns weiter verbreitet

gewesen als heute. Aus früherer

Zeit haben wir Kalb zu Kauf aber nur noch

in den Flurnamen Kauver-ley und Kauvesch,

die aber in alten Akten noch als

Kälber-Ley und Kälberscheidt vorhanden

sind ; dann haben wir noch den Schalte­

Riegel an der alten zweigeteilten Haustür

als »Schau «, die Klappe im Ofenroh r als

Falte = »Fau «. Im Raum von Roetgen ist

diese Erscheinung noch recht lebendig,

wo die Alte immer noch ist die »Au «, das

Wort bald wird zu »bau « und jählings =

hier = jöllije heißt dort = »jau «.

Auffallend bei uns sind die vielen ö-Laute

wie in ömmer = immer, Sömmerth = Simmerath

, jömmere = jammern, Höymere =

Himbeeren, dröhme = träu men, lönks =

links, Könk = Kind , Wöngk = Wind .

Die neuhochdeutsche Umwandlung der

langen i-u-ü-Laute zu ei , au und eu bzw.

äu hat unsere Mundart nicht mitgemacht,

so daß wir noch haben Wiif = Weib, Liif =

Leib, driive = treiben , stiif = steif, Huhs =

Haus, Struuch = Strauch , ÜI = Eule, hühlen

= heulen, Strüüch = Sträucher, Bühl

= Beule usw.

Wir Rheinländer sind leicht zu erkennen an

der Aussprache des I-Lautes, der bei uns

etwas weiter zur Keh le hi n und etwas

dunkler gesprochen wird al s in anderen

Gegenden und i n Bonn und Umgebung

extrem lange angehalten wird,. Ähnlich ist

es mit dem eh-Laut, der bei uhs meistens

von dem breiteren sch-Laut nicht oder

kaum zu unterscheiden ist, so daß wir

vielfach sagen »leischt« und »Kirsche«

und »weisch « anstelle von leicht, Kirche

und weich.

An diesen Merkmalen wird unsere Stellung

in der Mundart von zugezogenen

Leuten leicht erkannt. Aber sollte es

sch limm sein, daß unser erster Bundespräsident,

Professo r Theodor Heuss, beim

zweiten Wort schon als typischer Schwabe,

der Bundeskan zler Adenauer als typischer

Rheinländer zu erkennen waren ,

wenn z. B. Konrad Adenauer nicht immer

so besonders »pingelig« sein wollte, und

der Bundeskanzler Helmut Schmidt als typischer

Norddeutscher aus Hamburg zu

erkennen war? Der frühere Ministerpräsident

Hinrich Kopf von Hannover hat sich

jedenfalls nicht gescheut, einmal eine große

Ansprache in unverfälschter niederdeutscher

Mundart zu halten. Und wie froh

war der Prälat Peter Schreiber aus lmgenbroich,

wenn er ein paar Tage hier sein

konnte und die Unterhaltung in echtem

lmgenbroicher Platt vonstatten ging!

Das alles sollte doch auch uns ein Ansporn

und eine Verpflichtung sein , an unserer

angestammten und angemessenen

Sprache unserer Landschaft mit allen Eigentümlichkeiten

in Treue festzuhalten!

Bei der Arbeit an der Mundart sind in der

Hauptsache zu Rate zu ziehen die Wörterbü

cher der althochdeutschen (ahd) und

der mittelhochdeutschen (mhd) Sprache

sowie das Rheinische Wörterbuch mit

neun dicken und eng beschriebenen Bänden,

in dem so ziemlich alle Mundartwörter

der ganzen Rheingegend besprochen

sind mit ihren Verbreitungsgebieten.

Es folgen nun in freier Auswahl eine Reihe

von Wörtern unserer Mundart, die zum Teil

aus uralter Zeit stammen und auch teilweise

nur noch von ganz alten Leuten gekannt

sind , die aber besonders auffallen

und im Hochdeutschen in dieser Form

nicht vorhanden sind. Dazu gibt es etliche

Wörter unserer Mundart, die ganz kurz

und knapp Aussagen machen, für die man

im Hochdeutschen einen ganzen Satz bilden

muß ; andererseits gibt es im Hoch-

100


deutschen auch Wörter, für die wir überhaupt

kein entsprechendes Wort haben .

Da nennen wir zuerst einmal das Wort

»Schnu r« = Schwiegertochter, ein Wort,

das aus der ältesten indo-europäischen

Sprache stammt mit verwandten Wörtern

in der griechischen und lateinischen Sprache,

aber nur noch ganz alten Leuten bekannt

ist und mit der Schnur = Kordel

nichts gemein hat;

der Schwiegersohn war allgemein der

»Edern « = Eidam , heute auch kaum noch

gebraucht, aber noch vielfach gesucht in

Kreuzworträtseln;

der Großvater war früher der »Bääste-Vaader«

und die Großmutter die »Bäästemooder«;

»sich bestaade« ist das Wort für heiraten

und ist bis vor gut 20 Jahren hier allgemein

üblich gewesen, dann aber durch das

mehr angepaßte Wort »hiiroode« ersetzt

worden . Das Wort »bestaade« bedeutet,

daß jemand nach der Heirat an die richtige

Stätte kommt, wenn er oder sie nun in das

eigene Haus kommt; allerdings wird man

bestattet, wenn man nach dem Tode nun

wirklich die letzte und endgültige Stätte

gefunden hat. Im Jahre 1527 ist der Hardthof

in der Hand eines Huprecht Weiter aus

Eupen . Am Rande der Akte steht die Notiz:

»bestadt mit agnes Dochter von der

Hardt. « Und in der Jülich-Bergischen Gerichtsordnung

um 1555 heißt es : »Eltern

die eynen son (Sohn) bestaidt hatten « .. .

und »die ein Kind zo der hilliger ehe bestaden

« . . .

Alle Wörter für die einzelnen Verwandten

sind auch bei uns vorhanden bis auf den

Netten, für den wir überhaupt kein Wort

haben. Wenn man einen solchen Verwandten

bezeichnen will, muß man sagen:

»Dä maß Ohm a mich saa« = der muß

Onkel zu mir sagen; wohl gibt es das wart

für die Nichte = et »Ni-etche«.

Bei den Körperteilen haben wir für die

Waden = die »Broode«, mit langem offenen

o-Laut, die Kniekehlen sind die »Höste«,

das Schlüsselbein ist die »Halskännef«

und kommt her von der Kännef, einem

zum Halbkreis gebogenen Eichenholz

mit einem Holzverschluß, der den

Kühen im Stall um den Hals gelegt wurde

zum Festmachen an dem Balken, der

»Dann«.

Das Schulterblatt zum mindesten beim

Schwein ist der »Pi-epsch «; wenn die

Hand verstaucht ist, ist sie »verbällt«, eine

Narbe ist ein »Lönkzeeche« , die Gesichtsrose

ist die »Bäll-Ru-es«, der Milchschorf

bei kleinen Kindern ist der »Vreeßem «,

und wenn kleine Kinder plötzlich sterben

mit blauen Flecken am Leib ohne eine

andere erkennbare Ursache, haben sie die

»ßejoovung«; man hat da geglaubt, daß

von einer Hexe dem Kind etwas Böses

angetan worden sei mit den blauen Flekken,

daß es mit etwas Schlimmem »begabt«

worden sei. Von dem Wort geben

kommt nämlich das Gift, das auch eine

Gabe ist; und diese soll selten abgelehnt

werden, wenn es sich um die »Mit-Gift«

handelt, die die junge Frau mit in die Ehe

bringt.

»Et öß övverzich« heißt es, wenn es gerade

aufgehört hat zu regnen ; »et hatt merr

jeruumt« = ich bin mit der Arbeit gut vorangekommen;

hier muß man mithin im

Hochdeutschen einen ganzen Satz bilden

für das eine Wort hier.

Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern, die

gleich oder sehr ähnlich klingen, aber mit

ganz verschiedener Bedeutung ; zum Teil

unterscheiden sie sich nur durch den kürzeren

und geschärften Ton, für den man

ein besonderes Lautzeichen einführen

muß, wie man es vor etlichen Jahren im

Rheinland für Texte in Mundart getan hat.

»Du haß dr Krau « sagt man, wenn jemand

mit einer üblen Hautgeschichte belastet

ist; aber des Abends wurde vielfach von

der frischen Buttermilch ein Brei gekocht,

und das war die »Krau« , aber mit kurzem

Hochton;

»mr mosse jett schure« = wir müssen

einen Regenschauer - etwa unter einem

Schuppen - abwarten ; aber: »di Koh öß

sech am schure« = die Kuh scheuert sich

(an einem Balken);

»dr Kai « ist der Überdruß etwa an einer

Speise, »ene Kai « = hochtonig ist ein

etwa faustgroßer Kieselstein oder ein dünner

Holzspan zum Anzünden der Pfeife,

wenn besonders der Großvater im Prötter,

einen Sessel hat es hier nie gegeben, saß

und immer wieder die Pfeife anzünden

mußte ; diese dünnen Späne, auch genannt

»Fiete«;

sehr schlechtes, stark regnerisches Wetter

ist »vlöödesch «, wohl von fließen , aber

»vlöddesch« ist etwas Unsauberes, Gemeines,

auch ein übler Mensch;

das »Schaaf« ist der Schrank, aber die

»Schaf«, hochtonig, ist die Schabe, für das

Weißkraut, den Kappes, und wurde im

Herbst von Haus zu Haus ausgeliehen;

de »Strooß« = hochtonig ist die Straße,

die »Strooß« dagegen ist die Gurgel ;

»trööte« = sehr stark regnen, aber »trööte

mit langem offenem ö-Laut = trompeten ;

die Frucht heißt der Mais, die Kuh aber ist

»maiß«, hochtonig, wenn sie kein Kalb

bekommt;

»Schnodde« sind dünnes Reisig, Schnoode

aber sind Striemen auf der Haut nach

Schlägen mit einem dünnen Stock etwa;

der »Vleem « ist das etwas lose herabhängende

Fell unter dem Hals eines Ochsen ;

der »Vreedel« ist eine kräftige Stange, mit

dem man die Kette um einen mit Holz

beladenen Wagen festdrehte;

»Kai « und »Köhß« bedeuten etwas Dummes

und überflüssiges Geschwätz;

»Jedüüsch« ist viel Lärm verschiedener

Art ;

»Jedöhns« bedeutet viel Getue, viel Aufhebens,

»jimße« = mit dem Fuß ausschlagen vom

Pferd wohl gesagt;

»jütze« = wenn ein Balken sich ein wenig

durchbiegt, wenn man darauf tritt;

»de Week« ist der Docht in der Petroleumlampe

;

»schnorke« = schnarchen;

»schnörke« = etwas versengen oder nur

ansengen;

»Trontes« = nach dem Rh . W. Buch nur

hier im Umkreis von Monschau bekannt,

ist etwas dickflüssiger Matsch, der sich um

den Misthaufen sammelt;

»sich teere« = sich anständig aufführen;

»et Netz« = die Nachgeburt von Kühen

oder Pferden;

»der Nöödel« = ist der Stier oder auch der

Ochse;

»fompen « = schaukeln , und die Fomp ist

die Schaukel ;

»döck« oder »döcks« ist oft, so schon im

mhd. = dicke;

»jöllije« = plötzlich, wohl zu jählings;

»Bolze« oder »Bolze-Eicher« sind die

Bucheckern, in alten Akten entsprechend

den Eicheln auch Bucheln genannt mit

einer dreieckigen Form ; und danach hat

das dreieckige Eisen den Namen gehabt,

das heißgemacht in das Bügeleisen gesteckt

wurde ; und das Bügeleisen war das

Striech-lser, und bügeln hieß »striichen«;

»läppe« = die Karre zurücksetzen;

an jeder Karre, vor allem wenn sie ins

Venn fuhr, hing eine besonders kräftige

Hacke mit dickem Stiel zur Hilfe bei Mißgeschicken

= et Hau-wi-el; über den Ursprung

dieses Wortes ist man sich selbst

im Rh. W. Buch nicht ganz einig;

unter jeder Karre hing et »Rooß-Duch«,

ein größeres Stück aus Sackleinen, in dem

man verschiedene Dinge mitnehmen

konnte ;

»schuffel « ist etwas Übles oder Kränkliches;

ein »Könkel « oder ein »Plotz« ist eine

größere Wasserstelle im Bach; und eine

ältere Tante, die zum erstenmal auf einer

Reise den Vierwaldstätter-See zu sehen

bekam, soll vor Erstaunen lauthals ausgerufen

haben : »Nee, wat ene Platz! «;

eine »Legche-Brööht« sagt man zu· einem

dünnen und schlechten Kaffee, der nach

nichts schmeckt; das kommt von den Besatzstreifen

am unteren Ende der Hosenbeine

und in den Tuchkappen, die einmal

im Jahr herausgetrennt und ausgewaschen

wurden; die da herauskommende

Brühe war dann die »Legche-Brööht«;

die »Hosse« sind die Strümpfe, und ein

Kind ohne Hosse ist nicht ein Kind ohne

Hose, die hier allgemein den Namen

»Botz« hat;

der »Stüpp« ist das verlängerte Rückgrat,

um sich vornehm auszudrücken; denselben

Namen hatte aber auch eine kurze

Männerjacke;

die »Teft« ist die Hündin, der »Bi-er« ist

der Eber;

die »Hüüve« sind die Murmeln, mit denen

besonders im Frühjahr viel gespielt worden

ist,

die »Tromm « war ein muldenförmiges

Verbindungsstück zwischen dem alten Kanonenofen

und dem Ofenrohr, auf dem

101


man die Kaffeekanne warm zu halten

pflegte;

der Bursche kann mit einem Mädchen haben

»e Fisternöllche«, »e Knüüfje «, »e

Küddelche«, alles gesagt für --eine --tief:f~ -­

schaft;

»kott« ist böse= ein Junge= »ene kodde

Jong «; auch eine Anhöhe kann kott sein

für den Ochsen mit der schwer beladenen

Karre;

»kollich« = quadlich = übel = kurz vor

dem Umfallen ; beide Wörter von einem

alten Wort »quad « aus dem mhd ;

»verschmööcht« ist ein Kind, wenn es verwöhnt

ist;

»jekrööcht« = dämm hann ich je Hoor

jekrööcht = nichts Böses getan;

»schnack« = aufrecht = gerade, ohne

Krümmung;

»Strämp« sind die Rippen etwa in den

Blättern der Esche;

»Scharfbrett« war eine größere Platte aus

Holz mit Rand, auf dem früher das Wurstfleisch

kleingehackt wurde, ehe man es

durch das Wurstmaschinchen drehen

konnte;

»Termöll« = Lärm, Tumult, Trubel;

»e Wänselche« = ein bißchen, kommt von

Wäntchen und vom Quäntchen, war ¼

Lot, ist aber im Anfang der 5. Teil gewesen

von spätlateinisch quentinus = der fünfte ;

der »Quänger« ist der Gewinner, der

Stärkste, zu dem Wort zwingen ;

der Stiel in der Sense ist der »Worep «, der

Stiel in der Axt = de »Eiste-Häleft«; eine

Delle im Sensenblatt ist eine »Daaver«,

der breitere Teil der Sense nahe am Worep

ist die »Hamm «, dengeln ist »haare«

= härten;

»do hat merr jenne Pack-aa«, da kann man

schlecht anpacken.

In jedem Haus befand sich früher eine

größere Kiste oder Truhe, besonders bestimmt

für die Aussteuer der Tochter; darin

war eingefügt ein kleines Fach = et

»Denkelche«, das auch als Geheimfach

gedient hat.

»U-ezele« sind Reste vom Essen, besonders

vom Brot;

»e Kitt« ist ein Korn und »e Kittche ein

kleines Korn, die Mehrzahl sind die

»Kidder«;

»klüchtech« ist etwas sehr Seltsames, das

man nicht verstehen kann;

»ze-we-esch « ist ein immer nörgelnder,

starrsinniger Mensch, der stets quer steht

zu den anderen Leuten ; und genau das ist

in dem Wort ze-we-esch enthalten, das im

Körper querliegende Fell im Brustraum ist

so richtig das Zwerchfell;

die »Forek« war die Gabel, in der der

große Balken am Ziehbrunnen gelagert

war, zu dem französischen Wort fourche

und die kleine Gabel beim Essen = die

fourchette. Ein solcher Ziehbrunnen wie in

der Pußta an dem Haus gegenüber der

Quirinus-Kapelle bis um 1930 - leider gibt

es kein Bild davon -; ein zweiter solcher

Brunnen hat sich befunden an dem Haus

Call auf dem öntepohl, das 1898 abge-

brannt ist. Sonst sind die Eimer mit Wasser

mittels einer langen Stange oder einer

Kurbel mit Kette aus den Brunnen entnommen

worden.

Dä hat ene »Schiech« mit kurzem geschlossenen

e-Laut = der Mensch, der für

eine bestimmte Sache geschickt ist;

»dr Peps« ist eine Erkältungskrankheit;

en »Splöngs« ist ein dürres, mageres

Frauenzimmer;

»e Mensch « kann man auch sagen für ein

»Vraumingsch « = eine Frau ; da sagte ein

älterer Mann zu einem schon nicht mehr

ganz jungen Junggesellen : »Du moß

senn, dat de e Mensch kriß! « = Du mußt

sehen, daß du eine Frau bekommst.

Ein kleines Kind muß man mal »pööse«,

d. h. sein Gewicht in der Hand abwägen,

von franz. peser.

»trössele« = im Wasser herumpantschen;

»e Krüffje« = ein Leibchen aus Leinen für

kleine Kinder, woran die Strumpfbänder

befestigt wurden, aber auch für Frauen,

bevor die modernen Miederwaren ihren

Einzug gehalten haben;

»mallesch « = jeder einzelne;

der Schnee »fiselt« = kommt in ganz feinen

Strähnen herunter;

der Schnee »schiffelt« wird in dünnen

Schwaden vom Dach geweht oder über

die Straße gefegt;

der »Bööres« ist eine ungeschnittene

Hecke etwa, die zu einem wilden Buschwerk

herauswächst, kann auch ein ungepflegter

Haarschnitt sein;

etwas »verdömpele« = eine Sache sehr

geheim halten ;

»ajangs« noch net = dafür gibt es noch

keinen Angang;

»Leverling « war das alte Wort für die

Lerche ;

»Deeßem « der Sauerteig;

»Boßem « der Rauchfang über dem offenen

Feuer;

»eddrije« = vom Rindvieh , wenn es wiederkaut

= das unzerkaute Gras zurückrücken;

»onnere« = ein Mittagsschläfchen halten,

daher wohl das »Onner-Stättche« im

Venn.

Unten im Haus war et Huus = die Küche,

daneben die Stube und die Kammer, oben

war der Söller als Zimmer, und darüber

war der »övveschte Söller« = der oberste

Söller, aber einen »Speicher« hat es nie

hier gegeben ;

der Deckenbalken in der Stube war der

Trf-ef von alt-franz. tref; auf dem Dach sind

nicht die Sparren, sondern die »Käffere«

(ursprünglich aus Kiefernholz?) ;

die starken Querbalken auf dem Dach sind

nicht die Pfetten, sondern die »Werm «, die

starken Querbalken in der Scheune sind

»Streckbalken « (ges·treckt?);

der aufgeschichtete runde Tu rm von Roggen-

oder Hafergarben in der Scheune ist

der »Barm «;

der Absatz am Schuh ist die »Knüül «;

die Zunge im Schuh = die »Plööß «;

»sich zauen « = sich beeilen ist noch bis

vor etwa 200 Jahren durchaus im Hochdeutschen

üblich gewesen;

»biesen « tun die Kühe und Rinder, wenn

sie bei schwülem Wetter vor den Dasselfl

iegen auf und davonrennen und nur mit

großer Mühe zu beruhigen sind; dazu

schon in der mittelalterlichen Dichtung:

»Die Rinder auf den Wiesen , die fangen an

zu biesen «;

der »Mällem « ist der ganz lockere Straßenstaub,

der vor den geteerten Straßen

im Sommer durch die Automobile eine

große Plage darstellte, auch schon ein

ganz altes Wort seit dem Mittelalter,

»Kröiele« sind die Sumpf-, Rausch- oder

Trunkelbeeren im Venn , und die Kraniche

sind bei uns die »Kröiel-Jänse«, die sich

besonders gerne von diesen Beeren ernähren

.

Einen besonders großen Reichtum hat unsere

Mundart hervorgebracht an Bezeichnungen

für Männer und Frauen und für

beide Geschlechter gemeinsam, um bestimmte

Charaktereigenschaften auszudrücken,

für die es im Hochdeutschen keine

entsprechenden Wörter gibt, so daß

man dort fast immer sagen muß, das ist ein

Mensch, der so und so ist. Eine größere

Zusammenstellung darüber ist erschienen

im Heimatkalender Monschau, 1966, S.

65 ff., unter der Überschrift: »Über den

Reichtum unserer Muttersprache.«

Hier daraus nur eine kleine Auslese, zunächst

für Männer:

der Knüvert = ein verschlossener, älterer

Mann, oft mürrisch;

der Dodderer = ein Unruhegeist, unstet,

immer beschäftigt;

et Knotterdöppe = einer, der immer etwas

zu schimpfen hat;

der Bräseler = viel beschäftigt, wenig mit

Ausdauer;

der Hospes = ursprünglich der Gastfreund

, hier aber etwa ein rechter Dummerjann

;

der Vlüch-Opp = einer der gleich aufbraust,

stets aufgeregt;

der Seever-Jelles = einer, der viel seibert

und dumm redet;

der Blaares , der immer laut zu quatschen

hat;

der Pokrater = der üble Kritikaster.

Nur für Frauen :

die Strööf = bösartiges Frauenzimmer,

Klatschbase ;

die Schlonz = unordentliche, schlampige

Frau;

die Väsch = ein Luder, das herumrennt,

überall die Nase dazwischen ;

die Zibbel = empfindlich und leicht beleidigt;

die Klaaf = die überall herumlaufende

Schwätzerin;

der Köttel = hoffärtig, besonders von jungen

Mädchen gesagt;

die Mööß = unförmig dickes Frauenzimmer;

102


Nun fü r bei de Geschlechter:

die Schnöver = sehr wählerisch im Essen

und Trin ke n;

die Jrühl = ursprünglich eine irdene

Schüssel , dann ein etwas unbeholfener

Mensch ,

die Krent = Korinthe? , ein Mensch, der an

allem etwas auszusetzen hat;

die Brey-Muhl = einer, der dauernd dummes

Zeug quatscht;

der Mocks = ein wortkarger, verbitterter

Mensch;

der Schlodderes = unordentlich in Kleidung

und Arbeit;

der Plack-Kopp = der üble Schuldenmacher

;

eine Brack = ein knochiger, starker und

derber Mensch ;

die Tränte! = immer langsam, auch bei der

Arbeit ;

die Knossel = unsauberer, schmutziger

Mensch;

der Tal epert = ein unbeholfener, tapsiger

Mensch ;

der Jief-Sack = einer, der immer etwas

haben wi ll von anderen und dabeisteht, bis

etwas abfäl lt;

der Kader = ein Mensch, der viel im Dorf

hin und her läuft, meistens noch derber

bezeichnet als »Kader-Arsch «; wenn junge

Mädchen früher des Abends viel hin

und her gelaufen sind, wurden sie von den

Bursch en gepackt und »jeriesert«, das

heißt mit Dornenreisern über die Kehrseite

traktiert.

Auch das war nur eine eher bescheidene

Auswahl , zeigt aber, daß die Mundart eine

ganze Reihe von Wörtern kennt, um den

einzelnen Menschen genau zu beschreiben,

die man nur mühsam ins Hochdeutsche

übertragen kann.

Eine große Anzahl von französischen

Fremdwörtern ist in unsere Mundart ein- •

gedrungen während der Franzosenzeit

von 1794-1814, als das ganze linke

Rheinufer für viele Jahre dem französischen

Staat unmittelbar eingegliedert war.

Nach dem Abzug der Franzosen im Januar

1814 schreibt der Lehrer Johann Huppertz

aus Konzen· in die Chronik: »So, nun kann

ich wieder in Deutsch schreiben! « Andererseits

aber haben sich die Franzosen

nach einer Reihe von Jahren noch beschwert,

daß die französische Sprache

sich immer noch nicht durchgesetzt habe.

Wie sollte sie aber auch, wenn zuerst die

Lehrer nur recht mühsam sich um diese

Sprachkenntnisse haben bemühen

müssen!

Es muß aber auch betont werden, daß

schon eine nicht sehr geringe Anzahl von

französischen Wörtern lange vorher in den

Kölner Sprachschatz eingedrungen war

durch Handelsbeziehungen über die Niederlande

und den jetzt belgischen Raum.

Viele der französischen Fremdwörter sind

inzwischen aus unserer Mundart wieder

verschwunden und nur noch von ganz alten

Leuten überliefert.

Drei größere Beiträge zum Thema: »Französische

Fremdwörter in unserer Muttersprache«

sind erschienen in unseren

Jahrbüchern 1973, 1974 und 1980. Daraus

kann hier nur eine kleine Auswahl

getroffen werden, wie folgt:

arejel frz. en regle = regelrecht z. B. einen

verdreschen, Butelleje = Flasche, von frz.

bouteille, auch »Buddel «;

Hüßje = kleines Haus; a Hüßjes kann

auch auf den huissier zurückgehen, den

Gerichtsvollzieher;

Jroffesne-elcher = Gewürznelke zu frz.

girofle;

Beschütte = Zwieback zu frz. bisquit =

zweimal gebacken;

Knoschele = in Aachen = Kroschele =

Stachelbeere zu frz. grosseille;

Makei = Quarkkäse = aus dem Wallonischen;

Me-erel = Amsel, zu lat. merula = frz .

merle;

Pajaß = Strohsack, zu frz. = paillasse;

Pareplüm = Regenschirm, zu frz. parapluie

;

quanßieß = nur so, ohne bes. Absicht, zu

frz. quasi;

Ringelatte = gelb/grüne Pflaumenart, zu

frz. reineclaude;

Schal6tte-Öllesch = kleine Zwiebel, zu

frz . echalote;

Schasewitt = einen hohen Bogen machen,

in hohem Bogen fliegen , zu frz.

chassez-vite = Kommando beim Tanzsprung;

Scheermüülche = süßes Weizenbrötchen,

zu frz. semoule, wallonisch ehermaule

= Weizen ;

Schwitt = eine ganze Anzahl , zu frz. suite;

Tänte = Kirmesbuden, zu frz. tente = Zelt;

Truffel = Maurerkelle, zu frz. truelle;

tujur = fortwährend, zu frz. toujours = alle

Tage, stets ;

partu = auf jeden Fall, zu frz . partout =

überall;

Vürer = Marder, zu frz. furet = Frettchen ;

Zing = Bütte, zu frz. tine = Kübel , Zuber;

Möisch = Spatz, zu lat. musca, frz. mauehe

= Fliege;

Mostert = Senf, zu frz. moutarde, wallonisch

= mostat;

Traleje = Fenstergitter aus Eisen, zu frz.

treille ;

Jilett = Weste zum Herrenanzug, zu frz.

gilet = dasselbe;

allä = los, Abmarsch , zu frz. allez! Ein

älteres Ehepaar von hier war in einem der

wallonischen Dörfer zugegen, als sich eine

Prozession formierte und der Pfarrer

0

schließlich das Kommando gab zum Abmarsch

mit dem Wort: »Allez! « Da hat das

Ehepaar nicht schlecht gestaunt und zu

Hause berichtet, daß der Pfarrer dort tatsächlich

originales Konzer Platt gesprochen

habe.

Schabau = Schnaps soll aus aqua sabaudica

= savoyisch Wasser entstanden sein

und muß über das Französische den Weg

zu uns gefunden haben ;

dasselbe gilt für Schavunge, das auf dieselbe

Grundlage zurückzuführen ist =

chou de Savoye = Kohl aus Savoyen.

Das muß an dieser Stelle genügen, die,

wie gesagt, nur eine kleine Auswahl bieten

kann .

Beim Amt für Rheinische Landeskunde in

Bonn ist ein Handbuch der rheinischen

Mundarten in Vorbereitung, worin zwei

Beiträge im echten Konzer Platt erscheinen

werden.

Darin soll nochmal vieles für die Nachwelt

erhalten bleiben, was im Rheinischen

Wörterbuch in langjähriger Arbeit von

1928-1978 zusammengetragen worden

ist. Inzwischen hat sich schon wieder vieles

geändert, das in dem Handbuch auch

in Lautschrift nachgewiesen werden soll.

Und im übrigen ist es so, daß mit dem

Verschwinden der alten Sachen auch die

Wörter zum Untergang verurteilt sind. Wer

wird in einigen Jahrzehnten noch die Wörter

kennen , die zum Pflug etwa gehören

oder zu anderen Dingen in der Landwirtschaft,

beim Hausbau, bei der Kleidung,

bei den Nahrungsmitteln usw.? Darum ist

es so wichtig, wenigstens die alten Wörter

zu den Sachen festzuhalten .

Zum Abschluß unserer Betrachtungen zur

Mundart soll noch ein Wort von Goethe

stehen, - das macht sich immer gut - der

in einem Gespräch zu Eckermann gesagt

hat: »Der Dialekt ist doch eigentlich das

Element, in welchem die Seele ihren Atem

schöpft.«

Und ganz zum Schluß soll als Beispiel

noch eine etwas heitere Geschichte aus

unserem früheren Dorfleben stehen in originalem

Konzer Platt, Nachdruck aus dem

Jahrbuch Landkreis Monschau, 1956:

E Fest am Dorep

Err jodde alde Zick joof et märr zwei Feste

em Jahr, dat worr Fastel6ovend on de

Köremes. Da worr natürlich jet looß! De

jong Barsche sparten ävver ach dat halef

Jahr dervörr Jrosche vörr Jrosche; dänn

op Fasteloovend on op err Köremes woht

merr sich doch net lompe lasse; dat Jelo6ch

kost at Jäld, on di Mädcher wohten

ach jätt hann, on vörr dänne woht mallesch

dr' decke Weilern markeere.

Nu joof et ävver noch e dreyt Fest, wo

zwar net jedangst wuer, wat ävver doch

sing Bedügdung hatt, on dat worr der Namensdaach

vam Pastuer oder vam Vikar.

Vörr jot hongdert Johr hatte merr nu e

Konze der Vikar Gimken, on mot Vürnahm

hesch hä Friederich, on singe Namensdaach

veel op dr vönefde Mearz. Do

worr ävver och nu schlaachmfeßesch et

jangße Dorep op de Been. De Vereine

stellten sich en enner lange Reyh op, zeischt

dr Kerchekuer, da de Musik on zelääßt

der Krejerverein. De Mannslück hatte

noch bahl all dr Vollbart stoh, brung on

schwarz on mängelehrt on duvewiß. A de

Been hatte se de langschäftije Stevvele,

oevenerömm e deck wölle Kamesool on

zeövvescht dr blohlinge Ruuschekeddel

103


mot jestekde Böertcher. Märr dr Dirijent

vam Kerchekuer on dr Hauptmann vam

Krejerverein komme e Läpperock on Zylinder.

Wänn se nu all 6pmarscheert worre,

komm dr Vikar vörr et Huus on let sech

iere. Et jangß anger Volek stong drömeröm,

on dat de Könk sich dr Hals ußrängkte,

ka merr jo verstohn.

Nu worr et ävver at arr Naht on reat düster,

wänn er lohs jing, on Lampe johf et dozemohl

noch net. Och Feuerwerkskörper

konnt mr noch net jälde. On doch johf et

en jrueßardije benjalische Beleuchtung.

Dovörr hat Bredenhoffshuppert jesorcht.

Dä hat sech en aalt Erpelspann op en lang

Stang jeneelt, Dorfmöll dre jedohn on

düchtech mott Petroleum jedrängt. Dä

Brassel en därr Pann fing hä da ahn on

hellt di Stang mot därr Pann huech övver

et jangße Volek. Dr Wönk jooch de Vlamm

on dr Qualem övver de Köpp erwefsch, de

Könk resse Muhl on Uere op, de Mädcher

leef et kalt dr Röck eraaf. Bredenhoffshuppert,

e alt klee Männche, mot sech düchtesch

schän dr Wönk stämme, söß wörr et

mot Vürpann on allem ömjevlo6che.

On dann hat Kuhlepittshermännche och

noch en Erfindung jemaacht. Hä hat en

Köst op ener Stang; on en dämm vöddeschte

Brett hat hä e jrueße Buchstabe

ußjessächt: »VIVAT FRIEDERICH! Dan

hatt e en di Köst en Petroleumslamp jestallt,

on esu lüet dä Jlöckwongsch wickeweisch.

Wänn et nu esu richdesch lohs jing , song

ze fescht dr Kerchekuer e Lett, dann speilt

de Musik e Stöck, on dann komm de Fest­

Reed. Di mot haalde zo singem jrüeste

Leed dr Hauptmann vamm Krejerverein,

on dat worr Mareiendeeresnöll. Dä arme

Keerel konnt ävver nu jarnet jot kalle. Ävver

domm worr hä jo och net. Vörr nämlesch

net eruszejero6de, hat hä sich di

Reed op ene Zöddel - schriive ka merr

net sah - opjekrakelt; dä Zöddel hat hä

vüer em Zylinder lije, on nu brucht hä märr

afzelösse.

Wi et nu stell wuer, ving hä ahn : »Hochgeehrter

Herr - Herr Vikar! Es ist uns eine

große Ehre - Ehre-« do vingen at e paar a

ze laache. »Sett doch ens stell!« Saht

Mareideeresnöll jangs verkiert, jroße Ehre,

Ihnen, sehr verehrter Herr - Herr Vikar zu

Ihrem Namens - Namensdaach heute -

heute«, do lachten at werr e paar esu

dreckesch. - »Haalt doch ens endlech de

Muhl! « mott hä derzwesche schänge, -

»heute unsere herzlichen Jlück - Jlückwünsche

entjejenbringen zu dürfen. Wir

hoffen - hoffen, daß Sie noch lange hier

leben - leben « - on do jooch höm dr Wönk

dr Zöddel vort - »und sterben werden !«

macht hä jäng dr Satz ze Engkd . Do ving

ävver et Volek balbaresch ahn ze laache.

» Vivat Friederich !« bröllt hä ävver noch

jäng drzwesche.

»Vivat Friederich! « bröllt do och et jangße

Volek.

On dr Wönk bleeß en et Vü r, on dr Qualem

jooch övver de Lück, on se laachde on

hatten en Vreud, on dr Vikar stong on

laacht övver sing brav Lückcher. Dann

hollt der Vikar de Vürstänk van de Vereine

en et Huus, do joof et dann mächtije Öertscher

Resteener, on dat öß jo an sich at e

Fest. Et anger Volek jing nu langsam no

heem, suwick et net noch en de Wirtschafte

jing; on et worr en Kall6t em jangße

Dorep, on et wur noch wääschelang jekallt

on jelaacht övver et fingste Fest vamm

Johr.

Literaturangaben

Auch hier können nur die wichtigsten Unterlagen angezeigt

werden. Es ist besonders gearbeitet worden im

Stadtarchiv Monschau, im Pfarrarchiv Konzen, im

Stadtarchiv Aachen, im Gen. Vikariatsarchiv Aach en,

im Gen. Vikariatsarchiv Köln und vor allem im Hauptstaatsarchiv

in Düsseldorf. Die wichtigsten Aktenstükke

sind jeweils im Text angegeben.

Viele Einzelheiten sind entnommen den jährlichen Abrechnungen

der Forstmeister des Amtes Monschau im

HSIAD, fast vollständig erhalten von 1502/03 bis

1793/94, dann den Abrechnungen der Monschauer

Rentmeister ab 1507 fast vollständig bis 1792/93;

dann den Rentlagerbüchern des Jahres 1649 im Stadtarchiv

Monschau und im HSIAD, die aber nicht ganz

identisch sind; dann den Erbungsbüchern des Landgerichts

Monschau Nr. 1 = 1603-1660 im HStAD, Nr. II =

1661-1777 und Nr. III = 1778-1793 im Stadtarchiv

Monschau.

Die Ak1en der Notare in Monschau von 1798-1920 im

HSIAD.

Durchgearbeitet sind die Monschauer Zeitungen =

»Stadt- u. Landbote« von 1848 bis 1936 mit Lücken,

Das »Montjoier Volksblatt« von 1880-1940 mit kleinen

Lücken.

An gedruckten Werken sind zu nennen:

Wilhelm Ritz: Urkunden und Abhandlungen zur Geschichte

des Niederrheins und der Niedermaas, Aachen

1824.

Fr. Cramer: Rheinische Ortsnamen aus römischer und

vorrömischer Zeit, Düsseldorf 1901.

Heinrich Laumans: Geschichte des Montjoier Landes,

speziell des fränkischen Königshofes Conzen, Monschau

ca. 1910.

Otto R. Redlich: Jülich-Bergische Kirchenpolitik am

Ausgange des Mittelalters,'2 Bände, Bonn 1911 .

J. Janssen - F. W. Lohmann: Der Weltklerus in den

Kölner Erzbistums Protokollen, ein Necrologium Coloniense

1661-1.825; 1935-1936.

Heinrich Rübe!: Die Wechselbeziehungen zwischen

Rasse, ·Geschichte, Familie, Konfession und Beruf,

dargestellt an am Beispiel der Bevölkerung von Monschau,

1939.

Dr. A. Z. Huisman: Die Verehrung des heiligen Pankratius

in West- und Mitteleuropa, Haarlem 1939.

B. Willems: Ostbelgische Chronik, Bd. 1 = 1948, Bd. 2

= 1949.

Gesch. Verein Monschau: »Das Monschauer Land,

historisch und geographisch gesehen«, 1955.

Heinr. Kaspers: Comitatus nemoris: Die Waldgrafschaft

zwischen Maas und Rhein, Aachen, 1957.

Heinrich Dillmaier: Rheinische Flurnamen, Bonn 1963.

Helga Müller-Kehlen: Die Ardennen im Frühmittelalter,

1973.

Dietmar Flach: Untersuchungen zur Verfassung und

Verwaltung des Aachener Reichsgutes von der Karolingerzeit

bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, 1976.

Ludwig Falkenstein: Karl der Große und die Entstehung

des Aachener Marienstiftes, 1981.

Reiner No/den: Besitzungen und Einkünfte des Aachener

Marienstiftes, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins

Bd. 86/87, 1979/80.

Weitere Angaben zur Geschichte unseres Gebietes

hier im Jahrbuch »Das Monschauer Land « 1988, S.

98-101.

104


Jf::; " C

• -

-:lfJs

Ji~r-~ ... ~--:~•~"-JJ,tl:"':J~ -

IJefetdib - bttnhcl

r eich an Vitamin B

(D LG-prämiert)

e ine Spezialität der­

Felsenkeller--Br-auer-ei Monschau

SEIT 1847

M onschauer

='1us•m

PILi

FELSEN KELLER BRAUEREI MONSCHAU

Die Monschauer Glashütte*

Museum Demonstration Direktverkauf

• Trinkglasgarnituren, Geschenkartikel, Lampen

zu Fabrikpreisen: z. B. von 5,- DM bis ...

Beachten

Sie bitte unsere

vielen Sonderposten

zu Superpreisen

Öffnungszeiten:

Bis zum 31. 10. 1988

Mo.-Fr. von 10-17.30 Uhr

Sa. u. So. von 10-18 Uhr

Ab L 11. 1988

Mo.-Fr. von 10-17.30 Uhr

Sa. von 10-14 Uhr

langer Sa. bis 18 Uhr

Am 2., 3. und 4.

Adventssamstag u. -sonntag von 10 - 18 Uhr

Vodührungen im Museumsbereich finden an den

geöffneten Tagen bis 17 Uhr statt.

Melden Sie sich bitte rechtzeitig an!

Auch der weiteste Weg lohnt sich!

5108 Monschau · Burgau 15 • Telefon O 24 72 / 32 16

• der Barthmann Cristall GmbH, 7620 Wolfach

Das komplette Ford PKW­

Programm steht für Sie bereit.

Vom Fiesta bis zum Scorpio.

&~

Die Umweltfreundlichen. Die Sportlichen.

Pie Dieselmodelle. Die Sondermodelle.

Preiswert geleast, günstig finanziert. Das

komplette Ford-Programm. Bei uns.

Wir sorgen für

Ihr kostbarstes Lebensmittel

trinkwasaer

und Ihre

umweltfreundliche Energie

81d3a

[--11 ►]

r

• Batterie- und Reifendienst

• Autozubehör

• elf SB-Station

Trierer Straße 112 • 5108 Monschau-Konze11

Telefon (0 24 72) 32 74

[III) Gas

§ wasser

ffl Gas/wasser

- Stadt·. Gf!meindegrenze

EWV Energie- und Wasser-Versorgung

Betriebsführungsaesellschaft mbH

Eschweilerstraße 60, 5 t'90 Stolberg, Telefon (0 24 03) 701-0


SIE SOLL

MAL WERDEN, WAS SIE

WERDEN MOCHTE

Mit das Beste, was Sie Ihren Kindern

fürs Leben mitgeben können, ist eine

gute Ausbildung.

Ein geldsorgenfreies, ihren Neigungen

entsprechendes Studium, in

dem sich Ihre Kinder auf den Lehrstoff

ünd auf Prüfungen konzentrieren können,

ist eine wichtige Voraussetzung

für den späteren Erfolg im Beruf und

auch im privaten Leben.

Wer sein Studium nämlich ganz

allein finanzieren muß, ist von vornherein

im Nachteil.

Aber genau das können Sie schon

beizeiten verhindern.

Mit einem langfristigen Sparvertrag,

mit Prämien- oder Versicherungssparen

können Sie die Ausbildung

Ihrer Kinder sichern, lange bevor die

an Beruf oder Studium überhaupt denken.

Aber wenn der Wunschberuf

dann feststeht, sollte auch nichts mehr

dazwischenkommen.

wenn's um Geld geht

• I!!!!!!!!

Kreissparkasse iiiil

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!