Heimatblätter des Kreises Aachen 1989-3-4+1990-1-2
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Impressum
Heimatblätter des Kreises Aachen
Bezugspreis im Abonnement: 6,- DM je Heft
Einzelpreis: 10,- DM zuzüglich Porto
Auflage: 3 000
Herausgeber und Vertrieb: Kreis Aachen
5100 Aachen, Zollernstr. 10 (Kreishaus)
Telefon 02 41 / 51 98 - 1
Redaktion :
Rudolf Dieregsweiler, Karl-Heinz Herren
5100 Aachen, Kreishaus
Herstellung:
Weiss-Druck, 5108 Monschau-lmgenbroich
Layout: Detlef Hintzen, Günter Marenberg
Titelbild:
Vennbahn zwischen Raeren und Roetgen
Aus Gründen der vollständigen Jahresfolgen
erscheint dieses Heft unter
44. Jahrgang, 1989 - 3-4
45. Jahrgang, 1990 - 1-2
© November 1989 by
Günter Marenberg
DIE
GESCHICHTE
1/
1
DER
VENNBAHN
von
GÜNTER MARENBERG
Inhaltsverzeichnis
Vorwort - 100 Jahre Vennbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Aus der Vorgeschichte der Eisenbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
30 Jahre anhaltende Bemühungen um den Bau der Eisenbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Die Gesetzesgrundlagen zum Bau der Vennbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Neue Schwierigkeiten mit den Grunderwerbskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Der Bau der »Hohen Venn-Bahn« • Teilstrecke Rothe Erde (Aachen)- Monschau .. . ......... . .... . . . . ....... 22
Eröffnung der Teilstrecke Rothe Erde (Aachen) - Monschau ................................ . ... .. ....... 27
Teilstrecke Monschau -Weismes mit Abzweigung nach Malmedy ................... . .. . ............. . .. . 32
Eröffnung di r Teilstrecke Monschau -Weismes- Malmedy ...... . .. .... .... ... ........ ... ..... ... .. .. .. 36
Teilstrecke Prüm- Bleialf (Ausbau und Eröffnung) ... . .............. ... .. .. . . . .. . . ..... ..... .. . .... . .. 39
Abzweigung von Raeren nach Eupen (Ausbau und Eröffnung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Teilstrecke Weismes - St. Vith (Ausbau und Eröffnung) ... .. ........................................... 44
Teilstrecke St. Vith- Bleialf (Ausbau und Eröffnung) .... .......... . . ... ..... . ............. .... .. . ...... 47
Anschlußlinie (St. Vith) - Lommersweiler- Ulflingen (Ausbau und Eröffnung) . . ..... ... ............... . ...... 49
Abzweigung von Walheim nach Stolberg (Ausbau und Eröffnung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Der Verkehr auf der Vennbahn nach dem Ausbau der Strecken ................ . . ... . . . .. ... . . . ....... ... 56
Der Truppenübungsplatz Elsenborn und die Militärbahn von Sourbrodt nach Elsenborn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Bau des zweiten Gleises für die Vennbahn . . .. . . . . ..... ..... .. .... . ... .. .. . . . .. .... .... . ...... ..... . . 63
Die Vennbahn bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Die Bahnhöfe und Bahnhofsgebäude entlang der Strecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Welcher Streckenverlauf fällt unter die Bezeichnung » Vennbahn«? . . . .. . ... . ... .... ..... . .... ..... .. ... .. 85
Die strategische oder militärische Bedeutung der Vennbahn . ... . . ... .. . . ...... .......................... 86
Die wirtschaftliche Entwicklung in der Eifel-Venn-Region nach dem Bau der Eisenbahn ........................ 89
Die Vennbahn während des Ersten Weltkriegs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Der Versailler Vertrag und die Abtretung der Vennbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
Die Vennbahn nach der Abtretung an Belgien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
Unfälle und Eisenbahnunglücke auf der Vennbahn ...............•. ... ...... . ....... . ... . . . ...... .. .... 101
Die Vennbahn während des Zweiten Weltkrieges . . .......... . ...... ... . ... ..... ....... . ... ........ . .. 105
Die Vennbahn nach 1945 .............................................. ... .... .. ..... .. ... . .. .. .. 108
Bemühungen zur Erhaltung und touristischen Nutzung der Vennbahn .......... . ...... .. ... ... .. . ......... 115
»Freie Fahrt« für die Vennbahn?! ...................................... . ........... ... ..... .. .. ... . 120
Quellenverzeichnis/Bildnachweis .... ...... . .... ...... ... ... .. .. . .. . . ... ..... . . . .......... . ........ 122
3
100 Jahre Vennbahn
1985 konnte die Vennbahn auf ein 1 00jähriges
Bestehen zurückblicken. Am 15. Mai
1882 hatte König Wilhelm 1. von Preußen
ein Gesetz unterzeichnet, das die preußische
Regierung zum Bau einer Eisenbahnlinie
von Prüm über St. Vith und Monschau
nach Rothe Erde (Aachen) ermächtigte.
Drei Abzweigungen von geeigneten
Punkten dieser Linie nach Malmedy, Eupen
und Stolberg waren vorgesehen. Kurze
Zeit danach kam noch die Verbindung
von St. Vith zur luxemburgischen Grenze
in Richtung Ulflingen {Troisvierges) hinzu.
Der Ausbau dieser wichtigen Anschlußlinie
wurde durch Gesetz vom 4. April 1884
beschlossen. Damit war auf deutscher
Seite die Nord-Süd-Verbindung zwischen
den Koh lenbergwerken und Eisenhütten
des Aachener Raumes und den Hochöfen
in Luxemburg und Lothringen hergestellt.
Außerdem hatten die Kreise Malmedy und
Monschau mit dieser Bahnlinie den verkehrstechnischen
Anschluß an die großen,
weiterführenden Eisenbahnlinien erhalten.
Der Ausbau dieser Bahnlinie erfolgte abschnittsweise
über einen Zeitraum von
mehreren Jahren. Die beiden ersten Teil-
strecken, und zwar von Rothe Erde (Aachen)
bis Monschau und von Monschau
bis Malmedy, konnten bereits im Verlaufe
des Jahres 1885 dem Verkehr übergeben
werden. Das sind genau die Streckenabschnitte,
die über das Hohe Venn führen
und dieser Bahnlinie die so treffende Bezeichnung
»Vennbahn « gegeben haben.
Als die Vennbahn nach langjährigen Bemühungen
endlich gebaut werden konnte
und die Menschen in dieser Reg ion mit
viel Begeisterung und Hoffnung die Eröffnungsfeierlichkeiten
»ihrer Eisenbahn «
begingen, hat wohl niemand erahnen können
, welch erregendes und trauriges Geschehen
sich wenige Jahrzehnte später
um diese Bahnlinie abspielen sollte. Nach
dem Ersten Weltkrieg mußten die Kreise
Eupen und Malmedy - und damit auch
große Teile der Vennbahn - an Belgien
abgetreten werden. Aber die belgische
Regierung war damit nicht zufrieden. Sie
beanspruchte darüber hinaus noch weitere
Teile der Vennbahn für sich. Und eine
fragwürdige Grenzkommission aus Vertretern
der Siegermächte hat diese Forderung
akzeptiert und Belgien außerdem
noch den Vennbahnabschnitt von Raeren
nach Kalterherberg zugesprochen. Die in
ihrem Ursprung deutsche Eisenbahnlinie
befand sich nun, beginnend zwischen
Walheim und Raeren bis zur luxemburgischen
Grenze, in belgischem Besitz. Nach
dem 10. Mai 1940 wurden die Kreise· Eupen
und Malmedy für kurze Zeit in das
Deutsche Reich eingegliedert. Doch
schon 1945 mußten diese Gebiete und die
Vennbahn wieder an Belgien abgegeben
werden.
Heute, 100 Jahre nach dem Bau der Vennbahn
, hat sich im gesamten Streckenverlauf
vieles geändert. Das zweite Gleis ist
schon lange nicht mehr vorhanden. Große
Teilstrecken zwischen Aachen und Ulflingen
sind stillgelegt und inzwischen auch
zurückgebaut. Dort erinnert nur noch der
mit Wildwuchs bestandene Bahnkörper an
die Vennbahn. Zahlreiche Bahnhofsgebäude
wurden abgerissen. Darunter auch
die von Roetgen bis Kalterherberg. Kleine
Zweckbauten genügen den heutigen Anforderungen.
Und der Verkehr auf den
noch verbliebenen Streckenabschnitten
ist kaum mehr nennenswert.
Sie hat schon eine außergewöhnliche Geschichte,
die Bahn über das »Hohe Venn «.
4
Aus der Vorgeschichte der Eisenbahn
Die feierliche Eröffnung der ersten Teilstrecke
der Vennbahn von Rothe Erde
(Aachen) nach Monschau am 30. Juni
1885 hat auch der »Stadt- und Landbote« ,
das »Amtliche Kreisblatt« für den Kreis
Monschau, entsprechend gewürdigt. In
dem ausführlichen Bericht vom 1. Juli
1885, der auch auf die Vorgeschichte dieser
Bahnlinie eingeht, sind einige recht
interessante Ausführungen enthalten. Unter
anderem heißt es da:
"· . . Wie sehr die Verhältnisse sich geändert
haben, davon zeugt ein Aktenstück
vom Jahre 1832, nach welchem seitens
der Kgl. Regierung bei dem hiesigen
Landratsamte angefragt wurde, ob der Bau
einer Eisenbahn nach hier erwünscht und
vorteilhaft sei, welches dann, man denke
sich die Dringlichkeit, im Jahre 1835 dahin
beantwortet vJurde, daß eine Eisenbahn
für hiesige Gegend keine Vorteile biete,
und kann nach den damaligen Verhältnissen
diese Beantwortung nicht wundern;
erstlich weil man keine Ahnung von dem
großen Umschwung hatte, den die erleichte
rten Transportmittel mit sich brachten
und zweitens lebten die Eifelbewohner in
einem Wohlstand und Behaglichkeit, daß
es wirklich als überflüssig erschien, Neuerungen
zu treffen . . . «
Was sich auch immer aus einer positiven
Beantwortung dieser Anfrage ergeben
hätte, läßt sich heute nicht mehr feststellen.
Es ist aber kaum anzunehmen, daß
man damals schon eine Eisenbahn nach
Monschau bauen wollte, denn der preußische
Staat war zu diesem frühen Zeitpunkt
am Bau von Eisenbahnen gar nicht so sehr
interessiert. Ausgesprochen ablehnend
verhielt sich der damalige königl. preußische
Generalpostmeister Nagler. Er hatte
im gesamten Königreich soeben das Netz
der Schnellposten verbessert und fürchtete
nun mit Recht die Konkurrenz der Eisenbahn
. Aber auch König Friedrich Wilhelm
III. hielt nicht viel von dem neuen
Verkehrsmittel. Als nämlich im Jahre 1836
private Interessenten um die Genehmigung
zum Bau einer Lokal-Eisenbahnlinie
zwischen Berlin und Potsdam nachsuchten,
hat er ärgerlich an den Rand der Eingabe
geschrieben: »Ich kann mir keine
große Glückseligkeit darunter vorstellen,
ob man einige Stunden früher in Potsdam
ankommt oder nicht. « Mit dieser Anmerkung
hatte der Preußenkönig seine Einstellung
zur Eisenbahn eindeutig ausgedrückt.
Zwei Jahre später, am 29. Oktober
1838, als die Strecke Berlin-Potsdam für
den Verkehr freigegeben wurde, soll der
damalige Kronprinz und spätere König
Friedrich Wilhelm IV. , an der Lokomotive
stehend begeistert gesagt haben: »Diesen
Karren, der nun durch die Welt rollt, hält
kein Menschenarm mehr auf.« Und so war
es dann ja auch. Dem Kronprinzen war es
auch zu verdanken, daß die vielen Widrigkeiten,
die von amtlicher Seite den Bau
von Eisenbahnen behinderten, allmählich
überwunden werden konnten .
Das Eisenbahngesetz vom 3. November
1838 wurde für die preußischen Staaten
die Grundlage für alle Genehmigungen zur
Errichtung von Eisenbahnen. Nachfolgend
ein kurzer Auszug aus dem insgesamt 49
Paragraphen umfassenden Gesetz:
»Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden,
König von Preußen . . . haben für nöthig
erachtet, über die Eisenbahn-Unternehmungen
und insbesondere über Verhältnisse
der Eisenbahn-Gesellschaften
zum Staate und zum Publikum allgemeine
Bestimmungen zu treffen, und verordnen
demnach auf den Antrag Unseres Staatsministeriums
und nach erfordertem Gutachten
Unseres Staatsraths, wie folgt.
§ 1. Jede Gesellschaft, welche die Anlegung
einer Eisenbahn beabsichtigt, hat
sich an das Handelsministerium zu wenden,
und demselben die Hauptpunkte der
Bahnlinie sowie die Größe des zu der Unternehmung
bestimmten Aktienkapitals
genau anzugeben . ..
§ 7. Die Gesellschaft ist befugt, die für
das Unternehmen erforderlichen Grundstücke
ohne Genehmigung einer Staatsbehörde
zu erwerben; zur Gültigkeit der
Veräußerung von Grundstücken ist jedoch
die Genehmigung der Regierung nöthig.
§ 42. Dem Staate bleibt vorbehalten, das
Eigentum der Bahn mit allem Zubehör gegen
vollständige Entschädigungen anzukaufen
. .. «
Aus diesem Gesetz ist zu ersehen, daß
sich der Staat zwar die Genehmigung zum
Bau von Eisenbahnlinien vorbehalten hat,
der Bau und der Betrieb der Strecken aber
privaten Gesellschaften ohne Unterstützung
des Staates überlassen wurde. Alle
Risiken , die sich daraus ergaben, mußten
ebenfalls von den Privatunternehmen getragen
werden. Der Hinweis im § 42 auf
eine mögliche Übernahme der Eisenbahnen
durch den Staat, zu einem ihm genehmen
Zeitpunkt, ist jedoch schon richtungsweisend
.
Männern mit Weitblick und Wagemut, die
in der Eisenbahn den großen verkehrstechnischen
Fortschritt erkannten, sowie
dem Unternehmungsgeist und der Risikobereitschaft
privater Gesellschaften, ist es
zu verdanken, daß nun auch in Preußen
Eisenbahnlinien gebaut und betrieben
wurden. Allerdings war es eine ganz natürliche
Sache, daß diese privaten Gesellschaften
die Eisenbahnen vorrangig beziehungsweise
ausschließlich dort bauten,
wo sie auch mit einem entsprechenden
Gewinn rechnen konnten . Dazu gehörten
unter anderem die Verbindungen zwischen
den großen und bedeutenden Städten
, Linien zu den wichtigen Industriezentren
, Anschlüsse an die Binnen- und Seehäfen
, staatenverbindende Eisenbahnlinien
usw. Auch die Geländeverhältnisse
spielten hierbei eine nicht unbedeutende
Rolle, denn davon hing wiederum der Kostenaufwand
ab, der für den Bau einer
Eisenbahnlinie schließlich auch entscheidend
war.
Im Rheinland wurde die »Rheinische Eisenbahngesellschaft
A.G. " gegründet. Ihre
technische Einrichtung und Organisation
wurde später zum Vorbild für das Eisenbahnwesen
Preußens. Diese Eisenbahngesellschaft
hat auch schon bald den
Bau der Eisenbahnlinie Köln-Düren- Aachen
betrieben. Für diese Linie hatte der
Staat allerdings eine Art Garantie übernommen,
die jedoch nie in Anspruch genommen
wurde. Die Eröffnungsfeier dieser
Eisenbahnlinie in ihrer gesamten Länge
von Köln bis Aachen erfolgte am 1.
September 1841 . Es war eine sehr bedeutende
Bahnlinie, denn mit ihr wurde auf
der linken Rheinseite eine Verbindung zur
westlichen Staatsgrenze und darüber hinaus
der Anschluß an die bereits bestehende
belgische Staatsbahn bis nach Antwerpen
hergestellt. Die Eröffnung dieser
grenzüberschreitenden Verbindung, mit
Herbesthal als Grenzbahnhof, erfolgte am
15. Oktober 1843. An diesem Tag fuhr der
erste Zug von Belgien nach Preußen.
In der Folgezeit hat man im Anschluß an
die Bahnlinie Köln- Düren- Aachen weitere
Eisenbahnlinien gebaut und damit die Verbindungen
zu den Industriezentren an
Rhein und Ruhr hergestellt. Die Eifel wurde
jedoch von der Erschließung durch Eisenbahnlinien
noch einige Jahrzehnte
ausgeschlossen. Der Bau von Eisenbahnen
in diesem bergigen und zudem nur
schwach besiedelten Gebiet war für die
Privatunternehmer und Gesellschaften mit
einem zu großen Risiko verbunden. Diese
Isolierung führte jedoch zu den wirtschaftlichen
Schwierigkeiten in der Eifel. Auch
die Eifel-Venn-Region mit den Kreisen Eupen,
Monschau und Malmedy war davon
betroffen.
Nun war die Eifel von jeher verkehrstechnisch
benachteiligt und zeitweilig vom na-
5
tionalen und internationalen Verkehr so
gut wie abgeschnitten. Trotzdem hatten
sich hier Industriebetriebe niedergelassen,
die über lange Zeiten bestehen konnten,
erstklassige Produkte herstellten und
der Bevölke rung in diesen Gebieten sogar
ein gutes Auskommen ermöglichten. So
z. B. die Tuchindustrie in Monschau und
die Lederfabrikation in Malmedy, deren
Produkte weit über die Landesgrenzen
hinaus bekannt waren. Noch in den 40er
Jahren des vorigen Jahrhunderts wird von
einer blühenden Industrie in Monschau
gesprochen, die der Stadt und ihrer Umgebung
zu ansehnlichem Wohlstand verhalf.
Denn die Voraussetzungen für ve r
gleichbare Industrien waren bis zu dieser
Zeit im weiten Land in etwa gleich. Rohstoffe
und Fertigprodukte mußten überall
mit Pferd und Wagen auf den mehr oder
weniger gut ausgebauten Straßen transportiert
werden. Die Qualität der Erzeugnisse
war für den Umsatz ausschlaggebend,
und da standen die Industrien in der
Eifel nicht nach. Diese Situation lag zugrunde,
als im Jahre 1832 die Anfrage an
das Landratsamt Monschau wegen der
Bedürfnisse einer Eisenbahnlinie erging.
Aber schon zwanzig Jahre später, nachdem
die ersten Eisenbahnen gebaut worden
waren, sah es ganz anders aus. Die
Industrien in den Gebieten, die bereits an
das Eisenbahnnetz angeschlossen waren ,
hatten den großen Vorteil für sich, daß die
Transportwege kürzer, die Transporte
schneller, und was besonders wichtig war,
im Zusammenhang damit die Transportkosten
auch noch bil liger wurden. Die Produkte
konnten somit kostengünstiger hergestellt
und dementsprechend auch preiswerter
angeboten werden.
Und damit begann eine starke Verzerrung
der Wettbewerbsbedingungen für die Industrien
in der Eifel. Ihnen standen nach
wie vor nur die herkömmlichen Transportwege
zur Verfügung, die im Gegensatz zur
Eisenbahn nicht nur schlechter und zeitaufwendiger,
sondern bedingt dadurch
auch noch teurer waren. Weder besonderer
Fleiß der betroffenen Menschen noch
hervorragende Qualitäten der hier gefertigten
Produkte konnten diese große Benachteiligung
ausgleichen. Viele Industriebetriebe
waren nicht mehr konkurrenzfähig
und konnten ihre Erzeugnisse nur
noch schwer oder gar nicht mehr absetzen.
Als Folge davon gaben zahlreiche
Fabrikanten ihre Betriebe auf und verlegten
sie in Gegenden, die bereits von der
Eisenbahn erschlossen waren . In Monschau
befanden sich 1825 neunundzwanzig
Tuchfabriken, 1860 waren es nur noch
acht. In gleicher Weise verminderten sich
die Spinnereien, Färbereien und Walkereien.
Und so oder ähn lich erging es vielen
Industriezweigen in der vom Eisenbahnve
rkehr ausgeschlossenen Eifel.
Diese Entwicklung führte zu einer Verarmung
der Eifelbewohner. Hinzu kamen
noch häufige Mißernten und Hungersnöte.
Viele Menschen verließen daher ihre Eifeldörfer
und suchten in den verstärkt aufkommenden
Industriegebieten der großen
Städte Arbeit und Brot. Es bahnte sich
eine verhängnisvolle Situation in der Eifel
Venn-Region an, die von Jahr zu Jahr
kritischer wurde.
Die betroffenen Unternehmer, die zuständigen
Spitzen der Ve rwaltung auf allen
Ebenen und die Abgeordneten dieses Gebiets
erkannten schon recht bald die auf
sie zukommenden Probleme, und es bestand
Einigkeit darin, daß die wirtschaftlichen
Schwierigkeiten nur durch den Bau
von Eisenbahnen behoben werden könnten.
Aus diesen Erkenntnissen hatte sich
schon 1844/45 in der Nordeifel eine Aktiengesellschaft
gegründet, die eine Eisenbahn
von Düren nach Schleiden anstrebte.
Diese Bahnlinie sollte zu r Entlastung
der Schleidener Eisenindustrie, die
sich ebenfalls in wirtschaftlichen Schwierigkeiten
befand, gebaut werden. Aber erst
am 16. Mai 1853 wurde die »Konzessionsund
Bestätigungs-Urkunde fü r die Eifel
Eisenbahn-Gesellschaft « erteilt. Sie war
vom König unterschrieben und enthielt die
üblichen Auflagen. Sehr zum Leidwesen
der Schleidener Eisenindustrie hat sich die
Entscheidung über den endgültigen Strekkenverlauf
noch bis zum Jahre 1862 hingezogen.
Im Anschluß daran erfolgte der
Ausbau von Düren über Euskirchen nach
Kali.
Die Konzessionserteilung an die Eifel-Eisenbahn-Gesellschaft
im Jahre 1853 hatte
man auch in der Eifel-Venn-Region zur
Kenntnis genommen. Und sie war mit ein
Grund dafür, daß nun in den Kreisen Eupen
, Monschau und Malmedy ebenfalls
verstärkte Bestrebungen zum Bau einer
Eisenbahnlinie einsetzten. So wu rde bereits
1855 das erste Eisenbahnkomitee in
Monschau gegründet, dem in der Hauptsache
die Tuchfabrikanten angehörten. Mit
der Begründung: »Eine Eisenbahn ist für
Montjoie das große Bedürfnis der Gegenwart;
... ", wandte sich das Komitee an
die Bevölkerung um finanzielle Unterstützung.
Und fast ausnahmslos erbrachten
die Bürger von lmgenbroich und Monschau
einen Beitrag von 25 % der für
1856 zu zahlenden Klassen- oder Einkommensteuer,
um die Vorarbeiten zum Bau
einer Eisenbahn zu ermöglichen.
30 Jahre anhaltende Bemühungen um den Bau der Eisenbahn
Von diesem Zeitpunkt an begannen über
drei Jahrzehnte hin intensive Bemühungen
in der Eifel-Venn-Region für den Bau
der Eisenbahnlinie. Auch in Malmedy, St.
Vith und Eupen hatten sich Eisenbahnkomitees
gebildet. Sie alle erstrebten die
Eisenbahn. Zah lreiche Bittschriften und
Petitionen an den König, den zuständigen
Minister und »Das Hohe Haus der Abgeordneten
« wurden im Verlaufe der 30 Jahre
von allen möglichen Instanzen abgesandt.
Abordnungen versuchten ihr Glück.
Ja sogar militärische Dienststellen wurden
eingeschaltet. Und Kosten hat man trotz
der schlechten Finanzlage nicht gescheut.
Alles menschenmögliche wurde für den
Bau der Eisenbahn unternommen. Viele
und dicke Aktenbündel geben darüber
Auskunft. An den verschiedensten Projekten
hat es nicht gefehlt. Aber alle Vorhaben
sind früher oder später aus den unterschiedlichsten
Gründen gescheitert und
nie zur Ausführung gekommen.
Eine erste Planung erfolgte bereits im Jahre
1855. Die luxemburgische Abgeordnetenkammer
hatte dem Bankhaus Favier in
Nancy die Genehmigung zum Bau einer
Eisenbahnlinie von der französischen
Grenze aus über Arlon und Diekirch nach
Weißwainpach an der luxemburgischpreußischen
Grenze erteilt. Eine Weiterführung
sollte über Lengeler - Aldringen
- Maidingen - Crombach - Recht -
Pont - Bellevaux - Warchetal 7 Malmedy
- Sourbrodt - Mützenich und Roetgen
erfolgen mit Abzweigungen nach Eupen
und Aachen. St. Vith blieb bei dieser
Planung abseits der Strecke.
1856 ließen die Lokalkomitees von Eupen,
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1>. {:)aunnc.
Aus dem »Stadt- und Landbote« vom 29. März
1856
6
Malmedy, St. Vith und Monschau durch
den Baumeister Schumann Vermessungen
einer Linie von der luxemburgischen
Grenze über St. Vith - Malmedy - Monschau
- Eupen nach Aachen durchführen
. Als der Landesherr, König Friedrich
Wilhelm IV. am 26. September 1856 auf
einer Reise auch in Monschau Station
machte, sollte ihm dieses Projekt in Form
einer Bittschrift überreicht und um seine
Unterstützung gebeten werden. Während
der kurzen Zeit seines Aufenthalts in der
Stadt ergab sich jedoch keine Gelegenheit,
dieses Anliegen vorzutragen. Daher
wurde die Bitte an den Prinzen von Preußen
gerichtet, der einige Stunden später in
Monschau eintraf. Seine Antwort soll sehr
kurz gewesen sein: »Wer soll das Geld
dafür hergeben! « Es war aber jener Prinz
von Preußen, der als Kaiser Wilhelm 1.
viele Jahre später das Geld zum Bau der
Bahn bewilligte (aus dem Stadt- und Landboten
vom 1. Juli 1885).
Nachfolgend ist die erste Bittschrift an den
König von Preußen im Urtext wiedergegeben:
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König!
Allergnädigster König und Herr!
Das Nachtheilige der isolirten
Lage, worin sich die Eifel befindet,
hat sich in letzter Zeit
besonders fühlbar gemacht
und bei deren Bewohner den
Gedanken ins Leben gerufen,
Abhülfe dafür zu finden .
Wie Euer Königlichen Majestät
bekannt ist, bringt der
Boden nur spärlich, unzureichlieh
Roggen und Hafer hervor,
wir sind daher hauptsächlich
auf unsere Industrie-
Zweige: Tuchfabrikation und
Leder-Gerberei angewiesen,
aus deren Erlös wir die uns
nöthige Brodbrucht von den
fruchtbareren Gegenden eintausehen.
7
In diesen, dem allgemeinen
Verkehr mehr zugänglichen Gegenden
werden aber dieselben
Industriezweige betrieben,
dieselben befinden sich daher
in einer weit günstigeren
Lage wie wir, und haben
den Vortheil, daß das ganze
Land von Eisenbahnen durchkreuzt
ist.
Diesem leichteren Verkehrsmittel
schreiben wir es hauptsächlich
zu, daß die Theuerung der
nothwendigsten Lebensmittel
dorten weniger fühlbar
ist, wie bei uns, und glauben
wir durch Anlage einer solchen
unsere Lage zu verbessern.
Die Städte Eupen, Montjoie,
Malmedy, St. Vith und Aachen
haben sich daher vereinigt,
Mittel zu finden, diese Eisenbahn
in's Leben zu rufen , sie
haben sich zu diesem Ende an
die Königliche Regierung zu
Aachen gewandt, diese hat
sich mit anerkennenswerther
Bereitwilligkeit dieses Projekttes
angenommen und Königliehe
Baubeamten bezeichnet
8
und berufen, welche die Nivellirungs-Arbeiten
ausgeführt
haben.
Diese haben zur Freude der
ganzen Eifel das günstige
Resultat ergeben, daß die
Anlage einer Eisenbahn
nach dem Großherzogthum
Luxemburg nicht allein möglieh,
sondern ohne besondere
Schwierigkeiten zu bewirken
seyn wird.
Für Luxemburg hatte man
schon längst eine directe
Verbindung mit Holland
angestrebt; wir fanden daher,
als wir uns dorthin wandten,
Bereitwilligkeit sich unserm
Projekt anzuschließen.
Diese Eisenbahn würde also
von Luxemburg ausgehend,
die Städte Ditkirch, St. Vith ,
Malmedy, Montjoie, Eupen
berührend, nach Aachen führen,
eine möglichst gerade Verbindung
mit dem Königreiche
der Niederlanden
herstellen, ohne das hart an
der Grenze liegende Belgien
zu berühren.
9
Euer Königlichen Majestät
haben uns so viele Beweise
gegeben, wie sehr Allerhöchst
denselben das Wohl
der Eifelbewohner am Herzen
liegt; die gegenwärtige
Reise ist wieder ein
solcher; wir wagen es daher
allerunterthänigst nochmals
Euer Königlichen
Majestät mit der ehrfurchtvollsten
Bitte zu nahen,
daß Allerhöchst dieselben
geruhen wollen, auch
diesem neuen, auf Hebung
der Eifel hinzielende
Projecte Allerhöchst dero
Huld und Aufmerksamkeit
zu zu wenden.
In tiefster Ehrfurcht und unbegrenzter
Anhänglichkeit ersterben,
Euer Königlichen Majestät
allerunterthänigste, treugehorsamste
Beigeordneter
und Gemeinderath.
10
1857 hat die finanzstarke luxemburgische
Guillaume (Wilhelm)-Eisenbahngesellschaft
die dem Bankhaus in Nancy erteilte
Konzession übernommen und den Bau
einer Eisenbahnlinie von Weißwampach
nach St. Vith angekündigt. Von dort aus
sollten drei Linien weiterführen. Nach Spa
über Malmedy, nach Aachen und nach
Schleiden. Dieser Plan kam jedoch nicht
zur Ausführung, da die Gesellschaft die
direkte Verbindung nach Lüttich über Vielsalm
und Trois-Ponts vorgezogen hat.
1859 wu rde der belgischen Kammer und
dem Senat ein Bahnprojekt »Belgische Ardennen-Zentralbahn
« unterbreitet. Dieses
Projekt sah eine direkte Bahnverbindung
von Elsenborn nach Schleiden und Bonn
und von St. Vith über Schönberg nach
Koblenz vor. Teilweise wurden diese
Strecken später unter anderen Bedingungen
gebaut. (K. Grünebaum: Aus der politischen
Frühgeschichte der belgischen
Ostbahn a. a. 0 .)
1860 tauchte ein viel bedeutenderes Projekt
auf. Eine Eisenbahn von Le Havre/
Paris durch Frankreich, Belgien und über
St. Vith nach Koblenz oder Bingen. Nebenlinien
sollten von St. Vith aus nach
Aachen (etwa in der heutigen Trasse),
nach Malmedy und nach Schleiden-Kali
weiterführen . Dieses Projekt wurde von
dem belgischen Ingenieur Leborgne ausgearbeitet
und von einer internationalen
Finanzgruppe, unter der Führung des ehemaligen
belgischen Außenministers Graf
von Hoffschmidt, übernommen. Die Rheinische
Eisenbahngesellschaft setzte alle
Mittel in Bewegung, um dieses Vorhaben
aus Gründen der Konkurrenz zu vereiteln .
Auch der preußische Staat hatte anfänglich
seine Bedenken. U. a. auch deshalb,
weil die Linie Paris - Koblenz militärisch
nicht erwünscht war. Aber Ende 1863 erteilte
er dann doch die Genehmigung mit
dem Enteignungsrecht zum Bau dieser Linie.
Allerdings mit der Auflage, daß auch
die vorgesehenen Nebenlinien gebaut
würden.
In diesem Zusammenhang ist auch ein
Beschluß des Eupener Stadtrats vom 27.
Juli 1863 erwähnenswert. Er ist im » Korrespondenzblatt
des Kreises Eupen « vom 1.
August 1863 abgedruckt. » Der Stadtrath-
. . . stellte dem Herrn d'Hoffschmidt zu
Brüssel die zur Zeit (im Jahre 1856) angefertigten
Pläne und Kosten-Anschläge
über den Bau einer Eisenbahn von Luxemburg
nach Aachen unter der Bedingung
zur Verfügung, daß bei dem Bau der
projektirten Eisenbahn aus dem Innern
Frankreichs nach Aachen die hiesige Stadt
in direkte Verbindung mit dieser Bahn gebracht
werde. Zugleich hält sich die Stadt
Eupen das Recht vor, die Pläne etc. etc.
nach Jahresfrist jederzeit zurück zu verlangen,
wenn bis dahin das Projekt des
Eisenbahnbaues nicht sicher gestellt sein
sollte. " Doch schon das Frühjahr 1864
brachte eine Ernüchterung. Der einflußreiche
St. Vither Gutsbesitzer St. J. Mattonet,
einer der lebhaftesten Interessenten des
Bahnunternehmens, ließ der preußischen
Regierung mitteilen, daß die derzeitigen
politischen Verhältnisse das Vorhaben störend
beeinflußten und man nicht daran
denken könne, das Geld für den Bau der
Eisenbahn aufzubringen. Graf Hoffschmidt
zog sich zurück.
1864 übernahm ein Oberst de Kiss aus
Paris das vorerwähnte Projekt. Der sehr
vermögende Mann beabsichtigte, die Eisenbahnen
ohne jegliche staatliche Unterstützung
zu bauen. Das Eisenbahnnetz in
der Eifel sollte sogar noch erweitert werden.
Gefördert und auch tatkräftig unterstützt
wurde das große Vorhaben durch
den »Geheimen Ober-Regierungsrath Dr.
Engel, Direktor des Kgl. statistischen Büros
in Berlin «. Die betroffene Region war
auch , entgegen den vorherigen Zusagen
des Herrn de Kiss, mit einer Kostenbeteiligung
einverstanden. 5 Millionen Francs
sollten aufgebracht werden . Und zwar entfielen
auf das Eupener Gebiet 2½ Mio., auf
Monschau 0,8 Mio ., auf Weismes/Malmedy/Stavelot
1,2 Mio. und auf St. Vith 0,5
Mio. Francs. Aber durch das Kriegsjahr
von 1866 wurde das gesamte Projekt in
Frage gestellt. Es scheiterte schließlich an
den ungünstigen politischen und wirtschaftlichen
Verhältnissen. In Preußen,
Belgien und Frankreich war kein Geld
mehr aufzutreiben.
Auch »Schwarze Schafe « bemühten sich
um den Bau von Eisenbahnlinien. So erhielt
der Finanzmann de Hauteville aus
Brüssel im Jahre 1866 die Genehmigung
für eine Bahn St. Vith-Montjoie-Eupen
Aachen gegen Hinterlegung einer Kaution
von 500 000 Talern. Die ungewöhnliche
Höhe dieser Sicherheit ließ darauf schließen,
daß man der finanziellen Kraft Hautevilles
nicht recht traute. In Wirklichkeit war
er nämlich »ein Gauner, wie er im Buche
steht, der bankerott geworden war« (Dr.
Engel an den Landrat von Malmedy am 20.
6. 1868. Aus »Der Kreis Malmedy« von
Karl Leopold Kaufmann).
1869 bestand die Hoffnung, daß von der
Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft
eine Linie von Stolberg aus angestrebt
würde. Dr. Engel hatte den Kreisen
die Annäherung an diese Gesellschaft
empfohlen. Daraufhin hat man im Kreise
Monschau bereits die unentgeltliche Hergabe
des erforderlichen Grund und Bodens
in Aussicht gestellt. Aber die Verhandlungen
führten zu keinem positiven
Ergebnis.
1869/70 kam es zwischen Malmedy und
St. Vith zu Unstimmigkeiten über den
Streckenverlauf der Bahnlinien. Jede der
beiden Städte beanspruchte die Linienführung
für sich. Es bedurfte großer Bemühungen,
diese Schwierigkeiten wieder zu
beheben. St. J. Mattonets Einfluß war dabei
so bedeutend, daß künftig immer mehr
die Rede von einer Verbindung Luxemburg-
Aachen über St. Vith war, und Malmedy
mit einer Abzweigung bedient wurde.
1870 hat der Minister für Handel, Gewerbe
und öffentliche Arbeiten dem Eisenbahnkomitee
des Kreises Malmedy mitgeteilt,
daß die Gesellschaft Philippart zu Brüssel
die Genehmigung für die Vorarbeiten einer
Bahnlinie erhalten hat. Der Verlauf ging
über St. Vith , Zweigbahn Malmedy, Monschau
nach Roetgen und von da über Eupen
nach Aachen und nach Stolberg. Wiederum
war es der Krieg, der dieses Vorhaben
verhinderte.
1872 hinterlegte der Brüsseler Unternehmer
Baron A. B. Bruneau eine Kaution in
Höhe von 1 500 Talern zur Durchführung
der Vorarbeiten für eine Linie Koblenz
Neuwied - Mayen-Schmidtheim- Hockai
Spa. Auch dieses Projekt scheiterte.
1873: Da alle bisherigen Bemühungen
nicht zu dem gewünschten Erfolg führten,
hat sich der Landrat des Kreises Malmedy
wegen der voraussichtlich strategischen
Bedeutung der Bahn auch an den Chef
des Generalstabes, Generalfeldmarschall
Graf Moltke, gewandt. Vermutlich mit der
Hoffnung, von dieser Seite Schützenhilfe
für den Bau der Eisenbahn zu bekommen.
Nachstehend die Antwort dieser gewichtigen
Instanz an den Landrat von Malmedy,
Freih. v. Broich:
met'lin, bm 24, ijd,rnar 1873 .
~uer Jjodm1of)Igeborert wirb auf l>ie unterm 1. b. IDU~.
mr. 1053 . an b110 Strieg0: 1 JJHni~crium ocricl)tcte Gingnlle ergc~
T,cnfl cnvicbcrt, bnfJ bie ~lnfoge einer GifcnlHll)n \1on Gtolbcrg
auä burcf) bie S?rcife m,ontioic linb mcarmcb~ nacr, bcm @rop:
tcr3oot~um ~m:cmllmg aUcrbingä nTä . milit11irifcl) \)ortr,cur,nft
·an3ucdcnnm • 1mb dato bc1it Jjcrrn .p1mbcH!::WHni~cr warnt
emµfor,ren worbm i~.
jrieg.s-~a i1ti~erhu11,
gc!, von Stiehle,
'g)([gemeine.s Jrieg.s-l)epademenf,
geJ. Freiherr von W angenheim.
11
Dazu paßt auch ein Bericht im »Stadt- und
Landboten « vom 15. März 1873: »Montjoie,
10. März. Die K.V.Z. bringt einen Artikel
aus Berli n über unsere Eisenbahnangelegenheit,
in welchem es heißt: Glaubwürdigem
Vernehmen nach ist der Bau einer
Eisenbahn von Stolberg über Montjoie und
St. Vith nach der luxemburger Grenze von
der lngenieur-Abtheilung des Kriegsministeriums
näher geprüft und die strategische
Wichtigkeit dieser Bahn constatirt
worden. Die zwischen dem Kriegs- und
Handels-Ministerium dieserhalb schwebenden
Verhandlungen werden demnächst
Veranlassung bieten, die in Betracht
kommenden Fragen zu erörtern ,
und zugleich festzustellen, inwiefern der
baldige Ausbau dieser Bahnlinie als gesichert
zu erachten ist .. ."
Neue Hoffnung setzte man in diesem Jahr
auch in die Bildung eines Zentral komitees,
das sich aus den Kreisen Malmedy und
Monschau sowie den Städten Eupen und
Stolberg zusammensetzte. Die Gründungsversammlung
fand am 7. März 1873
in Aachen statt. Zum Vorsitzenden wurde
der Landrat von Malmedy, Freih. v. Broich,
gewählt. Dieses Komitee hat zur Beg ründung
der Notwendigkeit und der zu erwartenden
Rentabilität einer Bahnlinie von
Stolberg zur luxemburgischen Grenze den
Bezirksingenieur Hartmann aus Diekirch
mit der Ausarbeitung einer Denkschrift beauftragt.
Sie wurde bereits im November
1873 dem Zentralkomitee vorgelegt und
erschien mit der Überschrift:
~Tnluef cn'o -\lJ(lten:
1 ° 'ocr .pm ~ou'ornt~ jjrci~m 1,1 o 11 ~ r o hy
nf6 morfifJen'oer,
fern et · 'oie . .pm:en :
• 2° Plicr{ 1 iirger111ei~ei: lncder, ,
3° (Sominer~ienrnt~ s-q e ~ o f en,
4° (gmi{ ~etet6Jll ~uven,
5° 'ocr interimiftif<9e ~,m'trntf} 'oeB $llreifcB
IDlontioie 21 tt t.~ o II i 311 3mgen{,roid},
6° -~ ( r, e rt ([ f) d ~ o ff d itt ID/ontjoie,
7° ~011fmn1111 @. $ i ({er 6 311 \Dl,1(111e'o~,
8° Sl\111fnrn1111 '@stevfJ. 3of. ID"lnttoitet
an (2it. mit!),
9° 9? e-i lt c r 2l f} r e 11 ,\II ®to{(1ctl],
10° ~hertor 9.11 o r i \l ~ r ,1116 311 etotocr!J,
11 ° il:3iirgct111ciflet \) 0 II lffi C t II C oll etof,
licrg (lh! ®lvriftfii~m.
Denkschrift
stellt. Ein Jahr später teilte der Malmedyer
Landrat dem Kreistag mit, daß keine Aussichten
für den Bau der Eisenbahn auf
Staatskosten vorhanden sind. Im Sommer
1876 legte Landrat Freih . v. Broich den
Vorsitz im Zentralkomitee nieder, da er
nach Hersfeld ve rsetzt wurde.
Im März 1875 wird von einem neuen Vorhaben
berichtet. Da heißt es: »Eine von
dem Aachener Advokatanwalt Maas vertretene
Privateisenbahngesellschaft läßt
gegenwärtig Vermessungen der Linie
zur Begründung der
V e n-n - Bahn
von Stolberg nach Luxemburg!'
im Anschluss a.n die Luxemburger Nordbahn in c;ler Nähe
. der Station :,,Maulesmühle".
Damit erscheint auch zum erstenmal die
Bezeichnung der »HOH EN VENN
BAHN«.
Die Denkschrift enthält sehr detaillierte
Ausagen über die betroffenen Wirtschaftszweige
und zeigt den voraussichtlichen
Umfang der anfallenden Transportmöglichkeiten
auf. Die vorgesehene Linienführung
hat man nicht ganz widerspruchslos
hingenommen. So wurden von den Eisenbahnkomitees
der Städte Stolberg und Eupen
Einwände erhoben und anderweitige
Vorschläge unterbreitet. Aber schließlich
hat das Zentralkomitee mit dieser Denkschrift
im Mai 1874 doch einen Antrag zum
Bau der Bahn auf Staatskosten an das
»Königliche Handels-Ministerium« ge-
Stolberg-St. Vith vornehmen .« Der Minister
fü r Handel, Gewerbe und öffentliche
Arbeiten hatte dieser Gesellschaft die Erlaubnis
zu den Vorarbeiten einer Verbindung
zwischen der Bergisch-Märkischen
oder Rheinischen Eisenbahn und der Wilhelm-Luxemburger
Bahn erteilt. Das kostenaufwendige
Projekt wu rde auch von
Herrn Christoffel aus Monschau, der sich
schon seit vielen Jahren für den Bau einer
Eisenbahn einsetzte, unterstützt. Das Interessante
an diesem Vorhaben war, daß
die Gesellschaft die Bahn nur bauen wollte,
der Betrieb dieser Bahnlinie sollte jedoch
verpachtet werden . Und zwar die
nördliche Hälfte an die Bergisch-Märkische
Eisenbahngesellschaft und der südli-
-Sn lßcrfofg 'oeB lB cfcfJ!ujjcB 'ocB @i,
fcno,1~n•~omitc6 bcß Sl'reife6 \J.)l,1f111c't-l) llont
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frn, 'cnfi bie in ~fü'oc ftc~ enbc !B.1911 1111f
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0116 miefirq, nugefertigt 1111b f ob,111u jctem
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mcg11t,1d)tu11g . 311gefcrtigt \ue~bcn. Sn 'oicf er
~cnffd)rift foUeu bie ~0Mi11tmfjeu eben•
f,1Uß i~rrn ~htß'orncf finbc11 refµ. ouicctiu
t~nnlidJit lidendjtet \uerben. mer morfi~enbe
tumbe crmädJtigt, init 'Dem lief ,1gten .penn.
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0u tretcu 1111b i~n in 5.Betreff be6 0 ur 2111•
fcrtig1111g 'Der mmfjd]rift 11ot~1ucubigm ID?,v
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torifirt 'o,16 ([entrnf,([,rn1ite, je u.1djbem er
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rm ~11trng eiueß \?~fol.([omiteß roiebergoft
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morgclcfcu, gcue~migt tm'o unterfdjrte•
l•m.
• irciQm von B1:oicl1,
The Losen, -E. Peters,
Becker, • 1,L Kraus,
R. Al1rcn, K J. l\Iattonct,
G. Villers, A. Christoffel,
Anthoni, v. We1·ner.
Das Gründungs-Protokoll des Zentral-Komitees
zur Realisierung einer Eisenbahn von Stolberg
nach Luxemburg vom 7. März 1873.
12
ehe Teil an die Wilhelm-Luxemburg er
Bahn. Nach einem anfänglich guten Start
hat sich auch dieses Vorhaben nicht verwirklichen
lassen.
An den verschiedensten Projekten - eine
lückenlose Auflistung aller Projekte ist
nicht beabsichtigt - mit den unterschiedlichsten
Linienführungen hat es also nicht
gefehlt. Aber es waren private Unternehmer
oder Gesellschaften, die in der damaligen
Zeit die Eisenbahnen bauten. Da
wurde verständlicherweise jedes Risiko
vermieden. Die eigenen Interessen standen
im Vordergrund, und die Rentabilität
spielte eine große Rolle. Außerdem wurde
von den interessierten Kreisen und Gemeinden
durchweg eine erhebliche Kostenbeteiligung
gefordert (siehe das Beispiel
de Kiss), die auch nicht immer erbracht
werden konnte. Unter diesen Umständen
behielt die stetig ärmer werdende
Eifel-Venn-Region das Nachsehen und
blieb weiterhin vom Eisenbahnverkehr
ausgeschlossen.
Eine Änderung bahnte sich erst an, nachdem
der Staat selbst im Jahre 1876 die
Eisenbahnverwaltung übernommen hatte
und in der FolgJzeit so nach und nach die
Verstaatlichung der Privateisenbahnen
einsetzte. So wurde das Rheinische Eisenbahnunternehmen
durch Gesetz vom
14. Februar 1880 und die Märkisch-Bergische
Eisenbahngesellschaft im Jahre
1882 verstaatlicht. Nun wurde der Staat
zum Unternehmer. Er sah seine Aufgabe
u. a. auch darin, die verkehrsarmen und
wirtschaftlich schwachen Gebiete nicht
mehr nur auf die Eigeninitiative zu verweisen,
sondern sie weitgehend auf seine
Kosten mit Nebenbahnen (Sekundärbahnen)
zu versehen. Aber noch dauerte es
einige Jahre, bis es soweit war.
Zunächst, und zwar am 2. April 1878, beauftragte
der Minister für Handel, Gewerbe
und öffentliche Arbeiten die Königliche Eisenbahn-Direktion
zu Elberfeld mit den erforderlichen
Vorarbeiten der beiden Linien
minderer Ordnung » 1. von Eupen über
Montjoie nach Malmedy und 2. von Lindern
nach Heinsberg «. Für die Untersuchungen
und »die allgemeine sachliche
Beurtheilung der Aufgabe« wurde auf die
vom Verein Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen
publizierten »Grundzüge für die
Gestaltung der secundairen Eisenbahnen
« verwiesen . Eine Geschwindigkeit
von 30 Kilometern pro Stunde wurde als
ausreichend angesehen. »Im Uebrigen ist
von der Annahme auszugehen, daß diese
Bahnen lediglich localen Verkehrs-Interessen
zu dienen haben und demgemäß in
der gesamten Construktion und Ausrüstung
in einfachster Weise und mit thunlichster
Kostenersparniß den örtlichen
Verhältnissen anzupassen sein würden .«
Im letzten Absatz seines Schreibens verweist
der Minister darauf, ,, .. . daß bereits
früher Seitens eines Comite's für eine Eisenbahnverbindung
zwischen Stolberg
und der Wilhelm Luxemburger Bahn Vorarbeiten
angefertigt worden sind, auf welche
vielleicht zu r Erleichterung der Vorarbeiten
für die Bahnstrecke Eupen-Montjoie-Malmedy
zum Theil zurückgegriffen
werden könnte«. Absch ließend wi rd darauf
hingewiesen, daß sich diese Unterlagen
in den Händen des »Advokat-Anwalts
Maaß in Aachen« befinden.
Das angekündigte Vorhaben wurde auch
im »Amtsblatt der König lichen Regierung
zu Aachen« vom 2. Mai 1878 (Nr. 309 -
Seite 90) zu r öffentlichen Kenntnis gebracht.
1879 war wieder eine Verbindung Aachen
- Luxemburger Grenze mit der Richtung
auf Ulflingen im Gespräch. Die Stadt Malmedy
befürchtete, nicht in diese Linie einbezogen
zu werden. Daher hat man in
einem Schreiben vom 17. 11. 1879 an den
Minister die »Vorstellung der Vertreter der
Stadt Malmedy in Bezug auf verschiedene,
den Kreis berührende Eisenbahn-Projekte
" unterbreitet.
Auch in Monschau hat man die Bemühungen
ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die
Stadtvertreter hatten ebenfalls eine Eingabe
an »Das Hohe Haus der Abgeordneten
« gerichtet, und eine Ausfertigung davon
an das »General-Commando des 8.
Armee-Corps« in Koblenz mit der Bitte um
Unterstützung gesandt. Vermutlich wurde
dabei die strategische Bedeutung der
Bahnlinie hervorgehoben. Die Antwort der
militärischen Dienststelle konnte in Monschau
sicher nicht befriedigen. Sie ist in
Originalschrift wiedergegeben.
~ e r m i i dJ t t a.
IDl P n t j o i e, 29. !llug. !llu; fidJerer Quelle
llCmt9mrn IDit, bail bie (So11crmo11Cnrtu11be brs _
l809nprojefte~ oon 2lad]en unb eitoU,erg ü&er·
~ornch.nnünfler, !Jla·eren - mit 3llltig&119n uou
ll1aeren nadJ <Eupen - H!ölgm, 9Jlontioie 2c.
nac!J Ufiingen (Trois vicrges) ,un 13. 2ln9ujt
in Ci:ger volliogen tvorbrn 1mb . bcm betrrfftnbe~
Ci:om ite am 2il. 2lugnfl 3ugegangen ifl. !lJlit
ber !Jleuifion ber ~Hätte 1mb ijeftflellnng ber
fünic !Derben in nä,vfter 3eit 3ngenieure
ber fürgifdJ•~lärlifd/en <Eifmb.xljn , @cf ellfd}aft
einerjeits unb ber @encralbireftion ber [lfof;,
ilotljringer ·l8aljnen anbmrfeit~ beginnen, eine
l2lrbeit, bie bei gröf;ter !füfdJ[eunignng immer•
9in nodj einige IDlonate in !llnfprudJ nelju1en
bürfte. 5obaU> bie .·merQältniffe c! grftalten,
!Derben mir filä~m~ über bie i!iuie mitt9eilen.
~ - ~-
Stadt- und Landbote vom 30. August 1879
Übersetzung der alten deutschen Schreibschrift.
Von der mit gefälligem Schreiben vom 4.
Januar d. J. dem General-Commando
übersandten Petition der Stadtvertretung
von Montjoie an das Haus der Abgeordneten
habe ich mit Interesse Kenntniß genommen.
Eine besondere Unterstützung dieser Petition
an maßgebender Stelle wird mir jedoch
zu meinem Bedauern voraussichtlich
nicht möglich sein, da dem General-Commando
bei der Prüfung von Eisenbahn
Projekten irgend welche ressortmäßige
Mitwirkung nicht zusteht.
Der Commandirende General.
13
Wiederum war ein Jahr vergangen, und es
gab keine Anzeichen dafür, daß die Bahn
gebaut würde. Im Gegenteil. Der Eisenbahnminister
hatte im Parlament sogar erklärt,
daß man die Linie Stolberg-Monschau-Ulflingen
»wegen unannehmbarer
Bedingungen« aufgegeben hat. Und wieder
wurden Petitionen eingereicht. Der
Landrat Rennen des Kreises Monschau,
der sich tatkräftig für den Bau der Eisenbahn
einsetzte, hat die Staatsregierung
ausführlich über die Notlage der Eifelbevölkerung
informiert, und in einer umfassenden
Denkschrift der landwirtschaftlichen
Lokalabteilung, die vom landwirtschaftlichen
Verein für Rheinpreußen unterstützt
wurde, hat man auf die Notwendigkeit
der Bahnlinie hingewiesen. In gleicher
Weise wurde »Das Hohe Haus der
Abgeordneten« von den Städten Malmedy
und Monschau unterrichtet.
Eine sehr eindringliche »Petition des Vereins
für die berg- und hüttenmännischen
Interessen im Aachener Bezirke, betreffend
die Herstellung einer verbesserten
Eisenbahn-Verbindung zwischen lndeund
Wurm-Revier einerseits und Luxemburg
und Lothringen andererseits« dürfte
ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Da werden
Bedürfnisse der Industrien aufgezeigt,
mögliche Transportmengen prognostiziert
und die daraus entstehenden Vorteile für
die Wirtschaft abgeleitet. Abschließend
heißt es dann: »Das hohe Haus der Abgeordneten
erlauben wir uns daher zu bitten ,
unbeschadet der Herstellung von Sekundärbahnen
in dem Landestheile zwischen
der Luxemburger Grenze und Aachen, die
Ausführung der projektirten durchgehenden
Linie via Cornelymünster, Ulflingen,
welche Luxemburg und Lothringen mit
dem Aachener und Niederrheinischen Reviere
und dem Ruhrbecken auf dem kürzesten
Wege verbinden wird, veranlassen
zu wollen. «
Über den Ausgangpunkt - Aachen oder
Stolberg - der gewünschten Eisenbahn
bestanden wohl noch unterschiedliche
Ansichten. Das hat die Gemeinden Brand,
Kornelimünster und Walheim am 30. März
1881 zu einer Eingabe an »Sr. Excellenz,
dem Minister für öffentliche Arbeiten,
Herrn Maybach« veranlaßt. Es wurde darauf
hingewiesen, daß doch »schwer wiegende
Anhaltspunkte zu Gunsten der
Bahnverbindung von Aachen über Cornelimünster
und Raeren nach Roetgen und
Montjoie« sprechen. Auch die alle sieben
Jahre stattfindende » 14tägige Heiligthumsfahrt
in Cornelimünster« blieb nicht
ungenannt.
Eine große Enttäuschung wurde den Kreisen
Monschau und Malmedy bereitet, als
die Staatsregierung durch Gesetz vom 25.
Februar 1881 zum Bau der Nebenbahnen
von »Call über Schleiden nach Hellenthal«
und »von Gerolstein nach Prüm« ermächtigt
wurde. Die Eifel-Venn-Region fühlte
sich wieder einmal zurückgesetzt. Aber
sofort bemühte man sich um einen An-
schluß an die Kall-Hellenthal-Linie. Die
Stadt Malmedy wünschte die Fortsetzung
über Bütgenbach in der Richtung auf Malmedy-Trois-Ponts.
Auch die Abgeordneten
dieses Gebiets traten für eine Weiterführung
der Bahn von Hellenthal ein, aber
der Minister erklärte dies aus technischen
Gründen für undurchführbar.
Im Juli 1881 hat die belgische Deputiertenkammer
eine Bahnlinie Brüssel-Vielsalm-St.
Vith-Koblenz für unerläßlich gehalten.
Auch der belgische Außenminister
hat diesen Linienverlauf - allerdings von
Antwerpen ausgehend - für gut befunden
und beabsichtigte, sich dieserhalb alsbald
mit der preußischen Regierung ins Benehmen
zu setzen.
Nun hatte zwischenzeitlich der Minister für
öffentliche Arbeiten die »Königliche Direktion
der Rheinischen Eisenbahnen zu
Cöln« beauftragt, ,,_ .. die früher bereits
anderweitig aufgestellten Projekte einer
Eisenbahn-Verbindung von Stolberg über
Montjoie nach Malmedy einer Umarbeitung
zu unterziehen «. Dieser Auftrag wurde
im »Amtsblatt der Königlichen Regierung
zu Aachen « vom 2. Dezember 1880
(Nr. 777 - Seiten 325 u. 326) zur öffentl.
Kenntnis gebracht, und es wurde darauf
hingewiesen, daß Ingenieure und Feldmesser
bereits unterwegs wären.
Vermutlich ist man bei dieser Überarbeitung
zu neuen Erkenntnissen gekommen.
Denn schon bald nachdem die belgischen
Vorstellungen bekannt wurden, teilte der
preußische Minister für öffentliche Arbeiten
am 19. September 1881 mit, daß die
Ausführung einer »Eisenbahn untergeordneter
Bedeutung von Prüm über Bleialf
nach St. Vith und von da über Bütgenbach,
mit Abzweigung nach Malmedy sowie
über Montjoie nach Aachen auf Kosten
des Staates in Aussicht stehe und eine
bezügliche Gesetzesvorlage schon für die
nächste Landtagssession zu erwarten sei,
sofern sich die beteiligten Interessenten
im voraus zur Übernahme entsprechender
Gegenleistungen verpflichteten «. Damit
war die unentgeltliche Bereitstellung des
Grund und Bodens gemeint. Es war jedoch
mit einem Staatszuschuß zu den
Grunderwerbskosten zu rechnen.
Diese bedeutsame Mitteilung war für die
Eifel-Venn-Region ein freudiges Ereignis.
Zwar war es bisher nur eine Mitteilung,
noch kein konkretes Ergebnis. Aber eine
so eindeutige Zusage, und noch dazu von
einem preußischen Minister, gab Anlaß zu
berechtigten Hoffnungen für den Bau der
so dringend benötigten Eisenbahnlinie. In
den betroffenen Gebieten wurde daher
auch ohne Verzug die Bereitstellung des
erforderlichen Grund uod Bodens in die
Wege geleitet.
Am 22. Januar 1882 wurde der Kammer
der Abgeordneten eine Gesetzesvorlage
betreffend die Erweiterung, Vervollständigung
und bessere Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes
zugestellt. Sie enthielt
auch die Linie Prüm - St. Vith - Monschau
- Rothe Erde (Aachen). Minister Maybach
und Finanzminister Bitter haben diese
Bahnlinie folgendermaßen begründet: »Eine
durchgreifende Verbesserung der wirtschaftlichen
Verhältnisse und die dauernde
Behebung der wiederholt zu Tage getretenen
Notstände in der Eifel hat von der
Herstellung der im vorigen Jahre zunächst
empfohlenen seitlichen Verbindung von
Kali über Schleiden nach Hellentahl und
von Gerolstein nach Prüm nicht erwartet
werden können. Zur Erreichung dieses
Zweckes bedarf es vielmehr weiterer, das
fragliche Gebiet in ausgedehntem Maße
anschließender Eisenbahnverbindungen.
Die Untersuchungen ergaben, daß dem
westlichen Eifeldistrikte durch qe Fortführung
der bereits genehmigten Linie Gerolstein-Prüm
über St. Vith , Montjoie, Rothe
Erde und Stolberg gedient werden kann.«
Sodann schilderten die Minister die sehr
schlechte wirtschaftliche Lage dieses Gebiets
und die Gründe für den Rückgang
des Gewerbes in St. Vith, Malmedy und
Monschau. Durch den Bau dieser Bahnlinie
würden nun aber viele Menschen in
der Eifel-Venn-Region Arbeit erhalten.
Die Gesetzesvorlage wurde im Plenum in
den drei Lesungen angenommen. Die Annahme
in der dritten Lesung hat das
»Montjoie'r Volksblatt« durch ein Extra
Blatt der Bevölkerung kundgetan. Die
Staatsregierung gab auch die Zusage, den
Ausbau so vorzunehmen , daß jederzeit
Vollbetrieb eingeführt werden kann (damit
war ein zweigleisiger Ausbau gemeint).
irlta-~faff
5um
: ,,IDcontjoietr ~olfßbfott"
!lcbn!tion, !lmuf unb ~kr!ag oon 3 -_ (!l. 6al1burg in !IJlontillk-
9'tontjoic, bcn 25. !!llJril 1882.
@riginaC-:i>tpefdje bes Wionfjoia 'gio(fü;li(attes:
5Bedin, bcn 25. 2fpri! 1882, 1,55 \J1adjm.
(fiicllialjncn ljcntc in brittcr ~ef ung • glatt
gcncljmigt mit bcm mcrfprcdjen· bcr (Staatsrc•
gicnmg, bcn !Bau io ans3ufiiljren, bai; jcber•
3cit !ßofUictric& cingcfiiljrt werben fann.
Rreuf er.
Ja und dann war es soweit. Durch Gesetz
vom 15. Mai 1882 wurde die Staatsregierung
u. a. zum Bau der Eisenbahnlinie
Prüm-St. Vith-Montjoie-Rothe Erde (Aachen)
ermächtigt. Bis auf die§§ 2 und 3, in
denen die Kostendeckung festgelegt wird,
ist das Gesetz nachstehend wiedergegeben:
14
Die Gesetzesgrundlagen zum Bau der Vennbahn
(Nr. 8864.)
l!ltfr~, bctnffmb bir ~rn,ritm1119, !!lcruolljlanNgung unb bt[fm 'lllllrüJtwia.
t>d etaat§tifmba~nnt~r.A. !!.lom J 5. !ll!ai 1882. •
filir ~ill)cltn, llon @ottcs fünn~cn ~onig bon ~reu§cn ,t.
imorbncn, untrr 8u~immung beiber 5;,iiufrr lleß ßinbtngeß ba !Dlona~lt,
mai folgt :
§. 1.
!Die 61n_nl~rcgimmg lt'irb muöd)tigl:
1. 8um !Bau einer G:i [cnbaf)n:
1) non ~foig~!•erg nnc!J ~abinu bir
6ummr \'on . . . . . . . . . . . . . . 4-924 000 !Dlnrf,
2) non 3of),111niM,urg nndj l!~d' bic
E-ummr 'l'on . .. .. .. .. .. . .. 4 516 000
3) 11011 .~of)cnjkin übcr6dJi.ined' nad,,
!Bmnt bir 6ummr i,on . . . . . . 3910 000
4) llon '.:\nunid' nad] Ucd'crmünbr bir
6umme \'on . . . . . . . . . . . . . . 1184 000
5) non l!irgnif nn cl) '/@olbbrrg bir
6ummc \'on . . . . . . . . . . . . . . 1 260 000
6) llon @rciffcrwerg nnc!) l!eromberg
unt- non @rriff cnberg nnd) ßriebe,
berg bie €umme \'DR . . . . . . . 2 G72 000
7) \'on Ohertefolingcn nadJ Querfurt
bie 6ummc 11011 . . . . . . . . . . . 800 000
8) \'on !IBrrnigcrobr nad) 3lfcnburg
bir 6nmme t>on . . . . . . . . . . . 675 000
9) non 6d,•af1,ftlb , l!,1ulcr[,rrg nndJ
61. !llnhr,1~l•crg bic 6unnne i,on 976 000
10) 'l'Nl Otinabrücf nndJ !Brod'wcbe
bie 6ummr \'on . . . . . . . . . . . . 2 G30 000
11) \'on !IB,1l•crn nad,1 IIBilbungcn bie
Eummr t>on . . . . . . . . . . . . . . 84G 000
12) 'l'~n !IBe~erburg nnd) 5;,nd,•ml•urg
t11r 1!5umme \'on . . . . . . . . . . . 2 285 000
13) llon !pnim ül•rr Et. \3ilh unb
!.1Jlonljoir 11nd)filol11rfübe{!ll,1c!Jen)
mit !11b41tirigung \'on finimonnille
ober rincm nnt-rrrn geeigneten
!l)unftc bcr .f;,aui,U,,1f)n nacf/
!m,1hncbl) bie 6unnnc tlon . . . 14 5G7 000
14) 'Don !Jt.iren ober einem m1bmn gc,
eigneten \l)unfte 1:-rr !Bn!Jn nd 13
nad) (fopcn bie 6unnnc tion . . 970 000
15) llon IIBnlbcim ol:>er einem anbmn
gceignrlc1i ll)unftc bu IDa!Jn a.d 13 •
nacf/ 6to[berg bie 6unum tion ·1263000
IG) \'on \2lf)rtorilcr nad) !11bcnau bie
6umme tlon . . . . . . . . . . . . . . 3 5GO 000
aufammm . . . . 47 038 000 !Dlarf.
II. 8ur !11nlngc btl! arocilm O'>rlriftß auf bcn nnc!J•
Pr!Jcnb bracid,)uetm 61trd'm unb au ben baburd;,
bebinglrn <frgän3ungm unb @cleil!llttänberungen
auf bcn !Baf)nf)öfen:
1) @rriff rnberg • ,\'irf d)berg bie
6ummr llon . . . . . . . . . . . . . . 1 500 000 !Dlad,
2) 6djönrbctf,@ü~rn bir Eiumme
'Don . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 700 000
3) !Jlicn~ 1gen , j)aloo:~abt bit
6unnnr llon . . . . . . . . . . . . . . 1 230 000
4) @öttingcn • <5onltn bie 6ummt
\'Oll . , . .• . ... .. .. ... • .. , . 2 000 000
S) m!evlar,l!ö~nbcrg bit Eiummr llon 900 000
6) !Braubod.1,E;t.~onrf>f)m1[rn uub
ford),!Rübcß~cim bie 6umme \'011 1 3~0 000
7) m3nnnc,!.!3o!Jmle bie €umme tiou •4 500 000
8) !ßingrrbrüd' , !Jlcunfird,,cn bie
6nnune tion . ..... . ........ 3750000
anfammcn . . . . 16 930 000 !Dlad.
Ill. 811 nnd1~e~cnbrn !Ba-unur,fitf)rungm:
1) iji1r bir Um9r~nlhm9 brr lB.i!Jn•
f)of~nnln(lm in IDuir,burg bit
Eiumme tion . . . . . . . . . . . . . . 1700 000 !Dlarf,
2) ßin Nr Umgrpnllung brr !Bnf)n,
1Jof~nnl.1grn in !Dülfrlbcrf 1:-ir
€Summe t•on . . . . . . . . . . . . . . 14 000 0(10 •
3) fiür brn llmbnu unt- bie (fr,
lt'rilcrung bcß !Baf)uhof eß !Bonn
Nr €nmmr t>on . . . . . . . . . . . 750 000
4) fiiir bcn Umbau unt- t-ir fun·ri,
Irrung be~ !B,11J11~cfe~ ~rier t . U.
bie 6ummc \'on . . . . . . . . . . . 500 000
5) ßiir bie (hrorilrrun~, Umgr~,11•
tung uub orfTm !Brrl•int-ung btr
G.lrnhrn, unb .f)iillr1rnn[d)lülfe,
folt'ir bcr filal)n!J~fe im !ll!Jrini[dJ•
!!fü~f.ili[d_lm :jnt-up1itl•r3ide bit
€umme ~on . . . . . . . . . . . . . . 3 000 000
ü[,rr t-mn filem,cnbung bem
ßlnblngr bei jrt-r~nhlli(lrt 'llor,
lagr bril föafä ber föf rn[,af)nt,rr•
n,,1ltun9 fficc!Jrnfd,1afl au geben i~.
G) fiih bie ~m,citrrung unt- brfTm
!Hr
\2lu~rü~ng bcr nor!Jnnbcnrn
1 ,ntnlunmfjl,ilkn unb ~ofo,
mctit>fd,,un,m bir 6ummc t>on 3 000 000
3ufommen . . . . 22 950 000 !Dlad.
IV. 8ur IDcrmc!Jrung brt !fütticHmittd:
bie 6ummr t>cn .. .. .. .. .. . .. .. .. . . . . .. . . . 11 000 000
V. 8ur !Dedung brr IDlrf)rfo~cn für bm !Bau bn
!öcbra,ßriebliinbrr <fif cnbaf)n:
bir @:;umme i,on . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . 300 000
-------
in~grf annnl . . . . 98 218 000 !Dlarf,
au tirr11.1rnben.
IDlil t-rr %1 r,f1i~nm9 ber \'or~r~cnb unter !Jlr. I nuf!iefü~rlcn !Baf)nm i~
er~ bann tio1 0 ugr!Jrn, Mnn nnd,~r\irnbe !ßebingungcn erfüUt finb:
A. 1lcr gr[nmmtc aum a,,m brr l!ln~nrn 1 tinfd)licf,lid) aller 9lrbcnanlagcn,
nnd_, !.1Jl,1f;go[,r t-rr t>on t-em !l:ilinipcr bcr öfirntlid,,cn mrbeilrn fe~•
111Prllrnbcn ~'lrcjrftr er[orbrrlid,1r @runb unb !Bobcn ip ber 61,,atß•
nnirrung m,rnt! 1 dtlid_, unb fo~rnfrci aum fögrnll)um 311 übcmci[en
ot,rr Nr Chf1i1thmg ber f.immllid)cn, paal§fcilig für hlfcn !ßefd,,nfiung
im !!Srgr bcr freien !l.1ctrinl,arun9 ober brr ~nlrinnung auf;un,mbrnben
.fioflrn, einfd,lirf,lid, nllrr !lM•cncntfcl,iiiNgungcn für !IBirl~fdJnftß,
crfd)tl'Crni[fe unt, [1111fligr 9lacl)l1Jrilc I in tedJl~gülliger fioun in über,
nrl)mcn unt> fid,rrluflcUcn.
311 bm (S\runbrrn1rrHloflcn für !h1d,1f ol9rnt>c !B,19nen f oll flaal6,
friti9 ein 8ufcl)u§ gm•ii~,rt 11,crt>cn I unb ~lt',u:
a) für t>ie ID,11Jn 311 !Jlr. 12 (!IBrjlrrbur9•.~11d)m,
l•urg) \'on . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 000 !l.llarf 1
b) für ~ir !13,,1.)n ~II ~lr. 13 (!j.inim,E:1. filil~,Wlontjoir,
!Jlrthc G'rbr (%1d_•rn) [,r 0 ir!Jungf.1rri[c fiaimo1rniUr,
ro1,1lmrb11) l'L'll iufnmmrn ... ... . . ... . . . ... 343 0(10
c) f11r bir Sßn~n 311 ~r. JG (eH)rll'rilrr,!llbcnan) \'on 300 000
D. fiüi- f,immllidJr t>crfjrfJenb unter ~lr. I br3ridmrlc l.B,1E,nrn i~ bir !.1Jlit,
l•cnu~unn brr ~b,m1[fm1 unt> öficnllid,,rn !lnrgr I fon,cit bie3 t-ir \2luf,
fidit~l•cl)crt>r fiir iut.iipg ernd)lrl I fritrn~ hr bnrnn betf)riligtm 511,
lmftcnlcn unrntncltlid, nut, oln•r l•r[onbm (fot[d,5bigung für bi, IDauer
bc~ !l\c~r!irn~ unt- !fülrir[,c~ brr !B.il,n1rn 311 9r~11ltm.
C. ßür t>ir untrr Nt. I 4 1 5 1 G, 7 1 8 1 10 unb 11 hnnnnlcn !l3a!Jnm
mu§ nuf;rrbem \'011 t>rn '.:\nlmffrnlrn 111 t>cn ~aufoflcn nn unNqin~•
lid1rr, nid)t rütf'h,10,ll•,mr 8ufd)ufi gclrijlct l\lerbm, unb Jlt'ar 3um
!Brtrngc:
n-) l•ri !!lt. 4 (:lnbnid • Urd'rrmimt>r) t>cn . . . . . . . . 200 000 !Dlatf,
b) ~ci 9lr. 5 (firgniHMHrrg) l'l>n . . . .. .. . , . 88 000
c) bei !llr. G (@rriftrn~rr9 ,\!1'mcnberg unb (fücificn•
~rrg,ljrirbd,rrg) t>on ~u[,mm1rn . . . . . . . . . . . . 128 000
d) [,ci !lh. 7 (ül•m~Min[1cn •Üurr[urt) t,on .. . . . . 155 000
c) ~ci !llr. 8 (!lllrrni9mt-r •:\lfrnl•mg) t,on . . . . . . !l~ 000
f) bei !llr. 10 (Nnnbrüd' , !Brnd'1Nbr) t'on .. . .. . . 142 000
g) bei !llt. 11 (!IBa[,ern ,!ffiilbnngm) \'on . . . . . . . . 50 000
15
§. 4.
,5cbr IDcrfügung bcr E5taat~rrnirrung über Nr im §. 1 bqtidJndcn l.tifm,
ba~ncn (bciic.~ung~wcifr li:ifrnb,1~nl~cilr) t-urd) !Umiuficrung brbarf 6u i~m
!Rtd)legü!tigftit l:itr 8uflimmung btit-cr .f.,äufcr bell ßmMagr.ß.
muc birfa IDorfd)rift entgegen einfeilig gctwffmcn !ßcrfügungm ftnb rcd)tß,
ungültig.
llrfunblid) unter Unfmr ~~dJflcigcn9önbigcn Un!crfc!Jrift unb beigcbmdttn1
$töniglic!Jcn ,:lnµrgrl.
@cgcbm !Berlin I btn 15. ID"lai 1882.
(1'. S.)
~iq1clm.
ijürfl II. !Bi~mard. 11.-\Pnllfamer. ll . .l'tnmcfc. IDlal)badJ. !Bittn.
ßuciuß. ßriel:iberg. I!. !BotltidJet. II. @ofiler.
Durch Gesetz vom 31. Mai 1882 wurden der Bau und der
spätere Betrieb der Bahnen zu 13), 14), 15) und 16)-aus§ 1.
Nr. 1. des Gesetzes vom 15. 5. 1882 - »der Königlichen
Eisenbahn-Direktion {linksrheinische) zu Cöln « übertragen.
Nach der Verkündung des Gesetzes
herrschte in der betroffenen Region natürlich
große Freude. Ein vom König und
Kaiser unterschriebenes Gesetz garantierte
doch den Bau der Eisenbahnlinie. Daran
gab es für die Bevölkerung nun keinen
Zweifel mehr.
Und mit dem Gesetz vom 4. April 1884,
das auszugsweise wiedergegeben ist,
wurde die Staatsregierung auch zum Bau
der noch fehlenden Verbindung von St.
Vith (Lommersweiler) zur luxemburgischen
Grenze in Richtung auf Ulflingen
ermächtigt. Damit war der Ausbau der angestrebten
Nord-Süd-Verbindung von Aachen
nach Luxemburg durch Gesetze beschlossen.
Doch bis der erste Zug nach
Ulflingen fuhr, vergingen noch mehr als
fünf Jahre.
@ef et~ 6ammiung
d..
für bic
Sl> 6 n i g l i d) e n s,p t e u p if d) e n 6 t a a t e n.
(Nr. 8983.)
-Nr.12.
@1[1b, 61tulfmb bit ni,ilm .6tr~rllun9 non C!'lfrnbo~ntn unt1r910rb11tttr '81•
bmtung für !ll1dinun9 b,a 6ton1,a, bit !Btt~ti{igung bt6 6taat,a 6ti btm
'8au ri111r C!'ifm6a~n uon S),i~, nod) brr eanb,;grm3r 6ti !lli61 1 fon>ir bi,
!Btfcfiaffung non ~itldn fi,r bi, !ll1ru0IT~.inbi9un9 unb 6,lfm ~ußrü~ung
br:l 6taat3rifm60~1m1b16. !llom 4. \llpri{ 1884.
®ir ~iff)cllll I bo1J @ottcs @nnbm .fi6nig bon !preuOcn 2c.
'Derorbnm, unter 8uflimmnng &eibcr 5),iufa be~ {!anbtagcij Unfmt !lllonard)ie,
n,aß folgt:
§. 1.
IDie 6tantßregierung n,irb ennn c9tigt:
1. 8nr .f.>erflellung 'Don li:ifenb,1[jncn unb bet burc!J biefelbe &ebinglett
IDerme~rung beä ffu(lrpatf~ lm E5t,111t~&n9nen unb awar:
a. aum !Bau einer li:ifen&,1fJn:
1) 'Don ß.ibiau nnc!J S:ilµt bie
E5umme 'Don . . . . . . . . . . . . 5 286 000 !l)fod,
2) 'Don \llflmftein über \5olbau
nnc!J :jllon,o bie \Summe 'Don 8 950 000 •
3) 'Don ,5ablonowo nad) \5olbau
bie 6umme non . . . . . . . . . . 6 005 000 •
4) 'Don E5imonsborf ober 9Rnrim•
burg nadJ S:iegengof bie \Summe
'0011 • • • . . . . . . . . . . . . . . . . . l 084 000 •
5) 'Don lPofcn nac!J filltcf dJm bie
• €iumme i,on . . . . . . . . . . . . . 3 580 000 •
6) llou {!iff,1 nnc!J 5nrotfd)in bie
E5mnme l'On.. . .. .. . . . . . . 3 810 000
7) '0011 rnrra nad) DflrolOo bie
E5umme uon . . . . . . . . . . . . . 4 940 000 •
8) non !Bentfd)m n11c!J fillollflein
bie E5umme uou . . . . . . . . . . 1376000 •
9) non !Bitterfclb nad) Eitumäborf
bie Eimnme 'Don . . . . . . . . . . 1 255 000 •
10) 'Don [önnem über !Bernburg
unb !nimburg an ber E5oa[e
n.1c!J [albe an ber E5,iafe bie
E5umme 1>011 . . . . . . . . . . . . . 1 900 000 •
11) 'Don IDlerfe&urg nac!J !ll1üc!Jeln
bie E5umme uou . ..... .. . . 1115 000 •
12) 'Don !)1,mmburg nn ber E5aale
nacf/ \llrlem bie E5umme non 4 893 000
13) 'Don IDaglerau nacfJ {!angerfclb
(!RitterBgnufm) bie E5mmne non 1 035 000 •
14) 'Don %"tnberot~ nnc!J IDerfd_ih1g
bie E5unnne 'Don . . . . . . . . . . 870 000 •
15) 'Don 61. IDit9 ober einem
anbmn geeigneten ~uufte ber
rnuie lPrüm-E5t. !llitlJ•\'!Jlontjoie,
!Rot~e G:rbe (%1d)m) &iB 3ur
ßanbesgren3e in ber !Rid,)hmg
nuf Ulflingen bie E5mnme non 2 800 000 •
16) uon !Breym!Jeim nac!J E5im,
mem bie E5umme uon . . . . . 3 892 000
17) uon S:rier nnd) ~mnesfeil bie
E5umme 1>011 . . . . . . . . . . . . . ·5 646 000 •
b) ;ur !Befc!Jaffung llon
!Betrie&ßmiltdn:
bie E5umme 'DOii . . . . . . . . . . 11 390 000
_ 6 ufnmmm . ..
69 827 000 !ll1arl,
Für den Ausbau der Bahnlinie St. Vith {Lommersweiler) -
Ulflingen hatte der Staat auf eine Kostenbeteiligung des Kreises
verzichtet.
16
CD
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:" ,-. .: .~ ) '-o Pronsfeld
. I ·~~ . ,
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:·
•
•
LUXEMBURG 1:
••
.
••
Durch die Gesetze vom 15. Mai 1882 und vom 4. April
1884 wurde die preußische Regierung zum Bau der
Eisenbahnlinien von Prüm über St. Vith und Monschau
nach Rothe Erde (Aachen) mit Abzweigungen von geeigneten
Punkten der Linie nach Malmedy, Eupen und
Stolberg sowie von St. Vith oder einem anderen geeigneten
Punkt bis zu r Landesgrenze in der Richtung auf
Ulflingen in Luxemburg ermächtigt.
Betroffen von dieser Linienfüh rung waren die Kreise
Aachen, Eupen, Monschau (Montjoie), Malmedy und
Prüm. Die geplante Bahnlinie verlief fast in ihrer gesamten
Länge auf deutschem Gebiet. Ausgenommen waren
ungefähr sechs Kilometer vor Ulflingen in Luxemburg.
Mit dieser neuen Bahnlinie sollte zunächst einmal die so
dringend gewünschte Nord-Süd-Verbindung zwischen
dem Kohlerevier und den Eisenhütten im Aachener
Raum und den Hochöfen in Luxemburg und Lothringen
hergestellt werden . Außerdem sollten die Kreise Malmedy
und Monschau den Anschluß an die großen,
weiterführenden Eisenbahnen erhalten . Darüber hinaus
wurde mit dieser Bahnlinie eine weitere Verbindung von
Aachen aus durch die Eifel über St. Vith-Prüm-Gerolstein
nach Trier geschaffen.
Die Skizze gibt ungefähr die damaligen Grenzen, die zu
diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen und die geplanten
Eisenbahnen wiede r.
---
••••••••
8ereifs vorh,;mdene ßalvffl„
IJep/;,rfe Biilmen
Land~sgrenze,r
Kreisgren!r~
,r„e/sstäd~e
Skizze 1
17
Neue Schwierigkeiten mit den Grunderwerbskosten
Das Gesetz zum Bau der Eisenbahn war
nun da. Al le Zweifel und Befürchtungen
waren vergessen. Hoffnung erfüllte die
gesamte Region . Aber zunächst mußten
die im Gesetz aufgeführten Bedingungen
auch erfüllt werden. Die Benutzung der
öffentlichen Wege und Chausseen während
der Bauzeit war schon bald abgeklärt.
Die viel gewichtigere Bedingung war die
kostenlose Abgabe des erforderlichen
Grund und Bodens an die Staatsregierung,
und zwar für das gesamte Projekt.
Allerdings beteiligte sich der Staat an den
Grunderwerbskosten mit einem Zuschuß
von 343 000 Mark.
Und wie bereits erwähnt, hat man dieses
Problem auch ohne Umschweife angepackt.
Schon Ende 1881 wurden die ersten
Schritte unternommen. Für die Kreise
Malmedy und Monschau stand von vornherein
fest, daß die auf sie zukommenden
Kosten auch übernommen würden. Ganz
anders aber sah es in den Gebieten außerhalb
dieser beiden Kreise aus. So wollte
der Kreis Prüm, der mit der Bahnlinie Gerolstein-Prüm
bereits Anschluß erhalten
hatte und dafür »angeblich« 100 000 Mark
an Grunderwerbskosten zahlen mußte,
nur noch 1/s seines Kostenanteils übernehmen.
Dieser Kreistagsbeschluß kam
einer Ablehnung der Bahn gleich. Bestärkt
wurde diese Ansicht durch den Oberpräsidial-Sekretär
Stark aus Koblenz. Er verbrachte
in dieser Zeit einen Urlaub in der
Bürgermeisterei Daleiden und hat allgemein
den Leuten geraten, keinen Groschen
zu der Grundentschädigung zu geben,
da die Bahn ohnedem bestimmt gebaut
würde.
Eupen hatte sich schon seit mehreren
Jahren in seinen Bemühungen um die Eisenbahn
zurückgehalten. Das war sicherlich
darauf zurückzuführen, daß zwischenzeitlich
die Verbindung Herbesthal-Eupen
hergestellt und am 1. März 1864 dem Verkehr
übergeben wurde. Eupen hatte also
den Eisenbahnanschluß, und mit einer
weiteren Kostenbeteiligung war nicht
mehr zu rechnen. Die Gemeinde Raeren
war jedoch bereit, den erforderlichen
Grund und Boden bereitzustellen. Auch
einige Gemeinden im Landkreis Aachen
standen der Übernahme der Grunderwerbskosten
ablehnend gegenüber. Es
war also keine so rosige Ausgangsposition
gegeben.
Nun. wurde hinsichtlich des Grunderwerbs
zwischen »dem Königlichen Fiskus, vertreten
durch die Königliche Eisenbahn-Direktion
{linksrheinische) zu Cöln « und den
Kreisen Malmedy und Monschau ein Vertrag
abgeschlossen. Darin wurde verein-
bart, daß »bezüglich der ganzen Strecke
die durch ein gleiches Interesse verbundenen
Kreise Malmedy und Montjoie solidarisch
auftreten sollen «. Außerdem blieb
es den beiden Kreisen überlassen, ihre
Rückendeckung durch Verhandlungen mit
den übrigen Interessenten zu suchen. Es
ist verständlich, daß dieses Verlangen des
Fiskus den Kreisen Sorge bereitete, da
man nun von dem guten Willen der anderen
Mitinteressenten abhängig war. Und
schon traten Befürchtungen auf, daß die
langgehegten Wünsche wieder dahinschwinden
könnten. Daher entschlossen
sich die Kreise Malmedy und Monschau,
auch noch die fehlenden Kostenanteile
aus den Kreisen Prüm und Aachen zu
übernehmen.
Inzwischen hatte die Eisenbahnverwaltung
einen Kostenanschlag für den Grunderwerb
aufgestellt. Die Gesamtsumme betrug
686 000 Mark. Davon entfielen auf:
„ 1. Kreis Malmedy 204 448 Mark
2. Kreis Montjoie 148.072 Mark
3. Gemeinde Raeren 39.677 Mark
4. Gemeinde Walheim 50 750 Mark
5. Gemeinde Cornelimünster 58 243 Mark
6. Gemeinde Forst 17 400 Mark
7. Gemeinde Eilendorf 18 060 Mark
8. Gemeinde Brand 32 350 Mark
9. Kreis Prüm 117 000 Mark
Die Gemeinden Raeren, Walheim und
Kornelimünster beabsichtigten, den
Grunderwerb selbst zu bestreiten.
Die Gemeinden Forst und Brand erbrachten
Eigenanteile von 3 000 und 6 800
Mark. Der Kreis Prüm übernahm nur
15 000 Mark; einen zusätzlichen Eigenanteil
von 10 000 Mark erbrachte die Gemeinde
Bleialf.«
Aus dem Staatszuschuß sollte Raeren
10 000, Wal heim 34 000 und Kornelimünster
30 000 Mark erhalten. Nachdem die
fehlenden Beträge in den Kreisen Prüm
und Aachen durch den Staatszuschuß abgedeckt
wurden, verblieben für den Kreis
Malmedy nur noch 69 010 und für den
Kreis Monschau 49 980 Mark. Das bedeutete
aber, daß diese Kreise die enormen
Beiträge von 135 438 bzw. 98 092 Mark
selbst aufbringen mußten .
Die Kreisstände hatten eine Unterverteilung
der Kosten auf die.kreisangehörigen
Bürgermeistereien (in Malmedy) bzw. Gemeinden
(in Monschau) beschlossen. Man
hatte . jeweils einen Modus gefunden,
nachdem eine möglichst gerechte Verteilung
erfolgen konnte. Und zwar ging es
dabei um die Entfernung zur Bahnlinie
oder zum Bahnhof und dem daraus resultierenden,
unterschiedlichen Vorteil für die
jeweilige Bürgermeisterei oder Gemeinde.
Auch die Anzahl der Bewohner blieben
nicht unberücksichtigt. Als Maßstab für die
Berechnung hat man die Staatssteuern
des Jahres 1882/83 zugrundegelegt. In
beiden Kreisen war man mit dieser Kostenermittlung
einverstanden. Die Bürgermeistereien
und Gemeinden hptten sich
zur Übernahme der anteiligen Kosten bereit
erklärt.
Nach dieser Unterverteilung ergab sich
folgende Kostenbeteiligung:
Kreis Malmedy (Bürgermeistereien)
Malmedy 74 873 Mark (144 264,44 Mark)
St. Vith 16 102 Mark ( 36 605,50 Mark)
Amel 8 211 Mark ( 18 666,23 Mark)
Bütgenbach
10519Mark( 23 913,78Mark)
Lommerswei ler
3 043 Mark ( 6 917,81 Mark)
Weismes 8 910 Mark ( 20 254, 13 Mark)
Crombach 2 193 Mark ( 4 984,53 Mark)
Bellevaux 1 393 Mark ( 3 167, 76 Mark)
Meyerode 2 323 Mark ( 5 281,75 Mark)
Schönberg 1 257 Mark ( 952,42 Mark)
Recht 2 258 Mark ( 5 129,92 Mark)
Büllingen 1 416 Mark ( 3 217,47 Mark)
Manderfeld 794 Mark ( 1 804,07 Mark)
Reuland 2 146 Mark ( 4 877,89 Mark)
(Beverce 15 570,20 Mark)
135 438 Mark {295 607,90 Mark)
Die in Klammern gesetzten Beträge beim
Kreis Malmedy stammen von einer weiteren
Unterverteilung aus dem Jahre 1895.
Die Anteile hatten sich inzwischen überwiegend
verdoppelt.
Kreis Monschau (Gemeinden)
Kreis Montjoie
22 000 Mark
Stadt Montjoie
22 000 Mark
Kalterherberg
6 800 Mark
Höfen
2 500 Mark
Rohren
500 Mark
Mützenich
4 000 Mark
lmgenbroich
2 500 Mark
Eicherscheid
2 500 Mark
Conzen
4 500 Mark
Ruhrberg
1 500 Mark
Kesternich
2 000 Mark
Steckenborn
1 000 Mark
Strauch
1 500 Mark
Simmerath
4 500 Mark
Lammersdorf
4 500 Mark
Schmidt
1 300 Mark
Vossenack
1 300 Mark
Rötgen
1 O 100 Mark
Rott
1 500 Mark
Lammersdorf oder
Simmerath
1 500 Mark
98 000 Mark
18
Abb. 1
Die Vennbahn am »Grünen Kloster«, etwa in der Mitte zwischen den Bahnhöfen Kalterherberg und Sourbrodt. Hier verläuft die
Bahnlinie wieder durch freie Vennflächen, und im Frühjahr blühen in diesem Abschnitt unzählige wildwachsende Narzissen. In
unmittelbarer Nähe der Bahnanlagen fließt die im Wallonischen Venn entstehende Rur (Roer) mit der aus Sourbrodt kommenden
Kleinen Rur (Petite Roer) zusammen. Es ist eine besonders reizvolle und schöne Landschaft, die hier in großer Höhe von der
Yennbahn durchfahren wird. Schon bald erreicht man den Bahnhof Sourbrodt, mit 562 Metern über NN den höchstgelegenen Bahnhof
dieser Strecke.
19
Die Folgen einer totalen Mißernte im Jahre
1882 haben den Eifel-Venn-Kreisen einen
großen wirtschaftlichen Schaden zugefügt.
Es herrschte weithin verbreitete Not
in dieser Region. Hilfsaktionen mußten
eingeleitet werden. Für die Beschaffung
von Saatgut hatte der Staat Mittel zur Verfügung
gestellt. Die Arbeitslosigkeit war
groß. Trotz bester Absichten war es unter
diesen Umständen in den beiden Kreisen
kaum möglich, die auf sie zukommenden
Grunderwerbskosten aufzubringen.
Kurz entschlossen richteten im Februar
1883 die Städte Malmedy, Montjoie und
St. Vith Petitionen an »Das Hohe Haus der
Abgeordneten « und den Minister Maybach.
In Absprache schilderten sie in etwa
gleichlautenden Schriften ihre großen Nöte
und baten um eine Erhöhung des
Staatszuschusses auf 500 000 Mark. Hierdurch
würden die Kreise Malmedy und
Montjoie in die Lage versetzt, zumindest
die Garantie für den Kreis Prüm und die
beteiligten Gemeinden der Kreise Aachen
und Eupen mit zu übernehmen. Eine Passage
der Malmedyer Petition ist dabei sehr
interessant. Hier wird der Abgeordnete
Berger zitiert, der sich in der Sitzung des
Hohen Hauses vom 9.· Februar d. J. zum
Verhalten bestimmter Kreise geäußert hatte.
Er sagte: »Diese (nämlich diejenigen
Kreise, welche bereits eine Eisenbahn haben)
wollen für die Bahn nichts thun, weil
sie überzeugt sind, daß die hinter ihnen
liegenden Kreise, welche noch gar keine
Eisenbahn haben, schließlich in den sauren
Apfel beißen und auch die Kosten
innerhalb des Territoriums dieser renitenten
Kreise decken werden .« Und genau so
war es auch in dieser Region.
Jn
ban jo~e ,~nun ber Jb9eorbneten
zu
Petition der Stadt St. Vith
Jerlin.
Die Städte Malmedy, Montjoie und St. Vith
fanden vielseitige Unterstützungen in ihrem
Begehren, u. a. auch durch den einflußreichen
Abgeordneten Prinz von
Aremberg und den Minister von Maybach,
der ohne Verzögerung handelte und eine
entsprechende Gesetzesvorlage einbrachte.
Und in einem beschleunigten
Verfahren mit einstimmiger Beschlußfassung
wurde durch Gesetz vom 21 . Mai
1883 der Staatszuschuß für die Grunderwerbskosten
um 157 000 Mark erhöht, also
auf insgesamt 500 000 Mark angehoben.
• Bitte der Stadt M.on.tjoie
11111 GrMh1111j <lrJ d l cruli -~11!,c/111Md z11r 'l't'r!.- 1119.
dr:i . Dr- 111tc_/rnl'rrt.4 j ,;r. ,l,"r. 5 ,Jr1t6a!t1t t' OH .. Yr-1ii11 ti'lrr.
At. ·/1;11, 11HI Jifo11ticir 11uc/1 o%tt,~-5 r clc (.li11r!m1) ..
~
)Ioulj oie, cleu 27. Fchrna,· 1883.
An den Minister für öffentliche Arbeiten,
HeJtrn ·M1,1b~~1h
Excellenz
um Erhöhung des -Staatszuschusses zur Deckt1ng der Kosten des Grunderwerbs
filr die Eisenbahn von Prüm über St.-Vith und l\fo ntjoie
nach Rothe-Erde mit Ah1.,rnigu11g •YOu
An
das Hohe Haus . der Abgeordneten
zu
Faymonville nneh Mnlmocly.
:tl11bnedy. rlcn 16. Februar 188a.
zli
'\
Berlin.
,,etabt, • unb ~anbboten."
J\udCicljes ,jrris&ratt.
llltbaftion, !Ilrucf unb !Urrlag tton II). l!B • 1 II,
IDl o 11 t i o i c, beu 1. ·IDlai 1883. •
• -
!Dloriijoir. ·~•m 'llog'eorbnetin~aul i -fn el n-·@eieveniiiiurf liife116abn l)lrüm,61. !llit6,.g)!ontjoie,'llad)en ungefäuntl bat'
odrefienb biej!!l6änberung bei @efeb•I über bie irtlleite~ng, 1~9e6~n. 1lie 6eteili~ten .!?reife unb @emeinben tDaren a:er
!lleruollflänbigung unb 6effm 2luirüf!ung bei Staatl e1fen• nuf/1 m ber ilage, bte t6nen burdi bal @efeb auferleg.•~
ba6nnebel 3ugegangen. 1lie Staatlregierung foJ babur<fl !Beiträge iu ben @runbertller61foflen au (eiflen, ba6er ent
rrmäditiot rorrben, AU bm Glltunbe:roer611oflen ber -i;io6e ir666ung bei Staata311f<flulfei 6eantragt lDirb.
!fünn•!!labn aufler bem oereitß In @emäfl6eit bei @efebel
'
~om 15. ID!ai 1882 !11 leiflen~,n !Baq ufdiufl 1>on 343 000 • • •• mlontfoie, t. !JJ!ai, t2'/ U6r !JR(ttaql,
!!Jl. rinen tllritern !Beitrag bon 157 000 ID!., 1ufommen alfo 'Der @efeventtlluf t1J11rbe einer (iommiffton ü6trtDiefe~
500 ono IDl. 311 9emä6ren uub biefet6al6 111 bem !Bau ber unb trifft foe6en bie !Jla<flricfit ber einflimmigen @ene6mi
!!lobn ~Matfamt 14 724 000 ID!. 1u berlDenben. 1ler @efeb• gung biefel inlwurfel feitenl ber (iommifjion ein. •
en1:1>urt 6~ngt mit bem !Jlotflanb in ber iifel na6e !U•
laa,mrn ; infolge birlrt !Jlotiianbeß fdieinl el ber !Regierung
an~naeli,n, ;ur ~•bung ber wirll<flafllidien gunänbe in
j~tr _@r,1mb_ unb 1ur lllrfdiaffung lo9nenben !!!et bienfleß
füt lrir tdnlrrbrb!!Ucrung mit bem !!lau ber projertierten
Die einstimmige Annahme in der dritten Lesung hat man in Montjoie durch ein Extra-Blatt
bekanntgemacht
20
Schließlich hat man mit dem erhöhten
Staatszuschuß erreicht, daß der Bau der
Eisenbahnlinie nun voranschreiten konnte.
Aber die finanziellen Schwierigkeiten waren
damit noch lange nicht gelöst. Ähnlich
wie in der heutigen Zeit haben sich die
Kosten laufend erhöht. Fehleinschätzungen
durch viel zu niedrige Vortaxen, zusätzlicher
Grunderwerb für zahlreiche Parallelwege
entlang der Bahnlinie zur Bewirtschaftung
der durchschnittenen
Grundstücke, und eine Vielzahl von Prozessen,
deren Kosten ebenfalls von diesem
Geld bestritten werden mußten, haben
nicht nur die Gesamtkosten für den
Grunderwerb unwahrscheinlich hoch werden
lassen , sondern auch die abschließende
und definitive Kostenaufteilung
zeitlich sehr weit hinausgeschoben.
Von diesen Schwierigkeiten war der Kreis
Malmedy besonders stark betroffen. So
mußten z. B. allein in der Gemeinde Lommersweiler,
die nur in einem kleinen Teil
von der Bahn durchschnitten wurde, etwa
dreißig Beschwerden bearbeitet werden,
die aber nicht alle zu Prozessen führten.
Nachdem die Kostenlawine weiterhin stetig
anwuchs, hat man im Februar 1888
beschlossen, eine nochmalige Erhöhung
des Staatszuschusses zu beantragen.
Dieserhalb waren der Landrat Wallraf von
Malmedy und zwei Mitglieder des Kreisausschusses
im April 1889 in Berlin vorstellig
geworden. Sie fanden wiederum
Verständnis für ihre Situation. Auf Befürwortung
des Ministers von Maybach wurde
durch Gesetz vom 10. Mai 1890 ein
weiterer Staatszuschuß in Höhe von
488 466 Mark bewilligt. Der Kreis Montjoie
erhielt davon rd. 60 000 Mark.
Trotz des hohen Staatszuschusses von
inzwischen 988 466 Mark betrugen die eigenen
Aufwendungen des Kreises Malmedy
immerhin noch rd . 250 000 Mark.
Eine endgültige Regelung der Grunderwerbskosten
ist im Kreis Malmedy erst im
August 1904 unter der Amtszeit des Landrats
K. Kaufmann zustande gekommen.
Also zu einer Zeit, als die Vennbahn schon
unter Volldampf fuhr und die Strecke bereits
zweigleisig ausgebaut wurde.
~önighdJc Q':if cnlla!Jn=~ircctioa (lingrlJehtif dJeJ au s'töln.
Nebenstehend die Bedingungen, unter denen
das Eigentum für den Bau der Vennbahn an die
»Königliche Eisenbahn-Direktion (linksrheinische)
zu Köln« abzutreten war.
Jnu bcr. Qfifcn balJn ~on ]llriim iiucr St. llitlJ unb Jtoutjoie ttadj
ltotlJ e=(frbe (ladJett) tnit ÄUJtueigimg· nndJ lltalmebtJ.
-~cf i ~: 2r fit r et n u g ß: ~ r 11 t 11 f n II.
. ~t't>ingungcn,
1mter toe(djen ber lBefi~ ber umjte{jenb &e3eidjneten @runbjtiicfc, foroeit bieje(ben ;um !Safjn~au
ttiorber(idj ftnb, an bi~ ~önigfidje <iijenba{jn, ~irection (linfsMjeinijdje) 311 stö(n f ofort abge,
tteten roirb.
§ 1.
SDen &igentfjiimem bleiben alle ffiedjte auf @:11tjdjäbig1111g norbegafün; aus ber frei,
roilligen Q:lefiti,21:&!teh;ng batj feined~i ~fodjt!jei( fiir bieje(ben gefolgert toerben.
§_ 2.
SDer bejagten SDimtion bleibt bail ffiedjt norbe!jalten,. non ben ·betreffenben @rnnbftiicfen
je 11adj !D1aiigabe bell ~aubebiitjlliijes me!jr obet roeniger, alil angegeben, in !Befil! 311 ne!jmen.
§ 3.
SDen &igentljiimc~n toetben IJ~m %age bet no[aogenen lBeji~ ,filbtretungil , @rffämng an
bie ,8inf e11 . au·· füuf nom ,t'.)imbert J>ro ~nljr non • berjenigcn eumme ge3alj1t, toe(clje jpäter_ auf
giitfidjem !!Bege uminbart ober iljnen gcjetifidj 3uetfannt toerben toitb.
SDie ~önig(idje &ijenbaljn,~imtion oerJ>f(idjtet ftdj, bie ID?ajjrege(n toegen giitfidjer ~eft,
ftctrung ber @ntjdjäbignng beaieljungstueif e toegen (fouerbung 3um &ig_entljum berjenigen fr(ädje11,
toefdje 311r !Sa!j11anfage b{ei&enb erforberfidj ·finb, f obafb a(il itgenb mögfidj au IJeranfajjen unb
ben feflgefte!Iteit @efbbettag naclj !Bejeitigung etroa befte!Jenber ,t)~J>otljefen ober fonftiger ,8ag(ungil•
fjinbernijfe muueigedidj • auilau3aljlen. . • ·
§ 4.
~ie. &ntj~libigung fiit auf ben @~nbftücfen fteljenbett ~ufroncljs •[oll bot ber . 3nangriff,
nafjme ber @mnbftücfe, 1uen11 erforbetficlj nadj IJor!jeriger \!lbfdjii~ung burdj einen non bcr
~önigfidjen !Regierung 311 ernennenbett nereibigten %ai;ntor, ofjne !!Jequg 0011 ber SDirection
ocrgütet 1ocrbe11. - &truaige !j3ädjter ruerben non bcn &igentgiimem allein abgefunben. •
§ 5.
SDie ~önigfidje lRjenbaljn,S!)irection übernimmt bie @nmb, unb (fommuna(jteuern, inf ofem
bieje(ben bie non iljr eigentljiimlidj • 311 erroerbenben ß'(ädjen betreffen, nom 1. ~J>ri( • 1886 a&.
Die Bereitstellung (Enteignung) des Grund
und Bodens für den Bau der Vennbach,
und das trifft für alle Bauphasen zu (1 .
Gleis - 2. Gleis - Bahnhofserweiterungen
- Zufahrten zu den Bahnhöfen usw.),
war ein zeitaufwendiges Verfahren . Mitunter
wurde dadurch der Baubeginn stark
hinausgezögert. Es kam aber auch häufig
vor, daß ein Bauvorhaben abgeschlossen
war und über den Ankauf der Ländereien
noch immer verhandelt oder gar prozessiert
werden mußte.
Gebietsweise wurden Kommissare für die
Enteignungsverfahren eingesetzt. Das waren
häufig die Landräte oder höhere Regierungsbeamte.
Durch Benachrichtigungen
über die Bürgermeistereien und Veröffentlichungen
in den Zeitungen hat man
die beteiligten Eigentümer aufgefordert, zu
bestimmten Terminen und an bestimmten
Orten ihre Rechte und Ansprüche geltend
zu machen. Von Sachverständigen waren
bereits Abschätzungen vorgenommen
worden, und es war nun die Angelegenheit
der Beteiligten, sich so teuer wie möglich
zu verkaufen und einen guten Preis
auszuhandeln. Man ließ auch mit sich reden.
Wer an diesen Terminen nicht zugegen
war, mußte sich mit der festgestellten
Entschädigung zufrieden geben. Natürlich
kam es nicht immer zu einer Einigung, und
dann wurden die Gerichte angerufen.
Zur beschleunigten Durchführung von bestimmten
Arbeitsvorhaben - auch beim
Bau von Eisenbahnen - wurde durch Gesetz
vom 11 . September 1914 die Anwendung
des vereinfachten Enteignungsverfahrens
beschlossen. Es hatte vermutlich
nur für die Dauer des Krieges Gültigkeit.
21
Der Bau der »Hohen Venn-Bahn«
Teilstrecke Rothe Erde (Aachen) - Monschau
Am 13. Mai 1882 brachte der »Stadt- und
Landbote « folgenden Bericht aus dem
Kreis Monschau: »Während die Eisenbahn
durch unsere Landschaft die Genehmigung
des Herrenhauses gefunden hat und
nur noch die Sanction des Kaisers fehlt,
macht man schon die erfreuliche Erfahrung
, daß die Erneuerung der Vorarbeiten
resp. die Festellung der Bahnlinie schon
lebhaft betrieben wird. Ingenieure mit ihrem
Hilfspersonal durchziehen die Gegend,
überall messend und planend, so
daß die Bevölkerung beginnt, an den Ernst
der Sache zu glauben. Hier und da werden
schon ohne weiteres Hecken und Gehege
niedergehauen, zum Erstaunen der Besitzer
oft, ohne daß ihnen was von polizeilicher
Genehmigung bekannt gemacht worden
ist. Nun, angesichts der ganzen großen
Sache wird man schließlich auch als
mal zu einem bösen Spielchen eine gute
Miene zu machen vermögen.«
Abb. 2: Eine alte Wegeunterführung nahe der Ortschaft Hahn
Obwohl das Gesetz noch des Kaisers Unterschrift
benötigte und die Grunderwerbs-Angelegenheiten
noch vielfacher
Abklärung bedurften, liefen die Vorarbeiten
schon auf vollen Touren. Auch im
»Amtsblatt der Königlichen Regierung zu
Aachen« vom 24. August 1882 (Nr. 518 -
Seiten 243 u. 244) wurde zur öffentlichen
Kenntnis gebracht, daß die »Königliche
Eisenbahn-Direktion (linksrheinische) zu
Cöln « auf der geplanten Strecke spezielle
Vorarbeiten durchführen läßt. »Die mit der
Ausführung der Vermessungen beauftragten
Beamten sind mit Legitimationskarten
versehen und angewiesen, den durch das
Betreten der Grundstücke etwa entstehenden
Schaden an aufstehender Frucht
etc. zu vergüten.
Die betreffenden Grund-Eigenthümer sind
nach Maßgabe des§ 5 des Gesetzes über
die Enteignung von Grundstücken vom
11 . Juni 1874 (Ges.-S. pag . 221 ff.) verpflichtet,
die zu den Vermessungen etc.
etwa nöthigen Handlungen auf ihrem
Grund und Boden geschehen zu lassen.«
Bereits im September-Oktober 1882 hatte
man die Vorarbeiten bis Monschau und
Umgebung durchgeführt. Die Vermessungsergebnisse
und die Trasse der neu-
en Bahnlinie wurden in •die Grundstückskarten
übertragen. Diese Kartenunterlagen
waren die Grundlage für die Folgearbeitel"'l.
Etwa in dieser Zeit wurde einer Bäuerin
mitgeteilt, daß demnächst die Eisenbahn
genau durch ihre Scheune fahren müßte.
Die Frau war schließlich damit einverstanden,
»äwer ömmer dä Schürdoar op on zu
maache, domot kann ich mich net ophaalde«.
(Aber immer das Scheunentor aufund
zumachen, damit kann ich mich nicht
aufhalten.)
Mit der landespolizeilichen Prüfung und
der Planfeststellung wu rde am 1 ~- Februar
1883 begonnen, und zwar mit der Anfangsstrecke
von Rothe Erde bis Sehmithof.
Die Prüfung der weiteren Abschnitte
wurde zügig fortgesetzt. Daß bei dieser
Gelegenheit noch besondere Wünsche
oder Änderungsvorschläge hinsichtlich
des Linienverlaufs akzeptiert wu rden , ist
nicht anzunehmen, obwohl die Lage der
meisten Bahnhöfe nicht den Vorstellungen
der betroffenen Bewohner entsprochen
hat. Viele Bahnhöfe befanden sich nämlich
am Rande der Ortschaften, mitunter sogar
in erheblicher Entfernung von den Dörfern.
Auch der Höhenunterschied war
manchmal beträchtlich. Er betrug z. B.
zwischen der Stadt und dem Bahnhof
Monschau mehr als 100 Meter und in
Lommersweiler etwa um die 90 'Meter.
Man muß aber davon ausgehen, daß bei
den Planungen auch diesbezüglich sorgfältige
Überlegungen angestellt wurden.
So wären die Kosten für den Grunderwerb
noch wesentlich angestiegen, wenn man
die Bahnlinie durch die Ortslagen geführt
hätte. Auch die spätere Bahnüberwachung
durch Schrankenwärter wäre kostenaufwendiger
geworden. Hier und da wollte
man auch schon mal zwei Ortschaften mit
einem Bahnhof bedienen, wie etwa Monschau-Mützenich
oder Sourbrodt-Elsenborn
. Von besonderer Bedeutung waren
jedoch die schwierigen Geländeverhältnisse,
die letztendlich den Streckenverl auf
doch weitgehend vorgeschrieben haben.
Nachdem die Planungen nun endlich zum
Abschluß gekommen waren, hatte man
nicht mehr die Absicht, nochmals Veränderungen
vorzunehmen . Das galt für die
gesamte Bahnlinie. Die Bevölkerung im
Monschauer Land war ohnehin froh, daß
die Bahnlinie gebaut wurde, und hat sich
mit dem angebotenen Linienverlauf zufrieden
gegeben.
Und dann begannen die Bauarbeiten. Im
Juni 1883 hatte sich ein Eisenbahn-Baubüro
in Kornelimünster niedergelassen (im
Haus Liebenstund). Es war für den Bau
der Linie von Rothe Erde bis Roetgen zuständig.
Ein weiteres Baubüro wurde im
August 1883 in Monschau eingerichtet.
Von der Bevölkerung wurden diese Einrichtungen
mit der Hoffnung auf bessere
Zeiten verbunden.
22
Schon auf den ersten 1 O Kilometern der Bahnlinie mußten zwei große Talbrücken errichtet werden. Und zwar über das Rollefbachtal bei Brand und das
lterbachtal bei Kornelimünster. Diese beiden Viadukte sind die bedeutendsten Bauwerke in diesem Streckenabschnitt. Die folgenden Bilder zeigen die
Talbrücken während der Bauarbeiten 1883/84.
Abb. 3: Der Viadukt über das Rollefbachtal verläuft in Richtung Kornelimünster in einem leichten Rechtsbogen. Er hat eine Länge von 128 Metern und
ist rd . 24 Meter hoch. Während der Kriegswirren ist diese Talbrücke unbeschädigt geblieben.
Abb. 4: Die Talbrücke über das lterbachtal verläuft geradlinig. Sie überspannt den lterbach und die Landstraße Aachen-Monschau (Bundesstraße
258). Der Viadukt ist etwa 130 Meter lang und rd. 22 Meter hoch. Zwei Bögen wurden im letzten Krieg gesprengt. •
Begonnen wurde mit dem Viadukt über
das lterbachtal. Die Grundsteinlegung erfolgte
am 27. September 1883. Damit wurden
gleichzeitig die Arbeiten an der gesamten
Strecke aufgenommen. Noch im
Herbst des gleichen Jahres hat man auch
mit dem Bau des Viadukts bei Brand angefangen.
Laut Chronik der Gemeinde Brand
"· . . das erheblichste Bauwerk der ganzen
Strecke ... «, was durchaus zutreffend
ist. Der Bau dieses Viadukts wurde
dem Unternehmer August Kunert aus Köln
übertragen. Der Materialaufwand für diese
Bauwerke war groß, und die Kosten waren
sicher hoch. Ein Jahr später war der -Viadukt
weitgehend fertiggestellt, so daß
schon im September 1884 der erste Zug
mit Baumaterial von Rothe Erde nach Kornelimünster
fahren sollte.
Viele Menschen aus den anliegenden Gemeinden
und der Umgebung haben beim
Bau der Eisenbahn Arbeit und Brot gefunden.
Im Bedarfsfalle wurden,entsprechende
Stellenanzeigen in den Zeitungen veröffentlicht.
Die Ausschreibungen für den
Bau der Empfangsgebäude, Anbauten und
Güterschuppen auf den Bahnhöfen dieses
Streckenabschnitts erfolgten im Mai und
Oktober des Jahres 1884. Es waren überhaupt
sehr vielseitige Arbeiten zu verrich-
23
ZJC.i~q hid~(X,f',n-©iucUon, (~~
x...,D{ö!t,;. .
. ~~;btl,cbiJc~~l<,~-8t.CW.d .J'....;,,,..,_
Parzellar-Karten
Drei verkleinerte Ausschnitte der »Parzellar
Karten« , in denen die Vermessungsergebnisse
eingetragen wurden. Sie bestanden für den gesamten
Streckenverlauf. Grundlage waren die
vorhandenen Katasterkarten, die man durch rote
Eintragungen ergänzt hat. Ausgewiesen wurden
u. a. die neuen Grenzen des Bahngeländes,
erforderliche Parallelwege und 1~egeveränderungen,
Geländestreifen für die Schneeschutzdämme,
Planübergänge, Brücken,
Durchlässe usw. Auch Höhenprofile wurden
dargestellt. Besonders hervorgehoben ist die
neue Bahnachse mit den jeweiligen Radien und
den Stationspunkten in der Achse, die den Kilometerangaben
vom Ausgangspunkt der Linie in
Rothe Erde entsprechen. Z. B. Stationspunkt
459 = 45,9 Kilometer. In den betroffenen Parzellen
sind auch die jeweiligen Eigentümer eingetragen.
Der linke Ausschnitt zeigt den Bereich
des Bahnhofsgeländes Monschau. Die
beiden unteren Ausschnitte liegen zwischen
dem Bahnhof Monschau und Gut Reichenstein.
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24
ten. Erd-, Fels- und Planierungsarbeiten.
Der Bau von vielen gemauerten Durchlässen,
Brücken, Unter- und Überführungen
von Wegen und Straßen usw.
Die Bevölkerung nahm an den fortschreitenden
Arbeiten ihrer Bahnlinie regen Anteil.
An Sonn- und Feiertagen pilgerte sie
zu den Baustellen, um sich über den
Stand der Dinge zu informieren. Am 23.
August 1884 schreibt der »Stadt- und
Landbote «: "· .. Auch an dem Bahnhofsgebäude
des Bahnhofs Montjoie ist bereits
begonnen, es wird dieses ein schönes
großes Gebäude werden mit drei Wartesälen,
Postbüreau, Postpacketbüreau, Restauration
etc. Von Conzen nach Lammersdorf
und Rötgen ist bereits die Packlage
gelegt, nur die Strecke von Rötgen
nach Cornelymünster ist noch etwas zurück.
Zwischen Cornelymünster und Rothe-Erde
ist man mit der Fortschaffung des
Arbeitszeuges und des überflüssigen
Baumaterials beschäftigt und wird diese
Strecke voraussichtlich am 1. September,
beim Beginn der Cornelius-Oktav dem
Verkehr übergeben "Yf3rden . Der Bau der
Stat1ongsgebäude Bfand und Cornelymünster
steigt rüstig voran. " Man war zufrieden
, denn die Arbeiten verliefen allem
Anschein nach prog rammgemäß.
Als die Arbeiten zu r Herstellung der Bahnhofs-,
Wohn- und Nebengebäude für die
Stationen entlang der Strecke ausgeschrieben
wurden, hatte man mit Befremden
festgestellt, daß der Bahnhof Konzen
nicht mit aufgeführt war. Das hat die davon
betroffenen Gemeinden Konzen , lmgenbroich
und Eicherscheid natürlich nicht ruhen
lassen. Die Bewohner dieser Ortschaften
wollten nicht nur ihren Bahnhof,
sondern auch die Möglichkeit, daselbst
Güter zu verladen. Man hielt es für eine
Zumutung , bei den schwierigen Geländeverhältnissen
nach Lammersdorf oder
Monschau ausweichen zu müssen. Die
Eingaben der betreffenden Gemeinden
blieben nicht ohne Erfolg. Unter dem 17.
Dezember 1884 ist in einer Monschauer
Abb. 5: Verschneite Schienen der Vennbahn bei Siel. Das Bild stammt von 1960. Hier war die
Vennbahn noch zweigleisig.
Zeitung zu lesen , daß auf Anordnung der
»König!. Eisenbahn-Direktion auf der Eisenbahn-Haltestelle
zu Conzen eine Güter-Verladestelle
eingerichtet wird, wodurch
einem vielfach ausgesprochenen
Bedürfnisse genügt wird.«
Einige Anzeigen und Ausschreibungen vom Bau des Abschnitts Rothe Erde-Monschau. Sie sind den Monschauer Zeitungen entnommen .
•!Nlfn, beh 13. iuonft 1884.
~erhing.
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!ßa!Jl1lwi_ \Ulo11t1oie btr %bcnbnbu \Jlotl1c,ll:rbc,\Uluutioit•Eit. •'.l!:111 foll
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llle51110111111c11 1111b ~robe1tii,lc hcnen III uufmm !lliireau, 11:rnulonlfe
9'ltt, 23, .8imm,r !J!ro, VI IJirriclbjt AUt ~iuiid1t ofirn. 3tidJuuug uub
llleb111_n1)Ußtn tiinncn nudJ bei bem ~lbt1Jeil11119~•'.Ba11meifter ßo!Jf t in
ID'lonlJott oom 20. bi~: ~lJ!t;. ab tiunricl)cu merbcu.
~lbbrfüf, ber 'Scbi1111111111cn iiub oom 20. bi~- '.lJlti. nn ocorn por•
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31_uar bnrr!J bcn 'Siir~nu•'8ur[tc1J,r Sd111mod)cr II, 5trnu!nnlf• 9!r. 2.'l
IJUmfe!b[l 3n &c3id1rn. SDit ~(uß!Jiiubinnun bcridbrn trio!oi nur au foldJt
11lm1cqm,r, 1ueU1c tlbcr il1rt .l!ciftuun~iiilJiolrit burdJ o o rlJ, ti gt !!lor•
lag, oon ~Ut,ftc~ \irfi ncnüocnb 011~1ueiiru.
Oif1t1rn im~ oerficoclt uub mit bcr ~[11ifd1riit „ l)ficrtc aui .i)cr•
t)iflrnn . ~)UC~ lllcnmle11•l!Uo()111Ja ujeß iilr 4 IT-nmilirn auf '.!ln(111l1oi
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porlo• unb be[t,flgelbirei ,i11,1ureid1c11.
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&ti t3n~n§oj !! n 111 mc til b orf unb (l; o 11 ,\ en, ,o. 30000 clnn
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öjjcutlidjm 6u6111ifiion uerbuugm. 1oerbm. !littfiegefü,
frnnfi de 1111b mit btr ~njfdjrift: . Offerte ouj l!rb•, ßcl6•,
iplnnirnng~• tc. ~r&rilm uirj,!Jcut~l119el,ote iinb nn bcu Unter,
3tidj11dmbiß,11111112. i})!iiq er., IOU~r \Horntill,1!11 ei11,111jcnbrn,
0u 1ucidJtlll 11:mnin bit <lriijjmmg ber Djfcrlcn in C.!lcQm•
iunrt brt rhun nf,"ljienmm 6nbmillmtru flulljinbrn 1u1tb.
€116111ifiio11~1111tcrlngm ll'trbru DOii btm l111tn3rh1j11dm
grgm (hjlnllnng uon 2,(0 \))Jf. <ro11inlim nur Rn qnnlifi•
0irle nub mit !jntm ,3e11g11ij[c11 uerje~mc Untmtt!Jmcr
R1tilgt~ä11bl9I.
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25
mit
jöniolir~t «if enbo~n = Jiredion
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~rubau ber eerunbdrbabn m o t b e,
itb ~ ~r tlm.
<!rb e~ IDl o ntj oi e • et. m
Die ~u!lfüijtung bet fü6cnge6äube 311 ben 6tationsgt•
Iiiiuben auf ben .!Baijnijöfen !Roetgcn, s:!ammeri!boi:f, \)Jcontloie
unb .!talttrijet&etg, fomie bei! 9Mienge6äubefl ~u einer
meamhnroo9nung auf lBngnlJof \Jnont joie unb btr proniforif rTJcn
6tation!!ge6äube auf bm '..!3n911I1iiicn i!a111111cr~bori unb
.!taUet9er6erß foll in einem S!oofe ucr!)ciirn roet\lm.
S[)ie 6e3uglid)en i~cbingungcn lic!Jen anf bem nbtgcifnng!!•
!Büteau in 1 llt ontjoie 3ur ijinjicf/t aus unb tönncn nnd)
11egen l'Otlofreie cy;infenbung non 3 \])lar? feiten!! f oicfJer
Unternc~mcr, bmn füiftun!J!lfäIJi!lfeit btt !BaunctmaUting
6e?annt ,ft, ober tueldJt igrt üunli~cntion nndJ )cbct!RidJtung
in einer bet ?8n11nmnalt1111g au11rei0/tttb etfc!Jm1cnben füeif c
bai3utiju11 nermögcn, non bem Untcr~eicf)ltdrn 6e3ogen tuetbcn.
2lnge6otefinbmit btt &ufld1riit „Off ntc auf .f.)tt•
ftellang non 5 9h6rnge6äuben unb 2'5tntion!!•
g e li ä u b en • biß 6onna6 eub bm 11. Dfto6er er., !Bonnit•
tags 10 Ugr, . an rotldJem Sl:ngc bie ijröff11111ig crfoinm
roitb, nerjiegelt unb ftanfirt unb unter 5eifügung llct:
jignitlcn <proben an brn Untcrieic!1ndttt nuf \lein Ull 1 l~ei I ung<l•
.18üteau ~itrfd6ft 6tabtftrabc mro. 39 rin3unid)rn.
IJJl o n ti o i e, ben 1. Ottober 1884.
'.l'>et ~&tgeiiungsdBaumtiftcr,
~o6re.
'gi'ermif cf)fe~.
IDlontjoit, 30. fillol. ID?orgrn (31. mai) finbet bie
aulgefd,lriebeue 611btnilfio11 auf ,l)erfleHung ber Cf111pfan9ß,
Atbäubt uebfl @1Hi>dd)upper:, 2Jnboufen 1c. nuf ben !Ba~n •
bOlm ~raub, l!or11ell)111ünfltr, 21!11lbei 111 (1. ~0013), ffiaeren,
91ölgtn, !lllonljoie (II. {lool!), ~iilgrubacl> 1111b IDl11lmehlJ
(III. f1>oll) in ~lad}en 01111.
@eü&te
~adlagefe(ler
Steinf d)fagbämmer t>er„
feijen finben ~ef ~äftignng auf
6trede ?Noetgen-.t!ammer~borf.
filnmelbungen auf ber ~au==
~elle.
vom 17.
Dezember
1884
[if eufiafJn•~ircftion~bqtrf (liuf~r(JciniictJcr) Sföllt.
I\enbanlinie Jotbr~~rbe= $1. Jitb=Jrüm.
SOie @eininnung un'o 2lnfufjr non 1000 Jtu6i?metet.
.:Btucfijteinen (ca. 10% bct au 'ocn ljieiigen l!Ha'outten bem:
uädjft 6enötgigten ill'laffen) fo ll in öffentridjem ~et'oing oet•
gelien roet'oen.
'.il)ie ~ntjiege!ung 'oer mit entfpte1~enbet lllufic{jtift 3u
nerf efienen unb pottoftei an tnicf} ein 11 uteidjenben lllnet&ie:
tungen ~nbet
Dienftag bcn 21. filuguft 1883,
lBonnittags H Uljt , •
in meinem @ef d)äfts3immct iStatt.
,Die allgemeinen unb fveaiellen :Bebingungen 1c. 1 fügcn
ljietf eC6ft 011t G:infidjt aus unb tönnm Ie~tete audj gegen
ijinjenbung oon einet -Jnad iScfirei6ge6üfjtm 6qogen roet ben.
!.totnefimünftct, ben 9. filug ujt 1883.
•
'.iDet ~ 6tijeHungs•~auineiftct,
c:,i:,ttmann.
tfänigl. (füfenbabn~Pirelllion (linltorbfin.) j öln.
J1eu6au llt'r 3meigfiafj11 J(otfjc (fallr=JTTontjoir,
St. 1Jillj= }Jriim.
. . '.l?ic .lfüJ.~rn nn her ffifolerin(icn (3icge([tci1)e, .11'nlt unb t5nnb )
10101c b1e ~(n~111t1rn110 non cn. 150 Km .8icgel[le111111numuerf anr .ßcr•
(lcll nn n neu 3:l 11::iliid ne1uölblc11 !l!ö~renbnrrftliiiicn nnf bct 15tm le
l.!nmmrr~bPrf bi~ \ion3cn joUcn, getrennt nacfJ ben cin 0 clnen illlnterin(icn
nnb bcr ~( rbcit, ncrb111111en tuerben. ,
PJic~,lcn_ !iier!)lli iinb mit ber ~lnHcftrijt .ßcrfld(1111g non ITTü~rcn•
bnrrlJ(nltcn lu~ 9JhtlioodJ bcn l\J. bi!. ill!li!. lllormi1lngß 10 Ultr an
mieft ci 11~nrrirf1cn. ' •
'.D1e 'Dcbi11 11H n1cn finb nnf bcm ~(blqei(uno~ , 181mn11 fJirr \cl bft
@:itabl)tro[ic _9/r. 39, ei11,111j,·qe11.
\lllon!Joc e, ben 11. \September 188.1.
'.Der c. ~(bt1Jcih111A~ -~lnumciftcr,
s. &01,rc. -
'JO füd)fige ~rhar6eifer
Pnbrn gtgrn gul~n i!o~n !B,fdlöfllgung. - 2l?db11ngtn auf ber !8oufleUt.
!J! o t t g , n , btn 23. l'ftbruor 1884.
~ng. !ßotr,ftfin, !BauunfnnrlJmtr.
Am 4. März 1885 waren die Schienen bis
Konzen verlegt, und bis zum 1. April sollte
Monschau erreicht sein . Ab Mitte April
wollte man nämlich über den Bahnhof
Monschau hinaus bis zur Boverei fahren ,
da dort ein Materialdepot für den weiteren
Bahnbau eingerichtet werden sollte. Eine
erste Probefahrt mit geladenen Gästen
fand bereits am 15. April 1885 statt. Sie
wurde in einem »Extra-Blatt des Stadtund
Landboten « der Bevölkerung des
Monschauer Landes angekündigt Bei
schönem Frühlingswetter lief der erste
Zug um ½ 12 Uhr im Bahnhof Monschau
ein. Er bestand aus der Lokomotive, zwei
Gepäckwagen und zwei Kieswagen, auf
denen Tische und Bänke aufgestellt waren.
Unter der Anteilnahme vieler Menschen
ist diese erste Fahrt gut verlaufen.
Schon diese Probefahrt war ein kleines
Volksfest
~rtra=!,latt
. bei
,,etobt, unb ~anbboten."
-• - al !Dft ... - II,-, ia •-i..
!Jlnljtit, MR 15. ~f 1885.
Dontjoie, 15. !!lpril. J;,nrtc 'lJll'rgcn 11 U9r mirb b« ttfic €ijmba9n•
iug mit einem l.pctjoncnmagcn in ben ~itfigcn !&9nl)of einlaufen. <.punft 2 ll9r
n,irt, b« ,Bug bie 9fücffof)rt no~ ~ a ~ cn, mit längerem t!lufcntl)alt in ffibtgcn,
&tginnm· unb mirb um i ~r abcnbE- micb« 9icr cintrtftcn.
Am 30. Ap ril und am 1. Mai 1885 hat auch
der Ministerialrat und Geheime Oberbaurat
Dieckhoff aus Berlin die Neubaustrecke
Rothe Erde-Monschau inspiziert. Er besichtigte
u. a. den Bahnhof Monschau und
die demnächst zu bauende Strecke Raeren-Eupen.
Die Fahrt erfolgte in einem
Extrazug mit Salonwagen. Ende April wur·
de auch der Stein zur Unterlage für die
Drehscheibe auf dem Bahnhof Monschau
geliefert. Der Stein hatte ein Volumen von
2,40 Kubikmeter und ein Gewicht von 120
Zentnern.
26
Der offizielle Eröffnungstag rückte immer
näher. Am 13. Juni 1885 war in einer
Anzeige im »Stadt- und Landboten« zu
lesen , daß das vorgesehene Festessen
am Eröffnungstag der Bahnlinie noch nicht
ausgebucht ist. Es wu rden also noch zahlungskräftige
Mitesser gesucht, die man
mit Sicherheit auch noch gefunden hat.
Und Geschäfte machen wollte man auch
damals schon. Das ist aus einem lns.erat
vom 24. Juni 1885 in der gleichen Zeitung
zu ersehen. Schließlich ist solch ein bedeutsamer
Anlaß ohne Fahnen nicht denkbar.
Am 27. Juni 1885 schreibt der »Stadt- und
Landbote «: »Montjoie, 26. Juni. Heute
fand die definitive Abnahme der Bahnstrecke
Rothe Erde-Montjoie statt und
wurde dieselbe, wie wir zuverlässig vernehmen,
betriebsfähig befunden und wird
der Verkehrsübergabe am 1. Juli nichts
mehr im Wege stehen.«
(fif enba~n:<fröffnung.
~a~ntn! . afaOncn! ~aijnent
lllnmelbungm 1u Ilm 'oorauliicl/tlid/
flattjinbtnbrn
am 30. bie1e5 ID?onatß,
~efteffen
IDetbtn in &rfd/ränfttr ga~l nod/ angenommen.
!Jlamrnl bei ij'rftcomitel titl .Rrrifd !lllontjoir,
· Umncn,
.l!anbrat. •
~ Sum @ifenbat,nfe;l! :g
!illniferecIJtc .f11~ntn un'o .ll'1!)9rn, ~,1ppr11f„r,m,,r,
~rnn!lpnnnl, il,1111pioll!l, \)eumucrr. .t"itferun9 fofort,
J{eir:fjijnfligf. J1reit;nrr,1cirijnifi fr.ni'lrn wir grnlis
• 11111'1 f rmtlio.
tlonncl' 'ijnt;ncnf nbl'if (.1) o f, ij a lj 11 e n f n 6 r i f)
in ~ o n 11 •
1 I
~cf anntmaif)ung.
!!Im t.' eJuii b. 3. mirb bie neu erbaute 6trede ?7lotbe~@rbe,rolontioit unter ijinfübrung bei u n~
tenfteQrnben ijaor~[an~ bem 18ettiebe übergeben. .
• mon ber 18etriebG-@röffnuno ab finbet unter ben erftimmungen lleG ~etrie&G„lJleglemeut~ für bie
~ifenbaonen SDeutf<tlanbG bie 18eförberung t>on ~erfonen in 2. unb 3. !ID11genflalle. ffieifegepäcf, @11tern,
s:!eid>en, ijabr3eugen unh Iebenben Xieren .nad} m1b bon hen Stationen Draub, ~orntli-.Rlünjler,
W4l~tim, llatren, lloetgen, 11',unmersborf, ~on_;en unb atontjoie natt.
i)ie .Xarife föunen auf ben 6tationcn cinoefet,en luerben.
t}at,r~lon:
9fodj rn !R~. 91bf. ?16 !Bo.rm. 12-ID?itlng. 72 &6. ID?ontjoi, 2Ibf. 637 !Borm. 2 38 !nm. 65-1 m..
!Rot~c=~rb,
721. ,. 12
"
6 ,, 78 ~DnAen 649
250 ,, 7s
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" 4,1 " 851
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~if .8üge geben ab be3w. biß 2lacbcn '.in§ .
.Röln, ben 24. 3uni 1885
_ .filöttl9lidJt ~ifettba~n-l!lirection (linhsrlJtini f dJr ).
Die offizielle Bekanntmachung über die Eröffnung des Streckenabschnitts von Aachen-Rothe Erde nach Monschau. Die Strecke hatte eine Länge von
45,9 Kilometern.
Eröffnung der Teilstrecke Rothe Erde (Aachen)-Monschau
Mit dem 30. Juni 1885 war nun endlich der
so langersehnte Tag gekommen. Der erste
Abschnitt der Vennbahn von Rothe
Erde (Aachen) bis Monschau wu rde an
diesem Tage eröffnet und am 1. Juli für
den Verkehr freigegeben. Vergessen waren
die jahrzehntelangen Bemühungen,
die vielen Enttäuschungen und auch finanziellen
Opfer, die gebracht werden mußten,
um diese Bahn zu bauen. Man erhoffte
sich nun für die Zukunft den so dringend
benötigten wirtschaftlichen Aufschwung ,
und das war Grund genug, dieses Ereignis
auch gebührend zu feiern. Der nachfolgende,
auszugsweise Bericht von den
Festlichkeiten ist dem »Montjoie'r Volksblatt«
vom 1. Juli 1885 entnommen:
»Montjoie, 1. Juli 1885.
Fröhliche Gesichter bei schlechtem Wetter!
Das ist gewiß eine seltene und seltsame
Erscheinung. Und doch bot sie sich
gestern dem Auge des Beobachters, welcher
der Eröffnung der neuen Eisenbahnstrecke
Rothe Erde-Montjoie beiwohnte.
Die Inbetriebsetzung einer neuen Bahn
und damit die Erschließung bis dahin mehr
oder minder unbekannter Gegenden für
27
Die offiziellen Einladungskarten für die Ehrengäste und die Honoratioren
~rogramm
brr
f if rnbn~n•Qfröffnunguf rirr.
1. tf&faf)d bei t}tft3ugei ,uu •
• j'ien~ag ~en 30. ~uni
\Jon SUttifJen um 10 U{Jr morgeni, 91ücff e1fJrl
von Wfontjoie um 7 Ul)t 30 Wlinuten ctbenbi.
§)ie nufüuiirtigcn ~9cilneljmet am g:efteff en fönnen
ben ,Bug oenu~cn. ilic au1J3ugeoenben ~ifdj?arten
gcHcn n(B fegitimation. .
2. unterwegs '1.legiüfjung ctuf ~etf d)iet>enen
Statfonen un" ijrül)ftücf 3u t.Jloetgen.
s. ijeftlid}er @in~ug in· bie . 6tabt
IDlontjoie.
stic mcrcinc finb gcf>ctcn, fidj
barmt oct~ciligcn
3u moflcn. ß=crncr wirb crf ndjt, ~ agcn fiir bie
Gfüjte 3ut JEcrfiitllntg 3u ftcHen.
4-. 5Begrilfiung ber @äfte im ~ottl tJUd)ttr.
5. ijtfteffen in ber @ilterfJctllt bei '8ctl)nfJofi
Wlontjoit ttut 3 1 12 ltfJr ~adjmittagi.
Jlm f ofgenhen ~age
6. '8ci günftiger 2Sitterung uut to ttfJt 1nor=
gcni ijrci=O:onced ctttf bcm ed,toft.
7. 9ladJmitt,tg~ ijcftf alJd init ~,untn 1ttt4J
6'.1>t·nd1Jmiinftcr, uadJlJct Zrtn3 in O?octgcn.
~nmefbungcn ~n biejcr irftfn91:t, nimmt ba~
(fomite::~!fütglirb m crnljn tb e dj cib {er rnt!JCßetl.
Aus »Montjoie'r Volksblatt« vom 27. Juni 1885
~a5 ltn=<f 011ite bt6 trrif r9 ptontjoit.
den großen Weltverkehr ist an sich schon
ein so bedeutendes und folgenschweres
Ereigniß, so daß es vollständig begreiflich
erscheint, wenn die davon berührte Bevölkerung
einem solchen Ereignis große
Hoffnungen und Erwartungen entgegenträgt
. ..
Leider war die Eröffnungsfeier nicht vom
Wetter begünstigt; es war ein naßkalter,
regnerischer Tag, und der Nebel- und
Dunstkreis, in welchen die ganze Gegend
gehüllt war, rief die Empfindung wach, daß
man in einen richtigen Novembertag versetzt
sei. Allein so griesgrämig und mürrisch
der Himmel auch dreinschaute: die
Freude und das Vergnügen , die sich da
unten auf den Gesichtern spie~elten, vermochte
er nicht zu verscheuchen,
ebensowenig als Wol ken und Nebel den
Widerhall der brausenden Jubel- und
Hochrufe hindern konnten, die längs der
ganzen langen Strecke aus den tausenden
von fröhlichen Kehlen unausgesetzt erschallten
. .."
Die Feier ging sehr genau nach dem aufgestellten
Programm vor sich. Bei strömendem
Regen fuhr der Extrazug um 10
Uhr 10 in Aachen ab. Er bestand aus der
Lokomotive, die geschmückt war, sechs
Personen- und einem Gepäckwagen. Etwa
80 Gäste waren schon von Aachen aus
dabei. Darunter der Präsident der Eisenbahndirektion
Rennen, der Regierungspräsident
von Hoffmann und andere hohe
Beamte. Auf den Zwischenstationen wurden
noch weitere Teilnehmer aufgenommen.
». . . Der Empfang des Festzuges war auf
den meisten Stationen ein über alles Erwarten
großartiger und überraschender. In
Cornelymünster wu rde der Zug mit Musik
und Böllerschüssen von einer zah lreichen
Volksmenge begrüßt und empfangen. Der
dortige Männergesangverein war mit seiner
Fahne am Bahnhof erschienen;
ebenso erschien dort, wie an anderen Stationen
ein Festkomitee ... « Und so oder
ähnlich waren die Empfänge in Walheirn,
Raeren , Roetgen , Lammersdorf und Konzen.
». . . Die Hauptfestlichkeit fand, wie naturgemäß,
am Endpunkt der Bahn, in Montjoie,
statt; man muß gestehen, daß das
höchst romantisch gelegene Eifelstädtchen
Al les aufgeboten hatte, um die Feier
möglichst glänzend zu gestalten, und es
hat alle Ursache, mit dem Erfolg zufrieden
zu sein. Um 1 Uhr fuhr der Zug in die
Station ein, enthusiastisch begrüßt von einer
dicht gedrängten Volksschar aus
Montjoie und Umgegend. Die Menge rief
Hurrah, die Musik blies einen Tusch, und
die aufgestellten Schützen präsentirten.
Schützen-, Männergesang-, Gesellenund
Krieger-Verein waren mit ihren Fahnen
und Abzeichen erschienen, was dem
Empfang ein imposantes Gepräge verlieh.
Nach der Begrüßung durch das Fest-Comite
setzte sich der Festzug, an dem sich
außer den genannten Vereinen auch die
28
Schuljugend und ein Theil der Bevölkerung
sowie die Gäste betheiligten, unter
Vorantritt der Musik nach dem stark 20
Minuten vom Bahnhof entfernten, tief unten
in der Thalschlucht gelegenen, festlich
geschmückten Städtchen, in Bewegung
und zog nach dem Hotel Richter, woselbst
auch die eigentliche Begrüßung der Vertreter
der Behörden und der Gäste durch
das städtische Fest-Comite stattfand, während
der Festzug die -straßen Montjoie's
unter Musik und Gesang durchzog ...
. . . Den Abschluß der officiellen Feier bildete
das Festessen, welches um ½ 4 Uhr
in der Güterhalle des Bahnhofes stattfand,
und an dem sich über 200 Personen betheiligten.
An der Festtafel saßen viele distinguirte
Persönlichkeiten, deren Namen
einzeln aufzuführen zu weitläufig sein würde.
Eine besonders hohe Freude hat es in
der Stadt und im Kreise gemacht, daß der
Landtags-Abgeordnete des Wahlkreises,
Prinz Franz von Arenberg, Durchlaucht,
von Marche les Dames über Malmedy als
Ehrengast zum Festr/ herübergekommen
war. Beim Festessern saß Seine Durchlaucht
zur Rechten unmittelbar neben dem
Herrn Regierungspräsidenten von Hoffmann
.
Als die Reihenfolge der Toaste begann,
erhob sich Herr Regierungs-Präsident von
Hoffmann und wies auf die Bedeutung des
Tages hin, dessen sich Tausende freuten ,
da er ihnen gebracht, was sie so lange
erstrebt und ersehnt hätten. Er schloß mit
einem Hoch auf den Kaiser ... " Anschließend
wurden noch weitere Trinksprüche
auf die hohen Persönlichkeiten ausgebracht.
» ... Dazwischen wurden mehrere
Lieder von der Tafelrunde gesungen, die
allmählich in sehr animirte Stimmung gerieth
, wozu nicht wenig das vom Hoflieferanten
Anton Mosler in Köln gelieferte feine
Diner sowie die guten Weine beitrugen.
Präzis ½ 8 Uhr verließ der Extrazug mit
den Gästen unter den Hoch rufen der erfreuten
Montjoie'r wieder die Station und
traf um ½ 10 Uhr in Aachen ein. Die
Theilnehmer an der Fahrt waren trotz des
unangenehmen Wetters wohl sämtlich von
deren Verlauf befriedigt .. . "
Programmgemäß wurde am folgenden Tage
die angekündigte Festfahrt mit Damen
nach Kornelimünster durchgeführt. Diese
Fahrt fand wiederum großen Anklang . Gegen
14 Uhr fuh r der Extrazug in Monschau
ab. An allen Stationen wurden noch weitere
Gäste aufgenommen, und in Kornelimünster
traf man mit den zahlreichen Besuchern
aus Aachen zusammen. Nach
Kaffee und Kuchen und einem Ausflug zur
Klause hat man sich gegen 18 Uhr von
Kornelimünster verabschiedet. Eine Unterbrechung
gab es noch in Roetgen, denn
hier wurde das Tanzbein geschwungen.
Um 23 Uhr traf die fröhliche Gesellschaft
wieder im Bahnhof Monschau ein. Es war
ein gelungener zweiter Festtag.
Und da nun mal alle guten Dinge drei sind,
wurde in Monschau auch noch am Donnerstag,
den 2. Juli, gefeiert. Die Festlichkeiten
an diesem Tage hat man zu Ehren
des Landrats Rennen und der Bürger abgehalten,
die sich über viele Jahre mit
Energie und Beharrlichkeit für den Bau
dieser Eisenbahn eingesetzt hatten. Es
war eine besondere Verpflichtung der Bürgerschaft,
auf diese Weise ihre Anerkennung
und Dankbarkeit zum Ausdruck zu
bringen . Den Abschluß bildete ein großer
Fackelzug, der mit Musikbegleitung durch
die Straßen Monschaus zog.
Den Eröffnungsfeierlichkeiten wu rde
Abb. 6: Der schöne Viadukt über das Rollefbachtal. Er hat mehr als ein Jahrhundert unbeschadet überstanden und wurde in jüngster Zeit restauriert.
Das Gleis hat man inzwischen abgebaut. Ein Rad- und Wanderweg führt heute über diese Talbrücke. Im Hintergrund der weithin sichtbare Kirchturm
der Benediktinerabtei in Kornelimünster
29
~ JulJiliiutn ~
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...
~tfudJ Dtr etoDt flodJtu
,m1 n (lcf ~ lR(1imtatß, et. flif ttlilfJt nnb töninlidJt (,o~it, tlritbridJ tmUf)tlm,
Slr~ bt~ kntfdJtR lßddJt~ DU IIDll frtuju.
Aus »Echo der Gegenwart« vom 4. Juli 1885
am g,omtfag htn 5. ~uH 1885.
1. 'llunrt ·! 2 lH,r : Wtrf1tm111C11no t-rr 6d)ltljn~mt-, t-cr l-ürgn-lidJCll
11.lminc nnt- bcr rincm füninc _ nhf)t nngclJi\ri~cn .'Bürger auf btnt
nrurn frtirn ~Ca~t; bcrt Drbncn l-c0 ,8111,c~.
2. J\um rlfun9 in ?Pllritr, 1!01:; ')Jlfi~lml ~l'r i11lj,,n9cnb in t-ic E:tilt-1
~incln.
3. ~t9rüijun9 t-nrd, t-cn !füngmmijlcr nnb ~ic ~ci!1cort-11clcn nn l-cr
lf~rmrjortc am l)J1ül1lcnt~or.
-!. ill\.i~rmt- bc~ ~-i113119c~ 1111b 'l!tr ~~jillJrt ~Codirngrfiiutt 1111'1, ~öl[rr
Jd)itfitn.
ö. i=l'l-,,lt, 6 cinr 5!\li jnlidic nnt- ,1t~ni9lia,c .~c~rit ~l'lll 'JJ1ii ~(rnt(1cr nb
in t-ic Eitilt-t j.i~rt, jormirt jid) t-rr ,8119 in l-n 11,,mlid)m lllcil)rnjo[gc
1111b 3ic~t lhld) t-cm '.!.lur~illl . 'toi-t J\11f~tll'1mo, tcr 61riltc mllilllß,
an btr ~S110n11n9 bes Jitnn c!1tttbmtQs.
6. 'I, l ll~r: ,"J 11_,1l,ijdm1 :!.lnj-1mmht11~ bc.5 0tcrl-trntl_1~, trr (YrijllidJfdl
unt- ~rilmtm im \',rni<t·,rn,1idJen .~1m,rn, ,um ,31l!cdr t-n :Borjtcl111119.
Aus »Das Monschauer Land« - Jahrbuch 1985
durch den Besuch des Kronprinzen in
Monschau am 5. Juli 1885 die Krone aufgesetzt.
Der Kronzprinz war aber nicht
gekommen, um die neue Bahnlinie einzuweihen.
Der eigentliche Anlaß seines Besuchs
in Aachen war das 25jährige Jubiläum
des 5. westfälischen Infanterie-Regiments
Nr. 53 (Kabinetsordre des obersten
Kriegsherrn, datirt vom 4. Juli 1860), das
in Aachen und Jülich stationiert war und
dessen Kommandeur der Kron prinz seit
vier Jahren gewesen ist. Mit dem Besuch
in Monschau verband er ein Bedürfnis,
dieses Land und die Menschen dieser Gegend
kennenzulernen . Da sein Besuch
aber nur wenige Tage nach der Eröffnung
der neuen Strecke stattfand, 1 ·n seinem
Gefolge sich auch der Präsident der linksrheinischen
Eisenbahn-Direktion befand
und die Rückkehr von Monschau nach Aachen
in einem Sonderzug der Eisenbahn
erfolgte, kann diesem Besuch ein gewisses
Interesse an der neuen Bahn linie wohl
nicht abgesprochen werden.
Die Fahrt nach Monschau ging mit einer
Extrapost über Eynatten, Raeren, Roetgen,
Konzen und lmgenbroich. In seinem
Gefolge befanden sich fü nf weitere Kutschen
mit hochgestellten Persönlichkeiten.
In allen Orten wurde der hohe Gast
auf das herzlichste begrüßt und gefeiert.
Und trotz des schlechten Wetters war der
Kronprinz bei guter Laune und hatte immer
Zeit für ein Schwätzchen.
Monschau hatte sich in der Ausschmükkung
der Straßen überboten. Die Bevölkerung
war in großer Anzahl hier zusammengekommen,
um dem Kronprinzen die gebührende
Ehre zu erweisen. Die Fahrt
durch das romantische Städtchen glich einem
Triumphzug. Aber nur eine gute
Stunde verbrachte der hohe Gast in Monschau
.
Auch wäh rend der Rückfahrt auf der neuen
Bahnlinie wurde der Kronprinz begeistert
gefeiert. Dazu aus der Chronik der
Gemeinde Brand: »Am 5. Juli 1885 passierte
Seine Kaiserlich-Königliche Hoheit
der Kronprinz des Deutschen Reiches und
von Preußen bei seiner Rückkehr von
Montjoie die hiesige Eisenbahnstation,
woselbst die sämtlichen hier bestehenden
Vereine und Corporationen, die Schulen
und die Einwohner fast ausnahmslos Aufstellung
genommen hatten, um dem hohen
Herrn ihre Sympathie und Huldigung
darzubringen."
Für die vielen Menschen zwischen Aachen
und Monschau, die dem Kronprinzen
begegneten und ihn feierten, war der 5.
Juli 1885 ein ereignisreicher Tag. Aber
auch der Kronprinz - der spätere Kaiser
Friedrich III. - war von diesen Menschen
und der Landschaft begeistert und soll
versprochen haben, diesen Besuch mit
seiner Familie bald zu wiederholen. Leider
war ihm das nicht mehr vergönnt.
30
Abb. 7: Der Viadukt bei Kornelimünster über das lterbachtal. Die Talbrücken mit den hohen Pfeilern und Rundbögen sind heute noch schöne und
imposante Bauwerke. Sie sind typische Beispiele der Verkehrsarchitektur aus dieser Zeit. Die Bruchsteine zur Verblendung der Talbrücken kommen
aus den Brüchen der Nachbarschaft. Die Vennbahn-Talbrücken bei Brand und Kornelimünster sind heute Eigentum der Stadt Aachen. Sie wurden mit
großen Zuschüssen aus Mitteln der Denkmalpflege des Landes Nordrhein-Westfalen restauriert und stehen nun unter Denkmalschutz.
31
Teilstrecke Monschau-Weismes mit Abzweigung nach Malmedy
Abb. 8: Die Vennbahn am »Reichensteiner Viadukt«
Bereits im November 1882 waren die Ingenieure
und Techniker zur Durchführung
der Vorarbeiten von Monschau nach Malmedy
umgesiedelt. Im Zuge der Vermessungen
dieses Abschnitts hat es sich als
zweckmäßig ergeben, die im Gesetz vorgesehene
Abzweigung nach Malmedy von
Faymonville nach Weismes zu verlegen .
Die Bauarbeiten an der Strecke selbst hatten
sich durch die aufgetretenen Schwierigkeiten
beim Grunderwerb sehr zum
Leidwesen der davon betroffenen Bevölkerung,
die ja auf Arbeit wartete, verzögert.
Aber 1884 war es dann doch soweit.
Am 28. Mai 1884 wurde in unmittelbarer
Nähe von Gut Reichenstein der Grundstein
zum Viadukt über das Hermesbachtal
(heute Ermesbach) gelegt. Man war der
Ansicht, daß diese Talbrücke wohl das bedeutendste
Bauwerk der Bahnlinie im
Kreis Monschau war. Daher hat man diesen
Akt sehr feierlich begangen. Fahnen,
Girlanden, Festreden und fröhliche Stimmung
bei den anwesenden Menschen. Eine
Pergament-Urkunde, Dokumente und
Münzsorten wurden in den Grundstein
eingemauert. Hierzu aus dem »Montjoie'r
Volksblatt« vom 14. Juni 1884\ " · . . Das
Baumaterial für.den Viaduct wird von der in
der Nähe liegenden, heute gleichfalls mit
Flaggen gezierten Richards-Ley gewonnen
und von dort vermittelst einer kleinen
Eisenbahn heruntergeschafft ... "
In dieser Zeit hat man auch mit den Arbeiten
am Viadukt bei der Weywertzer Mühle
über das Tal der Warche begonnen. Es ist
die vierte größere Talbrücke, die bisher für
diese Bahnlinie erbaut werden mußte.
Inzwischen wurde der Eisenbahnbau von
Monschau aus über Kalterherberg, Sourbrodt
und weiter in der abgesteckten Richtung
zügig betrieben. Am 22. Juli 1884 hat
man auch an der Abzweigung bei Weismes
mit den Erdarbeiten begonnen. Ein
Bericht über den Stand der Arbeiten ist
dem »Stadt- und Landboten« vom 23. 8.
1884 entnommen: »Montjoie. Der Eisenbahnbau
schreitet rüstig vorwärts. Auf der
zuletzt verganteten Strecke Montjoie-Kalterherberg
arbeiten über 400 Mann und
sind die Arbeiten soweit gediehen, daß
bereits zwei Lokomotiven auf Bahnhof
Montjoie zur Verschiebung der Erdmassen
verwendet werden können und lohnt es,
am Werktage einen Spaziergang nach
Lauscherbüchel um den Gang und die
Einteilung der Arbeiten anzusehen. Zur
Bequemlichkeit der Arbeiter haben die
Herren Unternehmer Siepmann & Theißen
eine große, praktisch eingeteilte Kantine
dort errichtet, in welcher bei ansprechender
Properität ein gutes Glas ,Baierisch'
verabreicht wird. Der Viadukt bei Reichenstein
ist beendet. Die Arbeiten der Strecke
Kalterherberg-Sourbrodt bis Robertville
sind bedeutend vorgeschritten ~- ." Die
Bauzeit der Talbrücke bei Gut Reichenstein
betrug nur 2½ Monate.
Auch für die auf der Strecke Kalterherberg-Sourbrodt-
Bütgenbach beschäftigten
Arbeiter war beim »Grünen Kloster«
(so bezeichnet ist ein Geländeabschnitt
am Zusammenfluß von Rur und Kleiner
Rur etwa in der Mitte zwischen Kalterherberg
und Sourbrodt) eine Kantine eingerichtet
worden. Hier wurden Speisen und
Getränke verabreicht und auch Kleidungsstücke
und andere Gebrauchsgegenstände
an die Arbeiter verkauft. Den Betrieb
der Kantine hatte ein Geschäftsmann aus
Bütgenbach übernommen. Weil dieser
32
Wirt seine Gäste angeblich immer schlecht
bediente, drangen am Sonntagabend, den
27. Juli 1884 zwischen 22 und 23 Uhr eine
Anzahl fremde Arbeiter in die Kantine ein
und schlugen alles kurz und klein. Tische,
Stühle, Teller, Tassen, Gläser, eben alles,
was sie in die Finger bekamen. Sämtliche
Vorräte an Getränken und Speisen wurden
vernichtet. Bier, Schnaps, Wein und Likör
flossen fußhoch durch den Raum . Irgendwann
gerieten die Eindringlinge dann aneinander,
und bei dieser Gelegenheit wurde
ein Fremdarbeiter erschlagen. Der inzwischen
herbeigerufenen Polizei gelang
es, einige Anstifter festzunehmen. Andere
konnten zwar entkommen, sie wurden
später aber doch verhaftet. Also auch solche
Spielchen hat es beim Bau der Vennbahn
gegeben. Einern Bericht des »Stadtund
Landboten « vom 25. 4. 1885 ist zu
entnehmen, daß der Hauptübeltäter zu 2
Jahren und 6 Monaten Zuchthaus und
zwei weitere Männer zu je einem Jahr
Gefängnis verurteilt worden sind.
Die Grundsteinlegung zum Bahnhofsgebäude
in Malmedy erfolgte am 20. September
1884. Es wurde ein glanzvolles
Fest. Auch hier hat man eine Urkunde
sowie Bilder des Herrscherpaares, des
Fürsten Bismarck, des Grafen Moltke und
der hl. Barbara, der Schutzpatronin der
Maurer, in den Stein eingelassen und versiegelt.
Die ersten Hammerschläge haben
die beiden ältesten Bürger der Stadt, der
96jährige Napoleonveteran Colienne und
die 92jährige Witwe Waty, ausgeführt.
Fast genau ein Jahr später, am 24. September
1885, erscheint im »Montjoie'r
Volksblatt« folgender Bericht: »Heute fand
die erste Fahrt auf der Strecke Montjoie -
Malmedy statt. Die Herren Baumeister waren
so freundl ich gewesen, mehrere Herren
zu dieser Fahrt und dem im Hotel
Jacobs zu Malmedy stattfindenden Diner
einzuladen. Die Fahrt verlief sehr gut, nur
das Wetter war ungünstig, da der Regen
den ganzen Tag nicht aufhörte. Die Mitfahrer
hatten Gelegenheit, und Manche zum
ersten Male die Bahnstrecke und Malmedy
selbst kennen zu lernen. Die Fahrt dauerte
ungefähr 1¾ Stunden. Am Bahnhofe Malmedy
hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge
eingefunden, einige Häuser
waren geflaggt ... Am arrangirten Festessen
nahmen circa 50 Herren und Damen
Theil . . . Wenn die Inbetriebnahme im
Spätherbste erfolgt, wird der Besuch zwischen
Montjoie-Malmedy in der Zukunft
sicher ein sehr regerer werden, wie bisher,
wegen der leichteren Verbindung, wie
der Herr Bürgermeister dieses auch in seiner
Rede hervorhob .. . «
Abb. 9: Die Vennbahn im Tal der Rur, kurz vor dem Bahnhof Kalterherberg. Im Hintergrund die ins Tal - zum Bahnhof - führenden Ausläufer der
Straßensiedlung
Mit der Station Bütgenbach hatte es so
seine Bewandtnis. An sich hätte diese Station
»Jammerthal « heißen sollen. Einige
zusammenstehende Gebäude in unmittelbarer
Nähe des Bahnhofs wurden so genannt.
Aber nach Kalterherberg und Sourbrodt
nun auch noch Jammerthal war wohl
zuviel des Guten. Man gab dieser Station
daher den Namen Bütgenbach, obwohl
der Ort rd. 2,5 Kilometer östlich liegt. 1912
wurde der Bahnhof Bütgenbach in Weywertz
umbenannt. Die in diesem Jahr freigegebene
Bahnlinie von Jünkerath führte
nämlich über Bütgenbach, und da bekam
der Ort auf dieser Strecke seinen eigenen
Bahnhof.
33
Übersetzung der alten deutschen Schreibschrift: Die landespolizeiliche
Abnahme der Theilstrecke Montjoie-Malmedy der Nebenbahn Rothe
Erde-Montjoie-St. Vith-Prüm wird am Mittwoch den 25. dhs. Mts. ,
beginnend Vormittags 8½ Uhr ab Bahnhof Montjoie, stattfinden.
Im Auftrage der König!. Regierung ersuche ich Ew. Wohlgeboren an
dem Termine theilzunehmen . Etwaige von Ihnen oder den sonstigen
Interessenten vorzubringende Einwendungen und Wünsche sind bei
der Abnahme der _Strecke zur Sprache zu bringen.
Der Königliche Landrath, Rennen
Diese Mitteilung erging an den Bürgermeister von Monschau . Die
landespolizeiliche Abnahme erfolgte anschließend zügig bis nach Malmedy.
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fürfe(Jfr, ;ur lziniidit · offen. - ~ie 8eidm11n9eu unb lllebi11gm1gcn
lilnnen auc!J bei bent 0'llbtf)ei(ung3-!8aumcijlec 2 o ~-f e in ID!ontjoie . unb
~ i e tt i '1) in 9Jla(mebu oom 1. 9Jtni ab eingeje~en roerben. .
'llbbtildc bet .:ffebingungcn iinb oom 1. !lnai ab gegen potto• unb
be[lellge(biceie (l:in[enb11ns oon 2 IDlart filr .lloo!l I, u.3 m urt fild!uoHI
nur oon uni unb 3roar butdi ben !8ureanoorjlc!Jet @id)umncl)et II, 'l:!nnt•
oa[ie ~Ir. :23 ~ietie(b[t, ;u be&ie~en. Sl)ic ~u~4 iinbiauug bec~(&en cqul~t
nut an fo(c!Je Unicrn,f)mcr, toe(cl)e ilbet ilite l!ci1tung~jilqigteit • buccli
oorf)eri~e ~ot!agen non filltcflen iicb gei ... ~cnb nu,1ueiierr.
~ ie ~lnqebote iinb oet\ieije(t unb >,Jottojni, mit beAeidinenber
2!uiitfttiit oe rie\Jcn, bil aum !!lcrbrngnngfütmine, brn • • , • •
13. Mai · t885,· ,Vormittags' 11 • Uhr, :
im bic ~bt~cihmg IV,' 'l:!a~lgajje :23, tuo jr(bf! 311 b.it_ ~nge~ebett.~t! .8tit
unb in \!lel}en,unrl bet crtditenencn Untemef) 11tttu!J,(ufttne11 bie !.trorr111rn11
bet tingegan ~c11cn 'llngcboie ftattiinbrn toit), einauienb rn.
!bil 11, ben 2-2. '&peil 1886. · • . • • • • • •
JicnißCirije ~ifen611l)n-lHttlitfott (!iul~rlJeiuifdJe),
, ~Ibtbd!uns rv. . •
Stadt- und Landbote vom 29. April 1885
Die offizielle Mitteilung hinsichtlich der Inbetriebnahme der Teilstrecke
Monschau-Weismes-Malmedy und der bis Malmedy
weiterführende Fahrplan.
9lnt 1. 1)tamrm b. 3. tt>iTb blt neu tr&aute Strecft !Jlontjoit•l1l41 mt.bt1 unttr Cfinfü~nmg b~ n,rft,r
folgtnbtn ija~rpfonl bem !Betriebe überge&tn.
!Bom Xage ber !8ttriebß,ijröffnung ab finbtt unter btn ~tftimmungm btl !tttritbf..!Reglnnmt~ fir
bie <ftftnba~nen ~eutfdJianbß bit !8eförberung bon jßtrfonm in 2. unb 3. iBogmrlafft, Slriftgrpöd, tBu1nn,
.i!eicfJtn, ija~r5eugcn unb Iebtnbtn X~itren na<fl unb bon brn Stationrn ftcllttr~trbtrg, Sourbroub,
~ütgenbodJ, ~rißmeß unb IDlalmtbl} ftatt.
1)ir ~reife rönnen anf ben Stntionm ringtfe~tn tutrbtn.
if 4 f) ~ 4' l 4 n.
WcufJm a& 7,16 ~onn. 12 9Jl&tg. 7,2 Ylbbl. malmtbtJ ab 4,51 '3orm. 12,26 ~lfim- b,8 !bfJm.
montjoit „ 9,28 „ 2,16 9lacf}m. 9,14 ,, \ffidemel „ 6,22 „ 12,57 „ 5,39 ,,
Jtaller~trbcrg „ 9,44 „ 2,32 „ 9,30 „ !8ütgtnbacfJ „ 5,39 „ 1,14 „ 5,56 „
Sourbroub „ 10,~ 2,50 ,, ~,48 „ Sourbroub „ 6,67 „ 1,32 „ 6,14
!8ütgenba<fl „ 10,:!0 „ 3,8
1
, 10,6 St'alte.~rrberg „ 6,15 1,50 „ 6,32 „
l!Bci~meß „ 10,3! ,, 3,22 „ 10,20 'i!Jlontjoie an 6,32 „ 'l,7 ,, 6,4~ ,.
'!Dlalmtbl} ,. 10,56 „ 3,44 „ 10,42 „ lllodJtn „ 8,41 ,, 4,20 8,57 „
~tr irrfonen3ug 9lr. 65 (2,38 9lacf}m: 1>on ~ontjoie, 4,41 in 'i(adjtnJ fö~rt 1>om 1. i)e3nnbn b. 3. oon bm S111■
tionen '!Jlontjoit, ~on3rn, i!ammertborf, 9lötgen, ffidren, !Bal~eim, G:omtll}münfter, )8ranb unb ~ot~e,ijrbe um je 21 '!I.Jliuuttll
frü~n ab 11>it im '3al}r4>Ian 1>om 1. Oftober 1885 angrgebtn ift, unb trifft um eben fo biel frü~er in 'ilacf}tn ein.
R ö l n, btn 21. '!Jlo1>tmber 1885.
Rönt9Hcf)e (flf fflb41Jn=~i1'triion (HnfidJthdfct,t.)
34
Abb. 10: Eine alte Aufnahme vom Viadukt bei Weywertz. Befahren wird er von einer Tenderlokomotive vom Typ T 14 mit preußischen Länderbahnwagen
Abb. 11 : Der nach 1940
errichtete Damm im Warchetal.
Die zerstörte Talbrücke
hat man nicht
mehr aufgebaut. Auf dem
Bild ist noch ein Teil der
Stützmauer als Abschluß
der gemauerten Tunnelröhre
sowie die spätere
Verlängerung des Durchlasses
und die Erdaufschüttung
zu sehen. Die
Warche fließt auf der
rechten Seite des Weges.
Der Viadukt lag etwa einen Kilometer
nördlich von Weywertz und westlich der
ehemaligen Weywertzer Mühle. Es war
keine sehr große Talbrücke. Sie hatte zwei
Pfeiler und drei Rundbögen . Der mittlere
Bogen überspannte die Warche und einen
Weg. Etwa ab 1908/09 war diese Talbrükke
auch zweigleisig ausgebaut. Es war ein
schönes Bauwerk in einer schönen Landschaft.
In den frühen Morgenstunden des 10. Mai
1940, also in der Nacht vor dem Beginn
des Feldzuges gegen Frankreich, wurde
der Viadukt von einem belgischen Sprengkommando
zerstört. Damit sollte der
Nachschub auf der Vennbahn unterbunden
werden. Beim späteren Wiederaufbau
der Talüberquerung hat man auf den Viadukt
verzichtet und einen hohen Damm
aufgeschüttet. Für den Durchfluß der War-
ehe und den daneben verlaufenden Weg
wurde eine entsprechend große Tunnelröhre
eingebaut, die auf beiden Seiten von
schweren Stützmauern begrenzt war. Da
der Druck auf die Stützmauern zu stark
wurde, hat man in den ?0er Jahren den
Durchlaß durch Betonröhre verlängert und
bis zu den Mauern Erdreich aufgeschüttet.
Heute führt noch ein Gleis über den talüberquerenden
Damm.
35
Eröffnung der Teilstrecke Monschau-Weismes-Malmedy
Genau 5 Monate nach der Eröffnung der
ersten Teilstrecke Rothe Erde (Aachen)
-Monschau wurde der zweite Streckenabschnitt
Monschau-Weismes-Malmedy
eingeweiht und für den Verkehr freigegeben.
Dieser 1. Dezember 1885 war für
Malmedy ein Festtag von besonderer Bedeutung.
Der Bahnhof und die Stadt waren
prächtig geschmückt; mit Girlanden, Tannenbäumen,
Fahnen und Ehrenpforten.
Die Bevölkerung, Volksschulen und Progymnasium
sowie alle Vereine der Stadt
zogen mit Landrat, Stadtrat und Verwaltung
zur Begrüßung der Ehrengäste zum
Bahnhof.
Bereits mit dem ersten fahrplanmäßigen
Zug, zu welchem auch zum erstenmal
Fahrkarten bis Malmedy ausgegeben wurden,
waren die Festteilnehmer namentlich
aus der Nachbar-Kreisstadt Monschau angekommen.
Ein Extrazug aus Aachen
brachte die Vertreter der Behörden, die an
den Eröffnungsfeierlichkeiten dieses
Streckenabschnitts teilnahmen. Darunter
Mitglieder der linksrheinischen Eisenbahndirektion
mit ihrem Präsidenten Rennen
und Vertreter der Aachener Regierung
mit dem Regierungspräsidenten Hoffmann
an der Spitze. Die Bahnhöfe entlang der
neuen Strecke waren ebenfalls festlich geschmückt,
und wie bei der Eröffnung des
ersten Abschnitts wurde der Zug mit den·
Ehrengästen auf allen Stationen des neuen
Streckenabschnitts feierlich empfangen
und von der Bevölkerung freudig be-
'
ftatt.
, . ~reis bee trochnen (touuerta 6 rolrf.
• 5Dic 5;)m:en, ltldcf]e b11ran ~tiI 3u nef)men oea6ficf)H9tn,
mc-rbtn ngtbenft gebeten, biefe~ einem bet Unhqeid,Jnrltn
ba!~gefätrigft onie.igen iU moUen ..
• • B,-'l11Cmt~9, 'oen 25. mouem&er 1885 . .
~m 2Iu~rage ~e- ilt11'omite' s,
.. ,k'lnhre~. ;:pt. JloUJ>f!J, • ~ug. ~<9röbtr,
mursermelftn-; I. '&19eor'ontter. II. 2eigeorbnttet.
Stadt- und Landbote vom 28. 11. 1885
Abb. 12: Eine von vier Brücken der Vennbahn
über die Rur (Roer) nördlich und südlich des
Bahnhofs Kalterherberg
grüßt. Der Empfang in der Kreisstadt Malmedy
war besonders großartig. Böllerschüsse
und Hurrarufe begrüßten den
kurz nach 14 Uhr einfahrenden Zug, dessen
Lokomotive mit Fähnchen und Tannengrün
geschmückt war.
Nach der Begrüßung der Ehrengäste
durch das Lokalkomitee stimmte die
Schuljugend, begleitet von den vielen
Menschen und der Musikkapelle, die
Preußenhymne an. Mit Musikbegleitung
begab man sich dann in die Stadt zum
Hotel Kinon , wo unter großer Beteiligung
ein Festessen stattfand, das bei guter Laune
und angeregter Stimmung harmonisch
verlief.
Sodann folgten die üblichen Festreden
und Toaste. Dabei wurde derer gedacht,
die sich um dieses freudige Ereignis besonders
verdient gemacht haben. Karl L.
Kaufmann sagte dazu: »In seiner Rede auf
Präsident Rennen unterließ Beigeordneter
Dr. Nouprez nicht, die langgehegten Wünsche
auf Fortführung der Bahn nach Belgien
vorzubringen. ,Wir waren isoliert und
kannten kaum unsere deutschen Nachbarn.'
Viele Malmedyer, die zwar die Welt
durchreist hatten, waren in der jetzt er 5t
aufgeschlossenen Gegend nicht weiter
wie bis nach Jammertal vorgedrungen • • •
Nun hoffen wir aber, daß der Präsident
Rennen sich noch oft bei uns zeigt, damit
36
Abb. 13: Die Vennbahn südlich von Sourbrodt
unsere nachbarlichen belgischen Festgäste
bald einen gleich frohen Tag begehen
können, wie wi r heute! Präsident Rennen
erklärte hierauf, daß er die Fortsetzung der
Linie nach Trois-Ponts zwar nicht für unwahrscheinlich
halte, daß aber zunächst
die Linie St.-Vith-Ulflingen in einigen Jahren
bestimmt zu erwarten sei .«
Die Vereine und die Schuljugend hatten
inzwischen Aufstellung genommen, und in
einem Fackelzug wurden die Gäste zum
Bahnhof geleitet. Hier erfolgte noch eine
herzliche Verabschiedung. Den Gästen
aus St. Vith versprach man ein baldiges
Wiedersehen bei der Eröffnung des nächsten
Streckenabschnitts. Kurz nach 18
Uhr setzte sich der Sonderzug in Bewegung
und gegen 21 Uhr kam man wohlbehalten
wieder in Aachen an .
In der Aachener Zeitung »Echo der Gegenwart«
wurde dieses besondere Ereignis
sehr ausführlich beschrieben. Nachstehend
sind einige Auszüge aus diesem
Bericht wiedergegeben:
»Die Eröffnung der Bahnstrecke Montjoie
- Malmedy. Eine Eisenbahnfahrt in die hohe
Eifel am 1. Dezember! - Da überkommt
wohl die Meisten die das lesen
ein gelindes Frösteln, d~nn sie denke~
dabei wahrscheinlich an starken Frost, tiefen
Schnee, schneidenden Wind , und stellen
sich in Folge dessen eine solche Fahrt
als höchst ungemütlich vor. Die Sache ist
jedoch in Wi rklichkeit durchaus nicht so
schlimm, und zum Beweis dessen sei hier
gleich bemerkt, daß eine Eifelfahrt am 30.
Juni d. J. (an welchem Tage die Linie Aachen-Montjoie
eröffnet wu rde), also mitten
im Sommer, weit unangenehmer war,
als diejenige am 1. Dezember nach Malmedy,
tief in der Eifel ; denn am erstgenannten
,Sommertage' herrschte abscheuliches,
naßkaltes, nebliges Wetter,
während wi r gestern, in Anbetracht der
jetzigen Jahreszeit, einen wahren Frühlingstag
hatten . ..
Wie mögen wohl die Bewohner des Hohen
Venns ihre Landsleute an der Strecke Aachen-
Montjoie beneidet haben, als die
letztere am 30. Juni eröffnet wurde! Wie
sehnlich mögen sie damals gewünscht haben,
daß das Dampfroß auch in ihre Gegend
bald Leben und Verkehr bringe! -
Nun, überraschend schnell ist dieser
Wunsch in Erfüllung gegangen: . . .
... Am 1. Dezember fuhr der erste Personenzug
nach Malmedy und krönte ein
Werk, das von hoher Bedeutung ist, denn
von diesem Zeitpunct ab sieht ein Distrikt,
der bisher vom Weltverkehr vollständig
abseits lag, dem materiellen Aufschwung
entgegen; er erwartet eine gedeihliche
Entwicklung einer bedeutenden Industrie,
die in den letzten Jahrzehnten, in Folge
der isolirten Lage, der mangelnden Verbindungen
und Verkehrswege, leider immer
mehr zurückgegangen ist. Weit und
rühmlich bekannt ist Malmedy's Leder-Industrie;
sie soll mit Hülfe der eröffneten
Bahnlinie zu neuer Blüthe, zu erhöhter
Bedeutung gebracht werden; hier, wie in
Montjoie, verspricht man sich die besten
Wirkungen von der Bahnverbindung .. .
Was Bau und Anlage der neuen Linie betrifft,
so hat dieselbe, abgesehen von einigen
Felseinschnitten und den schon erwähnten,
auf Moorgrund errichteten Dämmen
, keine besonderen Schwierigkeiten
... Die Strecke zwischen Kalterherberg
und Sourbrodt dürfte bei anhaltendem
Regenwetter öfters Schwierigkeiten
bieten, indem der Moorboden dann nachgibt
und ein Rutschen des Bahndammes,
wenigstens so lange, bis die Böschungen
vollständig bewachsen und dadurch befestigt
sind, zur Folge haben kann. Der
Damm ist hier allerdings nicht hoch und
dadurch die Gefahr vermindert .. .
Zuletzt, aber nicht als Geringstes, wäre
noch die landschaftliche Lage des neu erschlossenen
Distriktes zu erwähnen. Es
mag ja schwierig sein, im Winter die Reize
und Schönheiten einer Gegend zu beurtheilen
und herauszufinden; wir stehen
aber nicht an, jetzt, im Dezember, zu sagen,
daß die neue Strecke reich, an einzelnen
Stellen sogar überreich an Naturschönheiten
ist. Und wenn die Haide jetzt
auch braun, die Fluren öde und die Bäume
entlaubt sind , so entbehrt die Gegend
dennoch der Reize nicht . . . Hochromantisch
bleibt das Roerthal bis nach Kalter-
37
herberg; das Auge erfreut sich an der
großartigen Natur, die auch jetzt den Besucher
in hohem Grade fesselt ...
Man hätte es sich ja nicht träumen lassen,
daß es hier, tief in der Eifel, und nachdem
man eben erst das rauhe hohe Veen passirt
hat, so schön, so herrlich sein könnte.
In der Thal, die Lage ist ganz einzig; am
Abhang des hohen Veens, in einer weiten
Mulde gelegen, von den ringsum liegenden
Bergen geschützt, nimmt sich Malmedy
wahrhaft reizend aus; wir lassen es
dahingestellt, ob Montjoie oder Malmedy
die Palme gebührt; jedenfalls findet man in
der Lage von Malmedy die Idylle mit der
Romantik auf's Schönste vereint . . . es
gibt so viel zu sehen, daß auch die weitgehendsten
Wünsche Befriedigung finden
können. Wir schließen mit dem Wunsche,
daß die Hoffnungen, welche die in Noth
hartgeprüfte Bevölkerung des hohen Veen
an die Eröffnung der neuen Bahnlinie geknüpft
hat, sich in reichstem Maße erfüllen
mögen!«
Abschließend zu diesem Streckenabschnitt
noch ein kurzer Auszug aus einem
Bericht der »Kölnischen Zeitung«, wiedergegeben
im »Stadt- und Landboten« vom
22. August 1885: ». . . Nach we iteren 4
Kilometern, welche im Gefälle liegen, wird
der Bahnhof für das saubere, freundlich
gelegene Dörfchen Weismes erreicht; hier
(25 Km von Montjoie, 70 Km von Rothe
Erde) gabelt sich die Bahn nach St. Vith
und Malmedy. Zunächst ist die 8 Km lange
Abzweigung nach Malmedy fertiggestellt;
durch das tief in den Felsen geschnittene
Thal der Warchenne, über welche etwa ein
Dutzend niedlicher Brücken den Verkehr
La Roer et la ligne du chemin de ler pres de Sourbrodt.
Abb. 14: Die Vennbahn im Rurtal nach einer
alten Postkarte
vermitteln müssen, erreicht die Linie in
Krümmungen bis zu 250 m Halbmesser
und mit dem für diese Zweigbahn erbauten
größten Gefälle von 1 : 40 das reizend
gelegene gartenreiche Malmedy. Der Blick
auf dieses schöne Städtchen lohnt allein
die Beschwernisse der Reise durch Heide
und Moor. Von prächtigen Wäldern umgeben,
tief in einem breiten, grünen Thalkessel
gelegen, ruht die Stadt; ihre gut gehaltenen
Gärten und niedlichen Gartenhäuschen
steigen bis tief in den Wald hinan;
Häuser und Anlagen zeigen französisches
Gepräge und herrscht auch hier, in einer
70 Jahre alten Kreisstadt Preußens, noch
das französische oder besser gesagt wallon'sche
Wort. Hoffentlich wird nach 60
Jahren in den Reichslanden ein besserer
Erfolg der deutschen Sache zu verzeichnen
sein .«
Abb. 15: Die eingeschneite Vennbahn
Karl L. Kaufmann hat das so geschildert:
»Störungen durch den Schnee hat allerdings
auch die Vennbahn in den Anfangszeiten
trotz der Schutzvorrichtungen gegen
Schneeverwehungen gehabt. ,Manches
Jahr war man - zu Wallrafs Zeit
(1889-1894) - von der Welt abgeschnitten'
(nicht zum Kummer der landrätlichen
Beamten, weil dann auch keine Briefpost
der Regierung ankam und zu erledigen
war, wie mir noch der Kreissekretär Kauft
schmunzelnd erzählt hat). ,Wenn dann die
Lokomotive sich keinen Weg mehr bahnen
konnte, überließ sie einem reitenden Postillon
den Weg. Schließlich stellte auch
dieser den geschäftlichen Dienst ein und
der Telegraf bildete die letzte Verbindung
mit dem Leben.' (Wallraf, S. 48)«
38
Teilstrecke Prüm-Bleialf (Ausbau und Eröffnung)
Am 12. April 1880 hat Minister Maybach
der Direktion der Rheinischen Ei senbahn
den Auftrag zur Durchführung genereller
Vorarbeiten für einige Eisenbahnstrecken
erteilt. Darunter auch fü r eine Linie von
Gerolstein über Prüm nach St. Vith. Diese
Vorarbeiten wurden am 4. Mai 1880 im
»Amtsblatt der Königl. Regierung zu Aachen
« (Nr. 319 - Seite 129) zur öffentlichen
Kenntnis gebracht. Das Ergebnis
dieser Vermessungen fand seinen Niederschlag
im Gesetz vom 25. Februar 1881.
Darin wurde die Staatsregierung u. a. auch
zum Bau ·einer Eisenbahn von Gerolstein
nach Prüm ermächtigt. 2 250 000 Mark hat
man fü r den Bau dieser Linie bereitgestellt.
Der Zuschuß 1
~ r den Grunderwerb
betrug 100 000 Mark. Bereits am 22. Dezember
1883 wurde die Strecke Gerolstein-Prüm
feierlich eröffnet und dem Verkehr
übergeben.
Die Vorarbeiten für die Teilstrecke Prüm
Bleialf sind im Amtsblatt vom 24. August
1882 (Nr. 518 - Seiten 243 und 244)
angekündigt, und zwar für die gesamte ,
laut Gesetz geplante Strecke. Außerdem
konnte auch auf die Vorarbeiten des Jahres
1880 zurückgegriffen werden. Die zusammengefaßten
Ergebnisse werden
wohl zur endgültigen Festleg ung des
Streckenabsch nitts Prüm- Bleialf und weiter
in Richtung auf St. Vith geführt haben,
wobei Pronsfeld sicher schon als Ausgangspunkt
fü r weitere Nebenlinien eingeplant
worden ist.
Die Teilstrecke Prüm- Bleialf wurde in direkter
Fortsetzu ng der Bahnlinie Gerolstein-
Prüm gebaut. Sie ve rläuft von Prüm
aus zunächst in südwestlicher Richtung,
flußabwärts durch das Tal der Prü m bis
nach Pronsfeld. Hier knickt sie nach Nordwesten
ab und folgt dem Alfbachtal aufwärts
auf Bleialf zu. Der Bahnhof liegt wiederum
ca. 1 ½ Kilometer vom Ort Bleialf
entfernt. Besondere Geländeschwierigkeiten
hat es beim Bau dieses Streckenabschnitts
nicht gegeben. Abgesehen von
der Tatsache, daß die Strecke von Prüm
bis Pronsfeld um etwa 50 Meter fällt und
bis zum Bahnhof Bleialf wieder um 80 bis
90 Meter steigt. Aber das sin d ja fü r die
Bahnen in der Eifel keine Besonderheiten .
Da es mit dem Grunderwerb doch einige
Schwierigkeiten gab, konnten die Bauarbeiten
an dieser Teilstrecke erst im Frühjahr
1885 aufgenommen werden. Bereits
im Dezember wurde der Arbeitszugbetrieb
auf _ der Neubaustrecke eingerichtet. Die
Gleise waren zu diesem Zeitpunkt also
schon gelegt. Ein besonderes Problem im
Arbeitsablauf beschreibt Kurt Hoppstädter
in »Die Entstehung des Eisenbahnnetzes
in der Eifel«:
»Im weiteren Verlauf der Arbeiten mußten
die Strohdächer der Häuser, die innerhalb
der sog . Feuerzone auf beiden Seiten der
Strecke lagen, durch feste Dächer ersetzt
werden. Die Eisenbahndirektion hatte
hierfür Falzziegeldächer vorgesehen, stieß
aber bei vielen Hausbesitzern auf Widerstand
. Diese verlangten Schieferbedekkung
mit der Begründung, die Ziegeldächer
gewährten keinen genügenden
Schutz gegen alle Witterungseinflüsse
und schlössen die Feuergefahr nicht vollständig
aus. Die Eisenbahnverwaltung
wies darauf hi n, daß auch bei den anderen
Eifelbahnen die feuersichere Umdeckung
fast ausschließlich mit Falzziegeln ohne
Nachteile vorgenommen worden sei. Auch
das im vorigen Jahr fast ganz abgebrannte
Dorf Büdesheim an der Strecke Gerolstein-Prüm
habe beim Wiederaufbau der
Häuser ebenfalls die Ziegelabdeckung gewählt.
Klagen über diese Dächer seien
bisher nicht laut geworden . Es war noch
viel Überredung nötig , - auch der Landrat
mußte eingeschaltet werden - bevor der
Widerstand der Hausbesitzer gegen die
Ziegeldächer überwunden we rd en konnte.
Nur der Ackerer Leonhard Ballmann in
Pittenbach war nicht zu überzeugen. Als
der Landrat die Geduld verlor und ihm
durch einen Gendarmen eine Polizeiverfügung
zuschickte, lehnte er die Entgegennahme
dieser Verfügung ab. Dem Regierungspräsidenten
schrieb er kurz und lakonisch:
,Nach den Verordnungen, welche
mir von Königlicher Reg ierung zu Trier in
Plan
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39
dem Beschlusse zugeschickt wurde, halte
Ich mich nicht für verpflichtet, noch viel
weniger werde Ich es gestatten.' Da jedoch
die Zeit drängte und Ballmann niemand
an sein Strohdach heranließ, mußte
die Umdeckung des Daches durch die Eisenbahnarbeiter
unter Polizeischutz vorgenommen
werden.«
Im Sommer 1886 war der Abschnitt Prüm
- Bleialf fertiggestellt, und am 24. September
erfolgte die landespolizeiliche Prüfung.
Im »Echo der Gegenwart« von Freitag,
dem 1. Oktober 1886 ist unter der Rubrik
»Amtliche Nachrichten« zu lesen: »Am 1.
Oktober d. J. wi rd im Bezirk der Königlichen
Eisenbahndirektion zu Köln (linksrheinische)
die 18,9 km lange Bahnstrecke
Prüm-Bleialf mit den Stationen Pronsfeld,
Habscheider Mühle und Bleialf dem öffentlichen
Verkehr übergeben ... «
Die Station Habscheider Mühle wurde
aber erst am 15. Dezember 1886 für den
Personenverkehr freigegeben . In einem
Fahrplan vom 1. Juni 1887, herausgegeben
von der Königlichen Eisenbahn (linksrheinische),
sind im Gegensatz zu der
o. a. Mitteilung zwischen Prüm und Bleiall
drei Stationen aufgeführt. Und zwar Watzerath,
Pronsfeld und Habscheider Mühle.
Eröffnungsfeierlichkeiten hat es nicht gegeben.
Man wollte die Fertigstellung der
Strecke bis nach St. Vith abwarten.
Abb. 16: Der Bahnhof Prüm
vor der Jahrhundertwende
Bahnhof Prüm: 2. Klasse Höhe 424
Meter. Der Bahnhof war der Ausgangspunkt
des weiterführenden Streckenverlaufs
in Richtung Pronsfeld, Bleialf und St.
Vith . Er bestand bereits seit Ende 1883,
seit der Fertigstellung der Strecke Gerolstein-Prüm.
In den Jahren 1900/1901
wurde der Bahnhof Prüm erweitert. Das
Empfangsgebäude ist noch erhalten und
wird auch von der Bahn genutzt.
Watzerath war nur ein Haltepunkt für den
Personenverkehr. Höhe etwa 390 Meter.
Der Haltepunkt befand sich in unmittelbarer
Nähe des Ortes. Er besteht heute nicht
mehr.
Bahnhof Pronsfeld: 2. Klasse - Höhe etwa
375 Meter. Der Bahnhof Pronsfeld halte
schon eine gewisse Bedeutung, denn
ab 6. Juli 1907 wurden hier die beiden
Nebenlinien nach Waxweiler - 8,5 Kilometer
- und Neuerburg - 25,4 Kilometer
- herausgeführt ( der Bau dieser Linien
wurde durch Gesetz vom 20. 5. 1902 be·
schlossen). Daher hat man für Pronsfeld
mit einem größeren Aufkommen im Güter·
verkehr gerechnet und den Bahnhof mit
seinen Anlagen auch dementsprechend
ausgebaut. Da der Güterverkehr auf der
Strecke Gerolstein- Prüm- Pronsfeld·
-Neuerburg nach wie vor aufrechterhalten
wird, ist die Bahnhofsanlage auch heute
noch mit einigen Gleisen und Weichen ,n
Betrieb.
Das Bahnhofsgebäude in Pronsfeld be·
steht noch und befindet sich in einem gu·
ten Zustand. Es wird allerdings privat ge·
nutzt.
Abb. 17: Der Bahnhof Pronsfeld im Herbst 198 7
40
Habscheider Mühle: Höhe etwa 41 O Meter.
Die Station befand sich tief im Tal des
Altbaches. Sie war für die weit entfernt und
sehr hoch gelegenen Ortschaften Habscheid
und Hollnich (rd. 500 m hoch und
etwa 1,5 Km bzw. 2,8 Km entfernt) sowie
für Brandseheid (etwa 550 m hoch und rd .
4,5 km entfernt) bestimmt. Es waren
schon anstrengende Märsche erforderlich,
um von hier aus die Bahn zu benutzen.
Inzwischen sind die Gleisanlagen auch
hier abgebaut. Wenn keine andere Nutzung
dieses Geländestreifens vorgesehen
ist, ve rödet der Bahnkörper. Allmählich
macht sich Wildwuchs breit, und eines Taes
hat sich die Natur ihr Recht wieder
zurückgeholt. Vielen anderen stillgelegten
und zurückgebauten Bahnlinien ist es so
ergangen.
Im Hintergrund ist die Talbrücke der neuen
Autobahn zu erkennen (A 27 in Belgien
und in der Fortsetzung auf deutscher Seite
A 60). Sie verläuft hier über das Altbachtal
und die alte Trasse der Bahnlinie St. Vith
-Prüm.
II
II
Abb. 18: Im Sommer 1987 wurde an der Habscheider Mühle das Gleis abgebaut. Die Abdrücke der
Schwellen und Schienen sind noch gut zu erkennen.
Bahnhof Bleialf: 4. Klasse - Höhe etwa
460 Meter. Der Bahnhof lag etwa 1,5 Kilometer
von der Ortsmitte entfernt. Das
Bahnhofsgebäude besteht noch. Es ist seit
etwa 20 Jahren in privatem Besitz und
befindet sich in einem guten Zustand.
Gleisanlagen sind keine mehr vorhanden.
Mit dem Abbau des letzten Gleises von
hier aus in Richtung Pronsfeld hat man im
Sommer 1987 begonnen. Das Gleis dürfte
inzwischen bis Pronsfeld abgebaut sein .
Das Gleis in Richtung St. Vith wurde bereits
vor langer Zeit zurückgeführt.
Abb. 19: Der ehemalige Bahnhof Bleiall im Herbst 1987
41
Abzweigung von Raeren nach Eupen (Ausbau und Eröffnung)
Mit der Abzweigung von Raeren nach Eupen
hat man eine Verbindung zu der
schon seit dem 1 . März 1864 bestehenden
Linie Herbesthal-Eupen geschaffen. Bisher
war Eupen nur über den Grenzbahnhof
Herbesthal zu erreichen. Bei einer
Fahrt von Aachen nach Eupen mußte in
Herbesthal die Lok gedreht und umgesetzt
werden. Das war nun über die Strecke
Aachen-Walheim- Raeren-Eupen nicht
mehr erforderlich. Außerdem wurde durch
die Nebenbahn Herbesthal-Eupen- Raeren
eine Querverbindung zwischen der internationalen
Linie Aachen-Herbesthal -
Lüttich und der Vennbahn hergestellt.
Bereits am 2. November 1881 hat man im
»Aqitsblatt der Königl. Reg ierung zu Aachen«
(Nr. 719 - Seite 310) die generellen
Vorarbeiten - Vermessungen - für
die Fortführung der Linie Herbesthal-Eupen
bis nach Raeren angekündigt. Aber
erst am 25. Februar 1885 wurde wiederum
im Amtsblatt (Nr. 138 - Seite 54) zur
öffentlichen Kenntnis gebracht, »daß die
Königliche Eisenbahn-Direktion (linksrh.)
zu Cöln in den nächsten Tagen mit der
Absteckung der Bahnaxe für die Nebenbahn
von Eupen nach Raeren beginnen
wird. «
Im Anschluß daran wurden schon bald die
Arbeiten an der Strecke aufgenommen.
Dem »Montjoie'r Volksblatt« vom 23. Oktober
1886 ist der folgende Bericht über
den Stand der laufenden Arbeiten entnommen:
»Eupen , 13. Okt. Die Bahnarbeiten
an der neuen Bahnlinie Eupen -
Raeren sind, Dank der vorzüglich günstigen
Witterung , welche während des ganzen
Sommers geherrscht hat, auf allen
Punkten rüstig vorangeschritten. Die Bauwerke
auf der Strecke, wie z. B. die Brükken
auf der Chaussee nach Kettenis, zur
Obersten Haide und auf der Raerener
Chaussee sind bereits in vollendetster
Form fertig gestellt; auch der große Einschnitt
kurz oberhalb des Bahnhofes
macht in letzter Zeit riesige Fortschritte -
zäh lten wir doch letzthin 31 Wagen in einem
Zuge - so daß begründete Aussicht
vorhanden, daß die Arbeiten bis zum vorgeschriebenen
Termine, am 1. April n. Js.,
fertig sein werden und somit die Eröffnung
der Strecke am 1. Juni oder längstens 1.
Juli erfolgen kann .«
Nebenstehend die offizielle Bekanntmachung
der Königl. Eisenbahn-Direktion Köln
Gleichzeitig mit dem Neubau der Strecke
Raeren-Eupen mußte für Eupen auch ein
neuer Bahnhof gebaut werden. Um diesen
neuen Bahnhof »Am Hook« hat es zwischen
der Stadt Eupen und der Eisenbahnverwaltung
einiges Gerangel gegeben.
Aber der alte Bahnhof an der Herbesthaler
Straße konnte in die neue Strekkenführung
einfach nicht mehr einbezogen
werden. Da man sich jedoch nicht
einigen konnte, ist folgende Mitteilung im
»Montjoie'r Volksblatt« vom 15. November
1884 recht interessant: »In der Stadtrathssitzung
vom 7. d. theilte Herr Bürgermeister
Mooren mit, daß Se. Excellenz der
Herr Handelsminister entschieden habe,
den projectirten Hook-Bahnhof auszuführen
.«
Am 5. Februar 1887 ist im »Correspondenzblatt
des Kreises Eupen « zu lesen:
»Eupen, 4. Febr. Heute Morgen um 8 Uhr
lief der erste von Herbesthal kommende
Zug mit Baumaterialien in den neuen
Hookbahnhof ein. Derselbe war zu diesem
Zwecke reich geschmückt. Heute Nachmittag
findet die erste Probefahrt mit Personenwagen
vom alten zum neuen Bahnhof
statt. «
Am 26. Juli 1887 erfolgte die landespolizeiliche
Abnahme der Strecke Eupen -
Raeren. Die Fahrt wurde mit zwei Revisionswagen
durchgeführt. Daran teilgenommen
hatten Vertreter der Königl. Eisenbahn-Direktion
Köln und der Regierung
Aachen . Auch der Landrat Gülcher,
die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden
und einige Stadtverordnete waren
bei dieser Fah rt zugegen. Die Strecke
wurde für einwandfrei befunden. Der planmäßigen
Eröffnung stand also nichts mehr
im Wege.
In der »Eupener Zeitu ng « vom 3. August
1887 ist zu lesen: »Eupen, 2. f~gust. Mit
dem letzten Zuge heute Abe~a wird der
Betrieb auf der alten Eisenbahnstrecke
Eupen-Herbesthal gänzlich eingestellt
und mit dem ersten Zuge 6,8 Uhr Morgen
früh von Herbesthal die neue Strecke Herbesthal-Eupen-
Raeren eröffnet. Wie bereits
mitgetheilt, haben die Herren von der
Kgl. Regierung und der Kgl. Eisenbahn
Direktion ihr Bedauern ausgesprochen, an
der Theilnahme an dem zur Feier der
Eröffnung der neuen Stecke projektirten
Banket verhindert zu sein; das Banket wird
in Folge dessen nicht stattfinden. Statt
dessen wird ein Comite aus der Bürgerschaft
verschiedene Festlichkeiten (S. die
betr. Anzeige) veranstalten .. .«
Daß die Inbetriebnahme der Strecke Eupen-Raeren
ohne die hohen Herren aus
Aachen und Köln erfolgte, war den Eupenern
nicht so ganz recht. Und die Eröff·
nung wäre sang- und klanglos vor sich
gegangen, wenn die Bürgerschaft nicht
die Initiative ergriffen hätte. Es wurde dann
doch noch eine schöne Feier, denn neben
den Darbietungen wurde der Tag mit allseits
guter Laune und froher Stimmung
begangen. Man blieb halt unter sich und
hatte obendrein sicher auch noch Geld
gespart.
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Das Comite.
In den Eupener Zeitungen wurde die Bürgerschaft
kurzfristig zur Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten
aufgerufen
Jabrplan brr jtrcmr ~rrbrntbal=Qfuprn=iarrrn.
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Der neue Fahrplan zwischen Herbesthal und Raeren sowie die jetzt gültigen Fahrpreise
Der erste Bahnhof in Eupen wurde bereits
1867 erbaut. Er stand an der Herbesthaler
Straße und war gleichzeitig Endstation der
kurzen Verbindungslinie Herbesthal-Eupen.
Im Zuge der Weiterführung dieser
Linie nach Raeren wurde eine Verlegung
der Bahntrasse in Eupen erforderlich. Da
der alte Bahnhof in diese Linienführung
nicht einbezogen werden konnte, mußte
ein neuer Bahnhof erbaut werden. So entstand
der Bahnhof Eupen (Hook). Inzwischen
besteht auch dieses Bahnhofsgebäude
nicht mehr. Nachdem es 14 Jahre
unbenutzt sich selbst überlassen war, hat
man es 1973 abgerissen. Schade! Am 27.
Juni 1984 wurde das heutige Bahnhofsgebäude
eingeweiht.
Abb. 20: Der Bahnhof Eupen (Hook) um 1900
43
Teilstrecke Weismes-St. Vith (Ausbau und Eröffnung)
Bisher ist der Bau der Vennbahn zügig und
ohne nennenswerte Unterbrechungen
verlaufen. An den inzwischen fertiggestel l
ten Teilstrecken hat man die Arbeiten zwar
abschnittsweise, aber doch übergreifend
durchgeführt. Das heißt, daß in beiden
Teilstrecken gleichzeitig gearbeitet wurde.
Nur so war es möglich, schon fünf Monate
nach der Eröffnung Rothe Erde-Monschau
die 34,4 Ki lometer lange Teilstrecke Monschau-Weismes-Malmedy
für den Verkehr
freizugeben.
Die Fertigstellung der Teilstrecke Weismes-
St. Vith ließ nun aber doch geraume
Zeit auf sich warten. Nach Abschluß der
Vorarbeiten benötigte man noch drei Jahre
und vier Monate, bis die nur rd. 17 Kilometer
lange Strecke für den Verkehr freigegeben
werden konnte. Da es auch geländemäßig
ein Teilstück ohne besondere
Schwierigkeiten war, stellt sich die berechtigte
Frage, warum die Arbeiten in diesem
Abschnitt so stark hinausgezögert
wurden.
In dem bereits genannten Bericht der
»Kölnischen Zeitung « über »Die Hohe
Veen-Bahn «, abgedruckt im »Stadt- und
Landboten « vom 22. 8. 1885, wurden zu
dieser Frage recht interessante Aussagen
gemacht:
" · .. Noch vor Schluß dieses Jahres soll
die Bahnstrecke Montjoie-Malmedy dem
Verkehr übergeben und somit auch dieser
Gegend die Wohlthat verschafft werden ,
für welche seit Jahr und Tag in den Redekämpfen
um den Eifeler Notstand so manche
Lanze gebrochen wurde. Gewiß, ich
bin nicht neidisch, aber sehen zu müssen,
wie der nördlich der Warchenne gelegene
Teil des Hohen Veen dem Eisenbahnverkehr
mit allen seinen hier nicht aufzuzählenden
Vorteilen erschlossen wird, ohne
daß noch ein Spatenstich geschehen, um
dem mindestens eben so berechtigten
Süden der Notstandsgegend die Möglichkeit
zu gewähren, in absehbarer Zeit
ebenfalls dieses Vorzuges teilhaftig zu
werden, das schmerzt!
Was liegt denn vor, den Bau der Strecke
Weismes-St. Vith-Bleialf nicht auch schon
in Angriff zu nehmen? Man wendet mir
ein, daß die Linie St. Vith-Ulflingen, welche
später den Durchgangsverkehr Aachen/Stolberg-Luxemburg
vermitteln soll,
wegen der Hartnäckigkeit unserer lieben
luxemburgischen Vettern noch nicht festgelegt
sei und hierdurch die Lage des
Bahnhofs St. Vith zweifelhafü erscheine.
Weshalb aber entsteht diese Verzögerung?
Seit dem 21. Juli 1883 ist der Vertrag
mit Luxemburg über den Anschluß
nach Ulflingen geschlossen, seit dem 9.
April 1884 ist der Bau dieses Ansch lusses
der königl. Eisenbahndirektion (linksrh.)
Köln übertragen, und heute, nach anderthalb
Jahren, ist noch keine Spur einer
beginnenden Bauthätigkeit zu sehen.
Wenn irgend eine Gegend von dem so viel
besprochenen Notstande betroffen wurde,
so ist es das St. Vither Ländchen. Den
ganzen Sommer sahen wir der sorgenbrechenden
Eisenbahn entgegen, um nun
wieder in den traurigen Winter hineingehen
zu müssen, ohne Aussicht auf Ver-
Abb. 21 : Der rd. 40 Meter lange und etwa 10 Meter hohe Viadukt über die Amel (Ambleve) in Montenau. Er ist zweigleisig ausgebaut. Heute liegt hier
kein Gleis mehr
44
dienst für unsere darbende Bevölkerung,
ohne einem Lichtblick in die drohende Zukunft,
mit welcher hier jeder bang zu rechnen
hat. Rasche Hülfe thut uns allen not,
wenn wir nicht untergehen sollen. Prüm
hat seit einem Jahre die Eisenbahn, Malmedy
wird sie in einigen Monaten haben,
und wir, ihre Wettkämpfer in Handel und
Gewerbe, wissen noch nicht einmal, wan n
wir in die Lage gesetzt werden, mit gleichen
Waffen unsern Nebenbuhlern wieder
gegenübertreten zu können. Und warum
das alles? Sollte wirklich die Feststellung
und Weismes-St. Vith jetzt schon in Angriff
nehmen. Bei etwas beschleunigter
Verhandlung und dem allbekannt raschen
Baufortschritt bei der hohen Veen-Bahn
wird es dann später leicht sein, für die
Strecke St. Vith- Ulflingen und St. Vith
-Bleialf die verlorene Zeit wieder einzuholen
und diese Linie mit Weismes-St. Vith
zugleich zu eröffnen; der Dank unserer
aus der Not gerissenen Bevölkerung wi rd
dann allen Beteiligten sicher sein.« ·
Nun unterliegen grenzüberschreitende
Projekte seit jeher ganz besonderen Krite-
Vertrages ist gesagt: »Die Königlich preußische
Regierung beabsichtigt, die in ihrem
Gebiete belegene Strecke der im Artikel
I bezeichneten Eisenbahn für eigene
Rechnung auszuführen, sobald sie die gesetzliche
Ermächtigung hierzu erhalten
haben wi rd ; sie wird alsdann der Großherzoglich
luxemburgischen Regierung hiervon
Mittheilung machen und zugleich den
Zeitpunkt bezeichnen, bis zu welchem die
betriebsfähige Herstellung der preußischen
Strecke bewirkt sein wird.
Die Großherzoglich luxemburgische Re-
Abb. 22: Die Vennbahn südlich von Ondenval - zwischen Weismes und St. Vith - mit Blick in das Tal der Amel (Ambleve). Das Gleis ist inzwischen
wohl auch schon abgebaut
der durch Luxemburg führenden Linie St.
Vith-Ulflingen besondere Schwierigkeiten
bieten, so löse man sie und knausere nicht
mit einigen Tausend Mark, welche, wie
man sagt, von Preußen geopfert werden
müßten, um den Ansprüchen Luxemburgs
gerecht zu werden, denn sicher ist es
nicht die Absicht der die Bahngelder bewilligenden
Gesetzgeber gewesen, durch
solche Kleinigkeiten den für unsere Gegend
nicht bloß hochwichtigen, sondern
zur Lebensfrage gewordenen Bau der Eisenbahn
zu verzögern. Können aber die
Behörden die etwa unberechtigten Ansprüche
Luxemburgs nicht ohne weiteres
~utheißen, so sollte wenigstens die
hnskrh. Direktion den Teil der nicht mehr
fraglichen Strecke zum Bau bestimmen
rien. Daran hat sich bis heute nur sehr
wenig geändert. Neben wirtschaftlichen,
politischen und gegebenenfalls auch strategischen
Gesichtspunkten, die natürlich
von beiden Seiten einer gründlichen Überprüfung
unterzogen werden, spielt die Finanzierung
solcher Vorhaben wohl die bedeutendste
Rolle. Auch die geplante
Bahnlinie in Richtung auf Ulflingen in Luxembu
rg bildete da keine Ausnahme.
Nachdem nun aber der Staatsvertrag vom
21. Juli 1883 zwischen Deutschland und
Luxemburg über den Bau dieser Bahnlinie
abgeschlossen und ratifiziert war, konnte
man doch annehmen, daß alle Schwierigkeiten
beseitigt waren. Allerdings hatte
sich zu der Kostenfrage nur die deutsche
Seite eindeutig geäußert. Im Artikel II des
gierung verpflichtet sich, den Bau des in
ihrem Staatsgebiete belegenen Theiles
der St. Vith-Ulflinger Bahn ihrerseits der
Wilhelm - Luxemburg - Eisenbahngesellschaft
zu übertragen und dafür zu sorgen,
daß die Vollendung des Baues und die
Eröffnung des Betriebes zu demselben
Zeitpunkt stattfindet, zu welchem die preußische
Strecke ausgebaut und in Betrieb
gesetzt sein wird .«
Demnach hatte Luxemburg also nur dafür
zu sorgen, daß die Bahn auch gebaut wird.
Aber ist diese Formulierung gleichzusetzen
mit der Übernahme der Kosten? Aus
dem Bericht der »Kölnischen Zeitung «
geht doch klar hervor, daß die Forderungen
der luxemburgischen Nachbarn überzogen
waren. Und unabhängig davon, ob
45
der geplante Streckenverlauf in Luxemburg
besondere Schwierigkeiten bereitete
oder ob finanzielle Ansprüche gestellt
wurden, man sollte auch dafür Verständnis
haben, daß die deutsche Seite nicht die
Absicht hatte, so ohne weiteres darauf einzugehen.
Denn der Bau dieser Bahnlinie
ließ doch auch für Luxemburg, und insbesondere
für die dort ansässige Schwerindustrie,
wirtschaftliche Vorteile erwarten.
Man bemühte sich daher, durch Verhandlungen
zu Kompromissen und Möglichkeiten
zu finden, die für beide Seiten annehmbar
waren. Natürlich sind dadurch
Verzögerungen im zeitlichen Ablauf des
Ausbaus entstanden, die bedauerlicherweise
der Bevölkerung des davon betroffenen
Gebiets sehr zum Nachteil gereichten.
Schließlich hat man sich doch geeinigt
und die Bahnlinie gebaut.
Daß man jedoch den Bau des Streckenabschnitts
Weismes-St. Vith auch vom Ausgang
der Verhandlungen mit Luxemburg
abhängig machte, ist nicht zu verstehen.
Nach dem Gesetz sollte St. Vith doch in
jedem Falle in den weiteren Linienverlauf
einbezogen werden, so daß Weismes-St.
Vith gar nicht in Frage gestellt war. Auch
durch die inzwischen abgeschlossenen
Vorarbeiten hat es in diesem Abschnitt
keine Veränderungen gegeben. Es wäre
also durchaus möglich gewesen, schon
wenige Monate nach der Eröffnung der
Teilstrecke Monschau-Weismes-Malmedy
zumindest den Abschnitt Weismes-St.
Vith, der auf den weiter südlich geplanten
Anschluß nach Luxemburg keinen Einfluß
haben konnte, für den Verkehr freizugeben.
Stattdessen mußte die in großer Not
lebende Bevölkerung des St. Vither Ländchens
noch einige Jahre warten, bis die
Verbindung auch zu ihnen hergestellt war.
Dabei hat auch für diesen Streckenabschnitt
alles so verheißungsvoll begonnen.
Das ist einem Bericht aus dem »Montjoie'r
Volksblatt« vom 30. August 1884 zu entnehmen.
Darin heißt es: »St. Vith, 25. Aug.
Nachdem am 22. Juli die polizeiliche Begehung
der Eisenbahnstrecke Weismes-St.
Vith stattgefunden hat, ist bereits
unter'm 31. Juli von der Regierung zu
Aachen die landespolizeiliche Genehmigung
des Projectes ertheilt worden. An
größeren Bauten sind auf dieser Strecke
zu verzeichnen der Bahnhof in St. Vith,
derjenige bei Montenau und der in der
Nähe dieses Bahnhofes über die Amel
führende Viaduct. Letzterer soll drei Bogen
mit je 12 Meter Spannbreite erhalten. «
Aber danach kam die stille Zeit, in der sich
nichts tat. Von der Eisenbahnverwaltung
wurden immer wieder Schwierigkeiten mit
dem Grunderwerb vorgeschoben. Aber
das glaubte man nicht mehr. Allerorten
setzte die Kritik ein, ja man unterstellte
sogar eine bewußte Verzögerung. Aber
endlich war es dann doch soweit. Ab Mai
1886 wurde den Unternehmern Surup und
Eberhardt der Unterbau des Steckenabschnitts
Weismes-St. Vith übertragen. 400
Abb. 23: Im Mai 1987
wurde das Gleis auf der
Strecke St. Vith-Weismes
abgebaut. Das
Bild zeigt die Arbeiten
hier kurz vor der Ortschaft
Born. Inzwischen
ist der Abbau
des Gleises weiter fortgeschritten
bis 450 Arbeiter waren nun täglich beschäftigt.
Anfang August 1887 schreibt das »Malmedyer
Kreisblatt« zum Verlauf der Bauarbeiten:
» . . . Die Fertigstellung der Hochbauten
auf dem Bahnhofe Weismes ist bereits
erfolgt, dagegen diejenigen auf dem Bahnhofe
in Montenau und St. Vith noch in der
Ausführung begriffen und soll das Stationsgebäude
in Montenau dem Vernehmen
nach noch in diesem Jahre ausgeführt
werden. Die Parterre-Räumlichkeiten
des auf dem Bahnhofe zu St. Vith in Ausführung
begriffenen Beamtenwohnhauses
sollen bis zur Fertigstellung des Empfangsgebäudes,
welches erst im nächsten
Jahre in Aussicht genommen ist, vorläufig
zu Stationsbureaus und Warteräumen eingerichtet
werden. Das Bahnmeister-Magazin
auf dem hiesigen Bahnhofe ist vollständig
fertiggestellt und sind an Hochbauten
hierselbst noch auszuführen resp.
in Bau begriffen das Stationsgebäude mit
daranschließendem Güterschuppen, eine
Wasserstatiori, eine Laderampe, eine Bedürfnißanstalt
für Männer u. Frauen, ein
Locomotivschuppen mit dazugehörigen
Löschgraben nebst einer Drehscheibe.
Die Anlage des Oberbaues der Strecke
Weismes-St. Vith, welche dem Unternehmer
Herrn Breuer übertragen worden ist,
wird dem Anschein nach bis Mitte dieses
Monats erfolgt sein, ebenso die Herstellung
der Telegraphen-Linie ... "
Eine Woche später als vorgesehen wurde
am Montag, dem 28. November 1887, die
17, 1 Kilometer lange Teilstrecke Weismes-St.
Vith für den Verkehr freigegeben.
Sie hatte ursprünglich nur eine Zwischenstation
in Montenau. Später kam die Station
Born hinzu.
Das amtliche Kreisblatt für den Kreis Malmedy
hat den 28. November 1887 so beschrieben
(wiedergegeben im »Echo der
Gegenwart« vom 1. 12. 1887): »St. Vith,
28. Nov. Heute Morgen verließ der erste
fällige Zug fahrplanmäßig 4,36 unseren
Bahnhof, eine Zeit, um welche die St. Vither
noch der Ruhe pflegten. Es war daher
auch Niemand auf dem Bahnhof anwesend,
um den wichtigen Akt zu begrüßen
oder festlich zu feiern. (Erst wenn die zwei
anderen noch im Bau begriffenen Strekken
vollendet sind, soll ,Etwas gemacht'
werden.) Jedoch waren bei dem um 11 ,13
ankommenden Zuge, welcher schon
ziemlich besetzt war, auf dem Bahnhofe
eine dichtgedrängte Menschenmenge
versammelt. Einige schwache Hurrahrufe
verhallten im Gejubel und Geschrei unserer
vollzählig am Platze befindlichen Jugend.
Doch leuchtete einem Jeden der
Anwesenden die Freude über das wichtige
Ereignis aus dem Gesicht, und sagte dies
ebenso viel wie eine Ovation. ,Es ist gut,
daß sie da ist', hörten wir einen Biedermann
befriedigt ausrufen, und ,darauf trinken
wir uns einen' einen Andern , und in
46
einer Viertelstunde hatte sich ein Jeglicher
wieder zu seiner Arbeit begeben. Zur Feier
der Eröffnung war festlich geflaggt.«
Den Tag zuvor hatte die Post bei ihrer
letzten Fahrt nach Weismes eine schwarze
Trauerfahne auf die Kutsche gesteckt. In
langsamen Trabe fuh r der Postillion durch
St. Vith und blies hierzu das etwas wehmütige
Liedchen: »Muß ich denn, muß ich
denn, zum Städtlein hinaus«. Ja, er mußte
hinaus und hat der neuen Eisenbahn das
Feld überlassen. Welche Gedanken mögen
dem Postillion während seiner letzten
Fahrt wohl durch den Kopf gegangen
sein? Aber der technische Fortschritt, der
nun einmal nicht aufzuhalten ist, fragt ja
nicht nach persönlichen Schicksalen.
Die Mitteilung der Kön iglichen Eisenbahn-Direktion
(linksrh.) Köln zu r Eröffnung der Teilstrecke
Weismes- St. Vith.
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tuitb .bie .mtubauftred, m c i t-m e ~.St. m
i t lt untet ~infil{itung
bei -t11eitet fo{genbtn ffal}rpfoul! bem faetriebe ilbergeben.
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ffütrieM•9teglementll Hit bie ~ilenbal}nen SDeut\d)fonbl! bie ~eförherung
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_ira~~eunen unb Iebeuben tl}imn nalf1 unb non ben (Stationen IDlon•
ena11 unb et. mit~ ftatt. . ••
~ie· iarife !önnen l'IUf ben !Stationen eingef e~en nmben.
~a~rpfan. .
~eilttttll ~&f. 5,41 10,27 4,11 6,31,6t. }Uitg ~bf. ,4,36 7,12 12,06 5,36
IDlontenau •• .6,69 10,46 4,29 6,49 9:llontenau· ,. 6,00 7,36 12,30 6,00
. <St ~füg ~nf. 6,27 11,13 4,57 7,17 fil3eillmell ~nt. 5,21 7,67 12,616,21
ffemer !Derben auf bet <5tttcfe !Siltgenbad)-"--IDlafmebtJ nodJ fo{
genbt ~ifd)te .·ßilge eingelegt:
mütQenbad) ilbf. 8,34 1,33 - - ,ID'la{mebtJ mbf. - • 9,51 - 3,31
fil3eillmell „ 8,47 1,46 - -- Qlleillmell „ 7,58 10,17 1,13 3,57
JmtilütebtJ ~nl 9,07 2,06 - - !Siltgenbad) ~nt 8,12 ~nt. 1,27 mnt
• SÜ{ n ,· ben 21, 9louembet 1887.
Jtö.niglid)t ftfen6aQn-l)ireition (Cinfi11rij.)
II Eisenbahnfahrpreise (einfach) von Station St. Vith nach (gültig ab 28. 11 . 87)
Station : II Klasse Militär Hunde
2. 3. 4.
Aachen 5,60 Mark 3,70 Mark 1,90 Mark 1,40 Mark 1,20 Mark
Sourbrodt 1,80 Mark 1,20 Mark 0,60 Mark 0,50 Mark 0,50 Mark
Bütgenbach 1,40 Mark 0,90 Mark 0,50 Mark 0,30 Mark 0,30 Mark
Weismes 1,10 Mark 0,70 Mark 0,40 Mark 0,30 Mark 0,30 Mark
Montenau 0,60 Mark 0,40 Mark 0,20 Mark 0,20 Mark 0,20 Mark
Malmedy 1,50 Mark 1,00 Mark 0,50 Mark 0,40 Mark 0,40 Mark
Teilstrecke St. Vith-Bleialf (Ausbau und Eröffnung)
In der Chronik der Gemeinde Lommerswe
iler vom Jahre 1884 ist vermerkt: »Die
Vermessung sarbeiten der projektierten Eisenbahn
von Rothe Erde nach Prüm wurden
so weit befördert, daß am 28. September
die polizeiliche Begehung der Linie
der Tei lstrecke St. Vith-Steinebrück stattfinden
konnte; die Begehung fand statt
durch Beamte der Eisenbahn-Direktion zu
Cöln und durch solche der Königlichen
Regierung zu Aachen und wurde der Bürgermeister
mit zugezogen. « (aus »Der
Bau von Eisenbahnen « von Leon Nilles)
Be, den Vorarbeiten hat es auch an diesem
Streckenabschnitt eine Änderung gegeben.
Statt des ursprünglich vorgesehenen
Verlaufs der Linie von St. Vith über Setz
und Urb nach Steinebrück wurde die direkte
Streckenführung nach Süden von St.
Vith über Lommersweiler nach Steinbrück
vorgezogen. Dabei hatte man Lommersweiler
sicher schon für die Abzweigung
nach Ulflingen in Luxemburg vorgesehen.
Aus einem amtlichen Arbeitsbericht ist zu
entnehmen, daß sich im Oktober 1886 fünf
Kilometer der Strecke St. Vith-Bleialf in
Arbeit befanden. Auch der Tunnel vor Bleialt
war bereits im Bau . Mit den Arbeiten am
weiteren Streckenverlauf sollte begonnen
werden , sobald der erforderliche Grund
und Boden von den Kreisen zur Verfügung
gestellt werden konnte.
Nun waren die Arbeiten am Abschnitt St.
Vith-Bleialf mit erheblichen Schwierigkeiten
verbunden , wobei das Teilstück St.
Vith-Steinebrück besonders hervorzuheben
ist. Hohe Dämme und tiefe Einschnitte,
die in den Fels gesprengt werden mußten,
sowie zahlreiche Brückenbauwerke
über die Braunlauf kennzeichneten dieses
Teilstück. Und etwa 500 Meter vor dem
Bahnhof Lommersweiler mußte auch noch
ein Tunnel von 120 Meter Länge durch
einen Bergvorsprung getrieben werden.
Aber gute Witterungsverhältnisse ermöglichten
eine planmäßige Ausführung der
Arbeiten.
Zur Verrichtung der Grundarbeiten an der
Strecke St. Vith-Bleialf, die von dem Unternehmer
Fußhöller ausgeführt wurden,
hat man am 23. Juni 1887 eine Arbeitslokomitve
nach St. Vith gebracht. Es war die
erste Lokomotive überhaupt, die nach St.
Vith kam . Sie wurde auf einem mit elf
Pferden bespannten Wagen von Steinebrück
hierher transportiert.
Die letzte Schiene konnte am 16. August
1888 in diesem Abschnitt eingebaut werden.
Damit war diese Teilstecke an sich
fertiggestellt. Am 10. September 1888 erfolgte
die Prüfung der Neubaustrecke. Da
sich in der Nähe von Steinebrück die
Grenze zwischen den Betriebsämtern
Trier (Direktion Saarbrücken) und Aachen
(Direktion Köln) befand, waren zur Abnahme
der Strecke Beamte von beiden Betriebsämtern
angereist. Die Strecke wurde
für gut befunden. Auch der Termin für die
landespolizeiliche Abnahme stand mit
dem 25. September schon fest. Die Landräte
und die daran interessierten Gemeindevertreter
waren zu diesem Anlaß eingeladen.
Beanstandungen gab es auch hierbei
nicht.
47
~danntmn~ung.
Wur 1 . .Dffi>lict b: ·,9.- ltlirbbie .neuit&aiite ®tmft.Jfüeia{f.et mit~
(SBtrliinbung. be(stijti{flmfm @eroiflein•.!Bleialf unb . ~adjen,9lotije ~rbe•
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R ö In, ben 25. E5eptemlier 1888.
. ~ihtigtidje . tifen6ctn-Jifdition •(ti_tdi~r~einifdje).
Aus »Kreisblatt
für den Kreis
Malmedy«. St. Vith,
Mittwoch, den
3. Oktober 1888
Verkehr, das tritt schon jetzt sichtbar hervor,
verspricht überhaupt ein sehr reger zu
werden . - ... "
Die Teilstrecke hatte nur zwei Stationen,
und zwar Lommersweiler und Steinebrück.
Der Name für die Station Steinebrück
(Bf. 4. Klasse, Höhe etwa 375 m)
wurde von einer dort befindlichen steinernen
Brücke über die Our (Ur) abgeleitet.
Einen Ort gleichen Namens gab es nicht.
Mit der Fertigstellung der Teilstrecke St.
Vith-Bleialf konnte die gesamte Bahnlinie
St. Vith-Bleialf-Prüm-Gerolstein in Betrieb
genommen werden. Mit dieser Bahnlinie
war die Verbindung zwischen der
Vennbahn und der eigentlich~n Eifelbahn
Köln-Euskirchen-Gerolstein- Trier hergestellt.
Gleichzeitig hat man damit aber auch
eine zusätzliche Verbindung von Aachen
über St. Vith und Gerolstein nach Trier
Abb. 24: Überreste einer Eisenbahnbrücke der
Strecke St. Vith-Lommersweiler kurz hinter St.
Vith. Die Bahnlinie verlief hier über die Straße
nach Steinebrück.
Am 1. Oktober 1888 wu rde die Teilstrecke
St. Vith-Bleialf offiziell für den Verkeh r
freigegeben. Dazu schreibt das »Montjoie'rVolksblatt«
vom Samstag, den 6. Oktober
1888: »St. Vith, 2. Okt. Gestern wurde
die neuerbaute ca. 16 Kilometer lange
Bahnstrecke St. Vith- Bleialf dem allgemeinen
Verkehr übergeben, und ist somit die
directe Verbindung zwischen Aachen und
Trier fertiggestellt. Dieser jetzt eröffnete
Theil ist entschieden der interessanteste
der ganzen Strecke, was landschaftliche
Schönheit anbelangt. In vielfachen starken
Curven führt der Schienenweg abwechselnd
bald durch zerklüftete Felsen, bald
über die verschiedenen kleinen mitunter
reißenden Bäche, durch den Wald, auf hohem
Damm über schöne Thäler, an buschbewachsenen
Höhenzügen vorüber. Wie
man hörte, wird beabsichtigt, einzelne besonders
malerische Partien photographisch
abzunehmen. Eine detailirte Schilderung
der ganzen landschaftlichen Reize
abzugeben, ist nicht der Zweck dieser Zeilen,
einen besseren Eindruck gewinnt der
Leser, wenn er die Strecke befährt und
den Ausflug bis Prüm ausdehnt, welches
Städtchen der Sehenswürdigkeiten auch
viel bietet, davon besonders hervorzuheben
die schöne Pfarrkirche. - Eine officielle
Eröffnungsfeier hat nicht stattgehabt,
weder hier noch in Bleialf oder Prüm, die
Feier wird vermuthlich erst nächstes Jahr
bei Eröffnung der Bahn nach Luxemburg
stattfinden. Der Morgens von hier abgefahrene
erste Zug war, als er auf Station
Prüm anlangte, vollständig besetzt. Der
Abb. 25: Das Bahnhofsgelände in Lommersweiler
ist heute durch Buschwerk und Wildwuchs
zugewachsen. Nichts weist mehr darauf
hin, daß sich hier einmal Gleisanlagen befanden.
Ein Weg führt noch zum Tunneleingang in
Richtung Hemmeres.
48
geschaffen. Hierzu ist ein Artikel im »Echo
der Gegenwart« vom 2. Oktober 1888 interessant:
»Eisenbahnverbindung. Nach
dem heute zur Ausgabe gelangten Winterfahrplan
der linksrheinischen Eisenbahn
ist zu den bestehenden Verbindungen Aachen-Trier
durch die Eröffnung der Linie
Bleialf- St. Vith eine weitere direkte Verbindung
hinzugetreten, sodaß deren jetzt
drei existiren . Während die Linie Aachen
-Köln-Trier 248, 13 Kilometer lang ist,
zeigt die neue Route nur eine Entfernung
von 218, 11 Kilometer, ist jedoch noch etwas
länger, als die fernere Route Aachen
- Düren- Euski rchen- Trier, welche nur
200,7 Kilometer aufweist. Zur Fahrt über
die neue Eifelstrecke braucht man jedoch,
ohne Rücksicht auf den Aufenthalt an den
verschiedenen Umsteigestellen stark 8½
Stunden, auf der Route über Köln 7¾
Stunden und über Düren-Euskirchen nur
stark 6 Stunden. Es wird also die neue
Verkehrslinie für den Personenverkehr
von hier aus weniger Bedeutung haben,
dafür aber für die Bewohner der hohen
Eifel selbst, sowie Uuch für den Güterverkehr
von nicht zu unterschätzendem Vortheile
sein, der dann auch noch mehr gewinnen
wird, wenn das Projekt des Anschlusses
an die luxemburger Bahnen zur
Ausführung gelangt sein wird .«
Al;>b. 26: Der heute zur Hälfte zugemauerte
Tunnelausgang . auf der Strecke .St. Vith-Lq_rrimersweiler.
Der parallel verlaufElflde T.unnel
des zweiten Gleises•·ist auch noch vorhan·den.
Anschlußlinie (St. Vith)-Lommersweiler-Ulflingen (Ausbau und
Eröffnung)
Für diese Bahnlinie hatte der Staat auf eine
Kostenbeteiligung des Kreises verzichtet.
Aus dem »Amtsblatt der König 1. Regierung
zu Aachen « vom 4. Oktober 1883 (Nr. 572
~ Seite 240): »Wir bringen hierdurch zur
offentlichen Kenntnis, daß der Herr Minister
der öffentlichen Arbeiten die Königliche
Eisenbahn- Direktion (linksrheinische)
zu Cöln mit der Anfertigung genereller
Vorarbeiten für eine Eisenbahn untergeordneter
Bedeutung von St. Vith nach der
Landesgrenze in der Richtung auf Ulflingen
beauftragt hat. Die betreffenden
Grundeigenthümer sind daher ...«
usw.
Am 6. September 1884 ist im »Montjoie'r
Volksblatt« zu lesen: »Aus dem Kreis Malmedy.
Aus St. Vith meldet man, daß die
Eröffnungsarbeiten der Bahnlinie St. Vith
-Ulflingen erfolgt seien. Diese Strecke
wird bekanntlich unter die Direction der
Reichseisenbahnverwaltung in Straßburg
fallen .«
Der amtliche Baubericht von Ende 1886
zeigt auf, daß für diese Strecke die Anfertigung
der Grunderwerbskarten und das
Vermessungsregister in vollem Gange
sind . Am 1. Juli 1886 erfolgte die Prüfung
der Pläne. Sie wurde von Beamten der
Eisenbahndirektion Köln und der Regierung
Aachen durchgeführt. Als Vertreter
des Kreises waren der Landrat von Frühbus
und die Bürgermeister von Lommersweiler
und Reuland zugegen. Die Herren
haben für Lengeler eine Güterverladestelle
vorgeschlagen.
Ein möglicher Baubeginn wird für den
Sommer 1887 in Erwägung gezogen. Allerdings
nur unter der Voraussetzung, daß
bis dahin die erforderlichen Ländereien
zur Verfügung gestellt werden können. Einer
Mitteilung im »Montjoie'r Volksblatt«
ist zu entnehmen, daß endlich auch an
dieser Strecke die Arbeiten begonnen hatten.
»St. Vith am 4. November 1887. Am
31 . Oktober wurde auf der Eisenbahnstrecke
St. Vith- Ulflingen das Loos 1.
Lommersweiler-Reuland in Angriff genommen.
Das Loos 2. Reuland bis zur
Landesgrenze wird am 14. Nov. in Submission
gegeben, dann wird in kurzer Zeit
die ganze Linie im Bau begriffen sein.«
Der Bau auch dieser Strecke war kostspielig
und mit sehr großen Schwierigkeiten
verbunden. Um in das Ourtal zu gelangen,
mußte etwa 600 Meter hinter dem Bahnhof
Lommersweiler in der Richtung auf Hemmeres
zu ein Tunnel von 386 Meter Länge
durch den Berg gesprengt werden. Der
Durchbruch erfolgte am 22. September
1888. Die Feier aus diesem Anlaß wird
49
Abb. 27: Der teilweise zugemauerte Tunneleingang zwischen Lommersweiler
und Hemmeres
Abb. 28: Der Ausgang des 800 Meter langen Tunnels zwischen Lengeler
und Wilwerdingen. Er liegt ganz auf luxemburgischem Gebiet.
vom »Kreisblatt für den Kreis Malmedy«
so beschrieben (wiedergegeben im
»Montjoie'r Volksblatt): »_ .. Die Festgäste
wu rden von der Reulander Musikkapelle
begrüßt. Nach einigem Aufenthalt ging es
dann in festlichem Zuge zum Tunnel. Der
Eingang desselben war geschmackvoll mit
Bäumen und Blumen etc. dekorirt und
schon von weitem leuchtete uns der alte
Bergmannsruf ,Glück auf' entgegen. Der
Zug machte Halt, um das Abbrennen der
letzten Sprengschüsse in sicherer Entfernung
abzuwarten. Nachdem der letzte
Schuß gefallen war, setzte die Musik an
und unter flottem Marsch ging es paarweise
hinein, die Damen tapfer mit, ins dunkle
Bergesinnere, von Bergleuten, welche mit
ihren Lampen Spalier bildeten, mit schallendem
,Glück auf' begrüßt. Der ganze
Stollen war mit bunten Papierlaternen und
bengalischen Flammen beleuchtet. An der
Durchschlagstelle sprach Herr Baumeister
Mühlen zu den Versammelten tief empfundene
Worte ... " In Hemmeres wurde den
Gästen ein Erfrischungstrunk gereicht,
und am Bahnhof Lommersweiler erwartete
sie ein (verdientes) stärkendes Mahl.
Im Anschluß an den Tunnel folgt eine große
Brücke über die Our, die das Tal an
seiner engsten Stelle überquert. Diese
Brücke ist 18 Meter hoch und hat drei
Bögen, wovon der mittlere 21 Meter breit
ist. Im weiteren Verlauf folgen hohe Dämme
und noch einige Ourüberquerungen.
Kurz hinter dem Bahnhof Reuland, der rd .
1 ,5 Kilometer vom Ort entfernt ist, verläßt
die Bahn das Ourtal und verläuft ulfaufwärts
bis hinter Oudler, knickt dann ziemlich
stark nach Süden ab und geht über
Lengeler auf Ulflingen zu. Zwischen Lengeler
und der folgenden Station Wilwerdingen,
unmittelbar hinter der deutsch-luxemburgischen
Grenze, mußte durch einen
559 Meter hohen Berg , den Buurgplaatz,
ein 800 Meter langer Tunnel getrieben
werden. Es war das bedeutendste
Bauwerk jn diesem Abschnitt.
Hierzu ein Bericht aus dem »Montjoie'r
Volksblatt« vom 4. Juli 1888: »Die Arbeiten
an der Eisenbahn von St. Vith nach
Ulflingen machen rasche Fortschritte. Der
große Tunnel bei Wilwerdingen ist beinahe
durchbrochE)n. Gemäß Aussage der Arbeiter
sollen nur noch l00 Meter zu durchbrechen
sein, um von beiden Seiten des
Berges zusammenzukommen . Man hat
mit. der Vermauerung des Gewölbes
schon begonnen. « Es dauerte aber doch
noch 16 Monate, bis die Anschlußlinie St.
Vith- Lommersweiler-Ulflingen am 4. November
1889 dem Verkehr übergeben
werden konnte. Die Strecke hatte eine
Länge von 29,5 Kilometern und die Zwischenstationen
Lommersweiler, Reuland,
Lengeler und Wilwerdingen . Und nun fanden
auch die bereits angekündigten Feierlichkeiten
in St. Vith statt. Dazu schreibt
das »Kreisblatt für den kreis Malmedy«
vom 5. November 1889 (wiedergegeben
im »Stadt- und Landbote« vom 9. November
1889):
»Die Eröffnung
der Bahnstrecke St. Vith-Ulflingen.
'Dahin, dahin der einsam sti lle Frieden,
Dahin , dahin ein jed' idyllisch Glück!
Denn' alle Ruh' ist aus der Welt
geschieden -
0 Dampf! fürwahr, das ist
dein Meisterstück!
Ja, Frieden, stirb! - Du stiller
Kirchhoffrieden,
Du hast fürwahr zu lange schon gewährt!
Ein ander Glück giebt's noch
für uns hienieden,
Ein anderer Glanz hat unsre Zeit
verklärt .. .'
50
a
>Bdonntmodjung ..
. Jni _4. : 'gi~iitmlitr ·-t;. ~i::. _wirb . bit ndmßltufe $trcdie
~t„ fUQ-'gl(Ctfhigtn bem '83driek iißergdiett; ~nf ·berf dben Jn,
bet 1>on ~enr genannten '.itnge ab bie llleföiberung 11011 l.j3erf onen iit 2.
3. unb 4. !IBcinenflnjf e; llleif egepli<f, ~i(9ut, :@ßtmt, füid)en, (jaljqeilgen
unb !r&mbm 5t[Jlmn . nadj lf!lafigci&e bet lllefli'mmimgm beß 5Brtritf,G,
lReg!emeniG_..fnr bie ~ifr_nbn~nen 'I>rntf djlanM nadj unb bon bm <Stationen
!Jlm!anb, _~cnge!ct unb .!ffiiltuetbitigen beam. Ulfiingen flatt. •.
'I>er Ue&~rgatig btt fileif mbm n:iß ber Ulidjtung \l3rilm,@ero!flein
,1!_nb.. ~n•gcfe~rt .finb_et . in ~oninttt~lllei!rr flatl, o~ile ba8 biefe <Station
fur ben .OrtGuertc~t- f d&fl eingeridjtef tuirb.
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Ulfllngen
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'I>!e lieaüglidjen starife. fön1mi . auf beu <Stationeti. tingef eljen lllerbm
. f· .SI)" €5tation . Duble_r 1uirb uorl,'iufig tiid)f eröffnet; · bie stariffäte
· ur biefd&c lre_len trfl ,mit ~em _- stn9e ber ~röffnung in_ !?riift, •
Jiö!n, bm .27 . . Dttobcr J889, • 551(1)
liinlö_lidje-_@ifcnbnOn~s:iimtlon (linfßf0Chtlf~c). •
Aus »Kreisblatt
für den
Kreis Malmedy«
vom Samstag,
den 2. November
1889
Diese Worte, welche uns noch aus der
Zeit der ersten Eisenbahnen von 1838 her
erhalten geblieben sind und welche ein
junges Mädchen in be 0 geisterungsvoller
Stimmung bei Gelegenheit der Eröffnung
der Leipzig-Dresden Bahn schrieb, sie
paßten so recht auf unsere früheren Verhältnisse.
- Du stiller Kirchhoffrieden, du
hast fürwahr zu lange schon gewährt - für
die ganze Eifel, die vor einigen Jahren
noch von dem großen Weltverkehr abgelegen
war bis man beschlossen, auch sie
der Wohlthat des modernsten Verkehrsmittels,
der Eisenbahn theilhaftig zu machen,
indem der Bau einer solchen von
Rothe-Erde bis Gerolstein mit Abzweigung_
nach Ulflingen {Luxemburg) 1882 in
Angriff genommen wurde. Die verschiedenen
Theilstrecken waren bald vollendet
un? einzeln dem Verkehr übergeben und
ist Jetzt nach einem Zeitraum von 7 Jahren
mit Eröffnung der Strecke St. Vith- Ulflingen
das letzte Glied in die Kette eingefügt.
Der gestrige Tag war denn auch von der
S~ad_t St. Vith dem bedeutungsvollen Ereignis
angemessen würdig gefeiert worden.
Doch ehe wir hierauf näher eingehen,
wolle der freundliche Leser uns eine kleine
Schilderung der ersten Fahrt gestatten.
Nachdem Morgens um 6 Uhr das Material
an Wagen und Maschine sowie das nöthige
Personal von Luxemburg hier eingetroffen,
ging der erste Zug fahrplp,nmäßig
6,57 ab. Bei Bahnhof Lommersweiler
zweigt die Bahn bekanntlich von der Gerolsteiner
Strecke ab und führt durch das
Tunnel und die direkt anschließende große
Brücke über die Our bei Hemmers und
nachdem sie den Fluß nochmals auf einer
großen eisernen Hängebrücke überschritten,
nach der freundlich an der Our gelegenen
Station Reuland. Der Bahnhof liegt
ca. 20 Minuten von dem Orte entfernt,
jedoch führt der Schienenweg am Orte
selbst nur zwei Minuten vorbei und konnte
man bemerken wie das malerisch unten im
Thale gelegene Reuland geflaggt hatte.
Von der alten Reulander Burg wurden dem
vorbeifahrenden Zug ein donnernder Böllergruß
zugeschickt, welchen die Lokomotive
mit kräftigem Pfiff erwiderte.
Nicht weit von Reuland hatten wir Gelebenheit
einen Wettlauf zwischen dem früheren
Verkehrsmittel, der nun bald seligen
Postkutsche und dem jetzigen, der Lokomotive
zu beobachten. Die in gemüthliehern
Trott unten auf der Chaussee den
schwerfälligen gelben Wagen daherziehenden
Gäule, wurden auf wiederholtes
ermunterndes Winken von uns von dem
Postillon in schnellste Gangart versetzt.
Auf der Lokomotive hatte man das Manöver
bemerkt und nun wurde der Postillon
zuerst gehörig von derselben ausgepfiffen
, dann mehr Dampf gegeben, und dahin
sauste das eiserne Roß, seine Kollegen
von Fleisch und Bein bald weit zurücklassend,
ein scharfer Contrast.
Die Strecke von Reuland bis Lengeler
zeichnet sich durch bedeutende Wegeüberführungen,
Viadukte und besonders
hohe Dämme aus. Am Bahnhof Lengeler
befindet sich die Zollabfertigung der über
die Grenze kommenden Reisenden. Da
werden die Wagen einzeln von preußischen
Zollbeamten nach zol lpflichtigen
Sachen durchgesucht. Von Lengeler gelangen
wir durch ein 800 Meter großes
Tunnel nach Wilwerdingen und zugleich in
,eis't Land', das Stationsgebäude war festlich
geschmückt, und hier wurde auch der
Maschine der erste Schmuck umgehängt.
Die Begrüßungsschüsse verspäteten sich
etwas, die guten Luxemburger hatten die
Böller derart verkeilt, daß nach endlichem
Losgehen des ersten Schusses gleich
durch den kolossalen Luftdruck verschiedene
Fensterscheiben der nahegelegenen
,Restauration la gare' zersprangen .
Weiter gings nach Ulflingen. Die Strecke
an und für sich ist auf Luxemburger Gebiet
noch sehr in Unordnung, viele Arbeit gibts
noch, bis dieselbe fertig gestellt ist. In
Ulflingen war ein Festeszeichen nirgends
zu sehen, kei ne Flagge, kein Strauß, nicht
ein Mensch war auf dem Perron anwesend
, der den ersten Zug der neuen
Strecke begrüßt hätte. Die geschmückte
Maschine nahm sich unter den anderen
schwarzen Ungethümen recht sonderbar
und fremd aus.
Nach einem Aufenthalt von über zwei
Stunden fuhr der Zug wieder zurück nach
St. Vith wo er um 12 Uhr mittags anlangte.
Und die Fremden waren erstaunt, ja begeistert
von dem Empfang, der ihnen von den
St. Vithern bereitet wurde. Böllerschüsse,
Musik-Tusch und donnerndes Hurrah der
großen Zuschauermenge begrüßten das
Einlaufen des Zuges. Längs des überaus
prächtig geschmückten Perrons hatten der
Schützenverein mit präsentirtem Gewehr,
der Kriegerverein, der Stadtrath, die Musikkapelle
und die Schulkinder Aufstellung
genommen. Die Schulkinder begrüßten
die Gäste mit der Nationalhymne, welche
hiernach auch von der Musikkapelle intonirt
wurde . . .
... Inzwischen waren auch die Luxemburger
Gäste, unter ihnen die Herren General-Direktor
der öffentl. Arbeiten Thorn und
Betriebsdirektor de Bary von Herrn Bürgermeister
Ennen begrüßt worden. Die eine
Stunde vorher mit dem Aachener Zuge
angelangten Gäste, unter ihnen Herr Re-
51
Abb. 29: Der schöne und unversehrte Viadukt über das Hollersbachtal zwischen Reuland und Oudler. Er hat eine Länge von rd. 51 Metern und ist etwa
15 bis 16 Meter hoch. Eine größere Straßen- und Talbrücke genau südlich von Oudler wurde am 10. Mai 1940 ebenfalls von belgischen Truppen
gesprengt. Auch hier hat man schon bald einen Damm aufgeschüttet und für die durchführende Straße eine tunnelähnliche Röhre eingemauert. Die
Aufschüttung ist auf beiden Seiten durch schwere Stützmauern begrenzt. Oberhalb der südlichen Stützmauer ist heute ein Bogen des ehemaligen
Viadukts freigelegt und zu sehen. In diesem Streckenabschnitt befinden sich noch einige kleinere, dreibogige Viadukte oder Straßenüberführungen,
die alle noch gut erhalten sind.
Abb. 30: Die Burg Reuland von der Bahnlinie aus
gierungspräsident v. Hoffmann und Herr
Oberregierungsrath von Bremer, die Herren
Landräte von Montjoie und Malmedy
waren ebenfalls feierlich empfangen worden.
Bald hatte sich der Festzug arangirt
und die Musikkapelle an der Spitze gings
unter flottgespieltem Marsch zur Stadt. Am
Ausgange des Bahnhofes grüßte von einer
Ehrenpforte ein herzliches Willkommen.
Die längs der Bahnhofstraße stehenden
Bäume waren sämmtlich mit Fähnchen
in den deutschen und luxemburgischen
Farben geschmückt. Am Eingang
der Stadt erhob sich ein mächtiger wappengezierter
Triumphbogen, von dessen
hohen Masten die Wimpel lustig in die Luft
hineinwehten. Das Festessen verlief in der
angenehmsten Weise. Herr Regierungspräsident
v. Hoffmann brachte den ToaS t
auf den deutschen und den luxemburgischen
Souverän aus dabei bemerke nd '
daß die Bahn unter d~r Regierung der drei
ersten deutschen Kaiser gebaut worden
sei, und die freundnachbarlichen Beziehungen
zu Luxemburg besonders hervorhebend.
Lange und gemütlich blieb man
52
beieinander sitzen, bis es für die Gäste
hohe Zeit wurde mit den fälligen letzten
Zügen sich in ihre Heimat zu begeben.
Ein Ball im neuen schön dekorirten Saale
des Herrn F. W. Margraff sollte für die
Zurückgebliebenen den festlichen Tag beschließen.
Die Theilnehmer blieben bis zu
früher Stunde bei Tanz und Spiel und vorzüg
lichem Getränk zusammen.
In jeder Hinsicht gelungen ist das schöne
Fest verlaufen, zur Ehre für die Stadt, zur
Freude der Gäste.
Mögen die Erwartungen, die sich an diesen
Tag knüpfen in Erfüllung gehen, St.
Vith blühen und gedeihen.«
In der »Eupener Zeitung« vom 9. November
1889 befindet sich nur eine kurze Notiz:
»St. Vith , 4. Nov. Die neue Bahnstrekke
von hier bzw. von Lommersweiler nach
Ulflingen ist heute dem Betriebe übergeben
worden .«
. .
Ulfllngen
Bahnhof
Abb. 31 : Der alte Bahnhof Ulflingen (Troisvierges) in Luxemburg. Die Endstation dieser Bahnlinie
II
II
Abzweigung von Walheim nach Stolberg (Ausbau und Eröffnung)
Schon seit 1861 hatten sich die Stadt Stolberg
und die Industrie- und Handelskammer
des Kreises Aachen-Land um den
Bau einer Bahnlinie im Stolberger Tal für
die dort ansässige Industrie bemüht. Als
erstes Tei lstück wurde bereits am 11. Dezember
1867 der 1,4 Kilometer lange
Gleisanschluß von Stolberg Hbf. zur Stolberger
Spiegelmanufaktur in Betrieb genommen
. Erst am 15. September 1881
konnte die weiterführende Bahnlinie über
Stolberg-Mühle bis nach Stolberg-Hammer
dem Verkehr übergeben werden. Die
»Stolberger Talbahn « war vorrangig für
den Massentransport von Gütern vorgesehen.
Zur Bewältigung des enormen Güterverkehrs
hat man diesen Abschnitt zweigleisig
ausgebaut. Für die Personenbeförderung
wurden den planmäßigen Güterzügen
Personenwagen angehängt (GmP =
Güterzug mit Personenbeförderung).
Als nun die Bahnlinie von Rothe Erde (Aachen)
über Monschau und St. Vith nach
Luxemburg geplant wurde, haben sich die
Stadt Stolberg und die Handelskammer
wiederum dafür eingesetzt, daß auch die
Stolberger Talbahn den Anschluß an die
projektierte Bahnlinie bekommt. Die entsprechenden
Eingaben fanden auch die
erhoffte Berücksichtigung, denn das Gesetz
vom 15. Mai 1882 hat ja diesem Anliegen
entsprochen und den Bau der Abzweigung
von Walheim nach Stolberg mit
einbezogen.
Aber so ganz ohne Schwierigkeiten ging
es auch hier nicht ab. Zur Deckung der
voraussichtlichen Grunderwerbskosten
sollte von den betroffenen Gemeinden der
Betrag von 134 000 Mark aufgebracht
werden . Die Eisenbahndirektion machte
den Bau dieses Streckenabschnitts davon
abhängig. Nachdem von seiten der Industrie
größere Beträge beigesteuert wurden
(vorrangig von den Erben Heinrich Hoesch
und dem Eschweiler Bergwerks-Verein)
:ot ,•r
f?t,,J
und die Kreisvertretung des Landkreises
Aachen in der Sitzung vom 15. Juli 1885
die Übernahme der noch feh lenden
27 000 Mark beschlossen hatte, war der
Bau dieses Streckenabschnitts gesichert.
Am 6. Oktober 1885 wurde im »Amtsblatt
der Königl. Regierung zu Aachen« (Nr.
581 - Seite 317) verkündet: »Wir bringen
CJ1 Mt'
Abb. 32: Stolberg (Rhld.) Hauptbahnhof: Das Bild zeigt den Bahnhof im Jahre 1906. Von hier aus
führte die Bahnlinie nach Walheim mit Anschluß an die Vennbahn. Der Personenzug vor dem
Bahnhofsgebäude befindet sich auf der Hauptstrecke Aachen- Köln.
1
53
Abb. 33: Der kleine Viadukt in Rüst bei Stolberg. Er hatte ursprünglich zwei Pfeiler und drei
Rundbögen. Die von den Amerikanern errichtete Notbrücke ist noch in Betrieb.
hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß
der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten
die Königliche Eisenbahn-Direktion
{linksrheinische) zu Cöln mit der Anfertigung
specieller Vorarbeiten für die projektirte
Eisenbahn von Stolberg nach Walheim
beauftragt hat ... «
Nach der Ausarbeitung der Pläne trat insofe
rn noch eine Verzögerung ein, als für die
mögliche Durchführung von Militärtransporten
auf dieser Strecke die Radien für
die Kurven von 250 Meter auf 300 Meter
erweitert werden mußten. Nach der Umarbeitung
der Pläne fand eine nochmalige
landespolizeiliche Revision statt, die ke ine
Beanstandungen mehr ergab,\Die Offenlegung
der Parzellenkarten und Vermessungsregister
erfolgte vom 22. September
bis 5. Oktober 1887, und im Frühjahr 1888
konnte mit den Bauarbeiten an diesem
Streckenabschnitt begonnen werden.
Die Strecke wurde von Stolberg-Hammer
aus bis nach Binsfeldhammer im Tal weitergeführt
und stieg dann zum Plateau hinauf
in Richtung auf Breinig und Walheim.
Bereits Ende des Jahres 1888 waren die
Pfeiler am Viadukt über das lndetal bei der
@i(enßa~n-~a~rpfatt.
~trecfe ~adjen-et. '8it{J•ttlflinoen
mit ill1D1uciguugcn nad) ~tolbcrg, @u11cn unb Wlcdmcbt).
2(ad)cn »lbf. 7,15 12,10 6,13 7,31 8,lH I Ulf{ingm 2lbf. 5 21 10,40 2,30j7,00
!Jlotbc (irbe ,, 7,22 12,17 6,20 7,40 8,391 !Rculaub ,, 6,09 11,28 3,1918,19
l8ranb ,, 7,35 12,30 6,33 7,56 8,M ®t. ~ltfJ Wnf. 6,36 11,55 3,45 8J5
~ornd~milnfttr ,, 7,46 12,41 6,44 8,10 9,05
®t. !i3itfJ ~bf. 4,42 6,21
!ll!.al{Jclm 2lnf.
-
7,55 12,50 6,53 8,22
7,31112,511 4,471
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Ein Fahrplan der fertiggestellten Vennbahn mit ihren Abzweigungen vom Mai 1890.
54
Abb. 34: Die Bahnhofsanlage von Stolberg
Hammer heute. Gleise, Weichen und Stellwerke
sind noch vorhanden. Das alte Bahnhofsgebäude
besteht allerdings nicht mehr. Im Hintergrund
ist die im Ursprung aus dem 12. Jahrhundert
stammende Burg Stolberg zu sehen. Diese
mittelalterliche Burg ist das Wahrzeichen der
Stadt.
Schlausermühle bis auf die Bögen fertiggestellt.
Es ist die längste Talbrücke an der
gesamten Bahnlinie. Auch das Stationsgebäude
am Bahnhof Breinig war Ende 1888
unter Dach. 1889 kamen die Arbeiten insgesamt
zum Abschluß. Am 6. Dezember
fand die landespolizeiliche Abnahme statt,
und am 21 . Dezember 1889 wurde dieser
Streckenabschnitt dem Verkehr übergeben.
Die gesamte Länge dieses Abschnitts
von Walheim bis zum Bahnhof
Stolberg Rhl d. betrug 13 Kilometer.
Anläßlich der Eröffnung schreibt das
»Montjoie'r Volksblatt« vom 21. Dezember
1889: »Stolberg, 12. Dez. Die neu erbaute
Strecke Stolberg (Hammer)- Walheim wird
am 21 . Dezember 11 dem Betrieb übergeben
. Von diesem Tage ab findet auf der
genannten Strecke die Beförderung von
Personen in 2., 3. und 4. Wagenklasse,
Reisegepäck, Eilgut, Gütern, Leichen,
Fahrzeugen und lebenden Thieren nach
Maßgabe der Bestimmungen des Betriebsreglements
für die Eisenbahnen
Deutschlands nach und von den Stationen
Breinig und Walheim statt. Außerdem wird
vom selben Tage ab die Beförderung von
Personen in 4. Wagenklasse von Stolberg
{Rh.) nach Stolberg (Mühle) und Stolberg
(Hammer) bezw. umgekehrt einigeführt
.. . Die bisherigen gemischten Züge
von Stolberg (Rhld.) nach Stolberg (Hammer)
und umgekehrt fallen aus. Die bezüglichen
Tarife können auf den Stationen
eingesehen werden. "
Mit der Freigabe dieses Streckenabschnitts
war der Ausbau der in den beiden
Gesetzen aufgefü hrten Bahnlinien und
Abzweigungen zum Abschluß gekommen.
Rd. sechs Jahre wurden dafür benötigt.
Abb. 35: Der Viadukt über das lndebachtal bei der Schlausermühle. Im Sprachgebrauch der Bundesbahn wird dieser Viadukt »Falkenbachbrücke«
genannt.
Dieser Viadukt mit den sieben Pfeilern und
acht Rundbögen war (ist) die imposanteste
Talüberquerung entlang der Vennbahn
und ihren Abzweigungen. Die Talbrücke
verläuft in Richtung Walheim in einem
leichten Linksbogen, sie ist rd . 145 Meter
lang und etwa 23 Meter hoch. Mit den
Bauarbeiten wurde Anfang 1888 begonnen.
Hierzu aus der Chronik der Gemeinde
Kornelimünster von 1887: " · . . Für die
Gemeinde ist von ganz besonderer Bedeutung,
daß für den Viaduct am Venwegener
Wege anstatt der projectirten 5
Bögen deren 8 nachträglich concedirtworden
sind, wodurch die Grunderwerbskosten
wesentlich reducirt werden . .. «
55
Im Gegensatz zu den Viadukten über das
Rollefbachtal bei Brand und das lterbachtal
bei Korn elimünster, die eingleisig geblieben
sind, wurde dieser Viadukt zweigleisig
ausgebaut. Durch die Sprengung der Talbrücke
am 12. September 1944 wurden
die drei Bögen über der Venwegener Straße
zerstört. Amerikanische Truppen haben
diesen Teil des Viadukts behelfsmäßig
hergerichtet. Diese Notlösung besteht
heute noch und beeinträchtigt das Aussehen
der an sich sehr schönen Talbrücke
doch erheblich. Bemühungen um die Wiederherstellung
des ursprünglichen Zustandes
sind bisher an der Kostenfrage
gescheitert. \\
Abb. 36: Die von amerikanischen Pionieren errichtete
Notbrücke. Sie wurde nur eingleisig
ausgebaut.
Der Verkehr auf der Vennbahn nach dem Ausbau der Strecken
Die langersehnte Bahnlinie wurde von der
Bevölkerung, der Wirtschaft und der Industrie
dankbar angenommen. Man hatte ja
lange genug darauf gewartet. Der Verkehr
entwickelte sich gut und erfuhr eine regelmäßige
Steigerung. Der Personenverkehr
wurde mit drei Zugpaaren zwischen Aachen
und Monschau aufgenommen, die
später bis nach Malmedy weitergeführt
wurden. Einige lokale Arbeiterzüge nach
und von Aachen oder Ausflugsverkehr an
Sonn- und Feiertagen von der Stadt in die
landschaftlich schöne Eifel kamen noch
hinzu. Die Beförderung erfolgte in der 2.
und 3. Wagenklasse. Allerdings wurden
anfänglich vielfach veraltete, mangelhaft
beleuchtete und schlecht beheizbare Wagen
eingesetzt. Man hatte ja keine allzu
großen Erwartungen an diese Bahnlinie
geknüpft und dementsprechend auch keinen
besonderen Komfort dafür vorgesehen.
Die kurvenreiche Strecke, aber auch
der Ausbau an sich ließen keine hohen
Geschwindigkeiten zu. So benötigte man
für die 48 km von Aachen nach Monschau
2 Stunden und 5 Minuten, für die 82 km
von Aachen nach Malmedy 3 Std. und 40
Min. und für die 91 km von Aachen nach
St. Vith rd. 4 Std. Auch mit den Anschlüssen
an weiterführende Verbindungen haperte
es anfänglich doch sehr. Aber nach
diesbezüglichen Eingaben haben sich die
Ungereimtheiten doch allmählich gebessert.
Für die zahlreichen Arbeiter zwischen
Brand und Monschau, die überwiegend
von der Aachener Industrie beschäftigt
wurden, war die Eisenbahn eine segensreiche
Einrichtung. Der Weg zum Arbeitsplatz
war nun keine Wochenendwanderung
mehr. Man war nun in wesentlich
kürzerer Zeit am Arbeitsplatz und auch
wieder zu Hause. Aber bei den geringen
Verdienstmöglichkeiten der damaligen
Zeit war die tägliche oder wöchentliche
Fahrt mit der Eisenbahn in der 3. Klasse
eben doch noch zu teuer. Aus diesem
Grunde haben bereits Anfang August
1885 die Weber und andere Arbeiter aus
Roetgen eine gemeinsame Bittschrift -
-k. 9lötgen, 11. 6ept!ir. ~uf einen bon ~Irr 0110•
geljenben 9:lntrag ljat bfe .!tönigHd)e (füen&aljn , SDireftion
(llnf0rljetnlfd)e) l>erfilgt, ba§ unter ,Sugrunbele!Jun!I ber für
bte '}3crfonenf>eförberung im ~innenberfeljr giifti!lett ~:irif •
beOimmungen mit f ofortiger @ilftig!eit bie nad}fteljenben
mrbefter- 1 fülletfä~e 511r ijfnf ü~mng ge&racf)t:
~rbelter, 2lrbdter,
.8toif<t,en 1111b !JMombiI!rte. ~Bo~cnf>iUcte.
l
ID?arf. IDlarf.
!Branb 2lad):_en 0,20 1,20
(fomefl}mün~er 0,80 1,U0
fil!alljeim 0,40 2,50
mamn H 0,60 3,40
91ötgm' ,, 0,80 4,80
i!ammtr~borf IDlontjoie 0,20 1,40
(fonien „ 0,10 0,70
SDfe !Benubung ber 21r6eiler-91elour6illete fann ent=
toeber Allr 4)infaljrt am ~ 1 lonlaoe uni> AUr 91tldfaljrt am
l!Sam~a11e ober um!lete~rl erfolnen, tuonegen hiejrnige ber
!illod}enoillrte fä\1lid) erfolnen tann. ~ie 2lroeiter, 1uelc1Je
\>011 biefet iBergünltigung @ebraud} mad)en tooUen, miiffen
fid) mit l>en erforDerlid}en ~~gilimationen berf eben.
56
mit einigen hundert Unterschriften versehen
- um Einführung der 4. Wagenklasse
auf der Strecke Aachen-Monschau an die
»Königliche Eisenbahn-Direktion (linksrheinische)
zu Cöln « gerichtet. Damit würde
für alle betroffenen Personen doch eine
spürbare finanzielle Erleichterung verbunden
sein. Die Eisenbahn-Direktion hat
schon bald diesem Wunsche entsprochen
und die 4. Wagenklasse eingesetzt. Darüber
hinaus wurden noch weiterreichende
Vergünstigungen eingeführt.
Der Güterverkehr hat steh von Anfang an
sehr gut entwickelt. Sofort nach der Freigabe
der Teilstrecken herrschte an den
Verladerampen ein reger Betrieb, denn
dadurch wu rden ja für die inländischen
Industrien zusätzliche Absatzmärkte eröffnet.
Sie wu rden auch ohne Verzug beliefert.
Aber auch die Eifel hatte einiges anzubieten.
Und so entstand schon bald ein
reger Güteraustausch. Bereits sieben Wochen
nach der Freigabe der Teilstrecke
Rothe Erde-Monschau schreibt hierzu die
»Kölnische Zeitung«, wiedergegeben im
»Stadt- und Land !,oten« am 22. August
1885:
»Die Hohe-Veen-Bahn. Als am 1. Juli d. K.
der bis Montjoie fertiggestellte Teil der Nebenbahn
Rothe Erde-Montjoie-St. Vith
Prüm dem Betrieb übergeben wurde, ahnte
auch der Kühnste nicht, daß auf derselben
sich rasch ein Leben entwickeln würde,
welches den Verkehr mancher der un-
f rkanntma~ung.
(füf enbabn=l)irtktiom;br1irk !töln (linksrb.)
'iDie an ber :Strn!e \Roige•~rbesmontjoie ge(cgenen ano bem
~önig(icben ~ii enbagn • !Bemebilamte \!lacfien unterjtelltcn etationen
Q:orne(l)münfter, \Roetsen, montioic, l8ranb, iilla{gcim, j}lamn uni> .\!am•
merilborf 11:Jerben mi~ bem
15. 2'e3ember bß. 35.
für ben allgemeinen l,l3rit>atbepeidien•!Bedegr eröffnet unb iinb bieje{ben
t>om genannten 'rage an ermädjtigt, nadi mafrnabe ber ~eitegenben !Be•
ftimmungen unb unter ßugrunbe(egnng be; @ebügrentarif~ ;ilr bie
beutlcben 'lelegrapgenanfta{ten l,l3ribatte(egramme an0unegmen unb 3u
beförbern.
~öln, ben 3. 5!)e3ember 1885 .
.ft.öniolidJe ~i(,nb'!_~n-lllh-tktion (links;r~tinif dJr).
ter dem wohltönenden Namen ,Vollbahn'
arbeitenden Bahnstrecken in den Schatten
stellt.
Fast auf allen neu eröffneten Stationen
herrscht rege Tätigkeit. In Brand werden
täglich mehrere Doppellader Erze aus den
benachbarten, eben erst erteuften Gruben
verladen: Cornelimünster und Walheim
versenden ihre vorzüglichen Hausteine
und gebrannten Kalk; Raeren, Rötgen und
Lammersdorf werden die Hauptstapelplätze
für den Holzhandel dieser Waldreviere,
ersteres hat bereits mit seiner guten Lohe
das Geschäft eröffnet, während Lammersdorf
und Rötgen in den nächsten Wochen
mit Hunderten von Doppelladern Holz folgen
wollen ; sogar das kleine Conzen verschickt
ganze Ladungen von ,Hohe-Veen
Säuerlingen'. Montjoie, die alte ehrwürdige
Fabrikstadt, vergilt den Erfolg seines
langjährigen unentmutigten Strebens nach
einer Eisenbahn mit regem Versandt seiner
gewerblichen Erzeugnisse.
Noch stärker wird das Ausfuhrgeschäft aller
Stationen werden, wenn erst der Segen
des Herbstes eingeheimst ist; und
erst dann wird manches bisher noch ungläubige
Bäuerlein die Wohltaten der Bahn
anerkennen, wenn ihm die Händler für
Heu, Kartoffeln, Obst und Hafer den doppelten
Preis der Vorjahre in blanken Goldkronen
auszahlen .
Die Einfuhr blüht derart, daß schon jetzt
die zu Berg fahrenden Güterzüge des öf-
Abb. 37: Blick von der Vennbahn auf Raeren.
57
tern nur durch zwei Lokomitiven bewegt
werden können, und wird für die Herbstund
Wintermonate mit ihren großen Bedürfnissen
die Einlage neuer Züge nötig
machen. Auf allen Stationen sieht man die
schwarzen Diamanten des Wurm-,
Eschweiler- und Ruhr-Kohlenreviers in
großen Massen entladen; Roggen und
Weizen werden für die getreidearmen
Moorgegenden herbeigeschleppt; der
Stückgutverkehr in Colonialwaren u.s.w.
ist äußerst rege; die Erzeugnisse der benachbarten
Eisenhütten werden den an
der neuen Bahn liegenden Fabriken und
Werken in großen Massen zugeführt, namentlich
erhält das von der Stadt Aachen
in der Nähe von Walheim angelegte große
Wasserwerk regelmäßige Wagenladungen
von eisernen Röhren und Maschinenteilen
. . .
Daß auch der Personenverkehr nicht hinter
deF Güterbewegung zurückbleibe, dafür
sorgen nicht bloß die bisher von der
Weltstraße entfernten thatendurstigen Bewohner
des hohen Veen, sondern auch
die mannigfaltigen Reize seiner Thäler und
Berge, welche große Scharen von Besuchern
aus der Ebene herbeiziehen. Fast
jeder Zug führt eine erfreuliche Anzahl von
Reisenden mit sich, die eingelegten billigen
Sonderzüge aber sind trotz ihrer großen
Länge bis auf den letzten Platz besetzt
und bringen Freude und Jubel in die bisher
ruhigen Thäler sowie große Summen
in die Taschen der schmunzelnden Wirte
..."
Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich
das alles entwickelt hat. Es schien so, als
sollte der immense Nachholbedarf in kürzester
Zeit ausgeglichen werden. Doch
vielleicht ist der Bericht in der „ Kölnischen
Zeitung « etwas zu euphorisch abgefaßt;
denn die Eifel-Venn-Region war nach wie
vor ein Notstandsgebiet und die Armut
noch lange nicht behoben. Aber die rege
Geschäftigkeit auf allen Bahnhöfen der
Strecke ließ doch auf eine Besserung der
Gesamtsituation hoffen. Nachdem man St.
Vith erreicht hatte, entwickelte sich die
Vennbahn zu einer Hauptverbindungslinie
zwischen den Kreisen Malmedy, Monschau
und Eupen mit dem Wirtschaftszentrum
Aachen. Zwar stand anfänglich nur
die Regionalversorgung im Vordergrund ,
das Verkehrsaufkommen war jedoch
schon recht beachtlich.
Mit der Fertigstellung der Anschlußlinie St.
Vith-Ulflingen wurde die von der Industrie
erwünschte Nord-Süd-Verbindung geschaffen,
die entlang der deutschen Westgrenze
verlief und die Kohlereviere im Aachener
Raum und im Ruhrgebiet mit den
Hütten in Luxemburg und Lothringen verband.
Dies bedeutete nun Kohle und Koks
nach Luxemburg (damals in Zollunion mit
dem Deutschen Reich) und Elsaß-Lothrin-
Abb. 39: Medaillen der Wanderfalken Weywertz
aus den Jahren 1980 und 1981 . Sie zeigen den
Bahnhof und den Viadukt von Weywertz.
Abb. 38: Der Strekkenverlauf
von Weismes
nach Malmedy
- hier kurz hinter
dem Bahnhof Weismes.
Diese Abzweigung
ist immer eingleisig
geblieben.
gen sowie Eisenerze und Roheisen von
dort zu den Hütten und Hochöfen der rheinischen
Industrie. Quasi über Nacht wurde
aus der Sekundärbahn mit zwar schon regem
Verkehr eine Bahnlinie von internationaler
Bedeutung. Der Verkehr auf dieser
Bahnlinie nahm einen Umfang an, dem
eine Nebenbahn auf Dauer nicht gewachsen
sein konnte.
Der Bahnhof St Vith auf dem die drei
Linien von Aach~n. G 0 erolstein und Ulflingen
zusammenliefen, entwickelte sich zu
einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt
mit einem besonders großen Verkehrsaufkommen.
Zum Ausbau dieses
Bahnhofs ein Zeitungsbericht vom 2. Oktober
1888: »Die Arbeiten auf dem Bahnhof
St. Vith, des größten auf der Strecke
von Aachen nach Gerolstein, sind jetzt.
außer den beiden noch im Bau begriffenen
Beamtenwohnhäusern, ungefähr beendigt.
Das fertige Stationsgebäude ist im
ganzen ein Prachtbau. Im Hintergrund bemerkt
man den imposanten Lokomotivschuppen,
der fast halbkreisförmig gebaut
ist und Raum für 11 Maschinen bietet. Die
zum Bahnhof führende Straße ist ebenfalls
fertig und kann benutzt werden. "
Das Ausmaß des Personenverkehrs iS t
aus den beigefügten Fahrplänen der verschiedensten
Zeiten ersichtlich. Hinsichtlich
der Anzahl der täglich verkehrenden
Güterzüge werden in den bisherigen Berichten
und Abhandlungen außergewöhn-
58
lieh hohe Zahlen genan nt. Aus einer diesbezüglichen
Stellungnahme der Königlichen
Eisenbahn-Direktion Köln von Ende
September 1890 ist zu entnehmen, daß
bis zum August 1890 neben dem fahrplanmäßigen
Personenverkehr fünf regelmäßige
Güterzüge und ein Bedarfs-bzw. gemischter
Zug in beiden Richtungen verkehrten.
Als gemischte Züge galten Güterzüge,
denen auch Personenwagen zur
Aufnahme von Reisenden angehängt wurden.
Diese Züge führten die Bezeichnung
GmP = Güterzüge mit Personenbeförderung
.
Die Eisenbahn-Direktion gestand jedoch
ein, daß seit August 1890, als Folge des
Ausstandes der belgischen Kohlearbeiter,
der Güterve rkehr nicht unwesentlich gestiegen
wäre. Diese Aussage bezog sich
auf die Strecke Aachen bzw. Stolberg-St.
Vith .
Es war also schon ein großes Ve rkehrsaufkommen,
das von der Vennbahn bewältigt
werden mußte. Die Folge waren dann
auch häufige Vers~ätungen im Personenverkehr,
und dadJlch bedingt wiederum
kurzfristige Verlegungen der feststehenden
Zugkreuzungen auf andere Stationen.
Damit war natürlich ein gewisses Risiko für
die Sicherheit des ohne Unterbrechung
rollenden Verkehrs entstanden, was dann
auch schon bald zu einem schweren Zugunglück
zwischen Monschau und Kalterherberg
führte. Zwei Personenzüge sind
dort zusammengestoßen.
Im Verlaufe der Zeit wurde von der Eisenbahn-Direktion
auch für die Vennbahn so
manche Verbesserung angeboten oder erprobt.
Dazu die folgenden Berichte: »Eisenbahnsache:
Wie wir vernehmen , wird
die Eisenbahnverwaltung auf der Eifelstrecke
insofern eine dankenswerte Neuerung
treffen, als die Fahrzeit zwischen Aachen
und Montjoie, welche seither ca.
zwei Stunden betrug, durch beschleunigtere
Fahrt auf 1 ½ Stunden ermäßigt we r
den soll. Diese Abkürzung der Fahrtdauer
um eine halbe Stunde soll am 1. Oktober
ins Leben treten und wird sicherlich von
dem reisenden Publikum freudig begrüßt
werden. « {»Montjoie'r Volksblatt« vom 30.
August 1890) Das bedeutete natürlich
auch verkü rzte Fahrzeiten nach Malmedy
und St. Vith.
»Montjoie. Seit Kurzem hat das Eisenbahn-Betriebs-Amt
Aachen auf der Strekke
Aachen- Rothe Erde-St. Vith versuchsweise
täglich 2 Züge eingestellt, welche
mit Luftdruckbremse versehen sind. Dieselben
führen auch einen nach Art der
sog . Harmonicazüge eingerichteten Waggon
mit seitlichem Corridor mit, dessen
Abtheile von dem Zugpersonal beim Passiren
des Waggons nicht betreten zu werden
brauchen. Auch ist in diesen Wagen in
Bezug auf Bedürfnißstätte ausgiebige und
praktische Sorge getragen. Wer die auf
den anderen Zügen noch vorhandene nervenangreifende
Bremsvorrichtung des
Oefteren erproben muß, wird dem Be-
Nachdem nun die Bahnlinien erbaut waren, begann
die laufende Unterhaltung der Strecken
und Bahnhöfe. Die kleine Auswahl der Ausschreibungen
und diesbezüglichen Anzeigen
aus dem »Stadt- und Landboten« soll nur andeuten,
wie vielseitig die anfallenden Arbeiten
waren:
vom 4. Juni 1890
vom 15. November
1890
vom 16. März 1889
vom 20. Mai 1903
vom 31 . März 1897
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!ilr bie ~11 etbaurnben !'ttrn,unn~[tahouen Alllt\~en _ben. !Baq~qolen
ffinmn•!Hötnen unb lJlötgen•ilammetGl>oti !oll ofienthdJ tn ü iloolen
t>etgeben 1uetben.
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fHebinnunnen cinne\cqcn m1b \!lnor~.otlotnrnlatt !\Cgen _µoftlmc ~mj~n •
bung t>on 1 !!Jlatf bcftellt mrtben fonnen. 12l nnebote mit bct \lluhclJnit:
,Lieferung von Kleinschlag für die Bahnhöfe
' Wahlheim bis Lammersdorf'\
finb li,iiteftenä bi, 3u bem angegebenen ~ermine bet genannten f!lauin•
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~n bcr .Seit uom 10. bi~ einf d)lieijfüfJ 25. 3uli 1888 tiigHcf):
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mad}en ffi"b. ~ntunft 9,60 „ 9.Jlontjoie mnfunft 1;31 :
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9.R~ntjoie mnt.7,36 „ 1:42 • : . Stalter{Jerberg „ 7,63 „
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B. Strcrke Aaclien-Cornelimünstcr und
Eupen-Raercn-Cornelimünster:
3n bcr ,Seit uom 10. bi~ ehtf.dJlieijlidJ 25. 3uli 1888 täglid):
triebsamt Dank wissen für die angenehme
Neuerung; hoffentlich bewährt sich die
Neueinrichtung in dienstlicher Hinsicht so,
daß sie recht bald auf allen Zügen eingeführt
wird." ( »Stadt- und Landbote« vom
17. Februar 1894)
Beim Bau der Bahn mußten für die Streuund
Torfgewinnung auch zahlreiche Übergänge
zum Venn hin geschaffen werden.
An diesen Übergängen hatte der Lokführer
~as Läutewerk zu betätiien. Da sich
die Ubergänge vielfach in sehr dichter Folge
befanden, blieb das Läutewerk ohne
Unterbrechung in Tätigkeit, und der Zug
fuhr »bimmelnd« durch das Venn. Daher
wurde die Vennbahn scherzhaft oder auch
liebevoll »Bimmelbahn« genannt. (Aus
,,75 Jahre Vennbahn« von Johann Zimmermann,
Konzen)
Die Eisenbahnverwaltung war sehr anpassungsfähig
und hat bei besonderen Anl ässen
Sonderzüge eingesetzt. Das zeigt ein
Fahrplan zur Heiligtumsfahrt nach Aachen
und Kornelimünster.
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eingerid1tden ~ißetaußgabeftelle ftatt. .
~ a dJ e n , ben 2. 3uH 1888.
Rönigli~eß ~fenbalJn-~etriebßamt, Stadt- und Landbote vom 11. Juli 1888
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Nebenstehendes Längsprofil mit der Höhendarstellung
des Geländes entlang der
Strecke zwischen Aachen und Ulflingen in
Luxemburg veranschaulicht sehr deutlich
die Geländeschwierigkeiten beim Bau der
Vennbahn. Z. B. das stetige starke Ansteigen
von Aachen bis Lammersdorf. Durch
zah lreiche wechselseitige Bögen und
weitausholende Schleifen hatte man sich
möglichst dem ansteigenden Gelände angepaßt,
um diese Höhe zu erreichen. Dadurch
wurden aus 19,5 km Luftlinie von
Aachen nach Lammersdorf 39,7 Bahnkilometer,
doppelt soviel. Und trotzdem befindet
sich das größte Steigungsverhältnis
der gesamten Strecke von 1 :60 (Steigung
von einem Meter Höhe bei einer Länge
von nur 60 Meter) zwischen Roetgen und
Lammersdorf. Interessant ist aber auch
der sich wiederholende starke Gefällewechsel
zwischen Bütgenbach und Ulflingen.
Und wegen des schwierigen Geländes in
der Eifel-Venn-Region wurde und wird
noch immer die Trassierung und der Bau
dieser Bahnlinie ganz allgemein als eine
gelungene Leistung angesehen. Aber bei
der Planung der Strecke hat man eine
möglichst preiswerte Lösung gesucht, und
dabei die Folge- und Betriebskosten in
wohl nicht ausreichendem Maße berücksichtigt.
Diese Mängel wurden von den
Fachleuten schon recht bald erkannt und
auch aufgezeigt. In der Zeitschrift »Der
Eisenbahn-Bau der Gegenwart« von 1897
wird das so beschrieben: »Als ein Beispiel
einer dem vorhandenen Verkehre nicht
entsprechenden Linienführung sei die
Bahn von Rothe Erde bei Aachen nach
Ulflingen erwähnt (Fig . 4). Diese hat sehr
wechselnde Steigungen bis zu 1 :60, ohne
daß in den Bögen von 300 m und 350 m
Halbmesser eine Ermäßigung eingeführt
wäre. Dabei wechseln namentlich auf der
Strecke von Lammersdorf bis St. Vith Steigungen
und Gefälle so häufig, daß auf der
ganzen Strecke trotz langsamer Fahrt entweder
nur kurze Züge gefahren werden
können, oder durchweg Vorspann geleistet
werden muß. Die ungünstige Linienführung
hat dazu genöthigt, schon bei einem
Verkehre von 12 Zügen in jeder Richtung
Nachtdienst einzurichten und stellenweise
das zweite Gleis herzustellen.«
Schon beim Ausbau des zweiten Gleises
wurden einige Unebenheiten ausgebügelt.
Das Steigungsverhältnis ließ sich jedoch
nicht mehr ändern. Und bei den langen
Güterzügen mußte nach wie vor eine
zweite Lok entweder vorn mit aushelfen
oder hinten drücken.
61
Der Truppenübungsplatz Elsenborn und die Militärbahn
von Sourbrodt nach Elsenborn
Auf der Suche nach einem Truppenübungsplatz
für das rheinische VIII. Armeekorps
verfiel man schließlich auf die
Vennlandschaft, zumal das Gebiet inzwischen
durch die Eisenbahn erschlossen
war. Es bedurfte aber doch noch einiger
Jahre, bis man sich im Frühjahr 1895 für
Abb. 40 u. 41: Die Militärbahn zwischen Sourbrodt und Elsenborn
das Heide- und Ödland nördlich von Elsenborn
entschieden hatte. Das vorgesehene
Gelände war etwa 7 km lang und 6,3
km breit.
In der Chronik der Bürgermeisterei Bütgenbach
ist dazu vermerkt: 1893 »Höheren
Orts ist von der Militär-Verwaltung die
Einrichtung eines Truppen-üb\.mgsplatzes
in der Nähe von Elsenborn in Aussicht
genommen. Die ersten Schritte sind
schon eingeleitet und ist die Bevölkerung
von Elsenborn sehr gespannt, ob, wie verlautet,
Seitens der Militär-Verwaltung auch
der Ort Elsenborn selbst mit angekauft
wi rd , oder nur dessen Umgebung.« 1895
» ... Auf dem neuen Lagerplatz übten im
Monat August schon 4 000 Mann Infanterie.
«
Zunächst begnügte man sich mit Zelten für
die Soldaten . Aber noch 1895 wurde mit
den Bauarbeiten begonnen und schon
1896/97 erhielten die Mannschaften Wellblech-,
und die Offizie re Steinbaracken.
Mit Verwaltungsgebäuden, Kommandantur,
Postanstalt, Lazarett, Kanalisation usw.
usw. wurden die Bauarbeiten zügig weiterbetrieben
und das Lager eingerichtet.
Mancher Landser wird den Truppenübungsplatz
noch in zweifelhafter Erinnerung
haben und auch die Sprüche kennen:
»O Elsenborn, o Elsenborn , dich schuf der
Herr in seinem Zorn « oder »O Elsenborn,
hoch in der Eifel, dich schuf kein Gott, dich
schuf der Teufel «.
Nach anfänglicher Skepsis und sogar teilweisem
Widerstand bei der Bevölkerung
hat der Truppenübungsplatz Elsenborn
den umliegenden Dörfern doch einen wirtschaftlichen
Auftrieb gebracht. Für Elsenborn
traf schon bald nicht mehr zu, was
Hugo Zöller im Jahre 1883 in seinem Reisebericht
über den Eifelnotstand geschrieben
hatte, »daß er kein ärmeres Dorf in der
ganzen Eifel angetroffen habe«.
Durch den Truppenübungsplatz bekam
der Bahnhof Sourbrodt eine ganz besondere
Bedeutung. Er wurde Verladebahnhof
für die auf dem Platz übenden Einheiten,
die doch recht häufig wechselten. Natürlich
hat man den Bahnhof auch dementsprechend
ausgebaut. Auch die Straße
vom Bahnhof zum Lager Elsenborn unterlag
einer hohen Belastung. Daher hat man
zwischen 1899 und 1901 zusätzlich eine
Militärbahn vom Bahnhof Sourbrodt zum
Lager Elsenborn angelegt. Sie hatte eine
Länge von rd. drei Kilometern und verlief
überwiegend parallel zur Straße und zwar
auf der rechten Seite. Die Spurbreite betrug
0,60 Meter. Es wurden Personen- und
Güterwagen eingesetzt. Die Kleinbahn
hatte den Namen »Feuriger Elias« bekommen,
sie wurde aber auch liebevoll »Das
Bähnchen « genannt. Das Bähnchen 15t
noch bis 1939 gefahren, dann hat man es
abgebaut.
62
Bau des zweiten Gleises für die Vennbahn
Das schwere Eisenbahnunglück vom 14. öffentliche Arbeiten die Eisenbahn-Direk
September 1890 zwischen Monschau und
Kalterherberg wurde von der Presse auf
eine zu starke Überlastung der nur eingleisigen
Bahnlinie zurückgeführt. Neben der
Vielzahl von Personenzügen wären vor allem
die Güterzüge so lang und schwer,
daß sogar zwei Lokomotiven nur mit Mühe
die starken Steigungen schafften und auf
den Gefällstrecked/( nur schwer zu bremsen
wären. Manc 1e Vollbahn (Bahn mit
zweigleisigem Betrieb) hätte nicht das
Verkehrsaufkommen, das der Sekundärbahn
Aachen bzw. Stolberg- Monschau-
St. Vith zugemutet würde, obwohl
diese Strecke gar nicht für derartige Anforderungen
ausgebaut worden ist. Und die
häufigen Verspätungen wären eben nur
auf die Überbelastung der Strecke zurückzuführen
. Auch das Bahnpersonal wäre
diesem Ve r-kehr nicht gewachsen. Es wären
keine gut ausgebildeten Bahnbeamten,
sondern »expedierende Weichensteller«,
die überfordert sind.
Die königliche Eisenbahndirektion ließ diese
Vorwürfe natürl ich nicht auf sich beruhen
und wiedersprach heftig, sowohl bezüg
lich des zu starken Verkehrs auf dieser
Bahnlinie als auch hinsichtlich der Ausbildung
des diensttuenden Bahnpersonals.
Das war nun auch ihr gutes Recht. Aber so
ganz konnten die Argumente der Presse
doch nicht entkräftet werden. An dem großen
Verkehrsaufkommen kam man nicht
so einfach vorbei. Und von diesem Zeitpunkt
an begann verstärkt der Ruf nach
einem zweiten Gleis für die Vennbahn,
zumal ja bei der dritten Lesung des Gesetzes
zum Bau dieser Linie die Staatsregierung
versprochen hatte, den Ausbau so
vorzunehmen, daß jederzeit Vollbetrieb
eingeführt werden kann.
Nun bemühte man sich im Kreis Monschau
schon seit geraumer Zeit und mit
viel Engagement um den Bau von zusätzlichen
Bahnlinien, die einerseits weitere
Kreisgebiete erschließen und andererseits
auch die Vennbahn entlasten sollten. lns
~-esondere ging es dabei um die Weiterfuhrung
der Bahnlinie Düren-Kreuzau bis
Heimbach und weiter über Monschau
nach Kalterherberg (Rurtalbahn) . Wieder btr €31rede ·ffiamn=2mnmer~borf, an
wurden Petitionen verfaßt und Versammlungen
abgehalten. Auch die Abgeordne
~ogn tuirb bfä 3 IDlarf gciaolt. 3u
melben bcint
ten dieses Gebietes haben sich für den 1
Bau dieser Linie eingesetzt. Und am 29. ~aulrürtctu iu ~ötgen.
Ma, _ 1893 ist im »Amtsblatt der König!.
Regierung zu Aachen « (Nr. 406 - Seite
24 0) nachzulesen, daß der Minister für
tion (linksrh .) Köln mit den Vorarbeiten für
die Fortsetzung der Nebenbahn Düren
Kreuzau über Montjoie nach Kalterherberg
beauftragt hat. Sch ließlich wurde diese Linie
aber nur bis Heimbach ausgebaut, und
sie besteht noch heute. Im nachhinein läßt
sich natürlich leicht sagen, daß es gut gewesen
wäre, diese oder eine andere Linie
doch zu bauen . Sie wäre dann dem Kreis
Monschau erhalten geblieben. Letztendlich
hat man sich aber für ein zweites Gleis
auf der Vennbahn entschieden.
Eine Schwierigkeit beim Ausbau des zweiten
Gleises bestand von vornherein darin,
daß die Viadukte bei Brand , Kornelimünster,
bei der Schlausermühle, bei Gut Reichenstein
und Weywertz ursprünglich nur
für ein Gleis erbaut wurden. Das hatte zur
Folge, daß abschnittsweise die Arbeiten
wiederum mit einem größeren Zeit- und
Kostenaufwand verbunden waren . Aus
diesem Grunde ist es wohl auch zu erklären
, daß der Abschnitt von Aachen-Rothe
Erde bis Walheim, in dem sich die beiden
großen Viadukte über das Rollefbach- und
lterbachtal befinden, nicht zweigleisig ausgebaut
wurde, sondern immer eingleisig
geblieben ist.
Der zweigleisige Ausbau erfolgte ebenfalls
in kleineren Abschnitten . Begonnen hat
man mit dem Teilstück Raeren- Lammersdorf.
Hierfür wurden in den außerordentlichen
Haushalten der Etatsjahre 1893/94
500 000 Mark und 1894/95 weitere
650 000 Mark also insgesamt
1 150 000 Mark - bewilligt. Schon am 8.
Juli 1893 ist im »Stadt- und Landboten « zu
lesen , daß man zwischen Raeren und
Lammersdorf mit der Herstellung des
zweiten Gleises »eifrigst beschäftigt« ist.
Mit der Ausführung der Arbeiten wurden
die Bauunternehmer Gebr. Moritz und J.
Theißen beauftragt. Die »Kölnische Volks-
~~ firtben
gute irflcitcr
nocfl roä~rcnb fä11gmr Seit ~ef cfjäf•
ti9un11 beim ißan be; 3roeiten @dcif cß
Anzeige im »Montjoie 'r Volksblatt« am 21 . Oktober
1893 während des zweigleisigen Ausbaues
der Bahnstrecke.
Zeitung « vom 4. Juni 1894 schreibt, daß
das Grundbett für das zweite Gleis fertiggestellt
ist und nun mit dem Oberbau begonnen
wü rde.
Walheim-Raeren : Für diesen Abschnitt
sind in den außerordentlichen Haushaltsplänen
der Etatsjahre 1895/96 200 000
Mark und 1896/97 nochmals 97 000 Mark
bereitgestellt.
Lammersdorf-Monschau: Im außerordentlichen
Haushaltsplan fü r die Etatsjahre
1900 sind als erste Rate 400 000 Mark und
1902 als letzte Rate 66 000 Mark ausgewiesen.
Dazu schreibt das »Montjoie'r
Volksblatt« vom 11. Februar 1905: »Nach
dem Baubericht der Eisenbahnverwaltung
kostete die An lage des zweiten Gleises
auf der Strecke Lammersdorf- Montjoie
455 070, 18 Mark. Die Anlage wurde auf
466 000 Mark veranschlagt. «
Monschau- Sourbrodt: Für diesen Abschnitt
wurden im außerordentlichen
Haushaltsplan der Etatsjahre 1906 als erste
Rate 250 000 Mark, 1907 als fernere
Rate 600 000 Mark und im ordentlichen
Haushaltsplan von 1908 noch die Summe
von 760 000 Mark (Gesetz vom 14. Mai
1908) zur Verfügung gestellt. Insgesamt
also 1 610 000 Mark fü r dieses Teilstück.
Die Vorarbeiten hierfür sind im Amtsblatt
vom 31. Mai 1906 (Nr. 301 - Seite 212)
zur öffentlichen Kenntnis gebracht (Beschluß
des Bezirksausschusses vom 11 .
Mai 1906). Von diesem Vorhaben waren
die Gemeinden lmgenbroich, Monschau,
Kalterherberg, Elsenborn, Nidrum, Weywertz
und Sourbrodt betroffen.
In diesem Abschnitt mußte man mit einer
längeren Bauzeit und mit größeren
Schwierigkeiten rechnen. Es war ein sehr
kurvenreicher Abschnitt, in dem auch
schon einige Eisenbahnunglücke passiert
waren. Aus diesem Grunde hat die Eisenbahndirektion
die Gleisachse teilweise
verlegt und auch höher gesetzt. Als Folge
davon mußte bei Gut Reichenstein ein
ganz neuer Viadukt über das Hermesbachtal
gebaut werden. Er wurde nach
Westen versetzt und höhergelegt. Auch
eine der Brücken über die Rur mußte erneuert
werden. Die geänderten Pläne wurden
in der ersten Hälfte des Juli 1907
offengelegt, und am 16. Juli erfolgte die
landespolizeiliche Prüfung . In Monschau
errichtete man wieder ein Baubüro, und
zahlreiche Arbeiter aus dem Monschauer
Land fanden beim Ausbau dieses Abschnitts
wiederum für längere Zeit Beschäftigung.
63
Abb. 42: Ausbau des zweiten Gleises zwischen Gut Reich.enstein und dem Bahnhof Kalterherberg. Der Bahnkörper wurde insgesamt erheblich
höhergelegt. Dadurch wurde auch eine neue Brücke über die Rur erforderlich. Der tiefer liegende eingleisige Streckenverlauf ist gut zu erkennen. Er
wird von einem Güterzug in Richtung Monschau befahren. Links im Hintergrund befindet sich Ruitzhof. Beide Rurbrücken sind heute noch vorhanden.
Mit Schreiben vom 23. April 1909 teilte der
Regierungspräsident dem Landrat des
Kreises Monschau folgendes mit: »Auf
Antrag der Königlichen Eisenbahndirektion
in Cöln habe ich Termin zur Abnahme
der fertiggestellten Strecken der Vennbahn
wie folgt anberaumt: Für die Strekken
Montjoie-Kalterherberg auf Freitag
den 7. Mai 1909 vormittags 10,45 Uhr am
Bahnhofe Montjoie.
Ich stelle die Beteiligung an der Fahrt, zu
der von der Eisenbahnverwaltung ein Sonderzug
gestellt wird, ergebenst anheim
und ersuche, die Bürgermeister zur Teilnahme
innerhalb ihrer Bezirke aufzufordern,
auch die Beteiligten mit dem Bemerken
zu benachrichtigen, dass Anträge in
Montjoie oder unterwegs angebracht werden
können. In letzterem Falle haben sich
die Beteiligten in der Nähe der Bahn aufzustellen
und durch Zeichen bemerkbar
zu machen, damit der Zug angehalten
werden kann .. . « Es ging doch geruhsam
zu in dieser Zeit. Aber so oder ähnlich
erfolgte die Abnahme der einzelnen Tei l
strecken nach dem Ausbau des zweiten
Gleises.
Durch Gesetz vom 15. Juni 1906 wurden
für den Ausbau des zweiten Gleises auf
den Teilstrecken Sourbrodt-Lommersweiler
2 725 000 Mark und Stolberg (Rheinland)-Walheim
1 600 000 Mark bewilligt.
Sourbrodt-Lommersweiler: Die Vorarbei-
ten für diesen Abschnitt wurden im Amtsblatt
vom 28. Februar 1907 (Nr. 102 -
Seite 61) angekündigt. Im Zuge des Ausbaus
mußte auch der Viadukt bei Weywertz
über das Tal der Warche entsprechend
verbreitert werden. Vor Lommersweiler
hat man östlich von dem bereits
bestehenden Tunnel für das zweite Gleis
einen weiteren Tunnel von 166 Meter Länge
durch den Berg getrieben. Dadurch war
es möglich, den starken Güterverkehr
nach Luxemburg unbehindert aufrechtzuerhalten.
Die Abnahme der fertiggestellten
Abschnitte erfolgte am Freitag den 7. Mai
1909 von Weismes nach Born und am
Samstag den 8. Mai von St. Vith bis Lommersweiler.
Stolberg (Rheinland)-Walheim: Im Amtsblatt
vom 14. März 1907 (Nr. 136 - Seite
72) werden die Vorqrbeiten für diesen Abschnitt
zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Aus der Chronik der Gemeinde Kornelirnünster
ist zu entnehmen, daß mit den
Arbeiten für das zweite Gleis im September
1907 begonnen wurde. Die besondere
Schwierigkeit in diesem Abschnitt war die
Verbreiterung des Viadukts über das lndebachtal.
Es mußte praktisch ein zweiter
Viadukt mit den gleichen Abmessungen an
den bereits bestehenden Viadukt angebaut
werden. Ebenso wurde mit dem kleinen
Viadukt in Rüst bei Stolberg verfahren.
1908 war das Teilstück Walheim-Schlausermühle
fertiggestellt. Am 21. September
1909 erfolgte die landespolizeiliche Abnahme
Walheim-Breinig und am 1. Oktober
wurde dieser Abschnitt dem Verkehr
übergeben.
Insgesamt wurden für den Ausbau des
zweiten Gleises etwa 17 bis 18 Jahre benötigt.
Und als man sich im Jahre 1910 an
die Eröffnung der ersten Abschnitte dieser
Bahnlinie vor nunmehr 25 Jahren erinnerte
und hier und da dieses Jubiläum auch
bescheiden feierte, war die Vennbahn von
Stolberg über Walheim- Raeren-Roetgen
Monschau-Weismes-St. Vith bis nach
Lommersweiler zweigleisig ausgebaut und
Vollbahnbetrieb auf dieser Strecke eingeführt.
Die Kosten hierfür hatten 7 848 000
Mark betragen.
Auch die Verbindungslinie St. Vith/Lommersweiler-Prüm-Gerolstein,
von der
Ven nbahn zur Eifelbahn, ist zweigleisig
ausgebaut worden. So wurde durch das
Gesetz vom 14. Mai 1908 für die Anlage
eines zweiten Gleises auf dem Streckenabschnitt
Gerolstein-Prüm-Pronsfeld ein
Betrag von 2 430 000 Mark bereitgestellt.
Der Ausbau des weiterführenden Abschnitts
von Pronsfeld nach Lommersweiler
erfolgte aber erst einige Jahre später.
Für diesen Abschnitt ist durch einen Erlaß
des Staatsministeriums vom 10. Februar
1917 das in den Kriegsjahren praktizierte
vereinfachte Enteignungsverfahren zur
64
Abb. 43: Der kleine Viadukt
in Rüst bei Stolberg
Auf beiden Fotos
ist zu erkennen,
daß jeweils zwei
Viadukte aneinandergebaut
wurden.
Anwendung gekommen. Dieses Verfahren
ermöglichte es, <;lie von einer Enteignung
abhängigen Arbeitsvorhaben viel früher
als sonst üblich durchführen zu können.
Es ging dabei also um die schnellere Beschaffung
von Arbeitsmöglichkeiten und
im Zusammenhang damit um die Beschäftigung
der Kriegsgefangenen. Durch allerhöchsten
Erlaß vom 20. August 1918 wurde
das vereinfachte Enteignungsverfahren
auch noch für die Ergänzung der Bahnanlagen
auf der Strecke Gerolstein- Pronsfeld
eingeräumt, sofern nicht schon nach
den geltenden Bestimmungen abgeschlossen
worden ist.
Wann genau im Streckenabschnitt Pronsfeld-Lommersweiler
der zweigleisige
Ausbau durchgeführt wurde bzw. zum Abschluß
gekommen ist, ließ sich bisher
nicht feststellen. In der Übersichtskarte
der Eisenbahndirektion Köln mit Stand
vom 1. Juni 1917 ist im anschließenden
Direktionsbezirk dieser Streckenverlauf
bereits zweigleisig dargestellt. Vermutlich
ist der zweigleisige Ausbau dieses Abschnitts
in den letzten Kriegsjahren zwar
noch begonnen, aber doch nicht ganz zu
Ende geführt worden. Denn noch in den
Reichshaushaltsplänen sind für das Etatsjahr
1920 1 526 000 Mark als Zusatzbetrag
und im Jahr 1922 weitere 331 000 Mark
»für die Herstellung des zweiten Gleises
auf der Stecke Pronsfeld- Lommersweiler
und Ergänzung der Bahnanlagen auf der
Strecke Gerolstein- Pronsfeld « ausgewiesen.
Bis 1922 wurden für die Arbeiten in
dem vorgenannten Abschnitt insgesamt
11 463 000 Mark aufgewendet. Und es
ging wohl noch weiter. Daraus läßt sich
folgern , daß der zweigleisige Ausbau in
diesem Abschnitt erst in den Nachkriegsjahren
zum Abschluß gekommen ist und
somit seit dieser Zeit die gesamte Verbindungslinie
zwischen der Vennbahn und
der Eifelbahn auch zweigleisig befahren
werden konnte.
Die Anschlußlinie von Lommersweiler
nach Ulflingen in Luxemburg wurde nicht
zweigleisig ausgebaut. Sie ist immer nur
eingleisig geblieben.
Abb. 44: Der Viadukt über
das lndebachtal
65
Abb. 45: Der schöne Viadukt bei Gut Reichenstein über das Ermesbachtal (früher Hermesbach). Diese Talbrücke wurde beim Ausbau des zweiten
Gleises errichtet.
Der erste Viadukt wurde 1884 erbaut.
Beim Ausbau des zweiten Gleises hat man
in diesem Streckenabschnitt auch die
Trasse etwas verlegt. Dadurch wurde der
Bau einer ganz neuen Talbrücke erforderlich.
Sie wurde einige Meter höher gelegt
und um die ganze Breite zur Seite versetzt.
Über Jahrzehnte standen hier praktisch
zwei Viadukte von unterschiedlicher
Höhe dicht nebeneinander. Heute ist von
dem ersten Viadukt nur noch das ansetzende
Mauerwerk an den beiden Hangseiten
zu sehen.
Die Talbrücke bei Reichenstein (zwischen
Monschau und Kalterherberg) mit den drei
Pfeilern und vier Bögen verläuft in einem
leichten Linksbogen. Sie ist 64,5 Meter
lang und rd . 20 Meter hoch. Am 12. September
1944 wurde sie von der Deutschen
Wehrmacht gesprengt. Dabei wurden zwei
Bögen zerstört. Amerikanische Truppen
haben schon bald den Viadukt notdürftig
hergerichtet und den Verkehr wieder aufgenommen.
Etwa in der Mitte der 60er
Jahre hat die belgische Eisenbahnverwaltung
die Talbrücke wieder instand setzen
lassen.
Abb. 46: Im Vordergund der 1884 erbaute erste Viadukt. Dahinter der zweigleisige zweite Viadukt
während der abschließenden Bauarbeiten. Der Bau erfolgte zwischen August 1907 und April 1909.
Etwa drei Jahrzehnte standen die beiden Viadukte nebeneinander. Allerdings wurde der erste
Viadukt nicht mehr befahren. Erst in den 60er Jahren hat man die Re"te dieser Talbrücke
abgebaut.
66
Winter 1910111.
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Aus diesem Fahrplan - etwa ein Jahr nach dem zweigleisigen Ausbau - ist der gesamte Personenverkehr auf der Vennbahn, ihren Abzweigungen
u nd den Anschlußlinien ersichtlich. Es war schon ein großes Verkehrsaufkommen in dieser Region.
67
Die Vennbahn bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges
Nach dem zweigleisigen Ausbau hat der
Verkehr auf der Vennbahn, ihren Abzweigungen
und Anschlußlinien noch erheblich
zugenommen. Das galt sowohl für den
Personen- als auch für den Güterverkehr.
Aber nach wie vor standen die internationalen
Gütertransporte im Vordergrund.
Koks- und Kohlezüge nach Luxemburg
und weiter bis Elsaß-Lothringen sowie Züge
mit Minetteerzen von Luxemburg zu
den Hütten in Aachen-Rothe Erde und
zum Ruhrgebiet. Und nachdem im Jahre
1913 der Eschweiler Bergwerks-Verein
mit dem luxemburgischen Hüttenkonzern
ARBED einen Dreißig-Jahresvertrag über
Kokslieferungen einging, konnte man davon
ausgehen, daß diese Gütertransporte
auch in Zukunft die Schienen der Vennbahn
nicht kalt werden ließen.
Auch der regionale Personen- und Güterverkehr
verlief sehr zufriedenstellend und
nahm ebenfalls stetig zu. An den Wochenenden
und an Feiertagen setzte ein bisher
nicht gekannter Ausflugsverkehr ein, der
nur durch zusätzliche Sonderzüge zu bewältigen
war. Vor allem die Städter zog es
hinaus in die Eifel und das Hohe Venn.
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vember 1909 ist eine Tabelle abgedruckt,
die den Verkehr des Jahres 1907 auf den
Stationen des Kreises Monschau wiedergibt.
Der stark angewachsene Güterverkehr
machte es erforderlich, daß auch die Ausgangsbahnhöfe
dieser Stecke entsprechend
ausgebaut werden mußten. So wurde
Rothe Erde bereits 1888 umgebaut (1 , 1
Mio. Mark) und 1907 bis 1912 nochmals
erweitert (770 000 Mark). Ähnlich war es
am Hbf. Stolberg. Der Umbau erfolgte von
1885 bis 1891 (1300000 Mark) und die
Erweiterung von 1901 bis 1905 (532 000
Mark).
Die Kreise, Städte, Handelskammern usw.
waren ständig um eine Verbesserung des
Verkehrs auf der Vennbahn bemüht. Und
die Eisenbahndirektion hat diesen Wünschen
und Vorschlägen auch weitgehend
entsprochen. So wurden z. B. bei der Aufstellung
von neuen Fahrplänen Entwürfe
davon den betreffenden Interessenten zur
Stellungnahme übersandt. Dadurch konnte
auf Bedürfnisse in lokalen Bereichen
eingegangen werden. Auch günstigere
Anschlüsse an die weiterführenden Verbindungen
hat man ermöglicht.
Bislang betrug die Grundgeschwindigkeit
für Personenzüge auf der Vennbahn nur
40 Kilometer in der Stunde. Mit der Einführung
des Winterfahrplanes 1905/06 am 1.
Oktober 1905 wurde die Fahrgeschwindigkeit
auf 50 km/h erhöht. Ab 1907 führte
ein Zugpaar auch ein Abteil der 1. Wagenklasse.
Dem Kommandanten des Truppenübungsplatzes,
der meistens ein General
war, und den höheren Offizieren
stand nämlich ein Abteil der 1. Klasse
dienstgradmäßig zu. Damit dürfte die
Vennbahn wohl die einzige Nebenbahn
mit der 1. Wagenklasse gewesen sein. Als
weiteres Entgegenkommen hat man die-
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Diesen Fahrplanentwurf zum Winterfahrplan 1905/06 hat die Königl. Eisenbahn-Direktion Köln am 27. Juni 1905 dem Landrat in Aachen mit der bitte
um Stellungnahme übersandt.
•
7 M
68
Abb. 47: Eine Vennbahnfahrt am 17. Juni 1987 von Roetgen nach Bütgenbach. Der Zug befindet
si_ch hier auf dem schönen Viadukt kurz vor Bütgenbach - Strecke Weywertz. in Richtung
Junkerath.
sesZugpaar auch noch als beschleunigten
Personenzug geführt. Es wurde nicht auf
allen Stationen gehalten und somit die
Fahrzeit wesentlich verkürzt. Der Volksmund
hat dann gleich einen »Schnellzug «
daraus gemacht.
Auch die Bahnsteigsperre wurde zwischenzeitlich
eingeführt. Dazu ein Bericht
aus dem »Montjoie'r Volksblatt« vom 30.
April 1904: »Die Bahnsteigsperre tritt am
Sonntag den 1. Mai in Kraft. Von diesem
Tage ab ist am hiesigen Bahnhof wie auch
auf der ganzen Strecke Aachen-St. Vith
d!e so lang gefürchtete Bahnsteig-Sperre
eingeführt. Das Abholen und Abschiednehmen
unmittelbar vor den Türen der
Wagen wird also von jetzt ab aufhören,
alles das muß nun im Wartesaal oder vor
dem Gitter geschehen oder die Herrschaften
müssen 10 Pfg. für ein Bahnsteig-Billet
opfern ... Es wird nichts übrig bleiben, als
sich der neuen Ordnung zu fügen, und
wenn man sich daran gewöhnt hat was
rasch geschehen sein wird wird man finden,
_daß es ,auch so geht;_« Endgültiger
Termin für die Einführung der Bahnsteigsperre
war der 15. Mai 1904.
»Da war auf einer Station der Vorsteher
Jemand. Er hatte als Soldat 12 Jahre in
Berlin bei der Garde gestanden, hatte dadurch
die Anwartschaft auf eine Stelle im
Staatsdienst erworben und war als Star
~~ns_vorsteher auf der Vennbahn gelandet.
ur ihn war Kaisergeburtstag ein hoher
Festtag , den er dadurch zu ehren wußte
d
a
ß
er 1m
•
Interims-Rock erschien Nach
'
d . •
er Fahnenh1ssung, die der hohe Herr
Persönlich leitete, stimmte er auf dem
Bahnsteig die Kaiserhymne an wobei alle
B d.
'
We
I enstet~n lauthals mitsingen mußten .
enn er mit dem Gesang zufrieden war,
spendierte er eine Runde Bier, welche aus
der Bahnhofswirtschaft geholt wurde; danach
mußte dann noch eine Strophe gesungen
werden. «
»Da wohnten auch in einer Dienstwohnung
an der Vennbahn ein Lockführer und
ein Zugführer nebeneinander. Wie es nun
manchmal zu gehen pflegt, bekamen die
Frauen Streit miteinander, die Männer
nicht. Dabei fühlte sich die Frau des Zugführers
als die höherstehende. Sie hielt
eines Tages der anderen vor: ,Bös du märr
stell, wenn minge Mann flööt, moß dr dinge
varre! ' (Sei du nur still, wenn mein
Mann pfeift, muß dein Mann fahren). «
(Beide Geschichten aus 75 Jahre Vennbahn
von Johann Zimmermann, Konzen).
Mit dem zweigleisigen Ausbau wurde zur
Erhöhung der Betriebssicherheit auch das
Blocksystem auf der Vennbahn eingeführt.
Damit wird die gesamte Strecke in Blöcke
unterteilt. Solange sich ein Zug innerhalb
eines Blockes befindet, ist dieser für alle
anderen Züge gesperrt.
Durch den Funkenflug der Dampflokomotiven
kam es entlang der gesamten Strekke
doch des öfteren zu Waldbränden von
sehr unterschiedlicher Größe. Über einen
Brand berichtete der »Stadt- und Landbote
« vom 30. April 1902: »Roetgen, 28.
April. Ein Waldbrand, der einen größeren
Umfang anzunehmen droht, ist heute Mittag
gegen 2 Uhr in den Waldungen in der
Nähe von Lammersdorf ausgebrochen.
Das Feuer, das in der Nähe der Bahnstrekke,
wie man annimmt, durch Funken aus
der Lokomotive des um 1 Uhr 5 Min. von
hier abfahrenden Personenzuges entstanden
ist, schreitet bei dem starken Winde
rasch vorwärts. Die Wehren der umliegenden
Ortschaften sind zur Brandstätte aufgeboten
worden.«
Im Verlaufe der Jahre wurden auch noch
einige Bahnen gebaut, die mit der Vennbahn
Verbindung hatten.
So wurde zwischen der Eifelbahn Köln
Trier und der Vennbahn eine weitere Verbindung
hergestellt. Und zwar die Bahnlinie
von Jünkerath·über Losheim und Büllingen
bis zur Station Bütgenbach an der
Vennbahn ( diese Station wurde 1912 in
Weywertz umbenannt). In einem Gesetz
vom 14. Mai 1908 sind für den Bau dieser
Bahnlinie, die auch von militärischem Interesse
war, 16 273 000 Mark ausgewiesen.
Im Zusammenhang damit wurde am
1. Oktober 1909 in Büllingen ein Eisenbahnbauamt
eingerichtet. Es war zuständig
für den Neubau der Teilstrecke von
Losheim bis Bütgenbach (Weywertz) sowie
für die Neubaustrecke von Malmedy
bis zur Reichsgrenze. Die feierliche Eröffnung
der Bahnlinie Jünkerath-Weywertz
erfolgte am 1. Juli 1912.
Auch Malmedy kam nun endlich zu der
weiterführenden Bahnlinie über Stavelot
nach Trois-Ponts. Von den Gerbern aus
Malmedy wurde diese Verbindung schon
lange angestrebt, denn sie ermöglichte die
verbilligte Beschaffung der für die Lederindustrie
so wichtigen Lohe aus den Ardennenwäldern.
Aber militärische Erwägungen
und Befürchtungen, diese Bahnlinie
könnte Deutschland bei einem Krieg gegen
Frankreich von Nutzen sein (was sie ja
auch 1914 war), hatten den Bau bisher
verzögert. Schließlich wurde am 15. August
1903 ein Staatsvertrag über den Bau
dieser Eisenbahnlinie abgeschlossen
(RGBI. 1907 - Steiten 745-52). Durch
Gesetze vom 25. Juni 1904 und vom 14.
Juni 1912 wurden insgesamt 1 330 000
Mark für den Bau der 3,75 Kilometer langen
Teilstrecke von Malmedy bis zur
Reichsgrenze in Richtung auf Stavelot mit
einer Zwischenstation in Meiz bereitgestellt.
Erst am 5. Januar 1914 wurde die
eingleisige Strecke dem Verkehr übergeben.
Während des Ersten Weltkrieges wu rden
außerdem noch die strategisch wichtigen
Bahnlinien Born-Vielsalm und St. Vith
Gouvy gebaut. Die Veranlassung zum
Ausbau dieser Strecken erfolgte durch
den Chef des Feldeisenbahnwesens, General
Groener. Es waren ausgesprochen
militärische Überlegungen. Mit den Arbeiten
wurde 1915 begonnen. Am Bau selbst
waren die Eisenbahntruppe und private
Firmen beteiligt. Es waren kostenaufwendige,
zweigleisige Strecken mit zahlreichen
Brücken und Viadukten. Born- Vielsalm
mit einer Länge von 22 km und den
Stationen Engelsdorf- Recht-Burtonville
und Vielsalm-Dorf konnte am 10. Januar
und St. Vith-Gouvy mit einer Länge von
20,9 km und den Stationen Crombach
-Weisten-Maldingen und Bohe am 2. April
1917 befahren werden. In den Kriegsjah-
69
ren waren beide Strecken nur für Militärtransporte
zugelassen.
Das waren dann auch die letzten Eisenbahnen,
die in der Eifel-Venn-Region gebaut
wurden.
Entlang der Strecke und auf den Bahnhöfen
gab es immer etwas zu tun, um den
Verkehr reibungslos durchführen zu können.
So wurden z. B. zur Herstellung von
Überholungsgleisen auf den Bahnhöfen
Reuland und Lengeler in den Jahren 1914
und 1915 190 000 Mark bereitgestellt. Allem
Anschein nach kamen diese Arbeiten
während des Krieges woh l nicht ganz zum
Abschluß, denn im Reichshaushalt des
Jahres 1921 wurden für das gleiche Vorhaben
nochmals 97 000 Mark ausgewiesen.
Und das, obwohl der Kreis Malmedy
ja an Belgien abgetreten werden mußte.
In den Jahren von 1910 bis 1914 hatte die
Vennbahn wohl ihren Höhepunkt erreicht.
Die Bahnhöfe entlang der Strecke waren
inzwischen so ausgebaut, daß sie den Bedürfnissen
voll genügten. Die Strecke
selbst befand sich nach dem zweigleisigen
Ausbau in einem guten Zustand und war
den Anforderungen des starken Verkehrs
durchaus gewachsen. Mit einer weiteren
Steigerung des Verkehrs war auch nicht
mehr zu rechnen, denn die Bahnlinie war
ja bereits voll ausgelastet. Es war die Zeit
der größten Bedeutung für die Vennbahn.
Etwa in diese Zeit paßt auch die folgende
kleine Geschichte: » .. . An einem Ausflugstag
stieg ein Reisender in Konzen aus
und fragte einen Bahnbediensteten, wann
der letzte Zug nach Aachen fahre. Der
Schalterbeamte nahm die Frage zu wörtlich
und erwiderte: ,Ja, mein Herr, das
werden wi r beide wohl nicht mehr erleben!'
Das Mißverständnis war unter Heiterkeit
alsbald geklärt ... « (aus »Die
Vennbahn « von Georg Stieler). Doch wie
schnell aus Mißverständnissen bittere
Realitäten werden können , hat die Zukunft
gezeigt.
Abb. 48: In Born wird die Vennbahn von der »Freiherr-von-Korff-Brücke« der ehern. Bahnlinie St. Vith-Born-Vielsalm überquert. Die rostigen Schienen
der Vennbahn lassen erkennen, daß auch hier kein Zug mehr fährt.
70
Eine Bahnlinie von St. Vith über Born nach
Vielsalm war bereits seit geraumer Zeit im
Gespräch. Schon 1893 hatte man erste
Vorarbeiten durchgeführt, aber erst 1915
wurde mit dem Bau der 22 Kilometer langen
Strecke begonnen. Die Arbeiten standen
unter der Aufsicht der Militärverwaltung.
Viele Einwohner von Recht, Born
und der Umgebung fanden beim Bau dieser
Eisenbahnlinie Beschäftigung. Hauptsächlich
wurden jedoch russische Kriegsgefangene
eingesetzt. Schwierige Geländeverhältnisse
erforderten den Bau von 22
Unter- oder Überführungen. In Born selbst
mußte eine große Talbrücke, die teilweise
durch den Ort führte und die Vennbahn
überquerte, errichtet werden. Diese Tal
Oberführung hat eine Länge von 285 Metern
und ist bis zu 18 Meter hoch. Sie
wurde von der Firma Drenckhahn & Sudhop
aus Braunschweig zwischen dem 13.
März und dem 21 . November 1916 erbaut.
Anfang des Jahres 1917 konnte der Abschnitt
Born-Vielsalm befah ren werden.
Damit bestand neben der Linie Weismes
Malmedy-Trois Ponts eine weitere Querverbindung
von der Vennbahn zur Bahnlinie
Luxemburg-Lüttich. Bis Kriegsende
war der Abschnitt Born-Vielsalm nur für
Militärtransporte zugelassen. 1954 wurde
diese Strecke stillgelegt,
Die Bahnhöfe und Bahnhofsgebäude entlang der Strecken
Die Bahnhöfe, und damit sind die Bahnhofsanlagen
insgesamt gemeint, haben innerhalb
der jeweiligen Strecken eine sehr
unterschiedliche Bedeutung. Die Unterschiede
bestehen im wesentlichen in dem
System der Weichen und Gleise, der Anzahl
der Bahnsteige, den Verlademöglichkeiten
sowie in den Aufgaben, die der
Bahnhof im Streckenverlauf zu erfüllen
hat. In einer Ȇbersichtskarte des Eisenbahn-Direktions-Bezirks
Cöln - Zustand
1. Juni 1917" sind unter Berücksichtigung
aller Kriterien die Bahnhöfe in Klassen von
1. bis 4. eingeteilt. Hinzu kommen noch
die Haltepunkte. Da der Ausbau der Bahnhöfe
entlang der Vennbahn zu diesem
Zeitpunkt abgeschlossen war, ist diese
Klassifizierung bei den nachstehend aufgeführten
Bahnhöfen mit angegeben.
Die Bahnhofsgebäude waren beim Bau
der Vennbahn auch schon weitgehend typisiert.
Daher ähneln sich viele Stationsgebäude
entlang dieser Strecke mit ihren
Anschlußlinien . So z. B. in Brand, Kornelimünster,
Breinig, Walheim, Raeren, Roetgen,
Montenau, Reuland u. a. Es sind
durchweg massive, mehrgeschossige Geb~ude
aus gebrannten Ziegelsteinen mit
einem einfachen Satteldach. In den oberen
Geschossen befanden sich in der Regel
die Beamtenwohnungen. Auch die
Bahnmeistereien und Beamtenwohnhäuser
wurden in diesem Stil erbaut. Es war
eine für die damalige Zeit typische Einheitsarchitektur,
die an vielen Strecken der
Ei_senbahn zur Anwendung gekommen ist.
Die Bahnhofsgebäude in Monschau und
St. Vith fallen auch noch unter diesen Typ.
Sie sind jedoch wesentlich größer und in
der architektonischen Gestaltung, so auch
in den Dachformen, schöner und abwechslungsreicher
angelegt. Dadurch hat
man die Bedeutung der betreffenden
Bahnhöfe zum Ausdruck gebracht.
An einigen Stationen der Vennbahn wurden
anfänglich - wohl aus Sparsamkeit
oder weil hier nur mit einem geringen Verkehrsaufkommen
zu rechnen war - sogenannte
»provisorische Empfangsgebäude«
errichtet. U. a. in Lammersdorf, Konzen,
Kalterherberg , Sourbrodt, Bütgenbach
(ab 1912 Weywertz) und auch in
Lommersweiler. Dabei handelte es sich
um einfache, eingeschossige Fachwerkbauten
von geringer Größe, etwa 5,5 m x
12,5 m. Das Bahnhofsgebäude in Konzen
bestand damals aus einem Büro von 15
m 2 , einem Wartesaal von 20 m 2 und einem
Güterschuppen von 25 m 2 Größe. Und so
waren die anderen provisorischen Empfang
sgebäude sicherlich auch beschaffen.
Für das Bahnhofspersonal hat man auf
diesen Bahnhöfen zusätzliche Beamtenwohnhäuser
von vermutlich unterschiedlicher
Größe errichtet.
Etwa um die Jahrhundertwende oder kurz
danach wurden die einfachen Stationsgebäude
durch massive und auch größere
Empfangsgebäude ersetzt, wobei die kleinen
Fachwerkbauten dann meistens als
Nebengebäude Verwendung fanden. Die
Neubauten in Lammersdorf, Kalterherberg,
Sourbrodt und Weywertz wu rden jedoch
in einem anderen Baustil errichtet.
Konzen und Lommersweiler haben die
einfachen Stationsgebäude behalten.
Auf den Bahnhöfen mit einem größeren
Personalbestand wurde der Bau von zusätzlichen
Beamtenwohnhäusern erforderlich
. In St. Vith entstand sogar eine
kleine Eisenbahnsiedlung, die jedoch etwas
abseits vom Bahnhof lag. Um den
wachsenden Bedürfnissen und Anforderungen
gerecht zu werden, sind im Verlaufe
der Jahrzehnte an den Bahnhofsgebäuden
vielfach bauliche Veränderungen der
verschiedensten Art vorgenommen worden.
An den Bahnhofsgebäuden befand sich
bahnseitig immer ein Höhenbolzen, der
durch Nivellement in der Höhe genau bestimmt
war. Über dem Bolzen war ein Metalltäfelchen
angebracht, auf dem diese
Höhe - also die Bahnhofshöhe - angegeben
war. Diese Täfelchen mit den Höhenangaben
sind heute nur noch an den
Gebäuden in Raeren, Sourbrodt, Weismes
und Reuland vorhanden.
Sofern einigermaßen genaue Bahnhofshöhen
aus der Bauzeit ermittelt werden
konnten, sind sie bei den Bahnhöfen mit
aufgeführt. In einigen Fällen sind die Höhen
aus neueren topographischen Karten
abgeleitet. Die Entfernungen in Kilometern
vom Ausgangspunkt der Linie - Aachen
Rothe Erde - sind ebenfalls angegeben.
Abb. 49: Bolzen und
Täfelchen mit den
Höhenangaben aus
preußischer Zeit am
Bahnhofsgebäude in
Raeren.
71
Bahnhof Aachen-Rothe Erde: Ausgangspunkt
der Vennbahn. Bahnhof 1. Klasse.
Höhe fd. 184 Mete r. Am Bahnhof Aachen
Rothe Erde wurde die Vennbahn aus der
Eisenbahn linie Köln-Düren- Aachen herausgeführt.
Auf dem Bild ist es das etwas
diagonal nach rechts oben verlaufende
Gleis. Heute befindet sich hier nur ein
Anschlußgleis für die Industriebetriebe in
Rothe Erde. Ungefähr 500 bis 600 Meter
sind noch in etwa mit dem ursprünglichen
Verlauf der Vennbahntrasse identisch. Im
weiteren Verlauf wurde das Gleis der
Vennbahn bereits vor einigen Jahren zurückgeführt.
Abb. 50
Bahnhof Brand: 4. Klasse. Höhe rd . 244
Meter, 5,6 km von Rothe Erde. Das Bild
zeigt den Bahnof um 1920. Danach wurden
noch einige bauliche Ve ränderungen
durchgeführt. Heute ist dem Bahnhof anzusehen,
daß die Strecke bereits seit
mehreren Jahren abgebaut ist. Inzwischen
hat die Stadt Aachen das Bahnhofsgebäude
von der Bundesbahn gekauft. Nach
seiner Instandsetzung soll es Brander Vereinen,
u. a. auch dem »Heimatkundlichen
Arbeitskreis Brand «, zur Verfügung gestellt
werden.
Abb. 51
Bahnhof Kornelimünster: 3. Klasse. Höhe
rd. 245,5 Meter, 9,8 km von Rothe Erde.
Das Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz.
Bauwerk und unmittelbares Umfeld befinden
sich in einem guten Zustand. Bahnseitig
führt der auf der Vennbahntrasse
zwischen Brand und Kornelimünster angelegte
Rad- und Wanderweg vorbei. Das
Bild zeigt den heutigen Zustand des Bahnhofsgebäudes.
Die Bahnhofsgbäude in Brand und Kornelimünster,
die im wesentlichen in ihrer Ursprünglichkeit
erhalten geblieben sind,
wurden inzwischen unter Denkmalschutz
gestellt.
Abb. 52
72
Bahnhof Stolberg-Mühle: 2. Klasse. Höhe
rd. 182 Meter, 2,5 km von Stolberg Hbf.
Dieser Bahnhof war zunächst vorrangig für
den Personenverkehr vorgesehen. Doch
im Laute der Zeit wurde er auch für einige
Stolberger Industriebetriebe in stärkerem
Umfang in den Güterverkehr mit einbezogen.
Im Dezember 1961 hat man das
Empfangsgebäude des Bahnhofs Stolberg-Mühle
stillgelegt und im Jahre 197 4
zu rückgebaut. Heute befindet sich hier ein
Parkplatz.
Abb. 53
Die Bahnhofsgebäude in Stolberg'-Mühle
und Stolberg-Hammer wurden gleichzeitig
mit dem Bau der Stolberger Talbahn errichtet
und genau wie die Strecke am 15.
September 1881 in Betrieb genommen.
Die Gebäude weichen von dem Bautyp ab,
der zwischen 1884 und 1889 entlang der
Vennbahn errichtet wurde.
Bahnhof Stolberg-Hammer: 2. Klasse. Höhe
rd. 193 Meter, 3,8 km von Stolberg Hbf.
Der Bahnhof ist in Betrieb und wird für den
Güterverkehr genutzt. Von hier aus bestehen
auch noch Gleisanschlüsse zu Industriebetrieben.
Das Bahnhofsgebäude war
seit 1973 stillgelegt und wurde 1979 abgebrochen.
Auch hier befinden sich heute
Parkmöglichkeiten.
Abb. 54
Bahnhof Breinig: 4. Klasse. Höhe rd . 275
Meter, 8,9 km von Stolberg Hbf. Das
Bahnhofsgebäude ist inzwischen zweckentfremdet.
Heute sind darin ein Bahnhofs-Cafe
und eine Schuhreparaturwerkstatt.
Gebäude und Umgebung befinden
sich in einem guten Zustand.
Die Strecke Stolberg Hbf.-Stolberg-Hammer-
Breinig- Walheim- Raeren wird heute
noch eingleisig befahren.
Abb. 55
73
Bahnhof Walheim: 2. Klasse. Höhe rd . 276
Meter. Hier kamen die Teilstrecken von
Aachen-Rothe Erde (13,7 km) und Stolberg
Hbf. (13,00 km) zusammen. Im außerordentlichen
Haushaltsplan 1894/95
wurden »zur selbständigen Einführung der
Bahn Stolberg-Walheim in den Bahnhof
Walheim und zur Erweiterung dieses
Bahnhofs « 262 000 Mark vorgesehen. Am
6. Juli 1895 konnte das 1,97 km lange
Gleis für den Verkehr freigegeben werden.
Die noch vorhandenen Gleisanlagen mit
den Weichen und Signalen sowie das
Stellwerk an der Bundesstraße sind nach
wie vor betriebsfähig. Das Bild zeigt das
Bahnhofsgebäude Walheim noch 1971.
Abb. 56
Bahnhof Raeren: 3. Klasse. Höhe 338,437
Meter, 19,6 km von Rothe Erde. In Raeren
wird die Abzweigung nach Eupen-Herbesthal
aus der Vennbahn herausgeführt.
Das Bahnhofsgebäude und die Anlagen
befinden sich in einem guten Zustand.
Man sieht, daß dieser Bahnhof noch in
Betrieb ist. An Werktagen ist der Bahnhof
tagsüber auch mit Personal besetzt. Ein
altes Stellwerk und das Gebäude der ehemaligen
Bahnmeisterei sind ebenfalls
noch vorhanden. Das Gleis der Verbindungskurve
zwischen den Linien Raeren
Eupen und Raeren-Roetgen ist nicht mehr
vorhanden. Es wurde vermutlich 1945 abgebaut.
Gruß aus Roetgen -
Bahnhof
Abb.57
Bahnhof Roetgen: 3. Klasse. Höhe rd . 415
Meter, 28,2 km von Rothe Erde. Zu Beginn
des 1. Weltkrieges hat man zur Verpflegung
und Betreuung der zahlreichen Truppentransporte
ein Abstellgleis auf die
rechte Seite der neben dem Bahnhof verlaufenden
Landstraße (in Richtung Aachen
gesehen) verlegt. Auf dem Bild aus der
Zeit von 1914 bis 1918 ist es das diagonal
nach links oben herausführende Gleis. AUf
dem Bahnhof Roetgen befand sich auch
ein Lokschuppen für zwei Lokomotiven.
Die belgische Eisenbahnverwaltung ließ
die Gebäude auf dem Bahnhof Roetgen im
Januar 1958 abreißen. Stattdessen wurde
ein kleines Stationsgebäude an der Bundesstraße
errichtet.
Abb. 58
74
Bahnhof Lammersdorf: 4. Klasse. Höhe
rd. 550 Meter, 37,1 km von Rothe Erde.
Anfänglich stand hier ein provisorisches
Empfangsgebäude. Am 13. Mai 1885 erfolgte
die öffentliche Vergabe zum Bau
eines Beamtenwohnhauses. Nach der
Jahrhundertwende wurde ein neues,
zweigeschossiges Bahnhofsgebäude aus
Blaustein und Fachwerk in Lammersdorf
errichtet. Die Fertigstellung erfolgte 1905.
Auch zwei Stellwerke befanden sich auf
dem Bahnhof. Mitte der 50er Jahre wurde
das Bahnhofsgebäude abgerissen. Ein
kleines Stationsgebäude genügt den heutigen
Anforderungen auf der Vennbahn.
Ein Anschlußgleis hat noch Verbindung
mit den Junkerwerken.
Abb. 59
Bahnhof Konzen: 4. Klasse. Höhe rd.
550,5 Meter, 41,7 km von Rothe Erde. Auf
diesem Bahnhof hat immer nur das im
Frühjahr 1885 erbaute provisorische Er.npfangsgebäude
gestanden. Am 1. • Jlj[li
1888 wurde der Bau eines Beamtenwohnhauses
auf dem Bahnhof Konzen öffentlich
vergeben. Für 1914 war der Bau eines
neuen Bahnhofsgebäudes vorgesehen,
aber der Krieg verhinderte diesen Neubau.
Aus unverständlichen Gründen wurde der
kleine Fachwerkbau am 13. September
1944 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.
Bis etwa 1973 diente ein ausrangierter
Güterwagen als Ersatzbahnhof. Inzwischen
steht auch hier, direkt an der
Bundesstraße, ein kleines Stationsgebäude.
Das Bild zeigt das gesprengte Empfangsgebäude
des Konzener Bahnhofs.
Abb. 60
lJOte • La Gare.
Bahnhof Monschau, oder - wie ihn die
Belgier nennen - Montjoie: 2. Klasse.
Höhe rd. 518 Meter, 45,9 km von Rothe
Erde. Die Einstufung in die 2. Klasse läßt
die Bedeutung des Bahnhofs erkennen,
obwohl es ein ausgesprochener Durchgangsbahnhof
war. ·Hier wurde auch noch
ein zusätzliches Beamtenwohnhaus für
vier Familien errichtet. Es ist auch heute
wieder bewohnt. In den 50er Jahren hat
man das schöne Empfangsgebäude abgebaut
und ein kleines Stationsgebäude errichtet.
Obwohl bereits 1918 der Name
Monschau eingeführt wurde, hat die belgische
Eisenbahnverwaltung an dieser Station
nach wie vor die alte Bezeichnung
Montjoie stehen. Im Vertrag vom 6. November
1922 heißt es jedoch: »Die Stationsnamen
der fünf Bahnhöfe des Kreises
Monschau behalten die jetzigen deutschen
Bezeichnungen. «
Abb. 61
75
Bahnhof Kalterherberg: 4. Klasse. Höhe
rd. 505,5 Meter, 52,8 km von Rothe Erde.
1885 stand hier ein provisorisches Empfangsgebäude.
Es ist das kleine, flache
Gebäude ganz links auf dem Bild, noch
hinter dem Güterschuppen mit dem weit
vorgezogenen Dach. Am 13. Mai 1885
erfolgte die öffentl. Vergabe zum Bau eines
Beamtenwohnhauses. Die alte Postkarte
um 1910 zeigt das neue Bahnhofsgebäude,
das wohl mit dem zweigleisigen
Ausbau der Strecke entstanden ist. Etwa
Mitte der 50er Jahre wurden die Bahnhofsgebäude
zum Teil auf Abbruch verkauft
und dann ganz abgerissen. Das Beamtenwohnhaus
ist erhalten geblieben
und auch heute wieder bewohnt.
Abb. 62
Bahnhof Sourbrodt: 2. Klasse. Höhe
562,022 Meter, 59,8 km von Rothe Erde.
Sourbrodt ist der höchstgelegene Bahnhof
der Vennbahn. Zunächst war hier nur ein
provisorisches Empfangsgebäude. Am 13.
Mai 1885 öffentl. Vergabe zum Bau eines
Beamtenwohnhauses. Nachdem der Truppenübungsplatz
Elsenborn eingerichtet
wurde, erhielt Sourbrodt seine große Bedeutung
als Verladebahnhof für die vielen
Militärtransporte. Der Bahnhof wurde
dementsprechend ausgebaut und bekam
auch ein neues Empfangsgebäude. Es
wurde ein repräsentativer Bau. Auch heute
noch werden hier Militärtransporte verladen.
Sourbrodt ist z. Z. der Bahnhof mit
dem besten Zustand entlang der Vennbahn.
Abb. 63
Bahnhof Weywertz (Weverce) - bis 1912
Bf. Bütgenbach: 2. Klasse. Höhe rd . 560
Meter, 66,9 km von Rothe Erde. Auch hier
stand nur ein provisorisches Empfangsgebäude.
Am 13. Mai 1885 öffentl. Vergabe
für den Bau eines Beamtenwohnhauses.
Mit dem Ausbau der Strecke Jünkerath
Weywertz wurde auch ein Umbau des
Bahnhofs erforderlich. Er bekam ein neues
Bahnhofsgebäude und eine Drehscheibe.
Nicht selten wurden hier täglich bis zu 100
Dampflokomotiven gedreht. Anfänglich
verlief die Kreuzung der Bahn mit der Straße
nach Bütgenbach ebenerdig. Wohl um
1912 wurde der Bahnhof 2 Meter tiefergelegt
und die Straße überführt. Das Gebäude
der ehern. Bahnmeisterei besteht noch.
Der Bahnhof ist zwar in Betrieb, aber man
sieht, daß der Verkehr fehlt. Links vom
Neubau ist noch das in Fachwerk erbaute
provisorische Empfangsgebäude von
1885 zu erkennen. Abb. 64
76
1:11 i; MAI , \ F l>Y l
Bahnhof Weismes (Waimes): 2. Klasse.
Höhe 509,09 Meter, 72,3 km von Rothe
Erde. Am Bahnhof Weismes wird die Abzweigung
nach Malmedy aus der Vennbahn
herausgeführt. Man hat hier ein ansehnliches
Empfangsgebäude errichtet.
Der Grundriß hat T-Form. Das Gebäude ist
noch gut erhalten. Anbauten und Nebengebäude
aus alter Zeit sind nicht mehr
vorhanden. Das Gebäude der ehemaligen
Bahnmeisterei steht ebenfalls noch gut erhalten
in Bahnhofsnähe. Weismes ist ein
Inselbahnhof, denn das Bahnhofsgebäude
steht zwischen den weiterführenden Gleisen.
Der Gleiskörper nach Malmedy befindet
sich in einem guten Zustand . Dagegen
ist das Gleis nach St. Vith bereits im Bahnhofsbereich
mit Wildwuchs bestanden.
Dieses Gleis wird seit Jahren nicht mehr
befahren. Es dürfte von St. Vith aus bis
zum Bahnhof Weismes inzwischen auch
abgebaut sein. Ab Weismes besteht die
Vennbahn nicht mehr. Auf dem Bahnhof
steht noch ein alter Wasserkran aus der
Dampflokzeit. Die Aufnahme stammt von
1987.
Abb. 65
Bahnhof Malmedy: 2. Klasse. Höhe um die
350 Meter, 80,2 km von Rothe Erde. Nahezu
30 Jahre war Malmedy Endstation für
alle hier ankommenden Züge. Es war aber
auch Zugbildungsstation für die von hier
aus verkehrenden Züge nach Weismes
und St. Vith, später auch für die Strecken
nach Jünkerath über Weismes und nach
Stavelot in Belgien. Vorübergehend befand
sich hier auch eine Bahnmeisterei.
Malmedy war außerdem Sitz einer Bauund
Betriebsinspektion. Am 1. April 1895
wurde diese Dienststelle jedoch nach Aachen
verlegt und erhielt dort die Bezeichnung
»Bau- und Betriebsinspektion Aachen
2«. Der zunehmende Verkehr auf der
Vennbahn - vor allem nach dem zweigleisigen
Ausbau - und die Inbetriebnahme
der Strecken nach Jünkerath und Stavelot
machten eine Zurückverlegung dieser
Dienststelle nach Malmedy erforderlich.
Man errichtete in Nähe des Bahnhofs ein
neues Dienstgebäude, und am 1. Oktober
1913 konnte das »Betriebsamt Malmedy«
mit seiner Tätigkeit beginnen. Der Personalbestand
des Bahnhofs Malmedy betrug
im Jahre 1914 etwa 60 Personen .
Das untere Bild zeigt das neue Bahnhofsgebäude
in Malmedy. Es wurde nach dem
letzten Krieg erbaut. Auch hier wächst bereits
Buschwerk zwischen den Schienen.
Abb. 66 u. 67
77
Bahnhof Montenau: 4. Klasse. Höhe rd.
426,5 Meter, 79,7 km von Rothe Erde. Das
Bild zeigt den Bahnhof Montenau vermutlich
in den 60er Jahren. Es war für den
kleinen Ort ein stattliches Empfangsgebäude.
Der kleine Anbau auf der rechten
Seite war ein Wartesaal. Noch weiter
rechts, auf dem Bild nicht zu sehen, befand
sich das Stellwerk. Inzwischen sind
alle Bahnhofsgebäude entfernt. Der große
freie Platz kann zur Zeit noch als Parkfläche
genutzt werden. Im Frühjahr 1988
wurde auch das letzte Gleis in Montenau
abgebaut. Nichts erinnert mehr an die
Vennbahn.
Abb. 68
Bahnhof Born : 4. Klasse. Höhe um die 455
Meter, 83,3 km von Rothe Erde. Als die
Strecke Weismes-St. Vith erbaut wurde,
befand sich in Born noch keine Station.
1895 hat die Gemeinde zwar einen Bahnhof
beantragt, aber die hierfür erforderliche
Beitragsleistung nicht erbracht. Der
Antrag wurde daher abgelehnt. Der Bahnhof
Born entstand erst 1903 gegen Zahlung
von 1 500 Mark. Hier in Born wurde
auch die nach Westen verlaufende Bahnlinie
St. Vith-Vielsalm aus der Vennbahn
herausgeführt. Heute liegt hier kein Gleis
mehr, weder auf der Vennbahn noch auf
der Strecke nach Vielsalm. Nur die Talbrücke
ist noch erhalten.
Abb. 69
Abb. 70
Bahnhof Sankt Vith (St. Vith): 2. Klasse.
Höhe rd . 462,5 Meter, 89,3 km von Rothe
Erde. In St. Vith befand sich der größte
und auch bedeutendste Bahnhof in diesem
Streckenverlauf. Es war ein Knotenpunkt,
an dem einige Linien zusammenliefen
. Und zwar von Aachen , Gerolstein und
Ulflingen. Der Bahnhof wurde auch dementsprechend
ausgebaut. So war das Stationgsgebäude
ein sehr imposantes Bauwerk.
Ein großer, fast halbkreisförmiger
Lokschuppen wurde errichtet, in dem elf
78
Dampfloks untergestellt werden konnten.
Und die Drehscheibe war immer in Bewegung.
Auch eine Bahnmeisterei befand
sich hier. Der Bahnhof St. Vith war Zugbildungsstation
fü r al le hier abfahrenden Züge.
Und das waren täglich sehr viele.
Nachdem das zweite Gleis gelegt war,
wurden es noch mehr. So wurden in verkehrsreichen
Zeiten auf den 26 Gleisen
der großen Bahnhofsanlage täglich 800 bis
1 000 Güterwagen rangiert und zugweise
zusammengestellt. Dementsprechend war
auch der Personalbestand sehr groß. Er
betrug um 1910 durchschnittlich 300 Personen.
1917 wurden noch die beiden
zweigleisigen Strecken nach Gouvy und
Vielsalm in Betrieb genommen, die ihren
Ausgangspunkt ebenfalls in St. Vith hatten.
Die Zeit zwischen den beiden Kriegen hat
der Bahnhof St. Vith gut überstanden.
Nach einer kurzen Flaute stand die Eisenbahn
bald wieder hoch im Kurs, und der
Bahnhof St. Vith und mit ihm die Stadt und
seine Umgebung erlebten eine neue Blütezeit.
Der Bahnhof entwickelte sich zu
einem Großunternehmen das in dieser
Zeit bis zu 1 000 Person~n beschäftigte.
Die daraus resultierenden wirtschaftlichen
V?rteile sind leicht auszurechnen. Auch
die Einstellung des Transit-Güterverkehrs
auf der Vennbahn von und nach Luxemburg
Anfang der 30er Jahre hat dem Bahnhof
St. Vith keinen so großen Abbruch
getan, denn als Ausgleich wurde hier eine
Betnebswerkstätte für die Lokomotiv- und
~agenausb~sserung eingerichtet.
er 2. Weltkrieg hat St. Vith schwer getrof
~n. Am 9. Au_gust 1944 fielen die ersten
0 mben auf die Stadt und zerstörten auch
den Bahnhof, der ohne Zweifel eine große
st rategische Bedeutung hatte. Zwar wurde
fr schnell wieder einigermaßen betriebsahig
gemacht, aber der Verkehr ging
zwangsläufig rapide zurück. Auch die
~ornbenangriffe wiederholten sich. Am 9.
eptember 1944 fuhr der letzte Personen-
Abb. 71 : Die ehemalige Bahnmeisterei in St.
Vith. Auch sie wurde im letzten Krieg stark
zerstört. Nach dem Wiederaufbau hat sie noch
für kurze Zeit die Funktion des total zerstörten
Bahnhofgebäudes übernommen.
Abb. 72: Und so sieht es heute am Bahnhof aus
zug nach Ulflingen. Am 10. September lief
der letzte Zug aus Richtung Aachen hier
ein, und am gleichen Tage hat man den
Bahnhof St. Vith geräumt. Lokomotiven
und Waggons wurden über Gerolstein und
Grimberg nach Holzwickede bei Unna gebracht.
Bis auf eine Lok vom Typ T 14, die
noch hier stand , wirkte der Bahnhof wie
ausgestorben. Am 26. Dezember 1944
vernichteten britische Bomberstattein die
Stadt St. Vith nahezu vollständig. Auch der
Bahnhof wurde wieder schwer getroffen.
Nach den Kampfhandlungen fuhren amerikanische
Armeezüge als erste wieder in
den notdürftig hergestellten Bahnhof St.
Vith ein. Das Bahnhofsgebäude war fast
vollständig zerstört. Es wurde nicht wieder
aufgebaut. Auch die Bahnmeisterei war
stark beschädigt. Nach ihrer Instandsetzung
diente sie vorübergehend als Stationsgebäude.
Aber schon wenige Jahre
nach dem Krieg wurde der Bahnhof St.
Vith bedeutungslos. Es gab kaum noch
Verkehr. Und als 1982/83 die noch befahrbare
Strecke nach Weismes aufgegeben
wurde, war es ganz aus. Nur noch das
Gebäude der einstigen Bahnmeisterei und
eine zur Zeit noch sichtbare Bahnsteigkante
sind von dem großen und wichtigen
Eisenbahnknotenpunkt St. Vith übriggeblieben.
Das Bahnhofsgelände verwildert
stark, und dem Betrachter bietet sich ein
trauriges Bild. Aber es wird wohl nicht
immer so bleiben.
79
Bahnhof Lommersweiler: 4. Klasse. Höhe
rd. 385,5 Meter, 96 km von Rothe Erde.
Das nebenstehende Bild zeigt den Bahnhof
Lommersweiler um 1910. Im Vordergrund
einer der vielen Güterzüge, die den
Bahnhof passierten. Das längliche, eingeschossige
Gebäude in der linken Bildhälfte
ist das einfache Empfangsgebäude des
Bahnhofs. Ein größeres Stationsgebäude
hat man hier nicht errichtet. Vermutlich
haben die provisorischen Empfangsgebäude
auf einigen Statione~ der Strecke
so ähnlich ausgesehen. Das hintere Gebäude
in der rechten Bildhälfte ist das
ehern. Beamtenwohnhaus. Es ist in Privatbesitz
und auch wieder bewohnt. Von den
Bahnhofsanlagen ist nichts mehr vorhanden.
Abb. 73
Bahnhof Reuland : 3. Klasse. Höhe 340,33
Meter, 100,4 km von Rothe Erde. Das alte
Bahnhofsgebäude ist noch vorhanden und
befindet sich in einem guten Zustand. Es
wird als Wohnhaus genutzt (vermutlich in
Privatbesitz). Auf der gegenüberliegenden
Straßenseite stehen noch Wohnhäuser,
die seinerzeit von Bahnbeamten bewohnt
wurden. Der Bahnhof Reuland liegt noch
im Tal der Our, unmittelbar neben dem
Dörfchen Steffeshausen. Dagegen befindet
sich der Ort Reuland im Ulftal, etwa 1,5
km vom Bahnhof entfernt. Daher wurde
wohl in späterer Zeit auch noch der Haltepunkt
»Burg Reuland « eingerichtet. Er lag
etwa gegenüber der Burg.
Abb. 74
Bahnhof Oudler: 4. Klasse. Höhe rd. 417
Meter, 105,3 km von Rothe Erde. Das
Bahnhofsgebäude besteht bereits seit geraumer
Zeit nicht mehr. Nur das ehern.
Wohnhaus des Stationsvorstehers ist
noch vorhanden. Es dient auch heute wieder
als Wohnhaus. Der Bahnhof von Oudler
befand sich auf der Südseite des Ulftales,
etwas erhöht über dem Ort.
Abb. 75
80
Bahnhof Lengeler: 4. Klasse. Höhe rd.
461,5 Meter, 108,9 km von Rothe Erde.
Der Bahnhof lag etwa 750 Meter westlich
des Dorfes Lengeler. Es war die letzte
Station vor der luxemburgischen Grenze.
Noch 1914/15 wurde hier ein weiteres
Überholungsgleis gebaut. Das Bild zeigt
das Gelände der früheren Bahnhofsanlage,
so wie es heute ausschaut. Die Bahn
hat hier die Straße von St. Vith nach
Luxemburg ebenerdig überquert. Das weiße
Gebäude auf der rechten Seite des
Bildes ist das ehern. Beamtenwohnhaus
für eine Familie. Es befindet sich heute in
privatem Besitz.
Abb. 76
Bahnhof Wi lwerdingen (Wilwerdange): 4.
Klasse. Höhe rd . 472 Meter, 114,9 km von
Rothe Erde. Das Bahnhofsgebäude befindet
sich seit einigen Jahren in Privatbesitz
und ist in einem tadellosen Zustand. Es ist
das Hobby des Besitzers, das Bahnhofsgebäude
so sauber und schön darzustellen
. Die letzten Schienen wurden hier im
August 1983 abgebaut. Auf dem ehemaligen
Bahnhofsgelände breitet sich allmählich
Wildwuchs aus.
Die Bahnlinie endete auf dem Bahnhof
Ulflingen (Troisvierges) in Luxemburg: 3.
Klasse. Höhe rd . 423 Meter, 118,8 km von
Rothe Erde.
Hinsichtlich der Bahnhöfe Monschau und
Lommersweiler sollen zwei interessante
Vorkommnisse hier nicht vorenthalten
werden .
Monschau: Als 1884/85 der Bahnhof gebaut
wurde, war die Bezeichnung für diese
St a f 1 0n noch gar nicht so klar. Frau Helene
Hermann aus Mützenich schreibt dazu im
H·
eimatkalender 1961 des Landkreises
Monschau:» . .. Eigentlich sollte der neue
Bahnhof ,Bahnhof Mützenich' heißen, da
er auf Mützenicher Grund und Boden
St
stand
•.. D
am1t
•
w_aren aber die Monschauer
adtvater (spnch heute Ratsherren) nicht
recht einverstanden da Monschau doch
die K
re1sstadt
•
war. Nach
'
mehreren erfolglos
verlaufenen Verhandlungen kam es
~~eh zuletzt zu einer Einigung. Für einige
s aschen Wein, von den Monschauern gekPendet
und gemeinsam getrunken, ver
Eautten die Mützenicher das Recht der
~ st geburt und gaben nach. Wann trank
~~ _Ba~er zu jener Zeit auch mal Wein?
fur ließ sich schon etwas machen. So
hieß er denn fortan ,Bahnhof Montjoie'
... «
Etwa Mitte der 50er Jahre wurde auch das
Bahnhofsgebäude von Monschau abgebaut.
Die belgische Eisenbahnverwaltung
hatte es an einen Interessenten in Mützenich
verkauft. Alles, was noch brauchbar
war, Steine, Ziegel, Holz- und Eisenteile
usw., wurde abtransportiert. Und nicht allzuweit
vom ursprünglichen Standpunkt hat
man aus dem Material des alten Bahnhofs
einen schönen Neubau errichtet. So ist
der Bahnhof doch noch nach Mützenich,
das inzwischen aber auch ein Stadtteil von
Monschau ist, zurückgekehrt.
Lommersweiler: Schon während des
Bahnbaues war es wegen eines Verbindungsweges
vom Ort zum Bahnhof (rd.
800 Meter lang und mit einem Höhenunterschied
von etwa 90 Metern) zu Unstimmigkeiten
gekommen. Die Gemeinde
Lommersweiler war nicht gewillt, diesen
Weg zu erwerben und ordnungsmäßig
auszubauen. Daraufhin wurde bei der
Eröffnung der Strecke St. Vith-Bleialf am
Abb. 77
1. Oktober 1888 der Bahnhof Lommersweiler
lediglich als Betriebsabzweigstelle
eingerichtet. Fahrgäste konnten hier weder
ein- noch aussteigen, auch Güter wurden
nicht nach oder von Lommersweiler
befördert. Als am 4. November 1889 die
Anschlußlinie St. Vith- Ulflingen in Betrieb
genommen wurde, war der Zustand noch
unverändert. Eingaben und auch die Bemühungen
des Pfarrers blieben ohne Erfolg
. Nachdem es sogar zu Verkehrsgefährdungen
kam - es sah so aus, als
wollten die Bürger etwas erzwingen -
mußte eine Lösung gefunden werden . Da
sich der Kreisausschuß und die Weg13polizeibehörde
vergeblich um eine Regelung
bemüht hatten, entschied der Aachener
Bezirksausschuß am 8. April 1892, daß die
Bahnverwaltung einen 4 m breiten Weg
zwischen der Station und dem Dorfe herzustellen
und zu unterhalten habe. Damit
hatte die vier Jahre währende Streitsache
ein Ende gefunden, und die Lommersweiler
Bürger konnten endlich ihren Bahnhof
benutzen.
81
Abb. 78 : Stellvertretend für alle Haltepunkte,
die zu einem späteren Zeitpunkt noch an der
Vennbahn eingerichtet wurden, ist hier nur ein
Bild der Station Sehmithof aufgezeigt.
Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte sind
entlang der Vennbahn noch einige Haltepunkte
hinzugekommen. Das ist wohl darauf
zurückzuführen, daß einige Bahnhöfe
doch ungünstig zu den Ortschaften lagen,
aber auch ursprünglich sehr kleine Orte,
an denen die Vennbahn nur vorbeifuhr,
zwischenzeitlich größer geworden sind
und nun wesentlich mehr Einwohner zählten,
so daß echte Bedürfnisse für zusätzliche
Stationen bestanden haben.
So wurde in Sehmithof - zwischen Walheim
und der Reichsgrenze - am 6. Oktober
1929 ein gut ausgebauter Haltepunkt
eröffnet. Hier befand sich sogar ein kleines
Stationsgebäude mit Warteraum und Fahrkartenschalter.
Nach dem letzten Krieg
war Sehmithof Endstation für die von Aa-
chen und Stolberg über Walheim bis hierher
verkehrenden Züge und Schienenbusse.
Mitte der sechziger Jahre wurde
das Gebäude abgerissen.
Vermutlich in der zweiten Hälfte der dreißiger
Jahre hat man an der nun belgischen
Vennbahn noch folgende Haltepunkte eingerichtet
{die Vollständigkeit der zusätzlichen
Haltepunkte ist nicht gewährleistet):
Roetgen Süd, Robertville und Weywertz
Nidrum (beide Haltepunkte zwischen den
Bahnhöfen Sourbrodt und Weywertz) ,
Faymonville (zwischen Weywertz und
Weismes), Ondenval (zwischen Weismes
und Montenau), Neidingen (zwischen St.
Vith und Lommersweiler), Auel (zwischen
Lommersweiler und Reuland) sowie Burg
Reuland (zwischen Reuland und Oudler).
Ab 1949 entstanden zwischen Aachen
Rothe Erde und Walheim noch die Haltepunkte
bei den Philips-Werken , in Niederforstbach
und in Hahn.
Die zusätzlichen Haltestellen wurden ohne
großen Aufwand errichtet. Meistens waren
es einfache Bahnsteigkanten. Nicht überall
stand ein so schönes Stationsgebäude wie
in Sehmithof. Mitunter hat man auch nur
überdachte Unterstellmöglichkeiten hingesetzt.
Die Zugänge hatten meistens nur
Fußwegbreite, die bei Auf- oder Abgängen
an Böschungen mit einem Geländer gesichert
waren.
Von den oben aufgeführten Haltepunkten
ist heute keiner mehr vorhanden . Dafür
wurden einige der alten Bahnhöfe inzwischen
zu Haltepunkten umfunktioniert.
Nachdem die alten Bahnhofsgebäude in
Roetgen, Lammersdorf, Konzen, Monschau
und Kalterherberg abgebaut worden
sind , hat man dafür kleine und für den
inzwischen sehr geringen Verkehr auf der
Vennbahn zweckmäßige Stationsgebäude
errichtet. Sie wurden bei Bedarf personell
besetzt.
Abb. 79: Bahnhof Roetgen
82
Bahnhof Lammersdorf
Abb. 80
Haltepunkt Konzen
Abb. 81
Haltepunkt Kalterherberg. Das Gebäude rechts
ist das 1885 erbaute Beamtenwohnhaus, das
auch heute noch bewohnt ist.
Abb. 82
83
Abb. 83: Der ehemalige Bahnhof Monschau im März 1988. Seit einiger Zeit schon hat man einen Haltepunkt daraus gemacht. Nur das
Durchgangsgleis liegt noch hier. Das Gebäude auf der linken Seite ist das frühere Beamtenwohnhaus. Es ist auch heute wieder bewohnt. In der Mitte
im Hintergrund steht das kleine Stationsgebäude. Der Fachwerkschuppen davor stammt noch aus alter Zeit. Im Vordergrund ein Landesgrenzstein. Er
erinnert uns daran, daß durch deutsches Gebiet eine belgische Bahn verläuft.
Die Unterhaltung sämtlicher Bahnanlagen
unterlag den Bahnmeistereien, die über
den gesamten Streckenverlauf verteilt waren
. Ihre Aufgaben waren sehr vielseitig.
Dazu gehörten u. a. ein guter und betriebssicherer
Zustand des Unter- und
Oberbaus, intakte Weichen-, Gleis und Signalanlagen,
Räumung der Strecken nach
Schneefall oder Schneeverwehungen,
Abwendung möglicher Gefahren gleich
welcher Art für den Bahnkörper usw.
Anfänglich waren für die Bahnlinie die
Bahnmeistereien in Kornelimünster, Raeren
und Monschau zuständig.
1910 waren es die Bahnmeistereien in
Kornelimünster, Roetgen, Monschau,
Sourbrodt, Weismes und St. Vith.
1935 befanden sich entlang der Strecke
insgesamt 10 Bahnmeistereien. Und zwar
in Kornelimünster, Stolberg-Mühle, Walheim,
Eupen, Roetgen, Monschau, Sourbrodt,
Malmedy (später Weismes), St. Vith
und Reuland .
Die Bahnmeisterei Walheim fiel den ersten
Rationalisierungsmaßnahmen nach dern
letzten Krieg zum Opfer. Sie wurde 1953
aufgelöst und der Bahnmeisterei Stolberg
angegliedert.
Abb. 84: Das Personal des Roetgener Bahnhofs
um 1910. Der würdige Herr mit dem Vollbart
ist vermutlich der Bahnhofsvorsteher gewesen.
Im Hintergrund ein Wasserbehälter zur
Versorgung der Dampflokomotiven.
84
Welcher Streckenverlauf fällt unter die Bezeichnung » Vennbahn«?
Mit der »Hohen Venn-Bahn « oder »Vennbahn
« ist eine Bahnlinie gemeint, deren
Ausgangspunkt mit Aachen bzw. dem Aachener
Raum zwar unbestritten ist, die
aber für ihren Abschluß oder Zielbahnhof
unterschiedliche Auslegungen zuläßt.
In der bereits aufgezeigten Denkschrift
aus dem Jahre 1873 wird mit der erstmals
erwähnten Bezeichnung der »Hohen
Venn-Bahn « auf »Die Nothwendigkeit einer
Bahn von Stolberg durch die Kreise
Eupen, Montjoie und Malmedy, in der
Richtung von St. Vith nach der Luxemburger
Nordbahn bei der Maulesmühle« hingewiesen
. Es ging hier also um eine Bahnlinie
von Stolberg über das Hohe Venn
nach Luxemburg. Bei verschiedenen Planungen
in der Folgezeit wiederholt sich
diese Bezeichnung des öfteren mit leichten
Abwandlungen in der Schreibweise.
Aber stets wurde mit der »Hohen Venn
Bahn « eine Verbindung zwischen dem Aachener
Raum und Luxemburg gemeint.
Und als die Industrie im Aachener Bezirk
ihr Interesse an einer solchen Bahnlinie
bekundete, hat man daran gedacht, daß
Kohle und Koks aus dem Aachener Revier
zu den Hochöfen in Luxemburg und Lothringen
sowie umgekehrt Minetteerze
aus Luxemburg zu den Hütten im Aachener
Raum transportiert werden sollten .
Demnach wäre mit der Hohen Venn-Bahn
also der Streckenverlauf Rothe Erde-Raeren-Monschau-
Weismes-St. Vith- Lommersweiler-
Ulflingen gemeint. In diesem
Sinne hat sich auch der Abgeordnete dieses
Wahlkreises, Dr. Pauly, in einer Rede
vor dem Abgeordnetenhaus am 12. Mai
1897 in Berlin geäußert. Es ging dabei um
den Bau von weiteren Bahnlinien in der
Eifel. Er sagte u. a.: »... Wir haben vor 12
Jahren die sogenannte Hohe Venn-Bahn
bekommen von Aachen auf Montjoie, St.
Vith, Malmedy und Luxemburg hin . ..«
Aber schon um die Jahrhundertwende haben
Persönlichkeiten der damaligen Zeit
andere Vorstellungen vom Streckenverlauf
der Vennbahn gehabt. Vielleicht war
dafür ausschlaggebend, daß die Verbindung
von Aachen über Monschau und St.
Vith nach Ulflingen strenggenommen keine
durchgehende Bahnlinie war. St. Vith
War der Bahnhof in diesem Streckenverlauf,
der als Knotenpunkt und Zugbildungsstation
für alle hier ankommenden
Und abgehenden Züge eine Unterbrechung
darstellte. Und in dem Buch »Die
Eifel «, dargestellt von Dr. Dronke (Gründer
und 1. Vorsitzender des Eifelvereins)
Und herausgegeben von Dr. K. Cüpppers
1
m Herbst 1899, wird als ,,Vennbahn« die
Bahnlinie von Aachen-Rothe Erde bis
nach St. Vith mit den Abzweigungen nach
Stolberg, Eupen und Malmedy sehr ausführlich
beschrieben. Die Bahnlinie St.
Vith-Prüm-Gerolstein wird von ihm als eine
Verbindung zwischen der Vennbahn
und der eigentlichen Eifelbahn Köln-Gerolstein-Trier
bezeichnet.
Ähnlich sieht es Karl L. Kaufmann, von
1899 bis 1907 Landrat des Kreises Malmedy.
In seinem Buch »Geschichte eines
Eifelkreises von 1865 bis 1920« sagt er:
» . .. Die Strecke Weismes-St. Vith als
Sch lußstück der 91 Km langen Vennbahn
konnte am 28. 11 . 1887 dem Verkehr
übergeben werden .« Auch bei Kaufmann
ist die Linie St. Vith-Gerolstein eine Verbindung
mit der Eifelbahn Köln- Trier, und
in der Linie St. Vith- Ulflingen sieht er die
Erfüllung der alten nach Luxemburg gerichteten
Wünsche von St. Vith.
In der Folgezeit wird in zahlreichen Zeitungsberichten
und vielen Aufsätzen und
Abhandlungen die Vennbahn betreffend
fast ausschließlich die 91 Kilometer lange
Bahnlinie Aachen- St. Vith als Vennbahn
bezeichnet.
Eine offizielle Streckenbeschreibung für
die Vennbahn seitens der damaligen Eisenbahnverwaltung
hat es woh l nicht gegeben
bzw. ist nicht bekannt. Die Bezeichnung
Vennbahn wurde auch bahnamtlich
kaum benutzt. Erst in jüngerer Zeit hat
man die gelegentlichen Sonderfahrten auf
dieser Strecke als ,,Vennbahnfahrten« angekündigt.
Nach den vorgegebenen Ausführungen
Abb. 85: Die letzte Dampflok auf der Vennbahn im Bahnhof Raeren
muß man zu der Ansicht kommen , daß
ursprünglich mit der Bezeichnung »Hohe
Venn-Bahn « eine Verbindung vom Aachener
Raum nach Luxemburg angestrebt
wurde. Und von diesen Anfängen ausgehend
müßte Ulflingen Endstation für diese
Bahnlinie sein . Aber schon bald nach dem
Ausbau dieser Bahnlinie wurde ganz allgemein
und stark landschaftsbezogen der
Streckenverlauf von Rothe Erde (Aachen)
über Walheim-Raeren-Monschau- Weismes
nach St. Vith als die »Hohe Venn
Bahn « oder »Vennbahn « bezeichnet.
Auch von der Bundesbahndirektion Köln
wurde dieser Streckenverlauf für die
Vennbahn bestätigt.
Anläßlich des 50jährigen Bestehens der
Vennbahn hat die »Eupener Zeitung « am
8. Juni 1935 einen interessanten Bericht
über diese Bahnlinie gebracht. U. a. heißt
es darin:» .. . Die Vennbahn, mit Malmedy
bezw. St. Vith als Endstation . .. " Auch
diese Auslegung könnte durchaus zutreffend
sein.
Übrigens, auch die Kurzfassung ,,Vennbahn
« ist schon sehr früh nachzulesen. In
einem Bericht der »A.V.Z.«, wiedergegeben
im »Montjoie'r Volksblatt« vom 27.
Juni 1885, wird bereits von der » . .. Verkehrseröffnung
der vorläufig bis Montjoie
fertig gestellten Veenbahn « gesprochen.
Und in dem oben genannten Buch »Die
Eifel « wird nur noch die Bezeichnung
»Vennbahn « verwendet. Schließlich ist
dieser Name so populär geworden, daß er
sich bis in die heutige Zeit erhalten hat.
85
Die strategische oder militärische Bedeutung der Vennbahn
Anfänglich wurde die Eisenbahn von der
Generalität mit großer Zurückhaltung betrachtet.
Das stetig enger werdende Eisenbahnnetz
und die Erfahrungen mit der
Eisenbahn als damals technisch modernes
Transportmittel in den Kriegen 1866 und
1870/71 führten jedoch dazu, daß die Eisenbahn
in ihrer Gesamtheit von der militärischen
Führung in ihre strategische und
mi litärische Planung voll einbezogen wurde.
In der Reichsverfassung vom 16. April
1871 fand diese Einstellung ihren Niederschlag.
Dort heißt es im Artikel 41: »Eisenbahnen,
welche im Interesse der Vertheidigung
Deutschlands oder im Interesse
des gemeinsamen Verkehrs für nothwendig
erachtet werden, können Kraft eines
Reichsgesetzes auch gegen den Widerspruch
der Bundesglieder, deren Gebiet
die Eisenbahnen durchschneiden, unbeschadet
der Landeshoheitsrechte, für
Rechnung des Reiches angelegt ... werden.
« Und im Artikel 47: »Den Anforderungen
der Behörden des Reichs in Betreff
der Benutzung der Eisenbahnen zum
Zweck der Vertheidigung Deutschlands
haben sämtliche Eisenbahnverwaltungen
unweigerlich Folge zu leisten ... " Ein
weiteres Gesetz vom 13. Juni 1873 bestimmte
die Kriegsleistungen, die u. a.
auch von der Eisenbahn zu erbringen waren
.
Ohne Zweifel hatte nunmehr das Kriegsministerium
ein Mitsprache- oder sogar
Entscheidungsrecht, wenn es um den Bau
von Eisenbahnlinien ging. Und das galt
sowohl für die großen, das Reich durchziehenden
Bahnlinien, die ja von besonderer
strategischer Bedeutung waren, als
auch für die kleineren, grenznahen Bahnlinien,
die wiederum militärisch wichtige
Aufgaben zu erfüllen hatten. Es kann mit
Gewißheit davon ausgegangen werden,
daß auch die kleinste Bahnlinie in die militärischen
»Sandkastenspiele« einbezogen
wurde.
Mit dem Bau der Vennbahn lassen sich
jedoch keine strategischen Überlegungen
verknüpfen. Schon allein die bautechnische
Anlage dieser Bahnlinie, mit ihren
zum Teil sehr engen Radien und den mitunter
starken Steigungsverhältnissen, entspricht
nicht den vorgegebenen Kriterien
für strategische Bahnlinien. Hierzu sind
auch die kritischen Anmerkungen zum
Bau dieser Bahnlinie in der Zeitschrift
»Der Eisenbahnbau der Gegenwart« zu
beachten.
Vielmehr muß man zu der allgemein ver-
tretenen Ansicht kommen , daß mit dem
Bau der Vennbahn, wie übrigens mit anderen
Bahnlinien in der Eifel auch, die großen
wirtschaftlichen Schwierigkeiten in
dieser Region behoben und dieses Gebiet
verkehrstechnisch erschlossen werden
sollte. Diese Ansicht wird auch von Persön
lichkeiten des öffentlichen Lebens der
damaligen Zeit, die das Geschehen um die
Vennbahn miterlebt haben, ganz klar zum
Ausdruck gebracht. So haben bei der Begründung
zum Bau dieser Bahnlinie Verkehrsminister
Maybach und Finanzminister
Bitter ihre Ausführungen folgendermaßen
begonnen: »Eine durchgreifende
Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse
und die dauernde Behebung der
wiederholt zu Tage getretenen Notstände
in der Eifel ... ", und an anderer Stelle:
»Zur Erreichung dieses Zweckes bedarf
es vielmehr weiterer, das fragliche Gebiet
in ausgedehntem Maße anschließender
Eisenbahnverbindungen . .. "
Karl Leopold Kaufmann schreibt in seinem
Buch: »Die Vennbahn war als ,Meliorationsbahn'
zur Hebung der Wirtschaftskräfte
der Westeifel , insbesondere auch
der Industrie bestimmt, und an eine Rente
dabei zunächst nicht gedacht worden.
Aber der Austausch von Kohle und Koks
mit Eisenerzen hatte sich nach der Erbauung
der Linie St. Vith-Ulflingen derart entwickelt,
daß die Bahn allmählich zu den
bestrentierendsten Nebenbahnen Preussens
gehörte .. . "
Und Dr. Dronke sagt dazu: »Die Vennbahn
wurde ursprünglich als Notstandsbahn angelegt,
um der durch mehrjährige Mißernten
schwer leidenden Bevölkerung aufzuhelfen,
wobei man von vornherein keine
Hoffnung hegte, daß das angelegte Kapital
eine Rente abwerfen würde. Die Orte, welche
früher eine Industrie besessen hatten
oder noch schwache Spuren einer solchen
besaßen, sollten in Verbindung mit
dem Weltverkehr gebracht werden , so namentlich
Montjoie, Raeren, Malmedy und
St. Vith ... «
Diesen Aussagen kann nicht entnommen
werden, daß beim Bau der Vennbahn strategische
Überlegungen im Vordergrund
gestanden hätten. Aber natürlich war eine
Bahnlinie entlang der belgischen Grenze
bis nach Luxemburg für die militärische
Führung sehr wohl von Interesse. Das
geht schon aus der Antwort des Kriegsministeriums
vom 24. Februar 1873 an den
Landrat von Malmedy hervor. Allerdings
war man doch nicht so versessen auf diese
Bahnlinie, denn es dauerte immerhin
noch 12 Jahre, bis sie in Betrieb genommen
wurde. In diesem Zusammenhang ist
ein Bericht im »Montjoie'r Volksblatt« vom
15. Januar 1887 sehr aufschlußreich:
»Montjoie, 9. Jan. - Gestern passirte unsern
Bahnhof ein bis Malmedy durchgeführter
Kohlenzug von 20 (vermutlich muß
es 30 heißen) mit gleicher Last beladenen
Kohlenwaggons. Das Gewicht eines jeden
repräsentirte die Schwere von 40 Mann,
zusammen also von 1 200 Mann . Zwei
Waggons waren besetzt mit Mitgliedern
der Direction und des Geniecorps. Es handelte
sich darum, die Solidität der Bahn zu
erproben sowie die Curven der Linie und
im Uebrigen, wie es heißt, zu constatiren,
ob und inwieweit die Bahn zu gegebener
Zeit für den schnellen und sichern Truppentransport
geeignet sein würde."
Also erst zwei Jahre nach dem Ausbau der
Bahnlinie wurde getestet, ob die Vennbahn
für Militärtransporte überhaupt geeignet
ist. Vermutlich ist das Experiment
zur Zufriedenheit der Experten ausgefal·
len, denn 1914 hat man die Vennbahn ja in
den Aufmarschplan mit einbezogen.
Aber schon mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes
in Elsenborn wurden
Militärtransporte auf der Vennbahn zur
Selbstverständlichkeit. Und Sourbrodt.
Verladestation für die in Elsenborn übenden
Einheiten, war der erste Bahnhof dieser
Bahnlinie, der auch dementsprechend
ausgebaut wurde. In den folgenden Jah·
ren haben auch noch andere Bahnhöfe
Rampen zum Be- und Entladen von Militärzügen
erhalten, und in Roetgen wurde
eine Tränkstation für Militärpferde eingerichtet.
So allmählich hat man die Vennbahn
dann doch nach militärischen Gesichtspunkten
hergerichtet.
zusammenfassend muß man zu der An·
sieht kommen, daß der Bau der Vennbahn
nicht von der Generalität diktiert worden
ist. Daß vielmehr die Behebung der Notlage
in der gesamten Eifel und Vennregion
sowie wirtschaftliche Interessen im Vordergrund
gestanden haben. Nachdem die
Bahnlinie jedoch gebaut war, und schon
bald danach sogar der zweigleisige Ausbau
erfolgte, wurde die Vennbahn für die
militärische Führung von großer Bedeutung.
Auch im zweiten Weltkrieg war es
nicht anders. Und das, was von der Vennbahn
heute übriggeblieben ist, beläßt man
nur, weil es wiederum von militärischem
Interesse ist.
86
Abb. 86: Zwischen Lammersdorf und Konzen führt der Streckenverlauf der Vennbahn durch die typische Vennlandschaft, die dieser Bahnlinie auch
den Namen gegeben hat.
Das Hohe Venn (Hautes Fagnes) ist eine
Hochebene, die zwischen den belgischen
Ard.ennen und der Nordeifel liegt. Dieser
breite, kaum gegliederte und überwiegend
bewaldete Höhenrücken verläuft von Südwesten
nach Nordosten. Seine Ausläufer
erstrecken sich noch weit über Roetgen,
der einzigen größeren Siedlung in diesem
Vennrücken, hinaus. Die höchste Erhebung
dieser Hochmoorlandschaft ist die
69 4 Meter hohe Botrange, gleichzeitig
~Uch der höchstgelegene Punkt Belgiens
uberhaupt.
Auf die überwiegend aus westlicher Richtung
heranziehenden atlantischen Luftmassen
übt dieser bedeutende Höhenrükken
eine Stauwirkung aus. infolgedessen
sind die Niederschläge hier sehr hoch.
Und das Hohe Venn ist mit seinen mächtigen
Torfmooren wie ein riesiger
Schwamm, der das viele Wasser aufsaugt,
es wie in einem Reservoir zurückhält und
es später dosiert wieder an die vielen im
Venn entspringenden Wasserläufe abgibt.
Es ist schon eine sehr nasse Angelegenheit
im Hohen Venn.
Die freien Vennflächen sind inzwischen
sämtlich unter Naturschutz gestellt. Sowohl
in Belgien als auch in Deutschland.
Wegen seines außergewöhnlichen naturhistorischen
Wertes wurde das Hohe Venn
schon 1966 mit dem »Europäischen Diplom
für Naturschutz« ausgezeichnet. In
seiner Gesamtheit ist das Hohe Venn eine
einzigartige Landschaft mit einer seltenen
Flora und Fauna. Sie ist in Europa nur noch
mit den Hochmooren Schottlands vergleichbar.
87
Abb. 87: Der Bahnhof Sourbrodt befindet sich auch heute noch in einem guten und betriebsfähigen Zustand. Nach wie vor werden hier Militärtransporte
verladen. Nachdem der Truppenübungsplatz Elsenborn eingerichtet war und die ranghohen Kommandanten und Offiziere auch die Vennbahn
benutzten, hat man das einfache, provisorische Empfangsgebäude durch ein repräsentatives Bahnhofsgebäude ersetzt. Es steht immer noch hier.
88
Die wirtschaftliche Entwicklung in der Eifel-Venn-Region
nach dem Bau der Eisenbahn
Die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
in der Eifel-Venn-Region wurden bereits
am Anfang aufgezeigt. Nur eine wesentlich
frühere Ersch ließung durch Eisenbahnen
hätte diese Misere verhindern
können . Hier stellt sich nun die Frage,
inwieweit die viel zu spät gebaute Bahnlinie
die hochgesteckten Erwartungen dennoch
erfüllen konnte.
Zunächst einmal muß festgestellt werden,
daß schon während der Bauarbeiten viele
Menschen Arbeit und Brot gefunden haben.
In großer Anzahl haben sich die Männer
aus den Eifel- und Venndörfern zu den
Baustellen begeben; denn im Gegensatz
zu den kargen häuslichen Verhältnissen
war beim Bahnbau gutes Geld zu verdienen.
Das traf aber nicht nur für die Arbeiter
am Bau zu, sondern in starkem Ausmaß
auch für die zahlreichen Zulieferbetriebe.
Entlang des Steckenverlaufs setzte somit
bereits eine belebende Konjunktur ein.
Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß
sich die Arbeiten über mehrere Jahre erstreckten
und beim Bau des zweiten Gleises
wiederholten. Auch die Fremdarbeiter
ließen viel Geld in dieser Region, denn
Kost und Logis mußten ja bezahlt werden.
Nachdem die Bahnlinien gebaut waren ,
benötigte man für deren Betrieb und Unterhaltung
außergewöhnlich viel Personal :
unter anderem Rottenarbeiter, Streckenläufer,
Bremser (für die Güterzüge mitunter
mehr als sechs an der Zahl), Bahnwärter,
Rangierer, Heizer und Lokführer,
Schaffner, Stellwerks- und Bahnhofsbeamte
usw. Die meisten von ihnen kamen
aus den an- und umliegenden Ortschaften.
Sie verließen ihre unsicheren Existenzen
und fanden eine krisensichere Anstellung
bei der Eisenbahn. Und die Eisenbahn
entwickelte sich im Verlaufe der Zeit
zum wohl größten Arbeitgeber in der Eifel
Venn-Region und blieb es auch über einige
Jahrzehnte.
In St. Vith ist das gesamte Wirtschaftsleben
durch das Unternehmen Eisenbahn
am stärksten gefördert worden. Dieser
Wichtige Knotenpunkt mit dem überaus
großen Verkehrsaufkommen und den vielseitigen
Einrichtungen hatte zu allen Zeiten
einen großen Personalbestand. Hier
arbeiteten stets mindestens 300 Personen.
Mit dem zunehmenden Verkehr und
dem Bau der Werkstätten wurden es immer
mehr, und in seiner Glanzzeit, in den
zwanziger Jahren, waren am Bahnhof St.
Vith (mit Crombach und Maidingen) bis zu
1 200 Personen beschäftigt. Riesige Summen
mußten an Löhnen gezahlt werden,
die der Stadt und ihrer Umgebung zu einem
bisher nicht gekannten wirtschaftlichen
Aufschwung verhalfen. Das wirkte
sich dann auch stark auf die Bevölkerungszahlen
aus. 1825 hatte die Stadt nur
800 Einwohner. Diese Zahl stieg bis 1885
auf rd. 1 350. Nach dem Bau der Bahn
begann eine merkliche Zunahme. 1895
waren es rd . 1 940, 1905 bereits 2 200
und 1917 sogar 2 740 Einwohner.
In den Zeitungen der damaligen Zeit ist die
wirtschaftliche Entwicklung nach dem Bau
der Bahn linien ein häufiges Thema. Es
sind durchweg positive Berichte, und das
trifft für die gesamte Eifel-Venn-Region zu.
Zum 50jährigen Jubiläum der Vennbahn
sind im »Stadt- und Landboten « vom 28.
Juni 1935 u. a. auch hierzu sehr bemerkenswerte
Aussagen gemacht: »... An
dem durch den Bahnbau geförderten wirtschaftlichen
Aufstieg war insbesondere
die Landwirtschaft beteiligt. Die bis dahin
sehr erschwerte Zufuhr von Kunstdüngemitteln,
von Saatgut, landwirtschaftlichen
Maschinen, Kulturhilfsmitteln und dergl.
war mit einem Schlage ohne Umstände
möglich. Die Ausfuhr der eigenen Produkte
aus der Ackerwirtschaft, dann aber auch
den Transport des Zucht- und Schlachtviehs
im Städteaustausch besorgte die
Vennbahn. Die Beschickung der fü r das
Eifel- und Venngebiet lebenswichtigen
großen Viehmärkte in Simmerath, Weismes,
Büllingen, Heppenbach, Bütgenbach,
Reuland und Amel wurde durch die
Bahnverbindung erheblich erleichtert. Die
an der Bahn gelegenen Marktorte erlebten
ein ständiges Aufblühen. Die Tuchfabriken
des Monschauer Landes, die Lederindustrie
Malmedy's, Eupens Tuch-, Steinund
Kalkbetriebe und alle die verschiedenen
kleinen und großen Erwerbs- und Produktionszweige
des Landstriches zwischen
Aachen-Malmedy und Prüm kamen
in einen lebhaften Warenaustausch . In einem
großen Maße betei ligte sich an der
Verkehrsfrequenz der Bahn auch die
Forstwirtschaft. Im Güterverkehr bildeten
die Langholz- und Grubenholzladungen
aus dem Waldgebiet an der Bahn nach den
ve rschiedensten außer- und innerdeutschen
Stationen eine ständige Erscheinung.
Man kann einen Tagesdurchschnitt
von ständig 35 bis 40 Waggons annehmen,
den allein die Forstwirtschaft stellte
. . . «
Bezogen auf den Kreis Malmedy zieht der
ehern. Landrat des Kreises, Karl L. Kaufmann,
hinsichtlich der wirtschaftlichen
Entwicklung nach dem Bau der Eisenbahn
ebenfalls eine insgesamt positive Bilanz.
Er sagt dazu: » .. . Daß die Bahn dem damals
kranken Ledergewerbe von Malmedy
und der durch viele Notjahre geschwächten
Landwirtschaft in kurzer Zeit eine
plötzliche Besserung bringen werde,
konnte nicht erwartet werden. Aber sie hat
Abb. 88: Gleisumbau durch die »Rotte« an einem beschrankten Bahnübergang in Roetgen. Das
Bild stammt aus dem Jahre 1912. Es war die Aufgabe der zahlreichen Rotten, die sich ständig im
Einsatz befanden, die Bahnanlagen in einem guten, befahrbaren Zustand zu halten.
89
doch im laufe der Jahre auf allen Gebieten
des Wirtschaftslebens und namentlich
der Landwirtschaft stets fortschreitende
Gesundung mit sich gebracht ... « Er führt
dann weiter aus » ... daß wichtige Gewerbe,
wie das der Lederherstellung, langsam
wieder zu erträglichem Zustande gelangten,
daß die nicht unbedeutenden Reste
der Kittelfabrikation sogar großen Aufschwung
genommen haben und die Steinbachsche
Papierfabrik bald ihren Aufstieg
zur Weltgeltung nehmen konnte. Die Bahn
gab auch zu neuen Unternehmungen,
z. B. der fabrikmäßigen Torfgewinnung auf
dem Hohen Venn durch Oberst v. Giese
und den Steinbruchbetrieben von Müller
im Warchennetal Anlaß und ermöglichte
anderen, wie der bisher unbedeutenden
Strohhutfabrik von C. J. Debrus in Weismes,
ihre spätere große Entfaltung.
Kraftfutter in den wieder zahlreich erstandenen
örtlichen Casinos von Jahr zu Jahr
zu. Die durch die bessere Verkehrsmöglichkeit
geförderten Fortschritte zeigten
sich deutlich in der Vermehrung der Viehbestände,
deren erleichterter Absatz auf
den planmäßig geregelten Märkten erfolgte,
die nun zu den wichtigsten Faktoren
des bäuerlichen Wirtschaftslebens wurden
. . . Die Bahn ist nicht weniger auch
dem besseren Absatz der Erzeugnisse der
vielen neuentstandenen Molkereigenossenschaften
sowie des Holzes aus den
stets wachsenden Waldbeständen des
Kreises zugute gekommen.
Von Bedeutung war es schließlich, daß die
Verkehrsverbesserung zu einer lebhafteren
gegenseitigen Annäherung der Bevölkerung
innerhalb des Kreises geführt
hat ... « Das traf auch für die etwa 10 000
Abb. 89: 10. Vennbahnfahrt der Eifelvereinsgruppe Simmerath am 17. Juni 1988 von Roetgen nach
Bütgenbach.
Auch die Bevölkerung zeigte wieder eine
langsame, jedoch stetige Zunahme, weil
die Auswanderungen abnahmen und die
durch die Vennbahn erstarkte Landwirtschaft
die überschüssigen männlichen Arbeitskräfte
nun wieder mehr als früher aufnehmen
konnte ... Erkennbar waren die
günstigen Wirkungen der Vennbahn vor
allem in der Landwirtschaft des Kreises.
Gestärkt durch vielfache, von Staat und
Provinz geförderte Verbesserungen und
unter der bewährten Führung der Lokalabteilung,
nahm nun zum Nutzen der Produktion
der durch die Bahn ermöglichte
Bezug von Düngemitteln, Saatgut und
Wallonen zu, die nun aus ihrer engen Heimat
heraustraten und Kontakte zu den
rheinischen Gebieten aufnahmen.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn
für die Stadt und den Kreis Monschau
hat Dr. Wilhelm Davids bereits 1935
untersucht (Eremit am hohen Venn, Juli
1935). Dabei hat er verglichen, ob sich die
in den Petitionen und Denkschriften aufgezeigten
Erwartungen nach dem Bau der
Eisenbahn auch erfüllt haben. Er kommt zu
dem Ergebnis, daß die Hoffnungen zu
hoch geschraubt und trügerisch waren
und daß die Eisenbahn weder für die Stadt
noch für den Kreis Monschau den so
sehnlich erwarteten Aufschwung gebracht
hat. Auch die positiven Auswirkungen in
der Landwirtschaft werden von Dr. Davids
weniger der Bahnlinie zugeschrieben als
einer Umstellung in der landwirtschaftlichen
Nutzung, die wiederum auf eine veränderte
Einstellung der Landwirte und eine
bessere Ausbildung des Nachwuchses
zurückzuführen sind. In einigen Wirtschaftszweigen
werden aber auch Erfolge
aufgezeigt.
Ob ein solcher Vergleich sinnvoll ist, sei
dahingestellt. Die in den Petitionen und
Denkschriften aufgezeigten Erwartungen
sollten doch die Notwendigkeit der über
drei Jahrzehnte angestrebten Bahnlinie
begründen. Und es ist sicher nichts Ungewöhnliches,
wenn bei derartigen Vorausberechnungen
auch schon mal erhoffte
Annahmen als tatsächliche Größenordnungen
ausgewiesen werden. Hier ist
häufig der Wunsch der Vater des Gedankens.
Die Realität kann dann natürlich
ganz anders aussehen.
Trotzdem ist die Vennbahn an der Stadt
und am Kreis Monschau nicht nur vorbeigefahren.
Der »Stadt- und Landbote« vom
2. Juli 1910 meint dazu: »... Es ist sicher,
daß manches geldbringende Unternehmen
der Neuzeit nicht im Kreis Montjoie
entstanden wäre, wenn wir keine Bahnverbindung
bekommen hätten ...«
Diese
Aussage trifft sicher auch für die Stadt
Monschau zu. Die Abwanderung der Bevölkerung
konnte durch die Bahn weitgehend
unterbunden werden, und allmählich
trat eine Stabilisierung im Bevölkerungsstand
ein.
Die Umstrukturierung in der Landwirtschaft
und die damit verbundenen wirtschaftlichen
Vorteile können auch nur im
Zusammenhang mit der Bahnlinie gesehen
werden; denn Landwirtschaftsschulen,
in denen man eine entsprechende
Ausbildung bekommen konnte, mußten
schließlich für jedermann erreichbar sein.
Auch Bezugs- und Absatzgenossenschaften
wurden nur dadurch segensreich, daß
die Bahn als Transportmittel nach allen
Richtungen genutzt werden konnte. Der
große Aufschwung in der Forstwirtschaft
ist unbestritten. Wenn man bedenkt, daß
über 50 % der Kreisfläche mit Wald bestanden
waren, so ist das ohne Zweifel
von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Aber auch der rege Warenaustausch
von und nach nah und fern hatte seine
Bedeutung. Nicht zu vergessen ist der
große Vorteil der Bahnlinie für die vielen
Pendler aus dem Kreis Monschau, deren
Arbeitsplatz sich außerhalb des Kreisgebietes
befand.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser
Bahnlinie ist wohl unbestritten. Damit waren
natürlich auch schon positive Auswirkungen
auf die Wirtschaft der Eifel-Venn
Region verbunden. Die gebietsweise wirtschaftliche
Entwicklung nach dem Bau der
Eisenbahn verlief allerdings etwas unterschiedlich.
Ohne Zweifel hat St. Vih mit
90
seinem Umfeld den größten wirtschaftlichen
Auftrieb erfahren. Hervorzuheben ist
außerdem die besonders günstige Entwicklung
für die Land- und Forstwirtschaft
im gesamten Gebiet. Aber auch in den
anderen Wirtschaftszweigen entlang der
Bahnlinie ist mit zunehmender Zeit eine
stetige und spürbare Besserung der wirtschaftlichen
Verhältnisse eingetreten, die
insgesamt gesehen der Bevölkerung ein
erträgliches Auskommen ermöglichte.
Die vielen Industriebetriebe, die um die
Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus
der Eifel abgewandert waren, konnten von
der Eisenbahn jedoch nicht mehr zurückgeholt
werden. Das meinte wohl auch Dr.
Dronke, der in seinem Buch »Die Eifel «,
das schon im Herbst 1899 herausgegeben
wu rde, zu folgender Feststellung kommt:
» . .. Wenn sich auch aus den vorhergehenden
Ausführungen ergiebt, daß in den
letzten Jahrzehnten sehr vieles für die Erschließung
der Eifel geschehen ist, zum
Theil unter ganz erheblichen Opfern, so
drängt sich doch die betrübliche Überzeugung
auf, daß es für einzelne Stellen nicht
bloß spät, sondern sogar zu spät gewesen
ist ... «
Schließlich soll noch ein wirtschaftlicher
Vorteil, den die Eisenbahn der Eifel-Venn
Region gebracht hat, nicht unerwähnt bleiben.
Gemeint ist die Förderung des Ausflugs-
und Fremdenverkehrs. Schon bald
nach der Eröffnung der einzelnen Teilstrecken
begann in den Sommermonaten
der allsonntägliche Ausflugsverkehr vor allem
aus Aachen und seiner Umgebung in
die Eifel und das Hohe Venn . Das Interesse
an diesen Fahrten wurde so groß, daß
mit zunehmender Zeit häufig zusätzliche
Sonderzüge eingesetzt werden mußten.
Etwa in dieser Zeit, genau am Pfingstdienstag,
dem 22. Mai 1888, fand im Kursaal
in Bad Bertrich die Gründung des
Eifelvereins statt. Der erste Vorsitzende
von 1888 bis 1898 war der Gymnasialdirektor
Dr. Adolf Dronke. Getreu der Vereinssatzung
hat sich der Eifelverein - der
1988 sein 100jähriges Bestehen feierte -
von Anfang an darum bemüht, die Landschaft
und Geschichte der Eifel in Wort
und Bild bekanntzumachen und dieses
schöne Mittelgebirge in seiner Vielfalt für
den Menschen zu erschließen. Eifelverein
und Vennbahn haben gemeinsam den stetig
zunehmenden Ausflugs- und Fremdenverkehr
gefördert und damit einen wesentlichen
Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen
Verhältnisse in der gesamten
Eifel und im Venngebiet geleistet.
Die Vennbahn während des Ersten Weltkrieges
Als Anfang August 1914 der Krieg ausbrach,
vollzogen sich die Mobilmachung
und der Aufmarsch des Heeres ganz nach
dem im Frieden von der militärischen Führung
und der Eisenbahnverwaltung festgelegten
Aufmarschplan. infolge des anstehenden
Zweifrontenkrieges wurde im Mobilmachungsbefehl
zum Ausdruck gebracht,
daß sämtliche Eisenbahnen
Deutschlands als in der Nähe des Kriegsschauplatzes
gelegen anzusehen sind.
Auf allen deutschen Bahnen trat nunmehr
der Kriegsbetrieb im Sinne des Kriegsleistungsgesetzes
vom 13. Juni 1873 sowie
der Militär-Transport-Ordnung vom 18. Januar
1899 in Kraft. Zwei Tage, den ersten
und zweiten Mobilmachungstag (2. und 3.
August), hatte die Eisenbahnverwaltung
Zeit, sich auf die völlig neue und ungewohnte
Situation einzustellen. Nach Ablauf
des zweiten Tages mußten alle Strekken
und das gesamte Fahrzeugmaterial für
militärische Zwecke zur Verfügung stehen,
und es erfolgte der Übergang vom Friedensfahrplan
zum Militärfahrplan. Am Morgen
des dritten Mobilmachungstages begann
der eigentliche Heeresaufmarsch.
Auch die Vennbahn war in diesen Aufmarschplan
mit einbezogen und hatte
dementsprechende Aufgaben zu erfüllen.
Wegen ihrer großen Bedeutung für die
bevorstehenden militärischen Unternehmungen
wurde die Strecke am 1. August
1914 unter Bewachung gestellt. Anfänglich
waren es nur Landwehrmänner, die
diese Aufgaben übernommen hatten. Aber
schon bald erhielten sie Verstärkung durch
Einheiten des Reserve-lnfanterie-Regiments
25 aus Aachen. Für jeden Kilometer
Bahnlinie wurden ein Unteroffizier und etwa
12 Mann zur Bewachung eingesetzt.
Daraus läßt sich ableiten, wie wichtig diese
Bahnlinie war. Schließlich gehörte die
Vennbahn mit ihren Anschluß- und Nebenlinien
zu den sogenannten »Auslauflinien
« zur Front hin.
Wochenlang war die Vennbahn, wie viele
andere Linien auch, nur den Militärtransporten
der verschiedensten Art vorbehalten.
Und es dauerte doch geraume Zeit,
bis sich der Verkehr normalisierte und wieder
zum Personen- und Güterverkehr
übergangen werden konnte. Wenn in der
Folgezeit allerdings größere Truppenverschiebungen
oder Nachschubtransporte
über die Vennbahn geführt wurden, mußte
der zivile Verkehr natürlich zurückstehen.
Aber die Eisenbahn hatte sich inzwischen
darauf eingestellt, sowohl den Anforderungen
der Kriegsführung als auch den Bedürfnissen
des Wirtschaftslebens weitgehend
gerecht zu werden .
Unmittelbar nach Kriegsende haben die
Auflagen des Waffenstillstands wiederum
große Anforderungen an die deutschen
Eisenbahnen in ihrer Gesamtheit gestellt.
Dabei ging es hauptsächlich um die Rückführung
des deutschen Westheeres in einer
außergewöhnlich kurzen Zeit, den
Rücktransport der in Deutschland befindlichen
Kriegsgefangenen und die Abgabe
von Materialien der verschiedensten Art
an die Siegermächte. All diese Transporte
mußten von der Eisenbahn bewältigt werden,
obwohl gleichzeitig 5 000 Lokomotiven
und 150 000 Eisenbahnwagen abgegeben
werden mußten. Diese Abgabe war
mit der unnötigen Betriebsleistung verbunden,
daß fast die dreifache Zahl an
Lokomotiven und nahezu die doppelte Anzahl
an Wagen vorgeführt werden mußte.
Was den Anforderungen nicht entsprach,
mußte ja wieder zurückgeleitet werden.
Auch über die Vennbahn rollten wiederum
die Transportzüge in beiden Richtungen,
um diesen Forderungen nachzukommen.
Zu all diesen Auflagen kamen die großen
wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinzu, in
denen sich damals ganz Deutschland befand
. Das geht aus einer Notiz im »Stadtund
Landboten« vom 26. Februar 1919
hervor: »Montjoie, 25. Fbr. Die Hälfte aller
Personenzüge im Eisenbahndirektionsbezirk
Cöln fällt von heute ab, wie eine Bekanntmachung
der Eisenbahndirektion
sagt, wegen Kohlenmangel aus. Auf der
hiesigen Strecke (also auf der Vennbahn)
verkehren nur folgende Züge: In der Richtung
nach Aachen morgens 5,53 Uhr und
abends 7,49 Uhr; in der Richtung nach St.
Vith nachmittags 2,56 und abends 9,40
Uhr.«
Der Krieg war nun zu Ende. Er hatte einen
Ausgang genommen, den Deutschland sicher
nicht erwartet hatte. Noch wußte man
nicht, was von den Siegermächten zu erwarten
war, bzw. welche Forderungen gestellt
würden. In den westlichsten Kreise~
des Deutschen Reiches herrschte eine
besonders gedrückte Stimmung. Hier
ahnte man oder wußte auch schon, was
auf diese Region zukam. Und davon war
auch die Vennbahn betroffen.
91
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Stadt- und Landbote vom 18. Mai 1918
Montjoie'r Volksblatt
vom 2. November 1914
Eiif enbabn-fabrplan. 0ültig ab 1. ffiai 1916.
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Stadt- und Landbote
vom 3. Mai 1916
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In dieser Skizze im ungefähren Maßstab
1 :300 000 sind alle Bahnlinien dargestellt,
die bis 1917 auf deutscher Seite entlang
der belgischen Grenze erbaut worden
sind. Zu diesem Zeitpunkt war in der Eifel
Venn-Region die Erschließung durch Eisenbahnen
zum Abschluß gekommen.
Weitere Eisenbahnen wurden in diesem
Gebiet nicht mehr erbaut.
Aus der Skizze ist zu ersehen, daß sich
vor allem in den Grenzkreisen Eupen und
Malmedy, die wenige Jahre später durch
den Versailler Vertrag an Belgien abgetreten
werden mußten, doch ein engmaschiges
Eisenbahnnetz befand. Im Gegensatz
dazu wird der Kreis Monschau nur in seinem
westlichen Teil von einer Bahnlinie
erschlossen. Obwohl die Kreise Eupen
und Malmedy durch einige Querverbindungen
gute Anschlußmöglichkeiten zu
den belgischen Eisenbahnen hatten, forderte
die belgische Regierung auch noch
die einzige durch den Kreis Monschau
führende Bahnlinie, die Vennbahnteilstrecke
Raeren-Kalterherberg , für sich.
Doch auch diese Bahnlinie wurde Belgien
zugesprochen.
Skizze 2
l(ronenburg
KREIS
@
Kreisstadt
Zwelgltisige Bahnen
flngleislge Bahnen
St;tion ---i··f-- Tunnel
- - - -- Milit~rbahn (Sdimalspur)
•>-4 • - ·- Lindesgrenzen
------ Krei,grenzen
93
Der Versailler Vertrag und die Abtretung der Vennbahn
Durch den Vertrag von Versailles wurden
entlang der deutsch-belgischen Grenze
gravierende Gebietsveränderungen vorgenommen.
Neutral-Moresnet sowie die
deutschen Kreise Eupen und Malmedy
mußten an Belgien abgetreten werden.
Bereits im Vorfeld der Verhandlungen hat
der damalige belgische Außenminister Hymanns
noch viel weitergehende Gebietsforderungen
gestellt. In einer Sitzung der
Friedenskonferenz im Februar 1919 wurde
von ihm ausgeführt, »daß Monschau rein
wallonisch sei und bis zum Jahre 1815 zu
den jetzt zum Königreich Belgien zählenden
Gebieten gehört habe, und daß Belgien
demnach einen Anspruch auf die
Rückgliederung Monschaus habe«. Diese
unwahre Behauptung wurde von der Monschauer
Bevölkerung durch flammende
Proteste, Unterschriften-Listen und Protestschreiben
an die höchsten Instanzen
zurückgewiesen. Im Versailler Vertrag waren
Gebietsabtretungen des Kreises Monschau
auch nicht vorgesehen.
Nachstehend die maßgebenden Bestimmungen
des Versailler Vertrages für die
Festlegung der deutsch-belgischen Grenze:
»Teil 11. Deutschlands Grenzen.
Artikel 27:
Die Grenzen Deutschlands werden folgendermaßen
festgelegt: 1 . Gegen Belgien:
Von dem Treffpunkt der belgischen,
niederländischen und deutschen Grenze
nach Süden: die Nordostgrenze des ehemaligen
Gebietes von Neutral-Moresnet,
dann die Ostgrenze des Kreises Eupen,
dann die Grenze zwischen Belgien und
dem Kreise Monschau, dann die Nordostund
Ostgrenze des Kreises Malmedy bis
zu ihrem Treffpunkt mit der Grenze von
Luxemburg ...
Artikel 29:
Die oben beschriebenen Grenzen sind in
rot auf einer Karte im Maßstab 1 : 1 000 000
eingezeichnet, die dem gegenwärtigen
Vertrag unter Nummer 1 als Anlage beigefügt
ist.
Im Falle von Abweichungen zwischen dem
Wortlaut des Vertrags und dieser Karte
oder irgendeiner anderen als Anlage beigefügten
Karte ist der Wortlaut des Vertrags
maßgebend.
Artikel 34:
Deutschland verzichtet außerdem zugunsten
Belgiens auf alle Rechte und Ansprüche
auf das gesamte Gebiet der Kreise
Eupen und Malmedy. Während sechs Monaten
nach Inkrafttreten des gegenwärtigen
Vertrages werden von der belgischen
Behörde in Eupen. und Malmedy Listen
ausgelegt; die Einwohner dieser Gebiete
sind berechtigt, darin schriftlich den
Wunsch auszudrücken, daß diese Gebiete
ganz oder teilweise unter deutscher Souveränität
verbleiben.
Es ist Sache der belgischen Regierung,
das Ergebnis dieser Äußerung der Bevölkerung
zur Kenntnis des Völkerbundes zu
bringen, dessen Entscheidung anzunehmen
sich Belgien verpflichtet.
Artikel 35:
Ein Ausschuß von sieben Mitgliedern, von
denen fünf von den alliierten und assoziierten
Hauptmächten, eines von Deutschland
und eines von Belgien ernannt werden,
tritt zwei Wochen nach Inkrafttreten
des gegenwärtigen Vertrags zusammen,
um an Ort und Stelle unter Berücksichtigung
der wirtschaftlichen Verhältnisse und
der Verkehrswege die neue Grenzlinie
zwischen Belgien und Deutschland festzusetzen.
Dieser Ausschuß entscheidet mit Stimmenmehrheit.
Seine Entscheidungen sind
für die Beteiligten bindend.
Kapitel IV. Bestimmungen über einzelne
Eisenbahnlinien.
Artikel 372:
Durchquert infolge der Festsetzung neuer
Grenzen eine Eisenbahnverbindung zwischen
zwei Teilen desselben Landes ein
anderes Land oder verläuft eine Zweiglinie
aus einem Land in ein anderes, so werden
vorbehaltlich der Sonderbestimmungen
des gegenwärtigen Vertrags die Betriebsverhältnisse
in einem Abkommen zwischen
den beteiligten Eisenbahnverwaltungen
geregelt. Können diese Verwaltungen
sich über die Bedingungen dieses
Abkommens nicht einigen, so werden die
Streitfragen gegebenenfalls durch Sachverständigenausschüsse
entschieden, die
nach den Bestimmungen des vorstehenden
Artikels gebildet werden.«
Mit der Abtretung der Kreise Eupen und
Malmedy wurden zwangsläufig auch sämtliche
Eisenbahnlinien in diesen Kreisen
von Belgien übernommen. Und das waren
doch eine ganze Anzahl Strecken. Auch
der Vennbahnabschnitt vom Bahnhof Kalterherberg
nach Süden hin befand sich
darunter. Man sollte meinen, daß sich Belgien
damit ausreichend bedient hatte.
Aber weit gefehlt. Nun forderte die belgische
Regierung auch noch den Vennbahnabschnitt
von Kalterherberg bis nach
Raeren. Unterstützung für dieses Ansinnen
fand Belgien bei dem nach Artikel 35
eingesetzten Ausschuß zur Festlegung
der deutsch-belgischen Grenze.
Ursprünglich sollte dieser Ausschuß aus
sieben Mitgliedern bestehen. Nachdem
die Vereinigten Staaten von Amerika keinen
Teilnehmer entsandten, setzte sich
die Kommission aus folgenden sechs Vertretern
zusammen: Oberstleutnant Tilho,
Frankreich (er wurde ohne Beteiligung des
deutschen Vertreters zum Vorsitzenden
des Ausschusses gewählt); Oberstleutnant
Whitlock, England; Oberstleutnant
Pellissone, Italien; Oberst Ousami Japan;
Sous-Directeur Maury, Belgien; Landrat
Heimann (Monschau), Deutschland.
Aus der Zusammensetzung der Kommission
ist bereits ersichtlich, daß der deutsche
Vertreter auf verlorenem Posten
stand. Für die Arbeit und die Aufgaben der
Kommission war von den Siegermächten
eine Instruktion aufgestellt worden, die am
15. 10. 1919 vom »Obersten Rat« (das
war wieder eine Einrichtung der Alliierten
Mächte) genehmigt wurde. Die Befugnisse
der Kommission waren demnach sehr
groß. Darüber hinaus hat sie sich selbst
das Recht zugesprochen, auch größere
Gebietsabtretungen definitiv zu vollziehen.
Die Aufgabe der Kommission bestand vorrangig
darin, unter Berücksichtigung der
wirtschaftlichen Verhältnisse zu entscheiden,
ob der Vennbahnabschnitt von Raeren
bis nach Kalterherberg bei Deutschland
bleibt oder an Belgien abgetreten
werden muß. Durch die neu entstandenen
politischen Grenzen nach der Abtretung
der Kreise Eupen und Malmedy verlief die
Vennbahn zwischen Aachen und Kalterherberg
bei Raeren in einer Länge von rd .
8 Kilometern durch »Neubelgisches Gebiet«
(sogenannter »Raerener Bogen «).
Der anschließende Streckenabschnitt von
rd. 28,5 Kilometer Länge verlief bis zum
Bahnhof Kalterherberg durch den Kreis
Monschau, also durch deutsches Gebiet.
Sicher waren mit dem mehrmaligen
Grenzwechsel gewisse Unannehmlichkeiten
verbunden, aber es war die einzige
Bahnlinie, die den Kreis Monschau wirtschaftlich
erschloß. Im Gegensatz dazu
waren Eupen und Malmedy in ausreichendem
Maße von der belgischen Seite aus
an das Bahnnetz angeschlosse. Aber die
belgische Seite behauptete, daß diese
Bahnlinie für den Verkehr zwischen Eupen
und Malmedy von besonderer Wichtigkeit
wäre. In der »Denkschrift« wird jedoch
nachgewiesen, daß zwischen diesen beiden
Städten nie ein nennenswerter Ver-
94
Abb. 90: Der Ausschuß zur Regelung der deutsch-belgischen Grenze. Vordere Reihe von links
nach rechts: Landrat Heimann, Oberstleutnant Whitlock, Oberstleutnant Tilho, Oberstleutnant
Pellissone, Oberst Ousami, Ministerialdirektor Maury. Hintere Reihe von links nach rechts: Oberstleutnant
Kämmerling (Oll.), Polizeiassessor Niewiesch (Oll.), Oberstleutnant Trondec (Fr.), Hauptmann
Moler (Belg.), Oberleutnant Rödel (Fr.), Hauptmann van Bleyenberghe (Belg.).
keh r stattgefunden hat. Abgesehen davon
waren Eupen und Malmedy ohnehin nur
durch Nebenanschlüsse mit der Vennbahn
verbunden.
Alle Vorschläge und Angebote der deutschen
Seite fanden kein Gehör. Man hatte
u. a. auch daran gedacht, von Walheim
nach Roetgen auf deutschem Gebiet ein
neues Gleis zu bauen, um damit die
Grenzüberschreitungen nach Neubelgien
zu umgehen. Aber auch das wu rde nicht
akzeptiert. Dagegen kamen die fragwürdigen
Argumente der belgischen Seite bei
den Siegermächten natürlich an . Man wollte
es ja so. In einer belgischen Note heißt
es u. a.: »... Wie dem auch sei, es
scheint, daß die Grenzberichtigungen
nicht das Ergebnis haben können, die Interessen
der Seite zu verletzen, die das
Wattenglück gehabt hat. « Und genauso
war es dann auch. Was im Versailler Vertrag
aus was für Gründen auch immer
nicht gesagt wurde, hat diese Kommission
als verlängerter Arm des Vertrages vollzogen.
Die Bahnlinie von Raeren bis Kalterherberg
und im Zusammenhang damit noch
etwa ein Drittel der Fläche des Kreises
Monschau wurden Belgien zugesprochen.
Und durch diese Flächenabtretungen gingen
auch die Straßen von Fringshaus in
Richtu ng Roetgen, Lammersdorf und Konzen
an Belgien. Der Beschluß wurde in der
Sitzung der Grenzkommission vom 27.
März 1920 in Lüttich mit fünf Stimmen
gegen die Stimmenthaltung des deutschen
Vertreters gefaßt. Eine andere Entscheidung
war von diesem Ausschuß
nicht zu erwarten.
Vorab hatten der englische und italienisehe
Vertreter Gutachten verfaßt, in denen
die »berechtigten« belgischen Forderungen
herausgestellt wurden . Frankreich
und Japan schlossen sich diesen Auslegungen
an. Die beiden Gutachten sind in
den wesentlichen Punkten sehr ähnlich.
Daher wi rd nachfolgend nur der Bericht
des englischen Ausschußmitglieds im vollen
Wortlaut wiedergegeben ( deutsche
Übersetzung aus »Denkschrift über die
Eisenbahn des Kreises Monschau«):
»Bericht des englischen Kommissars.
1. Man muß zugeben, daß die gegenwärtige
Lage der Eisenbahn, welche die Provinzen
Eupen und Malmedy verbindet,
derartig ist, daß daraus für die Zukunft
viele Belästigungen und Unannehmlichkeiten
entstehen werden, falls keine Veränderungen
vorgenommen werden, wegen
des Streckenteils, welcher dreimal die
deutsch-belgische Grenze durchschneidet.
2. Zwei Lösungen ergeben sich von
selbst, nämlich:
a) den Raerener Bogen Deutschland zuzusprechen,
das in diesem Falle die Eisenbahn
von Aachen bis zum Schnittpunkte
der belgischen Grenze bei Kalterherberg
besitzen würde:
b) den Streckenanteil, welcher die Provinzen
Eupen und Malmedy verbindet, Belgien
zuzusprechen, welches in diesem
Falle die ganze Eisenbahn zwischen Lengeler
und Raeren besitzen würde.
Es ist klar, daß jede Lösung dieser Frage
entsprechend den Paragraphen a und b
die Interessen der einen oder anderen
Partei bis zu einem gewissen Grade verletzen
wird.
3. Betrachtet man den Inhalt des letzten
Teiles des ersten Absatzes des Artikels 35
des Friedensvertrages, so wirft sich sofort
die Frage auf, in welchem Maße kommt die
genannte Eisenbahn für die wirtschaftliche
Lage und die Verkehrsmöglichkeiten der
belgischen und deutschen Regierung in
Betracht.
4. Da die Kreise Eupen und Malmedy Belgien
zugeteilt worden sind, ist es vom
belgischen Gesichtspunkt aus absolut gerechtfertig,
anzunehmen, daß man in Zukunft
wirtschaftliche Beziehungen zwischen
diesen Kreisen herstellen wird, und
man kann nicht ableugnen, daß die Überlassung
der Eisenbahn, welche gegenwärtig
auf deutschem Gebiet zwischen Raeren
und dem Kreise Malmedy fährt, einen
bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung
dieser Beziehungen haben wird. Wenn die
Eisenbahn so Belgien übertragen worden
ist, wird es überdies den Bewohnern des
Kreises Malmedy, welche sich in der
Nachbarschaft der von Ulflingen nach Aachen
gehenden Bahn befinden, ermöglicht,
im allgemeinen auf einem direkten
Wege, welcher ganz auf belgischem Gebiet
liegt, nach Raeren und dem Kreise
Eupen zu kommen.
Die Überlassung dieses Streckenteils der
Eisenbahn an Belgien würde ihm zwei von
Süden nach Raeren gehende Eisenbahnen
geben, was ihm gute wirtschaftliche
Entwicklungsmöglichkeiten verschaffen
würde.
5. Vom deutschen Gesichtspunkt aus würde
die Überlassung des Raerener Bogens
ihm die Eisenbahn geben bis Kalterherberg
im Süden; obgleich diese Lösung die
Bedürfnisse von Rötgen, Monschau und
Kalterherbert sicherstellt, so wäre dies
mehr ein internationales wie ein nationales
Zugeständnis; denn die Linie verbindet
gegenwärtig nicht zwei deutsche Provinzen,
wie es der Fall bei den beiden belgischen
Provinzen Eupen und Malmedy ist,
sondern stellt einen Teil einer internationalen
Linie von Luxemburg nach Aachen dar.
6. Die Deutschen behaupten, daß mit Abtretung
der Bahnlinie an Belgien die
Hauptchaussee, welche Lammersdorf und
die weiter südlich gelegenen Ortschaften
mit Aachen verbindet, für sie verloren sein
würde und sie keine andere Verbindungsmöglichkeit
hätten.
Das ist nicht absolut richtig , denn es führt
eine gute Straße nordwestlich von Lammersdorf
bis in die Gegend von Finkenbur
und von hier bis Rott und bis zur Hauptstraße
nach Aachen, gleichzeitig mit der
Straße nach Rötgen führt bei Finkenbur
eine Straße gerade nach Westen, welche
unter sehr guten Gefälleverhältnissen gebaut
ist; die Oberfläche ist stellenweise
schlecht, aber nach Instandsetzung wü rd
diese Straße so gut sein wie irgendeine
Straße in der Umgebung.
7. Die Deutschen sind geneigt, die Anwendung
von Sonderwagen und Lokomotiven
zum Transport der belgischen Güter
zu gestatten, und es ist gerechtfertigt, zu
95
behaupten, daß, wenn die Maßnahme
möglich ist, die Belgier dieselben Zugeständnisse
mache könnten, im Falle ihnen
die Linie Kalterherberg-Raeren zugesprochen
würde.
8. Nach eingehender Prüfung aller Dokumente,
Zahlen usw., welche den Kommissären
durch die Eisenbahn- und Zollsachverständigen
überreicht sind, bin ich der
Ansicht, daß die lokalen wirtschaftlichen
Verhältnisse die Überlassung der Eisenbahn
von Raeren nach Kalterherberg
rechtfertigen. Deshalb empfehle ich die
Annahme dieser Lösung, welche den Bestimmungen
des Artikels 35 des Friedensvertrages
von Versailles entspricht (unter
dem Vorbehalt, daß die belgische Regierung
den Städten Rötgen, Monschau und
Kalterherberg alle möglichen Erleichterungen
gibt zum Transport ihrer Güter usw.
auf der Bahn und gleichzeitig garantiert,
daß es der WasseNersorgung des Wasserbeckens
bei Rötgen, welches von den
Höhen gespeist wi rd , die zum Teil in belgischen
Besitz übergehen werden, kein
Hindernis entgegensetzt).
gez. Whitlock, Oberst.«
Auf deutscher Seite wurde die Entscheidung
der Kommission fassungslos aufgenommen.
Die Bevölkerung des betroffenen
Gebietes und der weiten Umgebung
war empört darüber, daß man dem Kreis
Monschau die so wichtige Lebensader
weggenommen hat. Protestversammlungen
wurden abgehalten. Resolutionen
wurden verfaßt. und in Monschau fand ein
zweitägiger Generalstreik gegen dieses
Unrecht statt. In Aachen, Düsseldorf, Düren
und in der gesamten Region wurden
Sympathiekundgebungen abgehalten und
Entschließungen eingebracht. Alle Bemühungen
der Reichsregierung - die ja
machtlos war - und der grenznahen deutschen
Instanzen verliefen ergebnislos. Es
herrschte eine gespannte Atmosphäre.
Und am 17. Mai 1920 rückte ganz unerwartet
belgisches Militär in einer Stärke
von 200 Mann in Monschau ein. Dazu eine
Notiz aus den »Eupener Nachrichten«
vom 18. Mai 1920. »Die Libre Belgique
meldet aus Brüssel, daß ein Bataillon des
10. Linien-Regiments am Dienstag abgereist
ist, um den Kreis Montjoie zu besetzen.
Wie das Blatt erklärt, ist diese Maßnahme
in vollster Übereinstimmung mit
der französischen Behörde ergriffen worden,
um auf der Eisenbahnstrecke Sabotageakte
zu verhindern, die schon angedroht
wurden. Dies sei der einzige Grund
des Einschreitens.« Sinngemäß berichtet
die Zeitung »Soir«, daß Marschall Foch
den Belgiern die Bewachung der ihnen
zugesprochenen Eisenbahn und Gebiete
des Kreises Monschau »anvertraut« hat.
In Monschau weiß man zu berichten, daß
mit der belgischen Besatzung unerfreuliche
Maßnahmen, Bestrafungen und auch
Ausweisungen eingezogen waren.
Das besiegte Deutschland hatte keine
Möglichkeit, sich gegen dieses offensicht-
E .inladung
a• dncr
· öff tnllimtn Umammlnnt
d(r gan1tn ß(l'Ölhirung
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moatJol,, brn 8. ijd,ruar 1920.
Der Bürgern,clttcr Dr. D1n:lch~
Stadt- und Landbote v. 11 . 2. 1920
liehe Unrecht zu wehren. Auch das von
den Siegermächten so häufig zitierte
Selbstbestimmungsrecht wurde hier ignoriert,
denn die Annexion erfolgte gegen
den Willen der betroffenen Bevölkerung.
Die alliierten Vertreter iJ1 dieser Kommission
und die belgische Regierung können
für sich in Anspruch nehmen, mit dieser
Entscheidung Grenzverhältnisse im Kreis
Monschau geschaffen zu haben, die einem
Rückfall in das Mittelalter gleichkamen.
VAE VICTI S - Wehe den Besiegten
- traf in seiner ganzen Tragweite für das
Grenzland zu.
Die Übernahme des Vennbahnabschnitts
Raeren-Kalterherberg durch Belgien erfolgte
am 1. November 1921. Gleichzeitig
damit mußten auch noch etwa 55 km 2
westlich der Bahnlinie gelegene Gebiete
des Kreises Monschau an Belgien abgegeben
werden. Auf einer Länge von rd.
28,5 km verläuft seitdem diese Vennbahnteilstrecke
in belgischem Eigentum über
deutsches Gebiet und durchtrennt Dörfer
und Gemeinden.
Der Vertrag über die Abtretung der Bahnlinie
von Raeren bis Kalterherberg an Belgien
und damit verbunden auch die »Bestimmungen
betreffend die Grenze zwischen
Deutschland und Belgien« wurde
am 6. November 1922 in Aachen von den
sechs Ausschußmitgliedern unterzeichnet.
Zuvor jedoch hatte die Grenzfestsetzungskommission
deutsche und belgische
Experten der Verwaltungen von Eisenbahn,
Zoll, Post und Gerichtsbarkeit
mit den Vorarbeiten für die Bedingungen
beauftragt, unter denen die Abtretung erfolgen
sollte. Und es sieht ganz so aus, als
hätten die vier alliierten Vertreter etwas
gutmachen wollen. Wenn nämlich das geringste
berechtigte Interesse für die Annexion
dieser Bahnlinie bestanden hätte, wäre
es wohl nicht zu den Auflagen gekommen,
die dem belgischen Staat mit diesen
Bestimmungen aufgetragen wurden. Außerdem
sind sehr ins Detail gehende Anweisungen
für einen möglichst reibu ngslosen
Verkeh r auf dieser Bahnlinie und den
betroffenen Straßen aufgezeigt. Einleitend
heißt es in diesem Vertrag: »Die in der
gegenwärtigen Urkunde festgelegten Bestimmungen
über die Grenzfestsetzung
sind auf Grund des Vertrages von Versailles
bindend für die Beteiligten. Sie brauchen
von keiner Stelle oder Behörde bestätigt
oder ratifiziert werden .« Nachfolgend
einige Auszüge aus den Bestimmungen:
»Die deutsche Sprache wird angewandt.
Die belgischen Beamten müssen deutsch
verstehen und deutsche Antwort geben
.. .
Die Stationsnamen der fünf Bahnhöfe des
Kreises Monschau behalten die jetzigen
deutschen Bezeichnungen ( der Bahnhof
Monschau wurde von der belgischen Seite
jedoch immer Montjoie genannt).
Das deutsche Geld gilt als Zahlungsmittel.
Die Tarife, Fahrpreise und Gebühren werden
in deutscher Währung festgesetzt und
erhoben ...
Der Verkehr des Publikums zum Bahngebiet,
und zwar nicht nur zu den Zügen,
... ist frei von jeder belgischen Steuer-,
Zoll- und Verkehrspolizeikontrolle.
Der Verkehr darf durch keine Vorschriften,
die nicht unbedingt im dienstlichen oder
betrieblichen Interesse erforderlich sind,
erschwert werden . . .
Die Bahnanlagen sind in normalem baulichem
und betrieblichem Zustande zu erhalten
...
Bei Rechtsstreitigkeiten, die zwischen den
deutschen Bewohnern und der belgischen
Eisenbahnverwaltung oder ihren Angestellten
entstehen und die mit der Eisenbahnstrecke
Raeren- Kalterherberg in irgendeiner
Weise zusammenhängen, sind
die deutschen Gerichte (in erster Instanz
Amtsgericht Monschau oder Landgericht
Aachen) zuständig . ..
Die belgische Eisenbahnverwaltung unterwirft
sich den deutschen Urteilen .. . (sie
hat jedoch die Möglichkeit, ein Schiedsgericht
anzurufen).
Die Personenzüge haben sämtlich 2. bis 4.
Klasse zu führen.
Die Fahrpläne werden von beiden Eisenbahnverwaltungen
gemeinsam aufgestellt
. ..
Die Fahrpreise sind in derselben Höhe wie
die jeweiligen Fahrpreise bei den deutschen
Bahnen zu halten . . .
Die deutsche und die belgische Zollverwaltung
errichten auf den Stationen Kalterherberg
und Raeren je ein deutsches und
ein belgisches Zollamt. Das bisherige
deutsche Zollamt Bahnhof Rötgen kommt
in Wegfall.
Die belgische Eisenbahnverwaltung ist
96
verpflichtet, mit den Personenzügen zwischen
Walheim und Kalterherberg die
deutschen Postsendungen jeder Art zu
befördern ...« usw.
Man mußte nun mit den Realitäten, so wie
sie durch die Grenzkommission geschaffen
wurden, leben und fertig werden. Daher
wurde jede Erleichterung im Grenzverkehr
dankend angenommen. Der gesamte
Text der »Bestimmungen, betreffend
die Grenze zwischen Deutschland
und Belgien «, ist im Reichsgesetzblatt -
Teil II - von 1924, Seiten 1 bis 32, abgedruckt.
Die Abtretung der Kreise Eupen und Malmedy
an Belgien hat sich auch auf die
Verbindungslinie von der Vennbahn zur
eigentlichen Eifelbahn, und zwar im Strekkenverlauf
St. Vith-Lommersweiler-Steinebrück-Bleialf-
Pronsfeld-Prüm-Gerolstein,
nachteilig ausgewirkt. Durch den
neuen Grenzverlauf befand sich das Teilstück
von St. Vith aus bis zum Bahnhof
Steinebrück einschließlich nun ebenfalls
auf belgischer Seite. Die Bewohner der
deutsch gebliebenen Grenzorte hatten
nun keine Möglichkeit mehr, diese Bahnlinie
in Anspruch zu nehmen. Sie forderten
daher wiederholt bei Urb oder Ihren einen
neuen Bahnhof. Ihre Anträge wurden jedoch
immer wieder abgelehnt. 1925 hat
man mit der belgischen Regierung verhandelt,
um die Freigabe des Bahnhofs Steinebrück
für die Bewohner der Grenzorte
zu bekommen. Diese Verhandlungen verliefen
jedoch ergebnislos. Daraufhin wurde
1930 endlich der gewünschte Haltepunkt
in Ihren eingerichtet. Damit wurde
Ihren Endstation für den Zugverkehr auf
der deutschen Seite.
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Ein Fahrplan aus dieser Zeit, veröffentlicht in den »Eupener Nachrichten «.
Die Vennbahn nach der Abtretung an Belgien
Nach der Abtretung der Kreise Eupen und
Malmedy sowie der zusätzlichen Annexion
der Bahnlinie von Raeren bis Kalterherberg
verblieben von der Vennbahn nur
noch etwa 17,5 Kilometer bei Deutschland.
Und zwar der Abschnitt von Aachen
Rothe Erde bis zur neuen Grenze hinter
Sehmithof. Dadurch hat sich natürlich auch
die innere Einstellung zu dieser Bahnlinie
und ihre Inanspruchnahme durch die deutsche
Bevölkerung stark verändert. Es war
nicht mehr die vertraute deutsche Vennbahn,
sondern eine belgische Bahnlinie,
mit der man obendrein auch noch durchs
»Ausland « fahren mußte. Zwar fuhr man
noch immer mit den gewohnten deutschen
Personenwagen. Auch das Bahnpersonal
war noch weitgehend bekannt,
denn viele Eisenbahner wurden von der
belgischen Verwaltung übernommen.
Trotz allem, es war nicht mehr so wie
früher.
Anfänglich gab es auch Schwierigkeiten
mit dem planmäßigen Personenverkehr.
Und wegen der vielen Verspätungen enthielten
die in den Zeitungen abgedruckten
Fahrpläne häufig den Hinweis »Ohne
währ«. Hierzu ein Bericht im »Montjoie r
Volksblatt« vom 19. 11 . 1921 : »Bei Besprechung
der Uebernahme der Bahnstrecke
in belgische Verwaltung drückten
wir an dieser Stelle die Hoffnung aus, daß
die anfänglichen Unregelmäßigkeiten, be-
97
sonders die bedeutenden Verspätungen
wohl bald verschwinden würden. Bis heute
ist dies ein frommer Wunsch geblieben.
Verspätungen bis zu einer Stunde und
noch mehr sind an der Tagesordnung. Wer
in Aachen irgend einen Anschluß erreichen
will, tut am besten, einen Zug früher
zu fahren . Allem die Krone aufgesetzt wurde
aber am Sonntag in Raeren, wo nach
Ankunft des Zuges 3,36 ab Aachen erklärt
wurde, für die paar Leute (es waren noch 9
Personen im Zuge) lohne es sich nicht,
weiterzufahren, sie müßten auf den nächsten
Zug warten. Da wäre es aber doch an
der Zeit, daß sich die zuständigen Stellen,
Eisenbahndirektion oder Grenzkommission,
ins Mittel legten. Denn wo soll es
hinführen, wenn es bald hier bald da heißt:
Der Zug fährt nicht weiter, seht zu, wie ihr
fortkommt. «
Die deutschen und belgischen Paß- und
Zollkontrollen befanden sich in Raeren
und Kalterherberg . Die am 13. Januar
1920 eingerichtete Zollstelle in Walheim
wurde Anfang 1923 aufgegeben. Bei den
von Aachen bis St. Vith und umgekehrt
durchfahrenden Zügen wurden anfänglich
in Walheim und später in Raeren das Begleitpersonal
und die Lokomotive gewechselt.
Die Zollabfertigung in Raeren ging so
vor sich: Vor Ankunft eines Personenzuges
wurde der Bahnsteig vollständig geräumt.
Erst nach der belgischen und deutschen
Zoll- und Paßkontrolle konnten die
Reisenden wieder in den weiterfahrenden
Zug einsteigen oder den Bahnsteig verlassen.
Das nicht für die Stationen des Kreises
Monschau bestimmte Gepäck, Expreßgut
usw. wurde in einem besonderen
Packwagen oder einem verschließbaren
Teil des Gepäckwagens zollamtlich verschlossen.
Es war schon ein merkwürdiges
Spielchen, das die Reisenden täglich
mitmachen mußten. Im Güterverkehr ging
es nicht minder kompliziert zu.
Aber nach wie vor hatten noch viele Bewohner
zwischen Roetgen und Monschau
ihren Arbeitsplatz in Aachen. Da jedoch in
den Nachkriegsjahren noch keine große
Auswahl in den verkehrstechnischen
Möglichkeiten gegeben war, wurde die
Fahrt zur Arbeitsstelle wieder mit der
Vennbahn gemacht.
Man war in jener Zeit aber auch um ein
besseres Verhältnis zueinander bemüht.
So wurde am 26. August 1928 eine Vergnügungsfahrt
von den Vennbahnstationen
des Keises Monschau aus nach Antwerpen
durchgeführt. Und an einem
Sonntag im September 1932 leitete die
belgische Eisenbahn zwei Überraschungszüge
nach Monschau. Ganz unerwartet
entstiegen 1 800 fröhliche Menschen,
überwiegend Flamen, den langen
Wagenreihen und bevölkerten das idyllische
Städtchen. Die Gäste wurden von
der Bevölkerung herzlich begrüßt. Bei solchen
Anlässen lernte man sich kennen
und kam sich auch ein wenig näher.
Im VII. Kapitel des Vertrages von 1922
wurde bereits die Möglichkeit eingeräumt,
daß mit dem Einverständnis beider Seiten
die getroffenen Bestimmungen auch geändert
werden können. Nachdem man nun
einige Jahre mit diesem Vertrag gelebt
hatte, dabei Erfahrungen sammeln konnte
und, was wohl besonders wichtig war, die
Kriegs- und Nachkriegsempfindungen allmählich
zurückgetreten waren, hielten es
beide Regierungen für angebracht, den
Vertrag vom 6. November 1922 zu überarbeiten
und zeitgemäß abzuändern. Damit
beauftragt wurden der deutsche Gesandte
Dr. Eckardt und der belgische Ministerialdirektor
Suetens. Am 7. November 1929
haben die Bevollmächtigten das neue Abkommen
in Aachen unterzeichnet (veröffentlicht
im Reichsgesetzblatt 1931, Teil II,
S. 125-196).
Abb. 91 : Sourbrodt war und ist noch immer der Ver1adebahnhof für den Truppenübungsplatz
Elsenborn. Wenn Militäreinheiten verladen wurden, herrschte am Bahnhof Sourbrodt reger Betrieb.
Dem neuen Abkommen lag vor allem die
Absicht zugrunde, der deutschen Bevölkerung
an der Grenze Verkehrserleichterungen
zu verschaffen . Auch Vereinfachungen
in der Abwicklung des Verkehrs
wurden angestrebt, die beiden Seiten zugute
kamen . Es ging aber auch um Maßnahmen
zur Bekämpfung des Schmuggelwesens,
das durch den absurden Grenzverlauf
begünstigt wurde. Man hatte versucht,
durch eine Annäherung der Standpunkte
die verworrene Grenzlage so erträglich
wie möglich zu machen. Die Vennbahnteilstrecke
Raeren- Kalterherberg
blieb aber nach wie vor belgisch.
Unter Bezug auf den § 3 im Artikel 7 befaßt
sich die Anlage 2 des neuen Vertrages
mit der »Regelung des Eisenbahngüterverkehrs
über die Verbindungskurve zwischen
den belgischen Eisenbahnlinien Eupen-Raeren
und Raeren- Roetgen «. Zwischenzeitlich,
vor 1928/29, hatte die belgische
Eisenbahnverwaltung die Verbindungskurve
bei Raeren gebaut und damit
ein sogenanntes Eisenbahndreieck geschaffen.
Es bestand somit die Möglichkeit,
die Strecke Eupen-Roetgen und umgekehrt
in direktem Verlauf zu befahren.
Bisher mußte bei diesen Fahrten im Bahnhof
Raeren stets die Lok umgesetzt werden.
Das war durch diese Verbindungskurve
nun nicht mehr erforderlich.
Für die zollamtliche Abfertigung durch
deutsche Zollbeamte war die belgische Eisenbahnverwaltung
verpflichtet, an dieser
Verbindungskurve einen Bahnsteig mit
Beschaubühne und einen Zollabfertigungsraum
einzurichten. Sie hatte auch
»für die Unterhaltung, Beheizung und Beleuchtung
dieser Einrichtung Sorge zu tragen
sowie ferner Vorkehrungen zu treffen,
daß die an der Rampe ankommenden Züge
auf Erfordern der deutschen Zollbeamten
zur Vornahme der Zollabfertigung anhalten
« (aus Nr. 2 der Anlage 2 des
Vertrages vom 7. 11 . 1929).
Wie es scheint, waren es doch wieder
komplizierte Vorgänge, die da abgelaufen
sind. Mit dieser Verbindungskurve wurde
wohl das letzte zusätzliche Gleis an der
Vennbahn erbaut. Danach hat man nur
noch abgebaut.
Als die Wirtschaft nach dem 1. Weltkrieg
allmählich wieder in Schwung kam, nahm
der Verkehr auf der Vennbahn auch dementsprechend
zu. Insbesondere der Güterverkehr.
Und der Bahnhof St. Vith erfuhr
ein Verkehrsaufkommen wie nie zuvor.
Weit über 40 planmäßige Personenzüge
kamen hier an oder verließen den
Bahnhof auf den Strecken von und nach
Aachen, Gerolstein, Ulflingen, Gouvy und
Vielsalm. Hinzu kamen die zahlreichen
planmäßigen Güterzüge des Regionalverkehrs
auf den genannten Strecken. Den
Hauptanteil des Güterverkehrs bildeten jedoch
täglich 22 Koks- und Kohlezüge aus
Richtung Aachen nach Luxemburg-Lothringen
und 14 Erzzüge in entgegengesetzter
Richtung. Dieses große Verkehrs-
98
Abb. 92: Tenderlokomotive der Baureihe 93 - Typ pr T 14 1 (Bezeichnung der früheren Preußischen Staatsbahnen) - die auch auf der Vennbahn
eingesetzt wurde. Mit 1 000 PS hatte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Die abgebildete Lok 93 985 wurde 1923 von der Maschinenbau
Anstalt Humboldt erbaut.
aufkommen am Bahnhof St. Vith hat vornehmlich
dem St. Vither Ländchen einen
erneuten wirtschaftlichen Auftrieb gebracht.
So ab Ende der 20er Jahre setzte eine
folgenschwere Entwicklung ein, die
schließlich dazu führte, daß der Transitverkehr
auf der Vennbahn allmählich ganz
eingestellt worden ist. langwierige Verhandlungen
zwischen der belgischen und
der deutschen Eisenbahnverwaltung über
die Frachtsätze für den Kohle- und Erztransit
führten zu keinem befriedigenden
Ergebnis. Aber sowohl Deutschland als
auch Luxemburg waren mit den wiederholten
Tariferhöhungen der belgischen
Seite auf Dauer nicht einverstanden. Da
die Deutsche Reichsbahn seit 1925 auch
im westdeutschen Grenzgebiet eine stetig
wachsende Leistungsfähigkeit aufweisen
konnte, unter anderem auch durch den
Neubau des großen Rangierbahnhofs Ehrang
bei Trier, entschloß man sich, den
beiderseitigen deutsch-luxemburgischfranzösischen
Montanverkehr in zunehmendem
Maße auf folgende Transportwege
zu verlagern: Grenze-Ehrang- Moselstrecke-rechte
Rheinstrecke-Ruhr und
Grenze - Ehrang - Eifelstrecke - Düren -
Aachen. Schon bald verkehrten auf der
Vennbahn gar keine Koks- und Erzzüge
mehr.
Die Einstellung des internationalen Güterverkehrs
auf der einst so bedeutenden
Nord-Süd-Verbindung hat sich seitdem
nur nachteilig für die Vennbahn ausgewirkt.
Sie mußte sich in der Folgezeit nur
noch mit dem lokalen Güterverkehr begnügen.
Auch der Personenverkehr ließ immer
mehr nach. Nicht schuldlos daran war die
stärker aufkommende Motorisierung. Autobuslinien
traten in Konkurrenz zur Bahn
und warben um die Fahrgäste. Viele Reisende,
vor allem die täglichen Pendler,
wechselten ins andere Lager.
Etwa in diese Zeit fiel das 50jährige Bestehen
der Vennbahn. In allen Zeitungen dieses
Gebiets - hüben wie drüben - hat
man daran erinnert. Verständlich ist jedoch,
daß es kein freudiges Jubiläum wurde.
Mit kritischen Kommentaren hat man
auf beiden Seiten nicht gespart. Auch in
der »Eupener Zeitung « vom 8. Juni 1935
erschien ein Bericht »50 Jahre Vennbahn
«. Nach der Beschreibung der Entstehung
dieser Bahnlinie und den Kriegsfolgeereignissen
heißt es dann: » ... Diese
ungerechte Abtrennung war mitbestimmend
für den gesamten Rückgang des
Eisenbahnverkehrs auf der genannten Linie.
Heute, am 50. Jahrestag der Inbetriebnahme
der ersten Teilstrecke, sind die internationalen
Kohlen-, Koks- und Erzzüge,
die, wie es im Eisenbahnermunde hieß,
die Schienen nicht kalt werden ließen,
schon längst vergessen. An einzelnen Tagen
der Woche verkehrt nur noch ein Güterzugpaar,
das lediglich dem Ortsverkehr
dient. An Personenzügen zwischen Aachen-St.
Vith verkehren nur fünf Zugpaare,
die durchweg nur 8 Achsen stark und
dabei noch sehr schwach besetzt sind.
Das zweite Gleis auf der Strecke Raeren
Lommersweiler ist, weil überflüssig, abgebaut
worden. Auf der ganzen Strecke besteht
nur noch eingleisiger Betrieb. Die
Umwandlung einer Anzahl Bahnhöfe in
Haltepunkte ist in Aussicht genommen.
Durch die Abtrennung der Kreise Eupep
Malmedy an Belgien ist nicht nur der ~,
senbahnverkehr um 50 Jahre zurückgeworfen
worden, sondern die gesamte Wirtschaft
... «
So oder ähnlich sind die Berichte aus der
damaligen Zeit. Es ist zu spüren, daß viele
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10,22 15,24
10.29 15,31
10,36 15,36
10,43 15,45
10,46 15.19
Menschen auf beiden Seiten der Grenze
mit den Entscheidungen der Siegermächte
nicht einverstanden waren. Auch bestehende
wirtschaftliche Schwierigkeiten im
Grenzland werden darauf zurückgeführt.
Hier und da klangen aber auch schon etwas
radikalere Untertöne an. Man schrieb
ja inzwischen das Jahr 1935.
Der Gleisabbau in der Eifel wurde durch
eine Anordnung der alliierten Besatzungsmächte
eingeleitet. Sie forderten bis Mitte
1930 den Abbau des zweiten Gleises an
den militärisch wichtigen Strecken Gerolstein-Prüm-Lommersweiler
und Jünkerath-Losheim
jeweils bis zur Grenze. Man
verlangte außerdem den Rückbau der zwischen
1914 und 1918 angelegten Verladerampen
an den Bahnen der Eifel.
Nach dem Bericht in der Eupener Zeitung
hat mit dem Rückbau des zweiten Gleises
an der Vennbahn die belgische Eisenbahnverwaltung
begonnen. Allerdings
kann der Hinweis auf den Abbau zwischen
Raeren und Lommersweiler wohl nicht
stimmen. Gemeint ist vermutlich zwischen
Kalterherberg und Lommersweiler. Denn
im Schlußprotokoll einiger Zusatzabkommen
zum Vertrag von 1929, das am 10.
Mai 1935 wiederum in Aachen unterzeichnet
wurde (Reichsgesetzblatt 1935, Teil II,
S. 751-764; in Kraft getreten am 25. September
1937), ist unter II. folgendes zu
entnehmen: »Die belgische Eisenbahn
Verwaltung hat den Wunsch geäußert, die
100
: 1 ..
15,56 18,06 j 21,10
16,06 ' 18,17 1 21,21
16,13 1 18,25 21,28
16,28 18.38 2l.41
16.38 18,47 21,51
16,50 18.58 22,03
17,111 19,09 22,H
17,11 19,18 22,26
17,23 19,29 22,88
17.30
17,38
19,36
19,44
2t,ß
22,53
17,53 19/>9 23,08
18,08 20,14 23,23
18,19 20,23 1 23,40
111,26 21,30 1 0,47
19,30 21,33 0,50
19,37
1947
21 ,fl
21,50
o,56
1,03
19,54 21,58 1,10
19,58 22.-02 1,14
Aus dem »Stadt- und Landboten«
vom 6. Oktober 1934
Linie Raeren-Kalterherberg aus Ersparnisgründen
eingleisig zu betreiben und
aus diesem Grunde das zweite Gleis der
Strecke zu beseitigen. Die deutsche Delegation
hat demgegenüber geltend gemacht,
daß der Erfüllung dieses Wunsches
die deutschen Verkehrs- und Zollinteressen
entgegenständen und daß eine solche
Regelung eine Änderung der Bestimmungen
des Artikels 7 § 2 und 3 in Verbindung
mit Anlage 2 Ziffer 1 des Abkommens vom
7. November 1929 notwendig machen
würde, da ein Aufenthalt an den Ausweichstellen
erforderlich wäre. Sie hat sich
indessen mit einer vorläufigen Einführung
des eingleisigen Betriebes auf ein Jahr
unter der Bedingung einverstanden erklärt,
daß für die Dauer des eingleisigen
Betriebs die Zahl der Personenzüge und
ihre Geschwindigkeit nicht vermindert
wird, daß das nicht benutzte zweite Gleis
an Ort und Stelle verbleibt ...
Die belgische Delegation hat erklärt, daß
sie dieser Regelung zustimmt. Nach Ablauf
der Frist von einem Jahr werden sich
die beiden Regierungen darüber verständigen,
ob die vorstehende Regelung weiterbestehen
bleiben kann .«
Demnach war der Abschnitt Raeren-Kalterherberg
in dieser Zeit also noch zweigleisig.
Weitere Verhandlungen zwischen
den beiden Regierungen über den Abbau
des zweiten Gleises auf diesem Streckenabschnitt
sind nicht bekannt. Daher ist
wohl anzunehmen, daß in den 30er Jahren
das zweite Gleis hier nicht abgebaut worden
ist.
Abb. 93: Viel Begeisterung für die letzte Dampflokomotive auf dem Bahnhof in Raeren
am 4. April 1976.
Unfälle und Eisenbahnunglücke auf der Vennbahn
Auch die Vennbahn mit ihren Abzweigungen
und Anschlußlinien ist von Unfällen,
leichten und schweren Eisenbahnunglükken
nicht verschont geblieben. Ganz im
Gegenteil; man muß zu der Ansicht kommen,
daß doch sehr viele Menschen in
Verbindung mit der Vennbahn den Tod
fanden. Begonnen hat es bereits beim Bau
der einzelnen Teilstrecken. Es würde jedoch
zu weit führen und ist auch nicht die
Aufgabe dieser Schrift, eine vollständige
Auflistung dieser unerfreulichen Vorkommnisse
hier wiederzugeben. Es wurde
auch nicht besonders aufwendig nach diesen
Daten und Hinweisen gesucht. Aber
einige der Unfälle und Unglücke mit unterschiedlichen
Folgen sollen doch aufgezeigt
werden. Sie wurden der »Chronik
der Gemeinde Brand «, einem Aufsatz in
der Zeitschrift »Zwischen Venn und
Schneifel« {da wurden die Unfälle auf der
Vennbahn im Malmedy-St. Vither Land in
den Jahren 1906 bis 1908 aus dem »Neuen
Kreisblatt des Kreises Malmedy« herausgesucht
und zusammengestellt) und
verschiedenen anderen Zeitungen der damaligen
Zeit entnommen.
Chronik Brand: Am 14. Oktober 1884 wurde
hierselbst die Leiche des zu Lendersdorf
im Kreise Düren geborenen, bei dem
Eisenbahn-Neubau hierselbst beschäftigten
Arbeiters Leonhard Dreßen aufgefunden.
Die Schuld dritter an dem Tode erscheint
nach der ärztlichen Untersuchung
und den seiner Zeit gepflogenen Verhandlungen
ausgeschlossen.
Stadt- und Landbote: Montjoie, 16. Januar
1885. Wie uns soeben mitgeteilt wurde,
fand heute Nachmittag gegen zwei Uhr bei
dem Bahnbau zu Lauscherbüchel ein
schreckliches Unglück statt, indem ein älterer
Bahnarbeiter so unglücklich unter die
Erdwagen kam, daß ihm ein Arm, ein Bein
und ein Teil des Hinterkopfes förmlich von
dem übrigen Körper abgetrennt wurde.
Die Herren Unternehmer ließen sofort die
Arbeit einstellen.
Chronik Brand: Am 26. September 1887,
mittags 12 Uhr 37 Minuten, stürzte auf
dem Rollefbach-Viaduct bei Niederforstbach
der Rangiermeister Peter Joseph
Kaußen aus Eilendort vom Eisenbahnwagen
und starb nach wenigen Minuten an
den erlittenen Verwundungen. Kaußen befand
sich während der Fahrt auf der Wagenplattform
und scheint Unvorsichtigkeit
die Ursache der Verunglückung zu sein.
Am 14. September 1890 ereignete sich
das wohl schwerste Unglück auf der Vennbahn.
Es forderte fünfTote und 14 Verletzte.
Zwischen Monschau und Kalterherberg ,
etwa einen Kilometer vom Bahnhof Monschau
entfernt, stießen an diesem Sonntagnachmittag
gegen 15 Uhr zwei Personenzüge
frontal zusammen. Die Lokomotiven
waren ineinander verkeilt und schwer
beschädigt. Mehrere Wagen wurden ganz
zertrümmert. Tote lagen da, und verletzte
Menschen stöhnten und schrien um Hilfe.
Es war ein schrecklicher Anblick.
Ärzte aus Monschau und lmgenbroich leisteten
die Erste Hilfe. Zahlreiche Bewohner
aus der Nachbarschaft eilten herbei,
um bei den Rettungsarbeiten mit anzupakken.
Ein Lokomotivführer, eine junge Frau
aus Kalterherberg und ein zweieinhalb
Jahre altes Kind eines Bahnbeamten aus
Malmedy wurden auf der Stelle getötet.
Ein Zugführer und ein Schreiner aus Mützenich
erlagen später ebenfalls ihren
schweren Verletzungen.
Von den Bahnhöfen Monschau und St.
Vith waren schon bald Hilfsmannschaften
mit Räumgerät unterwegs, und gegen
zwei Uhr nachts war die Strecke soweit
Abb. 94: Bei Gut Reichenstein,
im belgischen
Waldgebiet
oberhalb der Vennbahnstrecke,
befindet
sich die Richelsley. Damit
ist ein großer und
langgestreckter Quarzitblock
gemeint. Im
Jahre 1890 hat der Kalterherberger
Pfarrer Arnoldy
zu Ehren des
Vennapostels Stephan
Horrichen ein großes,
metallenes Kreuz auf
diesem Felsen errichten
lassen. Es ist weithin
als das Kreuz im
Venn bekannt. Unter
diesem Titel erschien
1908 ein Roman von
Clara Viebig, in dem die
Schriftstellerin realistisch
und doch unterhaltsam
auch eine
Fahrt mit der Vennbahn
von Kalterherberg aus
nach Echtemach beschreibt.
geräumt, daß der Verkehr wieder aufgenommen
werden konnte.
Wie es zu diesem schweren Unglück kam,
wird im »Stadt- und Landboten« so beschrieben:
» . . . Der nachmittags 2.14 Uhr
hier fällige Zug von Aachen hatte, wie man
seit Wochen gewohnt ist, Verspätung, die
Kreuzung der beiden Personenzüge St.
Vith- Aachen und Aachen-St. Vith (Zug 65
und 66) soll planmäßig in Kalterherberg
stattfinden, wurde aber infolge der Verspätung
des Zuges 66 nach Station Montjoie
verlegt und Zug 65 von Kalterherberg abgelassen;
mittlerweile lief Zug 66 ein, wurde
abgefertigt und weiter beordert. Jetzt
erinnerte man sich, daß der Zug von Kalterherberg
abgelassen sei, man schrie und
flötete dem davonrollenden Zuge nach,
Läutewerk besitzt diese Strecke nicht, zu
spät, ein Zusammenstoß war nicht mehr
zu vermeiden, da die Züge sich an einer
Stelle treffen mußten, wo man den Bahnkörper
kaum 50 Schritte weit übersehen
kann ... «
101
Der Stationsvorsteher von Kalterherberg
sowie ein Stations- Assistent und ein Telegraphist
vom Bahnhof Monschau wurden
sofort verhaftet und ins Gefängnis nach
Aachen gebracht. Den Stations-Assistent
aus Monschau hat man Ende November
aus der Untersuchungshaft entlassen, und
bereits Mitte Dezember des gleichen Jahres
fand die Verhandlung vor der Strafkammer
in Aachen statt. Unter Anrechnung
der Untersuchungshaft wurden der
Stationsvorsteher von Kalterherberg zu
zwei Jahren und der Telegraphist aus
Monschau zu eineinhalb Jahren Gefängnis
verurteilt.
Montjoie'r Volksblatt: Montjoie, 25. Januar
1893. Wir haben wiederum ein Eisenbahnunglück
zu verzeichnen. Am Dienstag
den 24. wurde ein Einwohner von Mützenich,
der am Vorabend wahrscheinlich
vom letzten Zuge überfahren worden war,
vom Streckenwärter in dem Einschnitte an
der Boverei als Leiche aufgefunden.
Montjoie'r Volksblatt: Roetgen, 1 O. Juli
1895. Gestern Abend wurde der hiesige
80jährige Ackerer Nikolaus Krings an einem
nicht mit Barriere versehenen Wegeübergang
der Bahn von der Lokomotive
erfaßt und so schwer verletzt, daß derselbe
schon nach zwei Stunden starb.
Stadt- und Landbote: Das Eisenbahn-Unglück
zu Reichenstein . Montjoie, 7. Februar
1896. Der Personenzug auf der Strecke
Aachen- Montjoie-St. Vith, welcher um
9,32 Uhr Morgens unseren Bahnhof verläßt,
um gegen 9,46 in Kalterherberg einzutreffen,
ist heute Morgen, kurz nach
Passirung des Viaducts von Reichenstein,
in der Nähe des Weihers entgleist . .. Außer
den großen Beschädigungen, welche
die Lokomotive und mehrere Wagen erlitten
haben, sowie außer dem stellenweise
zertrümmerten Geleise, ist leider der Verlust
eines Menschenlebens zu beklagen;
der Heizer des Zuges ist der Katastrophe
zum Opfer gefallen . . . Weiter haben noch
einige Bahnbeamte leichtere Verletzungen
erhalten . .. Die Passagiere kamen glücklicherweise
mit dem Schrecken davon.
Trotzdem ist es noch als eine glückliche
Fügung zu betrachten, daß sich der Unfall
nicht zwanzig Schritte vor dem beredten
Orte, d. h. auf dem Viaduct, ereignet hat,
sonst würden die Folgen desselben wohl
noch viel bedauerlicher gewesen sein.
Der Schauplatz, wo sich die Entgleisung
ereignete, bot ein schauerlich-malerisches
Bild . . . Es ist dies binnen ca. 5 Jahren der
zweite größere Unglücksfall auf der Strekke
zwischen Kalterherberg und Montjoie
. . .
Chronik Brand: Am 3. Juni 1896 stürzte
auf dem Bahnübergang in Niederforstbach
ein Pferd mit Karre kurz vor dem Einlaufen
eines Personenzuges. Wenn es nicht dem
zufällig dort patroullierenden berittenen
Gendarmen Kallenberg gelungen wäre,
das Zugbegleitpersonal auf den Vorfall
aufmerksam zu machen und den Zug zum
Halten zu bringen, so wäre ein großes
Unglück unvermeidlich gewesen. Inzwischen
sind an dem betreffenden verkehrsreichen
Wege seitens der Eisenbahnverwaltung
Schranken angebracht . ..
Montjoie'r Volksblatt: Montjoie, 16. Juni
1904. Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr
ereignete sich zwischen hier und Kalterherberg
durch Zusammenstoß zweier Güterzüge
ein größeres Eisenbahnunglück,
dem leider durch den heute Abend im
Mariahilf-Hospitale erfolgten Tod des
schwer verletzten Zugführers Thielen ein
Menschenleben zum Opfer gefallen ist.
Das Unglück erfolgte in dem in einer Kurve
laufenden Einschnitt auf der Boverei,
unweit der Stelle, wo sich im Jahre 1890
das folgenschwere Eisenbahnunglück ereignete
. . . Außer dem heute Abend verstorbenen
Zugführer ... sind acht weitere
Beamte des Zugpersonals verletzt worden,
jedoch soweit bis jetzt festgestellt
werden konnte, meistaus nur leicht . ..
Der Materialschaden ist bedeutend. Die
beiden schweren Lokomotiven standen
mit den Kesseln festineinander und sind
stark beschädigt . .. (Eine Anzahl Wagen
wurden vollständig zertrümmert.)
Zwischen Venn und Schneifel: St. Vith, 18.
Januar 1906. Am 16. d. Monats verstarb
der Bahnarbeiter Wilhelm Cremer von hier
an den Folgen von Verletzungen, die er
bei einem Betriebsunfall erlitten hatte. Ein
Torflügel des Lokomotivschuppens hatte
sich aus den Angeln gelöst und traf im
Sturze den bedauernswerten Arbeiter, der
sich als arbeitsamer, redlicher Mann allgemeiner
Achtung erfreute.
Zwischen Venn und Schneifel: Bütgenbach,
16. Juni 1906. Gestern hatte ein
Güterzugbeamter der hiesigen Eisenbahnstation
(d. h. am späteren Bahnhof
Weywertz) das Unglück zu fallen, wobei er
von den Rädern des Zuges erfaßt und ihm
der Unterschenkel eines Beines überfahren
wurde . .. Die Ärzte haben erklärt, daß
höchst wahrscheinlich eine Amputation
nicht notwendig sei, so daß dem Manne
das Bein erhalten bleibe.
Zwischen Venn und Schneifel: Lommersweiler,
11 . Dezember 1906. Gestern vormittag
stieß am hiesigen Bahnhof durch
Überfahren des Signals ein Kokszug auf
einen Rangierzug. Es entstand nur ein mäßiger
Materialschaden.
Chronik Brand: Am 15. März 1907 ist der
68 Jahre alte Viehtreiber Karl Thelen aus
Aachen auf dem Eisenbahngeleise im Gemeindebezirk
Brand tot aufgefunden worden.
Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord
die Ursache des Todes gewesen ist, konnte
nicht festgestellt werden.
Zwischen Venn und Schneifel: Malmedy,
18. Juni 1907. Am Sonntagfrüh ist auf der
Eisenbahnstrecke Weismes-Montenau
oberhalb des Dorfes Ondenval ein Mann
von 27 Jahren namens Querinjean aus
Ondenval von einem Zuge überfahren und
getötet worden.
Zwischen Venn und Schneifel: Weismes,
10. Oktober 1907. Gestern morgen fuhr
hier ein Fuhrwerk bei dem Überweg in den
Eisenbahnzug. Das Pferd wurde von der
Maschine erfaßt und erheblich verletzt.
Der Führer des Fuhrwerks kam mit einigen
Hautabschürfungen davon. Der Wagen
wurde zertrümmert.
Zwischen Venn und Schneifel: Sourbrodt,
2. November 1908. Durch einen Personenzug
wurden heute mittag in der Nähe
der hiesigen Station 2 Kühe getötet. Bei
dem Unglücksfall entgleisten 2 Wagen des
Zuges.
Zwischen Venn und Schneifel: St. Vith, 10.
Dezember 1908. Gestern nacht wurde
beim Rangieren auf dem hiesigen Bahnhofe
ein Bremser des Fahrpersonals
Rothe Erde zwischen den Puffern totgedrückt.
Stadt- und Landbote: Roetgen, 2. September
1913. Heute Vormittag wurde der
Streckenwärter August May von hier auf
der Eisenbahnlinie Roetgen-Lammersdorf
von einem in voller Fahrt befindlichen Zug
an der rechten Kopfseite erfaßt und die
Bahnböschung heruntergeschleudert, wo
er tot liegen blieb. Der Verunglückte hinterläßt
Frau und drei unversorgte Kinder.
Stadt- und Landbote: Montjoie, 14. August
1916. Zu dem Eisenbahnunglück in Roetgen
wird uns mitgeteilt: Am 10. August,
2,30 vormittags fuhr der Güterzug 8709
auf den im Bahnhof! haltenden Militärpferdezug
25196 auf. Materialschaden erheblich.
Getötet ein Schaffner, ein Soldat
schwer, zwei leicht verletzt. Betrieb nicht
gestört. Schuldfrage noch nicht geklärt.
Montjoie'r Volksblatt: Roetgen, 5. September
1922. Gestern Abend lösten sich von
einem Güterzuge auf dem Bahnhof Lammersdorf
zehn beladene Kieswagen und
rollten in rasender Schnelligkeit die Strekke
auf Roetgen zu hinab. In Roetgen konnte
man glücklicherweise die Wagen in ein
totes Gleise dirigieren, wo dieselben total
zerschmettert wurden.
Stadt- und Landbote: Montjoie, 25. Mai
1925. Auf der Strecke Montjoie-Kalterherberg
ereignete sich heute abend ein
schweres Eisenbahnunglück. Der von
Montjoie 7,22 Uhr abfahrende Personenzug
entgleiste kurz vor dem Bahnhof Kalterherberg.
Die Maschine hob sich aus
dem Geleise und stürzte die ca. 1 O Meter
hohe Böschung herab. Sie liegt am Fuße
der Böschung in einer Sumpfwiese.
Der Packwagen hängt auf der Seite liegend
in der Böschung, während die anderen
Wagen auf dem Bahndamm stehen
blieben. Wie verlautet, fand der Lokomotivführer
den Tod, wogegen der Heizer
schwer verletzt wurde. Über die Entstehungsursache
ist nichts Näheres bekannt.
Mit den Aufräumungsarbeiten ist man beschäftigt.
Dieses Unglück wird in der Zeitschrift
»Zwischen Venn und Schneifel« - Juni
1984 - sehr ausführlich beschrieben (allerdings
stimmt das angegebene Datum
nicht}. Die Auskünfte kamen von einem
sehr alten Eisenbahner aus Leykaul.
102
Abb. 95: Die herabgestürzte Lokomotive beim Eisenbahnunglück vom 25. Mai 1925 zwischen
Monschau und Kalterherberg.
Abb. 96: Die Aufräumungsarbeiten nach dem Eisenbahnunglück
Nach dem Unglück kam es nun darauf an,
die Lok wieder zu bergen. Zwei schwere
Hebekräne, die man aus Lüttich geholt
hatte, schafften es nicht. Man führte daher
aus dem Bahnkörper, an einer Stelle mit
gleichem Niveau, ein Notgleis heraus und
baute es parallel zum Bahndamm bis hin
zur Lok. Es war ein schwieriges Unterfangen,
weil der feste Untergrund fehlte und
außerdem die Rur überquert werden mußte.
An der Lok selbst wurde bis auf das
schwere Fahrgestell alles abmontiert.
»Dann stellte man einen aus 40 bis 50
leeren Güterwaggons bestehenden Zug
zusammen, welcher der Länge des Notgleises
entsprach, und zwei Lokomotiven
schoben ihn rückwärts bis an die Unfallstelle,
ohne jedoch selbst den sicheren
Bahndamm zu verlassen. Anschließend
zogen sie den Zug mit der angekoppelten
verunglückten Maschine wieder auf die Eisenbahnlinie.
«
Das ganze Unternehmen war sehr zeitaufwendig,
es soll drei Monate gedauert und
viele Arbeiter beschäftigt haben. Nach
heutigem Sprachgebrauch dürfte wohl
»Trunkenheit am Steuer (im Führerstand
der Lokomotive)« die Ursache des Unglücks
gewesen sein (so heißt es im Bericht).
Stadt- und Landbote: Conzen, 28. September
1925. Am vergangenen Freitag
entgleiste zwischen Lammersdorf und
Conzen die Maschine des fahrplanmäßig
um 5,48 Uhr nachmittags hier eintreffenden
Personenzuges. Da der Zug schnell
zum Stehen gebracht wurde, wurde ein
größeres Unheil vermieden, sodaß Personen
nicht zu Schaden kamen. Der Betrieb
wurde bis zur Beseitigung der Störung,
gegen 11 Uhr nachts eingleisig aufrechterhalten.
Montjoie'r Volksblatt: Rötgen, 7. Juli 1928.
Gestern nachmittag um 16,05 Uhr ist auf
dem Bahnhof Rötgen die Maschine eines
32 Wagen langen Kokszuges entgleist. Da
sich an dem Zug aber wegen der Steigung
hinter Rötgen noch eine Druckmaschine
befand, fuhr diese Maschine mit Volldampf
Abb. 97: Das Eisenbahnunglück
in Roetgen
am 6. Juli 1928
103
den Zug gegen die entgleiste Maschine
auf, hierdurch wurde größerer Sachschaden
angerichtet. Insbesondere litten die
acht ersten Wagen . Der sechste Wagen
wurde vollständig mitten durchgebrochen.
Menschenleben sind nicht zu Schaden
gekommen, nur der Heizer der entgleisten
Maschine wurde leicht verletzt ... Wie der
Aachener Volksfreund hierzu schreibt, soll
nach den Aussagen von verschiedenen
Seiten die Festigkeit der Strecke zu wünschen
übrig lassen. Ob es aber richtig sei,
daß bereits seit langem keine Überprüfung
der Strecke und auch keine Reparaturen
angeordnet wurden, konnte nicht festgestellt
werden. Auch die Behauptung, daß
noch in der letzten Zeit die Eisenbahndirektion
Lüttich auf den Mangel der Gleisanlagen
aufmerksam gemacht worden sei,
wu rde gemacht. Ob das stimmt, wäre interessant
zu erfahren. Diese Fragen müssen
aufgeworfen werden, weil die Aachener
und besonders die Eifeler Bevölkerung
an dem guten Zustand dieser exterritorialen
Bahn das größte Interesse haben.«
Mitunter konnte man den Nachrichten entnehmen,
daß alles glimpflich verlaufen
war. Gelegentlich ließ sich sogar ein leichtes
Schmunzeln nicht vermeiden. So auch
bei dem folgenden Bericht des Stadt- und
Landboten: »Montjoie, 29. September
1895. Ein besonderes Glück hatte ein etwa
70 Jahre alter Mann am verflossenen
Montag bei einem Sprung von dem Eisenbahnwaggon
während voller Fahrt des Zuges.
Wie uns ein Augenzeuge mittheilt,
kam bei Abgang an Station Raeren ein
biederer Landmann mit wohlduftendem
Pfeifchen in ein Coupee dritter Classe und
fragte in gemüthlichem Tone: ,Ben ech he
ooch en verte Klaß?' ,Nein, hier ist die
dritte Klasse', lautete die höfl. Antwort.
Ohne sich weiter zu besinnen, eilte der
Mann zum Coupee hinaus und wagte direct
von der Plattform aus einen Sprung.
Die Passagiere sahen noch, wie der Waghals
sich einigemale kugelte, dann aber
halb aufrichtete und - erst probirte, ob
sein Pfeilehen noch brannte, und alsdann,
anscheinend ohne jeden Schaden zu nehmen,
weiter marschirte. «
Abb. 98: ?mal kreuzt die Vennbahn die Straße zwischen Aachen und Monschau. In Brand, Kornelimünster, Walheim, auf der Himmelsleiter, am
Bahnhof Roetgen, in Roetgen und vor Konzen. Das Bild zeigt die Kreuzung der Vennbahn mit der Himmelsleiter.
Bis zum Jahre 1885 war die Straße Aachen-Monschau
und weiter nach Trier
zwar nicht die einzige, wohl aber die wichtigste
Verbindung aus dem Aachener
Raum in die Nordeifel und die angrenzende
Vennregion. Ein besonderes Teilstück
dieser Straße ist die in geradem Verlauf
hoch hinauf führende »Himmelsleiter«
zwischen der einstigen Poststation Relais
Königsberg und Münsterbildchen vor
Roetgen. Und dann wurde die Vennbahn
gebaut. Eine neue, in weiten Bögen angelegte
eiserne Leiter kletterte die Steigun-
gen hinauf und trat in Konkurrenz zu dieser
Straße. Und die Vennbahn gewann
den Wettbewerb. Die Überlegenheit der
Schiene gegenüber der Straße zeigte sich
in der bequemeren, schnelleren und
preiswerteren Beförderung von Menschen
und Gütern. Sie trug aber auch dazu bei,
daß vielen Menschen die Eifel und das
Venn nähergebracht wurden und dieses
Gebiet allmählich für den Fremdenverkehr
erschlossen werden konnte.
Aber die Überlegenheit der Schiene währte
nur wenige Jahrzehnte. Mit der aufkommenden
Motorisierung und dem parallel
dazu verlaufenden stetigen Niedergang
der Vennbahn, der aber auch durch die
Kriegsfolgeereignisse bedingt war, trat die
Straße - und mit ihr die Himmelsleiter -
wieder stärker in den Vordergrund. Inzwischen
hat die Vennbahn praktisch aufgehört
zu bestehen. Im Gegensatz dazu
kann die Straße ein ungeahntes Verkehrsaufkommen
für sich in Anspruch nehmen.
Letztendlich hat sie den Wettkampf für
sich entscheiden können.
104
•
Die Vennbahn während des Zweiten Weltkrieges
Der Beginn des zweiten Krieges ließ die
Vennbahn anfänglich noch unberührt. Sie
war ja auch fast 1 000 Kilometer vom
Kriegsgeschehen des Jahres 1939 entfernt.
Ganz anders sah es aus, als der
Frankreichfeldzug am 10. Mai 1940 begann.
Wieder marschierten deutsche
Truppen in Belgien ein, um nach Nordfrankreich
vorzustoßen. Noch in den frühen
Morgenstunden des gleichen Tages,
also kurz vor dem deutschen Einmarsch,
1
haben belgische Kommandos die Viadukte
bei Weywertz und Oudler gesprengt. Damit
wollte man ganz offensichtlich die
Nachschubmöglichkeiten auf der Vennbahn
zumindest kurzzeitig unterbinden.
Schon wenige Tage nach dem Einmarsch
in Belgien wurden durch einen Führererlaß
vom 18. Mai 1940 die Gebiete Eupen,
Malmedy und Moresnet wieder mit dem
Deutschen Reich vereinigt. Damit wurde
auch die Vennbahn mit ihren Abzweigungen
und Anschlußlinien wieder deutsch.
Nach G. Stieler in »Die Vennbahn« setzte
zunächst eine eingehende Renovierung
und Modernisierung der Bahnanlagen und
Bahnhofsgebäude ein . Getreu nach dem
Motto »Räder müssen rollen für den Sieg «
entwickelte sich auch auf dieser Bahnlinie
schon bald wieder ein reger Verkehr. Allerdings
hatten die Militärtransporte, gleich
welcher Art, in dieser Zeit stets Vorrang.
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11)1)
777
Die Vennbahn war inzwischen auf einigen
Teilstrecken nur noch eingleisig zu befahren.
Dem Vernehmen nach wurde das
noch vorhandene zweite Gleis zum Teil in
den Kriegsjahren zurückgebaut und anderswo
verwendet.
Bis etwa Mitte 1944 hatte die Vennbahn
den Krieg ohne nennenswerte Schäden
überstanden. Mit dem Näherrücken der
Front und dem damit verbundenen Rückzug
der deutschen Truppen geriet auch
diese Bahnlinie immer mehr in das Schußfeld
der kämpfenden Einheiten. Bahnhöfe
und Gleisanlagen, Brücken und Unterführungen,
Lokomotiven und Wagenmaterial
fielen den Kampfhandlungen zum Opfer.
So wurde der Bahnhof St. Vith von August
bis Dezember 1944 durch einige schwere
Luftangriffe nahezu vollständig zerstört. In
dieser Zeit sind durch Kampfhandlungen
und Bombardierungen zahlreiche Bahnhofsgebäude
und Bahnanlagen entlang
der Strecke mehr oder weniger stark beschädigt
worden. Dazu gehören u. a. auch
die Bahnhöfe in Malmedy, Kalterherberg
und Monschau.
Bahnhöfe und fahrende Züge waren auf
dem gesamten Streckenverlauf aber auch
den ständigen Angriffen der Jagdbomber
und Tiefflieger ausgesetzt. In Roetgen
wird am 5. September ein Personenzug
beschossen. Dabei gibt es einige Verletzte.
Am 8. September erfolgte am Spätnachmittag
zwischen Rothe Erde und
Brand ein Tieffliegerangriff auf den Personenzug
Aachen-St. Vith, bei dem es mehrere
Tote gab. Zwei Tage später, am 10.
September, kommt der Lokführer eines
nach St. Vith fahrenden Personenzuges
unweit des Bahnhofs Konzen bei einem
Jabo-Angriff ums Leben. Der Heizer und
einige Mitreisende werden glücklicherweise
nur leicht verletzt. An diesem 1 O. September
fuhren die letzten planmäßigen Züge
auf der Vennbahn sowohl von Aachen
nach St. Vith als auch von St. Vilh über
Weismes- Monschau-Raeren nach Aachen-Rothe
Erde. In der folgenden Nacht
fahren noch einige überfüllte Flüchtlingszüge,
und am Morgen des 11 . September
1944 verläßt der letzte deutsche Zug den
Bahnhof Roetgen in Richtung Aachen. Danach
wird der Betrieb auf dieser Strecke
eingestellt.
Doch das war noch keineswegs das En
Motorisierte Sprengkommandos der Deutschen
Wehrmacht, die sich auf dem Rückzug
befand, haben zwischen dem 11 . und
14. September entlang der Bahnlinie noch
zahlreiche, völlig unsinnige Sprengungen
vorgenommen. Alles, was sie von der
105
Abb. 99: Der erste Jeep vor dem Bahnhof Roetgen
nach dem Einmarsch der amerikanischen
Truppen. Rechts hinter dem Jeep das Stellwerk
und dahinter das alte Bahnhofsgebäude.
Straße aus erreichen konnten, wurde in
die Luft gejagt. Der Viadukt bei Gut Reichenstein,
das kleine provisorische Bahnhofsgebäude
in Konzen, die Viadukte in
Kornelimünster, an der Schlausermühle
und in der Rüst bei Stolberg, die Brücke
am Bahnhof Kornelimünster, Überführungen,
Gleisanlagen u.a.m. Es war ein befohlener
Zerstörungswahn, der während
des Rückzuges betrieben wurde und unermeßlichen
Schaden anrichtete. Der Viadukt
über das Rollefbachtal hatte das
Glück, abseits zu liegen. Darum blieb er
unversehrt.
Nach der Besetzung durch die Amerikaner
war der Krieg für diese Region zu Ende.
Der Waffenstillstand wurde am 9. Mai 1945
unterzeichnet. Wieder hatte Deutschland
den Krieg verloren. Eupen, Malmedy und
Moresnet wurden wieder belgisch, und die
Vennbahn natürlich auch. Es war genauso
wie nach dem ersten verlorenen Krieg .
Nur gut vier Jahre hatte dieses Intermezzo
gedauert.
Amerikanische Pioniereinheiten haben
schon bald nach dem Einmarsch mit der
Instandsetzung der Strecken begonnen.
In die teilweise zerstörten Talbrücken an
der Schlausermühle und in der Rüst haben
sie eingleisige Behelfsbrücken eingebaut,
die im wesentlichen noch heute bestehen
und befahren werden. Bereits am 14. Februar
1945, also noch vor dem Kriegsende,
konnte der Verkehr auf der Teilstrecke
Stolberg-Walheim-Raeren für rein militärische
Zwecke wieder aufgenommen we r
den. Lokomotiven der amerikanischen Armee
kamen zum Einsatz.
Abb. 100: Der zerstörte Viadukt über das lterbachtal
bei Kornelimünster. Die beiden Bögen
über der Bundesstraße 258 wurden gesprengt.
Abb. 101 : Ein interessantes Bild des Viaduktes
bei Gut Reichenstein aus den ersten Nachkriegsjahren
des zweiten Krieges. Es zeigt die
notdürftig hergestellte Brücke. Durch die Sprengung
wurden die beiden nördlichen Bögen zerstört.
Außerdem ist noch ein Teilstück des ersten
Viadukts zu sehen. Vermutlich wurde das
Baumaterial des Brückenrestes zum Wiederaufbau
der zerstörten Talbrücke verwendet.
Auch der Viadukt bei Gut Reichenstein
wurde von amerikanischen Truppen notdürftig
wieder befahrbar gemacht. G. Stieler
schreibt dazu: » ... Am 16. 11 . 1945
ging beim Landratsamt (gemeint ist Monschau)
eine Durchsage einer englischen
Dienststelle ein, wonach die Eisenbahnstrecke
für den Güterverkehr wieder freigegeben
sei. Der Reichsbahn sollte eine
entsprechende Mitteilung gemacht werden,
wobei der englische Kommandant
106
gleichzeitig anregte, daß die Reichsbahn
bei dieser Gelegenheit auch die Wiedereröffnung
des Personenverkehrs durchzusetzen
versuchen solle. Wie sich jedoch
nachher herausstellte, handelte es sich insoweit
um einen Irrtum des zuständigen
englischen Offiziers, der in Unkenntnis der
besonderen Rechtsverhältnisse aus der
Tatsache, daß die Bahn auf deutschem
Boden lag, auch auf deren deutschen Besitz
geschlossen und den Betrieb durch
die Deutsche Reichsbahn als selbstverständlich
angesehen hatte .. . «
Der englische Offizier konnte nicht wissen,
daß zwischen 1919 und 1922 ein
englischer Oberstleutnant (er wurde in
dieser Zeit noch zum Oberst befördert) als
Mitglied der sogenannten Grenzkommission
mit dazu beigetragen hat, diese unsinnige
Grenze zu schaffen. Denn nun
bestand sie ja wieder.
1l47a
247a Aachen und Stolberg (Rhl.)-WalhoJm,-Welsines-St Ylth- Ul!Ung"n
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247a Ulfllngen-StVlth-Weismes-Walhelm-Stolberg (Rhl.) und Aachen
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1
Seite IO
Am 3. Juli 1944 wird »bis auf weiteres« das letzte amtliche Kursbuch der Deutschen Reichsbahn herausgegeben. Auf Seite 80 befindet sich der
Fahrplan der Strecke 247 a mit der Linienführung der Vennbahn von Aachen Hbf. über Walheim-Raeren-Kalterherberg
Weismes nach St. Vith und der Weiterführung nach Ulflingen. Auch die Anschlüsse Stolberg Hbf.-Walheim und Weismes-Malmedy sind mit
aufgeführt. Es ist der letzte Fahrplan für diese durchgehende Verbindung.
107
Die Vennbahn nach 1945
Während nach dem ersten Krieg der Verkehr
auf der Vennbahn praktisch gar nicht
unterbrochen wurde, hat es nach dem
zweiten Krieg nahezu zwei Jahre gedauert,
bis der Güterverkehr für die Stationen
im Kreis Monschau wieder freigegeben
wurde. Ursprünglich sollte der Güterverkehr
am 2. Januar 1946 aufgenommen
werden. Die Bahnlinie war ja wieder intakt
und betriebsfähig, denn bereits seit geraumer
Zeit wurde auf ihr das in deutschen
Wäldern geschlagene Holz nach Belgien
transportiert. Daß der Güterverkehr noch
nicht angelaufen war, lag vielmehr daran,
daß Belgien die Frachtsätze nach belgischen
Tarifen, also in belgischen Franken
berechnet und bezahlt haben wollte. Aber
bei dem damaligen Währungsstand war es
unmöglich, diese Forderung zu erfüllen;
außerdem durfte die Bezahlung in belgischen
Franken gar nicht erfolgen, denn
laut Anordnung der Militärregierung war
der Besitz von ausländischen Währungen
der deutschen Bevölkerung und den deutschen
Behörden verboten. Solange diese
belgische Forderung aufrechterhalten
wurde, war ein Verkehr auf der Vennbahn
in den Kreis Monschau hinein nicht denkbar.
Es wurden langwierige Verhandlungen
geführt, bis schließlich im Februar
1947 der Güterverkehr zu den Stationen
Roetgen, Lammersdorf, Konzen und Monschau
als Endstation wieder gestattet wurde.
Ausgenommen waren noch der Transport
von Stückgut, Expreßgut und Viehtransporte.
Aber es gab wieder Verkehr
auf dieser Teilstrecke der Vennbahn. Ein
planmäßiger Personenverkehr zwischen
Raeren und Kalterherberg wurde jedoch
nicht mehr aufgenommen.
Wie bereits erwähnt, war man schon unmittelbar
nach der Einstellung der Feindseligkeiten
bemüht, die Strecken und
Bahnhofsanlagen notdürftig in Ordnung zu
bringen. Das traf für den gesamten Strekkenverlauf
zu. Und schon bald konnte auf
einigen Teilstrecken der Personenverkehr
wieder aufgenommen werden. Das war
ein echtes Bedürfnis; denn die Straßen
waren vielfach schlecht, und es gab in
dieser Zeit kaum andere Beförderungsmöglichkeiten.
Auch der Güterverkehr ließ
nicht lange auf sich warten. Mitunter wurde
er schon vorher aufgenommen oder nur
noch betrieben. Auf einigen Abschnitten
tat sich allerdings nichts mehr, denn hier
hätte die Instandsetzung der Strecken in
keinem Verhältnis zu dem noch zu erwartenden
Nutzen gestanden.
Die Ursache hierzu lag in der außergewöhnlich
stark aufkommenden Motorisie-
Abb. 102: Der malerische Bahnübergang bei Kalterherberg heute. Das belgische Zollhäuschen, die
Warnkreuze mit Blinklicht und ein alter Wasserkran aus der Dampflokzeit.
rung begründet, die schon bald nach dem
Krieg ein ungeahntes Ausmaß annahm.
Neben dem stetig zunehmenden Individualverkehr
wurde die Personenbeförderung
weitgehend von Autobussen übernommen.
Sie waren nicht mehr an eine starre
Linienführung gebunden. Die Haltestellen
befanden sich praktisch vor der Haustür,
und die Fahrzeiten wurden außerdem
noch kürzer. Ähnlich ging es mit dem Güterverkehr.
Die Zwischentransporte zum
und vom Güterbahnhof entfielen. Zeit und
Kosten wurden somit eingespart und der
Gütertransport auf der Straße dadurch insgesamt
wirtschaftlicher. Das alles wirkte
sich natürlich sehr nachteilig für die Eisenbahn
aus. Besonders die Nebenbahnen
waren davon betroffen. Sie wurden unrentabel,
und zahlreiche Strecken mußten früher
oder später aufgegeben und stillgelegt
werden.
Auch die Eisenbahnlinien in der Eifel
Venn-Region hatten nach dem Krieg bald
ausgedient. Da der Tunnel bei Hemmeres
nicht mehr passierbar war, ist der Abschnitt
Lommersweiler- Reuland nach
1945 nicht mehr in Betrieb genommen
worden. Zwischen Reuland und Ulflingen
bestand anfänglich noch Güterverkehr.
Meistens wurde Holz über Luxemburg
nach Belgien transportiert. Doch schon
nach wenigen Jahren bestand für diese
Strecke kein Bedarf mehr, und sie wurde
1964 bis zur Grenze stillgelegt und danach
abgebaut. 1983 hat man die letzten Schienen
zwischen Ulflingen und Wilwerdingen
(Wilwerdange) entfernt.
Am 18. Mai 1952 wurde der Triebwagen
Verkehr auf der Teilstecke St. Vith--Steinebrück
eingestellt. Bald danach auch der
Güterverkehr, und 1960 erfolgte der Rückbau
der Schienen. Das Bahngelände
konnten Interessenten käuflich erwerben.
Die Bahnlinie Ihren (Grenze)-Bleialf
Pronsfeld-Prüm-Gerolstein war durch
Kriegseinwirkungen erheblich zerstört.
Den Abschnitt lhren-Bleialf-Pronsfeld hat
die US-Armee im Februar und März 1945
behelfsmäßig befahrbar gemacht. Ab 1946
wurde auf diesem Streckenabschnitt das
von der belgischen Armee in der Schnee
Eifel geschlagene Holz durch die belgische
Eisenbahn von Bleiall nach Belgien
transportiert.
Die Wiederaufbauarbeiten an dieser Bahnlinie
wurden in den Jahren 1948 und 1949
durchgeführt. Die Inbetriebnahme erfolgte
im Abschnitt Gerolstein-Prüm am 22. November
1948 und im weiterführenden
Streckenverlauf über Pronsfeld-Bleialf-lhren
am 17. Oktober 1949. Somit konnte in
dem gesamten Streckenverlauf der Personen-
und Güterverkehr wieder aufgenommen
werden.
108
Abb. 103: Im August 1983 wurden am Bahnhof Wilwerdange in Luxemburg die letzten Schienen
der Strecke St. Vith-Ulflingen abgebaut.
Februar 1959 auch eingestellt. Der Güterverkehr
blieb noch für kurze Zeit erhalten.
Die Strecke ist heute eingleisig gut intakt.
Sie soll für Militärtransporte befahrbar bleiben.
Der Personenverkehr auf der Strecke
Weywertz-Losheimergraben wurde bereits
am 18. Mai 1952 eingestellt. Der Güterverkehr
blieb auf einem Teilstück bestehen.
Für diese, jetzt nur noch eingleisige
Strecke Weywertz-Losheimergraben und
weiter bis Jünkerath, mit Anschluß an die
Eisenbahn Köln-Euskirchen-Trier, steht
die militär. Bedeutung wieder im Vordergrund.
Sie wurde bzw. wird auch weiterhin
mit einem Millionenaufwand instandgesetzt,
um die Truppenübungsplätze Vogelsang
und Elsenborn für Natoeinheiten
stets erreichbar zu machen.
Zwischen der deutschen Grenze bzw.
Raeren und Kalterherberg hat es nach
1945 keinen Personenverkehr mehr gegeben
- ausgenommen Sonderfahrten. Güterverkehr
in bescheidenem Umfang und
Militärtransporte von und nach Sourbrodt
werden auf diesem Streckenabschnitt
Abb. 104: Vennbahnfahrt am 2. Mai 1987. Der Zug kreuzt hier die B 258 Aachen-Monschau kurz
vor Konzen.
Die Betriebseinstellung begann mit der
Teilstrecke Ihren- Bleiall am 31. Dezember
1965. Und zwar für den Personen- und
Güterverkehr. Schon bald darauf wurde
auch das Gleis zu rückgebaut. Auf der Teilstrecke
Bleialf-Pronsfeld besteht seit dem
31 . Dezember 1965 ebenfalls kein Personenverkehr
mehr. Der Güterverkehr blieb
noch eine Zeit erhalten, ist inzwischen
aber auch eingestellt. Der Gleisabbau erfolgte
1987. Am 27. Mai 1972 wurde der
Personenverkehr im Abschnitt Pronsfeld
Prüm und am 27. September 1980 zwischen
Prüm und Gerolstein eingestellt.
Güterverkehr besteht heute noch von Gerolstein
über Prüm und Pronsfeld nach
Neuerburg. An fünf Werktagen der Woche
- montags bis freitags - verkehrt je ein
Zug in beiden Richtungen.
Die Strecken St. Vith-Gouvy und St. Vith
Vielsalm wurden gänzlich abgewrackt. Der
Unterbau der Stecke St. Vith-Gouvy war
einmal für eine Verbindung zwischen der
A 27 und der Ardennen-Autobahn vorgesehen.
Diese Planung wurde jedoch verworfen.
Auch der in Erwägung gezogene
Ausbau eines Radweges auf diesem ehemaligen
Bahnkörper ist bis heute nicht zur
Ausführung gekommen.
Obwohl der Bahnhof St. Vith Ende 1944
nahezu vollständig zerstört worden ist,
konnte schon bald ein planmäßiger Personenverkehr
zwischen St. Vith und Kalterherberg
aufgenommen werden. Aber er
war nur von kurzer Dauer. Am 1. Juni 1954
fuhr der letzte planmäßige Zug auf dieser
Strecke. Nur noch mäßiger Güterverkehr
in der Folgezeit und gelegentliche Sonderfahrten
(Vennbahnfahrten) konnten diese
Strecke nicht rentabel machen, und so fiel
der Abschnitt St. Vith-Weismes ebenfalls
den Sparmaßnahmen der belgischen Eisenbahn
zum Opfer. Offiziell rollte auf dieser
Vennbahnteilstrecke am 23. September
1982 der letzte Zug. Und als Konsequenz
aus dieser Entscheidung wurde
1986 mit dem endgültigen Abbau der
Schienen begonnen. Mitte 1988 war er
von St. Vith aus bis hinter Montenau bereits
vollzogen.
Auch die Strecke Weismes-Malmedy und
weiter nach Stavelot und Trois-Ponts wurde
nach dem Krieg für den Personenverkehr
befahrbar gemacht. Er wurde am 23.
noch gefahren. Die alten Bahnhofsgebäude
von Roetgen bis Kalterherberg wurden
in den 50er Jahren entfernt und durch
kleine, bedarfsbezogene Blockstellen ersetzt.
Als Bahnhöfe sind nur noch Roetge_n
und Lammersdorf - hier besteht noch der
Gleisanschluß zum Junkerwerk - anzusehen.
Aus den Stationen Konzen, Monschau
und Kalterherberg wurden Haltepunkte
gemacht.
Die Abzweigung Raeren-Eupen wird nur
noch für Fahrten im Güterverkehr genutzt,
109
Abb. 105: Vennbahn-Sonderfahrt
des Eifelvereins Simmerath
am 17. Juni 1987 von
Roetgen nach Bütgenbach.
Der Zug befindet sich kurz vor
dem Bahnhof Weywertz. Hier
wird ein »Kopf« gemacht, d. h.,
die Lok wird an das andere
Zugende gesetzt, weil in entgegengesetzter
Richtung weitergefahren
wird. Für die Dieselloks
von heute ist das eine
ganz einfache Sache. Die
Dampflokomotiven der Vergangenheit
mußten jedoch auf
einer Drehscheibe gedreht
werden, damit sie sich in Fahrtrichtung
wieder am Kopf des
Zuges befanden.
gelegentlich auch für Militärtransporte. Die
Fortsetzung der Linie nach Herbesthal/
Welkenraedt und weiter nach Belgien ist
voll in Betrieb, und zwar für den Personenund
Güterverkehr.
Auch auf der Abzweigung Walheim-Stolberg
wurde schon bald nach dem Kriege
der Personenverkehr aufgenommen und
bis zum 31 . Dezember 1961 aufrechterhalten.
Dann hat man den Reisezugverkehr
eingestellt. Güterverkehr zwischen
Stolberg und Raeren besteht in geringem
Umfange noch heute. Von Militärtransporten,
vorrangig mit Überschreiten, wird dieser
Abschnitt ebenfalls in beiden Richtun-
gen befahren. Der Abbau des zweiten
Gleises erfolgte etwa in der Mitte der 60er
Jahre. Da der Streckenabschnitt Rothe Erde-Walheim
nicht mehr besteht, ist jetzt
nur noch mit der Strecke Stolberg-Walheim
der Anschluß an die Vennbahn gegeben.
Der Verkehr auf dem Abschnitt Aachen
Hbf.-Rothe Erde-Walheim und weiter bis
Sehmithof wurde nach dem Kriege in zwei
Etappen eröffnet. Da in Kornelimünster
der Viadukt über das lterbachtal und die
Brücke am Bahnhof zerstört waren, fuhr
man ab Dezember 1945 nur bis zum
Bahnhof Komelimünster. Drei Zugpaare
verkehrten auf diesem kurzen Abschnitt.
Der Wiederaufbau der lterbachtalbrücke
erfolgte durch die Fa. Sehartmann aus
Stolberg Büsbach. Die Eröffnungsfahrt
fand am 20. August 1950 statt. Danach
ging auch der planmäßige Personen- und
Güterverkehr weiter bis Walheim und
Sehmithof. Noch 1955 verkehrten auf dieser
Strecke fünf Reise- und zwei Güterzugpaare.
Weil sich in Sehmithof kein
Überholungsgleis befand, wurden die von
Aachen kommenden P-Züge ab Walheim
von der Dampflock bis Sehmithof geschoben
. Von dort aus ging es dann wieder in
Richtung Aachen zurück. Mit dem Som-
Abb. 106: Eröffnungszug am
20. August 1950 auf dem wiederhergestellten
Viadukt über
das lterbachtal. Die beiden
vorderen Bögen der Talbrücke
waren zerstört. Im Vordergrund
die Bundesstraße 258.
Die Tenderlokomotive gehört
zur Baureihe 74, früher Preußische
Staatsbahnen T 12. Dieser
Typ wurde u. a. auch in der
Lokomotivfabrik A. Borsig erbaut.
110
merfahrplan 1956 wurde der Reisezugverkehr
auf dieser Strecke stark eingeschänkt
und am 29. Mai 1960 ganz eingestellt.
Während des Wiederaufbaus entwickelte
sich in dem noch deutsch verbliebenen
Teil der Vennbahn auch ein reger Güterverkehr.
Ab 1964 wurde das Güteraufkommen
auf dem Abschnitt Aachen-Walheim
jedoch immer geringer. Ende 1980
ist der letzte Güterwagen von Kornelimünster
abgefahren, und mit Ablauf des Jahres
1983 wurden auch von Brand aus keine
Güter mehr befördert. Im Juli 1982 hat
man die Schienen von Kornelimünster bis
Brand und im August/September 1985
das Gleis von Brand bis zu den Philipswerken
zurückgebaut. Seit dieser Zeit besteht
der Anfangsabschnitt der Vennbahn nicht
mehr.
Bereits am 24. September 1956 wurde in
1, Brüssel ein »Vertrag zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und dem Königreich
Belgien über eine Berichtigung der
deutsch-belgischen Grenze und andere
die Beziehungen beider Länder betreffende
Fragen « unterzeichnet. Dieser »Brüsseler
Vertrag « wurde am 13. August 1958
in Bonn ratifiziert und ist am 28. August
1958 in Kraft getreten (Bundesgesetzblatt
1958, Teil II, Seite 262 u. ff.). Hinsichtlich
der Eisenbahnstrecke Raeren-Kalterherberg
wird im Artikel 9 zum Ausdruck gebracht,
daß die Abkommen vom 6. 11.
1922, 7. 11 . 1929 und 10. 5. 1935 einschließlich
ihrer Anlagen , Vereinbarungen
und Protokolle den heutigen Verhältnissen
angepaßt werden sollen . Die Anpassung
soll durch ein Zusatzabkommen unter Berücksichtigung
der im Anhang 3 dieses
Vertrages festgelegten Grundsätze erfolgen.
Im Artikel 10 stellt die Bundesregierung
der belgischen Staatsbahn als Beitrag
zu den Kosten der Aufrechterhaltung
des Betriebes auf der Eisenbahnstrecke
Raeren- Kalterherberg in den vergangenen
Jahren einen Pauschalbeitrag von 4,9
Millionen DM (58,8 Millionen bfrs.) zur
Verfügung.
Im Schlußprotokoll wird gesagt: »Bei der
Unterzeichnung dieses Vertrages sind die
Regierung der Bundesrepublick Deutschland
und die Königlich Belgische Regierung
darüber einig, daß die in diesem Vertrage
vereinbarte Grenze für die Hohen
Vertragschließenden Teile endgültig sein
soll .«
Im Anhang 3 des Vertrages wird festgelegt,
daß der Personenverkehr auf die
Durchführung von Sonderzügen beschränkt
bleibt. Bei einem Bedürfnis für
die Einrichtung eines planmäßigen Personenverkehrs
werden sich beide Regierungen
über die Grundlagen für einen solchen
Verkehr ins Einvernehmen setzen.
Der Güterverkehr wird weiterhin durchgeführt.
Das dürfte insbesondere für die Fa.
Junker in Lammersdorf von Bedeutung
sein. Für die Stationen im Kreis Monschau
gelten die deutschen Tarifbestimmungen.
Im Verkehr zwischen Raeren und Kalter-
Abb. 107: Ankunft eines Sonderzuges anläßlich der Festspiele Monschau im Jahre 1951 vor dem
alten Bahnhofsgebäude Monschau.
herberg ist die deutsche Sprache anzuwenden.
Und anderes mehr.
In der Denkschrift des Auswärtigen Amtes
zu dem Vertrag ist unter 4. Vennbahn (Eisenbahnstrecke
Raeren-Kalterherberg)
u. a. folgendes vermerkt: »... Die deutschen
Bemühungen konnten im Rahmen
der deutsch-belgischen Ausgleichsverhandlungen
nicht darauf gerichtet sein , die
nach dem ersten Weltkrieg getroffene
Friedensregelung rückgängig zu machen.
Der Bundesminister für Verkehr hat überdies
auf Grund einer Stellungnahme der
Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn
erklärt, daß er die Vennbahn im Falle
der Abtretung des Bahnkörpers an die
Bundesrepublik stillegen werde, da eine
Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebes
angesichts des zu erwartenden hohen
Defizits nicht zu vertreten sei. Andererseits
ist die Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes
für die belgische Regierung von
wesentlicher Bedeutung.
Das Verlangen auf Abtretung der Vennbahn
an die Bundesrepublik konnte daher
nicht gestellt werden ...«
Die Aufgabe der Vennbahn zu diesem frühen
Zeitpunkt durch die Bundesrepublick
sowie die gleichzeitige Ankündigung einer
Stillegung dieser Bahnlinie im Falle einer
möglichen Abtretung an Deutschland ist
nicht nur bedauerlich sondern auch unverständlich.
Denn noch 1961 sagt G. Stieler
- seinerzeit Oberkreisdirektor des früheren
Kreises Monschau - in »Die Vennbahn«,
daß der Güterverkehr auf dieser
Strecke für den Kreis Monschau lebensnotwendig
ist. Vielleicht wäre vor den Verhandlungen
mit Belgien eine bessere Abstimmung
mit den betroffenen Grenzkreisen
angebracht gewesen. Glücklicherweise
wurde der Güterverkehr auf diesem
Vennbahnabschnitt zu den Stationen des
Monschauer Landes noch bis zum 30. 6.
1989 von der belgischen Eisenbahn aufrechterhalten.
Es mag so in der Mitte der 50er Jahre
gewesen sein, als am Aachener Hauptbahnhof
ein Reisender nach einer Zugverbindung
ins Hohe Venn fragte. »Wenn Sie
mit der Bahn ins Hohe Venn fahren wollen
«, sagte der Beamte lustig mit den Augen
zwinkernd , »müssen Sie ab Walheim
einen Güterzug benutzen, vorausgesetzt,
daß man Sie als Expreßgut befördert. Personenzüge
verkehren hinter Walheim
nicht mehr.« (aus 75 Jahre Vennbahn von
Hermann Jung)
Die Stillegung von Teilstrecken entlang
der Vennbahn ist in Belgien nicht immer
reibungslos vor sich gegangen. In den betroffenen
Gebieten versuchte man, sich
gegen diese Maßnahmen zur Wehr zu setzen.
Man gab auch der belgischen Eisenbahn
die Schuld an dieser Entwicklung.
Aber die Unterhaltung der Strecken hatte
inzwischen einen großen Nachholbedarf
erreicht. So wären allein für die Instandsetzung
des Abschnitts St. Vith-Weismes
50 Millionen und mehr Franken erforderlich
gewesen. Einer der eifrigsten Verfechter
für die Beibehaltung dieser Linie war
der Bürgermeister von St. Vith. Schließlich
ging es um die Stillegung der letzten
Bahnlinie, die noch St. Vith anfuhr. In seinen
Bemühungen fand er Unterstützung
bei den Bürgermeistern der Gemeinden,
die ebenfalls davon betroffen waren, von
Abgeordneten der Ostkantone, Verkehr -
vereinen, Touristikunternehmen u. a. Es
wurden Gespräche mit den Instanzen geführt,
zahlreiche schriftliche Eingaben gemacht,
Interessengemeinschaften suchten
nach Auswegen u.n.v.m. Es war ähnlich
wie vor mehr als hundert Jahren, nur
ging es damals um den Bau der Bahnlinie,
111
Die Skizze zeigt den gegenwärtigen Grenzverlauf
zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und dem Königreich Belgien im Südteil des
Kreises Aachen. Im Brüsseler Vertrag vom 24.
September 1956 wurde diese Grenze von beiden
Regierungen als endgültig bezeichnet, was
jedoch nicht ausschließt, daß dieser Grenzverlauf
nach wie vor unsinnig ist. Aber vielleicht
wird diese Grenze schon bald durch den politischen
Zusammenschluß Westeuropas überholt.
Königreich ~ ~
~0
Bundesrepublik
Belgien
0
~0
0
~
Deutschland
Ruitzhof
o o o o Vennbahn
11 2
1982 um deren Abbau. Aber es nützte
alles nichts, der Rückbau wurde durchgefüh
rt. St. Vith ist auf der Vennbahn nicht
mehr zu erreichen. Schade!
Planmäßige Fahrten mit der Vennbahn gab
es also nicht mehr. Weder nach Monschau
noch ins Hohe Venn, auch nicht nach Malmedy
oder St. Vith. Aber die zahlreichen
Vennbahnfreunde wollten auf die Fahrten
mit der Vennbahn nicht verzichten. Daher
wu rden auch schon bald Sonderfahrten
(Vennbahnfahrten) arrangiert. Und sie
wu rden bis 1988 von deutscher und von
belgischer Seite durchgeführt. Diese Fahrten
waren immer voll ausgebucht und erfreuten
sich einer großen Beliebtheit bei
jung und alt. Es ist aber auch etwas Besonderes,
fernab von den Autoschlangen
und weg von der Hektik des Alltags, im
Zockeltempo - Blumenpflücken während
1 der Fahrt ist noch immer verboten -
durch die schöne Eifel- und Vennlandschaft
zu fahren . Die Romantik wäre perfekt,
wenn eine alte Dampflok, fauchend
und schnaufend, den langen Zug die Steigungen
hinaufziehen würde. Die Simmerather
Eifelvereinsgruppe hat sich mit der
Durchführung solcher Vennbahnfahrten
besonders verdient gemacht. Schon 1975
wu rde die erste Fahrt veranstaltet. Damals
fuhren 700 ältere Mitbürger nach St. Vith.
1988 war es bereits die zehnte Vennbahnfah
rt. Jeweils am 17. Juni wird gestartet
und das Ziel wechselt häufig. Es bleibt zu
hoffen, daß diese Fahrten auch noch in
Zukunft durchgeführt werden.
Abb. 108: Großer Andrang bei der Vennbahnfahrt am 17. Juni 1987 ab BI. Roetgen. Die Begeisterung
ist groß, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt.
Der 4. April 1976 war für viele Vennbahnund
Dampflokfans ein ereignisreicher Tag.
Im Rahmen eines Dampflok-Festivals am
3. und 4. April auf dem Gelände des BW
Stolberg, das gleichzeitig auch eine Abschiedsvorstellung
der Dampflokomotiven
war, ist der erstmals im Jahre 1928 eingesetzte
»Rheingold-Expreß« nach Raeren
gekommen, um dort Gäste abzuholen. Eine
riesige Menschenmenge hatte sich an
diesem Sonntagmorgen im festlich geschmückten
Bahnhof Raeren eingefunden,
um das große Ereignis mitzuerleben.
Pfeifend und dampfend lief der Expreß ein.
An der Begrüßung nahmen auch zahlreiche
Ehrengäste teil. Es gab die obligatorischen
Reden, bei denen man auch die
Hoffnung aussprach, daß die Vennbahn
erhalten bleiben möge. Nach den Erinnerungsfotos
und einem kräftigen Umtrunk
setzte sich der Rheingold-Expreß in Richtung
Stolberg in Bewegung. Auch längs
der Strecke war die Begeisterung für diesen
Zug sehr groß, denn viele Schaulustige
hatten sich dort aufgestellt. Gegen 17
Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Raeren. Es
war wohl die letzte Fahrt mit einer Dampflokomotive
auf der Vennbahn .
\ \
Abb. 109: Die letzte Dampflokomotive
im Bahnhof Raeren.
113
Abb. 110: Verabschiedung der
letzten Dampflokomotive auf
dem Bahnhof Raeren. Vor dem
Rheingold-Expreß stehen die
Herren Schumacher, Bürgermeister
von Raeren; Dr. Streier, Präsident
der Bundesbahndirektion
Köln ; Weber, stellvertr. Direktor
der Eisenbahndirektion Brüssel;
Sarlette, Bahnhofsvorsteher in
Raeren; Kohnemann, Schöffe
der Gemeinde Raeren ; Lummerich,
Chef des Bahnbetriebswerks
Stolberg {von links nach
rechts).
Nach dem Rückbau der Schienen zwischen
Brand und Kornelimünster bemühte
man sich um eine sinnvolle Nutzung des
ehemaligen Bahnkörpers. Und es ist vorrangig
der Initiative der Bezirksvertretungen
von Brand und Kornelimünster zu verdanken,
daß die alte Vennbahntrasse zwischen
diesen beiden Stadtteilen zu einem
Rad- und Wanderweg ausgebaut wurde.
Er beginnt an der Trierer Straße, führt über
die Viadukte im Rollefbach- und lterbachtal
und endet etwa 100 Meter hinter der Talbrücke
in Kornelimünster. Die Freigabe
erfolgte am 26. Oktober 1985 - also 100
Jahre nach der Eröffnung der ersten Vennbahnteilstrecke
- durch den Aachener
Oberbürgermeister Malangre. Der abwechslungsreiche
Weg wird von Wanderern
und Radfahrern gern und viel in Anspruch
genommen.
Es wäre überhaupt eine gute und vernünftige
Lösung, wenn stillgelegte Eisenbahnstrecken,
sofern keine andere Nutzung
dringlicher ist, dem Wanderer und Radfahrer
zugänglich gemacht würden. Der Radund
Wanderweg von Brand nach Kornelimünster
ist in jeder Hinsicht ein gutes
Beispiel dafür. Und der objektive Betrachter
wird auch feststellen, daß durch den
Ausbau des Weges auf der Bahntrasse die
Natur keinen Schaden erlitten hat.
Abb. 111 : Die Eröffnung
des Rad- und
Wanderweges zwischen
Brand und
Kornelimünster
114
Bemühungen zur Erhaltung und touristischen Nutzung
der Vennbahn
1,
Chancen, aber auch Probleme sind lange genug bekannt
ollt Vennbahn
letzten Mal?
Ab August 1988 machte die Vennbahn in
den Zeitungen des Grenzgebietes wiederum
von sich reden . Es waren keine erfreulichen
Meldungen, denn sie betrafen die
Einstellung des Verkehrs auf einem weiteren
Vennbahnabschnitt. Begonnen hatte
es mit einem Schreiben vom 17. August
1988, in dem der Leiter des Schienen
Kontrolldienstes der belgischen Eisenbahn
zum Ausdruck brachte, daß sich die
Gl eisanlagen der Vennbahnlinie zwischen
Eupen und Weywertz teilweise in einem
sehr schlechten Zustand befinden. In einigen
Teilstücken, und speziell auf drei Kilometer
Länge im Bereich von Konzen, sind
die Schwellen so schlecht, daß nur noch
im Schrittempo gefahren werden kann.
Unter der oben aufgeführten Überschrift
ist im »Grenz-Echo« vom 26. August 1988
u. a. zu lesen: » ... Da unter diesen Umständen
die Sicherheit der Zuggäste nicht
gewährleistet werden kann, gilt ab sofort
ein Verbot für Personenverkehr bzw.
touristische Fahrten auf dieser historisch
bedeutsamen und romantischen
Linie entlang der belgischdeutschen
Grenze und durch's Hohe
Venn .. . «
Ein weiterer Bericht im »Grenz-Echo«
vom 3. September 1988 läßt jedoch wieder
etwas Hoffnung aufkommen. Darin
heißt es:
Vennbahn wird
instandgesetzt
»Ostbelgien, 3. - Der Beschluß des technischen
Dienstes der Nationalen Eisenbahngesellschaft,
künftig die Vennbahnlinie
zwischen Eupen und Sourbrodt nicht
mehr für touristische Fahrten freizugeben,
ist inzwischen revidiert worden. Nunmehr
ist die Rede von einer Ausbesserung der
defekten Bahnschwellen ...«
Weiterhin ist zu lesen: »Wie der BRF (Belgische
Rundfunk) gestern abend meldete,
haben sich die Eisenbahndirektion und
das Verteidigungsministerium darauf geeinigt,
daß die Vennbahnstrecke weiterhin
für Militärtransporte zur Verfügung stehen
und entsprechend dringend ausgebessert
werden muß. Bestätigt wurde jedoch auch
die in unserer Zeitung geäußerte Befürchtung
, wonach mit der Modernisierung der
Linie Trois-Ponts-Weismes-Losheim die
Vennbahnlinie ihre militärstrategische Bedeutung
verlieren wird. Dies soll bereits
1993 der Fall sein.
Bis dahin bleibt den Befürwortern einer
touristischen Nutzung der Vennbahn noch
Zeit, den vorliegenden Konzepten eine
solide Basis und Ausgangsposition zu verleihen.«
Doch soviel Zeit blieb gar nicht mehr. Es
ging alles viel schneller. Das belgische
Abb. 112: Ein Sonderzug mit einer
Dampflokomotive der Baureihe
94 zwischen Raeren und
Roetgen. So wie auf diesem Bild
gehört der Verkehr auf der Vennbahn
der Vergangenheit an. Es
bleibt nur noch die Erinnerung
an die Dampflokzeit.
115
Verteidigungsministerium hatte zwischenzeitlich
den Schienenweg von Trois-Ponts
über Stavelot-Malmedy-Weywertz bis
nach Sourbrodt aufgekauft und den Ausbau
dieser Strecke veranlaßt. Die Arbeiten
dürften inzwischen zum Abschluß gekommen
sein. Eine Instandsetzung der weiterführenden
Bahnlinie von Weywertz über
Büllingen und Losheim nach Jünkerath erfolgte
bereits 1985/86. Sie befindet sich
seitdem ebenfalls in einem guten Zustand.
Über diese Querverbindung, die in Jünkerath
Anschluß an die Eifellinie Köln-Trier
hat und in Trois-Ponts in die internationale
Verbindung Lüttich-Gouvy-Luxemburg
mündet, werden nun die Militärtransporte
zum NATO-Truppenübungsplatz Elsenborn
geleitet. Hinzu kommt außerdem, daß
nach dem Ausbau des Gemmenicher Tunnels
auch die Militärtransporte mit überbreiten
auf dem Abschnitt Stolberg-Raeren-
Sourbrodt entfallen.
Die Vennbahn wird also nicht mehr benötigt.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist sie ohnehin
schon seit langer Zeit unrentabel.
Nachdem nun auch noch das militärische
Interesse an ihr erloschen ist und die Militärtransporte
ebenfalls eingestellt werden,
hat die Nationale Eisenbahngesellschaft
die Stillegung des Vennbahnabschnittes
Raeren-Monschau-Sourbrodt zum 30.
Juni 1989 angekündigt. Der Streckenabschnitt
Eupen-Raeren ist davon nicht betroffen.
Im ostbelgischen Grenzgebiet hat man die
Vorgänge um die Vennbahn mit großer
Aufmerksamkeit verfolgt. Gleich nach Bekanntwerden
einer möglichen Stillegung
begannen auf verschiedenen Ebenen intensive
Bemühungen, um diese Bahnlinie
einer neuen Zweckbestimmung zuzuführen
. Und erneut machte die Vennbahn in
den Zeitungen auf beiden Seite der Grenze
Schlagzeilen.
liehst alle Interessenten gemeinsam an einem
»Schienenstrang« ziehen. Dazu
schreibt das »Grenz-Echo« vom 25. März
1989: »... Exekutive in einer Vorreiterrolle
- Bei diesem Ansinnen kommt der
Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft
zweifellos eine Vorreiterrolle
zu. An der Klötzerbahn in Eupen laufen
denn auch die Fäden der Verhandlungen
mit diversen Interessenverbänden zusammen,
die allesamt das gleiche Ziel verfolgen,
sprich den Abbau des Schienennetzes
zwischen Raeren und Sourbrodt zu
verhindern.
Und selbst wenn die Zeit für diese Bestrebungen
drängt, so stehen die Verfechter
der Vennbahnstrecke doch keineswegs
auf verlorenem Posten. Denn bis dato fiel
in Brüssel nur die Entscheidung, die Linie
48 mit Datum vom 30. Juni aus dem
Schienennetz der SNCB zu streichen ...«
Die Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft
ist fest entschlossen, den Fortbestand
dieser Bahnlinie zu sichern.
Schließlich hat man in der Vergangenheit
oft genug die Erfahrung machen müssen,
daß der Wert einer Sache erst dann erkannt
wird, wenn sie unwiderruflich dahin
ist. Man ist bereits dabei, die Weichen für
einen Neubeginn auf der Vennbahn zu
stellen. Die Vorstellungen gehen dahin,
daß ein Verein oder eine Interessengemeinschaft
den Vennbahnabschnitt Raeren-Monschau-Sourbrodt
übernimmt und
für touristische Fahrten nutzt. Sogar eine
später mögliche Güterbeförderung wird in
Erwägung gezogen. Als Beispiel für das
Vennbahnprojekt dient Marienbourg in
Südbelgien, wo ein privates Unternehmen
auf einer von der SNCB stillgelegten
Strecke einen eigenständigen Zugbetrieb
zu touristischen Zwecken unterhält und in
den letzten Jahren auch gewinnbringend
gefahren ist.
Wer kauft die Vennbahns ecke?
Grenzüberschreitendes touristisches Projekt aus Eupen
lediglich auf den Schienen- und Oberbau
erstrecken. Bisher waren 52 Mio. belg.
Francs im Gespräch. Mögliche grenzpolitische
Hindernisse, die sich eventuell aus
dem Deutsch-Belgischen Staatsvertrag
ergeben könnten, will man zuvor noch mit
der deutschen Seite abklären . Aber es
kann wohl davon ausgegangen werden,
daß es diesbezüglich keine Schwierigkeiten
geben wird, denn auch hier ist man ja
daran interessiert, daß dieser Vennbahnabschnitt
erhalten bleibt und für Freizeitfahrten
weiterhin zur Verfügung steht.
Die finanzielle Absicherung dieses Projektes
bedarf noch einiger Abklärungen. Man
ist sich auch darüber im klaren, daß die
touristische Nutzung dieses Vennbahnabschnittes
für den Betreiber gegebenenfalls
auch mit finanziellen Schwierigkeiten verbunden
sein könnte. Wohl auch aus diesen
Gründen hat die Exekutive der
Deutschsprachigen Gemeinschaft bereits
einen Antrag an die Europäische Gemeinschaft
gestellt, um diesen Streckenverlauf
als grenzüberschreitende Touristikbahn
anerkennen zu lassen. Wenn diesem Antrag
entsprochen wird , dann ist vermutlich
auch mit einer Kostenbeteiligung durch
die EG zu rechnen . Aber auch die Exekutive
der Deutschsprachigen Gemeinschaft
ist bereit, einen großen Anteil der anfallenden
Kosten zu übernehmen.
Nach einem Bericht in den »Eifeler Nachrichten
« vom 13. April 1989 ist man auch
im deutschen Grenzgebiet um die Erhaltung
der Vennbahnstrecke bemüht. In
wirtschaftlicher Hinsicht besteht jedoch
kein Interesse mehr. Die Industrie- und
Handelskammer Aachen hat mehr als 100
potentielle Verlader angeschrieben, Firmen
also, die in der Nähe der Bahnlinie
ansässig sind und die Bahn als Transportmittel
benutzen könnten. Nur eine Firma
hat sich für den Güterverkehr auf der
Aachener Volkszeitung
vom 28. Januar 1989
Grenz-Echo vom 15. Februar 1989
Am 30. Juni läuft die Frist der SNCB für die Linie Raeren-Sourbrodt ab!
Neues Vennb____
-Modell
liegt • 1D
der Schublade
In den Berichten werden die angestrebten
Möglichkeiten einer touristischen Nutzung
der Vennbahn aufgezeigt, aber auch auf
die Problematik des Vorhabens hingewiesen.
Als unerläßlich wird nun eine sinnvolle
Koordinierung angesehen, damit mög-
In den noch bevorstehenden Verhandlungen
mit der Nationalen Eisenbahngesellschaft
wird sich entscheiden, ob der Vennbahnabschnitt
Raeren-Monschau-Sourbrodt
langfristig angemietet oder angekauft
werden kann. Ein Ankauf würde sich
Vennbahn ausgesprochen. Damit ist natürlich
keine Bahnlinie zu erhalten. Aber
die Gemeinden und Städte entlang der
Vennbahn unterstützen die Anstrengungen
der Deutschsprachigen Gemeinschaft
in Ostbelgien zur Erhaltung der Bahnlinie
116
'
für touristische Fahrten. Auch die Bundestagsabgeordneten
aus dem Aachener
Raum sind diesbezüglich schon tätig geworden.
So wurden bereits Kontakte zu
Politikern auf der belgischen Seite, der
Deutsch-Belgischen Raumordnungskommission,
der EUREGIO MAAS-RHEIN und
anderen Instanzen aufgenommen. Außerdem
sollen sich auch die Aachener Europaabgeordneten
für den Weiterbestand
der Vennbahn einsetzen.
Die Aktivitäten im deutschen Grenzland
erstrecken sich nicht nur auf den Vennbahnabschnitt
Raeren- Monschau- Sourbrodt,
sondern auch auf den Vennbahnanschluß
Stolberg-Walheim-Raeren. Diese
noch vorhandene Verbindung zur Vennbahn
auf der deutschen Seite ist inzwischen
ebenfalls in Frage gestellt. Und
zwar hängt das mit dem Ausbau des rd.
850 Meter langen Gemmenicher Tunnels
zusammen. Beide Eisenbahnverwaltungen
haben sich geeinigt, die längst fällige
Sanierung des Tunnels vorzunehmen und
ihn gleichzeitig so auszubauen, daß er
künftig auch von Zügen mit Überbreiten
befahren werden kann. Zu diesem Zweck
wird ein drittes Gleis in die Mitte der Röhre
ve rlegt. Der Kostenaufwand beträgt 11
Mio. DM . Etwa zwei Drittel davon werden
von der Deutschen Bundesbahn übernommen.
Mit den Arbeiten wurde bereits
begonnen. Falls keine unvorhergesehenen
Schwierigkeiten auftauchen, ist mit
der Fertigstellung im August 1990 zu rechnen
(AN vom 9. April 1988 - AVZ vom 28.
Januar und 6. Juni 1989).
Anfänglich hieß es noch, daß dadurch der
Verkehr auf der Vennbahn entlastet würde.
Zwischenzeitlich häuften sich jedoch die
Meldungen in der Presse, daß nun auch
der Vennbahnabschnitt Stolberg-Walheim-Raeren
stillgelegt we rden soll. Eine
entsprechende Anfrage an die Bundesbahndirektion
Köln wurde am 25. Januar
1989 dahingehend beantwortet, daß nach
der vereinbarten Sanierung des Gemmenicher
Tunnels alle grenzüberschreitenden
Gütertransporte über die Strecke Aachen
West- Montzen geleitet werden.
Wörtlich geht es im Text weiter:
»... Gleichzeitig strebt dann die Deutsche
Bundesbahn die Einstellung des Gesamtbetriebes
für den Streckenabschnitt Stolberg-Hammer/Anschluß
,Zur Mühlen'
Walheim Bundesgrenze an und wird das
entsprechende Verfahren nach § 44 des
Bundesbahngesetzes zu gegebener Zeit
einleiten. An eine Aufgabe des Streckenabschnittes
Stolberg (Rheinland)
Hbf.-Stolberg-Hammer/Anschluß ,Zur
Mühlen' wird wegen des hohen Transportaufkommens
nicht gedacht . . .«
Inzwischen wurde in Ostbelgien die künftige
Betreiber-Vereinigung für touristische
Fahrten auf der Vennbahn gegründet. Dazu
schreibt die »Aachener Volkszeitung «
vom 8. Juni 1989: »Eupen ... Die junge
Vereinigung ,Vennbahn VoE' (Vereinigung
ohne Erwerbszweck) hat bereits ein Auge
auf das anzuschaffende rollende Material
geworfen und praktisch auch die Lokomotivführer
angeworben, die sich aus den
Reihen eines Lütticher Eisenbahnfreundeskreises
rekrutieren.
Im Juni und Juli stehen die entscheidenden
Verhandlungen mit der Eisenbahn an,
die sich nach anfänglichem Zögern nun
froh und stolz zeigt, Starthilfe leisten zu
können. Mit der technischen Hilfe der Eisenbahn
sollen dann rund vier Kilometer
Daher ist es sehr zu begrüßen, daß inzwischen
auch von der Stadt Stolberg eine
Initiative ausgeht, die über 100 Jahre alte
Vennbahn von Stolberg Hbf. aus, wo sie
seit ihrem Bestehen Anschluß an die stark
befahrene Strecke Aachen-Köln hat, zu
erhalten. Unter dem Motto »Rettet die
Vennbahn « soll ein Gesamtkonzept entwickelt
werden, das auch das Aachener
Umfeld über diese Bahnlinie mit dem Naturpark
Nordeifel/Ardennen verbindet.
Vennbahn soll bleiben
Stolberger Initiative zur Rettung der Strecke
defekter Bahnschwellen ausgetauscht
werden. Schon im nächsten Frühjahr soll
der Eröffnungszug rollen . .. «
Die Kosten für die Ausbesserung der
Strecke werden auf 2,5 Mio. DM geschätzt.
Vorerst sollen Triebwagen zum
Einsatz kommen. Geplant ist ein regelmäßiger
Freizeitverkehr an den Wochenenden
und Feiertagen ab Eupen, und hoffentlich
auch bald ab Stolberg. Bei entsprechenden
Schneeverhältnissen sind
auch im Winter Fahrten vorgesehen. Man
Aachener Volkszeitung vom 13. Mai 1989
Der Stolberger Aufruf hat eine überaus
positive Resonanz gefunden. Im gesamten
Kreis Aachen, in den anschließenden
Gebieten und sogar jenseits der niederländischen
Grenze, in Kerkrade, hat man
sich für den Erhalt der Vennbahn ausgesprochen.
Aber man hofft auch darauf, von
Stolberg oder Walheim aus diese landschaftlich
schöne Strecke befahren zu
können. Das ist also ein Ansporn mehr,
auch diesen Streckenverlauf in die touristischen
Fahrten einzubeziehen.
Einig für die Vennbahn
Ein Trägerverein soll die Strecke übernehmen
verspricht sich davon eine Entlastung des
Verkehrs auf den winterlichen Straßen.
Raeren soll der Heimatbahnhof des Unternehmens
werden .
Nach dem Stand der Dinge müssen die
Erfolgsaussichten, auf dem belgischen
Vennbahnabschnitt Raeren- Monschau
Sourbrodt in Zukunft touristische Fahrten
durchzuführen, durchaus positiv bewertet
werden. Wenn dieses Projekt also verwirklicht
wird, dann besteht durch die angekündigte
Stillegung des Streckenabschnittes
Stolber-Hammer/Anschluß »Zur Mühlen«-Walheim
Bundesgrenze von deutscher
Seite aus kein direkter Anschluß
mehr an die Vennbahn. Das wäre sehr
bedauerlich, denn auch von Stolberg aus
würden Vennbahnfahrten reizvoll sein und
großen Anklang finden. Sie würden den
künftigen Freizeitfahrplan der Vennbahnlinie
durchaus bereichern.
Aachener Volkszeitung vom 30. Mai 1989
Und die Bemühungen zur Erhaltung der
Strecke Stolberg- Walheim-Raeren gehen
zielbewußt weiter. Am 8. Juni 1989 haben
sich ·die vier Verwaltungschefs von Stolberg,
Roetgen, Simmerath und Monschau
(Vorsitzender ist der Stadtdirektor von
Stolberg) zusammengeschlossen, um
auch für den deutschen Streckenabschnitt
einen Trägerverein zu gründen. Für den
Fall , daß dieses Vorhaben gelingen sollte,
hat der Präsident der Bundesbahndirektion
Köln bereits signalisiert, daß die Deutsche
Bundesbahn bereit ist, die Strecke
an diesen Trägerverein zu übergeben,
statt sie stillzulegen (AVZ vom 30. Mai
1989). Auch der Kreistag des Kreises Aachen
signalisierte seine Unterstützung für
den Erhalt der Vennbahnstrecken. Es sind
erfreuliche Signale, die doch für die Vennbahn
hoffen lassen.
Kreisausschuß plädiert
die Rettung der Vennbahn
Einmütiges Votum für eine touristische Nutzung
r
117
Die Bemühungen zur Erhaltung und touristischen Nutzung der ,historischen Vennbahnstrecke' werden zielstrebig und mit viel Engagement in der
gesamten Region und auf allen Ebenen fortgesetzt. In den Zeitungen wird in steter Folge über den Stand der Dinge berichtet. Und diese Berichte sind
durchweg optimistisch gehalten. Nachstehend eine Auswahl der verheißungsvollen Überschriften:
Vennbahn soll scl1011 nächstes Jahr mit
zwei Triebwagen ins Rollen kommen
Kein Spielzeug: Regelmäßiger Betrieb als Voraussetzung gefordert
Aachener Volkszeitung vom 9. Juni 1989
Die historische Bahn wird zur touristischen Attr~ktion der Grenzregion:
Die Weichender alten Vennbahn
werden auf „Zukunft" eingestellt
Kauft Monschau den Bahnhof ? - Einfallsreichtum der Verkehrsvereine
Eifeler Nachrichten vom 10. Juni 1989
Trägerverein zur Rettung der Vennbahn
findet in der Region riesige Resonanz
Gremium bereitet Gründung vor - Internationaler Verband angestrebt
Aachener Volkszeitung vom 24. August 1989
Am 15. Mai 1882 hat König Wilhelm 1. von
Preußen mit seiner Unterschrift den Bau
der Vennbahn eingeleitet, und durch einen
Erlaß des Königs Baudouin von Belgien
wi rd am 30. Juni 1989 der Verkehr auf der
Vennbahnlinie eingestellt. Aber die Städte
und Gemeinden der Eifel-Vef'!n-Region,
die sich einst gemeinsam für den Bau der
Vennbahn eingesetzt haben, schließen
sich heute wiederum zusammen, um den
Abbau der Schienen auf dieser Bahnlinie
zu verhindern. Sie befürworten eine
grenzüberschreitende touristische Nutzung
dieser Bahnlinie, die der gesamten
Region zugute kommen soll. Vielleicht
wird im Hinblick auf den bevorstehenden
noch engeren Zusammenschluß Westeuropas
eines Tages aus der guten, alten
Vennbahn noch eine »Grenzenfreie Europäische
Freizeitbahn«.
Am 30. Juni 1989 hat die Nationale Belgische
Eisenbahngesellschaft offiziell zum
letzten Male die Strecke Raeren - Büllingen
- Raeren befahren. Im Anschluß daran
wurde die Vennbahnteilstrecke Raeren
- Sourbrodt stillgelegt und der Verkehr
darauf eingestellt. Bemerkenswert ist dazu,
daß auf den Tag genau vor 104 Jahren,
also am 30. Juni 1885, der erste Streckenabschnitt
der Vennbahnlinie von Rothe Erde
{Aachen) nach Montjoie (Monschau)
eingeweiht worden ist. Nun bleibt abuzu-
warten, wann die private belgische Betreibergesellschaft
» Vennbahnfreunde
V. o. E. « den Touristikverkehr auf diesem
Vennbahnabschnitt aufnehmen kann.
118
Abb. 113
Der letzte Güterzug am 30. Juni 1989 von Büllingen kommend auf der Strecke (Kreuzung mit der Straße Raeren - Roetgen) und bei der Einfahrt in den
Bahnhof Raeren.
Abb. 114
119
»Freie Fahrt« fü r die Vennbahn?!
Ist dies nur ein Wunschdenken der vielen
Vennbahnfreunde auf beiden Seiten der
Grenze?
Realität ist doch, daß die Vennbahn schon
seit vielen Jahren in einem Dornröschenschlaf
liegt, aus dem sie wohl nicht mehr
aufgeweckt werden kann. Zumindest nicht
mehr von der Eisenbahnverwaltungen
beider Länder. Teilstrecken wurden bereits
vor geraumer Zeit stillgelegt und die
Gleisanlagen zurückgebaut. Von Weismes
aus nach Süden hin besteht die
Vennbahn ja nicht mehr. Auch auf dem
Vennbahnabschnitt Raeren--Lammersdorf-Sourbrodt
hat man am 30. Juni dieses
Jahres den Gesamtverkehr offiziell
eingestellt und für die Anschlußlinie vom
Stolberger Tal aus über Walheim nach
Raeren ist eine Stillegung ebenfalls angekündigt.
Die Einstellung des Verkehrs auf der
Vennbahn ist auch darauf zurückzuführen,
daß überhaupt kein wirtschaftliches
Interesse mehr an dieser Bahnlinie besteht.
Keine Firma will ihre Produkte auf
der Vennbahn transportieren. Die Straße
erhält überhall den Vorzug. Trotzdem bestand
in den letzten Jahren noch an fünf
Tagen der Woche - montags bis freitags,
Feiertage ausgenommen - zwischen
Welkenraedt-Raeren-Roetgen-Lammersdorf-Sourbrodt-Weywertz
und Büllingen
Güterverkehr. Jeweils ein Zug hin und zurück.
Nicht selten befand sich dann nur ein
Güterwagen hinter der Diesel-Lokomotive.
Wenn nichts zu befördern war, fiel der
Zug auch schon mal aus. Unter genau den
gleichen Bedingungen wird heute noch
die Anschlußlinie von Stolberg Hbf. aus
über Walheim nach Raeren befahren.
Aber auch hier ist die Einstellung des
kaum mehr nennenswerten Güterverkehrs
absehbar. Auf dem Abschnitt Weywertz-Malmedy
wurden gar keine Güter
mehr befördert.
Personenverkehr hat auf der Vennbahn
nach dem letzten Krieg ebenfalls nicht
mehr stattgefunden. Ausgenommen die
gelegentlichen »Vennbahnfahrten«, die
aber immer sehr gefragt und auch stets
ausgebucht waren. Nur läßt sich damit
keine Bahnlinie erhalten. Die Strecken
sind also allesamt unrentabel und somit
ein Verlustgeschäft für die Eisenbahnverwaltungen
beider Länder, insbesondere
für Belgien. Es ist ohnehin bemerkenswert,
daß der Güterverkehr auf belgischer
Seite solange aufrechterhalten worden ist.
Es waren ausgesprochen militärische
Gründe, daß man diese Bahnlinie befahrbar
gehalten hat; denn die zahlreichen
Militärtransporte - sehr häufig mit Lademaßüberschreitungen
- wurden über die
Vennbahn nach und von Sourbrodt, dem
Verladebahnhof für den NATO-Truppenübungsplatz
Elsenborn, geleitet.
Zwar nicht ganz unvorbereitet, aber doch
etwas überraschend, ist nun auch das militärische
Interesse an der Vennbahn erloschen.
Für die Transporte zum Truppenübungsplatz
Elsenbom hat auf belgischer
Seite die Bahnlinie von Trois-Ponts über
Malmedy und Weywertz nach Sourbrodt
den Vorzug bekommen. Auch über den
Vennbahnanschluß auf deutscher Seite
von Stolberg Hbf. aus über Walheim nach
Raeren werden nach dem Ausbau des
Gemmenicher Tunnels keine Militärtransporte
mehr rollen. Alle grenzüberschreitenden
Gütertransporte, auch die Züge
mit Überbreiten, werden dann über die
Strecke Aachen West-Montzen geführt.
Für die bisherigen Schienen-Transportwege
besteht also keine Verwendung mehr,
weder in wirtschaftlicher noch in militärischer
Hinsicht. Die Einstellung des Gesamtverkehrs
auf diesen Vennbahnabschnitten
war somit vorprogrammiert und
die allgemein befürchtete Stillegung nur
noch eine Frage der Zeit. Und so bedauerlich
das auch ist, diese Zeit ist nun eben
gekommen.
Immerhin sind noch 79,5 Kilometer im
Streckenverlauf der Vennbahn von Stolberg
Hbf. aus über Walheim - Raeren -
Roetgen - Lammersdorf - Monschau -
Kalterherberg - Sourbrodt - Weywertz
und Weismes nach Malmedy erhalten.
Auch die weiterführende Linie nach Trois
Ponts ist vorhanden. Außerdem noch die
Abzweigung von Raeren nach Eupen und
die Anschlußlinie von Weywertz über Losheimergraben
nach Jünkerath. Alle Strekken
sind eingleisig zu befahren. Die Gleisanlagen
der Vennbahn befinden sich zum
Teil jedoch in einem desolaten Zustand.
Die Instandsetzung dieser Linie war der
Belgischen Eisenbahn zu kostenaufwendig.
Nachdem die Eisenbahnverwaltungen ihr
Interesse an der Vennbahn aufgegeben
haben, hat man im belgischen und deutschen
Grenzgebiet Initiativen zur Erhaltung
und touristischen Nutzung dieser
Bahnlinie entwickelt. Die Vorstellungen
gehen dahin, daß ein regelmäßiger Freizeitverkehr
an den Wochenenden durchgeführt
werden soll. Die Aussichten für ein
solches Unternehmen sind durchaus positiv
zu bewerten. Allerdings sind die Verhandlungen
noch nicht zum Abschluß gekommen
und die letzten Entscheidungen
auch noch nicht gefallen. Sollte sich jedoch
das angestrebte Vorhaben, aus was
für Gründen auch immer, nicht verwirklichen
lassen, dann wäre es schon recht
bald ausgesprochen schlecht um die einst
so bedeutende, aber auch romantische
Bahnlinie durch die Eifel-Venn-Region bestellt.
Aber noch ist es nicht so weit, noch sind
die Schienen nicht abgebaut. Mitunter geschehen
ja auch wundersame Dinge. Zu
wünschen wäre jedoch, daß uns die Vennbahn
auch weiterhin erhalten bleibt und
die laufenden Bemühungen von Erfolg gekrönt
werden. Dann gäbe es für touristische
Fahrten in Zukunft doch noch »Freie
Fahrt«.
120
Abb. 115: »Freie Fahrt« für die Vennbahn?!
Bei meinen Bemühungen zur Beschaffung
des umfangreichen und detaillierten Materials
- Gesetzesgrundlagen, Akten, Bücher
und Schriften, Zeitungsberichte, Bildmaterial
usw. - habe ich bei Privatpersonen,
Bibliotheken, Archiven, Verwaltungen
und Dienststellen der Eisenbahn auf
beiden Seiten der Grenze bis hin nach
Luxemburg stets freundliches Entgegen-
kommen und Verständnis für meine Anliegen
erfahren.
Danken möchte ich allen Personen, die
mir durch Auskünfte, Anregungen, Hinweise
oder Gedankenaustausch, durch
die uneigennützige Überlassung privater
Sammlungen ·und Schriften, alter Fotos
oder Postkarten zur Beschreibung der
Vennbahn verholfen haben.
Danken möchte ich auch Herr C. Valter
aus Monschau, der mich bei einigen Ex~
kursionen entlang der Vennbahn begleitet
hat und und mir im Monschauer Land bei
der Suche nach alten Unterlagen behilflich
war.
Aachen, im Oktober 1989
Günter Marenberg
121
Quellenverzeichnis/Bildnachweis
Archive - Bibliotheken - Chroniken
Archiv der Stadt Aachen - Gesetz- und Amtsblätter,
Bücher, Akten
Archiv des Kreises Aachen - Gesetz- und Amtsblätter,
Bücher, Zeitungen, Bilder
Archiv der Stadt Eupen - Akten, Zeitungen, Bilder
Archiv der Stadt Monschau - Akten ab etwa 1850
Archiv der Stadt Stolberg - Chronik, Akten, Bilder
Archiv des Geschichtsvereins Monschau - Zeitungen,
Bücher
Zentralbibliothek und Dokumentationszentrum in
Eupen
Bibliothek der Rheinisch-Westfälischen Technischen
Hochschule Aachen
Öffentliche Bibliothek der Stadt Aachen
Katasterarchiv des Kreises Aachen in Monschau
Chronik der Gemeinde Brand - Band II 1855-1896
(Auszüge betreffend Eisenbahn)
Chronik der Bürgermeisterei Bütgenbach - Jahre
1890-1907
Chronik der Gemeinde Komelimünster - Jahre 1885-
1890 und 1905-1910
Zeitungen
Jeweils verschiedene Jahrgänge:
Stadt- und Landbote - Amtliches Kreisblatt für den
Kreis Montjoie (Monschau)
Montjoie'r Volksblatt
Kreisblatt für den Kreis Malmedy
Neues Kreisblatt für den Kreis Malmedy
Eupener Zeitung
Eupener Nachrichten
Grenz-Echo (Zeitung in Eupen)
KOfrespondenzblatt des Kreises Eupen
Echo der Gegenwart (Zeitung in Aachen)
Aachener Zeitung - August 1890
Aachener Post - Aachener Stadtanzeiger - 5. 11 .
1932
Kölnische Zeitung - einige Ausgaben
Kölnische Volkszeitung - einige Ausgaben
Westdeutscher Beobachter - April 1935
Nachrichten aus dem -Haus der Abgeordneten•, 82.
Sitzung am 12. Mai 1897
Aachener Volkszeitung - 1988/89
Aachener Nachrichten - 1988/89
Eifeler Nachrichten - 1988/89
Bücher - Broschüren - Aufsätze
AMPLA TZ, Michael, Eupen: Die Vennbahn. In: Postgeschichte
und Philatelie im Landesverband Mittelrhein,
Rundbrif Nr. 8, September 1981
Bahnhof Eupen - Broschüre der belgischen Eisenbahn
- November 1987
Bürgerverein Brande. V.: 100 Jahre Vennbahn - Die
Geschichte der Eisenbahn aus Brander Sicht. Broschüre
zur Ausstellung 1987
Das Dampfroß kOfnmt - Die Eileier Eisenbahnen
1864-1914 in zeitgenössischen Fotografien - Katalog
zur Ausstellung. Kreismuseum Blankenheim 1986
Denkschrift über die Eisenbahn des Kreises Monschau
(Sonderheft - Archiv des Kreises Aachen)
Deutsche Reichsbahn - Die Deutschen Eisenbahnen
in ihrer Entwicklung 1835 bis 1935. Reichsdruckerei -
Berlin 1935
Die Deutschen Eisenbahnen 1910-1920. Herausgegeben
VOfn Reichsverkehrsministerium - Berlin 1923
DRONKE, Adolf: Die Eifel. Aus den nachgelassenen
Papieren des Verfassers herausgegeben durch Dr. K.
Cüppers - Köln 1899
Der Eisenbahn-Bau der Gegenwart. Erster Abschnitt
- Linienführung und Bahngestaltung - Wiesbaden
1897
FAGNOUL, Kurt, St. Vith: Beiträge zur Geschichte des
Zweiten Weltkrieges - Streiflichter auf das Kriegsgeschehen
im Sankt Vither Land. Heft Nr. 7, April 1982 -
Sonderdruck
FAGNOUL, Kurt, St Vith: St. Vith im Schatten des
•Endsiegs- . Eupen 1980
Festschrift - 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk
Aachen - Beiträge zu ihrer Geschichte. Aachen
1967
GOTTWALD, Alfred B.: Heeresfeldbahnen. Motorbuchverlag,
1. Auflage - Stuttgart 1986
GRAF, Raymund, St. Vlth: Werdegang, Glanzzeit und
Dekadenz der Vennbahn. In: Grenz-Echo Eupen, ab
18. Juli 1981 mehrere Fortsetzungen
GRÜNEBAUM, Kurt Aus der politischen Frühgeschichte
der belgischen Ostbahn. In: Grenz-Echo Eupen
VOfn 7. Mai 1966
GRAMM, M. u. SCHREIBER T.: Herzogenrath - ein
Stadtprofil. Herausgeber: Stadt Herzogenrath - 1.
Auflage 1982
Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken - Eröffnungsdaten
1835 bis 1935. Mainz 1984 (Nachdruck
der Ausgabe • Die Deutschen Elsenbahnen in ihrer
Entwicklung 1835-1935 - Berlin 1935)
HOPPST ÄDTER, Kurt: Die Entstehung des Eisenbahnnetzes
in der Ei1el. Bearbeitet nach den Akten des
Staatsarchivs Koblenz - Saarbrücken 1963
Industrie- und Handelskammer für die Kreise Aachen
Land, Düren und Jülich zu Stolberg-Rhl. 1850-1925.
Festschrift der Kammer aus Anlaß ihres 75jährigen
Bestehens. Aachen April 1925
KAMP, Carl: Das Hohe Venn - Gesicht einer Landschaft.
Eifelverein - Düren 1961
KAUFMANN, Karl L.: Aus Geschichte und Kultur der
Eifel. Köln 1926
KAUFMANN, Karl L.: Der Kreis Malmedy - Geschichte
eines Eifelkreises von 1865 bis 1920. Herausgegeben
von Heinrich Neu - Bonn 1961
KEMP, Klaus: Die Ahrtalbahnen. Eisenbahn-Kurier
Freiburg 1983
KEULEN, Werner: Kleine Chronologie der Vennbahn
- Roetgen 1986
KLUBERT, Elmar: Roetgen - wie es war. Heimatgeschichtliche
Sammlung für Roetgen und seine Umgebung
- 1982
KRETZMANN, Wilhelm: Das deutsche Militär-Eisenbahnwesen
im Weltkrieg 1914-1918 - Berlin 1922
LEWANOWSKI, Franz: Die Entwicklung der Eisenbahnen
im Aachener Raum um dfe Mitte des 19. Jahrhunderts
unter Berücksichtigung der Belange der Wirtschaft.
Vortrag vor dem Heimat- und Geschichtsverein
Stolberg am 14. November 1985 (Manuskript)
MARGANNE, Roland, Liege: Contribution a l'histoire
de la Vennbahn. In: trans-fer - histoire et actualites
ferroviares belges - numero special 1979 - Liege
MEURER, Karl: 100 Jahre Bahnhof Stolberg. Jubiläumsschrif1
des BSW Stolberg 1988
NILLES, Leon, Lommersweiler: Der Bau von Eisenbahnen
im lande zwischen Venn und Schneifel -
Projekte, Enttäuschungen, Verwirklichungen. Schriftenreihe
des Geschichtsvereins • Zwischen Venn und
Schneite!•, Nr. 4, St. Vith 1970
Offizieller Jubiläumsband der Deutschen Bundesbahn
- 150 Jahre Deutsche Eisenbahn 1835-1985. 3. überarbeitete
Auflage - ELV München 1985
RODERBURG, Andreas: Beiträge zur Geschichte von
Stolberg und Umgebung. 1. Abhandlungen, 2. Chronik
von Stolberg (1815-1890). Erstes Heft 1924
Stolberg (Rhld.) 1971-1977 Herausgegeben von Rat
und Verwaltung
Stolberg (Rhld.) 1978-1984 Herausgegeben von Rat
und Verwaltung
THÖNNISSEN, Fr.: Die Eisenbahnen in Vergangenheit
und Gegenwart - Charlottenburg Ostern 1910
Topographischer Atlas Nordrhein-Westfalen - Herausgegeben
VOfn Landesvermessungsamt Nordrhein
Westfalen 1968
VIEBIG, C.: Das Kreuz im Venn (1908), Wittlich 1950
122
Schriftenreihen - Zeitschriften
Archiv für Eisenbahnen - Organ für das Eisenbahnwesen
- Jahrgänge 1891 bis 1922
Deutsche Bauzeitung vom 25. Februar 1888
Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Herausgegeben im Königl.
Ministerium der öffentlichen Arbeiten - Jahrgänge
1881 bis 1899
Zentralblatt der Bauverwaltung. Herausgegeben im Ministerium
der öffentlichen Arbeiten - Jahrgänge 1883
bis 1922
Heimatblätter des Landkreises Aachen
1/1962: Eisenbahnen im Aachener Bezirk von Karl
Pferdmenges. S. 1-5
1/1 969: Grenzabfertigung auf der Vennbahn von J.
Brammertz. S. 8-9
Der Eremit am hohen Venn - Mitteilungen des Geschichtsvereins
des Kreises Monschau (Montjoie). 10.
Jahrgang, Nr. 7, Juli 1935.
W. Vogt: 50 Jahre Eisenbahn Aachen - Monschau. S.
73-79
Dr. W. Davids: Die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn
Aachen - Monschau - St. Vith für Stadt und
Kreis Monschau. S. 80-84
Bernhard Küpper: Der Kampf um unsere Eisenbahn.
S. 85-104
Heimatkalender - Landkreis Monschau
1960: 75 Jahre Vennbahn von Johann Zimmermann,
Konzen. S. 81-88
1961: Der Bahnhof Monschau - Ein Nachruf von
Helene Hermanns. S. 79-82
Das Monschauer Land - Jahrbuch 1985: 100 Jahre
Vennbahn. Auf den Seiten 56 bis 90 mehrere Berichte
und Aufsätze (Pejo Weiß u. a.)
Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins - Band
76, Jahrgang 1964 - Aachen 1964. Pabst, Klaus:
Eupen-Malmedy in der belgischen Regierungs- und
Parteienpolitik 1914-1940
Eifel Jahrbuch - Herausgegeben vom Eifelverein
1956: Entwicklung der Bundesbahn in der Nordeifel
seit Kriegsende von der Bundesbahndirektion Köln. S.
30-33
Der Wiederaufbau der zerstörten Bahnstrecken in der
Südeifel von der Bundesbahndirektion Trier. S. 73-77
1959: Himmelsleiter und Vennbahn von Th. Kröger. S.
22-23
1961 : Die Vennbahn - Schicksal einer Bahnlinie im
Grenzkreis Monschau von Georg Stieler. S. 5-13
1966: 125 Jahre Eisenbahnlinie Köln-Düren-Aachen
- Erste Eisenbahnverbindung über die Grenzen hinweg
- von Hans Reuter. S. 41-50
1973: Die Entstehungsgeschichte der Eisenbahnstrekken
in der Eifel von Gerhard Zimmer. S. 68 u. ff.
1988: 100 Jahre im Dienst der Eifel von Konrad
Schubach. S. 16-22
Die Eifel - Zeitschrift des Eifelvereins
6/1960: 75 Jahre Vennbahn von Hermann Jung. S.
145-146
1/1976: Mit der Vennbahn unterwegs von Rita Braun.
s. 31 -33
1/1986: Alte Vennbahntrasse jetzt Rad- und Wanderweg
von Hubert Beckers, Aachen. S. 31
Zwischen Venn und Schneifel - Monatsblätter des
Geschichtsvereins St. Vith
Nr. 6 u. 8 1965: Die Eisenbahn St. Vith - Ulflingen von
P. Baert
Nr. 3 1973: Verkehrsunfälle auf den Eisenbahnen im
Malmedy - St. Vither Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts
von Walter Reuter
Nr. 6 1973: Vor 60 Jahren, Eröffnung der Eisenbahnlinie
Jünkerath - Bütgenbach von Leon Nilles. Lommersweiler
Nr. 6 1984: Aus der Fotokiste von Karl Gommes
Nr. 1 1985: Der Grenzbahnhof Kalterherberg von Karl
Gommes
Informationsschrift der Stadtgemeinde St. Vith 1987
Private Sammlungen - Auskünfte
Amplatz, Michael, Eupen - Belgien
Frau Doepgen, Eupen - Belgien
Engels, Hans, Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Eupen - Belgien
Fagnoul, Kurt, St. Vith - Belgien
Hermanns, F. W., Roetgen
Klubert, Elmar, Roetgen/Monschau
Kreus. Ewald, Aachen-Brand
Kroll, Arno, Aachen-Brand
Meurer, Karl , Stolberg
Dr. Meyer. Lutz, Aachen
Ohn, Wolfgang, Eupen - Belgien
Schätzke, EBV - Kohlscheid
Sarlette. Gottfried, Weywertz - Belgien
Steinröx, Hans, Monschau-Konzen
Weiß, Pejo, Monschau
Bundesbahndirektion Köln und Saarbrücken
NGBE - Nationalgesellschaft der Belgischen Eisenbahnen
- Brüssel
Benutzte Karten (für Erkundungen,
Höhenangaben usw.)
Blätter 1 : 25 000 der preußischen Landesaufnahme
von 1893 entlang der Vennbahn
Übersichtskarte des Eisenbahn-Direktions-Bezirks
Cöln. Zustand 1. Juni 1917
Topographische Karten 1 : 25 000, 1 : 50 000 und
1 : 100 000 entlang der Vennbahn
Belgische Karte 1 : 25 000, Blatt Henri-Chapelle -
Raeren
Blätter der Deutschen Grundkarte 1 : 5 000 auf deutschem
Gebiet
Alte Kreiskarten von Eupen und Malmedy
Parzellar-Karten der Eisenbahnvermessungen (Stadtarchiv
Monschau)
Bildnachweis
Archiv des Kreises Aachen: Abb. 5, 106, 107
Archiv der Stadt Eupen: Abb. 20
Archiv der Stadt Stolberg: Abb. 32, 53, 54
Braun, Wilhelm, Aachen-Brand: Abb. 3, 4
Frau Carl, Monschau: Abb. 70
Frau van Dam, Wilwerdange - Luxemburg: Abb. 103
Faas. Franz Josef, Prüm: Abb. 16
Aus • Festschrift 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk
Aachen•: Abb. 90
Golfart. Rudolf, Monschau: Abb. 42, 96
Frau Gombert, Kalterherberg: Abb. 95
Groteclaes, Hubert, Kettenis - Belgien: Abb. 64
Heimat- und Geschichtsverein Walheim: 78
Hermanns, F. W., Roetgen: Abb. 31 , 58, 59, 61 , 62
Huppertz, Manfred, Monschau-Konzen: Abb. 60
Elisabeth Jodocy u. Henkes, Lommersweiler - Belgien:
Abb. 73
Klubert, Elmar, Roetgen/Monschau: Abb. 84, 88, 97,
99; 100
Kreus, Ewald, Aachen-Brand: Abb. 111
Kroll, Arno, Aachen-Brand: Abb. 92
Lanneau, Jean, Sourbrodt - Belgien: Abb. 14, 40, 41 ,
63, 91
Pastiels, P. (aus dem Buch: Stations van weleer): Abb.
66
Repro Radermacher: Abb. 51
Rexing, R .. Aachen-Kornelimünster: Abb. 56, 112
Sarlette, Gottfried, Weywertz - Belgien: Abb. 10, 68,
74, .85, 93. 109, 110 = Lichtbildstelle der Bundesbahn
•direktion Köln. Foto: H. Säuberlich
Aus • Die Vennbahn• von Georg Stieler, Monschau:
Abb. 101
Wynands. E., Monschau: Abb. 46
Marenberg, Günter, Aachen: 1, 2. 6, 7, 8, 9, 11 , 12, 13,
15, 17, 18, 19, 21 , 22, 23, 24,25, 26,27, 28, 29,30,
33, 34 , 35, 36, 37,38, 39,43, 44,45, 47, 48,49, 50,
52, 55,57,65, 67, 69, 71 , 72, 75, 76, 77, 79, 80,81,
82, 83, 86, 87,89,94, 98, 102,104, 105, 108, 113,
114, 115 und ntelbild, Skizzen 1, 2, 3.
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123
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wenn's K . um Geld geht
Ei
re1ssparkasse