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Heimatblätter des Kreises Aachen 1993-1-2

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Preußische Meilensteine

im Aachener Raum


Impressum

Heimatblätter des Kreises Aachen

Bezugspreis im Abonnement 7,- DM,

Einzelpreis dieses Heftes 9,80 DM

Auflage 5 000

Herausgeber und Vertrieb: Kreis Aachen

Zollernstr. 10, Kreishaus, 5100 Aachen

Telefon 02 41 / 51 98 - 1

• Redaktion:

Heinz Frenz, Karl-Heinz Herren

5100 Aachen, Kreishaus

Herstellung:

Weiss-Druck, 5108 Monschau-lmgenbroich

Layout: Heinz Frenz, Detlef Hintzen,

Günter Marenberg

Fotos, Skizzen etc. soweit nicht

einzeln bezeichnet vom Autor

Günter Marenberg

(46. Jahrgang 1991 ; 47. Jahrgang 1992: nicht belegt)

48. Jahrgang 1993, Heft 1-2

© März 1993 by

Günter Marenberg


II

II

MEILENSTEINE

im Aachener Raum

GÜNTER MARENBERG


Inhaltsverzeichnis

Vorwort .......................................... ................ .. .. ...... ... ........ ... ..................... ................... 4

Die Aufstellung der Meilensteine (Meilenzeiger) durch die

Preußische Verwaltung . . ... . . . .... . .................. ... ... ........ ..... .. .. ... .. .... ... . ... .. ...... .... ........ 6

Allgemeine Hinweise . ...... .... . ............... .. ......... .. ..... .... ... .... .. .. .... ......................... ... . 18

Einige Hinweise zum Ausbau der Kunststraßen gemäß der

Anweisung von 1814 .. .. .. .. .... .. .. .. .. .. .. .... .. .... .. .... .. .... ............ .. .. .... .. .. .. .. .. .. .... .... .. .. .. 20

Straßenweise Zusammenstellung der heute noch

vorhandenen Meilensteine ........... .............................. ........................ ................ 21

Straße von Köln über Jülich-Aachen und weiter nach Lüttich .. .. .. .. . .. .. .. .. .. .. .. .. . .. . .. .. . .. . .. .. .. 23

Straße Aachen-Monschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen-(Heinsberg) .. .. .. . . .. . .. . . .. .. .. . . . .. .. .. .. .. . . . . .. .. .. .. . 55

Straße Aachen-Linnich- Erkelenz-Krefeld-Duisburg (Krefelder Straße) .......... .. ......... .. ..... 60

Zwei weitere Steine im Stadtgebiet Aachen .. .. .. .. . .. .. .. .. . .. . .. .. .. .. .. .. .. .. .. . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. . .. .. .. .. . 65

Noch vorhandene Meilensteine in den Bauhöfen der

Straßenmeistereien

Düren ........ ................... ... .......................................... ...... .. ...... .. ... ... .. ... ... ........ .. ................ 66

Erkelenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

Heinsberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69

Jülich ........................................ .... .... ..... .. .......... .......... ............................................ .... .. .... 69

Monschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

Einige Meilensteine an Bezirksstraßen im

damaligen Regierungsbezirk Köln .. ... ........... ........... .. ..... ............... ....... ......... 71

Historische Meilenstation an der römischen Fernstraße

Köln-Jülich . ......... .. ... ... ........ ......... .. .... ....... .... .. .. ... ...... ..... .. .... ..... ..... .. ............. ... ...... ... 73

Schlußbetrachtungen ........................................................................... .............. .. 77

Exkurs: Meilensteine in Berlin ...... .... ..... .. ....... ........... .. ..... .... .......... .. .......... .. .. ... 78

Quellen- und Literaturnachweis .......................................... .... .. ..................... .. 81

Anhang:

Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen ...... .. ............ .. .. .. ........... .... .. ... ...... .. .... 82

Alte Grenzzeichen im Kreis Aachen .. .. .. .. .. .. ..... .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. ... .. .. .. 86

3


Vorwort

An einigen Straßen des weiten Aachener

Raumes sind heute noch vereinzelt, mitunter

aber auch in Folge, ganz besondere Wegezeichen

anzutreffen. Es handelt sich hierbei

um sogenannte Meilensteine, die ursprünglich

jedoch »Meilenzeiger« genannt wurden.

Die über drei Meter hohen Obelisken

mit den zwei seitlich ausladenden Steinbänken

zeigen auf der zur Straße hin gerichteten

Seite im oberen Teil den Preußenadler,

und darunter ist die Entfernung in Meilen

vom Standpunkt aus entweder nach Köln

oder nach Aachen angegeben. Es sind nicht

nur imposante, sondern auch schöne Wegezeichen,

die uns bis in die heutige Zeit erhalten

geblieben sind.

Bei genauerer Betrachtung der nun schon alten

Meilensteine - mehrere wurden zwischenzeitlich

auch versetzt - ist jedoch zu

sehen, daß die vielen Jahrzehnte, die siebereits

an den Straßen stehen, nicht ganz spurlos

an ihnen vorübergegangen sind. Schon

manche Ausbesserung mußte in der Vergangenheit

bereits vorgenommen werden, und

an verschiedenen Steinen wären auch heute

wieder Überarbeitungen angebracht.

Vom Volksmund werden diese Meilensteine

sehr häufig als »Napoleon-Steine« bezeichnet

oder mit der »Franzosenzeit« in Verbindung

gebracht. Dies dürfte wohl darauf zurückzuführen

sein, daß sich diese Steine an

Straßen befinden, die vermeintlich zur napoleonischen

Zeit entweder entstanden sind

oder ausgebaut wurden. Und man geht davon

aus, daß im Zuge dieser Straßenbauarbeiten

auch die Meilensteine aufgestellt worden

sind. Aber diese gedanklichen zusammenhänge

sind nicht zutreffend.

Zu diesen Fehlinterpretationen haben sicherlich

auch die wenigen vorhandenen Aufsätze

über die Meilensteine aus älterer Zeit beigetragen.

Darin wird die Aufstellung dieser Wegezeichen

nahezu ausschließlich den

Franzosen zugeschrieben. Um diese zeitliche

Einordnung auch zu begründen, werden

darauf hinweisende Zusammenhänge aufgezeigt,

die sich so, wie sie beschrieben werden,

gar nicht abgespielt haben können.

Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung» Was

Meilensteine erzählen! Auf der Landstraße

von Aachen nach Monschau.« Sie erschien

in den »Heimatblättern des Landkreises

Aachen« - 1 . Juli 1932 und wurde

außerdem im »Eremit am Hohen Venn« -

Mitteilungen des Geschichtsvereins Monschau

- 23. Jahrg. 1951 - abgedruckt. In

der an sich unterhaltsamen und interessanten

Abhandlung werden die Meilensteine

mit dem Ausbau der Landstraße Aachen­

Monschau in Verbindung gebracht. Unter

anderem ist folgendes dazu geschrieben:

»... Kaum war die Straße dem Verkehr

übergeben, als sie schon widerhallte vom

Hufschlag der Rosse und dem Schritt von

Soldatenabteilungen der verschiedensten

Waffengattungen. Vom Frühjahr bis

Herbst 1811 marschierten Truppenteile

verschiedener Nationen an den Meilensteinen

vorüber nach den Sammelpunkten

der großen Armee . . . Zwei Jahre nach

dem hoffnungsvollen Ausmarsch kehrte

das einst so stolze Heer in die Heimat zurück,

flüchtend und zermürbt. Die Meilensteine

wiesen ihnen wieder den Weg.

Dem geschlagenen Heer folgten die siegreichen

Truppen der Verbündeten. Im

Jahre 1813 bis 1814 zogen die verbündeten

Preußen und Russen an den Meilensteinen

vorüber, darunter Abteilungen der

gefurchteten Kosaken aus den Steppen des

Ostens. Eine Sotnie dieser wilden Reiter

lagerte auf dem Rückmarsch aus Frankreich

im Winter 1815 am Meilenstein in

Friesenrath. Der 1870 verstorbene Sohn

eines Gutsbesitzers aus Nütheim traf sie

gegen Abend auf einem Geschäftsgang. Es

war bitter kalt und die schneebedeckte

Landstraße durch fremdartige Fuhrwerke

fast gesperrt. Kleine Pferde standen an

Wagen und Pfählen angebunden. Am

Meilenstein hatte sich der Hetmann mit

seinem Gefolge niedergelassen. In den

Wiesen rechts und links der Straße und

an den Böschungen lagerten an großen

Feuern die wilden Krieger . . .«

Das liest sich zwar recht gut und beflügelt

die Phantasie, entspricht aber in zwei Aussagen

nicht den Tatsachen. Aus den nachfolgend

belegten Angaben ist zu ersehen, daß

1811 oder 1815 dieser Straßenabschnitt

noch gar nicht ausgebaut war und daß die

Meilensteine an dieser Straße erst später

aufgestellt worden sind. Auch der Sohn des

Gutsbesitzers kann den Meilenstein zu dieser

Zeit nicht gesehen haben. Denkbar ist jedoch,

daß er damals gesagt hat, daß dort,

wo der Meilenstein aufgestellt wurde, die Kosaken

gelagert haben. Aber man hat es anders

interpretiert.

Aber auch die Berichte oder Hinweise aus

jüngerer Zeit irritieren den Leser häufig. So

wird beispielsweise in einem Zeitungsbericht

vom 10. April 1980 u. a. gesagt, daß die

drei Meilensteine bei Stetternich, Aldenhoven

und Hoengen aus der Napoleonischen Zeit

stammen. Den Preußenadler sowie die Inschriften

hätte die preußische Verwaltung

1822 ändern lassen. Und anläßlich der Ausstellung

»700 Jahre Stadt Herzogenrath«

Mitte 1982 in der Burg Rode steht in dem

dazugehörigen Katalog, daß die französische

Verwaltung die Meilensteine entlang

der Landstraße Aachen - Geilenkirchen aufstellen

ließ. Doch nichts davon entspricht

den Tatsachen.

Die nicht zutreffende Aussage bezüglich des

Meilensteins im Stadtgebiet Herzogenrath ist

vermutlich darauf zurückzuführen, daß im

Beschreibungstext der Denkmalliste - der

Stein wurde Mitte 1982 unter Denkmalschutz

gestellt - dieser Meilenstein als »napoleonischer«

Stein bezeichnet worden ist. Im August

1990 erfolgte eine Richtigstellung. Der

Stein an der Geilenkirchener Straße wird nun

als »preußischer Meilenstein« geführt.

Ohne Zweifel hat Napoleon den Straßenbau

auch im Aachener Raum gefördert. Er war ja

dafür bekannt, daß er - wenn auch vorrangig

aus militärisch-strategischen Überlegungen

- auf ein gut ausgebautes Straßennetz

großen Wert legte. Gelegentlich seines ersten

Aufenthalts in der alten Kaiserstadt Aachen

wurde ihm vom Bürgermeister der

Stadt und vom Stadtrat, befürwortet vom

4


Präfekten des Roerdepartements, ein Gesuch

mit der Bitte um Anlegung einer direkten

Straßenverbindung von Aachen nach

Monschau überreicht. Das war auch dringend

notwendig, da es nach Süden hin

überhaupt keine gut ausgebaute Straße gab

und die vorhandenen Wege obendrein auch

noch sehr schlecht waren. Rasch entschlossen,

wie Napoleon nun einmal war, hat er

noch am Vorabend seiner Abreise durch ein

Dekret vom 10. September 1804 - 23 fructidor

an 12 - den Bau einer neuen Straße von

Aachen über Kornelimünster und Roetgen

nach Monschau mit einer Abzweigung nach

Stolberg angeordnet. Allerdings wurde diese

Straße in der französischen Zeit - also bis

1814 - nicht ganz fertiggestellt.

Aus den hervorragenden topographischen

Karten , die in der Napoleonischen Zeit vom

linksrheinischen Gebiet unter der Leitung des

französischen Ingenieurgeographen Oberst

Tranchot hergestellt worden sind - im Aachener

Raum zwischen 1805 und 1810 - ist

zu ersehen, daß hier bereits ein gut angelegtes

Straßennetz vorhanden war. Die Straßenführung

der bedeutenden Straßen entsprach

damals schon weitgehend dem in

dieser Zeit üblichen, geradlinigen Verlauf.

Meilensteine sind in diesen »Tranchot-Karten«

jedoch nicht dargestellt, denn sie haben

zur Zeit der Aufnahme dieser Karten

noch nicht an den Straßen gestanden.

Ob zur französischen Zeit die Absicht bestand,

Wegezeichen gleich welcher Art an

den wichtigsten Straßen des linksrheinischen

Gebiets anzubringen, ist nicht bekannt. Die

Meilensteine jedoch, die uns bis heute an einigen

Straßen des Aachener Raumes erhalten

geblieben sind, wurden ohne Ausnahme

erst von der preußischen Verwaltung aufgestellt.

Schon allein die »sichtbare Tatsache«,

der erhaben herausgemeißelte oder

gußeiserne Preußenadler auf den Steinen,

läßt keinen Zweifel darüber aufkommen.

Daß Napoleon Wegezeichen an unseren

Straßen aufstellen ließ, auf denen sich das

Emblem der Preußen befand, muß ganz

ausgeschlossen werden.

Daß auch an den wichtigen und gut ausgebauten

Straßen in Frankreich Meilensteine

aufgestellt wurden, dokumentiert ein 177 4

entstandenes Gemälde von Joseph Vernet

im Louvre. Das Bild veranschaulicht die Aufstellung

der Meilensteine, die in römischer

Tradition als Säulen mit einem quadratischen

Sockel angefertigt sind. Es ist jedoch nicht

bekannt, daß man solche Meilensteine zur

französischen Zeit auch an den Hauptstraßen

der linksrheinischen Departements aufgestellt

hat. Außerdem ist auf dem Bild zu

erkennen, daß schon um 1774 auf den

französischen Straßen eine rechtwinklige

Straßenpflasterung zur Anwendung gekommen

ist.

Straßenbauarbeiten und die Aufstellung von Meilensteinen an einer Straße in Frankreich um 1774 nach einem Gemälde von

Joseph Vernet (Paris, Louvre).

5


Die Aufstellung der Meilensteine durch die preußische Verwaltung

Die Grundlage für die Aufstellung der Meilensteine

ergab sich aus der »Anweisung

zur Anlegung, Unterhaltung und Instandsetzung

der Kunststraßen. Erster Theil,

welcher die Anlegung der Kunststraßen

betrifft. « Sie wurde in »Berlin, den 26sten

November 1814« von der »Ober-Bau-Deputation«

herausgegeben. Nach diesen umfassenden

und sehr ins Detail gehenden

Straßenbau-Vorschriften sollten künftig die

Hauptstraßen in den Preußischen Staaten

ausgebaut werden. Und im § 104 dieser Anweisung

ist die Aufstellung der »Meilenzeiger«

an den entsprechend ausgebauten

Hauptstraßen vorgeschrieben.

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ber

1Unffffta6e.n.

tu eld)er

bie 2lnte9Uttg ber Jfun~fttaijert

.betrifft.

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G}cbtucft bti ~ t o fg c:D e er tt I S\'~nig(. Q}e~. b6et,~ofbud,btird'Cf,

6


Nachstehend ist ein Auszug aus der Anweisung

mit dem genauen Wortlaut des §

104 wiedergegeben:

Entsprechend den Hinweisen in den §§

80 und 10'1 ist dieser gezeichnete Entwurf

der Anweisung beigefügt. In ihm

sind Straßenprofile und die Formen der

Meilenzeiger für ganze, halbe und viertel

Meilen dargestellt. Die Abmessungen

sind in Zoll und »Preußischen Fuß«

angegeben.

IG ~rittci: ~lbfcf)nitt. m,m bcr ~11111lflrn6c.

11.1nrtmS, bei· @itd110r1,prn l)oclJ0<n6 1000 Olutvr11, • bei JHrt-flrnp,n • llbtt,

~or(1flmd 500- !ltutl,lm lnn9 u,irb .. · • •

' . §. 103.

!Bei .jcbrni 9:Bovnf)1111ft ifl bit %rtngc tint.d ~runntn6 not~l\ltnbig.

§. 104.

9i1ei1tniiii1r. '.nit ro? eilt n3 ti 9 er 'llltrbcn na~ btm anlirgenb 9t3dcf,,ntltn Cfotl!)urf

lioneitrin; ob_tr ciucb, in btr %ibr 1.1011 C!iitnfcl}mel3b.t'1Htn, uon WuOtifm, ~ngt•

fertigt, ~n _gropm 5.t,ibten, obtr ro,nn ba111i1 nocb nnbtrt 3n,rcl"t lltrliun,

/ ben -n,rrb,.n follrn, fo1111en fit. i111, .9rcOern .Eo;,I trb,,-.,tt 1uer&en . . E">it 11,,r.•

brn ntlirn . bt111_· eommm11eg nuf. btn ~uO(hi9 oufg~lltllt, 1111b _bic b,m111 nb,

tbi!Jrn ~nfcbriftrn, bie für bit . fol!Jfllbt \Srr_npc pnfTtn, mufTm .bt!O onfom• •.

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licl,>tr.: : lJh1c(,. miiO .baö '_\ill1,ffrr ,ubrrnll.. unter : bcr . mo~n burc\.>, uo11 rii1cin

6dtcn9rnt1cn '.'. 3üm: 011brr1~•(§§.4·4 . .45,:1i'. •folg.), · geleitet ltitrbcn; •

§. 107. .

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Die ;;ngegebenen Ma/Je ktinnen von Sle,n .zu Stein im Zenlimeter-.Bereic/J dirferieren.

Die Zeichnung gibt die Meilensteine wieder, so wie sie heute noch an den Straßen von Köln über Jülich-Aachen und weiter in

Richtung Lüttich, Aachen-Monschau und Aachen-Geilenkirchen anzutreffen sind. Form und Abmessungen stimmen sehr genau

mit dem Entwurf der Ober-Bau-Deputation vom 26. November 1814 überein.

Von Bedeutung für die Aufstellung der Meilenzeiger

war außerdem die »Maaß- und

Gewicht-Ordnung für die Preußischen

Staaten. Vom 16ten Mai 1816«. Der erste

Absatz und der § 1 sind nachfolgend aufgezeigt:

~41

(No. H6.) 9'loo~ • 11nb 0«ro~t:1'rb1n1ng fiar bit IJ)rtu~fcfµn etooftn. !!30111 16tm

Wloi 1816.

~r ~riebtid) ~U~dm, t>on @ottd @naben !onig t>on

,reuffen lt'+ K+

!t6un funb unb fugtnau a,iffen, bo6 mlir nbtbig trad}ttt ~aben, btr

Unfid}er~eit in gna4jjm unb @cn,icf,ren, bit bi~brr in Unf ern 6t11aten be11

13crfe9r trf ~nmt,, burcti feilt l8etlimmungen ab3u6df tlt.

m3ir ucrorbnen bo~er n,it folgt: -

§. I.

~6 foll ttjl~ bufügtnber ~nnaifung rin @i~ i,on SJ}rp&tma11Jtn unb

@t~i<tten unter ~uffi~t tintr Jtommi(jion 1'0n (5a~i,njlänbigtn i,,rfertigt,

unb bei Unitm ~initlerium btr i}in4l1Attt unb be6 i,)anbeU aufben,af.,rt n,m

btn. 1)itfe IJ)robnnaa~t unb @eu,icf}te finb fortan bir einJig aut6orifirtttt

Originlllt 110n ~aaJ unb Wtll)i~t fl\r Unf m fcimmtlictien 6taatcn.

8


Im Zusammenhang damit ist natürlich auch

die nachstehende »Anweisung . .. « wichtig.

In ihr sind die einheitlichen Maße und Gewichte

für alle Preußischen Staaten festgelegt.

Die hier interessierenden Maße sind

auszugsweise wiedergegeben.

Das Gesetz und die Anweisung sind am gleichen

Tage, dem 16. Mai 1816, in Kraft getreten.

Sie sind der Gesetz-Sammlung für die

Königlichen Preußischen Staaten des Jahres

1816 entnommen.

Im »Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«

des Jahres 1818 erschien unter Nr. 74 - Seiten

112 und 113 - folgende Bekanntmachung

:

»Bei Vergleichung der Preußischen mit

den hier zuletzt in Gebrauch gewesenen

Französischen Maaßen und Gewichten

sind folgende Grundverhältnisse anzunehmen:

A. Längenmaaße.

Der Preußische Fuß enthält

0,3138535 Meter

Die Ruthe von 12 Fuß

3, 766242 Meter

Die Meile von 2 000 Ruthen

7 Kilometers 532,484 Meter

Dem Publikum wird dies zur Nachricht

bekannt gemacht.

Aachen, den 2. April 1818

König/. Preuß. Regierung,

zweite Abtheilung. «

Eine »Preußische Meile« hatte also eine

Länge von 7 532,484 Metern. Genau in diesen

Abständen wurden dann auch die Meilenzeiger

an den ausgebauten Straßen Preußens

aufgestellt.

Durch den Wiener Kongreß von 1814/15

wurde das linksrheinische Gebiet, und damit

auch der Aachener Raum , Preußen zugesprochen.

Nach einer kurzen Übergangszeit

erfolgte bereits im Frühjahr 1816 die Einrichtung

der rheinischen Provinzen und Regierungsbezirke.

Im ersten »Amts-Blatt der

Regierung zu Aachen« vom 24. April 1816

hat man die » . .. einstweilige Kreis-Eintheilung

des Aachener Regierungs-Bezirks

hierdurch in Nachstehendem zur Kenntnis

des Publikums gebracht . . . «. Der Regierungsbezirk

setzte sich aus dem Stadtkreis

Aachen und den 12 Kreisen Aachen,

Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Jülich,

Düren, Eupen, Montjoie (Monschau), Gemünd,

Blankenheim, Malmedy und St. Vith

zusammen.

Nachdem nun also dieses Gebiet in die

»Preußischen Staaten« eingegliedert war,

sind hier auch die für Preußen bestehenden

Gesetze, Anordnungen und sonstigen Vorschriften

weitgehend zur Anwendung gekommen.

So auch die oben aufgeführte An-

149

§. 2. .

Unttr bitftr ~enmnung foU btr feit bcm 2,gjlen Ofto~cr ~77~• '"

SJ}rtu9en, btn ID?4rhn unb SJ}ommern tingtf~~rte f 09en11nnte r ~ c t n l Cl n 1H f ~ e

~ t r r f u tJ o,rfl11nbcn roerben.

§. 3.

~r ent6d(t tintunbert nrun unb brtiJig unb bui&e~.n

tun b er r X~ c i I e finitn bt6 • in n,ifftnf~afrli~tn IDtr~4nblungtn allgtmttn

b efannttn "arif er ~u6e6. . . .

l)amit aber bic @roJt be~ l)rtu9ifd,)tn {JutJmaaJt6, niorauf bat t\fmgen

W?4Gpt unb ~troid}tt gegrunbtt fmr,, unab~dngig i,on jtbtm a_nbem IDl11aJt,

auf einem UrmaaJe (mube, rotl4,e6 au aUtn 3eittn bei entflc~tnben 3n,ei~tln,

n,icber erlangt roerben r 11nn, f o folf na~ m_oUenbun, btr !Beob~cotungtn ube_r

bit @>etunben. finbul. fdngt uon 1atrlan, baefc unb 1~r IDtr~dltnatJ Jum vreuJ1•

f coen iJuJ btfannt gcma~t roerbtn.

~itftr l)rtutJif ~e ~u~

finitn ringef~tilr.

§. 4·

n>irb in ö'"" o l f 3oUc unb biejcr 3oU in A ro 6l f

§. 5.

3 ro öl f birfer tJufft mattn eint p rc u i} i f ~ e 9t u t ~ t, Ne Aum GJt•

bntu<te be.r 3,lbmtfitr, blo6 AtfJenf~rilig, ~unbtrrtbt1lig, unb f o fort, f o rorit

c6 not~iS itl, tinget~tilt roitb.

§. 6.

föne ~uuJi f~t IDlcift ifl eine fängt oon aroeitoufcnb fol~cr8lut~tn.

Damit war die »Preußische Meile« bindend für sämtliche Preußischen Staaten in einer

bestimmten Länge festgelegt.

weisung über den Straßenbau und die damit

verbundene Aufstellung der Meilensteine.

Aus den noch vorhandenen Unterlagen der

damaligen Zeit ist zu ersehen, daß für die

Aufstellung der Meilensteine die Regierungsdepartements

(Regierungsbezirke) zuständig

waren . Im früheren Regierungsbezirk Aachen

sollten die Meilensteine zuerst an der

»Hauptstraße erster Klasse« aufgestellt

werden, die von Köln kommend über Jülich

und Aachen in Richtung Lüttich führte. Für .

dieses Vorhaben besteht noch ein »Kosten

Anschlag« vom 9. September 1817, der für

die Anfertigung , den Transport und die Aufstellung

von 7 ganzen Meilenzeigem, 7 halben

und 15 Viertelmeilensteinen » .. . zufolge

der deshalb von Hochlöblicher Ober=Bau

=Deputation ertheilten Vorschrift« aufgestellt

worden ist. Diese Meilensteine sollten

auf der vorgenannten Straße von der Regierungsbezirksgrenze

Köln/ Aachen an der

Escherbrücke zwischen Eisdorf und Steinstraß

bis zum Weißen Haus hinter Kelmis an

der Straße nach Lüttich - dieser Gebietsteil

gehörte damals zum Kreis Eupen im Regierungsbezirk

Aachen - aufgestellt werden.

In diesem Kostenvoranschlag sind alle Bearbeitungsvorgänge

detailliert erfaßt und hinsichtlich

der »Bearbeitung des rohen Materials«,

gemeint waren die Hausteine, sehr

präzise Aussagen gemacht. Aus der Berechnung

der Transportkosten ist zu ersehen,

daß die Meilensteine von den »Brüchen

zu Cornelymünster« an den jeweiligen

Bestimmungsort transportiert wurden.

Es kann wohl davon ausgegangen werden,

daß die Steine auch in den Steinbrüchen in

und um Kornelimünster angefertigt worden

sind. Die Gesamtkosten für die Aufstellung

der Meilensteine an dieser Straße, soweit sie

durch den Regierungsbezirk Aachen führte ,

wurden mit rd . 1 317 »Reichsthalern« kalkuliert.

Aus dem 14 Seiten umfassenden Kostenvoranschlag

sind nachfolgend die ersten vier

Seiten aufgezeigt. Sie betreffen die Bearbeitung,

den Transport und die Aufstellung der

sieben Obelisken. Die Aussagen hierzu sind

doch recht interessant. Bei der Berechnung

der Transportkosten sind auch ungefähre

Angaben zu den Standpunkten der Meilensteine

gemacht. Da die alte deutsche

Schreibschrift heute nicht mehr allgemein

verständlich ist, wurden die vier Seiten wortgetreu

übersetzt (Bedeutung einiger Zeichen

: ' = Fuß, " = Zoll).

9


10


Kosten Anschlag

Über Verfertigung und Aufstellung eines Meilenzeigers zufolge

der deshalb von Hochlöblicher Ober= Bau Deputation ertheilten

Vorschrift. -

Geldbetrag

Benennung der Haupt Abtheilungen

RTr gr pf RTr gr pf

A. Fundament Ausgraben.

1 •

28 1/3 Cubic Fuß Erde auf 8 1 6 11 Länge, 2> 6 1 >

Durchschnittsbreite und 1 1 4u Durchschnittstiefe

auszugraben, und in der

Nähe auf die Seitenwege zu verkarren

a 4 Pf _____ _

Summa Li t: A. _ _ _

9 5

9 5

2 .

B. Rohe Materialien und deren Anfuhr.

Das Postament der Pyramide beträgt an körperlichen

Inhalt __________ 9, 1

i~i C~

1/5 Abfall ____ 1,~~1i c!

Die zwei Fußb änke betragen ____ 14, 1

~~: C!

1512 l

1 / 5 Abfall ___ _ 2, C. 1728

4 .

Die große Pyramide incl der aufgesetzten

S • t b t •• t 29 1 415 C >.

pi z e e rag - - - - - - - - - - - , 1728

1 1571

/ 2 Abfall _ _ __ 14, C! 1728

6.

1.

8.

9.

10.

Die kleine abg ekürzte Pyramide beträgt

an cubischen Inhalt ________ O ,~~~~ C!

/

31 0 1

1 5 Ab f al 1 _ _ _ _ 0 , '1128 C •

zusammen =

333

74 ,1728 C!

7 4, 1

~~~ Cubic Fuß roher Haustein a 12 gr _ _ _ 37 2 4

380 Stück Ziegel sind erforderlich, 1000

Stück kosten enzukaufen und anzufahren

6 RTr. 12 gr__ _ 2 11 3

7 Cubic Fuß g elöschten Kalk anzukaufen und

anzufahren a 9 g r _ _ _ _ _ ________ _ 2 15 -

13 Cubic Fuß }~auersand zu gewinnen und

anzufahren a C 2 g r 6 pf _________ _

Summa Li t : B. ____ _

c. Bearbeitung des rohen Materials.

333

74 Cubic Fuß roher Haustein der Zeichnung

g emäß nach geraden Flä chen,

'1728

und mit der nöthigen Böschung

sauber

Latus ___ _

1 8 6

43 13 1

43 22 6

11


12


1 2 .

13.

Benennung der Haupt Abtheilungen

Transport __ _

sauber und untadelhaft zu behauen,

incl jeden Stein oben mit einem Zapfenloch

und unten mit einem Zapfen zu

versehen, damit wenn der Obeli ske aufgesetzt

ist, durch das Ineinandergreifen

der Zapfen in die Löcher die ganze

Säule die gehörige Stärke erhalte.

Geldbetrag

RTr gr pf RTr gr pf

a 9 gr__ _ _ 30 3 4

11 . Den Adler, die Buchstaben und Zahlen der

Zeichnung zufolge schön einzuhauen_ _ _ _ _ _ 4 18 6

lt----+---+---11

Summa Li t : C . ___ _

D. Verfertigung des Meilenzeigers.

1189

56 '1728

Cubic Fuß bearbeitete Hausteine in

sehr gutem Verbande aufzusetzen,

völlig paßend zu behauen, und überhaupt

das Ganze gehörig nachzuputzen.

a C 1 5 gr ____________ _

281

576 Cubic Fuß Mauerwerk mit Ziegeln in

1728

gutem Verbande anzulegen incl: den

Mörtel zu diesen sowohl als zu jenem

Mauerwerk zu präpariren

a Cubic Fuß 1 gr. 6 pf _____ _

Summa Li t: D. ___ _

Summa Summarum der Kosten eines

Meilenzeigers excl Transport ___ _

Mithin kosten die im g anzen auf der Hauptstraße

von Cöln über Aachen nach Lüttich -

nemlich soweit diese Straße durch das Aachener

Regierungsdepartement führt, zu setzenden

7 Meilenzeiger ohne Transport ______ _

Der Transport derselben beträgt nach der

beiliegenden Fuhrlohn Berechnung überhaupt __

11 19 5

1 18 6

tt----t------t----il

43 22 6

34 21 10

13 13 11

92 10 3

646 23 9

117 -

Summa Summarum der Kosten gedachter

7 Meilenzeiger mit allen Umst änden ___ _

763 23 9

(Unterschrift)

Aachen den 9ten September 1817

(Unterschrift)

revidirt 19. Sept. 17

(Unterschrift)

13


11

Die Transport Kosten, der auf der durchgehenden

Hauptstraße von Cöln über Jülich, Aachen nach Lüttich,

zwischen der Escherbrücke und dem Weißen Hause, von

der einen Departemental Grenze bis zur anderen zu

setzenden 7 Stück Meilenzeiger, wovon die aus Haustein

bestehende Masse für jeden beinahe 56 3/4 Cubic Fuß

beträgt, werden zu stehen kommen und zwarn:

1lich für den von Aachen aus nach der Escherbrücke hin zwischen

Aachen und Haaren, zu setzenden Meilenzeiger

der 9t..e von Cöln aus.

Angenommen, daß eine 1spännige Karre 9 bis

10 Cubic Fuß ladet, mithin zu 56 3/4 Cubic Fuß an 6mal

fahren, und zu jeder Fuhre, da die Entfernung von

dem Bruch~ zu Cornelymünster bis zur Abladestelle

1 1/2 Meile oder 3000 Ruthen beträgt, incl. Auf und Abladen

einen vollen Tag nöthig hat, mithin um die ganze

Haustein Masse an Ort und Stelle zu schaffen 6 Tage zubringen

muß, den täglichen Lohn zu 1 Rthlr. 12 Gr. angeschlagen

in Summa ________________________________ 9 Rthlr.

2tens für den unweit dem Orte Neusen zu

setzenden Meilenzeiger, der ste von

Cöln aus, in 5000 Ruthen Entfernung

zu transportiren, wozu 9 Tage incl. Aufund

Abladen erforderlich sind, wie vorhin

1 Rthlr. 12 Gr. pr: Tag ___________________ 13 Rthlr. 12 Gr.

3t!:fils für den zwischen Schleiden und Aldenhoven

zu setzenden Meilenzeiger,

der 7te von Cöln aus, in 7000 Ruthen

Entfernung zu transportiren, wozu

12 Tage incl. Auf und Abladen erforderlich

sind a 1 Rthlr. 12 Gr. ____ _: _________ 18 Rthlr.

Latus -

40 Rthlr. 12 Gr.

14


Transport

40 Rthlr. 12 Gr ;

4tens für den zwischen Eschweiler 1) und dem

sogenannten Galgenberge 2 ) zu setzenden

Meilenzeiger, der 6te von Cöln aus, in

9000 Ruthen Entfernung zu transportiren,

wozu an 15 Tage incl. Auf und Abladen

erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. ____ 22 Rthlr. 12 Gr.

5tens für den zwischen Steinstraß und Stetternich

zu setzenden Meilenzeiger, der

5te der von Cöln aus in 11000 Ruthen

Entfernung zu transportiren, wozu

an 18 Tage incl. Auf und Abladen erforderlich

sind, a 1 Rthlr. 12 Gr. _________ 27 Rthlr.

6t ens für den zwischen den Aachener Busch

und Bildchen zu setzenden Meilenzeiger

der 1ote von Cöln aus in 4000

Ruthen Entfernung zu transportiren

wozu 7 1/2 Tage incl. Auf und Abladen

erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. __ _ _ 11 Rthlr.

und endlich

6 Gr.

7-t..fil!s für den zwischen dem Galmeiberge 3)

und dem Weißenhause zu setzenden

Meilenzeiger, der 11~e von

Cöln aus in 6000 Ruthen Entfernung

zu transportiren, wozu

an 10 1/2 Tage incl. Auf und Abladen

erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. __________ 15 Rthlr. 18 Gr.

revidirt

(Unterschrift)

Totalbetrag des

Transports

für 7 Meilenzeiger

117 Rthlr.

Aachen 9. September 1817

(Unterschrift)

11

1 Gemeint ist der Eschweiler Weg, der kurz hinter Jülich •

in Richtung Aachen gesehen - nach finks abgeht und

über Bourheim-Dürwiß nach Eschwei er führt

2 Alte Lagebezeichnung an der Straße Jülich-Aldenhoven

3 Das Galmeigelände befand sich auf der rechten Straßenseite,

etwa am Ortsende von Kelmis

15


Nachdem der Kostenvoranschlag erstellt

war, hat man das Vorhaben unwahrscheinlich

zügig weiterbetrieben. Schon wenige Tage

später erschien in der Nr. 40 des »Oef

/entliehen Anzeigers von Aachen« die Ausschreibung

dieser Arbeiten. Nachstehend

der doch sehr interessante Wortlaut im Originaltext:

Man hatte sich also entschlossen, die Meilensteine

an den drei genannten Straßen, die

demnach wohl im Sinne der Anweisung von

1814 ausgebaut waren, zur gleichen Zeit

aufzustellen. Da die öffentliche Ausschreibung

auch nicht wiederholt wurde, wie z. B.

bei ähnlichen Ausschreibungen in der Folgezeit,

ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die

Arbeiten an dem vorgesehenen Termin vergeben

werden konnten.

Eine Vollzugsmeldung, also eine schriftliche

Mitteilung darüber, daß man die Meilensteine

aufgestellt hatte, ist weder im »Oejfentlichen

Anzeiger von Aachen« noch im

»Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«

nachzulesen. Das war wohl nicht üblich und

auch nicht nötig; denn die preußische Verwaltung

wird mit Akribie darauf geachtet haben,

daß die Arbeiten korrekt ausgeführt

und die Steine auch ohne Verzug aufgestellt

worden sind.

Eine weitere Bekanntmachung aus dem

»Oejfentlichen Anzeiger von Aachen« -

Jahrgang 1818, Nr. 11 - soll hier nicht vorenthalten

werden. Sie erschien unter der

Überschrift »Belohnung von 50 Franken«.

Aus dieser Bekanntmachung ist ersichtlich,

daß die Steine bereits im März 1818 an den

Straßen gestanden haben. Bemerkenswert

ist außerdem, daß auch in dieser Zeit so ein

Frevel nicht verhindert werden konnte.

llhlotu19 ton So ffruhn.

Sa '" 9lo~t Nm ,. ouf bt■ 7. t,, 9'lonott

finb Ollf btt etrntlr M!I .töfn 114~ !,;uid),

amif~rn \irr u11b tr:n l)orfr ~aiirrn, nrua

toiuflrinrrar !.1lummcq,f.1Ne bo~t,,iHnn,rifr

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~üftd}, •!fod}m bi6 &um fogcnanntra !!3d~n•

[JAufr., .11n·. brr .!ßt[gifd}tn · lfürn,1r, ale au~

bit a ■ f btr. Strajjr iion V111~r11 n11d} .\Dlontjoir,

~nb 0011 1 lh,d}ca ~ ~rihA?intra, ,111 frl)eis

t,tjl,it11!11ttA 9an5r, b~lbt ull'b _i,iutd· rolrilcn:

1ri9tr , · fo n,ir. 11isd} - eint brbrutrnbe -Qln~b.i

9r)ll~b.n(id)n !nU1'111~fhi!le, n,tlcflr tbril6,,fm

gtbad;Jtr unb tbrif& für i,nfcf>irbrne 11abre

e,rajjrn brflimmt. firib, öffm[icll unttr brm

!Borfi~t btl 6rtrrffentitn .f>mn 2aribrarb6 411

bta !Jlinbrfl.frTbtrnbrn tmbungrn nmb:n,

(!6 n,irb babrr 5u birfrr !llnfüi1ir11ng,

Terminus 011f brn g, birfr6 IDlonati!, it)on•

11trfla9e, !!lonnittage , o U~r, lll ~orndi:

Mit den vorstehenden Ausführungen ist der

lückenlose Nachweis dafür erbracht, daß die

Meilensteine an den hier besonders interessierenden

Straßen von Köln über Jülich-Aachen

und weiter in Richtung Lüttich, Aachen­

Monschau und Aachen-Geilenkirchen, Ende

1817 bis Anfang 1818 von der »Preußischen

Verwaltung« aufgestellt worden sind.

Es sind genau die drei Straßen, an denen

auch heute noch die Obelisken und Glocken

anzutreffen sind.

In den folgenden Jahren sind im »Oejfentlichen

Anzeiger von Aachen« noch weitere

Ausschreibungen nachzulesen. So in Nr. 14

vom 6. April 1819: » .. . eine Anzahl ganzer,

halber und viertel Meilenzeiger und

gewöhnliche Nummersteine auf den verschiedenen

im hiesigen Regierungsdepartement

belegenen Straßen zu liefern, öf

/entlieh an den Wenigst/ordernden verdungen

werden __ .«, und in Nr. 19 vom 5.

Mai 1820: » . .. , so wie auch die Lieferung

einer Anzahl Meilenzeiger und Nummer­

Abtheilungssteine, für verschiedene Straßen,

... «. Bedauerlicherweise ist in den

Ausschreibungen nicht gesagt, für welche

Straßen diese Meilensteine bestimmt waren.

Aber es gab ja noch einige Straßen im Aachener

Raum, die entsprechend ausgebaut

waren und dafür in Frage kamen. Mit großer

Wahrscheinlichkeit war die Straße von Weiden

(Broichweiden) nach Eschweiler dabei,

denn in dem Blatt 5103 Eschweiler der topographischen

Uraufnahme von 1846 ist an

dieser Straße zwischen Merzbrück und Röhe

m1infln, in . btm t)irnfiloflllt bell baft(bfl

n,o~nrnbrn .f}mn !8ur9rrmtifle16 Ofl[mbrr

ongrfrl,}t, unb folcf>r !8iri~Infligr, wrlcf>e rinr

• ficllrrt .ltaarioa i,on 500 6i6 1000 !lttbir,

l):)rr11j;. <!ourant 111 ltifhn Im eitanbr finb;

unb ficv b11rübrr i,or brm 0tbot lrgitimirtn

fonnrn, ringtlabrn, fid) am brfiimmtcn :tage

1mb frfigrfr~ltr etunbr rinaufintrn,

Dit!Brbia9un9rn, fo lllit bidtoflrnanf~[dgr,

litgrn ,ur ~in~d)t brr fa11tlonH'19i9m Unter•

nrbmrr in brm Drrn(tloM, beA UnttrJrid)nr~

ttn 3 Zage i,ot btm :trrminr, nrmlid} brll

6,, :,-, u11b 8,, jrbtn . l'.ag . bt6 !normirtagf,

»oa s H& , 1 U~r, cfftn.

!!lad)rn, bra , . Pftobrr 11,, 7,

iCer Q:>'!,er:Wege,:Jnfpeftor;.

E5'ttinmri fh,. •

ein Meilenstein (Glocke) für eine halbe Meile

dargestellt. Die graphische Längenüberprüfung

bis zum Anfang der Straße in Weiden -

sie wurde hier aus der übergeordneten Straße

Köln-Jülich-Aachen herausgeführt - ergab

sehr genau eine halbe Meile.

Da in der Folgezeit keine diesbezüglichen

Ausschreibungen mehr erschienen sind,

kann wohl davon ausgegangen werden, daß

im damaligen Regierungsbezirk Aachen vorerst

die Aufstellung der Meilensteine an den

dafür vorgesehenen Straßen Ende 1820 abgeschlossen

war.

Im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte setzte

der systematische Ausbau der Bezirksstraßen

ein, zu denen u. a. auch die Straße Aachen-Krefeld

gehörte. Dabei ist man wahrscheinlich

zu der Ansicht gekommen, daß

die großen Obelisken künftig nur noch den

Staatsstraßen vorbehalten bleiben sollten.

Für die zahlreichen Bezirksstraßen wurden

nun andere, nicht mehr so große Meilensteine

vorgesehen. Sie hatten auch keine Steinbänke

mehr. Entsprechende Entwürfe lagen

bereits vor. Die Steine wurden jeweils nach

dem abschließenden Ausbau der Straße aufgestellt.

Einige dieser Meilensteine sind

ebenfalls noch vorhanden. So der Stein zwischen

Würselen und Birk und einige Steine

an bestimmten Bezirksstraßen im Raume

Euskirchen-Münstereifel. Auch in den Straßenmeistereien

Düren und Erkelenz befindet

sich noch je ein solcher Stein. Sie haben ursprünglich

an Bezirksstraßen gestanden, die

durch den Kreis Düren verliefen.

16


COL'L.N

f NC/LC.

7i=;~bbt b~ '1=, ==F! ==1=\. ~=i=I =='Fe ==!=l ==+=l ===rt ==+=\, ~=-11/

( Zoll} ' ,, • (f:°u/J)

In den Akten der Regierung Aachen im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindet sich diese Zeichnung der Meilensteine. Sie wurde

von der Regierung Köln angefertigt. Zwar besteht eine große Ähnlichkeit mit den Steinen, die im Entwurf der Ober-Bau-Deputation

von 1814 aufgezeigt werden, aber die Abmessungen weichen doch stark davon ab. So hat der Obelisk einschließlich

Sockel nur eine Höhe von 2,51 Meter (gegen 3,65 m). Dafür sind die seitlichen Steinbänke erheblich breiter vorgesehen.

Die vorstehende Zeichnung der veränderten

Meilensteine wurde am 7. März 1818 mit einem

Begleitschreiben des Kölner »Regierungs-

und BauRaths von Heinz« an den

»Ober-Wege-Inspektor Steinmeister« in

Aachen gesandt. Die beiden Herren waren

wohl gut miteinander bekannt, denn in dem

Brief heißt es: »Theuerster Freund! Zwar

etwas spät, doch besser wie gar nicht, sende

ich Ihnen die Zeichnung zu den Meilensteinen

... « Auch Kostenangaben für

die Anfertigung der Steine sind beigefügt.

Die schriftliche Beantwortung des Briefes erfolgte

am 13. März 1818. Darin wird zum

Ausdruck gebracht, daß die Meilenzeiger,

die man »im Coelnischen Departement«

anfertigen will, doch »in der Dimension

und Form gegen die Berliner Vorschrift«

sind. Es wäre aber auch nicht einleuchtend,

daß durch diese Änderung »eine größere

Verschönerung hervorgebracht seyn sollte;

vielmehr bin ich der ohnmaßgeblichen

Meinung, daß die vorgeschriebene Dimension

und Form verhältnismäßig passender

und schöner ist; und da die fa,r das

hiesige Departement bereits in Verding

gegebenen ganze, halbe und viertel Meilenzeiger

genau nach der Berliner Vorschrift

angefertigt sind, so läßt sich auch

nunmehr keine Abänderung hiesiger Seils

damit vornehmen. Steinmeister. «

Aus diesem Brief ist ersichtlich, daß die Meilensteine

für das Departement Aachen korrekt

nach den Vorschriften der Anweisung

von 1814 angefertigt worden sind. Gleichzeitig

ist damit eine weitere Bestätigung dafür

gegeben, daß die Meilensteine für den Regierungsbezirk

Aachen bereits schon bis

zum 13. März 1818 fertiggestellt waren.

Aus welchen Überlegungen oder Gründen

man im Regierungsbezirk Köln von der Form

und den Abmessungen der durch die Ober­

Bau-Deputation vorgegebenen Meilensteine

abgewichen ist, ist nicht bekannt. Allerdings

ist im Paragraph 104 der Anweisung gesagt:

» ... In großen Städten, oder wenn damit

noch andere Z wecke verbunden werden

sollen, können sie im größern Styl erbauet

werden ... « Mit dieser Aussage wurde die

Möglichkeit eingeräumt, den Steinen ein anderes

Aussehen zu geben. Offensichtlich hat

man in Köln diese Auslegung für sich in Anspruch

genommen und den Entwurf nach eigenen

Vorstellungen verändert. Ob damit

Steine »im größern Styl« entstanden sind,

sei dahingestellt. In Regierungsbezirk Köln

wurden die Meilensteine nach dem geänderten

Entwurf angefertigt und auch an den

Straßen aufgestellt. Im Regierungsbezirk Aachen

wurden diese Steine nicht gesetzt.

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß

an den später ausgebauten Bezirksstraßen

andere Meilensteine aufgestellt wurden. Dabei

ist zu bemerken, daß in beiden Regierungsbezirken,

also Köln und Aachen , an

diesen Straßen die gleichen Steine aufgestellt

worden sind. Sie hatten die gleiche

Größe und das gleiche Aussehen. Auch die

Beschriftung war einheitlich. Es ist durchaus

möglich, daß eine höhere Instanz für die Bezirksstraßen

die gleichen Wegezeichen vorgeschrieben

hat.

17


Allgemeine Hinweise

'

138

Aus den vorliegenden Entwürfen für die Meilenzeiger

ist--zu ersehen, daß an den dafür

vorgesehenen Straßen ganze, halbe und

viertel Meilensteine aufgestellt wurden. Eine

weitergehende Unterteilung durch Meilensteine

war nicht ' beabsichtigt. Nach einer ganzen

Meile stand immer der große Obelisk mit

den nach zwei Seiten ausladenden Steinbänken.

Die Steine für eine halbe und eine viertel

Meile sind allerdings wesentlich kleiner als

die Obelisken, jedoch unterschiedlich groß.

Aber beide Steine haben ein ausgesprochen

glockenförmiges Aussehen. Sie wurden daher

ganz allgemein als »Glocken« bezeichnet.

Diese Bezeichnung hat sich bis in die

heutige Zeit erhalten. Zwischen zwei ganzen

Meilensteinen befanden sich jeweils drei

Glocken. Und zwar ein Viertelmeilenstein

nach 1 883 Metern, ein halber Meilenstein

nach 3 766 Metern (hier stand die etwas

größere Glocke), ein Dreiviertelmeilenstein

nach 5 649 Metern und nach einer ganzen

Meile von 7 532 Metern jeweils ein Obelisk.

Aus einem » Verzeichnis und Anleitung die

Benummerung der Staats-Chausseen betreffend«

von 1837 geht hervor, daß viertel

und halbe Meilensteine in Zukunft nicht mehr

aufgestellt werden sollten. Es kann davon

ausgegangen werden, daß solche Beschlüsse

oder Vorhaben dann auch unmittelbar zur

Anwendung gekommen sind.

Zusätzlich zu den Meilensteinen und Glokken

wurden zur weitergehenden Gliederung

noch die »Nummersteine« an den Straßen

aufgestellt. Anfänglich in Abständen von nur

10 Ruten, aber schon bald in Abständen

von jeweils 20 Ruten. Diese Nummersteine

wurden vom Anfang einer Straße bis zu ihrem

Ende laufend durchnumeriert. Der erste

Stein nach 20 Ruten bekam die Nummer 1,

eine Meile nach 2 000 Ruten hatte die Nummer

100. Wo bereits Glocken und ganze

Meilensteine standen, wurden keine zusätzlichen

Nummersteine aufgestellt. Allerdings

hat man die laufende Nummer auch an den

Meilensteinen - an den Obelisken und den

Glocken - eingetragen. Wo die halben und

viertel Meilensteine fehlten, wurden statt

dessen sogenannte »Nummer-Abthei-

,,

,

1.

'

j

\~ }

1' /

• \

-.........__,~

Nummersteine

Der behauene Nummerstein hatte Kantenbreiten von 8. 8 Zoll und war 2 Fuß lang

(21 · 21 · 63 cm). Der obere Teil war nach den vier Seiten leicht abgeschrägt. In einem

Oval von 13 · 18 cm wurde die laufende Nummer des Steines eingetragen.

Um Kosten zu sparen, wurden auch Feldsteine oder Schieferplatten, sofern sie in

etwa die erforderliche Größe hatten, als Nummersteine verwendet. Diese Steine

hatten dann natürlich ein sehr unterschiedliches Aussehen.

Der Karlsbrunnen auf dem Markt in Aachen

war »Nullpunkt«.

18


lungssteine« gesetzt. Das waren in der

Form größere Nummersteine. Zusätzlich zu

der laufenden Nummer erhielten diese Steine

noch die Entfernungsangaben in ¼, ½ und

¾ Meilen.

Der Abstand von einem Nummerstein zum

anderen betrug 75,32 Meter (20 Ruten x

3,766 Meter). Da diese Distanz von einem

normal dahinschreitenden Fußgänger in einer

Minute zurückgelegt werden konnte, wurden

die Nummersteine auch »Minutensteine«

genannt. Die Nummersteine können mit den

Steinen verglichen werden, die später in Abständen

von 100 Metern zwischen den vollen

Kilometern aufgestellt worden sind. Als

1871 /72 das metrische Maß- und Gewichtssystem

im Deutschen Reich eingeführt und

in der Folgezeit die Kilometrierung an den

Straßen übernommen wurde, hat man die

Nummersteine auch in die entsprechende Kilometerunterteilung

umgesetzt. Die Meilensteine

und Glocken wurden an ihren Standpunkten

belassen. Nummersteine werden

heute an den Straßen wohl nicht mehr aufzufinden

sein.

Im » Westlichen Theil der Monarchie« hatten

die Hauptstraßen erster Klasse ihren

Ausgangspunkt in Köln. Dementsprechend

geben die Meilensteine an der Straße Köln­

Jülich-Aachen und weiter in Richtung Lüttich

die Entfernung in Meilen auch nach Köln an .

Der Nullpunkt für die von Köln ausgehenden

Straßen war der Schnittpunkt von Schildergasse

und Hohe Straße (damals Hochstraße).

Die Hauptstraßen zweiter Klasse hatten ihre

Ausgangspunkte in der Regel in den Städten

des Sitzes der Bezirksregierungen. Daher

sind die Entfernungsangaben auf den Meilensteinen

an den Straßen Aachen-Monschau,

Aachen-Geilenkirchen und Aachen-Krefeld

auch nach Aachen orientiert.

Nullpunkt in Aachen war der Karlsbrunnen

auf dem Markt.

Hinsichtlich der Straßenseite, an der die Meilensteine

aufgestellt werden sollten, sind in

der Straßenbau-Anweisung von 1814 einige

Hinweise enthalten. So heißt es im § 69:

»Die Lage der Steinbahn ist immer nördlich

oder westlich, die des Sommerweges

immer südlich oder östlich anzulegen.

Das Bankett neben der Steinbahn ist zu

den Materialien = Haufen, und das am

Sommerwege, zum Fußsteig bestimmt.«

Und im § 104 ist gesagt: »Sie ( die Meilensteine)

werden neben dem Sommerweg

auf dem Fußsteig aufgestellt, und die daran

nöthigen Inschriften, die für die folgende

Straße passen, müssen dem ankommenden

Reisenden zugekehrt werden. «

Demzufolge wurden die Meilensteine - immer

in Richtung zum Stral3enausgangspunkt

gesehen - stets auf der rechten Straßenseite

aufgestellt. Eine Bestätigung dafür ergab

sich für den Aachener Raum aus den alten

Vermessungsunterlagen und den topographischen

Karten aus der Zeit von 1820 bis

1850. Darin sind an den hier interessierenden

Straßen vom Weißen Haus über Aachen

und Jülich in Richtung Köln, sowie von Mon-

11

Verzeichniß und Anleitung

die Benummerung der Staats= Chausseen

----betreffend.---

Westlicher Theil der Monarchie.

Allgemeine Regeln.

1. Die Hauptstraßen erster Klasse haben ihren Nullpunkt in Cöln.

2. Die Haupt·straßen zweiter Klasse haben ihre Nullpunkte in der

Regel in den Städten des Sitzes der Regierungen.

3. Di e Verbindungsstraßen haben ihre Nullpunkte an den Stellen

entweder da, wo sie sich von den Hauotstraßen trennen oder wo

sich mehrere Chausseen gleichsam in einen Stern vereinigen.

4. Die Nummersteine werden unter sich in Entfernungen von 20

Ruthen gesetzt.

5. Auf denjenig en Chausseen, welche mit Meilensteinen besetzt sind

oder werden, mu ß jeder ganze Meilenstein auf einen Hunderter der

Nummersteine treffen, z. B, der erste Meilenstein bei No. 100, der

10te bei N° . 1000, Wo halbe und viertel Meilensteine stehen, müssen

dieselben auf Viertelhunderte der Nummersteine treffen, z. B,

bei 25. und 75, die Viertel= und bei 50 die halben Meilensteine.-

Anmerkung. Viertel= und halbe Meilensteine werden in

Zukunft nicht weiter errichtet. Wo sie vorhanden sind ,

bleiben sie, werden aber nöthigenfalls versetzt.

6 . Wo ein (ganzer, halber oder viertel) Meilenstein steht, bleibt

der Nummerstein weg. Die fortlaufende Nummer wird in diesem

Falle an den Sockel des Meilensteins geschrieben. Wo die viertel

und halben Meilensteine fehlen, erhält der Nummerstei n

eine etwas größere als gewöhnliche Form und über die Nummersteinzahl

wird außerdem geschrieben: 1 / 4 • 1 /2 • 3/ 4 M.

7. Jeder Nummerstein muß in der Regel einen Fuß hoch über das Bankett

hervorragen. Zunächst werden die Nummersteine aus unregelmäßigen

1: natürlich oder durch Zersprengen, Zerschlagen gebildeten

:1 Feldsteinen 1: Grani tgeschieben :1 oder festen Bruchsteinen

gewählt, damit sie so wenig als möglich kosten. Die Vorderseite

muß wenigstens 8 Zoll breit und geebnet sein. Wo dergleichen

paßliche Steinstücke nicht vorhanden sind, werden regelmäßig

behauene Werkstücke von 8 Zoll quadratischer Stärke, 2

Fuß Länge, oben nach allen 4 Kanten abgewässert, nachgegeben.

8. An der Vorderseite wird ein Oval von sieben Zoll lang und fünf

Zoll hoch mit weißer Oehlfarbe gebildet und mit einem schwarzen

1/2 Zoll breiten Ringe umgeben. In diesen Ring wird die

Zahl des Nummersteins mit schönen arabischen, 1 1/2 Zoll hohen

Ziffern eingeschrieben. Da die beiden hintersten Ziffern Hunderttheile

einer Meile anzeigen, so werden die dritten und vierten

Ziffern, von hinten gerechnet, etwas weniges größer geschrieben,

als die beiden letzten, weil jene ganze Meilen anzeigen

und hinter der dritten Ziffer von hinten wird überdies

ein Komma gesetzt z.B. 3,Z4. 47,23. bedeutet 3 24/100.

47 23/1 00. Mei len op.

9. Auf allen Straßen, wo die Nummersteine fehlen, müssen siegesetzt,

oder wo schon dergleichen vorhanden, nach der folgenden

Anordnung abgeändert werden, und zwar wo möglich im Laufe

des Jahres 1837.

10. Die Kosten erfolgen aus dem g ewöhnlichen Unterhaltungs=Fonds.

II

schau, von Geilenkirchen und von Krefeld in

Richtung Aachen, die ursprünglichen Standpunkte

der nachgewiesenen Meilensteine

(Obelisken, Glocken und auch die Nummersteine)

ausnahmslos auf der rechten

Straßenseite eingetragen. Diese Feststellung

trifft auch für Straßen in anderen Gebieten

zu, an denen noch vereinzelt Meilensteine

stehen. Es wurde also landesweit so verfahren.

Daraus läßt sich sogar ableiten, daß

Meilensteine, die heute in Richtung Straßenausgangspunkt

auf der linken Straßenseite

stehen, im Verlaufe der Zeit mit größter

Wahrscheinlichkeit versetzt worden sind.

Das nachstehende » Verzeichnis . . . « wurde

»Gemäß einer Verfii.gung der Königlichen

Hohen Verwaltung für Handel, Fabrication

und Bauwesen vom 20. v.Mts. «

(Januar 1837) beim »Oberpräsident der

Rheinprovinz« in Koblenz aufgestellt und

am 13. Februar 1837 an die Regierung in

Aachen gesandt. Vermutlich wurden alle Bezirksregierungen

der Rheinprovinz gleichzeitig

unterrichtet, denn es sollte » .. . nunmehr

mit der vorlängst projectirten gleichförmigen

Numerierung der Staatsstraßen

sofort vorgeschritten werden . . . « Man

wollte also im » Westlichen Theil der Monarchie«

ein einheitliches Verfahren bei der

Numerierung der Nummersteine anwenden.

In dem dreiseitigen Verzeichnis sind sehr ins

Detail gehende Hinweise zur praktischen Anwendung

aufgezeigt. Obenstehend ist das

Verzeichnis auszugsweise wiedergegeben:

19


Einige Hinweise zum Ausbau der Kunststraßen

gemäß der Anweisung von 1814

Der Straßenverlauf sollte weitgehend geradlinig

die Ortschaften miteinander verbinden.

Dabei sollten wenn möglich »... merkwürdige

und weit sichtbare Gegenstände zum

Zielpunkte gewählt werden«. Es ist allgemein

bekannt, daß die Kirchtürme besonders

beliebte Zielpunkte waren, auf die man

die Straßen ausgerichtet hat.

Die eigentliche Steinbahn hatte eine Breite

von 16 Fuß (5,02 m), der Sommerweg war

12 Fuß (3,77 m) und die beiden Bankette je

6 Fuß (1,88 m) breit, insgesamt hatte die

Kunststraße - ohne Gräben und Böschungen

- eine Breite von 40 Fuß (12,55 m). Bei

ungünstigen Geländeverhältnissen konnte

der Sommerweg entfallen. Die Fahrstraße

wurde dann auf 20 Fuß (6,28 m) verbreitert,

die Bankette blieben jedoch unverändert. Eine

Steinpflasterung war in der Regel nur in

den Städten, in engen Dörfern und an Viehtriften

vorgesehen. Kiesstraßen erhielten nur

ausnahmsweise einen Sommerweg. Sie wurden

aber in einer Breite von 20 bis 24 Fuß

(6,28 bis 7,53 m) mit den üblichen Banketten

angelegt.

Aus den aufgezeigten Profilen ist zu ersehen,

daß die Fahrbahn beidseitig von Bordsteinen

begrenzt wurde. Der Straßenunterbau

war aus einigen Schichten von unterschiedlichem

Packlagematerial zusammengesetzt.

Von der Lage aus den größeren

Steinen zuunterst bis zur obersten Kiesschicht

betrug die gesamte Aufschüttung 30

bis 40 cm. Die Straßenwölbung betrug immer

1/18 der Straßenbreite und lag zwischen

28 bis 42 cm.

Die Alleebäume wurden in Abständen von

18 Fuß (5,65 m) gepflanzt. Die Auswahl der

Bäume sollte der Beschaffenheit des Bodens

angepaßt werden. Eigens zu diesem

Zweck wurden in Abständen von 2 Meilen

Baumschulen angelegt. Anfänglich hat man

vorrangig Pappeln als Alleebäume verwendet.

Zwischen Wirtshäusern und der Straße sollte

ausreichend Platz geschaffen werden, um

die Fahrzeuge abstellen zu können. Auf den

Straßen durfte hier nicht gehalten werden.

Man hat eben schon zu dieser Zeit auf den

fließenden Verkehr großen Wert gelegt.

Für die Wegewärter wurden an den Straßen

Gebäude errichtet. Sie »... müssen massiv

und in einem, wenn gleich einfachen,

doch geschmackvollen Styl erbauet werden«.

Auch Einnehmerhäuser mit Schlagbaum

für die Entrichtung der Straßenbenutzungsgebühr

wurden erbaut. Diese Gebäude

mußten aber an Stellen stehen, die nicht

umfahren werden konnten. Aus Sicherheitsgründen

mußte in den Einnehmerhäusern

auch noch ein Straßenwärter untergebracht

werden. In den Urmeßtischblättern - Aufnahme

im Rheinland 1843 bis 1850 - sind an

mehreren Straßen auch einige Chausseehäuser

eingetragen und mit dem Schriftzusatz

»Ch. H. « versehen.

Etwa bis zur Mitte des vergangenen Jahr·

hunderts wurden die Kunststraßen nach dieser

Anweisung ausgebaut. Auch beim Ausbau

der zahlreichen Bezirksstraßen wurde

danach verfahren.

Zur Unterhaltung der ausgebauten

Kunststraßen wurde 1819 eine Straßenbenutzungsgebühr

eingeführt. Die Wegegeld­

Erhebung erfolgte nach dem »Chausseegeld-Tarif«

vom 31 . Januar 1819 (Gesetzsammlung

1819, S. 96). So wurde nach diesem

Tarif die Straßenbenutzungsgebühr auf

einigen Straßen des Regierungsbezirks Aachen

durch eine Verfügung vom 3. Januar

1821 angeordnet. Und zwar auf den Straßen

1. von Aachen nach Köln, 2. nach Trier

- von der Königlich Niederländischen Grenze

über Malmedy bis Bütgenbach und 3.

von Jülich über Titz nach Düsseldorf. Es

wurde sofort mit der Einrichtung von Barrieren

begonnen, denn an einigen Teilstrecken

dieser Straßen sollte schon am 1 . Februar

1821 das Chausseegeld erhoben werden.

Noch im gleichen Jahre hat man auch an der

Straße von Aachen nach Lüttich - bei Montzen

und am Weißen Haus - sowie an der

Straße vom Weißen Haus nach Eupen - bei

Baelen - Barrieren errichtet. Man war also

sehr bemüht, das Chausseegeld zu kassieren.

Die Einnahmestellen waren außer den

Schlagbäumen auch durch entsprechende

Tafeln kenntlich gemacht.

Am 21. Mai 1822, nebst Anhang vom 29.

Mai, wurde ein neuer Chausseegeld-Tarif

eingeführt. Damit sollten die Schwierigkeiten

beseitigt werden, die sich »nach der neuen

Münz-Eintheilung« ergeben würden. Die

Straßenbenutzungsgebühr richtete sich nach

der Fahrzeugart, der Breite der Räder und

dem Gewicht der Ladung. Sie wurde pro

Meile erhoben. Für beladene Frachtwagen

wurden je Pferd oder anderem Zugtier 2 Sil·

bergroschen, unbeladen 8 Pfennige erho·

ben. Waren die Räder der Wagen sechs Zoll

und breiter, dann wurde die Gebühr zur Hälf·

te ermäßigt. Fahrzeuge zur Personenbeför·

derung hatten beladen oder unbeladen je

Pferd 1 Silbergroschen und 4 Pfennige zu

entrichten. Alle übrigen Fahrzeuge, auch

Schlitten , mußten beladen je Zugtier 1 Silbergroschen

und unbeladen 4 Pfennige bezah·

len. Getriebene Pferde oder Maultiere kosteten

je Stück 4 Pfennige, Ochsen, Kühe oder

Esel 2 Pfennige. Befreit von der Gebühr waren

Fahrzeuge des »Königlichen Hauses«,

Militärfuhrwerke und Offiziere im Dienst, Kuriere,

Postboten und der landwirtschaftliche

Verkehr innerhalb der Gemeinde oder Feld·

mark.

Fahrzeuge mit sehr schmalen Rädern waren

zwar sportlicher und auch schneller, hinterlie·

Ben aber auf den überwiegend mit Kies be·

deckten Straßen besonders ausgeprägte

Spurrillen. Dadurch wurden wiederholte Ausbesserungen

in Folge erforderlich. Um hier

Abhilfe zu schaffen, hat man den Fahrzeughaltern

mit breiten Radfelgen Vergünstigungen

eingeräumt. Das ist einer Kabinettsorder

vom 8. November 1821 zu entnehmen. Da·

nach bekamen » .. . die Fuhrwerke, welche

mit Radfelgen von einer 6zölligen und

größeren Breite versehen sind, auf 3 Jahre,

bis zum 1. 1. 1825 Chaussee-Abgabe­

Freiheit zugestanden«. Wie sich das

gleicht! Unter einem anderen Vorzeichen er·

halten heute die Kraftfahrzeuge, die umwelt·

schonender fahren, auch eine befristete

Steuerbefreiung.

Bereits am 28. April 1828 kam ein weiterer

Chausseegeld-Tarif zur Veröffentlichung. Da·

bei wurden einige Gebühren gesenkt. Seit

1838 wurde die Erhebung von Chausseegel·

dem auch auf die Bezirksstraßen ausgedehnt.

20


Dieser Entwurf von Meilensteinen wurde

am 13. Dezember 1834 - vermutlich

in Aachen - angefertigt. Er befindet

sich in den Akten der Regierung Aachen

im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf.

Der Entwurf ist auszugsweise wiedergegeben,

die in Ruten und Zoll angegebenen

Maße wurden in Meter umgerechnet.

Als der Entwurf angefertigt wurde, waren

die großen Obelisken mit den seitlich

ausladenden Steinbänken an den

dafür vorgesehenen Straßen des Regierungsbezirks

Aachen bereits aufgestellt.

Bei diesem Entwurf kann es sich

mithin nur um Meilensteine gehandelt

haben, die an den Bezirksstraßen aufgestellt

werden sollten.

Es ist denkbar, daß von den Bezirksregierungen

verschiedene Vorschläge

eingebracht worden sind. Man hat sich

dann für die Meilensteine entschieden,

die heute noch an den damaligen Bezirksstraßen

in den Regierungsbezirken

Aachen und Köln anzutreffen sind.

Mitunter stehen Bezirksstraßen-Meilensteine

auch noch in den Bauhöfen

der Straßenmeistereien. Es ist nicht

bekannt, daß der oben gezeichnete

Stein an den Bezirksstraßen, weder im

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Aachener noch im Kölner Raum, aufgestellt

worden ist.

Viertelmeilensteine sind in diesem Ent-

Zeichnung

für einen ganzen und halben

Meilenstein

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wurf schon nicht mehr vorgesehen. Ab

1837 hat man auch die Steine für eine

halbe Meile wegfallen lassen.

1

Straßenweise Zusammenstellung der heute noch

vorhandenen Meilensteine

Nach der kartenmäßigen Erfassung der heute

noch vorhandenen Meilensteine wurde offensichtlich,

daß zahlreiche Steine - Obelisken

und Glocken - im Verlaufe der Zeit versetzt

worden sind, Die Abstände der Steine

untereinander entsprechen vielfach nicht

mehr der ursprünglich vorgesehenen Meilenunterteilung.

Zum Teil bestehen sogar erhebliche

Unterschiede,

Für die Straße von Köln über Jülich - Aachen

und weiter in Richtung Lüttich ergaben

sich ungefähre Standortangaben aus der

Berechnung der » Transport Kosten« im bereits

aufgeführten Kostenvoranschlag vom

9. September 181 7. Diese Hinweise waren

aber nur Anhaltspunkte und betrafen zudem

nur diese Straße.

Zur Überprüfung der Standpunkte der Meilensteine

war die Möglichkeit gegeben, Einsicht

in die Unterlagen der Kataster-Uraufmessungen

zu nehmen, die im damaligen

Regierungsbezirk Aachen ab 1820 gemeindeweise

durchgeführt worden sind

(Amts=Blatt der Regierung zu Aachen, Nr.

19 vom 13. April 1820 und folgende Jahre).

Bedauerlicherweise sind diese alten Katasterunterlagen

nicht mehr vollständig vorhanden.

Außerdem hat man die rein topographischen

Elemente, wie z. B. die Meilensteine,

nicht systematisch eingemessen. Wenn

überhaupt, wurden vermutlich ohnehin nur

die großen Obelisken für eine volle Meile aufgenommen.

Demzufolge konnten nur einige

Meilensteine, jedoch über alle Straßen verteilt,

ausfindig gemacht werden.

Auch in den Kartenblättern 1 : 25 000 der

Preußischen Uraufnahme (Urmeßtischblätter)

, deren Herstellung im Rheinland 1843 bis

1850 durch preußische Offiziere stattgefunden

hat, sind doch zahlreiche Meilensteine,

und zwar Obelisken und Glocken, durch Signaturen

{LI.) dargestellt und mit Entfernungsangaben

(1 /4, 1/2, 3/4, 1 Meile usw.)

versehen. Obwohl in den »Musterblättern

für die topographischen Arbeiten des

Königlich Preußischen Generalstabes« der

Jahre 1818 und 1848 die Darstellung der

Meilensteine in der o. a. Form vorgeschrieben

war, hat man sich nicht konsequent an

die Vorschrift gehalten. Das hatte zur Folge,

daß nicht alle Meilensteine dargestellt worden

sind. In einigen Kartenblättern wurden

gar keine Meilensteine eingetragen.

1893 bis 1901 erfolgte im Rheinland eine

weitere Preußische Kartenaufnahme im Maßstab

1 : 25 000. In den Blättern dieser Neu-

21


aufnahme sind grundsätzlich keine Meilensteine

mehr dargestellt, denn im Musterblatt

von 1876 ist erstmalig die Aufnahme der Kilometersteine

vorgeschrieben.

Die in den alten Kataster-Unterlagen und in

den Urmeßtischblättern nachgewiesenen

Meilensteine waren besonders wichtig für

die Überprüfung der heutigen Standpunkte.

Mit Hilfe dieser Steine und den bekannten

Ausgangspunkten der Straßen ließen sich

die Meilenunterteilungen an den Straßen im

Aachener Raum lückenlos nachvollziehen

und durch graphische Längenermittlungen

zusätzlich überprüfen. Weitere Angaben

SKIZZE DER

ALTEN STRASSEN IM AACHENER RAUM,

AN DENEN HEUTE NOCH MEILENSTEINE

OBELISKEN UND GLOCKEN - STEHEN.

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hierzu sind bei den betreffenden Straßen

oder Meilensteinen enthalten.

Die Hinweise auf die linke oder rechte Straßenseite

beim Straßenverlauf und bei den

Standpunktbeschreibungen sind immer vom

Ausgangspunkt der Straße aus zu verstehen.

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An den Straßen des Aachener Raumes stehen heute noch 11 Meilensteine und 10 Glocken {die Vollständigkeit der Glocken ist

nicht unbedingt gegeben). Davon entfallen auf das Stadtgebiet Aachen: 3 Meilensteine und 3 Glocken; auf die Kreise Aachen:

5 Meilensteine und 2 Glocken; Düren: 2 Meilensteine und 5 Glocken und auf das.flTenznahe belgische Gebiet 1 Meilenstein

zwischen Kelmis und dem Weißen Haus. Im Stadtgebiet Aachen stehen noch 3 weitere Glocken. 2 davon als Denksteine und

eine Glocke als Sockel für einen Höhenpunkt.

22


Straße von Köln über Jülich - Aachen

und weiter in Richtung Lüttich

Der nachgebildete römische Meilenstein in Heerlen.

Diese Straße war in der damaligen Zeit die

bedeutendste im Aachener Raum. Der Straßenabschnitt

Köln - Jülich war sogar schon

ein Teilstück der nördlichsten kontinentalen

Ost-West-Verbindung des Römischen Reiches.

Kaiser Augustus erteilte den Auftrag

zum Bau dieser Straße. Sie verlief von der

Hauptstadt Niedergermaniens, Köln (Colonia

Claudia Ara Agrippinensium - CCAA), geradlinig

über Jülich zur heutigen Landesgrenze

bei Rimburg und weiter über Heerlen (im

Zentrum der Stadt steht heute ein nachgebildeter

römischer Meilenstein) - Maastricht -

Tongeren - Liberchies - Bavai - Arras -

Therouanne nach Boulogne-sur-mer. Etwa

um Christi Geburt erreichte der Straßenbau

Jülich. Viele Städte verdanken ihre Entstehung

dieser Straße. So auch Jülich (Juliacum),

das sich aus einem Militärposten an

der Furt durch die Rur zur heutigen Stadt

entwickelt hat.

Im Mittelalter kam die »alte Römerstraße«

als ein Teilstück der Verbindung zur Kaiserstadt

Aachen wieder zu großer Bedeutung.

Unter Napoleon wird die Straße Köln - Jülich

- Aachen und weiter in Richtung Lüttich als

»Grande Route« in den unter Oberst Tranchot

hergestellten Karten nachgewiesen. Bei

den Preußen wird diese Straße als eine

»Staatsstraße erster Klasse« eingestuft, an

der 1817/1818 die Meilensteine aufgestellt

werden.

Insgesamt wurden an dieser Straße, soweit

sie durch den damaligen Regierungsbezirk

Aachen verlief, also zwischen der Escherbrücke

und dem Weißen Haus im ehemaligen

Kreis Eupen, sieben Obelisken als ganze

Meilensteine, sechs Glocken als halbe

und 13 Glocken als Viertelmeilensteine gesetzt.

Eine Glocke für eine halbe Meile mußte

in Aachen »wegen Beschränkung des

Raumes füglich weggelassen« werden. Es

war die Glocke am »Jacobs Thor«. Auch

zwei Viertelmeilensteine wurden nicht aufgestellt.

Vermutlich waren das die Glocken in

Jülich (5¾ Meilen) und in Aachen am »Cöln

Thor« (9¼ Meilen). Heute sind an dieser

Straße noch fünf Obelisken und sechs Glokken

anzutreffen.

In den bisher eingesehenen noch vorhandenen

Unterlagen der Kataster-Uraufmessung

ist an diesem Straßenverlauf nur ein Meilenstein

nachgewiesen. Und zwar der Meilenstein

in der Ortschaft Neusen, heute Teil

der Stadt Würselen, der jedoch schon lange

nicht mehr vorhanden ist.

Im Gegensatz dazu wurden in den Urmeßtischblättern

1 : 25 000 der Aufnahme 1843

bis 1850 entlang dieser Straße zahlreiche

Meilensteine aufgenommen. So sind in den

Kartenblättern 5005 Bergheim, 5004 Jülich,

5003 Linnich und 5103 Eschweiler, in denen

der Straßenverlauf von Bergheim bis Broichweiden-Neusen

dargestellt ist, nahezu alle

Meilensteine - Obelisken und Glocken - eingetragen.

Ausgenommen sind die Steine im

Bereich der Ortslage Jülich. Für den weiteren

Verlauf der Straße von Neusen über Aachen

in Richtung Lüttich sind in den betreffenden

Kartenblättern allerdings keine Meilensteine

mehr dargestellt.

Auch in der Topographischen Karte

1 : 25 000 (TK 25) - 5004 Jülich (Berichtigungsstand

der 70er Jahre) sind an der

Bundesstraße 55 im Bereich der Ortslage

Stetternich zwei Meilensteine dargestellt. Der

westliche Stein ist auf der rechten (nördlichen)

Straßenseite eingetragen. Er war identisch

mit dem Meilenstein - KOELN 5 MEI-

LEN. Allerdings hat dieser Stein ursprünglich

etwa drei Kilometer in Richtung auf Köln zu

gestanden. Mit dem östlichen Stein, der im

Bereich des Lindenberger Waldes auf der

linken (südlichen) Straßenseite eingetragen

ist, war eine Glocke gemeint, die jedoch ab-

23


handen gekommen ist. Diese Glocke paßte

genau in die ursprüngliche Meilenunterteilung.

Sie war 5¼ Meilen von Köln entfernt.

Im Sommer 1987 hat der Landschaftsverband

Rheinland - Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege

/ Außenstelle Niederzier­

Harnbach - anläßlich der Ausgrabungen an

der stillgelegten B 55 zwischen der Sophienhöhe

und Steinstraß auch einen Viertelmeilenstein

gefunden. Die Glocke stand am

rechten (nördlichen) Straßenrand, etwa 1200

Meter westlich von Steinstraß. Die Glocke

paßt ebenfalls gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung,

sie war 4¾ Meilen von Köln

entfernt.

An dieser Straße bestanden somit ausreichende

Möglichkeiten, durch Vergleiche und

graphische Längenermittlungen, die Standpunkte

der heute noch vorhandenen Obelis-

ken und Glocken zu überprüfen. Die Entfernungen

vom Nullpunkt dieser Straße zu den

Steinen mit unveränderten Standpunkten sowie

die Distanzen zwischen diesen Steinen

stimmen sehr gut. Aber sowohl der Meilenstein

in Belgien zwischen Kelmis und dem

Weißen Haus als auch alle Obelisken und eine

Glocke zwischen Stettemich und Hoengen

haben im Verlaufe der Zeit die ursprünglichen

Standpunkte gewechselt. Bei den

ganzen Meilensteinen betragen die Standpunktveränderungen

jeweils rund drei Kilometer.

Auch die Glocke für eine halbe Meile

hinter Jülich hat ursprünglich nicht dort gestanden.

Es ist zu vermuten, daß bei den Straßenbauarbeiten

in den vergangenen Jahrzehnten

die Steine vorsorglich entfernt wurden, um

sie vor Beschädigungen zu schützen. Später

hat man sie wieder an der Straße aufgestellt

und dabei die Standpunkte wohl nach Belieben

ausgewählt. Die Steine paßten dann

zwar nicht mehr in das Gesamtsystem, wurden

aber dadurch bis heute erhalten.

Noch ein weiterer Stein ist an dieser Straße

erhalten geblieben. Es handelt sich hierbei

um einen besonderen Nummerstein, der

gleichzeitig auch eine bestimmte Grenze

kennzeichnete. Auch dieser Stein ist im Urmeßtischblatt

5005 Bergheim als Signatur

eingetragen. Er wurde an der Escherbrücke

aufgestellt, denn hier befand sich allem Anschein

nach bezüglich der Unterhaltung dieser

Straße eine Zuständigkeitsgrenze zwischen

den Regierungsbezirken Köln und Aachen.

Weitere Hinweise sind bei den betreffenden

Steinen aufgeführt.

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Schwarz

Ursprüngliche Standpunkte.

Heute stehen hier keine Steine

mehr.

Heutige Standpunkte der Heileneteine,

davon einig~ mit

veränderten Standpunkten.

Zusätzl. Punkt: Steine mit veränderten Standpunkten.

Damaliger Straßenverlauf.

Ehemalige ijegierungsbezirksgrenze

westlich von Esch.

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Preußische Meilensteine an der Straße von KÖLN über JÜLICH-AACHEN und weiter in Richtung LÜTTICH.

24


Grenz- und Nummerstein (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS-STEIN) an der Escherbrücke

Fotos: H. Lilienthal - Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Amt f. Bodendenkmalpflege, Außenstelle Niederzier.

Der Stein sieht wie ein Obeliskenstumpf aus

und hat eine Gesamthöhe von 1,25 m. Die

quadratische Basisbreite beträgt 50 cm , die

obere Breite 42 cm. Der Sockel ist 61 cm

breit und etwa 20 cm hoch. Als Material wurde

dunkelgraue Basaltlava verwendet. Bis

auf einige Einschüsse an der Oberfläche befindet

sich der Stein in einem guten Zustand.

Die Aufstellung des Steines erfolgte an der

Escherbrücke an der. linken - südlichen -

Straßenseite. Auf den Seitenflächen ist richtungweisend

zugeordnet nach Osten hin

»R.B. Cöln« und nach Westen hin »R. B.

Aachen« eingemeißelt (R.B. = Regierungsbezirk).

Die von der Straße aus lesbare Beschriftung

auf der Vorderseite des Steines

»GRENZE - NQ 407 x 11, 7o von Cöln«

hat folgende Bedeutung:

Die Nummersteine wurden in Abständen von

20 Ruten (75,32 Meter) aufgestellt und für

jede Straße von ihrem Anfangspunkt aus

durchlaufend numeriert. Mit der 407 ist die

laufende Nummer des Nummersteins gemeint,

die besagt, daß der Stein 407 mal 20

Ruten , also 8 140 Ruten von Köln entfernt

ist. Nun war die für diesen Nummerstein festgelegte

Entfernung nicht mit der Grenze

identisch, die hier aufgezeigt werden sollte.

Die zusätzliche Distanz bis zur Grenze ist

auf dem Stein als zweite Zahlengruppe mit

+ 11,7 Ruten angegeben. Die Gesamtentfernung

vom Ausgangspunkt in Köln bis zu dieser

Grenze betrug somit 8 151,7 Ruten.

Da 8 000 Ruten vier Meilen entsprechen,

stand dieser Grenz- und Nummerstein 151 ,7

Ruten oder 571 Meter über den 4. vollen

Meilenstein hinaus. Eine Überprüfung hat ergeben,

daß diese Entfernung mit der

Escherbrücke zusammenfällt. In dem betreffenden

Blatt der topographischen Uraufnahme

1 :25 000 aus dem Jahre 1845 sind sowohl

der Meilenstein - KOELN 4 MEILEN -

als auch der Grenz- und Nummerstein als

Signatur an der Escherbrücke eingetragen.

Mit der Escherbrücke war eine Brücke in dieser

Straße über einen kleinen Wasserlauf,

das »Escher Fließ «, gemeint. Sie befand

sich genau südlich des Dorfes Esch. Diese

Escherbrücke wird in den alten Unterlagen

sehr häufig genannt und als Grenze zwischen

den Regierungsbezirken Köln und Aachen

bezeichnet. So wird im »Kosten Anschlag«

vom 9. September 1817 wiederholt

auf die Departemental-Grenze an der

Escherbrücke Bezug genommen. Auch von

der Kölner Seite aus beziehen sich die Hin-

25


weise auf die Escherbrücke. Im »Oeffentlichen

Anzeiger von Aachen« des Jahres

1842 - Nr. 19, Seite 96 - wird die Instandsetzung

der Köln - Lütticher Straße durch

den Königlichen Ober=Wegebau=lnspektor

Freymann aus Deutz öffentlich ausgeschrieben.

Unter anderem heißt es da: ». .. zur

Instandsetzung der Strecke von Brockendorf

( damit ist ein an dieser Straße liegender

Gutshof gemeint) bis zur Grenze des R e­

gierungsbezirks Aachen bei Escherbrück

auf 1104 Ruthen Länge: .. .«

Obwohl die Hinweise auf die Regierungsbezirksgrenze

an oder in der Nähe der Escherbrücke

eindeutig sind, ist die Grenze zwischen

den Regierungsbezirken Köln und Aachen

im Verlauf dieser Straße nach den zur

Verfügung stehenden Unterlagen niemals

soweit östlich verlaufen. Weder in den bisher

gesichteten Katasterunterlagen noch in einigen

Karten des Regierungsbezirks Aachen

mit sehr unterschiedlichen Herausgabejahren

- 1823, 1833, 1841 , 1865 - ist die Regierungsbezirksgrenze

an der Escherbrücke

dargestellt. Sie befand sich in allen Karten

doch wesentlich weiter westlich auf Steinstraß

zu.

Aus diesem Grunde liegt die Annahme nahe,

daß sich an der Escherbrücke allem Anschein

nach eine Zuständigkeitsgrenze für

die Unterhaltung der Köln-Lütticher Straße

befunden hat. Eine bestimmte abgrenzende

Bedeutung zwischen den Regierungsbezirken

Köln und Aachen muß die Escherbrücke

gehabt haben, denn schließlich hat man ja

den Grenz- und Nummerstein dort aufgestellt.

Auch wenn es nur eine Zuständigkeitsgrenze

war, sind die Hinweise auf den Seitenflächen

des Steines - R.B. Cöln und R. B.

Aachen - sinngemäß trotzdem richtig .

Vermutlich ist dieser Stein von der Regierung

Köln aufgestellt worden. Für diese Annahme

spricht, daß der Stein aus Basaltlava gefertigt

ist. Dieses Gestein kommt nicht aus den

Steinbrüchen in und um Komelimünster, in

denen die Meilensteine für diese Straße gefertigt

worden sind.

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach

1845 wurde der Stein an die tatsächliche

Regierungsbezirksgrenze versetzt. Sein

Standpunkt befand sich seitdem an dem

heute nicht mehr vorhandenen Forsthaus

Eschergewähr, rund 1 500 Meter westlich

der Escherbrücke. Die von Westen kommende

und am nördlichen Straßenrand verlaufende

Regierungsbezirksgrenze überquerte

an dieser Stelle die Straße und verlief am

südlichen Straßenrand weiter nach Osten

hin.

Der Stein stand nun an der rechten (nördlichen)

Straßenseite. Dadurch blieb die Zuweisung

zu den Regierungsbezirken erhalten.

Die nun nicht mehr zutreffende Entfernungsangabe

war jetzt nur rückseitig lesbar.

Diesen Standpunkt hat der Stein bis zum 23.

November 1988 behalten. Er wurde entfernt,

weil dieser Straßenabschnitt der B 55 schon

seit geraumer Zeit stillgelegt ist und in den

Tagebau Harnbach fällt.

Am 15. Dezember 1988 wurde die

»Bundesstraße 55 neu«, die von Bergheim­

Eisdorf kommt, den Tagebau Harnbach

nördlich umgeht und nach Jülich-Mersch verläuft,

dem Verkehr übergeben. Aus diesem

Anlaß hat man den Grenz- und Nummerstein

jetzt an dieser neuen Straße aufgestellt. Er

kennzeichnet nun die Grenze zwischen dem

Kreis Düren und dem Erftkreis, die bis Ende

1971 auch die Grenze zwischen den Regierungsbezirken

Köln und Aachen war. Der

Stein steht nun wieder auf der linken Straßenseite

und die Schrift ist von der Straße

aus lesbar. Allerdings treffen die Entfernungsangaben

nicht mehr ganz zu. Wichtig

ist jedoch, daß dieser preußische Nummerstein

erhalten werden konnte.

Glocke westlich von Steinstraß

Foto: Landschaftsverband Rheinland - Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege

- Außenstelle Niederzier

1/4 Meilenstein - . Diese Glocke stand auf

der rechten (nördlichen) Seite der Bundesstraße

55, rd. 1200 Meter westlich von

Steinstraß und etwa 950 Meter östlich der

Försterei Neulich. Der Glocke gegenüber,

auf der linken (südlichen) Straßenseite, führt

nach Südwesten der Turmweg in den

Staatsforst Harnbach hinein.

Wegen des Braunkohletagebaues Harnbach

1 wurde die Bundesstraße 55 in diesem Bereich,

von der Sophienhöhe am Nordrand

der Abraumhalde bis zur aufgegebenen

Ortslage Steinstraß-Lich, stillgelegt. Das

Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege bekam

dadurch die Möglichkeit, an dieser antiken

Straße, die von mittelalterlichen und neuzeitlichen

Ausbauten und Verbreiterungen

überlagert ist, Ausgrabungen vorzunehmen

und die Abfolge der Trassierungen zu untersuchen.

In unmittelbarer Nähe der Ausgrabungsstelle

wurde auch dieser Meilenstein,

eine Glocke für eine Viertelmeile, gefunden.

Der Stein ist allerdings stark beschädigt.

Diese Glocke paßt sehr gut in die ursprüngliche

Meilenunterteilung. Sie war 4¾ Meilen

von Köln entfernt. Etwas verwunderlich ist

jedoch, daß die Glocke auf der rechten Straßenseite

stand. Vermutlich wurde sie gelegentlich

einer Straßenverbreiterung oder

beim Ausbau eines Straßengrabens auf die

gegenüberliegende Straßenseite versetzt.

Die Glocke befindet sich z. Zt. beim Rheinischen

Amt f. Bodendenkmalpflege, Außenstelle

Niederzier-Harnbach.

26


Meilenstein

- KOELN 5 MEILEN -

Dieser Meilenstein stand einige Jahrzehnte in

Jülich-Stetternich auf der rechten Seite der

Bundesstraße 55, etwa 250 Meter vor der

letzten Straßenkreuzung am Ortsende.

Der Obelisk war in seiner ganzen Höhe

sichtbar. Den Sockel konnte man noch eben

erkennen, er befand sich als Fundament im

Erdreich. Die Steinbänke waren nicht mehr

vorhanden. Der Stein hatte nur einige kleine

Schadstellen, die jedoch ausgebessert waren

.

Der ursprüngliche Standpunkt des Meilensteins

befand sich ungefähr 3 km weiter östlich

zwischen Stetternich und Steinstraß. Der

Stein stand auf der südlichen Straßenseite,

etwa 230 m westlich vom ehemaligen Gut

Neulich, das 1978 in den Braunkohlentagebau

Harnbach gefallen ist. Bereits zu diesem

Zeitpunkt befand sich der Obelisk nicht mehr

beim Gut Neulich. Der Grund und der Zeitpunkt

für die Versetzung des Meilensteins

nach Stetternich konnten nicht festgestellt

werden.

Seit Mitte 1992 gehört dieser Meilenstein zu

dem Ensemble »Preußischer Meilensteine«,

das im stillgelegten Straßenabschnitt

der B 55 westlich der Sophienhöhe aufgestellt

worden ist.

27


Glocke hinter Jülich

- ½ Meilenstein -

Die Glocke stand auf der linken Seite der

Bundesstraße 55 zwischen der Rurbrücke in

Jülich und dem Wirtshaus Königshäuschen,

etwa 300 Meter vor der nach links abgehenden

Straße nach Bourheim.

Die Glocke ist gut erhalten. Sie paßt aber

nicht in die ursprüngliche Meilenunterteilung.

Die Glocke für eine halbe Meile - 5 ½ Meilen

von Köln - stand ursprünglich zwischen

Stetternich und Jülich, etwa 300 Meter östlich

vom Gut Jägerhof.

Auch diese Glocke für eine halbe Meile wurde

Mitte 1992 an dem stillgelegten Straßenabschnitt

der B 55 westlich der Sophienhöhe

aufgestellt.

Glocke zwischen Jülich und

Aldenhoven - ¼ Meilenstein -

Die Glocke steht auf der linken Seite der

Bundesstraße 55, rund 400 Meter hinter der

Autobahn-Anschlußstelle Jülich - Koslar, etwa

70 Meter vor dem alleinstehenden Gebäude

auf der linken Straßenseite.

Die Glocke für eine viertel Meile ist beschä·

digt. Sie paßt gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung

und ist 6 ¼ Meilen von Köln entfernt.

Der Standpunkt ist unverändert.

28


Meilenstein zwischen Jülich und Aldenhoven

- KOELN 6 MEILEN -

Der Meilenstein steht auf der rechten (nördlichen)

Seite der Bundesstraße 55, etwa gegenüber

einer Abzweigung zum Gewerbegebiet

von Aldenhoven, das hier auf der linken

Straßenseite beginnt.

Bisher waren nur etwa 2,70 m von dem

Obelisk zu sehen. Der Sockel fehlte ganz.

Als 1991 an dieser Stelle eine Straßenverbreiterung

erforderlich wurde, mußte der

Meilenstein etwas zur Seite gesetzt werden.

Bei dieser Gelegenheit hat man den Stein restauriert

und auf einen neuen Sockel gesetzt.

Der Stein steht nun wieder in seiner

vollen Größe von 3,55 m am Straßenrand.

Leider fehlen noch die seitlichen Steinbänke.

Auch der Adler und die Schrift sollten wieder

schwarz übermalt werden.

Dieser Meilenstein stand ursprünglich rund 3

km weiter östlich auf Jülich zu , etwa 550

Meter vor der Rurbrücke.

29


Glocke vor Aldenhoven

- ½ Meilenstein -

Der Stein steht auf der linken Seite der

Bundesstraße 55, etwa 200 Meter vor der

Straßengabelung am Ortsanfang von Aldenhoven.

Die Glocke für eine halbe Meile paßt gut in

die ursprüngliche Meilenunterteilung. Sie ist

6 ½ Meilen von Köln entfernt. Der Standpunkt

ist unverändert.

Glocke zwischen Schleiden und

Hoengen - ¼ Meilenstein -

Die Glocke steht auf der linken Seite der

Landstraße 136, etwa in der Mitte zwischen

Schleiden und Hoengen.

Der Stein ist im oberen Teil der Rundung erheblich

beschädigt. Auch einige Risse sind

zu sehen.

Die Glocke paßt gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung.

Sie ist 7 ¼ Meilen von Köln

entfernt. Der Standpunkt ist unverändert.

30


Meilenstein am Ortsanfang von

Hoengen - KOELN 7 MEILEN -

Der Meilenstein steht auf der rechten (nordwestlichen)

Seite der Landstraße 136, kurz

hinter der Brücke einer Straßenüberführung

(der Autobahn-Zubringer führt hier über die L

136).

Der Obelisk ist nahezu in seiner ganzen Größe

sichtbar. Der Sockel ist zwar nicht zu sehen,

er könnte sich aber unter dem Stein befinden

und ihm den erforderlichen Halt geben.

Die beiden Steinbänke fehlen.

Der Stein ist in gutem Zustand. Einige kleine

Schadstellen und die Fugen sind mit dunklem

Zement ausgefüllt.

Dieser Meilenstein stand ursprünglich etwa 3

km in Richtung Jülich zwischen Aldenhoven

und Schleiden, rund 600 Meter vor dieser

Ortslage. Er hat dort auf der südöstlichen

Straßenseite gestanden.

31


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In diesem Stückvermessungs-HandriB Nr. 1 - Flur 25 (genannt Neusen), Gemeinde Broich - einer Vermessung aus dem Jahre

1864, ist am rechten Straßenrand mit No. 8,00 bezeichnet(= 8 Meilen von Köln) und mit einem kleinen Dreieck dargestellt, der

Meilenstein aufgemessen. Die Lage entspricht der Aussage im »Kosten A nschlag« vom 9. September 1817. Der Stein ist schon

lange nicht mehr vorhanden.

32


Glocke beim Grundhaus in Aachen - ¼ Meilenstein -

Sie steht auf der linken Seite der Lütticher

Straße (Bundesstraße 264), etwa 120 Meter

vor dem Grundhaus.

Der Stein befindet sich in einem guten Zustand.

Die Glocke paßt noch in die Meilenunterteilung.

Der Abstand zum folgenden Meilenstein

beträgt rund eine Viertel-Meile.

33


Meilenstein an der

Lütticher Straße

- KOELN 10 Meilen -

Der Meilenstein steht auf der linken (südlichen)

Seite der Lütticher Straße (Bundesstraße

264), etwa in der Mitte zwischen dem

Restaurant Waldschenke und der Zufahrt

zur Preuswaldsiedlung, direkt an einer nach

links abgehenden Straße.

Es ist bekannt, daß der Meilenstein etwa seit

1930 an dieser Stelle steht. Lediglich beim

Straßenausbau 1966/67, als man diesen

Straßenabschnitt erheblich tiefer gelegt hat,

wurde der Stein auf engstem Raum etwas

bewegt. Da dieser Teil der Straße schon immer

durch den Aachener Wald führte und

der Stein daher für seine Nachbarschaft nie

eine Behinderung gewesen sein kann, ist mit

Sicherheit anzunehmen, daß der Standpunkt

des Meilensteins unverändert geblieben ist.

Der Obelisk ist noch gut erhalten. Kleinere

Schadstellen sind ausgebessert. Einige Risse

sind jedoch zu erkennen. Allerdings sind

der Sockel und die beiden Steinbänke fast

vollständig mit Erde bedeckt und grasbewachsen.

Eine Freilegung dieser Teile des

Meilensteins wäre wünschenswert.

Meilenstein im grenznahen

belgischen Gebiet

- KOELN 11 MEILEN -

Das grenznahe belgische Gebiet war in der

damaligen Zeit ein Teil Preußens und gehörte

zum Kreis Eupen im Regierungsbezirk Aachen.

Die Grenze verlief in diesem Abschnitt

- von Neutral Moresnet bis zum Weißen

Haus - in der Mitte der Landstraße. Natürlich

wurden auch an dieser Straße die preußischen

Meilensteine aufgestellt.

Der Meilenstein - KOELN 11 MEILEN - ist

heute noch an dieser Straße zu sehen. Er

steht zwischen Kelmis - Neu Moresnet und

dem Weißen Haus, auf der linken Seite der

jetzigen Nationalstraße 3, die nach Lüttich

führt. Etwa 150 Meter vor dem Stein zweigt

nach rechts eine Straße nach Moresnet ab.

Vom Zollamt Bildchen ist der Meilenstein ca.

5,3 km entfernt.

Bis auf einige kleine Schadstellen und Risse

ist der Obelisk gut erhalten. Allerdings ist die

Schrift nur noch schwach zu erkennen. Der

Meilenstein ist in seiner ganzen Größe, einschließlich

Sockel und Steinbänken zu sehen.

Der Standpunkt des Meilensteins ist verändert.

Nach einer graphischen Längenermitt-

- lung muß dieser Stein ursprünglich etwa 500

Meter weiter in Richtung Lüttich auf der gleichen

Straßenseite gestanden haben.

34



Glocke im grenznahen

belgischen Gebiet

- ¼ Meilenstein -

Anfang April 1986 lag diese Glocke im linken

Straßengraben der nach Lüttich führenden

Nationalstraße 3, ungefähr 550 Meter vor

dem Weißen Haus.

Aus dem »Kosten Anschlag« vom 9. September

1817 ist zu ersehen, daß hier beim

Weißen Haus die letzte Glocke an dieser

Straße - ein Viertelmeilenstein - aufgestellt

werden sollte. Nach der graphischen

Längenermittlung hätte die Glocke aber

noch näher beim Weißen Haus stehen müssen.

Die Glocke ist heute nicht mehr vorhanden.

36


Das Weiße Haus (Maison Blanche) in Belgien an der Straße Aachen-Lüttich

Hier am Weißen Haus verließ die Straße

Köln-Jülich-Aachen und weiter nach Lüttich

und Paris das preußische Gebiet. Auf dem

Bild ist es die von links kommende Straße im

Vordergrund. Rechts vom Weißen Haus

geht die Straße nach Eupen. Auch auf dieser

Straße verlief die Landesgrenze bis weit

hinter Herbesthal in der Straßenmitte.

Am Weißen Haus müßte auch der letzte

Nummerstein - vermutlich ein größerer

Grenz- und Nummerstein - gestanden haben.

Es ist nicht anzunehmen, daß der helle

Stein an der vorderen Gebäudeecke, der im

oberen Teil abgebrochen ist, ei_n Nummerstein

sein könnte. Er hat in der äußeren

Form überhaupt keine Ähnlichkeit mit den

bisher bekannten Nummersteinen.

Man kann davon ausgehen, daß es sich hierbei

um einen Landesgrenzstein handelt. Auf

der gegenüberliegenden Seite der Lütticher

Straße steht nämlich ein ähnlicher Stein. Da

die Landesgrenze hier in der Mitte der Straße

verlief, wurden mit größter Wahrscheinlichkeit

auf beiden Seiten der Straße die Landesgrenzsteine

aufgestellt.

Der noch vorhandene alte Landesgrenzstein

auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Er

hat die Nummer 187. Die äußere Form entspricht

dem Stein an der Ecke des Weißen

Hauses. Die bei diesem Stein sichtbare sokkelähnliche

Verbreiterung im unteren Teil

wird sich bei dem hier aufgezeigten Stein im

Boden befinden. Vermutlich hatten beide

Steine auch die gleiche Nummer. In den Blättern

der Preußischen Kartenaufnahme

1 : 25 000 - Neuaufnahme - (im Rheinland

1893-1901) sind diese Landesgrenzsteine

sämtlich eingetragen und mit ihren Nummern

versehen . Erfreulicherweise sind diese alten

Landesgrenzsteine heute noch überwiegend

an den ursprünglichen Standpunkten anzutreffen.

37


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Unterlage vom Katasteramt

des Kreises Aachen.

Auf dieser alten Karte ist der Grenzverlauf zur preußischen Zeit an der Straße Aachen-Lüttich, zwischen Moresnet und dem

Weißen Haus sowie an der Straße vom Weißen Haus in Richtung Eupen wiedergegeben. Das Weiße Haus (Maison Blanche)

wurde zusätzlich eingetragen.

38


Ein Stein, der an der Jülicher Straße im Alsdorfer

Stadtteil Hoengen-Mariadorf, gegenüber

dem Haus Nr. 22 zu sehen ist, soll nicht

unerwähnt bleiben. Er steht in direktem Zusammenhang

mit der Straße Köln-Jülich-Aachen,

denn hier ist vor nahezu 150 Jahren

ein Postillon tödlich verunglückt. Der heute

ca. 1,60 Meter hohe Gedenkstein erinnert an

dieses tragische Geschehen. Auf einem Foto

aus dem Jahre 1939 bestand der Gedenkstein

ursprünglich nur aus dem kubusähnlichen

Unterteil mit der Inschrift und dem

obeliskenförmigen Oberteil mit dem erhaben

herausgemeißelten Kreuz. Der zweifach abgestufte

Sockel wurde demnach erst in jüngerer

Zeit daruntergesetzt.

Da die Inschrift auf dem schon etwas verwitterten

Stein nicht mehr klar zu erkennen ist,

wurde sie wortgetreu auf eine danebenliegende

Platte eingetragen. Sie lautet:

Gedenkstein

für einen verunglückten Postillon

Den 25. Februar 1845 starb hier durch Umsturz

des Postwagens der königlich preußische

Post Conducteur Josef August Waezedski,

geb. den 28. August 1792 zu Stanowa,

Regierungsbezirk Posen.

Dem nebenstehend aufgezeigten Ausschnitt

»Post = Angelegenheiten« aus dem

Amtsblatt der Regierung zu Aachen , Jahrgang

1822, Seiten 397-401 , ist zu entnehmen,

daß die Postrouten zwischen Aachen

und Köln - sowohl über Jülich als auch über

Düren - am 1 . November 1822 von der

»Königlich Preußischen Post« übernommen

und auch befahren wurden. Zuvor verkehrten

auf diesen Postlinien Privatposten.

i' o jl, X n~ e legen~ e i t elf,

%1d) tinnn !&f~fufft er. Dur~aud}t br& i}tun etaatgf41t3(ni Wüttlm \1011 S}ctrbtn&tr!J,

unb nad} btr !8rflimmung brß bobrn jij,nigl, ~tnrral=l).)oilamt6 In !8erlln f oßrn, ba bit Jmi~

f~rn btr obtrfltn .stönig!. l).)ofl&eb~rbt unb btn twtrr,reneur6 &t&rübtr S}rutftu unb 6türJ

in !Uad.)en, fangt unb l))au!i all~itr &tflanbrnr Jtontrcaftt, übtt bllß rin~1~ei!rn, unb auf

feint &eflitnmte 3fit ,on ~a~rrn iOnrn ijdaffm !Rtd)t, awifd.)rn .ltö!n unb !lladJrn, fonn,~( auf

btr !Route ü&rr ;tlürtn a!6 i16tr ~üli~, fo niir Jtllifd}t11 ~Hn unb !Bonn, l))oflrc,.tgrn fiir i~re

ffltd)nung grbrn au !nfftn, mit (fobt bltftß IDlonnt6 a&laufrn - bitfr l).)rii,atpoiltn aofär~~l-en,

unb auf brfngtnr !Routen l).)oflen fär .ltrnigr. !Rrd}nung, nacfJ brn !llrbfüfnilfrn bfG 6tnnt6 un~

brG ').lub!itumG, ringtrid)trt rorrbrn. Dirft <!inrid)tung, l>ir kreit6 \ll)f&ertittt, ll>irb mit brin

1, !lfo11rm1'tr birfte ~,tbrrß wir f~!gt aur !lluGfüf,rung f~1nm:

fß ll>irb nm 1, fiinftigrn rolonat6 a& tii9!id) eint mit 4 ,ftrbtn &tfritnntt ted,mrllpojl

t>on .lt'oln um 8 U~r IDlorgtmJ nnd} 9fod,,tn

unb i,on !!lnd.)m um 7 U~r !Dlorstnß nacfJ $töln

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tagG in .1töln, fo n,ir 110n .1trln um 4 Ut,r ffiad)mittng6 in !llad)tn tintrtffm, Da&ti iff ouf btr

~our un !ö!n nad} !!fod}en in Sülid.) rint t,al&t E:tunbt aum !!fuftnrl,a!lt &lflimmt, um btn

fidJ bitfrr SJ!ofl ~tbimnbtn !füiftnbtn ~tit au lajfm, baft!bll au ~itt119 tlftn Ju f~nnen, ba

bitfr l))ofl au ro?i111193eit in ~ü!id.) anfommm n,irb. !llti 9rnfunft btr .it~nigl. ed.)nrßpoff i,on .1t~ln

in ~iilid} t\'irb tin gutt6 ro?ittag~fftn im @aff~l'ft &ti bn ijrau !IDirtlt'e ed)r~of , nn~t &ti ber

Wofl, flttß &mir f,vn ,. unb btn !Rtif<nbrn 1 9t9en tim biDi9t !8ra11~lun9, nad] !ID11nfd.) l'ml&­

rti~t l\'trbrn ••••••

Jtörn , btn 27. Ptrol,rr l 8.22.

!On :pojl,:Jnfl)e!tor für bie :Sonlgl, l\~eln,pro„1n~ffl,

!). (t ~ 4 ff t.

39


Straße Aachen-Monschau

Diese Straße verdankt ihre Entstehung dem

bereits erwähnten Dekret Napoleons vom

10. September 1804. Neben der militärischen

Bedeutung für die Franzosen bestand

aber auch ein echtes Bedürfnis für den Bau

dieser Straße; denn von Aachen aus nach

Süden hin, also nach Monschau und tiefer in

die Eifel, gab es noch keine gute Verbindung.

Der Verkehr in diese Richtung war äußerst

beschwerlich, da überwiegend nur

schlechte Wege zur Verfügung standen.

Im Artikel 1 wird der Bau der neuen Straße

von Aachen nach Montjoie (Monschau) über

Kornelimünster und Roetgen mit einer Abzweigung

nach Stolberg angeordnet.

Gemäß Artikel 2 sollte die Straße in einem

ZXTR.AIT DES MINUTES DE L.A SECB:tTAIRERIE D'ETAT.

.&i:&~la-Chapetlo, lt: 23 f rucüdor an, JS.

NA P o Li o N , Empereur des Francais ,

Vu Ja demande du maire et du conseil municipal d'Au-la-Chapelle, du

18 frootidor an 12, .approuv~e par Je Prefet le 19, teridante a obtenii: fouver,­

ture directe entre Aix:-la-Chapelle et Montjoie et un embranchement de cette

route sur Stolberg,

DECRETE ce qui suit:

A il T, I)r 11 sera ouvert une raute 11.ouvelle entre lu villes d'.Au:-la-Cba.

belle et de Moutjoie • par Corneli-.1\fonster et Rrettgen; il sera pareillenient

ouvert une communication entre la route nouvelle et la ville de Stolberg.

II. Les travaux de cette route seront executes dans le delai de 6 ans, ä

compter du 1,er vendemiaire an 14.

TI sera pourvu au:x. depenses de Ja maniere suivante :

III. U n tiers des depenses sera supporte par Je tresor public, un autre ·tiers

sera supporte par le deparlement de Ja Roer' a raison de l'interet general

de ce departement , qui obtiendra, par Ja nouvelle route, une communieation

plus courte et plus directe entre le Rhin et l'interieur de !'Empire.

L'autre tiers sera supporte par l'arrondissement d'Aix:Ja-Chapelle et par )es

villes d'Aix-la-Chapelle, Montjoie et Stolberg. La repartition de ce tiers sera

faite de la maniere suivante :

Cinq dixiemes serorit supporles par l'arrondissement d'Aix-la-Cbapelle, deux

~ixiemes par Ja ville d'Aix-la-Chapelle, deux dixiemes par celle de Montjoie

et un dixieme par celle de Stolberg.

IV. Les fonds a Ja charge du departemcnt de Ia lfoer et de l'arrondissement

d'Aix-Ja-Chapelle, seront Jeves par Ja voie de centimes additionnels.

Les fonds a Ja charge des villes seront pris sur leurs octrois ou autres revenus,

et a defaut, subsidiairement sur des centimes additionnels.

V. Les projets et devis eslimatifs de Ja route et de .l'embranchement seronf

rediges par Jes ingt!nieurs des ponts et chaussees avant le ,.er germinal an 13 1

et soum:is a l'approbation des Minislres de l'interieur et de Ja guerre.

VI. Le Ministre de l'interieur est charge de l'execution du present decret.

Signc NA POLE ON! •

Par l'Empereur :

Le Secrctaire d'i!tat, sigmf .HUGUES B. MARET;

Pour ampliation :

'Le Ministre de l'intin'eur par b:,terim, PORT ALIS.

Dekret Napoleons vom »23 fructidor an 12« - 10. September 1804 - (Sammlung

der Präfektur-Akten des Roer-Departements, Jahr XIII - 1805 - S. 38 und 39).

Zeitraum von 6 Jahren - gerechnet vom 1 .

vendemiaire an 14 (23. September 1805) -

fertiggestellt werden.

Der Artikel 3 regelt die Kostenbeteiligung.

Danach sollten je ein Drittel der anfallenden

Kosten von der Staatskasse, dem Roerdepartement

und dem Arrondissement Aachen

übernommen werden. Von dem letzten Anteil

entfallen fünf Zehntel auf das Arrondissement

Aachen (also auf den Kreis Aachen), je

zwei Zehntel auf die Städte Aachen und

Monschau sowie ein Zehntel auf die Stadt

Stolberg.

In Monschau und Stolberg war man mit dieser

Kostenaufteilung nicht ganz einverstanden

und wollte diese hohen Kostenanteile

nicht übernehmen. Nach langwierigen Verhandlungen,

die auch den Baubeginn hinauszögerten,

wurde am 10. Juli 1806 eine neue

und endgültige Kostenaufteilung bekanntgegeben,

die auch von Monschau und Stolberg

akzeptiert worden ist. (Sammlung der

Präfekturakten des Roer-Departements -

1807 - S. 16-18).

Da die neue Straße auch über das Hohe

Venn geführt werden mußte, bereiteten die

Festlegung der Trasse und der Straßenbau

selbst doch erhebliche Schwierigkeiten. Neben

dem ohnehin späteren Baubeginn war

das sicherlich mit ein Grund dafür, daß in der

Franzosenzeit die Straße Aachen-Monschau

nicht ganz fertiggestellt werden konnte.

Nach dem Verwaltungsbericht des Präfekten

des Roerdepartements vom Jahre 1811

(Sammlung der Präfektur-Akten für das Jahr

1811 , Seite 255 ff.) war die Landstraße von

Monschau zu diesem Zeitpunkt »auf dem

Venn und von Aachen bis Cornelymünster«

fertiggestellt. Bis zum Abzug der

Franzosen wurde die Straße noch bis Roetgen

ausgebaut.

Der doch schwierige Straßenabschnitt von

Kornelimünster über Walheim und die »Himmelsleiter«

hinauf bis nach Roetgen, mit einem

Höhenunterschied von etwa 200 Metern,

wurde erst unter der preußischen Verwaltung,

und zwar von 1817 bis 1820, fertiggestellt.

Die Ausschreibung dieser Arbeiten

erfolgte im April 1817. Der 1804 von Napoleon

veranlaßte Neubau der Straße Aachen­

Monschau ist also erst 1820 zum Abschluß

gekommen.

Die Aufstellung der Meilensteine an dieser

Straße erfolgte Ende 1817 bis Anfang 1818.

Daß der Straßenabschnitt Kornelimünster­

Roetgen zu diesem Zeitpunkt noch nicht

ganz fertiggestellt war, spielte dabei keine

Rolle. Die Trasse war ja bereits abgesteckt,

und auch mit den Arbeiten hatte man inzwischen

begonnen.

Ursprünglich haben an dieser Straße von

Aachen bis Monschau vier Obelisken als volle

Meilensteine, fünf Glocken als halbe und

acht Glocken als Viertelmeilensteine gestanden.

Eine Glocke für eine viertel Meile - vermutlich

war es der erste Viertelmeilenstein,

der noch ins Stadtgebiet Aachen gefallen

wäre - hat man nicht aufgestellt. Die vier

Obelisken sind auch heute noch anzutreffen.

Allerdings wurde in Brand vor einigen Jahren

40


ein neuer Meilenstein aufgestellt. Glocken

sind nur noch drei vorhanden. Hinzu kommt

noch ein Viertel-Meilenstein, der jedoch als

Sockel für einen Nivellementspunkt (Höhenpunkt)

verwendet wird.

Bei zwei Meilensteinen an dieser Straße, und

zwar in Brand und in Friesenrath, ist der

Preußenadler nicht erhaben aus dem Stein

herausgemeißelt. An diesen Obelisken wurde

in eine flache Aushöhlung im oberen Teil

des Steines eine kreisrunde gußeiserne Platte

mit dem stilisierten Preußenadler eingesetzt.

Es sind dies die einzigen Obelisken im

Aachener Raum, auf denen das Preußen­

Emblem derartig dargestellt ist.

Allerdings ist nicht anzunehmen, daß schon

bei der Anfertigung der Meilensteine, also

1817/18, die gußeisernen Platten angebracht

worden sind. In dem bereits genannten

»Kosten Anschlag« vom 9. September

1817 ist unter »C: Bearbeitung des rohen

Materials« auch folgender Arbeitsgang beschrieben

und kostenmäßig erfaßt: » 11.

Den Adler, die Buchstaben und Zahlen

der Zeichnung zufolge schön einzuhauen.

« Es muß also davon ausgegangen werden,

daß damals der Preußenadler grundsätzlich

auf allen Obelisken erhaben herausgemeißelt

worden ist.

Es ist nicht bekannt, wann diese Veränderung

an dem Meilenstein in Friesenrath vorgenommen

wurde. Allem Anschein nach ist

der Adler auf diesem Stein irgendwann einmal

stark beschädigt worden, so daß er

nicht mehr ausgebessert werden konnte.

Um den Preußenadler aber doch wieder anzubringen,

hat man sich schließlich für die

heute noch sichtbare Lösung entschieden.

Daß auch der Meilenstein in Brand eine gußeiserne

Platte hat, ist darauf zurückzuführen,

daß der Obelisk in Friesenrath als Vorbild für

den neuen Meilenstein in Brand gedient hat.

Weitere Hinweise dazu bei den betreffenden

Steinen.

Einige Meilensteine haben zwischenzeitlich

auch ihre Standpunkte verändert. Sie wurden

an den Rand der Ortslagen versetzt.

Durch die Erfassung von drei Meilensteinen

in den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung,

sie erfolgte in den Gemeinden entlang

dieser Straße zwischen 1821 und 1826,

konnten die Standpunktveränderungen einwandfrei

festgestellt werden.

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.Eihia.tntift_tr.

Die Ausschreibung der Arbeiten und die Anlieferung des erforderlichen Materials

zum abschließenden Neubau des Straßenabschnittes von Kornelimünster bis Roetgen

wurde im »Oejfentlichen Anzeiger von Aachen«, der ein Bestandteil vom »Amts­

Blatt der Regierung zu Aachen« war, bekanntgemacht. Die Fertigstellung der Landstraße

Aachen-Monschau gehörte mit zu den ersten Maßnahmen, die von der preußischen

Straßenbau-Verwaltung eingeleitet worden sind.

In den Urmeßtischblättern 1 :25 000 (5203

Stolberg und 5403 Monschau) der Aufnahme

von 1843 bis 1850 sind an dieser Straße

nur einige Glocken dargestellt.

Die Straße hatte ihren Ausgangspunkt in Aachen,

Ecke Jakobstraße-Löhergraben. Sie

wurde dort aus der übergeordneten Straße

von Aachen in Richtung Lüttich herausgeführt.

Der weitere Verlauf ging über den Graben

bis zur Adalbertstraße und dann zum

»Adalberts-Thor« hinaus. Über diesen

Streckenverlauf, jedoch vom Karlsbrunnen

auf dem Markt aus gerechnet, beträgt die

graphisch ermittelte Länge bis zum Meilenstein

in Brand sehr genau eine Meile.

Nach »Allerhöchster Kabinetsorder« vom

17. September 1829 wurde die Straße Aachen-Monschau

und weiter nach Trier ab 1 .

Januar 1830 zu einer Staatsstraße erklärt.

m. 346. rrt JUnigtJ IDlajrfl~t bdtn mfttrlft !fllrrbdd)flrr Jfa&indtorbtr ttom 17. er12trm&n c.

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trad)rn, brn 30. 9lo,rm&rr 18,9 .

.itonfg(. IJ'rcuO. Dtegfcrung, ~6t~dlung -~,s ~nuttn.

Auszug aus dem »Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«, Jahrgang 1829. Die Nr. 346 betrifft die Straße von Aachen über Monschau

nach Trier.

41


BELGIEN

Preußische Meilensteine

an der Straße

AACHEN - MONSCHAU

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Meilenstein in Brand

- AACHEN 1 MEILE -

Der Meilenstein steht auf der linken Seite der

Trierer Straße (Bundesstraße 258) - Ecke

Heidestraße.

Im Urhandriß Nr. 5 der Flur 8, Gemeinde

Brand, ist der Stein als kleines Viereck dargestellt.

Die Kataster-Uraufmessung erfolgte

im April 1825. Durch einen Vergleich der alten

mit den neuen Karten konnte festgestellt

werden, daß der Standpunkt des Steines unverändert

geblieben ist. Im aufgezeigten

Ausschnitt eines Situations-Planes von 1868

wird der unverändert gebliebene Standpunkt

des Meilensteins bestätigt.

Der alte Meilenstein von 1817/18 ist Anfang

der 1930er Jahre zerstört worden. Die T rümmer

wurden von Streckenarbeitern der Straßenbahn

weggeräumt. An eine Behebung

des Schadens hat man damals wohl nicht

gedacht, vielleicht war sie auch gar nicht

mehr möglich. Etwa 115 Jahre hat der erste

Meilenstein an der Trierer Straße in Brand

gestanden.

Nach einigen Jahrzehnten erinnerte man sich

in Brand wieder daran, daß auf der Trierer

Straße einmal ein Meilenstein gestanden hat.

Immer häufiger äußerten Brander Bürger den

Wunsch , den Stein doch wieder an gleicher

Stelle zu errichten. Der Initiative des Bürgervereins

Brand e. V. sowie einer großzügigen

finanziellen Unterstützung durch die

Volksbank Aachen-Süd e.G. ist es zu verdanken,

daß schon bald die Anfertigung eines

neuen Meilensteins in Auftrag gegeben

werden konnte.

Am 17. Oktober 1980 wurde an gleicher

Stelle ein neuer Meilenstein aufgestellt. Die

Anfertigung dieses Steines erfolgte durch

die Werkstätte für Steinbearbeitung Robert

Hackenbruch in Brand. Als Material hat man

»Belgisch Granit« ausgewählt. Vorbild für

die Abmessungen und die Form war der

Meilenstein in Friesenrath. Auch das kreisrunde

Emblem mit dem Preußenadler aus Gußeisen

wurde - genau wie beim Meilenstein in

Friesenrath - in der gleichen Werkstatt hergestellt

und in die dafür vorgesehene flache

Aushöhlung im oberen Teil des Steines eingesetzt.

Der Sockel des Obelisken und die

rechte Steinbank stammen noch vom alten

Meilenstein.

Mit der Neuaufstellung des Obelisken in

Brand sind an der Straße Aachen - Monschau

wie in alter Zeit die ursprünglich gesetzten

vier Steine für jeweils eine ganze

Meile wieder vorhanden. Es ist die einzige

Straße im Aachener Raum , an der die

großen Meilensteine noch vollzählig anzutreffen

sind.

43


Vorstehend ist der verkleinerte Ausschnitt

von einem »Situations-Plan verschiedener

Gemeindeparzellen der Brander

Gemeinde ... Aufgenommen, getheilt

und gezeichnet im Monat März 1868

durch den vereidigten Geometer Jos.

Klein«, aufgezeigt. Die Parzellierung

wurde auf der rechten Seite der Trierer

Straße in der Gewanne »Die Heide an

der Kirche« vorgenommen. Auf der linken

Seite der Straße von Aachen nach

Trier hat man auch den Meilenstein

»AACHEN 1 MEILE« aufgemessen

und in die Karte eingetragen. Sein

Standpunkt ist mit dem heute hier stehenden

Meilenstein genau identisch.

Außerdem sind noch die beiden Nummersteine

0.98 und 0.99 dargest~llt. Die

Nummersteine wurden ja als Meilenunterteilungen

in Abständen von 20 Ruten

(75,32 m) ebenfalls am linken Straßenrand

gesetzt und vom Ausgangspunkt

der Straße aus durchlaufend numeriert.

Karte: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis Brand

44


Der alte Meilenstein in Brand auf einer

Postkarte. Das Foto wurde freundlicherweise

vom »Heimatkundlichen Arbeitskreis

Brand« zur Verfügung gestellt.

Glocke in Brand

- ½ Meilenstein -

Im weiteren Verlauf der Trierer Straße in

Brand, ebenfalls auf der linken Straßenseite,

in Höhe des Grundstücks mit der Hausnummer

841 , steht eine Glocke.

Diese Glocke für eine halbe Meile ist aber

nur ca. 580 Meter vom Meilenstein in Brand

entfernt. Eine halbe Meile hat jedoch eine

Länge von 3 766 Meter. Sie paßt also nicht

in die Meilenunterteilung. Glocken für eine

halbe Meile haben an diesem Straßenabschnitt

ursprünglich etwa am Bahnhof Rothe

Erde (Aachen ½ Meile) und in Kornelimünster,

kurz vor der Ecke Korneliusstraße/Breiniger

Straße (Aachen 1 ½ Meilen), gestanden.

Die Glocke in Brand wurde wohl irgendwann

dort hingesetzt.

Die sichtbaren Beschädigungen sind mit

dunklem Zement ausgefüllt.

45



Meilenstein in Friesenrath

- AACHEN 2 MEILEN -

Der Stein i'n Friesenrath steht auf der linken

Seite der Schleidener Straße (B 258), etwa

125 Meter vor der Straßenbrücke über die

lnde.

Der Meilenstein ist im Urhandriß Nr. 1 der

Flur VIII , Gemeinde Walheim , dargestellt und

mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger« versehen.

Die Kataster-Uraufnahme erfolgte im

Dezember 1825. Der Standpunkt ist unverändert

geblieben.

1981 wurde der Stein beschädigt. Die erforderlichen

Instandsetzungsarbeiten hat die

Werkstätte für Steinbearbeitung Robert Hakkenbruch

in Brand ausgeführt. Auch das

kreisrunde Emblem mit dem Preußenadler -

nach einer alten Münze aus der Preußenzeit

entworfen und aus Guß hergestellt - wurde

von dieser Werkstätte in die bereits vorhandene

Aushöhlung im oberen Teil des Steines

eingesetzt. Der alte Einsatz von diesem

Stein war nicht mehr vorhanden.

Es wurde bereits erwähnt, daß ursprünglich

auch bei diesem Stein der Preußenadler erhaben

aus dem Stein herausgemeißelt war.

Wann die Beschädigung des Adlers erfolgte

und ersatzweise erstmals eine Metallplatte

mit dem Preußenemblem an diesem Meilenstein

eingesetzt worden ist, konnte bisher

nicht festgestellt werden.

Die Ausbesserungen an diesem Obelisk sind

im Farbton dem Stein angepaßt. Auch die

eingemeißelte Schrift wurde in schwarzer

Farbe übermalt und ist nun gut lesbar. Der

Sockel und die beiden Steinbänke sind frei

und gut zu sehen. Der Meilenstein befindet

sich in einem guten äußeren Zustand.

Der kreisrunde gußeiserne Einsatz mit dem Preußenadler bei den Meilensteinen in

Friesenrath und Brand.

47


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Meilenstein

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Unterlage vom

Katasteramt der Stadt Aachen

Ausschnitt aus dem Urhandriß Nr. 1 der Flur VIII, Gemeinde Walheim. Uraufmessung im Dezember 1825. Der Meilenstein ist im

Urhandriß als Signatur dargestellt (6.) und mit dem Schriftzusatz »M eilenzeiger« versehen. Die mögliche Lageüberprüfung führte

zu dem Ergebnis, daß der Standpunkt des Meilensteins unverändert ist.

48


Glocke mit Nivellementspunkt

- ¼ Meilenstein -

Sie befindet sich zwischen Friesenrath und

Kalkhäuschen auf der linken Seite der

Bundesstraße 258.

Diese Glocke ist nur etwa 540 Meter vom

Meilenstein in Friesenrath entfernt. Sie steht

hier nicht als Meilenunterteilung, sondern als

Fundament oder Sockel für einen Nivellementspunkt

(Höhenpunkt). Der Metallbolzen

auf der Glocke ist gut zu erkennen.

Die Zweckentfremdung dieser Glocke ist

nicht gut. Ein einfacher Betonblock würde

den gleichen Zweck erfüllen, und die Glocke

könnte an einem der ursprünglichen Standpunkte,

die alle bekannt sind, wieder aufgestellt

werden.

Glocke bei Relais Königsberg

- ¼ Meilenstein -

Sie steht auf der linken Seite der Bundesstraße

258, etwa 200 Meter hinter Relais

Königsberg am Anfang der »Himmelsleiter«.

Die Glocke ist ziemlich genau eine viertel

Meile vom Meilenstein in Friesenrath entfernt

und paßt somit ganz gut in die Meilenunterteilung

.

Der obere Teil der Glocke ist beschädigt.

Die Rundung ist teilweise abgeschlagen.

Auch einige Risse sind zu sehen.

49


Meilenstein in Roetgen

- AACHEN 3 MEILEN -

Der Meilenstein steht auf der linken Seite der

Bundesstraße 258, etwa 110 Meter hinter

der nach links abgehenden Grünepleystraße,

ziemlich am Ortsende von Roetgen in Richtung

Fringshaus und Monschau.

In den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung,

die in der Gemeinde Roetgen im Oktober-November

1826 erfolgte, ist der Stein

nicht nachgewiesen. Der Standpunkt des

Meilensteins ist jedoch verändert. Auf Grund

einer graphischen Längenermittlung vom unveränderten

Standpunkt des Meilensteins in

Friesenrath bis zum ursprünglichen Standpunkt

des Meilensteins in Konzen - die Distanz

entspricht sehr genau zwei Meilen -

läßt sich die Standpunktveränderung des

Meilensteins in Roetgen doch eindeutig

nachweisen. Und zwar stand der Stein ursprünglich

etwa 450 Meter weiter zum Ort

hin, also in Richtung Aachen. Es ist anzunehmen,

daß der Stein bei einem Straßenausbau

weiter zum Ortsrand versetzt wurde.

Der Stein ist an sich noch gut erhalten, Sokkel

und Steinbänke stehen frei. Im oberen

Block ist jedoch eine Ecke herausgebrochen

und die rechte Steinbank hat sich vom Sokkel

des Obelisken gelöst. Die Schrift ist allerdings

kaum noch zu erkennen.

50


Meilenstein in Konzen

- AACHEN 4 MEILEN -

Der Meilenstein steht auf der linken Seite der

Trierer Straße (Bundesstraße 258), am Ortsausgang

von Konzen in Richtung Monschaulmgenbroich.

Die Kataster-Uraufmessung erfolgte im Gemeindegebiet

von Konzen bereits im Juni

1821. Der Stein ist im Urhandriß 4tes Blatt

der Flur 7, Gemeinde Konzen, als Signatur

dargestellt und mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger«

bezeichnet. Er wurde sogar als

Meßpunkt verwendet. Durch die Einmessung

war die Möglichkeit gegeben, den

Standpunkt des Steins zu überprüfen.

Es besteht kein Zweifel darüber, daß der

Meilenstein ursprünglich rund 450 Meter weiter

in Richtung Aachen, also mehr zur

Ortsmitte hin, aufgestellt worden ist. Etwas

verwunderlich ist allerdings, daß die Standpunktveränderung

vermutlich schon im vergangenen

Jahrhundert stattgefunden hat,

denn die diesbezüglich eingeholten Auskünfte

führen ausschließlich zu dem Ergebnis,

daß der Meilenstein seit dem Beginn dieses

Jahrhunderts an nahezu gleicher Stelle steht.

Lediglich bei einem Straßenausbau in den

1930er Jahren wurde der Stein um einige

(3-5 ) Meter nach Süden versetzt. Man wollte

wohl die verbreiterte Einfahrt zu den anliegenden

Wohnhäusern freihalten. Vermutlich

wurde bei dieser Umsetzung der mittlere

Block versehentlich um 180° gedreht, da die

Schrift auf der Rückseite des Steines steht.

Der Adler im oberen Block zeigt richtig zur

Straße hin.

Bis auf einige kleine Schadstellen ist der

Stein noch gut erhalten. Den mittleren Block

sollte man jedoch wieder in seine richtige Lage

bringen, damit auch die Schrift von der

Straße aus lesbar ist. Allerdings ist die

Schrift fast nicht mehr zu erkennen. Eine

Nacharbeitung und Übermalung in schwarzer

Farbe wäre wünschenswert.

51


Foto W. Scheib/er - Aus dem Kreisarchiv Aachen

Das Bild zeigt den Meilenstein in Konzen noch vor der Umsetzung anläßlich des Straßenausbaus in den 1930er Jahren. Der

Stein steht näher an der Einfahrt zu den Gebäuden, auch der Bewuchs ist anders als heute. Die Schrift im oberen Teil des

mittleren Blockes ist bereits auf diesem Foto nur noch schwach zu erkennen. Mit der auf dem Stein eingetragenen Zahl 30

sind die Kilometer von Aachen aus gemeint. Viel/eicht war sogar die Einführung der Kilometrierung in Preußen - das metrische

Maß- und Gewichtssystem wurde 1871/72 übernommen - der Anlaß für die so frühe Standpunktveränderung des Meilensteins

in Konzen gewesen.

52


Ausschnitt aus dem Urhandriß 4tes Blatt der Flur 7, Gemeinde Konzen. Die Kataster-Uraufmessung wurde hier bereits im Juni

1821 durchgeführt. Der Meilenstein ist im Urhandriß als Signatur dargestellt und angemessen. Er ist mit dem Schriftzusatz

»Meilenzeiger« versehen. Es bestand somit die Möglichkeit, den Standpunkt zu überprüfen. Dabei wurde eine Standpunktveränderung

von rd. 450 Metern festgestellt.

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Unterlage vom

Katasteramt des

Aachen

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53


Glocke in Monschau - ½ Meilenstein -

Die Glocke steht in der Stadtmitte von Monschau,

und zwar auf der rechten Seite der

Rurstraße, am Steg über die Rur zur evangelischen

Kirche.

Der heutige Standpunkt der Glocke paßt

nicht in die ursprüngliche Meilenunterteilung.

Als die Meilensteine 1817/18 aufgestellt wurden,

muß die Glocke rund 450 Meter in Richtung

lmgenbroich gestanden haben. Allerdings

über die Eschbachstraße - Alte Monschauer

Straße, denn das war zu dieser Zeit

die Straßenführung.

Es ist durchaus möglich, daß nach dem Ausbau

der Serpentinenstraße von lmgenbroich

nach Monschau die Meilensteine an diesen

neuen Straßenabschnitt umgesetzt worden

sind. Der ½ Meilenstein müßte in diesem Falle

auf der heutigen Laufenstraße, oberhalb

Wiesenthal gestanden haben. Der Stein wurde

zu einem nicht bekannten Zeitpunkt hier

aufgestellt.

Die Glocke ist bis auf einige kleine Schadstellen

gut erhalten.

54


Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen-(Heinsberg)

Von Aachen aus war bereits eine befestigte

Straße in Richtung auf Heerlen und Herzogenrath

vorhanden. Die gepflasterte Straße

wurde damals »Pont Steinweg« genannt.

Es war die heutige Roermonder Straße. Daran

anschließend hat man in den Jahren

1783 bis 1794 eine gut ausgebaute Straße

mit einer völlig neuen Trassenführung angelegt.

Sie verlief über Richterich-Kircheich­

Pannesheide-Holz-Herzogenrath (Rolduc)­

Ritzerfeld-Boscheln nach Hünshoven bei

Geilenkirchen, wo sie in die seit 1781 bestehende

Straße Aldenhoven-Puffendorf - Geilenkirchen-Sittard

mündete. Die neue Straße

hatte einen weitgehend geradlinigen Verlauf

und war bis kurz vor Geilenkirchen mit behauenen

Steinen gepflastert. Das war zu jener

Zeit in diesem Gebiet noch eine Besonderheit.

Daher wurde diese Straße auch

Steinstraße oder Pflasterstraße genannt.

Am Ausbau dieser Straße waren einige

»Herrschaften« beteiligt. Vom Anschluß an

den »Pont Steinweg« an der Aachener

Grenze bis nach Pannesheide war die Herrschaft

Heyden, eine Unterherrschaft des

Herzogtums Jülich, zuständig. Der Ausbau

dieses Straßenabschnitts - etwa 5,3 Kilometer

- wurde der Landgemeinde Heyden

übertragen und auch auf deren Kosten ausgeführt.

Den Ausbau der weiterführenden Straße

durch das ehemalige Land von 'sHertogenrode

hatte die Abtei Klosterrath (Rolduc)

übernommen. Es war ein Straßenabschnitt

von rund 12 Kilometer Länge, der von Pannesheide

über Herzogenrath bis zur Grenze

des Amtes Geilenkirchen verlief. Kaiser Josef

II. von Österreich hatte der Abtei Rolduc

im Mai 1783 die Genehmigung erteilt, im

lande von Rode auf eigene Kosten neue

Straßen zu errichten.

Die letzten 2 bis 3 Kilometer vor Geilenkirchen

fielen in die Zuständigkeit des Herzogtums

Jülich. Dieser Straßenabschnitt wurde

noch vor der Besetzung durch die Franzosen

im September 1794 fertiggestellt. Allerdings

wurde dieses Teilstück nicht gepflastert,

sondern nur als befestigte Straße ausgebaut.

Die neue und gepflasterte Straße

Aachen-Geilenkirchen wurde somit von der

Landgemeinde Heyden und der Abtei

Klosterrath angelegt. Und dabei ist bemerkenswert,

daß eine geistliche Institution,

eben die Abtei, den Straßenbau im Land

von 'sHertogenrode auf eigene Kosten

durchgeführt hat. Es war der damalige Abt

P. J. Chaineux, der sich dafür besonders

eingesetzt und auch verdient gemacht hat.

Mit dem Straßenneubau in diesem Gebiet -

zur gleichen Zeit hat man auch noch andere

Straßen im Ländchen Heyen und im Land

Rode angelegt - sollten für die zahlreichen

Kohlegruben von Rolduc, Kerkrade und dem

Land Heyden zusätzliche Absatzmärkte erschlossen

und damit verbunden auch wirtschaftliche

Vorteile für diese Region geschaffen

werden.

In den betreffenden Tranchot-Karten - die in

Frage kommenden Blätter wurden 1805 bis

1807 angefertigt - sind die neuen Straßen

natürlich auch dargestellt. Die zum Teil

schnurgerade Straßenführung entspricht

weitgehend noch dem heutigen Verlauf. Die

Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen

ist im Blatt 86 Aachen als »Chaussee de

Rolduc« (Landstraße nach Herzogenrath)

und im Blatt 76 Herzogenrath als »Paved'Aix-la-Chhapelle

a Guelenkirchen«

(Pflaster-Straße von Aachen nach Geilenkirchen)

bezeichnet.

In der Napoleonischen Zeit wurde diese

Straße zwar stark benutzt, aber kaum ausgebessert.

Vermutlich war sie für die Franzosen

nicht von großer militärischer Bedeutung.

Bereits 1814, unter vorläufiger preußischer

Verwaltung, hat man sofort mit der Instandsetzung

dieser Straße begonnen.

Nachdem sich die Straße wieder in einem

guten Zustand befand, wurden auch hier

schon Ende 1817 - Anfang 1818 die Meilensteine

aufgestellt.

An der Straße Aachen-Geilenkirchen haben

ursprünglich drei Obelisken als ganze Meilensteine,

drei Glocken als halbe und sieben

Glocken als Viertelmeilensteine gestanden.

Heute stehen hier nur noch ein Obelisk und

eine Glocke für eine halbe Meile.

In den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung

konnte für diese Straße nur ein Stein

aufgefunden werden. Er war im Standpunkt

identisch mit dem Meilenstein - AACHEN 1

MEILE - , der noch Ende der 50er Jahre in

Kohlscheid , auf der linken Seite der Roermonder

Straße, etwa in der Mitte zwischen

der Bahnstraße und der Straßenbrücke über

die Bundesbahnstrecke Aachen-Mönchengladbach,

gestanden hat. Es ist nicht bekannt,

warum der Meilenstein entfernt wurde

und was mit ihm geschehen ist.

Durch graphische Längenermittlungen von

diesem Punkt aus konnte festgestellt werden,

daß die Entfernung bis zum Brunnen

auf dem Markt in Aachen sehr genau eine

Meile betrug und daß der folgende, noch

vorhandene Meilenstein in Merkstein-Streiffeld

seinen ursprünglichen Standpunkt inzwischen

ebenfalls gewechselt hat.

Der Neuausbau der weiterführenden Straße

von Geilenkirchen nach Heinsberg erfolgte in

den Jahren 1833 bis 1838 (nachzulesen im

»Amts-Blatt der Regierung zu Aachen« -

Jahrgänge 1832 bis 1839). Die Meilensteine

an diesem Straßenabschnitt konnten also

erst nach dem Neuausbau, vermutlich

1838/39, aufgestellt werden. Da Glocken als

Meilenunterteilungen etwa ab 1837 nicht

mehr vorgesehen waren, hat zwischen Geilenkirchen

und Heinsberg wohl ohnehin nur

ein Stein für eine volle Meile - AACHEN 4

MEILEN - gestanden.

Nun war man inzwischen dazu übergegangen,

an den zahlreichen Bezirksstraßen, deren

Ausbau verstärkt betrieben wurde, nicht

mehr die großen Obelisken mit den Steinbänken,

sondern kleinere und auch anders

aussehende Meilensteine aufzustellen. Auch

die Straße Aachen- Geilenkirchen - Heinsberg-Roermond

war als Bezirksstraße eingestuft.

Es ist aber nicht bekannt, ob an dieser

Straße, etwas nördlich von Blauenstein,

noch ein Obelisk oder schon der kleinere

Meilenstein gesetzt worden ist.

In den Urmeßtischblättern 1 :25 000 - Aufnahme

1843 bis 1850 - ist entlang dieser

Straße nur ein Viertelmeilenstein (1 ¼ Meilen

von Aachen) dargestellt. Diese Glocke ist im

Blatt 51 02 Herzogenrath an der heutigen

Neustraße eingetragen.

55


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Ausschnitt aus dem Urhandriß Nr. II der Flur 12, Gemeinde Kohlscheid (früher Gemeinde Pannesheide). Der Meilenstein ist an

der Straße Aachen-Geilenkirchen (Roermonder Straße) als kleines Viereck dargestellt und mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger«

versehen. Uraufmessung im August 1826.

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Unterlage vom

ICatasteramt des

ICreises Aachen.

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Glocke in Herzogenrath

- ½ Meilenstein -

Die Glocke steht auf der rechten Seite der

Aachener Straße, an der Ecke einer Parkfläche

, etwa in der Verlängerung der von

rechts einmündenden Straße »Am Beckenberg«.

Der ½ Meilenstein ist bis auf einige Ausbesserungen

noch gut erhalten. Die Glocke hat

jedoch den Standpunkt gewechselt, denn

ursprünglich befand sie sich auf der linken

Straßenseite. Dennoch paßt sie gut in die

Meilenunterteilung, 1 ½ Meilen von Aachen.

Meilenstein in

Merkstein-Streiffeld

- AACHEN 2 MEILEN -

Der Meilenstein steht auf der linken Seite der

Geilenkirchener Straße (L 232), ca. 200 Meter

hinter der nach links abgehenden

Adolfstraße.

Der Stein wurde vor mehreren Jahren, beim

Ausbau der Geilenkirchener Straße, versetzt.

Der ursprüngliche Standpunkt befand sich

etwa 320 Meter in Richtung Herzogenrath,

ebenfalls auf der linken Straßenseite. Die

sichtbare Höhe des Obelisken beträgt 3 Meter.

Der Sockel ist nicht zu sehen, er befindet

sich vermutlich in der Erde. Die beiden

Steinbänke sind nicht mehr vorhanden.

Der Stein befindet sich in einem guten Zustand.

Er wurde Mitte 1990 restauriert. Allerdings

hat man es versäumt, bei dieser Gelegenheit

auch den Adler und die Schrift mit

schwarzer Farbe zu übermalen. Das hätte

dem ursprünglichen Zustand entsprochen.

58


59


Straße Aachen-Linnich-Erkelenz-Krefeld-Duisburg

(Kref elder Straße)

An dieser Straße, es ist die heutige Bundesstraße

57, befindet sich bis weit hinter Erkelenz

nur noch ein Meilenstein. Er steht im

Stadtgebiet von Würselen auf der linken Seite

der Krefelder Straße, etwa in der Mitte

zwischen der nach links abgehenden Neustraße

und der Straßenkreuzung bei Birk. In

der TK 25, Blatt 5003 Linnich, war an der

B 57 am Ortsanfang von Gereonsweiler,

ebenfalls auf der linken Straßenseite, noch

ein weiterer Meilenstein eingetragen. Er war

drei Meilen von Aachen entfernt. Dieser

Stein ist aber schon seit mehreren Jahren

nicht mehr vorhanden.

Aus den aussageklaren Tranchot-Karten -

die Anfertigung der Blätter entlang dieser

Straße erfolgte zwischen 1805 und 1807 -

ist zu ersehen, daß die Aachen-Krefelder

Straße zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits

von Aachen bis Würselen-Grevenberg

sowie von Puffendorf über Linnich, Erkelenz

und weiter in Richtung Krefeld , in dem damals

üblichen, weitgehend geradlinigen Verlauf

ausgebaut war. Sie wird in den Karten

nördlich von Puffendorf auch als »Route«

(Land-Straße) oder »Chaussee d'Aix la

Chapelle a Creveldt« bezeichnet. Dagegen

wird der Straßenabschnitt von Würselen-Grevenberg

über Alsdorf-Baesweiler- Setterich

bis nach Puffendorf, der sich noch von Ort

zu Ort schlängelte und noch nicht ausgebaut

war, nur als »Chemin« (Weg) »a Linnich«

ausgewiesen.

Noch zur französischen Zeit, und zwar im

Jahre 1811 , wurde mit dem Aus- bzw. Neubau

der »Heerstraße« Duisburg-Aachen,

und zwar mit den Abschnitten »von Creveld

auf Ürdingen, und von Aachen auf Alsdorf

·angefangen«. (Verwaltungsbericht des Präfekten

des Roerdepartements für das Jahr

1811 - Seite 255). Im Aachener Raum wurde

auch nur der Abschnitt Aachen-Alsdorf

fertiggestellt.

Von der preußischen Verwaltung wurde hinsichtlich

des Zustandes der übernommenen

Straßen eine Art Bestandsaufnahme durchgeführt.

In einem Schriftstück der Regierung

Aachen vom 10. Juni 1817 wird der »Zustand

der Straße Aachen- Alsdorf-Pujfendorf-

Linnich-Cörrenzig-Baal-Erkelenz «

etwa folgendermaßen beschrieben: Aachen-Alsdorf:

Ziemlich guter Zustand, noch

durchzuführen sind der Grabenausbau und

die Baumanpflanzungen. Alsdorf-Puffendorf:

Dieser Straßenabschnitt liegt ganz im argen,

er ist fast nicht passierbar. Puffendorf-Linnich:

Hier ist die Beschüttung mit Kies erforderlich,

sodann ist der Zustand wieder gut.

Linnich-Erkelenz: Dieser Straßenabschnitt

müßte gründlich ausgebessert wer~en. Die

Instandsetzungsarbeiten wurden in der Folgezeit

kontinuierlich durchgeführt. Der Neuausbau

des Straßenabschnittes Alsdorf-Puffendorf

stand aber noch bevor.

Aus den bisherigen Ausführungen ist ersichtlich,

daß anfänglich im Regierungsbezirk Aachen

an den gut ausgebauten Straßen

(Kunststraßen) als Meilensteine ausschließlich

die großen Obelisken mit den Steinbänken

, und für die Meilenunterteilungen die unterschiedlich

großen Glocken aufgestellt

worden sind. Das traf auch für die Straßen

Aachen-Monschau und Aachen-Geilenkirchen

zu , obwohl sie zum Zeitpunkt der Aufstellung

der Meilensteine als Bezirksstraßen

geführt wurden.

Auch die Straße »von Aachen über Linnich

und Erkelenz nach Duisburg« war unter

preußischer Verwaltung als Bezirksstraße

eingestuft (Amtsblatt der Regierung zu Aachen

- Nr. 18 - von Montag den 20. März

1826). Aber sie war noch nicht vollständig

ausgebaut, und daher wurden zu diesem

frühen Zeitpunkt auch noch keine Meilensteine

an dieser Straße aufgestellt.

Eine gewisse Unsicherheit besteht noch

über den genauen Zeitpunkt der Aufstellung

der Meilensteine an dieser Bezirksstraße.

Feststehen dürfte jedoch, daß die Meilensteine

an den Bezirksstraßen erst dann aufgestellt

wurden, wenn der Aus- bzw. Neubau

einer Straße nach den Vorschriften der Anweisung

von 1814 abgeschlossen war. Das

geht aus der Beschriftung auf den noch vorhandenen

Steinen hervor. Dort ist immer eingetragen,

wann die betreffende Bezirksstraße

erbaut worden ist. Erst dann konnten die

Meilensteine entlang dieser Straße gesetzt

werden.

Hinsichtlich der Aufstellung der Meilensteine

an der »Aachen-Crefelder Bezirksstraße«

haben die bisherigen Bemühungen zu folgenden

Erkenntnissen geführt: In den Aufmessungsrissen

einer Kataster-Vermessung,

die in der Bürgermeisterei Würselen im Jahre

1841 durchgeführt worden ist, sind im Ortsteil

Morsbach entlang der Krefelder Straße

alle Nummersteine aufgemessen und mit ihren

laufenden Nummern eingetragen. Auch

der Nummerstein (Stationspunkt) 1.00, der

einer vollen Meile entspricht, ist darunter.

Der Meilenstein ist jedoch nicht dargestellt,

da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der

Straße gestanden hat.

Aus dem »Oejfentlichen Anzeiger von Aachen

- Nr. 1 von Donnerstag den 2. Februar

1840« und den Kosten-Gegenüberstellungen

auf dem Sektor Straßenwesen in

den »Amts-Blättern der R egierung zu Aachen«

- Jahrgänge 1839 bis 1844 - ist zu

entnehmen, daß in der Zeit von 1839 bis

1843/44 der Straßenneubau von Alsdorf

nach Puffendorf durchgeführt worden ist. Es

war der letzte Abschnitt dieser Straße innerhalb

des Regierungsbezirks Aachen, der

noch ganz neu ausgebaut werden mußte.

Eine weitere Bekanntmachung im »Oejfentlichen

Anzeiger von Aachen - Nr. 16 -

Donnerstag, den 17. April 1845« betrifft

die Instandsetzung des Straßenabschnitts

von Erkelenz bis zur Regierungsbezirksgrenze.

Und dann erscheint im »Amts-Blatt der

Regierung zu Aachen« - 1845 - S. 312,

eine sehr aufschlußreiche Veröffentlichung.

Sie ist nachfolgend aufgezeigt:

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brm eaalrr titrar unb &• ~nbourn eorrirrra, jrlr mit brr t,rbrbrfugniD fllr t Urflr nrid}trt merbrtr,

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60


Preußische Meilensteine

an der Straße

AACHEN - LINNICH - ERKELENZ - KREFELD

Konturlinien : Ursprüngliche Standpunkte.

Hier stehen

keine Steine mehr.

Schwarz

: Standpunkt des

Meilensteins zwischen

Würselen

und Birk.

: Damaliger

Straßenverlauf.

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Die Aachen-Krefelder Bezirksstraße war im

Regierungsbezirk Aachen also Ende 1845

vollständig als Chaussee ausgebaut. Das

war doch nun der Zeitpunkt, an dem die

Meilensteine aufgestellt werden konnten.

Nun wurde bereits erwähnt, daß im Rheinland

von 1843 bis 1850 die Aufnahme der

topographischen Urmeßtischblätter erfolgte.

In den Blättern 5102 Herzogenrath, 5103

Eschweiler und 5003 Linnich, die im Jahre

1846 bearbeitet wurden, ist die neue Straße

von Alsdorf nach Puffendorf bereits dargestellt.

Und bei »Oidweiler« - Blatt 5103

Eschweiler - ist auf der linken Seite der neuen

Straße, über einem nach links abgehenden

Feldweg, die Signatur für einen Meilenstein

eingetragen und mit einer 2 beschriftet.

Es war der 2. Meilenstein von Aachen aus (II

Meilen 200).

Bedauerlicherweise sind in den Urmeßtischblättern

entlang dieser Straße bis zur damaligen

Regierungsbezirksgrenze keine weiteren

Meilensteine eingetragen. Allerdings wurden

die betreffenden Blätter nördlich von Linnich

auch schon 1844/45 aufgenommen. Aber

auch im Blatt Herzogenrath - Aufnahme

1846 - ist der Stein zwischen Würselen und

Birk nicht dargestellt. Trotzdem muß man zu

der Ansicht kommen, daß 1846 schon alle

Meilensteine an der Aachen-Krefelder Straße

gestanden haben. Es würde nämlich überhaupt

keinen Sinn ergeben, den 2. Meilenstein

von Aachen aus an dem neu ausgebauten

Straßenabschnitt Alsdorf-Puffendorf

aufzustellen, und alle anderen Steine an den

damals schon ausgebauten Straßenabschnitten

wegzulassen.

Wenn man nun davon ausgeht, daß die Meilensteine

zum Zeitpunkt der 1846 bearbeiteten

Urmeßtischblätter bereits an der Straße

gestanden haben, und der Straßenausbau

noch 1845 zum Abschluß gekommen ist,

dann wurden die Meilensteine an der Aachen-Krefelder

Bezirksstraße mit größter

Wahrscheinlichkeit Ende 1845, Anfang 1846

aufgestellt. Das trifft dann natürlich auch für

den Meilenstein zwischen Würselen und der

Kreuzung bei Birk zu.

Zu diesem Zeitpunkt wurde wohl auch der

Ausgangspunkt dieser Straße vom Karlsbrunnen

auf dem Markt zur Hotmannspief

verlegt. Meilenunterteilungen mit halben oder

Viertel-Meilensteinen haben an dieser Straße

nicht mehr gestanden, denn darauf wollte

man generell ab 1837 verzichten. Ausgenommen

waren natürlich die Nummersteine,

die grundsätzlich - zu dieser Zeit in Abständen

von 20 Ruten - an jeder Straße aufgestellt

und durchlaufend numeriert wurden.

Meilenstein zwischen Würselen und der Straßenkreuzung bei Birk. (1 Meile 100)

Der Meilenstein steht im Stadtgebiet Würselen

auf der linken Seite der Krefelder Straße

(Bundesstraße 57), etwa 500 Meter vor der

Straßenkreuzung bei Birk.

Der Stein ist inzwischen doch schon erheblich

verwittert und auch schadhaft. Als Folge

davon sind Schrift und Wappen nicht mehr

so gut zu erkennen. Der Preußenadler ist im

oberen Teil des Steines in einer kreisrunden ,

flachen Aushöhlung erhaben herausgemeißelt.

Um das runde Wappenfeld steht im

oberen Halbkreis vermutlich »REGIE­

RUNGSBEZIRK AACHEN« - davon ist

auch nur noch AACHEN fragmentarisch zu

entziffern - und im unteren Halbkreis

»KREIS AACHEN«. Etwas unterhalb der

Rundung steht noch einigermaßen gut zu lesen

in drei Zeilen untereinander:

»Aachen-Crefelder

Bezirksstraße

erbaut 18 . . «

Leider sind die zwei letzten Ziffern der Jahreszahl

nicht mehr zu erkennen. Sie könnten

uns das genaue Jahr der Aufstellung dieses

Meilensteins mitteilen.

Auch die Angabe der Entfernung nach Aachen

ist nicht mehr vorhanden. Sie befand

sich im unteren Teil des Steines. Die dafür

vorgesehene, ebenfalls kreisrunde Fläche im

Stein ist am unteren Rand nur noch als Andeutung

sichtbar. Der Meilenstein wurde

nämlich 1864 bereits zum dritten Mal umgeworfen

und dabei im unteren Teil beschädigt.

Man hat später den Stein um rd. 65 cm

gekürzt und auf einen Sockel gesetzt. Der

Stein hatte ursprünglich eine Höhe von etwa

2, 10 Metern. Er ist heute noch 1,50 Meter

hoch.

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Die als »vermutlich« angegebene Beschriftung

im oberen Teil des Steines, die ursprüngliche

Steinhöhe sowie die Entfernungsangabe

im unteren Teil sind von den

noch vorhandenen Bezirksstraßen-Meilensteinen

in anderen Gebieten und von den

Steinen -.,in den Straßenmeistereien Düren

und Erkelenz entnommen. Die Inschriften an

diesen Steinen sind noch verhältnismäßig

gut zu erkennen. Demnach ist im oberen

Halbkreis über dem Adler der Regierungsbezirk

und im Halbkreis unter dem Adler der jeweilige

Landkreis eingetragen, in dem der

Stein gestanden hat. Und das wurde bei

dem Stein an der Krefelder Straße mit Sicherheit

ebenso gemacht. Die Entfernungsangabe

war ohne Zweifel mit »J Meile

100« von Aachen aus eingetragen.

Hinsichtlich des Standpunktes dieses Meilensteines

ist folgendes zu vermerken: In einem

» Vermessungs-Handriss der Flur VI

(Seel: E.) Morsbach«, die Vermessung erfolgte

im August 1841 , sind an der Straße

von Aachen nach Duisburg alle Nummersteine

aufgemessen und durchlaufend numeriert.

Auch der Nummerstein 1.00, der einer

vollen Meile entspricht, ist dabei. Er ist rd.

100 Meter nördlich von der nach links abgehenden

Neustraße eingetragen. Die Entfernung

von diesem Punkt bis zum Brunnen auf

dem Markt, zu dieser Zeit war es der Ausgangspunkt

der Krefelder Straße, betrug genau

eine Meile. Eine Bestätigung dafür ist in

zwei Straßenverzeichnissen der Regierung

Aachen vom 20. Februar 1830 und 10. Oktober

1832 zu entnehmen. Dort ist als Ausgangspunkt

für diese Straße jeweils vermerkt:

»Fängt jetzt noch am Springbrun-

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So hat der Meilenstein zwischen Würselen

und der Straßenkreuzung bei Birk

ursprünglich ausgesehen. Nach der Beschädigung

wurde er um den schraffierten

Teil gekürzt und vermutlich 1864/65

wieder aufgestellt.

62


nen auf dem Markt an.« Man wollte hier also

eine Änderung vornehmen. Die Verlegung

des Ausgangspunktes muß nach 1841

erfolgt sein. Vermutlich im Zusammenhang

mit der Aufstellung der Meilensteine. Neuer

Ausgangspunkt für diese Straße wurde der

Brunnen »Auf dem Hauptmann« - auch

»Hauptmannsbrunnen« genannt - (heute

Hotmannspief), denn hier wurde die Aachen­

Krefelder Bezirksstraße aus der übergeordneten

Staatsstraße Köln-Jülich-Aachen-Lüttich

herausgeführt.

Eine graphische Längenermittlung von der

Hotmannspief über den Stein in Würselen bis

zum Meilenstein bei Oidtweiler, der im Urmeßtischblatt

von 1846 eingetragen ist, ergab

sehr genau zwei Meilen. Auch der dazwischen

liegende Meilenstein in Würselen

paßt mit rd. einer Meile noch ganz gut. Eine

kleinere Standpunktveränderung ist jedoch

nicht ganz ausgeschlossen.

Ein Schriftwechsel aus dem Jahre 1864, der

den Meilenstein zwischen Würselen und Birk

betrifft, soll hier nicht vorenthalten werden,

denn er gibt gleichzeitig ein Stück Lokalgeschichte

wieder (Akten des Regierungsbezirks

Aachen beim Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

- Band 12 669).

Mit Datum vom 20. 3. 1864 bitten die Einwohner

von Birk und Grevenberg die Königliche

Regierung, den 1863 in der Kirmesnacht

»von ruchlosen Händen umgestürzten

Meilenstein« wieder aufstellen zu lassen,

da der Stein den beiden Ortschaften zur

Zierde gereicht.

In einer Randnotiz, die mit »Cremer<< unterzeichnet

ist, heißt es: » ... Ich habe den

fraglichen zweimal umgeworfenen Meilenstein

auf dem Hofe eines dortigen Akkerbauers

in Sicherheit gebracht ... « An

sich sollte der Stein hier nicht mehr aufgestellt

werden. Aber » ... Mit Rücksicht auf

die umstehende Bitte jedoch dürfte es

wohl noch einmal versucht werden, den

Stein auf der Crefelder Straße zum drittenmal

aufzusetzen . . . « Am 2. 4. 1864

wurden die Bewohner von Birk und Grevenberg

durch ein Schreiben von diesem Vorhaben

unterrichtet. Die Anwohner sollten aber

ein wachsames Auge auf den Stein haben.

Man kann wohl davon ausgehen, daß der

Meilenstein noch im April 1864 wieder aufgestellt

worden ist.

Allerdings konnten sich die Anwohner nicht

lange an dem Stein erfreuen. Bereits am 14.

September 1864 hat der Bauinspektor Maertens

der Königlichen Regierung - Abtheilung

des Innern - mitgeteilt,» . . . daß der bei Nr.

1. 00 ( damit ist die Nummerstein-Nummer

gemeint) der Aachen-Crefelder Bezirksstraße

in der Nähe von Birk aufgestellte

Meilenstein umgeworfen worden ist . .. «

Die Anwohner haben somit auch den dritten

Umsturz des Meilensteins nicht verhindern

können.

Zum gleichen Vorkommen schreibt der damalige

Baurat Cremer am 17. September

1864 an den Königlichen Bauinspektor Maertens.

»Bei Bereisung der Aachen-Crefelder

Bezirksstraße durch unseren Oberbau-Inspektor

ist wahrgenommen worden, daß

der im vorigen Jahre bei Stat.: Nr. 1.00

errichtete neue Meilenstein umgeworfen

worden ist . .. « Vermutlich haben sich beide

Briefe gekreuzt. Aber in beiden Schreiben

ist von dem gleichen Stein die Rede.

Der Hinweis » .. . errichtete neue Meilenstein

... « Im Schreiben des Baurats verwirrt

jedoch etwas, denn man könnte daraus folgern,

daß die Erstaufstellung dieses Steines

1863 erfolgt ist. Aber aus der oben erwähnten

Randnotiz, die ja ebenfalls mit »Cremer«

unterzeichnet ist, geht doch hervor,

daß dieser Stein bereits mehrmals umgeworfen

wurde. Es kann demnach nur eine Wiederaufstellung

im Jahre 1863 gemeint sein.

Beim letzten Umsturz wurde der Stein so

stark beschädigt, » .. . daß eine vollständige

Wiederherstellung desselben unbeschadet

seiner Formverhältnisse nicht möglich

erscheint . . . « Der Meilenstein wurde

schließlich um ein Stück gekürzt und irgendwann

wieder an der Straße aufgestellt. Er ist

uns so bis heute erhalten geblieben.

63


Nummerstein 1.01

Ein Meilenstein hat 1841

noch nicht an der Aachen­

Krefelder Bezirksstraße

gestanden, denn im Handriß

ist nur ein Nummerstein

dargestellt.

Nummerstein 1.00

Meile.

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Unterlage vom

Katasteramt des

Kreises Aachen.

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Ausschnitt aus dem » Vermessungs Handriß der Flur VI (Seel: E.) Morsbach«, gemessen im August 1841. Auf der Straße von Aachen

nach Duisburg sind in diesem Abschnitt alle Nummersteine im Abstand von 20 Ruten aufgemessen und mit ihren laufenden

Nummern eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Ausgangspunkt der Straße noch am Springbrunnen auf dem

Markt. Vermutlich mit der Aufstellung der Meilensteine - 1845/46 - hat man den Ausgangspunkt dieser Straße an die Hotmannspief

verlegt, denn hier wurde die Aachen-Krefelder Straße aus der übergeordneten Straße Köln-Jülich-Aachen herausgeführt.

Natürlich mußten dann auch die Nummersteine umgesetzt werden.

64


Zwei weitere Steine

(Glocken) im

Stadtgebiet Aachen

Glocke - 1 / 4 Meilenstein

Diese Glocke steht in der Karl-Marx-Allee

220, vor dem Rheinischen Straßenbauamt

des Landschaftsverbandes Rheinland . Vermutlich

wurde die Glocke zur Erinnerung an

die Zeit der Meilensteine hier aufgestellt.

Glocke - 1 /2 Meilenstein

Sie steht am Lousberg, in der Spitzkehre der

Zufahrtsstraße zum Drehturm.

Warum man die Glocke am Lousberg aufgestellt

hat, ist nicht bekannt. Dieser Standpunkt

ist für den 1 /2 Meilenstein jedoch vollkommen

verfehlt, denn hier ist überhaupt

kein Zusammenhang mit den Straßen gegeben,

an denen die Meilensteine einst gestanden

haben. Es wäre wünschenswert, wenn

die Glocke wieder an einem der ursprünglichen

Standpunkte für eine halbe Meile aufgestellt

würde.

Besonders geeignet wäre der Standpunkt in

Kornelimünster an der alten Straßenführung

Aachen - Monschau. Die Glocke für eine

halbe Meile wurde ehemals auf der linken

Seite der Korneliusstraße, etwa 50 Meter vor

der nach links abgehenden Breiniger Straße,

aufgestellt. Sie war 1 1 /2 Meilen von Aachen

entfernt. Die Glocke bliebe somit auch im

Stadtgebiet von Aachen.

65


Noch vorhandene Meilensteine in den Bauhöfen

der Straßenmeistereien

Auch in einigen Bauhöfen der Straßenmeistereien

des weiten Aachener Raumes befinden

sich noch verschiedene alte Meilensteine

aus preußischer Zeit. Diese Steine wurden

von den Straßen entfernt, weil sie entweder

selbst gefährdet waren - auch durch

Umwelteinflüsse - oder eine Gefahr für den

Straßenverkehr darstellten. Ob allerdings die

Bauhöfe die richtigen Standpunkte für diese

alten Wegezeichen sind, sei dahingestellt.

Schließlich sind es Wegezeichen, die einst

an den Straßen gestanden haben, und die

nach Möglichkeit auch wieder an den Straßen

aufgestellt werden sollten. Zumindest

dann, wenn dadurch der Straßenverkehr

nicht behindert wird. Auch an den Straßen

gibt es geschützte Standpunkte, an denen

diese Steine überdauern könnten.

Im einzelnen befinden sich bei den für den

Aachener Raum zuständigen Straßenmeistereien

des Landschaftsverbandes Rheinland

noch folgende Meilensteine:

Straßenmeisterei Düren

Im Hof der Straßenmeisterei steht ein hochschattiger

Meilenstein mit gerundetem Kopf

aus Buntsandstein. Seine Höhe beträgt rd.

2, 10 m. Die Inschrift ist noch gut zu erkennen.

Sie lautet: »Düren - Jülich - Heinsberger

Bezirksstraße erbaut 1853158«.

Im gerundeten Kopf befindet sich in einer flachen

Aushöhlung eine kreisrunde gußeiserne

Platte (0 = 33 cm) mit dem stilisierten Preußenadler.

Allem Anschein nach wurde bei

den Meilensteinen dieser Art der Adler nicht

grundsätzlich aus dem Stein herausgemei­

.ßelt, sondern gelegentlich auch Gußeisenplatten

mit dem stilisierten Preußenadler eingesetzt.

Als der Stein noch an der Straße

stand, wurde die Platte mit dem Preußenadler

- vermutlich von »Souvenierjägern« -

wiederholt herausgebrochen und entwendet.

Kreisförmig eingetragen ist über der Platte

»Regierungsbezirk Aachen« und unter der

Platte »Kreis Düren«. Im unteren Teil des

Steines ist ebenfalls in einer kreisrunden Fläche

die Entfernungsangabe mit »/ Meile

100« eingemeißelt, wobei mit der 100 die

Meilenstein-Nummer für eine Meile gemeint

ist.

Dieser Meilenstein stand also an der Bezirksstraße

Düren-Jülich-Heinsberg, eine Meile

von Düren entfernt. Er wurde vermutlich

1858, nach dem Ausbau der Straße aufgestellt.

Der Stein muß ursprünglich auf der linken

Straßenseite zwischen Köttenich und

Selhausen gestanden haben. Dieser Standpunkt

wurde auch von einem ehemaligen

Bediensteten der Straßenmeisterei Düren

bestätigt.

Der Stein ist zwar von Witterungs- und Umwelteinflüssen

nicht verschont geblieben, befindet

sich aber doch noch in einem durchaus

guten Zustand.

Auf dem Rasenstreifen vor der seitlichen Einfahrt

zur Straßenmeisterei (von der Straße

zum Gut Weyern) stehen zwei interessante,

obeliskenförmige Grenz- und Nummernsteine

von unterschiedlicher Größe. Aus einem

Schreiben von 1817 ist zu entnehmen, daß

diese Steine, die man als zusätzliche Nummersteine

an den Regierungsbezirks- und

Kreisgrenzen aufgestellt hat, als » Wege-

Nummer-Abtheilungs-Steine« bezeichnet

wurden.

Der größere Stein ist in der Form und in den

Abmessungen genau identisch mit dem

Grenz- und Nummerstein von der Escherbrücke

an der Straße Köln - Jülich - Aachen.

Er ist ebenfalls aus dunkelgrauer Basaltlava

gefertigt.

Der Stein hat folgende Beschriftung: Auf der

linken Seite »R. B. Aachen«, auf der rechten

Seite »R. B. Cöln« und zur Straße hin

»Grenze - Nf1 377 x 13,8° - von-Cöln «.

Dieser Grenz- und Nummerstein hat an der

»Cöln-Dürener Bezirksstraße« gestanden

und die Regierungsbezirksgrenze gekennzeichnet.

Er muß in Richtung Köln gesehen

auf der linken Straßenseite gestanden haben,

denn nur dann sind die seitlichen Zuweisungen

zu den Regierungsbezirken Köln

und Aachen auch tatsächlich gegeben.

Mit der Nr. 377 ist die Nummer des Nummersteins

gemeint. Sie besagt, 377 x 20 Ruten

= 7540 Ruten . Hinzu kommen noch 13,8

Ruten (die zweite Zahlengruppe) bis zum

tatsächlichen Grenzpunkt. Insgesamt also

7 553,8 Ruten oder rd. 28,448 Kilometer von

Köln bis zur Regierungsbezirksgrenze zwischen

den Ortschaften Blatzheim und Golzheim.

Im Urmeßtischblatt 1 : 25000 - Blatt

51 05 Nörvenich - ist die damalige Regierungsbezirksgrenze

eingetragen. Die graphische

Längenermittlung vom Ausgangspunkt

der Straße bis zu dieser Grenze hat die auf

dem Stein eingetragene Entfernung bestätigt.

Eine Nachfrage bei der Straßenmeisterei

in Düren hat ergeben, daß dieser Grenz- und

Nummerstein früher an der Straße nach Köln

im Bereich der damaligen Regierungsbezirksgrenze

gestanden hat. In der TK 25 -

Blatt Nörvenich - Ausgabe 1977 - ist dieser

Stein als Signatur mit Schriftzusatz eingetragen.

Der Stein befindet sich noch in einem guten

Zustand.

Der kleinere Grenz- und Nummerstein ist aus

Sandstein gefertigt. Die vielen Jahrzehnte

haben ihm doch erheblich zugesetzt. Seine

Gesamthöhe dürfte ca. einen Meter betragen.

Die untere, quadratische Breite beträgt

etwa 48 cm, die obere 38 cm. Die Spitze ist

zu den vier Seiten hin abgeschrägt. Auf der

linken Seite ist »Kreis Düren« und auf der

rechten Seite »Kreis Jülich« eingetragen.

Es ist also ein Grenz- und Nummerstein, der

eine Kreisgrenze kennzeichnete. Er muß von

Düren aus gesehen auf der linken Seite einer

bestimmten Bezirksstraße gestanden haben,

66


GRENZ-NUMMERSTEIN (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS­

STEIN) vor der Straßenmeisterei in Düren.

Ursprünglicher Standpunkt: Straße Köln -

Düren, an der ehern. Reg. - Bez. - Grenze. ~- [8L

Vorderseite

GRENZE

N2377·13.8"

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Stite

Aachen

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Cöln

Quadr•tia,h•r

Bault-Lav• Block

Rechte

Seite

denn nur dann sind die seitlichen Zuweisungen

zu den beiden Kreisen richtig eingetragen.

Die Eintragung auf der Vorderseite ist nur

noch teilweise zu erkennen. »No.« ist eindeutig.

Rechts davon stehen zwei Zahlengruppen

übereinander, die jeweils mit 1 und

0, also 10, beginnen. Die dritte Ziffer der

oberen Zahlengruppe könnte eine 9 (?) sein.

Das ergäbe dann 109 (?), und damit ist vermutlich

die Nummerstein-Nummer gemeint.

Auch mit der unteren 10 können nur Ruten

gemeint sein, und zwar die zusätzliche Distanz

bis zur tatsächlichen Grenze zwischen

den Kreisen Düren und Jülich. Demnach

stand der Stein 2190 Ruten oder rd. 8248

Meter von Düren entfernt.

Dieser Grenz- und Nummerstein hat mit

größter Wahrscheinlichkeit ebenfalls an der

»Düren - Jülich - Heinsberger Bezirksstraße«

gestanden und dort die Grenze zwischen

den Kreisen Düren und Jülich gekennzeichnet.

Sein Standpunkt befand sich dann·

zwischen Selhausen und Krauthausen, denn

dort verlief in der damaligen Zeit die Kreisgrenze.

Eine andere Bezirksstraße, die durch

diese beiden Kreise führte und an der dieser

Stein gestanden haben könnte, ist nicht bekannt.

Der vermutete Standpunkt an der »Düren -

Jülich - Heinsberger Bezirksstraße« wurde

auch durch die Straßenmeisterei Düren

bestätigt.

GRENZ-NUMMERSTEIN (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS­

STEIN) vor der Straßenmeisterei in Düren.

Ursprünglicher Standpunkt: Düren - Jülich -

Heinsberger Bezirksstraße, an der ehern. Kreisgrenze

Düren/Jülich, zwischen Selhausen und

Krauthausen .

Vorderseite

Linke

Seite

KREIS

DÜREN

Grundriß

r, ~

1 1

1 1

:~:

: ui

1 .... ,

1 1

1 1

1 1

~ J

Quadratischer Blod:

(Sandstein)

Rechte

Seite

KREIS

JÜLICH

67


Straßenmeisterei Erkelenz

Auch hier befindet sich noch ein Meilenstein,

der früher an einer Bezirksstraße gestanden

hat. Er befand sich im Bauhof der Straßenmeisterei

Düren und wurde vor etwa 15

Jahren nach Erkelenz geholt und im Gelände

der Straßenmeisterei aufgestellt.

Von der eingemeißelten Schrift ist kaum etwas

zu erkennen. Im Halbkreis unter dem

Adler ist aber »Kreis« noch zu ahnen und

»Düren« gut zu lesen. Der Stein stand ursprünglich

also an einer Bezirksstraße des

Kreises Düren.

Die Schrift in der Mitte des Steines, wo die

betreffende Straße aufgeführt war, ist nicht

mehr zu erkennen.

Auch die Beschriftung im unteren Kreis - sie

gibt die Entfernung an - ist unleserlich. Aber

im oberen Teil des Kreises ist noch eine I zu

erkennen. Daraus ist zu folgern, daß der

Stein eine Meile von Düren aus aufgestellt

war.

Der stilisierte Preußenadler befindet sich

auch bei diesem Stein auf einer kreisrunden,

gußeisernen Platte. Sie ist in der dafür vorgesehenen

flachen Aushöhlung im oberen Teil

des Steines angebracht.

Die sichtbare Höhe des Steines beträgt 1,72

rn . Die fehlenden 40 cm wurden vermutlich

eingegraben, um dem Stein festen Halt zu

geben. Der Meilenstein befindet sich, die

Schrift ausgenommen, in einem verhältnismäßig

guten Zustand.

Es ist nicht bekannt, an welcher Bezirksstraße,

die ihren Ausgangspunkt in Düren hatte,

der Meilenstein ursprünglich gestanden hat.

68


Straßenmeisterei Heinsberg

Hier befindet sich eine Glocke für eine viertel

Meile. Diese Glocke hat noch in der zweiten

Hälfte des Jahres 1986 auf der linken Seite

der Bundesstraße 221 zwischen Geilenkirchen

und Heinsberg, etwa 100 Meter vor

Blauenstein, gestanden. Da diese Glocke

bei der Unterhaltung des Randstreifens und

der Böschung hinderlich war, hat man sie

von diesem Standpunkt entfernt und in den

Bauhof der Straßenmeisterei gebracht.

Der Standpunkt der Glocke bei Blauenstein

paßte überhaupt nicht in die Meilenunterteilung.

Etwa 300 Meter weiter in Richtung

Heinsberg hat ursprünglich schon der Meilenstein

»Aachen 4 Meilen« oder, wenn der

Bezirksstraßen-Meilenstein aufgestellt worden

ist, »4 - Meilen - 400« gestanden. Es

ist ohnehin fraglich , ob an dem Straßenabschnitt

Geilenkirchen - Heinsberg und weiter

in Richtung Roermond Glocken als Meilenunterteilungen

gestanden haben, denn ab

1837 wollte man auf die Aufstellung von halben

und Viertelmeilensteinen ganz verzichten.

Die Wiederaufstellung dieser Glocke sollte

daher an dem Straßenabschnitt Aachen-Geilenkirchen

erfolgen; denn hier standen die

Glocken, und es könnte ein ursprünglicher

Standpunkt für eine viertel Meile ausgesucht

werden.

Die Glocke selbst befindet sich in einem guten

Zustand. Sie ist aus Blaustein gefertigt.

Straßenmeisterei Jülich

Diese Glocke für eine viertel Meile stand bis

1988 noch auf der linken Seite der Landstraße

136, am Ortsausgang von Schleiden in

Richtung Hoengen, etwa in Höhe des letzten

Wohnhauses auf dieser Straßenseite. Und

genau dort wurde eine neue Straße von der

L 136 nach links hinein in Richtung Niedermerz

gebaut. Die Glocke wurde von ihrem

Standpunkt entfernt und im Bauhof der Straßenmeisterei

Jülich in Sicherheit gebracht.

Zwischenzeitlich wurde diese Glocke ebenfalls

an dem stillgelegten Straßenabschnitt

der B 55 vor der Sophienhöhe aufgestellt.

69


Straßenmeisterei Monschau

Im Hof der Straßenmeisterei stehen noch

zwei Glocken für viertel Meilen. Beide Glokken

befinden sich in einem verhältnismäßig

guten Zustand. Es wäre zu wünschen, daß

auch sie wieder an der Straße Aachen -

Monschau aufgestellt würden. Ursprüngliche

Standpunkte von Viertelmeilensteinen sind in

ausreichender Anzahl an dieser Straße vorhanden.

70


Einige Meilensteine an Bezirksstraßen im damaligen

Regierungsbezirk Köln

Nachfolgend sind einige Meilensteine aufgezeigt,

die an Bezirksstraßen des damaligen

Regierungsbezirks Köln aufgestellt worden

sind. Die äußere Form und die Abmessungen

sind genau identisch mit den Steinen,

die auch im Regierungsbezirk Aachen an

den ehemaligen Bezirksstraßen gestanden

haben. Allerdings ist bei den bisher bekannten

Meilensteinen der Preußenadler an den

Kölner Wegezeichen immer aus dem Stein

herausgemeißelt.

Meilenstein auf der rechten Straßenseite der

B 477, zwischen Sehwerten und Kammern,

kurz hinter dem kleinen Örtchen Gehn.

Die noch gut erhaltene Schrift lautet: »Regierungsbezirk

Coeln« über dem Adler und

»Kreis Euskirchen« darunter. In der Steinmitte

»Coeln - Blankenheimer Bezirksstraße

erbaut .. ?..11843«. Von der Entfernungsangabe

ist im oberen Teil nur noch eine

» VI«, allerdings mit leichten Zweifeln, zu

erkennen. Die graphische Längenüberprüfung

von Köln aus bis zum Standpunkt des

Steines hat ebenfalls sechs Meilen ergeben.

Da der Stein auf der rechten Straßenseite

steht, ist eine Standpunktveränderung nicht

auszuschließen. Der Meilenstein befindet

sich noch in einem verhältnismäßig guten

Zustand.

Meilenstein auf der linken Straßenseite der

B 56, zwischen Zülpich und Euskirchen, kurz

vor der Ortschaft Ülpenich.

Der Stein ist noch gut, auch die Schrift ist

weitgehend erhalten. Über dem Adler steht

»Regierungsbezirk Coeln«, unterhalb des

Adlers »Kreis Euskirchen«. In der Mitte des

Steines ist »Düren - Zülpicher Bezirksstraße

- erbaut ...« eingetragen. Das Baujahr

ist nicht mehr zu erkennen. Auch die

Entfernungsangabe ist unsicher. Nur noch eine

vermutliche »III« ist zu erkennen. Das

würde bedeuten, daß der Stein drei Meilen

von Düren entfernt ist. Eine graphische Längenüberprüfung

stimmt damit gut überein.

Der Stein wurde also an der »Düren - Zülpicher

Bezirksstraße« aufgestellt, allerdings

etwa 3,5 Kilometer über Zülpich hinaus. Es

ist wohl anzunehmen, daß man den Verlauf

dieser Straße bis nach Euskirchen weitergeführt

hat, die Bezeichnung aber als »Düren

- Zülpicher Bezirksstraße« beibehalten

worden ist.

71


Schaven

Meilenstein auf der linken Seite der B 266

zwischen Euskirchen und Kammern, kurz

vor der nach links abgehenden Straße zum

kleinen Örtchen Schaven.

Der Stein ist relativ gut erhalten. Seine Vorderseite

ist jedoch stärker verwittert, so daß

von der Schrift nicht mehr allzuviel zu erkennen

ist. Um den Adler ist wieder »Regierungsbezirk

Coeln« und »Kreis Euskirchen«

zu vermuten. In der Steinmitte ist

»Bonn« noch gut zu lesen, während

»Schleidener - Bezirksstraße - erbaut

. . . « nur zu ahnen ist. Das Baujahr und

die Entfernungsangabe sind ganz unleserlich.

Der Stein stand also an der »Bonn -

Schleidener Bezirksstraße«. Eine graphische

Längenermittlung ergab 5 Meilen von

Bonn. Diese Entfernung paßte ganz gut.

Meilenstein auf der linken Straßenseite der

B 51 zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel,

genau an der Straßenbrücke über die

Erft in lversheim.

Einern kleinen Täfelchen auf der rechten

Steinseite ist zu entnehmen, daß der Meilenstein

1987 durch den Förderkreis für

Denkmalpflege restauriert worden ist. Das

erklärt auch den ausgezeichneten Zustand

dieses Steines, einschließlich seiner Beschriftung

.

Über dem schön herausgearbeiteten Preußenadler

steht »R egierungs-Bezirk Cöln«,

und darunter »Kreis Rheinbach«. Das erinnert

daran, daß es im damaligen Regierungsbezirk

Köln auch einen Kreis Rheinbach

gegeben hat.

Die weitere Beschriftung lautet »Cöln -

Trierer - Bezirksstraße - erbaut 1837-

18 44 «. Der Stein steht also schon 148 Jahre

an dieser Straße. Die Entfernung ist mit

» VI Meilen 6.00« von Köln angegeben,

wobei 6.00 der Nummerstein-Nummer entspricht.

Es wäre schon wünschenswert, wenn alle

Meilensteine, die noch an den ehemaligen

Bezirksstraßen stehen, in einen so guten Zustand

gebracht werden könnten.

Weitere Meilensteine sollen sich noch an der

»Cöln - Trierer - Bezirksstraße« in Euskirchen

am Stadtwald, Münstereifeler Straße,

und an der »Bonn - Schleidener Bezirksstraße«

bei Kuchenheim befinden.

72


Historische Meilenstation an der römischen Fernstraße Köln-Jülich

Im Verlaufe der vorstehenden Beschreibung

der Meilensteine wurde bereits darauf hingewiesen,

daß im stillgelegten Straßenabschnitt

der B 55 westlich der Sophienhöhe

ein Ensemble der Preußischen Meilensteine,

die einst an dieser Straße gestanden haben,

aufgestellt werden soll. Das ist inzwischen

geschehen. Initiiert vom Landschaftsverband

Rheinland, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege

und unter Mitwirkung der Rheinbraun

AG Tagebau Harnbach, der Kreissparkasse

Düren, der Stadt Jülich sowie der

Straßenmeisterei Jülich konnte die »Historische

Meilenstation« errichtet werden. Sie

wurde am 26. August 1992 der Öffentlichkeit

vorgestellt.

Der stillgelegte Straßenabschnitt westlich

der Sophienhöhe wird noch auf einer Länge

von rund 750 m - vom Fuße der Aufschüttung

bis zur Straßenkreuzung in Richtung Jülich-Stetternich

- unter Denkmalschutz gestellt.

Dieses Teilstück kann jedoch als Zufahrt

zu den verzweigten Wanderwegen auf

der rekultivierten Sophienhöhe, an deren Fuß

sich ein Parkplatz und eine Grillhütte befinden,

benutzt werden.

Die Meilenstation liegt auf der südlichen Straßenseite,

Sie wurde dort errichtet, wo ursprünglich

der 5 1 /4 Meilenstein von Köln

aus gestanden hat. Die Glocke war zwar abhanden

gekommen, aber der Erdabdruck

war noch vorhanden. Und die Glocke für eine

viertel Meile steht nun an genau der gleichen

Stelle. In der straßenweisen Meilenstein-Beschreibung

ist bereits vermerkt, welche

Steine von der Straße entfernt und hier

aufgestellt worden sind. Diese Steine wurden

restauriert. Am Obelisk »KOELN 5

MEILEN« sind auch der Adler und die

Schrift in schwarzer Farbe überstrichen.

Außerdem wurden neue Steinbänke angefügt,

denn die waren am vorherigen Standpunkt

schon nicht mehr vorhanden. Der

Obelisk ist nun wieder in seiner vollen Größe

und mit den Steinbänken zu sehen.

Aus preußischer Zeit wurde zusätzlich noch

ein Grenz- und Nummerstein (Wege-Nummer-Abtheilungs-Stein)

aufgestellt, der ursprünglich

an einer Straße stand, die durch

die damaligen Kreise Jülich und Düren verlief

und dort die Grenze zwischen den beiden

Kreisen markierte. Es war bisher nicht mit Sicherheit

festzustellen, an welcher Straße dieser

Stein gestanden hat.

Auch zur römischen Zeit haben an dieser

Straße Meilensteine gestanden. Allerdings

sind von dem Straßenabschnitt Köln - Jülieh

- Rimburg bisher nur drei Meilensteinfragmente

bekannt. Sie wurden bei Baesweiler,

in Jülich-Tetz und an der Höller-Mühle vor

Steinstraß-Lich gefunden. Nur bei dem Fragment

von der Höller-Mühle, das nachstehend

aufgezeigt wird, ist eine Inschrift in etwa zu

deuten. Hier aufgestellt wurde daher die Kopie

einer Meilensäule aus Zülpich-Hoven, die

Blick von der Sophienhöhe auf den stillgelegten Straßenabschnitt der B 55. Er wird

bis zur oberen Straßenkreuzung - am Ende des Lindenberger Waldes - unter

Denkmalschutz gestellt.

73


Die »Historische M eilenstation«. Aufgestellt sind hier eine römische Meilensäule mit würfelförmigem Postament, eine Glocke

für eine viertel Meile am ursprünglichen Standpunkt, ein Obelisk mit Steinbänken für eine ganze Meile, eine Glocke für eine

halbe Meile und ein Grenz- und Nummerstein (Wege-Nummer-Abtheilungs-Stein).

an der Römerstraße von Trier nach Köln gestanden

hat. Das 2, 15 m hohe Original ist

aus Lothringer Kalkstein. Drei Inschriften

dokumentieren die politische Situation Ende

des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts. Die

zweite Inschrift enthält eine Entfernungsangabe

zur Provinzhauptstadt Köln mit 16 Leugen.

Das entspricht 24 römischen Meilen

oder 35,5 km . Auf der Meilensäule sichtbar

und farbig nachgearbeitet ist nur die dritte Inschrift,

Sie stammt aus den Jahren 325/326

. und enthält Lobreden auf die damaligen Kaiser.

Vor der Meilenstation wurde die Straße auf

einer Länge von 120 Metern vom Asphalt

befreit und das Kopfsteinpflaster aufgezeigt.

Dadurch wurde eine optische Zusammengehörigkeit

von den preußischen Meilensteinen

und der Straße erreicht. Die Straße war bis

Ende der 50er Jahre mit Steinen gepflastert.

Eine aufgestellte Schrifttafel enthält geschichtliche

Informationen zur Straße und

Beschreibungen der Meilensteine.

Das Bruchstück des römischen Meilensteines

wurde 1986 in der Nähe der

Höller Mühle bei Lich-Steinstraß gefunden.

Die vermutliche Inschrift -

(AV)G(VSTO) - NICO - (MAXl)MO -

läßt auf eine Kaisertitulatur schließen.

74


Der römische Meilenstein aus Zülpich­

Hoven. An ihm wurden drei Inschriften

festgestellt. Die erste befand sich auf

der Vorderseite und wurde vollständig

entfernt. Sie war wohl einem Kaiser des

3. Jahrh. gewidmet.

Die zweite Inschrift befindet sich auf

der Rückseite der Säule und verehrte

den Kaiser Licinius (308-324).

IMP(ERATORI) CAES(ARI)

LICINIANO

LICIN/O

[/] NV(ICTO) AU(G)(USTO)

A C(OLONIA) A(GRIPPINENSIUM)

L(EUGAE) XVI

Dem Herrscher und Kaiser

Licinianus L~iniu§.,

Dem unbesiegbaren Augustus.

Von der Colonia Agrippinensium

16 Leugen.

Die Entfernung nach Köln ist mit 16

Leugen - rd. 35,5 km - angegeben.

Diese Inschrift wurde wohl im Jahre 324

beseitigt.

Die dritte, sichtbare Inschrift, die sich

zwischen den beiden anderen befindet,

stammt aus der Zeit des Kaisers Konstantin

und seiner Söhne (nach dem

Jahre 324).

IMP (ERATORI) CAES(ARI)

FLAV/O CONSTANTINO

MAX/MO P/O FELICI

VICTOR/ AUG(USTO) ET

IMPP(ERA TOR/BUS)

CAESS(ARIBUS)

[FLAV(/O)

JUL(/)O CRISPO ET] FLA V(/O)

CLAUD/O CONSTANT/NO

ET FLA V(/)O CONSTANT/O

NOB/LISS/M/S

CAESARIBUS

Dem Herrscher und Kaiser

Flavius Constantinus,

Dem Größten, Gottesfürchtigen,

Glücklichen;

Dem siegreichen Augustus und

Den Herrschern und Kaisern

Flavius

lulius Crispus und F/avius

Claudius Constantinus

und Flavius Constantius,

den edlen Caesaren.

Nach der Ermordung des Caesars Flavius

lulius Crispus im Jahre 326 wurde

sein Name entfernt.

(Aus: Römische Straße und preußische

Meilensteine vor der Sophienhöhe bei

Jülich)

75


76

Der Obelisk KOELN 5 MEILEN

nach der Restaurierung.


Grenz- und Nummerstein. Aus den Zahlenangaben

auf der Vorderseite läßt

sich die Entfernung vom Ausgangspunkt

der Straße ermitteln. Sie beträgt

7 873 km. Auf der linken Seite ist KREIS

DÜREN und auf der rechten KREIS JÜ­

LICH eingemeißelt.

0 <:' ...

• ••• <:' . . .

ILE

DER WEG ZUR

HISTORISCHEN MEILENSTATION

0

0 <:' .. .••••

••• • <:' ...

Hamba,h u.

v Niederzier

<:> .. .

Schlußbetrachtungen

Die Meilensteine, so wie sie uns heute noch

an den Straßen begegnen, können nicht nur

Wegezeichen mit Entfernungsangaben oder

Wegemarkierungen gewesen sein. Die doch

sehr stattlichen Obelisken an den Staatsstraßen

sowie die hochschaftigen Meilensteine

mit gerundetem Kopf an den Bezirksstraßen,

auf denen sich das Emblem des Preußischen

Staates befindet, hatten sicher eine

größere Bedeutung. Diese Meilensteine waren

Hoheitszeichen an den Straßen der Monarchie

und Symbole der Souveränität des

Staates. Auch damit hat sich das Königreich

seinen Landesbewohnern dargestellt.

Es ist bedauerlich, daß schon viele dieser

stummen Zeugen einer inzwischen abgeschlossenen

geschichtlichen Epoche abhanden

gekommen sind.

Die vorstehende, nach Straßen gegliederte

Zusammenfassung der noch vorhandenen

Meilensteine im Aachener Raume, kommt einer

Bestandsaufnahme gleich. Sie sollte Veranlassung

dafür sein, daß die zuständigen

Stellen der Denkmalpflege ihr Interesse nun

auch diesen alten preußischen Wegezeichen

zuwenden.

Nach der Veröffentlichung einer Kurzfassung

der »Preußischen Meilensteine im Aachener

Raum« in der Zeitschrift »Rheinische

Heimatpflege« (24. Jahrgang - Neue

Folge, Nr. 4 - Oktober-Dezember 1987) hat

man bereits auf die hier vorliegende straßenweise

Zusammenstellung mit Zustandsfotos

und kartenmäßiger Erfassung der Meilensteine

zurückgegriffen, um diese alten

preußischen Wegezeichen unter Denkmalschutz

zu stellen. Das Vorhaben ist inzwischen

auch zum Abschluß gekommen. Die

hier aufgezeigten Meilensteine an den Straßen

des Aachener Raumes stehen inzwischen

unter Denkmalschutz. Offen bleibt die

Frage, was mit den alten Wegezeichen -

Glocken, Bezirksstraßen-Meilensteinen,

Grenz- und Nummersteine - geschieht, die

sich noch in den Bauhöfen der Straßenmeistereien

befinden.

Natürlich wäre bei einigen Steinen eine sachgemäße

Überarbeitung angebracht. Bisher

wurde bei den Ausbesserungen der schadhaften

Stellen mitunter etwas oberflächlich

oder auch unsachgemäß verfahren. Vielleicht

fehlten hierfür aber auch die erforderlichen

Mittel. Zu wünschen wäre außerdem,

daß die Beschriftung an den Steinen und der

erhaben herausgemeißelte Adler mit schwarzer

Farbe hervorgehoben würden, so wie es

dem ursprünglichen Zustand entspricht. Als

Vorbild für eine gelungene Instandsetzung ist

der Meilenstein in Friesenrath, an der Straße

Aachen - Monschau, anzusehen.

Falls eine Wiederaufstellung der Meilensteine,

die sich noch in den Bauhöfen der Straßenmeistereien

befinden, in Erwägung gezogen

wird, können die dafür in Betracht kommenden

Straßen benannt und die ursprünglichen

Standpunkte der Steine mit weitreichender

Genauigkeit aufgezeigt werden.

Das trifft für nahezu alle alten Straßen im Aachener

Raume zu.

Abschließend bleibt nur zu hoffen und zu

wünschen, daß durch diese Veröffentlichung

die Aufstellung der Meilensteine an den Straßen

des linksrheinischen Gebietes, und somit

auch im Aachener Raume, nun nicht

mehr mit Napoleon oder der Franzosenzeit

in Verbindung gebracht wird. »Napoleon ist

doch nicht an allem schuld«.

77


Exkurs:

Meilensteine in Berlin

Abschließend sollen auch einige Meilensteine

aufgezeigt werden, die heute noch in Berlin

stehen. Im § 104 der Anweisung von 1814

ist hinsichtlich der Größe und Form der Meilensteine

folgendes gesagt: »... In großen

Städten, oder wenn damit noch andere

Zwecke verbunden werden sollen, können

sie im größern Styl erbauet werden ...«

Und genau an diese Aussage hat man sich

in Berlin bei der Aufstellung bestimmter Meilensteine

gehalten.

Durch Hinweise und eigene Feststellungen

konnten der Straßenausgangspunkt und etliche

Meilensteine in Berlin aufgenommen

werden.

Die Entfernungsmessung für die zahlreichen,

strahlenförmig von Berlin ausgehenden

Fernstraßen hat in der damaligen Zeit auf

dem Dönhoffplatz begonnen. Das war ein

kleiner, zentral gelegener Platz auf der rechten

Seite der Leipziger Straße, kurz vor dem

Spittelmarkt. Dort hat als »Null-Meilenstein«

von 1730 bis 1875 ein ganz besonderer

Stein gestanden. Eine Nachbildung

dieses Steines mit der Inschrift »Historische

Meilensäule von 1730 + rekonstruiert

1979+« wurde 1980 auf der rechten Seite

der Leipziger Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft

des ursprünglichen Standpunktes

am früheren Dönhoffplatz, wieder aufgestellt.

Der imposante, obeliskenförmige

Stein, der auf einem quadratischen Sockel

steht, ist in einem Halbkreis von den ebenfalls

neu errichteten Spittelkolonnaden, die

früher auch an anderer Stelle gestanden haben,

umgeben.

Mit der Jahreszahl 1730 wird aufgezeigt,

daß schon zu diesem Zeitpunkt Meilensteine

an den brandenburgisch-preußischen Straßen

gestanden haben. Allerdings kommen

die hier bekannten und aufgezeigten Meilensteine,

die heute noch in Berlin anzutreffen

sind, nicht aus dieser Zeit, sie wurden

erst später aufgestellt. Die Entfernungsangaben

sind jedoch wieder vom Nullpunkt auf

dem Dönhoffplatz ermittelt worden.

Die NaclJbildy_ng ~es Ausgangspunktes

für die Fernstraßen in Berlin.

78


Der

Charlottenburger Meilenstein

Die Aufstellung dieses Meilensteines ist nicht

genau datiert. Einige Hinweise gehen dahin,

daß der Stein bereits anläßlich des Chaussee-Ausbaues

vom Brandenburger Tor zum

Schloß Charlottenburg im Jahre 1798 aufgestellt

worden ist. Dafür gibt es jedoch keine

Bestätigungen. Andere Aussagen gehen davon

aus, daß der Stein vor 1810 errichtet

wurde. In diesem Zusammenhang wird auch

erwähnt, daß dieser Stein weniger als Entfernungsanzeige

diente, sondern mehr dekorative

Bedeutung hatte. Es wird auch angenommen,

daß Friedrich Wilhelm IV., allerdings

noch als Kronprinz, den Entwurf für

diesen Meilenstein gefertigt haben soll.

Sicher ist jedoch, daß der Stein am 20. März

1846 schon gestanden hat; denn in einer

Kabinettsorder dieses Tages, betreffend die

Aufstellung von Meilensteinen an der Straße

Berlin-Potsdam, wird auf den Charlottenburger

Stein als Muster hingewiesen. Vermutet

wird jedoch, daß der Stein mit dem weiterführenden

Ausbau der Chaussee von Charlottenburg

nach Spandau im Jahre 1822 aufgestellt

wurde. Die alte Straße nach Hamburg

soll in damaliger Zeit in Charlottenburg

begonnen haben, und so wäre es durchaus

möglich, daß dieser Stein ursprünglich den

Ausgangspunkt markiert hat.

Der Stein hat häufig seinen Standpunkt gewechselt.

Auf eine Anordnung von Kaiser

Wilhelm 1. am 13. Juli 1875 wurde der Stein

wieder an seinen alten Standpunkt am Luisenplatz

zurückgebracht.

Als 1904 an dieser Stelle ein Denkmal für

Kaiser Friedrich III. errichtet wurde, hat man

den Meilenstein 1905 an seinem heutigen

Standpunkt aufgestellt.

Dieser Meilenstein wurde aus Sandstein gefertigt,

die Kugel und die Spitze sind aus Metall

. 1937 hat man den Stein in einer Werkstatt

ausgebessert. Eine Renovierung, bei

der auch die Kugel und die Spitze neu vergoldet

wurden, erfolgte 1960. Die letzte Instandsetzung

fand 1990 statt.

Auf der gußeisernen Platte im oberen Teil

des Säulenschaftes ist als Entfernung »I

MEILE von BERLIN« eingetragen. Es

dürfte aber wohl mehr dem Zufall entsprechen,

daß der Meilenstein sehr genau eine

Meile vorn ehemaligen Dönhoffplatz entfernt

ist.

Der Charlottenburger Meilenstein.

79


Meilensteine an der Straße Berlin-Potsdam

An der Straße von Berlin nach Potsdam

standen die ersten Meilensteine bereits um

1700. Heute stehen an dieser Straße noch

drei sogenannte »Römische Meilensteine«.

Friedrich Wilhelm IV. hat durch eine Kabinettsorder

vom 20. März 1846 angeordnet,

daß auf den Chausseen von Berlin nach

Potsdam und von Berlin nach Frankfurt/Oder

Meilensteine aus gebranntem Chausseeabraum

angefertigt werden sollten. Die Kosten

würden aus der königlichen Schatulle übernommen.

Als Vorbild wurde auf den Meilenstein

in Charlottenburg hingewiesen. Da

das Angebot für die Herstellung der Meilensteine

höher ausfiel als erwartet, wurden

nur die drei Steine für die Straße Berlin-Potsdam

in Auftrag gegeben. Erst am 19. März

1849 konnte die Regierung in Potsdam dem

König berichten, daß die drei Meilensteine

aus gebranntem Chausseeschlick hergestellt

und an der Straße von Berlin nach Potsdam

aufgestellt waren. Die Gesamtkosten für diese

drei Steine betrugen 657 Taler.

Die Kugeln und Spitzen dieser drei Steine

sollten nicht vergoldet, wie beim Stein in

Charlottenburg, sondern nur bronzegrün angestrichen

werden.

Beim Neubau der Reichsstraße 1 in Zehlendorf

und in Wannsee hat man die dort stehenden

Steine wegen schwerer Schäden

durch neue Meilensteine, die nun aber aus

Sandstein gefertigt wurden, ersetzt. Auch

bei der Umgestaltung des lnnsbrucker

Platzes im Jahre 1980 ist hier ein neuer Meilenstein

aus Sandstein aufgestellt worden.

An der Straße Berlin-Potsdam stehen somit

heute noch die drei, ursprünglich von den

Preußen aufgestellten »Römische Meilensteine«.

Warum diese Steine so genannt

werden, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist

wohl, daß der ausgeprägte Säulenschaft

dieser Steine, der doch stark an die römischen

Meilensäulen erinnert, zu dieser Bezeichnung

geführt hat.

In Berlin stehen noch einige andere alte Meilensteine,

darunter auch mehrere Rundsokkelsteine

, die wohl in der ersten Hälfte des

19. Jahrhunderts aufgestellt worden sind.

Es ist außerdem bekannt, daß östlich von

Berlin, und zwar an der ehemaligen Reichsstraße

1 zwischen den Städten Müncheberg

und Seelow, noch ein gußeiserner Meilenstein

steht. Auch das entspricht den Aussagen

des Paragraphen 1 04 der Anweisung

von 1814.

Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein »I

MEILE von BERLIN« in Berlin-Schöneberg,

Hauptstraße zum lnnsbrucker

Platz, Einmündung Martin-Luther-Straße.

Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein ,,111

MEILEN von BERLIN« in Berlin-Wannsee,

gegenüber Einmündung Chausseestraße.

Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein »II

MEILEN von BERLIN« in Berlin-Zehlendorf,

Potsdamer Straße, etwa Einmündung

Ahornstraße.

80


Quellen- und Literaturhinweis

Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

Bestand: Regierungsbezirk Aachen-Wegebau

Bände: 6961, 7623 (u.a. Anweisung der Ober-Bau­

Deputation von 1814 und 181 5), 12280, 12668,

12669 und andere.

Archiv und Öffentliche Bibliothek der Stadt Aachen:

Amtsblätter der Regierung zu Aachen ab 1816 bis

1860·

Öffe~tlicher Anzeiger von Aachen ab 1817 bis 1865;

Präfekturakten der Jahre 1804, 1805 und 1811 ; verschiedene

Schriften

Archiv des Kreises Aachen:

Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen

Staaten, Jahre 1816-1830

Augustus L., Driessen J., Schaeps L.:

200 Jahre ,Steinwege« in Kerkrade und Herzogenrath

- Kerkrade 1986

Gaitzsch, Wolfgang: Von der Grande Route zur neuen

Bundesstraße 55.

In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn - Berichte

aus der Arbeit des Museums - 1 /89

Gaitzsch, Wolfgang:

Römische Straße und preußische Meilensteine vor der

Sophienhöhe bei Jülich. In: Rheinische Kunststätten­

Heft 375, 1. Auflage 1992

Gielen, Viktor: Aachen unter Napoleon - Aachen 1977

Golsch, Willi, Aachen: Was Meilensteine erzählen!

Auf der Landstraße von Aachen nach Monschau. In:

Heimatblätter des Landkreises Aachen - 1. Juli 1932

und in Eremit am Hohen Venn - Mitteilungen des Geschichtsvereins

Monschau- 23. Jg. 1951

Information des Landschaftsverbandes Rheinland - Abteilung

Straßen und Verkehrswesen:

Bundesstraße B 55n Jülich - Eisdorf - Bergheim

Kamp, Carl : Das Hohe Venn - Gesicht einer Landschaft.

Eifelverein - Düren 1961

Katalog zur Ausstellung » 700 Jahre Stadt Herzogenrath

1982 in der Burg Rode

Kranzhof!, Maria: Aachen als Mittelpunkt bedeutender

Straßenzüge zwischen Rhein, Maas und Mosel in Mittelalter

und Neuzeit. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.

Aachen 1930

Liman, Herbert, Berlin:

Eine Zusammenstellung und Beschreibung der Meilensteine

in Berlin

Marenberg, Günter, Aachen: Der Meilenstein - AACHEN 1

MEILE - in Brand. In: Heimatkundliche Blätter Brand

1991

Pünder, Hermann: Preußische Meilensteine

in der Eifel. In: Rheinische Heimatpflege - Neue Folge,

2. Jahrg. 1965, S. 168-1 70

Schild, Ingeborg, Aachen: Flurdenkmale

der Stadt Würselen. In: Heimatblätter des Kreises Aachen,

44. Jahrg., 1989 -1-2

Zeitungsberichte:

Aachener Nachrichten vom 10.04.1980;

Aachener Volkszeitung vom 15. 10. 1988, 11 . 08.

und 12. 12. 1989

Auskünfte:

Kreus, Bruno, Aachen-Brand: Bez. des neuen Meilensteins

in Aachen-Brand

Meyer, Karl Stolberg-Mausbach: Bez. Meilensteine in

und um Berlin;

Straßenmeistereien des Landschaftsverbandes Rheinland

in Düren, Erkelenz, Heinsberg, Jülich und Monschau

Für die graphischen Längenermittlungen, Standortüberprüfungen,

Grenzfeststellungen und dgl. benutzte topographische

und andere Karten:

Tranchot-Karten 1 :25 000 (Aufnahme im Aachener Raum

1805-1810, Blatt Moresnet 1817/18 durch von Müffling),

verschiedene Blätter

Preußische Kartenaufnahme 1 :25 000 - Urmeßtischblätter

- Uraufnahme in Rheinland 1843-1850, verschiedene

Blätter

Aktuelle Topographische Karten 1 :25 000 (TK 25), verschiedene

Blätter

Deutsche Grundkarte 1 :5000 (DGK 5),verschiedene Blätter

Stadtarchiv Aachen. Verschiedene Karten des Regierungsbezirks

Aachen ab 1823

Musterblätter für die topographischen Arbeiten des Königlichen

Preußischen Generalstabes von 1818 und 1848

(Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen

in Bonn Bad Godesberg).

Danken möchte ich allen Personen, insbesondere

den Herren Josef Gasten (f1990)

aus Kohlscheid und Conny Valter aus Monschau,

von denen ich Hinweise zum Auffinden

der alten Akten und Unterlagen erhalten

habe oder die mir bei der Suche nach diesen

Schriftstücken behilflich waren.

Für die Unterrichtung über die an der

Bundesstraße 55 zwischen der Sophienhöhe

und Eisdorf aufgefundenen alten Wegezeichen

sowie für den Hinweis auf die Meilensteine

in der Straßenmeisterei Düren danke

ich Herrn Dr. Gaitzsch vom Rheinischen Amt

für Bodendenkmalpflege - Außenstelle Niederzier-Hambach.

81


Anhang

Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen

In den vorstehenden Ausführungen über die

Meilensteine im Aachener Raum wurde bei

den Beschreibungen der alten Straßen wiederholt

auf die Aussagen dazu in den zur

französischen Zeit angefertigten TRAN-

CHOT-KARTEN Bezug genommen. Mit dem

Obelisk auf dem Lousberg ist in Aachen ein

Relikt bis heute erhalten geblieben, das uns

an die Herstellung des Tranchot-Kartenwerks

in der Zeit von 1801 bis 1814 erinnert.

Nachfolgend ist die Entstehungsgeschichte

dieses Gedenksteines, der auf einem wichtigen

Punkt des trigonometrischen Grundlagennetzes

errichtet wurde, beschrieben.

Nachdem die französischen Revolutionsarmeen

1794 das Rheinland besetzt und

Frankreich einverleibt hatten, benötigte man

auch von diesem »neufranzösischen« Gebiet

ein Kartenwerk, das möglichst vielen

Anforderungen gerecht werden sollte. Mit

der Anfertigung dieser jedoch vorrangig militärischen

Operationskarte hat Napoleon den

Ingenieurgeographen Jean Joseph T ranchot

beauftragt. Dieser errichtete in Aachen ein

»Bureau topographique de la carte des

quatre departements reunis da la rive gauche

du Rhin«. Als Grundlage für die Herstellung

des neuen Kartenwerks begann

Tranchot im Jahre 1801 mit der Anlage eines

trigonometrischen Netzes in den vier

linksrheinischen Departements. Einer der

wichtigen trigonometrischen Punkte des

Dreiecksnetzes 1. Ordnung befand sich auf

dem Lousberg nördlich von Aachen, damals

noch außerhalb des Stadtgebiets gelegen.

Genau wie die anderen Bodenpunkte der

linksrheinischen Triangulation - auch viele

Kirchtürme oder andere Hochpunkte wurden

in das Netz einbezogen - war anfänglich

auch der Dreieckspunkt auf dem Lousberg

durch ein hölzernes Signal gekennzeichnet.

1803 hat Oberst Tranchot hier die astronomischen

Beobachtungen für sein Dreiecksnetz

durchgeführt. Zur Erinnerung an die

geographischen und kartographischen Arbeiten

in den linksrheinischen Departements

wurde auf diesem Dreieckspunkt zur Sommersonnenwende,

am 22. Juni 1807, mit der

Errichtung einer Steinpyramide begonnen.

Der Entwurf zu diesem außergewöhnlichen

Gedenkstein stammte vom Ingenieurgeographen

Capitaine Boucher, der auch an der

Herstellung des Kartenwerks beteiligt war.

Am 17. Oktober 1807 hat man in das Fundament

der Pyramide eine Kupferplatte mit

Inschrift, ein Bleikästchen mit 55 Gold- und

Silbermünzen aus dem Jahre 1807 und 13

Bronzemedaillen über die wichtigsten Begebenheiten

aus dem Leben Napoleons eingemauert.

Die Kupferplatte befand sich bis

1892 noch im Suermondt-Museum der Stadt

Aachen . Sie ist heute aber nicht mehr vorhanden.

Allem Anschein nach wurde dieser Text

auch in die vier Seiten der Pyramide eingemeißelt.

Das läßt sich aus einem noch vorhandenen

Steinbock aus der ersten Pyrami-

Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg

in Aachen.

82


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Ausschnitt aus dem Dreiecksnetz 1.

Ordnung im linksrheinischen Gebiet

1801-1813 (entnommen der Dokumentation

des Landesvermessungsamtes

Nordrhein-Westfalen - Bonn 1988).

de schließen, auf dem Bruchstücke dieser Inschrift

zu erkennen sind.

Am 2. April 1814 wurde die Pyramide auf

dem Lousberg umgestürzt und das Kästchen

mit den Münzen und Medaillen gestohlen.

Es war der gleiche Tag, an dem der

französische Senat in Paris die endgültige

Absetzung Napoleons ausgesprochen hatte.

Beim Umsturz des Obelisken wurden mehrere

Steine beschädigt, einige rollten den Abhang

des Berges hinunter.

Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß etwa

10 bis 12 Mecklenburger Soldaten bereits

am 1. April 1814 die Pyramide stark beschädigt

hatten. Sie hatte daher keinen festen

Stand mehr und ist am folgenden Tage

zwischen 5 und 6 Uhr umgestürzt. Zwei

deutschsprechende Soldaten hätten das

Kästchen herausgebrochen und entwendet.

Obwohl für die Erfassung der Täter eine Belohnung

von 200 Francs ausgesetzt wurde,

sind die Nachforschungen ergebnislos verlaufen.

Später hat man die Nachricht verbreitet,

daß Kosaken die Übeltäter gewesen wären.

Auf Veranlassung von Generalmajor von

Müffling, der sich als Chef des Generalstabes

des preußischen Armeekorps am Niederrhein

in Aachen aufhielt, wurde die Wiederaufrichtung

der Pyramide auf dem Lousberg

schon recht bald in die Wege geleitet.

Er beauftragte den Geometer G. Vonderbanck

mit der Aufstellung eines Kostenvoranschlags,

den dieser bereits am 29. Juli

1814 vorlegte und gleichzeitig auch Möglichkeiten

zur Aufstellung der Pyramide unter-

Entnommen der Dokumentation des

Landesvermes§ungsamtes Nordrhein­

Westfalen - Bonn 1988.' ·•übetset:tung

von Dr. R. Schmidt.

Die Inschrift auf der Kupferplatte lautete:

Übersetzung

Diese Pyramide (ein Denkmal, das dazu bestimmt ist, die Erinnerung an die astrono-.

mischen Beobachtungen wachzuhalten) ist begonnen worden am 22. Juni 1807 um

10.32 Uhr morgens, als die Sonne in das Zeichen des Krebses eintrat, also zur Sommersonnenwende,

unter der Herrschaft NAPOLEONS, DES ERSTEN KAISERS

DER FRANZOSEN UND KÖNIGS VON ITALIEN, zufolge der Anordnungen Seiner

Exzellenz, des Ministers des Innern, Herrn de Champagny, unter der Sorge und

Aufsicht des Herrn Generals Alexander Lameth, des damaligen Präfekten des Roer­

Departements, und unter der Leitung der Brücken- und Straßenbau-Ingenieure.

Diese Pyramide, in deren Fundament verschiedene Geldstücke aus der Herrschaftszeit

Napoleons eingelassen sind, wird auf ihren 4 Seitenflächen die folgenden

Inschriften tragen:

1. Seite nach Osten

Gewidmet Napoleon dem Großen, dem ersten Kaiser der Franzosen und König von

Italien.

2. Seite nach Süden

Diese Pyramide ist einer der Eckpunkte der großen Dreiecke, die als Grundlagen

gedient haben für die topographische und militärische Karte der eingegliederten

Departements am linken Rheinufer, welche aufgenommen wurde unter der Herrschaft

Napoleons des Großen und auf Grund der Aufträge Seiner Durchlauchtigsten

Hoheit, des Fürsten Alexander Berthier, des Kriegsministers, durch die Ingenieurgeographen-Offiziere

des Hauptkriegsdepots.

3. Seite nach Westen

Im Monat Juli 1804 [nach den Unterlagen: 1803] sind am Fuß dieser Pyramide astronomische

Beobachtungen von Herrn Astronomen J. Jos. Tranchot, dem Direktor

und Oberst im Korps der Ingenieurgeographen, ausgeführt worden, woraus sich

ergeben hat die Breite zu 50° 47' 8",8

und die Länge, von der Sternwarte Paris aus gezählt, zu 3° 44' 57",5

4. Seite nach Norden

Der Abstand dieses Punktes von der Meridianlinie, die durch die Sternwarte Paris

verläuft, ist

264 187,7 m

Der Abstand von der Linie, die senkrecht auf diesem Meridian steht und durch die

gleiche Sternwarte verläuft, ist

223 526,7 m

Die Entfernung von dem großen Turm zu Sittard ist

28 124,98 m

Die Entfernung von dem großen Turm zu Erkelenz ist

36 596,05 m

Diese letzte Richtung bildet mit dem Meridian dieses Ortes [d.h. des Lousberges]

einen _sphärischen Winkel von 26° 27' 11 ",21

83


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Grund- und Aufrißzeichnung des Geometers Gerard Vonderbanck

zum Wiederaufbau der Pyramide auf dem Lousberg 1814

Entnommen der Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen

- Bonn 1988.

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breitete. Demnach konnten der Sockel unverändert

wieder aufgebaut werden. Die

Kanten der eigentlichen Pyramide müßten jedoch

abgeschrägt werden, weil die meisten

Steine doch stark beschädigt waren. Auf

diese Weise würde jedoch aus der ursprunglich

viereckigen eine achteckige Säule entstehen.

Der Auftrag zum Wiederaufbau wurde am

13. September 1814 zum Preis von 1600

Francs an den Aachener Bauunternehmer

Franz Joseph Nücker vergeben. Nücker hatte

bereits 1807 die Pyramide für die Franzosen

errichtet.

Hinsichtlich der Inschrift hatte der damalige

Generalgouverneur Sack schon am 9. September

1814 angeordnet, die französische

Hauptinschrift auf der Pyramide zu belassen,

die Lobrede auf Napoleon jedoch zu entfernen.

Statt dessen sollte eine Inschrift angebracht

werden, die etwa besagte, »daß diese

im Jahre 1807 ihm gesetzte Säule mit

seinem Sturz zugleich niedergestürzt und

. für die Wissenschaft wieder aufgerichtet

worden (sei) im Jahre 1814«.

Schon am 10. November 1814 teilte Baumeister

Nücker mit, daß das Denkmal nun

wieder stehe. Die abschließenden Arbeiten

nahmen aber doch noch einige Monate in

Anspruch. Anläßlich der feierlichen Huldigung

der Rheinländer an die Preußische Krone

am 15. Mai 1815 wurde die inzwischen

festgelegte neue Inschrift auf der Westseite

der Säule vom 7. Stein an abwärts eingemeißelt.

Sie lautete: »Denkmal - Gallischem -

Übermuth einst geweiht - mit dem Tyrannen

zugleich - gestürzt am 2. April

MDCCCXIV - wieder errichtet der Wissenschaft

- und deutschen Kraft am Tage

der feyer - liehen Huldigung der preußischen

Rheinländer - den 15. May

MDCCCXV« (15. Stein).

Im Herbst 1815 hat man noch steinerne

Treppenstufen am Sockel angebracht und

Begrenzungssteine um das Denkmal herum

gesetzt. Damit war die Pyramide auf dem

Lousberg nun wieder endgültig fertiggestellt.

Auf Veranlassung des Gouvernementskommissars

Boelling mußte eine Sandgrube in

der Nähe der Pyramide stillgelegt werden,

da bei einer Vergrößerung dieser Grube Gefahr

für das Denkmal bestanden hätte.

Wann die heutige, vollständige deutsche Inschrift

und der Preußenadler auf der Pyramide

angebracht worden sind, ist nicht bekannt.

Man geht aber davon aus, daß es

schon bald nach der Wiederaufstellung der

Pyramide gewesen sein könnte. Die heutige

Inschrift lautet:

Ostseite:

IM JULI 1804 HAT DER OBRIST TRAN­

CHOT DIE GEOGRAPHISCHE BREITE DIE­

SES PUNKTES ZU 50° 47' 8",8 SEINE

LAENGE VON PARIS ZU 3° 44' 57",5 BE­

STIMMT

Südseite:

ABSTAND VON DER PARISER MITT AGSLI­

NIE 264 187,7 METER VON IHRER PER­

PENDIKULAIR 223 526,7 METER*

Westseite:

Preußenadler

Nordseite:

ENTFERNUNG VOM GROSSEN THURME

ZU SITT ARD 28 124,98 METER

ENTFERNUNG VOM GROSSEN THURME

ZU ERKELENZ 38 596,05 METER

DIESE LETZTE LINIE MACHT MIT DEM ME­

RIDIAN DIESES PUNKTES EINEN SPHAERI­

SCHEN WINKEL VON 26° 27' 11 ",21

"Koordinatenangaben bezogen auf den Nullpunkt - Sternwarte

- in Paris.

Der Sockel der Pyramide ist 3,6 m hoch. Er

hat eine größte Seitenbreite von 2x2 m und

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Aufrißzeichnung der Pyramide auf dem

Lousberg - Ostseite.

84


eine kleinste von 1,5x1 ,5 m. Die Seitenbreite

der abgestumpften Pyramide beträgt unten

1,3x1 ,3 m und oben etwa 0,6x0,6 m. Oben

ist eine kurze Spitze aufgesetzt. Die Gesamthöhe

über dem Erdboden beträgt 8,7

m.

1955 wurde die Mitte der Pyramide auf dem

Lousberg vom Landesvermessungsamt

Nordrhein-Westfalen trigonometrisch im heutigen

Vermessungssystem eingemessen.

Die Gauß-Krüger Koordinaten im II. Meridianstreifen

betragen : Rechtswert 2 505 867, 46

m, Hochwert 5 627 801 , 16 m. Die Höhen in

vollen Metern : Erdboden= 264 m ü. NN, Pyramide

= 273 m ü.NN.

Im linksrheinischen Gebiet wurde also 1801

bis 181 4 unter der Leitung des französischen

Ingenieurgeographen Oberst J. Jos.

Tranchot mit der Aufnahme des ersten exakten

topographischen Kartenwerks begonnen.

Da ein weitgespanntes trigonometrisches

Netz die Grundlage für diese Arbeiten

war, erfolgte die Begrenzung der 264 Einzelblätter

durch Gitterlinien. Daher lassen sich

die Blätter auch aneinanderfügen. Die Originalaufnahmen

wurden überwiegend im Maßstab

1 : 20 000 angefertigt und farbig angelegt.

Detaillierte Aufnahmen und klare Aussagen

zeichnen das Kartenwerk aus.

Die politischen Verhältnisse der damaligen

Zeit hinderten Tranchot jedoch daran, das

Kartenwerk zum Abschluß zu bringen. Die

noch fehlenden etwa 100 Blätter der Tranchotschen

Karte auf der linken Rheinseite

wurden 1816-1821 durch den preußischen

Generalstab unter der Leitung des Generalmajors

von Müffling (1775-1851) fertiggestellt.

Man hat sich dabei weitgehend an die

französischen Richtlinien gehalten .

Die Tranchot- und v. Müffling-Karten werden

bereits seit geraumer Zeit farbig nachgedruckt.

Zum besseren Vergleich mit den

heutigen Blättern der TK25 (Topographische

Karte 1 : 25 000) wurden sie ebenfalls in den

Maßstab 1 : 25 000 verkleinert. Vertrieben

werden die Karten durch die zuständigen

Landesvermessungsämter, die Katasterämter

und den Buchhandel.

Als die französischen Ingenieurgeographen

mit der örtlichen Bearbeitung des Kartenwerks

begonnen haben, wurden die Behörden

und die Bevölkerung in den linksrheinischen

Departements von den Präfekten

durch besondere Arretes (Verordnungen)

zur Unterstützung und Mithilfe aufgefordert.

Das erste Arrete erschien am 14. Germinal X

(4. April 1802). Es wurde vom Präfekten des

Roer-Departements zu Aachen herausgegeben.

Am 24. Ventose XII (15. März 1804), als die

Feldarbeiten wieder aufgenommen wurden,

erließ der Präfekt des Roer-Departement, A.

Mechin, ein weiteres Arrete ȟber die den

Geographen in ihren Arbeiten zukommende

Unterstützung«. Dieser »Beschluß«

ist nachstehend wiedergegeben, denn er

zeigt auf, daß die Unterstützungen, aber

auch die Verpflichtungen, die angeordnet

wurden, doch sehr vielseitig waren.

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fcftur, 'Po c ~ oll t .

') 15. März 1804

Entnommen aus »Die Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müff

fing 1801-1828« -Anlage 4a.

Quellenangabe:

Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg

in Aachen. Eine Dokumentation des Landesvermessungsamtes

Nordrhein-Westfalen - Bonn 1988.

Klaus Grewe: Franzosen und Preußen

- Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg bei Aa·

chen. In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn - Be·

richte aus der Arbeit des Museums - 3/83.

Rudolf Schmidt: Die Kartenaufnahme

der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1801 ·

1828 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische

Geschichtskunde XII) Köln - Bonn 1973.

85


Alte Grenzzeichen im Kreis Aachen

Von alters her wurden die Grenzen zwischen

den Territorien und Besitzungen weitgehend

durch natürliche Begrenzungslinien und

Grenzzeichen markiert. Wasserläufe waren

bevorzugte Abgrenzungen. Als natürliche

Grenzzeichen hat man markante und weithin

sichtbare Bäume, Erdhügel, Felsblöcke oder

große Steine u. a. ausgewählt. Waren die

natürlichen Grenzzeichen nicht in ausreichender

Anzahl vorhanden oder wurde es erforderlich,

zusätzliche Grenzzeichen aufzustellen,

dann hat man Holzpfähle oder einfache

Feldsteine, sehr häufig aber behauene

Grenzsteine von unterschiedlicher Größe in

den Grenzverlauf gesetzt. Und in die behauenen

Steine wurden meistens die herrschaftlichen

Wappen oder Symbole, aber auch

Namen oder Buchstaben eingemeißelt. Häufig

waren diese Steine auch numeriert.

Viele der heute noch vorhandenen alten

Grenzzeichen haben inzwischen ein ehrwürdiges

Alter erreicht. Sie sind außerdem von

großer geschichtlicher Bedeutung, so daß

sie durchaus unsere Beachtung verdienen.

Sie sollten aber auch von den dafür zuständigen

Stellen geschützt werden.

Nordwestlich von Roetgen sind noch einige

dieser alten Grenzzeichen anzutreffen. In einer

»renovirten« Karte von 1646, die den

damaligen Besitz der Abtei Komelimünster

aufzeigt, sind zwei Grenzpunkte davon als

»Pfal mit eisern Nägeln so 3 Herrn Lande

schet (scheidet) als Münster, Monschaw,

und Limburgisch Lant« - damit ist der

GENAGELTE STEIN gemeint - und als

»Pfal am Birnbäumign« - Grenzstein

BEIRBVM mit Cornelyhom - beschrieben.

Der GENAGELTE STEIN ist wohl eines der

ältesten natürlichen Grenzzeichen in diesem

Bereich. Es ist ein massiver, länglicher Felsblock,

der in Fließrichtung gesehen in die

rechte Begrenzungsböschung des Grölisbaches

fest eingebettet ist. Bereits seit dem

Anfang des 16. Jahrhunderts wird dieser

Stein in den Grenzbeschreibungen als

Grenzpunkt genannt. Und aus dem Wortlaut

ist zu schließen, daß er schon lange Zeit vorher

Grenzpunkt gewesen ist. Nun hatte der

GENAGELTE STEIN auch eine besondere

Bedeutung, denn er war lange Zeit Dreiländerpunkt

zwischen dem Herzogtum Limburg,

der reichsunmittelbaren Herrschaft der

Abtei Komelimünster und dem Monschauer

Land im Herzogtum Jülich. Vom GENAGEL­

TEN STEIN aus verlief in dieser Zeit die

Grenze zwischen Limburg und dem Monschauer

Land nach Süden hin zur Weserfurt

(in alten Karten Weselvaert) bei Charliers

Mühle.

Später, nach 1646, verlor der GENAGELTE

STEIN seine Bedeutung als Dreiländerpunkt

zugunsten des N/.\CHTSBORN, einer Quelle

in der Nähe der Roetgener Kapelle. Auch

hier befand sich früher ein Grenzstein. In der

Karte von 1646 ist dieser Grenzpunkt als der

»NACHTSBORN und ein Pfall dabey

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Lageskizze der drei alten Grenzzeichen

nordwestlich von Roetgen.

- GENAGELTER STEIN - Er ist im Verzeichnis

der Naturdenkmäler eingetragen.

- BEIRBVM (Birnbaum) - Großer Grenzstein

mit dem Cornelyhorn unmittelbar

neben dem Landesgrenzstein 895.

Kleiner Grenzstein mit dem Cornelyhorn

direkt neben dem Landesgrenzstein

902.

Unmittelbar neben dem GENAGELTEN

STEIN steht noch ein Dreikanten-Grenzstein

aus preußischer Zeit nach 1815.

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LANDESG~ENZSTEIN!

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86


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Der GENAGELTE STEIN ist ein großer

Felsblock von gut vier Meter Länge. Die

zum Bach zeigende ziemlich glatte Seite

steht nahezu senkrecht und ist bis zu

1,50 m hoch. Das anliegende Gelände

wird von der Oberkante nur wenig überragt

und die Oberfläche fällt zur Wiesenseite

hin etwas ab. Nägel sind in

dem Stein heute nicht mehr zu sehen.

darujf St. Cornelly Horn und die Jahr

Zahl 1607« beschrieben. In einer Grenzbeschreibung

von 1710 heißt es dann auch

»Dryerscheyt (Dreiländerscheide) genannt

der NACHTSBORN«. Demnach wurde der

nach Süden hin abgehende Grenzverlauf

zwischen Limburg und dem Monschauer

Land für eine begrenzte Zeit vom GENA­

GELTEN STEIN zum NACHTSBORN verlegt.

Aber schon Ende des 18. Jahrhunderts hat

man den ursprünglichen Grenzverlauf wieder

hergestellt. GENAGELTER STEIN und

NACHTSBORN waren die südlichsten

Grenzpunkte des Abtei-Besitzes.

Um den großen Felsbrocken als Grenzpunkt

kenntlich zu machen, hat man Eisennägel in

den Stein hineingetrieben. Daher auch die

Bezeichnung GENAGELTER STEIN. Noch

um 1949 sollen sich Eisennägel in diesem

Stein befunden haben.

Grenzstein BEIRBVM mit Cornelyhorn.

Höhe 75 cm, Seitenbreite 40 cm. Die

Rückseite des Steines ist im oberen

Teil abgeschrägt.

87


In einer Studie »Entre Vesdre et Vicht«

(zwischen Weser und Vicht) in Hautes Fagnes

- 1969/2 und 3, ist Jean de Walque davon

überzeugt, daß der GENAGELTE STEIN

bereits 814, als die Abtei Kornelimünster ihre

Grenzen festlegte, ein Dreiländerpunkt geworden

ist. Er vermutet weiter, daß die?er

Stein mit dem in alten Dokumenten erwähnten

»Hunnenstein« identisch ist. Diese Bezeichnung

ließe auf eine alte heidnische Kultstätte

schließen. Allerdings sind die Untersuchungen

darüber noch nicht zum Abschluß

gekommen.

Der BEIRBVM (Pfahl am Birnbäumchen) befindet

sich rund 1 000 Meter nordwestlich

vom GENAGELTEN STEIN, auf der Höhe

des bis dahin ansteigenden Geländes. Dieser

Stein stand in der Grenze zwischen dem

Herzogtum Limburg und der Abtei Kornelimünster,

die in diesem Abschnitt bis hinunter

zur lnde mit der heutigen deutsch-belgischen

Grenze identisch war. In der Tranchot-Karte

105 Roetgen - aufgenommen 1807 - ist an

diesem Punkt eine Baumsignatur und die Bezeichnung

»Birnbaum« eingetragen. Ursprünglich

stand hier auch ein Birnbaum als

Grenzzeichen. Nachdem der Baum abgestorben

war, hat man diesen Grenzstein dort

aufgestellt.

Der BEIRBVM ist ein imposanter, quadratisch

behauener Grenzstein. Auf der zum

Besitz der Abtei zeigenden Seite ist im oberen

Teil das Cornelyhorn aus einer flachen

Aushöhlung erhaben herausgemeißelt. Das

Horn des Auerochsen stand als Symbol für

die Abtei Kornelimünster. Unter dem Horn ist

in zwei Zeilen übereinander BEIR-BVM (Birnbaum)

eingetragen. Dieser alte Grenzstein

steht unmittelbar neben dem heutigen Landesgrenzstein

895. Man kann wohl mit Gewißheit

davon ausgehen, daß alle Grenzsteine,

die den Besitz der Abtei Kornelimünster

kennzeichneten, mit dem Comelyhorn versehen

waren.

Die Bezeichnung »Am Birnbäumchen« ist

im Volksmund schon bald in Vergessenheit

geraten. Statt dessen wurde die Bezeichnung

»Am Vennhorn« übernommen. Aber

auch die Lagebezeichnung »Am Vennstein«

ist in den Katasterkarten enthalten.

Damit könnte jedoch der GENAGELTE

STEIN gemeint sein, denn das ist ja ein typischer»

Vennwacken«.

Im weiteren Grenzverlauf, vom BEIR-BVM

bis zur lnde hinunter, befindet sich genau neben

dem Landesgrenzstein 902 noch ein

weiterer Grenzstein mit Cornelyhorn. Er ist

Kleiner Grenzstein mit Cornelyhorn. Es ist wohl einer von vielen Zwischensteinen.

jedoch wesentlich kleiner und auch nicht so

breit. Das Cornelyhorn ist sehr schön herausgemeißelt

Vermutlich ist das einer von

vielen Zwischensteinen, die in den Grenzverlauf

gesetzt worden sind.

Nach Carl Kamp in »Das Hohe Venn« hat

1961 noch ein weiterer kleiner Grenzstein mit

Cornelyhorn neben dem Landesgrenzstein

897 gestanden. 1972 schreibt Willi Gillessen

in »Alte Grenzzeichen im Eupener Land«,

daß dieser Stein spurlos verschwunden ist.

Vermutlich wurde er von einem Sammler

solch alter Grenzzeichen entwendet. Das

sollte man bei den noch vorhandenen

Grenzsteinen mit dem Cornelyhorn nach

Möglichkeit verhindern.

Für diesen Grenzverlauf zitiert Christoph

Wend in seinem Aufsatz » Vom Birnbaum

zum Dreika.ntenstein« das Ergebnis einer

Grenzbegehung im 16. Jahrhundert. Darin

heißt es: »Davon vrögt man durch das

Vyen (Venn) die Heggen uf bis auf das

Bierbäumgen (Birnbäumchen), welches

nunmehr ist vergänglich worden; so wollen

wir doch die malplatz (den Grenzpunkt)

in unserer vrogen und gedanken

halten bis zur Zeit zu, daß die landherren

beyderseits bedacht werden und setzen daselbst

ein neu lantscheid (Grenzzeichen),

damit ihr hochw. nit verkurtzt werde an

ihrer hochheit und herligkeit und der lantman

an seiner gemeinden .. .« Das Birnbäumchen

bestand also nicht mehr und man

wollte den Grenzpunkt in Erinnerung behalten

, bis die beiden Landesherren ein neues

Grenzzeichen dort aufstellen ließen.

Die Aufstellung der Grenzzeichen mit dem

Cornelyhorn wird vor 1646 angenommen.

Grundlage dafür ist wahrscheinlich die »renovirte«

Karte aus dieser Zeit. Allerdings

trifft das wohl nicht für alle Steine zu. Aus

der Grenzbeschreibung des 16. Jahrhunderts

ist zu entnehmen, daß der Birnbaum

nicht mehr vorhanden war und dafür ein neues

Grenzzeichen aufgestellt werden sollte. In

der Karte von 1646 sind in diesem Grenzabschnitt

vier Pfähle beschrieben. Am

NACHTSBORN ein Pfahl mit Cornelyhorn

und der Jahreszahl 1607, ein Pfahl mit eisernen

Nägeln als Dreiländerpunkt ( der GENA­

GELTE STEIN), ein Pfahl am Birnbäumchen

und ein weiterer Pfahl mit eisernen Nägeln

beschlagen. Letzterer Pfahl muß wohl auch

ein Vennstein gewesen sein, denn in einen

behauenen Stein brauchte man keine zusätzlichen

Nägel einzubringen. Mit Sicherheit

ist davon auszugehen, daß mit der Bezeichnung

»Pfal« Grenzsteine gemeint sind, denn

auch der GENAGELTE STEIN wird so bezeichnet.

Wenn der Stein am NACHTS­

BORN 1607 aufgestellt worden ist, und das

läßt sich doch aus der eingetragenen Jahreszahl

ableiten, dann wurde in diesem Zusammenhang

mit großer Wahrscheinlichkeit

auch der Stein am Birnbaum gesetzt, denn

hier wollte man ja ein neues Grenzzeichen

aufstellen. Folglich könnte auch für diesen

Stein das Jahr 1607 zutreffend sein.

Die kleineren Steine mit dem Cornelyhorn

sind in der Karte von 1646 jedoch nicht be-

88


schrieben. Das läßt den Schluß zu , daß sie

1646 noch nicht in der Grenze gestanden

haben. Sie wurden demnach zu einem späteren

Zeitpunkt als Zwischensteine gesetzt.

Auch die Stilisierung des Cornelyhorn - im

Vergleich zwischen den beiden Steinen -

läßt auf unterschiedliche Herstellungszeiten

schließen.

In diesem Grenzabschnitt stehen noch weitere

Grenzsteine aus jüngerer Zeit, die inzwischen

aber auch schon historischen Wert

haben. Es sind Grenzsteine aus der preußischen

Zeit nach 1815. Sie wurden zwischen

den damals gebildeten Gemeinden aufgestellt.

Auf ihnen sind die Anfangsbuchstaben

der jeweiligen Gemeinden und häufig auch

Nummern eingetragen. So steht direkt am

GENAGELTEN STEIN - zur Wiesenseite hin

- ein Dreikantenstein, der Grenzpunkt für

drei Gemeinden war. Die eingemeißelte Beschriftung

ist seitenrichtig den betreffenden

Gemeinden zugeordnet. W = Walheim, R 5

= Raeren und 1 R = Roetgen.

Quellenangabe:

Nagel, Franz: Geschichte der Reichsabtei

Comelimünster und des Münsterländchens - Comelimünster

(und Stolberg) 1925

Gillessen, Willy, Raeren:

Alte Grenzzeichen im Eupener Land. In: Geschichtliches

Eupen VI - 1972, Markus-Verlag

Wend, Christoph: Vom Birnbaum zum Dreikantenstein. In:

Heimatkalender 1972 - Kreis Monschau

Neben dem GENAGELTEN STEIN steht ein Dreikanten-Grenzstein aus preußischer

Zeit.

89


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