Heimatblätter des Kreises Aachen 1993-1-2
Heimatblätter des Kreises Aachen 1993-1-2
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Preußische Meilensteine
im Aachener Raum
Impressum
Heimatblätter des Kreises Aachen
Bezugspreis im Abonnement 7,- DM,
Einzelpreis dieses Heftes 9,80 DM
Auflage 5 000
Herausgeber und Vertrieb: Kreis Aachen
Zollernstr. 10, Kreishaus, 5100 Aachen
Telefon 02 41 / 51 98 - 1
• Redaktion:
Heinz Frenz, Karl-Heinz Herren
5100 Aachen, Kreishaus
Herstellung:
Weiss-Druck, 5108 Monschau-lmgenbroich
Layout: Heinz Frenz, Detlef Hintzen,
Günter Marenberg
Fotos, Skizzen etc. soweit nicht
einzeln bezeichnet vom Autor
Günter Marenberg
(46. Jahrgang 1991 ; 47. Jahrgang 1992: nicht belegt)
48. Jahrgang 1993, Heft 1-2
© März 1993 by
Günter Marenberg
II
II
MEILENSTEINE
im Aachener Raum
GÜNTER MARENBERG
Inhaltsverzeichnis
Vorwort .......................................... ................ .. .. ...... ... ........ ... ..................... ................... 4
Die Aufstellung der Meilensteine (Meilenzeiger) durch die
Preußische Verwaltung . . ... . . . .... . .................. ... ... ........ ..... .. .. ... .. .... ... . ... .. ...... .... ........ 6
Allgemeine Hinweise . ...... .... . ............... .. ......... .. ..... .... ... .... .. .. .... ......................... ... . 18
Einige Hinweise zum Ausbau der Kunststraßen gemäß der
Anweisung von 1814 .. .. .. .. .... .. .. .. .. .. .. .... .. .... .. .... .. .... ............ .. .. .... .. .. .. .. .. .. .... .... .. .. .. 20
Straßenweise Zusammenstellung der heute noch
vorhandenen Meilensteine ........... .............................. ........................ ................ 21
Straße von Köln über Jülich-Aachen und weiter nach Lüttich .. .. .. .. . .. .. .. .. .. .. .. .. . .. . .. .. . .. . .. .. .. 23
Straße Aachen-Monschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen-(Heinsberg) .. .. .. . . .. . .. . . .. .. .. . . . .. .. .. .. .. . . . . .. .. .. .. . 55
Straße Aachen-Linnich- Erkelenz-Krefeld-Duisburg (Krefelder Straße) .......... .. ......... .. ..... 60
Zwei weitere Steine im Stadtgebiet Aachen .. .. .. .. . .. .. .. .. . .. . .. .. .. .. .. .. .. .. .. . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. . .. .. .. .. . 65
Noch vorhandene Meilensteine in den Bauhöfen der
Straßenmeistereien
Düren ........ ................... ... .......................................... ...... .. ...... .. ... ... .. ... ... ........ .. ................ 66
Erkelenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Heinsberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
Jülich ........................................ .... .... ..... .. .......... .......... ............................................ .... .. .... 69
Monschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Einige Meilensteine an Bezirksstraßen im
damaligen Regierungsbezirk Köln .. ... ........... ........... .. ..... ............... ....... ......... 71
Historische Meilenstation an der römischen Fernstraße
Köln-Jülich . ......... .. ... ... ........ ......... .. .... ....... .... .. .. ... ...... ..... .. .... ..... ..... .. ............. ... ...... ... 73
Schlußbetrachtungen ........................................................................... .............. .. 77
Exkurs: Meilensteine in Berlin ...... .... ..... .. ....... ........... .. ..... .... .......... .. .......... .. .. ... 78
Quellen- und Literaturnachweis .......................................... .... .. ..................... .. 81
Anhang:
Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen ...... .. ............ .. .. .. ........... .... .. ... ...... .. .... 82
Alte Grenzzeichen im Kreis Aachen .. .. .. .. .. .. ..... .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. ... .. .. .. 86
3
Vorwort
An einigen Straßen des weiten Aachener
Raumes sind heute noch vereinzelt, mitunter
aber auch in Folge, ganz besondere Wegezeichen
anzutreffen. Es handelt sich hierbei
um sogenannte Meilensteine, die ursprünglich
jedoch »Meilenzeiger« genannt wurden.
Die über drei Meter hohen Obelisken
mit den zwei seitlich ausladenden Steinbänken
zeigen auf der zur Straße hin gerichteten
Seite im oberen Teil den Preußenadler,
und darunter ist die Entfernung in Meilen
vom Standpunkt aus entweder nach Köln
oder nach Aachen angegeben. Es sind nicht
nur imposante, sondern auch schöne Wegezeichen,
die uns bis in die heutige Zeit erhalten
geblieben sind.
Bei genauerer Betrachtung der nun schon alten
Meilensteine - mehrere wurden zwischenzeitlich
auch versetzt - ist jedoch zu
sehen, daß die vielen Jahrzehnte, die siebereits
an den Straßen stehen, nicht ganz spurlos
an ihnen vorübergegangen sind. Schon
manche Ausbesserung mußte in der Vergangenheit
bereits vorgenommen werden, und
an verschiedenen Steinen wären auch heute
wieder Überarbeitungen angebracht.
Vom Volksmund werden diese Meilensteine
sehr häufig als »Napoleon-Steine« bezeichnet
oder mit der »Franzosenzeit« in Verbindung
gebracht. Dies dürfte wohl darauf zurückzuführen
sein, daß sich diese Steine an
Straßen befinden, die vermeintlich zur napoleonischen
Zeit entweder entstanden sind
oder ausgebaut wurden. Und man geht davon
aus, daß im Zuge dieser Straßenbauarbeiten
auch die Meilensteine aufgestellt worden
sind. Aber diese gedanklichen zusammenhänge
sind nicht zutreffend.
Zu diesen Fehlinterpretationen haben sicherlich
auch die wenigen vorhandenen Aufsätze
über die Meilensteine aus älterer Zeit beigetragen.
Darin wird die Aufstellung dieser Wegezeichen
nahezu ausschließlich den
Franzosen zugeschrieben. Um diese zeitliche
Einordnung auch zu begründen, werden
darauf hinweisende Zusammenhänge aufgezeigt,
die sich so, wie sie beschrieben werden,
gar nicht abgespielt haben können.
Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung» Was
Meilensteine erzählen! Auf der Landstraße
von Aachen nach Monschau.« Sie erschien
in den »Heimatblättern des Landkreises
Aachen« - 1 . Juli 1932 und wurde
außerdem im »Eremit am Hohen Venn« -
Mitteilungen des Geschichtsvereins Monschau
- 23. Jahrg. 1951 - abgedruckt. In
der an sich unterhaltsamen und interessanten
Abhandlung werden die Meilensteine
mit dem Ausbau der Landstraße Aachen
Monschau in Verbindung gebracht. Unter
anderem ist folgendes dazu geschrieben:
»... Kaum war die Straße dem Verkehr
übergeben, als sie schon widerhallte vom
Hufschlag der Rosse und dem Schritt von
Soldatenabteilungen der verschiedensten
Waffengattungen. Vom Frühjahr bis
Herbst 1811 marschierten Truppenteile
verschiedener Nationen an den Meilensteinen
vorüber nach den Sammelpunkten
der großen Armee . . . Zwei Jahre nach
dem hoffnungsvollen Ausmarsch kehrte
das einst so stolze Heer in die Heimat zurück,
flüchtend und zermürbt. Die Meilensteine
wiesen ihnen wieder den Weg.
Dem geschlagenen Heer folgten die siegreichen
Truppen der Verbündeten. Im
Jahre 1813 bis 1814 zogen die verbündeten
Preußen und Russen an den Meilensteinen
vorüber, darunter Abteilungen der
gefurchteten Kosaken aus den Steppen des
Ostens. Eine Sotnie dieser wilden Reiter
lagerte auf dem Rückmarsch aus Frankreich
im Winter 1815 am Meilenstein in
Friesenrath. Der 1870 verstorbene Sohn
eines Gutsbesitzers aus Nütheim traf sie
gegen Abend auf einem Geschäftsgang. Es
war bitter kalt und die schneebedeckte
Landstraße durch fremdartige Fuhrwerke
fast gesperrt. Kleine Pferde standen an
Wagen und Pfählen angebunden. Am
Meilenstein hatte sich der Hetmann mit
seinem Gefolge niedergelassen. In den
Wiesen rechts und links der Straße und
an den Böschungen lagerten an großen
Feuern die wilden Krieger . . .«
Das liest sich zwar recht gut und beflügelt
die Phantasie, entspricht aber in zwei Aussagen
nicht den Tatsachen. Aus den nachfolgend
belegten Angaben ist zu ersehen, daß
1811 oder 1815 dieser Straßenabschnitt
noch gar nicht ausgebaut war und daß die
Meilensteine an dieser Straße erst später
aufgestellt worden sind. Auch der Sohn des
Gutsbesitzers kann den Meilenstein zu dieser
Zeit nicht gesehen haben. Denkbar ist jedoch,
daß er damals gesagt hat, daß dort,
wo der Meilenstein aufgestellt wurde, die Kosaken
gelagert haben. Aber man hat es anders
interpretiert.
Aber auch die Berichte oder Hinweise aus
jüngerer Zeit irritieren den Leser häufig. So
wird beispielsweise in einem Zeitungsbericht
vom 10. April 1980 u. a. gesagt, daß die
drei Meilensteine bei Stetternich, Aldenhoven
und Hoengen aus der Napoleonischen Zeit
stammen. Den Preußenadler sowie die Inschriften
hätte die preußische Verwaltung
1822 ändern lassen. Und anläßlich der Ausstellung
»700 Jahre Stadt Herzogenrath«
Mitte 1982 in der Burg Rode steht in dem
dazugehörigen Katalog, daß die französische
Verwaltung die Meilensteine entlang
der Landstraße Aachen - Geilenkirchen aufstellen
ließ. Doch nichts davon entspricht
den Tatsachen.
Die nicht zutreffende Aussage bezüglich des
Meilensteins im Stadtgebiet Herzogenrath ist
vermutlich darauf zurückzuführen, daß im
Beschreibungstext der Denkmalliste - der
Stein wurde Mitte 1982 unter Denkmalschutz
gestellt - dieser Meilenstein als »napoleonischer«
Stein bezeichnet worden ist. Im August
1990 erfolgte eine Richtigstellung. Der
Stein an der Geilenkirchener Straße wird nun
als »preußischer Meilenstein« geführt.
Ohne Zweifel hat Napoleon den Straßenbau
auch im Aachener Raum gefördert. Er war ja
dafür bekannt, daß er - wenn auch vorrangig
aus militärisch-strategischen Überlegungen
- auf ein gut ausgebautes Straßennetz
großen Wert legte. Gelegentlich seines ersten
Aufenthalts in der alten Kaiserstadt Aachen
wurde ihm vom Bürgermeister der
Stadt und vom Stadtrat, befürwortet vom
4
Präfekten des Roerdepartements, ein Gesuch
mit der Bitte um Anlegung einer direkten
Straßenverbindung von Aachen nach
Monschau überreicht. Das war auch dringend
notwendig, da es nach Süden hin
überhaupt keine gut ausgebaute Straße gab
und die vorhandenen Wege obendrein auch
noch sehr schlecht waren. Rasch entschlossen,
wie Napoleon nun einmal war, hat er
noch am Vorabend seiner Abreise durch ein
Dekret vom 10. September 1804 - 23 fructidor
an 12 - den Bau einer neuen Straße von
Aachen über Kornelimünster und Roetgen
nach Monschau mit einer Abzweigung nach
Stolberg angeordnet. Allerdings wurde diese
Straße in der französischen Zeit - also bis
1814 - nicht ganz fertiggestellt.
Aus den hervorragenden topographischen
Karten , die in der Napoleonischen Zeit vom
linksrheinischen Gebiet unter der Leitung des
französischen Ingenieurgeographen Oberst
Tranchot hergestellt worden sind - im Aachener
Raum zwischen 1805 und 1810 - ist
zu ersehen, daß hier bereits ein gut angelegtes
Straßennetz vorhanden war. Die Straßenführung
der bedeutenden Straßen entsprach
damals schon weitgehend dem in
dieser Zeit üblichen, geradlinigen Verlauf.
Meilensteine sind in diesen »Tranchot-Karten«
jedoch nicht dargestellt, denn sie haben
zur Zeit der Aufnahme dieser Karten
noch nicht an den Straßen gestanden.
Ob zur französischen Zeit die Absicht bestand,
Wegezeichen gleich welcher Art an
den wichtigsten Straßen des linksrheinischen
Gebiets anzubringen, ist nicht bekannt. Die
Meilensteine jedoch, die uns bis heute an einigen
Straßen des Aachener Raumes erhalten
geblieben sind, wurden ohne Ausnahme
erst von der preußischen Verwaltung aufgestellt.
Schon allein die »sichtbare Tatsache«,
der erhaben herausgemeißelte oder
gußeiserne Preußenadler auf den Steinen,
läßt keinen Zweifel darüber aufkommen.
Daß Napoleon Wegezeichen an unseren
Straßen aufstellen ließ, auf denen sich das
Emblem der Preußen befand, muß ganz
ausgeschlossen werden.
Daß auch an den wichtigen und gut ausgebauten
Straßen in Frankreich Meilensteine
aufgestellt wurden, dokumentiert ein 177 4
entstandenes Gemälde von Joseph Vernet
im Louvre. Das Bild veranschaulicht die Aufstellung
der Meilensteine, die in römischer
Tradition als Säulen mit einem quadratischen
Sockel angefertigt sind. Es ist jedoch nicht
bekannt, daß man solche Meilensteine zur
französischen Zeit auch an den Hauptstraßen
der linksrheinischen Departements aufgestellt
hat. Außerdem ist auf dem Bild zu
erkennen, daß schon um 1774 auf den
französischen Straßen eine rechtwinklige
Straßenpflasterung zur Anwendung gekommen
ist.
Straßenbauarbeiten und die Aufstellung von Meilensteinen an einer Straße in Frankreich um 1774 nach einem Gemälde von
Joseph Vernet (Paris, Louvre).
5
Die Aufstellung der Meilensteine durch die preußische Verwaltung
Die Grundlage für die Aufstellung der Meilensteine
ergab sich aus der »Anweisung
zur Anlegung, Unterhaltung und Instandsetzung
der Kunststraßen. Erster Theil,
welcher die Anlegung der Kunststraßen
betrifft. « Sie wurde in »Berlin, den 26sten
November 1814« von der »Ober-Bau-Deputation«
herausgegeben. Nach diesen umfassenden
und sehr ins Detail gehenden
Straßenbau-Vorschriften sollten künftig die
Hauptstraßen in den Preußischen Staaten
ausgebaut werden. Und im § 104 dieser Anweisung
ist die Aufstellung der »Meilenzeiger«
an den entsprechend ausgebauten
Hauptstraßen vorgeschrieben.
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Nachstehend ist ein Auszug aus der Anweisung
mit dem genauen Wortlaut des §
104 wiedergegeben:
Entsprechend den Hinweisen in den §§
80 und 10'1 ist dieser gezeichnete Entwurf
der Anweisung beigefügt. In ihm
sind Straßenprofile und die Formen der
Meilenzeiger für ganze, halbe und viertel
Meilen dargestellt. Die Abmessungen
sind in Zoll und »Preußischen Fuß«
angegeben.
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§. 104.
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§. 107. .
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Die ;;ngegebenen Ma/Je ktinnen von Sle,n .zu Stein im Zenlimeter-.Bereic/J dirferieren.
Die Zeichnung gibt die Meilensteine wieder, so wie sie heute noch an den Straßen von Köln über Jülich-Aachen und weiter in
Richtung Lüttich, Aachen-Monschau und Aachen-Geilenkirchen anzutreffen sind. Form und Abmessungen stimmen sehr genau
mit dem Entwurf der Ober-Bau-Deputation vom 26. November 1814 überein.
Von Bedeutung für die Aufstellung der Meilenzeiger
war außerdem die »Maaß- und
Gewicht-Ordnung für die Preußischen
Staaten. Vom 16ten Mai 1816«. Der erste
Absatz und der § 1 sind nachfolgend aufgezeigt:
~41
(No. H6.) 9'loo~ • 11nb 0«ro~t:1'rb1n1ng fiar bit IJ)rtu~fcfµn etooftn. !!30111 16tm
Wloi 1816.
~r ~riebtid) ~U~dm, t>on @ottd @naben !onig t>on
,reuffen lt'+ K+
!t6un funb unb fugtnau a,iffen, bo6 mlir nbtbig trad}ttt ~aben, btr
Unfid}er~eit in gna4jjm unb @cn,icf,ren, bit bi~brr in Unf ern 6t11aten be11
13crfe9r trf ~nmt,, burcti feilt l8etlimmungen ab3u6df tlt.
m3ir ucrorbnen bo~er n,it folgt: -
§. I.
~6 foll ttjl~ bufügtnber ~nnaifung rin @i~ i,on SJ}rp&tma11Jtn unb
@t~i<tten unter ~uffi~t tintr Jtommi(jion 1'0n (5a~i,njlänbigtn i,,rfertigt,
unb bei Unitm ~initlerium btr i}in4l1Attt unb be6 i,)anbeU aufben,af.,rt n,m
btn. 1)itfe IJ)robnnaa~t unb @eu,icf}te finb fortan bir einJig aut6orifirtttt
Originlllt 110n ~aaJ unb Wtll)i~t fl\r Unf m fcimmtlictien 6taatcn.
8
Im Zusammenhang damit ist natürlich auch
die nachstehende »Anweisung . .. « wichtig.
In ihr sind die einheitlichen Maße und Gewichte
für alle Preußischen Staaten festgelegt.
Die hier interessierenden Maße sind
auszugsweise wiedergegeben.
Das Gesetz und die Anweisung sind am gleichen
Tage, dem 16. Mai 1816, in Kraft getreten.
Sie sind der Gesetz-Sammlung für die
Königlichen Preußischen Staaten des Jahres
1816 entnommen.
Im »Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«
des Jahres 1818 erschien unter Nr. 74 - Seiten
112 und 113 - folgende Bekanntmachung
:
»Bei Vergleichung der Preußischen mit
den hier zuletzt in Gebrauch gewesenen
Französischen Maaßen und Gewichten
sind folgende Grundverhältnisse anzunehmen:
A. Längenmaaße.
Der Preußische Fuß enthält
0,3138535 Meter
Die Ruthe von 12 Fuß
3, 766242 Meter
Die Meile von 2 000 Ruthen
7 Kilometers 532,484 Meter
Dem Publikum wird dies zur Nachricht
bekannt gemacht.
Aachen, den 2. April 1818
König/. Preuß. Regierung,
zweite Abtheilung. «
Eine »Preußische Meile« hatte also eine
Länge von 7 532,484 Metern. Genau in diesen
Abständen wurden dann auch die Meilenzeiger
an den ausgebauten Straßen Preußens
aufgestellt.
Durch den Wiener Kongreß von 1814/15
wurde das linksrheinische Gebiet, und damit
auch der Aachener Raum , Preußen zugesprochen.
Nach einer kurzen Übergangszeit
erfolgte bereits im Frühjahr 1816 die Einrichtung
der rheinischen Provinzen und Regierungsbezirke.
Im ersten »Amts-Blatt der
Regierung zu Aachen« vom 24. April 1816
hat man die » . .. einstweilige Kreis-Eintheilung
des Aachener Regierungs-Bezirks
hierdurch in Nachstehendem zur Kenntnis
des Publikums gebracht . . . «. Der Regierungsbezirk
setzte sich aus dem Stadtkreis
Aachen und den 12 Kreisen Aachen,
Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Jülich,
Düren, Eupen, Montjoie (Monschau), Gemünd,
Blankenheim, Malmedy und St. Vith
zusammen.
Nachdem nun also dieses Gebiet in die
»Preußischen Staaten« eingegliedert war,
sind hier auch die für Preußen bestehenden
Gesetze, Anordnungen und sonstigen Vorschriften
weitgehend zur Anwendung gekommen.
So auch die oben aufgeführte An-
149
§. 2. .
Unttr bitftr ~enmnung foU btr feit bcm 2,gjlen Ofto~cr ~77~• '"
SJ}rtu9en, btn ID?4rhn unb SJ}ommern tingtf~~rte f 09en11nnte r ~ c t n l Cl n 1H f ~ e
~ t r r f u tJ o,rfl11nbcn roerben.
§. 3.
~r ent6d(t tintunbert nrun unb brtiJig unb bui&e~.n
tun b er r X~ c i I e finitn bt6 • in n,ifftnf~afrli~tn IDtr~4nblungtn allgtmttn
b efannttn "arif er ~u6e6. . . .
l)amit aber bic @roJt be~ l)rtu9ifd,)tn {JutJmaaJt6, niorauf bat t\fmgen
W?4Gpt unb ~troid}tt gegrunbtt fmr,, unab~dngig i,on jtbtm a_nbem IDl11aJt,
auf einem UrmaaJe (mube, rotl4,e6 au aUtn 3eittn bei entflc~tnben 3n,ei~tln,
n,icber erlangt roerben r 11nn, f o folf na~ m_oUenbun, btr !Beob~cotungtn ube_r
bit @>etunben. finbul. fdngt uon 1atrlan, baefc unb 1~r IDtr~dltnatJ Jum vreuJ1•
f coen iJuJ btfannt gcma~t roerbtn.
~itftr l)rtutJif ~e ~u~
finitn ringef~tilr.
§. 4·
n>irb in ö'"" o l f 3oUc unb biejcr 3oU in A ro 6l f
§. 5.
3 ro öl f birfer tJufft mattn eint p rc u i} i f ~ e 9t u t ~ t, Ne Aum GJt•
bntu<te be.r 3,lbmtfitr, blo6 AtfJenf~rilig, ~unbtrrtbt1lig, unb f o fort, f o rorit
c6 not~iS itl, tinget~tilt roitb.
§. 6.
föne ~uuJi f~t IDlcift ifl eine fängt oon aroeitoufcnb fol~cr8lut~tn.
Damit war die »Preußische Meile« bindend für sämtliche Preußischen Staaten in einer
bestimmten Länge festgelegt.
weisung über den Straßenbau und die damit
verbundene Aufstellung der Meilensteine.
Aus den noch vorhandenen Unterlagen der
damaligen Zeit ist zu ersehen, daß für die
Aufstellung der Meilensteine die Regierungsdepartements
(Regierungsbezirke) zuständig
waren . Im früheren Regierungsbezirk Aachen
sollten die Meilensteine zuerst an der
»Hauptstraße erster Klasse« aufgestellt
werden, die von Köln kommend über Jülich
und Aachen in Richtung Lüttich führte. Für .
dieses Vorhaben besteht noch ein »Kosten
Anschlag« vom 9. September 1817, der für
die Anfertigung , den Transport und die Aufstellung
von 7 ganzen Meilenzeigem, 7 halben
und 15 Viertelmeilensteinen » .. . zufolge
der deshalb von Hochlöblicher Ober=Bau
=Deputation ertheilten Vorschrift« aufgestellt
worden ist. Diese Meilensteine sollten
auf der vorgenannten Straße von der Regierungsbezirksgrenze
Köln/ Aachen an der
Escherbrücke zwischen Eisdorf und Steinstraß
bis zum Weißen Haus hinter Kelmis an
der Straße nach Lüttich - dieser Gebietsteil
gehörte damals zum Kreis Eupen im Regierungsbezirk
Aachen - aufgestellt werden.
In diesem Kostenvoranschlag sind alle Bearbeitungsvorgänge
detailliert erfaßt und hinsichtlich
der »Bearbeitung des rohen Materials«,
gemeint waren die Hausteine, sehr
präzise Aussagen gemacht. Aus der Berechnung
der Transportkosten ist zu ersehen,
daß die Meilensteine von den »Brüchen
zu Cornelymünster« an den jeweiligen
Bestimmungsort transportiert wurden.
Es kann wohl davon ausgegangen werden,
daß die Steine auch in den Steinbrüchen in
und um Kornelimünster angefertigt worden
sind. Die Gesamtkosten für die Aufstellung
der Meilensteine an dieser Straße, soweit sie
durch den Regierungsbezirk Aachen führte ,
wurden mit rd . 1 317 »Reichsthalern« kalkuliert.
Aus dem 14 Seiten umfassenden Kostenvoranschlag
sind nachfolgend die ersten vier
Seiten aufgezeigt. Sie betreffen die Bearbeitung,
den Transport und die Aufstellung der
sieben Obelisken. Die Aussagen hierzu sind
doch recht interessant. Bei der Berechnung
der Transportkosten sind auch ungefähre
Angaben zu den Standpunkten der Meilensteine
gemacht. Da die alte deutsche
Schreibschrift heute nicht mehr allgemein
verständlich ist, wurden die vier Seiten wortgetreu
übersetzt (Bedeutung einiger Zeichen
: ' = Fuß, " = Zoll).
9
10
Kosten Anschlag
Über Verfertigung und Aufstellung eines Meilenzeigers zufolge
der deshalb von Hochlöblicher Ober= Bau Deputation ertheilten
Vorschrift. -
Geldbetrag
Benennung der Haupt Abtheilungen
RTr gr pf RTr gr pf
A. Fundament Ausgraben.
1 •
28 1/3 Cubic Fuß Erde auf 8 1 6 11 Länge, 2> 6 1 >
Durchschnittsbreite und 1 1 4u Durchschnittstiefe
auszugraben, und in der
Nähe auf die Seitenwege zu verkarren
a 4 Pf _____ _
Summa Li t: A. _ _ _
9 5
9 5
2 .
B. Rohe Materialien und deren Anfuhr.
Das Postament der Pyramide beträgt an körperlichen
Inhalt __________ 9, 1
i~i C~
1/5 Abfall ____ 1,~~1i c!
Die zwei Fußb änke betragen ____ 14, 1
~~: C!
1512 l
1 / 5 Abfall ___ _ 2, C. 1728
4 .
Die große Pyramide incl der aufgesetzten
S • t b t •• t 29 1 415 C >.
pi z e e rag - - - - - - - - - - - , 1728
1 1571
/ 2 Abfall _ _ __ 14, C! 1728
6.
1.
8.
9.
10.
Die kleine abg ekürzte Pyramide beträgt
an cubischen Inhalt ________ O ,~~~~ C!
/
31 0 1
1 5 Ab f al 1 _ _ _ _ 0 , '1128 C •
zusammen =
333
74 ,1728 C!
7 4, 1
~~~ Cubic Fuß roher Haustein a 12 gr _ _ _ 37 2 4
380 Stück Ziegel sind erforderlich, 1000
Stück kosten enzukaufen und anzufahren
6 RTr. 12 gr__ _ 2 11 3
7 Cubic Fuß g elöschten Kalk anzukaufen und
anzufahren a 9 g r _ _ _ _ _ ________ _ 2 15 -
13 Cubic Fuß }~auersand zu gewinnen und
anzufahren a C 2 g r 6 pf _________ _
Summa Li t : B. ____ _
c. Bearbeitung des rohen Materials.
333
74 Cubic Fuß roher Haustein der Zeichnung
g emäß nach geraden Flä chen,
'1728
und mit der nöthigen Böschung
sauber
Latus ___ _
1 8 6
43 13 1
43 22 6
11
12
1 2 .
13.
Benennung der Haupt Abtheilungen
Transport __ _
sauber und untadelhaft zu behauen,
incl jeden Stein oben mit einem Zapfenloch
und unten mit einem Zapfen zu
versehen, damit wenn der Obeli ske aufgesetzt
ist, durch das Ineinandergreifen
der Zapfen in die Löcher die ganze
Säule die gehörige Stärke erhalte.
Geldbetrag
RTr gr pf RTr gr pf
a 9 gr__ _ _ 30 3 4
11 . Den Adler, die Buchstaben und Zahlen der
Zeichnung zufolge schön einzuhauen_ _ _ _ _ _ 4 18 6
lt----+---+---11
Summa Li t : C . ___ _
D. Verfertigung des Meilenzeigers.
1189
56 '1728
Cubic Fuß bearbeitete Hausteine in
sehr gutem Verbande aufzusetzen,
völlig paßend zu behauen, und überhaupt
das Ganze gehörig nachzuputzen.
a C 1 5 gr ____________ _
281
576 Cubic Fuß Mauerwerk mit Ziegeln in
1728
gutem Verbande anzulegen incl: den
Mörtel zu diesen sowohl als zu jenem
Mauerwerk zu präpariren
a Cubic Fuß 1 gr. 6 pf _____ _
Summa Li t: D. ___ _
Summa Summarum der Kosten eines
Meilenzeigers excl Transport ___ _
Mithin kosten die im g anzen auf der Hauptstraße
von Cöln über Aachen nach Lüttich -
nemlich soweit diese Straße durch das Aachener
Regierungsdepartement führt, zu setzenden
7 Meilenzeiger ohne Transport ______ _
Der Transport derselben beträgt nach der
beiliegenden Fuhrlohn Berechnung überhaupt __
11 19 5
1 18 6
tt----t------t----il
43 22 6
34 21 10
13 13 11
92 10 3
646 23 9
117 -
Summa Summarum der Kosten gedachter
7 Meilenzeiger mit allen Umst änden ___ _
763 23 9
(Unterschrift)
Aachen den 9ten September 1817
(Unterschrift)
revidirt 19. Sept. 17
(Unterschrift)
13
11
Die Transport Kosten, der auf der durchgehenden
Hauptstraße von Cöln über Jülich, Aachen nach Lüttich,
zwischen der Escherbrücke und dem Weißen Hause, von
der einen Departemental Grenze bis zur anderen zu
setzenden 7 Stück Meilenzeiger, wovon die aus Haustein
bestehende Masse für jeden beinahe 56 3/4 Cubic Fuß
beträgt, werden zu stehen kommen und zwarn:
1lich für den von Aachen aus nach der Escherbrücke hin zwischen
Aachen und Haaren, zu setzenden Meilenzeiger
der 9t..e von Cöln aus.
Angenommen, daß eine 1spännige Karre 9 bis
10 Cubic Fuß ladet, mithin zu 56 3/4 Cubic Fuß an 6mal
fahren, und zu jeder Fuhre, da die Entfernung von
dem Bruch~ zu Cornelymünster bis zur Abladestelle
1 1/2 Meile oder 3000 Ruthen beträgt, incl. Auf und Abladen
einen vollen Tag nöthig hat, mithin um die ganze
Haustein Masse an Ort und Stelle zu schaffen 6 Tage zubringen
muß, den täglichen Lohn zu 1 Rthlr. 12 Gr. angeschlagen
in Summa ________________________________ 9 Rthlr.
2tens für den unweit dem Orte Neusen zu
setzenden Meilenzeiger, der ste von
Cöln aus, in 5000 Ruthen Entfernung
zu transportiren, wozu 9 Tage incl. Aufund
Abladen erforderlich sind, wie vorhin
1 Rthlr. 12 Gr. pr: Tag ___________________ 13 Rthlr. 12 Gr.
3t!:fils für den zwischen Schleiden und Aldenhoven
zu setzenden Meilenzeiger,
der 7te von Cöln aus, in 7000 Ruthen
Entfernung zu transportiren, wozu
12 Tage incl. Auf und Abladen erforderlich
sind a 1 Rthlr. 12 Gr. ____ _: _________ 18 Rthlr.
Latus -
40 Rthlr. 12 Gr.
14
Transport
40 Rthlr. 12 Gr ;
4tens für den zwischen Eschweiler 1) und dem
sogenannten Galgenberge 2 ) zu setzenden
Meilenzeiger, der 6te von Cöln aus, in
9000 Ruthen Entfernung zu transportiren,
wozu an 15 Tage incl. Auf und Abladen
erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. ____ 22 Rthlr. 12 Gr.
5tens für den zwischen Steinstraß und Stetternich
zu setzenden Meilenzeiger, der
5te der von Cöln aus in 11000 Ruthen
Entfernung zu transportiren, wozu
an 18 Tage incl. Auf und Abladen erforderlich
sind, a 1 Rthlr. 12 Gr. _________ 27 Rthlr.
6t ens für den zwischen den Aachener Busch
und Bildchen zu setzenden Meilenzeiger
der 1ote von Cöln aus in 4000
Ruthen Entfernung zu transportiren
wozu 7 1/2 Tage incl. Auf und Abladen
erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. __ _ _ 11 Rthlr.
und endlich
6 Gr.
7-t..fil!s für den zwischen dem Galmeiberge 3)
und dem Weißenhause zu setzenden
Meilenzeiger, der 11~e von
Cöln aus in 6000 Ruthen Entfernung
zu transportiren, wozu
an 10 1/2 Tage incl. Auf und Abladen
erforderlich sind a 1 Rthlr. 12 Gr. __________ 15 Rthlr. 18 Gr.
revidirt
(Unterschrift)
Totalbetrag des
Transports
für 7 Meilenzeiger
117 Rthlr.
Aachen 9. September 1817
(Unterschrift)
11
1 Gemeint ist der Eschweiler Weg, der kurz hinter Jülich •
in Richtung Aachen gesehen - nach finks abgeht und
über Bourheim-Dürwiß nach Eschwei er führt
2 Alte Lagebezeichnung an der Straße Jülich-Aldenhoven
3 Das Galmeigelände befand sich auf der rechten Straßenseite,
etwa am Ortsende von Kelmis
15
Nachdem der Kostenvoranschlag erstellt
war, hat man das Vorhaben unwahrscheinlich
zügig weiterbetrieben. Schon wenige Tage
später erschien in der Nr. 40 des »Oef
/entliehen Anzeigers von Aachen« die Ausschreibung
dieser Arbeiten. Nachstehend
der doch sehr interessante Wortlaut im Originaltext:
Man hatte sich also entschlossen, die Meilensteine
an den drei genannten Straßen, die
demnach wohl im Sinne der Anweisung von
1814 ausgebaut waren, zur gleichen Zeit
aufzustellen. Da die öffentliche Ausschreibung
auch nicht wiederholt wurde, wie z. B.
bei ähnlichen Ausschreibungen in der Folgezeit,
ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die
Arbeiten an dem vorgesehenen Termin vergeben
werden konnten.
Eine Vollzugsmeldung, also eine schriftliche
Mitteilung darüber, daß man die Meilensteine
aufgestellt hatte, ist weder im »Oejfentlichen
Anzeiger von Aachen« noch im
»Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«
nachzulesen. Das war wohl nicht üblich und
auch nicht nötig; denn die preußische Verwaltung
wird mit Akribie darauf geachtet haben,
daß die Arbeiten korrekt ausgeführt
und die Steine auch ohne Verzug aufgestellt
worden sind.
Eine weitere Bekanntmachung aus dem
»Oejfentlichen Anzeiger von Aachen« -
Jahrgang 1818, Nr. 11 - soll hier nicht vorenthalten
werden. Sie erschien unter der
Überschrift »Belohnung von 50 Franken«.
Aus dieser Bekanntmachung ist ersichtlich,
daß die Steine bereits im März 1818 an den
Straßen gestanden haben. Bemerkenswert
ist außerdem, daß auch in dieser Zeit so ein
Frevel nicht verhindert werden konnte.
llhlotu19 ton So ffruhn.
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[JAufr., .11n·. brr .!ßt[gifd}tn · lfürn,1r, ale au~
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~nb 0011 1 lh,d}ca ~ ~rihA?intra, ,111 frl)eis
t,tjl,it11!11ttA 9an5r, b~lbt ull'b _i,iutd· rolrilcn:
1ri9tr , · fo n,ir. 11isd} - eint brbrutrnbe -Qln~b.i
9r)ll~b.n(id)n !nU1'111~fhi!le, n,tlcflr tbril6,,fm
gtbad;Jtr unb tbrif& für i,nfcf>irbrne 11abre
e,rajjrn brflimmt. firib, öffm[icll unttr brm
!Borfi~t btl 6rtrrffentitn .f>mn 2aribrarb6 411
bta !Jlinbrfl.frTbtrnbrn tmbungrn nmb:n,
(!6 n,irb babrr 5u birfrr !llnfüi1ir11ng,
Terminus 011f brn g, birfr6 IDlonati!, it)on•
11trfla9e, !!lonnittage , o U~r, lll ~orndi:
Mit den vorstehenden Ausführungen ist der
lückenlose Nachweis dafür erbracht, daß die
Meilensteine an den hier besonders interessierenden
Straßen von Köln über Jülich-Aachen
und weiter in Richtung Lüttich, Aachen
Monschau und Aachen-Geilenkirchen, Ende
1817 bis Anfang 1818 von der »Preußischen
Verwaltung« aufgestellt worden sind.
Es sind genau die drei Straßen, an denen
auch heute noch die Obelisken und Glocken
anzutreffen sind.
In den folgenden Jahren sind im »Oejfentlichen
Anzeiger von Aachen« noch weitere
Ausschreibungen nachzulesen. So in Nr. 14
vom 6. April 1819: » .. . eine Anzahl ganzer,
halber und viertel Meilenzeiger und
gewöhnliche Nummersteine auf den verschiedenen
im hiesigen Regierungsdepartement
belegenen Straßen zu liefern, öf
/entlieh an den Wenigst/ordernden verdungen
werden __ .«, und in Nr. 19 vom 5.
Mai 1820: » . .. , so wie auch die Lieferung
einer Anzahl Meilenzeiger und Nummer
Abtheilungssteine, für verschiedene Straßen,
... «. Bedauerlicherweise ist in den
Ausschreibungen nicht gesagt, für welche
Straßen diese Meilensteine bestimmt waren.
Aber es gab ja noch einige Straßen im Aachener
Raum, die entsprechend ausgebaut
waren und dafür in Frage kamen. Mit großer
Wahrscheinlichkeit war die Straße von Weiden
(Broichweiden) nach Eschweiler dabei,
denn in dem Blatt 5103 Eschweiler der topographischen
Uraufnahme von 1846 ist an
dieser Straße zwischen Merzbrück und Röhe
m1infln, in . btm t)irnfiloflllt bell baft(bfl
n,o~nrnbrn .f}mn !8ur9rrmtifle16 Ofl[mbrr
ongrfrl,}t, unb folcf>r !8iri~Infligr, wrlcf>e rinr
• ficllrrt .ltaarioa i,on 500 6i6 1000 !lttbir,
l):)rr11j;. <!ourant 111 ltifhn Im eitanbr finb;
unb ficv b11rübrr i,or brm 0tbot lrgitimirtn
fonnrn, ringtlabrn, fid) am brfiimmtcn :tage
1mb frfigrfr~ltr etunbr rinaufintrn,
Dit!Brbia9un9rn, fo lllit bidtoflrnanf~[dgr,
litgrn ,ur ~in~d)t brr fa11tlonH'19i9m Unter•
nrbmrr in brm Drrn(tloM, beA UnttrJrid)nr~
ttn 3 Zage i,ot btm :trrminr, nrmlid} brll
6,, :,-, u11b 8,, jrbtn . l'.ag . bt6 !normirtagf,
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!!lad)rn, bra , . Pftobrr 11,, 7,
iCer Q:>'!,er:Wege,:Jnfpeftor;.
E5'ttinmri fh,. •
ein Meilenstein (Glocke) für eine halbe Meile
dargestellt. Die graphische Längenüberprüfung
bis zum Anfang der Straße in Weiden -
sie wurde hier aus der übergeordneten Straße
Köln-Jülich-Aachen herausgeführt - ergab
sehr genau eine halbe Meile.
Da in der Folgezeit keine diesbezüglichen
Ausschreibungen mehr erschienen sind,
kann wohl davon ausgegangen werden, daß
im damaligen Regierungsbezirk Aachen vorerst
die Aufstellung der Meilensteine an den
dafür vorgesehenen Straßen Ende 1820 abgeschlossen
war.
Im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte setzte
der systematische Ausbau der Bezirksstraßen
ein, zu denen u. a. auch die Straße Aachen-Krefeld
gehörte. Dabei ist man wahrscheinlich
zu der Ansicht gekommen, daß
die großen Obelisken künftig nur noch den
Staatsstraßen vorbehalten bleiben sollten.
Für die zahlreichen Bezirksstraßen wurden
nun andere, nicht mehr so große Meilensteine
vorgesehen. Sie hatten auch keine Steinbänke
mehr. Entsprechende Entwürfe lagen
bereits vor. Die Steine wurden jeweils nach
dem abschließenden Ausbau der Straße aufgestellt.
Einige dieser Meilensteine sind
ebenfalls noch vorhanden. So der Stein zwischen
Würselen und Birk und einige Steine
an bestimmten Bezirksstraßen im Raume
Euskirchen-Münstereifel. Auch in den Straßenmeistereien
Düren und Erkelenz befindet
sich noch je ein solcher Stein. Sie haben ursprünglich
an Bezirksstraßen gestanden, die
durch den Kreis Düren verliefen.
16
COL'L.N
f NC/LC.
7i=;~bbt b~ '1=, ==F! ==1=\. ~=i=I =='Fe ==!=l ==+=l ===rt ==+=\, ~=-11/
( Zoll} ' ,, • (f:°u/J)
In den Akten der Regierung Aachen im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindet sich diese Zeichnung der Meilensteine. Sie wurde
von der Regierung Köln angefertigt. Zwar besteht eine große Ähnlichkeit mit den Steinen, die im Entwurf der Ober-Bau-Deputation
von 1814 aufgezeigt werden, aber die Abmessungen weichen doch stark davon ab. So hat der Obelisk einschließlich
Sockel nur eine Höhe von 2,51 Meter (gegen 3,65 m). Dafür sind die seitlichen Steinbänke erheblich breiter vorgesehen.
Die vorstehende Zeichnung der veränderten
Meilensteine wurde am 7. März 1818 mit einem
Begleitschreiben des Kölner »Regierungs-
und BauRaths von Heinz« an den
»Ober-Wege-Inspektor Steinmeister« in
Aachen gesandt. Die beiden Herren waren
wohl gut miteinander bekannt, denn in dem
Brief heißt es: »Theuerster Freund! Zwar
etwas spät, doch besser wie gar nicht, sende
ich Ihnen die Zeichnung zu den Meilensteinen
... « Auch Kostenangaben für
die Anfertigung der Steine sind beigefügt.
Die schriftliche Beantwortung des Briefes erfolgte
am 13. März 1818. Darin wird zum
Ausdruck gebracht, daß die Meilenzeiger,
die man »im Coelnischen Departement«
anfertigen will, doch »in der Dimension
und Form gegen die Berliner Vorschrift«
sind. Es wäre aber auch nicht einleuchtend,
daß durch diese Änderung »eine größere
Verschönerung hervorgebracht seyn sollte;
vielmehr bin ich der ohnmaßgeblichen
Meinung, daß die vorgeschriebene Dimension
und Form verhältnismäßig passender
und schöner ist; und da die fa,r das
hiesige Departement bereits in Verding
gegebenen ganze, halbe und viertel Meilenzeiger
genau nach der Berliner Vorschrift
angefertigt sind, so läßt sich auch
nunmehr keine Abänderung hiesiger Seils
damit vornehmen. Steinmeister. «
Aus diesem Brief ist ersichtlich, daß die Meilensteine
für das Departement Aachen korrekt
nach den Vorschriften der Anweisung
von 1814 angefertigt worden sind. Gleichzeitig
ist damit eine weitere Bestätigung dafür
gegeben, daß die Meilensteine für den Regierungsbezirk
Aachen bereits schon bis
zum 13. März 1818 fertiggestellt waren.
Aus welchen Überlegungen oder Gründen
man im Regierungsbezirk Köln von der Form
und den Abmessungen der durch die Ober
Bau-Deputation vorgegebenen Meilensteine
abgewichen ist, ist nicht bekannt. Allerdings
ist im Paragraph 104 der Anweisung gesagt:
» ... In großen Städten, oder wenn damit
noch andere Z wecke verbunden werden
sollen, können sie im größern Styl erbauet
werden ... « Mit dieser Aussage wurde die
Möglichkeit eingeräumt, den Steinen ein anderes
Aussehen zu geben. Offensichtlich hat
man in Köln diese Auslegung für sich in Anspruch
genommen und den Entwurf nach eigenen
Vorstellungen verändert. Ob damit
Steine »im größern Styl« entstanden sind,
sei dahingestellt. In Regierungsbezirk Köln
wurden die Meilensteine nach dem geänderten
Entwurf angefertigt und auch an den
Straßen aufgestellt. Im Regierungsbezirk Aachen
wurden diese Steine nicht gesetzt.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß
an den später ausgebauten Bezirksstraßen
andere Meilensteine aufgestellt wurden. Dabei
ist zu bemerken, daß in beiden Regierungsbezirken,
also Köln und Aachen , an
diesen Straßen die gleichen Steine aufgestellt
worden sind. Sie hatten die gleiche
Größe und das gleiche Aussehen. Auch die
Beschriftung war einheitlich. Es ist durchaus
möglich, daß eine höhere Instanz für die Bezirksstraßen
die gleichen Wegezeichen vorgeschrieben
hat.
17
Allgemeine Hinweise
'
138
Aus den vorliegenden Entwürfen für die Meilenzeiger
ist--zu ersehen, daß an den dafür
vorgesehenen Straßen ganze, halbe und
viertel Meilensteine aufgestellt wurden. Eine
weitergehende Unterteilung durch Meilensteine
war nicht ' beabsichtigt. Nach einer ganzen
Meile stand immer der große Obelisk mit
den nach zwei Seiten ausladenden Steinbänken.
Die Steine für eine halbe und eine viertel
Meile sind allerdings wesentlich kleiner als
die Obelisken, jedoch unterschiedlich groß.
Aber beide Steine haben ein ausgesprochen
glockenförmiges Aussehen. Sie wurden daher
ganz allgemein als »Glocken« bezeichnet.
Diese Bezeichnung hat sich bis in die
heutige Zeit erhalten. Zwischen zwei ganzen
Meilensteinen befanden sich jeweils drei
Glocken. Und zwar ein Viertelmeilenstein
nach 1 883 Metern, ein halber Meilenstein
nach 3 766 Metern (hier stand die etwas
größere Glocke), ein Dreiviertelmeilenstein
nach 5 649 Metern und nach einer ganzen
Meile von 7 532 Metern jeweils ein Obelisk.
Aus einem » Verzeichnis und Anleitung die
Benummerung der Staats-Chausseen betreffend«
von 1837 geht hervor, daß viertel
und halbe Meilensteine in Zukunft nicht mehr
aufgestellt werden sollten. Es kann davon
ausgegangen werden, daß solche Beschlüsse
oder Vorhaben dann auch unmittelbar zur
Anwendung gekommen sind.
Zusätzlich zu den Meilensteinen und Glokken
wurden zur weitergehenden Gliederung
noch die »Nummersteine« an den Straßen
aufgestellt. Anfänglich in Abständen von nur
10 Ruten, aber schon bald in Abständen
von jeweils 20 Ruten. Diese Nummersteine
wurden vom Anfang einer Straße bis zu ihrem
Ende laufend durchnumeriert. Der erste
Stein nach 20 Ruten bekam die Nummer 1,
eine Meile nach 2 000 Ruten hatte die Nummer
100. Wo bereits Glocken und ganze
Meilensteine standen, wurden keine zusätzlichen
Nummersteine aufgestellt. Allerdings
hat man die laufende Nummer auch an den
Meilensteinen - an den Obelisken und den
Glocken - eingetragen. Wo die halben und
viertel Meilensteine fehlten, wurden statt
dessen sogenannte »Nummer-Abthei-
,,
,
1.
'
j
\~ }
1' /
• \
-.........__,~
Nummersteine
Der behauene Nummerstein hatte Kantenbreiten von 8. 8 Zoll und war 2 Fuß lang
(21 · 21 · 63 cm). Der obere Teil war nach den vier Seiten leicht abgeschrägt. In einem
Oval von 13 · 18 cm wurde die laufende Nummer des Steines eingetragen.
Um Kosten zu sparen, wurden auch Feldsteine oder Schieferplatten, sofern sie in
etwa die erforderliche Größe hatten, als Nummersteine verwendet. Diese Steine
hatten dann natürlich ein sehr unterschiedliches Aussehen.
Der Karlsbrunnen auf dem Markt in Aachen
war »Nullpunkt«.
18
lungssteine« gesetzt. Das waren in der
Form größere Nummersteine. Zusätzlich zu
der laufenden Nummer erhielten diese Steine
noch die Entfernungsangaben in ¼, ½ und
¾ Meilen.
Der Abstand von einem Nummerstein zum
anderen betrug 75,32 Meter (20 Ruten x
3,766 Meter). Da diese Distanz von einem
normal dahinschreitenden Fußgänger in einer
Minute zurückgelegt werden konnte, wurden
die Nummersteine auch »Minutensteine«
genannt. Die Nummersteine können mit den
Steinen verglichen werden, die später in Abständen
von 100 Metern zwischen den vollen
Kilometern aufgestellt worden sind. Als
1871 /72 das metrische Maß- und Gewichtssystem
im Deutschen Reich eingeführt und
in der Folgezeit die Kilometrierung an den
Straßen übernommen wurde, hat man die
Nummersteine auch in die entsprechende Kilometerunterteilung
umgesetzt. Die Meilensteine
und Glocken wurden an ihren Standpunkten
belassen. Nummersteine werden
heute an den Straßen wohl nicht mehr aufzufinden
sein.
Im » Westlichen Theil der Monarchie« hatten
die Hauptstraßen erster Klasse ihren
Ausgangspunkt in Köln. Dementsprechend
geben die Meilensteine an der Straße Köln
Jülich-Aachen und weiter in Richtung Lüttich
die Entfernung in Meilen auch nach Köln an .
Der Nullpunkt für die von Köln ausgehenden
Straßen war der Schnittpunkt von Schildergasse
und Hohe Straße (damals Hochstraße).
Die Hauptstraßen zweiter Klasse hatten ihre
Ausgangspunkte in der Regel in den Städten
des Sitzes der Bezirksregierungen. Daher
sind die Entfernungsangaben auf den Meilensteinen
an den Straßen Aachen-Monschau,
Aachen-Geilenkirchen und Aachen-Krefeld
auch nach Aachen orientiert.
Nullpunkt in Aachen war der Karlsbrunnen
auf dem Markt.
Hinsichtlich der Straßenseite, an der die Meilensteine
aufgestellt werden sollten, sind in
der Straßenbau-Anweisung von 1814 einige
Hinweise enthalten. So heißt es im § 69:
»Die Lage der Steinbahn ist immer nördlich
oder westlich, die des Sommerweges
immer südlich oder östlich anzulegen.
Das Bankett neben der Steinbahn ist zu
den Materialien = Haufen, und das am
Sommerwege, zum Fußsteig bestimmt.«
Und im § 104 ist gesagt: »Sie ( die Meilensteine)
werden neben dem Sommerweg
auf dem Fußsteig aufgestellt, und die daran
nöthigen Inschriften, die für die folgende
Straße passen, müssen dem ankommenden
Reisenden zugekehrt werden. «
Demzufolge wurden die Meilensteine - immer
in Richtung zum Stral3enausgangspunkt
gesehen - stets auf der rechten Straßenseite
aufgestellt. Eine Bestätigung dafür ergab
sich für den Aachener Raum aus den alten
Vermessungsunterlagen und den topographischen
Karten aus der Zeit von 1820 bis
1850. Darin sind an den hier interessierenden
Straßen vom Weißen Haus über Aachen
und Jülich in Richtung Köln, sowie von Mon-
11
Verzeichniß und Anleitung
die Benummerung der Staats= Chausseen
----betreffend.---
Westlicher Theil der Monarchie.
Allgemeine Regeln.
1. Die Hauptstraßen erster Klasse haben ihren Nullpunkt in Cöln.
2. Die Haupt·straßen zweiter Klasse haben ihre Nullpunkte in der
Regel in den Städten des Sitzes der Regierungen.
3. Di e Verbindungsstraßen haben ihre Nullpunkte an den Stellen
entweder da, wo sie sich von den Hauotstraßen trennen oder wo
sich mehrere Chausseen gleichsam in einen Stern vereinigen.
4. Die Nummersteine werden unter sich in Entfernungen von 20
Ruthen gesetzt.
5. Auf denjenig en Chausseen, welche mit Meilensteinen besetzt sind
oder werden, mu ß jeder ganze Meilenstein auf einen Hunderter der
Nummersteine treffen, z. B, der erste Meilenstein bei No. 100, der
10te bei N° . 1000, Wo halbe und viertel Meilensteine stehen, müssen
dieselben auf Viertelhunderte der Nummersteine treffen, z. B,
bei 25. und 75, die Viertel= und bei 50 die halben Meilensteine.-
Anmerkung. Viertel= und halbe Meilensteine werden in
Zukunft nicht weiter errichtet. Wo sie vorhanden sind ,
bleiben sie, werden aber nöthigenfalls versetzt.
6 . Wo ein (ganzer, halber oder viertel) Meilenstein steht, bleibt
der Nummerstein weg. Die fortlaufende Nummer wird in diesem
Falle an den Sockel des Meilensteins geschrieben. Wo die viertel
und halben Meilensteine fehlen, erhält der Nummerstei n
eine etwas größere als gewöhnliche Form und über die Nummersteinzahl
wird außerdem geschrieben: 1 / 4 • 1 /2 • 3/ 4 M.
7. Jeder Nummerstein muß in der Regel einen Fuß hoch über das Bankett
hervorragen. Zunächst werden die Nummersteine aus unregelmäßigen
1: natürlich oder durch Zersprengen, Zerschlagen gebildeten
:1 Feldsteinen 1: Grani tgeschieben :1 oder festen Bruchsteinen
gewählt, damit sie so wenig als möglich kosten. Die Vorderseite
muß wenigstens 8 Zoll breit und geebnet sein. Wo dergleichen
paßliche Steinstücke nicht vorhanden sind, werden regelmäßig
behauene Werkstücke von 8 Zoll quadratischer Stärke, 2
Fuß Länge, oben nach allen 4 Kanten abgewässert, nachgegeben.
8. An der Vorderseite wird ein Oval von sieben Zoll lang und fünf
Zoll hoch mit weißer Oehlfarbe gebildet und mit einem schwarzen
1/2 Zoll breiten Ringe umgeben. In diesen Ring wird die
Zahl des Nummersteins mit schönen arabischen, 1 1/2 Zoll hohen
Ziffern eingeschrieben. Da die beiden hintersten Ziffern Hunderttheile
einer Meile anzeigen, so werden die dritten und vierten
Ziffern, von hinten gerechnet, etwas weniges größer geschrieben,
als die beiden letzten, weil jene ganze Meilen anzeigen
und hinter der dritten Ziffer von hinten wird überdies
ein Komma gesetzt z.B. 3,Z4. 47,23. bedeutet 3 24/100.
47 23/1 00. Mei len op.
9. Auf allen Straßen, wo die Nummersteine fehlen, müssen siegesetzt,
oder wo schon dergleichen vorhanden, nach der folgenden
Anordnung abgeändert werden, und zwar wo möglich im Laufe
des Jahres 1837.
10. Die Kosten erfolgen aus dem g ewöhnlichen Unterhaltungs=Fonds.
II
schau, von Geilenkirchen und von Krefeld in
Richtung Aachen, die ursprünglichen Standpunkte
der nachgewiesenen Meilensteine
(Obelisken, Glocken und auch die Nummersteine)
ausnahmslos auf der rechten
Straßenseite eingetragen. Diese Feststellung
trifft auch für Straßen in anderen Gebieten
zu, an denen noch vereinzelt Meilensteine
stehen. Es wurde also landesweit so verfahren.
Daraus läßt sich sogar ableiten, daß
Meilensteine, die heute in Richtung Straßenausgangspunkt
auf der linken Straßenseite
stehen, im Verlaufe der Zeit mit größter
Wahrscheinlichkeit versetzt worden sind.
Das nachstehende » Verzeichnis . . . « wurde
»Gemäß einer Verfii.gung der Königlichen
Hohen Verwaltung für Handel, Fabrication
und Bauwesen vom 20. v.Mts. «
(Januar 1837) beim »Oberpräsident der
Rheinprovinz« in Koblenz aufgestellt und
am 13. Februar 1837 an die Regierung in
Aachen gesandt. Vermutlich wurden alle Bezirksregierungen
der Rheinprovinz gleichzeitig
unterrichtet, denn es sollte » .. . nunmehr
mit der vorlängst projectirten gleichförmigen
Numerierung der Staatsstraßen
sofort vorgeschritten werden . . . « Man
wollte also im » Westlichen Theil der Monarchie«
ein einheitliches Verfahren bei der
Numerierung der Nummersteine anwenden.
In dem dreiseitigen Verzeichnis sind sehr ins
Detail gehende Hinweise zur praktischen Anwendung
aufgezeigt. Obenstehend ist das
Verzeichnis auszugsweise wiedergegeben:
19
Einige Hinweise zum Ausbau der Kunststraßen
gemäß der Anweisung von 1814
Der Straßenverlauf sollte weitgehend geradlinig
die Ortschaften miteinander verbinden.
Dabei sollten wenn möglich »... merkwürdige
und weit sichtbare Gegenstände zum
Zielpunkte gewählt werden«. Es ist allgemein
bekannt, daß die Kirchtürme besonders
beliebte Zielpunkte waren, auf die man
die Straßen ausgerichtet hat.
Die eigentliche Steinbahn hatte eine Breite
von 16 Fuß (5,02 m), der Sommerweg war
12 Fuß (3,77 m) und die beiden Bankette je
6 Fuß (1,88 m) breit, insgesamt hatte die
Kunststraße - ohne Gräben und Böschungen
- eine Breite von 40 Fuß (12,55 m). Bei
ungünstigen Geländeverhältnissen konnte
der Sommerweg entfallen. Die Fahrstraße
wurde dann auf 20 Fuß (6,28 m) verbreitert,
die Bankette blieben jedoch unverändert. Eine
Steinpflasterung war in der Regel nur in
den Städten, in engen Dörfern und an Viehtriften
vorgesehen. Kiesstraßen erhielten nur
ausnahmsweise einen Sommerweg. Sie wurden
aber in einer Breite von 20 bis 24 Fuß
(6,28 bis 7,53 m) mit den üblichen Banketten
angelegt.
Aus den aufgezeigten Profilen ist zu ersehen,
daß die Fahrbahn beidseitig von Bordsteinen
begrenzt wurde. Der Straßenunterbau
war aus einigen Schichten von unterschiedlichem
Packlagematerial zusammengesetzt.
Von der Lage aus den größeren
Steinen zuunterst bis zur obersten Kiesschicht
betrug die gesamte Aufschüttung 30
bis 40 cm. Die Straßenwölbung betrug immer
1/18 der Straßenbreite und lag zwischen
28 bis 42 cm.
Die Alleebäume wurden in Abständen von
18 Fuß (5,65 m) gepflanzt. Die Auswahl der
Bäume sollte der Beschaffenheit des Bodens
angepaßt werden. Eigens zu diesem
Zweck wurden in Abständen von 2 Meilen
Baumschulen angelegt. Anfänglich hat man
vorrangig Pappeln als Alleebäume verwendet.
Zwischen Wirtshäusern und der Straße sollte
ausreichend Platz geschaffen werden, um
die Fahrzeuge abstellen zu können. Auf den
Straßen durfte hier nicht gehalten werden.
Man hat eben schon zu dieser Zeit auf den
fließenden Verkehr großen Wert gelegt.
Für die Wegewärter wurden an den Straßen
Gebäude errichtet. Sie »... müssen massiv
und in einem, wenn gleich einfachen,
doch geschmackvollen Styl erbauet werden«.
Auch Einnehmerhäuser mit Schlagbaum
für die Entrichtung der Straßenbenutzungsgebühr
wurden erbaut. Diese Gebäude
mußten aber an Stellen stehen, die nicht
umfahren werden konnten. Aus Sicherheitsgründen
mußte in den Einnehmerhäusern
auch noch ein Straßenwärter untergebracht
werden. In den Urmeßtischblättern - Aufnahme
im Rheinland 1843 bis 1850 - sind an
mehreren Straßen auch einige Chausseehäuser
eingetragen und mit dem Schriftzusatz
»Ch. H. « versehen.
Etwa bis zur Mitte des vergangenen Jahr·
hunderts wurden die Kunststraßen nach dieser
Anweisung ausgebaut. Auch beim Ausbau
der zahlreichen Bezirksstraßen wurde
danach verfahren.
Zur Unterhaltung der ausgebauten
Kunststraßen wurde 1819 eine Straßenbenutzungsgebühr
eingeführt. Die Wegegeld
Erhebung erfolgte nach dem »Chausseegeld-Tarif«
vom 31 . Januar 1819 (Gesetzsammlung
1819, S. 96). So wurde nach diesem
Tarif die Straßenbenutzungsgebühr auf
einigen Straßen des Regierungsbezirks Aachen
durch eine Verfügung vom 3. Januar
1821 angeordnet. Und zwar auf den Straßen
1. von Aachen nach Köln, 2. nach Trier
- von der Königlich Niederländischen Grenze
über Malmedy bis Bütgenbach und 3.
von Jülich über Titz nach Düsseldorf. Es
wurde sofort mit der Einrichtung von Barrieren
begonnen, denn an einigen Teilstrecken
dieser Straßen sollte schon am 1 . Februar
1821 das Chausseegeld erhoben werden.
Noch im gleichen Jahre hat man auch an der
Straße von Aachen nach Lüttich - bei Montzen
und am Weißen Haus - sowie an der
Straße vom Weißen Haus nach Eupen - bei
Baelen - Barrieren errichtet. Man war also
sehr bemüht, das Chausseegeld zu kassieren.
Die Einnahmestellen waren außer den
Schlagbäumen auch durch entsprechende
Tafeln kenntlich gemacht.
Am 21. Mai 1822, nebst Anhang vom 29.
Mai, wurde ein neuer Chausseegeld-Tarif
eingeführt. Damit sollten die Schwierigkeiten
beseitigt werden, die sich »nach der neuen
Münz-Eintheilung« ergeben würden. Die
Straßenbenutzungsgebühr richtete sich nach
der Fahrzeugart, der Breite der Räder und
dem Gewicht der Ladung. Sie wurde pro
Meile erhoben. Für beladene Frachtwagen
wurden je Pferd oder anderem Zugtier 2 Sil·
bergroschen, unbeladen 8 Pfennige erho·
ben. Waren die Räder der Wagen sechs Zoll
und breiter, dann wurde die Gebühr zur Hälf·
te ermäßigt. Fahrzeuge zur Personenbeför·
derung hatten beladen oder unbeladen je
Pferd 1 Silbergroschen und 4 Pfennige zu
entrichten. Alle übrigen Fahrzeuge, auch
Schlitten , mußten beladen je Zugtier 1 Silbergroschen
und unbeladen 4 Pfennige bezah·
len. Getriebene Pferde oder Maultiere kosteten
je Stück 4 Pfennige, Ochsen, Kühe oder
Esel 2 Pfennige. Befreit von der Gebühr waren
Fahrzeuge des »Königlichen Hauses«,
Militärfuhrwerke und Offiziere im Dienst, Kuriere,
Postboten und der landwirtschaftliche
Verkehr innerhalb der Gemeinde oder Feld·
mark.
Fahrzeuge mit sehr schmalen Rädern waren
zwar sportlicher und auch schneller, hinterlie·
Ben aber auf den überwiegend mit Kies be·
deckten Straßen besonders ausgeprägte
Spurrillen. Dadurch wurden wiederholte Ausbesserungen
in Folge erforderlich. Um hier
Abhilfe zu schaffen, hat man den Fahrzeughaltern
mit breiten Radfelgen Vergünstigungen
eingeräumt. Das ist einer Kabinettsorder
vom 8. November 1821 zu entnehmen. Da·
nach bekamen » .. . die Fuhrwerke, welche
mit Radfelgen von einer 6zölligen und
größeren Breite versehen sind, auf 3 Jahre,
bis zum 1. 1. 1825 Chaussee-Abgabe
Freiheit zugestanden«. Wie sich das
gleicht! Unter einem anderen Vorzeichen er·
halten heute die Kraftfahrzeuge, die umwelt·
schonender fahren, auch eine befristete
Steuerbefreiung.
Bereits am 28. April 1828 kam ein weiterer
Chausseegeld-Tarif zur Veröffentlichung. Da·
bei wurden einige Gebühren gesenkt. Seit
1838 wurde die Erhebung von Chausseegel·
dem auch auf die Bezirksstraßen ausgedehnt.
20
Dieser Entwurf von Meilensteinen wurde
am 13. Dezember 1834 - vermutlich
in Aachen - angefertigt. Er befindet
sich in den Akten der Regierung Aachen
im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf.
Der Entwurf ist auszugsweise wiedergegeben,
die in Ruten und Zoll angegebenen
Maße wurden in Meter umgerechnet.
Als der Entwurf angefertigt wurde, waren
die großen Obelisken mit den seitlich
ausladenden Steinbänken an den
dafür vorgesehenen Straßen des Regierungsbezirks
Aachen bereits aufgestellt.
Bei diesem Entwurf kann es sich
mithin nur um Meilensteine gehandelt
haben, die an den Bezirksstraßen aufgestellt
werden sollten.
Es ist denkbar, daß von den Bezirksregierungen
verschiedene Vorschläge
eingebracht worden sind. Man hat sich
dann für die Meilensteine entschieden,
die heute noch an den damaligen Bezirksstraßen
in den Regierungsbezirken
Aachen und Köln anzutreffen sind.
Mitunter stehen Bezirksstraßen-Meilensteine
auch noch in den Bauhöfen
der Straßenmeistereien. Es ist nicht
bekannt, daß der oben gezeichnete
Stein an den Bezirksstraßen, weder im
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Aachener noch im Kölner Raum, aufgestellt
worden ist.
Viertelmeilensteine sind in diesem Ent-
Zeichnung
für einen ganzen und halben
Meilenstein
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wurf schon nicht mehr vorgesehen. Ab
1837 hat man auch die Steine für eine
halbe Meile wegfallen lassen.
1
Straßenweise Zusammenstellung der heute noch
vorhandenen Meilensteine
Nach der kartenmäßigen Erfassung der heute
noch vorhandenen Meilensteine wurde offensichtlich,
daß zahlreiche Steine - Obelisken
und Glocken - im Verlaufe der Zeit versetzt
worden sind, Die Abstände der Steine
untereinander entsprechen vielfach nicht
mehr der ursprünglich vorgesehenen Meilenunterteilung.
Zum Teil bestehen sogar erhebliche
Unterschiede,
Für die Straße von Köln über Jülich - Aachen
und weiter in Richtung Lüttich ergaben
sich ungefähre Standortangaben aus der
Berechnung der » Transport Kosten« im bereits
aufgeführten Kostenvoranschlag vom
9. September 181 7. Diese Hinweise waren
aber nur Anhaltspunkte und betrafen zudem
nur diese Straße.
Zur Überprüfung der Standpunkte der Meilensteine
war die Möglichkeit gegeben, Einsicht
in die Unterlagen der Kataster-Uraufmessungen
zu nehmen, die im damaligen
Regierungsbezirk Aachen ab 1820 gemeindeweise
durchgeführt worden sind
(Amts=Blatt der Regierung zu Aachen, Nr.
19 vom 13. April 1820 und folgende Jahre).
Bedauerlicherweise sind diese alten Katasterunterlagen
nicht mehr vollständig vorhanden.
Außerdem hat man die rein topographischen
Elemente, wie z. B. die Meilensteine,
nicht systematisch eingemessen. Wenn
überhaupt, wurden vermutlich ohnehin nur
die großen Obelisken für eine volle Meile aufgenommen.
Demzufolge konnten nur einige
Meilensteine, jedoch über alle Straßen verteilt,
ausfindig gemacht werden.
Auch in den Kartenblättern 1 : 25 000 der
Preußischen Uraufnahme (Urmeßtischblätter)
, deren Herstellung im Rheinland 1843 bis
1850 durch preußische Offiziere stattgefunden
hat, sind doch zahlreiche Meilensteine,
und zwar Obelisken und Glocken, durch Signaturen
{LI.) dargestellt und mit Entfernungsangaben
(1 /4, 1/2, 3/4, 1 Meile usw.)
versehen. Obwohl in den »Musterblättern
für die topographischen Arbeiten des
Königlich Preußischen Generalstabes« der
Jahre 1818 und 1848 die Darstellung der
Meilensteine in der o. a. Form vorgeschrieben
war, hat man sich nicht konsequent an
die Vorschrift gehalten. Das hatte zur Folge,
daß nicht alle Meilensteine dargestellt worden
sind. In einigen Kartenblättern wurden
gar keine Meilensteine eingetragen.
1893 bis 1901 erfolgte im Rheinland eine
weitere Preußische Kartenaufnahme im Maßstab
1 : 25 000. In den Blättern dieser Neu-
21
aufnahme sind grundsätzlich keine Meilensteine
mehr dargestellt, denn im Musterblatt
von 1876 ist erstmalig die Aufnahme der Kilometersteine
vorgeschrieben.
Die in den alten Kataster-Unterlagen und in
den Urmeßtischblättern nachgewiesenen
Meilensteine waren besonders wichtig für
die Überprüfung der heutigen Standpunkte.
Mit Hilfe dieser Steine und den bekannten
Ausgangspunkten der Straßen ließen sich
die Meilenunterteilungen an den Straßen im
Aachener Raum lückenlos nachvollziehen
und durch graphische Längenermittlungen
zusätzlich überprüfen. Weitere Angaben
SKIZZE DER
ALTEN STRASSEN IM AACHENER RAUM,
AN DENEN HEUTE NOCH MEILENSTEINE
OBELISKEN UND GLOCKEN - STEHEN.
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hierzu sind bei den betreffenden Straßen
oder Meilensteinen enthalten.
Die Hinweise auf die linke oder rechte Straßenseite
beim Straßenverlauf und bei den
Standpunktbeschreibungen sind immer vom
Ausgangspunkt der Straße aus zu verstehen.
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AACHEN
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An den Straßen des Aachener Raumes stehen heute noch 11 Meilensteine und 10 Glocken {die Vollständigkeit der Glocken ist
nicht unbedingt gegeben). Davon entfallen auf das Stadtgebiet Aachen: 3 Meilensteine und 3 Glocken; auf die Kreise Aachen:
5 Meilensteine und 2 Glocken; Düren: 2 Meilensteine und 5 Glocken und auf das.flTenznahe belgische Gebiet 1 Meilenstein
zwischen Kelmis und dem Weißen Haus. Im Stadtgebiet Aachen stehen noch 3 weitere Glocken. 2 davon als Denksteine und
eine Glocke als Sockel für einen Höhenpunkt.
22
Straße von Köln über Jülich - Aachen
und weiter in Richtung Lüttich
Der nachgebildete römische Meilenstein in Heerlen.
Diese Straße war in der damaligen Zeit die
bedeutendste im Aachener Raum. Der Straßenabschnitt
Köln - Jülich war sogar schon
ein Teilstück der nördlichsten kontinentalen
Ost-West-Verbindung des Römischen Reiches.
Kaiser Augustus erteilte den Auftrag
zum Bau dieser Straße. Sie verlief von der
Hauptstadt Niedergermaniens, Köln (Colonia
Claudia Ara Agrippinensium - CCAA), geradlinig
über Jülich zur heutigen Landesgrenze
bei Rimburg und weiter über Heerlen (im
Zentrum der Stadt steht heute ein nachgebildeter
römischer Meilenstein) - Maastricht -
Tongeren - Liberchies - Bavai - Arras -
Therouanne nach Boulogne-sur-mer. Etwa
um Christi Geburt erreichte der Straßenbau
Jülich. Viele Städte verdanken ihre Entstehung
dieser Straße. So auch Jülich (Juliacum),
das sich aus einem Militärposten an
der Furt durch die Rur zur heutigen Stadt
entwickelt hat.
Im Mittelalter kam die »alte Römerstraße«
als ein Teilstück der Verbindung zur Kaiserstadt
Aachen wieder zu großer Bedeutung.
Unter Napoleon wird die Straße Köln - Jülich
- Aachen und weiter in Richtung Lüttich als
»Grande Route« in den unter Oberst Tranchot
hergestellten Karten nachgewiesen. Bei
den Preußen wird diese Straße als eine
»Staatsstraße erster Klasse« eingestuft, an
der 1817/1818 die Meilensteine aufgestellt
werden.
Insgesamt wurden an dieser Straße, soweit
sie durch den damaligen Regierungsbezirk
Aachen verlief, also zwischen der Escherbrücke
und dem Weißen Haus im ehemaligen
Kreis Eupen, sieben Obelisken als ganze
Meilensteine, sechs Glocken als halbe
und 13 Glocken als Viertelmeilensteine gesetzt.
Eine Glocke für eine halbe Meile mußte
in Aachen »wegen Beschränkung des
Raumes füglich weggelassen« werden. Es
war die Glocke am »Jacobs Thor«. Auch
zwei Viertelmeilensteine wurden nicht aufgestellt.
Vermutlich waren das die Glocken in
Jülich (5¾ Meilen) und in Aachen am »Cöln
Thor« (9¼ Meilen). Heute sind an dieser
Straße noch fünf Obelisken und sechs Glokken
anzutreffen.
In den bisher eingesehenen noch vorhandenen
Unterlagen der Kataster-Uraufmessung
ist an diesem Straßenverlauf nur ein Meilenstein
nachgewiesen. Und zwar der Meilenstein
in der Ortschaft Neusen, heute Teil
der Stadt Würselen, der jedoch schon lange
nicht mehr vorhanden ist.
Im Gegensatz dazu wurden in den Urmeßtischblättern
1 : 25 000 der Aufnahme 1843
bis 1850 entlang dieser Straße zahlreiche
Meilensteine aufgenommen. So sind in den
Kartenblättern 5005 Bergheim, 5004 Jülich,
5003 Linnich und 5103 Eschweiler, in denen
der Straßenverlauf von Bergheim bis Broichweiden-Neusen
dargestellt ist, nahezu alle
Meilensteine - Obelisken und Glocken - eingetragen.
Ausgenommen sind die Steine im
Bereich der Ortslage Jülich. Für den weiteren
Verlauf der Straße von Neusen über Aachen
in Richtung Lüttich sind in den betreffenden
Kartenblättern allerdings keine Meilensteine
mehr dargestellt.
Auch in der Topographischen Karte
1 : 25 000 (TK 25) - 5004 Jülich (Berichtigungsstand
der 70er Jahre) sind an der
Bundesstraße 55 im Bereich der Ortslage
Stetternich zwei Meilensteine dargestellt. Der
westliche Stein ist auf der rechten (nördlichen)
Straßenseite eingetragen. Er war identisch
mit dem Meilenstein - KOELN 5 MEI-
LEN. Allerdings hat dieser Stein ursprünglich
etwa drei Kilometer in Richtung auf Köln zu
gestanden. Mit dem östlichen Stein, der im
Bereich des Lindenberger Waldes auf der
linken (südlichen) Straßenseite eingetragen
ist, war eine Glocke gemeint, die jedoch ab-
23
handen gekommen ist. Diese Glocke paßte
genau in die ursprüngliche Meilenunterteilung.
Sie war 5¼ Meilen von Köln entfernt.
Im Sommer 1987 hat der Landschaftsverband
Rheinland - Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
/ Außenstelle Niederzier
Harnbach - anläßlich der Ausgrabungen an
der stillgelegten B 55 zwischen der Sophienhöhe
und Steinstraß auch einen Viertelmeilenstein
gefunden. Die Glocke stand am
rechten (nördlichen) Straßenrand, etwa 1200
Meter westlich von Steinstraß. Die Glocke
paßt ebenfalls gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung,
sie war 4¾ Meilen von Köln
entfernt.
An dieser Straße bestanden somit ausreichende
Möglichkeiten, durch Vergleiche und
graphische Längenermittlungen, die Standpunkte
der heute noch vorhandenen Obelis-
ken und Glocken zu überprüfen. Die Entfernungen
vom Nullpunkt dieser Straße zu den
Steinen mit unveränderten Standpunkten sowie
die Distanzen zwischen diesen Steinen
stimmen sehr gut. Aber sowohl der Meilenstein
in Belgien zwischen Kelmis und dem
Weißen Haus als auch alle Obelisken und eine
Glocke zwischen Stettemich und Hoengen
haben im Verlaufe der Zeit die ursprünglichen
Standpunkte gewechselt. Bei den
ganzen Meilensteinen betragen die Standpunktveränderungen
jeweils rund drei Kilometer.
Auch die Glocke für eine halbe Meile
hinter Jülich hat ursprünglich nicht dort gestanden.
Es ist zu vermuten, daß bei den Straßenbauarbeiten
in den vergangenen Jahrzehnten
die Steine vorsorglich entfernt wurden, um
sie vor Beschädigungen zu schützen. Später
hat man sie wieder an der Straße aufgestellt
und dabei die Standpunkte wohl nach Belieben
ausgewählt. Die Steine paßten dann
zwar nicht mehr in das Gesamtsystem, wurden
aber dadurch bis heute erhalten.
Noch ein weiterer Stein ist an dieser Straße
erhalten geblieben. Es handelt sich hierbei
um einen besonderen Nummerstein, der
gleichzeitig auch eine bestimmte Grenze
kennzeichnete. Auch dieser Stein ist im Urmeßtischblatt
5005 Bergheim als Signatur
eingetragen. Er wurde an der Escherbrücke
aufgestellt, denn hier befand sich allem Anschein
nach bezüglich der Unterhaltung dieser
Straße eine Zuständigkeitsgrenze zwischen
den Regierungsbezirken Köln und Aachen.
Weitere Hinweise sind bei den betreffenden
Steinen aufgeführt.
v---
!Conturlin-ien
Schwarz
Ursprüngliche Standpunkte.
Heute stehen hier keine Steine
mehr.
Heutige Standpunkte der Heileneteine,
davon einig~ mit
veränderten Standpunkten.
Zusätzl. Punkt: Steine mit veränderten Standpunkten.
Damaliger Straßenverlauf.
Ehemalige ijegierungsbezirksgrenze
westlich von Esch.
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:t "'
;;
:r
0 1 2 3 4 5 6 7 "t,:kll
Preußische Meilensteine an der Straße von KÖLN über JÜLICH-AACHEN und weiter in Richtung LÜTTICH.
24
Grenz- und Nummerstein (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS-STEIN) an der Escherbrücke
Fotos: H. Lilienthal - Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Amt f. Bodendenkmalpflege, Außenstelle Niederzier.
Der Stein sieht wie ein Obeliskenstumpf aus
und hat eine Gesamthöhe von 1,25 m. Die
quadratische Basisbreite beträgt 50 cm , die
obere Breite 42 cm. Der Sockel ist 61 cm
breit und etwa 20 cm hoch. Als Material wurde
dunkelgraue Basaltlava verwendet. Bis
auf einige Einschüsse an der Oberfläche befindet
sich der Stein in einem guten Zustand.
Die Aufstellung des Steines erfolgte an der
Escherbrücke an der. linken - südlichen -
Straßenseite. Auf den Seitenflächen ist richtungweisend
zugeordnet nach Osten hin
»R.B. Cöln« und nach Westen hin »R. B.
Aachen« eingemeißelt (R.B. = Regierungsbezirk).
Die von der Straße aus lesbare Beschriftung
auf der Vorderseite des Steines
»GRENZE - NQ 407 x 11, 7o von Cöln«
hat folgende Bedeutung:
Die Nummersteine wurden in Abständen von
20 Ruten (75,32 Meter) aufgestellt und für
jede Straße von ihrem Anfangspunkt aus
durchlaufend numeriert. Mit der 407 ist die
laufende Nummer des Nummersteins gemeint,
die besagt, daß der Stein 407 mal 20
Ruten , also 8 140 Ruten von Köln entfernt
ist. Nun war die für diesen Nummerstein festgelegte
Entfernung nicht mit der Grenze
identisch, die hier aufgezeigt werden sollte.
Die zusätzliche Distanz bis zur Grenze ist
auf dem Stein als zweite Zahlengruppe mit
+ 11,7 Ruten angegeben. Die Gesamtentfernung
vom Ausgangspunkt in Köln bis zu dieser
Grenze betrug somit 8 151,7 Ruten.
Da 8 000 Ruten vier Meilen entsprechen,
stand dieser Grenz- und Nummerstein 151 ,7
Ruten oder 571 Meter über den 4. vollen
Meilenstein hinaus. Eine Überprüfung hat ergeben,
daß diese Entfernung mit der
Escherbrücke zusammenfällt. In dem betreffenden
Blatt der topographischen Uraufnahme
1 :25 000 aus dem Jahre 1845 sind sowohl
der Meilenstein - KOELN 4 MEILEN -
als auch der Grenz- und Nummerstein als
Signatur an der Escherbrücke eingetragen.
Mit der Escherbrücke war eine Brücke in dieser
Straße über einen kleinen Wasserlauf,
das »Escher Fließ «, gemeint. Sie befand
sich genau südlich des Dorfes Esch. Diese
Escherbrücke wird in den alten Unterlagen
sehr häufig genannt und als Grenze zwischen
den Regierungsbezirken Köln und Aachen
bezeichnet. So wird im »Kosten Anschlag«
vom 9. September 1817 wiederholt
auf die Departemental-Grenze an der
Escherbrücke Bezug genommen. Auch von
der Kölner Seite aus beziehen sich die Hin-
25
weise auf die Escherbrücke. Im »Oeffentlichen
Anzeiger von Aachen« des Jahres
1842 - Nr. 19, Seite 96 - wird die Instandsetzung
der Köln - Lütticher Straße durch
den Königlichen Ober=Wegebau=lnspektor
Freymann aus Deutz öffentlich ausgeschrieben.
Unter anderem heißt es da: ». .. zur
Instandsetzung der Strecke von Brockendorf
( damit ist ein an dieser Straße liegender
Gutshof gemeint) bis zur Grenze des R e
gierungsbezirks Aachen bei Escherbrück
auf 1104 Ruthen Länge: .. .«
Obwohl die Hinweise auf die Regierungsbezirksgrenze
an oder in der Nähe der Escherbrücke
eindeutig sind, ist die Grenze zwischen
den Regierungsbezirken Köln und Aachen
im Verlauf dieser Straße nach den zur
Verfügung stehenden Unterlagen niemals
soweit östlich verlaufen. Weder in den bisher
gesichteten Katasterunterlagen noch in einigen
Karten des Regierungsbezirks Aachen
mit sehr unterschiedlichen Herausgabejahren
- 1823, 1833, 1841 , 1865 - ist die Regierungsbezirksgrenze
an der Escherbrücke
dargestellt. Sie befand sich in allen Karten
doch wesentlich weiter westlich auf Steinstraß
zu.
Aus diesem Grunde liegt die Annahme nahe,
daß sich an der Escherbrücke allem Anschein
nach eine Zuständigkeitsgrenze für
die Unterhaltung der Köln-Lütticher Straße
befunden hat. Eine bestimmte abgrenzende
Bedeutung zwischen den Regierungsbezirken
Köln und Aachen muß die Escherbrücke
gehabt haben, denn schließlich hat man ja
den Grenz- und Nummerstein dort aufgestellt.
Auch wenn es nur eine Zuständigkeitsgrenze
war, sind die Hinweise auf den Seitenflächen
des Steines - R.B. Cöln und R. B.
Aachen - sinngemäß trotzdem richtig .
Vermutlich ist dieser Stein von der Regierung
Köln aufgestellt worden. Für diese Annahme
spricht, daß der Stein aus Basaltlava gefertigt
ist. Dieses Gestein kommt nicht aus den
Steinbrüchen in und um Komelimünster, in
denen die Meilensteine für diese Straße gefertigt
worden sind.
Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach
1845 wurde der Stein an die tatsächliche
Regierungsbezirksgrenze versetzt. Sein
Standpunkt befand sich seitdem an dem
heute nicht mehr vorhandenen Forsthaus
Eschergewähr, rund 1 500 Meter westlich
der Escherbrücke. Die von Westen kommende
und am nördlichen Straßenrand verlaufende
Regierungsbezirksgrenze überquerte
an dieser Stelle die Straße und verlief am
südlichen Straßenrand weiter nach Osten
hin.
Der Stein stand nun an der rechten (nördlichen)
Straßenseite. Dadurch blieb die Zuweisung
zu den Regierungsbezirken erhalten.
Die nun nicht mehr zutreffende Entfernungsangabe
war jetzt nur rückseitig lesbar.
Diesen Standpunkt hat der Stein bis zum 23.
November 1988 behalten. Er wurde entfernt,
weil dieser Straßenabschnitt der B 55 schon
seit geraumer Zeit stillgelegt ist und in den
Tagebau Harnbach fällt.
Am 15. Dezember 1988 wurde die
»Bundesstraße 55 neu«, die von Bergheim
Eisdorf kommt, den Tagebau Harnbach
nördlich umgeht und nach Jülich-Mersch verläuft,
dem Verkehr übergeben. Aus diesem
Anlaß hat man den Grenz- und Nummerstein
jetzt an dieser neuen Straße aufgestellt. Er
kennzeichnet nun die Grenze zwischen dem
Kreis Düren und dem Erftkreis, die bis Ende
1971 auch die Grenze zwischen den Regierungsbezirken
Köln und Aachen war. Der
Stein steht nun wieder auf der linken Straßenseite
und die Schrift ist von der Straße
aus lesbar. Allerdings treffen die Entfernungsangaben
nicht mehr ganz zu. Wichtig
ist jedoch, daß dieser preußische Nummerstein
erhalten werden konnte.
Glocke westlich von Steinstraß
Foto: Landschaftsverband Rheinland - Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
- Außenstelle Niederzier
1/4 Meilenstein - . Diese Glocke stand auf
der rechten (nördlichen) Seite der Bundesstraße
55, rd. 1200 Meter westlich von
Steinstraß und etwa 950 Meter östlich der
Försterei Neulich. Der Glocke gegenüber,
auf der linken (südlichen) Straßenseite, führt
nach Südwesten der Turmweg in den
Staatsforst Harnbach hinein.
Wegen des Braunkohletagebaues Harnbach
1 wurde die Bundesstraße 55 in diesem Bereich,
von der Sophienhöhe am Nordrand
der Abraumhalde bis zur aufgegebenen
Ortslage Steinstraß-Lich, stillgelegt. Das
Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege bekam
dadurch die Möglichkeit, an dieser antiken
Straße, die von mittelalterlichen und neuzeitlichen
Ausbauten und Verbreiterungen
überlagert ist, Ausgrabungen vorzunehmen
und die Abfolge der Trassierungen zu untersuchen.
In unmittelbarer Nähe der Ausgrabungsstelle
wurde auch dieser Meilenstein,
eine Glocke für eine Viertelmeile, gefunden.
Der Stein ist allerdings stark beschädigt.
Diese Glocke paßt sehr gut in die ursprüngliche
Meilenunterteilung. Sie war 4¾ Meilen
von Köln entfernt. Etwas verwunderlich ist
jedoch, daß die Glocke auf der rechten Straßenseite
stand. Vermutlich wurde sie gelegentlich
einer Straßenverbreiterung oder
beim Ausbau eines Straßengrabens auf die
gegenüberliegende Straßenseite versetzt.
Die Glocke befindet sich z. Zt. beim Rheinischen
Amt f. Bodendenkmalpflege, Außenstelle
Niederzier-Harnbach.
26
Meilenstein
- KOELN 5 MEILEN -
Dieser Meilenstein stand einige Jahrzehnte in
Jülich-Stetternich auf der rechten Seite der
Bundesstraße 55, etwa 250 Meter vor der
letzten Straßenkreuzung am Ortsende.
Der Obelisk war in seiner ganzen Höhe
sichtbar. Den Sockel konnte man noch eben
erkennen, er befand sich als Fundament im
Erdreich. Die Steinbänke waren nicht mehr
vorhanden. Der Stein hatte nur einige kleine
Schadstellen, die jedoch ausgebessert waren
.
Der ursprüngliche Standpunkt des Meilensteins
befand sich ungefähr 3 km weiter östlich
zwischen Stetternich und Steinstraß. Der
Stein stand auf der südlichen Straßenseite,
etwa 230 m westlich vom ehemaligen Gut
Neulich, das 1978 in den Braunkohlentagebau
Harnbach gefallen ist. Bereits zu diesem
Zeitpunkt befand sich der Obelisk nicht mehr
beim Gut Neulich. Der Grund und der Zeitpunkt
für die Versetzung des Meilensteins
nach Stetternich konnten nicht festgestellt
werden.
Seit Mitte 1992 gehört dieser Meilenstein zu
dem Ensemble »Preußischer Meilensteine«,
das im stillgelegten Straßenabschnitt
der B 55 westlich der Sophienhöhe aufgestellt
worden ist.
27
Glocke hinter Jülich
- ½ Meilenstein -
Die Glocke stand auf der linken Seite der
Bundesstraße 55 zwischen der Rurbrücke in
Jülich und dem Wirtshaus Königshäuschen,
etwa 300 Meter vor der nach links abgehenden
Straße nach Bourheim.
Die Glocke ist gut erhalten. Sie paßt aber
nicht in die ursprüngliche Meilenunterteilung.
Die Glocke für eine halbe Meile - 5 ½ Meilen
von Köln - stand ursprünglich zwischen
Stetternich und Jülich, etwa 300 Meter östlich
vom Gut Jägerhof.
Auch diese Glocke für eine halbe Meile wurde
Mitte 1992 an dem stillgelegten Straßenabschnitt
der B 55 westlich der Sophienhöhe
aufgestellt.
Glocke zwischen Jülich und
Aldenhoven - ¼ Meilenstein -
Die Glocke steht auf der linken Seite der
Bundesstraße 55, rund 400 Meter hinter der
Autobahn-Anschlußstelle Jülich - Koslar, etwa
70 Meter vor dem alleinstehenden Gebäude
auf der linken Straßenseite.
Die Glocke für eine viertel Meile ist beschä·
digt. Sie paßt gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung
und ist 6 ¼ Meilen von Köln entfernt.
Der Standpunkt ist unverändert.
28
Meilenstein zwischen Jülich und Aldenhoven
- KOELN 6 MEILEN -
Der Meilenstein steht auf der rechten (nördlichen)
Seite der Bundesstraße 55, etwa gegenüber
einer Abzweigung zum Gewerbegebiet
von Aldenhoven, das hier auf der linken
Straßenseite beginnt.
Bisher waren nur etwa 2,70 m von dem
Obelisk zu sehen. Der Sockel fehlte ganz.
Als 1991 an dieser Stelle eine Straßenverbreiterung
erforderlich wurde, mußte der
Meilenstein etwas zur Seite gesetzt werden.
Bei dieser Gelegenheit hat man den Stein restauriert
und auf einen neuen Sockel gesetzt.
Der Stein steht nun wieder in seiner
vollen Größe von 3,55 m am Straßenrand.
Leider fehlen noch die seitlichen Steinbänke.
Auch der Adler und die Schrift sollten wieder
schwarz übermalt werden.
Dieser Meilenstein stand ursprünglich rund 3
km weiter östlich auf Jülich zu , etwa 550
Meter vor der Rurbrücke.
29
Glocke vor Aldenhoven
- ½ Meilenstein -
Der Stein steht auf der linken Seite der
Bundesstraße 55, etwa 200 Meter vor der
Straßengabelung am Ortsanfang von Aldenhoven.
Die Glocke für eine halbe Meile paßt gut in
die ursprüngliche Meilenunterteilung. Sie ist
6 ½ Meilen von Köln entfernt. Der Standpunkt
ist unverändert.
Glocke zwischen Schleiden und
Hoengen - ¼ Meilenstein -
Die Glocke steht auf der linken Seite der
Landstraße 136, etwa in der Mitte zwischen
Schleiden und Hoengen.
Der Stein ist im oberen Teil der Rundung erheblich
beschädigt. Auch einige Risse sind
zu sehen.
Die Glocke paßt gut in die ursprüngliche Meilenunterteilung.
Sie ist 7 ¼ Meilen von Köln
entfernt. Der Standpunkt ist unverändert.
30
Meilenstein am Ortsanfang von
Hoengen - KOELN 7 MEILEN -
Der Meilenstein steht auf der rechten (nordwestlichen)
Seite der Landstraße 136, kurz
hinter der Brücke einer Straßenüberführung
(der Autobahn-Zubringer führt hier über die L
136).
Der Obelisk ist nahezu in seiner ganzen Größe
sichtbar. Der Sockel ist zwar nicht zu sehen,
er könnte sich aber unter dem Stein befinden
und ihm den erforderlichen Halt geben.
Die beiden Steinbänke fehlen.
Der Stein ist in gutem Zustand. Einige kleine
Schadstellen und die Fugen sind mit dunklem
Zement ausgefüllt.
Dieser Meilenstein stand ursprünglich etwa 3
km in Richtung Jülich zwischen Aldenhoven
und Schleiden, rund 600 Meter vor dieser
Ortslage. Er hat dort auf der südöstlichen
Straßenseite gestanden.
31
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KOELN
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In diesem Stückvermessungs-HandriB Nr. 1 - Flur 25 (genannt Neusen), Gemeinde Broich - einer Vermessung aus dem Jahre
1864, ist am rechten Straßenrand mit No. 8,00 bezeichnet(= 8 Meilen von Köln) und mit einem kleinen Dreieck dargestellt, der
Meilenstein aufgemessen. Die Lage entspricht der Aussage im »Kosten A nschlag« vom 9. September 1817. Der Stein ist schon
lange nicht mehr vorhanden.
32
Glocke beim Grundhaus in Aachen - ¼ Meilenstein -
Sie steht auf der linken Seite der Lütticher
Straße (Bundesstraße 264), etwa 120 Meter
vor dem Grundhaus.
Der Stein befindet sich in einem guten Zustand.
Die Glocke paßt noch in die Meilenunterteilung.
Der Abstand zum folgenden Meilenstein
beträgt rund eine Viertel-Meile.
33
Meilenstein an der
Lütticher Straße
- KOELN 10 Meilen -
Der Meilenstein steht auf der linken (südlichen)
Seite der Lütticher Straße (Bundesstraße
264), etwa in der Mitte zwischen dem
Restaurant Waldschenke und der Zufahrt
zur Preuswaldsiedlung, direkt an einer nach
links abgehenden Straße.
Es ist bekannt, daß der Meilenstein etwa seit
1930 an dieser Stelle steht. Lediglich beim
Straßenausbau 1966/67, als man diesen
Straßenabschnitt erheblich tiefer gelegt hat,
wurde der Stein auf engstem Raum etwas
bewegt. Da dieser Teil der Straße schon immer
durch den Aachener Wald führte und
der Stein daher für seine Nachbarschaft nie
eine Behinderung gewesen sein kann, ist mit
Sicherheit anzunehmen, daß der Standpunkt
des Meilensteins unverändert geblieben ist.
Der Obelisk ist noch gut erhalten. Kleinere
Schadstellen sind ausgebessert. Einige Risse
sind jedoch zu erkennen. Allerdings sind
der Sockel und die beiden Steinbänke fast
vollständig mit Erde bedeckt und grasbewachsen.
Eine Freilegung dieser Teile des
Meilensteins wäre wünschenswert.
Meilenstein im grenznahen
belgischen Gebiet
- KOELN 11 MEILEN -
Das grenznahe belgische Gebiet war in der
damaligen Zeit ein Teil Preußens und gehörte
zum Kreis Eupen im Regierungsbezirk Aachen.
Die Grenze verlief in diesem Abschnitt
- von Neutral Moresnet bis zum Weißen
Haus - in der Mitte der Landstraße. Natürlich
wurden auch an dieser Straße die preußischen
Meilensteine aufgestellt.
Der Meilenstein - KOELN 11 MEILEN - ist
heute noch an dieser Straße zu sehen. Er
steht zwischen Kelmis - Neu Moresnet und
dem Weißen Haus, auf der linken Seite der
jetzigen Nationalstraße 3, die nach Lüttich
führt. Etwa 150 Meter vor dem Stein zweigt
nach rechts eine Straße nach Moresnet ab.
Vom Zollamt Bildchen ist der Meilenstein ca.
5,3 km entfernt.
Bis auf einige kleine Schadstellen und Risse
ist der Obelisk gut erhalten. Allerdings ist die
Schrift nur noch schwach zu erkennen. Der
Meilenstein ist in seiner ganzen Größe, einschließlich
Sockel und Steinbänken zu sehen.
Der Standpunkt des Meilensteins ist verändert.
Nach einer graphischen Längenermitt-
- lung muß dieser Stein ursprünglich etwa 500
Meter weiter in Richtung Lüttich auf der gleichen
Straßenseite gestanden haben.
34
Glocke im grenznahen
belgischen Gebiet
- ¼ Meilenstein -
Anfang April 1986 lag diese Glocke im linken
Straßengraben der nach Lüttich führenden
Nationalstraße 3, ungefähr 550 Meter vor
dem Weißen Haus.
Aus dem »Kosten Anschlag« vom 9. September
1817 ist zu ersehen, daß hier beim
Weißen Haus die letzte Glocke an dieser
Straße - ein Viertelmeilenstein - aufgestellt
werden sollte. Nach der graphischen
Längenermittlung hätte die Glocke aber
noch näher beim Weißen Haus stehen müssen.
Die Glocke ist heute nicht mehr vorhanden.
36
Das Weiße Haus (Maison Blanche) in Belgien an der Straße Aachen-Lüttich
Hier am Weißen Haus verließ die Straße
Köln-Jülich-Aachen und weiter nach Lüttich
und Paris das preußische Gebiet. Auf dem
Bild ist es die von links kommende Straße im
Vordergrund. Rechts vom Weißen Haus
geht die Straße nach Eupen. Auch auf dieser
Straße verlief die Landesgrenze bis weit
hinter Herbesthal in der Straßenmitte.
Am Weißen Haus müßte auch der letzte
Nummerstein - vermutlich ein größerer
Grenz- und Nummerstein - gestanden haben.
Es ist nicht anzunehmen, daß der helle
Stein an der vorderen Gebäudeecke, der im
oberen Teil abgebrochen ist, ei_n Nummerstein
sein könnte. Er hat in der äußeren
Form überhaupt keine Ähnlichkeit mit den
bisher bekannten Nummersteinen.
Man kann davon ausgehen, daß es sich hierbei
um einen Landesgrenzstein handelt. Auf
der gegenüberliegenden Seite der Lütticher
Straße steht nämlich ein ähnlicher Stein. Da
die Landesgrenze hier in der Mitte der Straße
verlief, wurden mit größter Wahrscheinlichkeit
auf beiden Seiten der Straße die Landesgrenzsteine
aufgestellt.
Der noch vorhandene alte Landesgrenzstein
auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Er
hat die Nummer 187. Die äußere Form entspricht
dem Stein an der Ecke des Weißen
Hauses. Die bei diesem Stein sichtbare sokkelähnliche
Verbreiterung im unteren Teil
wird sich bei dem hier aufgezeigten Stein im
Boden befinden. Vermutlich hatten beide
Steine auch die gleiche Nummer. In den Blättern
der Preußischen Kartenaufnahme
1 : 25 000 - Neuaufnahme - (im Rheinland
1893-1901) sind diese Landesgrenzsteine
sämtlich eingetragen und mit ihren Nummern
versehen . Erfreulicherweise sind diese alten
Landesgrenzsteine heute noch überwiegend
an den ursprünglichen Standpunkten anzutreffen.
37
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Unterlage vom Katasteramt
des Kreises Aachen.
Auf dieser alten Karte ist der Grenzverlauf zur preußischen Zeit an der Straße Aachen-Lüttich, zwischen Moresnet und dem
Weißen Haus sowie an der Straße vom Weißen Haus in Richtung Eupen wiedergegeben. Das Weiße Haus (Maison Blanche)
wurde zusätzlich eingetragen.
38
Ein Stein, der an der Jülicher Straße im Alsdorfer
Stadtteil Hoengen-Mariadorf, gegenüber
dem Haus Nr. 22 zu sehen ist, soll nicht
unerwähnt bleiben. Er steht in direktem Zusammenhang
mit der Straße Köln-Jülich-Aachen,
denn hier ist vor nahezu 150 Jahren
ein Postillon tödlich verunglückt. Der heute
ca. 1,60 Meter hohe Gedenkstein erinnert an
dieses tragische Geschehen. Auf einem Foto
aus dem Jahre 1939 bestand der Gedenkstein
ursprünglich nur aus dem kubusähnlichen
Unterteil mit der Inschrift und dem
obeliskenförmigen Oberteil mit dem erhaben
herausgemeißelten Kreuz. Der zweifach abgestufte
Sockel wurde demnach erst in jüngerer
Zeit daruntergesetzt.
Da die Inschrift auf dem schon etwas verwitterten
Stein nicht mehr klar zu erkennen ist,
wurde sie wortgetreu auf eine danebenliegende
Platte eingetragen. Sie lautet:
Gedenkstein
für einen verunglückten Postillon
Den 25. Februar 1845 starb hier durch Umsturz
des Postwagens der königlich preußische
Post Conducteur Josef August Waezedski,
geb. den 28. August 1792 zu Stanowa,
Regierungsbezirk Posen.
Dem nebenstehend aufgezeigten Ausschnitt
»Post = Angelegenheiten« aus dem
Amtsblatt der Regierung zu Aachen , Jahrgang
1822, Seiten 397-401 , ist zu entnehmen,
daß die Postrouten zwischen Aachen
und Köln - sowohl über Jülich als auch über
Düren - am 1 . November 1822 von der
»Königlich Preußischen Post« übernommen
und auch befahren wurden. Zuvor verkehrten
auf diesen Postlinien Privatposten.
i' o jl, X n~ e legen~ e i t elf,
%1d) tinnn !&f~fufft er. Dur~aud}t br& i}tun etaatgf41t3(ni Wüttlm \1011 S}ctrbtn&tr!J,
unb nad} btr !8rflimmung brß bobrn jij,nigl, ~tnrral=l).)oilamt6 In !8erlln f oßrn, ba bit Jmi~
f~rn btr obtrfltn .stönig!. l).)ofl&eb~rbt unb btn twtrr,reneur6 &t&rübtr S}rutftu unb 6türJ
in !Uad.)en, fangt unb l))au!i all~itr &tflanbrnr Jtontrcaftt, übtt bllß rin~1~ei!rn, unb auf
feint &eflitnmte 3fit ,on ~a~rrn iOnrn ijdaffm !Rtd)t, awifd.)rn .ltö!n unb !lladJrn, fonn,~( auf
btr !Route ü&rr ;tlürtn a!6 i16tr ~üli~, fo niir Jtllifd}t11 ~Hn unb !Bonn, l))oflrc,.tgrn fiir i~re
ffltd)nung grbrn au !nfftn, mit (fobt bltftß IDlonnt6 a&laufrn - bitfr l).)rii,atpoiltn aofär~~l-en,
unb auf brfngtnr !Routen l).)oflen fär .ltrnigr. !Rrd}nung, nacfJ brn !llrbfüfnilfrn bfG 6tnnt6 un~
brG ').lub!itumG, ringtrid)trt rorrbrn. Dirft <!inrid)tung, l>ir kreit6 \ll)f&ertittt, ll>irb mit brin
1, !lfo11rm1'tr birfte ~,tbrrß wir f~!gt aur !lluGfüf,rung f~1nm:
fß ll>irb nm 1, fiinftigrn rolonat6 a& tii9!id) eint mit 4 ,ftrbtn &tfritnntt ted,mrllpojl
t>on .lt'oln um 8 U~r IDlorgtmJ nnd} 9fod,,tn
unb i,on !!lnd.)m um 7 U~r !Dlorstnß nacfJ $töln
u&tr ~Mief> unb !Btrgl)fim o&grfanbt 1Wrbtn, unb birft l).lofl Hn 9fod,,ttt Uffl· .2 Y, U~r !J?ad}niit:
tagG in .1töln, fo n,ir 110n .1trln um 4 Ut,r ffiad)mittng6 in !llad)tn tintrtffm, Da&ti iff ouf btr
~our un !ö!n nad} !!fod}en in Sülid.) rint t,al&t E:tunbt aum !!fuftnrl,a!lt &lflimmt, um btn
fidJ bitfrr SJ!ofl ~tbimnbtn !füiftnbtn ~tit au lajfm, baft!bll au ~itt119 tlftn Ju f~nnen, ba
bitfr l))ofl au ro?i111193eit in ~ü!id.) anfommm n,irb. !llti 9rnfunft btr .it~nigl. ed.)nrßpoff i,on .1t~ln
in ~iilid} t\'irb tin gutt6 ro?ittag~fftn im @aff~l'ft &ti bn ijrau !IDirtlt'e ed)r~of , nn~t &ti ber
Wofl, flttß &mir f,vn ,. unb btn !Rtif<nbrn 1 9t9en tim biDi9t !8ra11~lun9, nad] !ID11nfd.) l'ml&
rti~t l\'trbrn ••••••
Jtörn , btn 27. Ptrol,rr l 8.22.
!On :pojl,:Jnfl)e!tor für bie :Sonlgl, l\~eln,pro„1n~ffl,
!). (t ~ 4 ff t.
39
Straße Aachen-Monschau
Diese Straße verdankt ihre Entstehung dem
bereits erwähnten Dekret Napoleons vom
10. September 1804. Neben der militärischen
Bedeutung für die Franzosen bestand
aber auch ein echtes Bedürfnis für den Bau
dieser Straße; denn von Aachen aus nach
Süden hin, also nach Monschau und tiefer in
die Eifel, gab es noch keine gute Verbindung.
Der Verkehr in diese Richtung war äußerst
beschwerlich, da überwiegend nur
schlechte Wege zur Verfügung standen.
Im Artikel 1 wird der Bau der neuen Straße
von Aachen nach Montjoie (Monschau) über
Kornelimünster und Roetgen mit einer Abzweigung
nach Stolberg angeordnet.
Gemäß Artikel 2 sollte die Straße in einem
ZXTR.AIT DES MINUTES DE L.A SECB:tTAIRERIE D'ETAT.
.&i:&~la-Chapetlo, lt: 23 f rucüdor an, JS.
NA P o Li o N , Empereur des Francais ,
Vu Ja demande du maire et du conseil municipal d'Au-la-Chapelle, du
18 frootidor an 12, .approuv~e par Je Prefet le 19, teridante a obtenii: fouver,
ture directe entre Aix:-la-Chapelle et Montjoie et un embranchement de cette
route sur Stolberg,
DECRETE ce qui suit:
A il T, I)r 11 sera ouvert une raute 11.ouvelle entre lu villes d'.Au:-la-Cba.
belle et de Moutjoie • par Corneli-.1\fonster et Rrettgen; il sera pareillenient
ouvert une communication entre la route nouvelle et la ville de Stolberg.
II. Les travaux de cette route seront executes dans le delai de 6 ans, ä
compter du 1,er vendemiaire an 14.
TI sera pourvu au:x. depenses de Ja maniere suivante :
III. U n tiers des depenses sera supporte par Je tresor public, un autre ·tiers
sera supporte par le deparlement de Ja Roer' a raison de l'interet general
de ce departement , qui obtiendra, par Ja nouvelle route, une communieation
plus courte et plus directe entre le Rhin et l'interieur de !'Empire.
L'autre tiers sera supporte par l'arrondissement d'Aix:Ja-Chapelle et par )es
villes d'Aix-la-Chapelle, Montjoie et Stolberg. La repartition de ce tiers sera
faite de la maniere suivante :
Cinq dixiemes serorit supporles par l'arrondissement d'Aix-la-Cbapelle, deux
~ixiemes par Ja ville d'Aix-la-Chapelle, deux dixiemes par celle de Montjoie
et un dixieme par celle de Stolberg.
IV. Les fonds a Ja charge du departemcnt de Ia lfoer et de l'arrondissement
d'Aix-Ja-Chapelle, seront Jeves par Ja voie de centimes additionnels.
Les fonds a Ja charge des villes seront pris sur leurs octrois ou autres revenus,
et a defaut, subsidiairement sur des centimes additionnels.
V. Les projets et devis eslimatifs de Ja route et de .l'embranchement seronf
rediges par Jes ingt!nieurs des ponts et chaussees avant le ,.er germinal an 13 1
et soum:is a l'approbation des Minislres de l'interieur et de Ja guerre.
VI. Le Ministre de l'interieur est charge de l'execution du present decret.
Signc NA POLE ON! •
Par l'Empereur :
Le Secrctaire d'i!tat, sigmf .HUGUES B. MARET;
Pour ampliation :
'Le Ministre de l'intin'eur par b:,terim, PORT ALIS.
Dekret Napoleons vom »23 fructidor an 12« - 10. September 1804 - (Sammlung
der Präfektur-Akten des Roer-Departements, Jahr XIII - 1805 - S. 38 und 39).
Zeitraum von 6 Jahren - gerechnet vom 1 .
vendemiaire an 14 (23. September 1805) -
fertiggestellt werden.
Der Artikel 3 regelt die Kostenbeteiligung.
Danach sollten je ein Drittel der anfallenden
Kosten von der Staatskasse, dem Roerdepartement
und dem Arrondissement Aachen
übernommen werden. Von dem letzten Anteil
entfallen fünf Zehntel auf das Arrondissement
Aachen (also auf den Kreis Aachen), je
zwei Zehntel auf die Städte Aachen und
Monschau sowie ein Zehntel auf die Stadt
Stolberg.
In Monschau und Stolberg war man mit dieser
Kostenaufteilung nicht ganz einverstanden
und wollte diese hohen Kostenanteile
nicht übernehmen. Nach langwierigen Verhandlungen,
die auch den Baubeginn hinauszögerten,
wurde am 10. Juli 1806 eine neue
und endgültige Kostenaufteilung bekanntgegeben,
die auch von Monschau und Stolberg
akzeptiert worden ist. (Sammlung der
Präfekturakten des Roer-Departements -
1807 - S. 16-18).
Da die neue Straße auch über das Hohe
Venn geführt werden mußte, bereiteten die
Festlegung der Trasse und der Straßenbau
selbst doch erhebliche Schwierigkeiten. Neben
dem ohnehin späteren Baubeginn war
das sicherlich mit ein Grund dafür, daß in der
Franzosenzeit die Straße Aachen-Monschau
nicht ganz fertiggestellt werden konnte.
Nach dem Verwaltungsbericht des Präfekten
des Roerdepartements vom Jahre 1811
(Sammlung der Präfektur-Akten für das Jahr
1811 , Seite 255 ff.) war die Landstraße von
Monschau zu diesem Zeitpunkt »auf dem
Venn und von Aachen bis Cornelymünster«
fertiggestellt. Bis zum Abzug der
Franzosen wurde die Straße noch bis Roetgen
ausgebaut.
Der doch schwierige Straßenabschnitt von
Kornelimünster über Walheim und die »Himmelsleiter«
hinauf bis nach Roetgen, mit einem
Höhenunterschied von etwa 200 Metern,
wurde erst unter der preußischen Verwaltung,
und zwar von 1817 bis 1820, fertiggestellt.
Die Ausschreibung dieser Arbeiten
erfolgte im April 1817. Der 1804 von Napoleon
veranlaßte Neubau der Straße Aachen
Monschau ist also erst 1820 zum Abschluß
gekommen.
Die Aufstellung der Meilensteine an dieser
Straße erfolgte Ende 1817 bis Anfang 1818.
Daß der Straßenabschnitt Kornelimünster
Roetgen zu diesem Zeitpunkt noch nicht
ganz fertiggestellt war, spielte dabei keine
Rolle. Die Trasse war ja bereits abgesteckt,
und auch mit den Arbeiten hatte man inzwischen
begonnen.
Ursprünglich haben an dieser Straße von
Aachen bis Monschau vier Obelisken als volle
Meilensteine, fünf Glocken als halbe und
acht Glocken als Viertelmeilensteine gestanden.
Eine Glocke für eine viertel Meile - vermutlich
war es der erste Viertelmeilenstein,
der noch ins Stadtgebiet Aachen gefallen
wäre - hat man nicht aufgestellt. Die vier
Obelisken sind auch heute noch anzutreffen.
Allerdings wurde in Brand vor einigen Jahren
40
ein neuer Meilenstein aufgestellt. Glocken
sind nur noch drei vorhanden. Hinzu kommt
noch ein Viertel-Meilenstein, der jedoch als
Sockel für einen Nivellementspunkt (Höhenpunkt)
verwendet wird.
Bei zwei Meilensteinen an dieser Straße, und
zwar in Brand und in Friesenrath, ist der
Preußenadler nicht erhaben aus dem Stein
herausgemeißelt. An diesen Obelisken wurde
in eine flache Aushöhlung im oberen Teil
des Steines eine kreisrunde gußeiserne Platte
mit dem stilisierten Preußenadler eingesetzt.
Es sind dies die einzigen Obelisken im
Aachener Raum, auf denen das Preußen
Emblem derartig dargestellt ist.
Allerdings ist nicht anzunehmen, daß schon
bei der Anfertigung der Meilensteine, also
1817/18, die gußeisernen Platten angebracht
worden sind. In dem bereits genannten
»Kosten Anschlag« vom 9. September
1817 ist unter »C: Bearbeitung des rohen
Materials« auch folgender Arbeitsgang beschrieben
und kostenmäßig erfaßt: » 11.
Den Adler, die Buchstaben und Zahlen
der Zeichnung zufolge schön einzuhauen.
« Es muß also davon ausgegangen werden,
daß damals der Preußenadler grundsätzlich
auf allen Obelisken erhaben herausgemeißelt
worden ist.
Es ist nicht bekannt, wann diese Veränderung
an dem Meilenstein in Friesenrath vorgenommen
wurde. Allem Anschein nach ist
der Adler auf diesem Stein irgendwann einmal
stark beschädigt worden, so daß er
nicht mehr ausgebessert werden konnte.
Um den Preußenadler aber doch wieder anzubringen,
hat man sich schließlich für die
heute noch sichtbare Lösung entschieden.
Daß auch der Meilenstein in Brand eine gußeiserne
Platte hat, ist darauf zurückzuführen,
daß der Obelisk in Friesenrath als Vorbild für
den neuen Meilenstein in Brand gedient hat.
Weitere Hinweise dazu bei den betreffenden
Steinen.
Einige Meilensteine haben zwischenzeitlich
auch ihre Standpunkte verändert. Sie wurden
an den Rand der Ortslagen versetzt.
Durch die Erfassung von drei Meilensteinen
in den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung,
sie erfolgte in den Gemeinden entlang
dieser Straße zwischen 1821 und 1826,
konnten die Standpunktveränderungen einwandfrei
festgestellt werden.
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Die Ausschreibung der Arbeiten und die Anlieferung des erforderlichen Materials
zum abschließenden Neubau des Straßenabschnittes von Kornelimünster bis Roetgen
wurde im »Oejfentlichen Anzeiger von Aachen«, der ein Bestandteil vom »Amts
Blatt der Regierung zu Aachen« war, bekanntgemacht. Die Fertigstellung der Landstraße
Aachen-Monschau gehörte mit zu den ersten Maßnahmen, die von der preußischen
Straßenbau-Verwaltung eingeleitet worden sind.
In den Urmeßtischblättern 1 :25 000 (5203
Stolberg und 5403 Monschau) der Aufnahme
von 1843 bis 1850 sind an dieser Straße
nur einige Glocken dargestellt.
Die Straße hatte ihren Ausgangspunkt in Aachen,
Ecke Jakobstraße-Löhergraben. Sie
wurde dort aus der übergeordneten Straße
von Aachen in Richtung Lüttich herausgeführt.
Der weitere Verlauf ging über den Graben
bis zur Adalbertstraße und dann zum
»Adalberts-Thor« hinaus. Über diesen
Streckenverlauf, jedoch vom Karlsbrunnen
auf dem Markt aus gerechnet, beträgt die
graphisch ermittelte Länge bis zum Meilenstein
in Brand sehr genau eine Meile.
Nach »Allerhöchster Kabinetsorder« vom
17. September 1829 wurde die Straße Aachen-Monschau
und weiter nach Trier ab 1 .
Januar 1830 zu einer Staatsstraße erklärt.
m. 346. rrt JUnigtJ IDlajrfl~t bdtn mfttrlft !fllrrbdd)flrr Jfa&indtorbtr ttom 17. er12trm&n c.
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trad)rn, brn 30. 9lo,rm&rr 18,9 .
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Auszug aus dem »Amts-Blatt der Regierung zu Aachen«, Jahrgang 1829. Die Nr. 346 betrifft die Straße von Aachen über Monschau
nach Trier.
41
BELGIEN
Preußische Meilensteine
an der Straße
AACHEN - MONSCHAU
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42
Meilenstein in Brand
- AACHEN 1 MEILE -
Der Meilenstein steht auf der linken Seite der
Trierer Straße (Bundesstraße 258) - Ecke
Heidestraße.
Im Urhandriß Nr. 5 der Flur 8, Gemeinde
Brand, ist der Stein als kleines Viereck dargestellt.
Die Kataster-Uraufmessung erfolgte
im April 1825. Durch einen Vergleich der alten
mit den neuen Karten konnte festgestellt
werden, daß der Standpunkt des Steines unverändert
geblieben ist. Im aufgezeigten
Ausschnitt eines Situations-Planes von 1868
wird der unverändert gebliebene Standpunkt
des Meilensteins bestätigt.
Der alte Meilenstein von 1817/18 ist Anfang
der 1930er Jahre zerstört worden. Die T rümmer
wurden von Streckenarbeitern der Straßenbahn
weggeräumt. An eine Behebung
des Schadens hat man damals wohl nicht
gedacht, vielleicht war sie auch gar nicht
mehr möglich. Etwa 115 Jahre hat der erste
Meilenstein an der Trierer Straße in Brand
gestanden.
Nach einigen Jahrzehnten erinnerte man sich
in Brand wieder daran, daß auf der Trierer
Straße einmal ein Meilenstein gestanden hat.
Immer häufiger äußerten Brander Bürger den
Wunsch , den Stein doch wieder an gleicher
Stelle zu errichten. Der Initiative des Bürgervereins
Brand e. V. sowie einer großzügigen
finanziellen Unterstützung durch die
Volksbank Aachen-Süd e.G. ist es zu verdanken,
daß schon bald die Anfertigung eines
neuen Meilensteins in Auftrag gegeben
werden konnte.
Am 17. Oktober 1980 wurde an gleicher
Stelle ein neuer Meilenstein aufgestellt. Die
Anfertigung dieses Steines erfolgte durch
die Werkstätte für Steinbearbeitung Robert
Hackenbruch in Brand. Als Material hat man
»Belgisch Granit« ausgewählt. Vorbild für
die Abmessungen und die Form war der
Meilenstein in Friesenrath. Auch das kreisrunde
Emblem mit dem Preußenadler aus Gußeisen
wurde - genau wie beim Meilenstein in
Friesenrath - in der gleichen Werkstatt hergestellt
und in die dafür vorgesehene flache
Aushöhlung im oberen Teil des Steines eingesetzt.
Der Sockel des Obelisken und die
rechte Steinbank stammen noch vom alten
Meilenstein.
Mit der Neuaufstellung des Obelisken in
Brand sind an der Straße Aachen - Monschau
wie in alter Zeit die ursprünglich gesetzten
vier Steine für jeweils eine ganze
Meile wieder vorhanden. Es ist die einzige
Straße im Aachener Raum , an der die
großen Meilensteine noch vollzählig anzutreffen
sind.
43
Vorstehend ist der verkleinerte Ausschnitt
von einem »Situations-Plan verschiedener
Gemeindeparzellen der Brander
Gemeinde ... Aufgenommen, getheilt
und gezeichnet im Monat März 1868
durch den vereidigten Geometer Jos.
Klein«, aufgezeigt. Die Parzellierung
wurde auf der rechten Seite der Trierer
Straße in der Gewanne »Die Heide an
der Kirche« vorgenommen. Auf der linken
Seite der Straße von Aachen nach
Trier hat man auch den Meilenstein
»AACHEN 1 MEILE« aufgemessen
und in die Karte eingetragen. Sein
Standpunkt ist mit dem heute hier stehenden
Meilenstein genau identisch.
Außerdem sind noch die beiden Nummersteine
0.98 und 0.99 dargest~llt. Die
Nummersteine wurden ja als Meilenunterteilungen
in Abständen von 20 Ruten
(75,32 m) ebenfalls am linken Straßenrand
gesetzt und vom Ausgangspunkt
der Straße aus durchlaufend numeriert.
Karte: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis Brand
44
Der alte Meilenstein in Brand auf einer
Postkarte. Das Foto wurde freundlicherweise
vom »Heimatkundlichen Arbeitskreis
Brand« zur Verfügung gestellt.
Glocke in Brand
- ½ Meilenstein -
Im weiteren Verlauf der Trierer Straße in
Brand, ebenfalls auf der linken Straßenseite,
in Höhe des Grundstücks mit der Hausnummer
841 , steht eine Glocke.
Diese Glocke für eine halbe Meile ist aber
nur ca. 580 Meter vom Meilenstein in Brand
entfernt. Eine halbe Meile hat jedoch eine
Länge von 3 766 Meter. Sie paßt also nicht
in die Meilenunterteilung. Glocken für eine
halbe Meile haben an diesem Straßenabschnitt
ursprünglich etwa am Bahnhof Rothe
Erde (Aachen ½ Meile) und in Kornelimünster,
kurz vor der Ecke Korneliusstraße/Breiniger
Straße (Aachen 1 ½ Meilen), gestanden.
Die Glocke in Brand wurde wohl irgendwann
dort hingesetzt.
Die sichtbaren Beschädigungen sind mit
dunklem Zement ausgefüllt.
45
Meilenstein in Friesenrath
- AACHEN 2 MEILEN -
Der Stein i'n Friesenrath steht auf der linken
Seite der Schleidener Straße (B 258), etwa
125 Meter vor der Straßenbrücke über die
lnde.
Der Meilenstein ist im Urhandriß Nr. 1 der
Flur VIII , Gemeinde Walheim , dargestellt und
mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger« versehen.
Die Kataster-Uraufnahme erfolgte im
Dezember 1825. Der Standpunkt ist unverändert
geblieben.
1981 wurde der Stein beschädigt. Die erforderlichen
Instandsetzungsarbeiten hat die
Werkstätte für Steinbearbeitung Robert Hakkenbruch
in Brand ausgeführt. Auch das
kreisrunde Emblem mit dem Preußenadler -
nach einer alten Münze aus der Preußenzeit
entworfen und aus Guß hergestellt - wurde
von dieser Werkstätte in die bereits vorhandene
Aushöhlung im oberen Teil des Steines
eingesetzt. Der alte Einsatz von diesem
Stein war nicht mehr vorhanden.
Es wurde bereits erwähnt, daß ursprünglich
auch bei diesem Stein der Preußenadler erhaben
aus dem Stein herausgemeißelt war.
Wann die Beschädigung des Adlers erfolgte
und ersatzweise erstmals eine Metallplatte
mit dem Preußenemblem an diesem Meilenstein
eingesetzt worden ist, konnte bisher
nicht festgestellt werden.
Die Ausbesserungen an diesem Obelisk sind
im Farbton dem Stein angepaßt. Auch die
eingemeißelte Schrift wurde in schwarzer
Farbe übermalt und ist nun gut lesbar. Der
Sockel und die beiden Steinbänke sind frei
und gut zu sehen. Der Meilenstein befindet
sich in einem guten äußeren Zustand.
Der kreisrunde gußeiserne Einsatz mit dem Preußenadler bei den Meilensteinen in
Friesenrath und Brand.
47
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Meilenstein
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Unterlage vom
Katasteramt der Stadt Aachen
Ausschnitt aus dem Urhandriß Nr. 1 der Flur VIII, Gemeinde Walheim. Uraufmessung im Dezember 1825. Der Meilenstein ist im
Urhandriß als Signatur dargestellt (6.) und mit dem Schriftzusatz »M eilenzeiger« versehen. Die mögliche Lageüberprüfung führte
zu dem Ergebnis, daß der Standpunkt des Meilensteins unverändert ist.
48
Glocke mit Nivellementspunkt
- ¼ Meilenstein -
Sie befindet sich zwischen Friesenrath und
Kalkhäuschen auf der linken Seite der
Bundesstraße 258.
Diese Glocke ist nur etwa 540 Meter vom
Meilenstein in Friesenrath entfernt. Sie steht
hier nicht als Meilenunterteilung, sondern als
Fundament oder Sockel für einen Nivellementspunkt
(Höhenpunkt). Der Metallbolzen
auf der Glocke ist gut zu erkennen.
Die Zweckentfremdung dieser Glocke ist
nicht gut. Ein einfacher Betonblock würde
den gleichen Zweck erfüllen, und die Glocke
könnte an einem der ursprünglichen Standpunkte,
die alle bekannt sind, wieder aufgestellt
werden.
Glocke bei Relais Königsberg
- ¼ Meilenstein -
Sie steht auf der linken Seite der Bundesstraße
258, etwa 200 Meter hinter Relais
Königsberg am Anfang der »Himmelsleiter«.
Die Glocke ist ziemlich genau eine viertel
Meile vom Meilenstein in Friesenrath entfernt
und paßt somit ganz gut in die Meilenunterteilung
.
Der obere Teil der Glocke ist beschädigt.
Die Rundung ist teilweise abgeschlagen.
Auch einige Risse sind zu sehen.
49
Meilenstein in Roetgen
- AACHEN 3 MEILEN -
Der Meilenstein steht auf der linken Seite der
Bundesstraße 258, etwa 110 Meter hinter
der nach links abgehenden Grünepleystraße,
ziemlich am Ortsende von Roetgen in Richtung
Fringshaus und Monschau.
In den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung,
die in der Gemeinde Roetgen im Oktober-November
1826 erfolgte, ist der Stein
nicht nachgewiesen. Der Standpunkt des
Meilensteins ist jedoch verändert. Auf Grund
einer graphischen Längenermittlung vom unveränderten
Standpunkt des Meilensteins in
Friesenrath bis zum ursprünglichen Standpunkt
des Meilensteins in Konzen - die Distanz
entspricht sehr genau zwei Meilen -
läßt sich die Standpunktveränderung des
Meilensteins in Roetgen doch eindeutig
nachweisen. Und zwar stand der Stein ursprünglich
etwa 450 Meter weiter zum Ort
hin, also in Richtung Aachen. Es ist anzunehmen,
daß der Stein bei einem Straßenausbau
weiter zum Ortsrand versetzt wurde.
Der Stein ist an sich noch gut erhalten, Sokkel
und Steinbänke stehen frei. Im oberen
Block ist jedoch eine Ecke herausgebrochen
und die rechte Steinbank hat sich vom Sokkel
des Obelisken gelöst. Die Schrift ist allerdings
kaum noch zu erkennen.
50
Meilenstein in Konzen
- AACHEN 4 MEILEN -
Der Meilenstein steht auf der linken Seite der
Trierer Straße (Bundesstraße 258), am Ortsausgang
von Konzen in Richtung Monschaulmgenbroich.
Die Kataster-Uraufmessung erfolgte im Gemeindegebiet
von Konzen bereits im Juni
1821. Der Stein ist im Urhandriß 4tes Blatt
der Flur 7, Gemeinde Konzen, als Signatur
dargestellt und mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger«
bezeichnet. Er wurde sogar als
Meßpunkt verwendet. Durch die Einmessung
war die Möglichkeit gegeben, den
Standpunkt des Steins zu überprüfen.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß der
Meilenstein ursprünglich rund 450 Meter weiter
in Richtung Aachen, also mehr zur
Ortsmitte hin, aufgestellt worden ist. Etwas
verwunderlich ist allerdings, daß die Standpunktveränderung
vermutlich schon im vergangenen
Jahrhundert stattgefunden hat,
denn die diesbezüglich eingeholten Auskünfte
führen ausschließlich zu dem Ergebnis,
daß der Meilenstein seit dem Beginn dieses
Jahrhunderts an nahezu gleicher Stelle steht.
Lediglich bei einem Straßenausbau in den
1930er Jahren wurde der Stein um einige
(3-5 ) Meter nach Süden versetzt. Man wollte
wohl die verbreiterte Einfahrt zu den anliegenden
Wohnhäusern freihalten. Vermutlich
wurde bei dieser Umsetzung der mittlere
Block versehentlich um 180° gedreht, da die
Schrift auf der Rückseite des Steines steht.
Der Adler im oberen Block zeigt richtig zur
Straße hin.
Bis auf einige kleine Schadstellen ist der
Stein noch gut erhalten. Den mittleren Block
sollte man jedoch wieder in seine richtige Lage
bringen, damit auch die Schrift von der
Straße aus lesbar ist. Allerdings ist die
Schrift fast nicht mehr zu erkennen. Eine
Nacharbeitung und Übermalung in schwarzer
Farbe wäre wünschenswert.
51
Foto W. Scheib/er - Aus dem Kreisarchiv Aachen
Das Bild zeigt den Meilenstein in Konzen noch vor der Umsetzung anläßlich des Straßenausbaus in den 1930er Jahren. Der
Stein steht näher an der Einfahrt zu den Gebäuden, auch der Bewuchs ist anders als heute. Die Schrift im oberen Teil des
mittleren Blockes ist bereits auf diesem Foto nur noch schwach zu erkennen. Mit der auf dem Stein eingetragenen Zahl 30
sind die Kilometer von Aachen aus gemeint. Viel/eicht war sogar die Einführung der Kilometrierung in Preußen - das metrische
Maß- und Gewichtssystem wurde 1871/72 übernommen - der Anlaß für die so frühe Standpunktveränderung des Meilensteins
in Konzen gewesen.
52
Ausschnitt aus dem Urhandriß 4tes Blatt der Flur 7, Gemeinde Konzen. Die Kataster-Uraufmessung wurde hier bereits im Juni
1821 durchgeführt. Der Meilenstein ist im Urhandriß als Signatur dargestellt und angemessen. Er ist mit dem Schriftzusatz
»Meilenzeiger« versehen. Es bestand somit die Möglichkeit, den Standpunkt zu überprüfen. Dabei wurde eine Standpunktveränderung
von rd. 450 Metern festgestellt.
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53
Glocke in Monschau - ½ Meilenstein -
Die Glocke steht in der Stadtmitte von Monschau,
und zwar auf der rechten Seite der
Rurstraße, am Steg über die Rur zur evangelischen
Kirche.
Der heutige Standpunkt der Glocke paßt
nicht in die ursprüngliche Meilenunterteilung.
Als die Meilensteine 1817/18 aufgestellt wurden,
muß die Glocke rund 450 Meter in Richtung
lmgenbroich gestanden haben. Allerdings
über die Eschbachstraße - Alte Monschauer
Straße, denn das war zu dieser Zeit
die Straßenführung.
Es ist durchaus möglich, daß nach dem Ausbau
der Serpentinenstraße von lmgenbroich
nach Monschau die Meilensteine an diesen
neuen Straßenabschnitt umgesetzt worden
sind. Der ½ Meilenstein müßte in diesem Falle
auf der heutigen Laufenstraße, oberhalb
Wiesenthal gestanden haben. Der Stein wurde
zu einem nicht bekannten Zeitpunkt hier
aufgestellt.
Die Glocke ist bis auf einige kleine Schadstellen
gut erhalten.
54
Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen-(Heinsberg)
Von Aachen aus war bereits eine befestigte
Straße in Richtung auf Heerlen und Herzogenrath
vorhanden. Die gepflasterte Straße
wurde damals »Pont Steinweg« genannt.
Es war die heutige Roermonder Straße. Daran
anschließend hat man in den Jahren
1783 bis 1794 eine gut ausgebaute Straße
mit einer völlig neuen Trassenführung angelegt.
Sie verlief über Richterich-Kircheich
Pannesheide-Holz-Herzogenrath (Rolduc)
Ritzerfeld-Boscheln nach Hünshoven bei
Geilenkirchen, wo sie in die seit 1781 bestehende
Straße Aldenhoven-Puffendorf - Geilenkirchen-Sittard
mündete. Die neue Straße
hatte einen weitgehend geradlinigen Verlauf
und war bis kurz vor Geilenkirchen mit behauenen
Steinen gepflastert. Das war zu jener
Zeit in diesem Gebiet noch eine Besonderheit.
Daher wurde diese Straße auch
Steinstraße oder Pflasterstraße genannt.
Am Ausbau dieser Straße waren einige
»Herrschaften« beteiligt. Vom Anschluß an
den »Pont Steinweg« an der Aachener
Grenze bis nach Pannesheide war die Herrschaft
Heyden, eine Unterherrschaft des
Herzogtums Jülich, zuständig. Der Ausbau
dieses Straßenabschnitts - etwa 5,3 Kilometer
- wurde der Landgemeinde Heyden
übertragen und auch auf deren Kosten ausgeführt.
Den Ausbau der weiterführenden Straße
durch das ehemalige Land von 'sHertogenrode
hatte die Abtei Klosterrath (Rolduc)
übernommen. Es war ein Straßenabschnitt
von rund 12 Kilometer Länge, der von Pannesheide
über Herzogenrath bis zur Grenze
des Amtes Geilenkirchen verlief. Kaiser Josef
II. von Österreich hatte der Abtei Rolduc
im Mai 1783 die Genehmigung erteilt, im
lande von Rode auf eigene Kosten neue
Straßen zu errichten.
Die letzten 2 bis 3 Kilometer vor Geilenkirchen
fielen in die Zuständigkeit des Herzogtums
Jülich. Dieser Straßenabschnitt wurde
noch vor der Besetzung durch die Franzosen
im September 1794 fertiggestellt. Allerdings
wurde dieses Teilstück nicht gepflastert,
sondern nur als befestigte Straße ausgebaut.
Die neue und gepflasterte Straße
Aachen-Geilenkirchen wurde somit von der
Landgemeinde Heyden und der Abtei
Klosterrath angelegt. Und dabei ist bemerkenswert,
daß eine geistliche Institution,
eben die Abtei, den Straßenbau im Land
von 'sHertogenrode auf eigene Kosten
durchgeführt hat. Es war der damalige Abt
P. J. Chaineux, der sich dafür besonders
eingesetzt und auch verdient gemacht hat.
Mit dem Straßenneubau in diesem Gebiet -
zur gleichen Zeit hat man auch noch andere
Straßen im Ländchen Heyen und im Land
Rode angelegt - sollten für die zahlreichen
Kohlegruben von Rolduc, Kerkrade und dem
Land Heyden zusätzliche Absatzmärkte erschlossen
und damit verbunden auch wirtschaftliche
Vorteile für diese Region geschaffen
werden.
In den betreffenden Tranchot-Karten - die in
Frage kommenden Blätter wurden 1805 bis
1807 angefertigt - sind die neuen Straßen
natürlich auch dargestellt. Die zum Teil
schnurgerade Straßenführung entspricht
weitgehend noch dem heutigen Verlauf. Die
Straße Aachen-Herzogenrath-Geilenkirchen
ist im Blatt 86 Aachen als »Chaussee de
Rolduc« (Landstraße nach Herzogenrath)
und im Blatt 76 Herzogenrath als »Paved'Aix-la-Chhapelle
a Guelenkirchen«
(Pflaster-Straße von Aachen nach Geilenkirchen)
bezeichnet.
In der Napoleonischen Zeit wurde diese
Straße zwar stark benutzt, aber kaum ausgebessert.
Vermutlich war sie für die Franzosen
nicht von großer militärischer Bedeutung.
Bereits 1814, unter vorläufiger preußischer
Verwaltung, hat man sofort mit der Instandsetzung
dieser Straße begonnen.
Nachdem sich die Straße wieder in einem
guten Zustand befand, wurden auch hier
schon Ende 1817 - Anfang 1818 die Meilensteine
aufgestellt.
An der Straße Aachen-Geilenkirchen haben
ursprünglich drei Obelisken als ganze Meilensteine,
drei Glocken als halbe und sieben
Glocken als Viertelmeilensteine gestanden.
Heute stehen hier nur noch ein Obelisk und
eine Glocke für eine halbe Meile.
In den Unterlagen der Kataster-Uraufmessung
konnte für diese Straße nur ein Stein
aufgefunden werden. Er war im Standpunkt
identisch mit dem Meilenstein - AACHEN 1
MEILE - , der noch Ende der 50er Jahre in
Kohlscheid , auf der linken Seite der Roermonder
Straße, etwa in der Mitte zwischen
der Bahnstraße und der Straßenbrücke über
die Bundesbahnstrecke Aachen-Mönchengladbach,
gestanden hat. Es ist nicht bekannt,
warum der Meilenstein entfernt wurde
und was mit ihm geschehen ist.
Durch graphische Längenermittlungen von
diesem Punkt aus konnte festgestellt werden,
daß die Entfernung bis zum Brunnen
auf dem Markt in Aachen sehr genau eine
Meile betrug und daß der folgende, noch
vorhandene Meilenstein in Merkstein-Streiffeld
seinen ursprünglichen Standpunkt inzwischen
ebenfalls gewechselt hat.
Der Neuausbau der weiterführenden Straße
von Geilenkirchen nach Heinsberg erfolgte in
den Jahren 1833 bis 1838 (nachzulesen im
»Amts-Blatt der Regierung zu Aachen« -
Jahrgänge 1832 bis 1839). Die Meilensteine
an diesem Straßenabschnitt konnten also
erst nach dem Neuausbau, vermutlich
1838/39, aufgestellt werden. Da Glocken als
Meilenunterteilungen etwa ab 1837 nicht
mehr vorgesehen waren, hat zwischen Geilenkirchen
und Heinsberg wohl ohnehin nur
ein Stein für eine volle Meile - AACHEN 4
MEILEN - gestanden.
Nun war man inzwischen dazu übergegangen,
an den zahlreichen Bezirksstraßen, deren
Ausbau verstärkt betrieben wurde, nicht
mehr die großen Obelisken mit den Steinbänken,
sondern kleinere und auch anders
aussehende Meilensteine aufzustellen. Auch
die Straße Aachen- Geilenkirchen - Heinsberg-Roermond
war als Bezirksstraße eingestuft.
Es ist aber nicht bekannt, ob an dieser
Straße, etwas nördlich von Blauenstein,
noch ein Obelisk oder schon der kleinere
Meilenstein gesetzt worden ist.
In den Urmeßtischblättern 1 :25 000 - Aufnahme
1843 bis 1850 - ist entlang dieser
Straße nur ein Viertelmeilenstein (1 ¼ Meilen
von Aachen) dargestellt. Diese Glocke ist im
Blatt 51 02 Herzogenrath an der heutigen
Neustraße eingetragen.
55
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LENKIRCHE'N
OY~n
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KfR~ . d
Preußische Meilensteine
~~ an der Straße
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[RZO ENRATH AACHEN - GEILENKIRCHEN
......--·, Konturlinien : Ursprüngliche
_./ ~ Standpunkte .
......- ~ Hier stehen kei-
Pan 11 esh~i
ne Steine mehr.
i. Schwarz : Heutige Stand-
! punkte der
Meilensteine.
Zusätzlicher : Meilensteine
Punkt mit veränderten
Standpunkten.
aliger
aßenverlauf.
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'·. _ ~~' ·~
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Ausschnitt aus dem Urhandriß Nr. II der Flur 12, Gemeinde Kohlscheid (früher Gemeinde Pannesheide). Der Meilenstein ist an
der Straße Aachen-Geilenkirchen (Roermonder Straße) als kleines Viereck dargestellt und mit dem Schriftzusatz »Meilenzeiger«
versehen. Uraufmessung im August 1826.
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Unterlage vom
ICatasteramt des
ICreises Aachen.
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Glocke in Herzogenrath
- ½ Meilenstein -
Die Glocke steht auf der rechten Seite der
Aachener Straße, an der Ecke einer Parkfläche
, etwa in der Verlängerung der von
rechts einmündenden Straße »Am Beckenberg«.
Der ½ Meilenstein ist bis auf einige Ausbesserungen
noch gut erhalten. Die Glocke hat
jedoch den Standpunkt gewechselt, denn
ursprünglich befand sie sich auf der linken
Straßenseite. Dennoch paßt sie gut in die
Meilenunterteilung, 1 ½ Meilen von Aachen.
Meilenstein in
Merkstein-Streiffeld
- AACHEN 2 MEILEN -
Der Meilenstein steht auf der linken Seite der
Geilenkirchener Straße (L 232), ca. 200 Meter
hinter der nach links abgehenden
Adolfstraße.
Der Stein wurde vor mehreren Jahren, beim
Ausbau der Geilenkirchener Straße, versetzt.
Der ursprüngliche Standpunkt befand sich
etwa 320 Meter in Richtung Herzogenrath,
ebenfalls auf der linken Straßenseite. Die
sichtbare Höhe des Obelisken beträgt 3 Meter.
Der Sockel ist nicht zu sehen, er befindet
sich vermutlich in der Erde. Die beiden
Steinbänke sind nicht mehr vorhanden.
Der Stein befindet sich in einem guten Zustand.
Er wurde Mitte 1990 restauriert. Allerdings
hat man es versäumt, bei dieser Gelegenheit
auch den Adler und die Schrift mit
schwarzer Farbe zu übermalen. Das hätte
dem ursprünglichen Zustand entsprochen.
58
59
Straße Aachen-Linnich-Erkelenz-Krefeld-Duisburg
(Kref elder Straße)
An dieser Straße, es ist die heutige Bundesstraße
57, befindet sich bis weit hinter Erkelenz
nur noch ein Meilenstein. Er steht im
Stadtgebiet von Würselen auf der linken Seite
der Krefelder Straße, etwa in der Mitte
zwischen der nach links abgehenden Neustraße
und der Straßenkreuzung bei Birk. In
der TK 25, Blatt 5003 Linnich, war an der
B 57 am Ortsanfang von Gereonsweiler,
ebenfalls auf der linken Straßenseite, noch
ein weiterer Meilenstein eingetragen. Er war
drei Meilen von Aachen entfernt. Dieser
Stein ist aber schon seit mehreren Jahren
nicht mehr vorhanden.
Aus den aussageklaren Tranchot-Karten -
die Anfertigung der Blätter entlang dieser
Straße erfolgte zwischen 1805 und 1807 -
ist zu ersehen, daß die Aachen-Krefelder
Straße zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits
von Aachen bis Würselen-Grevenberg
sowie von Puffendorf über Linnich, Erkelenz
und weiter in Richtung Krefeld , in dem damals
üblichen, weitgehend geradlinigen Verlauf
ausgebaut war. Sie wird in den Karten
nördlich von Puffendorf auch als »Route«
(Land-Straße) oder »Chaussee d'Aix la
Chapelle a Creveldt« bezeichnet. Dagegen
wird der Straßenabschnitt von Würselen-Grevenberg
über Alsdorf-Baesweiler- Setterich
bis nach Puffendorf, der sich noch von Ort
zu Ort schlängelte und noch nicht ausgebaut
war, nur als »Chemin« (Weg) »a Linnich«
ausgewiesen.
Noch zur französischen Zeit, und zwar im
Jahre 1811 , wurde mit dem Aus- bzw. Neubau
der »Heerstraße« Duisburg-Aachen,
und zwar mit den Abschnitten »von Creveld
auf Ürdingen, und von Aachen auf Alsdorf
·angefangen«. (Verwaltungsbericht des Präfekten
des Roerdepartements für das Jahr
1811 - Seite 255). Im Aachener Raum wurde
auch nur der Abschnitt Aachen-Alsdorf
fertiggestellt.
Von der preußischen Verwaltung wurde hinsichtlich
des Zustandes der übernommenen
Straßen eine Art Bestandsaufnahme durchgeführt.
In einem Schriftstück der Regierung
Aachen vom 10. Juni 1817 wird der »Zustand
der Straße Aachen- Alsdorf-Pujfendorf-
Linnich-Cörrenzig-Baal-Erkelenz «
etwa folgendermaßen beschrieben: Aachen-Alsdorf:
Ziemlich guter Zustand, noch
durchzuführen sind der Grabenausbau und
die Baumanpflanzungen. Alsdorf-Puffendorf:
Dieser Straßenabschnitt liegt ganz im argen,
er ist fast nicht passierbar. Puffendorf-Linnich:
Hier ist die Beschüttung mit Kies erforderlich,
sodann ist der Zustand wieder gut.
Linnich-Erkelenz: Dieser Straßenabschnitt
müßte gründlich ausgebessert wer~en. Die
Instandsetzungsarbeiten wurden in der Folgezeit
kontinuierlich durchgeführt. Der Neuausbau
des Straßenabschnittes Alsdorf-Puffendorf
stand aber noch bevor.
Aus den bisherigen Ausführungen ist ersichtlich,
daß anfänglich im Regierungsbezirk Aachen
an den gut ausgebauten Straßen
(Kunststraßen) als Meilensteine ausschließlich
die großen Obelisken mit den Steinbänken
, und für die Meilenunterteilungen die unterschiedlich
großen Glocken aufgestellt
worden sind. Das traf auch für die Straßen
Aachen-Monschau und Aachen-Geilenkirchen
zu , obwohl sie zum Zeitpunkt der Aufstellung
der Meilensteine als Bezirksstraßen
geführt wurden.
Auch die Straße »von Aachen über Linnich
und Erkelenz nach Duisburg« war unter
preußischer Verwaltung als Bezirksstraße
eingestuft (Amtsblatt der Regierung zu Aachen
- Nr. 18 - von Montag den 20. März
1826). Aber sie war noch nicht vollständig
ausgebaut, und daher wurden zu diesem
frühen Zeitpunkt auch noch keine Meilensteine
an dieser Straße aufgestellt.
Eine gewisse Unsicherheit besteht noch
über den genauen Zeitpunkt der Aufstellung
der Meilensteine an dieser Bezirksstraße.
Feststehen dürfte jedoch, daß die Meilensteine
an den Bezirksstraßen erst dann aufgestellt
wurden, wenn der Aus- bzw. Neubau
einer Straße nach den Vorschriften der Anweisung
von 1814 abgeschlossen war. Das
geht aus der Beschriftung auf den noch vorhandenen
Steinen hervor. Dort ist immer eingetragen,
wann die betreffende Bezirksstraße
erbaut worden ist. Erst dann konnten die
Meilensteine entlang dieser Straße gesetzt
werden.
Hinsichtlich der Aufstellung der Meilensteine
an der »Aachen-Crefelder Bezirksstraße«
haben die bisherigen Bemühungen zu folgenden
Erkenntnissen geführt: In den Aufmessungsrissen
einer Kataster-Vermessung,
die in der Bürgermeisterei Würselen im Jahre
1841 durchgeführt worden ist, sind im Ortsteil
Morsbach entlang der Krefelder Straße
alle Nummersteine aufgemessen und mit ihren
laufenden Nummern eingetragen. Auch
der Nummerstein (Stationspunkt) 1.00, der
einer vollen Meile entspricht, ist darunter.
Der Meilenstein ist jedoch nicht dargestellt,
da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der
Straße gestanden hat.
Aus dem »Oejfentlichen Anzeiger von Aachen
- Nr. 1 von Donnerstag den 2. Februar
1840« und den Kosten-Gegenüberstellungen
auf dem Sektor Straßenwesen in
den »Amts-Blättern der R egierung zu Aachen«
- Jahrgänge 1839 bis 1844 - ist zu
entnehmen, daß in der Zeit von 1839 bis
1843/44 der Straßenneubau von Alsdorf
nach Puffendorf durchgeführt worden ist. Es
war der letzte Abschnitt dieser Straße innerhalb
des Regierungsbezirks Aachen, der
noch ganz neu ausgebaut werden mußte.
Eine weitere Bekanntmachung im »Oejfentlichen
Anzeiger von Aachen - Nr. 16 -
Donnerstag, den 17. April 1845« betrifft
die Instandsetzung des Straßenabschnitts
von Erkelenz bis zur Regierungsbezirksgrenze.
Und dann erscheint im »Amts-Blatt der
Regierung zu Aachen« - 1845 - S. 312,
eine sehr aufschlußreiche Veröffentlichung.
Sie ist nachfolgend aufgezeigt:
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brm eaalrr titrar unb &• ~nbourn eorrirrra, jrlr mit brr t,rbrbrfugniD fllr t Urflr nrid}trt merbrtr,
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60
Preußische Meilensteine
an der Straße
AACHEN - LINNICH - ERKELENZ - KREFELD
Konturlinien : Ursprüngliche Standpunkte.
Hier stehen
keine Steine mehr.
Schwarz
: Standpunkt des
Meilensteins zwischen
Würselen
und Birk.
: Damaliger
Straßenverlauf.
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Die Aachen-Krefelder Bezirksstraße war im
Regierungsbezirk Aachen also Ende 1845
vollständig als Chaussee ausgebaut. Das
war doch nun der Zeitpunkt, an dem die
Meilensteine aufgestellt werden konnten.
Nun wurde bereits erwähnt, daß im Rheinland
von 1843 bis 1850 die Aufnahme der
topographischen Urmeßtischblätter erfolgte.
In den Blättern 5102 Herzogenrath, 5103
Eschweiler und 5003 Linnich, die im Jahre
1846 bearbeitet wurden, ist die neue Straße
von Alsdorf nach Puffendorf bereits dargestellt.
Und bei »Oidweiler« - Blatt 5103
Eschweiler - ist auf der linken Seite der neuen
Straße, über einem nach links abgehenden
Feldweg, die Signatur für einen Meilenstein
eingetragen und mit einer 2 beschriftet.
Es war der 2. Meilenstein von Aachen aus (II
Meilen 200).
Bedauerlicherweise sind in den Urmeßtischblättern
entlang dieser Straße bis zur damaligen
Regierungsbezirksgrenze keine weiteren
Meilensteine eingetragen. Allerdings wurden
die betreffenden Blätter nördlich von Linnich
auch schon 1844/45 aufgenommen. Aber
auch im Blatt Herzogenrath - Aufnahme
1846 - ist der Stein zwischen Würselen und
Birk nicht dargestellt. Trotzdem muß man zu
der Ansicht kommen, daß 1846 schon alle
Meilensteine an der Aachen-Krefelder Straße
gestanden haben. Es würde nämlich überhaupt
keinen Sinn ergeben, den 2. Meilenstein
von Aachen aus an dem neu ausgebauten
Straßenabschnitt Alsdorf-Puffendorf
aufzustellen, und alle anderen Steine an den
damals schon ausgebauten Straßenabschnitten
wegzulassen.
Wenn man nun davon ausgeht, daß die Meilensteine
zum Zeitpunkt der 1846 bearbeiteten
Urmeßtischblätter bereits an der Straße
gestanden haben, und der Straßenausbau
noch 1845 zum Abschluß gekommen ist,
dann wurden die Meilensteine an der Aachen-Krefelder
Bezirksstraße mit größter
Wahrscheinlichkeit Ende 1845, Anfang 1846
aufgestellt. Das trifft dann natürlich auch für
den Meilenstein zwischen Würselen und der
Kreuzung bei Birk zu.
Zu diesem Zeitpunkt wurde wohl auch der
Ausgangspunkt dieser Straße vom Karlsbrunnen
auf dem Markt zur Hotmannspief
verlegt. Meilenunterteilungen mit halben oder
Viertel-Meilensteinen haben an dieser Straße
nicht mehr gestanden, denn darauf wollte
man generell ab 1837 verzichten. Ausgenommen
waren natürlich die Nummersteine,
die grundsätzlich - zu dieser Zeit in Abständen
von 20 Ruten - an jeder Straße aufgestellt
und durchlaufend numeriert wurden.
Meilenstein zwischen Würselen und der Straßenkreuzung bei Birk. (1 Meile 100)
Der Meilenstein steht im Stadtgebiet Würselen
auf der linken Seite der Krefelder Straße
(Bundesstraße 57), etwa 500 Meter vor der
Straßenkreuzung bei Birk.
Der Stein ist inzwischen doch schon erheblich
verwittert und auch schadhaft. Als Folge
davon sind Schrift und Wappen nicht mehr
so gut zu erkennen. Der Preußenadler ist im
oberen Teil des Steines in einer kreisrunden ,
flachen Aushöhlung erhaben herausgemeißelt.
Um das runde Wappenfeld steht im
oberen Halbkreis vermutlich »REGIE
RUNGSBEZIRK AACHEN« - davon ist
auch nur noch AACHEN fragmentarisch zu
entziffern - und im unteren Halbkreis
»KREIS AACHEN«. Etwas unterhalb der
Rundung steht noch einigermaßen gut zu lesen
in drei Zeilen untereinander:
»Aachen-Crefelder
Bezirksstraße
erbaut 18 . . «
Leider sind die zwei letzten Ziffern der Jahreszahl
nicht mehr zu erkennen. Sie könnten
uns das genaue Jahr der Aufstellung dieses
Meilensteins mitteilen.
Auch die Angabe der Entfernung nach Aachen
ist nicht mehr vorhanden. Sie befand
sich im unteren Teil des Steines. Die dafür
vorgesehene, ebenfalls kreisrunde Fläche im
Stein ist am unteren Rand nur noch als Andeutung
sichtbar. Der Meilenstein wurde
nämlich 1864 bereits zum dritten Mal umgeworfen
und dabei im unteren Teil beschädigt.
Man hat später den Stein um rd. 65 cm
gekürzt und auf einen Sockel gesetzt. Der
Stein hatte ursprünglich eine Höhe von etwa
2, 10 Metern. Er ist heute noch 1,50 Meter
hoch.
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Die als »vermutlich« angegebene Beschriftung
im oberen Teil des Steines, die ursprüngliche
Steinhöhe sowie die Entfernungsangabe
im unteren Teil sind von den
noch vorhandenen Bezirksstraßen-Meilensteinen
in anderen Gebieten und von den
Steinen -.,in den Straßenmeistereien Düren
und Erkelenz entnommen. Die Inschriften an
diesen Steinen sind noch verhältnismäßig
gut zu erkennen. Demnach ist im oberen
Halbkreis über dem Adler der Regierungsbezirk
und im Halbkreis unter dem Adler der jeweilige
Landkreis eingetragen, in dem der
Stein gestanden hat. Und das wurde bei
dem Stein an der Krefelder Straße mit Sicherheit
ebenso gemacht. Die Entfernungsangabe
war ohne Zweifel mit »J Meile
100« von Aachen aus eingetragen.
Hinsichtlich des Standpunktes dieses Meilensteines
ist folgendes zu vermerken: In einem
» Vermessungs-Handriss der Flur VI
(Seel: E.) Morsbach«, die Vermessung erfolgte
im August 1841 , sind an der Straße
von Aachen nach Duisburg alle Nummersteine
aufgemessen und durchlaufend numeriert.
Auch der Nummerstein 1.00, der einer
vollen Meile entspricht, ist dabei. Er ist rd.
100 Meter nördlich von der nach links abgehenden
Neustraße eingetragen. Die Entfernung
von diesem Punkt bis zum Brunnen auf
dem Markt, zu dieser Zeit war es der Ausgangspunkt
der Krefelder Straße, betrug genau
eine Meile. Eine Bestätigung dafür ist in
zwei Straßenverzeichnissen der Regierung
Aachen vom 20. Februar 1830 und 10. Oktober
1832 zu entnehmen. Dort ist als Ausgangspunkt
für diese Straße jeweils vermerkt:
»Fängt jetzt noch am Springbrun-
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So hat der Meilenstein zwischen Würselen
und der Straßenkreuzung bei Birk
ursprünglich ausgesehen. Nach der Beschädigung
wurde er um den schraffierten
Teil gekürzt und vermutlich 1864/65
wieder aufgestellt.
62
nen auf dem Markt an.« Man wollte hier also
eine Änderung vornehmen. Die Verlegung
des Ausgangspunktes muß nach 1841
erfolgt sein. Vermutlich im Zusammenhang
mit der Aufstellung der Meilensteine. Neuer
Ausgangspunkt für diese Straße wurde der
Brunnen »Auf dem Hauptmann« - auch
»Hauptmannsbrunnen« genannt - (heute
Hotmannspief), denn hier wurde die Aachen
Krefelder Bezirksstraße aus der übergeordneten
Staatsstraße Köln-Jülich-Aachen-Lüttich
herausgeführt.
Eine graphische Längenermittlung von der
Hotmannspief über den Stein in Würselen bis
zum Meilenstein bei Oidtweiler, der im Urmeßtischblatt
von 1846 eingetragen ist, ergab
sehr genau zwei Meilen. Auch der dazwischen
liegende Meilenstein in Würselen
paßt mit rd. einer Meile noch ganz gut. Eine
kleinere Standpunktveränderung ist jedoch
nicht ganz ausgeschlossen.
Ein Schriftwechsel aus dem Jahre 1864, der
den Meilenstein zwischen Würselen und Birk
betrifft, soll hier nicht vorenthalten werden,
denn er gibt gleichzeitig ein Stück Lokalgeschichte
wieder (Akten des Regierungsbezirks
Aachen beim Hauptstaatsarchiv Düsseldorf
- Band 12 669).
Mit Datum vom 20. 3. 1864 bitten die Einwohner
von Birk und Grevenberg die Königliche
Regierung, den 1863 in der Kirmesnacht
»von ruchlosen Händen umgestürzten
Meilenstein« wieder aufstellen zu lassen,
da der Stein den beiden Ortschaften zur
Zierde gereicht.
In einer Randnotiz, die mit »Cremer<< unterzeichnet
ist, heißt es: » ... Ich habe den
fraglichen zweimal umgeworfenen Meilenstein
auf dem Hofe eines dortigen Akkerbauers
in Sicherheit gebracht ... « An
sich sollte der Stein hier nicht mehr aufgestellt
werden. Aber » ... Mit Rücksicht auf
die umstehende Bitte jedoch dürfte es
wohl noch einmal versucht werden, den
Stein auf der Crefelder Straße zum drittenmal
aufzusetzen . . . « Am 2. 4. 1864
wurden die Bewohner von Birk und Grevenberg
durch ein Schreiben von diesem Vorhaben
unterrichtet. Die Anwohner sollten aber
ein wachsames Auge auf den Stein haben.
Man kann wohl davon ausgehen, daß der
Meilenstein noch im April 1864 wieder aufgestellt
worden ist.
Allerdings konnten sich die Anwohner nicht
lange an dem Stein erfreuen. Bereits am 14.
September 1864 hat der Bauinspektor Maertens
der Königlichen Regierung - Abtheilung
des Innern - mitgeteilt,» . . . daß der bei Nr.
1. 00 ( damit ist die Nummerstein-Nummer
gemeint) der Aachen-Crefelder Bezirksstraße
in der Nähe von Birk aufgestellte
Meilenstein umgeworfen worden ist . .. «
Die Anwohner haben somit auch den dritten
Umsturz des Meilensteins nicht verhindern
können.
Zum gleichen Vorkommen schreibt der damalige
Baurat Cremer am 17. September
1864 an den Königlichen Bauinspektor Maertens.
»Bei Bereisung der Aachen-Crefelder
Bezirksstraße durch unseren Oberbau-Inspektor
ist wahrgenommen worden, daß
der im vorigen Jahre bei Stat.: Nr. 1.00
errichtete neue Meilenstein umgeworfen
worden ist . .. « Vermutlich haben sich beide
Briefe gekreuzt. Aber in beiden Schreiben
ist von dem gleichen Stein die Rede.
Der Hinweis » .. . errichtete neue Meilenstein
... « Im Schreiben des Baurats verwirrt
jedoch etwas, denn man könnte daraus folgern,
daß die Erstaufstellung dieses Steines
1863 erfolgt ist. Aber aus der oben erwähnten
Randnotiz, die ja ebenfalls mit »Cremer«
unterzeichnet ist, geht doch hervor,
daß dieser Stein bereits mehrmals umgeworfen
wurde. Es kann demnach nur eine Wiederaufstellung
im Jahre 1863 gemeint sein.
Beim letzten Umsturz wurde der Stein so
stark beschädigt, » .. . daß eine vollständige
Wiederherstellung desselben unbeschadet
seiner Formverhältnisse nicht möglich
erscheint . . . « Der Meilenstein wurde
schließlich um ein Stück gekürzt und irgendwann
wieder an der Straße aufgestellt. Er ist
uns so bis heute erhalten geblieben.
63
Nummerstein 1.01
Ein Meilenstein hat 1841
noch nicht an der Aachen
Krefelder Bezirksstraße
gestanden, denn im Handriß
ist nur ein Nummerstein
dargestellt.
Nummerstein 1.00
Meile.
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Unterlage vom
Katasteramt des
Kreises Aachen.
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Ausschnitt aus dem » Vermessungs Handriß der Flur VI (Seel: E.) Morsbach«, gemessen im August 1841. Auf der Straße von Aachen
nach Duisburg sind in diesem Abschnitt alle Nummersteine im Abstand von 20 Ruten aufgemessen und mit ihren laufenden
Nummern eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Ausgangspunkt der Straße noch am Springbrunnen auf dem
Markt. Vermutlich mit der Aufstellung der Meilensteine - 1845/46 - hat man den Ausgangspunkt dieser Straße an die Hotmannspief
verlegt, denn hier wurde die Aachen-Krefelder Straße aus der übergeordneten Straße Köln-Jülich-Aachen herausgeführt.
Natürlich mußten dann auch die Nummersteine umgesetzt werden.
64
Zwei weitere Steine
(Glocken) im
Stadtgebiet Aachen
Glocke - 1 / 4 Meilenstein
Diese Glocke steht in der Karl-Marx-Allee
220, vor dem Rheinischen Straßenbauamt
des Landschaftsverbandes Rheinland . Vermutlich
wurde die Glocke zur Erinnerung an
die Zeit der Meilensteine hier aufgestellt.
Glocke - 1 /2 Meilenstein
Sie steht am Lousberg, in der Spitzkehre der
Zufahrtsstraße zum Drehturm.
Warum man die Glocke am Lousberg aufgestellt
hat, ist nicht bekannt. Dieser Standpunkt
ist für den 1 /2 Meilenstein jedoch vollkommen
verfehlt, denn hier ist überhaupt
kein Zusammenhang mit den Straßen gegeben,
an denen die Meilensteine einst gestanden
haben. Es wäre wünschenswert, wenn
die Glocke wieder an einem der ursprünglichen
Standpunkte für eine halbe Meile aufgestellt
würde.
Besonders geeignet wäre der Standpunkt in
Kornelimünster an der alten Straßenführung
Aachen - Monschau. Die Glocke für eine
halbe Meile wurde ehemals auf der linken
Seite der Korneliusstraße, etwa 50 Meter vor
der nach links abgehenden Breiniger Straße,
aufgestellt. Sie war 1 1 /2 Meilen von Aachen
entfernt. Die Glocke bliebe somit auch im
Stadtgebiet von Aachen.
65
Noch vorhandene Meilensteine in den Bauhöfen
der Straßenmeistereien
Auch in einigen Bauhöfen der Straßenmeistereien
des weiten Aachener Raumes befinden
sich noch verschiedene alte Meilensteine
aus preußischer Zeit. Diese Steine wurden
von den Straßen entfernt, weil sie entweder
selbst gefährdet waren - auch durch
Umwelteinflüsse - oder eine Gefahr für den
Straßenverkehr darstellten. Ob allerdings die
Bauhöfe die richtigen Standpunkte für diese
alten Wegezeichen sind, sei dahingestellt.
Schließlich sind es Wegezeichen, die einst
an den Straßen gestanden haben, und die
nach Möglichkeit auch wieder an den Straßen
aufgestellt werden sollten. Zumindest
dann, wenn dadurch der Straßenverkehr
nicht behindert wird. Auch an den Straßen
gibt es geschützte Standpunkte, an denen
diese Steine überdauern könnten.
Im einzelnen befinden sich bei den für den
Aachener Raum zuständigen Straßenmeistereien
des Landschaftsverbandes Rheinland
noch folgende Meilensteine:
Straßenmeisterei Düren
Im Hof der Straßenmeisterei steht ein hochschattiger
Meilenstein mit gerundetem Kopf
aus Buntsandstein. Seine Höhe beträgt rd.
2, 10 m. Die Inschrift ist noch gut zu erkennen.
Sie lautet: »Düren - Jülich - Heinsberger
Bezirksstraße erbaut 1853158«.
Im gerundeten Kopf befindet sich in einer flachen
Aushöhlung eine kreisrunde gußeiserne
Platte (0 = 33 cm) mit dem stilisierten Preußenadler.
Allem Anschein nach wurde bei
den Meilensteinen dieser Art der Adler nicht
grundsätzlich aus dem Stein herausgemei
.ßelt, sondern gelegentlich auch Gußeisenplatten
mit dem stilisierten Preußenadler eingesetzt.
Als der Stein noch an der Straße
stand, wurde die Platte mit dem Preußenadler
- vermutlich von »Souvenierjägern« -
wiederholt herausgebrochen und entwendet.
Kreisförmig eingetragen ist über der Platte
»Regierungsbezirk Aachen« und unter der
Platte »Kreis Düren«. Im unteren Teil des
Steines ist ebenfalls in einer kreisrunden Fläche
die Entfernungsangabe mit »/ Meile
100« eingemeißelt, wobei mit der 100 die
Meilenstein-Nummer für eine Meile gemeint
ist.
Dieser Meilenstein stand also an der Bezirksstraße
Düren-Jülich-Heinsberg, eine Meile
von Düren entfernt. Er wurde vermutlich
1858, nach dem Ausbau der Straße aufgestellt.
Der Stein muß ursprünglich auf der linken
Straßenseite zwischen Köttenich und
Selhausen gestanden haben. Dieser Standpunkt
wurde auch von einem ehemaligen
Bediensteten der Straßenmeisterei Düren
bestätigt.
Der Stein ist zwar von Witterungs- und Umwelteinflüssen
nicht verschont geblieben, befindet
sich aber doch noch in einem durchaus
guten Zustand.
Auf dem Rasenstreifen vor der seitlichen Einfahrt
zur Straßenmeisterei (von der Straße
zum Gut Weyern) stehen zwei interessante,
obeliskenförmige Grenz- und Nummernsteine
von unterschiedlicher Größe. Aus einem
Schreiben von 1817 ist zu entnehmen, daß
diese Steine, die man als zusätzliche Nummersteine
an den Regierungsbezirks- und
Kreisgrenzen aufgestellt hat, als » Wege-
Nummer-Abtheilungs-Steine« bezeichnet
wurden.
Der größere Stein ist in der Form und in den
Abmessungen genau identisch mit dem
Grenz- und Nummerstein von der Escherbrücke
an der Straße Köln - Jülich - Aachen.
Er ist ebenfalls aus dunkelgrauer Basaltlava
gefertigt.
Der Stein hat folgende Beschriftung: Auf der
linken Seite »R. B. Aachen«, auf der rechten
Seite »R. B. Cöln« und zur Straße hin
»Grenze - Nf1 377 x 13,8° - von-Cöln «.
Dieser Grenz- und Nummerstein hat an der
»Cöln-Dürener Bezirksstraße« gestanden
und die Regierungsbezirksgrenze gekennzeichnet.
Er muß in Richtung Köln gesehen
auf der linken Straßenseite gestanden haben,
denn nur dann sind die seitlichen Zuweisungen
zu den Regierungsbezirken Köln
und Aachen auch tatsächlich gegeben.
Mit der Nr. 377 ist die Nummer des Nummersteins
gemeint. Sie besagt, 377 x 20 Ruten
= 7540 Ruten . Hinzu kommen noch 13,8
Ruten (die zweite Zahlengruppe) bis zum
tatsächlichen Grenzpunkt. Insgesamt also
7 553,8 Ruten oder rd. 28,448 Kilometer von
Köln bis zur Regierungsbezirksgrenze zwischen
den Ortschaften Blatzheim und Golzheim.
Im Urmeßtischblatt 1 : 25000 - Blatt
51 05 Nörvenich - ist die damalige Regierungsbezirksgrenze
eingetragen. Die graphische
Längenermittlung vom Ausgangspunkt
der Straße bis zu dieser Grenze hat die auf
dem Stein eingetragene Entfernung bestätigt.
Eine Nachfrage bei der Straßenmeisterei
in Düren hat ergeben, daß dieser Grenz- und
Nummerstein früher an der Straße nach Köln
im Bereich der damaligen Regierungsbezirksgrenze
gestanden hat. In der TK 25 -
Blatt Nörvenich - Ausgabe 1977 - ist dieser
Stein als Signatur mit Schriftzusatz eingetragen.
Der Stein befindet sich noch in einem guten
Zustand.
Der kleinere Grenz- und Nummerstein ist aus
Sandstein gefertigt. Die vielen Jahrzehnte
haben ihm doch erheblich zugesetzt. Seine
Gesamthöhe dürfte ca. einen Meter betragen.
Die untere, quadratische Breite beträgt
etwa 48 cm, die obere 38 cm. Die Spitze ist
zu den vier Seiten hin abgeschrägt. Auf der
linken Seite ist »Kreis Düren« und auf der
rechten Seite »Kreis Jülich« eingetragen.
Es ist also ein Grenz- und Nummerstein, der
eine Kreisgrenze kennzeichnete. Er muß von
Düren aus gesehen auf der linken Seite einer
bestimmten Bezirksstraße gestanden haben,
66
GRENZ-NUMMERSTEIN (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS
STEIN) vor der Straßenmeisterei in Düren.
Ursprünglicher Standpunkt: Straße Köln -
Düren, an der ehern. Reg. - Bez. - Grenze. ~- [8L
Vorderseite
GRENZE
N2377·13.8"
von
Cöln
1
1
1
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Grundriß
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Linke
Stite
Aachen
~-~·
Cöln
Quadr•tia,h•r
Bault-Lav• Block
Rechte
Seite
denn nur dann sind die seitlichen Zuweisungen
zu den beiden Kreisen richtig eingetragen.
Die Eintragung auf der Vorderseite ist nur
noch teilweise zu erkennen. »No.« ist eindeutig.
Rechts davon stehen zwei Zahlengruppen
übereinander, die jeweils mit 1 und
0, also 10, beginnen. Die dritte Ziffer der
oberen Zahlengruppe könnte eine 9 (?) sein.
Das ergäbe dann 109 (?), und damit ist vermutlich
die Nummerstein-Nummer gemeint.
Auch mit der unteren 10 können nur Ruten
gemeint sein, und zwar die zusätzliche Distanz
bis zur tatsächlichen Grenze zwischen
den Kreisen Düren und Jülich. Demnach
stand der Stein 2190 Ruten oder rd. 8248
Meter von Düren entfernt.
Dieser Grenz- und Nummerstein hat mit
größter Wahrscheinlichkeit ebenfalls an der
»Düren - Jülich - Heinsberger Bezirksstraße«
gestanden und dort die Grenze zwischen
den Kreisen Düren und Jülich gekennzeichnet.
Sein Standpunkt befand sich dann·
zwischen Selhausen und Krauthausen, denn
dort verlief in der damaligen Zeit die Kreisgrenze.
Eine andere Bezirksstraße, die durch
diese beiden Kreise führte und an der dieser
Stein gestanden haben könnte, ist nicht bekannt.
Der vermutete Standpunkt an der »Düren -
Jülich - Heinsberger Bezirksstraße« wurde
auch durch die Straßenmeisterei Düren
bestätigt.
GRENZ-NUMMERSTEIN (WEGE-NUMMER-ABTHEILUNGS
STEIN) vor der Straßenmeisterei in Düren.
Ursprünglicher Standpunkt: Düren - Jülich -
Heinsberger Bezirksstraße, an der ehern. Kreisgrenze
Düren/Jülich, zwischen Selhausen und
Krauthausen .
Vorderseite
Linke
Seite
KREIS
DÜREN
Grundriß
r, ~
1 1
1 1
:~:
: ui
1 .... ,
1 1
1 1
1 1
~ J
Quadratischer Blod:
(Sandstein)
Rechte
Seite
KREIS
JÜLICH
67
Straßenmeisterei Erkelenz
Auch hier befindet sich noch ein Meilenstein,
der früher an einer Bezirksstraße gestanden
hat. Er befand sich im Bauhof der Straßenmeisterei
Düren und wurde vor etwa 15
Jahren nach Erkelenz geholt und im Gelände
der Straßenmeisterei aufgestellt.
Von der eingemeißelten Schrift ist kaum etwas
zu erkennen. Im Halbkreis unter dem
Adler ist aber »Kreis« noch zu ahnen und
»Düren« gut zu lesen. Der Stein stand ursprünglich
also an einer Bezirksstraße des
Kreises Düren.
Die Schrift in der Mitte des Steines, wo die
betreffende Straße aufgeführt war, ist nicht
mehr zu erkennen.
Auch die Beschriftung im unteren Kreis - sie
gibt die Entfernung an - ist unleserlich. Aber
im oberen Teil des Kreises ist noch eine I zu
erkennen. Daraus ist zu folgern, daß der
Stein eine Meile von Düren aus aufgestellt
war.
Der stilisierte Preußenadler befindet sich
auch bei diesem Stein auf einer kreisrunden,
gußeisernen Platte. Sie ist in der dafür vorgesehenen
flachen Aushöhlung im oberen Teil
des Steines angebracht.
Die sichtbare Höhe des Steines beträgt 1,72
rn . Die fehlenden 40 cm wurden vermutlich
eingegraben, um dem Stein festen Halt zu
geben. Der Meilenstein befindet sich, die
Schrift ausgenommen, in einem verhältnismäßig
guten Zustand.
Es ist nicht bekannt, an welcher Bezirksstraße,
die ihren Ausgangspunkt in Düren hatte,
der Meilenstein ursprünglich gestanden hat.
68
Straßenmeisterei Heinsberg
Hier befindet sich eine Glocke für eine viertel
Meile. Diese Glocke hat noch in der zweiten
Hälfte des Jahres 1986 auf der linken Seite
der Bundesstraße 221 zwischen Geilenkirchen
und Heinsberg, etwa 100 Meter vor
Blauenstein, gestanden. Da diese Glocke
bei der Unterhaltung des Randstreifens und
der Böschung hinderlich war, hat man sie
von diesem Standpunkt entfernt und in den
Bauhof der Straßenmeisterei gebracht.
Der Standpunkt der Glocke bei Blauenstein
paßte überhaupt nicht in die Meilenunterteilung.
Etwa 300 Meter weiter in Richtung
Heinsberg hat ursprünglich schon der Meilenstein
»Aachen 4 Meilen« oder, wenn der
Bezirksstraßen-Meilenstein aufgestellt worden
ist, »4 - Meilen - 400« gestanden. Es
ist ohnehin fraglich , ob an dem Straßenabschnitt
Geilenkirchen - Heinsberg und weiter
in Richtung Roermond Glocken als Meilenunterteilungen
gestanden haben, denn ab
1837 wollte man auf die Aufstellung von halben
und Viertelmeilensteinen ganz verzichten.
Die Wiederaufstellung dieser Glocke sollte
daher an dem Straßenabschnitt Aachen-Geilenkirchen
erfolgen; denn hier standen die
Glocken, und es könnte ein ursprünglicher
Standpunkt für eine viertel Meile ausgesucht
werden.
Die Glocke selbst befindet sich in einem guten
Zustand. Sie ist aus Blaustein gefertigt.
Straßenmeisterei Jülich
Diese Glocke für eine viertel Meile stand bis
1988 noch auf der linken Seite der Landstraße
136, am Ortsausgang von Schleiden in
Richtung Hoengen, etwa in Höhe des letzten
Wohnhauses auf dieser Straßenseite. Und
genau dort wurde eine neue Straße von der
L 136 nach links hinein in Richtung Niedermerz
gebaut. Die Glocke wurde von ihrem
Standpunkt entfernt und im Bauhof der Straßenmeisterei
Jülich in Sicherheit gebracht.
Zwischenzeitlich wurde diese Glocke ebenfalls
an dem stillgelegten Straßenabschnitt
der B 55 vor der Sophienhöhe aufgestellt.
69
Straßenmeisterei Monschau
Im Hof der Straßenmeisterei stehen noch
zwei Glocken für viertel Meilen. Beide Glokken
befinden sich in einem verhältnismäßig
guten Zustand. Es wäre zu wünschen, daß
auch sie wieder an der Straße Aachen -
Monschau aufgestellt würden. Ursprüngliche
Standpunkte von Viertelmeilensteinen sind in
ausreichender Anzahl an dieser Straße vorhanden.
70
Einige Meilensteine an Bezirksstraßen im damaligen
Regierungsbezirk Köln
Nachfolgend sind einige Meilensteine aufgezeigt,
die an Bezirksstraßen des damaligen
Regierungsbezirks Köln aufgestellt worden
sind. Die äußere Form und die Abmessungen
sind genau identisch mit den Steinen,
die auch im Regierungsbezirk Aachen an
den ehemaligen Bezirksstraßen gestanden
haben. Allerdings ist bei den bisher bekannten
Meilensteinen der Preußenadler an den
Kölner Wegezeichen immer aus dem Stein
herausgemeißelt.
Meilenstein auf der rechten Straßenseite der
B 477, zwischen Sehwerten und Kammern,
kurz hinter dem kleinen Örtchen Gehn.
Die noch gut erhaltene Schrift lautet: »Regierungsbezirk
Coeln« über dem Adler und
»Kreis Euskirchen« darunter. In der Steinmitte
»Coeln - Blankenheimer Bezirksstraße
erbaut .. ?..11843«. Von der Entfernungsangabe
ist im oberen Teil nur noch eine
» VI«, allerdings mit leichten Zweifeln, zu
erkennen. Die graphische Längenüberprüfung
von Köln aus bis zum Standpunkt des
Steines hat ebenfalls sechs Meilen ergeben.
Da der Stein auf der rechten Straßenseite
steht, ist eine Standpunktveränderung nicht
auszuschließen. Der Meilenstein befindet
sich noch in einem verhältnismäßig guten
Zustand.
Meilenstein auf der linken Straßenseite der
B 56, zwischen Zülpich und Euskirchen, kurz
vor der Ortschaft Ülpenich.
Der Stein ist noch gut, auch die Schrift ist
weitgehend erhalten. Über dem Adler steht
»Regierungsbezirk Coeln«, unterhalb des
Adlers »Kreis Euskirchen«. In der Mitte des
Steines ist »Düren - Zülpicher Bezirksstraße
- erbaut ...« eingetragen. Das Baujahr
ist nicht mehr zu erkennen. Auch die
Entfernungsangabe ist unsicher. Nur noch eine
vermutliche »III« ist zu erkennen. Das
würde bedeuten, daß der Stein drei Meilen
von Düren entfernt ist. Eine graphische Längenüberprüfung
stimmt damit gut überein.
Der Stein wurde also an der »Düren - Zülpicher
Bezirksstraße« aufgestellt, allerdings
etwa 3,5 Kilometer über Zülpich hinaus. Es
ist wohl anzunehmen, daß man den Verlauf
dieser Straße bis nach Euskirchen weitergeführt
hat, die Bezeichnung aber als »Düren
- Zülpicher Bezirksstraße« beibehalten
worden ist.
71
Schaven
Meilenstein auf der linken Seite der B 266
zwischen Euskirchen und Kammern, kurz
vor der nach links abgehenden Straße zum
kleinen Örtchen Schaven.
Der Stein ist relativ gut erhalten. Seine Vorderseite
ist jedoch stärker verwittert, so daß
von der Schrift nicht mehr allzuviel zu erkennen
ist. Um den Adler ist wieder »Regierungsbezirk
Coeln« und »Kreis Euskirchen«
zu vermuten. In der Steinmitte ist
»Bonn« noch gut zu lesen, während
»Schleidener - Bezirksstraße - erbaut
. . . « nur zu ahnen ist. Das Baujahr und
die Entfernungsangabe sind ganz unleserlich.
Der Stein stand also an der »Bonn -
Schleidener Bezirksstraße«. Eine graphische
Längenermittlung ergab 5 Meilen von
Bonn. Diese Entfernung paßte ganz gut.
Meilenstein auf der linken Straßenseite der
B 51 zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel,
genau an der Straßenbrücke über die
Erft in lversheim.
Einern kleinen Täfelchen auf der rechten
Steinseite ist zu entnehmen, daß der Meilenstein
1987 durch den Förderkreis für
Denkmalpflege restauriert worden ist. Das
erklärt auch den ausgezeichneten Zustand
dieses Steines, einschließlich seiner Beschriftung
.
Über dem schön herausgearbeiteten Preußenadler
steht »R egierungs-Bezirk Cöln«,
und darunter »Kreis Rheinbach«. Das erinnert
daran, daß es im damaligen Regierungsbezirk
Köln auch einen Kreis Rheinbach
gegeben hat.
Die weitere Beschriftung lautet »Cöln -
Trierer - Bezirksstraße - erbaut 1837-
18 44 «. Der Stein steht also schon 148 Jahre
an dieser Straße. Die Entfernung ist mit
» VI Meilen 6.00« von Köln angegeben,
wobei 6.00 der Nummerstein-Nummer entspricht.
Es wäre schon wünschenswert, wenn alle
Meilensteine, die noch an den ehemaligen
Bezirksstraßen stehen, in einen so guten Zustand
gebracht werden könnten.
Weitere Meilensteine sollen sich noch an der
»Cöln - Trierer - Bezirksstraße« in Euskirchen
am Stadtwald, Münstereifeler Straße,
und an der »Bonn - Schleidener Bezirksstraße«
bei Kuchenheim befinden.
72
Historische Meilenstation an der römischen Fernstraße Köln-Jülich
Im Verlaufe der vorstehenden Beschreibung
der Meilensteine wurde bereits darauf hingewiesen,
daß im stillgelegten Straßenabschnitt
der B 55 westlich der Sophienhöhe
ein Ensemble der Preußischen Meilensteine,
die einst an dieser Straße gestanden haben,
aufgestellt werden soll. Das ist inzwischen
geschehen. Initiiert vom Landschaftsverband
Rheinland, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
und unter Mitwirkung der Rheinbraun
AG Tagebau Harnbach, der Kreissparkasse
Düren, der Stadt Jülich sowie der
Straßenmeisterei Jülich konnte die »Historische
Meilenstation« errichtet werden. Sie
wurde am 26. August 1992 der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Der stillgelegte Straßenabschnitt westlich
der Sophienhöhe wird noch auf einer Länge
von rund 750 m - vom Fuße der Aufschüttung
bis zur Straßenkreuzung in Richtung Jülich-Stetternich
- unter Denkmalschutz gestellt.
Dieses Teilstück kann jedoch als Zufahrt
zu den verzweigten Wanderwegen auf
der rekultivierten Sophienhöhe, an deren Fuß
sich ein Parkplatz und eine Grillhütte befinden,
benutzt werden.
Die Meilenstation liegt auf der südlichen Straßenseite,
Sie wurde dort errichtet, wo ursprünglich
der 5 1 /4 Meilenstein von Köln
aus gestanden hat. Die Glocke war zwar abhanden
gekommen, aber der Erdabdruck
war noch vorhanden. Und die Glocke für eine
viertel Meile steht nun an genau der gleichen
Stelle. In der straßenweisen Meilenstein-Beschreibung
ist bereits vermerkt, welche
Steine von der Straße entfernt und hier
aufgestellt worden sind. Diese Steine wurden
restauriert. Am Obelisk »KOELN 5
MEILEN« sind auch der Adler und die
Schrift in schwarzer Farbe überstrichen.
Außerdem wurden neue Steinbänke angefügt,
denn die waren am vorherigen Standpunkt
schon nicht mehr vorhanden. Der
Obelisk ist nun wieder in seiner vollen Größe
und mit den Steinbänken zu sehen.
Aus preußischer Zeit wurde zusätzlich noch
ein Grenz- und Nummerstein (Wege-Nummer-Abtheilungs-Stein)
aufgestellt, der ursprünglich
an einer Straße stand, die durch
die damaligen Kreise Jülich und Düren verlief
und dort die Grenze zwischen den beiden
Kreisen markierte. Es war bisher nicht mit Sicherheit
festzustellen, an welcher Straße dieser
Stein gestanden hat.
Auch zur römischen Zeit haben an dieser
Straße Meilensteine gestanden. Allerdings
sind von dem Straßenabschnitt Köln - Jülieh
- Rimburg bisher nur drei Meilensteinfragmente
bekannt. Sie wurden bei Baesweiler,
in Jülich-Tetz und an der Höller-Mühle vor
Steinstraß-Lich gefunden. Nur bei dem Fragment
von der Höller-Mühle, das nachstehend
aufgezeigt wird, ist eine Inschrift in etwa zu
deuten. Hier aufgestellt wurde daher die Kopie
einer Meilensäule aus Zülpich-Hoven, die
Blick von der Sophienhöhe auf den stillgelegten Straßenabschnitt der B 55. Er wird
bis zur oberen Straßenkreuzung - am Ende des Lindenberger Waldes - unter
Denkmalschutz gestellt.
73
Die »Historische M eilenstation«. Aufgestellt sind hier eine römische Meilensäule mit würfelförmigem Postament, eine Glocke
für eine viertel Meile am ursprünglichen Standpunkt, ein Obelisk mit Steinbänken für eine ganze Meile, eine Glocke für eine
halbe Meile und ein Grenz- und Nummerstein (Wege-Nummer-Abtheilungs-Stein).
an der Römerstraße von Trier nach Köln gestanden
hat. Das 2, 15 m hohe Original ist
aus Lothringer Kalkstein. Drei Inschriften
dokumentieren die politische Situation Ende
des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts. Die
zweite Inschrift enthält eine Entfernungsangabe
zur Provinzhauptstadt Köln mit 16 Leugen.
Das entspricht 24 römischen Meilen
oder 35,5 km . Auf der Meilensäule sichtbar
und farbig nachgearbeitet ist nur die dritte Inschrift,
Sie stammt aus den Jahren 325/326
. und enthält Lobreden auf die damaligen Kaiser.
Vor der Meilenstation wurde die Straße auf
einer Länge von 120 Metern vom Asphalt
befreit und das Kopfsteinpflaster aufgezeigt.
Dadurch wurde eine optische Zusammengehörigkeit
von den preußischen Meilensteinen
und der Straße erreicht. Die Straße war bis
Ende der 50er Jahre mit Steinen gepflastert.
Eine aufgestellte Schrifttafel enthält geschichtliche
Informationen zur Straße und
Beschreibungen der Meilensteine.
Das Bruchstück des römischen Meilensteines
wurde 1986 in der Nähe der
Höller Mühle bei Lich-Steinstraß gefunden.
Die vermutliche Inschrift -
(AV)G(VSTO) - NICO - (MAXl)MO -
läßt auf eine Kaisertitulatur schließen.
74
Der römische Meilenstein aus Zülpich
Hoven. An ihm wurden drei Inschriften
festgestellt. Die erste befand sich auf
der Vorderseite und wurde vollständig
entfernt. Sie war wohl einem Kaiser des
3. Jahrh. gewidmet.
Die zweite Inschrift befindet sich auf
der Rückseite der Säule und verehrte
den Kaiser Licinius (308-324).
IMP(ERATORI) CAES(ARI)
LICINIANO
LICIN/O
[/] NV(ICTO) AU(G)(USTO)
A C(OLONIA) A(GRIPPINENSIUM)
L(EUGAE) XVI
Dem Herrscher und Kaiser
Licinianus L~iniu§.,
Dem unbesiegbaren Augustus.
Von der Colonia Agrippinensium
16 Leugen.
Die Entfernung nach Köln ist mit 16
Leugen - rd. 35,5 km - angegeben.
Diese Inschrift wurde wohl im Jahre 324
beseitigt.
Die dritte, sichtbare Inschrift, die sich
zwischen den beiden anderen befindet,
stammt aus der Zeit des Kaisers Konstantin
und seiner Söhne (nach dem
Jahre 324).
IMP (ERATORI) CAES(ARI)
FLAV/O CONSTANTINO
MAX/MO P/O FELICI
VICTOR/ AUG(USTO) ET
IMPP(ERA TOR/BUS)
CAESS(ARIBUS)
[FLAV(/O)
JUL(/)O CRISPO ET] FLA V(/O)
CLAUD/O CONSTANT/NO
ET FLA V(/)O CONSTANT/O
NOB/LISS/M/S
CAESARIBUS
Dem Herrscher und Kaiser
Flavius Constantinus,
Dem Größten, Gottesfürchtigen,
Glücklichen;
Dem siegreichen Augustus und
Den Herrschern und Kaisern
Flavius
lulius Crispus und F/avius
Claudius Constantinus
und Flavius Constantius,
den edlen Caesaren.
Nach der Ermordung des Caesars Flavius
lulius Crispus im Jahre 326 wurde
sein Name entfernt.
(Aus: Römische Straße und preußische
Meilensteine vor der Sophienhöhe bei
Jülich)
75
76
Der Obelisk KOELN 5 MEILEN
nach der Restaurierung.
Grenz- und Nummerstein. Aus den Zahlenangaben
auf der Vorderseite läßt
sich die Entfernung vom Ausgangspunkt
der Straße ermitteln. Sie beträgt
7 873 km. Auf der linken Seite ist KREIS
DÜREN und auf der rechten KREIS JÜ
LICH eingemeißelt.
0 <:' ...
• ••• <:' . . .
ILE
DER WEG ZUR
HISTORISCHEN MEILENSTATION
0
0 <:' .. .••••
••• • <:' ...
Hamba,h u.
v Niederzier
<:> .. .
Schlußbetrachtungen
Die Meilensteine, so wie sie uns heute noch
an den Straßen begegnen, können nicht nur
Wegezeichen mit Entfernungsangaben oder
Wegemarkierungen gewesen sein. Die doch
sehr stattlichen Obelisken an den Staatsstraßen
sowie die hochschaftigen Meilensteine
mit gerundetem Kopf an den Bezirksstraßen,
auf denen sich das Emblem des Preußischen
Staates befindet, hatten sicher eine
größere Bedeutung. Diese Meilensteine waren
Hoheitszeichen an den Straßen der Monarchie
und Symbole der Souveränität des
Staates. Auch damit hat sich das Königreich
seinen Landesbewohnern dargestellt.
Es ist bedauerlich, daß schon viele dieser
stummen Zeugen einer inzwischen abgeschlossenen
geschichtlichen Epoche abhanden
gekommen sind.
Die vorstehende, nach Straßen gegliederte
Zusammenfassung der noch vorhandenen
Meilensteine im Aachener Raume, kommt einer
Bestandsaufnahme gleich. Sie sollte Veranlassung
dafür sein, daß die zuständigen
Stellen der Denkmalpflege ihr Interesse nun
auch diesen alten preußischen Wegezeichen
zuwenden.
Nach der Veröffentlichung einer Kurzfassung
der »Preußischen Meilensteine im Aachener
Raum« in der Zeitschrift »Rheinische
Heimatpflege« (24. Jahrgang - Neue
Folge, Nr. 4 - Oktober-Dezember 1987) hat
man bereits auf die hier vorliegende straßenweise
Zusammenstellung mit Zustandsfotos
und kartenmäßiger Erfassung der Meilensteine
zurückgegriffen, um diese alten
preußischen Wegezeichen unter Denkmalschutz
zu stellen. Das Vorhaben ist inzwischen
auch zum Abschluß gekommen. Die
hier aufgezeigten Meilensteine an den Straßen
des Aachener Raumes stehen inzwischen
unter Denkmalschutz. Offen bleibt die
Frage, was mit den alten Wegezeichen -
Glocken, Bezirksstraßen-Meilensteinen,
Grenz- und Nummersteine - geschieht, die
sich noch in den Bauhöfen der Straßenmeistereien
befinden.
Natürlich wäre bei einigen Steinen eine sachgemäße
Überarbeitung angebracht. Bisher
wurde bei den Ausbesserungen der schadhaften
Stellen mitunter etwas oberflächlich
oder auch unsachgemäß verfahren. Vielleicht
fehlten hierfür aber auch die erforderlichen
Mittel. Zu wünschen wäre außerdem,
daß die Beschriftung an den Steinen und der
erhaben herausgemeißelte Adler mit schwarzer
Farbe hervorgehoben würden, so wie es
dem ursprünglichen Zustand entspricht. Als
Vorbild für eine gelungene Instandsetzung ist
der Meilenstein in Friesenrath, an der Straße
Aachen - Monschau, anzusehen.
Falls eine Wiederaufstellung der Meilensteine,
die sich noch in den Bauhöfen der Straßenmeistereien
befinden, in Erwägung gezogen
wird, können die dafür in Betracht kommenden
Straßen benannt und die ursprünglichen
Standpunkte der Steine mit weitreichender
Genauigkeit aufgezeigt werden.
Das trifft für nahezu alle alten Straßen im Aachener
Raume zu.
Abschließend bleibt nur zu hoffen und zu
wünschen, daß durch diese Veröffentlichung
die Aufstellung der Meilensteine an den Straßen
des linksrheinischen Gebietes, und somit
auch im Aachener Raume, nun nicht
mehr mit Napoleon oder der Franzosenzeit
in Verbindung gebracht wird. »Napoleon ist
doch nicht an allem schuld«.
77
Exkurs:
Meilensteine in Berlin
Abschließend sollen auch einige Meilensteine
aufgezeigt werden, die heute noch in Berlin
stehen. Im § 104 der Anweisung von 1814
ist hinsichtlich der Größe und Form der Meilensteine
folgendes gesagt: »... In großen
Städten, oder wenn damit noch andere
Zwecke verbunden werden sollen, können
sie im größern Styl erbauet werden ...«
Und genau an diese Aussage hat man sich
in Berlin bei der Aufstellung bestimmter Meilensteine
gehalten.
Durch Hinweise und eigene Feststellungen
konnten der Straßenausgangspunkt und etliche
Meilensteine in Berlin aufgenommen
werden.
Die Entfernungsmessung für die zahlreichen,
strahlenförmig von Berlin ausgehenden
Fernstraßen hat in der damaligen Zeit auf
dem Dönhoffplatz begonnen. Das war ein
kleiner, zentral gelegener Platz auf der rechten
Seite der Leipziger Straße, kurz vor dem
Spittelmarkt. Dort hat als »Null-Meilenstein«
von 1730 bis 1875 ein ganz besonderer
Stein gestanden. Eine Nachbildung
dieses Steines mit der Inschrift »Historische
Meilensäule von 1730 + rekonstruiert
1979+« wurde 1980 auf der rechten Seite
der Leipziger Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft
des ursprünglichen Standpunktes
am früheren Dönhoffplatz, wieder aufgestellt.
Der imposante, obeliskenförmige
Stein, der auf einem quadratischen Sockel
steht, ist in einem Halbkreis von den ebenfalls
neu errichteten Spittelkolonnaden, die
früher auch an anderer Stelle gestanden haben,
umgeben.
Mit der Jahreszahl 1730 wird aufgezeigt,
daß schon zu diesem Zeitpunkt Meilensteine
an den brandenburgisch-preußischen Straßen
gestanden haben. Allerdings kommen
die hier bekannten und aufgezeigten Meilensteine,
die heute noch in Berlin anzutreffen
sind, nicht aus dieser Zeit, sie wurden
erst später aufgestellt. Die Entfernungsangaben
sind jedoch wieder vom Nullpunkt auf
dem Dönhoffplatz ermittelt worden.
Die NaclJbildy_ng ~es Ausgangspunktes
für die Fernstraßen in Berlin.
78
Der
Charlottenburger Meilenstein
Die Aufstellung dieses Meilensteines ist nicht
genau datiert. Einige Hinweise gehen dahin,
daß der Stein bereits anläßlich des Chaussee-Ausbaues
vom Brandenburger Tor zum
Schloß Charlottenburg im Jahre 1798 aufgestellt
worden ist. Dafür gibt es jedoch keine
Bestätigungen. Andere Aussagen gehen davon
aus, daß der Stein vor 1810 errichtet
wurde. In diesem Zusammenhang wird auch
erwähnt, daß dieser Stein weniger als Entfernungsanzeige
diente, sondern mehr dekorative
Bedeutung hatte. Es wird auch angenommen,
daß Friedrich Wilhelm IV., allerdings
noch als Kronprinz, den Entwurf für
diesen Meilenstein gefertigt haben soll.
Sicher ist jedoch, daß der Stein am 20. März
1846 schon gestanden hat; denn in einer
Kabinettsorder dieses Tages, betreffend die
Aufstellung von Meilensteinen an der Straße
Berlin-Potsdam, wird auf den Charlottenburger
Stein als Muster hingewiesen. Vermutet
wird jedoch, daß der Stein mit dem weiterführenden
Ausbau der Chaussee von Charlottenburg
nach Spandau im Jahre 1822 aufgestellt
wurde. Die alte Straße nach Hamburg
soll in damaliger Zeit in Charlottenburg
begonnen haben, und so wäre es durchaus
möglich, daß dieser Stein ursprünglich den
Ausgangspunkt markiert hat.
Der Stein hat häufig seinen Standpunkt gewechselt.
Auf eine Anordnung von Kaiser
Wilhelm 1. am 13. Juli 1875 wurde der Stein
wieder an seinen alten Standpunkt am Luisenplatz
zurückgebracht.
Als 1904 an dieser Stelle ein Denkmal für
Kaiser Friedrich III. errichtet wurde, hat man
den Meilenstein 1905 an seinem heutigen
Standpunkt aufgestellt.
Dieser Meilenstein wurde aus Sandstein gefertigt,
die Kugel und die Spitze sind aus Metall
. 1937 hat man den Stein in einer Werkstatt
ausgebessert. Eine Renovierung, bei
der auch die Kugel und die Spitze neu vergoldet
wurden, erfolgte 1960. Die letzte Instandsetzung
fand 1990 statt.
Auf der gußeisernen Platte im oberen Teil
des Säulenschaftes ist als Entfernung »I
MEILE von BERLIN« eingetragen. Es
dürfte aber wohl mehr dem Zufall entsprechen,
daß der Meilenstein sehr genau eine
Meile vorn ehemaligen Dönhoffplatz entfernt
ist.
Der Charlottenburger Meilenstein.
79
Meilensteine an der Straße Berlin-Potsdam
An der Straße von Berlin nach Potsdam
standen die ersten Meilensteine bereits um
1700. Heute stehen an dieser Straße noch
drei sogenannte »Römische Meilensteine«.
Friedrich Wilhelm IV. hat durch eine Kabinettsorder
vom 20. März 1846 angeordnet,
daß auf den Chausseen von Berlin nach
Potsdam und von Berlin nach Frankfurt/Oder
Meilensteine aus gebranntem Chausseeabraum
angefertigt werden sollten. Die Kosten
würden aus der königlichen Schatulle übernommen.
Als Vorbild wurde auf den Meilenstein
in Charlottenburg hingewiesen. Da
das Angebot für die Herstellung der Meilensteine
höher ausfiel als erwartet, wurden
nur die drei Steine für die Straße Berlin-Potsdam
in Auftrag gegeben. Erst am 19. März
1849 konnte die Regierung in Potsdam dem
König berichten, daß die drei Meilensteine
aus gebranntem Chausseeschlick hergestellt
und an der Straße von Berlin nach Potsdam
aufgestellt waren. Die Gesamtkosten für diese
drei Steine betrugen 657 Taler.
Die Kugeln und Spitzen dieser drei Steine
sollten nicht vergoldet, wie beim Stein in
Charlottenburg, sondern nur bronzegrün angestrichen
werden.
Beim Neubau der Reichsstraße 1 in Zehlendorf
und in Wannsee hat man die dort stehenden
Steine wegen schwerer Schäden
durch neue Meilensteine, die nun aber aus
Sandstein gefertigt wurden, ersetzt. Auch
bei der Umgestaltung des lnnsbrucker
Platzes im Jahre 1980 ist hier ein neuer Meilenstein
aus Sandstein aufgestellt worden.
An der Straße Berlin-Potsdam stehen somit
heute noch die drei, ursprünglich von den
Preußen aufgestellten »Römische Meilensteine«.
Warum diese Steine so genannt
werden, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist
wohl, daß der ausgeprägte Säulenschaft
dieser Steine, der doch stark an die römischen
Meilensäulen erinnert, zu dieser Bezeichnung
geführt hat.
In Berlin stehen noch einige andere alte Meilensteine,
darunter auch mehrere Rundsokkelsteine
, die wohl in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts aufgestellt worden sind.
Es ist außerdem bekannt, daß östlich von
Berlin, und zwar an der ehemaligen Reichsstraße
1 zwischen den Städten Müncheberg
und Seelow, noch ein gußeiserner Meilenstein
steht. Auch das entspricht den Aussagen
des Paragraphen 1 04 der Anweisung
von 1814.
Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein »I
MEILE von BERLIN« in Berlin-Schöneberg,
Hauptstraße zum lnnsbrucker
Platz, Einmündung Martin-Luther-Straße.
Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein ,,111
MEILEN von BERLIN« in Berlin-Wannsee,
gegenüber Einmündung Chausseestraße.
Straße Berlin-Potsdam. Meilenstein »II
MEILEN von BERLIN« in Berlin-Zehlendorf,
Potsdamer Straße, etwa Einmündung
Ahornstraße.
80
Quellen- und Literaturhinweis
Hauptstaatsarchiv Düsseldorf
Bestand: Regierungsbezirk Aachen-Wegebau
Bände: 6961, 7623 (u.a. Anweisung der Ober-Bau
Deputation von 1814 und 181 5), 12280, 12668,
12669 und andere.
Archiv und Öffentliche Bibliothek der Stadt Aachen:
Amtsblätter der Regierung zu Aachen ab 1816 bis
1860·
Öffe~tlicher Anzeiger von Aachen ab 1817 bis 1865;
Präfekturakten der Jahre 1804, 1805 und 1811 ; verschiedene
Schriften
Archiv des Kreises Aachen:
Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen
Staaten, Jahre 1816-1830
Augustus L., Driessen J., Schaeps L.:
200 Jahre ,Steinwege« in Kerkrade und Herzogenrath
- Kerkrade 1986
Gaitzsch, Wolfgang: Von der Grande Route zur neuen
Bundesstraße 55.
In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn - Berichte
aus der Arbeit des Museums - 1 /89
Gaitzsch, Wolfgang:
Römische Straße und preußische Meilensteine vor der
Sophienhöhe bei Jülich. In: Rheinische Kunststätten
Heft 375, 1. Auflage 1992
Gielen, Viktor: Aachen unter Napoleon - Aachen 1977
Golsch, Willi, Aachen: Was Meilensteine erzählen!
Auf der Landstraße von Aachen nach Monschau. In:
Heimatblätter des Landkreises Aachen - 1. Juli 1932
und in Eremit am Hohen Venn - Mitteilungen des Geschichtsvereins
Monschau- 23. Jg. 1951
Information des Landschaftsverbandes Rheinland - Abteilung
Straßen und Verkehrswesen:
Bundesstraße B 55n Jülich - Eisdorf - Bergheim
Kamp, Carl : Das Hohe Venn - Gesicht einer Landschaft.
Eifelverein - Düren 1961
Katalog zur Ausstellung » 700 Jahre Stadt Herzogenrath
1982 in der Burg Rode
Kranzhof!, Maria: Aachen als Mittelpunkt bedeutender
Straßenzüge zwischen Rhein, Maas und Mosel in Mittelalter
und Neuzeit. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.
Aachen 1930
Liman, Herbert, Berlin:
Eine Zusammenstellung und Beschreibung der Meilensteine
in Berlin
Marenberg, Günter, Aachen: Der Meilenstein - AACHEN 1
MEILE - in Brand. In: Heimatkundliche Blätter Brand
1991
Pünder, Hermann: Preußische Meilensteine
in der Eifel. In: Rheinische Heimatpflege - Neue Folge,
2. Jahrg. 1965, S. 168-1 70
Schild, Ingeborg, Aachen: Flurdenkmale
der Stadt Würselen. In: Heimatblätter des Kreises Aachen,
44. Jahrg., 1989 -1-2
Zeitungsberichte:
Aachener Nachrichten vom 10.04.1980;
Aachener Volkszeitung vom 15. 10. 1988, 11 . 08.
und 12. 12. 1989
Auskünfte:
Kreus, Bruno, Aachen-Brand: Bez. des neuen Meilensteins
in Aachen-Brand
Meyer, Karl Stolberg-Mausbach: Bez. Meilensteine in
und um Berlin;
Straßenmeistereien des Landschaftsverbandes Rheinland
in Düren, Erkelenz, Heinsberg, Jülich und Monschau
Für die graphischen Längenermittlungen, Standortüberprüfungen,
Grenzfeststellungen und dgl. benutzte topographische
und andere Karten:
Tranchot-Karten 1 :25 000 (Aufnahme im Aachener Raum
1805-1810, Blatt Moresnet 1817/18 durch von Müffling),
verschiedene Blätter
Preußische Kartenaufnahme 1 :25 000 - Urmeßtischblätter
- Uraufnahme in Rheinland 1843-1850, verschiedene
Blätter
Aktuelle Topographische Karten 1 :25 000 (TK 25), verschiedene
Blätter
Deutsche Grundkarte 1 :5000 (DGK 5),verschiedene Blätter
Stadtarchiv Aachen. Verschiedene Karten des Regierungsbezirks
Aachen ab 1823
Musterblätter für die topographischen Arbeiten des Königlichen
Preußischen Generalstabes von 1818 und 1848
(Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen
in Bonn Bad Godesberg).
Danken möchte ich allen Personen, insbesondere
den Herren Josef Gasten (f1990)
aus Kohlscheid und Conny Valter aus Monschau,
von denen ich Hinweise zum Auffinden
der alten Akten und Unterlagen erhalten
habe oder die mir bei der Suche nach diesen
Schriftstücken behilflich waren.
Für die Unterrichtung über die an der
Bundesstraße 55 zwischen der Sophienhöhe
und Eisdorf aufgefundenen alten Wegezeichen
sowie für den Hinweis auf die Meilensteine
in der Straßenmeisterei Düren danke
ich Herrn Dr. Gaitzsch vom Rheinischen Amt
für Bodendenkmalpflege - Außenstelle Niederzier-Hambach.
81
Anhang
Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen
In den vorstehenden Ausführungen über die
Meilensteine im Aachener Raum wurde bei
den Beschreibungen der alten Straßen wiederholt
auf die Aussagen dazu in den zur
französischen Zeit angefertigten TRAN-
CHOT-KARTEN Bezug genommen. Mit dem
Obelisk auf dem Lousberg ist in Aachen ein
Relikt bis heute erhalten geblieben, das uns
an die Herstellung des Tranchot-Kartenwerks
in der Zeit von 1801 bis 1814 erinnert.
Nachfolgend ist die Entstehungsgeschichte
dieses Gedenksteines, der auf einem wichtigen
Punkt des trigonometrischen Grundlagennetzes
errichtet wurde, beschrieben.
Nachdem die französischen Revolutionsarmeen
1794 das Rheinland besetzt und
Frankreich einverleibt hatten, benötigte man
auch von diesem »neufranzösischen« Gebiet
ein Kartenwerk, das möglichst vielen
Anforderungen gerecht werden sollte. Mit
der Anfertigung dieser jedoch vorrangig militärischen
Operationskarte hat Napoleon den
Ingenieurgeographen Jean Joseph T ranchot
beauftragt. Dieser errichtete in Aachen ein
»Bureau topographique de la carte des
quatre departements reunis da la rive gauche
du Rhin«. Als Grundlage für die Herstellung
des neuen Kartenwerks begann
Tranchot im Jahre 1801 mit der Anlage eines
trigonometrischen Netzes in den vier
linksrheinischen Departements. Einer der
wichtigen trigonometrischen Punkte des
Dreiecksnetzes 1. Ordnung befand sich auf
dem Lousberg nördlich von Aachen, damals
noch außerhalb des Stadtgebiets gelegen.
Genau wie die anderen Bodenpunkte der
linksrheinischen Triangulation - auch viele
Kirchtürme oder andere Hochpunkte wurden
in das Netz einbezogen - war anfänglich
auch der Dreieckspunkt auf dem Lousberg
durch ein hölzernes Signal gekennzeichnet.
1803 hat Oberst Tranchot hier die astronomischen
Beobachtungen für sein Dreiecksnetz
durchgeführt. Zur Erinnerung an die
geographischen und kartographischen Arbeiten
in den linksrheinischen Departements
wurde auf diesem Dreieckspunkt zur Sommersonnenwende,
am 22. Juni 1807, mit der
Errichtung einer Steinpyramide begonnen.
Der Entwurf zu diesem außergewöhnlichen
Gedenkstein stammte vom Ingenieurgeographen
Capitaine Boucher, der auch an der
Herstellung des Kartenwerks beteiligt war.
Am 17. Oktober 1807 hat man in das Fundament
der Pyramide eine Kupferplatte mit
Inschrift, ein Bleikästchen mit 55 Gold- und
Silbermünzen aus dem Jahre 1807 und 13
Bronzemedaillen über die wichtigsten Begebenheiten
aus dem Leben Napoleons eingemauert.
Die Kupferplatte befand sich bis
1892 noch im Suermondt-Museum der Stadt
Aachen . Sie ist heute aber nicht mehr vorhanden.
Allem Anschein nach wurde dieser Text
auch in die vier Seiten der Pyramide eingemeißelt.
Das läßt sich aus einem noch vorhandenen
Steinbock aus der ersten Pyrami-
Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg
in Aachen.
82
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Ausschnitt aus dem Dreiecksnetz 1.
Ordnung im linksrheinischen Gebiet
1801-1813 (entnommen der Dokumentation
des Landesvermessungsamtes
Nordrhein-Westfalen - Bonn 1988).
de schließen, auf dem Bruchstücke dieser Inschrift
zu erkennen sind.
Am 2. April 1814 wurde die Pyramide auf
dem Lousberg umgestürzt und das Kästchen
mit den Münzen und Medaillen gestohlen.
Es war der gleiche Tag, an dem der
französische Senat in Paris die endgültige
Absetzung Napoleons ausgesprochen hatte.
Beim Umsturz des Obelisken wurden mehrere
Steine beschädigt, einige rollten den Abhang
des Berges hinunter.
Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß etwa
10 bis 12 Mecklenburger Soldaten bereits
am 1. April 1814 die Pyramide stark beschädigt
hatten. Sie hatte daher keinen festen
Stand mehr und ist am folgenden Tage
zwischen 5 und 6 Uhr umgestürzt. Zwei
deutschsprechende Soldaten hätten das
Kästchen herausgebrochen und entwendet.
Obwohl für die Erfassung der Täter eine Belohnung
von 200 Francs ausgesetzt wurde,
sind die Nachforschungen ergebnislos verlaufen.
Später hat man die Nachricht verbreitet,
daß Kosaken die Übeltäter gewesen wären.
Auf Veranlassung von Generalmajor von
Müffling, der sich als Chef des Generalstabes
des preußischen Armeekorps am Niederrhein
in Aachen aufhielt, wurde die Wiederaufrichtung
der Pyramide auf dem Lousberg
schon recht bald in die Wege geleitet.
Er beauftragte den Geometer G. Vonderbanck
mit der Aufstellung eines Kostenvoranschlags,
den dieser bereits am 29. Juli
1814 vorlegte und gleichzeitig auch Möglichkeiten
zur Aufstellung der Pyramide unter-
Entnommen der Dokumentation des
Landesvermes§ungsamtes Nordrhein
Westfalen - Bonn 1988.' ·•übetset:tung
von Dr. R. Schmidt.
Die Inschrift auf der Kupferplatte lautete:
Übersetzung
Diese Pyramide (ein Denkmal, das dazu bestimmt ist, die Erinnerung an die astrono-.
mischen Beobachtungen wachzuhalten) ist begonnen worden am 22. Juni 1807 um
10.32 Uhr morgens, als die Sonne in das Zeichen des Krebses eintrat, also zur Sommersonnenwende,
unter der Herrschaft NAPOLEONS, DES ERSTEN KAISERS
DER FRANZOSEN UND KÖNIGS VON ITALIEN, zufolge der Anordnungen Seiner
Exzellenz, des Ministers des Innern, Herrn de Champagny, unter der Sorge und
Aufsicht des Herrn Generals Alexander Lameth, des damaligen Präfekten des Roer
Departements, und unter der Leitung der Brücken- und Straßenbau-Ingenieure.
Diese Pyramide, in deren Fundament verschiedene Geldstücke aus der Herrschaftszeit
Napoleons eingelassen sind, wird auf ihren 4 Seitenflächen die folgenden
Inschriften tragen:
1. Seite nach Osten
Gewidmet Napoleon dem Großen, dem ersten Kaiser der Franzosen und König von
Italien.
2. Seite nach Süden
Diese Pyramide ist einer der Eckpunkte der großen Dreiecke, die als Grundlagen
gedient haben für die topographische und militärische Karte der eingegliederten
Departements am linken Rheinufer, welche aufgenommen wurde unter der Herrschaft
Napoleons des Großen und auf Grund der Aufträge Seiner Durchlauchtigsten
Hoheit, des Fürsten Alexander Berthier, des Kriegsministers, durch die Ingenieurgeographen-Offiziere
des Hauptkriegsdepots.
3. Seite nach Westen
Im Monat Juli 1804 [nach den Unterlagen: 1803] sind am Fuß dieser Pyramide astronomische
Beobachtungen von Herrn Astronomen J. Jos. Tranchot, dem Direktor
und Oberst im Korps der Ingenieurgeographen, ausgeführt worden, woraus sich
ergeben hat die Breite zu 50° 47' 8",8
und die Länge, von der Sternwarte Paris aus gezählt, zu 3° 44' 57",5
4. Seite nach Norden
Der Abstand dieses Punktes von der Meridianlinie, die durch die Sternwarte Paris
verläuft, ist
264 187,7 m
Der Abstand von der Linie, die senkrecht auf diesem Meridian steht und durch die
gleiche Sternwarte verläuft, ist
223 526,7 m
Die Entfernung von dem großen Turm zu Sittard ist
28 124,98 m
Die Entfernung von dem großen Turm zu Erkelenz ist
36 596,05 m
Diese letzte Richtung bildet mit dem Meridian dieses Ortes [d.h. des Lousberges]
einen _sphärischen Winkel von 26° 27' 11 ",21
83
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Grund- und Aufrißzeichnung des Geometers Gerard Vonderbanck
zum Wiederaufbau der Pyramide auf dem Lousberg 1814
Entnommen der Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen
- Bonn 1988.
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breitete. Demnach konnten der Sockel unverändert
wieder aufgebaut werden. Die
Kanten der eigentlichen Pyramide müßten jedoch
abgeschrägt werden, weil die meisten
Steine doch stark beschädigt waren. Auf
diese Weise würde jedoch aus der ursprunglich
viereckigen eine achteckige Säule entstehen.
Der Auftrag zum Wiederaufbau wurde am
13. September 1814 zum Preis von 1600
Francs an den Aachener Bauunternehmer
Franz Joseph Nücker vergeben. Nücker hatte
bereits 1807 die Pyramide für die Franzosen
errichtet.
Hinsichtlich der Inschrift hatte der damalige
Generalgouverneur Sack schon am 9. September
1814 angeordnet, die französische
Hauptinschrift auf der Pyramide zu belassen,
die Lobrede auf Napoleon jedoch zu entfernen.
Statt dessen sollte eine Inschrift angebracht
werden, die etwa besagte, »daß diese
im Jahre 1807 ihm gesetzte Säule mit
seinem Sturz zugleich niedergestürzt und
. für die Wissenschaft wieder aufgerichtet
worden (sei) im Jahre 1814«.
Schon am 10. November 1814 teilte Baumeister
Nücker mit, daß das Denkmal nun
wieder stehe. Die abschließenden Arbeiten
nahmen aber doch noch einige Monate in
Anspruch. Anläßlich der feierlichen Huldigung
der Rheinländer an die Preußische Krone
am 15. Mai 1815 wurde die inzwischen
festgelegte neue Inschrift auf der Westseite
der Säule vom 7. Stein an abwärts eingemeißelt.
Sie lautete: »Denkmal - Gallischem -
Übermuth einst geweiht - mit dem Tyrannen
zugleich - gestürzt am 2. April
MDCCCXIV - wieder errichtet der Wissenschaft
- und deutschen Kraft am Tage
der feyer - liehen Huldigung der preußischen
Rheinländer - den 15. May
MDCCCXV« (15. Stein).
Im Herbst 1815 hat man noch steinerne
Treppenstufen am Sockel angebracht und
Begrenzungssteine um das Denkmal herum
gesetzt. Damit war die Pyramide auf dem
Lousberg nun wieder endgültig fertiggestellt.
Auf Veranlassung des Gouvernementskommissars
Boelling mußte eine Sandgrube in
der Nähe der Pyramide stillgelegt werden,
da bei einer Vergrößerung dieser Grube Gefahr
für das Denkmal bestanden hätte.
Wann die heutige, vollständige deutsche Inschrift
und der Preußenadler auf der Pyramide
angebracht worden sind, ist nicht bekannt.
Man geht aber davon aus, daß es
schon bald nach der Wiederaufstellung der
Pyramide gewesen sein könnte. Die heutige
Inschrift lautet:
Ostseite:
IM JULI 1804 HAT DER OBRIST TRAN
CHOT DIE GEOGRAPHISCHE BREITE DIE
SES PUNKTES ZU 50° 47' 8",8 SEINE
LAENGE VON PARIS ZU 3° 44' 57",5 BE
STIMMT
Südseite:
ABSTAND VON DER PARISER MITT AGSLI
NIE 264 187,7 METER VON IHRER PER
PENDIKULAIR 223 526,7 METER*
Westseite:
Preußenadler
Nordseite:
ENTFERNUNG VOM GROSSEN THURME
ZU SITT ARD 28 124,98 METER
ENTFERNUNG VOM GROSSEN THURME
ZU ERKELENZ 38 596,05 METER
DIESE LETZTE LINIE MACHT MIT DEM ME
RIDIAN DIESES PUNKTES EINEN SPHAERI
SCHEN WINKEL VON 26° 27' 11 ",21
"Koordinatenangaben bezogen auf den Nullpunkt - Sternwarte
- in Paris.
Der Sockel der Pyramide ist 3,6 m hoch. Er
hat eine größte Seitenbreite von 2x2 m und
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Aufrißzeichnung der Pyramide auf dem
Lousberg - Ostseite.
84
eine kleinste von 1,5x1 ,5 m. Die Seitenbreite
der abgestumpften Pyramide beträgt unten
1,3x1 ,3 m und oben etwa 0,6x0,6 m. Oben
ist eine kurze Spitze aufgesetzt. Die Gesamthöhe
über dem Erdboden beträgt 8,7
m.
1955 wurde die Mitte der Pyramide auf dem
Lousberg vom Landesvermessungsamt
Nordrhein-Westfalen trigonometrisch im heutigen
Vermessungssystem eingemessen.
Die Gauß-Krüger Koordinaten im II. Meridianstreifen
betragen : Rechtswert 2 505 867, 46
m, Hochwert 5 627 801 , 16 m. Die Höhen in
vollen Metern : Erdboden= 264 m ü. NN, Pyramide
= 273 m ü.NN.
Im linksrheinischen Gebiet wurde also 1801
bis 181 4 unter der Leitung des französischen
Ingenieurgeographen Oberst J. Jos.
Tranchot mit der Aufnahme des ersten exakten
topographischen Kartenwerks begonnen.
Da ein weitgespanntes trigonometrisches
Netz die Grundlage für diese Arbeiten
war, erfolgte die Begrenzung der 264 Einzelblätter
durch Gitterlinien. Daher lassen sich
die Blätter auch aneinanderfügen. Die Originalaufnahmen
wurden überwiegend im Maßstab
1 : 20 000 angefertigt und farbig angelegt.
Detaillierte Aufnahmen und klare Aussagen
zeichnen das Kartenwerk aus.
Die politischen Verhältnisse der damaligen
Zeit hinderten Tranchot jedoch daran, das
Kartenwerk zum Abschluß zu bringen. Die
noch fehlenden etwa 100 Blätter der Tranchotschen
Karte auf der linken Rheinseite
wurden 1816-1821 durch den preußischen
Generalstab unter der Leitung des Generalmajors
von Müffling (1775-1851) fertiggestellt.
Man hat sich dabei weitgehend an die
französischen Richtlinien gehalten .
Die Tranchot- und v. Müffling-Karten werden
bereits seit geraumer Zeit farbig nachgedruckt.
Zum besseren Vergleich mit den
heutigen Blättern der TK25 (Topographische
Karte 1 : 25 000) wurden sie ebenfalls in den
Maßstab 1 : 25 000 verkleinert. Vertrieben
werden die Karten durch die zuständigen
Landesvermessungsämter, die Katasterämter
und den Buchhandel.
Als die französischen Ingenieurgeographen
mit der örtlichen Bearbeitung des Kartenwerks
begonnen haben, wurden die Behörden
und die Bevölkerung in den linksrheinischen
Departements von den Präfekten
durch besondere Arretes (Verordnungen)
zur Unterstützung und Mithilfe aufgefordert.
Das erste Arrete erschien am 14. Germinal X
(4. April 1802). Es wurde vom Präfekten des
Roer-Departements zu Aachen herausgegeben.
Am 24. Ventose XII (15. März 1804), als die
Feldarbeiten wieder aufgenommen wurden,
erließ der Präfekt des Roer-Departement, A.
Mechin, ein weiteres Arrete ȟber die den
Geographen in ihren Arbeiten zukommende
Unterstützung«. Dieser »Beschluß«
ist nachstehend wiedergegeben, denn er
zeigt auf, daß die Unterstützungen, aber
auch die Verpflichtungen, die angeordnet
wurden, doch sehr vielseitig waren.
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~, 'l)olJif611ng htTrl&r11 IDirb alr11 iff"rntfi•
c6rn ~ra■ ltn , •ir bauuf JU taltra Oa•e■ , oul"
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frflrn: 'Drr 0rnrrot,0ctrrt.iir brr tprA •
fcftur, 'Po c ~ oll t .
') 15. März 1804
Entnommen aus »Die Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müff
fing 1801-1828« -Anlage 4a.
Quellenangabe:
Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg
in Aachen. Eine Dokumentation des Landesvermessungsamtes
Nordrhein-Westfalen - Bonn 1988.
Klaus Grewe: Franzosen und Preußen
- Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg bei Aa·
chen. In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn - Be·
richte aus der Arbeit des Museums - 3/83.
Rudolf Schmidt: Die Kartenaufnahme
der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1801 ·
1828 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische
Geschichtskunde XII) Köln - Bonn 1973.
85
Alte Grenzzeichen im Kreis Aachen
Von alters her wurden die Grenzen zwischen
den Territorien und Besitzungen weitgehend
durch natürliche Begrenzungslinien und
Grenzzeichen markiert. Wasserläufe waren
bevorzugte Abgrenzungen. Als natürliche
Grenzzeichen hat man markante und weithin
sichtbare Bäume, Erdhügel, Felsblöcke oder
große Steine u. a. ausgewählt. Waren die
natürlichen Grenzzeichen nicht in ausreichender
Anzahl vorhanden oder wurde es erforderlich,
zusätzliche Grenzzeichen aufzustellen,
dann hat man Holzpfähle oder einfache
Feldsteine, sehr häufig aber behauene
Grenzsteine von unterschiedlicher Größe in
den Grenzverlauf gesetzt. Und in die behauenen
Steine wurden meistens die herrschaftlichen
Wappen oder Symbole, aber auch
Namen oder Buchstaben eingemeißelt. Häufig
waren diese Steine auch numeriert.
Viele der heute noch vorhandenen alten
Grenzzeichen haben inzwischen ein ehrwürdiges
Alter erreicht. Sie sind außerdem von
großer geschichtlicher Bedeutung, so daß
sie durchaus unsere Beachtung verdienen.
Sie sollten aber auch von den dafür zuständigen
Stellen geschützt werden.
Nordwestlich von Roetgen sind noch einige
dieser alten Grenzzeichen anzutreffen. In einer
»renovirten« Karte von 1646, die den
damaligen Besitz der Abtei Komelimünster
aufzeigt, sind zwei Grenzpunkte davon als
»Pfal mit eisern Nägeln so 3 Herrn Lande
schet (scheidet) als Münster, Monschaw,
und Limburgisch Lant« - damit ist der
GENAGELTE STEIN gemeint - und als
»Pfal am Birnbäumign« - Grenzstein
BEIRBVM mit Cornelyhom - beschrieben.
Der GENAGELTE STEIN ist wohl eines der
ältesten natürlichen Grenzzeichen in diesem
Bereich. Es ist ein massiver, länglicher Felsblock,
der in Fließrichtung gesehen in die
rechte Begrenzungsböschung des Grölisbaches
fest eingebettet ist. Bereits seit dem
Anfang des 16. Jahrhunderts wird dieser
Stein in den Grenzbeschreibungen als
Grenzpunkt genannt. Und aus dem Wortlaut
ist zu schließen, daß er schon lange Zeit vorher
Grenzpunkt gewesen ist. Nun hatte der
GENAGELTE STEIN auch eine besondere
Bedeutung, denn er war lange Zeit Dreiländerpunkt
zwischen dem Herzogtum Limburg,
der reichsunmittelbaren Herrschaft der
Abtei Komelimünster und dem Monschauer
Land im Herzogtum Jülich. Vom GENAGEL
TEN STEIN aus verlief in dieser Zeit die
Grenze zwischen Limburg und dem Monschauer
Land nach Süden hin zur Weserfurt
(in alten Karten Weselvaert) bei Charliers
Mühle.
Später, nach 1646, verlor der GENAGELTE
STEIN seine Bedeutung als Dreiländerpunkt
zugunsten des N/.\CHTSBORN, einer Quelle
in der Nähe der Roetgener Kapelle. Auch
hier befand sich früher ein Grenzstein. In der
Karte von 1646 ist dieser Grenzpunkt als der
»NACHTSBORN und ein Pfall dabey
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\ . GlfCNZSTtlH MIT
902 . ,t' CORNctY-H01'N AL
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Lageskizze der drei alten Grenzzeichen
nordwestlich von Roetgen.
- GENAGELTER STEIN - Er ist im Verzeichnis
der Naturdenkmäler eingetragen.
- BEIRBVM (Birnbaum) - Großer Grenzstein
mit dem Cornelyhorn unmittelbar
neben dem Landesgrenzstein 895.
Kleiner Grenzstein mit dem Cornelyhorn
direkt neben dem Landesgrenzstein
902.
Unmittelbar neben dem GENAGELTEN
STEIN steht noch ein Dreikanten-Grenzstein
aus preußischer Zeit nach 1815.
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LANDESG~ENZSTEIN!
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Der GENAGELTE STEIN ist ein großer
Felsblock von gut vier Meter Länge. Die
zum Bach zeigende ziemlich glatte Seite
steht nahezu senkrecht und ist bis zu
1,50 m hoch. Das anliegende Gelände
wird von der Oberkante nur wenig überragt
und die Oberfläche fällt zur Wiesenseite
hin etwas ab. Nägel sind in
dem Stein heute nicht mehr zu sehen.
darujf St. Cornelly Horn und die Jahr
Zahl 1607« beschrieben. In einer Grenzbeschreibung
von 1710 heißt es dann auch
»Dryerscheyt (Dreiländerscheide) genannt
der NACHTSBORN«. Demnach wurde der
nach Süden hin abgehende Grenzverlauf
zwischen Limburg und dem Monschauer
Land für eine begrenzte Zeit vom GENA
GELTEN STEIN zum NACHTSBORN verlegt.
Aber schon Ende des 18. Jahrhunderts hat
man den ursprünglichen Grenzverlauf wieder
hergestellt. GENAGELTER STEIN und
NACHTSBORN waren die südlichsten
Grenzpunkte des Abtei-Besitzes.
Um den großen Felsbrocken als Grenzpunkt
kenntlich zu machen, hat man Eisennägel in
den Stein hineingetrieben. Daher auch die
Bezeichnung GENAGELTER STEIN. Noch
um 1949 sollen sich Eisennägel in diesem
Stein befunden haben.
Grenzstein BEIRBVM mit Cornelyhorn.
Höhe 75 cm, Seitenbreite 40 cm. Die
Rückseite des Steines ist im oberen
Teil abgeschrägt.
87
In einer Studie »Entre Vesdre et Vicht«
(zwischen Weser und Vicht) in Hautes Fagnes
- 1969/2 und 3, ist Jean de Walque davon
überzeugt, daß der GENAGELTE STEIN
bereits 814, als die Abtei Kornelimünster ihre
Grenzen festlegte, ein Dreiländerpunkt geworden
ist. Er vermutet weiter, daß die?er
Stein mit dem in alten Dokumenten erwähnten
»Hunnenstein« identisch ist. Diese Bezeichnung
ließe auf eine alte heidnische Kultstätte
schließen. Allerdings sind die Untersuchungen
darüber noch nicht zum Abschluß
gekommen.
Der BEIRBVM (Pfahl am Birnbäumchen) befindet
sich rund 1 000 Meter nordwestlich
vom GENAGELTEN STEIN, auf der Höhe
des bis dahin ansteigenden Geländes. Dieser
Stein stand in der Grenze zwischen dem
Herzogtum Limburg und der Abtei Kornelimünster,
die in diesem Abschnitt bis hinunter
zur lnde mit der heutigen deutsch-belgischen
Grenze identisch war. In der Tranchot-Karte
105 Roetgen - aufgenommen 1807 - ist an
diesem Punkt eine Baumsignatur und die Bezeichnung
»Birnbaum« eingetragen. Ursprünglich
stand hier auch ein Birnbaum als
Grenzzeichen. Nachdem der Baum abgestorben
war, hat man diesen Grenzstein dort
aufgestellt.
Der BEIRBVM ist ein imposanter, quadratisch
behauener Grenzstein. Auf der zum
Besitz der Abtei zeigenden Seite ist im oberen
Teil das Cornelyhorn aus einer flachen
Aushöhlung erhaben herausgemeißelt. Das
Horn des Auerochsen stand als Symbol für
die Abtei Kornelimünster. Unter dem Horn ist
in zwei Zeilen übereinander BEIR-BVM (Birnbaum)
eingetragen. Dieser alte Grenzstein
steht unmittelbar neben dem heutigen Landesgrenzstein
895. Man kann wohl mit Gewißheit
davon ausgehen, daß alle Grenzsteine,
die den Besitz der Abtei Kornelimünster
kennzeichneten, mit dem Comelyhorn versehen
waren.
Die Bezeichnung »Am Birnbäumchen« ist
im Volksmund schon bald in Vergessenheit
geraten. Statt dessen wurde die Bezeichnung
»Am Vennhorn« übernommen. Aber
auch die Lagebezeichnung »Am Vennstein«
ist in den Katasterkarten enthalten.
Damit könnte jedoch der GENAGELTE
STEIN gemeint sein, denn das ist ja ein typischer»
Vennwacken«.
Im weiteren Grenzverlauf, vom BEIR-BVM
bis zur lnde hinunter, befindet sich genau neben
dem Landesgrenzstein 902 noch ein
weiterer Grenzstein mit Cornelyhorn. Er ist
Kleiner Grenzstein mit Cornelyhorn. Es ist wohl einer von vielen Zwischensteinen.
jedoch wesentlich kleiner und auch nicht so
breit. Das Cornelyhorn ist sehr schön herausgemeißelt
Vermutlich ist das einer von
vielen Zwischensteinen, die in den Grenzverlauf
gesetzt worden sind.
Nach Carl Kamp in »Das Hohe Venn« hat
1961 noch ein weiterer kleiner Grenzstein mit
Cornelyhorn neben dem Landesgrenzstein
897 gestanden. 1972 schreibt Willi Gillessen
in »Alte Grenzzeichen im Eupener Land«,
daß dieser Stein spurlos verschwunden ist.
Vermutlich wurde er von einem Sammler
solch alter Grenzzeichen entwendet. Das
sollte man bei den noch vorhandenen
Grenzsteinen mit dem Cornelyhorn nach
Möglichkeit verhindern.
Für diesen Grenzverlauf zitiert Christoph
Wend in seinem Aufsatz » Vom Birnbaum
zum Dreika.ntenstein« das Ergebnis einer
Grenzbegehung im 16. Jahrhundert. Darin
heißt es: »Davon vrögt man durch das
Vyen (Venn) die Heggen uf bis auf das
Bierbäumgen (Birnbäumchen), welches
nunmehr ist vergänglich worden; so wollen
wir doch die malplatz (den Grenzpunkt)
in unserer vrogen und gedanken
halten bis zur Zeit zu, daß die landherren
beyderseits bedacht werden und setzen daselbst
ein neu lantscheid (Grenzzeichen),
damit ihr hochw. nit verkurtzt werde an
ihrer hochheit und herligkeit und der lantman
an seiner gemeinden .. .« Das Birnbäumchen
bestand also nicht mehr und man
wollte den Grenzpunkt in Erinnerung behalten
, bis die beiden Landesherren ein neues
Grenzzeichen dort aufstellen ließen.
Die Aufstellung der Grenzzeichen mit dem
Cornelyhorn wird vor 1646 angenommen.
Grundlage dafür ist wahrscheinlich die »renovirte«
Karte aus dieser Zeit. Allerdings
trifft das wohl nicht für alle Steine zu. Aus
der Grenzbeschreibung des 16. Jahrhunderts
ist zu entnehmen, daß der Birnbaum
nicht mehr vorhanden war und dafür ein neues
Grenzzeichen aufgestellt werden sollte. In
der Karte von 1646 sind in diesem Grenzabschnitt
vier Pfähle beschrieben. Am
NACHTSBORN ein Pfahl mit Cornelyhorn
und der Jahreszahl 1607, ein Pfahl mit eisernen
Nägeln als Dreiländerpunkt ( der GENA
GELTE STEIN), ein Pfahl am Birnbäumchen
und ein weiterer Pfahl mit eisernen Nägeln
beschlagen. Letzterer Pfahl muß wohl auch
ein Vennstein gewesen sein, denn in einen
behauenen Stein brauchte man keine zusätzlichen
Nägel einzubringen. Mit Sicherheit
ist davon auszugehen, daß mit der Bezeichnung
»Pfal« Grenzsteine gemeint sind, denn
auch der GENAGELTE STEIN wird so bezeichnet.
Wenn der Stein am NACHTS
BORN 1607 aufgestellt worden ist, und das
läßt sich doch aus der eingetragenen Jahreszahl
ableiten, dann wurde in diesem Zusammenhang
mit großer Wahrscheinlichkeit
auch der Stein am Birnbaum gesetzt, denn
hier wollte man ja ein neues Grenzzeichen
aufstellen. Folglich könnte auch für diesen
Stein das Jahr 1607 zutreffend sein.
Die kleineren Steine mit dem Cornelyhorn
sind in der Karte von 1646 jedoch nicht be-
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schrieben. Das läßt den Schluß zu , daß sie
1646 noch nicht in der Grenze gestanden
haben. Sie wurden demnach zu einem späteren
Zeitpunkt als Zwischensteine gesetzt.
Auch die Stilisierung des Cornelyhorn - im
Vergleich zwischen den beiden Steinen -
läßt auf unterschiedliche Herstellungszeiten
schließen.
In diesem Grenzabschnitt stehen noch weitere
Grenzsteine aus jüngerer Zeit, die inzwischen
aber auch schon historischen Wert
haben. Es sind Grenzsteine aus der preußischen
Zeit nach 1815. Sie wurden zwischen
den damals gebildeten Gemeinden aufgestellt.
Auf ihnen sind die Anfangsbuchstaben
der jeweiligen Gemeinden und häufig auch
Nummern eingetragen. So steht direkt am
GENAGELTEN STEIN - zur Wiesenseite hin
- ein Dreikantenstein, der Grenzpunkt für
drei Gemeinden war. Die eingemeißelte Beschriftung
ist seitenrichtig den betreffenden
Gemeinden zugeordnet. W = Walheim, R 5
= Raeren und 1 R = Roetgen.
Quellenangabe:
Nagel, Franz: Geschichte der Reichsabtei
Comelimünster und des Münsterländchens - Comelimünster
(und Stolberg) 1925
Gillessen, Willy, Raeren:
Alte Grenzzeichen im Eupener Land. In: Geschichtliches
Eupen VI - 1972, Markus-Verlag
Wend, Christoph: Vom Birnbaum zum Dreikantenstein. In:
Heimatkalender 1972 - Kreis Monschau
Neben dem GENAGELTEN STEIN steht ein Dreikanten-Grenzstein aus preußischer
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