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1977-3-4 Stolberg , "Am Neuen Markt"

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Ingeborg Schild

Eberhard Hirsch

Cornelia Gerike

Stolberg, »Am Neuen Markt«

Darstellung und baugeschichtliche

Untersuchung eines Altstadtquartiers

Vorbemerkung

Die vorliegende Untersuchung befaßt sich mit einem verhältnismäßig

kleinen, für die Altstadt Stolbergs aber nicht unwichtigen

Teilgebiet. Es handelt sich um das Qyartier westlich der Vicht zwi ­

schen den Brücken zur Burgstraße und zur Schart, das im Norden

vom Beginn des Steinwegs, westlich von der Zweifaller Straße im

Bereich des »Neuen Marktes« und südlich vom Vorplatz des Hofes

»Schart« begrenzt wird. Dieses Gebiet erhielt spätestens mit

dem Preußischen Katasterplan aus dem Jahre 1859/60 die Flurbezeichnung

»Am Neuen Markt«.

Nach dem zweiten Weltkrieg bot sich dieses Quartier als eine sehr

dicht bebaute »Insel« dar: Alle Straßenfronten waren besetz1 mit

lückenlos aneinandergereihter Bebauung mit Wohn- und Geschäftsnutzung

, entlang der Vicht erhoben sich über hoher Uferböschungsmauer

Hinterhäuser, Schuppen und Garagen, die

verbleibenden Hofflächen waren zum großen Teil ebenfalls mit

entsprechenden eingeschossigen Bauten besetz1. Auffällig war

dabei die Vielfalt dieser Bebauung im Hinblick auf ihre Baugestalt

und Baudetails. Über Erdgeschossen, die, bedingt durch ihre gewerbliche

Nutzung, zumeist Umgestaltungen einer jüngeren Zeit

aufwiesen , erhoben sich Hausfronten, die unterschiedlichste Entstehungszeiten

vermuten ließen, wobei der Anteil des 19. Jh. offensichtl

ich überwog.

Eine Erfassung und Analyse des Bestands fehlte, die Frage nach

Zeitpunkt und Bedingungen der Entstehung stellte sich. Hinzu

kam ein ganz aktueller Anlaß zur Beschäftigung mit diesem Quartier.

Der Rat der Stadt Stolberg beschloß, im Rahmen einer

Grundlagenuntersuchung, deren Bereich in etwa dem historischen

Stadtkern von Stolberg entspricht, für das Teilgebiet zwischen

Vicht - Steinweg - und Zweifaller Straße die vorgezogene

Planung und Durchführung eines Neuordnungskonzepts.

Zu diesem Zeitpunkt waren Studierende der Fachabteilung für

Architektur der RWTH Aachen unter Leitung und mit Hilfe der

Verfasser dieses Heftes mit dem Studium der Baugeschichte der

Burgstraße und mit der Erfassung und Analyse des dortigen Baubestandes

befaßt. Organisatorische Unterstützung fanden sie dabei

durch Herrn Beigeordneten Stiel sowie durch Herrn Penning ,

Frau Prost und Herrn Pfeffer vom Stadtplanungsamt. Außerdem

waren seit Jahren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Mitarbeitern

des Landeskonservators und des städtischen Katasteramtes

Aufmaße von baugeschichtlich besonders wertvollen Häusern im

gesamten Stadtgebiet, leider häufig auch von solchen, die dem

Abbruch anheimfielen, durchgeführt worden. Diese Arbeiten

wurden mit Beginn der Untersuchungen im Teilgebiet »Am Neuen

Markt« vorerst zurückgestellt und alle Kräfte auf diesen Bereich

konzentriert. Heute liegen die Aufmaße aller Häuser dieses Quartiers

vor.

Abb. 1: Blick von der Burg auf das Teilgebiet • 1978

Abb. 2: Zweifaller Straße 1-21 • 1978


Das Ergebnis der baugeschichtlichen Untersuchung des Teilgebietes

und seiner einzelnen Bauten stellt sich dar in den Texten zu

den nachfolgend vorgestellten Bauaufnahmen und in den darauffolgenden

Kapiteln, in denen die einzelnen Entwicklungsschritte

der Bebauung des Bereiches aufgezeigt werden .

Dabei sind deutlich vier Phasen ablesbar: die frühe Zeit, in der in

Häusern am Steinweg vermutlich Messing produziert wurde, die

Gebäude also »Kupferhöfe« waren, sodann die Zeit von der zweiten

Hälfte des 18. Jh. bis in die zwanziger Jahre des 19. Jh., in der

in Gebäuden am Steinweg, in der Hinterbebauung und in Fabrikbauten

im Innern des Quartiers Tuch hergestellt, bearbeitet und

gehandelt wurde, gefol gt von den Jahren nach 1826, als die

Tuchfabrikation aufgegeben, Brauereibetriebe aber ausgebaut

und durch Straßen- und Brückenbaumaßnahmen das Gebiet für

das Gastwirt- und Hotelgewerbe interessant wurde, und schließlich

die letzte, bis in unsere Tage reichende Zeitspanne, in der

Wohnen und Dienstleistungskleingewerbe das Quartier bestimmten.

Aus der ersten Phase blieben erhalten: Teile der Keller am Steinweg

Nr. 4 und 6 und aufgehendes Mauerwerk im Haus Steinweg

Nr. 6, letzteres ausgewiesen durch Fenster mit steinernen Mittelpfosten

oder Fensterkreuzen , deshalb auch Kreuzstockfenster

genannt; in die zweite Phase datieren der größte Teil der Bausubstanz

der Häuser am Steinweg und zahlreiche Baureste in den

Häusern Zweifaller Straße Nr. 5, Nr. 7 - 11 , Nr. 15 und Nr. 17, die

zum Teil an Ort und Stelle verblieben, zum Teil aber auch offensichtlich

anderen Stellen des Quartiers entnommen und versetzt

wiederverwendet worden waren . Als erkennbare Reste dieser Zeit

sind vor allem Fenster- und Türgewände mit Schlußsteinen und

Segmentbogenstürzen auszumachen. Die Schlußsteine sind zumeist

flächig bearbeitet, aber auch profiliert und mit Wappen und

Jahreszahl versehen, wie an den Häusern Steinweg Nr. 8 und

Zweifaller Straße Nr. 5 und Nr. 15.

Anders die Bauformen der dritten und vierten Phase des 19. Jh .

In dieser Zeit trat das Bruchsteinmauerwerk, das bis dahin bevorzugt

als Material der tragenden Wände verarbeitet wOFden war,

zugunsten von Feldbrandstein zurück. Er fand auf zweierlei Art

Verwendung, und zwar entweder als Material für die Mauermassen

, dann erhielten die zugehörigen Schaufassaden Gewände

und Gesimse aus Werkstein, so z. B. bei den Häusern Steinweg

Nr. 4, Nr. 2 und Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 und 21/23, oder als

Material für die Fenster- und Türeinfassungen und die Gesimse in

Mauern aus Bruchsteinmauerwerk, wie z. B. bei der Restfassade

von Haus Zweifaller Straße Nr. 19 oder den Fassadenflächen der

Hofbebauung von Haus Zweifaller Straße Nr. 17. Die Fensterform

dieser Zeit war stets die mit geradem Sturz oder mit scheitrecht

gemauertem Bogen; bei Dachgiebelfenstern löste das Halbkreisfenster

das zuvor übliche ellipsenförmige »Ochsenauge« ab.

Ende des 19. Jh. und in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurden

zunehmend mehr Hausfassaden mit Zementstuck überzogen,

der in jede gewünschte Form gebracht werden konnte. Das war

bei Haus Steinweg Nr. 8 und bei den Häusern Zweifaller Straße

Nr. 7 - 11 und Nr. 15 der Fall.

Manches Haus bzw. mancher Teil eines Hauses konnten nicht

genau datiert werden , weil keine entsprechenden Details vorhanden

und keine schriftlichen, kartierten oder Bildaussagen zu finden

waren , manche Frage blieb offen. So konnte z. B. nicht geklärt

werden , warum in Stolberg - und speziell im Untersuchungsgebiet

- auch für kleine, schlichte Häuser die sehr material-

und arb.eitsaufwendige Dachkonstruktion mit bündig eingezapften

Pfetten gewählt wurde - so z. B. bei Haus Steinweg Nr. 8

- die im Umland von Stolberg nur sehr selten , und nur bei Kirchen

und »herrschaftlichen« Anwesen verwandt wurde. Man

schreibt diese Dachkonstruktion englischen Vorbildern zu. Unbeantwortet

blieb auch die Frage, warum sich so häufig als Anstrichrest

auf Bruchstein- und Ziegelflächen eine zart blau-grüngraue

Schlämme findet, die annehmen läßt, daß Ende des 18. Jh.

Stolbergs Hauslandschaft von einem Grünton bestimmt war.

Vieles aber konnte geklärt werden, nicht zuletzt durch die Hilfe

bau- und heimatgeschichtlich engagierter Stolberger Bürger. So

sind wir zu Dank verpflichtet Herrn G. von der Weiden , der uns

sein Fotoarchiv und Wissen zur Verfügung stellte, ebenso wie

Herrn H. Lynen, der uns in Gesprächen und durch seine Fotosammlung

wertvolle Hinweise gab sowie dem Stolberger Geschichtsverein

mit seinem Vorsitzenden, Herrn E. Tooren , und

Herrn R. Gannot aus Stolberg. Unser Dank gilt außerdem Frau

Marx von der Stolberger Stadtbücherei, den Herren Griese und

Heinen von dem Stadtarchiv Stolberg, Frau Esser von der Stadtbibliothek

Monschau und Herrn G. Werner aus Stolberg. Nicht

zuletzt haben wir denjenigen Hausbesitzern ·und Bewohnern Stolbergs

zu danken, die die Belästigung, die das Aufmessen der

Häuser mit sich brachte, ertrugen und darüber hinaus über ihre

Häuser und ihr Quartier Auskunft gaben.

Jede der zuvor dargestellten historischen Phasen hat dem Bereich

»Am Neuen Markt« bestimmte Charakteristika gegeben ,

jede neue Phase verwischte oder zerstörte dabei Teile der Eigenarten

der vorangegangenen Phasen , keine der vergangenen

Phasen stellt sich heute rein dar, ein Miteinander entstand , ausgedrückt

durch Addition und Überlagerungen.

Daraus erwuchs die Vielfalt der Formen des Quartiers, die dam it

keinesfalls eine gewollte, geplante, nur auf den optischen Reiz hi n

angelegte war, wie ihn heute zahlreiche Neubauviertel aufweisen ,

die bewußt mit »Altstadtcharakter« entworfen wurden und werden.

Die Vielfalt des Quartiers »Am Neuen Markt« ist vielmehr eine Formenfülle,

die aus der Zusammenfügung und Überlagerung von

Bauten verschiedenster Zeiten entstand. Das bedeutet nicht, daß

nicht einzelne Objekte und Gruppierungen, zumeist in repräsen ­

tativer Absicht, eine formale Durchgestaltung erfahren haben.

Zugleich besitzt das Quartier aber auch Objekte, die für den geschichtlichen

Kontext überaus wichtig sind , sich im Gesamtbild

aber, legt man als Maßstab allein den der formalen Harmonie an ,

durchaus nicht einpassen . Hier zeigt sich einmal mehr, daß Den k­

malpflege und Stadtbildpflege nicht unbedingt dieselben Wertmaßstäbe

anzulegen haben.

Die begonnenen Planungen der Stadt werden dem Quartier »Am

Neuen Markt« eine weitere Phase der Entwicklung im Sinne vo n

Veränderung hinzufügen. Respektierung des Bestehenden ist

beabsichtigt, eine bessere Nutzungsmöglichkeit, entsprechend

heutigen und zukünftigen Ansprüchen, wird angestrebt. Damit

wäre durchaus Kontinuität gegeben, was die treibenden Kräfte

zur baulichen Prägung des Viertels angeht, die stets vorrangig die

der Nutzbarmachung waren.

Ein Aspekt der heutigen Planung ist allerdings neu , und das ist der

der Nutzung als Freiraum für Freizeit der Allgemeinheit, wie er

zum Teil für die Hofflächen vorgesehen ist. Ihn gab es zuvor in unserem

Bereich nur, als südlich von Haus Steinweg Nr. 6 zur Tuchmacherzeit

ein großer, von Mauern mit Gittern eingefaßter Garten

angelegt wurde, der allerdings sicher nicht allen, sondern nur der

Besitzerfamilie zugängig war und wahrscheinlich auch vorrangig

repräsentative Aufgaben zu erfüllen hatte. Zum überwiegenden

Teil aber bestimmten Arbeit und Wohnen den Charakter des

Quartiers, entsprechend dem Leben der Massen, dem unsere

Zeit die Chance und das Problem der Freizeitgestaltung hinzufügte.

Eindeutige Richtlinien für die zukünftige Behandlung des Quartiers

und Konzepte für die Detailarbeit konnte und sollte die vorliegende

Untersuchung nicht erbringen. Zweifellos ist nur die Erkenntnis,

daß es sich um einen Bereich von Qualität handelt, der

es wert ist, im Sinne seiner Entstehungsgeschichte behandelt zu

werden . Und das kann keinesfalls heißen, Herausnahme der formalästhetisch

bemerkenswerten, wenigen Details und verdichtete

Zusammenfügung nach Kriterien des augenblicklichen Geschmacks,

sondern Respektierung des historischen Zusammenhangs

im Sinne der weitgehenden Beibehaltung der überkommenen

Mischung.

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Abb . 3·Hand . n 'ß zum Preußischen Katasterplan

· 1858

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Steinweg Nr. 8

Zustand 1977: Baukomplex, bestehend aus einem dreiachsigen

Vorderhaus an der Straße, zweigeschossig, traufständig mit Mansarddach

und Dachgauben, vorgebaut einem südlich anschließenden

traufständigen Bau mit Satteldach und sichtbarem Giebel

zur Vicht, dem nach Süden ein ein- bzw. zweigeschossiger Anbau

mit Pultdach folgt. Diese drei Baukörper werden durch Baufugen

deutlich voneinander getrennt und als Bauten verschiedener

Entstehungszeit ausgewiesen. Das Vorderhaus enthält Laden

(westlich) und Cafe (östlich). Vom Laden führt ein Treppenflur in

weitere seitliche Räume und vor Kopf in den Anbau, in dem Toiletten

und Wirtschaftsräume angeordnet sind.

Der westliche Bereich aller drei Baukörper ist unterkellert, Wölbung

mit preußischen Kappen, im Anbau Betondecke, Geschoßdecken

und -Treppe Holzkonstruktion, Dach des Mittelbaus Pfettenkonstruktion

mit liegendem Stuhl und bündig eingezapften

Pfetten .

Straßenfassade des Vorderhauses Zementstuck mit reichem Jugendstildekor.

Über der Eingangstür zwei Löwen mit Krone und

Brezel als Hinweis auf die Bäckerei; außerdem ein re liefierter

Schlußstein mit Jahreszahl 1778. Mansarddach mit »Verschieferung«

in Blechschablonendeckung aus Zinkplatten , Dachgauben

mit Zinkblech eingefaßt und mit Akroterien aus Zinkguß geschmückt.

Giebelfassade des Mittelbaus zur Vicht gerichtet

Bruchsteinmauerwerk, Fenstergewände Werkstein mit Segmentbogen

und Schlußsteinen , bei den Fenstern des Dachgeschosses

mit angearbeiteten Schlußsteinen.

Hofanbau Ziegelmauerwerk, im Sockelbereich zur Vicht mit

Bruchstein gemischt.

Frühere Zustände: 1808 1 > westlich und südlich vom Grundstück

des Hauses Steinweg Nr. 6 umfaßt. Besitzer: Theodore Hamacher,

»journalier«, Bebauung als »maison« bezeichnet. Die

Grundfläche auf halbe Breite der Frontlänge in den Straßenraum

vorragend. 1811 2 > Gestalt wie bei Haus Steinweg Nr. 6 beschrieben

, um 1858 4 bei gleichbleibender Kontur an der Straße im südlichen

Teil aus einem Anbau an der Vicht und einer westlich anstoßenden

kleinen Hoffläche bestehend.

1897 wurde der vorkragende Teil entsprechend der neu festgesetzten

Fluchtlinie verkürzt - die neue Brücke über die Vicht verlangte

eine größere Straßenbreite - und Besitzer W. Kappes als

Ersatz ein Stück westl ich der Vorkragung bis zur Grenze von Haus

Steinweg Nr. 6 zugesprochen. Außerdem erhielt er einen Baukostenzuschuß

für den Bau eines neuen Vorderhauses. Der zugehörige

Bauantrag beweist, daß das frühere Vorderhaus gleichfalls

ein zweigeschossiger Bau mit Mansarddach war. Als neue Fassade

war eine Front in Formen der späten Neuromanik vorgesehen,

ausgeführt wurde die heutige Gliederung 7 >.

Der älteste Teil der Anlage ist der Mittelbau, seinen Formen nach

ins 18. Jh. zu datieren. Nicht viel später dürfte das erste Vorderhaus

entstanden sein , die südlichen Anbauten folgten zu verschiedenen

Zeiten und wahrscheinlich in schnellem Wechsel.

Abb. 5: Ansicht Steinweg • 1978

Abb. 7: Eingangstür-Schlußstein und Schmuckmotive

Abb. 6: Ansicht von der Vicht • 1978

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Steinweg Nr. 8

Ansicht Steinweg

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Ansicht von der Vicht

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Kellergeschoß

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Steinweg Nr. 6

Zustand 1977: Winkelanlage, bestehend aus Haupthaus an der

Straße und Gartenflügel entlang der Vieh!. Der Gartenflügel liegt

südlich des Hauses Steinweg Nr. 8 und läßt damit die gesamte

Hoffront von Haus Steinweg Nr. 6 frei. Haus Steinweg Nr. 8 gehört

nicht zum Anwesen Steinweg Nr. 6.

Haupthaus dreigeschossig mit Drempelgeschoß und Dachgauben;

traufständig mit Satteldach , Pfettenkonstruktion mit liegendem

Stuhl und bündig eingezapften Pfetten, Straßenfront sechsachsig,

im EG westliche Achse Durchfahrt, Trennwand zwischen

Durchfahrt und den östlich anschließenden Achsen durch alle

Geschosse durchgehend. Entlang der vierachsigen Hofseite einund

zweigeschossige Anbauten.

Grundriß bei Nichtberücksichtigung der Durchfahrtsachse symmetrisch

aufgeteilt, mittiger Treppenhausflur, zweiraumtief und

quer erschlossen, Deckenkonstruktion Unterzüge quer zur Traufe,

Balkenlage zum Teil sichtbar verputzt. Geschoßdecken und

dreiläufige Treppe Holzkonstruktion.

Mit Ausnahme der Durchfahrt und der hofseitigen Anbauten voll

unterkellert, zwei Quertonnen massiv gewölbt. Giebelkamin (östlich)

und Kamin in Trennwand der Durchfahrt.

Fassade Straßenseite EG späte Einbauten von zwei Schaufenstern

und drei Türen, in den Obergeschossen Fenster Werksteingewände;

im 1. OG gerade Stürze mit Abdeckgesims, Mittelbalkon

mit profilierter Platte auf Volutenkonsolen, Gußeisengitter; 2.

OG Fenstergewände zum Teil mit mittiger Fuge in Sturz und Sohlbank

und umlaufender Nut als Anschlag für ehemalige Klappläden,

am Ansatz der ehemaligen Mittelpfosten endend. Hoffassade:

Torbogen der Durchfahrt mit gedrücktem Bogen in Feldbrandstein.

Fenster mit Werksteingewänden , waagerechte Stürze

und Sohlbänke mit Mittelfuge, umlaufende Nut, ehemalige Kreuzstöcke

bzw. Mittelpfosten herausgebrochen. Fenster im 1. OG

über Tordurchfahrt ohne Mittelfuge und Nut. Mauerwerk Bruchstein,

Anbauten aus Feldbrandziegeln.

Gartenflügel zweigeschossig mit ausgebautem Mansardgeschoß

und Dachgauben, fünfachsig, traufständig zum Hof, quer erschlossene

symmetrische Anlage mit mittigem Treppenflur, Treppe

und Geschoßdecken Holzkonstruktion, quer gespannte Unterzüge,

Balkenlage nicht sichtbar verputzt; zwei Giebelkamine.

Möglicherweise Keller, zur Vicht zugesetztes Gewände einer ehemaligen

Öffnung. Hoffassade Fenster und Türen profilierte Werksteingewände

mit Segmentbogen und Schlußstein in Volutenform,

Sockel und Einfassungen der Hauskanten ebenfalls Werkstein,

Fassade zur Vicht ohne Sockel und Eckeinfassungen, jedoch

mit flachem Werksteinstreifen zwischen EG und 1. OG. Im

EG die beiden äußeren Fenster nachträglich eingebrochen, Gewände

in Feldbrandziegeln, Mauerwerk Bruchstein.

giebel mit frei aufragenden Giebelkaminen, der Gartenflügel ist

zweigeschossig, der Trakt des »Saalbaus« zumindest dreigeschossig

. Der Gartenflügel zeigt damit völlig die heutige Gestalt,

während die Kontur des Saaltraktes einen heute verlorenen Zustand

darstellt. Die letzte Nachricht von diesem Zustand gibt ein

Foto von ca. 190a8l. Es zeigt den »Saaltrakt« als einen Flügel,

dessen Traufhöhe in etwa der des Haupthauses entspricht. Darüber

setzt ein ausgebautes Mansarddach an, das zur Seite zwei

übereinanderliegende Reihen , im Giebel seitlich des Kamins eine

Reihe von Gauben aufweist.

Laut Katasterplan bestand das Anwesen 1858 aus Haupthaus,

Gartenflügel, »Saalbau« und dem südlich anschließenden

Grundstück an der Vicht. hinter den Häusern Zweifaller Straße Nr.

5 - 11 gelegen 4 >. Als Besitzer ist Fritz Weiter verzeichnet6l. 1905

beantragten die Erben Fritz Weiter die Entwässerung des Anwesens

7 >, 1910 folgte ein Antrag des Besitzers H. Bengel auf Umbau,

und zwar Einbau von Läden in das EG , bei gleichzeitiger

Umgestaltung der Fassade.

Ein Foto von 1900 (Abb. 10) gibt Auskunft über das damalige

Aussehen der Straßenfront des Haupthauses.

Das EG zeigt ein Mittelportal mit profiliertem Gewände und Oberlicht

in Gestalt eines »Ochsenauges«; seitlich schließen sich je

zwei Fenster an, deren Gewände wie die des Gartenflügels gestaltet

sind, sowie zur Westseite die Tordurchfahrt mit einer Einfassung

aus Werkstein in Gestalt von Pfeilern mit Kämpferkapitellen

und einem gedrückten Bogen. Formen dieser Art waren im

Stolberger Gebiet im späten 18 Jh. üblich. Damals war die Straßenfassade

vom EG bis zum 2. OG streng achsial gegliedert. Die

Fenster des 1. OG sind ins frühe 18. Jh. zu datieren, die des 2. OG

als ehemals zweiteilige Fenster ins 17. und frühe 18. Jh ., zusammen

mit denen der Hoffront. Es ist wahrscheinlich, daß man ihre

Mittelstützen bzw. Kreuzstöcke (Rückfront) herausbrach, als das

Haus barockisiert wurde (19.Jh.), oder aber, als im frühen 19. Jh.

das 1. OG in klassizistischen Formen neu gestaltet wurde.

Eindeutig scheint Haus Steinweg Nr. 6 im gesamten behandelten

Gebiet dasjenige Haus zu sein, das im aufgehenden Mauerwerk

das höchste Alter besitzt.

Frühere Zustände: 1808 1 > Grundstück als bebaut bezeichnet

(»maison et fabrique«), Besitzer Offermann Wwe., »fabr. de

draps«, zum selben Besitz gehörten zu dieser Zeit die Grundstükke

der heutigen Häuser Zweifaller Str. Nr. 5 und Nr. 7-11 , das

Grundstück östlich davon bis zur Vicht und das Grundstück von

Haus Zweifaller Straße Nr. 15. Nicht zugehörig waren die Flächen

des heutigen östlichen Kellerkompartiments von Haus Steinweg

Nr. 4, und die Fläche des sich östlich an Haus Steinweg Nr. 6 anschließenden

Hauses Steinweg Nr. 8, zugehörig aber war die Fläche

des späteren »Saalbaus« von Haus Steinweg Nr. 4. 18112) ist

das Anwesen Teil eines Baukomplexes, der sich aus einem Trakt

an der Straße mit vorgebautem Teil an der Brücke (heutiger Bereich

Steinweg Nr. 8) , einem Südflügel entlang der Vieh! und hofseitigem

Winkeleinbau zusammensetzt. Südlich von Haus Steinweg

Nr. 8 ist ein kleiner Hof dargestellt, an der Westseite des.Traktes

an der Straße eine Durchfahrt. Südlich des Hofes und des Flügels

an der Vicht schließt sich ein Garten an , der durch eine kräftige

Markierung (Mauer?) eingefaßt ist.

1834 3 > zeigt eine Zeichnung die Südgiebel des Gartenflügels an

der Vicht und des späteren »Saalbaus«. Beide haben Mansard-

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Abb. 8: Ansicht Steinweg • 1976

Abb. 9: Ansicht von der Vicht • 1976 Abb. 10: Ansicht Steinweg • ca. 1900

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Steinweg Nr. 6

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Ansicht Steinweg • Haupthaus

Ansicht vom Hof • Haupthaus

Schnitt B-B • Gartenflügel

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Steinweg Nr. 6

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Steinweg Nr. 6

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Ansicht von der Vieh! • Gartenflügel

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Schnitt A-A

Ansicht vom Hof • Gartenflügel

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Abb. 11: Hofansicht • 1978

Abb. 12: Ansicht von der Vicht • 1976

16


Steinweg Nr. 4

Zustand 1977: Traufständiges Haupthaus an der Straße, achtachsig,

drei Vollgeschosse und ein Drempelgeschoß mit Fenstern

und Dachgauben. Im oberen Teil des Daches eine zweite

Reihe kleinerer Gauben, Krüppelwalmdach mit Pfettenkonstruktion.

Zur Südseite (Hofseite) in Verlängerung der östlichen drei

Achsen Saalanbau, der sich bis zur nördlichen Grundstücksgrenze

von Haus Zweifaller Straße Nr. 15 erstreckt. Der Saalbau

ist im Anstoß an das Haupthaus dreigeschossig und tritt um eine

Achse vor die Rückfront vor. Im weiteren Verlauf ist er als Kinosaal

ausgebaut. Empore und Bildwerferraum liegen am südlichen

Kopfende.

Westlich des Saalbaus schließt sich ein Flachbaukomplex an, der

über den gesamten Hofraum bis zu den rückwärtigen Grenzen

der Häuser Steinweg Nr. 2 und Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 reicht.

Aus ihm ragt ein zweigeschossiger »Nebensaal« auf, der südlich

an das Haus Zweifaller Straße Nr. 5 anstößt und an die westliche

Wand des Saalbaus angebaut ist.

Das Haupthaus ist voll unterkellert. Der Keller zeigt vier unterschiedliche

Kompartimente: einen querverlaufenden Raum unter

den beiden westlichen Achsen, massiv überwölbt mit Segmentbogen

und Kappen, zwei hintereinander angeordnete Räume,

längsgerichtet, die zweieinhalb nächsten Achsen einnehmend,

beide mit je einer Längstonne überwölbt, der hintere mit einer

querverlaufenden Kappe als Verbindung von der Tür zu einer Nische

in der Außenwand, und östlich anschließend das vierte

Kompartiment, ebenfalls längsgerichtet, durch einen einspringenden

Winkel zum Teil schmaler als die westlich anstoßenden

Kellerabschnitte, massiv mit Bogen und Kappen überwölbt.

Das Erdgeschoß nimmt diese Teilung auf. Der einspringende

Winkel im vierten Kellerkompartiment wird zur Trennwand zwischen

einem dreiachsigen, straßenseitigen Raum und dem Ansatz

des »Saalbaus«, westlich schließt sich die vierte Achse als

Treppenflur an; es folgt ein vierachsiger, von der Straße bis zum

Hof durchgehender Raum . Die Rückfront der fünf westlichen

Achsen verläuft parallel zur Straßenflucht.

In den Obergeschossen bilden dünne Wände Flure und Zimmer.

Als tragende Wände gehen die vom Keller her vorgegebenen

Außenmauern weiter. Die Decken werden aus Unterzügen -

quer zur Traufe verlaufend - und nicht sichtbaren Balkenlagen

gebildet. Fassaden straßen- und hofseits Feldbrandziegelmauerwerk,

Fenster- und Türgewände mit Ausnahme des EG an der

Straße und des Saalbaugiebels Werksteingewände mit geradem

Sturz und scheitrecht gemauerten Entlastungsbögen. Hofseits im

3. OG Reste einer Luke, die zum Heraufziehen von Lasten diente.

Zur Straßenseite durchlaufendes Gesims im 1. und 3. OG auf

Sohlbankhöhe, beide Ecken der Fassade abgerundet und in

Werksteinquadern mit Schattenfuge eingefaßt. EG Straßenfront

mit Platten verkleidet.

Abb. 13: Ansicht Steinweg • 1978

Frühere Zustände: Dem französischen Katasterplan von 1808 1 )

zufolge nimmt das heutige Anwesen Steinweg Nr. 4 drei ehemalige

Grundstücke ein. Die beiden ersten reichen vom Steinweg bis

zur nördlichen Grenze von Haus Zweifaller Straße Nr. 5 und sind

westlich von den Häusern Zweifaller Straße 1 - 3 und Steinweg

Nr. 2 begrenzt, das dritte schließt sich östlich am Steinweg an, erreicht

aber nach Süden nur eine geringe Tiefe und wird dort von

einer Fläche umfaßt, die damals zum heutigen Haus Steinweg

Nr. 6 gehörte. Ein Vergleich mit dem heutigen Keller läßt die Vermutung

zu, daß das östliche, in der Form abweichende Kellerkompartiment,

in etwa die Fläche der zweiten, kleinen Parzelle an

der Straße einnimmt. Besitzer der drei Grundstücke war 1808

Geoflroy Flaam Wwe. Für das südliche Grundstück wird außerdem

Theodore van Geulpen, »cultivateur«, genannt. Er war wahrscheinlich

Pächter dieses Teils. Ein Plan von 181 fl weist Haus

Steinweg Nr. 4 als Teil eines Baukoinplexes aus, der sich vierseitig

um einen Hof schließt, zu dem vom Steinweg aus, und zwar

möglicherweise im Bereich der westlichen Achse von Haus Steinweg

Nr. 4, eine Zufahrt führte. Die Darstellung der Vierkantanlage

Abb. 14: Ansicht Steinweg • ca. 1900

17


Steinweg Nr. 4

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Ansicht Steinweg

bedeutet aber weder, daß es sich in allen Teilen um eine mehrgeschossige

Bebauung handelt, noch, daß die Durchfahrt nicht in

den oberen Geschossen überbaut war. Diese Feststellung wird

gestützt durch eine Skiue von 1834 3 >, in der der Westgiebel von

Haus Steinweg Nr. 4 mit Krüppelwalm und Fenstern im 1. und 2.

OG frei aus einer - möglicherweise - eingeschossigen Umbauung

herausragt. Bei der Deutung dieser Skiue ist allerdings

zu berücksichtigen, daß es in diesem Bereich 1818 10 > gebrannt

haben soll. Die Gestalt des Kellers, die frühere Parzellenteilung

und die Bauformen lassen den Schluß zu, daß im Haupthaus von

Steinweg Nr. 4 zumindest zwei frühere Häuser enthalten sind, die

Anfang des 19. Jahrh. zu einem einheitlich gestalteten Großbau

zusammengefaßt wurden.

Um 18sa4> war das Anwesen Steinweg Nr. 4 im Hofbereich als

Brauerei und Brennerei genutzt. Damals bestand die Hofbebauung

aus einem Trakt entlang der südlichen Grundstücksgrenze

und einem schmaleren Flügel entlang der östlichen Grundstücksgrenze.

Diese entspricht der westlichen Außenwand des heutigen

»Saalbaus«, der damals noch zu Haus Steinweg 6 gehörte. Besitzer

war 1859/ 6a5l Christian Friedrich Bohle Wwe., der zugleich

die Grundstücke der heutigen Häuser Zweifaller Straße Nr. 5 und

7 - 11 gehörten.

1949 wurde der »Saalbau« bereits von Haus Steinweg Nr. 4 her

erschlossen und als Tanzsaal genutzt; er war zu dieser Zeit eingeschossig,

wenn auch mit einer größeren Höhe versehen als der eines

Normalgeschosses.

Ihm schloß sich westlich der »Nebensaal« an, der Verbindung zu

Haus Zweifaller Straße Nr. 5 hatte. Den verbleibenden Raum zwischen

»Nebensaal« und westlicher Grundstücksgrenze nahmen

ein Weinzimmer und Toilettenanlagen sowie südlich davon ein Innenhof

ein. Auf den »Nebensaal« wurde zu dieser Zeit eine

Bäckerei aufgestockt, im EG des Haupthauses befanden sich ein

Cafe und ein Restaurant. Das mit dleser Anlage verbundene Haus

Zweifaller Straße Nr. 5 wurde zu dieser Zeit im EG als Ausschank

genutzt. Besitzer der Gesamtanlage war Jean Kamps. 1952 entstand

im »Saalbau« ein Kino, dessen Foyer die zwei östlichen

Achsen des Haupthauses Steinweg Nr. 4 einnahm. Für die Umfassungswände

wurde zum Teil Mauerwerk des ehemaligen

»Saalbaus« verwandt und als Notausgang eine Tür in die östliche

Wand zur Hofdurchfahrt von Haus Steinweg Nr. 6 gebrochen 7 >.

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Abb. 15: Straßenfassade • Detail • 1978 Abb. 16: Hoffassade • Ausschnitt • 1978

Abb. 17: Hoffassade • Vom Hammerberg • 1978

22


Steinweg Nr. 2

Zustand 1977: Grundriß, die gesamte Grundstücksfläche einnehmend.

Ecklage mit abgeschrägter Ecke. Dreigeschossig, zum

Steinweg zweiachsig, zur Zweifaller Straße dreiachsig, eine

Eckachse. Allseits traufständiges Pultdach mit Eckwalm, Drempelgeschoß

mit Dachgauben. Dachstuhl nicht zugängig; Dachfläche

mit der von Haus Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 durchgehend.

Voll unterkellert. Keller zweiräumig, massiv gewölbt mit Segmentbogen

und Kappen , Geschoßdecken und Treppen Holzkonstruktion.

Fassaden Feldbrandziegelmauerwerk geschlämmt, Fenstergewände,

ein Türgewände und Gesims über EG Werkstein, scheitrechte

Entlastungsbögen. EG durch Fliesenverkleidung, große

Schaufenster und Reklameband vom 1. OG formal abgesetzt.

Frühere Zustände: 1808 1 ) mit Haus Zweifaller Straße Nr. 1 - 3

ein zusammenhängendes bebautes Grundstück im Besitz von

Jean Pierre Schell, »marechal«. Wahrscheinlich nur eingeschossige

Bebauung 3 ). Vor 1858 3 > Teilung der Grundstücke, 1859/6ü6)

Besitzer beider Anwesen Bernhard Haas. 1904 EG heutige

Grundrißeinteilung , zu diesem Zeitpunkt mehrgeschossig. 1925

Verbreiterung der Tür in der Abschrägung und der beiden seitlichen

Fenster7L

Abb . 18: Ansicht Steinweg • 1977

Abb. 19: Ansicht Zweifaller Straße • 1977

23


Ansicht Steinweg

Ansicht Zweifaller Straße

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Zweifaller Straße Nr. 1 - 3

Zustand 1977: Trapezförmiger Grundriß, die gesamte Grundstücksfläche

einnehmend, lünfachsig, dreigeschossig. Traufständig

mit Pultdach, Drempelgeschoß mit Dachgauben. Quer

erschlossen, einraumtief, unterkellert. Keller massiv gewölbt,

Segmentbogen mit Kappen, Geschoßdecken und Treppen Holzkonstruktion,

Dachstuhl Pfettenkonstruktion.

Fassade Feldbrandziegelmauerwerk, im EG geschlämmt, Fenster-

und Türgewände sowie Gesims oberhalb des OG Werkstein ,

scheitrechte gemauerte Entlastungsbögen über Fenster und Türen

mit Ausnahme des Schaufensters. Dieses nimmt zwei Achsen

ein und ist durch eine Gußeisensäule abgestützt.

Frühere Zustände: 1808 1 > Teil eines bebauten Grundstücks im

Besitz des Jean Pierre Schell, »marechal«, als »maison« bezeichnet.

Bebauung wahrscheinlich nur erdgeschossig3>. Vor 185a3>

Teilung des Grundstücks, vor 1859/60 mit einer Bebauung besetzt,

die zum nördlich angrenzenden Haus Steinweg Nr. 2 einen

einspringenden Winkel bildete. Nach 1859/60 wurden Straßenfront

und Nordgiebel verändert; die Straßenfassade rückte in die

Straßenflucht. Besitzer des Hauses und des nördlich anschließenden

Anwesens war Bernhard Haas 6 >. 1907 EG Werkstätte

(links des Treppenflurs) und Laden (rechte Seite); zu diesem Zeitpunkt

war das Haus mehrgeschossig, 1935 als Nutzung des EG

Salon (Friseur?) und Laden angegeben.

Offensichtlich ist die völlige Angleichung der Fassade von Haus

Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 an Haus Steinweg Nr. 2. Es ist möglich,

daß diese im Zuge der Neuerrichtung der Straßenfront von Haus

Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 geschah.

Abb. 20: Ansicht Zweifaller Straße • 1977

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Ansicht Zweifaller Straße

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Zweifaller Straße Nr. 5

Zustand 1977: Schmaler Trakt, im EG bis -an die östliche Grundstücksgrenze

reichend, in den beiden OG mit der rückwärtigen

Flucht von Haus Zweifaller Straße Nr. 7 - 11 endend.

Im EG hinter der rückwärtigen Flucht des nördlichen Nachbarhauses

Zweifaller Straße Nr. 1 - 3 um eine Achse verbreitert.

Treppe zum 1. OG vor der Rückwand verlaufend. Kellertreppe im

östlichen Teil des EG beginnend und in Kellerräume führend, die

sich außerhalb des Hauses unter dem ehemaligen Nebensaal,

der zu Haus Steinweg Nr. 4 gehörte, erstrecken und an den Keller

des betreffenden Haupthauses stoßen . Haus Zweifaller Straße

Nr. 5 selbst ist nicht unterkellert.

Traufständige Fassade, gedrücktes Satteldach, zweiachsig, Fen ­

ster- und Torgewände Werkstein, Fenster mit geradem Sturz, Tor

mit Korbbogen auf Kämpferkapitellen, Schlußstein mit dem alten

Wappen Offermann (geldgebende Hand mit Opferbüchse, darunter

Schaf). Rückfassade in Obergeschossen verputztes Fachwerk,

Decken und Geschoßtreppen Holzkonstruktion.

Frühere Zustände: 1808 1 ) mit Grundstück Haus Zweifaller Straße

Nr. 7 - 11 zu einer Parzelle gehörend, die bis zur Vieh! reichte.

Vor 1859/6a5l wurde der straßenseitige Teil vom Grundstück an

der Vieh! getrennt, zwischen 1912 - 1914 folgte die Trennung der

Grundstücke Haus Zweifaller Straße Nr. 7 - 11 und Nr. 5 7 ).

Besitzer war 1808 1 ) Paul Offermann; damit war das Grundstück

Teil eines Besitzes, der von der Südseite von Haus Zweifaller Straße

Nr. 15 bis zum Steinweg reichte, wo Haus Nr. 6 dazugehörte.

1859/6a5l war das Grundstück Hofbereich bzw. Einfahrt zur Winkelanlage

Zweifaller Straße Nr. 7 - 11 und gehörte mit dieser Witwe

Bohte, die zugleich das nördlich angrenzende Grundstück

Haus Steinweg Nr. 4 besaß 6 l. 1912 - 14 blieb Zweifaller Straße

Nr. 5 beim Nachfolgebesitzer von Steinweg Nr. 4, der Familie

Kamps 7 l .

Um 1859/6a5l war das Grundstück unbebaut, 1808 1 ) wurde es

»jardin«, 1858 4 ) Hof genannt. Allerdings zeigt ein Plan von 1811 2 )

im Anschluß an einen nördlich angrenzenden Gebäudekomplex

einen Anbau, der evtl. auf dem Grundstück des jetzigen Hauses

Zweifaller Straße Nr. 5 gestanden haben könnte.

Der Torbogen, der seiner Form nach ins 18. Jahrhundert zu datieren

ist, wurde entweder transloziert oder war Teil einer Abschlußmauer.

Der noch heute gebrauchte Name »Auf dem Treppchen«

weist auf eine Gaststätte hin , die über Stufen zu erreichen war. Sie

soll ein Bau mit Strohdach gewesen sein 10 l. Ihre Lage, Gestalt

und Bauzeit war nicht auszumachen.

1921 wurde der Einbau eines Friseurgeschäftes in den Torbogen

beantragt; der Raum sollte zum Hof hin von einer Fachwerkwand

geschlossen werden. 1927 folgte die Einrichtung zu einer Konditorei

mit Backstu be; 1949 wurde das Haus als Ausschank genutzt.

Zu dieser Zeit besaß das EG die nördliche Erweiterung um

eine Achse und einen Ausgang zum »Nebensaal«, dem Hoftrakt

von Steinweg Nr. 4. Eine neue Backstube entstand im OG des

»Nebensaals«, ein Cafe befand sich im Haus Steinweg Nr. 4 7 ).

Das Vorderhaus Zweifaller Straße Nr. 5 müßte dem Baubefund

nach früher nur zweigeschossig gewesen sein. Der Zeitpunkt der

Aufstockung ist nicht überliefert.

Abb. 21 : Ansicht Zweifaller Straße • 1977

Abb. 22: Schlußstein mit Wappen

28


Ansicht Zweifaller Straße

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Abb. 23: Hofansicht Zweifaller Straße Nr. 5 u. 7-11 • 1977 Abb. 24: Hofansicht Zweifaller Straße Nr. 5 u. 7-11 • 1977

Abb. 25: Zweifaller Straße Nr. 1-15 • 1978

30


Steinweg Nr. 8 • Dachgaube • ca. 1910 Steinweg Nr. 6 • Fenster ca. 1700, Gaube ca. 1830 Steinweg Nr. 6 • Fenster • ca. 1700

Steinweg Nr. 8 • Fenster 2. Hälfte 18. Jh. Steinweg Nr. 6 • Fenster • Spätes 18. Jh. Steinweg Nr. 6 • Fenster • ca. 1700 (ehern. Kreuzstock)

Steinweg Nr. 6 • Tür • ca. 1700 Steinweg Nr. 6 • Tür • Spätes 18. Jh. Steinweg Nr. 6 • Fenster • ca. 1830

31


Steinweg Nr. 6 • Tordurchfahrt • ca. 1830 Zweifaller Straße Nr. 5 • Torbogen • 2. Hälfte 18. Jh. Zweifaller Straße Nr. 15 • Torbogen • 1. Hälfte 19. Jh.

Zwelfaller Straße Nr. 15 • Fenster • ca. 1910 Zweifaller Straße Nr. 7-11 · Fenster • Mitte 19. Jh. Zweifaller Straße Nr. 21 • Fenster • Mitte 19. Jh.

Zweifaller Straße • Fenster • ca. 1910 Zweifaller Straße Nr. 7-11 • Fenster • Mitte 19. Jh. Zweifaller Straße Nr. 21 • Fenster · 1905

32


Zweifaller Straße Nr. 7 - 11

Zustan d 1977: Winkelanlage, bestehend aus Haupthaus und angebautem

Hofflügel entlang der südlichen Grundstücksgrenze.

Das Grundstück ist nach Osten durch eine Mauer begrenzt, die

mit dem Ostgiebel des Hofflügels fluchtet. Im nördöstlichen

Mauerwinkel befindet sich ein Schuppen.

Haupthaus dreigeschossig, traufständig mit Satteldach, fünfachsig

und unterkellert, Hofflügel zweigeschossig mit Walmdach,

dreiachsig, östlich zwei Achsen unterkellert.

Beide Flügel jeweils quer erschlossen, dabei vom konstruktiven

Gerüst her betr_achtet der Hofflügel bis zur Straße durchgehend,

da seine nördliche Au ßenwand als innere tragende Wand durch

das Haupthaus hindurchgeht und innerhalb des Haupthauses die

Spannrichtung der Unterzüge entsprechend wechselt: hinter den

zwei südlichen Achsen Unterzüge parallel, in den drei nördlichen

rechtwi nklig zur Straßenfront verlaufend.

Kellerdecken massive Wölbung in Feldbrandstein, Geschoßdekken

und Treppen Holzkonstruktion, Dächer Pfettendächer.

Straßenfassade Zementstuck mit klassizistischen Schmuckformen

, Flächen mit Quaderputz, im EG zum Teil großflächige Ladeneinbauten;

Hoffassaden Bruchstein geschlämmt, 2. OG

Haupthaus mit deutlichem Absatz in Feldbrandziegel geschlämmt.

Fenstergewände Hoffront mit Werksteingewänden ,

zum Teil mit Segmentbogenstürzen und Schlußsteinen.

Frühere Zu stände: Grundstück der Winkelanlage mit östlicher

Abschlußmauer 1808 1 ) Teil eines größeren Grundstücks, zu dem

noch Haus Zweifaller Straße Nr. 5 gehörte und das sich in dieser

Breite bis zur Vicht erstreckte. Zu dieser Zeit Besitz von Paul 01-

fermann und als »jardin« ausgewiesen. Vor 1859/60 wurden die

straßenseitigen Grundstücke durch eine durchgehende Mauer

vom Bereich an der Vicht abgetrennt. Zur gleichen Zeit ist eine

Winkelbebauung verzeichnet, die in der Grundrißkontur der heutigen

Winkelanlage entspricht. Als Nutzung ist »Stallung« angegeben.

Das damals noch zugehörige Grundstück von Haus Zweifaller

Straße Nr. 5 war noch unbebaut und Teil des Hofes, bzw. Zu ­

fahrtsbereich für denselben. Besitzer war Christian Friedrich Bohte

Wwe., der zu dieser Zeit auch Haus Steinweg Nr. 4 gehörte 6 l.

Das Grundstück an der Vicht gehörte zu dieser Zeit - wie zuvor

- dem Besitzer von Haus Steinweg Nr. 6.

1905 besaß das Haupthaus Zweifaller Straße Nr. 7 - 11 im EG vier

Fenster und mittige Tür. Die Tür führte in den Flur mit kopfseitig

angeordneter Teppe, rechts lagen der Laden eines Installateurs,

links vier Zimmer (zwei straßen-, zwei hofseitig) .

1909 Umbau EG zu zwei Läden , Einbrechen der Schaufenster.

Das Haus wurde die »Fleischhalle« genannt, der Schuppen im

Hof war die Wurstküche.

Zu dieser Zeit war Mathias Kamps Besitzer, dem zugleich u. a.

auch Haus Zweifaller Straße Nr. 5 und Haus Steinweg Nr. 4 gehörten.

Zwischen 1912 und 1914 scheint Haus Zweifaller Straße

Nr. 7 - 11 einen neuen Besitzer, Metzgermeister Hubert Haas, erhalten

zu haben, während Haus Zweifaller Straße Nr. 5 mit Haus

Steinweg Nr. 4 der Familie Kamps verblieb.

Bis 1934 war Haus Zweifaller Straße Nr.7 - 11 nu r zweigeschossig.

Erst 1935 wurden von Besitzer Johann Meyer das zweite

Obergeschoß aufgesetzt und damit zwei Wohnungen geschaffen

7 l. 1952 wurde als Besitzer Jean Kamps genannt. Damit wären

die Häuser Zweifaller Straße Nr. 5 und Nr. 7 - 11 zusammen mit

dem östlichen Grundstück bis zur Vicht wieder vereinigt gewesen.

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Abb. 26: Ansicht Zweifaller Straße • 1977

33


Zweifaller Straße Nr. 7 - 11

Ansicht Zweifaller Straße

Kellergeschoß

34


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Stolberg

>>Am Neuen Markt<<

Fassadenabwicklung

Zustand 1977

Beilage zu den Heima1blättern des Kreises Aachen. Heft 3/4-1977

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Abb. 27: Zwei ·taller Stra ß e • 1978

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Abb. 29: Ansicht Zweifaller Straße • 1977

Abb. 30: Ansicht Zweifaller Straße • ca. 1900

38


Zweifaller Straße Nr. 15

Zustand 1977: U-förmige Anlage, bestehend aus Haupthaus, ei ­

nem hofseits angesetzten Südflügel (Ruine, ehemals Saalbau)

und einem nördlich vorgelegten Seitentrakt, der bis zur Straße

durchstößt. Haupthaus siebenachsig, die fünf südlichen Achsen

des Haupthauses und der anstoßende Tei l des Südflügels unterkellert.

Haupthaus traufständig , zweigeschossig mit ausgebautem Mansarddach

mit Dachgauben, Seitentrakt an der Straße traufständig,

dreigeschossig (Drempelgeschoß) mit Satteldach; Firstlinie von

Haupthaus und Seitentrakt durchgehend, Südflügel in Resten

dreigeschossig (Drempelgeschoß) mit größeren Geschoßhöhen;

First des Südflügels überragt das Dach des Haupthauses mit Giebel.

Haupthaus quer erschlossen, einraumtief, Bereich Treppenhaus

als Zugang zum ehemaligen Saal tiefer ausgebaut.

Kellerdecke Südflügel massiv gewölbt mit Bögen und Kappen , im

Haupthaus Holzkonstruktion, z. T. mit Stahlträgern verstärkt. Die

Geschoßdecken mit Ausnahme des Treppenhauses in Holzkonstruktion.

Dieses in Keller und EG mit preußischen Kappendekken.

Im EG Holzdecken der vier südlichen Achsen mit Stuckieru

ng.

Kellertreppe Stahlbeton, Haupttreppe Stahl-Stein-Konstruktion,

Gußeisengeländer.

Dach konstruktion Haupthaus und nördlicher Trakt unzugänglich,

Saalbau Pfettendach mit Scherenstuhl, Bolzenverbindungen.

Straßenfassade Haupthaus mit Zementstuck überzogen,

Schmuckformen Mischstil mit neugotischen und neubarocken

Elementen . Über der Eingangstür starkplastische Wappenbekrönung

, auf die Nutzung des Hauses als Gasthof hinweisend: im

Wappenschild ein Bierhumpen, ein Bier- und ein Schnapsglas,

darüber eine Krone , der Fuß des Schildes umgeben von anderen

Geräten des Wirte- bzw. Brauereigewerbes, wie Faß, Bottich etc.

und pflanzlicher Ornamentik. Entsprechender Schmuck auch in

den Brüstungsfeldern der Fenster des 1. OG und in der Straßenfassade

des Seitentraktes mit Ausnahme des Torbogens der

Durchfahrt. Dieser hat Werksteingewände mit Segmentbogen

und profiliertem Schlußstein.

Hofseitige Fassaden aller Trakte Feldbrandziegelmauerwerk,

z. T. auch Strangziegel- und Schwemmsteinmauerwerk; Fenster

mit gemauerten Laibungen und scheitrechten Bögen. Seitenmauern

Nord- und Südseite des Hofes Bruchsteinmauerwerk.

Abb. 31: Wappenemblem • Eingangstür • 1978

Frühere Zustände: 1808 1 ) bebautes Grundstück, Besitzer Paul

Offermann, »fabr. de drap.«; Art der Nutzung »fabrique«. Paul Offermann

gehörten zur gleichen Zeit im Untersuchungsgebiet

noch die Grundstücke der heutigen Häuser Zweifaller Straße

Nr. 5 und Nr. 7 - 11 sowie Steinweg Nr. 6. Laut Plan von 1811 2 )

war Grundstück Zweifaller Straße Nr. 15 bebaut mit U-förmiger

Anlage, bestehend aus der Fläche des heutigen Haupthauses, ei ­

nem Flügel entlang der südlichen Grundstücksgrenze und einem

Flügel entlang der Vicht. Süd- oder Mitteltrakt mit mittigem Vorbau

(evtl. Vordach) ; über die Vicht in Verlängerung des heutigen Seitentraktes

Brücke zur Sehartstraße. 185s4l als Besitzer Bernhard

August Wirtz verzeichnet; zwischen 1811 2 ) und 1859/6ü5l Bau

des nördlichen Seitentraktes; er erstreckte sich ursprünglich bis·

an den ehemaligen Flügel an der Vicht; als Nutzung wird für den

hinteren Bereich Kegelbahn angegeben . Eine Zeichnung von

1834 3 ) zeigt das Haupthaus an der Straße mit Giebel zur Nordseite,

dort angelehnt ein niedriges Pultdach (Seitentrakt?) und einem

Mansarddachwalm nach Süden.

Um 1900 9 l zeigten Straßenfassaden Haupthaus und Seitentrakt

Bruchsteinmauerwerk geschlämmt. Tür- und Fenstergewände

waren aus Werkstein mit Segmentbogen und Schlußsteinen. Im

Mauerwerk zwischen Haupthaus und Seitentrakt deutliche Fuge;

die südliche Ecke mit regelmäßiger Werksteinquaderung und gebrochener

Kante im EG' ist Teil der Fassade von Haus Zweifaller

Straße Nr. 17. Sie dürfte vor dem Bau dieses Hauses vom ver-

Abb. 32: Fassade • Zweifaller Straße, Ausschnitt • 1978

kröpft geführten Traufgesims des freien Mansarddachwalms abgedeckt

worden sein. Um 1900 wurde das Anwesen als Restauration

genutzt; Besitzer war Wilhelm Müller, Inhaber August Hoerkens,

1925 war es Hotel-Restaurant von Joseph Ortmanns. Damals

wurde die Toreinfahrt als Garage genutzt 7 l . Die Brücke über

die Vicht muß zwischen 1811 2 ) und 185s4l abgebrochen worden

sein.

Vom Trakt an der Vicht blieben nur zugesetzte Fenster- bzw. Lukengewände

im Ufermauerwerk, vom Flügel an der südlichen

Grundstücksgrenze Teile des Saalbaus als Ruine erhalten.

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Ansicht Zweifaller Straße

Schnitt A-A

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Zweifaller Straße Nr. 15

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Zweifaller Straße Nr. 17

Zustand 1977: U-förmige Anlage, mit Haus Zweifaller Straße

Nr. 19 Teil einer Gesamthofanlage, bestehend aus Vorderhaus,

nördlich hofseits angesetztem Zwischentrakt und Hinterhaus entlang

der Vicht. Vorderhaus dreigeschossig, traufständig mit Satteldach,

dreiachsig, zweiraumtief, quer erschlossen. Voll unterkellert,

Kellerdecke massiv gewölbt mit Segmentbögen und Kappen

, Geschoßdecken und Treppe Holzkonstruktion, Dachstuhl

Pfettendach mit Strebenstuhl, Balzenverbindungen.

Sockel, Fenster- und Türgewände der Straßenfassade und drei

Fenster des Südgiebels Werkstein, desgleichen drei Gesimse in

Sohlbankebene der Fenster der Straßenfront, waagerechte Stürze;

über Fenster- und Türstürzen aus Werkstein scheitrechte Entlastungsbögen

. Fenster der Hoffront Gewände aus Feldbrandziegeln

mit Sohlbänken aus Werkstein , ein Fimster EG . Südgiebel

ganz in Feldbrandziegel eingefaßt mit waagerechtem Sturz. Straßenfassade

nördliche Begrenzung zu Haus Zweifaller Straße Nr.

15 bis ins 1. OG Eckquaderung mit bogenförmiger Ausnehmung

im EG: Sonst Bruchsteinmauerwerk.

Zwischentrakt in Verbund mit Vorderhaus errichtet, mit schrägem

Anstoß, einspringender Winkel durch »Toilettenerker« zugesetzt.

Unterkellert, dreigeschossig, das dritte Geschoß über das zweigeschossige

Hinterhaus bis zur Vicht durchgebaut, Pultdach.

Fenster mit Ziegeleinfassungen und Werksteinsohlbänken, im EG

zugesetzte Tür mit Werksteingewände, Mauerwerk Bruchstein.

Hinterhaus nicht unterkellert, mit Satteldach, Pfettendach mit

Strebenstuhl, Verbindungen gezapft. Hofseite Tür Werksteingewände

mit Segmentbogen und Schlußstein, sonst Türen und

Fenster mit Ziegeleinfassungen, Sohlbänke zum Teil Werkstein.

Im Südgiebel EG zugesetztes Tor mit Rundbogen, im Dachgeschoß

halbkreisförmiges Fenster, ebenfalls zugesetzt. Mauerwerk

in Sockel bereich und Teilen des EG Bruchstein, sonst Feldbrandziegel.

Frühere Zustände: 1808 mit Haus Zweifaller Straße Nr. 19 »jardin«

des Jean Pierre Schmitz, »fabr. de draps« 1 >. Vorderhaus zwischen

1834 3 > und 185a4> entstanden, zuvor an seiner Stelle eingeschossiger

traufständiger Trakt, wahrscheinlich in Verbund mit

einer erdgeschossigen Frontwand von Haus Zweifaller Straße

Nr. 19. Das dreigeschossige Vorderhaus und der Zwischentrakt

wahrscheinlich zur gleichen Zeit errichtet, das Hinterhaus früher,

jedoch nicht vor 1811 .

Abb. 33: Ansicht Zweifaller Straße • 1977

Um 1858 in Besitz von Gottfried Marx4> . 1907 Anbau ,;Toilettene·rker«,

1909 Verlegung der Haustür aus Mittelachse an die linke

Seite , »wo sie früher war«. Zugleich Umbau EG des Hinterhauses

von Stall-Schuppen-Waschküche in drei Schlafzimmer mit

Waschküche; dabei Einbrechen von Fenstern an der Seite der

Vicht 7 >. Vorderhaus an die Südwand von Haus Zweifaller Straße

Nr. 15 angebaut bzw. auf diese aufgesetzt, d. h. jünger als dieses

Haus.

Abb. 34: Hofansicht • 1976


Zweifaller Straße Nr. 17

Ansicht Zweifaller Straße

Südansicht

44


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Zweifaller Straße Nr. 17

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Kellergeschoß

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Erdgeschoß

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Zweifaller Straße Nr. 19

Zustand 1977: Ruine, mit Haus Zweifaller Straße Nr. 17 Teil einer

Gesamthofanlage; erhalten blieb Straßenfassade eines traufständigen

Hauses mit Satteldach ohne Unterbauung. Zweigeschossig

, fünfachsig . EG nur Toreinfahrt, 1. OG fünf Fenster, zugemauert.

Toreinfahrt und Fenster mit Einfassungen in Feldbrandziegeln,

scheitrechte Bögen ; Toreinfahrt außerdem mit Holzbalkensturz,

aufgelegt auf Kämpferkapitelle aus Werkstein. Horizontalgesims

in Sohlbankhöhe der Fenster gleichfalls Feldbrandziegel,

das Mauerwerk sonst aus Bruchstein. Ecke Südseite bis ca.

7 / 8 der Höhe des Erdgeschosses mit Werksteinquaderung als

Eckeinfassung, darüber springt Begrenzungskante der Fassade

ca. 0,50 m nach links (Norden).

Frühere Zustände: 1808 wurde die Grundstücksfläche der Häuse

r Zweifaller Straße Nr. 17 und 19 als »jardin« des Jean Pierre

Schmitz bezeichnet 1 l .

Um 1859/60 yvurde die Fläche dieses ehemaligen Gartens anallen

vier Seiten umbaut, Besitzer war Gottfried Marx4l. Ob damals

die sich im Bereich des Hauses Zweifaller Straße Nr. 19 befindende

U-förmige Bebauung ein- oder mehrgeschossig war, ist nicht

überliefert. Möglich ist eine allseitig eingeschossige Bebauung

und nach dem Bau von Haus Zweifaller Straße Nr. 21 eine Aufstockung

des straßenseitigen Traktes von Haus Zweifaller Straße

Nr. 19. Nach 1907 wurde das Dach des Straßentraktes verbreitert

7 l .

Abb. 35: Ansicht Zweifaller Straße • 1976

47


Zweifaller Straße Nr. 21

Zustand 1977: Grundriß mit schräg verlaufender Front und abgeflachter

Ecke zur Zweifaller Straße. Zu den Straßenseiten traufständig,

Satteldach mit Abwalmung zur Ecke. Quer erschlossen,

zweigeschossig und voll unterkellert.

Kellerdecke massiv gewölbt, Segmentbögen mit Kappen , Material

Feldbrandstein. Geschoßdecken und Treppe Holzkonstruktion.

Dachstuhl Pfettendach mit liegendem Stuhl, Verbindungen

verzapft, Kniestock. ·

Sockel, Gesims zwischen Erd- und Obergeschoß sowie Fensterund

Türgewände aus Werkstein mit waagerechten Stürzen, Ausnahme:

Fenster EG zur Zweifaller Straße, Zementstuckrahmung,

Fenster in der Nordwand und im Ostgiebel (heute im Dachraum

von Haus Zweifaller Straße Nr. 23 verborgen) mit gemauerten

Einfassungen. Über den Fenstern und Türen mit Werksteingewänden

scheitrechte gemauerte Entlastungsbögen.

Frühere Zustände; 1808 war das Grundstück »verger« (Baumgarten)

und Teil eines Weges, Besitzer war Jean l:Jrfeld, »perruquier«

1 l. Der heutige Umriß um 1860 entstanden, im Besitz von

Gottfried Gohsen 5 l. Das Haus zuerst ohne östliche Nachbarbebauung;

Nischen in der Ostwand waren Fenster und Tür. Zur

Nordseite auf vorhandene erdgeschossige Mauer von Haus

Zweifaller Straße Nr. 19 aufgesetzt.

1905 Antrag des Besitzers, Friseur Leonhard Schütz, auf Genehmigung

der Umgestaltung des Fensters im EG Zweifaller Straße

(Zementstuckeinfassung).

1928 Antrag des Besitzers Fa. Prym u. Co. auf Genehmigung der

Umänderung eines Fensters EG Sehartstraße in eine Tür bei

gleichzeitiger Verschiebung derselben nach Westen und der Einziehung

einer Wand ; dadurch Entstehung eines Vorflurs zur Treppe7l

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Abb. 36: Ansicht Zweifaller Straße 21 • 1977

Zweifaller Straße Nr. 23

Zustand 1977: Trapezförmiger Grundriß, angebaut an Haus

Zweifaller Straße Nr. 21 . An Ostseite auf halbe Tiefe Anbau eines

Schuppens. Zweiachsig, zweigeschossig, quer erschlossen , auf

halbe Tiefe straßenseits unterkellert.

Kellerdecke preußische Kappendecke, Kellerfenster zur Straße

und Ansatz eines Fensters oder eines Ausgangs zur Nordseite;

Geschoßdecken und Treppe Holzkonstruktion.

Satteldach, Dachkonstruktion Pfettendach, aus Rundhölzern gefügt,

Kniestock.

Fassaden Feldbrandziegel. Fenster- und Türgewände sowie Gesims

am Vorplatz zur Schart Werkstein, Fenster und Türen mit

scheitrechten Entlastungsbögen; Fenster im Ostgiebel und Kellerfenster

mit gemauerten Laibungen. EG Ostgiebel Nordecke

zugesetzter scheitrechter Torbogen. Die Gliederung der Fassade

am Vorplatz zur Schart ist der von Haus Zweifaller Straße Nr. 21

angepaßt.

Frühere Zustände: Das Grundstück war ursprünglich Teil von

Grundstück Zweifaller Straße Nr: 21 4 ). 1877 /78 wurde das

Grundstück geteilt; damit in Zusammenhang steht wahrscheinlich

Errichtung von Haus Zweifaller Straße Nr. 23 6 >.

Abb. 37: Ansicht Zweifaller Straße 23 • 1977

48


Ansicht z we1faller • Straße Nr. 21

Ansicht von d er V1cht • Nr. 23

Schnitt A-A Schnitt 8-B

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Zweifaller Straße Nr. 21 /23

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Kellergeschoß

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Ab b. 38: Blick von der Burg auf das Teilgebiet · ca. 1935

Anmerkungen

1 Französische Katasterkarte

2 Meigen-Plan

3 Zeichnung Adolf Bastin

4 Handriß zum Preußischen Urkataster

5 Preußischer Urkataster

6 Preußischer Grundsteuer-Kataster

7 Akten der Stadl Stolberg, Stadtbauamt

8 Foto Privatarchiv G. v. d. Weiden , Stolberg-Büsbach

9 Foto Haus Zweifaller Str. 15

10 Chronik

1808 (Abb. 40)

1811 (Abb.41)

1834 (Abb. 46)

ca. 1858 (Abb. 3)

1859/60

1859/60

ca. 1900 (Abb. 42)

ca. 1900 (Abb. 30)

Nachweis der Planverfasser der Bauaufnahmen. Die Aufnahmen sind Studienarbeiten

von Studierenden der Architektur der RWTH Aachen. Sie wurden durchgeführt

1976 - 1978 und befinden sich heute im Archiv des Landeskonservators Rheinland.

Stolberg

Steinweg Nr. 8 Schiffer Zweifaller Str. Nr. 5 Lützenberger

Pütz

Pollok

Hentges

Steinweg Nr. 6 Gerlach

Klubert

Luthe

Kusch

Steinweg Nr. 4 lrmen

Zweifaller Str. Nr. 7- 11 Kinas

Schrammen

Loizopoulos

Thiel

Stathakopoulos

Haparta

Lützenberger Zweifaller Str. Nr. 15 Kornes

Pollok

Beckmannshagen

Klubert

Gibbels

Hen1ges

Thielen

Kusch

Zweifaller Str. Nr. 17 Hermann

S1einweg Nr. 2 Siegert Heuer

Vierkötter

Nauenburg

lndradjaja

Zweifaller Str. Nr. 21/23 Zabel

Zweifaller Str. Nr. 1-3 Sommer

Tselentis

Schmitz, N.

Krüchlen

Vonatsos

Schäfers

Eller

lmhof

51


Abb. 40: Französischer Katasterplan von 1808 (Ausschnitt)

52

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