1977-3-4 Entwicklungsgeschichte des Oberstolberger Stadtteilbereiches "Am Neuen Markt"
1977-3-4 Entwicklungsgeschichte des Oberstolberger Stadtteilbereiches "Am Neuen Markt"
1977-3-4 Entwicklungsgeschichte des Oberstolberger Stadtteilbereiches "Am Neuen Markt"
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Entwicklungsgeschichte
des Oberstolberger
Stadtteilbereiches
»Am Neuen Markt«
Die Bezeichnung »Am Neuen Markt« findet
sich schon auf den ersten preußischen Katasterplänen
aus den Jahren 1859/60 als
Flurbenennung (Abb. 3). Umrissen wird mit
diesem Namen ein Gebiet, das klar begrenzt
wird nach Norden durch den Steinweg
, nach Osten durch den Vichtbach,
nach Süden durch den Vorplatz des Hofes
»Schart« und schließlich nach Westen
durch die Zweifaller Straße im Bereich des
»Neuen Marktes«.
Die Auseinandersetzung mit diesem Stadtteilbereich
Oberstolbergs hat einen aktuellen
Anlaß; die neuesten Sanierungsund
Umstrukturierungsabsichten der Kommune
ließen es notwendig erscheinen, die
Stadtentwicklungs- und Baugeschichte des
gesamten Stadtbereichgefüges wie der einzelnen
Bauwerke zu erforschen , bevor
möglicherweise unwiederbringlich wichtige
Spuren der Historie getilgt werden .
Schon die ersten oberflächlichen Analysen
der Hausfassaden zeigen die Vielfalt dieses
Stadtteilbereichs auf, die im Gegensatz
steht zu kurzfristig geplanten und gebauten
Gründerzeitvierteln mit ihrer homogenen
Fassadenaufreihung. Als Beispiele für Stolberg
seien hier die Rathausplatzumbauung
oder etwa weite Teile des Steinwegs genannt.
Die Größe der Bauten im untersuchten
Teilgebiet, ihre Lage zueinander, Stockwerkshöhen,
Dachformen und schließlich
Fensterformen und verwendete Materialien
zeigen ein lebhaftes Bild und deuten auf ein
durch verschiedene Bauepochen hindurch
gewachsenes städtisches Gefüge. Das
Au fhellen der Baugeschichte dieser Häuser
»Am Neuen Markt« versprabh somit nicht
nur die Dechiffrierung von Gebäudedaten,
sondern ebenso wichtige Erkenntnisse zu
verschiedenen Phasen der Wirtschaftsund
Sozialgeschichte des gesamten Stolberger
Raumes.
Wichtige Grundlagen zur Analyse der Bauten
wurden zusammen mit Architekturstudenten
der RWTH-Aachen erarbeitet, exakte
Bauaufnahmen von sämtlichen Häusern
wurden angefertigt. Katasterpläne aus
französischer, aus preußischer wie aus
neuester Zeit verdeutlichen als unentbehrliche
Quellen den Wachstumsprozeß des
untersuchten Stadtteilbereichs seit der Zeit
des beginnenden 19. Jahrhunderts. Für die
ältere Geschichte vor 1800 besitzen wir keinerlei
Kartenmaterial; auch die spärlichen
Archivalien können uns kein genaueres
Bild von der vorfranzösis.chen Zeit vermitteln.
Um dennoch etwas über das Alter von Bauwerken
aussagen zu können, sind wir auf
die strukturalen wie formalen Details angewiesen
, die ein Gebäude uns heute noch
vermittelt. Als wichtigste Datierungshilfen
können gelten: die Form des Baukörpers,
seine Fassadengliederung, die Struktur des
• Dachstuhles, die Art der Keller, die Tür- und
Fensterformen und schließlich etwaige
Maueranker. Der Vergleich mit entsprechenden
Formen und Strukturen datierter
Bauten einer zusammengehörigen Kunstlandschaft
läßt eine vorsichtige Einordnung
zu.
Die kunst- und baugeschichtlichen Stilepochen,
wie Gotik, Renaissance und Barock
etwa, sind zeitlich nicht allgemeingültig zu
fixieren. In Abhängigkeit unterschiedlicher
wirtschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen
entstanden vielmehr regionaltypische
Kategorien.
Als gesichert kann gelten, daß der Stolberger
Raum baukünstlerisch stark von Aachen
und der maasländischen Region beeinflußt
wurde, nicht zuletzt durch die Zuwanderung
fast aller »Kupfermeister« von
dorther.
Die Tradition des mittelalterlichen Bauens
in Aachen reichte bis in das frühe 18. Jahrhundert,
einer Zeit, in der in Italien und
Frankreich beispielsweise schon das Barock
die Renaissance verdrängt hatte. Erst
der Baumeister Laurenz Mefferdatis ( 1677
bis ca. 1744), der vermutlich italienischer
Abstammung war, gestaltete Aachens Baukunst
im Geiste der italienischen Renaissance
um . Mit den beiden Aachener Architekten
Johann Joseph und Jakob Couven
schloß eine relativ kurze und späte Epoche
( 1730 - 1795) des Barocks an.
Die folgende Untersuchung ist in sieben
Teile gegliedert. Nach der quellenbedingt
kurzen Analyse des Teilgebiets »Am Neuen
Markt« vor 1808 werden mit der Auswertung
des französischen Katasterplans um
1808 die Besitzverhältnisse in diesem
Stadtbereich aufgezeigt. Nachfolgend wird
die wirtschafts-, sozial- und baugeschichtlich
wichtige Phase der Textilfabrikation in
Stolberg untersucht; das Gebiet »Am Neuen
Markt« und die in dem französischen Kataster
als Tuchfabrikanten erscheinende
Familie Offermann sollen dabei beispielhaft
stehen für die Entwicklung im Stolberger
Tal. Erst der folgende Überblick über die
Technik der Tuchherstellung und den Handel
mit Tuchen im 18. und zu Beginn des
19. Jahrhunderts ermöglicht es, in dem anschließenden
Abschnitt die Bauten der Fabrikantenfamilie
Offermann in dem bauund
familiengeschichtlichen, wie auch in
dem technik- und wirtschaftshistorischen
Zusammenhang darzustellen. Die veränderten
Funktionen im Teilgebiet »Am Neuen
Markt« nach 1826 werden anschließend
untersucht. Zum Abschluß wird der Bedeutungsverlust
begründet, den dieser Oberstolberger
Stadtbereich seit Beginn unseres
Jahrhunderts erfahren hat.
Das Teilgebiet
»Am Neuen Markt« vor 1808
Auf die ältesten Bauten in dem von uns untersuchten
Gebiet »Am Neuen Markt« weisen
die Strukturen des tonnengewölbten
Kellers unter dem Hause Steinweg 6 und eines
ähnlichen Kellers unter einem Teil des
heutigen Hauses Steinweg 4 hin. Das Haus
Steinweg 4 wurde später vergrößert und
baulich stark verändert, so daß von dem alten
Bauwerk zur Zeit nichts mehr zu erkennen
ist. Das durch eine später überbaute
Tordurchfahrt östlich anschließende Haus
Steinweg 6 weist wahrscheinlich noch den
Baukörper des Ursprungsbaues auf.
Eine zeitlich exakte Einordnung dieses Gebäudes
anhand seiner Baustruktur und seiner
Baudetails muß schwerfallen, da sowohl
Stilmerkmale der Gotik wie der Renaissance
vorhanden sind. Einerseits weisen
das hohe, steile Satteldach und die
später beschriebenen Kreuzstockfenster
noch auf gotische Bautradition hin, andererseits
zeigt die zum Steinweg hin trautständige
Anordnung des herrschaftlichen
Baues, seine strenge achsiale Aufteilung
und die Staffelung seiner Geschoßhöhen
die deutliche Hinwendung zu Formen der
Renaissance.
Auf den angedeuteten , langwährenden Ablösungsprozeß
vom mittelalterlichen Bauen
weisen die spätgotischen Fensterformen,
die vor allem an der Rückfassage des Hauses
Steinweg 6 noch erkennbar sind; außer
über der einen Achse über der Tordurchfahrt
sind ausschließlich Kreuzstockfenster
nachweisbar. Diese Rechteckfensterwaren
ursprünglich durch ein Steinkreuz, dessen
waagerechter Balken in halber Höhe saß, in
vier Felder geteilt. Die unteren Felder waren
ehemals mit äußeren Holzladen geschlossen.
Das niedrigere 2. Obergeschoß, ein
»Mezzaningeschoß«, wies »halbe« Kreuzstockfenster
auf; die quadratischen Öffnungen
waren hier nur durch einen senkrechten
Steinpfosten in zwei Felder unterteilt.
Das gesteigerte Lichtbedürfnis der Barockzeit
oder des Klassizismus ließ hier wie anderenorts
die steinernen Fensterunterteilungen
verschwinden .
Diese Fenstertypen wurden in Stolberg
etwa in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts
abgelöst durch Gewändeformen, die
als »italienische« Fenster auch in Aachen
durch den schon genannten Baumeister
L. Mefferdatis weite Verbreitung fanden. Es
waren dies hohe Rechteckfenster, die
durch kein Steinkreuz mehr verstellt waren .
Der Sturz wurde als scheitrechter Bogen
ausgebildet, mit zur Mitte hin höher werdenden
Steinen bei geradem unteren Abschluß.
Die Form der Sturzsteine erfüllte sowohl
statische als auch formale Ansprüche.
Das im Jahre 1724 errichtete Herrenhaus
»Rosenthal« weist ebensolche Fensterformen
auf, wie das 1726/27 gebaute Wohnhaus
des Hofes »Stöck«; bekannt sind auch
viele in dieser Zeit »nach neuester Mode« \
veränderte Fassaden, wie die der »Adler-
53
Apotheke« (Burgstraße 21) des »Bleimann«-Hofes
(Burgstraße 39) und wahrscheinlich
des Straßenbaues des alten Hofes
»Krone«. Die große Zahl auch ungenannter
Beispiele dieser Fensterformen
weist darauf hin , daß in den 20er und 30er
Jahren des 18. Jahrhunderts in Stolberg
bedeutende Baumaßnahmen vorgenommen
wurden.
Die Lage des Hauses Steinweg 6, mit dem
rechtwinklig dazu am Vichtbach liegenden
Nebengebäude, das ehedem wahrscheinlich
ein Werktrakt war, die Struktur des
Hauptbaues und das angedeutete Baualter
sprechen dafür, hier einen der in Stolberg
zahlreichen »Kupferhöfe« zu erkennen. Der
Vergleich mit dem ersten Schleicherschen
Hof (Burgstraße 21) von 1575 und dem Hof
»Rose« am Markt/Ecke Vogelsangstraße
weist zahlreiche Strukturübereinstimmungen
auf. Diese Kupferhöfe in der Burg- und
Vogelsangstraße sind im Zeitraum von
1575 bis etwa 1650 entstanden. Eine alte
Karte über die Wasserverhältnisse im Vichttal
zwischen 1652 und 16721. die zumin
dest in unmittelbarer Vichtnähe alle vorhandenen
Mühlen und Hofanlagen verzeichnet,
zeigt westlich der Vicht im Bereich der
»Brück« (Vichtbrücke am westlichen Ende
der Burgstraße) keinerlei Bebauung auf. So
ist zu folgern, daß das Haus Steinweg 6 mit
einem zur Vicht gelegenen Werkbau zu einer
Hofanlage gehörte, die zwischen 1672
und etwa 1720 erbaut wurde. Die bedeutende
wirtschaftliche Blüte der Messingverarbeitung
im Stolberger Tal nach den
Kriegswirren des 17. Jahrhunderts engt die
Datierung der Erbauungszeit des Hofes auf
den Zeitraum zwischen 1700 und 1720 ein .
Unerklärlich bleibt, warum es zu diesem immerhin
baukünstlerisch anspruchsvollen
Hof keine bekannten archivalischen Quellen
gibt, werden doch nahezu alle anderen
»Kupferhöfe« in der Literatur ausgiebig namentlich
benannt oder zumindest in Zusammenhang
mit der Familiengeschichte
verschiedener »Kupfermeister« erwäh_nt.
Aufgrund der besonderen religionsgeschichtlichen
Entwicklung in der Unterherrschaft
Stolberg liegt die Vermutung nahe,
daß auf diesem Hof Steinweg 6, ebenso wie
auf dem möglicherweise gleichzeitig erbauten,
unmittelbar benachbarten Hof »Krone«,
»Kupfermeister« arbeiteten, die nicht
zu den reformierten mächtigen Familien
»Clans« der Zeit gehörten, sondern lutherischen
Glaubens waren.
Ein weiterer Bau eines »Kupferhofes« mag
sich dereinst auch über den geräumigen
Tonnengewölben des alten Kellers von
Haus Steinweg 4 erhoben haben, zu dem
gleichfalls ein rechtwinklig gelegener Arbeitstrakt
gehört haben kann. In der Gruppierung
dieser drei angesprochenen Höfe,
»Krone«, Steinweg 4 und Steinweg 6 ist
möglicherweise das Stolberg-Typische von
gemeinschaftlich arbeitenden, familiengebundenen
Werkgemeinschaften zu sehen.
Zahlreiche Beispiele solchen Hof-Verbundes
zwischen »Bernhardshammer« und
dem Gebiet der »Mühle« waren strukturierend
für die Besiedlungsform des Stolberger
Vichttales.
Die Besitzverhältnisse im Teilgebiet
»Am Neuen Markt« um 1808
Das bisher zur Bebauu ng des untersuchten
Stadtteilbereiches Gesagte muß bis zum
Ende des 18. Jahrhunderts vorsichtige
Deutung bleiben . Erst der französische Katasterplan
von 1808 (Abb. 40)2 mit dazugehörigen
Liegenschaftsbüchern 3 sowie
der im Jahre 1811 gestochene Plan des
exakt zeichnenden Insektenforschers J. E.
Meigen (Abb. 41 )4 geben genauere Auskunft
über den Umfang der Bebauung sowie
über deren Besitzerstruktur.
Das untersuchte Stadtteilgebiet gehörte ab
1794 zur »Mairie de Stolberg« des französischen
Roer-Departements und bildete
nach jahrhundertelangen Territorialstreitigkeiten
zwischen der Unterherrschaft Stolberg
und der Abtei Kornelimünster erstmals
mit dem Burgbereich und dem Mühlener
Teil eine fest gefügte rechtl iche Gemeinschaft.
Zur besseren Verwaltbarkeit ihrer
neu gewonnenen Provinz überwand die
französische Verwaltung die territoriale
Zersplitterung der Rheinlande und erstellte
u. a. Katasterpläne mit erläuternden Flurregistern
und Steuertabellen.
Die »Mairie de Stolberg« war in vier Kataster
»Sections« unterteilt. Das Gemeindegebiet
etwa südlich des Hofes »Grünental« wurde
als »Section D. ditte du Chateau« bezeichnet.
Der im Maßstab M. 1 :2 500 ausgeführte
»plan geometrique« weist durch verschiedene
Farben oder Zeichen unterschiedliche
Nutzungsarten der Parzellen
aus. Häuser (»maisons«) werden als rote
Flächen dargestellt, Hofplätze sind in
Braun , Gewässer in Blau und Äcker, Wiesen,
Gärten, Obsthaine in Grün, mit unterschiedlicher
Struktur angelegt. Da bebaute
Parzellen als rote Flächen erscheinen, sind
Gebäudekanten nur bei einer Totalüberbauung
gegeben.
Für das von uns untersuchte Gebiet lassen
sich mit Wahrscheinlichkeit lediglich die
Bebauungslinien entlang dem Steinweg,
dem Vichtbach und einem öffentlichen
Weg in Richtung Zweifall , der heutigen
Zweifaller Straße entsprechend , feststellen.
Die charakteristische trapezartige Form des
heutigen Gebietes »Am Neuen Markt« ist
auf dem französischen Katasterplan schon
abgebildet. Mit den Parzellen Nr. 596,
Nr. 601 , Nr. 602 besaß der Tuchfabrikant
(»fabr. de draps«) Paul Offermann
mehr als drei Viertel dieses Bereichs. Sein
Grundstück Nr. 596 wurde als »maison«
und »fabrique« besteuert, die Parzelle Nr.
601 als »jardin«, und Nr. 602 als »fabrique«
mit eingezeichneter Vichtbrücke. Kleinere
Parzellen lagen nördlich abschließend am
Steinweg. So das Grundstück mit dem
Haus des Theodore Hamacher (»journalier«)
an der Vichtbrücke zur Burgstraße,
welches in dem giebelständig zur Vieh! stehen_den
Altbau der heutigen Bäckerei Abels
wiederzuerkennen ist und das einen zweigeschossigen
Mansarddachanbau zum
Steinweg besaß 5 ; laut versetztem Keilstein
war der Anbau in das Jahr 1778 zu datieren.
Die Häuser auf den Parzellen Nr. 597 und
Nr. 598 waren der Witwe des Geoffroy
Flaam zugehörig . Eigner der mit der Nummer
598 zusammen genannten Parzelle Nr.
599 war der Landwirt Theodore van Geulpen
(»cultivateur«), der gleichzeitig Besitzer
des Stolberger Gutes »Scheuer« und umliegender
Ländereien war.
Eine Gerichtsakte aus den Jahren 1782-84
behandelt den Rechtsstreit zwischen der
Witwe des Bartholomäus Wenn und den
Beklagten Wilhelm Albert Flaam und Theodor
van Gulpen betreffs Erbauung eines
Stalles am sogenannten Steinweg 6 . Hieraus
geht hervor, daß W. A. Flaam und Miterbe
Godefried Flaam als »Leibzünftige« Eigner
dem Landwirt T. van Gulpen »die Behausung
Steinweg« verpachtet und ihm
den Bau eines Kuh- oder Pferdestalles gestattet
hatten, damit er, van Gulpen, »seine
Handhabung betreiben kann«. T. van Gulpen
hatte diesen Stall nahezu vollendet,
»nur in blassem Holzwerck aufgeführt, kein
Grundbau«. Gegen diesen Stallbau prozessierte
die Witwe des B. Wenn. Wahrscheinlich
handelte es sich in der »Behausung
Steinweg« um den Ursprungsbau
über den alten Tonnengewölben des heutigen
Hauses Steinweg 4. Der Stall lag vermutlich
auf der Parzelle Nr. 599, unmittelbar
nördlich an Offermanns Garten Nr. 601
angrenzend.
Einen begrenzten Einblick in die Belegung
der Häuser in Stolberg gestattet die Aussage
des T. van Gulpen in der obigen Prozeßakte,
in der er schreibt: »Die Pachtungen
der Häuser in der Herrschaft Stolberg
wegen des obhandenen dasigen Handels
sind ohnehin rar und gar nicht zu bekommen.«
Das Eckhaus Steinweg/Zweifaller Straße
auf der Parzelle Nr. 600 gehörte dem Jean
Pierre Schell (»marechal«). Mit den an die
»fabrique« (Nr. 602) der Offermanns südlich
anschließenden Gartengrundstücken
Nr. 603 (Schmitz, Jean Pierre; »fabr. de
draps«) und Nr. 604 (Urfeld , Jean; »perruquier«)
haben wir etwa den gesamten untersuchten
Teilbereich erfaßt und für die
Zeit um 1808 spezifiziert.
54
Abb. 41 : Meigen-Plan von 1811 (Ausschnitt)
55
Die Entwicklung des Textilgewerbes
in Stolberg unter
besonderer Berücksichtigung
der Familie Offermann
Mit der in den französischen Liegenschaftsbüchern
genannten lutherischen Familie
Offermann verband sich ein Gewerbezweig,
der in Stolberg scheinbar ohne Bedeutung
war: die Herstellung und der Han- •
del mit Tuchen. Dazu allerdings schrieb Dr.
Hugo Bastin 1936 in den Heimatblättern
des Landkreises Aachen 7 : »Das Tuchmachergewerbe
scheint in Stolberg weit eher
bodenständig geworden zu sein als die von
reformierten Familien überlieferten Nachrichten
aus dem 18. Jahrhundert, daß ihre
Söhne angesichts der Übersättigung des
Messinggewerbes zur Tuchmacherei übergegangen
seien, vermuten ließen. Die Eifersucht
zwischen den beiden evangelischen
Konfessionen, die beide bessere Beziehungen
zur katholischen Gemeinde als untereinander
unterhielten, scheint dazu geführt
zu haben, zu verschweigen, daß die
lutherischen Familien das Tuchmachergewerbe
in Stolberg schon lange vorher betrieben
.« Die Fülle an Veröffentlichungen
über das Messinggewerbe in Stolberg steht
in der Tat im Gegensatz zu den wenigen literarsichen
Quellen zu der dortigen Tuchmacherei.
Um die Bedeutung zu erkennen , die das
Textilgewerbe für Stolberg gehabt hat, ist es
notwendig, sich einerseits mit der Familiengeschichte
der gewerbetragenden »Clans«
auseinanderzusetzen und andererseits die
Entwicklung der Tuchherstellung in der
Nordeifel aufzuzeigen.
Da es sich in dieser Schrift um einen historischen
Überblick über ein Teilgebiet vori
Stolberg handelt, soll der dort auftretenden
Familie Offermann als Tuchfabrikanten unser
besonderes Interesse gelten.
Die Familiengeschichte
der Tuchmacher Offermann
und ihre Besitzungen in Stolberg
Zu Ende des 16. Jahrhunderts erschienen
in lmgenbroich Offermanns als Landwirte,
sie gehörten der katholischen Konfession
an. Die Entstehung des Familiennamens
erklärt P. Schreiber8 damit, daß »ihre Vorfahren
in der altehrwürdigen Kirche zu Konzen
die Opfergaben als Küster einholten.«
Weiter schreibt er: »Bezeichnend ist auch ,
daß ein altes Familienwappen der Offermanns
eine opfernde Hand darstellt, die
eine Münze in einen Opferstock fallen läßt,
worunter ein Tier abgebildet ist, das wohl
ein Lamm darstellt, eben wegen seiner Wolle,
die in der Tuchmacherei verarbeitet
wird .«
Eine entscheidende Wende in der Familiengeschichte
trat ein, nachdem um 1640
der Großbauer Christian Offermann ( 1600 -
1688) mit seiner Frau und neun Kindern
zum lutherischen Glauben konvertierte.
Erst der Sohn Petrus (geb. 1640), eines die-
ser neun Kinder, begründete die Tuchmacherei
nach seiner Heirat mit einer Anna
Schroeders »von den Höfen«. Petrus Offermann
wurde damit der Schwager des
Tuchlabrikanten Petrus Schmitz (1600 -
1680) in Monschau. Wie die Chronik
schreibt, hatte die a[lgesehene Aachener
Familie Schmitz wegen ihres lutherischen
Glaubens und den damit verbundenen Religionsverfolgungen
aus Aachen weichen
müssen. Arnold Schmitz, der Vater des Petrus,
gründete in dem Flecken Monschau
die erste Feintuchfabrik, auf die alle späteren-
Fabrikgründungen zurückzuführen
sind . Durch die verschiedensten Heiraten
wurden die verwandtschaftlichen und damit
die geschäftlichen Beziehungen zwischen
den Familien Schmitz und Offermann immer
enger.
Auch die Familien Schlösser, Troistorff, Elbers
und Scheibler heirateten in diesen
Kreis ein und betrieben fortan in Monschau
die Feintuchfabrikation. Johann Heinrich
Scheibler (1705 - 1765), ein im Bergischen
geborener lutherischer Pastorensohn, heiratete
nach kurzer Lehrzeit im Betrieb des
Mathias Offermann dessen Tochter Maria
Agnes und wurde nach 1724 zum bedeutendsten
Feintuchfabrikanten in Monschau
überhaupt. Durch die Verbesserung der
Fabrikationsmethode, besonders in der
Färberei und Schererei, und durch die Einführung
feinster spanischer Wolle machte
er in kurzer Zeit Monschau zu einem weltweit
führenden Zentrum der Feintuchherstellung.
Während ein Zweig der Familie Offermann
auch das Dorf lmgenbroich im 18. Jahrhundert
zu einer blühenden Stätte der
Tuchfabrikation machte, läßt sich ein zweiter
Zweig in Monschau verfolgen . Hier war
Paul Gerhard Offermann Fabrikherr über
eine gut florierende Tuchmanufaktur. Er
war nicht nur der Bruder von Johann Heinrich
Scheiblers Frau , sondern heiratete
auch 1730 dessen jüngere Schwester Maria
Margarete. Seine Firma wurde nach seinem
Tode 1759 aufgegeben. Der Grund für
die Stillegung dieser blühenden Tuchmanufaktur
ist uns nicht bekannt. Wirtschaftliche
Schwierigkeiten dürften kaum in Betracht
zu ziehen sein, familiäre und damit
gleichbedeutend ökonomische Verknüpfung
mit den Scheiblers und die allgemeine
Hochblüte der Feintuchmacherei in Monschau
zwischen 1760 und 1794 lassen diese
Begründung wenig wahrscheinlich sein .
Wir wissen lediglich , daß Bernhard Scheibler
( 1724 - 1786) in den 70er Jahren des
18. Jahrhunderts einen Teil des Hausbesitzes
in Monschau von den Erben seines Onkels
Paul Gerhard Offermann erwarb.
Die Beweggründe für das Übersiedeln des
Sohnes dieses Paul Gerhard Offermann,
des Johann Paul ( 17 43 - 1816), nach Stolberg
können daher nur vermutet werden .
Einerseits behinderte das dicht besiedelte
Rurtal in Monschau neue, erforderliche
Werkbauten zur Feintuchherstellung mit
geeigneter Wasserversorgung , andererseits
begann sich ein Mangel an Arbeitskräften
bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts
auszuwirken. Die Facharbeiter,
vor allem die Tuchscherer, gewannen an
Selbstbewußtsein, so daß es ab 1762 in
Monschau zu harten Arbeitskämpfen mit
den Feintuchfabrikanten kam .
So mag dem Unternehmer Johann Paul Offermann
der verkeh rsgünstiger gelegene
Ort Stolberg ein besserer Standort für das
Errichten einer neuen Tuchfabrikationsstätte
gewesen sein. Besonders Stolberg war
seit dem 16. Jahrhundert bekannt wegen
der dort geübten Toleranz in konfessionellen
Fragen , welche immer noch ein Problem
für die Feintuchfabrikanten in Monschau
war, was gerade bei den Schererunruhen
stark in den Vordergrund gerückt
wurde. Ebenso wie in Monschau herrschte
in Stolberg die Zunftfreiheit, die den Expansionsbestrebungen
der Fabrikanten keinerlei
Beschränkung auferlegte. Die starken
und noch reinen , weichen Wässer des
Vichtbaches boten eine günstige Voraussetzung
für das erfolgreiche Betreiben der
Tuchherstellung . Als Energieträger konnte
die Vicht Walkmühlen antreiben, als Lieferant
qualitativ hochwertiger Wässer garantierte
sie unproblematische Arbeitsabläufe
beim Waschen , Entfetten , Bleichen und
Färben der Wolle und Tuche. Weiterhin
standen in Stolberg reichlich und daher billig
verfügbare Heizstoffe (Kohlengruben,
Waldbestände) zur Verfügung. Ein nicht zu
unterschätzender Aspekt für die Gründung
neuer Tuchfabriken in Stolberg nach der
Mitte des 18. Jahrhunderts war außerdem
in der ständig wachsenden Zahl von arbeitslosen
Bürgern und damit billigen Arbeitskräften
zu sehen .
Das Stolberger Messinggewerbe erlebte in
• den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts
seine Blütezeit. In der Folge ging die
Produktion stetig zurück. Dieser ständige
Rückgang wurde hauptsächlich verursacht
durch die Entstehung zollpolitisch geschützter
Wettbewerbsunternehmen im
Ausland. Zusätzlich machte sich eine Übersättigung
an »Kupfermeistern« im Stolberger
Tal bemerkbar, so daß bald nicht mehr
alle Söhne der Messingfabrikanten in diesem
Gewerbe verbleiben konnten. Deren
Auswanderung trat jedoch ein schwerwiegender
wirtschaftlicher Grund entgegen.
Der Besitz der »Kupfermeister« bestand
hauptsächlich aus Werkanlagen und Liegenschaften.
Dem Umsetzen dieser Kapitalform
in bares Geld war der Umstand hinderlich
, daß der verminderten Nachfrage
ein vemehrtes Angebot gegenüberstand.
Schon 1719 verwandelte Matthias von
Asten den hinter der Schart gelegenen
»Knautzenhof« in die erste Stolberger
Tuchmanufaktur. Weiter wurden Mitglieder
der Familie Peltzer als Tuchmacher benannt,
im besonderen Heinrich Peltzer, der
1754 die Messingherstellung einstellte und
Tuchhandel und Cochenille-Rotfärberei
begann . Ein Brief des Isaac Peltzervom 14.
Mai 1779 9 gibt ein anschauliches Bild von
56
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Abb. 42: Blick vom Hammerberg • ca. 1900
der wirtschaftlichen und sozialen Situation
in Stolberg in dieser Zeit. Er schreibt: »Die
Einführung des Tuchgewerbes war für die
damalige Wirtschaftslage unseres Ortes
von großem Vorteil.« Weiter heißt es bei
ihm, daß die Unterherrschaft durch die
neue Industrie »in grossen Flor gerathen«,
viel stärker bevölkert und ausgebaut worden
sei und daß schließlich viele Leute »bis
zu jungen Kindern ... vom Bettelstab abgekom
men« seien und »Arbeit zu ihrem Auskommen«
gefunden hätten. Trotz der vermehrten
Bautätigkeit in Stolberg waren die
Häuser seiner Aussage nach so besetzt,
»daß keiner mehr daselbst wohnung finden
kan« . Isaac Peltzer benennt auch die bedeutendsten
Tuchfabrikanten mit »H. Faber
und Stoltenhof, welche mit ausländische
webers, schörers etc. die fabricq anfingen .«
Über die von Isaac Peltzer genannte ebenfalls
lutherische Sippe der Stoltenhoff
schließt sich der familiengeschichtliche
Kreis zu den Monschauer Offermanns.
Der aus dem Bergischen stammende Heinrich
Christian Engelbert Stoltenhoff ( 1712 -
1771) 10 richtete in Eschweiler um die Mitte
des 18. Jh. eine Tuchfabrik ein . Sein Sohn
Anton Sebastian ( 1745 - 1816) kaufte nach
dem Tode des Vaters den Hof »Krone« in
Stolberg am Steinweg, in dessen großem
Hofe er eine eigene Tuchfabrik einrichtete.
Wahrscheinlich waren schon frühere Investitionen
in den »Krone«-Hof durch die Familie
Stoltenhoff vorgenommen worden ,
denn der dreigeschossige nördliche Flügelbau
mit Mansarddach zeigte in den
Mauerankern die Jahreszahl 1765 (abgebrochen
1976). Für einen Besitzerwechsel
in diesem Jahr spricht auch eine »acta betreffend
den gerichtlichen Verkauf des zu
Stolberg an der Brück gelegenen dem Joh.
Bernard Rütger Schmitz zugehörigen Hauses
. .. die »Krohn« genannt ...« 11 . Am 7.
Dezember 1764 sollte das Anwesen an den
Meistbietenden verkauft werden . Genannter
J. B. R. Schmitz betrie_b wahrscheinlich
ebenfalls in der »Krone« eine Tuchmanufaktur.
Seine Verwandtschaft mit der ersten
Feintuchmacherfamilie in Monschau,
Schmitz, gilt als wahrscheinlich. Mit seinen
16 Kindern aus zwei Ehen geriet J. B. R.
Schmitz in Zahlungsschwierigkeiten, so
daß es zu dem Verkauf der »Krone« kam.
Die Übersiedlung seiner Familie in den bedeutend
kleineren »Knautzenhof« kann aus
den Angaben des französischen Katasters
geschlossen werden.
Im Jahre 1771, also zur gleichen Zeit als ihr
Bruder Anton Sebastian Stoltenhoff den
Hof »Krone« erwarb, heiratete Anna Christina
( 1751 - 1825) in erster Ehe den Johann
Heinrich Färber ( 17 45 - 1777), einen lutherischen
Tuchfabrikanten aus Monschau; er
verstarb wenig später im Jahre 1777. Er war
vermutlich der zweite bedeutende Tuchfabrikant
(»H. Faber«) den Isaac Peltzer in
seinem oben erwähnten Brief benannte . Wo
dieser Faber oder Färber in Stolberg die
Tuchmacherei betrieb, ist nicht überliefert.
In zweiter Ehe verband sich Anna Christina
Stoltenhoff im Jahre 1779 mit Johann Paul
Offermann ( 17 43 - 1816), einem Sohn jenes
Paul Gerhard Offermann, dessen
Tuchfabrik in Monschau nach seinem Tode
1759 aufgegeben worden war. Die Ehe zwi
schen Peter Paul Offermann ( 1785 - 1832),
Sohn des Johann Paul Offermann , und Marie
Antoinette Stoltenhoff verknüpfte in der
folgenden Generation beide Sippen noch
fester. So verwundert es nicht, daß diese
beiden Familien die Tuchmacherei und den
Tuchhandel in einer engen Werkgemeinschaft
betrieben, die sich auch in der räumlichen
Zuordnung der Fabrikgebäude bzw.
der Fabrikantenwohnhäuser widerspiegelte.
Die Hofanlage der »Krone« einerseits und
das unmittelbar benachbarte Haus Steinweg
6 andererseits umfaßten allerdings
nicht den gesamten Besitz dieser Tuchmacherfamilien
. Der in Vieh! gelegene »Henningshammer«
wurde 1775 von den Stoltenhoffs
zur Anlage einer Walkmühle erworben
. Über weitere Besitzungen im Stolberger
Ortsgebiet gibt uns der französische
Kataster von 1808 einen umfassenden
Überblick. Die 1784 neuangelegte Färberei
der Stoltenhoffs, die einzige übrigens zu
französischer Zeit auf Stolberger Gebiet,
bezeichnet mit der Parzellennummer 36
etwa die Stelle der heutigen Häuser Steinweg
Nr. 38/40/42. Denkbar ist, daß die
»alte« Färberei zuvor in dem Vichtbachtrakt
des Hauses Steinweg 6 untergebracht war;
ein
Gewände mit Segmentbogen und
Schlußstein auf Vichtbachniveau deutet auf
eine gewerbliche Nutzung hin .
Von der schon genannten Parzelle Nr. 602
des französischen Katasterplans, einer »fabrique«
der Offermanns, führte eine Brücke
zur Sehartstraße hinüber und schlug eine
wichtige Verbindung zu den rechts der
Vicht bestehenden Werkbauten der Offermanns.
Auf der Parzelle Nr. 549, gelegen in
einem vermutlich älteren Hof am Fuße des
Finkenberges, mit Anschluß an den hinter
der »Schart« verlaufenden Mühlenkanal,
bestand eine weitere »fabrique de draps«
(Tuchfabrik). Die »moulin a cu ivre« (Kupfermühle
mit einer Welle) des Johann Paul
Offermann auf Nr. 556a teilte sich mit der
»moulin a calamine« (Galmeimühle) des
Leonard Lynen auf Nr. 556b eine Parzelle.
Möglicherweise stellte der Fabrikant Offermann
in diesem Hammerwerk die zum Färben
benötigten großen Messingkessel her.
Die Produktion dürfte sicherlich den Eigenbedarf
der Stoltenhoff/Offermannschen
Färberei überstiegen haben. Der Überschuß
wird in den Verkauf gegangen sein.
Außerdem ist hier in diesen Mühlenbetrieben
eine Schleifanlage zu vermuten, welche
zum Schleifen der großen Schermesser
diente.
Außer den Wohn- und Werkanlagen der Offermanns
wie der Stoltenhoffs weist der
französische Katasterplan unbebaute Ländereien
der Familien aus. Der Hof »Krone«
war westlich umschlossen von Stoltenhoffeigenen
Wiesen , Gärten und sogar von einem
im Stol berger Tal seltenen Stück
Ackerland . Das nach Süden zu schmäler
verlaufende Ortsgebiet der »Mairie de Stolberg«
oberhalb »Binsfeldhammer«, zwei
57
sehr ausgedehnte Wiesengrundstücke
links der Vicht gelegen, war im Besitz der
Familie Offermann, die sich damit möglicherweise
den Baugrund für projektierte
Werkanlagen, wie eine Walkmühle oder
eine Färberei, in günstiger Lage gesichert
hatte. In dem von uns untersuchten Teilgebiet
»Am Neuen Markt« lag zwischen den
bebauten Parzellen der Offermanns deren
schon benanntes Gartenstück Nr. 601. Zusätzlich
gehörten noch drei weitere Parzellen
in unmittelbarer Nähe zu den umfangreichen
Besitzungen der Familie Offermann
. Die Grundstücke Nr. 620 und
Nr. 621 , westlich anschließend an den öffentlichen
Weg nach Zweifall , überdeckten
etwa die Grundfläche des heutigen Oberstolberger
»Neuen Marktes« und wurden
als »verger«, als Obst- oder Baumgärten
bezeichnet. Auf der Parzelle Nr. 621 befand
sich ein kleines Bauwerk mit quadratischem
Grundriß, das sich einwandfrei als
Gartenhäuschen bestimmen ließ. Ein
schmäleres Gartengrundstück, Nr. 622,
schloß den Obstgarten auf ganzer Breite
nach Westen gegen Büsbach hin ab.
Tuchherstellung und Tuchhandel
in Stolberg im 18. Jahrhundert und
zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Zur Klärung der Standorte verschiedener
aufgeführter Tuchmacherbauten sowie ihrer
Funktionszusammenhänge soll kurz die
Technik der Tuchherstellung erläutert werden
.
Die Hinweise auf die Verarbeitung spanischer
Wolle in Stolberg schließen im 18.
Jahrhunoert die großgewerbliche Herstellung
von »Grob«-Tuchen aus Wolle der Eifelschafe
aus . Der Stolberger Feintuchfabrikant
kaufte in Amsterdam Wolle, die per
Wasser- oder Landweg zu den eigenen
Werkanlagen transportiert wurde. Nach
dem Brühen, zum Lösen des Wollschweißes,
wurde die Wolle in kaltem Wasser reingespült
und im Anschluß in der Regel sofort
gefärbt. (Das Färben von fertigen Tuchen
im Stück wurde jedoch ebenfalls angewandt).
Die Echtheit und das Feuer der Farben
waren mitentscheidend für den Handelswert
der Tuche. Das Färben selbst geschah
in offenen, durch Feuer geheizten
Kesseln aus Messing unter Verwendung
der damals bekannten natürlichen Farbstoffe.
Nach dem Färben wurde die Wolle an der
Luft getrocknet und zum Verspinnen durch
Schmieren mit Butter oder durch Besprengen
mit Rüb- oder Olivenöl geschmeidig
gemacht. Vor Einführung der ersten Spinnmaschine
gegen Ende des 18. Jh. und der
wenig später aufgestellten mechanischen
Webstühle wurde dieser Arbeitsprozeß wie
auch das anschließende Weben im Verlag
durchgeführt. Denn es war für den,Tuchfabrikanten
viel wirtschaftlicher, dem Spinner
und Weber die abgewogene Wolle und die
Zutaten zugehen zu lassen und ihn anzuweisen,
wie er das Tuch zu verfertigen hätte.
Der Tuchfabrikant über:-ließ also das mit
dem Spinnen und Weben verbundene Risiko
den sogenannten »Baasmeistern«, den
überwiegend limburgischen Meistern dieser
Gewerke.
Erst die das fertige Gewebe verfeinernde
Appretur wurde vom Tuchfabrikanten in eigenen
zentralisierten Werkanlagen ausgeführt.
Seinen festen und geschlossenen
Tuchcharakter wie auch seine richtige Breite
erhielt das Gewebe durch das Verfilzen,
»Walken« genannt. In der Walkmühle wurde
das Tuch durch schwere wasserradgetriebene
Holzhämmer in einem »Kumpf«
gequetscht. Da die Anlage einer solchen
Mühle erhebliche Mittel erforderte, konnte
sie sich nur ein größerer Fabrikant leisten.
Nach dem Walken wurde das Tuch gründlich
gewaschen und dann durch Ausspannen
auf große Holzrahmen an der Luft getrocknet
und geweitet. Bei feuchter Witterung
wurde alternativ im »Stochrahm«
(»rame a chauffer«) gearbeitet, einem
Trockenraum, der von Öfen durchwärmt
wurde. Das auf den Rahmen getrocknete
Tuch war nun fertig; ein Grobtuchfabrikant
brachte seine Ware oft in diesem Zustand in
den Handel. Für den Feintuchfabrikanten
begann erst jetzt der wichtigste Teil der
Ausrüstung: das Rauhen, Scheren und
Pressen , eine Behandlung, durch die das
Tuch jenes schöne, glatte Aussehen erhielt,
das es für den gehobenen Verbrauch erst
marktfähig machte.
Vor Einführung der Rauh- und Schermaschinen
zu Beginn des 19. Jh. geschah das
Rauhen unter Benutzung von Karden, einer
in Südfrankreich wachsenden Distelart.
Das Scheren geschah mit einer Art größerer
Schafschere, wobei das Tuch glatt auf einem
gewölbtem Tisch lag. Da sorgfältiges
Scheren für das Tuch außerordentlich
wichtig war und das Aussehen und damit
der Verkaufswert des Tuches davon abhingen,
waren die Scherer sich der Wichtigkeit
ihrer Stellung im Herstellungsprozeß bewußt.
Nach meist mehrmaligem Scheren
wurden die Tuche zum Abschluß gepreßt.
Den Vertrieb der fast ausschließlich in den
Export gehenden Waren führte der Tuchfabrikant
in seiner Eigenschaft als Händler allein
durch. Um die Mitte des 18. Jh. war das
Hauptabsatzgebiet der Stolberger Tuchmacherfamilie
Peltzer Rußland; dort gründete
diese Familie auch eigene Fabriken.
Aber auch süddeutsche Märkte wurden erschlossen.
Eine Archiv-Akte des Jahres
1791 »betreffend den nach Bayern und
München zu beginnenden Handel seitens
der Tuchfabrikanten und Commerciellen zu
Stolberg 12 « nennt uns drei Fabriken bzw.
Fabrikantengruppen: » 1. Ferber, Stollen
hoff und Offermann, 2. Joh. Wilh. Scheibler
und 3. Mögling, Smits und Chandon.« Der
französische Kataster wies 1808 die drei
uns schon bekannten Feintuch-Fabrikanten
Stoltenhoff, Schmitz und Offermann
aus, die noch in den Handels- und Gewerbeakten
der preußischen Reg ierung von
1816 genannt werden 13 . Hierin heißt es:
»Stollberg hat ferner 3 beträchtliche Tuchfabriken
deren Besitzer sind: Joh. Paul Offermann
, Ant. Sebast. Stoltenhoff und Joh.
Wilh. Schmitz. Jeder derselben unterhält eigene
Spinn-, Rauh- und Schermaschinen.
Die ersteren bestehen in 14 Assortiments.
In den 3 Fabriken werden jährlich 14 000
metrische Zentner Wolle verarbeitet und
4 000 Stck. Tücher oder 6 000 Stck. Casimir
von 30 bis 35 brabanter Ellen verfertigt.
Diese Waaren werden in das nördliche
Deutschland, Polen, Rußland , größtenteils
aber nach Italien versandt. Ungefähr 600
Menschen werden darin beschäftigt.« Damit
hat das Textilgewerbe nach der französischen
Zeit für die arbeitende Bevölkerung
Stolbergs nahezu die Bedeutung des Messinggewerbes
erreicht, in dem 800 - 900
Menschen beschäftigt waren.
Über den Niedergang der großen Stolberger
Tuchfabrikanten schreibt J. Kermann in
seiner Dissertation »Die Manufakturen im
Rheinland 1750 - 1833« 14 folgendes:
» 1826 fallierte die Tuch- und Kasimirmanufaktur
Johann Paul Offermann und Söhne,
die zu den vorzüglichsten Betrieben dieser
Art in Stolberg gezählt wurde und neben der
eigenen Weberei auch Spinnmaschinen,
eine Färberei und eine Walkmühle besessen
hatte. Die Firma hatte 1825 allein für
600 000 frs. Wolltuch nach Alvarado (Nicaragua,
Anm . d. Verf.) gesandt. Die ,fehlgeschlagenen
Sendungen nach Amerika, sollen
mit die Hauptursache für den Fall gewesen
sein . Gleichzeitig stellte auch die Tuchund
Kasimirmanufaktur Johann Wilhelm
Schmitz die Produktion ein, die ebenfalls zu
den vorzüglichsten Betrieben dieser Art gezählt
worden war; wahrscheinlich war sie an
dem fehlgeschlagenen Überseegeschäft
beteiligt. Um 1830 war von den bedeutenden
Betrieben nur noch die Firma Gebr.
Stoltenhoff übriggeblieben, die zu jener Zeit
u. a. eine eigene Spinnmaschine, Färberei
und Walkmühle besaß. Sie beschäftigte
1836 225 Arbeiter und noch zuzüglich 16
Arbeiter in ihrer Walkmühle zu Gressenich.«
Neben der starken vollmechanisierten
Konkurrenz in England und weitreichenden
Zollbeschränkungen in vielen
Ländern kann man die Finanzpolitik der
Tuchfabrikanten für ihren Niedergang verantwortlich
machen. Hierzu erläuternd bemerkt
E. Barkhausen in seinem Buch »Die
Tuchindustrie in Montjoie« 15 : »Nach unseren
heutigen Begriffen ist es nicht gesund,
fast das Doppelte eines Jahresumschlags
bei der Kundschaft ausstehen zu haben,
während man gleichzeitig um dies durchführen
zu können, fremden Kredit in Höhe
fast des eigenen Betriebskapitals in Anspruch
nehmen muß.«
58
/
Abb. 43: Oberstolberg • Handskizze von 1769
Die Bauten der
Tuchmacherfamilie Offermann im
Stadtteilgebiet »Am Neuen Markt«
Wie in Monschau, so entfaltete sich auch in
Stolberg etwa ab 1760 unter den Feintuchfabrikanten
eine rege Bautätigkeit. Für die
neu zugewanderten lutherischen Familien
Stoltenhoff und Offermann bot sich im weiträumig
besiedelten Vichttal die Möglichkeit,
wirtschaftlich erforderliche Konzentrationsbestrebungen
in der Tuchherstellung
baulich zu verwirklichen .
Die beherrschende bauliche Großform von
Wohn- und Werksgebäuden blieb weiterhin
vorerst die modifizierte Hofanlage. Als Beispiele
der Entwicklung in Richtung .auf
Trennung von Wohn- und Werkstätten, also
der Auflösung der geschlossenen Hofform
bei gleichzeitiger Konzentration der Tuchverarbeitungsvorgänge,
können in folgender
Reihe genannt werden:
1. die Höfe »Schart« und »Knautzenhof«
mit Umbauten innerhalb räumlich begrenzter
alter Kupferhöfe,
2. der Hof »Krone« mit 2- bis 3geschossigen
, mehrachsigen Neubauten, die mit
dem vorhandenen Wohnhaus am Steinweg
einen weiträumigen Innenhof umschlossen,
3. das Offermannsche Anwesen in dem
untersuchten Teilgebiet »Am Neuen
Markt«, das in französischer Zeit nachweisbar
ist als aufgelöster Bautenkomplex,
bestehend aus zwei sich zueinander
öffnenden U-förmigen Trakten mit
trennend dazwischengeschobenem
Garten.
Diese letztgenannte Anlage des ausgehenden
18. Jahrhunderts soll im folgenden eingehender
untersucht werden.
Das Haus Steinweg 6 blieb in dem Bauensemble
der Offermannschen Gebäude weis
terhin in seiner Eigenschaft als repräsentatives
Hauptwohnhaus erhalten und dokumentierte
damit den großbürgerlichen Anspruch
auf würdevolle Tradition des Unternehmens.
Wie bei vergleichbaren Handelshäusern
in Monschau, Aachen, Eupen und
auch Stolberg, so werden auch hier Empfangs-
und Kontorräume das Erdgeschoß
ausgefüllt haben. Der hohe, zweigeschossige
Speicher diente wahrscheinlich als Lagerraum
der wertvollen Handelsgüter, der
Wolle und der veredelten Tuche; eine noch
vorhandene Drehspindel im Dachstuhl
weist auf eine nicht mehr existierende Ladegaube
zum Hof hin.
Ungeklärt bleibt die giebelständige Darstellung
dieses Hauses Steinweg 6 auf einer
ungelenken Skizze (Abb. 43), die einen
Teil Oberstolbergs darstellt. Die Zeichnung
erläutert eine Gerichtsakte, betreffend Leonard
gegen Matthias Schleicher aus dem
Jahre 1769 16 . An ihrem rechten oberen
Blattrand ist als Winkelbau der »Krone«-Hof
erkennbar. Sein Haupthaus, das traufstän
dig zum Steinweg ausgerichtet war, erscheint
in der Zeichnung mit seiner nördlichen
Giebelfront. Rechtwinklig dazu ist ein
zweigeschossiger Trakt mit Mansardwalmdach
angeordnet. Dieser kann als jener
Werkbau gedeutet werden, der an anderer
Stelle bereits aufgrund seiner Maueranker
in das Entstehungsjahr 1765 datiert wurde.
Über dieser Gruppierung, sicherlich perspektivisch
falsch dargestellt, erhebt sich
ein weiterer, mächtigerer Mansarddachbau.
Ein zwiebeldachbekrönter Turm überragt
dieses Objekt etwa mittig seiner zur
Burg gewandten Längsseite. Anhand einer
späteren Zeichnung von Adolf Bastin aus
dem Jahre 1834 (Abb. 46) und einem
Photo von etwa 1900 (Abb. 42) läßt sich
dieser Trakt als die Offermannsche Fabrik
deuten, die der französische Kataster auf
der entsprechenden Parzelle Nr. 596 außer
einem Wohnhaus benennt, und die auf dem
Meigenplan von 1811 als nordwestlicher
Begrenzungstrakt des Offermannschen
Besitzes erscheint. Nicht nachweisbar ist
die exakte Lage und Funktion des Turmes
mit seiner Barockhaube. Zu vermuten ist
hier ein außenliegender Treppenturm, dessen
Form und Größe zusätzlich die Bedeutung
des herrschaftlichen Fabrikantensitzes
überhöhen sollte, vergleichbar ähnlichen
Turmbauten der Stolberger Hofanlagen
»Grünental« und »Steinfeld« etwa gleicher
Bauzeit. Ein solcher Treppenturm ist jedoch
auf der Offermannschen Parzelle weder auf
dem französischen Katasterplan noch auf
dem Meigenplan nachweislich.
Der nordsüdlich verlaufende, dreigeschossige
Mansarddachbau war sicherlich ursprünglich
vom Steinweg her gut erkennbar
und besaß zumindest an seiner östlichen
Längsseite neun Fensterachsen, an
den Schmalseiten zwei , möglicherweise
drei Achsen . Das einzige bekannte Aus- \\
schnittsphoto von etwa 1900 (Abb. 42)
59
dieses Baus zeigt an seiner südlichen
Schmalseite segmentbogige Fenster.
Wahrscheinlich ist, daß alle Öffnungen im
Stile des hiesigen Barock von Blausteingewänden
mit Segmentbogen- und Keilsteinabschluß
gefaßt waren. Zwei mittig in
den Schmalseiten bis über den First frei
hochgeführte Kamine faßten den wohlproportionierten
Baukörper. Allem Anschein
nach handelte es sich hier um einen Werkbau,
in dessen gutbelichteten Räumen Arbeitsstätten
von Nopperinnen, Scherern,
Rauhem und Pressem untergebracht waren
. Die unmittelbare Nähe dieser »fabrique«
zum Wohnhaus der Fabrikanten
macht wahrscheinlich , daß in diesem Gebäude
die wertentscheidenden Bearbeitungsvorgänge
in der Endphase der Appretur
der feinen Tuche ausgeführt wurden .
Ein Um- bzw. Neubau des Hauses Steinweg
4 und die vermutlich zeitgleiche Überbauung
der Tordurchfahrt des Hauses
Steinweg 6 in den späten 20er oder frühen
30er Jahren des 19. Jahrhunderts banden
die obengenannte »fabrique« in die nun geschlossene
Steinwegrandbebauung ein .
Aus einer Serie späterer Photos läßt sichrekonstruieren,
daß das Mansardwalmdach
und die oberen Geschosse dieses Bauwerks
um die Mitte der 30er Jahre unseres
Jahrhunderts abgebrochen wurden. Reste
der Bruchsteinumfassungsmauern sind jedoch
bis heute in der Sockelzone des sich
darauf aufbauenden »Burgtheaters« zu erkennen.
Vollständig erhalten ist ein parallel zum
oben beschriebenen Werktrakt am Vichtbach
gelegenes Wohnhaus. Mit ca. 0,80 m
ist es geringfügig vom Haupthaus Steinweg
6 nach Süden abgerückt. Es handelt sich
hier um ein zweigeschossiges, freistehendes
Bruchsteinhaus, das ebenfalls von einem
ausgebauten Mansardwalmdach mit
Gauben bedeckt wird . Die beiden geschlossenen
Schmalseiten des Baukörpers
werden mittig von hohen Kaminen überragt.
Die dem Innenhof zugewandte 5achsige
Westtassade aus sauber behauenen
Bruchsteinquadern weist neben einem
prächtigen, mittelachsial gelegenen Türgewände
mit ausladenden Bedachungsprofilen
Fenstergewände in Formen des Spätbarocks
auf. Dennoch ist dieses Gebäude
kein umfassender Neubau gewesen; seine
südliche Schmalseite wie die Vichtbachfassade
zeigen Spuren älterer Baustufen. Ein
großer Entlastungsbogen und eine hochliegende,
quadratische Luke mit Blausteingewände
in der südlichen Fassade geben
ebenso Hinweise auf einen älteren Werkbau,
wie das auf Vichtbachhöhe gelegene,
segmentbogig geschlossene Blausteingewände,
das an seiner Unterkante links wie
rechts je ein zur Vicht auskragendes Eisenlager
aufweist. (Um eine hindurchgesteckte
Achse war vermutlich eine Art Arbeitsbühne
klappbar, die damit weit zur Mitte der
Vicht reichte). Von handwerklich minderer
Qualität ist das Bruchsteingefüge der südli-
chen Schmalseite des Baues sowie seiner
Vichtbachfassade im Bereich der Stützmauer
und des Erdgeschosses.
Es ist daran zu erinnern , daß 1784 die
Tuchfabrikanten Stoltenhoff und Offermann
eine »neue« gemeinschaftliche Färberei
anlegten. Da zuvor keine andere Färberei
nachweisbar ist, handelte es sich vermutlich
bei dem beschriebenen Vichtbachtrakt
um eine »alte« Färberei der Tuchmacher.
Zu dieser Zeit, also gegen 1784, waren
von den insgesamt 15 Kindern Johann
Paul Offermanns und seiner Ehefrau Anna
Christina bereits neun geboren; ein Erweiterungsbau
zu Wohnzwecken war sicherlich
notwendig geworden. Vermutlich nach
1784 wurde das Werkgebäude an der Vicht
in ein Wohnhaus umgebaut. Auf der Höhe
ihrer ökonomischen und gesellschaftlichem
Macht konnte es sich die Tuchfabrikantenfamilie
Offermann erlauben , einen
Werkbau auszulagern, andernorts neu einzurichten
und statt dessen einen baukünstlerisch
anspruchsvollen Wohntrakt nach
neuester »Mode« zu erstellen.
Dieses Bauwerk entspricht in seiner baulichen
Struktur den Lehrmeinungen des
französisch geprägten Spätbarocks/Rokkokos
für den Idealtypus eines fünfachsigen
Wohnhauses. Die Abstimmung der
Größe des Baukörpers mit der Höhe und
Anzahl der Geschosse, mit der Form des
Mansardwalmdaches und mit der achsialsymmetrischen
Aufteilung der Fassaden
folgte anerkannten Harmonielehren der
Bautheoretiker des Barocks, etwa eines
J. F. Blondel.
Höchstes Ziel der Architekturauffassungen
des ausgehenden 18. Jahrhunderts war es,
ein Gesamtkunstwerk zu schaffen ; die aufeinander
abgestimmte Ausschmückung
der äußeren Hülle sowie des Inneren eines
Gebäudes im wohldefinierten Formenschatz
war dazu erforderlich. An den zwei
Haupttassaden des Vichtbachtraktes vom
Hause Steinweg 6 finden sich im Sinne des
Spätbarocks oder Rokokos durchgestaltete
Fenster- und Türgewände mit S-förmig
ausladenden, profilierten Schlußsteinen.
Die Gauben des Mansardwalmdaches sind
flachbogig durch obere Bekrönungsgesimse
geschlossen, die jeweils beidseitig in
Schnecken auslaufen. Die Kanten sowie
der Sockel der Hoffassade werden von
Quaderketten in Werkstein gefaßt.
Im Inneren des Baus weist vor allem der
mittelachsial gelegene Treppenaufgang auf
den Gestaltungswillen des Rokokos hin.
Die hölzernen Treppeneinbauten unter
dem ersten Podest sowie die Wangenvertäfelungen
zeigen typische Rankenmotive
des Aachen-Lütticher Rokokos. Alle diese
aufgezeigten baukünstlerischen Werte machen
den beschriebenen Wohntrakt am
Vichtbach zu einem bauhistorisch bedeutsamen
Objekt, das in seiner einheitlich
spätbarocken Ausführung zum heutigen
Zeitpunkt einmalig für Stolberg ist.
In die beschriebenen Umbau- und Neubaumaßnahmen
des Vichtbachtraktes wurde
auch das Haupthaus Steinweg 6 miteinbezogen.
Die bis 1909 noch vorhandenen
Fenstergewände des Erdgeschosses zum
Steinweg hin (Abb. 10) waren gleichen
Typs wie die des Wohnhauses an der Vicht.
Rahmen und Türfüllungen im Inneren des
Haupthauses wie auch die Stuckierungen
der Holzbalkendecken der Obergeschosse
zeigen auch heute noch die Stilformen der
Umbauzeit.
Das Haupthaus Steinweg 6 bildete mit den
beiden zuvor behandelten, flügelartig anschließenden
Baukörpern die nördliche U
förmige Bebauung des Offermannschen
Besitzes im untersuchten Teilgebiet »Am
Neuen Markt«. Der dreiseitig umschlossene
Hof ist durchaus als »cour d'honneur« (Ehrenhof)
zu deuten, einer Konzeption, die
der französischen Schloßbaukunst des Barock
entlehnt wurde. Der südlich angrenzende
Garten wurde durch ein kunstvoll
verziertes Gitterwerk abgeschrankt. Die
letzten Kastanien dieser parkähnlichen Anlage
existierten noch vor 40 Jahren.
Der Vichtbach bildete nach Osten eine natürliche
Grenze dieses »jardin«, nach Westen
, zur heutigen Zweifaller Straße hin,
wurde diese Parzelle vermutlich von einer
Mauer abgeschlossen, die durch eine Toreinfahrt
unterbrochen war. Das korbbogige
Torgewände wurde später in mehreren
Phasen überbaut, zeigt sich aber noch heute
als Eingang zur Gaststätte »Auf dem
Treppchen«. Der guterhaltene Schlußstein
ist mit einem Wappen geschmückt, das die
Literatur über Stolberg bislang keiner bekannten
Familie zuordnen konnte (Abb.
45). Erst unsere Erkenntnis, daß die Familie
Offermann in dem untersuchten Teilgebiet
»Am Neuen Markt« eine bedeutende Tuchfabrik
betrieben hatte und der Vergleich
dieses heraldischen Zeichens an dem Torbogen
mit den Wappen verschiedener
Zweige dieser Familie führten zu dem
Schluß, daß es sich auf diesem Keilstein um
das Wappen der Stolberger Tuchfabrikantenfamilie
Offermann gehandelt hat. In der
gebenden Hand über dem Opferstock und
dem darunterstehenden Schaf erkannte P.
Schreiber! das »alte« Wappen der Familie
Offermann (Abb. 44). Die lmgenbroicher
Linie dieser Tuchmacher verwandte
andere Symbole.
Ein zweiter Werkbereich der Tuchherstellung
in nach Norden geöffneter U-Form war
von den Offermanns als separate Anlage
südlich des Gartens errichtet worden . Der
Meigenplan (Abb. 41) zeigt um 1811 erste
exakte Bebauungsgrenzen auf. An einen
breiten, ost-westlich zwischen Vichtbach
und Zweifaller Straße gelagerten Baukörper
schlossen sich zwei schmälere, etwa
gleichlange Flügelbauten nach Norden an.
Der westliche dieser Flügeltrakte ist weitgehend
identisch mit dem 7achsigen, zweigeschossigen
Mansarddachbau des heutigen
60
Hauses Zweifaller Straße 15. Die Stuckierung
, bald nach 1900 aufgetragen, verbirgt
eine schlichte Barockfassade, die uns ein
Photo (Abb. 30) von 1900 und die Bastinische
Zeichnung (Abb. 46) von 1834
überliefern . Ob auch dieses Haus ehemals
ein an beiden Schmalseiten abgewalmtes
Mansarddach besaß , ist nicht feststellbar.
Schon A. Bastin zeichnete einen geraden
Nordgiebel gegenüber einem südlichen
Walmabschluß.
Zu Bauhöhe und Gliederung der beiden
anderen Tei lgebäude dieser »fabrique«
si nd keinerlei Aussagen möglich. Einige zugemauerte
Lukenöffnungen in der Begrenzungsmauer
zur Vicht weisen lediglich auf
den Werkbaucharakter dieses Bachtraktes
hin , dessen Standort in arbeitstechnischem
Zusammenhang mit dem Wasser zu sehen
ist. Eine Walkmühle mit Wasserrad scheint
hier unwahrscheinlich, denn eine notwendige
Regulierung der Wasserkraft dürfte an
diesem Teil der Vicht auszuschließen sein.
Realistischer scheint die Nutzung als Wollwäsche
mit anschließenden Färbevorgängen
.
Der Ansatz einer vor 1858 abgebrochenen
Brücke ist heute noch in der Stützmauer zur
Vi cht zu erkennen. Der französische Katasterplan
wie der Meigenplan weisen diese
Brücke als kürzeste Verbindung aus zwischen
den zuvor beschriebenen Wohnund
Fabrikanlagen und den · rechts der
Vicht gelegenen Werkbauten der Familie
Offermann . Außer der »fabrique« in dem alten
Kupferhof hinter dem »Knautzenhof«
betrieben die Offermanns eine kleinere nahegelegene
Mühlenanlage. Aus dem weiter
oben dargestellten Arbeitsablauf der Feintuchherstellung
läßt sich hier wegen des regulierbaren
Wasserkanals (»Teich«) eine
Walkmühle vermuten.
Die »gewalkten«, also verfilzten Tuche wurden
zum Trocknen und Recken auf große,
nach Süden ausgerichtete Rahmen gespannt,
die der Meigenplan auf dem nahegelegenen
»Hammerfeld« als »Rames a
Draps« verzeichnet. Das ansonsten unbebaute
Terrain war um 1808 Besitz der Erben
der letzten fürstlichen Unterherren von Stolberg,
der Familie Kesselstadt. Durch die
französische Herrschaftsübernahme und
die einhergehende Entmachtung der
»seigneurs« war das zu den »fabriques«
günstig gelegene Wiesengelände sicherlich
wohlfeile wie notwendige Ergänzung der
Offermannschen Produktionsstätten.
Um noch größere Unabhängigkeit bemüht,
errichteten die Offermanns zwischen 1808
und 1811 auf ihrer Gartenparzelle Nr. 622
ein schmales, langgestrecktes Gebäude,
das auf dem Meigenplan nahezu die gesamte
Länge dieses Grundstücks einnimmt
und als »Rame a ferr« bezeichnet wird . Dieser
Bau ist als »Stochrahm« (»Rame a
chauffer«) zu erklären, eine einfache Halle,
die von einer Vielzahl von Öfen beheizt werden
konnte und das witterungsunabhängige
Trocknen der Tuche gewährleistete. Die
einzige derartige Anlage zuvor weist der
französische Katasterplan um 1808 aus; sie
war östlich der »Enkerei« am »trockenen
Weiher« gelegen.
Um einen vollständigen Überblick über die
Besitzungen der Tuchmacherfamilie Offermann
zu geben, müssen noch die Gartenanlagen
beschrieben werden , die etwa das
Geviert des heutigen Oberstolberger »Neuen
Marktes« überdeckten . Inmitten dieser
mauerumsäumten Baumgartenfläche
(»verger«) ließ ein Gartenhäuschen den anspruchsvollen
Lebensstil und den Luxus
der Besitzer erkennen . Der Meigenplan
zeigt eindeutig den nahezu quadratischen
Abb. 44: Skizze des Wappens Offermann
Abb. 45: Schlußstein mit Wappen
Zweifaller Straße 5
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Abb. 46: Oberstolberg • Zeichnung von A. Bastin • 1834
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Abb. 47: Gartenhäuschen • Zustand ca. 1950
Grundriß dieses »maison de plaisance«.
Ein Photo (Abb. 47) etwa aus dem Jahre
1950 gibt uns seine räuml iche Gestalt wieder.
Über dem einzigen Geschoß aus sauber
bearbeiteten Bruchsteinen erhob sich
eine schiefergedeckte geschweifte Mansarddachhaube.
Die auf dem Photo erkennbaren
gotisierenden Tür- wie Fenstergewände
mit eingesetzten Maßwerken können
Zutaten des 19. Jahrhunderts sein.
Das grazil wirkende Gartenhäuschen ist
vielen Stolbergern noch bekannt in seiner
dem ursprünglichen Zweck entfremdeten
Funktion als öffentliche Bedürfnisanstalt.
Erst Mitte der 50er Jahre unseres Jahrhunderts
wurde dieses vermutlich letzte Stolberger
Zeugnis eines baukünstlerisch wertvollen
Gartenbaus aus der Zeit des Rokokos
abgerissen . Der ursprünglich nördlich
angrenzende, achsialsymmetrisch und geradlinig
aufgeteilte Garten entsprach den
Regeln des französischen Barockgartens.
Bei dem südlich an das Gartenhaus anschließenden
»verger« wird es sich um einen
parkähnlichen Obstgarten gehandelt
haben.
zusammenfassend kann festgestellt werden,
daß es sich bei den Stolberger Besitzungen
der Familie Offermann um eine umfangreiche
Wohn- und Werkanlage gehandelt
hat, deren wichtigste Bauten im untersuchten
Teilgebiet »Am Neuen Markt« lagen
. Alle zur Verfügung stehenden Quellen
weisen darauf hin, daß der Aufbau dieses
Feintuchbetriebes in dem Zeitraum zwi-
sehen etwa 1760 und 1790 stattfand . Die
neuerrichteten Bauwerke, und zwar sowohl
die beiden Fabriktrakte als auch das Wohnhaus
an der Vicht und das Gartenhäuschen,
zeigen die Merkmale Couvenschen
Spätbarocks in Aachen.
Das dargestellte Beispiel der Stolberger
Wohn- und Werkanlagen der Tuchfabrikantenfamilie
Offermann zeigte einerseits
eine ungewöhnlich starke Konzentrierung
aller notwendigen Arbeitsvorgänge in zum
Teil neuerrichteten Großbauten und andererseits
die beginnende räumliche Distanzierung
des »herrschaftlichen« Wohnens
der Fabrikanten von den Werkstätten ihrer
lohnabhängigen Arbeiter.
Diese Gesamtkonzeption eines Unternehmerbetriebes
markierte bereits im ausgehenden
18. Jahrhundert die Abkehr von der
jahrhundertelang geübten Tradition des
Verbundes von Wohn- und Arbeitsstätten.
Die industrielle Entwicklung, bezogen auf
die unmittelbar betroffenen Architekturgattungen,
fand gegen Ende des 19. Jahrhunderts
ihren noch heute gültigen Schlußpunkt
darin, daß konzentrierte Fabrikanlagen
an optimalen Standorten angelegt und
verkehrsgünstig dazu Arbeitersiedlungen
errichtet wurden, während die »Villen« der
Fabrikanten als reine Wohn- und Repräsentationsstätten
anderenorts in »schöner«
Landschaft die Verbindung zu Schmutz
und Lärm der Produktion wie der Produzierenden
leugneten .
Die Entwicklung des Teilgebietes
»Am Neuen Markt« nach 1826 bis zum
Beginn des 20. Jahrhunderts
Mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch
der Feintuchfirmen Offermann und Schmitz
im Jahre 1826 wandelten sich innerhalb
kurzer Zeit Bedeutung und Funktion des
von uns untersuchten Stadtbereichs. Seine
verkehrsgünstige Lage im Gemeindegebiet
von Stolberg, relativ großräumige, nutzungsflexible
Bauten und die noch vorhandenen
Freiflächen in unmittelbarer Nähe zu
dem dichtbevölkerten Gebiet unterhalb der
Burg boten gastronomischen Betrieben
willkommene Ausbreitungsmöglichkeiten.
Die 1807 von Napoleon dekretierte Straße
von Aachen nach Monschau mit einem Abzweig
von Brand nach Stolberg wurde 1812
begonnen , das Teilstück nach Stolberg jedoch
erst 1831 nach einem modifizierten
Plan der preußischen Regierung vollendet.
Die Chronik von Stolberg 17 schreibt dazu,
daß »dadurch eine anderweitige Kommunikation
mit der Stadt Aachen und dem Landkreis
Montjoie eröffnet worden« war. Weitere
Staatsstraßenbauten wurden 1848 beschlossen.
Der Steinweg sollte ausgebaut
werden im Zuge des Verbindungsweges
von Stolberg zu dem 1841 eingerichteten
Bahnhof der Rheinischen Eisenbahn . Auch
der Weg nach Vieh! und Zweifall sollte befestigt
werden . Im Jahre 1852 vermeldet die
Chronik zu dem letztgenannten Projekt:
»Teils zur Erbreiterung der in Rede stehenden
Straße, tei ls aber, und besonders zur
Erlangung eines ausreichenden Marktplatzes
ist der sogenannte Offermannsche Garten
am Ausgange der Hammerfeld- und anstoßend
an die Bezirksstraße (nach Brand,
Anm. d. Verf.) von dem gegenwärtigen Besitzer
Herrn Peter Stoltenhoff mit Einschluß
eines massiven Gartenhäuschens zur Summe
von. 2 400 Talern acquiriert worden .«
Der 1852 eingerichtete »Neue Markt« belebte
sich schnell. Im Jahre 1854 wurde wegen
des »erweiterten Marktverkehrs« eine
neue Marktordnung erlassen . Nachdem
Stolberg am 4. September 1856 die Stadtrechte
verliehen bekommen hatte, wurde
1857 der erste überregionale Viehmarkt im
»Montjoier Stadt- und Landboten« angekündigt;
er sollte ebenfalls auf dem Oberstolberger
»Neuen Markt« abgehalten werden;
1884 fand er letztmalig statt.
Eine weitere Verkehrsverbindung wurde
1881 nach jahrzehntelangen Verhandlungen
durch die »Talbahn« bis zum »Hammer«
geschaffen. Für die Bewältigung des
Personenverkehrs, unter anderem zum
»Neuen Markt« hin, wurde 1881 außerdem
die Stolberger Pferdebahn eröffnet, die
1897 von der »Elektrischen« abgelöst wurde.
Schließlich muß noch der Bau einer massiven
Vichtbrücke am »Schart«-Hof erwähnt
werden, die 1857 für 673 Taler errichtet
wurde. Die Hauptinteressenten an diesem
Brückenschlag, Wwe . G. Stoltenhoff und
die Gebrüder Delhez aus Aachen, zeichne-
62
ten dafür mit 575 Talern an freiwilligen Beträgen.
Im Jahr zuvor hatte die Firma Delhez
die von Stoltenhoff 1843 aufgegebene
Spinnerei in der Schart wieder in Betrieb
gesetzt.
Durch den oben erwähnten Bau der Vichtbrücke
und den Verbindungsweg von dort
zur Zweifaller Straße bekam das untersuchte
Teilgebiet Mitte des 19. Jahrhunderts seine
heute noch gültige städtebauliche Form .
Die Bebauung der südlichen Schmalseite
des trapezförmigen Stadtbereiches nach
1858 schaffte eine geschlossene Blockrandzeile,
die lediglich am östlichen Vichtrand
mehrere Lücken _aufwies.
Die äußerst verkehrsgünstige Lage im gesamten
Stadtgefüge Stolbergs ließ für das
Teilgebiet »Am Neuen Markt« eine starke
Belebung erwarten. In der Folgezeit siedelten
sich zahlreiche Dienstleistungsbetriebe
des gastronomischen Sektors hier an. Auch
die verschiedenen Brauereien, die später
aufgezeigt werden sollen, müssen zu dieser
Sparte gerechnet werden, denn den eigentlichen
Brauhäusern waren ursprünglich
Schankwirtschaften angeschlossen.
Im Jahre 1817 errichtete die Familie Brückmann
die heute noch existierende Ketschenburg-Brauerei
an der Westseite des
»Neuen Markts«. Ihre 1808 an der oberen
Aachener Straße verzeichnete kleine »brasserie«
wurde wahrscheinlich aufgegeben .
1818 vermeldet die Stolberger Chronik ein
Feuer, das, ausgehend von der Offermannschen
Fabrik hinter dem Steinweg , zugleich
die Brauerei von Leon . Ad . Hissel und das
Wohnhaus von Joh. Peter Schell beschädigte.
Damit wird auf dem ehemaligen
Flaam/van Gulpenschen Besitz am Stein
weg 4 ebenfalls eine Brauerei bezeichnet,
die später der preußische Katasterplan von
1859/60 im Zusammenhang mit einer
Brennerei am selben Ort bestätigt. Neuer
Besitzer 1859/60 war Christian Friedrich
Bothe , dem ein Bau auf der südlich anschließenden
Parzelle an der Zweifaller
Straße 7 - 11 als »Stallung« diente,
Die Zeichnung von A. Bastin (Abb. 46)
zeigt um 1834 das neugestaltete Haus
Steinweg 4 mit seiner westlichen Giebelseite
, die durch ihre Form , Fenstergewände
und den abschließend~n Krüppelwalm wie
das Gegenstück zum Giebel der 1817 errichteten
Ketschenburg-Brauerei gewirkt
haben muß. Ein Photo (Abb. 14) von
etwa 1900 zeigt die dazugehörige, trautständige
Steinwegfassade mit der damaligen
»Restauration zum Treppchen«. Um
1883 nennt das Adreßbuch an diesem Ort
den »Wirth und Brauer Albert Brückmann«,
ein Mitglied derjenigen Familie, die einst
auch die Ketschenburg-Brauerei gründete.
Es ist anzunehmen, daß hier am Steinweg 4
schon mit der früheren Brauerei des L. A.
Hissel um 1818 eine Schankwirtschaft bestanden
hat.
Im »Amtsblatt der Regierl!ng und öffentlicher
Anzeiger von Aachen« wurde im Jahrgang
1856 der »Freiwillige(r) Verkauf des
Gasthofes zum Berliner Hof in Stolberg«
angekündigt. Es heißt dort auszugsweise:
»Theilungshalber lassen Herr Jakob Weiter
und dessen Kinder am Dienstag, den 2.
September 1856, Morgens 10 Uhr, im Berliner
Hof vor dem unterzeichneten Notar öffentlich
und meistbietend auf ausgedehnte
Zahlungstermine verkaufen:
a) Den Gasthof zum Berliner Hof, gelegen
in dem frequentesten Theile des gewerbereichen
Ortes Stolberg in der Hauptstraße
an der Brücke, bezeichnet mit Nr.
185, seitens Wittwe Chr. Fr. Bothe und
Wittwe Fr. H. Pütz, bestehend in solid
gebautem Haupthause und zwei großen
Nebenflügeln, anhabend 1 Tanzsaal, 3
Salons, 20 Fremdenzimmer, 3 Küchen,
geräumigen Speichern und Keller, großem
Hofraum, Wasserpumpe, zur Gartenwirthschaft
eingerichtetem Garten,
nebst Kegelbahn und Billardzimmer,
sonstigem Zubehör und mit allen Bequemlichkeiten
versehen , worin seit 25
Jahren Gastwirthschaft betrieben wird ,
die sich einer großen Frequenz erfreut.
Diese Gebäulichkeiten eigenen sich sowohl
zur Gastwirthschaft, zur herrschaftlichen
Wohnung, wie auch zu jeder anderen
gewerblichen Anlage.
b) Die bisher zu Stallungen und Remise
benutzten Gebäulichkeiten, anschließend
an Bernh . Haas und Verkäufer, gelegen
mit einer Fronte von circa 78 Fuss
an der Vichter Chaussee und dem Neuen
Marktplatze, in 2 Parzellen eingetheilt,
beste Lage zur Anlegung von Geschäftshäusern.
c) Ein geräumiges Wohnhaus mit Nebengebäuden
, Brauerei , Malzkammer,
Fruchtspeicher und Keller, seitens Wittwe
C. T. Marx und Verkäufer, günstig
gelegen an der Vichter Chaussee und
dem Neuen Marktplatze, bisher von
Wilh. Weiter zur Brauerei und Schenkwirtschaft
benutzt.«
Diese ausführliche Aufzählung der Weitersehen
Immobilien umfaßte um 1856 noch
.den ungeteilten Besitz der Tuchfabrikantenfamilie
Offermann am »Neuen Markt«.
Nach Auskunft des Amtsblattes hatte die
Familie Weiter den »Berliner Hof« mit den
übrigen Parzellen um 1831 erworben. Zu
dieser Zeit führte der letzte Stolberger
Tuchfabrikant der Familie Offermann, Peter
Paul Offermann, die nach dem Zusammenbruch
der Firma verbliebene Zweighandelsniederlassung
in Corno/Italien. Im Jahre
1832 wurde er dort ermordet.
Die Familie Weiter betrieb schon um 1808
eine Brauerei, zwischen Dollartshammer
und der Johannis-Glashütte gelegen. In
Anbetracht der vielen durstigen Arbeitskräfte
der umliegenden Schmelz- und Mühlen
betriebe florierte der Bierausschank sicherlich
so gut, daß der Ankauf des Offermannschen
Besitzes ermöglicht wurde.
Neue Nutzungen machten für die Zeit um
1831 größere Umbauten der Gebäude im
Teilgebiet »Am Neuen Markt« notwendig.
So wurde schon an früherer Stelle die Überbauung
der Tordurchfahrt des Vorderhauses
Steinweg 6 für diesen Zeitabschnitt vermutet,
die sicherlich u. a. den Grund hatte,
den geplanten Tanzsaal im 1. Obergeschoß
des ehemaligen Fabriktraktes unmittelbar
vom Haupthaus her zu erschließen . An der
gemeinsamen Wand beider Bauten wurde
bei den Modernisierungsarbeiten im Jahre
1978 der Rahmen einer breiten Tür freigelegt.
Im Zuge der Umbaumaßnahmen nach
1831 muß die Steinwegfassade im 1. Obergeschoß
mit den neuen Fenstergewänden
und dem Balkon nach klassizistischen
Formvorstellungen versehen worden sein.
Der neugewählte Name dieses Restaurationsbetriebes,
»Berliner Hof«, war sicherlich
zu verstehen als ehrerbietende Geste
den neuen preußischen Machthabern gegenüber
und stellte gleichzeitig den Anspruch
nach überregionaler Bedeutung.
Fortan galt dieser Gasthof mit Hotelbetrieb
als renommiertestes Weinhaus Stolbergs
und erwarb sich im weiten Umkreis einen
geachteten Namen wegen der Erlesenheit
seiner gastronomischen Leistungen. Die
Stolberger Chronik erwähnt mehrfach
Empfänge und Festessen von Notablen in
den Räumen des »Berliner Hofs«. Im Jahre
1846 wurde eine Lesegesellschaft mit etwa
50 Mitgliedern in Stolberg gegründet, die
bis zu ihrer Auflösung 187 4 »ein besonderes
Lokal im Weitersehen Gasthofe einnahm«17.
Im Jahre 1899 veräußerten die Erben des
Fritz Weiter das Hotel »Berliner Hof« zum
Preise von 84 000 M. Fünf Jahre später geriet
der neue Besitzer in Zah lungsschwierigkeiten
, so daß es 1904 zu einer notariellen
Versteigerung kommen sollte. In einer
Zeitungsnotiz des »Echo der Gegenwart«
vom 24. 12. 1904 heißt es dazu : »Die heutige
Taxe des Hotels, entstanden aus einer
sehr alten Spinnerei, lautet auf 65 000 M.
Als Anzahlung wird ein Drittel des Kaufpreises
verlangt. Außerdem muß der Käufer imstande
sein, den als baufällig erklärten
rechten Flügel, worin der Saal liegt, den
baupolizeilichen Anforderungen entsprechend
wiederherzustellen . Am Versteigerungstermin
waren mehrere Interessenten
erschienen , von denen aber keiner ein Gebot
abgab, so daß der Verkauf von neuem
ausgeschrieben werden muß.« Nachdem
der »Berliner Hof« fünf Jahre verödet gelegen
hatte, erwarb im Jahre 1909 Metzgermeister
Bengel die Hofanlage und unterzog
sie einer gründlichen Renovierung 18.
Der Preußische Katasterplan von 1859/60
zeigt auf, daß nur ein Teil des im Jahre 1856
zum Verkauf angebotenen Weitersehen
Besitzes von der Familie veräußert wurde.
An früherer Stelle wurde im Zusammenhang
mit der Botheschen Brennerei und
Brauerei eine Parzelle benannt, die heute
von den Häusern 5 und 7 - 11 der Zweifaller
Straße überbaut ist. Die auf dem Preußischen
Katasterplan auf dieser Parzelle ver-
63
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bb. 48' TeHgebiet «Am Neuen Ma,kt« - Übe,bauung - 1976
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BEBAUUNG 1976
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Abb. 49: Teilgebiet »Am Neuen Markt« • Überbauung • 1808
Abb. 50: Teilgebiet »Am Neuen Markt« • Überbauung • 1834
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Abb. 51 : Teilgebiet »Am Neuen Markt« • Überbauung • 1858
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Abb. 52: Teilgebiet »Am Neuen Markt« • Überbauung • 1880
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65
zeichnete »Stallung« des Käufers Chr. Fr.
Bothe und der östlich, rechtwinklig anschließende
Flügelbau sind sicherlich mit
den in der Weitersehen Verkaufsanzeige
beschriebenen »Stallungen und Remise«
identisch. A. Bastins Zeichnung (Abb.
46), die in vielen Details sehr genau ist,
zeigt uns an dem Ort ein kleines, etwa zweiachsiges
Mansarddachhaus, dessen Giebel
unmittelbar links neben der ?achsigen
»fabrique« der Offermanns (heute Zweifaller
Straße 15) gelegen ist. Von der Lage des
Hauses (»Stallungen«) und seinem formalen
baulichen Aufwand her könnte dieser
Bau ein separates Kutscherhäuschen gewesen
sein, das noch unter der Familie Offermann
im Stilempfinden des Spätbarocks
errichtet wurde. Dieser noch vorhandene
»Kutscher«-Trakt hat heute jedoch ein
Walmdach, das allerdings eine spätere Veränderung
nach einem Brand darstellen
könnte. In dem mit »Stallung« bezeichneten
Gebäude an der Zweifaller Straße hatte
nach einem durchgreifenden Umbau J. H.
Görres um 1883 19 einen Restaurationsbetrieb.
Außer dem beschriebenen bebauten
Grundstück wurden von der Familie Weiter
im Jahre 1856 ebenfalls die beiden südlich
angrenzenden Parzellen mit dem heutigen
Hause Zweifaller Straße 15 veräußert.
Nachdem Adolf Weiter hier zuvor für wenige
Jahre eine bayerische Brauerei unterhalten
hatte, dienten die_se ehemaligen
Werkbauten der Tuchmacher Offermann
bis nach dem 2. Weltkrieg als Räume eines
gastronomischen Betriebes mit angeschlossenem
Tanzsaal. Lediglich die Besitzer
bzw. Pächter wechselten: Wirtz, Hoerkens
und zuletzt Jos. Ortmanns.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß
nach dem Niedergang der Tuchfabriken
das Gebiet »Am Neuen Markt« die Stelle
des gehobenen gesellschaftlichen wie
gastronomischen Zentrums in Stolberg einnahm.
Hierbei handelte es sich nicht um
eine Ansammlung von »Eckkneipen« zum
billigen Bierkonsum, sondern um Restaurationsbetriebe,
die mit ihren Tanzsälen , Kegelbahnen,
Billardzimmern und Versammlungsräumen
etc. anspruchsvolleren Freizeitbeschäftigungen
wie auch Beherbergungswünschen
genügen konnten.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts etwa
nahm die Mobilität der Menschen sehr
rasch zu. Neue Technologien und veränderte
politisch ökonomische Systeme führten
zu der Produktion eines breiten Spektrums
billiger Massenwaren. Nur durch den
schnellen Absatz dieser Produkte bei immer
breiteren Käuferschichten war für die
Unternehmer ein gewinnbringender wirtschaftlicher
Kreislauf zu gewährleisten. Der
Ausbau des Verkehrsnetzes wurde zwingend
notwendig. Als neuer Berufsstand war
der des Handlungsreisenden und Vertreters
entstanden. Der Händler und Kaufherr
des 18. Jahrhunderts galt noch als angesehenes
Mitglied des Patriziats, er vertrieb seine
Waren selbst in aller Welt und wurde bei
seinen »Kunden« entsprechend seinem
Rang in privatem Kreis empfangen und beherbergt.
Dagegen war das anonyme Heer
von größtenteils miteinander kon kurrierenden
Handlungsreisenden auf andere, auf
»öffentliche« Dienstleistungseinrichtungen 1
angewiesen . Besonders in Industriestädten
bildeten sich an verkehrsgünstigen Punkten
Zentren des Hotel- und Gaststättengewerbes.
Als solch ein Mittelpunkt konnte
das untersuchte Tei lgebiet »Am Neuen
Markt« bis etwa zum 1. Weltkrieg gelten.
Der Bedeutungsverlust des
Stadtteilgebietes »Am Neuen Markt«
seit Beginn des 20. Jahrhunderts
Einerseits ermöglichten schnellere Verkehrsverbindungen
und neue Übermittlungstechniken
raschere Handelsabschlüsse,
andererseits verlor das Stolberger
Gewerbegebiet anderen neuen Industriezonen
Deutschlands gegenüber an Bedeutung.
Die Stadt selbst verlockte, etwa im
Verg leich zum nahen attraktiveren Aachen,
nicht zu zusätzlichen Aufenthalten . So ist es
nicht verwunderlich , daß seit Beginn unseres
Jahrhunderts das gehobene Gaststättengewerbe
»Am Neuen Markt« in Oberstolberg
im Niedergang begriffen war.
Bei unverändert ortszentraler Lage und den
dementsprechend wertvollen Grundstükken
richtete sich das Gewerbe »Am Neuen
Markt« ganz auf die infrastrukturellen Bedürfnisse
der ortsansässigen Bürger ein .
Der Bäcker, der Metzger wie der Eisenhändler,
Kohlenhändler und Friseur bestimmten
fortan das Erscheinungsbild. Die
Ausdehnung der Industrien im südlichen
Stolberg, vor allem aber die Anlage neuer
Wohnsiedlungen im nördlichen Stadtgebiet,
führten zu einer Verlagerung des kulturellen
wie des gewerblichen Zentrums in
den Bereich zwischen Rathaus und Mühlener
Markt. Die Verödung des alten , dichtbevölkerten
Stadtraums um die Burg herum
nach dem 2. Weltkrieg ließ das lebensnotwendige
Käuferpotential für die Geschäfte
»Am Neuen Markt« verschwinden und das
Teilgebiet ebenfalls modernisierungsreif
werden .
Die zur Zeit anlaufenden Sanierungsbestrebungen
erkennen diesen stadtstrukturierenden,
logischen Zusammenhang zwischen
Bu rg-/ Klatterstraße einerseits und
dem Teilgebiet »Am Neuen Markt« andererseits.
Nur wenn es gelingt, die mod ern isierten
Bauten des Altstadtbereichs mit neuem
Leben zu fü llen , werden ausreichend Nutzer
für die geplanten neuen Funktionen im
untersuchten Stadtteilbereich vorhanden
sein. Die Planungen der Stadt Stolberg
können mit dem vorsichtigen Auskernen
der Hinterhofbereiche des Teilgebiets und
der Einrichtung eines begrünten , fußläufig
erschlossenen , inneren Freiraumes sowie
mit der Anbindung der rechten Vichtseite
zur »Schart« hin über eine wiedererschaffene
»Offermannsche« Brücke, zumindest
den »herrschaftlichen« Teil dieser ehemaligen
Tuchfabrikationsstätte erlebbar und für
alle zugänglich machen. Eine in Vergessenheit
geratene Phase Stolberger Geschichte
und ein kostbarer Stadtraum müssen
erhalten bleiben .
Anmerkungen
Abkürzungen
HSTAD - Hauptstaatsarchiv Düsseldorf,
Herrsch. - Herrschaft,
Stg . - Stolberg
1 Stadtarchiv Aachen , Plan A 39
2 HSTAD. Französische Katasterkarten des Roer-Departements,
Stol berg, Karten Nr.: 198, 199, 200,
201 , 202.
3 HSTAD, Abt. F, Französische Katasterdokumente,
F 57, Stolberg. Die im Text hinter den genannten
Besitzern angefügten Klammerbegriffe (...) geben
die französischen Berufsbezeichnungen wieder.
4 Ein kolorierter Abzug des Stiches von J. E. Meigen,
»Garte Topographique de la mairie de Stolberg« befindet
sich im Privatbesitz von der Familie Werner/
Stolberg und wurde zur Einsicht zur Verfügung gestellt.
5 Stadtarchiv Stolberg, Gebäudeakte des Hauses
Steinweg 8
6 HSTAD, Herrsch. Stg., Akte Nr. 37
7 BASTIN, Dr. Hugo: Die Stolberger des 17. und 18.
Jahrhunderts. In: Heimatblätter des Landkreises
Aachen. 6. Jg„ Heft 2. S. 20.
8 SCHREIBER Peter: lmgenbro,ch, ein ehemaliges
Tuchmacherdorf. Eine Heimatschrift, herausgeg.
vom Gesch.-Verein des Kreises Monschau
9 RODERBU RG, Andreas: Alt-Stolberg, Zur Geschichte
und Kultur der alten Kupferstadt. Herausgeg.
von der Stadtbücherei Stolberg. Heft 8. 1955,
s. 53 ff .
10 KREFTING, Maria: Das Geschlecht Stoltenhoff aus
der Grafschaft Mark. Neustadt an der Aisch, 1956.
11 HSTAD, Herrsch. Stg., Akte Nr. 228
12 HSTAD, Herrsch. Stg ., Akte Nr. 349
13 HSTAD, Regierung Aachen, Handel und Gewerbe,
Akte Nr. 1567
14 KERMANN, Joachim: Die Manufakturen im Rheinland
1750 - 1833. Bonn, 1972, S. 157 f.
15 BARKHAUSEN, Ernst: Die Tuchindustrie in Montjoie,
ihr Aufstieg und Niedergang. Aachen, 1925.
16 HSTAD, Herrsch. Stg., Akte Nr. 402
17 »Chronik von Stolberg«. Dreibändiges Werk, die
Zeit von 1815 - 1890 umfassend, gekürzt wiedergegeben
von Andreas Roderburg. In: Beiträge zur
Geschichte von Stolberg und Umgegend. 1. Heft,
1924, Stolberg.
18 Notiz im: »Stolberger Generalanzeiger« vom 12. 3.
1910.
19 Adreßbuch von Stolberg, Jahrgang 1883.
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