Heimatblätter des Kreises Aachen 1955-3
Heimatblätter des Kreises Aachen 1955-3
Heimatblätter des Kreises Aachen 1955-3
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HEFT 3
HEIMATBLATTER
DES LANDKRE ISES AACHEN
11. JAH R.GAN C
1 \
Titelbild: Wi11terabwd i11 Laureusberg, Foto linckens
Heimatblätter des Landkreises Aachen. Erschrinm vierteljährlich. Bezugspreis 2,- DM jährlich. Auflage: 2800 Stück. Verantwortlich: Oberkreisdirektor
Seulen. Schriftltitung: Prof. Dr. Will Hermanns - Kreisinspektor Com el Peters, Aadun, Theatersir. 55, Tel. 338 51. F,ir 1111oerlangt eingesandte Manuskripte
und Bilder wird keine Geu,ähr übernommen. Druck: Herzogdruck, Eschweiler ,md Kunstdruck G. Gottscha/1, Esd1weiler
I
HEIMAT
BLATTER
HEIMATB LA.TTER DE S LANDKREISE AA CHEN. HEFT 3{ 1955. AA CHEN, DEZEMBER 1955
AD~ ENT
Vichter Mundart
Wie freudig klinge hü de Klacke!
D'r Dau send! - Wat die festlich jönnt!
Ich ben em deepste Hätz verschrocke
Un denk, wat dat bedügge könnt.
Et es mich ooch, als höhd ich senge
En Hirteflöt op enne Bend .. .
Su deht et en et Hätz mich drenge:
,,Et es Advent - et es Advent!"
Un werrem steeje dusend Belder;
Ich senn se dütlich vör d'r Bleck . . .
Mi Hätz, dat wähd ad weech un melder
Denk ahn ming Jugend ich zeröck.
Wie hat os Modder do gesonge - ,
Die Leddcher, die m'r hü noch kennt ;
Wie hat ör Stemm su wärm jeklonge:
,,Nu freut üch all: Et es Advent!"
Un Vadder soht met os Trabant e
För ahn et Kreppche Moos un Steen.
Wie hell os Kengerooge brannte ,
Wenn m'r dat brahte all no heem.
Wie öff m'r wall nohm Söller schleche
Wo hü noch de Fijure stönd . .. •
Noch es kee besje Jlanz verbleche
Van minge Kengerzick - Adv ent!
Un hü noch jönn ich met ming Puute
Nohm Bösch eruus - öm Dännejröns.
Un Kääze jeld ich-, decke-, rude -
För op dä Kranz . - Dat jitt jet Schööns!
Des Ovends dön ich dann verzälle
Vam Hirt un Schöfjer op d'r Bend .. .
D'r Äldste deeht e Leddche spelle . . .
Su fiere m'r doheem - Advent .
Andre Franzen
50
VOM HEILIGEN MANN ZU DE
Ein Stück Brauchtum im Aachener Raum
Von Will Herman11s
HEILIGEN DREI K 0 NI GEN
Für die Stadt wie für den Landkreis Aachen ist
das Fest der Kinderbescherung heute fraglos
Weihnachten. Vor hundertfünfzig Jahren aber
war es ebenso fraglos der
Nikolaustag.
Nicht das Christkind brncht e die Fülle der Gaben
für jung und alt , sondern der „heilige
Mann ", jener leg endenumsung ene Bischof aus
frühchri stlich er Zeit , den die erst en Glaubensboten
in Deutschland an die Stelle des heidnisch
en Sturmgottes Wode oder Wotan setzten ,
und zu dessen Altären das gläubige Volk des
Mitt elalters besonders gern e wallfahrte. Seitdem
fromme Kaufleute im Jahre 1087 die Gebein
e des am 6. Dezember 352 als Bischof von
Myra in Lykien verstorbenen Gottesmann es
nach Bari bei Neapel überbracht und dort in der
Kirche beig esetzt hatten , erkoren immer mehr
Kirchen auch in anderen Ländern den Schutzheiligen
des zu Selbständigkeit und Reichtum
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aufsteigenden Bürgertums zum Schirmherrn. In
der Reichsstadt Aachen wähl ten die Minde r
brüder des heiligen Franziskus Sankt Nikol aus \\
zum Patron ihrer Klosterkirch e (1327); aber
auch beim Aachener Müns ter bes tand schon seit
dem 12. Jahrhundert eine romanisch e Nik olaus
Kap elle. Im heutigen Landkrei s war B r o ich
eine bekannte Stätte der Nikolaus verehrung : die
ehemalig e altersgraue Pfarrkirch e, die den Bomben
des letzten W-eltkrieges zum Opfer fiel, entstammte
dem 15. Jahrhundert und war - wie
vermutlich schon eine ältere Vorgäng erin - dem
weißbärtigen Kinderheiligen geweih t.
Zum Landkreis gehörte bis 1897 bekanntlich
auch Bur t scheid , das jetzige Aachen-B, und
hier geht die Verehrung des volkstü mlichen
Wundertäters bis ins frühe 11. Jahrhu ndert zurück.
Die Abteikirche St. Johann war urspr ünglich
dem heiligen Nikolaus und dem heilige n J o
hanne.s Baptist geweiht , und die Üb erliefer ung
will wissen, daß der erste Abt und Gründer des
Burtscheider Klosters, der Süditali ener Gregor,
das noch heute in der Abteikirche vere hrte, dem
9. oder 10. Jahrhundert zugeschrieb en e Mosaikbild
des heiligen Nikolaus über die Alp en hierher
gebracht habe. Von diesen Kernpun kten des
Nikolauskults im Aachener Raum breit ete sich
die Verehrung des zu großer Belieb the it im Volk
gelangten Heilig en immer weiter aus. Sein Fest
wurde zum Tag der Geschenke im Famili enkreis
e.
Der Chronist Karl Franz Meyer , Verfass er der
„Aachenschen Geschichten " von 1781, hat auch
einen Band handschriftlicher Aufzeichnungen
über Aachener Brauchtum hinterlassen. In ihm
beschreibt er das Fest der Jugend mit folgenden
Worten:
„Auf ein ganz es Jah r haben die Kind er wohl
keine größere Freude als an dem St.-Nikolas
- _ tag e. Sie rechnen von Zeit zu Zeit auf die Ankunft
dieses Tages; sie sorgen , reden und fragen
immer ihre Taufpaten und Göten (Patinnen),
ihre Ohm en und Muhmen sorgfältig aus, tragen
einem jeden einen Schuh zu und empfehlen sich
dabei recht schmeichelnd zum günstigen Vorwort
bei dem heiligen Nikolas, daß dieser doch
ihrer recht fre igebig eingedenk sein und ihre
Schuhe mit allerhand guten, wohlschmeckenden
Sachen aus leisten möge .. . Ein gleiches tun sie
auch bei ihre n Eltern ... Die letzte Nacht gehet
halber schlaflos und in steten Sorgen vorbei.
Frühmorgens aber such en sie ihre ausgestellten
Schuh e in eine m Atem zusammen. Je mehr sie
nun dieselben gespickt finden , desto mehr lächeln,
hüpfen und spring en sie, nehmen alles
in ihr en Schür zen zusammen und lassen es sich
gut schmecke n, so lang noch etwas davon übrig
ist ."
Aber auch die großen Leute sahen sich in alter
Zeit von San kt Nikolaus reich beschert. Meister
und Geselle schmausten an seinem Festtag und
die folgende W,fche über zusammen. Mittagund
Abendb rot 1 gingen ineinander über beim
Knabbern all der Leckereien, die der heilige
Mann mitgeb racht hatte: Weckmänner , Printen ,
Zuckergebäck, Klümpchen, Äpfel und Nüsse .
Und:
,,.. . dat duret esu op än av
De janze Zenterkloesoktav" ,
wie es. in einem Aachener Mundartgedicht „Zinter
Klos" aus den dreißiger Jahren des vorigen
J ahrhun derts heißt.
Erst im Laufe der letzten hundert Jahre hat das
Christki nd den heiligen Nikolaus in der Roll e
des rei chen Geschenkgebers abgelöst und ihm
nur das Verteilen kleiner Gaben überlassen. Das
Weihnachtsfest
selbst sah im Aachener Raum auf eine lange
Überli eferung zurück, galt es doch von jeher
als eines der größten Feste der Christenheit. Von
Karls des Großen Vater Pippin berichten die
frä nkischen Reichsannalen , er habe im Jahre 765
in seiner Aachener Pfalz das Christfest gefeiert.
Auch Karl selbst feierte hier in seinem ersten
Regierung sjahr (768) und in fast all en Jahren
seiner letzten Regierungszeit Weihnachten , und
eine stattliche Schar deutscher Könige und Kaiser
folgten im Lauf der Jahrhundert e dem ehrwürdigen
Vorbild des großen Franken. Freilich:
das , was uns heute als unzertrennlich mit dieser
Feier verbunden scheint, das Krippchen und
der lichterbestückte Tannenbaum, ist eine Zutat
späterer Jahrhunderte.
Die Franziskaner waren wohl die ersten , die in
ihrer Klosterkirche an der Aachener Großkölnstraße
eine Weihnachtskrippe aufstellten, und
dies Beispiel zündete: bald gab es im Aachener
Raum kaum noch eine Kirche oder Kapelle, die
zum Christtag ohne Krippchen geblieben wäre .
Der Brauch griff auch auf die Bürgerhäuser
über. Hier und da wurden die Krippenfiguren
sogar beweglich gemacht. Das Wunder der Weihnacht
wurde dramatisch dargestellt ; aus dem
frommen Krippchenspiel entwickelte sich im
Laufe der Zeit das weit weniger fromme weltliche
Puppenspiel, das aber in der Aachener Gegend
immer noch „et Kreppche" hieß . Die Schaffnerin
der Burtscheider Zisterzienserinnenabtei
trug im Jahre 1700 in ihr Rechnungsbuch ein:
,, Vor die Christnacht einige Posturen gemacht ,
dazu gekauft Köpgen (Köpfchen) und ander e
Sagten (Sachen)".
Die Franzosenzeit war der Pflege kirchliche n
Brauchtums nicht günstig. Die Krippendarstellungen
verschwand en aus den Gottes- und Bürgerh
äusern. Erst die Romantik ließ sie wieder
erstehen, und in Aachen war es die Dichterin
Luise He n s e 1, deren „Müde bin ich, geh ' zur
Ruh" wahrhaft volkstümlich geworden ist, und
die zwischen 1827 und 1832 an der ~Töchterschule
St. Leonhard als Lehrerin tätig war -,
die Ende November 1829 dem Freunde Clemen s
Br e n t an o schrieb: ,,Ich will unsern Kindern
ein Kripplein machen. Köpfe für Maria und J o
seph, für einen Hirten und eine Hirtin sowie
..
52
für einen Engel habe ich schon; aber das Christkindlein
wird häßlich ausfallen, weil man hier
nichts Zierliches in der Art findet." Eine ihrer
Schülerinnen, Klara F e y , .die Gründerin der
Genossenschaft der Schwestern vom armen Kinde
J esu, veranstaltete 1840 eine W eihnachtsbescherung
für notleidende Kinder, und es ist überliefert,
daß dabei zu beiden Seiten einer Krippe
,,ein Christbaum mit funkelnden Kerzen" stand.
Die ältesten Nachrichten über den Brauch, zur
Weihnacht eine geschmückte Tanne aufzustellen,
stammen aus dem katholischen Elsaß, wo er
schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts nachgewiesen
ist. Aus dem Jahre 1605 stammt ein
Bericht von „Dannenbäumen " in den Bürgerstuben
von Straßburg, ,,daran man henket Rosen
aus vielfarbigem Papier geschnitten, Äpfel,
Oblaten , Zischgold und Zucker". Den Lichterschmuck
erhielt der Weihnachtsbaum erst in der
Mitte des 18. Jahrhunderts , und es dauerte weitere
hundert Jahre, bevor der erste Christbaum
auch in Aachen leuchtete. Noch im Jahre 1884
schreibt Matthias S c h o 11 e n , einer der besten
Kenner des Aachener Volkstums: ,,In neuerer
Zeit hat die schöne Sitte, einen Christbaum aufzurichten,
auch in Aachen mehr und mehr Eingang
gefunden." Unter dem Lichterbaum häuften
sich alsdann die Festgaben, die früher St. Nikolaus
Kindern und Erwachsenen gebracht
hatte. Auch im Landkreis war der uns so ehrwürdig
erscheinende Brauch vor dem letzten
Viertel des 19. Jahrhunderts noch unbekannt.
Lange untergegangen war damals schon die bereits
für das 14. Jahrhundert nachgewiesene
Sitte, beim Weihnachtsgottesdienst „das Christkind
zu wiegen". Der jüngst verstorbene Diözesanarchivdirektor
Dr. H. Schiffers schildert
diesen volksliturgischen Brauch wie folgt:
„In der Kirche war eine Wiege aufgestellt, an
der Maria saß. Sie fordert Joseph auf, das Kind
zu wiegen. Dieser erklärt sich dazu bereit. Der
Chor stimmt ein frohes Weihnachtslied an, wobei
die Gläubigen eine wiegende Bewegung machen.
Der Brauch drang später auch ins bürger-
• liehe Leben ein, und das Wort (,,Kindlein wiegen")
wurde dann in übertragenem Sinne auf
gesellige Veranstaltungen der Weihnachtstag e
angewandt, bei denen ähnlich verfahren wurde .. .
In W ü r s e 1 e n kennt man die Bezeichnung
„Christkindchen-Wiegen" für den Brauch, daß
in der Christnacht Musikanten, die Hirten versinnbildlichen,
durch die Straßen ziehen und
dabei alte W eihnachtS'lieder spielen, wie das
später auch während der Wandlung im -Kirchturm
geschieht." Ein uns erhaltenes „altes
Weihnachtslied der Pfarre B a r den b er g" beginnt
mit der Strophe:
,,Dort seh ' ich ein Hütt! - Was wiUst du damit?
Ich folg meinem Sinn und geh' dahin!
Ein Kindlein ich finde beim Esel und Rinde
In Jammer und Not. Was ist das? Mein Gott!"
Im ganzen Aachener Raum hielt der Volksglaube
die Christnacht für eine Zaubernacht.
Wer di~ rechte Formel wußte, vermochte in
dieser Nacht Wasser in Wein zu verwandeln.
Man mußte zur Geisterstunde einen Brunnen
oder eine Pumpe aufsuchen und den Zauberspruch
sprechen: ,,Alle Wasser es Wiin!", und
die Verwandlung geschah. Freilich lief man Gefahr,
daß auch gleich der Teufel' 'zur Hand war
und fortfuhr: ,,Än du bes miin!" Und so unterließ
man es denn lieber; die Kraft der Zauberformel
zu erproben. H. Schiffers weist auch
darauf hin, daß „das sogenannte Christkindchen
Ausschießen, das z.B. in Würselen während
der Christnacht üblich ist, ursprünglich einen
Zauber bedeutete, durch den man alle feindlichen
Mächte abzuwehren suchte." Die Kinder
freuten sich, wenn am Vorabend von Weihnachten
ein schönes Abendrot leuchtete; dann war
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das Christkind beim Printen- und Spekulatiusbacken
, wen n es nicht, wie man im Münsterländchen
gla ubte, auf einem Hahn durch die
Luft ritt und durch die Fenster spähte, ob die
Bub en und Mädel auch alle brav waren.
Für diejenigen Gemeinden des heutigen Landkreises,
die zur Erzdiözese Köln gehörten - es
waren die rechts der Wurm gelegenen -, war
seit 1310 der erste Weihnachtstag zugleich der
Tag der Jahre swende; in den links der Wurm
gelegenen, der Diözese Lüttich unterstellten Ge- •
meind en war aber schon im 16. Jahrhundert der
1. Janu ar als
Neujahrstag
festgesetzt . Auch er war ein Tag des Schenkens.
Kind er, Hausgesil/J.de und .Dorfarme wurden beschert.
Hier und' lda machte man es wohl auch
wie im nahen Selfkant, wo Knechte, Mägde und
bedürf tige Leute mit zugespitzten Stöck en von
Hof zu Hof zogen, ihren Neujahrswunsch hersagten
und bedeutungsvoll hinzufügten: ,,Ech
han det _ Johr mi Verk e verlore; ech komm et
met Stücksjer än Stömpcher wierhooele!" Worauf
dann der Bauer auf den Gabenstock ein
Speckstück, eine Wurst oder ein paar Schweinsöhrchen
spießte.
Die Kinder um Aachen hatten ihr eigenes Heischesprüchlein:
,,Glöcksellig Nöijohr! / Der Kopp
voll Hor! / Der Monk voll Zäng! / Et Nöijohr
ejjen Häng!" Und als „Nöijöhrche" erhielten sie
dann einen „Weggemann" oder ein Printenherz
mit Zuckerguß. Backwerk oder Süßigke'iten
mußte auch der Erwachsene spenden, dem der
Verwandte oder Bekannte „dasNeuja hrabgewonnen"
hatte. In vielen Dörfern war noch bis in die
jüngste Zeit das nicht ungefährliche und von der
Polizei nicht gern gesehene Neujahrsschießen im
Schwang. Hier und da suchte man auch wohl
beim Bleigießen einen Blick in die Zukunft zu
tun, und allgemein üblich war es, daß J(inder,
die sich aufs Schreiben verstanden, den Eltern
einen schönen, mit guten Vor~ätzen wohlversehenen
Neujahrsl:>rief überreichten.
Die Jahreswende lag inmitt en der zwölf heiligen
Nächte, in denen die _Geister der Toten nach dem
heidnischen Glauben der Vorzeit unter Führun g
Wotans ihr Fest feierten. Den Ausklang dieser
Zwölfnächte bildete der
tig in ihr~ Hörner und wurden dafür vom Rat
mit Weinspenden belohnt. überhaupt wurde zu
Dreikönigen gut getafelt und tüchtig getrunken.
Dabei wurde ein gewaltiger „Königskuchen"
aufgetragen und ein „König" der Tafelrunde
gewählt. Ein Klostergeistlicher der Abtei Korn
e 1 i m ü n s t e r berichtet von einem solchen
Essen am Vorabend des Dreikönigen tags 1756:
,, Wir speisen in der Abtei, wo ein Kuchen ver
teilt wird, in dessen Teile Zettelchen gesteckt
sind, und jeder ~rwirbt das Amt und die Würde,
die er nach der Aufschrift des Zettels an sich
reißt. Von allen der erste aber isf der König,
der bei Tisch den nächsten Platz neben dem Abt
einnimmt." Vor hundert Jahren begann der
Brauch zu verschwinden . Schon um 1840 klag t
der Aachener Mundartdichter J. Müller:
,,Dreikönneggenovvend es verjeiße / Än der Jebruuch
at lang verschleiße / Dreikönneggebrefj
ere ze trecke ... "
Es war eine ziemlich kostspielige Ehre , König
geworden zu sein. Der schon genannte Chronist
K. Fr.Meyer bemerkt dazu: ,,Wem das Königsbriefehen
zuteil wird, der hat, so heißt es, den
König gezogen. Er muß alsdann die gemeinlich
vorher festgestellte Zeche den übrigen hergeben ,
und wird dabei auf seine Gesundheit als König
tapfer getrunken." /
Während zu Neujahr das PrintenfestgebäckHerzform
aufwies , war es zu Dreikönigen der Stern,
der in vielfach reichverzierter Gestalt gebacken
und gegessen wurde. In den Dörfern des Aachener
Raums . zogen wohl auch die drei Könige selbst
mit ihrem Stern von Haus zu Haus. Ein altes
Aach ener Dreiköni:gslied beginnt: ,,Es kamen
drei Könige aus Morgenland . / Sie waren von
der Sonne ganz schwarz verbrannt." Auch bei
diesem Sternumzug war der Gebefreudigkeit
keine Grenze gesetzt. Eine Bauernregel aber besagte:
,,Öm Dreikönnege hant de Dag ene Hahne
schrei jelängt!"
Dreikönigentag,
der ihre Stille durch lauten Lärm ablöste und
mancherorts ein karnevalistisches Gepräge aufwies
. In Aachen bliesen die Stadtwächter mäch-
54
AUF FRISCHER SPUR
Von Hans Benning
Früh bin ich in den Eifelwald gezogen, stapf e
durch den knirschenden Schnee und erlebe in
der frostklaren Stille einen herrlichen Sonnenaufgang.
Aus Dunst und Nebel steigt die Licht- ·
spenderin als roter Feu erball _ empor. Ich nehme
das Jagdglas und schaue in die mattblinkende
Sonne hinein. Drei schwarze Punkte stehen
darin. Sind .das Sonnenflecken oder Himmelskörper,
die vor der Sonne stehen? Gedanken
mache ich mir nicht sonderlich darum, und weil
die Kälte mir ins Zeug kriecht, wende ich mich
und pürsche, so gut es der Schnee gestattet,
voran . Hin und wieder . bleibe ich einmal stehen
und suche mit dem Glase die gegenüberliegen
den Hänge ab. Nichts! überall hat das Wild di2
Dickungen aufgesucht, wo es vor dem Frost
einigermaßen Schutz findet.
Eine frische Fuchsspur , die einer P erlens chnur
gleich vor mir herläuft, veranlaßt mich, ihr
zu folgen. Ich muß schnell gehen, viell eicht hole
ich den Fuchs ein. Es wäre nicht das erste Mal,
daß mir das glückt und auch nich t das erste
Mal, daß die Fuchsspur in eine bes endichte
Dickung führt und der Jagd ein erfolgloses Ende
bereitet. Ein Fuchs, der vertraut schnürt, läßt
riichts an seinem Wege aus. Alles untersucht et\
gewissenhaft, hin und her läuft er und macht
auch einmal mit mehr oder weniger Erfolg einen
Sprung und achtet darauf , daß er zu der Visitenkarte
des Vorgängers die seine genau dazu legt .
Das alles hält den Fuchs auf seinem Weg auf
und wenn man Dusel hat ... !
Unwillkürlich fällt mir da ein Erlebnis ein, das
in den Eifelvorbergen neulich ein Jagdaufseher
hatte. Auch er war, wie ich jetzt, der Spu r eines
Fuchses gefolgt und schoß ihm vom Waldrande
aus i:r:i erheblicher Entfernung eine grobe Ladung
Schrot auf den Balg. Der Fuch s quittierte
den Schuß und flüchtete in den Wald. Sofo rt nahm
Schnee und Rauhreif bei Schevenhü.tte
der J ägers mann die Wundspur auf und folgte
ihr, glaubte jeden Augenblick, auf den verend e
ten Fuchs zu stoßen. Nach Durchquerung einiger
Laubho lzdi ckungen blieb der Jäger gebannt
steh en ; denn vor ihm standen ein Dutzend Sauen
im Gebräch. Ein Keiler war darunter, ,,so groß
und mit solchen Gewehren!" Langsam nahm
der J äger seinen Püster von der Schulter , und
als der Keiler auf ihn zuzog, schoß er, im Jagdeife r
etw as voreili g, spitz von vorn. Die Flintenlaufkugel
streifte den Keiler aber nur ein wenig,
der mit erschr ockenem „Wuff" flüchtete und die
ganz e Rotte mitnahm. Mit langem Gesicht schaute
der Nimr od den Sauen nach und dann schüttelte
er mißb illige nd sein Haupt. Das hatte nicht geklappt
. Als er ~i.p.. der Stelle hinkam, wo die
Sauen gebro chen' lhatten, fand er seinen Fuchs,
der aber von d~:~ Sauen in Fetzen gerissen uncl
zum größten Teil bereits gefressen war. Nur die
Lunte lag noch dort und die schwarzbraunen
Läufe des Fuchses . Waidmannspech! Fuchs fort
und K eiler auch nicht da!
Ordentlich warm ist es mir bei der Verfolgung
geword en . Plötzlich sehe ich . auf einer Höhenschneise
den Fuchs als winzigen Strich in großer
Entf ernung. Aha, da schnürt er! Nur stram-·
mer Schritt ist das Äußerste, was er gestattet.
Der Fuchs, noch immer sechshundert Gänge vor
mir, läuft von der einen Grabenseite zur anderen.
Das habe ich gern ; er zeigt mir damit an ,
daß er noch vertraut ist. Wenn der Schnee nicht
so sehr knirschen würde! Ich muß jetzt vom
Wege herunter, auf der weißen Fläche könnt e
mich der Fuchs vorzeitig als Silhouette erkennen
und dann wären meine Anstrengungen umsonst.
Im Dickungsrandetauche ich unter, kriech e
durch Kiefern- und Birkenjungholz, verliere dabei
den Fuchs aus den Augen. Aber das tut
nichts; ich kenne Reineke dafür zu genau und
weiß, daß er es auf seinen Jagdzügen nie eilig
hat, und sonst habe ich ja als Leitfaden immer
noch seine Perlenschnur auf der Schneise. Einige
hundert Meter habe ich mit krummem Rücken
zurückgelegt, und als ich vorsichtig aus der zu
Ende gegangenen Dickung heraustrete, bin ich
froh, daß ich mich wieder aufrichten kann.
Gleichzeitig suche ich mit dem Glase nach dem
Fuchs . Er ist verschwunden . Behutsam folge ich
der Spur, die nagelfrisch im Schnee steht. Wenn
der Schnee doch nicht so knirschen würde! Dab ei
ist es vollkommen windstill , ich werde wohl
nicht auf Schrotschußnähe an Reineke herankommen
können; ich werde einen weiten Kugel-
Der Fuchs pürs cht auf Mäus e
schuß tun müssen! Aber erst muß ich ihn einmal
wieder vor mir haben. An einer Wegegab e
~ung liegt zur Abfuhr bestimmtes StaJnmholz
gestapelt. Eine weite Fichtenkultur dehnt sich
von dort aus über einen halben Berg. Glücklich
komme ich bis zum Holzstapel, die Spur führt
in die Fichtenkultur hinein, ich schaue über das
Stammholz hinweg und richtig, da hinten
schleicht der Fuchs. An die hundert Meter weit
ist er und dazu dreht er mir seine Lunte zu. Ich
mache den Fernrohrdrilling fertig, lege mich der
Länge nach auf das Holz und beobachte, den
Zielstachel genau auf den Fuchs gerichtet, jede
seiner Bewegungen. Nun macht er einen Haken,
steht sichernd breit hinter einer kleinen Fichte.
Noch einen halben Schritt voran müßte er tun,
damit ich die Kugel richtig auf den immerhin
kleinen Brustkorb setzen kann. Die Kugel darf
nur wenig Knochen fassen, damit der Ausscquß
nicht den ach so kostbaren Balg zerfetzt.
Endlich schleicht der Fuchs weiter, zeigt mir
seine ganze linke Breitseite. Leise berührt mein
Finger den gestochenen Abzug , und im Knall
fällt der Fuchs wie vom Blitz erschlagen in den
Schnee und rührt sich nicht mehr.
Wie abgezirkelt sitzt die Kugel, hinter den Blättern
ist sie dem starken, dunklen Rüden durch
die Rippen gefahren. Ich streichele seinen seidenweichen
Balg , ~üpfe ihm die Vorder- und
Hinterläufe zusammen und hänge ihn an den
bequem zu tragenden Stock, damit er nicht verhitzt
und ihm der Balg nicht verdorben wird .
Einen winzigen Fichtenbruch stecke ich mir an
die Mütze, freue mich ob des erfolgreichen Waidwerks
und stapfe durch die ver.schneiten, sonnenbeschienenen
Eifelberge heim . Wie schön ist
es doch draußen, trotz Frost, Schnee und Eis!
56
/ \
/
/ .....
/ ' .,,,,.-__.,,,
/ /' / ::, '
/ /
-...
-
EIN ALTES
WEIHNACHTSLIED
der Pfarre Bardenberg
Dr. H. Schiffers: ,,Während des Gesanges dieses wohl
aus der Barockzeit stammenden Weihnachtsliedes pflegte
durch jemand auf dem Chor das letzte Wort jeder
Strophe wiederholt zu werden, so daß es gleichsam als
Echo widerhallte:
,,Gott - lieb(t) - lieb recht!"
Dort seh' ich ein Hütt! - Was willst du damit?
Ich folg meinem Sinn und geh' dahin!
Ein Kindlein ich finde beim Esel und Rinde
In Jammer und Not. - Was ist das? - Mein Gott!
Ja, recht ich das Kind ganz götterhaft find '.
Sein himmlischer Glanz bewährt es ganz.
Was mag dich doch zwingen so elender Dingen,
Daß dir in der Kripp' zu liegen beliebt?
0 himmlischer Trieb der göttlichen Lieb '!
Hat denn deine Macht Gott Mensch gemacht,
Die Welt zu entbinden vom Bande der Sünden?
Was gibt dieser Lieb' die Erde zu lieb?
Ich hab es gehört: Mein Schöpfer begehrt
Nur Lieb' und Geduld für seine Huld.
Nichts soll mich jetzt scheiden von Liebe und
[Leiden.
0, daß ich nur möcht ' dich lieben so recht!
WINTERN ACHT Von Friedrid, Sdmorrenberg
Spät noch bin ich hier gestanden
In der Winternacht.
Uber all den nächtgen Landen
Funkelt Sternenpracht.
Und es schlummern still die Lande,
Atmen leis und sacht, -
Still! Im leuchtendem Gewande
Gebt ein Engel durch die Nacht.
57_
DI E DRE I K0NIGE ·IM KOHLENPOTT
Eine 'Weihnachtsgeschichte aus dem Aachener Revier
Von Jac. Vonberg
Das Wetter war gar nicht so, wie man es sich
eigentlich für den Heiligen Abend gewünscht
hatt e. Nichts zu sehen von Schnee und Glitzer:
tann en. Die Luft war milde und sanft wie im
Früh ling. Aber das hatte man ja · oft in dieser
westlich en deutschen Landschaft, die da gleich
an Holland und Belgien stieß . Pitt, der sich nach
der Mittagsschicht erst noch etwas ausgeruht
hatt e, hatte dieses feine Wetter benutzt, um
e~nen kleine n ~paziergang d~ch ~as Wur1:11-
talch e-n zu machen zur Burgnune Wilhelmstem,
deren Bergfried sich jetzt hinter ihm im dämmernd
en Abend undeutlich abhob. Eigentlich
hatte Pitt nach Veilchen suchen wollen . Einmal
hatte er sie an einem ebenso milden Heiligen
Ab end tatsä chlich hier gefunden . Aber für wen
sollte er sie auch pflücken, wem konnte er schon
eine Freude damit machen, dachte er im Weitergeh
en; den n Pitt , der Bergmann aus dem
Wurmr evier, war einsam geworden. Was sollte
ihm auch dieser Heilige Abend, den er auch
wied er einsam verbringen würde? Als er nach
dem großen Kriege nach Hause zurückgekehrt
war, da war dieses „Zu Hause" gar nicht mehr
da. Wie die Marie, seine Frau, lag es unter
Trümmern begraben. Erst hatte er verzweifeln
wollen, aber dann hatte er in der Arbeit und
nach der Arbeit im Schnaps Vergessen gesucht.
Und nun schritt er, der Hau er im Aachener
Kohlenpott, seinem Zimmerehen zu, das ihm
sein Arbeitskamerad Hein eingerä~mt hatte.
Dieser Hein war eigentlich genau so arm und
einsam wie er, grübelte Pitt, als er nun die
Weststraße hinunterschritt , um noch in einem
der Läden einzukaufen, ehe die Rolladen heruntergelassen
wurden , und dcJ.hinter fröhliche
Stimmen den Beginn des Heiligen Ab ends und
die Stunde der Bescherung verkündeten. Ja, dieser
Hein. Er hatte P ech mit seiner Frau gehabt.
Erst hatten sie sich so gut verstanden , aber dann
war auch bei ihnen dies er elende Krieg dazwischen
gekommen. Als H ein nach Hau,se kam ,
nachdem der Krieg für ihn in der Kri egsgefan
genschaft noch etwas läng er gedauert . hatt e, da
stand zwar sein Häuschen noch da mit dem kleinen
Garten davor und dem Schweineställchen
dahinter. Auch seine Frau war noch da, frisch
und gesund . Aber sie waren sich in den langen
Jahren, die dazwischen lagen , fremd geworden .
Sie hatten sich nicht mehr viel zu sagen, und
wenn sie etwas sagten, so verstanden sie es
falsch . Vor einigen Wochen hatte ihn seine Frau
verlassen und war zu ihren Eltern gezogen .
Als Pitt so über seinen Arbeitskam erad en Hein
nachdachte und an den einsamen Abend dachte ,
der ihnen nun in der leeren, freudlos gewordenen
Wohnung bevorstand, fröstelt e er und
unwillkürlich, als könne er dahinter Wärme und
Behaglichkeit finden, klappte er sein en Rockkrag
en hoch , trotzdem die Luft noch immer
ebenso mild und sanft wie zuvor war . ,,Mensch ,
Pitt, du siehst mich ja gar nicht. Hätt est mich
beinahe umgerannt .. ." Die Stimme , die so zu
Pitt sprach, gehörte einem langaufg eschossenen ,
blass en jungen Mann, der, die Hände in die Ta-
Auf der Rodelw iese
58
sehen vergraben, ziellos dahergeschlendert kam,
als wollte er den Heiligen Abend auf der Straß e
verbringen. Fritz, so hieß er, war auch einer
vom Strandgut unserer Zeit. Er war einer von
denen, die gleich nach dem Kriege mit den Wellen
des großen Zuges aus dem Osten hierhin in
den Westen gespült worden waren. Von Beruf
war er eigentlich Buchdrucker gewesen, aber in
den ersten Notjahren nach dem Kriege konnte
er in der neuen Heimat keine Stelle finden, und
so war er in den Pütt gegangen und dort hängengeblieben.
Eine Art von stiller Resignation
ließ ihn darauf verzichten, sich nach Arbeit in
seinem eigentlichen Beruf umzusehen. Außerdem
verdiente er ein schönes Geld , das seinen
Angehörigen, die noch drüben in der Ostzone
waren, in Form von nahrhaften und wärmenden
Paketen sehr zugute kam.
Die Beiden standen sich nun gegenüber, zwei
einsame Menschen auf der Straße des Kohlenortes,
der fast von Minute zu Minute merklich
stiller, einsamer und auch erwartungsvoller
wurde, als ob alle Menschen in der nächsten
Stunde einem besonders großen Glück entgegengingen.
Die Zwei sahen sich an, und jeder
las in dem Blick des anderen seine Einsamkeit
und die Sehnsucht nach der brüderlichen Nähe
eines Mitmenschen an diesem Abend . Sie machten
nicht viele Worte. Das ist nicht Bergmannsart,
sondern sie gingen in den nächsten Laden,
der noch geöffnet war, kauften leckeren Aufschnitt,
Rauchwaren und leisteten sich sogar
zwei Flaschen Weinbrand, eine besonders piekfeine
Sorte mit drei Sternen. Also beladen, trotteten
sie langsam Pitts möbliertem Zimmer zu;
wo sie zu feiern gedachten, um auch Hein an
den Freuden und der warmen Kameradschaft
dieses Abends teilnehmen zu lassen.
Als sie die schon etwas ausgetretenen brüchigen
Stufen des Häuschens hinaufgingen, sahen sie,
daß unten im Erdgeschoß überall helles Licht
brannte, und sie spürten, daß hinter den Türen
etwas Besonderes vorgehen mußte. Oben in seiner
leeren Wohnung saß Hein. Etwas erstaunt
blickte er von seinem Roman aus der Leihbücherei
nebenan auf, als er statt des einen Erwarteten
zwei eintreten sah. Aber er kannte
den langen, blonden Fritz. Sie arbeiteten im
gleichen Revier unter dem Steiger Wolff. Bergleute
machen nicht viele Worte. Der Tisch wurd e
in die Mitte des Zimmers gerückt, die mitgebrachten
guten Sachen darauf ausgebreitet, und
Pitt wollte gerade die erste Flasche Dreistern
entkorken, als ihm der Lichtschein und die Geräusche
von unten einfielen, und fragen d wandte
er sich an Hein, was sich da unten im Erdgeschoß
eigentlich ·täte. Und da hörte er von ihm
die traurige Geschichte. In dieser Nach t sollte in
dem Bergmannshaus auch ein kleiner Mensch
zur Welt kommen. Seit den Morgenst unden lag
Sophie, die junge Frau, in den Wehen un1
bangte in Schmerzen ihrem ersten Kind ent -\
gegen. Aber was waren schon diese k-örperlichen
Schmerzen, obwohl sie sie immer wieder hochwarfen,
gegen das Leid, das sie in ihrem Innern
trug. Vor wenigen Wochen war ihr Mann von
fallendem Gestein erschlagen worden. ,,So seltsam
und unbegreiflich ist das Schicksal: die,
die sich lieben reißt es auseinander, und die, die
zusammen sein könnten, die gehen freiwillig
auseinander", schloß Hein seinen kleinen trau
rigen Bericht.
Die beiden anderen hatten stillschweigend zugehört.
Da wurde die Stille unterbrochen durch
einen hellen Schrei, der von unten herauf stieg,
man hörte eifriges, aufgeregtes Getrappel und
Gerede, und dann - ja es war ganz deutlich zu
hören - das erste schmerzliche Quäken eines
Kindes. Da blickte Pitt auf, sah seine Kameraden
an, deutete still auf die guten Sachen, die
auf dem Tisch lagen und meinte dann: ,,Sollen
wir der Sophie nicht als erste gratulieren." Und
die beiden anderen machten gar keine Einwendungen.
Still erhoben sie sich, still packten sie
das zusammen, womit sie hofften, der jungen
Mutter eine Freude zu machen, und ebenso still
und vorsichtig, als befänden sie sich in einem
wildfremden Hause , stiegen sie die Treppe hinab.
Sie waren plötzlich ganz unbeholfen wie
drei große Tölpel. Als sie anklopften, öffnete
ihnen ein altes Weibchen, die Hebamme, und
sah die drei, die wie schuldbewußte große Schulbuben
vor der Türe standen, erst mißtrauisch,
dann aber - als sie die Gaben in den Händen
bemerkte - mit stillem, gerü~rtem Verständnis
an, und sagte sie: ,,Pst! Aber ganz still! Ich
gehe vor, sonst erschreckt ihr mir die junge
Mutter; sie erwartet ja keine drei Könige."
Bleich von dem Kampf mit dem Leben um das
neue Leben lag die junge Mutter in ihrem Bett.
Man hatte ihr das Neugeborene in den Arm gelegt,
und während ein paar Tränen über ihre
Wangen liefen, war in ihren Augen doch ein
stilles Glück, wie sie nun von dem kleinen Menschenwesen
auf die drei großen , tollpat schigen
Kerle blickte, die jetzt unbeholfen nähertraten
59
und die mitg ebrachten Gaben leise auf die Decke
legten. Die dre i begriffen erst jetzt, in dieser
stillen Minu te, was dieser Augenblick für sie
bedeut ete. Sie fühlten plötzlich, daß das Schicksal
ihnen doch noch etwas vom großen Glück
dieses Abends, das die ganze Welt umspannte,
mitgeb en wollte. Sie begriffen, daß sie sich zusamm
engefun den hatten, um ihrer eigenen Einsamk
eit, ihre m eigenen Weh zu entgehen, und
daß sie nun ein anderes, wenn nicht schwereres
Leid auf ihre m Weg gefunden hatten. Und das
gab ihn en ein e Freude besonderer Art, eine
Freud e, wie sie sie nie zuvor gekannt hatten.
Und so wur de es ganz still in der kleinen Kammer
wie zur Weihnacht im Stall zu Bethlehem.
Einen kurze n 1 ugenblick verharrten die drei
noch , um dieses seltsame Glücksgefühl, das sie
ganz erfüllte, wenigstens noch eine kleine Weile
zu spüren. Dann verließen sie, ganz still , fast
lautl os, als gingen sie auf Socken, den kleinen
Raum , in dem sich eben auch wieder das Wunder
einer neuen Menschwerdung vollzogen hatte.
Still , ohn e ein Wort zu sagen , stiegen sie nach
oben. Dann wich allmählich der Zauber von
ihnen , und als der Dreigesternte vor ihnen stand,
da war das , was sie eben noch erlebt hatten,
wie ein Traum. Pitt fragte: ,,Wovör hant vüer
dat eijentlich jedoe?", und gab sich selbst still
in seinem Inneren die Antwort auf eine Frage ,
die nur aus seiner Verlegenheit kam. Hein wollte ·
mit einem frechen Witz über seine stille Er'
griffenheit von eben hinwegtäuschen; aber in
dieser Nacht gefror der freche Witz auf seinen
Lippen. Jed er war in seinem Herzen überglücklich;
aber keiner wollte es dem anderen sagen .
Als sie wieder auseinandergingen , Pitt in sein
kleines Zimmerehen nebenan, Fritz in das Bergmannsheim
nahe bei der Zech e, da war jeder
wieder allein; aber einsam war er nicht mehr.
Sie hatten Anteil gehabt an der großen Liebe,
die diese einzige Nacht des Jahres über die ganz e
Erde ausströmt. Und als Fritz auf seinem stillen
Heimweg zum Heim einmal aufblickte, stand
leuchtend ein Stern über der dunklen breiten
Last der Kohlenhalden, die die kleine Stadt im
·Kohlenrevier ernst und dunkel umrahmten.
Kokerei Anna in Alsdorf
60
14 HERZEN
SCHLAGEN Fl:JR KILOHERTZ
Ein 'Wahrzeichen des Landkreises:
Der Funkturm auf dem Donnerberg
. Vo,1 Jo Win kens
1944: Der Donnerberg bei Stolberg , auf den Meßtischblättern
der Generalstäbler als „Höhe 283"
bezeichnet, wechselt in wenigen Wochen mehrere
Male seinen Besitz er. Das Resultat ist in
den Maitagen 1945 ein von Granaten aufgewüh l
ter Berg, der einer Mondlandschaft gleicht '.
1951: Über den Donnerberg holpert eine Kolonne
grauer Funkwage n, deren Beschriftung not
dürftig überstrichen, aber dennoch unschwer zu
er kennen ist: ,, Soldatensender Ursula" .
Und auf der „Höhe 283", dem Donnerberg bei
Stolberg, da findet der Soldatensender Ursula
eine neue provisorische Heimat , um das Mittel
wellenprogramm des Nordwestdeutschen Rundfunks
in den Landkreis Aachen auszustrahlen ,
Genau zwei Jahre wird es dauern, ehe der 104
Meter hohe Dreiecks-Funkturm inmitten einer
neuen stationären Sendestation stehen wird . Die
Zeit des Soldatensenders Ursula ist dann aber
noch immer nicht abgelaufen. Schon 20 Jahr e
alt, wird er als Sender für die in Deutschland
~tationierten englischen Truppen (BFN) weiterhin
im Raume Herford seinen Dienst tun.
Auf dem Donnerberg aber wurde in der Zwischenzeit
einer der mod ernsten Sender installiert,
und von hier aus, der „Höhe 283 ", strahlt
er nun täglich das Programm des NWDR in den
gesamten Aachene r Raum und noch weit darüber
hinaus . Von morgens 5 Uhr bis nachts um
1 Uhr.
14 Mann ist die gesamte NWDR -B elegschaft
stark. 14 Herzen , die sich den technischen Begriffen
von Nieder- und Hochfrequenz verschrieb
en hab en und deren Herz für Kilohert z
schlägt, für die Wellenlängen , die u. a. auch dem
Landkreis Aachen einen klangreinen und störungsfreien
Empfang des NWDR -Programmes
sicherstellen .
Das ist die Geschichte des Senders Donnerberg .
Die technische Dir ektion des NWDR , an ihrer
Spitze Prof. Dr. Nestle, hatte sich 1951 entschlossen,
das westliche Grenzgebiet, den Aachener
Raum, rundfunkmäßig einwandfreier als
bisher zu versorgen . Die Kopenhagener Wellen
konferenz - sie teilte jedem Sender die Wellen-
Sendem ast auf d em D onn erberg
länge zu - hatte es den Rundfunkanstalten
zur Abwendung eines drohenden Dilemmas im
Rundfunkempfang auf dem Mittelwellenband
erlaubt, die Welle ein es weit entfernt liegenden
Senders durch kleine, höchstens 5 Kilowatt starke
Ortssend er mitzubenutzen . Dadurch war ein Ausweg
geschaffen worden; aber·' eine endgültige
Lösung sollte erst Jahre später das Ultrakurzwellen
-Netz bringen.
Im Frühjahr 1951 befährt ein kleiner ·Meßtrupp
der Hamburger NWDR- Zentraltechnik den
Aachener Raum und sucht nach einem geeigneten
Platz für den Ortssender. Die Techniker
wählen schließlich den trigonometrischen Punkt
283, den Donnerberg bei Stolberg . Dort sind die
Voraussetzungen für den Bau eines Senders und
die Ausstrahlung der Programme am günstigsten.
61
Am 1. Oktober 1951 wird mit einem 50-Meter
Mast in dem fahrbaren Sender Ursula mit dem
Mittel wellen programm begonnen. Der Empfang
ist gut , und der Anfang zu einem Aachener
Send er ist gemacht. Oben auf dem Berg aber,
283 Meter übe r Normal-Null, müssen die wenigen
Tech nike r des Senders unter den denkbar
ungü nstigs ten Umständen ihren schweren Dienst
versehen. Der ,Donnerberg ist noch vom Kriege
her vermint, und ehe mit dem Bau des stationären
Send ers begonnen wird , hat der Berg noch
sein e Mensche nleben gefordert: Tote durch
Kri egsminen .
Heu te reckt sich der rot-weiße Finger des 104
Meter hohen Gittermastes mit dem aufgesetzten
„Schornste i,;i.", so nennen die Techniker die
16 Met er hohe boppelschlitzantenne des UKW
Senders, als wei thin sichtbares Wahrzeichen über
dem Berg. Und von dort aus gehen die Programme
des N ordwestdeutschen Rundfunks in
das Aachen er Land. In die hunderttausend Rundfunk
empfänge r. Das Mittelwellenprogramm auf
dem 428-Me ter-Band, entsprechend 701 Kilohertz
und das Zweite Programm West auf 90.0
MHz. Zusätzlich strahlt der Sender Stolberg
seit Dezember 1955 über einen zweiten UKW
Send er noch das NWDR-Mittelwellenprogramm
aus , um eine n einwandfreien Empfang beide r
Prog ramme sicherzustellen.
Die restlose Versorgung des Landkreises mit
Hörfunk machte die Frage des Fernsehsenders
akut. Der technische ,Direktor des NWDR, Prof.
Dr. Nestle, hat erst in jüngster Zeit dem Bau
eines Fernsehsenders für Aachen zugestimmt.
Ein fahrbarer Versuchssender wird jetzt die
Arb eit aufnehmen und den günstigsten Standort
für den Sender ermitteln. Alle Anzeichen
sprechen dafür, daß der Donnerberg auch zur
Heimat des Fernsehsenders Aachen wird.
Vier Sender werden dann auf dem „Funkhügel"
bei Stolberg für die funktechnische Versorgung
des Aachener Raumes zur Verfügung stehen.
Vier Sender im Landkreis Aachen, als ein Abbild
der Technik unseres Jahrhunderts , aber auch
als sichtbares Zeichen der Bedeutung , die die
Funkleute dem Landkreis Aachen als Grenzraum
beimessen. Auf der technischen General
stabskarte ist dann der Kreis als funkische Visitenkarte
gegenüber dem Ausland eingezeichnet.
Der Funk, den jene Männer überwachen und
dessen -Programm jene Techniker ausstreuen,
deren Welt so voller kleiner und großer Geheimnisse
ist .
Eine Welt voller Meßwerte , aufleuchtender Kontrollampen,
Isolatoren und Konstanthalter, modulierte
Hochfrequenz und Temperaturregler,
eine Welt voller technischer Zauberdinge, die
von 14 Männern bedient und beherrscht wird.
70 Kilometer entfernt , in Köln am Wallrafplatz ,
steht das Funkhaus. Dort ist das Hirn jedes Programmes;
das Herz aber, das dem gesprochenen
Wort und dem gesungenen Lied Leben verleiht,
dieses Herz schlägt auf dem Donnerberg. überwacht
von 14 Technikern .
Aus allen deutschen Gauen sind sie nun hier -·
her, in den Landkreis Aachen , verschlagen worden
und haben in Stolberg mit ihren Familien
eine neue Heimat gefunden. Der Leiter des Senders
, Fränkel , und seine Mitarbeiter mit ihren
Familien.
Tagaus tagein üb erwachen sie die von den Funkhäusern
ausgestrahlten Programme und sorgen
für eine stets gleichbleibend e Sendestärke, sorgen
dafür, daß die der modulierten Nieder
frequenz aufgedrückte Hochfrequenz aus dem
Dreiecks-Gittermast einwandfrei zu den Hörern
kommt, als technisch einwandfreies Rundfunkprogramm.
Und wenn in den Häusern des Landkreis es
Aachen die Lichter schon lange erlo~chen sind ,
wenn in diesen Dezembertagen eine festlich e
Ruhe schon lange über den Grenzdörfern liegt ,
dann sitzen die Techniker auf dem Donnerber g
wie seit vier Jahren vor ihren Sendeschränken
und Üb erwachungspulten und sorgen dafür , daß
die Grußbotschaften der Weihnachtstage störungsfrei
in den Äth er hinausg ehen. Das ist ihr e
Aufgabe, und es gehört mitten hinein in ihr e
kleine Wunderwelt, die sie sich dort oben auf
dem Donnerberg geschaffen haben.
Im Sendersaal
62
DER KREIS VOR 150 JAHREN
Ein Dekret Napoleons beendete 1802 eine tausendjährige Tradition
Von Heinrim B. Capellmann
Die Auswirkungen der französischen Revoiut ion brachten auch für das Aachener Land eine tiefgreifende
N euordnung der poLitischen, wirtschaftiichen und kirchLichen Verhäitn is se, wie sie hier durch rund tau
send Jahre ununterbrochen und fast unverändert bestanden hatten. Entscheidend für diese Wendung war
das Dekret NapoLeons vom 9. Juni 1802, das aUe Linksrheinischen Kiöster aufhob und, soweit sie kaiser
Lichfreie ReichsherrLichkeiten waren, ihrem LandesherrLichen Regiment ein Ende setzte. 1 \
Im Gebiete des Aachener Landes waren es vor
allem die alten, berühmten Reichsabteien Kornelimünster
und Burtscheidt, die damit der Säkularisation
zum Opfer fielen. Es war der Schlußstrich
unter einer Entwicklung, die allerdings
schon ein Jahrzehnt früher eingesetzt hatte, als
die französischen Revolutionstruppen linksrheinisches
Gebiet besetzt hatten und im Zuge dieser
Invasion u. a. auch dem „Aachener Reich" mit
seinen Reichsdörfern, den früheren „ Quartieren",
die bürgerliche Reichsfreiheit genommen
hatten.
Schwere politische und soziologische Umwälzungen
waren dieser Entwicklung voraufgegangen,
zuerst in Frankreich, dem Herd der Revolution,
dann auch im linksrheinischen Gebiet , aLs Frankreich
1792 an Österreich den Krieg erklärte und
die Österreicher sich nach anfänglichen Erfolgen
bis an den Rhein zurückziehen mußten . Damit
; wird auch das Aachener Land von den Revolutionstruppen
überflutet, die nun hier nicht bloß
als militärische Wegbereiter eines neuer wachten
französischen Expansionswillens, sondern
auch aLs Bannerträger umwälzender revolutio-
Kornelimünster
närer Ideen einrückten. Am 18. Dezember 1792
besetzte n sie zum erstenmal das Aachener Land.
Wechselndes Kriegsglück
Am 23. Dezember ziehen sie ab; aber es folgen
dann fortlaufe nd neue Einquartierungen. Als
erstes sichtbares Zeichen einer neuen Zeit und
eines Wechsels der Dinge setzen sie der Statue
des Ortspatro ns auf der Abteikirche eine rote
Jakob inermütze auf. Aber das Kriegsglück wechselt;
die Kai serlichen stoßen wieder vor. Der
2. März 1'793 ist auch für das Münsterländchen
der Tag der Befreiung, allerdings auch ein Tag
des Schreckens. Am 15. März kehrt der Administrator
der Abtei, Freiherr von der Horst
Boisdo rff, in die '/Abtei zurück. Dann wendet sich
wieder das Kriegsglück; die Franzosen werfen
die Kai serliche n aus den Niederlanden zurück.
Am 21. und 22. September 1794 flutet eine kaiserlich
e Armee von 30 000 Mann durch Kornelimünster
und lagert für die Nacht im Ort und
auf den Höhen. Am 24. September folgen ihnen
die Franz osen mit 52 000 Mann. ,,Die Verwüstungen
, welche durch dieses Heer angerichtet worden,
sind sehr groß" , sagt ein zeitgenössischer
Chronist. Am 20. Oktober wird auf dem Markt
der erste Freiheitsbaum errichtet, dessen Spitz e
wiederum eine Jakobinermütze schmückt.
• Wir sind französisch geworden•
An Stelle der bisherigen Gewalten werden neu e
Munizipalitäten und Friedensgerichte eingerichtet.
Aber keiner hat zu ihren Amtshandlungen
Vertrauen. Das Münsterländchen wird kommunalpolitisch
aufgeteilt: Büsbach und die früheren
abteilichen Sonderherrschaften Gressenich
und Eilendorf werden der Munizipalität von
Eschweiler zugeteilt, der übrige Teil des Ländchens
kommt nach Burtscheid. Im Februar 1801
trifft mit dem linksrheinischen Gebiet auch das
Münsterländchen ein schwerer Schlag, _der alle
Hoffnungen auf eine baldige Änderung der
drückenden Verhältnisse ' zerstört i , durch den
:,
Friedensvertrag von Luneville wird das gesamte
Gebiet integrierender Bestandteil der „einen und
unteilbaren französischen Republik ". ,,0, welch
eine Veränderung der Dinge. Unser Los ist entschieden!
Wir sind französisch geworden!",
schreibt der Chronist. Am 9. Juni 1802 folgt
dann das Gesetz, wodurch alle · Klöster in den
vier neuen französischen Departements aufgehoben
werden.
Alter Bauernhof am Rolleferb erg
Der 16. August 1802 sieht dann , nach tausendjährigem
Bestehen , das endgültige Ende der
Abtei Kornelimünster, nachdem das weltliche
Regiment praktisch schon seit Beginn der Invasion
zu bestehen aufgehört hatte. Die letzten
Kapitulare werden aus Abtei und Residenz verwiesen.
Die Besitzungen der Abtei verfallen dem
französischen Staat.
Größere kirchliche Eigenständigkeit
Die Pfarrkirche auf dem Berg, die aus ihren Anfängen
heraus, dem auf merovingischem Fundament
ruhenden heutigen Glockenturm, durch
tausend Jahre die Mutterkirche des gesamten
Ländchens gewesen war, wurde all?- 1. September
1802 geschlossen. Ihre beiden besten Glocken
wurden der Pfarrei Eschweiler zug esprochen , wo
sie aber beim ersten Läuteversuch zersprangen.
Burtscheid erhielt die Orgel der Bergkirche .
Statt der Bergkirche erhielt die Pfarrgemeind e
die bisherige Abbatialkirche als Pfarrkirche.
Den Fortbestand der beiden Kirchen verdankt
der Ort nur besonders günstigen Umständen;
denn anderwärts wurden auch Kirchen und Klostergebäude
zu Abbruchzwecken oder zur Verwendung
als Pferdeställe versteigert . Mit der
Auflösung der Abtei verfiel auch die bisherige
Großpfarre, die alle Orte des Münst erländchens
umfaßte , der Auflösung. 1803 und 1804 entstehen
die neuen selbständigen Pfarreien Kornelimünster,
Walheim, Hahn , Venw ege n, Breinig
und Brand, nachdem allerding s schon früher
den größeren Orten, insbesond ere Walheim ,
durch die Abtei eine größere ki~chliche • Eigen
ständigkeit zugebilligt worden war. Gleichzeitig
wurde auch Mausbach zur Pfarre erhoben, das
aber schon seit Jahrhunderten mit Gressenich
64
verbunden war , wo die Abtei einen eigenen Geistlichen
mit Pfarrechten unterhielt.
1802 wurde auch die alt e Erzdiözes e Köln aufgelöst
und zum größten Teil dem neuerrichteten
Bistum Aachen unterstellt. Am 25. Juli 1802
erfolgt im Dome zu ·Aachen die Inthronisation
des ersten Aachener Bischofs, des bisherigen
Pfarrers und Dechanten von Paffans im Elsaß,
Marcus Antonius Berdolet. Bischof Berdolet starb
bereits am 13. August 1809 an einem Blutsturz.
Napoleon bestimmte zwar sofort einen Nachfolger
; aber diesem blieb die päpstliche Bestätigung
versagt. Erst in der preußischen Zeit , am
24. März 1825, wurde die Aachener Diözese aufgelöst
und die Kölner Erzdiözese wieder eingerichtet.
Politische Neugliederung
Der kirchlichen Neueinteilung war bereits die
politische Neuaufteilung des Landes voraufgegangen.
1798 wurde das linksrheinische Land
in vier Departements eingeteilt. Das Aachener
Der Z ehn thof i n Haaren
Land gehört zum Rurdepartemen t, das eine sehr
weite Ausdehnung und Aachen als Haupt stadt
hatte. Es umfaßte 42 Kantone , die nach den jeweiligen
Hauptorten benannt werden. Es kann
als ein Verdienst der französischen Mach thaber
angesehen werden, daß durch diese Neuor dnung
die Unzahl der Zwergstaaten verschwand . Für
die Bevölkerung war die politi sche Aufs plitt ~t
rung eine schwere Belastung , da die Entw icklung
von Industrie , Hand el und Verkehr durch
vielfache Grenz- und Zollsch wierigkeiten stark
gehemmt war. Viele Anordnung en zur Hebung
des wirtschaftlichen Lebens gehe n von N apoleon
selbst aus. Besonders bed eutungsvoll für
das linke Rheinufer wurde dessen Reise durch
diese Gebiete im Jahre 1804. Ein Erg ebnis dieser
Reise war es auch , daß Napoleon noch im gleichen
Jahre den Aus- bzw. Neubau der großen
Militärstraße Aachen-Trier in Angr iff nahm.
Die anfänglich günstige Entwicklung der Industrie
hielt aber nicht lange an, da die fri edlo sen,
kriegerischen Verhältnisse in zunehm endem
Maße starke wirtschaftlich e Erschü tte run gen
auslösten.
Freiheit J ür die Bauern
Tiefgreifende Umwälzungen brachte die neue
Zeit auch für die Bauern, die nach ihr em persönlichen
Lebensstand aus hörigen und nur beschränkt
rechtsfähigen Menschen zu fr eien Bürgern
wurden. Mit dieser Errungenschaft waren
sie ihren rechtsrheinischen Genossen , die noch
durch die Fesseln der alten Feudalordnung gebunden
waren , r echtlich und stand esmäßig weit
voraus. Mit dem Abgang der alten Ordnung ver- _
schwanden auch die alten Steuern , Belastungen
und Sonderauflagen , vor allem der Groß e und
der Kleine Zehnt und die Hand- und Spanndienste,
die insbesonder e für die Bauern des
Münsterländchens _ schwer waren. Zwar zog der
französische Staat den gesamten Landbesitz der
enteigneten Kleinfürsten für )'.,ich ein; ab er er
gab doch den Bau ern zu tragbaren Bedingungen
Gelegenheit , ihn nun käuflich zu erw erben .
Frankreich verlor aber bei all diesen revolutionären
Neuordnungen kein eswegs seinen eig e
nen Nutzen aus dem Auge; viele der früh eren
Abgaben , wi e der Zehnte, mußten anfangs an
den französischen Staat weitergezahlt werden .
Auch stieg die Last der neuen Steuern, die anfangs
durchschnittlich nur etwa sechs Franken
je Kopf ausgemacht hatten , gegen Ausgang der
Franzosenzeit auf etwa 30 Franken.
SELT SAM E PROZESSE
Von Jacob Steinbusc'b
Wer die Blät ter der Chronik unserer Heimat
zurückschläg t, trifft unwillkürlich auch auf ein
seltsam inte ressantes Gebiet: das der • alten
Rechtspflege. Die Göttin Justitia ist immer eigene
Wege gewan delt, auch in der Vergangenheit , und
so finden wir denn zum Beispiel in der Gegend
um Aachen den seit altersher geübten Brauch ,
von der Kir chenkanzel nicht nur Eheaufgebote
und Hirten brief e, sondern auch Gesetze , Verordnu
ngen, wichtige Termine und polizeiliche
Vorschrifte n a~ .Sonn - und Feiertagen bekanntzugeben.
Dies en Zustand treffen wir bis vor ungefähr
200 J ahren noch an. In den Pfarrkirchen
zu A~sdorf, Afden , Herzogenrath und Merkstein
- um nur einige herauszugreifen - benutzte
man hierz u das Hochamt, weil in ihm die mei
sten Leute versammelt waren. Ein alter Brauch,
der uns heute etwas eigenartig anmutet, aber
prak tisch war und seine Wirkung nicht verfehlt e.
Später ging man dazu über, besonder s wichtige
Verordnung en an die Kirchenportale zu heften.
Neben dieser Art der Veröffentlichung von Gesetze
n hatte auch das Prozeßwesen seine Eigenart.
Um ein anschauliches Bild davon zu geben ,
wie sich damals ein Prozeßverfahren hierzuland e
abwick elte, seien einige interessante Prozeßfälle
aus Alsdorf angeführt, die mehrere Jahrhundert
e zurückliegen .
1.74 Jahre Prozeßdauer
Wenn ein Alsdorfer Bürger z. B. eine Rechtsstr
eitigk eit mit einem Bewohner der angrenzen
den Jülich er Lande hatte, kam in erster Instanz
die Sach e vor das Vogtgericht auf Burg Wilhelmst
ein, in zweiter Instanz war das Obergericht
in Düss eldorf zuständig , urid zuletzt schaltete
sich das Reichsgericht ein , das damals seinen
Sitz in Wetzlar hatte. Die Proz esse wurden damals
- gemessen an den heutigen Verhältnissen
- sehr weitschweifend geführt und erstreck
ten sich oft über mehrere Jahrzehnte. So ist uns
bekannt , daß ein Erbschaftsproz eß, den die Adligen
von Beyßel und von Blanckart aus Alsdorf
führten , ,,nur" 174 Jahre die Gerichtsinstanzen
besch äftigte , also mehrere Generationen nicht
zur Ruhe kommen ließ.
Schöff enhaus in Ward en
Sechs Jahre Streit um Karnickel
Ein mate riell 1:1nbedeutender Proz eß, den heut e
j t-des Gericht, falls es überhaupt in Anspruch genommen
werden sollte , in kürzest er Frist entschieden
haben würde, spielte sich in der Zeit von 1603
bis 1609 vor den ni ederen und höheren Jülicher
Gerichten ab und gelangte zuletzt an das Reichskammergericht
in Wetzlar '. Die Akten hierüber
umfassen 186 große Seiten . Kläg er war der damalige
Alsdorfer Burgherr Anton von Harff ,
Beklagter der Freiherr Johann von Gronsfeld
Nievelstein zu Schloß Kell ersberg . Kurz er Tatbestand:
Vom Haus Alsdorf sollten einige Kaninchen
weggelaufen sein, die die Diener des
Schloßherrn zu Kellersberg unbefugterweis e
eingefangen haben sollten. Dieser Proz eß dauerte
sechs lange Jahre. Man kann wohl hieran
die Schlußfolgerung knüpfen , daß an dem Endergebnis
dieses Prozesses weder die Kaninchen
noch die Str eitenden viel Freude erl ebt haben,
daß die umstrittenen Vierfüßler sehr teuer geworden
sind und bereits längst tot waren, bevor
das Urt eil, zu welchem Herrn sie nun eigentlich
gehörten, bekannt wurde .
66
EMIL R0HRIG
Ein Blatt der ßrinnerung
Am 22. Juli vergangenen Jahres starb im Landkreis
der hervorragende Musiker Emil Röhrig .
Er war erst wenige Monate vorh er von Aachen
nach Brand gezogen, um in der freieren und erfrischenderen
Uqigebung Linderung von langem ,
quälendem Leiden zu finden. Anfangs tat der
Wechsel ihm wirklich wohl; aber heilen, retten
konnte ihn nichts und niemand mehr. Er selber
;
I
,,Hürt genwa ld"
wußt e es am besten. Dennoch zeigte er keinen
Augenblick irgendwelche Furcht vor dem Ende.
Höchstens, daß er bedauerte , dies und jenes , das
ihm noch zu schaffen vorgeschwebt hatte, nicht
ausführen zu können. Oder bedau er te, daß die
Kraft nicht ausreichte , um so manch es Werk,
dessen Partitur die Flammen 1943 verzehrt
hatten , das er aber noch treulich mit all en Stim
men im Kopfe hatte, erneut niede rzuschreiben.
Immer tätig , immer fleißig zu sein, war ihm zur
zweiten Natur geworden . Davon hatten nicht
zuletzt die Brand er Freund e, die Röhri gs letztes
Werk , ,,Hürtgenwald" , - er nannte es schon
während des Entstehen s: ,,Mein Requiem ... " - ·
uraufgeführt hatten , oft Nutzen gezogen ; denn
nie hatten sie vergeblich gefragt, wenn sie für
ihre Fest e und Feiern einen Marsch , einen Tanz
oder ein sonstiges Stück gern instrumentiert gehabt
hätten! Der Meister ger ade dieser Kunst :
einem musikalischen Gedan ken das ihm an
$tehendste klangliche G_ewand . zu „verpassen" .
hatte schon ganz ander e Dinge zuwegege bracht
als die , die hier von ihm gewü nscht wurden: die
,,Sinfonischen Veränderungen über Urbs aquensis"
für großes Orches ter, dutzende, einstmal s
in Volkssinfonie- , Kur- , Milit är- un d Rundfunk
konzerten ständig gespielter sogenannter Unterhaltungsmusiken
, die Chorballad e mit Orchester
,,Der Schmi ed von Aachen ", in den letzten Schaif'
fensjahren noch die Volkskantat e „Bergm annsleben
" waren lauter Arbeiten, zu denen die volle
Beherrschung des Handwerklichen ers te Voraussetzung
war .
Wo aber hatte Emil Röhrig sein „Han dwerk"
erlernt? Wo war er üb erhaupt her , und wie war
er zu uns gekommen? Beginnen wir mit der
Antwort auf die zweite Frage! Die erste und die
dritte lassen sich • dab ei am einfachst en mitbeantworten
.
Emil Röhrig wa r: am 31. Oktober 1882 in Rette rt
über Bad Ems zur Welt gekommen. Diese Welt
war für ihn bis üb er sein zehntes Jahr hinaus
die bäuerliche ein es weltf ernen Dorfes . Aber
merkwürdig : der Junge zeigte nich t das geringst e
Geschick zu bäuerlichen Arbeiten! Genau so
wenig wie später in Ems , wo ihn der Onkel
Fotograf mehrere Jah re in Obhut genommen
hatte , zum Lichtbildnern , Schriftsetzen oder
Tischlern. Das aber, wozu Emil Anlage und N eigung
verriet und worin er sogar schon ein gewisses
Könn en besaß , die Musik, sollt e er durchaus
nicht als Beruf ausüben lernen! Darüber
packte den Fünfzehnjährigen die Verzweiflung ,
und er büchste aus. Eine sogenannt e Militärmusikervorschule
in Wiesbaden war sein erstes
Ziel. Die Stadtpfeiferei zu Frankenberg im thü-
67
ringischen Sach sen sein zweites. In Stadtpfeifereien,
halb privaten, halb behördlich geförderten
Musi ksch ulen für Instrumentalisten wurde
um 1900 die Mehrzahl aller deutschen Orchestermusiker
ausgeb ildet. Emil hatte Glück: er war
an einen tüchtige n Meister geraten. Da ihm vor
allem das Violin spielen lag, machte er darin
rasch große Forts chritte - so große, daß , da er
seine Mitschüler weit überragte, der Meister
glaubte, ein Übriges tun zu müssen, und ihn
zusätzl ich dem 1. Konzertmeister des Chemnitzer
Orchest ers zum „letzten Schliff" übergab . Chemnitzens
Erste r aber war kein anderer als Fritz
Dietrich, wenige Jahre danach viel bewunderter
Erst er an Aachens Geigenpulten . Hierhin, iris
Aach ener Städtische Orchester, folgte Röhrig
1
sein em Lehre r um 1910, nachdem er sich in den
Orch estern zu Bad Augustusburg, Krefeld und
Düren die Anwartschaft dazu erworben hatte.
Wäre Röhrig nur Orchestermitglied geblieben,
hätten sic4 zu und nach seinen Lebzeiten wenig
Federn um ihn gerührt. Nun aber ging sein Flug
über Giie anderen hinaus und hinauf in den Himmel
· des eige nen Schaffens, und um der selbst
geform ten und selbst entzündeten Sterne an diesem
Himmel willen er- und behielt der Name
Röhrig Klang in der Musiker- so gut wie in der
Hör erschaft.
Auch das Selbstschaffen hatte sich schon in Frankenberg
geregt. Der Unterricht in der „Theorie"
(ein schließli ch Komposition) war für alle Lehrling
e der gleiche. Aber nur in einem von ihnen
glüh te der „heilige Funke " auf , als es eines Tages
hieß: ,,Der Meister hat den Auftrag zu einem
Schütz enmar sch bekommen!" Dieser eine war
Emil Röhrig . Heimlich machte er .sich ans Werk
und schri eb einen Marsch. Was ihm den Ruck
gegeben hatte, ihn dem Meister zu zeigen, konnte
der zeitlebens schüchtern Gebliebene sich nie
erklären . Genug: der Meister staunte und -
besaß die Seelengröße , die Arbeit des Schülers
der eigenen vorzuziehen! Und also kam es zur
ersten Uraufführung eines „Röhrig".
Daß ihr im Laufe eines halben Jahrhunderts
Dutzende weiterer folgen konnten , lag natürlich
in erster Linie an Röhrigs schier unerschöpf.
li chem Einfallsreichtum und an seiner nicht
minder ungehemmten Arbeitsfreude, lag aber
auch an dem , was er nach Frankenberg hinzugel
ernt hatt~. Außer dem ständigen Zuwachs an
praktischen Erfahrungen , den das berufsmäßige
Kennenlernen zahlreicher Orchesterwerke , Opern .
und Operetten für einen Musiker so wachen Geistes
wie Röhrig sozusagen automatisch mit sich
brachte, nannte noch der Siebzigjährige zwei
u --- -- -
,,BeTgma nns l eben"
Namen mit betonter Dankbark eit: den Hermann
Neckes, des einstigen Städtischen Musikdirektors
zu Düren , und den Franz N ekes ', des gleichzeitigen
Domkapellmeisters zu Aachen. Bei
jenem hatte er sich in der Kunst des Instrumen -•
tierens entscheidend vervollkommnet, bei diesem
das dornige Feld des „Kontrapunkts " durch -
geackert.
Erst nach diesen , jahrelang neben dem ans trengenden
Orchesterdienst betriebenen Studien
begann Röhrigs eigentliches Schaffen. Es umfaßte
- die Bühne ausge~ommen - all e Gebiete
der Musik: das Sololied so gut wie den
Männer-, Frauen- und gemischten Chor , das
Solostück für die verschiedensten Instrum ente
mit Begleitung des Klaviers so gut wie das Konzert
für diese mit begleitendem Orchest er, Orchesterwerke
der Gattung Unterhaltungsmusik
so gut wie solche ernsteren und gehobeneren
68
Stils, sinfonische Hymnen für Bläser über Ki~
chenlieder mit abschließendem Chorgesang so
gut wie die - allerdings einzige große Volkskantate
. ,,Bergmannsleben" für Solostimmen,
Chöre, Sprech er und Orchester. •
überdenkt man diese reiche Ernte, dann versteht
man, daß nur der Tod dem Unermüdlichen
die Feder aus der Hand zu nehm en vermochte ;
nimmt man aber erst hinzu, daß Röhrig fast alle
seine Werke (einschließlich jeder Chor- oder
Orchesterstimme) selber säuberlichst hektografierte
und vervielfältigte, dann versteht man
noch mehr, nämlich, daß der Lebende sich kaum
je die Zeit zu einem Spaziergang, zu einer ~eise
oder zu sonstiger Erholung gönnte.
Und dies, trotzdem ihm ein feiner Sinn für die
Schönh eiten der Natur eignete, er ein tiefes Verständnis
für alle Künste - vorab die Dichtung -
besaß, echte Freundschaft hochschätzte und, wo
es darauf ankam, sich als der klugen und kla
ren, zuweil en scharfen Rede mächtig erwies. Er
opferte eben alle Annehmlichkeiten des Daseins
seiner Aufgab e als schaifender Künstler. Daß
ihm selber das Geschaffene selten genügte und
daß ihm obendrein eine furchtbare Bomb en- und
Fla~m enstunde den Werkvorrat bis auf einige
Reste vernichtete ; fügte zu dem Heldentum jener
Lebenshaltung die Tragik eines unerbittlichen,
im Grunde seiner Seele · nie verwundenden
Geschickes.
Über vier Jahrzehnte war Emil Röhrig einer der
Unsr igen gewesen. Unfähig, von sich irgendein
Aufhebens zu machen, kannte und verehrte ihn
doch jeder Musiker in Stadt und Land Aach en.
Die Heimat an der unteren Lahn war ihm fremd ,
die Wahlheimat lieb geworden . Aach ens Wäld er
oder die Umgebung der Bergmannsstadt Alsdorf,
die er während der Uraufführungsvorbereitungen
zum „Bergmannsleben" näher kennengelernt
hatte, pries e·r in hohen Tönen.
Möge Stadt und Land Aachen ihm diese Liebe
dadur,ch vergelten, daß es sich seines Werkes weiterhin
annimmt, daß es· dieses Werk pflegt und
nicht vergißt!
,,Musik war sein Leben",
ist in dem Stein, der Röhrigs Irdisches deckt ,
eingemeißelt . Damit von der vielen Musik, die
von diesem Begnadeten ausströmte, etwas in
unser Leben einst röm e, wurde dies Gedenk bla tt
geschrieben. Trotz der Zerstö rung von 1943 blieb
genug - namentlich für Chöre - übrig, was
Röhrigs Namen lebendig erhalten kann.
So scheint der kleine struppige Piep matz uns Menschenkindern
zuzurufen. ,,Habt ein Her z für uns Vögel, die
wir euch das ganze Jahr über die Tre ue halten. Selbst
jetzt, wo die Bäume ihrer schmückenden Blätter und
damit unserer besten N istst ätt en bera ubt, während dieser
öden, insektenarmenZeit, die ihr Winter nennt. Selbst
wenn wir euch nicht mit jubilierendem und künstlerisch
hochstehendem Gesang erfreuen, wie unsere Vettern und
Basen , die - ruhelos, wie es auch bei euch gefeieite
Star s zuweilen sein können - längst wieder in südliche
Reg ionen abgeflogen sind. Ohne in den Verdacht zu
kommen, als großschnäbelig verschrien zu werden : Tra
gen wir nicht allein schon durch unser bloßes Vorhandensein,
mit unserer munteren Aufgeräumtheit und Beh endigkeit
dazu bei, daß euch so mancher trübe Wintertag
wenige1· trübe erscheint?
Drum meine ich: Tr eue um Tr eue. Sorgt ihr Menschenkinde?'
jetzt für geeignete Futt er- und Niststätt en. Zu
alledem bedarf es kaum größerer Umstände oder Mühen.
Und selbst Karlch en oder L ieschen können dabei schon
helfend zur Hand gehen. Wenn's halt gar nicht anders
ist, selbstverständlich sind wir auch mit einem bescheidenen
Fensterplatz zufrieden. Fein säuberlich von Schne e
und Eis muß er allerdings befreit sein. Aber bitte: ein
bißchen Körnerf utter müßte hin und wieder schon dabei
sein, kleine Käser estehen zuweilen auch oder auch mal
ein Stückchen von einer Speckschwarte, die einigen von
uns ebenfalls vorzüglich mundet."
Foto: Heinrich Call -
Text _: Heinz Hermann
69
~o JAH RE MISSIONSHAUS BROICH
Von P. L. Dohmen
Das Missionshaus Bro i ch, das einzige Miss ionshaus im Landkreis Aachen, feiert in diesem Jahre sein
50jähri ges Bestehen . Es liegt an der Landstraße II. Ordnung 223, der Verb indung zw ischen den Bundesstraßen
1 (Aachen-Jülich-Neuß) und 57 (Aachen-L innich-Krefeld), und zwar dort , wo sie das Tal des
Broichba ches schneidet, der in Linden entspringt und bei Her zogenrath in die Wurm mündet.
Anfänge
Seitdem im Jah re 1902 der Sitz der alten Pfarrei
Broich nach Linden ver legt worden war, stand
die ehemalige Pfarrkirche, deren riesiger Turm
ein Wahrz eichen der Gegend bildete, unbenutzt,
ebenso auch das danebenliegende Pfarr - und
Schulh aus . Da erschien in der Aachener Zeitung
,,Echo der Gegenwart" eine Anzeige des bekannten
Vorkämpfers des Missions- und Kolonial
gedank ens, Pater Acker , der im Aachener Land
einen geeigneten Platz für das Noviziat (Probe
jahr) der Missionare vom Hl. Geist suchte.
Pfarrer Reinen von Broich-Linden trat mit Pater
Acker in Verbindung. Am 2. März 1903 ging
das gesamte Anwesen in den Besitz der Missionsges
ells chaft über. Die erzbischöfliche Behörde
in Köln und der Preußische Staat gaben ihre
Zustimmung.
Pater Acker wurde seiner Erwerbung nicht recht
froh; denn das Noviziat wurde wegen besonderer
Umstände in Neuscheuern errichtet. Um
vor allem die staatliche Genehmigung nicht zu
verlieren , wurde am 5. Juni 1905 das Missionshaus
Broich mit zwei Patres und zwei Brüdern
offiziell eröffnet. Oberer wurde Pater Schleweck,
der bereits vor dem Kulturkampf in . unserm
Haus Kaiserswerth bei Düsseldorf eingetreten
war. Die Patres halfen in den umliegenden Orten
in der Seelsorge aus und hielten Vorträge
über die Missionen. Auch wurde die Kirche bald
wieder eröffnet, um den religiösen Bedürfnissen -=--- :.:
der Umwohner zu genügen, .- ''\::- _,r---=-··· ---·· .... -
--==--"..- ........ -·
Ausbau
Bloße Seelsorgestation konnte das Missionshaus
auf die Dauer nicht bleiben; deshalb faßte Pater
Acker den Plan, in Broich die fünf unteren
Klassen des Gymnasiums für Jungen aus Rheinland
und Westfalen einzurichten. Am 1. Oktober
1908 begann der Unterricht in den Räumen des
alten Schulhauses mit 14 Schülern . Als aber die
Anfragen immer zahlreicher wurden , beschloß
man, einen großen Neubau zu errichten, der die
erforderlichen Säle für Schule und Internat enthielt.
Nachdem diese Arbeit 1911 vollendet war,
übergab Pater Schleweck die Leitung Pater
Kempf, der gleichfalls vor der Vertreibung der
Patres während des Kulturkampfes in Marienstatt
eingetreten war .
Die nun einsetzende Entwicklung wurde unterbrochen
durch den ersten Weltkrieg: der größt e
Teil des Hauses wurde in ein Lazarett verwandelt
. Bis zum 1. Januar 1918 wurden 1208
Verwundete mit 53 437 Pflegetagen gezählt. Die
Schüler mußten mit den übrigbleibenden Räumen
vorlieb nehmen. Jedoch konnte der Unterricht
aufrechterhalten werden. Die Ehrentafel
verzeichnet zwei Brüder und sieben ehemalige
Schüler als Opfer des Krieges.
Die nun folgenden Jahre der Inflation bereiteten
der Hausleitung schwere Sorgen; allein die nie
ermüdende Hilfsbereitschaft der Umwohner ermöglichte
das Durchhalten. Der 3. November 1923
:.--- - -
- --
Plan des Neubaues
70
war ein Freudentag besonderer Art: Pater Ludwig
Kettels hatte als erster Broicher Schüler
sein Ziel, das Priestertum, erreicht. Ihm sind
inzwischen viele andere gefolgt trotz der Erschwernisse
zur Zeit des Nationalsozialismus
und des zweiten Weltkrieges. Die meisten Patres
der deutschen Provinz haben ihre Studien
in Broich begonnen und wirken in der Heimat
oder in Übersee: in Südafrika, Bistum Bethlehem,
unter Leitung von Bischof Kelleter C. S. Sp.
aus Bardenberg, der 1920 nach Broich kam; Brasilien,
Prälatur AltoJurua , deren erster Leiter,
Bischof Ritter , 1922-1924 Oberer in Broich war ;
die apostolische Präfektur Nigeria, gegründet von
dem Broicher Schüler Pater Philipp Winterle
aus Aachen, wurde durch den zweiten Weltkrieg
den deutschen Spiritanern genommen ; zahlreich
sind die Patres und Brüder, die in Nordamerika
unter den Negern arbeiten .
Die für den 20. Oktober 1930 vorgesehene Feier
des 25jährigen Bestehens des Hauses wurde unmöglich
gemacht durch das furchtbare Unglück
auf der benachbarten Alsdorfer Grube, das 262
Bergleuten das Leben kostete.
Abbau
Das verhinderte Jubiläum war das Sinnbild dessen,
was in den nächsten zwei Jahrzehnten geschehen
_sollte. Die steigende politische Span -
nung vor der Machtübernahme sowie der immer
stärker werdende Druck des Nationalsozialismus
lastete schwer auf der Schule. Trotzdem
ging dieser zunächst mehr indirekt vor. Beamt e
z. B., die ihre Söhne nach Broich schickten, hatten
mit Zurücksetzung bei der Beförderung zu
rechnen. Da erschien am Herz-Jesu -Fest 1937
plötzlich während des Mittagessens die Geheime
Staatspolizei , um Material für die damals laufenden
Sittlichkeitsprozesse zu finden. Nach vierstündigem
Verhör der Lehrer und Schüler fuh-
ren die acht Beamten ohne Ergebnis ab. Nach
dem in den Ferien 1938 das Haus vorüber gehend
für Westwallarbeiter in Anspruch gen ommen
worden war, erfolgte Anfang 1939 die Beschl agnahme
. Die Patres und Brüder wurden auf die
Nebengebäude verwiesen ; die Schule kam teils
nach Menden, teils nach Knechtsteden und konnte
zunächst weitergeführt werden. Für den 1. Oftober
1939 wurde die Missionsschule Broi ch vom
Reichsministerium für Kultus und Unt erri cht
aufgehoben , weil die nationalsozialistisch e Erziehung
der Jungen nicht genügend gesich ert
erschien .
Auf die Westwallarbeiter folgten bis Mai 1940
Soldaten aller Waffengattungen; dann üb erna hm
der Eschweiler Bergwerks- Verein das Hau s, um
Fremdarbeiter darin unterzubringen. Beim Vormarsch
der Alliierten richteten die Schwestern
von Aachen-Forst im Hause ein Ausweichkrankenhaus
bzw. ein Lazarett ein. Viele Leute aus
den umliegenden Ortschaften suchten Zuflucht
im Keller des Missionshauses. Das rote Kreuz
auf dem Dach wurde von der feindlichen Artillerie
geachtet, bis die zurückgeh ende kämpfende
Truppe sich einnistete und sogar den
Kirchturm als Beobachtungss tand benutzte.Nach
vier Wochen aufregender Beschi eßung erzwang
die Partei die Räumung; am 8. Novemb er 1944
verließ Pater Superior Steinbach mit den Patres,
Brüdern und Schwestern die liebgewonnene Heimat
und suchte Zuflucht auf der rechten Rheinseite.
Am 16. November besetzten die Amerikaner
das Haus.
Als Opfer des zweiten Weltkrieges sind 40 ehe
malige Broicher gefallen, 13 werden vermißt.
Wiederaufbau
„Die Patres kommen nicht mehr", hieß es nach
der Zwangsevakuierung , und alles, was nicht
nietr und nagelfest war, wurde entwendet. Als
Missionshaus Broich vor dem 2. Weltkrieg .. .
. .. und 1951
71
Pater Steinb ach im Juli 1945 zurückkehren
konnte, fand er den Greuel der Verwüstung vor .
Die Kirche war schwer beschädigt, der Turmhelm
lag am Boden. Das Haus war von 15 schweren
Granattr effern beschädigt, das Dach ohne Ziegel ;
in Garten und Hof reihte sich Bombentrichter
an Bombentrichter, das Unkraut stand
an manchen Stellen mannshoch . Aber man ließ
sich nich t entmut igen. Patres und Brüder schlugen
zun ächst im Keller ihre Wohnung auf und
begann en aufzurä umen und wieder aufzubauen.
Wieviel e Gänge waren allein notwendig, um
nur weniges Material herbeizuschaffen! Unter
vielen Mühen wurde ein Raum nach dem andern
herg erichtet: am 8. November 1945, dem Jahrestag
der Zwangsevakuierung, wurde der ehemali
ge Speises aal als Hauskapelle eingerichtet .
Auch der Garten wurde wieder instandgesetzt.
Die Volksschu le Euchen , bald auch die von Linden
und der Broicher Siedlung benutzten die
ehemaligen Klassensäle ; auch Heimatvertrieben
e fan den Unterkunft. In den Jahren 1946
bis 1947 hielt das Bischöfliche Sozialamt meh
rere soziale Kurse ab.
Die frühere Missionsschule Broich wurde 1947
als Heilig-Geist -Gymnasium in Knechtsteden
wieder eröffnet; in die Broich er Räume zogen
Oste rn 1948 sogenannte Spätberufene ein: Jung e
Menschen im Alter von 17 bis 20 Jahren, die in
drei Jahreskursen auf die Obersekunda eines
Gymnas iums vorbereitet wurden. Neben den
Missionsschülern nahrrien auch Externe aus der
Umgebung am Unterricht teil. Die als Mittelbzw.
Realschule staatlich genehmigte Anstalt
konnte aber auf Grund der neuen Schulpläne in
der bisherigen Form nicht beibehalten werden
und wird deshalb seit 1952 als Progymnasium
weitergeführt; auch externe Schüler werden
aufgenommen. Für die vorgesehenen sechs Klassen
reicht aber der vorhandene Raum nicht aus ,
weder für die Schule noch für das Internat . Insbesondere
wird der bis jetzt als Kapelle benutzte
frühere Speis esaal dringend für den alten Zweck
benötigt. Für die wachsende Zahl der Lehre r
müssen entsprechend mehr Zimmer bereitgestellt
werden. Deshalb ist am Jubiläums tage, dem
16. Oktober 1955, von Bischof Kelleter, einem
früheren Schüler des Hauses, der Grundstein
zu einem Neubau gelegt worden, der nach den
Plänen eine s Aachener Architekten errichtet
wird.
DAS WAPPEN
DER GEMEINDE
BARDENBERG
Der Oberpräsident der Rheinprovinz verlieh am
13. November 1935 der Landgemeinde Bardenberg
das Recht zur Führung eines eigenen Wappens
. Dieses Wappen ist eine Neuschöpfung des
Düsseldorfer Malers und Heraldikers Wolfgang
Pagenstecher. Es hatte die Zu.stimmung des
Staatsarchivs Düsseldorf gefunden und wurde
vom Gemeinderat und den interessierten Bürgern
Bardenbergs mit Beifall aufgenommen .
Das Wappen zeigt: In einem von grünen, dreiblättrigen
Kleeblättern bestreuten goldenen Feld
ein schwarzer, rotbewehrter Löwe , dessen recht e
Pranke silberne Berghämmer (Hammer und
Schlegel) hält. Die Brust des Löwen ist mit
einem silbernen Schild belegt , der über einem
schwarzen Wellenbalken im Schildfuß eine blaue ,
goldb esaitete Leier zeigt.
In seiner Erläuterung schrieb W. Pagenstecher
von dies em Wappen : ,,Es gründet sich darauf ,
daß Teile der 867 erstmalig urkundlich genannten
Gemarkung Bardunbach, nachdem sie verschiedenen
Grundh erren zugehört hatten , schließlich
in den Besitz der Grafen von Jülich kamen.
Das war im 13. Jahrhundert. Von da ab blieben
sie bei Jülich und teilten das Schicksal dieser
Grafschaft bzw . des Herzogtums . Daher im
Wappen der Jülicher Löwe! Die Berghämmer
deuten auf den uralten Bergbau , der wohl bis in
das 14. Jahrhund ert hinaufreicht. Seit 1552 finden
sich in den Vogteirechnungen von Wilh elmstein
fortlaufende Aufzeichnungen über Einnahmen
der Kohlengewinnung. Im 16. Jahrhundert stand
der Bergbau in Bardenberg in hoher Blüte ....
Der Klee deut et auf die Landwirtschaft, der
schwarze Bach auf die viele Abwässer mitführende
Wurm, während die Harfe , das Instrument
der Barden, der besonderen Sangesfreudigkeit
der Bevölkerung Rechnung trägt, und ,
wenn man will, zwar nur dem Klange folgend,
nicht etymologisch richtig , den Namen Bardenbergs
andeutet."
Bardenberg gehörte in der Jülicher Zeit zum
Amt Wilhelmstein; es führte kein eigenes Schöffen-
oder Gemeindesiegel.
72
DER KREIS IM SCHRIFTTUM
Ernst von Oidtman: ,,Die Burg zu Stolberg und ihre
Besitzer , insbesondere die Edelherren von Stol .:
berg-Frenz-Setterich" , Franz Willems: ,,Stolberger
Burgherren und ihre Nachkommen in alten Urkunden
rheinischer Geschichte (1118 bis 1364)",
Andreas Roderburg: ,,Alt -Stolberg - Zur Geschichte
und Kultur der alten Kupferstadt", herausgegeben
von der Stadtb ücherei Stolberg.
Anfang September des nächsten Jahres feierf Stolber g
sein hundertjähriges Stadtjubiläum. Im Hinblick darauf
hat die Stadtbücherei die Herausgabe vc,m mehreren
Heimatheften geplant, deren erste Bändchen bereits
vorliegen. Sie will damit versuchen, ,,den Bürgern
unserer Stadt, vor allem unserer heranwachsenden Jugend,
aber auch allen, die als Heimatvertriebene im
Stolberger Raum eine neue Heimat finden müssen , die
Geschichte de!" Stadt Stolberg nah ezubringen ".
Der Aufsatz Ernst von Oidtmans ist im Jahre 1893 in
der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins erschienen
und wird als „wohl die beste Arbeit, die über die
Stolberger Burg geschrieben worden ist", bezeichnet.
Dr. Franz Willems, der Leiter der Stadtbücherei , hat
sie mit einigen Anmerkun gen und Ergänz ungen ver
sehen und einen Überblick über die Geschich te der
Burg nach 1888 sowie einen kleinen Abriß der Geschichte
der Familie Oidtm an hinzugefügt. Darau s erfährt
man, daß Ernst von Oidtman , 1937 in Wiesbaden
gestorben, General und Gelehrter zugleich war:
Brigadekommandeur bei der Infanterie und später
Ehrenvorsitzender der Westdeutschen Ges ellschaft für
Familienkunde, von Fachleuten „der beste Kenner
rheinischer Genealogie, Adelsgeschichte und Wappenkunde"
genannt.
Im zweiten Heft ruft Dr. Willems an Hand von 125
Urkunden die Geschichte der Stolberger Burgherren
und ihrer Nachkommen in die Erinnerung zurück, und
zwar aus der Zeit von 1118 bis 1364. Es ist dies die
Spanne vom ersten urkundlichen Erscheinen des Namen s
Stolberg (Reinardus von Stalburg wird als Zeuge unter
den Freien in der Gründungsurkund e des Sankt
Georg -Stifts zu Wassenberg genannt) bis zur Übergabe
der Stolberger Burg durch Johann IV. von Reif
ferscheid an Edmund von Barmen. Dr. Willems beschränkt
sich nicht auf ein trockenes Nebeneinanderstellen
der Urkunden, sondern ist immer bemüht, sie
in den Gang der Geschichte einzubauen . ,,Die Stolberger
Edelherren", so sagt er, ,,nehmen uns gleichsam
bei der Hand und führen uns, indem wir les en, was
sie e_inmal bezeugten, in die Geschichte ihrer Zeit, unserer
engeren und weiteren Heimat, ein ".
Das dritte Heft bietet eine Sammlung von Aufsä tzen
des heute im Ruhes tand lebenden Lehrers Andreas
1
.Roderburg , der sich um die Stolberger Heimatge sch ichte
sehr verdient gemacht hat. Sie sind zum größte n Teile
"zwischen 1924 und 1935 in der damaligen „Stol berger
Zeitung " und nach dem Kriege in den „Aachener Nach
richten" veröffentlicht worden . Eingeleitet wird die
Aufsatzreihe mit einem Gedicht des früheren Stol berger
Bür germeisters Friedrich von Werner (er war vo n 1845
bis 1894 ·im Amt), der das bekannte Gedicht „Was ist
des Deutschen Vaterland? umschrieb in „Was ist des
Stollenbergers Land? ". Ein paar Titel mögen . den Inhalt
des mit alten Fotos von Hubert Lütter s gut
illustrierten Heftes charakterisieren: ,,Eine Römerspur
bei Stolberg" - ,,Willkürherrschaft der Stolberger
Schultheißen " - ,,Ein Lob auf Stolbergs Frauen
(1800)" - ,,Das alte Eisengewerbe im Vichtbachtal " -
,,In Alt-Stolberg saß das Messer los " - ,,Alte Wegkreuze
um Stolberg ".
-ds-
Walter Kämmerer: Geschichtliches Aachen. Vom Wer
den und Wesen einer Reichsstadt. Aachen 1955.
Druck und Verlag M. Brimberg , Aachen. 80 Seiten
und 8 Bildtafeln. DM 4,20.
Seit der Gründung des Landkreises gehört zu seinem
Herrschaftsbereich auch der größte Teil des die Mauern
der vormals Freien Reichsstadt einschließenden Bauernlandes
mit den Kernpunkten Vaalserquartier, Laurensberg,
Horbach, Haaren, Weiden und Würselen . Um
dies Gebiet, das sogenannte „Aachener Reich", zog
sich eine Feldbefestigung, der Landwehrgraben, dessen
letzte Spuren heu te noch hier und da - und wenn
auch nur in Flurnamen - zu erkennen sind. Walter
Kämmerer hat dem geschichtlichen Werden auch dieses
Bauernlandes in seiner ansprechenden Studie gebührend
Raum gegeben. Sein „Geschichtliches Aachen"
bietet den von vielen, namentlich auch von zahlreichen
Lehrern des Landkreises, gewünschten, in großen Linien
gehaltenen Überblick über die stolze Vergangenheit
der alten Kur- und Kronstadt und ihres engeren
Leben sra ums. Das gehaltvolle Büchlein füllt eine Lücke.
Es ist ein Treffer . W. H.
Fotos: Archiv Missionshaus Bro ich, Benning, Braunleder, CaU, EBV-Werkfo to, Linckens, Peters;
Ze ichnungen: Kohl, Mänhardt
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CORNEL HERZOG
BUCHDRUCKEREI UND VERLAG· GEGR.1864
Akzidenzdruck • Werkdruck • Bilddruck
Zeitungsdruck • Zeitschriftendruck
Setzmaschinen - Betrieb
Flach- und Rundstereotypie
Rotationsdruck
Buchbinderei • Papierverarbeitung
C
C,
0
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ESCHWEILER. KAISERSTRASSE 81
FERNSPRECHER 2631
III
:c
Hauptgeschäftsgebäude
vor der Zerstörung
IKIBlJEil~~IEl!AlIBlIK!\~ JE !\!\~ IBI JE 100 AM ELISENBRUNNEN
Hauptgeschäftsgebäude.
Neubau