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Heimatblätter des Kreises Aachen 1956-1

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HEFT 1

HEIMATBLATTER

12. JAHR.GANG

DES LANDKREISES AACHEN

l ;


Titelbild: Vorfrühling im Vidittal, Foto Linckens

Heimatblätter des Landkreises Aadien. Ersditinen oierteljährlidi. Bezugspreis 2,- DM jährlidi. Auflagt: 2800 St tick. Vuantwortlidi : Oberkreisdirektor

Seulen. Sd1riftleit1mg: Prof. Dr. Will Her111a1111s - Kreisinspektor Cornel Peters, Aadim, Theatersir. 55, Tel. 338 51. Ftir u11oula11gt eingesandte Manuskripte

und Bilder wird keine Gewähr übunomnun. Druck: Herzogdruck, Esdiweiler und Kunstdruck G. Gottsdiall, Esdiweiler

--


HEIMAT­

BLATTER

HEIMATBLATTER DES LANDKREISES AACHEN. HEFT 1/1956. AACHEN, MARZ 1956

SYMBOL Fl:JR DIE BEDEUTUNG DES LANDKREISES

Grundstein des neuen Kreishauses wurde gelegt - 'Viele 'Wünsche zum guten Gelingen des 'Werkes

- Erinnerungen an ,1as frühere 'Verwaltungsgebäude

AACHEN

I m Rahmen einer schlichten Feier wurde am Dienstag,

28. Februar 1956, der Grundstein zu dem neuen Verwaltungsgebäude

des Landkreises Aachen gelegt . Der

Festakt fand im Erdgeschoß des bis zum vierten Stock

im Rohbau fertigen Hauses in Aachen, Ecke ZoUernund

Warmweiherstraße,

statt, das festlich hergerichtet

und mit den Fahnen des Bundes, des Landes und des

Kreises geschmückt worden war. Oberkreisdirektor

Seulen bezeichnete das Ereignis in einer Ansprache als

,,kommunalpolitische

Angelegenheit ersten Ranges".

Eingangs begrüßte Landra t Ernst die Gäste, Regierungspräsidenten

Schmitt-Degenhardt,

von Aachen, D r. Kurze, Polizeipräsidenten

den Oberstadtdirektor

Mitglieder des Kreistages, des Kreisausschusses

Wahle, die

und des

Bauausschusses, die Vertreter der Kreisverwaltung und .

Abordnungen der am Bau beteiligten -Betriebe. Dem

Regierungspräsidenten

als besonderen Förderer des Neubaues

sprach er den Dank des Kreises aus. Der Landra t

wünschte dem Werk eine glückliche Vollendung.

Neues Leben blüht aus Ruinen

In der anschließenden Ansprache erklärte Oberkreisdirektor

Seulen , daß man an der glei-•

chen Stelle stehe, an der sich das alte Kreishaus

befunden habe. Nur etwas mehr als ein halbes

Jahrhundert habe dessen Lebensdauer gewährt .

Bei Luftangriffen am 14. Juli 1943 und 11. April

1944 sei es zerstört worden. Die Anwesenden

gedachten der Männer und Frauen, die in Erfüllung

ihrer Dienstpflicht bei dem letzten Angriff

ums Leben kamen.

,,Neues Leben blüht aus Ruinen", fuhr der Oberkreisdirektor

fort. ,,Nach mehrjährigen Erwä-

Oberkreisdirektor

Seulen bei seiner Ansprache


2

gungen hat am 17. Dezemb er 1953 ein erster

Wettbewerb für den Bau eines neuen Kreishauses

stattgefunden. Einstimmig wurde alsdann

durch den Kreistag in der Sitzung am

4. Februar 1954 beschlossen, das neue Kreisverwaltungsgebäude

an der alten Stelle wieder

aufzubauen. Aus einem zweiten Wettbewerb

ging am 15. April 1954 als erster Preisträg er

Architekt BDA Regierungsbaumeister a. D. Fritz

Schaller aus Köln hervor.

Am 31. Mai 1954 entschied sich der Kreistag auf

Grund eines entsprechenden Vorschlages des

Kreisausschusses für den durcll das Preisgerich t

mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurf.

Am 15. Juli 1955 wurde mit dem Bau begonnen."

Worte des Dankes

Der Oberkreisdirektor betonte die Einmütigkeit

des Kreistages bei den entsc heiden den Beschlüssen.

,,Die Kreisverwaltung dankt dem Kreistag

und den Ausschüssen herz lich für ihre Entschlußfreudigkeit

und für ihr e Bereitschaft zur Verantwortung

in dieser für den Kreis so bedeut-

samen Angelegenheit", erklärte der Oberkreisdirektor.

Ein Wort des Dankes richtete er auch

an den Regierungspräsidenten und dessen Mit ­

i;trbeiter. Der Kreis habe schon jetzt die fördernde

und helfende Hand des Land es Nordrhein-Westfalen

gut gespürt. In bautech nis ch~r

Hinsicht habe man bei den Baurefe renten der

Regierung und des Wiederaufbaumin isteriums

freundliche Aufnahme und Unterstüt zung gefunden.

Auf finanziellem Gebiet sei dem Kreis

wertvolle Hilfe des Landes zuteil geworden. 1\

Zwölfgeschossiger Hochbau

Zu der Gesamtkonzeption des Bauentwu rfes erklärte

Oberkreisdirektor Seulen: ,,Wir halten sie

für glücklich sowohl hinsichtlich der städtebaulichen

Einfügung der Baumass e in das Aachener

Stadtgebiet als auch für den inneren Ablauf der

Dienstgeschäfte der Kreisverwaltung . Bei letz..:

terem denke ich vor allem an den Aufbau des

Gebäudeorganismus: in dem zwölfgeschossigen

Hochbau werden sftch die Verwaltun gsstelle n

mit Publikumsverkehr • befinden. Der zweige -

Landrat Ernst unterschreibt

die U;ku nde


schossige Ost-W e.st-Trakt soll im Erdgeschoß

ebenfalls Büros enthalten, und im Obergeschoß

die Diensträume der Behördenleitung mit den

Sitzungsräumen. Dieser Mitteltrakt bildet die

Verbindung zu den Räumen des Kreistages, dem

großen Sitzungssaal mit Nebenräumen und eigenem

Treppenhaus. Der ideellen Bedeutung des

Sitzungssaales des Kreistages entsprechend ist

dieser ·Gebäudeteil architektonisch besonders gefaßt.

Er wird sich deutlich von der ,Bürohaus ­

Architektur' der übrigen Häuser abheben. Im

Anschluß an diese Räume liegt dann zur

Bachstraße hin das Gesundheitsamt für sich ab„

geschlossen, zwei-, teils dreigeschossig."

3

Für Aachens Stadtbild von großer Bedeutung

Die städtebauliche Idee des Wettbewerbentwurfes,

fuhr der Oberkreisdirektor fort, bestehe darin,

den für das Aachener Stadtbild bedeutsamen

Straßenzug der Theaterstraße durch einen

hohen Baublock abzuriegeln. Die städtebauliche

Konzeption trete jetzt bereits klar in Erscheinung.

Bei der Idee, die Theaterstraß e abzuschließen,

hand ele es sich um eine städtebauliche Angelegenheit,

die für das Aachener Stadtbild von

großer Bedeutung sei. Der Landkreis Aachen

halte es für bedeutsam, Bauten zu verhüten, die

der Auswirkung der städtebaulichen Idee des

Kreishausneubaues entgegenstehen. Oberkreis- •

direktor Seulen beendete seine Ansprache mit

den Worten: ,,Die Kreisverwaltung Aachen ist

zur Zeit allein innerhalb des Aachener Stadtgebietes

auf sieben verschiedene Häuser verteilt.

Der organisatorischen E.inheit der Verwaltung

steht also keineswegs auch die räumliche

Einheit gegenüber. Jeder, der mit der Verwaltung

zu tun hat, weiß, wie stark die Arbeit einer

großen Verwaltung durch räumliche Zersplitterung

gehemmt wird und wie dringend die Beseitigung

dieses Zustandes ist. Unser Bau hat

sich bisher gut angelassen. Es ist dem Kreis ein

Herzenswunsch, daß er ohne Zwischenfälle zu

einem guten Ende geführt werde ."

.Auch Anliegen des Landes"

Regierungspräsident Schmitt- Degenhardt betonte,

es sei dem Landkreis Aachen hoch anzu -­

rechnen, daß er sich so lange mit einem Provi-­

sorium beholfen habe. Das Land habe das Anliegen

des Kreises zu seinem eigenen gemacht

und werde auch weiterhin helfen. Die Glück-

Oben: Die Urkunde wird in eine Kupferhülse verschlossen

Mitte: Vermauerung des Grundsteines

Unten: Regierungspräsident Schmitt-Degenhardt beim

Hammerschlag


4

wünsche der Stadt Aachen überbrachte Oberstadtdirektor

Dr. Kurze. Er sagte, der Landkr eis

Aachen helfe mit dem neuen Kreishaus der

Stadt in ihrer schwierigen städtebaulichen Situation.

,,Möge der Bau zu einem Ausdruck

der angenehmen Zusammenarbeit zwischen Stadt

und Kreis werden", erklärte Aachens Obe·rstad t­

direktor.

Kreisamtmann Delhey verlas die Pergamenturkunde,

die von Landrat und Oberkreisdir ektor

unt ers chrieben, in eine kunstvoll gearbeitet e

Kupferhülse verschlossen und dann in den

Grund stein vermauert wurde.

Haus des 1lertrauens

„Möge das Kreishaus Zeugnis ablegen für den

Aufbauwillen der Gegenwart ," wünsch te Land ­

rat Ernst dem Werk, indem er nach alt em Bra uch

drei Hammerschläge auf den Grund stein tat.

„Möge der Neubau ein Symbol d~r Bedeutung

und der Entwicklung des Landkr eises werde n"

fügte Oberkreisdirektor Seulen diesem Wunsc he

hinzu . Regi erungs prä sident Schmi tt-D egenh ardt

begl eitete die Hamm ersc hläge mit dem Aus ­

spruch: ,,Möge das neu e Kreishau s mit Gotte:.i\

Hilfe werden zu einer Stätte verantw ortu ngsvoller

Arbeit und zu einem Haus des Ver tra uens

für die Bevölkeru ng." Aachens Oberstadtdirek ­

tor Dr. Kurz e faßte sei ne Wünsche zusammen

mit den Wort en : ,,Möge das neue Haus eine

Pflegestät te der kommunalen Selbstv erwaltung,

der Zusamm enar beit zwischen Stadt und Kreis

und zu einer Zierde für das Stadtbild werden ."

Symbolische Hammerschläge führten weit er aus,

indem sie die Bedeutung des entstehende n

Werkes unterstrich en, Regierungsdir ektor Sträter,

Poliz eipräsident Wahle, die Fraktion en de.,;

Kreistages durch Abg eord ne te Frau Klö cker

und die Kreistagsabg eordneten Vonderbank und

Kever sowie der Betriebsrat der Kreisverw altung

durch desse n Vorsitzend e, Insp ektor Bock

und Oberrentm eist er Dunk el.

*

'Vor 66 Jahren

Schon einmal , im Jahre 1890, ist an gleicher

Stelle an der Zollernstraß e auf dem Gebiet der

damals noch zum Landkr eis Aachen gehörendeE

Stadt Burtscheid der Grundst ein zu einem Kreishaus

gelegt worden . Einstimmig hatt e sich der

Kreistag in zwei Sitzung en im Winter 1889/90

dafür ausgesprochen , ein eigenes Haus zu bauen .

Bis dahin mußt en die Abg eordneten die Gast-­

freundschaft Burtscheids in Anspruch nehmen ,

während die Verwaltung in einem Aachener

Haus unterge bracht war.

Von der Gasgesell schaft wurde das Baugeländ e

erworb en . Dann entstand innerhalb von zwei

Jahr en an der bis dahin unbebauten Zollernstraße

ein Gebäud e, das „in allen seinen Teilen

durch seine einfach e, aber gediegene Aussta t­

tung einen würdigen Eindruck " machte, wie das

„Echo der Gegenwa rt" damals berichtete. Der

Burt sche ider Archit ekt Eduard Linse war für

Planung und Bauleitung verantwortlich.


5

D e1· Kreis hausn eubau Anfang Mär z 1956

Das J rühere Kreishaus

Die Fassade des Kreishauses war in itali enisch em

Renaissancestil gehalten. Der Sockel bestand

aus Niedermendiger Basalt. Als Architekturteil e

waren Tuff und Sandsteine verwandt worden.

Den oberen Abschluß des Baues zierte eine Galerie.

Zum Hauptportal führte eine Steintr eppe.

Durch einen Vorraum gelangte man zu einem

großen Vestibül. Im Erdgeschoß waren die

Diensträume des Landrates, des Kreissekr etärs

und des Boten, sowie das Sekretariat und die

Registratur untergebracht.

Die Verbindung zur ersten Etage stellte eine

Haupttreppe dar . Das große gemalte F enster

über dem Treppenabsatz zeigte u. a. das preußische

Wappen zusammen mit den Wappen von

Aachen, Burtscheid , Stolberg , Eschweiler, Kornelimünster,

Herzogenrath und der ehemaligen

Herzogtümer Limburg und Jülich. (Das Kreiswappen

ist erst kurz vor dem zweiten Weltkrieg

entstanden.) Die Haupttreppe „soll nur an Sitzungstagen,

bei Festlichkeiten usw. benutzt werden",

schreibt der „Echo-Chronist" und fährt in

seinem Bericht fort: ,,Zum ersten Stockwerk

führt außerdem eine im rechten Flügel gelegene

Nebentreppe; sie soll ausschließlich dem Geschäftsverkehr

dienen."

Im ersten Stock befanden sich ein großer Sitzungssaal

, ein Kommissionszimmer und die

Diensträume der Regierungsassessor en und Re-

gierungsreferendare. In der zweiten Etage lagen

einige weitere Büros und eine Beamtenwohnung.

Der Chronist weist auf eine Besonderheit

hin: ,,Das ganze Gebäude ist mit Dampfh eizung

versehen". Hinter dem Kreishaus erstreckte sich

ein großer Garten , der Raum für Erweiterungsbauten

bot.

Die Einweihung am 20. April 1.892

Die Einweihung des Kreishauses am 20. April

1892 war für den Landkreis ein Ereignis ersten

Ranges. 150 Festteilnehmer trafen sich im Speisesaal

des Burtscheider Kurhauses. Landrat

Freiherr von Coel s erklärte in seiner An~

sprache: ,,Kreisaussch uß und Kreistag begehen

diesen Tag festlich , an welchem es ihnen gelungen

ist, sich ein eigenes Heim zu schaffen. Mancher

andere Kreis hatte bereits ein eigenes Haus,

als sich der Landkreis Aachen noch mit angemieteten

Häusern behelfen und bald hier und

bald dort ein Unterkommen suchen mußte. Die

Schaffung eines eigenen Kreishauses möge dazu

Jei tragen , die Bande zwischen den einzelnen Gemeinden

de,s Kreises immer enger zu knüpfen

und den Zusammenhang zu stärken." Daraufh ir~

bat der Landrat die Gäst e, auf eine glückliche

Entwicklung des Kreises zu trinken. Der Chronist

bemerkt: ,,.Dieser Toast fand in der Versammlung

einen begeisterten Widerhall."

Von den Gästen erklärte Bürgermeister Fischer

aus Eschweiler , das Kreishaus befinde sich an


6

---.,,/ ---==----

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~;:: ----- ~ ---., ---======------

------ ------

So sah das frühere Kreishaus vor der Zerstörung

aus

einer • günstig en Stelle. Die übrigen Gemeinden,

selbst Stolberg und Eschweiler, hätten

neidlos dazu mitgewirkt, daß Burtscheid Kreisstadt

werde. Die Stadt habe sowohl Eisenbahn

wie Pferdebahnverbindung (,,Stürmische Heiterkeit",

registriert der Chronist nach diesem Ausspruch).

Zwei Bombennächte

Die bei der Einweihung geäußerten Wünsche

für eine günstige Entwicklung des Landkreis es

Aachen gingen in den nächsten Jahrzehnten

trotz Krieg, Wirtschaftskrisen und manche n

Rückschlägen in Erfüllung. Das Kreishaus in

dem 1897 nach Aach en umgemeindeten Burtscheid

aber teilte im zweiten Weltkrieg das

Schicksal vieler öffentlichen und privaten Gebäude

im Kreisgebiet. Zwei nächtliche Bombenangriffe

zerschlugen, was Generationen vorher

erbaut.

Bei einem Luftangriff am 14. Juli 1943 wurde

der Vorderbau des Hauses Zollernstraße 10 beschädigt.

Die oberen Stockwerke brannten aus.

Bei dem zweiten Luftangriff am 11. April 1944

wurde das Gebäude Zollernstraße 10 vollkommen

zerstört. Die vor dem zweiten Weltkrieg

als Dienstgebäude vom Kreis erworbenen Nach ­

barhäuser Zollernstraße 12 und 14 wurden ebenfalls

vernichtet. In dieser Nacht kamen im Bunker

des Gebäudes Zollernstraße 14 ums Leben:

Karl Torlee (Wachtmeister bei der Kreisfeuerwache,

Leiter der im Kreishaus eingesetzten

Brandwache), Fräulein Johanna Jansen (Ver ­

waltungsangestellte, im Dienst als Telefonistin),

Herr und Frau Kortus (Botenmeister- und

Hausmeisterehepaar von Zoll ernstraße 14), von

der Freiwilligen Feuerwehr Würselen , die der

Brandwache des Kreishauses angehörte: Adam

Classen , Matthias Fuchs, Willi Hennes, Edi Pütz

und Arnold Salber.


.,..

_,,

BURGEN

IM N0RDLICHEN

LANDKREIS

Schloß Rimburg, Burg 'Valentia

und die Kemenade

im Spiegel der Heimatforschung

Das Gebiet,

ein Spannungsfeld in 'Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft (I.)

Vot1 Ludwig Kablen

Folg en wir einmal /mit dem Zug e von

Aach en dem Lauf ' cler Wurm . In Herzogenrath

rauscht sie unter der Eisenbahnbrück

e durch und fließt nun bis

Palenberg fast parallel der Eisenbahnlinie

nach Düsseldorf. Bis zur Beset

zung deutschen Gebietes durch die

Holländer im Jahre 1949 bildete die

WurmvonHerzogenrath an die Grenze

zwischen Holland und Deutschland .

Durch das Londoner Kommunique ist'

die Grenze auf deutsches Gebiet hin

vorverlegt worden . Beim Ort Warm

rückt sie bis an den Bahndamm heran.

Vom Zuge aus sehen wir hinter Warm

die Nievelsteiner Sandwerke und

Sandsteinbrüche. Hinter N ievelstein,

einige hundert Meter nach rechts,

lugen aus einer Mulde die zwölf Häu ­

ser von Wildnis hervor.

Eine Minute später

durchschneidet

der Zug das dem Untergang geweihte

Dorf Finkenrath . Rechts, auf deut ­

scher Seite , ein Bauernhof und dre i

Wohnhäuser . Sie gehörten zu Finkenrath,

das mit seinem vorläufig holländisch

gewordenen Teil von Schlammfluten

umspült wird. In einigen Jahren

wird das einstmals so trauliche Dörfchen

vom Erdboden verschwunden

1

und eine Steinhalde sein Grabhügel

sein. Wie das kommt? Die benachbarte

holländische Z eche hat den Ort

durch Bergschäden

sehr mitgenommen.

Außerdem stagniert die Wurm Mf.1.-......iil""I

in diesem Senkungsgebiet so stark,

daß die Häuser nicht mehr bewohnt

werden können.

(

' ' ' -_- :::-=.~-..._,

'


8

Bald fahren wir an Schloß Rimburg vorbei.

Mit seiner romantischen Umgebung, den uralten

Buchen und Kastanien sowie dem breiten Wassergraben

erinnert es noch immer an eine mittelalterliche

Festung , wenn auch durch Vermischung

der verschiedensten Stilformen viel an

dies er alten Wasserburg gesündigt worden ist.

Das Gebiet ist voller Spannung en und Natur- ­

schönheiten, die der Fremde nicht vermutet.

Niv elst ein liefert seit Jahrhunderten Sandsteine

fü r kirchliche und profane Bauwerke. Selbst

am Aachener Münster sind Quadern aus Nivelstein

verbaut worde n. Der Sand aus diesem

Werk geht in alle Welt , bis nach China unJ

Japan. Er wird in der Gla s- und optischen In -•

dustri e verwendet.

Die Bauern geben sich redlich Müh e, dem

karg en Boden das tägliche Brot abzuringen.

Ihr e schwarzbunten Kühe treiben sie in Wurm -

benden, die zum Fluß hin zunehmend sumpfiger

werden. Unter der Erde knattern die Pickh ämmer

der Bergleute .

Abends beziehen Zollb eamte ihre Posten. Wo

Grenzen sind, wird auch geschmuggelt. Gemächlich

durchstreifen die „Grünen" mit ihren vierbeinigen

Kameraden das Revier. Ob sich nicht

dann und wann einer auf einen Baum stump f

setzt und sich der Abendstimmung überläßt?

Da ballen sich in den Benden an der Wurm die

Nebel zusammen, oft zu dicken Bergen, dann

wieder zu langgestr eckten Gebilden. Der graue

Schleier wogt auf und ab . Alte Geschichten an

den „Vuurmann" (Feuermann) , der in den Benden

sein Unwesen trieb, tauchen auf .

In Eygelshoven werden die Lichter angezündet.

Zu tausenden erstrahlen sie auf .

Der Rimburger Wald ruht wie ein dunkler Schatten.

Pie Nacht verdeckt die Risse und Stümpfe ,

die ungezählte Bomb en und Granaten beim

Kampf um den Westwall schlugen. Fuchs und

Dachs, Marder und Ilti s recken sich zur Jagd .

Lautlos streicht die große Schleiereule vom

Schloßhof ab. Ein Käuzchen blockt auf einem

morschen Pfahl eines Wiesenzaunes auf. Nur

nicht zu nahe an die Häuser heran, Herr Steinkauz!

Dein Ruf „kuwitt, kuwitt " wird von abergläubischen

Leuten falsch ausgelegt . Sie meinen,

das hieße: ,,komm mit ", komm mit".

Dabei bist du so harmlos!

l ,,.

Die Rimburg

Im Mittelalter führten die Ritter Krieg . Das war

ihr Recht. Schließlich wäre es ohne Krieg langweilig

gewesen. Die Eroberung einer Stadt oder

Burg brachte Abwechslung in das eintönige Dasein

eines Adelsgeschlechtes .

Vor allem: die Beute war nicht zu verachten!

Ein Faktor, der auch bei den modernen Auseinandersetzungen

immer die entscheidende Rolle

spielt, wenn Mars auch so oft in der Toga eines

Friedensapostels auftritt.

Die gegenseitige Bedrohung der Ritter brachte

sie auf den Gedanken, ihren Wohnsitz zu befestigen.

Sie bauten Burgen. Das hat auch den

Grundherrn von Rimburg bewogen, zu Anfang

des 12. Jahrhunderts - ein genaues Datum steht

nicht fest - in Rimburg eine Wasserburg zu

errichten .

Auf den Resten eines römischen Wachtturmes

oder Kastells, das luer an dem Wurmübergang

der großen römischen Zentralstraße von Bavay

(nahe bei Paris) über Tong~rn-Maastricht­

Heerlen-Jülich nach Köln einst römischen Legionen

als Stützpunkt diente, türmte der Bauherr

schwere Quadern aus Nivelsteiner Sandstein.

Alle Bauwerke überragend: der Bergfried, der

Gefechtsstand des Mittelalters.

Die Wurm sollte die Festung sichern. An einem

bestimmten Punkt wurde ein Arm abgezweigt

...T


9

und mit dem alten Flußbett wie ein Ring um

die Burg geführt. Daher auch der Name R im -

burg , abge leitet von Rincberghe (1278).

Um 1700, als die Wasserburg ihre Bedeutung als

Fest ung einge büßt hatte, verschwand der künstlich

angeleg te_Arm wieder. In einem neuen Bett

strö mte die Wurm auf die Mühle zu .

Wer Schloß Rimburg erbaut hat, ist nicht bekan

nt. Als erster Eigentümer wird 1253 Wilhelm

von Murepas (Mühlenbach) erwähnt. Er war das

Haupt eines starken Rittergeschlechtes, dessen

erbitterte Feindschaft mit dem canderen mächtigen

Adelsge.schlecht der hiesigen Gegend, den

Scavedriesch, viel Unheil angestiftet hat. Wilhelm

von Mulrepas ist aber noch in anderer

Hinsicht aufgefallen. Er war ein weit und breit

gefürchteter Raubritter . Die Kölner und Brabanter

Kau fleute, die mit ihren Waren auf der

bereits erwä hn~ n Römerstraße zogen , dachten

mit Schreck en an die Rimburg . Sie wurden von

dem Herrn der Burg nicht nur ausgeraubt , sondern

auch noch in das finstere Burgverlies geworfen,

bis ein hohes Lösegeld gezahlt war.

Die reiche n Handelsstädte Brabants, ferner Köln

und Aachen hatten sich zusammengeschlossen,

um gege n die Raubritter, vor allem gegen den

Rimburger , etwas zu unternehmen. Sie wollten

auf den Straßen sicher seiJil. Der Herzog von

Limb urg gab ein Geleitversprechen (1253). Das

nüt zte jedoch nichts . Herr von Mulrepas kümmerte

sich nicht darum. Das Rauben ging weiter.

Da griff im Jahre 1278 der Herzog Johann I. von

Brabant ein . Mit einer starken Str eitmacht zog

er nach Rimburg. Nach hartem Kampfe wurde

das Raubnest erobert und zerstört.

Einige Jahre später bauten die Besiegten es

wieder auf .

Das Schloß wurde im zweiten Weltkriege hart

mitg enommen. Abgesehen von äußeren und

inneren Schäd en durch Kriegseinwirkung , gingen

viele Kunstwerke, vor allem Zeugnisse römischer

Kultur , die aus Funden in der Näh e

von Rimburg stammten , durch Plünderung verloren

.

Leider kam das für den hiesigen Bezirk so bedeutende

Baudenkmal am 16. April 1949 vorläufig

unter holländische Hoheitsverwaltung.

Sein jetziger Eigentümer, Baron Dr. von Brauchitsch

, hat große Mühen und Kosten auf sich

genommen, die Wunden des Krieges zu heilen

und dem Schlosse etwas von dem alten Glanz

zu geben.

DAS WAPPEN

DER GEMEINDE

BRAND

Das Wappen der Gemeinde Brand ist eine Neuschöpfung

aus dem Jahre 1936. Es zeigt: Unter

einem roten Schildhaupt, worin ein goldenes

Büffelhorn , in Gold über goldenem Dreiberg

rote Flammen .

Es handelt sich hier um ein sogenanntes redendes

Wappen, das in seinem Schildbild den Namen

seines Trägers andeutet . In diesem Falle „redet"

es also davon, daß auf einem „Berg" ein „Brand "

liege. Entworfen hat dieses Wappen der Düsseldorfer

Heraldiker und Maler Wolfgang Pagenstecher

, der zahlreiche rheinische Gemeinde ­

und Kreiswappen angefertigt :hat. In seinen Erläuterungen

zu seinem Neuentwurf weist er

darauf hin , daß man den zuerst 1369 auftretenden

· Ortsnamen „zen Brande" auf alte Köhler

eien und Brennplätze in den holzreichen Waldungen

der ehemaligen Abtei Korn elimünst er

zurückführen könne . Diese Namens erklärung

braucht nicht unb edingt richtig zu sein, um das

diese sogenannte „Volksetymologie " aufgr eifende

„redende " Wappen zu rechtfertig en. Die

Nam ensforschung deutet den Ortsnamen heute

allgemein als „abschüssiger Hang" . Seit ihrer

Gründung durch · Kaiser Ludwig den Frommen

be.saß die Reichsabtei Kornelimünster auch das

Gebiet der heutigen Gemeinde Brand. Darauf

deutet das Schildhaupt -hin, das ein langgestrecktes

Büff el- oder Jagdhorn aufweist , das Korneliushorn.

Auch die Farben Gold und Rot sind

dem uralten Abteiwappen entnommen , das zwei

gekreuzte Abtstäbe enthielt .

Da Brand erst in der napoleonisch en Zeit von

seiner Herrschaft und Mutterpfarre Kornelimünster

abgetrennt wurde , hat nie ein eigenes

altes Wappen bestanden. Das neu entworfene

Wappen knüpft an alte heraldisch e Traditionen

an, wenn es in seinem Schildhaupt , dem kleineren

oberen Teil des Schild es, an die frühere Zugehörigkeit

zu seinem Landesh errn , dem Abt von

Kornelimünster, _ausdrückt. Der Oberpräsident

der Rheinprovinz verlieh der Gemeinde Brand

am 19. November 1936 das Recht zur Führung

des neuen Wappens , das die Zustimmung des

Staats archivs in Düss eldorf gefunden hatte.


10

DIE LANDRATE

DES LANDKREISES

(I.) Karl Rudolf von Strauch

AACHEN

Von Ha11s Plum

„Jeder Kreis hat einen Landrath", bestimmte

der § 34 der Allerhöchsten Kabinettsorder, in

der Friedrich Wilhelm III. am 30. April 1815

den aus Teilen der napoleonischen Departements

Roer, Ourthe, Saar und Niedermaas gebildeten

Regierungsbezirk Aachen in zwölf Landkreise

. unterteilte. In einer weiteren Kabinettsorder

vom 1. Mai 1816 wurde Karl Rudolf von Strauch,

bis dahin Direktorialratsmitglied des Roerdepartements,

zum Landrat des Landkreises

Aachen ernannt.

Karl Rudolf von Strauch war ein Aachener

Tuchfabrikant und Besitzer von Gut Wiesenthal

am Kölnsteinweg in Aachen. Insofern erfüllte

er die wichtigste Voraussetzung, die der

König damals an seine Landräte stellte : sie

mußten Rittergutsbesitzer sein oder wenigstens

zu den notabelsten ländlichen Gutsbesitzern gehören.

Am 21. Januar 1771 geboren, war Landrat

von Strauch bei seinemAmtsantritt45 Jahre alt.

Der Kreis, den Landrat von Strauch für ein

Gehalt von drei Reichstalern täglich - einschließlich

Reisekosten - übernahm, war nächst

dem Stadtkreis Köln der größte rheinische Kreis

überhaupt. Er zählte 43 349 Einwohner und

war - mit den inzwischen zu Aachen gehörenden

Orten Burtscheid und Forst - an Ausdehnung

um einiges größer als heute. Seiner wirtschaftlichen

Struktur nach war er ein ausgesprochener

„Land"kreis, wenn auch damals bereits

in Würselen eifrig Nadeln fabriziert wurden

, in Stolberg eine blühende Hohlglas- und

Messingindustrie zu Hause waren und in Eschweiler

die Familie Englerth bereits den Grundstock

für den späteren EBV gelegt hatte .

Darüber, wie Landrat von Strauch seine Verwaltungsaufgaben

gelöst hat, gibt es so gut wie

keine Nachrichten. Er war Exekutivorgan der

königlichen Regierung, und es ist fraglich, ob

ihm dabei genug Freizügigkeit geblieben ist für

eine charakteristische Verwaltungsarbeit. Seine

wichtigste Aufgabe mag es gewesen sein, Ruhe

und Ordnung in seinem Amtsbereich aufrecht

zu erhalten, und diese Aufgabe war sicherlich

schwer genug in einem Land, das sich von den

voraufgegangenen unruhigen Zeiten nur langsam

erholte.

Professor Will Hermanns hat in seiner „Heimatchronik

des Landkreises Aachen" (1953) diese

Zeit geschildert. Sie war gekennzeich net von

den Folgen der soeben beendeten Kriege, von ·

W olfsplagen und Choleraeinfällen und von der

Angst der handwerklich arbeitende n Bevölkerung

vor der vorrückenden Mechanis ierun g.

Solange Landrat von Strauch im Amte war -

er wurde am 7. März 1836 in den Ruhest and

versetzt - änderte sich an seiner Stellung gegenüber

der Regierung nichts. Ein Erlaß Friedrich

Wilhelms III. aus dem Jahre 1828 besagfy

nur , daß die Stände fortan dem König Landratskandidaten

vorschlagen sollten . Die Wahl

des Landrats blieb aber dem König vorbehalten,

und damit blieb auch die Abhäng igke it der

Kreispolitik von den Anordnungen der Regierung

unangetastet.

Landrat von Strauch starb am 14. 9. 1844 in

Aachen. Er erlebte nicht mehr die Revolution.

den Ausbruch der Unzufriedenheit , gege n die

er zwanzig Jahre lang Ruhe und Ordnung im

Landkreis Aachen verteidigt hatte. Sie sollte

erst seinem Nachfolger zu schaffen mache .n,

Landrat Franz Carl Hasslacher.

VOR 140 JAHREN

Ernennrmg und erste Amtshandlung des Landrats

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, N r. 1

Aachen, Samstag, den 27. April 1816

N. 2.

Die einstweilige Verwaltung der 12 landräthlichen

Kreise des Regierungs-Bezirkes von Aachen ist

nachstehendenBeamtenübertragenworden welche

mit dem 1.Mai d.J.in Wirksamkeit treten·-n'.ämlich:

1. Für den Landkreis Aachen: '

dem Herrn von Strauch, Mitglied des Direktorialrathes

des Roer-Departements.

Aachen, den 24. April 1816.

Königl . Preuß. Regierung zu Aachen .

N . 3.

Die provisorisch _en Herren Landräthe des hiesigen

Regierungs-Bezirks werden hierdurch aufgefordert,

gleich nach ihrem Dienstantritt ein voUst_~"':diges

Verzeichniß der zu ihren Kreisen gehorigen

Gemeinden in alphabethischer Ordnung

und mit der Bemerkung, zu welcher Bürgermeisterei

sie gehören und zu welchem Kanton sie

b!sher gehört haben, - auch wohin sie eingepfarrt

sind, - aufstellen zu lassen und bei der Regierung

einzureichen.

Es ist dabei darauf zu achten, daß die Namen

überall richtig angegeben werden.

Aachen, den 25. April 1816.

Königl. Preuß. Regierung zu Aachen.


ALTE TEUFELSGESCHICHTEN

man nicht reden darf, wenn man den Teufel

zum Kompagnon hat.

Von Will Hmnanns

In H eh 1 rat h hatten sich die Glieder einer

Familie sogar in der heiligen Christnacht zum

Kartenspiel zusammengehockt. Einern der Spielnarren

Daß der Sitz der Landkreisverwaltung , die Stadt

fiel eine Karte unter den Tisch. Er bückte

-Aach en, aller lei mit dem Gottseibeiuns zu tun gehabt

hat,is ,t männiglich bekannt. Man braucht nur

sich, um sie aufzuheben -, und was kauerte da

mit glühenden Augen zwischen Tisch- und Menschenbeinen?

an die Münsterb ausage zu erinnern, die das uralte

Eine Gestalt mit einem Pferdefuß ,

Bron zebild des „Wolfes", der eigentlich eine Bärin die nun davonfuhr, nicht ohne ein Rüchlein höllischen

ist , den „Teufelsdaumen" im Löwenmaul der

Schwefelgestanks den entsetzten Spie­

Wolfstü r und den Lousberg als den vom · Teufel lern in die Nasen zu blasen .. .

zur Ver nichtun g Aachens herangeschleppten , aber Schlimmer erging es einem reichen Fabrikanten

zu früh abgew orfenen Inhalt eines riesigen Sandsacks

aus St o 1 b er g , von dem die Sage erzählt, er

in die Geschichte vom geprellten Höllen­

habe seine Seele dem Teufel verschrieben ge­

fürsten verwe bt; braucht auch nur hinzuweisen

auf die Sage vom Ponellenturm, darin der Satan

habt. Vor seinem Haus erschien eines Abends

ein fremder Reiter, schellte am Tor und warf

sich des öfte ren mit viel Geschrei , Glockenklingen

dem herbeieilenden Diener die Zügel seines

und ander ~m Lärm sehen und hören ließ,

und in den unsere Vorfahren ihn gebannt glaubten

schwarzen Rosses zu. Der band es am Tor fest

und führte den späten Gast ins Arbeitszimmer

bis an den jüngsten Tag. Und braucht seines Herrn. ,,Zwei Flaschen Wein!", bestellte

schließlich auch nur hinzuweisen auf die Fülle der Fabrikant. Das Zimmermädchen brachte sie,

von Sprichw örtern und Redensarten der Aachener

kam aber ganz verstört wieder herunter und

Mundart, in denen vom Teufel die Rede ist, sagte: ,,Wer mag das sein, der bei dem Herrn

und die auch, sprachlich etwas abgewandelt, ist? Er hat einen Pferdefuß!" Wenig später erhob

mancherorts im Landkreis gang und gäbe sind .

So rufen etw a auch in A 1 s d o r f die Kinder der

abstr eichen den Krähe nach: ,,Kroh, Kroh , Kroh ,/

Der Düfel könt dich noh!" Und sie locken die

sich droben ein Lärm, den ein dumpfer Fall

abschloß. Alles stürzte hinauf . Da lag der Herr

des Hauses tot am Boden. ;Der Fremde war verschwunden,

mit ihm sein Pferd . Und man sagt,

Schn ecke aus ihrem Häuschen mit dem Spruch :

„Schl äck, Schläck , komm eruuß! / Der Düfel

süfft dich de Melech uus!"

der Teufel habe sich die ihm zugesagte

des Fabrikanten mit Gewalt geholt.

Seele

Mancherlei Teufelsgeschichten erzählten sich

unsere Altvorderen beim flackernden Holzfeuer

oder im D ämmerlicht der Kerzen, Ölfunzeln und

Petroleumlam pen. Ein Mann in Sc h e v e n - ~Wri

h ü t t e , wußte da einer zu berichten, hatte er- ,

proben wollen, _ was wahr an der Sache sei, daß r r

man vom Teufel Geld erhalte, wenn man sich 1-)

um die Geisterstunde der Matthiasnacht auf

einen Kreuzweg stelle. Und siehe da: der

Schwarze hatte ihm in der Tat einen schweren \

Sack voll Talern und Dukaten vor die Füße geworfen,

den er nun keuchend und schweißtriefend

nach Hause schleppte . Als er aber die Türschwelle

'

zu überschreiten sich anschickte und

tief atemholend sagte: ,,Nun bin ich froh, daß

ich hier bin!", da hätte ihn der Teufel beinah e

in letzter Minute mit in die Hölle gerissen . Er 11A

konnte aber nur noch den Absatz des Schuhes

von dem noch draußen befindlichen Fuß packen

und abreißen; der Mann selbst war gerettet und

hatte auf solch drastische Weise gelernt , daß

11


Übermut reicher Stolberger Protestanten zwang

auch einmal einen Kapuzinerpater, den Herrn

der Unterwelt persönlich heraufzuholen. Sie

hatten einer Andachtsstunde des beim Volk weit

und breit .ob"seiner Rednergabe gerühmten Geistlichen

beigewohnt, der vom Teufel in der Hölle

gar wacker .und packend gepredigt hatte. Ihrer

-Eipladung zu einem guten Abendmahl war der

Pater ge;-n·e; wenn auch nicht ohne einige Verwunderung,

gefolgt . ,,Nach dem Mahle", so berichtet

Hein!_'ich Hoffmann in den „Sagen aus

9-em Indegebiet" , dem zweiten Teil seines 1911

erschienenen verdienstvollen Werkes „Zur Volkskunde

des _ Jülicher Landes" -, ,,Nach dem

M~hle wurd~ eine verdeckte Schüssel rundgereicht

Neugierig nahm der Pater den Deckel ab

und sah in-_ der Schüssel eine geladene Pistole.

Auf seine Frage, was das bedeute, drohte man

ihm, ihn mit der Pistole zu erschießen, wenn er

nicht augenblicklich beweise , daß es einen Teufel

gäbe. Nur mit Widerstreben ging er endlich

ans Werk. Er nahm sein Brevier heraus und betete.

Jlricht lange danach erschien der Teufel in

der geöffneten Türe, mit Ketten rasselnd und

einem Pferdefuße . Der Teufel ging rund und sah

jeden Anwesenden mit bangem Blicke an, und

alle erschraken. Da baten die Protestanten, er

möge doch das Ungeheuer entfernen. Dazu verstand

er sich erst dann, als sie eine hohe Summ e

Geldes zum Besten seiner Pfarrkinder zusammengelegt

hatten. Er eilte zur Kirche und holte

seine Stola. Er fing nun an zu beten, und endlich

entwich der Satan, einen starken Schwef elgeruch

hinter sich lassend . Er fuhr in einen nahen -

Berg oder einen Baum. Aus dem zusam mengebrachten

Gelde ließ der Pater das Sakramentshäuschen

in der Pfarrkirch e ans chaffen

oder, wie andere sagen , eine gold ene Monstranz

anfertigen."

Die Häufung gewaltsamer Ein brüche zwischen

1734 und 1776, die das Land um Herz ogenrath

, Merkstein , Alsdor f, Hey den,

H a a r e n , B a r d e n b e r g und andere Ort e des

heutigen Landkreises in Schrecke n setzt en, un?

für die das Volk eine einzig e Bande, nämlich

die „Bockreiter ", verantwortlich machte, wurde

auch von den Gerichten vielfach teufliche r Mithilfe

zugeschrieben .

Prorf. Dr. W. Capitaine erzählt einmal darüber :

„In den hintersten unterirdischen Gewöl ben der

Burg Alisdorf befinden sich heute noch drei

nebeneinanderliegende kleine und niedrige Verließe,

in die kein Lichtstrahl von drauße n fällt,

und aus denen kein Laut nach außen dringen

kann. Hier haben vor mehr als hund ert Jahren ,

als das Herzogenrather Ländchen von den Bockreitern

heimgesucht wurde , zwölf Verbr echer

dieser gefürchteten Bande in Gewahrsam gesessen.

Auf dem Boden der Gefängni sse sieht

man noch heute die dicken, verros teten Eisenringe,

woran die Fesseln der Verbrecher gebunden

waren. Die Bockreiter wurden dann später

auf dem ,Galgenpley ' hingerichtet . Das Todesurteil

wurde gefällt durch den Gerich tsherrn

Freiherr von Blanckart- und die Schöffen der

Herrschaft Alsdorf.

Die Sage weiß Schauriges über die Bockreit er zu

berichten : Man glaubte, sie wären mit dem Teufel

im Bunde und ritten bei ihren nächtlichen

Raubzügen auf dem Teufel in Gestalt eines

Bockes durch die Luft. Daher hätten sie eine

unglaubliche Schnelligkeit und würden selten

von einem Menschen entdeckt. Bei der Aufnahme

in die Bande hatten die Bockreiter einen

furchtbaren Eid zu schwören , durch den sie sich

ganz dem Teufel überlieferten. Dieser Eid wurde

unter gotteslästerlichen Zeremonien an einsamen

Orten abgelegt , und zwar meistens in

einer Kapelle im Felde oder Walde.

Dabei stand ein Hauptmann der Bande in langem

, schwarzem Talar vor dem Altar der Kapelle,

und neben ihm stand ein anderer Bockreiter

, der ein Buch mit der Eidesformel in der

Hand hielt. Zwei Kerzen brannten auf dem Altare,

und davor lag ein Kreuz oder Marienbild.


13

Der Neuling muß te rückwärts in die Kapelle

treten und den rechten Fuß auf das Heiligenbil

d setz en. Dann hob er zwei Finger der linken

Hand und schw ur Gott und seinen Heiligen ab;

dem Teufel aber schwur er sich zu mit der Gottesilästerung,

er wolle alle nur möglichen Schlechtig

keiten in eine m fort vollbringen, dabei aber

dem äuß eren Scheine nach immer als guter

Christ leben, die Kirche besuchen und die Sakrament

e empfangen. Er wolle nie von den Zusammenkünften

der Bande fernbleiben, nie auf

eigene Faust raub en oder stehlen, lieber die

furchtbars ten Folte rqualen erleiden, als den

Namen eines seine r Genossen verraten.

Darauf wurde dem Schwörenden ein Trunk

warmen Branntwe ins gereicht, und sein Nam e

wurde in die Lil5te der Bande eingetragen . Die

Anwesenden spien dabei auf das am Boden liegende

Kreuz. I;?amit waren sie alle wieder dem

Teufel aufs ne'ue verschworen. Die Bockreiter

hatten vielfach bei ihr en Zusamm enkünften eine

aus Silber verfe rtigte Figur eines Bockes aufgest

ellt; das Bocksbild war fortan ihr Wappen

und Wahrzei chen , der Bocksritt war die Gegenleistung

des Teufels für ihren furchtbaren Eid."

Heu te noch erz ählt man sich im Volk mancherlei

Geschicht en von solcherart Bocksritten. Da

war ein Mann aus dem Jüli,cher Land .preußischen

Werbern in die Hände gefallen und verging

nun auf der Feste Spandau fast vor Sehr1-

sucht nach der rheinischen Heimat. Ein alter

Korpo ral aus Herzogenrath, der seit vierzig Jahren

freiwilli g beim Kommiß diente, konnte den

Jamm er des Landmanns nicht länger anschauen

und bot sich an, ihm aus Spandau heraus und

über die pre ußi,sche Grenze zu helfen: er sei

ein Bockreiter , und ein Bock stehe dem jungen

Kame raden zur Verfügung, wenn er innerhalb

wenig er Stunden daheim sein wolle. Er müsse

allerding s „in Teufels Namen" reiten, könne

auch fluchen, soviel er wolle , aber das Wörtchen,

das seine Mutter wohl bei jähem Erschrecken

ausgesprochen habe , dürfe nicht über seine Lippen!

Der Bock erschien: Der Junge saß auf: ,,In

Teufels Namen! " und schon brauste das Teufelstier

mit ihm durch die Lüfte. Plötzlich gings in

scharfer Kurve der Erde zu. ,,Jesus" , schrie entsetzt

der Reiter. Da warf ihn der Bock kopfüber

in ein Gebüsch - es war der Jülicher Wald- ,

und hier fand ihn anderen Morgens ein Bauer ,

der den Verwundeten - er hatte beim St~

ein Bein gebrochen - glücklich ins Elternhaus

brachte .

Von einem andern Teufelsritt weiß Dr. Capitaine

zu berichten: ,,Ein Bockreiter von der

,Hexijeroder Zunft ' wollte sich bekehren. Er

gestand einem Priester alle seine V erbrechen.

Der Priester erklärte sich bereit, mit dem reumütigen

Sünder einen Ritt auf dem Bock zu

machen . Der Bockreiter nahm den Priester mit

auf sein Tier, und im Augenblick ging es durch

die Luft bis nach Spanien, wo die Bockrei ter in

einem Kell er mit den Teufeln .und Hexen zusammenkamen.

Jeder mußte hier seinen Namen

in ein Buch eintragen . Da schrieb der Priest er:

,Gelobt sei Jesus Christus! ' Alsbald erfolgte

ein fürcht erliches Gepolter, und die Versammlung

stob von dannen . Der Priester allein blieb

zurück. Er fand mit den größten Schwierigkeiten

seinen Weg in die Heimat. Dort berichtete

er sein Erlebnis dem Herzog von Jülich , der

bald die ganze Teufelsbande ergreifen und richten

ließ ."

„ D'r Düve i v a W öschei e" in der H auptpfarrk irche

St . Sebastian in Wü r seien


14

»DIE KLEINSTE GEMEINDE « DES LANDKREISES

Im Kreisaltersheim zu Eschweiler leben über.300 Menschen - Jahresetat von rund 400000 DM - Seit über

60 Jahren werden Alte und Gebrechliche durch die Schwestern vom hl. Karl Borromäus betreut

Von Reiner Dederi&s

Zwischen der Bahnstrecke Stolberg-Jülich und der Odilienstraße i n Eschw eiler liegt „ die kle inste Gemein de" des

Landkreises , in der rund 270 Alte und Gebrechliche , 15 Ordensschwestern und etwa 25 w eltli che Hilfskräfte leben.

Es ist das seit 1951, dem Jiihr ; in dem das 60jährige Bestehen festlich begangen wurde , in Kr eisaltersheim umgetaufte

frühere Kreispflegehaus, das heute einen Jahresetat v on rund 400 000 DM hat.

Invalidenstraße - beziehungsre i cher Name für den Weg , der vom Eschweiler Hauptbah nhof zum Kreisalte rsheim

führt, einem mächtigen, von hohem Turm überragten Bau. Einst diente dort ein 1847 err ichtetes zweistöcki ges Gebäude

für die Unterkunft der bei der Firma Eberhard Hoesch & Söhne beschä f ti gt en ausw ärtigen Arbeiter, genant{

,,Rösche Bau en de Krim " . .

1891 hatte die Regierung die Invaliden- und Altersversiicherung

obligatorisch rongeführt. ·Gleichzeitig

wurden allerorten Häuser für heimatlose

und pflegebedürftige Alte und Gebrechliche errichtet.

Aber .bereits im Jahre vorher hatte der

Landrat des Aachener Kreises , Freiherr von

Coe1s, mit den Männern seines Kreistages die

Gründung eines Kreispflegehauses beschlossen.

Man kaufte das etwa zehn Morgen große

Grundstück zwischen der Eisenbahnstrecke Stolberg--'3ülich

und der Odilienstraße in Eschweiler,

auf dem der erwähnte „Rösche Bau" stand.

Zweimal erweitert

Nach erheblichen Umbauten war es am 15. Dezember

1891 soweit: das Haus , das 120 Pfleglingen

Platz bot, wurde eingeweiht. Die Betreuung

der Bewohner hatte man in die Hände der

Schwestern vom hl. Karl Borromäus gelegt,

deren Mutterhaus in Trier steht. Unermüdlich

sind sie seitdem am Werk .

'·j:

Nach wenigen Jahren schon war das Haus zu

klein geworden. Am 9. Februar 1899 war ein

Erweiterungsbau fertiggestellt und dam it Raum

für etwa 250 Pfleglinge geschaffe n. Ein e zweite

Erweiterung folgte 1916, und seitdem hat das

Heim sein Äußeres nicht m ehr wesentlich

geändert.

Währ.end der Kampftage des zwe iten Weltkrieges

ließ man die bettlägerig Kranken in der

Obhut weniger Ordensschweste rn und Angestellten

an d_er Odilienstraße zurü ck. Unter primitiven

Verhältnissen fristeten sie in den Kellern

des Hauses ihr Leben . Eine Schwester fiel

durch Artillerietreffer , 37 Bewohner star ben bis

zum Frühjahr 1945.

Die Kriegsschäden wurden nach und nach bes eitigt,

und in den letzten Jahren hat man sich an.

~ie schrittweise Renovierung des Hausinnern

gemacht, die einen erheblichen Kost enaufwand

erfordert.

Das Kreisaltersheim

in Esr.hweiier


A it ersfürsorge .

Entwurf von

Profe ssor K ampf

zu den F resken

im k riegszerst ört en

Kre ishaus

Opferreiche Arbeit der Schwestern

Mit einem Pflegesatz von 0,84 Mark pro Tag

und Kopf begann man 1891, 1955 zahlte der Bezirksfürsorgeverband

für die von ihm finanziell

betreuten rund 160 Bewohner 3,66 DM pro Tag

und Kopf . Weitere 70 Insassen sind Teilselbstzahler

, d. h .: sie zahlen, was sie zahlen können,

für den Rest ist wieder der Bezirksfürsorgeverband

da. Nur 30 sind echte Selbstz~ler , man

könnte sagen !!.-Klasse -Patienten . Sie haben pro

Tag vier bis sechs Mark aufzubringen und sind

in Ein- und Zweibettzi mmern unterge bracht ,

während die anderen in Räumen mit bis zu acht

Betten wohnen. Bei den Männ ern gibt es sogar

einen großen Schlafsaal mit 20 Betten . Zu diesen

Pflegesätzen kommt- bei bettlägerig Kranken

eine Schmutzzulage von einer Mark.

Und wenn man hört , daß 60 Prozent der im

Kreisaltersheim lebenden Menschen bettlägerig

krank oder geistig sehr gebrechlich sind, kann

man sich ungefähr ein Bild von der großen

Not und dem großen Elend in diesem Hause

machen, aber auch von der opferreichen .Arbeit

der sich um sie sorgenden Ordensschwestern .


16

und weltlichen Hilfskräfte. Die älteste Insassin

ist 92 Jahre alt, aber es gibt auch - meist geistig

gebrechliche - Bewohner zwischen 30 und

40 Jahren . Eine Frau lebt schon seit 1898 im

Heim , und diejenigen, die ein Silberjubiläum

gefeiert haben oder feiern könnten, sind nicht

selten.

Frauen lieben Gemeinschaft

In der letzten Zeit werden dem Heim viele

reine Pflegefälle aus Krankenhäusern zugewie- •

sen, für die keine Krankenkasse mehr zahlt. Bei

den Frauen ist das Haus durchweg „ausverkauft"

. Sie sind meist bemüht, 1Sich ihre alten

Tage mit dieser oder jener Beschäftigung zu

verkürzen und anderen gegenüber sehr hilfsbereit.

So entschieden sie sich bei einer Abstimmung

vor einiger Zeit fast geschlossen für die

Zimmergemeinschalft von fünf oder sechs Frauen ,

eben, um sich untereinander helfen zu können.

Die Männerabteilung beginnt sich meist im

Herbst wieder zu füllen. Den einen oder anderen

packt im Frühjahr der Wandertrieb, und außerdem

ist der Andrang der Männer nicht so stark,

weil in vielen Fällen die Kinder Nutzni eßer

einer hohen Rente sein möchten und es deshalb

auf sich nehmen , den „alten Herrn" zu versorgen.

Ausgang haben die Frauen und Männer bis

21 Uhr, aber es soll auch schon einmal vorkommen,

daß alte Bergleute am „Löhnungs "tag

Überstunden machen ...

Für die seelische Betreuung stehen Geistliche

beider Konfessionen bereit, eine große Bücherei

enthält viel Lesestoff. Und während die Frauen

stricken oder andere Handarbeiten machen, sitzen

die Männer vor dem Fernsehgerät, spielen Tischbillard

oder kegeln. Dreimal in der Woche kommt

der Hausarzt , der kleine Operationen an Ort

und Stelle vornimmt. Wer möchte , kann sich ein

zusätzliches Taschengeld verdienen , indem er

z.B. beim Kartoffelschälen oder beim Unkrautjäten

hilft . Der Beschäftigungen gibt es genug.

Und viele greif en gerne danach.

Schweine, Kühe, Hühner ...

Der Jahr esetat dieser kleinen Gem einde beläuft

sich auf rund 400 000 DM. Davon sind allein

rund 100 000 DM für die Verpflegung bestimmt,

die Erträge der eigenen Ökonomie nicht eingerechnet.

Eigene Ökonomi e - Stichwort zu einem

Gang durch die Stallungen. Da tummeln sich

etwa 40 bis 50 Schweine aller Größenordnungen

, unter ihnen eine schwere Sau, die gerade

18 Ferkel geworfen hat. Die fünf Milchküh e

werden im Frühjahr drei „Kolle ginnen" bekommen,

und im großen Park scharren an die 150

Hühner.

Monatlich werden vier Schwein e mit einem

Durchschnittsgewicht von 250 Pfund geschlachtet,

im Jahr dazu zwei Kühe und sieben ·Kälber.

Zum tierischen Inventar gehören auch die zehn

Katzen, die irgendwo im Haus schnurre n und

auf Mäusejagd gehen , und der etwa 15jährige

Max, ein Kriegs „hinterblieben er", der beißt ,

schlägt und stößt , aber auch treu und brav seirle

Pflicht als Zugtier tut .

. Dick Butter" lieber als Marmelade

Blitzblank ist die mit modernen Maschine n ausgerüstete

Küche, in der Tag für Tag enorme

Mengen an Lebensmitteln verbra ucht werd en.

zweieinhalb bis drei Zentner Kartoffeln werden

mittags benötigt (1200 Zentner hat man eingekellert)

und 60 bis 70 Pfund Fleisch. In der

Woche werden eineinhalb Zentn er Butte r „verschmiert"

(,,dick Butter" auf dem Brot ist den

alten Leutchen lieber als Marm elade), hinzu

kommt das Fett aus eigener Schlach tprod uktion.

Der Milchverbr9-uch liegt etwa bei 80 Litern

täglich. Und die reichen Ernten der etwa acht

Morgen Gemüseland und der zahlr eiche n Obstbäume

nehmen ihren Weg in die Regale des

großen Einmachkellers.

Die Bäckerei, die im Monat 24 bis 26 Doppelzentner

Mehl zu sechs verschiedenen Bro tsorten ,

Brötchen und Kuchen verarbeitet , ist ebenso

wie die in den letzten · Jahren mit modernen

Maschinen ausgestattete Wäsch erei und Heißmangel

auch für das Kindererholungsheim des

Landkreises in Süssendell zuständig . Hinzu gesellen

sich Schlosserei, Schreiner ei und Schuhmacherei

für Reparaturarbeiten, und auch ein

Bienenzüchter hat sich im Altersheim niedergelassen.

Diese „kleinste Gemeinde" des Landkreis es

Aachen in Eschweiler ist das dritte Glied in der

Kette der sozialen Einrichtungen - über das Kindererholungsheim

Süssendell und das MüttererholungsheimRolandseck

berichteten wir in vorhergehenden

Ausgaben der Heimatblätter - ,

die für den Kreis und die für seine Arbeit verantwortlichen

Frauen und Männer ein denkbar

gutes Zeugnis darstellen , zeigen sie doch, daß

einst und jetzt der Mensch und die Sorge für

ihn im Vordergrund des Denkens und Handelns

stehen. ·


17

Von Heinz Wa&er

Wohl niemand ist in der Lage, authentisch nachzuweisen,

wie lange man in Würselen das Mailied

schon singt und das J ungenspiel feiert .

Beide Bräuche, seit vielen Jahren auch in Nachbargemeinden

des Wurmreviers übernommen,

haben eine gemeinsame Tradition, wie wohl kein

anderer in unseren Landen. Sie müssen hergeleitet

werden aus der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte

der Stadt. Das Mailied , das in

früheren Zeiten eine ernsthafte Brautwerbung

darstellte, spricht vom „Kohlemai". Man muß

bis ins frühe Mittelalter zurückgreifen , um in

dieser Zeit vielleicht den ersten Anhaltspunkt

des heimatlichen Brauches zu finden. Die

Kohlen wurden zu dieser Zeit durch den Eigentümerbergbau

geschürft . Urkundlich ist schon

um das Jahr 1330 von der Kohlenförderung im

Wurmrevier die Rede. Als Mai bezeichnete man

damals - wie auch heute noch - das junge,

taufrische Birkenbäumchen. Die Tradition gebietet

es den Maijungen, durch das Birkenbäumchen

vor der Haustür die Maikönigin auszuzeichnen.

Die Erwähnung des Wortes Kohlemai läßt

also unzweifelhaft darauf schließen, daß man

vielleicht schon vor dem 15. Jahrhundert im

Würs elener Land (damals Wursalen) das Mailied

gesungen hat.

In dieser Zeit wurden im Rahmen von Volksversammlungen

auf dem Haarener Heidchen in

der Nacht zum 1. Mai die Waldmeister gewählt.

Später wechselte der VeriSammlungsort vom

Haarener Heidchen zur ehemaligen s ·chule am

Fri edhof über. Bei dieser Gelegenheit galt als

ungeschriebenes Gesetz, daß die als Waldmeister

bestätigten Männer für eine fröhliche Stimmun g

zu sorgen hatten . Bei einem Vergleich mit den

heute noch beim Maisingen üblichen Sitten läß t

sich eine Ähnlichkeit nicht leugnen .

So versammeln sich alljährlich in Würselen die

Burschen der verschiedensten Stadtteile in der

Mainacht und beginnen vor den Gemächern der

Ortsschönen ihr Lied mit dem ersten Vers :

„Um die Ostern gehen sich die Fasten aus

Und dann längen sich die Tage ,

Und dann kommt sich der Mai,

Der geliebte Kohlemai -

Und dann kommt er sich herangegangen."

Lebhafter, melodiöser klingt der zweite Vers .

Die Mädchen sind inzwischen erwacht und haben

sich im dunklen Kämmerlein ein Plätzchen

gesucht, um die Maiburschen zu beobachten. Die

Jungen singen:

,,In meines Vaters Garten ,

Da steht ein Lindenbaum ;

DieiSer Baum und der war grüne.

Auf dem Baum saß eine Nachtigall und sang ;

Sie sang von der Liebe so schöne."

Da heute dem Mailied nicht mehr die einstmals

ernsthafte Bedeutung der Brautwerbung beizumessen

ist, hat der nächste Absatz des Liede s

viel an Wirkung verloren. Wie die Überlieferung

zu berichten weiß, waren früher alle Mädchen

gerade auf diese Verse gespannt, da das

Wort des Führers der Maiburschen, Maikönig

genannt, das Mailehen verkündete. Da war das

,,Beieinandertun" des Maikönigs ein Eheversprechen,

das es zu halten galt; von beiden

Seiten.


\

'.

·,. ! •

Kl ar und deutlich drangen und dringen auch

heute noch die Worte des Maikönigs in die erste

Maiennacht:

,,Höret, höret allen meinen Reden zu,

Was der Maikönig euch befehlen tut:

Er befiehlt von seinem Thron ,

Dat die zwei sich beiene solle don,

Dat soll seä, we soll dat seä?

- Dat soll seä met Naarn genannt:

( es folgen die Namen des Mädchens

und des Maiburschen) ... "

Der Chor fällt dann gleich nach der Bekanntgabe

der Namen mit der Aufforderung an die

Braut ein, den Kohl emai zu empfangen. In früheren

Zeiten erhielt das Mädchen ihn aus der

Hand des Herz liebsten:

,,Steht nur auf, mein Herz liebch en,

Du empfangest Deinen Maischatz,

Deinen Kohlemai,

Du empfangest Deinen Maischatz mit Freuden ."

Eine weitere Entwicklung im Maising en ist die

heut e noch übliche Eiergabe an die Maijungen.

Dazu gesellte sich in den letzten Jahrzehnten

auch noch die Gab e von Getränken oder Geld .

Dadu rch wurde der alte Brauch des Beschenkens

leider zu einer mehr materialistischen Angelegenheit,

die der Tradition wider.spricht und

sie verwässert.

Die Eiergabe , die darüber entscheidet , wer von

den Mädchen eines Stadtteils Maik önigin wer ­

den soll, wird manchmal, wenn die Mädchen mit

dem „zugeschlagenen" Jungen nicht einvers tanden

sind, gerne mit Absicht hinausgez ögert . Die

Burschen singen , wenn sie zu lan ge warten

müssen :

,,Lot os net ze lang hei stoh ,

Ver mös,se no Salmunes joh. "

Kommt dann das Mädchen mit den Eiern, heißt

es weiter:

,,Dat Mädche , dat es jott ,

Dat leät die Eier en de Bott ;

Dat Mädche, dat es jott,

Dat leät se en de Bott. "

Webe aber, wenn die Eiergabe verweigert wird.

Dann halten die Burschen mit ihr er Mein ung

nicht zurück :

,,Dat Mädche , dat es schle ät,

Dates de joe Jong net weät,

Dat Mädche, dat es schleät ,

Dat es de J ong net weät."

So kam es dann vor , daß die Hau stür anstatt

mit einem Birkenbaum geschmückt , mit Teer

bestrichen oder der Hof mit Häcksel bestreut

wurde . Mit dieser Maßnahme sollten die Mädchen

gebrandmarkt werden.

Auch die Geschichte und das Alt er des Jungenspiels

sind nicht mehr genau festzustellen. Würselen

zählte früher elf Dörfer (Oppen, Haal,

Drisch, Grevenberg , Morsbach, Schweilbach, Bissen,

Neuhaus, Dobach, Elchenrath und Scherberg).

In jedem wurde aus Anlaß der großen

Kirmes das J ungenspiel gefeiert, das damals

und heute noch mit dem Maisingen in dir ekte

Verbindung gebracht werden muß. Schon das

Maisingen verbot, ein einheimisches Mädchen

mit einem auswärtigen jungen Mann auszurufen.

Die Vorschriften des J ungenspieles schrieben

vor, daß das ausgerufene Mädchen an den

Kirmestagen nur mit dem Maibräutigam tanzen

und feiern durfte. AusdemJahre 1475weißman zu

berichten , daß junge Burschen, die sich nicht an

das Reglement hielten, ihre Mädchen durch die-


... meint e stolz Vater Schwan, als rr zusammen mit seiner

Gemahl in erstmalig nach der strengen Kälte seinen

hoffnungs v ollen Nachwuchs zum Schwimmunterricht versammelt

e. Mir schwant, daß es trotz meiner noch empfindlich

kühlen Daunen doch endlich Frühling wird ...

Nun, wenn Vater Schwan, wie seine ganze Sippschaft, auch

zur Familie der Gänsevögel zählt, die man - warum

eigentlich nur? - mit dem nicht gerade schmeichelhaften

Attribut „ dumm" tituliert, so dürfte er mit diese,·

Festst ellung kaum unrecht haben . Zumindest was

den Kal ender betrifft. Möglich aber auch, daß Vater

Schwa n l edi glich die Existenz des ihn und seine stattlich

e Familie „ schießenden" Fotografen zu dieser Weis ­

heit veran laßte ...

Dem Fo tom ann wäre jedoch bald vor Schreck die teure

Kamera i n den Teich gefallen. Plötzlich nämlich vernahm

er des Langhälsigen Stimme: ,,Gestatten, gehöre, streng

genom men, zur Sippe der großen Höcker -Schwän e -

wegen des roten Schnabels mit dem schwarzen Wtirzel­

Höcke,·. Wir sind in allen nördlichen und südlich gemäß

i gte n Zonen zu Hause. I n Mitteleuropa aber werden

wir v or allem als Ziervögel gehalten. Zu unserer

engeren Verwandtschaft gehören auch die kleineren

Singschwäne - die, so heißt es jedenfalls, besonders vor

dem Sterben einen lauten, schrillen Schr ei ausstoßen;

deshalb der Begriff Schwanengesang! -, die Zw erg ­

Schwäne und auch die Trauer - oder schwarzen Schwäne ,

die sich etwas darauf -einbilden, daß sie keine weiße

Weste haben. Daß wir in strikter Einehe leben, sehen

Sie. Daß unsere Nachko'mm en verhältnismäßig zahlreich

sind, auch. Vier bis acht weißliche Eier legt meine Fran

ins Haufennest von Wasserpflanzen . Kos tverächter sind

wir alle nicht . Was sich auf den Teichen und Seen an

kleinen Pflanzen und Kleingetier zeigt, ist uns willkommen.

Und daß wir vor allem in Nordeu ropa, wo wir

noch in großer Zahl „wild" leben, wegen unserer weichen

Daunen gejagt werden, dürfte wohl allgemein bekannt

sein. In vielen alten Volksliedern und selbst neumodischen

Schlagern werden wir eifrig besungen. Das

scheint wohl nicht zuletzt damit zusammenzuhängen, daß

wir den Menschen bereits seit etlichen tausend Jahren

bekannt und vertraut sind . Auf unzähligen Wappenschildern

sind wir zu finden . Vielleicht erinnert sich der

eine oder andere sogar daran, daß wir schon bei den

alten Griechen beliebt waren und daß sich in der germanischen

Sage Walküren und Wasserfrauen in Schwa ­

nengestalt zeigen. Und wer es noch nicht wissen sollt e:

selbst ein Sternbild in der Milchstraße ist nach uns b e­

nannt. Na - nun schwant vielleicht auch Ihnen , weshalb

wi1' Schwäne immer so betont stol z und majestä ­

tisch erscheinen .. ."

Damit plusterte sich der Langhälsige im vollen Bewußtsein

seiner Würde. Dann stach er mit Frau und K inder n

in den von der ersten Frühlingssonne beschienenen See.

Heinz Hermann

ses Verhalten verleumdeten und durch das Sendgericht

bestraft wurden. Sie mußten auf eine

Leiter steigen, wobei sie Papierkronen trugen,

auf denen die Missetaten näher beschrieben

standen. Außerdem gab es weitere Strafen, wie

Bußfahrten, die e·ntweder barhaupt oder gar

barfuß nach Aachen oder Kevelaer durchzuführen

waren .

Heute ist das Reglement eines Jungenspi eles

nicht mehr so streng. Man feiert das Jungen ­

spiel meist in dem Stadtteil, der für die St.­

Sebastianus -Schützengesellschaft von 1624 den

Schützenkönig stellt, der traditionsgemäß am

Pfingstmontag eines jeden Jahres am Parkhotel

ermittelt wird .

Hat nun ein Stadtteil den Schützenkönig, dann

finden sich schnell die Maijungen zusammen, um

bei der großen Kirmes gemeinsam mit den Schützen

das Königsspiel zu stellen. Mit Fahnen und

Musik ziehen die Maijungen und Schützen zur

Kirche und durch die Stadt. Zehntausende Besucher

sind es immer, die am Kirmessonntag nach

Würselen kommen, um sich an den Jungen ­

spielen zu erfreuen.


20

DIE AUFERSTEHUNG

Eine österliche Geschichte aus der Eifel

Von Jacob Vonberg

D ES B ERNHARD PRAGER

Am Morgen des Karsamstag waren die Glocken

wi eder wie alljährlich von ihrer weiten „Rom ­

reise" hei mgekehrt in das kleine Eifeldorf, das

da idyllis ch zwischen weiten Wäldern am Ufer

des Vichtbache~ lag , dem es seinen Namen ver ­

dankte . Hell und froh waren die Klänge in weiten

, leise verklingenden Wellen über die Eifelwälder

gezogen, um von der frohen Auferste ­

hung zu künden. Und ihre . feierlic h-festlichen

Klänge waren auch in das kleine Haus gedrungen,

-das drauß en etwas abseits vom · Dorf e am

Rande des Waldes lag.

Hier lag der alte Bernhard P rager im Sterben .

Er war kein Einheimischer, kein Eifel er . Ein es

Tages war er mit seiner jungen Frau aus dem

fernen Böhmen in das stille Eifeldorf gekommen,

aus der fernen „goldenen Stadt" Prag , von

der er in den Stunden, da er gesprächiger war

als sonst, den Eiflern so viel Wunderbares zu

erzä hlen wußte . Aber diese Stunden des Erzäh ­

lens waren selten . Er war ein stiller und ver ­

schlossener Mann, der ruhig seiner alltäglichen

Arbeit nachging und in Liebe seiner Frau zug e­

tan war. Wenn ihn aber die Sehnsucht zu stark

packte, dann hatte er zwei Mittel, über sie mit

ihren Heimwehgedanken hlnwegrzukommen .

Dann ging er hinaus in die Wälder , wand er t-=

hinauf zum Großen Kranzberg, zum Klucken ­

stein oder zum Dörnberg und schaut e dann weit

hinaus in das Land über die grünend en Täl er,

die von munteren Bäch en durchflossen wurden ,

über die stillen, kleinen Dörfer und die wogenden

Waldwipfel hinaus bis zu dem in der Fern e

verblauenden Aachener Wald , eine weit e Sicht.

die tröst ete und beruhigte, und die ihn üb er all e

irdischen Sorgen hinaushob . Was ihn auch immer

wieder anzog, das waren die bizarren Felsformen

des Kluckenstein und Dörnberg, Felsform

en, die der Phantasi e viel Raum zum Träumen

gaben. Kehrte er dann in der Dämmerun g

wieder in sein kleines Haus am Rande der Wälder

zurück , nachdem er die harzduftenden Nadelwälder

, die geheimnisvoll rauschenden Laub ­

wälder durchstreift hatte , dann griff er zu seiner

geliebten Flöte. Ernst und feierlich nahm

er sie aus dem dunkelblauen Samm etkasten ,

legte die Notenblätter aufs Pult , und dann , ehe

er die Flöte vorsichtig an den Mund setzt e, und

die hellen, eiligen Töne jubilierend <:Iurch den

Raum wirbelten , funkelnd und zitternd wie gläserne

Perlen , dann nannte er seinem kleinen

Jungen, Wendelin hatte er ihn tau fen lassen,

Namen , die der Knabe noch nicht kannte, aber

immer wieder hörte und in sein em Gedä chtnis

behielt: Telemann , Haydn, Mozar t.

'\

Die Wälder draußen vor seinen Fen stern, die

Musik und sein Junge, das waren die ein zigen

Ding e, für die Bernhard Prager noch lebte, die

ihn trösteten und beruhigten in sein em Leben ,

dessen Inhalt die Zukunft und das Glü ck seines

Kindes waren. Diese Liebe zu seinem Jungen

war ein e schmerzliche; denn sein Leb en hatte

der Mutter das ihre gekostet . Der Arz t konnte

sie nach einer schweren Geburt nicht mehr r!:tten

. Seine Kraft reichte eben noch , dem Kinde

das Leben zu erhalten , das so ungestü m nach

dieser Welt beg ehrte. Und dann hatte das Kind

dag elegen, es war ein Junge , und er schrie aus

Leibeskräften in die Welt hinein, währ end man

seine Mutte r still aus ihr hinaustrug.

Still , allein mit dem Vater , wuchs der Jung e

heran. Er war ein leb endig -ungestümes , von

Träumen und Phantasien erfülltes Kind. Bilder,

Träume, Erregungen und Entzückungen be-­

stürmten sein jung es Herz , rührten es auf und

füllten es mit ein er seltsamen Unruhe. Der Vater

war des guten Glaubens, daß er mit seinem

allabendlichen Flötenspiel dem heißen Gemüt

des Sohnes Ruhe und Sänftigung spende und

ahnte nicht die wachsende Verzauberung , die

seine Musik der jungen empfindsamen Seele antat.

Wie sehr hatte er selbst in jungen Jahren

unt er dieser Verzauberung gelitten, ehe er sich

in dem engen , geschützten Kreis seines stillen

Daseins zur echtgefunden hatte . Aber den Sohn

vor dieser Verzau berung zu retten, das vermochte

er nicht mehr . Noch da hatte er die Gefahr

nich t erkannt , als der Sohn sich eine Geige

ersehnte , und der Vater ihm eines Tages ein Instrum

ent in die beglückten Hände legte. Da

dauerte es nicht lange , und der Vater hatte keinen

stillen Lauscher mehr bei seinem Flöten ­

spi el, sondern einen Freund , der neben ihm

stand und den Bogen über die dunkeltönige

Geige führt e. Oft stand en die Leute aus dem

Dorfe , wenn sie zu ein em abendlichen Spazier-


Die Klucke n stein e in V i cht

gang -hinter dem alten, heimeligen Pfarrh aus

zum Wald hinaufstiegen, vor den Fens tern des

Häuschens still und ließen sich von den Klän ­

gen der beiden verza ubern. Es sprach sich bal d

rund, daß dort zwei gute Musikanten wohnten ,

und es kam dann öfters vor, daß der Vater und

Wendelin mit anderen Musika nten g.eholt wurden,

in den umliegenden Dörfern , in Gressenich,

Mausbach oder Schevenhütte , zu Tauffeste n,

Kirmessen und Hochzeiten aufzuspielen.

In dem jungen Musikanten aber ·war nun der

Sturm entfacht, und er ließ sich nicht mehr eindämmen.

W endelin reiste , der Lehr e des väter ­

lichen Freundes längst entwac hs en, in die Sta dt

Köln, wo ein berühmter Meister die Gabe seiner

Kunst schöner ·und leucht ender entfalten

wollte. Für den Vater begannen die Jahre der

Einsamkeit, der Angst und des Wartens, schwere

Jahre, wie sie nicht weher durch ein Mutterherz

wandern können. Und als dann der Siegeszu g

des Sohnes durch die Welt begann , da in den

großen Konzertsälen der Weltstädte die Menge

ihm und seinem Spiel zujauchzte , die Briefe seltEner

und spärlicher aus der großen Welt in das

kleine Eifeldorf kamen, verschloß sich der Vater

immer mehr , wurde unwirsch jedem tröstenden

Zuspruch gegenüber, und sein Herz wurde

einsam und hart .

Dann war in den letzten Winterscha uern im

eisigen Wind , der über die Eifelwälder f~gt e,

die tückische Krankheit gekommen und hatt e

ihn aufs Krankenlager geworfen. Ein heftig ansteigendes

Fieber zeigte an, daß ihm keine lange

Frist mehr gegeben war. Die ihm zu,hächst W ahnenden

, die sich um den alten Mann kümmerten,

fragten ihn , ob sie nicht den Sohn zu ihm

rufen sollten. ,,Wo wollt ihr ihn finden", fragt e

er in bitterer Traurigkeit. ,,Ihr könnt die ganz e

Welt absuchen. Und wenn ihr ihn habt, wird

die Musik ihn doch festhalten, die läßt ihn nicht

mehr los . Was bin ich noch für ihn? Laßt ihn

nur, er gehört mir doch nicht mehr." Aber in

seinen Worten klang mehr Sehnsucht als Abwehr.

Man suchte heimlich in der Schublade des

alten Schrankes , und man fand ein en Brief, den

der Sohn noch vor kurzem geschFieben hatt e,

den aber der Vater ungeöffnet weggelegt hatte.

Man erfuhr so die Anschrift seines ständig en

Wohnortes und schickte ein Telegramm dorthin ,

das den Sohn aus der lauten Welt des Ruhmes

und des Glanz es zurückri ef in das stille Eifeldorf.

Am Morgen des folgenden Tag es schon , es war

Karsamstag, traf der Sohn zu Hause ein, und

als er in die Stube trat, war der Vater nicht erschrocken

, er bli eb ganz still, als ob er weiter


22

träumte. Am Abend waren Vater und Sohn

allein. Neben dem Lager stand der Tod und war ­

tete. Da hob sich der Vater plötzlich in den

Kissen hoch und bat den Sohn, . ihn aufzurichten .

Er war ganz ruhig , das Fieber hatte wohl von

ihm gelassen, auch der Atem ging leichter und

weicher. ,,Hast du deine Geige bei dir?" fragte

er. ,,Ich laß sie nie allein, Vater, es ist noch die

alte, die du mir geschenkt hast. Viele haben

mich darum beneidet ." ,,Dann wollen wir noch

einmal zusammen musizierenJ, Wendelin, wie

damals .. ., hast du Lust? Du bist ja tüchtigere

Partner gewöhnt. Aber vielleicht nimmst du

einmal vorlieb mit mir Stümper , ja? Geh dort

an den Schrank , hinten unter den Kleidern

liegt meine Flöte ... Ja, gib sie nur . .. . Ich trau

mir's noch . . ., auch ohne Notenblätter , denk

ich ... , und hol du auch deine Geig e ... , geh,

mach. mir die Freude ... "

i ·; 1 - 1

Zitternd setzte der Sterbende die Flöte an seine

Lippen, sachte setzte der Sohn den Bogen an,

und dann war die Stube erfüllt von der Wärme

und der Helle Mozartscher Musik, die wie ein

stiller Jubel aus den beiden Herzen aufbrach.

Noch einmal tönte die Flöte, und die Geige

folgte ihr in die weiche , dunkle Melodie eines

Andante hinein , das noch einmal alle Sehnsucht ,

alle Sorgen und Liebe des Lebens aufrührte, sie

tröstend erfüllte und mit stillen, langsamen

Klängen nichts and ers zu sagen schien, als· daß

wirklich alles gut sei.

Der Sohn spürte, wie der Ton der Flöte schwä ­

cher und leiser wurde, er sah, wie dem Vater

die Händ e sanken, und der Atem nach und nac...li

erlosch, bis der Klang der Geige allein geblie ­

ben war - aber er erschrak nicht; denn er

glaubte, in dem Lächeln des erstarrenden Gesichtes

den Wunsch zu lesen, nicht innezuhalten

in dieser Musik , und er spielte dem toten Vater

in dieser Osternacht, da Bernhard Prager aus

der Bitterkeit des Herz ens wieder auferstanden

war, den schönen geliebten Satz zu Ende . Als

aber in der Frühe des Ostermorg ens die Glocken

jubelnd über das Eifelland sangen, da stand

Wendelin allein oben auf dem Großen Kranzberg,

schaute tiefbewegt über die Wälder, Felder

und Stätten seiner Heimat und grüßte sie

aus tiefstem Herzen . Auch er hatte in dieser

Osternacht und an diesem Ostermorgen wieder

heimgefunden.

Im Eifelbergwald ist es Frühling gewor den. Der

Winter, der voller Launen seine Herrsch aft gezeigt,

ist mürrisch prust end abgewan dert , in

Gesellschaft tagelang währender Stü rme, die

manchen Baum im Bergwald entwurzel t und zu

Boden geschleudert _ haben . Mit reg enre ichen

Wolkendecken war der Himmel die ganze Zei t

verhangen , trüb und unfreundlich war es in den

Bergen , naß und kalt die ruhende Natu r. '\

Nun ab er scheint die Sonne strahlend durch das

Gewölk und wärmt die durchfrorene Erd e, daß

die Nebelschwaden aufsteigen und die Täl er im

Dunst lil~gen .. Sie hat schon Kraft, die Licht ­

spenderin , und ihre Strahlen locken wie durch

geheimen Zaub er das schlafende Lebe n hervor.

Die Lärchen im Buchenhang erhalten ihren

erste n grünbraunen Schimmer, im Bruch wie ·

gen die Erlen und Haseln ihre Kätzchen stäu ­

bend im Wind , die Weiden schmücken sich mit

silbernen Perlen und goldenen Kugeln , die Zitterpappeln

prahlen mit ihren dickwolligen , violettbraunen

Troddeln , auf den Tal wiesen am

kristallklaren Waldbach blühen die gelben

Sterne der wilden Narzisse und an den Wegrändern

die goldenen Huflattichsonnen.

Auch im Hoch walde regt sich vielfältiges Leben.

In der letzten Nacht sind die Hohltauben einge ­

troffen, sie sitzen vor ihren Höhlenwohnun gen in

den Altbuchen und rucksen verliebt ihre Strophen.

Der Ringeltauber , der den Winter über

in Gesellschaft vieler seiner Artgenossen in der

Heimat verbracht, kann sich vor Sehnsucht auch

nicht mehr halten und ruft mit Inbrunst aus

der ·spitz e einer hohen Fichte heraus . In den

Alteichen schwingt sidi der Schwarzspecht im

Bogenflug von Stamm zu Stamm , hackt mit seinem

starken Keilschnabel die Rinde von den

knorrigen Dürrä sten und schwelgt in fetter

Larvenbeute. Der Buntspecht trommelt an Horn ­

ästen, der Buchfink schmettert sein Lied, die

Meisen pink en ihre Verse, und der Drosselhahn

übt fleißig seine Melodien.

Sie alle begrüßen den Frühling.

Für den Jäger hat der Frühlingsbeginn seine

besonder e Bedeutung . Die mehr oder weniger

erfolgreichen winterlichen Saujagden haben ihr

Ende gefunden und mit ihnen das Jagdjahr; das

neue -nimmt mit der steigenden Sonne und dem

nun kommenden Schn epfe nstrich seinen Anfang.


23

Wenn es auf den Abend zugeht, zieht es den

Jäg er unwi derstehlich hinaus in den knospenden

Wald. Irgendwo im Bruch, auf einer Tal wiese,

oder gar in einer Höhenschneise weiß er aussichtsreiche

Stände, die ihm guten Anblick gewähren.

Meist führt ihn die Sehnsucht nach der

abendlichen Stille viel zu früh hinaus; denn um

Invokavit, dem ersten Schnepfensonntag , sind

die Langschnäbel noch in südlicheren Ländern ,

und weil die „ Vögel mit dem langen Gesicht "

sich nicht nach dem Kalender, sondern nach der

Witterung richten, bleibt mancher Abend ohne

Erfolg, trot z des alten Jägerspruches, der lautet:

,,Invokavi t - Nimm den Hund mit!

Reminiszere - Putz ' die Gewehre!

Okuli - Da kommen sie!

Lätare - Das Wahre!

Judika - Sie sind noch da!

Palmarum - Tralarum!

Osterzeit - Nur wenig Beut'! [brüten sie!"

Quasimodogeniti - Halt, Jäger , halt , jetzt

Manchmal trifft's zu, manchmal nicht, aber das

Silb erlie d des Rotkehlchens, der herbe Geruch

von Erde und Holz, das Wispern und Raunen

der kleine n Wesen im Fallaub bieten dem Jäger

und Naturfreund Unterhaltung und Entschädie:ung

die Fülle.

Im Bruch , wo die Waldstraße eine weite Kurve

macht, habe ich meinen alten Stand aufgesucht.

Es ist noch früh am Abend. In den Wassergräben

laichen die Frösche und Kröten, sie planschen

darin herum und tauchen unter, wenn ich

mich bewege. Ein Rotkehlchen sprudelt sein Liedchen

hervor, und als es mich gewahrt, macht es

wie zur Begrüßung eine Verbeugung nach der

anderen. Ein winziger Zaunkönig huscht auf der

Jagd nach Spinnen durch das Gezweig und warnt

zeternd die Umwelt. Ein Trauermantel gleitet

im Schwebeflug am Schneisenrand entlang; er

sucht Blum en, die noch so rar sind. Die Sonne

hat ihn aus seinem Schlupfwinkel hervorgelockt,

in dem er über Winter erstarrt gesessen. Drüben

im Hang hat sich eine Ricke niedergetan.

Aufmerksam äugt sie zu mir herunter ; doch als

ich gar nicht weggehen will und ihr mit dem

Glas ins Gesicht schaue , erhebt sie sich und

springt, mit dem weißen Spiegel wippend, unwillig

ab. Störenfriede mag sie nun einmal nicht.

Da erklingt aus dem Aether gellendes Rufen .

Ein Flug Kraniche, in Keilform wohlgeordne t,

wandert mit fördernden Schwingenschlägen vor ­

über der nordischen Heimat zu. Fahrt wohl ihr

stolzen und freien Gesellen, grüßt mir die Wälder

, die Heide , Moore und Brücher, die Einsamkeit

unberührter Natur, die euch Freistatt gewährt

und euer Dasein sichert!

Die Uhlenflucht ist gekommen, in reinem Glanze

flim:rpert hell der Schnepfenstern über dem

Bruch. Ein Waldkauz ruft mit schaurigen Tönen

drüben aus den dunklen Fichten heraus, Fledermäuse

jagen nach winzigen Insekten, und um

mich herum taumeln die Frostmottenmännchen.

Plötzlich vernimmt mein lauschendes Ohr das

scharfe „Psst" einer Schnepfe, und schon saust

sie ih pfeilschneller Fahrt über die Wipfel. Gerade

noch kann ich ihre Silhouette erkennen,

dann verschwindet sie in der Dunkelheit .

Du „Vogel mit dem langen Gesicht" , wie viele

deiner Art habe ich in meinem langen Jäg erleben

schon zur Strecke gebracht, wieviele stille

Wa~dmannsfreuden hast du mir beschert!

Lange noch stehe ich, den Blick himmelwärts .

geri.chtet, auf meinem Stande und sinne vergangenen

frohen Waidtagen nach. Immerhin, der

Abendstern leuchtet, die Schnepfen sind da und

mit ihnen der Frühling, der die Natur mit fri ­

schem Grün schmückt.

Und Grün ist ja die Farbe der Hoffnung.

Osterspaziergang

im Vichtta!


·

24

DER KREIS IM SCHRIFTTUM

H. Hoffmann/ G.Henßen: Sagen,Märchen und Schwänke

des Jülicher Landes . Mit 8 Bildtafeln und 1 Karte .

Ludwig -Röhrscheid-Verlag, Bonn, 1955.

Ein großer Teil des Landkreises Aachen stand früher

unter der Herrschaft oder Oberherr schaf t der Grafen

unQ Herzöge von Jülich. Grund genug, für den Heima t­

forscher und Heimatfreund , sich in da s gehaltvolle und

vorbildlicll ausgestattete, 328 Seiten starke Sammelbuch

von Gottfried Henßen hin einzulesen . Die Erwartun g,

man werde in den hier gebote nen , dem Volksmund

entnommenen und oft auch in der Volkssprache wieder

gege benen Sagen , Märch en und Schwänken viele s

finden, was in ähnlicher Form auch in den Dörfern

und Städten des Landkreises erzählt wurde und wird,

sieht sich nicht getäuscht: das Jülicher Land und der

Aachener Raum bilden volkskulturell eine Einheit , wie

ein Ver gleich mit den vor mehr als vierzig Jahren

erschienenen Sammelb änden von Heinrich Hoffmann

,,Sagen aus dem Rurgebiet " (Eschweiler 1911) und „Sagen

aus dem Inde gebiet " (ebda, 1914) zweifelsfrei ergibt.

Aus dem Vorwort des Herausgebers erfährt man,

daß auch die neue Sammlung im Wesentlichen auf

Vorarbeiten Heinrich Hoffmann s zurückgeht, die jahrzehntelang

verschollen waren, durch G. Henßen aber

wiedergefunden und durch die Ergebnisse eigener Sammelt

ätigkeit, insb eso ndere auf dem Gebiet der Mär ­

chen und Schwänke , ergänzt wurden. Hoffmann, de r

am 2. Feb ruar 1857 zu Breitenbenden ·bei Mechernich

geboren ist, wurde Volks schulle hrer und wirkte an den

Schulen von Pier (1881-1895), Gürzenich (1895-1900)

und Düren (1900-1916). Er starb am 11. Juli 1918, ,,ver ­

grämt und vorzeitig hin gerafft durch die Trauer um

einen in Frankreich gefallenen Sohn. " Über die zu seinen

Lebzeiten veröffentlichten Sagenbände „Rur" und

„Inde" urteilte ein berufener Mund: ,,Sie haben einen

unvergänglichen Wert; in ihnen hat sich der bescheidene,

allzeit lieben swürdige Mann ein bleibendes Denkmal

gesetzt." - Gottfried Henßen legt im letzten Satz

seines Vorworts die neue Sammlun g „in die H ände der

Heimat zurück als den besten Teil des Vermächtnisse s

Heinrich Hoffmanns. " Man wird auch an Rur und Ind e

die seltene Gabe dankbar entgege nn ehmen.

W.H.

Bockreiter im Landkreis. In der rheinisch-westfälischen

Zeitschrift für Volk skund e, H. 2, 1955, berichtet Matthias

Zender in einem Artikel „Schinderhannes und andere

Räubergestalten in der Volkserzählung der Rheinlande"

über die Ergebni sse einer Umfrage vom J ahre 1932, die

Klarheit darüber schaffe n sollte, welche R äuberge stalten

heute noch im Volke bekannt sind. Unter ihnen

nehmen die „Bockreiter" eine Sonderstellung ein. Von

ihnen allein berichtet die Sage, ,,daß in jüngerer Zeit

eine Räuberbande mit übernatürlichen Mächten im

Bunde gestanden habe. "

Die dem Bericht beigegebene Karte „Sagen von Räubern

und Räuberbanden" zeigt deutlich, daß namentlich

der Aachener Raum und insbesondere der Landkrei

s Aachen Schauplatz der Bockreiterta ten gewesen

ist . Zender bemerkt dazu: ,,Die Geschichte die ser Bande

reicht in frühe Zeit zurück , und sie bestand von da ab

eigentlich ununterbrochen. Schon im 18.' Jahrhundert

wurde von ihren Taten erzählt. Der Glaub e an di<i;

übernatürlichen Fähigkeit en dieser Bockr eiter blieb

also aus alter Zeit lebendig und gegeben u nd brauchte

nicht erst im 19. Jahrhundert neu geschaffen oder mit

diesen Sagengestalten in Verbindun g gebracht zu wer ­

den. Dazu kam die Reliktla ge des Selfkantes und der

Aachener Gegend . Damit erklärt sich die Tatsache, daß

nur dieser Raum Räubersagen auf volksgläubiger

Grundlage überliefert." W. H.

Karl Schleicher: ,,Geschichte der Stolberger Messi ngindustrie",

herausge gebe n von der Stadtbücherei

Stolberg , 128 Seiten , 31 Abbildungen, 3,50 DM.

In der Reihe der von der Stadtbücherei herausgegebenen

Heimathefte erschien als vierter Band Karl

Schleichers „Geschichte der Stolberger Messingindu ­

strie". Es handelt sich dabei um die Zusammenfassung

von zwei Arbeiten, die Schleicher 1949 bzw. 1952 an

der Universität Köln schrieb und die als Diplomarbeit

bzw. Dissertation angenommen wurden . Die Stadtbücherei

will auch in Zukunft Diplom- und Doktorarbeiten,

die sich mit der Erforschung des Stolberger

Raumes in geschichtlicher, geog raphischer , geologischer

oder wirtschaftlicher Art beschäftigen, in die Reihe

ihrer Heimathefte aufnehmen. Die Folge soll nämlich

keineswegs mit dem l00j ährigen Stadtjubiläum, das im

September dieses Jahre s gefeiert wird, abgeschlossen

werden . /

Der Autor des vierten Heftes , Sproß eines alten Kupfermeistergeschlechtes,

gibt auf Grund sorgfältigen

Quellenstudiums einen umfassenden Überblick über die

450jährige Geschichte der Stolberger Messingindustrie,

die im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts die bedeutendste

der Welt war und heute noch in aller Herren

Länd~r bekannt ist. Neben die Wirtschaftshistorie

treten dabei gleichberechtigt die technischen und

menschlichen Seit en einer jahrhundertelangen Entwicklung,

die auch stark von politi schen Gegebenheiten

beeinflußt war.

Wertvolle Ergänzung des Textes sind zahlreiche Fotos

von alten Kupfermeistern - Peltzer, Schleicher , Lynen,

Prym, Hoesch - und alten Stolber ger Kupferhöfen, die

zu einem großen Teil heute noch eine Zierde der Stadt

sind.

-ds-

Fotos: Bredoht-Lepp er (S. 15), CaU (S. 13, 19), Forschel en (S. 1, 3 unten) , Linckens (S. 2, 14, 21, 23), Peters (S . 5),

Pre im (S. 3 oben, 3 Mitte, 4);

Z eichnungen : Sanke; Karte: Meyers; Zeichnung der Urkunde (S. 4): Verw.-Ang. Schopp , Kreisverwaltung


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