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Heimatblätter des Kreises Aachen 1958-3

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HEIMATBLATTER

DES LANDKREISES AACHEN

3

HEFT

14. JAHRGANG


Titelbild: Kohlsd1eid, Grube Laurweg; Foto Paulus.

Heimatblätter des Landkreise s Aadun . Erscheinen vierteljäh rlich. Bezu gspreis 2,- DM jährlich. Auflage dieser Nu mmer : 3300 Stück . Verantwortlich: Oberkreisdirektor

Seulen, Schriftleitung: Prof. Dr. Will Hermanns - Kreisoberinspektor Cornel Peters, Aachen, Zollernst raße ( Kreishaus), Tel. 40 71. Für unver ­

langt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keine Gewähr übernommen . Druck : Herzo[ldru ck, Esdzweiler und Kunstdru ck G. Gottschall, Eschweiler.


HEIMAT­

BLATTER

HEIM ATBUi. TTER DE S LANDKREISE S AA CHEN , HEFT 3 / 1958 • AA CHEN, S EPTEMBER 1958

25' ORTE ~ RHIELTEN GEMEINSAMEN NAMEN

Am 29. September 1908 entstand die Gemeinde Kohlscheid - Ihr Gebiet hat sich seitdem nicht mehr verändert

Von Leo Ortmanns

In diesem Jahr sieht die Geme i nde Kohlscheid auf ihr 50jähriges Besteh en zurück. Sie tut es i n dem

Bewu ßtsein, daß ihre Geschicht e nicht aUein i n di esen 50 Jahren umschlossen Hegt, daß vi elmehr ihr

Siedlun gsgebi et weit äiter i st und schon in grauer Vor zeit bewohnt war.

Wenngle ich weder stolze Burgen noch mittelalterliche

Urkunden die frühe Geschichte unserer

Heimat künden, so müssen wir doch - wollen

wir den Beginn der Besiedlung unseres Gebietes

aufspüren - uralte Zeugnisse heranziehen

, Zeugniss e, die älter sind als mittelalterliche

Pergamente und behauene und zu Türmen

und Maue r n aufgetürmte Steine. Die ersten

Zeugnisse über eine frühe Besiedlung und Geschiichte

unseres Gebietes haben wir erst vor

wenig mehr als 20 Jahren dem Erdboden selbs t

entnommen: die Steinwerkzeuge der Menschen,

die in vorg eschichtlicher Zeit auf den Abhängen

des Höhenrückens zur Wurm hin ihre Wohnhöhlen

bauten, aus Feuersteinen ihre Geräte und

Waffen schlugen , beschädigte Stücke dem Boden

wieder anvertraut en ·und uns damit die Möglichkeit

gaben , diese Urzeugen unserer Geschicht e

nach vielen tausend Jahren wieder auszugraben .

Vielleich t haben diese ersten Bewohner unser er

Heimat zu den Menschen gehört, die wir heu te

„Neand ertal er" nennen, jedenfalls ab er dürft en

sie nur solange hier ansässig gewesen sein , wie

die Wälder ihnen ·Fleisch und die Wasser der damals

noch klaren Wurm Fisch e als Nahrung darboten

oder der Boden ihnen die Feuersteine als

Grundlage ihrer Kultur gewährte . Dann sind sie

weiterg ezogen , die fruchtbare Ebene den nachfolgend

en „Bandkeramikern " überlassend , die,

vom Donauraum stammend, in langen Wanderungen

schließlich auch die Ebene zwischen Rhein

und Maas ausfüllten . Krüge dieser Stämme haben

wir bis heute nicht ausgraben können, doch

es ist nicht ersichtlich, warum sie ohne Not günstige

Wohngebiete , wie unsere Heimat, gemie ­

den haben sollten .

Sichere Nachrichten über die Besiedlung des

Kohlscheider Raumes reichen Jahrhunderte zurück

bis in die Begründung der Unterherrschaft

Heiden im Jahre 1361, in dem der Ritter Godart

von Bongart mit den Orten Richt er:icll., Bank,

Steinst raß und Berensberg belehnt wird. Hier

spielt also schon eine alte Ortschaft der Gemeinde

eine derartige Rolle, daß sie ausdrücklich

in einer Belehnungsurkunde genannt wird.

Doch die Entwicklung unseres Ortes geht auch in

den folgenden Jahrhunderten in aller Stille vor

sich, was wohl seinen Grund darin hat, daß der

Reichtum unser es Bodens , die Kohl e, noch keine

Bedeutung in dieser Zeit der „Fingen " hat und

es noch nicht zu wirklichen Grub enbildungen gekommen

ist . So führt eine von „Petrum J osephum

Hopels , der Freyen Reichsstatt Aachen


5 0

Rathaus Kohlscheid

vereydeter Landmeßer" im Jahre 1769 gezeichnete

Karte der Herrschaft Schönau in unserem

Gebiet keine einzige Grube auf, während nur

wenige Jahre später - 1783 - eine Karte der

,.Kohlenstraßen im Ländchen zur Heyden" mehrere

Gruben verzeichnet.

Ein wichtiger Tag in der Besiedlungsgeschichte

unseres Ortsgebietes ist dann weiterhin jener

gewesen, an dem die französische Besatzung

kurze Zeit später die Herrschaft Heyden auflöste

und stattdessen dem gesamten Gebiet den

Namen „Bürgermeisterei Pannesheid" gab. Hier

wird ein bisher nur als „ Quartier" des Ländchens

zur Heyden bezeichneter alter Siedlungskern

Kohlscheids bestimmend für den Namen des gesamten

Gebietes, was doch nur verständlich ist,

wenn dieser Ortsteil inzwischen eine wesentliche

siedlerische Bedeutung innerhalb des Gesamtverbandes

erlangt hatte.

Der Wiener Kongreß änderte dann allerdings

den Namen wieder um in „Bürgermeisterei Heiden",

doch war diesem Gebilde nur eine kurze

Lebenszeit beschieden, wurden doch im Jahre

1849 die beiden Spezialgemeinden Richterich und

Pannesheide wieder eingerichtet. Beide Bürgermeistereien

wurden zunächst in Personalunion

verwaltet; der Amtssitz des Bürgermeisters war

der Ort Richterich, während die einzelnen Ortsteile

Kohlscheids durch mehrere beigeordnete

Bürgermeister repräsentiert wurden.

Die vollständige Trennung der beiden Gebiete

erfolgte erst im Jahre 1906, in dem die Gemeinde

Pannesheyde - so war die Schreibweise auch

zu dieser Zeit noch - einen eigenen Bürgermeister

erhti.elt und ihre Angelegenheiten durch

einen eigenen Gemeinderat zu regeln vermochte.

Inzwischen aber reifte mehr und mehr der Gedanke,

daß ein Gemeindeteil, der derart am Rande

eines gelockerten Siedlungssystems gelegen war,

auf die Dauer nicht der bestimmende Teil dieser

Gemeinde sein konnte. So kam es dann schließlich

in der Sitzung des Gemeinderates vom

16. Januar 1908 zu dem Beschluß, beim Preußischen

Minister des Innern jenen Antrag zu

stellen, der uns heute auf ein 50jähriges Bestehen

der Gemeinde Kohlscheid zurückblicken


51

läßt. Es daue rte aber noch bis zum 29. September

desselbe n Jahres, bis die Namensänderung

auch von „allerhöchster Stelle" her genehmigt

wurd e und damit die Geburtsstunde unserer heutigen

„Geme inde Kohlscheid" schlug.

Im Amtsb latt der Regierung zu Aachen erschien

unt er dem 22. Oktober 1908 der nachfolgende

Erla ß, der im Wortlaut wiedergegeben werden

soll , da er bis in die Einzelheiten hinein die damali

ge siedle rische Gestalt Kohlscheids aufführt.

Des Köni gs Majestät haben durch Allerhöchsten

Erla ß v om 29. September dieses Jahres zu genehm

igen geruht, daß der Name der im Landkreis

A achen gelegenen Gemeinde Pannesheide

in „Kohlscheid" umgeändert wird.

Die Um bene :1-nung der Gemeinde zieht die Umbenenn

ung :,fer Landbürgermeisterei Pannesheide

nach sich, da diese nur aus der einen Gem

einde besteht .

Mit Zustimm ung des Herrn Ministers des Innern

vom 4. Oktober dieses Jahres (Ia194 .~) bestimme

ich gleichzeitig, daß die einzelnen Ortsbestimmunge

n innerhalb der Gemeinde Kohlscheid ,

nämlich die Bezeichnungen Pannesheide, Schützenheide,

Roland, Schweierhof , SpideU, Kesseles,

KLinkheide, Vorseheid, Rumpen, Dornkaul,

Berensberg, Hasenwald, Mittelürsfeld, Pley,

Kircheich, Laurweg, Viehweg, Flammenhäuschen,

Gracht, Bank, Kiefekey, Mühlenbach, Foren

sberg, N euforensberg und Feld , künftig wegfaUen

und die genannten Ortschaften und Wahnplät

ze den gemeinsamen Ortsnamen Kohlscheid

annehmen .

Aachen, den 22. Oktober 1908.

Der Regierungspräsident:

Dr. von Sandt

Das Gemeindegebiet hat sich in den letzten

50 Jahren nicht verändert. Es beträgt heute noch

wie damals 946,28 ha. Geblieben ist auch die Begrenzung

der Gemeinde durch das Königreich

der Niederlande - daran erinnert uns auch

heute noch das Zollamt mit der Zollschranke

und dem sicherlich nicht schönen Stacheldrahtzaun

- , die Stadt Herzogenrath im Norden, die

Gemeinde Bardenberg und die Stadt Würselen

N eues W ohnge bie t KohL schei d-Hohene i ch


52

im Osten, den Aa,chener Kessel im Süden und

die Gemeinde Richterich im Westen. Damit hat

Kohlscheid seine Lage auf dem langgestreckten

Höhenrücken zwischen Wurm und Amstelbach,

der dem Gebiet seine eigenartige und siedlerisch

sehr ungünstige Form aufdrückt, erhalten.

Die ungewöhnliche Nord-Süd-Ausdehnung im

Verhältnis zu der geringen Ost-West -Streckung

ist es auch gewesen, die die ursprüngliche Besiedlung

auf den leichtabfall enden Rücken der

Hochfläiche fördert e. Es bot sich im Gegensatz

zum fast quadratischen Aachener Kessel nicht die

Gelegenheit des Wachstums in organischen Ringen

rund um einen zentralen- Punkt , wie es in

Aachen Dom und Rathaus für die ganz e Stadt

sind, vielmehr wurde die Entwicklung einzelner

über das Gesamtgebiet verstreuter und gegen ­

einander abg eschlossener Siedl ungskerne sehr begünstigt,

wenn man das Wort „erzwungen" niicht

gar setzen will . Der „Generelle Bebauungsplan

fü r die Ortschaft Kohlscheid in der Gemeinde

Pannesheide" vom Jahr e 1903, der auch 1908

noch geltendes Ortsbild war, zeigt uns , wie dünn

K ohlschei d, L aumen hof

die Besiedlung dies er Kerne war . Zun ächst ist es

der völlige Abschluß dieser Ortscha ft von der

heutigen Ortsmitte ; denn die zum link en Rand

des Planausschnittes verlaufende Nords traß e ist

nur mit einem einzigen Hau s bebaut, während

die heutige Bendstraße in der Richt ung zum

Wurmtal hin schon eine wesentli ch diciltere Bebauung

aufzuweisen hat .

Dann ist es weiter die Art der Bebauung selbs 't ,

die „Meester", die damal s schon die alt en Häu ­

ser von den neuen unterschi ed. Hier sind völlig

unr egelm äßig Wohnhäus er - Ber ichte aus dem

ausg ehenden 19. Jahrhund ert nennen sie „Bergmannshütten

" - rricht nur längs der Straße,

sond ern zum größeren Teil in die eigentliche

Hof- und Gartenfl äche hineingesetz t worden, und

es bild en sich so eigentümlich e Schwerp unkte

selbst in diesen Ein zelortschaften heraus. Diese

Haushäufungen können wir geradezu als un­

_trüglichen Maßstab für das· Alter der einze lnen

Siedlungst eile Kohlscheids heranzi eh en und gewinnen

damit auch gleichzeitig ein Bil d des sen,

was in der oben zitierten Reg ierungs verfü gung

mit dem Ausdruck „ Wohnplätz e" umschr iebe n ist.

Uns er Heimatort ist zur Zeit der Umben ennung

keineswegs ein einheitliches und geschl ossenes

Siedlungsg ebiet gewesen, vielmehr han delt es

sich hi er um eine mehr als lose Häufu ng einzelner

und in sich abgeschlossen er Siedlung s­

kern e an der P eripherie des Höhenrü ckens zwi ­

schen Wurm und Amstelbach. In ihr er Randl age

waren diese Kerne gegeneinand er mehr oder

wenig er stark abgeschnürt und h atten sowohl

baulich wie auch menschlich keine oder doch nur

sehr w enig e Beziehungen zueinander . Diese Abschnürung

ging soweit, daß beispiels weise die

Bewohn er der Ortschaft Rumpen nur an Samstagen

„no der Scheedt op jenge ", um den Sonntagsbrat

en zu erstehen. Noch stärker war die

Abschnürung der Ortschaft Klinkheide von der

Ortsmitte betont. Beim jungen Volk könnte man

fas t von einer ausg esprocliene:r;i. Feindschaft den

anderen Ortst eilen und ihren Bewohn ern gegenüber

reden , die in star k abgemild erter Form

auch heute noch anzutr effen ist. Weh e dem jungen

Mann , der vor 50 oder mehr Jahren in Klinkheide

auf die Fr eite gehen wollte ohn e selbst

„Klenkheijdcher " zu sein! Entweder kaufte er

sich und sein e Freite für ein oder mehrere Fäßchen

Bier los, oder er nahm unweigerlich ein

kühles und mehr ernüchternd es als erfrischende s

Bad „en der Poul" , um dann auf Nimmerwi eder-


sehen zu verschwinden oder gar noch als „Zugabe"

winde lwe ich geprügelt zu werden.

Aus dies er bis in die jüngste Vergangenheit und

teilweis e gar in die Gegenwart hineinwirkenden

Abschnürung ist es auch einzig und allein zu

erkl ären , daß sich in Kohlscheid niemals ein

„Lokalp atrio tismus " auf den ganzen Ort gesehen

entwick elte, dafür sich jedoch der Lokalpatriotism

us der einzelnen alten Ortsteile um so mehr

her aus gebil det hat und auch h eute noch besteht .

Durch dieses vorgegeb ene Bild der Siedlung Kohlscheid

zur Zeit der Nam ensänderung war aber

auch gleich zeitig der Weg aufgezeigt, den die

verantwortlic hen Männ er und Frauen der Gemeinde

zu gehen hatten , wollten sie aus den

verschieden en rlegellos vert eilten und zusammengewürfe

lter{ Wohnplätzen einen in sich geschlossenen

Ort wachsen lassen. Es bot sich zunächst

einm al die Aufgabe, der Gemeinde Kohlscheid

auch wirklkh einen den Namen rechtf ertig

enden Orts teil Kohlscheid zu geben , das heißt,

zwischen den an der Peripherie gelegenen alten

Ortscb;aft en einen wirklichen Mitt elpunkt :zu

bauen , in zwei ter Linie dann von diesem Zentrum

wie von den Außenteilen her die Bebauung

mehr und mehr einem geschl ossenen Zustand

zuwach sen zu lassen . An dieser Stelle sei es ver ­

merkt , daß dieser Weg dann auch in der Planung

wie in der tatsächlkhen Bebauung gegangen

worde n ist , fällt die Entstehung des heutigen

Orts kerns doch zum größten Teil in die

Zeit bis 1930, während wir von diesem Zeitpunkt

ab bis in uns ere Geg enwart den zweiten Schritt

I nner es von St. Ma r iä-H eimsuc hung, K ohl scheid -Käm pchen

zum endgültigen Zustand tun, die Außenbezirke

und die Ortsmitte miteinander zu verbinden.

DAS WAPPEN

DER

GEMEI N DE

KOHLSCHEID

Das Wappen der Gemeinde Kohlscheid wurde

im August 1936 entworfen. Es zeigt: In Silber

ein schwarzer Balken , begleitet oben von zwei

schwarzen Berghämmern , unt en von ein em

schwarzen Berghammer.

Der Entwurf dieses Wappens stammt von dem

verstorbenen Düsseldorfer Maler und Heraldiker

Wolfgang Pagenstech er . Er hält sich an historische

Gegebenheiten . Inhalt und Farbgebung

entstammen nämlich dem Wappen des fr eiherrlichen

Geschlechts von dem Bongart , das einst

Inhaber der Unterherrschaft Heyden mit dem

Sitz auf der gleichnamigen Burg war. Statt der

dort gefüh rten Kesselhaken wurden aber Berghämm

er genommen . Kohlscheid war unter dem

Namen Scheid einer der größeren Orte der ehemaligen

Jülicher Lehnherrschaft . Die Berghämmer

erinnern an seine Bedeutung als Bergbauort .

Die Kohlenförderung an der Wurm, die schon

im 12. Jahrhundert erwähnt wird, ist eine der

ältesten in Europa.

Die Gemeinde erhielt am 8. Januar 1937 die Genehmigung

zur Führung dieses Wappens durch

den Oberpräsidenten der Rheinprovinz.


54

DER BERGBAU STAND

STETS IM MITTELPUNKT

In einer Beschreibung des Regierungsbezirks

Aachen aus dem Jahre 1850 heißt es: ,,Kohlscheid,

ein großes Kirchdorf in der Bürgermeisterei

Heyden mit 1078 Einwohnern, ist auf der

Anhöhe zwischen Wurm und Amstelbachtal gelegen

und rundum von Kohlbergwerken umgeben."

Das Wurmkohlenrevier und damit auch das Kohlscheider

Ländchen, darf sich als ältestes europäisches

Gebiet bezeichnen, in dem Bergbau auf

Kohle betrieben wurde. In den Klosterrather

Annalen werden bereits im Jahre 1113 „Kalkulen"

(Kohlengruben) erwähnt. Erst im 14. Jahrhundert

begann man damit, Stollen und Schächte

anzulegen, um den Kohlen tiefer folgen zu können,

ein Beginnen, dessen Erfolg mehr oder weniger

von der Möglichkeit der Wasserbekämpfung

abhing. Deshalb baute man damals bei jedem

Förderschacht einen „Pützschacht", aus dem

mit Haspel und Wassertonne das Grundwasser

gehoben wurde.

Immer wieder standen in der Ge.schichte des

Kohlscheider Ländchens die Steinkohlengruben

im Mittelpunkt der Entwicklung. Groß ist ihre

Zahl gewesen, bis als letzte die Grube Laurweg

blieb, die heute mit der Grube Gouley in Würselen

ein Verbundwerk bildet.

Im Jahre 1823 zählte man folgende , Gruben im

Kohlscheider Raum: Abgunst, Neu-Laurweg ,

Neu-Langenberg , Langenberg , Hoheneich , Sichelseheid,

Speenbruch, Alt-Laurweg, Bostrop, Vieslapp

und Großekuhl. Im Wechsel der Zeiten

waren die Belegschaftszahlen recht unterschiedlich.

Aufwärts ging es, als 1836 die Vereinigungsgesells,chaft

für Steinkohlenbergbau im Wurmrevier

gegründet wurde. Dann entstand im Jahre

Am Bahnhof Kohlscheid

1842 der Pannesheider Bergwerksv erein, in die

der Rentner und Grubenbesitzer Karl Winke ns

von Gut Forensberg und der 1834 von der Familie

Englerth in Eschweiler gegründete Eschweiler

Bergwerks-Verein bedeutend e Anteile

einbrachten.

Am 28. Oktober 1851 schlossen die Verei nig ungsgesellschaft

und der Pannesheider Bergwerksverein

einen Vertrag über die gemeinsch aftliche

Verwaltung der beiderseitigen Gruben und Grubenanteile.

Die Eröffnung der seit 1847 beste ­

henden Eisenbahnlinie Aachen-Düss eldorf förderte

den Absatz der Kohlscheid er Gruben

außerordentlich. Bis zur Eröffnung dieser Bahnlinie

konnten die Kohlen nur mit Pferdewagen

transportiert werden. Im August 1852 wurde

auch mit dem Bau der Abzweigbahn vom Bahnhof

Kohlscheid nach Grube Kämpchen begonnen .

1858 hatte die Vereinigungsgesellschaft alle Aktien

des Pann esheider Bergwerksv ereins erworben.

Im Jahre 1907 verband sich die Vereinigungsgesellschaft

mit dem Eschweiler Bergwerks-

Verein . Die beiden ältesten Berg werks­

Aktiengesellschaften Preußens wurden damit

vereinigt. Die Bergbaugemeinde Kohlscheid erlebte,

nachdem sie Sitz der Hauptverwaltung des

EBV geworden war, lange Jahre eine stolze

Blütezeit. H. H.

ALTE NAMEN IM KOHLSCHEIDER

LÄNDCHEN

Wie kaum in einer anderen Gemeinde des

Aachener Landes haben sich in Kohlscheid alte

Ortsnamen seit Generationen behaupten können.

Seit über 400 Jahren ist die „Scheid" bekannt,

während die heutige Bezeichnung Kohlscheid

erst spät allgemeine Bedeutung erhielt. In alten

Landkarten hieß es zu Beginn des 18. Jahrhunderts

„Rain am Scheid", womit die heutige Südstraße

gemeint ist, die eben den erwähnten Rain

bildete.

In der Nähe der Südstraße ist in einer Reihe

von Seitengäßchen noch eine Anzahl der ältesten

Häuser von Kohlscheid-Mitte zu finden. Sie wurden

früher bereits von Bergarbeitern bewohnt,


55

die auf den nahegelegenen Gruben Langenberg

und Lau rweg beschäftigt waren. Bergarbeiterhäuser

und Bauernhöfe standen früher im Ortskern

Kohls cheids. Das Gelände hinter der Pfarrkirch

e St. Katharina hieß früher „Auf der

Kreutzwi ese" . Diese Bezeichnung wurde jetzt mit

der Entw icklung des neuen Wohngebietes Hoheneich

offiziell beibehalten . Seit 1709 befand sich

an der Ecke Mühlen- und Nordstraße ein Dorfkreuz,

das vor einigen Jahren durch ein neues

Steinkr euz erse tzt worden ist. So entstand die

Geländebezeichn ung „Auf der Kreutzwiese", die

jetzt in „Kreutz straße" dem Sinne entsprechend

fortgeführt wird. Aber auch sonst sind viele alte

Gelände- und Wegenamen noch im Volksmund

bekannt. Bei Straßenneubenennungen hat man

mehrfach deral/ti ge altüberlieferte Bezeichnungen

verwende t.

Die Ortschaft Bank , in der auch heute noch der

Amstelbach die Grenze zwischen den Gemeinden

Kohlscheid und Richterich bildet, kann auf ein

hohes Alter zurückblicken . Der Name Bank entstand

nach der Gerichtsbank der Herrschaft

Heyden, die hier im Leubhof tagte. Wegenamen

v,ie „Bores", ,,Opjen Gracht", ,,Kiefekey" und

,,Auf 'm Schif", sind in Bank noch wohlbekannt.

Pann esheide wurde früher nach einem Siedler

Doutzenberg „Doutzenbergheide" genannt. Die

spätere Ortsbezeichnung Pannesheide entstand

durch das heute noch bestehende alte Pannhaus

(Brauhaus) . In der Chronik wird das Pannhaus

mehrfach erwäh nt, wohl besonders wegen eines

der schwersten Angriffe der Bockreiterbande im

Oktob er des Jahres 1741, als das Brauhaus einem

Matthias Kuckelkorn gehörte. Mit zu den 25 Bockreitern

, die das stark befestigte Gebäude nach

schwerem Kampf erstürmten, gehörten auch die

„Mannweiber" Fey Dovermanns , Marie Schruff

und Marie Kathrin Grünewald. 1743 wurde allen

am Überfall beteiligten Personen der Prozeß

gemacht.

Klinkheide , oft scherzhaft das „Dorf der Urkohlscheider

" genannt, ist ebenfalls eine alte Ansiedlung.

Der Heimatforscher Pfarrer Michel ,

der früher an St. Katharina wirkte, hat in

seinen heimatkundlichen Arbeiten Klinkheide

„Frankenecke" genannt. Der Name Klinkheide

entstand, weil sich dort Ziegelbrennereien (auch

Klinker genannt) befanden.

Kämpchen erhielt seinen Namen von der gleichnamigen

Grube , die sich viele Jahrzehnte lang

als recht ertragreich erwies . In der Geschichte

des Bergbaues im Wurmrevier wird die Grube

Kämpchen häufig erwä hnt.

Rumpen ist eine alte Ortschaft, die einst bei der

Ansiedlung der „Wurmköhler" eine bedeutende

Roll e spielte. ,Die Rumpener Bergleute sind in

der Chronik dadurch bekannt geworden, daß sie

um die Mitte des 18. Jahrhunderts die erste

Köhler -Brud erschaft, die St-Josef-Bruderschaft ,

gründeten. Diese Bruderschaft gelangte später

im gesamten Wurmrevier zu hoher Bedeutung ,

da sie die erste Selbsthilfegemeinschaft der

Bergleute wurde. Am 7. April 1799 entstand im

'1. 8 Sth,ve/qrhof

/\... aRo/ancl

Rttmp=

fl. A..

- -

0.

5oom

Zentrum Kohlscheids die St.-Katharina-Bruder ­

schaft der Bergleute, deren Gesetze und Leistungen

denen der Rumpener Bruderschaft angeglichen

waren.

Berensberg liegt am Rande der Gemeinde Kohlscheid

hoch über dem Soerstal. Seit alters her

,,Berm ich" genannt, entstand der Name Berensberg

aus Bernardsberg. Noch heute kündet das

Schloß Berensberg, wo Jahrhunderte die Ritter

von Berensb erg lebten, von der geschichtlichen

Vergangenheit der landschaftlich reizvoll gelegenen

Ortschaf t, die seit Generation ihr Bild

kaum veränderte.

Hans Hahn


------ ~

56

1

i

PFARRER BRAEDERS SELTSAMER WUNSCH /

. i

Von Hans Hab11

Am Neujahrsmorgen 1793 fanden nur wenige

Laurensberger Einwohner den Weg zu St. Laurentius

, der Kirche auf dem Berge. Über Nacht

hatte es mächtig geschneit . Die Felder und Wege

waren mit einer Schneedecke überzogen, und

allzu weit lagen die einzelnen Gehöfte und Häuser

im Umkreis zerstreut. Aber auch die große

Not hatte manchen Einwohner zurückgehalten ;

denn seit Monaten lag der Ort nun schon im

Mittelpunkt harter Kämpfe , wobei die kaiserlichen

und die französischen Truppen als Besitzer

wechselten. Manchem Ackermann hatte

man das letzte Pferd und die letzte Kuh aus dem

Stall gezogen. Oft war dabei die hohe Gestalt

des Pfarrers Braeder den Plünderern mutig entgegengetreten.

Aber allzu viel zusammengewürfeltes

Volk zog in den Kriegstrossen mit, und

so hatte auch der Pfarrer bei mehreren nächtlichen

Plünderungen. den größten Teil seine r

recht bescheidenen Habe verloren.

Ein eisigkalter Morgen brach am 13. Januar an,

als an die schwere Eichentür des Pfarrhauses

ungestüm geklopft wird. Pfarrer Braeder schiebt

die Eisenriegel zurück. Französische Offizier e

stehen vor ihm, an ihrer Spitze General Dampierre,

der unwirsch losbraust: ,,Sie sind der

Pfarrer und haben unsere Gegner, kaiserlichen

Ulanen, im vergangenen Dezember im Ort einquartiert.

Wie sieht es nun heute mit unserem

Proviant aus?" Der Pfarrer schaut dem General

fest in die Augen, als er antwortet: ,,Das Volk

ist arm. überall herrscht bittere Not. Bitte, schonen

Sie doch Frauen , Kinder und Greise!" Zornig

stampft der General mit den Reiterstiefeln. Die

rechte Hand umspielt den Griff de,s Kurzdegens.

Dann schaut er sich in der armseligen Kammer

um und zieht mit einem knappen Gruß wieder ab .

Bis zum l. März 1793 sollten die Franzosen in

Laurensberg bleiben. Die Not der Bevölkerung

wuchs von Tag zu Tag , und viele Menschen waren

an eingeschleppten Krankheiten gestorben .

In den Morgenstunden des 2. März entbrannte

um Laurensberg ein heftiges Gefecht. Nachdem

die kaiserlichen Truppen Aachen genommen hatten,

griffen sie nun unter General Wartensleben

die Laurensberg er Höhe im Sturm an, während

sich die Franzosen zur Verteidigung auf dem

Kirchberg einrichteten. In den Nachmittagsstun-

den griffen Gardetruppen unter dem Wirbe l der

Trommler und mit fliegenden Fahnen die sich

verzweif<.>lt wehrenden Franzosen zum ents cheidenden

Schlag an. Groß war die Zahl der Opfer

auf beiden Seiten, aber kurz vor dem Einbruch

der Dunkelheit flohen die Franzosen über

Vetschau.

Immer wieder war es Pfarrer Braeder , der sich

in hervorragender Weise für die Belange der Bevölkerung

einsetzte. Aber noch sollte der Leidensweg

für die Einwohner nicht zu Ende sein;

denn am 24. Sept ember 1794 stürmten die Franzosen

mit starken Kräften erneut und schlugen

die Kaiserlichen zurück. 1500 Franzosen lagerten

damals am Kirchb erg. Unter französischer Herrschaft

wurde dann Laurensberg eine Mairie im

Kanton Burtscheid , Arrondissement Aachen des

Roer-Departements, dessen Hauptstadt Aachen

war.

Bis zur Ernennung eines Maire bekleidete Pfarrer

Franz Mauritius Braeder ~ie Stellung eines

Bevollmächtigten. Rastlos setzte er sich für die

Laurensberger Interessen ein . Der letzte Wunsch

des Achtzigj ährige n an seinem Sterbetag, dem

23. Dezember 1823, war wohl seltsam, aber dennoch

bezeichnend für seine Volkstümlichkeit.

Sein Wunsch wurde erfüllt, aber ei:: lautete: ,,Begrabt

mich auf der Kirchenschwelle, damit mir

ein jeder, dem ich im Leben vielleicht einmal

weh getan habe, noch einen Fußtritt versetzen

kann!"

1

1


57

Gesamta nsicht der 1 brube Diepeniinchen

1

vor dem ersten W eltkr ieg

DIE GRUBE DIEPENLI CHEN

Streik als Anlaß für Einstellung des Betriebes

Von Kaspar Pastor

Jener März des Jahres 1919 war entscheidend für die Rückentwicklung der Gemeinde Gressenich zur

Arbei terwohngemeinde: ein Streik legte die Erzgru be „Diepenlinchen" bei Mausbach für immer still.

Pastor Arnold Ortmanns, der am 6. Dezember

1914 als Pfarrer in Mausbach eingeführt wurde ,

berichtet in seiner Chronik unter anderem:

,,Diepenlingen bedeutet Tiefleitung im Gegensatz

zu den früheren .seichten Gruben . Die vorstehende

richtige Schreibweise ergibt sich aus

dem Fleuther Rechtsstreit von 1830. An der östlichen

Senkung der großen Anlage fand sich

beim Schürfen eine uralte Bleischmelze und

Wäsche mit vielen römischen Geräten, Münzen

und Scherben. Demgemäß haben die Römer hier

schon Bergbau betrieben . Weiter östlich in der

Nähe der Landstraße (am ,Weihernest'- d. Red .)

wurde ein Römergrab aufgedeckt."

Die Kumpels blieben hart

Nach Ausgang des ersten großen Völkerringens ,

dem Weltkrieg 1914/18: Die Mehrzahl der Mausbacher

Männer, die in den verflossenen Jahren

im kaiserlichen Waffenrock an den Fronten im

Osten und Westen gekämpft haben , sind heimgekehrt.

Viele von ihnen arbeiten wieder vor Ort

in der Diepenlinchener Erzgrube. In der Natur

regt sich neues Leben. Seit Wochen zwitschert

die Amsel ihr trautes Lied . Aber hierfür scheinen

die Kumpels vom „Linchen" weder Auge noch Ohr

zu haben. Ihre Gemüter sind niedergeschlagen.

Große Sorgen bedrücken sie, die in der schweren

Nachkriegszeit für sich und ihre Familien nur

wenig zum Leben haben.

In dem Pulverfaß, dem Verhältnis zwischen

Kumpels und Grubenverwaltung, brodelt es gefährlich.

Das geht nun &chon Wochen lang so.

Mitte März 1919 ist es so weit . Die neue Schicht

fährt nicht mehr ein . Aus dem Grubenbetrieb

strömen die Arbeiter an dem folgenschweren

Tag zu dem großen Freiplatz vor der Aufbereitung.

Das „Glück auf " kommt nur brummig aus

den rauhen Bergmannskehlen . Finsteren Blicks

harren die Versammelten der Dinge, die sich in

den nächsten Minuten ereignen müssen .

Der Direktor der Grube erscheint. Gewerkschaft ­

lich organisierte Bergarb eiter tragen ihm Lohnforderungen

vor. Direktor Riichter winkt ab. Er

sagt: ,,Wenn Sie streiken wollen, dann streiken

Sie doch." Die Verhandlung ist auf dem Nullpunkt

angelangt. Die Kumpels schreiten zur Abstimmung.

Mit über 70 Prozent erheben sie den

Streikbeschluß . Nur wenige von ihnen fahren

danach ein. Die meisten Bergleute verlassen ihren


58

Arbeitsplatz . Sie gehen nach Hause. Der Stre ik

hat begonnen.

Acht Tage danach: Die Grubenverwaltung fordert

die Streikenden auf ; die Arbeit unverzüg ­

lich wieder aufzunehmen. In der Aufforderung

steht der Satz: ,,Die, die der Arbeit fernbleiben,

sind entlassen." Diese Worte werden von den

meisten Kumpels in den Wind geschlagen. Sie

wollen höhere Arbeitslöhne erzwingen . Nur ein

geringer Prozentsatz der Arbeiter gesellt sich

wieder zu denen, die dem Streik fernstanden.

Die Gesellschaft kommt unt er diesen Umständen

zu dem Entschluß, den Grubenbetrieb völlig einzustellen.

Nach Ausbruch des Streiks können die

gewaltigen Wassermengen nicht mehr geförde rt

werden. Damit ist das Schicksal der Grube besiegelt.

Der Erzbergbau;, der nahezuhundertJ ahrc

in Mausbach in hoher Blüt e stand, hat sein Ende

gefunden . Der Hufschlag der schweren Gäule, die

die zweirädrigen Kohlenkarren vonMünsterbusch

durch Stolberg über den Derichsberg nach Diepenlinchen

zogen, ist fortan riicht mehr zu hören.

Auch das Rattern des noch nicht lange eingesetz -

ten eisenbereiften Lastkraftwagens , mit dem die

Kohlen für die Dampfmaschine in der Wasser ­

haltung herangeholt wurden , verstummt. Der

Grubenverwaltung verbleibt nur noch die Aufgabe,

die Anlagen des bed eutend sten Industr ieunternehmens

der Gemeinde Gressenich abzubrechen.

Aus der Entstehungsgeschi chte

'\

Als die ersten Inhab er der Grube werden die

Gewerken Bäumer , Buchacker & Cie. genannt ,

denen in den Jahren 1791 und 1806 die Gerechtsame

auf Blei-, Zink- und Eisene rz verlie hen

wurde. In einem Befahrungsprotokoll vom Jahre

1794 steht, daß die Mausbacher Heide mit zahlreichen

Berechtigungen und kleinen Konzessionsfeldern

und Packen bedeckt war. Die genannten

Gewerken gingen zur Erö ffnung eines

geregelten Grubenbetriebes bald daran, einen

Schacht abzut eufen. Doch schon bei einer Tiefe

von 80 Metern erlitten die Arbeiten eine längere

Unterbrechung , weil der aufgestell te Pferdegöpel

die Wasser nicht bewältigen konn te. Man

Die Beleg schaft v on D iepen linchen im Jahre 1912


stellte dann eine Dampfmaschine auf. Diese Maschine

mußte jedoch schon bald gegen eine leistungsfähi

ger e ausgetauscht werden, da mit zunehmend

er Tiefe die Wasserzuflüsse immer stärker

wurden. Mißgeschicke führten bald nach

dem Beginn des Abbaubetriebes zur Einstellung

der großzügig geplanten Arbeiten. Die Gewerken

verpachteten das Grubenfeld an einzelne

Bergleu te , die wieder zu dem Packenbetrieb

übergin gen.

Ein GesUICh der Bergleute an die Preußische Regierung

im Jahre 1820 um Mittel zur Fortführung

der Grube auf genossenschaftlicher Grundlage

hatte keinen Erfolg. Nach der Aufstellung

des Berg geschworenen Wadsack waren in Betrieb:

am Ortsbus ch sechs Fingen und Reifenschächte

, am al~en Stollen arbeiteten sechs Bergleute,

am Dohm arbeitete ein Mann, am Diepenlinchen

drei Mann, am Wimblech drei Mann, an

der schwar zen Grube drei Mann, am Weißenberg

zwei Mann, am Frösch zwei Mann, am

Dohm südlicher Zug 20 Mann, auf der Hahn ein

Mann , bei Essers Bend ein Mann, am N euenberg

vier Mann , in der Gracht zwei Mann, am Höffgen

zwei Mann, am Kreutzfeld neun Mann und

im Derichsberg ein Mann . Insgesamt waren

87 Packenb erech.tigte und drei größere Feldinhaber

vorhanden. Die drei Feldinhaber hatten

Felder von 8 bis 18 Quadratlachtern (Lachter ist

zwei Meter - d. Red.) ume.

Im Jahre 1845 ging der größte Teil der Anteilscheine

an dem Grubenfeld Diepenlinchen in den

Besitz der Stolberger Gesellschaft über , die 1846

den Betrieb wieder aufnahm. Die günstigen Ergebnisse

veranlaßten die Rheinisch-Nassauisch e

Gesellschaft , sich an dem Betrieb zu beteiligen.

Diese Gesellschaft besaß den Rest der Anteilscheine.

Die Grube wurde 1849 für die gemeinsame Rechnung

der beiden Gesellschaften betrieben. Die

reiche Ausbeute führte zur Anlage von Hüttenwerken,

und zwar war die Förderung von Bleierz

der Anlaß zurri Bau der Bleihütte Münsterbusch

und der Umwandlung des alten Binsfeldhammer

in eine Bleihütte.

Tiefste Sohle bei 360 Meter

Der Abbau der Grube Diepenlinchen war ein

ausgesprochener Tiefbau . Der Abstand der einzelnen

Bausohlen betrug in den oberen Tiefen

etwa 16 Meter und nahm in der Tiefe immer

mehr zu bis zu einem Abstand von 26 Metern.

Reste des ehemaligen Luftschachtes

Für den Abbau einer Sohle wurden ungefähr

vier Jahre · benötigt. Die tiefste Sohle lag bei

einer Teufe von 360 Metern unter Tage. Die Arbeiten

bei der Ausrichtung einer neuen Abbausohle

begannen immer mit der Vorrichtung einer

neuen Sumpfstrecke und dem Auspumpen der

Wasser, die sich in dem klüftigen Kalkstein angesammelt

hatten. Dann erst konnte man mit dem

Auffahren der Ausrichtungsquerschläge und der

füchtstrecken beginnen. Wenn die Lagerstätt e

erreicht war, wurde hier die Abbaustrecke aufgefahren

und dann oberhalb und zum Teil unterhalb

das Erz abgebaut. Die tauben Gest eine

und die bei den Richtstrecken und Querschlägen

anfallenden Gesteinsmassen wurden in die gewonnenen

Hohlräume versetzt. Dab ei wurde eine

sogenannte Stürzrolle ausgespart, in die das ge-

. wonnene Erz oder Haufwerk hineingestürzt

wurde. Aus diesen Rollen wurde es dann in

eiserne Förd erw agen geladen und durch Schlepper

zum Schacht gebracht . Der Förderschach t

war mit einem eisernen Förderkorb ausgestattet,

auf dem zwei Wagen von je 1200 Kilogramm

Fassungsvermögen Platz fanden. Das Förderseil

bestand aus einem breiten Hanfseil.

F•ür das Auffahren der Strecken wurden schon

sehr frühzeitig Bohrmaschinen benutzt und ein

Luftkompressor aufgestellt. Er stand am Blume-


60

schacht, war 30 PS stark und preßte sechs Kubikmeter

Luft auf fünf Atmosphären in der

Minute bei 30 Umdrehungen.

Die Fördermaschine war eine Zwillingsmaschine

ohne Kondensation mit zwei Bobinen für flache

Hanfseile . Auf den Bobinen (Seiltrommel) wikkelte

sich das Seil übereinander auf. Das Seil

war 160 Millimeter breit und 31 Millimeter dick.

Die Maschine leistete 100 PS bei 48 Kolbenhüben

in der Minute.

Grubenwasser floß in den Vichtbach

Die Erze wurden auf einem Grubenfelde abgebaut,

das im Westen vom Vichtbach und im

Norden von einer Linie, die Binsf eldh ammer mit

W erth verbindet, begrenzt. Die östliche Grenze

verlief in der Linie von Werth nach Gress enich

und südlich weiter über Krewinkel nach Vicht.

Die Gesteinsschichten , in denen die Erzlagerstätten

eingebettet waren, gehören im wesentliichen

dem unteren Kohlenkalk , der untersten

Karbonstufe, an. Diese Schichten bestehen vorwiegend

aus stark zerklüfteten Kalksteinen, die

sehr wasserführend sind.

Die Grube war durch zwei Stollen vom Vichtbach

aus aufgeschlossen. Diese Stollen dienten

hauptsächlich der Wasserhaltung. Die durch

Pumpen gehobenen Grubenwasser flossen durch

die Stollen dem Vichtbacll zu .

Das Erz bestand aus Galm ei mit unterschiedlich

starkem Eisengehalt , Bleiglanz, Weißbleierz und

Blende. Die Kalksteinschichten waren an der

Oberfläche meist von größeren Eisenerzlagern

überdeckt, die kleinere Unternehmer gepachtet

hatten . Sie erreichten in den meisten Fällen nur

eine sehr geringe Tiefe.

Erzförderung sichert Arbeitsplätze

1891 wurden nach dem Betriebsbericht 7252,5

Tonnen Zinkerz und 3485 Tonnen Bleierz gefördert.

Die Bel egschaft bestand aus 544 Mann

unter Tage und 183 Mann über Tage, darunter .

43 weibliche Personen. 1892 zählt die Belegschaft

834 Mann . 1893 fördern 794 Mann 10786

Tonnen Erz. Im folgenden Jahre werden 10904

Tonnen Erz gehoben. 1896 wird zwischen Werth

und Hastenrath die Albertsgrube in Betrieb genommen.

Damit macht sich der Arbeitermangel

bemerkbar. Die Belegschaft zählt nur noch 683

Mann . Als die neue Erzaufber eitungsanlage 1907

fertig wurde, sind auf Diepenlinchen noch 572

Arbeiter beschäftigt .

Die Kohlen fehlen

Der jährliche Kohlenverbrauch belä uft sich 1912

auf 12 541 Tonnen. Am 6. November 1916 teilt

die Grubenverwal tung der Bergbeh örde und der

Regierung mit, daß Diepenlinchen nur noch für

acht Tage Kohlen zur Kesseiheizung hat. In dem

Schreiben heißt es unter anderem : ,, Wenn bis

dahin keine Kohlen herang eschafft werden, muß

die Grube ersaufen." Wenig später wird we~en

des andauernden Kohlenmangels die 276-Meter ­

Sohle aufgegeben und auch die Arb eit unterhalb

der 252-Meter-Sohle eingestellt. Die Masch inen ,

die häufig keinen Dampf haben, können das

Wasser nicht mehr halten. Dennoch: der Grubenbetrieb

wird, wenn auch unter sehr schwierigen

Umständen, aufrecht erhalten. Grun d: die Heeresverwaltung

ist zur Herstellung von Kriegsmaterial

auf die Erzförd erung angew iesen. Der

Mangel an Arbeitern wird teilweise durch gefangene

Russen ausgeglichen.

Ein Kumpel berichtet

Mit Kriegsende waren sich die Gewerken, darüber

dürften keine Zweüel bestehen , einig in

dem Entschluß , die unrentable Grub e aufzugeben.

Der Arbeiterstreik mag ihnen deshalb

nur willkommen gewesen sein . Monate vor Ausbruch

des Streiks fand in Münsterbusch eine

Konferenz der Direktor en statt . Daran nahmen

einige Vertreter der Belegschaft teil. Für die

Grubenverwaltung waren anwesend Generaldirektor

Weidtmann und vier weitere leitende

Beamte. Gen eraldirektor Weidtmann, der von

Arbeitnehmerseite um Lohnerhöhung, die notfalls

durch Streik erzwungen werden sollte, angegangen

wurde, erwiderte: ,,Die Bergleute erweisen

der Grubenverwaltung mit dem Streik

einen Gefallen. Die Grub e entspricht nicht mehr

den Anforderungen. Wir bekommen durch den

Streik eine Handhab e, den Betrieb einzustellen."

Die Sandhalden schwinden

Die spätere Absicht, Erz in cler Wasserkaul, da

also , wo die Gressenicher Straße die Gebirgsgrenze

zwischen Schiefer und Kalk bildet, abzubauen,

wurde zugunsten des Maubacher Bergwerks

aufgegeben.

Heute ist das Grubenfeld, wo einst viele Menschen

Arbeit und Brot fanden, öde und verlassen.

Die hohen Sandhalden schwinden von Tag

zu Tag. Der körnige Sand wird für den Straßenbau

gesiebt und mit Lastern abgefahren.


61

KAMERADEN

Vo11 loh. Röntgen

Ihrer drei oder vier waren es, die sich, vor dem

ersten Weltkrie g noch, täglich zusammenf.anden,

um von Breinig aus den weiten Weg zur Grube

Diep enlinchen anzutreten oder auch, nach der

Schich t , von da zurück. Allzeit frohe Gesellen

waren sie, die der Bergberuf und die ihm beiwohnenden

Gef ahren zusammengeführt und miteinand

er verkn üpft hatte. Jeder nahm an des

anderen Sorge n und Freuden teil, als wären sie

Brüder unt ereina nder . Man ließ sich nie im Stich ,

mocht e es kost en, was es wolle. Daß man sich

regelm äßig ein Schnäpschen genehmigte, verstand

sich bei der schweren Untertagearbeit von

selbst , besonders, wenn diese hinter ihnen lag .

Und daß es dapei aUJCh schon einmal über den

Durst ging, kor\nte nicht ausbleiben.

Wieder einma l sollten sie gemeinsam den Heimweg

antreten. ,,Au" und „weh" klagte da der

Mattes , ,,ich kann heute nicht mit euch gehen,

die Gicht das Reißen läßt mich wieder einmal

kein en F~ß vor den anderen setzen, laßt mich

hier, ~eh werde später versuchen, allein heimzukommen

." Ja, man sah ihm an , daß ihn die

Gicht gepackt haben mochte, wie schon so oft.

Aber - ihn zurücklassen, Frau und Kinder auf

ihn in Ungewißheit _ warten lassen ? Kam gar

nicht in Betracht, noch immer hatten sie sich

brüderlicll geholfen. Also kam man überein, den

Mattes nach Hause zu tragen, obwohl allen bewußt

war daß das ein schweres Stück Arbeit

sein werd~ war er doch der gewichtigste von

ihnen. Auch Mattes wehrte sich dawider, das

könne er nicht erwarten und ihnen zumuten. Sie

aber ließen sich nicht davon abbringen, gemeinsam

würden sie es schon schaffen , trotz der

müden Glieder, die sie soeben aus dem Schacht

gehoben hatten. Da endlich willigte auch Mattes

-ein, froh, nicht allein gelassen zu werden. Einer

hockte sich den Kranken auf; ihm fiel das wirklich

nicht leicht, auf dem holprigen und dunklen

Weg. Und so mußte er bald eine Rast einlegen,

um seine Last einem anderen zu überlassen.

Mattes ächzte und stöhnte vor Schmerz, immer

öfter mußte der Träger gewechselt werden.

Schließlich kamen sie überein, ihn gemeinsam

zu tragen , keuchend kamen s!i.e nun rascher

voran, sie trieb die Sorge um ihren Kameraden ,

der sich dessen nicht genug zu bedanken wußte.

In Wurfweite von seiner Wohnung setzten sie

ihn noch einmal ab, bald würden sie ihn daheim

abliefern können . Doch da geschah etwas, dessen

sie sich nicllt versehen hatten: Unser Kranker

stellte sich auf die Beine und lief, so rasch sie

ihn nicht zu tragen vermochten. unter höhnischen

Dankesworten seiner Behausung zu. Zurück blieben

die Gefoppten, denen erst jetzt die Erleuchtung

wurde, daß er sie an der Nase herumgeführt

hatte. Mattes war noch nie so gemächlich

nach Hause gekommen. Es waren denn auch

keine frommen Wünsche, die sie ihm nachsandten.

Daß man ihm bei Gelegenheit heimzahlen

würde - über das Wie würden sie schon

einig werden - stand bei allen fest . Über die angelobte

Gegenleistung allerdings schweigt die

Höflichkeit ; daß sie nicht ausgeblieben ist, darf

als sicher gelten.

Und wieder einmal hatten sie einen Kranken

unter sich , dieses Mal einen .echten. Alle hatten

sie etwas tief ins Glas geschaut, am Lohntag zu

entschuldigen . Gen et, der Kleinste von ihnen ,

aber war am meisten betroffen, am schwächsten

auf den Beinen. Also stützten sie ihn, soweit es

ihr eigener Zustand erlaubte. Mit gemeinsamen

Mühen gelang es, ihn bis vor seine Haustür zu

bringen. Jedoch , auf seinen Beinen zu stehen,

war ihm auch dort noch nicht möglich; so hätten

sie ihn ins Haus tragen müssen. Doch da herrschte

Gerret's bessere Hälfte, die zu fürchten sie Ursache

zu haben glaubten. Was tun? Da kam

ihnen ein rettender Gedanke zu Hilfe: Einer

wurde an die Haustür geschickt, den Kranken

anzumelden, während zwei diesen in das nebenan

stehende Regenfaß hoben, wo sie ihn vor dem

Umfallen sicher wußten , und aus dem ihn zu

befreien sie seiner Marie überließen. Sie aber

hatten sich schnellstens aus dem Staube gemacht.

Aus respektabler Entfernung noch erlebten

sie das Gewitter , das auch ihnen zugedacht

war.

i--\hnliche Streiche wurden noch oft verübt, aber

die Kameradschaft ist an ihnen nicht zerbrochen.

Einmal kam ein jeder an die Reihe. - Ob es das

heute wohl noch gibt?


62

DAS LEPROSEN-SPITAL

ZU MELATEN

Von Willy Vellen

Westlich von Aachen, auf dem Gemeindegebiet von Laur ensberg, Liegt in der Näh e des ait en Weiters

Seffent, dem vietbesuchten „SiebenqueUen" -G ebiet, der alte Gutshof „Melaten", an der römisch en Heerstraße,

die vom Königstor in Aachen ausgehend über Maastricht nach Lüttich führte. I m 13. Jahrhundert

befand sich an SteUe des heutigen bäuerlichen A nwe sens ein großes Hospital , in das vom Aussatz b e­

faUene Kra nke eingewiesen wurden. Diese Armen nannte man im Mittelalter „Leprosen", d. h . von der

Lepra Angesteckte . Diese Leprakrank en hießen althochdeutsch „die ihren Aufenthalt außerhalb nehmen

mußten", oder „di e von ihrer Umweit ausgeschloss en bzw. ausgeset zt" waren, im Mittelhochdeuts~hen

,,Aussätzige " ! Hiervon leitet sich das heute gebräuc hli che Wor t „ A u ssatz" als Krankheitsbeze ichnun g ab.

L>i e B enennung des Gutshofes „Melaten " rührt vermut li ch vom fran zösis chen Wort malade= kran k her.

Im Europa des Hochmitt elalters, in der Zeit vor

und während der Kreuzzüge , war die furchtbare

Krankheit des Aussatzes eine Geißel der Mensch ­

heit und weit verbreitet. Aus dem Orient wurde

sie vermutlich durch Kreuzfahrer als chronisch e

Infektionskrankheit nach Europa eingeschleppt.

Sie hat in den damals eng und dicht besiedelten ,

jeder hygienischen Maßnahme entbehrenden

Städten vom 11. bis ins 16. Jahrhundert oftmals

verheerend gewütet .

Auch der damalige · ländliche Aachener Bezirk

blieb von dieser ansteckenden und Ekel erregenden

Krankheit nicht verschont. Die gesunde Umwelt

suchte die vom Aussatz Befallenen, deren

Haut besonders im Gesicht und an den Händen

von Pocken, Eiterknoten und brandigen Flecken

verunstaltet war, von sicli fernzuhalten. Man

schloß dies e Menschen aus jeder menschlichen

Gemeinschaft aus und siedelte sie außerh alb der

Ortschaften und Städte an . In der hiesi gen Gegend

wählte der Aachener Rat für diese Sondersiedlung

vor den Mauern der Stadt das weite,

offene Melatener Feld, eine Gegend an öffent ­

licher Landstraße gelegen, die von vielen Reisenden

begangen wurde. Bei der Wahl des Ortes,

die wahrscheinlich auf Anregung von Geis tlich en

des Aachener Marienstiftes erfolgte, und dem

Bau eines großen Spitals in freier Luft, dürfte

auch der Hintergedanke eine wesentliche Rolle

gespielt haben, die Mildtätigkeit der Vor überziehenden

besser und wirkungsvoll in Anspruch

zu nehmen und somit zum ertragreicheren Unterhalt

der weiträum~gen caritativen Anlage beitragen

zu können.

Blick auf Melaten


Über die Gesclti.chte des Spit als zu Melaten, kurz

„Lepro senha us" genannt, ist in knappen Zügen

folgend es zu berichten: Es muß ungefähr in der

Zeit zwische n 1215 bis 1242 errichtet worden

sein. In eine r Urkunde von 1215, in welcher alle

Kirchen und Kapellen der Aachener Umgegend

und ein Hl.-Geist-Spital erwähnt werden, findet

sich noch keine Aufführung und Nennung dieses

Krank enhaus es zu Melaten. Dagegen wird das

Haus in eine r späteren Urkunde im Jahre 1242

genannt und später nochmals 1295 unter der Bezeichnu

ng „das Haus der Leprosen, vor der Stadt

gelegen ". Damalige reiche Bürger und Wohltäter

des Hauses sorgten für den Unterhalt der unglücklich

en Insassen, trugen zum Auf- und Ausbau

der Unt er~ünfte mit bei und kargten nicht

mit der Liefei,ung von Zentnern Roggen als

legiert er Jahresrente, die eigens beurkundet und

beeid et wer den mußte.

Wie groß das Krankenhaus seiner räumlichen

Ausdehn ung nach gewesen ist, wie viele „Sondersieche

" zeitweilig in ihm untergebraieht waren,

ist an Hand der spärlichen Überlieferungen

heute , schwer zu sagen . Daß es immerhin ein

größeres Haus gewesen sein muß, ist daraus zu

ersehen , daß es mit einer eigenen Kapelle ausgestattet

wurde, die derri hl. Quirinus geweiht

und dessen Festtag alljährlich am 30. April von

der Landbevölkerung mit Pilgerfahrt, Gottesdienst,

Kirmes und Vieh-, vornehmlich Pferdeund

Rindermarkt, festlich begangen wurde. Den

Gottesdienst versah an solchen Tagen ein vom

nahen Aachener Münsterstift beurlaubte ,r Geistlicher.

Schon vorher, vor Gründung des Siechenhauses

und dem Bau der Kapelle, soll dort ein

christliches Gotteshaus in Form einer Kapelle

gestanden haben.

Auch die Sage geistert um diesen Ort. Sie verknüpft

die Gründung von Haus und Kapelle -

wie könnte es im Aachener Land auch anders

sein - mit der Gestalt Karls des Großen, dem

ein Engel im Traum an dieser Stelle ein wunderbares

Heilkraut gezeigt haben soll, dessen

Saft die Pestkranken gesund maiehen würde. Auf

Grund dieser Begebenheit soll dann der mildtätige

Kaiser dort den Bau einer Kapelle beschlossen

und angeordnet haben . Soweit die

fromme Legende. Urkundlich nachweisbar und

damit handfest belegbar ist die Errichtung einer

Kapelle jedoch erst im 13. Jahrhundert. Kirchlein

und Siechenhaus überdauerten die Zeitläufte

jedoch nur knapp 150 Jahre. Bereits zu Beginn

des 15. Jahrhunderts drohten beide zu verfallen.

M ela t en, Tore infahrt

Die Kapelle wurde aber mit Hilfe öffentlicher

Spenden erneut aufgebaut, diente aber zeitweilig

den später hier ansässig gewordenen Gutshofbesitzern

bzw. Pächtern als Stroh- und Holzmiete

. Am Festtag des hl. Quirinus mußte sie

dann jeweils gereinigt und für kirchliche Feierlichkeiten

hergerichtet werden.

Allmählich verlor sich der fromme Brauch der

„Betfahrt gen Melaten ", und die Verehrung des

Heiligen wurde auf die nahebei gelegene St.­

J akobskirche zu Aachen übertragen. Die Kapelle

verfiel zusehends, das Glockentürmchen verschwand,

die kleine Glocke selbst erhielt einen

Sprung und wurde verschrottet. Der kleine Quirinus-Flüg

elal tar und andere kirchlich e Gebrauchsstücke

wurden an St. Jakob abgegeben.

Im Jahre 1895 wurde die Kapelle größtenteils

abgebrochen. Das Steinmaterial fand teilweise

Wiederverwendungandernachihrem Vorbild neu

errichtteten Kapelle auf dem Ostfriedhof am

Adalbertsteinweg in Aachen. Am alten Platz e,

wo früher der Altar stand, erhebt sicll heute ein

steinernes Gedächtniskreuz mit folgender In-


64

schrift: ,,Zur Erinnerung an die weg en drohenden

Einsturzes niedergelegte Melaten-Kapelle

\.Vurde an der Stelle des Altar es dieses Kreuz

errichtet. - 1897".

Die Anlage des ehemaligen Leprosenhause s

wurde mehr und mehr als bäuerliches Anwesen

benutzt , erweitert und mehrmals umgestaltet ,

wenn auch das jetzige Aussehen des Hofes die

alte Grundrißanlage noch deutlich erkennen läßt.

An der ursprünglichen Stelle des Kirchleins ist

noch ein Teil der halbkreisförmigen Apsis (Halbrund

des Chorabschlusses) bis heute erhalten geblieben.

Dem Spital muß ehed em auch ein Friedhof

angegliedert gewesen sein , da man bei baulichen

Veränderungen noch bis in neuerer Zeit

Gebeine vorfand.

Was die innere Verwal tungundhäusliche Anstaltsordnung

des Leprosenspitals anbelangt, so ist

hierbei auf folgendes hinzuweisen: Von der bisher

vielfach geübten Art der Einzelaussetzung,

bei der die Kranken oftmals einfach ihrem

Schicksal überlassen waren, als Bettler elendiglich

lebten und , von allen verlassen, einsam

starben, war man unter dem Einfluß der Kirche

abgekommen. Die Zusammenfassung vieler Kranken

in einem eigens für sie bestimmten Spital

erforderte von selbst eine bestimmte Hausordnung

, die das Aufnahmev erfahren näher regelte ,

sich um Unterbringung und Verpflegung bemühte

und die Verwaltung des Hauses organisatorisch

lenkte .

Ursprün,glich war die Sorge für die Aussätzigen

eine rein kirchliche Angelegenheit gewesen .

Bereits die Nachprüfung und medizinische Untersuchung

, wer aussatzverdächtig war , oblag

einer unter geistlicher Aufsi,cht stehenden Ärzte­

Kommission. In Zweifelsfällen zog man auch

älter e, erfahrene Aussätzige zu den Beratungen

hinzu. Die Kommissionen tagten gewöhnlich am

Sitz der Diözese. Für das Haus Melaten war damals

die Diözese Lüttich zuständig. Auch die

Anordnung zur Aussetzung des Erkrankten, also

der Ausschluß aus der menschlichen Mitwelt und

dem sozialen Gefüg e, sowie seine Einlieferun g

in das Spital erfolgte unter Vornahme bestimmter

kirchlicher Zeremonien . Diese waren dem

Ritus der Beerdigung entsprech end, weil der

Aussätzig e nach damaliger Rechtsauffassung als

verstorben galt und nich t mehr befugt und befähigt

war , Rechtshandlungen verbindlicher Art

selbst vorzunehmen oder in seinem Auftrage

von Mittelspersonen vornehmen zu lass en. Er

war schon zu Lebzeiten „dieser Welt abgestor -

ben ". In seiner eigenen Heima tpfarrkirche hatte

er auf Weisung der Kommission seinem eigenen

Tot enam t beizuwohnen . Dann kni ete er einsam

und allein mit verhülltem Gesicht auf abge sondert

em Platze in der Kirch e. Er wurde mit Weihwasser

besprengt , man streut e Fri edhofserde auf

sein Haupt , und dann führt e man ihn in feierlicher

Prozession ·unter Glocken geläut an seinen

endgültigen und letzten Auf enthalt sort, denl\er

nicht mehr verlassen durft e. Als die Krankhe itsfä

lle sich häuften und für die anwachse nde

Meng e der Erkrankten Häuse r errich tet wur den ,

bildeten die darin lebenden Lepros en bald eine

Art geistlicher Bruderschaft für sich , d. h. eine

in religiös gelockerter Form bestehende Laienvereinigung,

jedoch mitifesten Satzunge n mit von

ihnen und aus ihrer Mitte gewählten Vorste hern

und Vermögensverwaltern . An ihrer Spitze standen

vielfach die aus ihrem Kreise h ervorgegangenen

Leprosenmeister . Diesen Person en oblag

die örtliche Aufsicht über das Spital, wie z.B .

die Einhaltung der Vorschriften der Hau sordnung,

Sitz und Stimme in der Aufn ahme kommission

, Regelung von Verpflegun gs- und Unterbringungsmöglichkeiten

der Krank en , die Almosenverwendung

u. a. m. Um die rein finanzie llen

Verwaltungsangelegenheiten hatten sich zwei

„Provisoren" zu kümmern , die vom Ende des

14. Jahrhunderts an vom Aach ener Rat ernannt

und in ihrem Amt bestätigt wurden . Das zu verwaltende

Vermögen setzte sich grö ßtent eils aus

Schenkungen frommer Bürger und Wohltäter

des Hauses zusammen . Feste Einkünfte hielten

sich jedoch in bescheidenen Grenzen , jedenfalls

sind sie selten gewesen , was allein schon aus der

kurzen Leb ensdauer des Melaten-Sp itals von

knapp 150 Jahren zu ersehen ist. Ständig war

das Spital auf die Unterstützung und Beihilfen

der benachbarten Stadt Aachen, der umwohnenden

ländlichen Bewohner , sowie auf die Opfergaben

der am Wege Vorüberziehenden angewiesen.

Der ständige Mangel an finanziellen Mitteln

ließ für die Dauer des Bestehens dies er caritativen

Einrichtung niemals Wohlstand oder gar

Luxus aufkommen. Ständige Sorge um die Erhaltung

des Hauses und die Daseinsnot seiner

Insassen nagten schwer an dieser segensreichen

Institution.

Daß aber im ausgehenden Mittelalter am leidenden

Mitmenschen , der von schwerster Krankheit

heimgesucht wurde und sich dann selbst überlassen

blieb, ein solches wohltätiges Werk möglich

gewesen ist, verdient festgehalten zu werden.


65

UHUS IM EIFELWALD

Von Hans Benning

Hinter den schwarzen Bergen wird der Himmel

hell. Es ist nicht der kommende Tag, der sich

anzeigt, sonder n der Vollmond, der mählich hinter

den Fichtens ilhouetten emporsteigt und sein

bleiche s Licht über den Bergwald fließen läßt.

Kein Lüftchen regt sich. Die Nebelschleier liegen

unbeweglich auf den Talwiesen.

Da ertönt ein geheimnisvoller, unheimlicher Ruf

aus dem Innern des Waldes. Zwei riesige Schat ­

ten lösen sich daraus und schweben lautlosen

Fluges über deni Nebel hin. Plötzlich aber fahren

sie auf einande r 1 los , in wildem Wirbel kreischen

und fauchen, knappen und schreien sie in den

schauerlichsten Tönen . Sind die Kumpane des

wilden Jägers unterwegs?

Nein , was sich da zur mitternächtlichen Vollmondstun

de im Eifeltale so unheimlich gebärdet,

ist n;11" das Liebesspiel eines Uhupärchens.

]fürwahr, der Uhu, die größte Eule Europas ,

überhaupt der Welt , ist in unserer Heimat sehr

selten geworden, und nur an wenigen Stellen

schreitet er noch zu Brut . Er steht unter Naturschutz.

Verbote n ist es, ihn zu erlegen, die Jungen

zu fangen oder gar das Gelege auszunehmen.

Tro tzdem kommen Übergriffe immer wieder

vor. So wurde bei Manderscheid 1917 ein

Uhu geschossen, und vor wenigen Jahren bei

Nidegg en von „Ostereiersuchern" in den Felsen

das Gel ege des Uhus irrtümlich ausgehoben .

Leider kommen aber auch ausgewachsene Exemplar

e (Flüg elspannweite bis 1,70 m) durch Unfälle

um. So verfing sich bei Oberöffling en ein

Uhu im Weidezaun, verwickelte sich in den

Drähten und ging an den erlittenen Verletzungen

ein. In diesem Frühjahre brannten einem Uhu

bei Nideggen, als er mit der Starkstromleitun g

in Berü hrung kam, beide Fänge ab. Der Uhu

mußte getöt et werden . Wird ein neuer Uhu aus

den Eifelwäldern auftauchen und im nächsten

Frühjahr die Stelle des Verunglückten übernehmen?

-

Kurze Zeit nach dem nächtlichen Inter mezzo

liegen in einer kunstlosen Mulde zwei schneeweiße

Eier , die den Hühnereiern in der Größ e

gleichen , nur daß sie runder sind. Das Uhuw eibchen

hat, vergrämt durch die Kletterübungen in

den Felsen, ihren Horstplatz in einem Steilhang

am Fuße einer alten, überhängenden Krüppelkiefer

gewählt . Dort sitzt sie ungestört auf dem

Gelege, bis eines Tages die Eischalen zerbrechen

und zwei grauweiße Wollklümpchen ausschlüpfen .

Bei der rekhlichen Atzung, die das starke Uhuweti.bchen

ihnen zuträgt, wachsen sie schnell

heran . Die Wollklumpen werden größer und

dicker , unförmig hocken sie eng zusammengedrängt

in der Mulde. Nichts anderes kennen

sie a1s Fressen , Verdauen und Schlafen. Rundum

ist alles weiß bekälkt, und auch die grobborkige

Rinde des Kiefernschlafbaumes, in dem die Alte

im Schutz e des dichten Geästes den Tag verbringt

, sieht nicht anders aus. Sie muß sich über

D er Schlafbaum


66

Porträt des Jung uhus

Tag, wie alle Eulen, verstecken, sonst nimmt

das Gezeter der Vogelwelt um sie herum kein

Ende . Deshalb wird der Uhu ja auch im Frühjahr

und Herbst von den Jägern beim Ansitz in

der Krähenhütte verwendet, wo die wandernden

Krähen sowie alle Raubvögel auf ihn hassen und

in ihrer blinden Wut in Schußnähe der Jäger

geraten.

Ende Juni sind die Junguhus schon so weit, daß

sie auf dem Waldboden umherwandern. Immer

mehr bekommen sie das Aussehen der Eltern .

Durch die Wolle stoßen ihnen die braunen, quergestreiften

Federn, und auf dem Kopfe bilden

siich die beiden Federbüschel. Sie wissen sich

beim Nahen eines Feindes, dazu gehört auch der

Mann mit der Kamera, aufzuplustern, und mit

ihren dolchbewehrten Fängen und dem starken

Hackenschnabel vermögen sie sich schon sehr

gut zur Wehr zu setzen. Die Beutetiere zerreißen

sie jetzt selbst, eine Arbeit, die ihnen das Uhuweibchen

in der ersten Zeit abnahm , wenn sie

die Beute zerkleinerte und den Jungen schluckgerechte

Brocken mit dem Schnabel reichte.

Je größer die Jungen werden, desto seltene'I'

kommt das Uhuweibchen über Tag mit Beute,

die hauptsächlich aus Mäusen, aber auch aus

Kaninchen, Junghasen und Wildgeflügel aller

Art besteht. Jetzt beschränkt sie siich auf die

Fütterung in der Frühe und am Abend, und

dann dauert es nur noch kurze Zeit, bis die Jungen

flügge sind und der Alten folgen.

Das Männchen hat sich wieder in die Einsamkeit

zurückgezogen, und nur selten vernimmt man es.

Auch das Weibchen trennt sich von ihrer selbständiggewordenenBrut

undmacht esdemMännchen

nach . So führen sie, jeder für sich, ihr einsiedlerisches

Leben den Sommer, Herbst und

Winter hindurch, bis es wieder Frühling wird

und das Männchen eines Tages mit unheimlichem

Ruf zum Weibchen stößt .


67

?O JAHRE PRIESTER

Kornelimünster ehrte Monsignore Gerson

Ein ganz selte nes Fest beging die Propsteipfarrgemeinde

Korne limünster am 17. August 1958.

Monsignor e Alfons Maria Gerson , Ehrendechant ,

Geistlich er Rat, Inhab er des Bundesverdienstkreuzes

, ältest er Priester der Diözese und Ehrenbürger

der Gemeind e Kornelimünster , beging

sein Bronze nes Prie sterjubiläum. In der fast

2000jähri gen Geschicht e der römisch-katholischen

Kirche haben noch nicht 50 Priester diesen

Tag erlebt . Die alte Abteikirche, wo über

einJ ahrtau sendMönche des Benedikt vonAniane,

des Gründ ers und ersten Abt es von Kornelimünster,

gewirkt haben , hat ein solches Ereignis

bisher noch nicht gesehen.

Der Jubilar wurde am 27. Mai 1865 in Malmedy

geboren. Seine Gymnasialzeit verlebte er in

Emm erich. Die Theologie-Studien absolvierte er

in Bonn und im Priesterseminar zu Köln, wo

er am 19. August 1888 von Kardinal Krementz

zum P rieste r geweiht wurde . Anschließend

wirkt e er als Kaplan in Amel bei St. Vi,th und in

Solingen. 1895 wurde er zum Pfarrer von Kronenb

erg , Dekanat Elberfeld, ernannt. Von dort

ging er 1904 nach Brauweiler bei Köln und kam

1921 nach Kornelimünster . In Brauweiler und

Korn elimünste r war er als Dechant tätig. 1949

trat er, 84jährig, in den Ruhestand .

Monsignore Gerson wirkte von 1921 bis 1949

als Pfarre r und Seelsorger in Kornelimünste r.

Am 15. Oktober 1955 ernannte ihn Papst Pius XII.

wegen seiner langjährigen treuen Arbeit zum

päpstli chen Ehrenkämmere r. Im Jahr e 1953

wurd e der Jubilar durch Bundespräsident Heuß

mit dem Bund esverdienstkreuz ausgez eiclmet.

Die Gemeinde Kornelimünster ernannt e ihn zum

Ehrenbürger. Persönlich schlicht und einfach ,

als Priest er von großer Gewissenhaftigkeit , als

Hüt er der altehrwürdigen Propsteikirche besorgt

um deren Erhaltung, hat sich Monsignore Gerson

diese hohen Auszeichnungen verdient. Die

erfolgreichen Heiligtumsfahrten von 1925 bis

1937 waren in Vorbereitung und Durehführung

fast ausschließlich sein Werk. Das bescheidene

Wesen des Priesters sichert ihm bis auf den heu-

tigen Tag allseitige und dankbare Verehrung

seiner Pfarrkind er, die mit Freude an seinem

hohen und seltenen Festtag e Anteil nahmen . Als

Zeichen der Dankbarkeit überreichte Bürgermeist

er Meyer als Geschenk der ganzen Gemeinde

in symbolischer Form ein Kirchenf enster

für das fünfschiffige Kornelius-Münst er mit der

Widmung : ,,1888 bis 1958, Prälat Alfons Maria

Gerson 70 Jahre Priester . In Dankbarkeit gewidmet

von seiner Pfarrgemeinde. " Dieses Kirchenfenster,

so sagte der Bürgermeister, solle

äie Pfarrgemeinde stets an Monsignore Gerson

erinnern .


68

DAS NEUE KREISHAUS

Lage - Landschaft - Rückblick in die Vergangenheit

Von Dr. Jak. Sommer

Über die sinnvo Ue Gestattun g des Haus es ·als V erwaltun gssitz des K reises, über B auweise, Aufte ilu ng

und Aus stattung wur de in Heft 2/1958 der Heimatblätter bere i ts berich tet . I m f ol genden soUen äußer e

Erschei nun gsfor m und Wirkung der m onum ental en Anlage im Straße n bild und die an G ebäude, Platz

und Land schaft sich knüp f enden histori schen Erin nerungen eine kur ze B etrachtung erfah ren . \

Hochbauten mit ihrem zweckbetonten Geom etrismus

wirken im Gegensatz zu unseren oft weit höher

aufragenden Kirchen und Rathäusern nicht

selten würdelos aufdringlich und stören beunru ­

higend den sanften Fluß der Straßenlinien . Anders

das.Hochhaus an der Zollernstra ße in Aachen .

Ihm ist besonder e Gunst beschieden infolge seiner

vorteilhaften Lage in ausgleichender Umgebung

.

Nähern wir uns dem Kreishaus auf der Hauptzugangsstraße

vom Theater her, so erscheint es

infolge des Wechsels im Straßengefälle in mäßiger

Höhe und dadurch den beiderseitigen Häu ­

serreihen aufs beste angepaßt. Gleich dem Thea ­

t ergebäude am unteren Straßenausgang bildet es

einen reizenden Blickfang und architektonisch

wirksamen Abschluß , wie ihn sich die klassizistischen

Schöpfer der Theaterstraße n.iicht besser

hätten wünschen können. Auf diesen sinnfälligen

Straßenabschluß war bei der Planung des Kreishauses

besonders Bedacht genommen worden.

Als Hochhaus bescheiden zurückliegend

Erst im letzten oberen Straßenabschnitt wächst

es dann mit jedem weiteren Schritt allmählich

vor unseren Augen empor zu dem zwölfgescho s­

sigen Hochbau. Auch hier von der Straßenkr euzung

Normaluhr aus bietet dieser Haupttrakt des

Kreishauses zusammen mit den beiderseits vorgelag

erten Neubauten ein gut abgestimmtes Gesamtbild.

Angenehm wirkt, daß das Gebäude

nicht wie manche Hochbauten unserer rheinischen

Nachbarstädte aus der Häuserflucht herausfordernd

vorspringt, sondern wahrlich bescheiden

weit zurücktritt in dazu noch abfall end em Gelände.

Selbst die Dreifaltigkeitskirche mit ihre r

zierlichen Ornamen tik stört die geschloss ene architektonische

Wirkung dieses Halbrunds nicht.

Sind wir doch seit langem vertraut mit weit stärkeren

Konstrasten selbst im Inneren unserer alten

Städte.

Wechselvoller Gesamtkomplex

Man muß zugeben , daß uns er Hochhaus hier im

Weichbild des alten Stadtgefüg es eine bes ondere

künstl erische Aufgabe erfüll t Es bleibt das Herzstück

eines neuen überaus wechs elvollen Gesamtkomplexes

, der noch im Ents tehen ist und ers t

durch die baulichen Änderungen an der unteren

Casinostraße und den Ausbau von drei Trü mmerecken

endgültige Gestalt erhält . Mit diese r Auflockerung

des ung efügen , früh er etwas eintönigen

Normaluhr vie rtels ist dann nicht nur eine

eirfr euliche Unterbrechung des gera dlinig ,starren

,,Verbindung sweges" - der heutigen Wilhelms:traß

e - gescha ffen, sondern auch im Zusammenhang

mit der Neug estaltun g an Kurbrunn en- und

Dammstraße ein würdiger Zugang zu den vielbesucht

en Burtscheid er Bädern . Ein prächtiges

Stadtviertel, überragt vom Kr eishaus , wir d sich

in einigen Jahren an dieser Haup tver kehrslinie

zum Kaiserplatz und Hansem annplatz präsentieren.

*

Wilhelmstraße im 19. Jahrhundert Grenze des

Landkreises

Mit dem Terrain an der Zollernstraße als Bauplatz

des Kreishauses hat es sein-e besondere Bewandtnis.

Es ist uraltes Kreisgebiet, gehörte zum

Territorium der ehemaligen Reichsabtei Burtscheid

, die mitsamt diesem :q~rdlichen Zipfel um

den Frankenberg bei der preußischen N euordnung

von 1816 dem Kreis Aachen -Land eingegliedert

wurde. So blieb es bis kurz vor der Jahrhundertwende

, bis zur Eingemeindung Burtscheids

im Jahre 1897. Burtscheid war bis zu

dieser Zeit die Kreisstadt des Landkreises . Die

Trennung slinie zwischen Stadt- und Landkreis

verlief entlang der Wilhelm- und Casinostraße.

Unmittelbar hinter dieser Grenzlinie, an der

günstigst en, weil näJChstliegenden Zugangsstelle


69

zur Stadt Aachen. errichtete der Kreis 1889 das

„Landr atsamt" und blieb dann in bewußtem

Festhalt en an überkommene Tradition auch für

den Neu bau bei dem angestammten Sitz in der

für den Kreis zentral gelegenen Stadt Aachen.

Wahrzeichen des Kreises

Mit dem prä chtigen Bau des alten Landratsamtes

und seiner markanten , zur Stadt gerichteten

Schauseit e war ein sinnfälliger Übergang zu dem

hier beginn enden Landkr eis geschaffen und auch

wohl beabsi cht igt 1 ). Das östlich anschließende

Wiesengel ände um den Frankenberg wurde zwar

seit Begründ ung der Aktiengesellschaft Frankenberg

mehr und mehr durch moderne Straßenzüg e

eing eengt. Und doch zeigt uns auch heute noch

ein Blick von Normaluhr über Warmweiherstraß e

auf die ferne n Siedlungen im Grünen, daß es mit

der Großsta dt da drüben ein Ende hat. So bietet

sich auch das neue Kreishaus, hinter dessen wuchtig

er Breite das Frankenberger Viertel um die

Oppenh offallee dem Auge verborgen bleibt, als

glanz v.:olles Schaufenster des Kreises dar, als sein

eindruck svolles Wahrzeiichen hier an der einsti-

' ) Planun gs- und Bauakten sind leid er 1937 eing est>ampft

wor den.

gen Kreisgrenze. Die Kontinuität der alten Ver ­

hältnisse aus der Zeit der Kreisstadt Burtscheid

bleibt somit in mancher Hinsicht gewahrt .

Einbruch in die Romantik, die Gasgasse

Weitläufiges altes Parkg elände um die Burg Frankenb

erg, Viehweiden mit mächtigen Baumgrup ­

pen,Wiesenpfad e, schon Ende des 18.J ahrhund erts

gern benutzt von den abendlichen Besuch ern der

Vau xhall , des einstigen Komödienhauses an der

Bever, das war auch bis weit über die Mitte des

19. Jahrhunderts noch die von Mal eirn und von

den Aach ener Kurgästen vielbesuchte Landschaft,

in der das ehemalige Landrats amt erwuchs. Sie

ging allerdings in jenen Jahren schon der Auf ­

lösung , der Bebauung entgegen . Das Landratsamt

war nicht mehr das ers te Gebäude an sein em

Platz e. Es hatte als Vorgäng erin eine umfangreiche

Bauanlage , die bei dem sonst friedlichen

Neben einander der beiden Städte Aachen und

Burtscheid eine nicht ungetrübte Erinn eirung hinterlassen

mußte . Es war die Burtscheider „Gaserleuchtungsanstalt",

errichtet vor nunmehr 100

Jahren von der englischen Gesellschaft Imp erial­

Continental-Gas-Association , die die Gasv ersorgun.g

_der Stadt Aachen 80 Jahr e hindurch in

Gaser leuch tungsansta lt Burts cheid, Warmwei herst r aße; Fot o aus de m Jahre 1864


70

Händen hatte. Alle Versuche Aachens zur Übernahme

der Gasversorgung in eigene Regie wußt e

die englische Firma stets zu durcllkreuzen. Durch

das geschickte übereinkommen mit Burtscheid

auf Errichtung der eignen Gasanstalt war für die

Stadt Aachen die Rentabilität in Frage gestellt

und damit der Gesellschaft eine weitere V erzögerung

für einige Jahrzehnte gelungen.

Das in der Abbildung wiedergegebene Ha~ptgebäude

der Gase-rleuchtungsanstalt in der Warmweiherstraße

wird mit seiner klassizistischen

Symmetrie Zweck und Lage- wenig gerecht. Im

-Vordergrund des Bildes kreuzt die Warmweiherstraße

den Kalten und den W armen Bach , beidewie

heute nebeneinander fließend in Richtuncr

b

der späteren Baichstraße , doch damals noch offen

und durch einen Mauerzug scharf getrennt. An

dieser wegen des üblen Geruches gern gemiedenen

und daher auch sehr verwahrlosten Ecke erhebt

sich heute das Gesundheitsamt , der östliche

Trakt des neuen Kreishauses . Die Gaskessel lagen

rückwärts an dem erwähnten Wiesenpfad, der

nun bald nach 1858 in Abwendung von jeder

r omantischen Erinnerung zur „ Gasgasse" wurde 2 ) .

Spätere prächtige Bauten zwangen zur Umbenennung.

Es wurde die Zollernstraße.

Auf der Plattform des Kreishauses

Zu einem Blick in diese stark verwandelte näher e

Umgebung wie in die weite Ferne bietet erstmalig

das neue Kreishaus vorzügliche Gelegenheit.

Auf der oberen Plattform des Hauses haben

wir gleich vor den schmucken und luftigen Erfrischungsr

äumen den besten freien Rundblic k

auf die Stadt und die anschließenden Gefilde des

Landkreis es, die Täler und Höhen mit den zahlreichen

Siedlungen, alle leicht deutbar an Kirchen

, Schloten und Hald en. In geruhsamer Kaffeepause

wird man im Anblick der abwechslungsvoll

en Landschaft die Vergangenheit dieses geschichtlich

bedeutenden Raumes nacherleben

können . Dieser Raum umfaßt die Stadt wie auch

den Landkr eis, auf den hier besond ers Bezu g

genommen sei.

In der Ebene vor uns: einst der Krönungszug

Denken wir zum Beispiel an die Zeit des Mitte l­

alters und versetz en uns in die Tage der Königs-

2 ) Nicht zu verw echseln mit de r Aachener Gasgasse, der

heu tig en Marti n-Luth er-St raße.

krönung . Die neue helle Linie der Autobahn weist

_ungefähr den Weg der deuts chen Fürsten, die

mit' zahlreichem Gefolge in awerlesener Rüstung

und Pracht hoch zu Roß zum Tag der Krönung

kamen . Über Haaren bewegte sich der Zug vorbei

an Kalkofen über die Bernha rdstraße in die

vor uns liegende W·urmeben e. Hier , auße rhalb

der Stadt, wurden die Fürsten und vor alle m der

als König Ausersehene von den berittenen beid n

Aachener Bürgermeistern und ihrem Sta b feierlich

begrüßt und empfangen. So oder ähnlich

wiederholten sich die Vorgäng e vor der Krönung

im Dom durch mehr als ein hal bes Jahrt ausend ,

wenn auch nicht immer in gleicher Weise friedlich.

Von weither eilte-, wie uns berich tet ist, die schau-•

lustige Bevölkerung herb ei, um in unüber sehbarer

Menge auf den Höhen und Abh ängen um den

Kaninsberg Aufstellung zu nehmen. Da am folgenden

Tage der Krönung in Aachen kein Platz

war, wollte man wenigstens hier draußen an dem

Begebnis teilhaben , das für Deu tschland und das

Abendland entscheidende Bedeutung hatte.

Leben und Verkehr in römischer Zeit

Weit früher schon , in römisch er Zeit, vor nun

fast 2000 Jahren, herrschte ber eits r eges Leben

in dem von unserem Standplatz überschaubaren

Gebiet des Landkreises. Eisenge winnung und

Verhüttung im Propstei er Wald , ausgedehnter

Bergbau auf Bleierz und Galmei in der Gressenicher

Gegend, damit verbundene Messingindustrie

·und Herst ellung von Gebrauchsge genständen

aller Art führten zu Exporten in die Ferne, vornehmlich

aber nach Aachen, das damals mit seinen

Militärbädern ein bedeutender Mitt elpunkt

römischen Lebens war . Die hier stationierten

Truppenteile und die zugehörige Zivilbevölkerung

deckten auch ihren Bedarf an Lebensmitteln

aus diesem fruchtbaren Hinterlande. Die

:zahlr eiichen BegräbnJisplätze, ~e, z.B. Merzbrück ,

die Herrensitze , die endlose · Zahl von Landgütern

- zwei groß e Gutshöfe wurden 1953 wiede r

bei Verlautenheide festgestellt - bestätigen die

überaus starke Besiedlung des vor uns liegenden

Gebi etes. Auch die Straßen zu den in Nähe und

Ferne erkennbaren Ortschaften sind schon für

die römische Zeit nachgewiesen, so von Aachen

nach Kornelimünster-W alheim, über Eile-ndorf

nach Stolberg-Gressenich , über Atsch nach Eschweiler,

über Dobach-We-iden nach Jülich ... , sie


71

Das im Letzten Kr iege z er störte Kre ishau s (erbau t 1890/91)

alle waren damals, als der Fuhrmann noch Herr

der Straße war , kaum weniger belebt als in neuerer

Zeit.

Auch die ehemalige Kreisstadt Burtscheid, der-en

Thermalwasser genutzt wurde, wie der kürzlif'b

im Schwertbad gefundene W eihestein erneut bestätigt,

war in den großen Verkehr einbezogen .

Und selbst der Boden, auf dem das Kreishaus

sich erhebt , ist von den Römern bereits durchschnitt

en worden bei Anlage eines Kanals , der

in der Mitt e des 19. Jahrhunderts beim Bau der

Gasanstalt hier aufgedeckt wurde und sich später

als Fris chwasserleitung vom Kaltwasserba-c..lJ.

in Burtscheid zur Bücheltherme erwies. Der

Kanal verlief in Richtung der Längslinie des

jetzigen Hauptgebäudes.

Zauberhaftes Vielerlei

Noch so manches aus der großen Vergangenheit

der Stadt und ihrer Landschaft ließe sich von

unserer hohen Warte aus vorweisen und deuten:

Von der Zeit Kaiser Karls bis auf Napoleon und

bis auf den Ausgang des zweiten Weltkrieges,

vom Aufenthalt und Wohnsitz der Großen und

ihren Kämpfen , von Königshöfen und den noch

erhaltenen Burgen , von Karls Jagdrevieren, vom

endlosen Zug der Wallfahrer und ihren Ruheplätzen

, von der Neugestaltung des Landschaftsbildes

durch Industri e und Technik. Jede Siedlung

, jedes Plätzchen hat irgendwann im Laufe

der vielen Jahrhunderte seine besondere Bedeutung

gehabt . Uns ere Kreisang ehörigen werden

bei ihrem Besuch im Kreishaus in Zukunft die

gän~ich neue Gelegenh eit wahrnehmenl, sich ihr e

Heimat au.eh einmal von oben anzusehen. Das

zauberhafte Vielerlei, das sich hier bei guter Sich t

ihrem erstaunten Auge bietet, werden sie dann

als ein zuletzt von der Industrie stark belebtes

geschlossen es Ganzes in sich aufnehmen . Sie

werden hier ihre Heimat mehr verstehen und

lieben lernen als durch Belehrungen und Bücher

zu Hause.


72

DER KREIS IM SCHRIFTTUM

Chronik des Harmonievereines „Cäcilia" Herzogenrath-

Afden zum 100. Stiftungsfest

Der Harmoni everein „Cäcilia" Her zoge nrath-Afden sah

im Juni 1958 auf ein volles J ahr hundert ununterbroch e­

ner traditionsreicher Geschichte im Dienste der völkerversöhnenden

Frau Musica zurück. Auszüge aus der

Chronik beleuchten das Werden und Wirken der Harmonie

wie die Eigenart der Bevölkerung im gesch ichtsträchtigen

Raum an der Lande sgrenze und verdienen

daher in den Heimatblättern wiedergegeben zu werden.

Einige musikfreudige Afdener fanden sich lß,58 zusammen,

um das „Spielen von Chor älen im Gehen " zu

üben. Eine kleine Kapelle bildete sich in wenigen Jahren

und um sie ein Kreis getreuer Zuhörer , Anhänger

und Förderer. Nach vierzehn Jahren faßte Pfarrer

Sassel alle Gedanken und Wünsche der Gründer in

sogenannten Statuten zusammen, deren Präambel sagt:

„Der Verein hat den Zweck , das sitt liche Betragen, die

Religiö sität sowie die gesellige Unterhaltung der Mitglieder

zu fördern und die Feier der kirchlich en Feste

zu heben. "

Wie der Rosenkran z zum Pilger, so gehört die Harmonie

heute zur Aldenhovener Prozession . Seit Jah rze hnten

begleitet sie die Choräle der Afdener Blä ser , und immer,

wenn groß und klein bei der langen Wanderung müde

werden wollen, hilft ein Lied der Harmonie über Sonne

und Schweiß , Regen und Marschstrapazen hinweg. Das

alles ist selbstverständlich heute. Es war anscheinend

immer schon so. Nur einige der ganz alten Leute wissen

heute noch , wie es eigentlich zu der Aldenhov ener

Musik der Harmonie gekommen ist.

Getreu dem Grundsatz, ,,die F eier der kirchlichen Feste

zu heben ", war die Kap elle scho n vor der Jahrhundertwende

dabei , wenn die Pilg er nach der Aldenhovener -­

Wallfahrt in St. Gertrudis ihr „Großer Gott, wir loben

Dich ", sangen. Erst mit dem starken Bläs erch or der

Harmonie erhielt das mächtige Lied seinen vollen

Klang. Schade genug, daß man ansonsten auf der ganzen

lange n Reise zum Marienbildni s in Aldenhoven

allein bleiben mußte, ohne Musik. Wie sehr hätten sich

hier Andacht und Wallfahrtsfreude heben lassen. Die

Harmonie konnte und wollte an diesem Pil gerwuns che

auf die Dauer nicht vorbeigehen. Indes war man der

Meinung, daß der Gebetseifer der Pilger nicht durch

gar zu häufige Musikunterbrechungen abgelenkt werden

dürfe .

So kam es dann zu folgender Übung: Um 16 Uhr am

Wallfahrt stage jeweils versammelte man sich im Festornat

, mit Instrumenten und dem notwendigen Zubehör

gerüstet, just im Vereinslok ale, nahm ein Gläschen

edlen Korns mit auf den Weg und streb te dann der

Prozession entgegen. Rech t sinnvoll wars , im gleichen

Zuge der Pflicht des Anstandes zu genügen und jene

„Inaktiven" zu besuchen , die, mit ihrer Wirtscha ft am

Ortsrande gelegen, sonst nur schwer zu erreiche n waren.

Man kam bis Zopp, durch viele Jah re, un d brachte

hier dem Pilg erstrom - gut disponiert und wohlgestimmt

- der Heimat erste frohe Klänge. Späte r dann

zog man bis Schaufenberg der Prozession entgege n. Ein

wenig darauf ward der Mut gefaßt, sie gänzlich zu begleiten.

Seitdem kennt man in Aldenhove n die Choräle

der Männer , die nicht s scheuen, von Afden her zu

Gottes Ehre aufzuspielen, als Pilger und Mus~er

zugleich.

In den zwanziger Jahren war es noch so, daß Mitglie der

der „Schwarzenb erger" alias Afdener Kap elle im elterlichen

Hause des jetzigen Vorsitzenden Gottfried Diederen

gemeinsam probten. Das geschah einträ chtig, mit

Fleiß und Beg eisterung . Es war immer ein trautes und

den Afdenern der Further Straße inzwischen liebgewordenes

Spiel. Hier einmal wurde der weise Spruch von

Wilhelm Busch ignorie r t, nach dem es heißt: ,,Musik

wird störend oft empfunden , dieweil sie mit Geräus ch

verbunden." Harmonri.sten und Schwarzenbe11g .er wußten

eines guten Tage s die dankbare Anhänglichkeit ihrer

Afdener zu lohn en. In langen Nächten setzte Dirigent

Claßen sich ans Pult und komponierte, schrieb viele

Blätte r voll mit Noten, für alle Stimmen seiner Kapelle:

- Weihnachtsmusik! Und als 1923 die Heilige

Nacht herangekommen war, weck ten Glock 12 die trauten

Weisen der Weihnacht die Afdener. Still, mit der

Freude des Schenke nden, zogen die Harmonisten von

einer Straße in die andere. Weit hinaus schallten die

Lieder der Froh en Botschaft in den Frieden des Festes.

Die Stadt ward um e,inen lieben Brauch reicher , und

manche Weihnacht sollte nun für die Herzogenrather

schöner werden .

J . Sehr.

F' o tos : Archiv (S. 57, 58, 69, 71), Benning (S. 65, 66), Bremm-Gi esen (S. 67), .Pator (S. 59), Paulus S. 50, 51, 52, 53, 54,

62, 63); Z eich nun gen: Sank e; Karte: Wagner .


WASSERWERK

DES

LANDKREISES

AACHEN GMBH

liefert weiches Talsperrenwasser an Haushalt und Industrie

Das weiche Wasser erspart vielen Betrieben , die auf weiches Wasser

angewiesen sind, Kosten für Enthärtungsanlagen und bietet auch den

Haushaltungen beachtliche Vorteile .

GESELLSCHAFTER:

Landkreis Aachen und 17 Städte und Gemeinden des Landkreises.

VERSORGTE GEBIETE:

Landkreis Aachen mit Hauptteil des Wurmkohlenreviers, Randgebiete

der benachbarten Kreise Geilenkirchen-Heinsberg, Jülich, Düren und

Monschau und holländische Gemeinden Kirchrafh und Vaals.

ANLAGEN :

Dreilägerbach- und Kalltalsperre mit insgesamt 6,4 Mio. cbm Inhalt ,

offene Schnellfilteranlage , System WABAG, Kapazität 100000 cbm /Tag,

1953 in Betrieb genommen , 685 km Rohrleitungen, 29000 Hausanschlüsse.

»Rurüberleitung « zur Oberleitung von Wasser aus der Talsperre

Schwammenauel in die Kalltalsperre, bestehend aus: Pumpwerk am

Obersee, 1200 m Druckrohrleitung NW 1000, 2800 m Hangrohrleitung

NW 1000, 3700 m Stollen .

JAHRESABGABE 19 - 20 MILLIONEN KUBIKMETER


WELT!iPARTAli

30. OKTOBER 1958

Ja~ll

© Spaun

sdta{6t 'V1ttH1~(Jl!n un~ JO"l,lstan~ I~

--- ,~---

Nicht nur Arbeit und Einkommen bringen uns voran.

Nur wer auch zu erholten versteht, was er erworben

hat, wird es zu etwas bringen.

Die beste Form des Erhaltens für jedermann ober ist

sparen. Sporen kann wirklich jeder. Zum Sporen ist

keiner zu reich und keiner zu arm. Sporen erhebt Sie

zum Herrn über Ihr Geld. Und wenn es Geld gibt, das

glücklich macht, dann ist es Spargeld!

Kommen auch Sie am Weltspartag zu uns!

...~,1

IK IB1 IE Il fß fß_ /Jl IB1 IK /Jl fß IE /Jl /Jl (rn Ifil IE N

AM ELISENBRUNNEN

RUF-SAMMELNUMMER 4081

Z W E I G ST ELLE N

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