Heimatblätter des Kreises Aachen 1960-4
Heimatblätter des Kreises Aachen 1960-4
Heimatblätter des Kreises Aachen 1960-4
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HEIMATBLATTER
DES LANDKREISES
HEFT
4
16. JAHRGANG
AACHEN
I N H A L T
Seite
Hasen im Eifelwald . . . . . . . . . . . . . . . 73
Im schönen alten Schleibach . . . . . . . . . . . . . . . 75
75 Jahre Vennbahn .. ..
76
Entstehung, Bedeutung und Schicksal des Kreuzherrenklosters
Schwarzenbroich und seine Beziehungen
zum Aachener Land . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
Händler, Pilger und Soldaten zogen einst vorbei . . . . . 83
Das Abenteuer einer Grenze . . . . . . . . . . . . . . . 84
Die Entwicklung eines bedeutenden Verkehrsunternehmens
und seine Wechselbeziehungen zum Landkreis
Aachen im Verlaufe von acht Jahrzehnten . 86
Professor Dr. Peter Mennicken t . . . . . . . . . . . . . 94
Der Kreis im Schrifttum . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
Titelb i ld : Kornelimün ster im Schnee. Foto: Paulus.
H eimatblätter de s Landkre ises Aach en. Ers chein en vierteljährlich
Bezugspr eis 2,- DM jährlich. Auflage: 3500 Stück. H erausgeber:
Landkre is Aachen. Schriftl eitung: H einri ch B . Capellmann - Krei sobe r ins pekt or Cornel Pet er s, Aachen , Zollern straße (Kre is haus),
Tel. 40 71. Für unver langt eingesandte Manus kr ipte und Bild er wird keine Gewähr übernommen.
Druck: H erzogdruck, Eschweiler.
HEIMAT
BLATTER
HEIMATBLAT TE R DE S LANDKREI S ES AACHEN • HEFT 4 / 1960 • AACHEN , DEZEMBER 19 60
HASEN IM EIFELWALD
Von Ha ns Benning
Für viele Tiere ist der Winter die böse Zeit der
Not. Rauhe Stürme fegen dann ungestüm über
die Eifelberge, bringen Regen , Kälte, Schnee und
Eis. Die Zugvög~ sind längst nach dem sonnigen
Süden abgew and~rt,
1
und nur wenige Arten sind
es, die auch den Winter über der Heimat die
Treue halten, Meisen und Spechte, Häh er, Drosseln,
Goldhäh nchen und Finken , Wasseramseln
und Eisvögel und in den Dörfern und Städten
die Allerwe ltsspe rlin ge. Und wird der Winter
besonders stre ng , sind auch die nordischen Vögel
bei uns zu Gast, manchmal in unglaublich großen
Mengen, wie die Bergfinken und Ringeltauben.
Auf den Eifelseen tummeln sich dann
Wildenten aller Arten , Gäns e, Säger, Taucher
und sogar größere und kleinere Flüg e von Sin g
schwänen. Sie alle sind in de r glücklichen Lage,
je nach Gefa llen und Futt ermöglichkeit ihren
Aufenthalt zu wechseln.
Unsere vierfüßigen Tiere haben diese Möglichkeit
nicht. Das Rot- und Rehwil d, die Sauen, die
Füchse und Hasen bis herunter zur winzigen
Spitzmaus, sie alle sind gezwungen, in den Eif elbergen
zu bleiben, mag der Winter auch noch so
hart sein . Gewiß, die Sauen wandern weite
Str ecken, und auch die Hirsche ziehen manchmal
kilomet erwe it, aber sie bleiben doch noch immer
in unser er Heimat und suchen sich hier die ihn en
zusagenden Eins tänd e, sei es aus Äsungs -, Ruheoder
anderen Gründen.
Die geringsten Wandergelüste zeigen die Waldhasen
; sie bleiben auf verhältnismäßig kleinem
Raum ihren Äsungsplätzen treu. Im Winter bekommt
man sie nur selten zu sehen ; dann halten
sie es mit den Hirschen , die erst in später Dämmerstunde
austreten und wieder ihren Einstand
bezoge n haben , wenn das erste Frühlicht den
Sternenhimme l erhellt . Hat man Glück , sieht
man einmal einen Hasen über den Waldweg hoppeln.
Auch der Autofahrer hat ihn hin und wieder
bei Nacht im Strahl seiner Scheinwerfer, bis
dem geblendete n Hasen an einer Kurve der Absprung
glückt . Jedenfalls sieht m an Reh e und
Füchse im Walde häufiger als Has en.
Der Hase , der „Furchtsame", hat es in der Tat
überhaupt schwer . Freunde hat er nicht, obwohl
er friedlichster Natur ist . Seine Wehrlosigkeit
fordert gerad ezu seine zahlreichen Feinde auf,
Weihnachtsstimmung
im Eif elwald
74
ihm nachzustellen, und er wäre längst ausgerottet,
hätte die Natur ihm außer seiner Fruchtbarkeit
nicht auch noch einiges andere mitgegeben.
Außer der graubraunen Schutzfarbe seines Balges,
dem scharfen Gehör seiner großen Löffel,
den langen, kräftigen Hinterläufen für die Flucht
besitzt er eine ordentliche Portion Vorsicht und
Hasenverstand . Meisterhaft vermag er sich zu
drücken. Seinen Verfolgern entwischt er durch
Widergänge und Hakenschlagen, und nur selten
wird es dem Fuchs oder Jagdhund gelingen, einen
flüchtenden gesunden Hasen zu greifen.
Trotzdem bleibt die Sippe der Löffelmänner im
Walde immer nur klein, weil vor allem die Junghasen
gefährdet sind. Fast ist es unmöglich, die
Liebhaber eines Hasenbratens lückenlos aufzuzählen.
Fuchs, Dachs, die Wildkatze und ihre
streunenden, verwilderten Verwandten, Marder,
Iltis, Hermelin, Uhu, Habicht, Krähen, Elstern
und nicht zuletzt die umherzigeunernden, nach
Fraß suchenden Sauen zehnten den Junghasen
bestand alljährlich beträchtlich.
Wenn aber der Hase erst einmal erwachsen ist
und die gefährdete Jugendzeit überstanden hat,
erst dann besteht für ihn begründete Aussicht, in
seinem ferneren Lebenskampfe alt zu werden.
So sind es vor allem die altgewordenen Hasen ,
die in wenigen Exemplaren im Eifelwalde umhergeistern.
Während der Wintermonate und der
gleichzeitigen Jagdzeit bekommt man sie nicht
zu Gesicht, als hätten sie geradezu den Jagd- und
Schonzeitkalender im Kopf. Sieht man wirklich
einmal so einen alten Burschen, dann ist es sicher
bei einer Saujagd, bei der man nur mit der Kugel
schießt und den Hasen passieren läßt, um sich
die Aussichten nicht durch einen Schuß zu verderben.
Erst im Frühjahr, wenn die Haselsträucher blü-
Mümmelmann put zt sich
... er schlägt einen Kegel und sichert!
hen und die ersten Grashälmchen sprieß en, wir d
der Wald hase wieder etwas lebhafter. Un d hat
ihn gar die Liebe gepackt , ist · er auch über Tag
auf den Läufen.
Sonst aber lebt der alte Hase wie ein Ein sie dler ;
er kennt nur die Ruhe in seiner Sasse un d die
Äsung auf sicheren, wenig begangenen P fa den .
Den ganzen Sommer über kann man ihn , w enn
man seinen Lebensraum kennt und zu pirs chen
versteht , in der Frühe an seinen gewoh nten
Äsungsplätzen antreffen, ob es nun die lange ,
grasbewachsene Höhenschneise ist oder der versteckte
Wildacker . Immer ist er die Vorsicht
selbst, jeden Augenblick hält er im Äsen inne \\
und sichert, oft schlägt er einen Kegel und äugt
die Umgebung ab, gewärtig, sofort zu flüchten ,
wenn Gefahr droht. Dabei kennt er die mit ihm
im Walde lebenden Tiere genau. Einmal sah ich
einem Hasen zu, der beim Antraben ein es Altfuchses
einen Kegel schlug und Reineke regungslos
beobachtete. Der Fuchs mußte ihn w ohl
kennen und wissen, daß er dem alten, gewitzten
Hasen nichts antun konnte; jedenfalls tat der
Fuchs, der auf wenige Meter mit schief gehaltenem
Kopf vorbeischnürte, als wenn der Hase
für ihn Luft wäre . Mümmelmann aber äugt e dem
Fuchs nach, bis er im Walde verschwand . Erst
dann ging er mit den Vorderläufen wieder zu
Boden und suchte sich aus dem frischen Grün die
saftigsten Kleeblättchen heraus, die er, immer
wieder sichernd, bedächtig mümmelnd verzehrte.
Eines Abends setzte ich mich an einer versteckten
Wildwiese an, um eine dort regelmäßig austretende
Bache mit ihren Frischlingen zu photographieren
. Die Bache erschien jedoch erst bei
eintretender Dämmerung, gab sich nach kurzem
Sichern gleich ans Fressen, und die kleinen
Frischlinge schwärmten , Fraß suchend , aus. Auf
einmal - ich traute meinen Augen kaum - erschien
ein Hase, hoppelte auf die Wiese , äugte
einmal nach der Bache und begann, sorglos zu
äsen . Bis zur völligen Dunkelheit sah ich diesem
seltsamen Schauspiel zu und mußte meine Meinung
über den furchtsamen Hasen daraufhin
revidieren.
Trotzdem ist der alte Waldhase immerzu auf der
Hut, und die Menschen weiß er genau von den
Tieren des Waldes zu unterscheiden. Will man
nicht dafür und macht sich unsichtbar, um nach
Einsetzen der Schonzeit das Leben im Eifelwald
ihn aber als Weihnachtshasen erbeuten , so ist er
noch möglichst lange Zeit unbehelligt zu genießen
.
IM S CHO JEN ALTEN
SCHLEI BA CH
Von J. Steinbuscb
Südlich der Bergbaustadt Alsdorf liegt am Wal
deshan g inmitten saftiger Wiesen und wohlbestellter
Felder das alte Dorf Schleibach. Es kümmert
sich nicht um den lebhaften Verkehr, der
auf der in der Nähe vorbeiführend en Bundesstraße
57 auf- und abwogt, vielmehr träumt es
seinen Dornrös chenschlaf heute wie vor Hunderten
von Jahre n. In ihm scheint die Zeit stillzustehen
. In der schönen Jahreszeit ist es das Ziel
zahlr eicher Spaziergänger undNaturfreund e, und
jeder ist entzückt von seiner romantisch en Lage.
Sein e ältes te Geschichte ist in geheimnisvolles
Dun kel gehüllt. Auch der Name-in alten Handschriften
finden wir die Bezeich nungen Schliebach
und Sleidenbach - gibt uns über sein Alter
kein en siche rn Aufschluß . Trotz der Nähe Als
dorfs , nach dem e1 auf allen Geb ieten hin orientiert
ist , hat es doch seit undenkli chen Zeiten zur
Gem einde Broichweiden gehört.
Charak teristis ch und eigentümlich ist , daß die
meisten Ortschaften dieser Gemeinde die Namen
von Baumarten tragen. Eri nnert sei nur an Wei
den selbst, an Euche n, an Linden und Neusen .
Heimatfor scher W. Hermanns bringt Schleibach
mit „Schleh enbach" in Verbindung , eine Deu
tung, die ausgezeichnet zu der Lage des Ortes
paßt. Der in Alsdorf sehr verbreitete Familien
name „Schleibach" dürfte also bei der Benen
nung des Dorfes keine Rolle gespielt haben. Tatsache
ist, daß dieser Landstrich in früheren Jahr
hunderten mit dichten Waldungen bedeckt war,
wovon der heutige Probsteierwald bei Stolberg
nur noch einen spärlichen Rest darste llt.
Wenn wir auch keinen sicheren geschichtlichen
Anhaltspunkt über den Ursprung von Schleibach
besitzen , so können wir doch mit Fug und Recht
annehmen , daß es sich um einen uralten Weil er
handelte, in dem die stattlichen Bauernhöfe
,,Schleibacher Hof" und „Schleibacher Burg
lehen" eine führende Rolle gespielt haben , die
auch geschichtlich bekundet ist. Bei de Güter gehörten
jahrhuntertelang der Abtei Klosterrath,
dem heutigen holländischen Rolduc bei Herzo
genrath. Im „Schleibacher Hof" hat der Eschweiler
Bergwerks-Verein einen Kindergarten
eingerichtet, während das „Burglehen" auch in
unserer Zeit noch seiner ureigensten Aufgabe,
nämlich landwirtschaftlicher Bewirtschaftung,
gerecht wird. Im Volksmund heißt es auch „Klo
sterlehen" . Dieser burgähnliche Bauernhof mit
Rund - und Eckturm (Wachtturm), der im frühen
Mittelalter festungsähnlichen Charakter aufwies,
ist uralt . Schon im Jahre 1146 erwarb ihn die
Abtei Klosterrath von dem Adligen Jordan von
Sleiden . 1360 treffen wir ihn im Besitz des Herzogs
von Jülich . In der Folgezeit hat dieses reiche
Gut, zu dem ausgedehnte Wiesen, Äcker , Heide
und Waldungen gehörten, mehrfach seinen Besitzer
gewechselt, bis es schließlich im 18. Jahr
hundert aus adliger in bürgerliche Hand über
ging .
Im Jahre 1698 zerstörte ein aus unbekannter Ursach
e ausgebrochener Brand große Teile dieses
Gutes, das nur mühsam nach Jahren wieder auf
gebaut werden konnte. Wenn die Dörfler heut e
von diesem Hofe sprechen , so bezeichnen sie ihn
gerne als „Verkensgut". Sie denken hierbei aber
nicht an die Vierfüßler gleichen Namens, sondern
halten vielmehr mit dieser Bezeichnung die Erinnerung
wach an die Adligen von Verken, deren
Geschlecht jahrhundertelang in Schleibach seß
haft war und von denen es in die Hand der Adligen
von Gronsfeld - Nivelstein 11nd von Holzheim
überging.
Vennbahn -Brücke zwischen Korn el imünst er u nd Walh eim
?5 JAHRE VENNBAHN
Ei11 EJ>ilog von Heinrich B. Capellmann
In dem heute verschollenen „Fremdenbuch der
Klause zu Cornely -Münster, angelegt durch den
Bruder Joseph Hannes am 1. J uli 1853", findet
sich zum 4. Juni 1884 folgende zusätzliche Ein
tragung: ,,Heute feierten die Gewölbeschließung
am Itterbach -Viaduct, gelegen im Zuge der Neu
baulinie Rothe Erde - Montjoie - St . Vith, Geh
len, Eisenbahninspektor, Conen, Notar, Alexander
Scheibler, Monschau, Scheffer , Regierungsbauführer,
Emil Scheibler, Montjoie , Hochstenbach,
Bürgermeister, Minde und Kluck, Regierungsbaumeister
in Cornelimünster."
Wohl keiner der Festgäste würde es damals geglaubt
haben, daß das bedeutsame Werk bereits
nach 75 Jahren nur noch Gegenstand einer resi
gnierten Rückschau sein würde; denn heute kann
dieser für die Erschließung des Venngebiets so
wichtigen Verkehrsader nur noch ein Epilog gewidmet
werden , weil während dieser Zeitspanne
technische, wirtschaftliche und insbesondere politische
Faktoren ihren Betrieb fast restlos zum
Erliegen gebracht haben .
Lange und hartnäckig war um den Bau dieser
Vennbahn gekämpft worden, besonders von den
Bewohnern des Kreises Monschau, vor allem von
den Vertretern der Industrie und der Nutzholzwirtschaft
und ferner von den Kalkstein- und
Steinmetzbetrieben von Raeren, Kreis Eupen ,
ganz zu schweigen von den tausenden Arbeitern
der Eifelorte , die in den absterbenden Woll
manufakturen und Tuchfabriken in Imgenbro ich
und Monschau keine Beschäftigung mehr fand er;i..
Unzähli ge Petition en wurden gestartet, bis endlich,
1882, die Staat sregierung der Abgeordnet enkammer
eine diesb ezügliche Ges etzesvorla ge zu-
gehen ließ. Damals schrieb das „Montj oier Volksblatt":
,,Die Gesetzesvorlage kommt wohl noch
zur rechten Zeit , um die Gegend vom Unterg ang
zu retten ; sie ist ein Wort , das tau sende und
abertausende Herzen vom Banne der Hoffn ungslosigkeit
er löst." Die Annahme der Vorl age wurde
durch Extrablätter bekanntgemacht, und allenthalben
wurde geflaggt, trotzdem sie als erstes
sowohl dem Kreis als auch einzelnen Geme inden
finanzielle Belastungen auferlegte: Grun d und
Boden mußten teilweise kostenlos hergege ben
werden, der Kreis wurde zu finanzi ellen Beihilfen
verpflichtet , und auch die einzelnen Gemein \\
den mußten beitragen: Kalterherberg 6800 Mark ,
Höfen 2500 Mark , Rohren 500 Mark , Mütze nich
4000 Mark, Konzen , Simmerath und Lammersdorf
je 4500 Mark, Roetgen 10 100 Mark und die
Stadt Monschau 22 000 Mark; eine schwere Belastung
für den Kreis , weil gerade dama ls dort
viel Armut und eine große Arbei tslos igkei t
herrschten .
Dem Bau der Vennbahn waren schon vor etwa
80 Jahren andere Projekte voraufge gange n, die
den gewerblichen und wirtschaftlich en Niedergang
des abseitig liegenden Venng ebiets durch
den Bau besserer Verkehrswege aufhal ten sollten.
So befahl schon Kaiser Napoleon bei Gelegenheit
eines Besuches der Stadt Aach en durch
Dekret vom 10. September 1804, im Zuge seines
Gesamtprojekts Aachen-Trier , den Bau einer
modern ·en gepflasterten Landstraß e, die über
Kornelimünster und Roetgen nach Monschau
führen und eine Abzweigung nach Stolberg
haben sollte. Die berührten Punkte: Burtscheid ,
Forst, Brand, Kornelimünster , Walheim, Roetgen,
Imgenbroich und Büsbach sowie die Städte
Stolberg und Monschau, wurden zu finanziellen
Baubeihilfen nach Maßgabe des für sie zu erwartenden
Vorteils verpflichtet; die Auflage betrug
insgesamt rund 80 000Francs. 1811 war die Straße
von Monschau bis auf dem Venn und von Aachen
bis Kornelimünster fertiggestellt. Das Zwischenstück
Kornelimünster-Roetgen, 11,452 Kilometer
, wurde damals nur in der Unterlage, nicht
aber in der Decke ferti ggestellt; dies geschah erst
in der nachfolgenden pr eußischen Zeit in den
Jahren 1816-1822 . Der Bau dieser gepflastert en
Straße wurde damal s als ein so· ·großes Erei gnis
anges ehen, daß man dem Kaiser auf der Höh e des
,,Bierkellers " in Korn elimünst er einen rühmenden
Denkstein setzte . (,,NeapolioMagnus exsicc a
tis malefidis paludibu s ab Aquis Grani ad Montem
J ovis stabil em regiamque viam aperiri et
77
saxis sterni iussit. ") Der Denkstein wurde wenige
Jahre spät er auf Befehl der russischen Verbündeten
- am 18.Januar 1814 um 11 Uhr besetzten
russische Kosaken das Münsterland - entfernt.
Ein zweites Projekt, das in den vierziger Jahren
des vorige n Jahrhunderts die mittlerweile wieder
unzu länglich gewordene Verbindung des
Vennkreises mit Stadt und Land Aachen verbessern
sollte , kam nicht zur Durchführung ; es
war der Bau eines großen Schienenweges von
Köln bis Antwerpe n, der über Düren - Eschweiler-Stolberg
und von hier aus ständig dem Lauf
der Inde und von Kornelimünster aus dem Iterbachtal
folge nd, nach Raeren aufsteigen sollte .
Von dieser Hauptlinie sollte dann eine Stichbahn
nach Aache n führen und später eine ebensolche
in Richtung Monschau verlegt werden. Der Pl an
scheiterte aber schließlich an dem erbitterten
Widerstand der Stadt Aachen, die sich bereitfand ,
durch erhe bliche Zuschußmittel eine für sie
lebenswichtige,
1ber durch Niveauschwierigkeiten
erheblic h teuhre direkte Linienführung über
Aachen zu fina nzieren . Für Kornelimün ster bedeutet
e das die Erhaltung seines ges chlossenen
mitt elalterlic hen Sta dtbildes ; denn die vorgesehen
e Trasse sah - nach Durchtunnelung des
Frank enwä ldchens - den Abbruch mehrerer
Häuse r am Indeufer vor.
Der Bau der Vennbahn begann am 12. Februar
1883 mit der Anfangsstrecke Rothe Erde-Schmi t
hof. Am 27. September legte man den Grundstein
zum Viadukt zwischen Kornelimünster-Brand
und am 28.Mai 1884 den Grundstein des Viadukts
bei Kalterherberg. Am 30. Juni 1885 wurde die
Strecke Rot he Erde-Monschau dem Verkehr
übergeben und am 1. Dezember die Weiterführung
Monschau-Weismes; der Verkehr auf dem
restlich en Teil über St. Vith - Ulflingen-Luxemburg
wurde erst am 4. November 1889 aufgenomm
en.
Schon die Jahre des Aufbaues brachten für alle
an der Linienführung liegenden Ortschaften
reiche und vielfältige Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten
; denn Arbeiter und Handwerker
fast aller Fach gruppen wurden benötigt . Kornelimünster
wurde Zentral sitz der Bauleitung
für die Strecke Aachen-Monschau ; hier errichtete
die Eisenbahn ein eigenes stattliches Gebäude
(heute Metzgerei Liebenstund) , das von
den älteren Bürgern auch heute noch als „Bahne
büro" bezeichnet wird. Ein e besonder e Belebun g
erfu hren damals Verkehr und Verzehr durch
die von auswärts kommenden starken Arbeiter-
kolonnen, unter denen sich besonders viele italienische
Facharbeiter befanden: Steinmetze,
Maurer und Brückenbauer , die beim Bau der
große n Viadukte ausgezeichnete Arb eit leisteten.
Ein Arbeitsplatz in Deutschland war damals von
ihnen sehr begehrt, wurden sie doch hier im
allge meinen in gleichem Maße in Mark wie in
Italien in Lire entlohnt, was bei dem damaligen
festen Valutastand eine Besserstellung von rund
20 Pfenni g pro Mark bedeutete. Viele von ihnen
sind auch nach Fertigstellung der Linie hier ansässig
geblieben; zahlreiche Familiennamen im
Aachener Bezirk weisen noch heut e auf diese
Tatsache hin (Bolognini , Antoniolli , Menegazzi ,
Ratty u. a.).
Schon nach kurzer Zeit wurde die Vennbahn für
die Reichsbahn zu einer gewinnbringenden Anlage
, und als die Bahn dann vier Jahre später
(1889) über St. Vith-Ulflingen mit Luxemburg
verbunden war, stieg insbesonder e der Güt er
verkehr ganz erheblich ; bis zum ersten Weltkrieg
verke hrt en auf der Str ecke durchschnittlich täglich
16 P erso nenzüge und 24 Güterzüg e, die sehr
oft über 40 Güterwagen führten. Den Hauptanteil
an diesem Güterverkehr hatte das Hütten-
Di e Vennbahn im Winter
78
werk der Rothen Erde, das sein Rohmaterial -
Minette, Eisenerz - aus Luxemburg bezog; die
heute noch vorhandenen riesigen Schlackenhalden
des ehemaligen Hüttenwerks in Aachen
Forst lassen noch jetzt das Ausmaß dieser Transporte
erkennen. Für tausende Bewohner des
Monschauer Landes aber erschloß der Personenverkehr
neue Arbeitsmöglichkeiten, da sie nun zu
erträglichen Bedingungen das reiche Industriegebiet
des Aachener Raumes erreichen konnten.
Kein Wunder, daß die „Arbeiterzüge" morgens
und abends fast stets überfüllt waren, so daß
sehr oft noch zusätzlich gedeckte Güterwagen für
den Personenverkehr eingesetzt werden mußten;
ihr ganzer Komfort bestand in hölzernen
Querbrettern als Sitzgelegenheit und in einem
Querbalken, der die großen Durchlässe der offenen
Schiebetüren sicherte, was aber Unentwegte
nicht hinderte, auf dem Boden sitzend, die Beine
lang herausbaumeln zu lassen. Bemerkenswert
ist es, daß damals für die Arbeitnehmer aus dem
Monschauer Land sogar ein „Schnellzug " eingelegt
wurde, der sie ohne Halt in einer Stunde
bis Monschau brachte, weil er hinter Rothe Erde
ers tmalig nur in Roetgen hielt.
Daß beim Bau dieser Vennbahn auch milit ärstrategische
Gründe eine Rolle gespielt haben,
ers cheint unzweifelhaft, und tatsächlich ist dieser
Schienenstrang dann auch später für viele,
die im Westen geblieben sind, zur „Straße des
Schicksals" geworden. Von beson derer , kriegswichtiger
Bedeutung wurde die Vennbahn dann
noch zu Ende des letzten Krieg es, als der Knotenpunkt
Aachen immer mehr zum Brennpunkt konzentrierter
feindlicher Bombenangriffe wurde;
sowohl die Militär- als auch die internationalen
D-Züge der Strecke Herbesthal - Aachen -Kö ln
konnten mit Hilfe der Vennbahn Aachen umfahren,
indem die von Köln kommenden Züge
in Stolberg nach Breinig und weiter über den
große n Doppelviadukt des Indetals nach Walheim-Raeren-Eupen-Herbesthal
umg eleitet
wurden. Diese Möglichkeit dürfte auch dafür
bestimmend gewesen sein, zu Ende des Krieges
mehrere Gewölbebögen dieses Viadukts zu spre n
gen (der auch heute noch nur über die von den
Amerikanern errichtete stählerne Notk onstruk
tion befahrbar ist).
Aber der Tag des Sterbens für die Vennbahn
war in Wirklichkeit schon viel früher gekommen:
Am 1. November 1921 ging die von Kalte rherberg
bis Raeren führende Strecke - 36 Kil ome ter,
davon 28 Kilometer innerhalb des Kreis es Mon
schau -, mit sämtlichen bahneigenen Grund
stücken und Anlagen in den Besitz Belgi ens über,
einschließlich eines Kreisgebiets von mehr als '\
55 Quadratkilometern , das westlich der Bahnlinie
lag. Der Verlust der Vennbahn , der einzigen
Bahnlinie des Kreises Monschau, führt e zu heftigen
Protestaktionen im ganzen Kreis; in flammenden
Resolutionen wandte man sich gegen
den Verlust. Im preußischen Landta g wurden
dringliche Interpellationen eingebrach t, ,,um
Staat und Reich vor weiteren Gebiets verlusten
und die treudeutsche Bevölkerung des Kreise s
Monschau vor schwersten Nachteilen zu schützen".
Aber aller Kampf um 0 die Erhal tung der
Vennbahn war vergebens; selbst der große Generalstreik
des ganzen Kreises konnte ihr Schicksal
nicht wenden. Auch nach dem deut sch-belgischen
Grenzabkommen von 1956 bleibt die
Vennbahn belgisch und ihr Untergrund belgisches
Hoheitsgebiet, selbst inmitten der deutschen
Dörfer Roetgen, Lammersdorf , Konzen,
Kalterherberg und der Stadt Monschau. Zwar
hat Belgien 1947 bereits den Güterverkehr wieder
freigegeben, aber auch dieses Zuge stän dnis
hat das Schicksal der Bahn nicht mehr zu wenden
vermocht; Schwierigkeiten, die sich aus dem
anormalen Status der Bahn ergeben, und eine
technische Entwicklung, die den rationellen und
unbeschränkten Einsatz von Personen- und Lastwagen
und insbesondere von Omnibussen ermöglicht,
hat selbst das deutsche Interesse an einem
Wiedererwerb der Bahn erlahmen lassen, deren
Betrieb mittlerweile auch schon für die belgische
Bahnverwaltung unrentabel geworden ist. Mehrere
Bahnhöfe der Strecke sind schon längst dem
Verfall preisgegeben, andere bereits ganz vom
Erdboden verschwunden , und die wenigen Militärzüge,
die auf ihren Gleisen Transporte nach
den Truppenübungsplätzen durchführen , vermögen
den rostenden Schienen nicht mehr den
Glanz ihrer erloschenen Bet riebsamkeit wieder
zugeben.
Viadukt bei Schlausermühle
ENT STEHUNG, BEDEUTUNG UND SCHICKSAL DES KREUZHERREN
KLOSTERS SCHW ARZENBROICH und seine Beziehungen zum Aachener Land
Von Jörg Kleinen
79
Die Geschicht e des Kreuzbrüderklosters Schwarzenbroich
, dessen Ruinen heute in den weiten
Wäld ern öst lich von Wenau im Kreise Düren, nur
knapp e ta usend Meter von der Grenze des Landkreise
s Aache n entfernt, ein weltabgeschiedenes,
vergessenes Dasein führen , ist für die Heimatforschu
ng vor allem deswegen interessant, weil
sich nur wenige urkundliche Quellen über diese
einst so bedeutsame klösterliche Niederlassung
überli efer t haben und das Schicksal der einsamen,
fer nab jeder anderen menschlichen Ansiedlung
gelegenen Ordensgründung weithin unbekannt
gebli eben ist. Das erscheint zunächst um so erstaunlicher,
als die benachbarten Fixpunkte territori
aler geistli cher und weltlicher Macht, nämlich
das ehemalige Kloster Wenau, die Laufen-
1
burg und das Schloß Merode, auch heute noch
nicht nur dem Geschichts - und Denkmalkundigen,
sondern auch dem vorbeikommenden Ausflügler
interessa nt genug erscheinen, einen kurzen
Abstecher dorthin zu unternehmen . Doch liegt
die Erklärung wohl darin, daß die drei genannten
Bauw,erke noch gut erhalten und schon deshalb
anziehen der , im übrigen aber auch leichter
zu finden und zu erreichen sind als die versteckten
Ruinen des Klosters im „Schwarzen Bruch ",
über dessen efeuumrankte Gemäuer die Jahr
hunderte das Geheimnis der Vergangenheit gebreitet
haben.
Lange Zeit hindurch bestand die Meinung , daß
die Schwarzenbroicher Klostergründung eine
spätere Zweigniederlassung des um 1130 im
Schutze der Laufenburg von den Herren von
Heinsberg errichteten Klosters W enau gewesen
sei. Bestärkt wurde diese Ansicht dadurch , daß
im Wenauer Kloster zunächst Frauen und Männer
und erst vom 14. Jahrhundert an, in das die
Schwarzenbroicher Gründung fällt, nur noch
Ordensfrauen lebten. Dem steht jedoch entgegen,
daß die Wenauer Mönche Prämonstratenser waren,
die der Aufsicht der Äbte von Steinfeld /Eifel
und Horeffe (bei Namur /Belgien) unterstanden,
während sich in Schwarzenbroich Angehörige
des Kreuzträgerordens niederließen. Die Zielsetzung
beider Orden ist voneinander so verschieden,
daß die Auffassung, Wenauer Mönche
könnten das Kloster im Schwarzen Bruch gegründet
haben , sich kaum aufrecht erhalten läßt .
Während es Aufgabe der Prämonstratenser war ,
das Land zu kultivieren und in Verbindung damit
zu christianisieren, betrachteten es die aus
der Zeit der Kreuzzüge hervorgegangenen Kreuzbrüder
als ihre vornehmste Pflicht, den Pilgern
zu helfen, sie zu beschützen, Arme und Kranke
zu betreuen und durch Studium die Lehre zu
vertiefen.
Klosterruine Schwarzenbroich:
das Kirchenportal
Wohl aber erscheint es nicht ausgeschlossen, daß
die erfahrenen Wenauer Mönche an der baulichen
Gestaltung des Schwarzenbroicher Klosters
beteiligt waren. Das genaue Gründungsdatum
der Ordensniederlassung im Schwarzen
Bruch ist zwar nicht bekannt ; es kann aber mit
einiger Sicherheit auf die Zeit vor 1340 festgelegt
werden; denn am 19. Februar 1341 bestätigte der
Kölner Erzbischof Walram bereits die von Werner
IV. von Merode und seiner Gemahlin Elisabeth
von Montigny d'Ostrevant vorgenommene
fromme Stiftung. Allerdings zeugt der Umstand ,
daß das Stifterehepaar sich im Gegensatz zu seinen
Nachkommen noch nicht in der neuen Klosterkirche,
sondern in der altehrwürdigen Stiftskirche
zu Wenau bestatten ließ, davon, daß der
Schwarzenbroicher Bau zu dieser Zeit (Elisabeth
starb 1340, Werner 1341) noch nicht vollendet
war .
80
Wenn auch die eigentliche Entstehungsg eschichte
des Klosters Schwarzenbroich in Dunkel gehüllt
ist und vermutlich auch bleib en wird, so ist es
doch interessant zu erfahren , in welcher Weis e
sich die Sage dieser Frage angenommen hat.
Hierüber gibt uns in gedrän gter Form die lateinische
Sockelinschrift des unweit vom Klo ster
errichteten St.-Matthias-Bildstock s Auskunft, die
in der deutschen Übersetzung folgendes erzählt :
,,Im Jahre des Herrn 1340, am 24. Februar , erschien
der hl. Apostel Matthias dem edlen Herrn
Werner von Merode, als dieser, von der Jagd
ermüdet, schlief, und redete ihn mit den Worten
an: ,Kennt Ihr mich nicht, Werner? Ich bin Matthias,
der Apostel Christi; ich komme, den Willen
Gottes kundzutun. Er will , daß Ihr auf dieser
Stelle mir zu Ehren ein Bethaus erbauen sollt
und dab_ei ein Kloster, in welchem Angehörige
des Ordens, zu dem die, die hier bei mir sind, zu
ihren Lebzeiten gehört haben , Gott und mir dienen
mögen.'"
Die Sage kleidet dieses Erlebnis des Stifters weiter
aus; er habe an einer Stelle „schauerlicher
und öder Einsamkeit" gelagert und bei dem Heiligen
eine große Zahl (verstorbener) Kreuzbrüdermönche
gesehen. Eine ähnliche Erscheinung
sei auch seiner Gattin und in der folgenden
Nacht ihrem Hauskaplan , der Zw eifel gehegt
hatte, zuteil geworden. Was hier nun Dichtung
und Wahrheit ist , läßt sich nicht mehr feststel-:
len . Zweifellos aber kann - auch auf Grund anderer
Nachweise - das oben erwähnte Stifterehepaar
als Initiator der Klo stergründung angesehen
werden , und sicherlich haben religiöse
Motive den Anlaß gegeben. Unwahrscheinlich ist
aber die Ausschmückung der Sage , daß Wern er
von Merode den Mönchen „eine Stelle schau erlicher
Einsamkeit" oder ein „sumpfiges, unb e
rührte s Gelände" , wie es an anderer Stelle heißt,
zur Verfügung gestellt hat . Vielmehr muß angenommen
werden , daß sich schon zur damali gen
Zeit im „Schwarzen Bruch" ein Gehöft mit Ländereien
derer von Merode befunden hat, das den
Mönchen als erster Unterschlupf diente und später
den wirtschaftlichen Rückhalt des Klosters
bildete . Immerhin führte nicht allzu weit vom
Kloster der alte Verbindungsweg von Gürz enich
nach Schevenhütte vorbei, der über Gressenich
und Kornelimünster den weiteren Anschluß nach
Aachen fand und damit eine lebhafte Verk ehrsverbindung
zur Außenwelt herzustellen vermochte
.
Der nun immer noch offenen Frage nach der Herkunft
der Schwarzenbroicher Mönch e hat sich
der Heimatforscher Josef Schwa rz in Langer
wehe in dankenswerter Weise angenommen . Er
ist dabei zu dem wohl begründe ten Schluß gelangt,
daß das zur damaligen Zeit bedeuten de
St.-Matthias -Kreuzbrüderkloster in Lüttich, eine
der ältesten Niederlassungen des Ordens, als
Stammkloster der Schwarzenbro icher Kre uzherren
angesehen werden müsse. Damit ist auch
die häufige Wiederkehr des Aposte lnamens im
Z usammenhangmi t der Schwarzenbr oicher Gr ündung
- so nannten die Mönche die Talsenke des
Schwarzen Bruchs „Matthias-Tal " - erklär lich.
Diese Feststellungen werden dadurch erhä rtet ,\\
daß Werner IV . von Merode und seine Gema hlin
Elisabeth, die aus einem alten , weit ver breite ten
niederländischen Adelsgeschlecht stamm te, enge
Beziehungen zur Nachbardiözese Lütti ch unterhielten.
Da die gesamte Maasprovinz , zu der
unser Gebiet damals gehörte , in dieser Zeit ein
Zentrum hochstehenden geistig en und kult ur ellen
Lebens war , dürfen wir uns an den heut igen
Grenzverhältnissen nicht stoßen . So beschrä nkte
sich der Einflußbereich des Klo sters Sch warzenbroich
auch keineswegs auf das westlich e Gebiet
des heutigen Kreises Düren, sondern erstre ckte
sich auch auf Gebiete des nördlichen Amtes
Montjoie und der Reichsabtei Kornelimün ster,
die jetzt großenteils dem Landkreis Aach en zugehören,
und weit darüber hinaus auf das religiöse
Leben seiner Zeit überhaupt. Die Schwarzenbroicher
Klostergründung blieb übri gens nicht
die einzige im Aachen -Dürener Raum ; denn 1372
wurde auch in der Pontstraße in Aach en eine
Niederlassung des Ordens errichtet, an die heute
noch die Pfarrkirche Heilig Kreuz erinn ert .
Als eigentlicher Gründer des Kreuzbrüderordens
(später nannten die Mönche sich infolg e der
stärkeren Hinwendung zum Chordienst „Kreuzherren")
wird allgemein Theodor von Celles aus
der Provinz Namur angeseh en . Er nahm Ende
des 12. Jahrhunderts im Gefol ge seines Bischofs
am dritten Kreuzzuge teil und ließ sich nach seiner
Heimkehr , von dem asketisch-mythischen
Zeitgeist beseelt , als Eremit in einer Kapell e
seiner Heimat nieder . Bald fand er zahlreiche
Anhänger; aber es war erst seinem Nachfolger,
Petrus von W alcourt, vergönnt , der Gemeinschaft
eine feste Regel zu geben und die kirchliche Anerkennung
zu erhalten . Die Kreuzbrüder trugen
das weiße Habit der Dominikaner mit schwarzem
Skapulier (Überwurf) und einem ebenfalls
schwarzen Mantel, auf dem ein Kreuz mit rotem
81
Klo sterruine Scliwar enbroich:
Fenster des Kreuzganges
senkr echte n und weißem waagerechten Balken
sichtbar war .
Neben den Priestermönchen gab 'es auch im
Kreuzbrüderorden Laienbrüder , unter denen die
„Donati " (Schenker) insofern eine besondere
S tel1 ung einna hmen, als sie zwar auch die Mönchsgel
übd e ablege n mußten, aber jederzeit wieder
austreten und dann ein Recht auf Abfindung für
das eingebrachte Vermögen geltend machen
konnten .
Der Stellung des Ordens kam es besonders zugute,
daß er nicht der bischöflichen, sondern unmittelbar
der päpstlichen Gewalt unterstand und
somit manche Freiheiten besaß, die nur den
Bettelorden zugestanden wurden. Die Kreuzbrüder
konnten sich von einem beliebigen Bischof
Weihen erteilen lassen; sie hatten das Recht,
milde Gaben zu sammeln, durften predigen und
Beichte hören. So nahm denn auch die Seelsorge
einen immer größeren Raum innerhalb der
Schwarzenbroicher Klostergemeinschaft ein; 1351
erhielten die Mönche das Patronat srecht über die
Kirche zu Mariaweiler, betreuten die Kapelle zu
Geich (bei Langerwehe) und versahen gottesdienstliche
Aufgaben in der Kapelle zu Schevenhütte,
die um 1670 etliche Jahre verwaist war.
Daneben blieben die Schwarzenbroicher Kreuzbrüder
aber auch ihrem ursprünglichen Ordensideal
treu. So unterhielten sie an der alten Handels-
, Heer- und Pilgerstraße Frankfurt-Düren-Aachen
in Geich ein Hospital, offenbar ein
Siechenhaus für arme und kranke Pilger, zu dem
die eben erwähnte Kapelle - ein aus dem
12. Jahrhundert stammender, heute unter Denkmalschutz
stehender Bau - gehörte. Während
der Aachener Heiligtumsfahrten und der Zeiten ,
in denen große Pilgerseharen auch zur Verehrung
der Heiligtümer nach Kornelimünster strömten ,
betreuten sie Tausende von Pilg ern. In Hungerjahren
spendete das Kloster aus seinen Beständen
Lebensmittel für die Armen, woran heute
noch ein teilweise verwachsener, aus dem Wehetal
führender schmaler Pfad, das sogenannte
,,Bruotspättche" (Brotpfad), erinnert.
Obgleich die Quellen über die inneren und äußeren
Wandlungen des Klosters recht dürftig und
lückenhaft sind, lassen sich doch manche Züge
der geschichtlichen Entwicklung seines Schicksals
aufzeigen.
Als 1378 durch die zwiespältige Papstwahl das
große Schisma ausbrach, kam es auch im Kreuzbrüderorden
zu einer Spaltung, die 1396 in einer
doppelten Generalswahl ihren Höhepunkt fand .
Es ist anzunehmen , daß schon lange gärende V erfallserschein
ungen auch in Schwarzenbroich ihre
Auswirkungen gehabt haben . Im Jahre 1420 sah
sich der Ordensgeneral Helmicus Amoris nämlich
veranlaßt , eine Reform des Klosters durchzuführen,
die sich sehr segensreich ausgewirkt
haben muß; denn schon ein Jahr später wurde
der Prior von Schwarzenbroich, Edmundus , zum
Visitator des Aachener Kreuzbrüderklosters ernannt.
Neu gefestigt, erwiesen sich die Schwarzenbroicher
Mönche in der folgenden Zeit der Reformation
(1517-1558) und der Gegenreformation
(1555-1618) als dem katholischen Glauben
treu ergeben. Eine besondere Anerkennung fand
der gute Ruf des Klosters darin, daß dem
Schwarzenbroicher Konvent auf einstimmigen
Beschluß des Generalkapitels im Jahre 1624 das
Noviziat , die Ausbildung des Nachwuchses, übertragen
wurde. So nimmt es nicht wunder, daß
aus diesem Kloster auch eine Reihe bedeutender
Oberen hervorging, unter ihnen zwei aus dem
Raum der nördlichen Vordereifel , nämlich der
um 1624 verstorbene Prior Quirinus Indensis aus
Kornelimünster und der in Nideggen beheimatete
Ulrich Pangh.
Allerdings kam es auch zweifellos in Schwarzenbroich
zu vereinzelten Entgleisungen ; doch müssen
die Erzählungen nach dem vorher Gesagten
mit Vorsicht aufgenommen werden.
Gut Stock em bei Br einig
Neben ihren geistlichen Auf gaben vernachlässig
ten die Mönche in Schwarzenbroich aber auch
keineswegs die Landwirtschaft, die die Grund
lage ihrer Existenz bildete. Neben beträchtlichen
Ländereien in unmittelbarer Nähe des Klosters
erwarben sie nach und nach durch Schenkungen
und Ankäufe zahlreiche Liegenschaften und Nut
zungsrechte in der näheren und weiter en Umgebung,
unter diesen im 17. Jahrhundert das zur
Reichsabtei Kornelimünster gehörende Rittergut
Stockern bei Breinig, das später in private Hände
überging und teilweise heute noch besteht. Wie
weit die Beziehungen des Klosters reichten, geht
daraus hervor, daß es sogar im „Oberwald" (bei
Konzen /Monschau) ein Recht auf Waldweide für
20 Mastochsen besaß.
Von der baulichen Entwicklun g des Kloster s
Schwarzenbroich ist uns kaum etwas überliefert ;
doch lassen die heutigen Ruinen noch manches
von der ehemaligen Größe und Bedeutung dieser
Ordensniederlassung in der nördlichen Voreife~
erkennen.
Als kultisches Zentrum bilden die an der Süd
seite gelegene Kirche , die keinen Turm, sondern
nur den üblichen spitzen Dachreiter besaß, der
nach Osten anschließende Kapitelsaal und die
der Ostseite zugewandten Empfangs- und Bibliotheksräume
eine bauliche Einheit. Zur Nordseite
hin umschließen die Mauern des großen
Refektoriums , dessen mit rotem Sandstein eingefaßte
acht Kreuzsprossenfenster auch heute
noch ihre Wirkung nicht verfehlen , und der nach
Westen orientierte zweite Versammlun gsraum
den Kreuzgan gshof , dessen südlichen Abschluß
die fensterlose Nordwand der Kirche bildet. Die
Südseite der Kirche, eines ein schiffigen Saalbaues,
zeigt sieben hohe, schmal e Fensteröffnungen,
die einst berühmte Glasgemälde faßten , und
darüber zwölf kleine Obergeschoßfen ster, die
darauf schließen lassen, daß sich dort die Zellen
der Mönche befanden.
Hinter einem Mauervorsprung an der Südseite
schließen sich an die Kirche , deren dem Innen hof
zugewandtes schönes Kalksteinport al im letz ten
Kriege fast völlig zerstört wurde, die Priora tswohnung
und weiter unterhalb Stallungen und
Scheune an . Der große Klos terhof wird na ch
Westen hin von dem um 1730 erb auten eige ntlichen
Ökonomiegebäude abgeschlo ssen , dess en
Fenster- und Türeinfassungen in Kalkstei n gehauen
sind. Der Haupteingan g lie gt in einer Ein , \
buchtung der nördlichen Umfassun gsmaue r, die
sich sowohl auf der Ostseite bis in Höhe der
Bibliothek als auch auf der Wes tseite - hinte r
dem Ökonomiegebäude - und auf der Südseite
fortsetzt , wo sie an einem wehrh aften , rechteckigen
Turmgebäude endet. So war gleic hzeitig
der hinter der Ökonomie gelegen e Kl osterga r ten
geschützt. Ein niedriges Gebäud e links vom ebenfalls
heute zerstörten Eingan gspor tal , das als
Brau- und Backhaus diente, bild et dort w ieder
den Übergang zur kirchlichen Anl age.
Von der Kirche weiß man , daß dort im Jahre
1429 zwei Altäre vom Weihbischof Konra d von
Arnsberg konsekriert wurden, wodurch sich die
Gesamtzahl auf vier - je zwei an der Ost- und
Westseite der Kirche - erhöht e. Zwei um 1520
in Schwarzenbroich aufgestellte holzg eschnitzte
Passionsaltäre befinden sich heute in Langerwehe
und Boslar bei Jülich . Ein acht sitziges Chor
gestühl ist ebenfalls nach Langerwehe gekommen.
Vonden wertvollenBuntglasfen stern waren
Bruchstücke bis Kriegsende im Kön iglichen
Schloßmuseum Berlin und in der Sammlung
Gerling in Köln vorhanden. Weitere kultische
Gegenstände aus dem Klosterbesitz sind in ver
schiedene P farreien der weiteren Umgebung
gelangt.
Um 1720 wurde die Klosterkirche im Stile des
Barock neu errichtet ; in dieselbe Zeit fallen auch
wichtige Um- und Erweiterungsbauten an den
übrigen Gebäuden. Die Kriegswirren des 16. und
17. Jahrhunderts hatten auch das abgelegene
Kloster im Meroder Wald nicht unbehelligt gelassen
; wimmelte es doch in diese ·n Zeiten in unserer
Heimat geradezu von raubenden , sengenden
und mordenden Söldnerhaufen, die die als
reich an Kunstschätzen und Lebensmitteln bekannt
en Klöster oft in verheerender Weise heimsuchten.
Die Jülicher Fehde , der Köln-Nieder -
83
ländi sche Religionskrieg, der Jülich-Clevesche
Erbfo lges treit und der Dreißigjährige Krieg
mach ten sich eben auch hier bemerkbar.
Die in das 18. Jahrhundert fallende Zeit des
friedli chen Wiederaufbaues fand ihr Ende, als
1792 die französische Revolutionsarmee anmarschierte
. Die Klosterinsassen flohen über den
Rhein und kehrten erst 1794 in die ausgeraubte
und arg zerstörte heimatliche Niederlassung
zurück. Trotz aller Anstrengungen gelang es den
verarmten Mönchen nicht , den Niedergang des
Klost ers aufz uhalten; es fehlte an den notwendig
sten Einr ichtungsgegenständen, die Kontri
butionsforderungen der Franzosen stiegen ins
Uner meßlic he , und die Schulden nahmen in glei
chem Maße zu. Als das Kloster schließlich im
Jah re 1801 säkularisiert wurde, waren nur noch
weni ge Mönche dort, deren weiteres Schicksal
unb ekannt ist.
1803 wurde das gesamte Anwesen zum Preise
von 35 000 frs. verste igert und zwei Jahre später
in eine Alaun - und Vitriolfabrik umgewandelt.
Am 24. März 1835 zerstörte ein Brand die eigentliche
Klosteranlage mitsamt der Kirche. Ein Jahr
später erwarb Graf Heinrich von Merode die
Stiftung seiner Ahnen wieder, ohne jedoch wirk
same Maßnahmen gegen den Verfall des Klosters
zu ergreifen. Um 1900 wurde auch die Acker
nutzung eingestellt.
Die Ruinen der 460 Jahre lang so bedeutenden
Ordensniederlassung wurden in der Folgezeit in
ehrfurchtsloser Weise als Steinbruch benutzt;
ein übriges an der Zerstörung taten die schweren
Hürtgenwaldkämpfe des zweiten Weltkrie
ges. Bäume und verwildertes Strauchwerk, dich
tes Efeugerank und Dornengestrüpp haben sich
der verwaisten Stätte bemächtigt, die den ein
samen Wanderer schweigend begrüßt.
HA NDLE R, PILGER UND SOLDATEN
ZOGEN EINST VORBEI
Fernab vom lauten Verkehr liegt St . Jöris in der
Gem einde Kinzweiler, ein beschauliches Dorf
mit großer Vergangenheit. Mit der Außenwelt
ist es, und das auch kaum ein Jahrzehnt , durch
die Bund esba hnstrecke Herzogenrath-Stolberg
verbunden.
Nicht immer ist es in der mehr als 500jährigen
Geschichte des Ortes so ruhig hergegangen. Vor
seiner Entstehung führte schon die römische
Heerstraße Maastricht - Jülich-Köln vorüber,
und später benutzten Händler , Pilger und Soldaten
die mitt elalterliche Krönungsstraße Aachen
Düren-Frankfurt. Damals war St. Jöris unter
dem Namen St. Georg im Busch und St. -Jörisbusch
bekannter als heute. Dazu trug auch das
Zisterzienserkloster bei, das oft als Rast und
Obdach gedient hat .
Gotthard von Bongard und seine Ehefrau Kunigunde
gründeten 1450 in St. Jöris ein adelige s
Nonnenstift. Dieses Ereignis muß als die geschichtliche
Gründung des heute etwa 500 Seelen
zählenden Ortes angesehen werden. Die ehe
malige Klosterkirche, ein einschiffiger Bruchsteinbau
aus dem 15. Jahrhundert mit einem
22 Meter hohen Turm, hat in den Kämpfen
während der letzten Kriegsmonate 1944/45 stark
gelitten. Das sich südlich anschließende Wohngebäude
ist ein zweigeschossiger Bau aus Bruchsteinen
mit hohem Satteldach. Man erkennt noch
neun vermauerte Stichbogen, die dem ehemaligen
Kreuzgang zuzuschreiben sind .
Nach der Säkularisierung um 1800 wurde das
Kloster als Gutshof benutzt, der bis vor einigen
Jahrzehnten von einem stehenden Gewässer
umgeben war. Reste der Wasseranlage dienten
lange Zeit der Fischzucht. C. P.
St. Jöri s: am alten Klosterweiher
84
DAS ABENTEUER EI
ER GRENZE
Erinnerungen an 130 .sündige" Kilometer - Eine Bilanz des Schmuggels Vo11 Jo W i11ke11s
Die Zeit der randalierenden Rabbatzer, der
schmuggelnden Halbstarken, ist vorbei. Die Ära,
in der Routine-Grenzgänger ihre wöchentlichen
Kaffeemengen über die Grenze schmuggelten,
gehört der Vergangenheit an. Die rund 130 Kilo
meter lange Aachener Grenze, in den Nachkriegs
jahren der Schauplatz erbitterter Kämpfe zwi
schen Schmugglern und Zöllnern, hat ihre Gefährlichkeit
verloren. Der „Wilde Westen" ist
hal b so wild geworden. Und zwischen Merkstein
und Walheim ist der Grenzalltag wieder ein
gekehrt. Das Kapitel „sündige Grenze" - vor
zehn Jahren sogar filmreif geworden - ist von
der harten Mark zum bloßen Archivobjekt de
gradiert worden.
Es ist ein heißer Julitag des Jahres 1949, und von
Aachen -Süd dampft ein Kohlenzug in Richtung
Belgien, in Richtung Montzen. Über den Schienenstrang,
den wenige Sekunden später die Lokomotive
passieren wir d, hastet ein 28jä hriger
junger Mann aus Richterich. Er kann nicht ein
mal mehr schreien, als ihn die Lokomotive erfaßt
. Stunden später liegt er im Krankenhaus
von Moresnet . An seinem Bett aber sitzt ein belgischer
Zollbeamter, der darauf wartet, den 28-
jährigen Schmuggler zu vernehmen. Als die Lokomotive
ihn erfaßte, trug er 43 Pfund belgischen
Kaffee in einem Rucksack .
*
Ein trüber Oktoberabend ist hereingebrochen.
Und an diesem Oktoberabend stellen acht Zollbeamte
in Aachen am Preußweg eine Schmugglerbande
von 30 Mann. Sie alle stammen aus
Kohlscheid, Herzogenrath und Würselen , und sie
alle haben gemeinsam 3,4 Zentner Schmugglerkaffee.
*
Und so sieht für die Zeit vom 7. bis 12. November
1949 im Landkreis Aachen die Schmuggel J \
bilanz in den Gerichtsakten aus: Insgesamt 99 Personen
wurden wegen Zollvergehen zur Verantwortung
gezogen. Darunter 31 Männer, 49 Frauen,
zehn Juge ndliche und neun Kinder.
*
Zahlen, die Er-innerung sind, Strafen, die uns
heute wie aus längst vergangener Zeit anmuten,
gehörten damals zu unserem Alltag. 1953 verhängen
die Gerichte in Aachen insgesamt 4752
Monate Gefängn is über 2160 Grenzsünder - aus
dem Landkreis Aachen.
Und junge Menschen - vom raschen Schmuggel
verdienst an die Grenze des falschen Glücks getrieben
- müssen die Grenztour mit ihrem Leben
bezah len. Am 1. März 1950 wird ein 24jähriger
junger Mann aus Eschweiler an der Grenze
erschossen. Wenige Tage später trifft bei Nütheim
einen jungen Mann ein tödlicher Steckschuß. Am
6. Mai stirbt ein 22jähriger Schmuggler aus Stol
berg neben wenigen Pfu nd Schmuggelkaffee.
Auch der 22jährige Paul aus Kohlscheid kehrt
nicht mehr von der Kaffeefront zurück. Und die
Akten häufen sich: zwischen dem 16. und 31.März
werden in Aachen -Land über 1000 Zollvergehen
registriert.
*
Und in jenen Jahren des heißen Krieges an der
Kaffeefront wechseln auch Kinder bei Nacht und
Nebel über nachtfeuchte Wiesen, werden von
Zollhunden gehetzt, schleppen sich mit wenigen
Pfund Kaffee ab, die sie dann im Morgengrauen
irgendwo zwischen Herzogenrath und Laurensberg
abliefern.
*
Aber die Grenze kennt kein Pardon . Sie wirkt
über Jahre, ja über ein Jahrzehnt wie ein Magnet.
Und an ihr werden Millionen Mark verdient,
vor und nach der Währungsreform . Die 130 Kilo-
An der Grenze: damals ...
meter lange Grenze schreibt sich ihre eigene Geschicht
e. In den Höhepunkten des Schmuggels,
zwisch en 1947 und 1953, beginnen in Aachen
einige Zollbeamte aus Stolberg mit der „Chro
nique scandaleuse" der Grenze. Sie verfolgen
mit Akribie die Fieberkurve des Schmuggels. Sie
nennen Schmuggelmengen , sie umreißen die geo
graphische Lage des Loches im Westen. Aber die
Zeit ist gegen die Schmu ggler . Was vor 15 Jahren
begann, schei nt sich im August 1954 - als
Finanzminister Schäffer die Kaffeesteuersenkung
bekannt gibt - als Ende abzuzeichnen. Das Leben
normalisiert sich wieder, · und die Käufer
verlangen nur noch Qualitätskaffee. Den aber
haben die Schmugglerkolonnen im Landkreis
Aachen nicht anzubieten. Angesichts der stetig
wachsenden Grenzkontrollen und verstärkten
Sicherungsmethoden steigt das Risiko. Die Finanzmänner
der Trägerkolonnen, die Dunkelmänner
im Hintergrund, finden keine Dummen
mehr , die für wenige Mark ihre Haut zu Markte
tragen. Und so klingt 1954 langsam die große
Zeit der Trägerkolonnen aus - die Einzelgänger
aber bleiben . Und diese „Sonntagsjäger" des
Schmuggels werden zu allen Zeiten, sie werden ,
so lange es noch Grenzen zu unseren Nachbarländern
gibt, versuchen, ihr Pfündchen Kaffee
zu schmuggeln. Aber sie zählen nicht in der
Chronique scandaleuse. *
Eine nüchterne Statistik, 1949 aufgestellt, besagt,
daß rund 70 Prozent des Kaffees, der in der Bundesrepublik
verbraucht wurde , geschmuggelt ist.
Und eine andere Statistik, zollamtlich aufgestellt,
aber nie genau belegbar, besagt , daß über die
Grenzen des Landkr eises Aachen Kaffeemengen
eingeschmuggelt wurden, die rund 1800 Waggons
gefüllt hätten.
*
Die Rabbatzer sind Vergangenheit - die sündige
Grenze ist tot . Der Landkreis Aachen grenzt
immer noch im Norden an Holland und im Süden
an Belgien, aber diese Grenzen können keine
Abenteuer mehr erzählen . Gewiß , noch trennt
auf der Neustraße ein Drahtzaun zwischen Kohlscheid
und Herzogenrath die Straße in eine deutsche
und eine holländische Hälfte, aber er ist nur
noch eine grenzpolitische Kuriosität - mehr
nicht.
*
Die Schmuggler haben das Rennen verloren . Die
Kapitäne der Kaffeekreuzer haben auf solide
Berufe umgesattelt , und die zehnjährigen Rabbatzer,
die einst mit wildem Schopf als Filmhelden
agierten , sind Männer mit wohlgescheitelten
Haaren geworden, für die der Schmuggel
nur noch eine fragwürdige Erinnerung ist, eine
Erinnerung an die Grenze des falschen Glücks.
86
DIE ENTWICKLUNG EINES BEDEUTENDEN VERKEHRSUNTERNEHME S
und seine Wechselbeziehungen zum Landkreis Aachen im Verlaufe von acht Jahrzehnten
Von der .Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft " zum ·modernen Nahverkehrsbetrieb der ASE AG
Zusammrngestellt vo11 Josef Sdnöder
Das für die Verkehrsentwicktung im Aachener Raum bedeutsamste Unternehmen, die Aachener Straßenbahn
- und Energieversorgungs -AG (ASEAG), voUendete im Herbst das achte Jahr zehnt seine s B estehens .
Pferdebahn, Tram , Kteinbahn, Straßenbahn, Obus und Omnibus sind chara kteristische Stat ionen seines
weiten und erfotgreichen Weges seit der Grü ndung am 25.September 1880 ais „Aachener und Burtsc heider
Pferde-Eisenbahn - GeseUschaft".
Weniger bekannt, aber ebenso wichtig ist die
Leistung des Unternehmens auf dem Gebiete der
Energieversorgung für den Landkreis Aachen,
eine Versorgung, die vor 60 Jahren begann und
die sich später für längere Zeit auch auf die
Kreise Geilenkirchen und Heinsberg ausdehnte.
Durch ihre Mittel - und Niederspannungsleitungen
versorgt die ASEAG die Städte und Dörfer,
Fabriken und Bauernhöfe des nördlichen ·Teile s
unserer Heimat mit elektrischer Energie . Die
Gesellschaft hat damit wesentlich zur wirtschaft
lichen und industriellen Erschließung des Aachener
Gebietes beigetragen .
*
Mit der Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie in
Deutschland begann auch bald für den Aachener
Raum ein neues Zeitalter. Die alte Kaiser stadt
an der Landesgrenze entwickelte sich sehr bald
zu einem Knotenpunkt großer Verkehr slini en .
Die am 6. September 1841 in Betrieb genommene
Eisenbahnstrecke Köln-Aachen wurde knapp
zwei ahre später über Herbesthal nach Belg ien
fortgeführt. Die Bahnstrecken Aachen-Düsseldorf
und Aachen-Maastricht folgten 1853 und
1857. Industrie und Bergbau in und um Aachen
blühten auf, und damit wuchsen nicht nur innerhalb
der Stadt, sondern auch zwischen ihr und
den umliegenden Orten Verke hrsp rob leme, die
nach einer Lösung drängten.
Nachdem Amerika im Jahre 1832 mit der ersten
Straßenbahn zwischen New York und Haarlem
vorangegangen war, folgten ähnliche Untern ehmungen
1854 in Frankreich, 1860 in England ,
1862 in Dänemark, 1863 in Holland, 1865 in
Deutschland (zwischen Berlin und Charlottenburg)
und 1869 in Belgien. Schon in die sen Anfängen
gingen viele Versuche darauf hinaus, eine
maschinelle Antri ebskraft an Stelle des Pferd es
zu verwenden. Dampfbetrieb erwies sich wegen
des hohen Gewichts der Lokomotive und des
daher erforderlichen starken Gleisb aues, abe r
auch wegen der Rauch- und Dampfen twickl ung \
und wegen des großen Lärms als ungeeignet für
den Straßenverkehr . Auch die Nachteile bei Gasund
Preßluftantrieb , zu denen vor allem die viel
zu hohen Betriebskosten gehört en, machten die
Straßenbahnen im wesentlichen von der Pferde
kraft abhängig, bis später die Ausnutzung des
elektrischen Strom es eine entscheidend e Umwäl
zung brachte.
Bezeichnend für die enge wirt schaftliche Verflechtun
g des Aachener Gebiet es mit dem Aus
land ist die Tatsache, daß sich ausländisches Kapital
sehr stark an dem Aufb au einer Straßen
bahn in Aachen interessiert zeigte. Seit 1873 tra
ten verschiedene ausländische Unternehmen an
die Stadt wegen des Baues ein er Pferdeeisenbahn
heran. Diesen Firmen kamen aber bei ihren
Projekten für die Stadt der sieben Hügel immer
mehr Bedenken. Die ungünstigen Steigungsver
hältnisse zwangen mehrfach zu neuen Betriebs
kostenrechnungen. Die Verhandlun gen mit der
Stadt Aachen verzögerten sich auch durch die
abwartende Beobachtung von Versuchen mit
maschinellem Antrieb in anderen Städten, bis sie
sich schließlich ganz zerschlugen. 1880 trat die
Stadt Aachen dann mit dem Kommissionsrat
Karl Liman , Berlin , in Verbindung, und die Besprechungen
führten zu einem Vertrag über den
Bau und Betrieb einer Pferd eeisenba hn. Kurz
nach den Konzession serte ilun gen durch die Städte
Aachen und Bur tscheid wurde am 25. September
1880 die „Aachener und Burtsch eider Pfe rde
Eisenbahn-Gesellschaft" gegründet. Aachen hatte
damit als 29. deutsche Stadt eine Pferdeeis enbahn.
Kostspielige .Ha fermotore"
„Mit 159 Pferdestärken in das Jahr 1881" heißt
es bereits im ersten Geschäftsbericht des jungen
87
Untern ehmens, das bei Beginn der Heiligtumsfahrt
am 10. Juli mit 22 Wagen ein Streckennetz
von rund elf Kilometern befuhr. Aber die munteren
Rößl ein konnten sich vielfach nicht an den
„Eisenbahn betrieb " gewöhnen und waren schon
bald die Sorge nkinder der Gesellschaft. Mit den
Abschn itte n „Innere Erkrankungen ", ,,Äußere
Krankh eit en ", ,, Operationen", ,, Geschirre" und
„Four age" nehmen sie den größten Raum in den
Erläuterungen zum Geschäftsbericht ein. An
„Betri ebsstoff" benötigten sie 42 467 Rationen
mit je 16 Pfund Hafer, sieben Pfund Heu und
Altes F i rmenzeichen
sieben Pfu nd Häcksel, und durch Versuche hatte
man fest gestellt, daß sie auf Torfstreu billiger
und besser lagen als auf Stroh . Wegen sogenann
ter „Acclima tisationserkrankungen" mußten immer
wieder Pferde ausgewechselt oder abgegeben
werden. Sie waren schon recht anspruchsvoll ,
die Pferde; denn mehr als 60 Prozent der damals
133 Personen zählenden Bele gschaft waren für
sie beschäftigt.
Das ganze Sinnen und Trachten des Unternehmens
mu ßte daher von vornherein zwangsläufig
darauf gerichtet sein, die kostspieligen „Hafermotore"
durch maschinellen Antrieb zu ersetzen,
sobald die technische Entwicklung es ermöglichte.
Bis dahin aber blieb man nicht stehen.
Das Verkehrsnetz innerhalb der Stadt wurde
weiter ausgebaut, und als erste Strecke im Landkreis
Aachen wurde die Stolber ger Linie bereits
ein Jahr nach Gründung der Aachener und Burtscheider
Pferde -Eisenbahn-Gesellschaft ebenfalls
von dieser eröffnet . Damit erhielt die Stadt
Stolberg, deren Bahnhof von der Rheinischen
Bahngesellschaft drei bis vier Kilometer vom
Ort entfernt auf Eschweiler Gebiet angelegt
worden war, 1881 eine viereinhalb Kilometer
lange Pferdeeisenbahn bis Hammer mit einem
eigenen Depot am Bahnhof Stolberg . Die Strecke
diente dem Verkehr Stolbergs zu den Zügen der
Staatsbahn an der Strecke Köln-Aachen und
später zu den Linien Stolberg-Jülich, Stolberg-Walheim
und Stolberg-Alsdorf. Außerdem
wurde nach Vereinbarung mit der Kaiserlichen
Postverwaltung die Postbeförderung in
Stolberg vom Bahnhof zu dem in der Stadt liegenden
Postamt ausgeführt. Der Stolberger Betrieb
gewann erheblich an Bedeutung, als einige
Zeit nach der Umwandlung in elektrischen Betrieb
im Zuge der Ausbaustufe „Bahnnetz III"
die Verbindung über Atsch nach Aachen 1,md
Eschweiler und die Verlängerung nach Vicht
Zweifall und über Vicht (Dreieck) nach Gressenich-Hamich
mit seinen schönen Waldungen
erfo lgt e.
Der Geschäftsbericht des jungen Unternehmens
für 1885 läßt erkennen, daß die Gesellschaft an
der Verlängerung der einzelnen Linien ihres
Bahnnetzes und ganz besonders am Anschluß der
Außenorte lebhaft interessiert war. Es heißt da,
daß lange Linien erfahrungsgemäß am stärksten
benutzt würden. Dem also offenbar vorhandenen
Bedürfnis zu entsprechen, indem man durchgehende
Verbindungen vom Zentralpunkt nach
Außenorten anstrebte, gereiche daher nicht nur
der Stadt und den Nachbarorten in wirtschaft
licher Bezie hun g zum Vorteil, sondern müsse
auch eine willkommene Verbesserung der Rentabilität
mit sich bringen.
Diesen Überlegungen folgend, richtete sich das
Augenmerk zunächst auf den industriellen Vorort
Rothe Erde mit der dahinter liegenden Gemeinde
Eilendorf im Landkreis Aachen. Noch
verlockender erschien die Schaffung einer Linie
nach Vaals als einer ersten , vier Kilometer weit
über das Weichbild Aachen-Burtscheid hinausgehenden
Streck e, die zudem zwei Staaten mit
einer Straßenbahn in Verbindung brachte. Es
bestand damals bereits ein Verkehr priv ater
Fuhrunternehmer zwischen Aachen und Vaals,
der bei durchschnittlich 16 Tour en täglich 70 Per-
Erster Pferdebahnwagen vor dem B etr iebshof Adalbert stein
weg in Aachen (1881)
88
sonen beförderte. Mancherlei Umstände brachten
es mit sich, daß die Vaalser Linie erst 1889
nach einem außergewöhnlichen Aufwand von
Mühen und Kosten bei schier endlosen Verhand
lungen in dem langen Zeitraum zwischen Entwurf
und Fertigstellung eröffnet werden konnte.
Dann aber trug diese Linie zur Rentabilität und
damit zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit des
Gesamtunternehmens bei, was wiederum durch
weiteren Ausbau der ländlichen Strecken , namentlich
nach der Umstellung auf elektrischen
Antrieb, dem gesamten Aachener Raum zugute
kam. Der Verkehr nach Vaals zum Einkauf bil
liger Lebensmittel, zu Bekannten, zu Ausflügen
zum Vierländerblick, an dem Deutschland , Holland
und Belgien und Neutral -Moresnet zusam
menstießen, und später zum Aussichtsturm auf
dem höchsten Punkt Hollands (Hoogste Punt van
Nederland , 320 m) wuchs immer mehr. In späteren
Jahren wurden sogar eingehende Studien
zur Verbindung der 30 Kilometer entfernten, bedeutenden
holländischen Stadt Maastricht gemacht
. Die AEG Berlin hatte bereits das Projekt
einer elektrischen Straßenbahn hierfür aufge
stellt und in Angriff genommen - der Betrieb
sollte dann von Vaals aus auf der Aachener
Kleinbahnstrecke über Theater bis Hauptbahnhof
weitergehen -, da beendete der Ausbruch
des ersten Weltkrieges und die Sperrung der holländischen
Grenze vorzeitig dieses Vorhaben .
Nach dem Kriege wurde dann von holländischer
Seite, und zwar durch die Limburgsche Tram
weg-Maatschappij (L TM) mit Sitz in Roermond ,
die Bahn Maastricht-Gülpen-Vaals gebaut . An
den Bahnhof dieser Strecke wurde das Aachener
Kleinbahngleis im November 1923 herangeführt.
Der industrielle Vorort Rothe Erde und die Ge-
Eine Natron-Lokomotive (1884)
meinde Eilendorf wurden 1891 mit dem Stadtnetz
verbunden. Bis zur Elektrifizierung der Aache
ner Straßenbahn im Jahre 1894/95 betrug die
Gesamtlän ge der Gleisanlagen rund 26 Kilometer
. Die Beförderungsleistung stieg von rund
1,1 Millionen Personen im ersten Betriebsjahr
auf rund 2,65 Millionen im Jahre 1893.
Uber die Natron/ok zur Elektrischen
Die feuerlose Natron-Lokomotive verdi ent noch
besondere Erwähnung , bevor wir uns der revo lutionierenden
Einführung der elektrisch en Energ ie
zum Betrieb der Straßenbahn im Aachen er Raurq.\
zuwenden. Etwa acht Monate hindurch lief 1884/85
auf der Strecke Kölntor-Kai serplatz-Wilhelm
straße versuchsweise die Natronlok des Erfin ders
Moritz Honigmann aus Grevenberg (Würse len).
Von Zeitgenossen wird berichtet , daß diese sechs
Tonnen schwere Maschine, die in ruhiger und
gleichmäßiger Fahrt einen Person enwagen zog,
von der damaligen Jugend mit dems elben Interesse
bestaunt und besprochen wurde , wie heute
etwa ein Rennwagen oder ein moderne r Aut otyp
von ihr „begutachtet" wird. Wenn sich trotz dem
die an sie geknüpften Hoffnun gen nicht erfüll
ten, dann war es wohl der Mangel, daß die Natronlauge
die Werkstoffe zersetzte .
Erörterungen über mögliche Kostensen kunge:n.
durch zweckentsprechende Anwendung von Gas,
komprimierter Luft , Natron, Damp f oder Elek
trizität ziehen sich wie ein roter Faden durch die
Geschichte der Gründungsjahre. Machte man mit
Natron den einen gründlichen eigenen Versuch,
so beschränkte man sich bei den übrigen Mög
lichkeiten auf aufmerksame Beobachtung in anderen
Städten, bis sie endlich 1895, wiederum bei
Beginn der Heiligtumsfahrt, da war: die Elektrische,
bestaunt, wie es in einem damaligen Witz
hieß, von dem harmlosen Bäuerlein als ein Wagen,
der mit der Deichsel auf dem Dach ohne
Pferde fuhr. Mittlerweile hatte man anderwärts
schon Erfahrungen mit dem elektrischen Betrieb
gewonnen, die auch bei ungünstigen Geländeverhältnissen
die volle Überlegenheit der elektrischen
gegenüber jeder anderen Triebkraft er-
. wiesen. Nachdem Siemens im Jahre 1881 mit der
Lichterfelder elektrischen Bahn auf ebener Straße
vorangegangen war, wurde 1882 die zwei Kilometer
lange Pferdebahn von Charlottenburg
nach Spandau mit einer Steigung von 1 : 30 für
elektrischen Betrieb mit hoch über der Gleismitte
verlegter Fahrleitung umgewandelt. In demselben
Jahre wurde in Paris auf der internationalen
Ausstellung eine Straßenbahn mit oberirdischer
Strom zuführung durch geschlitzte Rohre vor
geführt.
In Deutschl and wurde der Neuerung zunächst
von seiten der Behörde n heftiger Widerstand
entgegengeset zt, weil man befürchtete, daß die
oberirdischen Fahrleitungen die , Städtebilder
versch andelten. Erst nach Umwa ndlung der
Stra ßenba hn in Halle im J ahre 1891 ver loren die
ästhetischen Bedenken ihr Gewicht, · nacI:dem
man sich überzeugt hatte, daß auch bei Verwen
dun g eine r oberir dischen Fahrleitung mit Rollen
strom abne hmer als Stromzuführung das Straßenbild
keine wesentliche Beeinträchtigung erfuhr
. Übrigens ließ auch hier die Gewo hnheit
übe r vie les hinwegsehen, was zunächst unerträg
lich ersch ien , zumal die Vorteile des elektrischen
Betri ebe s deutlic h waren und das Anwachsen der
großstädtischen Bevölkerung eine Bewältigung
des Verkehrsproblems verlangte . Aachen erhielt
den ele ktrische ~ Betrie b immerhin schon als
zehn te Stadt Deutschlan ds.
Die Aachener Kleinbahn-Gesellschaft
Bereits in dem Geschäftsbericht der „Aachener
und Burtscheider Pferde - Eisenbahn - Gesellschaft
" für 1891 ist auf die erstrebenswerte Elektrifi
zier ung des Unternehmens hingewiesen . Die
Verwirklich ungwurde wesentlich gefördert durch
das preußische „Gesetz über Kleinbahnen und
Privatanschluß bahnen vom 18. Juli 1892 '.'. Das
Unternehmen erhielt nun den Namen „Aachener
Kleinbahn -Gesellschaft" . Zur Begründung dieser
erst am 13. April 1894 handelsgerichtlich eingetragenen
Änderung heißt es bereits im Geschäftsbericht
für 1892: ,,Obgleich wir es an Vorarbeiten
für den Bau und Betrieb neuer Linien
nicht haben fehlen lassen , ist dennoch irgend
welche Ausdehnung unseres Bahnnetzes nicht
möglich gewesen. Der Grund hierfür liegt darin,
daß es ungeachtet der jahrelangen Verhandlungen
über die in den vorherge henden J ahres
berichten angedeuteten Ziele zu einer Eini gung
mit der Stadt Aachen leider nicht gekommen ist.
Da andere Behörden mit uns wegen des Ausbaues
eines Kleinbahnnetzes für den hiesigen
Kreis und für benachbarte Bezirke in Unterhandlung
getreten sind, deren Ausführung auf
Grund bereits ausgearbeiteter Projekte zu erwarten
ist, und wir ferner gesonnen sind, zum
mechanischen Betrieb überzugehen, so haben wir
uns behufs Vereinfachung der Verhandlungen
mit den Behörden und gemäß § 53 des am
Di e erste elektrische Straßenbahn vor dem Rathau s in
Aachen (1895)
1. Okto ber 1892 in Kraft getretenen Kleinbahngesetzes
den Bestimmungen des Gesetzes unter
worfen."
Am 8. November 1894 erteilte die Regierung in
Aachen der umgetauften Gesellschaft die Geneh
migungsurkunde gemäß dem Kleinbahngesetz,
und zwar für die elektrischen „Kleinbahnen in
Aachen und Umgebung". Um den Ausbau im
Landkreis Aachen durchführen zu können, stand
die Gesellschaft bereits mit der Kreisverwaltung
in Verbindung. Der Kreis verpflichtete sich zur
Aufbringung der Geldmittel sowie zu einer Zins
garantie und behielt sich den Rückerwerb der
Bahnanlagen nach Ablauf der Konz ess ion von
50 Jahren vor .
Förderung durch den Landkreis
Bis Ende 1895 war das vorhandene Bahnnetz
innerhalb der Stadt Aachen elektrifiziert. Die
bestehenden Ausdehnungsmöglichkeiten wurden
nun in rascher Folge wahrgenommen. Dabei
förderten vor allem die Landräte des Landkreises
Aachen , Freiherr von Coels, von Pastor, Pütz
und Classen großzügig die Planungen . Der Landkreis
Aachen unter Landrat Dr. Franz Frei herr
von Coels von der Brügghen (1883-1899) hatte
bei der Landesbank der Rheinprovinz eine Anleihe
von 500 000 Mark aufgenommen, die er der
Kleinbahngesellschaft zu vier Prozent für Linien
im Kreis überließ.
Dieses große Interesse des Landkreises Aachen
an der Förderung des für seine Aufschließung so
notwendigen Verkehrsunternehmens ist immer
wach geblieben. Er war daher auch stets bei den
Aktionären. Die Aktien der ASEAG befinden
sich heute über 50 Prozent im Besitz der Stadt
Aachen, zu 26,26 Prozent gehören sie dem Land
kreis Aachen; der Rest ist in privater Hand. Alle
90
Linien im Landkreis sollten dem Personenverkehr,
manche aber auch darüber hinaus in erheb
lichem Maße der Güterbeförderung dienen. Die
Gesellschaft erreichte eine langfristige Konzession.
Für die Stromversorgung der Linien des
Eschweiler Bezirks mit Gleichstrom von max.
600 Volt Spannung ließ die Gesellschaft in Esch
weiler ein Dampfkraftwerk bauen, später auch
eine Pufferbatterie zum Ausgleich der Schwan
kungen im Leitungsnetz. Aber auch in Aachen
selbst machte sich das Bedürfnis nach neuen
Linien geltend. Es wurden zwei Linien in den
Wald gebaut, nämlich von Aachen nach Linzens
häuschen und von Burtscheid nach Forsthaus
Siegel.
Im Jahre 1906 hatte das Netz bereits eine Gesamtausdehnung
von 106 Kilomete}n. Es teilte
sich auf in Bahnnetz I (Stadtgebiet einschließlich
Vaals) 42,357 Kilometer, Bahnnetz II (Linien
zwischen der Stadt und den nächsten Vororten)
16,683 Kilometer und Bahnnetz III (Überland
linien im Bezirk Stolberg-Eschweiler-Alsdorf)
47,149 Kilometer. Seit 1904 stand die Aache
ner Kleinbahn -Gesellschaft mit dem Landkreis
Aachen und einer Anzahl Gemeinden anderer
Kreise auch zwecks Anlegung neuer Linien im
Süden des Kre1ses in Verhandlung. Bei der Planung
und Förderung des Ausbaues erwarb sich
Landrat Carl von Pastor (1899-1919) große Verdienste.
Die Hauptlinie dieser Ausbaustufe war
die Strecke Aachen-Eupen mit Abzweigungen .
Das Eupener Gebiet war bisher isoliert gewesen.
Innerhalb des Landkreises Aachen handelte es
sich um die Linien Mariadorf - Hoengen, Hamich-Vicht,
Stolberg-Brand, Brand-Kornelimünster,
Forst-Walheim. Als Linien, die in
die benachbarten Kreise führten, kamen hinzu:
Vicht-Zweifall im Kreise Monschau, Eschweiler--Dürwiß
imKreiseJülich, Eschweiler-Weisweiler
im Kreise Düren, Walheim-Raeren
Eynatten im Kreise Eupen mit Anschluß nach
Linzenshäuschen. Diese Strecken wurden im
Bahnnetz IV zusammengefaßt. Der Kreis trat
neben der Gesellschaft als Selbstschuldn er für
das aufgenommene Kapital von 3,5 Millionen
Mark ein. Außerdem übernahm er wiederum für
die Verzinsung des Anleihekapitals die Garantie.
Für die Verwirklichung des Planes stand zum
größten Teil ,elektrische Energie, gewonn en aus
der Urfttalsperre, zur Verfügung. Die elektrische
Kraft wurde als Drehstrom von 5000 Volt Span
nung in Umfor merstationen bei Brand , Eyna tten
und später Vicht geleitet, hier durch mehrere
Motorgeneratoren in Gleichstrom von 600 Volt
umgeformt und den Fahrleitungen zug eführt. \
Der Betrieb des Bahnnetzes IV (rund 70 Kilomete.r)
brachte zwar erheblichen volkswirtschaftlichen
Nutzen , jedoch dem Kreis auch erhebli che
Belastungen . Der Kreis suchte deshalb mit der
Gesellschaft zu einer anderen vertraglichen Lö
sung zu gelangen. Schließlich verz ichtete die Gesellschaft
auf jede Garantie des Kreises. Sie erreichte
dafür auch eine langfristige Vertrags- und
Konzessionsdauer. Nach dem ersten Weltkrieg
fielen 25 Kilometer der Streck en des Eupener
Gebietes an Belgien . Das geschah in der Form,
daß das Netz am 30. März 1923 von Belgien sequestriert
und der Societe nationale des chemins
de fer vicinaux übereignet wurde.
Eine E°rweiterung des Unternehm ens und eine
Vermehrung der Straßenbahnlinien im nordwestlichen
Teil des Landkreises erfolgte auf
Grund des Erwerbs der Aktien der Rheinischen
Elektrizitäts- und Kleinbahnen-Akti engesellschaft
(Reka) in Kohlscheid im Jahre 1907. Hier
bei wurden die beiderseitigen Verwaltungen vereinigt.
Die Reka stand seit 1902 mit einer Anzahl
Gemeinden des nördlichen Landkreises Aachen
in vertraglichen Beziehungen über die Versorgung
mit elektrischer Energie. Sie war in die
Rechte und Pflichten der in geldliche Schwierigkeiten
geratenen Berliner Unternehmerfirma
Gieldzinski eingetreten. Landrat von Coels hatte
auch dieses Unternehmen lebhaft unterstützt.
Die Reka hatte vom Landkreis Aachen die Kon
zession zum Betriebe elektrischer Bahnen für
Personen und Güter erhalten, doch dieser Bahnbetrieb
rentierte sich vor der Vereinigung mit
der Aachener Kleinbahn -Gesellschaft nicht. Durch
die Angliederung verlängerte sich deren Bahnnetz
um etwa 17 Kilometer . Es handelte sich um
die Strecke Aachen-Ponttor-Kohlscheid-Herzogenrath.
Später trat noch die Linie nach Merkstein
und Horbach, im Jahre 1928 noch die Strecke
Horbach-Locht (an der holländischen Grenze)
ASEAG-Straßenbahn in Ei lendorf (1960)
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ASEAG - L i n i en i m Landkreis Aachen (1960)
hinzu , die neben der Linie Aachen-Vaals ein
Beweis für das Bestreben der Gesellschaft ist,
den Grenzverkehr zu fördern. Diese Strecke hatte
Anschluß an das holländische Kleinbahnnetz in
Limburg und insbesondere an das Bergwerksrevier
bei Heerlen.
Dem Fortschritt zugewandt
Frühzeitig hat sich die Aachener Kleinbahn auch
anderen Verkehrsmitteln zugewandt. Schon im
Jahre 1914 nahm sie den Kraftverkehr auf, und
zwar mit Autobussen, die im Anschluß an die
Straßenbahn in Harbach nach dem holländischen
Heerlen in fahrplanmäßigem Linienverkehr in
Betrieb waren. • Das erscheint heute als nichts
Besonderes . Damals aber waren in ganz Aachen
nur ungefähr 150 bis 200 mit Explosionsmotoren
ausgerüstete Fah~zeuge zugelassen . Die Herrschaft
der Schiene bestand damals noch unei n
geschränkt. Luftreifen und Dieselmotoren fü r
Kraftwagen waren noch unbekannt , und es ge-·
hörte schon ein gewisser Mut dazu, mit einem
solchen „Ungetüm " Verkehr zu machen. Mit der
Beschlagnahme der drei Omnibusse durch die
Militärverwaltung zu Beginn des ersten Welt
krieges nahm der Kraftverkehr zwar ein vorzeitiges,
jedoch nur ein vorläufiges Ende.
Unter der Bezeichnung Aachener Straßenbahnund
Energieversorgungs -Aktiengese llschaft -
ASEAG - trat das Unternehmen in die jüngste
Vergangenheit und Gegenwart ein . Es brachte
damit seit dem 1. Januar 1942 nicht nur äußerlich
den formalen Zusammenschluß der beiden
Gesellschaften „Aachener Kleinbahn - Gesell
schaft AG" und „Rheinische Elektrizitäts - und
Kleinbahnen-AG" zum Ausdruck, sondern auch
innerbetrieblich führte er zu organisatorischen
Vereinfachungen und Verbesserungen. Schon bis
zu diesem Zeitpunkt waren die Aufgaben der
Gesellschaft stark angewachsen und mü ihnen
oft viel mehr noch die allgemeinen und beson
deren Schwierigkeiten. Während die Pferdebahn
noch bis zum Jahre 1895 jährlich im Mittel
625 000 Wagenkilometer geleistet und 2,5 Millionen
Personen befördert hatte , wuchsen die
Betriebs - und Beförderungsleistungen nach der
Elektrifizierung gewaltig an ; sie hatten sich z.B .
bis zum Jahre 1913 mehr als verfünfzehn- bzw .
1 ASEAG -Obus in Alsdorf (1960)
Straße ihre über . Jahrhunderte während e Beherrschung
des Verkehrs immer mehr zurückzugeben.
verzehnfacht. Im Jahre 1895 ist jeder Aachener
nur etwa zwölfmal mit der Pferdebahn gefahren,
im Jahre 1913 wurde jedoch die gesamte Bevölkerung
Aachens 165 Mal von der Straßenbahn
befördert.
Schne ll und bequem, bei möglichst niedrigem
Preis, das war die Losung und die Forderung zu
jeder Zeit. Schienengebundener oder schienenloser
Verkehr, das war die Frage , die immer wie
der erörtert wurde . Die Wünsche einer modernen
Badestadt, die Bedürfnisse von Bevölkerung, Industrie
und Gewerbe, die Erschließung des Aachener
Wirtschaftsraumes, der mit seinen Verästelungen
in die Nachbarländer Belgien und Holland
hineinreicht, miteinander in Einklang zu
bringen, war und ist keineswegs leicht. Im Zuge
des technischen Fortschrittes trat der Kraftwagen
als ernster Konkurrent in Erscheinung. Die Zeit
der auf Vollgummi durch die Straßen rumpelnden
Kraftfahrzeuge war vorbei. Die Entwicklun g
des Luftreifens und des Dieselmotors als wirtschaftlicherem
Antrieb für Straßenfahrz euge leitete
die Motorisierung ein und trug dazu bei, der
Die .gute alte" Straßenbahn
im Wettbewerb mit Omnibus und Obus
Der kurze geschichtliche Überblick zeigt , daß die
Gesellschaft schon im Jahre 1914 ein en erst en,
wenn auch nur sehr kurzen Versuch mit dem
Omnibusverkehr gemacht hatte, der im Zus ammenhang
mit dem Projekt einer Sch nell bahn
Aachen-Alsdorf in den zwanziger ahren wieder
auftauchte. Hier wurden wiederu m Kraftwagen
für die Linien Aachen-Alsd orf- Baes _\
weiler und Aachen-Stolberg-Eschw eiler sowie
für eine Stadtlinie zur Verbindung der Bahnhö fe
eingesetzt . Wenn dieser Versuch den gew ünschten
Erfolg nicht zeigte , so lag das wohl an dem
Druck der allgemeinen schlecht en wirt sch aft
lichen Verhältnisse, die das Erli ege n des Kraftverkehrs
zur Folge hatten . Er lebte dann im
zweiten Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch
wieder auf, zunächst nur als Ersatz für
zerstörte Straßenbahnlinien. Dann aber entwickelte
sich der Omnibusverkehr bei der ASEAG
sehr schnell , und er ist heute mit sei nen Linien
nicht mehr aus dem Verkehrsleb en des Aach ener
Raumes wegzudenken. Er beschränkt sich nicht
auf nur einige Stadtlinien, vielmehr läßt die
ASEAG allenthalben das Kraftfahrzeu g mit der
,,guten alten Straßenbahn " in Wettbewerb treten .
Wenn damit der Übergang von dem schienengebundenen
eisernen Rad der Straßenbahn zu
dem mit Riesenluftreifen versehenen Rad des
Straßenfahrzeuges eingeleitet wurde , so geschah
das offenbar in der Erkenntnis, daß jedes dieser
Fahrzeuge - am richtigen Platz und in der rich
tigen Weise eingesetzt - geeignet ist, den heu
tigen Anforderungen zu entsprechen. Das war
auch der Grund, weshalb schon während des
zweiten Weltkrieges unter den größten Schwie
rigkeiten der Bau einer Obuslinie von Aachen
nach Baesweiler durchgesetzt werden konnte,
die noch am 2. Januar 1944 in Betrieb kam. Die
ASEAG hat seiner Zeit mit dieser Linie die
größte zusammenhängende Obusstrecke ganz
Deutschlands betrieben . Um so schwerer war der
Verlust dieser in fast zweijähriger Bauzeit erstellten
Obusanlage , die während der Kampfhandlungen
im Aachener Raum vernichtet wurde.
Neben den anderen vie lseitigen Wiederaufbau
arbeiten wurde mit ihrem Wiederaufbau am
1. August 1948 begonnen, und es mag für sich
93
sprechen, daß kaum ein Jahr später der Betrieb
nicht nur auf der alten Strecke, sondern darüber
hin aus bis zum Kaiserplatz in Aachen aufgenom
men we rden konnte .
Nach den Erfahrungen aller deutschen Nahverkehrsunter
nehmen in betrieblicher , verkehrstechnischer
und wirtschaftlicher Hinsicht haben
die drei Verke hrsmittel Straßenbahn , Omnibus
und Obus nebeneinander ihre Daseinsberechtigung.
Es kön nen zahlreiche Gründe für die Wahl
des einen oder anderen Verkehrsmittels sprechen.
In jedem Falle muß daher vom Verkehrsfachmann
eing ehend geprüft werden, welches V erkehrsmi
tte l für den vorliegenden Fall das günstigste
ist. Bei jed~r Entscheidung ist dabei
nicht nur das augenblickliche Verkehrsbedürfnis,
sondern auch die voraussichtliche Verkehrsentwicklung
zu beachten . So ist es zu verstehen, daß
die ASEAG neben dem vermehrten Einsatz von
Omnibussen und Obussen auch laufend weiter
um Verbesser u:ili.gen des Straßenbahnbetriebes
1
bemüht bleibt. Der Wettbewerb mit Obus und
Kraftwagen hat sich recht förderlich auf dieses
Streben ausgew irkt.
Die ganze geschichtliche Entwicklung von der
Pferdeeisenbahn zum neuzeitlichen Nahverkehrsbetrie
b zeigt, daß dem technischen Fortschritt
stets die gebührende Aufmerksamkeit galt. Deshalb
ist die ASEAG auch heute in der Lage, den
großen Anforderungen gerecht zu werden, die
der öffentliche Verkehr an sie stellt, und man
darf erwarte n, daß die verantwortlichen Leiter
des Nahverkehrsbetriebes in zweckdienlicher
Zusammenarbeit mit den Kommunen auch künf-
tig alles tun werden, um ihre schwere Aufgabe
zu meistern. Ein leistungsfähiger Nahverkehrsbetrieb
ist für unseren großen Landkreis wie für
die von ihm umschlossene Stadt Aachen lebenswichtig
.
Tausende fahren täglich im Berufsverkehr mit
der ASEAG aus dem Landkreis in die Stadt und
umgekehrt. Abertausende benutzen die vielen
Linien mit ihren schnellfolgenden Fahrzeugen
den ganzen Tag hindurch . Man stelle sich nur
einmal vor, wieviele Kraftfahrzeuge mehr den
Verkehr belasten müßten, wenn alle Fahrgäste
einen Privatwagen benutzten .
Die kommunale Bed eutun g der öffentlichen Nahverkehrsmitte
l ist nicht etwa allgemein im
Schwinden begriffen , wie man bei oberflächlicher
Betrachtung im Zeitalter der fortschreitenden
Einzelmotorisierung meinen könnte. Eine gegenteilige
Entwicklung bahnt sich vielerorts bereits
an. Mehr und mehr setzt sich der Gedanke an
Bannmeilen für Kraftfahrzeuge angesichts der
kaum mehr zu bewältigenden und immer noch
wachsenden Verkehrsprobleme durch . Als eine
. universale Lösung für den kritischsten Bereich
bietet sich die Befreiung großer Stadtzentren von
jeglichem individuellen Autoverkehr an. Die
Übernahme des Binnenverkehrs durch möglich st
attraktive elektrifizierte Massenverkehrsmittel
kann mit einem Schlage Verkehrsverstopfungen
ausschließen, die Hauptursachen für Lärm und
Luftverpestung beseitigen , der Stadtflucht entgegenwirken
und dazu als angenehme Begleiterscheinung
noch zu einer Steigerung des Umsatzes
der Geschäfte beitragen.
ASEAG-O mnibu s in Her zogenrat h (1960)
PROFESSOR
DR. PETER MENNICKEN t
Fast auf den Tag genau, da vor zwei Jahren der
Tod Professor Dr. Will Hermanns von seiner
schriftleiterischen Tätigkeit an den „Heimatblättern"
hinwegriß , nahm er auch plötzlich und für
alle unerwartet seinen Nachfolger in der Redaktion,
Hochschulprofessor Dr. Peter Mennick en,
von uns. Er starb am 15. Oktober 1960 im Alter
von 66 Jahren .
Es ist hier nicht die Stelle, seine hervorragenden
Verdienste um den Aufbau der Rheinisch -West
fälischen Technischen Hochschule Aachen eingehend
zu würdigen. Das ist an anderer Stell e
schon geschehen. Erwähnt aber seien nur die
Schaffung eines ordentlichen Lehrstuhles für
Philosophie und die langjährige , lebendige und
vielseitige Leitung des Außeninstituts, die für
weite Kreise der Bevölkerung, auch über die
Stadt Aachen hinaus , geistig so befruchtend war.
Ihm wurde auch der Aufbau des Sozial- und
Berufspädagogischen Institut s übertragen , eine
Arbeit, die er mit Freude begann, der aber sein
allzu früher Tod auch ein Ende setzte.
Peter Mennicken, der am 10. April 1894 in Aachen
geboren wurde, war Aachen er mit jeder Faser
seines Herzen s. Aber er war einer jener guten
Aachener, deren Heimatliebe nicht geographisch
eng begrenzt war, sondern über die Vaterstadt
hinaus lebte und sich mit echter Weltwei te ver
band. Und so liebte er auch das Land um Aachen
als einen wesentlichen Teil jenes Gebiet es zwi
schen Maas und Rhein, dessen völkeryerbinden -
der Idee er treu in Wort und Schrift diente. \
Seine Vorfahren stammten aus Raeren, und so
war es kein Wunder , daß ihm dieses schöne und
traditionsreiche Fleckchen Erde, das auch die
Heimat seines schon län ger verstorbenen Freun
des Josef Ponten war, besonders am Her zen lag;
und hier bewies er auch, daß er nicht nur ein begeisterter
„Stadtaachen er", sondern auch dem
Land um die Kaiserstad t eng verbunden war. Er
schrieb für Raeren ein wirklich von prallem Leben
erfülltes Volksstück , anknüpfend an ein hier
seit Jahrhunderten betriebenes Gewerb e: ,,Die
Töpfer ", das einmal - noch während der ver
gangenen Kriegsjahre - vom ganzen Dorfe als
ein echtes Volkserlebnis gespielt und erlebt -
eine herrliche Aufführung erlebte.
Auch die Mitarbeit an den „Heima tblättern des
Landkreises Aachen " war ihm eine Herzensangelegenheit.
Der Schreibende erinnert sich
noch, wie er Peter Mennicken kurz nach dem
Eintritt in die Redaktion traf und wie dieser ihm
mit wahrer Begeisterung und Stolz von „seiner
Zeitung" erzählte.
Nur zwei Jahre konnte er an ihr mitwi rken . Am
21. Oktober 1960 wurde seine sterbliche Hülle
auf dem Aachener Waldfriedhof in die Ercfe gesenkt.
So hat er hier Ruhe und Heimat gefunden.
Für alle aber, die ihn kannten , ist sein Verlust
unersetzlich , und unvergessen wird ihnen seine
gütige, menschliche Wärme, seine stille und oft
so von echtem Humor durchleuchtete Weisheit
bleiben.
Jac Vonberg
DER KREIS IM SCHRIFTTUM
Zehn Jahre Stadt Alsdorf . Im Auftrage von Rat und
Verwaltung der Stadt Alsdorf herausgegeben durch
Stadtdirektor Dr. Helmut Eckert.
Die Chroniken unserer Zeit entstehen kaum noch am
Schreibpult historisch interessierter Mönch e, Magi ster
und Stadtschreiber, die in früheren Zeit en, bedachtsam
und geruhsam zugleich, mit dem Gänseki el, Zeil e um
Zei le, die Seiten dickle ibiger Folianten füllten . Heute
hat die technisch e Entwicklung Möglichkeiten geschaffen,
das Geschehen unserer Tage der Nachw elt ungleich
vie lseitig er und präziser zu überliefern, vor allem durch
die fast unbegrenzte Möglichkeit der bildlichen Fixie-
95
run g bede utsamer Geschehnisse, durch eine rasch und
umfasse nd arbeitende Tagespresse und zuletzt noch
durch den konservierten Ton der Magnetbänder. Chronik
en werden heute auch nicht mehr lediglich von der
hi stori schen Wissenschaft geschätzt und gewertet; neben
der Möglichkeit erschwinglicher Herstellungs - und Verv
ielfält igungskosten ist es vor allem die bedeutende
Hebun g des allgemeinen Bildungs- und Wissensstandes,
die sie in unserer Zeit zahlreiche Freunde und Leser
finden läßt. Kein Wunder also , daß heute kommunale
Zentr en in steigendem Maße dazu übergehen, gerade
das bewe gte und bedeutsame Geschehen der letzten
Jahr zeh nte innerhalb ihres Bereichs durch Herausgabe
einer chro nikalen Darstellung im Gedächtnis der Bürger
und insbesondere ihrer Nachfahren zu erhalten. Wie
dies abe r geschehen kann, hat in jüngster Zeit die Stadt
Alsd orf in beispielhafter Weise gezeigt; sie hat in einem
Zeit rau m von nicht ganz fünf Jahren jetzt einen zweiten
Bild band herausgegeben. Der erste erschien aus Anlaß
der Fertigstellung der Siedlung in Ofden , der zweite
jet zt zum zehnten Jahrestag der Stadtwerdung.
Die Akze ntuierung liegt nach dem Titel auf „Zehn Jahre
Stadt", ein für Alsdorf bedeutungsvoller Abschnitt, den
man nu n versucht , auf 140 Seiten in Bild und Wort darzustellen.
Das großformatige Werk ist dokumentarisches
Zeug n is einer großartigen Aufbauleistung und unbeirr
baren Aufbauwillens fleißiger und strebsamer Bürger ,
die Alsdorf in den entscheidenden Entwicklungsjahren
sein städtisches Profil gaben.
Techn isch und graphisch kann das Werk als wohlgelungen
bezeichnet werden. Wenn auch das Bildmaterial
überw iegt, so kommt doch den erläuternden und instruktiv
en Textbeiträgen die gleiche chronikale Bedeutung
zu.
Im gan zen: .,Zehn Jahre Stadt Alsdorf" stellt eine Arbeit
dar, die nicht nur jeden heimatverbundenen Bürger
der Stadt anspricht , sondern auch für kommende Geschlechter
in zunehmendem Maße an Bedeutung ge
winnen wird , wenn die Geschehnisse der Nachkriegszeit
, all die Nöteri und Sorgen, wie sie aus der Zerstörung
und dem Wiederaufbau einer Stadt erwuchsen ,
nur noch durch diese Chronik vor dem Vergessen bewa
hrt bleiben.
jb
Jugend beim EBV. Herausgegeben vom Eschweiler
Bergwerks- Verein , Kohlscheid.
Viele Millionen Tonnen Steinkohlen lagern in unser er
Heimat unter der Erde , und über 30 000 Bergleute sind
täglich über und unter Tage dab ei, diese Schätze zum
Wohle der Allgemeinheit zu heben . Die Anlagen zur
Förderung und Aufbereitung dieses Reichtums an
„schwarzen Diamanten" haben nicht nur das Gesicht der
Landschaft geprägt , sondern auch Möglichkeiten geschaffen
, tausenden fleißiger Händ e einen guten Arb eitsplatz
und ein ausreichendes Einkomm en zu sichern.
Ein gutes Dutzend dieser Bergleut e, den verschiedenst en
Sparten des Betriebe s angehörend , s tellt der EBV in
seinem Büchlein vor; es sind mei st jung e Menschen , die
mehr oder wenig er noch am Anfa ng ihrer beruflich en
L aufbahn stehen , wobei aber trotzd em einige bereits die
ersten Stufen ihre s beruflichen Auf sti eges erklomm en
haben. Wie die jungen Bergleute leben, wie sie arbeiten,
w ie sie ihr e Freizeit verbringen und wie sie über ihre
beruflichen Aufgaben und Aussichten denken, über all
das gestattet die Schrift recht aufschlußreiche Einblicke;
sie alle werden vorgestellt : der Lehrling , der Knappe,
der Hauer und der Steiger. Woher sie kommen? Aus
fast allen Gauen unserer Heimat ; allerdings sind daneben
auch viele dabei, die mit dieser Berufswahl bereits
eine alte Tradition ihrer Familie fortsetzen, Jungbergleute,
deren Väter und Großväter bereits in den
Gruben des EBV „bergten".
Im ganzen: eine wertvolle , aufschlußreiche Schrift , die
nicht bloß Fernstehenden , sondern auch interessierten
Jugendlichen der Berufswahljahre einen zuverlässigen,
fachkundigen Einblick in die Arbeits- und Aufstiegmöglichk
eiten innerhalb dieses für unsere Wirtschaft so
eminent wichtigen Industriezweiges vermittelt. jb
50 Jahre DRK-Zug Haaren
Im Geiste des großen schweizerischen Arztes und Menschenfreunds
Henri Dunant (1828-1910), dem Begründer
des Roten Kreuzes und dem Initiator der Genfer
Konvention , dem für sein selbstloses Wirken im Dienste
der Menschlichkeit 1901 der Friedens-Nobelpreis zuerkannt
wurde, arbeiten heute unzählige Männer und
Frauen in aller Welt; Tag für Tag stehen sie bereit,
Nächstenliebe der Tat zu praktizieren und selbst ihre
Freizeit zu opfern , wenn die Not es erheischt.
50 Jahre besteht nun auch schon in der Gemeinde Haaren
ein DRK-Zug. Das Jubiläum Mitte September dieses
Jahres war ein berechtigter Anlaß, in einer illustrierten
Festschrift auch einmal einer breiteren Öffentlichkeit
Kenntnis von dem uneigennützigen Wirken der Helfer
und Helferinnen zu geb en, das nur allzu leicht unbeachtet
im Verborgenen bleibt.
Nach den Geleitworten des Vorsitzenden des DRK
Kreisverbandes , Ministers a. D. Johannes Ernst , sowie
des Bürgermeisters und des Gemeindedirektors von
Haar en, würdigt die Festschrift die historische und
humanitäre Tat Dunants, gibt ein Bild des Entstehens
und Wirkens des Jubelv ereins und verzeichnet, zum
ehrenden Andenken , die Namen der gefallenen, verstorbenen
und vermißten Kameraden sowie die Namen der
derzeitigen Jubilare und Mitglieder des DRK-Zuges
Haaren .
Besondere Verdienste um den DRK-Zug erwarb sich
Konrad Schmitz , der bereits Mitglied der Rot-Kreuz
Sanitätskolonne in Aachen war , als er, 1910, den Anstoß
zur Gründung ein er Haarener „Freiwilligen Sanitätskolonn
e" gab , die dann, Ende 1930, als die Gruppe bei
dem großen Grubenunglück in Alsdorf ihren ersten großen
K atastropheneinsatz erlebt hatte , ihren Namen in
,,DRK-Haaren" änderte. Bei mehreren weiteren Großeinsätz
en in den folgenden Jahren , nicht zuletzt aber
währ end des zweiten Weltkrieges , bewährte sich immer
wieder das tatkräftige und uneigennützige Wirken der
Haa r ener Gruppe , gestützt auf einen umfassenden Ausbildungsstand
, den sie vor allem ihrem langjährigen
Bereitschaftsarzt Dr. med . Kremer verdankte . Um den
inn eren als auch organisatorischen Aufbau machte sich
nach dem Kriege vor allem Leo Blum verdient; trotz
schwi eriger Nachkriegsverhältni sse gelang es ihm , das
DRK-Haaren bald wieder zu einem voll einsatzfähigen
Zug zu entwickeln , der für den Ort das große Werk des
Roten Kreuzes segensreich weiterführen konnte . hh.
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Quellentexte zur Aachener Geschichte
Für den Heimatfreund , der sich int ensiv dem Studium
der Geschichte des „Aachener Reiches " widmen möcht e,
hat dankenswerterweise der städt. Archivrat Dr. phil.
Walter Kaemmerer Heft II (Vor- und Frühzeit) der
Quellenhefte zur Aachener Geschichte herausgegeben.
Das mit einem lichten blauen Umschlag versehene, über
sichtlich angeordnete und sauber gedruckte Heft ver
mittelt auf 27 Seiten ausgezeichnetes authentisches Quel
lenmaterial , wobei hier nur die Themenkreise die Pfalz
zu Aachen, das Wildbanngelände bei Aachen , die Zeit
ereig nisse unter Karl d. Gr. sowie unter Ludwig d. Fr. ,
die Aachener Reichstage und Synoden wie die Nor
mannen -Einfälle u. a. erwähnt werden sollen .
Aachener Novelle von Rek tor i. R. Karl Pferdmenges ,
Merkstein, kart. , 98 Seiten, im Eigenverlag erschienen.
Gar weit spannt diesmal der Schulmann und Heimat
schriftste ller aus dem nördlich en Landkre is den Bog en.
Zun ächst scheint es dem Leser, als wolle der Verfasser
nur einen kleinen kulturhistorischen Abriß der Kai ser
pfalz Aachen zur Zeit des groß en Karls geben. Bald aber
merkt man, daß nicht die Gesch ichtstreue domini ert;
vielmehr legte der Verfass er sein Hauptgewicht auf
zahllose Sentenzen, die er seinem Helden Johann -
einem in der villa aquis unfrei Geboren en, der später
des Königs und K aisers Huld erringt - in den Mund
legt. Das führt bis zu einer gemäßigten igeschichtskritischen
Betrachtung. Karl Pferdm enges geht auch noch
weiter: Er läßt den Teufel auftreten , um die Sage vom
Münsterbau und der Wolfsseele einflechten zu können ,
ebenso wie die Sage von der Entstehung des Lousbergs.
Der Verfasser läßt seinen Helden u. a. mit Till Eul en
spiegel und dem Zwerg Alberich , der den Nibelungen
schatz im Rhein hüten soll , zusammentreffen. Damit
wird der Faden einer Handlung natürlich mehr als ein
mal willkürlich zerrissen zugunsten eine r möglichst
bunt en Vielfalt : Mär , Sage , Anektode und platter Witz
werden mit geschichtlichen Tatsach en in Zus ammenhang
gebracht. G. H.
Aachener Geschichten von K ar l Pferdmenges, kart.,
56 Seiten , im Eigenverlag erschienen.
Mit den Aachener Geschichten blieb K arl Pferdmenges
dem Schema seiner Aachener Novelle treu. Wir befinden
uns jetzt nur im 12. Jahrhundert, und der Kaiser
heißt nicht mehr Karl , sondern Barbarossa. Geblieb en
aber ist Johann, der als „das wandernde Gewissen des
Deut"schen Reiches , als Gewisse n der großen K aiser und
König e". a us. der Ewigkeit auftaucht , um wieder , in ihr
·zu verschwind en . Und wieder - genau wie im oben . i;:::
schriebenen Band - nimmt der Verfasser verschied entlich
Gelegenheit , an der damaligen Politik mild e Kritik
zu üben: Er geißelt den Drang der Deutsch en nach Süden ,
sein Held Johann muckt mehrmals gegen die italienisehen
Abenteuer auf , um gleichzeitig auf die Chancen
des Reiches im Osten hinzuweis en. So suchte der Autor
a uch hier nach einer Synth ese zwischen Geschich te und
Sage, ein schwieriges Unterfangen , das durch das neuer
liche Auftreten des Teufels - des ein stigen Partners
von Johann - nicht leichter wird. Das Vorwort des Ver
fassers kann den Zugang zu dem Werkchen vielle icht
erleichtern . Er schreibt: ,,Wenn Du die herbe Geschic hte
liebkosest, so vergiß die scheinbar wildwachsend e Schwester
Sage nicht! Gleich , wo sie Dir begegnet; gleich, wo
Du sie einsetzest: Sie will nur der Wahrheit dienen , wie
alles Zeitlose ." Gleich , wo .. : Und so muß m an sich an
die etwas eigenwillige Art gewöhnen, mit der Karl
Pferdmenge s die wildwachsende Sage in den Ablauf der
herb en Geschichte einstreut. Er hat dab ei durchaus
einen eigenen Stil entwickelt. ..
WERKEN
T
DIE KREISSPARKASSE
AACHEN?
Erfreulich erweise haben sich · an unserem Preis
ausschreiben (Heft 3/1960) zahlreiche Leser beteiligt .
Aus die sem Grund war ein Lo sentscheid erfor derlich,
der von der Direktion der Kre issparkasse und
der Schr iftleitung der Heimatblät ter unter Ausschluß
de s Rechts weges vorgenommen worden ist.
Hier die Namen der Prei sträger: 1. Doris Paß , Alsdorf
; 2. Hein z Schüller, Hoengen; 3. Katharina Pa ß,
Alsd orf; 4. Matthias Pösch, Eschw eiler; 5 . .Monika
Saar , Eschweile r; 6. Willy Vellen,Aachen; 7. W .Haub,
Eschwei ler; 8. Kurt B ecker, Laurensberg; 9. Lehrerkollegium
der Real schule Eschweiler ; 10. Marlene
Nelis sen, Brand ; 11. J. Meisenberg, Her zogenrath;
12. Engelb ert Hopp e, Eschweiler.
Die Krei sspa rka sse hat aber auch allen übrigen Teilnehmern
an dem Preisau ssch reiben Trostpreise zur
Verfügung gestellt. Alle Sa ch- und Buchpreise wer
den noch vor Weihnachten verschickt werden.
Die richtig e L ösung lautete:
CD Haupt zweigste lle Merkstein,
0 Haupt zweigste lle Würselen,
0 Haupt zweigstelle Eschweiler.
Schriftlei tun g der Heimatblätter
des Landkreises Aachen
Fotos: Archiv (S. 87, 88, 89, 94), Henning (S. 74), Bremm-Gi esen (S. 76, 82), Kleinen (S. 79, 81), Linckens (S. 84, 90, 92, 93),
Paulus (S . 73, 75, 77, 78, 83, 85); Karte (S. 91): Wagner.
AM ELISENBRUNNEN