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CLICK BÜHNE Frühling 2026

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CB CLICK BÜHNE

Das E-Magazin für Theater | Musik | + mehr

FRÜHLING 26


GRÜEZI

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

HINWEIS:

Bildlegenden und

Copyrights, die in

diesem Magazin

nicht aufgeführt sind,

finden sich auf unserer

Website.

Liebe CLICK-STAGE-Community

«KI-generierte Bilder eröffnen neue

ästhetische Räume, werden aber

ebenso für Täuschung und

Missbrauch eingesetzt: für

Deepfakes, für scheinbare Beweise,

die nie welche waren. Was früher

als Dokument galt, ist heute

jederzeit verhandelbar. Vertrauen

wird zur knappen Ressource.»

Felix Schenker

Cover: KI-generiertes Bild zu «Das Luftschiff – Heimsuchung in Drag | Bühne Aarau |


Liebe CLICK-BÜHNE-Community

Zum ersten Mal ziert ein KI-generiertes Bild unser Cover. Echt aber ist das Theater

dahinter: DAS LUFTSCHIFF – HEIMSUCHUNG IN DRAG, eine Produktion der Bühne

Aarau. Eine alternde Dragqueen packt ihr Leben in Koffer – und hebt mit Humor, Musik

und Imagination ab.

Wir haben dieses Titelbild bewusst gewählt. Denn damit ist eine Frage verbunden, die

uns aktuell alle umtreibt: Was ist echt – und was nicht? KI-generierte Bilder eröffnen neue

ästhetische Räume, werden aber ebenso für Täuschung und Missbrauch eingesetzt: für

Deepfakes, für manipulierte Bilder, die Existenzen beschädigen, für scheinbare Beweise,

die nie welche waren. Was früher als Dokument galt, ist heute jederzeit verhandelbar.

Vertrauen wird zur knappen Ressource.

Wie dem auch sei: All diese digitalen Welten dienen im besten Fall dem, was wirklich

ist – dem Unmittelbaren, dem Live-Erlebnis. Genau deshalb bin ich überzeugt, dass

Theater, Konzerte und Lesungen eine grandiose Zukunft haben. Sie lassen sich nicht

simulieren. Sie passieren hier und jetzt.

Ganz besonders gilt das für den Tanz. Man muss ihn live erleben – den Atem, die Körper,

das Risiko. Entsprechend stark ist dieser Schwerpunkt in diesem Heft gesetzt, mit

zahlreichen Empfehlungen. Im Zentrum steht dabei das Tanzfestival Steps. Ebenso

eindrücklich ist die Arbeit einer jungen Winterthurer Kompanie. Sie bringt prägende

Frauenfiguren der Schweizer Vergangenheit ins Jetzt – Anna Göldi, Marie Heim-Vögtlin,

Meret Oppenheim und Iris von Roten. Aus ihren Biografien entsteht ein interdisziplinärer

Abend über Selbstbestimmung, Widerstand und feministische Präsenz im Heute.

Im Februar wird zudem Bern zum Treffpunkt der freien Tanzszene: Die Swiss Dance Days

finden vom 11. bis 14. Februar 2026 statt und bündeln, was die aktuelle Schweizer

Tanzlandschaft an Energie, Vielfalt und Haltung zu bieten hat. Ganz besonders begeistert

bin ich ausserdem von «Timeframed» des Zürcher Ballett. Eine ausführliche Besprechung

dieses Abends findet sich in diesem Heft. Ebenfalls im Magazin: GIANT STEPS: ein

Tanzstück zwischen Risiko, Rhythmus und Rennbahn. Die Frage dahinter ist simpel – und

trifft ins Mark: Wann hast du das letzte Mal einen grossen Schritt gewagt?

Mit lieben Grüssen

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch


Ein Abend im

v

Zeichen der

Erinnerung

Fotos zum Artikel: Ballett Zürich | TIMEFRAMED | © Admill Kuyler


v


Nicht mit Tanz,

sondern mit einem

Moment der Stille

beginnt

«Timeframed»

Ballettdirektorin Cathy Marston tritt vor den Vorhang.

Ohne Pathos, aber mit spürbarer Bewegung in der

Stimme erinnert sie an Hans van Manen, der kurz vor

Weihnachten, am 17. Dezember 2025, im Alter von

93 Jahren in Amsterdam gestorben ist. Sie erzählt,

dass sie ihn noch als junges Mitglied des Zürcher

Balletts persönlich kennenlernen durfte – und dass

sie selbst Stücke von ihm getanzt hat. Man spürt: Das

ist kein offizielles Gedenken, sondern eine sehr

persönliche Verbeugung vor einem Künstler, der ihr

eigenes Tanzen geprägt hat. Erst danach beginnt

«Timeframed». Und so trägt dieser Abend von

Anfang an den Hauch eines Abschieds in sich – als

würde jede Bewegung ein Echo sein, ein

Weitertragen von etwas, das nicht mehr da ist, aber

noch wirkt.


Für uns gesehen hat «Timeframed» Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

Hans van Manen – Klarheit, Körper, Zeit

Dass der Abend auch mit einem Werk von Hans van Manen endet, mit seinem

berühmten Videoballett «Live», gibt dieser Dramaturgie eine fast kreisförmige Logik:

Erinnerung wird Bewegung, Bewegung wird Bild, Bild wird wieder Erinnerung.

Hans van Manen gehört zu den prägendsten Choreografen des europäischen Balletts.

Geboren 1932 in den Niederlanden, schuf er in einer über siebzigjährigen Karriere mehr

als 150 Ballette. Er arbeitete unter anderem für das Nederlands Dans Theater und das

Dutch National Ballet und beeinflusste Generationen von Tänzer:innen und

Choreograf:innen. Van Manen verband klassische Technik mit moderner Klarheit, mit

Reduktion, mit psychologischer Genauigkeit. Seine Stücke erzählen keine Geschichten

im traditionellen Sinn – sie zeigen Beziehungen, Spannungen, Begehren, Macht und

Verletzlichkeit in reiner Bewegung.

«Live» entstand 1979 und gilt als erstes Videoballett der Tanzgeschichte.

Zwei Wirklichkeiten, ein Körper

In der Zürcher Aufführung zeigt sich, warum dieses Werk bis heute fasziniert. Auf der

Bühne steht eine einzelne Tänzerin (Ayana Tsunaki), nur von Klaviermusik begleitet

(Kateryna Tereshchenko). Sie trägt ein rotes Kleid, das im gedämpften Licht wie ein

ruhiger Brennpunkt wirkt. Ihre Bewegungen sind klar, fast nüchtern – und doch voller

innerer Spannung. Gleichzeitig sieht man sie auf der grossen Leinwand: in Schwarz-

Weiss, aus einer anderen Perspektive gefilmt, näher, verletzlicher, fragmentierter. Man

sieht dieselbe Tänzerin – und doch nicht dieselbe.


Die moderne, drahtlose Videotechnik erlaubt der Kamera, sich mit der Tänzerin sehr frei

zu bewegen. Und irgendwann steigt sie von der Bühne und verlässt den Zuschauerraum.

Man folgt ihr auf der Leinwand, während sie real den Saal verlässt. Es kommt zu einem

Pas de deux im Eingangsbereich des Hauses (Tänzer: Karen Azatyan), flüchtig und

überraschend. Danach folgt eine aufgezeichnete Sequenz aus dem Ballettsaal – Probe,

Alltag, Konzentration. Das Stück endet an einem ungewöhnlichen Ort, der hier nicht

verraten werden soll.

Dieses Spiel mit Nähe und Distanz erzeugt ein starkes Gefühl von doppeltem Sehen.

Was ist «echter» – der Körper im Raum oder sein Bild? Und genau darin liegt seine

Faszination. Die drahtlose Kameratechnik (Kamera: Karim Fawaz) und die damit

verbundene Freiheit – Bühne, Saal, Foyer, Proberaum plus ein Überraschungsort –

bergen allerdings die Gefahr, dass van Manens Idee stellenweise etwas überstrapaziert

wirkt.

Der Aufbruch: «Bare» von Lucas Valente

Das eigentliche Must-see dieses Abends ist jedoch ein anderes Stück: «Bare» von Lucas

Valente. Der in Brasilien geborene Valente ist seit 2017 selbst Mitglied des Zürcher

Balletts und hat sich als Choreograf mit einer unverwechselbaren Handschrift profiliert.

Für die Nachwuchsreihe Next Generation ebenso wie für das Junior Ballett brachte er

immer wieder Arbeiten auf die Bühne, die nicht dekorativ sind, sondern körperlich, roh

und riskant. In «Bare» treibt er diesen Ansatz auf die Spitze. 22 Tänzer:innen werden an

die Grenze des physisch Möglichen gepeitscht. Körper stürzen, schnellen hoch, prallen

aufeinander, verhaken sich, lösen sich wieder. Man sieht Bewegungen, die man so nicht

oft erlebt – kantig, explosiv, kompromisslos. Schlichtweg genial.


Das Stück funktioniert ganz ohne Musik – nur mit Sounds des Zürcher Sounddesigners

Daniel Lutz. Atem, Reibung, Schläge, elektronische Impulse: Die Tänzer:innen tanzen

nicht nur, sie kämpfen – es erinnert an ein Bootcamp, an Drill, an körperliche

Grenzerfahrung. Der Effekt ist überwältigend und bleibt im Körper hängen. «Bare» hat

das Potenzial, besonders auch junge Menschen zu begeistern. Man wünschte sich, dass

viele höhere Schulklassen dieses Stück sehen könnten. Doch bei den exorbitanten

Billettpreisen des Opernhauses, trotz Subventionen, bleibt dieser Wunsch wohl auf der

Strecke.

Forsythe: Virtuosität in Paaren - ORBIT, Energie und Geometrie

«Timeframed» zeigt zudem zwei weitere Stücke: «New Suite» von William Forsythe

besteht aus acht Pas de deux. Sie machen deutlich, wie hoch das tänzerische Niveau und

das Know-how des Zürcher Balletts sind – auch wenn Unterschiede zwischen den Paaren

sichtbar werden. Besonders herausragend: Tsunaki und Joel Woellner, die als Erste zur

Musik von G. F. Händel auf die Bühne treten. Man hat das Gefühl, Joel bringe Tsunaki

zum Fliegen – einer der ästhetisch schönsten Momente des Abends. Weiter zu sehen ist

«Orbit» von Adonis Foniadakis. Viel Energie, auch in der Musik: Bryce Dessner: Pulse,

Ludovico Einaudi: Choros. Die funkelnden «Swarovski-Steine» auf den Kostümen sind

Geschmackssache. Und auch sonst ist «Orbit» trotz einiger schöner geometrischer

Formen jenes Stück, das nicht an die Einzigartigkeit der anderen drei anschliessen kann –

und trotzdem sehr sehenswert bleibt. So steht am Ende dieses Abends ein starker

Kontrast: ein leiser Abschied mit Hans van Manen – und ein wuchtiger Aufbruch mit

Lucas Valente. Vergangenheit und Zukunft, Erinnerung und Risiko.

Das ist die überwältigende Stärke von «Timeframed»: zu zeigen, dass Tanz immer beides

ist – Bewahren und Verbrennen zugleich.


«TIMEFRAMED»

Zürcher Ballett

bis 12. Februar

2026

Text hier eingeben

TRAILER


BANNERWERBUNG AUF ARTTV.CH & CLICK

E-MAGAZINE


Vier Tage für den

v

Schweizer Tanz


Bern wird zum

Treffpunkt der freien

Tanzszene

Mit den Swiss Dance Days 2026 richtet sich

der Fokus erneut auf die freie Schweizer

Tanzszene. In mehreren Berner Spielstätten

kommen 13 live präsentierte Arbeiten zur

Aufführung, ausgewählt aus 198

Einreichungen. Neben den Bühnenstücken

lädt ein umfangreiches Rahmenprogramm

mit Diskussionen, Workshops,

Projektvorstellungen und Partys dazu ein,

ästhetische Fragen und inhaltliche Motive

der Produktionen gemeinsam

weiterzudenken und zu diskutieren.

LINK: MEHR AUF UNSERER WEBSITE


Das Tanzfestival

v

Steps feiert die 20.

Festivalausgabe

Sphynx by tanzmainz ©Andreas-Etter.


Artilleriewerk

v

Heldsberg –

Geschichte im

Fels


Tanzliebhaber:innen

dürfen 2026 ein

Jubiläum voller

Energie, Emotion und

Weltklasse-Tanz

erwarten

Vom 5. bis 29. März 2026 verwandelt

Steps die Schweiz erneut in eine

grosse Bühne für zeitgenössischen

Tanz. Zum 20. Jubiläum tourt das

Festival mit zwölf Compagnien aus

aller Welt durch 33 Städte und

Gemeinden. 74 Vorstellungen auf 38

Bühnen versprechen Begegnungen

mit dem Tanz — nahbar,

überraschend und unmittelbar wie

selten zuvor.


38 Jahre Tanzgeschichte – und ein Jubiläum voller Highlights

Seit seiner Gründung 1988 setzt das Tanzfestival Steps Massstäbe:

Zeitgenössischer Tanz soll nicht nur in grossen Städten, sondern in allen

Regionen der Schweiz erlebbar sein. Genau das macht das Festival einzigartig.

Auch 2026 reist die Tanzkunst vom Tessin bis Basel,

von Graubünden bis an den

Genfersee – und bringt Menschen

und Bewegungen zusammen. Der

Auftakt gelingt mit der

Weltpremiere «IN THE BRAIN»

von Shechter II — der jungen

Compagnie des britisch–

israelischen Starchoreografen

Hofesh Shechter. Ein Stück, das

pulsiert vor Energie: rohe Kraft

trifft auf hypnotische Rhythmen —

und dringt tief in die Psyche vor.

Ebenso eindrucksvoll: «Beyond»

der belgischen Compagnie

Circumstances.

Tanz trifft auf Zirkus und

waghalsige Akrobatik —

ein poetisches Spiel mit der

Schwerkraft für die ganze Familie.

«Dances Like a Bomb» by Junk Ensemble, ©

Fionn McCann


Internationale Exzellenz und grosse Wiedersehen

Ein Höhepunkt für Tanzliebhaber:innen ist die Rückkehr der

GöteborgsOperans Danskompani — eines der führenden Ensembles

Europas. Ein Doppelabend mit Sharon Eyal sowie Tiffany Tregarthen

und David Raymond zeigt die ganze Bandbreite zeitgenössischer

Tanzkunst. Für ein fulminantes Finale im LAC Lugano sorgt

«Hammer» von Alexander Ekman — energiegeladen, humorvoll,

unvergesslich. Auch «Sphynx» von tanzmainz setzt Zeichen:

Rafaële Giovanola erforscht die Mechanik der menschlichen

Fortbewegung — präzise, poetisch, ausgezeichnet mit dem

Deutschen Theaterpreis DER FAUST. Die international anerkannte

Schweizer Choreografin entwickelt seit 2000 eine experimentelle

Tanzsprache, die den «ungedachten Körper» erforscht.

Schweizer Kreativkraft – mutig, frisch, überraschend

Wenn das Bern Ballett und die St. Gallen Dance Company für «Twi/

light» erstmals gemeinsam auf Tournee gehen, entsteht ein

künstlerischer Dialog voller Spannung. Zwei Handschriften, eine

Bühne – und ein starkes Zeichen für die Vielfalt der Schweizer

Tanzszene. Auch «Play Dead» aus Montréal verbindet Tanz, Akrobatik

und Storytelling zu einem berührenden Coming-of-Age auf der

Bühne. Und wer urbane Energie liebt, lässt sich von «Le Grand Bal»

der Compagnie Dyptik hinwegfegen: Breakdance, Hip-Hop und

Ballett verschmelzen zu einem ekstatischen Tanzfieber. Mit «Timeless

Encounters» treffen schwedische und niederländische Compagnien

aufeinander: Institution versus freie Szene, zeitgenössischer Tanz

versus Breaking – zwei Stücke, die überraschende Perspektiven

eröffnen.


Festivaltipps von

v

arttv.ch

Hammer by GöteborgsOperansDanskompani ©Tilo Stengel.


v

Hammer by GöteborgsOperansDanskompani ©Tilo Stengel.

Die GöteborgsOperans Danskompani bringt

ihren weltweit gefeierten Erfolg von Alexander

Ekman erstmals in die Schweiz

HAMMER

Ein Festival, das Tanz neu

sorgt „HAMMER“ für ein fulminantes Finale…

denkt

Dreissig Tänzer:innen, ein zweigeteilter Abend. Der

choreografische Grosswurf bewegt sich zwischen

körperlich erlebter Gemeinschaft und digitaler

Selbstinszenierung, zwischen Nähe und Ego, zwischen

Bühne und Bildschirm. Kraftvoll, humorvoll und von einer

mitreissenden Dynamik getragen, wird der Abend zu

einem wilden Ritt durch unsere gegenwärtigen

Befindlichkeiten – und zu einer Einladung, sich wieder für

das Leben statt für Likes zu entscheiden. Die Company ist

gleich mit zwei verschiedene Vorstellungen vertreten: Mit

dem Doppelabend «Spirit Willing» / «ma»… Andererseits

LINK: MEHR AUF UNSERER WEBSITE


v

Sphynx by tanzmainz ©Andreas-Etter.

Gehen, laufen, taumeln, stolpern, schlurfen

SPHYNX

In «Sphynx» wird das scheinbar

Selbstverständliche zur zentralen Frage. Die

Schweizer Choreografin Rafaële Giovanola

untersucht in ihrer preisgekrönten Choreografie

gemeinsam mit vierzehn Tänzer:innen von

tanzmainz die elementarste aller Bewegungen –

das Gehen – und macht daraus eine getanzte

Recherche zur menschlichen Fortbewegung und

somit zu den Grenzen dessen, was uns als

Menschen ausmacht.

LINK: MEHR AUF UNSERER WEBSITE


v

Vanishing Point by St.Gallen Dance Company © Gregory Batardon

Die Tanzkompanie St. Gallen, Bern Ballett und

Steps machen gemeinsame Sache.

TWI/LIGHT

Zwei Kompanien, ein Abend, zwei neue

Handschriften: Mit «Twi/light» bündeln die

Tanzkompanie St. Gallen und Bern Ballett ihre

Kräfte und zeigen, wie lebendig und vielfältig

der zeitgenössische Tanz in der Schweiz ist. Im

Zentrum stehen zwei neue Stücke von

Choreograf:innen, die in der Schweiz ihr

künstlerisches Zuhause gefunden haben – und

hier neue Perspektiven eröffnen, auch dank

Steps.

LINK: MEHR AUF UNSERER WEBSITE


Beyond by Circumstances, © Tim Liebaert

STEPS

TRAILER

Tanz, der Brücken baut

Das Jubiläum zeigt, was das Festival ausmacht:

Offenheit, Vielfalt – und Verbindung. Internationale

Grössen, neue Talente und Schweizer Choreografie im

Austausch: ein Fest der Bewegung,

das Menschen zusammenführt.

Tanzfestival Steps 2026 | Migros-

Kulturprozent | 5.–29. März 2026 | Diverse

Spielorte in der ganzen Schweiz


GIANT STEPS: Ein

v

Tanzstück

zwischen Risiko,

Rhythmus und

Rennbahn

Foto: © Lena Marie Rheinläder / Beni Blaser


Wann hast du das

letzte Mal einen

grossen Schritt

gewagt?

Durch die Kombination von

Streetdance und einer Rennbahn-

Szenerie bezieht sich das

Tanzstück auf den Mut, den es

braucht, um Risiken einzugehen

und Chancen ergreifen. «GIANT

STEPS» thematisiert, wer das

Privileg hat, grosse Träume zu

haben und wie dieser Glaube an

sich selbst auf dem Lebensweg

geprägt wird.


«GIANT STEPS» – zwischen Improvisation und Aufbruch

«GIANT STEPS» verbindet Jazz, Bewegung und Schauspiel zu einem

offenen, lebendigen Theaterabend. Im Zentrum steht die Improvisation:

Szenen entstehen aus dem Moment heraus, folgen einem inneren

Rhythmus, brechen ab und schlagen unerwartete Richtungen ein. Musik

ist dabei weit mehr als Begleitung – sie treibt das Geschehen voran,

verstärkt Emotionen und strukturiert Übergänge. Der Bühnenraum des

Phönix Theaters wird zum Experimentierfeld, in dem körperliche Präsenz,

präzise Bewegungen und bewusste Pausen eine dichte Atmosphäre

erzeugen. Licht und Klang lassen das Publikum Teil dieses Prozesses

werden. Inhaltlich erzählt «GIANT STEPS» von Veränderung, von

Umbrüchen und Schwellenmomenten, an denen Zögern, Scheitern und

Wachstum eng beieinanderliegen. So entsteht ein Theatererlebnis, das

sich zwischen Musikperformance und szenischer Collage bewegt und

lange nachwirkt.

Über das Stück

Achtung, fertig, los. Fussbälle fliegen wie Träume durch den Raum. Auf

einer inszenierten Rennbahn treffen sechs sportlich-gekleidete

Tänzer:innen aufeinander und finden sich immer wieder in lebendigen

Cyphers. «GIANT STEPS» stellt durch Streetdance Fragen zu Mut,

Risikobereitschaft, Chancen und Privilegien. Die Tanzkompanie remi

demi beschäftigt sich im Kreationsprozess mit diesen Themen und vor

allem mit dem Träumen.


ARTTV

VIDEO

«GIANT STEPS» | Phönix Theater |

Premiere: 7. Februar 2026

Weitere Vorführungen:

jungspund Theaterfestival, Lokremise St.

Gallen | 6. und 7. März 2026

BETA Stage Festival, Reitschule Bern | 28.

März 2026


Vom Geheimtipp

v

zum radikalen

zeitgenössischen

Körpertheater


Die Dance Company

ONE präsentiert mit

«Les femmes fatales»

ihr neustes Projekt

Die junge Winterthurer Kompanie,

getragen von Milena Büchi, Corinne

Kälin, Aline Gia Perino und Yvonne

Sieber, rücken in ihrer neuesten

Produktion gemeinsam mit

Schauspielerin Dominique Devenport

vier prägende Frauenfiguren der

Schweizer Vergangenheit – Anna

Göldi, Marie Heim-Vögtlin, Meret

Oppenheim und Iris von Roten – ins

Jetzt und machen aus ihrer

Geschichte einen eindringlichen,

interdisziplinären Abend über

Selbstbestimmung, Widerstand und

feministische Präsenz im Heute.


Historische Frauenfiguren als Ausgangspunkt

Mit «Les femmes fatales» nimmt die Produktion vier prägende

Frauenfiguren der Schweizer Geschichte als Ausgangspunkt:

Anna Göldi, Marie Heim-Vögtlin, Meret Oppenheim und Iris von

Roten. Ihre Lebenswege stehen exemplarisch für

unterschiedliche Formen von Ausgrenzung, Widerstand und

Selbstbehauptung in einer von männlichen Machtstrukturen

geprägten Gesellschaft. Das Stück versteht sich dabei nicht als

historische Rekonstruktion, sondern als künstlerische

Annäherung an Fragen von Sichtbarkeit, Rollenbildern und

gesellschaftlicher Teilhabe – Themen, die weit über ihre Zeit

hinausweisen.

Zeitgenössischer Tanz als Übersetzungsraum

Formal verbindet «Les femmes fatales» zeitgenössischen Tanz

mit gesprochenem Text und Musik und schafft so einen offenen

Reflexionsraum zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die

historische Vorlage dient weniger der Nacherzählung als der

Konfrontation: Welche Kämpfe sind abgeschlossen, welche

wirken bis heute fort? Das Projekt positioniert sich klar als

interdisziplinäres Tanzstück mit gesellschaftlichem Anspruch und

reiht sich ein in eine aktuelle künstlerische Praxis, die Geschichte

nicht als abgeschlossenes Kapitel begreift, sondern als Material,

das im Heute neu befragt wird.


ARTTV

VIDEO

«LES FEMMES FATALES» | Dance Company

ONE | 13. Februar bis 31. Mai 2026 |

Premiere und weitere Vorstellung: 13. und 14.

Februar 2026, Theater am Gleis, Winterthur |

Weitere Shows: 21. Februar 2026, 19.30 Uhr,

Postremise, Chur; 7. März 2026, 19.30 Uhr,

TanzRaum, Herisau; 31. Mai 2026, 18.30 Uhr,

Theater Pavillon, Luzern


EINLADUNG #1

BLUMEN FÜR DIE KUNST

Wenn Floristik mit Kunst spricht –

und der Frühling ins Museum zieht

Aargauer Kunsthaus | 4.–8. März 2026

Als Mitglied bist du

kostenlos dabei

THE SECRET AGENT

von Kleber Mendonça Filho

DETAILS UND ANMELDUNG SIEHE SEPARATES MITGLIEDER-

MAIL


Noch nicht Mitglied?

JETZT ANMELDEN

Die erfolgreichste Kunstausstellung der

Schweiz

Nach dem Winter kommt

der Frühling nicht nur

draussen – sondern mitten

ins Museum. Bereits zum

zwölften Mal laden das

Aargauer Kunsthaus und

FLOWERS TO ARTS zu

Blumen für die Kunst:

Florale Interpretationen

reagieren auf Werke aus

der Sammlung, spinnen

Farben, Formen und

Geschichten weiter und

schaffen ein temporäres

Zusammenspiel aus Kunst,

Natur und Imagination.

Keine öffentliches Museum der Schweiz zieht in so

kurzer Zeit so viele Menschen an wie das Aargauer

Kunsthaus mit seinem Format BLUMEN FÜR DIE KUNST.


EINLADUNG #2

KLANGWELLE –

SCHOSTAKOWITSCH 2025/26

Florhof Zürich

Als Mitglied bist du

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von Kleber Mendonça Filho

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Dmitri Schostakowitsch

steht im Fokus der

«Klangwellen»-Saison 25/26!

Am 15. März 2026 bespielt

das StradivariORCHESTER

den Saal im Florhof Zürich mit

einigen von den

berühmtesten

Kammermusikperlen von

Schostakowitsch. Im Zentrum

des Abends steht das Streichoktett, op. 11, die

Kammersinfonie, op. 83a sowie ausgewählte Stücke aus

der Jazz-Suite, darunter der Walzer Nr. 2, der längst zu den

bekanntesten Kompositionen des 20. Jahrhunderts gehört.

Prélude und Nachhall

Das Prélude vor Konzertbeginn bietet eine inspirierende

Einführung in den Abend. Gemeinsam mit

Musikwissenschaftler:innen oder Musikjournalist:innen

werden Themen, Hintergründe und stilistische

Besonderheiten der aufgeführten Werke anschaulich

vermittelt – oft begleitet von kurzen Live-Beispielen durch

die Musiker:innen.


AUSSTELLUNG

02.12.2025 bis 04.10.2026

Die

ganz

schön

vielfältig

Pfäffikon SZ


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Ein Verbot ist

der falsche

Weg


Warum soziale

Medien für unter

15-Jährige NICHT

verboten werden

sollten

Immer lauter wird der Ruf nach einem pauschalen

Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche

unter 15 Jahren. Australien hat ein solches Verbot

bereits umgesetzt, Frankreich diskutiert derzeit

darüber. Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar:

Hassrede, Desinformation, sexualisierte Inhalte,

Suchtmechanismen. Doch ein pauschales Verbot

ist der falsche Reflex – und im Kern vergleichbar

mit der Forderung, Bücher für Kinder und

Jugendliche zu verbieten, nur weil es schlechte

Bücher gibt. Nicht das Medium ist das Problem,

sondern die unkontrollierten Inhalte, die fehlenden

Regeln und die Verantwortungslosigkeit jener

Tech-Konzerne, die Milliarden verdienen – und die

gesellschaftlichen Folgekosten externalisieren.


Das Medium ist nicht schuld

Soziale Medien sind Kommunikationsräume. Sie können aufklären,

verbinden, politisieren, kreativ machen. Für viele Jugendliche sind sie

heute das, was Bibliotheken, Jugendzeitschriften, Radioprogramme oder

bestimmte Fernsehfenster früher waren: Orte der Information, der

Selbstverortung, des kulturellen Austauschs. Wer sie pauschal verbietet,

blendet diese Realität aus – und beraubt junge Menschen wichtiger Lernund

Erfahrungsräume. Ein Buchverbot würde niemand ernsthaft fordern,

nur weil es Schundliteratur gibt. Stattdessen gibt es Altersfreigaben,

pädagogische Empfehlungen, Schulbibliotheken, Lektorate. Genau

dieses Denken fehlt in der Debatte um soziale Medien.

Der richtige Weg: Regeln, Verantwortung, Kontrolle

Ein Verbot löst kein einziges strukturelles Problem. Es verlagert die

Nutzung in Grauzonen, fördert Umgehungsstrategien und entzieht sich

jeder pädagogischen Begleitung. Das ist meine Meinung, nicht nur als

Kulturjournalis sondern auch langjähriger Heilpädagobe. Gleichzeitig

verschärft ein Verbot die soziale Ungleichheit: Wer technisch versiert oder

privilegiert ist, umgeht das Verbot – andere bleiben ausgeschlossen. Vor

allem aber entlässt ein Verbot die Tech-Konzerne aus der Verantwortung.

Und genau dort liegt der Kern des Problems. Was es braucht, sind

verbindliche Regeln statt Verbote:

>WEITERLESEN AUF ARTTV..CH

Kommentar von arttv Chefredaktor Felix

Schenker | Verbot Sozialer Medien


Ein Gleichnis

für unsere

Zeit


Mit «Nathan der

Weise» inszeniert

das Theater Kanton

Zürich ein zeitloses

Plädoyer für

Menschlichkeit und

Vernunft

Aktuelle gesellschaftliche und weltpolitische

Konstellationen lassen Lessings berühmtes

Aufklärungsdrama «Nathan der Weise» von

1779 in neuem Licht erscheinen. Lessings

Stück weist den Anspruch auf singuläre

Wahrheit zurück und feiert moralisches

Handeln als höchsten Massstab menschlichen

Zusammenlebens. Regisseurin Katharina Rupp

hat das Stück als spannenden Politthriller, in

dem es um Macht, Einfluss und das Ansehen

verschiedener Kulturen geht, gestrafft und

modernisiert.


ARTTV

VIDEO

Über das Stück

Jerusalem in der Zeit der Kreuzzüge: Als der Jude

Nathan von einer Geschäftsreise zurückkommt, erfährt

er, dass seine Pflegetochter Recha von einem jungen

christlichen Tempelherrn aus dem Feuer seines

brennenden Hauses gerettet worden ist. Der

Tempelherr wiederum verdankt sein Leben dem

muslimischen Herrscher Jerusalems, Sultan Saladin, der

ihn als Gefangenen begnadigt hat, weil er seinem

verstorbenen Bruder Assad ähnlich sieht. Saladin,

gerade in finanziellen Schwierigkeiten, bittet den

vermögenden Nathan zu sich, um dessen allgemein

gerühmte Grosszügigkeit auf die Probe zu stellen und

fragt ihn nach der «wahren Religion»: Judentum,

Christentum oder der Islam? Nathan, von seinem

Freund Al-Hafi über Saladins Geldnöte unterrichtet,

ahnt eine Falle und entscheidet sich, Saladins Frage mit

einem Gleichnis zu beantworten. Aber Saladin ist von

Nathans Vernunft und seiner religiösen Toleranz nicht

wirklich überzeugt. Doch wieso nicht Nathans

Humanität nutzen, um seine finanzielle Unterstützung

im Sinne guter Geschäfte anzunehmen?


Die Ringparabel – kurz erklärt

In Nathan der Weise erzählt Gotthold Ephraim Lessing die Geschichte

von drei gleichen Ringen, die für Judentum, Christentum und Islam

stehen. Niemand weiss, welcher der echte ist – entscheidend soll nicht

der Anspruch auf Wahrheit sein, sondern das menschliche Handeln.

Philosophisch wurde das auch kritisiert: Die Parabel relativiert den

Wahrheitsbegriff und reduziert Religion stark auf Moral. Dennoch bleibt

ihre zentrale Botschaft ein Plädoyer für Toleranz, Humanität und

friedliches Zusammenleben.

In der Geschichte besitzt ein Vater einen kostbaren Ring, der seinem

Träger Liebe und Anerkennung schenken soll. Da er alle seine drei Söhne

gleich liebt, lässt er zwei perfekte Kopien anfertigen. Nach seinem Tod

weiss niemand mehr, welcher Ring der ursprüngliche ist, und die Söhne

geraten in Streit. Ein Richter entscheidet, dass sich der wahre Ring nicht

durch Worte, sondern nur durch Taten zeigen könne.

Die drei Ringe stehen für die drei grossen monotheistischen Religionen.

Lessing will damit sagen: Keine Religion kann beweisen, dass sie allein im

Besitz der Wahrheit ist. Stattdessen sollen jede und jeder so leben, als

wäre seine Religion die richtige – durch Menschlichkeit, Toleranz,

Gerechtigkeit und Mitgefühl. Nicht der Glaube macht den Menschen gut,

sondern das gute Handeln gibt dem Glauben seinen Wert.

Nathan der Weise | Theater Kanton Zürich |

15. Januar bis 25. März 2026 |

Mitwirkende: Katharina von Bock, Michael

von Burg, Fritz Fenne, Axel Julius Fündeling,

Jeanne Le Moign, Pit-Arne Pietz, Miriam

Wagner, Regie: Katharina Rupp; Bühne: Vazul

Matusz; Kostüme: Rudolf Jost


«Mythos»


Die Schweizer

Buchpreisträgerin und

Zuger Autorin Martina

Clavadetscher schreibt

ein Stück aus

unbestimmter Zeit

Ist die sonderbare Kammer, dieser eigenartige

Echorraum, der Lichter, Stimmen uns Gerüche

aussondert aus einer längst vergessenen Zeit

oder aus der Zukunft? Mit «Mythos» bringen das

Zentralschweizer Künstler:innenkollektiv Fetter

Vetter & Oma Hommage, die Musiker:innen von

hedi drescht und duodendron und die

Schauspieler:innen Vera Bommer, Rachel

Braunschweig, Dimitri Stapfer ein Musiktheater

auf die Bühne, das sich auf die Suche nach den

Geschichten macht, aus denen wir bestehen –

zwischen Überlieferung und Erfindung,

Erinnerung und Zukunft.


«Mythos» lebt von

einem hochkarätigen

Schauspieler:innen-Trio:

Vera Bommer, Rachel

Braunschweig, Dimitri

Stapfer


Reise in den Echoraum

Ein Forschungsteam steigt hinab in die Tiefe einer mysteriösen Höhle. Was

sie dort finden, ist kein gewöhnlicher Ort, sondern ein Echoraum aus

Stimmen, Klängen und Erinnerungen. Aus den Wänden lösen sich

Geschichten wie schimmernde Schwaden, legen sich um die Figuren und

spiegeln ihre Ängste, Sehnsüchte und Fragen. «Mythos» erzählt von diesem

Abstieg in die Urhöhle der Erzählungen – dorthin, wo Herkunft, Geburt,

Leben und Sinn miteinander verwoben sind.

Mythen zwischen Vergangenheit und Zukunft

In diesem poetischen Musiktheaterabend verschwimmen die Grenzen: Welt-

Ei, Bergdrachen, Naturgewalten und Liebesgeschichten tauchen auf wie

Wellen aus einer anderen Zeit. Was gehört zur Vergangenheit, was kündet

von der Zukunft? Martina Clavadetscher, Schweizer Buchpreisträgerin,

schreibt einen Text, der nicht Antworten liefert, sondern ein Nachdenken

anstösst: darüber, wie kollektives Gedächtnis entsteht – und welche

Geschichten es verdienen, weitergetragen zu werden.

Wort, Klang und Körper

Inszeniert wird der Text vom Luzerner Regisseur Damiàn Dlaboha. Die

Liedtexte stammen von Béla Rothenbühler, der 2025 mit dem Schweizer

Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Für die musikalische Welt sorgen das

Volksmusik-Duo hedi drescht mit der Jodelperformerin Simone Felber, 2025

ausgezeichnet mit dem Schweizer Musikpreis, sowie Pianist Lukas Gernet.

Zusammen mit der Zuger Band duodendron (Linus Amstad, Jonas Inglin)

entstehen Klänge, die wie Gerüche und Erinnerungen aus dem Echoraum

aufsteigen.

Ein Ensemble mit starken Stimmen

Auf der Bühne stehen Rachel Braunschweig, Vera Bommer und Dimitri

Stapfer. Braunschweig gewann kürzlich den Schweizer Filmpreis für FRIEDAS

FALL und ist unter anderem aus dem Schweizer «Tatort» bekannt. Vera

Bommer war zuletzt am Kurtheater in «Fischer Fritz» zu sehen und ist

regelmässig als Vorleserin im SRF-Literaturclub präsent. Dimitri Stapfer

brillierte unter anderem im TV-Mehrteiler FRIEDEN. Gemeinsam suchen sie

im «Mythos» nach den Geschichten, die uns ausmachen.


Die Schweizer Autorin und Dramatikerin Martina Clavadetscher

(*1979 in Zug) zählt zu den profiliertesten literarischen Stimmen der

Gegenwart. Bei arttv.ch wurde sie mehrfach vorgestellt, u. a. im

Zusammenhang mit ihrem Roman «Ein Roman gegen das Vergessen»,

in dem sie historische Abgründe und gesellschaftliches Schweigen

literarisch erkundet – eine Arbeit, die ihr den Schweizer Buchpreis

2021 einbrachte.

Clavadetscher studierte Deutsche Literatur, Linguistik und Philosophie

und ist als Autorin, Dramatikerin und Radiokolumnistin tätig. Ihre

Arbeit bewegt sich zwischen Theater, Prosa und experimentellen

Formen und reflektiert immer wieder, wie Geschichten – ob real oder

fiktiv – unser Verständnis von Geschichte und Gegenwart prägen.

Für «Mythos» schreibt sie das Buch und setzt damit ihre vielstimmige

Erkundung von Erzähltraditionen fort: Zwischen Überlieferung,

Mythos und Zukunftssuche lotet sie aus, was uns als Gemeinschaft im

kollektiven Gedächtnis zusammenhält

«MYTHOS» | Theater Casino Zug,

Kurtheater Baden | Text: Martina

Clavadetscher; Regie: Damiàn

Dlaboha; Spiele: Vera Bommer,

Rachel Braunschweig, Dimitri

Stapfer; Musik: heid drescht (Simone

Felber, Kukas Gernet), duodendron

(Linus Amstad, Jonas Inglin)

Das Stück feiert seine Premiere am

25. Februar 2026 im Theater Casino

Zug, und ist dort auch noch am

Donnerstag, 26. und Freitag 27.

Februar 2026 zu sehen, jeweils um

19.30 Uhr. Das Kurtheater Baden

zeigt «Mythos» am 7. März 2026,

ebenfalls um 19.30 Uhr.


VORSCHAU

arttv.ch freut sich auch

dieses Jahr Medienpartner

vom Filmfestival Yesh! zu

sein. Mehr in der

Märzausgabe von unserem

CLICK FILM


«James Brown trug

Lockenwickler»


Eine tragikomische

Auseinandersetzung

mit Identität

Was passiert, wenn ein junger Mann

überzeugt ist, Céline Dion zu sein? Wer

entscheidet über Normalität, und wie

gehen Eltern mit einem Sohn um, den

sie nicht mehr verstehen? Im Theater

Pavillon Luzern ist Yasmina Rezas Stück

«James Brown trug Lockenwickler» zu

sehen – eine Produktion des Theater

Nawal. Das Stück erzählt von

psychischer Ausnahme, familiärer

Überforderung und der Frage nach

Identität, tragikomisch, präzise und

überraschend leicht.


Über das Stück

Ein junger Mann ist überzeugt, die berühmte kanadische

Sängerin Céline Dion zu sein. Seine überforderten Eltern

verstehen ihren Sohn nicht mehr und begleiten ihn in eine

psychiatrische Einrichtung.

Dort begegnen sie einem

Zimmer mit Aussicht,

einem schwarzen Mann im

Körper eines Weissen,

einer Psychiaterin, die

nicht bremst, und einer

Regenwaldpflanze im

Konflikt mit dem

europäischen Klima. Es ist

ein sensibler Stoff, der

zwischen Humor und

Traurigkeit, Sicherheit und

Unsicherheit, Identität und

Unterschiedlichkeit sowie

Kultur und Natur schwankt.

Die französische Autorin

Yasmina Reza feierte mit

Theaterstücken wie «Der

Gott des Gemetzels»,

«Drei Mal Leben» oder

«Kunst» viele Erfolge. Mit

ihrem jüngsten Stück

verhandelt sie mit

humorvollem Blick und

grosser Leichtigkeit Themen wie Identität,

Selbstverständnis und Individualität. Nach den Bühnen

Bern inszeniert Theater Nawal «James Brown trug

Lockenwickler» zum zweiten Mal in der Schweiz..


ARTTV

VIDEO

«James Brown trug Lockenwickler» |

Theater Nawal | Theater Pavillon Luzern |

bis 7. März 2026


Wuff Wuff und

es gibt Puff


Piet Baumgartner

realisiert gleich zwei

Theaterstücke, in

Zürich und St. Gallen

Einem breiten Publikum bekannt ist der Filmund

Theaterregisseur Piet Baumgartner

spätestens seit seinem preisgekrönten

Kinofilm BAGGER DRAMA. Seine beiden

neuen Projekte entstehen aber gegenwärtig

auf den Brettern, die die Welt bedeuten: im

Theater Neumarkt in Zürich und am Theater

St. Gallen. Einmal geht es um die Entlassung

eines schwulen Lehrers in einer Zürcher

Gemeinde, einmal um fünf Hunde – und

darum, was wir von ihnen lernen können. Wie

passt das zusammen?


Wenn Realität zur Bühne wird

Der reale Fall, bei dem 2024 ein schwuler Primarlehrer in einer

Zürcher Gemeinde nach Protesten konservativer Eltern seine Stelle

verlor, sorgte schweizweit für heftige Diskussionen. Anlass dafür war

sein Sexualkundeunterricht, der offiziell als korrekt beurteilt wurde.

Dennoch rückte im Verlauf der Auseinandersetzung immer stärker die

Homosexualität des Lehrers ins Zentrum der Kritik. Was als

schulinterne Auseinandersetzung begann, entwickelte sich rasch zu

einem regelrechten «Puff» – in der Gemeinde ebenso wie in den

Köpfen der Beteiligten. Trotz Unterstützung durch Kolleg:innen und

Teile der Öffentlichkeit wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst – ein

Vorgang, der Fragen nach Diskriminierung, Machtverhältnissen und

dem Einfluss konservativer Kreise auf die Schule aufwarf.

Dass diese Geschichte ein gefundener Stoff für ein Theaterstück ist,

das mehr sein will als blosse Belustigung, liegt auf der Hand. Zu viele

gesellschaftliche Bruchstellen laufen hier zusammen: Angst vor dem

anderen, moralische Überheblichkeit, institutionelle Unsicherheit. Piet

Baumgartner und das Theater Neumarkt in Zürich greifen den Fall

auf und machen ihn zum Ausgangspunkt von «SCHWULER LEHRER!»

– einem Stück, das nicht urteilen, sondern sichtbar machen will und

zeigt, wie private Schicksale politische Dimensionen annehmen.

«WAU WOW» ein tierische Bühnenshow

Während «SCHWULER LEHRER!» gesellschaftlich hoch relevant

daherkommt, mutet «WAU WOW» auf den ersten Blick eher

verspielt, vielleicht sogar schräg an. Ein «Hundsstück»? Fünf Hunde

auf der Bühne? Man fragt sich unweigerlich: Was soll das eigentlich –

und was will dieses Stück erzählen? Klar ist nur: Im Zentrum stehen

Hunde, unsere treuesten Begleiter. Ob daraus eine Liebeserklärung,

ein komisches Spektakel oder etwas ganz anderes wird, bleibt offen.

Die Ankündigungen sprechen von einem Perspektivwechsel – die

Welt einmal aus tierischer Sicht sehen. Vielleicht geht es um Nähe,

Abhängigkeit, Macht oder Zuneigung. Aber wie genau? «WAU

WOW» klingt nach einem Experiment, dessen Ausgang offen

ist. Nach der Premiere am 30. April 2026 wissen wir mehr.


Theater St. Gallen | und Theater am

Neumarkt |

Premiere von «SCHWULER LEHRER!»ist

am 23. Februar 2026 im Theater

Neumarkt in Zürich | Jene von «WAU

WAU» am

30. April 2025 im Theater St. Gallen


Traumwelt Musical -

Robin Ziehbrunner


Wer hat Angst vor

einem schwulen

Lehrer?

Homosexualität als Kündigungsgrund? Das

Theater Neumarkt zeigt Haltung.

Mit der kommenden Produktion «Schwuler

Lehrer!» rückt das Theater Neumarkt ein

Thema ins Zentrum, das aktuell und

provokant bleibt: Wie viel Einfluss üben

Vorurteile — und speziell religiöskonservative

Eltern — auf Bildung und

Intimität im Schulalltag aus? Die

Inszenierung verspricht ein heisser «Pflock»

in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher

Polarisierung. Besonders bemerkenswert:

Die Regie liegt in den Händen von Piet

Baumgartner — seine Vision dürfte das

Stück nachhaltig prägen.

LINK: MEHR AUF UNSERER WEBSITE


314 Lebensjahre SpielfreudeM



Jaap Achterberg,

Suly Röthlisberger,

Pierre Siegenthaler

und Nikola Weisse

trotzen dem

Alter(n)

Vier alte Freunde, ein leerer Stuhl – und die

Frage, was vom Leben noch kommt. In

«4/5» begegnen sich Menschen im letzten

Abschnitt ihrer Biografie, zwischen Liebe,

Verlust, Sehnsucht nach Ruhe und dem

Wunsch nach Freiheit. Mit Humor,

Erinnerungen und neuen Plänen loten sie

aus, was Altern bedeuten kann – und ob am

Ende vielleicht mehr freie Stühle

zurückbleiben.


Würde statt «Fahrstuhlmusik» —

sichtbar bleiben im Alter

Die Inszenierung rückt die individuelle Erfahrung des

Älterwerdens ins Zentrum und überführt die

demografischen Debatten auf eine persönliche Ebene. Sie

zeigt, wie ältere Menschen – gerade auch in der Kunst – oft

unsichtbar gemacht werden, wie «Fahrstuhlmusik», die nur

beiläufig wahrgenommen wird. Gleichzeitig geht es um

körperliche Veränderungen, Verluste und die Konfrontation

mit der eigenen Sterblichkeit. «4/5 oder von der Kunst,

keine Fahrstuhlmusik zu werden» erinnert daran, dass

hinter Zahlen individuelle Leben stehen, die mit Würde,

Relevanz und künstlerischem Anspruch gelebt werden

wollen. Die gesellschaftliche Aufgabe liegt also nicht nur in

der Sicherstellung von Renten, sondern auch darin, Räume

zu schaffen, in denen ältere Menschen aktiv und sichtbar

bleiben können.

ARTTV

VIDEO

«4/5 oder von der Kunst, keine

Fahrstuhlmusik zu werden» |

Theatergruppe Zell:stoff |

Eine Koproduktion mit dem

Kleintheater Luzern

Theater Winkelwiese Zürich | 10. und

12. Februar, 28. und 30. April 2026


Eine Ahnung vom

Ganzen – eine

Hommage an

Klaus Merz


Das Theater Marie

nimmt den

80. Geburtstag des

Autors zum Anlass, in

den Kosmos des

grossen Aargauer

Erzählers einzutauchen

In einer Welt, die eher weg- als hinschaut,

legt Klaus Merz ein besonderes Augenmerk

auf Randfiguren, die in der Nahaufnahme zu

eigensinnigen Protagonist:innen werden.

Theater Marie lässt als

Geburtstagsgeschenk für Klaus Merz einige

seiner Lieblingsbilder aufleuchten und

Figuren aus seinem Werk zu Wort kommen.

Verspielt, präzise und mit feinem Humor.


Familienkosmos Merz

Der in Aarau geborene Autor Klaus Merz hat mit seiner

präzise verdichteten, poetischen Sprache ein eigenes

erzählerisches Universum geschaffen, das Leser:innen

nachhaltig berührt. Zu seinen bekanntesten Werken

gehört der kurze Roman «Jakob schläft», in dem –

typisch für Merz – mit wenigen Worten eine grosse

emotionale Tiefe erreicht wird, sowie die Erzählung

«LOS», die existentielle Fragen des Lebens erkundet.

Seine Texte leben von sprachlicher Klarheit und radikaler

Reduktion – und davon, dass im Kleinen stets das Grosse

aufscheint.

Auch in der nächsten Generation wird erzählt – mit anderen

Mitteln. Sein Sohn Laurin Merz arbeitet als Filmemacher

und setzt sich in dokumentarischen und essayistischen

Filmen mit Menschen, Geschichte und Gegenwart

auseinander. Zu seinen Arbeiten zählen unter

anderem LUKAS BÄRFUSS – SCHRIFTSTELLER,

STEALING GIANTS sowie SWISSAIR FLUG 100 –

GEISELDRAMA IN DER WÜSTE. So entsteht über zwei

Generationen hinweg ein spannender Dialog zwischen

Literatur und Film – zwischen Wort und Bild, zwischen

Verdichtung und Bewegung.

Über das Stück

Während im geschmückten Festsaal alle auf den grossen Auftritt des

Jubilars warten, wird die Hinterbühne zum Refugium für Figuren aus

dem Werk von Klaus Merz, die ihrem Autor ein besonderes Ständchen

halten. Drei Schauspieler:innen stöbern in einem Archiv von

Geschichten und Portraits, die aufrütteln und die Zeit einzufangen

versuchen, die doch kaum zu fassen ist. Sie stossen auf Entwürfe und

lesen in nicht abgerissenen Kalenderblättern aus Familiengeschichten,

die so lebendig erinnert werden, dass längst Vergangenes aufscheint

wie frisch polierte Gegenwart.


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«Eine Ahnung vom Ganzen» | Theater

Marie bis 12. April 2026

Das Theaterstück entstand in

Kooperation mit dem Forum Schlossplatz

Aarau, das noch bis am 1. März 2026

«Aussen ist innen – Klaus Merz» zeigt,

und der Galerie Litar Zürich, die sich mit

«Merz Welt» ebenfalls bis am 1. März

2026 dem Autor widmet. Das Projekt

wurde zudem zum Pro Argovia Artist

2025 gewählt.



MEHR THEATER AUF UNSERER WEBSITE

«DAS LUFTSCHIFF – HEIMSUCHUNG IN DRAG» | Bühne Aarau |

17. bis 23. Februar 2026 | Gastspiele bis April 2026

Eine alternde Dragqueen packt ihr Leben in Koffer – und hebt mit

Humor, Musik und Imagination ab.

«FAUST: RELOADED» | Alpine Theater Company St. Moritz | 21.

Januar bis 21. Februar 2026

Auf dass die Hölle endlich Spass macht.

«DIE WELT IM RÜCKEN» | Kurtheater Baden | 17. bis 23. Februar

2026

Das Kurtheater Baden bringt Thomas Melles radikalen Roman «Die

Welt im Rücken» erstmals auf eine Schweizer Bühne.


«Catch me if you

can» – im Urner

Dialekt


Nach «Pippin», «Big

Fish, «Titanic» und «9

to 5» inszeniert der

Urner Regisseur Rolf

Sommer einen

weiteren Broadway-

Erfolg

Das Musical «Catch me if you can»

basiert auf der wahren Geschichte von

Frank Abagnale Jr., einem der

berühmtesten Hochstapler der

Geschichte, sowie auf dem

gleichnamigen, von Steven Spielberg

inszenierten Dreamworks-Film aus dem

Jahr 2002. In gewohnter Manier macht

die Urner Theatergruppe Eigägwächs

aus dem Musical ein ganz eigenes,

frisches Theatererlebnis.


Amateurbühne mit Herzblut

«Catch me if you can» verbindet rasante Handlung, humorvolle Dialoge,

grosse Gefühle und mitreissende Songs. Mit viel Leidenschaft, grossem

Ensemble und Liebe zum Detail zeigt Eigägwächs einmal mehr, was eine

Amateurbühne mit Herzblut leisten kann – und lässt gleichzeitig das

Publikum in die glitzernde Welt der 1960er-Jahre eintauchen. Ob Spannung,

Romantik oder Situationskomik – «Catch me if you can» vereint alles in einer

Show, die Musicalliebhaber:innen vom ersten Ton an packt. Die

Theatergruppe Eigägwächs, die 2008 gegründet wurde, hat sich im Laufe

der Jahre immer mehr auf Musicals spezialisiert und Menschen jeden Alters

mit und ohne Behinderung auf der Bühne vereint. Der Name Eigägwächs

steht für «Theater aus Leidenschaft». Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe

gemacht, die Freude am Theaterspiel zu pflegen und zu fördern.

Betrüger, Lebemann, Angeber

Frank Abagnale Jr. wuchs in New York auf. Nach der Scheidung seiner Eltern

und dem geschäftlichen Zusammenbruch seines Vaters zog er 1964 mit

geringen Mitteln aus, um ein besseres Leben zu führen. Ohne Schulabschluss

und mit niedrigem Lohn sah er sich gezwungen, kriminelle Wege

einzuschlagen.

Er fälschte sein Geburtsdatum, eröffnete ein Girokonto für Blankoschecks

und gab sich als Pan-Am-Kopilot aus, um glaubwürdiger zu wirken und

kostenlos zu reisen. Als Scheckbetrüger wurde er vom FBI gesucht. Kurz

bevor sein Schwindel aufflog, arbeitete er unter anderem kurzzeitig als

falscher Arzt und Rechtsanwalt. Vor seinem 21. Geburtstag hatte er als

Hochstapler in 50 US-Bundesstaaten und 26 Ländern rund 2,5 Millionen

Dollar Schaden verursacht, um seinen hohen Lebensstandard zu finanzieren.

1969 in Frankreich verhaftet, wurde er über Schweden an die USA

ausgeliefert und zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach fünf Jahren bot

ihm die US-Regierung 1974 die vorzeitige Freilassung an, wenn er seine

Kenntnisse zur Bekämpfung von Betrug einsetzen würde. Abagnale willigte

ein und wurde ein bekannter Sachverständiger, der unter anderem für das

FBI arbeitete.

1980 veröffentlichte er seine Biografie. Wohl immer noch mit dem

Hochstapler-Gen behaftet, übertrieb Abagnale darin masslos. Im Laufe der

Jahre ergaben Untersuchungen, dass viele der spektakulärsten

Behauptungen Abagnales stark übertrieben oder erfunden sind. Ideal für ein

spektakuläres Musical!


Ein echtes Phänomen: Regisseur

und Schauspieler Rolf Sommer

gelingt es, Unglaubliches aus

seinen Laiendarsteller:innen

herauszuholen.

ARTTV

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«Catch me if you can» | Theater Uri -

Eigägwächs | bis 7. Februar 2026


Nichts ist

nicht Nichts!


Nach neun

Produktionen mit

ausgefeilt-verspielten

Bühnenbildern stellt

sich Gardi Hutter der

leeren Bühne

Dabei begegnet die berühmteste

Clownin der Schweiz dem Nichts auf

komisch-philosophische Weise:

Nichts ist nie wirklich nichts – es

birgt unendliches Potenzial. Aus der

scheinbaren Leere erwächst Leben,

aus dem Chaos entsteht Ordnung

und aus dem scheinbar Nichts wird

– alles. Premiere Feier das Stück im

Theater Casino Zug. Versprochen

wird ein Fest der Fantasie:

clownesk, grotesk, poetisch.


Vom ersten Zucken zur Verwandlung – die komische Geburt der

Welt

Mit ihrem eigensinnigen Humor und ihrer intensiven Körperlichkeit

begibt sich Gardi Hutter auf eine Reise durch die Geburt der Dinge –

vom ersten Zucken bis zur vollständigen Verwandlung. Der

Mikrokosmos Bühne wird zum kreativen – und komischen –

Makrokosmos. Mit minimalen Mitteln und maximaler Ausdruckskraft

spielt sie mit den Gegensätzen von Leere und Fülle, Stillstand und

Bewegung, Absurdität und Sinn.

Nach neun Stücken über den Tod – dem ursprünglichen Thema der

komischen Masken – konzentriert sie sich nun auf die Geburt und

erforscht den Moment, in dem sich plötzlich etwas aus dem Nichts

entfaltet. In diesem Stück ohne Worte leben Gegensätze und

Paradoxien, die zwischen spielerischer Leichtigkeit und tiefgründiger

Bedeutung aufblühen und wieder verschwinden. In einer Welt, die von

Stress und Lärm geprägt ist, lädt Gardi Hutter ihr Publikum ein, die

Schönheit des Ursprungs, der Geburt und der ständigen Verwandlung

zu geniessen.

Pionierin des modernen, weiblichen Clowns

Gardi Hutter (1953 in Altstätten, SG) zählt zu den international

renommiertesten Clowninnen und Physical-Comedy-Künstlerinnen

unserer Zeit. Nach ihrer Ausbildung an der Schauspiel-Akademie

Zürich und an der École Jacques Lecoq in Paris entwickelte sie eine

unverwechselbare Bühnenfigur: eine wortlose, poetisch-absurde

Clownin, die mit präziser Körperarbeit, Rhythmus und visueller Komik

existenzielle Themen verhandelt. Seit den 1980er-Jahren tourt Gardi

Hutter mit ihren Solostücken rund um den Globus. Ihre Produktionen

wurden in über 35 Ländern auf allen Kontinenten gezeigt. Viele ihrer

Arbeiten gelten heute als Klassiker des zeitgenössischen

Clowntheaters, darunter Die Schneiderin, Die Souffleuse, Die

Wäscherin oder Die Tänzerin. Für ihr Schaffen erhielt Gardi Hutter

zahlreiche internationale Auszeichnungen. Ihr Werk zeichnet sich durch

die seltene Verbindung von Komik und Tiefgang aus: Hinter der

scheinbaren Leichtigkeit ihrer Figuren stehen präzise dramaturgische

Konzepte und eine konsequente künstlerische Haltung. Gardi Hutter

gilt als Pionierin des modernen, weiblichen Clowns und als Künstlerin,

die das Genre nachhaltig geprägt hat. Gardi Hutter lebt in Arzo, im

Tessin, wo sie ihre internationalen Tourneen vorbereitet und neue

Produktionen entwickelt.


ARTTV

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Mehrere Aufführungen an diversen Orten

bis 1. November 2026 | In Koproduktion

mit: Theaterhaus Stuttgart – Theater

Casino Zug – LAC Lugano Arte e Cultura


Adam Siao Him Fa

Weltstars,

Weltklasse-

Eiskunstlauf

und grosse

Emotionen


Art on Ice feiert

sein 30-jähriges

Jubiläum

Zum runden Geburtstag versprechen die

Veranstalter eine Show, die den eigenen

Anspruch eindrücklich unterstreichen soll:

internationale Popstars, Schweizer

Musikgrössen und ein Eiskunstlauf-Line-up

auf Weltmeister:innen-Niveau

verschmelzen zu einem Gesamterlebnis,

das weit über eine klassische Sport- oder

Konzertveranstaltung hinausgeht. Die

Jubiläumstour 2026 verspricht grosse

Gefühle, spektakuläre Momente – und

einen Blick auf die absolute Spitze dessen,

was auf und neben dem Eis möglich ist.


Pop zwischen Intimität

und Stadionformat

Mit James Bay und Jess

Glynne stehen zwei

britische Popgrössen auf

der Bühne, deren

musikalische Handschriften

bewusst unterschiedlich

sind. Bay ist bekannt für

reduzierte, emotionale

Songs, die von Stimme und

Text leben und auch in

grossen Hallen eine

Jess Glynne

gewisse Intimität behaupten.

Glynne hingegen steht für

energiegeladenen Pop mit klaren

Hooks und einer Präsenz, die auf

unmittelbare Wirkung zielt. Beide

bringen ein Repertoire mit, das

sich in das hybride Format von

Art on Ice einfügt, ohne zur

blossen Begleitmusik zu werden.

Ergänzt wird das internationale

Line-up durch Schweizer

Musiker:innen wie Stress,

Stefanie Heinzmann und Noah

Veraguth – eine Mischung, die

internationale Strahlkraft mit

lokaler Verankerung verbindet.

James Bay


Eiskunstlauf auf höchstem Niveau

Auf dem Eis zeigt die Jubiläumsausgabe kaum Zurückhaltung. Mehrere

amtierende oder ehemalige Welt- und Europameister:innen prägen das

sportliche Programm, darunter die

Eistanzstars Madison Chock und Evan

Bates, der zweifache Weltmeister Ilia

Malinin sowie die Paarlauf-

Weltmeister Deanna Stellato-Dudek

& Maxime Deschamps. Ergänzt wird

das Feld durch europäische

Spitzenläufer wie Adam Siao Him Fa

und Kevin Aymoz. Aus Schweizer

Sicht stehen Lukas Britschgi und

Kimmy Repond im Fokus – nicht als

dekorative Heimstars, sondern als

feste Grössen im internationalen

Vergleich.

Minerva Hase & Nikita Volodin

Jubiläum ohne Nostalgie

Auffällig ist, dass Art on Ice sein

Jubiläum nicht als Rückschau

inszeniert, sondern als

Standortbestimmung. Das Format

bleibt seinem Grundprinzip treu,

Musik und Eiskunstlauf gleichwertig

nebeneinander zu erzählen, ohne

eines dem anderen unterzuordnen.

Darin liegt wohl auch 2026 die Stärke

der Veranstaltung: Sie verbindet sportliche Aktualität mit populärer Kultur und

schafft damit einen Raum, in dem Unterhaltung, Leistung und Inszenierung

aufeinandertreffen. Für uns, als arttv.ch ist genau dieses Spannungsfeld

interessant – dort, wo sich zeigt, wie zeitgemäss ein Format nach 30 Jahren noch

sein kann.

Kevin Aymoz

Jubiläumsshow | Art on Ice | 26. Februar bis 7. März

2026 | Zürich, Hallenstadion | Fribourg, BFC Arena |

Davos, Eisstadion


Kulturpolitik


Die Albert Koechlin

Stiftung lädt zum

Dialog

Seit 2001 realisiert die AKS alle drei bis vier

Jahre ein grosses Kulturprojekt – zuletzt 2025

unter dem Titel «schön?!.». Zeit es neu zu

denken? In seinen Grundzügen blieb dieses

Förderformat während rund 25 Jahren

unverändert. Im Rahmen ihres jüngsten

Strategieprozesses hat die Stiftung nun alle

Förderbereiche überprüft und neue

Schwerpunkte definiert. Im Ressort Kultur fiel

dabei der Entscheid, das bisherige

Kulturprojekt-Format offen neu zu denken –

orientiert an den strategischen Leitlinien

Nachhaltigkeit, Interdisziplinarität und

Partizipation. Die Neukonzeption erfolgt

bewusst prozesshaft. Und da diese für andere

Institutionen Vorbild sein könne, publizieren wir

sie an dieser Stelle exemplarisch.


Dialog im Herbst 2025

Als ersten Schritt setzte die AKS im Herbst 2025 auf Dialogveranstaltungen. In

fünf partizipativen und interdisziplinären Workshops tauschten sich

Kulturschaffende, Kulturförderstellen sowie Vertreter:innen aus den Bereichen

Soziales, Bildung, Wirtschaft und Umwelt aus. Rund 140 Personen nahmen

daran teil. Moderiert von Urs Dätwiler und Simona Hofmann vom Verein

Zukunftslabor Wettingen arbeiteten die Teilnehmenden mit Design-Thinking-

Methoden an der Formulierung von Bedürfnissen und Ideen für künftige

Fördergefässe.

Vier Themenfelder

In den Workshops zeigte sich, dass viele Anliegen vor allem grundlegende

Fragen betrafen – etwa Einkommen, finanzielle Mittel oder Räume. Aspekte wie

Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Interdisziplinarität spielten eine geringere

Rolle. Die meistgenannten Bedürfnisse und Ideen wurden in vier

Themenfeldern gebündelt:

Verwertung

Im Zentrum steht die Frage, wie bestehende künstlerische Arbeiten länger und

nachhaltiger genutzt werden können. Statt vor allem neue Produktionen zu

fördern, soll geprüft werden, wie Werke häufiger, über längere Zeiträume und in

verschiedenen Kontexten zugänglich gemacht werden können – etwa durch

Tourneen, Wiederaufnahmen oder Ko-Produktionen. Diskutiert werden

mehrjährige, phasenbasierte Fördermodelle sowie eine stärkere Vernetzung von

Kulturinstitutionen.

Räume

Dieses Themenfeld befasst sich mit physischen und hybriden Räumen für

künstlerisches Arbeiten und kulturelle Begegnung: Ateliers, Proberäume,

Aufführungsorte, Kulturhäuser oder niederschwellige Treffpunkte. Im Fokus

stehen Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, langfristige Sicherung und

multifunktionale Nutzung. Untersucht werden mögliche Modelle wie Sharing-

Systeme, Zwischennutzungen, Raum-Börsen oder das Bespielen unerwarteter

Orte.

Teilhabe

Ziel ist es, kulturelle Teilhabe durch gezielte Anreize zu stärken. Dabei geht es

sowohl um aktive als auch um passive Beteiligung unterschiedlicher

Bevölkerungsgruppen. Diskutiert werden Formate zur Senkung von

Zugangshürden, etwa Schul- und Bildungsangebote, Gutscheinsysteme,

Projekte an ungewohnten Orten oder Kooperationen mit sozialen und

zivilgesellschaftlichen Akteur:innen. Ein besonderer Fokus liegt auf Inklusion

und Barrierefreiheit.


Strukturförderung

Hier steht die langfristige Stärkung kultureller Strukturen im Zentrum.

Thematisiert werden faire Löhne, professionelle Arbeitsbedingungen und

nachhaltige Organisationsformen von Institutionen, Verbänden und

fördernden Akteur:innen. Vorgesehen ist eine gezielte, zweckgebundene

Vergabe von Fördermitteln mit klar definierten strukturellen Zielen,

inklusive eines festzulegenden Anteils für Organisations- und

Overheadkosten.

«Uns ist es ein Anliegen, dort zu

fördern, wo es echten Bedarf gibt.

Daher freut es mich sehr, dass unsere

Einladung zum Kulturprojekt-Dialog im

vergangenen Herbst so rege genutzt

wurde. Ich danke allen bisher und

künftig Beteiligten fürs engagierte

Mitwirken!» – Patrick Ambord, AKS

Weiteres Vorgehen

Die Kerngruppe

Kulturprojekt 2.0 –

bestehend aus Jacqueline

Holzer, Barbara Schikorr,

Reto Ambauen, Simona

Hofmann und Patrick

Ambord – wertete die

Workshop-Ergebnisse aus

und legte dem Stiftungsrat

ein weiteres Vorgehen vor.

Dieser nahm die Resultate

zustimmend zur Kenntnis

und beschloss, den

eingeschlagenen

Entwicklungsprozess

fortzusetzen. Als nächster

Schritt werden zu jedem der

vier Themenfelder

Arbeitsgruppen gebildet,

unter Einbezug der jeweils relevanten

Anspruchsgruppen. Diese Gruppen

sollen die Fragestellungen vertiefen

und bis Frühling 2027 konkrete, neue

Fördergefässe für das Ressort Kultur

entwickeln.


Kultur braucht mehr Herz und

weniger Kalkül

Kommentar von Felix Schenker,

Chefredaktor arttv.ch

Ich finde es gut – ja, wichtig –, dass die

Albert Koechlin Stiftung (AKS) ihre

Kulturförderung neu denkt. Dass sie nach

25 Jahren ein bewährtes, aber auch

erstarrtes Format nicht einfach

fortschreibt, sondern offen hinterfragt.

Nachhaltigkeit, Interdisziplinarität und

Partizipation sind keine Modewörter – sie

sind reale Herausforderungen für eine

Kultur, die mehr sein will als ein

Abspielbetrieb für immer neue Premieren.

Die Kulturprojekte der AKS – zuletzt unter dem Titel «schön?!.» – haben innert

kürzester Zeit eine enorme Fülle an Projekten hervorgebracht. Überall

entstanden Produktionen, Formate, Interventionen, Events. Das war

beeindruckend in seiner Energie – birgt aber auch die Gefahr der

Überforderung in seiner Dichte. Für das Publikum war diese geballte

Gleichzeitigkeit ein regelrechter Kultur-Challenge. Zu viel auf einmal heisst eben

zuweilen, dass die Energie verpufft. In dieser reinen Fülle geht nicht nur

Orientierung verloren, sondern auch die Möglichkeit, dass sich etwas wirklich

setzen, vertiefen und weitergetragen werden kann.

Kultur entsteht im besten Fall nicht, weil es gerade ein Fördergefäss gibt, nicht

weil man sich strategisch positionieren oder gut bewerben muss. Kultur

entsteht aus einem inneren Drang heraus. Vielleicht ist das eine romantische

Vorstellung – aber es ist und bleibt mir die liebste. Dieses innere Brennen,

dieses Leben-Müssen für die Kultur, sollte wieder stärker im Zentrum stehen.

Das ist auch der Grund, warum ich mir wünsche, dass Förderstellen auch

Entdeckungsreisende sind und Kultur dort aufstöbern, wo man sie vielleicht gar

nicht erwartet. Darum bin ich auch ein Verfechter des zu Unrecht verschmähten

Giesskannenprinzips. Gerne erinnere ich mich daran, dass ich als junger

Künstler von einer Stiftung zwar nur einen kleinen Geldbetrag bekam, dennoch


war dieser für mich wie ein Ritterschlag und die Initialzündung, mich in die Welt

der Kultur zu stürzen.

Ich wünsche mir weniger Kultur als Businessmodell. Weniger Projekte, die wie

Start-ups gedacht sind – mit Branding, Karriereplanung und Selbstoptimierung.

Weniger egomane Selbstdarstellung, weniger Kultur als Bühne für das eigene

Ich. Mehr Risiko ohne Kalkül. Mehr Scheitern dürfen. Mehr Zweifel. Mehr

Leidenschaft ohne Garantie auf Erfolg.

«Kultur entsteht im besten

Fall nicht, weil es gerade ein

Fördergefäss gibt, nicht weil

man sich strategisch

positionieren oder gut

bewerben muss. Kultur

entsteht aus einem inneren

Drang heraus. Vielleicht ist

das eine romantische

Vorstellung – aber es ist und

bleibt mir die liebste.»

Förderung ist wichtig. Ohne sie geht

es nicht. Aber sie darf nicht zum

Motor werden, der bestimmt, was

überhaupt noch gedacht und

gemacht wird. Sie sollte Räume öffnen

– nicht Richtungen vorgeben. Sie

sollte Mut belohnen – nicht

Anpassung.

Ich rede da natürlich auch auf die

eigene Mühle, wenn ich vehement

fordere, dass Kulturförderung auch

immer die Vermittlung mitdenkt. Es ist

höchste Zeit, dass nicht nur produziert

wird, sondern auch vermittelt – und

das ganz im Dienste der Kultur, ohne

sich selber zum Kulturprojekt machen

zu wollen. Denn das Publikum kommt in dieser Flut an Möglichkeiten längst

nicht mehr mit. Und ohne gemeinsames Erleben entsteht auch kein

gemeinsamer Kanon mehr.

Weniger wäre mehr. Dafür das Vorhandene besser begleiten, vermitteln,

einordnen, vertiefen. Zeit geben zum Sehen, Hören, Lesen, Nachdenken,

Diskutieren. Genau das versucht arttv.ch seit über 20 Jahren: Kultur sichtbar zu

machen, verständlich zu erzählen und mit dem Publikum in Beziehung zu

setzen. Und das ist, wenn ich es richtig interpretiere, auch eine Stossrichtung

der AKS.


Erna Schillig, C. G.

Jung und das

Unbewusste


Wie eine

Wiederentdeckung

ins Landesmuseum

führt

Die Ausstellung «Seelenverwandtschaften»

im Landesmuseum Zürich ist als kultur- und

geistesgeschichtliche Schau angelegt. Sie

widmet sich der Entdeckung der Psyche in

der Schweiz – ausgehend von Carl Gustav

Jung. Kunst spielt aber dabei eine zentrale

Rolle, nicht als Selbstzweck, sondern als

wesentliches Mittel zur Illustration

psychologischer und geistiger

Zusammenhänge. Dass die Urner Künstlerin

Erna Schillig vertreten ist, darf als späte

Anerkennung gewertet werden.


Eine Urner Künstlerin im internationalen Kontext

Der Umstand, dass Erna Schillig aktuell im Landesmuseum Zürich

gezeigt wird – Schulter an Schulter mit Grössen wie Johann Heinrich

Füssli, Rudolf Steiner Meret Oppenheim, Emma Kunz und Thomas

Hirschhorn – ist wohl das Ergebnis ihrer jüngeren Wiederentdeckung.

Mit der Website ernaschillig.ch und dem vom Kunsthistoriker Beat

Stutzer konzipierten Buch «Erna Schillig. Aufbruch zur Moderne»

(Scheidegger & Spiess) wurde ihr Werk erstmals fundiert aufgearbeitet.

Diese Forschung findet nun Eingang in eine nationale Institution.

Briefe an Jung – das Unbewusste als Lebenserfahrung

Erna Schillig ist in der Ausstellung «Seelenverwandtschaften» im

Landesmuseum mit drei Entwürfen für Wandteppiche in der

Ausstellung vertreten. Zudem ist ihr erster von mindestens fünf Briefen

zu sehen, den sie am 1. Juli 1947 an C. G. Jung schrieb. Darin wendet

sich Schillig in einer persönlichen Krise an den

weltberühmten Psychiater und bittet ihn um Hilfe – und formuliert

dabei eine Erfahrung, die ihr weiteres Leben und Arbeiten prägen

sollte. So schreibt sie: «Vor zwei Jahren wurde ich nach schwerer


Operation gelähmt. […] Es lag eine periphere Nervenschädigung vor,

doch vermutete meine Freundin, eine Ärztin, dass psychogene

Ursachen vorliegen, zumal sie wusste, dass ich im Spital durch Zufall in

demselben Zimmer lag, in welchem mein Geliebter starb.» Weiter

schreibt sie, dass sie sich auf den Rat dieser Freundin in

psychotherapeutische Behandlung begeben habe. Dennoch bleibe sie,

wie sie Jung anvertraut, «heute noch schwach, verstört, verwirrt» – und

stellt schliesslich jene Frage, die den Kern ihres Anliegens trifft: warum

seelisches Leid durch bittere Bekanntschaft mit sich selbst geheilt

werden müsse. Diese Frage wünsche sie sich sehnlichst von C. G. Jung

beantwortet. Der Brief macht deutlich:

Das Unbewusste ist für Schillig, die

sich bei C. G. Jung später auch in

Therapie begab, kein theoretischer

Begriff, sondern Teil einer

existenziellen Erfahrung – und

Ausgangspunkt einer künstlerischen

Auseinandersetzung, die nicht

illustriert, sondern strukturiert.

Meret Oppenheim und der

«umgekehrte Baum»

Schillig teilt sich in der Ausstellung

eine Wand mit Meret Oppenheim, die

ebenfalls im brieflichen Austausch mit

Jung stand. Oppenheim gehört zu

den international bekanntesten

Schweizer Künstlerinnen des 20.

Jahrhunderts und schuf mit dem

Objekt Déjeuner en fourrure (1936,

Museum of Modern Art, New York) –

eine mit Pelz überzogene Tasse mit

Unterteller und Löffel –, ein Schlüsselwerk des Surrealismus

Oppenheims Werk kreist um Fragen des Unbewussten, um

Verwandlung, Erotik und Bedeutungsverschiebung. Nach der Lektüre

von Jungs Buch Von den Wurzeln des Bewusstseins wandte sie sich an

ihn und bezog sich auf das Bild des «umgekehrten Baums», dessen

Wurzeln im Unbewussten liegen. Oppenheim hielt fest, dass sie diese

Erfahrung bereits künstlerisch formuliert habe – in ihrem Werk «Le

Paradis est dans la Terre».


Heidi Bucher – der Raum spricht zurück

In der Ausstellung ist auch eine Arbeit von zu sehen, die sie 1988 im ehemaligen

Konsultationszimmer von Ludwig Binswanger im Sanatorium Bellevue in

Kreuzlingen realisierte. Das Bellevue war eine international bedeutende private

psychiatrische Klinik, in der Binswanger seit 1907 eine existenzanalytische Form

der Psychoanalyse entwickelte. Bucher löste in diesem Raum die Wände mit

Gaze und Latex ab und machte den Raum selbst zum Werk. Die Arbeit ist eine

kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Psychoanalyse,

insbesondere mit den Erfahrungen von Patientinnen, die im therapeutischen

Kontext mundtot gemacht wurden. Die abgezogene Wand fungiert als

materieller Träger von Erinnerung, Machtverhältnissen und verdrängter

Erfahrung – nicht symbolisch, sondern konkret.

Gemeinsamer Nenner: die Psyche

Gemeinsam ist den in der Ausstellung vertretenen Kunstschaffenden nicht ein

Stil oder eine Epoche, sondern die Auseinandersetzung mit inneren Bildern,

geistigen Modellen und psychischer Erfahrung. Die Arbeiten von Thomas

Hirschhorn thematisieren psychische Überforderung, Fragmentierung und


Daueranspannung als gesellschaftlichen Zustand und übertragen innere

Konflikte in raumgreifende, bewusst ungeschützte Installationen. Johann

Heinrich Füssli gilt als früher Vorläufer psychologischer Bildwelten: Seine

Darstellungen von Traum, Angst und Nachtseiten der Seele antizipieren zentrale

Motive der späteren Tiefenpsychologie. Die Zeichnungen von Emma Kunz

entstehen aus einem meditativen Prozess und verstehen sich als visuelle

Ordnungen innerer Energien und geistiger Zustände. Rudolf Steiner wiederum

versuchte, seelische und geistige Vorgänge systematisch zu erfassen und in

Diagrammen und Zeichnungen sichtbar zu machen – an der Schnittstelle von

Denken, Wahrnehmung und spiritueller Erfahrung. Dass Erna Schillig in diesem

Kontext sichtbar wird, ist eine späte Wiedergutmachung: Ihr Werk wurde lange

«Seelenlandschaften. C. G. Jung und die Entdeckung

der Psyche in der Schweiz» | Landesmuseum Zürich |

Bis 15. Februar 2026 |

Das Buch «Erna Schillig. Aufbruch zur Moderne» ist

begleitend zur Ausstellung im Museumsshop

erhältlich – sowie im Buchhandel oder direkt bei

arttv.ch (CHF 49.00 plus 8.00 Porto). > Zur

Buchbestellung


Mirjam Skal: Die Kunst,

Bilder in Musik zu

verwandeln


Ein Porträt einer

Zürcher

Filmkomponistin

zwischen

Synästhesie,

Experiment und

Emotion

Mirjam Skal entwickelt Filmmusik aus

einer besonderen Wahrnehmung

heraus: Als Synästhetikerin erlebt sie

Klänge in Farben und Formen. Diese

visuelle Dimension prägt ihren Stil, in

dem sich synthetische Klangtexturen

und orchestrale Elemente zu dichten,

atmosphärischen Räumen verbinden –

stets im Dienst der filmischen Erzählung,

nie als vordergründiger Effekt.


Individuelle Klangpaletten

Ausgebildet an der Zürcher Hochschule der Künste (Bachelor und Master in

Filmmusik-Komposition), arbeitet Skal freischaffend für Dokumentarfilme,

Spielfilme und Fernsehen. Für jedes Projekt entwickelt sie eigene Klangwelten,

häufig unter Einbezug ungewöhnlicher Instrumente wie Theremin oder

Drehleier. Besonders interessiert sie das Zusammenspiel von Akustik und

Elektronik.

Internationale Schritte

2021 wurde Mirjam Skal ins Sound Studio von Berlinale Talents aufgenommen

und nahm am Mentoring-Programm der Alliance for Women Film Composers

bei Mychael Danna (LIFE OF PI) teil. Daraus entstand die Einladung, zusätzliche

Musik für WHERE THE CRAWDADS SING zu komponieren. Es folgten unter

anderem zwei Zürcher Tatort-Folgen sowie der Soundtrack zu LES

COURAGEUX von Jasmin Gordon.

Anerkennung

Für ihre Musik zur Tatort-Episode VON AFFEN UND MENSCHEN erhielt

Mirjam Skal 2024 den Rolf-Hans Müller Preis. 2025 wurde sie für VRACHT von

Max Carlo Kohal mit dem Deutschen Dokumentarfilm-Musikpreis

ausgezeichnet.


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Mirjam Skal |

FONDATION SUISA

Musiker:innenportraits

Dieser Beitrag wird

unterstützt von:


Vom Maihof zum

Kulturhaus am Rigi


Die Erfolgsgeschichte

geht weiter: Im März 2026

startet das Team des

ehemaligen Maihofs am

neuen Standort

Was 2022 als temporäres Experiment begann,

hat sich innert kürzester Zeit zu einem

Herzstück des Küssnachter Kulturlebens

entwickelt. Mit dem Kulturhaus Maihof

schufen Nicolas Wittwer, Nadia Tattersall und

Tom Höpping einen offenen Ort für

Ausstellungen, Konzerte und Workshops. Der

Abriss des Hauses im Sommer 2025 setzte

dem Projekt zwar ein bauliches Ende – nicht

aber der Idee dahinter. Nun geht die

Geschichte weiter: Ab dem 1. März 2026

eröffnet das Team im ehemaligen Restaurant

Gotthard, dem «Godi», unter neuem Namen

ein neues Kulturhaus am Rigi.


Vom Provisorium zur Bewegung

Als im September 2022 das Kulturhaus Maihof seinen Betrieb aufnahm,

war offen, wie sich das Projekt entwickeln würde. Hinter der Initiative

standen Nicolas Wittwer, Nadia Tattersall und Tom Höpping. Mit ihrer

Vision eines neuen Begegnungsortes für Kunst- und Kulturschaffende

der Region richteten sie an der Bahnhofstrasse 25 in Küssnacht einen

Raum ein, der rasch zu einem festen Bestandteil des lokalen

Kulturlebens wurde. Insgesamt fanden dort 32 Kunstausstellungen mit

164 Künstler:innen, 22 Konzerte sowie rund 150 Workshops für

verschiedene Altersgruppen statt.

Mit dem Abriss des Hauses im August 2025 fand das Projekt ein

abruptes Ende. Doch der Funken, den das Team in dieser Zeit gesetzt

hatte, blieb bestehen und hielt die Zusammenarbeit trotz des Verlusts

der Räumlichkeiten am Leben. Diese Beharrlichkeit führt nun zu einem

neuen Standort: Ab dem 1. März 2026 soll das Projekt im ehemaligen

Restaurant Gotthard weitergeführt werden. Die Betreiber:innen wollen

damit an die Arbeit anknüpfen, die im Maihof begonnen wurde. Das

«Godi», wie der Ort in Küssnacht bekannt ist, bietet eine zentrale Lage

und dürfte dem Vorhaben erneut Sichtbarkeit und Resonanz in der

Region verschaffen.


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Kulturhaus am Rigi


Faszination Glas –

verborgenen

Schätze eines

uralten Handwerks


Eine Reise durch

3500 Jahre

Glasgeschichte im

Museum für

Urgeschichte(n).

Glas ist glänzend und bunt. Seit

Jahrtausenden fertigen Menschen

daraus kostbare Dinge wie Schmuck,

Dekorationen und filigranes Geschirr.

Die Ausstellung «Faszination Glas»

erzählt die Geschichte des Werkstoffs,

von den ersten künstlichen Edelsteinen

im Vorderen Orient bis zu den

Sturzbechern des frühen Mittelalters.

Funde aus dem Kanton Zug und

zahlreiche Leihgaben aus dem In- und

Ausland zeigen die facettenreiche

Vielfalt der gläsernen Kunstwerke auf.


Von Zauberkugeln und Armringen – die ersten 3000 Jahre Glas

Die Geschichte des Glases beginnt im Nahen Osten und in Ägypten,

wo bei der Metallverarbeitung zufällig glasähnliche Stoffe entstanden.

Früh werden daraus Schmuck, Gefässe und Wandkacheln gefertigt.

Auch die ältesten Zuger Funde bestehen aus einer frühen Glasart, der

Quarzkeramik: Schmuckperlen, die vor rund 3500 Jahren in die

Pfahlbausiedlung Cham-Bachgraben gelangen. In der Bronzezeit folgen

blau-weisse Glasperlen aus norditalienischen Werkstätten, kombiniert

mit Bernstein von der Ostsee. Prächtige Armringe der Eisenzeit –

farbstark und handwerklich bis heute rätselhaft – zeigen das exzellente

Können der Glasherstellung. Einen Höhepunkt markiert die römische

Epoche: Die Erfindung des

Glasblasens macht Glasgefässe

für viele erschwinglich,

gleichzeitig entstehen

Luxusobjekte mit kunstvollen

Verzierungen. Herausragende

Becher, Spielsteine und

kostbare Grabbeigaben aus

der Schweiz und aus dem

Rheinland dokumentieren

Vielfalt, Technik und Status des

Glases in jener Zeit.

Deine eigene Glasperlenkette

Die Ausstellung im Museum für

Urgeschichte(n) macht Glas auf

spielerische Weise begreifbar – für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

Ein frühmittelalterlicher Perlenkragen kann anprobiert werden, ein

Geschicklichkeitsspiel zeigt den langen Handelsweg der Perlen bis an

den Zugersee. Ein Rätsel mit Bruchstücken von Glasgefässen vermittelt,

wie Archäolog:innen Funde bestimmen. Glaskobold Glitzertoni lädt

Familien zur Perlenjagd ein: Wer seine kniffligen Aufgaben löst, erhält

Perlen für eine eigene Kette. In seiner «Glitzerhöhle» auf der

Kindergalerie warten funkelnde Entdeckungen und

Abenteuergeschichten – ein sinnliches Eintauchen in 4000 Jahre

Glasgeschichte.


Kulturgeschichte des Glases mit Schweizer Blick

Glas zählt zu den ältesten vom Menschen hergestellten Werkstoffen: Schon im 3.

Jahrtausend v. Chr. entstanden im Vorderen Orient erste glasähnliche Objekte –

luxuriös, selten, Statussymbol einer Elite. Die grosse Wende kam im 1. Jh. v.

Chr., als mit der Technik des Glasblasens Glas preislich und technisch für viele

verfügbar wurde. Damit begann die Verbreitung von Glasgefässen, Fenstern und

Schmuck — und Glas wurde vom Luxusgut zum Alltagsbegleiter.

Auch in Schweiz finden sich Zeugnisse dieser Entwicklung: In römischen

Siedlungen wie Aventicum oder Augusta Raurica betrieben Handwerker

Glashütten — sie bearbeiteten importiertes Rohglas, liessen es schmelzen und

fertigten daraus qualitativ hochwertige Gefässe, Fensterglas und Schmuck.

Im Mittelalter war Glas hierzulande selten und meist importiert; erst mit dem

Aufblühen der Glasproduktion in der Neuzeit gewann Glas wieder an

Bedeutung. Ein leuchtendes Beispiel für die Schweizer Glasgeschichte bis heute

ist die Glasi Hergiswil: Gegründet 1817 von den Brüdern Siegwart, überstand sie

Krisen und Automatisierung und bleibt bis heute die einzige Glasmanufaktur der

Schweiz, in der Glas vollständig von Hand gefertigt wird. Besucher:innen können

live beobachten, wie Werkstücke aus der glühenden Masse entstehen – und

damit eine Handwerkstradition erleben, die Jahrhunderte überdauert hat.

So spannt sich der Bogen: Vom frühen Luxus- und Symbolgut, über römische

Innovation und mittelalterliche Importware hin zur handwerklich-modernen

Glasmanufaktur — Glas bleibt ein Material, das Technik, Kultur und Alltag

verbindet.


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Faszination Glas | Museum für

Urgeschichte(n) | bis 17. Mai 2026


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