SB_00044N
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2024
Abschlussbericht
DVS-Forschung
Konzept, klebtechnische
Fertigung und Funktion
von Brennstoffzellen-
Demonstratoren
auf Basis nachwachsender
Rohstoffe
Konzept, klebtechnische
Fertigung und Funktion von
Brennstoffzellen-
Demonstratoren auf Basis
nachwachsender Rohstoffe
Abschlussbericht zum
Forschungsvorhaben
IGF-Nr.: 00.044
DVS-Nr.: 08.3547
Technische Universität Braunschweig
Institut für Füge- und Schweißtechnik
Zentrum für BrennstoffzellenTechnik
ZBT GmbH
Fraunhofer-Gesellschaft e.V. Fraunhofer
Institut für Holzforschung Wilhelm-
Klauditz-Institut, WKI
Förderhinweis:
Das IGF-Vorhaben Nr.: 00.044 N / DVS-Nr.: 08.3547 der Forschungsvereinigung
Schweißen und verwandte Verfahren e.V. des DVS, Aachener Str. 172, 40223 Düsseldorf,
wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen
Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind online
abrufbar unter: http://dnb.dnb.de
© 2024 DVS Media GmbH, Düsseldorf
DVS Forschung Band 603
Bestell-Nr.: 170713
Kontakt:
Forschungsvereinigung Schweißen
und verwandte Verfahren e.V. des DVS
T +49 211 1591-0
F +49 211 1591-200
forschung@dvs-home.de
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung in andere Sprachen, bleiben
vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages sind Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und die
Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen nicht gestattet.
Schlussbericht vom 28.05.2025
zum IGF-Vorhaben FKZ 01IF00044EL
Thema
Konzept, klebtechnische Fertigung und Funktion von Brennstoffzellen-Demonstratoren auf Basis nachwachsender
Rohstoffe
Berichtszeitraum
01.11.2021 bis 31.12.2024
Forschungsvereinigung
Schweißen und verwandte Verfahren des DVS e.V.
Aachener Str. 172
40223 Düsseldorf
Forschungseinrichtung(en)
Technische Universität Braunschweig, Institut für Füge- und Schweißtechnik (IFS)
Langer Kamp 8
38106 Braunschweig
ZBT - Zentrum für Brennstoffzellen-Technik GmbH (ZBT)
Carl-Benz-Straße 201
47057 Duisburg
Fraunhofer Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI)
Riedenkamp 3
38108 Braunschweig
IGF-VORDRUCK DLR-PT Stand: Januar 2025
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ..........................................................................................................................4
1.1 Problemstellung und Motivation........................................................................ 5
1.2 Zielsetzung ....................................................................................................... 6
1.3 Stand der Technik ............................................................................................ 6
1.3.1 Brennstoffzellen ................................................................................................ 6
1.3.2 Klebtechnik ....................................................................................................... 9
1.3.3 Biobasierte Brennstoffzellenkomponenten ..................................................... 10
1.4 Forschungshypothese und methodischer Ansatz ........................................... 13
2. Durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse ...........................................................................16
2 ........................................................................................................................ 17
2.1 Arbeitspaket 1: Erstellung eines Lastenhefts (ifs & ZBT & WKI) .................... 17
2.2 Arbeitspaket 2: Konzeptionierung der Fügeschritte (ifs)................................. 19
2.2.1 Baltic Zelle ...................................................................................................... 20
2.2.2 Aufbau Zelle (ZBT-Testdesign) und daraus resultierender
Brennstoffzellenstack...................................................................................... 24
2.2.3 Klebstoffeinsatz .............................................................................................. 28
2.2.4 Technologieauswahl und Umsetzung ............................................................. 33
2.2.5 Teilflächige Klebstoffapplikation im FlowField ................................................ 33
2.2.6 Stromabnehmer sowie Rand- und Isolierplatte ............................................... 38
2.3 Arbeitspaket 3: Charakterisierung der Oberflächen und Klebstoffe (ifs & ZBT)39
2.3.1 Oberflächenvorbehandlung (Corona und Plasma) ......................................... 39
2.3.2 Verwendete Anlagentechnik ........................................................................... 40
2.3.3 Eingesetzte Materialien .................................................................................. 41
2.4 Arbeitspaket 4: Fügen von Versuchszellen, BPP und Endplatten (ifs & ZBT) 48
2.4.1 Applikationstreffen am ifs ............................................................................... 48
2.4.2 Planare Anforderungen an Ausgangsbauteile ................................................ 50
2.4.3 Qualitätskontrolle durch µCT .......................................................................... 53
2.4.4 Kupfer PC Compound .................................................................................... 55
2.4.5 Verzug bei geklebten Bauteilen ...................................................................... 55
2.4.6 Kupfer PC/ABS Compound Holz - fully bonded Stack .................................... 61
2.5 Arbeitspaket 5: Herstellung und Tests von 1 Zellern (ifs & ZBT) .................... 63
2.6 Arbeitspaket 6: Herstellung und Tests von 5 Zellern (ifs & ZBT) .................... 69
2.7 Arbeitspaket 7: Langzeituntersuchung (ifs & ZBT) ......................................... 72
2.8 Arbeitspaket 8: Wirtschaftlichkeitsanalyse und Ökologische HotSpot Analyse82
2.9 Arbeitspaket 9: Dokumentation und Workshop .............................................. 99
Seite 2
2.10 Ausblick ........................................................................................................ 100
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
3. Verwendung der Zuwendung .........................................................................................101
4. Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit .............................................107
5. Darstellung des wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Nutzens der erzielten
Ergebnisse insbesondere für KMU sowie ihres innovativen Beitrags und ihrer industriellen
Anwendungsmöglichkeiten ............................................................................................108
6. Wissenstransfer in die Wirtschaft ...................................................................................110
- Durchgeführte Transfermaßnahmen ..............................................................................110
- Geplante spezifische Transfermaßnahmen nach der Projektlaufzeit .................................112
7. Literaturverzeichnis ........................................................................................................113
8. Literaturverzeichnis / Bibliography ...............................................................................113
9. Förderhinweis ................................................................................................................118
10. Angaben über gewerbliche Schutzrechte .........................................................................119
11. Kurzzusammenfassung ...................................................................................................120
12. Danksagung ...................................................................................................................122
Seite 3
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
1. Einleitung
Die Europäische Union (EU) verfolgt das Ziel, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. Die
Förderung von Wasserstoffstrategien. Insbesondere grüner Wasserstoff, der mittels erneuerbarer
Energien produziert wird, ist ein zentraler Baustein dieses Vorhabens. Im Juli 2020 präsentierte die
EU-Kommission eine umfassende Wasserstoffstrategie mit dem Ziel die Wasserstoffproduktion zu dekarbonisieren
und ein integriertes, klimaneutrales Energiesystem zu etablieren.
Auf nationaler Ebene strebt Deutschland an, bereits bis 2045 klimaneutral zu sein [1]. Ein wesentliches
Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist die im Juni 2020 verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie
(NWS), welche im Juli 2023 fortgeschrieben wurde. Diese Strategie zielt darauf ab, die
Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff zu fördern und Deutschland zu dem führenden Anbieter
modernster Wasserstofftechnologien weltweit zu machen. Bis 2030 sollen Wasserstoffelektrolyseure
mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt installiert werden [2].
Um einen erfolgreichen Markthochlauf von Wasserstofftechnologien zu unterstützen, ist es notwendig
entsprechend leistungsfähige Technologien zu erforschen und diese der Industrie mit möglichst
geringen Einstiegshürden bereitzustellen. Das soll dazu beitragen, den CO₂-Ausstoß in den Bereichen
Industrie, Verkehr und Energie gemäß den Vorgaben zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Wirtschaft zu stärken.
Angesichts der drängenden Herausforderungen des Klimawandels und der globalen Bemühungen
um eine nachhaltige Energiezukunft rücken emissionsfreie und hocheffiziente Energiewandler zunehmend
in den Fokus. Brennstoffzellen gelten hierbei als zukunftsweisende Technologie, da sie im Gegensatz
zur Verbrennung fossiler Energieträger keine CO₂-Emissionen verursachen und gleichzeitig
deutlich effizienter arbeiten [3, 4]. Während konventionelle Kraftwerke auf der Basis von Wärme-Kraft-
Prozessen nur begrenzte Wirkungsgrade erreichen und dabei einen erheblichen Teil der eingesetzten
Energie in Form von Abwärme verlieren, wandeln Brennstoffzellen chemische Energie direkt und verlustarm
in elektrische Energie um [5]. Auch im Vergleich zu anderen regenerativen Energien wie Windoder
Solarenergie, die naturgemäß fluktuieren und somit auf effiziente Speicherlösungen angewiesen
sind, bieten Brennstoffzellensysteme den Vorteil einer bedarfsgerechten und dezentralen Energieerzeugung
– insbesondere, wenn sie mit grünem Wasserstoff betrieben werden, der zuvor aus überschüssigem
Strom erzeugt wurde.
Ein besonders vielversprechender Typ ist die Niedertemperatur-Polymerelektrolytmembran-
Brennstoffzelle (PEM-Brennstoffzelle), die aufgrund ihrer kompakten Bauweise, schnellen Reaktionsfähigkeit
und niedrigen Betriebstemperaturen (typisch 60–80 °C) vielfältig einsetzbar ist [5]. Sie eignet
sich sowohl für den mobilen Bereich – etwa in Fahrzeugen, Zügen oder Schiffen – als auch für stationäre
Anwendungen wie in der Hausenergie- und Wärmeversorgung, industriellen Anlagen oder Rechenzentren.
Gerade im stationären Betrieb lässt sich die Brennstoffzelle ideal mit Konzepten der Kraft-
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Wärme-Kopplung (Combined Heat and Power, CHP) kombinieren, wodurch neben Strom auch nutzbare
Wärme bereitgestellt wird [6].
Im Kontext von Power-to-X-Konzepten, der Umwandlung überschüssiger erneuerbarer Energie in
energiereiche und speicherbare Stoffe wie Wasserstoff oder Methan spielen Brennstoffzellen ebenfalls
eine zentrale Rolle [7–9]. Während Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff aus grünem Strom
dienen, können Brennstoffzellen diesen Wasserstoff bei Bedarf wieder rückverstromen. Darüber hinaus
sind Brennstoffzellen einfach zu skalieren, wodurch mit geringem Aufwand eine entsprechende
Anpassung an den Leistungsbedarf stattfinden kann. Dies macht sie zu einem essenziellen Baustein
in zukünftigen, sektorgekoppelten Energiesystemen, in denen Strom, Wärme, Mobilität und industrielle
Prozesse intelligent und ressourcenschonend miteinander vernetzt werden.
1.1 Problemstellung und Motivation
Mit der zunehmenden Bedeutung der Brennstoffzellentechnologie im Hinblick auf den Energiewandel
rückt nicht nur die Funktionalität, sondern auch die ökologische Gesamtbilanz der eingesetzten Materialien
in den Fokus. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz biobasierter Materialien entlang der
Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Biobasierte Klebstoffe, die auf nachwachsenden
Rohstoffen basieren, ermöglichen eine ressourcenschonende und potenziell CO₂-neutrale Verbindungstechnik.
Speziell bei der Herstellung und Abdichtung von Komponenten innerhalb des Stacks
können biobasierte Klebstoffe eine elementare Rolle spielen. Bereits durchgeführte Forschungsprojekte
wie zum Beispiel „Thermoaktivierbare Bio-Klebstoffe“ (ThermoBiK) haben gezeigt, dass biobasierte
Polyurethanklebstoffe die Treibhausgasemissionen um mehr als 25 % gegenüber herkömmlicher
erdölbasierter Polyurethanklebstoffe reduzieren können [10]. Ebenso werden biobasierte Thermoplaste
als Matrixmaterialien für spritzgegossene Bauteile (Bipolarhalbplatte) in der Brennstoffzelle für
das Forschungsvorhaben FV Bio in Betracht gezogen. Diese müssen eine ausreichende mechanische
Stabilität und chemische Beständigkeit bieten. Darüber hinaus werden eine verbesserte Recyclingfähigkeit
und eine geringere Umweltbelastung gegenüber erdölbasierten Kunststoffen angenommen.
Beispielsweise werden im Projekt FC-Bio thermoplastische Bipolarplatten aus nachwachsenden Rohstoffen
entwickelt, die mittels Spritzgusses kostengünstig hergestellt werden können. Ergänzend dazu
bieten holzbasierte Randplatten eine nachhaltige Alternative zu konventionellen, aluminiumbasierten
Werkstoffen. Durch die Integration solcher Materialien wird angenommen, dass Umweltwirkungen über
den gesamten Lebenszyklus der Brennstoffzelle hinweg reduziert und neue Wege hin zu einer bioökonomisch
orientierten Kreislaufwirtschaft beschritten werden können.
Seite 5
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Transformation zu einer klimaneutralen Energietechnologie
nicht allein über die Antriebstechnologie erfolgt, sondern auch durch die konsequente Substitution konventioneller
Materialien durch biobasierte Alternativen entlang der gesamten Prozesskette unterstützt
werden kann.
Bislang existieren weder auf Basis anderer experimenteller Forschungsprojekte noch auf industriell
umgesetzten Produktlösungen Mögliche Referenzen, die im großen Stil biobasierte Materialien, oder
sogar Holz als Werkstoff in der Brennstoffzelle einsetzen. Somit ist das Zusammenspiel der Substitution
oben genannter Werkstoffe für konventionelle Werkstoffe und Fügeverfahren eine erstmalige Herausforderung.
Der vollständige Austausch durch biobasierte Materialien ist zwar das grundsätzlich erklärte
Ziel, jedoch muss auch die Bauteilleistung berücksichtigt werden. Somit muss das maximale,
aber dennoch funktionstüchtige Verhältnis zwischen biobasierten und konventionellen Materialien gefunden
werden.
Gerade im Kontext zunehmender Nachhaltigkeitsanforderungen und EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft
(z. B. EU Green Deal, REACH-Verordnung) könnte der Einsatz biobasierter und lösungsmittelfreier
Klebstoffe nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch regulatorische Erleichterungen und
Marktvorteile für Hersteller und Anwender mit sich bringen. Für kleine und mittlere Unternehmen aus
den Bereichen Klebstoffchemie, Fügetechnik und Materialverarbeitung ergibt sich daraus ein zukunftsträchtiges
Innovationsfeld mit hoher Relevanz für den Transfer in industrielle Anwendungen.
1.2 Zielsetzung
Das Teilprojekt 1 – Joint and Function greift an dem Punkt die Ergebnisse der anderen drei Teilprojekte
(TP2: Wooden Endplate, TP3: Compound and Filler und TP4: Bio Adhesives) auf und untersucht
das Zusammenspiel dieser. Das erklärte Ziel für Teilprojekt 1 ist somit die in den einzelnen Teilprojekten
als erfolgreich und betriebstauglich geprüften Materialien über geeignete und zu definierende Fügeverfahren
gemeinsam in einen Brennstoffzellenstack zu kombinieren und eine möglichst hohe Anzahl
an funktionsnahen Betriebsstunden zu generieren. Die dabei regelmäßig durchgeführten Systemshutdowns
und erneuten Anläufe, sowie die kontinuierlich erfassten Parameter wie Betriebstemperatur,
Nennstrom und -spannung des Brennstoffzellenstacks lassen eine genaue Analyse der Leistungsfähigkeit
und Dauerbeständigkeit des Materialverbunds zu.
1.3 Stand der Technik
1.3.1 Brennstoffzellen
Die strategische Bedeutung der Brennstoffzellentechnologie spiegelt sich auch in einer Reihe nationaler
und internationaler Leuchtturmprojekte wider, die als Vorreiter für eine breitere Markteinführung
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
dienen. So etwa das Projekt „Elektra“, bei dem ein emissionsfreies, wasserstoffbetriebenes Schubboot
für die Berliner Binnenschifffahrt entwickelt wurde [11]. Es kombiniert Batterien mit Brennstoffzellen
und beweist die Machbarkeit klimafreundlicher Schwerlastmobilität auf dem Wasser. Ein weiteres Beispiel
ist das Projekt „GetH₂“ in Lingen, das unter Beteiligung von RWE eine 100-MW-Elektrolyseanlage
zur Herstellung von grünem Wasserstoff vorsieht [12]. Das Ziel hierbei ist den Energiebedarf von Industrie
und Mobilität langfristig CO₂-frei zu gestalten. Auch regionale Netzwerke wie HZwo e.V. in
Sachsen treiben die Entwicklung voran, indem sie praxisnahe Anwendungen wie brennstoffzellenbetriebene
Flurförderfahrzeuge oder modular skalierbare Versorgungssysteme für Gewerbe und Industrie
entwickeln [13].
Diese Beispiele weisen das enorme Potenzial der Brennstoffzelle auf. Speziell für die Niedertemperatur-Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzelle
(NT-PEM-BZ). Diese agiert dabei als Schlüsselkomponente
für eine nachhaltige, sichere und unabhängige Energieversorgung der Zukunft.
Mit der zunehmenden Verbreitung von Brennstoffzellentechnologie rückt nicht nur die Funktionalität,
sondern auch die ökologische Gesamtbilanz der eingesetzten Materialien in den Fokus.
Brennstoffzellen tragen zur dezentralen und individuell steuerbaren Energieversorgung bei. Die ist
aufgrund ihrer niedrigen Betriebstemperaturen und ihrer Überlegenheit im diskontinuierlichen Betrieb
sowohl für den stationären als auch für den mobilen Einsatz geeignet. Als Werkstoffe für bipolare Halbplatten
können neben Metallen auch thermoplastische Kunststoffe verwendet werden. Diese haben
den Vorteil einer im Verhältnis zu metallischen Platten, einfacheren Herstellung, da die Bauteile aufgrund
ihrer hervorragenden Korrosionsbeständigkeit und elektrischen Kontaktierung keine kostenintensive
Nachbearbeitung benötigen. Allerdings stellen die Umgebungsbedingungen im Betrieb einige
Herausforderungen an die einzusetzenden Materialien. Die permanente Feuchtigkeit, der Einsatz von
vollentsalztem Wasser (VE-Wasser), eine schwefelsaure Umgebung bei 85°C Betriebstemperatur,
hohe geforderte elektrische Leitfähigkeit und Undurchlässigkeit gegenüber der Permeation von Wasserstoff.
Um das Potenzial biobasierter Werkstoffe zu demonstrieren, wurden im Projekt Klebstoffe sowohl für
die Abdichtung als auch für die leitfähige Klebung aller Verbindungen innerhalb einer vollgeklebten
Brennstoffzelle entwickelt und getestet.
Brennstoffzellen ermöglichen eine sehr effiziente und lokal emissionsfreie elektrische Energieversorgung
mobiler und stationärer Anwendungen. Sie stellen einen elektrochemischen Energiewandler
dar, welcher auf direktem Weg chemische Reaktionsenergie in elektrische Energie umsetzt. Die
Energieumwandlung verläuft durch räumliche Trennung eines Brenngases (z.B. Wasserstoff) und Oxidationsmittels
(z.B. Sauerstoff) mit Hilfe einer ionenleitfähigen Membran. Als Reaktionsprodukte werden
elektrischer Strom, Wasser und Wärme gebildet. Die Stromerzeugung findet im Vergleich zu konventionellen
Verfahren mittels Wärme-Kraft-Maschinen in nur einem Schritt statt, wodurch ein wesentlich
höherer Wirkungsgrad erreicht wird [14].
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Für niedrige Betriebstemperaturen und diskontinuierlichen Betrieb bietet sich vor allem die Niedertemperatur-Polymer-Elektrolyt-Membran
(NT-PEM) Brennstoffzelle an [15]. Eine Einzelzelle besteht dabei
aus einer Membran-Elektroden-Einheit (MEA), verschiedenen Dichtungen und zwei Bipolarhalbplatten
(BPHP) zur Medienversorgung bzw. Kühlung und elektrischen Kontaktierung (
Abbildung 1, links) [16]. Da eine einzelne Brennstoffzelle nur eine geringe Spannung liefert,
werden üblicherweise Reihenschaltungen mehrerer Zellen, sogenannte Stacks, eingesetzt und über
die Endplatten mittels Zugelementen (z.B. Zuganker, Spannbänder, etc.) miteinander verpresst [17].
Es ist dabei zwingend erforderlich, dass der gesamte Stack gleichmäßig und mit definierten Kräften
verpresst wird, um die Funktionalität der Dichtungen sowie einen guten elektrischen Kontakt zwischen
den Bipolarplatten und den Elektroden zu gewährleisten.
Abbildung 1 (rechts) zeigt den Aufbau solcher NT-PEM-Stacks.
Abbildung 1: Aufbau einer NT-PEM-Zelle (links); Aufbau eines PEM Stacks (rechts)
Neben der MEA ist die Bipolarplatte das wichtigste Wiederholelement einer Brennstoffzelle, weil sie
den volumetrisch und gravimetrisch größten Anteil an einem Stack ausmacht und dessen Leistungsfähigkeit
durch die Vielfalt an Funktionen (Medien zu- und abführen sowie trennen; Strom und Wärme
abführen) und Attributen (Inertheit, thermische und elektrische Leitfähigkeit, Mediendichtheit und -beständigkeit
gegen Wasserstoff, VE-Wasser, Glykol und ggfs. Sauerstoff) maßgeblich bestimmt [18]. Als
Werkstoff für die Bipolarplatten haben sich neben metallischen und duromeren auch thermoplastische,
polypropylengebundene Graphit/Ruß-Mischungen (Compound) etabliert [19]. Diese zeichnen sich im
Vergleich zu duromer-gebundenen BPP durch kostengünstige Fertigungsverfahren (Spritzgießen /
Walzen) und im Vergleich zu metallischen Bipolarplatten durch eine ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit
ohne kostenintensive Beschichtungen aus [20]. Aus diesem Grund und durch die umfangreich
vorhandene Erfahrungsbasis im Rahmen vorheriger IGF-Projekte [21–23] werden die graphitischen
Bipolarplatten in diesem Vorhaben betrachtet.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Der Schritt nach der aktiven Zeit einer Brennstoffzelle wird durch die Entwicklung geeigneter Debonding
Prozesse im Rahmen des Forschungsvorhabens Stack to Piece (Stack2P) betrachtet [24].
Hierbei untersuchen mehrere Fraunhofer Institute zusammen mit der OpenHybridLabFactory in Wolfsburg
die Möglichkeiten einer industriellen Demontage und der Überführung der eingesetzten Materialien
in geeignete Recyclingprozesse. Stack2P ist Teil des nationalen Aktionsplans zur Brennstoffzelleproduktion
(H2Go) [25].
1.3.2 Klebtechnik
Im Zuge des zunehmenden Bedarfs an leichteren, kompakteren und effizienter herstellbaren Brennstoffzellensystemen
gewinnt das Kleben als moderne Fügetechnologie innerhalb der Zell- und Stackmontage
stetig an Bedeutung. Insbesondere in Anwendungen, bei denen herkömmliche mechanische
Verfahren wie Verschrauben, Verpressen oder Schweißen an konstruktive und materialtechnische
Grenzen stoßen – etwa durch begrenzten Bauraum, unterschiedliche thermische Ausdehnungskoeffizienten
der Materialien oder hohe Toleranzanforderungen – stellt das Kleben eine äußerst flexible und
vielversprechende Alternative dar
Klebstoffe ermöglichen eine stoffschlüssige Verbindung verschiedenartiger Materialien und können
gleichzeitig zusätzliche Funktionen übernehmen, wie die Dichtwirkung, elektrische Isolation oder gezielte
Kontaktierung, Schwingungsdämpfung oder die Egalisierung topografischer Inhomogenitäten. In
Brennstoffzellen-Stacks kommen Klebverbindungen beispielsweise beim Abdichten von Medienführungen,
beim Fügen und elektrischen Kontaktieren von Bipolarplatten sowie zur Fixierung von Gasdiffusionslagen,
Stromabnehmern oder weiteren Funktionseinheiten zum Einsatz. Dabei müssen Klebstoffsysteme
vielfältigen Anforderungen gerecht werden – von chemischer Beständigkeit gegenüber
Wasserstoff, Kühl- und Reaktionsmedien (z. B. VE-Wasser, Glykol) über Temperatur- und Alterungsbeständigkeit
bis hin zur mechanischen Langzeitstabilität unter statischer und zyklischer Belastung.
Derzeitige Entwicklungsziele zielen darauf ab, geeignete Klebstofflösungen mit angepassten rheologischen,
chemischen und thermischen Eigenschaften zu identifizieren, ihre Verarbeitung prozesssicher
in bestehende Fertigungslinien zu integrieren und ihre Langzeitstabilität unter realen Betriebsbedingungen
abzusichern. Dies erfordert ein tiefgreifendes Verständnis sowohl der materialseitigen Eigenschaften
als auch der prozessspezifischen Einflussgrößen wie Fügeparameter, Aushärtungsverhalten,
Oberflächenvorbehandlung und Qualitätssicherung.
Die bislang aufwändige und manuell geprägte Fertigung von Zellen in einem NT-PEM-Stack begrenzt
deren Anwendbarkeit in hochvolumigen Anwendungen wie der Automobilindustrie, oder in modularen
stationären Systemen. So benötigen konventionelle Dichtungslösungen hohe Anpressdrücke,
woraus sich komplexe Geometrien und gewichtsintensive Spannelemente ergeben. Im Rahmen mehrerer
IGF-Forschungsvorhaben wurden daher klebgerechte Stackdesigns entwickelt, die gezielt auf
eine Reduktion der Komponentenanzahl, eine Vereinfachung der Stackgeometrie sowie eine verbesserte
Automatisierbarkeit abzielen.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Die bislang erreichten Lebensdauern von 1.000–1.500 Stunden unter realitätsnahen Testbedingungen
sind ein erster positiver Nachweis der Funktionalität, reichen aber noch nicht an die industriell
geforderten Betriebszeiten von >5.000 Stunden heran. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf in Bezug
auf Alterungsmechanismen, Medienwechselwirkungen und thermomechanische Zyklisierung.
Ein noch offener Bereich betrifft die Verfügbarkeit biobasierter Klebstoffsysteme für den Einsatz in
der Brennstoffzelle. Derzeit sind keine kommerziell verfügbaren Klebstoffe bekannt, die auf nachwachsenden
Rohstoffen basieren und gleichzeitig die notwendigen Eigenschaften für den Einsatz in NT-
PEM-Stacks erfüllen. Hierbei ist die Begrifflichkeit „biobasierte Brennstoffzelle“ klar abzugrenzen von
Systemen, die biogene Energieträger (z. B. Bioethanol, Biogas) als Betriebsstoff nutzen. Vielmehr geht
es um die stoffliche Substitution fossiler Polymergrundlagen im Klebstoffsystem selbst. Zum Beispiel
durch Epoxidharze auf Lignin-, Stärke- oder Proteingrundlage.
Im industriellen Umfeld werden bereits die ersten Klebstoffe beworben, welche für den Einsatz in
der Brennstoffzelle entwickelt sind. Die Firma Delo stellt zum Beispiel verschiedene Klebstoffe zur Verfügung,
unter deren Einsatz Bipolarplatten hergestellt werden können [26]. Die Klebstoffe sind entweder
voraktivierbar, oder lichthärtend.
Am Fraunhofer IFAM wird neben der Dienstleistung zur fachgerechten konstruktiven Auslegung der
Bauteile und einer Auswahlhilfe für die richtigen Klebstoffe ebenfalls die Anwendbarkeit einer „cure in
place“ Lösung als Alternative zum Festkörperdichtstoff untersucht [27]. Darüber hinaus wird angestoßen,
dass maßgeschneiderte Prüfnomen entwickelt werden. Diese sollen den Anforderungen in der
Brennstoffzellenumgebung entsprechen, damit die Eignung von Klebstoffen spezifisch überprüft werden
kann.
Die Firma Wevo Chemie GmbH bietet bereits vom ZBT Duisburg als einsatztauglich geprüfte Produkte
in Form von Silikonen und Polyurethanen für den Einsatz in der PEM-Brennstoffzelle an [28].
1.3.3 Biobasierte Brennstoffzellenkomponenten
Für einzelne Komponenten der Brennstoffzelle gibt es bereits unterschiedliche Ansätze, um eine biobasierte
Substitution von bislang etablierten Materialien zu erreichen. Der klassische Aufbau eines
Brennstoffzellenstacks mitsamt einer Brennstoffzelle sowie der mittelbaren und unmittelbaren Peripherie
ist in
Abbildung 2 als Explosionszeichnung dargestellt. Nachfolgend werden die möglichen biobasierten Ersatzmaterialien
für die jeweiligen Bauteile vorgestellt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 2: Schematischer Aufbau eines Brennstoffzellenstacks
Für die Membran-Elektroden-Einheit (MEA) stellt das 2021 gegründete schwedische StartUp
Cellfion eine biobasierte Membran-Alternative bereit. Die Grundlage der biobasierten Membran ist Nanocellulose,
welche aus Holz gewonnen wird [29, 30]. Das ermöglicht, für die gewöhnlich auf per- und
polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) aufgebauten Membranen eine auf biobasierten Materialien basierende
Alternative anzubieten. In (QUELLE, DOS SANTOS) wird ebenfalls Nanozellulose verwendet,
um eine für die Brennstoffzelle einsetzbare MEA herzustellen. Bei dieser Variante werden die Zellulosefasern
zusätzlich modifiziert. Zum einen werden Hydroxylgruppen selektiv zu Carboxylgruppen oxidiert
(TEMPO-oxidation), zum anderen werden die Zellulosefasern chemisch mit Sulfongruppen funktionalisiert.
Für graphitische Bipolarplatten, welche üblicherweise aus einem für den Spritzgussprozess geeigneten
Thermoplasten. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung der einzelnen Betriebstemperaturbereiche
unterschiedlicher Brennstoffzellen. Der Fokus des Forschungsvorhabens FC Bio liegt auf der
Niedertemperatur-Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzelle (NT-PEM-BZ). Für diesen Typ bieten
sich die Materialien Polypropylen, Polyethylen, Polyetheretherketon, Polyetherimide, Polyamid und Polyphenylensulfid
als Matrix für die Bipolarplatte an [31–34]. Für die biobasierte Substitution der auf
fossilen Materialien beruhenden Werkstoffe gibt es ebenfalls erste Ansätze. Das Unternehmen Bio
Innovation mit Firmensitz in Schweden verwendet für die Bipolarplatten Bio Carbon, welches durch die
Karbonisierung verschiedener Hölzer gewonnen wird [35, 36].
Darüber hinaus gibt es weitere biobasierte Varianten für die Brennstoffzelle, welche auf der Verwendung
von Enzymen als Katalysator beruhen, um Platin als Standardkatalysator zu ersetzen [37],
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
oder aber auch den Einsatz von mikrobiellen Brennstoffzellen, bei denen elektrischer Strom aus biologisch
abbaubaren organischen Stoffen gewonnen wird [38].
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
1.4 Forschungshypothese und methodischer Ansatz
Basierend auf dem Stand der Technik und den eigenen Vorarbeiten lautet die Forschungshypothese
für das durchgeführte Projekt:
„Der Einsatz biobasierter Materialien – insbesondere biobasierter Klebstoffe, thermoplastischer Compounds
und holzbasierter Strukturbauteile – ermöglicht eine funktional gleichwertige und ökologisch
vorteilhafte Substitution konventioneller Materialien in PEM-Brennstoffzellensystemen, ohne die technische
Leistungsfähigkeit oder Dichtintegrität signifikant zu beeinträchtigen.“
Diese Hypothese wird durch die Untersuchungen in den später vorgestellten Arbeitspaketen
verifiziert. Speziell untermauert wird sie durch die drei Aspekte der funktionellen Gleichwertigkeit, der
ökologischen Vorteilhaftigkeit und der späteren Systemintegration ohne Leistungseinbußen. Das bedeutet,
dass Brennstoffzellen, welche durch biobasierte Materialien aufgebaut sind, mindestens vergleichbare
Leistungsdaten, wie die auf konventionelle Materialien beruhenden Referenzbauteile aufweisen.
Durch den Einsatz der biobasierten Materialien kann ein ökologisch relevanter verminderter
Einsatz von fossilen Ressourcen nachgewiesen werden. Bei dem Zusammenspiel von neuartigen Holzendplatten,
biobasierten Klebstoffen und biobasierten Compoundmaterialien lassen sich vergleichbare
Systeme verwenden, wie bei den Referenzbauteilen. Darüber hinaus weisen die biobasierten
Bauteile vergleichbare Werte in Dichtigkeit und Langzeitverhalten auf.
Zur systematischen Erreichung der Projektziele wird ein mehrstufiges methodisches Vorgehen
verfolgt. Zu Beginn steht die Entwicklung eines grundlegenden Lastenhefts (AP1), das alle relevanten
Betriebsparameter sowie nicht verwendbare Materialien oder Komponenten auflistet. Dadurch wird ein
definierter Handlungsrahmen geschaffen, der als Grundlage für die gezielte Neuentwicklung biobasierter
Materialien dient, die sich für den Einsatz in PEM-Brennstoffzellen eignen.
Im nächsten Schritt werden Fügekonzepte entwickelt (AP2), die eine toleranzarme und reproduzierbare
Fertigung sowohl einzelner Komponenten als auch vollständiger Brennstoffzellenstacks ermöglichen.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der klebtechnischen Integration biobasierter Werkstoffe
unter Serienfertigungsbedingungen. Parallel dazu wird ein Ansatz zur Recyclingfähigkeit defekter
Zellen aus dem Stack erarbeitet, um nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit
sicherzustellen.
Die zur Verfügung gestellten Materialien aus den Teilprojekten werden einer umfassenden
Oberflächencharakterisierung unterzogen (AP3), um deren Benetzungsverhalten, chemische Zusammensetzung
sowie potenzielle Wechselwirkungen mit Klebstoffsystemen zu analysieren. Darauf aufbauend
erfolgt eine gezielte Oberflächenvorbehandlung mittels Atmosphärendruckplasma oder Corona
der Feststoffe, um optimale Voraussetzungen für die klebtechnische Prozessführung zu schaffen.
Seite 13
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
In AP4 – Fügen werden unterschiedliche Bauteile klebtechnisch miteinander gefügt. Dabei handelt
es sich um Bipolar-, End- und Randplatten. Hierbei ist die Erfüllung der im Lastenheft festgehaltenen
Zielwerte wie elektr. Leitfähigkeit, Permeabilität und grundsätzliche Dichtigkeit gegenüber der Umgebung
zu berücksichtigen.
Zur Validierung der Konzepte werden zunächst Einzelzellen (1-Zeller) basierend auf den Geometrien
der sogenannten Baltic-Zellen hergestellt (AP5). Diese dienen zur Erprobung unterschiedlicher
FlowField-Strukturen sowie Basismaterialien und Klebstoffe unter realitätsnahen Einsatzbedingungen.
Im Anschluss daran werden bei diesen geklebten Zellen ebenfalls elektrische Leitfähigkeitsmessungen
vorgenommen, um Aussagen über Kontaktqualität und potenzielle Übergangswiderstände treffen zu
können.
Darauf aufbauend werden laborerprobte Brennstoffzellenstacks (5-Zeller) gefertigt, welche in
speziell dafür vorgesehenen Messständen am ZBT hinsichtlich ihrer Dichtheit, elektrischen Leitfähigkeit
sowie der wesentlichen Betriebsparameter Spannung (U) und Stromdichte (I) untersucht werden
(AP6). Abschließend erfolgen Langzeituntersuchungen ausgewählter Stacks, um potenzielle Degradationserscheinungen
unter praxisnahen Betriebsbedingungen zu identifizieren und daraus Rückschlüsse
auf die Materialbeständigkeit und Alterung der eingesetzten biobasierten Komponenten zu
ziehen (AP7).
Parallel zu den praktischen Versuchen findet eine Wirtschaftlichkeitsanalyse statt, welche den
ökologischen Fußabdruck und eine potenzielle CO 2 Reduktion, der bis zum DesignFreeze entwickelten
Materialien betrachtet (AP8).
Im letzten Arbeitspaket wird die in der Projektlaufzeit fortlaufende Dokumentation sowie ein praxisnaher
Workshop für den projektbegleitenden Ausschuss (PA) festgehalten (AP9).
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Im methodischen Ansatz sind die oben beschriebenen Arbeitspakete optisch zusammengefasst (Abbildung
3).
Abbildung 3: Methodischer Ansatz Teilprojekt 1: Joint and Function mit Unterteilung in einzelne Arbeitspakete
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2. Durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse
Nachfolgend sind die durchgeführten Arbeiten anhand der Arbeitspakete aufgeführt. Das KickOff
Projekttreffen für den Start aller vier Teilprojekte fand am 19.01.2022 online statt. Am 26.04.2023 sowie
am 14.11.2024 fanden jeweils Gesamtprojekttreffen aller vier Teilprojekte mit dem projektbegleitenden
Ausschuss am ZBT in Duisburg statt. Für das Teilprojekt 1 wurden jeweils am 14.12.2023 und am
11.9.2024 individuelle Projekttreffen durchgeführt.
Die im Rahmen des Forschungsvorhabens durchgeführten Arbeiten anhand der im Antrag aufgeführten
Arbeitspakete werden anschließend separat aufgeführt.
Bereits bei der Beantragung des Projekts wurde intensiv über eine Projekt- und Forschungsvorhabenübergreifende
Zusammenarbeit diskutiert. Speziell der zeitliche Verlauf der Teilprojekte und der
notwenige und mögliche Wissensaustausch innerhalb des Gesamtverbunds war ein essenzieller Baustein
für den Erfolg des Projekts. Aus diesem Grund wurde sowohl gemeinsam an einem Lastenheft
gearbeitet als auch ein gemeinsamer DesignFreeze für die zu erarbeitenden Inhalte, bzw. den Werkstoffen
(Bipolarplattenmaterial, Klebstoff, Holzendplatten) beschlossen. Das Teilprojekt 1, welches ab
einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb des Projekts auf die Ergebnisse der Teilprojekte 2,3,4 zugreift,
bildet somit sowohl die Basis für die Entwicklung eines biobasierten Brennstoffzellenstacks als auch
die finale Spitze der Forschungspyramide. Die grundsätzliche Struktur ist in Abbildung 4 dargestellt.
Abbildung 4: Schematischer Aufbau der Forschungsinhalte der einzelnen aufeinander aufbauenden Teilprojekte.
Teilprojekt 1 bildet mit der Definition des Lastenhefts die Basis und gleichzeitig auch den Abschluss mit den
Funktionstests und Dauerläufertests der zusammengeführten biobasierten Materialien, welche in den Teilprojekten
2,3,4 entwickelt werden
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2.1 Arbeitspaket 1: Erstellung eines Lastenhefts (ifs & ZBT & WKI)
In Zusammenarbeit der drei beteiligten Forschungseinrichtungen ifs, Fraunhofer WKI, und ZBT
wurde ein Lastenheft als zentrales Dokument der Projektplanung der Teilprojekte 2,3,4 für einen klebtechnischen
Aufbau eines Brennstoffzellenstacks erstellt. Das Lastenheft besteht aus einem allgemeinen
Teil, in denen die Betriebsbedingungen sowie mögliche Medienkontakte aller Komponenten im
Stack definiert sind. Der Anwendungsbereich wurde dabei auf die vier wesentlichen Bauteilelemente
(Endplatte, Stromabnehmer, MEA und BPHP) aufgeteilt.
Des Weiteren wurden die spezifischen Anforderungen aller TP im Lastenheft festgelegt. Dabei wurden
mittlere und maximale Parameter bestimmt, welche durch die zu entwickelnden Werkstoffe abzubilden
sind. Wenn möglich wurde eine Zielsetzung für spezielle Parameter (z.B. abzutestende Betriebsstunden,
elektr. Leitfähigkeit von geklebten Proben) festgesetzt.
Gesetzliche oder regulatorische Anforderungen wurden für diesen konkreten Fall nicht festgehalten.
Jedoch gibt es sowohl in der Literatur als auch in den Anforderungen verschiedener Anwender bestimmte
Materialien/Elemente, welche nicht in größeren Mengen in der Brennstoffzelle eingesetzt, bzw.
freigesetzt werden dürfen [39–47]. Andernfalls haben entsprechende Studien ergeben, dass es unter
Umständen zu Schäden an dem platingeladenen Katalysator kommen kann. Damit können sowohl die
Funktionalität an sich als auch die Langlebigkeit der Brennstoffzelle beeinträchtigt werden.
In der nachfolgenden Tabelle 1 sind die Allgemeinen- sowie Teilprojekt-spezifischen Anforderungen
aufgeführt.
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Tabelle 1: Lastenheft in Zusammenarbeit mit allen drei Forschungseinrichtungen
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2.2 Arbeitspaket 2: Konzeptionierung der Fügeschritte (ifs)
Für die Konzeptionierung der notwendigen Fügeschritte ist es unabdingbar die herzustellenden Proben
im Vorfeld zu definieren und auch zu unterscheiden. Für das Fügen von Versuchszellen wurden sogenannte
Baltic Zellen hergestellt. Diese haben einen eigenen Teststand und der Aufbau ist im Vergleich
zu den Bipolarplatten und Stacks mit dem ZBT-Testdesign einfacher gestaltet.
Tabelle 1 bietet eine Übersicht über die hergestellten Versuchsmuster und aus welchen Bauteilen die
jeweiligen Muster bestehen.
Tabelle 2: Übersicht über die hergestellten Versuchsmuster und die Anzahl der dafür notwendigen Bauteile
Bauteil Baltic Zelle 1 Zeller 5 Zeller Endblock Stack
BPHP (Baltic) 2 X X X X
MEA (Baltic) 1 X X X X
BPHP (ZBT Design) X 2 10 X 7
MEA (ZBT Design) X 1 5 X 7
Randplatte X X X ? 2
Stromabnehmer X X X 1 2
Isolatorplatte X X X 1 2
Endplatte X X X X 2
Die Bipolarplatten mit dem ZBT-Testdesign wurden bereits in vorangegangenen Forschungsvorhaben
eingesetzt. Durch die erneute Verwendung kann auf einen hohen Erfahrungswert bei der
Handhabung und eine hohe Anzahl an Referenzmessungen zurückgegriffen werden.
Auf Basis der Bipolarplatten mit dem ZBT-Testdesign wurden aus i.O. geprüften Bipolarplatten,
bzw. i.O. geprüften geklebten Zellen, vollständig geklebte Stacks hergestellt.
Neben den einzelnen Fertigungsschritten wurden die hergestellten Zellen und Stacks am ZBT hinsichtlich
ihrer Funktionstauglichkeit und Dichtigkeit überprüft. So sollte vermieden werden, dass im späteren
Testandsbetrieb ein Stack aus Ausschuss deklariert wird, weil eine Zellklebung fehlerhaft war. Während
die Prüfungen am ZBT Auskunft über die elektrischen Widerstände der Proben, ihre Dichtigkeit,
bzw. eventueller Leckagen gibt, ist es nicht möglich in eine Zelle oder einen Stack „hinein“ zu schauen.
Aus diesem Grund wurden ausgewählte Proben zusätzlich zu den ZBT-Prüfungen am ifs in Braunschweig
mit einer µCT-Untersuchung charakterisiert. Die µCT-Untersuchung hat den Vorteil, dass mit
einer hohen volumetrischen Auflösung in den Stack oder die Zelle geschaut werden kann, nachdem
sie klebtechnisch gefügt wurden.
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Verwendete Materialien bzw. Probentypen
2.2.1 Baltic Zelle
Für die Verwendung des Baltic Systems war die Entwicklung eines innovativen 25 cm² Zelldesigns
notwendig, das sich im Spritzgießverfahren herstellen lässt (Abbildung 5). Konventionell werden
solche Testzellen im Fräsverfahren hergestellt. Bedingt durch die Fließwege sowie der Oberflächeneffekt
im Spritzgießverfahren, können Abweichungen in den Zelleigenschaften zwischen den unterschiedlichen
Herstellungsverfahren auftreten. Durch die nun ermöglichte Herstellung von Spritzgießzellen
sollen die Untersuchungen zuverlässigere und realitätsnahe Ergebnisse liefern.
Abbildung 5: Spritzguss 25 cm² BPHP – Baltic BPHP
Die gewählte Kanalgeometrie orientiert sich am gegenwärtigen Stand der Technik und soll eine
möglichst gleichmäßige und vollflächige Gasverteilung ermöglichen. Durchgeführte Strömungssimulationen
in der Software FloEFD zeigen einen gleichmäßigen Druckabfall in allen Kanälen (Anode
37,22 mbar; Kathode 143,55 mbar) durch die eine entsprechende Gleichverteilung der Prozessgase
ermöglicht wird.
Abbildung 6: Strömungssimulation der 25 cm² BPHP, links Anode, rechts Kathode
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Die Baltic Zelle ist eine, im Vergleich zu den anderen im Projekt untersuchten Brennstoffzellen,
geometrisch betrachtet kleinere Brennstoffzelle. Die Grundfläche der Batlic Zelle beträgt 6 x 6 cm bei
einer Materialstärke der BPHP von 0,2 cm. Sie besteht aus einer oberen, einer unteren Bipolarhalbplatte
und einer dazwischen eingelegten MEA. Auf der aktiven Seite fällt der Dichtungsbereich im
Vergleich zur ZBT-Testzelle komplett weg. Die Dichtung gegen die Umgebung wird von der späteren
Vorrichtung im Teststand und dem äußersten Steg des FlowFields übernommen. Die beiden Rückseiten
der Bipolarplatten unterscheiden sich durch das Vorhandensein (untere), bzw. die Abwesenheit
(obere) von sogenannten Zentriernasen (Abbildung 7).
Abbildung 7: Baltic Zelle, aktive Seite (links), Rückseite untere BPP (MItte), Rückseite obere BPP (rechts)
Mit Hilfe diesen Probentyps ist es möglich, mit geringem Aufwand Untersuchungen hinsichtlich der
Strom-Kennlinie und somit dem Verhalten der Brennstoffzelle durchzuführen. Variationen von in die
Matrix eingebetteten funktionellen Partikel, der Matrix selbst, oder auch dem FlowField der Bipolarplatten
können somit einfach durchgeführt werden. Weitere Vorteile liegen in der exakten Messung der
Einzelbauteile, den kontrollierten Testbedingungen und einer einfacheren Fehleranalyse durch die Reduktion
der Anzahl an benötigten Komponenten pro Probe.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 8 zeigt den schematischen Aufbau einer ganzheitlichen Baltic Zelle.
Abbildung 8: Schematischer Aufbau einer Baltic Zelle
Aufgrund der Größe und des speziellen Aufbaus kann bei diesem Brennstoffzellentyp auf eine Kühlseite
verzichtet werden, diese Funktion ist in den Teststand bereits integriert. In bereits vorangegangenen
Forschungsvorhaben ist die relative Lage der einzelnen Bauteile zueinander als ein essenzieller
Parameter im Herstellungsprozess festgestellt worden. Im Falle der Baltic Zelle überlappt die GDL der
MEA die Bipolarplatte nur um 1 mm pro Seite. Deshalb wurde für den Fügeprozess eine Vorrichtung
entwickelt, um die Bauteile möglichst präzise, aber auch wiederholgenau aufeinander zu kleben. Die
Vorrichtung sieht das jeweilige Einbetten der Bipolarhalbplatten in einen Rahmen, bzw. das Einlegen
in eine Basis vor. Über vier Nasen wird der Rahmen auf die Basis gesteckt. Zwischen die Bipolarplatten
wird die MEA eingelegt. In der Basis ist eine Vertiefung vorgesehen, durch welche die MEA gegen ein
Verrutschen beim Fügen gesichert wird. Abbildung 9 (links) zeigt die schematische Darstellung der
beschriebenen Fügevorrichtung für die Baltic Zelle, während in Abbildung 9 (rechts) die Aufsicht auf
eine bereits geklebte Baltic Zelle mit eingelegter MEA abgebildet ist. Der Überstand des GDL-Vlieses
der MEA lässt erahnen, wie gering die Verschiebetoleranz beim Fügen ist.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 9: Schematischer Aufbau der Baltic Fügevorrichtung (links) geklebte Baltic Zelle (rechts)
Neben der Berücksichtigung der Bauteilorientierung zueinander ist bei der Baltic Zelle ebenfalls zu
berücksichtigen, dass alle drei Bauteile (obere und untere BPP, MEA) in der grundsätzlich richtigen
Orientierung eingebaut werden. Beide BPP weisen ein FlowField auf, wodurch die zueinander gerichtete
Seite definiert wird. Jedoch kann beim Fügeprozess noch ein Fehler durch die falsche Rotationslage
der Bauteile erfolgen. Bei der MEA ist die Rotation nicht entscheidend, dafür aber welche Seite
der MEA zur oberen, bzw. zur unteren Bipolarplatte (Anode oder Kathode) zeigt. Eine MEA hat üblicherweise
einen mit Platin (Pt) beschichteten Katalysator. Die Seite der Anode und die Seite der Kathode
sind unterschiedlich schwer mit dem Katalysator beladen (Anode weniger, Kathode mehr). Die
eingesetzte Membran als Protonenleiter ist nur für H + Ionen und das auch nur in eine Richtung durchlässig.
Bei einer falschen Orientierung kann somit die Zelle entweder schlechtere funktionelle Eigenschaften
aufweisen, oder komplett defekt sein. Um einen Bauteildefekt aufgrund fehlerhaften Zusammenfügens
zu vermeiden, wurde die Fügevorrichtung um eine Anleitung diesbezüglich erweitert. So ist
in die Basis eine Aussparung für die vier Zentriernasen eingelassen und auf dem Rahmen ist die Orientierung
der MEA kenntlich gemacht. Weiterhin haben die untere und die obere BPP an jeweils punktsymmetrisch
um 90° gedrehten Positionen den Gasein- und -auslass. Dieses Merkmal wurde ebenfalls
in die Vorrichtung mit eingebaut. Die genaue Orientierung der beiden BPP zueinander und die der MEA
ist in Abbildung 10 dargestellt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 10: Positionierung und Orientierung der BPP und MEA der Baltic Zelle zueinander
Für die Aushärtung des Klebstoffs unter Temperatur und Anpressdruck wurde für die Baltic
Zellen an die Bedingungen des ZBT-Designs der Testzellen angelehnt. Bei der Herstellung klebtechnisch
gefügter 50 cm² Zellen wird über eine Verspannvorrichtung ein Anpressdruck von 10 kN auf die
Projektionsfläche der Bipolarplatte ausgeübt. Die mit Klebstoff applizierte Fläche des ZBT-Designs liegt
bei 5465 mm². Daraus resultiert eine Flächenpressung von 1829 N/mm², bzw. 18 bar Anpressdruck.
Die Klebfläche einer Baltic Zelle entspricht 1381,95 mm². Wird ein vergleichbarer Anpressdruck angestrebt,
so ergibt das eine notwendige Anpresskraft von 2527,58 N während der Aushärtung einer geklebten
Baltic Zelle.
2.2.2 Aufbau Zelle (ZBT-Testdesign) und daraus resultierender Brennstoffzellenstack
Die Bipolarhalbplatten mit dem ZBT-Testdesign weisen geometrische Abmaße von 6,2 cm x 13,75 cm
x 0,3 cm auf. Sie sind jeweils mit einer Kühl- und einer aktiven Seite ausgestattet. Darüber hinaus
befinden sich an den kurzen Seiten drei durchgehende Ports (Zuführung: Wasserstoff, Sauerstoff,
Kühlmittel, Ausgänge: Wasserstoff, Sauerstoff, Kühlmittel). Im Vergleich zu den Baltic Zellen weist das
ZBT-Testdesign einen großzügigen Randbereich, bzw. Dichtbereich von ca. drei Millimetern auf. Im
späteren Betrieb findet die elektrochemische Reaktion im Bereich des FlowFields statt. Aus diesem
Grund ist für diesen Bereich eine besonders gute elektrische Kontaktierung der einzelnen Bauteile
untereinander wichtig. Ein gasdichtes Fügen ist in diesem Bereich nicht relevant. Im Randbereich hingegen
ist eine Abdichtung gegen die Umgebung essenziell. Bei einem Stack, der ausschließlich klebtechnisch
gefügt ist, wird darüber hinaus im Randbereich Kraft übertragen. Deshalb ist in diesem Bereich
die Anforderung an eine Klebung die Gasdichtigkeit und eine entsprechend hohe strukturelle
Festigkeit. In Abbildung 11 sind die beschriebenen Zonen dargestellt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 11: Übersicht über die einzelnen Regionen und notwendigen Funktionen einer Bipolarhalbplatte
Die Fertigung eines geklebten Brennstoffzellenstacks kann auf verschiedene Weise durchgeführt
werden. Durch den Einsatz geeigneter Klebstoffe ist es grundsätzlich möglich, den Stack, vergleichbar
wie beim konventionellen Weg, in einem Durchgang aufzubauen, in dem alle Bauteile nacheinander
aufeinandergeschichtet werden. Vor dem Aufeinanderlegen eines jeden Bauteils (Endplatte, Stromabnehmer,
Bipolarhalbplatte) erfolgt die Klebstoffapplikation an den jeweiligen Stellen. Diese Variante hat
den Vorteil, dass der Stackaufbau ein zweistufiger Prozess (Schichten, Klebstoffaushärtung) ist, jedoch
ist bei einer Undichtigkeit eine sehr aufwändige Fehlersuche notwendig.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurde deshalb ein segmentaler Aufbau vorgenommen, anstatt
alle Bauteile in einem Prozess zu fügen. Für die segmentale Herangehensweise kommen wiederum
zwei unterschiedliche Varianten für den Ablaufplan der Stackfertigung in Frage:
Variante A: Es wird aus zwei Bipolarhalbplatten eine kühlseitig geklebte Bipolarplatte hergestellt.
Variante B: Es werden aus zwei Bipolarhalbplatten und einer MEA eine aktivseitig geklebte Zelle hergestellt.
In beiden Fällen werden die hergestellten Bauteile am ZBT bezüglich der Dichtigkeit, elektrischen
Widerstände (nur Variante A) und ihrer geometrischen Maße dokumentiert. Bauteile, welche die
internen Spezifikationen nicht erfüllen, können auf diese Weise früh im Fertigungsprozess ausgeschlossen
werden, was eine spätere Fehlersuche stark vereinfacht. Im Laufe des Projektes wurden
auch bereits diese Zwischenstufen in Brennstoffzellenstacks eingebaut und geprüft.
Sobald die kühlseitig geklebten BPP, oder die aktivseitig geklebten Zellen zur Verfügung stehen,
besteht der nächste Schritt zum klebtechnisch gefügten Stack darin, dass die im Vorfeld hergestellten
Bauteile (A: Bipolarhalbplatte, bzw. B: geklebte Brennstoffzelle) gefügt werden. Bei Variante A
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
wird zwischen zwei Bipolarplatten eine MEA eingelegt, bei Variante B werden zwei Zellen direkt über
die Kühlseite miteinander gefügt. Sobald dieser daraus resultierende Mittelblock an aufeinander geklebten
Zellen bereitsteht, erfolgt auch zu diesem Zeitpunkt eine Dichtigkeitsuntersuchung. Aufgrund
unterschiedlicher Bauteildicken der MEA von Randbereich zum Bereich der GDL kann es an dieser
Stelle zu einem möglichen Bauteilverzug kommen. Dieser wird speziell durch die bei der Aushärtung
des Klebstoffs beaufschlagte Anpresskraft und die Rückstellkraft der GDL gefördert. Aus diesem Grund
muss bei dem späteren Klebstoffeinsatz auf eine geeignete Maßnahme zur Schichtstärkeneinhaltung
geachtet werden. Vorzugsweise kommen für diesen Zweck Glaskugeln zum Einsatz. Schon bei geringer
Menge kann auf diese Weise eine bestimmte Klebschichtdicke erreicht werden, ohne dass der
Klebstoff in seinen funktionellen oder rheologischen Eigenschaften eingeschränkt wird.
Der geklebte Mittelblock muss im abschließenden Schritt mit einer Randplatte, einem Stromabnehmer
und einer Endplatte sowie Medienverteilerblöcken verbunden werden. Diese Einheit kann genauso
wie der Mittelblock zu einer eigenständigen Einheit klebtechnisch vorbereitet werden. Der detaillierte
Ablauf der Fertigung ist in Abbildung 12 dargestellt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 12: Fließdiagramm mit Ablaufmöglichkeiten zur Fertigung eines klebtechnisch gefügten Stacks
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MEA Auswahl
Im Rahmen des Arbeitspakets wurden zwei unterschiedliche Möglichkeiten zur Herstellung der
Brennstoffzellen (Variante A) untersucht. Bei Möglichkeit 1 wurden BPHP und kommerziell erhältlichen
7-Layer-MEAs verwendet. Bei Möglichkeit 2 besteht die Zelle aus zwei BPHP, zwei GDLs und einer
innenliegenden Nafion-Membran. Die erste Variante zeichnet sich durch einen kompakten MEA-Aufbau
aus, was das Handling dieses Bauteils vereinfacht. Allerdings sind die Kontaktstellen der Klebung
von BPHP und die Randverstärkung der MEA aus Polyethylennaphthalat (PEN) anfällig für Wasserstoff-Leckagen
und die MEA ist nicht auf anpressdrucklosen Betrieb ausgelegt. Bei der zweiten Variante
wird die Membran direkt auf die GDL geklebt. Diese Verbindung ist weniger fehleranfällig, jedoch
kann das Handling bei trockener Umgebungsluft durch das mechanische Zusammenziehen der Membran
erschwert sein. Im Rahmen von Dichtheitstests am ZBT wurde festgestellt, dass sich beide Varianten
zur Herstellung der Brennstoffzellen eignen (
Abbildung 13). Aus Gründen der Handhabung wurde der Schwerpunkt auf die Klebung von
BPHP/7-Layer-MEA gelegt.
Abbildung 13: Dichtheitstests von Brennstoffzellen, bestehend aus zwei BPHP und einer innenliegenden 7-layer
MEA
2.2.3 Klebstoffeinsatz
Für das klebtechnische Fügen von Brennstoffzellenstacks und deren Komponenten bedarf es
besonderer funktioneller Klebstoffsysteme, welche im Teilprojekt 4 – biobasierte Klebstoffe entwickelt
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
wurden. Die grundsätzlichen Anforderungen sind in (2.1) erläutert. Eine mögliche Unterscheidung zwischen
Randbereich und FlowField und den damit einhergehenden Anforderungen an den Klebstoff ist
in 2.2.2 vorgenommen. Somit kann zwischen einer Klebung im Randbereich (Dichten und Fixieren)
und einer Klebung im FlowField (elektrische Kontaktierung) unterschieden werden. Für den Randbereich
und für das FlowField können grundsätzlich unterschiedliche Klebstoffe in Betracht gezogen werden.
Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass für beide funktionelle Bereiche speziell darauf ausgerichtete
Klebstoffe verwendet werden können. Häufig ist der Einsatz eines Klebstoffs mit dem Kompromiss
verbunden, dass verschiedene Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden müssen. Für die aktive
Seite liegt der Kompromiss darin, dass im FlowField eine möglichst hohe elektrische Leitfähigkeit bei
gleichzeitig hoher Beständigkeit gegenüber Wasserstoffversprödung, oder schwefelsaurem Milieu
stattfinden muss. Darüber hinaus muss der Klebstoff die starre Oberfläche der Bipolarplatte mit der
mechanisch flexiblen Oberfläche de Gasdiffusionsschicht sowohl mechanisch als auch elektrisch verbinden.
Im Randbereich hingegen liegt die Hauptaufgabe des Klebstoffs darin eine Gasbarriere gegenüber
Wasserstoff und Sauerstoff zur Umgebung zu bilden damit keine Leckage entsteht. Hierbei kommt
der Klebstoff unweigerlich ebenfalls mit Sauerstoff und Wasserstoff in Verbindung. Die Anforderung
der Beständigkeit gegenüber stark verdünnter Schwefelsäure ist im Randbereich weniger gegeben.
Schwefelsäure ist ein guter Ionenleiter und befindet sich, wenn überhaupt vorhanden, im Bereich der
MEA. Bei dem Ziel eines vollständig geklebten Stacks kommt noch die mechanische Verbindung der
beiden Oberflächen der jeweiligen Bipolarplatte hinzu. Die Aufgabe, den Stack mechanisch zusammenzuhalten
und gleichzeitig einen Anpressdruck der Bauteile aufeinander auszuüben, wird üblicherweise
durch externe Verspannvorrichtungen bewältigt. Bei der Idee eines vollständig geklebten Stacks
werden die Verspannelemente wegrationalisiert und der Klebstoff übernimmt diese Aufgabe. Daraus
ergibt sich, dass auf den Klebstoff verschiedene Anforderungen fallen, welche mit nur einem Klebstoff
eventuell jeweils nur teilweise erfüllt werden können. Nichtsdestotrotz ist das erklärte Ziel für eine industrielle
Umsetzung eine Ein-Klebstoff-Lösung zu erarbeiten und bereitzustellen.
Für die Kühlseite ist eine solche Unterteilung nicht von Vorteil. Durch die elektrische Verteilung
vom FlowField durch die Bipolarhalbplatte bis hin zur Kühlseite ist die vollflächige Verwendung von
elektrisch leitfähigem Klebstoff ratsam, um eine möglichst große Kontaktfläche für die elektrische Kontaktierung
bereitstellen zu können. Nach dem Ohm´schen Gesetz ist die Erhöhung der Querschnittsfläche
des Leiters (in diesem Fall die mit Klebstoff zu benetzende Fläche der Bipolarhalbplatte) direkt
proportional zum spezifischen Widerstand des Materials, hier dem Verbund aus mehreren Bipolarplatten
(Gleichung (1)).
RR = σσ ∗ LL AA
(1)
Die oben beschriebenen Anforderungen je Funktionsfläche sind in Tabelle 3 noch einmal übersichtlich
zusammengefasst.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Tabelle 3: Anforderungen an Klebung innerhalb der Zelle
Funktionsfläche Anforderung
FlowField
(aktive Seite)
Randbereich
(aktive Seite)
Kühlseite
(vollflächig)
- Elektrische Kontaktierung von GDL und BPP-Oberfläche
- Mechanische Kontaktierung von flexibler GDL und steifer BPP-
Oberfläche miteinander
- Hohe Fließfähigkeit für geeigneten Applikationsvorgang
- Geringe Fließfähigkeit, um vollflächige Benetzung der GDL zu
verhindern
- Chemische Beständigkeit gegen Wasserstoff, Sauerstoff, schwefelsaures
Milieu
- Hohe Permeationsbarriere gegen gasförmigen Wasserstoff und
Sauerstoff
- Chemische Beständigkeit gegen Wasserstoff und Sauerstoff
- Chemische Beständigkeit gegenüber vollentsalztem Wasser
- Elektrische Kontaktierung von Bipolarplatte zu Bipolarplatte
Für den vorliegenden Anwendungsfall stehen für die Klebstoffapplikation pauschal vier Applikationsvarianten
zur Verfügung: Das Walzen, das Dispensen, das Rakeln und der Stempeldruck (Abbildung
14).
Abbildung 14: Exemplarische Veranschaulichung der vier in Frage kommenden Applikationsverfahren
Der Walzprozess ermöglicht eine schnelle und gleichmäßige Applikation von Klebstoffen auf
großen, ebenen Flächen und ist besonders gut für kontinuierliche Fertigungsprozesse geeignet. Im
industriellen Maßstab lässt sich die Schichtdicke gut durch das Einstellen des Walzenspaltmaßes steuern.
Im Labormaßstab kommt eine händische Variante mit einer Silikonwalze in Frage. Hierbei lässt
sich die Schichtstärke sowohl über den Anpressdruck als auch über die Anzahl der Überfahrten der
Walze über das Bauteil regulieren. Der Prozess ist effizient, leicht automatisierbar und verursacht wenig
Ausschuss. Darüber hinaus werden die Ports nicht mit Klebstoff verengt. Nachteile bestehen bei
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
komplexen Geometrien oder kleinere Applikationsflächen, was im vorliegenden Fall nicht zutrifft. Bei
2K Klebstoffsystemen kann die Topfzeit zu einer vermehrten Reinigung führen. In Abbildung 15 ist
exemplarisch die partielle Klebstoffapplikation auf der Kühlseite einer Bipolarplatte dargestellt. Durch
den klaren Schnitt zwischen appliziertem und nicht appliziertem Bereich ist der Unterschied gut darstellbar.
Auch die Grenzen zu den Kanälen und das kein Klebstoff reingedrückt wird ist gut erkennbar.
Abbildung 15: Exemplarische Walzenapplikation auf der Kühlseite einer Bipolarplatte
Der Rakelprozess bietet eine gleichmäßige, wiederholbare Applikation von Klebstoffen auf ebenen
Flächen und lässt sich gut im industriellen Maßstab mit hohen Stückzahlen übertragen. Durch
definierte Parameter wie Rakeldruck, Winkel und Geschwindigkeit lässt sich die Schichtdicke grundsätzlich
gut kontrollieren. Zudem ist der Prozess gut automatisierbar und damit effizient. Nachteile zeigen
sich bei der Empfindlichkeit gegenüber Materialeigenschaften – etwa Viskosität, oder bei zu großen
Partikeln in der viskosen Klebstoffphase. Diese Methode ist primär für plane Flächen geeignet und
stößt bei unregelmäßigen Geometrien an Grenzen. Das ist bis auf den Stromabnehmer bei allen anderen
Bauteilen der Fall, da diese Ports für die Medienkanäle aufweisen, welche nicht mit Klebstoff
verstopft oder verengt werden dürfen. Bei Versuchen im Labor zeigte sich auch, dass immer wieder
Graphit- oder Rußpartikel vor dem Rakel hängen geblieben sind, wodurch keine homogene Klebstoffschicht
auf der Oberfläche zu Stande kam. Aus diesem Grund wurde dieses Verfahren nicht gewählt.
Beim Dispensen im ifs Labor ist ausschließlich eine Raupenapplikation möglich. Dafür eignet
sich nur der Randbereich der aktiven Seite beim Kleben von Zellen (Abbildung 16). Dabei wird mittig
im Randbereich eine ausreichend dicke Klebraupe gelegt, welche beim Fügen der Bauteile in alle Richtungen
gequetscht wird. Dadurch soll erreicht werden, dass beide Oberflächen einen garantierten Kontakt
mit dem Klebstoff haben und ausreichend benetzt werden, was für die erforderliche Dichtwirkung
notwendig ist.
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Abbildung 16: Raupenauftrag mittels Dispenserapplikation auf den Randbereich einer Bipolarplatte
Der Stempeldruck ermöglicht eine präzise und saubere Applikation von viskosen Substanzen
auf definierte Bereiche, auch bei kleinen Strukturen oder unregelmäßigen Geometrien. Der Prozess ist
einfach umzusetzen, gut kontrollierbar und erzeugt kaum Materialverlust. Besonders bei diskreten Applikationen
bietet er hohe Wiederholgenauigkeit. Nachteile zeigen sich bei der begrenzten Geschwindigkeit,
was ihn für Massenfertigungen weniger effizient macht. Zudem unterliegt der Stempel mechanischem
Verschleiß, was regelmäßige Wartung oder Austausch erfordert. Auch ist die Klebstoffschichtdicke
oft begrenzt, was bei Anwendungen mit hohen Toleranzausgleichen problematisch sein kann.
Tabelle 4: mögliche Applikationsarten in Abhängigkeit von dem Applikationsort
Applikationsort Mögliche Applikationsart Fügepartner
Aktive Seite: FlowField Walzen, Drucken BPHP - MEA
Aktive Seite: Randbereich Walzen, Dispensen, Drucken BPP - MEA
Kühlseite: vollflächig Walzen, Drucken BPP – BPP
Randplatte: vollflächig Walzen, Drucken, Rakeln BPP - BPP
Stromabnehmer: vollflächig Walzen, Drucken, Rakeln BPP – Kupfer
Stromabnehmer: vollflächig Walzen, Drucken, Rakeln Kupfer - PC
Isolatorplatte: vollflächig Walzen, Drucken PC – Holz, Alu
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2.2.4 Technologieauswahl und Umsetzung
Der Walzenprozess mit einer Silikonwalze per Hand wurde in diesem Fall als das präferierte
System ausgewählt. Ergebnisse aus vorangegangenen Forschungsvorhaben haben gezeigt, dass damit
für den Labormaßstab ausreichend gute Ergebnisse produziert werden können, um die geklebten
Zellen und Stacks sowohl mediendicht als auch funktionstauglich miteinander zu fügen. Der Transfer
vom Labormaßstab zum industriellen Einsatz ist mit dem Walzenprozess ebenfalls gegeben, was in
[48] gezeigt werden konnte. Für den Klebstoffauftrag im Bereich des FlowFields ist der Raupenauftrag
sowohl in der Geschwindigkeit als auch der späteren Qualität der Klebebene unzureichend. Die Gefahr
das überschüssiger Klebstoff in die Kanäle gedrückt wird, ist dabei zu hoch. Im Randbereich hingegen
ist es unbedingt notwendig, dass in jedem Bereich ausreichend viel Klebstoff appliziert ist. Während im
FlowField eine inhomogene Klebschicht nicht von Bedeutung ist, würde solch ein Defekt im Randbereich
die hergestellte Zelle, den hergestellten Stack als n.i.O qualifizieren. In Tabelle 5 sind die ausgewählten
Applikationstechnologien in Abhängigkeit zum Applikationsort zusammengefasst.
Tabelle 5: ausgewählte Technologie in Abhängigkeit zur Applikationsfläche
Applikationsort
ausgewählte Applikationsart
Aktive Seite: FlowField
Aktive Seite: Randbereich
Kühlseite: vollflächig
Randplatte: vollflächig
Stromabnehmer: vollflächig
Stromabnehmer: vollflächig
Isolatorplatte: vollflächig
Walzen
Walzen, Dispensen
Walzen
Walzen
Walzen
Walzen
Walzen
2.2.5 Teilflächige Klebstoffapplikation im FlowField
Fugenband
Das Kleben der MEA mit seiner GDL an das FlowField der aktiven Seite einer Bipolarplatte
wurde noch weiter spezifiziert. Die eingesetzten 1K Klebstoffe härten unter Temperatureinfluss bei ca.
80°C aus. Während dieser Aushärtung reduziert sich die Viskosität des Klebstoffs deutlich, was zu
einem vermehrten Fließen führen kann. Die GDL als Fügepartner kann durch das Gelege der Karbonfasern
für niederviskose Materialien als eine Art Schwamm betrachtet werden. Überschüssiger Klebstoff
verteilt sich nicht nur vollflächig auf dem Flies, sondern wird auch von dem Vlies absorbiert. Eine
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reduzierte frei gasdurchlässige GDL-Fläche kann zu einer verringerten Sauerstoff-, bzw. Wasserstoffversorgung
der Membran und somit zu einer reduzierten Leistung der Brennstoffzelle führen. Beim
Walzprozess mit einer unstrukturierten Walze wird der Klebstoff vollflächig auf die Stege des Flow-
Fields appliziert. Um die mit Klebstoff versehene Fläche der Stege zu reduzieren, wurden zwei Herangehensweisen
ausgewählt: Das primäre Abkleben des FlowFields mit einem speziellen Gitterband und
die Verwendung von speziell entwickelten Silikonstempeln für einen Transferdruckprozess.
Für das Gitterband wurde ein Fugenband easy-tape der Firma Knauf verwendet. Das Fugenband
besteht aus einem regelmäßigen Gelege von Glasfasern mit einer Breite von 0,3 mm und einer
Faserdicke von 0,2 mm. Die Fasern liegen sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung in
einem Abstand von 2,6 mm voneinander entfernt. Das Fugenband ist mit einem Acrylat Haftklebstoff
versehen.
Dadurch, dass der Klebstoff im FlowField über den Walzenprozess aufgetragen wird, ist eine
gleichzeitige Applikation im umliegenden Randbereich unvermeidbar. Aus diesem Grund wurde der
Randbereich der aktiven Seite vor dem Aufbringen des Fugenbands zusätzlich mit einem Maskierband
abgeklebt (Abbildung 17) Im Anschluss an den Walzenauftrag werden Fugenband und Maskierband
wieder entfernt.
Abbildung 17: Mit Fugenband und Maskierband abgeklebte aktive Seite einer BPHP
Mit einem auf das FlowField aufgelegtem Gitterband wurde erzielt, dass nur in den freiliegenden
Stegflächen Klebstoff appliziert wurde. Beim Anschließenden Entfernen des Fugenbands ergab sich
somit eine strukturierte Klebstofffläche auf den Stegen des FlowFields (Abbildung 18).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 18: Auf FlowField aufgebrachtes Fugenband (links), BPHP nach Entfernen des Fugenbands (Mitte),
partiell applizierter Klebstoff im Detail (rechts)
Die applizierte Fläche der FlowField Stege hängt davon ab, in welcher Orientierung und Position
das Gitter aufgebracht wird (Überlappung freiliegende Gitterfläche mit Stegfläche). Für die Wiederholbarkeit
wurde das Gitter immer senkrecht, bzw. parallel zu den Kanälen und Stegen des FlowFields
ausgerichtet. Das berechnete Verhältnis des Fugengitters von freiliegender Fläche und umgebender
Glasfaser liegt im vorliegenden Fall bei 78,25 %. Somit kann durch den Einsatz des Fugengitters die
applizierte Klebstoffmenge um 21,75 % reduziert werden.
Druckstempel
Ein weiterer Ansatz die applizierte Klebstoffmenge zu reduzieren und gleichzeitig den Applikationsprozess
zu vereinfachen ist der Einsatz von Druckstempeln. Mit geeigneten Stempeln kann der
Klebstoff gezielt in definierten Bereichen appliziert werden, wodurch der Einsatz von Maskierband wegfallen
kann. Zusätzlich ist es möglich, die Kontur des Druckstempels so weit anzupassen, dass ein frei
wählbares Applikationsverhältnis eingestellt werden kann. Dadurch kann auch auf die Verwendung
eines Fugenbands verzichtet werden. Zu diesem Zweck wurden am ifs versuchsweise spezielle Druckstempel
auf Basis von Silikon (Wacker Elastosil M4643 AB) hergestellt. Durch die Verwendung von
generativ erzeugten Negativformen und einem anschließenden Abguss konnten speziell definierte
Stempel mit individuellen Druckmustern hergestellt werden (Abbildung 19).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 19: Übersicht möglicher Druckmuster in Stempelform (oben), Klebstoff auf Papier gedruckt (Mitte) und
Klebstoff auf das FlowField einer Bipolarplatte gedruckt (unten)
Für die Verwendung auf dem FlowField der BPHP wurde das Muster mit um 45° versetzten
parallelen Linien mit einem Abstand von jeweils 3 mm ausgewählt (Abbildung 20).
Abbildung 20: Druckplatte aus Silikon für die lokale Klebstoffapplikation auf dem FlowField
Der Silikonstempel wurde via Transferdruck verwendet. Ergänzend wurde eine zweiteilige Vorrichtung
entworfen, in der sowohl der Stempel auf der einen Seite als auch die BPHP auf der anderen
Seite fixiert werden. Über Führungsstifte können beide Teile zusammengeführt werden, wodurch eine
sehr gut wiederholgenaue Applikation des Klebstoffs auf dem FlowField erfolgt (Abbildung 21).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 21: Aktive Seite einer BPHP mit per Stempeldruck appliziertem Klebstoff; ganze Platte (links) und im
Detail (rechts)
Das FlowField weist ein Verhältnis von Stegen zu Kanälen von 1:1 auf. Bei einer vollflächigen
Klebstoffapplikation der Stege und der damit einhergehenden Benetzung der GDL würden 50 % der
GDL-Fläche mit Klebstoff für den Gastransport von den Medienkanälen hin zur Membran wegfallen. In
Abbildung 22 wurde Klebstoff auf 100 % der Stege im FlowField appliziert, ein GDL-Vlies aufgelegt und
der Klebstoff im Anschluss ausgehärtet. Beim Abziehen des Vlieses von der BPHP zeigt sich ein deutlicher
Übertrag vom Steg auf die GDL.
Abbildung 22: Klebstoffübertrag von Steg auf GDL-Oberseite nach Aushärtung bei vollflächiger Applikation
Im Vergleich dazu wurde bei einem zweiten Versuch der Klebstoff mit Hilfe des Druckstempels
und dem um 45° versetzten Muster auf das FlowField übertragen. Beim Abziehen des Vlieses nach
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
der Klebstoffaushärtung ist ein deutlich anderer Übertrag zu erkennen (Abbildung 23). Ohne eine Berücksichtigung
von einem Verlaufen des Klebstoffs innerhalb der Vlies-Ebene (ähnlich wie in Versuch
#1) werden mit dieser Methode nur 10,6 % des Vlieses mit Klebstoff bedeckt.
Abbildung 23: Klebstoffübertrag von Steg auf GDL-Oberseite nach Aushärtung bei Applikation via Druckstempel
mit 45° Druckmuster
2.2.6 Stromabnehmer sowie Rand- und Isolierplatte
Den Anfang und das Ende eines Stacks (ausgenommen der Randplatten) bildet jeweils ein Paket aus Endplatte,
Stromabnehmerplatte und Isolatorplatte (siehe
Abbildung 2). Die Randplatte ist ähnlich wie eine Bipolarhalbplatte aufgebaut, weist jedoch auf
einer Seite keine Kühlstruktur auf und ist stattdessen plan. Mit dieser Seite wird die Endplatte auf eine
Kupferplatte, dem Stromabnehmer aufgelegt, bzw. im Rahmen von FC Bio geklebt. Die Kupferplatte
wiederum wird auf eine Kunststoffplatte, die Isolatorplatte, welche gleichzeitig auch als Medienverteiler
fungiert, geklebt. Zusätzlich ist angedacht die Isolatorplatte mit einer Tasche zu versehen, in der die
Kupferplatte versenkt werden kann. Damit wird gewährleistet, dass die Medienkanäle von Randplatte
und Isolatorplatte direkt aufeinanderliegen und keine weiteren Fittings oder Übergänge/Verbinder benötigt
werden. Schematisch ist dieser Aufbau in Abbildung 24 dargestellt. Im späteren Verlauf des
Projektes wurde der Aufbau modifiziert.
Abbildung 24: Schematische Darstellung der Einheit aus Taschen-Isolatorplatte-Stromabnehmer-Randplatte
Seite 38
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.3 Arbeitspaket 3: Charakterisierung der Oberflächen und Klebstoffe (ifs & ZBT)
Für das erfolgreiche Klebfügen der Stackkomponenten ist die Ermittlung einer geeigneten Vorbehandlung
und die Charakterisierung der Oberflächen der zu klebenden Substrate und der zu verwendenden
Klebstoffe unabdingbar. Die dafür notwendigen Untersuchungen überschneiden sich mit
Teilprojekt 4.
2.3.1 Oberflächenvorbehandlung (Corona und Plasma)
Oberflächenbehandlungen spielen eine zentrale Rolle sowohl in der modernen Materialwissenschaft
und Fertigungstechnik als auch insbesondere der Klebtechnik. Die Benetzbarkeit von Oberflächen
durch viskose Systeme (z.B. Klebstoffe) ist von entscheidender Bedeutung. Zwei typischerweise
eingesetzte Techniken zur Verbesserung der Oberflächeneigenschaften sind die Plasma- und die
Corona-Oberflächenbehandlung. Beide Methoden zielen darauf ab, die Oberflächenspannung zu erhöhen.
Trotz ihrer ähnlichen Ziele unterscheiden sich die beiden Verfahren in ihrer Funktionsweise und
bieten gerade in Bezug auf den Einsatz bei compoundierten Kunststoffen für den Einsatz in der Brennstoffzelle
spezifische Vor- und Nachteile.
Die Plasma-Oberflächenbehandlung basiert auf der Erzeugung eines Plasmas, einem ionisierten
Gas, das eine Mischung aus Elektronen, Ionen, Radikalen und neutralen Atomen enthält. Diese
hochenergetischen Teilchen interagieren mit der Materialoberfläche und führen zu verschiedenen physikalischen
und chemischen Veränderungen. Das Plasma kann aus verschiedenen Gasen wie Argon,
Stickstoff, Sauerstoff oder Luft erzeugt werden, wobei die Wahl des Gases die Art der Oberflächenmodifikation
beeinflusst. Typischerweise werden durch die Plasma-Behandlung funktionelle Gruppen wie
Hydroxyl-, Carbonyl- oder Carboxylgruppen auf der Oberfläche erzeugt, die die Benetzbarkeit und Haftungseigenschaften
erheblich verbessern. Darüber hinaus kann das Plasma Verunreinigungen, organische
Rückstände und oxidierte Schichten von der Oberfläche entfernen, was zu einer sauberen und
reaktiven Oberfläche führt. Zudem kann die Plasma-Behandlung in einer Vakuumumgebung durchgeführt
werden, was eine sehr gleichmäßige und kontrollierte Modifikation der Oberfläche ermöglicht.
Im Vergleich dazu nutzt die Corona-Oberflächenbehandlung Hochspannungselektroden, um
eine atmosphärische Entladung zu erzeugen, die als Koronaentladung definiert ist. Diese Entladung
tritt auf, wenn eine hohe elektrische Spannung auf eine Elektrode angelegt wird, die durch eine isolierende
Barriere (meist Luft) von einer geerdeten Gegenüberlage getrennt ist. Optisch stellt sich diese
Entladung als Corona-Lichtbogen dar. Die dabei entstehenden freien Elektronen und Ionen treffen auf
die Materialoberfläche, was zu einer Erhöhung der Oberflächenenergie führt. Ähnlich wie bei der
Plasma-Behandlung werden durch die Corona-Behandlung polare Gruppen auf der Oberfläche erzeugt,
die die Haftungseigenschaften verbessern. Die Corona-Behandlung ist besonders effektiv bei
der Behandlung von nichtleitenden Materialien wie Polymeren.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Ein Nachteil der Corona-Behandlung ist jedoch ihre begrenzte Flexibilität. Die erzeugte Koronaentladung
ist weniger kontrollierbar als ein Plasma, was zu einer ungleichmäßigen Behandlung führen
kann, insbesondere bei komplexen Geometrien. Bei den verwendeten Compoundmaterialien führte
die elektrische Leitfähigkeit der Substrate zu weiteren Nachteilen.
Die Corona-Behandlung kann bei der Bearbeitung von Materialien wie Polypropylen, zu einer Ozonbildung
führen, die eine potenzielle Gefahrenquelle darstellt und besondere Belüftungsmaßnahmen erfordert
[49, 50].
2.3.2 Verwendete Anlagentechnik
Plasma
Für die Plasmavorbehandlung wurde von der Firma Tigres GmbH mit Sitz in Marschacht ein
PlasmaJet A1 Lab als Leihgerät zur Verfügung gestellt (Abbildung 25). Das Gerät weist eine elektrische
Leistung von 725 W auf. Der Wärmeverlust ist hierbei mit ca. 50 % zu berücksichtigen. Bei einer Entfernung
von ca. 10 mm zwischen Düse und Materialoberfläche beträgt der Plasmaspot ca. 2 cm. Damit
die Vorbehandlung möglichst wiederholgenau durchgeführt wird, wurde der PlasmaJet an einen XY-
Tisch geflanscht. Über die interne Steuerung ist es möglich die Plasmaleistung zwischen 60 und 100 %
zu regulieren. Das Gerät wurde im ifs Labor mit Druckluft und einem anliegenden Luftdruck von 3 bar
betrieben.
Abbildung 25: Leihgerät PlasmaJet A1 Lab der Firma Tigres GmbH (links) mit an einen XY-Tisch geflanschter
Düse (Mitte) und aktivem Plasma (rechts)
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Corona - Vorbehndlung
Für die Corona Vorbehandlung stand ein ARCOJET 1.1A“ der Firma arcotec Oberflächentechnik
GmbH, Mönsheim am ifs in Aachen zur Verfügung (Abbildung 26).
Abbildung 26: Corona Anlage des ifs in Aachen, ARCOJET 1.1A
2.3.3 Eingesetzte Materialien
Für das Teilprojekt 1 wurden während der Projektlaufzeit verschiedene Materialien zur Verfügung
gestellt. Eine Auflistung aller Materialien und ihrer Beschreibungen findet sich in Tabelle 6.
Tabelle 6: während der Projektlaufzeit zur Verfügung gestellte Materialien
Material
PP (petrochemisch)
PP (Bio)
PE (Bio)
PA 6.10 (Bio) / PA11
(Bio)
Holz
Das petrochemisch basierte PP ist das Standard PP vom ZBT.
Bio PP stand aufgrund schlechter Verfügbarkeit erst am Ende der
Projektlaufzeit zur Verfügung.
Hauptsächliche Grundlage der durchgeführten Bio Untersuchungen
Schlechte Verarbeitbarkeit im Spritzgussprozess. Dadurch geringe
Probenverfügbarkeit
Holzendplatten wurden für die fertigen Stacks zur Verfügung gestellt
Kontaktwinkelmessung
Für die Ermittlung der Kontaktwinkel der einzelnen im Projekt zur Verfügung gestellten Materialien
wurden die jeweiligen Oberflächen mittels Corona, bzw. Plasma aktiviert. Für die grundsätzliche
Verwendung der spritzgegossenen Materialien in der Brennstoffzelle muss eine mechanische, abrasive
Behandlung der Oberfläche stattfinden. Damit wird die elektrisch isolierende Spritzgusshaut an der
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Oberfläche abgetragen und die darunter liegenden Partikel freigelegt. Für einen guten elektrischen
Kontakt ist diese Vorbehandlung unbedingt notwendig.
Der Abstand zwischen Plasmadüse und Materialoberfläche betrug 5 mm. Die Verfahrgeschwindigkeit
der Düse über das Substrat betrug 0,1 m/s. Die Leistung des Plasmageräts wurde bei 60 %
eingestellt. Es wurde jeweils nur eine Überfahrt durchgeführt.
Für die Corona Aktivierung wurde kein automatisierter XY Tisch verwendet. Stattdessen wurde
eine Linearführung eingesetzt. Der Abstand zwischen Düse und Materialoberfläche wurde auf 2,5 cm
eingestellt. Die Verfahrgeschwindigkeit betrug ebenfalls ca. 0,1 m/s.
Alle Materialien wurden vor der Oberflächenaktivierung mittels Isopropanol gereinigt. Die Messung
des Kontaktwinkels fand im direkten Anschluss an die Oberflächenaktivierung statt. Die Berechnung
der Oberflächenenergien wurde mit der Owens-Wendt-Rabel-Kaelble-Methode (OWRK) durchgeführt.
Die Ergebnisse der jeweiligen Oberflächenenergie ist in Tabelle 7 aufgelistet.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei den beiden Materialien PP und PE die polaren Anteile stark
erhöht werden konnten. Das fördert die Benetzung durch die eingesetzten, polaren Epoxidharzklebstoffe.
Zwischen der Corona und der Plasmaaktivierung konnte kein wesentlicher Unterschied sowohl
bei den polaren Anteilen als auch bei dem Gesamtkontaktwinkel beobachtet werden.
Tabelle 7: Ausgangswerte und Kontaktwinkel verschiedener Materialien nach Oberflächenaktivierung mittels
Corona (teilweise aus TP 4 übernommen) und Plasma
Ausgangswert [mN/m] Corona [mN/m] Plasma [mN/m]
polar | dispers
polar | dispers
polar
| dispers
PP geschliffen 36,4 46,1 47,2
0,3 36,2 7,3 38,8 9,4 39,3
Bio PE low geschliffen 42,5 46,4 47,9
2,9 39,6 5,67 40,7 11,5 36,4
Bio PA 6.10 42,1 n.a. n.a.
36,6 5,5 n.a. n.a
Bio PA 11 39,9 53,0 n.a.
36,1 3,7 11,9 41,1
Bio PP geschliffen 29,1 45,6 n.a.
0,3 28,8 9,7 35,9
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Oberflächendefekte bei Corona - Vorbehandlung
Während der Corona Aktivierung können Entladungsblitze an der Oberfläche registriert werden, Abbildung
27. Dadurch, dass die Corona nicht potentialfrei ist und das Compoundmaterial stark elektrisch
leitfähig, kann die Beobachtung damit erklärt werden. Nach der Oberflächenaktivierung sind eine Vielzahl
von Oberflächendefekten erkennbar. Diese treten in Form von kleinen Kratern auf. In der Literatur
ist dieser Effekt bereits bekannt. Während der Corona-Behandlung erzeugen die elektrischen Entladungen
hochenergetische Spezies und lokale Erhitzungen auf der Polymeroberfläche. In Bereichen, in
denen leitfähige Partikel wie Graphit und Ruß vorhanden sind, können diese Effekte verstärkt auftreten,
da die elektrischen Felder in der Nähe dieser Partikel konzentriert werden. Dies kann zu mikroskopischen
Entladungen führen, die Material von der Oberfläche abtragen und somit Krater verursachen
[51–53]. Für den Anwendungsfall im Rahmen des Forschungsvorhabens ist dieser auftretende Effekt
nicht als nachteilig eingestuft worden. Bei der Verwendung der Plasmavorbehandlung wurden diese
Effekte nicht festgestellt. Aus dem Grund ist diese Vorbehandlung grundsätzlich der Corona Vorbehandlung
auf Basis dieser Erkenntnisse vorzuziehen.
Abbildung 27: Compound Material vor (links), während (MItte) und nach der Corona Aktivierung mit deutlich sichtbaren
Kratern auf der Oberfläche (rechts)
Vermehrte Überfahrten mit Plasma
Die Aktivierung der Materialoberfläche durch die Plasmavorbehandlung wurde fortführend untersucht.
Die Fragestellung dabei war, inwiefern der mechanische Prozess des Abtragens der Spritzgusshaut
durch eine intensive Plasmavorbehandlung ersetzt werden kann. Dazu wurden PE-Platten
mit variablen Überfahrtgeschwindigkeiten, einer erhöhten Anzahl der Überfahrten und einer höheren
Plasmaleistung vorbehandelt. Als Substrate dienten dabei 6 cm x 6 cm x 0,2 cm Platten aus PE. Die
Parameter der durchgeführten Versuche sind in Tabelle 8 dargestellt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Tabelle 8: Parameter für erhöhte Plasmaaktivierung von PE Platten
Proben Abstand
Verfahr-
Leistung
Nr Düse-Substrat
geschwindigkeit
Anzahl
Überfahrten
Oberfläche
#1 5mm 60 % 1 m/s 1,2,3 Geschliffen
#2 5mm 60 % 0,25 m/s 1,2,3 Ungeschliffen
#3 5mm 90 % 0,25 m/s 1,2,3 Ungeschliffen
#4 5mm 90 % 0,05 m/s 1,2,3 Ungeschliffen
#5 5mm 90 % 0,05 m/s 1,2,3 Geschliffen
Bei Einzelversuchen konnte festgestellt werden, dass bei mehrfacher, kurz hintereinander erfolgter
Überfahrt des PlasmaJets über das Substrat eine Oberflächentemperatur von ca. 110°C erreicht
wird. Diese Temperatur liegt bereits sehr nah an der Schmelztemperatur der untersuchten Materialien.
Bei geringen Verfahrgeschwindigkeiten konnten lokale Defekte, bzw. Aufschmelzungen des Materials
beobachtet werden (Abbildung 28).
Abbildung 28: Lokales Aufschmelzen des Substrates durch zu viel Temperatureintrag durch die Plasmabehandlung
Bei einer üblichen Plasmabehandlung kann bei den untersuchten Materialien kaum eine Änderung
an der Oberfläche bemerkt werden. Im Falle der vorliegenden Versuchsreihe zur maximalen Behandlung
ohne Zerstörung der Oberfläche, weisen die Proben bei ausreichender Überfahrt weiße
Schlieren im Bereich der Plasmaaktivierung auf (Abbildung 29, Probe #4, Probe #5). Weiße Schlieren
bei Kunststoffen und einer Oberflächenvorbehandlung können auf eine Oberflächenoxidation hinweisen.
Durch den Plasmaprozess werden oxidierte, funktionelle Gruppen an der Substratoberfläche angeheftet.
Bei einer übermäßigen Aktivierung erhöht sich die Anzahl dieser Gruppen, welche aufgrund
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
ihrer Eigenschaften das Licht anders brechen und somit zurückstreuen. Ebenfalls kann es auf Mikroabrasion
der Oberfläche hindeuten, was eingangs Ziel von dieser Versuchsreihe war. Eine zu starke
Oxidation der Oberfläche kann jedoch den Klebverbund auch schwächen und somit nachteilig sein [54,
55].
Abbildung 29: Oberflächeneffekte der jeweiligen Probe nach Plasmavorbehandlung; Anzahl der Überfahrten von
links nach rechts pro Probe ansteigend von 1 bis 3
Bei genauerer Betrachtung konnte bei der einfachen und doppelten Überfahrt keine mechanische
Zerstörung der Oberfläche festgestellt werden. Erst bei der dritten Überfahrt zeigten sich Verformungen
auf der Oberfläche, was auf ein Umschmelzen des Materials schließen lässt (Abbildung 30).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 30: Übersicht von Probe #4 mit Unterteilung der Anzahl der Überfahrten (links) und entsprechende
Mikroskopaufnahmen der mit Plasma aktivierten Bereiche (rechts)
Für eine noch detailliertere Betrachtung wurden die Proben mittels Raster Elektronenmikroskop
(REM) begutachtet (Abbildung 31). Dazu wurden 1 cm x 1 cm große Stücke aus den vorbehandelten
Bereichen herausgetrennt und entsprechend untersucht. Die mechanische Vorbehandlung mittels
Schleifvlies ist sehr gut in den auftretenden Riefen zu erkennen (Unterschied zwischen oben und unten).
Die weißen Schlieren auf der Oberfläche lassen sich nicht nachweisen. Eine Materialschädigung
konnte nicht erkannt werden.
Abbildung 31: REM Aufnahmen der Proben #4 und #5 mit jeweils 0, 1 und 2 Überfahrten
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Der Kontaktwinkel wurde anhand vergleichbarer Proben bei Überfahrtgeschwindigkeiten von
0,1 m/s und einem Düsenabstand zum Substrat von 5 mm gemessen. Der disperse Anteil erreichte bei
zwei Überfahrten sein Maximum und nahm danach ab. Der polare Anteil konnte, genau wie die Gesamtoberflächenenergie
pro Überfahrt gesteigert werden (Abbildung 32).
Abbildung 32: Vergleich disperser Anteil, polarer Anteil und Oberflächenenergie (gesamt) nach mehrfachen Überfahrten
mit PlasmaJet
Die notwendigen Voraussetzungen für eine Benetzung der Oberfläche durch den Klebstoff ist bereits
nach einer ersten Überfahrt erfüllt. Weitere Überfahrten garantieren nicht, dass der Verbund zwischen
Klebstoff und Substrat verstärkt wird. Vielmehr ist eine Schädigung der Oberfläche wahrscheinlicher.
Eine industrielle Umsetzung mehrfacher Oberflächenvorbehandlungen der gleichen Stelle ist bei
Massenbauteilen als gering einzuschätzen. Stattdessen wird eine Anpassung von Leistung, Abstand
und Verfahrgeschwindigkeit stattfinden. Aber auch dann bedarf es weiterer Untersuchungen diesbezüglich,
ob eine reine Plasmavorbehandlung die elektrisch isolierende Spritzgusshaut der Bauteile abtragen
kann. Weitere Untersuchungen dazu müssten angestrebt werden.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.4 Arbeitspaket 4: Fügen von Versuchszellen, BPP und Endplatten (ifs & ZBT)
2.4.1 Applikationstreffen am ifs
Für die Herstellung von geklebten Zellen und Stacks wurden Applikationstreffen am ifs in
Aachen zwischen dem ZBT und dem ifs abgehalten. Bei neun Treffen wurden verschiedene Zellen,
Stacks, Endblöcke (Randplatte, Stromabnehmer und Isolatorplatte) und Baltic Zellen gefertigt (Übersicht
in Tabelle 9). Der in 2.2.2 beschriebene Ablauf zur Herstellung der Proben auf Laborebene wies
eine arbeits- und somit zeitintensive Bearbeitung auf. Zusätzlich wurden alle geklebten Bauteile hinsichtlich
ihrer Funktionstauglichkeit am ZBT geprüft, bevor der nächste Prozessschritt erfolgen konnte
(siehe Abbildung 12).
Tabelle 9: Übersicht über die im Laufe des Projekts hergestellten und geprüften Proben
Bauteil
Stückzahl
Bipolarplatte 44
Zelle 41
Stack 10
Randplatte 20
Endblock 10
Baltic Zellen 6
Die verwendeten Klebstoffe für die Herstellung der Baltic Zellen, Bipolarplatten, Zellen bzw. Stacks und
Endblöcke sind in
Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 10: Eingesetzte Klebstoffe zur Herstellung der einzelnen Bauteile
Bauteil Aktive Seite Kühlseite
Klebstoff
FlowField
Klebstoff Randbereich
Klebstoff
Kühlseite
Stack #1 (PP) - - #BZ 107
Stack #2 (PP) #BZ 107 #BZ 100 -
Stack #3 (PE) #BZ 107 #BZ 100 #BZ 133
Stack #4 (PE) #BZ107 #BZ100 #BZ 107
Baltic Zellen #BZ107, #BZ 133 -
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Endblöcke #BZ 107
Die eingesetzten Klebstoffe sind allesamt heißhärtende Epoxidharzklebstoffe. Diese härten bei
einer Temperatur von 85°C über einen Zeitraum von mehreren Stunden, bis hin zu 24h aus. Für die
Aushärtung wurden die hergestellten Proben in einer vom ZBT zur Verfügung gestellten Aushärtungsvorrichtung
verspannt. Die Vorrichtung besteht aus zwei Aluminiumblöcken (Materialstärke: 2 cm),
sechs Gewindestangen, Muttern und mehreren Tellerfedern (Abbildung 33). Bei geeignetem Anzugsmoment
der Muttern von 2,0 Nm wird eine zum späteren Teststand vergleichsbare Anpresskraft auf
alle in der Vorrichtung befindlichen Proben ausgeübt. Um ein einseitiges Verpressen und damit verbundenes
Wegschieben des Klebstoffs zu vermeiden, in dem jede Mutter direkt mit dem maximalen
Drehmoment beaufschlagt wird, findet ein iterativer Schraubprozess statt. Die jeweiligen Drehmomente
sind 0,5 Nm, 1,0 Nm, 1,5 Nm und 2,0 Nm. Die Muttern werden in einem speziellen Muster festgezogen.
Abbildung 33: Vorrichtung für die Aushärtung geklebter Bipolarplatten oder Zellen
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.4.2 Planare Anforderungen an Ausgangsbauteile
Bei der Verarbeitung einiger PE-Proben traten im Vorfeld mechanische Verformungen bei den
Ausgangbauteilen auf. Diese Verformungen konnten auch bei einer Wärmebehandlung mit aufgelegten
Kontergewichten höchstens reduziert, aber nicht beseitigt werden. Die Herstellung geeigneter Plattenware
zeigte sich somit in diesem Fall als herausfordernder als bei den bis dahin verarbeiteten PP Materialien.
Abbildung 34: Verformte Ausgangsmaterialien aus PE, BPHP (oben), Baltic Platten (unten)
Speziell bei den Baltic Zellen ist die Anforderung an eine ebene Bipolarplatte besonders hoch.
Die Baltic Zelle hat keinen Randbereich, der mechanische Kräfte auffängt, so wie es bei dem ZBT-
Design für die 50 cm² Zellen ist. Marktverfügbare MEAs sind Bauteile, welche auf die Verwendung mit
einem Anpressdruck ausgelegt sind. Die Umsetzung eines geklebten Stacks ohne Anpresskräfte von
außen wird in dieser Hinsicht bislang noch nicht bedient. Der Verbund aus Membran und GDL kann
keine Zugkräfte aufnehmen. Werden diese Bauteile dennoch mit Zugkräften beaufschlagt, ist es sehr
wahrscheinlich, dass sich die GDL von der funktionalen Schicht der Membran löst und die MEA dadurch
unbrauchbar wird (Abbildung 35).
Durch verformte Ausgangsmaterialien (wie in Abbildung 34 abgebildet) wirkt bereits nach der
Entformung der geklebten Zelle eine solche Zugkraft auf das Bauteil. Darüber hinaus ist das Compoundmaterial
hochgefüllt mit funktionalen Füllstoffen, wodurch es anfällig für ein Sprödbruchverhalten
bei punktuell induzierten Biegebelastungen wird. Dadurch entstehende Risse führen zu einer Undichtigkeit,
bzw. Leckage im späteren Betrieb und muss unbedingt vermieden werden.
Seite 50
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 35: Im Randbereich abgelöste GDL (links), vollflächig abgelöste GDL (rechts)
Durch eine intensive Bauteilüberwachung und -vermessung am ZBT war es möglich Baltic Zellen
und Bipolarhalbplatten mit geringen Toleranzen herzustellen (Abbildung 36). Damit war es möglich
die Zellklebung in diesem Bereich erfolgreich durchzuführen.
Abbildung 36: Nachgearbeitete Baltic Bipolarplatten mit geringen Toleranzen
Bipolarplatten und Zellen im 50 cm² ZBT-Testdesign
Leitfähige Klebung im FlowField
Im konventionellen Stack-Aufbau werden die elektrischen Kontaktwiderstände an den Grenzflächen
zweier (Halb-)Platten durch eine starke mechanische Verpressung mit ca. 10 kN Anpresskraft
reduziert. Um einen vollgeklebten und voll einsatzfähigen Stack ohne Anpresskräfte aufzubauen, ist es
notwendig, die Verringerung dieser Kontaktwiderstände durch elektrisch leitfähige Klebungen zu erzielen.
Für die aktive Seite einer Platte betrifft dies die elektrische Kontaktierung zwischen der BP(H)P
und der GDL. Die Klebung an dieser Stelle dient ausschließlich der elektrischen Kontaktierung. Eine
große Herausforderung besteht in der Dosierung der Klebstoffmenge. Ein übermäßiger Klebstoffauftrag
führt zu einer Blockade des FlowFields, bzw. den Kanälen und somit zu einer ungleichmäßigen
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Verteilung der Medien im Betrieb. Wird hingegen zu wenig Klebstoff aufgetragen, besteht die Möglichkeit,
dass die Komponenten nicht optimal elektrisch kontaktiert sind und somit der Wirkungsgrad gering
ist.
Der im Rahmen von Teilprojekt 4 („Adhesives“) entwickelte elektrisch leitfähige Klebstoff auf
Epoxidharz-Basis wird per Walze aufgetragen.
Anhand von Proben, die aus BPHP-GDL-BPHP mit leitfähiger Klebung bestehen, konnte gezeigt
werden, dass bei geringen Anpressdrücken, der Kontaktwiderstand ebenfalls reduziert wurde.
Damit eignet sich dieses Vorgehen zum Testen im realen Betrieb.
Dichtklebung im Randbereich
Der BPHP/MEA-Verbund muss im Randbereich und um die Medienverteiler abgedichtet werden.
Abbildung 37 zeigt, wie eine Klebraupe ohne elektrisch leitfähige Zusätze entlang des Randbereichs
mittels Dispenser appliziert wurde. Dabei ist zu beachten, dass dieser Dichtklebstoff die Höhendifferenz
der GDL ausgleichen muss. Die verwendeten MEAs weisen im Bereich der GDL eine Gesamtdicke
von 0,473 mm auf, während das Subgasket lediglich 0,1 mm dick ist. Vom Subgasket ausgehend,
auf welches geklebt wird, beträgt der Höhenunterschied zwischen Subgasket und GDL-Oberfläche
ca. 0,1865 mm. Die geklebten Zellen dürfen im Bereich der Ports nicht zu einem Nullspalt gepresst
werden und die GDL darf nicht zu stark komprimiert werden (führt zu einem verringerten Durchfluss
der GDL und zu einer verringerten Leistung der Zelle). Zu diesem Zweck wurden nach dem Auftragen
des Klebstoffs zusätzlich Glaskugeln mit einem Durchmesser D 90 von ca. 170 μm entlang der
Dichtkontur verteilt.
Abbildung 37: Klebstoffauftrag zwischen BPHP und MEA zum Abdichten der Brennstoffzellen (links) und aufgelegte
MEA mit PEN-Rahmen (rechts)
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.4.3 Qualitätskontrolle durch µCT
Neben den Funktionstests am ZBT wurden speziell ausgewählte Zellen, wie auch die hergestellten
PE-Stacks mit Hilfe der µCT am ifs in Braunschweig nichtinvasiv untersucht. Während aufgrund
der Materialeigenschaften der Bipolarplatten (undurchsichtig) eine Einsicht in eine geklebte Zelle, bzw.
einen geklebten Stack unmöglich ist, so können mit Hilfe einer µCT Untersuchung Aussagen über die
Klebstoffschichtstärke, die Klebstoffverteilung in der Klebebene und auch die Lage der einzelnen Bauteile
zueinander getroffen werden. Verwendet wurde ein phoenix „v|tome|x s 240“ microCT System der
Firma GE Sensing & Inspection GmbH (Wunstorf, Deutschland).
Durch den Einsatz der µCT kann grundsätzlich untersucht werden, inwiefern beide Bipolarhalbplatten
relativ zueinander ausgerichtet sind, ob im Laufe des Füge- und Aushärtungsprozesses Klebstoff in die
Medienkanäle des FlowFields oder der Kühlstruktur eingedrungen ist (Abbildung 38).
Abbildung 38: Exemplarische 3D Visualisierung einer gescannten Zelle in der Draufsicht (links) und im Schnitt
über das FlowField (rechts)
Speziell bei der Untersuchung von geklebten Zellen, bei denen im Randbereich eine Raupenapplikation
des Klebstoffs vorgenommen wurde, konnte die Verteilung des Klebstoffs nach dem Fügeprozess
analysiert werden. So zeigten sich zum Beispiel Bereiche, in denen der Klebstoff die Bipolarplatte
nicht vollständig bedeckt Abbildung 39, rechts.
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Abbildung 39: Blick in die Zelle auf Ebene der MEA (links) mit Ansammlung von als Abstandshalter verwendeten
Glaskugeln (gelber Kreis) und der Klebstoffschicht (rechts) mit Bereichen, in denen der Klebstoff den Randbereich
nicht vollständig bedeckt (roter Kreis)
Durch eine Kombination von ZBT-Funktionstests und einer anschließenden µCT-Untersuchung
konnten gezielt Defekte in den Zellen, bzw. den Stacks gesucht werden, ohne die Bauteile invasiv
voneinander zu trennen.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.4.4 Kupfer PC Compound
Der Klebstoff wird hier ebenfalls vollflächig aufgewalzt, um eine möglichst große Kontaktfläche zu erreichen
(Abbildung 40).
Abbildung 40: Bauteile eines Endblocks einzeln (oben), Bauteile klebtechnisch miteinander gefügt (unten)
Bei der Herstellung dieser Endblöcke zeigten sich mechanische Verformungen während der
Klebstoffaushärtung im Ofen. Das äußerte sich in einem messbaren Schüsseln.
2.4.5 Verzug bei geklebten Bauteilen
Die mechanische Verformung von Bauteilen wiederholte sich selbst mit ebenen Ausgangsbauteilen
nach dem Klebprozess. Klebtechnisch gefügte Zellen, Stacks und auch Endblöcke wiesen wiederholbar
Schüssellungen auf. Besonders stach die Verformung des Endblocks nach der Klebstoffaushärtung
hervor. Die verwendeten Materialien, ein 2 cm dicker Block aus Polycarbonat, eine 2 mm dicke
Kupferplatte und eine Bipolar-Randplatte zeigten eine gemeinsame Verformung auf, obwohl die Einzelbauteile
i.O. waren. Eine abgefräste Platte aus Aluminium ist bei dem Endblock als Referenz angehalten
(Abbildung 41, unten). Die Durchbiegung des PC-Cu-BPP Blocks wurde im maximalen Bereich
mit 700 µm gemessen.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 41: Geschüsselte Bauteile: geklebter Stack (oben), geklebter Endblock (unten)
Für den Endblock, bestehend aus Isolatorplatte (Polycarbonat), Stromabnehmer (Kupfer) und
Endplatte (Compoundmaterial) wurde ein temperierter 3-Punkt-Biege-Versuch unternommen, um die
Verformung zu reduzieren. Dazu wurde der geklebte Block in einer Heißpresse eingespannt und während
an den beiden kurzen Kanten der Polycarbonatplatte die Auflager waren, wurde auf der Seite der
graphitischen Endplatte eine Druckkraft aufgebracht. Gleichzeitig wurde die Presse auf +80°C aufgeheizt.
Dieser Versuch lief über 24h. Beim Entnehmen des Endblocks und direkten Messen mittels Fühlerlehre
konnte eine reduzierte Durchbiegung von nur noch 250 µm gemessen werden (Abbildung 42,
links). Die Durchbiegung erhöhte sich während der Abkühlung auf Raumtemperatur auf 600 µm (Abbildung
42, rechts). Eine Abkühlung unter konstanter Druckkraft innerhalb der Presse zeigte ein ähnliches
Bauteilverhalten, jedoch konnte die Durchbiegung gleichbleibend auf 450 µm reduziert werden.
Abbildung 42: Seitenansicht des Endblocks zum Vergleich der Durchbiegung direkt nach der Entnahme aus der
Presse (oben) und nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur (unten)
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
In Abbildung 43 werden beide Bilder aus Abbildung 42 übereinandergelegt und die gläserne
Auflage als Referenz genommen (Abbildung 43, gelber Kasten). So kann die während der Abkühlung
stattfindende Durchbiegung über den Versatz von Kupferplatte und Compound-Platte von links nach
rechts gut beobachtet werden (Abbildung 43, roter Kasten).
Abbildung 43: Überlagerung des Endblocks in den beiden Zuständen +80 °C (links) und Raumtemperatur (rechts)
zur Visualisierung der Durchbiegung
Hypothesen für den Bauteilverzug
Für die Ursachenforschung wurden mehrere Hypothesen aufgestellt:
a) Im Material wurden Eigenspannungen bereits bei der Produktion eingefroren und diese werden
durch das Aufheizen auf + 85 °C freigesetzt.
b) Die Bauteile dehnen sich im Ofen unterschiedlich aus und werden in diesem Zustand durch den
ausgehärteten Klebstoff eingefroren. Bei der späteren gleichförmigen Abkühlung wird ein Schrumpfen
verhindert, wodurch es zu Spannungen und einer daraus resultierenden Verformung kommt
(Delta-Alpha-Problematik)
c) Der ausgehärtete Klebstoff selbst erzeugt derart große Spannungen, dass sich die Materialien verbiegen
Hypothese a) Für die Überprüfung von Annahme, dass bereits bei der Produktion der Ausgangsmaterialien
Spannungen eingefroren wurden, wurden die einzelnen Bauteile jeweils im Ofen bei
+85°C gelagert. Hierbei konnten keine einzelnen Verformungen der Bauteile beobachtet werden.
Hypothese b): Die einzelnen Materialien weisen jeweils einen unterschiedlich hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten
auf. Während der Klebstoff bei +85°C aushärtet, werden die jeweiligen
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Längenänderungen mit eingefroren. Bei der Entnahme aus dem Ofen und einer Abkühlung auf Raumtemperatur
ergeben sich durch das Zusammenziehen der Einzelmaterialien Spannungen, welche sich
in einer Durchbiegung des Verbunds äußern.
Der Wärmeausdehnungskoeffizient von kristallinem Graphit ist anisotrop und somit abhängig
von der Schichtebene zu betrachten [56]. Eine Aussage basierend auf berechneten Werten kann somit
nicht für die Compound Materialien oder die eingesetzten gefüllten Klebstoffe erfolgen, weil die eingesetzten
Partikel keine gemeinsame Orientierung aufweisen.
Aus diesem Grund wurde ein praktisch orientierter Versuch angestrebt: die Vermessung einer
Compoundplatte (6 cm x 6 cm x 0,2 cm) im Urzustand, bei einer Temperatur von +85°C und nach einer
anschließenden Abkühlung auf Raumtemperatur. Damit ist es möglich die Längenänderung während
der Klebstoffaushärtung zu bestimmen.
Die Materialstärke wurde mit Hilfe einer digitalen Bügelmessschraube ermittelt, die Kantenlängen
wurden mit einer digitalen Schieblehre bestimmt. Als Messpunkte wurden die vier Ecken des Prüflings
mit einem Abstand zu den beiden anliegenden Kanten von 1 cm definiert.
Abbildung 44: Messpunkte für Dicken- und Längenänderung einer PE-Compoundplatte
Die Änderung der Materialstärke beläuft sich bis auf einen Messpunkt im Bereich von 0,2 %.
Auch wenn alle Messpunkte mehrfach abgetastet wurden, so ist bei den Werten von Messpunkt C
entweder von einem Fehler auszugehen oder aber von einer einseitig orientierten Ausrichtung der dort
vorkommenden Partikel. Die Längenänderung über die Kanten sind bei +85°C alle im positiven Bereich
und identisch. Bei der Abkühlung von +85°C zurück auf Raumtemperatur erfahren zwei Kanten eine
Längenreduktion im Vergleich zu ihrem Ausgangswert. Die gemittelte prozentuale Ausdehnung über
alle Messpunkte beträgt 0,4 % und über die Messlängen 0,086 %. Daraus ergibt sich ein Wärmeausdehnungskoeffizient
von ca. 60 * 10^-6 K^-1, bzw. 13,2 * 10^-6 K^-1 für die gemessene Probe.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Dickenänderung [%]
1,4
1,2
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
A B C D
bei +85°C auf RT abgekühlt
Längenänderung [%]
0,15
0,1
0,05
0
-0,05
A-B A-C B-D C-D
-0,1
-0,15
bei +85°C auf RT abgekühlt
Abbildung 45: Prozentuale Änderung der Dicke und Länge des Prüflings an den gekennzeichneten Messpunkten,
bezogen auf die Ausgangswerte bei Raumtemperatur
Anschließend kann der ermittelte Wert mit üblichen Wärmeausdehnungskoeffizienten für die
restlichen eingesetzten Materialien gegenübergestellt werden (Tabelle 11). Die Kombination aus den
Materialien für einen Endblock (PC, Kupfer, PE-Compound) erreicht bei niedrigen Ausdehnungen einen
sehr vergleichbaren Wert und bei höheren Werten der Kunststoffe eine höhere Ausdehnung um
den Faktor vier. Die mit Abstand höchsten Längenänderungen erfahren reine Kunststoffmaterialien (PP
und PE). Diese kommen in dieser Form jedoch nicht in dem Zellstapel vor.
Tabelle 11: Übliche Wärmeausdehnungskoeffizienten der eingesetzten Materialien und die daraus resultierende
Längenänderung eines Bauteils auf Basis des 50 cm² ZBT-Zelldesigns (137,5mm)
Material
Wärmeausdehnungskoeffizient
[10^-6 K^-1] rung bei ∆T = 65°C
Theoretische Längenände-
[mm]
Polypropylen 100 - 200 0,89 – 1,78
Polyethylen 150 – 200 1,34 – 1,78
Polycarbonat 60 – 70 0,53 - 0,62
PE-Compound, gefüllt 13,2 – 60 0,12 – 0,53
Epoxidharzklebstoff, ungefüllt 30 – 60 0,26 – 0,53
Kupfer 16,5 0,14
Für eine genaue Bestätigung oder Widerlegung dieser These müssen weitere Untersuchungen in diesem
Bereich angestrebt werden.
Hypothese c) Der Epoxidharzklebstoff erfährt während der Aushärtung eine Schwindung, wodurch
Spannungen im Verbund auftreten und noch während der Aushärtung eine Durchbiegung des Verbunds
entsteht. Da diese Durchbiegungen auch bei geklebten Zellen zu bemerken sind, wurde in erster
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Linie eine Interaktion zwischen Compoundmaterial und Klebstoff untersucht. Dazu wurden PE-Platten
mit einem Gravierstichel abgefräst, so dass eine strukturelle Schwächung über die Dicke des Compoundmaterials
entsteht (
Abbildung 46). Die Reststärke der Compoundplatte betrug an der dünnsten Stelle 0,25 mm.
Abbildung 46: Abgefräste PE-Platte zur strukturellen Schwächung des Materials für Tests hinsichtlich Bauteilverzugs
Für die Durchführung des Versuchs wurde Klebstoff auf die noch intakte Oberfläche des Prüflings
vollflächig aufgetragen und im Ofen ausgehärtet. Bei einem übermäßigen Schwinden des Klebstoffs
wurde erwartet, dass sich das Bauteil so verzieht, dass die Enden jeweils nach oben gebogen
werden. Dieses Verhalten konnte nicht beobachtet werden. Eine imaginäre Gerade über die Klebstoffoberfläche
(Abbildung 47, rot gestrichelte Linie) verliert in der Seitenansicht kaum den Kontakt mit dem
Prüfling. Dadurch, dass sowohl der Klebstoff, als auch das Compoundmaterial mit den funktionalen
Füllstoffen Graphit und Ruß hochgefüllt sind, wird davon ausgegangen, dass der Effekt des Klebstoffschrumpfs
so gering ist, dass er keinen Einfluss auf den Verbund ausübt.
Abbildung 47: Seitenansicht einer Durchbiegung
Eines der Ziele eines vollständig geklebten Brennstoffzellenstacks ist die spätere Umsetzung
eines anpressdrucklosen Stacks. Sind die Einzelbauteile jedoch mit einer mechanischen Verformung
vorbelastet, besteht die Möglichkeit, dass das im späteren Verbund zu Spannungen und somit zum
Versagen durch Adhäsionsverlust auf der kohäsionsarmen Compound-Oberfläche führen kann. Aus
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
diesem Grund ist die Überprüfung der geometrischen Eigenschaften ein essenzieller Schritt für den
erfolgreichen Projektverlauf bei einem anpressdrucklosen Stack.
2.4.6 Kupfer PC/ABS Compound Holz - fully bonded Stack
Aufgrund der Verzugsthematik, wurde die Endplattenbaugruppe durch das Innovatinsprinzip
der Segmentierung modifiziert (Abbildung 48, links). Die mechanische Entkopplung der Medienverteiler
und der Endplatten soll die zuvor nicht vermeidbare Schüsselung der Endplattenbaugruppe verhindern.
Dafür wurden die in Gemeinschaftsarbeit mit dem TP „Wooden Endplate“ entstandenen Holzendplatten
Inlays, Kupfer Stromabnehmer und Polycarbonat (PC) Medienverteiler entwickelt und hergestellt.
Abbildung 48: Endplattenbaugruppe aus Polycarbonat, Kupfer und Holz, links, 3D gedruckte alternative Endplattenkomponenten
aus PP, ABS und PA12, rechts
Aus dem Teilprojekt „Adhesives“ war bereits bekannt, dass die Klebung PC zu Compound nach
Auslagerungsversuchen in feuchter Umgebung undicht werden kann. Deswegen wurden mit PP, ABS
(favorisiert) und PA12 zusätzlich alternative Materialien als Medienverteiler ausgewählt und per 3D-
Druck hergestellt (Abbildung 48, rechts). Plättchen dieser Proben wurden auf Wasserstoffpermeation
hin untersucht und aufgrund der Ergebnisse die Bauteile nachträglich mit Epoxidharz versiegelt.
Für die Herstellung der Stacks wurden 2 aktiv- und kühlseitig geklebte und versiegelte Zellstapel
sowie ein vollständig geklebter bereits 1400 h betriebener PP Stapel verwendet (Details dazu siehe
2.6). Da eine ausreichende Anzahl an Endplattenbaugruppen zur Verfügung stand und die Wahrscheinlichkeit
recht hoch war, dass nicht alle Aufbauten dicht werden, wurden 3 fully bonded Stacks
hergestellt.
Im Gegensatz zum vorherigen Vorgehen der separaten klebtechnischen Herstellung der Endplattenbaugruppen
wurde in diesem Fall alles direkt mit dem Zellstapel geklebt und ausgehärtet. Die
Vorteile sind, dass potentieller Verzug sich nicht direkt auswirken kann und es zu einem schnelleren
Ergebnis führt. Nachteilig kann sich auswirken, dass Defekte Bauteile oder Klebungen nicht durch eine
Vorprüfung vor dem finalen Fügen ausgeschlossen werden können.
Abbildung 49, links zeigt einen geklebten 5-zelligen Stapel mit einer aufgelegten und einer anzuklebenden
BPP-Randplatte sowie PC Medienverteiler, welche mit Holzstiften in der Holzendplatte
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
fixiert werden können. Die rechte Seite zeigt einen Stack mit angeklebten ABS Medienverteilern,
Stromabnehmern und lose aufgelegten Holzendplatten noch vor dem Aushärten. Dass die Holzendplatten
in diesem Fall nur lose aufgelegt werden hat den Hintergrund, dass potentieller Verzug durch
eine starre Verbindung klein gehalten werden soll und dass die Endplatten für einen späteren anpressdrucklosen
Betrieb abnehmbar bleiben sollen.
Abbildung 49: Geklebter 5-zelliger Stapel mit Randplatte und Medienverteilern, links, assemblierter Stack vor
dem Aushärten, rechts
Für den Aushärtevorgang müssen allerdings die Endplatten und auch die Medienverteiler mit
dem Stack verspannt werden (Abbildung 50).
Abbildung 50: Montage der Spannbänder, links und Verspannung der Medienverteiler zum Aushärten
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
So entstanden 3 vollständig geklebte Stacks, 2 davon wurden mit den PC und einer mit ABS Medienverteilern
ausgerüstet (Abbildung 51).
Abbildung 51: 3 Fully bonded Stacks mit 2x Bio-PE und 1x PP BPP und PC bzw. ABS Medienverteilern
Die weiteren Dichtprüfungen und Arbeiten an den Stacks werden in 2.6 beschrieben.
2.5 Arbeitspaket 5: Herstellung und Tests von 1 Zellern (ifs & ZBT)
Im Rahmen von Teilprojekt „Compound and Filler“ wurde eine 25 cm² Testzelle entwickelt, welche
eine hohe Performance ermöglichen soll und die dazugehörigen BPP Inlays auf einer kleinen
Spritzgießmaschine (Boy 35 E HV) hergestellt werden können. Abbildung 52 zeigt einen spritzgegossenen
Einleger mit Anguss sowie die anoden- und kathodenseitige Adaption zur Aufnahme sowie die
montierte Baltic qCF Schnellspannvorrichtung. Dadurch dass sich die Dichtungen in dem jeweiligen
Rahmen befinden und es nur jeweils eine einteilige Bipolarplatte für die Anode und Kathode gibt, können
mit diesem Aufbau ausschließlich ungeklebte und aktivseitig leitfähig im Flowfield geklebte Zellen
getestet werden. Dichtklebungen, welche im Stack in 2 Varianten auftreten, können mit diesem Aufbau
somit nicht getestet werden. Der Vorteil des Schnellspannsystem ist es, dass neben den BPHP und
der MEA keine weiteren Bauteile eines Stacks benötigt werden und somit die Bearbeitungsschritte zum
Aufbau der Zelle deutlich reduziert sind.
Abbildung 52: 25 cm² spritzgegossene Einleger, Anoden- und Kathodenseitige Adaptierung, Baltic
Schnellspannvorrichtung mit integrierten spritzgegossenen BPP
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 53: Erster Dauerversuch mit PP BPP, UI Kennlinien nach 93, 417 und 453 h mit Anpressdruckreduktion
unter AST-3 Bedingungen
Abbildung 53, links zeigt einen ersten Dauerversuch über 450 h mit PP BPP ohne Klebung und
rechts die dazugehörigen UI-Kennlinien nach dem Einfahren bei 93 h, zum Ende des Tests bei 417 h
und mit reduziertem Anpressdruck nach 453 h. Es ist eine sehr hohe Anfangsperformance von 1,26
W/cm² bei Strömen von über 75 A, also mehr als 3 A/cm² erreicht worden.
Für nachfolgende Versuche standen 3 Typen von Compound BPP zur Verfügung, PP Referenz, Bio
PE und Bio PA 11. Diese 3 Typen sollten jeweils ungeklebt und geklebt geprüft werden. Von jeder
Sorte standen eine ausreichende Anzahl BPP zur Verfügung und es wurden jeweils 2 Zellen geklebt.
Um die Anpressdruckabhängigkeit vor allem der geklebten Zellen näher untersuchen zu können wurde
ein Messprotokoll entwickelt bei welchem der Anpressdruck auf den Stegen der Baltic Zelle von ca.
3 bar für das Einfahren über 60 h, auf 6 bar für weitere 20 h und jeweils weitere ca. 3 bar für 20 h bis
25 bar erhöht wurde. Die Gesamtmesszeit wurde aufgrund der Anzahl an Prüflingen pro Test auf 140 h
festgelegt und weil bei diesen Versuchen nicht die Haltbarkeit, sondern die Performanceunterschiede
herausgearbeitet werden sollen. Aufgrund der automatisierten Anpressdruckvariation musste der Teststand
gewechselt werden.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 54: Initialer Versuch mit PP BPP ungeklebt nach AST-3 und Anpressdruckvariation
Abbildung 54 zeigt den initialen Versuch mit dem neuen Protokoll und den Referenz PP BPP.
Bereits bei einem Anpressdruck von nur 12,5 bar, also dem halben sonst üblichen Druck ist die Leistung
höher als bei der als rote Linie eingezeichneten Goldreferenz eines älteren metallischen Designs
bei 25 bar. Weitere Steigerungen des Anpressdrucks erhöhen die Leistung zusätzlich. Dies bestätigt
die sehr hohe Performance des entwickelten Flowfields.
Nach dem zweiten Versuch mit Bio-PE, welcher eine erheblich geringere Performance zeigte
als die PP Referenz musste erneut der Teststand gewechselt werden, da es sonst zu längeren Verzögerungen
gekommen wäre. Um keine weiteren Verzögerungen zu provozieren wurde mit dem Testprogramm
unverändert fortgefahren. Dabei zeigte das Material Bio-PA 11 eine erheblich bessere Performance
als die beiden anderen Compounds (Abbildung 55).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 55: UI Kennlinien Versuche 01 bis 03 PP, Bio-PE, Bio-PA 11
Aufgrund dessen wurde davon ausgegangen, dass der Wechsel des Teststands reibungslos funktioniert
hat und ein Wiederholungsversuch erst am Ende der Messreihe durchgeführt wird.
Abbildung 56: UI Kennlinien Versuche 01 bis 06 ungeklebt und geklebt
Abbildung 56 zeigt die Ergebnisse der Versuche 01 bis 06 ungeklebt und geklebt. Auffällig ist
dabei, dass die aktivseitig geklebten Zellen deutlich geringere Performance und eine veränderte Reihenfolge
zeigen als die ungeklebten. Insbesondere die geklebte PP Zelle weicht erheblich von den
anderen Ergebnissen ab. Diese Ergebnisse widersprechen denen der späteren Stackversuche.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 57 zeigt zusätzlich, dass zwar die Performance der geklebten Zellen geringer ist,
aber die Anpressdruckabhängigkeit auch abgenommen hat. In diesem Fall ist dies negativ, da die Performance
mit steigendem Anpressdruck kaum oder gar nicht zugenommen hat. Bei Versuch 05 Bio-
PE geklebt ist auffällig, dass nach jeder Anpressdruckerhöhung die Stromdichte steigt und daraufhin
wieder deutlich abfällt. Da die Ursachen der unerwarteten Messergebnisse nicht klar auf die Klebungen,
den Zellaufbau oder den Teststand zurückzuführen ist, wurden Wiederholungsmessungen durchgeführt.
In Abbildung 57 ist bereits Versuch 11, der zuletzt durchgeführte Wiederholungsversuch mit
PP geklebt enthalten. Im Vergleich zu Versuch 04 ist die Performance angestiegen, allerdings nur auf
das Niveau der anderen Klebungen.
Abbildung 58 zeigt alle Baltic Versuche mit ungeklebten Zellen. Die Versuche 07 und 08, die direkt im
Anschluss an die Versuche mit geklebten Zellen durchgeführt wurden zeigen schwerwiegende Probleme
in Form unsteter Verläufe über die Zeit. Aufgrund des neuartigen Aufbaus haben sich Kontaktierungsprobleme
ergeben welche ab Versuch 09 behoben wurden. Versuch 09, 10 und wie zuvor beschrieben
11 kommen erreichen dennoch nicht die jeweiligen Referenzergebnisse der Versuche 01,
02 und 04.
Abbildung 57: Stromdichteverläufe über die Zeit bei 0,6 V der Versuche 01 bis 06 und 11
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 58: Stromdichteverläufe über die Zeit bei 0,6 V der Versuche 01 bis 03 und 07 bis 10
Insofern bleibt die Beurteilung der geklebten Baltic Zellen schwierig. Unter der Annahme, die Ergebnisse
geben die Realität wieder, ist davon auszugehen, dass zu viel Klebstoff auf der aktiven Fläche
appliziert wurde.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.6 Arbeitspaket 6: Herstellung und Tests von 5 Zellern (ifs & ZBT)
Dieses Arbeitspaket befasst sich mit der Herstellung und dem Test von 5-zelligen Brennstoffzellen im
50 cm² ZBT Design. Da zunächst nur konventionelle PP BPP zur Verfügung standen, wurden diese
verwendet um die Prozesse zu erproben und als Referenz zu wirken. Im späteren Verlauf wurden die
Ergebnisse auf die Bio-PE BPP übertragen. Abbildung 59 fasst die Vorgehensweise, Resultate und
Tests kompakt zusammen.
Abbildung 59: Übersicht durchgeführte Klebungen und Dichtprüfungen
Zu Beginn wurden PP BPHP zu BPP gefügt und anschließend dichtgeprüft. Abgesehen von V4
mit 78 % waren alle der jeweils sieben geprüften BPP dicht. Das kühlseitige Kleben konnte somit mit
einer hohen Zuverlässigkeit durchgeführt werden und eine erster Stackaufbau und Dauerversuch erfolgen.
Nachfolgend wurden aus PP BPHP und MEAs Zellen geklebt. Die Dichtprüfung ergab in zwei
Versuchsreihen jeweils eine Erfolgsquote von 71 %. Von sieben bestanden also jeweils fünf Zellen die
Dichtprüfung, so dass ein Stack für den Dauerbetrieb aufgebaut werden konnte. Die Ausschussquoten
der beiden Klebprozesse führten zur Festlegung der Klebereihenfolge. Für geklebte Stapel sollen zunächst
die Zellen geklebt, dichtgeprüft und ausgewählt werden und erst anschließend die Kühlseiten
miteinander verbunden werden. Somit ergibt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen fehlerfreien
geklebten Stapel. Entsprechend wurde aus der zweiten Charge aktivseitig geklebter und dichtgeprüfter
Zellen ein PP basierter Stapel durch zusätzliches Kleben der Kühlseiten hergestellt. Dieser bestand
ebenfalls die Dichtprüfung und konnte somit in den Dauerversuch gehen.
Auf Basis dieser Informationen wurde der Übertrag auf die Bio-PE BPHP vorgenommen. Das aktivseitige
Kleben zu Zellen wurde in zwei Versuchen à sieben Zellen mit einer 100 % Quote bestanden, also
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
besser als bei den PP BPHP. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Projektlaufzeit wurden diese nicht
einzeln getestet, sondern direkt zu geklebten Stapeln weiterverarbeitet. Hierbei ist die Dichtquote in
beiden Fällen auf 40 %, mit geringfügigen Undichtheiten, an mehreren Klebungen gefallen. Da es sich
um einen geklebten Stapel handelt, ist es essentiell, dass jede Zelle und BPP ausreichend dicht ist.
Offensichtlich gab es also Probleme mit der kühlseitigen Klebung, die mit PP BPHP in diesem
und Vorgängerprojekten sicher beherrscht wurde. Daraufhin wurden sieben kühlseitig geklebte BPP
aus Bio-PE hergestellt, von denen die Dichtprüfung nur vier bestanden haben, also zu wenig, um damit
einen Stapel fertig zu kleben. Das Problem wurde somit bestätigt, es gab jedoch keine Alternative als
mit den Bio-PE BPP weiterzuarbeiten.
Eine Ursache für die Schwierigkeiten der kühlseitigen Klebung kann zusätzlich in der Schüsselung
geklebter Zellen gesucht werden. Bei den geklebten Zellen hat sich immer wieder gezeigt, dass
der geklebte Verbund zu einer konvexen mechanischen Verformung neigt. Obwohl bei der Herstellung
die Klebstoffe im Randbereich mit Glaskugeln ausgestattet wurden, zeigte sich eine deutliche Schüsselung.
Das vermeintliche Herunterbiegen der Compoundplatten im Randbereich sowie die Rückstellkraft
der GDL wurden als Ursache vermutet. Um dem zu begegnen, wurde in das FlowField eine Tasche
für die GDL eingefräst (Abbildung 60). Dadurch kann im Randbereich auf die abstandshaltenden
Glaskugeln verzichtet werden und soll somit den Effekt des Schüsselns reduzieren, bzw. eliminieren.
Abbildung 60: Aktive Seite mit eingefräster Tasche für die GDL der MEA
Die Quote dichter BPP mit Flowfieldtasche betrug 100 %, allerdings waren die elektrischen Widerstände
wegen des fehlenden Anpressdrucks auf die aktive Fläche beim Aushärten der Klebung zu
hoch für den Einsatz in der Brennstoffzelle. Der Anpressdruck hat sich entsprechend auf die Dichtbereiche
verteilt und dafür gesorgt, dass die BPP gasdicht werden. Dies kann zu der Schlussfolgerung
führen, dass etwa doppelt so hohe Kräfte für die Aushärtung benötigt werden würden um gasdichte
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Bio-PE BPP mit geringen Widerständen herstellen zu können. Da die Laufzeit des Projektes beendet
war, konnten diese Versuche nicht mehr durchgeführt werden.
Es standen damit keine geklebten Stapel für die Erprobung eines vollgeklebten Stacks zur Verfügung.
Somit wurde die Idee geboren die 2 nur geringfügig undichten Stapel aus den vorherigen Versuchen
nachzudichten. Die Voraussetzungen für eine weitere Verwendung dieser Stapel war zwar
fraglich, allerdings war eine erneute Herstellung nicht mehr möglich und sinnvoll. Zur äußeren Abdichtung
der beiden Stapel wurde der ausgetretene Klebstoff zunächst abgeschliffen und die Stacks von
allen vier Seiten mit einem 2K-Epoxidharzklebstoff der Firma Sika abgedichtet (Abbildung 61). Das
Biresin CR75 ist ein sehr niederviskoses System und härtet bei Raumtemperatur aus. Optimale Ergebnisse
werden laut Datenblatt bei einer anschließenden Nachhärtung unter erhöhter Temperatur. Deshalb
wurden die Reparaturlösung der beiden Stacks zusätzlich noch für 24 h bei 70 °C nachgehärtet.
Das System von Sika weist eine geringe Ausgangsviskosität auf (Harz: 1800 mPa*s, Härter:
35 mPa*s). Damit Undichtigkeiten der Stacks möglichst gut aufgefüllt und abgedichtet wurden, wurde
sich für diese Lösung entschieden.
Abbildung 61: Nachträglich applizierte Dichtung der PE-Stacks, 5 mm dicke Epoxidharzschicht aus Sika Biresin
CR75
Nach drei Dichtversuchen wurde bei beiden Stapeln eine ausreichende Dichtwirkung nachgewiesen.
Ein Zwischentest nur eines geklebten Stapels wurde aus Zeitgründen ausgelassen, stattdessen
wurden Endplattenbaugruppen (Abbildung 48, links) vorbereitet und an die Stapel angeklebt
Auch bei den zuletzt durchgeführten Klebungen zwischen Medienverteilern und Bipolarplatte
wurden undichte Positionen bei allen Stacks festgestellt und diese von außen nachgedichtet. Der Stack
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
mit den PP BPP konnte nicht mehr gangbar gemacht werden. Übrig geblieben sind die zwei Bio-PE
Stacks, an welchen zusätzlich Verspannelemente für die Medienverteiler angebracht wurden, um die
Chance für einen längeren leckagefreien Betrieb zu erhöhen. An diese Verspannelemente wurden
noch die Einzelspannungserfassungen angebracht, welche aufgrund der Versiegelung der Stacks
nachträglich gebohrt werden mussten, Abbildung 62.
Abbildung 62: Anfertigung Einzelspannungserfassung, fertig aufgebaute fully bonded Stacks
2.7 Arbeitspaket 7: Langzeituntersuchung (ifs & ZBT)
Wie bereits im vorigen Kapitel beschrieben wurden bereits Stacks mit einzelnen Klebungen im
Dauerlaufprüfstand untersucht, um Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der einzelnen Klebungen zu erhalten.
Für die Untersuchungen steht ein Teststand mit 3 Prüfplätzen für 5-zellige Stacks zur Verfügung.
Sobald für jeden Prüfplatz ein Kandidat vorhanden ist, kann der Test starten. Somit wurden
Stacks aus den jeweiligen Teilprojekten gesammelt und in den meisten Fällen gemeinsam getestet.
Sofern möglich wurde ein Stack als Referenz mit PP BPHP, ungeklebt und mit verschraubten Aluminiumendplatten
versehen.
In der ersten Langzeituntersuchung wurden drei Stacks für 1.500 Stunden betrieben: TP3 (Stack mit
Bio PE-BPHP), TP1/TP4 (Stack mit kühlseitiger Klebung) und TP2 (Stack mit Holz-Endplatte), Abbildung
63.
Das Testprotokoll sieht drei Abschaltungen bzw. Abkühlphasen pro 24 Stunden vor, einen drucklosen
Nennbetriebspunkt mit konstantem Strom von 20 A ohne aktive Befeuchtung mit Anodenrezirkulation
und einen Nettobetrieb von 21,9 Stunden pro Tag.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 63: Erster Dauerversuch mit Bio-PP BPP, kühlseitig geklebte PP BPP und gerundeter Holzendplatte
Abbildung 64 zeigt den Verlauf der gemittelten Einzel-Zellspannung im Konstant-Strom-Punkt
über die Betriebsdauer des Stacks mit Bio-PE BPHP (blau) der kühlseitig geklebten Variante (orange)
und des Holzendplattenstacks (grau). Die geklebte Variante war auch nach dem Betrieb noch vollständig
dicht und zeigte im Vergleich zu den anderen beiden Stacks die geringste Degradation, allerdings
auch das geringste Startniveau. Im Gegensatz zum Stack mit Spannbändern und Holzendplatten wies
der Stack mit den geklebten BPP nach 1066 h noch das Zieldrehmoment auf.
Abbildung 64: Dauerprüfung 5-Zeller Stack mit kühlseitig geklebter PP BPP
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Nicht nur im Konstantbetriebspunkt bei 20 A sondern über die gesamte Stromdicht-Spannungskurve
zeigt der Stack mit den geklebten PP BPP die beste Performance (Abbildung 65). Die geringere
Performance der Bio-PE BPP bestätigt sich auch in diesem Test.
Abbildung 65: Stromdichte-Spannungs-Kurven kühlseitig geklebter PP BPP
Abbildung 66 zeigt den zweiten Dauerversuch mit aktivseitig leitfähig und dicht geklebten Zellen gegenüber
einem Referenzstack mit ungeklebten BPP und einem Stack mit Holzendplatten sowie Spannbändern,
alle mit PP BPHP. Das Startniveau des geklebten Stacks ist am geringsten, allerdings degradiert
dieser auch nicht, so dass dieser am Ende des Tests nach 1050 h die höchste Performance der
drei Stacks erreicht hat. Das Nachspannen wurde in diesem Fall nur bei dem Holzendplattenstack
durchgeführt und eine Abschaltung des Teststands bei 919 h hat sich auf alle Stacks nur geringfügig
ausgewirkt. Die geringere Anfangsperformance kann daran gelegen haben, dass evtl. zu viel Klebstoff
auf die aktive Fläche aufgetragen wurde. Die bessere Performance zum Ende des Versuchs hat dies
jedoch überkompensiert.
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Abbildung 66: Dauerprüfung 5-Zeller Stack mit aktivseitig geklebten Zellen und PP BPHP
Abbildung 67: Stromdichte-Spannungs-Kurven aktivseitig geklebter Stack gegenüber 2 Referenzstacks
Auch die Stromdichte-Spannungs-Kurven bestätigen die gute Performance der aktivseitig geklebten
Variante (Abbildung 67). Allerdings ist die Outperformance nicht so deutlich wie bei der geklebten Kühlseite.
Gegenüber den zuvor dargestellten einzelligen Tests mit der Baltic Testzelle schneidet dieser
aussagekräftigere Test mit 5 gleichzeitig betriebenen Zellen sehr viel besser ab.
Ein weiterer Versuch über 1400 h beinhaltet einen Stack mit aktivseitig und kühlseitig geklebten Zellen
und PP BPHP, also abgesehen von den Endplattenbaugruppen ein vollgeklebter Stack (Abbildung 68).
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Als Referenz diente ein ungeklebter Stack mit PP BPHP, weiterhin geprüft wurde ein Stack mit Aluminium
Endplatten und Spannbändern (siehe TP 2). Wiederum auffällig ist das niedrige Anfangsniveau
des geklebten Stacks, welches innerhalb der ersten 100 h jedoch wieder vollständig ausgeglichen wird.
Am Ende zeigt der geklebte Stack die geringste Degradation und knapp die höchste Performance in
diesem Betriebspunkt.
Abbildung 68: Dauerprüfung 5-Zeller Stack mit aktivseitig und kühlseitig geklebten Zellen und PP BPHP
Über die Stromdichte-Spannungs-Kurven lassen sich auch andere Betriebspunkte vergleichen. Dazu
zeigt Abbildung 69 die jeweiligen Kurven zum Beginn und zum Ende des Tests. Hierbei fällt auf, dass
die geklebte Variante bei höheren Strömen einen stärkeren Leistungsabfall hat. Die Ergebnisse der
ersten beiden Tests (Kühlseite geklebt und aktiv Seite geklebt) lassen sich in diesem Fall also nicht
bestätigen. Ursächlich könnte auch hier wieder zu viel Klebstoff im aktiven Bereich sein.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 69: Stromdichte-Spannungs-Kurven aktiv- und kühlseitig geklebter Stack mit 2 Referenzstacks
Da es sich bei dem Testobjekt um einen fast vollständig geklebten Stack handelt ( lediglich die O-Ringe
zwischen BPP-Randplatte und Medienhülsen und die elektrische Kontaktierung zum Stromabnehmer
benötigen einen gewissen Anpressdruck zur Erfüllung ihrer Funktion) kann geprüft werden, inwieweit
der Anpressdruck reduziert werden kann, bis eine Leckage auftritt bzw. wie sich die Performance bei
reduziertem Anpressdruck verhält. Hierzu wurde der Anpressdruck sukzessive von 20 bar in 5 bar
Schritten reduziert, jeweils dichtgeprüft und eine Stromdichte-Spannungs-Kennlinie aufgenommen
(Abbildung 70). Die Kennlinien bei 10, 15 und 20 bar sind quasi deckungsgleich, d. h. der Anpressdruck
könnte ohne Performanceeinbußen und Leckage um 50 % reduziert werden. Eine Reduktion um 75 %
auf 5 bar bewirkt nach wie vor keine messbaren Leckagen und geringfügige Performanceeinbußen von
3,6 bzw. 13 % je nach Betriebspunkt. Im Vergleich dazu lag die Performanceeinbuße bei den o. a.
Baltic Versuchen nicht geklebt mit PP bei 36 % also erheblich höher. Eine ungeklebte Zelle identischen
Aufbaus würde je nach Dichtsystem bei diesen Anpressdrücken erfahrungsgemäß auch bereits Leckagen
aufweisen.
Eine weitere Anpressdruckreduktion auf 0 bar wurde durchgeführt, dabei wurden die Anbauteile durch
kraftarmes Umlegen eines Klebetapes gegen Auseinanderfallen gesichert. Auch in diesem Zustand
konnte keine Leckage festgestellt werden. Mit einem konventionell verspannten Stack wäre dies nicht
möglich gewesen. Ein Betrieb ist aus sicherheitstechnischen Gründen in diesem Zustand allerdings
nicht mehr erfolgt. Die Klebtechnik zeigt also definitiv Vorteile bzgl. Leckage und Performance.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 70: Stromdichte-Spannungs-Kurven aktiv- und kühlseitig geklebter Stack reduzierte Anpressdrücke
Der letzte Testlauf beinhaltet die beiden vollständig geklebten Stacks mit Bio-PE BPP, welche zuvor
mehrmals nachgedichtet werden mussten. Die bis dato gesammelten Erfahrungen mit den Bio-PE BPP
sprechen eher gegen den Einsatz dieser. Die Vorzeichen sehen also eher schlecht aus. Dennoch
wurde der Versuch unternommen und die zwei und ein Referenzstack in den Teststand eingebaut
(Abbildung 71).
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 71: Letzter Testlauf mit Referenzstack PP und zwei fully bonded Stacks
Der Testlauf wurde mit dem Einfahren und einer initialen UI-Kennlinie gestartet (Abbildung 72). Wie bei
den geklebten Stacks bislang üblich lag die Anfangsperformance mit 5,7 bzw. 7,2 % im 400 mA/cm²
Betriebspunkt unter der des Referenzstacks.
Abbildung 72: Stromdichte-Spannungs-Kennlinie nach Start des Tests mit zwei vollgeklebten Bio-PE Stacks
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Innerhalb von einem Testtag ist der geklebte Stack 1 undicht geworden und musste ausgebaut werden.
Stack 2 konnte noch einige Tage weiter betrieben werden, bis auch dieser eine zu hohe Leckage aufwies,
um sicher weiter betrieben zu werden. Die Anfangsbefürchtung und Erkenntnis aus den vorherigen
Versuchen, dass die Klebungen auf Bio-PE nicht sehr zuverlässig sind, bestätigt dieser Versuch
nochmals. Nach dem Ausbau aus dem Teststand wurden beide Stacks einer eingehenden Dichtprüfung
unterzogen und undichte Positionen entsprechend markiert (Abbildung 73). Die undichten Stellen
beschränken sich auf Klebungen zwischen Compound-Randplatte und Bio-PE Compound-BPP sowie
zwischen letzterer und den Medienverteilern aus PC bzw. ABS. Im unverspannten Zustand halten alle
Stackkomponenten weiterhin zusammen.
Abbildung 73: Vollgeklebte Stacks nach dem Betrieb und Ausbau
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 74 zeigt abschließend die zusammengefasste Darstellung der Langzeitversuche in
einem Diagramm. Die geklebten Stacks mit PP-BPP zeigen durchgehend eine vergleichbare Degradation
und Performance zu den ungeklebten Referenzstacks. Einzig die initiale Performance weicht häufig
nach unten ab. Auffällig ist jedoch die vergleichsweise deutliche Degradation des Stacks mit den
Bio-PE BPP.
Abbildung 74: Vergleich der Langzeitversuche geklebter und von Referenz Stacks
Nicht nur aus klebtechnischer Sicht, sondern auch aus Sicht der Zellbeständigkeit sollte somit von
der Verwendung des eingesetzten Bio-PE abgeraten werden. Da der größte Teil der Erkenntnisse erst
gegen Ende des Projektes gewonnen werden konnte und ein alternatives Material wie das PCR-PP
mit sehr guten Ergebnissen in den anderen Teilprojekten auch erst zum Ende des Projektes zur Verfügung
stand, konnten keine darüberhinausgehenden Erkenntnisse gewonnen werden. Hier besteht
weiterer Forschungsbedarf und weiterführende Forschungsvorhanden sind in Planung.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.8 Arbeitspaket 8: Wirtschaftlichkeitsanalyse und Ökologische HotSpot Analyse
1. LCA mit LCS Life Cycle Simulation GmbH
2. Ausarbeitung von Prozessschritten und benötigten Materialien
Die Durchführung der Wirtschaftlichkeitsanalyse und der LifeCycleAnalyse (LCA) wurde nach
dem Designfreeze Anfang 2024 gestartet. Dieses Arbeitspaket fand in Zusammenarbeit mit der Firma
LCS Life Cycle Simulation GmbH statt. Die Durchführung einer Wirtschaftlichkeitsanalyse im Kontext
der verwendeten Brennstoffzellenkomponenten ist ein essenzieller Schritt, um sicherzustellen, dass
die geplanten Technologien nicht nur technisch umsetzbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sind.
Im vorliegenden Fall wurde die Analyse auf Basis mehrerer Treffen von den beteiligten Forschungseinrichtungen
und der Firma LCS Life Cycle Simulation GmbH in einzelnen, aufeinander aufbauenden
Arbeitsschritten durchgeführt. Diese Sitzungen waren entscheidend, um die Rahmenbedingungen und
die Einzelkomponenten des Brennstoffzellenstacks präzise festzulegen. Im Vorfeld wurden von den
Forschungseinrichtungen die detaillierten Zusammensetzungen der verwendeten Werkstoffe ermittelt.
Im Folgenden wird der Prozess der Wirtschaftlichkeitsanalyse beschrieben, einschließlich der Berücksichtigung
der Vergangenheit der Materialien und der verarbeitenden Prozessschritte.
Hintergrund und Vorbereitung
Nach dem Designfreeze, einem im Vorfeld festgelegten Punkt im Verlauf des Forschungsvorhabens,
an dem keine weiteren Änderungen am Design und den zu verwendenden Materialien vorgenommen
werden, konnte erst mit dem Zusammentragen aller relevanter Fakten für die LCA (LifeCycleAnalyse)
begonnen werden. Mit Hilfe der LCA und einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung soll sichergestellt
werden, dass die Kostenstruktur und der erwartete potenzielle Marktwert eines vollständig geklebten
Brennstoffzellenstacks im Einklang stehen.
Die Vorbereitungsphase umfasste mehrere Meetings, bei denen alle relevanten Parteien einbezogen
wurden. Diese Treffen dienten dazu, die Anforderungen, Spezifikationen und Einschränkungen
der Brennstoffzellenkomponenten zu definieren. Dabei wurden sowohl technische als auch wirtschaftliche
Aspekte beleuchtet, um eine ganzheitliche Sicht auf die Projektanforderungen zu gewährleisten.
Festlegung der Randbedingungen und Komponenten
In den Meetings wurden die Randbedingungen für die Wirtschaftlichkeitsanalyse klar definiert.
Dazu gehörten unter anderem:
• Kosten der Materialien:
Seite 82
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Die Kosten der Rohmaterialien, die für die Brennstoffzellenkomponenten erforderlich sind, wurden
detailliert untersucht. Dabei wurden historische Preisentwicklungen, aktuelle Marktpreise und zukünftige
Preisprognosen berücksichtigt.
• Verarbeitende Prozessschritte:
Die einzelnen Schritte, die zur Verarbeitung der Materialien und zur Herstellung der Brennstoffzellenkomponenten
erforderlich sind, wurden analysiert. Dazu gehörten auch die Kosten für Energie,
Arbeitskraft, Maschinen und andere Betriebsmittel.
• Lebensdauer und Zuverlässigkeit:
Die erwartete Lebensdauer der Brennstoffzellenkomponenten und ihre Zuverlässigkeit wurden
ebenfalls als kritische Faktoren in die Analyse einbezogen. Komponenten mit längerer Lebensdauer
und höherer Zuverlässigkeit können die Gesamtkosten über die Lebensdauer der Brennstoffzelle
erheblich beeinflussen.
Erstellung eines Berechnungs-Excel-Sheets für die Menge an Klebstoff, abhängig von aufgetragenem
Gewicht pro FlowField, bzw. pro Kühlseite:
Abbildung 75: Methodik der Wirtschaftlichkeitsanalyse
Die Methodik der Wirtschaftlichkeitsanalyse basiert auf der systematischen Bewertung der verschiedenen
Kostenfaktoren in Relation zum erwarteten Nutzen und Marktpotenzial der Brennstoffzellenkomponenten.
Die Analyse gliedert sich in mehrere Schritte:
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Kostenanalyse
Zunächst wurden die Kosten für jede einzelne Komponente des Brennstoffzellenstacks ermittelt.
Dies umfasste die Materialkosten, die Prozesskosten (einschließlich der verarbeitenden Schritte
wie Beschichtung, Montage und Qualitätskontrolle) sowie die Fixkosten wie Maschinen- und Anlagenkosten.
Besondere Aufmerksamkeit wurde der Analyse historischer Materialkosten gewidmet, um die
Preisentwicklung besser einschätzen zu können. Auch die Kosten für mögliche Abfallprodukte oder
Ausschuss wurden berücksichtigt.
Nutzwertanalyse
Die Nutzwertanalyse bezieht sich auf den erwarteten wirtschaftlichen Nutzen, der durch die
Verwendung der Brennstoffzellenkomponenten erzielt werden kann. Dazu wurden Szenarien entwickelt,
die verschiedene Marktbedingungen und Preisentwicklungen simulieren. Die Analyse umfasste
auch die Bewertung von Einsparungspotenzialen durch verbesserte Energieeffizienz und Reduzierung
von Emissionen im Vergleich zu konventionellen Technologien.
Break-Even-Analyse
Ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftlichkeitsanalyse ist die Break-Even-Analyse. Sie bestimmt
den Punkt, an dem die Einnahmen aus dem Verkauf der Brennstoffzellenkomponenten die Produktionskosten
decken. Diese Analyse ist entscheidend, um zu ermitteln, wie viele Einheiten verkauft
werden müssen, um das Projekt wirtschaftlich rentabel zu machen. Hierbei wurden auch verschiedene
Szenarien durchgespielt, um die Auswirkungen von Änderungen in den Produktionsvolumina, den Materialkosten
und den Verkaufspreisen zu verstehen.
Risikoanalyse
Da die Brennstoffzellentechnologie für den großskaligen Einsatz noch relativ jung und in vielerlei
Hinsicht noch unvorhersehbar ist (Entdeckung der Brennstoffzelle hingegen war 1838/1839), war
eine Risikoanalyse von entscheidender Bedeutung. Diese Analyse identifizierte potenzielle Risiken,
wie z.B. Schwankungen in den Rohstoffpreisen, Änderungen in den regulatorischen Rahmenbedingungen
oder technologische Durchbrüche bei konkurrierenden Technologien. Zu jedem identifizierten Risiko
wurden mögliche Gegenmaßnahmen entwickelt, um die wirtschaftliche Stabilität des Projekts zu
gewährleisten.
Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse zeigten ein differenziertes Bild. Einige Brennstoffzellenkomponenten
erwiesen sich als wirtschaftlich tragfähig, insbesondere solche, deren Materialkosten
relativ stabil und deren Verarbeitungsprozesse gut etabliert sind. Andere Komponenten hingegen,
deren Herstellung komplexer und kostenintensiver ist, stellten sich als weniger wirtschaftlich heraus,
Seite 84
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
insbesondere unter Berücksichtigung der Unsicherheiten in den Materialkosten und der Marktentwicklung.
Ein zentrales Ergebnis der Analyse war die Identifikation von Komponenten, bei denen durch
technologische Innovationen oder Prozessoptimierungen signifikante Kostensenkungen möglich wären.
Es wurde empfohlen, gezielt in die Forschung und Entwicklung dieser Bereiche zu investieren, um
die Wirtschaftlichkeit der gesamten Brennstoffzelle zu verbessern.
Empfehlungen und nächste Schritte
Auf Basis der Analyseergebnisse wurden mehrere Empfehlungen formuliert:
• Optimierung der Prozessschritte: Es wurde vorgeschlagen, die Effizienz der verarbeitenden
Prozessschritte weiter zu steigern, um die Produktionskosten zu senken. Dies könnte durch
Automatisierung, verbesserte Qualitätskontrollen oder den Einsatz kostengünstigerer Materialien
erreicht werden.
• Forschung und Entwicklung: Investitionen in Forschung und Entwicklung wurden als entscheidend
erachtet, um die identifizierten Kostentreiber zu adressieren und die technologische Reife
der Brennstoffzellenkomponenten zu erhöhen.
• Marktüberwachung: Eine kontinuierliche Marktüberwachung wurde empfohlen, um Preisentwicklungen
und regulatorische Änderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren
zu können.
Die Durchführung der Wirtschaftlichkeitsanalyse für die Brennstoffzellenkomponenten nach
dem Design Freeze war ein kritischer Schritt, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts sicherzustellen.
Durch die sorgfältige Berücksichtigung der Materialkosten, der verarbeitenden Prozessschritte
und der Marktbedingungen konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die nun als
Grundlage für die weiteren Entscheidungen und Entwicklungen im Projekt dienen. Die enge Zusammenarbeit
zwischen den Forschungseinrichtungen und der Firma LCS Life Cycle Simulation GmbH
erwies sich als besonders wertvoll, um ein umfassendes Verständnis der technischen und wirtschaftlichen
Herausforderungen zu gewährleisten.
Nachfolgend werden die Vorgehensweise zur Erstellung der LCA durch die Firma LCS Life Cycle Simulation
GmbH in Form von Diagrammen, Abbildungen und Stichpunkten sowie die Ergebnisse dargestellt.
Abbildung 76 beginnt mit den betrachteten Systemgrenzen. Nachfolgend werden die Randbedingungen
und das methodische Vorgehen betrachtet.
Seite 85
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 76: Betrachtete Systemgrenze, ©LCS
Für die Betrachtung und den Vergleich getroffene Annahmen und Abstimmungen
Nachfolgend werden die getroffenen Annahmen für die Betrachtung und die Methodiken aufgezählt.
• Funktionelle Einheit (FU): ein Brennstoffzellenstack mit 50 Zellen
• Energie Randbedingungen: EU27
• Datenbasis Stückliste Stack und Informationen zu Einzelbestandteilen
• Ökoprofile berechnet auf Basis LCS Datenbank (The calculation of the Life Cycle Inventory
data sets (eco-profiles) is based on the LCA for Experts® 10 software using the LCS database.
The LCS database contains the Managed LCA Content Database (fka GaBi® 10 Professional
Database) (https://gabi.sphera.com/deutsch/index/), published industry data, patents,
literature values and own calculations.)
• Herstellung Brennstoffzellenstack: Massenproduktion (LCS Expertenschätzung)
• Annahme End-of-Life von Brennstoffzelle: thermische Verwertung und Metallrecycling
o
o
Prozessablauf: Stackinganlage, Verpressen, Dichtprüfen, Verspannen, Konditionieren,
Heißtest
Betrachtung Prozess- und Hallentechnik (Strom, Wärme)
Seite 86
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
o
o
Stack konventionell und Holzendplattenstack: Montage gleich ansetzen, Aushärtung
Silikondichtung: 1 min bei 120°C
Bio-Variante bei 6h und 80°C wegen PE Material (industrielle Umsetzung energetisch
gleich angesetzt wie Variante Silikon)
o
Nutzungsphase berücksichtigt (wird in Szenarioanalyse definiert)
• Skalierung nur der BPHP und der Komponenten MEA (2x GDL, 2x PEN-Folie + Kathode/Anode,
1x CCM)
• Gewicht pro MEA LCS berechnet: 1,612 g
• Herleitung Masse einzelne Komponenten MEAGDL 1,124 g
o
o
o
o
o
o
o
o
PEN + Kathode/Anode 0,344 g
CCM 0,144 g
Festgelegte Materialien Bestandteile MEAGDL Carbon Paper
PEN + Kathode/Anode Polyethylennaphtalatfolie, Beschichtung Platin
CCM Nafion
Herstellungsenergien für Einzelbestandteile durch LCS Expertenschätzung
o
o
GDL Annahme, Angaben ZBT: Unverpresste Dicke von 230 μm
Fläche von jeweils 55,54 cm²
o
o
o
Korrigierten Annahmen PEN Folie + Kathode/Anode: 0,4 mg/cm² Platin auf der Kathode
und 0,1 mg/cm² auf der Anode
Aktive Fläche beträgt 52 cm² pro Kathode/Anode
Subgasket ist 0,09 mm dick und besteht aus 2 Folien, also jeweils 0,045 mm (45 μm)
o
Membran: LCS Annahme Dicke: 14 μm
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o
o
o
Szenariobetrachtung Nutzungsphase (Stationäre Anwendung)
Leistung eines 50-Zellen Stacks: 1,25 kW elektrisch (Annahme keine Unterschiede bei
der Leistungsfähigkeit)
Nutzungsdauer: 80.000 h, Wasserstoff aus steam reforming (natural gas)
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
o
o
o
o
o
Szenariobetrachtung Nutzungsphase (Mobile Anwendung)
Mittelklasse E-PKWs zur Darstellung Einfluss Gewichtsunterschied
Laufleistung: 200.000 km und lineare Skalierung Standardstack (1,25 kW elektrisch) auf
E-PKW 125 kW elektrisch (rein rechnerische Annahme von 100 Stacks und Annahme
keiner Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der Brennstoffzellen)
Wasserstoff aus steam reforming (natural gas)
Darstellung über Minderverbrauchsfaktor*: 0,298 kWh/100km x 100kg
o
o
Masse linear skalierter konventioneller Stack: 533,58 kg
Masse linear skalierter Holzplattenstack: 447,87 kg
Abbildung 77: Randbedingungen der LCA, ©LCS, ZBT, IFS, WKI
Abbildung 78: Methodisches Vorgehen der LCA, ©LCS
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 79: Definition der wichtigsten Parameter für das Vorgehen der LCA, ©LCS
Die Annahme für den DE Mix laut LCS beträgt 466 g CO2/kWh, für den EU27 Mix 317 g CO2/kWh. Die
Annahmen werden genutzt laut obigen Randbedingungen (Abbildung 77).
Die Datenerfassung für die Varianten der Stacks war entsprechend wichtig, um möglichst aussagekräftige
Ergebnisse zu erhalten (Abbildung 80 bis Abbildung 82).
Abbildung 80: Datenerfassung für den konventionellen Stack, Stückliste, ©LCS
Seite 89
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 81: Datenerfassung für den Stack mit Holzendplatten, Stückliste, ©LCS
Abbildung 82: Datenerfassung für den geklebten Stack mit Holzendplatten, Stückliste, ©LCS
Seite 90
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Weiterhin erfolgte durch LCS eine Einschätzung zu folgenden Materialien:
• Naturgraphit: Naturgraphit kann ökologisch besser hergestellt werden als synthetisches Graphit,
wegen des deutlich geringeren Energiebedarfs und wenn alle Prozessstufen (u.a. Bergbau,
etc.) die eingesetzten Chemikalien (speziell Flusssäure) nach dem Stand der Technik verwerten.
• Bio-PE: Bio-PE kann nachhaltiger als Standard PP hergestellt werden, da die Ethylen Basis
eine erneuerbare Vorkette hat wird der CO2-Fußabdruck reduziert.
• Holzmaterialien: Die Ökoprofile der beiden Endplattenvarianten (Festholz, Accoya) fallen ähnlich
aus, die Variante mit Holz Accoya ® minimal besser durch einen geringeren Harzeinsatz als
beim Festholz ® .
Seite 91
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Ergebnisse der LCA
Nachfolgend werden die Ergebnisse der LCA dargestellt. Begonnen wird mit dem Vergleich eines konventionellen
Stacks mit dem Holzendplattenstack aus TP 2 ohne Nutzungsphase. Abbildung 83, Abbildung
84 und Abbildung 85 zeigen dazu das GWP und den Primärenergiebedarf. Abbildung 86 zeigt
neben dem GWP die normalisierte Auswirkung auf andere Umweltaspekte. In allen Fällen gibt es geringfügige
Vorteile auf Seiten des Holzendplattenstacks, die vor allem auf die Endplatte, Verspannung
und teilweise auf die End of Life Gutschrift für das Recycling zurückzuführen sind.
Abbildung 83: Global Warming Potential (GWP) - cradle-to-grave (ohne Nutzungsphase), ©LCS
Abbildung 84: Primärenergiebedarf - cradle-to-grave (ohne Nutzungsphase), ©LCS
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 85: Primärenergiebedarf - cradle-to-grave (ohne Nutzungsphase), ©LCS
Abbildung 86: Normalisierung - cradle-to-grave (ohne Nutzungsphase), ©LCS
Ergänzend dazu zeigt Abbildung 87 das ganze nochmal unter Einbeziehung eines voll geklebten
Stacks mit Holzeendplatten. Bzgl. GWP zeigt dieser Vorteile gegenüber den beiden anderen Varianten,
bzgl. Primärenergiebedarf Nachteile. Die normierte Darstellung aller betrachteter Umweltaspekte hinterlässt
ein gemischtes Bild mit Vor- und Nachteilen für die geklebte Variante.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Abbildung 87: Vergleich von geklebtem und nicht geklebten Holzendplattenstack, ©LCS
Seite 94
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Ergebnisse Szenario stationäre Nutzungsphase: 1 Stack (50 Zellen), 80.000h
Abbildung 88 zeigt die Ergebnisse des GWP, des Primärenergiebedarfs und der normalisierten Umweltfaktoren
mit stationärer Nutzungsphase von 80.000 h. Hier ist die Nutzungsphase weitestgehend
auf Basis fossiler Energieträger dominant, die Herstellungsphase spielt keine Rolle mehr. Die Abkehr
von fossilen Energien und Erhöhung des Wirkungsgrades z. B. durch Klebungen wäre für diese Betrachtung
vorteilhaft.
Abbildung 88: Ergebnisse Szenario stationäre Nutzungsphase: 1 Stack (50 Zellen), 80.000h, ©LCS
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Ergebnisse Szenario - mobile Nutzungsphase - 100 Stacks
Abbildung 89: Ergebnisse Szenario - mobile Nutzungsphase -100 Stacks, ©LCS
In der mobilen Nutzungsphase gemäß Abbildung 89 zeigen die Holzendplatte und der geklebte Stack
Vorteile in Bezug auf GWP und Primärenergiebedarf, weil die Masse der Stacks geringer ist, was sich
auf den Wasserstoffverbrauch positiv auswirkt. Da ZBT Laborstacks für die Berechnung herangezogen
worden benötigt 1 PKW 100 Stacks um auf die benötigte Leistung zu kommen, was nicht realistisch
ist. Bzgl. der anderen Umweltfaktoren ergibt sich wiederum ein gemischtes Bild. Auch hier kann durch
Steigerungen des Wirkungsgrads bzw. die vermehrte Nutzung regenerativer Energiequellen der positive
Effekt der biobasierten Werkstoffe verstärkt werden.
Seite 96
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Gesamtfazit der LCA
• Bei Betrachtung des Life Cycle ohne die Nutzungsphase ist das Material der Haupteinfluss
auf das GWP.
• Durch Nutzung einer Holzendplatte kann das GWP um ca. 10% reduziert werden.
• Durch Nutzung einer Holzendplatte kann die Primärenergie reduziert werden.
• Weiter wird das GWP durch Nutzung von Bipolarhalbplatten (BPHP) mit Bio-PE und biobasierten
Klebstoffen reduziert.
• Die Primärenergie erhöht sich bei dem geklebten Holzendplattenstack durch energetisch aufwendigere
Prozesse in der Herstellung der Rohstoffe
• In der Normalisierung (ohne Nutzung) ist der Faktor AP durch Graphit und die MEA bestimmt.
• Beim Szenario des geklebten Holzendplattenstack erhöhen sich die Faktoren AP und EP
durch aufwendigere Prozesse und den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen (Bio-PE aus
konventioneller Landwirtschaft).
• Bei einer stationären Nutzung über 80.000 h eines Brennstoffzellenstacks überwiegt die Nutzungsphase
komplett.
• Bei der mobilen Nutzung von 100 Stacks macht sich der Gewichtsunterschied zwischen der
Referenz und dem Holzendplattenstack bemerkbar.
Damit folgt:
• Für eine nachhaltige Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Brennstoffzellentechnologien ist
die Betrachtung des kompletten Lebenszyklus wesentlich, sowie unterschiedlicher Umweltwirkungen.
• In der Herstellungsphase können Material- bzw. Prozesstechnik Hot Spots identifiziert werden,
z.B. Potenziale unterschiedlicher Endplatten.
o
Die Nutzungsphase wird vom Anwendungsszenario dominiert, d.h.bei der stationären
Anwendung ist die Energieeffizienz dominierend, bei einer mobilen Anwendung ist zusätzlich
ein „Leichtbau“ vorteilhaft.
Seite 97
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
o
Für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe ist immer wichtig, dass diese durch eine
biologische Landwirtschaft bereitgestellt werden, d.h. Effekte auf die Umweltwirkungen
AP und EP möglichst vermeiden.
o
Um bereits in F&E Prozessen frühzeitig richtungsweisende Material- bzw. Prozesstechnik
Entscheidungen zu unterstützen sind Digitale Zwillinge von Brennstoffzellenkonzepten
sehr hilfreich.
Seite 98
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.9 Arbeitspaket 9: Dokumentation und Workshop
Die Dokumentation wurde im Projekt fortlaufend durchgeführt und im Rahmen der Projekttreffen
dem projektbegleitenden Ausschuss zur Verfügung gestellt.
Für das Teilprojekt 1 wurde am ZBT in Duisburg am 11.09.2024 ein HandsOn Projekttreffen
durchgeführt, Abbildung 90. Dadurch, dass dieses Forschungsvorhaben viele einzelne, speziell praktisch
orientierte Arbeitsschritte aufweist, war die Intention, dem PA sowohl die Komplexität darzulegen
als auch in einer gemeinsamen Runde an Originalteilen einen tiefen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.
Zu diesem Zweck wurden Exponate aus den einzelnen Fertigungsschritten (Oberflächenvorbehandlung,
Klebstoffapplikation, Stackbau und Dichtungsapplikation zur Verfügung gestellt. So konnten
die Industrievertreter einzelne Schritte selbst versuchen und mit Erfahrungswerten aus dem jeweiligen
Unternehmen den Fortschritt des Projekts gezielt vorteilhaft gestalten.
Abbildung 90: Fotos vom Hands-on Workshop am ZBT
Seite 99
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
2.10 Ausblick
Eine offene Frage, die im Rahmen des Forschungsvorhabens nicht vollumfänglich geklärt werden
konnten, war der Bauteilverzug von Zellen und Endblöcken. Die vorgestellten Hypothesen konnten
nicht bewiesen oder widerlegt werden. Sie zeigten lediglich eine mögliche Richtung für die Problemfindung
auf. Aus diesem Grund ist die Untersuchung für die Ursachen der in den Bauteilen enthaltenen
Spannungen ein wichtiger Punkt. Die Relevanz wird noch gesteigert, dadurch dass weiterhin das Ziel
besteht, einen anpressdruckreduzierten bzw. einen anpressdrucklosen Stack aufzubauen. Für diesen
Einsatz ist es erforderlich, dass alle Bauteile möglichst plan sind.
Die nicht invasive Untersuchung der geklebten Bauteile durch den Einsatz einer µCT wurde in
diesem Projekt intensiv für Brennstoffzellenkomponenten eingesetzt. Diese Art der Untersuchung lieferte
eine Vielzahl an Daten. Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist es nicht gelungen, aus den
generierten Daten einen maximalen Nutzen zu ziehen. Aus diesem Grund ist eine automatisierte Analyse
als Qualitätssicherung (analog einer Fertigungskontrolle) der logische nächste Schritt für die Verwendung
dieser Art von Prüfung. Die Grundidee dabei ist, dass die durch die Analyse mittels µCT
erstellten Daten mit einem idealisierten 3D Modell automatisiert verglichen werden. Fehler in der Klebschicht
oder Delaminationen im Compoundmaterial sowie Risse könnten in Form von Abweichungen
zwischen 3D Modell und erfasstem Datenmodell der µCT bestimmt werden.
Bezüglich der Materialauswahl bestehen auch weiterhin offene Fragestellungen. Das eingesetzte Bio-
PE zeigt sowohl Nachteile bzgl. der Klebbarkeit, der Dichtwirkung im geklebten Zustand als auch bei
der Degradation in der Brennstoffzelle. Die verfügbaren Alternativen Werkstoffe PA 11 und PCR PP
konnten entweder nicht gut spritzgießtechnisch verarbeitet werden oder standen zu spät im Projektverlauf
zur Verfügung, um vollständig geprüft werden zu können. Die Fokussierung auf das Bio-PE hat
schließlich dazu geführt, dass die vollgeklebten Stacks Leckagen aufzeigten und nicht mit reduzierten
Anpressdruck betrieben werden konnten. Dass dies jedoch funktioniert zeigte ein kühl- und aktivseitig
geklebter Stack auf Basis von PP-BPP eindrucksvoll. Hier ist weiteres Potential für Folgeprojekte und
die industrielle Anwendungen gegeben, besonders wenn dadurch bei mobiler Nutzung in PKW, Trucks
oder Flugzeugen durch die massiv reduzierten Endplattenbaugruppen sehr viel Gewicht gespart werden
kann.
Seite 100
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
3. Verwendung der Zuwendung
AP 1: Erstellung Lastenheft
Tabelle 12
Ziele AP 1
AP 1: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Erweiterung Lastenheft in Bezug auf angestrebte
Nachhaltigkeit durch biobasierte
Werkstoffe
Eigenschaften der zu entwickelnden Werkund
Klebstoffe
Betriebsparameter der Brennstoffzellentests
Das Lastenheft wurde entsprechend herstellt. Im Laufe des
Projektes mussten aufgrund von aktuellen Erkenntnissen allerdings
Anpassungen vorgenommen werden.
Es wurde die im späteren Verlauf aufzubauende Brennstoffzelle
definiert und die einzelnen zu berücksichtigten Stellen
benannt.
Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten wurden die Betriebsparameter
der Brennstoffzellentests bewusst unverändert
belassen. Lediglich die Testzeiten wurden bei den 5-zelligen
Langzeitversuchen möglichst lang angesetzt und bei den
1-zelligen Baltic Versuchen freibleibend, abhängig der Anzahl
an Prüflingen.
Seite 101
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
AP 2: Konzeption der Fügeschritte
Tabelle 13
Ziele AP 2
AP 2: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
In Arbeitspaket 2 werden die Fügeschritte
der im Lastenheft festgelegten, klebtechnisch
zu fügenden Komponenten konstruktiv
konzeptioniert
Die auszuwählenden Methoden werden an
Prozesse angelehnt, welche auch in der industriellen
Fertigung Anwendung finden.
Es wird aufgezeigt wie BPP-MEA-Baugruppen
aus einem defekten Stack entnommen
und getrennt werden können, um
hinsichtlich der Nachhaltigkeit möglichst
viele Bauteile wiederzuverwenden.
Es wurden unterschiedliche Applikations- und Fügeschritte
konzeptioniert. Die Aushärtung erfolgte in Brennstoffzellenaufbauten
oder in einer Presse. Eine ausreichende
Anzahl dichter Baugruppen wurde für die jeweiligen
Prozessschritte in späteren AP´s nachgewiesen.
Es wurden industriell anwendbare Prozesse wie Walzen,
Stempeldruck und Dispensen betrachtet.
Die Trennbarkeit wurde aufgezeigt.
AP 3: Charakterisierung der Oberflächen und Klebstoffe
Tabelle 14
Ziele AP 3
AP 3: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Rheologische Untersuchungen der Klebstoffe,
Analyse mittels DSC
Ermittlung der Oberflächentopografie der zu
fügenden Substrate (Auflichtmikroskopie,
LSM)
Ermittlung der Oberflächenenergie und notwendiger
Oberflächenvorbehandlung bei Bipolarplatte
und Endplatte, Stromabnehmer,
Membran und Subgasket
Umfangereiche Untersuchungen zur Appizierbarkeit
der Klebstoffe über verschiedene Verfahren in Abhängigkeit
der rheologischen Eigenschaften.
Die Ergebnisse zur DSC Untersuchung erfolgten
umfassend im Vorhinein von TP 4 „Adhesives“ und
wurden hier nicht noch einmal wiederholt.
Die Topographie wurde eingehend durch Mikroskopiesche
Methoden untersucht, besonders im Hinblick
auf die Unterschiede durch die verschiedenen
Vorbehandlungmethoden. Probleme durch eine
Coronavorbehandlung und die Optimierung durch
eine Plasmavorbehandlung konnte gezeigt werden.
Weiterhin wurden die Prozessgrenzen untersucht.
Die Benetzbarkeit wurde nachgewiesen und die Parameter
zur Vorbehandlung entsprechend optimiert
sowie Grenzen der Anwendbarkeit (Prozessgrenzen)
ermittelt.
Seite 102
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
AP 4: Fügevorgang (BPP, MEA, Endplatten, Stromabnehmer)
Tabelle 15
Ziele AP 4
AP 4: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Beginn der Arbeiten mit konventionellen PP
BPHP
Für die Herstellung von Bipolarplatten werden
Bipolarhalbplatten (BPHP) aus Teilprojekt
3 kühlseitig leitfähig aufeinander geklebt.
Im Sinne der Qualitätssicherung (QS) wird
zur Überprüfung ein Leckageprüfstand aufgebaut,
in dem sich das ausgewählte BPP-
Design in geringer Taktzeit überprüfen lässt.
Messung von Widerständen gefügter BPP
und Vergleich mit lose assemblierten BPP
Klebung von Zellen mit 7-Layer MEA´s und
von Zellen mit losen CCM und GDL´s
Fügen von Endplatten mit den Stromabnehmern
und der Bipolar-Randplatte
Gezieltes Trennen der gesamten Baugruppe
zum Recyclen einzelner Werkstoffe
Umfangreiche Arbeiten wurden auf Basis von PP
BPHP druchgeführt, wie das Kleben von BPP und
von Zellen
Dies ist mit einer geringen Ausschussrate für PP-
BPP und mit einer recht hohen Ausschussrate für
Bio-PE BPP erfolgt.
Am ZBT wurde ein Teststand zur schnellen Überprüfung
von einzelnen BPHP, gefügten BPP und gefügten
Zellen auf Basis einer Handpresse entwickelt,
aufgebaut und erprobt. Die verschiedenen Designs
werden durch passende Platten adaptiert.
Die Messungen sind für eine Vielzahl von BPP vor
allem im Rahmen von TP 4 erfolgt. Bei Verwendung
leitfähig gefüllter Klebstoffe und adäquatem Aushärtprozess
werden die Widerstände sehr gering
und anpressdruckunabhängig.
Bzgl. Handhabung hat sich die Klebung von 7-Layer
MEA´s als technisch überlegen gezeigt und wurde
deswegen bevorzugt verfolgt. Delaminationen aus
vorherigen Projekten wurden nicht mehr beobachtet.
Klebungen von Zellen bestehend aus losen
CCM und GDL´s sind aufwändiger und fehleranfälliger,
funktionieren grundsätzlich aber auch.
Endplattenbaugruppen wurden gefügt. Allerdings
trat ein zu starker Verzug auf, weswegen im späteren
Verlauf die Baugruppe nicht mehr vorgefertigt
wurde, sondern in einem Gang bei der Fertigung der
Stacks.
Das Trennen wurde erfolgreich gezeigt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
AP 5: Herstellung und Tests von 1 Zellern
Tabelle 16
Ziele AP 5
AP 5: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Die Zwischenergebnisse aus TP 2 (Holzendplatte),
TP 3 (Bio-Compound) und TP
4 (Bio-Klebstoff) werden im Komplettverbund
betrieben und somit die Eignung und
Leistungsfähigkeit unter realen Brennstoffzellbedingungen
charakterisiert
Die Zwischenergebnisse wurden in Form von 3 verschiedenen
Compounds aus TP 3 und von aktivseitigen Klebstoffen aus TP
4 in der Baltic FuelCell überprüft. Das Bio-PA 11 erwies sich dort
als aussichtsreicher Kandidat, das Bio-PE zeigte eine geringere
Performance. Schwierigkeiten beim Wechsel des Teststands ließen
die Bewertung der Klebungen nicht vollständig zu. Es wurden
in 12 verschiedenen Test insgesamt über 2.000 h Betriebsstunden
mit der Baltic FuelCell gesammelt. Der Komplettverbund
wurde ausschließlich in AP 6 auf Basis fünfzelliger Aufbauten
untersucht, weil für einzellige FC-Stacks kein Teststand zur Verfügung
stand und die fünfzelligen Untersuchungen aussagekräftiger
sind.
AP 6: Herstellung und Tests von 5-Zellern
Tabelle 17
Ziele AP 6
AP 6: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Vor dem Aufbau von Stacks wurden alle Komponenten sofern
möglich Sicht- und thermomechanischen Dichtprüfungen unterworfen.
Dazu gehören BPHP, gefügte BPP, gefügte Zellen, gefügte
Zellstapel, Medienverteiler, gefügte Endplatten und fertig
aufgebaute FC-Stacks.
Aufbau und Dichtprüfung von 5-zelligen
Brennstoffzellenstacks
Der Aufbau von 5-zelligen Brennstoffzellentest erfolgte in unterschiedlichen
Konfigurationen, damit einzelne Materialien und
Fügeoperationen separat betrachtet werden können. Insgesamt
wurden über alle Teilprojekte hinweg 16 fünfzellige Stacks aufgebaut.
Auf dieses Teilprojekt entfallen dabei 11 Stacks.
Der Betrieb und die Aufnahme von UI Kennlinien der Stacks erfolgte
in AP 7.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
AP 7: Langzeituntersuchungen
Tabelle 18
Ziele AP 7
AP 7: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Es finden beschleunigte in-situ Langzeituntersuchungen
mit anspruchsvollem Betriebsprotokoll
im Teststand an 5-Zellern
statt. Das Betriebsprotokoll soll durch häufige
warm/kalt Zyklen und einer hohen Befeuchtung
den verwendeten Materialien
extremen Belastungen aussetzen und somit
schon nach ca. 500 Stunden Tendenzen
zur Lebensdauer des Stacks erkennen
lassen.
Post mortem Analysen der Stacks nach Abschluss
der Zelltests, z. B. Dichtheitsmessungen
sowie Zerlegung und optische Analysen
der Stacks führen zu einer Bewertung
der durchgeführten Klebungen und des gesamten
Konzepts.
Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten wurde
das vorhandene Parameterset mit einer täglichen Abschaltung,
einer UI-Kennlinie und einem moderaten Dauerbetrieb herangezogen.
Insgesamt wurden in 4 Testläufen jeweils 3 Stacks untersucht,
wobei ein Stack möglichst der Referenz mit PP BPHP und
Silikondichtungen entspricht. Bis auf einen Test bei dem kein
Dauerbetrieb zustande kam, übertrafen alle Testläufe die angestrebten
500 h mit 1000 bis 1500 h. Über alle Teilprojekte hinweg
sind somit 14.000 h Testzeit angesammelt und in Form von UIund
Degradationskennlinien ausgewertet worden. Es wurden
aussagekräftige Ergebnisse hinsichtlich der Verwendbarkeit von
biobasierten und geklebten Brennstoffzellenkomponenten generiert.
Ein Stack mit aktivseitig und kühlseitig geklebten PP-BPP
konnte mit einer Anpressdruckreduzierung von 75 % noch fasst
volle Leistung generieren.
Die Stacks wurden nach Ende des Tests bzw. post mortem untersucht.
Alle Stacks aus den Dauerlaufversuchen haben die anschließenden
Leckagetests nach wie vor bestanden. Ein Stack
mit aktivseitig und kühlseitig geklebten Endplatten blieb sogar
ohne Anpressdruck noch dicht.
AP 8: Wirtschaftlichkeit, ökologische HotSpot Analyse und Recyclingpotentiale
Tabelle 19
Ziele AP 8
AP 8: Ziele, Arbeiten und Ergebnisse
Arbeiten und Ergebnisse
Wirtschaftliche Analyse: Die erreichten Ergebnisse
aus den Funktionstests werden
mit denen herkömmlicher Brennstoffzellenstacks
verglichen
Seite 105
Im Rahmen von AP 7 wurden die Ergebnisse aus den Funktionstest
in allen Fällen mit denen herkömmlicher Stacks verglichen.
Die biobasiert gefügten Baugruppen weisen in fast allen Fällen
eine geringere Anfangsperformance aus, beenden die Tests
aber häufig mit der höchsten Performance zeigen somit weniger
Degradation und ermöglichen potentiell eine höhere Lebensdauer.
Der wirtschaftliche Nutzen ist abhängig vom gewählten
Szenario und der angestrebten Betriebsdauer, kann aufgrund
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
der erhöhten Schluss-Performance und der kleiner definierbaren
Verspannelemente als positiv angesehen werden.
Ökologische HotSpot LC Analyse
Die ökologische HotSpot Analyse wurde beauftragt, durchgeführt
und hat wichtige Ergebnisse zur Beurteilung der biobasierten
Lösungen gegeben. Abhängig von dem Anwendungsfall und
den Randbedingungen ist der Einsatz biobasierter Lösungen
mehr oder weniger sinnvoll.
Auf der abschließenden Sitzung des projektbegleitenden Ausschusses des Gesamtprojektverbundes
am 13.11.2024 wurden die finalen Ergebnisse noch einmal den Teilnehmern vorgestellt
und abschließend diskutiert. Der PA bestätigt, dass das Vorgehen innerhalb des Projektes
zielführend war und die angestrebten Ergebnisse mit diesem Vorgehen bezogen auf Methoden
und Umfang wie hier dargestellt erzielt wurden.
Die Ergebniseinschätzung des Projektes wurde gemeinsam mit dem PA durchgeführt und dokumentiert.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
4. Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit
Wissenschaftlich-technisches Personal (Einzelansatz A.1 des Finanzierungsplans)
Forschungseinrichtung 1 – Institut Füge- und Schweißtechnik (ifs)
Soll (lt. Finanzierungsplan): 25 PM HPA-A
Ist (gebucht): 24,8 PM HPA-A
Forschungseinrichtung 2 – ZBT GmbH
Soll (lt. Finanzierungsplan): 10,2 PM HPA-A
Ist (gebucht): 10,14 PM HPA-A
Forschungseinrichtung 3 – Fraunhofer WKI
Soll (lt. Finanzierungsplan): 0,75 PM HPA-A
Ist (gebucht): 0,87 PM HPA-A
Die Aufwendungen für das Personal an den Instituten waren für den Projektverlauf notwendig und
angemessen zur Erreichung der im Antrag festgelegten und in diesem genehmigten Projektziele. Geräte
(Einzelansatz B des Finanzierungsplans) sind laut Antrag nicht vorgesehen und entfallen daher.
Leistungen Dritter (Einzelansatz C des Finanzierungsplans)
Im Rahmen des Projektes wurde extern eine LifeCycleAnalyse durchgeführt. Durch die Beauftragung
eines unabhängigen Unternehmens konnte sichergestellt werden, dass die Daten unabhängig von den
Forschungsergebnissen interpretiert wurden. Die erhaltenen Informationen waren für alle Forschungseinrichtungen
von hohem Wert und stehen mit diesem Bericht allen Unternehmen zur Verfügung. Die
Ausgaben waren somit für die Qualität der Ergebnisse notwendig und gerechtfertigt.
Seite 107
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
5. Darstellung des wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen
Nutzens der erzielten Ergebnisse insbesondere für KMU sowie ihres
innovativen Beitrags und ihrer industriellen Anwendungsmöglichkeiten
Die Integration biobasierter Materialien in Brennstoffzellensysteme bietet nicht nur ökologische
Vorteile, sondern eröffnet auch erhebliches Potenzial für Innovationen entlang der industriellen Wertschöpfungskette.
Die erzielten Ergebnisse aus Forschungsprojekten wie FC-Bio, bei denen biobasierte
Klebstoffe, Thermoplaste und holzbasierte Bauteile für PEM-Brennstoffzellen entwickelt wurden, zeigen
dass diese Werkstoffe sowohl funktionale Anforderungen erfüllen als auch zur Verbesserung der
Nachhaltigkeit beitragen können. Dies stellt einen bedeutenden wissenschaftlich-technischen Fortschritt
dar, da bislang vor allem petrochemisch basierte Materialien in der Brennstoffzellentechnik dominieren.
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) liegt hierin ein hoher wirtschaftlicher
Nutzen. Unternehmen aus der Holz-, Kunststoff- und Klebstoffbranche verfügen über spezifisches
Know-how in der Verarbeitung biobasierter Rohstoffe und können durch die Übertragung dieser Technologien
in den wachsenden Markt der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie neue Geschäftsfelder
erschließen. Die entwickelten Ansätze lassen sich mit geringem Aufwand umsetzen, was die
Einstiegshürden senkt und eine zügige Markteinführung ermöglicht.
Die Fertigung von holzbasierten End- und Randplatten für Brennstoffzellen bietet KMU aus der
Holzwerkstoffindustrie die Möglichkeit, sich als Zulieferer in einem zukunftsträchtigen Technologiebereich
zu positionieren. Durch den Einsatz technischer Holzwerkstoffe mit gezielt einstellbaren Eigenschaften
(z. B. mechanische Festigkeit, Dichte, Feuchtebeständigkeit, Permeationseigenschaften) können
diese Bauteile nicht nur kostengünstig und gewichtsoptimiert hergestellt werden, sondern auch
Designfreiheiten und thermische Isolationseffekte bieten, die konventionelle Materialien nur bedingt
leisten.
KMU aus dem Bereich der biopolymerverarbeitenden Industrie können sich hier mit maßgeschneiderten
Werkstofflösungen etablieren, insbesondere wenn eine Substitution petrochemischer
Compounds im Sinne der Kreislaufwirtschaft oder dem Ziel der Klimaneutralität gefordert ist.
Im Bereich der biobasierten Klebstoffe ergeben sich zusätzliche Chancen für KMU aus der
Klebstoffentwicklung und -anwendungstechnik. Die erzielten Ergebnisse zeigen, dass Klebstoffsysteme
auf Basis natürlicher und nachwachsender Rohstoffe technisch geeignet sind, um Komponenten
unter Betriebsbedingungen in der Brennstoffzelle dauerhaft und mediendicht zu verbinden.
Über den Einsatz einzelner biobasierter Komponenten hinaus zeichnet sich eine zunehmend systemische
Betrachtung ab: Die Vision eines ganzheitlich biobasierten Brennstoffzellensystems rückt in greifbare
Nähe. Dabei werden sämtliche materialseitigen Elemente im Hinblick auf biobasierte Alternativen
analysiert. Ziel ist es, nicht nur fossile Rohstoffe durch nachwachsende zu ersetzen, sondern gleich-
Seite 108
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
zeitig die Herstellprozesse ökologisch zu optimieren und die Recyclingfähigkeit der gesamten Brennstoffzelle
zu verbessern. Dies trägt zur Schaffung eines kreislaufwirtschaftlich orientierten Produkts bei,
welches den Prinzipien eines klimaneutralen Anspruchs folgt.
Für KMU bedeutet dies nicht nur eine Ausweitung des Innovationsraums, sondern auch die Möglichkeit,
sich als Systemlieferanten für biobasierte Brennstoffzellentechnologie zu etablieren. Von der Materialentwicklung
über die Bauteilfertigung bis zur Modulintegration entstehen neue Schnittstellen zwischen
klassischem Mittelstand und der Hochtechnologiebranche. Die Ergebnisse zeigen somit nicht nur ein
hohes Anwendungspotenzial, sondern auch einen konkreten Beitrag zur Wertschöpfung, zur Technologietransferfähigkeit
und zur Positionierung Deutschlands und Europas als Vorreiter nachhaltiger
Energietechnologien.
Seite 109
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
6. Wissenstransfer in die Wirtschaft
- Durchgeführte Transfermaßnahmen
Maßnahme Ziel Ort / Rahmen
Projektbegleitender
Ausschuss (PA)
Kontakt mit potentiellen
Anwendern
Die Forschungsergebnisse Gesamtverbundtreffen Gesamtprojekt
werden fortlaufend im PA Vorstellen der bereits durchgeführten Arbeiten
und Diskussion der geplanten Arbei-
ausführlich vorgestellt und
diskutiert
ten
Ansprache potentiell interessierter
Unternehmen außerhalb
des PA
PA Treffen und Hands-on Workshop nur
vom Teilprojekt 1
Vorstellung der durchgeführten Arbeiten
seit dem letzten Treffen und Diskussion der
geplanten Arbeiten
1. Einzelgespräche mit PA Mitgliedern
2. Ansprache neuer Interessenten
3. Firma ADEKA - Herr Onur Savas
4. Firma Miele - Herr Sven Krumbiegel
5. Firma L&L Products - Herr Karsten
Scholz
6. Firma Drei Bond - Dr. Florian
Menk
7. Firma WEVO Chemie - Herr Andreas
Arlt
8. Firma Leuna Harze - Dr. Matthias
Birkner
9. Firma Biofibre - Jörg Dörrstein"
10. DELO Industrie Klebstoffe - Sophia
Walter
Datum / Zeitraum
19.01.2022
26.04.2023
13.11.2024
14.12.2023
11.09.2024
Laufend
Transfer in Industrie
durch Verband
Darstellen der Forschungsergebnisse
mit möglichst
großer Breitenwirkung
1. Verbreitung der Ergebnisse über
Transferzentren / Zwischenberichterstellung
im FA 8 der FV des
DVS
2022-2024
2. Darstellung des Projektinhalts im
Internet
1. WKI Homepage
2. IFS Homepage
3. ZBT Homepage
Seite 110
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
Ergebnistransfer in die Darstellen der Forschungs-Darstellunergebnisse mit möglichst
des Projektinhalts im Internet
Industrie
• Erstellen der Projekthomepage
großer Breitenwirkung
• ifs-und ZBT Homepage
• Website der FV von DVS (www.dvs-forschung.de),
und IUTA
Laufend
seit
09/2022
• DVS-Newsletter
Newsletter Fakultät für Maschinenbau
TUBS WS 2021/2022
01/2022
Poster AiF Brennstoffzellenallianz, Duisburg
21.-22.09.2022
Vortrag Klebtechnisches Kolloquium, GAK,
Frankfurt
01.03.2023
Vortrag European Coating Show, Nürnberg 28.03.2023
ZBT Messestand auf HannoverMesse 17.-21.04.2023
22.-26.04.2024
Vortrag Klebtechnisches Kolloquium, TC 14.06.2023
Kleben, Übach Palenberg
Vortrag AB 2023/Porto, Portugal 14.07.2023
Poster EURADH/WCARP 2023, Garmisch-
Partenkirchen
Vortrag Klebtechnisches Kolloquium GAK
in Köln
10.-13.9.2023
28.02.2024
Akademische Lehre Ausbildung des wissen-Einbindung Nachwuchses
studentischer Hilfskräfte
und berufliche Weiter-schaftlichebildung
durch Vermittlung der Ergebnisse
aus erster Hand
1 SHK bei ZBT
seit Projektbeginn
Seite 111
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
- Geplante spezifische Transfermaßnahmen nach der
Projektlaufzeit
Maßnahme Ziel Ort / Rahmen
Kontakt mit potentiellen Ansprache potentiell interessierter
Unternehmen außer-
Anwendern
halb des PA
Datum / Zeitraum
Firma HONDA April 2025
Transfer in Industrie Darstellen der Forschungs-Verbreitunergebnisse mit möglichst zentren / Zwischenberichterstellung im FA
der Ergebnisse über Transfer-
durch Verband
großer Breitenwirkung 8 der FV des DVS
Veröffentlichung der Darstellung der For-Veröffentlichunschungsergebnisse mit mög-über TIB Hannover, den DVS sowie auf An-
des Abschlussberichtes
Forschungsergebnisse
lichst großer Breitenwirkung
frage bei den FE
Ergänzungen
zum Abschlussbericht
ab III/2025
III/2025
Ergebnistransfer in die Darstellen der Forschungs-Darstellunergebnisse mit möglichst
des Projektinhalts im Internet
Industrie
• ifs-, WKI-und ZBT Homepage
großer Breitenwirkung
• Website der FV von DVS (www.dvs-forschung.de),
und IUTA
Ab III/2025
• DVS-Newsletter
InnovationForum Kunststofftechnik, Villingen-Schwenningen,
Messestand & Vortrag
Vortrag und Beitrag im Tagungsband, Klebtechnisches
Kolloquium, GAK, Köln
Vortrag und Paper, AB 2025/Porto, Portugal
Messestand des ZBT auf der K-Messe,
Düsseldorf
03.04.2025
18.-19.2.2025
07-2025
8.-15.10.2025
Akademische Lehre Ausbildung des wissen-Dissertation Nachwuchses
des Projektmitarbeiters I/2026
und berufliche Weiter-schaftlichebildung
durch Vermittlung der Ergebnisse
aus erster Hand
Seite 112
Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
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47. Chen H, Liu H, Chen M et al. (2024) New insights into the performance and durability degradation
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48. Reckers M, Starck F, Henneken H et al. (2018) Verbundvorhaben "Low Cost BiP: Klebfügen metallischer
Bipolarplatten für PEM-Brennstoffzellen unter den besonderen Anforderungen des automotive
Betriebs": Abschlussbericht : Laufzeit des Vorhabens: 1. Mai 2014 bis 31. Oktober 2017
(nach Verlängerung) = LowCostBiP: Adhesive joining of metal separator plates for PEM fuel cells
in consideration of the special requirements of the automotive operation. Volkswagen Aktiengesellschaft,
Wolfsburg
49. Strobel M, Jones V, Lyons CS et al. (2003) A Comparison of Corona-Treated and Flame-Treated
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
9. Förderhinweis
Das IGF-Vorhaben BioBZ_Adhesives, IGF-Projekt Nr. 01IF00044EL, der Forschungsvereinigung
Schweißen wurde über den Projektträger DLR im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen
Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund
eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
10. Angaben über gewerbliche Schutzrechte
Es wurden im Rahmen des vorliegenden Projektes keine gewerblichen Schutzrechte erworben.
Eine Anmeldung eines gewerblichen Schutzrechtes ist nicht beabsichtigt.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
11. Kurzzusammenfassung
Brennstoffzellen tragen zur dezentralen und individuell steuerbaren Energieversorgung bei. Die
Niedertemperatur-Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzelle ist aufgrund ihrer niedrigen Betriebstemperaturen
und ihrer Überlegenheit im diskontinuierlichen Betrieb sowohl für den stationären
als auch für den mobilen Einsatz sehr gut geeignet. Als Ausgangsmaterialien für die Herstellung
bipolarer Halbplatten können leitfähig gefüllte Thermoplaste eingesetzt werden. Diese
sind im Vergleich zu den metallischen Konkurrenzprodukten kostengünstiger herstellbar, da die
Bauteile aufgrund ihrer hervorragenden Korrosionsbeständigkeit und direkten elektrischen Kontaktierung
keine kostenintensive Nachbearbeitung benötigen. Allerdings stellen die Umgebungsbedingungen
im Betrieb eine große Herausforderung für die zu verwendenden Materialien dar:
permanente Feuchtigkeit und schwefelsaure Umgebung bei 85 °C, hohe geforderte elektrische
Leitfähigkeit und Wasserstoffundurchlässigkeit. Um das Einsatzpotenzial biobasierter Materialien
und Komponenten zu demonstrieren, wurden im Projekt teilweise und vollständig geklebte Brennstoffzellenstacks
mit biobasierten Bipolarplatten (BPP), Klebstoffen und Holzendplatten entwickelt
sowie getestet.
Hierzu wurde in Zusammenarbeit aller beteiligten Forschungseinrichtungen anhand der Betriebsparameter
ein Lastenheft erstellt, welches die Anforderungen an die zu entwickelnden Werkstoffe
zusammenfasst. Der Prozess des Klebfügens eines Brennstoffzellenstacks wurde schrittweise
betrachtet und Laborlösungen vorgestellt. Eine möglichst einfache Übertragung in die Industrie
war dabei als wesentliches Ziel definiert. Anfang 2024 fand in den Teilprojekten 2,3 und 4 ein
Designfreeze statt, damit für TP1 Werkstoffe zur Verfügung standen, die den Anforderungen im
Lastenheft entsprechen. Diese Werkstoffe wurden im Hinblick auf die Verwendung im Klebprozess
untersucht und charakterisiert. Unter anderem wurden die Oberflächenenergien der Compoundmaterialien
ermittelt. In Applikationstreffen zwischen den FE wurden bei diversen Treffen
einzelne Zellen, Baltic-Zellen und auch komplette Stacks klebtechnisch aufgebaut.
Fünfzellige Stacks wurden sowohl aus PP als auch aus Bio-PE Compound Materialien hergestellt.
Die PP Stacks wurden erfolgreich funktionstauglich getestet. Bei den PE Stacks wurden
Undichtigkeiten von dem Bauteil in die Umgebung festgestellt. Eine zusätzlich von außen aufgetragene
Klebstoff-Dichtschicht konnte die Leckagen beseitigen. Die 5-zelligen Stacks wurden in
unterschiedlichen Konfigurationen als Dauerläufer am ZBT für insgesamt 14.000 Stunden erfolgreich
getestet. Zusätzlich wurden die hergestellten Baltic Zellen für 2000 Stunden untersucht.
Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung beruht auf den Ergebnissen der LifeCycleAnalsye durch die
LCS Life Cycle Simulation GmbH. Die Ergebnisse lassen sich unterschiedlich interpretieren. Je
nach Betrachtungsweise ist die Verwendung von biobasierten Materialien als mehr oder weniger
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
ökologisch sinnvoll anzusehen. Insbesondere bei mobiler Nutzung und Verwendung regenerativ
hergestellten Wasserstoffs ist der Einsatz von biobasierten Materialien und Leichtbaukomponenten
sinnvoll. Gerade diese Ergebnisse sind für KMU besonders wertvoll bei der Entscheidungsfindung
eigener Lösungen, da sie unabhängig von wirtschaftlichen Interessen generiert und interpretiert
wurden.
Den KMU stehen somit sowohl konkrete Ergebnisse als auch Entscheidungshilfe für zukünftige
nachhaltige Strategien im eigenen Unternehmen zur Verfügung.
Das Ziel des Forschungsvorhabens wurde somit erreicht.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL
12. Danksagung
Die Forschungseinrichtungen bedanken sich bei den Mitgliedern des Arbeitskreises für die
anregenden Diskussionen und konstruktiven Ergänzungen zu diesem Vorhaben. Ohne diese Unterstützung,
auch durch Versuchsgeräte und beigestellte Materialien sowie zahlreichen Dienstleistungen,
wäre eine Durchführung nicht möglich gewesen.
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Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL