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2024

Abschlussbericht

DVS-Forschung

Konzept, klebtechnische

Fertigung und Funktion

von Brennstoffzellen-

Demonstratoren

auf Basis nachwachsender

Rohstoffe



Konzept, klebtechnische

Fertigung und Funktion von

Brennstoffzellen-

Demonstratoren auf Basis

nachwachsender Rohstoffe

Abschlussbericht zum

Forschungsvorhaben

IGF-Nr.: 00.044

DVS-Nr.: 08.3547

Technische Universität Braunschweig

Institut für Füge- und Schweißtechnik

Zentrum für BrennstoffzellenTechnik

ZBT GmbH

Fraunhofer-Gesellschaft e.V. Fraunhofer

Institut für Holzforschung Wilhelm-

Klauditz-Institut, WKI

Förderhinweis:

Das IGF-Vorhaben Nr.: 00.044 N / DVS-Nr.: 08.3547 der Forschungsvereinigung

Schweißen und verwandte Verfahren e.V. des DVS, Aachener Str. 172, 40223 Düsseldorf,

wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen

Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind online

abrufbar unter: http://dnb.dnb.de

© 2024 DVS Media GmbH, Düsseldorf

DVS Forschung Band 603

Bestell-Nr.: 170713

Kontakt:

Forschungsvereinigung Schweißen

und verwandte Verfahren e.V. des DVS

T +49 211 1591-0

F +49 211 1591-200

forschung@dvs-home.de

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung in andere Sprachen, bleiben

vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages sind Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen nicht gestattet.


Schlussbericht vom 28.05.2025

zum IGF-Vorhaben FKZ 01IF00044EL

Thema

Konzept, klebtechnische Fertigung und Funktion von Brennstoffzellen-Demonstratoren auf Basis nachwachsender

Rohstoffe

Berichtszeitraum

01.11.2021 bis 31.12.2024

Forschungsvereinigung

Schweißen und verwandte Verfahren des DVS e.V.

Aachener Str. 172

40223 Düsseldorf

Forschungseinrichtung(en)

Technische Universität Braunschweig, Institut für Füge- und Schweißtechnik (IFS)

Langer Kamp 8

38106 Braunschweig

ZBT - Zentrum für Brennstoffzellen-Technik GmbH (ZBT)

Carl-Benz-Straße 201

47057 Duisburg

Fraunhofer Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI)

Riedenkamp 3

38108 Braunschweig

IGF-VORDRUCK DLR-PT Stand: Januar 2025


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ..........................................................................................................................4

1.1 Problemstellung und Motivation........................................................................ 5

1.2 Zielsetzung ....................................................................................................... 6

1.3 Stand der Technik ............................................................................................ 6

1.3.1 Brennstoffzellen ................................................................................................ 6

1.3.2 Klebtechnik ....................................................................................................... 9

1.3.3 Biobasierte Brennstoffzellenkomponenten ..................................................... 10

1.4 Forschungshypothese und methodischer Ansatz ........................................... 13

2. Durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse ...........................................................................16

2 ........................................................................................................................ 17

2.1 Arbeitspaket 1: Erstellung eines Lastenhefts (ifs & ZBT & WKI) .................... 17

2.2 Arbeitspaket 2: Konzeptionierung der Fügeschritte (ifs)................................. 19

2.2.1 Baltic Zelle ...................................................................................................... 20

2.2.2 Aufbau Zelle (ZBT-Testdesign) und daraus resultierender

Brennstoffzellenstack...................................................................................... 24

2.2.3 Klebstoffeinsatz .............................................................................................. 28

2.2.4 Technologieauswahl und Umsetzung ............................................................. 33

2.2.5 Teilflächige Klebstoffapplikation im FlowField ................................................ 33

2.2.6 Stromabnehmer sowie Rand- und Isolierplatte ............................................... 38

2.3 Arbeitspaket 3: Charakterisierung der Oberflächen und Klebstoffe (ifs & ZBT)39

2.3.1 Oberflächenvorbehandlung (Corona und Plasma) ......................................... 39

2.3.2 Verwendete Anlagentechnik ........................................................................... 40

2.3.3 Eingesetzte Materialien .................................................................................. 41

2.4 Arbeitspaket 4: Fügen von Versuchszellen, BPP und Endplatten (ifs & ZBT) 48

2.4.1 Applikationstreffen am ifs ............................................................................... 48

2.4.2 Planare Anforderungen an Ausgangsbauteile ................................................ 50

2.4.3 Qualitätskontrolle durch µCT .......................................................................... 53

2.4.4 Kupfer PC Compound .................................................................................... 55

2.4.5 Verzug bei geklebten Bauteilen ...................................................................... 55

2.4.6 Kupfer PC/ABS Compound Holz - fully bonded Stack .................................... 61

2.5 Arbeitspaket 5: Herstellung und Tests von 1 Zellern (ifs & ZBT) .................... 63

2.6 Arbeitspaket 6: Herstellung und Tests von 5 Zellern (ifs & ZBT) .................... 69

2.7 Arbeitspaket 7: Langzeituntersuchung (ifs & ZBT) ......................................... 72

2.8 Arbeitspaket 8: Wirtschaftlichkeitsanalyse und Ökologische HotSpot Analyse82

2.9 Arbeitspaket 9: Dokumentation und Workshop .............................................. 99

Seite 2

2.10 Ausblick ........................................................................................................ 100

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL


3. Verwendung der Zuwendung .........................................................................................101

4. Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit .............................................107

5. Darstellung des wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Nutzens der erzielten

Ergebnisse insbesondere für KMU sowie ihres innovativen Beitrags und ihrer industriellen

Anwendungsmöglichkeiten ............................................................................................108

6. Wissenstransfer in die Wirtschaft ...................................................................................110

- Durchgeführte Transfermaßnahmen ..............................................................................110

- Geplante spezifische Transfermaßnahmen nach der Projektlaufzeit .................................112

7. Literaturverzeichnis ........................................................................................................113

8. Literaturverzeichnis / Bibliography ...............................................................................113

9. Förderhinweis ................................................................................................................118

10. Angaben über gewerbliche Schutzrechte .........................................................................119

11. Kurzzusammenfassung ...................................................................................................120

12. Danksagung ...................................................................................................................122

Seite 3

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL


1. Einleitung

Die Europäische Union (EU) verfolgt das Ziel, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. Die

Förderung von Wasserstoffstrategien. Insbesondere grüner Wasserstoff, der mittels erneuerbarer

Energien produziert wird, ist ein zentraler Baustein dieses Vorhabens. Im Juli 2020 präsentierte die

EU-Kommission eine umfassende Wasserstoffstrategie mit dem Ziel die Wasserstoffproduktion zu dekarbonisieren

und ein integriertes, klimaneutrales Energiesystem zu etablieren.

Auf nationaler Ebene strebt Deutschland an, bereits bis 2045 klimaneutral zu sein [1]. Ein wesentliches

Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist die im Juni 2020 verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie

(NWS), welche im Juli 2023 fortgeschrieben wurde. Diese Strategie zielt darauf ab, die

Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff zu fördern und Deutschland zu dem führenden Anbieter

modernster Wasserstofftechnologien weltweit zu machen. Bis 2030 sollen Wasserstoffelektrolyseure

mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt installiert werden [2].

Um einen erfolgreichen Markthochlauf von Wasserstofftechnologien zu unterstützen, ist es notwendig

entsprechend leistungsfähige Technologien zu erforschen und diese der Industrie mit möglichst

geringen Einstiegshürden bereitzustellen. Das soll dazu beitragen, den CO₂-Ausstoß in den Bereichen

Industrie, Verkehr und Energie gemäß den Vorgaben zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit

der deutschen Wirtschaft zu stärken.

Angesichts der drängenden Herausforderungen des Klimawandels und der globalen Bemühungen

um eine nachhaltige Energiezukunft rücken emissionsfreie und hocheffiziente Energiewandler zunehmend

in den Fokus. Brennstoffzellen gelten hierbei als zukunftsweisende Technologie, da sie im Gegensatz

zur Verbrennung fossiler Energieträger keine CO₂-Emissionen verursachen und gleichzeitig

deutlich effizienter arbeiten [3, 4]. Während konventionelle Kraftwerke auf der Basis von Wärme-Kraft-

Prozessen nur begrenzte Wirkungsgrade erreichen und dabei einen erheblichen Teil der eingesetzten

Energie in Form von Abwärme verlieren, wandeln Brennstoffzellen chemische Energie direkt und verlustarm

in elektrische Energie um [5]. Auch im Vergleich zu anderen regenerativen Energien wie Windoder

Solarenergie, die naturgemäß fluktuieren und somit auf effiziente Speicherlösungen angewiesen

sind, bieten Brennstoffzellensysteme den Vorteil einer bedarfsgerechten und dezentralen Energieerzeugung

– insbesondere, wenn sie mit grünem Wasserstoff betrieben werden, der zuvor aus überschüssigem

Strom erzeugt wurde.

Ein besonders vielversprechender Typ ist die Niedertemperatur-Polymerelektrolytmembran-

Brennstoffzelle (PEM-Brennstoffzelle), die aufgrund ihrer kompakten Bauweise, schnellen Reaktionsfähigkeit

und niedrigen Betriebstemperaturen (typisch 60–80 °C) vielfältig einsetzbar ist [5]. Sie eignet

sich sowohl für den mobilen Bereich – etwa in Fahrzeugen, Zügen oder Schiffen – als auch für stationäre

Anwendungen wie in der Hausenergie- und Wärmeversorgung, industriellen Anlagen oder Rechenzentren.

Gerade im stationären Betrieb lässt sich die Brennstoffzelle ideal mit Konzepten der Kraft-

Seite 4

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL


Wärme-Kopplung (Combined Heat and Power, CHP) kombinieren, wodurch neben Strom auch nutzbare

Wärme bereitgestellt wird [6].

Im Kontext von Power-to-X-Konzepten, der Umwandlung überschüssiger erneuerbarer Energie in

energiereiche und speicherbare Stoffe wie Wasserstoff oder Methan spielen Brennstoffzellen ebenfalls

eine zentrale Rolle [7–9]. Während Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff aus grünem Strom

dienen, können Brennstoffzellen diesen Wasserstoff bei Bedarf wieder rückverstromen. Darüber hinaus

sind Brennstoffzellen einfach zu skalieren, wodurch mit geringem Aufwand eine entsprechende

Anpassung an den Leistungsbedarf stattfinden kann. Dies macht sie zu einem essenziellen Baustein

in zukünftigen, sektorgekoppelten Energiesystemen, in denen Strom, Wärme, Mobilität und industrielle

Prozesse intelligent und ressourcenschonend miteinander vernetzt werden.

1.1 Problemstellung und Motivation

Mit der zunehmenden Bedeutung der Brennstoffzellentechnologie im Hinblick auf den Energiewandel

rückt nicht nur die Funktionalität, sondern auch die ökologische Gesamtbilanz der eingesetzten Materialien

in den Fokus. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz biobasierter Materialien entlang der

Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Biobasierte Klebstoffe, die auf nachwachsenden

Rohstoffen basieren, ermöglichen eine ressourcenschonende und potenziell CO₂-neutrale Verbindungstechnik.

Speziell bei der Herstellung und Abdichtung von Komponenten innerhalb des Stacks

können biobasierte Klebstoffe eine elementare Rolle spielen. Bereits durchgeführte Forschungsprojekte

wie zum Beispiel „Thermoaktivierbare Bio-Klebstoffe“ (ThermoBiK) haben gezeigt, dass biobasierte

Polyurethanklebstoffe die Treibhausgasemissionen um mehr als 25 % gegenüber herkömmlicher

erdölbasierter Polyurethanklebstoffe reduzieren können [10]. Ebenso werden biobasierte Thermoplaste

als Matrixmaterialien für spritzgegossene Bauteile (Bipolarhalbplatte) in der Brennstoffzelle für

das Forschungsvorhaben FV Bio in Betracht gezogen. Diese müssen eine ausreichende mechanische

Stabilität und chemische Beständigkeit bieten. Darüber hinaus werden eine verbesserte Recyclingfähigkeit

und eine geringere Umweltbelastung gegenüber erdölbasierten Kunststoffen angenommen.

Beispielsweise werden im Projekt FC-Bio thermoplastische Bipolarplatten aus nachwachsenden Rohstoffen

entwickelt, die mittels Spritzgusses kostengünstig hergestellt werden können. Ergänzend dazu

bieten holzbasierte Randplatten eine nachhaltige Alternative zu konventionellen, aluminiumbasierten

Werkstoffen. Durch die Integration solcher Materialien wird angenommen, dass Umweltwirkungen über

den gesamten Lebenszyklus der Brennstoffzelle hinweg reduziert und neue Wege hin zu einer bioökonomisch

orientierten Kreislaufwirtschaft beschritten werden können.

Seite 5

Schlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF00044EL


Diese Entwicklungen zeigen, dass die Transformation zu einer klimaneutralen Energietechnologie

nicht allein über die Antriebstechnologie erfolgt, sondern auch durch die konsequente Substitution konventioneller

Materialien durch biobasierte Alternativen entlang der gesamten Prozesskette unterstützt

werden kann.

Bislang existieren weder auf Basis anderer experimenteller Forschungsprojekte noch auf industriell

umgesetzten Produktlösungen Mögliche Referenzen, die im großen Stil biobasierte Materialien, oder

sogar Holz als Werkstoff in der Brennstoffzelle einsetzen. Somit ist das Zusammenspiel der Substitution

oben genannter Werkstoffe für konventionelle Werkstoffe und Fügeverfahren eine erstmalige Herausforderung.

Der vollständige Austausch durch biobasierte Materialien ist zwar das grundsätzlich erklärte

Ziel, jedoch muss auch die Bauteilleistung berücksichtigt werden. Somit muss das maximale,

aber dennoch funktionstüchtige Verhältnis zwischen biobasierten und konventionellen Materialien gefunden

werden.

Gerade im Kontext zunehmender Nachhaltigkeitsanforderungen und EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft

(z. B. EU Green Deal, REACH-Verordnung) könnte der Einsatz biobasierter und lösungsmittelfreier

Klebstoffe nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch regulatorische Erleichterungen und

Marktvorteile für Hersteller und Anwender mit sich bringen. Für kleine und mittlere Unternehmen aus

den Bereichen Klebstoffchemie, Fügetechnik und Materialverarbeitung ergibt sich daraus ein zukunftsträchtiges

Innovationsfeld mit hoher Relevanz für den Transfer in industrielle Anwendungen.

1.2 Zielsetzung

Das Teilprojekt 1 – Joint and Function greift an dem Punkt die Ergebnisse der anderen drei Teilprojekte

(TP2: Wooden Endplate, TP3: Compound and Filler und TP4: Bio Adhesives) auf und untersucht

das Zusammenspiel dieser. Das erklärte Ziel für Teilprojekt 1 ist somit die in den einzelnen Teilprojekten

als erfolgreich und betriebstauglich geprüften Materialien über geeignete und zu definierende Fügeverfahren

gemeinsam in einen Brennstoffzellenstack zu kombinieren und eine möglichst hohe Anzahl

an funktionsnahen Betriebsstunden zu generieren. Die dabei regelmäßig durchgeführten Systemshutdowns

und erneuten Anläufe, sowie die kontinuierlich erfassten Parameter wie Betriebstemperatur,

Nennstrom und -spannung des Brennstoffzellenstacks lassen eine genaue Analyse der Leistungsfähigkeit

und Dauerbeständigkeit des Materialverbunds zu.

1.3 Stand der Technik

1.3.1 Brennstoffzellen

Die strategische Bedeutung der Brennstoffzellentechnologie spiegelt sich auch in einer Reihe nationaler

und internationaler Leuchtturmprojekte wider, die als Vorreiter für eine breitere Markteinführung

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