26.01.2026 Aufrufe

DOT.magazine 119

Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas, wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet +++ Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien auf einer einsamen Insel stranden. „Send Help“! +++ Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“ +++ Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell verfilmt Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“ +++ Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama +++ Martin Bourboulon erzählt von der dramatischen Evakuierung der französischen Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“ +++ Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand: Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule +++ Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten „No Other Choice“ +++

Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas, wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet +++ Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien auf einer einsamen Insel stranden. „Send Help“! +++ Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“ +++ Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell verfilmt Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“ +++ Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama +++ Martin Bourboulon erzählt von der dramatischen Evakuierung der französischen Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“ +++ Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand: Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule +++ Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten „No Other Choice“ +++

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

119

Ein letzter Coup

februar 2026


GANZ EASY

Lerne für den Führerschein:

Wann und wo immer du willst!

Die Führerschein-Theorieprüfung in Österreich wird am Computer in

der Fahrschule abgelegt. Die Prüfungsfragen sind im Multiple-Choice-

Verfahren (mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten) zu beantworten.

Die Prüfung kann in den Sprachen Deutsch,Englisch, Kroatisch und

Slowenisch sowie in der Gebärden sprache abgelegt werden.

Mit der kostenlosen ÖAMTC Führerschein-Test

App kannst du einfach für die Führerscheinklassen

A, B und C/C1 lernen und auch dein

Prüfungswissen testen!

Lerne

Wo WAnn

Die App enthält alle aktuellen und offiziellen Prüfungsfragen

des Bundesministeriums in den vier Sprachen.

Plus viele praktische Features wie z.B. Trainingsmodus und

L17-Fahrtenbuch.

&

du willst

Hier geht’s zum gratis

App-Download!

Test

ÖAMTC Mitglied werden!

Gratis-Mitgliedschaft

für alle von 15-19 Jahre

oeamtc.at/young

• Inklusive Gratis-Privathaftpflicht- und

Unfallversicherung

• endet automatisch!

G 0135_26

Schnupper-Mitgliedschaft

• für FahrschülerInnen, Führerschein-Neulinge,

Grundwehr- und Zivildiener

• ein Jahr gratis und endet automatisch!


EDITORIAL

NICOLE ALBIEZ

W

ie lange würden Sie überleben,

wenn Sie auf einer einsamen

Insel stranden würden?

Könnten Sie ohne Hilfsmittel ein Feuer

entfachen? Woraus würden Sie Werkzeug

und Waffen herstellen? Und ein Dach

über dem Kopf? Wen oder was würden

Sie jagen? Oder würden eher Sie gejagt?

Würden Sie giftige Beeren erkennen? Und

wären Sie lieber allein hier oder doch

lieber mit einem Gefährten – auch wenn

das jemand ist, den Sie in der Zivilisation

zutiefst verabscheuten?

Nun, Sam Raimis neuer Streich spielt all

diese Fragen durch. Mit Send Help (S. 20)

erzählt er allerdings von einer Kandidatin,

die quasi nur dafür gelebt hat, den Traum

vom Stranden zu leben: Linda Liddle, die

Rachel McAdams voller Inbrunst darstellt,

ist ein Survivalprofi in Gestalt einer

Buchhalterin. Ihre Fähigkeiten hat sie dem

Fernsehen zu verdanken: Sie verbringt

ihre Freizeit damit, das Reality-Format

Survivor (aktuell startet in den USA die

50. Staffel – u.a. mit Mike White, The

White Lotus, als Kandidat) zu studieren.

Dort lernt man zwar nicht unbedingt im

zwischenmenschlichen Bereich dazu,

aber ein Wildschwein erlegen? Schafft sie

locker. In Send Help geht es allerdings weniger

darum, die Insel, als mehr: einander

zu überleben. Die Charakterentwicklung

von Linda Liddle wird – konfrontiert mit

ihrem verhassten Chef, der auf der Insel

wenig überlebensfähig ist – „interessant“.

Nicht nur Rachel McAdams und Dylan

O’Brien, der ihren fiesen Chef spielt, müssen

an ihren Survival-Skills feilen. Emma

Thompson entdeckt mit 66 Jahren ihren

Sinn für Action-Rollen. Das Entführungsdrama

Dead of Winter (S. 16) ist erst der

Anfang. Und der Anfang findet gleich

unter unwirtlichen Umständen statt: im

tiefsten Winter in Minnesota. Um sich auf

den Dreh (nicht in Minnesota, sondern in

Finnland) vorzubereiten, verbrachte

sie einen Monat vor Ort in der Kälte.

„Es war nicht nur kalt – es war eiskalt.

Es packt einen wie Metall. Wir zogen uns

aus, saßen in einer finnischen Sauna und

stiegen in einen zugefrorenen See, um

uns daran zu gewöhnen“, erzählte sie beim

Locarno Film Festival. Das Wichtigste

beim Dreh? – Handschuhe, Handschuhe,

Handschuhe. „Überall waren Handschuhe!

Die Leute aus Minnesota sagten,

wir bräuchten sie, denn wenn man kalte

Hände bekommt, ist das Leben vorbei.“

Survival-Skills hätten die Papierindustrieexperten,

die in Park Chan-wooks

No Other Choice (S. 24) auf den Protagonisten

treffen, bitter nötig: Der arbeitslose

Mann macht sich daran, seine potenziellen

Mitbewerber auszuschalten.

Cold Storage (S. 26) versucht uns derweil

weiszumachen, dass man die nötigen

Fähigkeiten im Ernstfall schnell draufhat.

Zumindest müssen die handelnden

Figuren – Nachtwächter eines Self-

Storage-Ladens – gegen einen aggressiven

Pilz-Parasiten vorgehen, der sich aus einer

versiegelten Militärbasis herausarbeitet

und der keine gute Nachricht für die

Menschheit bedeutet. Immerhin haben

Joe Keery und Georgina Campbell Actionversierte

Unterstützung: Liam Neeson.

In Primate (S. 40) spielt inzwischen das

Haustier verrückt.

Was Chris Pratt in Mercy (S. 17) fast

noch mehr bräuchte als Survival-Skills:

frühere Einsichten. Seine Figur, Detective

Chris Raven, hat sich für eine KI-Rechtsprechung

eingesetzt, nun erlebt er die

bösen Konsequenzen am eigenen Körper.

Sie sehen, es wird ein harter Monat für das

Personal auf der Leinwand. Während Sie

im Kinosaal auf den Filmbeginn warten,

könnten Sie vielleicht mal googeln, wie

man in der Wildnis ohne große Hilfsmittel

Feuer macht. Nur zur Sicherheit.

Ein letzter Coup

februar 2026

Streng nach Muster:

Chris Hemsworth

als gerissener Gauner

in Crime 101.

119

www.dot-magazine.at

DOT.EDITORIAL 3


»CATCH ME IF YOU CAN trifft THE WOLF OF WALL STREET«

DEADLINE

GEWINNER

GOLDEN

GLOBE ®

★★★

BESTER

HAUPTDARSTELLER

★★★★★

FILMSTARTS.DE

★★★★★

THE TELEGRAPH

★★★★★

FINANCIAL TIMES

★★★★★

THE STANDARD

★★★★★

THE GUARDIAN

★★★★★

EMPIRE

★★★★★

DEN OF GEEK

★★★★★

HEAT

AB 26. FEBRUAR IM KINO


CONTENT

DOT.119

28 12

Opening Credits 08

Leinwandflirren 10

IN TROUBLE

Crime 101 12

Dead of Winter – Eisige Stille 16

Mercy 17

13 Tage, 13 Nächte 18

Ein Kuchen für den Präsidenten 19

WORK / LIFE

Send Help 20

No Other Choice 24

Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 25

The Souffleur 25

Cold Storage 26

FEELINGS

„Wuthering Heights“ – Sturmhöhe 28

Bon Voyage 32

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke 34

Die Ältern 36

THE HORROR

Return to Silent Hill 38

Primate 40

Dust Bunny 41

UNSERE WELT

42 Die Stimme von Hind Rajab

43 Stoff – Ein Spitzengeschäft

44 Silent Friend

45 Das Flüstern der Wälder

KIDS & FAMILY

46 Woodwalkers 2

47 Charlie – Der Superhund

48 G.O.A.T.

50 Der letzte Walsänger

50 Disney Channel Mitmach-Kino

ANIME

52 Prinzessin Mononoke 4K

54 Scarlet

ARTHAUS

56 Die Jahreszeiten

56 Coexistence, My Ass!

57 Monsieur Robert kennt kein Pardon

57 Rule Breakers

58 Wahrheit & Verrat

58 Stray Kids: The dominATE Experience

58 The Royal Ballet: Woolf Works

HEIMWERK

60 Home Entertainment

64 Filmkost

CHRIS HEMSWORTH. HALLE BERRY. MARK RUFFALO. RACHEL MCADAMS. CALEB MCLAUGHLIN.

MADS MIKKELSEN. MARGOT ROBBIE. JACOB ELORDI. LÉA SEYDOUX. EMILE CHÉRIF. CHRIS PRATT.


JETZT NUR IM KINO


Aus der Perspektive

der 14-Jährigen

Wenn Emerald Fennell als Regisseurin

einen Stoff anfasst, dann sorgt das

für Gesprächsstoff. Mit dem feministischen

Rape-Revenge-Thriller

Promising Young Woman schuf sie

2020 einen bis zum Ende kompromisslosen

Film. In Saltburn ging

sie unumwunden den Obsessionen

eines Aufsteigers nach. Testscreening-

Ergebnisse ihres kommenden Films

lassen vermuten, dass sich an ihrer

Handschrift und ihrer Wirkung

wenig ändern wird: Sie verfilmt

Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“

(siehe auch Seite 28), der bei seinem

Erscheinen im Jahr 1847 einen Sturm

der Entrüstung auslöste. Seit Fennell

ihn als 14-Jährige gelesen hat, lässt er

sie nicht mehr los. Wenn sie ihn jetzt

für die Leinwand bearbeitet, dann

auch aus den Augen der jungen Frau,

die sie damals war. Wie das aussehen

wird, wissen wir ab 12.02.: Dann

läuft „Wuthering Heights“ – Sturmhöhe

im Kino an.

DOT.MOVIE

© Warner Bros. Pictures/Constantin Film Österreich , The Walt Disney Company

Tierisches Highlight

Ein klares Ja zu Reptilien in Zoomania:

Dass ein Fuchs und eine Häsin ein

gemeinsames Ding machen und hinter

einer Schlange her sind, hat wortwörtlich

alle Welt interessiert. Zoomania 2

hat einen sagenhaften Erfolg eingefahren:

Mit dem (bisherigen) weltweiten

Einspielergebnis von 1,703 Milliarden

US-Dollar rangiert der Film aktuell auf

Platz 9 der an der Kinokasse erfolgreichsten

Filme aller Zeiten.

#zoomania2

CRIME 101. DEAD OF WINTER. 13 TAGE, 13 NÄCHTE. ACH, DIESE LÜCKE … SEND HELP. DIE ÄLTERN.

NO OTHER CHOICE. COLD STORAGE. WUTHERING HEIGHTS. RETURN TO SILENT HILL. G.O.A.T.


Opening Credits

TRIVIA

Euphorie des Monats: „Survivor“

als Survivaltraining

Wenn in Send Help

(Seite 20) ein Chef

(Dylan O’Brien)

und seine Angestellte auf einer

einsamen Insel stranden, ist sie,

die im Büro hierarchisch Untergebene,

plötzlich die Überlegene:

Linda Liddle, inbrünstig gespielt

von Rachel McAdams, war, als

sie sich noch in der Zivilisation

befand, manische Stammseherin

der Fernsehshow Survivor. Wer

zur Fernbedienung greift, ist also

klar im Vorteil. Seit 2000 läuft die

hoch erfolgreiche Reality-Show

Survivor, die eigentlich auf einem

schwedischen Format (Expedition

Robinson, 1997) basiert, im US-

Fernsehen (und fand zahlreiche

internationale Ableger): Bunt zu

Gruppen zusammengewürfelte

Kandidaten werden an einem

abgelegenen Ort ausgesetzt und

müssen sich um Nahrung, Wasser,

Feuer und eine Unterkunft kümmern.

In der ersten Staffel war der

Austragungsort Borneo, die zweite

Staffel führte ins australische

Outback. Das Gruppendenken

herrscht nicht lange vor – am Ende

wird ein „Sole Survivor“ dastehen,

der 1 Mio. US-Dollar mit nach

Hause nimmt. Für Action sorgen

Intermezzi wie Wettkämpfe, „Entführungen“,

manchmal werden

auch die Gruppen unangekündigt

neu durchmischt. Was das

Publikum seit 50 Staffeln (!) bei

der Stange hält, sind – wie bei allen

Realityformaten – die menschlichen

Dramen: Wer lügt, wer kokst

heimlich, wer zieht sich für ein

Stück Schokolade aus?

www.cbs.com/shows/survivor

LISTIG

Der Silent Friend, von dem auf

Seite 44 die Rede ist, ist ein Baum.

Andere Bäume, die Filmgeschichte

geschrieben haben:

Der Zauberer von Oz (1939)

Vorsicht ist geboten, wenn man sich

nicht mehr in Kansas befindet: Pflückt

man unbedacht einen Apfel, gibt es

eins auf die Finger. Durch einen Ast.

Und gleich darauf folgt eine Schimpftirade

vom Baum: Wie fändest du es,

wenn irgendwer daherkommt und

etwas von dir pflücken würde?!

Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)

Auf dem erdähnlichen Mond Pandora,

von dem James Cameron erzählt, haben

es die Menschen auf den Rohstoff

Unobtainium abgesehen. Um ihn abzubauen,

soll nicht nur die hier lebende

Spezies weichen: Weg müssen auch

die gigantischen Bäume. Nur zählen

sie zu den heiligsten Stätten der Na’vi

und sind das Zentrum der neuronalen

Strukturen von Pandora. Kampflos

wird hier nichts aufgegeben …

Pocahontas (1995)

Großmutter Weide hat immer einen

Rat, wenn Pocahontas nicht weiterweiß.

Zum Beispiel: Lausche mit dem

Herz. Die Hunderte Jahre alte Weide,

die Mentorin der Disney-Prinzessin

Pocahontas, wurde in der deutschen

Fassung von Hildegard Knef gesprochen/gesungen.

„Versuch mal mit den

Brustwarzen zu lächeln!“

– Joachim Meyerhoff

erinnert sich in Ach, diese

Lücke, diese entsetzliche

Lücke (S. 34) an die

Schauspielschule; Hauptdarsteller

Bruno Alexander

muss da jetzt durch.

Eine jahrzehntelange Zusammenarbeit

(mit dem US-Fernsehsender ABC)

kommt zu einem Ende: Ab 2029 wird

die Oscar-Gala nur noch auf YouTube

gezeigt. Es werde eine „facettenreiche

globale Partnerschaft mit YouTube“, wie

8 DOT.MOVIE

die Oscar-Akademie mitteilte. Es wurde

ein fünfjähriger Deal ausgehandelt.

Die Akademie wolle wieder ein breiteres

weltweites Publikum erreichen – in den

letzten Jahren sanken die Einschaltquoten

spürbar.

© CBS, www.instagram.com/theacademy


EXPERIENCE IT IN

AB 12.02. IN

FILMS TO THE FULLEST

ALLE FILME AUF

CINEPLEXX.AT


Leinwandflirren

Now and then: Wim Wenders

Die Jury, die bei der kommenden Berlinale (12.–22.02.) über die Wettbewerbsfilme

verhandelt, wird von Wim Wenders angeführt. Wenders, der

zahlreiche seiner Filme bei der Berlinale präsentierte – zum Beispiel Pina

oder The Million Dollar Hotel (der Eröffnungsfilm des Festivals im Jahr

2000) –, erhielt 2015 vom Festival einen Goldenen Ehrenbären für sein

Lebenswerk als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autorenfilmer.

Er kann auf Filme wie Paris, Texas, Der Himmel über Berlin, Alice

in den Städten und zuletzt Perfect Days zurückblicken. Er und seine

Jurykollegen werden u.a. über die neuen Arbeiten von Kornél Mundruczó,

Angela Schanelec und İlker Çatak diskutieren. Aus Österreich stammen

gleich zwei Wettbewerbsbeiträge: Rose von Markus Schleinzer und The

Loneliest Man in Town von Tizza Covi und Rainer Frimmel.

2003 2008

HOP & DROP

Rip-off

Bei den Netflix-Charts ganz oben

steht aktuell The Rip – ein Cop-Thriller

mit Matt Damon und Ben Affleck.

Als die beiden Hauptdarsteller zu

Promozwecken im Podcast „Joe

Rogan Experience“ zu Gast waren,

klang es streckenweise nicht nach

Promo: Netflix würde darum bitten,

gleich zu Filmbeginn eine Explosion

einzubringen, um dem Abschaltimpuls

entgegenzuwirken, und außerdem

die Handlung drei-, viermal im

Dialog zu wiederholen, damit die

Zuschauer, die eher auf ihre Handys

als auf den Film konzentriert sind,

noch folgen können, führt Damon

aus. Adolescence sei das beste

Beispiel dafür, dass man diesen

Bitten nicht nachkommen muss und

dass es auch gut so sei, übernahm

schnell Affleck. Man müsse Wege

finden, das Publikum zu fesseln.

© PPS Vienna, Donata Wenders, Gerhard Kassner Netflix

2015 2024

LOVE INTEREST

Bradley Cooper (demnächst: „Is This

Thing On?“) soll die Mutter seiner Freundin

Gigi Hadid offiziell um Erlaubnis gebeten

haben, um die Hand ihrer Tochter anzuhalten.

Der Filmemacher/Schauspieler und das

Model sind seit 2023 ein Paar – sie lernten

sich bei einem Kindergeburtstag kennen.

Beide haben jeweils eine Tochter (5 und

8 Jahre alt) aus früheren Beziehungen.

10 DOT.MOVIE

IN PRODUCTION

Den kommenden Sommer soll der

85-jährige Scrarface-Regisseur Brian

De Palma in Portugal verbringen: beim

Dreh von Sweet Vengeance, einem

Film, der von zwei Mordfällen inspiriert

sein soll.

Damien Chazelle werkt an einem

Gefängnisdrama. Neuzugang beim

Cast, zu dem schon Daniel Craig, Dave

Bautista und Cillian Murphy zählen

sollen: Michelle Williams.

1995, in Michael Manns Heat, war

Al Pacino als Polizist hinter Gangster

Robert De Niro her. Aktuell wird an

einer Fortsetzung gewerkt. Inzwischen

steht fest, wer neben Christian Bale

vor der Kamera stehen soll: Leonardo

DiCaprio.


TRIFF LINDA LIDDLE …

SIE IST AUS DEM STRATEGIETEAM.

VON SAM RAIMI REGISSEUR VON THE EVIL DEAD UND DRAG ME TO HELL

PRODUZENTEN SAM RAIMI, p.g.a. & ZAINAB AZIZI, p.g.a. DREHBUCH DAMIAN SHANNON & MARK SWIFT REGIE SAM RAIMI

JETZT IST SIE DER BOSS.

IM KINO


TEXT: MANUEL STEPHAN

Verbrecher auf der Überholspur

Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas,

wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet.

Es ist einer dieser Momente, die sich

ins Gedächtnis von Kinogängern

eingebrannt haben. Ein edler Recke

im Kampfanzug, mit Kriegsbemalung,

Schlagwaffe und Schild steht mutterseelenallein

mitten in einer Arena vor

Tausenden Schaulustigen. Er erwartet

seinen Gegner, der nach einigen Momenten

dann auch durch das Tor gekracht

kommt. Der Recke sieht ihn … und bricht

in euphorischen Jubel aus, zum Erstaunen

der Gäste in der Loge, die eigentlich einen

unterhaltsamen Kampf erwartet haben.

„Wir kennen uns. Er ist ein Freund von

der Arbeit!“, sagt der Held. Spätestens

jetzt wisst ihr, wen ich meine. Thor, der

nordische Donnergott, gespielt von Chris

Hemsworth, der die Inspiration zu dieser

inzwischen legendären Dialogzeile von einem

kranken Kind erhielt, das die Dreharbeiten

zu Thor: Tag der Entscheidung

besuchte. Der „Freund von der Arbeit“

wiederum ist der grüne Wüterich Hulk,

das Alter Ego des Wissenschaftlers Bruce

Banner, der von Mark Ruffalo verkörpert

wird. Man mag sich gerne vorstellen, wie

viel Spaß die beiden bei der Arbeit an

ihren gemeinsamen Avengers-Filmen

gehabt haben dürften.

EIN JOB FÜR ECHTE PROFIS

Das hier ist aber kein Avengers-Film.

Doomsday, das nächste große Abenteuer

im Marvel-Franchise, startet erst Ende

Dezember. Hemsworth wird dann in

seine Paraderolle zurückkehren, Ruffalo

ziemlich sicher auch. Nun stehen sich

die beiden Publikumslieblinge aber erst

12 DOT.MOVIE


einmal in einem packenden und rasanten

Crime-Thriller gegenüber. Der aus dem

Dokumentarbereich kommende Regisseur

und Drehbuchautor Bart Layton

(The Imposter, American Animals)

sicherte sich die Dienste der beiden

vielbeschäftigten Schauspieler, um eine

Novelle des Schriftstellers Don Winslow

(Kill Bobby Z, Savages) für die große

Leinwand zu adaptieren. 2020 publizierte

Winslow die Kurzgeschichtensammlung

„Broken“, in der sechs verschiedene

Thriller-Plots erzählt werden. Einer

davon, Crime 101, findet bald den Weg

in die Kinos. Dafür hat sich neben den

beiden actionerprobten Hauptdarstellern

eine ganze Riege prominenter Kollegen

einspannen lassen: die Oscar-Preisträgerin

Halle Berry, selbst keine Unbekannte

im Marvel-Multiversum dank X-Men,

mischt in dieser Gangsterballade ebenfalls

mächtig mit.

SCHWUPP UND WEG

Dazu kommen noch Barry Keoghan (The

Banshees of Inisherin, Saltburn), Monica

Barbaro (Top Gun: Maverick, Like A

Complete Unknown), Jennifer Jason

Leigh (The Hateful Eight, Backdraft) und

Schauspielveteran Nick Nolte (Kap der

Angst, Nur 48 Stunden) – der übrigens

2003 mal den bösen Vater von Eric Banas

Hulk spielte. Eine absolute Top-Besetzung,

wie man sie sich von einem spannenden

Crime-Thriller erwartet. Hemsworth

spielt mit gewohnter Coolness und

Stilsicherheit den gerissenen Dieb Mike

Davis. Er stiehlt Juwelen, Geld und andere

IN

TROUBLE

CRIME 101

KINOSTART 13.02.,

GB/USA 2026,

REGIE Bart Layton, MIT

Chris Hemsworth, Mark

Ruffalo, Halle Berry,

Barry Keoghan, Monica

Barbaro, Nick Nolte,

FILMLÄNGE 140 Min.,

© Sony Pictures

DOT.MOVIE 13


wertvolle Gegenstände, und das

schon seit vier Jahren. Damit er

nach seinen Coups möglichst

schnell und möglichst unerkannt

fliehen kann, zieht er sein Ding

immer entlang des Freeway 101 in

Los Angeles durch. Bei der Vorbereitung

seines nächsten Raubs

macht Davis die Bekanntschaft der

frustrierten Versicherungsmaklerin

Sharon Colvin (Berry). Sie ist

Vizepräsidentin, sollte aber nach

elf Jahren längst Namenspartnerin

in ihrer Agentur sein.

HER MIT DEM SCHNÖDEN

MAMMON

Und dann muss sie auch noch

erfahren, dass ihr Arbeitgeber

nicht so unbescholten ist, wie sie

immer gedacht hat. Mike und

Sharon wollen einen großen Raub

durchführen. Ein Kurier bringt

eine Lieferung von Uhren und

Schmuck im Wert von elf Millionen

Dollar in ein Hotelzimmer.

Für ihre Mithilfe verlangt Sharon

einen Anteil von drei Millionen. So

ganz trauen sich die beiden aber

nicht über den Weg. „Sie haben

die Autos, die Klamotten, aber Sie

können mir nicht in die Augen

sehen“, sagt sie zu ihm. Dann

erfährt auch sein alter Hehler

Money (Nolte) von der lukrativen

Operation und will, eh klar, die

Beute am liebsten für sich selbst.

Also setzt er den unberechenbaren

Ormon (Keoghan) auf Mike und

Sharon an: „Lass ihn den Kurier

ausrauben, dann raubst du ihn

aus.“ Fortan rückt Ormon Mike

hartnäckig und wenig zimperlich

auf die Pelle. Aber das ist natürlich

nicht Mikes einziges Problem.

RÄUBER UND GENDARM

Richtig kompliziert wird es nämlich,

als dann auch noch Detective

Lou Lubesnick (Ruffalo) und

sein Partner, Detective Tillman

(Corey Hawkins, Straight Outta

Compton, Die letzte Fahrt der

Demeter), Mikes Muster auf die

Spur kommen und sich unerbittlich

an seine Fersen heften. Auch

ein Gentleman-Gauner wie Steve

McQueen in Thomas Crown ist

nicht zu fassen wird irgendwann

einmal seine Rechnung begleichen

müssen. Und so wird sich

Mike nicht nur wie McQueens

Langfinger aus Norman Jewisons

Krimiklassiker aus dem Jahr 1968

so einiges einfallen lassen müssen,

um nicht der Polizei und seinen

Feinden auf den Leim zu gehen,

sondern auch, wie McQueen

ebenfalls im Jahr 1968 als Bullitt

in Peter Yates’ gleichnamigem

Actionthriller, einige spektakuläre

Autoverfolgungsjagden absolvieren

müssen. Das verspricht coole

Kerle und Ladys, viele Wendungen,

ein packendes Katz-und-

Maus-Spiel und halsbrecherische

Action mit Blechschaden. Crime

101 eben.

#crime101

Coups nach dem immer gleichen Muster:

Mike agiert immer entlang des Freeway 101 in L.A.

– um schnell und unerkannt fliehen zu können.

14 DOT.MOVIE


Thomas Crown ist nicht zu fassen

Heat

Drei der coolsten und schnellsten

Räuber der Filmgeschichte

Drive

© MGM, Warner Bros., Universum Film

Thomas Crown ist nicht zu fassen

(1968) Bereits erwähnt und in Crime

101 direkt zitiert, macht sich die coole

Socke des amerikanischen Action-

Kinos der 1960er- und 1970er-Jahre

schlechthin, Steve McQueen, als

Gentleman-Gauner Thomas Crown

einen Namen als gerissener und

maßloser Dieb. Er hat es eigentlich

gar nicht nötig, ist er doch ein reicher

Geschäftsmann. Aber dennoch

orchestriert der Adrenalin-Junkie

einen spektakulären Bankraub von

2,66 Millionen Dollar in Boston. Die

Versicherungsagentin Vicki (Faye

Dunaway, Chinatown) wird auf

den Fall angesetzt und nimmt sofort

Crown ins Visier. Es entwickelt sich

nicht nur ein spannendes Katz-und-

Maus-Spiel zwischen den beiden,

sondern auch eine romantische

Anziehung, die in einer Affäre gipfelt.

Dies macht Vickis Job ungemein

kompliziert. Pierce Brosnan (James

Bond: GoldenEye) und Rene Russo

(Lethal Weapon 3) spielten 1999 die

Hauptrollen in einer Neuverfilmung,

ein weiteres Remake von und mit

Michael B. Jordan (Blood & Sinners)

sowie Adria Arjona (Morbius) als

Partnerin in Crime soll nächstes Jahr

anlaufen.

Heat (1995) Das erste richtige

Aufeinandertreffen der beiden

Schauspieltitanen Al Pacino und

Robert De Niro auf der Leinwand

gilt als einer der ganz großen

Crime-Thriller der Filmgeschichte,

und das nicht ohne Grund. De

Niro spielt den begnadeten Räuber

Neil McCauley. Ein Überfall seiner

Gang auf einen Geldtransporter

läuft aus dem Ruder, und der von

dem Fall besessene Lieutenant

Vincent Hanna (Pacino) nimmt

unermüdlich die Verfolgung auf,

bewundert seinen kaltschnäuzigen

Gegenspieler aber auch. Das zeigt

sich am eindrücklichsten, wenn

er sich mit ihm einfach mal auf

einen Kaffee zusammensetzt und

so eine unvergessliche Szene voller

Kinomagie entsteht. Ebenfalls mit

von der Partie als McCauleys Juniorpartner

Chris Shiherlis ist der

2025 verstorbene Val Kilmer (Top

Gun: Maverick). Genre-Experte

Michael Manns Kinoadaption seines

eigenen Fernsehthrillers L.A.

Takedown (1989) gilt seit seiner

Veröffentlichung vor 30 Jahren als

moderner Genre-Klassiker, der

viele Filmemacher, u.a. Christopher

Nolan, inspiriert hat.

Drive (2011) In diesem längst zum

Kultfilm avancierten Neo-Noir-

Crime-Thriller von Regisseur

Nicolas Winding Refn (The Neon

Demon) nach der Romanvorlage

von James Sallis lässt sich Ryan

Goslings (The Fall Guy) namenloser

Hollywood-Stuntman nachts

als Fluchtwagenfahrer für bewaffnete

Raubüberfälle einspannen.

Er agiert nach einem strengen,

asketischen Kodex und greift

niemals selbst in die Coups ein.

Sein spektakuläres, aber einsames

Leben ändert sich von Grund auf,

als er sich in seine Nachbarin Irene

(Carey Mulligan, Promising Young

Woman) verliebt, deren frisch

aus dem Gefängnis entlassener

Ehemann Standard (Oscar Isaac,

Frankenstein) noch Schulden bei

Mithäftlingen begleichen muss.

Doch dann läuft alles schief, und

der Driver muss nicht nur Irene

und ihren Sohn beschützen, sondern

sich auch gegen skrupellose

Gangster zur Wehr setzen. Kein

typischer Action-Blockbuster, sondern

ein stylisches, atmosphärisch

dichtes Krimidrama mit einem

eleganten, pulsierenden Electro-

Pop-Soundtrack.

DOT.MOVIE 15


Um Leben und Tod

Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama.

Als Barb Sorenson, Betreiberin

eines kleinen Angelgeschäfts,

ins nördlichste

Minnesota reist, ist mit nichts als

Stille und Abgeschiedenheit zu

rechnen – und innerer Einkehr:

Denn der Anlass für ihren Trip

ist es, den letzten Wunsch ihres

verstorbenen Mannes zu erfüllen.

Karl wollte, dass seine Asche an

jenem einsam gelegenen See verstreut

wird, an dem ihre gemeinsame

Geschichte einst begann. Der

Ort, an dem weder mit Handyempfang

noch mit Zivilisation zu

rechnen ist, wird ihr jedoch wenig

Gelegenheit zum stillen Gedenken

geben. Ganz im Gegenteil: Tief in

der Wildnis wird die frisch verwitwete

Frau sehr viel Grund haben,

Adrenalin auszuschütten. Denn

unversehens wird sie Zeugin eines

Verbrechens: Eine junge Frau wird

verschleppt und in einer verlassenen

Hütte gefangen gehalten. Barb

gibt alles, um das Mädchen (Laurel

Marsden, Ms. Marvel) zu befreien

– und bekommt es so neben der

beißend-gefährlichen Kälte Minnesotas

auch mit den skrupellosen

Entführern (Judy Greer, Ant-Man,

und Marc Menchaca, Ozark) zu

tun …

66: DAS RICHTIGE ALTER

FÜR ACTION

Regisseur Brad Kirk (21 Bridges,

Game of Thrones) gestaltet einen

Film mit einer sehr diversen

emotionalen Heimat. Einerseits

erzählt er in Rückblenden die

Liebegeschichte von Barb und

Karl, zeitgleich entfaltet er einen

gnadenlosen Entführungsthriller.

Was die so konträren Handlungsstränge

eint, ist, dass sie beide dem

Tod ins Auge blicken, sich mit

Abschied und Trauer beschäftigen:

Jeder hier ist in den Tanz mit dem

Tod verstrickt.

Die Landschaft, in die Kirk

führt, ist beeindruckend. Seine

Hauptdarstellerin ist es auch:

Emma Thompson (Nanny McPhee,

Harry Potter, Oscar für ihre

Darstellung in Wiedersehen in

Howards End und für ihr Drehbuch

zu Sinn und Sinnlichkeit)

übernimmt die Rolle der Barb –

eine ungewöhnliche Wahl für die

britische Schauspielerin. Sie spielt

eine Frau, die im verletzlichsten

Moment ihres Lebens die Heldin

in sich zum Vorschein bringen

muss. Beim Locarno Film Festival,

wo der Film seine Premiere feierte,

scherzte Thompson: „Warum mit

66 Jahren mit Action anfangen?!

Das ist doch einfach nur dumm.“

– Nein, gar nicht. Sie scheint

außerdem auf den Geschmack

gekommen zu sein: Sie ist aktuell

auch in der Action-Thriller-Serie

Down Cemetery Road zu sehen

– als Detektivin, die nach einem

vermissten Mädchen sucht …

Als jüngere Version von Barb

tritt Thompsons Tochter Gaia

Wise (Picknick mit Bären) in

Erscheinung.

#deadofwinter

DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE

KINOSTART 19.02., USA/D 2025,

REGIE Brian Kirk, MIT Emma Thompson,

Judy Greer, Marc Menchaca, Laurel

Marsden, Gaia Wise, Cúán Hosty-Blaney,

FILMLÄNGE 97 Min., © Constantin Film

IN

TROUBLE

16 DOT.MOVIE


System im Unrecht

Ein des Mordes beschuldigter Chris Pratt muss vor KI-Richterin

Rebecca Ferguson seine Unschuld beweisen: „Mercy“.

Mit Schmeicheleien

kommt man vor

diesem Gericht nicht

weit: Ein LAPD-Detective der

nahen Zukunft erwacht nach

einer durchzechten Nacht in der

„großen Strafkammer von Mercy“,

gefesselt an einen Stuhl, vor ihm

ein überdimensional großer

Bildschirm. Noch ehe er weiß, wo

er sich genau befindet und was

passiert ist, erklärt ihm eine Frau

über den Bildschirm, dass er genau

90 Minuten Zeit habe, ihr, einer

fortschrittlichen KI-Richterin

(Rebecca Ferguson), seine Unschuld

zu beweisen. Sonst wird er

an Ort und Stelle exekutiert – die

Vorrichtung dafür verlangt nicht

nach menschlichem Kontakt.

Einst hat er sich für ihre Entwicklung

eingesetzt, nun wird

sie über sein Schicksal entscheiden.

„Ich sollte hier nicht sitzen,

ich habe das Mercy-Programm

mitentwickelt“, empört er sich

noch – aber dann sollte sich Detective

Chris Raven (Chris Pratt,

Guardians of the Galaxy) beeilen

zu beweisen, dass er seine Frau

(Annabelle Wallis) nicht getötet

hat. Konfrontiert mit den Bildern,

treibt es ihm die Tränen in die Augen.

„Ich habe meine Frau geliebt,

ich habe ihr nichts angetan!“ – Das

KI-betriebene juristische System

ist resistent gegen Tränen. „Sie

müssen Beweise finden, um sich

selbst zu entlasten“, ehe die gnadenlose

künstliche Rechtsprechung

zu einem Urteil kommt.

Die kommunale Cloud der Stadt

stehe ihm zur Verfügung, er muss

sich durch all die Daten wühlen.

Er kann sich zwar nicht erinnern,

was passiert ist – aber eins weiß

er: Mörder ist er keiner. Irgendwann

stutzt er und fragt: „Denkst

du wirklich, dass ich meine Frau

umgebracht habe – oder wurdest

du falsch programmiert?“

ECHT KLAUSTROPHOBISCH

Der Thriller-versierte Timur

Bekmambetov (Abraham Lincoln

Vampirjäger, Wächter des Tages,

Wächter der Nacht) legt einen

unbarmherzigen Countdown

hin, wenn er ausführt, wie es

wäre, wenn KI über Schuld und

Unschuld entscheiden würde.

Mit seinem Hauptdarsteller Pratt

hat er bereits 2008 gedreht – die

Comicverfilmung Wanted. Pratt

bat seinen Regisseur, während der

Dreharbeiten am Henkersstuhl

festgeschnallt zu bleiben, um

seiner Darstellung mehr Authentizität

zu verleihen, wie er in einem

Interview erklärte: „Ich dachte, das

würde der Performance helfen und

Gefühle von Klaustrophobie und

Eingesperrtsein verstärken. Ich

habe geschwitzt, und wenn mein

Gesicht gejuckt hat, konnte ich

mich nicht kratzen, und ich konnte

nicht aufstehen.“

www.mercyfilm.de

MERCY KINOSTART 23.01.,

USA/GB 2026, REGIE Timur Bekmambetov,

MIT Chris Pratt, Rebecca Ferguson,

Noah Fearnley, FILMLÄNGE 96 Min.,

© Sony Pictures

DOT.MOVIE 17


IN

TROUBLE

Chronik eines Ausnahmezustands

Tatsächliche Ereignisse sind die Grundlage von Martin Bourboulons

neuem packenden Film über die dramatische Evakuierung der französischen

Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“.

Martin Bourboulons Film

13 Tage, 13 Nächte rekonstruiert

einen jener

historischen Momente, in denen

politische Entscheidungen plötzlich

ganz konkret werden. Der

französische Politthriller nimmt

die dramatische Evakuierung der

französischen Botschaft in Kabul

im August 2021 in den Blick, als

mit dem Abzug der US-Truppen

die Taliban die afghanische

Hauptstadt innerhalb weniger

Stunden übernahmen.

Im Zentrum steht Mohamed

„Mo“ Bida, Kommandant der

Sicherheitseinheit der Botschaft.

18 DOT.MOVIE

Mit der Einnahme Kabuls wird

das diplomatische Gelände zum

letzten Schutzraum für Hunderte

Menschen: französische Staatsangehörige,

afghanische Ortskräfte,

Familien, die alles zurücklassen

mussten. 13 Tage und Nächte lang

versucht Bida mit seinem Team,

Ordnung im Ausnahmezustand

zu bewahren und einen Konvoi

zum Flughafen zu organisieren

– ein riskantes Unterfangen, das

ständige Verhandlungen mit

den Taliban erfordert. Unterstützung

erhält er von Eva, einer

jungen humanitären Helferin mit

afghanisch-französischem Hintergrund,

die als Übersetzerin und

Vermittlerin agiert.

PROFESSIONELLER MUT

Bourboulon (Die drei Musketiere)

inszeniert dieses Szenario als

eng getakteten Survival-Thriller.

Roschdy Zem (Elisa) verleiht der

Hauptfigur eine zurückhaltende

Autorität: kein überzeichneter

Actionheld, sondern ein Mann,

der Entscheidungen unter Druck

trifft und deren Folgen trägt. Gerade

diese Nüchternheit bewahrt

die Figur vor heroischer Glätte.

Lyna Khoudri (Das Imperium)

bringt als Eva eine fragile Energie

ins Geschehen, während Sidse

Babett Knudsen eine unbequeme,

hartnäckige Journalistin verkörpert,

die sich weigert, angesichts

der Gewalt zu schweigen.

Filmisch besonders interessant

wird diese Arbeit dort, wo Bourboulon

ihre Grenzen offenlegt.

13 Tage, 13 Nächte funktioniert

klar als intensiver Spannungsfilm,

in dem das Geschehen strikt

an den Blick der französischen

Akteure gebunden bleibt.

So ist Bourboulons Film keine

Analyse, sondern Chronik eines

Ausnahmezustands.

#13tage13nächte

13 TAGE, 13 NÄCHTE – 13 JOURS,

13 NUITS KINOSTART 30.01., F 2025,

REGIE Martin Bourboulon, MIT Roschdy

Zem, Lyna Khoudri, FILMLÄNGE 112 Min.,

© Panda Lichtspiele Filmverleih


Rosinen ins Getriebe

des Regimes

Hunger prägt das unterdrückte Land, der

Diktator will Kuchen. Die neunjährige Lamia soll

ihn backen. Nur, woraus? „Ein Kuchen für den

Präsidenten“ ist ein poetischer Film über groteske

Realitäten im Irak.

Aus einer grotesk

anmutenden Anordnung

(in Diktaturen

täglich am Programm)

erwächst bei Hasan Hadi ein

leiser, eindringlicher Film von

großer poetischer Kraft: Im

Irak der 1990er-Jahre zwingt

das Regime seine Bürger, selbst im

Mangel Loyalität zu inszenieren: Jede

Schule soll zum Geburtstag Saddam Husseins einen

Kuchen beisteuern. Das Los bestimmt das jeweilige

„Konditor“-Kind. Für die neunjährige Lamia wird

diese Pflicht zur existenziellen Prüfung. Lebensmittel

sind ohnehin kaum zu ergattern, das drohende

Scheitern ist mit gefährlichen Strafen belegt.

Dennoch: Mit kindlichem Ernst, begleitet von einem

Freund und ihrem widerspenstigen Hahn, macht

Lamia sich auf den Weg in die Stadt – eine Odyssee

durch Armut und Willkür, erleuchtet von kleinen

Akten der Solidarität. Hadi erzählt diese autobiografisch

geprägte Geschichte mit feinem Humor

und großer Zärtlichkeit für seine Figuren. Der Blick

des Kindes entlarvt die Absurdität der Macht, ohne

sie erklären zu müssen. In den weiten Marschlandschaften

und den stillen Gesten des Laienensembles

verdichten sich Erinnerung und Beobachtung zu

einem Film, der von Unterdrückung spricht und

doch beharrlich an Menschlichkeit glaubt.

#einkuchenfürdenpräsidenten

GEORGINA

CAMPBELL

JOE

KEERY

DAS ENDE DER WELT

WIRD KRANK.

LIAM

UNDNEESON

VOM AUTOR VON

JURASSIC PARK

UND DEM PRODUZENTEN VON

ZOMBIELAND

EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN –

MAMLAKET AL QASAB KINOSTART 06.02.,

Irak/USA 2025, REGIE Hasan Hadi, MIT Baneen Ahmed

Nayyef, Waheeda Thabet, Sajad Mohamad Qasem,

Muthanna Malaghi, FILMLÄNGE 106 Min., © Filmladen

AB 19. FEBRUAR

NUR IM KINO


WORK/LIFE

Survival of the Angriest

Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien

auf einer einsamen Insel stranden. Send help!

Sieh an, wer wieder unter den

Lebenden ist!“, sagt Linda

Liddle mit sarkastischem

Unterton, als Bradley Preston

schließlich aus seiner Ohnmacht

erwacht. Dies ist eine überschaubar

freundliche Begrüßung, ja,

und es gäbe geeignetere Umstände,

um zu erfahren, dass man

nach einem Flugzeugabsturz auf

einer einsamen Insel gestrandet

ist und sie beide die einzigen

Überlebenden sind, bloß: Bradley

hat sich bisher seinerseits nicht

durch besondere Freundlichkeit

hervorgetan. Sam Raimi inszeniert

den größtmöglichen Horror:

Mit jemandem in der Abgeschiedenheit

zu stranden, den man

partout nicht leiden kann.

20 DOT.MOVIE

IN RAGE

Linda und Bradley sind Kollegen;

beziehungsweise: Er ist ihr neuer

Vorgesetzter. Ehe sie zusammen

mit einer Handvoll Kollegen

den Privatflieger bestiegen, um

zu einem Merger-Meeting nach

Bangkok zu reisen, hat er sie bei

einer anstehenden Beförderung

übergangen und sagte Sätze zu ihr

wie: „Sie sind klug, ich weiß, Sie

können gut mit Zahlen umgehen

– aber Ihnen fehlt das gewisse

Etwas! Als Führungskraft sehe ich

Sie einfach nicht!“ – Sie möge sich

nun – obwohl sie das schon seit

Jahren tagtäglich macht – beweisen.

Und abgesehen davon gäbe

es Beschwerden über sie – wegen

Geruchsbelästigung. Lindas

Arbeitsalltag: ein Spießrutenlauf

durch Bradleys gezielte Demütigungen.

Wer würde da nicht zu Sarkasmus

neigen, wenn man sich ausgerechnet

mit diesem Gegenüber

fern der Zivilisation wiederfindet?

Und sich die Vorzeichen geändert

haben, der herablassende Vorgesetzte

also nichts mehr anschaffen

kann und in der neuen Situation

auch ein bisschen hilfloser ist?

Die alten Konflikte lassen

sowieso auch hier nicht lange auf

sich warten: Ob sie versucht habe,

ein Notsignal zu senden? Ein größeres

Feuer zu machen? „Ich war

damit beschäftigt, uns am Leben

zu halten!“, schnauzt sie ihn an.

„Uns hier rauszubringen: Darauf


sollte Ihr Fokus liegen, nicht darauf,

hier das Hausmütterchen zu

spielen“, antwortet er ruppig, nur

um breitbeinig nachzuschießen:

„Nicht vergessen: Ich bin Ihr Boss.

Sie arbeiten für mich!“ Linda wird

ihm schnell bewusst machen, dass

die Dynamiken sich geändert

haben: „Wir sind nicht mehr im

Büro, Bradley.“ Während er nur

Management-Taktiken kennt,

ist sie breiter aufgestellt. Sie ist

beispielsweise eine Stammseherin

der TV-Show Survivor …

ENORME ENTWICKLUNGEN

Send Help wird zum schwarzhumorigen

Survival-Thriller der

besonderen Art: Es gilt vor allem,

einander zu überleben. Sam Raimi

(Spider-Man, Tanz der Teufel)

inszeniert den Stoff voller Nervenkitzel

und Überraschungen

auf genüssliche Art und Weise.

Er freute sich über das Potenzial,

das in diesen beiden sehr unterschiedlichen

Charakteren steckt,

und dass die beiden im Lauf des

Films eine enorme Entwicklung

durchmachen werden; und darauf,

das Publikum mit auf diese Reise

zu nehmen: Welchen der beiden

feuert man an?

Geschrieben wurde das Script

von zweien, die sich sowohl mit

Horror (Freddy vs. Jason, Freitag

der 13.) als auch mit Stränden

(Baywatch) auskennen: Damian

Shannon und Mark Swift. Zum

Leben erweckt wird es von Rachel

McAdams (Mean Girls, Spotlight)

und Dylan O’Brien (Maze Runner,

The Change), die anlässlich

des heftigen Schlagabtauschs

erstmals vor der Kamera aufeinandertreffen.

– Eine großartige

Besetzung.

„Einer der wichtigsten Aspekte

bei der Besetzung von Linda war,

dass sie sympathisch sein und diese

Eigenschaft auch bei extremen

Verhaltensweisen beibehalten

musste“, erklärt Shannon. „Sie

musste sowohl verletzlich als

auch eisern stark sein, und wir

mussten uns auch in schwierigen

Momenten mit ihr verbunden

fühlen können. Wenn man es so

betrachtet, ist Rachel McAdams

genau die richtige Besetzung.“

Die Welt, in der Linda feststeckte,

funktionierte nach Bradleys

Regeln. Nun – auf der einsamen

DOT.MOVIE 21


Insel – werden die Karten neu

gemischt. Es herrschen andere

Regeln, neue Machtstrukturen,

und Survival-Talent Linda kann

gestalten. „Auf der Insel entdeckt

sie, dass sie fähig ist“, meint

Raimi. „Sie hat es verdient. Tatsächlich

hat sie sogar noch mehr

verdient. Die Typen, die sie umgeben,

sind Idioten. Sie ist wie ein

Samenkorn, das endlich aufblüht,

wenn es in den fruchtbaren Boden

dieser Insel gepflanzt wird. Aber

mit der Blume, die wächst, stimmt

etwas nicht. Sie ist ein wenig

verformt, wie wir feststellen.“

So sieht das auch McAdams.

„Linda ist eine unglaublich

interessante Figur“, meint sie begeistert.

„Es war toll, eine solche

22 DOT.MOVIE

Charakterentwicklung spielen zu

dürfen und sie eine solche Verwandlung

durchlaufen zu lassen.

Es ist wahrscheinlich die Figur,

die sich innerhalb von anderthalb

Stunden am stärksten verändert

hat, die ich je gespielt habe. Das

waren neue, einzigartige und

spannende Herausforderungen.“

Sam Raimi fragte laut McAdams:

„Wie weit können wir

gehen? Wie oft können wir das

Publikum (bzw. die Sympathien

für die Figur) verlieren und wieder

zurückgewinnen? Probieren

wir es einfach aus und schauen

wir, was passiert“ – ein Angebot,

das McAdams gerne aufgriff: „Es

ist einer der experimentellsten

Filme, die ich je gedreht habe. Das

war beängstigend und wirklich

aufregend. Ich habe diese Reise

geliebt.“

EIN KLEINER SCHEISSER MIT

POTENZIAL

In der Charakterentwicklung

werden beide Figuren nicht

eindimensional bleiben – und

die Sympathien werden durchaus

auch mal zu Bradley wandern …

„Der Schlüssel zu Bradley

war, ihn schrecklich, aber auch

supercharmant zu machen“, sagt

Shannon. „Er musste ein Typ

sein, der in seinem Leben viel

durch seinen Charme erreicht hat,

nicht durch harte Arbeit.“ Dylan

O’Brien wusste, was Raimi und

die Produzenten an ihm gereizt


hat: „Ich glaube, ich kann nur in

einer bestimmten Art von Sensibilität

ein ‚Bösewicht‘ sein. Ich

weiß nicht, ob man mir jemals die

Rolle eines bösen, furchterregenden

Bösewichts abnehmen würde,

daher hatte ich das Gefühl, dass

dies eine Version war, mit der

ich spielen konnte, in der ich als

dieser CEO, der so ein kleiner

Scheißer ist, glaubwürdig sein

konnte.“

„Es war großartig, Bradleys

Zerfall zu beobachten und zu

sehen, wie er zusammenbricht“,

freut sich Raimi. „Er beginnt im

Büro als dieser sehr fähige und

gemeine Mann, der alles unter

Kontrolle hat. Man merkt, dass

er diese Rolle mit einer gewissen

Unsicherheit spielt. Dylan legt

den Grundstein dafür, als wir auf

die Insel kommen. Man sieht, wie

Bradley empört ist, obwohl Linda

ihm eine Unterkunft gebaut und

Wasser und Essen für ihn gefunden

hat. Er versucht immer noch,

der Boss zu sein, und tadelt seine

ehemalige Angestellte. Es ist lustig

zu sehen, wie er langsam erkennt,

dass er nicht mehr die Macht hat

und sie eigentlich nie über sie hatte.

All seine Unsicherheiten kommen

voll zum Vorschein. Ich liebe

den Kontrast, den das Drehbuch

und die Schauspieler schaffen,

indem Linda an Fähigkeiten und

Selbstbewusstsein gewinnt und

Bradley gegen sein wahres Ich

ankämpft. All seine Unsicherheiten

und Unfähigkeiten kommen

an die Oberfläche, und es ist eine

großartige Explosion, ein großartiger

Kontrast, zu sehen, wie

sie getrennte, aber miteinander

verbundene Wege gehen.“

Sam Raimi hat einen wilden

Trip gestaltet – die Art von emotionaler

Achterbahnfahrt, die man

sich vom Kino erhofft. Es wird ein

reines Vergnügen – zumindest

beim Zuschauen.

#sendhelp

SEND HELP KINOSTART 29.01.,

USA 2026, REGIE Sam Raimi,

MIT Rachel McAdams, Dylan O’Brien,

Edyll Ismail, FILMLÄNGE 113 Min.,

© The Walt Disney Company

DOT.MOVIE 23


NO OTHER CHOICE KINOSTART 05.02.,

Südkorea 2025, REGIE Park Chan-wook,

MIT Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon,

Lee Sung-min, Yeom Hye-ran,

FILMLÄNGE 139 Min., © Filmladen

Ringen um seine Würde, die potenzielle

Konkurrenz auszuschalten.

Er redet sich ein, „no other

choice“ zu haben (fast so wie die

Konzernchefs bei der Kündigung).

Bitterböser

Bewerbungsprozess

Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten

„No Other Choice“.

Die Tennisstunden der

Frau, die beiden Golden

Retriever, der Zweitwagen

und vor allem das großzügige

Haus mit Gewächshaus, das sich

Man-su hart erarbeitet hat: Auf

all das muss jetzt notgedrungen

verzichtet werden. Nicht einmal

das Netflix-Abo, in dem der

Teenagersohn quasi lebt, darf

bleiben. Die Tatsache, dass das

immens talentierte Töchterchen

einen besseren, aber vermutlich

auch kostenintensiveren Chellolehrer

bekommen soll, lässt kurz

die Mimik verrutschen. Die Gattin

beginnt einen Halbtagsjob.

So schnell ist das „perfekte

Leben“, das durch jahrzehntelangen

Fleiß gestaltet wurde, dahin:

Man-su, der in der Papierindustrie

ausgezeichnete Arbeit geleistet hat,

wird nach einer Übernahme entlassen.

Der finanzielle Engpass ist

nur temporär, versichert Man-su

der Familie – aber inzwischen liegt

die Kündigung bereits über ein

Jahr zurück, und der preisgekrönte

Papiermanager ist allerhöchstens

auf McJobs gestoßen. Die Chancen,

die sich dazwischen auftun

– Bewerbungsjob in der Branche,

an der Man-su festhalten will –,

vermasselt er: Er ist inzwischen zu

verzweifelt, um einen souveränen

Auftritt hinzulegen. Dabei will er

doch weiterhin der Ernährer der

Familie sein!

Er hat zwar keine Jobangebote,

aber eine Erkenntnis, die tragische

Folgen haben wird: Nicht der

Mangel an verfügbaren Jobs ist

das Problem, sondern die Masse

an Mitbewerbern. Also versucht

der bisher unbescholtene Mann im

WORK/LIFE

BEDROHUNG DER MITTEL-

SCHICHT

Zum stur-verzweifelten Karrieristen,

der seine innerfamiliäre Rolle

als Ernährer behalten will, wird

Lee Byung-hun (Squid Game) –

eine tolle Besetzung: Er weiß die

Tragödie im Kleid der Satire zu

schultern. Sein Regisseur – Park

Chan-wook (Oldboy, Die Frau im

Nebel) – legt eine entschlossene

neue Arbeit vor, die ihre Premiere

im Wettbewerb der Filmfestspiele

in Venedig feierte. Sie basiert auf

„The Ax – Der Freisteller“ von

Donald E. Westlake (im Original

1997 erschienen) – es ist ein Stoff,

den auch schon Costa-Gavras

verfilmt hat: In Die Axt – Le

Couperet (2005) verursachte die

Abwanderung in Billigproduktionsländer

die Arbeitslosigkeit des

Protagonisten, die Bedrohung der

Stunde ist heute eine andere, wie

das traurig-leere Schlussbild des

Films zeigen wird.

#nootherchoice

24 DOT.MOVIE


All die Dämonen

Furchtlos begeht Dokumentarfilmer

Nicolas Steiner sein Spielfilmdebüt:

„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“

Hugo Drowak ist ein

harter Knochen: Nähern

sich Abgesandte

vom Amt für Ruhe und

Ordnung, schmeißt er schon

mal Urinbomben. Strafweise

muss er nun an einer

Resozialisierungsmaßnahme

teilnehmen – ein Workshop

für kreatives Schreiben, der ihn

besänftigen, ihm die Gewaltbereitschaft

und Intoleranz nehmen soll. Den

Kurs leitet neuerdings die optimistische Lena, die

eigentlich Puppenspielerin sein möchte. Herr Drowak

ist der einzige Teilnehmer, sie muss sich auf

Hausbesuche bei ihm gefasst machen. Sie lässt sich

weder von seiner knurrig-ungehobelten Art noch

von seinem Geruch oder all den leer getrunkenen

Flaschen, mit der seine versiffte Wohnung ausgestattet

ist, abschrecken – und tatsächlich gelingt

es ihr, ihn zum Schreiben zu bringen. Dabei wird

er in (bunt gehaltene) Erinnerungen eintauchen,

in denen immer mehr verdrängte Dämonen zum

Vorschein kommen.

Nicolas Steiner begeht in dynamisch komponierten

und groß gedachten Schwarz-Weiß-

Bildern und mit Lust am Spielerischen sein

surreal anmutendes Spielfilmdebüt – nach einem

Drehbuch der Literatin Bettina Gundermann. Ein

Film von hohem Schauwert und feiner Besetzung:

Im Amt herrschen u.a. Lars Eidinger und Jan

Bülow, zum hoffnungslosen Titelhelden wird Karl

Markovics und zu seiner kunsttherapeutischen

Betreuerin Luna Wedler.

#sieglaubenanengel

SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

KINOSTART 20.02., D/CH 2025, REGIE Nicolas Steiner,

MIT Luna Wedler, Karl Markovics, Nikolai Gemel,

Saga Sarkola, Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon,

FILMLÄNGE 128 Min., © Filmladen

Soufflé im Sperrbezirk

Das legendäre Hotel Intercontinental soll

abgerissen werden! In Gastón Solnickis

„The Souffleur“ hält Willem Dafoe

bravourös die Stellung.

Der Essayfilm The Souffleur von Gastón

Solnicki (A Little Love Package) entfaltet

im Inneren des Wiener Hotels Intercontinental

ein stilles Drama des Verschwindens. Willem

Dafoe (Nosferatu, Poor Things) verkörpert den

Hotelmanager Lucius als melancholischen Hüter

einer Ordnung, die längst brüchig geworden ist.

Seit Jahrzehnten lebt er zwischen Fluren, Maschinenräumen

und Speisesälen, die einst vom Glanz

internationaler Moderne erzählten. Nun soll ein

argentinischer Investor (Auftritt Solnicki himself)

das Haus abreißen lassen – Fortschritt im ökonomischen

Gewand, der hier wie ein feindlicher

Übernahmeakt wirkt. Solnicki interessiert weniger

das Resultat dieses Konflikts als dessen Atmosphäre

und ihre fragmentarische Verdichtung: Er montiert

Archivbilder, Alltagsbeobachtungen und ritualisierte

Rundgänge zu einem schwebenden Porträt Wiens

zwischen Erinnerung und Gegenwart. Das misslingende

Soufflé und Lucius’ kleiner, aber notwendiger

Nebenjob als „Einsager“ im benachbarten Theater

wird zum Sinnbild einer Welt, in der es keine kalkulierbaren

Sicherheiten mehr gibt. The Souffleur

ist kein klassisches Drama, sondern eine

impressionistische Meditation über

Arbeit, Heimat und die leise

Gewalt der Veränderung.

Kleines Trostpflaster (neben

der glanzvollen Darstellung

Dafoes): ein Cameo

des legendären, 2022

verstorbenen deutschen

Independent-Regisseurs

Klaus Lemke (Rocker).

#thesouffleur

THE SOUFFLEUR KINOSTART 13.02., A/ARG 2025,

REGIE Gastón Solnicki, MIT Willem Dafoe, Lilly Lindner,

Stéphanie Argerich, FILMLÄNGE 78 Min., © Filmladen

DOT.MOVIE 25


Sondereinsatzteam wider Willen

Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen

von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“.

WORK/LIFE

26 DOT.MOVIE

Von den Nachtschichten im Self-

Storage-Laden hat man wenig

Aufregendes zu erwarten. Man

hört Musik, plaudert und führt vor allem

intensive Selbstgespräche, bis die Zeit

abgesessen ist. Wenn Teacake und Naomi

die Nachtschicht antreten, die Regisseur

Jonny Campbell (Alien Autopsy, Shameless)

festgehalten hat, dann ist plötzlich

doch eine Spur zu viel los: Denn das

unzuordenbare Geräusch, das die beiden

leicht verpeilten Nachtwächter dazu

bringt, den Laden abzuchecken, führt sie

zu ungenutzten Bereichen der Anlage.

„Das hier war mal ein Lagerstollen vom

Militär“, meint Teacake noch. Zu diesem

Zeitpunkt weiß ein weit entfernter Anti-

Bioterror-Agent (Liam Neeson als Robert

Quinn) bereits, dass etwas im Argen

liegt: Aus der stillgelegten Anlage wurde

eine Temperaturwarnung versendet, und

das bedeutet nichts Gutes. Ein mysteriöser

Pilz-Parasit – ein Relikt geheimer

US-Experimente – wird sich aus der

versiegelten Militärbasis und durch die

Gänge arbeiten, und der brandgefährliche

Mikroorganismus wird alle Lebewesen in

Zombies verwandeln …

SCHRECKAFFIN

Leinwand frei für die wüsteste Nachtschicht

aller Zeiten – und den jüngsten

Action-Einsatz von Liam Neeson. Dank

Pilz geht es durchgeknallt durch die

Nacht. „Ihr zwei habt den Abend als

Nachtwächter mit Mindestlohn angefangen

– jetzt seid ihr ein Sondereinsatzteam“,

versucht Quinn die Jungspunde zu


überlebensgroßen Aktionen zu motivieren,

geht es doch um nichts Geringeres als

das Schicksal der Menschheit.

Liam Neeson (Taken, Die nackte

Kanone 2025) trifft auf zwei junge Kollegen,

die beide in ihrer Laufbahn schon

ausführlich dem Abgründigen ins Gesicht

geblickt haben. Die Rolle des nerdigen

Teacake übernimmt Stranger Things-

Star Joe Keery, zu Naomi wird Georgina

Campbell, die zwischen Murdered By

My Boyfriend, Bird Box: Barcelona,

Barbarian und They See You einiges an

Schrecken weggesteckt hat. Was der Cast

hier erlebt, stammt aus der Feder von

David Koepp (Drehbuchautor von Krieg

der Welten, Jurassic Park, Mission:

Impossible, Spider-Man, Der Tod steht

ihr gut, Panic Room …): „Cold Storage“

ist sein 2019 erschienenes Romandebüt,

das alle Zutaten für einen unterhaltsamen

Kinobesuch mitbringt: sympathische Figuren,

zügige Action und eine ordentliche

Prise Humor.

#coldstorage

COLD STORAGE KINOSTART 19.02.,

GB 2025, REGIE Jonny Campbell,

MIT Joe Keery, Georgina Campbell, Liam Neeson,

Lesley Manville, Vanessa Redgrave,

FILMLÄNGE 99 Min., © Constantin Film

DOT.MOVIE 27


Be with me always

Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell

wirft einen intensiven Blick auf Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“.

Mit ihrem kompromisslosen

Thriller Promising

Young Woman

setzte sie 2020 Carey Mulligan

als Racheengel den Date-Rape-

Praktiken von widerlichen Männern

entgegen (und holte damit

einen Oscar fürs Drehbuch). In

Saltburn ließ sie einen von Barry

28 DOT.MOVIE

Keoghan gespielten obsessiven

Aufsteiger das Badewasser mit

dem Sperma seines wohlhabenden

Kommilitonen Felix (Jacob Elordi)

trinken. Wo Emerald Fennell

als Regisseurin ihre Finger im

Spiel hat, wird unumwunden inszeniert.

Wenn sie nun zeitgerecht

zum Valentinstag nachlegt, dann

darf man also nicht mit so etwas

wie einer gefälligen RomCom

rechnen.

Als der Teaser und der Trailer

zu ihrem neuen Film präsentiert

wurden, wurde auf dringliche Art

Teig geknetet, wurde ein Finger in

ein Fischmaul gesteckt, wurden

Grashalme auf Lippen gerieben –


stürzten sich in emotional-empörte

Diskussionen über Ejakulat und

Nonnen, Masturbationsszenen

und BDSM – und die Besetzung.

NOTES ON A SCANDAL

Die britische Pfarrerstochter Emily

Brontë (1818–1848), die mit ihren

Schwestern Charlotte („Jane Eyre“)

und Anne („Agnes Grey“) recht

abgeschieden in der Moorlandschaft

von Yorkshire aufwuchs,

legte ihren Roman in der Landschaft

an, in der sie gelebt hat. Auf

dem Anwesen Wuthering Heights

wachsen Catherine Earnshaw

und das Findelkind Heathcliff

gemeinsam auf, erkennen sich

als Seelenverwandte und verlieben

sich stürmisch ineinander.

Ihre Gefühle werden aber aus

Standesgründen keine Zukunft

haben. Catherine wird den reichen

Edward Linton ehelichen, und

Heatchcliff sucht das Weite. Als er

Jahre später zurückkehrt, ist aus

dem armen Jüngling ohne Zukunft

ein reicher Mann geworden. Dass

ihm trotzdem keine Zukunft mit

Catherine beschieden ist, führt

zu einer fulminanten Rachegeschichte,

die viele Abzweigungen

nimmt und nichts Geringeres als

ein Naturereignis ist. Alles kreist

um die Psychologie des düsteren

Heathcliff. Als der Roman 1847

unter Pseudonym erschien, war

die Empörung im viktorianischen

England groß.

DER WUNSCH DES 14-JÄHRI-

GEN ICHS

Fennell las den Roman erstmals

als 14-Jährige und war gefesselt

FEELINGS

sexuelle Spannung in jedem Pixel.

Margot Robbie und Jacob Elordi

warfen einander sehnsuchtsvolle

Blicke zu – in dieser neuen

filmischen Bearbeitung eines

vielverfilmten Stoffs: Emerald

Fennell hat sich Emily Brontës

„Sturmhöhe“ vorgenommen –

einen der berühmtesten englischen

Romane, der 1847 einen

Sturm der Entrüstung auslöste.

Aufregung lösten aktuell auch

die Test Screenings der jüngsten

Verfilmung aus: Von skandalösen

Szenen ist die Rede; Reddit-User

DOT.MOVIE 29


von der kraftvollen, turbulenten

Geschichte, die sich ihr offenbarte:

„Er hat mich aufgebrochen“,

erklärte sie laut BBC beim Brontë

Women’s Writing Festival. „Er ist

schwierig, er ist kompliziert, er ist

einfach wie nichts anderes. Er ist

völlig einzigartig. Er ist so sexy. Er

ist so schrecklich. Er ist so verheerend.“

– Auch die 39-jährige bzw.

inzwischen 40-jährige Variante

von Fennell kann noch inbrünstig

in Brontës Geschichte eintauchen.

„Ich wollte etwas schaffen, das

mir das gleiche Gefühl vermittelt

wie beim ersten Lesen, also eine

emotionale Reaktion auf etwas. Es

ist so etwas wie ursprünglich, sexuell“,

stellte sie in einem Interview

zu ihrer Verfilmung fest. Vermutlich

ist ihr Filmtitel deshalb in

Anführungszeichen gesetzt – weil

sie bei der Wiederbegegnung des

Stoffs erkannte, was ihr 14-jähriges

Ich dazu fantasierte und abspeicherte.

Es ist ihre Variante des

Stoffs. Als Fennell nach dem Erfolg

und Aufsehen von Saltburn die

Möglichkeit hatte, frei zu wählen,

was sie als Nächstes inszenieren

30 DOT.MOVIE

wollte, war ihr klar, dass sie ihrem

14-jährigen Ich einen Wunsch erfüllen

würde – auch wenn so eine

Adaption aufgrund der enormen

Verantwortung eine Qual sei. „Ich

weiß, dass ich wütend wäre, wenn

jemand anderes das gemacht hätte.

Es ist für jeden etwas sehr Persönliches.

Der Bezug zu den Figuren

ist etwas sehr Persönliches.“ Die

Erfahrung, einen Stoff zu verfilmen,

der ihr so unendlich viel

bedeute, sei für sie eine „ziemlich

erschütternde“ Erfahrung gewesen.

Sie nahm sich Freiheiten, versuchte

aber so viel Originaldialog wie

möglich zu erhalten.

ENTSCHLOSSENE BESETZUNG

Zu ihrer Catherine Earnshaw

machte sie Margot Robbie

(Barbie). Die Mittdreißigerin

ist natürlich weitaus älter als die

Teenagerin aus dem Buch, für

Fennell sei Robbie aber eine so

überraschende, schöne, interessante

Person, sodass sie sie an

Cathy erinnerte: „Die Art Person,

die mit allem davonkommt“.

Nachdem Robbie Fennells bisherige

Arbeiten produzierte, tritt

sie nun erstmals für sie vor die

Kamera.

Zu Heathcliff, im Buch als

„dunkelhäutig“ beschrieben,

wird ein weißer Junge: Jacob

Elordi, mit dem Fennell bereits in

Saltburn arbeitete und der zuletzt

„The Creature“ in Guillermo del

Toros Frankenstein spielte.

Wohin Fennell, deren bisherige

Filme nicht nur eine abseitige,

sondern vor allem eine gesellschafts-

oder sozialkritische Note

hatten, den historischen Stoff

geführt hat, werden wir ab

12. Februar sehen: Dann wird

„Wuthering Heights“ auf der

Leinwand zu sehen sein. Intensiv

wird es allemal: „Be with me always

/ Take any form / Drive me mad“

lauten die Taglines zum Film.

#WutheringHeightsMovie

„WUTHERING HEIGHTS“ –

STURMHÖHE KINOSTART 12.02.,

USA/GB 2026, REGIE Emerald Fennell,

MIT Margot Robbie, Jacob Elordi,

FILMLÄNGE 136 Min., © Warner Bros.

Pictures/Constantin Film Österreich


#DATENIGHT

ECHT SÜSS IHR BEIDEN!

WIE UNSER KINOBUFFET.

FIRST CLASS KINO FÜR EINE FIRST CLASS ZEIT.


Eine Feier des Lebens

Enya Baroux schafft ein Regiedebüt mit ernsten Themen in leichten Tönen.

Mit dabei: Pierre Lottin und Hélène Vincent. „Bon Voyage“!

FEELINGS

32 DOT.MOVIE

Altenpfleger Rudy (Pierre Lottin,

Die leisen und die großen Töne)

steht kurz vor dem Rausschmiss

– einen letzten Einsatz übernimmt er

allerdings noch: Die 80-jährige Marie

(Hélène Vincent, Wenn der Herbst naht,

Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss)

hat einen dringenden Arzttermin – nur

verweigert der Treppenlift seine Dienste,

und ihr Sohn Bruno (David Ayala) ist

nicht erreichbar. Rudy hat keine Ahnung,

worauf er sich einlässt, als er den

Einsatz übernimmt: Unversehens sitzt

er mit der alten Dame beim Arzt, wird

dort als ihr Sohn vorgestellt, der sogleich

um eine Unterschrift gebeten wird – für

Maries Einwilligungserklärung zur

Sterbehilfe. Der Krebs, der vor einigen

Jahren erfolgreich behandelt wurde, ist

zurück, und sie ist bereits im Endstadium.

Sie möchte ihr Leben selbstbestimmt

beenden – und zwar in der Schweiz. Auf

diese Reise möchte sie ihren Sohn Bruno

und ihre Enkeltochter Anna (Juliette

Gasquet) mitnehmen. Wer außerdem

mit dabei sein wird: Rudy, als Fahrer, wo

doch Bruno mal wieder seinen Führerschein

los ist. So wird er Zaungast und

beobachtet aus nächster Nähe, wie es

in Maries Familie um Kommunikation


Großmutter hat Baroux dazu gebracht,

das Drehbuch zu beginnen. Hélène Vincent

war sehr davon angetan, als sie es las:

„Was mich vor allem überzeugt hat, war

die komische Dimension der Geschichte,

weil ich das Thema Lebensende nur in

Dramen erlebt habe. Wie in Der letzte

Frühling von Stéphane Brizé, in dem

ich eine an Krebs erkrankte Frau spiele,

die in die Schweiz reist, um dort ihrem

Leben ein Ende zu setzen. Als ich dieses

Drehbuch las, fiel mir auf, dass der Weg

dieser alten Dame zum Tod eine Feier des

Lebens ist, mit all den Entscheidungen,

die man trifft, und das hat mich verblüfft.

Ich hatte Lust darauf, dieses Abenteuer

mit Enya Baroux einzugehen, weil ich

spürte, dass sie es hinbekommen würde.“

#bonvoyagefilm

BON VOYAGE –

ON IRA KINO -

START 05.02., F 2025,

REGIE Enya Baroux,

MIT Hélène Vincent,

Pierre Lottin, David

Ayala, Juliette Gasquet,

FILMLÄNGE 98 Min.,

© Panda Lichtspiele

Filmverleih

steht: Marie hat einen falschen Grund

für die Reise vorgetäuscht; sie behauptet,

dass ein unverhofftes Erbe – durch

ihren vor vielen Jahren verstorbenen

Mann Jean – sie in die Schweiz führt,

und Bruno – ständig in Geldnöten – und

Teenagerin Anna sind gerne mit dabei.

VERBLÜFFENDES DREHBUCH

Enya Baroux steckt ihre Figuren (und eine

Ratte) für ihr tiefgründiges Regiedebüt,

das ebenso dramatisch wie situationskomisch

ist, in ein altes Wohnmobil. Auf der

Fahrt werden Monopoly- und Pizzaschachteln,

Schwimmflügel, Lagerfeuer,

Bowlingkugeln eine Rolle spielen – aber

auch Missverständnisse, Schwindeleien,

überfordernde Gespräche. Die Reise wird

die drei Familienmitglieder, die lange

viel zu wenig miteinander geredet haben,

einander näherbringen. Der Tod ihrer

DOT.MOVIE 33


Es fühlen

Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand:

Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule.

Mit Wann wird es endlich

wieder so, wie es nie

war wurde 2023 zum

ersten Mal ein Bestseller von Joachim

Meyerhoff auf die Leinwand

übersetzt (Regie: Sonja Heiss).

Der autobiografische Stoff erzählte

auf warmherzige Weise von einer

Kindheit und Jugend als Sohn des

Direktors einer psychiatrischen

Klinik und inmitten einer chaotischen

Familie (als Vater: Devid

Striesow, als Mutter: Laura Tonke)

– in der heiteren Stimmung liegt

immer auch große Traurigkeit.

Wenn wir jetzt wieder auf Joachim

treffen, dann ist er 20 Jahre alt und

in einem gänzlich anderen Setting

gelandet: Er hat einen Platz an der

renommierten Schauspielschule

in München ergattert und wohnt

mit seinen Großeltern – Inge, einer

einst gefeierten Schauspielerin,

und Hermann, einem ehemaligen

Philosophieprofessor – in deren

Villa. Man weiß nicht, wo die exzentrischeren

Situationen warten:

An der Otto Falckenberg Schule,

wo er aus sich heraustreten soll

und sich dabei unwohl fühlt – oder

daheim, wo die Rituale der schrulligen

Großeltern meist mit Alkohol

zu tun haben und wo großzügig

mit Valium umgegangen wird.

Mittendrin sucht Joachim nach

einem Platz in der Welt – verfolgt

von der Frage, wie sein Bruder

Philipp das alles finden würde: wie

albern er es finden würde. Seit dem

Unfalltod von Philipp lebt Joachim

mit diesem riesengroßen Loch in

seinem Leben. Wie soll er es bei

dieser Lücke schaffen, sich zu „fühlen

wie Spaghetti, die in kochendes

Wasser gekippt werden“? Wie soll

er es über sich bringen, mit seinen

Brustwarzen zu lächeln?

VIELE GEFÜHLE

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche

Lücke“ ist der dritte Teil von

34 DOT.MOVIE


Meyerhoffs autofiktionaler „Alle

Toten fliegen hoch“-Reihe, die

inzwischen sechs Bände umfasst.

Seit er den Roman gelesen hat,

träumte Filmemacher Simon

Verhoeven (Girl You Know It’s

True, Willkommen bei den

Hartmanns) davon, den Stoff,

der ihn auf so vielen Ebenen

ansprach, zu verfilmen. „Das

Wunderbare an der Geschichte

ist, dass sie das Leben in all seinen

Facetten einfängt, so komisch und

so tragisch und so ernst und so

albern und so süß und so bitter –

wie es eben ist.“ Simon Verhoeven

erzählt zwar von der Skurrilität

der Situationen, schafft aber mit

seinem Ensemble einen zutiefst

berührenden Film über die

Schwierigkeit, sich seinen großen

– schmerzhaften – Gefühlen zu

stellen.

Der Stoff liefert nicht nur das

Coming-of-Age-Motiv mit all

seinen Unsicherheiten und große

Themen wie Tod und Verlust,

sondern auch das Thema der

Schauspielkunst. „Wir feiern

Schauspielerinnen und Schauspieler,

ihre einsamen Kämpfe,

ihre oft verzweifelten Stunden“, so

der Regisseur des Films. „Dieser

Beruf, der so oft mit Glamour in

Verbindung gebracht wird, geht

auch mit viel Einsamkeit einher,

dem Erleben von Rückschlägen

und Enttäuschungen. Ach, diese

Lücke, diese entsetzliche Lücke

zeigt, wie hart der Weg eines Schauspielers

ist und wie die Entscheidung,

diesen Beruf zu ergreifen,

eine für das ganze Leben ist.“

FILMFAMILIE

Meyerhoff hat die Verfilmung seines

Stoffs begleitet, war in regem

Austausch mit dem Regisseur

und den Produzenten, ließ ihnen

aber auch die Freiheit, nach der

die filmische Übersetzung eines

literarischen Stoffs verlangt.

Zu Joachim Meyerhoffs Filmversion

wird Bruno Alexander, der

sich durch Die Discounter und

Intimate einen Namen gemacht

hat und der im TV-Film Der Rebell

Boris Becker spielte. Er liefert eine

intensiv-impulsive Darbietung

ab. Als seine Großeltern treten

Senta Berger – Simon Verhoevens

Mutter – und Michael Wittenborn

in Erscheinung. Mit seinem Alter

Ego kann Meyerhoff ausgezeichnet

leben: Bruno Alexander „macht

das schlicht und ergreifend

großartig. Ihn durch den Film zu

begleiten, ist eine Freude“, so der

Autor. „Es gibt eine Szene, da singt

er ein Lied, obwohl ihm alle auf

der Schauspielschule immer sagen,

dass er nicht singen kann – ich

will nicht zu viel verraten –, da

habe ich Rotz und Wasser geheult

– genau so ging es mir damals! Er

ist lustig, ernsthaft, glaubhaft – in

jedem Augenblick.“

Bei den Großeltern geht es ihm

kaum anders: „Senta Berger ist

eine wundervolle und würdige

Großmutter, hat die Grandezza

und auch den Schmerz, den sie

in sich trug. Der Großvater war

im wahren Leben ein doch sehr

viel strengerer Mann, den ich als

Kind geradezu gefürchtet habe, ein

hochintellektueller, erzkatholischer

Philosoph. Michael Wittenborn

zeigt ihn nahbarer und warmherziger,

und es passt sehr gut so für

mich. Alle zusammen sind ein

tolles Trio.“ Ihnen allen gehört

die Leinwand: Verhoeven und

seinem Team ist eine liebenswerte,

berührende, zutiefst lustige Arbeit

geglückt.

#achdieselücke

FEELINGS

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE

LÜCKE KINOSTART 29.01., D 2025,

REGIE Simon Verhoeven, MIT Senta Berger,

Bruno Alexander, Michael Wittenborn,

Katharina Stark, Laura Tonke, Devid Striesow,

Tom Schilling, Friedrich von Thun,

Karoline Herfurth, FILMLÄNGE 135 Min.,

© Warner Bros./Constantin Film Österreich

DOT.MOVIE 35


Was Regisseur Sönke

Wortmann anpackt,

wird seit bereits über

drei Jahrzehnten zu Gold – oder

anders ausgedrückt: Es lässt die

Kinokassen klingeln. Das dürfte

auch bei Die Ältern nicht anders

sein: Auf dem gleichnamigen

Roman des Bestsellerautors Jan

Weiler basierend, erzählt der

Film, wie schnell es mit dem

beschaulichen Leben eines erfolgreichen

Schriftstellers vorbei sein

kann. Denn Hannes (Sebastian

Bezzel) hat mit Familie, Haus

im Grünen und seiner soliden

Karriere eigentlich so ziemlich

alles, was man zum Glücklichsein

braucht. Doch dann geht alles

sehr schnell: Der Verlag, der seine

Bücher veröffentlicht, kickt ihn

raus; seine Frau will eine Ehe-

Auszeit, und seine Tochter möchte

ausziehen. Da bleibt emotional

36 DOT.MOVIE

für den guten Hannes natürlich

kein Stein auf dem anderen. Doch

bevor er endgültig aufgibt und resigniert,

passiert etwas Unvorhergesehenes:

Er begegnet Vanessa

(Judith Bohle), die seine nun

schon seit vielen Jahren gemütlich

eingerichtete Komfortzone einer

längst fälligen Belastungsprobe

unterzieht. Wird sie der Stein des

Anstoßes, Hannes’ Leben von

Grund auf umzukrempeln?

MIT GEIST UND WITZ

Bei der Besetzung des Films hat

Sönke Wortmann erwartungsgemäß

nichts dem Zufall überlassen.

So spielt neben Sebastian

Bezzel ein regelrechter Reigen

an Talenten wie Anna Schudt

(Hundertdreizehn), Kya-Celina

Barucki (Mädchen Mädchen),

Philip Müller (Die Schule der

magischen Tiere 4), Judith Bohle

FEELINGS

Wenn das Leben reinkickt

„Die Ältern“: Die Verfilmung der mitreißendsten Midlife-Crisis des Jahres nimmt das ganz

normale Leben unter die Lupe – und ist dabei ebenso tiefsinnig wie unterhaltsam.

(Safe), Thomas Loibl (Konklave)

und Nilam Farooq (Contra). Die

Chemie zwischen den Darstellerinnen

und Darstellern erweckt

die Story mühelos zum Leben. Die

Geheimzutat, die den Film wohl

für unterschiedliche Generationen

interessant macht, ist allerdings

die liebevolle und augenzwinkernde

Beobachtung der Interaktion

von Jungboomern und den

jüngeren Protagonisten. Potenzial

zur Selbstreflexion samt anschließenden

Erkenntnissen sollte also

neben kurzweiligem Kinovergnügen

durchaus gegeben sein.

#dieaeltern

DIE ÄLTERN KINOSTART 12.02., D 2026,

REGIE Sönke Wortmann, MIT Anna Schudt,

Sebastian Bezzel, Kya-Celina Barucki,

Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl,

Nilam Farooq, FILMLÄNGE 104 Min.,

© Constantin Film


EIN RAUB VERBINDET SIE ALLE

AB 13. FEBRUAR NUR IM KINO

BASIEREND AUF

DER NOVELLE VON DON WINSLOW

DREHBUCH BART LAYT

ON

REGIE BART LAYT

ON

Crime101.de

#Crime101


His own personal hell

Christophe Gans kehrt mit „Return to Silent Hill“ zurück in eine legendäre Zwischenwelt.

Der Brief, den Jeremy Sunderland

erhält, erschüttert

ihn zutiefst: Er stammt

von seiner totgeglaubten Frau

Mary. Sie bittet ihn, zurück an

ihren Ort zu kommen. Der Ort,

den sie meint, heißt Silent Hill.

Gamer wissen, was hier auf ihn

wartet – und Horrorfilmfans auch:

eine höllenartige Zwischenwelt, in

der Nebel und Ascheregen für Atmosphäre

sorgen und Kreaturen,

die direkt aus der Hölle kommen,

regieren: Silent Hill hat alles verloren,

was eine Kleinstadt idyllisch

erscheinen lässt.

Seit der japanische Spielehersteller

Konami 1999 den Survival-

Horror-Spieltitel mit fünf Enden

(die Handlungen im Spielverlauf

entscheiden, auf welches Ende

der Spieler zusteuert) lancierte,

ist einiges passiert: auf mehrere

Haupttitel folgten Spin-offs,

Remakes (durch das polnische

Entwicklerstudio Bloober) und

zwei Realfilme: Silent Hill (2006)

von Christophe Gans und Silent

Hill: Revelation (2012) von M. J.

Bassett. Der französische Regisseur

Gans, ein Gamer und erklärter Fan

der Spielreihe, kehrt nun für einen

weiteren Film nach Silent Hill

zurück.

MYTHOLOGISCH AUFGELADEN

Mit Return to Silent Hill widmet

sich Gans (Pakt der Wölfe) der

Verfilmung des Videospiels

Silent Hill 2, das 2001 erschienen

ist und im Oktober 2024 von

Konami neu aufgelegt wurde. Es

ist die „Albtraumvariante einer

Liebesgeschichte“. Gans fühlt sich

an die griechische Mythologie

erinnert. „Die Sage von Orpheus

erzählt von einem Dichter, der in

die Hölle hinabsteigt, um seine

38 DOT.MOVIE


THE

HORROR

Braut zurückzuholen. Genau das

passiert im Grunde auch im Film“,

so der Regisseur. „Dies ist die

Geschichte eines jungen Malers,

James Sunderland, der seine

Liebste verloren hat und nach

Silent Hill zurückkehrt, um sie zu

finden. Dort muss er feststellen,

dass sich die Stadt in seine ganz

persönliche Hölle verwandelt hat.

Während James dieses Höllenszenario

durchquert, wird er sich

auch einer Wahrheit über sich

selbst bewusst.“

Gans hält Silent Hill 2 für

eines der besten Videospiele aller

Zeiten. Er und sein Produktionspartner

Victor Hadida waren

schon länger der Ansicht, dass

es dieser Teil sein sollte, der die

Filmreihe neu aufleben lassen

würde. „Es gab viele Gründe,

zu Silent Hill zurückzukehren“,

betont Gans. „Aber der Zeitpunkt

schien einfach perfekt.“ Nicht nur

angesichts des technologischen

Fortschritts oder weil sich das Publikum

nach immer raffinierteren

Horrorgeschichten sehnt, sondern

auch, weil Konami zufällig auch

an einer Neuauflage des Kultspiels

werkte. „Es war das erste Mal,

dass an Spiel und Film parallel

gearbeitet wurde“, kommentiert

Hadida die Kooperation mit

den Entwicklern, zu denen auch

Komponist und Produzent Akira

Yamaoka gehörte, der weithin als

„Godfather“ der Reihe angesehen

wird. Von Yamaoka stammt

natürlich auch die musikalische

Untermalung des Films.

IM LABYRINTH

Gans’ Protagonist ist ein gebrochener

Mann – und in seinen

Kopf will er mit dem Film führen:

Er sei auf dem besten Weg, „sich

im Labyrinth seiner Vorstellungskraft

zu verlieren.“ Jeremy Irvine

(Gefährten, Mamma Mia! Here

We Go Again) spielt ihn in all

seinen Facetten. Er nimmt das

Publikum mit in eine sinistre

Welt voller höllischer Kreaturen.

Und voller Seelenqualen.

#returntosilenthill

RETURN TO SILENT HILL

KINOSTART 05.02., USA/F 2026,

REGIE Christophe Gans, MIT Jeremy Irvine,

Hannah Emily Anderson, Evie Templeton,

Evie Macklin, FILMLÄNGE 105 Min.,

© Constantin Film

DOT.MOVIE 39


Home Sweet Home

Schimpanse Ben entpuppt sich als Partykiller: „Primate“.

Spätestens seit Stephen Kings

Cujo (und das ist eine Weile

her: Der Stoff erschien 1981

als Roman und wurde 1983

verfilmt) wissen wir, dass aus dem

treuherzigsten Haustier jederzeit

ein Monster werden kann. Damals

wurde einer Familie der Jagdtrieb

des Haustiers zum Verhängnis:

Als der Bernhardiner hinter

einem Kaninchen her war, steckte

er seine Schnauze in eine Höhle

und wurde von einer tollwütigen

Fledermaus in die Nase gebissen.

Wenn Johannes Roberts Creature

Feature einsetzt, können Lucy

(Johnny Sequoyah, Dexter: New

Blood) und ihre partywilligen

Freunde nicht ahnen, dass ihnen

ein tollwütiger Mungo in die Quere

kommen und Lucys rührende

Familiengeschichte ein für alle

Mal umschreiben wird.

SPIELARTEN DES GENRES

Zu Lucys Familie gehört auch

ein Schimpanse, Ben (gestaltet

von Millennium FX und gespielt

von Bewegungsspezialist Miguel

Torres Umba). Seit Lucys kürzlich

verstorbene Mutter, eine Wissenschaftlerin,

ihn gerettet hat,

lebt der schlaue Affe mit seinen

Artverwandten, der Menschenfamilie,

zusammen. Als Lucy

nach langer Zeit – und erstmals

seit dem Tod ihrer geliebten

Mutter – wieder ins idyllisch

in Hawaii gelegene Haus der

Familie zurückkehrt, kann sie

nicht wissen, dass Schimpanse

Ben sich seit einer Begegnung mit

einem Mungo verändert – dass

die Tollwut dabei ist, ihn vom

handzahmen, kommunikationsfreudigen

Familienmitglied in

eine Killermaschine zu verwandeln.

Eine Killermaschine, wie sie

kurz auch in Jordan Peeles Nope

ihr Unwesen trieb.

Johannes Roberts (47 Meters

Down, Resident Evil: Welcome to

Racoon City) erfindet mit seinem

Film das Rad natürlich nicht

neu, liefert aber einen Genrefilm,

der seine Spielarten aufs Feinste

beherrscht. Der Survival-Thriller

genießt die Katz-und-Maus-

Situation zwischen dem Primaten

und den Menschen, die sich vor

ihm in den Pool flüchten, weiß die

Spannung zu halten und beweist

Sinn für Humor und knackende

Soundeffekte …

#primatefilm

PRIMATE KINOSTART 29.01.,

USA 2025, REGIE Johannes Roberts,

MIT Johnny Sequoyah, Troy Kotsur,

Jessica Alexander, Victoria Wyant,

FILMLÄNGE 89 Min., © Constantin Film

THE

HORROR

40 DOT.MOVIE


Nachbarschaftshilfe

„Dust Bunny“ ist ein Schmankerl für Fans der Abteilung Family-Horror-Thriller. Das liegt zum

einen am Drehbuch und zum anderen an der unerwartet hochkarätigen Besetzung.

Cooler Filmtitel, denkt man

zuerst. Doch dann will

man vielleicht wissen,

was ein „Dust Bunny“ ist – gibt’s

das überhaupt? Ja, das gibt’s! In

unseren Gefilden heißen die kleinen

staubigen Knäuel „Wollmäuse“ oder

schlicht und ergreifend „Lurch“. Man

begegnet ihnen unter Kästen oder,

und damit sind wir auch schon beim

Film Dust Bunny, unter dem Bett.

Denn dort findet die zehnjährige Aurora

(Sophie Sloan) besagten Knäuel

aus Staub und Haaren, der sich

allerdings als gar nicht so harmlos

und ungefährlich herausstellt. Sogar

ihre Familie soll das immer größer

werdende Staubmonster bereits

verspeist haben. Was also tun?

SCARES UND ACTION

Die kleine Aurora hat Glück: Ihr

Nachbar ist ein Auftragskiller. Und

zwar nicht irgendeiner, sondern ein

ganz besonderer – er wird nämlich

von Mads Mikkelsen dargestellt. Das

passt einfach zu gut, um dem Zufall

oder dem geschickten Händchen des

Casting-Teams zu verdanken zu sein.

Ist es auch nicht: Regisseur Bryan

Fuller hat die Rolle extra für Mikkelsen

ins Drehbuch geschrieben.

Damit nicht genug, ist auch der Boss

des Auftragskillers genial besetzt: Die

Rolle wird von Sigourney Weaver

gespielt. Wer jetzt vermutet, dass

dieser Film mehr als nur eigenartig

ist, hat vollkommen recht – es würde

uns nicht verwundern, wenn Dust

Bunny zukünftig als Klassiker gelten

würde. Zwar ist der Regisseur kein

Unbekannter, sein erster abendfüllender

Spielfilm ist es aber dennoch.

Denn bislang war Bryan Fuller als

Showrunner für Serien wie Pushing

Daisies, Hannibal, American Gods

oder Star Trek: Discovery bekannt.

Mit Dust Bunny dürfte er jetzt

eine beeindruckende Visitkarte für

das große Kino abgeliefert haben.

Wovon der Film natürlich auch

profitiert, ist die sagenhafte Chemie

zwischen Mikkelsen und der jungen

Protagonistin Aurora. Explizite Gewaltszenen

wird man übrigens keine

finden, auch wenn es einige Scares

und viel Action gibt – somit ist der

Film tatsächlich auch als Family-

Horror-Movie geeignet.

dustbunnyfilm.com

DUST BUNNY KINOSTART 19.02.,

USA 2025, REGIE Bryan Fuller,

MIT Mads Mikkelsen, Sophie Sloan,

Sheila Atim, Sigourney Weaver,

FILMLÄNGE 106 Min., © Constantin Film

DOT.MOVIE 41


UNSERE

WELT

TEXT: MANUEL STEPHAN

Hört ihre Stimme, sagt ihren Namen

„Die Stimme von Hind Rajab“: beklemmender Thriller

nach einer tragischen wahren Geschichte.

42 DOT.MOVIE

Es ist ein Szenario, das

sprachlos macht. Eine

Geschichte so unfassbar,

so unmenschlich, dass einem der

Atem stockt. Und doch ist sie

bedauerlicherweise wahr.

Am 29. Jänner 2024 nimmt

eine Schicht der durch den Krieg

im Gazastreifen ohnehin schon

schwer in Mitleidenschaft gezogenen

Rotkreuz-Hilfsorganisation

„Palästinensischer Roter Halbmond“

eine dramatische Wendung,

als Omar (Motaz Malhees)

den Anruf eines erst fünfjährigen

Mädchens erhält. Hind Rajab,

liebevoll Hanoud genannt, deren

echte Sprachaufnahmen im Film

verwendet werden, hat sich in

einem Auto an einer Tankstelle in

Gaza-Stadt verschanzt. Ihr Onkel,

ihre Tante und deren vier Kinder

liegen bereits tot neben ihr. Ihre

verzweifelten Hilfsschreie versetzen

die Mitarbeiter in Panik.

Omar und seine Kollegin Rana

(Saja Kilani) versuchen, Hind zu

beruhigen. Dienststellenleiter

Mahdi (Amer Hlehel) werden

jedoch bei der Organisation

einer riskanten Rettungsmission

bürokratische Hürden in den Weg

gelegt, die die ohnehin schon aufgeheizte

Stimmung im Callcenter

noch mehr belastet.

LASST IHRE STIMME UM DIE

WELT HALLEN

Die tunesische Regisseurin Kaouther

Ben Hania (Der Mann, der

seine Haut verkaufte) inszeniert

Die Stimme von Hind Rajab als

Mischung aus Dokumentation

und nervenaufreibendem Thriller.

Neben den originalen Sprachaufnahmen

von Hind, ihrem in

Deutschland lebenden Onkel und

ihrer unweit des Gazastreifens

wartenden Mutter sind in einigen

Einstellungen auch kurz die

echten Rotkreuz-Mitarbeiter zu

sehen, die sich aufopferungsvoll

um ihre Rettung bemühten –

vergeblich. Der Film ist wahrlich

nichts für schwache Nerven,

zeigt er doch auf bedrückende

Weise die schier unerträglichen

Ausmaße, die der Krieg im Gazastreifen

angenommen hat. Vor

diesem Hintergrund ist es bewundernswert,

was Hania und ihre

Schauspieler da auf Film verewigt

haben. Bei der Weltpremiere im

Wettbewerb von Venedig 2025

wurde Die Stimme von Hind

Rajab mit den längsten Standing

Ovations der Festivalgeschichte

bedacht und erhielt den Großen

Preis der Jury.

#thevoiceofhindrajab

DIE STIMME VON HIND RAJAB – SAWT

HIND RAJAB KINOSTART 30.01., TN/F

2025, REGIE Kaouther Ben Hania MIT Saja

Kilani, Motaz Malhees, Amer Hlehel, Clara

Khoury, FILMLÄNGE 89 Min., © Polyfilm


Die Nähte der

Kolonialgeschichte

„Stoff“ erzählt von der Textilindustrie und blickt

dabei nach Nigeria und nach Vorarlberg.

Wir dachten, die Produktion wäre längst

verlagert worden. Plötzlich wurde klar,

dass unser Verständnis über unsere Region

unvollständig war“, erkannte Katharina Weingartner

in Anbetracht der Menge an Spitzenstoffen aus

Vorarlberg, auf die sie in Dakar stieß. Gemeinsam mit

drei Mitstreiterinnen war sie dabei, einen Film über

Kolonialgeschichte zu erarbeiten: mit Anette Baldauf

– wie Weingartner eine gebürtige Vorarlbergerin –,

die sich als Professorin an der Akademie der bildenden

Künste Wien mit verdrängten Geschichten von

Sklaverei und Kolonialismus in Österreich beschäftigt,

Joana Adesuwa Reiterer, einer in Nigeria geborenen

österreichischen Filmemacherin, preisgekrönten

Menschenrechtsaktivistin und Unternehmerin, und

Chioma Onyenwe, die in Lagos eine Produktionsfirma

betreibt. Die vier Regisseurinnen begannen sich mit

den verschlungenen Wegen einer Textilgeschichte

zu beschäftigen: den Geschäften zwischen Nigeria

und Österreich. „Spitze ist in Nigeria riesig – aber die

wirtschaftliche Macht liegt woanders“, fasst es Chioma

Onyenwe zusammen. Stoff erzählt u.a. von Stickereifabriken

in Lustenau, von den Stoffmärkten in Lagos,

von den historischen Grundlagen des europäischen

Wohlstands und versucht die fortwirkenden Machtverhältnisse

kolonialer Handelsverflechtungen sichtbar

zu machen.

www.stadtkinowien.at

V I E N N A M A R R I O T T

H O T E L

5-STERN

LOCATION

ALL-U-CAN

EAT & DRINK

*

MIT DEUTSCHEM &

US-TV-KOMMENTATOR

*inkludiert sind Bier

& alkoholfreie Getränke

STOFF – EIN SPITZENGESCHÄFT KINOSTART 30.01., A 2025,

REGIE Anette Baldauf, Joana Adesuwa Reiterer, Chioma Onyenwe,

Katharina Weingartner, MIT Ireti Bakare-Yusuf, Bibi Bakare-Yusuf,

Grete Bösch, FILMLÄNGE 88 Min., © Stadtkino Wien

Einlass 21:00 Uhr

Tickets bei wienticket.at

& im Vienna Marriott Hotel


Majestätischer Protagonist

Eine betörende Arbeit: Ildikó Enyedis „Silent Friend“ –

über die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze.

SILENT FRIEND KINOSTART 20.02.,

D/HU/F 2025, REGIE Ildikó Enyedi,

MIT Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler,

Sylvester Groth, Léa Seydoux,

FILMLÄNGE 147 Min., © Polyfilm

In Magic Hunter, meinem

zweiten Spielfilm, der in

Venedig im Wettbewerb lief,

wandle ich über sechshundert

Jahre hinweg auf den Spuren eines

Eichenbaums. In Simon the Magician

löst eine Topfpflanze einen

Mordfall. Ich bin keine Person mit

einem grünen Daumen, sondern

ein Stadtgewächs, das von der

Natur isoliert lebt. Ich spüre die

Distanz zwischen den Lebewesen

und sehne mich nach Verbindung“,

so Regisseurin Ildikó Enyedi

(Goldener Bär bei der Berlinale

2017 für Körper und Seele). Wenn

sie ihre neue, betörend gestaltete

Arbeit vorlegt und zu drei Leben

und drei Epochen führt, dann

dreht sich alles um den menschlichen

Blick auf die Welt der Flora –

und einen ganz bestimmten Baum:

einen majestätischen Ginkgo, der

im botanischen Garten einer deutschen

Universitätsstadt steht.

SEHNSUCHT NACH

VERBINDUNG

2020 beginnt ein Neurowissenschaftler

aus Hongkong (gespielt

44 DOT.MOVIE

von Tony Leung Chiu-wai, In the

Mood For Love), der sich eigentlich

für die kognitive Entwicklung

von Babys interessiert, ein Experiment

mit dem alten Baum. Im Jahr

1972 erfährt eine junge Studentin

eine innere Wandlung – ausgelöst

durch eine Geranie. 1908 entdeckt

die erste Studentin der Universität

(Luna Wedler, 22 Bahnen) durch

das Objektiv einer Kamera verborgene

Muster, eingeschrieben in die

unscheinbarsten Pflanzen. Enyedi

UNSERE

WELT

hat diese sehr unterschiedlichen

Zeiten und Figuren gewählt, um zu

zeigen, „wie sehr und wie schnell

sich unser scheinbar unerschütterlich

solides Realitätsempfinden

verändert. Es wird nicht nur durch

unsere Sinne definiert, sondern ist

auch ein kulturelles Konstrukt und

als solches ziemlich vergänglich.

Unsere menschlichen Helden wandeln

auf denselben Wegen durch

denselben Garten, betreten die

Gebäude desselben Campus – aber

jede und jeder von ihnen nimmt

dabei eine andere Welt wahr.“ Was

die Figuren eint: Sie versuchen

eine Verbindung zur Welt, zur

Natur, zu sich selbst zu finden, sie

verspüren eine Sehnsucht nach

Verbundenheit.

Ildikó Enyedi gelingt mit der

leisen Geschichte ein betörendes

Meisterwerk. Luna Wedler wurde

in Venedig für ihre Darstellung mit

dem Preis als beste junge Entdeckung

ausgezeichnet.

#silentfriend


AB 5. FEBRUAR NUR IM KINO

Achthundert Nächte

„Das Flüstern der Wälder“ ist ein Naturfilm der besonderen Art:

Regisseur Munier ist dafür mit seinem Vater und seinem Sohn tief in

eine nahezu magische Welt eingetaucht.

Der französische Wildtierfotograf

und Dokumentarfilmer

Vincent Munier,

spätestens seit Der Schneeleopard

ein Begriff, hat hier eine atemberaubende

Naturdokumentation

geschaffen, die wie ein Portal zu

einer anderen Welt wirkt. Zusammen

mit seinem Sohn Simon

machte er sich auf die Suche nach

Füchsen, Rehen, Hirschen und

Auerhähnen; begleitet von seinem

Vater Michel, der bereits über

achthundert Nächte nächst einer

Tanne in dem alten, moosbedeckten

Wald im Mittelgebirge der

Vogesen in Frankreich verbracht

hat – mit nichts anderem ausgestattet

als Geduld, einem Stock,

einem Rucksack und einer warmen

Jacke. Das außergewöhnliche filmische

Meisterwerk lebt aber nicht

nur von seiner visuellen Pracht,

sondern ist auch auf der Klangebene

von unglaublicher Poesie. Das

Flüstern der Wälder ist eine Ode

an Flora und Fauna der Vogesen

und ein Brückenschlag zwischen

Vater, Sohn und Enkel, zwischen

Mensch und Natur, zwischen Fotografie

und Film, zwischen Tag und

Nacht, zwischen Persönlichem und

Universellem.

#DasFlüsternDerWälder

DAS FLÜSTERN DER WÄLDER –

LE CHANT DES FORÊTS KINOSTART 13.02.,

F 2025, REGIE Vincent Munier, MIT Michel

Munier, Simon Munier, Vincent Munier,

FILMLÄNGE 93 Min., © Filmladen

SAMUEL HADIDA UND VICTOR HADIDA PRÄSENTIEREN


Diesmal ist der Puma echt

„Woodwalkers 2“: Der zweite Teil des Erfolgsspektakels entführt das Publikum in die äußerst

lebendige Welt der Gestaltwandler – lebendig deshalb, weil viele echte Tiere zu sehen sind.

WOODWALKERS 2 KINOSTART 29.01.,

D 2025, REGIE Sven Unterwaldt, MIT Emile

Chérif, Oliver Masucci, Martina Gedeck,

Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta,

Hannah Herzsprung, Moritz Bleibtreu,

FILMLÄNGE 103 Min., © Constantin Film

In einer Zeit inflationärer CGI

und KI-generierter Bilder

ist es eine Wohltat, wenn

ein Produktionsteam ausgerechnet

jetzt auf echte Lebewesen setzt –

auch, wenn die Stars von

Woodwalkers 2, dem zweiten

Teiles der geplanten Trilogie,

natürlich weiterhin Menschen

sind. Die geheime Hauptrolle

spielt natürlich das epische

Fantasy-Universum, das bereits

mit dem Prequel Millionen Fans

der Bestseller-Romane begeistern

konnte. „Der erste Film war die

Einweihung dieser Welt. Jetzt

dürfen wir darin spielen“, freut sich

Produzentin Corinna Mehner: Ein

neues Schuljahr an der Clearwater

High wartet auf die jungen Gestaltwandler:

Menschen, die sich in

Tiere verwandeln können.

Auch Regisseur Sven Unterwaldt,

neu an Bord des Woodwalkers-

Teams, war begeistert von der

Idee, mit echten Tieren zu drehen:

„Das war der Reiz für mich. Und

als großer Tierfreund, der zu

Hause selbst einen kleinen Zoo mit

Katzen, Hunden und Kaninchen

hat, konnte ich mir nichts Besseres

vorstellen.“ Auch die Thematik

46 DOT.MOVIE

sprach ihn an, denn es geht in

erster Linie um Identität und um

die wichtigen Fragen im Leben wie

„Wo gehöre ich hin?“ und „Wer

bin ich?“ – Themen, die eigentlich

nicht nur für Kinder und Jugendliche

von Bedeutung sind.

SPANNUNG UND

GEHEIMNISSE

Für Carag-Darsteller Emile Chérif

war es jedenfalls eine große Freude,

erneut in seine Rolle schlüpfen

zu dürfen. „Im zweiten Teil gibt es

zwar auch viel Action, und insgesamt

wird Carag aktiver, nimmt

die Dinge mehr selbst in die Hand,

aber es gibt vor allem auch emo-

tionale Szenen. Das hat mich als

Schauspieler neu gefordert.“ Seine

Schauspielkollegin Lilli Falk hingegen,

die Rothörnchen-Wandlerin

Holly verkörpert, war wiederum

begeistert davon, dass ihre Figur

ein Geheimnis mit sich trägt. „Das

wird erst im Lauf der Handlung

gelüftet, sie verdutzt damit aber

erst mal ihre Clique“, plaudert

sie aus dem Nähkästchen. Ein

Höhepunkt für das junge Talent

war die Zeit vor der Kamera mit

dem erfahrenen Schauspieler Tom

Schilling: „Es war sehr cool, mit

ihm zu drehen. Man merkt, dass

er eigene Kinder hat. Er ist sehr

bodenständig und nett. Ich hätte

gerne noch länger mit ihm vor

der Kamera gestanden.“

#woodwalkers2


KIDS

& FAMILY

Beste Freunde, große Missionen

Eben noch alt und gebrechlich, nun „Charlie – Der Superhund“.

Wie oft hat der neunjährige

Danny schon

davon geträumt,

gemeinsam mit seinem Hund

Charlie, einem treuen Golden Retriever,

die Welt zu retten … Eines

Nachts wird der Wunsch unversehens

Wirklichkeit: Außerirdische

entführen den Vierbeiner und

verleihen dem alternden Hund

unglaubliche Kräfte (eigentlich

ohne die Absicht, ihn wieder bei

Danny abzugeben – eigentlich

sollte er einem verwöhnten Alien-

Kind als Haustier dienen, das ihn

dann aber doch nicht will). Charlie,

den eigentlich schon langsam

die Kräfte verlassen hatten, ist

über Nacht stärker, schneller und

klüger als je zuvor. Er kann jetzt

sogar sprechen! Danny kann es

kaum glauben. Er ist – natürlich

– furchtbar irritiert darüber, was

sein Hund jetzt alles kann, aber

auch begeistert: Für den schüchternen

Buben geht es nun an der

Seite des größten Superhelden auf

vier Pfoten durch einen ruhmreichen

Alltag.

PERFIDE PLÄNE

Doch nicht alle freuen sich darüber,

dass ein tierischer Held

unterwegs ist: Nachbarkater Puddy

– der ebenfalls von den Aliens

modifiziert und dann doch wieder

auf die Erde zurückgebracht

wurde – möchte dem Triumph

ein Ende setzen. Er schmiedet mit

seiner listigen Katzenbande einen

Plan, um selbst ins Rampenlicht

zu treten und nichts Geringeres

als die Weltherrschaft an sich

zu reißen: Durch seine neuen

Fähigkeiten könnte den Menschen

ein eigenwilliges Schicksal drohen.

Charlie und Danny müssen

Mut, Herz und Einfallsreichtum

beweisen, um das griesgrämige

Vorhaben zu durchkreuzen. Und

vor allem müssen sie schnell

handeln …

Shea Wageman inszeniert ein

rasantes Kinoabenteuer, das von

Zusammenhalt erzählt und die

Freundschaft zwischen Mensch

und Tier als die größte Superkraft

überhaupt erkennt. Im Original

leiht Owen Wilson Superhund

Charlie seine Stimme. Für die

musikalische Untermalung des

Animationsabenteuers, das auch

mal die Erdatmosphäre verlässt,

sorgt Bryan Adams.

#charliedersuperhund

CHARLIE – DER SUPERHUND – CHARLIE

THE WONDERDOG KINOSTART 29.01.,

USA 2025, REGIE Shea Wageman,

MIT Owen Wilson, FILMLÄNGE 92 Min.,

© Einhorn Film

DOT.MOVIE 47


Smalls can ball!

Ziegenbock Will ergreift seine Chance in „G.O.A.T.“.

KIDS

& FAMILY

Ein kleiner Ziegenbock hat

große Träume: Er will nichts

anderes als Roarball spielen,

einen kontaktintensiven Hochleistungssport,

bei dem die schnellsten

und furchterregendsten Tiere der

Welt dominieren. Die Stadien sind

hochgefährlich, die Sportler, allesamt

Alphatierchen wie Panther,

Eisbären, Gorillas, Löwen, Nashörner

…, genauso. Will möchte einer

von ihnen sein.

Sony Pictures Animation (KPop

Demon Hunters, Spider-Man:

Across the Spider-Verse) macht

sich daran, ihn bei seinen Träumen

zu unterstützen – nämlich

zu erzählen, dass man niemals

zu klein ist, um groß zu träumen.

Unterstützung hat Will vorerst nötig:

Alle außer seiner Mutter und

seinem Freund, einem Capybara,

sagen, er sei zu klein für sein Ziel.

Immer schon strömt ihm der im

Chor ausgespuckte Ruf „Zu klein

– geh heim!“ entgegen. Als der talentierte

Ziegenbock die einmalige

Chance erhält, einem Profiteam

beizutreten, sind seine neuen

Teammitglieder alles andere als

begeistert, nun eine schmächtige

Ziege in ihrer Mitte zu haben.

Doch Will ist wild entschlossen,

den Sport zu revolutionieren und

ein für alle Mal zu beweisen, dass

auch Kleine ganz groß rauskommen

können. Wahre Größe hängt

schließlich nicht vom Körperbau

ab – mit seinem Können und

seiner Spieltaktik wird er es allen

zeigen. Das Management weiß:

Das Team hat genau einen wie

Will nötig. Und Will wird schon

noch alle in der Mannschaft –

auch sein großes Idol Jett Fillmore,

einen schwarzen Panther – davon

überzeugen, dass die Stärke des

Teams darin liegt, dass sie alle

verschieden sind.

48 DOT.MOVIE


SHOWTIME FÜR UNDERDOGS

Tyree Dillihay (Bob’s Burgers) hat

die schnittige Actionkomödie (mit

Unterstützung von Adam Rosette,

Story-Artist bei Dog Man, Der

wilde Roboter) umgesetzt, zu der

sich die Drehbuchautoren Aaron

Buchsbaum und Teddy Riley

von Chris Tougas’ Buch „Funky

Dunks“ inspirieren ließen. Dem

tierischen Cast leihen in der englischen

Originalfassung u.a. Caleb

McLaughlin (Stranger Things),

Gabrielle Union (Girls United),

David Harbour (Stranger Things)

und Jennifer Hudson (Dreamgirls)

ihre Stimmen. Zu den Produzenten

gehört NBA-Basketballstar Stephen

Curry (von den Golden State

Warriors). Der sagt: „G.O.A.T.

ist quasi meine Geschichte: Ich

weiß, wie es sich anfühlt, der

Underdog zu sein.“ – Für seine

für einen Basketballspieler geringe

Größe wurde er zu Beginn seiner

Karriere unterschätzt. Curry, der

auch stimmlich im Einsatz ist und

eines der Teammitglieder von Will

– Giraffe Lenny – spricht, liebt die

Action des Films und verspricht:

„Ihr werdet laut auflachen!“ Und

spätestens nach dem Film werden

alle wissen: „Smalls can ball!“

#GOATfilm

G.O.A.T. – BOCK AUF GROSSE

SPRÜNGE KINOSTART 20.02.,

USA 2026, REGIE Tyree Dillihay,

MIT Caleb McLaughlin, Gabrielle

Union, David Harbour, Jennifer Hudson,

FILMLÄNGE 100 Min., © Sony Pictures

GROSSES KINO

MIT FAMILIÄREM FLAIR!

Willkommen in den Kinos Bludenz und Dornbirn.

# kinobludenz

www.kino-bludenz.at

# cinemadornbirn

www.cinema-dornbirn.at

DOT.MOVIE 49


KIDS

& FAMILY

Sein Lied finden

„Der letzte Walsänger“ führt emotional tiefgehend durch die Tiefe der Ozeane.

Als sich Leviathan, ein gefürchtetes

Seeungeheuer,

aus einem schmelzenden

Eisberg befreien kann und mit

seiner giftigen Tinte die Unterwasserwelt

bedroht, hoffen alle

auf Vincent: Er muss die Meere

retten! Dabei zweifelt der junge

Buckelwal ohnehin schon an sich

und seinen Fähigkeiten: Er ist

der Nachfahre des letzten großen

Walsängers, dessen magischer Gesang

einst die Ozeane beschützte.

Er weiß durch seine Familie,

wie mächtig ein Lied sein kann.

An seine eigenen Fähigkeiten

glaubt er aber nicht wirklich. Im

Angesicht der Bedrohung durch

Leviathan bleibt aktuell aber gar

50 DOT.MOVIE

keine Zeit für Zweifel: Er muss

seine Ängste überwinden und

Kraft für sein eigenes Lied finden.

Er hat bei seinem Abenteuer

große Unterstützer an seiner Seite:

der pedantische Schiffshalterfisch

Walter und die furchtlose Orca-

Kämpferin Darya sind bei allen

Gefahren und Überraschungen an

seiner Seite.

ZEITLOS UND AUTHENTISCH

Reza Memari (Überflieger –

Kleine Vögel, großes Geklapper)

ist fasziniert von Buckelwalen, seit

er vor 15 Jahren einen Dokumentarfilm

über sie gesehen hat:

„Diese großartigen Geschöpfe

haben tatsächlich ‚Sänger‘ in

ihren Gruppen, auch wenn die

Wissenschaft bis heute nicht versteht,

warum sie singen oder was

ihre Lieder wirklich bedeuten. In

diesem Moment stellte ich mir

einen jungen Buckelwal vor, der

sein Lied nicht finden kann. Es

ist zutiefst menschlich, die eigene

Stimme finden zu wollen, und dieses

Bild wurde zum Grundstein

für Der letzte Walsänger“, so der

Regisseur. Aus diesem Moment

erwuchs ein ganzes Universum

– und eine in der Unterwasserwelt

angesiedelte Geschichte, die

von Mut, Zusammenarbeit und

vom Schutz der Ozeane handelt

und die natürliche Majestät der

Wale und des Meereslebens ehren

wollte. Dem Team war es wichtig,

dass sich der Film zeitlos und

emotional authentisch anfühlen

und nicht wie ein Cartoon wirken

sollte. Auch die Unterwasserwelt

selbst wurde wie ein Charakter

behandelt – mit sich ständig

bewegenden Partikeln, tanzenden

Lichtreflexen und changierenden

Lichtstrahlen. In ihr bewegen

sich riesengroße Wale und

winzige Meereslebewesen, deren

Bewegungsabläufe das internationale

Team von Animatorinnen

und Animatoren genauestens


studierten. „Diese Hingabe zur

Authentizität half dabei, jede

Kreatur sowohl mit Genauigkeit

als auch mit Persönlichkeit zum

Leben zu erwecken“, schwärmt

der Regisseur. „Einer der kniffligsten

Aspekte war der Umgang

mit den Größenunterschieden.

Wenn Kreaturen, die 16 Meter

lang sind, neben solchen stehen,

die nur 10 Zentimeter groß sind,

wird es sowohl herausfordernd

als auch bereichernd, Kameraeinstellungen

zu finden, in denen ein

gigantischer Buckelwal mit einem

winzigen Seepferdchen spricht.

Gemeinsam mit Kameramann Jaromír

Malý erkundeten wir jeden

Winkel, um diese dramatischen

Größenkontraste einzufangen

und dabei die Intimität zwischen

den Charakteren zu bewahren.“

Die Akribie und Euphorie bei der

Erarbeitung des Films ist in jeder

Minute spürbar. Reza Memari hat

ein packend-turbulentes, aber vor

allem auch emotional tiefgehendes

Abenteuer geschaffen. Er hofft,

dass sein Publikum das Kino mit

Vincents Erkenntnis verlässt,

„dass die eigene Stimme zählt,

dass Mut die Angst überwinden

kann und dass wir gemeinsam

etwas Schönes schaffen können.

In einer Welt, in der es so einfach

geworden ist, stillschweigend und

passiv zu bleiben, ist Der letzte

Walsänger eine Einladung, die

Stimme zu erheben und für das zu

singen, was wirklich zählt: Freiheit,

Frieden und unsere unersetzlichen

Ozeane.“

#derletztewalsänger

DER LETZTE WALSÄNGER – THE LAST

WHALE SINGER KINOSTART 08.02.,

D/KAN/CZ 2025, REGIE Reza Memari,

FILMLÄNGE 91 Min., © Einhorn Film

Alles außer leise

Tanzen, singen, raten, lachen: Das Disney Channel Mitmach-Kino

unterhält wieder die kleinsten Kinobesucher.

Licht aus, Ruhe, still sitzen?

Das bedeutet Kino

bestimmt nicht, wenn

das Disney Channel Mitmach-

Kino angesagt ist. Am 7. und

8. Februar heißt es wieder: eine

Stunde lang lautstark mitsingen,

-tanzen, -klatschen, -rätseln

und bestimmt nicht leise

sein. Micky Maus führt durch

ein lustiges und abwechslungsreiches

Programm, das auf die

kleinsten Zuschauer – Kinder

zwischen zwei und sieben

Jahren – ausgerichtet ist. So

sorgen Bluey, Marvel Iron

Man und seine fantastischen

Freunde sowie die brandneue

Vorschulserie MagiCampers

für Spannung und aufregen-

de Geschichten, bei Winnie

Puuh, Minnie und Cars gibt’s

viel zu lachen. Musikvideos

laden dazu ein aufzuspringen:

Dann steht Mitsingen und

-tanzen auf dem Programm.

Dazwischen warten kleine

Ratespiele rund um die

Disney Channel-Helden. Ganz

großes, aktionsreiches Kino

für die Kleinsten! Das Disney

Channel Mitmach-Kino sorgt

für wahrlich unvergessliche

Kinoerlebnisse.

www.disneychannel.de

DISNEY CHANNEL MITMACH-KINO

KINOSTART 07. und 08.02.,

D 2025, FILMLÄNGE 60 Min.,

© The Walt Disney Company

DOT.MOVIE 51


ANIME

Keine Sieger

Hayao Miyazakis „Prinzessin Mononoke“ kehrt 4K-restauriert ins Kino zurück.

Ein Meilenstein der Animationskunst

aus dem Hause

Ghibli kehrt in 4K restauriert

auf die Leinwand zurück:

Hayao Miyazakis Prinzessin

Mononoke führt in eine Zeit,

in der in Japan noch die Götter

regierten. In einem üppigen

Wald lebt die wilde Prinzessin

Mononoke bei den Wölfen. Das

Miteinander von Mensch und Tier

verläuft nicht überall friktionsfrei,

im Gegenteil: Der Frieden ist

bedroht. Die Zivilisation greift

sich immer mehr Raum, frisst sich

immer weiter in die Natur hinein.

Die Bewohner des Waldes – v.a.

die Wolfsgöttin Moro und ihre

menschliche Adoptivtochter San

(Prinzessin Mononoke) – wollen

sich gegen Menschen wie Madame

Eboshi, die Wälder abholzen

und in den Bergen nach Eisenerz

schürfen lässt, zur Wehr setzen.

Die Menschen schmieden Waffen

aus Eisen. Sie wollen die alte

Ordnung umstürzen und haben es

auf den mächtigen Waldgott abgesehen.

Kampflos werden die Tiere

aber nicht aufgeben – sie formieren

sich zu einer Schlacht. In

diesem tödlichen Konflikt bewegt

sich auch der junge Krieger Ashitaka,

der von einem wildgewordenen

Eber am Arm verletzt wurde.

Der Eber war kein gewöhnliches

Tier, sondern ein rachsüchtiger

Gott, der vom Hass auf alles

Menschliche zum Dämon geworden

ist. Ashitaka und Mononoke

finden sich zwischen den Fronten

wieder: Nur ihnen beiden könnte

es gelingen, die nahende Katastrophe,

bei der es nur Verlierer geben

kann, abzuwenden.

ALL DIE ZWISCHENTÖNE

Es ist eine ebenso anspruchsvolle

wie fantasievolle Arbeit, die

Hayao Miyazaki (Chihiros Reise

ins Zauberland, Der Junge und

der Reiher) 1997 vorgelegt hat

und mit der er für den Durchbruch

des Studio Ghibli sorgte:

Prinzessin Mononoke erzählt mit

vielschichtigen Figuren – alle mit

einer plausiblen Motivation für

ihr Handeln ausgestattet – und

optisch prachtvoll – mit Hayao

Miyazakis geschätztem Blick fürs

Detail – eine facettenreich-komplexe

Geschichte (Altesfreigabe

ab 12 Jahren) mit ökologischer

Botschaft. Ein kraftvoll-unvergessliches

Spektakel.

#prinzessinmononoke

PRINZESSIN MONONOKE 4K –

MONONOKE-HIME KINOSTART 12.02.,

JP 1997, REGIE Hayao Miyazaki,

FILMLÄNGE 134 Min., © Polyfilm

52 DOT.MOVIE


– Kostenlose Anzeige –

Gemeinsam.

Kinder.

Stärken.

SPENDEN UNTER

WWW.PROJUVENTUTE.AT

SPENDENKONTO: IBAN:

AT61 2040 4000 4040 4600


Rache ist nicht süß

ANIME

„Scarlet“: Viereinhalb Jahre hat Mamoru Hosoda an seinem Film gearbeitet. Leicht hat er

es sich dabei allerdings nicht gemacht – das Ergebnis ist umso beeindruckender.

Anime-Fans – aber nicht

nur die! – können sich

schon mal startklar

machen, denn mit Scarlet kommt

ein Film ins Kino, der nicht nur

produktionstechnisch Grenzen

sprengt, sondern auch in seiner

Ästhetik einzigartig ist. Dass

ausgerechnet das Shakespeare-

Epos „Hamlet“ dem Regisseur

und Autor des Films, Mamoru

Hosoda, als Inspiration diente,

ist ein weiterer Mosaikstein des

Gesamteindrucks: „‚Hamlet‘ ist

eine der ersten großen Rachegeschichten“,

meint Mamoru. „Ich

glaube, Rachegeschichten sind

deshalb so beliebt, weil es sich gut

anfühlt, den Gegner zu besiegen

– und scheinbar ist das Problem

damit gelöst. So sehe ich das aber

nicht. Vielleicht gilt das für eine

einzelne Person, doch die, die

diesmal Unrecht erfahren haben,

treiben den Kreislauf der Vergeltung

nur weiter an.“ Hier sieht

der Regisseur die Qualität von

Shakespeares Drama: „Das Stück

untersucht genau diesen Kreislauf.

Mich beschäftigt dabei die Frage:

Wie können wir als Menschheit

aus diesem Teufelskreis ausbrechen?

Ist das überhaupt möglich?

Ich möchte daran glauben. Ich

denke, dass auch Shakespeare sein

Stück genutzt hat, um genau diese

Frage zu stellen.“

PRINZESSIN ZWISCHEN DEN

ZEITEN

Die Story im Werk des bereits für

einen Oscar nominierten Filmemachers

ist ähnlich episch und

klassisch wie die des als Vorbild

dienenden Engländers: Im kraftvollen,

zeitübergreifenden Animationsabenteuer

geht es um die

mittelalterliche Prinzessin Scarlet,

die mit dem Schwert kämpft und

sich auf eine gefährliche Mission

begibt, um den Tod ihres Vaters

zu rächen.

Als ihre Mission jedoch scheitert,

findet sie sich schwer verletzt

in einer jenseitigen Welt wieder.

Dort begegnet sie einem ziemlich

hilfsbereiten idealistischen jungen

Mann aus unserer Gegenwart, der

ihr nicht nur bei der Heilung hilft,

sondern ihr auch die Möglichkeit

einer Zukunft ohne Bitterkeit und

54 DOT.MOVIE


Wut aufzeigt. Als sie erneut mit

dem Mörder ihres Vaters konfrontiert

wird, steht Scarlet vor ihrer

größten Herausforderung – nämlich

den Kreislauf des Hasses zu

durchbrechen und einen Sinn im

Leben außer der Rache zu finden.

UNGESEHENES ERSCHAFFEN

In Scarlet verbindet Mamoru Hosoda

optisch realistisch wirkende

Szenerien mit einer sehr speziellen

Weise, Charaktere darzustellen

– er kombiniert dabei 2D- und

3D-Elemente. Das Ergebnis ist

eine besondere Ästhetik, die sich

von anderen Filmen im Anime-

Stil deutlich abhebt. „Aktuell gibt

es in der Animationsbranche eine

starke Bewegung, neue visuelle

Looks und Stile zu entdecken, um

das Erzählen von Geschichten

auf ein neues Level zu heben. In

Japan hat sich die Animation

lange auf das handgezeichnete

2D-Fernsehformat konzentriert

– eine Technik, die sich hervorragend

für bestimmte Geschichten

eignet, die die Branche aber kaum

weiterentwickelt oder erneuert

hat“, schildert Hosoda. „Mit

meinem Film wollte ich deshalb

den Charme bewahren, der die

handgezeichnete 2D-Ästhetik so

besonders macht, und ihr Respekt

zollen – und gleichzeitig etwas

schaffen, das wir so noch nicht

gesehen haben und das den erzählerischen

Möglichkeiten neue

Räume eröffnet.“

#ScarletMovie

SCARLET KINOSTART 24.02., JP 2025,

REGIE Mamoru Hosoda, MIT Mana Ashida,

Masaki Okada, Kôji Yakusho,

FILMLÄNGE 111 Min., © Sony Pictures

OLIVER

MASUCCI

MARTINA

GEDECK

HANNAH

HERZSPRUNG

MORITZ

BLEIBTREU

TOM

SCHILLING

EMILE

CHERIF

LILLI

FALK

JOHAN

VON EHRLICH

SOPHIE

LELENTA

OLIVIA

SINCLAIR

BASIEREND AUF DEN BESTSELLERN VON KATJA BRANDIS

JETZT NUR IM KINO

NUR IM KINO NUR IM KINO

DOT.MOVIE 55


DOT.

ARTHAUS

DIE JAHRESZEITEN –

AS ESTAÇÕES – 06.02. Maureen

Fazendeiros Regiedebüt führt

durch den Süden Portugals – das

Alentejo; die in Lissabon lebende

Regisseurin, eine gebürtige Französin,

verwebt darin Erzählungen

landwirtschaftlicher Arbeiterinnen

und Arbeiter mit den Feldnotizen

eines Archäologenpaars, Amateuraufnahmen

mit wissenschaftlichen

Zeichnungen, Legenden, Gedichten

und Liedern. So entsteht ein sinnliches

Porträt einer Region, in dem

Reales ebenso viel Platz einnehmen

darf wie Erfundenes. Ein einnehmender

visueller Essay, in dem

auch Animationen des österreichischen

Avantgardekünstlers Siegfried

A. Fruhauf zu sehen sind. Ihr

Film sei „ein archäologischer Film“,

so die Regisseurin. „Er gräbt im

Landschaftsbild, in den Stimmen

und Gesten der Bewohner:innen

des Alentejo, um die Spuren einer

gemeinsamen Geschichte freizulegen

– einer Geschichte von Kriegen

und Revolutionen, von Angst und

Widerstand, von Beständigkeit und

Verwandlung.“

Coexistence, My Ass!

Fünf Jahre lang (ab dem

Jahr 2019) begleitete

Amber Fares die israelische

Aktivistin Noam Schuster-

Eliassi bei der Entstehung ihrer

Comedy-Show. Es sind turbulente

fünf Jahre, in denen nicht

nur ihre eigene Reise viele Wendungen

genommen hat, sondern

auch unsere Welt. Schuster-Eliassi,

die aus einem zweisprachigen

israelisch-palästinensischen

Dorf – der einzigen bewusst integrierten

Gemeinde des Landes

– stammt, beginnt den Glauben

an den traditionellen Friedensaktivismus

zu verlieren und

hofft auf die Comedy-Bühne als

wirkungsvollen Austragungsort,

um schwierige Wahrheiten auszusprechen.

Regisseurin Fares,

die ihrerseits sieben Jahr lange

im Westjordanland lebte, um

Speed Sisters zu drehen, zeigt

sich von ihrer Protagonistin

fasziniert: „Ich habe sie begleitet,

als sie sich mit zunehmenden

Angriffen auf Andersdenkende

aus ihrer eigenen Gesellschaft

und natürlich mit der fast

vollständigen Zerstörung des

Gazastreifens auseinandersetzen

musste. Mit Humor ihr

Publikum dazu zu bringen, sich

diesen Realitäten zu stellen, ist

ihre Lebensaufgabe – und es war

mir eine Ehre, sie auf ihrer Reise

zu begleiten. Noam hat mich

beeindruckt, weil sie ein inspirierendes

Vorbild dafür ist, was

möglich ist – eine mehrsprachige,

multikulturelle Bürgerin, die

sich solidarisch mit den Unterdrückten

zeigt, ihre Zukunft eng

mit der ihrer palästinensischen

Nachbarn verbunden sieht und

weiß, dass echte Koexistenz nur

auf Gerechtigkeit und Gleichheit

basieren kann.“ Beim Sundance

Film Festival 2025 wurde die

mitreißende Arbeit mit dem

World Cinema Documentary

Special Jury Award ausgezeichnet.

Kinostart: 05.02.

© UCM.ONE, Filmladen, Kinostar, Filmgarten

56 DOT.MOVIE


Monsieur Robert kennt kein Pardon

Paraderolle für Christian Clavier.

und die das Zeug zum Online-

Troll hat. Der vom Schuldienst

gezeichnete Mann mit abseitiger

Note ist eine Paraderolle für

Christian Clavier (Monsieur

Claude und seine Töchter).

Pierre-François Martin-Laval

(Das Wunder von Marseille)

verfilmt den Roman von Jean-

Claude Mourlevat („La Troisième

Vengeance de Robert Poutifard“),

nachdem ihn sein Produzent

Romain Rojtman auf den Stoff

brachte: Rojtmans Sohn las das

Buch – vielleicht als Warnung –

in der Schule.

Kinostart: 22.02.

Poutifar hat sein Berufsleben

im Klassenzimmer

verbracht und sich den

Ruhestand redlich verdient. Er

weiß auch genau, was er mit der

vielen freien Zeit, die er nun zur

Verfügung hat, anstellen wird:

Er hat nun endlich Zeit, sich

ausgiebig den schlimmsten seiner

ehemaligen Schüler zu widmen

– denjenigen, die ihm das Leben

zur Hölle gemacht haben. Er

macht vier Kinder dafür verantwortlich,

dass aus der Liebe seines

Lebens nichts wurde. Poutifar

hat ihren Werdegang genauestens

verfolgt, nun stehen alle Zeichen

auf Rache. Sehr unerträglich:

Alle vier haben eine Karriere

zustande gebracht. „Ich will, dass

sie genauso leidet wie ich oder

mehr“, wettert er etwa, während

er ein Bild von Audrey betrachtet,

die inzwischen als Popstar auf der

Bühne steht. Aus den Zwillingen

Mélanie und Camille wurden

Influencerinnen, Anthony ist als

Chefkoch erfolgreich. Planend an

seiner Seite: seine Mutter (Isabelle

Nanty), mit der er zusammenlebt

RULE BREAKERS – 05.12. Das erste Mal, als

sie einen Computer betätigte, war das, als ob

Licht in die Dunkelheit einfalle, erklärt Roya

Mahboob (Nikohl Boosheri) – und ihre kleine

Welt wurde größer und größer. Für Mädchen

im streng patriarchal geprägten Afghanistan ist

es alles andere als leicht, Bildung zu erlangen.

Roya Mahboob kämpft um Träume. Sie ruft ein

Robotik-Team für Mädchen und Frauen ins Leben.

Das weckt nicht nur Hoffnung – sondern

von anderer Seite auch großen Widerstand.

Bill Guttentag (Soundtrack for a Revolution)

legt einen wichtigen Film vor: Er handelt vom

Kampf um das Recht auf Bildung, von Mut und

der gewaltigen Kraft der Hoffnung.

DOT.MOVIE 57


DOT.

ARTHAUS

IN CONCERT

STRAY KIDS: THE DOMINATE

EXPERIENCE – 06.02.

Paul Dugdale hat schon viele

Konzertabende für die Ewigkeit

festgehalten – Live-Momente von

Coldplay, den Rolling Stones,

Adele, Taylor Swift, Dua Lipa,

Hans Zimmer … Mit seinem

jüngsten Film holt er eine K-Pop-

Sensation auf die Leinwand: Die

„Stray Kids“ – bestehend aus den

Bandmitgliedern Bang Chan, Lee

Know, Changbin, Hyunjin, Han,

WAHRHEIT & VERRAT – TRUTH &

TREASON – 07.11. Ein Jugendlicher entdeckt:

Treue zu seinem Land bedeutet plötzlich

Treue zu einer Lüge. Das amerikanische

Historiendrama führt nach Deutschland im

Zweiten Weltkrieg – und erzählt vom Widerstandskämpfer

Helmuth Hübener. Das

einstige Mitglied der Hitlerjugend beginnt

mit Flugblättern und anderen Aktionen

gegen das Regime vorzugehen. Regie führte

Matt Whitaker, der 2002 bereits einen

Dokumentarfilm über die Hübener-Gruppe

produzierte (Truth & Conviction).

Felix, Seungmin und I.N. – füllten

2025 mit ihrer dominATE-Tour

weltweit die Stadien. Ihr bombastischer

Live-Auftritt bietet nicht

nur eine Front-Row-Erfahrung

(aufgezeichnet im kalifornischen

SoFi-Stadium – inkl. Jubel von

fast 100.000 Fans): Dugdale

kommt den acht Bandmitgliedern

ganz nah – er wirft einen

ausgelassenen Blick hinter die

Kulissen und hat u.a. Interviews

mit den koreanischen Superstars

eingefangen.

OPERA & BALLET

THE ROYAL BALLET:

WOOLF WORKS – 09.02.

Wenn Regisseur und Hauschoreograf

Wayne McGregor das

Royal Ballet zu Musik von Max

Richter in Bewegung setzt, dann

werden Themen und Stoffe von

Virginia Woolf – besonders aus

„Mrs. Dalloway“, „Orlando“ und

„Die Wellen“ – montiert. Die

experimentelle Collage, die 2015

für das Royal Ballet entwickelt

wurde, funktioniert ganz im Geiste

von Woolfs einzigartiger Arbeit,

die sich stark mit inneren Welten

beschäftigte und den literarischen

Konventionen trotzte: Frei nach

ihrer „Stream of Consciousness“-

Technik entstand ein einzigartiges

Ballett-Triptychon, das u.a. mit

einem Olivier Award ausgezeichnet

wurde. Dramaturgin Uzma Hameed

erläutert, dass Woolf selbst

„vom Tanz fasziniert gewesen ist

und Aspekte seiner Sprache in

ihren eigenen kreativen Prozess

integrierte, um Texte zu schaffen,

die ebenso sehr in Gefühlen und

Körper wie im Verstand verwurzelt

waren … Dann ist da natürlich

noch die Art und Weise, wie

ihre Romane den Fokus von den

äußeren Details des Lebens auf

die reichhaltige innere Erzählung

verlagern, die sich kontinuierlich

im Geist entfaltet; sie taucht in

eine Welt ein, in der Ereignisse

eher thematisch als chronologisch

aneinandergereiht sind und das

Geflecht aus Emotionen und Empfindungen

dichter erscheint als die

spröde Welt der Objekte. All dies

könnte als das natürliche Terrain

des Tanzes angesehen werden.“

Das Resultat auf der Bühne ist

visuell stark und intensiv.

https://www.rbo.org.uk/

ballet-essentials-woolf-works

© LUF Kino, Universal Pictures, Kinostar

58 DOT.MOVIE


DIE NEUE KOMÖDIE VON

ANDERS THOMAS JENSEN

DEM REGISSEUR VON ADAMS ÄPFEL UND

HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT

WETTBEWERB

AUSSER KONKURRENZ

„Eine herrlich

schwarzhumorige

Komödie.“

INDIEWIRE

MADS

MIKKELSEN

NIKOLAJ

LIE KAAS

SOFIE

GRÅBØL

SØREN

MALLING

THERAPIE FÜR WIKINGER

BODIL

JØRGENSEN

LARS

BRYGMANN

KARDO

RAZZAZI

NICOLAS

BRO

PETER

DÜRING

JETZT IM KINO


HEIM

WERK

EUPHORIE IM STREAM: NEWS & RELEASES

(eher ein wenig unangenehm): Er

möchte nichts anderes als so eine

Karriere hinlegen wie Daniel Day-

Lewis. Showrunner Andrew Guest

beschreibt ihn als „unglaublich

mächtig, ohne dass er

sich dessen selbst voll

bewusst ist“.

MARVEL TELEVISIONS

WONDER MAN

Simon Williams ist Schauspieler

in Hollywood – wenn das

außer ihm auch noch kaum

einer weiß. Er hadert damit, seine

Karriere in Gang zu bringen. Castingsituationen

überfordern ihn.

Die Dinge kommen allmählich ins

Rollen, als er auf den Schauspieler

Trevor Slattery trifft und so erfährt,

dass der Regisseur Von Kovak

(Zlatko Buric) eine Neuverfilmung

des Superheldenfilms Wonder Man

plant. – Ein Projekt, an dem beide

Schauspieler, die sich an entgegengesetzten

Enden ihrer Karriere

befinden, interessiert sind.

Dass er derweil Superkräfte wie

übermenschliche Kraft und Geschwindigkeit

in sich keimen spürt,

ist Simon gar nicht so wichtig

Lustvoll gestalten Destin

Daniel Cretton (Shang-

Chi and the Legend of

the Ten Rings, Spider-

Man: Brand New Day)

und Andrew Guest

(Community, Hawkeye)

die achtteilige Serie mit

Yahya Abdul-Mateen II (Aquaman,

The Get Down, Ambulance)

und Ben Kingsley, der nach seinen

Auftritten in Iron Man 3, Shang-

Chi and the Legend of the Ten

Rings und All Hail the King erneut

die Rolle des Trevor Slattery

übernimmt.

Ab sofort bei Disney+.

A KNIGHT OF THE SEVEN KINGDOMS

Mit A Knight of the

Seven Kingdoms geht es

zurück nach Westeros:

Nach dem groß angelegten Spin-off

House of the Dragon geht es erneut

zurück ins Game Of Thrones-

Universum – diesmal wird ein

ganz anderer Ton angeschlagen.

Erzählt werden die Abenteuer

eines unerwarteten Duos – des

Ritters Ser Duncan und seines

Knappen Egg, etwa 90 Jahre vor

den Geschehnissen der Fantasyserie

Game of Thrones, die ihr

Publikum mit unerwartbaren und

kompromisslosen Entscheidungen

auf Trab hielt. Die Vorlage dafür

ist George R. R. Martins Trilogie

„Der Heckenritter von Westeros:

Das Urteil der Sieben“.

Dunk (Peter Claffey), der

aus Fleabottom, dem Slum der

Hauptstadt King’s Landing,

stammt, wurde vom Heckenritter

Ser Arlan of Pennytree (Danny

Webb) aufgenommen. Als sein

Herr stirbt, gibt Dunk sich fortan

als Heckenritter Duncan the Tall

aus – obwohl er nie zum Ritter

geschlagen wurde – und möchte

beim Turnier in Ashford teilnehmen.

Auf dem Weg dorthin

begegnet er Egg (Dexter Sol

Ansell), der nach anfänglicher

Ablehnung zu seinem Knappen

und treuen Freund wird. Erzählt

wird in leichtem Tonfall mit Hang

zu Ironie – und trotzdem immer

spannend. Als Showrunner agiert

Ira Parker (House of the Dragon).

Ab sofort bei HBO Max.

60 DOT.MOVIE


THE DANISH WOMAN

Die Dänin Ditte Jensen (Trine

Dyrholm, In einer besseren Welt)

ist nach Island gezogen. In dem

unauffälligen Wohnblock in

Reykjavik plante sie, sich zur Ruhe

zu setzen. Doch ihr Instinkt als

Elitesoldatin und ihr Gerechtigkeitssinn

bringen die ehemalige

Geheimdienstagentin dazu, sich in

Nachbarschaftsprobleme einzumischen.

Mit allen Mitteln …

Ab sofort in der arte Mediathek.

BANKSTERS

Die erste HBO-Serie aus Deutschland

handelt von einem Bank-

Azubi namens Yusuf (Eren M.

Güvercin): Er wird 2004 wegen

mehrfachen Bankraubs verhaftet.

Gregor Schnitzler (Die Wespe) und

Cüneyt Kaya (Crooks) erzählen in

sechs Teilen seine Geschichte, „basierend

auf wahren Begebenheiten“.

Ab in die Berliner Unterwelt

der Nullerjahre!

Ab 20.02. bei HBO Max.

THE BEAUTY

Als Supermodels auf rätselhafte

Weise sterben, tritt das FBI (in

der Gestalt von Evan Peters und

Rebecca Hall) auf den Plan. Sie

bekommen es mit einem sexuell

übertragbaren Virus zu tun –

und mit einem Tech-Milliardär

(Ashton Kutcher). Ausführender

Produzent: Ryan Murphy. Illustre

Gaststars wie Bella Hadid und

Isabella Rossellini.

Ab sofort bei Disney+.

© Crave, HBO Max, Disney+, arte

HEATED RIVALRY

Als der BookTok-Hit von

Rachel Reid – „Heated

Rivalry“ aus ihrer „Game

Changer“-Romanreihe – im

Serienformat zum Leben erweckt

wurde, stand die Social-Media-

Welt kopf. Ab 6. Februar kann

der kanadische Überraschungshit

auch hierzulande gesehen werden

– via HBO Max. Reid begann ihre

„Game Changers“-Reihe „aus Wut

über die Eishockeykultur und

deren offensichtliche Homophobie

sowie all die anderen Dinge, die

mich wirklich beschämten, ein

Eishockeyfan zu sein“.

Die Serie handelt von zwei rivalisierenden

Eishockeyspielern, Shane

Hollander (Hudson Williams),

Captain der Montreal Metros, und

Ilya Rozanov (Connor Storrie),

Captain der Boston Raiders. Ihre

Feindseligkeit auf dem Eis lässt

nicht vermuten, dass sie hinter den

Kulissen eine leidenschaftliche

Romanze beginnen, die sich über

die Jahre zur großen Liebe

entwickelt.

Hinter Heated Rivalry

steht kein großes Budget;

Mundpropaganda verhalf

der kleinen Produktion

des kanadischen Anbieters

„Crave“ zu enormen Zugriffszahlen

– die Mischung

aus Sport, Sexszenen und

einer Beziehung auf Augenhöhe

kommt an. Zwischen

den beiden Hauptdarstellern

stimmt die Chemie. Hudson

Williams und Connor Storrie

legten quasi über Nacht ihren

Durchbruch hin – bei den Golden

Globes überreichten sie dann

auch schon der besten Serien-

Nebendarstellerin Erin Doherty

(Adolescence) ihren Award.

Ab 06.02. bei HBO Max.

DOT.MOVIE 61


HEIM

WERK

NEUES IM HEIMKINO

SPRINGSTEEN: DELIVER

ME FROM NOWHERE

Regisseur Scott Cooper (Der

denkwürdige Fall des Mr Poe)

zeigt Bruce Springsteen nicht

als Stadionlegende, sondern als

nahbaren Künstler am Rand des

Verstummens. In Hauptdarsteller

Jeremy Allen White (The Bear) hat

er dafür einen kongenialen Partner

gefunden.

Ab 06.02. im Handel.

BUGONIA

Yorgos Lanthimos (Poor Things)

inszeniert ein Remake des südkoreanischen

Kultfilms Save the Green

Planet! (2003) – mit Seitenhieben

auf unsere heutige Welt, die sitzen.

Jesse Plemons spielt als Verschwörungstheoretiker

auf, der Emma

Stone (als Pharma-CEO) entführt,

hält er sie doch für ein Alien …

Furios und unterhaltsam.

Ab 29.01. im Handel.

LEIBNIZ

Edgar Reitz porträtiert den Universalgelehrten

Leibniz (Edgar

Selge) – und zwar wörtlich: Das

feine Kammerspiel erzählt von

der Entstehung eines Porträts, mit

dem ihn Königin Sophie Charlotte

ehren will. Der Hofmaler (Lars

Eidinger) wird am Philosophen

scheitern. Erst einer Malerin (Aenne

Schwarz) gelingt das Vorhaben.

Ab 30.01. im Handel.

Bei der jüngsten Festivalsaison

in Cannes sprach alle

Welt nur noch von ihrem

Film, der dann abschließend mit

dem Preis der Jury gekrönt wurde.

Kein Wunder: Mascha Schilinski

hat sich mit In die Sonne schauen

viel vorgenommen. Sie erzählt von

einem altmärkischen Bauernhof

über den Lauf von ca. 100 Jahren,

mit Fokus auf vier Mädchen:

62 DOT.MOVIE

In die Sonne schauen

Alma in den 1910ern, Erika in den

1940ern, Angelika in den 1980ern

und Nelly im Heute. Die Grenzen

lösen sich oft auf – wenn Spuren

in späteren Zeiten sichtbar werden

und sich Dinge zu wiederholen drohen.

Schilinski inszeniert beeindruckend

fließend und assoziativ,

Zeiten gehen ineinander über.

Schilinski und ihre Co-Autorin

Louise Peter verbrachten selber

einen Sommer auf dem Hof, der

später Drehort wurde, um an

Drehbüchern zu arbeiten. Während

dieser Zeit fragten sie sich – auch

durch eine Fotografie, die drei

Frauen auf dem Hof vor etwa

100 Jahren zeigte –, wer hier wohl

früher gelebt hatte. „Wer waren

diese Frauen? Was hatten sie erlebt?

Die Gleichzeitigkeit von Zeit, dass

jemand an der gleichen Stelle im

Raum etwas ganz Profanes tut,

während jemand anderes dort eine

existenzielle Erfahrung gemacht

hat, interessierte uns.“ Sie interessieren

sich auch für die Frage, was

sich durch die Zeiten hindurch in

unser Körpergedächtnis einbrennt.

„Was bestimmt uns, ohne dass wir

eine Ahnung davon haben, weil es

vor unserer Geburt geschehen ist?“

Verdrängte Traumata, unausgesprochene

Ängste, verschüttete

Geheimnisse. Schilinski inszeniert

mit eindrucksvoller Leichtigkeit.

Ab sofort im Handel.

© NEUE VISIONEN, LEONINE, Universal


Meer zum Leben.

SMS *

„WAL“

an 0800 540 540

Schluss mit Ausbeuten,

Verschmutzen und Töten.

* Mit Ihrer kostenlosen SMS erklären Sie sich einverstanden, dass Greenpeace Ihre Telefonnummer zum

Zweck der Kampagnenkommunikation erheben, speichern und verarbeiten darf. Diese Einwilligung kann

jederzeit per Nachricht an service@greenpeace.at oder Greenpeace, Wiedner Hauptstraße 120, 1050

Wien widerrufen werden.

Greenpeace dankt für die kostenlose Schaltung dieses Inserats.

greenpeace.at/wal


EIN ANSTÄNDIGES MITTAGESSEN FÜR ALLAN GORE IN LOVE & DEATH.

S

eit er ihr nach einem unbeabsichtigten

Bodycheck

bei einem Volleyballspiel

wieder auf die Beine geholfen hat,

ist Candy Montgomery von Allan

Gore wie besessen. Er habe nach

Sex gerochen, erzählt sie ihrer

Freundin Sherry (Krysten Ritter)

mit glänzenden Augen – und sie

glaubt, dass auch er fand, dass sie

nach Sex gerochen habe. Sherry

ist schockiert. Weniger über die

Tatsache, dass Candy, Hausfrau

und Mutter in der texanischen

Kleinstadt Wylie Ende der 1970er-

Jahre, über eine Affäre fantasiert,

als vielmehr darüber, dass sie mit

Allan Gore (Jesse Plemons), seines

Zeichens nicht unbedingt ein

Adonis, stattfinden soll. Immerhin

würde sie sich bestimmt nicht verlieben,

kichert Candy, die für sich

manifestiert, dass sie dem braven

Mann eine Affäre vorschlagen

wird. Der antwortet auf den unverblümt

ausgesprochenen und wenig

erotisch verpackten Vorschlag in

ebenso poetischen Worten: „Oh.

Okay“, ist alles, was das Objekt

der Begierde antwortet. Später

wird es eine Spur zu wortreich: In

zähen Verhandlungen werden die

Bedingungen der Affäre der beiden

64 DOT.MOVIE

FILM

KOST

verheirateten Kirchengemeindemitglieder,

deren Töchter beste

Freundinnen sind, ausgehandelt:

Die Ehepartner der beiden –

Betty (Lily Rabe) und Pat (Patrick

Fugit) – dürfen niemals etwas vom

geheimen Tête-à-Tête erfahren. Es

ist nur etwas Körperliches: Sie tun

es, um sich selbst und einander

zu genießen – nicht, um sich oder

anderen wehzutun. Man verliebt

sich nicht; verliebt sich einer, wird

sofort die Reißleine gezogen. Man

trifft sich nur werktags, immer

nur außerhalb der Stadt. Man teilt

die Kosten für die Hotelzimmer,

Benzin und Essen. Die Zeit, die für

die Affäre aufgebracht wird, darf

weder auf Kosten der Familie noch

auf Kosten der Kirchengemeinde

gehen. Candy wird den Ort des

Geschehens aussuchen: In Zimmer

214 des Continental Inn („on

the Central Expressway towards

Dallas“) wird sie auf die späte

Auslebung der Lust warten.

Es ist zwar eine Affäre und soll

niemals mehr als das bedeuten,

und doch bedeutet sie gleich mehr:

Wie jede anständige Hausfrau hat

Candy alles für ein ordentliches

Mittagessen im Picknickkorb mit

dabei: eine fröhliche Tischde-

cke, fein säuberlich arrangiertes

Service, Wein, aus Tupperware

zaubert sie Cheesecake und Salat.

Das erste Aufeinandertreffen wird

nicht nur dadurch ein inniges.

Das liebevoll arrangierte Essen

unterstreicht die Verbundenheit,

die sofort zwischen den beiden

herrscht: Sie werden einander Vertraute

und Ansprechpartner, wo

doch die Kommunikation mit den

jeweiligen Partnern weniger rund

läuft. Dass nicht alles so laufen

wird, wie ihr Affären-Regelwerk es

vorsieht, ist vorprogrammiert. Was

als Romanze begonnen hat, wird

bald schon dem zweiten Wort im

Serientitel gerecht: In der siebenteiligen

Miniserie wird es zu einem

Todesfall und zu einem Mordprozess

kommen. Dann schreitet Love

& Death, geschrieben von David

E. Kelley (The Undoing, Big Little

Lies, Anatomie eines Skandals),

zügig als geradlinige True-Crime-

Serie, die in ihrer Gewaltdarstellung

recht … plastisch wird, voran.

Der glanzvolle Auftritt – sowohl

im Verlieben als auch im Verderben

– gehört Elizabeth Olsen,

die als Candy Montgomery einen

bleibenden Eindruck hinterlässt:

Sie geht vollkommen in der Figur

auf.

Während Olsen als Candy vor

der Kamera stand (die Dreharbeiten

von Love & Death dauerten

von September 2021 bis April

2022), fühlte sich auch eine andere

in einen blutigen Zwischenfall in

Montgomerys Leben ein: Jessica

Biel stand im Februar 2022 als

Candy vor der Kamera (für die

Hulu/Disney+-Serie Candy).

www.hbomax.com

LOVE & DEATH

USA 2023,

CREATED BY

David E. Kelley,

MIT Elizabeth Olsen,

Jesse Plemons, Lily

Rabe, Patrick Fugit,

© bei HBO Max

zu sehen.



DAS 120. DOT. erscheint am 26. Februar 2026

THE BRIDE!

NOUVELLE VAGUE

Eine Ausgabe voller Highlights: Timothée

Chalamet zeigt, wie gut er Tischtennis spielen

kann (Marty Supreme) – nämlich verdammt

gut. Regisseur Bradley Cooper macht in Is This

Thing On? das Scheitern einer Ehe zum Standup-Comedy-Stoff;

ins Comedy-Keller-Mikrofon

spricht Will Arnett. Richard Linklater küsst

währenddessen auf energetisierende Weise die

Zeit der Nouvelle Vague wach, und Maggie

Gyllenhaal legt ihre Regiearbeit The Bride! vor:

Als reanimierte Titelheldin agiert Jessie Buckley,

zum einsamen Frankenstein wird Christian Bale.

IS THIS THING ON?

MARTY SUPREME

Impressum Cover 2025 Amazon MGM Studios Content Services LLC – Photo By Dean Rogers. DOT.magazine erscheint 9 x p.a. mit einer Auflage von 120.000 Exemplaren

österreichweit in der PPH Media Verlag GmbH, Kutschker gasse 42/Top 13, A-1180 Wien, Tel.: +43 1 235 13 66-800, E-Mail: office@pph-media.at, Web: www.pph-media.at

Distribution: Österreichweit in allen Constantin Film- & Cineplexx-Kinos, 198 McDonald’s-Restaurants und allen Star Movie Kinos. Herausgeber & Geschäftsführer: Lorin Polak

Verlagsleitung: Georg Peter Senior Account Manager & Marketing: Michael Martinek Chefredaktion & Chefin vom Dienst: Nicole Albiez Senior Account Manager: Daniela

Ruff Film: Nicole Albiez, Manuel Oberhollenzer, Alexandra Zawia, Peter Zirbs Lektorat: Gudrun Likar Produktion: Hofeneder & Partner GmbH. Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen,

Veranstalter, Fotoagenturen und diverse Fotografen. Für unverlangt eingesandte Texte und Fotos übernimmt der Verlag keine Haftung. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Fotocredits im Eventkapitel werden durch den

Vermerk „Veranstalter” im Impressum abgegolten. Einzelne Fotocredits im Eventbereich werden nur auf ausdrücklichen schriftlichen Wunsch des Urhebers abgedruckt. Nachträgliche

Honorarforderungen für nicht veröffentlichte Fotocredits werden nicht anerkannt.

Offenlegung nach § 24 bzw. § 25 MedienG sowie Angaben gem. § 5 ECG: Medieninhaber: PPH Media Verlag GmbH, Sitz in Wien. Unternehmensgegenstand: Redaktion, Herstellung und Distribution von Magazinen,

Zeitschriften, Kalendern und anderen Drucksorten, insbesondere des film- und Musik-Magazins unter der Bezeichnung „DOT.magazine“. Geschäftsführung: Lorin Polak. PPH Media Verlag GmbH steht im Eigentum von

Lorin Polak (100%) mit Sitz in Wien. Tätigkeitsbereich PPH Media Verlag GmbH: Gegenstand des Unternehmens ist jedwede geschäftliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Print- und digitalen Medien im Bereich zielgruppenorientiertem

Jugend- und Familienformat, der Geschäftsbereich Business to Business, jedwede Tätigkeit einschließlich Marketing und Consulting im Bereich der Medien und Werbewirtschaft. Die Gesellschaft ist

zu allen Geschäften und Maßnahmen berechtigt, die zur Erreichung des Gesellschaftszwecks notwendig oder nützlich erscheinen. Blattlinie DOT.magazine: Die PPH Media Verlag GmbH publiziert unabhängige, freie

Print- und digitale Medien. Die Berichterstattung der Journalisten und Redakteure ist unabhängig von politischen Parteien, Institutionen und Interessensgruppen und wendet sich an LeserInnen, die klare Ansprüche an eine

unvoreingenommene, einfache und doch umfassende Berichterstattung im Bereich Unterhaltung stellen.


VON DEN MACHERN VON

UND PRODUZENT

DU BIST NIE ZU KLEIN

UM GROSS ZU TRÄUMEN

GOATFilm.de

#GOATFilm

AB 20. FEBRUAR NUR IM KINO


1o0 %

FREI VON

konservierungsstoffen

geschmacksverstärkern

künstlichem aromazusatz

Palmöl

100% pflanzlich

Exklusiv bei:

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!