DOT.magazine 119
Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas, wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet +++ Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien auf einer einsamen Insel stranden. „Send Help“! +++ Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“ +++ Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell verfilmt Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“ +++ Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama +++ Martin Bourboulon erzählt von der dramatischen Evakuierung der französischen Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“ +++ Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand: Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule +++ Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten „No Other Choice“ +++
Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas, wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet +++ Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien auf einer einsamen Insel stranden. „Send Help“! +++ Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“ +++ Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell verfilmt Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“ +++ Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama +++ Martin Bourboulon erzählt von der dramatischen Evakuierung der französischen Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“ +++ Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand: Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule +++ Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten „No Other Choice“ +++
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119
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EDITORIAL
NICOLE ALBIEZ
W
ie lange würden Sie überleben,
wenn Sie auf einer einsamen
Insel stranden würden?
Könnten Sie ohne Hilfsmittel ein Feuer
entfachen? Woraus würden Sie Werkzeug
und Waffen herstellen? Und ein Dach
über dem Kopf? Wen oder was würden
Sie jagen? Oder würden eher Sie gejagt?
Würden Sie giftige Beeren erkennen? Und
wären Sie lieber allein hier oder doch
lieber mit einem Gefährten – auch wenn
das jemand ist, den Sie in der Zivilisation
zutiefst verabscheuten?
Nun, Sam Raimis neuer Streich spielt all
diese Fragen durch. Mit Send Help (S. 20)
erzählt er allerdings von einer Kandidatin,
die quasi nur dafür gelebt hat, den Traum
vom Stranden zu leben: Linda Liddle, die
Rachel McAdams voller Inbrunst darstellt,
ist ein Survivalprofi in Gestalt einer
Buchhalterin. Ihre Fähigkeiten hat sie dem
Fernsehen zu verdanken: Sie verbringt
ihre Freizeit damit, das Reality-Format
Survivor (aktuell startet in den USA die
50. Staffel – u.a. mit Mike White, The
White Lotus, als Kandidat) zu studieren.
Dort lernt man zwar nicht unbedingt im
zwischenmenschlichen Bereich dazu,
aber ein Wildschwein erlegen? Schafft sie
locker. In Send Help geht es allerdings weniger
darum, die Insel, als mehr: einander
zu überleben. Die Charakterentwicklung
von Linda Liddle wird – konfrontiert mit
ihrem verhassten Chef, der auf der Insel
wenig überlebensfähig ist – „interessant“.
Nicht nur Rachel McAdams und Dylan
O’Brien, der ihren fiesen Chef spielt, müssen
an ihren Survival-Skills feilen. Emma
Thompson entdeckt mit 66 Jahren ihren
Sinn für Action-Rollen. Das Entführungsdrama
Dead of Winter (S. 16) ist erst der
Anfang. Und der Anfang findet gleich
unter unwirtlichen Umständen statt: im
tiefsten Winter in Minnesota. Um sich auf
den Dreh (nicht in Minnesota, sondern in
Finnland) vorzubereiten, verbrachte
sie einen Monat vor Ort in der Kälte.
„Es war nicht nur kalt – es war eiskalt.
Es packt einen wie Metall. Wir zogen uns
aus, saßen in einer finnischen Sauna und
stiegen in einen zugefrorenen See, um
uns daran zu gewöhnen“, erzählte sie beim
Locarno Film Festival. Das Wichtigste
beim Dreh? – Handschuhe, Handschuhe,
Handschuhe. „Überall waren Handschuhe!
Die Leute aus Minnesota sagten,
wir bräuchten sie, denn wenn man kalte
Hände bekommt, ist das Leben vorbei.“
Survival-Skills hätten die Papierindustrieexperten,
die in Park Chan-wooks
No Other Choice (S. 24) auf den Protagonisten
treffen, bitter nötig: Der arbeitslose
Mann macht sich daran, seine potenziellen
Mitbewerber auszuschalten.
Cold Storage (S. 26) versucht uns derweil
weiszumachen, dass man die nötigen
Fähigkeiten im Ernstfall schnell draufhat.
Zumindest müssen die handelnden
Figuren – Nachtwächter eines Self-
Storage-Ladens – gegen einen aggressiven
Pilz-Parasiten vorgehen, der sich aus einer
versiegelten Militärbasis herausarbeitet
und der keine gute Nachricht für die
Menschheit bedeutet. Immerhin haben
Joe Keery und Georgina Campbell Actionversierte
Unterstützung: Liam Neeson.
In Primate (S. 40) spielt inzwischen das
Haustier verrückt.
Was Chris Pratt in Mercy (S. 17) fast
noch mehr bräuchte als Survival-Skills:
frühere Einsichten. Seine Figur, Detective
Chris Raven, hat sich für eine KI-Rechtsprechung
eingesetzt, nun erlebt er die
bösen Konsequenzen am eigenen Körper.
Sie sehen, es wird ein harter Monat für das
Personal auf der Leinwand. Während Sie
im Kinosaal auf den Filmbeginn warten,
könnten Sie vielleicht mal googeln, wie
man in der Wildnis ohne große Hilfsmittel
Feuer macht. Nur zur Sicherheit.
Ein letzter Coup
februar 2026
Streng nach Muster:
Chris Hemsworth
als gerissener Gauner
in Crime 101.
119
www.dot-magazine.at
DOT.EDITORIAL 3
»CATCH ME IF YOU CAN trifft THE WOLF OF WALL STREET«
DEADLINE
GEWINNER
GOLDEN
GLOBE ®
★★★
BESTER
HAUPTDARSTELLER
★★★★★
FILMSTARTS.DE
★★★★★
THE TELEGRAPH
★★★★★
FINANCIAL TIMES
★★★★★
THE STANDARD
★★★★★
THE GUARDIAN
★★★★★
EMPIRE
★★★★★
DEN OF GEEK
★★★★★
HEAT
AB 26. FEBRUAR IM KINO
CONTENT
DOT.119
28 12
Opening Credits 08
Leinwandflirren 10
IN TROUBLE
Crime 101 12
Dead of Winter – Eisige Stille 16
Mercy 17
13 Tage, 13 Nächte 18
Ein Kuchen für den Präsidenten 19
WORK / LIFE
Send Help 20
No Other Choice 24
Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 25
The Souffleur 25
Cold Storage 26
FEELINGS
„Wuthering Heights“ – Sturmhöhe 28
Bon Voyage 32
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke 34
Die Ältern 36
THE HORROR
Return to Silent Hill 38
Primate 40
Dust Bunny 41
UNSERE WELT
42 Die Stimme von Hind Rajab
43 Stoff – Ein Spitzengeschäft
44 Silent Friend
45 Das Flüstern der Wälder
KIDS & FAMILY
46 Woodwalkers 2
47 Charlie – Der Superhund
48 G.O.A.T.
50 Der letzte Walsänger
50 Disney Channel Mitmach-Kino
ANIME
52 Prinzessin Mononoke 4K
54 Scarlet
ARTHAUS
56 Die Jahreszeiten
56 Coexistence, My Ass!
57 Monsieur Robert kennt kein Pardon
57 Rule Breakers
58 Wahrheit & Verrat
58 Stray Kids: The dominATE Experience
58 The Royal Ballet: Woolf Works
HEIMWERK
60 Home Entertainment
64 Filmkost
CHRIS HEMSWORTH. HALLE BERRY. MARK RUFFALO. RACHEL MCADAMS. CALEB MCLAUGHLIN.
MADS MIKKELSEN. MARGOT ROBBIE. JACOB ELORDI. LÉA SEYDOUX. EMILE CHÉRIF. CHRIS PRATT.
JETZT NUR IM KINO
Aus der Perspektive
der 14-Jährigen
Wenn Emerald Fennell als Regisseurin
einen Stoff anfasst, dann sorgt das
für Gesprächsstoff. Mit dem feministischen
Rape-Revenge-Thriller
Promising Young Woman schuf sie
2020 einen bis zum Ende kompromisslosen
Film. In Saltburn ging
sie unumwunden den Obsessionen
eines Aufsteigers nach. Testscreening-
Ergebnisse ihres kommenden Films
lassen vermuten, dass sich an ihrer
Handschrift und ihrer Wirkung
wenig ändern wird: Sie verfilmt
Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“
(siehe auch Seite 28), der bei seinem
Erscheinen im Jahr 1847 einen Sturm
der Entrüstung auslöste. Seit Fennell
ihn als 14-Jährige gelesen hat, lässt er
sie nicht mehr los. Wenn sie ihn jetzt
für die Leinwand bearbeitet, dann
auch aus den Augen der jungen Frau,
die sie damals war. Wie das aussehen
wird, wissen wir ab 12.02.: Dann
läuft „Wuthering Heights“ – Sturmhöhe
im Kino an.
DOT.MOVIE
© Warner Bros. Pictures/Constantin Film Österreich , The Walt Disney Company
Tierisches Highlight
Ein klares Ja zu Reptilien in Zoomania:
Dass ein Fuchs und eine Häsin ein
gemeinsames Ding machen und hinter
einer Schlange her sind, hat wortwörtlich
alle Welt interessiert. Zoomania 2
hat einen sagenhaften Erfolg eingefahren:
Mit dem (bisherigen) weltweiten
Einspielergebnis von 1,703 Milliarden
US-Dollar rangiert der Film aktuell auf
Platz 9 der an der Kinokasse erfolgreichsten
Filme aller Zeiten.
#zoomania2
CRIME 101. DEAD OF WINTER. 13 TAGE, 13 NÄCHTE. ACH, DIESE LÜCKE … SEND HELP. DIE ÄLTERN.
NO OTHER CHOICE. COLD STORAGE. WUTHERING HEIGHTS. RETURN TO SILENT HILL. G.O.A.T.
Opening Credits
TRIVIA
Euphorie des Monats: „Survivor“
als Survivaltraining
Wenn in Send Help
(Seite 20) ein Chef
(Dylan O’Brien)
und seine Angestellte auf einer
einsamen Insel stranden, ist sie,
die im Büro hierarchisch Untergebene,
plötzlich die Überlegene:
Linda Liddle, inbrünstig gespielt
von Rachel McAdams, war, als
sie sich noch in der Zivilisation
befand, manische Stammseherin
der Fernsehshow Survivor. Wer
zur Fernbedienung greift, ist also
klar im Vorteil. Seit 2000 läuft die
hoch erfolgreiche Reality-Show
Survivor, die eigentlich auf einem
schwedischen Format (Expedition
Robinson, 1997) basiert, im US-
Fernsehen (und fand zahlreiche
internationale Ableger): Bunt zu
Gruppen zusammengewürfelte
Kandidaten werden an einem
abgelegenen Ort ausgesetzt und
müssen sich um Nahrung, Wasser,
Feuer und eine Unterkunft kümmern.
In der ersten Staffel war der
Austragungsort Borneo, die zweite
Staffel führte ins australische
Outback. Das Gruppendenken
herrscht nicht lange vor – am Ende
wird ein „Sole Survivor“ dastehen,
der 1 Mio. US-Dollar mit nach
Hause nimmt. Für Action sorgen
Intermezzi wie Wettkämpfe, „Entführungen“,
manchmal werden
auch die Gruppen unangekündigt
neu durchmischt. Was das
Publikum seit 50 Staffeln (!) bei
der Stange hält, sind – wie bei allen
Realityformaten – die menschlichen
Dramen: Wer lügt, wer kokst
heimlich, wer zieht sich für ein
Stück Schokolade aus?
www.cbs.com/shows/survivor
LISTIG
Der Silent Friend, von dem auf
Seite 44 die Rede ist, ist ein Baum.
Andere Bäume, die Filmgeschichte
geschrieben haben:
Der Zauberer von Oz (1939)
Vorsicht ist geboten, wenn man sich
nicht mehr in Kansas befindet: Pflückt
man unbedacht einen Apfel, gibt es
eins auf die Finger. Durch einen Ast.
Und gleich darauf folgt eine Schimpftirade
vom Baum: Wie fändest du es,
wenn irgendwer daherkommt und
etwas von dir pflücken würde?!
Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)
Auf dem erdähnlichen Mond Pandora,
von dem James Cameron erzählt, haben
es die Menschen auf den Rohstoff
Unobtainium abgesehen. Um ihn abzubauen,
soll nicht nur die hier lebende
Spezies weichen: Weg müssen auch
die gigantischen Bäume. Nur zählen
sie zu den heiligsten Stätten der Na’vi
und sind das Zentrum der neuronalen
Strukturen von Pandora. Kampflos
wird hier nichts aufgegeben …
Pocahontas (1995)
Großmutter Weide hat immer einen
Rat, wenn Pocahontas nicht weiterweiß.
Zum Beispiel: Lausche mit dem
Herz. Die Hunderte Jahre alte Weide,
die Mentorin der Disney-Prinzessin
Pocahontas, wurde in der deutschen
Fassung von Hildegard Knef gesprochen/gesungen.
„Versuch mal mit den
Brustwarzen zu lächeln!“
– Joachim Meyerhoff
erinnert sich in Ach, diese
Lücke, diese entsetzliche
Lücke (S. 34) an die
Schauspielschule; Hauptdarsteller
Bruno Alexander
muss da jetzt durch.
Eine jahrzehntelange Zusammenarbeit
(mit dem US-Fernsehsender ABC)
kommt zu einem Ende: Ab 2029 wird
die Oscar-Gala nur noch auf YouTube
gezeigt. Es werde eine „facettenreiche
globale Partnerschaft mit YouTube“, wie
8 DOT.MOVIE
die Oscar-Akademie mitteilte. Es wurde
ein fünfjähriger Deal ausgehandelt.
Die Akademie wolle wieder ein breiteres
weltweites Publikum erreichen – in den
letzten Jahren sanken die Einschaltquoten
spürbar.
© CBS, www.instagram.com/theacademy
EXPERIENCE IT IN
AB 12.02. IN
FILMS TO THE FULLEST
ALLE FILME AUF
CINEPLEXX.AT
Leinwandflirren
Now and then: Wim Wenders
Die Jury, die bei der kommenden Berlinale (12.–22.02.) über die Wettbewerbsfilme
verhandelt, wird von Wim Wenders angeführt. Wenders, der
zahlreiche seiner Filme bei der Berlinale präsentierte – zum Beispiel Pina
oder The Million Dollar Hotel (der Eröffnungsfilm des Festivals im Jahr
2000) –, erhielt 2015 vom Festival einen Goldenen Ehrenbären für sein
Lebenswerk als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autorenfilmer.
Er kann auf Filme wie Paris, Texas, Der Himmel über Berlin, Alice
in den Städten und zuletzt Perfect Days zurückblicken. Er und seine
Jurykollegen werden u.a. über die neuen Arbeiten von Kornél Mundruczó,
Angela Schanelec und İlker Çatak diskutieren. Aus Österreich stammen
gleich zwei Wettbewerbsbeiträge: Rose von Markus Schleinzer und The
Loneliest Man in Town von Tizza Covi und Rainer Frimmel.
2003 2008
HOP & DROP
Rip-off
Bei den Netflix-Charts ganz oben
steht aktuell The Rip – ein Cop-Thriller
mit Matt Damon und Ben Affleck.
Als die beiden Hauptdarsteller zu
Promozwecken im Podcast „Joe
Rogan Experience“ zu Gast waren,
klang es streckenweise nicht nach
Promo: Netflix würde darum bitten,
gleich zu Filmbeginn eine Explosion
einzubringen, um dem Abschaltimpuls
entgegenzuwirken, und außerdem
die Handlung drei-, viermal im
Dialog zu wiederholen, damit die
Zuschauer, die eher auf ihre Handys
als auf den Film konzentriert sind,
noch folgen können, führt Damon
aus. Adolescence sei das beste
Beispiel dafür, dass man diesen
Bitten nicht nachkommen muss und
dass es auch gut so sei, übernahm
schnell Affleck. Man müsse Wege
finden, das Publikum zu fesseln.
© PPS Vienna, Donata Wenders, Gerhard Kassner Netflix
2015 2024
LOVE INTEREST
Bradley Cooper (demnächst: „Is This
Thing On?“) soll die Mutter seiner Freundin
Gigi Hadid offiziell um Erlaubnis gebeten
haben, um die Hand ihrer Tochter anzuhalten.
Der Filmemacher/Schauspieler und das
Model sind seit 2023 ein Paar – sie lernten
sich bei einem Kindergeburtstag kennen.
Beide haben jeweils eine Tochter (5 und
8 Jahre alt) aus früheren Beziehungen.
10 DOT.MOVIE
IN PRODUCTION
Den kommenden Sommer soll der
85-jährige Scrarface-Regisseur Brian
De Palma in Portugal verbringen: beim
Dreh von Sweet Vengeance, einem
Film, der von zwei Mordfällen inspiriert
sein soll.
Damien Chazelle werkt an einem
Gefängnisdrama. Neuzugang beim
Cast, zu dem schon Daniel Craig, Dave
Bautista und Cillian Murphy zählen
sollen: Michelle Williams.
1995, in Michael Manns Heat, war
Al Pacino als Polizist hinter Gangster
Robert De Niro her. Aktuell wird an
einer Fortsetzung gewerkt. Inzwischen
steht fest, wer neben Christian Bale
vor der Kamera stehen soll: Leonardo
DiCaprio.
TRIFF LINDA LIDDLE …
SIE IST AUS DEM STRATEGIETEAM.
VON SAM RAIMI REGISSEUR VON THE EVIL DEAD UND DRAG ME TO HELL
PRODUZENTEN SAM RAIMI, p.g.a. & ZAINAB AZIZI, p.g.a. DREHBUCH DAMIAN SHANNON & MARK SWIFT REGIE SAM RAIMI
JETZT IST SIE DER BOSS.
IM KINO
TEXT: MANUEL STEPHAN
Verbrecher auf der Überholspur
Chris Hemsworth gibt als gefinkelter Dieb in „Crime 101“ mächtig Gas,
wenn sich Mark Ruffalo an seine Fersen heftet.
Es ist einer dieser Momente, die sich
ins Gedächtnis von Kinogängern
eingebrannt haben. Ein edler Recke
im Kampfanzug, mit Kriegsbemalung,
Schlagwaffe und Schild steht mutterseelenallein
mitten in einer Arena vor
Tausenden Schaulustigen. Er erwartet
seinen Gegner, der nach einigen Momenten
dann auch durch das Tor gekracht
kommt. Der Recke sieht ihn … und bricht
in euphorischen Jubel aus, zum Erstaunen
der Gäste in der Loge, die eigentlich einen
unterhaltsamen Kampf erwartet haben.
„Wir kennen uns. Er ist ein Freund von
der Arbeit!“, sagt der Held. Spätestens
jetzt wisst ihr, wen ich meine. Thor, der
nordische Donnergott, gespielt von Chris
Hemsworth, der die Inspiration zu dieser
inzwischen legendären Dialogzeile von einem
kranken Kind erhielt, das die Dreharbeiten
zu Thor: Tag der Entscheidung
besuchte. Der „Freund von der Arbeit“
wiederum ist der grüne Wüterich Hulk,
das Alter Ego des Wissenschaftlers Bruce
Banner, der von Mark Ruffalo verkörpert
wird. Man mag sich gerne vorstellen, wie
viel Spaß die beiden bei der Arbeit an
ihren gemeinsamen Avengers-Filmen
gehabt haben dürften.
EIN JOB FÜR ECHTE PROFIS
Das hier ist aber kein Avengers-Film.
Doomsday, das nächste große Abenteuer
im Marvel-Franchise, startet erst Ende
Dezember. Hemsworth wird dann in
seine Paraderolle zurückkehren, Ruffalo
ziemlich sicher auch. Nun stehen sich
die beiden Publikumslieblinge aber erst
12 DOT.MOVIE
einmal in einem packenden und rasanten
Crime-Thriller gegenüber. Der aus dem
Dokumentarbereich kommende Regisseur
und Drehbuchautor Bart Layton
(The Imposter, American Animals)
sicherte sich die Dienste der beiden
vielbeschäftigten Schauspieler, um eine
Novelle des Schriftstellers Don Winslow
(Kill Bobby Z, Savages) für die große
Leinwand zu adaptieren. 2020 publizierte
Winslow die Kurzgeschichtensammlung
„Broken“, in der sechs verschiedene
Thriller-Plots erzählt werden. Einer
davon, Crime 101, findet bald den Weg
in die Kinos. Dafür hat sich neben den
beiden actionerprobten Hauptdarstellern
eine ganze Riege prominenter Kollegen
einspannen lassen: die Oscar-Preisträgerin
Halle Berry, selbst keine Unbekannte
im Marvel-Multiversum dank X-Men,
mischt in dieser Gangsterballade ebenfalls
mächtig mit.
SCHWUPP UND WEG
Dazu kommen noch Barry Keoghan (The
Banshees of Inisherin, Saltburn), Monica
Barbaro (Top Gun: Maverick, Like A
Complete Unknown), Jennifer Jason
Leigh (The Hateful Eight, Backdraft) und
Schauspielveteran Nick Nolte (Kap der
Angst, Nur 48 Stunden) – der übrigens
2003 mal den bösen Vater von Eric Banas
Hulk spielte. Eine absolute Top-Besetzung,
wie man sie sich von einem spannenden
Crime-Thriller erwartet. Hemsworth
spielt mit gewohnter Coolness und
Stilsicherheit den gerissenen Dieb Mike
Davis. Er stiehlt Juwelen, Geld und andere
IN
TROUBLE
CRIME 101
KINOSTART 13.02.,
GB/USA 2026,
REGIE Bart Layton, MIT
Chris Hemsworth, Mark
Ruffalo, Halle Berry,
Barry Keoghan, Monica
Barbaro, Nick Nolte,
FILMLÄNGE 140 Min.,
© Sony Pictures
DOT.MOVIE 13
wertvolle Gegenstände, und das
schon seit vier Jahren. Damit er
nach seinen Coups möglichst
schnell und möglichst unerkannt
fliehen kann, zieht er sein Ding
immer entlang des Freeway 101 in
Los Angeles durch. Bei der Vorbereitung
seines nächsten Raubs
macht Davis die Bekanntschaft der
frustrierten Versicherungsmaklerin
Sharon Colvin (Berry). Sie ist
Vizepräsidentin, sollte aber nach
elf Jahren längst Namenspartnerin
in ihrer Agentur sein.
HER MIT DEM SCHNÖDEN
MAMMON
Und dann muss sie auch noch
erfahren, dass ihr Arbeitgeber
nicht so unbescholten ist, wie sie
immer gedacht hat. Mike und
Sharon wollen einen großen Raub
durchführen. Ein Kurier bringt
eine Lieferung von Uhren und
Schmuck im Wert von elf Millionen
Dollar in ein Hotelzimmer.
Für ihre Mithilfe verlangt Sharon
einen Anteil von drei Millionen. So
ganz trauen sich die beiden aber
nicht über den Weg. „Sie haben
die Autos, die Klamotten, aber Sie
können mir nicht in die Augen
sehen“, sagt sie zu ihm. Dann
erfährt auch sein alter Hehler
Money (Nolte) von der lukrativen
Operation und will, eh klar, die
Beute am liebsten für sich selbst.
Also setzt er den unberechenbaren
Ormon (Keoghan) auf Mike und
Sharon an: „Lass ihn den Kurier
ausrauben, dann raubst du ihn
aus.“ Fortan rückt Ormon Mike
hartnäckig und wenig zimperlich
auf die Pelle. Aber das ist natürlich
nicht Mikes einziges Problem.
RÄUBER UND GENDARM
Richtig kompliziert wird es nämlich,
als dann auch noch Detective
Lou Lubesnick (Ruffalo) und
sein Partner, Detective Tillman
(Corey Hawkins, Straight Outta
Compton, Die letzte Fahrt der
Demeter), Mikes Muster auf die
Spur kommen und sich unerbittlich
an seine Fersen heften. Auch
ein Gentleman-Gauner wie Steve
McQueen in Thomas Crown ist
nicht zu fassen wird irgendwann
einmal seine Rechnung begleichen
müssen. Und so wird sich
Mike nicht nur wie McQueens
Langfinger aus Norman Jewisons
Krimiklassiker aus dem Jahr 1968
so einiges einfallen lassen müssen,
um nicht der Polizei und seinen
Feinden auf den Leim zu gehen,
sondern auch, wie McQueen
ebenfalls im Jahr 1968 als Bullitt
in Peter Yates’ gleichnamigem
Actionthriller, einige spektakuläre
Autoverfolgungsjagden absolvieren
müssen. Das verspricht coole
Kerle und Ladys, viele Wendungen,
ein packendes Katz-und-
Maus-Spiel und halsbrecherische
Action mit Blechschaden. Crime
101 eben.
#crime101
Coups nach dem immer gleichen Muster:
Mike agiert immer entlang des Freeway 101 in L.A.
– um schnell und unerkannt fliehen zu können.
14 DOT.MOVIE
Thomas Crown ist nicht zu fassen
Heat
Drei der coolsten und schnellsten
Räuber der Filmgeschichte
Drive
© MGM, Warner Bros., Universum Film
Thomas Crown ist nicht zu fassen
(1968) Bereits erwähnt und in Crime
101 direkt zitiert, macht sich die coole
Socke des amerikanischen Action-
Kinos der 1960er- und 1970er-Jahre
schlechthin, Steve McQueen, als
Gentleman-Gauner Thomas Crown
einen Namen als gerissener und
maßloser Dieb. Er hat es eigentlich
gar nicht nötig, ist er doch ein reicher
Geschäftsmann. Aber dennoch
orchestriert der Adrenalin-Junkie
einen spektakulären Bankraub von
2,66 Millionen Dollar in Boston. Die
Versicherungsagentin Vicki (Faye
Dunaway, Chinatown) wird auf
den Fall angesetzt und nimmt sofort
Crown ins Visier. Es entwickelt sich
nicht nur ein spannendes Katz-und-
Maus-Spiel zwischen den beiden,
sondern auch eine romantische
Anziehung, die in einer Affäre gipfelt.
Dies macht Vickis Job ungemein
kompliziert. Pierce Brosnan (James
Bond: GoldenEye) und Rene Russo
(Lethal Weapon 3) spielten 1999 die
Hauptrollen in einer Neuverfilmung,
ein weiteres Remake von und mit
Michael B. Jordan (Blood & Sinners)
sowie Adria Arjona (Morbius) als
Partnerin in Crime soll nächstes Jahr
anlaufen.
Heat (1995) Das erste richtige
Aufeinandertreffen der beiden
Schauspieltitanen Al Pacino und
Robert De Niro auf der Leinwand
gilt als einer der ganz großen
Crime-Thriller der Filmgeschichte,
und das nicht ohne Grund. De
Niro spielt den begnadeten Räuber
Neil McCauley. Ein Überfall seiner
Gang auf einen Geldtransporter
läuft aus dem Ruder, und der von
dem Fall besessene Lieutenant
Vincent Hanna (Pacino) nimmt
unermüdlich die Verfolgung auf,
bewundert seinen kaltschnäuzigen
Gegenspieler aber auch. Das zeigt
sich am eindrücklichsten, wenn
er sich mit ihm einfach mal auf
einen Kaffee zusammensetzt und
so eine unvergessliche Szene voller
Kinomagie entsteht. Ebenfalls mit
von der Partie als McCauleys Juniorpartner
Chris Shiherlis ist der
2025 verstorbene Val Kilmer (Top
Gun: Maverick). Genre-Experte
Michael Manns Kinoadaption seines
eigenen Fernsehthrillers L.A.
Takedown (1989) gilt seit seiner
Veröffentlichung vor 30 Jahren als
moderner Genre-Klassiker, der
viele Filmemacher, u.a. Christopher
Nolan, inspiriert hat.
Drive (2011) In diesem längst zum
Kultfilm avancierten Neo-Noir-
Crime-Thriller von Regisseur
Nicolas Winding Refn (The Neon
Demon) nach der Romanvorlage
von James Sallis lässt sich Ryan
Goslings (The Fall Guy) namenloser
Hollywood-Stuntman nachts
als Fluchtwagenfahrer für bewaffnete
Raubüberfälle einspannen.
Er agiert nach einem strengen,
asketischen Kodex und greift
niemals selbst in die Coups ein.
Sein spektakuläres, aber einsames
Leben ändert sich von Grund auf,
als er sich in seine Nachbarin Irene
(Carey Mulligan, Promising Young
Woman) verliebt, deren frisch
aus dem Gefängnis entlassener
Ehemann Standard (Oscar Isaac,
Frankenstein) noch Schulden bei
Mithäftlingen begleichen muss.
Doch dann läuft alles schief, und
der Driver muss nicht nur Irene
und ihren Sohn beschützen, sondern
sich auch gegen skrupellose
Gangster zur Wehr setzen. Kein
typischer Action-Blockbuster, sondern
ein stylisches, atmosphärisch
dichtes Krimidrama mit einem
eleganten, pulsierenden Electro-
Pop-Soundtrack.
DOT.MOVIE 15
Um Leben und Tod
Emma Thompson schlittert in „Dead of Winter – Eisige Stille“ in ein Entführungsdrama.
Als Barb Sorenson, Betreiberin
eines kleinen Angelgeschäfts,
ins nördlichste
Minnesota reist, ist mit nichts als
Stille und Abgeschiedenheit zu
rechnen – und innerer Einkehr:
Denn der Anlass für ihren Trip
ist es, den letzten Wunsch ihres
verstorbenen Mannes zu erfüllen.
Karl wollte, dass seine Asche an
jenem einsam gelegenen See verstreut
wird, an dem ihre gemeinsame
Geschichte einst begann. Der
Ort, an dem weder mit Handyempfang
noch mit Zivilisation zu
rechnen ist, wird ihr jedoch wenig
Gelegenheit zum stillen Gedenken
geben. Ganz im Gegenteil: Tief in
der Wildnis wird die frisch verwitwete
Frau sehr viel Grund haben,
Adrenalin auszuschütten. Denn
unversehens wird sie Zeugin eines
Verbrechens: Eine junge Frau wird
verschleppt und in einer verlassenen
Hütte gefangen gehalten. Barb
gibt alles, um das Mädchen (Laurel
Marsden, Ms. Marvel) zu befreien
– und bekommt es so neben der
beißend-gefährlichen Kälte Minnesotas
auch mit den skrupellosen
Entführern (Judy Greer, Ant-Man,
und Marc Menchaca, Ozark) zu
tun …
66: DAS RICHTIGE ALTER
FÜR ACTION
Regisseur Brad Kirk (21 Bridges,
Game of Thrones) gestaltet einen
Film mit einer sehr diversen
emotionalen Heimat. Einerseits
erzählt er in Rückblenden die
Liebegeschichte von Barb und
Karl, zeitgleich entfaltet er einen
gnadenlosen Entführungsthriller.
Was die so konträren Handlungsstränge
eint, ist, dass sie beide dem
Tod ins Auge blicken, sich mit
Abschied und Trauer beschäftigen:
Jeder hier ist in den Tanz mit dem
Tod verstrickt.
Die Landschaft, in die Kirk
führt, ist beeindruckend. Seine
Hauptdarstellerin ist es auch:
Emma Thompson (Nanny McPhee,
Harry Potter, Oscar für ihre
Darstellung in Wiedersehen in
Howards End und für ihr Drehbuch
zu Sinn und Sinnlichkeit)
übernimmt die Rolle der Barb –
eine ungewöhnliche Wahl für die
britische Schauspielerin. Sie spielt
eine Frau, die im verletzlichsten
Moment ihres Lebens die Heldin
in sich zum Vorschein bringen
muss. Beim Locarno Film Festival,
wo der Film seine Premiere feierte,
scherzte Thompson: „Warum mit
66 Jahren mit Action anfangen?!
Das ist doch einfach nur dumm.“
– Nein, gar nicht. Sie scheint
außerdem auf den Geschmack
gekommen zu sein: Sie ist aktuell
auch in der Action-Thriller-Serie
Down Cemetery Road zu sehen
– als Detektivin, die nach einem
vermissten Mädchen sucht …
Als jüngere Version von Barb
tritt Thompsons Tochter Gaia
Wise (Picknick mit Bären) in
Erscheinung.
#deadofwinter
DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE
KINOSTART 19.02., USA/D 2025,
REGIE Brian Kirk, MIT Emma Thompson,
Judy Greer, Marc Menchaca, Laurel
Marsden, Gaia Wise, Cúán Hosty-Blaney,
FILMLÄNGE 97 Min., © Constantin Film
IN
TROUBLE
16 DOT.MOVIE
System im Unrecht
Ein des Mordes beschuldigter Chris Pratt muss vor KI-Richterin
Rebecca Ferguson seine Unschuld beweisen: „Mercy“.
Mit Schmeicheleien
kommt man vor
diesem Gericht nicht
weit: Ein LAPD-Detective der
nahen Zukunft erwacht nach
einer durchzechten Nacht in der
„großen Strafkammer von Mercy“,
gefesselt an einen Stuhl, vor ihm
ein überdimensional großer
Bildschirm. Noch ehe er weiß, wo
er sich genau befindet und was
passiert ist, erklärt ihm eine Frau
über den Bildschirm, dass er genau
90 Minuten Zeit habe, ihr, einer
fortschrittlichen KI-Richterin
(Rebecca Ferguson), seine Unschuld
zu beweisen. Sonst wird er
an Ort und Stelle exekutiert – die
Vorrichtung dafür verlangt nicht
nach menschlichem Kontakt.
Einst hat er sich für ihre Entwicklung
eingesetzt, nun wird
sie über sein Schicksal entscheiden.
„Ich sollte hier nicht sitzen,
ich habe das Mercy-Programm
mitentwickelt“, empört er sich
noch – aber dann sollte sich Detective
Chris Raven (Chris Pratt,
Guardians of the Galaxy) beeilen
zu beweisen, dass er seine Frau
(Annabelle Wallis) nicht getötet
hat. Konfrontiert mit den Bildern,
treibt es ihm die Tränen in die Augen.
„Ich habe meine Frau geliebt,
ich habe ihr nichts angetan!“ – Das
KI-betriebene juristische System
ist resistent gegen Tränen. „Sie
müssen Beweise finden, um sich
selbst zu entlasten“, ehe die gnadenlose
künstliche Rechtsprechung
zu einem Urteil kommt.
Die kommunale Cloud der Stadt
stehe ihm zur Verfügung, er muss
sich durch all die Daten wühlen.
Er kann sich zwar nicht erinnern,
was passiert ist – aber eins weiß
er: Mörder ist er keiner. Irgendwann
stutzt er und fragt: „Denkst
du wirklich, dass ich meine Frau
umgebracht habe – oder wurdest
du falsch programmiert?“
ECHT KLAUSTROPHOBISCH
Der Thriller-versierte Timur
Bekmambetov (Abraham Lincoln
Vampirjäger, Wächter des Tages,
Wächter der Nacht) legt einen
unbarmherzigen Countdown
hin, wenn er ausführt, wie es
wäre, wenn KI über Schuld und
Unschuld entscheiden würde.
Mit seinem Hauptdarsteller Pratt
hat er bereits 2008 gedreht – die
Comicverfilmung Wanted. Pratt
bat seinen Regisseur, während der
Dreharbeiten am Henkersstuhl
festgeschnallt zu bleiben, um
seiner Darstellung mehr Authentizität
zu verleihen, wie er in einem
Interview erklärte: „Ich dachte, das
würde der Performance helfen und
Gefühle von Klaustrophobie und
Eingesperrtsein verstärken. Ich
habe geschwitzt, und wenn mein
Gesicht gejuckt hat, konnte ich
mich nicht kratzen, und ich konnte
nicht aufstehen.“
www.mercyfilm.de
MERCY KINOSTART 23.01.,
USA/GB 2026, REGIE Timur Bekmambetov,
MIT Chris Pratt, Rebecca Ferguson,
Noah Fearnley, FILMLÄNGE 96 Min.,
© Sony Pictures
DOT.MOVIE 17
IN
TROUBLE
Chronik eines Ausnahmezustands
Tatsächliche Ereignisse sind die Grundlage von Martin Bourboulons
neuem packenden Film über die dramatische Evakuierung der französischen
Botschaft in Kabul im August 2021: „13 Tage, 13 Nächte“.
Martin Bourboulons Film
13 Tage, 13 Nächte rekonstruiert
einen jener
historischen Momente, in denen
politische Entscheidungen plötzlich
ganz konkret werden. Der
französische Politthriller nimmt
die dramatische Evakuierung der
französischen Botschaft in Kabul
im August 2021 in den Blick, als
mit dem Abzug der US-Truppen
die Taliban die afghanische
Hauptstadt innerhalb weniger
Stunden übernahmen.
Im Zentrum steht Mohamed
„Mo“ Bida, Kommandant der
Sicherheitseinheit der Botschaft.
18 DOT.MOVIE
Mit der Einnahme Kabuls wird
das diplomatische Gelände zum
letzten Schutzraum für Hunderte
Menschen: französische Staatsangehörige,
afghanische Ortskräfte,
Familien, die alles zurücklassen
mussten. 13 Tage und Nächte lang
versucht Bida mit seinem Team,
Ordnung im Ausnahmezustand
zu bewahren und einen Konvoi
zum Flughafen zu organisieren
– ein riskantes Unterfangen, das
ständige Verhandlungen mit
den Taliban erfordert. Unterstützung
erhält er von Eva, einer
jungen humanitären Helferin mit
afghanisch-französischem Hintergrund,
die als Übersetzerin und
Vermittlerin agiert.
PROFESSIONELLER MUT
Bourboulon (Die drei Musketiere)
inszeniert dieses Szenario als
eng getakteten Survival-Thriller.
Roschdy Zem (Elisa) verleiht der
Hauptfigur eine zurückhaltende
Autorität: kein überzeichneter
Actionheld, sondern ein Mann,
der Entscheidungen unter Druck
trifft und deren Folgen trägt. Gerade
diese Nüchternheit bewahrt
die Figur vor heroischer Glätte.
Lyna Khoudri (Das Imperium)
bringt als Eva eine fragile Energie
ins Geschehen, während Sidse
Babett Knudsen eine unbequeme,
hartnäckige Journalistin verkörpert,
die sich weigert, angesichts
der Gewalt zu schweigen.
Filmisch besonders interessant
wird diese Arbeit dort, wo Bourboulon
ihre Grenzen offenlegt.
13 Tage, 13 Nächte funktioniert
klar als intensiver Spannungsfilm,
in dem das Geschehen strikt
an den Blick der französischen
Akteure gebunden bleibt.
So ist Bourboulons Film keine
Analyse, sondern Chronik eines
Ausnahmezustands.
#13tage13nächte
13 TAGE, 13 NÄCHTE – 13 JOURS,
13 NUITS KINOSTART 30.01., F 2025,
REGIE Martin Bourboulon, MIT Roschdy
Zem, Lyna Khoudri, FILMLÄNGE 112 Min.,
© Panda Lichtspiele Filmverleih
Rosinen ins Getriebe
des Regimes
Hunger prägt das unterdrückte Land, der
Diktator will Kuchen. Die neunjährige Lamia soll
ihn backen. Nur, woraus? „Ein Kuchen für den
Präsidenten“ ist ein poetischer Film über groteske
Realitäten im Irak.
Aus einer grotesk
anmutenden Anordnung
(in Diktaturen
täglich am Programm)
erwächst bei Hasan Hadi ein
leiser, eindringlicher Film von
großer poetischer Kraft: Im
Irak der 1990er-Jahre zwingt
das Regime seine Bürger, selbst im
Mangel Loyalität zu inszenieren: Jede
Schule soll zum Geburtstag Saddam Husseins einen
Kuchen beisteuern. Das Los bestimmt das jeweilige
„Konditor“-Kind. Für die neunjährige Lamia wird
diese Pflicht zur existenziellen Prüfung. Lebensmittel
sind ohnehin kaum zu ergattern, das drohende
Scheitern ist mit gefährlichen Strafen belegt.
Dennoch: Mit kindlichem Ernst, begleitet von einem
Freund und ihrem widerspenstigen Hahn, macht
Lamia sich auf den Weg in die Stadt – eine Odyssee
durch Armut und Willkür, erleuchtet von kleinen
Akten der Solidarität. Hadi erzählt diese autobiografisch
geprägte Geschichte mit feinem Humor
und großer Zärtlichkeit für seine Figuren. Der Blick
des Kindes entlarvt die Absurdität der Macht, ohne
sie erklären zu müssen. In den weiten Marschlandschaften
und den stillen Gesten des Laienensembles
verdichten sich Erinnerung und Beobachtung zu
einem Film, der von Unterdrückung spricht und
doch beharrlich an Menschlichkeit glaubt.
#einkuchenfürdenpräsidenten
GEORGINA
CAMPBELL
JOE
KEERY
DAS ENDE DER WELT
WIRD KRANK.
LIAM
UNDNEESON
VOM AUTOR VON
JURASSIC PARK
UND DEM PRODUZENTEN VON
ZOMBIELAND
EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN –
MAMLAKET AL QASAB KINOSTART 06.02.,
Irak/USA 2025, REGIE Hasan Hadi, MIT Baneen Ahmed
Nayyef, Waheeda Thabet, Sajad Mohamad Qasem,
Muthanna Malaghi, FILMLÄNGE 106 Min., © Filmladen
AB 19. FEBRUAR
NUR IM KINO
WORK/LIFE
Survival of the Angriest
Sam Raimi lässt Rachel McAdams und Dylan O’Brien
auf einer einsamen Insel stranden. Send help!
Sieh an, wer wieder unter den
Lebenden ist!“, sagt Linda
Liddle mit sarkastischem
Unterton, als Bradley Preston
schließlich aus seiner Ohnmacht
erwacht. Dies ist eine überschaubar
freundliche Begrüßung, ja,
und es gäbe geeignetere Umstände,
um zu erfahren, dass man
nach einem Flugzeugabsturz auf
einer einsamen Insel gestrandet
ist und sie beide die einzigen
Überlebenden sind, bloß: Bradley
hat sich bisher seinerseits nicht
durch besondere Freundlichkeit
hervorgetan. Sam Raimi inszeniert
den größtmöglichen Horror:
Mit jemandem in der Abgeschiedenheit
zu stranden, den man
partout nicht leiden kann.
20 DOT.MOVIE
IN RAGE
Linda und Bradley sind Kollegen;
beziehungsweise: Er ist ihr neuer
Vorgesetzter. Ehe sie zusammen
mit einer Handvoll Kollegen
den Privatflieger bestiegen, um
zu einem Merger-Meeting nach
Bangkok zu reisen, hat er sie bei
einer anstehenden Beförderung
übergangen und sagte Sätze zu ihr
wie: „Sie sind klug, ich weiß, Sie
können gut mit Zahlen umgehen
– aber Ihnen fehlt das gewisse
Etwas! Als Führungskraft sehe ich
Sie einfach nicht!“ – Sie möge sich
nun – obwohl sie das schon seit
Jahren tagtäglich macht – beweisen.
Und abgesehen davon gäbe
es Beschwerden über sie – wegen
Geruchsbelästigung. Lindas
Arbeitsalltag: ein Spießrutenlauf
durch Bradleys gezielte Demütigungen.
Wer würde da nicht zu Sarkasmus
neigen, wenn man sich ausgerechnet
mit diesem Gegenüber
fern der Zivilisation wiederfindet?
Und sich die Vorzeichen geändert
haben, der herablassende Vorgesetzte
also nichts mehr anschaffen
kann und in der neuen Situation
auch ein bisschen hilfloser ist?
Die alten Konflikte lassen
sowieso auch hier nicht lange auf
sich warten: Ob sie versucht habe,
ein Notsignal zu senden? Ein größeres
Feuer zu machen? „Ich war
damit beschäftigt, uns am Leben
zu halten!“, schnauzt sie ihn an.
„Uns hier rauszubringen: Darauf
sollte Ihr Fokus liegen, nicht darauf,
hier das Hausmütterchen zu
spielen“, antwortet er ruppig, nur
um breitbeinig nachzuschießen:
„Nicht vergessen: Ich bin Ihr Boss.
Sie arbeiten für mich!“ Linda wird
ihm schnell bewusst machen, dass
die Dynamiken sich geändert
haben: „Wir sind nicht mehr im
Büro, Bradley.“ Während er nur
Management-Taktiken kennt,
ist sie breiter aufgestellt. Sie ist
beispielsweise eine Stammseherin
der TV-Show Survivor …
ENORME ENTWICKLUNGEN
Send Help wird zum schwarzhumorigen
Survival-Thriller der
besonderen Art: Es gilt vor allem,
einander zu überleben. Sam Raimi
(Spider-Man, Tanz der Teufel)
inszeniert den Stoff voller Nervenkitzel
und Überraschungen
auf genüssliche Art und Weise.
Er freute sich über das Potenzial,
das in diesen beiden sehr unterschiedlichen
Charakteren steckt,
und dass die beiden im Lauf des
Films eine enorme Entwicklung
durchmachen werden; und darauf,
das Publikum mit auf diese Reise
zu nehmen: Welchen der beiden
feuert man an?
Geschrieben wurde das Script
von zweien, die sich sowohl mit
Horror (Freddy vs. Jason, Freitag
der 13.) als auch mit Stränden
(Baywatch) auskennen: Damian
Shannon und Mark Swift. Zum
Leben erweckt wird es von Rachel
McAdams (Mean Girls, Spotlight)
und Dylan O’Brien (Maze Runner,
The Change), die anlässlich
des heftigen Schlagabtauschs
erstmals vor der Kamera aufeinandertreffen.
– Eine großartige
Besetzung.
„Einer der wichtigsten Aspekte
bei der Besetzung von Linda war,
dass sie sympathisch sein und diese
Eigenschaft auch bei extremen
Verhaltensweisen beibehalten
musste“, erklärt Shannon. „Sie
musste sowohl verletzlich als
auch eisern stark sein, und wir
mussten uns auch in schwierigen
Momenten mit ihr verbunden
fühlen können. Wenn man es so
betrachtet, ist Rachel McAdams
genau die richtige Besetzung.“
Die Welt, in der Linda feststeckte,
funktionierte nach Bradleys
Regeln. Nun – auf der einsamen
DOT.MOVIE 21
Insel – werden die Karten neu
gemischt. Es herrschen andere
Regeln, neue Machtstrukturen,
und Survival-Talent Linda kann
gestalten. „Auf der Insel entdeckt
sie, dass sie fähig ist“, meint
Raimi. „Sie hat es verdient. Tatsächlich
hat sie sogar noch mehr
verdient. Die Typen, die sie umgeben,
sind Idioten. Sie ist wie ein
Samenkorn, das endlich aufblüht,
wenn es in den fruchtbaren Boden
dieser Insel gepflanzt wird. Aber
mit der Blume, die wächst, stimmt
etwas nicht. Sie ist ein wenig
verformt, wie wir feststellen.“
So sieht das auch McAdams.
„Linda ist eine unglaublich
interessante Figur“, meint sie begeistert.
„Es war toll, eine solche
22 DOT.MOVIE
Charakterentwicklung spielen zu
dürfen und sie eine solche Verwandlung
durchlaufen zu lassen.
Es ist wahrscheinlich die Figur,
die sich innerhalb von anderthalb
Stunden am stärksten verändert
hat, die ich je gespielt habe. Das
waren neue, einzigartige und
spannende Herausforderungen.“
Sam Raimi fragte laut McAdams:
„Wie weit können wir
gehen? Wie oft können wir das
Publikum (bzw. die Sympathien
für die Figur) verlieren und wieder
zurückgewinnen? Probieren
wir es einfach aus und schauen
wir, was passiert“ – ein Angebot,
das McAdams gerne aufgriff: „Es
ist einer der experimentellsten
Filme, die ich je gedreht habe. Das
war beängstigend und wirklich
aufregend. Ich habe diese Reise
geliebt.“
EIN KLEINER SCHEISSER MIT
POTENZIAL
In der Charakterentwicklung
werden beide Figuren nicht
eindimensional bleiben – und
die Sympathien werden durchaus
auch mal zu Bradley wandern …
„Der Schlüssel zu Bradley
war, ihn schrecklich, aber auch
supercharmant zu machen“, sagt
Shannon. „Er musste ein Typ
sein, der in seinem Leben viel
durch seinen Charme erreicht hat,
nicht durch harte Arbeit.“ Dylan
O’Brien wusste, was Raimi und
die Produzenten an ihm gereizt
hat: „Ich glaube, ich kann nur in
einer bestimmten Art von Sensibilität
ein ‚Bösewicht‘ sein. Ich
weiß nicht, ob man mir jemals die
Rolle eines bösen, furchterregenden
Bösewichts abnehmen würde,
daher hatte ich das Gefühl, dass
dies eine Version war, mit der
ich spielen konnte, in der ich als
dieser CEO, der so ein kleiner
Scheißer ist, glaubwürdig sein
konnte.“
„Es war großartig, Bradleys
Zerfall zu beobachten und zu
sehen, wie er zusammenbricht“,
freut sich Raimi. „Er beginnt im
Büro als dieser sehr fähige und
gemeine Mann, der alles unter
Kontrolle hat. Man merkt, dass
er diese Rolle mit einer gewissen
Unsicherheit spielt. Dylan legt
den Grundstein dafür, als wir auf
die Insel kommen. Man sieht, wie
Bradley empört ist, obwohl Linda
ihm eine Unterkunft gebaut und
Wasser und Essen für ihn gefunden
hat. Er versucht immer noch,
der Boss zu sein, und tadelt seine
ehemalige Angestellte. Es ist lustig
zu sehen, wie er langsam erkennt,
dass er nicht mehr die Macht hat
und sie eigentlich nie über sie hatte.
All seine Unsicherheiten kommen
voll zum Vorschein. Ich liebe
den Kontrast, den das Drehbuch
und die Schauspieler schaffen,
indem Linda an Fähigkeiten und
Selbstbewusstsein gewinnt und
Bradley gegen sein wahres Ich
ankämpft. All seine Unsicherheiten
und Unfähigkeiten kommen
an die Oberfläche, und es ist eine
großartige Explosion, ein großartiger
Kontrast, zu sehen, wie
sie getrennte, aber miteinander
verbundene Wege gehen.“
Sam Raimi hat einen wilden
Trip gestaltet – die Art von emotionaler
Achterbahnfahrt, die man
sich vom Kino erhofft. Es wird ein
reines Vergnügen – zumindest
beim Zuschauen.
#sendhelp
SEND HELP KINOSTART 29.01.,
USA 2026, REGIE Sam Raimi,
MIT Rachel McAdams, Dylan O’Brien,
Edyll Ismail, FILMLÄNGE 113 Min.,
© The Walt Disney Company
DOT.MOVIE 23
NO OTHER CHOICE KINOSTART 05.02.,
Südkorea 2025, REGIE Park Chan-wook,
MIT Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon,
Lee Sung-min, Yeom Hye-ran,
FILMLÄNGE 139 Min., © Filmladen
Ringen um seine Würde, die potenzielle
Konkurrenz auszuschalten.
Er redet sich ein, „no other
choice“ zu haben (fast so wie die
Konzernchefs bei der Kündigung).
Bitterböser
Bewerbungsprozess
Park Chan-wook lässt seinem arbeitslosen Protagonisten
„No Other Choice“.
Die Tennisstunden der
Frau, die beiden Golden
Retriever, der Zweitwagen
und vor allem das großzügige
Haus mit Gewächshaus, das sich
Man-su hart erarbeitet hat: Auf
all das muss jetzt notgedrungen
verzichtet werden. Nicht einmal
das Netflix-Abo, in dem der
Teenagersohn quasi lebt, darf
bleiben. Die Tatsache, dass das
immens talentierte Töchterchen
einen besseren, aber vermutlich
auch kostenintensiveren Chellolehrer
bekommen soll, lässt kurz
die Mimik verrutschen. Die Gattin
beginnt einen Halbtagsjob.
So schnell ist das „perfekte
Leben“, das durch jahrzehntelangen
Fleiß gestaltet wurde, dahin:
Man-su, der in der Papierindustrie
ausgezeichnete Arbeit geleistet hat,
wird nach einer Übernahme entlassen.
Der finanzielle Engpass ist
nur temporär, versichert Man-su
der Familie – aber inzwischen liegt
die Kündigung bereits über ein
Jahr zurück, und der preisgekrönte
Papiermanager ist allerhöchstens
auf McJobs gestoßen. Die Chancen,
die sich dazwischen auftun
– Bewerbungsjob in der Branche,
an der Man-su festhalten will –,
vermasselt er: Er ist inzwischen zu
verzweifelt, um einen souveränen
Auftritt hinzulegen. Dabei will er
doch weiterhin der Ernährer der
Familie sein!
Er hat zwar keine Jobangebote,
aber eine Erkenntnis, die tragische
Folgen haben wird: Nicht der
Mangel an verfügbaren Jobs ist
das Problem, sondern die Masse
an Mitbewerbern. Also versucht
der bisher unbescholtene Mann im
WORK/LIFE
BEDROHUNG DER MITTEL-
SCHICHT
Zum stur-verzweifelten Karrieristen,
der seine innerfamiliäre Rolle
als Ernährer behalten will, wird
Lee Byung-hun (Squid Game) –
eine tolle Besetzung: Er weiß die
Tragödie im Kleid der Satire zu
schultern. Sein Regisseur – Park
Chan-wook (Oldboy, Die Frau im
Nebel) – legt eine entschlossene
neue Arbeit vor, die ihre Premiere
im Wettbewerb der Filmfestspiele
in Venedig feierte. Sie basiert auf
„The Ax – Der Freisteller“ von
Donald E. Westlake (im Original
1997 erschienen) – es ist ein Stoff,
den auch schon Costa-Gavras
verfilmt hat: In Die Axt – Le
Couperet (2005) verursachte die
Abwanderung in Billigproduktionsländer
die Arbeitslosigkeit des
Protagonisten, die Bedrohung der
Stunde ist heute eine andere, wie
das traurig-leere Schlussbild des
Films zeigen wird.
#nootherchoice
24 DOT.MOVIE
All die Dämonen
Furchtlos begeht Dokumentarfilmer
Nicolas Steiner sein Spielfilmdebüt:
„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“
Hugo Drowak ist ein
harter Knochen: Nähern
sich Abgesandte
vom Amt für Ruhe und
Ordnung, schmeißt er schon
mal Urinbomben. Strafweise
muss er nun an einer
Resozialisierungsmaßnahme
teilnehmen – ein Workshop
für kreatives Schreiben, der ihn
besänftigen, ihm die Gewaltbereitschaft
und Intoleranz nehmen soll. Den
Kurs leitet neuerdings die optimistische Lena, die
eigentlich Puppenspielerin sein möchte. Herr Drowak
ist der einzige Teilnehmer, sie muss sich auf
Hausbesuche bei ihm gefasst machen. Sie lässt sich
weder von seiner knurrig-ungehobelten Art noch
von seinem Geruch oder all den leer getrunkenen
Flaschen, mit der seine versiffte Wohnung ausgestattet
ist, abschrecken – und tatsächlich gelingt
es ihr, ihn zum Schreiben zu bringen. Dabei wird
er in (bunt gehaltene) Erinnerungen eintauchen,
in denen immer mehr verdrängte Dämonen zum
Vorschein kommen.
Nicolas Steiner begeht in dynamisch komponierten
und groß gedachten Schwarz-Weiß-
Bildern und mit Lust am Spielerischen sein
surreal anmutendes Spielfilmdebüt – nach einem
Drehbuch der Literatin Bettina Gundermann. Ein
Film von hohem Schauwert und feiner Besetzung:
Im Amt herrschen u.a. Lars Eidinger und Jan
Bülow, zum hoffnungslosen Titelhelden wird Karl
Markovics und zu seiner kunsttherapeutischen
Betreuerin Luna Wedler.
#sieglaubenanengel
SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?
KINOSTART 20.02., D/CH 2025, REGIE Nicolas Steiner,
MIT Luna Wedler, Karl Markovics, Nikolai Gemel,
Saga Sarkola, Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon,
FILMLÄNGE 128 Min., © Filmladen
Soufflé im Sperrbezirk
Das legendäre Hotel Intercontinental soll
abgerissen werden! In Gastón Solnickis
„The Souffleur“ hält Willem Dafoe
bravourös die Stellung.
Der Essayfilm The Souffleur von Gastón
Solnicki (A Little Love Package) entfaltet
im Inneren des Wiener Hotels Intercontinental
ein stilles Drama des Verschwindens. Willem
Dafoe (Nosferatu, Poor Things) verkörpert den
Hotelmanager Lucius als melancholischen Hüter
einer Ordnung, die längst brüchig geworden ist.
Seit Jahrzehnten lebt er zwischen Fluren, Maschinenräumen
und Speisesälen, die einst vom Glanz
internationaler Moderne erzählten. Nun soll ein
argentinischer Investor (Auftritt Solnicki himself)
das Haus abreißen lassen – Fortschritt im ökonomischen
Gewand, der hier wie ein feindlicher
Übernahmeakt wirkt. Solnicki interessiert weniger
das Resultat dieses Konflikts als dessen Atmosphäre
und ihre fragmentarische Verdichtung: Er montiert
Archivbilder, Alltagsbeobachtungen und ritualisierte
Rundgänge zu einem schwebenden Porträt Wiens
zwischen Erinnerung und Gegenwart. Das misslingende
Soufflé und Lucius’ kleiner, aber notwendiger
Nebenjob als „Einsager“ im benachbarten Theater
wird zum Sinnbild einer Welt, in der es keine kalkulierbaren
Sicherheiten mehr gibt. The Souffleur
ist kein klassisches Drama, sondern eine
impressionistische Meditation über
Arbeit, Heimat und die leise
Gewalt der Veränderung.
Kleines Trostpflaster (neben
der glanzvollen Darstellung
Dafoes): ein Cameo
des legendären, 2022
verstorbenen deutschen
Independent-Regisseurs
Klaus Lemke (Rocker).
#thesouffleur
THE SOUFFLEUR KINOSTART 13.02., A/ARG 2025,
REGIE Gastón Solnicki, MIT Willem Dafoe, Lilly Lindner,
Stéphanie Argerich, FILMLÄNGE 78 Min., © Filmladen
DOT.MOVIE 25
Sondereinsatzteam wider Willen
Joe Keery und Georgina Campbell kämpfen unter den Anweisungen
von Liam Neeson gegen einen Pilz-Parasiten: „Cold Storage“.
WORK/LIFE
26 DOT.MOVIE
Von den Nachtschichten im Self-
Storage-Laden hat man wenig
Aufregendes zu erwarten. Man
hört Musik, plaudert und führt vor allem
intensive Selbstgespräche, bis die Zeit
abgesessen ist. Wenn Teacake und Naomi
die Nachtschicht antreten, die Regisseur
Jonny Campbell (Alien Autopsy, Shameless)
festgehalten hat, dann ist plötzlich
doch eine Spur zu viel los: Denn das
unzuordenbare Geräusch, das die beiden
leicht verpeilten Nachtwächter dazu
bringt, den Laden abzuchecken, führt sie
zu ungenutzten Bereichen der Anlage.
„Das hier war mal ein Lagerstollen vom
Militär“, meint Teacake noch. Zu diesem
Zeitpunkt weiß ein weit entfernter Anti-
Bioterror-Agent (Liam Neeson als Robert
Quinn) bereits, dass etwas im Argen
liegt: Aus der stillgelegten Anlage wurde
eine Temperaturwarnung versendet, und
das bedeutet nichts Gutes. Ein mysteriöser
Pilz-Parasit – ein Relikt geheimer
US-Experimente – wird sich aus der
versiegelten Militärbasis und durch die
Gänge arbeiten, und der brandgefährliche
Mikroorganismus wird alle Lebewesen in
Zombies verwandeln …
SCHRECKAFFIN
Leinwand frei für die wüsteste Nachtschicht
aller Zeiten – und den jüngsten
Action-Einsatz von Liam Neeson. Dank
Pilz geht es durchgeknallt durch die
Nacht. „Ihr zwei habt den Abend als
Nachtwächter mit Mindestlohn angefangen
– jetzt seid ihr ein Sondereinsatzteam“,
versucht Quinn die Jungspunde zu
überlebensgroßen Aktionen zu motivieren,
geht es doch um nichts Geringeres als
das Schicksal der Menschheit.
Liam Neeson (Taken, Die nackte
Kanone 2025) trifft auf zwei junge Kollegen,
die beide in ihrer Laufbahn schon
ausführlich dem Abgründigen ins Gesicht
geblickt haben. Die Rolle des nerdigen
Teacake übernimmt Stranger Things-
Star Joe Keery, zu Naomi wird Georgina
Campbell, die zwischen Murdered By
My Boyfriend, Bird Box: Barcelona,
Barbarian und They See You einiges an
Schrecken weggesteckt hat. Was der Cast
hier erlebt, stammt aus der Feder von
David Koepp (Drehbuchautor von Krieg
der Welten, Jurassic Park, Mission:
Impossible, Spider-Man, Der Tod steht
ihr gut, Panic Room …): „Cold Storage“
ist sein 2019 erschienenes Romandebüt,
das alle Zutaten für einen unterhaltsamen
Kinobesuch mitbringt: sympathische Figuren,
zügige Action und eine ordentliche
Prise Humor.
#coldstorage
COLD STORAGE KINOSTART 19.02.,
GB 2025, REGIE Jonny Campbell,
MIT Joe Keery, Georgina Campbell, Liam Neeson,
Lesley Manville, Vanessa Redgrave,
FILMLÄNGE 99 Min., © Constantin Film
DOT.MOVIE 27
Be with me always
Margot Robbie und Jacob Elordi stürzen sich in eine unerfüllte Leidenschaft: Emerald Fennell
wirft einen intensiven Blick auf Emily Brontës „‚Wuthering Heights‘ – Sturmhöhe“.
Mit ihrem kompromisslosen
Thriller Promising
Young Woman
setzte sie 2020 Carey Mulligan
als Racheengel den Date-Rape-
Praktiken von widerlichen Männern
entgegen (und holte damit
einen Oscar fürs Drehbuch). In
Saltburn ließ sie einen von Barry
28 DOT.MOVIE
Keoghan gespielten obsessiven
Aufsteiger das Badewasser mit
dem Sperma seines wohlhabenden
Kommilitonen Felix (Jacob Elordi)
trinken. Wo Emerald Fennell
als Regisseurin ihre Finger im
Spiel hat, wird unumwunden inszeniert.
Wenn sie nun zeitgerecht
zum Valentinstag nachlegt, dann
darf man also nicht mit so etwas
wie einer gefälligen RomCom
rechnen.
Als der Teaser und der Trailer
zu ihrem neuen Film präsentiert
wurden, wurde auf dringliche Art
Teig geknetet, wurde ein Finger in
ein Fischmaul gesteckt, wurden
Grashalme auf Lippen gerieben –
stürzten sich in emotional-empörte
Diskussionen über Ejakulat und
Nonnen, Masturbationsszenen
und BDSM – und die Besetzung.
NOTES ON A SCANDAL
Die britische Pfarrerstochter Emily
Brontë (1818–1848), die mit ihren
Schwestern Charlotte („Jane Eyre“)
und Anne („Agnes Grey“) recht
abgeschieden in der Moorlandschaft
von Yorkshire aufwuchs,
legte ihren Roman in der Landschaft
an, in der sie gelebt hat. Auf
dem Anwesen Wuthering Heights
wachsen Catherine Earnshaw
und das Findelkind Heathcliff
gemeinsam auf, erkennen sich
als Seelenverwandte und verlieben
sich stürmisch ineinander.
Ihre Gefühle werden aber aus
Standesgründen keine Zukunft
haben. Catherine wird den reichen
Edward Linton ehelichen, und
Heatchcliff sucht das Weite. Als er
Jahre später zurückkehrt, ist aus
dem armen Jüngling ohne Zukunft
ein reicher Mann geworden. Dass
ihm trotzdem keine Zukunft mit
Catherine beschieden ist, führt
zu einer fulminanten Rachegeschichte,
die viele Abzweigungen
nimmt und nichts Geringeres als
ein Naturereignis ist. Alles kreist
um die Psychologie des düsteren
Heathcliff. Als der Roman 1847
unter Pseudonym erschien, war
die Empörung im viktorianischen
England groß.
DER WUNSCH DES 14-JÄHRI-
GEN ICHS
Fennell las den Roman erstmals
als 14-Jährige und war gefesselt
FEELINGS
sexuelle Spannung in jedem Pixel.
Margot Robbie und Jacob Elordi
warfen einander sehnsuchtsvolle
Blicke zu – in dieser neuen
filmischen Bearbeitung eines
vielverfilmten Stoffs: Emerald
Fennell hat sich Emily Brontës
„Sturmhöhe“ vorgenommen –
einen der berühmtesten englischen
Romane, der 1847 einen
Sturm der Entrüstung auslöste.
Aufregung lösten aktuell auch
die Test Screenings der jüngsten
Verfilmung aus: Von skandalösen
Szenen ist die Rede; Reddit-User
DOT.MOVIE 29
von der kraftvollen, turbulenten
Geschichte, die sich ihr offenbarte:
„Er hat mich aufgebrochen“,
erklärte sie laut BBC beim Brontë
Women’s Writing Festival. „Er ist
schwierig, er ist kompliziert, er ist
einfach wie nichts anderes. Er ist
völlig einzigartig. Er ist so sexy. Er
ist so schrecklich. Er ist so verheerend.“
– Auch die 39-jährige bzw.
inzwischen 40-jährige Variante
von Fennell kann noch inbrünstig
in Brontës Geschichte eintauchen.
„Ich wollte etwas schaffen, das
mir das gleiche Gefühl vermittelt
wie beim ersten Lesen, also eine
emotionale Reaktion auf etwas. Es
ist so etwas wie ursprünglich, sexuell“,
stellte sie in einem Interview
zu ihrer Verfilmung fest. Vermutlich
ist ihr Filmtitel deshalb in
Anführungszeichen gesetzt – weil
sie bei der Wiederbegegnung des
Stoffs erkannte, was ihr 14-jähriges
Ich dazu fantasierte und abspeicherte.
Es ist ihre Variante des
Stoffs. Als Fennell nach dem Erfolg
und Aufsehen von Saltburn die
Möglichkeit hatte, frei zu wählen,
was sie als Nächstes inszenieren
30 DOT.MOVIE
wollte, war ihr klar, dass sie ihrem
14-jährigen Ich einen Wunsch erfüllen
würde – auch wenn so eine
Adaption aufgrund der enormen
Verantwortung eine Qual sei. „Ich
weiß, dass ich wütend wäre, wenn
jemand anderes das gemacht hätte.
Es ist für jeden etwas sehr Persönliches.
Der Bezug zu den Figuren
ist etwas sehr Persönliches.“ Die
Erfahrung, einen Stoff zu verfilmen,
der ihr so unendlich viel
bedeute, sei für sie eine „ziemlich
erschütternde“ Erfahrung gewesen.
Sie nahm sich Freiheiten, versuchte
aber so viel Originaldialog wie
möglich zu erhalten.
ENTSCHLOSSENE BESETZUNG
Zu ihrer Catherine Earnshaw
machte sie Margot Robbie
(Barbie). Die Mittdreißigerin
ist natürlich weitaus älter als die
Teenagerin aus dem Buch, für
Fennell sei Robbie aber eine so
überraschende, schöne, interessante
Person, sodass sie sie an
Cathy erinnerte: „Die Art Person,
die mit allem davonkommt“.
Nachdem Robbie Fennells bisherige
Arbeiten produzierte, tritt
sie nun erstmals für sie vor die
Kamera.
Zu Heathcliff, im Buch als
„dunkelhäutig“ beschrieben,
wird ein weißer Junge: Jacob
Elordi, mit dem Fennell bereits in
Saltburn arbeitete und der zuletzt
„The Creature“ in Guillermo del
Toros Frankenstein spielte.
Wohin Fennell, deren bisherige
Filme nicht nur eine abseitige,
sondern vor allem eine gesellschafts-
oder sozialkritische Note
hatten, den historischen Stoff
geführt hat, werden wir ab
12. Februar sehen: Dann wird
„Wuthering Heights“ auf der
Leinwand zu sehen sein. Intensiv
wird es allemal: „Be with me always
/ Take any form / Drive me mad“
lauten die Taglines zum Film.
#WutheringHeightsMovie
„WUTHERING HEIGHTS“ –
STURMHÖHE KINOSTART 12.02.,
USA/GB 2026, REGIE Emerald Fennell,
MIT Margot Robbie, Jacob Elordi,
FILMLÄNGE 136 Min., © Warner Bros.
Pictures/Constantin Film Österreich
#DATENIGHT
ECHT SÜSS IHR BEIDEN!
WIE UNSER KINOBUFFET.
FIRST CLASS KINO FÜR EINE FIRST CLASS ZEIT.
Eine Feier des Lebens
Enya Baroux schafft ein Regiedebüt mit ernsten Themen in leichten Tönen.
Mit dabei: Pierre Lottin und Hélène Vincent. „Bon Voyage“!
FEELINGS
32 DOT.MOVIE
Altenpfleger Rudy (Pierre Lottin,
Die leisen und die großen Töne)
steht kurz vor dem Rausschmiss
– einen letzten Einsatz übernimmt er
allerdings noch: Die 80-jährige Marie
(Hélène Vincent, Wenn der Herbst naht,
Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss)
hat einen dringenden Arzttermin – nur
verweigert der Treppenlift seine Dienste,
und ihr Sohn Bruno (David Ayala) ist
nicht erreichbar. Rudy hat keine Ahnung,
worauf er sich einlässt, als er den
Einsatz übernimmt: Unversehens sitzt
er mit der alten Dame beim Arzt, wird
dort als ihr Sohn vorgestellt, der sogleich
um eine Unterschrift gebeten wird – für
Maries Einwilligungserklärung zur
Sterbehilfe. Der Krebs, der vor einigen
Jahren erfolgreich behandelt wurde, ist
zurück, und sie ist bereits im Endstadium.
Sie möchte ihr Leben selbstbestimmt
beenden – und zwar in der Schweiz. Auf
diese Reise möchte sie ihren Sohn Bruno
und ihre Enkeltochter Anna (Juliette
Gasquet) mitnehmen. Wer außerdem
mit dabei sein wird: Rudy, als Fahrer, wo
doch Bruno mal wieder seinen Führerschein
los ist. So wird er Zaungast und
beobachtet aus nächster Nähe, wie es
in Maries Familie um Kommunikation
Großmutter hat Baroux dazu gebracht,
das Drehbuch zu beginnen. Hélène Vincent
war sehr davon angetan, als sie es las:
„Was mich vor allem überzeugt hat, war
die komische Dimension der Geschichte,
weil ich das Thema Lebensende nur in
Dramen erlebt habe. Wie in Der letzte
Frühling von Stéphane Brizé, in dem
ich eine an Krebs erkrankte Frau spiele,
die in die Schweiz reist, um dort ihrem
Leben ein Ende zu setzen. Als ich dieses
Drehbuch las, fiel mir auf, dass der Weg
dieser alten Dame zum Tod eine Feier des
Lebens ist, mit all den Entscheidungen,
die man trifft, und das hat mich verblüfft.
Ich hatte Lust darauf, dieses Abenteuer
mit Enya Baroux einzugehen, weil ich
spürte, dass sie es hinbekommen würde.“
#bonvoyagefilm
BON VOYAGE –
ON IRA KINO -
START 05.02., F 2025,
REGIE Enya Baroux,
MIT Hélène Vincent,
Pierre Lottin, David
Ayala, Juliette Gasquet,
FILMLÄNGE 98 Min.,
© Panda Lichtspiele
Filmverleih
steht: Marie hat einen falschen Grund
für die Reise vorgetäuscht; sie behauptet,
dass ein unverhofftes Erbe – durch
ihren vor vielen Jahren verstorbenen
Mann Jean – sie in die Schweiz führt,
und Bruno – ständig in Geldnöten – und
Teenagerin Anna sind gerne mit dabei.
VERBLÜFFENDES DREHBUCH
Enya Baroux steckt ihre Figuren (und eine
Ratte) für ihr tiefgründiges Regiedebüt,
das ebenso dramatisch wie situationskomisch
ist, in ein altes Wohnmobil. Auf der
Fahrt werden Monopoly- und Pizzaschachteln,
Schwimmflügel, Lagerfeuer,
Bowlingkugeln eine Rolle spielen – aber
auch Missverständnisse, Schwindeleien,
überfordernde Gespräche. Die Reise wird
die drei Familienmitglieder, die lange
viel zu wenig miteinander geredet haben,
einander näherbringen. Der Tod ihrer
DOT.MOVIE 33
Es fühlen
Der nächste Joachim-Meyerhoff-Bestseller findet den Weg auf die Leinwand:
Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht es an die Schauspielschule.
Mit Wann wird es endlich
wieder so, wie es nie
war wurde 2023 zum
ersten Mal ein Bestseller von Joachim
Meyerhoff auf die Leinwand
übersetzt (Regie: Sonja Heiss).
Der autobiografische Stoff erzählte
auf warmherzige Weise von einer
Kindheit und Jugend als Sohn des
Direktors einer psychiatrischen
Klinik und inmitten einer chaotischen
Familie (als Vater: Devid
Striesow, als Mutter: Laura Tonke)
– in der heiteren Stimmung liegt
immer auch große Traurigkeit.
Wenn wir jetzt wieder auf Joachim
treffen, dann ist er 20 Jahre alt und
in einem gänzlich anderen Setting
gelandet: Er hat einen Platz an der
renommierten Schauspielschule
in München ergattert und wohnt
mit seinen Großeltern – Inge, einer
einst gefeierten Schauspielerin,
und Hermann, einem ehemaligen
Philosophieprofessor – in deren
Villa. Man weiß nicht, wo die exzentrischeren
Situationen warten:
An der Otto Falckenberg Schule,
wo er aus sich heraustreten soll
und sich dabei unwohl fühlt – oder
daheim, wo die Rituale der schrulligen
Großeltern meist mit Alkohol
zu tun haben und wo großzügig
mit Valium umgegangen wird.
Mittendrin sucht Joachim nach
einem Platz in der Welt – verfolgt
von der Frage, wie sein Bruder
Philipp das alles finden würde: wie
albern er es finden würde. Seit dem
Unfalltod von Philipp lebt Joachim
mit diesem riesengroßen Loch in
seinem Leben. Wie soll er es bei
dieser Lücke schaffen, sich zu „fühlen
wie Spaghetti, die in kochendes
Wasser gekippt werden“? Wie soll
er es über sich bringen, mit seinen
Brustwarzen zu lächeln?
VIELE GEFÜHLE
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche
Lücke“ ist der dritte Teil von
34 DOT.MOVIE
Meyerhoffs autofiktionaler „Alle
Toten fliegen hoch“-Reihe, die
inzwischen sechs Bände umfasst.
Seit er den Roman gelesen hat,
träumte Filmemacher Simon
Verhoeven (Girl You Know It’s
True, Willkommen bei den
Hartmanns) davon, den Stoff,
der ihn auf so vielen Ebenen
ansprach, zu verfilmen. „Das
Wunderbare an der Geschichte
ist, dass sie das Leben in all seinen
Facetten einfängt, so komisch und
so tragisch und so ernst und so
albern und so süß und so bitter –
wie es eben ist.“ Simon Verhoeven
erzählt zwar von der Skurrilität
der Situationen, schafft aber mit
seinem Ensemble einen zutiefst
berührenden Film über die
Schwierigkeit, sich seinen großen
– schmerzhaften – Gefühlen zu
stellen.
Der Stoff liefert nicht nur das
Coming-of-Age-Motiv mit all
seinen Unsicherheiten und große
Themen wie Tod und Verlust,
sondern auch das Thema der
Schauspielkunst. „Wir feiern
Schauspielerinnen und Schauspieler,
ihre einsamen Kämpfe,
ihre oft verzweifelten Stunden“, so
der Regisseur des Films. „Dieser
Beruf, der so oft mit Glamour in
Verbindung gebracht wird, geht
auch mit viel Einsamkeit einher,
dem Erleben von Rückschlägen
und Enttäuschungen. Ach, diese
Lücke, diese entsetzliche Lücke
zeigt, wie hart der Weg eines Schauspielers
ist und wie die Entscheidung,
diesen Beruf zu ergreifen,
eine für das ganze Leben ist.“
FILMFAMILIE
Meyerhoff hat die Verfilmung seines
Stoffs begleitet, war in regem
Austausch mit dem Regisseur
und den Produzenten, ließ ihnen
aber auch die Freiheit, nach der
die filmische Übersetzung eines
literarischen Stoffs verlangt.
Zu Joachim Meyerhoffs Filmversion
wird Bruno Alexander, der
sich durch Die Discounter und
Intimate einen Namen gemacht
hat und der im TV-Film Der Rebell
Boris Becker spielte. Er liefert eine
intensiv-impulsive Darbietung
ab. Als seine Großeltern treten
Senta Berger – Simon Verhoevens
Mutter – und Michael Wittenborn
in Erscheinung. Mit seinem Alter
Ego kann Meyerhoff ausgezeichnet
leben: Bruno Alexander „macht
das schlicht und ergreifend
großartig. Ihn durch den Film zu
begleiten, ist eine Freude“, so der
Autor. „Es gibt eine Szene, da singt
er ein Lied, obwohl ihm alle auf
der Schauspielschule immer sagen,
dass er nicht singen kann – ich
will nicht zu viel verraten –, da
habe ich Rotz und Wasser geheult
– genau so ging es mir damals! Er
ist lustig, ernsthaft, glaubhaft – in
jedem Augenblick.“
Bei den Großeltern geht es ihm
kaum anders: „Senta Berger ist
eine wundervolle und würdige
Großmutter, hat die Grandezza
und auch den Schmerz, den sie
in sich trug. Der Großvater war
im wahren Leben ein doch sehr
viel strengerer Mann, den ich als
Kind geradezu gefürchtet habe, ein
hochintellektueller, erzkatholischer
Philosoph. Michael Wittenborn
zeigt ihn nahbarer und warmherziger,
und es passt sehr gut so für
mich. Alle zusammen sind ein
tolles Trio.“ Ihnen allen gehört
die Leinwand: Verhoeven und
seinem Team ist eine liebenswerte,
berührende, zutiefst lustige Arbeit
geglückt.
#achdieselücke
FEELINGS
ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE
LÜCKE KINOSTART 29.01., D 2025,
REGIE Simon Verhoeven, MIT Senta Berger,
Bruno Alexander, Michael Wittenborn,
Katharina Stark, Laura Tonke, Devid Striesow,
Tom Schilling, Friedrich von Thun,
Karoline Herfurth, FILMLÄNGE 135 Min.,
© Warner Bros./Constantin Film Österreich
DOT.MOVIE 35
Was Regisseur Sönke
Wortmann anpackt,
wird seit bereits über
drei Jahrzehnten zu Gold – oder
anders ausgedrückt: Es lässt die
Kinokassen klingeln. Das dürfte
auch bei Die Ältern nicht anders
sein: Auf dem gleichnamigen
Roman des Bestsellerautors Jan
Weiler basierend, erzählt der
Film, wie schnell es mit dem
beschaulichen Leben eines erfolgreichen
Schriftstellers vorbei sein
kann. Denn Hannes (Sebastian
Bezzel) hat mit Familie, Haus
im Grünen und seiner soliden
Karriere eigentlich so ziemlich
alles, was man zum Glücklichsein
braucht. Doch dann geht alles
sehr schnell: Der Verlag, der seine
Bücher veröffentlicht, kickt ihn
raus; seine Frau will eine Ehe-
Auszeit, und seine Tochter möchte
ausziehen. Da bleibt emotional
36 DOT.MOVIE
für den guten Hannes natürlich
kein Stein auf dem anderen. Doch
bevor er endgültig aufgibt und resigniert,
passiert etwas Unvorhergesehenes:
Er begegnet Vanessa
(Judith Bohle), die seine nun
schon seit vielen Jahren gemütlich
eingerichtete Komfortzone einer
längst fälligen Belastungsprobe
unterzieht. Wird sie der Stein des
Anstoßes, Hannes’ Leben von
Grund auf umzukrempeln?
MIT GEIST UND WITZ
Bei der Besetzung des Films hat
Sönke Wortmann erwartungsgemäß
nichts dem Zufall überlassen.
So spielt neben Sebastian
Bezzel ein regelrechter Reigen
an Talenten wie Anna Schudt
(Hundertdreizehn), Kya-Celina
Barucki (Mädchen Mädchen),
Philip Müller (Die Schule der
magischen Tiere 4), Judith Bohle
FEELINGS
Wenn das Leben reinkickt
„Die Ältern“: Die Verfilmung der mitreißendsten Midlife-Crisis des Jahres nimmt das ganz
normale Leben unter die Lupe – und ist dabei ebenso tiefsinnig wie unterhaltsam.
(Safe), Thomas Loibl (Konklave)
und Nilam Farooq (Contra). Die
Chemie zwischen den Darstellerinnen
und Darstellern erweckt
die Story mühelos zum Leben. Die
Geheimzutat, die den Film wohl
für unterschiedliche Generationen
interessant macht, ist allerdings
die liebevolle und augenzwinkernde
Beobachtung der Interaktion
von Jungboomern und den
jüngeren Protagonisten. Potenzial
zur Selbstreflexion samt anschließenden
Erkenntnissen sollte also
neben kurzweiligem Kinovergnügen
durchaus gegeben sein.
#dieaeltern
DIE ÄLTERN KINOSTART 12.02., D 2026,
REGIE Sönke Wortmann, MIT Anna Schudt,
Sebastian Bezzel, Kya-Celina Barucki,
Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl,
Nilam Farooq, FILMLÄNGE 104 Min.,
© Constantin Film
EIN RAUB VERBINDET SIE ALLE
AB 13. FEBRUAR NUR IM KINO
BASIEREND AUF
DER NOVELLE VON DON WINSLOW
DREHBUCH BART LAYT
ON
REGIE BART LAYT
ON
Crime101.de
#Crime101
His own personal hell
Christophe Gans kehrt mit „Return to Silent Hill“ zurück in eine legendäre Zwischenwelt.
Der Brief, den Jeremy Sunderland
erhält, erschüttert
ihn zutiefst: Er stammt
von seiner totgeglaubten Frau
Mary. Sie bittet ihn, zurück an
ihren Ort zu kommen. Der Ort,
den sie meint, heißt Silent Hill.
Gamer wissen, was hier auf ihn
wartet – und Horrorfilmfans auch:
eine höllenartige Zwischenwelt, in
der Nebel und Ascheregen für Atmosphäre
sorgen und Kreaturen,
die direkt aus der Hölle kommen,
regieren: Silent Hill hat alles verloren,
was eine Kleinstadt idyllisch
erscheinen lässt.
Seit der japanische Spielehersteller
Konami 1999 den Survival-
Horror-Spieltitel mit fünf Enden
(die Handlungen im Spielverlauf
entscheiden, auf welches Ende
der Spieler zusteuert) lancierte,
ist einiges passiert: auf mehrere
Haupttitel folgten Spin-offs,
Remakes (durch das polnische
Entwicklerstudio Bloober) und
zwei Realfilme: Silent Hill (2006)
von Christophe Gans und Silent
Hill: Revelation (2012) von M. J.
Bassett. Der französische Regisseur
Gans, ein Gamer und erklärter Fan
der Spielreihe, kehrt nun für einen
weiteren Film nach Silent Hill
zurück.
MYTHOLOGISCH AUFGELADEN
Mit Return to Silent Hill widmet
sich Gans (Pakt der Wölfe) der
Verfilmung des Videospiels
Silent Hill 2, das 2001 erschienen
ist und im Oktober 2024 von
Konami neu aufgelegt wurde. Es
ist die „Albtraumvariante einer
Liebesgeschichte“. Gans fühlt sich
an die griechische Mythologie
erinnert. „Die Sage von Orpheus
erzählt von einem Dichter, der in
die Hölle hinabsteigt, um seine
38 DOT.MOVIE
THE
HORROR
Braut zurückzuholen. Genau das
passiert im Grunde auch im Film“,
so der Regisseur. „Dies ist die
Geschichte eines jungen Malers,
James Sunderland, der seine
Liebste verloren hat und nach
Silent Hill zurückkehrt, um sie zu
finden. Dort muss er feststellen,
dass sich die Stadt in seine ganz
persönliche Hölle verwandelt hat.
Während James dieses Höllenszenario
durchquert, wird er sich
auch einer Wahrheit über sich
selbst bewusst.“
Gans hält Silent Hill 2 für
eines der besten Videospiele aller
Zeiten. Er und sein Produktionspartner
Victor Hadida waren
schon länger der Ansicht, dass
es dieser Teil sein sollte, der die
Filmreihe neu aufleben lassen
würde. „Es gab viele Gründe,
zu Silent Hill zurückzukehren“,
betont Gans. „Aber der Zeitpunkt
schien einfach perfekt.“ Nicht nur
angesichts des technologischen
Fortschritts oder weil sich das Publikum
nach immer raffinierteren
Horrorgeschichten sehnt, sondern
auch, weil Konami zufällig auch
an einer Neuauflage des Kultspiels
werkte. „Es war das erste Mal,
dass an Spiel und Film parallel
gearbeitet wurde“, kommentiert
Hadida die Kooperation mit
den Entwicklern, zu denen auch
Komponist und Produzent Akira
Yamaoka gehörte, der weithin als
„Godfather“ der Reihe angesehen
wird. Von Yamaoka stammt
natürlich auch die musikalische
Untermalung des Films.
IM LABYRINTH
Gans’ Protagonist ist ein gebrochener
Mann – und in seinen
Kopf will er mit dem Film führen:
Er sei auf dem besten Weg, „sich
im Labyrinth seiner Vorstellungskraft
zu verlieren.“ Jeremy Irvine
(Gefährten, Mamma Mia! Here
We Go Again) spielt ihn in all
seinen Facetten. Er nimmt das
Publikum mit in eine sinistre
Welt voller höllischer Kreaturen.
Und voller Seelenqualen.
#returntosilenthill
RETURN TO SILENT HILL
KINOSTART 05.02., USA/F 2026,
REGIE Christophe Gans, MIT Jeremy Irvine,
Hannah Emily Anderson, Evie Templeton,
Evie Macklin, FILMLÄNGE 105 Min.,
© Constantin Film
DOT.MOVIE 39
Home Sweet Home
Schimpanse Ben entpuppt sich als Partykiller: „Primate“.
Spätestens seit Stephen Kings
Cujo (und das ist eine Weile
her: Der Stoff erschien 1981
als Roman und wurde 1983
verfilmt) wissen wir, dass aus dem
treuherzigsten Haustier jederzeit
ein Monster werden kann. Damals
wurde einer Familie der Jagdtrieb
des Haustiers zum Verhängnis:
Als der Bernhardiner hinter
einem Kaninchen her war, steckte
er seine Schnauze in eine Höhle
und wurde von einer tollwütigen
Fledermaus in die Nase gebissen.
Wenn Johannes Roberts Creature
Feature einsetzt, können Lucy
(Johnny Sequoyah, Dexter: New
Blood) und ihre partywilligen
Freunde nicht ahnen, dass ihnen
ein tollwütiger Mungo in die Quere
kommen und Lucys rührende
Familiengeschichte ein für alle
Mal umschreiben wird.
SPIELARTEN DES GENRES
Zu Lucys Familie gehört auch
ein Schimpanse, Ben (gestaltet
von Millennium FX und gespielt
von Bewegungsspezialist Miguel
Torres Umba). Seit Lucys kürzlich
verstorbene Mutter, eine Wissenschaftlerin,
ihn gerettet hat,
lebt der schlaue Affe mit seinen
Artverwandten, der Menschenfamilie,
zusammen. Als Lucy
nach langer Zeit – und erstmals
seit dem Tod ihrer geliebten
Mutter – wieder ins idyllisch
in Hawaii gelegene Haus der
Familie zurückkehrt, kann sie
nicht wissen, dass Schimpanse
Ben sich seit einer Begegnung mit
einem Mungo verändert – dass
die Tollwut dabei ist, ihn vom
handzahmen, kommunikationsfreudigen
Familienmitglied in
eine Killermaschine zu verwandeln.
Eine Killermaschine, wie sie
kurz auch in Jordan Peeles Nope
ihr Unwesen trieb.
Johannes Roberts (47 Meters
Down, Resident Evil: Welcome to
Racoon City) erfindet mit seinem
Film das Rad natürlich nicht
neu, liefert aber einen Genrefilm,
der seine Spielarten aufs Feinste
beherrscht. Der Survival-Thriller
genießt die Katz-und-Maus-
Situation zwischen dem Primaten
und den Menschen, die sich vor
ihm in den Pool flüchten, weiß die
Spannung zu halten und beweist
Sinn für Humor und knackende
Soundeffekte …
#primatefilm
PRIMATE KINOSTART 29.01.,
USA 2025, REGIE Johannes Roberts,
MIT Johnny Sequoyah, Troy Kotsur,
Jessica Alexander, Victoria Wyant,
FILMLÄNGE 89 Min., © Constantin Film
THE
HORROR
40 DOT.MOVIE
Nachbarschaftshilfe
„Dust Bunny“ ist ein Schmankerl für Fans der Abteilung Family-Horror-Thriller. Das liegt zum
einen am Drehbuch und zum anderen an der unerwartet hochkarätigen Besetzung.
Cooler Filmtitel, denkt man
zuerst. Doch dann will
man vielleicht wissen,
was ein „Dust Bunny“ ist – gibt’s
das überhaupt? Ja, das gibt’s! In
unseren Gefilden heißen die kleinen
staubigen Knäuel „Wollmäuse“ oder
schlicht und ergreifend „Lurch“. Man
begegnet ihnen unter Kästen oder,
und damit sind wir auch schon beim
Film Dust Bunny, unter dem Bett.
Denn dort findet die zehnjährige Aurora
(Sophie Sloan) besagten Knäuel
aus Staub und Haaren, der sich
allerdings als gar nicht so harmlos
und ungefährlich herausstellt. Sogar
ihre Familie soll das immer größer
werdende Staubmonster bereits
verspeist haben. Was also tun?
SCARES UND ACTION
Die kleine Aurora hat Glück: Ihr
Nachbar ist ein Auftragskiller. Und
zwar nicht irgendeiner, sondern ein
ganz besonderer – er wird nämlich
von Mads Mikkelsen dargestellt. Das
passt einfach zu gut, um dem Zufall
oder dem geschickten Händchen des
Casting-Teams zu verdanken zu sein.
Ist es auch nicht: Regisseur Bryan
Fuller hat die Rolle extra für Mikkelsen
ins Drehbuch geschrieben.
Damit nicht genug, ist auch der Boss
des Auftragskillers genial besetzt: Die
Rolle wird von Sigourney Weaver
gespielt. Wer jetzt vermutet, dass
dieser Film mehr als nur eigenartig
ist, hat vollkommen recht – es würde
uns nicht verwundern, wenn Dust
Bunny zukünftig als Klassiker gelten
würde. Zwar ist der Regisseur kein
Unbekannter, sein erster abendfüllender
Spielfilm ist es aber dennoch.
Denn bislang war Bryan Fuller als
Showrunner für Serien wie Pushing
Daisies, Hannibal, American Gods
oder Star Trek: Discovery bekannt.
Mit Dust Bunny dürfte er jetzt
eine beeindruckende Visitkarte für
das große Kino abgeliefert haben.
Wovon der Film natürlich auch
profitiert, ist die sagenhafte Chemie
zwischen Mikkelsen und der jungen
Protagonistin Aurora. Explizite Gewaltszenen
wird man übrigens keine
finden, auch wenn es einige Scares
und viel Action gibt – somit ist der
Film tatsächlich auch als Family-
Horror-Movie geeignet.
dustbunnyfilm.com
DUST BUNNY KINOSTART 19.02.,
USA 2025, REGIE Bryan Fuller,
MIT Mads Mikkelsen, Sophie Sloan,
Sheila Atim, Sigourney Weaver,
FILMLÄNGE 106 Min., © Constantin Film
DOT.MOVIE 41
UNSERE
WELT
TEXT: MANUEL STEPHAN
Hört ihre Stimme, sagt ihren Namen
„Die Stimme von Hind Rajab“: beklemmender Thriller
nach einer tragischen wahren Geschichte.
42 DOT.MOVIE
Es ist ein Szenario, das
sprachlos macht. Eine
Geschichte so unfassbar,
so unmenschlich, dass einem der
Atem stockt. Und doch ist sie
bedauerlicherweise wahr.
Am 29. Jänner 2024 nimmt
eine Schicht der durch den Krieg
im Gazastreifen ohnehin schon
schwer in Mitleidenschaft gezogenen
Rotkreuz-Hilfsorganisation
„Palästinensischer Roter Halbmond“
eine dramatische Wendung,
als Omar (Motaz Malhees)
den Anruf eines erst fünfjährigen
Mädchens erhält. Hind Rajab,
liebevoll Hanoud genannt, deren
echte Sprachaufnahmen im Film
verwendet werden, hat sich in
einem Auto an einer Tankstelle in
Gaza-Stadt verschanzt. Ihr Onkel,
ihre Tante und deren vier Kinder
liegen bereits tot neben ihr. Ihre
verzweifelten Hilfsschreie versetzen
die Mitarbeiter in Panik.
Omar und seine Kollegin Rana
(Saja Kilani) versuchen, Hind zu
beruhigen. Dienststellenleiter
Mahdi (Amer Hlehel) werden
jedoch bei der Organisation
einer riskanten Rettungsmission
bürokratische Hürden in den Weg
gelegt, die die ohnehin schon aufgeheizte
Stimmung im Callcenter
noch mehr belastet.
LASST IHRE STIMME UM DIE
WELT HALLEN
Die tunesische Regisseurin Kaouther
Ben Hania (Der Mann, der
seine Haut verkaufte) inszeniert
Die Stimme von Hind Rajab als
Mischung aus Dokumentation
und nervenaufreibendem Thriller.
Neben den originalen Sprachaufnahmen
von Hind, ihrem in
Deutschland lebenden Onkel und
ihrer unweit des Gazastreifens
wartenden Mutter sind in einigen
Einstellungen auch kurz die
echten Rotkreuz-Mitarbeiter zu
sehen, die sich aufopferungsvoll
um ihre Rettung bemühten –
vergeblich. Der Film ist wahrlich
nichts für schwache Nerven,
zeigt er doch auf bedrückende
Weise die schier unerträglichen
Ausmaße, die der Krieg im Gazastreifen
angenommen hat. Vor
diesem Hintergrund ist es bewundernswert,
was Hania und ihre
Schauspieler da auf Film verewigt
haben. Bei der Weltpremiere im
Wettbewerb von Venedig 2025
wurde Die Stimme von Hind
Rajab mit den längsten Standing
Ovations der Festivalgeschichte
bedacht und erhielt den Großen
Preis der Jury.
#thevoiceofhindrajab
DIE STIMME VON HIND RAJAB – SAWT
HIND RAJAB KINOSTART 30.01., TN/F
2025, REGIE Kaouther Ben Hania MIT Saja
Kilani, Motaz Malhees, Amer Hlehel, Clara
Khoury, FILMLÄNGE 89 Min., © Polyfilm
Die Nähte der
Kolonialgeschichte
„Stoff“ erzählt von der Textilindustrie und blickt
dabei nach Nigeria und nach Vorarlberg.
Wir dachten, die Produktion wäre längst
verlagert worden. Plötzlich wurde klar,
dass unser Verständnis über unsere Region
unvollständig war“, erkannte Katharina Weingartner
in Anbetracht der Menge an Spitzenstoffen aus
Vorarlberg, auf die sie in Dakar stieß. Gemeinsam mit
drei Mitstreiterinnen war sie dabei, einen Film über
Kolonialgeschichte zu erarbeiten: mit Anette Baldauf
– wie Weingartner eine gebürtige Vorarlbergerin –,
die sich als Professorin an der Akademie der bildenden
Künste Wien mit verdrängten Geschichten von
Sklaverei und Kolonialismus in Österreich beschäftigt,
Joana Adesuwa Reiterer, einer in Nigeria geborenen
österreichischen Filmemacherin, preisgekrönten
Menschenrechtsaktivistin und Unternehmerin, und
Chioma Onyenwe, die in Lagos eine Produktionsfirma
betreibt. Die vier Regisseurinnen begannen sich mit
den verschlungenen Wegen einer Textilgeschichte
zu beschäftigen: den Geschäften zwischen Nigeria
und Österreich. „Spitze ist in Nigeria riesig – aber die
wirtschaftliche Macht liegt woanders“, fasst es Chioma
Onyenwe zusammen. Stoff erzählt u.a. von Stickereifabriken
in Lustenau, von den Stoffmärkten in Lagos,
von den historischen Grundlagen des europäischen
Wohlstands und versucht die fortwirkenden Machtverhältnisse
kolonialer Handelsverflechtungen sichtbar
zu machen.
www.stadtkinowien.at
V I E N N A M A R R I O T T
H O T E L
5-STERN
LOCATION
ALL-U-CAN
EAT & DRINK
*
MIT DEUTSCHEM &
US-TV-KOMMENTATOR
*inkludiert sind Bier
& alkoholfreie Getränke
STOFF – EIN SPITZENGESCHÄFT KINOSTART 30.01., A 2025,
REGIE Anette Baldauf, Joana Adesuwa Reiterer, Chioma Onyenwe,
Katharina Weingartner, MIT Ireti Bakare-Yusuf, Bibi Bakare-Yusuf,
Grete Bösch, FILMLÄNGE 88 Min., © Stadtkino Wien
Einlass 21:00 Uhr
Tickets bei wienticket.at
& im Vienna Marriott Hotel
Majestätischer Protagonist
Eine betörende Arbeit: Ildikó Enyedis „Silent Friend“ –
über die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze.
SILENT FRIEND KINOSTART 20.02.,
D/HU/F 2025, REGIE Ildikó Enyedi,
MIT Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler,
Sylvester Groth, Léa Seydoux,
FILMLÄNGE 147 Min., © Polyfilm
In Magic Hunter, meinem
zweiten Spielfilm, der in
Venedig im Wettbewerb lief,
wandle ich über sechshundert
Jahre hinweg auf den Spuren eines
Eichenbaums. In Simon the Magician
löst eine Topfpflanze einen
Mordfall. Ich bin keine Person mit
einem grünen Daumen, sondern
ein Stadtgewächs, das von der
Natur isoliert lebt. Ich spüre die
Distanz zwischen den Lebewesen
und sehne mich nach Verbindung“,
so Regisseurin Ildikó Enyedi
(Goldener Bär bei der Berlinale
2017 für Körper und Seele). Wenn
sie ihre neue, betörend gestaltete
Arbeit vorlegt und zu drei Leben
und drei Epochen führt, dann
dreht sich alles um den menschlichen
Blick auf die Welt der Flora –
und einen ganz bestimmten Baum:
einen majestätischen Ginkgo, der
im botanischen Garten einer deutschen
Universitätsstadt steht.
SEHNSUCHT NACH
VERBINDUNG
2020 beginnt ein Neurowissenschaftler
aus Hongkong (gespielt
44 DOT.MOVIE
von Tony Leung Chiu-wai, In the
Mood For Love), der sich eigentlich
für die kognitive Entwicklung
von Babys interessiert, ein Experiment
mit dem alten Baum. Im Jahr
1972 erfährt eine junge Studentin
eine innere Wandlung – ausgelöst
durch eine Geranie. 1908 entdeckt
die erste Studentin der Universität
(Luna Wedler, 22 Bahnen) durch
das Objektiv einer Kamera verborgene
Muster, eingeschrieben in die
unscheinbarsten Pflanzen. Enyedi
UNSERE
WELT
hat diese sehr unterschiedlichen
Zeiten und Figuren gewählt, um zu
zeigen, „wie sehr und wie schnell
sich unser scheinbar unerschütterlich
solides Realitätsempfinden
verändert. Es wird nicht nur durch
unsere Sinne definiert, sondern ist
auch ein kulturelles Konstrukt und
als solches ziemlich vergänglich.
Unsere menschlichen Helden wandeln
auf denselben Wegen durch
denselben Garten, betreten die
Gebäude desselben Campus – aber
jede und jeder von ihnen nimmt
dabei eine andere Welt wahr.“ Was
die Figuren eint: Sie versuchen
eine Verbindung zur Welt, zur
Natur, zu sich selbst zu finden, sie
verspüren eine Sehnsucht nach
Verbundenheit.
Ildikó Enyedi gelingt mit der
leisen Geschichte ein betörendes
Meisterwerk. Luna Wedler wurde
in Venedig für ihre Darstellung mit
dem Preis als beste junge Entdeckung
ausgezeichnet.
#silentfriend
AB 5. FEBRUAR NUR IM KINO
Achthundert Nächte
„Das Flüstern der Wälder“ ist ein Naturfilm der besonderen Art:
Regisseur Munier ist dafür mit seinem Vater und seinem Sohn tief in
eine nahezu magische Welt eingetaucht.
Der französische Wildtierfotograf
und Dokumentarfilmer
Vincent Munier,
spätestens seit Der Schneeleopard
ein Begriff, hat hier eine atemberaubende
Naturdokumentation
geschaffen, die wie ein Portal zu
einer anderen Welt wirkt. Zusammen
mit seinem Sohn Simon
machte er sich auf die Suche nach
Füchsen, Rehen, Hirschen und
Auerhähnen; begleitet von seinem
Vater Michel, der bereits über
achthundert Nächte nächst einer
Tanne in dem alten, moosbedeckten
Wald im Mittelgebirge der
Vogesen in Frankreich verbracht
hat – mit nichts anderem ausgestattet
als Geduld, einem Stock,
einem Rucksack und einer warmen
Jacke. Das außergewöhnliche filmische
Meisterwerk lebt aber nicht
nur von seiner visuellen Pracht,
sondern ist auch auf der Klangebene
von unglaublicher Poesie. Das
Flüstern der Wälder ist eine Ode
an Flora und Fauna der Vogesen
und ein Brückenschlag zwischen
Vater, Sohn und Enkel, zwischen
Mensch und Natur, zwischen Fotografie
und Film, zwischen Tag und
Nacht, zwischen Persönlichem und
Universellem.
#DasFlüsternDerWälder
DAS FLÜSTERN DER WÄLDER –
LE CHANT DES FORÊTS KINOSTART 13.02.,
F 2025, REGIE Vincent Munier, MIT Michel
Munier, Simon Munier, Vincent Munier,
FILMLÄNGE 93 Min., © Filmladen
SAMUEL HADIDA UND VICTOR HADIDA PRÄSENTIEREN
Diesmal ist der Puma echt
„Woodwalkers 2“: Der zweite Teil des Erfolgsspektakels entführt das Publikum in die äußerst
lebendige Welt der Gestaltwandler – lebendig deshalb, weil viele echte Tiere zu sehen sind.
WOODWALKERS 2 KINOSTART 29.01.,
D 2025, REGIE Sven Unterwaldt, MIT Emile
Chérif, Oliver Masucci, Martina Gedeck,
Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta,
Hannah Herzsprung, Moritz Bleibtreu,
FILMLÄNGE 103 Min., © Constantin Film
In einer Zeit inflationärer CGI
und KI-generierter Bilder
ist es eine Wohltat, wenn
ein Produktionsteam ausgerechnet
jetzt auf echte Lebewesen setzt –
auch, wenn die Stars von
Woodwalkers 2, dem zweiten
Teiles der geplanten Trilogie,
natürlich weiterhin Menschen
sind. Die geheime Hauptrolle
spielt natürlich das epische
Fantasy-Universum, das bereits
mit dem Prequel Millionen Fans
der Bestseller-Romane begeistern
konnte. „Der erste Film war die
Einweihung dieser Welt. Jetzt
dürfen wir darin spielen“, freut sich
Produzentin Corinna Mehner: Ein
neues Schuljahr an der Clearwater
High wartet auf die jungen Gestaltwandler:
Menschen, die sich in
Tiere verwandeln können.
Auch Regisseur Sven Unterwaldt,
neu an Bord des Woodwalkers-
Teams, war begeistert von der
Idee, mit echten Tieren zu drehen:
„Das war der Reiz für mich. Und
als großer Tierfreund, der zu
Hause selbst einen kleinen Zoo mit
Katzen, Hunden und Kaninchen
hat, konnte ich mir nichts Besseres
vorstellen.“ Auch die Thematik
46 DOT.MOVIE
sprach ihn an, denn es geht in
erster Linie um Identität und um
die wichtigen Fragen im Leben wie
„Wo gehöre ich hin?“ und „Wer
bin ich?“ – Themen, die eigentlich
nicht nur für Kinder und Jugendliche
von Bedeutung sind.
SPANNUNG UND
GEHEIMNISSE
Für Carag-Darsteller Emile Chérif
war es jedenfalls eine große Freude,
erneut in seine Rolle schlüpfen
zu dürfen. „Im zweiten Teil gibt es
zwar auch viel Action, und insgesamt
wird Carag aktiver, nimmt
die Dinge mehr selbst in die Hand,
aber es gibt vor allem auch emo-
tionale Szenen. Das hat mich als
Schauspieler neu gefordert.“ Seine
Schauspielkollegin Lilli Falk hingegen,
die Rothörnchen-Wandlerin
Holly verkörpert, war wiederum
begeistert davon, dass ihre Figur
ein Geheimnis mit sich trägt. „Das
wird erst im Lauf der Handlung
gelüftet, sie verdutzt damit aber
erst mal ihre Clique“, plaudert
sie aus dem Nähkästchen. Ein
Höhepunkt für das junge Talent
war die Zeit vor der Kamera mit
dem erfahrenen Schauspieler Tom
Schilling: „Es war sehr cool, mit
ihm zu drehen. Man merkt, dass
er eigene Kinder hat. Er ist sehr
bodenständig und nett. Ich hätte
gerne noch länger mit ihm vor
der Kamera gestanden.“
#woodwalkers2
KIDS
& FAMILY
Beste Freunde, große Missionen
Eben noch alt und gebrechlich, nun „Charlie – Der Superhund“.
Wie oft hat der neunjährige
Danny schon
davon geträumt,
gemeinsam mit seinem Hund
Charlie, einem treuen Golden Retriever,
die Welt zu retten … Eines
Nachts wird der Wunsch unversehens
Wirklichkeit: Außerirdische
entführen den Vierbeiner und
verleihen dem alternden Hund
unglaubliche Kräfte (eigentlich
ohne die Absicht, ihn wieder bei
Danny abzugeben – eigentlich
sollte er einem verwöhnten Alien-
Kind als Haustier dienen, das ihn
dann aber doch nicht will). Charlie,
den eigentlich schon langsam
die Kräfte verlassen hatten, ist
über Nacht stärker, schneller und
klüger als je zuvor. Er kann jetzt
sogar sprechen! Danny kann es
kaum glauben. Er ist – natürlich
– furchtbar irritiert darüber, was
sein Hund jetzt alles kann, aber
auch begeistert: Für den schüchternen
Buben geht es nun an der
Seite des größten Superhelden auf
vier Pfoten durch einen ruhmreichen
Alltag.
PERFIDE PLÄNE
Doch nicht alle freuen sich darüber,
dass ein tierischer Held
unterwegs ist: Nachbarkater Puddy
– der ebenfalls von den Aliens
modifiziert und dann doch wieder
auf die Erde zurückgebracht
wurde – möchte dem Triumph
ein Ende setzen. Er schmiedet mit
seiner listigen Katzenbande einen
Plan, um selbst ins Rampenlicht
zu treten und nichts Geringeres
als die Weltherrschaft an sich
zu reißen: Durch seine neuen
Fähigkeiten könnte den Menschen
ein eigenwilliges Schicksal drohen.
Charlie und Danny müssen
Mut, Herz und Einfallsreichtum
beweisen, um das griesgrämige
Vorhaben zu durchkreuzen. Und
vor allem müssen sie schnell
handeln …
Shea Wageman inszeniert ein
rasantes Kinoabenteuer, das von
Zusammenhalt erzählt und die
Freundschaft zwischen Mensch
und Tier als die größte Superkraft
überhaupt erkennt. Im Original
leiht Owen Wilson Superhund
Charlie seine Stimme. Für die
musikalische Untermalung des
Animationsabenteuers, das auch
mal die Erdatmosphäre verlässt,
sorgt Bryan Adams.
#charliedersuperhund
CHARLIE – DER SUPERHUND – CHARLIE
THE WONDERDOG KINOSTART 29.01.,
USA 2025, REGIE Shea Wageman,
MIT Owen Wilson, FILMLÄNGE 92 Min.,
© Einhorn Film
DOT.MOVIE 47
Smalls can ball!
Ziegenbock Will ergreift seine Chance in „G.O.A.T.“.
KIDS
& FAMILY
Ein kleiner Ziegenbock hat
große Träume: Er will nichts
anderes als Roarball spielen,
einen kontaktintensiven Hochleistungssport,
bei dem die schnellsten
und furchterregendsten Tiere der
Welt dominieren. Die Stadien sind
hochgefährlich, die Sportler, allesamt
Alphatierchen wie Panther,
Eisbären, Gorillas, Löwen, Nashörner
…, genauso. Will möchte einer
von ihnen sein.
Sony Pictures Animation (KPop
Demon Hunters, Spider-Man:
Across the Spider-Verse) macht
sich daran, ihn bei seinen Träumen
zu unterstützen – nämlich
zu erzählen, dass man niemals
zu klein ist, um groß zu träumen.
Unterstützung hat Will vorerst nötig:
Alle außer seiner Mutter und
seinem Freund, einem Capybara,
sagen, er sei zu klein für sein Ziel.
Immer schon strömt ihm der im
Chor ausgespuckte Ruf „Zu klein
– geh heim!“ entgegen. Als der talentierte
Ziegenbock die einmalige
Chance erhält, einem Profiteam
beizutreten, sind seine neuen
Teammitglieder alles andere als
begeistert, nun eine schmächtige
Ziege in ihrer Mitte zu haben.
Doch Will ist wild entschlossen,
den Sport zu revolutionieren und
ein für alle Mal zu beweisen, dass
auch Kleine ganz groß rauskommen
können. Wahre Größe hängt
schließlich nicht vom Körperbau
ab – mit seinem Können und
seiner Spieltaktik wird er es allen
zeigen. Das Management weiß:
Das Team hat genau einen wie
Will nötig. Und Will wird schon
noch alle in der Mannschaft –
auch sein großes Idol Jett Fillmore,
einen schwarzen Panther – davon
überzeugen, dass die Stärke des
Teams darin liegt, dass sie alle
verschieden sind.
48 DOT.MOVIE
SHOWTIME FÜR UNDERDOGS
Tyree Dillihay (Bob’s Burgers) hat
die schnittige Actionkomödie (mit
Unterstützung von Adam Rosette,
Story-Artist bei Dog Man, Der
wilde Roboter) umgesetzt, zu der
sich die Drehbuchautoren Aaron
Buchsbaum und Teddy Riley
von Chris Tougas’ Buch „Funky
Dunks“ inspirieren ließen. Dem
tierischen Cast leihen in der englischen
Originalfassung u.a. Caleb
McLaughlin (Stranger Things),
Gabrielle Union (Girls United),
David Harbour (Stranger Things)
und Jennifer Hudson (Dreamgirls)
ihre Stimmen. Zu den Produzenten
gehört NBA-Basketballstar Stephen
Curry (von den Golden State
Warriors). Der sagt: „G.O.A.T.
ist quasi meine Geschichte: Ich
weiß, wie es sich anfühlt, der
Underdog zu sein.“ – Für seine
für einen Basketballspieler geringe
Größe wurde er zu Beginn seiner
Karriere unterschätzt. Curry, der
auch stimmlich im Einsatz ist und
eines der Teammitglieder von Will
– Giraffe Lenny – spricht, liebt die
Action des Films und verspricht:
„Ihr werdet laut auflachen!“ Und
spätestens nach dem Film werden
alle wissen: „Smalls can ball!“
#GOATfilm
G.O.A.T. – BOCK AUF GROSSE
SPRÜNGE KINOSTART 20.02.,
USA 2026, REGIE Tyree Dillihay,
MIT Caleb McLaughlin, Gabrielle
Union, David Harbour, Jennifer Hudson,
FILMLÄNGE 100 Min., © Sony Pictures
GROSSES KINO
MIT FAMILIÄREM FLAIR!
Willkommen in den Kinos Bludenz und Dornbirn.
# kinobludenz
www.kino-bludenz.at
# cinemadornbirn
www.cinema-dornbirn.at
DOT.MOVIE 49
KIDS
& FAMILY
Sein Lied finden
„Der letzte Walsänger“ führt emotional tiefgehend durch die Tiefe der Ozeane.
Als sich Leviathan, ein gefürchtetes
Seeungeheuer,
aus einem schmelzenden
Eisberg befreien kann und mit
seiner giftigen Tinte die Unterwasserwelt
bedroht, hoffen alle
auf Vincent: Er muss die Meere
retten! Dabei zweifelt der junge
Buckelwal ohnehin schon an sich
und seinen Fähigkeiten: Er ist
der Nachfahre des letzten großen
Walsängers, dessen magischer Gesang
einst die Ozeane beschützte.
Er weiß durch seine Familie,
wie mächtig ein Lied sein kann.
An seine eigenen Fähigkeiten
glaubt er aber nicht wirklich. Im
Angesicht der Bedrohung durch
Leviathan bleibt aktuell aber gar
50 DOT.MOVIE
keine Zeit für Zweifel: Er muss
seine Ängste überwinden und
Kraft für sein eigenes Lied finden.
Er hat bei seinem Abenteuer
große Unterstützer an seiner Seite:
der pedantische Schiffshalterfisch
Walter und die furchtlose Orca-
Kämpferin Darya sind bei allen
Gefahren und Überraschungen an
seiner Seite.
ZEITLOS UND AUTHENTISCH
Reza Memari (Überflieger –
Kleine Vögel, großes Geklapper)
ist fasziniert von Buckelwalen, seit
er vor 15 Jahren einen Dokumentarfilm
über sie gesehen hat:
„Diese großartigen Geschöpfe
haben tatsächlich ‚Sänger‘ in
ihren Gruppen, auch wenn die
Wissenschaft bis heute nicht versteht,
warum sie singen oder was
ihre Lieder wirklich bedeuten. In
diesem Moment stellte ich mir
einen jungen Buckelwal vor, der
sein Lied nicht finden kann. Es
ist zutiefst menschlich, die eigene
Stimme finden zu wollen, und dieses
Bild wurde zum Grundstein
für Der letzte Walsänger“, so der
Regisseur. Aus diesem Moment
erwuchs ein ganzes Universum
– und eine in der Unterwasserwelt
angesiedelte Geschichte, die
von Mut, Zusammenarbeit und
vom Schutz der Ozeane handelt
und die natürliche Majestät der
Wale und des Meereslebens ehren
wollte. Dem Team war es wichtig,
dass sich der Film zeitlos und
emotional authentisch anfühlen
und nicht wie ein Cartoon wirken
sollte. Auch die Unterwasserwelt
selbst wurde wie ein Charakter
behandelt – mit sich ständig
bewegenden Partikeln, tanzenden
Lichtreflexen und changierenden
Lichtstrahlen. In ihr bewegen
sich riesengroße Wale und
winzige Meereslebewesen, deren
Bewegungsabläufe das internationale
Team von Animatorinnen
und Animatoren genauestens
studierten. „Diese Hingabe zur
Authentizität half dabei, jede
Kreatur sowohl mit Genauigkeit
als auch mit Persönlichkeit zum
Leben zu erwecken“, schwärmt
der Regisseur. „Einer der kniffligsten
Aspekte war der Umgang
mit den Größenunterschieden.
Wenn Kreaturen, die 16 Meter
lang sind, neben solchen stehen,
die nur 10 Zentimeter groß sind,
wird es sowohl herausfordernd
als auch bereichernd, Kameraeinstellungen
zu finden, in denen ein
gigantischer Buckelwal mit einem
winzigen Seepferdchen spricht.
Gemeinsam mit Kameramann Jaromír
Malý erkundeten wir jeden
Winkel, um diese dramatischen
Größenkontraste einzufangen
und dabei die Intimität zwischen
den Charakteren zu bewahren.“
Die Akribie und Euphorie bei der
Erarbeitung des Films ist in jeder
Minute spürbar. Reza Memari hat
ein packend-turbulentes, aber vor
allem auch emotional tiefgehendes
Abenteuer geschaffen. Er hofft,
dass sein Publikum das Kino mit
Vincents Erkenntnis verlässt,
„dass die eigene Stimme zählt,
dass Mut die Angst überwinden
kann und dass wir gemeinsam
etwas Schönes schaffen können.
In einer Welt, in der es so einfach
geworden ist, stillschweigend und
passiv zu bleiben, ist Der letzte
Walsänger eine Einladung, die
Stimme zu erheben und für das zu
singen, was wirklich zählt: Freiheit,
Frieden und unsere unersetzlichen
Ozeane.“
#derletztewalsänger
DER LETZTE WALSÄNGER – THE LAST
WHALE SINGER KINOSTART 08.02.,
D/KAN/CZ 2025, REGIE Reza Memari,
FILMLÄNGE 91 Min., © Einhorn Film
Alles außer leise
Tanzen, singen, raten, lachen: Das Disney Channel Mitmach-Kino
unterhält wieder die kleinsten Kinobesucher.
Licht aus, Ruhe, still sitzen?
Das bedeutet Kino
bestimmt nicht, wenn
das Disney Channel Mitmach-
Kino angesagt ist. Am 7. und
8. Februar heißt es wieder: eine
Stunde lang lautstark mitsingen,
-tanzen, -klatschen, -rätseln
und bestimmt nicht leise
sein. Micky Maus führt durch
ein lustiges und abwechslungsreiches
Programm, das auf die
kleinsten Zuschauer – Kinder
zwischen zwei und sieben
Jahren – ausgerichtet ist. So
sorgen Bluey, Marvel Iron
Man und seine fantastischen
Freunde sowie die brandneue
Vorschulserie MagiCampers
für Spannung und aufregen-
de Geschichten, bei Winnie
Puuh, Minnie und Cars gibt’s
viel zu lachen. Musikvideos
laden dazu ein aufzuspringen:
Dann steht Mitsingen und
-tanzen auf dem Programm.
Dazwischen warten kleine
Ratespiele rund um die
Disney Channel-Helden. Ganz
großes, aktionsreiches Kino
für die Kleinsten! Das Disney
Channel Mitmach-Kino sorgt
für wahrlich unvergessliche
Kinoerlebnisse.
www.disneychannel.de
DISNEY CHANNEL MITMACH-KINO
KINOSTART 07. und 08.02.,
D 2025, FILMLÄNGE 60 Min.,
© The Walt Disney Company
DOT.MOVIE 51
ANIME
Keine Sieger
Hayao Miyazakis „Prinzessin Mononoke“ kehrt 4K-restauriert ins Kino zurück.
Ein Meilenstein der Animationskunst
aus dem Hause
Ghibli kehrt in 4K restauriert
auf die Leinwand zurück:
Hayao Miyazakis Prinzessin
Mononoke führt in eine Zeit,
in der in Japan noch die Götter
regierten. In einem üppigen
Wald lebt die wilde Prinzessin
Mononoke bei den Wölfen. Das
Miteinander von Mensch und Tier
verläuft nicht überall friktionsfrei,
im Gegenteil: Der Frieden ist
bedroht. Die Zivilisation greift
sich immer mehr Raum, frisst sich
immer weiter in die Natur hinein.
Die Bewohner des Waldes – v.a.
die Wolfsgöttin Moro und ihre
menschliche Adoptivtochter San
(Prinzessin Mononoke) – wollen
sich gegen Menschen wie Madame
Eboshi, die Wälder abholzen
und in den Bergen nach Eisenerz
schürfen lässt, zur Wehr setzen.
Die Menschen schmieden Waffen
aus Eisen. Sie wollen die alte
Ordnung umstürzen und haben es
auf den mächtigen Waldgott abgesehen.
Kampflos werden die Tiere
aber nicht aufgeben – sie formieren
sich zu einer Schlacht. In
diesem tödlichen Konflikt bewegt
sich auch der junge Krieger Ashitaka,
der von einem wildgewordenen
Eber am Arm verletzt wurde.
Der Eber war kein gewöhnliches
Tier, sondern ein rachsüchtiger
Gott, der vom Hass auf alles
Menschliche zum Dämon geworden
ist. Ashitaka und Mononoke
finden sich zwischen den Fronten
wieder: Nur ihnen beiden könnte
es gelingen, die nahende Katastrophe,
bei der es nur Verlierer geben
kann, abzuwenden.
ALL DIE ZWISCHENTÖNE
Es ist eine ebenso anspruchsvolle
wie fantasievolle Arbeit, die
Hayao Miyazaki (Chihiros Reise
ins Zauberland, Der Junge und
der Reiher) 1997 vorgelegt hat
und mit der er für den Durchbruch
des Studio Ghibli sorgte:
Prinzessin Mononoke erzählt mit
vielschichtigen Figuren – alle mit
einer plausiblen Motivation für
ihr Handeln ausgestattet – und
optisch prachtvoll – mit Hayao
Miyazakis geschätztem Blick fürs
Detail – eine facettenreich-komplexe
Geschichte (Altesfreigabe
ab 12 Jahren) mit ökologischer
Botschaft. Ein kraftvoll-unvergessliches
Spektakel.
#prinzessinmononoke
PRINZESSIN MONONOKE 4K –
MONONOKE-HIME KINOSTART 12.02.,
JP 1997, REGIE Hayao Miyazaki,
FILMLÄNGE 134 Min., © Polyfilm
52 DOT.MOVIE
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Kinder.
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Rache ist nicht süß
ANIME
„Scarlet“: Viereinhalb Jahre hat Mamoru Hosoda an seinem Film gearbeitet. Leicht hat er
es sich dabei allerdings nicht gemacht – das Ergebnis ist umso beeindruckender.
Anime-Fans – aber nicht
nur die! – können sich
schon mal startklar
machen, denn mit Scarlet kommt
ein Film ins Kino, der nicht nur
produktionstechnisch Grenzen
sprengt, sondern auch in seiner
Ästhetik einzigartig ist. Dass
ausgerechnet das Shakespeare-
Epos „Hamlet“ dem Regisseur
und Autor des Films, Mamoru
Hosoda, als Inspiration diente,
ist ein weiterer Mosaikstein des
Gesamteindrucks: „‚Hamlet‘ ist
eine der ersten großen Rachegeschichten“,
meint Mamoru. „Ich
glaube, Rachegeschichten sind
deshalb so beliebt, weil es sich gut
anfühlt, den Gegner zu besiegen
– und scheinbar ist das Problem
damit gelöst. So sehe ich das aber
nicht. Vielleicht gilt das für eine
einzelne Person, doch die, die
diesmal Unrecht erfahren haben,
treiben den Kreislauf der Vergeltung
nur weiter an.“ Hier sieht
der Regisseur die Qualität von
Shakespeares Drama: „Das Stück
untersucht genau diesen Kreislauf.
Mich beschäftigt dabei die Frage:
Wie können wir als Menschheit
aus diesem Teufelskreis ausbrechen?
Ist das überhaupt möglich?
Ich möchte daran glauben. Ich
denke, dass auch Shakespeare sein
Stück genutzt hat, um genau diese
Frage zu stellen.“
PRINZESSIN ZWISCHEN DEN
ZEITEN
Die Story im Werk des bereits für
einen Oscar nominierten Filmemachers
ist ähnlich episch und
klassisch wie die des als Vorbild
dienenden Engländers: Im kraftvollen,
zeitübergreifenden Animationsabenteuer
geht es um die
mittelalterliche Prinzessin Scarlet,
die mit dem Schwert kämpft und
sich auf eine gefährliche Mission
begibt, um den Tod ihres Vaters
zu rächen.
Als ihre Mission jedoch scheitert,
findet sie sich schwer verletzt
in einer jenseitigen Welt wieder.
Dort begegnet sie einem ziemlich
hilfsbereiten idealistischen jungen
Mann aus unserer Gegenwart, der
ihr nicht nur bei der Heilung hilft,
sondern ihr auch die Möglichkeit
einer Zukunft ohne Bitterkeit und
54 DOT.MOVIE
Wut aufzeigt. Als sie erneut mit
dem Mörder ihres Vaters konfrontiert
wird, steht Scarlet vor ihrer
größten Herausforderung – nämlich
den Kreislauf des Hasses zu
durchbrechen und einen Sinn im
Leben außer der Rache zu finden.
UNGESEHENES ERSCHAFFEN
In Scarlet verbindet Mamoru Hosoda
optisch realistisch wirkende
Szenerien mit einer sehr speziellen
Weise, Charaktere darzustellen
– er kombiniert dabei 2D- und
3D-Elemente. Das Ergebnis ist
eine besondere Ästhetik, die sich
von anderen Filmen im Anime-
Stil deutlich abhebt. „Aktuell gibt
es in der Animationsbranche eine
starke Bewegung, neue visuelle
Looks und Stile zu entdecken, um
das Erzählen von Geschichten
auf ein neues Level zu heben. In
Japan hat sich die Animation
lange auf das handgezeichnete
2D-Fernsehformat konzentriert
– eine Technik, die sich hervorragend
für bestimmte Geschichten
eignet, die die Branche aber kaum
weiterentwickelt oder erneuert
hat“, schildert Hosoda. „Mit
meinem Film wollte ich deshalb
den Charme bewahren, der die
handgezeichnete 2D-Ästhetik so
besonders macht, und ihr Respekt
zollen – und gleichzeitig etwas
schaffen, das wir so noch nicht
gesehen haben und das den erzählerischen
Möglichkeiten neue
Räume eröffnet.“
#ScarletMovie
SCARLET KINOSTART 24.02., JP 2025,
REGIE Mamoru Hosoda, MIT Mana Ashida,
Masaki Okada, Kôji Yakusho,
FILMLÄNGE 111 Min., © Sony Pictures
OLIVER
MASUCCI
MARTINA
GEDECK
HANNAH
HERZSPRUNG
MORITZ
BLEIBTREU
TOM
SCHILLING
EMILE
CHERIF
LILLI
FALK
JOHAN
VON EHRLICH
SOPHIE
LELENTA
OLIVIA
SINCLAIR
BASIEREND AUF DEN BESTSELLERN VON KATJA BRANDIS
JETZT NUR IM KINO
NUR IM KINO NUR IM KINO
DOT.MOVIE 55
DOT.
ARTHAUS
DIE JAHRESZEITEN –
AS ESTAÇÕES – 06.02. Maureen
Fazendeiros Regiedebüt führt
durch den Süden Portugals – das
Alentejo; die in Lissabon lebende
Regisseurin, eine gebürtige Französin,
verwebt darin Erzählungen
landwirtschaftlicher Arbeiterinnen
und Arbeiter mit den Feldnotizen
eines Archäologenpaars, Amateuraufnahmen
mit wissenschaftlichen
Zeichnungen, Legenden, Gedichten
und Liedern. So entsteht ein sinnliches
Porträt einer Region, in dem
Reales ebenso viel Platz einnehmen
darf wie Erfundenes. Ein einnehmender
visueller Essay, in dem
auch Animationen des österreichischen
Avantgardekünstlers Siegfried
A. Fruhauf zu sehen sind. Ihr
Film sei „ein archäologischer Film“,
so die Regisseurin. „Er gräbt im
Landschaftsbild, in den Stimmen
und Gesten der Bewohner:innen
des Alentejo, um die Spuren einer
gemeinsamen Geschichte freizulegen
– einer Geschichte von Kriegen
und Revolutionen, von Angst und
Widerstand, von Beständigkeit und
Verwandlung.“
Coexistence, My Ass!
Fünf Jahre lang (ab dem
Jahr 2019) begleitete
Amber Fares die israelische
Aktivistin Noam Schuster-
Eliassi bei der Entstehung ihrer
Comedy-Show. Es sind turbulente
fünf Jahre, in denen nicht
nur ihre eigene Reise viele Wendungen
genommen hat, sondern
auch unsere Welt. Schuster-Eliassi,
die aus einem zweisprachigen
israelisch-palästinensischen
Dorf – der einzigen bewusst integrierten
Gemeinde des Landes
– stammt, beginnt den Glauben
an den traditionellen Friedensaktivismus
zu verlieren und
hofft auf die Comedy-Bühne als
wirkungsvollen Austragungsort,
um schwierige Wahrheiten auszusprechen.
Regisseurin Fares,
die ihrerseits sieben Jahr lange
im Westjordanland lebte, um
Speed Sisters zu drehen, zeigt
sich von ihrer Protagonistin
fasziniert: „Ich habe sie begleitet,
als sie sich mit zunehmenden
Angriffen auf Andersdenkende
aus ihrer eigenen Gesellschaft
und natürlich mit der fast
vollständigen Zerstörung des
Gazastreifens auseinandersetzen
musste. Mit Humor ihr
Publikum dazu zu bringen, sich
diesen Realitäten zu stellen, ist
ihre Lebensaufgabe – und es war
mir eine Ehre, sie auf ihrer Reise
zu begleiten. Noam hat mich
beeindruckt, weil sie ein inspirierendes
Vorbild dafür ist, was
möglich ist – eine mehrsprachige,
multikulturelle Bürgerin, die
sich solidarisch mit den Unterdrückten
zeigt, ihre Zukunft eng
mit der ihrer palästinensischen
Nachbarn verbunden sieht und
weiß, dass echte Koexistenz nur
auf Gerechtigkeit und Gleichheit
basieren kann.“ Beim Sundance
Film Festival 2025 wurde die
mitreißende Arbeit mit dem
World Cinema Documentary
Special Jury Award ausgezeichnet.
Kinostart: 05.02.
© UCM.ONE, Filmladen, Kinostar, Filmgarten
56 DOT.MOVIE
Monsieur Robert kennt kein Pardon
Paraderolle für Christian Clavier.
und die das Zeug zum Online-
Troll hat. Der vom Schuldienst
gezeichnete Mann mit abseitiger
Note ist eine Paraderolle für
Christian Clavier (Monsieur
Claude und seine Töchter).
Pierre-François Martin-Laval
(Das Wunder von Marseille)
verfilmt den Roman von Jean-
Claude Mourlevat („La Troisième
Vengeance de Robert Poutifard“),
nachdem ihn sein Produzent
Romain Rojtman auf den Stoff
brachte: Rojtmans Sohn las das
Buch – vielleicht als Warnung –
in der Schule.
Kinostart: 22.02.
Poutifar hat sein Berufsleben
im Klassenzimmer
verbracht und sich den
Ruhestand redlich verdient. Er
weiß auch genau, was er mit der
vielen freien Zeit, die er nun zur
Verfügung hat, anstellen wird:
Er hat nun endlich Zeit, sich
ausgiebig den schlimmsten seiner
ehemaligen Schüler zu widmen
– denjenigen, die ihm das Leben
zur Hölle gemacht haben. Er
macht vier Kinder dafür verantwortlich,
dass aus der Liebe seines
Lebens nichts wurde. Poutifar
hat ihren Werdegang genauestens
verfolgt, nun stehen alle Zeichen
auf Rache. Sehr unerträglich:
Alle vier haben eine Karriere
zustande gebracht. „Ich will, dass
sie genauso leidet wie ich oder
mehr“, wettert er etwa, während
er ein Bild von Audrey betrachtet,
die inzwischen als Popstar auf der
Bühne steht. Aus den Zwillingen
Mélanie und Camille wurden
Influencerinnen, Anthony ist als
Chefkoch erfolgreich. Planend an
seiner Seite: seine Mutter (Isabelle
Nanty), mit der er zusammenlebt
RULE BREAKERS – 05.12. Das erste Mal, als
sie einen Computer betätigte, war das, als ob
Licht in die Dunkelheit einfalle, erklärt Roya
Mahboob (Nikohl Boosheri) – und ihre kleine
Welt wurde größer und größer. Für Mädchen
im streng patriarchal geprägten Afghanistan ist
es alles andere als leicht, Bildung zu erlangen.
Roya Mahboob kämpft um Träume. Sie ruft ein
Robotik-Team für Mädchen und Frauen ins Leben.
Das weckt nicht nur Hoffnung – sondern
von anderer Seite auch großen Widerstand.
Bill Guttentag (Soundtrack for a Revolution)
legt einen wichtigen Film vor: Er handelt vom
Kampf um das Recht auf Bildung, von Mut und
der gewaltigen Kraft der Hoffnung.
DOT.MOVIE 57
DOT.
ARTHAUS
IN CONCERT
STRAY KIDS: THE DOMINATE
EXPERIENCE – 06.02.
Paul Dugdale hat schon viele
Konzertabende für die Ewigkeit
festgehalten – Live-Momente von
Coldplay, den Rolling Stones,
Adele, Taylor Swift, Dua Lipa,
Hans Zimmer … Mit seinem
jüngsten Film holt er eine K-Pop-
Sensation auf die Leinwand: Die
„Stray Kids“ – bestehend aus den
Bandmitgliedern Bang Chan, Lee
Know, Changbin, Hyunjin, Han,
WAHRHEIT & VERRAT – TRUTH &
TREASON – 07.11. Ein Jugendlicher entdeckt:
Treue zu seinem Land bedeutet plötzlich
Treue zu einer Lüge. Das amerikanische
Historiendrama führt nach Deutschland im
Zweiten Weltkrieg – und erzählt vom Widerstandskämpfer
Helmuth Hübener. Das
einstige Mitglied der Hitlerjugend beginnt
mit Flugblättern und anderen Aktionen
gegen das Regime vorzugehen. Regie führte
Matt Whitaker, der 2002 bereits einen
Dokumentarfilm über die Hübener-Gruppe
produzierte (Truth & Conviction).
Felix, Seungmin und I.N. – füllten
2025 mit ihrer dominATE-Tour
weltweit die Stadien. Ihr bombastischer
Live-Auftritt bietet nicht
nur eine Front-Row-Erfahrung
(aufgezeichnet im kalifornischen
SoFi-Stadium – inkl. Jubel von
fast 100.000 Fans): Dugdale
kommt den acht Bandmitgliedern
ganz nah – er wirft einen
ausgelassenen Blick hinter die
Kulissen und hat u.a. Interviews
mit den koreanischen Superstars
eingefangen.
OPERA & BALLET
THE ROYAL BALLET:
WOOLF WORKS – 09.02.
Wenn Regisseur und Hauschoreograf
Wayne McGregor das
Royal Ballet zu Musik von Max
Richter in Bewegung setzt, dann
werden Themen und Stoffe von
Virginia Woolf – besonders aus
„Mrs. Dalloway“, „Orlando“ und
„Die Wellen“ – montiert. Die
experimentelle Collage, die 2015
für das Royal Ballet entwickelt
wurde, funktioniert ganz im Geiste
von Woolfs einzigartiger Arbeit,
die sich stark mit inneren Welten
beschäftigte und den literarischen
Konventionen trotzte: Frei nach
ihrer „Stream of Consciousness“-
Technik entstand ein einzigartiges
Ballett-Triptychon, das u.a. mit
einem Olivier Award ausgezeichnet
wurde. Dramaturgin Uzma Hameed
erläutert, dass Woolf selbst
„vom Tanz fasziniert gewesen ist
und Aspekte seiner Sprache in
ihren eigenen kreativen Prozess
integrierte, um Texte zu schaffen,
die ebenso sehr in Gefühlen und
Körper wie im Verstand verwurzelt
waren … Dann ist da natürlich
noch die Art und Weise, wie
ihre Romane den Fokus von den
äußeren Details des Lebens auf
die reichhaltige innere Erzählung
verlagern, die sich kontinuierlich
im Geist entfaltet; sie taucht in
eine Welt ein, in der Ereignisse
eher thematisch als chronologisch
aneinandergereiht sind und das
Geflecht aus Emotionen und Empfindungen
dichter erscheint als die
spröde Welt der Objekte. All dies
könnte als das natürliche Terrain
des Tanzes angesehen werden.“
Das Resultat auf der Bühne ist
visuell stark und intensiv.
https://www.rbo.org.uk/
ballet-essentials-woolf-works
© LUF Kino, Universal Pictures, Kinostar
58 DOT.MOVIE
DIE NEUE KOMÖDIE VON
ANDERS THOMAS JENSEN
DEM REGISSEUR VON ADAMS ÄPFEL UND
HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT
WETTBEWERB
AUSSER KONKURRENZ
„Eine herrlich
schwarzhumorige
Komödie.“
INDIEWIRE
MADS
MIKKELSEN
NIKOLAJ
LIE KAAS
SOFIE
GRÅBØL
SØREN
MALLING
THERAPIE FÜR WIKINGER
BODIL
JØRGENSEN
LARS
BRYGMANN
KARDO
RAZZAZI
NICOLAS
BRO
PETER
DÜRING
JETZT IM KINO
HEIM
WERK
EUPHORIE IM STREAM: NEWS & RELEASES
(eher ein wenig unangenehm): Er
möchte nichts anderes als so eine
Karriere hinlegen wie Daniel Day-
Lewis. Showrunner Andrew Guest
beschreibt ihn als „unglaublich
mächtig, ohne dass er
sich dessen selbst voll
bewusst ist“.
MARVEL TELEVISIONS
WONDER MAN
Simon Williams ist Schauspieler
in Hollywood – wenn das
außer ihm auch noch kaum
einer weiß. Er hadert damit, seine
Karriere in Gang zu bringen. Castingsituationen
überfordern ihn.
Die Dinge kommen allmählich ins
Rollen, als er auf den Schauspieler
Trevor Slattery trifft und so erfährt,
dass der Regisseur Von Kovak
(Zlatko Buric) eine Neuverfilmung
des Superheldenfilms Wonder Man
plant. – Ein Projekt, an dem beide
Schauspieler, die sich an entgegengesetzten
Enden ihrer Karriere
befinden, interessiert sind.
Dass er derweil Superkräfte wie
übermenschliche Kraft und Geschwindigkeit
in sich keimen spürt,
ist Simon gar nicht so wichtig
Lustvoll gestalten Destin
Daniel Cretton (Shang-
Chi and the Legend of
the Ten Rings, Spider-
Man: Brand New Day)
und Andrew Guest
(Community, Hawkeye)
die achtteilige Serie mit
Yahya Abdul-Mateen II (Aquaman,
The Get Down, Ambulance)
und Ben Kingsley, der nach seinen
Auftritten in Iron Man 3, Shang-
Chi and the Legend of the Ten
Rings und All Hail the King erneut
die Rolle des Trevor Slattery
übernimmt.
Ab sofort bei Disney+.
A KNIGHT OF THE SEVEN KINGDOMS
Mit A Knight of the
Seven Kingdoms geht es
zurück nach Westeros:
Nach dem groß angelegten Spin-off
House of the Dragon geht es erneut
zurück ins Game Of Thrones-
Universum – diesmal wird ein
ganz anderer Ton angeschlagen.
Erzählt werden die Abenteuer
eines unerwarteten Duos – des
Ritters Ser Duncan und seines
Knappen Egg, etwa 90 Jahre vor
den Geschehnissen der Fantasyserie
Game of Thrones, die ihr
Publikum mit unerwartbaren und
kompromisslosen Entscheidungen
auf Trab hielt. Die Vorlage dafür
ist George R. R. Martins Trilogie
„Der Heckenritter von Westeros:
Das Urteil der Sieben“.
Dunk (Peter Claffey), der
aus Fleabottom, dem Slum der
Hauptstadt King’s Landing,
stammt, wurde vom Heckenritter
Ser Arlan of Pennytree (Danny
Webb) aufgenommen. Als sein
Herr stirbt, gibt Dunk sich fortan
als Heckenritter Duncan the Tall
aus – obwohl er nie zum Ritter
geschlagen wurde – und möchte
beim Turnier in Ashford teilnehmen.
Auf dem Weg dorthin
begegnet er Egg (Dexter Sol
Ansell), der nach anfänglicher
Ablehnung zu seinem Knappen
und treuen Freund wird. Erzählt
wird in leichtem Tonfall mit Hang
zu Ironie – und trotzdem immer
spannend. Als Showrunner agiert
Ira Parker (House of the Dragon).
Ab sofort bei HBO Max.
60 DOT.MOVIE
THE DANISH WOMAN
Die Dänin Ditte Jensen (Trine
Dyrholm, In einer besseren Welt)
ist nach Island gezogen. In dem
unauffälligen Wohnblock in
Reykjavik plante sie, sich zur Ruhe
zu setzen. Doch ihr Instinkt als
Elitesoldatin und ihr Gerechtigkeitssinn
bringen die ehemalige
Geheimdienstagentin dazu, sich in
Nachbarschaftsprobleme einzumischen.
Mit allen Mitteln …
Ab sofort in der arte Mediathek.
BANKSTERS
Die erste HBO-Serie aus Deutschland
handelt von einem Bank-
Azubi namens Yusuf (Eren M.
Güvercin): Er wird 2004 wegen
mehrfachen Bankraubs verhaftet.
Gregor Schnitzler (Die Wespe) und
Cüneyt Kaya (Crooks) erzählen in
sechs Teilen seine Geschichte, „basierend
auf wahren Begebenheiten“.
Ab in die Berliner Unterwelt
der Nullerjahre!
Ab 20.02. bei HBO Max.
THE BEAUTY
Als Supermodels auf rätselhafte
Weise sterben, tritt das FBI (in
der Gestalt von Evan Peters und
Rebecca Hall) auf den Plan. Sie
bekommen es mit einem sexuell
übertragbaren Virus zu tun –
und mit einem Tech-Milliardär
(Ashton Kutcher). Ausführender
Produzent: Ryan Murphy. Illustre
Gaststars wie Bella Hadid und
Isabella Rossellini.
Ab sofort bei Disney+.
© Crave, HBO Max, Disney+, arte
HEATED RIVALRY
Als der BookTok-Hit von
Rachel Reid – „Heated
Rivalry“ aus ihrer „Game
Changer“-Romanreihe – im
Serienformat zum Leben erweckt
wurde, stand die Social-Media-
Welt kopf. Ab 6. Februar kann
der kanadische Überraschungshit
auch hierzulande gesehen werden
– via HBO Max. Reid begann ihre
„Game Changers“-Reihe „aus Wut
über die Eishockeykultur und
deren offensichtliche Homophobie
sowie all die anderen Dinge, die
mich wirklich beschämten, ein
Eishockeyfan zu sein“.
Die Serie handelt von zwei rivalisierenden
Eishockeyspielern, Shane
Hollander (Hudson Williams),
Captain der Montreal Metros, und
Ilya Rozanov (Connor Storrie),
Captain der Boston Raiders. Ihre
Feindseligkeit auf dem Eis lässt
nicht vermuten, dass sie hinter den
Kulissen eine leidenschaftliche
Romanze beginnen, die sich über
die Jahre zur großen Liebe
entwickelt.
Hinter Heated Rivalry
steht kein großes Budget;
Mundpropaganda verhalf
der kleinen Produktion
des kanadischen Anbieters
„Crave“ zu enormen Zugriffszahlen
– die Mischung
aus Sport, Sexszenen und
einer Beziehung auf Augenhöhe
kommt an. Zwischen
den beiden Hauptdarstellern
stimmt die Chemie. Hudson
Williams und Connor Storrie
legten quasi über Nacht ihren
Durchbruch hin – bei den Golden
Globes überreichten sie dann
auch schon der besten Serien-
Nebendarstellerin Erin Doherty
(Adolescence) ihren Award.
Ab 06.02. bei HBO Max.
DOT.MOVIE 61
HEIM
WERK
NEUES IM HEIMKINO
SPRINGSTEEN: DELIVER
ME FROM NOWHERE
Regisseur Scott Cooper (Der
denkwürdige Fall des Mr Poe)
zeigt Bruce Springsteen nicht
als Stadionlegende, sondern als
nahbaren Künstler am Rand des
Verstummens. In Hauptdarsteller
Jeremy Allen White (The Bear) hat
er dafür einen kongenialen Partner
gefunden.
Ab 06.02. im Handel.
BUGONIA
Yorgos Lanthimos (Poor Things)
inszeniert ein Remake des südkoreanischen
Kultfilms Save the Green
Planet! (2003) – mit Seitenhieben
auf unsere heutige Welt, die sitzen.
Jesse Plemons spielt als Verschwörungstheoretiker
auf, der Emma
Stone (als Pharma-CEO) entführt,
hält er sie doch für ein Alien …
Furios und unterhaltsam.
Ab 29.01. im Handel.
LEIBNIZ
Edgar Reitz porträtiert den Universalgelehrten
Leibniz (Edgar
Selge) – und zwar wörtlich: Das
feine Kammerspiel erzählt von
der Entstehung eines Porträts, mit
dem ihn Königin Sophie Charlotte
ehren will. Der Hofmaler (Lars
Eidinger) wird am Philosophen
scheitern. Erst einer Malerin (Aenne
Schwarz) gelingt das Vorhaben.
Ab 30.01. im Handel.
Bei der jüngsten Festivalsaison
in Cannes sprach alle
Welt nur noch von ihrem
Film, der dann abschließend mit
dem Preis der Jury gekrönt wurde.
Kein Wunder: Mascha Schilinski
hat sich mit In die Sonne schauen
viel vorgenommen. Sie erzählt von
einem altmärkischen Bauernhof
über den Lauf von ca. 100 Jahren,
mit Fokus auf vier Mädchen:
62 DOT.MOVIE
In die Sonne schauen
Alma in den 1910ern, Erika in den
1940ern, Angelika in den 1980ern
und Nelly im Heute. Die Grenzen
lösen sich oft auf – wenn Spuren
in späteren Zeiten sichtbar werden
und sich Dinge zu wiederholen drohen.
Schilinski inszeniert beeindruckend
fließend und assoziativ,
Zeiten gehen ineinander über.
Schilinski und ihre Co-Autorin
Louise Peter verbrachten selber
einen Sommer auf dem Hof, der
später Drehort wurde, um an
Drehbüchern zu arbeiten. Während
dieser Zeit fragten sie sich – auch
durch eine Fotografie, die drei
Frauen auf dem Hof vor etwa
100 Jahren zeigte –, wer hier wohl
früher gelebt hatte. „Wer waren
diese Frauen? Was hatten sie erlebt?
Die Gleichzeitigkeit von Zeit, dass
jemand an der gleichen Stelle im
Raum etwas ganz Profanes tut,
während jemand anderes dort eine
existenzielle Erfahrung gemacht
hat, interessierte uns.“ Sie interessieren
sich auch für die Frage, was
sich durch die Zeiten hindurch in
unser Körpergedächtnis einbrennt.
„Was bestimmt uns, ohne dass wir
eine Ahnung davon haben, weil es
vor unserer Geburt geschehen ist?“
Verdrängte Traumata, unausgesprochene
Ängste, verschüttete
Geheimnisse. Schilinski inszeniert
mit eindrucksvoller Leichtigkeit.
Ab sofort im Handel.
© NEUE VISIONEN, LEONINE, Universal
Meer zum Leben.
SMS *
„WAL“
an 0800 540 540
Schluss mit Ausbeuten,
Verschmutzen und Töten.
* Mit Ihrer kostenlosen SMS erklären Sie sich einverstanden, dass Greenpeace Ihre Telefonnummer zum
Zweck der Kampagnenkommunikation erheben, speichern und verarbeiten darf. Diese Einwilligung kann
jederzeit per Nachricht an service@greenpeace.at oder Greenpeace, Wiedner Hauptstraße 120, 1050
Wien widerrufen werden.
Greenpeace dankt für die kostenlose Schaltung dieses Inserats.
greenpeace.at/wal
EIN ANSTÄNDIGES MITTAGESSEN FÜR ALLAN GORE IN LOVE & DEATH.
S
eit er ihr nach einem unbeabsichtigten
Bodycheck
bei einem Volleyballspiel
wieder auf die Beine geholfen hat,
ist Candy Montgomery von Allan
Gore wie besessen. Er habe nach
Sex gerochen, erzählt sie ihrer
Freundin Sherry (Krysten Ritter)
mit glänzenden Augen – und sie
glaubt, dass auch er fand, dass sie
nach Sex gerochen habe. Sherry
ist schockiert. Weniger über die
Tatsache, dass Candy, Hausfrau
und Mutter in der texanischen
Kleinstadt Wylie Ende der 1970er-
Jahre, über eine Affäre fantasiert,
als vielmehr darüber, dass sie mit
Allan Gore (Jesse Plemons), seines
Zeichens nicht unbedingt ein
Adonis, stattfinden soll. Immerhin
würde sie sich bestimmt nicht verlieben,
kichert Candy, die für sich
manifestiert, dass sie dem braven
Mann eine Affäre vorschlagen
wird. Der antwortet auf den unverblümt
ausgesprochenen und wenig
erotisch verpackten Vorschlag in
ebenso poetischen Worten: „Oh.
Okay“, ist alles, was das Objekt
der Begierde antwortet. Später
wird es eine Spur zu wortreich: In
zähen Verhandlungen werden die
Bedingungen der Affäre der beiden
64 DOT.MOVIE
FILM
KOST
verheirateten Kirchengemeindemitglieder,
deren Töchter beste
Freundinnen sind, ausgehandelt:
Die Ehepartner der beiden –
Betty (Lily Rabe) und Pat (Patrick
Fugit) – dürfen niemals etwas vom
geheimen Tête-à-Tête erfahren. Es
ist nur etwas Körperliches: Sie tun
es, um sich selbst und einander
zu genießen – nicht, um sich oder
anderen wehzutun. Man verliebt
sich nicht; verliebt sich einer, wird
sofort die Reißleine gezogen. Man
trifft sich nur werktags, immer
nur außerhalb der Stadt. Man teilt
die Kosten für die Hotelzimmer,
Benzin und Essen. Die Zeit, die für
die Affäre aufgebracht wird, darf
weder auf Kosten der Familie noch
auf Kosten der Kirchengemeinde
gehen. Candy wird den Ort des
Geschehens aussuchen: In Zimmer
214 des Continental Inn („on
the Central Expressway towards
Dallas“) wird sie auf die späte
Auslebung der Lust warten.
Es ist zwar eine Affäre und soll
niemals mehr als das bedeuten,
und doch bedeutet sie gleich mehr:
Wie jede anständige Hausfrau hat
Candy alles für ein ordentliches
Mittagessen im Picknickkorb mit
dabei: eine fröhliche Tischde-
cke, fein säuberlich arrangiertes
Service, Wein, aus Tupperware
zaubert sie Cheesecake und Salat.
Das erste Aufeinandertreffen wird
nicht nur dadurch ein inniges.
Das liebevoll arrangierte Essen
unterstreicht die Verbundenheit,
die sofort zwischen den beiden
herrscht: Sie werden einander Vertraute
und Ansprechpartner, wo
doch die Kommunikation mit den
jeweiligen Partnern weniger rund
läuft. Dass nicht alles so laufen
wird, wie ihr Affären-Regelwerk es
vorsieht, ist vorprogrammiert. Was
als Romanze begonnen hat, wird
bald schon dem zweiten Wort im
Serientitel gerecht: In der siebenteiligen
Miniserie wird es zu einem
Todesfall und zu einem Mordprozess
kommen. Dann schreitet Love
& Death, geschrieben von David
E. Kelley (The Undoing, Big Little
Lies, Anatomie eines Skandals),
zügig als geradlinige True-Crime-
Serie, die in ihrer Gewaltdarstellung
recht … plastisch wird, voran.
Der glanzvolle Auftritt – sowohl
im Verlieben als auch im Verderben
– gehört Elizabeth Olsen,
die als Candy Montgomery einen
bleibenden Eindruck hinterlässt:
Sie geht vollkommen in der Figur
auf.
Während Olsen als Candy vor
der Kamera stand (die Dreharbeiten
von Love & Death dauerten
von September 2021 bis April
2022), fühlte sich auch eine andere
in einen blutigen Zwischenfall in
Montgomerys Leben ein: Jessica
Biel stand im Februar 2022 als
Candy vor der Kamera (für die
Hulu/Disney+-Serie Candy).
www.hbomax.com
LOVE & DEATH
USA 2023,
CREATED BY
David E. Kelley,
MIT Elizabeth Olsen,
Jesse Plemons, Lily
Rabe, Patrick Fugit,
© bei HBO Max
zu sehen.
DAS 120. DOT. erscheint am 26. Februar 2026
THE BRIDE!
NOUVELLE VAGUE
Eine Ausgabe voller Highlights: Timothée
Chalamet zeigt, wie gut er Tischtennis spielen
kann (Marty Supreme) – nämlich verdammt
gut. Regisseur Bradley Cooper macht in Is This
Thing On? das Scheitern einer Ehe zum Standup-Comedy-Stoff;
ins Comedy-Keller-Mikrofon
spricht Will Arnett. Richard Linklater küsst
währenddessen auf energetisierende Weise die
Zeit der Nouvelle Vague wach, und Maggie
Gyllenhaal legt ihre Regiearbeit The Bride! vor:
Als reanimierte Titelheldin agiert Jessie Buckley,
zum einsamen Frankenstein wird Christian Bale.
IS THIS THING ON?
MARTY SUPREME
Impressum Cover 2025 Amazon MGM Studios Content Services LLC – Photo By Dean Rogers. DOT.magazine erscheint 9 x p.a. mit einer Auflage von 120.000 Exemplaren
österreichweit in der PPH Media Verlag GmbH, Kutschker gasse 42/Top 13, A-1180 Wien, Tel.: +43 1 235 13 66-800, E-Mail: office@pph-media.at, Web: www.pph-media.at
Distribution: Österreichweit in allen Constantin Film- & Cineplexx-Kinos, 198 McDonald’s-Restaurants und allen Star Movie Kinos. Herausgeber & Geschäftsführer: Lorin Polak
Verlagsleitung: Georg Peter Senior Account Manager & Marketing: Michael Martinek Chefredaktion & Chefin vom Dienst: Nicole Albiez Senior Account Manager: Daniela
Ruff Film: Nicole Albiez, Manuel Oberhollenzer, Alexandra Zawia, Peter Zirbs Lektorat: Gudrun Likar Produktion: Hofeneder & Partner GmbH. Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen,
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