ECHT – Aktuelle Ausgabe
Das neue kostenlose Magazin über Kultur in Köln
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KÖLN APR — JUL 2026
Hier entsteht
sukzessive die erste
Ausgabe des neuen
ECHT-Magazins.
Ihr könnt uns also praktisch
bei der Arbeit beobachten.
Schaut öfter mal rein!
Das gedruckte Magazin
gibt es kostenlos in
Köln ab 20.4.26.
BUNT
GROẞ
LAUT
WEIT
HART
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Kunst
28
aus
29 / echt bunt
Angst
•
Yayoi Kusama bei der
Arbeit an My Eternal
Soul (2009-21), 2017
© YAYOI KUSAMA
Courtesy of Ota Fine
Arts, David Zwirner
•
Yayoi Kusama, Airship to the Cosmos,
1987 Acryl auf Leinwand 45,5 x 38 cm,
Sammlung der Künstlerin
© YAYOI KUSAMA
echt bunt / 30
31
Abtauchen in Yayoi Kusamas
Unendlichkeit: Bis 2. August
im Museum Ludwig.
Ihre Polka-Dots und Mirror Rooms, die Kürbisskulpturen
und Balloninstallationen locken
seit Jahren ein Millionenpublikum. Jetzt kann
man Yayoi Kusama im Kölner Museum Ludwig
erleben und erkennen, dass nicht alles so
bunt und lustig ist, wie es scheinen mag.
Malerin, Dichterin, Aktivistin, Modedesignerin –
sie ist alles in einem. Königin der »Polka Dots«
und Spezialistin in Sachen Selbstinszenierung.
In den 1960ern mischte sie die New Yorker
Kunstszene auf, und im Jahrzehnt darauf wies
sie sich selbst in eine psychiatrische Klinik in
Tokio ein. Da lebt sie bis heute, verlässt ihr Zimmer
kaum mehr und arbeitet auch 96jährig noch
täglich. In der realen Welt hat Yayoi Kusama sich
total zurückgezogen. Während sie und ihre knallrote
Perücke in den Sozialen Medien allgegenwärtig
sind.
Es gibt nicht viele Künstler*innen, über die
man so viel sagen oder schreiben könnte. Und
auch rätseln, ob der vermeintlichen Widersprüche,
die ihr Leben und Werk durchziehen. Umso
neugieriger macht die große Retrospektive, mit
der das Kölner Museum Ludwig uns zu seinem
50sten Geburtstag beschenkt. Denn da kann
man die ganze Kusama kennenlernen, kann eintauchen
in ihren Kosmos – im wahrsten Sinne
des Wortes. Denn was heute als immersive
Kunst überwältigt, hat die Japanerin
schon sehr früh erprobt.
Und zwar ganz ohne Riesenprojektionen,
VR-Brillen und
Soundeffekte.
Ihr genügen Spiegel, die so
angeordnet sind, dass sie den
Raum ins Unendliche erweitern.
Auch im Museum Ludwig sind
nun Beispiele dieser einnehmenden »Infinity
Mirror Rooms« zu bewundern. Darunter ein ganz
neuer, in dem sich zwischen den Spiegeln ein
Urwald aus verschlungenen Tentakel-Skulpturen
auftut, alle kürbisgelb mit schwarzen Punkten.
Was auf den ersten Blick wie Happy Party
ausschauen mag, hat seinen Ursprung ganz woanders,
das wird in Köln schnell klar. »Jeden Tag
kämpfe ich gegen den Schmerz, Angstzustände
und die Furcht an, und das Einzige, was ich als
Mittel gegen meine Krankheit gefunden habe, ist
auch weiterhin, Kunst zu erschaffen«, so hat sie
selbst es erklärt. Das Malen helfe ihr, die Todesgedanken
fernzuhalten. Kunst und Leben sind
kaum zu trennen bei Kusama, deren Schaffen,
bei aller Vielfalt, sehr wohl als großes Ganzes
gelten kann, wo eines auf das andere baut.
Überrascht schaut man im Museum Ludwig
auf Zeichnungen, in denen sie schon als Kind
Blumen in der Vase oder das Porträt einer jungen
Frau samt ihrer Umgebung gleichmäßig mit kleinen
Punkten überzog, und erfährt, dass Kusama
echt bunt / 32
Jeden Tag kämpfe ich
gegen den Schmerz,
Angstzustände und die
Furcht an, und das
Einzige, was ich als
Mittel gegen meine
Krankheit gefunden
habe, ist auch
weiterhin, Kunst
zu erschaffen
auf diese Weise Halluzinationen verarbeitete.
Kunst als Selbstheilung. Dem alten Rezept vertraut
die Künstlerin auch nach dem Umzug. In
New York beginnt sie, Anfang der 1960er Jahre
Stühle, Sessel, Sofas mit selbstgeschneiderten
Phallusformen zu besetzen. Später nimmt sie
sich Schuhe, Shirts oder Hüte vor, kleidet bald
ein ganzes Ruderboot mit den weichen Wülsten
aus und klärt auf, dass sie auf diese Weise ihre
Sex-Aversion habe besiegen wollen.
Derweil setzen die Punkte ihren Siegeszug durch
Kusamas Schaffen fort und machten keinen Halt
vor jungen Modellen, die sie für ihre »Naked Happenings«
von Kopf bis Fuß mit farbigen Flecken
versah – und damit zunehmend politische Botschaften
verband, sich etwa gegen Krieg, Kapitalismus
und für die gleichgeschlechtliche Liebe
stark machte.
Neben den Kreisen kamen auch Kugeln ins
Spiel und wurden bei der 33. Venedig Biennale
33
•
Yayoi Kusama inmitten ihrer
Installation Narcissus Garden
auf der 33. Biennale von Venedig,
1966, © YAYOI KUSAMA
•
Yayoi Kusama, lnfinity Mirrored Room-The Hope of the Polka Dots
Buried in lnfinity Will Eternally Cover the Universe, 2025, Detail
Mixed media, Maße variabel Sammlung der Künstlerin
© YAYOI KUSAMA Courtesy of Ota Fine Arts
echt bunt / 34
•
Yayoi Kusama, Pumpkin, 1981 Acryl und Stoff
auf Leinwand 130.3 x 97 cm, Sammlung von
Daisuke Miyatsu, Chiba, Japan © YAYOI KUSAMA
•
Yayoi Kusama, The Heart Buried in a Flower Garden,
2009, Acryl auf Leinwand, 194 x 194 cm Sammlung der
Künstlerin © YAYOI KUSAMA Courtesy of Ota Fine Arts
zu spiegelnden Bedeutungsträgern.
1500 Stück
füllten dort Kusamas
»Narcissus Garden«,
mittendrin präsentierte
sich die Künstlerin selbst als Kunsthändlerin im
goldenen Kimono – mit 1200 Lire konnte jeder
mitspielen in ihrem partizipativen Kunstwerk
und eine Kugel mit nach Hause nehmen. Der
Seitenhieb auf den selbstverliebten Kunstbetrieb
war kaum zu übersehen, vielleicht wurde
der schwungvolle Handel in den Giardini auch
deshalb so schnell unterbunden. Die Kugeln
blieben liegen. Ein Foto von damals zeigt die
Künstlerin rücklings ausgestreckt in ihrem glänzenden
Garten.
»Werde eins mit der Ewigkeit. Lösche deine
Persönlichkeit aus. Werde ein Teil des Universums«,
dieser Slogan von Kusama kommt einem
beim Blick auf das spiegelnde Bällebad und auch
sonst immer wieder in den Sinn. Angesichts der
Werde eins mit der
Ewigkeit. Lösche deine
Persönlichkeit aus. Werde
ein Teil des Universums
Netzgemälde ohne Anfang,
ohne Ende, ohne
Zentrum. Zwischen den
spiegelnden Spiegeln. Im
Meer der Punkte, die alles
einnehmen – Blätter, Leinwände, Fotos, Objekte,
Kleider, nackte Körper, komplette Räume, Mode-
Kollektionen und -Kampagnen.
Dass Kusamas Netze, Spiegel und vor allem
die Punkte sich nun auch virtuell über Insta & Co.
so rasant verbreiten, passt, so gesehen, perfekt
ins Konzept. Kusama schaut zu – und malt weiter.
Jeden Tag: »Every Day I Pray for Love«, heißt
die Serie, an der sie aktuell arbeitet. Unermüdlich
im festen Glauben an die heilende Kraft der Kunst
sendet sie Botschaften aus ihrem Zimmer. »In
den letzten Jahren ist die Welt weniger friedlich
geworden und voller Aufruhr«, erklärt sie dazu.
»Als Künstlerin ist es mir wichtig, Liebe und
Frieden und Hoffnung mit anderen zu teilen und
denjenigen zu übermitteln, die leiden…« ■ (sta)
35 / Name Autorin
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STOMPS
KONTUREN DES INNEREN
27.3.—28.6.2026
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echtzeit
58
Ausgewählte Kulturtipps
der Redaktion
Creative Mornings Cologne
Talk, dauerhaft, meistens einmal monatlich,
freitags 8:30 Uhr, wechselnde Orte in Köln:
CreativeMornings ist ein kostenloses monatliches
Frühstück-Talk-Format für alle Kreativen:
Kaffee, ein kleines Frühstück und inspirierende
20-Minuten-Vorträge mit lokalen Sprechern aus
Design, Kunst, Medien. Offen für alle und ideal
für kreative Impulse. Vorher registrieren!
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Nowhere Man – Rauschen und
Stille einer überfüllten Welt
Tanz, 26.04.2026, 18 Uhr, Bauturm Theater:
Nowhere Man zeigt einen Menschen, der nicht
richtig will, aber muss. Eigentlich möchte er woanders
sein, aber als Performer muss er das Publikum
unterhalten. Und wo er schon mal da ist,
kann er die Show auch genauso gut genießen. Es
entsteht ein Tanz zwischen Wollen und Müssen
und der Suche nach Austausch
Arne Schmitt – »Die Gute Form,
es gibt sie nicht«
Ausstellung, 29.4.– 20.6.2026, artothek, Köln:
Schmitt spannt mehrere thematische Fäden
durch die Ausstellung. Von der Geschichte einer
Züricher Möbelfirma aus Zeiten der modernen
Avantgarde über Aufnahmen zeitgenössischer
Werbekultur im Stadtraum - von analytisch-poetischen
Essays zu Coffeeshops in Taiwan über
eine Befragung unserer Beziehungen zu Städten
Longing to tell – a blues opera
Konzert, 3.5.2026, Kölner Philharmonie
»Longing to Tell« ist eine gemeinsame Performance
der Hip-Hop-Künstlerin Akua Naru, des
Komponisten und Schlagzeugers Tyshawn Sorey
und des Ensemble Resonanz. Rap und Spoken-
Word-Poetry treffen auf Kammerorchester und
Vokalensemble. Ausgangspunkt ist das Buch
»Longing to Tell: Black Women Talk About Sexuality
and Intimacy« der Soziologin Tricia Rose.
Gratis Comic Tag für
Kids &Teens 2026
Aktion, 9.5.2026, bundesweit: Bibliotheken,
Comic-Stores und Buchhandlungen lassen Fans
kostenlos in die bunte Welt der Helden eintauchen.
22 Comics der Verlage Carlsen, Cross Cult,
Edition Helden u.v.m. fördern die Lesefreude. Die
Shops bestimmen Menge und Verfügbarkeit vor
Ort. Alle Händler unter:
• www.gratiscomictag.de/haendlersuche
Heinz Strunk, »Kein Geld Kein
Glück Kein Sprit«
Show, 14.5.2026, Stadthalle Köln:
»Immer wenn du lachst, stirbt irgendwo ein
Problem.« Strunk erzählt abgrundtiefe Familiengeschichten,
von ganz merkwürdigen
Krankheiten und beunruhigenden Vorgängen
im Nachbarhaus. Dazu führt er ein Arsenal an
Instrumenten (Schellenkranz, Flöte, Akkordeon)
mit sich, und performt unplugged seine
Auf den Spuren der
Ehrenfelderinnen
Führung, 31.05.2026, 14 Uhr, Geisselstr./Ecke
Venloerstr.: Arbeiterinnen, die sogenannten
Fabrik-Mädchen, schufteten in fast allen Ehrenfelder
Betrieben. Der Grat zwischen »braven«
und »verdorbenen« Arbeiterinnen war schmal.
Die Führung erzählt, warum eine Stenotypistin
zwangssterilisiert wurde und was Ordensfrauen
leisteten. • www.frauengeschichtsverein.de
Impressum
Herausgeber:
MWK Zimmermann & Hähnel GmbH
Neumarkt 1c, 50667 Köln
Tel.: 0221-82009-10
www.mwk-koeln.de
Redaktion:
Rüdiger Müller, Kirsten Diederichs,
Marcus Cormann, Oliver Weuthen
Autoren dieser Ausgabe:
Marion Kranen, Jakob Schwerdtfeger
Bildnachweis
Cover: pexels/pekkontrack; Grußwort: pexels/ali goode;
echt wahr: S.16+17: © Oliver Weuthen
echt epochal: S.24: ©Marvin Ruppert; S.25: HASTK-RBA; S.26:
HASTK-RBA; S.27: oben: HASTK-RBA; unten: ©Marvin Ruppert
echtbild: S.52: HASTK-RBA; S.53: via Wikimedia Commons gemeinfrei;
S.54: HASTK-RBA; S.54: oben: Institut Lumière; unten: Deutsche
Kinemathek; S.55: Deutsche Kinemathek;
echtbunt: S.28–34: Siehe Bildunterschriften
echtzeit (v.o.n.u): S.58: ©Linda Grigo www. lindagrigo-businessportraits.
de; ©Christopher Horne; ©ArneSchmitt, Wohnbedarf, 2021;
S.59: Naru Akua ©Katja Ruge; Pexels/Sherman Trotz; ©Dennis
Dirksen, Heinz Strunk 25-2; gemeinfrei
gefühlsecht S.66: ©Rüdiger Müller
Gestaltung:
MWK GmbH, Felix Braden, Sarah Coutandin
Anzeigenverwaltung/-buchung:
MWK GmbH,
Stefanie Gräning – Tel.: 0221-82009-14
E-Mail: s.graening@mwk-koeln.de
Ute Singer – Tel.: 0221-82009-13
E-Mail: u.singer@mwk-koeln.de
Mediadaten:
https://mwk-koeln.de/echt-magazin
Distribution: Kulturservice Köln
Druck: PrintAll
Auflage: 10 000
Stand: März 2026
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