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2024

Abschlussbericht

DVS-Forschung

Warmgasstumpfschwei

ßen 2 Untersuchung

des Betriebsverhaltens

und Übertragung

auf dreidimensionale

Bauteile



Warmgasstumpfschweißen 2

Untersuchung des

Betriebsverhaltens und

Übertragung

auf dreidimensionale Bauteile

Abschlussbericht zum

Forschungsvorhaben

IGF-Nr.: 22.562

DVS-Nr.: 11.3590

Technische Universität Chemnitz

Institut für Fördertechnik und

Kunststoffe Professur

Kunststofftechnik

Universität Paderborn

Kunststofftechnik Paderborn (KTP)

Fachgebiet Kunststoffverarbeitung

Förderhinweis:

Das IGF-Vorhaben Nr.: 22.562 N / DVS-Nr.: 11.3590 der Forschungsvereinigung

Schweißen und verwandte Verfahren e.V. des DVS, Aachener Str. 172, 40223 Düsseldorf,

wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen

Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind online

abrufbar unter: http://dnb.dnb.de

© 2024 DVS Media GmbH, Düsseldorf

DVS Forschung Band 605

Bestell-Nr.: 170715

Kontakt:

Forschungsvereinigung Schweißen

und verwandte Verfahren e.V. des DVS

T +49 211 1591-0

F +49 211 1591-200

forschung@dvs-home.de

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung in andere Sprachen, bleiben

vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages sind Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen nicht gestattet.


Schlussbericht

zum IGF-Vorhaben 01IF22562N / 22.562 BG

Thema

Warmgasstumpfschweißen 2 – Untersuchung des Betriebsverhaltens und Übertragung auf

dreidimensionale Bauteile

Berichtszeitraum

01.08.2022 bis 31.12.2024

Forschungsvereinigung

Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e.V. des DVS

Forschungseinrichtungen

Forschungseinrichtung 1

Technische Universität Chemnitz

Institut für Fördertechnik und Kunststoffe

Professur Kunststofftechnik

09126 Chemnitz

Forschungseinrichtung 2

Universität Paderborn

Fakultät für Maschinenbau

Warburger Straße 100

33098 Paderborn

Prof. Dr.-Ing. Andreas Seefried

Prof. Dr.-Ing. Volker Schöppner

IGF-VORDRUCK DLR-PT Stand: Januar 2025


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung ............................................................................................................ 2

Inhaltsverzeichnis .............................................................................................................. 4

Abbildungsverzeichnis ...................................................................................................... 6

Tabellenverzeichnis ......................................................................................................... 10

1 Einleitung ................................................................................................................... 11

1.1 Problemstellung .................................................................................................. 11

1.2 Forschungsziel .................................................................................................... 12

2 Experimenteller Aufbau ............................................................................................ 13

2.1 Werkstoffauswahl und Materialcharakterisierung (AP 1) .................................... 13

2.2 Prüfkörpergeometrien und Probekörperherstellung (AP3) .................................. 14

2.3 Schweißanlagen ................................................................................................. 15

2.4 Messverfahren .................................................................................................... 16

3 Forschungsergebnisse ............................................................................................. 30

3.1 Festlegung des Realbauteils, Bestellung und Inbetriebnahme des

Warmgasstumpfschweißwerkzeugs (AP 2) ........................................................ 30

3.2 Weiterentwicklung und Optimierung der alternativen Düsengeometrie (AP 5) ... 31

3.3 Untersuchungen zu dreidimensionalen Schweißnahtgeometrien (AP 4 und 6a) 36

3.4 Mischmaterialschweißungen (AP 6b) ................................................................. 57

3.5 Analyse der Betriebs- und Langzeiteigenschaften (AP 7) ................................... 72

3.6 Analyse der thermo-oxidativen Schädigung (AP 8) ............................................ 84

3.7 Berichterstellung ................................................................................................. 92

4 Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit ................................. 92

5 Wissenschaftlich-technischer Anspruch und wirtschaftlicher Nutzen der erzielten

Ergebnisse insbesondere für kmU .......................................................................... 92

6 Ergebnistransfer ........................................................................................................ 94

6.1 Veröffentlichungen .............................................................................................. 94

6.2 Plan zum Ergebnistransfer in die Wirtschaft ....................................................... 94

7 Gegenüberstellung der durchgeführten Arbeiten und des Ergebnisses mit den

Zielen des Projekts.................................................................................................... 96

8 Verwendung der Zuwendungen ............................................................................. 100

Seite 4 Abschlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22562N / 2


8.1 Wissenschaftlich-technisches Personal (Einzelansatz A.1 des

Finanzierungsplans) ......................................................................................... 100

8.2 Geräte (Einzelansatz B des Finanzierungsplans) ............................................. 101

8.3 Leistungen Dritter (Einzelansatz C des Finanzierungsplans) ............................ 101

9 Ausblick ................................................................................................................... 101

10 Forschungsstellen .................................................................................................. 102

10.1 Forschungsstelle 1 ............................................................................................ 102

10.2 Forschungsstelle 2 ............................................................................................ 102

11 Literaturverzeichnis ................................................................................................ 103

Seite 5 Abschlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22562N / 2


1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Das Warmgasstumpfschweißen ist ein industrielles Fügeverfahren, das sich insbesondere

für glasfaserverstärkte und Hochtemperaturkunststoffe eignet. Im Gegensatz zu anderen

Kunststoff-Schweißtechniken wie dem Vibrations-, Ultraschall- oder Infrarotschweißen erfolgt

die Plastifizierung der Fügeflächen durch ein erwärmtes Prozessgas, das kontaktlos

auf die Schweißzone einwirkt. Dies vermeidet unerwünschte Partikelbildung [FGF11] und

ermöglicht eine größere geometrische Gestaltungsfreiheit der Bauteile. Aufgrund dieser

Vorteile findet das Verfahren zunehmend Anwendung in verschiedenen Branchen, darunter

die Automobilindustrie, die Medizintechnik und der Maschinenbau [EM16].

Trotz der Vorteile gibt es jedoch mehrere Herausforderungen, die eine breite industrielle

Nutzung des Verfahrens bislang einschränken. Eine zentrale Problematik ergibt sich aus

der Nutzung von Runddüsen, wie sie derzeit in industriellen Schweißmaschinen eingesetzt

werden. Diese erzeugen hohe Strömungsgeschwindigkeiten des Prozessgases, wodurch

insbesondere bei niedrigviskosen Kunststoffen inhomogene Fügenahtoberflächen entstehen.

Dies führt dazu, dass entlang der Schweißnaht unterschiedliche Schmelzeschichtdicken

auftreten, was lokale Festigkeitsunterschiede verursacht. Zudem können wellenförmige

Schweißwulste entstehen, die insbesondere bei optisch hochwertigen Bauteilen ein

erhebliches Qualitätsproblem darstellen [EM18].

Ein weiteres zentrales Problem ist die hohe Warmgastemperatur, die für den Schweißprozess

erforderlich ist. Da das Verfahren auf einer konvektiven Erwärmung der Fügeflächen

basiert, kann es zu einem thermischen oder thermisch-oxidativen Materialabbau kommen,

der die Langzeiteigenschaften der Schweißnaht negativ beeinflusst. Insbesondere bei

Hochleistungskunststoffen wie Polyamiden ist der Nachweis einer solchen Materialschädigung

schwierig, da diese nur durch aufwendige Langzeituntersuchungen erfasst werden

kann. Um die Oxidation des Werkstoffs zu reduzieren, wird in der Regel ein Schutzgas,

meist Stickstoff, eingesetzt. Dies führt jedoch zu hohen Betriebskosten und schränkt die

Wirtschaftlichkeit des Verfahrens für viele Anwender ein.

Neben diesen werkstoff- und prozesstechnischen Herausforderungen ist zudem die Übertragbarkeit

der bisherigen Forschungsergebnisse auf komplexe Bauteilgeometrien begrenzt.

Bisherige Untersuchungen wurden vorrangig an einfachen Plattengeometrien durchgeführt,

da diese eine schnelle und unkomplizierte Probenherstellung ermöglichen. In der

industriellen Praxis sind jedoch häufig komplexe Fügegeometrien anzutreffen, die beispielsweise

Wanddickensprünge oder Kreuzstrukturen aufweisen. Diese geometrischen Unstetigkeiten

können zu lokalen Unterschieden in der Viskosität der Schmelze führen, was die

Qualität der Schweißverbindung erheblich beeinflusst. Ein weiteres Phänomen, das in der

Praxis problematisch ist, ist der sogenannte Kamineffekt. Dieser entsteht, weil das erwärmte

Prozessgas eine geringere Dichte als die umgebende Luft aufweist. Dadurch entstehen

Seite 11 Abschlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22562N / 2


ungleichmäßige Wärmeübergänge, die zu einem asymmetrischen Aufschmelzen der Fügeflächen

führen und die Schweißqualität negativ beeinflussen.

1.2 Forschungsziel

Das Vorhaben baut auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts (IGF-Nr. 20119 BG) auf,

in dem erfolgreich das Runddüsensystem analysiert und alternative Schlitzdüsenformen

entwickelt sowie untersucht wurden.

Ein Schwerpunkt liegt auf der weiteren Optimierung der Düsenkonstruktion, um die thermische

und volumetrische Homogenität des Prozessgases zu verbessern. Insbesondere die

Weiterentwicklung der Schlitzdüsen-Technologie soll eine gleichmäßige Erwärmung der Fügeflächen

ermöglichen und gleichzeitig die notwendige Warmgastemperatur reduzieren.

Dadurch kann ein möglicher thermisch-oxidativer Abbau des Werkstoffs minimiert und eine

potenzielle Nutzung von Luft anstelle von Stickstoff als Prozessgas realisiert werden. Dies

würde eine signifikante Senkung der Betriebskosten für industrielle Anwender ermöglichen.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Vorhabens ist die Untersuchung von Materialschädigungsmechanismen,

die während des Warmgasstumpfschweißens auftreten. Die bislang

begrenzten Erkenntnisse zur Materialalterung sollen systematisch erweitert werden. Dies

soll insbesondere Anwendern und Materialherstellern ermöglichen, fundierte Entscheidungen

hinsichtlich der Werkstoffauswahl und Prozessführung zu treffen. Zudem wird untersucht,

ob oxidierte Materialbereiche gezielt in den Schweißwulst gedrückt werden können,

um die mechanischen Eigenschaften der Schweißnaht zu verbessern.

Darüber hinaus sollen die Untersuchungen auf dreidimensionale Bauteile mit komplexen

Geometrien übertragen werden. Hierzu werden experimentelle Versuchsreihen durchgeführt

und ein ergänzendes Simulationsmodell entwickelt, das die Prozessauslegung sowohl

für einfache als auch für dreidimensionale Fügeflächen unterstützt und vereinfacht. Hierbei

werden die Auswirkungen des Kamineffekts detailliert untersucht und Strategien zur Kompensation

von Wärmeübergangsungleichmäßigkeiten entwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse

dienen der Entwicklung gezielter Erwärmstrategien für komplexe Fügegeometrien, mit

dem Ziel, die industrielle Anwendbarkeit des Verfahrens auf anspruchsvolle Bauteile auszuweiten.

Darüber hinaus wird die Schweißnahtqualität beim Fügen verschiedenartiger

Thermoplaste systematisch untersucht, um die Eignung des Warmgasstumpfschweißens

für Mischmaterialschweißungen fundiert bewerten zu können.

Insgesamt soll das Forschungsvorhaben dazu beitragen, die Schweißnahtqualität zu verbessern,

die Prozessstabilität zu erhöhen und die Wirtschaftlichkeit des Warmgasstumpfschweißens

zu steigern. Insbesondere KMU, Maschinenhersteller und Materialproduzenten

sollen von den Erkenntnissen profitieren, indem sie das Verfahren effizienter und kostengünstiger

nutzen können.

Seite 12 Abschlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22562N / 2


2 Experimenteller Aufbau

2.1 Werkstoffauswahl und Materialcharakterisierung (AP 1)

Tabelle 1 bietet eine Übersicht über die verwendeten Werkstoffe. Die Materialauswahl erfolgte

in Abstimmung mit dem projektbegleitenden Ausschuss. Um einen Vergleich mit

früheren Untersuchungen zu ermöglichen, orientierte sich die Auswahl an den bereits im

Vorgängerprojekt (IGF-Nr. 20119 BG) untersuchten Werkstoffen. Aus diesem Grund kamen

erneut ein Polypropylen sowie eine hitzestabilisierte und eine nicht-hitzestabilisierte Variante

von Polyamid 66 zum Einsatz.

Die Hauptuntersuchungen (AP 4, AP 6a, AP 7 und AP 8) wurden mit den Kunststoffen PP

und PA66 durchgeführt. Polypropylen (PP) wurde aufgrund seiner einfachen Verarbeitung,

guten Schweißbarkeit und problemlosen Probenpräparation – insbesondere für optische

Untersuchungen – gewählt. Es diente hauptsächlich zur Charakterisierung des Aufschmelzverhaltens

sowie für grundlegende Untersuchungen zum Erwärmverhalten.

Zusätzlich wurde Polyamid 66 (PA66) als Vertreter der technischen Kunststoffe in verschiedenen

Konfigurationen eingesetzt. Die erste Variante war ein Standardpolyamid des Herstellers

Celanese. Die zweite Variante war zusätzlich hitzestabilisiert, um den möglichen

Einfluss des Prozessgases auf oxidativ anfällige Werkstoffe zu untersuchen (AP 8).

Tabelle 1: Übersicht über die Versuchswerkstoffe

Polymertyp Bezeichnung Hersteller Besonderheit

Polypropylen Moplen HP501H LyondellBasell Natur, unverstärkt

Zytel 101L NC010

unverstärkt, lubricated

Polyamid 66

Zytel 103HSL

NC010

Celanese

unverstärkt, heat

stabilized and lubricated

Ultramid B3K

Natur, unverstärkt

Polyamid 6

Ultramid B3WG6

BASF

30 % glasfaserverstärkt

PC/ABS

LUPOY HR5007AC

LUPOY ER5007N

LG Chem

recyclate PC/ABS

PLEXIGLAS 8N

PMMA

Plexiglas proTerra

M5

Röhm GmbH

recyclate PMMA

Seite 13 Abschlussbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22562N / 2

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