KonKret - Magazin Humanité

magazin.humanite.ch

KonKret - Magazin Humanité

Impressum

Humanité 4/2012

Dezember 2012

ISSN 1664-1159

Titelbild und Rückseite: Remo Nägeli

Herausgeber: Schweizerisches Rotes Kreuz,

Rainmattstrasse 10, Postfach, 3001 Bern

Telefon 031 387 71 11, info@redcross.ch,

www.redcross.ch

Spenden: Postkonto 30-9700-0

Adressänderungen: E-Mail an

pf.service@redcross.ch oder

Telefon 031 387 74 64

Redaktionsadresse: Schweizerisches

Rotes Kreuz, Redaktion Humanité,

Postfach, 3001 Bern,

humanite@redcross.ch,

www.magazin-humanite.ch

Redaktion: Tanja Pauli (Redaktionsleitung), Urs

Frieden (Gesundheit und Integration), Andreas

Häner (Public Fundraising), Isabelle Roos (Corporate

Partnerships), Christine Rüfenacht (Gesundheit und

Integration), Isabel Rutschmann (Kommunikation),

Katharina Schindler (Internationale Zusammenarbeit),

Karl Schuler (Internationale Zusammenarbeit)

Mitarbeitende dieser Ausgabe: Cécile Eisenring,

Laurence Jolliet, Markus Mader, Marco Ratschiller,

Josef Reinhardt, Beat Wagner, Julia Zurfluh

Abo-Kosten: Das Abonnement kostet CHF 6.–

pro Jahr und ist für SRK-Gönnerinnen und

SRK-Gönner im Beitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vier Mal jährlich

Sprachen: deutsch und französisch

Gesamtauflage: 107000

Bildrechte aller Fotos ohne Hinweis:

Schweizerisches Rotes Kreuz

Übersetzungen: Übersetzungsdienst SRK

Layout, Lektorat und Druck: Vogt-Schild Druck AG,

Derendingen

Nächste Ausgabe: Februar 2013

2 Humanité 4/2012

neutral

Drucksache

No. 01-12-179258 – www.myclimate.org

© myclimate – The Climate Protection Partnership

4

RepoRt – Aids-Waise in Togo

4 eine Chance für Gracia

8 Die Zukunft schneidern

9 Vorbeugen und zur Seite stehen

12 eRLeBt – Patientenverfügung SRK

Damit der eigene Wille zählt

14 ÜBeRZeuGt – Generationendialog

Greis spricht für die Jungen

16 KoNKRet – Menschlichkeit macht Schule

Lernen durch engagement

18 eNGAGIeRt – Otto Baumann, freiwilliger Helfer

2 5 Weihnachten

Alle Jahre wieder

22 KoNKRet – Pflegehelferin/Pflegehelfer SRK

Für alte Menschen da sein

25 KoNKRet – Weissrussland

Die unermüdlichen Babuschkas

29 KReuZ & QueR

12

14

16

Was der Garten hergibt

Rätsel/Cartoon

18

22

25


© SRK, Caspar Martig

Was wirklich zählt

Liebe Leserin, lieber Leser

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Für Ihre Spende kann ich Ihnen nichts zurückgeben,

ausser aufrichtigen Dank und mein Wort, dass Ihre Spende Menschen in Not

hilft. Das SRK kann Ihnen keinen Musikwunsch erfüllen und keine Plattform für kurzfristigen

Ruhm in Radio oder Fernsehen bieten. Deshalb sind Sie, als diskrete Spenderin

oder Spender, wahrhafte Helden. Auf Ihre Unterstützung ist das SRK angewiesen, da

wir auch in der Zusammenarbeit mit der Glückskette oder anderen Partnern unseren

Beitrag leisten müssen. Ihre Spende ans SRK legt immer wieder neu den Grundstein für

ein wichtiges Hilfsprojekt und trägt dieses lange weiter. Auch dann, wenn die Medienberichterstattung

über menschliche Not eingestellt wird. Die Projektverantwortlichen

und Augenzeugen des SRK vor Ort arbeiten und berichten weiter und schreiben darüber

auf der Website redcross.ch, in den Spendenbriefen oder hier im Magazin Humanité.

Auch in der letzten Ausgabe des Jahres können Sie lesen, wo menschliches Elend

weiterhin unseren Einsatz erfordert und was wir gemeinsam bereits erreicht haben.

Sie, geschätzte Spenderin, geschätzter Spender des SRK, Sie dürfen stolz sein auf Ihre

Art und Weise, Menschlichkeit und Solidarität zu zeigen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ruhige, glückliche Weihnachten mit den besten

Hoffnungen für das neue Jahr.

Herzliche Grüsse

Markus Mader

Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes

editorial

Humanité 4/2012 3


Humanité 4/2012 5


eport

Es ist still im Schulhaus von Blitta, einer

kleinen Ortschaft im Zentrum des

westafrikanischen Kleinstaates Togo. Die

Kinder haben Schulferien. Nur in einem

der karg eingerichteten Zimmer sitzen

ein paar Mädchen und Buben in den

Bänken. Unter ihnen der vierzehnjährige

Paloulam und seine siebenjährige

Schwester Akely. Sie warten auf den Mitarbeiter

des lokalen Roten Kreuzes, der

ihnen heute das Material für das nächste

Schuljahr übergeben wird. Ein Grund

zur Freude, könnte man meinen. Denn

nur wer das Schulmaterial mitbringt,

darf am Unterricht teilnehmen und hat

somit die Chance auf Bildung und eine

berufliche Zukunft.

Die Schicksalsgemeinschaft

Bei Paloulam und Akely kommen aber

keine Glücksgefühle auf. Auch nicht, als

sie die neuen Hefte, das Schreibzeug,

den Rucksack und den Stoff für die Schuluniform

im Arm halten. Im Gegenteil:

Ihnen stehen die Sorgen ins Gesicht geschrieben.

Akely reibt sich gar verstohlen

eine Träne aus den Augen. Denn vor drei

Tagen mussten die Geschwister ihre Mutter

zu Grabe tragen, die an Aids gestorben

war. Ein schwerer Schicksalsschlag

für die beiden. Seit die Mutter krank

wurde, leben sie bei ihrem Grossvater.

Der Vater arbeitet auswärts und kommt

nur zwei Mal im Jahr nach Hause. Palou-

Das geschenkte Schulmaterial ist für Paloulam und Akely kein Trost, ihre Mutter ist vor drei Tagen verstorben

6 Humanité 4/2012

Die sechsjährige

Gracia wirkt reif für

ihr Alter und hilft ihrer

Grossmutter

lam und Akely gehören, wie alle Kinder,

die heute hier sind, zu den elternlosen

Kindern. Ihnen ermöglicht das SRK den

Schulbesuch. Heute hier zu sein bedeutet:

Ein oder beide Elternteile haben sich

mit dem HI-Virus angesteckt, sind an

Aids erkrankt, bereits daran gestorben

oder sind in eine grössere Stadt abgewandert.

Alle Kinder, die heute hier

sind, wachsen elternlos auf.

Es bedeutet auch, in grosser Armut bei

Verwandten aufzuwachsen und kaum

das Nötigste zum Überleben zu haben.

Von einem solchen oder ähnlichen

Schicksal sind in Togo viele Kinder betroffen:

eine Viertelmillion Menschen

sind mit dem Aids-Virus infiziert.

Auch die sechsjährige Gracia wird die

Schule in Blitta besuchen und bekommt

heute vom Roten Kreuz ihr Schulmaterial.

Da sie etwas weiter entfernt wohnt,


ingt es ihr der zuständige Mitarbeiter

Lucien Lokou nach Hause. Das Mädchen

ist aufgeregt, als es den Mann mit dem

roten Kreuz auf dem weissen T-Shirt die

Strasse heraufkommen sieht. Es hüpft

von einem Bein auf das andere wie ein

Kind, das den Weihnachtsmann mit den

Geschenken erwartet.

HIV-positiv und alleinerziehend

Die Schulsachen drückt Gracia fest an

sich und rennt damit zu ihrer Grossmutter.

Gemeinsam schauen sich die beiden

das Lesebuch an. «Schau mal, diese

Buchstaben werde ich in der zweiten

Klasse lernen», erklärt Gracia. Das Mädchen

wächst ohne Mutter und Vater auf.

Ihre Grossmutter Yolo Abiba sorgt für

sie. 300 Kilometer trennen Gracia und

ihre Eltern. Sie sind in der Hauptstadt

Lomé auf der ständigen Suche nach Arbeit.

Vater und Mutter sind beide HIV-positiv.

Auch Gracias Grossmutter trägt das

Aids-Virus in sich. Sie kam in Kontakt mit

infiziertem Blut, als sie für die Fusspflege

die gleiche Messerklinge benutzte wie

die Mutter von Gracia. Bei der 52-jährigen

Yolo Abiba ist Aids dank medikamentöser

Therapie nicht ausgebrochen.

Sie ist trotz der schwierigen Umstände

für ihre Enkelin da, obwohl es am Nötigsten

fehlt.

Gegen Diskriminierung

Rotkreuz-Freiwillige unterstützen Yolo

Abiba durch Aufklärungsarbeit darin,

dass sie trotz ihrer Krankheit in der

Gesellschaft ein gutes Ansehen hat und

von ihrer Familie nicht geächtet wird.

Denn ohne das Engagement des Roten

Kreuzes wären Yolo Abiba und ihr

Grosskind von der Gesellschaft ausgegrenzt.

Es wäre schlimm für Gracia.

Ein Ofen aus Lehm

schützt das Feuer und

dient Yolo Abiba als

Kochherd

Niemand würde mit ihr spielen wollen,

niemand würde sie und ihre Grossmutter

im Alltag unterstützen. Ausserdem haben

die Rotkreuz-Freiwilligen Yolo Abiba genau

über die Ansteckungsgefahren aufgeklärt

und ihr aufgezeigt, wie sie im

Zusammenleben mit ihrer Enkelin, die

HIV-negativ ist, jedes Risiko einer Ansteckung

ausschalten kann.

Die Freiwilligen des Roten Kreuzes sind

für Yolo Abiba zu wichtigen Bezugspersonen

geworden. Sie sind da in der Not

report

und lassen die Betroffenen nicht allein.

Die Rotkreuz-Freiwilligen helfen der

Grossmutter, die Medikamente vom Gesundheitsministerium

zu besorgen und

bestärken sie darin, diese regelmässig

und ohne Unterbrechung einzunehmen.

ohne Aufklärungsarbeit

würden HIV-positive Menschen

ausgegrenzt.

Yolo Abiba und Gracia erhalten ausser-

dem durch die Freiwilligen Grundnahrungsmittel

und Hygieneartikel vom SRK.

In ein paar Jahren, wenn Gracia in die

Oberstufe kommt, wird das SRK auch ihr

Schulgeld bezahlen. Dafür ist Yolo Abiba

unendlich dankbar, weil sie weiss, wie

wichtig der Schulbesuch für die Zukunft

ihrer Enkelin ist. «Es ist ein grosses Geschenk

für mich, dass Gracia dank dem

Roten Kreuz die Schule besuchen kann.

Sie soll es dereinst besser haben», sagt

Grossmutter Yolo. Doch an die Oberstufe

denkt Gracia heute noch nicht. Viel mehr

freut sie sich darauf, dass bald wieder

Leben ins Schulhaus von Blitta kommen

wird und sie als Zweitklässlerin endlich

nicht mehr die Jüngste an der Schule sein

wird.

➥ redcross.ch/togo

Humanité 4/2012 7


eport

Kodjo debolema

die Zukunft schneidern

Zwei Nähmaschinen und ein Bügeleisen: Mit dieser Grundausstattung eröffnete Kodjo Debolema letztes Jahr

sein eigenes Nähatelier. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt den Aids-Halbwaisen in Togo seit er

zwölf Jahre alt ist und hat ihm das Inventar für den Start in die Selbstständigkeit zur Verfügung gestellt.

TExT: ISABEL RUTSCHMANN BILDER: REMO NäGELI

Schneider wie Kodjo Debolema sind in Togo gefragt, weil die Kinder nur den Stoff für die Schuluniform erhalten

Eigentlich hat Kodjo Debolema keine

Zeit zum Plaudern. Ein Berg aus verte

zu erzählen. Ihm habe ich das alles hier

zu verdanken», sagt Kodjo Debolema und

schiedenen Stoffen wartet neben der Näh- deutet dabei mit einer ausladenden Handmaschine

darauf, von ihm zu Kleidern verbewegung auf sein Reich.

arbeitet zu werden. An der Wand hängen Sein Reich, das ist ein Nähatelier in einer

die von ihm gefertigten Kleidungsstücke: kleinen Hütte in der Ortschaft Sotouboua

Elegante Männerhemden, bunte, traditio- im Zentrum von Togo. Einen Tisch, zwei

nelle und kunstvoll bestickte Blusen, Bund- Nähmaschinen, ein mit Kohle beheizfaltenhosen

und Blazer. Kodjo Debolema bares Bügeleisen und einen Stuhl hat

der Schneider vom SRK erhalten, damit

«Dem SRK habe ich das alles er sich ein eigenes Geschäft aufbauen

hier zu veranken.»

kann. Diese Chance hat der ehrgeizige

junge Mann beim Schopf gepackt.

hat alle Hände voll zu tun. In zwei Wo- Was er aus seinem Leben gemacht hat, ist

chen sind die Schulferien zu Ende und er bei weitem nicht selbstverständlich: Als er

muss bis dahin viele neue Schuluniformen elf Jahre alt war, starb sein Vater an Aids,

nähen. Das Geschäft laufe sehr gut, sagt und seine Mutter konnte die fünf Kinder

der 23-Jährige, während er mit seinem kaum ernähren, geschweige denn das

Fuss die bei uns als Antiquität geltende Sin- Schulgeld und Material für sie bezahlen.

ger-Nähmaschine antreibt. «Für das SRK Das SRK sprang ein und übernahm die-

nehme ich mir gerne Zeit, meine Geschichse Kosten. Neben der Schule konnte der

8 Humanité 4/2012

Halbwaise im Schneideratelier seines Onkels

erste Erfahrungen im Nähen sammeln.

Kodjo Debolema fand Gefallen an diesem

Beruf und so erlernte er nach Abschluss der

Schule bei seinem Onkel das Handwerk.

Das SRK half ihm danach, den Grundstein

für die Selbstständigkeit zu legen.

Mittlerweile gelingt es ihm, etwa 30 Aufträge

pro Monat hereinzuholen. Damit ist

er gut ausgelastet. Heute spricht er davon,

den Betrieb zu vergrössern und sich ein

eigenes Haus zu bauen. Er unterstützt seine

Mutter finanziell und kann sich vorstellen,

in absehbarer Zeit eine eigene Familie

zu gründen. Ausserdem möchte er gerne

Lehrlinge ausbilden: «Das Rote Kreuz hat

mich gestützt und gefördert. Ich bin sehr

dankbar dafür. Ich möchte diese Hilfe gerne

weitergeben.» So, genug geplaudert.

Kodjo Debolema beugt sich über seine

alte «Singer» und trampelt los. Die Hose

muss noch heute fertig werden.

➥ redcross.ch/togo

Die antike Nähmaschine des SRK funktioniert ohne Elektrizität


Gegen das Hi-Virus in togo

TExT: ISABEL RUTSCHMANN BILD: REMO NäGELI

Das Engagement des SRK gegen Aids

stützt sich in Togo auf ein Netz von

lokalen Rotkreuz-Freiwilligen. Wann immer

diese in den Dörfern auftreten, haben sie

die volle Aufmerksamkeit der Bevölkerung

auf ihrer Seite. Ihre Aufgabe ist trotzdem

nicht leicht. Mit Hilfsmitteln wie Illustrationen

oder Demonstrationsmaterial informieren

sie und klären auf. Es schaut niemand weg,

wenn die Freiwilligen an einem Penis aus

Holz die korrekte Anwendung eines Kondoms

vorzeigen. Im Gegenteil: Die Frauen

und Männer machen ohne Hemmungen

mit und inszenieren das Ganze als kleine

Show, an der alle Spass haben. Auch bei

den Bildern über Ansteckungsgefahren, Geschlechtskrankheiten

oder Präventionsmass-

nahmen diskutieren alle mit. In der Prävention

wird der Akzent auf Abstinenz, Treue

und Verwendung von Kondomen gelegt.

Die Freiwilligen verkaufen verbilligte Prä-

Die Rotkreuz-Freiwilligen

werben für treue und Abstinenz,

erklären aber auch die

Verwendung von Kondomen.

servative und motivieren die Bevölkerung

ausserdem, sich auf HIV testen zu lassen.

Das Engagement des SRK geht aber weit

über die Prävention hinaus: Freiwillige statten

bei an Aids erkrankten Personen Hausbesuche

ab und betreuen diese in ihrem Zuhause.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die

report

Afassou Tao und Sandrine

Atchota wurden

vom Roten Kreuz für

die Aufklärungsarbeit

ausgebildet, sie sind

glaubwürdig

Vorbeugen und zur Seite stehen

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) bekämpft die Ausbreitung des HI-Virus in vernachlässigten Regionen wie

Zentraltogo. Es ist ein Kampf: einerseits gegen Aids und andererseits gegen die Ausgrenzung von HIV-positiven

Menschen und ihren Angehörigen. Die Massnahmen: Aufklärung, Prävention, Beratung und Betreuung.

Begleitung von schwangeren Frauen gelegt:

Diese werden ermuntert, die Untersuchungen

zur Schwangerschaftsvorsorge konsequent

einzuhalten. In Selbsthilfegruppen tauschen

sich HIV-positive Personen regelmässig aus.

Das macht Mut und sie unterstützen sich so

gegenseitig, indem sie sich Tipps geben oder

sogar gemeinsam einen Zusatzverdienst aufbauen.

Eine Gruppe von gut 20 Frauen hat

zum Beispiel vom SRK Saatgut erhalten, um

Getreide anzubauen. Die Frauen produzieren

ein Mehl, das mit wichtigen Nährstoffen

angereichert ist und verkaufen es an Spitäler.

Das SRK-Einsatzgebiet in der Zentralregion

von Togo umfasst etwa 170 Dörfer

mit rund 320 000 Personen.

➥ redcross.ch/aids

Humanité 4/2012 9


www.allianz-suisse.ch

Die Allianz Suisse ist offizieller Partner des SRK.

Gemeinsam schützen und helfen wir.

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Golfen fürs rote Kreuz

Anlässlich eines Canon-Golfturniers in der

Region Sempach haben im September sowohl

internationale Profi-Golfspieler wie

Canon-Kunden 2500 Franken zu Gunsten

der SRK Jugend erspielt. Canon unterstützt

seit mehr als 6 Jahren die Jugendprojekte

des Schweizerischen Roten Kreuzes.

diskreter rotkreuz-notruf

Der Rotkreuz-Notruf

kann nun auch mit der

eleganten Schweizer

Uhr Limmex verwendet

werden. Mithilfe

der Uhr kann ein

Notruf an die Rotkreuz-Zentraleausgelöst

werden. Die Zentrale alarmiert die

entsprechenden Rettungskräfte. Der Rotkreuz-Notruf

wird von der Allianz unterstützt.

Mehr Informationen:

➥ rotkreuz-notruf.ch

reise in die Vergangenheit

Vor mehr als 140 Jahren hatte das

Schweizerische Rote Kreuz seinen ersten

grossen Hilfseinsatz im eigenen

Land. Als wäre man mitten drin, erlebt

man im Bourbaki-Panorma den Winter

1871 im Val de Travers. Damals, als

87 000 erschöpfte Soldaten unter General

Bourbaki in der Schweiz ankamen.

Seit letztem Jahr beleuchtet eine

zusätzliche Ausstellung zum weltberühmten

Rundbild in Luzern eindrückliche

Einzelheiten. Wer findet das Rote

Kreuz im Rundbild auf den ersten Blick?

Weitere Informationen und Öffnungszeiten:

➥ bourbakipanorama.ch

© Bourbaki-Panorama

redoG bildet Hundeführer in Japan aus

Nach der verheerenden Erdbebenkata-

strophe in Japan vom März 2011 reisten

Rettungshunde-Teams in die betroffene Region,

um Überlebende aufzuspüren. Nun

schulen die Ausbildnerinnen und Ausbildner

von REDOG die japanischen Suchhundeteams.

Als Teil der Rettungskette

Schweiz verfügt REDOG über jahrelange

Erfahrung und ist ein international anerkannter

Ausbildner im Bereich Suche.

Kostenlose testamentberatungen

Spielen Sie mit dem Gedanken, das

SRK in Ihrem Testament zu berücksichtigen?

Wir bieten Ihnen in allen grösseren

Schweizer Städten auf Voranmeldung

ein kostenloses Beratungsgespräch mit

einer Fachperson an. Sie erfahren, welche

Möglichkeiten es gibt. Zum Beispiel,

wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens dem

SRK für einen bestimmten Zweck vermachen

möchten, der Ihnen besonders am

Herzen liegt. Gerne beantworten wir

im Gespräch auch

Ihre übrigen Fragen

hinsichtlich

Ihres letzten Willens.

Sie stellen so

sicher, dass Ihr Testamentunanfechtbar,

rechtsgültig

und ganz in Ihrem

Sinn aufgesetzt ist.

Mit einem Legat an

das SRK werden

Sie Teil der bald

150-jährigen Geschichte

für mehr

Menschlichkeit auf

KurZ & bündiG

REDOG ist als humanitäre Freiwilligenorganisation

für Sondereinsätze dieser

Art auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Die Schulungen in Japan hat die

Swiss Re ermöglicht, die sich seit 2010

in verschiedener Hinsicht bei REDOG engagiert.

REDOG Such- und Rettungshunde-Teams

können über den Notruf 1414

angefordert werden.

➥ redog.ch

der Welt. Sie setzen ein Zeichen für

die nachkommenden Generationen und

tragen dazu bei, dass das SRK auch in

Zukunft für die Menschen da sein kann,

die Hilfe am Nötigsten haben. Für Terminanfragen

oder um den kostenlosen Testament-Ratgeber

unverbindlich zu bestellen,

rufen Sie uns an oder schicken Sie

eine E-Mail.

➥ telefon 031 387 72 83 oder e-Mail

laurence.jolliet@redcross.ch

Humanité 4/2012 11


erlebt

patientenverfügung SrK

damit der eigene Wille zählt

Mit der Patientenverfügung SRK erhält man auch dann die gewünschte medizinische Behandlung, wenn man

sich nicht mehr selbst äussern kann. Ab nächstem Jahr ist die Ärzteschaft gesetzlich verpflichtet, den Willen

zu respektieren, der rechtsgültig festgehalten ist. Weshalb ist es wichtig, sich frühzeitig Gedanken zu machen?

Ein Gespräch mit Beatrice Gehri, die im Kanton Solothurn für die Patientenverfügung SRK zuständig ist.

INTERVIEW: CHRISTINE RÜFENACHT BILDER: ROLAND BLATTNER

Beatrice Gehri, was spricht für eine

Patienten verfügung?

Wenn ich eine Patientenverfügung verfasse,

bestimme ich über mein Leben. Ich

nehme meine Verantwortung wahr. Am

1. Januar 2013 tritt das neue Erwachsenenschutzrecht

in Kraft. Das Behandlungsteam

muss abklären, ob eine Patientenverfügung

vorliegt und diese umsetzen.

Ohne ein solches Dokument müssen die

Angehörigen entscheiden. Eine Patienten-

12 Humanité 4/2012

verfügung schützt somit auch die eigene

Familie vor einer heiklen Entscheidung.

Zudem lässt sich so verhindern, dass die

«Die patientenverfügung

schützt die eigene Familie vor

einer heiklen entscheidung.»

ganze Familie diskutiert, was für den Patienten

gut ist, und sich womöglich zerstreitet.

Wie kann ich sicher sein, dass meine

Patientenverfügung zweckmässig ist?

ärztinnen und ärzte können eine Patientenverfügung

nur umsetzen, wenn sie

rechtlich, ethisch und medizinisch haltbar

ist. Sie muss richtig formuliert sein und

darf keine Widersprüche oder Wünsche

enthalten, die das Behandlungsteam nicht

erfüllen kann. In der Patientenverfügung

werden Situationen festgehalten, in denen

die Verfügung angewendet werden


Oft ist es hilfreich, mit einer

engen Bezugsperson zu

diskutieren, die auf Wunsch

beim Beratungsgespräch

dabei sein kann

Die Beraterin erklärt

einzelne medizinische

Anordnungen und deren

Konsequenzen

darf. Neben der persönlichen Werthaltung

und dem Namen einer Vertrauensperson

muss angegeben werden, ob eine

Behandlung gewünscht wird oder nicht.

Die Erstellung des Dokumentes erfordert

demnach eingehende Überlegungen.

Ideal ist eine Beratung durch eine Fachperson,

wie sie das SRK anbietet.

Welche Vorteile bietet die Beratung

beim SRK?

Kaum einer hat in seinem Umfeld jemanden,

der wirklich Bescheid weiss und sich

Zeit nimmt für dieses Gespräch und für

die Erstellung des Dokumentes. Die Beratungsperson

des SRK ist neutral. Ich

getraue mich, Fragen zu stellen. Das ist

sehr hilfreich. Im Gespräch mit der Person

finde ich heraus, was ich möchte und

denke. Erst danach wird das Formular

ausgefüllt. Damit habe ich Gewissheit,

eine verlässliche und persönliche Patientenverfügung

zu erhalten.

Wann kommt eine Patientenverfügung

zum Einsatz?

Das Dokument wird erst beigezogen,

wenn die Patientin oder der Patient nicht

mehr urteilsfähig ist. Nicht immer geht es

um Leben oder Tod. Eine Patientenverfügung

kann auch hilfreich sein, wenn bei

einer Alzheimererkrankung ein Heimeintritt

notwendig wird. Denn so weiss das

apropoS

erlebt

Die patientenverfügung SRK

Das SRK bietet die Möglichkeit, die

Patientenverfügung im Rahmen eines

Beratungsgesprächs abzufassen. Auf

der neuen Website kann ab Januar

2013 das Formular aber auch ohne

Hilfe ausgefüllt werden. Die selbstständig

ausgefüllte Patientenverfügung

SRK kann ebenfalls von einer Beratungsperson

überprüft und der Hinterlegungsstelle

SRK anvertraut werden.

Wer das Dokument hinterlegt, wird regelmässig

daran erinnert, es allenfalls

zu aktualisieren. Alle diese Dienstleistungen

bietet das SRK zu einem fairen

Tarif an. Weitere Informationen oder

Terminvereinbarungen für ein Beratungsgespräch:

➥ patientenverfuegung-srk.ch oder

telefon 031 960 75 75

Pflegepersonal, was diesem Menschen

wichtig ist, zum Beispiel der Kontakt

zur Natur, und kann auf diese Wünsche

eingehen. Bei einem Verkehrsunfall wird

aber nicht erst nach einer Patientenverfügung

gesucht. Dann steht die Erste Hilfe

im Vordergrund.

Wie gewährleiste ich, dass die

Patientenverfügung im Notfall

verfügbar ist?

Bewahren Sie das Dokument nicht zu

Hause auf, ohne jemanden zu informieren.

Auch in den Ferien könnte ja etwas

passieren. Deshalb kann die Patientenverfügung

SRK beim Roten Kreuz hinterlegt

werden. Dort ist sie jederzeit abrufbar

und Sie werden alle zwei Jahre aufgefordert,

Ihre Verfügung zu aktualisieren.

So können Sie überprüfen, ob der Inhalt

immer noch Ihrem Willen entspricht.

beatrice Gehri

Die 59-Jährige leitet die Regionalstelle

Grenchen des Roten

Kreuzes. Sie hat die Patientenverfügung

SRK im Kanton Solothurn

eingeführt und ein Beraterteam

aufgebaut.

Humanité 4/2012 13


Mein Beitrag am Generationendialog,

eine Art Showblock während

der Nationalen Fachtagung des SRK in

Bern, war ein dankbarer und seltener

Auftrag. Denn bei einer Diskussion findet

mehr Austausch statt, als wenn ich auf der

Bühne musiziere. Und ich sende nicht nur,

sondern empfange auch und reagiere. Ich

entwickle unvorbereitete Sätze. Ziemlich

freestyle. Im Generationendialog habe

ich als 34-Jähriger meine Generation vertreten.

SP-Nationalrat Matthias Aebischer

mit seinen 45 Jahren die nächste Generation

und die ehemalige Politikerin Leni

Robert schon eher die übernächste. Sie

ist mit 76 mehr als doppelt so alt wie ich.

Für mich war gut, dass ich mich nicht gross

vorbereiten musste. Denn wir konnten ja

als Generationenvertreter einfach aus dem

Leben erzählen, unsere Erlebnisse, unsere

Empfindungen – über unseren ganzen Lifestyle.

Das ist ein Lebensgefühl, das muss

niemand irgendwo nachschlagen. Dass

ich zuerst nach dem Ursprung des Namens

«Greis» gefragt wurde, war ja klar.

Die Erklärung ist einfach: Ich kam auf die

Idee, als wir in der Schule den Pleonasmus

durchnahmen und von weissen Schimmeln

sprachen. Da wollte ich ein wenig mit dem

Gegenteil provozieren. Ein junger Greis.

Das Generationenthema ist mir überhaupt

nicht fremd. Nicht nur weil ich mich als

«Früher habe ich das Alter(n)

stark romantisiert.»

freischaffender Künstler schon jetzt mit der

AHV herumschlagen muss. Früher habe

ich das Alter(n) stark romantisiert. Mir kamen

zum Beispiel im Dok-Film «Que sera»

über ein Berner Altersheim, dem auch eine

Kinderkrippe angeschlossen ist, die Tränen.

Aber mit dieser Romantisierung bin

ich auch schon auf die Schnauze gefallen.

Bei der Vernissage der Ausstellung «Sechsundsechzig»

in Liestal BL hielten sich die

vorwiegend älteren Gäste die Ohren zu

und schüttelten den Kopf. Als ich das Konzert

vorzeitig stoppte und das letzte Stück

ankündigte, stand eine Frau auf und rief:

«Nei, es längt jetz!» Ein Albtraum.

Trotzdem wollte ich einmal ernsthaft und

freiwillig in einem Altersheim Dienst leisten.

Ich rief bei einer solchen Institution an und

alles entwickelte sich gut, bis ich meinen

Greis mit Nationalrat Matthias Aebischer an der Fachtagung des SRK

Namen – Greis eben – nannte. Da dachte

die Frau am Telefon an einen Scherz und

sagte: «Okay, ich hänge jetzt auf.» Danach

habe ich es nie mehr probiert.

Der Generationendialog hat Spass gemacht.

Das Publikum hat überraschend

gut mitgemacht und mitgelacht. Matthias

Aebischer kannte ich erst flüchtig. Mir gefällt,

dass er seine eigene Meinung vertritt

und nicht das Parteiprogramm rezitiert.

Bei Leni Robert, die ich erstmals getroffen

habe, kommt mir spontan in den Sinn,

dass ich sie in meiner Jugend besonders

schätzte. Nicht wegen ihrer Politik als Erziehungsdirektorin

des Kantons Bern – damals

verstand ich noch zu wenig davon –,

sondern weil ich als frisch zugezogener

Romand, der noch wenig deutsch sprach,

froh war, dass eine Berner Politikerin einen

für mich gut aussprechbaren Namen trug.

Ich komme jederzeit wieder an einen solchen

Anlass. Und ich freue mich, in ein

paar Jahrzehnten auch mal als Vertreter

der älteren Generation dabei zu sein und

zu schauen, wie stark ich meine Positionen

verändert habe.

➥ redcross.ch/nft12

Bild: www.greis.ch

apropoS

überZeuGt

Nationale Fachtagung SRK

Das SRK organisiert seit 2003 jedes

Jahr eine Nationale Fachtagung. Bei

der zehnten Durchführung war das

«Europäische Jahr des aktiven Alterns»

für die Themenwahl ausschlaggebend.

Am 20. September 2012

tauschten sich 100 Fachleute in Bern

aus über «Zukunft Alter – Neue Wege

für eine generationenfreundliche Gesellschaft».

Der Generationendialog

mit Rapper Greis fand dabei – als

Auflockerung zu Referaten und Workshops

– viel Beachtung.

Greis

wurde als Grégoire Vuilleumier

1978 in Lausanne geboren.

Er gilt als einer der besten

Schweizer Musiker im Bereich

Hip-Hop. Er ist Master UZH der

Publizistik, Politikwissenschaft

sowie Wirtschaftsgeschichte und

lebt in Bern und Basel.

Humanité 4/2012 15


enGaGiert

Der 80-jährige Otto Baumann will auch dieses Jahr die Aktion 2 5 Weihnachten tatkräftig unterstützen

otto baumann, freiwilliger Helfer 2 5 Weihnachten

alle Jahre wieder

Im Samariterverein hat Otto Baumann erfahren, dass die Aktion 2 5 Weihnachten freiwillige Helfer sucht.

Das war kurz nach seiner Pensionierung vor 15 Jahren. Seither ist der ehemalige Speditionsleiter einer der

unersetzlichen Freiwilligen, die jedes Jahr beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) um die 70 000 Pakete

ausladen, auspacken und sortieren.

INTERVIEW: TANJA PAULI BILDER: OTTO BAUMANN UND JOSEF REINHARDT

18 Humanité 4/2012


Wie oft sind Sie jeweils im Einsatz für

2 5 Weihnachten?

Früher waren es von Anfang Januar bis

Ende Februar zwei bis drei Tage pro

Woche. Jetzt im Alter etwas weniger. Ich

durfte diesen Herbst meinen achtzigsten

Geburtstag feiern. Aber wenn ich mich

gut fühle, komme ich auch dieses Jahr

wieder. Ich habe Freude daran, es ist etwas

Schönes. Oft überlege ich mir bei besonderen

Sachen, wer sich wohl darüber

freuen wird.

Bleibt dafür Anfang Jahr bei Ihnen zu

Hause die Arbeit liegen?

Nein, gar nicht. Meine anderen Hobbys

mache ich in den übrigen Wochen des

Jahres. Zum Beispiel das Instandhalten

von Nistkästen. Ich bin im Natur- und

Vogelschutzverein Muri-Gümligen. Aber

diese Arbeit läuft mir nicht davon. Ich

bin jetzt 15 Jahre pensioniert und habe

«Ich habe mir bei der pensionierung

vorgenommen, nie zu

sagen, ich hätte keine Zeit.»

noch nie gesagt: «Ich habe keine Zeit.»

Das habe ich mir bei der Pensionierung

vorgenommen und bis heute eingehalten.

Meine Frau sagt jeweils: «Wenn es dir

Freude macht, dann geh nur.»

Welche Tätigkeit übernehmen Sie

am liebsten?

Ich mag alles und habe in den Jahren auch

jede Arbeit gemacht. Vom Ausladen der

Bahnwaggons, die früher bis unters Dach

gefüllt waren, bis zum Entsorgen der Kartonschachteln.

Ganz am Anfang haben

wir die leeren Kartons für die Altpapiersammlung

von Hand flach gedrückt. Jetzt

gibt es dafür eine Presse, die ich auch

schon bedient habe. Aber das Verteilen

der Waren in die einzelnen Bereiche, das

überlasse ich gerne den Frauen, obschon

ich es zwischendurch auch mache. Es erfordert

ein gutes Auge und Konzentration.

Frauen können das besser.

Kann man mit so viel Erfahrung erraten,

was in einem Paket steckt?

Nein, eigentlich nicht. Es ist immer wieder

eine Überraschung. Ausser bei den schweren

Paketen, da sind meist Lebensmittel

drin. Manchmal muss man diese sogar zu

zweit tragen, so reichhaltig gefüllt sind sie.

Schickt die Schweizer Bevölkerung

schöne, sinnvolle Dinge?

Oh ja, wir sehen viele liebevoll zusammen

gestellte Pakete, denen man anmerkt,

dass sich jemand etwas überlegt

hat. Sie enthalten Lebensmittel und praktische

Gebrauchsgegenstände, die eigens

dafür eingekauft wurden. Ich habe den

Eindruck, dass früher häufiger Ramsch

eingeschickt wurde als heute.

Gibt es ein besonders schönes

Erlebnis aus den letzten 14 Jahren

2 5 Weihnachten?

Ja, ein ganz persönliches Erlebnis. Ich hatte

einen Klassenlehrer, für den wäre ich

durchs Feuer gegangen. Er hat ein Buch

mit Mundartgeschichten geschrieben. «Dr

Morgestärn» von Karl Stocker. Lange suchte

ich vergeblich nach diesem Buch. Es

sei vergriffen, hiess es immer wieder. Und

plötzlich, vor zwei Jahren beim SRK im Lager

in Wabern, liegt genau dieses Buch

vor mir! Ich konnte es kaum fassen. Da

habe ich mir erlaubt, zu fragen, ob ich es

behalten dürfte. Die Regeln sind sonst sehr

strikt. Die Freiwilligen dürfen keine Waren

an sich nehmen, auch keine Lebensmittel

mit abgelaufenem Verfalldatum.

Dieses Buch war besser als der

grösste Lohn?

Ja, absolut unbezahlbar! Und all die

Erfahrungen sind es auch wert. Meine

apropoS

enGaGiert

2 5 Weihnachten

Die Aktion wird zum 16. Mal vom

Schweizerischen Roten Kreuz, der

Schweizerischen Post und der SRG

SSR durchgeführt. Vom 24. Dezember

2012 bis zum 12. Januar 2013

spediert die Schweizerische Post alle

Pakete, die mit 2 5 Weihnachten adressiert

sind, kostenlos ans SRK. Das

SRK sorgt dafür, dass die Gaben je

zur Hälfte in der Schweiz und in Osteuropa

an Bedürftige verteilt werden.

Das ideale Paket enthält zum Beispiel

Teigwaren, Reis, Speiseöl, Konserven,

Zucker, Mehl, Trockenfrüchte, Zahnpasta,

Zahnbürsten, Seife, Shampoo,

Notizblöcke, Schreibhefte, Filzstifte,

Bleistifte, Radiergummis usw.

Alle Lebensmittel müssen mindestens

noch sechs Monate haltbar sein. Wer

lieber ein Paket spenden möchte, findet

Informationen dazu im Internet:

➥ 2xweihnachten.ch

Hauptmotivation bleibt aber, dass ich

etwas für die ärmsten tun will. Wir leben

im Überfluss und anderswo sind

die Menschen dankbar für Kleinigkei -

ten. Es macht Freude, zu sehen, was die

Menschen für andere geben und selber

etwas zu geben. Gerne wäre ich einmal

mit dabei, wenn die Waren verteilt

werden.

Ausladen, auspacken,

sortieren

oder Kartons

entsorgen – Otto

Baumann hat

jeden Arbeitsschritt

schon gemeistert

Humanité 4/2012 19


Geld macht glücklich (Nr. 15). Geld macht glücklich, wenn man für

jemanden da sein kann. Deshalb hat Swisscanto zusammen mit dem Schwei-

zerischen Roten Kreuz (SRK) den Swisscanto Swiss Red Cross Charity Fund

lanciert. Dabei spenden Sie die Hälfte Ihrer Erträge für mehr Menschlichkeit.

Und profitieren gleich noch von einer sicherheitsorientierten Anlage in

Obligationen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Kundenberater

der Kantonalbank sowie unter www.redcross.ch oder www.swisscanto.ch/15.

Die Informationen in dieser Publikation gelten nicht als Offerte. Sie dienen lediglich zu Informationszwecken. Kostenloser Bezug von Verkaufsprospekt, vereinfachtem Verkaufsprospekt,

Jahres- oder Halbjahresbericht bei den Kantonalbanken, der Swisscanto Asset Management AG, Nordring 4, 3000 Bern 25 oder unter www.swisscanto.ch.

In Zusammenarbeit mit


neue notzelte für

tropisches Klima

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat

420 leichte, widerstandsfähige Zelte beschafft.

Sie eignen sich speziell als Notunterkunft

in tropischem Klima. Da dieser

Zelttyp keine Bodenverankerung braucht,

ist er besonders gut geeignet für den städtischen

Raum. Das SRK lagert diese Zelte

und andere Hilfsgüter in Ghana und

Malaysia, damit im Katastrophenfall die

Transportwege kürzer sind. In Ghana

wurden die Zelte vom Team der internationalen

Katastrophenhilfe des SRK getestet

(Bild).

Wer verdient den

rotkreuzpreis 2013?

Kennen Sie eine Person oder eine Organisation,

deren humanitäre Leistung beispielhaft,

herausragend und nachhaltig

ist? Dieser Mensch oder diese Organisation

engagiert sich auf aussergewöhnliche

Weise im In- oder Ausland im Geist

der Menschlichkeit, der Unparteilichkeit,

Neutralität sowie der Freiwilligkeit und

verdient eine Würdigung. Mehr Informationen

finden Sie auf www.redcross.ch.

Ihren Vorschlag für den mit 30 000 Franken

dotierten Rotkreuzpreis nimmt das SRK

bis am 31. Dezember 2012 entgegen:

➥ Schweizerisches Rotes Kreuz, Kommunikation,

postfach, 3001 Bern

Soforthilfe für syrische Flüchtlinge

Der grosse Teil der über 200 000 syrischen

Flüchtlinge in Jordanien lebt in

gemieteten Räumlichkeiten oder bei

Gastfamilien. Viele Frauen sind mit ihren

Kindern alleine, da die Männer oftmals

in Syrien zurückgeblieben sind. Die

Flüchtlinge müssen für ihre Nahrung, für

Wasser und Strom selber aufkommen,

um in ihrer Unterkunft den Winter verbringen

zu dürfen. Deshalb unterstützt

das SRK 1000 besonders verletzliche

Familien mit einem monatlichen Bar-

Sonnenbrille kaufen und augenlicht schenken

Liza Andrea Kuster, Moderatorin und Miss

Earth Schweiz 2010, unterstützt seit Jahren

das Engagement des SRK gegen die

Armutsblindheit. Als kreativer Kopf der

Schweizer Sportsonnenbrillenmarke TN

hat sie für das SRK eine limitierte Spezialausgabe

«Augenlicht

schenken» lanciert.

Die TN Sonnenbrille

ist ausgestattet mit einem

unzerbrechlichen

Hightech-Rahmen, einem

100-prozentigen

UV-Schutzfilter sowie

Wechselgläser in vier

Farben. Zudem wiegt

sie weniger als 28

Gramm und wird klimaneutral

produziert.

Ab Mitte Dezember

KurZ & bündiG

beitrag von umgerechnet 220 Franken.

Diese direkte finanzielle Unterstützung in

den Grenzstädten Ajlou und Jerash wird

während mindestens drei Monaten fortgeführt.

Auch Hilfsgüter für den Winter

verteilt das SRK. Bereits über 2000 Personen

haben Decken, Hygieneartikel sowie

Haushaltgeräte erhalten. Insgesamt

wendet das SRK mit der Unterstützung

der Glückskette 1,3 Millionen Franken

auf für die Hilfe an die syrischen Kriegsopfer.

gibt es die Spezialausgabe für 199 Franken

im SRK-Shop. 50 Franken vom Kaufpreis

fliessen in das SRK Projekt «Augenlicht

schenken» und ermöglichen eine

Augenoperation.

➥ redcross.ch/shop

Symbolbild

Humanité 4/2012 21


KonKret

pflegehelferin/pflegehelfer SrK

Für alte Menschen da sein

Der Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK vermittelt die Grundlagen für die Pflege und Betreuung von gebrechlichen,

kranken oder behinderten Menschen. Angehende Pflegehelferinnen* erhalten dabei das Rüstzeug für

den Umgang mit Betagten und Behinderten. Sie lernen, deren Bedürfnisse zu erkennen und wie sie diese

mit Respekt, Freundlichkeit und Geduld erfüllen.

TExT: CHRISTINE RÜFENACHT BILDER: THIERRY PAREL

22 Humanité 4/2012

Am Beispiel einer Kursteilnehmerin zeigt Catherine Pictet, wie man beim Aufstehen hilft


Um das Zertifikat Pflegehelfer/-in SRK

zu erwerben, sind 120 Stunden Theorie

und 12 Tage Praktikum nötig. Der

Lehrgang vermittelt alle wichtigen Grundlagen,

die eine Tätigkeit in einem Altersoder

Pflegeheim im Spital oder in der

Spitex erfordert. Auf dem Kursprogramm

stehen praxis orientierte und sensible

Themen wie: Kommunikation mit pflegebedürftigen

Menschen, Hygiene- und

Sicherheitsrichtlinien, Körperpflege, Anund

Auskleiden, Pflege von sterbenden

* Für eine leichtere Lesbarkeit erlauben wir uns, nur

die weibliche Form zu verwenden. Der Lehrgang

wird fast ausschliesslich von Frauen absolviert.

Menschen, Sexualität, Ernährung, Ausscheidung,

Atmung, Bewegung, Schlaf

und das älterwerden an sich. Dieser letzte

Punkt zeigt den künftigen – eher jungen

– Pflegehelferinnen auf, mit welchen

körperlichen Veränderungen das älterwerden

verbunden ist. Auch die Folgen

eines Eintritts in ein Alters- oder Pflegeheim

sowie andere Sorgen und ängste

werden besprochen.

praktische erfahrungen

Die Selbstständigkeit fördern, aber bedarfsgerechte

Unterstützung anbieten und

den Bedürfnissen von gebrechlichen Menschen

Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Das sind die Grundpfeiler der Tätigkeit

«Die pflegehelferin soll nicht

hetzen, sondern sich um die

Menschen kümmern.»

einer Pflegehelferin. Die Kursleitende

weist besonders darauf hin, dass der Tagesablauf

der betagten Menschen zu respektieren

ist. «Die Pflegehelferin soll nicht

hetzen, sondern sich um die Menschen

kümmern», erklärt Catherine Pictet, seit

20 Jahren Kursleiterin beim Roten Kreuz in

Genf. Respekt, Freundlichkeit und Geduld

sind ihr sehr wichtig. Ein grosser Pluspunkt

des Lehrgangs ist zweifelsohne auch der

praktische Teil. An jedem Kurstag repetieren

die Teilnehmenden die richtigen Handgriffe.

Zum Beispiel wie man jemandem

sanft beim Aufstehen hilft, anschliessend

apropoS

KonKret

Die Aufgaben der

pflegehelferinnen SRK

Ein Teil der Ausbildung befasst sich mit

Krankheiten, die im Alter häufig auftreten.

Symptome, Ursachen, Therapien

und vor allem die Massnahmen, welche

die Pflegehelferinnen in diesem Zusammenhang

treffen, werden gezeigt. Bei

Schwindelproblemen wären dies zum

Beispiel:

– Angaben über Schwindel der Patienten

ernst nehmen

– Ihnen beim Aufstehen genügend Zeit

lassen, insbesondere nach langem Liegen

und Sitzen

– Vor dem Aufsetzen der Person das

Kopfende des Bettes hochziehen

– Kurze Bewegungsübungen machen

(Beine und Füsse bewegen, strecken,

tief durchatmen, beim Aufstehen geradeaus

schauen)

– Stürze verhindern, Sicherheit geben

Beim Rollentausch erleben Pflegehelferinnen auch, wie es sich anfühlt, Hilfe anzunehmen

Humanité 4/2012 23


KonKret

in den Rollstuhl setzt und dabei den eigenen

Rücken schont. Oder wie man eine

Person im Bett wäscht, ihr beim Essen hilft

und vieles mehr. Immer unter den strengen

Stéphane Zanone, 42 Jahre

Stéphane Zanone

ist Drogist und war

auf der Suche nach

einer Anstellung,

als er sich nach

einem Praktikum in

einem Altersheim

für die Ausbildung

zum Pflegehelfer

entschloss. Er ist kontaktfreudig und

interessiert sich für alle Gesundheitsbereiche.

Er hofft durch die Ausbildung,

seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu

verbessern. «Man hat mir geraten, einen

eidg. Fähigkeitsausweis zu machen;

aber mit 42 Jahren bin ich zu alt dafür!

Ich bevorzuge eine kürzere Schulung/

Weiterbildung, um möglichst schnell

arbeiten zu können», erklärt er.

Wenn der Rollator

beim Aufstehen

als Stütze dient,

immer die Bremsen

anziehen

Wer sind die künftigen pflegehelferinnen und pflegehelfer?

Rund 4500 Frauen und Männer werden jedes Jahr von den 24 Rotkreuz-Kantonalverbänden ausgebildet.

Drei Personen, die zurzeit die Ausbildung in Genf durchlaufen, in einem Kurzporträt:

24 Humanité 4/2012

Ana Correia pires, 25 Jahre

Die Mutter eines

kleinen Mädchens

hat bis jetzt noch

keine Ausbildung

absolviert. Das

möchte sie nun

nachholen. Ihr Ziel

ist es, sich nach

dem Pflegehelferinnen-Lehrgang

zur «Fachfrau Betreuung

EFZ» ausbilden zu lassen. Ana Correia Pires

ist äusserst hilfsbereit, insbesondere älteren

Menschen gegenüber, die sie sehr mag

und respektiert. Während eines Praktikums

in einem Alters- und Pflegeheim hat sie

erkannt, wo man sie am meisten braucht.

«Am Anfang hatte ich Mühe, die Leute zu

waschen. Ich sagte mir aber: ‹Wenn ich es

nicht mache, wer macht es dann?›»

Augen der Kursleiterin sowie der Kolleginnen

und Kollegen, die vielfach bereits über

praktische Erfahrungen verfügen und sich

gegenseitig unterstützen.

Während des praktischen Teils kommt auch

die Kommunikation nicht zu kurz. Catherine

Pictet ist es wichtig, dass die künftigen

Pflegehelferinnen sich klar und deutlich

ausdrücken, jedoch die Pflegebedürftigen

«Die wortlose Kommunikation

durch Berührungen oder durch

die Mimik ist ebenso wichtig.»

nicht wie Kleinkinder behandeln. Ebenfalls

nicht zu vernachlässigen ist die Art der

wortlosen Kommunikation, sei es durch

Berührungen oder durch die Mimik. Umso

mehr, als viele Pflegehelferinnen fremdsprachig

sind. «Am Ende des Lehrgangs

sind die Teilnehmenden bestens für die Aufgaben

gerüstet», ist Catherine Pictet überzeugt.

«Dies ist mit ein Grund, weshalb die

Pflegehelferinnen SRK in den Alters- und

Pflegeheimen so sehr geschätzt werden!»

➥ redcross.ch/pflegehelferin

Isabella Dias, 29 Jahre

Wie viele andere

in ihrer Klasse

hat Isabella Dias

bereits Erfahrung

in der Pflege von

älteren Men schen,

die sich aber auf

die Betreuung zu

Hause beschränkt.

Sie schätzt den Lehrgang, der ihr Antworten

auf viele Fragen. Mit dem Zertifikat

erhofft sie sich eine Tätigkeit in einem

Alters- oder Pflegeheim, die ihr die Türen

für eine weiterführende Ausbildung öffnet.

Sie ist 29 Jahre alt und Mutter von

drei Kindern. Im Moment hat sie weder

die Zeit noch die finanziellen Mittel, um

eine umfangreichere Berufsausbildung

zu machen.


KonKret

Möchten Sie auch ein Gläschen Wodka?»

Die freundliche Einladung von

Nina Shumik lässt sich umso weniger ausschlagen,

als sie von einer ehemaligen ärztin

ausgesprochen wird. Der 78-Jährigen

scheint das gelegentliche Gläschen jedenfalls

nicht geschadet zu haben. Sie ist körperlich

und geistig bewundernswert vital

und besitzt eine grosse Ausstrahlung. Seit

ihrer Pensionierung vor 14 Jahren engagiert

sich Nina Shumik gemeinsam mit sechs anderen

noch rüstigen «Babuschkas», Grossmüttern,

für den Rotkreuz-Besuchsdienst

im Städtchen Schuschin. Wenn sie nicht

gerade auf Hausbesuch ist, verbringt sie

bei sich zu Hause viel Zeit beim Nähen

und Stricken, um die älteren Kranken und

Behinderten mit etwas Nützlichem zu überraschen.

In ganz Weissrussland sind es

700 ältere Freiwillige, die pflegebedürftige

und isoliert lebende Betagte regelmässig

besuchen und mit Rat und Tat beistehen.

apropoS

Schöne Landschaft –

bedrückende Realität

Fünf Mal so gross wie die Schweiz

und mit 9,5 Millionen Einwohnern eher

dünn besiedelt, so lässt sich Weissrussland

oder Belarus zusammenfassen. In

der Hauptstadt Minsk leben 1,7 Millionen

Menschen. Ein Drittel der Landesfläche

ist bewaldet, naturbelassene Flüsse

sowie Moore und Sümpfe prägen das

Landschaftsbild.

Weissrussland hat eine tragische Geschichte.

Die Verbrechen des Stalinismus

und dann während der deutschen

Besetzung im Zweiten Weltkrieg haben

Hunderttausenden von Menschen das

Leben gekostet. Nach dem Zusammenbruch

der Sowjetunion wurde Weissrussland

1991 formell unabhängig.

Doch unter seinem gegenwärtigen autoritären

Regime ist das Land politisch

und wirtschaftlich stark von Russland

abhängig. Wirtschaftlich bekommt die

Bevölkerung Weissrusslands die Folgen

der hohen Inflation stark zu spüren und

auch die Arbeitslosigkeit ist angestiegen.

Viele gut ausgebildete Jugendliche

verlassen das Land.

26 Humanité 4/2012

Dabei entlasten sie die Krankenschwestern

des Spitexdienstes, denen damit mehr Zeit

bleibt für die medizinische Betreuung.

Schicksalsschläge bewältigt

In ihrer sorgfältig eingerichteten Wohnung

erzählt uns Nina Shumik ihr persönliches

Schicksal. Nur wenige Jahre, bevor

sie ihre berufliche Laufbahn als Laborärztin

beendete, kamen ihr Sohn und ihre

Schwiegertochter bei einem Autounfall

ums Leben. Sie liessen zwei schulpflichtige

Kinder zurück, um die sie sich als

Grossmutter fortan kümmerte. Ihr Mann,

ebenfalls Arzt, verstarb nur drei Monate

später an Herzversagen. Die beiden

Enkelkinder sind inzwischen erwachsen,

und sie hat nun mehr Zeit für ihr freiwilliges

Engagement im Besuchsdienst des

Roten Kreuzes. Das wöchentliche Treffen

mit den sechs anderen freiwillig tätigen

Babuschkas dient sowohl der Weiterbildung

wie auch dem Erfahrungsaustausch.

«Wir sind wie eine Familie und geben

uns gegenseitig Halt. Mit unserem Einsatz

für allein lebende kranke Menschen

verleihen wir auch unserem eigenen Leben

einen tieferen Sinn», meint Nina Shumik.

Mit 78 ist sie die älteste der aktiven

Frauengruppe und damit 20 Jahre älter

als deren jüngstes Mitglied.

Hausbesuch auf

Weissrussisch-polnisch

Wir begleiten Nina Shumik beim Besuch

der 85-jährigen Yva-Everina Yoch. In der

Wohnung der zierlichen Frau treffen wir

auch die Krankenschwester des Spitexdienstes

des Roten Kreuzes. Diese kommt

zwei Mal pro Woche bei der Herzpatientin

vorbei. Dank dieser medizinischen

Pflege und vor allem der regelmässigen

Besuche von Nina Shumik kann die alte

Dame noch in ihrer eigenen Wohnung

leben.

Mit ihrer klangvollen Stimme erzählt

Yva-Everina Yoch aus ihrem Leben. Die

kinderlose Witwe arbeitete über 40


Ihr Glaube, die Kolleginnen

vom Roten Kreuz und

Gutes tun für die Schwächsten

– das alles gibt der

Rotkreuz-Freiwilligen

Nina Shumik Energie und

Lebensfreude

Jahre als Serviceangestellte im selben

Restaurant, worauf sie besonders stolz

ist. Als junge Frau verbrachte sie einige

Jahre im benachbarten Polen, wo noch

zwei ihrer Geschwister leben. Die Melodie

in ihrer Stimme führt daher, dass

ihre weissrussische Muttersprache noch

«Wir verleihen unserem eigenen

Leben einen tieferen Sinn.»

heute mit polnischen Ausdrücken ausgeschmückt

wird, wie uns die Übersetzerin

verrät. Wie bei allen älteren Menschen

hier ist der Zweite Weltkrieg, unter dem

sowohl Weissrussland wie auch Polen

besonders stark litten, in ihrer Erinnerung

stark präsent.

Letzter Sonnenstrahl

Doch es ist nicht nur die Erinnerung an die

schwere Kriegszeit, welche die beiden

Frauen verbindet. Nina Shumik bringt

auch die Welt und den Alltag von aussen

in die Stube von Yva-Everina Yoch. Sie haben

ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.

«Die langen Tage und schlaflosen Nächte

sind einsam und der Besuch von Nina

ist ein Lichtblick», sagt die hochbetagte

Frau. Dazu gehören das Gespräch beim

Tee ebenso wie die Handreichungen von

Nina Shumik im Haushalt oder die Pflege

des kleinen Blumengartens vor dem Fenster,

an dessen Anblick sich Yva-Everina

Yoch im Sommer täglich erfreut. Sie öffnet

das Fenster ihrer Wohnung im ersten

Stock und zeigt auf die blühenden Sonnenblumen.

Schon bald werden sie verwelken

und damit an die Vergänglichkeit

des Lebens erinnern.

Dank dem Einsatz von unermüdlichen

Babuschkas wie Nina Shumik wird der

letzte Lebensabschnitt von Yva-Everina

Yoch und vielen anderen, die ein entbehrungsreiches

Leben hinter sich haben,

doch noch von einem Sonnenstrahl berührt.

➥ redcross.ch/weissrussland

KurZ beFraGt

Christine

Rutschmann

Die Programmverantwortliche

des SRK für Osteuropa ist

ausgebildete Pflegefachfrau

und hat einen Master in Public

Health. Die 52-Jährige arbeitet

seit 1990 fürs SRK und hat

eine 15-jährige Tochter.

KonKret

Wie erleben Sie Weissrussland?

Die Bevölkerung ist zurückhaltend,

aber enorm gastfreundlich und stolz.

Sogar die ärmsten würden ihrem Gast

eine Suppe kochen und niemals zugeben,

dass sie zu wenig für sich haben.

Nach der Wirtschaftskrise 2008 hat

die Armut sehr stark zugenommen. Einige

müssen sich im Winter sogar entscheiden

zwischen Heizen oder Essen.

Die politische Situation ist umstritten.

Warum engagiert sich

das SRK?

Wir unterstützen das Weissrussische

Rote Kreuz, das über zu wenig finanzielle

Mittel verfügt und keine Spenden

sammeln kann. Das SRK bringt sein

Wissen ein. Nicht nur die Ausbildung

von professionellen Pflegepersonen ist

uns ein Anliegen, sondern auch die

Freiwilligenschulung. Das ist dringend

nötig. 20% der Bevölkerung wären auf

Sozialhilfe angewiesen. Es gibt über

eine halbe Million Behinderte und genau

so viele alte Alleinstehende. Sie

sind sich oft selbst überlassen.

erreichen Sie genug?

Es ist kein Tropfen auf den heissen

Stein, eher eine Lawine, die wir auslösen.

Es geht darum, dem Staat zu

beweisen, wie er mit einfachen Mitteln

die Situation verbessern kann. Es gibt

Dörfer, wo nur noch alte Menschen

zurückgeblieben sind. Sie sind es sich

nicht gewohnt, Unterstützung anzunehmen.

Wir wollen zeigen, was Hilfe zur

Selbsthilfe bewirkt. Vereinsamte Menschen

werden häufiger krank, aber

gegenseitige Unterstützung wirkt sich

positiv auf die Gesundheit aus. Unser

Ziel ist es, ein Netzwerk aufzubauen.

Humanité 4/2012 27


orschtsch

Was der Garten

hergibt

TExT: TANJA PAULI BILD: STEFAN MAURER

Randen werden hierzulande fast ausschliesslich

roh oder gekocht als Salat

gegessen. In Ost- und Mitteleuropa hingegen

kommt der leicht süssliche Geschmack

der dunkelroten Rübe als Hauptzutat in

einer nahrhaften Suppe zur Geltung.

Borschtsch ist von Polen bis nach Russland

so bekannt, wie in der Schweiz Rösti und

Bratwurst. «In Weissrussland erhalten Sie

in fast jedem Restaurant eine Variante von

Borschtsch», sagt Christine Rutschmann,

die SRK-Programmverantwortliche für

Weissrussland (vgl. Interview Seite 27). Unser

Rezept für warmen Borschtsch stammt

von ihrer Kollegin aus Weissrussland. Eine

Suppe mit Biss, denn sie enthält – wie in

unserer Variante – oft Fleisch und Pilze.

Püriert wird diese Suppe selten.

Typisch für die Zubereitung ist eine lange

Garzeit bei geringer Hitze. Deshalb

wird eine Menge gekocht, die für mehrere

Tage reicht. Christine Rutschmann

schwärmt, dass die Suppe mit jedem Auf-

Vorsorgen für den harten

Winter – in ländlichen

Gebieten stammen die

lagerfähigen Gemüsesorten

für Borschtsch aus

dem eigenen Garten

Der Winter ist lang und eisigkalt in Osteuropa. Ist die Randensuppe

Borschtsch auch wegen ihrer Farbe von Polen bis nach Russland so

beliebt? Das bekannteste Gericht aus diesem riesigen Gebiet zaubert ein

spannendes Rosa-Violett in weisse Teller und wärmt von innen.

wärmen sogar noch besser werde. Die

Kennerin weiss: «Borschtsch muss so viel

Gemüse enthalten, dass ein Holzlöffel im

Topf stehen bleibt. Essen Sie Gschwellti

oder ein dunkles Brot dazu – köstlich!»

Reich an Farbe und Vitaminen

Gesund ist Borschtsch sowieso. Der Rande

wird sogar eine leistungssteigernde

Wirkung nachgesagt. Tatsache ist, dass

die stark färbende Rübe einen hohen

Gehalt an Kalium, Eisen und vor allem

Folsäure aufweist. Was die Färbung betrifft,

so wurden Randen früher als Färbemittel

eingesetzt und werden noch heute

für einen natürlichen Lebensmittelfarbstoff

verwendet. Erdbeeren allein sind somit

selten schuld, wenn ein Joghurt appetitlich

rosa aussieht. Dahinter steht Betanin,

auf Lebensmittelverpackungen besser bekannt

als E162 oder anders gesagt: Randensaft.

➥ magazin-humanite.ch/rezepte

reZept

KreuZ & quer

Warmer Borschtsch

Für 2 Personen als Hauptspeise

Vegetarisch: Dieses Rezept kann auch

ohne Hackfleisch zubereitet werden.

400 g gekochte, ungewürzte Randen

2–3 grössere Karotten

1–2 Zwiebeln

Wasser

Ca. 5 EL getrocknete Steinpilze,

eingeweicht

100 g Hackfleisch (Rind, Schwein,

oder gemischt) etwas würzen und zu

kleinen Kugeln formen

Salz und Pfeffer

Sauren Halbrahm (1–2 Becher à

180 g, je nach Belieben)

1 Tasse Randensaft

Etwas Zitronensaft oder Balsamico

(zum Ansäuern, je nach Belieben

mehr oder weniger)

Randen, Karotten und Zwiebeln schälen,

klein schneiden. Etwas Wasser

beigeben, die Suppe soll jedoch nicht

zu dünn werden. Steinpilze klein

schneiden und beifügen. Alles langsam

aufkochen, salzen und pfeffern.

Randensaft und ganz wenig Zitronensaft

oder Essig beigeben (Säuregrad

je nach Belieben). Hackfleischbällchen

beigeben. Mindestens 1 Stunde

auf kleinem Feuer köcheln lassen.

Kurz vor dem Servieren je nach Geschmack

sauren Halbrahm einrühren

(kann man auch weglassen) und damit

die Suppe garnieren.

Gschwellti oder Schwarzbrot mit etwas

Butter und frischem Dill (auch

nach Belieben) dazu reichen.

Prijatnawa Appetita!

© bab.ch/StockFood

Humanité 4/2012 29


kreuz & quer

Für Humanité zeichnet «Karma» alias Marco Ratschiller. Er ist Cartoonist und Chefredaktor des Satire-Magazins Nebelspalter.

labyrinth

Vom Start bis ans Ziel wird der Weg mit feinen Linien markiert.

Den gefundenen Weg ausfüllen – und schon erscheint das Bild.

30 Humanité 4/2012

(C) Conceptis Puzzles

4003008

HuMANITé 3/2012

Lösungswort des letzten Kreuzworträtsels:

SICH eNGAGIeReN

Wir gratulieren den Gewinnerinnen

und Gewinnern:

Claudia Bärtschi, Münchenstein

Carmen Eberlein, Lausanne

Odile Luisier, Bernex

Esther Känzig, Zürich

Verena Zellweger, Allschwil

Übrige Lösungen der letzten

Ausgabe:

9

2

3

4

7

1

8

6

5

7

6

5

3

4

8

2

9

1

5

8

7

2

6

3

9

1

4

8

9

3

1

2

6

4

5

7

1

6

4

5

8

9

2

3

7

2

1

4

9

7

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6

3

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1

9

2

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1

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6

06010016186

6

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1

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7

2

5

06010030934

Die Lösung zum Sudoku, zum Wortsuchspiel

und zum Labyrinth finden Sie

jeweils in der nächsten Ausgabe oder

im Internet.

➥ magazin-humanite.ch

4002003


Kreuzworträtsel

GeWinnen

Artikel bestellen: ➥ redcross.ch/shop

Wir verlosen unter allen korrekt eingeschickten

Lösungswörtern des Kreuzworträtsels

fünf SRK-Wetterstationen

aus Metall mit Uhr, Thermometer

und Hygrometer.

Senden Sie das Lösungswort und Ihre

Adresse in einem E-Mail an

crosswords@redcross.ch oder

auf einer Postkarte an:

Schweizerisches Rotes Kreuz

Magazin «Humanité»

postfach, 3001 Bern

Einsendeschluss: 31. Dezember 2012

Teilnahmebedingungen für den Wettbewerb:

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.

Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz

geführt. Die Barauszahlung und der

Rechtsweg sind ausgeschlossen.

Wortsuchspiel

Sudoku

kreuz & quer

Füllen Sie die leeren Felder mit

den Zahlen von 1 bis 9. Dabei

darf jede Zahl in jeder Zeile,

jeder Spalte und in jedem der

neun 3 x 3-Blöcke nur einmal

vorkommen.

Finden Sie die 20 Wörter horizontal, vertikal und diagonal.

Die Buchstaben können für mehrere Wörter gelten.

5

1

3

7

4

5

4

8

7

1

6

8

9

8

6

2

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