LEBENSART 1/2026: Wie im Film
Das Magazin LEBENSART berichtet über nachhaltige Lebenskultur und zeigt wie ein genussvoller Lebensstil mit verantwortungsvollem Handeln verbunden werden kann. Viele praktische Tipps laden zum Nachmachen und eigenen Handeln ein. Das liest du in der Reise-Ausgabe "Wie im Film" (1/2026): • Im (falschen) Film? Urlaubsziele zwischen Wertschöpfung und Overtourism. • Green Producing. Welche Gütesiegel Filmdrehs nachhaltiger machen. • Großes Kino im Norden Englands. Mit Zug und Bus durch North Yorkshire. • Wo ein Kobold Schabernack treibt. München im Stadtporträt. • „Die Natur malt immer ein Stück weit mit“ Unterwegs im rollenden Atelier. • Bilder, die berühren. Ein Streifzug durch Zingst • Wo Geschichten geschrieben werden. Fünf legendäre Kaffeehäuser der Weltliteratur. • Naturinsel Elba. Gönne auch du dir ein Exil. • Altaussee. Was 007, Barbara Frischmuth und Alfred Komarek gemeinsam haben. Details: www.lebensart.at
Das Magazin LEBENSART berichtet über nachhaltige Lebenskultur und zeigt wie ein genussvoller Lebensstil mit verantwortungsvollem Handeln verbunden werden kann. Viele praktische Tipps laden zum Nachmachen und eigenen Handeln ein.
Das liest du in der Reise-Ausgabe "Wie im Film" (1/2026):
• Im (falschen) Film? Urlaubsziele zwischen Wertschöpfung und Overtourism.
• Green Producing. Welche Gütesiegel Filmdrehs nachhaltiger machen.
• Großes Kino im Norden Englands. Mit Zug und Bus durch North Yorkshire.
• Wo ein Kobold Schabernack treibt. München im Stadtporträt.
• „Die Natur malt immer ein Stück weit mit“ Unterwegs im rollenden Atelier.
• Bilder, die berühren. Ein Streifzug durch Zingst
• Wo Geschichten geschrieben werden. Fünf legendäre Kaffeehäuser der Weltliteratur.
• Naturinsel Elba. Gönne auch du dir ein Exil.
• Altaussee. Was 007, Barbara Frischmuth und Alfred Komarek gemeinsam haben.
Details: www.lebensart.at
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REISEN
1 | 2026
1/2026, Österr. Post AG. MZ 05Z036431M, Lebensart Verlags GmbH, Wiener Straße 35, 3100 St. Pölten, € 7,50
Wo Geschichten
geschrieben werden
Fünf legendäre Kaffeehäuser
der Weltliteratur
Wie im
Film
Großes Kino im
Norden Englands
Mit Zug und Bus durch
North Yorkshire
01
4 197771 909505
BEWUSST REISEN, MEHR ERLEBEN
NACHHALTIG UNTERWEGS IN SAALFELDEN LEOGANG
Saalfelden Leogang zeigt, wie moderner Tourismus heute funktioniert: bewusst, kontrastreich und ganzjährig erlebbar.
Als Träger des Österreichischen Umweltzeichens für Destinationen erfüllt die Region strenge Kriterien in Bereichen wie
Mobilität, Umweltmanagement und regionaler Wertschöpfung. Für Gäste bedeutet das vor allem eines:
nachhaltige Qualität, die nicht belehrt, sondern den Urlaub spürbar verbessert – vom Ankommen bis zur Abreise.
Ein zentrales Thema für einen bewusst nachhaltigen
Urlaub ist die klimafreundliche
Anreise. Saalfelden Leogang ist bequem
mit Bahn und Bus erreichbar, vor Ort sorgt
ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsangebot
für flexible Mobilität – ganz ohne
eigenes Auto. Viele Unterkünfte setzen zudem
auf geprüfte Nachhaltigkeitsstandards
und sind unter anderem mit dem Österreichischen
Umweltzeichen zertifiziert. Sie
kombinieren Komfort mit regionaler Küche,
effizientem Ressourceneinsatz und ehrlicher
Transparenz. Nachhaltigkeit wird hier
nicht versteckt, sondern gelebt, zwar oft
ganz leise, aber wirkungsvoll.
Als kontrastreiche Ganzjahresdestination
setzt Saalfelden Leogang auf Vielfalt statt
Überlastung und wird gerade in den
Sommermonaten zunehmend als Coolcation-Region
geschätzt: frische Bergluft,
schattige Wälder und aktive Erholung bieten
eine wohltuende Alternative zu überhitzten
Städten. Veranstaltungen werden hier vielfach
nach den Kriterien von Green Events
Salzburg umgesetzt – ressourcenschonend,
regional verankert und verantwortungsvoll
organisiert. Viele dieser Events sind bei
Einheimischen längst Fixpunkte im Kalender
und für Gäste eine Einladung, authentische
regionale Kultur dort zu erleben, wo sie
wirklich stattfindet.
Wer ein Stück Saalfelden Leogang mit nach
Hause nehmen möchte, findet es nicht im
Souvenirregal, sondern bei den regionalen
Produkten der Hofläden. Käse, Speck,
Honig, Brot, Kräuter oder handwerklich
hergestellte Spezialitäten erzählen von der
Landschaft, aus der sie stammen, und von
Menschen, die diese mit Sorgfalt und
Leidenschaft produzieren. Diese Produkte
sind nicht nur authentische Mitbringsel,
sondern auch ein bewusster Beitrag zur
regionalen Wertschöpfung. Saisonal und
ohne lange Transportwege. Ein Einkauf im
Hofladen ist damit mehr als ein Mitbringsel:
Es ist eine kleine Verlängerung des Urlaubsgenusses
für zuhause.
Weitere Infos: www.saalfelden-leogang.com
Entgeltliche Einschaltung Fotos: Robert Kittel, Michael Geißler (3)
EDITORIAL
Fotos: Jonny Gios; Florian Archives; Roswitha M. Reisinger; Bernhard Mallinger
DIESE GESCHICHTEN UND
NOCH MEHR FINDEST DU HIER:
www.lebensart-reisen.at
lebensart.reisen
lebensart.reisen
lebensart-verlag.at/
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MICHAELA — Knorrige Dornbüsche, karge Hügelkuppen, pfeifender Wind.
Wenn man mich fragt, ob ein Ort selbst eine Hauptfigur sein kann, denke ich
sofort an Emily Brontës „Wuthering Heights“ und seine raue Landschaft.
Um die North York Moors ranken sich aber auch viele andere Geschichten
(ab Seite 12) – und ich war immer noch nicht dort! Hast du schon einmal einen
Ort besucht, den du aus einem Roman oder Film kennst?
CHRISTIAN— Nicht bewusst. Aber zum Thema Filmkulisse fällt mir eine
lustige Geschichte ein. Wir hatten Gäste, die unbedingt die „Sound of Music“-
Tour in Salzburg machen wollten – also sind meine Frau und ich
mitgekommen. Peinlicherweise kam im Bus gleich die Frage, wer den Film
nicht kennt. Wir waren die Einzigen, die die Hände gehoben haben –
und die Einzigen, die aus Österreich kamen.
M — Es ist ja so eine Sache, wenn ein Ort durch Film oder Fernsehen
weltberühmt wird – und dann dauerhaft zur Kulisse für Tourist*innen wird
(mehr dazu ab Seite 8). Aber gibt es einen Ort, der dich besonders reizt?
C — Ganz oben auf meiner Liste steht das Ostseebad Binz auf Rügen.
Für die Kirche Stella Maris hat Künstlerin und Freundin Sylvia Vandermeer
einen modernen Kreuzweg gestaltet, bei dem wir für eine Station als
Reporter Modell gestanden sind. Ich kenne das Bild, aber nicht das
Ambiente, in dem es gezeigt wird.
M — Wie sehr dieses zur Kunst beitragen kann, können uns Lisa-Maria Mayer mit
ihrem rollenden Atelier (ab Seite 26) und die Fotoausstellungen in Zingst (ab Seite
30) sicher bestätigen – und vielleicht auch ein wenig inspirieren.
C — Neben dem großen Kino haben wir deshalb natürlich auch wieder
einige leisere Eindrücke gesammelt – und jene Orte, an denen Geschichte(n)
geschrieben werden (ab Seite 38).
WIR WÜNSCHEN EINE INSPIRIERENDE LEKTÜRE!
HERZLICHST
MICHAELA R. REISINGER
Herausgeberin und Chefredakteurin
michaela.reisinger@lebensart.at
CHRISTIAN BRANDSTÄTTER
Lebensart Reisen
christian.brandstaetter@lebensart.at
1 | 2026 REISEN – EDITORIAL — 3
SOMMER IN SERFAUS-FISS-LADIS
VERANTWORTUNG IM BLICK
Entgeltliche Einschaltung
Fotos: Intheheadroom Serfaus-Fiss-Ladis; Serfaus-Fiss-Ladis-Marketing-GmbH_Daniel-Zangerl
Auf einem sonnigen Hochplateau über
dem oberen Tiroler Inntal, eingebettet
zwischen den Ötztaler Alpen und der
Samnaungruppe liegen die Orte Serfaus,
Fiss und Ladis. Gemeinsam bilden sie eine
Ferienregion, die Nachhaltigkeit lebt.
Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam.
Bewusst. Für Generationen.“ verfolgen
Gemeinden, Bergbahnen und der Tourismusverband
eine verbindliche Strategie.
Ziel ist ein Tourismus, der Ressourcen
schont, den Klimaschutz unterstützt und
langfristig sozial und ökonomisch trag-
fähig ist. Die Region verbindet Urlaub,
sanfte Mobilität und nachhaltige Strukturen
mit Bewusstsein für Umwelt, Gäste
und Einheimische.
Enkeltauglichkeit in vielen Aspekten
Mobilität funktioniert hier mühelos:
Gäste kommen zu Fuß, mit Elektro-
Wanderbussen, der U-Bahn Serfaus oder
den Bergbahnen, die vollständig mit Ökostrom
betrieben werden, von Ort zu
Ort. Die „Super. Sommer. Card.“ macht
all diese Angebote unkompliziert und
gegen ein kleines Entgelt nutzbar.
In Serfaus-Fiss-Ladis
setzt man zudem auf
echte Regionalität: Viele
Hotels und Restaurants
arbeiten eng mit lokalen
Produzenten zusammen
und tragen die Auszeichnung
„Bewusst Tirol“.
Frische, regionale Lebensmittel
und kreative
Gerichte bieten authentischen
Genuss und stärken gleichzeitig
die lokale Wirtschaft – jeder Besuch wird
so zu einem bewussten Erlebnis.“
Vielfältige Sommererlebnisse
Familien fühlen sich hier ganz besonders
wohl. Für Eltern mit ihren Kindern gilt,
gemeinsam die Bergwelt zu entdecken
und die Natur zu spüren – auf den Themenwanderwegen,
in den Spiel- und Erlebnisparks,
im Bikepark, auf den Sommerrodelbahnen
oder beim Högsee.
Weitere Infos:
verantwortung.serfaus-fiss-ladis.at/de
WEG DER ACHTSAMKEIT
TAUCHEN SIE EIN IN EINE WELT DER RUHE UND BESINNUNG
Entgeltliche Einschaltung Foto: STMG, Fotos by hochzwei.media
Der „Weg der Achtsamkeit“ ist ein Pilgerpfad,
der Sie auf eine 96 Kilometer lange
Reise durch die malerische Landschaft
Oberösterreichs führt. Ausgehend vom
Haus der Achtsamkeit in Grünau im
Almtal erleben Sie eine spirituelle Wanderung,
die Sie durch Steyrling, das Steyrund
Kremstal geleitet.
Dieser spirituelle Wanderweg ist eine
Einladung, die Natur in ihrer ganzen
Pracht zu erleben und dabei zu sich selbst
zu finden. In einer Zeit, die von digitaler
Reizüberflutung geprägt ist, bietet der
„Weg der Achtsamkeit“ eine willkommene
Auszeit, um die eigene innere Stimme zu
hören und die Schönheit der Umgebung
bewusst wahrzunehmen.
Die Reise führt zu besonderen Kraftplätzen
und spirituellen Orten und verzaubert
mit atemberaubenden Ausblicken und
inspirierenden Impulsen.
Die Unterkünfte entlang der Strecke bieten
nicht nur Erholung, sondern auch
Inspiration und Besinnung. Vom Haus der
Achtsamkeit über das Almtalerhaus,
Schloss Klaus, das SPES Hotel & Seminare
bis hin zur GOMDE, dem internationalen
buddhistischen Zentrum – jede Station
ist ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr.
Kontakt, Infos und Buchung:
Salzkammergut Tourismus Marketing GmbH
Destination Traunsee-Almtal
Tourismusbüro Almtal, Im Dorf 17
4645 Grünau im Almtal
+43 6132 26909-703
almtal@salzkammergut.at
www.wegderachtsamkeit.com
WEG DER ACHTSAMKEIT –
SPIRITUELLES WANDERN
• Gruppenangebot mit Begleitung
26. bis 31. Mai 2026
ab € 728 pro Person mit Halbpension
• Individualangebot
ab € 420 pro Person
3 EDITORIAL
FILME & SERIEN
6 IM (FALSCHEN) FILM?
Urlaubsziele zwischen Wertschöpfung
und Overtourism
11 GREEN PRODUCING
Welche Gütesiegel Filmdrehs
nachhaltiger machen
KUNST
24 „DIE NATUR MALT IMMER
EIN STÜCK WEIT MIT“
Unterwegs im rollenden Atelier
30 BILDER, DIE BERÜHREN
Ein Streifzug durch Zingst
GESCHICHTE(N)
36 WO GESCHICHTEN
GESCHRIEBEN WERDEN
Fünf legendäre Kaffeehäuser
der Weltliteratur
INHALT
12 GROSSES KINO IM NORDEN
ENGLANDS
Mit Zug und Bus durch North Yorkshire
17 WO EIN KOBOLD
SCHABERNACK TREIBT
München im Stadtporträt
22 KURZ GESAGT
42 NATURINSEL ELBA
Gönne auch du dir ein Exil
47 ALTAUSSEE
Was 007 und Barbara Frischmuth
gemeinsam haben
Die nächste Lebensart erscheint
im März 2026.
Coverfotos: Pexels/cottonbro, Adrien Olichon
OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ: Medieninhaber: Lebensart VerlagsGmbH, FN 267138a. Sitz: Wiener Straße 35, 3100 St. Pölten. Geschäftsführung:
Florian Leregger, Michaela R. Reisinger. Gegenstand des Unternehmens: Der Verlag der Magazine LEBENSART und BUSINESSART (Print/E-Paper) sowie die Herausgabe
und der Vertrieb von Druckwerken aller Art. Gesellschafter: Christian Brandstätter 42,5%, Roswitha Reisinger 42,5%, Franz Rybaczek 15%.
BLATTLINIE: LEBENSART ist das österreichische Magazin für eine nachhaltige Lebenskultur und versteht sich als Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaftsentwicklung.
Es bietet Menschen, die nachhaltig leben wollen, aktuelle und fundierte Informationen und praktische Handlungsmöglichkeiten und kooperiert mit
Partnern, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Nachhaltigkeit umfasst für uns vier Säulen: Ökologie, Soziales, Ökonomie, Kultur. Daher beschäftigt
sich LEBENSART mit ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind und berichtet in
allen Bereichen, die dafür relevant sind – insbesondere Umwelt & Klima, Energie & Mobilität, Bauen & Wohnen, Landwirtschaft & Garten, Gesundheit & Ernährung,
Reisen & Kultur, Wirtschaft & Arbeit, Soziales & Gesellschaft. LEBENSART ist parteipolitisch unabhängig.
IMPRESSUM: Eigentümer & Verleger: Lebensart VerlagsGmbH, Sitz s.o., T: 02742/70855. Herausgeberin, Chef- & Fotoredaktion: Michaela R. Reisinger.
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Katrin Brahner, Christian Brandstätter, Sandra Berndorfer, Thomas Hartl, Maria Kapeller, Jennifer Koutni, Sandra Lobnig.
Gestaltungskonzept/Produktion: LIGA: graphic design. Art Direction, Layout: Eveline Wiebach.
Aboservice: Sylvia Resel, abo@lebensart.at. Druck: Walstead Leykam Druck GmbH, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl
Das Redaktionsbüro bezieht seine Energie aus Ökostrom. Namentliche Beiträge müssen nicht mit der Meinung der
Redaktion übereinstimmen. Glaubwürdigkeit ist unsere wichtigste Basis. Mit diesem Vertrauen gehen wir sorgsam um.
Konsequent lehnen wir Werbung für Produkte ab, die der Nachhaltigkeit widersprechen (www.lebensart-verlag.at/
werberichtlinien). ISSN 1994-425X
produziert gemäß Richtlinie Uz24 des
Österreichischen Umweltzeichens,
Let’s Print Holding AG, UW-Nr. 808
Fotos: Pexels/Minhle17vn; Natalie Behn; Pexels/ Karl-K
FILME &
SERIEN
ILM AB!
AUF DEN
SPUREN VON
PUMUCKL
UND DRACULA
1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN — 7
IM (FALSCHEN) FILM?
URLAUBSZIELE ZWISCHEN WERTSCHÖPFUNG UND OVERTOURISM
SANDRA LOBNIG
Einmal Paddington umarmen:
Immer mehr Menschen lassen sich beim Reisen von Serien und Filmen inspirieren.
Filmtourismus bringt Wertschöpfung, aber auch Schwierigkeiten mit sich.
Ein Marmeladensandwich
zwischen
den Pfoten sitzt
Paddington, der
Bär, auf einer Parkbank
in London
und gibt sich unbeeindruckt
von den zwei
Kindern, die ihre Arme um ihn
schlingen. Die Eltern machen Fotos
– und die Familie zieht weiter.
Vielleicht zu einer der anderen
Paddington-Figuren in London?
Zur immersiven „Paddington Bear
Experience“? Fans der Filmreihe,
die auf dem Kinderbuch von Michael
Bond basiert, finden in London
jedenfalls eine Menge Orte
und Aktivitäten rund um den Bären,
den es aus dem peruanischen
Urwald in die britische Hauptstadt
verschlagen hat. Aber nicht nur
Paddington-Freund*innen: Sieben
von zehn UK-Touristen geben laut
einer Studie von „VisitBritain“ an,
dass Filme oder Serien sie zu oder
auf ihrer Reise inspiriert haben.
Von Paddington und Harry Potter
über Downton Abbey oder Games
of Thrones: In Sachen Filmtourismus
hat das Vereinigte Königreich
ja auch einiges zu bieten.
SERIEN LÖSEN ANSTURM AUS
Filmtourismus (auch „Screen-Tourismus“
oder „Set-Jetting“) hat sich
in den vergangenen Jahren zu einem
relevanten Marktsegment im
Tourismus entwickelt. Neuseeland
etwa, Schauplatz der Herr-der-
Ringe- und Hobbit-Filmreihe, vermarktet
sich seit dem Erscheinen
der Filme in den 2000er Jahren als
„Mittelerde“ und zieht damit hunderttausende
Tourist*innen an.
Auch Dubrovnik verzeichnete
durch die Dreharbeiten der Serie
„Games of Thrones“ einen enormen
Zuwachs an Besucher*innen. Und
der Erfolg der Serie „White Lotus“
lockt Tourist*innen nach Hawaii,
Sizilien und Koh Samui. So viele,
dass man mittlerweile vom „White-
Lotus-Effekt“ spricht, wenn Drehorte
einen Besucher*innenboom
auslösen.
Filmtourismus, sagt Jürgen Schmude,
Wirtschaftsgeograf und Tourismusforscher
an der Ludwig-Maximilians-Universität,
habe verschiedene
Ausprägungen: „Es gibt die Reisenden,
die eigentlich ganz andere Reisemotive
haben und zufällig darauf
aufmerksam werden, dass in der
Region, die sie besuchen, gedreht
wurde. Dann jene, die sehr interessiert
an Drehorten sind, bei denen
Film oder Serien aber nicht das reiseauslösende
Motiv waren. Und
jene, die sich Orte gezielt nach Filmen
aussuchen.“
VERSTÄRKT DURCH STREAMING-
DIENSTE
Die Gruppe der eingefleischten
Filmfans, die allein wegen ihrer
Herr-der-Ringe-Leidenschaft nach
Neuseeland reisen, ist dabei am
kleinsten. Was dagegen häufig vorkommt:
Dass die Landschaft in einem
Film verzaubert und die Wahl
einer zukünftigen Reisedestination
beeinflusst. Dabei sollte nicht übersehen
werden: Häufig wird gar nicht
dort gedreht, wo die Handlung
spielt. Gründe für einen solchen Off-
Location-Dreh können fehlende Genehmigungen
an Originalschauplätzen
oder zu hohe Kosten der Drehorte
sein. „New York zum Beispiel ist
sehr teuer“, sagt Jürgen Schmude.
„Oft werden deshalb Szenen, die in New
York spielen, in Toronto gedreht.“
Filmtourismus ist kein neues Phänomen.
Schon Ende der 1960er reisten
internationale Fans von „The Sound
of Music“ nach Salzburg. Mit der
Fotos: Adobe-KI-generiert/Pormpt: E. Wiebach; Jack Niles
8 — 1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN
Game-of-Thrones-Effekt:
Auf jede in Dubrovnik
wohnende Person kommen
27
Tourist*innen.
Zum Vergleich:
In Venedig sind es
21–
in Wien nur
4.
Quelle: Holidu, 2023.
Fotos: Matthew Ye; Raelle Cameron
Flut an Film- und Serienproduktionen
der vergangenen Jahre hat sich
der filmtouristische Effekt aber
noch einmal verstärkt. Und: Streamingdienste
haben das Schauverhalten
verändert. Man kann jederzeit
und unbegrenzt in Geschichten
eintauchen und sich emotional mit
Protagonisten und Schauplätzen
verbinden. Dazu kommt der Einfluss
von sozialen Medien, in denen
Produktionen und ihre Drehorte gehypt
werden.
EIGENE STELLE ALS ANSPRECH-
PARTNER FÜR FILMSCHAFFENDE
Damit sich ein Ort zu einer filmtouristischen
Destination entwickelt,
brauche es das Zusammenspiel verschiedener
Faktoren, sagt Jürgen
Schmude. Ist filmtouristische Wertschöpfung
von Anfang an mitgedacht?
Beteiligen sich Tourismusbüros
vor Ort am Marketing? Es
brauche außerdem etwas Glück.
„Ein schöner See und eine tolle
Landschaft allein reichen nicht
aus.“ Ohne die nötige Infrastruktur
für die Dreharbeiten, nicht zuletzt
Cateringanbieter für die Filmcrew
und Hotels im gehobenen Segment,
werde es wohl nicht klappen.
„Johnny Depp wird man nicht
in der Zweisterne-Ferienwohnung
unterbringen.“
Ob Werbefilm, Blockbuster
oder Serie: Weltweit
haben Regionen und
Städte ein Interesse daran,
dass bei ihnen gedreht
wird. Um Produktionen
anzuziehen, werden
eigene Kompetenzstellen
eingerichtet, als
Ansprechpartner für Filmschaffende.
In Tirol ist das die
Cine Tirol. Sie wurde 1998 gegründet
und gehört zur Tirol
Werbung. Ihre Aufgaben: Sie bewirbt
Tirol als Filmstandort und
arbeitet mit nationalen und internationalen
Produktionsfirmen zusammen,
die in Tirol drehen. „Wir
helfen zum Beispiel bei der Suche
nach geeigneten Drehorten und
vermitteln Dienstleister in der Region“,
sagt Angelika Pagitz, Leiterin
der Cine Tirol. Tirol als Produktionsstätte
ist gefragt: 2025 wurden
über tausend Drehtage in rund 150
audiovisuellen Projekten realisiert
und hinterließen mehr als 9,9 Millionen
Euro produktionsbedingte
Umsätze im Land.
DREHS SCHAFFEN ARBEITSPLÄTZE
Filmproduktionen generieren Wertschöpfung
auf zweierlei Weise: Unmittelbar
schaffen die Dreharbeiten
Arbeitsplätze vor Ort. Dazu kommt
der Bedarf an Dienstleistern beim
Dreh: Vom Hotel bis zur lokalen
Reinigungsfirma. Mittel- und langfristig
ergeben sich dann die filmtouristischen
Effekte: „Die Bilder
aus Tirol gehen um die Welt und
sollen natürlich inspirieren“, sagt
Angelika Pagitz. Die Region Wilder
1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN — 9
7
von 10 UK-Touristen geben
laut einer Studie von „Visit-
Britain“ an, dass Filme oder
Serien sie zu oder auf ihrer
Reise inspiriert haben.
Jedes Jahr besuchen tausende Fans des
„Bergdoktors“ die Region Wilder Kaiser.
Zwei große Fanveranstaltungen außerhalb
der Hauptsaison entzerren die Touristenströme
in der Region etwa.
Kaiser sei ein gelungenes Beispiel
dafür, wie filmtouristisches Potenzial
ausgeschöpft werden kann: Jedes
Jahr besuchen die Fans des
„Bergdoktors“ die Drehorte der beliebten
Serie, das Bergdoktor-Haus,
die Praxis und den Dorfplatz in Going.
Zwei große Fanveranstaltungen
locken tausende Anhänger*innen
der Serie in die Region, außerhalb
der Hauptsaisonen im Mai
und im September. „Damit können
die Touristenströme in der Region
etwas entzerrt werden“, sagt Pagitz.
NACKT DIE STIEGE IN DUBROVNIK
HINUNTER
So sehr sich viele Regionen über
die Wertschöpfung freuen, filmtouristische
Besucherströme haben
nicht überall nur positive Effekte.
Sie können Overtourismus verstärken,
wie das zum Beispiel in Dubrovnik
der Fall ist, dessen Kapazitäten
die Tourst*innenströme überschreiten.
Dazu kommt mitunter
unangemessenes Verhalten von
Filmfans, das soziale oder kulturelle
Grenzen der Bereisten nicht berücksichtigt.
Wenn zum Beispiel
Games-of-Thrones-Fans wie in der
Serie nackt die Jesuitenstiege in Dubrovnik
hinuntersteigen, um den
„Gang der Schande“ nachzuahmen.
Und: Filmtourismus schafft Abhängigkeiten.
Erfolgreiche Produktionen
mögen Tourist*innen anlocken.
Ebbt das Interesse ab, geht die Zahl
der Besuchenden wieder zurück. Es
bedarf konstanter Bemühungen,
um Regionen langfristig zu etablieren.
Als Touristendestinationen,
aber auch als verlässliche Drehstandorte.
IN DER NEBENSAISON KOMMEN
Die Frage, wie nachhaltiger und sozial
verträglicher Filmtourismus
aussehen kann, sei schwierig zu beantworten,
sagt Jürgen Schmude.
Touristenströme zu lenken – wie
im Fall von überlaufenen Destinationen
in Folge von Overtourismus
oft überlegt wird –, sei nicht so einfach.
„Das geht einerseits durch restriktive
Maßnahmen, die zum Bespiel
die Beherbergungskapazität
oder den Zugang zu bestimmten
Orten regulieren.“ Wobei letzteres
beim Bergdoktor-Haus in Tirol
möglich ist, in einer Stadt nicht.
Oder man reguliert über den Preis:
Ist ein Produkt (zum Beispiel das
Eintrittsgeld) besonders teuer, ist es
weniger gefragt. „Das allerdings
führt zu sozialer Auslese und bedroht
die Demokratisierung des
Reisens.“
Für filmtouristisch Interessierte,
die nachhaltig reisen möchten, hat
Jürgen Schmude zwei Empfehlungen:
Wer kann, soll in der Nebensaison
kommen – dann, wenn die
Orte weniger überlaufen sind. Und:
Den Besuch eines Drehortes baut
man am besten in einen längeren
Aufenthalt ein. Also lieber kein
Kurztrip mit dem Flugzeug nach
Dubrovnik. ←
BEIM LITERATUR-
TOURISMUS
begeben sich Leser*innen auf die
Spuren von Autor*innen und
Protagonist*innen ihrer Lieblingsbücher.
Sie besuchen Geburtsund
Wirkungsorte der Autor*innen
–und Schauplätze in den
Büchern. Literaturtourismus wird
oft als Vorläufer des Filmtourismus
bezeichnet. An die Dimension
von Filmtourismus kommt er
nicht heran.
Fotos: Adobe-KI-generiert/Pormpt: E. Wiebach; Matthew Jv; Ester Marie Doysabas
10 — 1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN
GREEN PRODUCING
MICHAELA R. REISINGER
Anreise, Technik, Set, Verpflegung
und Postproduktion – Drehs sind
komplex. Und sie belasten Umwelt
und Klima: Im Schnitt verursachen
TV- und Video-Produktionen etwa
15 Tonnen CO 2
-Äquivalente pro
Stunde Laufzeit, große Filme und
actiongeladene Serien deutlich mehr.
Eine 90-minütige Tatort-Folge
schlägt sich so normalerweise mit
100 bis 140 Tonnen CO 2
-Äquivalenten
zu Buche. Aber auch hier tut sich
etwas: Umweltbewusst produzierte
Folgen der Serie kommen mit etwas
mehr als der Hälfte aus.
Das sind wichtige Siegel und
Initiativen auf dem Weg zu nachhaltiger
Unterhaltung:
ÖSTERREICHISCHES
UMWELTZEICHEN
FÜR GREEN
PRODUCING (UZ 76)
Das Label bewertet sowohl das
Produktionsunternehmen (u. a. Büro,
Mobilität und IT) als auch die konkrete
Produktion – vom Drehort über Transport,
Szenenbild, Maske, Kostüm und
Catering bis zur Unterkunft.
Zertifiziert wird daher immer die
jeweilige Produktion, geprüft wird durch
unabhängige Stellen.
Beispiele sind „Dancing Stars 2025“,
Folgen der „Science Busters“, von „SOKO
Kitzbühel“ und „SOKO Linz“.
ECOPROD
Ein international verbreitetes, besonders
in französischen Produktionen eingesetztes
Label. Produktionen wählen aus 85
Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Bereichen
wie Energie, Mobilität, Beschaffung,
Arbeitsbedingungen oder Inklusion.
Sieben Kriterien sind Pflicht und mindestens
65 Prozent der Punkte nötig, um
zertifiziert zu werden; geprüft wird durch
ein unabhängiges Institut (AFNOR).
EMA GREEN SEAL /
GOLD SEAL
ALBERT
Eine britische Initiative, die eng mit den
British Academy Film Awards verbunden
ist. albert erhebt jährlich die Auswirkungen
sowie die wichtigsten Verbesserungsfelder
der Branche mit Fokus auf den
CO₂-Fußabdruck von Produktionen, stellt
Tools zur Verfügung und zeichnet gute
Praxis aus – weniger ein klassisches Label,
sondern eher ein System für mehr Transparenz
und kontinuierliche Verbesserung.
DER FUSSABDRUCK EINES FILMDREHS
5 %
21 %
2 %
27 %
34 %
Foto: Pexels/Ron Lach
Vergeben durch die Environmental Media
Association aus den USA. Je nach Umfang
der umgesetzten Maßnahmen gibt es das
Green Seal (ab 75 Punkten) oder das Gold
Seal (ab 125 Punkten). Die Bewertung
basiert überwiegend auf Selbstauskunft
ohne externe Audits – niederschwellig,
aber auch weniger aussagekräftig.
Entsorgung
Post-Production
Material
Räumlichkeiten
Reise und Transport
Quelle: BAFTA albert Accelerate 2025
1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN — 11
GROSSES KINO
IM NORDEN ENGLANDS
Mit Zug und Bus durch North Yorkshire
JENNI KOUTNI
Foto: VisitBritain/Katya Jackson
Nostalgisch: Eine Zugfahrt samt
„Cheeky Little Rascals“ von Betty’s in York
und Bertie Bott's „Every Flavour Beans“.
Idyllisch: Im North York Moors
Nationalpark befindet sich Englands
größtes Heidemoor, das im Sommer
lila blüht und von Rad- und Wanderwegen
durchzogen ist.
Die Küste hingegen ist für ihre breiten
Sandstrände und Hafenstädtchen wie
Staithes (linke Seite) bekannt.
Köstlich: Ein Gang von The Homestead Kitchen
(siehe Seite 16).
Fotos: Jennifer Koutni (3); Homestead Kitchen
Von magischen Drehorten,
dampfenden Museumszügen und
verschlafenen Küstenstädtchen:
Englands Norden lässt sich
wunderbar ohne Auto erkunden.
Wer hier mit Bus und Bahn reist,
steigt direkt in die Kulissen großer
Kino- und Seriengeschichten ein.
Eine Gruppe junger Leute in
schwarzen Umhängen drängt
sich durch die Menschenmenge.
Die Zauberstäbe in der
Hand, reihen sie sich in die lange
Schlange derjenigen ein, die zumindest
zwei Dinge gemeinsam haben: ihre
Liebe zu Harry Potter und den Willen,
für ein Foto am berühmten Gleis 9 3/4
in King’s Cross eine gewisse Wartezeit
in Kauf zu nehmen. Egal zu welcher
Uhrzeit man am Londoner Bahnhof
vorbeischaut, eine Menschentraube findet
sich hier fast immer. Sie steht sinnbildlich
für die ungebrochene Faszination,
Drehorte geliebter Filme zu besuchen.
Aber King’s Cross ist auch sonst
der ideale Ausgangspunkt für eine
Reise durch Englands Norden, der mit
einigen nicht minder spektakulären
Drehorten und Filmkulissen aufwartet.
Das Abenteuer beginnt!
ZUG ODER ZEITMASCHINE?
Vor 200 Jahren fuhr in England die
erste Eisenbahn Europas und noch
heute eignet sich das Land ideal für
entspanntes Reisen ohne Auto. Die
London and North Eastern Railway
(LNER) bietet leistbare Verbindungen
von London King's Cross bis nach
Schottland, vorbei an Hotspots wie
Glasgow, Aberdeen und Edinburgh. Je
nach Kategorie wartet sogar ein überraschend
feines, mehrgängiges Mittagessen
an Bord. Unser erster Stopp ist
York, rund zweieinhalb Stunden von
London entfernt. Kaum aus dem Zug
gestiegen, laden die alten Stadtmauern,
die sich wie ein steinernes Band um
das Zentrum legen, auf einen ersten
Rundgang ein. Sie sind frei zugänglich
und perfekt, um sich zu orientieren
und gleichzeitig in die Vergangenheit
einzutauchen. Von oben wirkt York
nämlich recht kompakt, fast überschaubar,
doch unten in den Gassen entfaltet
sich eine erstaunliche Vielfalt. Besonders
charmant sind die alten Snickelways,
jene schmalen, oft unscheinbaren
Durchgänge, die sich plötzlich zwi-
1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN — 13
UNTERWEGS
MIT ZUG UND
BUS
Von York fahren regelmäßig Regionalbusse
in rund einer Stunde
nach Pickering. Von dort startet
die North Yorkshire Moors Railway
durch den Nationalpark.
Ein Tagesticket für die gesamte
Strecke samt beliebigem Hop on/
Hop off kostet etwa £45.
www.nymr.co.uk
Alternativ fährt man mit dem
840 Coastliner direkt weiter
nach Goathland oder Whitby.
Lokale Busfahrten sind überraschend
günstig. Die Regierung hat ein
Preisdeckel-System eingeführt, das
bei vielen Buslinien Einzelfahrten
zwischen drei und fünf Pfund
ermöglicht.
www.arrivabus.co.uk
schen Häusern öffnen. Sie machen
jeden Spaziergang zum kleinen Abenteuer.
In den berühmten Shambles, einer
der am besten erhaltenen mittelalterlichen
Straßen Europas, reiht sich
heute ein Souvenirgeschäft ans nächste
– Bücher, handgemachte Süßigkeiten
oder kleine Geister aus Ton, die sich
großer Beliebtheit erfreuen. Wer früh
unterwegs ist, erlebt diesen Ort fast intim,
bevor er sich mit Besucherinnen
und Besuchern füllt. Und auch, dass
York als Schokoladenhauptstadt Englands
gilt, ist kein Zufall: Große Namen
der Süßwarenindustrie haben
hier ihre Wurzeln und das süße Erbe
ist allgegenwärtig. Eine feste Institution
ist beispielsweise Bäckerei und
An Sonnentagen kaum zu glauben: Im schaurig-schönen Whitby, der Inspiration hinter Bram Stokers
„Dracula“, findet zweimal im Jahr ein Gothic Festival statt.
Café Bettys, seit 1919 Sinnbild für
klassische britische Teekultur.
Ein Besuch der berühmten York Minster
darf natürlich nicht fehlen. Die Kathedrale
ist so monumental, dass selbst
der schiefe Turm von Pisa darin locker
Platz hätte – es öffnet sich ein Raum
von beeindruckender Weite, Licht fällt
durch jahrhundertealte Glasfenster.
Kein Wunder, dass York immer wieder
als Filmkulisse dient. Historische Serien
und Produktionen finden hier eine
Stadt, die kaum Inszenierung braucht.
PERFEKTES BUSFENSTERKINO
Als nächstes geht es mit dem Bus
Richtung Pickering. Je weiter wir uns
von der Stadt entfernen, desto weiter
wird auch die Landschaft. Sanfte Hügel,
kleine Dörfer, Felder mit grasenden
Schafen – und zwischen Mitte
August und Anfang Oktober verwandelt
die Heideblüte Yorkshire zudem
in ein leuchtend violettes Meer – im
Abendlicht vom Busfenster aus besonders
eindrucksvoll.
Gleich nach der Ankunft am Bahnhof
von Pickering spürt man: Dieser Ort
ist filmreif. Hier beginnt die Fahrt mit
der North Yorkshire Moors Railway,
einer der ältesten Bahnstrecken der
Welt. Heute als Museumsbahn geführt,
wirkt schon das Einfahren der
dampfenden Lok wie ein Szenenwechsel.
Schaffner*innen in Uniform,
ausgestattet mit Pfeifen und Taschenuhren,
sorgen dafür, dass alles auf die
Minute genau klappt. Kein Wunder,
dass Hollywood diese aus der Zeit gefallene
Kulisse zu schätzen weiß. So
flanierten hier bereits Mitglieder der
Adelsfamilie Crawley aus „Downton
Abbey“ über den Bahnsteig, John Malkovich
löste als Meisterdetektiv Hercule
Poirot die berühmten „Morde des
Herrn ABC“ in der gleichnamigen
BBC-Miniserie nach Agatha Christie
und Tom Cruise flog 2021 per Hubschrauber
für „Mission Impossible 7“
ein. Da Harrison Ford im jüngsten
„Indiana Jones“ entlang der Strecke
über ein Zugdach flüchtet, lohnt es
sich bestimmt auch, einen Fensterplatz
zu sichern.
Fotos: VisitBritain/NYMNPA/Daniel Wildey, VisitBritain/Raj Pass
14 — 1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN
VON DER LANDSCHAFT
AUF DIE LEINWAND
Mit dem nächsten Stopp in Goathland
landen wir erneut in der Welt von
Harry Potter – für den ersten Film
stellte der Bahnhof nämlich „Hogsmeade
Station“ dar. Ansonsten wirkt
Goathland wie aus einem britischen
Historienfilm entsprungen: Schafe grasen
neben den Gleisen, im ehemaligen
Güterschuppen befindet sich eine Teestube
und nur wenige Schritte weiter
beginnt das Dorf mit seinen Pubs und
kleinen Läden.
Goathland ist außerdem auch ein
idealer Ausgangspunkt für Wanderungen.
Ein schöner Rundweg führt zum
Dörfchen Beck Hole mit seinen gut erhaltenen
alten Häusern, nach Mallyan
Spout, dem höchsten Wasserfall des
North York Moors Nationalparks, und
weiter zur alten Wheeldale Römerstraße.
Wer lieber geführt unterwegs
ist, findet im nahegelegenen Whitby
organisierte Touren zu besonderen
Drehorten. In den Fischerort gelangt
man in etwa dreißig Minuten mit der
Museumsbahn – oder man nimmt den
Bus, der für diese Strecke knapp drei
Pfund kostet. Der Vorteil dabei: Die
Küstenlinie gehört zu den schönsten
des Landes und ist hervorragend erschlossen.
Nächster Halt: Noch mehr
Filmgeschichte!
DRACULA, GOTHIC UND GRUSELKINO
Whitby braucht keinen Nebel aus der
Maschine, um dramatisch zu wirken:
Fischerhäuser drängen sich um den
Hafen, Möwen kreischen und hoch
über allem thronen die Ruinen der
Whitby Abbey, die nicht selten von Raben
umkreist werden. Der steile Aufstieg
über 199 Stufen lohnt sich, auch
wenn der Wind hier oben stets ein wenig
schärfer weht. Ein alter Friedhof
mit schiefen Steinkreuzen sorgt für
jene Gänsehautstimmung, die gut zu
den vielen Geistergeschichten passt, die
sich um diesen Ort ranken. Man muss
nicht lange überlegen, warum Bram
Stoker Whitby als Inspirationsquelle
für seinen Romanklassiker „Dracula“
nannte. Zahlreiche Film- und Serienadaptionen
griffen diese düstere Atmosphäre
auf, darunter auch der Schwarz-
Weiß-Klassiker „Dracula“ von 1931, der
Schauspieler Bela Lugosi für viele endgültig
zum Vampir schlechthin machte.
Außerdem findet hier zweimal jährlich
ein bekanntes Gothic-Festival statt.
Nicht weit entfernt, verbunden durch
eine weitere Busfahrt oder eine Wanderung
entlang des panoramareichen
Cleveland Way, liegt Robin Hood’s Bay.
Enge Gassen, charmante Cottages,
schiefe Pubs und ein Strand, der abrupt
an einer Klippe endet, machen diesen
Ort zu einem ganz besonderen, sehr ruhigen
Ferienziel. Mit dem berühmten
Wohltäter hat die Robin Hood’s Bay
übrigens nicht direkt etwas zu tun, der
Name stammt vermutlich von der langen
Schmuggler-Vergangenheit des
Ortes. Auch hier wurde immer wieder
gedreht, unter anderem für Paul Thomas
Andersons oscarnominierten Film „Der
seidene Faden“ aus dem Jahr 2017. >
NORTH YORKSHIRE
NORTH PENNINES
NATIONAL
LANDSCAPE
NORDSEE
SCHOTTLAND
ENGLAND
ISLE
OF MAN
IRISCHE SEE
YORKSHIRE
DALES
NATIONA LPARK
NIDDERDALE
NATIONAL
LANDSCAPE
FOREST OF
BOWLAND
NATIONAL
LANDSCAPE
NORTH YORK Whitby
MOORS
NATIONAL
Robin Hoods Bay
PARK Goathland
Leeds
Pickering
York
Castle Howard
Illustration: liga.co.at
Liverpool
Manchester
Sheffield
London
Kings
Cross
YORKSHIRES
GRÜNE KÜCHE
Wer durch Yorkshire reist, begegnet nicht nur
weiten Moorlandschaften und dramatischen
Küsten, sondern auch einer kulinarischen
Bewegung, die die Schätze der Region zelebriert.
In Goathland versteckt sich „Homestead Kitchen“:
Das mit einem Grünen Michelin Stern 2025
ausgezeichnete Lokal wurde von Küchenchef Peter
Neville und seiner Frau Cecily Fearnley in einem
umgebauten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert
eröffnet und steht für entspanntes Fine Dining.
Hier werden nur saisonale, selbst angebaute
Bio-Gemüsesorten, Produkte von lokalen
Lieferant*innen und sogar Erzeugnisse verarbeitet,
die von Einheimischen gespendet werden.
Nur wenige Täler weiter, im beschaulichen
Malham, setzt „Beck Hall“ neue Maßstäbe:
Das traditionsreiche Hotel wurde 2024 zum
ersten vollständig pflanzenbasierten Hotel
Englands. Für die Besitzer*innen Louise
und Andy Macbeth eine Entscheidung aus
persönlicher Überzeugung.
CASTLE HOWARD –
PRUNK UND GRÜNE VISION
Den im wahrsten Sinne des Wortes
„krönenden“ Abschluss dieser Reise bildet
ein Tagesausflug, der sich von York
oder Whitby bequem per Bus unternehmen
lässt: das altehrwürdige Castle Howard.
„Bridgerton“-Fans erkennen das
weitläufige Anwesen vermutlich sofort
wieder. Aber auch Stanley Kubricks filmisches
Meisterwerk „Barry Lyndon“
sowie die Serien „Brideshead Revisited“
und „Victoria“ fanden hier eine ebenso
dramatische wie opulente Kulisse. Drinnen
wie draußen sind Prunkräume,
Säulenhallen, gepflegte Gärten, Tempel
und Brunnen wie geschaffen für ganz
großes Kino.
Neben seiner Filmgeschichte beeindruckt
Castle Howard übrigens auch
durch sein konsequentes Engagement
für Nachhaltigkeit. Geheizt wird per
Erdwärme mit Unterstützung des eigenen
Sees, groß angelegte Renaturierungsprojekte
fördern Biodiversität und
eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
Dass all das sich im privaten Familiensitz
der Familie Howard seit über 300
Jahren befindet, macht den Ort umso
bemerkenswerter.
LANGSAMER REISEN, MEHR SEHEN
Am Ende dieser Reise wird deutlich,
dass Fortbewegung mehr ist als bloßes
Ankommen. Wer in Nordengland Bus
und Bahn wählt, reist langsamer, aber
aufmerksamer. Die Wege durch die
sanft geschwungene Landschaft lassen
Zeit für Beobachtungen, Gespräche und
Perspektivenwechsel. Und manchmal
entscheidet sich gute Reiseplanung ohnehin
an einer einfachen Frage: ob man
rechtzeitig zur Teatime zurück ist. ←
Fotos: Homestead Kitchen; Beck Hall
Mehr erleben, genießen,
teilhaben :
www.lebensart-reisen.at
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Reisemagazine zum Download
MÜNCHEN IM PORTRÄT
WO EIN KOBOLD
SCHABERNACK TREIBT
Nicht jede Metropole drängt sich in den Vordergrund.
München zeigt, dass eine Großstadt auch grün,
überschaubar und einladend sein kann – und
Großstadtleben und Gelassenheit, Tradition und
Weltoffenheit perfekt verbindet.
SANDRA BERNHOFER
Foto: München Tourismus/Grit Ranft
AMPELKOBOLD
Ob man es wirklich einem Lauser wie dem
Pumuckl überlassen sollte, den Straßenverkehr
zu regeln? Im Münchner Viertel
Lehel, wo der freche Kobold einst am Leim
kleben blieb und so für den Meister Eder
sichtbar wurde, funktioniert das zumindest
tadellos. Seit etwas mehr als einem
Jahr übernimmt er an den Fußgängerkreuzungen
Liebig-, Trift- und Wagmüllerstraße,
Robert-Koch- und Sternstraße
sowie Stern- und Widenmayerstraße das
Kommando. Die Berliner*innen haben ihr
Ampelmännchen, die Münchner*innen
ihren Ampelkobold.
VOM ARBEITER-
QUARTIER ZUM
TOURISTENKLASSIKER
Für den Pumuckl ist es quasi eine
Rückkehr an den Schauplatz seiner Faxen:
Schon im Vorspann zur kultigen TV-Serie
aus den 1980er-Jahren hopsen wir mit
dem wohl berühmtesten Klabautermann
im bayerischen Raum über die Dächer des
Lehels. Denn die Schreinerwerkstatt von
Meister Eder (verkörpert von Gustl
Bayrhammer) befand sich in einem
Hinterhof in der Widenmayerstraße, die
sich nur wenige hundert Meter von den
Pumuckl-Ampeln entfernt an der Isar
entlang zieht. Das Hinterhaus wurde zwar
nach Ende der Dreharbeiten abgerissen,
doch das markante Eingangstor zum Hof
existiert noch. Eine weitere bekannte
Fassade aus der Serie taucht nach einem
kurzen Spaziergang über die Maximiliansbrücke
Richtung Wiener Platz auf: die
inzwischen aufgelassene Wirtschaft „Zum
Huterer“, das Stammlokal von Meister
Eder. Für die Innenaufnahmen hielt das
Gasthaus Kandler in Oberbiberg her: eine
urige Wirtsstube mit Einrichtung von
1923, historischer Kegelbahn von 1905
und zünftiger bayerischer Küche.
Die Erfinderin des Pumuckl, Ellis Kaut, die
die Geschichten 1962 ursprünglich als
Hörspiele für den Bayerischen Rundfunk
geschrieben hat, macht in den Abenteuern
des Kobolds Münchner Lebensgefühl
erlebbar – aber keines, das man mit der
Schickeria verbinden würde. Pumuckl und
sein Meister Eder bewegen sich vielmehr
in den ehemaligen Arbeiter-Vorstädten,
die in den 1980er-Jahren noch als
Quartier der „einfacheren Leute“ galten.
Die Stadt mit ihren verwinkelten Gassen
und dem unaufgeregten Lebensgefühl ist
dabei mehr als Kulisse: Sie gibt Pumuckls
Abenteuern ihren ganz eigenen Charme.
Inzwischen hat sich das Lehel gemausert.
Die Maximilianstraße und die Museumsmeile
entlang der Prinzregentenstraße
sind fixe Programmpunkte in jedem
Reiseführer – hier findet sich das Haus der
Kunst, das Bayerische Nationalmuseum
und die Archäologische Staatssammlung.
Am Viktualienmarkt findet man alles, was g'schmackig und frisch ist
WO SICH FAMILIEN
TREIBEN LASSEN
KÖNNEN
Was München auszeichnet – und zu einer
Reisedestination macht, die für Familien
besonders gut funktioniert –, ist das
Nebeneinander: von Großstadtleben und
Gelassenheit, Tradition und Weltoffenheit.
Alleine zum Oktoberfest kommen jedes Jahr
mehr als 6,5 Millionen Gäste aus der ganzen
Welt in die Stadt an der Isar. Wie vielfältig
München ist, kann man auch selbst erspüren,
zum Beispiel am Viktualienmarkt: vor über
200 Jahren ein Bauernmarkt, heute ein Ort
für alles, was frisch und g‘schmackig ist.
Zwischen Obstkisten, Käselaiben und
Gewürzständen streift man umher – wer
besonders tief in den Markt und seine
Aromen eintauchen will, schließt sich am
besten einer geführten Tour an und kostet
sich für rund 40 Euro durch das reichhaltige
Angebot (z. B. via Munich Walk Tours).
Ein besonderer Ort für einen kleinen Snack
zwischendurch ist für Kinder und erwachsene
Tierliebhaber*innen der Katzentempel in
der Maxvorstadt: Ein Duft von Kaffee und
warmem Toast zieht durch das Lokal,
während aus dem Tierschutz vermittelte
Katzen zwischen den Tischen dösen oder
herumstreifen. Auch wenn der Pumuckl einst
seine liebe Not mit den „Schmeichelviechern”
hatte, wäre sein Essen hier vor ihnen
sicher – denn vom Katerfrühstück bis zum
Banh Miau Sandwich sind alle Speisen vegan.
Charmantes Detail: getoastete Pfotenabdrücke
im Brot. Apropos tierische Begegnungen:
Der Tierpark Hellabrunn lässt sich ebenfalls
auf Pumuckls Spuren erkunden. >
Fotos: Ellis Kaut, Barbara von Johnson, Infafilm GmbH Manfred Korytowski und Bayerischer Rundfunk; Michael Hofmann; München Tourismus/Christian Kasper
18 — 1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN
MÜNCHEN ERLEBEN
SCHLECHTWETTER-
TIPPS: PUMUCKL-
HOMMAGEN RUND
UM MÜNCHEN
Der urige Gastraum im Klinglwirt
Ausstellung in Landshut
Bis Ende September 2026 zeigen das
LANDSHUTmuseum und das KASiMiRmuseum
eine große Mitmach-Ausstellung rund
um den kleinen Kobold. Zu sehen gibt es
Originalzeichnungen und Requisiten aus
der Serie, dazu Szenen aus Hörspielen
und Filmen. An mehreren Stationen dürfen
Besucher*innen auch selbst kreativ werden
und basteln oder bekannte Kobold-
Sprüche nachsprechen.
Klinglwirt; iStock/ FooTToo; Ellis Kaut, Barbara von Johnson, Infafilm GmbH Manfred Korytowski und Bayerischer Rundfunk
ESSEN
Klinglwirt
Klassisch bayerische Küche mit nachhaltigem
Engagement – von der Gemeinwohlbilanz
über Bio-Lebensmittel bis zu g‘schmackigen
vegetarischen und veganen Optionen.
Inhaberin Sonja Obermeier ist die Gründerin
von gastroGrün, einer Initiative für eine
nachhaltige Branchenentwicklung.
www.klinglwirt.de
Beetle
Regional, nachhaltig, vielseitig – das ist das
Motto des mit dem grünen Michelin-Stern
ausgezeichneten Restaurants.
www.feinkost-kaefer.de/beetle
Giesinger Grünspitz
Ein grünes Wohnzimmer für alle, entstanden
aus einem partizipativen Projekt, mit urbanem
Garten und Kulturprogramm. Das Kiosk am
Grünspitz versorgt dabei alle, die nichts
dabei haben.
Tegernseer Landstr. 104,
info@kioskamgruenspitz.com
Roecklplatz
Küche: hochwertig. Ambiente: minimalistisch.
Haltung: sozial engagiert.
Das Restaurant wird von jungen Menschen
aus schwierigen Lebensverhältnissen
und ihren Ausbildner*innen geführt.
Mindestens ein Platz wird immer an
junge Geflüchtete vergeben.
roecklplatz.de
Emmi's Kitchen
Enjoy planty good food – vom Brunch bis
zu Bowls, Soulfood und Burgers ist in den
Filialen in Glockenbach, Schwabing oder
Augsburg alles plant based.
www.emmiskitchen.de
Muffatwerk
Der internationale Kunst- und Kulturtreffpunkt
beherbergt Münchens ersten
biozertifizierten Biergarten – im Sommer
abends begleitet von DJs und Musik.
www.muffatwerk.de
MOBILITÄT
München ist aus Wien, Linz, Salzburg,
Graz, Klagenfurt, Innsbruck und Bregenz
direkt per Zug erreichbar und aus den
Grenzregionen gelangt man mit dem
Bayernticket besonders günstig in Pumuckls
Wahlheimat: Zwei Erwachsene
reisen bereits ab 44 Euro, bis zu drei
Kinder unter 15 Jahren fahren gratis mit.
Zwischen Juni und September bringt der
Münchner Bergbus Wanderwillige direkt
ins Gebirge und wieder zurück – ideal für
einen Tagesausflug in die Natur, wenn
man schon einige Tage „Stadt“ hatte.
SCHLAFEN
In München sind zahlreiche Hotels mit
nachhaltigen Gütesiegeln ausgezeichnet:
das Hotel Bayerischer Hof mit „Travelife“,
Excelsior by Geisel mit „TourCert“ und die
Living Hotels der Derag Gruppe (Das
Viktualienmarkt, am Deutschen Museum,
am Olympia-Park, Prinzessin Elisabeth)
sowie das Andaz Munich Schwabinger Tor
mit dem „Green Globe“.
Darüber hinaus sind sehr viele Hotels
„GreenKey“ oder „GreenSign“-zertifiziert.
Alle diese Gütesiegel werden vom Label
Guide für nachhaltigen Tourismus als
besonders vertrauenswürdig eingestuft.
Landshut
Pumuckl-Museum in der Bartlmämühle
in Ohlstadt
In Ohlstadt im Werdenfelser Land wartet ein
echter Geheimtipp für Pumuckl-Fans: das
Museum in der Bartlmämühle. Hier hat der
„Bartlmäschreiner“ Armin Krattenmacher
über Jahre erste Skizzen des Kobolds,
Buchillustrationen und Requisiten aus der
Serie zusammengetragen. Der Eintritt ist
frei, eine kurze telefonische Anmeldung
empfiehlt sich, da die Sammlung privat ist.
Besonderes Extra: In der Werkstatt darf
selbst gehobelt und gebastelt werden.
1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN — 19
MÜNCHEN GRÜN
ERLEBEN
München gehört zu den grünsten Städten
Europas. Mehr als ein Fünftel des Stadtgebiets
besteht aus Grünflächen. Vom
Altstadtring bis in den Nordosten erstreckt
sich ein Park, der sogar größer als der New
Yorker Central Park ist: der 375 Hektar große
Englische Garten. Zwischen Isarauen und
Wiesen haben Kinder hier viel Gelegenheit
zum Sausen und Staunen, die Erwachsenen
zum Durchschnaufen und für das eine oder
andere Kaltgetränk in einem der vier
Biergärten. Neben griechischen Tempeln,
japanischen Teehäusern und einer chinesischen
Pagode kann man hier auch zu Boote
den Kleinhesseloher See erkunden – oder den
Surfer*innen auf der Eisbachwelle zuschauen,
falls diese sich in Zukunft wieder verlässlich
aufbaut.
Graugänse im Olympiapark
21 Prozent aller Wege legten die Münchner*innen
2023 mit dem Rad zurück
Auch der Olympiapark im Norden zeigt,
wie Stadt und Freiraum zusammengehen
können. Das Gelände der Spiele von 1972
wird bis heute genutzt. Wer möchte, spielt
hier Tennis oder Minigolf. Die Abenteuerlustigeren
gönnen sich einen Flying-Fox-Flug
über die Arena oder seilen sich ins 40 Meter
tiefer gelegene Stadion ab. Auch finden dort
regelmäßig Konzerte und Ausstellungen statt.
Surfer*innen auf der Eisbachwelle
Wer sich unabhängig von Öffis auf den Weg
zum Olympiapark machen möchte, kann die
Stadt mit dem Fahrrad erkunden. In 22
Minuten gelangt man von der Widenmayerstraße
zum Olympiapark – und ist so tatsächlich
15 Minuten schneller als Straßen- und
U-Bahn. Für Städteurlauber*innen stehen im
gesamten Stadtgebiet Mieträder zur
Verfügung (z. B. von Call a Bike oder Bolt).
Das Münchner Radnetz gehört zu den
bestausgebauten in Deutschland und führt
überwiegend abseits der Hauptverkehrsstraßen
durch Tempo-30-Zonen, verkehrsberuhigte
Straßen, Parks und Grünanlagen.
2023 legten die Münchnerinnen und
Münchner 21 Prozent aller Wege mit dem
Fahrrad zurück, deutlich mehr als zum
Beispiel die Wiener*innen (10 Prozent).
KULINARISCHE PAUSEN
AM WEGESRAND
Auf dem Weg zum Olympiapark bieten sich
zwei Abstecher an: In der Türkenstraße 53
wartet bei Bartu Bio-Eis in formschönen
Edelstahltöpfen darauf, probiert zu werden.
Nach italienischer Manier wird das Eis in den
Becher gespachtelt. So kommen die
Geschmäcker – von Schokolade bis Karamell
mit Salzbutter – erst richtig zur Geltung!
Der zweite Abstecher führt in den Luitpoldpark
nahe der Brunnenstraße. Zwischen
alten Bäumen steht hier im westlichen Teil
ein Pumuckl, der nicht herumspukt, sondern
spuckt: Die Bronzefigur schießt in unregelmäßigen
Abständen einen kräftigen
Wasserstrahl in die Gegend – ein Erlebnis
besonders an warmen Tagen.
Frisch gezapftes Bier im Hofbräuhaus
Apropos Wasser: Auf einem Städtetrip ist
es wichtig, hydriert zu bleiben. Auf Einwegflaschen
kann man in München getrost
verzichten. Rund 90 öffentliche Brunnen
liefern frisches, kühles Trinkwasser, mit
dem man seine leere Flasche jederzeit ganz
einfach auffüllen kann.
Wer nach einem langen Tag voller Entdeckungen
nun Magenknurren verspürt,
orientiert sich am besten am Pumuckl: Der
ist nämlich kein Kostverächter. Und Meister
Eder drückt bei einem kleinen Schluck Bier
zur Brotzeit schon einmal das Auge zu. Erste
Adresse für ein zünftiges Essvergnügen ist
das Hofbräuhaus, das man inzwischen in
vielen Städten der Welt findet. Das Original
steht in München – und zwar seit 1589!
Das historische Gebäude, Kellner*innen in
Tracht, Klassiker wie Haxe oder Schweinsbraten
und dazu ein frisch gezapftes Bier:
viel mehr München geht kaum. Wem ein
moderner Twist in der altehrwürdigen
bayerischen Traditionsküche mehr zusagt,
findet bei „Servus Heidi” innovative
pflanzliche Alternativen zu Bratwurst & Co.
Tradition und Moderne liegen auch
kulinarisch oft näher beieinander, als man
denkt! ←
Fotos: München Tourismus/Christian Kasper, Luis Gervasi, Tommy Lösch, Werner Böhm
20 — 1 | 2026 REISEN – FILME & SERIEN
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Manche Orte fühlen sich gut an, bevor
man sie überhaupt kennt. Das Weinland
Traisental ist so ein Ort – leise, inspirierend
und voller Geschichten.
Zwischen St. Pölten und der Donau liegt
eine Landschaft, die nicht laut um Aufmerksamkeit
bittet. Stille Kellergassen
erzählen von früher, Wege entlang der
Traisen oder durch die sanften Weinberge
laden zu entspannten Spaziergängen,
Wanderungen oder Radausflügen. Das
Lebensart_835x117.indd 1 11.02.2026 08:08:11
Traisental kennt keine Eile – hier schenkt
jeder Schritt Zeit für Körper, Geist und
Gaumen.
Wo Menschen Inspiration leben
Geprägt wird die Region von einer jungen
Winzergeneration, die nachhaltig denkt,
Tradition neu interpretiert und mit der
Natur im Einklang arbeitet. Die Weingärten
wirken wie Ateliers, die Keller wie
Werkstätten – Orte, an denen Erfahrung,
Neugier und Haltung zusammenfinden.
Wein entsteht nicht als Produkt, sondern
als Ausdruck von Landschaft, Zeit und
Persönlichkeit.
In den Heurigen und Ab-Hof-Betrieben
wird diese Haltung spürbar. Regionale
Produkte, ehrliche Küche und Weine mit
Charakter erzählen von ihrer Herkunft.
Genuss entsteht nicht nebenbei, sondern
im Moment – beim Verkosten, beim
Gespräch, beim Verweilen.
Das Weinland Traisental ist kein Ort
für schnelle Eindrücke, sondern für
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KURZ
GESAGT
2
1
3
Zwei Tiroler Adler
und viel
Filmgeschichte
Ein von steilem Gebirge umgebenes, entlegenes Bergdorf.
Einsamkeit, tiefe menschliche Abgründe und höchste
Spannung – das zeichnet den wohl meistgesuchten Film
der Welt, „The Mountain Eagle“ und das zweite Werk
Alfred Hitchcocks, aus. Eine Postkarte, die das Dorf
Obergurgl in Tirol zeigte, lockte den Regisseur ins Ötztal.
Die Anreise – mit dem Zug nach Innsbruck, weitere sieben
Stunden im offenen Wagen und dann noch ein Fußmarsch
– wäre selbst wohl auch einen Film wert. 1925 gedreht, ist
der Stummfilm seit Jahrzehnten verschollen.
4
1 Szene aus der Serie „Der Bergdoktor“
2 Ed Sheeran und Zoey Deutch im Musikvideo PERFECT
3 Der Spielfilm Franz Klammer
4 Szene aus dem Spielfilm THE MOUNTAIN EAGLE von Alfred Hitchcock
5 Spektakulärer Drehort für SNOWPIERCER
Das ist aber nicht der einzige Adler in der Tiroler
Filmgeschichte: Für Michael Edwards, genannt
Eddie, sind die Olympischen Spiele alles – schon als
Kind träumt er davon und versucht sich in unterschiedlichen
Disziplinen. 1988 nimmt er als erster
(und einziger) englischer Schispringer an den
Olympischen Winterspielen teil. Und obwohl der
Maurer mit den dicken Brillengläsern dabei den
letzten Platz belegt, erobert er die Herzen – und
inspiriert die Filmkomödie „Eddie the eagle“ (2015),
gedreht in Oberstdorf, Garmisch und Seefeld.
Tirol ist auch abseits der Adler ein aktives Filmland
– hier wurden nicht nur Klassiker wie „Das doppelte
Lottchen“ (1949, Thiersee), österreichische
Spielfilme wie „Klammer“ (2021, Patscherkofel)
und Serien wie „Tatort“, „SOKO Kitzbühel“,
„Snowpiercer“, „Totenfrau“ und „Der Bergdoktor“
gedreht, sondern auch Musikvideos wie Ed
Sheerans „Perfect“ (2017, Zillertal). Die größte
Produktion war dabei natürlich „James Bond 007
– SPECTRE“ (siehe Seite 51).
Fotos: ZDF/Erika Hauri; Dan Curwin; EPO SAMSARA/Christoph Thanhoffer;
Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences
22 — 1 | 2026 REISEN – KURZ GESAGT
5
Auch 2026 wird sich Tirol auf der großen Leinwand
wiederfinden – für den Herbst ist eine Fortsetzung
des Klassikers „Cliffhanger“ (1993) mit Lily James
und Pierce Brosnan angekündigt, die in den Lienzer
Dolomiten spielt.
In Tirol sind übrigens schon fünf Regionen – die
Kitzbüheler Alpen, das Kufsteinerland, die Region
Seefeld, das Pitztal und das Kaunertal mit dem
Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet.
www.lebensart-reisen.at/reiseziele-tirol
Fotos: Cine Tirol; Tourismusverband Obertauern; Schladming Dachstein.at/Mathäus Gartner
Help!
Ein riesiger Diamantring will Beatles-Drummer Ringo
Star nicht mehr vom Finger gehen – und so verfolgt
ein Kult die Beatles um die halbe Welt. Mit dabei: die
österreichischen Alpen. Für ihren Film „Help!” (1965)
drehten die Pilzköpfe in Obertauern und gaben ihr
erstes und einziges Konzert in Österreich. Heute
erinnern drei Denkmäler an die Musiker: eine
überlebensgroße Nachbildung des Plattencovers beim
Kirchbühellift, eine Nachbildung des Beatles-Klaviers
an der Grünwaldkopf-Bergstation und die Statuen der
Musiker vor dem Hotel Edelweiss.
Obertauern ist aber auch abseits der Beatles einen
Besuch wert – zum Beispiel zum Vollmondschwimmen.
www.lebensart-reisen.at/
die-beatles-und-obertauern
Wo die Aussicht
unendlich weit ist …
… sind dem Geist keine Grenzen gesetzt – kein Wunder, das
die Ramsau nicht nur die Wiege der Klettersteige, sondern
mit ihren überhängenden Felsen, aufragenden Steilwänden
und dem mächtigen Dachstein auch die perfekte Kulisse und
den Hauptdrehtort für „Die Bergretter“ darstellt. Ganze 15
Staffeln kann man bei erfolgreichen wie dramatischen
Rettungseinsätzen mitfiebern und in die Landschaft
eintauchen. Vor Ort lädt die (eher gemütliche) Wanderung
„Auf den Spuren der Bergretter“ in den Sommermonaten zu
den wichtigsten Schauplätzen ein – eine interessante
Abwechslung, egal ob man die Region als Kraftquelle, beim
Familienurlaub oder als Kletterdestination kennenlernt.
www.lebensart-reisen.at/reiseziele-steiermark
1 | 2026 REISEN – KURZ GESAGT — 23
KUNST
K
UNST
UNTERWEGS
Fotos: Marek Piwnicki; Tasha Marie; Andrew Petrischev; Pexels/Greta Hoffman; Taelynn Christopher
Foto: Lisa Maria Mayer
DIE NATUR MALT IMMER
EIN STÜCK WEIT MIT
Unterwegs im rollenden Atelier
INTERVIEW
Seit vier Jahren ist Lisa-Maria Mayer in Europa unterwegs. Wo sie Inspiration findet, stellt sie ihre Leinwand auf – in ihrem
„rollenden Atelier“ entstehen Werke, geprägt von Wind, Wetter und dem Gefühl der Freiheit. Im Interview spricht sie über
das Leben auf vier Rädern, Kunst im Zusammenspiel mit der Natur und den Mut, alles Bekannte hinter sich zu lassen.
LEBENSART
Frau Mayer, vor vier Jahren haben Sie
einen radikalen Neuanfang gewagt.
Sie sind in ein umgebautes Feuerwehrauto
gezogen und mit Ihrem
„rollenden Atelier“ ins Ungewisse
aufgebrochen. Wie hat sich das
angefühlt?
dass wir uns die Miete sparen und
freier leben könnten. Und mein
größter Traum war es ohnehin
schon immer, zu reisen und
währenddessen arbeiten zu können.
Also kauften wir uns beide
jeweils ein Auto und fuhren los.
Mittlerweile haben sich unsere
Wege aber getrennt.
Foto: Lisa Maria Mayer
LISA-MARIA MAYER
Ich spürte eine Mischung aus
Nervosität, Hoffnung und dieses
leise Kribbeln von: Ich mache das
jetzt wirklich. Es gab jetzt keinen
Plan B mehr. Als ich dann auf der
Straße Richtung Norddeutschland
unterwegs war, zog plötzlich
ein Freiheitsgefühl auf. Es gab
keine Verpflichtungen mehr, keinen
Ort, an dem ich sein „muss“. In
meinem Kopf lief immer derselbe
Satz: Wenn nicht jetzt, wann
dann. Und wenn es schiefgeht,
gibt es immer einen Weg zurück.
Wieso haben Sie sich zu diesem
Schritt entschieden?
Ich lebte mit meinem damaligen
Freund in einer Wohnung mit
circa 60 Quadratmetern. Wir
merkten mit der Zeit, dass wir
den Platz gar nicht brauchen.
Gleichzeitig waren wir während
der Semesterferien jeweils für
zwei Monate mit dem Wohnmobil
unterwegs. Nach zwölf Jahren
in derselben Stadt wurde es
auch Zeit, über den Tellerrand zu
schauen. So reifte der Gedanke,
Lisa-Marie Mayer, kurz Ria,
ist 1991 geboren.
Die Kunst begleitet sie
schon ihr Leben lang, von
klein auf ist sie kreativ.
Dennoch entscheidet sie
sich zunächst für eine
Ausbildung zur Ergotherapeutin
in Mainz und
arbeitet sechs Jahre in
diesem Beruf.
Anschließend folgt
ein Studium der Innenarchitektur.
2021 wagt sie
einen ungewöhnlichen
Neuanfang: Sie zieht in ein
umgebautes Feuerwehrauto
und widmet sich
Vollzeit dem Malen.
Mit ihrem „rollenden
Atelier“ ist sie seither in
Europa unterwegs. Ihre
Bilder sind auf riamalt.com
zu sehen und zu kaufen.
Ihre derzeitigen Lieblingsfarben
sind Rosa und Blau.
Sie üben allerdings keinen Job am
Laptop aus, sondern malen auf großen
Leinwänden. Wie passt das mit
dem Vanlife zusammen?
Diese Frage hatte ich mir zu Beginn
auch gestellt – es ist aber die
perfekte Kombination. Ich habe
mir extra ein großes Auto gesucht,
in meiner Feuerwehr ist genug
Platz für Leinwände und Farben.
Die Bilder trocknen vorne in der
Fahrerkabine, ich schlafe hinten.
Dort ist Platz für mein Bett, eine
kleine Standheizung, eine Toilette
und eine kleine Küche mit Gasherd.
Wie würden Sie Ihre Kunst
beschreiben?
Meine Malerei ist reduziert,
emotional und sehr farbintensiv.
Ich arbeite abstrakt, das heißt es
geht mir nicht um konkrete Motive,
sondern um das Zusammenspiel
der Farben. Beim Malen lasse
ich mich von meinen Gefühlen
leiten – genau diese Stimmungen
finden ihren Weg in meine Bilder.
Das Schwierigste ist, zu entscheiden,
wann ein Bild fertig ist. Das
kann mir nur mein Bauchgefühl
sagen, da gibt es keine Regeln. >
1 | 2026 REISEN – KUNST — 27
Inwiefern beeinflusst Ihr Leben
im rollenden Atelier Ihre Kunst?
Erst dadurch habe ich angefangen,
Vollzeit zu malen und damit mein
Geld zu verdienen. Meine Kunst
ist also mit dem Vanlife so richtig
entstanden und gereift. Die wechselnden
Landschaften, das Licht
und die verschiedenen Stimmungen
während der Reise sind meine
Quelle der Inspiration. Die Bilder
sind Ausdruck meiner gelebten
Freiheit. Ich benenne sie nach den
Orten, an denen sie entstehen. Ich
wüsste nicht, was ich malen würde,
wäre ich immer an demselben Ort.
Wohin hat Sie Ihre Reise
bis jetzt geführt?
In der Regel fahre ich über die
Wintermonate Richtung Süden,
den Sommer verbringe ich in
Deutschland. Ich bin bereits
durch Italien bis nach Sardinien
gefahren, auch die gesamte Strecke
bis nach Griechenland über
Albanien und Kroatien habe ich
mit dem rollenden Atelier bereist.
Wie sieht Ihr Alltag im rollenden
Atelier aus?
Mein Tag fängt mit einer Tasse
Kaffee an, dann kommt es auf
die Stimmung an: Wenn ich Lust
habe zu malen, baue ich mein
Atelier draußen auf. Ich mische
mir Farben an, platziere die Leinwand
und lege los. Dabei malt
die Natur auch immer ein Stück
weit mit: Ich male draußen, da ist
meine Leinwand jeder Witterung
ausgesetzt. Mal windet es, mal
kommt Sand in die Farbe, mal
mischen sich Regentropfen in das
Gemälde. Besonders eindrücklich
war das bei einem Bild, das auf
Sardinien entstanden ist. Ich habe
mich ganz nah ans Meer gestellt
und die Leinwand an einen Pfosten
gehangen. Plötzlich kam eine
Windböe und wehte die Leinwand
in die Wellen. Ich war mir sicher,
das Gemälde sei zerstört. Als ich
es aber aus dem Wasser fischte,
sah es noch viel schöner aus als
zuvor. Das Malen im Freien hat
mir beigebracht, loszulassen, die
Kontrolle auch mal abzugeben.
Haben Sie einen Lieblingsort
zum Malen?
Der Hamburger Hafen zählt sicherlich
zu einem meiner liebsten Orte.
Auch das Urbane und Industrielle
kann sehr inspirierend sein. Ich
liebe es, die Container und die Kräne
zu beobachten, am Hafen wird
rund um die Uhr gearbeitet. Einmal
habe ich mich vor eine grüne Containerwand
gestellt und ein lila Bild
dazu gemalt, weil es die Komplementärfarbe
ist. Besonders schön
dieses Jahr war auch das Malen in
der Lüneburger Heide in der Nähe
von Hamburg. Ich war vier Tage
während der Blütezeit dort. Dann
verwandelt sich die Heide in ein
Meer aus Lilatönen.
Halten Sie auch negative Gefühle und
Momente in Ihren Bildern fest?
Ja, ich mache da keinen Unterschied.
Malen ist für mich wie
Yoga, ich kann ganz im Moment
sein und mein Innerstes nach
außen auf die Leinwand tragen.
Danach fühle ich mich frei.
Zu Beginn meiner Reise hatte
ich beispielsweise viel Ärger mit
meinem Auto. Ein unentdeckter
Fehler und die Feuerwehr ist
im warmen Zustand nicht mehr
angesprungen. Ich musste also
bei laufendem Motor tanken und
hatte ständig Angst, liegenzubleiben.
Mehr als einmal musste
ein riesiger Abschleppwagen
kommen. Die Ängste und die Unsicherheiten
dieser Zeit habe ich im
Bild B45 festgehalten – benannt
nach der Bundesstraße 45, wo
mein Auto einmal abgeschleppt
werden musste.
Gibt es auch heute noch
Unsicherheiten, die Sie auf Ihren
Reisen begleiten?
Es gibt jeden Tag viel zu organisieren
und bedenken. Habe ich
genug Wasser, wo verbringe ich
die Nacht, darf ich hier stehen?
Die Straßen im Süden sind zudem
sehr schmal, da wird es mit meiner
großen Feuerwehr oft eng. Einmal
musste ich in Griechenland fast
drei Kilometer rückwärtsfahren,
weil mir ein Bus entgegenkam.
Außerdem ist mein Auto sehr alt,
Baujahr 1991. Da ist immer die
Sorge, dass nochmal etwas kaputt
gehen könnte, Ersatzteile sind
nicht schnell verfügbar.
Können Sie sich trotzdem vorstellen,
auf Dauer mit Ihrem Feuerwehrauto
unterwegs zu sein?
Ich folge diesem Lebensstil so
lange, wie es sich gut anfühlt. Für
die Zukunft könnte ich mir eine
Mischung vorstellen. Das heißt,
ich habe mein rollendes Atelier,
mit dem ich wegfahren und malen
kann, sowie eine Wohnung als Basis.
Was haben Sie von Ihrem Leben im
rollenden Atelier bis jetzt gelernt?
Dass wir uns von einem strengen
Lebensplan befreien sollten.
Meine Geschichte zeigt, dass es
auch anders geht und dass alternative
Lebensformen funktionieren
können. Genau das möchte ich
auch mit meiner Kunst vermitteln:
Wer einen Traum in sich trägt und
dafür brennt, darf sich trauen,
ihm zu folgen. Ich möchte die
Menschen dazu ermuntern, sich
aus der Komfortzone zu wagen.
Denn mutig sein lohnt sich. ←
Das Interview führte Katrin Brahner.
28 — 1 | 2026 REISEN – KUNST
DIE ORTE, AN DENEN BEREITS WERKE ENTSTANDEN SIND
Hamburg
Niobe
Klausdorf
Diebsteich
Oderhafen Veddel
Ballinkaj Norderelbe
Steinwerder Travehafen Evergreen
Kattwyk Peuter Elbdeich
Åltenwerder Süderelbe Eimsbüttel
Rethe Schwindebeck
Overhaverbeck
BELGIEN
DEUTSCHLAND
POLEN
Urbar
Frankfurt
FRANKREICH
SCHWEIZ
Roth
TSCHECHIEN
SLOWAKEI
ÖSTERREICH
UNGARN
SLO
KROATIEN
Krk
Pula
BOSNIEN
SERBIEN
Es gibt jeden Tag viel
zu organisieren
und bedenken. Habe
ich genug Wasser, wo
verbringe ich die Nacht,
darf ich hier stehen?
Dugi Otok
ITALIEN
Split
MNE
MKD
ALB
Stintino
Putzu Idu
Cabras
Oristano
Sagiada
GRIECHEN-
LAND
Costa Rei
Chia
Capo
Malfatano
Badolato
Agios
Dimitrios
Limina
Marina di Palma
Rocca Tenna
Papadionika
Fotos: Lisa Maria Mayer (3); Illustration: liga.co.at
Die wechselnden
Landschaften, das Licht
und die verschiedenen
Stimmungen während
der Reise sind meine
Quelle der Inspiration.
BILDER
DIE BERÜHREN
CHRISTIAN BRANDSTÄTTER
Weiches Licht, offene Landschaften,
Abgeschiedenheit und Ruhe – die
Ostseeküste Deutschlands war und
ist ein Magnet für Maler*innen,
Bildhauer*innen und Schriftsteller*innen.
Im Ostseeheilbad Zingst
auf dem Darß ging man einen
eigenen kulturellen Weg – den der
Fotografie.
Fotografie kann eine
ganze Menge machen,
weil die Bilder
Menschen immer direkt
ansprechen und
Emotionen auslösen,
während Worte und
Texte erst mit
dem Kopf verstanden
werden müssen.
Herlinde Koelbl, Fotografin
„Anfang der 2000er Jahre haben wir
nach einem kulturellen Alleinstellungsmerkmal
gesucht“, erzählt Rico
Nowicki, der in Zingst im Kulturbereich
tätig ist. „Wir haben einen sehr
schönen Strand, wir haben Hotels,
wir sind umgeben von einem Nationalpark
– das alles haben unsere
Nachbarn auch. Was also unterscheidet
uns von den anderen Ostseebädern?
Da sind wir eher zufällig auf die
Fotografie gestoßen.“
2011 wurde ein Zentrum für Fotografie
errichtet, benannt nach dem Zingster
Maler und Fotografen Max Hünten,
der auf seinen Reisen mit seiner
Kamera das Leben zu Beginn des 20.
Jahrhunderts festhielt. Rico Nowicki
leitet heute das moderne, vielseitig genutzte
Medien-, Kultur- und Fotografiezentrum.
„Neben der Galerie und
der Fotobibliothek bieten wir im Jahr
bis zu 150 Workshops und Fotoexkursionen
zu verschiedenen Themen an,
für Einsteiger, Fortgeschrittene und
Professionals, die sich dafür auch das
entsprechende professionelle Equipment
ausleihen können. Gerade bei
der Tierfotografie sind spezielle Teleobjektive
unerlässlich. Wir zeigen
aber auch Tricks fürs Fotografieren
mit einem Smartphone.“
Die Naturfotografie ist das zentrale
Thema und der Nationalpark Vorpommersche
Boddenlandschaft liefert
dafür wunderbare Motive. „Die Kraniche,
die bei uns auf ihren Flügen quer
über den Kontinent Rast machen. Hirsche,
die durch das seichte Wasser der
Bodden laufen oder sich mächtig auf
dem Kamm einer Düne platzieren.
Wenn dann dahinter ein Segelboot
vorbeizieht, hast du das perfekte Bild.“ >
Foto: ChristianBrandstätter
30 — 1 | 2026 REISEN – KUNST
EIN STREIFZUG DURCH ZINGST
1
1
2
ZUKUNFTSBILDER
1 Diese Ausstellung am Strand haben 500 Kinder
mit dem Fotografen Jan von Holleben
gestaltet.
Fotos: Florian W. Müller (2)
EIN UNIVERSELLES BILD
2 Die Fotografinnen Avishag Shaar-Yashuv und
Samar Abu Elouf dokumentieren das Schicksal
der Kinder im Krieg sowohl in Israel als
auch in Gaza.
(bis 1. Mai 2026, vor der Peter-Pauls-Kirche).
1 | 2026 REISEN – KUNST — 31
3 4
5
5
MENSCH UND UMWELT
Bei den Ausstellungen geht es um die
Beziehung zwischen Mensch und Umwelt.
„Wir zeigen, wie der Mensch die
Umwelt beeinflusst und wie auch wir
durch Umweltveränderung beeinflusst
werden. Es sind soziale Themen und
solche, die zeigen, was schön, was schützenswert
ist“, beschreibt Nowicki die
Ausrichtung der Galerie. Und diese beschränkt
sich keineswegs auf die Räumlichkeiten
im Fotozentrum, der ganze
Ort wird zur Bühne für die Fotokünstler*innen.
So auch der Strand: „Wir haben
für die Ausstellung 2025 rund 500
Kinder aus Zingst und Umgebung gefragt,
wie sie sich die Zukunft vorstellen,
wovon wir zu viel haben und wovon
zu wenig. Daraus haben sie gemeinsam
mit dem Fotografen Jan von
Holleben Bilder erschaffen. In der Ausstellung
geht es um Müllvermeidung,
um Freundschaft, um Frieden bis hin
zur Raumfahrt. Durch den Ausstellungsort
setzen sich auch die Badegäste
mit diesen Themen auseinander und
machen sich Gedanken über brennende
Zukunftsfragen“, erzählt Nowicki. ←
INFOS ZU DEN AKTUELLEN
AUSSTELLUNGEN:
Inklusive Online-Ausstellungen mit
360-Grad-Rundgang.
www.zingst.de/fotoausstellungen
HORIZONTE ZINGST
Der Höhepunkt im Zingster Fotojahr ist
das jährliche Umweltfotofestival, 2026 vom
29. Mai bis 7. Juni mit 15 Festival-Ausstellungen,
Vorträgen, Multivisionsshows, Fotoworkshops,
Fotomarkt, Fotografen-Gesprächen,
Panels und Ausstellungsführungen.
www.zingst.de/fotofestival-horizonte
QUARTIEREMPFEHLUNGEN
AUF DEM DARSS
Strandhotel, Zingst
Campingplatz Am Freesenbruch, Zingst
Bio Hotel Ginko Mare, Prerow
Hotel Waldschlösschen, Prerow
Biohotel Gut Nisdorf, Nisdorf
Pension Bradhering, Arenshoop
Dorint Strandresort & Spa, Wustrow
HOMO DÉTRITUS
3 Aus dem Abfall der Industrienationen hat die
künstlerische Bewegung „Ndaku, la vie est
belle“ in den Slums von Kinshasa in der
Demokratische Republik Kongo Skulpturen
geschaffen, fotografiert von Stephan Gladieu
(bis 1. Mai 2026 am Postplatz).
WISH YOU WERE HERE
4 Rico Nowicki am Postplatz vor einem Exponat
der kanadischen Fotografin Sarah Palmer.
Mit der Ausstellung untersucht Palmer die
Urlaubskultur inmitten der Klimakrise
(bis 10. Mai 2026).
WARTEN AUF DEN REGENBOGEN
5 Jens Redecker druckt im Printstudio des Max
Hünten Haus die Bilder für die Ausstellung der
Berliner Fotografin Xiomara Bender.
Sie ist über zehn Jahre lang mit ihrer Kamera
durch Nordkorea gereist und ermöglicht
außergewöhnliche Einblicke in ein sonst
abgeschottetes Land – zu sehen noch bis 26.
April 2026.
Fotos: Florian W. Müller; Christian Brandstätter; Zingst; Roswitha Reisinger
32 — 1 | 2026 REISEN – KUNST
Entspannte Städte, beeindruckende Natur,
gelebte Traditionen, Freude am Genuss.
Auf ins Reiseland Deutschland!
Mehr unter germany.travel/de/feelgood
Berlin, Oberbaumbrücke
© DZT/Dagmar Schwelle
Anzeigen
FASZINATION OMAN
ELISABETH KNEISSL-NEUMAYER
Über knapp 1.000 Kilometer erstreckt sich
das Sultanat Oman in Nord-Süd-Richtung –
mit faszinierenden, bis zu 3.000 Meter hohen
Gebirgszügen, üppig-grünen Oasen, der größten
Sandwüste der Welt, uralten Begräbnistürmen,
Festungen sowie Hafenstädten, die
schon lang vor Christi Geburt mit einem der
wertvollsten Produkte der Antike handelten:
Weihrauch. Ein gastfreundliches und
sicheres Reiseland.
HALBINSEL MUSANDAM
Weit im Norden, direkt an der Straße von
Hormus, liegt die Exklave Musandam: Die
Gebirgszüge des nördlichen Al-Hadjar-
Gebirges erheben sich mehr als 2.000 Meter
aus dem tiefblauen Meer. Die einzigartigen
„Fjorde“ erkunden wir mit klassischen Dhows
– wir passieren Steilwände, die sich aus
dem Meer auftürmen, hin und wieder ein
kleines Dorf, beobachten spielende Delfine
und bewundern wilde Gesteinsformationen.
JUNGE METROPOLE MUSCAT
Die historische Altstadt der Kapitale Muscat
liegt in einer von schroffen Felswänden
eingekesselten Bucht, die von zwei Festungen
beherrscht und einer massiven Stadtmauer
geschützt wird. Wir bewundern den
Al-Alam-Palast und traditionelle Häuser.
Etwas weiter westlich am Hafen von Muttrah
locken der Fischmarkt und der traditionelle
Souk. In den neuen Stadtteilen sind die
Ministerien, Shopping-Malls und Hotels zu
finden, vor allem aber die beiden herausragenden
Bauten aus der Zeit von Sultan
Qabus: die Große Moschee und die Oper.
Inmitten der Bergwelt des Al-Hadjar-
Gebirges lassen uns die historischen Zentren
Nizwa oder Bahla tief in die Geschichte
und die Traditionen des Oman eintauchen.
Karge Felswände treffen hier auf üppig
grüne Oasen, die sich einem knapp 3.000
Jahre alten Bewässerungssystem verdanken.
Die Wasserressourcen aus der Gebirgsregion
werden gesammelt, über unzählige Kanäle
in die Felder und Gärten geleitet und jeder
Familie zugeteilt. Hier in der Kornkammer
gedeihen auch Dattelpalmen, Obstgärten,
Damaszenerrosen, und das teilweise auf
weit über 2.000 Meter Seehöhe.
Besonders schön ist es, diesen Bewässerungskanälen
zu folgen. „Levada-Spaziergänge“
bieten sich unter anderem am Jebal
Akhdar an, wo uns der Village-Walk mit
herrlichen Ausblicken auf steile Terrassenkulturen
von Dorf zu Dorf führt. Entlang
dieser Kanäle erkunden wir auch Palmengärten
und verkosten in Nizwa unterschiedlichste
Dattelsorten. In der Altstadt von
Nizwa fasziniert neben dem Fort auch der
große Souk, wo man sich mit Silberschmuck
oder den „kumma“, den traditionellen
Kopfbedeckungen der Omani, eindecken
kann. Und definitiv nicht versäumen darf
man den futuristischen Bau des Oman
Across Ages Museum. Es gibt einen perfekten
Überblick über Geschichte und Natur des
Oman.
Hoch hinaus zum Grand Canyon des Oman
Über al-Hamra mit seinen alten Steinhäusern
windet sich die Straße die Flanken des
Jebal Shams hinauf. Mit knapp über 3.000
Metern ist der Sonnenberg die höchste
Erhebung des Oman. Vom Plateau hat man
einzigartige Ausblicke in den Grand Canyon,
in das 1.000 Meter tiefer gelegene Wadi
Nakhar. Der Balcony Walk folgt dem Canyon
und bietet großartige Einblicke in dieses
riesige Schluchtensystem.
WÜSTE UND WASSER
Richtung Süden erstreckt sich die Wahiba-
Wüste, eine schier endlose Dünenketten
von Nord nach Süd. In fix aufgestellten Zelten
übernachten wir in der Wüste, erleben Sonnenunter-
und -aufgang und einen Kamelritt.
34 — 1 | 2026 REISEN – OMAN
Wadi Tiwi (linke Seite)
Al-Hamra (oben)
Rub al-Khali (rechts oben)
Wahiba Sands (rechts unten)
Das Wadi Bani Khalid bietet einen besonderen
Augenschmaus: Ganzjährig fließt hier
das Wasser durch glattgeschliffene Felsen.
Auch das Wadi Tiwi ist eine bezaubernd
schöne Komposition aus türkisfarbenen
Becken und steilen Felswänden. Und wer
gerne wandert, für den ist das Wadi Shab
gerade richtig – aus den Oasengärten heraus
dringt man immer weiter in einen engen
Canyon vor. Wer will, kann den letzten Teil
zu einer Höhle schwimmend zurücklegen.
DHOFAR – OMAN UND DOCH SO ANDERS
Salalah ist der Hauptort der Region Dhofar im
Süden des Landes. An die Stelle von Dattelpalmen
treten Kokospalmen und Bananen,
üppig grün präsentiert sich die Landschaft
südlich des Dhofar-Gebirges. Hier weht ab
Juni drei Monate lang der feuchte Khareef-
Wind vom afrikanischen Kontinent herüber.
Zwischen dem „leeren Viertel“ Rub al-Khali
und der feuchten Küstenebene gedeihen die
bekanntesten Pflanzen des Oman – die Weihrauchbäume,
die wenig Wasser brauchen und
mit dem duftenden Herz über Jahrtausende
den Exportschlager schlechthin produzierten.
Seit dem frühen 1. Jahrtausend vor Christi
Geburt zogen die Weihrauchkarawanen von
den Häfen des Dhofar durch die Wüsten
Arabiens bis zum Mittelmeer.
AUF DER WEIHRAUCHSTRASSE VON
ANTIKEN HÄFEN BIS ZUR RUB AL-KHALI
Die antiken Häfen, die für die Weihrauchstraße
so wesentlich waren – Al Baleed
und Khor Rhori (Sumhuram) – liegen östlich
von Salalah. Sie bieten einen Eindruck
von der Handelsmacht, die Südarabien vor
gut 2.500 Jahren war.
An der Küste runden die interessanten
Orte Taqah und Mirbat, die Baobabs im
Wadi Hinna sowie der schöne Strand von
Mughsayl das „Küsten-Bild“ von Dhofar ab.
Das UNESCO-Welterbe Shisr in der Nähe
von Thumrayt war eine bedeutende Oase
und ein Karawanenstützpunkt, der als
legendäre verlorene Stadt Ubar („Atlantis
der Wüste“) gilt. Hinter Shisr tauchen dann
am Horizont die gewaltigen Dünenkämme
der Rub al-Khali auf – Sand und noch mehr
Sand.
KNEISSL IM OMAN
Elisabeth Kneissl-Neumayer ist
Geschäftsführerin von Kneissl Touristik.
Auf dem Routing ihrer jüngsten Oman-
Reise beruht die neue 16-tägige hier
beschriebene Reise Omans Höhepunkte,
die wieder vom 1. bis 16. 11.2026 und
vom 22.11. bis 7.12.2026 angeboten wird.
Weitere Oman-Reisen von Kneissl
Touristik:
OmanWanderReise, 13 Tage: Erkunden Sie
den Oman per pedes mit dem Geologen
Dr. Hans Steyrer, von 18. bis 30.10.2026.
OmanRundReise, 10 Tage: Termine im März,
Oktober, November und um Weihnachten
2026.
In Sachen nachhaltiges Reisen
Für die CO 2
-Belastung jedes Verkehrsweges
bei jeder Kneissl-Reise gibt es einen
Ausgleich durch ein finanzielles Engagement
für ein von der Caritas und der BOKU Wien
durchgeführtes Projekt im Südsudan bzw.
in Südäthiopien. Diese Abgabe ist im
Reisepreis bereits inkludiert. Zudem achtet
Kneissl Touristik darauf, nach Möglichkeit
mehr und mehr zertifizierte Hotels
einzusetzen.
Alle Infos zu den Reisen
finden Sie hier:
www.kneissltouristik.at
Entgeltliche Einschaltung Fotos: Elisabeth Kneissl-Neumayer (2); stock.adobe.com (2)
Der oberösterreichische Veranstalter von StudienErlebnisReisen
und StudienReisen ist mit dem Nachhaltigkeits-Siegel von TourCert
ausgezeichnet und Mitglied beim Round Table Human Rights in Tourism.
1 | 2026 REISEN – OMAN — 35
GESCHICH-
TE(N)
G
ESCHICHTE(N)
VON SIMONE DE
BEAUVOIR BIS 007
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 37
Fotos: 2015 Metro Goldwyn Mayer-Studios inc. Danjaq llc. and Columbia Pictures Industries inc.; Maria Kapeller; Florian Archives; Alex Levering
WO GESCHICHTEN
GESCHRIEBEN WERDEN
Fünf legendäre Kaffeehäuser der Weltliteratur
Viele große Texte sind nicht am heimischen Schreibtisch entstanden,
sondern inmitten der Geschäftigkeit eines belebten Lokals –
hier findest du einige jener Cafés, in denen Literaturgeschichte geschrieben wurde.
KATRIN BRAHNER
LISSABON, PORTUGAL
A BRASILEIRA DO
CHIADO
Das A Brasileira zählt zu den berühmtesten
Cafés Portugals. Es befindet sich im Herzen
Lissabons, mitten im künstlerischen
Stadtteil Chiado. Schon beim Betreten des
Cafés dürfte vielen Besuchenden der Atem
stocken: Der Boden ist schwarz-weiß
gefliest, von der Decke hängen prächtige
Kronleuchter, die Wände sind mit dunklem
Holz vertäfelt und teilweise mit riesigen
Spiegeln verkleidet.
Wer hier eine Kaffeepause einlegt, sollte
unbedingt eine „Bica“ trinken – die in
Portugal, besonders in Lissabon, übliche,
sehr aromatisch-kräftige Variante eines
Espressos. Erzählungen zufolge machte der
Cafégründer Adriano Soares Teles do Vale
das Getränk einst in Portugal berühmt,
indem er seinen Gästen die ersten Tassen
kostenlos servierte.
ANREISE
Wer viel Zeit (mehr als 30 Stunden)
mitbringt, kann per Zug und/oder Bus nach
Lissabon reisen – zum Beispiel über Zürich,
Lyon, Barcelona und Madrid oder über Paris
und Bordeaux.
2
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1905
mauserte sich das Café mehr und mehr zum
Treffpunkt der Kreativen und Intellektuellen.
Einer der berühmtesten Gäste war der
Dichter Fernando Pessoa – eine der
wichtigsten Figuren der portugiesischen
Literatur – an den bis heute eine Statue vor
dem Eingang des Cafés erinnert. Auch
Schriftsteller und Künstler Almado
Negreiros und Dichter Mário de Sá-Carneiro
kehrten regelmäßig im A Brasileira ein.
1
VOR ORT
Lissabon hat eine ganze Reihe von Parks zu
bieten, die zum Ausruhen abseits des
Stadttrubels einladen. Darunter der
Florestal de Monsanto, der größte Waldpark
Portugals, inklusive Wanderwegen und
Picknickplätzen.
1
1 Cafè A Brasileira do Chiado
2 Gwyneth Platrow im Caffè Florian
3 „Saal der illustren Männer" im Caffè Florian
4 Café de Flore
Fotos: Nat Vid; iStock/mycteria; A Brasileira do Chiado (2); Florian Archives
3
VENEDIG, ITALIEN
CAFFÈ FLORIAN
Im Caffè Florian haben schon so berühmte
Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie
Giacomo Casanova, Lord Byron, Charles
Dickens und Goethe ihren Kaffee genossen
und Inspiration gefunden. Bis heute
erinnert der „Sala degli Uomini Illustri“, der
„Saal der illustren Männer“ mit Porträts und
Bildern an diese bedeutenden Gäste.
Fotos: Florian Archives; Pexels/Simoun; iStock/mycteria
Neben diesem empfängt das Caffè Florian
seine Gäste in sechs weiteren prunkvoll
gestalteten Räumen. Inmitten von
Samtsitzmöbeln, Mosaik- oder Steinböden,
opulenten Spiegeln, Stuck und Gemälden
taucht man in eine andere Epoche ein. Doch
nicht nur das macht das Café so besonders:
Eröffnet im Jahr 1720, ist es eines der
ältesten durchgehend geöffneten
Kaffeehäuser Italiens.
Direkt am berühmten Markusplatz gelegen,
ist es früher wie heute ein beliebter
Treffpunkt bei Einheimischen und Tourist*innen.
Zur Tasse Kaffee haben Gäste im
Caffé Florian die Wahl zwischen allerlei
extravaganten Leckereien. Unter anderem
gibt es Törtchen, belegte Croissants und
Quiches.
ANREISE
Von Wien aus fährt der ÖBB Railjet in etwa
sieben bis elf Stunden direkt nach Venedig.
VOR ORT
Wer weiter auf den Spuren berühmter
Schriftstellerinnen und Schriftsteller
wandeln will, sucht eine der vielen
Bibliotheken Venedigs auf – so liegt die
Biblioteca Marciana, eine der wichtigsten
Bibliotheken Italiens, direkt in der Nähe des
Caffè Florian. Bei einem Rundgang lassen
sich historische Bücher und Manuskripte
ebenso bewundern wie die Monumentalsäle
selbst.
PARIS, FRANKREICH
CAFÉ DE FLORE
Seit den 1880er Jahren ist das Café de Flore
in Paris ein Treffpunkt für Schriftsteller*innen,
Philosoph*innen und Künstler*innen.
Zu den bedeutendsten Stammgästen zählen
Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir,
Albert Camus, Pablo Picasso, Ernest
Hemingway und Guillaume Apollinaire.
Berühmt wurde das Café auch durch
Charles Maurras, der Erzählungen zufolge
hier Teile seines bekannten Buches „Au
Signe de Flore“ verfasste.
Im Café trafen außerdem die Schriftsteller
und Dichter Philippe Soupault, André Breton
und Louis Aragon aufeinander – ein
intellektueller Austausch, der zur Herausbildung
der Pariser Dada-Szene beitrug,
einem Zusammenschluss von Schriftsteller*innen
und Künstler*innen, die nach dem
Ersten Weltkrieg mit provokativer Kunst
gegen traditionelle Werte protestierten.
1994 rief der Schriftsteller Frédéric
Beigbeder im Café de Flore den „Prix de
Flore“ ins Leben. Die Auszeichnung wird bis
heute jedes Jahr im November im Café an
junge, originelle Autor*innen verliehen.
2025 erhielt Rebeka Warrior den Preis für ihr
Werk „Toutes les vies“.
Trotz des zunehmenden Andrangs von
Tourist*innen hat das Café seinen ursprünglichen
Charme bewahrt: Noch immer
treffen sich hier junge und erfahrene
Schriftsteller*innen, um bei einem Café die
Welt neu zu denken und leidenschaftliche
Debatten über Kunst und Literatur zu
führen. Das liegt nicht zuletzt auch am
Standort mitten im Saint Germain des Prés,
dem Kreativviertel von Paris.
ANREISE
Bis der direkte ÖBB Nightjet nach Paris
wieder verfügbar ist, kann man entweder
den Nachtzug nach Köln nehmen und Paris
in drei weiteren Zugstunden erreichen –
oder man nutzt die etwa 13-stündige
Zugfahrt untertags selbst zum Schreiben.
VOR ORT
Im Viertel Saint Germain des Prés finden
sich viele unabhängige Buchhandlungen,
darunter die „Librairie L’Ecume des Pages“
direkt neben dem Café de Flore. Sie gehört
zu den größten unabhängigen Buchhandlungen
in Paris und verfügt über ein
umfangreiches Sortiment von rund
zehntausend Titeln.
4
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 39
DUBLIN, IRLAND
BEWLEY’S GRAFTON
STREET CAFÉ
5
6
UNESCO City of Literature ernannt. Den
Titel hat sie sowohl der hohen Dichte an
international bedeutenden Autor*innen als
auch den vielen öffentlich zugänglichen
Bibliotheken sowie Schauplätzen, die in
Romanen vorkommen, zu verdanken.
ANREISE
Von Holyhead (Wales) und Liverpool
(England) aus setzen Fähren nach Dublin
über. Wer etwas Zeit mitbringt, kann die
Häfen von Wien aus mit Umstiegen in
Frankfurt, Brüssel und London per Zug
erreichen – die ganze Reise dauert etwa 24
Stunden.
VOR ORT
Wer in die Natur eintauchen will, begibt sich
auf den Howth Cliff Walk. Die Wanderung
führt an der gleichnamigen Klippe entlang
und bietet spektakuläre Ausblicke auf die
Bucht. Startpunkt ist die Station Howth,
diese erreicht man von Dublin aus mit dem
DART-Zug in etwa 30 Minuten.
WIEN, ÖSTERREICH
CAFÉ HAWELKA
In den 1950er Jahren war das Café Hawelka
in Wien der zentrale Treffpunkt der
sogenannten „Wiener Gruppe“ – einem Kreis
namhafter Schriftsteller*innen und
Künstler*innen der Nachkriegszeit.
Persönlichkeiten wie H.C. Artmann,
Heimito von Doderer, Hilde Spiel und
Oswald Wiener nutzten das Café nicht nur
zum Schreiben, sondern auch für lebhafte
Diskussionen und intellektuelle Debatten.
Selbst berühmte Persönlichkeiten aus dem
Ausland kehrten im Café Hawelka ein,
darunter Elias Canetti, Henry Miller, Arthur
Miller und Andy Warhol.
Die amerikanisch-österreichische Autorin
Maria Wachter hat sogar einen ganzen
Roman nach dem Café benannt. Das 2024
erschienene Buch „Café Hawelka“ erzählt
eine fesselnde Familiengeschichte, in der
das legendäre Wiener Kaffeehaus selbst
zum zentralen Schauplatz wird.
Bis heute hat das Café nichts von seinem
besonderen Charme eingebüßt: Dunkle
Holzwände, runde Holztische und
gedämpftes Licht lassen die Gäste in eine
andere Zeit eintauchen. Der perfekte Ort,
um den Alltag hinter sich und der Fantasie
freien Lauf zu lassen. Ein Muss bei einem
Besuch ist die Buchtel, das süße Hefeteiggebäck,
das hier besonders gut zur
dampfenden Tasse Kaffee passt.
ANREISE
Überall von Österreich aus mit
dem Zug möglich.
VOR ORT
Noch nicht genug von Literatur und Kaffee?
Dann bietet sich ein Besuch in einem der
Büchercafés in Wien an. Dort kann man es
sich mit einem guten Buch und einem leckeren
Kaffee gemütlich machen. Dazu zählen
unter anderem das Phil oder das Café
Schopenhauer. ←
5 Irische Briefmarke mit George Bernard Shaw
6 Bewley’s Grafton Street Café
7 Das legendäre Café Hawelka
1927 eröffnet, zählt das Bewley’s Grafton
Street Café in Dublin zu Irlands ältesten
Cafés. Zugleich ist die Lokalität tief mit der
Literaturgeschichte Irlands verbunden –
seit seiner Eröffnung fungiert das Haus als
öffentlicher Salon, in dem Lesen, Schreiben,
Beobachten und Debattieren selbstverständlich
zusammengehören.
Berühmte Gäste waren zum Beispiel James
Joyce, W.B. Yeats, Samuel Beckett und
George Bernard Shaw. Der sogenannte
Poet‘s Corner im Café erinnert bis heute an
die Dichterinnen und Dichter, die hier
geschrieben haben – dort finden sich
Porträts, Namen und kurze Hinweise auf
jene Schriftsteller*innen, die im Bewley’s
gewirkt haben.
Auch außerhalb des Bewley’s ist Dublin ein
wahres Paradies für alle, die gerne lesen
und schreiben: 2010 wurde die Stadt zur
Fotos: Nat Vid; iStock/mycteria, traveler1116, Derick Hudson, FotoGablitz
7
SOMMERFRISCHE IN OBERTAUERN
NATURGENUSS VON DEN BERGEN BIS INS TAL
Wenn im Tal die Temperaturen steigen, laden Obertauern und die umliegenden Orte Untertauern und Tweng
zum Durchatmen und Krafttanken ein. Die pollenarme Bergluft, kühle Nächte und eine intakte Natur machen die Region
im Sommer zum idealen Rückzugsort für Erholungssuchende, Naturliebhaber und Familien.
NATURHIGHLIGHTS
ZWISCHEN ALM UND TAL
Der tosende Johanneswasserfall stürzt 60
Meter in die Tiefe und bietet von der neuen
Aussichtsplattform ein unvergessliches
Naturschauspiel. Der Erlebnisweg „Alles
Alm“ bei der Gnadenalm wartet mit liebevoll
gestalteten Erlebnisstationen auf entdeckungsfreudige
Familien. Im verträumten
Twenger Lantschfeld genießen Wanderer
blühende Almwiesen, stille Pfade und das
Gefühl, der Natur ganz nah zu sein.
WANDERN, TRAILRUNNING
UND NATURGENUSS
Über 280 Kilometer markierte Wanderwege,
acht Trailrunning-Strecken und unzählige
Touren bieten Naturerlebnis pur – von der
Taurach in Tweng über Almpfade in Untertauern
bis zu aussichtsreichen Gipfeln rund
um Obertauern. Selbst Angeln, Reiten und
romantische Kutschfahrten stehen auf dem
Programm. All dies geschieht inmitten unberührter
Natur und einer beeindruckenden
Bergkulisse.
Entgeltliche Einschaltung Fotos: Mirja Geh (3)
URLAUB ZWISCHEN BERGEN, TÄLERN
UND BERGSEEN
Die Tourismusregion Obertauern erstreckt
sich von Untertauern über den Radstädter
Tauernpass bis nach Tweng im Salzburger
Lungau und vereint das Beste aus zwei
alpinen Welten: die hochalpine Landschaft
Obertauerns zwischen 1.740 und 2.526
Metern sowie die idyllischen Talorte Untertauern
(1.009 m) und Tweng (1.233 m).
Während man in Obertauern den Sommer in
luftiger Höhe genießt, laden die Talorte zu
gemütlichen Wanderungen, Genussradtouren
sowie entspannten Badetagen ein.
ERFRISCHUNG UND ERLEBNIS
FÜR DIE GANZE FAMILIE
Während in den Städten die Hitze drückt,
bleibt es in der Region angenehm kühl. Elf
glasklare Bergseen, zahlreiche Gebirgsbäche
und natürliche Quellen laden zum Abkühlen
ein. Besonders beliebt ist der Grünwaldsee in
Obertauern mit der neu erweiterten Bobby’s
Erlebniswelt. Die Auffahrt erfolgt entspannt
über eine der drei Sommerbergbahnen. In
Untertauern lockt der Wild- und Freizeitpark
mit Naturbadeteich und Streichelzoo. Tweng
punktet mit ruhiger Lage und ist idealer Ausgangspunkt
für Almwanderungen und
traumhaften Bike-Touren.
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 41
NATURINSEL ELBA
GÖNNE AUCH DU DIR EIN EXIL
MARIA KAPELLER
Berühmt aus Film und Literatur, bietet die italienische Insel weit mehr als historische Schauplätze: Neben
Geschichte und Kultur trifft man auf herzliche Gastfreundschaft, sympathische Eigenart und nachhaltige
Visionen. Das formt eine Vorstellung davon, was Inselglück bedeutet.
„Wer Elba nicht kennt, denkt an Napoleon. Wer Elba kennt, eher nicht“, sagt Reiseführerin Monika Monti
beim Rundgang durch die ehemalige Sommerresidenz des gestürzten Kaisers. Napoleon Bonaparte lebte
während seines knapp einjährigen Exils von Mai 1814 bis Februar 1815 auf Elba; die Villa San Martino
zählt heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Insel. Auch Film und Literatur griffen dieses
Kapitel auf: Ridley Scotts Historienepos Napoleon (2023) zeigt Szenen aus dem Exil, wurde jedoch nicht
auf Elba gedreht. In derselben Epoche spielt Alexandre Dumas’ Roman „Der Graf von Monte Christo“
(1844 bis 1846), in dem der junge Seefahrer Edmond Dantès wegen eines Briefes Napoleons aus Elba zu
Unrecht verhaftet wird. Nach 14 Jahren Kerker flieht er und wird dank eines Schatzes, der auf der Insel
Montecristo versteckt ist, zum reichen Grafen, der an jenen Rache nimmt, die ihn verraten hatten.
Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, erstmals 1908 als Stummfilm und zuletzt 2024 in einer epischen
Neuadaption. Kein Wunder, dass Napoleon beim Gedanken an Elba so präsent ist. Umso spannender ist
es, sich der Insel jenseits der historischen Kultfigur zu nähern.
Blick vom Sandstrand Lacona auf die Insel Montecristo
Fotos: Maria Kapeller (2)
Die Insel Montecristo zum
Beispiel gibt es wirklich: An
klaren Tagen scheint das
rund zehn Quadratkilometer
große Eiland zum Greifen nah, während
es an trüben Tagen im Dunst zwischen
Himmel und Meer verschwindet – es
liegt immerhin 40 Kilometer vor der
Küste Elbas. Jahrhunderte lang lebten
Mönche auf der Insel, heute ist Montecristo
streng geschützt. Gemeinsam
mit Elba, fünf weiteren kleinen Inseln
und dem umgebenden Meeresgebiet
bildet sie den Nationalpark „Toskanisches
Archipel“.
Einen der schönsten Blicke auf Montecristo
genießt man vom langen
Sandstrand von Lacona, etwa auf der
Terrasse des Bistrot Miramar. Das
Strandlokal gehört zum Campingplatz
Valle Santa Maria, den Gabriele
Rotellini in dritter Generation führt.
„Meine Großeltern nahmen 1965 zum
ersten Mal Gäste aus Deutschland auf,
die fragten, ob sie hier ein Zelt aufstellen
könnten“, erzählt er. Obwohl
Gabriele am Festland Sport studierte
und kurz als Lehrer arbeitete, widmet
er sich seit vielen Jahren mit Herzblut
dem Familienbetrieb. Der Campingplatz
trägt das EU-Ecolabel: Warmwasser
entsteht durch Photovoltaik
und Solarthermie, Strom stammt aus
grünen Quellen und der Verbrauch
von Wasser, Gas und Energie wird bewusst
niedrig gehalten. Im Sommer
bleibt kaum Zeit zum Durchatmen –
oder für einen Sprung ins Meer.
Trotzdem sagt Gabriele: „Ich liebe
diese Arbeit, dieser Campingplatz ist
mein Leben.“ Erst im November und
Dezember kehrt Ruhe ein, dann stehen
Wartungsarbeiten an. Im Winter
engagiert sich Gabriele in der Inselpolitik
und setzt sich für nachhaltige
Tourismusstrukturen ein.
Mit seinem Interesse für nachhaltigen,
sanften Tourismus ist er auf
„Wer Elba nicht kennt,
denkt an Napoleon.
Wer Elba kennt, eher
nicht“,
Reiseführerin Monika Monti
über Elba
der Insel auch nicht allein: Der familiengeführte
Parfümhersteller Acqua
dell’Elba – mit rund 120 Angestellten
einer der bedeutendsten Arbeitgeber
Elbas – gründete 2022 eine Stiftung
zur Förderung von Umwelt-, Bildungsund
Kulturprojekten. Gemeinsam mit
der UNESCO entstand die „Blaue
Schule“, in der Schüler*innen lernen,
wie wichtig der Schutz des Meeres ist.
Für das Frühjahr 2026 ist die Eröffnung
des rund 70 Kilometer langen
Küstenwanderwegs La Via dell’Essenza
geplant. Entlang des Pfades erfahren
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 43
1
2
3 4
1 Der Garten von Luigi und Mari Bellissimo mit
dem Freiluftrestaurant La Finca
2 Der Strand Sansone
3 Capoliveri
4 Stoccafisso, ein typisches Stockfischgericht
im Bistrot Miramar.
Wanderbegeisterte mehr über mediterrane
Pflanzen wie Lavendel oder
Rosmarin, deren Essenzen in Parfüms
verarbeitet werden. Das Projekt entsteht
in Kooperation mit dem Nationalpark,
derzeit wird ein Netzwerk an
umweltfreundlichen Unterkünften
erarbeitet.
Unternehmergeist und Nachhaltigkeit
verbinden auch Fabrizio und Serena Falcone.
In ihrem Getränkeshop Calata
Mazzirits in der Bucht der Inselhauptstadt
Portoferraio verkaufen sie regionale
Weine, Olivenöl, Eingelegtes – und
ihr eigenes Bier „Salina“, das mit Meerwasser
gebraut wird. „Wir entnehmen
der Natur Wasser. Also wollten wir ihr
auch etwas zurückgeben. Deshalb sind
wir eine Partnerschaft mit dem Nationalpark
eingegangen“, erzählen sie.
Wer zwei Flaschen kauft, spendet automatisch
zwei Euro für Projekte zum
Schutz maritimer Tiere wie der Mittelmeer-Mönchsrobbe.
Ihre nächsten
Pläne sind konkret: Auf einem neu erworbenen
Stück Land wollen sie Gemüse
anbauen und ein kleines Agriturismo
errichten.
Einen ähnlichen Traum haben Luigi
und Mari Bellissimo schon verwirklicht.
2018 kauften sie oberhalb der Bucht
von Lacona ein verwildertes Stück
Land und machten es wieder fruchtbar.
Heute wachsen dort Salat, Tomaten,
Zucchini, Erdbeeren, Feigen, Granatäpfel
und noch viel mehr. Luigi, gebürtiger
Elbaner, und Mari, ursprünglich
aus Teneriffa, verbringen ihre Tage mit
Umgraben, Pflanzen, Jäten, Gießen und
Ernten. „Das hier ist viel mehr Arbeit
als mein früherer Gastro-Job, aber es
macht mich deutlich zufriedener“, sagt
Luigi, das Gesicht von der Sonne gegerbt.
Die Ernte landet an ausgewählten
Abenden frisch auf den Tellern ihres
Freiluftrestaurants „La Finca“: eine
Feuerstelle, Tische und Stühle auf der
Wiese, Lichterketten. Reserviert wird
ausschließlich per Handychat – und
statt einer Speisekarte entscheidet man
sich einfach für Fleisch oder Fisch mit
Gemüse.
Die Unverfälschtheit Elbas zieht vor
allem Campingurlaubende und naturverbundene
Gäste an: Rund die Hälfte
der Insel ist Teil des Nationalparks.
Neubauten sind stark eingeschränkt,
wodurch ursprüngliche Wälder, Macchia
(dicht stehende, immergrüne Büsche)
und Küstenlandschaften erhalten
bleiben. Sanfter Tourismus bedeutet
hier: baden, wandern, Rad fahren, genießen.
Da Elba nur einen kleinen
Flughafen hat, reisen die meisten Besuchenden
mit Auto, Campingwagen,
Zug sowie mit der Fähre an – die Überfahrt
vom italienischen Festland dauert
nicht mal eine Stunde. Neben Campingplätzen
prägen familiengeführte
Fotos: Maria Kapeller (4)
44 — 1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N)
TIPPS FÜR ELBA
ANREISE
Mit Camper, Auto oder Zug zum Fährhafen
Piombino südlich von Pisa – die Überfahrt
nach Elba dauert 40 bis 60 Minuten.
Fähranbieter: Moby Lines, Blu Navy,
Toremar.
Tipp für die Rückfahrt:
Vor Abfahrt des Nachtzugs am Bahnhof
Firenze Campo di Marte in der Trattoria
Ada in Bahnhofsnähe einkehren.
+39 3472620074.
ÜBERNACHTEN
Camping Valle Santa Maria
Mit dem EU-Ecolabel zertifizierter, familiengeführter
Campingplatz direkt am Strand
von Lacona, der auch Ferienwohnungen,
Mobile Homes und Glampingzelte bietet.
Frühstück, Mittagessen & mehr im angeschlossenen
Bistro Miramar direkt am Strand.
www.vsmaria.it/de; www.miramarbistrot.it
Agritourismo Montefabbrello
Familiengeführtes Bio-Weingut im Umland
von Portoferraio mit fünf Gästezimmern
und Restaurant. Im kleinen Laden werden
Weine, hausgemachte Pasta, selbst
produziertes Olivenöl und mehr verkauft.
www.aziendaagricolamontefabbrello.it
Lacona; mit Spielplatz, Lagerfeuerstelle und
im Garten verteilten Tischen. Keine
Speisekarte, keine Website, Reservierung
via WhatsApp: +39 340 862 22 86.
Officina Gondolino
Regionale Küche mit Meerblick im Pomente:
Im Gastgarten auf den Klippen schaut man
hier der Sonne zu, wie sie über der Nachbarinsel
Korsika untergeht. Die Gerichte
reichen von Wildschweinragout über
gegrillten Oktopus bis Seebrasse.
+39 328 886 7055
Cantina Elbana
Ehemalige Weinhandlung, heute Restaurant
im Vintage-Stil mit einfachem Gastgarten
und regionaler Küche – vom Meeresfrüchte-
Eintopf bis zu Tagliatelle mit Wildschwein,
Lage im Grünen in der Nähe von Marina di
Campo; www.facebook.com/cantinaelbana;
+39 392 9595447
Il Castagnacciaio
Die älteste Pizzeria von Portaferraio (seit
1885) wird von drei Brüdern geführt. Lokale
Besonderheit ist die Tora de Ceci, eine Art
Palatschinke aus Kichererbsenmehl, außen
knusprig und innen weich. +39 0565 915845
Gelateria La Svolta
Handgemachte Granitas (Halbgefrorenes)
und Milcheis mit regionalen Zutaten,
verfeinert mit Früchten, Nüssen und mehr.
Kompostierbare Becher, ideale Lage zum
Schlendern entlang der Bucht von Marciana
Marina. de.gelaterialasvolta.it
KULTUR
Villa di San Martino
Napoleons Sommerresidenz mit ihren
historischen Räumen.
www.museiarcipelago.it/
musei/villa-san-martino
Galerie Christina Sammarco
Kleines Atelier mit Galerie im Hafen von
Portoferraio – die italienische Künstlerin
lässt sich von der Natur auf und um Elba
inspirieren, um „innere Landschaften“ zu
erschaffen. www.christinasammarco.com
Mine Calamita
Ausstellung und Führung durch den
stillgelegten Stollen. Bis 1981 wurden hier
Eisenerze wie Magnetit abgebaut, das
Vorkommen war eines der bedeutendsten
in Italien. www.minieredicalamita.it
EINKAUFEN
Wochenmarkt
Der Insel-Wochenmarkt findet jeden
Vormittag in einer anderen Gemeinde statt;
hier gibt es Sandalen, Strandtücher, aber
auch lokale Produkte wie (Kastanien-)
Honig, Eingemachtes und frisches Gemüse
zu kaufen.
Handmade Elba
Kleiner Laden in der Fußgängerzone
(Via Roma 43) von Capoliveri. Jessika Muti
fertigt aus Schwemmholz, italienischen
Stoffen und Farbe Dekostücke und
Mitbringsel an. www.facebook.com/
handmadeelbacapoliveri
WANDERN
Fotos: Maria Kapeller (3)
Stile Liberio
Lavendel und Oleander im Garten, sechs
individuelle Zimmer mit Balkon oder
Terrasse, ein kleiner Pool und liebevoll
zubereitetes Frühstück hoch über der Bucht
von Lacona. www.stileliberobnb.it
ESSEN
La Finca
Fast noch ein Geheimtipp: Nachhaltig
bewirtschafteter Garten über der Bucht von
Museo del Mare
Kleines, sehenswertes Museum in der
Altstadt von Capoliveri – es erzählt die
Geschichte des Untergangs eines
französischen Dampfschiffs 1841 vor der
Küste von Capo Calvo. Es blieb bis 2000
auf dem Meeresgrund und ist heute im
Museum ausgestellt.
www.museiarcipelago.it/en/musei/
museo-del-mare
Teatro dei Viglianti
Im 17. Jahrhundert Kirche, später Militärdepot,
1814 von Napoleon zum Theater
umgebaut; historisches Flair mit Bühnengemälde
und samtenen Stühlen.
www.museiarcipelago.it/
musei/teatro-dei-vigilanti
Grande Traversata Elbana (GTE)
Bergpfade, Macchiawälder, Meerblick: Der
Weitwanderweg führt in drei Etappen auf
rund 60 Kilometern quer über die Insel.
www.islepark.it/grande-traversata-elbana-gte
Via dell’Essenza
Knapp 70 Kilometer langer Weitwanderweg
entlang der Küste. Die acht Etappen sind
nach mediterranen Pflanzen benannt.
www.islepark.it/percorsi/via-dellessenza
Nationalpark Toskanisches Archipel
Elba gehört gemeinsam mit sechs kleineren,
teils unbewohnten Inseln zum Nationalpark
mit rund 375 Kilometern Wanderwegen.
Plus: Workshops, geführte Touren etc.
www.parcoarcipelago.info
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 45
Pensionen und Hotels das Angebot.
Während die Insel im Sommer gut besucht
ist, lohnt sich eine Reise auch in
der Vor- oder Nachsaison. Dann ist es
auch an den rund 150 Stränden und
Buchten ruhiger. Campingplatzbetreiber
Gabriele verbringt seine freien
Stunden am liebsten am Strand Sansone,
zehn Autominuten westlich von
Portoferraio. Steile Stufen führen hinab
zum hellen Kiesstrand, das Wasser
leuchtet türkis und hinter dem Strand
erheben sich helle, grün bewachsene
Felsen. Von der Bar Sansone Reef bietet
sich ein weitschweifender Blick auf die
Bucht.
Die Strände, das Meer, die unzähligen
Blau- und Lichtnuancen – all das prägt
die Menschen hier. „Das Meer und das
Licht sind in uns“, sagt die Künstlerin
Francesca Burrascano. In den Werken,
die sie als Teil des Künstlerkollektivs
„Das Meer und das
Licht sind in uns“,
sagt die Künstlerin
Francesca Burrascano
„Circulo degli Artisti Isola d‘ Elba“ im
Durchgangsbogen der ehemaligen Hafenbehörde
von Portoferraio ausstellt,
spiegelt sich dieses Lebensgefühl wider:
leuchtende Blautöne, Sonnenreflexe,
schäumendes Wasser. „Dieses
Bild“, erklärt sie und zeigt auf ein Ausstellungsstück,
„stellt das Gefühl dar,
wenn man am Strand einnickt, aufwacht
– und noch nicht ganz weiß, was
man sieht.“ Das Kollektiv zeigt im ehemaligen
Hafengebäude jedes Jahr von
Mai oder Juni bis September neue
Werke regionaler Künstler*innen.
Eindösen, aufwachen, sanft die Wellen
plätschern hören und ins Sonnenlicht
blinzeln: So kann es einem auch
am Strand von Lacona ergehen. Man
blickt in die Weite der Bucht – und
entdeckt am Horizont einen Felsen.
Montecristo? Dann reibt man sich die
Augen und greift wieder zum aufgeschlagenen
Roman, der am Strandtuch
liegt. Jedes Jahr im Mai wird das
Meeresrauschen allerdings von Blasmusik
übertönt: Nämlich dann, wenn
am 4. Mai Napoleons Ankunft auf der
Insel im Jahr 1814 pompös gefeiert
wird: Mitglieder des Vereins Associazione
Culturale Petite Armée schlüpfen
in nostalgische Kostüme, stellen
historische Szenen nach und ziehen
durch die Inselhauptstadt. Wer genau
hinschaut, entdeckt unter einem Hut
mit breiter Krempe womöglich auch
das Gesicht von Campingplatzbetreiber
Gabriele. Trotz der vielen Arbeit
lässt er sich das jährliche Spektakel
nicht nehmen. ←
WEITWANDERN. BERGE VOLL GELASSENHEIT
Entgeltliche Einschaltung Fotos: Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern/Florian Kreidl-Glueck (2)
Etappe 03 am Hohe Tauern Panorama Trail –
Das Kröndlhorn
Der Hohe Tauern Panorama Trail führt
durch den Salzburger Teil des Nationalparks
Hohe Tauern und damit durch eine der
schönsten Naturlandschaften der Erde.
Klein ist das Gepäck, groß die tägliche
Vorfreude. Je länger wir unterwegs sind,
umso selbstverständlicher werden die
Routinen: Schuhe auslüften, Jause packen,
Wetterbericht checken. Nebel lichten sich:
Im Geist ebenso wie oben auf den Bergen,
wo die Gletscher von Großglockner, Hohem
Sonnblick und Großvenediger ins Blickfeld
rücken.
Wir treffen Wanderer, Ranger und Jäger,
Sennerinnen und Hüttenwirte. Gämsen
klettern, Murmeltiere pfeifen, Adler kreisen.
Am späten Nachmittag erreichen wir die
Nationalparkorte mit Abstechern ins Freibad
oder ins Museum. Oder wir verbringen
unvergessliche Nächte hoch oben auf den
Hütten mit Blick in den sternenübersäten
Himmel und unfassbarer Stille.
Welch Wunder bringt diese Erde hervor!
Und wir mittendrin. Der Nationalpark Hohe
Tauern ist das größte Schutzgebiet der
Alpen: Ihn zu durchwandern – in moderater
Höhenlage und auf sicheren, Wegen –
eröffnet neue Perspektiven. Sogar Wander-
Einsteigern, wie wir es sind. Wir staunen
Berge! Berge voll Gelassenheit.
Etappe 02 am Hohe Tauern Panorama Trail –
Der Leitenkammersteig
HOHE TAUERN PANORAMA TRAIL
Weitwanderweg mit 270 Kilometern
Länge von Krimml über Mittersill, Zell am
See, Rauris und Bad Gastein nach
Hüttschlag/Großarltal
17 Tagesetappen in der Ferienregion
Nationalpark Hohe Tauern (Salzburger Land)
Übernachtungen wechselweise im Tal
oder auf den Bergen.
Alternativrouten bei Schneelage zu
Saisonbeginn
Buchbare Wanderpakete unterschiedlicher
Länge (Mitte Mai bis Ende September)
BEISPIEL GREEN SPIRIT:
KLIMAFREUNDLICHES WANDERN
MIT BAHNANREISE
Inkl. Transfer vom und zum Bahnhof
Übernachtungen, Verpflegung,
digitale Reiseunterlagen etc.
7 Übernachtungen/6 Etappen
ab € 846
pro Person im DZ
Kontakt, Infos und Buchung:
Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern
Gerlosstraße 18, 5730 Mittersill
Tel. +43 6562 40939
hohetauerntrail@nationalpark.at
www.hohetauerntrail.at
instagram.com/nationalpark_at
#hohetauerntrail
46 — 1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N)
Foto: Toruismusverband Ausseerland Salzkammergut/Tom Lamm
ALTAUSSEE
WAS 007 UND BARBARA FRISCHMUTH GEMEINSAM HABEN
Altaussee gilt seit dem 19. Jahrhundert als Rückzugsort für Literaten und Künstler.
Bis heute prägen See, Berge und ein lebendiges Kulturgedächtnis den Ort. Wer abseits der Saison kommt,
erlebt eine Region, die Ruhe, Geschichte und Inspiration verbindet.
THOMAS HARTL
Arthur Schnitzler auf Sommerfrische in
Altaussee
Langsam erhebt sich am Morgen
der Nebel – zuerst erscheint
der dunkle See, dann die Berge,
die ihn umrahmen. An windstillen
Tagen spiegeln sie sich glasklar
in der Wasseroberfläche, als
würde die Landschaft doppelt existieren.
Dieses Schauspiel und die
Stille des Sees haben etwas Anziehendes.
Sie haben über Generationen
Menschen dazu bewegt, hierherzukommen
und in dieser besonderen
Atmosphäre zur Ruhe zu finden. Für
Schriftstellerinnen, Künstler und
Denker ist Altaussee seit über 150
Jahren ein Rückzugsort, ein Resonanzraum
und ein Platz, an dem Gedanken
leichter fließen. Viele empfinden
den Ort bis heute als Einladung
zum Schreiben und zum
Nachdenken.
EIN TAL ALS LITERARISCHE HEIMAT
Die literarische Geschichte des Ortes
begann im 19. Jahrhundert – rund
um die Familien Binzer und Zedlitz
trafen sich Gäste aus der Stadt in
Villen, bei Seeausflügen und bei gemeinsamen
Lesungen – ein Art Salon
im Freien, in dem Literatur, Musik
und Gespräche selbstverständlich
waren.
Altaussee und das gesamte Ausseerland
gelten seither als eine der Wiegen
der Sommerfrische. Künstler,
Adelige, Literaten und Intellektuelle
verbrachten hier ihre Sommermonate
und ließen sich von der Landschaft
zu neuen Werken inspirieren.
Die Verbindung aus Ruhe, Natur
und Austausch zog besonders jene
an, die Zeit zum Denken und Schreiben
suchten. Hugo von Hofmannsthal,
Jakob Wassermann und später
Friedrich Torberg fanden hier einen
Ort, der sie nicht nur erholte, sondern
auch künstlerisch beflügelte.
„[…] und bin, ich muss
es mir gestehen, wo ich
von allen Orten am
liebsten, am meisten
ich selber bin.“
Hugo von Hofmannsthal
über das Ausseerland
KULTUR, DIE IM ALLTAG WEITERLEBT
Eine gute Möglichkeit, der literarischen
Geschichte des Ortes näherzukommen,
bietet die „LiteraTour“,
ein literarischer Spaziergang durch
das Dorf. Die Route führt zu Plätzen,
an denen Texte entstanden
sind oder die Künstler inspirierten.
Aber auch jenseits der klassischen
Literatur hat Altaussee viele Künstler*innen
geprägt – Klaus Maria
Brandauer wuchs zum Beispiel teils
in Altaussee auf und bezeichnet den
Ort bis heute als seine Heimat.
Was Altaussee mit Literatur, Kunst
und prominenten Gästen verbindet,
ist aber kein bloßes Klischee. „Die
Leute sind hier stolz auf die alten
Literaten, das ist schon etwas Besonderes.
Wenn man weiß, welche Größen
der Literatur und der Gesellschaft
hier lebten oder hier Sommerfrische
machten, dann bedeutet das
etwas“, sagt Monika aus dem nahen
Grundlsee, die in Altaussee als Hausmeisterin
arbeitet.
Auch sie kennt die lokale Geschichte
genau, weiß, in welchem Hotel Kaiserin
Sisi einst abgestiegen ist und in
welchem Café dieser oder jener
Künstler seinen Kaffee trank.
Während sie den Papiercontainer
nach draußen schiebt, erzählt sie mit
leuchtenden Augen von den Schriftsteller*innen
der Region und davon,
welches Buch von Barbara Frischmuth
sie gerade liest. Die Autorin
und gebürtige Altausseerin prägte
den Ort literarisch und gesellschaftlich.
Ihr Tod im Frühjahr 2025 hat
eine Lücke hinterlassen, doch ihr
Fotos: TVB Ausseerland Salzkammergut/Tom Lamm; Literaturmuseum Altaussee
48 — 1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N)
Der Altausseer See
AKTIVITÄTEN
„LITERATOUR“
Der literarische Spaziergang durch
Altaussee beginnt beim Literaturmuseum
im historischen Amtshaus. Entdecke Briefe,
Manuskripte und historische Exponate,
nimm im von Barbara Frischmuth
gestalteten Literaturgarten Platz und höre
regionalen Shuttle erreichbar ist. Und
schließlich kann sich ein Besuch im Hotel
Seevilla lohnen, das Johannes Brahms
im 19. Jahrhundert für musikalische
Uraufführungen nutzte und das bis heute
Kulturprogramme anbietet.
www.literaturmuseum.at
RUNDWEG UM DEN
ALTAUSSEER SEE
Der klassische Spazierweg beginnt beim
Parkplatz Seeklause oder bei der Seewiese,
besonders eindrucksvoll ist er außerhalb der
Hauptsaison.
Strecke: ca. 7 km
Zeit: 1,5 bis 2 Stunden
Fotos: TVB Ausseerland Salzkammergut/Tom Lamm; Literaturmuseum Altaussee; Thomas Hartl
Friedrich Torberg, 1977 in Altaussee
Auszüge aus Wassermann, Torberg oder
Hofmannsthal. Von dort geht es weiter zu
Gasthöfen, die einst wichtige Treffpunkte
waren: Im Gasthof zum Loser soll Hofmannsthal
oft gesessen haben, im Café
Fischer las Torberg Zeitung und beobachtete
das Dorfgeschehen. Der Weg führt
auch zur Seewiese am Nordufer, einem
magischen Platz unterhalb des Toten
Gebirges, der nur zu Fuß oder mit einem
KULTUR ERLEBEN
Einzelne Hotels und Einrichtungen
veranstalten Lesungen oder kleine
Kulturformate.
EINKAUFEN
Das Altausseer Salz hat eine lange Tradition
und wird bis heute vor Ort gewonnen.
In kleinen Geschäften finden sich
außerdem lokale Handwerks- undLebensmittelprodukte.
INFO
NACHHALTIGKEIT
Das Ausseerland trägt das Österreichische
Umweltzeichen für Tourismusregionen –
die Region setzt auf sanfte Mobilität,
naturnahe Angebote und einen achtsamen
Umgang mit Landschaft und Kultur. Viele
Der Looser spiegelt sich im klaren See
Wege sind gut zu Fuß oder mit dem Rad
erreichbar. Folgende Unterkünfte sind mit
dem Österreichischen Umweltzeichen
zertifiziert:
Podenhaus, Genuss am See (Bad Aussee),
AlpenParks Hagan Lodge (Altaussee),
Chalet Tauplitz, Hotel DER HECHL,
Hotel Seebacherhof, Tauplitzhaus (Tauplitz),
Hotel Kogler (Bad Mitterndorf).
www.lebensart-reisen.at/
umweltzeichen-fuer-das-ausseerland
www.ausseerland.at
MOBILITÄT
Buslinien verbinden die Orte im Ausseerland,
in der Hauptsaison gibt es zusätzliche
Verbindungen zu beliebten Ausflugszielen.
Anreise mit den ÖBB bis Bad Aussee, weiter
mit Regionalbus 955 nach Altaussee.
1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N) — 49
Letzter Stollen - Der sechste Altaussee Krimi.
Susanne Hilgert, Ruth Rieser, Martina Gedeck &
Johannes Zeiler
Landschaftsfoto von Altaussee mit Loser und
Tressenstein
Werk und ihre Präsenz sind weiterhin
spürbar – so spürbar wie die Verbindung
der Menschen mit der Literatur
in Momenten wie diesem.
ZWISCHEN HOCHKULTUR
UND LEICHTER MUSE
Vielleicht ist es die Mischung aus
Ruhe, Landschaft und Atmosphäre, die
auch Film- und Fernsehteams hierherzieht.
Ein besonderes Kapitel bilden die
Krimis, die bewusst mit dem Charme
des Salzkammerguts spielen – sie nutzen
die Kombination aus Postkartenidylle,
abgeschiedenen Almen und tiefen
Seen, um pointierte Geschichten
zu erzählen. Autor*innen wie Alfred
Komarek, der seinen Polizisten Simon
Polt durch das Ausseerland ermitteln
lässt, haben der Region ein eigenes kriminalistisches
Flair verliehen. Auch
TV-Produktionen wie die Serie „Der
Altaussee-Krimi" greifen diese Stimmung
auf. Die Landschaft eignet sich
daher nicht nur für ernste Literatur,
sondern auch für erzählerische Formen,
die mit Atmosphäre, Spannung
und regionalem Kolorit arbeiten.
FILMREIF: ALTAUSSEE ALS KULISSE
Dass die Gegend fast unwirklich
schön ist, blieb auch internationalen
Filmproduktionen nicht verborgen.
Im James-Bond-Film Spectre kann
man daher Blicke auf das Ausseerland
erhaschen. Die dramatische
Felswand des Losers und das dunkle
Wasser des Sees gaben der Geschichte
jene Mischung aus Eleganz
und Bedrohung, die man aus Bond-
Filmen kennt. Wer den Drehorten
nachspüren möchte, kann den Wanderweg
zur Seewiese nehmen und
die unveränderte Landschaft erleben;
sie ist ein Naturraum, der ohne
künstliche Inszenierung auskommt.
ZWISCHEN STILLE UND
AUSNAHMEZUSTAND
Altaussee ist Luftkurort. Für Autofahrer
heißt das: Bitte langsam fahren.
In weiten Teilen des Ortsgebiets
gilt Tempo 30. Meist ist es hier im
1.900-Einwohner-Ort ruhig, fast meditativ,
besonders im Herbst und
Winter. Des Nachts hört man dann
keinen Mucks. Doch es gibt Momente,
in denen die Stille einem echten
Besucherandrang weicht. Der
jährliche Altausseer Kirtag ist der
Höhepunkt des Ansturms. Was als
traditionelles Fest beginnt, entwickelt
sich jedes Jahr zu einer lebhaften,
lauten, ungewohnt ausgelassenen
Feier. Und auch wenn Altaussee
nicht von einem so massiven Besucherandrang
betroffen ist wie das
nahe Hallstatt, beobachten manche
Bewohner*innen den zunehmenden
Tagestourismus mit Besorgnis.
STILLE ZEITEN AM SEE
Wer Altaussee wirklich erleben
möchte, sollte daher außerhalb der
Saison und nicht zu Feiertagen kommen.
Besonders eindrucksvoll ist der
Rundweg um den Altausseer See, ein
schmaler Pfad, der sich entlang steiler
Hänge und durch einen kleinen Wald
schlängelt. Je weiter man ans hintere
Ende des Sees gelangt, desto leiser
wird es. Das Rauschen des Wassers
löst das Stimmengewirr der Wandernden
ab und oft begegnet man über
lange Strecken niemandem.
Vor allem an Tagen, an denen das
Wetter unbeständig ist, gehört der
See den wenigen, die sich trotzdem
auf den Weg machen. Dann liegt er,
eingerahmt von Bergen, ganz still da.
Ein geschützter Raum, den man für
eine Stunde oder zwei ganz für sich
hat. In solchen Momenten wird spürbar,
warum dieser Ort so viele Künstler*innen,
Suchende und Ruhesuchende
anzieht. Die Landschaft
schafft Staunen und bei manchen
auch eine innere Berührtheit, die man
im Alltag oft vergeblich sucht. Zugleich
gilt eine alte Zen-Weisheit, die
sagt, man finde auf dem Gipfel eines
Berges nur so viel Frieden, wie man
mitgebracht hat. Auch in Altaussee
wirkt die Landschaft nicht von selbst.
Sie öffnet aber eine Tür, durch die
man bereit sein muss zu gehen. ←
Fotos: ServusTV/Valentin Weinhäupl (2)
50 — 1 | 2026 REISEN – GESCHICHTE(N)
687-SEELEN-GEMEINDE
PLUS EIN GEHEIMAGENT
Foto: IceQ tirol Werbung/David Schreyer
Dramatisch ist die Szene, in der James Bond über den
winterlichen Altausseer See gleitet – das ist aber nicht
der einzige österreichische Drehort von „Spectre“:
Auch im Osttiroler Bergdorf Obertilliach und in den
Ötztaler Alpen wurde gedreht – zu bewundern in einer
Verfolgungsjagd per Flugzeug.
Für Fans gibt es neben dem ice Q Restaurant (oben),
das im Film eine tragende Rolle spielt, auch eine
Bond-Erlebniswelt zu entdecken: Die 007 Elements,
die, in den Berg hineingebaut, selbst wie ein Bösewicht-Geheimversteck
anmutet.
www.soelden.com/de/
aktivitaeten/ausflugsziele/007-elements
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Schlafen
mit Geschichte
Im Norden von Niederösterreich wartet
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ein außergewöhnliches Urlaubserlebnis.
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