21.04.2026 Aufrufe

FOOTSTEPS Edition Zero

Es war einst die Zeit der Grand Tour, als neugierige Kosmopoliten im 18. Jahrhundert durch Europa reisten, um Kunst, Kultur und das Leben selbst zu entdecken. Aus diesem Geist heraus haben wir FOOTSTEPS ins Leben gerufen. Wir bringen dich als Reisender, der Zeit hat, an Orte, die teilweise fernab von den Hauptadern unserer modernen Verkehrsrouten liegen. Heute beginnen wir gemeinsam eine erste Reise – angestiftet und belebt von Menschen, die mit Erfahrung, Bewusstsein und Freude am Schönen unterwegs sind. Der Weg selbst ist deine Heimat, und jeder Schritt eine Einladung zum Verweilen und zur Verwandlung.

Es war einst die Zeit der Grand Tour, als neugierige Kosmopoliten im 18. Jahrhundert durch Europa reisten, um Kunst, Kultur und das Leben selbst zu entdecken. Aus diesem Geist heraus haben wir FOOTSTEPS ins Leben gerufen. Wir bringen dich als Reisender, der Zeit hat, an Orte, die teilweise fernab von den Hauptadern unserer modernen Verkehrsrouten liegen. Heute beginnen wir gemeinsam eine erste Reise – angestiftet und belebt von Menschen, die mit Erfahrung, Bewusstsein und Freude am Schönen unterwegs sind. Der Weg selbst ist deine Heimat, und jeder Schritt eine Einladung zum Verweilen und zur Verwandlung.

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auf den Spuren der Cosmopolitans

Entdecken Gastrfreunschaft Geniessen

STERNEN UND NONNAs KÜCHE

Zu Gast bei Oscar und Francesca

SÜDTIROLER WEINSTRASSE

In den Rebbergen bei Elena Walch

VON INNSBRUCK NACH BOLOGNA

Auf Goethe’s Spuren durch Norditalien

EDITIONZERO, 2026 | Travel Magazine for Silver Ager



EDITORIAL

Auf den Spuren der Cosmopoliten.

Es war einst die Zeit der Grand Tour, als neugierige

Kosmopoliten im 18. Jahrhundert durch Europa

reisten, um Kunst, Kultur und das Leben selbst zu

entdecken.

Aus diesem Geist heraus haben wir FOOTSTEPS

ins Leben gerufen. Wir bringen Dich als Reisender,

der Zeit hat, an Orte, die teilweise fernab von den

Hauptadern unserer modernen Verkehrsrouten liegen.

Heute beginnen wir gemeinsam eine erste Reise

– angestiftet und belebt von Menschen, die mit

Erfahrung, Bewusstsein und Freude am Schönen

unterwegs sind. Der Weg selbst ist Deine Heimat,

und jeder Schritt eine Einladung zum Verweilen

und zur Verwandlung.

Mit Footsteps begleiten wir Dich, wenn Du den

dritten Lebensabschnitt als Zeit der Entdeckung

betrittst: Du bist offen für das Neue, bereit, Schönheit

und Vielfalt zu umarmen. Du bist Reisender

und Suchender zugleich – einer, der die Kultur

nicht nur sehen, sondern verstehen möchte, der den

Zeitgeist erspüren will wie den Wind auf der Haut.

Du suchst den Genuss, die Vielfalt, den seelischen

Reichtum, der in der Stille zwischen zwei Atemzügen

wohnt.

Dabei entstehen Begegnungen, die das Herz berühren,

und Inspiration, die wie ein Funke überspringt

und in Dir ein neues Licht entzündet. Komm, reise

mit uns – nicht nur durch Orte, sondern durch die

Landschaften deiner eigenen Seele und entdecke

wunderbare Zeitgenossen auf Deinem Weg.

Auf den Spuren unserer Vorfahren nehmen wir

Dich mit auf eine Reise zu unseren verborgenen

Schätzen. Fernab der grossen Strassen führen wir

Dich zu jenen Orten und Begegnungen, die unser

Herz berühren – zu dem, was wir selbst suchen und

lieben. Lass Dich ein auf das, was wir mit Dir teilen

möchten.

Wie könnte es anders sein? Auf der Null Reise folgst

Du den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe.

Unter dem Namen Johann Philipp Möller, seinem

gebräuchlichsten Decknamen während der ersten

Italienreise, wandelte er einst durch diese Lande.

Wir folgen den Zeilen seines Tagebuchs von Innsbruck

nach Bologna und verschmelzen in dieser

Ausgabe Tradition und Moderne. Wir laden Dich

ein, unsere Zeitreise zu verfolgen.

Denn wie Goethe damals die Sehnsucht nach dem

Süden in sich trug, so trägt auch jede Reise das Versprechen

der Verwandlung in sich. In dieser Verschmelzung

von Gestern und Heute, von Wort

und Weg, offenbart sich jene zeitlose Weisheit: Die

wahre Reise führt nicht nur durch Raum, sondern

durch die Schichten unserer eigenen Seele.

Marcel Boner

Zürich, 23. Februar 2026

3


Auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe

Zwischen Moderne

CONTENTS.

14 Brixen

die älteste Stadt Tirols

22 Bozen

zwischen Alpin und Mediterran

38 Ein Abstecher nach Meran

die Kurstadt

42 Die Südtiroler Weinstrasse

von Nals nach Salurn

52 Weit weg von der Autostrada

zum Lago di Cavidene

54 Von Arco nach Riva del Garda

zum Lago di Cavidene

57 Die Gardisana

eine atemberaubende Strasse

IMPRESSUM

balevo gmbh Medienberatung Daniel Trabold

Zollikerstrasse 153 . 8008 Zürich . +41 79 542 8480

magazine@balevo.ch Redaktionelle Planung Maria Strößner

www.footsteps-magazine.com

Chef Redakteur

Marcel Boner

Geschäftsführer und Editor Webmaster & Webdesign Daniel Trabold

Marcel Boner

4


Italienische Reise Oberitalien

und Tradition

61 Von Gardone nach Salo

wo Gärten und Geigen sich treffen

81 Sul Minco

mit dem Rad in die Tortelloni Bastide

90 Die Opernstadt Verona

die romantischste Stadt Italiens

100 Venedig einmal anders

die Kunststadt der Adria

108 Nach dem Lido nach Ferrara

durch Gassen zum kulinarischen Glück

113 Endlich in Bologna

“La Dotta, La Rossa, La Grassa“

Art Director

Bildberatung

Ramon Lopez

marbon photography

Lektorin

Bildnachweise

Maria Strößner

Unter den Bilder oder auf unserer Internetseit im Impressum

5


ETAPPE 1

von Innsbruck nach Brixen.

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HERBSTZEITLOSEN

Vergängliches Laub und leuchtende Designträume.

Der Herbstwind treibt goldene

Blätter durch die Gassen von

Brixen. Während andere über

das Laub schimpfen, das sich in

Hauseingängen sammelt, sieht

Jasmin darin etwas ganz anderes – eingefangenes

Sonnenlicht, das darauf wartet, wieder zu

leuchten.

Wir treffen uns an einem Nachmittag in ihrem

Atelier, dem Studio MIYUCA. Hier, zwischen

hohen Fenstern und alten Holzbalken, liegen

getrocknete Ahornblätter neben Lampenformen,

stapeln sich Schablonen aus Pappe, hängt

der warme Duft von Naturharz in der Luft. Jasmin

empfängt mich mit einem Lächeln, das von

der stillen Zufriedenheit erzählt, die Menschen

ausstrahlen, die genau dort angekommen sind,

wo sie hingehören. Während sie mich durch

ihr Reich führt, gleiten ihre Hände fast nebenbei

über die honigfarbenen Lampenschirme, in

denen die feinen Adern der Blätter wie zarte

Landkarten schimmern.

Ihr Weg hierher war alles andere als geplant.

Nach dem Abitur wollte sie in München unbedingt

an die Filmschule, verschlief aber die Einschreibung.

In letzter Minute – und mehr aus

Verlegenheit als aus Überzeugung – landete sie

an der Designfakultät in Bozen. Eine von nur

fünf Südtirolern unter fünfzig internationalen

Studenten. Das Glück, sagt sie heute, hatte andere

Pläne mit ihr.

Nach drei Jahren Studium träumte sie von einer

Weltreise, von Freiheit und der grossen, weiten

Welt. Doch dann kam das Praktikum bei einem

renommierten Industriedesign Studio, das eigentlich

für zwei Monate gedacht war. Daraus

wurden sechs Jahre. Grosse Brands aus Italien

und Deutschland, wichtige Kundenprojekte, rascher

Aufstieg. Sie lernte alle Prozesse, managte

komplexe Projekte, verstand die Mechanismen

der Branche. Nur eines fehlte mit jedem

Tag mehr: Die Seele. Das Handwerkliche. Das

Künstlerische. Das, was ihre Hände und ihr feiner

Geist zum Leben erwecken wollten.

7


8

Eines Tages kündigte sie, ohne zu wissen, wohin

der Weg sie führen würde. Wieder einmal sollte

der Zufall zum Wegweiser werden.

Es war ein Herbsttag auf dem Brixner Platz,

einer jener Tage, an denen die Stadt normalerweise

akkurat vom Laub gesäubert ist. Nur an

diesem einen Tag lag es knöchelhoch auf den

Strassen, raschelte unter den Füssen, wirbelte

im Wind. Jasmin ärgerte sich. Ein Arbeitskollege,

der mit ihr spazierte, warf ihr beiläufig hin:

„Dann mach doch selbst was draus, anstatt dich

zu ärgern.“

Dieser eine Satz sollte alles verändern.

Ein ganzes Jahr lang kämpfte Jasmin mit dem

widerspenstigen Material. Getrocknetes Laub

wird brüchig, bindet sich kaum, zerfällt bei der

kleinsten falschen Bewegung. Wieder und wieder

scheiterten ihre Versuche. Es waren kämpferische

Zeiten, geprägt von Zweifeln und der quälenden

Frage, ob sie verrückt war, ausgerechnet

aus Laubmüll etwas Schönes schaffen zu wollen.

Doch ihr Wille und ihre Beharrlichkeit zahlten

sich aus. Als sie schliesslich den Schlüssel fand

– biologische Harze, die das Unmögliche möglich

machten – entstanden die ersten Lampen.

Objekte, durch die das Licht fällt wie Sonnenstrahlen

durch ein Blätterdach im Wald.

Heute, Jahre später, ruht sie sich nicht auf diesem

Erfolg aus. Unermüdlich entwickelt sie weiter:

Rückwände, die Räume in sanftes, diffuses

Licht tauchen. Materialien, veredelt mit Salz

oder feinen Goldpigmenten. Sie arbeitet mit

Winzern zusammen, die ihr Reblaub und Trester

nach der Weinlese bringen. Manche Kunden

sammeln das Laub aus ihrem eigenen Garten

und lassen daraus ihre ganz persönliche Lampe

fertigen. Ein kleines Ökosystem, das lebt und

atmet.

Sie produziert ausschliesslich auf Bestellung,

arbeitet im Rhythmus der Jahreszeiten, nimmt

nur, was die Natur hergibt. „Wenn das Laub ausgeschöpft

ist, gibt es im Herbst mit der nächsten

Laubernte wieder Lampen“, sagt sie mit einer

Selbstverständlichkeit, die in unserer Konsumgesellschaft

fast revolutionär klingt.

„Es ist immer der Herbst, der mir Kraft gibt“,

erzählt sie weiter, während wir am Fenster stehen

und auf die Stadt blicken. In ihren Augen

liegt etwas von der Ruhe dieser Jahreszeit, aber

auch deren Intensität, jene besondere Melancholie,

die im Vergehen schon das Wiederkehren

ahnt.

Wenn Jasmin von Brixen erzählt, leuchten ihre

Augen auf eine andere Weise. Der Domplatz

mit seiner stillen Würde, die hellen Lauben,

die nicht so dunkel sind wie anderswo, das alte

Stufels mit seinen verlassenen Gassen. Ihr Herzstück

aber ist Elvas, ihr Geburtsort hoch über

der Stadt. Von dort schweift der Blick über das

Neustift bis hinunter nach Brixen – ein Weg,

den sie jedem Besucher ans Herz legt, der Zeit

mitbringt.

Bevor ich gehe, drehe ich noch einmal eine ihrer

Lampen gegen das Licht. Die Sonne bricht sich

in den feinen Blattadern, wirft tanzende Schatten

an die Wand. Vergänglichkeit, die bleibt.

Herbst, der zum Licht wird. Und eine Frau, die

verstanden hat, dass manchmal die schönsten

Dinge aus dem Entstehen, worüber andere hinweggehen.

Studio MIYUCA ist nach Voranmeldung zu besuchen.

Die kleine und grosse Lampe aus der Ursprungslinie sind

Jasmins Masterpieces – Objekte, die in jedem Zuhause

ihre stille, leuchtende Geschichte erzählen.


9


Europabrücke by Hans from Pixabay

Wer heute von Innsbruck nach

Brixen aufbricht, folgt einer

alten europäischen Lebensader

– der Brennerroute. Seit

Jahrtausenden führt sie Menschen,

Waren und Ideen über die Alpen. Schon

beim Verlassen von Innsbruck öffnet sich das Inntal

weit und klar. Im Norden erhebt sich der südlichste

Teil des Karwendelgebirges, der auch als Inntalkette

bezeichnet wird. Links erhebt sich das mächtige

Patscherkofelmassiv, auf dem zuletzt 1976 die

Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.

Die Strasse Richtung Süden führt zunächst entlang

des Wipptals, dessen Orte wie Patsch oder Matrei

am Brenner an die mittelalterlichen Handelszeiten

erinnern.

Bald verengt sich das Tal und die Strasse schraubt

sich hinauf zur Europabrücke, die zu den kühnsten

Brückenkonstruktionen der Nachkriegszeit zählt.

Unter ihr schlängelt sich die alte Brennerstrasse das

Tal der Sill hinauf, die tief im Fels eingebettet ist.

Ein Anblick, der staunen lässt, wie kühn Technik

und Natur hier ineinandergreifen. Zwischen den

Tunneln und Kehren liegt auf der rechten Seite, etwas

im Westen, der Zugang ins Stubaital Richtung

Ötztal. Wer dorthin wandert, gelangt in eine Welt

Sterzing - © by marbon

10


Kreuzgang - Credit by Brixen Tourismus | Leonhard Angerer

Auszug aus dem Tagebuch von Goethe:

Der Mond ging auf und beleuchtete

ungeheuere Gegenstände. Einige Mühlen

zwischen uralten Fichten über dem

schäumenden Strom waren völlige

Everdingen. Als ich um neun Uhr nach

Sterzing gelangte, gab man mir zu verstehen,

dass man mich gleich wieder wegwünsche.

In Mittenwald Punkt zwölf Uhr fand ich alles

in tiefem Schlafe, ausser dem Postillon, und so

ging es weiter auf Brixen, wo man mich wieder

gleichsam entführte, so dass ich mit dem Tage in

Kollmann ankam.

Die Postillons fuhren, dass einem Sehen und

Hören verging, und so leid es mir tat, diese

herrlichen Gegenden mit der entsetzlichsten

Schnelle und bei Nacht wie im Fluge zu

durchreisen, so freuete es mich doch innerlich,

dass ein günstiger Wind hinter mir her blies und

mich meinen Wünschen zujagte.

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Sterzing Zwölferturm - Credit by Südtirol Tourismus

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aus Wasserfällen, Gletschern und Thermen.

Das Seitental ist voller Sagen und beherbergt moderne

Urlaubsorte wie Sölden oder Obergurgl.

Auf der Brennerroute nähert man sich bald der

Passhöhe auf 1.370 Metern. Das Grenzdorf Brenner

selbst überrascht mit stiller Alltäglichkeit: Die

Grenzstation, die Lokale und der Duft von Kaffee

mischen sich mit Sprachen aus Nord und Süd. Kurz

darauf öffnet sich das Tal und gibt den Blick auf

die Südtiroler Landschaft frei. Der Blick verändert

sich – das Licht scheint sanfter, heller und südlicher.

Sterzing, die erste Stadt jenseits des Passes, ist ein

echtes Kleinod. Über den Kopfsteinpflastergassen,

in denen Cafés und Boutiquen zum Verweilen einladen,

ragt der Zwölferturm empor. Das einstige

Bergwerksstädtchen trägt im Stadtkern noch immer

den Stolz früherer Blütezeit. Weiter südlich folgt die

Strasse dem Eisacktal, das von alten Burgen, Kastanienhainen

und Weinbergen gesäumt ist. Festen

wie Mühlbach oder Franzensfeste begegnet man als

steinerne Zeugen einstiger Grenz- und Handelszeiten.

Schliesslich erreicht man Brixen mit seinem milden

Klima, den geschwungenen Gassen und den Pal-

men zwischen den gotischen Lauben. Im Hof des

Brixner Doms hallen die Echos der vergangenen

Jahrhunderte wider und wer am Nachmittag auf

dem Domplatz sitzt, spürt, wie der Brennerwind

nachlässt und die Sonne des Südens über den Dächern

steht.

Am Ziel angekommen, erwartet einen der imposante

Brixner Dom mit seinem mittelalterlichen

Charme. In der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz,

der Hofburg, befindet sich das Diözesanmuseum

Brixen mit seiner wertvollen Sammlung

kirchlicher Kunst aus Mittelalter und Neuzeit. Es

befindet sich in der ehemaligen fürstbischöflichen

Residenz, der Hofburg, am Hofburgplatz 2.

Die vielen Laubengassen, der Weisse Turm und der

hitorische Stadtkern laden zu einem Spaziergang

ein. In der Nähe lockt zudem das Kloster Neustift

als weiteres kulturelles Highlight. Wer noch Kraft

hat, fährt weiter zur Plose hoch, Südtirols aussichtsreichem

Hausberg, der einen Panoramablick auf

die Dolomiten bietet.

So wird die Fahrt über den Brenner von Innsbruck

nach Brixen zur kleinen Erlebnisreise, die Alpenpanorama,

kulturelle Begegnungen und Südtiroler

Lebensart verbindet.


Brixen in Watte verpackt - Credit by Brixen Tourismus | Michael Pezzei

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BRIXEN

Sehenswertes in der Stadt.

Brixen im Frühling - Credit by Brixen Tourismus | Hannes Engl

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Brixen, die älteste Stadt Südtirols, verbindet

eindrucksvoll Kultur, Geschichte,

Genuss und natürliche Schönheit.

Die historischen Laubengänge und

kleinen Gassen der Altstadt bieten

ideale Bedingungen für gemütliche Spaziergänge,

bei denen Sie das authentische Flair der Stadt erleben

können. Viele Cafés und Restaurants laden

zum Verweilen ein, um regionale Spezialitäten oder

ein Glas Südtiroler Weisswein zu geniessen und die

herzliche Gastfreundschaft – ein Markenzeichen

Brixens – kennenzulernen. Besonders sehenswert

ist der Brixner Dom mit seinem prachtvollen barocken

Innenraum und dem einzigartigen Kreuzgang.

Die kunstvollen Fresken sind ein Höhepunkt,

nicht nur für Kunstinteressierte, sondern auch für

alle, die sich gerne in inspirierende, ruhige Orte

zurückziehen. Die Adlerbrücke, ein beliebter Fotopunkt,

verbindet den ältesten Stadtteil Stufels mit

der Altstadt – und auch Stufels selbst steckt voller

Geschichte und Charme, heute als „Viertel der

Künstler“ bekannt.


Adlerflug über Brixen

Wenn man nur einmal nach Brixen käme – welchen Ort dürfte man auf keinen Fall verpassen?

Erica Kircheis von Brixen Tourismus antworte auf meine Frage:

„Einen einzigen Ort zu wählen, ist in Brixen beinahe unmöglich – es gibt schlicht zu viele, die man nicht verpassen

sollte. Wenn ich mich dennoch entscheiden müsste“, sagt Erica Kircheis mit einem Lächeln, „dann wäre es der Domkreuzgang

mit seinen Fresken. Ein stiller Schatz, ein Ort, an dem Zeit und Farbe miteinander flüstern. Ein Juwel, das

die Stadt seit Jahrhunderten trägt – und das Besucherinnen und Besucher oft ganz unerwartet berührt.“

Adlerbrücke - Credit by Brixen Tourismus | Hannes Engl

Für alle, die sich gerne bewegen,

empfiehlt sich ein Spaziergang

oder eine gemütliche Wanderung

am Flussufer. Die Wege sind gepflegt

und meist flach, ideal auch

für weniger geübte Wanderer

oder für Gäste, die Wert auf Entspannung

und Komfort legen.

Stadtführungen speziell für ältere

Menschen werden angeboten

und geben Einblicke in die bewegte

Historie sowie die schönsten

Plätze der Stadt.

Brixen heisst seine Gäste mit offenen

Armen willkommen, ob bei

einem Stadtbummel, kulinarischen

Genüssen oder erholsamen

Streifzügen durch die Altstadt.

Wer Südtiroler Lebensart, kulturelle

Vielfalt und ein vielfältiges

Angebot schätzt, fühlt sich in

Brixen sofort zuhause.

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Hof- und Herrengarten - Credit by IDM Südtirol | Alex Filz

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Hofgarten und Herrengarten

Die Hofburg in Brixen war jahrhundertelang die

Residenz der Fürstbischöfe und zählt zu den bedeutendsten

historischen Bauwerken Südtirols. Der

imposante Gebäudekomplex wurde im 13. Jahrhundert

errichtet und im Laufe der Zeit mehrfach

umgestaltet, wobei besonders die barocke Umgestaltung

im 18. Jahrhundert das heutige Erscheinungsbild

prägt. Heute beherbergt die Hofburg ein

Museum mit wertvollen Kunstschätzen sowie die

Diözesanbibliothek.

Direkt an die Hofburg anschliessend erstreckt sich

der Herrengarten, eine grüne Oase mitten in der

Altstadt von Brixen. Dieser barocke Garten wurde

im 18. Jahrhundert angelegt und diente den Fürstbischöfen

als privater Erholungsraum. Mit seinen

gepflegten Rasenflächen, alten Baumbeständen

und Blumenbeeten lädt der Herrengarten heute

zum Verweilen ein. Besonders beeindruckend sind

die historischen Laubengänge und die Sichtachsen,

die den Garten strukturieren.


Brixener Laubengänge

Die Brixner Lauben zählen zu den faszinierendsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt

und waren im Mittelalter das pulsierende Herz des städtischen und wirtschaftlichen

Lebens. Die charakteristischen Laubenhäuser entlang der beiden Gassen bestechen

durch ihre architektonische Vielfalt mit zahlreichen Giebeln, Erkern und historischen

Fassaden. Unter den mittelalterlichen Arkaden flanieren heute Einheimische und Besucher

vorbei an einer bunten Mischung aus traditionellen Geschäften, modernen

Boutiquen und gemütlichen Cafés. Die Lauben haben sich zur beliebten Einkaufsmeile

Brixens entwickelt, ohne dabei ihren historischen Charme zu verlieren. Bei

einem Spaziergang durch die überdachten Gänge lässt sich die jahrhundertealte Geschichte

der Stadt noch immer spüren. Besonders stimmungsvoll zeigen sich die Lauben

in den Abendstunden, wenn die beleuchteten Schaufenster und das sanfte Licht

eine besondere Atmosphäre schaffen.

Brixener Laubengänge - Credit by Brixen Tourismus

Stufels – © marbon

Stufels der älteste Stadtteil

Stufels blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bereits in der Jungsteinzeit

beginnt. Die vorteilhafte Lage zwischen Rienz und Eisack machte das Gebiet

schon früh attraktiv für Siedler. Über Jahrhunderte hinweg, vom Mittelalter bis

ins 20. Jahrhundert, lebten hier vor allem Handwerker, Dienstboten und Menschen

mit geringerem Einkommen.

Heute hat sich Stufels zu einem Künstlerviertel entwickelt, in dem kreative

Talente ihre Ateliers und Werkstätten eingerichtet haben. Der Charme dieses

Stadtteils mit seinem Vorstadtcharakter übt eine besondere Anziehungskraft

aus. Ein Besuch in Stufels ist ein Muss für jeden Brixen-Besucher, denn ohne

Stufels lernt man die Stadt nur halb kennen.

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SEEHOF

Mehr als nur ein Rückzugsort.

Das Ambiente

Ich erinnere mich an den Moment, als ich die kleine

Strasse entlangfuhr, die sanft hinunter ins Tal führt.

Die Sonne stand schon tief, das Licht leuchtete golden

durch das Laub und zwischen den Baumstämmen

glitzerte etwas, das erst wie ein Spiegel wirkte

– dann war es der See. Still, klar, beinahe meditativ.

Am Ufer, eingebettet zwischen Wasser, Wiese und

Bergsilhouette, liegt der Seehof: Modern, schlicht,

und doch mit dieser Wärme, die man sonst nur zuhause

spürt. Vom ersten Moment an ein Gefühl tiefer

Entspannung und Leichtigkeit.

Schon beim Ankommen stellt sich diese leise Ruhe

ein, die ein gutes Haus auszeichnet. Kein Hotel-

Lärm, kein übertriebener Empfang – nur freundliche

Gesichter, klare Linien, Farben, die atmen.

In der Lobby fällt der Blick durch grosse Fenster

aufs Wasser, weiter hinten die Bar, die Terrasse, das

Licht. Ich atme durch und merke – hier ist man angekommen,

lange bevor man das Gepäck abgestellt

hat.

Räume zum Atmen

Unser Zimmer liegt im zweiten Stock, eine dieser

Suiten mit weitem Blick über Pool und Naturbadesee.

Die grossen Glasfronten holen die Landschaft

hinein, das Holz schimmert warm, Stoffe und

Farben fügen sich leise zum Ganzen. Nichts wirkt

künstlich, kein Detail zu viel, alles hat seinen Platz.

Ich öffne die Tür zum Balkon, höre Wind und Wasser,

und in diesem Moment ist der Übergang zwischen

Innen und Aussen kaum spürbar.

Man spürt, dass hier Menschen gestaltet haben,

die die Sprache der Ruhe verstehen – Designer, die

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nicht beeindrucken, sondern berühren wollen. Jede

Suite erzählt davon: mal mit freistehender Badewanne

und Blick in den Himmel, mal mit Leseecke

oder offenem Loungebereich. Es sind Räume, in

denen man nichts muss, nur darf.

Die Romantic Suite begeistert mit Balkonterrasse,

freistehender Designer-Badewanne mit Aussicht

und praktischer Schminkstation. Die Living Suite

lädt mit Leseecke und Sofainsel zum Entspannen

ein, während die Panoramic Junior Suite mit hellem

Loungebereich und begehbarem Wandschrank

überzeugt.

Kulinarische Geschichten

Am Morgen weckt mich der Duft von Kaffee und

frischem Brot. Auf der Terrasse spiegelt sich das

Licht im Wasser, während die ersten Gäste in Decken

gehüllt ihr Frühstück geniessen. Regionalität

steht hier nicht auf Schildern, sondern auf dem

Tisch – Brot vom Bäcker im Tal, Kräuter aus dem

eigenen Garten, Beeren, die aussehen, als hätten sie

gerade erst den Tau abgeschüttelt.

Mittags ein feines, leichtes Gericht – saisonal, unkompliziert,

mit jener italienischen Nonchalance,

die Genuss mühelos wirken lässt. Nachmittags

eine Jause, hausgemacht, und wenn am Abend das

4-Gang-Menü serviert wird, schwingt die Jahreszeit

mit in jedem Teller: Gerichte zwischen Südtirol und

Italien, elegant interpretiert, bewusst komponiert.

Kein Showeffekt, kein Überfluss. Nur gutes Essen –

ehrlich, präzise und überraschend klar.

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Zwischen See und Stille

Das La PrimaVera Spa liegt nur ein paar Schritte

vom Wasser entfernt. Durch die Panoramafenster

fällt der Blick auf den See, der sich im Lauf des

Tages verändert, morgens weich und still, mittags

glitzernd, abends fast golden. Eine finnische Sauna

mit direktem Zugang zum Wasser, ein römisches

Dampfbad, ein Infinitypool, in dem das Aussen

in das Innen übergeht. Dieses Spa hat keine laute

Bühne, es wirkt von selbst.

Ich tauche ein, schwimme hinaus, und im Moment,

in dem ich mich auf den Rücken lege und in den

Himmel blicke, spüre ich, wie sich alles verbindet:

Luft, Wasser, Stille. Vielleicht ist das das Geheimnis

dieses Hauses – dass Erholung hier nicht gemacht,

sondern gefunden wird.

20

Im Rhythmus der Landschaft

Der Seehof liegt eingebettet in das Eisacktal, nur

wenige Minuten von Brixen entfernt, und doch

fühlt es sich an, als sei man weit weg von allem.

Ringsum Hügel, Wiesen, Wälder. Morgens Nebelschleier

über dem See, nachmittags das helle Blau

des Südtiroler Himmels.

Es ist ein Ort für Menschen, die das Gleichgewicht

suchen – zwischen Aktivsein und Innehalten, zwischen

Bewegung und Achtsamkeit. Für Paare, Alleinreisende,

Freunde – für alle, die verstehen, dass

Stille kein Fehlen von Leben ist, sondern eine andere

Form davon.

Ein Aufenthalt im Seehof fühlt sich an wie eine

kleine Flucht – nicht vor der Welt, sondern mitten

hinein in sie. In ihre klarste, schönste, stillste Form.


SEEHOF | NATURE RETREAT

Familie Auer

Flötscher 2

39040 Natz bei Brixen

Südtirol

www.seehof.it

info@seehof.it

+39 0472 412120

21


BOZEN KELLEREI

Das neue Wahrzeichen von Bozen.

BOZEN KELLEREI © Credit by Albrecht Voss

22


Zeitreisende Bobachter

Mozart & Goethe im Parkhotel Laurin.

Es war ein surrealer Moment, Zeuge dieser

unmöglichen Begegnung zu werden. Zwei

Geister der deutschen Kultur, getrennt

durch Zeit und Temperament, vereint durch den

„Genius Loci“ Bozens und durch die Frage, was aus

Europa geworden ist.

Parkhotel Laurin, ein Herbstabend

Das Kaminfeuer knistert leise. Durch die geöffneten

Flügeltüren dringt kühle Luft aus dem Park,

trägt den Duft von feuchtem Laub und Kastanien

hinein.

Zwei Gestalten sitzen in tiefen Ledersesseln. Goethe

blickt hinaus: „Sehen Sie, Mozart, wie sich

die Dolomiten im Abendlicht röten? Als ich 1786

durch diese Gegend reiste, schrieb ich: ‚Auch ich in

Arkadien!‘ Doch was ist aus diesem Arkadien geworden?“

Mozart dreht sein Weinglas, lächelt. „Ein dreisprachiges

Durcheinander, mein Lieber! Heute Morgen

am Waltherplatz – Deutsch, Italienisch, und

was war das dritte? Ladinisch? In Wien hätten wir

das eine babylonische Sprachverwirrung genannt.“

Goethe erwidert ruhig: „Verwirrung? Ich nenne es

Evolution. Diese Stadt hat begriffen, was Europa

erst noch verstehen muss – zusammenzuwachsen,

ohne sich selbst zu verlieren. Sehen Sie die Laubengänge

– Relikte des Mittelalters. Dort drüben das

faschistische Monument – ein Schandfleck der Geschichte.

Und dazwischen? Leben.“ Mozart lacht

leise.

„Sie romantisieren wieder, Goethe! Doch ich gebe

zu, die Cafés hier haben Stil – morgens Bach, mittags

Verdi, abends Jazz. Das hätte mir gefallen. Diese

Autonomie, von der alle sprechen – ist sie nicht

wie eine Fuge? Jede Stimme eigenständig, und

doch in Harmonie mit den anderen?“ Goethe nickt

nachdenklich. „Ganz recht. Und doch liegt Melancholie

in der Luft. Die jungen Leute im Park – die

Hälfte starrt auf leuchtende Rechtecke. Niemand

betrachtet mehr die Berge, wie ich es tat. Die Sehnsucht

nach Süden, die mich einst hierher trieb – wo

ist sie geblieben, wenn man Rom per Knopfdruck

auf dem Bildschirm besuchen kann?“

Mozart schmunzelt, wird dann ernst. „Ah, der ewige

Goethe – nostalgisch für seine eigene Nostalgie!

Aber Sie haben recht. Früher reiste man, um sich zu

verwandeln. Heute reist man, um zu fotografieren.

Wobei…, “er zeigt zum Fenster“, … sehen Sie die

Studenten dort? Die Universität lehrt in drei Sprachen.

Das ist doch Hoffnung, oder? Goethe antwortet

leise: „Vielleicht“. Bozen war immer Brücke

zwischen Nord und Süd, zwischen Kulturen. Heute

ist es Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Frage ist nur, ob diese Brücke hält.“ Mozart

lächelt flüchtig: „Es hängt wohl davon ab, ob man

noch Brücken bauen will – oder nur noch Selfies

darauf macht.“ Beide schweigen. Das Feuer knistert.

Draussen rauschen die Bäume im Herbstwind.

Frei nach J.W.G.

Parkhotel Laurin - Credit by Peter Unterthuner

23


BOZEN

Wo drei Kulturen eine Stadt formen.

Museion - Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen - Credit by Othmar Seehauser

24


Es ist Markttag in der Via dei Portici.

Zwischen den mittelalterlichen Laubengängen

mischt sich Italienisch mit

Deutsch, während ein älterer Händler

seinen Käse auf Ladinisch anpreist.

Willkommen in Bozen, einer Stadt, die seit über

800 Jahren an der Schnittstelle der Kulturen liegt –

und genau das macht ihren besonderen Charm aus.

Ein Brücke zwischen den Welten

Die Geschichte beginnt mit einer römischen Brücke.

Die Römer nannten ihre Siedlung „Pons Drusi“

– die Brücke des Drusus. Erst im 12. Jahrhundert

wurde die Stadt lebendig, als der Fürstbischof

von Trient einen Marktplatz gründete. Es folgte ein

wirtschaftliches Wunder: Kaufleute aus Italien und

Deutschland trafen sich auf Jahrmärkten, Bankiers

aus ganz Europa kamen, um Geschäfte zu machen.

Die Laubengasse (Via dei Portici) entstand als Herzstück

dieses blühenden Handelszentrums.

1363 kam die entscheidende Wende: Bozen fiel an

die Habsburger und war bis 1814 österreichisch. In

dieser Zeit hatten die Österreicher grossen Einfluss

auf die Stadt.

Der radikale Wandel

1919 kam der Bruch. Mit dem Frieden von

Saint-Germain* fiel Südtirol an Italien. Mussolinis

Faschisten hatten grosse Pläne. Sie wollten

aus dem altertümlichen Handelsstädtchen eine

moderne italienische Metropole machen. Es

entstanden neue Viertel und Industriegebiete

und italienische Arbeiter wurden angesiedelt.

Die „Italianisierung” veränderte das Gesicht

der Stadt radikal und schuf Spannungen, die

jahrzehntelang nachwirkten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein mühsamer

Versöhnungsprozess. Die Lösung war die

Autonomie. Im Jahr 1948 erhielt die neu gegründete

Provinz Bozen ihr erstes Autonomiestatut,

welches die Rechte der deutsch- und ladinischsprachigen

Minderheiten schützte.

*Der Frieden von Saint-Germain (1919) war ein Friedensvertrag zwischen

den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und Österreich, der die

Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie besiegelte. Er

führte zur Trennung von Ungarn, zur Gründung neuer Nationalstaaten

und zu erheblichen Gebietsverlusten für Österreich, darunter Südtirol,

das an Italien gingen, sowie die Festlegung der Grenzen der neu entstandenen

Staaten in Mitteleuropa.

Streitergasse-Via Streiter - © marbon

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Die drei Amtssprachen Deutsch, Italienisch und

Ladinisch wurden gleichgestellt. Dieses Modell gilt

international als Beispiel für friedliches Zusammenleben.

Bozen heute

Wer heute durch Bozen spaziert, erlebt diese vielschichtige

Geschichte an jeder Ecke. Mittelalterliche

Laubengänge treffen auf faschistische Monumentalbauten,

österreichische Kaffeehäuser auf

italienische Trattorien. In den 1960er Jahren kam

der Tourismus hinzu und seit der Gründung der

Freien Universität Bozen im Jahr 1997 prägen auch

Studierende das Stadtbild.

Heute leben mehr als 100.000 Menschen in dieser

einzigartigen Stadt, die es geschafft hat, ihre komplizierte

Vergangenheit in eine lebendige Gegenwart

zu verwandeln. Morgens werden am Obstmarkt

Äpfel aus den umliegenden Tälern verkauft,

mittags sitzen Deutsche und Italiener gemeinsam

beim Aperitivo und abends locken die Museen und

Theater ein internationales Publikum an.

Bozen ist mehr als nur eine Sehenswürdigkeit: Die

Stadt ist ein gelebtes Experiment, das zeigt, wie

verschiedene Kulturen, Sprachen und Traditionen

nicht nur nebeneinander, sondern miteinander

existieren können. Und genau das spürt man bei

jedem Besuch: Die Stadt hat gelernt, ihre Vielfalt

als Stärke zu nutzen.

Der Waltherplatz

Herzstück mit bewegter Geschichte. Wer den weitläufigen

Platz betritt, versteht sofort, warum die Bozner

ihn liebevoll als ihr „Wohnzimmer“ bezeichnen.

Die Geschichte dieses Ortes beginnt zu Beginn des

19. Jahrhunderts: König Maximilian von Bayern

gab 1808 den Auftrag, hier einen repräsentativen

Platz anzulegen, der zunächst seinen Namen tragen

sollte.

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Während ich über das helle Pflaster schlendere,

denke ich an die wechselvolle Namensgeschichte

dieses Ortes. Nach dem bayerischen König wurde

der Platz dem österreichischen Erzherzog Johann

gewidmet. Doch seit 1901 trägt er den Namen eines

der bedeutendsten mittelalterlichen Minnesängers

– Walther von der Vogelweide, der von 1170 bis

1230 lebte und dessen Verse die deutsche Dichtkunst

prägten.

Im Zentrum des Platzes erhebt sich das beeindruckende

Monument des Minnesängers. Der Vinschgauer

Künstler Heinrich Natter schuf diese Skulptur

1889 aus dem strahlend weissen Marmor der

Laaser Steinbrüche. Die neuromanischen Formen

verleihen der Figur eine würdevolle Präsenz.

Heute ist dieser Platz wieder das, was er sein sollte:

Ein Treffpunkt, an dem Geschichte lebendig wird

und die Menschen zusammenkommen.

Der Dom Maria Himmelfahrt

Auf dem Platz vor dem Dom steht das Peter-Mayr-

Denkmal, das nach einem Projekt von Georg von

Hauberrisser aus München realisiert worden ist. Peter

Mayr, Schützenkommandant und Unterstützer

der Rebellion gegen die französische Herrschaft,

wurde am 20. Februar 1810 von den Franzosen erschossen.

Das mächtige gotische Bauwerk ist der Himmelfahrt

Marias gewidmet. Sein Kirchturm weist einen

65 m hohen durchbrochenen Turmhelm aus

Sandstein auf. Das Projekt stammt von Burghard

Engelberg aus Augsburg, verwirklicht wurde es vom

schwäbischen Architekten und Bildhauer Hans

Lutz von Schussenried (1501-1519).

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Innerhalb des Doms ist auf der Nordseite ein grosses

Kreuzigungsbild an der Turmwand sehenswert,

auf dem Maria, Johannes und die heilige Barbara

unter dem Kreuz stehen. Links davon befindet sich

ein kleineres Wandbild eines veronesischen Wanderkünstlers,

das einen Pilger darstellt, weiters das

Leitacher Törl, wo nach einem alten Gesetz der

Verkauf von Wein gestattet war.

An der Westseite sieht man das romanische Portal

mit einem Säulenportal, das nach den Bombardierungen

des letzten Weltkrieges wieder hergestellte

Rosettenfenster und das links neben der schönen

Bronzetür von Defner (Innsbruck) befindliche Fresko

(1475), ein Marienbild, von Friedrich Pacher.

Die Hallenkirche mit ihren drei Schiffen, die spätgotische

Kanzel aus grauem Sandstein von Hans

Lutz aus Schussenried, der barocke Altar aus Marmor

(1710–1720) von den Veronesern Ranghieri

und Allio, das Kreuz aus dem Jahr 1420, die barocke

Gnadenkapelle mit Fresken von Karl Henrici

aus dem Jahr 1771 und der marmorne Hochaltar

aus dem 13. Jahrhundert versetzen jeden Reisenden

in eine besondere Welt.

In der Krypta ist der Erzherzog Rainer von Österreich

begraben, der 1853 in Bozen starb.

Dom Bozen - Credit by Holger Uwe Schmitt

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Bozen - seine Gassen und Laubengänge

Wer Bozen verstehen will, muss in die Gassen der

Stadt eintauchen. Er muss die Menschen besuchen,

die dieser Stadt Leben einhauchen. Am Walthersplatz

kannst du jeden Einheimischen, egal ob jung

oder alt, nach der Eccetera fragen. Sie ist die Adresse

für himmlisches Gelato. In der Via Grappoli 23

kannst Du seit über dreissig Jahren Freude mit traditionellen

und einzigartigen Eissorten geniessen.

Von dort kehrst Du zurück auf die Weintraubengasse

bis Du in die Bindergasse gelangst.

Via Bottai – Eine Gasse zum Verweilen

Wenn Du durch diese Altstadtgasse schlenderst,

wirst Du spüren, wie die Zeit langsamer fliesst. Die

kunstvollen schmiedeeisernen Schilder erzählen

stumme Geschichten vergangener Jahrhunderte,

während die traditionellen Gasthöfe Dich einladen,

einen Moment zu verweilen. Das Hotel Luna steht

hier seit Generationen – ein stiller Zeuge unzähliger

Begegnungen und Abschiede.

Am nördlichen Ende erwartet Dich das Naturhistorische

Museum in einem Palast aus dem Jahr 1512,

einst für Kaiser Maximilian I erbaut. Doch es sind

nicht nur die historischen Mauern, die hier wirken:

In den nahegelegenen Gasthäusern „Cavallino

Bianco“ und „Ca‘ de Bezzí“ haben sich seit jeher

Künstler und Suchende eingefunden – Menschen,

die wie Du vielleicht auf der Suche nach etwas sind,

das sich nicht in Worte fassen lässt.

Vom Naturhistorischem Museum gelangt man zurück

zur Stadtroute und biegt anschliessend rechts

in die Streitergasse ein. Sie trägt den Namen von

Joseph Streiter, einem Juristen, Dichter und Bürgermeister

von Bozen im 19. Jahrhundert. Die Gasse

verläuft parallel zur Laubengasse und markiert

den früheren nördlichen Stadtgraben der alten Bischofsstadt.

Besonders interessant sind die historischen

Marmorbänke des einstigen Fischmarkts, die

beiden gotischen Spitzbögen, der halb vermauerte

grosse Bogen beim Durchgang des sogenannten

Zallingerturms sowie die Nordfassade des alten

Rathauses (Hausnummer 25).

Bindergasse - Credit by Verkehrsamt der Stadt Bozen

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Von der Streitergasse aus erreicht man den Obstplatz,

der in nördlicher Richtung zur Franziskanergasse

und über die Goethestrasse (ehemals

Predigergasse) zum Dominikanerplatz führt. Der

schmale, langgezogene Platz wird von Lauben,

Museumstrasse und anderen Gassen gerahmt und

war historisch als „Oberer Platz“ oder „Obzplatz“

bekannt. Sehenswert sind auch Stolpersteine seit

2015, die an Holocaust-Opfer erinnern.

Der Obstplatz

auch Obstmarkt oder Piazza delle Erbe genannt,

liegt im Zentrum der Bozener Altstadt und dient seit

dem 13. Jahrhundert als belebter Viktualienmarkt

für Obst, Gemüse, Blumen, Gewürze und regionale

Produkte. Er entstand 1277, als Graf Meinhard

II. von Tirol die Stadtmauern und Gräben beseitigen

liess, wodurch der Platz zum wirtschaftlichen

Schwerpunkt der gräflichen Stadt wurde. Johann

Wolfgang von Goethe lobte den Markt bereits 1786

in seiner Italienischen Reise.

Seit über 500 Jahren findet hier täglich ein Markt

statt, ursprünglich mit Fokus auf Geflügel, Obst

und Eier gemäss Bozner Stadtrecht von 1437. Heute

bieten Stände ganzjährig frische Waren an, saisonal

ergänzt durch gebratene Kastanien im Herbst

oder Glühwein im Winter. Der Markt ist montags

Bozen - Credit by unsplash.com Fabrizio Coco

bis samstags vormittags bis abends geöffnet, ausser

sonntags und an Feiertagen. Er dient als kultureller

Treffpunkt mit mediterranem Flair, umgeben von

Cafés und historischen Bauten wie dem Neptunbrunnen

von 1749.

Piazza Erbe-Obst Platz - Credit by Luca Guadagnini

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Laubengasse - Credit by IDM | Alex Filtz

Die Laubengasse

Wer durch die Laubengasse schlendert, versteht sofort,

warum sich hier Touristen und Einheimische

gleichermassen tummeln. Diese Strasse ist das pulsierende

Herz von Bozen und das schon seit Generationen.

Unter den mittelalterlichen Laubenbögen reiht

sich ein Geschäft ans andere und ich lasse mir Zeit,

durch die Auslagen zu stöbern. Hier wird die Vielfalt

der Handwerkskunst spürbar – wie auf einem

lebendigen Markt unter freiem Himmel. Jahrhundertealte

Tradition und zeitgemässes Design verbinden

sich hier zu etwas ganz Besonderem. Beim

Flanieren fällt mein Blick immer wieder nach oben

zu den reich verzierten Fassaden mit ihren typischen

Erkern – ein Fest für die Augen.

Der Rathausplatz

Wer von der Laubengasse in die Bindergasse einbiegt,

gelangt direkt zum Rathausplatz. Der Platz

wird von historischen Gebäuden mit kunstvoll verzierten

Rokokofassaden eingerahmt. Besonders

hervorzuheben ist das prächtige Amonnhaus. An

seiner Nordseite erhebt sich das neobarocke Rathaus.

Das heutige Rathaus von Bozen wurde im

Jahr 1907 während der Amtszeit von Bürgermeister

Julius Perathoner errichtet. Entworfen wurde es von

den Münchner Architekten Kürschner und Hocheder.

Der bedeutendste Raum des Hauses ist der im

zweiten Stock gelegene Sitzungssaal des Gemeinderates.

Dort schuf der Bozner Künstler Gottfried

Hofer eindrucksvolle Fresken. Seine allegorischen

Darstellungen thematisieren Fortschritt, Energie,

Wohlbefinden und Kultur sowie die verschiedenen

Lebensphasen des Menschen. Auch die Arbeitswelt

und die Kritik – in ihrer positiven wie negativen

Form – finden sich wieder: Als Putte mit Schmetterlingsflügeln

und als geflügelte Frau mit einer

Schlange, die das Deckengewölbe schmücken.

Zurück zum Walthersplatz

Es führen mehrere Wege zum Walthersplatz. Am

liebsten schlendere ich durch die Gummergasse zur

Piazza del Grano, dann durch die Silbergasse. Je

nach Lust und Laune biege ich schliesslich links in

die Pfauengasse oder ein wenig weiter westlich in

die Via Johann Wolfgang Goethe ein, bis ich in die

Mustergasse gelange. Von dort gehe ich ostwärts

zurück auf den Walthersplatz.

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Wo Werbung auf Kultur trifft

und wirkt

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NOI TECHPARK

Nature of Innovation.

NOI Techpark - Credit by Ivo Corrà

steht eine überzeugende Lösung durch einfache,

bewährte Ansätze; ein anderes Mal ist sie das Resultat

zahlreicher Versuche und führt zu völlig neuen

Wegen. Ob engagierte Handwerkerin oder kreativer

Start-up-Gründer – wer im NOI Techpark

mitwirkt, profitiert von einem offenen Netzwerk,

das Wissen und Unterstützung schnell zugänglich

macht.

Im NOI Techpark finden Forschung, Wirtschaft

und Technologie ihren gemeinsamen

Entwicklungsraum – insbesondere in den

Bereichen Lebensmitteltechnologie, Automatisierung

sowie grüne und alpine Innovation.

Hier entstehen kreative Ideen auf ganz eigene

Weise: manchmal sprunghaft und kraftvoll wie ein

Lawinenabgang, dann wieder langsam und kontinuierlich,

ähnlich einer Pflanze, die sich an einer

Mauer emporarbeitet. Dieses Wechselspiel beschreibt

den „Nature of Innovation“-Gedanken.

Innovation lässt sich nicht planen oder erzwingen

– sie folgt keinem festen Schema. Manchmal ent-

NOI Techpark - Credit by Ivo Corrà

Neben Laboren und technischen Services stehen

auch Arbeitsbereiche, Lernräume und flexible

Co-Working-Angebote zur Verfügung. Forschende,

Studierende und Gründer finden hier ebenso

Lebens- und Arbeitsraum wie Austauschmöglichkeiten

mit Gleichgesinnten. Kurz gesagt: Der NOI

Techpark ist ein Ort, an dem innovative Köpfe die

optimalen Bedingungen vorfinden, um Ideen Wirklichkeit

werden zu lassen.

NOI Techpark - Credit by Alessandra Chemollo

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HOTEL WEIHRERHOF

Eine stille Oase.

Das Ambiente

Ich erinnere mich an den Moment, als ich zum

ersten Mal den schmalen Weg hinunter zum See

nahm. Das Licht glitzerte durch die Bäume, die

Luft war klar, still und ein wenig nach Harz und

Sommerregen duftend. Und dann lag er da: der

Weihrerhof. Kein lautes Hotel, keine Pose – eher

ein Zuhause am Wasser.

Das Haus scheint mit dem See zu atmen. Morgens

zieht Seenebel über die glatte Oberfläche, während

das Holz der Fassade in warmen Tönen leuchtet.

Hier beginnt jeder Tag mit einem tiefen Atemzug,

einem Gefühl von Entschleunigung. Wer ankommt,

spürt sofort: Die Zeit folgt hier einem anderen

Rhythmus. Der Klang von Kuhglocken ersetzt das

Handy-Tippen, und am Abend, wenn die Sonne

hinter den Dolomiten versinkt, wird selbst die Stille

zu einer Stimme.

Der Weihrerhof ist ein kleines, fein kuratiertes Hotel

– geführt von der Familie Pichler, die mit viel

Herz, Sinn für Atmosphäre und einem feinen Gespür

für das Wesentliche einen Ort geschaffen hat,

an dem man nicht nur zu Gast, sondern Teil einer

Geschichte ist.

Frühling & Herbst

Ich war im Frühling da, als die Apfelblüte in den

Tälern lag und der Schnee oben auf den Gipfeln

noch glänzte. Es war diese Zeit dazwischen, in der

alles möglich scheint: Wandern, geniessen, einfach

sein. Und als ich später im Herbst zurückkehrte,

sah ich, wie die Lärchen in goldenes Licht getaucht

waren, und verstand, warum viele Gäste jedes Jahr

genau dann wiederkommen.

Herbstzauber am See

Es gibt Orte, an denen der Herbst langsamer vergeht.

Wo das Licht golden über die Hänge gleitet,

die Wälder leuchten wie gemalt und der Morgennebel

sanft über dem Wasser tanzt. Der Ritten ist so

ein Ort – ein Rückzugsort für alle, die den Herbst

nicht nur sehen, sondern spüren wollen.

Im Weihrerhof, hoch über Bozen, entfaltet sich diese

Jahreszeit mit besonders feiner Intensität. Die

klare Luft riecht nach Holz und Moos, das Licht

wärmt noch die Haut, während die Farben draussen

täglich den Ton wechseln. Jetzt, Ende Oktober

und Anfang November, beginnt die stillste und zugleich

schönste Zeit hier oben – der stille November,

wie ihn die Gastgeber nennen: Eine Einladung,

in Ruhe zu geniessen, die Gedanken schweifen zu

lassen und einfach da zu sein.

Und doch ist das Leben nicht fern. Nur zwölf Minuten

dauert die Fahrt mit der Rittner Seilbahn hinunter

in die Altstadt von Bozen. Ein Spaziergang

unter Arkaden, Mode und Design entdecken, ein

Espresso oder ein Glas Aperitivo auf dem Walterplatz

– und danach wieder hinauf zum See, wo die

Stille wartet. Dieser Kontrast macht den Zauber

aus: Stadt und Stille, Genuss und Natur, Wärme

und Weite.

Ein paar Tage hier fühlen sich an wie eine kleine

Flucht – nicht vor dem Leben, sondern mitten hinein.

Der Weihrerhof ist kein Ort, den man besucht.

Er ist einer, den man spürt.

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35


HOTEL WEIHRERHOF

Familie Pichler

Wolfsgruben 22

39054 Oberbozen | Ritten

Südtirol

www.weihrerhof.com

info@weihrerhof.com

+39 0471 345102

eintaucht, als würde einen jemand willkommen

heissen. Es sind diese stillen, sorgsamen Details, die

den Unterschied machen. Man merkt, dass hier

jemand mit Liebe ein Refugium geschaffen hat, in

dem man nicht Gast ist, sondern Teil einer grösseren

Ruhe.

Kulinarik

Eines meiner schönsten Rituale wurde schnell das

Frühstück auf der Terrasse – frisches Brot, warme

Milch, Beeren, die wie kleine Edelsteine glänzten.

Der Duft von Kaffee mischte sich mit dem Rascheln

der Bäume, während irgendwo ein Vogel

seine eigene Melodie dazu komponierte.

Auch am Abend erzählt die Küche des Weihrerhofs

Geschichten. Vom Ritten, von der Jahreszeit, von

Menschen, die wissen, wie gutes Essen entsteht.

Kräuter aus dem Garten, Gemüse vom Nachbardorf,

Südtiroler Klassiker, die manchmal mit einem

Bereits im 17. Jahrhundert suchten wohlhabende

Bozner Bürger und Adelige während der heissen

Sommermonate Erholung auf dem Ritten. Mit der

Eröffnung der Zahnradbahn von Bozen nach Oberbozen

und der anschliessenden Schmalspurbahn

bis Klobenstein Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte

sich das Hochplateau endgültig zu einem beliebten

Ort der Sommerfrische. Auf 1.221 Metern

Höhe liegt Oberbozen im Herzen dieser traditionsreichen

Ferienregion – geprägt von grünen Wiesen,

einem charmanten Dorfkern und zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten

in der Umgebung.

Die Zimmer

In meinem Zimmer war Holz das bestimmende

Element – ehrliches, geöltes Lärchenholz, das noch

nach Sonne und Wald duftete. Grosse Fenster öffneten

den Blick über den See, und manchmal spiegelte

sich das Licht so weich an der Wand, als würde

es bleiben wollen.

Nichts wirkt hier überladen, alles ist bewusst gestaltet:

sanfte Stoffe, weiche Formen, eine kleine Ecke

zum Lesen und die Bettdecke, in die man abends

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Augenzwinkern neu interpretiert werden. Es ist keine

grosse Inszenierung, sondern ehrlicher Genuss –

vertraut und überraschend zugleich. Hier schmeckt

man das Land, das Licht und die Seele dieses Hauses.

Wellness

Ich habe selten einen Ort erlebt, an dem Wasser so

eine Rolle spielt. Der See ist allgegenwärtig – morgens

still, mittags glitzernd, abends fast feierlich. Im

SeaSpa scheint er direkt in den Alltag hineinzufliessen.

Eine Sauna mit Panoramablick, ein Sprung in

das klare, weiche Wasser, eine Massage mit Kräuterölen,

die an die Aromen der Umgebung erinnern

– alles folgt einer leisen Logik: Loslassen.

Was mich am meisten beeindruckte, war die Natürlichkeit,

mit der hier Wohlbefinden entsteht. Kein

Chichi, kein Showeffekt – nur Nähe, Wärme und

dieser unverwechselbare Duft nach Wald, See und

Freiheit.

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MERAN

Wo Palmen Bergspitzen küssen.

Kurhaus - Credit by IDM Südtirol | Manuel Ferrigato

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Therme Meran - Credit by IDM Südtirol | Frieder Blickle

In Meran scheint die Zeit ihren eigenen Takt

gefunden zu haben – ein stilles Pendel zwischen

Belle Époque und Gegenwart, zwischen

Alpengipfeln und Palmen, zwischen

Erinnerung und Erneuerung. Wer durch die

Laubengänge schlendert, spürt nicht nur die Wärme

der Südtiroler Sonne auf der Haut, sondern

auch die feinen Spuren vergangener Jahrhunderte

unter den Füssen. Schon die k.-u.-k.-Gesellschaft

wusste einst um die besondere Wirkung dieses Ortes:

Das milde Klima, die luftige Eleganz der Promenaden,

die sanfte Melancholie jener Landschaft,

die stets ein wenig nach Süden duftet.

Für Reisende, die Geschichte nicht als trockene

Chronik, sondern als lebendige Begleiterin empfinden,

wird Meran zu einem Raum, in dem jede Epoche

ein Stück ihrer Seele hinterlassen hat. Habsburgische

Sommerfrische und moderne Lebenskunst

gehen hier eine selten harmonische Verbindung

ein. Die Villen erzählen noch von der mondänen

Welt des 19. Jahrhunderts, als Dichter, Ärzte und

Aristokraten die Kurstadt entdeckten; doch dazwischen

glitzert das Jetzt – in den Schaufenstern, in

der Kunstszene, in der heiteren Gelassenheit eines

Cappuccinos am Passerufer.

Es ist jene leise Magie der Zwischenzeiten, die Meran

so anziehend macht. Man wandert nicht nur

durch eine Stadt, sondern durch Echos der Zeit:

durch Gärten, die einst Adlige entwarfen, durch

Passagen, die Händler aus aller Welt belebten,

durch Hotels, die noch den Duft vergangener Sommer

bewahren. Vielleicht liegt genau darin der Reiz

– dass sich hier, im sanften Licht des Meraner Tals,

die eigene Lebensreise spiegelt. Nicht im Rückblick,

sondern im Gleichklang von Gestern und Heute,

von Werden und Sein.

Und so beginnt jede Begegnung mit Meran wie

eine Einladung zum Innehalten. Die Passerpromenade

führt vom mondänen Kurhaus hinauf zu

den grünen Terrassen, auf denen einst Kaiserin Sisi

spazierte. Jugendstilfassaden leuchten neben mittelalterlichen

Laubengängen, und aus den Gärten

weht der Duft von Zypressen und Magnolien, vermischt

mit frischer Bergluft. Hier erzählt jedes Bauwerk,

jeder Weg, jede Loggia eine eigene Geschichte

– nicht laut, sondern mit jener feinen Noblesse,

die Zeit überdauert. Wer sich darauf einlässt, wird

bald merken: In Meran reist man nicht nur durch

den Raum, sondern durch die Epochen.

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HARMONIE

Goethes Dialog über Meran.

Meine Liebste,

ich weile nun seit einigen Tagen in Meran,

und selten hat mich ein Ort in solcher

Fülle berührt. Hier scheint die Natur selbst

noch an jenem ewigen Gespräch teilzunehmen, das

Himmel und Erde einst über das Schöne begannen.

Zwischen Palmen und Apfelhainen, zwischen

Schnee und Sonne, atmet man ein Paradox, das

doch zur vollkommenen Einheit wird. Der Norden

und der Süden berühren sich in einem fast zärtlichen

Gleichgewicht.

Ich wandere durch die Arkaden der Altstadt, wo

Geschichte und Gegenwart einen stillen Bund geschlossen

haben. Alte Mauern tragen die Spuren

habsburgischer Disziplin, doch zwischen ihren Bögen

rauscht das Leben leicht und mediterran.

Die Menschen begegnen sich hier mit einer sanften

Gewissheit, als käme niemand je ganz von irgendwoher

und nirgends ganz an. In ihren Augen

liegt ein Frieden, der aus Gleichgewicht geboren ist:

Zwischen Arbeit und Genuss, zwischen Erinnerung

und Augenblick. Ich sah heute eine alte Frau, deren

Hut mit einer Clementine geschmückt war; in ihrer

stillen Heiterkeit lag mehr Weisheit als in tausend

gelehrten Reden.

Das Murmeln der Passer begleitet mich, wenn ich

am Ufer entlanggehe, und mir ist, als spräche der

Fluss in jener Sprache, die du so liebst – in Bildern.

Er erzählt von Bewegung und Ruhe zugleich, wie

unsere Briefe es taten, wenn Ferne und Nähe einander

suchten.

Vom Wandelweg aus schaue ich hinab auf die Stadt,

die mit ihren Gassen das historische Gedächtnis

wie eine feine Patina trägt. In den sanften Lüften

mischt sich der Duft von Rosmarin und Kastanie,

und über den Dächern klingen Sprachen – Italienisch,

Deutsch, Ladinisch – wie ein polyphones Gebet.

Hier lebt Europa, nicht als Idee, sondern als

tägliche Erfahrung des Miteinanders.

Die Menschen grüssen mit Gelassenheit, als wüssten

sie längst, dass Zeit nur ein Kleid ist, das wir

ablegen werden. Ich sammle ihre Blicke, ihre Stimmen,

wie Blätter, die vom Wind getragen werden:

Jedes erzählt ein Stück Sehnsucht, ein Streifen

Licht im Tal.

Wäre ich ein Maler, ich malte die Farben dieses Ortes

nicht mit Pigment, sondern mit Atem. Doch da

ich ein Dichter bin, sende ich dir Worte, die wie

jene milden Quellen hier, aus Tiefe und Wärme zugleich

entspringen.

Dein J. W. G.

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Meran - Credit by Carrie Borden unsplash.com


DER SPAZIERGANG

Goethe und Kafka über Freud.

Meran - Credit by reisetopia unsplash.com

Goethe und Kafka schlendern über die Grüne

Terrasse in Meran, wo die Passer im

Spätsommer kühlrauscht und die Luft von

blühenden Kastanien duftet. Der alte Meister, in

einem leichten Frack, lehnt sich an das Geländer,

während Kafka, mit einem Notizbuch in der Hand,

nervös an seiner Brille rückt. Die Sonne taucht die

Berge in goldenes Licht, und eine leichte Brise trägt

das Plätschern des Flusses herauf.

„Lieber Kafka, diese Stadt atmet Heilung, wie

einst für Freud in seiner Jugend“, beginnt Goethe

mit einem Lächeln. „Freud, dieser Wiener Seelenarchäologe,

der Unbewusstes ausgräbt wie ich die

Urpflanze – doch er bindet den Menschen zu eng

an Triebe, findest du nicht? Er sieht im Traum nur

Verdrängtes, während ich darin himmlische Offenbarungen

erkenne.“

Kafka nickt zögernd, seine Stimme leise über dem

Wasserrauschen. „Magister, Freud zerlegt uns in

Schuld und Lust, als wären wir Prozesse ohne Erlösung.

In Prag spürte ich seine Schatten: Die Vaterfigur,

die uns erdrückt wie meine eigene. Hier in

Meran, wo ich atme, frage ich mich – heilt seine

Kur die Seele oder nur die Lunge?“ Er deutet auf

die Promenade, wo Spaziergänger lachen.

Beide halten inne, geniessen die Passer-Kühle an

ihren Händen. „Vielleicht“, schliesst Goethe, „würde

Freud uns widersprechen: Alles ist Ödipus! Aber

lass uns weiterwandern – Kunst und Natur heilen

tiefer als Analysen.“ Sie setzen ihren Spaziergang

fort, zwei Geister in zeitlosem Dialog.

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SÜDTIROLER WEINSTRASSE

Wo Gold und Purpur in der Sonne leuchten.

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Die Südtiroler Weinstrasse im herbstlichen

Glanz, wo die Reben in sattem

Gold und Purpur glühen, ruft

wie ein vergessenes Liebeslied. Stellen

Sie sich vor: Die Sonne taucht

die Hügel von Eppan und Kaltern in ein warmes,

goldenes Licht, das die Blätter der Weinberge zum

Leuchten bringt, während ein sanfter Wind die ersten

Nebel aus dem Etschtal webt. Neben der grauen

Autobahn A22 schlängelt sich diese Strasse wie

eine Einladung zum Innehalten – kein hektisches

Rasen, sondern ein langsames Gleiten durch Dörfer,

wo der Duft von Most und frischem Brot aus

offenen Schenken weht. Hier, fernab des Trubels,

öffnen Burgen wie Hocheppan ihre Tore, mit Fresken,

die Geschichten alter Ritter flüstern, und Panoramablicken,

die das Herz höher schlagen lassen.

Warum diese Nebenstrecke? Weil sie das Leben atmet,

das die Schnellstrasse erstickt. Im Herbst verwandelt

sich die Landschaft in ein Gemälde: Der

Kalterer See spiegelt die flammenden Farben wider,

die Mendelbahn klettert spielerisch bergan, und in

Tramin oder Margreid laden Weingüter zum Probieren

ein – ein Schluck Lagrein, der von sonnendurchfluteten

Hängen erzählt.

Der kluge Reisende, der über ausreichend Zeit verfügt

und ein Gespür für Schönes hat, spürt hier

die Seele Südtirols: Zeitlose Ruhe, gepaart mit der

Freude kleiner Entdeckungen wie der Ruine Boymont,

von der aus man die Kraft der Dolomiten im

Dunst spüren kann.

Steigen Sie ein, drehen Sie den Schlüssel – die Strasse

wartet mit ihren Schätzen: Die Burg Hocheppan,

Gambero-Rosso-Preise für Weine, die Geschmack

von Ewigkeit haben. Lassen Sie die Herbstsonne

Ihr Gesicht wärmen, während Burgen und Berge

Sie umarmen. Südtirol ruft, und der Frühling und

Herbst flüstern: Fahren Sie jetzt.

Weinstrasse - Credit by IDM Südtirol


HARTMANN DONÀ

Ein Winzer mit Charakter.

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AUF DEN SPUREN DER SEELE

Ein Besuch bei Hartmann Donà.

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Es war nicht Liebe auf den ersten Blick

– es war Liebe auf den ersten Schluck.

Ein Frühlingstag am Gardasee, Sonnenreflexe

auf dem Wasser, ein Teller

Spaghetti con Scampi und dazu

ein Glas Pinot Bianco. Empfohlen hatte ihn der

Kellner, als wäre er ein Geheimnis, das nur Eingeweihte

kennen. Schon beim ersten Schluck öffnete

sich eine neue Welt: Klar, lebendig und doch voller

Tiefe. Der Wein trug eine Botschaft, die weit über

Geschmack hinausging – sie erzählte von Herkunft,

Geduld und dem Gespür eines Menschen, der seine

Arbeit mit innerer Ruhe und Hingabe gestaltet.

Drei Jahre sind seither vergangen. Ich sitze nun

an meinem Schreibtisch, schreibe über Menschen,

Orte und Begegnungen, die mein Herz berühren.

Meine Reisen führen mich auf den Spuren der alten

Grand Tour – Routen wo einst Cosmopoliten

reisten, die heute mehr denn je eine Einladung ist,

nicht nur Landschaften, sondern auch Geist und

Seele Europas neu zu entdecken. Auf dieser Reise

lenkt mich die Erinnerung an jenes Glas Wein nach

Südtirol, zu Hartmann Donà, dem Mann, dessen

Handschrift in jedem seiner Tropfen zu spüren ist.

Vor fünfundzwanzig Jahren begann er, eigene Wege

zu gehen. Als Winzer im besten Sinne des Wortes

suchte er nicht den schnellen Erfolg, sondern das

ehrliche Gespräch mit der Natur. Seine Frau, so

sagt er, habe ihm den Raum gegeben, seiner Seele

zu folgen. Und so wurde aus Leidenschaft ein Lebenswerk:

Weine, die nicht gemacht, sondern gewachsen

sind. Sie erzählen von Witterung und Boden,

vom geduldigen Warten, vom Vertrauen in die

Zeit.

Wer die Weinberge von Hartmann Donà besucht,

betritt keine Betriebsstätte, sondern eine stille Welt.

Zwischen Meran und Bozen huscht in den Weinbergen

das Licht durch die Blätter. Die Ora, ein thermisch

bedingter Südwind, der am Tag warme Luft

aus dem mediterranen Raum, insbesondere vom

Gardasee und der Po-Ebene, ins Etschtal bei Meran

und Bozen bringt, sorgt dafür, dass die Trauben

im Herbst die notwendigen „Öchsli” kriegen. Er

trägt den Duft von Erde, Kräutern und Trauben.


In der Ferne leuchten die Berggipfel und über allem

liegt die stille Konzentration, die entsteht, wenn ein

Mensch im Einklang mit seiner Arbeit lebt.

Ein Glas Pinot Bianco oder Blauburgunder wird

hier zu einem Moment der Zwiesprache. Man

schmeckt das Land, das durch die Hände des Winzers

gegangen ist, die Sorgfalt, das handwerkliche

Können – aber vor allem die Haltung: Das Vertrauen

in den eigenen Weg.

Vielleicht liegt genau darin die Magie dieses Ortes.

Wer hier verweilt, findet nicht nur grossartige Weine,

sondern auch eine Schule der Aufmerksamkeit.

Das Reifen eines Weines gleicht dem Reifen eines

Gedankens – beide brauchen Zeit, Zuwendung und

Stille.

So endet meine Reise an diesem Ort, wo Erde und

Geist sich begegnen. Und während ich ein letztes

Mal das Glas hebe, erinnere ich mich an jenen ersten

Schluck am Gardasee. Was damals begann, war

mehr als eine Entdeckung – es war der Beginn einer

Freundschaft zwischen Mensch und Wein, zwischen

Erinnerung und Gegenwart.

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SÜDTIROLER WEINE

Wo Charakter und Eleganz zusammentreffen.

Südtirols Rotweine spiegeln auf rund einem

Drittel der Rebflächen die Kraft der Sonne und die

Vielfalt der Landschaft wider. Vom klassischen Vernatsch

bis zum noblen Blauburgunder entstehen

hier charaktervolle Weine, die alpine Frische mit

mediterraner Würze verbinden. Sie passen ideal zu

Wild, kräftigen Fleischgerichten und reifem Käse –

und entfalten sich bei moderater Trinktemperatur

besonders harmonisch.

Top-Rotweine im Überblick

Blauburgunder (Pinot Nero): Auf rund zehn Prozent

der Rebfläche angebaut, gilt er als König der

Burgundersorten. In Lagen wie Mazon oder Glen

reift er zu eleganten, beerigen Weinen mit weicher

Fülle; am besten bei 14–16 °C. Empfehlung: Wild,

Lamm, Hartkäse.

Cabernet (Franc & Sauvignon): Auf etwa drei

Prozent der Fläche wachsend, liefert er würzig-pfeffrige

Weine mit Noten von Johannis- und Brombeeren.

Mit etwas Reife zeigt er seine ganze Tiefe; ideal

bei 16–18 °C. Empfehlung: Lamm, Wild, kräftige

Fleischgerichte, Hartkäse.

Vernatsch (Trollinger): Südtirols autochthone

Rebsorte erlebt eine Renaissance. Auf 467 ha gedeihen

leichte, blumige Weine, vom fülligen St. Magdalener

bis zum weichen Kalterersee. Empfehlung:

Aperitif, Vorspeisen, Speck, Hausmannskost.

Merlot: Seit dem 19. Jahrhundert heimisch, bevorzugt

warme Lagen im Süden. Vollmundig und

fruchtig erinnert er an Brombeeren und Gewürze;

servieren bei 14–16 °C. Empfehlung: Kalb, Wild,

Rind, Käse.

Lagrein: Eine echte Südtiroler Spezialität auf

537 ha. Ssamtweich, mit Aromen von Beeren, Kirschen

und Veilchen; Barriqueausbau bringt zusätzliche

Würze. Auch als Rosé („Lagrein Kretzer“) beliebt.

Empfehlung: Wild, Rind, Hartkäse.

Rosenmuskateller: Die rare süsse Spezialität (nur

7 ha) duftet intensiv nach Rosen und entfaltet ein

komplexes, aromatisches Bouquet. Empfehlung:

Erdbeer- und Schokoladendesserts, Mohnstrudel,

Crêpes.

Weinstrasse Südtirol - Credit by IDM Südtirol

46


Kellerei Cantina Kurtatsch - Credit by Oskar Dariz

Südtirols Weissweine faszinieren durch ihre

Vielfalt und Frische, die auf über zwei Dritteln der

Rebflächen – rund 5.833 Hektar insgesamt – gedeihen.

Vor allem Sorten wie Pinot Grigio, Chardonnay

und Gewürztraminer dominieren mit eleganten

Aromen und idealer Eignung für alpine Küche.

Diese Weine verbinden mineralische Noten mit

fruchtiger Säure und passen perfekt zu Fisch, Vorspeisen

oder Südtiroler Spezialitäten.

Top-Weissweine im Überblick

Weissburgunder (Pinot Bianco): Auf 610 Hektar

angebaut; dieser Wein duftet nach Apfel, Birne

und Zitrone mit belebender Säure; ideal serviert bei

10–12 °C zu Aperitif oder Fisch.

Chardonnay: Fast 650 Hektar Anbau; wärmeliebend

mit Ananas-, Vanille- und Butteraromen; vielseitig

von fruchtig bis barriquegereift; servieren bei

10–14 °C zu hellem Fleisch.

Pinot Grigio (Ruländer): Ist die meistangebaute

Sorte mit 699 Hektar, vollmundig nach Apfel und

Lindenblüte; fein in Vinschgau oder korpulent im

Süden, bei 10–12 °C zu kräftigem Fisch servieren.

Gewürztraminer: Ursprung in Tramin, dieser

Wein wird auf 634 Hektar angebaut, üppig mit Rosen-,

Nelken- und Tropenaromen; höherer Alkoholgehalt,

bei 10–12 °C zu Blauschimmelkäse oder

Dessert.

Seltene Perlen Südtirols

Sauvignon Blanc: Boom wird auf gut 497 Hektar

angebaut, mit „grünen“ Noten wie Gras und Stachelbeere;

bei 10–12 °C zu Gemüse oder Ziegenkäse

servieren.

Riesling: Heikle Angelegenheit, die auf 105 Hektar

in Höhenlagen wie Eisacktal angebaut wird,

frisch-pfirsichig bei 10–12 °C passt dieser Wein ausgezeichnet

zu asiatischen Gerichten.

Sylvaner und Veltliner: Mineralisch-frisch aus

Eisacktal (68 ha bzw. 27 ha); schmeckt nach Apfel

und Minze oder Pampelmuse; kühl bei 8–10 °C

passt er hervorragend als Vesper zum Speck.

Weitere Highlights wie Müller-Thurgau (155

ha, muskatig), Goldmuskateller (100 ha, süss-aromatisch)

oder Kerner (129 ha, würzig) runden die

Palette ab.

47


ELENA WALCH WEINGUT

Weltklasse aus Südtirol.

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und erlebe den Charme des

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48


Die Veredelung im Schosse des Berges

Eine Metamorphose des Weines

Im verborgenen Seitenstollen jenes Silberbergwerks,

das einst als höchstgelegenes Europas

galt, vollzieht sich eine stille Verwandlung. Hier,

wo vor Jahrhunderten das edelste Silber des Ridnauntales

gewonnen wurde – bezeugt durch jene

ehrwürdige Urkunde aus dem Jahre 1237, gezeichnet

von den Grafen zu Meran –, erfährt nun eine

erlesene Auswahl der Elena Walch‘schen Weine

ihre Vollendung.

Mit ehrfürchtiger Sorgfalt werden alljährlich wenige

Flaschen der kostbarsten Weissweine mittels einer

kleinen Bergbahn drei Kilometer tief in das Innere

des Berges geleitet. Dort, auf 2.000 Metern über

dem Meeresspiegel, in völliger Zurückgezogenheit

von der Welt, in undurchdringlicher Finsternis, bei

einer beständigen Temperatur von 11 Grad Celsius

und einer feuchten Luft von 95 Prozent, reifen diese

edlen Tropfen über Jahre hinweg heran.

Der Berg selbst wird zum treuen Hüter dieser weissen

Schätze – des „Beyond the Clouds“ und des

Gewürztraminers Vigna „Kastelaz“. Im Schosse

des Gesteins entfalten sie allmählich ihre innerste

Komplexität. Die geduldige Flaschenreifung im

stillgelegten Bergwerk verleiht ihnen jenen eigentümlichen

Charme der Jugend gepaart mit jener

Tiefe, die nur durch Zeit und Abgeschiedenheit erreicht

werden kann.

Wahrlich, man könnte sagen: Im Berginneren werden

diese Weine „versilbert“ – als wollte das einstige

Silber des Ridnauntales seinen Geist auf neue Weise

fortsetzen.

J.W.G.

49


Elena Walch – Eleganz, Architektur und die stille

Revolution des Terroirs

50

Wer den Duft frisch geernteter

Trauben kennt, der weiss, dass

Wein mehr ist als ein Produkt –

er ist gelebte Kultur, verdichtete

Landschaft. Ich schreibe dies als

jemand, der während vieler Spätherbste zwischen

Vevey und Cully gelebt hat, wo der Nebel aus dem

Léman steigt und die Sonne die letzten Reben zum

Glühen bringt. Ich kenne den Moment, wenn die

Kelterei nach Most duftet, die Hände klebrig sind

von Traubensaft und sich Arbeit, Erde und Geist

zu einem Ganzen verbinden. Vielleicht ist es gerade

dieses Hintergrundrauschen, das mir erlaubt, die

Leistung von Elena Walch in ihrem richtigen Licht

zu sehen.

Elena Walch hat in Südtirol etwas geschaffen, das

man nur als zivile Revolution des Geschmacks bezeichnen

kann. Mit der Präzision einer Architektin

– und diesem Beruf entstammt sie tatsächlich – hat

sie die Strukturen eines alten Weinguts neu entworfen,

ohne seine Seele zu verletzen. Sie hat gezeigt,

dass Tradition nicht Beharren bedeutet, sondern

Weiterentwicklung im Respekt vor dem Ursprünglichen.

Ihre Weine sprechen diese Sprache: Klar, fokussiert,

voller Spannung zwischen alpiner Frische

und mediterraner Wärme.

In einem Landstrich, in dem die Reben an Hängen

wie Notenlinien in die Landschaft geschrieben

sind, steht ihr Name für einen neuen Ausdruck des

Südtiroler Terroirs. Das ist keine Modewelle, sondern

ein kultureller Wandel. Ähnlich wie ich es in

den Winzerdörfern der Bündner Herrschaft erlebt

habe – wo der Wein nicht nur verkostet, sondern

erzählt wird – hat Walch verstanden, dass ein grosser

Wein immer auch eine Geschichte transportiert:

Vom Boden, vom Klima, von den Menschen, die

ihn formen.

Besonders beeindruckend bleibt, wie sie das Gleichgewicht

zwischen Innovation und familiärer Kontinuität

gehalten hat. Heute führen ihre Töchter

Julia und Karoline den Betrieb und man spürt, dass

das Erbe nicht nur weitergegeben, sondern neu gedeutet

wird. Diese Übergabe aus der Stärke heraus

– und nicht aus Not – ist selten geworden in dieser

Welt.

Wenn ich ihre Gewächse aus Kaltern oder Tramin

probiere, denke ich an die Hänge über Malans, wo

mein Cousin seit Jahrzehnten die filigrane Komplexität

des Completer kultiviert. Die besten Weine, ob

aus dem Etschtal oder aus der Bündner Herrschaft,

entstehen nicht aus Zufall, sondern aus einem stillen

Pakt mit der Natur: geduldig, fragend, niemals

fordernd. Genau diese Haltung prägt das Werk von

Elena Walch.

Vielleicht liegt ihre eigentliche Grösse nicht nur im

Wein selbst, sondern in der Art, wie sie eine Region

dazu gebracht hat, sich neu zu sehen – als modernen

Ausdruck jahrhundertealter Handwerkskunst.

Wer einmal bei Sonnenaufgang in ihren Weinbergen

gestanden hat, versteht: Hier wird nicht nur

Wein gemacht. Hier wird Identität geformt.


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TRIENT - RIVA DEL GARDA

Ein Umweg der sich lohnt.

Trento - Credit by Renato Muolo | unsplash.com

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Vom Süden der Südtiroler Weinstrasse

zurück auf die Autobahn

zu fahren, fühlt sich ein wenig an,

als würde man ein gut erzähltes

Kapitel schliessen, um gleich das

nächste aufzuschlagen: In Auer gelangt man über

die Anschlussstelle Neumarkt-Auer-Tramin wieder

auf die A22, die hier das Etschtal nach Süden

durchzieht und direkt auf Trient zuführt. Nach den

Weinbergen und Dörfern entlang der Etsch markiert

die Autobahn den Übergang vom genussvollen

Bummeln zum zügigen Vorankommen – ideal,

um in Trient die nächste Etappe einzuläuten.

Kurzer Stopp in Trient

Trient lohnt sich als Zwischenhalt, weil hier italienische

Lebensart und alpine Kultur aufeinandertreffen:

In der kompakten Altstadt rund um Domplatz,

Schloss Buonconsiglio und die Gassen mit ihren

Renaissancefassaden lässt sich in kurzer Zeit viel

Atmosphäre aufsaugen. Wer von der A22 kommt,

fährt an der Ausfahrt Trento Sud ab und ist in wenigen

Minuten im Zentrum, wo Cafés, kleine Läden

und historische Plätze ideal sind für einen Espressooder

Mittagspausen-Stop.

Von Trient zum Lago di Toblino

Statt zurück auf die Autobahn zu wechseln, führt

von Trient die Staatsstrasse SS45 bis in das Valle dei

Laghi, das Tal der Seen, Richtung Riva del Garda.

Nach kurzer Fahrzeit taucht der Lago di Toblino

auf, ein kleiner, märchenhaft gelegener See mit

Schlossinsel, umgeben von Rebhängen und steilen

Felswänden – ein Fotomotiv wie aus einem Bildband

und zugleich ein stiller Kontrast zur Transitachse

A22.


Auf den Spuren der Dinosaurier - Marocche di Dro

Hinter dem Lago di Toblino öffnet sich das Sarcatal,

in dem der Weg weiter über Sarche in Richtung

Dro führt, immer entlang der SS45 beziehungsweise

der Verbindungsstrassen, die dem Flusslauf folgen.

Kurz vor oder bei Dro beginnt die Riserva Naturale

Marocche di Dro, ein unter Schutz stehendes

Bergsturzgebiet mit Blockmeeren, karger Vegetation

und ausgewiesenen Wegen, auf denen sich

geomorphologische Infotafeln und die berühmten,

ausgeschilderten Dinosaurierspuren entdecken lassen

– Abdrücke, die vor rund 190 Millionen Jahren

von Pflanzenfressern und Fleischfressern hinterlassen

wurden.

Letzte Etappe nach Arco und Riva del Garda

Nach der Exkursion durch die Marocche führt die

Route zurück ins Tal und über Dro weiter nach

Arco, wo Olivenhaine, Kletterfelsen und die Burgruine

den Übergang von der wilden Schuttlandschaft

zur milderen Gardasee-Region markieren.

Von Arco sind es nur noch wenige Kilometer auf

gut ausgebauter Strasse bis Riva del Garda, das

am Nordufer des Sees liegt. Wer diese Strecke statt

der A22 wählt, erlebt in kurzer Distanz Weinberge,

Seen, Bergsturzwüsten, Spuren der Urzeit und mediterrane

Seeufer und entdeckt so die Landschaft

rund um Trient in all ihren Zwischentönen.

Trento - Credit by Giacomo Carra | unsplash.com

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ZWISCHEN FELS UND WIND

Goethe in Riva del Garda.

Als Johann Wolfgang von Goethe am 12. September

1786 in Torbole ankam, stand er am Tor

zu einer neuen Welt. Die Alpen lagen hinter ihm,

die ersten Olivenbäume flirrten in der Nachmittagssonne,

und der See glitzerte wie ein Versprechen.

Noch am selben Abend schrieb er in sein

Tagebuch, er wolle seine Freunde nur für einen

Augenblick neben sich wissen, um die Aussicht

mit ihnen zu teilen.

Goethe war kein blosser Reisender, sondern ein

Suchender. Er wollte sehen, fühlen, verstehen –

die Natur als Bühne menschlicher Empfindung.

Sein Abstieg über den Felsriegel von Rovereto

nach Torbole war nicht nur eine Route, sondern

eine Initiation in das „andere Italien“. Er zeichnete

die Linie des Sees, studierte die Felsformationen,

roch die Feigen, kostete den Branzino

– und geriet in eine Welt, die „der Naturzustand“

genannt werden konnte: unverschlossen, elementar,

voller Leben.

Heute, fast 240 Jahre später, zieht es die Reisenden an

denselben Ort. Doch Goethe würde kaum in Torbole

verweilen. Er würde die Blicke in Riva del Garda finden

– dort, wo Eleganz, Wasser und Wind ein Dreieck

aus Kultur, Bewegung und Stille formen.

Riva ist heute, was Torbole damals war: das Tor

nach Süden. Nur hat die Moderne die Schwelle bequemer

gemacht. Statt Ölpapier an den Fenstern:

Glasfassaden mit Seeblick. Statt des „Schlaraffenlebens“

der Einheimischen: Elegante Cafés und

Segelboote, die über das Wasser gleiten. Doch der

Geist des Nordwindes, der nachts von den Bergen

herabbläst und die Boote Richtung Süden trägt, ist

derselbe geblieben.

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Man kann sich leicht vorstellen, wie der junge

Dichter – heute mit einer Kamera und Notiz-App

statt mit Feder und Skizzenbuch – am Seeufer von

Riva stünde. Vielleicht würde er den Wind auskosten,

der vom Garda-See „Ora“ genannt wird, und

dabei auf einem E-Foil oder Segelboard über die

Wellen reiten – nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern

aus jener unstillbaren Neugier, die ihn einst bis

Rom führte.

Wie damals Wie damals sähe er sähe über er die über „unzähligen die „unzähligen kleinen

kleinen Ortschaften“ Ortschaften“ am Ufer, am doch Ufer, sein doch Blick sein Blick bliebe bliebe

der an Mischung der Mischung aus Licht aus und Licht Topographie und Topographie hängen

an

hängen – dem Dialog – dem von Dialog Fels und von Wasser, Fels und den Wasser, schon Virgil den

schon im „Benacus“ Virgil im besungen „Benacus“ hatte. besungen Die digitale hatte. Die Karte digitale

würde Karte ihm als würde modernem ihm als Volkmann modernem dienen; Volkmann und

dienen; doch wäre und seine doch Empfindung wäre seine Empfindung dieselbe geblieben: dieselbe

Ehrfurcht geblieben: und Ehrfurcht Entzücken und vor einer Entzücken Landschaft, vor einer die

Landschaft, das Nordische die und das das Nordische Mediterrane und das vereint. Mediterrane

So liesse vereint. sich sagen: Goethe wäre heute nicht wegen

So des liesse Komforts sich sagen: oder der Goethe Mode wäre nach heute Riva gekommen, nicht wegen

sondern des Komforts wegen der oder Stimmung. der Mode Riva nach ist das Riva Destillat gekommen,

dessen, was sondern ihn 1786 wegen in Torbole der Stimmung. so bewegte Riva – ist die

das Schwelle Destillat zum dessen, Süden, was das ihn erste 1786 „Andere“, in Torbole das so ihn

bewegte staunen – liess. die Schwelle Nur würde zum er, Süden, der Naturfreund das erste „Andere“,

Sinn für das das ihn Elementare, staunen liess. am Nur Abend würde auf er, der der Na-

See-

mit

turfreund promenade mit denselben Sinn für das Satz Elementare, flüstern wie am einst: Abend „Wie

auf sehr der wünschte Seepromenade ich meine denselben Freunde einen Satz Augenblick flüstern

wie neben einst: mich, „Wie dass sehr sie sich wünschte der Aussicht meine freuen Freundten,

einen die vor Augenblick mir liegt.“ neben mich, dass sie sich

könn-

der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt.“

J.W.G.

Riva del Garda - Credit by Aldo de Pascale | unsplash.com

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ROMANTISCHE SEHNSÜCHTE

Goethe und die Zypressen.

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Als Goethe im September 1786 am Gardasee

eintraf, hätte er den Weg nach Verona auch

direkt nehmen können, doch er entschied

sich für einen Umweg – der See war ihm „ein köstliches

Schauspiel“, das er nicht versäumen wollte.

Von Rovereto kommend fuhr er zunächst im Etschtal

ein Seitental hinauf, bevor er über Nago nach

Torbole gelangte, wo ihn der Anblick von Felsen,

Feigenbäumen und Oliven wie ein erster, überwältigender

Gruss des Südens traf.

In Torbole blieb er länger, als es ein eiliger Reisender

getan hätte, beobachtete den Fang der gewaltigen,

lachsähnlichen Fische und notierte mit Genuss,

wie er sich an Feigen und Birnen labte, „wo schon

Zitronen wachsen“. Dann setzte er seine Reise mit

dem Boot über den See fort, landete unter anderem

in Bardolino, um schliesslich wieder in eine Kutsche

zu steigen, die ihn durch die weichere Hügellandschaft

der Veroneser Ebene führte, bis er am 14.

September 1786 Verona erreichte.

Warum er heute die Gardesana nähme

Stellte man sich Goethe heute vor, würde er Torbole

vermutlich am frühen Morgen verlassen, wenn

der Wind die weissen Schaumkronen über den See

jagt und die Surfer wie Farbtupfer auf den Wellen

tanzen. Die Gardesana Occidentale würde ihn vom

Nordufer aus direkt in diese Mischung aus Naturdrama

und menschlicher Kunst führen: Eine Strasse,

die sich in den Fels schneidet, den See mal in

schmalen Tunnelfenstern, mal in breiten, theatralischen

Öffnungen freigibt.

Er sässe wohl nicht mehr in einer Kutsche, sondern

in einem bequemen Wagen, vielleicht mit geöffnetem

Fenster, um die wechselnden Düfte zu spüren:

feuchte Felsnischen, harzige Pinien, Zypressen,

Oleander, Zitrusgärten und der warme Atem der

Dörfer.

Bei jeder Haltebucht würde er den Drang verspüren

auszusteigen, Skizzen zu machen, Notizen

über das Licht zu schreiben, das an den Kalkwänden

hochwandert, und darüber zu staunen, wie die

Strasse das vormals schwer zugängliche Westufer in

eine erlebbare Landschaft verwandelt hat.

Zwischen Riva und Gargnano, wo die Gardesana

mit teils langen Tunneln, Galerien und Brücken die

steilen Wände unterläuft und umschmiegt, fände

er den Stoff für eine moderne „Italienische Reise“:

Die Metamorphose eines wild-romantischen Ufers

in eine Bühne, auf der sich Touristen, Radfahrer

und Einheimische begegnen.

Er würde wohl notieren, dass die Menschen heute,

statt mit Segelbooten und Maultierpfaden, mit

Motoren und Ingenieurskunst denselben Traum

vom Süden verfolgen – nur schneller, lauter, doch

im Kern mit der gleichen Sehnsucht nach Wärme,

Weite und Licht.

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Strada Statale 45 - Credit by Museo Alto Garda

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Strada Statale 45

Die Gardesana Occidentale entstand nicht im leichten

Spiel, sondern als anstrengendes Ringen von

Menschenhand mit Fels und Schwerkraft. Nach

dem Ersten Weltkrieg, als die Staatsgrenze am Gardasee

wegfiel, fasste man den Plan, beide Ufer mit

durchgehenden Strassen zu erschliessen: Während

die einfachere Gardesana Orientale an der Ostküste

schon 1929 durchgehend befahrbar war, begann

man 1928 mit den Arbeiten an der westlichen Gardesana.

Zwischen Gargnano und Riva musste die Trasse

buchstäblich in den Berg hineingesprengt werden:

Steile Wände fielen direkt in den See ab, Platz für

eine klassische Uferstrasse gab es kaum. Ingenieure

wie Riccardo Cozzaglio entwarfen eine Strecke, die

sich mit rund 70 Tunneln, Galerien und Brücken

an den Fels klammert, sich in ihn hineinbohrt und

ihn zugleich zur dramatischen Kulisse macht. Diese

Meisterleistung der Ingenieurskunst wurde jedoch

mit harter körperlicher Arbeit erkauft.

Die eigentlichen Bauarbeiten am schwierigsten Abschnitt

der Gardesana Occidentale begannen im

Februar 1928 und konnten im September 1931 abgeschlossen

werden, also in gut dreieinhalb Jahren

intensiver Arbeit. In dieser vergleichsweise kurzen,

aber extrem fordernden Zeit kamen zwölf Arbeiter

ums Leben – Zahlen, die die Gefährlichkeit der

Baustellen in den steilen Felswänden und engen

Sprengstollen erahnen lassen.

Am 18. Oktober 1931 wurde die Strasse feierlich

eröffnet, unter anderem von Gabriele D’Annunzio,

der in Gardone Riviera lebte und das Projekt

stark unterstützt hatte. Erst in den 1950er-Jahren,

mit dem aufkommenden Tourismus, verwandelte

sich die zuvor vor allem strategische und verkehrstechnische

Pionierleistung in jene „Traumstrasse“,

als die sie heute gilt – immer wieder angepasst, mit

veränderten Linienführungen und neuen, längeren

Tunneln, um den Verkehr sicherer zu machen,

während alte Teilstücke als stille Spazier- und Radwege

am Fels kleben geblieben sind.


Bogliaco

An einem klaren Frühlingstag, wenn die Luft am

Gardasee noch frisch ist und die Sonne das Wasser

glitzern lässt, lohnt es sich, in Bogliaco einen Halt

einzulegen. Das kleine, elegante Dorf zwischen

Gargnano und Toscolano-Maderno scheint auf

den ersten Blick unscheinbar, doch wer sich Zeit

nimmt, entdeckt seinen besonderen Zauber.

Am Hafen schaukeln die Boote sanft im Rhythmus

der Wellen. Hier duftet es nach Espresso und frischen

Croissants – die perfekte Gelegenheit, sich

auf einer der kleinen Terrassen niederzulassen und

den Blick über den See schweifen zu lassen.

Ein Kaffee in Bogliaco schmeckt anders: nach Gelassenheit,

nach Sommer, der bald kommt.

Wer noch einen Moment bleiben möchte, kehrt im

Ristorante allo Scoglio ein. Dort, wo die Terrasse

fast bis ans Wasser reicht, serviert man im Frühling

oder Herbst den zartesten Branzino weit und breit

– mit Zitronen aus dem Anbau des Westufers und

Olivenöl, das in der Abendsonne golden schimmert.

Während man den Fisch geniesst und die

Sonne langsam hinter den Bergen versinkt, versteht

man, warum Bogliaco kein Ort für Eile ist, sondern

für Genuss.

Hafen von Bolgiaco - Credit by beeboatservice.com

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Zeitreisende Bobachter

André Heller & Goethe im Vittoriale.

Im malerischen Vittoriale in Gardone Riviera

treffen zwei grosse Geister der Kunst und Kultur

aufeinander: Johann Wolfgang von Goethe

und André Heller. Zwischen dem klassischen Geist

des grossen Dichters und der lebendigen, experimentellen

Energie des zeitgenössischen Künstlers

liegt eine spürbare Spannung. Goethe, erfüllt von

seiner tiefen Liebe zur menschlichen Natur und zur

Kunst, betrachtet aufmerksam die kunstvoll gestalteten

Gärten und das imposante Amphitheater –

ein Symbol für die Verschmelzung von Leben und

kreativer Kraft.

André Heller, der sich für Innovation und die gesellschaftliche

Bedeutung von Kunst begeistert, führt

Goethe durch die Ausstellung und zeigt ihm die

botanischen Oasen, die Ruhe und Inspiration spenden.

Dabei entstehen Dialoge über die Bedeutung

von Kultur in der heutigen Zeit, über das Streben

nach Sinn und die Rolle der Kunst als verbindendes

Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Dieses Treffen fühlt sich an wie ein Tanz zwischen

Tradition und Moderne, ein Austausch, der zeigt,

dass Kunst und Kultur zeitlos sind und von ständiger

Erneuerung leben. Für die Besucher des Vittoriale

ist diese Begegnung ein eindrucksvolles Sinnbild

dafür, was Kunst bewirken kann: eine Brücke

zwischen Generationen, ein Raum für Reflexion

und Lebensfreude. So wird spürbar, dass dieser Ort

mehr ist als ein Museum: Er ist ein lebendiger Ort

des Austauschs und der Inspiration für Menschen

jeden Alters.

J.W.G.

Vittoriale - Credit by Nick | unsplash.com

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ISOLA DEL GARDA

Gardone und seine Schätze.

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Gardone - Credit by marbon

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Gardone Riviera

Ein Ort zum Verweilen.

Gardone – oder genauer Gardone

Riviera – ist einer dieser seltenen

Orte, an denen die Zeit nicht vergeht,

sondern sich wie ein feiner

Schleier über den See legt. Wer an

der Uferpromenade entlanggeht, spürt noch heute

den Nachhall der frühen Reisenden, als Damen

mit Sonnenschirmen und Herren im Leinenanzug

unter Palmen flanierten, bevor sie sich in den grossen

Hotels zum Dinner zurückzogen. Die Fassaden

dieser Häuser tragen den Glanz der Belle Époque

wie ein Versprechen: Dass man hier nicht einfach

ankommt, sondern ein wenig in eine andere Epoche

hinüberwechselt.

Der See liegt ruhig zu Füssen des Ortes, vom Licht

des Westufers weich modelliert, und in den Gärten

blühen Pflanzen, die eher an die Mittelmeerküste

erinnern als an einen alpennahen See. Es ist dieses

milde Mikroklima, das Gardone Riviera früh zum

mondänen Rückzugsort machte – und das den Spaziergänger

heute noch in eine fast theatralische Kulisse

eintauchen lässt, in der Palmen, Zypressen und

üppige Terrassen wie Bühnenbilder wirken. Unten,

am Wasser, öffnet sich die Welt der Promenade:

Elegante Cafés, historische Hotels, eine Folge von

Logenplätzen am See, an denen das Ankommen

und Zusehen selbst zur Kunstform wird.

Steigt man hinauf nach Gardone Sopra, verändert

sich der Ton. Die Uferlinie bleibt als blaues Band

im Blick, doch die Gassen werden enger, die Plätze

kleiner, und zwischen Steinmauern und alten Häusern

scheint das ursprüngliche Dorf seine eigene,

leisere Geschichte zu erzählen. Hier oben, um die

Kirche und die verwinkelten Wege, tritt der Gast

einen Schritt aus der mondänen Szenerie heraus

und entdeckt diese andere, bodenständigere Seite

Gardones, die den Glanz unten am See erdet und

ihm Tiefe verleiht.

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Vittoriale degli Italiani

Gabriele D’Annunzio’s Erbe.

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Über allem thront das Vittoriale degli

Italiani, jenes exzentrische Gesamtkunstwerk,

das der Dichter Gabriele

d’Annunzio sich wie eine Bühne

seines Lebens erbauen liess. Villa,

Gärten, Museen, ein Amphitheater und der eigenwillig

in den Hang montierte Bug eines Kriegsschiffs

fügen sich zu einem Labyrinth aus Symbolen, Pathos

und Poesie, das den Besucher mehr umhüllt als

es sich erklären lässt. Im Sommer verwandelt sich

das Freilichttheater mit seinem Blick über den See

in eine nächtliche Arena, in der Musik und Literatur,

internationale Stimmen und der Duft warmer

Steine sich zu einem intensiven Erlebnis verweben

– als würde der See selbst für einige Stunden den

Atem anhalten.

Nur wenige Schritte entfernt öffnet sich eine andere

Art von Bühne: der Botanische Garten, einst

von Arthur Hruska angelegt, heute von der Stiftung

André Hellers betreut. Zwischen Bambushainen,

alpinen Felsformationen, Wasserläufen und stillen

Becken stehen Skulpturen und Installationen,

die wie leise Kommentare zur Landschaft wirken

– Kunst, die nicht dominiert, sondern Gespräche

mit den Pflanzen, dem Licht und den Besuchern

beginnt. Dieser Garten ist ein eigenes kleines Universum:

Ein Ort, an dem man langsamer wird,

den Schritt dämpft, plötzlich stehen bleibt, weil ein


Detail – eine Figur, eine Blüte, ein Schatten – die

Wahrnehmung schärft.

So entfaltet sich Gardone Riviera im Jahreslauf in

immer neuen Schichten. Im Frühling trägt der Ort

ein helles, zartes Kleid; die Gärten erwachen, die

Promenade füllt sich mit den ersten Gästen, und

der See wirkt wie eine Einladung zur Neugier. Im

Sommer verdichtet sich die Atmosphäre – Konzerte,

Veranstaltungen und lange Abende im Freien

legen einen Klangteppich über den Ort, der bis

tief in die Nacht reicht. Und wenn der Herbst das

Licht wärmer, die Luft klarer macht, verliert Gardone

Riviera nichts von seiner Anziehungskraft; im

Gegenteil, die leiser werdende Saison legt den Blick

frei auf das, was diesen Ort so besonders macht:

die seltene Verbindung aus historischer Grandezza,

künstlerischer Inspiration und einem See, der

all das spiegelt.

Wer einmal hier gewesen ist, versteht, warum Gardone

Riviera nicht nur ein Ziel, sondern ein Ausgangspunkt

ist. Man reist ab mit dem Gefühl, kein

Kapitel abgeschlossen, sondern ein neues aufgeschlagen

zu haben – eines, zu dem man im nächsten

Frühling, Sommer oder Herbst zurückkehren

möchte, um zu sehen, wie die Geschichte in diesem

still leuchtenden Winkel des Gardasees weitergeht.

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Heller Garden

André Heller’s Erbe.

68

Wer heute durch die verwunschenen

Pfade von Gardone Riviera

am Westufer des Gardasees

schlendert, ahnt kaum, dass

hier einst ein Zahnarzt den

Grundstein für eines der faszinierendsten Gartenkunstwerke

Italiens legte. Arthur Hruska, ein Mann

mit feinem Gespür für Ästhetik und Wissenschaft,

hatte sich zwar der Medizin verschrieben – doch

seine eigentliche Leidenschaft keimte im Grünen.

Geboren 1880 in Böhmen, studierte Hruska quer

durch Europa, promovierte in München, vertiefte

sich später in Padua in die Kunst der Rekonstruktion

und Chirurgie. Doch während er andere mit

leichten Händen operierte, formte Hruska ganze

Landschaften. 1903 entdeckte er in Gardone Riviera

einen vernachlässigten Weinberg – eine Wildnis

von rund 10.000 Quadratmetern – und begann, sie

in ein lebendiges Labor der Natur zu verwandeln.

Mit dem Geist eines Forschers und dem Herzen

eines Poeten schuf er Teiche, Wasserläufe und

Höhlen, liess alpine Pflanzen harmonisch neben

tropischen Arten gedeihen. Der Garten wurde zu

einer Miniaturwelt, die die Vielfalt der Erde spiegelte

– ein Ort für Stille, Staunen und botanische

Entdeckungen.

Nach Hruskas Tod geriet das Paradies in Vergessenheit.

Jahrzehnte lang lag der Garten in einem

Dornröschenschlaf, überwachsen und still – bis

Andreas „André“ Heller ihn entdeckte. Der österreichische

Künstler, bekannt für seine poetischen

Visionen und seinen feinen Sinn für das Zusammenspiel

von Natur und Kunst, verliebte sich in

den Ort auf den ersten Blick. 1988 erwarb er das

Anwesen und hauchte ihm neues Leben ein.

Heller verstand Hruskas Werk nicht als abgeschlossenes

Erbe, sondern als Einladung zum Weiterdenken.

Er liess Skulpturen, Installationen und symbolische

Kunstwerke zwischen den Pflanzen entstehen

– leuchtend, überraschend, meditativ. Heute umfangen

über 3.000 Pflanzenarten Besucherinnen

und Besucher, während zwischen Bambushainen,

Steintreppen und Wasserfontänen Figuren von

Keith Haring, Roy Lichtenstein und Auguste Rodin

versteckt sind.

Was einst mit einer botanischen Leidenschaft begann,

ist heute ein Gesamtkunstwerk aus Natur,

Poesie und Philosophie – ein Ort, an dem Wissenschaft

zur Kunst wurde und Kunst zugleich zur Feier

des Lebens.


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Wo Lektüre auf Kultur trifft

und Spuren hinterlässt

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A Casa Mia, Il Pieroli

Bei Oscar hoch über Gardone.

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Ein Ausflug zum Essen kann zu einem Erlebnis

werden – besonders, wenn das Ziel Oscar heisst.

Schon die Fahrt von Gardone Riviera hinauf nach

San Michele auf der malerischen Via Panoramica

ist ein Genuss für die Sinne. Kurve um Kurve öffnet

sich der Blick über den funkelnden Gardasee, bis

man auf einer Anhöhe ankommt, wo Oscars Tafel

auf die Gäste wartet.

Hier oben, wo Ruhe und Panorama verschmelzen,

pflegt Oscar seine ganz eigene Vorstellung

von Gastfreundschaft. Die Küche ist herzlich, ehrlich

und überrascht zugleich: Fleisch aus aller Welt,

perfekt „dry aged“, Steinofenpizza an ausgewählten

Tagen und auf Wunsch zaubert Oscar frische

Garnelen und Langusten vom Lobster-Grill – eine

Hommage an das Mittelmeer. Muss telefonisch vorbestellt

werden.

Die drei Köche in der Küche kochen auf Sterne-

Niveau, ohne dabei die Bodenständigkeit zu verlieren.

Monatlich findet man eine regionale Spezialität

auf der Karte – eine schöne Erinnerung daran,

dass Genuss manchmal am besten dort geboren

wird, wo man zu Hause ist. Besonders verführerisch:

Das Tatar, das zu Recht lokale Berühmtheit

geniesst, und die Salatschüssel, ein Klassiker, der

Erinnerungen an die ersten Italienreisen in den

1970er Jahren weckt.

Und wer nach dem Hauptgang noch Platz findet,

sollte sich Oscars Spezialeis nicht entgehen lassen –

cremig, frisch und einfach wunderbar. Im Weinkeller

lagern zudem echte Kostbarkeiten in Flaschen:

sorgfältig ausgewählt und gepflegt, spürbar Oscars

ganzer Stolz.

Ein Besuch bei Oscar ist mehr als ein Abendessen,

es ist eine Rückkehr zum echten Geschmack des

Lebens.


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Salò, la misteriosa

Charmant, vielseitig, entspannt.

Ein Spaziergang entlang der längsten Promenade

des Gardasees führt an der Piazza della Vittoria

vorbei, wo das Hotel Metropole und der Palazzo

del Podestà thronen und ein Kriegerdenkmal an

vergangene Zeiten erinnert.

In diesem aus dem 14. Jahrhundert stammenden

Palast befindet sich heute das Rathaus des Ortes.

Besonders sehenswert ist das Deckenfresko im

Treppenhaus. Die Fassade und die Arkadengänge

stammen von dem bekannten Architekten Sansovino.

Hier pulsiert das Leben: An Markttagen füllt sich

der Platz mit Ständen, die frische Oliven, lokalen

Käse und handgefertigte Souvenirs anbieten. Ein

Genuss für alle Sinne.

Der Dom Santa Maria Annunziata mit seiner spätgotischen

Fassade und dem prächtigen Holzaltar

von Romanino lädt zur stillen Einkehr ein. Anschliessend

locken die schmalen Gassen der Altstadt,

die die reiche Vergangenheit Salòs als Handels-

und Kurort lebendig werden lassen.

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Salo by night - Credit by Daniel R. | unsplash.com

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Von Links oben im Uhrzeigersinn:

MuSa, Torre

dell‘Orologio, Piazza Zanardelli,

Markt von Salo,

Arkaden des Palazzo del

Podesta und das Rathaus.


Salo mit Dom - Credit by V incenzo Inzone | unsplash.com

Am westlichen Ufer des Gardasees

liegt Salò, die erste Gemeinde der

eleganten Riviera Occidentale. Der

Ort schmiegt sich malerisch in den

Golf von Salò, dessen geschützte

Lage ihm ein besonders mildes Klima und eine heitere,

fast mediterrane Stimmung verleiht. Seit über

hundert Jahren gilt Salò als internationales Reiseziel,

das mit seiner Mischung aus Geschichte, Stil

und Lebensfreude Besucher verzaubert.

Das historische Zentrum präsentiert sich als harmonisches

Geflecht aus engen Gassen, kleinen Plätzen

und herrschaftlichen Palästen – eine Bühne für

Architektur, Kunst und italienisches Alltagsleben.

Zwischen der Piazza Carmine, der Fossa und der

Seepromenade reihen sich elegante Geschäfte, edle

Boutiquen, Cafés und Restaurants aneinander und

laden zum entspannten Flanieren ein. Die Seepromenade

selbst, ein Schmuckstück entlang des

gesamten Golfs, ist eine der schönsten am Gardasee:

Hier lässt sich das mediterrane Lebensgefühl

hautnah spüren – beim Eis in der Hand, dem Blick

auf das glitzernde Wasser und den vorbeiziehenden

Booten. Ein besonderer Genussmoment ist es,

auf der Terrasse der traditionsreichen Bar Italia am

Lungolago Platz zu nehmen und bei einem Espresso

oder Aperitivo das sanfte Treiben auf dem See

zu beobachten – ein Schauspiel, das nie langweilig

wird.

Wer Salòs Geschichte erkunden möchte, findet sie

in prachtvollen Gebäuden und stillen Kirchen wieder.

Der Palazzo del Podestà, ein Palast aus dem

14. Jahrhundert und heutiges Rathaus, beeindruckt

mit seiner eleganten Fassade und einem Deckenfresko

des venezianischen Architekten Sansovino. Die

Kirche San Giovanni Decollato, etwas verborgen in

den Seitenstrassen, birgt mit Zenon Veroneses Gemälde

der Enthauptung Johannes des Täufers ein

eindrucksvolles Zeugnis der Renaissancekunst.

Ein Wahrzeichen von Salò ist der Dom Santa Maria

Annunziata, die grösste und bedeutendste Kirche

am Gardasee. Von aussen eher schlicht, überrascht

sie im Inneren mit prachtvollem Stuck, vergoldeten

Altären und kostbaren Gemälden – besonders eindrucksvoll:

der „Heilige Antonius von Padua“ des

Malers Romanino.

Wer tiefer in die Geschichte des Ortes eintauchen

möchte, besucht das MuSa – Museo di Salò, das

die bewegte Vergangenheit Salòs von der Zeit der

venezianischen Herrschaft bis zum Zweiten Weltkrieg

lebendig werden lässt. Briefe, Gemälde und

historische Objekte erzählen die Geschichte einer

Stadt, die stets im Spannungsfeld zwischen Kunst,

Politik und Handel stand.

Am Eingang der Altstadt erhebt sich schliesslich der

Torre dell’Orologio, ein Uhrenturm und ehemaliges

Stadttor – Symbol für das historische Erbe Salòs

und zugleich perfekter Ausgangspunkt für einen

Spaziergang entlang des Lungolago.

Salò verbindet die Eleganz vergangener Jahrhunderte

mit dem Flair moderner Seepromenaden –

ein Ort, an dem Geschichte, Genuss und der Zauber

des Gardasees harmonisch ineinandergreifen.

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Marcello Bruschetti

Die Kunst des Destilats.

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Das Leben von Marcello Bruschetti

nahm eine entscheidende Wendung

im Juni 2010, als er bei der Veranstaltung

Vini nel Mondo im historischen

Spoleto Luciano Brotto

begegnete. Brotto, ein leidenschaftlicher Pionier

der italienischen Brennkunst, bestand darauf, dass

Marcello sein jüngstes „Experiment“ probiere –

einen Destillatentwurf, der mit unkonventionellen

Holzarten veredelt worden war. Was als zufällige

Verkostung begann, entwickelte sich zu einer Vision.

In diesem Moment erkannte Bruschetti, dass

sich in der Welt der Spirituosen noch immer Raum

für Inspiration, Persönlichkeit und Handwerkskunst

finden liess.

Aus dieser Begeisterung heraus entstand EVO

o de V – ein Projekt, das tief in der italienischen

Tradition verwurzelt ist und zugleich den Mut zur

Innovation trägt. Zusammen mit Luciano Brotto

beschritt Bruschetti neue Wege in der Destillation.

Ihre Produkte zeichnen sich durch aussergewöhnliche

Eleganz und Anmut aus, geprägt von einer

klaren Philosophie: Experimentierfreude als Motor

von Qualität. Die Kollektionen entstehen in kleinen

Serien und vereinen erlesene Rohstoffe mit kreativen

Reifeverfahren. Dabei bildet die Zusammenarbeit

mit regionalen Handwerksbrennereien eine

tragende Säule des Erfolgs.

Im Mittelpunkt steht die Kunst des Reifens. EVO

o de V experimentiert mit autochthonen Hölzern,

deren Charakter die Aromen des Destillats subtil

verändert und vertieft. Das sanfte Räuchern des

Tresters sowie das „Spiel“ mit Fässern, die zuvor

für andere edle Produkte genutzt wurden, verleihen

jeder Spirituose eine unverwechselbare Identität.

Marcello Bruschetti verfolgt dabei kein industrielles

Ziel, sondern eine Passion: die Schaffung von

Destillaten, die Geschichten erzählen – italienische

Geschichten von Erde, Luft und Zeit, verwoben zu

einem sinnlichen Erlebnis.

So steht EVO o de V heute sinnbildlich für den Dialog

zwischen Tradition und Neugier – ein Projekt,

geboren aus Freundschaft, inspiriert von Handwerk,

getragen von Leidenschaft.

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Valeggio sul Mincio

Eine unvergessliche Reise in die Natur.

Valeggio sul Mincio by - Credit by W. Weiser | pexels.com

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Ein zarter Knoten aus Teig und Legende

– Wer Valeggio sul Mincio besucht,

wird schnell merken, dass hier ein Gericht

mehr ist als nur eine lokale Spezialität.

Die „Tortellini di Valeggio“, im

Dialekt „Agnolin“ genannt, sind das kulinarische

Herz dieser kleinen Stadt zwischen Verona und

dem Gardasee – und zugleich ein Stück gelebte Poesie

auf dem Teller.

Ein Hauch von Seide im Nudelteig

Der Teig ist hauchdünn, fast transparent, die Füllung

eine sorgfältig abgeschmeckte Mischung aus

geschmortem Fleisch. Jedes Stück wird von Hand

geformt – ein Ritual, das in vielen Familien von Generation

zu Generation weitergegeben wird. Auf

den Fest- und Feiertagstafeln der Einwohner von

Valeggio dürfen die Tortellini niemals fehlen.

Geniessen kann man sie klassisch „in brodo“, in

einer klaren Brühe, oder in Butter geschwenkt, mit

frischem Salbei – schlicht, aber raffiniert. In Valeggio

reiht sich ein Restaurant ans nächste und fast

alle führen die Tortellini in verschiedenen Variationen

auf der Karte. Wer den Geschmack mit nach

Hause nehmen möchte, wird in den zahlreichen

handwerklichen Pastamanufakturen fündig.

Die Legende vom „Knoten der Liebe“

Hinter den Tortellini verbirgt sich eine Liebesgeschichte

aus dem späten 14. Jahrhundert, die der

Goldschmied Alberto Zucchetta literarisch festgehalten

und illustriert hat. Sie erzählt von der

Nymphe Silvia und dem Hauptmann Malco, deren

Liebe keine Zukunft haben darf. Als Zeichen ihrer

unglücklichen Leidenschaft hinterlassen sie am

Ufer des Flusses Mincio ein zartes, gelbes Seidentuch

– zu einem Knoten gebunden.

Dieser Knoten wurde zur Inspiration für die Form

der Tortellini und für ihren poetischsten Namen: „Il

Nodo d’Amore“, der Knoten der Liebe. Die Associazione

Ristoratori di Valeggio hat diesen Begriff

bekannt gemacht und damit ein Symbol geschaffen,

das längst die Grenzen Italiens überschritten

hat. Heute gilt der „Nodo d’Amore“ als Botschafter

der lokalen Küche in ganz Europa und darüber hinaus.

Zwischen Handwerk, Kultur und Kreativität

So romantisch die Legende auch ist – wirtschaftlich

betrachtet sind die Tortellini zu einem bedeutenden

Standbein für die Gemeinde Valeggio geworden.

Doch hier geht es nicht nur um Produktion, son-

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dern auch um Kultur und Ästhetik: Das Produkt

steht für handwerkliche Präzision, lokale Identität

und eine bewusst gepflegte Tradition.

Neben der klassischen Fleischfüllung überrascht die

Küche von Valeggio mit kreativen Varianten: Tortelli

mit saisonalem Gemüse, gefüllt mit aromatischen

Käsesorten, kombiniert mit Wild, Fisch oder

weiteren fantasievollen Kompositionen. Wer gerne

probiert und vergleicht, findet in den Gassen des

Ortes eine beeindruckende geschmackliche Vielfalt.

Ein gedeckter Tisch über dem Fluss

Wie eng in Valeggio Essen, Gemeinschaft und Szenerie

verwoben sind, zeigt sich besonders bei zwei

jährlichen Veranstaltungen, die längst Kultstatus

geniessen.

Am dritten Dienstag im Juni verwandelt sich die

mittelalterliche Ponte Visconteo in Borghetto in

eine spektakuläre Freilufttafel: Bei der „Festa del

Nodo d’Amore“ sitzen rund 3.300 Gäste an einem

über einen Kilometer langen Tisch, direkt über

dem Wasser des Mincio. Wenn die Sonne untergeht

und die Lichter angehen, werden Tausende

handgemachte Tortellini serviert – ein Erlebnis, das

Esskultur, Landschaft und Legende einzigartig verbindet.

Im September folgt „Tortellini e Dintorni“, ein

wanderndes Wein- und Gastronomiefest, das drei

Tage lang die Altstadt von Valeggio in eine Bühne

für Genuss verwandelt. In den Strassen, auf den

Plätzen und in den Lokalen des Ortes reihen sich

Degustationsstände aneinander; Weinproduzenten,

Pastifici, Restaurants und Bars öffnen sich einem

neugierigen Publikum. Es ist die ideale Gelegenheit,

Valeggio zu Fuss zu erkunden, sich von Stand

zu Stand treiben zu lassen und die Tortellini in immer

neuen Interpretationen zu entdecken.

Ein Reiseziel für Geniesser

Wer den Gardasee besucht oder durch die Hügel

zwischen Verona und Mantua reist, sollte Valeggio

sul Mincio als festen Programmpunkt einplanen.

Die Tortellini di Valeggio sind mehr als eine Spezialität:

Sie sind ein essbarer „Knoten der Liebe“

– zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen

Legende und Landschaft, zwischen den Menschen

und ihrem Land.

Am schönsten erschliesst man sich diese Tradition

dort, wo sie entstanden ist: bei einem Teller frisch

zubereiteter Tortellini, mit Blick auf den Mincio –

und vielleicht mit der Ahnung, dass in diesem feinen

Teigmantel ein ganzes Stück Italien steckt.

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Castello Scaligero di Valeggio sul Mincio - Credit by Stefano Venturell

Teure Freundin,

heute führte mich mein Weg an den Mincio,

zu einem Garten, der mehr einem leisen

Traum als einem Stück Erde gleicht. Zwischen

alten Mauern aus vergangener Zeit hat man hier

schon seit Jahrhunderten der Natur Raum gegeben,

sich zu verwandeln, und sie doch mit sanfter

Hand geordnet.

Weite Rasenflächen breiten sich aus wie grüne Teppiche,

von Schatten spendenden Bäumen gesäumt;

in den Wasserspiegeln ruhiger Teiche verdoppeln

sich Himmel und Zypressen, so dass man kaum

weiss, ob man wandelt oder schon in einem Bild

steht. Die Luft war warm und still, nur von Kinderstimmen

und dem Rauschen der Blätter bewegt,

und ich empfand jene heitere Sammlung des Gemüts,

die mir Italien stets gewährt hat.

Ein Labyrinth von hohen, dunkelgrünen Hecken

lockte mich, und indem ich seinen Irrgängen folgte,

dachte ich an unsere eigenen Umwege, durch

welche das Leben uns zueinander und wieder von

einander fortführt. Als ich endlich den Mittelpunkt

erreicht hatte, schien mir, als stünde ich auf einem

stillen Punkt der Welt, von dem aus alle Wege möglich

sind – nur der zu Dir blieb mir versagt, und

eben darum war mir Dein Bild gegenwärtiger als je.

An einer stillen Bank, unweit einer Einsiedelei,

verweilte ich lange. Wie gerne hätte ich Dich dort

neben mir gewusst, damit Du mit eigenen Augen

sähest, wie hier die Kunst dem Wuchs der Bäume

nachgibt und die Zeit in Blüten und Schatten eingeteilt

wird. So aber muss ich mich begnügen, Dir

mit dürftigen Worten zu senden, was hier in Farben,

Düften und Licht so reichlich vorhanden ist.

Wenn es einen Ort gibt, an dem die Seele lernt, das

Leben als stete Verwandlung zu lieben, so ist es dieser

Garten. Möge der Tag kommen, da wir unter

denselben Bäumen schreiten, Du an meiner Seite,

und wir uns, ohne viele Worte, im stillen Einverständnis

der Natur wiederfinden.

In unveränderlicher Zuneigung

J.W.G.

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Parco Giardino Sigurtà

Wo die Natur die Seele berührt.

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Parco Giardino Sigurtà - Credit by Giulia Balestrieri

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Am frühen Morgen liegt noch ein

Hauch von Dunst über den Hügeln

südlich des Gardasees, als sich bei

Valeggio sul Mincio ein schmiedeeisernes

Tor öffnet und den Blick

freigibt auf einen Garten, der mehr ist als ein Ausflugsziel:

der Parco Giardino Sigurtà. Hinter den

Mauern wartet eine grüne Welt, in der Geschichte,

Leidenschaft und Gartenkunst zu einer stillen,

aber eindringlichen Erzählung verschmelzen. Die

Saison beginnt jeweils von Anfang März bis Mitte

November und ist ein buntes Versprechen an alle,

die Natur bewusst erleben wollen.

Der erste Schritt hinein führt über sanft geschwungene

Wege, vorbei an uralten Bäumen und weit ausladenden

Rasenflächen. Es ist Tulpenzeit. Wie jedes

Jahr eröffnet der Park die Saison mit einem Festival,

das man hier schlicht „Tulipanomania“ nennt – einem

Meer aus Farben, das sich wie ein lebendiger

Teppich über Beete, Böschungen und Alleen legt.

Jede Kurve, jede Anhöhe offenbart eine neue Komposition:

Tulpen in reinen, klaren Tönen, andere

gestreift, gefranst, beinahe exotisch. Wer hier geht,

hat das Gefühl, durch ein Bild zu wandeln, das ein

Maler im Überschwang der Farben gestaltet hat.

Während die Schritte langsamer werden, erzählt

Parco Giardino Sigurtà - all images credit by Parco Sigurtà

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der Park seine Geschichte. Sie beginnt weit vor der

Tulpenpracht, im Jahr 1407, als das Gelände noch

ein landwirtschaftlicher Besitz war. Felder, Nutzpflanzen,

Mauern, die Sicherheit boten, und schon

damals ein Gartenbereich, der mehr war als reine

Zweckfläche. Im 19. Jahrhundert wird das Anwesen

in einen englischen Park verwandelt: freie Linien,

romantische Baumgruppen, Sichtachsen, die

den Blick lenken, ohne ihn zu zwingen. Es ist die

Zeit, in der Natur inszeniert wird, um so natürlich

wie möglich zu wirken.

Der grosse Wandel kommt 1941. Ein Mann namens

Carlo Sigurtà erwirbt ein verwahrlostes Gelände

– und sieht darin kein Problem, sondern ein

Versprechen. Über Jahrzehnte formt er gemeinsam

mit seiner Familie aus diesen 22 Hektar ein botanisches

Refugium, das wächst, bis es die heutige Grösse

erreicht. Wege werden neu angelegt, Wasserflächen

geschaffen, seltene Baumarten gesetzt. Es ist

eine stille Revolution, bei der nicht laut verkündet,

sondern geduldig gepflanzt wird. 1978 öffnet die

Familie den Park für die Öffentlichkeit – und aus

einem privaten Traum wird ein Ort, den sie mit der

Welt teilt.

Vielleicht ist es diese Haltung, die man bei jedem

Besuch spürt. Nichts wirkt museal oder distanziert,

im Gegenteil: Die Rasenflächen scheinen einen einzuladen,

Platz zu nehmen, die Zeit zu vergessen.

Die Besitzer hegen und pflegen diese Landschaft mit

spürbarer Liebe, doch sie behalten sie nicht für sich.

Der Park ist ihr Gegenentwurf zur Idee vom exklusiven

Rückzugsort: ein Garten, der gerade durch

das Teilen seinen Sinn erfüllt. Wer achtsam geht,

entdeckt Details: Eine zufällig wirkende Baumgruppe,

die einen weiten Blick öffnet, ein Wasserbecken,

in dem sich Wolken spiegeln, ein versteckter Pfad,

der in einen stillen Winkel führt.

Geschichte bleibt dabei immer im Hintergrund

präsent. Ein Schlösschen taucht hinter einer Baumreihe

auf, eine kleine Einsiedelei wirkt wie eine Reminiszenz

an frühere, kontemplative Zeiten. Sonnenuhren,

Mauern, Inschriften: Sie erzählen von

Jahrhunderten, in denen sich die Welt ausserhalb

der Parkgrenzen dramatisch verändert hat, während

hier innen das Grundmotiv gleich blieb, aus

Erde Schönheit zu formen.

Wer den Park im Frühling besucht, wird sich an

Tulpen erinnern; wer im Sommer wiederkommt,

vielleicht an tiefe Grüntöne und Schattenplätze,

an Seerosen und leise raschelnde Baumkronen. Im

Herbst tragen die Bäume goldene und kupferne

Kleider, und die Wege, die man im März vielleicht

entlanggegangen ist, wirken wie neu. Jeder Besuch

wird so zu einer eigenen Geschichte, einem anderen

Kapitel im selben Buch.

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Goethes Worte zur Arena

Brief an seine Liebste.

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Meine Liebste,

endlich bin ich hier angekommen, genau

dort, wo ich längst hätte sein sollen. Viele

Schicksalsschläge meines Lebens wären leichter gewesen.

Doch wer kann das schon genau sagen? Und wenn

ich es zugeben soll: Ich hätte es mir nicht ein halbes

Jahr früher wünschen dürfen. Du siehst schon, das

Format meines Tagebuchs ändert sich, und der Inhalt

wird sich auch verändern. Ich will fleissig weiterschreiben,

gerade über Volckmanns Reise nach

Italien, wahrscheinlich aus der Bibliothek. Ich werde

immer die Seite angeben und so tun, als hättest

du das Buch gelesen.

Seit gestern Mittag bin ich in Verona und habe

schon viel gesehen und gelernt. Nach und nach will

ich meine Gedanken aufschreiben. Nach und nach

finde ich zu mir. Ich lasse alles langsam sacken, und

bald werde ich mich von der Anstrengung der Alpenüberquerung

erholt haben.

Wie gewohnt gehe ich nur gemütlich herum, sehe

alles ganz ruhig an und nehme einen schönen Eindruck

mit. Eins nach dem anderen.

Das Amphitheater.

Das erste antike Denkmal, das ich sehe, und das so

gut erhalten ist. Ein Buch dazu gibt dir eine gute

Vorstellung davon. Wenn man das Amphitheater

betritt oder am Rand oben steht, ist das ein besonderer

Eindruck: etwas Grosses, aber gleichzeitig

sieht man eigentlich nicht viel. Es sollte auch nicht

leer sein, sondern voll mit Menschen, so wie es der

Kaiser und der Papst gesehen haben.

Damals wirkte es erst richtig, denn die Menschen

waren mehr echte Menschen als heute. Ein Amphitheater

wurde eigentlich dazu gemacht, um dem

Volk zu imponieren und es zu unterhalten.

Wenn irgendwo Erlebnisse auf engem Raum stattfinden

und viele Menschen zusammenkommen,

versuchen die letzten auf verschiedene Weise, sich

einen besseren Platz zu verschaffen. Fässer werden

herbeigerollt, Wagen herangefahren, Bretter als

Sitzgelegenheiten gelegt, Stühle aufgestellt, Nachbarhügel

besetzt und so entsteht in kurzer Zeit eine

Art Zuschauerraum.

Kommt dann das Schauspiel, oft an derselben Stelle,

baut man Gerüste auf für die Zahlungswilligen,

während das Volk sich so zweckmässig zu helfen

weiss, wie es kann.

Dieses allgemeine Bedürfnis ist das Thema des Architekten,

der einen solchen Zuschauerraum durch

seine Kunst so einfach wie möglich gestaltet und

dessen Dekoration das Volk selbst ist. Wenn die

Menschen dort versammelt sind, müssen sie über

sich selbst erstaunt sein.

Sonst sind sie es gewohnt, sich ungeordnet und ohne

grössere Disziplin in einem Gewühl zu sehen. Dort

vereinigt sich die vielköpfige, vielsinnige, schwankende,

schwebende Menge zu einem Ganzen, zu

einer Einheit, gebunden und gefestigt, beinahe belebt

von einem Geist.

Die Schlichtheit der ovalen Form wirkt auf jedes

Auge angenehm, und jeder Kopf dient als Mass

dafür, wie gross das Ganze ist. Wenn man das Amphitheater

leer sieht, hat man keinen Massstab und

weiss nicht, ob es gross oder klein ist.

Da es aus Marmor gebaut ist, wird es für weitere

Jahrtausende erhalten bleiben.


Arena di Verona - Credit by FotoEnnevi/Fondazione Arena di Verona

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Im Schatten der Arena di Verona

Auf den Spuren der Zeit.

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Verona ist weit mehr als die Stadt von

Romeo und Julia. Sie ist ein Geflecht

aus Geschichte, Kunst und Mythen

– eine Bühne, auf der sich seit Jahrhunderten

das grosse Drama der

Menschheit entfaltet. Doch hinter den bekannten

Schauplätzen offenbart sich ein zweites, leiseres Verona:

voller Geheimnisse, verborgener Winkel und

kleiner Geschichten, die die Seele der Stadt spürbar

machen.

Der Brunnen der Liebe – Pozzo dell’Amore

Versteckt in einem Innenhof im Vicoletto San

Marco in Foro liegt ein Ort, den nicht jeder Besucher

Veronas entdeckt: der „Pozzo dell’Amore“.

Der Brunnen erzählt eine tragische Geschichte von

Liebe und Mut – oder vielleicht von Verzweiflung.

Hier soll der junge Soldat Corrado di San Bonifazio

in die eisigen Fluten gesprungen sein, nachdem

seine geliebte Isabella ihn verspottete, er solle doch

die Kälte seines Herzens beweisen. Von Schuld

getrieben, folgte sie ihm. Ob Mythos oder Wahrheit

– dieser stille Winkel erinnert an die Macht der

Emotionen, die Verona seit Jahrhunderten prägen.

Veronetta – das „kleine Verona“

Auf der anderen Seite der Etsch liegt Veronetta, ein

Viertel, dessen Name ebenso vielschichtig ist wie

seine Geschichte. Während der französischen Besatzung

wurde das Gebiet einst spöttisch „Veronette“

genannt – als Anspielung auf die österreichischen

Truppen, die dort stationiert waren. Heute ist

Veronetta ein lebendiges Viertel voller Lokalkolorit

und kreativer Energie, wo Historie und Gegenwart

harmonisch ineinanderfliessen.

Bocche delle Denunce

Spaziert man durch die Gassen Veronas, stösst man

auf merkwürdige steinerne Fratzen – die sogenannten

„Bocche delle denunce“. In vergangenen Zeiten

dienten sie den Bürgern als geheime Anlaufstelle,

um Missstände oder Verbrechen anonym zu melden.

Was heute wie eine kuriose Verzierung erscheint,

war einst Teil eines ausgeklügelten Rechtssystems,

das Ordnung und Gerechtigkeit wahren

sollte.

Mozarts Initialen in Stein

Auch andere Geister zogen durch Verona – unter

ihnen Wolfgang Amadeus Mozart. Der junge Komponist

besuchte die Stadt 1770 und hinterliess ein

kleines Zeichen seiner Anwesenheit: seine Initialen,

eingraviert in die Orgel der Kirche San Tomaso Becket.

Noch heute kann man sie dort entdecken – ein

stilles Andenken an den 14-jährigen Virtuosen und

an jene Zeit, in der Musik und Aufbruchsstimmung

Europa prägten.

So zeigt sich Verona mit jedem Schritt neu – ein

Ort, an dem Geschichte greifbar wird und selbst die

leisesten Legenden noch in den alten Mauern nachklingen.

Die Arena – ein Erbe im Klang der Ewigkeit

Wer durch die Piazza Bra tritt, steht unweigerlich

vor ihr – der Arena von Verona. Sie ist das Herz

der Stadt und eines der eindrucksvollsten Zeugnisse

römischer Baukunst ausserhalb Roms. Schon im

ersten Jahrhundert nach Christus erbaut, zeugt sie

bis heute von italienischem Erfindungsreichtum,

architektonischer Präzision und dem ungebrochenen

Bedürfnis des Menschen nach Spektakel und

Gemeinschaft. Doch hinter ihrer gewaltigen Fassade

verbirgt sich eine Geschichte, die weit über die

grossen Opernfestspiele hinausreicht.

Ursprünglich konnte die Arena rund 30.000 Zuschauer

fassen, die hier zusammenkamen, um Gladiatorenkämpfe,

Hinrichtungen und öffentliche

Spiele zu verfolgen. Die perfekte Akustik, die noch

heute Staunen hervorruft, war schon damals kein

Verona - Credit by Tom Podmore | unsplash.com


Zufall, sondern Ergebnis millimetergenauer Planung

der römischen Baumeister. Doch das imposante

Bauwerk blieb nicht unversehrt: Ein schweres

Erdbeben im Jahr 1117 erschütterte Verona und

liess grosse Teile des äusseren Runds einstürzen.

Statt die Steine zu entsorgen, nutzten die Bürger

Veronas sie weise – sie wurden zum Wiederaufbau

der Stadt verwendet, und so trägt Verona bis heute

buchstäblich Bruchstücke seines berühmtesten Monuments

in sich.

Über die Jahrhunderte erlebte die Arena wechselvolle

Zeiten. Sie diente als Zufluchtsort, als Marktfläche

und – weniger bekannt – als Lager. Bis in

die 1930er Jahre hinein wurden hier Baumaterialien

gelagert, etwa die Steine des römischen Gavi-Bogens,

den die napoleonischen Truppen 1805

abreissen liessen. Erst im 20. Jahrhundert, mit der

Wiederentdeckung des Ortes als Bühne, kehrte die

Arena zu dem zurück, was sie von Beginn an war:

ein Ort des Klanges, der Emotion und der grossen

Geste.

In den Sommermonaten verwandelt sie sich in ein

überdimensionales Opernhaus unter freiem Himmel.

Wenn die Sonne über den rötlichen Steinen

versinkt und die ersten Töne von Verdi oder Puccini

durch die Nacht schweben, scheinen die Jahrtausende

zu verschwimmen. Zwischen archaischem

Stein und goldenem Licht verschmilzt Geschichte

mit Gegenwart – genau dieser Augenblick macht

die Magie der Arena aus.

Vielleicht ist das das Geheimnis dieses Ortes: Er erzählt

keine ferne Vergangenheit, sondern lässt sie

leben. Jeder Schritt über die abgenutzten Stufen,

jeder Klang, der sich über den Platz erhebt, ist Teil

eines nicht enden wollenden Dialogs zwischen Antike

und Moderne.

Für Reisende, die Verona mit allen Sinnen erleben

möchten, ist die Arena nicht nur ein Pflichtstopp,

sondern ein Gefühl – ein Echo der Geschichte, das

bis heute nachhallt.

Verona - Credit by Hongbin | unsplash.com

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94

Von links oben im Uhrzeigersinn:

VW Käfer in einer Gasse,

die Arena di Verona, Mauern

der Arena, Piazza delle Erbe,

Piazza Bra und die Arena, Blick

über die Stadt in der Abendsonne

und in der Mitte die grüne

Türe irgendwo in der Stadt.


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Piazza delle Erbe

Auf den Spuren der Geschichte.

Wer heute über den Marktplatz

von Verona schlendert, bewegt

sich auf Boden, der seit über

zwei Jahrtausenden das Leben

der Stadt atmet. Einst war dies

das Forum der Römer, ein Ort für Handel, Begegnung

und öffentliche Spiele. Heute empfängt der

Platz Besucher mit einer einmaligen Mischung aus

Antike, Mittelalter und Barock – ein lebendiges Geschichtsbuch

unter freiem Himmel.

Umrahmt von prachtvollen Gebäuden wie der Casa

dei Giudici und dem barocken Palazzo Maffei, entfaltet

der Platz seine ganze architektonische Vielfalt.

Die Fassade des Palazzo Maffei, geschmückt

mit Statuen griechischer Götter, erzählt von jener

Zeit, als Kunst und Macht untrennbar verbunden

waren. Davor ragt die marmorne Säule mit dem

Markuslöwen, dem stolzen Symbol der Republik

Venedig – ein stiller Zeuge der Epoche, als Verona

zum venezianischen Herrschaftsgebiet gehörte.

An der nordwestlichen Seite des Platzes leuchten

noch immer Fresken vergangener Jahrhunderte

an den Hausfassaden, die sich einst auf dem römischen

Kapitolshügel erhoben. Hier steht auch

die Casa dei Mercanti, das „Haus der Kaufleute“,

errichtet 1301 – heute Sitz der Banca Popolare di

Verona. Ihre Zinnenfassade verleiht dem Platz eine

fast wehrhafte Eleganz. Neben dem Palazzo Maffei

erhebt sich der Torre del Gardello, ein Uhrturm

aus dem Jahr 1370, und nur wenige Schritte weiter

bietet der höhere Torre dei Lamberti einen atemberaubenden

Blick über das historische Zentrum.

Im Zentrum des Platzes aber zieht ein kunstvolles

Meisterwerk alle Blicke auf sich: der Brunnen der

Madonna Verona, geschaffen 1368 von Cansignorio

della Scala. Die Statue selbst datiert zurück

ins Jahr 380 n. Chr. – eine römische Göttin, die

zur himmlischen Schutzpatronin der Stadt wurde.

Ringsum erzählen weitere Säulen und Reliefs mit

Darstellungen von Heiligen und der Jungfrau Maria

von Jahrhunderten des Glaubens und der Wandelbarkeit

der Zeit.

Wer in den frühen Morgenstunden kommt, wenn

die Marktstände aufgebaut werden und die ersten

Sonnenstrahlen die Fassaden in warmes Licht tauchen,

spürt, wie sich Vergangenheit und Gegenwart

miteinander verweben. Dann verwandelt sich der

Platz in das, was er immer war: das pulsierende

Herz Veronas – ein Ort der Begegnung, der Geschichte

und des ewigen Charmes der Stadt.

Verona - Credit by Gabriele Rampazzo | unsplash.com

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Biblioteca Capitolare

Im Licht eines goldenen Nachmittags.

Meine Teure,

kaum ein Ort hat mich so still ergriffen

wie die Biblioteca Capitolare, jene ehrwürdige

Schatzkammer des Geistes, verborgen hinter

den Mauern des Dombezirks. Man sagt, sie sei

die älteste Bibliothek der Welt, die noch lebt – und

ich glaube es gern. Hier atmet jedes Pergament,

jeder Einband eine Zeit, da das Denken noch von

Andacht getragen war.

Ich wandelte in den Hallen, geführt von Monsignore

Bruno Fasani, einem Mann von scharfer Beobachtung

und milder Seele. Mit Erzählkraft, die dem

alten Italien eigen ist, öffnete er für mich verborgene

Räume: die kühle Krypta unter Sant’Elena, wo

die Anfänge des Christentums in Verona greifbar

scheinen, und die Kammer, in der das sogenannte

Indovinello Veronese ruht – die älteste Spur unserer

Sprache, ein unscheinbares Rätsel, das doch wie ein

erster Pulsschlag der italienischen Dichtung klingt.

Dort, im Licht, das durch das hohe Fenster der Archidiakon-Pazifik-Halle

fiel, glaubte ich für einen

Augenblick Dante selbst zu erkennen, seinen Schatten

zwischen den Regalen. Ich dachte an uns beide,

an die Macht des Wortes, das sich über Jahrtausende

erhält, und schrieb – leise, nur für dich – meinen

Namen auf das Herz dieser Erinnerung.

Wenn du dereinst nach Verona kommst, so geh

diesen Weg: Folge dem Klang der Kirchenglocken,

tritt durch das Tor der Capitolar bibliothek und lass

dich führen von jenem ehrwürdigen Geist, der hier

seit fünfzehnhundert Jahren die Worte bewahrt.

Dein J.W.G

Biblioteca Capitolare - Credit by Marco Almbauer

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Ponte in Verona - Credit by Julia Solonina | unsplash.com

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Venezia - die ewige Bühne

Zwischen den Massen, steigenden Fluten und Sehnsucht.

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Venedig – Cannaregio

Das Flüstern der Kanäle.

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Die Glocken vom Campiello dei Miracoli

läuten gerade zur sechsten

Stunde, als ich die schwere Holztür

meines Hotels hinter mir zuziehe.

Draussen liegt Nebel über der Rio

di San Girolamo wie ein seidenes Tuch, das jemand

achtlos über die schlafende Stadt geworfen hat. Die

Gondeln schaukeln träge an ihren Pfählen. Sie sind

noch nicht bereit für die Touristen, die in wenigen

Stunden mit Kameras und Selfiesticks durch die

Gassen strömen werden. Doch jetzt, in dieser blauen

Stunde zwischen Nacht und Tag, gehört Venedig

mir allein.

Ich schlage den Kragen meiner Jacke hoch und folge

dem schmalen Uferweg, an dem das Wasser leise

gegen die Fundamente schwappt – ein Geräusch,

das so alt ist wie die Stadt selbst. Ausser einer verschlafenen

Katze, die auf einem Brückenpfeiler

döst, nimmt niemand Notiz von mir. In der Ferne,

kaum mehr als ein Schatten im Morgendunst,

schiebt sich ein Fischer mit seinem Boot durch den

Kanal. Ich hebe kurz die Hand zum Gruss und er

grüsst zurück, obwohl wir uns noch nie begegnet

sind und uns vermutlich nie wieder begegnen werden.

So sind die Morgen in Cannaregio: voller kleiner,

bedeutungsloser Momente, die sich anfühlen,

als hätte man nur auf sie gewartet.

Die Calle del Forno verschluckt dich mit ihrer Enge.

Links und rechts ragen die ockerfarbenen Häuser

auf, so nah beieinander, dass die Wäscheleinen

zwischen ihnen wie Girlanden spannen. Ein blauer

Bettbezug flattert über meinem Kopf, daneben

ein Kinderhemd, weiss mit roten Punkten. Ich gehe

langsamer jetzt, fast zögernd, als würde ich durch

das Wohnzimmer fremder Menschen spazieren –

was im Grunde auch stimmt. Hier leben sie noch,

die Venezianer, in ihren Häusern mit den schiefen

Türrahmen und den Geranien auf den Fensterbänken.

Hier hängen keine Souvenirshops ihre glitzernden

Masken aus, hier gibt es keine Speisekarten

in zwölf Sprachen.

Der Duft von frischem Espresso und warmem Brot

lockt mich um die nächste Ecke. Die Zanzibar hat

Venezia - Credit by Liubov Ilchuk | unsplash.com

Venezia - Credit by Moira Nazzari | unsplash.com


Venezia - Credit by Birger Strahl | unsplash.com

kein Schild, nur grüne Sonnenstores und eine kleine

Terrasse. Dort setze ich mich, nachdem ich an

der Bar einen Espresso mit einer Spremuta di Limone

und ein Croissant al Pistachio bestellt habe.

„Tedesco?“, fragt mich ein Venezianer, der hier

seinen Espresso geniesst, während ich auf meine

Bestellung warte. „Svizzero“, antworte ich, und

sein Gesicht erhellt sich. Er beginnt zu erzählen, in

einem Italienisch, das ich nur zur Hälfte verstehe,

aber vollständig fühle. Er erzählt von seiner Familie,

die seit fünf Generationen in diesem Viertel

lebt. Von seinem Grossvater, der Fischer war. Von

seinem Sohn, der die Fischrechte nicht übernehmen

wollte, weil er in Mestre ein besseres Leben

suchte. „Ma qui Venezia respira ancora“, sagt er

und legt dabei die Hand aufs Herz. Mit meinem

Nicken und dem vollen Mund, in dem sich das cremige

Croissant auflöste, verstand ich ganz genau,

was er meint.

Draussen hat sich der Nebel gelichtet und die Sonne

malt die ersten goldenen Streifen auf die Fassaden.

Ich folge mehr meinem Instinkt als irgendeinem

Plan, biege mal links, mal rechts ab und lasse mich

treiben wie eine Gondel ohne Gondoliere. So finde

ich die Chiesa Madonna dell’Orto fast zufällig,

wie man in Venedig alle schönen Dinge findet. Die

gotische Kirche ragt wie eine Vision aus einer anderen

Zeit vor mir auf, ihre Backsteinmauern sind

rau und ehrlich, ohne den Prunk von San Marco.

Um diese Uhrzeit ist die schwere Holztür nur angelehnt

und ich schlüpfe hinein in eine Stille, die nach

Weihrauch von Jahrhunderten riecht.

Tintorettos Meisterwerke hängen hier in einem

Licht, das durch die hohen Fenster fällt und wie

flüssiges Gold wirkt. Ich stehe so nah davor, dass ich

die Risse in der Farbe und die Pinselstriche sehen

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kann, die der Künstler vor Hunderten von Jahren

gesetzt hat. Es gibt keine Absperrung und auch keinen

Museumswärter, der mich wegschickt. Nur ich

und diese Gesichter, die aus der Dunkelheit hervortreten

– Menschen aus Fleisch und Blut, wie die Fischer

draussen am Kanal, wie Vittorio bei der Zanzibar.

Das ist das Venedig, das auf Postkarten nicht

zu sehen ist: nicht perfekt, nicht poliert, aber echt.

Noch heute trage ich die Bilder dieser Kirche in

meinem Kopf – und in meiner Seele. Wenn ich an

meine Reise nach Venedig zurückdenke, erscheinen

mir die Eindrücke der Chiesa Madonna dell’Orto

so lebendig, als wäre ich eben erst durch ihr Portal

getreten. Vor meinem inneren Auge leuchtet das

monumentale Jüngste Gericht im Altarraum auf,

umgeben von weiteren erhabenen Gemälden, die

den Raum mit stiller Ergriffenheit füllen. Die gotische

Architektur, mit ihrer markanten Backsteinfassade,

den schlanken Säulen und der lichten, fast

ätherischen Atmosphäre hat sich tief in mir verankert.

Diese Kirche – ein verborgenes Juwel im Sestiere

Cannaregio – bleibt eines jener seltenen Orte,

die nicht nur das Auge, sondern auch die Seele berühren.

Als ich wieder ins Freie trat, hatte sich die Stadt

verwandelt. Die Sonne stand jetzt höher und warf

scharfe Schatten auf das Kopfsteinpflaster. Am Ufer

des Rio lehnen ein paar alte Männer am Geländer,

rauchen und unterhalten sich in jenem singenden

Venezianisch, das wie eine eigene Musik klingt.

Eine Frau in Schwarz füttert Tauben mit Brotkrumen

aus ihrer Schürzentasche. Fischer reparieren

geschickt und schnell ihre Netze, während sie

über Politik streiten. Ich setzte mich auf die warme

Steinmauer, liess die Füsse über dem Wasser baumeln

und für einen Moment war ich kein Tourist

mehr, sondern einfach jemand, der hier war.

Venezia - Credit by Andreas M. | unsplash.com

Venezia - Credit by Benjamin Raffetseder | unsplash.com

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Venezia - Credit by Ekaterina Zagorska | unsplash.com

Venezia - Credit by Ilia Bronskiy | unsplash.com

Der Hunger führt mich schliesslich in die Lista di

Spagna. Ich lasse mich von der Hauptstrasse in eine

Seitengasse treiben, der Nase nach. Die Trattoria

hat keine Fassade, die nach Aufmerksamkeit schreit.

Sie hat nur ein handgeschriebenes Menü an der

Tür und es weht der Geruch von Pasta durch das

offene Fenster. Drinnen sitzen Bauarbeiter in Overalls

neben elegant gekleideten Signori und Signore.

Der Kellner – ein Mann mit grauen Schläfen und

einem Lächeln, das seine ganze Lebensgeschichte

zu erzählen scheint – führt mich zu einem Tisch

am Fenster.

Nach dem genüsslichen Mittagessen – einer einfachen,

aber vollkommenen Kombination aus Pasta

al nero di seppia und einem Glas gekühltem Weisswein

– bleibe ich noch einen Moment sitzen, beobachte

das sanfte Kommen und Gehen der Gäste,

das Klirren der Teller, das gedämpfte Murmeln von

Stimmen. Als ich bezahle, nickt mir der Kellner zu,

als hätte er längst gewusst, dass ich nicht zufällig

hier gelandet bin.

Draussen empfängt mich ein süsslicher Duft nach

Kaffee und Meer. Ich schlendere durch die Gassen

Richtung Ferrovia, die Sonne verschiebt ihre Farbe

langsam ins Goldene. Die Mauern strahlen Wärme

ab, Wäsche hängt über den schmalen Wegen, Boote

klatschen leise ans Ufer. An der Vaporetto-Station

wartet schon die Linie 5.1 – die Boote kommen

und gehen im Takt eines Rhythmus, der nur hier

existiert.

Ich steige ein, setze mich an die Reling und als sich

das Wasser teilt, gleitet die Stadt vorbei: Fassaden,

Brücken, Spiegelungen. Hinter mir bleibt Cannaregio,

vor mir Dorsoduro – Zattere, die lange Promenade,

wo das Licht der Lagune breiter wird und die

Luft nach Freiheit schmeckt.

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Venedig – Dorsoduro

Sonnenuntergang am Zattere.

Auf den festen Wegen von Dorsoduro,

wo der Boden nicht wie in den

touristisch überschwemmten Zonen

wankt, wandere ich mit meiner Leica

um den Hals und geniesse die frische

Brise, die vom Meer her weht. Goethe hätte diesen

Sestiere geliebt – den „ruhigen Riesen“ mit seinen

weiten Uferpromenaden, wo der Wind vom Giudecca-Kanal

Freiheit flüstert. „Hier atmet Venedig

aus“, notiere ich, inspiriert von Goethes Lob der lagunenhaften

Weite, fernab des Gedränges.

Dorsoduro beginnt an der Punta della Dogana,

wo sich der Canal Grande und der Giudecca-Kanal

treffen. Hier gibt es keine Menschenmassen,

sondern nur Möwen und das ferne Tuckern eines

Vaporettos. Ich schlendere die Zattere entlang, die

das Rückgrat Dorsoduros bildet. Hier gibt es breite

Wege, auf denen man spaziert, ohne sich um

Ellbogenkriege kümmern zu müssen. Goethe, der

Naturfreund, würde die Aussicht preisen. Elegante

Bauwerke wie die Basilica del Santissimo Redentore

oder die Accademia di Belle Arti di Venezia

ragen empor, während sich die Sonne im Wasser

spiegelt. Ich halte an einer Bank inne, atme tief ein

und geniesse das Licht, die Ruhe und die Wogen im

Wasser. Es ist ein wunderbares Gefühl, in ein Venedig

voller Geschichte einzutauchen.

In der Nähe der Galleria dell’Accademia, die Goethe

als Hort der Kunst verehrt hätte, betrete ich

ein kleines Café. Ein Ombra, eine Mischung aus

Weisswein und Prosecco, und eine Schale mit Baccalà

mantecato werden mir serviert. Der Wirt, ein

alter Künstler, plaudert über venezianische Maler:

„Dorsoduro nährt die Seele.“ Ich lächle

und denke an Goethes Epigramme über die „freie

Luft“ der Lagune. Draussen spaziere ich weiter zur

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Venezia - Credit by Jano & Oliver World Walkers

Peggy Guggenheim Collection, doch statt mich in

die Touristenströme zu begeben, wählte ich einen

Umweg über den Campo Santa Margherita, der

lebendig, aber entspannt ist und auf dem Märkte

stattfinden und Kinder spielten.

Am späteren Nachmittag finde ich ein wenig Ruhe

im Giardino degli Estrosi, einem versteckten Garten,

wo Zitronenbäume duften und Bänke zum

Träumen einladen. Hier, abseits der Massen, spürt

ich Goethes Sehnsucht nach Harmonie: Mensch

und Natur im Einklang. Der Sonnenuntergang

malt den Himmel purpur, während ich am Ufer

des Grand Canale sitze, einen Aperitivo geniesse.

Touristen kehren heim, Paare flanieren. „Dorsoduro

ist Venedigs Geheimnis“, murmele ich vor mich

dahin, „wo die Zeit still steht und die Seele tanzt.“

Als die Nacht hereinbricht, kehre ich mit dem Vaporetto

heimwärts, mein Herz voller Poesie und mit

dem Wunsch, am nächsten Tag zurückzukehren

und das wunderbare Collezione Peggy Guggenheim

zu besuchen, bevor ich weiter nach Chioggia

reise. Goethe würde zustimmen. Man entschleunigt

in Dorsoduro, atmet die Lagune und entdeckt Venedig

neu – authentisch und unberührt.

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Ferrara, die zauberhafte Renaissance-Stadt

Auf den Spuren von Freiheit und Erinnerung.

Wer Ferrara zum ersten Mal besucht,

spürt rasch, dass Zeit hier

anders vergeht. Die Stadt liegt

zwischen der Weite der Poebene

und den Erinnerungen an

die Renaissance – eine stille Bühne aus Backstein,

unter deren Arkaden Geschichte flüstert. Wer heute

durch diese Gassen spaziert, vorbei an den roten

Mauern, die noch das Echo vergangener Jahrhunderte

in sich tragen, ahnt kaum, dass diese Stadt

einmal ein Zufluchtsort für Verfolgte und Visionäre

war.

Hinter sanften Fassaden, in schmalen Gassen und

unter den Schatten jahrhundertealter Mauern begegnet

man nicht nur den Herzögen von Este, den

grossen Humanisten und Künstlern, sondern auch

einer Frau, die Ferrara für kurze Zeit zu ihrem Zufluchtsort

machte: Gracia Nasi. Im Jahr 1549 kam

sie hierher – eine wohlhabende Exilantinn, Bankerin,

Humanistin und heimliche Retterin unzähliger

Leben. In Portugal als Beatrice de Luna Mendes

bekannt, hatte sie über Jahre hinweg ein Netz von

Fluchtrouten geschaffen, das Hunderte verfolgter

Juden vor der Inquisition rettete.

In Ferrara fand sie nach Jahren der Flucht endlich

jenen Moment der Befreiung, auf den ihr Leben

zulief: den Augenblick, in dem sie sich wieder Gracia

Nasi nennen konnte. Zum ersten Mal durfte sie

offen ihren Glauben leben, ohne Angst, ohne Masken.

Ferrara wurde so zu mehr als nur einer Etappe

– es wurde zu einem Ort des Übergangs zwischen

Angst und Aufbruch, zwischen Verbergen und öffentlicher

Würde. Gracia Nasi fand in Ferrara Befreiung

von Angst, Verstellung und Fremdbestimmung

– eine Befreiung, die sowohl geistig als auch

existenziell für sie war.

Ferrara - Credit by Archivio fotografico del comune di Ferrara

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Das Ferrara, das sie vorfand, war ein lebendiges

Zentrum der europäischen Renaissance. Humanisten

wie Ariost und Tasso prägten das geistige Klima;

Kunst und Wissenschaft standen im Dienst von

Aufklärung und Vertrauen in den Menschen. Der

Herzog von Este begrüsste wohlhabende jüdische

Familien mit Respekt, wissend, dass sie Bildung,

Kultur und Handel bereichern würden.

Für Gracia, die ihr Leben zwischen Mut und Diplomatie,

Intrigen und Flucht geführt hatte, muss

dieser empfangende, humanistische Hof eine Stadt

des Atemholens gewesen sein.

Hier konnte sie nicht nur wirken, sondern Spuren

hinterlassen: Sie unterstützte Gelehrte und Studenten,

half mittellosen Familien, gründete soziale Einrichtungen

und finanzierte die berühmte Biblia de

Ferrara – die erste Bibelübersetzung ins Spanische,

gedacht für jene, die in geheimen Räumen und

Flüstertönen ihre jüdische Identität bewahrt hatten,

damit sie wieder lesen und verstehen konnten.

Noch heute lässt sich dieser Geist spüren: In den

Innenhöfen der Renaissancehäuser, in den stillen

Seiten der Altstadt, in den Archiven und in den

Schatten der Synagoge in der Via Mazzini, wo das

jüdische Leben der Stadt einst blühte. Ferrara ist

UNESCO-Weltkulturerbe – und doch wirkt es erstaunlich

unentdeckt. Man spaziert durch Strassen,

die fast unverändert seit dem 16. Jahrhundert erscheinen,

folgt den schmalen Pflasterwegen zwischen

Palästen, Höfen und Kirchen und manchmal

scheint es, als könne Gracia gleich um die Ecke

treten, ihr Mantel ins Licht der Nachmittagssonne

gleitend.

Ferrara ist nicht laut, nicht prunkvoll, nicht eitel.

Ihre Schönheit liegt im Gleichgewicht zwischen

Geschichte und Gegenwart, zwischen Geist und

Stille. Wer Ferrara durchwandert, folgt nicht nur

den Spuren Gracia Nasis, sondern begegnet einer

Stadt, die lehrt, dass sich Identität immer wieder

neu erschaffen lässt – im Widerstand, im Glauben,

in der stillen Beharrlichkeit einer Frau, die nie aufgab,

sie selbst zu sein.

Für Reisende, die sich selbst und die Spuren von

Mut und Identität suchen, ist Ferrara ein Ort der

Einkehr – ein Resonanzraum für innere Fragen.

Und wer ihren Wegen folgt, findet hier, im Herzen

der Emilia, vielleicht dasselbe, was Gracia Nasi

einst fand: den Mut, als Mensch sichtbar zu sein.

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Von Links obe

e Trieste, Trep

onda Foschin

Rotonda in d

Giorgio und I


n im Uhrzeigersinn: Piazza Trento

ponti-Brücke in Comacchio, Roti

von Innen und Stadt Ferrara mit

er Vogelschau, Cattedrale di San

nnenhof des Castello Estense

Ferrara - Credit by Archivio fotografico del comune di Ferrara

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Bologna

“la Dotta, la Rossa, la Grassa“.

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Ferrara - Credit by Joshua Kettle | unsplash.com

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Portico Pavaglione - Bologna - Credit by Lorenzo Burlando

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Bolognas Seele pulsiert in ihrer Geschichte:

Vor 2500 Jahren etruskische

Felsina, dann römische Bononia, ein

Knotenpunkt der Via Aemilia. Im Mittelalter

ein Freistaat im Lombardenbund,

mit 180 Türmen, von denen die schiefen Asinelli

(97 m) und Garisenda (48 m) heissen – kletterst

Du hoch, spürst Du den Wind! Der Heilige Petronius

liess nach Gotenplünderungen Santo Stefano

bauen. Renaissance blühte unter den Bentivoglio,

bis Papst Julius II. 1506 einmarschierte. Heute: La

Dotta (die Gelehrte), la Grassa (die Fette), la Rossa

(die Rote) aus Ziegeln und Leidenschaft.

Goethe war 1786/87 auf seiner Italienischen Reise

auch in Bologna und beschreibt die Stadt als gelehrtes,

künstlerisches und zugleich lebensvolles

Zentrum. Die Universität, die Malerschule und

die Arkadenarchitektur haben ihn sichtbar beeindruckt.

Er hätte „la Dotta“ wohl mit Hochachtung

bestätigt, als Sinnbild für das humanistische,

wissenschaftliche Italien, das seine klassische Bildungsträumerei

nährte. „La Rossa“ hätte er zu seiner

Zeit primär als Farbcharakter der Stadt wahrgenommen

– die warmen Ziegel, die Dächer, das

Licht. Die heutige politische Konnotation mit der

Farbe Rot wäre ihm fremd gewesen. „La Grassa“

schliesslich hätte er vermutlich mit einem gewissen

Vergnügen, vielleicht sogar ambivalent, kommentiert:

einerseits Faszination für die Fülle, Sinnlichkeit

und Gastfreundschaft der Bologneser Küche,

andererseits sein klassizistisches Ideal von Mass und

Harmonie, das allzu grosse Üppigkeit mit kritischer

Distanz betrachtet.

In Goethes Begriffswelt liesse sich Bologna so als

eine Art Trias fassen: eine Stadt der Bildung (Dotta),

der Sinnlichkeit (Grassa) und der Farbe/Lebenswärme

(Rossa), in der sich Geist, Körper und

Atmosphäre zu einem ganzheitlichen Eindruck Italiens

verbinden – genau jene Synthese, nach der er

auf der Italienischen Reise suchte.


Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten

Sommer 1980 in Bologna, ein paar Wochen

nach jenem schmerzlichen Tag, an dem die

Stadt durch das Attentat am Bahnhof ihre

Lebendigkeit verlor. Es war heiss, flirrend

heiss, doch das Leben hatte längst wieder begonnen,

sich in den Strassen und Arkaden zu bewegen,

als wolle es das Schweigen der Tragödie mit Stimmen,

Düften und Bewegung vertreiben. Ich hatte

mir vorgenommen, die Stadt unter ihren berühmten

Arkaden zu durchwandern – jene 64 Kilometer,

die Bologna miteinander verweben wie die Linien

einer Hand, die seit Jahrhunderten Menschen

schützt, führt und willkommen heisst.

des Landes klarer. Zwischen den rufenden Verkäufern,

dem Lachen der Alten, die ihre Taschen mit

frischem Gemüse und Früchten füllen, und dem

geduldigen Warten vor einer Rosticerria zeigt sich

das, was man in Büchern nicht findet – eine Haltung

zum Leben, eine gelebte Menschlichkeit.

Von dort führte mich der Weg über die Via Ugo

Bassi, immer unter Arkaden, die den Himmel in

kleine Ausschnitte zerlegten. Die Sonne leuchtete

durch die hohen Bögen, rotbraun und ockerfarben,

und ich fand mich bald vor dem portalgeschmückten

Gebäude des Mercato delle Erbe wieder.

Mercato di Mezzo - Credit by Wildlab

Ich begann meinen Weg an der Piazza Maggiore,

dem Herz der Stadt. Unter den breiten Gewölben

der Via dell’Archiginnasio lag der Schatten kühl,

die Marmorsäulen trugen Geschichten aus Jahrhunderten.

Gegen Mittag füllte sich der Platz mit

Stimmen, Studenten, Musikern und Reisenden,

die wie ich zwischen Erwartung und Erinnerung

standen. In den kleinen Gassen des Quadrilatero,

gleich hinter der alten Börse, begannen die Düfte

zu tanzen: frisch geschnittene Mortadella, Parmigiano

Reggiano, Balsamico in schweren Flaschen.

Der Mercato di Mezzo war wie ein lebendes Museum

der Sinne. Händler riefen Preise, Messer blitzten

auf, Wein floss in kleine Gläser, und selbst der

Staub der Früchte auf den Holztischen schien von

Sonnenlicht überzogen.

Hier begriff ich, was ich heute oft in meinen Reisen

wiederfinde: Wer Italien verstehen will, muss

seine Märkte verstehen. Kein Ort spiegelt die Seele

Mercato delle erbe Bologna - Credit by Wildlab

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Mercato delle erbe Bologna - Credit by Wildlab

Es war ein Ort, an dem die Stadt leiser atmete. Zwischen

den Ständen lag das Aroma von Kräutern,

Tomaten und frischem Basilikum – und irgendwo

mischte sich der Geruch nach Kaffee und alten

Holzkisten. Ich setzte mich in eine kleine Osteria

am Rand des Marktes, bestellte Tagliatelle al Ragù

und beobachtete, wie eine ältere Frau sorgfältig Zitronen

in ihrer Tasche sortierte. Ihre Geste war so

ruhig, als habe sie alle Zeit der Welt.

Weiter ging es, Schritt für Schritt, unter den runden

Bögen der Portici, die mich wie Wellen begleiteten.

Manchmal öffneten sie den Blick auf eine Seitenstrasse,

dann wieder schlossen sie sich, und ich

fühlte mich getragen, beschützt. Am Nachmittag

erreichte ich die Piazza VIII Agosto, wo der Mercato

della Piazzola tobte – ein Gewirr aus Stimmen,

Farben, Stoffen, Secondhand-Schätzen und

hausgemachter Pasta. Es war kein Ort der Eleganz,

sondern der Überfülle – der Art, die man entweder

liebt oder nie vergisst. Ich blieb lange dort, weil die

Menschen mich in ihre Geschichten hineinzogen:

Eine Familie aus Modena, die Kleidung verkaufte,

ein alter Mann mit einem Stand voller Handwerksmesser,

die im Sonnenlicht funkelten wie kleine

Kunstwerke.

Santuario della Madonna di San Luca - © by Constantin Mutaf | unsplash.com

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Montagnola Bologna - Credit by Wildlab

Später, als die Schatten länger wurden, führte mich

meine Neugier weiter hinaus in die stilleren Viertel

– über die Via San Isaia hinauf Richtung Porta

Saragozza, wo die bekannteste Arkade der Stadt

beginnt. Der Aufstieg zum Santuario della Madonna

di San Luca zieht sich über fast vier Kilometer

bergauf, 666 gewölbte Bögen lang. Jeder Bogen

ein Atemzug, jeder Schritt eine Erinnerung. Dort

oben, wo die Arkaden sich öffnen und Bologna im

Abendlicht liegt, verstand ich endgültig, was mich

an dieser Stadt so berührt hatte: Sie ist ein Ort, der

seine Wunden nicht versteckt, sondern sie unter

den Arkaden bewahrt – mit Würde, Wärme und jener

stillen Lebenskraft, die so typisch italienisch ist.


Am nächsten Morgen, bevor ich die Stadt verliess,

besuchte ich noch den Mercato Ritrovato, einen

kleinen Bauernmarkt auf der Piazza San Francesco.

Es war ein anderer Klang als im Quadrilatero

– ruhiger, nachdenklicher, fast ländlich. Junge Produzenten

boten Käse aus den Apenninen, Honig,

Wein, Olivenöl aus der Emilia. Ich kam mit einigen

ins Gespräch und wieder wurde mir klar: Das Verstehen

Italiens beginnt nicht bei seinen Monumenten,

sondern bei seiner Alltäglichkeit – beim Austausch,

beim Geschmack, beim Beisammensein.

Wenn ich heute an Bologna denke, sehe ich nicht

nur Arkaden aus Stein, sondern Bögen aus Begegnungen,

Stimmen, Düften. Der Weg durch sie war

für mich weniger ein Spaziergang als ein stilles Gespräch

mit der Stadt selbst. Und vielleicht ist es das,

was Bologna am besten kann: Es lässt einen gehen

– Schritt für Schritt – und kehrt dabei doch immer

wieder zurück ins Herz der Erinnerung.

Als ich Bologna betrat, war es mir, als

träte ich nicht bloss in eine Stadt, sondern

in eine lange fortgesetzte Unterhaltung

des menschlichen Geistes

ein. Die Mauern, von der Zeit gerötet,

schienen weniger gebaut als gedacht, und unter

den weitgespannten Hallen wandelten Menschen,

deren Schritte von Jahrhunderten begleitet wurden.

Hier hatte Europa gelernt, sich selbst zu verstehen.

Bologna ist keine Stadt des lauten Glanzes. Ihr Wesen

offenbart sich dem aufmerksamen Blick, dem

geduldigen Verweilen. Schon früh spürt man, dass

hier das Denken nicht als Zierde galt, sondern als

Notwendigkeit. Aus dem Bedürfnis, das Recht zu

ordnen, den Körper zu verstehen und das menschliche

Zusammenleben zu regeln, erwuchs eine Gemeinschaft

von Lehrenden und Lernenden, die sich

nicht von aussen bestimmen liess. Diese frühe Freiheit

der Universität erscheint mir als ein kühner,

beinahe jugendlicher Entschluss der Menschheit,

sich selbst ernst zu nehmen.

Denn Bildung, so wird mir hier deutlich, ist kein

Besitz, sondern eine Bewegung. Die jungen Männer,

die aus fernen Ländern nach Bologna kamen,

brachten nicht nur ihre Fragen mit, sondern auch

ihre Herkunft, ihre Sitten, ihre inneren Unruhen.

In der gemeinsamen Arbeit am Stoff verloren diese

Unterschiede ihr Trennendes und wurden fruchtbar.

So entstand ein Raum, in dem der Einzelne

sich nicht aufgab, sondern vervollkommnete. Ich

erkenne darin jenen Gedanken bestätigt, der mich

stets begleitet hat: Dass der Mensch nur durch

Wechselwirkung mit der Welt zu sich selbst gelangt.

Besonders das Studium des Rechts, dem Bologna

seine frühe Berühmtheit verdankt, erscheint mir in

neuem Licht. Das römische Recht wurde hier nicht

blo bewahrt, sondern neu belebt. Man suchte Ordnung

im Gewordenen, Mass im Überlieferten. Diese

Arbeit des Verstandes, die trennt und verbindet,

vergleicht und urteilt, ist dem künstlerischen Schaffen

nicht unähnlich. Auch dort muss das Mannigfaltige

zur Gestalt finden, um Wirkung zu entfalten.

Form ist nicht Beschränkung, sondern Klarheit.

Was mich jedoch am tiefsten bewegt, ist der Geist

der Selbstverantwortung, der diese Universität von

Anfang an durchzog. Die Lernenden waren nicht

blosse Empfänger, sondern Träger der Bildung. Sie

bestimmten, wen sie hören wollten, und verpflichteten

sich zugleich zur Ernsthaftigkeit des Studiums.

Portico Cavour - Bologna - Credit by Lorenzo Burlando

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In dieser Verbindung von Freiheit und Pflicht liegt

ein Bildungsideal, das zeitlos ist. Denn nur wer sich

selbst fordert, kann wahrhaft wachsen.

Während ich durch die Strassen gehe, wird mir bewusst,

dass Bologna ein frühes Abbild Europas darstellt,

wie es sein könnte: nicht geeint durch Macht,

sondern durch Einsicht; nicht durch Gleichmacherei,

sondern durch gegenseitige Anerkennung.

Die gemeinsame Sprache des Geistes überwand

Grenzen, lange bevor sie politisch gezogen wurden.

Bildung wurde hier zur stillen Diplomatie der Vernunft.

Am Ende des Tages, wenn das Licht sich mildert

und die Stimmen leiser werden, bleibt ein Eindruck

von Dauer. Bologna zeigt mir, dass Bildung kein

abgeschlossenes Werk ist, sondern ein fortgesetztes

Streben. Sie verlangt Geduld, Demut und Mut zugleich.

Wer sich ihr verschreibt, tritt in einen Prozess

ein, der ihn über sich selbst hinausführt. So wie

der Mensch sich bildet, bildet sich auch die Welt

– langsam, tastend, doch unaufhaltsam.

Portico Farini - Bologna - Credit by Lorenzo Burlando

Portico Cavour - Bologna - Credit by Wildlab

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Ferrara - Credit by Manasa Dendukuri | unsplash.com


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