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Stein 3/2026

Große Flächen

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S03 | 2026

MINERALISCHE WERKSTOFFE FÜR ARCHITEKTUR UND HANDWERK

FLÄCHEN MIT

PERSPEKTIVEN

KLUGES RECYCLING

Auf Mallorca ist ein Wohnheim aus

Bauschutt entstanden, das nicht nur

zeitgemäß, sondern auch ästhetisch ist

ATTRAKTIVES MUSTER

Der steinerne Teppich des Novartis Campus

in Basel ist ein Paradebeispiel für

Präzision und gute Kooperation

SCHWIERIGE KONJUNKTUR

Der Bauturbo lässt auf sich warten.

Auch viele Steinmetze spüren Auftragsrückgänge

in allen Bereichen


EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN

UND LESER,

eine gute Nachricht: Gleich zu Beginn dieser Ausgabe

nimmt uns unsere Autorin Inge Pett mit auf eine Reise

nach Mallorca. Dort wurde eine alte Schule in ein ästhetisches,

neues, zeitgemäßes Gebäude verwandelt. Das

ist viel mehr als ein Sanierungsprojekt. Denn im Zuge der

Abrissarbeiten wurden die etwa 160 Kubikmeter Marès

schon direkt an der Baustelle zu großen Blöcken aus Zyklopenbeton,

einer Mischung aus einfachem Beton und

großen Steinen, verarbeitet. Gemeinsam mit Marès-Kies

und -Sand (Pacadís) aus einem lokalen Steinbruch gaben

sie die etwa 30 cm großen Steinbrocken in Schalungen,

um sie dann mit Beton zu übergießen. Lesen Sie mehr zu

diesem ressourcenschonenden Projekt ab Seite 6.

Wie sich der Neubau der Unternehmenszentrale der

Berlin Hyp AG, genannt „B-One“, mit seinem terrassenförmig

abgestuften Baukörper und der Fassadenhülle

aus gelben Maxberg® Jura-Kalkstein in ein Umfeld mit

unterschiedlichen Baustilen einfügt, erfahren Sie ab

Seite 14. Entworfen von dem dänischen Architekturbüro

C.F. Møller Architects empfängt den Besucher im Inneren

ein weitläufiges, offen konzipiertes Erdgeschoss

mit öffentlich zugänglichen Bereichen, wie zum Beispiel

Galerieräume für Kunstausstellungen. Herzstück

ist die mehrstöckige „Town Hall“, ein Raum mit Treppe

und Sitzbereichen als kommunikativer Treffpunkt. Als

Bodenbelag entschieden sich die Verantwortlichen

ebenfalls für den Maxberg® Jura-Kalkstein.

Ab Seite 22 nimmt Sie unsere Autorin Martina Noltemeier

mit nach Basel auf den Campus von Novartis. Für

die beeindruckende Platzgestaltung der rund 700 m2

großen Fläche gab es präzise Vorgaben bezüglich der

Laufrichtung der Muster, der Farbanteile einzelner Steine

sowie der Zuordnung bestimmter Formate. Lesen

Sie, wie die Schweizer Firma Bärlocher diese besondere

Herausforderung gemeistert hat und wieviel Kunstund

Materialverständnis dafür notwendig waren.

Titelbild: Franz Brück

Die neue Berliner Hyp-Zentrale setzt innen und außen

auf heimischen Jura-Kalkstein.

Den Boden prägen über 2.500 Quadratmeter edler

Naturstein vom Foyer bis zu den Dachterrassen. Das

nachhaltige Material aus Bayern überzeugt durch

warme Optik und hohe Strapazierfähigkeit. Die Verlegung

im Großformat war dabei eine logistische Meisterleistung.

Einen umfassenden Ausblick auf das, was die Natursteinbranche

vom „Bauturbo“ erwarten darf, wirft unsere

Autorin Annette Mühlberger ab Seite 42 in Interviews

mit Konjunkturexperten.

Eine anregende Lektüre von STEIN wünscht Ihnen

Ihre Steinredaktion

Redaktion@stein-magazin.de

S03| 2026 3


INHALT

SCHÖNE WELT DER

STEINE

06 Vom Schutt zum

Schatz

In Palma de Mallorca

entstand ein Wohnheim

aus dem Bauschutt einer

abgerissenen Schule

14 Jura-Kalkstein als

prägendes Element

Langlebigkeit, warme

Optik und Strapazierfähigkeit

sind die Argumente

für Naturstein in der

Berlin-Hyp-Zentrale

22 Meisterstück aus

Mustern und Farben

Wie der Vorplatz des

Novartis Campus in

Basel zu einem

„steinernen Teppich“

umgestaltet wurde

STEINE BEARBEITEN

30 Mit Software und

Maschinen zum Erfolg

Wie eine modular aufgebaute

Software-

Komplettlösung

funktioniert

39 Azarshar Yellow

Die STEINKUNDE stellt

einen Naturstein aus

dem Iran vor

KUNDEN GEWINNEN

42 Zündet der Bauturbo?

Was Natursteinbetriebe

in diesem Jahr erwarten

dürfen

46 BIV vorsichtig

optimistisch

Konjunkturbericht des BIV

zum 1. Halbjahr 2025

48 Aufschwung im Ausbau?

Noch nicht in Sicht.

Interview mit dem

ZDH-Konjunkturexperten

René Rimpler

50 Resilient durch

unruhige Zeiten

Wie Matthias Schäffer,

Landesinnungsmeister in

Baden-Württemberg,

seinen Betrieb durch

die Krise führt

PANORAMA

56 Neue Kragplatte am

Kölner Rheinufer

2.500 Quadratmeter

Natursteinpflaster

schaffen eine neue

Aufenthaltsqualität

RUBRIKEN

59 Vorschau

60 Impressum

4 S03| 2026


SOZIALER WOHNUNGSBAU

VOM SCHUTT

ZUM SCHATZ

Was von einem abgerissenen Haus übrigbleibt, birgt oft noch enormes Potenzial.

Das demonstriert in Palma de Mallorca ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus. Den

Bauschutt einer abgerissenen Schule verwendete das Architekturbüro Harquitectes

für sein Projekt Social Housing 2104. Ein Musterfall dafür, wie umfassend nachhaltig

sich Bauen gestalten lässt – ressourcenschonend, ästhetisch, zeitgemäß und identitätsstiftend.

Von Dr. Inge Pett

Am Anfang stand ein marodes Schulgebäude in

Palma de Mallorca. Als sich herausstellte, dass es

nicht mehr den städtebaulichen Vorschriften entsprach

und auch nicht zu erhalten war, wurde es abgerissen.

Das Instituto Balear de la Vivienda (IBAVI)

schrieb den Wettbewerb für einen Neubau aus, der

Senioren sowie Menschen mit geistiger Behinderung

ein Zuhause bieten sollte.

Gewünscht war eine ökologische und schnelle Bauweise

– vorzugsweise aus Holz. Doch das katalanische

Büro Harquitectes machte sich frei von den Vorgaben

des Ministeriums und überzeugte stattdessen

mit einer massiven Struktur. Und das IBAVI zeigte

sich offen für die Idee.

Die tragenden Wände des neuen, dreistöckigen Gebäudes

bestehen aus lokalen, aufbereitetem Sandstein

Marès, der in Zyklopenbeton eingebettet wurde.

Decken und Zwischenböden sind aus Beton mit Keramik:

alles Materialien, die sich perfekt als Ressourcen

für den Sozialwohnungsbau eignen. Tatsächlich

gelang es den Architekten, 95 Prozent des Abbruchmaterials

zu recyceln.

Der Entwurf von Harquitectes spielt mit den haptischen

und optischen Besonderheiten des Baustoffs

und überführt sie in ein minimalistisch-edles Erscheinungsbild.

Die spezielle Bausubstanz weist

zudem eine hohe thermische Speicherkapazität auf

und sorgt auch ohne aufwändige Technik ganzjährig

für ein angenehmes Raumklima.

Edle Natursteinoptik: Die Marès-Steine in dem Zyklopenbeton stammen

von den Balearen

Fotos: Harquitectes/Adria Goula

6 S03| 2026


SCHÖNE WELT DER STEINE

Sozialer Wohnungsbau: Das

Projekt Social Housing 2014

bietet Senioren und Menschen

mit Assistenzbedarf ein

Zuhause

S03| 2026 7


HYP AG

JURA-KALKSTEIN ALS

PRÄGENDES ELEMENT

Die neue Berlin Hyp-Zentrale setzt innen und außen auf heimischen Jura-Kalkstein.

Den Boden prägen über 2.500 Quadratmeter edler Naturstein vom Foyer bis zu den

Dachterrassen. Das nachhaltige Material aus Bayern überzeugt durch warme Optik

und hohe Strapazierfähigkeit. Dabei war die Verlegung im Großformat eine logistische

Meisterleistung.

Von Dr. Alexandra Nyseth

Die neue Zentrale des zur LBBW gehörenden gewerblichen

Immobilienfinanzierers Berlin Hyp, genannt

„B-One“ und entworfen von dem dänischen

Architekturbüro C.F. Møller Architects, wurde im

September 2025 eröffnet. Der Neubau mit seinem

terrassenförmig abgestuften Baukörper und der Fassadenhülle

aus gelben Maxberg® Jura-Kalkstein mit

integrierten Solarmodulen fügt sich in ein Umfeld

mit unterschiedlichen Baustilen ein. (Siehe auch

STEIN 9/24).

Im Inneren empfängt den Besucher ein weitläufiges,

offen konzipiertes Erdgeschoss mit öffentlich zugänglichen

Bereichen, wie einem Galerieraum, beispielsweise

für Kunstausstellungen. Herzstück ist

die mehrstöckige „Town Hall“, ein Raum mit Treppe

und Sitzbereichen als kommunikativer Treffpunkt.

Als Bodenbelag entschieden sich die Verantwortlichen

ebenfalls für den Maxberg® Jura-Kalkstein.

Foto:

14 S03| 2026


HYP AG

DURCHGÄNGIGE MATERIALITÄT

HOMOGENITÄT GEWÜNSCHT

Der gelblich-beige Maxberg® Jura-Kalkstein aus

dem Altmühltal wurde – mit Ausnahme der Open

Space- und Teamflächen – auch im Innenraum als

Bodenbelag verlegt, sogar auf den Dachterrassen.

Diese einheitliche Materialwahl schafft ein harmonisches

Gesamtbild, denn Innen- und Außenraum

gehen so optisch fließend ineinander über. Die Solnhofen

Stone Group (SSG) lieferte das Material.

In Stein 9/2024 sind die Gründe für die Wahl des heimischen

Jura-Kalksteins für dieses Projekt, von seiner

Herkunft bis zu ökologischen Aspekten, bereits

ausführlich beschrieben. Im Bemusterungsprozess

für das Bodenmaterial im Innenraum prüften die

Verantwortlichen zwar auch Alternativen wie Betonwerkstein,

doch letztlich gaben die Vorteile des heimischen

Natursteins den Ausschlag. Für den Einsatz

im Innenraum ist ebenfalls vorteilhaft, dass der Jura-Kalkstein

frei von Schadstoffen ist und damit sehr

gute Voraussetzungen für ein gesundes Arbeitsumfeld

bietet. Zudem überzeugte der Stein die Bauherren

mit seiner warmen, ruhigen Farbigkeit und seiner

repräsentativen Wirkung auf großen Flächen.

Auch funktional eigne sich laut der SSG der Maxberg®

Jura-Kalkstein sehr gut für die Innenraumböden. Das

dichte, harte Gestein weist eine hohe Verschleißfestigkeit

auf und ist ideal für stark frequentierte Bereiche wie

Lobby, Cafeteria oder Konferenzzonen. Zugleich erlaube

die Beschaffenheit dieses Natursteins den Einsatz

drinnen wie draußen. „Jura-Kalkstein wird in verschiedenen

Schichten abgebaut. Jede Schicht hat ihre eigene

Farbgebung und Struktur und daraus resultierende

unterschiedliche bautechnische Eigenschaften. Dadurch

ist es möglich, das Material im Innen- und Außenbereich

einzusetzen“, erklärt die Solnhofen Stone

Group (SSG). Diese Vielseitigkeit trug ebenfalls zur Entscheidung

für den Kalkstein bei. Bei einem Naturprodukt

auf großer Fläche stellte die Homogenität eine

besondere Herausforderung dar: Die Planer wünschten

einen möglichst gleichmäßigen Boden ohne auffälliges

Farbspiel. Da bei der SSG der ganze Produktionsprozess

von Abbau in eigenen Steinbrüchen bis zur Weiterverarbeitung

in eigenen Werken in einer Hand liegt, war

es möglich, bereits bei der Blockverarbeitung auf eine

einheitliche Farbgebung und Qualität zu achten.

Foto: Franz Brück

16 S03| 2026


NEUER VORPLATZ VON NOVARTIS

MEISTERSTÜCK AUS

MUSTERN UND FARBEN

Der Novartis Campus in Basel hat eine neue, außergewöhnliche Visitenkarte: In

enger Zusammenarbeit mit einem großen Planungsteam verantwortete die Bärlocher

Gruppe (Fiorini AG) die Umgestaltung des Vorplatzes zu einem „steinernen Teppich“

– ein Projekt, das mit hoher Präzision umgesetzt wurde.

Von Martina Noltemeier

Der Novartis Campus in Basel ist der Hauptsitz der

international agierenden Firma Novartis. Doch nicht

nur in Forschung und Entwicklung investiert das

Unternehmen, auch in die Weiterentwicklung des

Campus – so auch in den Eingangsbereich, das Main

Gate, an dem sich Besucherinnen und Besucher anmelden.

Der Bodenbelag des Vorplatzes wurde im Rahmen

einer Submission von Novartis ausgeschrieben. Die

Aufgabenstellung war anspruchsvoll und komplex:

Die Auftragnehmer mussten mit einem relativ großen

Planerteam zusammenarbeiten, bestehend aus

Bauherrenvertretern von Novartis, dem italienischen

Architekten und Städtebauer Vittorio Magnago Lampugnani

sowie den Basler Landschaftsarchitekten

Stauffer Rösch.

Foto:

22 S03| 2026


NEUER VORPLATZ VON NOVARTIS

Eingangsportal mit Blick Richtung Norden. Für die rund 700 m2 große

Fläche gab es präzise Vorgaben bezüglich der Laufrichtung der Muster,

der Farbanteile der Steine sowie der Zuordnung bestimmter Formate

DER MASTERPLAN

Lampugnani entwickelte ein „städtisches“ Campusmodell.

Die Gebäude stehen nicht als Solitäre in

einer Parklandschaft, sondern bilden Straßenräume,

Plätze und Blockkanten, um Austausch und Orientierung

zu fördern. Hier finden sich Bauten international

renommierter Architektinnen und Architekten

wie Frank Gehry, David Chipperfield oder Kazuyo

Sejima. Landschaftsarchitektur und Kunst sind integrale

Bestandteile des Gesamtkonzepts.

Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten waren über

zehn Jahre an der Planung und Realisierung von

rund 60.000 m2 Freiflächen beteiligt. Für das Vorhaben

im Eingangsbereich waren sie als Generalplaner

tätig, Projektleiter war Tobias Luchsinger. Die Bärlocher

Gruppe aus Staad/Schweiz beteiligte sich an der

Submission und erhielt den Zuschlag.

EIN NATURSTEINBELAG WIE EIN TEPPICH

Die Grundidee des aus Mailand stammenden Architekten

war eine Gestaltung, die an einen italienischen

Wohnzimmerteppich erinnert.

„Die Komplexität und Hochwertigkeit des Natursteinteppichs

hat uns von der Planung über die Realisierung

bis zum Abschluss große Freude bereitet.“, erinnert

sich Thomas Luchsinger. „Wir durften ein einzigartiges

Projekt realisieren, das dem Haupteingang des Novartis

Campus gerecht wird. Mit der Bärlocher Gruppe

hatten wir einen hervorragenden Unternehmer an

unserer Seite, der eine hohe Qualität in das Projekt einbrachte.“

Für die rund 700 m2 große Fläche bestanden präzise

Vorgaben bezüglich der Laufrichtung der Muster, der

Farbanteile einzelner Steine sowie der Zuordnung bestimmter

Formate. Die besondere Herausforderung

bestand darin, dass Bärlocher als Bindeglied zwischen

den gestalterischen Vorgaben und den Lieferanten aus

Italien, dem Tessin und aus Österreich fungierte. „Wir

mussten beispielsweise vermitteln, dass bestimmte

Steine einen Grünanteil von mindestens 65 Prozent

aufweisen oder Muster in eine vorgegebene Richtung

verlaufen müssen“, erläutert Christian Bärlocher.

Werks- und Steinbruchbesuche mit dem Architekten,

Landschaftsarchitekten und Bauherrenvertretern fanden

in Italien, Österreich und der Schweiz statt. Gemeinsam

wählte man Blöcke aus. Bärlocher ließ sie in

den Steinbrüchen oder den Blocklagern reservieren

und anschließend aufschneiden. Anhand der Tranchen

erfolgten weitere Abstimmungen, wie die Platten im

Detail zugeschnitten werden sollten.

Fotos: Pro Naturstein/Roland Trachsel, Christian Bärlocher

24 S03| 2026


BETRIEBLICHE VERNETZUNG

MIT SOFTWARE UND

MASCHINEN ZUM ERFOLG

Die steuernde Software ist für eine automatisierte Fertigung mindestens ebenso

wichtig wie die prozessgerechte Verkettung der einzelnen Produktionsmaschinen.

Wir stellen exemplarisch einen familiengeführten Handwerksbetrieb mit einer modular

aufgebauten Software-Komplettlösung sowie den von ihr gesteuerten Maschinenpark

vor. Dank der Maschinen- und Software-Investition können hier plattenförmige

Werkstoffe, insbesondere Küchenarbeitsplatten automatisiert und bei

gleich gebliebener Mannstärke mit klar gestiegener Marge gefertigt werden. Ein derartiges

Produktionsplanungs- und -steuerungs-System (PPS) richtet sich an mittlere

und große Betriebe, die ihre Fertigung effizient planen, steuern und überwachen

wollen, um Ressourcen, Materialfluss und Termine zu optimieren.

Von Michael Spohr

Bei der Firma Kneidinger softwareseitig verknüpft: CNC-Säge und

CNC-Bearbeitungszentrum von Cms

Foto: Kneidinger GmbH, Hauzenberg

30 S03| 2026


STEINE BEARBEITEN

In der modernen Fliesenausstellung mit XXL-Keramikformaten: die Firmenchefs Rainer (l.) und

Harald Kneidinger

Foto: Kneidinger GmbH, Hauzenberg

Eine allgemeine Branchenkonjunktur

ist im vergangenen Jahr

nicht eingetreten und derzeit auch

nicht in Aussicht. Einzelne Betriebe

hingegen freuen sich sehr wohl

über volle Auftragsbücher und

eine Auslastung ihrer Produktion.

Woran liegt das? Geradezu eine

Wunderwaffe, mit der man nebenbei

auch gleich noch dem Fachkräftemangel

begegnet stellt die

Software-seitige Vernetzung der

Produktionsmaschinen dar. Die

Brüder Harald und Rainer Kneidinger

aus dem Landkreis Passau

sind diesen Schritt gegangen (wir

berichteten in STEIN 2/2023) und

haben es nicht bereut.

Harald Kneidinger führt seine

branchenuntypische Denke darauf

zurück, dass er als gelernter

Bauzeichner und Techniker in

einem Architekturbüro stets über

den Tellerrand geschaut hat und

anders an Probleme herangegangen

ist als dies ein typischer Steinmetz

getan hätte. So berichtet er

etwa davon, dass er 2002 bereits

auf einer Hausmesse bei Fickert

und Winterling mit einem Mitarbeiter

des Maschinenherstellers

eine CNC-Steuerung für eine Brückensäge

ausgetüftelt habe, wie

sie Jahre später Standard geworden

sei. Im Nachhinein bezeichnet

der 49-jährige diese Anschaffung

einer ersten großen CNC-gesteuerten

Brückensäge als „die Lizenz

zum Geld drucken“.

Zuvor hatte er sich von seinem

sechs Jahr älteren Bruder Rainer

überreden lassen, einen bestehenden

Steinmetz-Betrieb ohne

Firmennachfolger zu übernehmen

und sich damit selbstständig zu

machen. Rainer Kneidinger, ebenfalls

kein Steinmetz sondern Kaufmann,

hatte dort im Büro gearbeitet

und die Idee des gemeinsamen

Firmenkaufs gehabt.

STEIN stellt folgende

Firmen vor:

1. Kneidinger GmbH, Hauzenberg

www.naturstein-kneidinger.de

2. Sekon Software GmbH, Bonn

www.sekon.de

3. cms Steintechnik GmbH,

Neutraubling

www.cms-steintechnik.de

S03| 2026 31


SCHWERPUNKT KONJUNKTUR

ZÜNDET 2026

DER BAUTURBO?

Der Bau stagniert, die Kunden zögern, öffentliche Gelder fehlen. Neue Regelungen

und Vereinfachungen könnten Impulse setzen. Doch oft entscheidet nicht der Markt,

sondern die Stimmung und die bleibt gedämpft. Ein Blick auf die Baukonjunktur

2026 und darauf, was Natursteinbetriebe in diesem Jahr erwartet.

Von Annette Mühlberger

Der Innenausbau im Neubau kam 2025 weitgehend zum Erliegen. Wie Schäffer Steinmetze den

Rückgang kompensierten, lesen Sie ab Seite 50

Foto: Schäffer Steinmetze

42 S03| 2026


KUNDEN GEWINNEN

Im Spätsommer 2025 sah es kurzzeitig so aus, als ob

die schlechte Stimmung in der Bauwirtschaft überwunden

sei. Den verhaltenen Optimismus spiegelt

auch der jüngste Konjunkturbericht des BIV für das

erste Halbjahr 2025 wider, der Ende November veröffentlicht

wurde (mehr dazu auf Seite 46). Die Analyse

berichtet von leicht gestiegenen Auftragsbeständen

bei den Steinmetzbetrieben und einem um

vier Punkte höheren Geschäftsklimaindex gegenüber

dem ersten Halbjahr 2024. Auch von einem

leichten Umsatzplus in den Bereichen Bau und Restauration

berichtet der BIV.

BAUKRISE NOCH NICHT VORBEI

Doch die neueren Zahlen aus der Bauwirtschaft bestätigten

den Optimismus zum Jahresende nicht.

Bereits im Oktober, mitten im „Herbst der Reformen“,

trübte sich die Stimmung wieder ein und der ifo-Geschäftsklimaindex

für die Baubranche sackte erneut

ab. „Der Weg aus dem Tal ist noch lang“, bestätigt

Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Fehlende

Aufträge sind in der Bauwirtschaft weiterhin ein großes

Problem.“

Für Steinmetzbetriebe bleibt das Bild gemischt.

Branchenkenner beobachten: Wer breit aufgestellt

ist, wer neben Ausbau und Fassade auch in der Restaurierung,

Denkmalpflege und/oder im Grabmalbereich

aktiv ist, hat weniger Sorgen als Betriebe, die

sich auf den Ausbau fokussiert haben.

AUCH PREMIUM BETROFFEN

Selbst das Premiumsegment leidet. Das bestätigt

Matthias Schäffer, Geschäftsführer von Schäffer

Steinmetze aus Stuttgart-Zuffenhausen (siehe Betriebsportrait

Seite 50). Das Unternehmen des baden-württembergischen

Landesinnungsmeisters

liegt in der Nachbarschaft der Unternehmenszentrale

von Porsche, unweit des Mercedes-Werks in Untertürkheim.

Auch Bosch und andere große Automobilzulieferfirmen

sitzen im Umkreis. Doch die Autoindustrie

schwächelt, die Beschäftigten sind verunsichert

und halten sich mit Investitionen zurück.

„Die Auswirkungen spüren wir deutlich“, sagt Schäffer.

Den Ausfall kann sein Betrieb teilweise mit Restaurierungen

und Arbeiten in der Denkmalpflege

auffangen. Auch der Grabmalbereich zieht bei

Schäffer entgegen dem Trend wieder an.

BAUTURBO: WENIGER VORSCHRIFTEN, MEHR

FREIHEIT

Ab 2026 soll nun der Bauturbo zünden. Hierzu haben

das Bundesbau- und das Bundesjustizministerium

am 20. November die Eckpunkte für das „Einfache

Bauen nach dem Gebäudetyp E“ vorgestellt. Das Ziel:

weniger komplizierte Vorschriften, nicht alle DIN-

Normen (außer der sicherheitsrelevanten zu Brandschutz,

Statik und zu grundlegender baulicher Sicherheit)

müssen Anwendung finden, wenn Auftraggeber

auf bestimmte Komfort-Standards verzichten

wollen.

GEBÄUDETYP E: BAUEN MIT WENIGER AUFWAND

Außerhalb des im Bauordnungsrecht beschriebenen

Schutzniveaus können Bauherren also künftig frei

entscheiden. „So wird bereits per Gesetz ein guter

Wohnkomfort erreicht, aber auf kostenintensive Gebäudemerkmale

verzichtet“, sieht Tim-Oliver Müller,

Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen

Bauindustrie, die Weichen richtig gestellt. Auch

eine Abweichung von den „anerkannten Regeln der

Technik“ soll nicht mehr automatisch als Mangel gelten,

wenn das vertraglich so festgelegt wurde. Auch

damit sei, so Müller, ein Kern des Problems erfasst.

Ein neuer Vertragstyp im BGB soll Rechtssicherheit

für die abgespeckte Bauweise schaffen, so dass zum

Beispiel auf maximalen Schallschutz, Dreifachverglasung

oder aufwändige Lüftungssysteme verzichtet

werden kann.

S03| 2026 43

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