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architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 8 2025

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

08

www.architektur-online.com

Dezember 2025

Urbaner

Raum

© Johannes Vogt


Im Großen

wie im Kleinen

Unser Versprechen: Brillux bleibt besser –

ganz gleich, ob bei den kleinen Details oder

bei großen Projekten, die den Unterschied

machen. Ein Beispiel dafür ist unser konservierungsmittelfreies

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Auch im neuen Jahr stehen wir an Ihrer Seite –

für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft.

Vielen Dank für Ihre Treue!

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www.architektur-online.com

Editorial

Verbindende Orte

Urbaner Raum ist kein statischer Zustand – er ist ein

permanenter Aushandlungsprozess. Zwischen Bestand

und Bedarf, Klima und Komfort, Privatheit und

Öffentlichkeit wird Stadt immer wieder neu definiert.

Architektur kann dabei nicht mehr nur „bauen“, sondern

muss vorhandene Strukturen weiterdenken, Konflikte

moderieren und Räume schaffen, die Wandel zulassen.

Diese Ausgabe nimmt genau diesen Zwischenraum in

den Blick: mit Fokus auf Wien, aber auch mit Projekten,

die über Stadtgrenzen hinaus vergleichbare Fragen

nach Dichte, Identität und Klimaanpassung stellen.

Wie intensiv öffentlicher Raum verhandelt wird, zeigen die

Umgestaltung des Naschmarkt-Areals und der neue Marktraum.

Mostlikely Architecture entwarf eine wandelbare Infrastruktur,

die Marktkultur, Stadt und Gemeinschaft verknüpfen

soll. Dass die Idee einer „Markthalle“ bis zuletzt polarisiert,

gehört hier nicht nur zum Randrauschen.

Dass Zukunft im Weiterdenken des Bestands steckt, zeigt

„Francis“ am Franz-Josefs-Bahnhof. Delugan Meissl Associated

Architects (DMAA) und Josef Weichenberger Architects

(JWA) entwickeln den Kopfbahnhof samt Büroaufbau zu einem

neuen Zentrum des Althan Quartiers. Urbanität entsteht

hier nicht durch das Neue um jeden Preis, sondern durch präzise

Eingriffe in eine große, vorhandene Struktur.

Mit den Danube Flats wird die Debatte um Dichte vertikal. Wo

lange eine Brache neben der Reichsbrücke lag, entstand ein

hybrides Ensemble aus Wohnen, Hotel, öffentlichem Raum

und Begrünung. Als Landmark am Wasser ist das Projekt von

A01 architects zugleich ein Testfall: Kann Höhe mehr sein als

Symbol – nämlich ein Baustein für soziale Infrastruktur, Freiraum

und eine klimaangepasste Stadt?

Im neuen Landgut schreibt der Willi-Resetarits-Hof die Tradition

des Wiener Gemeindebaus fort und interpretiert sie zeitgenössisch.

Pichler & Traupmann setzen an der prominenten

Quartiersecke auf Präsenz ohne Dominanz – und auf eine Architektur,

die das urbane Umfeld nicht nur ergänzen, sondern

aktivieren will.

Auch außerhalb Wiens wird Wohnen als Stadtbaustein verhandelt:

AllesWirdGut formt im Mannheimer Spinelli Wohnen.

Park.Quartier auf einem ehemaligen Militärareal ein grünes

Ensemble mit lebendigem Innenhof. In Berlin-Marzahn zeigt

FAR frohn&rojas, wie serieller Wohnbau überraschen kann:

Aus einem konstruktiven Prinzip und rund 1.700 Betonfertigteilen

entsteht eine vielschichtige Welt aus Höfen, Laubengängen

und gemeinschaftlichen Plateaus.

Den Schlussstein im Themenbogen setzt eine Auseinandersetzung

mit Wiens Grünraumoffensive: „Raus aus dem Asphalt“,

„Supergrätzln“ und die „Smart Klima City“-Strategie

verstehen den Straßenraum als Klimainfrastruktur. 344 Projekte

sind bereits umgesetzt – entscheidend ist nun, wie Strategie,

Technik und Beteiligung im Detail ineinandergreifen und

wo Anspruch und Wirklichkeit noch kollidieren.

Qualitativer urbaner Raum bleibt ein fortlaufendes Versprechen.

Diese Ausgabe soll Wege zeigen, es einzulösen: durch

Weiterbauen, offene Infrastrukturen, kluge Verdichtung – und

Straßen, die wieder Aufenthaltsort werden. Ich wünsche Ihnen

eine inspirierende Lektüre.

Andreas Laser

Vienna

Calling

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Start 06

AliPalomal

Wettbewerbe 10

Innovation Center Düren

Volksschule in Hart bei Graz

Magazin 14

Neue Wege über 24

alten Gleisen

Francis, Althan Quartier /

Wien, Alsergrund /

Delugan Meissl Associated Architects

& Josef Weichenberger Architects

Froschgrünes Wohnviertel 30

SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier /

Mannheim / AllesWirdGut

Serielle Stadtlandschaft 36

Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse /

Berlin, Deutschland / FAR frohn&rojas

Vertikale Uferstadt 42

Danube Flats / Wien, Donaustadt /

project A01 architects

Ein Hof voller Möglichkeiten 48

Gemeindebau Willi-Resetarits-Hof /

Wien, Favoriten /

PxT – Pichler & Traupmann Architekten

Ein neuer Mittelpunkt 54

Marktraum Naschmarkt /

Wien, Mariahilf /

Mostlikely Architecture

Wiener Grünraumoffensive 62

Naturstein 68

Produkt News 78

edv 96

Künstliche Intelligenz Teil 4

KI für die Planung

24

36

48

42

54

30

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Resonanzräume

AliPaloma (Alexandra Paloma Angerer) aus Südtirol denkt Architektur radikal

über klassische Grenzen hinaus. Ihre Installationen und Objekte sind keine fertigen

Räume, sondern Angebote zum Dialog: glänzende Oberflächen, durchbrochene

Strukturen, zarte Materialien, hinter denen sich ein klarer politischer Anspruch

entfaltet. Ihre Projekte entstehen aus dem genauen Hinsehen – gesellschaftliche

Normen, Machtstrukturen und feministische Fragen schreibt sie in Glas, rosarot

lackiertes Metall oder Holz ein. Was ästhetisch verführt, fordert schnell heraus:

Wer wird gesehen? Wer bleibt geschützt? Wer darf sich im Raum ausbreiten? Fragilität

als Widerstand, Schönheit als Werkzeug, Material als Metapher – das sind

die Koordinaten, in denen sie arbeitet.

Text: Linda Pezzei Fotos: Leonhard Angerer

Architektur als Ausgangspunkt – aber weitergedacht:

Wann haben Sie gemerkt, dass

Sie nicht nur Räume gestalten, sondern Bedeutung

formen wollen?

Das entwickelte sich während meines Studiums

in Innsbruck Schritt für Schritt – nicht

als einzelner Moment. Der experimentelle

Fokus auf Architektur ist in den Instituten

Architekturtheorie und Experimentelle Architektur

prägend: Raumgefühl, Materialität,

spekulative Modelle. Heute arbeite ich

weiterhin räumlich, aber ohne an architektonische

Formate gebunden zu sein. Es

sind Installationen, Objekte, Interventionen.

Mich interessiert das Zusammenspiel von

Körper, Material und Raum. Ich würde nicht

sagen, dass ich „Bedeutung forme”, sondern

dass ich über ästhetische Erlebnisse Situationen

schaffe, die etwas auslösen können

– räumlich, körperlich, gedanklich.

„Mich interessiert, wie Material,

Körper und Raum miteinander

kommunizieren.“

AliPaloma

Die 1992 in Brixen geborene Alexandra Paloma Angerer

lebt und arbeitet als AliPaloma in Südtirol und darüber

hinaus. Nach einem Architekturstudium in Innsbruck

mit Schwerpunkt auf experimentellen und theoretischen

Zugängen entwickelt sie als Multimediakünstlerin kontextspezifische

Installationen und kollektive Denkräume.

Feministische Fragestellungen und ein präziser Blick auf

gesellschaftliche Rollenbilder fließen dabei ebenso in ihre

Werke ein wie die Suche nach neuen Material-Metaphern.


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7

Magazin

Project Spotlight: Museums-Satellit (2024/25)

Mit dem Museums-Satelliten für das Ferdinandeum Innsbruck

hat AliPaloma ein wandelndes Begegnungsformat entworfen:

Modulare Bögen und runde Sitzbänke formen einen

Raum, der gleichzeitig offen und geschützt ist – eine rosarot

lackierte Einladung zur Teilhabe. Am Bauzaun, grafisch gemeinsam

mit Mirijam Obwexer gestaltet, ersetzt die Frage

„How can a museum be a dialogue?“ die klassische Institutionsinschrift

– ein Spiel mit Schwellen, Offenheit und kollektiver

Autor:innenschaft.

Sie erwähnen den experimentellen Zugang

als prägend. Was bedeutet das für Sie konkret

– und wie arbeiten Sie heute noch damit?

Experimentell heißt für mich: von einem

Gedanken oder einer Beobachtung ausgehen

und dann das Material oder Medium

suchen, das diesen Impuls am besten tragen

kann. Ich mag es, mit Erwartungen zu

spielen – Materialien, die man normalerweise

mit bestimmten Formen verbindet,

auszutauschen und so einen Bruch oder

eine Ambivalenz entstehen zu lassen. Das

Architekturstudium hat mir eine starke Materialaffinität

gegeben. Gleichzeitig wurde

mir ein erweiterter Architekturbegriff vermittelt:

Raum kann eine Situation, eine Atmosphäre,

eine Beziehung zwischen Körper

und Material sein. Oder ein gedanklicher

Raum, der sich öffnet. Manche meiner Projekte

verändern sich performativ – durch

Passant:innen oder durch Materialzustände,

die sich im Laufe der Zeit wandeln.

Welches Material hat Sie in den letzten Jahren

zu neuen Fragen oder zu einer Überraschung

gezwungen?

Das Material, bei dem ich immer wieder hängen

bleibe, ist Glas – sowohl geblasen als

auch gegossen. Die Gegensätze faszinieren

mich: fragil und gleichzeitig hart, transparent

und zugleich abgrenzend, formbar im

Herstellungsprozess und später starr. Seine

physikalischen Eigenschaften und die

Bedeutungen, die wir ihm zuschreiben –

Schutz, Bewahrung, Blickführung – machen

es spannend.

Der Entwurf entwickelt sich für mich oft gemeinsam

mit dem Material weiter. Das Material

ist in gewisser Weise Mitentwerfer. In der

Arbeit „Unchained“ habe ich eine massive

Metallkette durch mundgeblasene Glasglieder

ersetzt. Dadurch verschiebt sich sofort

die Lesbarkeit. Es geht um Rollenbilder und

Normen, die uns festhalten – und aus denen

ich mich selbst immer wieder zu lösen versuche.

Wird das metallische Material durch

Glas ersetzt, verlieren diese starren Strukturen

ihre Massivität. Sie wirken durchlässiger,

als könnten sie aufgebrochen werden. Das

leichte Klirren der Glasglieder bringt eine

Verspieltheit hinein und lässt ahnen, dass

Veränderung möglich ist.

In vielen Ihrer Werke spielen Körper und ihre

Perspektiven eine zentrale Rolle – Fragen

von Sichtbarkeit, Schutz, Vielfalt. Wie ist diese

feministische Haltung entstanden, und

wie prägt sie Ihre architektonische Praxis?

Sie führt dazu, dass ich mich immer wieder

frage: Für welche Körper funktioniert dieser

Raum wirklich? Welche Körper sind mitgedacht

– und welche nicht? Es geht nicht nur

um Geschlecht, sondern auch um Alter, Mobilität,

Behinderung, Körperformen, Erfahrungen.

Diese Perspektiven fehlen meistens

in gängigen Planungslogiken

Eine feministische Perspektive macht

solche Themen sichtbar und verschiebt

den Blick weg vom vermeintlich neutralen

„Standardkörper”. Architektonisch wurde

dieser Standard lange durch eine sehr

spezifische Figur repräsentiert – den vitruvianischen

Mann – und hat viele andere

Körper ausgeblendet. So werden räumliche

und materielle Entscheidungen automatisch

politisch: ob eine Struktur offen oder

geschlossen ist, ob ein Ort Schutz bietet

oder Schwellen verstärkt. Da merke ich

auch, wie viel ich selbst dazulernen muss –

und wie viel wir alle mehr in diese Richtung

arbeiten sollten!

u


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

Take Me Home in Kollaboration mit Mirijam Heiler: Abfallbehälter

als kleine Architekturen, die Achtsamkeit im Landschaftsraum

einfordern.

Women’s* Shelter in Kollaboration mit Mirijam Heiler: ein temporärer Schutzraum,

der zugleich auf die Notwendigkeit von Frauenschutzhäusern verweist.

The Vulva Project ist eine Schmuckserie,

aber Sie denken sie räumlich und politisch.

Wie treffen sich feministische Haltung und

architektonisches Denken in diesem Werk?

„The Vulva Project“ ist Schmuck, aber auch

räumlich gedacht. Der Ausgangspunkt war

die Tabuisierung von Vulven und der weltweite

Boom von Labienkorrektionen – also

ein körperbezogenes, aber auch strukturelles

Thema. Jede Form ist ein Unikat, weil

jede Vulva anders aussieht. Damit wird die

Vielfalt sichtbar und das Ideal einer „perfekten”

Vulva infrage gestellt. Gleichzeitig

funktionieren die Stücke wie kleine tragbare

Räume. Sie schaffen Aufmerksamkeit, öffnen

Gesprächssituationen und klären auf. Darin

treffen sich feministische Haltung und architektonisches

Denken: Es geht um Körper im

öffentlichen und halböffentlichen Raum und

um die Frage, was sichtbar sein darf.

Im Women’s Shelter, den Sie mit Mirijam

Heiler realisiert haben, scheint die Grenze

zwischen Architektur, Kunst und Design

völlig aufgelöst. Ist das Ihr Standardansatz

– oder gibt es Arbeiten, wo eine Disziplin

klarer führt?

Eigentlich denke ich nicht in Grenzen,

weil Gestaltung das Gemeinsame ist. Die

Methoden unterscheiden sich, aber der

Wunsch, etwas erfahrbar zu machen, ist

gleich. Dass meine Arbeit zwischen diesen

Bereichen eingeordnet wird, kommt eher

von außen – ich selbst suche einfach die

Form, die für die jeweilige Fragestellung am

besten funktioniert.

Beim Women’s Shelter entsteht ein geschützter

Raum im öffentlichen Raum. Von

außen ist man kaum zu erkennen, von innen

bleibt der Blick nach außen offen. Die perforierte

Metallhaut macht das Spannungsfeld

von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit

körperlich erfahrbar und verweist auf die

politischen Dimensionen: Wie ernst werden

Schutz, Prävention und Unterstützung tatsächlich

genommen?

Der Museums-Satellit funktioniert ähnlich:

Seine Größe und Präsenz im Stadtraum

schaffen unmittelbar eine Erfahrung. Man

sitzt sich darin gegenüber, teilt dieselbe Sitzfläche,

hinterlässt Worte, Spuren, Gedanken.

Für mich ist er beides: Raum und Erlebnis.

Sie leben und arbeiten in Bozen, einem Ort

voller geografischer, kultureller und sprachlicher

Übergänge. Wie sehr schreibt sich

dieser Kontext in Ihre Arbeiten ein?

Wahrscheinlich mehr, als mir lange bewusst

war. Südtirol ist voller Übergänge und Ambivalenzen

– und diese sind im Alltag permanent

spürbar. Sie tauchen in meinen Arbeiten

auf: in Materialien, in Lesbarkeiten, in

Spannungsfeldern. Ich suche diese Brüche

nicht aktiv, aber sie sind authentisch da. Die

Reibung zwischen Tradition und Gegenwart,

zwischen Sprachen, zwischen Blickwinkeln

– viele meiner Arbeiten beschäftigen sich

ohnehin mit solchen Zuständen dazwischen.

Bozen mit seinen verschiedenen Schichten

ist ein sehr guter Resonanzraum dafür.

In welche Richtung wird sich Ihre Arbeit

noch weiterentwickeln – gerade mit dieser

Aufmerksamkeit für Körper, Erfahrung und

öffentliche Räume?

Der öffentliche Raum interessiert mich im

Moment besonders, weil dort unmittelbare

Begegnungen und Reaktionen stattfinden.

Die Fragen nach Identität und Gemeinschaft,

die mich dabei leiten, habe ich zunächst in

einem kleineren Maßstab untersucht: Zum

Beispiel in einem modularen Glasprisma, das

ich im letzten Jahr entwickelt habe. Es besteht

aus sieben Elementen und erlaubt 240

mögliche Kombinationen. Dieses Objekt ist

für mich ein Bild für Identität und Gemeinschaft

– ständig im Fluss, immer neu zusammengesetzt

– und dient als Ausgangspunkt,

um solche Prozesse in den öffentlichen

Raum zu übertragen.

So verstehe ich auch meine künftige Arbeit

– als offenen Möglichkeitsraum. Ich glaube

nicht, dass Fragen „gelöst” werden. Eher

entstehen neue Fragen, neue Konstellationen.

Wie sich Kunst, Design und architektonisches

Denken dabei mischen, ergibt

sich meist direkt aus dem Prozess. Ich bin

neugierig, welche Formen das noch annehmen

wird.


www.architektur-online.com

9

Magazin

Facing

Life

Weil das Leben keine

Ausstellung ist.

Interior Pro 2.6 Horizontal

Erhältlich ab Januar 2026

www.fundermax.com


architektur FACHMAGAZIN

10

Wettbewerbe & Awards

© beyond visual arts

Identitätsstiftend

ATP architekten ingenieure planen das Innovation Center Düren als zentrales

Leitprojekt für die Strukturwandelstrategie der Stadt in Nordrhein-Westfalen.

Das neue Innovation Center Düren (ICD)

im Herzen des entstehenden Innovationsquartiers

soll ein Ort für wirtschaftliche

Entwicklung und gesellschaftliche Transformation

werden. Der Neubau bietet ein

multifunktionales Umfeld für Start-ups,

technologieorientierte Unternehmen und

Bildungseinrichtungen.

Das Konzept von ATP architekten ingenieure

überzeugte im EU-weiten Vergabeverfahren

durch eine identitätsstiftende

Architektur mit flexiblen Arbeits-, Lern- und

Begegnungsräumen und nachhaltigen Lösungen.

Mit seinem Wechselspiel aus Skulpturalität

und Transparenz setzt der Neubau

ein markantes städtebauliches Zeichen in

Innovation Center Düren

DAS PROJEKT

Auslober

WIN.DN Wirtschafts- und Innovationsnetzwerk Stadt

Düren GmbH, Am Langen Graben 1, Düren (D)

Art des Verfahrens

Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung

eines Aufrufs zum Wettbewerb/Verhandlungsverfahren

Bekanntgabe des Ergebnisses

19.11.2025

Mit über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

an 14 Standorten in DACH und CEE erbringt die

ATP-Gruppe Beratungs- und Planungsleistungen für

komplexe Hochbauvorhaben. Die integrale, ganzheitliche

Arbeitsweise ermöglicht dabei nachhaltige, ressourcenschonende

und zukunftsorientierte

Lösungen.

DAS BÜRO

www.atp.ag

Pläne: © ATP architekten ingenieure

Erdgeschoss

unmittelbarer Nähe zum Bahnhofareal. Die

konkave Kubatur, die eine prägnante Raumkante

entlang der Bahntrassen erzeugt,

und die über sechs Geschosse reichende

Glasfassade verleihen dem Gebäude eine

ikonische Präsenz. Die dreigeschossige

Lobby mit großzügiger Sitztreppe ist zentraler

Treffpunkt und bietet Raum für vielfältige

Nutzungen. Das nachhaltige Konzept

integriert zirkuläres Bauen, begrünte

Fassaden und Dächer, PV-Module sowie

Regenwassernutzung. ATP architekten ingenieure

übernimmt die Integrale Planung

von Architektur, Tragwerksplanung und

Gebäudetechnik. Die digitale Planungsmethode

mit Building Information Modeling

(BIM) bildet dabei die Grundlage.


www.architektur-online.com

11

Magazin


architektur FACHMAGAZIN

12

Wettbewerbe & Awards

Blick vom Vorplatz

Großzügige Atmosphäre

POS Architekten aus Wien sind die Sieger im Wettbewerb für eine neue Volksschule in Hart bei Graz.

Hart ist eine wachsende Gemeinde

mit guter Anbindung an die Landeshauptstadt

Graz. Das Bestandsareal

der derzeitigen Volksschule mit aktuell

11 Klassen ist aufgrund der Größe

und der Bausubstanz nicht für einen

Zubau geeignet. In der Umgebung

des künftigen Schulareals befinden

sich vorwiegend Wohnbauten. Die

Wettbewerbsaufgabe umfasste die

Planung des Neubaus der Volksschule

mit 16 Unterrichtsklassen, Sonderunterrichtsräumen,

Räumen für

die schulische Tagesbetreuung und

Turnhalle sowie vielseitige Frei- und

Grünräume. Der Bildungsbau wird als

Clusterschule konzipiert.

Auslober

Gemeinde Hart bei Graz (Stmk.)

Verfahrensorganisation

Kampus GmbH, Graz

AUSSCHREIBUNG

Art des Verfahrens

Offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb

im Oberschwellenbereich m.

anschließendem Verhandlungsverfahren

Jurymitglieder (ohne Titel)

Helmut Kuess (Vorsitz), Gernot Ritter, Paul

Giencke, Karin Schwarz-Viechtbauer, Markus

Bogensberger (Verein f. Baukultur)

Jurysitzung

17./18.06.2025

1. Preis

Projekt 36

POS Architekten ZT GmbH

Arch. DI Ursula Schneider

Mitarbeiter: Alexander

Feilmair, Gabor Nagy

Aus dem Juryprotokoll:

Der Schulbaukörper bietet eine klare

und gute Orientierbarkeit mit einer

zentralen und effizienten Erschließung,

die gleichzeitig eine großzügige,

räumliche Atmosphäre schafft.

Die funktionale und räumliche Orga-

Einreichungen

73

Preisträger, Preisgeld

1. Preis (€ 20.000):

Pos Architekten ZT GmbH, Wien

2. Preis (€ 16.000):

Schwarz.Platzer.Architekten.ZT-GmbH, Graz

3. Preis (€ 12.000):

Architekten DI Juan Carlos Gómez,

Roland Baumgartner, Graz

2 Anerkennungen (je € 5.500):

Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH,

PRIEBERNIG, WIND + Partner ZT GmbH

nisation und Anordnung der Cluster

mit Lernzonen und Freiklassen

ist überzeugend und durchdacht

gelöst und bietet ausgezeichnete

räumliche Voraussetzungen für die

pädagogischen Anforderungen. Für

jeweils zwei Cluster pro Geschoss

ist eine attraktive und dennoch flächensparende,

gemeinsame Mitte

mit Sitztreppen konzipiert. Der

Turnsaal und die Bibliothek sind

sehr gut an die Schule angebunden,

was deren Einbindung in den Schulalltag

optimal unterstützt. Dennoch

ist auch die Öffentlichkeit dieser beiden

Funktionseinheiten klar ablesbar.

Der Turnsaal signalisiert durch

seine Durchlässigkeit eine Offenheit

und gewährleistet gleichzeitig auch

eine vielfältige externe Nutzung. Die

starke horizontale Betonung in der

Fassadengestaltung wird hinterfragt.

Das Projekt weist eine hohe

Wirtschaftlichkeit und Effizienz

auf. Insgesamt überzeugt das Projekt

sowohl in der städtebaulichen,

funktionalen, räumlichen und freiraumplanerischen

Gestaltung und

in seiner räumlich-pädagogischen

Konzeptionierung als auch darin,

die Besonderheiten des Hanggrundstücks

miteinzubeziehen, diese zu

nutzen und zu verstärken.

© David Kratzer


www.architektur-online.com

13

Wettbewerbe & Awards

Pläne, Foto: © POS Architekten

Lageplan

1. Obergeschoss

DAS PROJEKT – DAS BÜRO

Das Projekt

Das neue Schulgebäude folgt dem in

Hart prägenden Muster öffentlicher

Gebäude, die quer zur Hauptstraße situiert

sind, und führt diese städtebauliche

Reihe weiter. Das Freiraumkonzept

gliedert sich in ein urbanes Vorfeld

im Süden und einen durchgrünten

Schulgarten im Norden, wodurch die

Baukörper städtebaulich klar verankert

werden. Der durch Grüninseln, Baumgruppen

und Sitzmauern gegliederte

Vorplatz bietet eine hohe Aufenthaltsqualität.

Eine begrünte Gartenterrasse

im 1. Obergeschoss dient als

Pausenhof. Das Gebäude wird in Holz

errichtet. Für ausreichend Speichermasse

und den Einsatz der Bauteilaktivierung

werden die Decken als STB/

Holz Hybriddecken ausgeführt. Auf

einer Ebene sind jeweils zwei Cluster

situiert. Alle vier Bildungsräume öffnen

sich - jeweils winkelförmig angeordnet

– zur mittleren Lernzone und diese

wiederum zur zugeordneten Freiklasse

bzw. Pausenterrasse.

POS architekt:innen –

Zukunft gestalten

Als Pioniere der nachhaltigen Architektur

verfolgen wir einen ganzheitlichen

Ansatz. In unserem integralen Planungsteam

entstehen Gebäudekonzepte, die

ökologische, soziale und ökonomische

Anforderungen miteinander verbinden

und dabei stets den Menschen

in den Mittelpunkt stellen. Unsere

Kompetenzen liegen in der Planung

öffentlicher Gebäude, im Wohnbau und

bei Büro- und Gewerbeimmobilien. Die

Top-Priorität hat für uns mittlerweile

die Revitalisierung und sensible

Weiterentwicklung bestehender Bauten.

Mit sicherer Hand, hohem technischem

Knowhow und einem Gefühl für sinnvolle

Details entwickeln wir Projekte, die

funktional überzeugen und zugleich zukunftsorientiert

sind. Wir glauben daran,

dass Architektur auf Langlebigkeit und

Flexibilität konzipiert sein muss. Ziel unserer

Planung ist, dass unsere Gebäude

in 20 Jahren noch zeitgemäß sind und

mit den Anforderungen wachsen.

Schnitt A-A

Zu unseren aktuellen Projekten zählen:

das neue Südtiroler Quartier der

BUWOG in Salzburg, Österreichs größter

Holz-Wohnbau mit 382 WE; das geförderte

Wohnbauprojekt ILDEFONSO der

WBV-GPA , das ökologische Verantwortung

mit sozialem Anspruch verbindet:

50% CO2 Einsparung, Kreislaufwirtschaft,

Entsiegelung, Klimafitness, Artenschutz,

zugleich Heimat für zwei Baugruppen,

Erdgeschoss

unterstütztes Wohnen, und einen Repairshop;

sowie die Sanierung und Erweiterung

der Tiroler Fachberufsschule am

Lohbach in Innsbruck: Hier werden die

bisher separaten Schulzweige zu einem

starken gemeinsamen Campus vereint.

pos-architecture.com


architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Erhalt zählt

Die Zukunft der Prager Vyšehrad-Eisenbahnbrücke zeigt exemplarisch,

wie historische Städte Infrastruktur erneuern können, ohne ihr kulturelles

Erbe zu opfern. Ein Streitfall zwischen Abrisslogik, Bürgerengagement und

belastbarer Ingenieurskunst.

Text: Linda Pezzei Visualisierungen: Michal Slusar | SDAR.

Kaum ein anderer Bau im Prager Bahnnetz bündelt

so viele Ebenen wie die Vyšehrad-Eisenbahnbrücke:

1901 als genietete Dreifeldkonstruktion über die Moldau

errichtet, ist sie zugleich zentrale Schienenverbindung,

Teil der UNESCO-Welterbestätte und ein

Fixpunkt im Panorama zwischen Fluss, Stadt und

Vyšehrad-Felsen. Jahrzehntelange Vernachlässigung

führte jedoch dazu, dass Geschwindigkeiten

reduziert, die Brücke als Engpass eingestuft und

schließlich ein kompletter Abriss mit dreigleisigem

Neubau auf den bestehenden Pfeilern ins Spiel gebracht

wurde.

Spätestens mit dem UNESCO/ICOMOS-Bericht von

2024 rückte die Brücke aus der rein technischen in

eine gesamtstädtische Perspektive: Das Gutachten

beschreibt sie als Schlüsselelement des Flusspanoramas,

deren Entfernung die Authentizität und Integrität

des historischen Zentrums unvertretbar beschädigen

würde. Parallel dazu bleibt der bestehende

Verkehrsdruck hoch – langfristige Strategien verlangen

nach einer dritten Gleisverbindung, um die Achse

zwischen Hauptbahnhof und Smíchov zu entlasten.


www.architektur-online.com

15

Magazin

Die entscheidende Verschiebung brachte die Arbeit

der Vyšehrad Bridge Foundation, die eine internationale

Machbarkeitsstudie bei Ian Firth (COWI) und

Andreas Galmarini (WaltGalmarini) in Auftrag gab.

Das Ergebnis kippt die bisherige Argumentation:

Rund 85 Prozent der bestehenden Stahlstruktur lassen

sich mit modernen Antikorrosionsverfahren erhalten,

nur 15 Prozent müssen ersetzt werden, und

die so instand gesetzte Brücke erreicht eine prognostizierte

Lebensdauer von mindestens 100 Jahren

– bestätigt durch ein unabhängiges Review der ETH

Zürich. Die Sanierung erfolgt dabei modular, indem

die drei Stahlfachwerkträger nacheinander ausgeschwommen,

an Land überarbeitet und wieder eingesetzt

werden, während temporäre Hilfsbauten den

Bahnbetrieb weitgehend aufrechterhalten.

Auch in der ökologischen Bilanz verschiebt sich der

Fokus deutlich: Die Sanierungsvariante benötigt

etwa drei Mal weniger Baumaterial als ein kompletter

Neubau und reduziert damit sowohl CO 2 -Emissionen

als auch Eingriffe in den Stadtraum signifikant. Die

zusätzliche Kapazität wird nicht auf die historische

Konstruktion „aufgesattelt“, sondern über eine separate,

schlanke Flachdeckbrücke südlich der bestehenden

Struktur geführt, deren Tragwerk unterhalb

des Geländers der Fußwege bleibt und sich so dem

Panorama unterordnet.

Getragen wird dieser Ansatz von einem Netzwerk,

das klassische Rollen verschiebt: Neben Správa

železnic und der Stadt Prag treten mit der Vyšehrad

Bridge Foundation private Förderer wie Tomáš

Bistřický und Martin Vohánka auf, die gemeinsam mit

Architekten wie David Vávra und Petr Janda sowie

Brückenexperten wie Petr Tej und Marek Kopeć ein

Projekt formulierten, das Ingenieurbau, Stadtraum

und Denkmalschutz zusammen denkt.

UNESCO, ICOMOS und das Nationale Denkmalamt

(NPÚ) bestätigen inzwischen, dass die Sanierung

die denkmalverträglichste und zugleich eine technisch

tragfähige Option darstellt und empfehlen

ausdrücklich die Erhaltung und Rekonstruktion der

historischen Struktur.

Damit wird die Vyšehrad-Brücke zum Modellfall für

europäische Städte, die mit gealterter Infrastruktur

und strengen Klimazielen gleichzeitig umgehen müssen.

Sie zeigt, dass Bestandserhalt nicht als nostalgischer

Reflex, sondern als präzise, ressourcenschonende

und stadträumlich sensible Strategie gelesen

werden kann – und dass Fortschritt dort am stärksten

wirkt, wo er vorhandene Strukturen ernst nimmt und

in eine neue Zeit überführt, anstatt sie auszulöschen.


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Schwebende

Verbindung

Eine stillgelegte Eisenbahntrasse wird zur urbanen Passage: Der Monte Ciocci–San

Pietro Radweg verbindet Alltagsmobilität, Infrastrukturgeschichte und spirituelle

Topografie – und zeigt, wie Rom seinen urbanen Raum neu verhandelt.

Text: Linda Pezzei Fotos: Andrea Bosio

Rom ist eine Stadt der Wege. Historisch gewachsen,

vielfach überlagert, selten geradlinig. Mit dem Monte

Ciocci–San Pietro Pedestrian and Cycling Path

schreibt die Stadt ein weiteres Kapitel dieser Weggeschichte

– eines, das weniger monumental als vielmehr

präzise, leise und zeitgemäß ist. Fertiggestellt

im April 2025, rechtzeitig zum Heiligen Jahr, verbindet

der rund 1,2 Kilometer lange Rad- und Fußweg

den nördlich gelegenen Monte-Ciocci-Park mit der

Vatikan-Grenze. Was auf den ersten Blick wie eine

infrastrukturelle Ergänzung wirkt, ist in Wahrheit

eine urbane Transformation: Das Brescianer Studio

CREW – Cremonesi Workshop (Teil des FS Urban

Hub) verwandelt eine stillgelegte Eisenbahnlinie in

eine neue öffentliche Sequenz aus Bewegung, Aussicht

und Übergang.


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Magazin

Infrastruktur als öffentlicher Raum

Zentrales Element des Projekts ist der adaptive

Reuse zweier historischer Infrastrukturbauten: des

Fornaci-Viadukts und des Villa-Alberici-Tunnels. Im

Auftrag von Roma Capitale entwickelte CREW das

Projekt in Zusammenarbeit mit RFI (Rete Ferroviaria

Italiana) – als integrierten Beitrag zur nachhaltigen

Mobilität und zur stadträumlichen Regeneration. Wo

einst Züge verkehrten, bewegen sich heute Radfahrer:innen

und Fußgänger:innen – sanft geführt, barrierefrei,

mit bewusstem Tempo. Der Fornaci-Viadukt

wird dabei zum urbanen Aussichtspunkt: Hoch über

Valle Aurelia öffnet sich der Blick über die Stadt bis

zum Petersdom. Infrastruktur wird hier nicht inszeniert,

sondern selbstverständlich Teil des urbanen

Alltags. Der Übergang in den Villa-Alberici-Tunnel

markiert einen atmosphärischen Wechsel. Die historische

Mauerwerksstruktur wurde konsolidiert, das

Bodenniveau angehoben, Wasser gezielt über seitliche

Kanäle geführt. Der Tunnel fungiert nicht nur

als Verbindung, sondern als räumliche Zäsur – kühl,

ruhig, entschleunigend.

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Magazin

Ingenieurkunst im Bestand

Besonders komplex ist der Austritt aus dem Tunnel:

Der ursprüngliche Ausgang lag rund acht Meter

unter Straßenniveau, verborgen unter einer Parkplatzstruktur.

Ein neu entwickeltes Rampensystem

mit sanftem Gefälle überwindet diesen Höhenunterschied

nahezu beiläufig. Technische Notwendigkeit

wird zur fließenden Bewegung – präzise geplant,

zurückhaltend gestaltet. Die sieben klar gegliederten

Abschnitte verweben bestehende Verkehrsknotenpunkte

wie San Pietro Bahnhof und Valle Aurelia FS/

Metro mit neuen Bewegungsräumen. Rad- und Fußverkehr

werden nicht additiv gedacht, sondern als

integraler Bestandteil urbaner Mobilität.

Zwischen Alltag und Pilgerschaft

Eine zusätzliche Ebene erhält das Projekt durch

seine symbolische Dimension. Der Radweg schließt

an die Via Francigena an und führt eine jahrhundertealte

Pilgerroute bis nahe an den Petersdom weiter.

Sakraler Raum und Alltagsinfrastruktur überlagern

sich – nicht pathetisch, sondern selbstverständlich.

Gerade darin liegt die Qualität des Eingriffs: Er richtet

sich nicht ausschließlich an Pilger:innen oder Tourist:innen,

sondern an die Bewohner:innen Roms. Er

verbindet periphere Stadtteile, aktiviert vergessene

Zonen und schafft öffentlichen Raum dort, wo zuvor

funktionale Leere herrschte.

Der Monte Ciocci–San Pietro Path ist damit kein ikonisches

Einzelobjekt, sondern ein präziser Eingriff in

den urbanen Stoff. Ein Projekt, das zeigt, wie zeitgemäßer

urbaner Raum entsteht: durch Weiterbauen,

Wiederverwenden – und durch das bewusste Verbinden

von Bewegung, Geschichte und Alltag. •


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Magazin

Gedruckter

Spielraum

Mit dem Boulder Park realisierte XISUI Design

in Ji’nan, China, einen 13.000 m² großen Nachbarschaftspark,

der digitale Fertigungstechnologien

mit naturnaher Landschaftsarchitektur

verbindet. Zentrales Gestaltungselement sind

große Findlinge, die als Spiel-, Aufenthalts- und

Orientierungspunkte dienen und symbolisch für

Beständigkeit stehen.

Der Park ist Teil des Yunwan Garden und gliedert

sich in mehrere thematische Bereiche, darunter ein

All-Age Boulder Playground, ein Water Garden und

ein Forest Garden. XISUI Design verantwortete insbesondere

die kinder- und familienorientierten Zonen,

in denen Spielgeräte wie Schaukeln, Rutschen,

Klettertunnel oder Seilstrukturen unmittelbar in eine

Landschaft aus Felsen, Sand und Vegetation integriert

sind. Ziel ist nicht nur Bewegung, sondern auch

die Förderung von Wahrnehmung, Gleichgewichtssinn

und Naturverständnis.

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist der Einsatz

von 3D-gedrucktem Beton für die zentralen

Spiel- und Kletterstrukturen. Mithilfe robotergestützter

additiver Fertigung entstanden monolithische,

frei geformte „Felsen“ und Höhlenräume,

deren geschichtete Oberflächen an natürliche Canyonlandschaften

erinnern. Diese Technik erlaubt

komplexe organische Geometrien ohne klassische

Schalungen und schafft zugleich robuste, langlebige

Bauteile. Abgerundete Kanten, integrierte Stufen,

Sitzflächen und Rutschen verbinden Sicherheit,

Funktionalität und spielerische Erfahrung.

Der westlich angrenzende Water Garden ergänzt das

Angebot durch flache Wasserläufe, Fontänen und interaktive

Elemente wie Pumpen und Drehscheiben.


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20

Magazin

Wiederbelebung

einer Architekturikone

Die Hyparschale in Magdeburg wurde umfassend renoviert – mit Carbonbeton und

nora Bodenbelägen aus Kautschuk. Sie ist einer der rund fünfzig noch erhaltenen

Schalenbauten Müthers und gilt als architektonisches Meisterwerk: Im Jahr 1969

wurde die Hyparschale nach den Entwürfen des Bauingenieurs Ulrich Müther als

Messe- und Ausstellungszentrum errichtet.

Fotos: Marcus Bredt

Seit den 1990er-Jahren steht sie unter Denkmalschutz

und ist ein bedeutendes kulturelles Wahrzeichen der

Stadt. Nach mehr als 20 Jahren Leerstand wurde

sie zwischen 2019 und 2024 im Auftrag der Landeshauptstadt

Magdeburg nach Plänen von gmp Architekten

umfassend saniert und umgebaut. Ziel der Sanierungsmaßnahmen

war es, die Mehrzweckhalle als

multifunktionalen Veranstaltungsort für Konferenzen,

Tagungen, Kongresse und Ausstellungen wiederzubeleben.

Dabei wurde ein großes Augenmerk darauf gelegt,

ihre charakteristische Architektur zu bewahren.

Im Zuge der Sanierung wurde nicht nur die ikonische

Außenhülle instandgesetzt, sondern auch der Innenraum

einer umfassenden Erneuerung unterzogen.

Eine neue Raumskulptur greift Müthers quadratisches

Grundsystem auf. Die vier Kuben von jeweils

15 × 15 Metern sind in den Ecken der Halle angeordnet

und bilden Galerieebenen, die durch Brücken verbunden

sind. Dabei wurde der gesamte Innenbereich mit

neuen Böden ausgestattet – ein wichtiger Bestandteil

des Sanierungskonzepts, das auf Funktionalität,

Ästhetik und die besonderen baulichen Anforderungen

dieses denkmalgeschützten Schalenbaus ausgelegt

ist. Im Erdgeschoss kam ein Sichtestrich zum

Einsatz. Im neu entstandenen oberen Geschoss wurde

auf einer Fläche von 1.200 m 2 noraplan uni in einem

Grauton verlegt. Der Belag überzeugte nicht nur

durch seine optische Zurückhaltung, sondern auch

durch seine technischen Vorteile. „Der Kautschukbelag

ist deutlich leichter und kostengünstiger als

Sichtestrich“, erklärt Architektin und Projektleiterin

Ursula Köper von gmp Architekten.


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Magazin

Unverfugte Verlegung

für ansprechende Optik

Das gestalterische Konzept offener Raumstrukturen

mit klaren Linien und fließenden Übergängen

prägt die Hyparschale. „Der gesamte obere Bereich

soll wie auch der Hallenboden aus einem Guss wirken

und die architektonische Klarheit des Raumes

unterstreichen, daher wurde noraplan uni unverfugt

verlegt“, ergänzt Köper. Gleichzeitig erfüllt der Kautschukbelag

höchste funktionale Anforderungen: Er

ist besonders langlebig und pflegeleicht – Eigenschaften,

die gerade in öffentlich genutzten Gebäuden

eine zentrale Rolle spielen. „Vor allem aufgrund

des geringen Pflegeaufwandes ist Kautschuk bei

den elastischen Bodenbelägen für uns die erste

Wahl“, so Köper abschließend.

In der denkmalgeschützten Hyparschale ergänzt der

Kautschuk-Bodenbelag nicht nur visuell, sondern

auch funktional die architektonische Besonderheit

des Bauwerks.

nora flooring systems GesmbH

+43 (0)7242 74 001-0

info-at@nora.com

interface.com

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architektur FACHMAGAZIN

Ertüchtigter

Hochwasserschutz

Das Hochwasser im September 2024 hat gezeigt, wie

wichtig die sechs Rückhaltebecken in Auhof entlang

des Wienflusses im Westen Wiens mit ihrem Fassungsvermögen

von 1,2 Millionen Kubikmeter sind,

die sich damals innerhalb von nur zwei Stunden mit

rund einer Million Kubikmeter Wasser füllten. Um die

Strukturen nach diesem Ereignis dauerhaft zu sichern,

wurden mit Priorität altersbedingte Schäden

wie Hohlstellen, Risse und Abplatzungen behoben

und die bestehenden denkmalgeschützten Becken

aus dem Jahr 1899 mit einer wasserundurchlässigen

Stahlbeton-Vorsatzschale in einem Volumen von

rund 11.000 Kubikmeter Beton umschlossen. Durch

diese Maßnahme bleibt die historische Substanz der

Retentionsbecken erhalten und die Lebensdauer der

Bauwerke wird für Jahrzehnte verlängert. Zudem

werden die Becken vertieft und die Wehre sowie die

Trennmauer aus Beton um mindestens 50 Zentimeter

erhöht. Durch den Ausbau des Hochwasserschutzes

in Auhof, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein

wird, ist Wien in diesem Bereich des Wienflusses für

ein 5.000-jährliches Hochwasser gerüstet.

Beton Dialog Österreich

kontakt@betondialog.at

www.betondialog.at

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Magazin

© BDÖ/Stefan Seelig

© BDÖ/Stefan Seelig

Erfolg konsequent

fortsetzen

Walter Wiedenbauer (links) übergibt die Geschäftsführung

der Sto Ges.m.b.H. an Erwin Truskaller (rechts).

Nach fast 25 Jahren an der Spitze übergibt Walter

Wiedenbauer zum Jahreswechsel 2026 die Geschäftsführung

der Sto Ges.m.b.H. an Erwin Truskaller.

Der 50-jährige Kärntner ist seit 2013 Exportleiter

für Südeuropa und kennt das Unternehmen sowie

dessen internationale Ausrichtung seit vielen Jahren.

Truskaller will den Erfolgskurs des Technologieführers

im Bereich Wärmedämmung fortsetzen und dabei

Kundenservice, Innovation und Digitalisierung

weiter stärken. Neue Impulse erwartet er insbesondere

durch digitale Services am Bau, Lösungen für

industrielle Vorfertigung und integrierte Fassadenkonzepte.

„Wir bauen auf ein starkes Team und langjährige

Partnerschaften – darauf aufbauend wollen

wir unsere Marktposition weiter festigen“, betont der

designierte Geschäftsführer.

Wiedenbauer hat das Unternehmen nachhaltig geprägt:

Unter seiner Leitung entstand am Standort

Villach eine moderne Produktionsanlage, die Versorgungssicherheit

und regionale Wertschöpfung

stärkt. Zudem konnte Sto seine Marktposition in Österreich

und Südeuropa ausbauen und den Umsatz

mehr als verdoppeln. Mit Produktionsstandort, Logistikzentrum

und Zentrallager in Villach sowie acht

Verkaufscentern und mehreren Niederlassungen in

der Balkanregion sieht sich Sto Österreich bestens

für die Zukunft aufgestellt.

Sto Ges.m.b.H.

T +43 (0)4242 33 133-0

info.at@sto.com

www.sto.at


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Stadt, Land, Fluss und

Berge im Klimawandel

Zum Austausch von Wissenschaft und Praxis über

Zukunftsfragen der Bauindustrie konnte die Vereinigung

der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)

zum 46. Kolloquium „Forschung & Entwicklung für

Zement und Beton“ rund 300 Personen in der Wirtschaftskammer

Österreich in Wien begrüßen.

Ein wesentlicher Themenbereich des Expertentreffens

beschäftigte sich mit den Möglichkeiten

der Bauwirtschaft, dem Klimawandel zu begegnen:

„Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung,

CO 2 -Emissionen so rasch als möglich zu senken und

gleichzeitig Strukturen zu schaffen, die den zunehmenden,

klimawandelbedingten Extremereignissen

bestmöglich standhalten. Zement und der Baustoff

Beton spielen dabei eine zentrale Rolle: Mit dem regional

verfügbaren, langlebigen und widerstandsfähigen

Baustoff werden Schutzbauten und Infrastrukturen

errichtet, die über Generationen bestehen und

damit auch einen wichtigen Beitrag zur Anpassung

an den Klimawandel leisten“, so Sebastian Spaun, Geschäftsführer

der VÖZ.

Klimawandel, Extremwetter, Naturgefahren – nicht

nur Experten sehen unsere Infrastruktur unter großem

Druck, denn der Temperaturanstieg setzt in den

österreichischen Gebirgsregionen Naturgefahrenprozesse

von teilweise extremem Ausmaß in Gang,

die unsere Schutzsysteme an die Grenzen ihrer

Wirksamkeit führen. Das „Neue Normal“ sind für sie

häufigere Extremereignisse, die den Schutz vor Naturgefahren

in den Alpen vor große Herausforderungen

stellen und neue Konzepte erfordern, wenn das

Sicherheitsniveau auch in den nächsten Jahrzehnten

auf dem aktuellen Stand gehalten werden soll.

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VÖZ-Geschäftsführer Sebastian Spaun

bei der Eröffnung des Kolloquiums

Im Anschluss an den Impulsvortrag von Florian Rudolf-Miklau

diskutierte ein hochkarätig besetztes

Podium erforderliche Anpassungen von Gesellschaft

und Infrastruktur an die Herausforderungen des Klimawandels.

Einigkeit herrschte unter anderem darüber,

dass proaktives Handeln, Investitionen in die Infrastruktur

und Mut zur Veränderung unumgänglich

sein werden.

Die Vorträge finden Sie auf:

www.zement.at/kolloquium

Magazin

Fotos: VÖZ, Thomas Magyar

© mw-architekturfotografie

Fassaden jenseits jeder Vorstellung

Jedes Projekt bekommt sein eigenes Gewand. Wir realisieren atemberaubende Fassaden mit hohem technologischem Anspruch, die die Grenzen

jeder Vorstellung sprengen. Die Zukunft ist jetzt. www.pichler.pro


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Urbaner Raum

Neue Wege

über alten Gleisen

Francis, Althan Quartier / Wien / Delugan Meissl Associated Architects (DMAA)

& Josef Weichenberger Architects (JWA)

Text: Andreas Laser Fotos: Gebhard Sengmüller, Christian Pichlkastner


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DMAA & JWA

Mit „Francis“ ist am Franz-Josefs-Bahnhof im 9. Wiener Gemeindebezirk ein markantes

Beispiel urbaner Architekturtransformation entstanden. Delugan Meissl Associated

Architects (DMAA) und Josef Weichenberger Architects (JWA) haben den Kopfbahnhof

samt Büroaufbau aus dem Bestand heraus neu definiert – und damit gezeigt, dass

Weiterbauen eine echte Alternative zum Abriss sein kann. Das Projekt bildet heute das

transparente, offene Zentrum des neuen Althan Quartiers und demonstriert, wie viel

Potenzial in der Revitalisierung großer Gebäudestrukturen steckt.

Das ursprüngliche Bauwerk, in den 1970er-Jahren

von Karl Schwanzer als ehemaliges Technisches

Zentrum der Creditanstalt (später Bank Austria) entworfen,

war ein Kind seiner Zeit. Die spiegelnde Fassade

und die monumentale Außentreppe beherrschten

den Julius-Tandler-Platz und bildeten einen

baulichen Riegel, der den Stadtraum eher ausschloss

als einband. DMAA und JWA unterzogen diesen Bestand

einer detaillierten Untersuchung, in deren Rahmen

historische Pläne, bauphysikalische Daten und

die statische Struktur mithilfe eines BIM-gestützten

digitalen Zwillings analysiert wurden.

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architektur FACHMAGAZIN

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Urbaner Raum

Konversion als programmatische Haltung

Die Entscheidung zur Transformation statt zum Abriss

prägte das Projekt von Beginn an. Diese basierte

nicht allein auf ökologischen Kennwerten, zeigte

aber besonders dort ihre Tragweite. Nach Berechnungen

des Nachhaltigkeitsexperten Werner Sobek

konnte der CO 2 -Ausstoß gegenüber einem vollständigen

Neubau von etwa 27.595 Tonnen auf 8.970

Tonnen drastisch vermindert werden. Zudem konnten

122.480 Tonnen Beton und 10.944 Tonnen Stahl

eingespart werden. Die Robustheit und räumliche

Großzügigkeit der modularen Stahlbetonkonstruktion

erwiesen sich dabei als die entscheidende Grundlage

für die Weiterentwicklung des Hauses.

Auch logistisch erwies sich der Bestand als Vorteil:

Demontage und Materiallogistik erfolgten größtenteils

„introvertiert“ über das Gebäudeinnere und den

unterirdischen Ladehof. Dies ersparte der dichten

städtischen Umgebung rund 10.000 LKW-Fahrten

sowie erhebliche Lärm- und Staubemissionen.


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DMAA & JWA

Eine neue Durchlässigkeit

Mit der Neugestaltung des Gebäudes entwickelte

sich der gesamte Standort zu einem Scharnier zwischen

Spittelau und Lichtental. Über Jahrzehnte

trennte die Gleisanlage des Kopfbahnhofs die beiden

Stadtteile und das unzugängliche Bürohaus

verstärkte diese Zäsur. Das Althan Quartier, dessen

zentraler Baustein Francis bildet, reagiert darauf mit

neuen Wegeverbindungen und öffentlichen Räumen.

Die Entwurfsarbeit zielte darauf ab, jene Elemente zu

entfernen, die als Barrieren wirkten, und gleichzeitig

die architektonische Logik des Bestandsbaukörpers

zu stärken.

Herzstück der Neuordnung ist die „Plaza“-Ebene, die

rund neun Meter über Straßenniveau liegt und die

umliegenden Plätze miteinander verschaltet. Diese

Zwischenebene bildet eine Art urbanes Deck, das

den sonst fragmentierten Stadtraum überspannt.

Sie beherbergt halböffentliche Aufenthaltsbereiche

und dient als Gelenk für die Zugänge zu Büroflächen,

Gastronomie und Bahnhofshalle. Die Öffnung des Sockelbereichs

trägt maßgeblich dazu bei, dass der zuvor

schwer zugängliche Standort heute als räumlich

integrierter Teil des Grätzels erlebt wird. u

Die modulare Stahlbetonstruktur

der 1970er-Jahre

bildete die Grundlage

für die Transformation

— robust genug für

eine zweigeschossige

Aufstockung und flexibel

für neue Nutzungen. Die

neue innere Organisation

stärkt die Durchlässigkeit

des Gebäudes und schafft

klare, intuitiv ablesbare

Wegebeziehungen zwischen

Plaza, Bahnhof und

Büroflächen.


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Urbaner Raum

Neuformulierung des Gebäudes

Die Transformation umfasste sowohl Eingriffe an

der äußeren Erscheinung als auch präzise räumliche

Neuordnungen im Inneren. Die markante, aber kaum

genutzte Außentreppe wurde entfernt, ebenso ein

Verbindungsbau auf der Nordseite, der das Gebäude

seit den 1970er-Jahren mit einer Garage koppelte.

Mit seiner Entfernung rückt der Solitärcharakter von

Schwarzers ursprünglicher Komposition wieder stärker

in den Vordergrund.

Die neue Edelstahlfassade ersetzt die frühere Verspiegelung

durch eine zurückhaltend matt reflektierende

Oberfläche, deren feine Prägung Blendungen

vermeidet und dem Baukörper eine zeitgemäße Materialität

verleiht. Die neuen Terrassen setzen dem

Gebäude deutliche horizontale Akzente, gliedern

die Fassade und nehmen der früheren Geschlossenheit

ihre Strenge. Diese Freiflächen erweitern nicht

nur die gastronomischen Angebote, sondern bieten

auch den Büroetagen zusätzliche Außenräume. Ihre

Setzung verstärkt die Öffnung des Gebäudes gegenüber

dem Stadtraum und kommuniziert deutlich die

Transformation der einst hermetischen Hülle. Eine

zweigeschossige, zurückgesetzte Aufstockung nutzt

die Nachverdichtungspotenziale des Standorts, ohne

das Volumen optisch zu überladen.

Im Inneren bleibt die modulare Struktur des Bestands

bestimmend. Acht Bürogeschosse mit großzügigen

Raumhöhen von bis zu 3,5 Metern erlauben flexible

Grundrisslösungen. Die Ausrichtung der Flächen

bietet Blickbezüge zu den benachbarten Palais, zum

Liechtensteinpark und bis in die Wiener Innenstadt.

Ergänzt wird dies durch eine infrastrukturell gut organisierte

Logistik: Die Belieferung erfolgt auch über

die Bauaufgaben hinaus weitgehend über den unterirdischen

Ladehof, während Fahrradabstellplätze und

kurze Wege zu öffentlichen Verkehrsmitteln zeitgemäße

Mobilitätsanforderungen berücksichtigen.

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil

Die ökologische Leistungsfähigkeit des Projekts manifestiert

sich nicht allein in den eingesparten Emissionen,

sondern auch in der konsequenten baulichen

Ertüchtigung. Das Gebäude wurde hinsichtlich Statik,

Brandschutz, Bauphysik und Erdbebensicherheit

umfassend auf den heutigen Stand gebracht. Die

erreichte ÖGNI-Gold-Zertifizierung verweist auf die

hohen Anforderungen an Materialien und energetische

Kennwerte, die bei der Planung und Umsetzung

berücksichtigt wurden.

Die Transformation zu „Francis“ zeigt, dass die Weiterentwicklung

bestehender Bausubstanz einen

wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung

leisten kann. Der Bestand wird nicht als

Kompromiss, sondern als Ausgangspunkt für neue

Qualitäten begriffen.


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DMAA & JWA

OG 2 GR OG2

OG 8

GR OG1

Althan Quartier

Francis

Vienna

Austria

Floor plan level 02

1:400

Althan Quartier

Althan Francis Quartier

Francis

Vienna

Austria

Vienna

Austria

Standard floor plan

1:400

Floor plan level 01

1:400

EG OG 1

GR OG1

Althan Quartier

Vienna

Ground floor plan

Althan Quartier

Vienna

Floor plan level 01

Francis

Austria

1:400

Francis

Austria

1:400

Francis / Althan Quartier

1090 Wien

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung:

Eristalis Holding GmbH

Delugan Meissl Associated Architects (DMAA)

Josef Weichenberger Architects (JWA)

(als ARGE AQ-Arch)

Spirk + Partner

Peneder Bau-Elemente GmbH:

PICHLER projects GmbH:

Brandschutzlösungen, Brandschutztüren,

Brandschutzrolltore, textile Brandschutzvorhänge

Pfosten-Riegel-Konstruktion, hinterlüftete

Fassaden mit Edelstahlverkleidung,

Verbundfensterkonstruktionen

Planungsbeginn: 2016

Baubeginn: Frühjahr 2022

Fertigstellung: Ende 2024

Nutzfläche: ca. 60.000 m²

Bruttogeschossfläche: ca. 70.000 m² oberirdisch

ca. 11.000 m² unterirdisch

Höhe:

45 m

www.dmaa.at

www.weichenberger.at

„Für den Erhalt der bestehenden

Bausubstanz sprechen neben ökologischen

Gründen, auch die große

räumliche Qualität und Flexibilität

dieser, im Geist der Moderne, modular

entwickelten Struktur.“

Dietmar Feistel, Partner DMAA


architektur FACHMAGAZIN

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Urbaner Raum

Froschgrünes

Wohnviertel

SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier / Mannheim / AllesWirdGut

Text: Edina Obermoser Fotos: Johannes Vogt

Wohnen wie die Froschkönige

sollen die Bewohner

des neuen Mannheimer

Stadtquartiers Spinelli

Wohnen.Park.Quartier

von AllesWirdGut. Das

Planerteam mit Büros

in Wien und München

entwarf hier auf einem

ehemaligen Militärareal

ein grünes Ensemble

mit sieben Baukörpern.

Diese ordnen sich rund

um einen lebendigen

Innenhof an und bilden

mit ihrer individuellen

Gestaltung ein charakterstarkes

Wohnviertel, in

dem der öffentliche Raum

und die Nachbarschaft im

Mittelpunkt stehen.

Bei den Spinelli Barracks handelt es sich um einen

geschichtsträchtigen Ort, der einst mit Mannschaftsunterkünften,

Lagerhallen und Werkstätten zu den

wichtigsten Depots der US-Armee in Europa zählte.

Nachdem das ehemalige Kasernengelände viele

Jahre als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge

genutzt wurde, wollte man ihm nun eine neue Funktion

geben. Während der Großteil des Areals künftig

als urbaner Grünraum die Lebensqualität der Stadtbewohner

verbessern soll, entstehen auf der verbleibenden

Fläche neue Quartiere mit Wohnungen für

bis zu 4.000 Menschen und sozialer Infrastruktur mit

Schule, Kindergärten und Nahversorgern.

Identitätsstiftendes Konzept

Unter dem Motto „Wohnen wie die Froschkönige“

entwickelten die Architekten mit dem Projekt Spinelli

Wohnen.Park.Quartier einen Entwurf für die Bebauung

eines Teils dieses Viertels. Dabei folgt AllesWird-

Gut seiner Prämisse, eine Symbiose zwischen Stadt

und Natur zu schaffen. Trotz urbaner Dichte sind die

Planer eigenen Angaben zufolge stets auf eine individuelle,

überschaubare Gestaltung bedacht. Das Ergebnis

ist ein froschgrünes Quartier, das Wohnraum

mit einem lebendigen Biotop kombiniert und neben

123 Wohneinheiten sowie einem grünen Hof auch

Gewerbeflächen, eine Kindertagesstätte mit sieben

Gruppen, eine Tiefgarage und eine Großgarage mit

380 Stellplätzen umfasst.

Um einen möglichst diversen Mix zu schaffen, wurden

die Häuser in unterschiedliche Wohntypen unterteilt

und als separate Bauteile ausgeführt. Dieser

individuelle Ansatz soll dazu führen, dass sich die Bewohner

mit der jeweiligen Adresse identifizieren. Die

Namen der einzelnen Gebäude – Torhaus, Lofthaus,

Tänzer, Platzhirsch, schmaler Hans, Haus der Kinder

und Parkhaus – verstärken die identitätsstiftende

Wirkung weiter. Eine gemeinsame Sockelzone fasst

das siebenteilige Ensemble zusammen und bietet mit

Supermarkt und Radwerkstatt Platz für gewerbliche

und gemeinschaftlich genutzte Flächen.

Blockrand trifft Lokalkolorit

Die sieben Baukörper sind entlang der Außengrenzen

des Grundstücks angeordnet und legen sich

schützend um den begrünten Hof in der Mitte. Sie

unterscheiden sich sowohl in ihrer Kubatur als auch

in ihrer Höhe. Es gibt kompakte, kleinere Baukörper,

andere umfassen bis zu sechs Stockwerke, bevor sie

mit einem – mit Photovoltaik-Anlagen ausgestatteten

– Flachdach abschließen. Bei der Gestaltung der

Häuser setzten die Planer ebenfalls auf Individualität.

Sie ließen sich dabei zum einen vom grünen Umland,

zum anderen von den erdigen Nuancen der Mannheimer

Wassertürme – deren sandiges Rot sich vor allem

in den Innenräumen wiederfindet – inspirieren: Das

Ergebnis ist ein stimmiges Ensemble in Pastelltönen.

Neben Fliesen und Klinker in verschiedenen Farben

und Formen kam an den Fassaden auch Strukturputz

zum Einsatz. Das Parkhaus wurde mit Rankgerüsten

versehen und soll sich so in Zukunft grün bewachsen

nahtlos in das Quartier integrieren.

u


www.architektur-online.com

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AllesWirdGut


architektur FACHMAGAZIN

32

Urbaner Raum


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AllesWirdGut

123 Wohnungen & nachhaltige Mobilität

Jedes der Häuser wird über zwei Eingänge erschlossen

– einen zur Straße, einen zum Wohnhof orientierten.

Die einzelnen Wohnungen erstrecken sich

entweder über die gesamte Gebäudetiefe oder über

Eck und bekommen so möglichst viel Tageslicht.

Jede der 123 Einheiten erhält mit einem großzügigen

Balkon oder einer geschützten Loggia außerdem

einen privaten Außenraum. Autos will man auf dem

gesamten Konversionsareal fünf Kilometer nordöst-

lich des Mannheimer Hauptbahnhofs weitgehend

vermeiden. Anstelle von Tiefgaragen, von denen aus

man anonym direkt in die Wohnung gelangt, gibt

es deshalb Auffanggaragen an den Eingängen zum

neuen Wohnviertel. Eine Ausnahme bilden vereinzelte

Parkhäuser, wie jenes im Spinelli Wohnen.Park.

Quartier. Verändert sich das Mobilitätsverhalten der

Bewohner, so lässt sich der Bau in Zukunft in zusätzlichen

Wohnraum umnutzen.

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Öffnungen in der blockrandartigen

Bebauung, Treppen und Niveauunterschiede

prägen die Struktur des

Wohnquartiers und leiten Bewohner

und Besucher in den halböffentlichen,

begrünten Innenhof.


architektur FACHMAGAZIN

34

Urbaner Raum

Grüne Mitte als sozialer Katalysator

Das Herzstück des neuen Spinelli-Quartiers bildet

der zentrale, leicht erhöhte Innenhof. Er ist üppig begrünt

und schafft als halböffentlicher Begegnungsort

Bereiche mit unterschiedlicher Privatsphäre.

Aufgrund der verschiedenen Höhen entsteht eine

interessante Staffelung mit Plätzen, Wegen und

Treppen, die den Hof zonieren und nicht nur die Bewohner,

sondern auch die Nachbarschaft ins Zentrum

des Viertels und zum Beisammensein einladen.

In nördlicher und westlicher Richtung schließt die

Grünoase über gezielt positionierte Öffnungen in der

Blockrandstruktur an den umliegenden Stadtraum

an. Im Norden leitet eine repräsentative Ecke mit öffentlicher

Erdgeschossnutzung auch Passanten und

Anrainer in den Hof. Entlang der Außenseite sollen

Gewerbeflächen und soziale Einrichtungen auf Straßenniveau

zu attraktiven Treffpunkten werden und

die soziale Interaktion zusätzlich fördern. Sämtliche

Entwurfsentscheidungen bauen darauf auf, den öffentlichen

Raum möglichst attraktiv zu gestalten und

so seine Qualität und Nutzung zu erhöhen. „Ganz

wichtig in diesem Zusammenhang sind Parameter

wie die Wahl der Materialität und Farbsprache sowie

der Strukturen und Details, aus denen sich die

sichtbaren Oberflächen zusammensetzen“, erklären

die Architekten und führen weiter aus: „Wir wollen

Städte schaffen, die nicht nur Wohnort sind, sondern

menschliche Lebensräume voller Abenteuer, Überraschung,

Schönheit, Geborgenheit und Erfüllung.“ •


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AllesWirdGut

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SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier

Mannheim, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung:

Freiraumplanung:

HLS-Planung:

ELT-Planung:

Brandschutz:

Verkehrsplanung:

Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG

AllesWirdGut

osd

Ramboll Studio Dreiseitl

Bauer & Ihle

Martin Henne – Esslinger Ingenieurgesellschaft

Rieser Wessel Brandschutzsachverständige

Durth Roos Consulting

Bauphysik & Energieberatung:

Schallschutz & Raumakustik:

Netto-Raumfläche: 34.983 m²

Bruttogrundrissfläche: 40.406 m²

Wettbewerbsgewinn: 2019

Baubeginn: 2021

Fertigstellung: 2025

www.awg.at

Balck+Partner

vrP von Rekowski und Partner

© Michael Dürr

„Der Raum zwischen den Gebäuden ist das Herzstück

all unserer entworfenen Quartiere. Mit Sorgfalt

und Freude gestalten wir diese Zwischenräume und

schaffen so qualitätsvolle Orte des Miteinanders, die

Besucher:innen neugierig machen und Bewohner:innen

mit Stolz erfüllen.“

AllesWirdGut


architektur FACHMAGAZIN

36

Urbaner Raum


www.architektur-online.com

37

FAR frohn&rojas

Serielle

Stadtlandschaft

Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse / Berlin, Deutschland / FAR frohn&rojas

Text: Linda Pezzei Fotos: David Hiepler

Wie viel Stadt steckt im seriellen Wohnbau – und wie viel Gemeinschaft

lässt sich in einem System aus rund 1.700 Betonfertigteilen

organisieren? Inmitten der Plattenbaulandschaft von Marzahn-Hellersdorf

entfaltet die Lion-Feuchtwanger-Straße 61 ein präzise gerastertes

Wohnensemble, das aus einem einzigen konstruktiven Prinzip

hervorgeht und daraus eine erstaunlich vielschichtige urbane Welt aus

Höfen, Laubengängen, Townhouses und gemeinschaftlichen Plateaus

entwickelt. Die serielle Struktur wird zur architektonischen DNA eines

Ortes, der weit mehr bietet als reine Verdichtung.

Der Berliner Wohnungsbau ist eine Geschichte der

permanenten Aushandlung – zwischen Dichte und

Lebensqualität, Industrialisierung und Gemeinwohl,

ökonomischer Notwendigkeit und architektonischer

Ambition. Von den Mietskasernen der Kaiserzeit

über die Siedlungen der Moderne bis zu den Großwohnsiedlungen

der DDR zeigt jede Epoche, wie sehr

Stadtentwicklung ein Spiegel gesellschaftlicher Prioritäten

ist. In Kaulsdorf-Nord lässt sich dieser Wandel

besonders deutlich ablesen, denn hier treffen die

seriellen Strukturen der 1980er-Jahre auf eine neue

Generation von Nachverdichtungsprojekten, die ökologische,

soziale und städtebauliche Anforderungen

miteinander verschränken.

Die Lion-Feuchtwanger-Straße 61 besetzt dabei eine

Stelle von außergewöhnlicher räumlicher Spannung:

den Kreuzungspunkt zweier Grünachsen, die die

Großsiedlung in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung

durchziehen und deren diffuse Offenheit bislang

eher Transit- als Aufenthaltsqualität erzeugte. FAR

frohn&rojas reagieren nicht mit einer Wiederholung

der Platte, sondern mit einer radikal reduzierten

Betonskelettstruktur, die den industriellen Logiken

des Hallenbaus entlehnt ist und daraus ein urbanes

Wohnregal mit präziser räumlicher Grammatik entwickelt.

Das Resultat ist eine urbane Nachverdichtung,

die aus der Struktur selbst heraus Stadt generiert

und damit eine neue Lesbarkeit der peripheren Siedlung

ermöglicht.

Skelett statt Wand

Die architektonische Grundhaltung des Projekts liegt

in einer konstruktiven Disziplin, die sich als räumliches

Gerüst lesen lässt. Das Wohnensemble basiert

auf einem seriellen Skelett aus vorgefertigten Betonstützen,

Unterzügen und großformatigen Deckenplatten,

wie sie typischerweise im Industrie- und Gewerbebau

eingesetzt werden. Dieses fein austarierte

Raster erzeugt große Spannweiten und weitgehend

stützenfreie Wohnungsgrundrisse, die unabhängig

von tragenden Wänden organisiert werden können.

Zugleich ermöglicht die Struktur eine spätere Demontage

der Elemente und eröffnet damit Perspektiven

zirkulären Bauens, die über konventionelle Materialoptimierung

hinausreichen. Das Skelett ist nicht

nur Struktur, sondern ein System, das zukünftige

Veränderungen zulässt – eine der bemerkenswertesten

Qualitäten des Projekts.

Grünachsen als urbanes Rückgrat

Städtebaulich antwortet die Anlage unmittelbar auf

die Logik der Großsiedlung. Der Schnittpunkt der beiden

Grünachsen bildet das räumliche Zentrum, das

FAR frohn&rojas durch zwei sechsgeschossige Wohnriegel

fassen. Der Abstand der Riegel entspricht der

Breite einer Berliner Straßenflucht, sodass eine klare

städtische Figur entsteht, die der fragmentierten

Umgebung ein neues Rückgrat gibt. Zwischen den

beiden Baukörpern spannt sich ein aufgeständertes

Gartenplateau, das über einem durchgängig tagesbelichteten

Sockel liegt. Unter dieser erhöhten Fläche

befinden sich Stellplätze für Fahrräder und PKW,

Ladestationen für e-Mobilität sowie eine Packstation

für die Bewohner, während das Plateau selbst zur

halböffentlichen Mitte des Ensembles wird – ein Ort

des Ankommens, Begegnens und Verweilens, der

sich bewusst von den amorphen Zwischenräumen

der DDR-Siedlung unterscheidet. Die Großform des

Bestands wird so nicht negiert, sondern präzise überschrieben.

Eine neue urbane Topografie entsteht, die

auf zwei Ebenen gleichzeitig funktioniert: als Infrastrukturraum

im Sockel und als gemeinschaftliche

Freifläche darüber.

u


architektur FACHMAGAZIN

38

Urbaner Raum

Unter dem aufgeständerten

Gartenplateau

befindet sich eine

tageslichtdurchflutete

Mobilitätsebene.


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39

FAR frohn&rojas

Die offenen Arkaden dienen

gleichermaßen als Erschließung

und als Aufenthaltszone.

Wellenförmige Logen

schaffen eine graduelle

Schwelle zwischen privatem

und gemeinschaftlichem

Raum.

Urbane Wohnregale

Innerhalb des seriellen Betonrasters entfaltet sich

eine überraschend große Diversität an Wohnungstypen.

FAR frohn&rojas nutzten die konstruktive

Freiheit der stützenfreien Grundrisse für einen

Mix, der von kompakten Apartments bis zu zweigeschossigen

Townhouses reicht, die unmittelbar

am Plateau liegen. Alle Wohnungen sind als Durchwohneinheiten

konzipiert, die sich sowohl zum gemeinschaftlichen

Gartenplateau als auch zur umgebenden

Nachbarschaft öffnen. Dadurch werden

flexible räumliche Konfigurationen möglich, bei

denen private und halböffentliche Zonen individuell

orientiert werden können. Die serielle Struktur

wirkt wie ein Wohnregal, das unterschiedliche Lebensmodelle

strukturell gleichwertig aufnehmen

kann, ohne seine formale Klarheit zu verlieren.

Zirkulation als sozialer Raum

Die Erschließung ist als Teil des sozialen Gefüges

gestaltet. Zur Gartenseite öffnen sich Laubengänge,

die Zugang und Aufenthaltsqualität miteinander

verbinden. Wellenförmig erweiterte Bereiche

werden zu kleinen Logen, die den Blick auf das

Plateau lenken und gleichzeitig einen privaten

Schwellenraum bilden. Ein filigranes Edelstahlgewebe

dient als Absturzsicherung und Rankhilfe

und macht die Laubengänge perspektivisch zum

Teil einer vertikalen Gartenlandschaft. Die vier außenliegenden

Treppenhäuser rhythmisieren den

Baukörper und unterstützen die Lesbarkeit als

poröse, durchlässige Struktur, die Gemeinschaft

nicht erzwingt, sondern räumlich ermöglicht.

Mobilität im Sockel

Der Sockel unter dem Plateau bündelt Nutzungen,

die im konventionellen Mietwohnungsbau selten

kombiniert sind. Der tagesbelichtete Bereich integriert

Stellplätze, Ladepunkte, Paketstation und

Haustechnik. Die gemeinschaftlich nutzbaren

Räume wurden im 3. OG untergebracht. Die Geschlossenheit

der Fassaden zum Außenraum hin

verstärkt die Differenz zwischen dem introvertierten

Innen und der ruhigen Nachbarschaftsseite der

beiden Riegel – eine räumliche Haltung, die dem

Ensemble eine klare urbane Hierarchie verleiht.

Doppelte Lesbarkeit

Die Fassaden geben dem Ensemble eine zweistimmige

Identität. Zur Nachbarschaft hin zeigen

die Riegel eine zurückhaltende Rasterfassade, die

aus raumhohen Schiebeelementen und geschlossenen

Aluminiumfeldern komponiert ist. Diese

abstrahierte Strenge nimmt die Logik der Plattenbauten

auf, führt sie jedoch mit feinerem Maßstab

und präziser Detaillierung weiter. Zur Gartenseite

dagegen lösen sich die Baukörper durch die

Laubengänge, Freisitze und die durchlässigen

Edelstahlgitter in eine tief gestaffelte räumliche

Struktur auf. Sichtbeton, Metall und Glas erzeugen

eine industrielle, zugleich sehr kontrollierte

Ästhetik, die sich bewusst vom farbigen Putz der

Bestandsbauten absetzt und den experimentellen

Charakter der Anlage unterstreicht.

Urbaner Raum als Systemfrage

In seiner Konsequenz formuliert das Projekt einen

präzisen Beitrag zur Frage, wie urbaner Raum in

peripheren Großsiedlungen entstehen kann. Die

Lion-Feuchtwanger-Straße 61 zeigt, dass Nachverdichtung

nicht zwingend in neue Monolithen

mündet, sondern durch robuste Systeme erzeugt

werden kann, die Wandelbarkeit, soziale Interaktion

und räumliche Klarheit verbinden. Gerade in

einem Umfeld, in dem Wohnungsbau allzu oft an

Kostendruck und Standardisierung scheitert, liefert

das Projekt ein architektonisches Argument

für urbane Vielschichtigkeit: Sie entsteht nicht

trotz des seriellen Bauens, sondern aus seiner

strukturellen Intelligenz heraus.

u


architektur FACHMAGAZIN

40

Urbaner Raum

Nachgefragt im Gespräch mit Marc Frohn & Mario Rojas Toledo

Das Projekt bewegt sich zwischen Siedlungsstruktur

und öffentlichem Raum. Wie

gelingt es, in verdichteten Wohnumfeldern

Gemeinschaft zu fördern, ohne die Intimität

des Wohnens zu verlieren?

Alle Wohnungen sind durchgesteckt und

zweiseitig belichtet – zum gemeinschaftlichen

Gartenplateau und zur Nachbarschaft

hin. Dank des großen Gebäudeabstands

konnten die privaten Räume nach außen und

Küchen sowie Essbereiche zum Laubengang

hin orientiert werden. So entstehen trotz der

Dichte abgeschirmte, intime Rückzugsorte.

Stadt als Prozess, nicht als Objekt: welche

Rolle spielt Adaptivität, also die Fähigkeit

zur Veränderung über die Zeit?

Im Gegensatz zum klassischen Plattenbau

sind unsere seriellen Bauten als Skelettstrukturen

konzipiert. Tragwerk und Raumbildung

bleiben klar getrennt. Dadurch

entsteht strukturelle Resilienz, die künftige

Anpassungen ohne Eingriff in die Tragstruktur

erlaubt.

Die Gebäude wirken robust und offen –

fast prototypisch für urbanes Wohnen.

Welche Rolle spielt Materialwahl für städtische

Lesbarkeit und soziale Resonanz?

Die robuste Materialwahl und klare Lesbarkeit

der Grundstruktur spiegeln den

Maßstab der Umgebung wider. Großmaßstäbliche

Bauten mit rhythmischen Wiederholungen

prägten den Kontext – unsere

tektonische Offenlegung der seriellen

Struktur knüpft daran bewusst an.

In Berlin prägen Übergangszonen zwischen

Straße und Hof die urbane Qualität. Wie interpretieren

Sie diese Schwellenräume architektonisch

und atmosphärisch?

Das gemeinschaftliche Gartenplateau zwischen

den beiden Riegeln bildet die zentrale

Übergangszone zwischen privaten Wohnungen

und der offenen Landschaft der

Großsiedlung. Es bietet Spielflächen und

Begegnungsorte. Im Schnitt lehnt es sich

an das Straßenprofil einer Berliner Gründerzeitstraße

an, um räumliche Dichte, Privatheit

und Exponiertheit neu auszuloten. •

Zur Nachbarschaft zeigt

das Gebäude eine ruhige,

geschlossene Rasterfassade,

während sich

zur Gartenseite eine tief

gestaffelte, offene Struktur

aus Beton, Glas und

Edelstahl entfaltet.


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41

FAR frohn&rojas

OG 2

OG 1

EG

Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse

Berlin, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

Euroboden GmbH

FAR frohn&rojas Planungsgesellschaft mbH

Marc Frohn, Mario Rojas Toledo, Max Koch,

Stefan Glüder, Maxim Lefebvre, Agnes Helming,

Nezabravka Bogdanova

IB Paasche

Grundstücksfläche: 3.280 m²

Bebaute Fläche: 2.618 m²

Nutzfläche: 9.287 m²

Planungsbeginn: 01/2020

Bauzeit: 03/2022 - 03/2025

www.f-a-r.net

„Der Wohnungsbau stellt eine Nachverdichtung der

DDR-Großsiedlung Kaulsdorf Nord I dar. Er besetzt einen

Kreuzungspunkt entlang der zentralen Grünachse der

Siedlung, die Nahversorgung und Naherholung miteinander

verbindet. Das Projekt erzählt – umgeben von Plattenbauten

der 1980er-Jahre – die Geschichte des seriellen

Bauens weiter. Den seriell gefertigten Wandscheiben der

umliegenden Plattenbauten setzt es ein Skelett aus seriellen

Betonfertigteilen entgegen, die sonst im Industrieund

Gewerbebau Verwendung finden.“

Marc Frohn & Mario Rojas Toledo


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42

Urbaner Raum

Vertikale

Uferstadt

Danube Flats / Wien, Donaustadt / project A01 architects

Text: Linda Pezzei Fotos: György Palkó + Andreas Scheiblecker, Andreas Schmitzer (A01)

Mit den Danube Flats erhält Wien nicht nur seinen höchsten

Wohnturm, sondern auch ein neues Stück Stadt am

Wasser. Wo über ein Jahrzehnt lang eine Brache neben der

Reichsbrücke lag, entsteht heute ein hybrides Quartier

aus Wohnen, Hotel, öffentlichem Raum und vertikaler

Begrünung. Das Projekt von A01 architects zeigt, wie

Hochhäuser soziale Infrastruktur, Grünraum und Mobilität

neu verweben können. Ein Landmark – und ein Testfall für

urbane Dichte in Zeiten des Klimawandels.

Die 168 Meter hohen Danube Flats markieren seit

2025 nicht nur Österreichs höchsten Wohnturm – sie

besetzen auch einen städtebaulich sensiblen Punkt:

die Eingangssituation zur Donaustadt an der Reichsbrücke.

Dort, wo früher ein Kinokomplex stand und

eine schwer zugängliche Stadtbrache lag, entsteht

heute ein neues städtisches Gefüge aus Wohnen,

Hotel, öffentlicher Infrastruktur und durchgängig begrünten

Außenräumen.

A01 architects reagieren auf das heterogene Hochhauscluster

der Donau City mit einem bewusst hellen,

weich modellierten Turm, dessen Form aus aerodynamischen

Studien entwickelt wurde. Ziel war

weniger die spektakuläre Silhouette als ein besseres

Mikroklima am Boden – weniger Fallwinde, mehr

Aufenthaltsqualität. Die Überplattung der Autobahnzufahrt,

neue Verbindungen für Fußgänger:innen

und Radfahrer:innen, ein öffentlicher Platz und eine

durchgehende Grünraumkette transformieren das

Areal zu einer neuen Kante am Wasser. Ein Landmark,

das sich nicht nur in der Skyline, sondern vor

allem im Alltag des urbanen Raums verankert. u


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43

project A01 architects


architektur FACHMAGAZIN

44

Urbaner Raum

Eine neue Adresse am Wasser

Die Danube Flats bilden das östliche Pendant zum

Bürocluster der Donau City und setzen einen markanten

Abschluss an der Neuen Donau. Der 168 Meter

hohe Turm und der siebengeschossige Riegel umfassen

insgesamt 625 Wohnungen, ergänzt durch ein

Hotel, Gewerbe und soziale Infrastruktur. Zwischen

beiden Baukörpern spannt sich ein neuer öffentlicher

Platz, der das Areal mit der U-Bahn, der Donauinsel

und dem angrenzenden Wohnpark verknüpft – ein

wichtiger Schritt zur Aktivierung eines lange ungenutzten

Areals.

Die charakteristische Silhouette geht weniger auf formale

Gesten als auf funktionale Parameter zurück.

Aerodynamische Studien führten zu einer organisch

geschwungenen Geometrie, die die Windlast reduziert

und die Fallwindbildung am Boden minimiert. Der helle

Turm bildet bewusst den Kontrast zu den dunkleren,

kantigen Bürotürmen auf der gegenüberliegenden

Seite der Wagramer Straße und soll eine weichere,

wohnliche Präsenz im Hochhauscluster setzen.

Der 180-Meter-Turm markiert die neue

Eingangssituation zur Donaustadt und

verbindet Hochhauscluster, Donauinsel

und Stadtraum.


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45

project A01 architects

Die organisch geschwungene

Fassade reduziert

Fallwinde und schafft private

Außenräume – selbst

in über 150 Metern Höhe.

Sechs Kilometer begrünte

Terrassen bilden das zentrale

Gestaltungsmotiv

und bringen Natur in die

vertikale Dichte.

Vertikale Begrünung

Ein Schlüsselthema ist die Integration von Grün in

die Dichte: Rund sechs Kilometer Pflanztröge sind

entlang der umlaufenden Terrassen vorinstalliert.

Die Bepflanzung wurde gemeinsam mit der Universität

für Bodenkultur entwickelt; ein 1:1-Prototyp wurde

über ein Jahr vor Ort getestet, um Windbeständigkeit

und Bewässerungssysteme zu prüfen. Ziel

war es, privaten Außenraum für alle Wohnungen zu

schaffen – auch in großer Höhe – und gleichzeitig

den Kühlbedarf des Gebäudes zu reduzieren.

Der Turm versteht sich als hybrides Gebäude, das typische

Stadtbausteine in die Höhe stapelt: Das Hotel,

ein Restaurant, ein Supermarkt und ein Ärztezentrum

schaffen Nutzungsvielfalt im Sockel. Im Turm verteilen

sich Gemeinschaftsflächen wie Lounge, Sky Garden,

Wellnessbereich, Fitnessräume, Eventküche sowie

ein ganzjährig beheizter Outdoorpool. Diese Shared

Amenities ermöglichen Wohnmodelle, die flexibel auf

unterschiedliche Bedürfnisse reagieren – vom Einzimmerstudio

bis zum großzügigen Apartment.

Infrastruktur als Public Value

Ein entscheidender Beitrag zur städtebaulichen

Qualität liegt in den äußeren Maßnahmen: Die Überplattung

der A22-Zufahrt schafft Lärmschutz und

zusätzlichen Grünraum. Neue Fuß- und Radverbindungen

über die Rudolf-Nurejew-Promenade verbessern

die barrierefreie Erreichbarkeit. Über 1.200

Fahrradstellplätze und die Entflechtung der Wege erhöhen

die Aufenthaltsqualität. Ein öffentlicher Platz

und ein neu gestalteter Donau-Boulevard werten das

Umfeld dauerhaft auf.

Was früher eine schwer zugängliche Verkehrsinsel zwischen

U-Bahn, Straße und Ufer war, ist heute ein urbanes

Gelenk zwischen Stadt und Wasser. Die Struktur

erlaubt darüber hinaus anpassbare Grundrisse über

Generationen hinweg – ein Aspekt, den A01 als zentralen

Beitrag zur Nachhaltigkeit betrachten. Die Durchmischung

reicht von kleinen Studios bis zu großen

Familiengrundrissen. Entscheidend sei, so Andreas

Schmitzer, die Möglichkeit, Wohnraum langfristig umzunutzen

und Gemeinschaftsflächen wirtschaftlich im

Verbund mit der Hotelnutzung zu betreiben. u


architektur FACHMAGAZIN

46

Urbaner Raum

Nachgefragt bei Andreas Schmitzer von project A01 architects

Wie reagiert Danube Flats auf den Donaukorridor,

und warum wurde der Standort

für einen Turm dieser Höhe gewählt?

An der Reichsbrücke entsteht eines der

dichtesten Hochhausgebiete Wiens. Uns

war wichtig, ein wohnliches Gegenstück zu

den bestehenden Bürohochhäusern zu setzen.

Die Lage ist ideal – U-Bahn, Autobahn,

Radwegenetz und die Donauinsel direkt vor

der Tür. Wohnen am Wasser ist in Wien eine

seltene Qualität.

Wie balanciert der Nutzungsmix Wohnverdichtung

und soziale Infrastruktur – und

wie fügt er sich in Wiens Stadtentwicklungsziele?

Ein Gebäude dieser Größe funktioniert wie

ein Quartier. Der Bedarf im Bezirk wurde in

einer Umfrage erhoben: Ärztezentrum, Hotel,

Nahversorger und Gastronomie wurden

als notwendig identifiziert und in das Projekt

integriert. Eine gute Durchmischung der

Wohnungsgrößen war uns ebenso wichtig.

Welche Rolle spielt die vertikale Begrünung

in der Dichtestrategie und für die

ökologische Performance?

Alle Einheiten sollten einen echten Außenraum

erhalten – auch in großer Höhe. Rund

sechs Kilometer Pflanztröge wurden vorinstalliert.

Die BOKU entwickelte eine eigene

Studie zur Hochhausbegrünung, und wir

haben einen Prototyp ein Jahr lang getestet.

Der Bezug zur Natur musste auch in

luftiger Höhe funktionieren.

Wie adressiert das Projekt Mobilität,

Erreichbarkeit und die Aktivierung des

öffentlichen Raums?

Vor dem Projekt war das Areal eine echte

Stadtbrache. Wir haben die fußläufigen

Verbindungen massiv verbessert, eine neue

barrierefreie Brücke zur U-Bahn geschaffen

und die Radwege getrennt und begrünt. Der

gesamte Autoverkehr wird unterirdisch geführt

– oben gehört der Raum ausschließlich

Fußgänger:innen und Radfahrer:innen.

Wie reagiert der Wohnungsmix auf heutige

Wohnbedürfnisse – und welche typologischen

Innovationen wurden eingeführt?

Wir mussten bis zur letzten Minute flexibel

bleiben, weil Käufer:innen ihre Wünsche

einbrachten. Die Mischung reicht von Einzimmerwohnungen

bis zu großen Apartments

– auch in höheren Geschossen. Die

großen Gemeinschaftsbereiche funktionieren

wirtschaftlich nur im Zusammenspiel

mit dem Hotelbetrieb.


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47

project A01 architects

EG

OG 4

OG 19

Danube Flats

Wien, Donaustadt

Bauherr:

Planung:

Team:

Landschaftsarchitektur:

Interieur:

Statik:

Grundstücksfläche: 12.417 m²

Bebaute Fläche: 11.612 m²

Nutzfläche: 42.862 m²

Planungsbeginn: 2012

Baubeginn: 2019

Fertigstellung: 2025

www.a01architects.com

Danube Flats GmbH, S+B Gruppe

project A01 architects

Arch. Andreas Schmitzer,

Projektleitung: Arch. Wolfgang Kralovics

Dipl.-Ing. Karl Grimm

ARGE Labvert - Union A01 architects ZT GmbH

KS Ingenieure

„Ein Hochhaus wirkt nur dann stadträumlich, wenn

es unten mehr zurückgibt, als es oben wegnimmt.“

Maria Planegger & Andreas Schmitzer, A01 architects

© Sabine Hauswirth


architektur FACHMAGAZIN

48

Urbaner Raum

Ein Hof voller

Möglichkeiten

Gemeindebau Willi-Resetarits-Hof / Wien / PxT – Pichler & Traupmann Architekten

Text: Andreas Laser Fotos: Hertha Hurnaus

Mit dem Willi-Resetarits-Hof entstand im neuen Wiener Stadtquartier Neues Landgut

ein Ensemble, das die Tradition des Wiener Gemeindebaus fortschreibt und zugleich

neu interpretiert. Der Bauplatz liegt an einer der prominentesten Ecken des Entwicklungsgebiets:

zwischen Landgutgasse und Laxenburgerstraße, am Eingang zu einem

Quartier, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptbahnhof, Belvedere und

Schweizergarten zu einem dichten urbanen Gefüge formt. Pichler & Traupmann Architekten

reagieren auf diese Lage mit einer Architektur, die Präsenz zeigt, ohne sich

aufzudrängen, und die das urbane Umfeld nicht nur ergänzen, sondern aktivieren soll.

Eine Geste der Öffnung

Der Baukörper folgt den Vorgaben der Flächenwidmung,

doch anstatt die Blockränder dogmatisch zu

schließen, brechen die Architekt:innen die Struktur

auf und legen einen Hof frei, der als öffentlich zugänglicher

Raum das gesamte Ensemble durchzieht.

Dieses grüne Herz ist nicht Restfläche, sondern Ausgangspunkt

des Projekts: ein Ort der Durchwegung,

des Aufenthalts und der Verbindung, der sich nach

Westen zum neuen Quartiersplatz und nach Osten

zur Laxenburger Straße öffnet. Die Lage an einer

städtischen Scharnierstelle wird zur räumlichen Qualität

– zu einem Portal, das das Neue Landgut mit dem

Stadtraum verzahnt. Dass für das Projekt keine vorgegebenen

Kubaturen oder „Pixelvolumina“ definiert

waren, wird von den Architekten als entscheidender

Vorteil beschrieben. Erst diese Freiheit ermöglichte

eine Figur, die sich am Ort orientiert statt an abstrakten

Volumenvorgaben.

Die Höhenentwicklung reagiert auf das Quartiersleitbild:

Ein markanter Hochpunkt bildet ein Pendant

zur Gösserhalle und Sichtbeziehung zum Columbusplatz,

während der südliche Teil bewusst abgeflacht

wird, um Licht und Luft in den Hof zu bringen. Im

Erdgeschoss wird die Leitidee eines aktiven Sockels

umgesetzt. An der prominentesten Stelle liegt die

neueste Leihbibliothek der Stadt Wien sowie mehrere

flexibel nutzbare Geschäftsflächen.

u


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49

PxT


architektur FACHMAGAZIN

50

Urbaner Raum

An der Nordfassade

werden die Geschosse

durch horizontale Riegel

markiert, die zwei Aufgaben

erfüllen: Sie wirken

als Brandschutzriegel und

reduzieren Fallwinde, die

an dieser Quartierskante

besonders spürbar sind.

Neuinterpretation des Pawlatschenhofs

Zentrales architektonisches Motiv ist die Weiterentwicklung

des klassischen Wiener Pawlatschenhofes.

Der innere Ring aus umlaufenden Erschließungsgängen

bildet eine halböffentliche Zone, in der sich Bewegung,

Kommunikation und privater Freiraum überlagern.

Die Wohnungen beginnen nicht erst an der

Tür, sondern bereits auf dem Gang – einem Ort, der

Begegnung ermöglicht, Nachbarschaft stärkt und

Teil des alltäglichen Lebens wird. Die Architekten

beschreiben diesen Ansatz als bewusste Entscheidung

gegen anonyme Erschließungsflure. Statt paralleler

Mittelgänge entwickeln sie konische, natürlich

belichtete Zonen mit Ausblicken in den Hof und ins

Quartier. Diese Erschließung ist mehr als Wegeführung:

Sie wird zu einer räumlichen Sequenz, die das

gesamte Haus verbindet und ihm Identität verleiht.

Zugleich ist der Hof selbst fein gegliedert – Bereiche

mit stärkerer Durchwegung stehen solchen gegenüber,

die durch einen Geländesprung geschützt

liegen und als ruhige Rückzugszonen für die Bewohnerinnen

und Bewohner dienen. So entsteht ein

räumlich vielschichtiges Gefüge, das die Idee des Pawlatschenhofs

in eine zeitgemäße städtische Landschaft

überführt.

Der Innenhof ist zugleich das ökologische Zentrum

des Projekts. Durch eine Öffnung in der Tiefgarage

konnten drei großkronige Bäume gepflanzt werden,

die das Mikroklima verbessern und dem Hof eine

landschaftliche Dimension verleihen. Große versickerungsfähige

Flächen, vertikale Begrünungen an Laubengängen

und Fassadenausschnitten, Pflanztröge

und extensive Dachbegrünungen tragen zur Klimaanpassung

bei.


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51

PxT

Individuell leben, gemeinsam wohnen

Die Wohnungen selbst folgen den Vorgaben der

„Gemeindewohnungen Neu“ und sind kompakt, klar

organisiert und anpassbar. Jede Einheit ist so konzipiert,

dass sich Veränderungen in den Lebensphasen

der Bewohnerinnen und Bewohner mit geringem Aufwand

ermöglichen lassen. Die großen Nasszellen, flexible

Zimmerkonfigurationen und durchdachte Vorzonen

erlauben unterschiedliche Nutzungen – vom

Wohnen über das Arbeiten bis zur Pflege.

Der soziale Anspruch des Projekts reicht weit über die

einzelne Wohnung hinaus und setzt sich in einem fein

abgestuften Gefüge gemeinschaftlicher Räume fort.

Im Erdgeschoss öffnet sich ein großzügiger Werkstatt-

und Begegnungsraum mit Waschküche direkt

zum Innenhof; darüber liegen ein kleines Sonnendeck

im ersten Obergeschoss und eine weitläufige Dachterrasse

im vierten Obergeschoss, die mit Kleinkinderspielplatz,

Urban-Farming-Zone und einem weiteren

Gemeinschaftsraum unterschiedliche Formen

des Zusammenkommens ermöglicht. Ergänzt wird

dieses Angebot durch zumietbare Ateliers und offene

Aufenthaltsbereiche auf mehreren Ebenen, die Nachbarschaft

und Austausch stärken. Über das gesamte

Gebäude verteilte Fahrrad- und Kinderwagenräume

sowie eine durchgehende Barrierefreiheit machen die

gemeinschaftliche Nutzung alltagstauglich. u


architektur FACHMAGAZIN

52

Urbaner Raum

Die Fassadenarbeit von Johanna Kandl erinnert an das musikalische

und gesellschaftliche Wirken von Willi Resetarits. In

27 Sprachen erscheint das Wort „Mensch“ auf gemalten CDs

und Schallplatten – ein sichtbares Echo seines Engagements

für Zusammenhalt und Menschenrechte. Im Durchgang zum

Hof entfaltet sich ein Deckenbild, das an barocke Himmelsfresken

anknüpft und Liedtitel aus seinem Werk zitiert.

Ökonomisch geplant, großzügig gedacht

Das Projekt erfüllt, bei allen angeführten Qualitäten,

die Kernforderungen des Wiener Gemeindebaus

nach Effizienz und Kostensicherheit. Der Tragwerksentwurf

basiert auf einem klaren, übereinandergeschichteten

Schottensystem, das Lasten direkt über

Trenn- und Fassadenwände ableitet und so eine

wirtschaftliche Bauweise ermöglicht. Standardisierte

Spannweiten und konstruktive Aufbauten halten

die Herstellungskosten niedrig, zugleich werden

langlebige Materialien eingesetzt, um den Lebenszyklus

des Gebäudes nachhaltig zu optimieren. Dort,

wo programmatische Offenheit gefragt ist – in den

Geschäftsflächen, den Bibliothekszonen und den

Durchgängen – wird das rigide Schottensystem bewusst

in ein Stützenraster überführt, das großzügige

Raumfelder und flexible Nutzungen erlaubt. Die beiden

Baukörper sind kompakt organisiert, Aufzugsund

Stiegenanlagen wurden so optimiert, dass mit

einer minimalen Anzahl an Schächten ausgekommen

wird. Damit entsteht ein Wohnbau, der ökonomisch

präzise geplant ist, aber gerade dadurch räumliche

Spielräume eröffnet, die weit über das Erwartbare im

sozialen Wohnbau hinausgehen.


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53

PxT

OG 3

EG

Bilanz eines zeitgemäßen Gemeindebaus

In der Planung des Willi-Resetarits-Hofs zeigt sich

der Anspruch, Dichte und Freiraum in ein Gleichgewicht

zu bringen. Die kompakten Bauteile geben

Fläche frei, die als hochwertiger Grünraum an die

Bewohnerinnen und Bewohner zurückfließt. Der Hof

als öffentlicher Durchgang verbindet zwei wichtige

Quartiersebenen und wird so Teil eines größeren urbanen

Netzes. Dabei ist das Projekt weit mehr als ein

funktionaler Wohnbau. Es ist ein räumliches System,

das auf soziale Nachhaltigkeit abzielt – ein Ort, an

dem Wohnen, Gemeinschaft und Grün ineinandergreifen

und in dem der klassische Pawlatschenhof

eine zeitgemäße, atmosphärisch dichte Interpretation

erhält.

Willi-Resetarits-Hof

Wien, Favoriten

Bauherr: WIGEBA Wiener Gemeindewohnungs Bauges.m.b.H.

Planung: PxT – Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH

Statik:

Dorr-Schober & Partner

Landschaftsplanung: DnD Landschaftsplanung

Kunst am Bau:

Johanna Kandl, Wien

Grundstücksfläche: 3.254 m²

Bebaute Fläche: 2.971 m²

Nutzfläche: 11.881 m²

BGF: 16.988 m²

Planungsbeginn: 2021

Baubeginn: 2022

Fertigstellung: 2024

www.pxt.at

„Wohnen ist immer ein soziales Gefüge. Räume können

Menschen voneinander trennen oder sie miteinander

in Beziehung setzen. Unser Ziel ist es, Strukturen

zu schaffen, die Begegnung ermöglichen, ohne

sie zu erzwingen. Wenn das gelingt, wird Architektur

Teil eines lebendigen Alltags.“

Pichler & Traupmann Architekten


architektur FACHMAGAZIN

54

Urbaner Raum

Ein neuer

Mittelpunkt

Marktraum Naschmarkt / Wien, Mariahilf / Mostlikely Architecture

Text: Andreas Laser Fotos: Mostlikely Architecture &, Felix Redmann


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55

Mostlikely Architecture

Mit dem Marktraum am Wiener Naschmarkt erhält

einer der bekanntesten urbanen Räume Österreichs

ein neues räumliches und soziales Zentrum. Entworfen

von Mostlikely Architecture rund um Architekt Mark

Neuner, ist der Bau weit mehr als eine Markthalle: Er

versteht sich als offene, wandelbare Infrastruktur, die

Markt, Stadt und Gemeinschaft miteinander verknüpft

und die historisch gewachsene Marktkultur in eine

zeitgemäße Zukunft überführt.

Kaum ein Projekt der jüngeren Wiener Stadtentwicklung

wurde im Vorfeld so intensiv diskutiert wie die

Umgestaltung des ehemaligen Parkplatzareals rund

um die Kettenbrücke am Naschmarkt. Der Ort wurde

zum Brennpunkt grundlegender Fragen moderner

Stadtentwicklung. Bürgerinitiativen und Anrainergruppen

äußerten früh Bedenken – insbesondere gegenüber

der anfänglich diskutierten Idee einer massiven

Markthalle, die als Symbol einer drohenden

Kommerzialisierung gelesen wurde. Auch der Schutz

der Sichtachsen auf die Otto-Wagner-Bauten der Wienzeile

sowie der langfristige Erhalt des Flohmarkts

prägten den Widerstand. Vor diesem Hintergrund

ist der Marktraum nicht als bloßer Kompromiss zu

lesen, sondern als architektonische Positionierung

innerhalb eines hoch aufgeladenen Diskurses, in dem

nicht alle Erwartungen erfüllt werden konnten – und

auch nicht sollten.

u


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56

Urbaner Raum

Die grün lasierte

Lärchenfassade greift

das Farbspektrum

des Naschmarkts auf.

Historische Typologien

werden dabei nicht zitiert,

sondern zeitgemäß weiterentwickelt.

Vom Parkplatz zum Stadtraum

Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 2017

zurück. Im Rahmen der Vienna Biennale verwandelte

Mark Neuner gemeinsam mit dem Kollektiv Team

Wien den damaligen Parkplatz am Naschmarkt temporär

in einen offenen Stadtraum. Unter dem Titel

„Park macht Platz“ zeigten einfache Holzstrukturen

im Maßstab 1:1, welches Potenzial der Ort als gemeinschaftlich

genutzte Fläche besitzt.

Diese frühe Intervention war weniger fertige Antwort

als vielmehr räumliche Frage: Was kann ein Markt

heute sein, jenseits reiner Verkaufslogik? Die Diskussionen

dieser Zeit mündeten einige Jahre später in

ein kooperatives Verfahren, an dem Architekt:innen,

Landschaftsarchitekt:innen und Kunstschaffende

beteiligt waren. In einem politischen Umfeld, das

von Unsicherheit und widersprüchlichen Erwartungen

geprägt war – Park, Markthalle oder Erhalt des

Parkplatzes – kristallisierte sich schließlich eine

klare Dreiteilung heraus: ein neuer Park, der Erhalt

des Flohmarkts und die Stärkung des Bauernmarkts

durch verbesserte Infrastruktur.

Aus diesem Prozess ging der Wettbewerbsentwurf

von Mostlikely Architecture als Sieger hervor. Entscheidend

war dabei die Haltung, den Markt als sozialen

Raum neu zu interpretieren.


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57

Mostlikely Architecture

Räumliche Durchlässigkeit

Der Marktraum bildet heute das neue Entrée des

Naschmarkts. Seine Position vermittelt zwischen

Marktamt, bestehenden Holzpavillons, dem neuen

Naschpark und der geplanten Umgestaltung des

Flohmarktareals. Statt den Markt zu unterbrechen,

setzt der Bau die Logik der Marktzeilen fort: Die

Haupteingänge liegen exakt auf den Achsen der

bestehenden Wege, sodass die Halle wie selbstverständlich

durchquert und nicht als Hindernis wahrgenommen

wird.

Diese Durchlässigkeit ist ein zentrales Entwurfsmotiv.

Großflächig öffenbare Fassaden, ein zentraler

öffentlicher Durchgang und visuelle Bezüge zum

Vorplatz, zum Markt und zur Umgebung machen

den Bau zu einem verbindenden Element im Marktgefüge.

Besonders im geöffneten Zustand wird der

Markt raum weniger als Gebäude, denn als überdachter

Stadtraum lesbar.

Architektur als soziale Infrastruktur

Inhaltlich versteht sich der Marktraum explizit als

konsumfreier sozialer Ort. Zwar ist er Heimat von

zwölf Marktständen, einer Marktbar und gastronomischen

Angeboten, doch das Herzstück ist die

lange Markttafel: ein Ort des Zusammensitzens,

des Austauschs und der Begegnung. Hier kann man

verweilen, ohne konsumieren zu müssen – ein bewusster

Gegenentwurf zur fortschreitenden Gastronomisierung

innerstädtischer Märkte, der auch den

Naschmarkt zunehmend prägt.

Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen

Workshopraum mit angeschlossener Küche. Dieses

„Markt räumchen“ ermöglicht Kochkurse, Veranstaltungen

und Bildungsformate rund um Ernährung,

Nachhaltigkeit und regionale Lebensmittelproduktion.

Der Markt wird damit zum Wissensort und sozialen

Knotenpunkt – nicht nur für Händler:innen, sondern

auch für die Nachbarschaft.

u


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58

Urbaner Raum

Leichtbau über dem Wienfluss

Konstruktiv reagiert der Bau sensibel auf seinen

besonderen Ort. Der Marktraum ruht auf schlanken

Stahlstützen über dem historischen Wienflussgewölbe.

Dieses wurde während der Bauzeit freigelegt,

überprüft und dauerhaft überwacht. Auf dem Bestand

liegt nun eine neue Bodenplatte, die den leichten

Holzbau trägt.

Das Tragwerk besteht aus gespannten Leimbindern,

die Decke aus Brettsperrholzelementen (BSH). Die

Lastabtragung erfolgt über filigrane Stahlstützen,

um größtmögliche Offenheit und Transparenz zu gewährleisten

– ein Anspruch, der bereits im Wettbewerb

und von der Jury klar formuliert war.

Gegen die Standardbox

Besondere Aufmerksamkeit widmete das Planungsteam

der Entwicklung der Marktstände selbst. Bereits

im Wettbewerbsverfahren war klar, dass der

Marktraum keine homogene Markthalle mit standardisierten

Boxen werden sollte, sondern eine robuste,

anpassungsfähige Infrastruktur, die den sehr unterschiedlichen

Anforderungen der zukünftigen Standbetreiber:innen

gerecht wird. Die Marktstände sind

als eigenständige Holzbauten innerhalb der Halle

konzipiert und variieren bewusst in Ausstattung und

Öffnungsgrad. Während einige Stände über Entlüftungen,

Wasseranschlüsse und technische Vorrüstungen

verfügen, um Kochen oder Backen vor Ort

zu ermöglichen, sind andere als bewusst einfache

Verkaufsflächen ausgeführt. Die Stände lassen sich

teilweise vollständig öffnen, andere funktionieren als

klar gefasste Einheiten. So entsteht eine räumliche

Vielfalt, die auf die jeweiligen Produkte, Arbeitsabläufe

und Präsentationsformen reagiert – von frischen

Lebensmitteln über verarbeitete Produkte bis

hin zu gastronomischen Angeboten.

Materialität und Konstruktion der Stände folgen dem

übergeordneten architektonischen Konzept: Holz als

primäres Baumaterial sorgt für Robustheit, Reparierbarkeit

und eine warme Atmosphäre. Gleichzeitig

sind die Einbauten so ausgeführt, dass sie sich im

Laufe der Zeit anpassen, umbauen oder austauschen

lassen. Der Marktraum bleibt damit offen für zukünftige

Veränderungen – ein wichtiger Aspekt für einen

Markt, der nicht als statisches Gebäude, sondern als

langfristige soziale Infrastruktur gedacht ist.

Die Marktstände sind als flexible Holzeinbauten

innerhalb der Halle konzipiert.

Unterschiedliche Ausstattungen reagieren

auf die vielfältigen Anforderungen der

Händler:innen. Die lange Markttafel bildet

das soziale Zentrum des Marktraums. Sie lädt

ohne Konsumzwang zum Verweilen ein.


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59

Mostlikely Architecture

Materialität und Atmosphäre

Die äußere Erscheinung des Marktraums ist geprägt

von einer grün lasierten Lärchenfassade, die das

charakteristische Farbspektrum des Naschmarkts

aufgreift. Anstatt historisierend zu zitieren, übersetzt

sie die bestehende Typologie der Marktstände – mit

Falt- und Schiebeläden, Dreiteilung und Beschriftung

– in eine zeitgemäße Architektursprache.

Im Inneren dominieren hell geölte Eichenoberflächen,

die dem Raum Wärme und Helligkeit verleihen. Die

Decke aus Holzlamellen zieht sich nahtlos von innen

nach außen und verstärkt den Eindruck eines zusammenhängenden

Raums unter einem schützenden

Dach. Hinter den Lamellen verbirgt sich unauffällig

die deckengeführte Gebäudetechnik.

Besonderes Augenmerk galt dem Boden: Ein durchgehender

Terrazzoboden in changierenden Rosétönen,

gefertigt von der lokalen Firma Gierer, verbindet

Innen- und Außenraum. Das Verlegemuster nimmt

jenes des Naschmarkts auf und führt es in kräftigerer

Farbigkeit fort – ein subtiler, aber wirkungsvoller

Beitrag zur räumlichen Kontinuität.

Robuste Systeme, offene Räume

Der Marktraum ist bewusst kein klassisch beheiztes

oder klimatisiertes Gebäude. Stattdessen sorgen unterstützende

Heiz- und Kühlsysteme für moderate

Temperaturunterschiede. Der massive Terrazzoboden

dient dabei als thermisches Speichervolumen.

Eine große Luftwärmepumpe, automatische Fensterlüftung

und der weitgehende Verzicht auf aufwendige

Technik unterstreichen den Low-Tech-Ansatz.

Ziel ist ein robustes, langlebiges Gebäude, das sich

saisonal verändert: Im Sommer öffnen sich die Fassaden

vollständig, die Halle wird zur Überdachung im

Freien. An der Südseite sorgen ausfahrbare Markisen

für zusätzlichen Sonnenschutz.

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60

Urbaner Raum

Die öffentlich zugängliche Dachterrasse erweitert den

Marktraum nach oben. Als konsumfreier Stadtbalkon

bietet sie neue Perspektiven auf Markt und Stadt.


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Über dem Naschmarkt

Ein weiteres wesentliches Element des Entwurfs ist

die öffentlich zugängliche, begrünte Dachterrasse. Mit

einem Substrataufbau von bis zu 60 Zentimetern ermöglicht

sie auch größeren Pflanzen das Wachsen. Die

Pflanzgefäße sind dabei strategisch über den tragenden

Stahlstützen angeordnet und Teil eines statisch wie

räumlich abgestimmten Systems.

Als konsumfreier Stadtbalkon bietet die Terrasse neue

Perspektiven auf den Markt, die Wienzeile und den Naschpark.

Hochwertiges, individuell entworfenes Stadtmobiliar

unterstützt diesen Anspruch: Sitz- und Liegeelemente,

Tische und Aufenthaltsinseln sind bewusst

nicht als flüchtige Ausstattung, sondern als dauerhafte

Bestandteile des architektonischen Konzepts gedacht.

In Materialität, Maßstäblichkeit und Robustheit auf den

Ort abgestimmt, fördern sie unterschiedliche Formen

des Aufenthalts – vom kurzen Verweilen bis zum längeren

Aufenthalt.

Die Entscheidung für langlebiges, hochwertiges Mobiliar

folgt dabei einer klaren Haltung: Öffentliche Räume werden

dort angenommen und respektiert, wo Gestaltung

Wertigkeit vermittelt. Die Dachterrasse wird so nicht

nur zur grünen Ergänzung des Marktraums, sondern zu

einem eigenständigen, alltäglich nutzbaren Stadtraum

über dem Markt – ruhig, offen und bewusst konsumfrei.

Ein Markt im Wandel

Der Marktraum bildet das gebaute Herz eines mehrstufigen

Entwicklungsplans. Der Naschpark wurde bereits

eröffnet und dient als grüne Lunge und Treffpunkt. In

den kommenden Jahren folgen die Umgestaltung des

Areals vor dem Marktraum zur weiteren Stärkung des

Bauernmarkts sowie die Neugestaltung der östlichen

Flächen rund um Flohmarkt und Kettenbrücke als multifunktionaler

Stadtraum. Gemeinsam bilden diese Bausteine

ein neues urbanes Gefüge, in dem Markt, Park

und öffentlicher Raum ineinandergreifen.

61

Mostlikely Architecture

Marktraum Naschmarkt

Wien, Mariahilf

Bauherr: Stadt Wien / MA 59

Planung: Mostlikely Architecture ZT GmbH

Projektleitung: D.I. Mark Neuner / D.I. Marc Werner

Team:

Christian Höhl, Marlene Lötsch, Fabian Haslinger,

Irina Nalis, Felix Redmann, Laura Bein, Ritger Traag,

Soňa Langová, Xinxin Qiu, Carla Kar, Mal Ballata,

Soryun Lee, Gil Grassmann, Sabine Schertler

Projektsteuerung/ÖBA: Wiener Gewässer Management

Landschaftsplanung: D\D Landschaftsplanung

Marktexpertise:

Thomas de Martin

Statik:

Bollinger + Grohmann

TGA:

Bauklimatik & Allplan

Tiefbau:

Axis Ingenieure

Wettbewerb: EU-weiter Realisierungswettbewerb, 1. Preis

Planungsbeginn: 2017 (Vorläuferprojekt „Park macht Platz“)

Realisierung: 2024–2025

“Mit dem neuen Marktraum

erhält der Naschmarkt ein

Zentrum, das weit mehr ist als

eine Markthalle – ein offener,

wandelbarer Ort, in dem Handel,

Alltag und Gemeinschaft

ineinandergreifen.“

Mark Neuner

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62

Wiener Grünraumoffensive

WOW City

Wie Wien mit „Raus aus dem Asphalt“, Supergrätzln und der Smart

Klima City Strategie 2040 seinen Straßenraum neu erfindet.

Text: Linda Pezzei

Der Klimawandel trifft Städte zuerst – und am sichtbarsten. Wien reagiert darauf mit

einer der ambitioniertesten europäischen Transformationsstrategien: Der Straßenraum

wird zur Klimainfrastruktur, die Asphaltflächen schwinden, Grün, Wasser und

konsumfreie Aufenthaltsräume nehmen ihren Platz ein. 344 Projekte wurden bereits

umgesetzt, von der Praterstraße bis zur Bernardgasse. Doch wie greifen Strategie,

Politik, Ingenieurwesen und Bürgerbeteiligung ineinander? Und wo kollidiert der

Anspruch mit der Wirklichkeit?


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63

Wiener Grünraumoffensive

© EGKK Landschaftsarchitektur

© EGKK Landschaftsarchitektur

Supergrätzl Favoriten – vom Barcelona-Modell zur Wiener DNA

Auf einer Fläche zwischen Gudrunstraße und Neilreichgasse entsteht Österreichs erster Superblock:

mehr als 60 neue Bäume, rund 7.000 m² entsiegelt, Schulumfeld neu organisiert, Modalfilter

reduzieren Durchzugsverkehr, neue Plätze zum Spielen und Verweilen. Die Landschaftsarchitekten

von EGKK sprechen von „identitätsstiftenden Grätzlmodulen“, eingebettet in einen Teppich

aus hellem Pflaster und Grün.

Ein Sommer, der alles verändert

Es ist ein heißer Nachmittag in der Praterstraße.

Einer jener Tage, an denen Beton zu

glühen scheint und der Wind scharf wie ein

Fön weht. Genau hier, wo früher zwei Spuren

Autoverkehr dominierten, dehnt sich

heute ein kühlender Korridor aus Bäumen,

Nebeldüsen und hellem Stein. Radfahrende

gleiten über den neuen Zwei-Richtungs-Radweg,

Kinder balancieren über

den Rand des Wasserspiels am Rosl-

Berndt-Platz, Touristen sitzen im Schatten

der frisch gesetzten Bäume.

Die Temperaturen sind an solchen Stellen

nachweislich niedriger – ein Effekt, der in

Wien inzwischen politisches Programm ist.

„Unter dem Motto ‚Raus aus dem Asphalt‘

entsiegeln, begrünen und kühlen wir in der

ganzen Stadt auf Hochtouren Plätze und

Straßenzüge“, sagt Planungsstadträtin

Ulli Sima. „Damit begegnen wir den klimawandelbedingten

Hitzeinseln in der Stadt.

Zugleich nützen wir diese notwendigen

Anpassungen, um den öffentlichen Raum

attraktiver für alle zu gestalten und Wiens

international anerkannte Lebensqualität

weiter zu erhöhen.“ Wien hat sich entschieden,

seine Zukunft dort zu bauen, wo der

Alltag stattfindet: im Straßenraum.

Die strategische Ebene –

vom Klimagesetz zur Klimastadt

Was oberflächlich wie eine Reihe einzelner

Projekterfolge wirkt, ist in Wahrheit

die sichtbare Spitze eines strategischen

Unterbaus, der europaweit einzigartig ist.

Die Smart Klima City Strategie 2040, vom

Gemeinderat beschlossen, verpflichtet die

Stadt zur Klimaneutralität bis 2040 – inklusive

Klimabudget und obligatorischem Klimacheck.

Ergänzt wird sie durch das Wiener

Klimagesetz (2025), das den Rahmen

über Legislaturperioden hinweg absichert.

Dahinter liegt der Wien-Plan 2035, Wiens

aktueller Stadtentwicklungsplan, der alle

zehn Jahre neu gefasst wird. Er definiert

die nächsten Schritte: mindestens 50 %

Grünanteil, Fokus auf die klimafitte Bestandsstadt,

keine neuen Stadterweiterungsgebiete,

klare Mobilitätsachsen und

ein übergeordnetes Radwegenetz. „Der

Wien-Plan steckt den Weg für die Entwicklung

unserer Stadt in den nächsten zehn

Jahren ab – und plant das lebenswerte und

klimafitte Wien 2035“, sagt Clemens Horak,

Abteilungsleiter der Abteilung für Stadtentwicklung

und Stadtplanung. Der strategische

Rahmen ist gesetzt – doch seine

Wirkung entfaltet er auf Straßenniveau. u


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64

Wiener Grünraumoffensive

© Chrisitan Fürthner

© Chrisitan Fürthner

Praterstraße – der Klimaboulevard

Die vielleicht spektakulärste Transformation: ein 4,5 Meter breiter

Zwei-Richtungs-Radweg, über 50 Bäume, helle Beläge, sechs Trinkbrunnen,

Nebelstelen und zwei neu gestaltete Plätze. Die Praterstraße

wurde zum klimafitten Boulevard, der Leopoldstadt und Innenstadt neu

verbindet.

Wien wird WOW

„Wien wird WOW“ ist die zentrale Kommunikations- und

Transformationsplattform der Stadt Wien rund um die

klimafitte Entwicklung des öffentlichen Raums. Unter

diesem Dach bündelt die Stadt alle Projekte, die Straßen,

Plätze und Grätzl grüner, kühler und lebenswerter machen

– von Begrünungsoffensiven über Verkehrsberuhigungen

bis zu neuen Parks und Supergrätzln. Herzstück

der Initiative ist das Programm „Raus aus dem Asphalt“,

das seit 2020 über 344 Projekte in allen 23 Bezirken realisiert

hat: mit 3.316 neuen Bäumen, über 85.000 m² neuer

Begrünung, 1.952 m² Wasserspielen und umfassender

Entsiegelung vormals versiegelter Flächen. Die Projekte

folgen einer klaren Leitlinie: Schatten, Wasser, Spielen,

Verweilen. „Wien wird WOW“ macht diese Transformation

sichtbar – über die Website, Social Media und wandernde

Ausstellungen – und zeigt, wie die Stadt im Zusammenspiel

von Planung, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur

und Bürgerbeteiligung auf den Klimawandel reagiert.

Ziel ist es, Wien Schritt für Schritt zur klimafitten Millionenmetropole

zu machen, die Lebensqualität, soziale

Inklusion und Aufenthaltsqualität als zentrale Parameter

der Stadtentwicklung definiert.

© Chrisitan Fürthner

Die Universitätsstraße als urbaner Mobilitätsraum

der Zukunft – aus einer Autostraße wird

ein Mobilitätsboulevard: Öffi-Knotenpunkt,

breiter Zwei-Richtungs-Radweg und Vorrang

für Radfahrende prägen den Raum neu. 55

Bäume und bunte Staudenbeete schaffen

Schatten und Kühlung, während die historische

Prachtstraße zur Schnittstelle von

Mobilität, Klima und Lebensqualität wird.

© Chrisitan Fürthner


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65

Wiener Grünraumoffensive

„Raus aus dem Asphalt“ –

Die operative Transformation

Im August 2020 startete das erste Projekt.

Fünf Jahre später zieht Wien Bilanz:

344 umgesetzte Projekte,

85.488 m² neue Begrünung,

3.316 neue Bäume,

1.952 m² Wasserspiele,

2.745 neue Sitzgelegenheiten,

100 Millionen Euro Fördermittel, vollständig

ausgeschöpft.

Die Transformation folgt einem einfachen,

aber wirkungsvollen Leitbild für jeden neuen

Stadtraum: Schatten – Wasser – Spielen

– Verweilen. Die Initiative ist in der MA18 organisatorisch

verankert, wird aber de facto

von einem eng verzahnten Netzwerk getragen:

MA19 (Gestaltung), MA28 (Straßenbau),

MA42 (Stadtgärten), ergänzt durch

externe Ingenieur- und Planungsbüros wie

FCP und EGKK.

Wie Planung und Technik

den Kurs vorgeben

Ingenieurwesen als Klimawerkzeug – FCP

Günther Achs, geschäftsführender Gesellschafter

von FCP, sieht die Transformation

nicht als Sammlung von Einzelmaßnahmen,

sondern als Systemarbeit: „Was mir am

wichtigsten ist: ein ganzheitlicher Blick. Wir

brauchen jemanden, der aufs Ganze schaut.“

Mikroklimasimulationen gehören inzwischen

zu den Standardwerkzeugen – FCP

hat Energie, Luftschadstoffe, Lärm und

Mikroklima inhouse vereint. Zudem betont

Achs die Bedeutung der Lebenszyklusbetrachtung:

„Manchmal ist ein CO 2 -intensiveres

Material sinnvoller, wenn es 30 Jahre

hält und nicht fünf.“ Auch Partizipation

sieht er als eigene Disziplin: „Das Ergebnis

ist nur gut, wenn wir alle Menschen einbeziehen

– Bewohnende, Kinder, Geschäftsleute.

Wir haben auch unser Team in Mediation

schulen lassen.“ Und er wird deutlich:

„Wir kämpfen gegen Entscheidungsträger,

die das Thema herunterspielen oder nicht

ernst nehmen.“

Argentinierstraße – Wiens erste Fahrradstraße nach niederländischem Vorbild:

Radfahrende bestimmen das Tempo, Verkehr wird beruhigt, Querungen gesichert. 70 Bäume

und 2.800 m² entsiegelte Fläche machen sie zur grünen Klimainfrastruktur – ein Modell,

wie aktive Mobilität und Kühlung zusammengehen.

Atmosphäre als Grätzl-Infrastruktur –

EGKK

Clemens Kolar beschreibt das Super grätzl-

Design als Mischung aus klaren Aufenthaltsräumen,

hellem Pflaster, Klinkerteppichen

und einer grünen Grundstruktur. Trotz nötiger

Rettungszonen gelang es, ein Drittel

der Fläche als Grünraum auszubilden. Cooling-Spots

– Bachläufe, Nebeldüsen, Wasserspiele

– machen den Raum erlebbar und

messbar kühler. Die zukünftige Herausforderung

sieht Kolar in Nutzungskonflikten: Was

passiert, wenn viele Menschen denselben

kühlen Raum beanspruchen? Welche Ruhebedürfnisse

entstehen? Welche Dynamiken

beeinflussen Mietpreise oder Geschäftsstrukturen?

Diese Fragen werden das Supergrätzl

nach der Eröffnung begleiten.

© Toni Rappersberger

© Chrisitan Fürthner

Partizipation – Wiens wichtigster

sozialer Motor

Die Stadt Wien hat Partizipation strategisch

verankert: Das Wiener Klimateam ermöglicht

seit 2022 direkte Mitgestaltung mit

20 € Budget pro Kopf, 13 Mio. € Gesamtvolumen

und über 2.000 eingereichten Ideen.

Das Besondere im internationalen Vergleich:

Beteiligung ist kein Add-on, sondern

Pflichtteil der Smart Klima City Strategie

2040 – und reicht von Bauwerksprojekten

über Straßenraum bis zu Mikrointerventionen.

Achs bringt es auf den Punkt:

„Nicht-partizipativ geplante Projekte werden

nie wirklich angenommen.“ u

Klimaanpassung im sensibelsten Stadtraum

Wiens: Denkmalschutz trifft Klimaschutz. Neue

Bäume, helle Oberflächen und Bänke verbessern

das Mikroklima am Michaelerplatz behutsam.

Ein konsumfreier Stadtraum zwischen Welterbe

und Klimaanpassung – sichtbares Zeichen einer

langfristigen Transformation.


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66

Wiener Grünraumoffensive

Die soziale Dimension:

Wer profitiert von der Klimastadt?

Klimafitte Städte müssen faire Städte sein.

BOKU-Studien zeigen, dass „grüne Gentrifizierung“

in Wien aufgrund des hohen sozialen

Wohnbauanteils geringer ist – jeder

Prozentpunkt Sozialwohnbau senkt das

Risiko um 4–5 %. Trotzdem leben einkommensschwache

Gruppen besonders häufig

in aufgeheizten Vierteln (10., 15., 16., 17., 20.

Bezirk). Hier setzt Wien an und forciert konsumfreie

Zonen, öffentliche Sitzgelegenheiten

im 100-Meter-Rhythmus (Beispiel

Neubau), Cooling-Zonen für vulnerable

Gruppen sowie einen Schwammstadt-Aufbau,

der Bäume langfristig stabilisiert. Der

Straßenraum wird damit zu sozialer Infrastruktur

– nicht nur zu klimatischer.

Wien im internationalen Spiegel

Im internationalen Vergleich steht Wien

bemerkenswert da: Mit rund 50 % Grünund

Blauflächen ist die Stadt eine der am

wenigsten versiegelten Großstädte weltweit.

Gleichzeitig übernimmt Wien das

Superblock-Prinzip Barcelonas, passt es

jedoch an: stärker kleinteilig, mehr soziale

Infrastruktur, enger verknüpft mit dem sozialen

Wohnbau und den Mobilitätszielen.

Gleichzeitig gibt es Schattenseiten: GLO-

BAL 2000 kritisiert, dass Wien bis 2030

nur 42 % THG-Reduktion plant – statt der

wissenschaftlich erforderlichen 90–95 %.

Zudem heizen fast 50 % der Haushalte noch

mit Gas, und Projekte wie die Stadtstraße

stehen im Widerspruch zum Klimamusterstadt-Narrativ.

Ein Realitätscheck

Die Transformation ist sichtbar – aber nicht widerspruchsfrei.

Michaelerplatz: Denkmalschutz vs. Klimaschutz

Stadtstraße: 330.000 m² neuer Asphalt

Budgetdruck 2024/25: Fördermittel ausgeschöpft

Verkehrsverbände kritisieren Modalfilter

Bürgerkonflikte entstehen dort, wo Nutzungserwartungen auseinandergehen

Fossile Abhängigkeit bleibt eine strukturelle Schwäche

Doch gerade diese Konflikte machen die Transformation glaubwürdig und politisch relevant.

© EGKK Landschaftsarchitektur / Mathis Wachsmuth; Andreas Buchberger

Statt Verkehrskorridor: ein 250 Meter langer grüner Park.

37 Bäume, Stauden und neue Sitzbereiche verwandeln die Wagramer

Straße in eine Kühlungsachse für die dicht bebaute Donaustadt – und

zeigen, wie Verkehrsadern zu Freiräumen werden.

© EGKK Landschaftsarchitektur / Mathis Wachsmuth; Andreas Buchberger


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67

Wiener Grünraumoffensive

Gute Aussichten –

die Klimastraße als Standard

„Raus aus dem Asphalt“ war der Anfang.

Der nächste Schritt ist, die Prinzipien in

die Breite zu bringen: mehr Bäume, mehr

Wasserspiele, mehr Schwammstadt, mehr

sozial gerechte Aufenthaltsräume. Der

Wien -Plan setzt dafür neue Kennzahlen:

Der Baumüberschirmungsgrad wird zum

verbindlichen Richtwert – europaweit ein

Novum. Die zukünftige Klimastadt entsteht

nicht in großen Visionen, sondern im Alltag:

Dort, wo ein Kind Schatten findet. Wo ältere

Menschen konsumfrei sitzen können. Wo

ein Bachlauf die Luft kühlt. Wo eine Gasse

zur Begegnungszone wird.

Oder, wie Günther Achs es formuliert: „Eine

Stadt ist dann gelungen, wenn Menschen

sie von selbst nutzen – nicht, wenn sie perfekt

geplant wurde.“ Wien hat begonnen,

genau diese Stadt zu bauen.

Park statt Parkplatz. 70 Bäume und

Liegewiesen über dem Wienfluss machen

den Naschpark zur konsumfreien Oase in

der Innenstadt. Der Raum kühlt messbar

ab, das Flussufer wird wieder erlebbar –

ein Zeugnis für Entsiegelung und soziale

Aufenthaltsqualität.

© Chrisitan Fürthner

© Luiza Puiu

240 Bäume, 41 Nebelstelen und vier verkehrsberuhigte

Seitengassen kühlen das Mikroklima

der Thaliastraße spürbar. Schatten und Wasser

machen den Boulevard zum lebendigen Raum für

Alltag, Begegnung und lokale Wirtschaft.


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68

Naturstein

© Petra Kellner

Stein passt immer

Ob Fassade, Wand oder Boden – kein Werkstoff vereint Ästhetik,

Zweckmäßigkeit und Ökologie so perfekt wie Naturstein.

Text und Fotos: Richard Watzke (soweit nicht anders angegeben)

Pinterest hat seinen neuen Trendbericht vorgestellt

– basierend auf zwei Jahren Suchdaten, die anzeigen,

welche Themen 2026 an Bedeutung gewinnen. So

unterschiedlich die einzelnen Gestaltungsrichtungen

sind, haben sie doch einen gemeinsamen Nenner: Der

Minimalismus im Interior-Bereich verliert deutlich an

Schwung. Statt bravem Ton-in-Ton darf es farbenfroh

und opulent zugehen. Vorbei ist die Zeit beiger Zurückhaltung

und nicht nur in der Mode sind mutige

Stilmixe und Farbkombinationen angesagt.

Die Abkehr vom neutralen Beige markiert mehr als

einen Stilwechsel. Sie signalisiert eine Verschiebung

im Denken über Räume: weg vom glatten, beruhigten

Hintergrund, hin zu ausdrucksstarken Atmosphären

und Materialien mit sinnlicher Haptik. Weg von der

glatten Fläche, hin zur Textur heißt nichts anderes

als: Räume haben eine Geschichte und dürfen diese

auch erzählen. Designer in der Erlebnisgastronomie

mit Massivholz-Dielen, rauen Vertäfelungen oder

Theken in Antik-Optik zelebrieren das seit Jahren

schon. Kein Laminat, sondern das echte, volle Holz

in ganzer Natürlichkeit. Bei Naturstein verhält es sich

genauso. Strukturierte Steine sind beliebter denn je,

Sorten mit Kristallen, groß wie Handteller oder darü-


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69

Naturstein

ber, zieren die Schauräume von Raumausstattern. Für

Gestalter bedeutet das, natürliche Materialien und

Oberflächen als Charakterträger im Designprozess

wieder stärker zu gewichten. Eine Fassade oder ein

Bodenbelag sind nicht nur „oberflächliche“ Teile des

Gebäudes oder seiner Räume, sondern Träger einer

Gestaltungshaltung. Sei es aus praktischen oder aus

ästhetischen Gründen – jede Materialwahl beruht auf

bewussten Entscheidungen. Naturstein befindet sich

dabei in einer besonderen Position.

Emotion, Haptik und Tiefe

Wenn neutrale Paletten und reduzierte Einheitsästhetik

an Wirkung verlieren, entsteht ein neuer

Wunsch nach Individualität. Räume sollen nicht länger

unsichtbar funktionieren, sondern Persönlichkeit

ausstrahlen. Naturstein erfüllt diese Erwartung auf

zwei Ebenen: durch seine physische Präsenz und

durch narrative Qualitäten. Jede Platte ist ein Unikat

– mit bloßem Auge erkennbare Sedimentlinien, lebhafte

Kristallgefüge, Fossilien und andere Einschlüsse

sind keine Dekoration, sondern erzählen die Geschichte

des Materials. Statt neutraler Kulisse kann

Stein nun zum Anker eines Raums werden, der Emotion,

Haptik und visuelle Tiefe schafft. Seine Schönheit

wirkt nicht aufgesetzt, sondern gewachsen. Für

Interior-Design bedeutet das: Räume, die wieder

Charakter zeigen dürfen, aber dennoch Ruhe ausstrahlen

– getragen von Materialien, die Geschichten

erzählen und Zeit überdauern.

u

1

2

1 Brauner Dolomit prägt

das QuellenReich Spa in

Velburg von Berschneider

+ Berschneider

Architekten, Pilsach.

2 Spieglein Spieglein…:

Dieser Raumteiler ist

der heimliche Star im

Badezimmer.


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70

Naturstein

3

Für Planer stellt sich die Frage, wie dieser Ausdruckswille

gesteuert werden kann, ohne ins Ornamentale

abzurutschen. Die Antwort liegt im Material selbst,

in seiner Entstehung, seiner Petrogenese. Naturstein

ist von Natur aus „fertig“, war schon immer so und

wurde nicht erst am Computer entworfen wie indu s-

trielle Werkstoffe. Selbst kräftige Strukturen beruhen

auf natürlichen Prozessen und wirken dadurch organisch,

nicht künstlich. In Interiors, die wieder Farbe,

Textur und mutige Kompositionen zulassen, wird

Stein zum verbindenden Element. Er erdet, vermittelt

Beständigkeit und verankert Materialvielfalt in einer

natürlichen Ordnung.

Gestalterisch eröffnet sich damit ein größeres Spielfeld.

Die Gewinner sind regionale Steine mit charaktervollen

Tönen: warme Kalksteine, dunkle Granite,

rötliche Quarzite oder strukturreiche Travertine. Die

Vielfalt ermöglicht bewusst gesetzte Akzente – etwa

als Inselplatte, Wandpaneel, Tisch oder bodenstehendes

Objekt. Gleichzeitig erlaubt Stein subtile

Übergänge zwischen Architektur und Einrichtung, da

er in beiden Welten verankert ist: als Baukörper und

als Möbeloberfläche.

u

4

3 Wenn schon beige,

dann bitte mit Textur: Die

Wandgestaltung kombiniert

raue und glänzende

Oberflächen.

4 Naturstein darf in Würde

altern: Theke aus

St. Margarethener

Kalksandstein in einem

Heurigen.


CASAWEST GmbH

4055 Pucking

office@casawest.at

www.casawest.at

Sölker Marmor

Bergbau

8961 Sölk

office@soelker.at

www.soelker.at

Poschacher Natursteine

Baustoffhandel GmbH

4310 Mauthausen

office@poschacher.com

www.poschacher.com

Lauster

Naturstein GmbH

9971 Huben/Osttirol

st.johann@lausternaturstein.at

www.lausternaturstein.at

Kienesberger

Steinmetzmeister

4707 Schlüßlberg

office@kienesberger-stein.at

www.kienesberger-stein.at

Steinmetzbetrieb

Wolfgang Ecker

2514 Traiskirchen

office@ecker-stein.at

www.ecker-stein.at

Steinmetzmeister

Dietmar Steller

4600 Wels

office@steller-stein.at

www.steller-stein.at

Schreiber & Partner

Natursteine

2170 Poysdorf

office@sp-natursteine.at

www.sp-natursteine.at

Marmor

Industrie Kiefer

5411 Oberalm

office@marmor-kiefer.at

www.marmor-kiefer.at

Josef Kogler

Steinbruch & Schotterwerk

9554 St. Urban

kogler.naturstein@aon.at

www.kogler-natursteinwerk.at

Gustav Hummel

GmbH & Co KG

2452 Mannersdorf

info@hummel-stein.at

www.hummel-stein.at

Stone4you

Steinmetzbetriebe

2020 Hollabrunn

office@stone4you.at

www.stone4you.at

Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen

vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,

welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer

Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen

www.pronaturstein.at


architektur FACHMAGAZIN

72

Naturstein

© Yair Haklai, CC

5


www.architektur-online.com

73

Naturstein

6

Für Innenarchitektur wird damit ein gestalterischer

Vorteil greifbar. Naturstein kann Kontraste moderieren

– zwischen kräftigen Wandfarben und weichen

Textilien, zwischen expressiven Mustern und ruhigen

Flächen. Er gibt Räumen Gewicht, ohne dominant zu

wirken. Zudem entspricht sein Einsatz dem wachsenden

Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Beständigkeit:

Authentische, langlebige Materialien gewinnen

gegenüber kurzlebigen Beschichtungen.

Identität ohne Lautstärke

Die Preisfrage lautet: Was bedeutet das für die Praxis?

Architekt:innen und Innenarchitekt:innen müssen

Materialberatung wieder aktiv als kuratorische

Aufgabe verstehen. Die Auswahl eines Steins ist

nicht länger „neutraler Hintergrund“, sondern konzeptuelle

Entscheidung. Herkunft, Textur, thermische

Eigenschaften, Bearbeitbarkeit und Alterungsverhalten

rücken stärker in den Fokus. Gleichzeitig

erweitert Stein das gestalterische Repertoire – gebürstet,

beflammt, satiniert oder gar spaltrau wirkt

er jeweils anders und beeinflusst Licht, Haptik und

Anmutung. Der Mut zur Farbe und Haptik ist kein

Aufruf zur Überfrachtung, sondern zur bewussten

Sinnlichkeit. Gerade weil er Identität ohne Lautstärke

schafft, bietet Naturstein innovativen Gestaltern als

ein Schlüsselmaterial in dieser Entwicklung unendliche

Möglichkeiten.

5 Langlebige Jugendstilikone

im Steingewand:

Die Casa Botter gilt als

eines der berühmtesten

Gebäude Istanbuls.

7

6 Es muss nicht immer

glatt gelackt sein:

Beflammte Steinpaneele

strahlen Solidität aus.

7 Individuelles Küchendesign:

Die lebhafte

Struktur der roten

Brekzie kontrastiert mit

den kühl glänzenden

Metallfronten.x


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74

Naturstein

Wiener Ikone

Das Hotel Sacher ist Inbegriff österreichischer Gastkultur. Bei der Gestaltung vom

Café und Verkaufsbereich im Sacher Eck unterstreicht die hochwertige Naturstein-Ausstattung

den Anspruch des weltbekannten Traditionshauses.

Text und Fotos: Richard Watzke

1


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75

Naturstein

2

Prominenter könnte die Lage kaum sein: Vis-à-vis

der Wiener Staatsoper, am Beginn des Fußgängerbereichs

der Kärntner Straße, begrüßt das Sacher

Eck seine Gäste. Ende 2017 wurde das Sacher Eck als

Café und Confiserie des Hotel Sacher nach sorgfältiger

Vorbereitungsphase durch das Wiener Architekturbüro

BWM einem Refurbishment unterzogen. Die

Leitlinien für die Umgestaltung wurden in intensiver

Kooperation mit der Eigentümerfamilie als Bauherrin

entwickelt. Auf dem Fundament der großen Tradition

des Hauses Sacher aufbauend sollte mit zeitgenössischen

Designelementen und einer modernen

Infrastruktur ein Diskurs zwischen Alt und Neu angeregt

werden, schildert der auf exklusive Interior

Designs spezialisierte Bürogründer Erich Bernard

das Konzept. Das Ergebnis ist eine Neuinterpretation

der klassischen, imperialen Wiener Interieurs.

Bordeauxrot, Gold und Schwarz als Sacher-Farbtöne

werden mit schwarzen und weißen Natursteinen sowie

Messing und dunklem Holz kombiniert. Ergänzend

zur bereits bestehenden Confiserie entstand

durch einen Deckendurchbruch ins Mezzanin ein

zusätzlicher Gästebereich.

u

1 Das Rautenmuster

des Marmorbodens

korrespondiert mit der

kassettierten Decke.

3 Die messingfarbenen

Kanten der Theke zitieren

die Einleger der Wandbekleidung.

3

2 Blickfang im Mezzanin:

Monolithischer Tresen aus

Carrara-Marmor mit rund

gefrästen Stirnflächen.


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76

Naturstein

4

Marmor für die Original Sacher-Torte

Erschlossen wird das Sacher Eck von der Kärntner

Straße aus. Der Haupteingang führt in einen zentralen

Empfangsbereich zwischen Café auf der linken

Seite und Confiserie auf der rechten Seite. Ein

allseits mit weißem Carrara-Marmor bekleideter

Kassentresen fungiert als Schranke beider Bereiche,

die sich durch das Licht- und Farbkonzept voneinander

abheben. Für das Mobiliar zur Präsentation der

hauseigenen Produkte wählten die Gestalter eine

Kombination aus weißem Marmor und Messing. Vor

der ebenfalls mit Carrara-Marmor bekleideten Regalwand

werden die in den traditionellen Sacher-Farben

verpackten Produkte hochwertig inszeniert. Weißer

Marmor ist hierbei nicht nur ein nobler und neutraler

Hintergrund, sondern zugleich Referenz an die Wiener

Kaffeehaus-Atmosphäre und die Produktion der

Original Sacher-Torte in traditioneller Handarbeit.

Während die hell beleuchteten Marmorflächen die

Confiserie prägen, ist das Café in dunklen, intimen

Tönen gehalten. Schwarzer Marmor mit durchlaufender

Textur dient als Wandbekleidung und verleiht

auch der Bar an der Rückseite des Cafés eine elegante

Erscheinung. Der rautenförmige Natursteinboden

in Schwarz und Weiß und die in ihrer Formensprache

darauf abgestimmte, kassettierte Holzdecke verbinden

beide Raumbereiche.

Für Wandflächen und Möbel verarbeiteten die Steintechniker

des Natursteinbetriebs Schreiber & Partner

200 Quadratmeter Carrara Statuarietto sowie 50

Quadratmeter Nero Marquina, die Bodenbeläge sind

eine Kombination aus Carrara Statuarietto und dem

Kalkstein Belgisch Blue. Bei der Bar und den Arbeitsplatten

kommen Carrara Statuarietto, Nero Marquina

sowie der Granit Nero Assoluto zum Einsatz. Besonders

beanspruchte Teilbereiche der Theken und Arbeitsflächen

aus Carrara-Marmor wurden mit einer

Two Lux-Beschichtung aus Spezialglas ausgeführt.

4 Die traditionellen

Farben des Hotel Sacher

prägen das gesamte

Innenraumdesign.

5 Café-Bereich im Sacher

Eck: Klassische Wiener

Kaffeehaus-Kultur funktioniert

am besten mit

echtem Naturstein.

5

Sacher Eck

Auftraggeber: Sacher Hotels Betriebsges.m.b.H.

Gestaltung: BWM Architekten und Partner ZT GmbH

bwm.at

Natursteine:

Boden: Carrara Statuarietto, Belgisch Blue

Wände: Nero Marquina, Carrara Statuarietto

Tische: Carrara Statuarietto

Bar und Arbeitsplatten: Carrara Statuarietto,

Nero Assoluto, Nero Marquina

Natursteinarbeiten:

Schreiber & Partner Natursteine, Poysdorf

sp-natursteine.at


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77

Naturstein

Emotion mit Naturstein

Ein Raum wird geprägt von der Wahl der Werkstoffe und ihrer Oberflächenbearbeitung.

Architekt und Interiordesigner Erich Bernard von BWM Architekten

erläutert, welche Aufgabe Naturstein dabei erfüllt.

Ist Naturstein Luxus- oder Vernunftmaterial?

Weder noch. Je nach Verwendung und Verarbeitung

spiegelt Naturstein Luxus wider, kann aber

auch eine Atmosphäre von Authentizität erzeugen.

Ein reines Vernunftmaterial ist Naturstein nie. Entscheidend

ist die Art der Bearbeitung. Gebürstet,

geschliffen, gestrahlt oder poliert – die Oberfläche

prägt maßgeblich die Anmutung eines Raumes. Am

liebsten ist uns, wenn ein Material seine Natürlichkeit

entfalten kann und auf diese Weise die Qualität

eine Raumgestaltung unterstreicht. In bestimmten

Fällen nutzen wir Naturstein für eine punktuelle Aufwertung,

beispielsweise in Form eines besonderen

Waschbeckens oder eines Pultes.

Welchen Stellenwert hat Naturstein in

der Spitzengastronomie?

Eine Theke aus Naturstein drückt aus, dass hier

bewusst für eine lange Nutzungsdauer investiert

wurde. Ich bin überzeugt, dass man jede Form von

Energie spürt, die in ein Objekt eingebracht wurde,

sei es manuell oder mit Hilfe von Maschinen. So wie

Bildende Kunst stets eine Auseinandersetzung mit

einem Material und Thema ist, ist die Präzision und

Bearbeitungsmethode am fertigen Produkt anhand

der Steinoberfläche ablesbar.

Erleben Marmor und andere natürliche Steine

eine Renaissance im Innenraumdesign?

Naturstein ist ein Klassiker, der nie ganz verschwunden

war. Die intensivere Auseinandersetzung von

Planern und Designern hat dazu geführt, dass man

nicht einfach von einem „Marmor“ oder „Granit“

spricht, sondern viel stärker differenziert. Die natürliche

Vielfalt des Werkstoffs und der Respekt davor

kommt in aktuellen Projekten stärker zur Geltung.

Wir haben in unserem Büro rund 300 Steinmuster

zur Auswahl vorrätig.

Welche Anforderungen stellen Sie an Werkstoffe?

Zuallererst muss die technische Funktionalität gegeben

sein. Ebenso achten wir auf eine starke ästhetische

Komponente. Dabei prüfen wir, was das Material

ausdrückt und erzählt. Ein eigenes Kapitel ist

die Haptik; die Oberfläche ist der Berührungspunkt,

an dem der Mensch mit der Architektur zusammenstößt.

Material und Oberfläche müssen zueinander

passen, denn wie jedes Material ist Naturstein ein

Vermittler und Träger von Emotionen. Daher ist diese

nur Bruchteile von Millimetern dünne Kontaktzone

zwischen der menschlichen Haut und dem architektonischen

Objekt so entscheidend. Bei jedem

Stein testen wir die spezifische Wirkung anhand verschiedener

Oberflächenbearbeitungen.

Wie entwickeln Sie ein Raumdesign?

Wir beginnen jedes Projekt über das Materialkonzept

und untersuchen, welche Bezüge es inhaltlich

zwischen Thema und Ort gibt. Bei einem Projekt am

Meer verwenden wir Materialien mit Bezug zum Thema

Wasser. Beim Sacher Eck haben wir recherchiert,

welche Materialien typisch für Wien sind. Je präziser

ein Konzept ist, desto weniger unterschiedliche Materialien

benötigt man. Dann ordnen wir die Materialien

dem Raum, dem Mobiliar und den Oberflächen

zu. Anregungen haben wir beispielsweise bei den

Marmor-Bodenbelägen im Kunsthistorischen Museum

gefunden, die Kombination aus weißem und

schwarzem Stein ist aber generell charakteristisch

für die Raumausstattung Wiener Kaffeehäuser; bei

Böden und Wänden, aber auch in Form weißer oder

schwarzer Tische. Letztlich spiegelt die Farbkombination

das weltbekannte Erscheinungsbild des Hotel

Sacher wider. Zum Spiel mit den Farben Weiß und

Schwarz haben wir roten Samt, Holz und die Farbe

Gold kombiniert.

Erich Bernard ist Gründungspartner

und einer

der Visionäre hinter dem

Architekturbüro BWM.

Die Gestaltung exklusiver

Interior Designs ist eine

seiner Kernkompetenzen.


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Produkt News

Umweltverträgliches

und nachhaltiges Licht

Jedes Außenbeleuchtungsprojekt steht vor vielfältigen Anforderungen, die in einer

einzigen, effizienten Lösung vereint werden müssen: Gewährleistung von Sicherheit

und Schutz bei Nacht durch effektive Beleuchtung, Berücksichtigung lokaler

Umweltanforderungen und nahtlose Integration in die Architektur – und gleichzeitig

Schaffung eines Lichterlebnisses, das die Sinne emotional anspricht.

BEGA Leuchten erfüllen das Grundbedürfnis maximaler

Sicherheit dank wirksamer Beleuchtung, stellen

zudem die Umweltverträglichkeit in den Mittelpunkt

und transportieren die Emotionalität von Lichtinszenierungen.

Um sicher zu beleuchten und dabei ökologisch

verantwortungsvoll zu handeln, sind die Produkte

mit etlichen Features ausgestattet, die Flora

und Fauna wirksam schonen. Mit leicht einzurichtender

und zu bedienender Lichtsteuerung wird auch

das Energiesparen in maximal effizientem Umfang

berücksichtigt. So entstehen Beleuchtungsgesamtpakete

von besonderer Qualität. Etwa mit den Leuchten

der Auswahl „Dark Sky“, die ihr Licht hocheffizient

auf die zu beleuchtende Fläche richten und weniger

als ein Prozent ihres Leuchtenlichtstroms in den oberen

Halbraum der Leuchte abgeben. Der Schutz des

Nachthimmels ermöglicht nachtaktiven Tieren die

Orientierung – ohne dass auf eine effiziente Beleuchtung

verzichtet werden muss.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


www.architektur-online.com

Modularität, die

Räume schafft

Mit CUBUS präsentiert NUSSER Stadtmöbel ein modulares

Gestaltungssystem, das den urbanen Außenraum

neu denkt. Die Serie verbindet Sitz- und

Liegeflächen sowie Pflanzgefäße zu einem flexiblen

Baukasten, der sich präzise an die Anforderungen moderner

Stadt- und Freiraumgestaltung anpassen lässt.

Die CUBUS-Pflanzgefäße verfügen dabei über großzügige

Pflanzenvolumen, die selbst kleinere Bäume

aufnehmen können: So entstehen wirkungsvolle Verschattungs-

und Kühlungseffekte für die klimaresiliente

Stadt der Zukunft.

Die kompakten Stahlelemente des Systems wieder erlauben

eine unkomplizierte Montage ohne schweres

Gerät. Dadurch lässt sich CUBUS selbst an anspruchsvollen

Orten – etwa auf Dachflächen, Zwischendecks

oder innerstädtischen Bestandsstrukturen – effizient

einsetzen. Das System wird damit zu einem präzisen

Werkzeug für Planende, die robuste, flexible und zukunftsfähige

Stadtlandschaften entwickeln - für dauerhaft

geplante Flächen ebenso wie für reversible

Stadtraumkonzepte.

79

Stausberg Stadtmöbel GmbH

T +43 (0)7258 5711

info@stausberg.at

www.stausberg.at

Produkt News

Nachhaltige Stadtentwicklung

mit Begrünungssystemen vom Marktführer

Zunehmender Flächenversiegelung

entgegenwirken, Regenwasser

regulieren, die Kanalisation entlasten,

das Stadtklima verbessern und

Aufenthaltsorte zum Wohlfühlen

schaffen.

OPTIGRÜN macht’s möglich!

Optigrün international AG | optigruen.at


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80

Produkt News

Weiche Formen, Komfort und Stil

Mit den richtigen Farben, Materialien, Formen und Lichtquellen lässt sich selbst ein

nüchternes Büro in eine inspirierende Umgebung verwandeln. Schon kleine Details

durchbrechen sterile Grau- und Weißtöne und verleihen dem Büro Behaglichkeit.

Neben Farben spielt auch die Formensprache eine

große Rolle: Runde Tische, sanft geschwungene

Stühle oder ovale Leuchten wirken ausgleichend zu

den oft strengen Linien klassischer Büroausstattung.

Ein wohnliches Büro entsteht also, wenn sich Ergonomie

und Gemütlichkeit ergänzen: Möbel, die Wärme

ausstrahlen, Farben, die inspirieren, und eine Gestaltung,

die sich harmonisch in die Umgebung einfügt,

machen den Unterschied.

HEJ vereint die Ergonomie eines modernen Bürostuhls

mit der Behaglichkeit eines Polstersessels –

und bringt damit das Beste aus beiden Welten an den

Arbeitsplatz. Mit seinen weichen, runden Formen,

der ergonomischen S-Form und einer verstellbaren

Lordosenstütze bietet der Drehstuhl HEJ höchsten

Sitzkomfort. Besonders charakteristisch ist der

großzügige Einsatz von Stoff, der nicht nur optisch

Wärme und Behaglichkeit vermittelt, sondern auch

das Sitzen spürbar angenehmer macht. HEJ wurde

2024 mit dem Red Dot Award ausgezeichnet und ist

Winner beim German Design Award 2025 in der Kategorie

Excellent Product Design – Office Furniture.

Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 61 64 113

oesterreich@interstuhl.com

www.interstuhl.com


www.architektur-online.com

81

Produkt News

Perfekt für moderne Büros

Die neue se:café bar von Sedus ist die Antwort auf die Anforderungen der modernen

Arbeitswelt, in der Orte der Begegnung eine wichtige Rolle spielen. Entwickelt

vom Designer Konstantin Thomas ist diese Bar ein soziales Instrument, das Kommunikation,

Begegnung und Offenheit fördert.

Mit einem zeitlosen Design und modularer Vielseitigkeit

fügt sie sich harmonisch in jede Büroumgebung

ein. Ob als wandorientierte Cateringzeile, Raumteiler

oder Insel – die Module sind flexibel einsetzbar und

schaffen eine informelle, einladende Atmosphäre für

Small Talk und Austausch. Dank der durchdachten

Produktgestaltung ist sie nicht nur ein optisches

Highlight, sondern auch funktional und bietet alle nö-

tigen Features, die in einem Büro gefragt sind. Dank

der selbsttragenden Konstruktion und eines verdeckten

Installationsbereichs sind die Module unkompliziert

zu integrieren, ohne bauliche Anpassungen

vornehmen zu müssen. So bietet die Kaffeebar die

besten Voraussetzungen, Menschen natürlich, funktional

und zukunftsgerichtet zusammenzubringen.

Sedus Stoll GmbH

T +43 (0)1 98294170

sedus.at@sedus.at

www.sedus.com


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Gastlichkeit beginnt im Raum

Die Auswahl der richtigen Objekteinrichtung spielt in Gastronomie und Hotellerie

eine zentrale Rolle. Möbel, die Design und Funktion vereinen, Markenidentität

transportieren und sich nahtlos in unterschiedliche Hospitality-Bereiche integrieren,

bilden die Grundlage für eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Von der Lobby über gemütliche Lounge-Bereiche

bis hin zu Zimmern, Suiten, Restaurants

sowie Seminar-, Konferenz- und

Eventräumen entstehen Einrichtungslösungen,

die durch klare Formen, hochwertige

Materialien und modulare Konzepte

überzeugen. Gleichzeitig unterstützen die

Möbel reibungslose Abläufe im Betrieb: Sie

sind flexibel einsetzbar, leicht zu bewegen,

langlebig verarbeitet und für den intensiven

Alltag gemacht. Funktionale Details, durchgängige

Designlinien und hohe Materialqualität

sorgen dafür, dass Räume nicht nur

ästhetisch wirken, sondern auch langfristig

bestehen. Ob Fine-Dining oder Outdoor-Bereich,

Business-Meeting oder festliche Veranstaltung

– die Einrichtung passt sich mühelos

an unterschiedliche Anforderungen

an, ohne ihren Charakter zu verlieren. So

entstehen Räume, die nicht nur funktionieren,

sondern inspirieren – und die den Aufenthalt

für Gäste unvergesslich machen.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Mit britischem Charme

Der Stadtentwicklungsgesellschaft Hansestadt Herford lag viel daran, die Originalsubstanz

des ehemaligen Kasernengebäudes zu erhalten und das Gebäude

zügig nutzbar zu machen. Mit der Start-Up Lounge sollte darin ein belebter und

vielseitiger Treffpunkt im Zentrum des Quartiers für Kongresse, Lesungen oder

Meetings entstehen.

Entsprechend flexibel fiel die Gestaltung und Möblierung

der großzügigen Lounge aus, in der zudem eine

Wandgestaltung in kräftigem Royalblau und Tannengrün

für den passenden Rahmen sorgt. Ein kräftiger

sowie ein zarter Grünton wechseln sich mit zwei

Blautönen ab, unterbrochen von originalen Backsteinwänden.

Eingesetzt wurden dabei Produkte vom

Farbenspezialisten Brillux: Für die innenliegenden

Wände das Allroundprodukt Superlux 3000, das insbesondere

bei kritischen Lichtverhältnissen punktet.

An der Fensterfront war eine sehr große Diffusionsoffenheit

gefragt – der ideale Einsatzbereich für die

hochdeckende Silikat-Innenfarbe Profisil 1906. Für

die Fassadengestaltung fand eine Außendispersion

des Farben- und Lackherstellers Verwendung – in

diesem Fall Extrasil 1911.

Brillux Farben GmbH

T +43 (0)732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


architektur FACHMAGAZIN

84

Produkt News

Alte Hülle, neuer Kern

Wo einst das Aroma von frisch gerösteten Cornflakes die Luft erfüllte, entsteht in

Bremen in einer lange leerstehenden Industriebrache aktuell ein urbanes Quartier.

Der imposante Silo, der immer noch den ikonischen Kellog‘s-Schriftzug auf dem

Dach trägt, beherbergt seit August 2024 das „John & Will Hotel“, benannt nach den

beiden Gründern der berühmten Cornflakes-Marke, John und Will Kellogg.

Die nach Plänen von Delugan Meissl Associated Architects

eingebauten 117 Hotelzimmer bieten einen

unvergleichlichen Blick auf die Bremer Skyline und

die markante Zimmerform macht die „Stuuv“, wie die

Zimmer hier auf Plattdeutsch genannt werden, zu

etwas ganz Besonderem.

Bei der Auswahl der Türen dieses Projekts setzten

die Verantwortlichen auf Produkte des Türen- und

Torherstellers Teckentrup: Zum Einsatz kamen dabei

neben Stahltüren auch Rohrrahmentüren aus

Aluminium und Glas, die gerade für Räume mit

hohen ästhetischen Anforderungen eine designorientierte

Alternative bieten. Einzigartig ist dabei

die falzoffene Profilgeometrie der Schüco FireStop

Plattform, die den Nachhaltigkeitsansprüchen des

Hotels vollkommen entspricht. Sie ermöglicht selbst

Anpassungen im laufenden Betrieb, ohne dass die

Zulassung beeinträchtigt wird. Sie sind Cradle to

Cradle zertifiziert und ermöglichen bei Nutzungsänderungen

eine flexible nachträgliche Umrüstung der

Türen – etwa zusätzliche Kabel zur Elektrifizierung

der Türen, den Tausch der Schlosstechnik oder die

Nachrüstung von automatischen Bodendichtungen.

Teckentrup GmbH & Co. KG

T +43 (0)676 674 31 30

stephan.rist@teckentrup.biz


www.architektur-online.com

85

Produkt News

Großformatiges Relief

im Wiener Künstlerhaus

Iris Kohlweiss realisierte für die Ausstellung „Raumerkundungen“ ein rund 4 mal

4 Meter großes Relief auf weißen Max Compact Interior-Platten, in die eine Zeichnung

eingefräst wurde. Das Werk thematisiert Raumwahrnehmung über Licht

und Bewegung und zeigt, wie künstlerische Form und architektonischer Kontext

aufeinandertreffen.

Das Relief basiert auf einem komplexen Linien- und

Formsystem, das organische und geometrische Elemente

verbindet. Für die Künstlerin markiert dieses

Werk eine Materialwende: von Papier und Textil hin

zu einem festen Werkstoff, der neue Möglichkeiten

für Wahrnehmung und Resonanz eröffnet.

Die Stabilität, Dauerhaftigkeit und Präzision der

Max Compact Interior-Platten waren entscheidend

– genauso wie die homogene, matte Oberfläche, die

besondere visuelle Tiefe erzeugt und die Linienführung

betont. Die Umsetzung erfolgte durch Compact

Elements, das Bearbeitungsservice von Fundermax

für Zuschnitt und CNC-gesteuerte Bearbeitung.

Eine Zeichnung der Künstlerin wurde präzise eingefräst,

sodass die Kernfarbe gezielt sichtbar wird.

Iris Kohlweiss erklärt: „Die Max Compact- Platten erlauben

große Flächen ohne Verzug und sind auch

bei Belastung witterungs- und formstabil. Für mein

Relief war das entscheidend.“

FunderMax GmbH

T +43 (0)5 9494-0

www.fundermax.at

office@fundermax.at


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Revitalisierung ohne Stillstand

Die Bestandsfenster eines elfgeschossigen Bürogebäudes in Frankfurt aus den

1960er-Jahren wiesen zahlreiche Schäden auf – dies verursachte Energieverluste,

minderte den Schallschutz und sorgte für punktuelle Einregnungen. Da auch ein

wirksamer Sonnenschutz fehlte, überhitzten zudem die Innenräume im Sommer.

Statt eines kompletten Fassadentauschs mit rund acht Monaten zusätzlicher

Bauzeit sowie Mietausfällen und Ausweichanmietungen fiel die Entscheidung auf

eine selektive Revitalisierung der Fenster, die den laufenden Betrieb weitgehend

unbeeinträchtigt lässt.

Auf Basis einer umfassenden Bestandsaufnahme und

der klaren Vorgabe, Eingriffe für Nutzer und Betrieb

so gering wie möglich zu halten, wurde gemeinsam

mit WICONA ein projektspezifischer Sanierungsflügel

auf Grundlage des Systems WICLINE 60 entwickelt.

Das Prinzip: Die bestehende, weiterhin tragfähige

Rahmenkonstruktion verbleibt im Gebäude, während

lediglich die Fensterflügel ausgetauscht werden.

Diese sind mit exakt auf den Bestand abgestimmten

Beschlägen, neuen Dichtungen sowie einer energieeffizienten

Dreifachverglasung ausgestattet. Ergänzt

wird das Konzept durch einen außenliegenden Sonnenschutz

mit ZIP-Markisen inklusive Steuerung.

Der große Vorteil dieser Lösung liegt nicht nur in der

technischen Verbesserung, sondern vor allem in der

Umsetzung: Die Arbeiten erfolgen abschnittsweise

und nutzerkoordiniert bei laufendem Betrieb – ohne

lange Ausfallzeiten, ohne Leerstand und ohne tiefgreifende

Eingriffe in die Bausubstanz. Gleichzeitig

verbessert sich die Performance deutlich: Der U-Wert

sinkt von ≥ 1,7 auf ≤ 1,1 W/m²K, der Heizenergieverlust

reduziert sich um etwa 35 %, der Innenlärm um rund

5 % und der sommerliche Energieeintrag durch die

Verschattung um circa 87 %.

Fotos: WICONA/Mediashots

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at

Noch vor Ort auf der Baustelle werden die ausgebauten Fensterflügel in Containern

nach den End-of-Life-Materialien Aluminium, Glas und EPDM-Dichtungen

getrennt und dann in die jeweiligen Recyclingwerke transportiert.

Nach der Fertigung im Werk von Heidersberger Fassadenbau werden die neuen

Fensterflügel aus der nachhaltigen Aluminiumlegierung Hydro CIRCAL 75R „justin-time“

zur Baustelle geliefert und montiert.


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87

Produkt News

Licht lenken, Klima schützen

In Lindau am Bodensee entsteht mit dem Vierlinden-Quartier auf einer Gesamtfläche

von 33.000 Quadratmetern ein zukunftsweisendes Stadtviertel: Das Projekt

wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem

Vorzertifikat in Gold ausgezeichnet.

Ausgestattet sind die dort situierten Gebäude mit

außenliegendem Sonnenschutz von HELLA: Die rund

2.000 Raffstores regulieren den Lichteinfall, schützen

vor Überhitzung und schaffen gleichzeitig Privatsphäre

– ein entscheidender Beitrag zum nachhaltigen

Gebäudekonzept. Raffstores von HELLA sorgen

mit ihren hochwertigen randgebördelten C-, S- und

Z-Lamellen für perfektes Licht – je nach Bedarf von

angenehm hell bis nahezu ganz dunkel. Neben der

Lichtlenkung haben sie Einfluss auf das Raumklima,

da sie die Hitze der Sonne reflektieren und auf diese

Weise erheblich zum sommerlichen Wärmeschutz

beitragen. Die Z-Lamelle kombiniert Tageslichtlenkung

mit modern geometrischer Kontur optik. Auffallendstes

Merkmal der HELLA S-Lamelle ist der

sanfte Schwung, der ihr den Namen gibt. Die S-Form

der Raffstorelamelle bringt mit ihrer konvex-konkaven

Form gegenüber der C-Lamelle bis zu 30 % mehr

Tageslichtverteilung im Raum.

HELLA Sonnen- und

Wetterschutztechnik GmbH

T +43 (0)4846 6555-0

office@hella.info

www.hella.info


architektur FACHMAGAZIN

88

Produkt News

In Harmonie mit der Natur

Wie lässt sich umweltfreundliches Wohnen mit gehobenem Lebensstandard

verbinden? Antworten auf diese Frage gibt das neue Solarlux Konzepthaus

im oberösterreichischen Salzkammergut. Das fast zur Gänze in Holzbauweise

errichtete Gebäude wurde als atmosphärischer Ort konzipiert, der moderne

und nachhaltige Architektur mit allen Sinnen erlebbar macht.

Fotos: Wolfgang Zlodej

Dies gelang dem Architekten und Experten für solares

Bauen Dr. Peter Kuczia unter anderem durch

eine behutsame Integration in die einzigartige Berglandschaft,

großzügige, bewegliche Glasfassaden,

die fließende Übergänge zwischen Innen und Außen

schaffen, eine Loggia als Klimapuffer sowie eine

Haus technik, die konsequent auf regenerative Energiequellen

setzt.

Das Solarlux-Haus zeigt beispielhaft, wie Gebäude

mit gehobenem Wohnstandard ressourcenschonend

und im Einklang mit der umgebenden Natur errichtet

werden können. Entscheidend ist die optimale

Nutzung der Standortbedingungen. So fängt die

große Glasfassade auf der Südseite die Sonnenwärme

ein, die große Doppelfassade in der Loggia reguliert

auf natürliche Weise das Wohnklima. Strom

erzeugt die im Dach integrierte Photovoltaikanlage.

Kühle Frischluft strömt vom See ins Haus und wird

zur Klimatisierung herangezogen. Erdsonden nutzen

wetterunabhängig die konstanten Temperaturen im

Erdinneren. Nicht zuletzt ist die Nordseite des Gebäudes

konsequent geschlossen, sodass die Wärme

im Haus bleibt.

Solarlux Austria GmbH

T +43 (0)512 209023

info.at@solarlux.com

www.solarlux.com


www.architektur-online.com

89

Produkt News

Wohnen im Holzbau

Am Rande des Dorfzentrums der Gemeinde Holzgau im Lechtal wurden von der

Alpenländischen Gemeinnützigen Wohnbau GmbH zwei Wohnhäuser in Holzbauweise

errichtet: Basierend auf der Planung der Arbeitsgemeinschaft DIN A4 Architektur

und Architekturstube Lechtal beherbergen zwei kompakte dreigeschossige

Baukörper fünf Mietwohnungen, sieben Wohnungen für betreutes Wohnen sowie

vier Startwohnungen für junge Menschen.

Fotos: Alpenländische / Florian Scherl

Als Planungsvorgaben war das Gebäudeensemble in

Passivhausqualität und im Rahmen der budgetären

Vorgaben der Wohnbauförderung zu errichten. Durch

eine Photovoltaikanlage, die jährlich 19 Megawattstunden

Strom liefert, und eine moderne Wärmepumpe

werden Effizienz und Klimafreundlichkeit des Projekts

unterstützt und die laufenden Kosten reduziert.

Zu den nachhaltigen Materialien, die bei diesem

Projekt verwendet wurden, zählt die RIGIPS Riduro

Holzbauplatte, die speziell für den Einsatz als aussteifende

Beplankung im Holzrahmenbau entwickelt

wurde. Damit wurden die Zwischenwände der

Wohngebäude beplankt: Vorteilhaft ist, dass die voll

recyclingfähig Holzbauplatte über eine Vielzahl an

Systemprüfungen für die Brandschutzanforderung

REI 60 bzw. 90 verfügt.

Saint-Gobain Austria GmbH

RIGIPS Austria

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.at


architektur FACHMAGAZIN

90

Produkt News

Terrazzo-Optik für Pflastersteine

Creazzo Steindesign: Künftig können beim burgenländischen Unternehmen Friedl

Steinwerke auch geschliffene Oberflächen bei Pflastersteinen und Terrassenplatten

hergestellt werden. Eine neue Veredelungsanlage macht den Designschliff möglich.

Die dadurch erzeugte Terrazzo-Optik kann von den Architekturschaffenden individuell

kreiert werden und eröffnet noch mehr Möglichkeiten, Flächen zu gestalten.

Mit der neuen Anlage bieten Friedl Steinwerke eine

Reihe neuer Designs an, wobei von der Betonsteinproduktion

bis zur Veredelung alle Fertigungsschritte

an einem Standort ausgeführt werden, was in dieser

Form einzigartig in Österreich ist.

Für das Creazzo Wunschdesign werden die Grundfarbe

des Betonsteins, die Körnung und ihr Anteil

individuell zusammengestellt. Von Granit über Marmor,

Dolomit, Basalt bis hin zu Porphyr stehen eine

Vielzahl an Körnungen von 4 mm bis 16 mm zur Verfügung

und können bei Steingrößen von 15 x 20 cm

bis 120 x 120 cm umgesetzt werden.

Rund 100 Stein- und Plattenformate sowie über 15

Kombipflaster (diese setzen sich aus mehreren Steingrößen

zusammen) haben Friedl Steinwerke im Programm,

bei denen ein Designschliff möglich ist. Da die

Steine vor dem Schleifen kalibriert werden, bestechen

Creazzo Produkte neben ihrem Design und der hohen

Qualität auch durch minimale Dickentoleranzen.

Friedl Steinwerke GmbH

T +43 (0)2618 3208-0

weppersdorf@steinwerke.at

www.steinwerke.at/creazzo


www.architektur-online.com

91

Produkt News

In Grün gehüllt

Mit seiner auffälligen Silhouette repräsentiert der Innovationsbogen im Zentrum

des Augsburger Innovationsparks nicht nur fortschrittliche Architektur, sondern

steht auch als Symbol für die enge Zusammenarbeit zwischen universitärer

Forschung, innovativen Unternehmen und dem Engagement für Nachhaltigkeit.

Entworfen von Architekt Hadi Teherani fügt sich das Gebäude harmonisch in die

natürliche Umgebung Augsburgs ein.

Ein besonderes Highlight ist dabei die Begrünung des

Schrägdachs, die nicht nur zur Energieeffizienz des

Gebäudes beiträgt, sondern auch ein wichtiger Faktor

für die ökologische Nachhaltigkeit ist: Sie verbessert

das Mikroklima, reduziert die Aufheizung des Gebäudes

und bietet gleichzeitig einen Lebensraum für

Pflanzen und Insekten. Umgesetzt wurde das Projekt

mit dem Optigrün Schubsicherungssystem P, bei dem

die speziell für die Schrägdachbegrünung entwickelte

Schrägdachplatte FKD 58SD aus druckstabilem

EPS (Expandiertes Polystyrol) zum Einsatz kommt.

Sie zeichnet sich durch Wasserspeicherkammern mit

Überlauffunktion und gleichzeitig hoher Dränfähigkeit

aus. Die Schrägdachplatte mit passgenauem Z-Falz

wird direkt auf das Trenn-, Schutz- und Speichervlies

RMS 500 dicht gestoßen verlegt und mit Extensivsubstrat

E verfüllt bzw. überfüllt. Eine extensive Begrünung

bzw. vorkultivierte Vegetationsmatten zur

schnellen Vegetationsetablierung als oberste Schicht

der Systemlösung umhüllen den Innovationsbogen

vom Erdgeschoss bis in die oberste Etage.

Optigrün international AG

T +43 (0)7 20111-310

info@optigruen.at

www.optigruen.at


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Beton mit Zukunft

Mit dem ECOPlanet RC – einem CEM II/C-M (S-F) 42,5 N – setzt Holcim neue Maßstäbe

für ressourcenschonende Betonbauweisen. Der Zement kombiniert einen deutlich

reduzierten Klinkeranteil mit einem hohen Anteil an rezykliertem Betonabbruch und

schafft damit einen praxisnahen Ansatz für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft.

Fotos: Foto FISCHER

ECOPlanet RC verfügt über einen reduzierten Klinkeranteil

von bis zu 50 % und nutzt rezyklierten Betonabbruch

als Zumahlstoff. Der Recyclinganteil liegt

bei über 50 %. Dadurch wird Material, das bisher ausschließlich

als Abbruch galt, in einen hochwertigen

Produktionskreislauf zurückgeführt. Das reduziert

Primärrohstoffe, schont Ressourcen und schafft einen

echten Mehrwert für die Circular Economy im Baubereich.

Auf der Baustelle wirkt sich der Einsatz messbar

aus: Im Vergleich zur branchenüblichen Kombination:

90 % CEM II/B + 10 % AHWZ kann durch die Verwendung

von 100 % ECOPlanet RC der CO 2 -Fußabdruck

von Beton um bis zu 16 % pro m³ reduziert werden –

ohne Kompromisse bei Leistung und Verarbeitbarkeit.

Holcim

(Österreich) GmbH

T+43 (0)1 588 89-0

www.holcim.at


www.architektur-online.com

Langfristig geschützt

Ein Brunnen im öffentlichen Raum ist wechselnden Temperaturen,

stehendem Wasser sowie dauerhafter Belastung

durch Nutzung und Witterung ausgesetzt. Bei der

Erhaltung wird deshalb besonderes Augenmerk auf die

Robustheit, Langlebigkeit und eine dauerhaft sichere

Abdichtung aller wasserführenden Bauteile gelegt.

Besonders sensibel sind dabei starre Bodenfugen im

Brunnenbecken, die dauerhaft dicht sein müssen, damit

keine Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringen kann.

Aus diesem Grund war bei einem Stadtbrunnen in Wörgl

eine bestehende Bodenfuge durchgängig und dauerhaft

abzudichten. Zum Einsatz kam dafür das Flüssigkunststoff-System

Triflex SmartTec, wobei die Arbeiten

direkt auf der Baustelle von einem Anwendungstechniker

von Triflex begleitet wurden. Das 1-komponentige,

vliesarmierte Produkt eignet sich ideal für mineralische

Untergründe, ist dampfdiffusionsoffen und hält auch

dauerhaftem Wasserkontakt stand. Dank seiner hohen

Haftungseigenschaften und der schnellen Verarbeitung

konnte die Abdichtung des gut 13 Quadratmeter großen

Brunnens in Wörgl inklusive aller Vorarbeiten an einem

Tag durchgeführt werden.

Triflex GesmbH

T +43 (0)7667 21505

info@triflex.at

www.triflex.at

93

Produkt News

www.isover.at

AUF

SCHRITT

U N D

TRITT

ISOVER Trittschallschutz

Mineralwolle-Dämmplatten für mehr Ruhe

in den eigenen vier Wänden:

bis zu 10 dB leiser als EPS-Produkte


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Holzfassade mit Charme

Die alte Arbeiterkammer in Ried im Innkreis war in die Jahre gekommen und

entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Daher wurde ein optimierter,

zeitgemäßer Neubau geplant, der exakt auf die neuen Funktionen zugeschnitten

ist. Das neue Gebäude beeindruckt durch seine außergewöhnliche Architektur

und die Wahl der verwendeten Materialien entsprechen den Vorgaben nach nachhaltigem,

zukunftsweisendem Bauen.

Die anspruchsvolle hinterlüftete Holzfassade erhielt

ihren besonderen Charme und ihre Witterungsbeständigkeit

dabei durch die speziell schnell trocknende

Mittelschichtlasur DANSKE Aqua Rapid

(SynthesaGruppe). DANSKE Aqua Rapid basiert auf

wässrigen Acrylatharzen und wurde speziell entwickelt,

um Holzoberflächen zu schützen und zu verschönern.

Das Produkt bietet hervorragenden Schutz

gegen UV-Strahlen, was die Lebensdauer des Holzes

verlängert, und schützt das Holz vor verschiedenen

Witterungseinflüssen wie Regen und Schnee. Durch

wärmeunterstützte Trocknungsverfahren ist die

Lasur schnell getrocknet und hinterlässt nach dem

Trocknen eine seidenglänzende Oberfläche, die das

Holz optisch aufwertet.

Synthesa Chemie

Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at


www.architektur-online.com

95

Produkt News

Beleuchtung

Visualisierung der Kostengliederung über alle Kostenträger

Auch für die

Wohnungswirtschaft

Control

Panel

Audio

Fassade

Die G&W Software AG bietet mit CaliforniaX nicht nur eine

AVA- und Baukostenmanagementlösung für Ingenieure und

Architekten, sondern richtet sich auch gezielt an die Auftraggeberseite.

Bauherren, Baugenossenschaften und die Immobilienwirtschaft

profitieren von maßgeschneiderten Funktionen

für eine wirtschaftliche und transparente Projektsteuerung

– von der ersten Kostenplanung bis zum nachhaltigen Gebäudebetrieb.

Die vielfältigen Aufgaben von Unternehmen

mit eigener Bauabteilung, seien es Sanierungen, Neubau,

Instandhaltung, Modernisierung und wiederkehrende Unterhaltsmaßnahmen,

sind mit CaliforniaX kostenseitig durchgängig

und umfassend zu planen und zu verwalten. Das schafft

eine reibungslose Verbindung zwischen der technischen und

kaufmännischen Welt.

Mediensteuerung

Gerätemanagement

Heizung,

Lüftung,

Klima

G&W Software AG

T +49 (0)89 51506-4

info@gw-software.de

www.gw-software.de

digitalBAU

2026 Köln

Halle: 8

Stand: 420


architektur FACHMAGAZIN

96

edv

Künstliche Intelligenz

Teil 4: KI für die Planung

Auch für die Planung werden inzwischen zahlreiche KI-Werkzeuge angeboten.

Teil 4 dieser Serie stellt Lösungen für die automatisierte Baumassenund

Grundrissplanung oder BIM-Modellierung vor.

Text: Marian Behaneck

Neben der KI-gestützten Baufortschrittskontrolle

(architektur 5/2024) oder KI-Bildgeneratoren

für die Visualisierung erster

Entwurfsideen (architektur 8/2024) gibt es

inzwischen auch KI-Programme für städtebauliche

Studien, die Generierung und

Optimierung von Baumassen und Grundrissen

in der Vorentwurfs- und Entwurfsphase

oder eine automatisierte BIM-Modellierung

und Planerstellung für die Baueingabe- oder

Werkplanung. Dieser Beitrag geht speziell

auf diese KI-Programme ein, zeigt die Vorteile

und Möglichkeiten, aber auch Schwächen,

Grenzen und Herausforderungen auf.

Was können KI-Planungswerkzeuge?

KI-Planungswerkzeuge nutzen smarte Algorithmen

für eine automatisierte Erstellung

von städtebaulichen Bebauungsstudien,

von Gebäudegrundrissen oder BIM-Modellen,

deren Optimierung und Bewertung

der baulichen Dichte, Nutzungsqualität, Erschließung,

Belichtung, Wirtschaftlichkeit

und anderer Parameter. Sie kombinieren dafür

Technologien des Generativen Designs,

regelbasierter Systeme, der graphbasierten

Modellierung sowie Simulationen, um funktionale,

regelkonforme und für bestimmte

Vorgaben optimierte Entwürfe zu erzeugen.

Beim Generativen Design erzeugt die Software

auf Basis definierter Entwurfsziele,

Regeln und Randbedingungen selbstständig

eine Vielzahl von Entwurfsvarianten,

bewertet und optimiert diese selbstständig.

Bei der graphbasierten Modellierung

werden räumliche und funktionale Beziehungen,

Erschließungen, Zonierungen oder

funktionale Anforderungen algorithmisch

erfasst in Form von Graphen dargestellt.

Das ist ein Netzwerk aus Knoten, die beispielsweise

Räume repräsentieren und

Kanten, die Verbindungen, Beziehungen

oder Abhängigkeiten darstellen. Dabei

KI-Planungstools ermöglichen städtebauliche Studien, generieren und optimieren Grundrisse

oder BIM-Modellie. © Skema

kann beispielsweise vorgegeben werden,

dass Nassräume aus Installationsgründen

möglichst nebeneinander oder gegenüber

liegen oder Verkehrsflächen möglichst minimiert

werden. Solche Regeln werden als

Kanten im Graphen definiert und bei der

automatischen Grundriss-Erstellung berücksichtigt.

Diese Methode erlaubt eine

regelbasierte, dynamische Anpassung von

Baukörpern und Grundrissen an Änderungen

des Baugrundstücks, der Gebäudegeometrie,

Nutzungs- und Qualitätsanforderungen

oder andere Parametern, quasi in

„Echtzeit“. Simulationen, also in definierten

Zeitschritten ausgeführte Berechnungen,

werden für rechnergestützte Echtzeit-Analysen

und Bewertungen der funktionalen

Qualität eines Entwurfs genutzt. Simuliert

und optimiert werden beispielsweise der

Sonnenlichteinfall, die Verschattung, die

Luftzirkulation, Lärm- und Windverhältnisse

etc. Für die Wirtschaftlichkeitsbewertung

von Grundstücken lässt sich häufig parallel

anzeigen, wie viele Wohneinheiten, Nutzflächen,

Verkehrsflächen, Arbeitsplätze oder

Parkplätze etc. möglich oder notwendig

sind. Damit erhalten Planer und Investoren

eine verlässliche und schnelle Rückmeldung

zu essenziellen Fragestellungen, was Entscheidungsprozesse

beschleunigt.

Wie funktionieren

KI-Planungswerkzeuge?

Jede Software hat ein eigenes Funktionsund

Bedienkonzept – im Prinzip sind die

Abläufe aber ähnlich: Zunächst müssen

Anwender die Rahmenbedingungen und

Anforderungen wie das Gelände und Baugrundstück,

die Nutzungsart, Raumanzahl,

Flächenvorgaben, Raumbeziehungen, die

Belichtung, Erschließung etc. definieren.

Die KI erzeugt anschließend, basierend


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97

edv

Die Bandbreite reicht von städtebaulichen Studien, der Generierung

und Optimierung von Baumassen, … © Urbanistic

… von Grundrissen in der Vorentwurfs- und Entwurfsphase, …

© SmartScapes Studio / Architechtures

auf Regeln (z. B. Raumbeziehungen, Tageslicht,

Erschließung, Bauvorschriften)

per Generativem Design und einer KI-Optimierung

automatisch mehrere Varianten.

Unterstützt die Software eine graphbasierte

Modellierung, lassen sich Baumassenverteilungen

und Raumbeziehungen

definieren und danach Gebäude- oder

Grundrisslayouts iterativ optimieren, um

sich schrittweise dem gewünschten Ziel

zu nähern. Echtzeit-Simulationen ermöglichen

eine Feinabstimmung in Bezug auf

Belichtung/Verschattung, Lärm/Wind etc.

Automatische Fehler-Checks prüfen im

Hintergrund auf Vorgaben- und Normkonformität

und funktionale Qualität. Die generierten

Varianten können anschließend vom

Anwender verglichen, bewertet, individuell

angepasst und über Schnittstellen oder direkt

im nativen Datenformat in CAD- oder

BIM-Programme wie Revit, Rhino, Sketchup,

Archicad etc. importiert und dort weiterbearbeitet

werden.

… bis zur automatisierten BIM-Modellierung und Planerstellung für die Baueingabe- oder

Werkplanung. © Swapp

Schwächen und Grenzen

Neben den Vorteilen wie Zeiteinsparung,

Variantenvielfalt und Optimierung weisen

die Tools auch einige Schwächen auf. So erzeugen

sie zwar funktionale, den Vorgaben

folgende Baukörper- oder Grundrisslayouts.

Diese verfügen aber meist über eine

begrenzte architektonische Qualität, Kreativität

und gestalterische Raffinesse. Bauund

Brandschutzvorschriften oder Vorgaben

zur Barrierefreiheit werden teilweise

nur grob oder überhaupt nicht berücksichtigt

und müssen manuell ergänzt werden.

Auch Exportformate, etwa für BIM-Projekte

sind nicht immer vollständig kompatibel

mit dem IFC-Standard, so dass ebenfalls

eine Nachbearbeitung in den BIM-Autorenprogrammen

erforderlich ist. Manche

KI-generierten Vorschläge sind auch inhaltlich

nicht nachvollziehbar und dahinter

stehende Prozesse intransparent. Die meisten

KI-Generatoren sind auf den Wohnbau

oder Bürogebäude sowie auf US-Normen

und Richtlinien trainiert und optimiert.

Komplexere Gebäudetypen wie öffentliche

Gebäude, Gewerbebauten oder Änderungen

am Bestand lassen sich nicht oder nur

eingeschränkt abbilden. Außerdem fehlt es

meist an Kollaborations-Schnittstellen zur

TGA-, Tragwerks- oder Brandschutz-Fachplanung,

die gerade in frühem Projektstadium

sehr wichtig ist. Achten sollte man bei

cloudbasierten Programmen auch auf die

Lizenzmodelle, Preise, Kündigungsfristen

und mögliche Risiken im Umgang mit sensiblen

Projektdaten. Als Herausforderung

können sich auch ein Umstieg auf andere

Systeme, inklusive Projektdatenmitnahme

und der Support aufgrund von Sprach- und

Zeitunterschieden erweisen.

Welche KI-Planer sollte man kennen?

Aus der inzwischen beachtlichen Vielzahl

an KI-Planungswerkzeugen fallen die folgenden

Lösungen durch besondere Funktionen

oder eine häufige Nennung in einschlägigen

Übersichten auf. Die meisten

Lösungen sind kostenpflichtig und setzen

eine Registrierung voraus. Einige bieten,

nach einer Anmeldung über ein Googleoder

Facebook-Konto, auch eine kostenfreie

Testmöglichkeit einer limitierten Version

(z.B. Arc, Hypar, Skema etc.).

Architechtures: Diese webbasierte Entwurfsplattform

für Architekten, Bauträger

und Projektentwickler verspricht völlig

neuartige Entwurfsprozesse für Wohngebäude.

Anwender können dabei in frühen

Entwurfsphasen in einem iterativen Prozess

anhand von Variantenvergleichen zu

vorgegebenen Geometrien, Zielen und Entwurfskriterien

optimierte Lösungen entwickeln.

Die Ergebnisse werden in Echtzeit als

BIM-Modell angezeigt, das im IFC-, XLSXund

DXF-Format exportiert werden kann.

Die monatlichen Kosten liegen bei 41 und

246 Euro für die Pro- und Business-Version.

(www.architechtures.com)

u


architektur FACHMAGAZIN

98

edv

Ark: Über diese KI-Plattform können Architekten

und Projektentwickler auf spezifische

Projektanforderungen zugeschnittene

und im Hinblick auf die Raumnutzung,

Rentabilität, Energieeffizienz etc. optimierte

schematische Entwürfe und Machbarkeitsstudien

erstellen, die im PDF- und

Revit-Format exportiert werden können.

Individuelle und komplexe Gebäudetypologien

oder -geometrien erfordern manuelle

Anpassungen. Die Grundversion kostet monatlich

180, die Vollversion 1.800 US-Dollar,

eine eingeschränkte Testversion ist kostenlos.

(www.arkdesign.ai)

Forma Site Design: … ermöglicht Stadtplanern

und Projektentwicklern KI-gestützte

Standortanalysen und Baukörper-Volumenstudien.

Anhand von KI-Echtzeitsimulation

für Wind, Lärm, Tageslicht, Verschattung

etc. lassen sich Baukörper optimieren und

auf dem Baugründstück ausrichten. Die

Konzeptstudien können anschließend in

Autodesk Retiv weiterbearbeitet werden.

Forma Site Design kostet separat monatlich

203 Euro und als Teil der Autodesk AEC

Collection monatlich 488 Euro. (www.autodesk.com/de)

Finch 3D: … ist ein parametrisches Designwerkzeug

für Architekturbüros mit Fokus

auf Wohnbau und BIM-Integration, mit dem

Grundriss-Varianten nach Anwender-Vorgaben

automatisiert erstellt und beispielsweise

bezüglich der Flächengrößen optimiert

werden können. Gebäudeentwürfe

lassen sich dynamisch und in Echtzeit optimieren.

Ebenso ermöglicht das Programm

Echtzeit-Analysen von Tageslicht, Flächenverteilung

oder CO 2 -Fußabdruck sowie eine

nahtlose Anbindung an Revit und Rhino.

Die monatlichen Kosten liegen bei 49 Euro

für Einzelanwender, für ein 3er-Team 1.000

Euro. (www.finch3d.com)

Hypar: … ist eine Web-Plattform für Architekten,

BIM-Planer und Projektentwickler,

die mithilfe parametrischem und generativem

Design Grundrisslayouts, Raumprogramme

und Gebäudekonzepte erstellen

möchten. Die Stärke liegt in der API-basierten

Anpassbarkeit und Integration in bestehende

Programme und Arbeitsabläufe von

Revit, Rhino oder Grasshopper. Eine Hürde

für Einsteiger ist die komplexe Bedienung.

Ein Hypar-Arbeitsplatz kostet 25 US-Dollar

pro Monat, für Teams gibt es Staffelpreise.

(www.hypar.io)

Maket: … generiert individuelle Wohnungsgrundrisse,

macht Designvorschläge beispielsweise

zur Raumeinrichtung, die anschließend

individuell modifiziert werden

können, bietet eine virtuelle Beratung zu

Kosten-, Design- und Materialfragen oder

Bauvorschriften und soll so die Architektur-

planung vereinfachen. Maket kostet in der

Basic-Version nichts und in der Pro-Version

monatlich 30 US-Dollar. (www.maket.ai)

Skema: … ist ein in Autodesk Revit integrierbares

Online-Designwerkzeug für Gebäude

unterschiedlicher Nutzung, mit dem Schemapläne

auf der Grundlage von Anwendervorgaben

und früherer Entwürfe generiert

und daraus automatisiert BIM-Modelle bis

zum Detaillierungsgrad LOD 350 erstellt

werden können. Die Stärken liegen in der

automatisierten Raumprogrammierung, der

Möglichkeit, Nutzerbedürfnisse zu berücksichtigen

und funktionale Raumbeziehungen

zu optimieren. Ein Einzelarbeitsplatz

kostet 199, eine 5er-Teamlizenz 750 US-Dollar,

eine 30-Tage-Testversion ist kostenfrei.

Spacio AI: … ist ein browserbasiertes Entwurfswerkzeug

für Planer, das eine intuitive

Skizzierung, automatische 3D- und

BIM-Modellierung und Echtzeit-Analysen

ermöglicht, inklusive einer KI-Optimierung

von Volumen, Ausrichtungen, Belichtung,

Nutzungsdichte oder Erschließung. Auf

realen Geodaten basierende, automatisch

generierte Standortmodelle ermöglichen

städtebauliche Bewertungen.. Die nach

Bauteilen und Raumtypen strukturierten

BIM-Modelle können im Revit-, Rhino- oder

IFC-Format exportiert werden. Die Einzellizenz

kostet 25, eine 5er-Teamlizenz 100

US-Dollar pro Monat. (www.spacio.ai)

Swapp: Auf der Grundlage einfacher

Raumlayouts können entsprechend den

konstruktiven Vorgaben des Anwenders

komplette Revit-Modelle inklusive aller

Grundriss-, Schnitt- und Detailzeichnungen

erstellt werden. Swapp automatisiert die Erstellung

von BIM-Modellen und Bauplänen

und richtet sich an größere Planungsunternehmen,

die repetitive Projektplanungen

rationalisieren wollen. Preise auf Anfrage.

(www.swapp.ai)

TestFit: … ist ein KI-gestütztes Tool zur

Machbarkeitsanalyse und Grundstücksausnutzung

für Planer, Projektentwickler und

Investoren. Es zeigt an, wie viele Wohneinheiten,

Parkplätze oder Fensterflächen

möglich sind – inklusive Wirtschaftlichkeitskennzahlen

und bietet eine schnelle

Variantenbildung, Echtzeit-Finanzkennzahlen

sowie eine Revit-Integration. Die Kosten

reichen von monatlich 100 bis jährlich

8.000 US-Dollar für verschiedene Versionen.

(www.testfit.io)

Urbanistic: … ist eine deutsche Web-Plattform

für die Planung von 3D-Stadtmodellen,

KI-gestützte Analysen und die Kollaboration

mit Projektbeteiligten. 3D-Stadtmodelle

werden auf der Grundlage amtlicher Geodaten

automatisch generiert. 2D-Zeichen- und

3D-Modellierwerkzeuge ermöglichen das

Smarte 3D-Baumassenstudien ermöglichen

eine Optimierung der baulichen Dichte, Nutzung

oder Erschließung … ©TestFit

… oder Nutzflächen- und Wirtschaftlichkeitsbewertungen

von Grundstücken und Gebäudekonzepten.

© Skema

Erstellen und Verändern von Baukörpern,

Grünflächen und Straßen. KI-gestützte

Analysen, Kennzahlen und Schlüsselwerte

unterstützen Potenzial- und Risikobewertungen,

dynamische Checks prüfen Entwürfe

auf Baurechtskonformität. Preise auf

Anfrage. (www.urbanistic.de)

Chancen und Herausforderungen

KI-Werkzeuge für Planer entwickeln sich

rasant und decken inzwischen alle Phasen

eines Bauprojekts ab – von der ersten Skizze,

über die Konzeption und Vorplanung,

die Genehmigungs-, Ausführungs- und

Detailplanung, bis zur Kontrolle und Dokumentation

der Bauausführung. Speziell für

die automatisierte Baumassen- und Grundrissplanung

oder BIM-Modellierung sind die

Einsatzpotenziale, trotz einiger Schwächen,

vielversprechend und können sogar begeistern,

wenn man den herkömmlichen manuellen

Aufwand vergleicht. Welche der oben

genannten Lösungen sich in der Praxis als

nützlich erweisen und in die vorhandene

Bürosoftware einfügen, muss man individuell

herausfinden. In jedem Fall sollte man

sich mit KI-Planungswerkzeugen beschäftigen,

denn sie werden künftig nicht nur

konventionelle CAD- oder BIM-Programme,

sondern auch die Arbeitsweise und vermutlich

sogar das Berufsbild von Architekten

und Städteplanern verändern.


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