architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 8 2025
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FACHMAGAZIN
WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT
Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550
08
www.architektur-online.com
Dezember 2025
Urbaner
Raum
© Johannes Vogt
Im Großen
wie im Kleinen
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Editorial
Verbindende Orte
Urbaner Raum ist kein statischer Zustand – er ist ein
permanenter Aushandlungsprozess. Zwischen Bestand
und Bedarf, Klima und Komfort, Privatheit und
Öffentlichkeit wird Stadt immer wieder neu definiert.
Architektur kann dabei nicht mehr nur „bauen“, sondern
muss vorhandene Strukturen weiterdenken, Konflikte
moderieren und Räume schaffen, die Wandel zulassen.
Diese Ausgabe nimmt genau diesen Zwischenraum in
den Blick: mit Fokus auf Wien, aber auch mit Projekten,
die über Stadtgrenzen hinaus vergleichbare Fragen
nach Dichte, Identität und Klimaanpassung stellen.
Wie intensiv öffentlicher Raum verhandelt wird, zeigen die
Umgestaltung des Naschmarkt-Areals und der neue Marktraum.
Mostlikely Architecture entwarf eine wandelbare Infrastruktur,
die Marktkultur, Stadt und Gemeinschaft verknüpfen
soll. Dass die Idee einer „Markthalle“ bis zuletzt polarisiert,
gehört hier nicht nur zum Randrauschen.
Dass Zukunft im Weiterdenken des Bestands steckt, zeigt
„Francis“ am Franz-Josefs-Bahnhof. Delugan Meissl Associated
Architects (DMAA) und Josef Weichenberger Architects
(JWA) entwickeln den Kopfbahnhof samt Büroaufbau zu einem
neuen Zentrum des Althan Quartiers. Urbanität entsteht
hier nicht durch das Neue um jeden Preis, sondern durch präzise
Eingriffe in eine große, vorhandene Struktur.
Mit den Danube Flats wird die Debatte um Dichte vertikal. Wo
lange eine Brache neben der Reichsbrücke lag, entstand ein
hybrides Ensemble aus Wohnen, Hotel, öffentlichem Raum
und Begrünung. Als Landmark am Wasser ist das Projekt von
A01 architects zugleich ein Testfall: Kann Höhe mehr sein als
Symbol – nämlich ein Baustein für soziale Infrastruktur, Freiraum
und eine klimaangepasste Stadt?
Im neuen Landgut schreibt der Willi-Resetarits-Hof die Tradition
des Wiener Gemeindebaus fort und interpretiert sie zeitgenössisch.
Pichler & Traupmann setzen an der prominenten
Quartiersecke auf Präsenz ohne Dominanz – und auf eine Architektur,
die das urbane Umfeld nicht nur ergänzen, sondern
aktivieren will.
Auch außerhalb Wiens wird Wohnen als Stadtbaustein verhandelt:
AllesWirdGut formt im Mannheimer Spinelli Wohnen.
Park.Quartier auf einem ehemaligen Militärareal ein grünes
Ensemble mit lebendigem Innenhof. In Berlin-Marzahn zeigt
FAR frohn&rojas, wie serieller Wohnbau überraschen kann:
Aus einem konstruktiven Prinzip und rund 1.700 Betonfertigteilen
entsteht eine vielschichtige Welt aus Höfen, Laubengängen
und gemeinschaftlichen Plateaus.
Den Schlussstein im Themenbogen setzt eine Auseinandersetzung
mit Wiens Grünraumoffensive: „Raus aus dem Asphalt“,
„Supergrätzln“ und die „Smart Klima City“-Strategie
verstehen den Straßenraum als Klimainfrastruktur. 344 Projekte
sind bereits umgesetzt – entscheidend ist nun, wie Strategie,
Technik und Beteiligung im Detail ineinandergreifen und
wo Anspruch und Wirklichkeit noch kollidieren.
Qualitativer urbaner Raum bleibt ein fortlaufendes Versprechen.
Diese Ausgabe soll Wege zeigen, es einzulösen: durch
Weiterbauen, offene Infrastrukturen, kluge Verdichtung – und
Straßen, die wieder Aufenthaltsort werden. Ich wünsche Ihnen
eine inspirierende Lektüre.
Andreas Laser
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architektur FACHMAGAZIN
4
Inhalt
Editorial 03
Start 06
AliPalomal
Wettbewerbe 10
Innovation Center Düren
Volksschule in Hart bei Graz
Magazin 14
Neue Wege über 24
alten Gleisen
Francis, Althan Quartier /
Wien, Alsergrund /
Delugan Meissl Associated Architects
& Josef Weichenberger Architects
Froschgrünes Wohnviertel 30
SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier /
Mannheim / AllesWirdGut
Serielle Stadtlandschaft 36
Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse /
Berlin, Deutschland / FAR frohn&rojas
Vertikale Uferstadt 42
Danube Flats / Wien, Donaustadt /
project A01 architects
Ein Hof voller Möglichkeiten 48
Gemeindebau Willi-Resetarits-Hof /
Wien, Favoriten /
PxT – Pichler & Traupmann Architekten
Ein neuer Mittelpunkt 54
Marktraum Naschmarkt /
Wien, Mariahilf /
Mostlikely Architecture
Wiener Grünraumoffensive 62
Naturstein 68
Produkt News 78
edv 96
Künstliche Intelligenz Teil 4
KI für die Planung
24
36
48
42
54
30
MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich
CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck
LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)
GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion
GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)
ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):
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EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at
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UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550
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architektur FACHMAGAZIN
6
Start
Resonanzräume
AliPaloma (Alexandra Paloma Angerer) aus Südtirol denkt Architektur radikal
über klassische Grenzen hinaus. Ihre Installationen und Objekte sind keine fertigen
Räume, sondern Angebote zum Dialog: glänzende Oberflächen, durchbrochene
Strukturen, zarte Materialien, hinter denen sich ein klarer politischer Anspruch
entfaltet. Ihre Projekte entstehen aus dem genauen Hinsehen – gesellschaftliche
Normen, Machtstrukturen und feministische Fragen schreibt sie in Glas, rosarot
lackiertes Metall oder Holz ein. Was ästhetisch verführt, fordert schnell heraus:
Wer wird gesehen? Wer bleibt geschützt? Wer darf sich im Raum ausbreiten? Fragilität
als Widerstand, Schönheit als Werkzeug, Material als Metapher – das sind
die Koordinaten, in denen sie arbeitet.
Text: Linda Pezzei Fotos: Leonhard Angerer
Architektur als Ausgangspunkt – aber weitergedacht:
Wann haben Sie gemerkt, dass
Sie nicht nur Räume gestalten, sondern Bedeutung
formen wollen?
Das entwickelte sich während meines Studiums
in Innsbruck Schritt für Schritt – nicht
als einzelner Moment. Der experimentelle
Fokus auf Architektur ist in den Instituten
Architekturtheorie und Experimentelle Architektur
prägend: Raumgefühl, Materialität,
spekulative Modelle. Heute arbeite ich
weiterhin räumlich, aber ohne an architektonische
Formate gebunden zu sein. Es
sind Installationen, Objekte, Interventionen.
Mich interessiert das Zusammenspiel von
Körper, Material und Raum. Ich würde nicht
sagen, dass ich „Bedeutung forme”, sondern
dass ich über ästhetische Erlebnisse Situationen
schaffe, die etwas auslösen können
– räumlich, körperlich, gedanklich.
„Mich interessiert, wie Material,
Körper und Raum miteinander
kommunizieren.“
AliPaloma
Die 1992 in Brixen geborene Alexandra Paloma Angerer
lebt und arbeitet als AliPaloma in Südtirol und darüber
hinaus. Nach einem Architekturstudium in Innsbruck
mit Schwerpunkt auf experimentellen und theoretischen
Zugängen entwickelt sie als Multimediakünstlerin kontextspezifische
Installationen und kollektive Denkräume.
Feministische Fragestellungen und ein präziser Blick auf
gesellschaftliche Rollenbilder fließen dabei ebenso in ihre
Werke ein wie die Suche nach neuen Material-Metaphern.
www.architektur-online.com
7
Magazin
Project Spotlight: Museums-Satellit (2024/25)
Mit dem Museums-Satelliten für das Ferdinandeum Innsbruck
hat AliPaloma ein wandelndes Begegnungsformat entworfen:
Modulare Bögen und runde Sitzbänke formen einen
Raum, der gleichzeitig offen und geschützt ist – eine rosarot
lackierte Einladung zur Teilhabe. Am Bauzaun, grafisch gemeinsam
mit Mirijam Obwexer gestaltet, ersetzt die Frage
„How can a museum be a dialogue?“ die klassische Institutionsinschrift
– ein Spiel mit Schwellen, Offenheit und kollektiver
Autor:innenschaft.
Sie erwähnen den experimentellen Zugang
als prägend. Was bedeutet das für Sie konkret
– und wie arbeiten Sie heute noch damit?
Experimentell heißt für mich: von einem
Gedanken oder einer Beobachtung ausgehen
und dann das Material oder Medium
suchen, das diesen Impuls am besten tragen
kann. Ich mag es, mit Erwartungen zu
spielen – Materialien, die man normalerweise
mit bestimmten Formen verbindet,
auszutauschen und so einen Bruch oder
eine Ambivalenz entstehen zu lassen. Das
Architekturstudium hat mir eine starke Materialaffinität
gegeben. Gleichzeitig wurde
mir ein erweiterter Architekturbegriff vermittelt:
Raum kann eine Situation, eine Atmosphäre,
eine Beziehung zwischen Körper
und Material sein. Oder ein gedanklicher
Raum, der sich öffnet. Manche meiner Projekte
verändern sich performativ – durch
Passant:innen oder durch Materialzustände,
die sich im Laufe der Zeit wandeln.
Welches Material hat Sie in den letzten Jahren
zu neuen Fragen oder zu einer Überraschung
gezwungen?
Das Material, bei dem ich immer wieder hängen
bleibe, ist Glas – sowohl geblasen als
auch gegossen. Die Gegensätze faszinieren
mich: fragil und gleichzeitig hart, transparent
und zugleich abgrenzend, formbar im
Herstellungsprozess und später starr. Seine
physikalischen Eigenschaften und die
Bedeutungen, die wir ihm zuschreiben –
Schutz, Bewahrung, Blickführung – machen
es spannend.
Der Entwurf entwickelt sich für mich oft gemeinsam
mit dem Material weiter. Das Material
ist in gewisser Weise Mitentwerfer. In der
Arbeit „Unchained“ habe ich eine massive
Metallkette durch mundgeblasene Glasglieder
ersetzt. Dadurch verschiebt sich sofort
die Lesbarkeit. Es geht um Rollenbilder und
Normen, die uns festhalten – und aus denen
ich mich selbst immer wieder zu lösen versuche.
Wird das metallische Material durch
Glas ersetzt, verlieren diese starren Strukturen
ihre Massivität. Sie wirken durchlässiger,
als könnten sie aufgebrochen werden. Das
leichte Klirren der Glasglieder bringt eine
Verspieltheit hinein und lässt ahnen, dass
Veränderung möglich ist.
In vielen Ihrer Werke spielen Körper und ihre
Perspektiven eine zentrale Rolle – Fragen
von Sichtbarkeit, Schutz, Vielfalt. Wie ist diese
feministische Haltung entstanden, und
wie prägt sie Ihre architektonische Praxis?
Sie führt dazu, dass ich mich immer wieder
frage: Für welche Körper funktioniert dieser
Raum wirklich? Welche Körper sind mitgedacht
– und welche nicht? Es geht nicht nur
um Geschlecht, sondern auch um Alter, Mobilität,
Behinderung, Körperformen, Erfahrungen.
Diese Perspektiven fehlen meistens
in gängigen Planungslogiken
Eine feministische Perspektive macht
solche Themen sichtbar und verschiebt
den Blick weg vom vermeintlich neutralen
„Standardkörper”. Architektonisch wurde
dieser Standard lange durch eine sehr
spezifische Figur repräsentiert – den vitruvianischen
Mann – und hat viele andere
Körper ausgeblendet. So werden räumliche
und materielle Entscheidungen automatisch
politisch: ob eine Struktur offen oder
geschlossen ist, ob ein Ort Schutz bietet
oder Schwellen verstärkt. Da merke ich
auch, wie viel ich selbst dazulernen muss –
und wie viel wir alle mehr in diese Richtung
arbeiten sollten!
u
architektur FACHMAGAZIN
8
Start
Take Me Home in Kollaboration mit Mirijam Heiler: Abfallbehälter
als kleine Architekturen, die Achtsamkeit im Landschaftsraum
einfordern.
Women’s* Shelter in Kollaboration mit Mirijam Heiler: ein temporärer Schutzraum,
der zugleich auf die Notwendigkeit von Frauenschutzhäusern verweist.
The Vulva Project ist eine Schmuckserie,
aber Sie denken sie räumlich und politisch.
Wie treffen sich feministische Haltung und
architektonisches Denken in diesem Werk?
„The Vulva Project“ ist Schmuck, aber auch
räumlich gedacht. Der Ausgangspunkt war
die Tabuisierung von Vulven und der weltweite
Boom von Labienkorrektionen – also
ein körperbezogenes, aber auch strukturelles
Thema. Jede Form ist ein Unikat, weil
jede Vulva anders aussieht. Damit wird die
Vielfalt sichtbar und das Ideal einer „perfekten”
Vulva infrage gestellt. Gleichzeitig
funktionieren die Stücke wie kleine tragbare
Räume. Sie schaffen Aufmerksamkeit, öffnen
Gesprächssituationen und klären auf. Darin
treffen sich feministische Haltung und architektonisches
Denken: Es geht um Körper im
öffentlichen und halböffentlichen Raum und
um die Frage, was sichtbar sein darf.
Im Women’s Shelter, den Sie mit Mirijam
Heiler realisiert haben, scheint die Grenze
zwischen Architektur, Kunst und Design
völlig aufgelöst. Ist das Ihr Standardansatz
– oder gibt es Arbeiten, wo eine Disziplin
klarer führt?
Eigentlich denke ich nicht in Grenzen,
weil Gestaltung das Gemeinsame ist. Die
Methoden unterscheiden sich, aber der
Wunsch, etwas erfahrbar zu machen, ist
gleich. Dass meine Arbeit zwischen diesen
Bereichen eingeordnet wird, kommt eher
von außen – ich selbst suche einfach die
Form, die für die jeweilige Fragestellung am
besten funktioniert.
Beim Women’s Shelter entsteht ein geschützter
Raum im öffentlichen Raum. Von
außen ist man kaum zu erkennen, von innen
bleibt der Blick nach außen offen. Die perforierte
Metallhaut macht das Spannungsfeld
von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit
körperlich erfahrbar und verweist auf die
politischen Dimensionen: Wie ernst werden
Schutz, Prävention und Unterstützung tatsächlich
genommen?
Der Museums-Satellit funktioniert ähnlich:
Seine Größe und Präsenz im Stadtraum
schaffen unmittelbar eine Erfahrung. Man
sitzt sich darin gegenüber, teilt dieselbe Sitzfläche,
hinterlässt Worte, Spuren, Gedanken.
Für mich ist er beides: Raum und Erlebnis.
Sie leben und arbeiten in Bozen, einem Ort
voller geografischer, kultureller und sprachlicher
Übergänge. Wie sehr schreibt sich
dieser Kontext in Ihre Arbeiten ein?
Wahrscheinlich mehr, als mir lange bewusst
war. Südtirol ist voller Übergänge und Ambivalenzen
– und diese sind im Alltag permanent
spürbar. Sie tauchen in meinen Arbeiten
auf: in Materialien, in Lesbarkeiten, in
Spannungsfeldern. Ich suche diese Brüche
nicht aktiv, aber sie sind authentisch da. Die
Reibung zwischen Tradition und Gegenwart,
zwischen Sprachen, zwischen Blickwinkeln
– viele meiner Arbeiten beschäftigen sich
ohnehin mit solchen Zuständen dazwischen.
Bozen mit seinen verschiedenen Schichten
ist ein sehr guter Resonanzraum dafür.
In welche Richtung wird sich Ihre Arbeit
noch weiterentwickeln – gerade mit dieser
Aufmerksamkeit für Körper, Erfahrung und
öffentliche Räume?
Der öffentliche Raum interessiert mich im
Moment besonders, weil dort unmittelbare
Begegnungen und Reaktionen stattfinden.
Die Fragen nach Identität und Gemeinschaft,
die mich dabei leiten, habe ich zunächst in
einem kleineren Maßstab untersucht: Zum
Beispiel in einem modularen Glasprisma, das
ich im letzten Jahr entwickelt habe. Es besteht
aus sieben Elementen und erlaubt 240
mögliche Kombinationen. Dieses Objekt ist
für mich ein Bild für Identität und Gemeinschaft
– ständig im Fluss, immer neu zusammengesetzt
– und dient als Ausgangspunkt,
um solche Prozesse in den öffentlichen
Raum zu übertragen.
So verstehe ich auch meine künftige Arbeit
– als offenen Möglichkeitsraum. Ich glaube
nicht, dass Fragen „gelöst” werden. Eher
entstehen neue Fragen, neue Konstellationen.
Wie sich Kunst, Design und architektonisches
Denken dabei mischen, ergibt
sich meist direkt aus dem Prozess. Ich bin
neugierig, welche Formen das noch annehmen
wird.
•
www.architektur-online.com
9
Magazin
Facing
Life
Weil das Leben keine
Ausstellung ist.
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Erhältlich ab Januar 2026
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architektur FACHMAGAZIN
10
Wettbewerbe & Awards
© beyond visual arts
Identitätsstiftend
ATP architekten ingenieure planen das Innovation Center Düren als zentrales
Leitprojekt für die Strukturwandelstrategie der Stadt in Nordrhein-Westfalen.
Das neue Innovation Center Düren (ICD)
im Herzen des entstehenden Innovationsquartiers
soll ein Ort für wirtschaftliche
Entwicklung und gesellschaftliche Transformation
werden. Der Neubau bietet ein
multifunktionales Umfeld für Start-ups,
technologieorientierte Unternehmen und
Bildungseinrichtungen.
Das Konzept von ATP architekten ingenieure
überzeugte im EU-weiten Vergabeverfahren
durch eine identitätsstiftende
Architektur mit flexiblen Arbeits-, Lern- und
Begegnungsräumen und nachhaltigen Lösungen.
Mit seinem Wechselspiel aus Skulpturalität
und Transparenz setzt der Neubau
ein markantes städtebauliches Zeichen in
Innovation Center Düren
DAS PROJEKT
Auslober
WIN.DN Wirtschafts- und Innovationsnetzwerk Stadt
Düren GmbH, Am Langen Graben 1, Düren (D)
Art des Verfahrens
Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung
eines Aufrufs zum Wettbewerb/Verhandlungsverfahren
Bekanntgabe des Ergebnisses
19.11.2025
Mit über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
an 14 Standorten in DACH und CEE erbringt die
ATP-Gruppe Beratungs- und Planungsleistungen für
komplexe Hochbauvorhaben. Die integrale, ganzheitliche
Arbeitsweise ermöglicht dabei nachhaltige, ressourcenschonende
und zukunftsorientierte
Lösungen.
DAS BÜRO
www.atp.ag
Pläne: © ATP architekten ingenieure
Erdgeschoss
unmittelbarer Nähe zum Bahnhofareal. Die
konkave Kubatur, die eine prägnante Raumkante
entlang der Bahntrassen erzeugt,
und die über sechs Geschosse reichende
Glasfassade verleihen dem Gebäude eine
ikonische Präsenz. Die dreigeschossige
Lobby mit großzügiger Sitztreppe ist zentraler
Treffpunkt und bietet Raum für vielfältige
Nutzungen. Das nachhaltige Konzept
integriert zirkuläres Bauen, begrünte
Fassaden und Dächer, PV-Module sowie
Regenwassernutzung. ATP architekten ingenieure
übernimmt die Integrale Planung
von Architektur, Tragwerksplanung und
Gebäudetechnik. Die digitale Planungsmethode
mit Building Information Modeling
(BIM) bildet dabei die Grundlage.
www.architektur-online.com
11
Magazin
architektur FACHMAGAZIN
12
Wettbewerbe & Awards
Blick vom Vorplatz
Großzügige Atmosphäre
POS Architekten aus Wien sind die Sieger im Wettbewerb für eine neue Volksschule in Hart bei Graz.
Hart ist eine wachsende Gemeinde
mit guter Anbindung an die Landeshauptstadt
Graz. Das Bestandsareal
der derzeitigen Volksschule mit aktuell
11 Klassen ist aufgrund der Größe
und der Bausubstanz nicht für einen
Zubau geeignet. In der Umgebung
des künftigen Schulareals befinden
sich vorwiegend Wohnbauten. Die
Wettbewerbsaufgabe umfasste die
Planung des Neubaus der Volksschule
mit 16 Unterrichtsklassen, Sonderunterrichtsräumen,
Räumen für
die schulische Tagesbetreuung und
Turnhalle sowie vielseitige Frei- und
Grünräume. Der Bildungsbau wird als
Clusterschule konzipiert.
Auslober
Gemeinde Hart bei Graz (Stmk.)
Verfahrensorganisation
Kampus GmbH, Graz
AUSSCHREIBUNG
Art des Verfahrens
Offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb
im Oberschwellenbereich m.
anschließendem Verhandlungsverfahren
Jurymitglieder (ohne Titel)
Helmut Kuess (Vorsitz), Gernot Ritter, Paul
Giencke, Karin Schwarz-Viechtbauer, Markus
Bogensberger (Verein f. Baukultur)
Jurysitzung
17./18.06.2025
1. Preis
Projekt 36
POS Architekten ZT GmbH
Arch. DI Ursula Schneider
Mitarbeiter: Alexander
Feilmair, Gabor Nagy
Aus dem Juryprotokoll:
Der Schulbaukörper bietet eine klare
und gute Orientierbarkeit mit einer
zentralen und effizienten Erschließung,
die gleichzeitig eine großzügige,
räumliche Atmosphäre schafft.
Die funktionale und räumliche Orga-
Einreichungen
73
Preisträger, Preisgeld
1. Preis (€ 20.000):
Pos Architekten ZT GmbH, Wien
2. Preis (€ 16.000):
Schwarz.Platzer.Architekten.ZT-GmbH, Graz
3. Preis (€ 12.000):
Architekten DI Juan Carlos Gómez,
Roland Baumgartner, Graz
2 Anerkennungen (je € 5.500):
Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH,
PRIEBERNIG, WIND + Partner ZT GmbH
nisation und Anordnung der Cluster
mit Lernzonen und Freiklassen
ist überzeugend und durchdacht
gelöst und bietet ausgezeichnete
räumliche Voraussetzungen für die
pädagogischen Anforderungen. Für
jeweils zwei Cluster pro Geschoss
ist eine attraktive und dennoch flächensparende,
gemeinsame Mitte
mit Sitztreppen konzipiert. Der
Turnsaal und die Bibliothek sind
sehr gut an die Schule angebunden,
was deren Einbindung in den Schulalltag
optimal unterstützt. Dennoch
ist auch die Öffentlichkeit dieser beiden
Funktionseinheiten klar ablesbar.
Der Turnsaal signalisiert durch
seine Durchlässigkeit eine Offenheit
und gewährleistet gleichzeitig auch
eine vielfältige externe Nutzung. Die
starke horizontale Betonung in der
Fassadengestaltung wird hinterfragt.
Das Projekt weist eine hohe
Wirtschaftlichkeit und Effizienz
auf. Insgesamt überzeugt das Projekt
sowohl in der städtebaulichen,
funktionalen, räumlichen und freiraumplanerischen
Gestaltung und
in seiner räumlich-pädagogischen
Konzeptionierung als auch darin,
die Besonderheiten des Hanggrundstücks
miteinzubeziehen, diese zu
nutzen und zu verstärken.
© David Kratzer
www.architektur-online.com
13
Wettbewerbe & Awards
Pläne, Foto: © POS Architekten
Lageplan
1. Obergeschoss
DAS PROJEKT – DAS BÜRO
Das Projekt
Das neue Schulgebäude folgt dem in
Hart prägenden Muster öffentlicher
Gebäude, die quer zur Hauptstraße situiert
sind, und führt diese städtebauliche
Reihe weiter. Das Freiraumkonzept
gliedert sich in ein urbanes Vorfeld
im Süden und einen durchgrünten
Schulgarten im Norden, wodurch die
Baukörper städtebaulich klar verankert
werden. Der durch Grüninseln, Baumgruppen
und Sitzmauern gegliederte
Vorplatz bietet eine hohe Aufenthaltsqualität.
Eine begrünte Gartenterrasse
im 1. Obergeschoss dient als
Pausenhof. Das Gebäude wird in Holz
errichtet. Für ausreichend Speichermasse
und den Einsatz der Bauteilaktivierung
werden die Decken als STB/
Holz Hybriddecken ausgeführt. Auf
einer Ebene sind jeweils zwei Cluster
situiert. Alle vier Bildungsräume öffnen
sich - jeweils winkelförmig angeordnet
– zur mittleren Lernzone und diese
wiederum zur zugeordneten Freiklasse
bzw. Pausenterrasse.
POS architekt:innen –
Zukunft gestalten
Als Pioniere der nachhaltigen Architektur
verfolgen wir einen ganzheitlichen
Ansatz. In unserem integralen Planungsteam
entstehen Gebäudekonzepte, die
ökologische, soziale und ökonomische
Anforderungen miteinander verbinden
und dabei stets den Menschen
in den Mittelpunkt stellen. Unsere
Kompetenzen liegen in der Planung
öffentlicher Gebäude, im Wohnbau und
bei Büro- und Gewerbeimmobilien. Die
Top-Priorität hat für uns mittlerweile
die Revitalisierung und sensible
Weiterentwicklung bestehender Bauten.
Mit sicherer Hand, hohem technischem
Knowhow und einem Gefühl für sinnvolle
Details entwickeln wir Projekte, die
funktional überzeugen und zugleich zukunftsorientiert
sind. Wir glauben daran,
dass Architektur auf Langlebigkeit und
Flexibilität konzipiert sein muss. Ziel unserer
Planung ist, dass unsere Gebäude
in 20 Jahren noch zeitgemäß sind und
mit den Anforderungen wachsen.
Schnitt A-A
Zu unseren aktuellen Projekten zählen:
das neue Südtiroler Quartier der
BUWOG in Salzburg, Österreichs größter
Holz-Wohnbau mit 382 WE; das geförderte
Wohnbauprojekt ILDEFONSO der
WBV-GPA , das ökologische Verantwortung
mit sozialem Anspruch verbindet:
50% CO2 Einsparung, Kreislaufwirtschaft,
Entsiegelung, Klimafitness, Artenschutz,
zugleich Heimat für zwei Baugruppen,
Erdgeschoss
unterstütztes Wohnen, und einen Repairshop;
sowie die Sanierung und Erweiterung
der Tiroler Fachberufsschule am
Lohbach in Innsbruck: Hier werden die
bisher separaten Schulzweige zu einem
starken gemeinsamen Campus vereint.
pos-architecture.com
architektur FACHMAGAZIN
14
Magazin
Erhalt zählt
Die Zukunft der Prager Vyšehrad-Eisenbahnbrücke zeigt exemplarisch,
wie historische Städte Infrastruktur erneuern können, ohne ihr kulturelles
Erbe zu opfern. Ein Streitfall zwischen Abrisslogik, Bürgerengagement und
belastbarer Ingenieurskunst.
Text: Linda Pezzei Visualisierungen: Michal Slusar | SDAR.
Kaum ein anderer Bau im Prager Bahnnetz bündelt
so viele Ebenen wie die Vyšehrad-Eisenbahnbrücke:
1901 als genietete Dreifeldkonstruktion über die Moldau
errichtet, ist sie zugleich zentrale Schienenverbindung,
Teil der UNESCO-Welterbestätte und ein
Fixpunkt im Panorama zwischen Fluss, Stadt und
Vyšehrad-Felsen. Jahrzehntelange Vernachlässigung
führte jedoch dazu, dass Geschwindigkeiten
reduziert, die Brücke als Engpass eingestuft und
schließlich ein kompletter Abriss mit dreigleisigem
Neubau auf den bestehenden Pfeilern ins Spiel gebracht
wurde.
Spätestens mit dem UNESCO/ICOMOS-Bericht von
2024 rückte die Brücke aus der rein technischen in
eine gesamtstädtische Perspektive: Das Gutachten
beschreibt sie als Schlüsselelement des Flusspanoramas,
deren Entfernung die Authentizität und Integrität
des historischen Zentrums unvertretbar beschädigen
würde. Parallel dazu bleibt der bestehende
Verkehrsdruck hoch – langfristige Strategien verlangen
nach einer dritten Gleisverbindung, um die Achse
zwischen Hauptbahnhof und Smíchov zu entlasten.
www.architektur-online.com
15
Magazin
Die entscheidende Verschiebung brachte die Arbeit
der Vyšehrad Bridge Foundation, die eine internationale
Machbarkeitsstudie bei Ian Firth (COWI) und
Andreas Galmarini (WaltGalmarini) in Auftrag gab.
Das Ergebnis kippt die bisherige Argumentation:
Rund 85 Prozent der bestehenden Stahlstruktur lassen
sich mit modernen Antikorrosionsverfahren erhalten,
nur 15 Prozent müssen ersetzt werden, und
die so instand gesetzte Brücke erreicht eine prognostizierte
Lebensdauer von mindestens 100 Jahren
– bestätigt durch ein unabhängiges Review der ETH
Zürich. Die Sanierung erfolgt dabei modular, indem
die drei Stahlfachwerkträger nacheinander ausgeschwommen,
an Land überarbeitet und wieder eingesetzt
werden, während temporäre Hilfsbauten den
Bahnbetrieb weitgehend aufrechterhalten.
Auch in der ökologischen Bilanz verschiebt sich der
Fokus deutlich: Die Sanierungsvariante benötigt
etwa drei Mal weniger Baumaterial als ein kompletter
Neubau und reduziert damit sowohl CO 2 -Emissionen
als auch Eingriffe in den Stadtraum signifikant. Die
zusätzliche Kapazität wird nicht auf die historische
Konstruktion „aufgesattelt“, sondern über eine separate,
schlanke Flachdeckbrücke südlich der bestehenden
Struktur geführt, deren Tragwerk unterhalb
des Geländers der Fußwege bleibt und sich so dem
Panorama unterordnet.
Getragen wird dieser Ansatz von einem Netzwerk,
das klassische Rollen verschiebt: Neben Správa
železnic und der Stadt Prag treten mit der Vyšehrad
Bridge Foundation private Förderer wie Tomáš
Bistřický und Martin Vohánka auf, die gemeinsam mit
Architekten wie David Vávra und Petr Janda sowie
Brückenexperten wie Petr Tej und Marek Kopeć ein
Projekt formulierten, das Ingenieurbau, Stadtraum
und Denkmalschutz zusammen denkt.
UNESCO, ICOMOS und das Nationale Denkmalamt
(NPÚ) bestätigen inzwischen, dass die Sanierung
die denkmalverträglichste und zugleich eine technisch
tragfähige Option darstellt und empfehlen
ausdrücklich die Erhaltung und Rekonstruktion der
historischen Struktur.
Damit wird die Vyšehrad-Brücke zum Modellfall für
europäische Städte, die mit gealterter Infrastruktur
und strengen Klimazielen gleichzeitig umgehen müssen.
Sie zeigt, dass Bestandserhalt nicht als nostalgischer
Reflex, sondern als präzise, ressourcenschonende
und stadträumlich sensible Strategie gelesen
werden kann – und dass Fortschritt dort am stärksten
wirkt, wo er vorhandene Strukturen ernst nimmt und
in eine neue Zeit überführt, anstatt sie auszulöschen.
architektur FACHMAGAZIN
16
Magazin
Schwebende
Verbindung
Eine stillgelegte Eisenbahntrasse wird zur urbanen Passage: Der Monte Ciocci–San
Pietro Radweg verbindet Alltagsmobilität, Infrastrukturgeschichte und spirituelle
Topografie – und zeigt, wie Rom seinen urbanen Raum neu verhandelt.
Text: Linda Pezzei Fotos: Andrea Bosio
Rom ist eine Stadt der Wege. Historisch gewachsen,
vielfach überlagert, selten geradlinig. Mit dem Monte
Ciocci–San Pietro Pedestrian and Cycling Path
schreibt die Stadt ein weiteres Kapitel dieser Weggeschichte
– eines, das weniger monumental als vielmehr
präzise, leise und zeitgemäß ist. Fertiggestellt
im April 2025, rechtzeitig zum Heiligen Jahr, verbindet
der rund 1,2 Kilometer lange Rad- und Fußweg
den nördlich gelegenen Monte-Ciocci-Park mit der
Vatikan-Grenze. Was auf den ersten Blick wie eine
infrastrukturelle Ergänzung wirkt, ist in Wahrheit
eine urbane Transformation: Das Brescianer Studio
CREW – Cremonesi Workshop (Teil des FS Urban
Hub) verwandelt eine stillgelegte Eisenbahnlinie in
eine neue öffentliche Sequenz aus Bewegung, Aussicht
und Übergang.
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17
Magazin
Infrastruktur als öffentlicher Raum
Zentrales Element des Projekts ist der adaptive
Reuse zweier historischer Infrastrukturbauten: des
Fornaci-Viadukts und des Villa-Alberici-Tunnels. Im
Auftrag von Roma Capitale entwickelte CREW das
Projekt in Zusammenarbeit mit RFI (Rete Ferroviaria
Italiana) – als integrierten Beitrag zur nachhaltigen
Mobilität und zur stadträumlichen Regeneration. Wo
einst Züge verkehrten, bewegen sich heute Radfahrer:innen
und Fußgänger:innen – sanft geführt, barrierefrei,
mit bewusstem Tempo. Der Fornaci-Viadukt
wird dabei zum urbanen Aussichtspunkt: Hoch über
Valle Aurelia öffnet sich der Blick über die Stadt bis
zum Petersdom. Infrastruktur wird hier nicht inszeniert,
sondern selbstverständlich Teil des urbanen
Alltags. Der Übergang in den Villa-Alberici-Tunnel
markiert einen atmosphärischen Wechsel. Die historische
Mauerwerksstruktur wurde konsolidiert, das
Bodenniveau angehoben, Wasser gezielt über seitliche
Kanäle geführt. Der Tunnel fungiert nicht nur
als Verbindung, sondern als räumliche Zäsur – kühl,
ruhig, entschleunigend.
u
architektur FACHMAGAZIN
18
Magazin
Ingenieurkunst im Bestand
Besonders komplex ist der Austritt aus dem Tunnel:
Der ursprüngliche Ausgang lag rund acht Meter
unter Straßenniveau, verborgen unter einer Parkplatzstruktur.
Ein neu entwickeltes Rampensystem
mit sanftem Gefälle überwindet diesen Höhenunterschied
nahezu beiläufig. Technische Notwendigkeit
wird zur fließenden Bewegung – präzise geplant,
zurückhaltend gestaltet. Die sieben klar gegliederten
Abschnitte verweben bestehende Verkehrsknotenpunkte
wie San Pietro Bahnhof und Valle Aurelia FS/
Metro mit neuen Bewegungsräumen. Rad- und Fußverkehr
werden nicht additiv gedacht, sondern als
integraler Bestandteil urbaner Mobilität.
Zwischen Alltag und Pilgerschaft
Eine zusätzliche Ebene erhält das Projekt durch
seine symbolische Dimension. Der Radweg schließt
an die Via Francigena an und führt eine jahrhundertealte
Pilgerroute bis nahe an den Petersdom weiter.
Sakraler Raum und Alltagsinfrastruktur überlagern
sich – nicht pathetisch, sondern selbstverständlich.
Gerade darin liegt die Qualität des Eingriffs: Er richtet
sich nicht ausschließlich an Pilger:innen oder Tourist:innen,
sondern an die Bewohner:innen Roms. Er
verbindet periphere Stadtteile, aktiviert vergessene
Zonen und schafft öffentlichen Raum dort, wo zuvor
funktionale Leere herrschte.
Der Monte Ciocci–San Pietro Path ist damit kein ikonisches
Einzelobjekt, sondern ein präziser Eingriff in
den urbanen Stoff. Ein Projekt, das zeigt, wie zeitgemäßer
urbaner Raum entsteht: durch Weiterbauen,
Wiederverwenden – und durch das bewusste Verbinden
von Bewegung, Geschichte und Alltag. •
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19
Magazin
Gedruckter
Spielraum
Mit dem Boulder Park realisierte XISUI Design
in Ji’nan, China, einen 13.000 m² großen Nachbarschaftspark,
der digitale Fertigungstechnologien
mit naturnaher Landschaftsarchitektur
verbindet. Zentrales Gestaltungselement sind
große Findlinge, die als Spiel-, Aufenthalts- und
Orientierungspunkte dienen und symbolisch für
Beständigkeit stehen.
Der Park ist Teil des Yunwan Garden und gliedert
sich in mehrere thematische Bereiche, darunter ein
All-Age Boulder Playground, ein Water Garden und
ein Forest Garden. XISUI Design verantwortete insbesondere
die kinder- und familienorientierten Zonen,
in denen Spielgeräte wie Schaukeln, Rutschen,
Klettertunnel oder Seilstrukturen unmittelbar in eine
Landschaft aus Felsen, Sand und Vegetation integriert
sind. Ziel ist nicht nur Bewegung, sondern auch
die Förderung von Wahrnehmung, Gleichgewichtssinn
und Naturverständnis.
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist der Einsatz
von 3D-gedrucktem Beton für die zentralen
Spiel- und Kletterstrukturen. Mithilfe robotergestützter
additiver Fertigung entstanden monolithische,
frei geformte „Felsen“ und Höhlenräume,
deren geschichtete Oberflächen an natürliche Canyonlandschaften
erinnern. Diese Technik erlaubt
komplexe organische Geometrien ohne klassische
Schalungen und schafft zugleich robuste, langlebige
Bauteile. Abgerundete Kanten, integrierte Stufen,
Sitzflächen und Rutschen verbinden Sicherheit,
Funktionalität und spielerische Erfahrung.
Der westlich angrenzende Water Garden ergänzt das
Angebot durch flache Wasserläufe, Fontänen und interaktive
Elemente wie Pumpen und Drehscheiben.
architektur FACHMAGAZIN
20
Magazin
Wiederbelebung
einer Architekturikone
Die Hyparschale in Magdeburg wurde umfassend renoviert – mit Carbonbeton und
nora Bodenbelägen aus Kautschuk. Sie ist einer der rund fünfzig noch erhaltenen
Schalenbauten Müthers und gilt als architektonisches Meisterwerk: Im Jahr 1969
wurde die Hyparschale nach den Entwürfen des Bauingenieurs Ulrich Müther als
Messe- und Ausstellungszentrum errichtet.
Fotos: Marcus Bredt
Seit den 1990er-Jahren steht sie unter Denkmalschutz
und ist ein bedeutendes kulturelles Wahrzeichen der
Stadt. Nach mehr als 20 Jahren Leerstand wurde
sie zwischen 2019 und 2024 im Auftrag der Landeshauptstadt
Magdeburg nach Plänen von gmp Architekten
umfassend saniert und umgebaut. Ziel der Sanierungsmaßnahmen
war es, die Mehrzweckhalle als
multifunktionalen Veranstaltungsort für Konferenzen,
Tagungen, Kongresse und Ausstellungen wiederzubeleben.
Dabei wurde ein großes Augenmerk darauf gelegt,
ihre charakteristische Architektur zu bewahren.
Im Zuge der Sanierung wurde nicht nur die ikonische
Außenhülle instandgesetzt, sondern auch der Innenraum
einer umfassenden Erneuerung unterzogen.
Eine neue Raumskulptur greift Müthers quadratisches
Grundsystem auf. Die vier Kuben von jeweils
15 × 15 Metern sind in den Ecken der Halle angeordnet
und bilden Galerieebenen, die durch Brücken verbunden
sind. Dabei wurde der gesamte Innenbereich mit
neuen Böden ausgestattet – ein wichtiger Bestandteil
des Sanierungskonzepts, das auf Funktionalität,
Ästhetik und die besonderen baulichen Anforderungen
dieses denkmalgeschützten Schalenbaus ausgelegt
ist. Im Erdgeschoss kam ein Sichtestrich zum
Einsatz. Im neu entstandenen oberen Geschoss wurde
auf einer Fläche von 1.200 m 2 noraplan uni in einem
Grauton verlegt. Der Belag überzeugte nicht nur
durch seine optische Zurückhaltung, sondern auch
durch seine technischen Vorteile. „Der Kautschukbelag
ist deutlich leichter und kostengünstiger als
Sichtestrich“, erklärt Architektin und Projektleiterin
Ursula Köper von gmp Architekten.
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21
Magazin
Unverfugte Verlegung
für ansprechende Optik
Das gestalterische Konzept offener Raumstrukturen
mit klaren Linien und fließenden Übergängen
prägt die Hyparschale. „Der gesamte obere Bereich
soll wie auch der Hallenboden aus einem Guss wirken
und die architektonische Klarheit des Raumes
unterstreichen, daher wurde noraplan uni unverfugt
verlegt“, ergänzt Köper. Gleichzeitig erfüllt der Kautschukbelag
höchste funktionale Anforderungen: Er
ist besonders langlebig und pflegeleicht – Eigenschaften,
die gerade in öffentlich genutzten Gebäuden
eine zentrale Rolle spielen. „Vor allem aufgrund
des geringen Pflegeaufwandes ist Kautschuk bei
den elastischen Bodenbelägen für uns die erste
Wahl“, so Köper abschließend.
In der denkmalgeschützten Hyparschale ergänzt der
Kautschuk-Bodenbelag nicht nur visuell, sondern
auch funktional die architektonische Besonderheit
des Bauwerks.
nora flooring systems GesmbH
+43 (0)7242 74 001-0
info-at@nora.com
interface.com
++
architektur FACHMAGAZIN
Ertüchtigter
Hochwasserschutz
Das Hochwasser im September 2024 hat gezeigt, wie
wichtig die sechs Rückhaltebecken in Auhof entlang
des Wienflusses im Westen Wiens mit ihrem Fassungsvermögen
von 1,2 Millionen Kubikmeter sind,
die sich damals innerhalb von nur zwei Stunden mit
rund einer Million Kubikmeter Wasser füllten. Um die
Strukturen nach diesem Ereignis dauerhaft zu sichern,
wurden mit Priorität altersbedingte Schäden
wie Hohlstellen, Risse und Abplatzungen behoben
und die bestehenden denkmalgeschützten Becken
aus dem Jahr 1899 mit einer wasserundurchlässigen
Stahlbeton-Vorsatzschale in einem Volumen von
rund 11.000 Kubikmeter Beton umschlossen. Durch
diese Maßnahme bleibt die historische Substanz der
Retentionsbecken erhalten und die Lebensdauer der
Bauwerke wird für Jahrzehnte verlängert. Zudem
werden die Becken vertieft und die Wehre sowie die
Trennmauer aus Beton um mindestens 50 Zentimeter
erhöht. Durch den Ausbau des Hochwasserschutzes
in Auhof, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein
wird, ist Wien in diesem Bereich des Wienflusses für
ein 5.000-jährliches Hochwasser gerüstet.
Beton Dialog Österreich
kontakt@betondialog.at
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22
Magazin
© BDÖ/Stefan Seelig
© BDÖ/Stefan Seelig
Erfolg konsequent
fortsetzen
Walter Wiedenbauer (links) übergibt die Geschäftsführung
der Sto Ges.m.b.H. an Erwin Truskaller (rechts).
Nach fast 25 Jahren an der Spitze übergibt Walter
Wiedenbauer zum Jahreswechsel 2026 die Geschäftsführung
der Sto Ges.m.b.H. an Erwin Truskaller.
Der 50-jährige Kärntner ist seit 2013 Exportleiter
für Südeuropa und kennt das Unternehmen sowie
dessen internationale Ausrichtung seit vielen Jahren.
Truskaller will den Erfolgskurs des Technologieführers
im Bereich Wärmedämmung fortsetzen und dabei
Kundenservice, Innovation und Digitalisierung
weiter stärken. Neue Impulse erwartet er insbesondere
durch digitale Services am Bau, Lösungen für
industrielle Vorfertigung und integrierte Fassadenkonzepte.
„Wir bauen auf ein starkes Team und langjährige
Partnerschaften – darauf aufbauend wollen
wir unsere Marktposition weiter festigen“, betont der
designierte Geschäftsführer.
Wiedenbauer hat das Unternehmen nachhaltig geprägt:
Unter seiner Leitung entstand am Standort
Villach eine moderne Produktionsanlage, die Versorgungssicherheit
und regionale Wertschöpfung
stärkt. Zudem konnte Sto seine Marktposition in Österreich
und Südeuropa ausbauen und den Umsatz
mehr als verdoppeln. Mit Produktionsstandort, Logistikzentrum
und Zentrallager in Villach sowie acht
Verkaufscentern und mehreren Niederlassungen in
der Balkanregion sieht sich Sto Österreich bestens
für die Zukunft aufgestellt.
Sto Ges.m.b.H.
T +43 (0)4242 33 133-0
info.at@sto.com
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Stadt, Land, Fluss und
Berge im Klimawandel
Zum Austausch von Wissenschaft und Praxis über
Zukunftsfragen der Bauindustrie konnte die Vereinigung
der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)
zum 46. Kolloquium „Forschung & Entwicklung für
Zement und Beton“ rund 300 Personen in der Wirtschaftskammer
Österreich in Wien begrüßen.
Ein wesentlicher Themenbereich des Expertentreffens
beschäftigte sich mit den Möglichkeiten
der Bauwirtschaft, dem Klimawandel zu begegnen:
„Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung,
CO 2 -Emissionen so rasch als möglich zu senken und
gleichzeitig Strukturen zu schaffen, die den zunehmenden,
klimawandelbedingten Extremereignissen
bestmöglich standhalten. Zement und der Baustoff
Beton spielen dabei eine zentrale Rolle: Mit dem regional
verfügbaren, langlebigen und widerstandsfähigen
Baustoff werden Schutzbauten und Infrastrukturen
errichtet, die über Generationen bestehen und
damit auch einen wichtigen Beitrag zur Anpassung
an den Klimawandel leisten“, so Sebastian Spaun, Geschäftsführer
der VÖZ.
Klimawandel, Extremwetter, Naturgefahren – nicht
nur Experten sehen unsere Infrastruktur unter großem
Druck, denn der Temperaturanstieg setzt in den
österreichischen Gebirgsregionen Naturgefahrenprozesse
von teilweise extremem Ausmaß in Gang,
die unsere Schutzsysteme an die Grenzen ihrer
Wirksamkeit führen. Das „Neue Normal“ sind für sie
häufigere Extremereignisse, die den Schutz vor Naturgefahren
in den Alpen vor große Herausforderungen
stellen und neue Konzepte erfordern, wenn das
Sicherheitsniveau auch in den nächsten Jahrzehnten
auf dem aktuellen Stand gehalten werden soll.
23
VÖZ-Geschäftsführer Sebastian Spaun
bei der Eröffnung des Kolloquiums
Im Anschluss an den Impulsvortrag von Florian Rudolf-Miklau
diskutierte ein hochkarätig besetztes
Podium erforderliche Anpassungen von Gesellschaft
und Infrastruktur an die Herausforderungen des Klimawandels.
Einigkeit herrschte unter anderem darüber,
dass proaktives Handeln, Investitionen in die Infrastruktur
und Mut zur Veränderung unumgänglich
sein werden.
Die Vorträge finden Sie auf:
www.zement.at/kolloquium
Magazin
Fotos: VÖZ, Thomas Magyar
© mw-architekturfotografie
Fassaden jenseits jeder Vorstellung
Jedes Projekt bekommt sein eigenes Gewand. Wir realisieren atemberaubende Fassaden mit hohem technologischem Anspruch, die die Grenzen
jeder Vorstellung sprengen. Die Zukunft ist jetzt. www.pichler.pro
architektur FACHMAGAZIN
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Urbaner Raum
Neue Wege
über alten Gleisen
Francis, Althan Quartier / Wien / Delugan Meissl Associated Architects (DMAA)
& Josef Weichenberger Architects (JWA)
Text: Andreas Laser Fotos: Gebhard Sengmüller, Christian Pichlkastner
www.architektur-online.com
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DMAA & JWA
Mit „Francis“ ist am Franz-Josefs-Bahnhof im 9. Wiener Gemeindebezirk ein markantes
Beispiel urbaner Architekturtransformation entstanden. Delugan Meissl Associated
Architects (DMAA) und Josef Weichenberger Architects (JWA) haben den Kopfbahnhof
samt Büroaufbau aus dem Bestand heraus neu definiert – und damit gezeigt, dass
Weiterbauen eine echte Alternative zum Abriss sein kann. Das Projekt bildet heute das
transparente, offene Zentrum des neuen Althan Quartiers und demonstriert, wie viel
Potenzial in der Revitalisierung großer Gebäudestrukturen steckt.
Das ursprüngliche Bauwerk, in den 1970er-Jahren
von Karl Schwanzer als ehemaliges Technisches
Zentrum der Creditanstalt (später Bank Austria) entworfen,
war ein Kind seiner Zeit. Die spiegelnde Fassade
und die monumentale Außentreppe beherrschten
den Julius-Tandler-Platz und bildeten einen
baulichen Riegel, der den Stadtraum eher ausschloss
als einband. DMAA und JWA unterzogen diesen Bestand
einer detaillierten Untersuchung, in deren Rahmen
historische Pläne, bauphysikalische Daten und
die statische Struktur mithilfe eines BIM-gestützten
digitalen Zwillings analysiert wurden.
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architektur FACHMAGAZIN
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Urbaner Raum
Konversion als programmatische Haltung
Die Entscheidung zur Transformation statt zum Abriss
prägte das Projekt von Beginn an. Diese basierte
nicht allein auf ökologischen Kennwerten, zeigte
aber besonders dort ihre Tragweite. Nach Berechnungen
des Nachhaltigkeitsexperten Werner Sobek
konnte der CO 2 -Ausstoß gegenüber einem vollständigen
Neubau von etwa 27.595 Tonnen auf 8.970
Tonnen drastisch vermindert werden. Zudem konnten
122.480 Tonnen Beton und 10.944 Tonnen Stahl
eingespart werden. Die Robustheit und räumliche
Großzügigkeit der modularen Stahlbetonkonstruktion
erwiesen sich dabei als die entscheidende Grundlage
für die Weiterentwicklung des Hauses.
Auch logistisch erwies sich der Bestand als Vorteil:
Demontage und Materiallogistik erfolgten größtenteils
„introvertiert“ über das Gebäudeinnere und den
unterirdischen Ladehof. Dies ersparte der dichten
städtischen Umgebung rund 10.000 LKW-Fahrten
sowie erhebliche Lärm- und Staubemissionen.
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DMAA & JWA
Eine neue Durchlässigkeit
Mit der Neugestaltung des Gebäudes entwickelte
sich der gesamte Standort zu einem Scharnier zwischen
Spittelau und Lichtental. Über Jahrzehnte
trennte die Gleisanlage des Kopfbahnhofs die beiden
Stadtteile und das unzugängliche Bürohaus
verstärkte diese Zäsur. Das Althan Quartier, dessen
zentraler Baustein Francis bildet, reagiert darauf mit
neuen Wegeverbindungen und öffentlichen Räumen.
Die Entwurfsarbeit zielte darauf ab, jene Elemente zu
entfernen, die als Barrieren wirkten, und gleichzeitig
die architektonische Logik des Bestandsbaukörpers
zu stärken.
Herzstück der Neuordnung ist die „Plaza“-Ebene, die
rund neun Meter über Straßenniveau liegt und die
umliegenden Plätze miteinander verschaltet. Diese
Zwischenebene bildet eine Art urbanes Deck, das
den sonst fragmentierten Stadtraum überspannt.
Sie beherbergt halböffentliche Aufenthaltsbereiche
und dient als Gelenk für die Zugänge zu Büroflächen,
Gastronomie und Bahnhofshalle. Die Öffnung des Sockelbereichs
trägt maßgeblich dazu bei, dass der zuvor
schwer zugängliche Standort heute als räumlich
integrierter Teil des Grätzels erlebt wird. u
Die modulare Stahlbetonstruktur
der 1970er-Jahre
bildete die Grundlage
für die Transformation
— robust genug für
eine zweigeschossige
Aufstockung und flexibel
für neue Nutzungen. Die
neue innere Organisation
stärkt die Durchlässigkeit
des Gebäudes und schafft
klare, intuitiv ablesbare
Wegebeziehungen zwischen
Plaza, Bahnhof und
Büroflächen.
architektur FACHMAGAZIN
28
Urbaner Raum
Neuformulierung des Gebäudes
Die Transformation umfasste sowohl Eingriffe an
der äußeren Erscheinung als auch präzise räumliche
Neuordnungen im Inneren. Die markante, aber kaum
genutzte Außentreppe wurde entfernt, ebenso ein
Verbindungsbau auf der Nordseite, der das Gebäude
seit den 1970er-Jahren mit einer Garage koppelte.
Mit seiner Entfernung rückt der Solitärcharakter von
Schwarzers ursprünglicher Komposition wieder stärker
in den Vordergrund.
Die neue Edelstahlfassade ersetzt die frühere Verspiegelung
durch eine zurückhaltend matt reflektierende
Oberfläche, deren feine Prägung Blendungen
vermeidet und dem Baukörper eine zeitgemäße Materialität
verleiht. Die neuen Terrassen setzen dem
Gebäude deutliche horizontale Akzente, gliedern
die Fassade und nehmen der früheren Geschlossenheit
ihre Strenge. Diese Freiflächen erweitern nicht
nur die gastronomischen Angebote, sondern bieten
auch den Büroetagen zusätzliche Außenräume. Ihre
Setzung verstärkt die Öffnung des Gebäudes gegenüber
dem Stadtraum und kommuniziert deutlich die
Transformation der einst hermetischen Hülle. Eine
zweigeschossige, zurückgesetzte Aufstockung nutzt
die Nachverdichtungspotenziale des Standorts, ohne
das Volumen optisch zu überladen.
Im Inneren bleibt die modulare Struktur des Bestands
bestimmend. Acht Bürogeschosse mit großzügigen
Raumhöhen von bis zu 3,5 Metern erlauben flexible
Grundrisslösungen. Die Ausrichtung der Flächen
bietet Blickbezüge zu den benachbarten Palais, zum
Liechtensteinpark und bis in die Wiener Innenstadt.
Ergänzt wird dies durch eine infrastrukturell gut organisierte
Logistik: Die Belieferung erfolgt auch über
die Bauaufgaben hinaus weitgehend über den unterirdischen
Ladehof, während Fahrradabstellplätze und
kurze Wege zu öffentlichen Verkehrsmitteln zeitgemäße
Mobilitätsanforderungen berücksichtigen.
Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil
Die ökologische Leistungsfähigkeit des Projekts manifestiert
sich nicht allein in den eingesparten Emissionen,
sondern auch in der konsequenten baulichen
Ertüchtigung. Das Gebäude wurde hinsichtlich Statik,
Brandschutz, Bauphysik und Erdbebensicherheit
umfassend auf den heutigen Stand gebracht. Die
erreichte ÖGNI-Gold-Zertifizierung verweist auf die
hohen Anforderungen an Materialien und energetische
Kennwerte, die bei der Planung und Umsetzung
berücksichtigt wurden.
Die Transformation zu „Francis“ zeigt, dass die Weiterentwicklung
bestehender Bausubstanz einen
wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung
leisten kann. Der Bestand wird nicht als
Kompromiss, sondern als Ausgangspunkt für neue
Qualitäten begriffen.
•
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29
DMAA & JWA
OG 2 GR OG2
OG 8
GR OG1
Althan Quartier
Francis
Vienna
Austria
Floor plan level 02
1:400
Althan Quartier
Althan Francis Quartier
Francis
Vienna
Austria
Vienna
Austria
Standard floor plan
1:400
Floor plan level 01
1:400
EG OG 1
GR OG1
Althan Quartier
Vienna
Ground floor plan
Althan Quartier
Vienna
Floor plan level 01
Francis
Austria
1:400
Francis
Austria
1:400
Francis / Althan Quartier
1090 Wien
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung:
Eristalis Holding GmbH
Delugan Meissl Associated Architects (DMAA)
Josef Weichenberger Architects (JWA)
(als ARGE AQ-Arch)
Spirk + Partner
Peneder Bau-Elemente GmbH:
PICHLER projects GmbH:
Brandschutzlösungen, Brandschutztüren,
Brandschutzrolltore, textile Brandschutzvorhänge
Pfosten-Riegel-Konstruktion, hinterlüftete
Fassaden mit Edelstahlverkleidung,
Verbundfensterkonstruktionen
Planungsbeginn: 2016
Baubeginn: Frühjahr 2022
Fertigstellung: Ende 2024
Nutzfläche: ca. 60.000 m²
Bruttogeschossfläche: ca. 70.000 m² oberirdisch
ca. 11.000 m² unterirdisch
Höhe:
45 m
www.dmaa.at
www.weichenberger.at
„Für den Erhalt der bestehenden
Bausubstanz sprechen neben ökologischen
Gründen, auch die große
räumliche Qualität und Flexibilität
dieser, im Geist der Moderne, modular
entwickelten Struktur.“
Dietmar Feistel, Partner DMAA
architektur FACHMAGAZIN
30
Urbaner Raum
Froschgrünes
Wohnviertel
SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier / Mannheim / AllesWirdGut
Text: Edina Obermoser Fotos: Johannes Vogt
Wohnen wie die Froschkönige
sollen die Bewohner
des neuen Mannheimer
Stadtquartiers Spinelli
Wohnen.Park.Quartier
von AllesWirdGut. Das
Planerteam mit Büros
in Wien und München
entwarf hier auf einem
ehemaligen Militärareal
ein grünes Ensemble
mit sieben Baukörpern.
Diese ordnen sich rund
um einen lebendigen
Innenhof an und bilden
mit ihrer individuellen
Gestaltung ein charakterstarkes
Wohnviertel, in
dem der öffentliche Raum
und die Nachbarschaft im
Mittelpunkt stehen.
Bei den Spinelli Barracks handelt es sich um einen
geschichtsträchtigen Ort, der einst mit Mannschaftsunterkünften,
Lagerhallen und Werkstätten zu den
wichtigsten Depots der US-Armee in Europa zählte.
Nachdem das ehemalige Kasernengelände viele
Jahre als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge
genutzt wurde, wollte man ihm nun eine neue Funktion
geben. Während der Großteil des Areals künftig
als urbaner Grünraum die Lebensqualität der Stadtbewohner
verbessern soll, entstehen auf der verbleibenden
Fläche neue Quartiere mit Wohnungen für
bis zu 4.000 Menschen und sozialer Infrastruktur mit
Schule, Kindergärten und Nahversorgern.
Identitätsstiftendes Konzept
Unter dem Motto „Wohnen wie die Froschkönige“
entwickelten die Architekten mit dem Projekt Spinelli
Wohnen.Park.Quartier einen Entwurf für die Bebauung
eines Teils dieses Viertels. Dabei folgt AllesWird-
Gut seiner Prämisse, eine Symbiose zwischen Stadt
und Natur zu schaffen. Trotz urbaner Dichte sind die
Planer eigenen Angaben zufolge stets auf eine individuelle,
überschaubare Gestaltung bedacht. Das Ergebnis
ist ein froschgrünes Quartier, das Wohnraum
mit einem lebendigen Biotop kombiniert und neben
123 Wohneinheiten sowie einem grünen Hof auch
Gewerbeflächen, eine Kindertagesstätte mit sieben
Gruppen, eine Tiefgarage und eine Großgarage mit
380 Stellplätzen umfasst.
Um einen möglichst diversen Mix zu schaffen, wurden
die Häuser in unterschiedliche Wohntypen unterteilt
und als separate Bauteile ausgeführt. Dieser
individuelle Ansatz soll dazu führen, dass sich die Bewohner
mit der jeweiligen Adresse identifizieren. Die
Namen der einzelnen Gebäude – Torhaus, Lofthaus,
Tänzer, Platzhirsch, schmaler Hans, Haus der Kinder
und Parkhaus – verstärken die identitätsstiftende
Wirkung weiter. Eine gemeinsame Sockelzone fasst
das siebenteilige Ensemble zusammen und bietet mit
Supermarkt und Radwerkstatt Platz für gewerbliche
und gemeinschaftlich genutzte Flächen.
Blockrand trifft Lokalkolorit
Die sieben Baukörper sind entlang der Außengrenzen
des Grundstücks angeordnet und legen sich
schützend um den begrünten Hof in der Mitte. Sie
unterscheiden sich sowohl in ihrer Kubatur als auch
in ihrer Höhe. Es gibt kompakte, kleinere Baukörper,
andere umfassen bis zu sechs Stockwerke, bevor sie
mit einem – mit Photovoltaik-Anlagen ausgestatteten
– Flachdach abschließen. Bei der Gestaltung der
Häuser setzten die Planer ebenfalls auf Individualität.
Sie ließen sich dabei zum einen vom grünen Umland,
zum anderen von den erdigen Nuancen der Mannheimer
Wassertürme – deren sandiges Rot sich vor allem
in den Innenräumen wiederfindet – inspirieren: Das
Ergebnis ist ein stimmiges Ensemble in Pastelltönen.
Neben Fliesen und Klinker in verschiedenen Farben
und Formen kam an den Fassaden auch Strukturputz
zum Einsatz. Das Parkhaus wurde mit Rankgerüsten
versehen und soll sich so in Zukunft grün bewachsen
nahtlos in das Quartier integrieren.
u
www.architektur-online.com
31
AllesWirdGut
architektur FACHMAGAZIN
32
Urbaner Raum
www.architektur-online.com
33
AllesWirdGut
123 Wohnungen & nachhaltige Mobilität
Jedes der Häuser wird über zwei Eingänge erschlossen
– einen zur Straße, einen zum Wohnhof orientierten.
Die einzelnen Wohnungen erstrecken sich
entweder über die gesamte Gebäudetiefe oder über
Eck und bekommen so möglichst viel Tageslicht.
Jede der 123 Einheiten erhält mit einem großzügigen
Balkon oder einer geschützten Loggia außerdem
einen privaten Außenraum. Autos will man auf dem
gesamten Konversionsareal fünf Kilometer nordöst-
lich des Mannheimer Hauptbahnhofs weitgehend
vermeiden. Anstelle von Tiefgaragen, von denen aus
man anonym direkt in die Wohnung gelangt, gibt
es deshalb Auffanggaragen an den Eingängen zum
neuen Wohnviertel. Eine Ausnahme bilden vereinzelte
Parkhäuser, wie jenes im Spinelli Wohnen.Park.
Quartier. Verändert sich das Mobilitätsverhalten der
Bewohner, so lässt sich der Bau in Zukunft in zusätzlichen
Wohnraum umnutzen.
u
Öffnungen in der blockrandartigen
Bebauung, Treppen und Niveauunterschiede
prägen die Struktur des
Wohnquartiers und leiten Bewohner
und Besucher in den halböffentlichen,
begrünten Innenhof.
architektur FACHMAGAZIN
34
Urbaner Raum
Grüne Mitte als sozialer Katalysator
Das Herzstück des neuen Spinelli-Quartiers bildet
der zentrale, leicht erhöhte Innenhof. Er ist üppig begrünt
und schafft als halböffentlicher Begegnungsort
Bereiche mit unterschiedlicher Privatsphäre.
Aufgrund der verschiedenen Höhen entsteht eine
interessante Staffelung mit Plätzen, Wegen und
Treppen, die den Hof zonieren und nicht nur die Bewohner,
sondern auch die Nachbarschaft ins Zentrum
des Viertels und zum Beisammensein einladen.
In nördlicher und westlicher Richtung schließt die
Grünoase über gezielt positionierte Öffnungen in der
Blockrandstruktur an den umliegenden Stadtraum
an. Im Norden leitet eine repräsentative Ecke mit öffentlicher
Erdgeschossnutzung auch Passanten und
Anrainer in den Hof. Entlang der Außenseite sollen
Gewerbeflächen und soziale Einrichtungen auf Straßenniveau
zu attraktiven Treffpunkten werden und
die soziale Interaktion zusätzlich fördern. Sämtliche
Entwurfsentscheidungen bauen darauf auf, den öffentlichen
Raum möglichst attraktiv zu gestalten und
so seine Qualität und Nutzung zu erhöhen. „Ganz
wichtig in diesem Zusammenhang sind Parameter
wie die Wahl der Materialität und Farbsprache sowie
der Strukturen und Details, aus denen sich die
sichtbaren Oberflächen zusammensetzen“, erklären
die Architekten und führen weiter aus: „Wir wollen
Städte schaffen, die nicht nur Wohnort sind, sondern
menschliche Lebensräume voller Abenteuer, Überraschung,
Schönheit, Geborgenheit und Erfüllung.“ •
GS
KS
1,20m
KS
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1,20m
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2,60m
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AllesWirdGut
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SP1 – Spinelli Wohnen.Park.Quartier
Mannheim, Deutschland
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung:
Freiraumplanung:
HLS-Planung:
ELT-Planung:
Brandschutz:
Verkehrsplanung:
Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG
AllesWirdGut
osd
Ramboll Studio Dreiseitl
Bauer & Ihle
Martin Henne – Esslinger Ingenieurgesellschaft
Rieser Wessel Brandschutzsachverständige
Durth Roos Consulting
Bauphysik & Energieberatung:
Schallschutz & Raumakustik:
Netto-Raumfläche: 34.983 m²
Bruttogrundrissfläche: 40.406 m²
Wettbewerbsgewinn: 2019
Baubeginn: 2021
Fertigstellung: 2025
www.awg.at
Balck+Partner
vrP von Rekowski und Partner
© Michael Dürr
„Der Raum zwischen den Gebäuden ist das Herzstück
all unserer entworfenen Quartiere. Mit Sorgfalt
und Freude gestalten wir diese Zwischenräume und
schaffen so qualitätsvolle Orte des Miteinanders, die
Besucher:innen neugierig machen und Bewohner:innen
mit Stolz erfüllen.“
AllesWirdGut
architektur FACHMAGAZIN
36
Urbaner Raum
www.architektur-online.com
37
FAR frohn&rojas
Serielle
Stadtlandschaft
Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse / Berlin, Deutschland / FAR frohn&rojas
Text: Linda Pezzei Fotos: David Hiepler
Wie viel Stadt steckt im seriellen Wohnbau – und wie viel Gemeinschaft
lässt sich in einem System aus rund 1.700 Betonfertigteilen
organisieren? Inmitten der Plattenbaulandschaft von Marzahn-Hellersdorf
entfaltet die Lion-Feuchtwanger-Straße 61 ein präzise gerastertes
Wohnensemble, das aus einem einzigen konstruktiven Prinzip
hervorgeht und daraus eine erstaunlich vielschichtige urbane Welt aus
Höfen, Laubengängen, Townhouses und gemeinschaftlichen Plateaus
entwickelt. Die serielle Struktur wird zur architektonischen DNA eines
Ortes, der weit mehr bietet als reine Verdichtung.
Der Berliner Wohnungsbau ist eine Geschichte der
permanenten Aushandlung – zwischen Dichte und
Lebensqualität, Industrialisierung und Gemeinwohl,
ökonomischer Notwendigkeit und architektonischer
Ambition. Von den Mietskasernen der Kaiserzeit
über die Siedlungen der Moderne bis zu den Großwohnsiedlungen
der DDR zeigt jede Epoche, wie sehr
Stadtentwicklung ein Spiegel gesellschaftlicher Prioritäten
ist. In Kaulsdorf-Nord lässt sich dieser Wandel
besonders deutlich ablesen, denn hier treffen die
seriellen Strukturen der 1980er-Jahre auf eine neue
Generation von Nachverdichtungsprojekten, die ökologische,
soziale und städtebauliche Anforderungen
miteinander verschränken.
Die Lion-Feuchtwanger-Straße 61 besetzt dabei eine
Stelle von außergewöhnlicher räumlicher Spannung:
den Kreuzungspunkt zweier Grünachsen, die die
Großsiedlung in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung
durchziehen und deren diffuse Offenheit bislang
eher Transit- als Aufenthaltsqualität erzeugte. FAR
frohn&rojas reagieren nicht mit einer Wiederholung
der Platte, sondern mit einer radikal reduzierten
Betonskelettstruktur, die den industriellen Logiken
des Hallenbaus entlehnt ist und daraus ein urbanes
Wohnregal mit präziser räumlicher Grammatik entwickelt.
Das Resultat ist eine urbane Nachverdichtung,
die aus der Struktur selbst heraus Stadt generiert
und damit eine neue Lesbarkeit der peripheren Siedlung
ermöglicht.
Skelett statt Wand
Die architektonische Grundhaltung des Projekts liegt
in einer konstruktiven Disziplin, die sich als räumliches
Gerüst lesen lässt. Das Wohnensemble basiert
auf einem seriellen Skelett aus vorgefertigten Betonstützen,
Unterzügen und großformatigen Deckenplatten,
wie sie typischerweise im Industrie- und Gewerbebau
eingesetzt werden. Dieses fein austarierte
Raster erzeugt große Spannweiten und weitgehend
stützenfreie Wohnungsgrundrisse, die unabhängig
von tragenden Wänden organisiert werden können.
Zugleich ermöglicht die Struktur eine spätere Demontage
der Elemente und eröffnet damit Perspektiven
zirkulären Bauens, die über konventionelle Materialoptimierung
hinausreichen. Das Skelett ist nicht
nur Struktur, sondern ein System, das zukünftige
Veränderungen zulässt – eine der bemerkenswertesten
Qualitäten des Projekts.
Grünachsen als urbanes Rückgrat
Städtebaulich antwortet die Anlage unmittelbar auf
die Logik der Großsiedlung. Der Schnittpunkt der beiden
Grünachsen bildet das räumliche Zentrum, das
FAR frohn&rojas durch zwei sechsgeschossige Wohnriegel
fassen. Der Abstand der Riegel entspricht der
Breite einer Berliner Straßenflucht, sodass eine klare
städtische Figur entsteht, die der fragmentierten
Umgebung ein neues Rückgrat gibt. Zwischen den
beiden Baukörpern spannt sich ein aufgeständertes
Gartenplateau, das über einem durchgängig tagesbelichteten
Sockel liegt. Unter dieser erhöhten Fläche
befinden sich Stellplätze für Fahrräder und PKW,
Ladestationen für e-Mobilität sowie eine Packstation
für die Bewohner, während das Plateau selbst zur
halböffentlichen Mitte des Ensembles wird – ein Ort
des Ankommens, Begegnens und Verweilens, der
sich bewusst von den amorphen Zwischenräumen
der DDR-Siedlung unterscheidet. Die Großform des
Bestands wird so nicht negiert, sondern präzise überschrieben.
Eine neue urbane Topografie entsteht, die
auf zwei Ebenen gleichzeitig funktioniert: als Infrastrukturraum
im Sockel und als gemeinschaftliche
Freifläche darüber.
u
architektur FACHMAGAZIN
38
Urbaner Raum
Unter dem aufgeständerten
Gartenplateau
befindet sich eine
tageslichtdurchflutete
Mobilitätsebene.
www.architektur-online.com
39
FAR frohn&rojas
Die offenen Arkaden dienen
gleichermaßen als Erschließung
und als Aufenthaltszone.
Wellenförmige Logen
schaffen eine graduelle
Schwelle zwischen privatem
und gemeinschaftlichem
Raum.
Urbane Wohnregale
Innerhalb des seriellen Betonrasters entfaltet sich
eine überraschend große Diversität an Wohnungstypen.
FAR frohn&rojas nutzten die konstruktive
Freiheit der stützenfreien Grundrisse für einen
Mix, der von kompakten Apartments bis zu zweigeschossigen
Townhouses reicht, die unmittelbar
am Plateau liegen. Alle Wohnungen sind als Durchwohneinheiten
konzipiert, die sich sowohl zum gemeinschaftlichen
Gartenplateau als auch zur umgebenden
Nachbarschaft öffnen. Dadurch werden
flexible räumliche Konfigurationen möglich, bei
denen private und halböffentliche Zonen individuell
orientiert werden können. Die serielle Struktur
wirkt wie ein Wohnregal, das unterschiedliche Lebensmodelle
strukturell gleichwertig aufnehmen
kann, ohne seine formale Klarheit zu verlieren.
Zirkulation als sozialer Raum
Die Erschließung ist als Teil des sozialen Gefüges
gestaltet. Zur Gartenseite öffnen sich Laubengänge,
die Zugang und Aufenthaltsqualität miteinander
verbinden. Wellenförmig erweiterte Bereiche
werden zu kleinen Logen, die den Blick auf das
Plateau lenken und gleichzeitig einen privaten
Schwellenraum bilden. Ein filigranes Edelstahlgewebe
dient als Absturzsicherung und Rankhilfe
und macht die Laubengänge perspektivisch zum
Teil einer vertikalen Gartenlandschaft. Die vier außenliegenden
Treppenhäuser rhythmisieren den
Baukörper und unterstützen die Lesbarkeit als
poröse, durchlässige Struktur, die Gemeinschaft
nicht erzwingt, sondern räumlich ermöglicht.
Mobilität im Sockel
Der Sockel unter dem Plateau bündelt Nutzungen,
die im konventionellen Mietwohnungsbau selten
kombiniert sind. Der tagesbelichtete Bereich integriert
Stellplätze, Ladepunkte, Paketstation und
Haustechnik. Die gemeinschaftlich nutzbaren
Räume wurden im 3. OG untergebracht. Die Geschlossenheit
der Fassaden zum Außenraum hin
verstärkt die Differenz zwischen dem introvertierten
Innen und der ruhigen Nachbarschaftsseite der
beiden Riegel – eine räumliche Haltung, die dem
Ensemble eine klare urbane Hierarchie verleiht.
Doppelte Lesbarkeit
Die Fassaden geben dem Ensemble eine zweistimmige
Identität. Zur Nachbarschaft hin zeigen
die Riegel eine zurückhaltende Rasterfassade, die
aus raumhohen Schiebeelementen und geschlossenen
Aluminiumfeldern komponiert ist. Diese
abstrahierte Strenge nimmt die Logik der Plattenbauten
auf, führt sie jedoch mit feinerem Maßstab
und präziser Detaillierung weiter. Zur Gartenseite
dagegen lösen sich die Baukörper durch die
Laubengänge, Freisitze und die durchlässigen
Edelstahlgitter in eine tief gestaffelte räumliche
Struktur auf. Sichtbeton, Metall und Glas erzeugen
eine industrielle, zugleich sehr kontrollierte
Ästhetik, die sich bewusst vom farbigen Putz der
Bestandsbauten absetzt und den experimentellen
Charakter der Anlage unterstreicht.
Urbaner Raum als Systemfrage
In seiner Konsequenz formuliert das Projekt einen
präzisen Beitrag zur Frage, wie urbaner Raum in
peripheren Großsiedlungen entstehen kann. Die
Lion-Feuchtwanger-Straße 61 zeigt, dass Nachverdichtung
nicht zwingend in neue Monolithen
mündet, sondern durch robuste Systeme erzeugt
werden kann, die Wandelbarkeit, soziale Interaktion
und räumliche Klarheit verbinden. Gerade in
einem Umfeld, in dem Wohnungsbau allzu oft an
Kostendruck und Standardisierung scheitert, liefert
das Projekt ein architektonisches Argument
für urbane Vielschichtigkeit: Sie entsteht nicht
trotz des seriellen Bauens, sondern aus seiner
strukturellen Intelligenz heraus.
u
architektur FACHMAGAZIN
40
Urbaner Raum
Nachgefragt im Gespräch mit Marc Frohn & Mario Rojas Toledo
Das Projekt bewegt sich zwischen Siedlungsstruktur
und öffentlichem Raum. Wie
gelingt es, in verdichteten Wohnumfeldern
Gemeinschaft zu fördern, ohne die Intimität
des Wohnens zu verlieren?
Alle Wohnungen sind durchgesteckt und
zweiseitig belichtet – zum gemeinschaftlichen
Gartenplateau und zur Nachbarschaft
hin. Dank des großen Gebäudeabstands
konnten die privaten Räume nach außen und
Küchen sowie Essbereiche zum Laubengang
hin orientiert werden. So entstehen trotz der
Dichte abgeschirmte, intime Rückzugsorte.
Stadt als Prozess, nicht als Objekt: welche
Rolle spielt Adaptivität, also die Fähigkeit
zur Veränderung über die Zeit?
Im Gegensatz zum klassischen Plattenbau
sind unsere seriellen Bauten als Skelettstrukturen
konzipiert. Tragwerk und Raumbildung
bleiben klar getrennt. Dadurch
entsteht strukturelle Resilienz, die künftige
Anpassungen ohne Eingriff in die Tragstruktur
erlaubt.
Die Gebäude wirken robust und offen –
fast prototypisch für urbanes Wohnen.
Welche Rolle spielt Materialwahl für städtische
Lesbarkeit und soziale Resonanz?
Die robuste Materialwahl und klare Lesbarkeit
der Grundstruktur spiegeln den
Maßstab der Umgebung wider. Großmaßstäbliche
Bauten mit rhythmischen Wiederholungen
prägten den Kontext – unsere
tektonische Offenlegung der seriellen
Struktur knüpft daran bewusst an.
In Berlin prägen Übergangszonen zwischen
Straße und Hof die urbane Qualität. Wie interpretieren
Sie diese Schwellenräume architektonisch
und atmosphärisch?
Das gemeinschaftliche Gartenplateau zwischen
den beiden Riegeln bildet die zentrale
Übergangszone zwischen privaten Wohnungen
und der offenen Landschaft der
Großsiedlung. Es bietet Spielflächen und
Begegnungsorte. Im Schnitt lehnt es sich
an das Straßenprofil einer Berliner Gründerzeitstraße
an, um räumliche Dichte, Privatheit
und Exponiertheit neu auszuloten. •
Zur Nachbarschaft zeigt
das Gebäude eine ruhige,
geschlossene Rasterfassade,
während sich
zur Gartenseite eine tief
gestaffelte, offene Struktur
aus Beton, Glas und
Edelstahl entfaltet.
www.architektur-online.com
41
FAR frohn&rojas
OG 2
OG 1
EG
Wohnbau Lion-Feuchtwanger Strasse
Berlin, Deutschland
Bauherr:
Planung:
Team:
Statik:
Euroboden GmbH
FAR frohn&rojas Planungsgesellschaft mbH
Marc Frohn, Mario Rojas Toledo, Max Koch,
Stefan Glüder, Maxim Lefebvre, Agnes Helming,
Nezabravka Bogdanova
IB Paasche
Grundstücksfläche: 3.280 m²
Bebaute Fläche: 2.618 m²
Nutzfläche: 9.287 m²
Planungsbeginn: 01/2020
Bauzeit: 03/2022 - 03/2025
www.f-a-r.net
„Der Wohnungsbau stellt eine Nachverdichtung der
DDR-Großsiedlung Kaulsdorf Nord I dar. Er besetzt einen
Kreuzungspunkt entlang der zentralen Grünachse der
Siedlung, die Nahversorgung und Naherholung miteinander
verbindet. Das Projekt erzählt – umgeben von Plattenbauten
der 1980er-Jahre – die Geschichte des seriellen
Bauens weiter. Den seriell gefertigten Wandscheiben der
umliegenden Plattenbauten setzt es ein Skelett aus seriellen
Betonfertigteilen entgegen, die sonst im Industrieund
Gewerbebau Verwendung finden.“
Marc Frohn & Mario Rojas Toledo
architektur FACHMAGAZIN
42
Urbaner Raum
Vertikale
Uferstadt
Danube Flats / Wien, Donaustadt / project A01 architects
Text: Linda Pezzei Fotos: György Palkó + Andreas Scheiblecker, Andreas Schmitzer (A01)
Mit den Danube Flats erhält Wien nicht nur seinen höchsten
Wohnturm, sondern auch ein neues Stück Stadt am
Wasser. Wo über ein Jahrzehnt lang eine Brache neben der
Reichsbrücke lag, entsteht heute ein hybrides Quartier
aus Wohnen, Hotel, öffentlichem Raum und vertikaler
Begrünung. Das Projekt von A01 architects zeigt, wie
Hochhäuser soziale Infrastruktur, Grünraum und Mobilität
neu verweben können. Ein Landmark – und ein Testfall für
urbane Dichte in Zeiten des Klimawandels.
Die 168 Meter hohen Danube Flats markieren seit
2025 nicht nur Österreichs höchsten Wohnturm – sie
besetzen auch einen städtebaulich sensiblen Punkt:
die Eingangssituation zur Donaustadt an der Reichsbrücke.
Dort, wo früher ein Kinokomplex stand und
eine schwer zugängliche Stadtbrache lag, entsteht
heute ein neues städtisches Gefüge aus Wohnen,
Hotel, öffentlicher Infrastruktur und durchgängig begrünten
Außenräumen.
A01 architects reagieren auf das heterogene Hochhauscluster
der Donau City mit einem bewusst hellen,
weich modellierten Turm, dessen Form aus aerodynamischen
Studien entwickelt wurde. Ziel war
weniger die spektakuläre Silhouette als ein besseres
Mikroklima am Boden – weniger Fallwinde, mehr
Aufenthaltsqualität. Die Überplattung der Autobahnzufahrt,
neue Verbindungen für Fußgänger:innen
und Radfahrer:innen, ein öffentlicher Platz und eine
durchgehende Grünraumkette transformieren das
Areal zu einer neuen Kante am Wasser. Ein Landmark,
das sich nicht nur in der Skyline, sondern vor
allem im Alltag des urbanen Raums verankert. u
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43
project A01 architects
architektur FACHMAGAZIN
44
Urbaner Raum
Eine neue Adresse am Wasser
Die Danube Flats bilden das östliche Pendant zum
Bürocluster der Donau City und setzen einen markanten
Abschluss an der Neuen Donau. Der 168 Meter
hohe Turm und der siebengeschossige Riegel umfassen
insgesamt 625 Wohnungen, ergänzt durch ein
Hotel, Gewerbe und soziale Infrastruktur. Zwischen
beiden Baukörpern spannt sich ein neuer öffentlicher
Platz, der das Areal mit der U-Bahn, der Donauinsel
und dem angrenzenden Wohnpark verknüpft – ein
wichtiger Schritt zur Aktivierung eines lange ungenutzten
Areals.
Die charakteristische Silhouette geht weniger auf formale
Gesten als auf funktionale Parameter zurück.
Aerodynamische Studien führten zu einer organisch
geschwungenen Geometrie, die die Windlast reduziert
und die Fallwindbildung am Boden minimiert. Der helle
Turm bildet bewusst den Kontrast zu den dunkleren,
kantigen Bürotürmen auf der gegenüberliegenden
Seite der Wagramer Straße und soll eine weichere,
wohnliche Präsenz im Hochhauscluster setzen.
Der 180-Meter-Turm markiert die neue
Eingangssituation zur Donaustadt und
verbindet Hochhauscluster, Donauinsel
und Stadtraum.
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45
project A01 architects
Die organisch geschwungene
Fassade reduziert
Fallwinde und schafft private
Außenräume – selbst
in über 150 Metern Höhe.
Sechs Kilometer begrünte
Terrassen bilden das zentrale
Gestaltungsmotiv
und bringen Natur in die
vertikale Dichte.
Vertikale Begrünung
Ein Schlüsselthema ist die Integration von Grün in
die Dichte: Rund sechs Kilometer Pflanztröge sind
entlang der umlaufenden Terrassen vorinstalliert.
Die Bepflanzung wurde gemeinsam mit der Universität
für Bodenkultur entwickelt; ein 1:1-Prototyp wurde
über ein Jahr vor Ort getestet, um Windbeständigkeit
und Bewässerungssysteme zu prüfen. Ziel
war es, privaten Außenraum für alle Wohnungen zu
schaffen – auch in großer Höhe – und gleichzeitig
den Kühlbedarf des Gebäudes zu reduzieren.
Der Turm versteht sich als hybrides Gebäude, das typische
Stadtbausteine in die Höhe stapelt: Das Hotel,
ein Restaurant, ein Supermarkt und ein Ärztezentrum
schaffen Nutzungsvielfalt im Sockel. Im Turm verteilen
sich Gemeinschaftsflächen wie Lounge, Sky Garden,
Wellnessbereich, Fitnessräume, Eventküche sowie
ein ganzjährig beheizter Outdoorpool. Diese Shared
Amenities ermöglichen Wohnmodelle, die flexibel auf
unterschiedliche Bedürfnisse reagieren – vom Einzimmerstudio
bis zum großzügigen Apartment.
Infrastruktur als Public Value
Ein entscheidender Beitrag zur städtebaulichen
Qualität liegt in den äußeren Maßnahmen: Die Überplattung
der A22-Zufahrt schafft Lärmschutz und
zusätzlichen Grünraum. Neue Fuß- und Radverbindungen
über die Rudolf-Nurejew-Promenade verbessern
die barrierefreie Erreichbarkeit. Über 1.200
Fahrradstellplätze und die Entflechtung der Wege erhöhen
die Aufenthaltsqualität. Ein öffentlicher Platz
und ein neu gestalteter Donau-Boulevard werten das
Umfeld dauerhaft auf.
Was früher eine schwer zugängliche Verkehrsinsel zwischen
U-Bahn, Straße und Ufer war, ist heute ein urbanes
Gelenk zwischen Stadt und Wasser. Die Struktur
erlaubt darüber hinaus anpassbare Grundrisse über
Generationen hinweg – ein Aspekt, den A01 als zentralen
Beitrag zur Nachhaltigkeit betrachten. Die Durchmischung
reicht von kleinen Studios bis zu großen
Familiengrundrissen. Entscheidend sei, so Andreas
Schmitzer, die Möglichkeit, Wohnraum langfristig umzunutzen
und Gemeinschaftsflächen wirtschaftlich im
Verbund mit der Hotelnutzung zu betreiben. u
architektur FACHMAGAZIN
46
Urbaner Raum
Nachgefragt bei Andreas Schmitzer von project A01 architects
Wie reagiert Danube Flats auf den Donaukorridor,
und warum wurde der Standort
für einen Turm dieser Höhe gewählt?
An der Reichsbrücke entsteht eines der
dichtesten Hochhausgebiete Wiens. Uns
war wichtig, ein wohnliches Gegenstück zu
den bestehenden Bürohochhäusern zu setzen.
Die Lage ist ideal – U-Bahn, Autobahn,
Radwegenetz und die Donauinsel direkt vor
der Tür. Wohnen am Wasser ist in Wien eine
seltene Qualität.
Wie balanciert der Nutzungsmix Wohnverdichtung
und soziale Infrastruktur – und
wie fügt er sich in Wiens Stadtentwicklungsziele?
Ein Gebäude dieser Größe funktioniert wie
ein Quartier. Der Bedarf im Bezirk wurde in
einer Umfrage erhoben: Ärztezentrum, Hotel,
Nahversorger und Gastronomie wurden
als notwendig identifiziert und in das Projekt
integriert. Eine gute Durchmischung der
Wohnungsgrößen war uns ebenso wichtig.
Welche Rolle spielt die vertikale Begrünung
in der Dichtestrategie und für die
ökologische Performance?
Alle Einheiten sollten einen echten Außenraum
erhalten – auch in großer Höhe. Rund
sechs Kilometer Pflanztröge wurden vorinstalliert.
Die BOKU entwickelte eine eigene
Studie zur Hochhausbegrünung, und wir
haben einen Prototyp ein Jahr lang getestet.
Der Bezug zur Natur musste auch in
luftiger Höhe funktionieren.
Wie adressiert das Projekt Mobilität,
Erreichbarkeit und die Aktivierung des
öffentlichen Raums?
Vor dem Projekt war das Areal eine echte
Stadtbrache. Wir haben die fußläufigen
Verbindungen massiv verbessert, eine neue
barrierefreie Brücke zur U-Bahn geschaffen
und die Radwege getrennt und begrünt. Der
gesamte Autoverkehr wird unterirdisch geführt
– oben gehört der Raum ausschließlich
Fußgänger:innen und Radfahrer:innen.
Wie reagiert der Wohnungsmix auf heutige
Wohnbedürfnisse – und welche typologischen
Innovationen wurden eingeführt?
Wir mussten bis zur letzten Minute flexibel
bleiben, weil Käufer:innen ihre Wünsche
einbrachten. Die Mischung reicht von Einzimmerwohnungen
bis zu großen Apartments
– auch in höheren Geschossen. Die
großen Gemeinschaftsbereiche funktionieren
wirtschaftlich nur im Zusammenspiel
mit dem Hotelbetrieb.
•
www.architektur-online.com
47
project A01 architects
EG
OG 4
OG 19
Danube Flats
Wien, Donaustadt
Bauherr:
Planung:
Team:
Landschaftsarchitektur:
Interieur:
Statik:
Grundstücksfläche: 12.417 m²
Bebaute Fläche: 11.612 m²
Nutzfläche: 42.862 m²
Planungsbeginn: 2012
Baubeginn: 2019
Fertigstellung: 2025
www.a01architects.com
Danube Flats GmbH, S+B Gruppe
project A01 architects
Arch. Andreas Schmitzer,
Projektleitung: Arch. Wolfgang Kralovics
Dipl.-Ing. Karl Grimm
ARGE Labvert - Union A01 architects ZT GmbH
KS Ingenieure
„Ein Hochhaus wirkt nur dann stadträumlich, wenn
es unten mehr zurückgibt, als es oben wegnimmt.“
Maria Planegger & Andreas Schmitzer, A01 architects
© Sabine Hauswirth
architektur FACHMAGAZIN
48
Urbaner Raum
Ein Hof voller
Möglichkeiten
Gemeindebau Willi-Resetarits-Hof / Wien / PxT – Pichler & Traupmann Architekten
Text: Andreas Laser Fotos: Hertha Hurnaus
Mit dem Willi-Resetarits-Hof entstand im neuen Wiener Stadtquartier Neues Landgut
ein Ensemble, das die Tradition des Wiener Gemeindebaus fortschreibt und zugleich
neu interpretiert. Der Bauplatz liegt an einer der prominentesten Ecken des Entwicklungsgebiets:
zwischen Landgutgasse und Laxenburgerstraße, am Eingang zu einem
Quartier, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptbahnhof, Belvedere und
Schweizergarten zu einem dichten urbanen Gefüge formt. Pichler & Traupmann Architekten
reagieren auf diese Lage mit einer Architektur, die Präsenz zeigt, ohne sich
aufzudrängen, und die das urbane Umfeld nicht nur ergänzen, sondern aktivieren soll.
Eine Geste der Öffnung
Der Baukörper folgt den Vorgaben der Flächenwidmung,
doch anstatt die Blockränder dogmatisch zu
schließen, brechen die Architekt:innen die Struktur
auf und legen einen Hof frei, der als öffentlich zugänglicher
Raum das gesamte Ensemble durchzieht.
Dieses grüne Herz ist nicht Restfläche, sondern Ausgangspunkt
des Projekts: ein Ort der Durchwegung,
des Aufenthalts und der Verbindung, der sich nach
Westen zum neuen Quartiersplatz und nach Osten
zur Laxenburger Straße öffnet. Die Lage an einer
städtischen Scharnierstelle wird zur räumlichen Qualität
– zu einem Portal, das das Neue Landgut mit dem
Stadtraum verzahnt. Dass für das Projekt keine vorgegebenen
Kubaturen oder „Pixelvolumina“ definiert
waren, wird von den Architekten als entscheidender
Vorteil beschrieben. Erst diese Freiheit ermöglichte
eine Figur, die sich am Ort orientiert statt an abstrakten
Volumenvorgaben.
Die Höhenentwicklung reagiert auf das Quartiersleitbild:
Ein markanter Hochpunkt bildet ein Pendant
zur Gösserhalle und Sichtbeziehung zum Columbusplatz,
während der südliche Teil bewusst abgeflacht
wird, um Licht und Luft in den Hof zu bringen. Im
Erdgeschoss wird die Leitidee eines aktiven Sockels
umgesetzt. An der prominentesten Stelle liegt die
neueste Leihbibliothek der Stadt Wien sowie mehrere
flexibel nutzbare Geschäftsflächen.
u
www.architektur-online.com
49
PxT
architektur FACHMAGAZIN
50
Urbaner Raum
An der Nordfassade
werden die Geschosse
durch horizontale Riegel
markiert, die zwei Aufgaben
erfüllen: Sie wirken
als Brandschutzriegel und
reduzieren Fallwinde, die
an dieser Quartierskante
besonders spürbar sind.
Neuinterpretation des Pawlatschenhofs
Zentrales architektonisches Motiv ist die Weiterentwicklung
des klassischen Wiener Pawlatschenhofes.
Der innere Ring aus umlaufenden Erschließungsgängen
bildet eine halböffentliche Zone, in der sich Bewegung,
Kommunikation und privater Freiraum überlagern.
Die Wohnungen beginnen nicht erst an der
Tür, sondern bereits auf dem Gang – einem Ort, der
Begegnung ermöglicht, Nachbarschaft stärkt und
Teil des alltäglichen Lebens wird. Die Architekten
beschreiben diesen Ansatz als bewusste Entscheidung
gegen anonyme Erschließungsflure. Statt paralleler
Mittelgänge entwickeln sie konische, natürlich
belichtete Zonen mit Ausblicken in den Hof und ins
Quartier. Diese Erschließung ist mehr als Wegeführung:
Sie wird zu einer räumlichen Sequenz, die das
gesamte Haus verbindet und ihm Identität verleiht.
Zugleich ist der Hof selbst fein gegliedert – Bereiche
mit stärkerer Durchwegung stehen solchen gegenüber,
die durch einen Geländesprung geschützt
liegen und als ruhige Rückzugszonen für die Bewohnerinnen
und Bewohner dienen. So entsteht ein
räumlich vielschichtiges Gefüge, das die Idee des Pawlatschenhofs
in eine zeitgemäße städtische Landschaft
überführt.
Der Innenhof ist zugleich das ökologische Zentrum
des Projekts. Durch eine Öffnung in der Tiefgarage
konnten drei großkronige Bäume gepflanzt werden,
die das Mikroklima verbessern und dem Hof eine
landschaftliche Dimension verleihen. Große versickerungsfähige
Flächen, vertikale Begrünungen an Laubengängen
und Fassadenausschnitten, Pflanztröge
und extensive Dachbegrünungen tragen zur Klimaanpassung
bei.
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51
PxT
Individuell leben, gemeinsam wohnen
Die Wohnungen selbst folgen den Vorgaben der
„Gemeindewohnungen Neu“ und sind kompakt, klar
organisiert und anpassbar. Jede Einheit ist so konzipiert,
dass sich Veränderungen in den Lebensphasen
der Bewohnerinnen und Bewohner mit geringem Aufwand
ermöglichen lassen. Die großen Nasszellen, flexible
Zimmerkonfigurationen und durchdachte Vorzonen
erlauben unterschiedliche Nutzungen – vom
Wohnen über das Arbeiten bis zur Pflege.
Der soziale Anspruch des Projekts reicht weit über die
einzelne Wohnung hinaus und setzt sich in einem fein
abgestuften Gefüge gemeinschaftlicher Räume fort.
Im Erdgeschoss öffnet sich ein großzügiger Werkstatt-
und Begegnungsraum mit Waschküche direkt
zum Innenhof; darüber liegen ein kleines Sonnendeck
im ersten Obergeschoss und eine weitläufige Dachterrasse
im vierten Obergeschoss, die mit Kleinkinderspielplatz,
Urban-Farming-Zone und einem weiteren
Gemeinschaftsraum unterschiedliche Formen
des Zusammenkommens ermöglicht. Ergänzt wird
dieses Angebot durch zumietbare Ateliers und offene
Aufenthaltsbereiche auf mehreren Ebenen, die Nachbarschaft
und Austausch stärken. Über das gesamte
Gebäude verteilte Fahrrad- und Kinderwagenräume
sowie eine durchgehende Barrierefreiheit machen die
gemeinschaftliche Nutzung alltagstauglich. u
architektur FACHMAGAZIN
52
Urbaner Raum
Die Fassadenarbeit von Johanna Kandl erinnert an das musikalische
und gesellschaftliche Wirken von Willi Resetarits. In
27 Sprachen erscheint das Wort „Mensch“ auf gemalten CDs
und Schallplatten – ein sichtbares Echo seines Engagements
für Zusammenhalt und Menschenrechte. Im Durchgang zum
Hof entfaltet sich ein Deckenbild, das an barocke Himmelsfresken
anknüpft und Liedtitel aus seinem Werk zitiert.
Ökonomisch geplant, großzügig gedacht
Das Projekt erfüllt, bei allen angeführten Qualitäten,
die Kernforderungen des Wiener Gemeindebaus
nach Effizienz und Kostensicherheit. Der Tragwerksentwurf
basiert auf einem klaren, übereinandergeschichteten
Schottensystem, das Lasten direkt über
Trenn- und Fassadenwände ableitet und so eine
wirtschaftliche Bauweise ermöglicht. Standardisierte
Spannweiten und konstruktive Aufbauten halten
die Herstellungskosten niedrig, zugleich werden
langlebige Materialien eingesetzt, um den Lebenszyklus
des Gebäudes nachhaltig zu optimieren. Dort,
wo programmatische Offenheit gefragt ist – in den
Geschäftsflächen, den Bibliothekszonen und den
Durchgängen – wird das rigide Schottensystem bewusst
in ein Stützenraster überführt, das großzügige
Raumfelder und flexible Nutzungen erlaubt. Die beiden
Baukörper sind kompakt organisiert, Aufzugsund
Stiegenanlagen wurden so optimiert, dass mit
einer minimalen Anzahl an Schächten ausgekommen
wird. Damit entsteht ein Wohnbau, der ökonomisch
präzise geplant ist, aber gerade dadurch räumliche
Spielräume eröffnet, die weit über das Erwartbare im
sozialen Wohnbau hinausgehen.
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53
PxT
OG 3
EG
Bilanz eines zeitgemäßen Gemeindebaus
In der Planung des Willi-Resetarits-Hofs zeigt sich
der Anspruch, Dichte und Freiraum in ein Gleichgewicht
zu bringen. Die kompakten Bauteile geben
Fläche frei, die als hochwertiger Grünraum an die
Bewohnerinnen und Bewohner zurückfließt. Der Hof
als öffentlicher Durchgang verbindet zwei wichtige
Quartiersebenen und wird so Teil eines größeren urbanen
Netzes. Dabei ist das Projekt weit mehr als ein
funktionaler Wohnbau. Es ist ein räumliches System,
das auf soziale Nachhaltigkeit abzielt – ein Ort, an
dem Wohnen, Gemeinschaft und Grün ineinandergreifen
und in dem der klassische Pawlatschenhof
eine zeitgemäße, atmosphärisch dichte Interpretation
erhält.
•
Willi-Resetarits-Hof
Wien, Favoriten
Bauherr: WIGEBA Wiener Gemeindewohnungs Bauges.m.b.H.
Planung: PxT – Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH
Statik:
Dorr-Schober & Partner
Landschaftsplanung: DnD Landschaftsplanung
Kunst am Bau:
Johanna Kandl, Wien
Grundstücksfläche: 3.254 m²
Bebaute Fläche: 2.971 m²
Nutzfläche: 11.881 m²
BGF: 16.988 m²
Planungsbeginn: 2021
Baubeginn: 2022
Fertigstellung: 2024
www.pxt.at
„Wohnen ist immer ein soziales Gefüge. Räume können
Menschen voneinander trennen oder sie miteinander
in Beziehung setzen. Unser Ziel ist es, Strukturen
zu schaffen, die Begegnung ermöglichen, ohne
sie zu erzwingen. Wenn das gelingt, wird Architektur
Teil eines lebendigen Alltags.“
Pichler & Traupmann Architekten
architektur FACHMAGAZIN
54
Urbaner Raum
Ein neuer
Mittelpunkt
Marktraum Naschmarkt / Wien, Mariahilf / Mostlikely Architecture
Text: Andreas Laser Fotos: Mostlikely Architecture &, Felix Redmann
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55
Mostlikely Architecture
Mit dem Marktraum am Wiener Naschmarkt erhält
einer der bekanntesten urbanen Räume Österreichs
ein neues räumliches und soziales Zentrum. Entworfen
von Mostlikely Architecture rund um Architekt Mark
Neuner, ist der Bau weit mehr als eine Markthalle: Er
versteht sich als offene, wandelbare Infrastruktur, die
Markt, Stadt und Gemeinschaft miteinander verknüpft
und die historisch gewachsene Marktkultur in eine
zeitgemäße Zukunft überführt.
Kaum ein Projekt der jüngeren Wiener Stadtentwicklung
wurde im Vorfeld so intensiv diskutiert wie die
Umgestaltung des ehemaligen Parkplatzareals rund
um die Kettenbrücke am Naschmarkt. Der Ort wurde
zum Brennpunkt grundlegender Fragen moderner
Stadtentwicklung. Bürgerinitiativen und Anrainergruppen
äußerten früh Bedenken – insbesondere gegenüber
der anfänglich diskutierten Idee einer massiven
Markthalle, die als Symbol einer drohenden
Kommerzialisierung gelesen wurde. Auch der Schutz
der Sichtachsen auf die Otto-Wagner-Bauten der Wienzeile
sowie der langfristige Erhalt des Flohmarkts
prägten den Widerstand. Vor diesem Hintergrund
ist der Marktraum nicht als bloßer Kompromiss zu
lesen, sondern als architektonische Positionierung
innerhalb eines hoch aufgeladenen Diskurses, in dem
nicht alle Erwartungen erfüllt werden konnten – und
auch nicht sollten.
u
architektur FACHMAGAZIN
56
Urbaner Raum
Die grün lasierte
Lärchenfassade greift
das Farbspektrum
des Naschmarkts auf.
Historische Typologien
werden dabei nicht zitiert,
sondern zeitgemäß weiterentwickelt.
Vom Parkplatz zum Stadtraum
Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 2017
zurück. Im Rahmen der Vienna Biennale verwandelte
Mark Neuner gemeinsam mit dem Kollektiv Team
Wien den damaligen Parkplatz am Naschmarkt temporär
in einen offenen Stadtraum. Unter dem Titel
„Park macht Platz“ zeigten einfache Holzstrukturen
im Maßstab 1:1, welches Potenzial der Ort als gemeinschaftlich
genutzte Fläche besitzt.
Diese frühe Intervention war weniger fertige Antwort
als vielmehr räumliche Frage: Was kann ein Markt
heute sein, jenseits reiner Verkaufslogik? Die Diskussionen
dieser Zeit mündeten einige Jahre später in
ein kooperatives Verfahren, an dem Architekt:innen,
Landschaftsarchitekt:innen und Kunstschaffende
beteiligt waren. In einem politischen Umfeld, das
von Unsicherheit und widersprüchlichen Erwartungen
geprägt war – Park, Markthalle oder Erhalt des
Parkplatzes – kristallisierte sich schließlich eine
klare Dreiteilung heraus: ein neuer Park, der Erhalt
des Flohmarkts und die Stärkung des Bauernmarkts
durch verbesserte Infrastruktur.
Aus diesem Prozess ging der Wettbewerbsentwurf
von Mostlikely Architecture als Sieger hervor. Entscheidend
war dabei die Haltung, den Markt als sozialen
Raum neu zu interpretieren.
www.architektur-online.com
57
Mostlikely Architecture
Räumliche Durchlässigkeit
Der Marktraum bildet heute das neue Entrée des
Naschmarkts. Seine Position vermittelt zwischen
Marktamt, bestehenden Holzpavillons, dem neuen
Naschpark und der geplanten Umgestaltung des
Flohmarktareals. Statt den Markt zu unterbrechen,
setzt der Bau die Logik der Marktzeilen fort: Die
Haupteingänge liegen exakt auf den Achsen der
bestehenden Wege, sodass die Halle wie selbstverständlich
durchquert und nicht als Hindernis wahrgenommen
wird.
Diese Durchlässigkeit ist ein zentrales Entwurfsmotiv.
Großflächig öffenbare Fassaden, ein zentraler
öffentlicher Durchgang und visuelle Bezüge zum
Vorplatz, zum Markt und zur Umgebung machen
den Bau zu einem verbindenden Element im Marktgefüge.
Besonders im geöffneten Zustand wird der
Markt raum weniger als Gebäude, denn als überdachter
Stadtraum lesbar.
Architektur als soziale Infrastruktur
Inhaltlich versteht sich der Marktraum explizit als
konsumfreier sozialer Ort. Zwar ist er Heimat von
zwölf Marktständen, einer Marktbar und gastronomischen
Angeboten, doch das Herzstück ist die
lange Markttafel: ein Ort des Zusammensitzens,
des Austauschs und der Begegnung. Hier kann man
verweilen, ohne konsumieren zu müssen – ein bewusster
Gegenentwurf zur fortschreitenden Gastronomisierung
innerstädtischer Märkte, der auch den
Naschmarkt zunehmend prägt.
Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen
Workshopraum mit angeschlossener Küche. Dieses
„Markt räumchen“ ermöglicht Kochkurse, Veranstaltungen
und Bildungsformate rund um Ernährung,
Nachhaltigkeit und regionale Lebensmittelproduktion.
Der Markt wird damit zum Wissensort und sozialen
Knotenpunkt – nicht nur für Händler:innen, sondern
auch für die Nachbarschaft.
u
architektur FACHMAGAZIN
58
Urbaner Raum
Leichtbau über dem Wienfluss
Konstruktiv reagiert der Bau sensibel auf seinen
besonderen Ort. Der Marktraum ruht auf schlanken
Stahlstützen über dem historischen Wienflussgewölbe.
Dieses wurde während der Bauzeit freigelegt,
überprüft und dauerhaft überwacht. Auf dem Bestand
liegt nun eine neue Bodenplatte, die den leichten
Holzbau trägt.
Das Tragwerk besteht aus gespannten Leimbindern,
die Decke aus Brettsperrholzelementen (BSH). Die
Lastabtragung erfolgt über filigrane Stahlstützen,
um größtmögliche Offenheit und Transparenz zu gewährleisten
– ein Anspruch, der bereits im Wettbewerb
und von der Jury klar formuliert war.
Gegen die Standardbox
Besondere Aufmerksamkeit widmete das Planungsteam
der Entwicklung der Marktstände selbst. Bereits
im Wettbewerbsverfahren war klar, dass der
Marktraum keine homogene Markthalle mit standardisierten
Boxen werden sollte, sondern eine robuste,
anpassungsfähige Infrastruktur, die den sehr unterschiedlichen
Anforderungen der zukünftigen Standbetreiber:innen
gerecht wird. Die Marktstände sind
als eigenständige Holzbauten innerhalb der Halle
konzipiert und variieren bewusst in Ausstattung und
Öffnungsgrad. Während einige Stände über Entlüftungen,
Wasseranschlüsse und technische Vorrüstungen
verfügen, um Kochen oder Backen vor Ort
zu ermöglichen, sind andere als bewusst einfache
Verkaufsflächen ausgeführt. Die Stände lassen sich
teilweise vollständig öffnen, andere funktionieren als
klar gefasste Einheiten. So entsteht eine räumliche
Vielfalt, die auf die jeweiligen Produkte, Arbeitsabläufe
und Präsentationsformen reagiert – von frischen
Lebensmitteln über verarbeitete Produkte bis
hin zu gastronomischen Angeboten.
Materialität und Konstruktion der Stände folgen dem
übergeordneten architektonischen Konzept: Holz als
primäres Baumaterial sorgt für Robustheit, Reparierbarkeit
und eine warme Atmosphäre. Gleichzeitig
sind die Einbauten so ausgeführt, dass sie sich im
Laufe der Zeit anpassen, umbauen oder austauschen
lassen. Der Marktraum bleibt damit offen für zukünftige
Veränderungen – ein wichtiger Aspekt für einen
Markt, der nicht als statisches Gebäude, sondern als
langfristige soziale Infrastruktur gedacht ist.
Die Marktstände sind als flexible Holzeinbauten
innerhalb der Halle konzipiert.
Unterschiedliche Ausstattungen reagieren
auf die vielfältigen Anforderungen der
Händler:innen. Die lange Markttafel bildet
das soziale Zentrum des Marktraums. Sie lädt
ohne Konsumzwang zum Verweilen ein.
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59
Mostlikely Architecture
Materialität und Atmosphäre
Die äußere Erscheinung des Marktraums ist geprägt
von einer grün lasierten Lärchenfassade, die das
charakteristische Farbspektrum des Naschmarkts
aufgreift. Anstatt historisierend zu zitieren, übersetzt
sie die bestehende Typologie der Marktstände – mit
Falt- und Schiebeläden, Dreiteilung und Beschriftung
– in eine zeitgemäße Architektursprache.
Im Inneren dominieren hell geölte Eichenoberflächen,
die dem Raum Wärme und Helligkeit verleihen. Die
Decke aus Holzlamellen zieht sich nahtlos von innen
nach außen und verstärkt den Eindruck eines zusammenhängenden
Raums unter einem schützenden
Dach. Hinter den Lamellen verbirgt sich unauffällig
die deckengeführte Gebäudetechnik.
Besonderes Augenmerk galt dem Boden: Ein durchgehender
Terrazzoboden in changierenden Rosétönen,
gefertigt von der lokalen Firma Gierer, verbindet
Innen- und Außenraum. Das Verlegemuster nimmt
jenes des Naschmarkts auf und führt es in kräftigerer
Farbigkeit fort – ein subtiler, aber wirkungsvoller
Beitrag zur räumlichen Kontinuität.
Robuste Systeme, offene Räume
Der Marktraum ist bewusst kein klassisch beheiztes
oder klimatisiertes Gebäude. Stattdessen sorgen unterstützende
Heiz- und Kühlsysteme für moderate
Temperaturunterschiede. Der massive Terrazzoboden
dient dabei als thermisches Speichervolumen.
Eine große Luftwärmepumpe, automatische Fensterlüftung
und der weitgehende Verzicht auf aufwendige
Technik unterstreichen den Low-Tech-Ansatz.
Ziel ist ein robustes, langlebiges Gebäude, das sich
saisonal verändert: Im Sommer öffnen sich die Fassaden
vollständig, die Halle wird zur Überdachung im
Freien. An der Südseite sorgen ausfahrbare Markisen
für zusätzlichen Sonnenschutz.
u
architektur FACHMAGAZIN
60
Urbaner Raum
Die öffentlich zugängliche Dachterrasse erweitert den
Marktraum nach oben. Als konsumfreier Stadtbalkon
bietet sie neue Perspektiven auf Markt und Stadt.
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Über dem Naschmarkt
Ein weiteres wesentliches Element des Entwurfs ist
die öffentlich zugängliche, begrünte Dachterrasse. Mit
einem Substrataufbau von bis zu 60 Zentimetern ermöglicht
sie auch größeren Pflanzen das Wachsen. Die
Pflanzgefäße sind dabei strategisch über den tragenden
Stahlstützen angeordnet und Teil eines statisch wie
räumlich abgestimmten Systems.
Als konsumfreier Stadtbalkon bietet die Terrasse neue
Perspektiven auf den Markt, die Wienzeile und den Naschpark.
Hochwertiges, individuell entworfenes Stadtmobiliar
unterstützt diesen Anspruch: Sitz- und Liegeelemente,
Tische und Aufenthaltsinseln sind bewusst
nicht als flüchtige Ausstattung, sondern als dauerhafte
Bestandteile des architektonischen Konzepts gedacht.
In Materialität, Maßstäblichkeit und Robustheit auf den
Ort abgestimmt, fördern sie unterschiedliche Formen
des Aufenthalts – vom kurzen Verweilen bis zum längeren
Aufenthalt.
Die Entscheidung für langlebiges, hochwertiges Mobiliar
folgt dabei einer klaren Haltung: Öffentliche Räume werden
dort angenommen und respektiert, wo Gestaltung
Wertigkeit vermittelt. Die Dachterrasse wird so nicht
nur zur grünen Ergänzung des Marktraums, sondern zu
einem eigenständigen, alltäglich nutzbaren Stadtraum
über dem Markt – ruhig, offen und bewusst konsumfrei.
Ein Markt im Wandel
Der Marktraum bildet das gebaute Herz eines mehrstufigen
Entwicklungsplans. Der Naschpark wurde bereits
eröffnet und dient als grüne Lunge und Treffpunkt. In
den kommenden Jahren folgen die Umgestaltung des
Areals vor dem Marktraum zur weiteren Stärkung des
Bauernmarkts sowie die Neugestaltung der östlichen
Flächen rund um Flohmarkt und Kettenbrücke als multifunktionaler
Stadtraum. Gemeinsam bilden diese Bausteine
ein neues urbanes Gefüge, in dem Markt, Park
und öffentlicher Raum ineinandergreifen.
•
61
Mostlikely Architecture
Marktraum Naschmarkt
Wien, Mariahilf
Bauherr: Stadt Wien / MA 59
Planung: Mostlikely Architecture ZT GmbH
Projektleitung: D.I. Mark Neuner / D.I. Marc Werner
Team:
Christian Höhl, Marlene Lötsch, Fabian Haslinger,
Irina Nalis, Felix Redmann, Laura Bein, Ritger Traag,
Soňa Langová, Xinxin Qiu, Carla Kar, Mal Ballata,
Soryun Lee, Gil Grassmann, Sabine Schertler
Projektsteuerung/ÖBA: Wiener Gewässer Management
Landschaftsplanung: D\D Landschaftsplanung
Marktexpertise:
Thomas de Martin
Statik:
Bollinger + Grohmann
TGA:
Bauklimatik & Allplan
Tiefbau:
Axis Ingenieure
Wettbewerb: EU-weiter Realisierungswettbewerb, 1. Preis
Planungsbeginn: 2017 (Vorläuferprojekt „Park macht Platz“)
Realisierung: 2024–2025
“Mit dem neuen Marktraum
erhält der Naschmarkt ein
Zentrum, das weit mehr ist als
eine Markthalle – ein offener,
wandelbarer Ort, in dem Handel,
Alltag und Gemeinschaft
ineinandergreifen.“
Mark Neuner
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architektur FACHMAGAZIN
62
Wiener Grünraumoffensive
WOW City
Wie Wien mit „Raus aus dem Asphalt“, Supergrätzln und der Smart
Klima City Strategie 2040 seinen Straßenraum neu erfindet.
Text: Linda Pezzei
Der Klimawandel trifft Städte zuerst – und am sichtbarsten. Wien reagiert darauf mit
einer der ambitioniertesten europäischen Transformationsstrategien: Der Straßenraum
wird zur Klimainfrastruktur, die Asphaltflächen schwinden, Grün, Wasser und
konsumfreie Aufenthaltsräume nehmen ihren Platz ein. 344 Projekte wurden bereits
umgesetzt, von der Praterstraße bis zur Bernardgasse. Doch wie greifen Strategie,
Politik, Ingenieurwesen und Bürgerbeteiligung ineinander? Und wo kollidiert der
Anspruch mit der Wirklichkeit?
www.architektur-online.com
63
Wiener Grünraumoffensive
© EGKK Landschaftsarchitektur
© EGKK Landschaftsarchitektur
Supergrätzl Favoriten – vom Barcelona-Modell zur Wiener DNA
Auf einer Fläche zwischen Gudrunstraße und Neilreichgasse entsteht Österreichs erster Superblock:
mehr als 60 neue Bäume, rund 7.000 m² entsiegelt, Schulumfeld neu organisiert, Modalfilter
reduzieren Durchzugsverkehr, neue Plätze zum Spielen und Verweilen. Die Landschaftsarchitekten
von EGKK sprechen von „identitätsstiftenden Grätzlmodulen“, eingebettet in einen Teppich
aus hellem Pflaster und Grün.
Ein Sommer, der alles verändert
Es ist ein heißer Nachmittag in der Praterstraße.
Einer jener Tage, an denen Beton zu
glühen scheint und der Wind scharf wie ein
Fön weht. Genau hier, wo früher zwei Spuren
Autoverkehr dominierten, dehnt sich
heute ein kühlender Korridor aus Bäumen,
Nebeldüsen und hellem Stein. Radfahrende
gleiten über den neuen Zwei-Richtungs-Radweg,
Kinder balancieren über
den Rand des Wasserspiels am Rosl-
Berndt-Platz, Touristen sitzen im Schatten
der frisch gesetzten Bäume.
Die Temperaturen sind an solchen Stellen
nachweislich niedriger – ein Effekt, der in
Wien inzwischen politisches Programm ist.
„Unter dem Motto ‚Raus aus dem Asphalt‘
entsiegeln, begrünen und kühlen wir in der
ganzen Stadt auf Hochtouren Plätze und
Straßenzüge“, sagt Planungsstadträtin
Ulli Sima. „Damit begegnen wir den klimawandelbedingten
Hitzeinseln in der Stadt.
Zugleich nützen wir diese notwendigen
Anpassungen, um den öffentlichen Raum
attraktiver für alle zu gestalten und Wiens
international anerkannte Lebensqualität
weiter zu erhöhen.“ Wien hat sich entschieden,
seine Zukunft dort zu bauen, wo der
Alltag stattfindet: im Straßenraum.
Die strategische Ebene –
vom Klimagesetz zur Klimastadt
Was oberflächlich wie eine Reihe einzelner
Projekterfolge wirkt, ist in Wahrheit
die sichtbare Spitze eines strategischen
Unterbaus, der europaweit einzigartig ist.
Die Smart Klima City Strategie 2040, vom
Gemeinderat beschlossen, verpflichtet die
Stadt zur Klimaneutralität bis 2040 – inklusive
Klimabudget und obligatorischem Klimacheck.
Ergänzt wird sie durch das Wiener
Klimagesetz (2025), das den Rahmen
über Legislaturperioden hinweg absichert.
Dahinter liegt der Wien-Plan 2035, Wiens
aktueller Stadtentwicklungsplan, der alle
zehn Jahre neu gefasst wird. Er definiert
die nächsten Schritte: mindestens 50 %
Grünanteil, Fokus auf die klimafitte Bestandsstadt,
keine neuen Stadterweiterungsgebiete,
klare Mobilitätsachsen und
ein übergeordnetes Radwegenetz. „Der
Wien-Plan steckt den Weg für die Entwicklung
unserer Stadt in den nächsten zehn
Jahren ab – und plant das lebenswerte und
klimafitte Wien 2035“, sagt Clemens Horak,
Abteilungsleiter der Abteilung für Stadtentwicklung
und Stadtplanung. Der strategische
Rahmen ist gesetzt – doch seine
Wirkung entfaltet er auf Straßenniveau. u
architektur FACHMAGAZIN
64
Wiener Grünraumoffensive
© Chrisitan Fürthner
© Chrisitan Fürthner
Praterstraße – der Klimaboulevard
Die vielleicht spektakulärste Transformation: ein 4,5 Meter breiter
Zwei-Richtungs-Radweg, über 50 Bäume, helle Beläge, sechs Trinkbrunnen,
Nebelstelen und zwei neu gestaltete Plätze. Die Praterstraße
wurde zum klimafitten Boulevard, der Leopoldstadt und Innenstadt neu
verbindet.
Wien wird WOW
„Wien wird WOW“ ist die zentrale Kommunikations- und
Transformationsplattform der Stadt Wien rund um die
klimafitte Entwicklung des öffentlichen Raums. Unter
diesem Dach bündelt die Stadt alle Projekte, die Straßen,
Plätze und Grätzl grüner, kühler und lebenswerter machen
– von Begrünungsoffensiven über Verkehrsberuhigungen
bis zu neuen Parks und Supergrätzln. Herzstück
der Initiative ist das Programm „Raus aus dem Asphalt“,
das seit 2020 über 344 Projekte in allen 23 Bezirken realisiert
hat: mit 3.316 neuen Bäumen, über 85.000 m² neuer
Begrünung, 1.952 m² Wasserspielen und umfassender
Entsiegelung vormals versiegelter Flächen. Die Projekte
folgen einer klaren Leitlinie: Schatten, Wasser, Spielen,
Verweilen. „Wien wird WOW“ macht diese Transformation
sichtbar – über die Website, Social Media und wandernde
Ausstellungen – und zeigt, wie die Stadt im Zusammenspiel
von Planung, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur
und Bürgerbeteiligung auf den Klimawandel reagiert.
Ziel ist es, Wien Schritt für Schritt zur klimafitten Millionenmetropole
zu machen, die Lebensqualität, soziale
Inklusion und Aufenthaltsqualität als zentrale Parameter
der Stadtentwicklung definiert.
© Chrisitan Fürthner
Die Universitätsstraße als urbaner Mobilitätsraum
der Zukunft – aus einer Autostraße wird
ein Mobilitätsboulevard: Öffi-Knotenpunkt,
breiter Zwei-Richtungs-Radweg und Vorrang
für Radfahrende prägen den Raum neu. 55
Bäume und bunte Staudenbeete schaffen
Schatten und Kühlung, während die historische
Prachtstraße zur Schnittstelle von
Mobilität, Klima und Lebensqualität wird.
© Chrisitan Fürthner
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65
Wiener Grünraumoffensive
„Raus aus dem Asphalt“ –
Die operative Transformation
Im August 2020 startete das erste Projekt.
Fünf Jahre später zieht Wien Bilanz:
344 umgesetzte Projekte,
85.488 m² neue Begrünung,
3.316 neue Bäume,
1.952 m² Wasserspiele,
2.745 neue Sitzgelegenheiten,
100 Millionen Euro Fördermittel, vollständig
ausgeschöpft.
Die Transformation folgt einem einfachen,
aber wirkungsvollen Leitbild für jeden neuen
Stadtraum: Schatten – Wasser – Spielen
– Verweilen. Die Initiative ist in der MA18 organisatorisch
verankert, wird aber de facto
von einem eng verzahnten Netzwerk getragen:
MA19 (Gestaltung), MA28 (Straßenbau),
MA42 (Stadtgärten), ergänzt durch
externe Ingenieur- und Planungsbüros wie
FCP und EGKK.
Wie Planung und Technik
den Kurs vorgeben
Ingenieurwesen als Klimawerkzeug – FCP
Günther Achs, geschäftsführender Gesellschafter
von FCP, sieht die Transformation
nicht als Sammlung von Einzelmaßnahmen,
sondern als Systemarbeit: „Was mir am
wichtigsten ist: ein ganzheitlicher Blick. Wir
brauchen jemanden, der aufs Ganze schaut.“
Mikroklimasimulationen gehören inzwischen
zu den Standardwerkzeugen – FCP
hat Energie, Luftschadstoffe, Lärm und
Mikroklima inhouse vereint. Zudem betont
Achs die Bedeutung der Lebenszyklusbetrachtung:
„Manchmal ist ein CO 2 -intensiveres
Material sinnvoller, wenn es 30 Jahre
hält und nicht fünf.“ Auch Partizipation
sieht er als eigene Disziplin: „Das Ergebnis
ist nur gut, wenn wir alle Menschen einbeziehen
– Bewohnende, Kinder, Geschäftsleute.
Wir haben auch unser Team in Mediation
schulen lassen.“ Und er wird deutlich:
„Wir kämpfen gegen Entscheidungsträger,
die das Thema herunterspielen oder nicht
ernst nehmen.“
Argentinierstraße – Wiens erste Fahrradstraße nach niederländischem Vorbild:
Radfahrende bestimmen das Tempo, Verkehr wird beruhigt, Querungen gesichert. 70 Bäume
und 2.800 m² entsiegelte Fläche machen sie zur grünen Klimainfrastruktur – ein Modell,
wie aktive Mobilität und Kühlung zusammengehen.
Atmosphäre als Grätzl-Infrastruktur –
EGKK
Clemens Kolar beschreibt das Super grätzl-
Design als Mischung aus klaren Aufenthaltsräumen,
hellem Pflaster, Klinkerteppichen
und einer grünen Grundstruktur. Trotz nötiger
Rettungszonen gelang es, ein Drittel
der Fläche als Grünraum auszubilden. Cooling-Spots
– Bachläufe, Nebeldüsen, Wasserspiele
– machen den Raum erlebbar und
messbar kühler. Die zukünftige Herausforderung
sieht Kolar in Nutzungskonflikten: Was
passiert, wenn viele Menschen denselben
kühlen Raum beanspruchen? Welche Ruhebedürfnisse
entstehen? Welche Dynamiken
beeinflussen Mietpreise oder Geschäftsstrukturen?
Diese Fragen werden das Supergrätzl
nach der Eröffnung begleiten.
© Toni Rappersberger
© Chrisitan Fürthner
Partizipation – Wiens wichtigster
sozialer Motor
Die Stadt Wien hat Partizipation strategisch
verankert: Das Wiener Klimateam ermöglicht
seit 2022 direkte Mitgestaltung mit
20 € Budget pro Kopf, 13 Mio. € Gesamtvolumen
und über 2.000 eingereichten Ideen.
Das Besondere im internationalen Vergleich:
Beteiligung ist kein Add-on, sondern
Pflichtteil der Smart Klima City Strategie
2040 – und reicht von Bauwerksprojekten
über Straßenraum bis zu Mikrointerventionen.
Achs bringt es auf den Punkt:
„Nicht-partizipativ geplante Projekte werden
nie wirklich angenommen.“ u
Klimaanpassung im sensibelsten Stadtraum
Wiens: Denkmalschutz trifft Klimaschutz. Neue
Bäume, helle Oberflächen und Bänke verbessern
das Mikroklima am Michaelerplatz behutsam.
Ein konsumfreier Stadtraum zwischen Welterbe
und Klimaanpassung – sichtbares Zeichen einer
langfristigen Transformation.
architektur FACHMAGAZIN
66
Wiener Grünraumoffensive
Die soziale Dimension:
Wer profitiert von der Klimastadt?
Klimafitte Städte müssen faire Städte sein.
BOKU-Studien zeigen, dass „grüne Gentrifizierung“
in Wien aufgrund des hohen sozialen
Wohnbauanteils geringer ist – jeder
Prozentpunkt Sozialwohnbau senkt das
Risiko um 4–5 %. Trotzdem leben einkommensschwache
Gruppen besonders häufig
in aufgeheizten Vierteln (10., 15., 16., 17., 20.
Bezirk). Hier setzt Wien an und forciert konsumfreie
Zonen, öffentliche Sitzgelegenheiten
im 100-Meter-Rhythmus (Beispiel
Neubau), Cooling-Zonen für vulnerable
Gruppen sowie einen Schwammstadt-Aufbau,
der Bäume langfristig stabilisiert. Der
Straßenraum wird damit zu sozialer Infrastruktur
– nicht nur zu klimatischer.
Wien im internationalen Spiegel
Im internationalen Vergleich steht Wien
bemerkenswert da: Mit rund 50 % Grünund
Blauflächen ist die Stadt eine der am
wenigsten versiegelten Großstädte weltweit.
Gleichzeitig übernimmt Wien das
Superblock-Prinzip Barcelonas, passt es
jedoch an: stärker kleinteilig, mehr soziale
Infrastruktur, enger verknüpft mit dem sozialen
Wohnbau und den Mobilitätszielen.
Gleichzeitig gibt es Schattenseiten: GLO-
BAL 2000 kritisiert, dass Wien bis 2030
nur 42 % THG-Reduktion plant – statt der
wissenschaftlich erforderlichen 90–95 %.
Zudem heizen fast 50 % der Haushalte noch
mit Gas, und Projekte wie die Stadtstraße
stehen im Widerspruch zum Klimamusterstadt-Narrativ.
Ein Realitätscheck
Die Transformation ist sichtbar – aber nicht widerspruchsfrei.
Michaelerplatz: Denkmalschutz vs. Klimaschutz
Stadtstraße: 330.000 m² neuer Asphalt
Budgetdruck 2024/25: Fördermittel ausgeschöpft
Verkehrsverbände kritisieren Modalfilter
Bürgerkonflikte entstehen dort, wo Nutzungserwartungen auseinandergehen
Fossile Abhängigkeit bleibt eine strukturelle Schwäche
Doch gerade diese Konflikte machen die Transformation glaubwürdig und politisch relevant.
© EGKK Landschaftsarchitektur / Mathis Wachsmuth; Andreas Buchberger
Statt Verkehrskorridor: ein 250 Meter langer grüner Park.
37 Bäume, Stauden und neue Sitzbereiche verwandeln die Wagramer
Straße in eine Kühlungsachse für die dicht bebaute Donaustadt – und
zeigen, wie Verkehrsadern zu Freiräumen werden.
© EGKK Landschaftsarchitektur / Mathis Wachsmuth; Andreas Buchberger
www.architektur-online.com
67
Wiener Grünraumoffensive
Gute Aussichten –
die Klimastraße als Standard
„Raus aus dem Asphalt“ war der Anfang.
Der nächste Schritt ist, die Prinzipien in
die Breite zu bringen: mehr Bäume, mehr
Wasserspiele, mehr Schwammstadt, mehr
sozial gerechte Aufenthaltsräume. Der
Wien -Plan setzt dafür neue Kennzahlen:
Der Baumüberschirmungsgrad wird zum
verbindlichen Richtwert – europaweit ein
Novum. Die zukünftige Klimastadt entsteht
nicht in großen Visionen, sondern im Alltag:
Dort, wo ein Kind Schatten findet. Wo ältere
Menschen konsumfrei sitzen können. Wo
ein Bachlauf die Luft kühlt. Wo eine Gasse
zur Begegnungszone wird.
Oder, wie Günther Achs es formuliert: „Eine
Stadt ist dann gelungen, wenn Menschen
sie von selbst nutzen – nicht, wenn sie perfekt
geplant wurde.“ Wien hat begonnen,
genau diese Stadt zu bauen.
•
Park statt Parkplatz. 70 Bäume und
Liegewiesen über dem Wienfluss machen
den Naschpark zur konsumfreien Oase in
der Innenstadt. Der Raum kühlt messbar
ab, das Flussufer wird wieder erlebbar –
ein Zeugnis für Entsiegelung und soziale
Aufenthaltsqualität.
© Chrisitan Fürthner
© Luiza Puiu
240 Bäume, 41 Nebelstelen und vier verkehrsberuhigte
Seitengassen kühlen das Mikroklima
der Thaliastraße spürbar. Schatten und Wasser
machen den Boulevard zum lebendigen Raum für
Alltag, Begegnung und lokale Wirtschaft.
architektur FACHMAGAZIN
68
Naturstein
© Petra Kellner
Stein passt immer
Ob Fassade, Wand oder Boden – kein Werkstoff vereint Ästhetik,
Zweckmäßigkeit und Ökologie so perfekt wie Naturstein.
Text und Fotos: Richard Watzke (soweit nicht anders angegeben)
Pinterest hat seinen neuen Trendbericht vorgestellt
– basierend auf zwei Jahren Suchdaten, die anzeigen,
welche Themen 2026 an Bedeutung gewinnen. So
unterschiedlich die einzelnen Gestaltungsrichtungen
sind, haben sie doch einen gemeinsamen Nenner: Der
Minimalismus im Interior-Bereich verliert deutlich an
Schwung. Statt bravem Ton-in-Ton darf es farbenfroh
und opulent zugehen. Vorbei ist die Zeit beiger Zurückhaltung
und nicht nur in der Mode sind mutige
Stilmixe und Farbkombinationen angesagt.
Die Abkehr vom neutralen Beige markiert mehr als
einen Stilwechsel. Sie signalisiert eine Verschiebung
im Denken über Räume: weg vom glatten, beruhigten
Hintergrund, hin zu ausdrucksstarken Atmosphären
und Materialien mit sinnlicher Haptik. Weg von der
glatten Fläche, hin zur Textur heißt nichts anderes
als: Räume haben eine Geschichte und dürfen diese
auch erzählen. Designer in der Erlebnisgastronomie
mit Massivholz-Dielen, rauen Vertäfelungen oder
Theken in Antik-Optik zelebrieren das seit Jahren
schon. Kein Laminat, sondern das echte, volle Holz
in ganzer Natürlichkeit. Bei Naturstein verhält es sich
genauso. Strukturierte Steine sind beliebter denn je,
Sorten mit Kristallen, groß wie Handteller oder darü-
www.architektur-online.com
69
Naturstein
ber, zieren die Schauräume von Raumausstattern. Für
Gestalter bedeutet das, natürliche Materialien und
Oberflächen als Charakterträger im Designprozess
wieder stärker zu gewichten. Eine Fassade oder ein
Bodenbelag sind nicht nur „oberflächliche“ Teile des
Gebäudes oder seiner Räume, sondern Träger einer
Gestaltungshaltung. Sei es aus praktischen oder aus
ästhetischen Gründen – jede Materialwahl beruht auf
bewussten Entscheidungen. Naturstein befindet sich
dabei in einer besonderen Position.
Emotion, Haptik und Tiefe
Wenn neutrale Paletten und reduzierte Einheitsästhetik
an Wirkung verlieren, entsteht ein neuer
Wunsch nach Individualität. Räume sollen nicht länger
unsichtbar funktionieren, sondern Persönlichkeit
ausstrahlen. Naturstein erfüllt diese Erwartung auf
zwei Ebenen: durch seine physische Präsenz und
durch narrative Qualitäten. Jede Platte ist ein Unikat
– mit bloßem Auge erkennbare Sedimentlinien, lebhafte
Kristallgefüge, Fossilien und andere Einschlüsse
sind keine Dekoration, sondern erzählen die Geschichte
des Materials. Statt neutraler Kulisse kann
Stein nun zum Anker eines Raums werden, der Emotion,
Haptik und visuelle Tiefe schafft. Seine Schönheit
wirkt nicht aufgesetzt, sondern gewachsen. Für
Interior-Design bedeutet das: Räume, die wieder
Charakter zeigen dürfen, aber dennoch Ruhe ausstrahlen
– getragen von Materialien, die Geschichten
erzählen und Zeit überdauern.
u
1
2
1 Brauner Dolomit prägt
das QuellenReich Spa in
Velburg von Berschneider
+ Berschneider
Architekten, Pilsach.
2 Spieglein Spieglein…:
Dieser Raumteiler ist
der heimliche Star im
Badezimmer.
architektur FACHMAGAZIN
70
Naturstein
3
Für Planer stellt sich die Frage, wie dieser Ausdruckswille
gesteuert werden kann, ohne ins Ornamentale
abzurutschen. Die Antwort liegt im Material selbst,
in seiner Entstehung, seiner Petrogenese. Naturstein
ist von Natur aus „fertig“, war schon immer so und
wurde nicht erst am Computer entworfen wie indu s-
trielle Werkstoffe. Selbst kräftige Strukturen beruhen
auf natürlichen Prozessen und wirken dadurch organisch,
nicht künstlich. In Interiors, die wieder Farbe,
Textur und mutige Kompositionen zulassen, wird
Stein zum verbindenden Element. Er erdet, vermittelt
Beständigkeit und verankert Materialvielfalt in einer
natürlichen Ordnung.
Gestalterisch eröffnet sich damit ein größeres Spielfeld.
Die Gewinner sind regionale Steine mit charaktervollen
Tönen: warme Kalksteine, dunkle Granite,
rötliche Quarzite oder strukturreiche Travertine. Die
Vielfalt ermöglicht bewusst gesetzte Akzente – etwa
als Inselplatte, Wandpaneel, Tisch oder bodenstehendes
Objekt. Gleichzeitig erlaubt Stein subtile
Übergänge zwischen Architektur und Einrichtung, da
er in beiden Welten verankert ist: als Baukörper und
als Möbeloberfläche.
u
4
3 Wenn schon beige,
dann bitte mit Textur: Die
Wandgestaltung kombiniert
raue und glänzende
Oberflächen.
4 Naturstein darf in Würde
altern: Theke aus
St. Margarethener
Kalksandstein in einem
Heurigen.
CASAWEST GmbH
4055 Pucking
office@casawest.at
www.casawest.at
Sölker Marmor
Bergbau
8961 Sölk
office@soelker.at
www.soelker.at
Poschacher Natursteine
Baustoffhandel GmbH
4310 Mauthausen
office@poschacher.com
www.poschacher.com
Lauster
Naturstein GmbH
9971 Huben/Osttirol
st.johann@lausternaturstein.at
www.lausternaturstein.at
Kienesberger
Steinmetzmeister
4707 Schlüßlberg
office@kienesberger-stein.at
www.kienesberger-stein.at
Steinmetzbetrieb
Wolfgang Ecker
2514 Traiskirchen
office@ecker-stein.at
www.ecker-stein.at
Steinmetzmeister
Dietmar Steller
4600 Wels
office@steller-stein.at
www.steller-stein.at
Schreiber & Partner
Natursteine
2170 Poysdorf
office@sp-natursteine.at
www.sp-natursteine.at
Marmor
Industrie Kiefer
5411 Oberalm
office@marmor-kiefer.at
www.marmor-kiefer.at
Josef Kogler
Steinbruch & Schotterwerk
9554 St. Urban
kogler.naturstein@aon.at
www.kogler-natursteinwerk.at
Gustav Hummel
GmbH & Co KG
2452 Mannersdorf
info@hummel-stein.at
www.hummel-stein.at
Stone4you
Steinmetzbetriebe
2020 Hollabrunn
office@stone4you.at
www.stone4you.at
Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen
vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,
welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer
Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen
www.pronaturstein.at
architektur FACHMAGAZIN
72
Naturstein
© Yair Haklai, CC
5
www.architektur-online.com
73
Naturstein
6
Für Innenarchitektur wird damit ein gestalterischer
Vorteil greifbar. Naturstein kann Kontraste moderieren
– zwischen kräftigen Wandfarben und weichen
Textilien, zwischen expressiven Mustern und ruhigen
Flächen. Er gibt Räumen Gewicht, ohne dominant zu
wirken. Zudem entspricht sein Einsatz dem wachsenden
Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Beständigkeit:
Authentische, langlebige Materialien gewinnen
gegenüber kurzlebigen Beschichtungen.
Identität ohne Lautstärke
Die Preisfrage lautet: Was bedeutet das für die Praxis?
Architekt:innen und Innenarchitekt:innen müssen
Materialberatung wieder aktiv als kuratorische
Aufgabe verstehen. Die Auswahl eines Steins ist
nicht länger „neutraler Hintergrund“, sondern konzeptuelle
Entscheidung. Herkunft, Textur, thermische
Eigenschaften, Bearbeitbarkeit und Alterungsverhalten
rücken stärker in den Fokus. Gleichzeitig
erweitert Stein das gestalterische Repertoire – gebürstet,
beflammt, satiniert oder gar spaltrau wirkt
er jeweils anders und beeinflusst Licht, Haptik und
Anmutung. Der Mut zur Farbe und Haptik ist kein
Aufruf zur Überfrachtung, sondern zur bewussten
Sinnlichkeit. Gerade weil er Identität ohne Lautstärke
schafft, bietet Naturstein innovativen Gestaltern als
ein Schlüsselmaterial in dieser Entwicklung unendliche
Möglichkeiten.
•
5 Langlebige Jugendstilikone
im Steingewand:
Die Casa Botter gilt als
eines der berühmtesten
Gebäude Istanbuls.
7
6 Es muss nicht immer
glatt gelackt sein:
Beflammte Steinpaneele
strahlen Solidität aus.
7 Individuelles Küchendesign:
Die lebhafte
Struktur der roten
Brekzie kontrastiert mit
den kühl glänzenden
Metallfronten.x
architektur FACHMAGAZIN
74
Naturstein
Wiener Ikone
Das Hotel Sacher ist Inbegriff österreichischer Gastkultur. Bei der Gestaltung vom
Café und Verkaufsbereich im Sacher Eck unterstreicht die hochwertige Naturstein-Ausstattung
den Anspruch des weltbekannten Traditionshauses.
Text und Fotos: Richard Watzke
1
www.architektur-online.com
75
Naturstein
2
Prominenter könnte die Lage kaum sein: Vis-à-vis
der Wiener Staatsoper, am Beginn des Fußgängerbereichs
der Kärntner Straße, begrüßt das Sacher
Eck seine Gäste. Ende 2017 wurde das Sacher Eck als
Café und Confiserie des Hotel Sacher nach sorgfältiger
Vorbereitungsphase durch das Wiener Architekturbüro
BWM einem Refurbishment unterzogen. Die
Leitlinien für die Umgestaltung wurden in intensiver
Kooperation mit der Eigentümerfamilie als Bauherrin
entwickelt. Auf dem Fundament der großen Tradition
des Hauses Sacher aufbauend sollte mit zeitgenössischen
Designelementen und einer modernen
Infrastruktur ein Diskurs zwischen Alt und Neu angeregt
werden, schildert der auf exklusive Interior
Designs spezialisierte Bürogründer Erich Bernard
das Konzept. Das Ergebnis ist eine Neuinterpretation
der klassischen, imperialen Wiener Interieurs.
Bordeauxrot, Gold und Schwarz als Sacher-Farbtöne
werden mit schwarzen und weißen Natursteinen sowie
Messing und dunklem Holz kombiniert. Ergänzend
zur bereits bestehenden Confiserie entstand
durch einen Deckendurchbruch ins Mezzanin ein
zusätzlicher Gästebereich.
u
1 Das Rautenmuster
des Marmorbodens
korrespondiert mit der
kassettierten Decke.
3 Die messingfarbenen
Kanten der Theke zitieren
die Einleger der Wandbekleidung.
3
2 Blickfang im Mezzanin:
Monolithischer Tresen aus
Carrara-Marmor mit rund
gefrästen Stirnflächen.
architektur FACHMAGAZIN
76
Naturstein
4
Marmor für die Original Sacher-Torte
Erschlossen wird das Sacher Eck von der Kärntner
Straße aus. Der Haupteingang führt in einen zentralen
Empfangsbereich zwischen Café auf der linken
Seite und Confiserie auf der rechten Seite. Ein
allseits mit weißem Carrara-Marmor bekleideter
Kassentresen fungiert als Schranke beider Bereiche,
die sich durch das Licht- und Farbkonzept voneinander
abheben. Für das Mobiliar zur Präsentation der
hauseigenen Produkte wählten die Gestalter eine
Kombination aus weißem Marmor und Messing. Vor
der ebenfalls mit Carrara-Marmor bekleideten Regalwand
werden die in den traditionellen Sacher-Farben
verpackten Produkte hochwertig inszeniert. Weißer
Marmor ist hierbei nicht nur ein nobler und neutraler
Hintergrund, sondern zugleich Referenz an die Wiener
Kaffeehaus-Atmosphäre und die Produktion der
Original Sacher-Torte in traditioneller Handarbeit.
Während die hell beleuchteten Marmorflächen die
Confiserie prägen, ist das Café in dunklen, intimen
Tönen gehalten. Schwarzer Marmor mit durchlaufender
Textur dient als Wandbekleidung und verleiht
auch der Bar an der Rückseite des Cafés eine elegante
Erscheinung. Der rautenförmige Natursteinboden
in Schwarz und Weiß und die in ihrer Formensprache
darauf abgestimmte, kassettierte Holzdecke verbinden
beide Raumbereiche.
Für Wandflächen und Möbel verarbeiteten die Steintechniker
des Natursteinbetriebs Schreiber & Partner
200 Quadratmeter Carrara Statuarietto sowie 50
Quadratmeter Nero Marquina, die Bodenbeläge sind
eine Kombination aus Carrara Statuarietto und dem
Kalkstein Belgisch Blue. Bei der Bar und den Arbeitsplatten
kommen Carrara Statuarietto, Nero Marquina
sowie der Granit Nero Assoluto zum Einsatz. Besonders
beanspruchte Teilbereiche der Theken und Arbeitsflächen
aus Carrara-Marmor wurden mit einer
Two Lux-Beschichtung aus Spezialglas ausgeführt.
4 Die traditionellen
Farben des Hotel Sacher
prägen das gesamte
Innenraumdesign.
5 Café-Bereich im Sacher
Eck: Klassische Wiener
Kaffeehaus-Kultur funktioniert
am besten mit
echtem Naturstein.
5
Sacher Eck
Auftraggeber: Sacher Hotels Betriebsges.m.b.H.
Gestaltung: BWM Architekten und Partner ZT GmbH
bwm.at
Natursteine:
Boden: Carrara Statuarietto, Belgisch Blue
Wände: Nero Marquina, Carrara Statuarietto
Tische: Carrara Statuarietto
Bar und Arbeitsplatten: Carrara Statuarietto,
Nero Assoluto, Nero Marquina
Natursteinarbeiten:
Schreiber & Partner Natursteine, Poysdorf
sp-natursteine.at
www.architektur-online.com
77
Naturstein
Emotion mit Naturstein
Ein Raum wird geprägt von der Wahl der Werkstoffe und ihrer Oberflächenbearbeitung.
Architekt und Interiordesigner Erich Bernard von BWM Architekten
erläutert, welche Aufgabe Naturstein dabei erfüllt.
Ist Naturstein Luxus- oder Vernunftmaterial?
Weder noch. Je nach Verwendung und Verarbeitung
spiegelt Naturstein Luxus wider, kann aber
auch eine Atmosphäre von Authentizität erzeugen.
Ein reines Vernunftmaterial ist Naturstein nie. Entscheidend
ist die Art der Bearbeitung. Gebürstet,
geschliffen, gestrahlt oder poliert – die Oberfläche
prägt maßgeblich die Anmutung eines Raumes. Am
liebsten ist uns, wenn ein Material seine Natürlichkeit
entfalten kann und auf diese Weise die Qualität
eine Raumgestaltung unterstreicht. In bestimmten
Fällen nutzen wir Naturstein für eine punktuelle Aufwertung,
beispielsweise in Form eines besonderen
Waschbeckens oder eines Pultes.
Welchen Stellenwert hat Naturstein in
der Spitzengastronomie?
Eine Theke aus Naturstein drückt aus, dass hier
bewusst für eine lange Nutzungsdauer investiert
wurde. Ich bin überzeugt, dass man jede Form von
Energie spürt, die in ein Objekt eingebracht wurde,
sei es manuell oder mit Hilfe von Maschinen. So wie
Bildende Kunst stets eine Auseinandersetzung mit
einem Material und Thema ist, ist die Präzision und
Bearbeitungsmethode am fertigen Produkt anhand
der Steinoberfläche ablesbar.
Erleben Marmor und andere natürliche Steine
eine Renaissance im Innenraumdesign?
Naturstein ist ein Klassiker, der nie ganz verschwunden
war. Die intensivere Auseinandersetzung von
Planern und Designern hat dazu geführt, dass man
nicht einfach von einem „Marmor“ oder „Granit“
spricht, sondern viel stärker differenziert. Die natürliche
Vielfalt des Werkstoffs und der Respekt davor
kommt in aktuellen Projekten stärker zur Geltung.
Wir haben in unserem Büro rund 300 Steinmuster
zur Auswahl vorrätig.
Welche Anforderungen stellen Sie an Werkstoffe?
Zuallererst muss die technische Funktionalität gegeben
sein. Ebenso achten wir auf eine starke ästhetische
Komponente. Dabei prüfen wir, was das Material
ausdrückt und erzählt. Ein eigenes Kapitel ist
die Haptik; die Oberfläche ist der Berührungspunkt,
an dem der Mensch mit der Architektur zusammenstößt.
Material und Oberfläche müssen zueinander
passen, denn wie jedes Material ist Naturstein ein
Vermittler und Träger von Emotionen. Daher ist diese
nur Bruchteile von Millimetern dünne Kontaktzone
zwischen der menschlichen Haut und dem architektonischen
Objekt so entscheidend. Bei jedem
Stein testen wir die spezifische Wirkung anhand verschiedener
Oberflächenbearbeitungen.
Wie entwickeln Sie ein Raumdesign?
Wir beginnen jedes Projekt über das Materialkonzept
und untersuchen, welche Bezüge es inhaltlich
zwischen Thema und Ort gibt. Bei einem Projekt am
Meer verwenden wir Materialien mit Bezug zum Thema
Wasser. Beim Sacher Eck haben wir recherchiert,
welche Materialien typisch für Wien sind. Je präziser
ein Konzept ist, desto weniger unterschiedliche Materialien
benötigt man. Dann ordnen wir die Materialien
dem Raum, dem Mobiliar und den Oberflächen
zu. Anregungen haben wir beispielsweise bei den
Marmor-Bodenbelägen im Kunsthistorischen Museum
gefunden, die Kombination aus weißem und
schwarzem Stein ist aber generell charakteristisch
für die Raumausstattung Wiener Kaffeehäuser; bei
Böden und Wänden, aber auch in Form weißer oder
schwarzer Tische. Letztlich spiegelt die Farbkombination
das weltbekannte Erscheinungsbild des Hotel
Sacher wider. Zum Spiel mit den Farben Weiß und
Schwarz haben wir roten Samt, Holz und die Farbe
Gold kombiniert.
•
Erich Bernard ist Gründungspartner
und einer
der Visionäre hinter dem
Architekturbüro BWM.
Die Gestaltung exklusiver
Interior Designs ist eine
seiner Kernkompetenzen.
architektur FACHMAGAZIN
78
Produkt News
Umweltverträgliches
und nachhaltiges Licht
Jedes Außenbeleuchtungsprojekt steht vor vielfältigen Anforderungen, die in einer
einzigen, effizienten Lösung vereint werden müssen: Gewährleistung von Sicherheit
und Schutz bei Nacht durch effektive Beleuchtung, Berücksichtigung lokaler
Umweltanforderungen und nahtlose Integration in die Architektur – und gleichzeitig
Schaffung eines Lichterlebnisses, das die Sinne emotional anspricht.
BEGA Leuchten erfüllen das Grundbedürfnis maximaler
Sicherheit dank wirksamer Beleuchtung, stellen
zudem die Umweltverträglichkeit in den Mittelpunkt
und transportieren die Emotionalität von Lichtinszenierungen.
Um sicher zu beleuchten und dabei ökologisch
verantwortungsvoll zu handeln, sind die Produkte
mit etlichen Features ausgestattet, die Flora
und Fauna wirksam schonen. Mit leicht einzurichtender
und zu bedienender Lichtsteuerung wird auch
das Energiesparen in maximal effizientem Umfang
berücksichtigt. So entstehen Beleuchtungsgesamtpakete
von besonderer Qualität. Etwa mit den Leuchten
der Auswahl „Dark Sky“, die ihr Licht hocheffizient
auf die zu beleuchtende Fläche richten und weniger
als ein Prozent ihres Leuchtenlichtstroms in den oberen
Halbraum der Leuchte abgeben. Der Schutz des
Nachthimmels ermöglicht nachtaktiven Tieren die
Orientierung – ohne dass auf eine effiziente Beleuchtung
verzichtet werden muss.
BEGA Leuchten GmbH
Competence Center Innsbruck
T +43 (0)512 343150
info-austria@bega.com
www.bega.com
www.architektur-online.com
Modularität, die
Räume schafft
Mit CUBUS präsentiert NUSSER Stadtmöbel ein modulares
Gestaltungssystem, das den urbanen Außenraum
neu denkt. Die Serie verbindet Sitz- und
Liegeflächen sowie Pflanzgefäße zu einem flexiblen
Baukasten, der sich präzise an die Anforderungen moderner
Stadt- und Freiraumgestaltung anpassen lässt.
Die CUBUS-Pflanzgefäße verfügen dabei über großzügige
Pflanzenvolumen, die selbst kleinere Bäume
aufnehmen können: So entstehen wirkungsvolle Verschattungs-
und Kühlungseffekte für die klimaresiliente
Stadt der Zukunft.
Die kompakten Stahlelemente des Systems wieder erlauben
eine unkomplizierte Montage ohne schweres
Gerät. Dadurch lässt sich CUBUS selbst an anspruchsvollen
Orten – etwa auf Dachflächen, Zwischendecks
oder innerstädtischen Bestandsstrukturen – effizient
einsetzen. Das System wird damit zu einem präzisen
Werkzeug für Planende, die robuste, flexible und zukunftsfähige
Stadtlandschaften entwickeln - für dauerhaft
geplante Flächen ebenso wie für reversible
Stadtraumkonzepte.
79
Stausberg Stadtmöbel GmbH
T +43 (0)7258 5711
info@stausberg.at
www.stausberg.at
Produkt News
Nachhaltige Stadtentwicklung
mit Begrünungssystemen vom Marktführer
Zunehmender Flächenversiegelung
entgegenwirken, Regenwasser
regulieren, die Kanalisation entlasten,
das Stadtklima verbessern und
Aufenthaltsorte zum Wohlfühlen
schaffen.
OPTIGRÜN macht’s möglich!
Optigrün international AG | optigruen.at
architektur FACHMAGAZIN
80
Produkt News
Weiche Formen, Komfort und Stil
Mit den richtigen Farben, Materialien, Formen und Lichtquellen lässt sich selbst ein
nüchternes Büro in eine inspirierende Umgebung verwandeln. Schon kleine Details
durchbrechen sterile Grau- und Weißtöne und verleihen dem Büro Behaglichkeit.
Neben Farben spielt auch die Formensprache eine
große Rolle: Runde Tische, sanft geschwungene
Stühle oder ovale Leuchten wirken ausgleichend zu
den oft strengen Linien klassischer Büroausstattung.
Ein wohnliches Büro entsteht also, wenn sich Ergonomie
und Gemütlichkeit ergänzen: Möbel, die Wärme
ausstrahlen, Farben, die inspirieren, und eine Gestaltung,
die sich harmonisch in die Umgebung einfügt,
machen den Unterschied.
HEJ vereint die Ergonomie eines modernen Bürostuhls
mit der Behaglichkeit eines Polstersessels –
und bringt damit das Beste aus beiden Welten an den
Arbeitsplatz. Mit seinen weichen, runden Formen,
der ergonomischen S-Form und einer verstellbaren
Lordosenstütze bietet der Drehstuhl HEJ höchsten
Sitzkomfort. Besonders charakteristisch ist der
großzügige Einsatz von Stoff, der nicht nur optisch
Wärme und Behaglichkeit vermittelt, sondern auch
das Sitzen spürbar angenehmer macht. HEJ wurde
2024 mit dem Red Dot Award ausgezeichnet und ist
Winner beim German Design Award 2025 in der Kategorie
Excellent Product Design – Office Furniture.
Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG
T +43 (0)1 61 64 113
oesterreich@interstuhl.com
www.interstuhl.com
www.architektur-online.com
81
Produkt News
Perfekt für moderne Büros
Die neue se:café bar von Sedus ist die Antwort auf die Anforderungen der modernen
Arbeitswelt, in der Orte der Begegnung eine wichtige Rolle spielen. Entwickelt
vom Designer Konstantin Thomas ist diese Bar ein soziales Instrument, das Kommunikation,
Begegnung und Offenheit fördert.
Mit einem zeitlosen Design und modularer Vielseitigkeit
fügt sie sich harmonisch in jede Büroumgebung
ein. Ob als wandorientierte Cateringzeile, Raumteiler
oder Insel – die Module sind flexibel einsetzbar und
schaffen eine informelle, einladende Atmosphäre für
Small Talk und Austausch. Dank der durchdachten
Produktgestaltung ist sie nicht nur ein optisches
Highlight, sondern auch funktional und bietet alle nö-
tigen Features, die in einem Büro gefragt sind. Dank
der selbsttragenden Konstruktion und eines verdeckten
Installationsbereichs sind die Module unkompliziert
zu integrieren, ohne bauliche Anpassungen
vornehmen zu müssen. So bietet die Kaffeebar die
besten Voraussetzungen, Menschen natürlich, funktional
und zukunftsgerichtet zusammenzubringen.
Sedus Stoll GmbH
T +43 (0)1 98294170
sedus.at@sedus.at
www.sedus.com
architektur FACHMAGAZIN
82
Produkt News
Gastlichkeit beginnt im Raum
Die Auswahl der richtigen Objekteinrichtung spielt in Gastronomie und Hotellerie
eine zentrale Rolle. Möbel, die Design und Funktion vereinen, Markenidentität
transportieren und sich nahtlos in unterschiedliche Hospitality-Bereiche integrieren,
bilden die Grundlage für eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.
Von der Lobby über gemütliche Lounge-Bereiche
bis hin zu Zimmern, Suiten, Restaurants
sowie Seminar-, Konferenz- und
Eventräumen entstehen Einrichtungslösungen,
die durch klare Formen, hochwertige
Materialien und modulare Konzepte
überzeugen. Gleichzeitig unterstützen die
Möbel reibungslose Abläufe im Betrieb: Sie
sind flexibel einsetzbar, leicht zu bewegen,
langlebig verarbeitet und für den intensiven
Alltag gemacht. Funktionale Details, durchgängige
Designlinien und hohe Materialqualität
sorgen dafür, dass Räume nicht nur
ästhetisch wirken, sondern auch langfristig
bestehen. Ob Fine-Dining oder Outdoor-Bereich,
Business-Meeting oder festliche Veranstaltung
– die Einrichtung passt sich mühelos
an unterschiedliche Anforderungen
an, ohne ihren Charakter zu verlieren. So
entstehen Räume, die nicht nur funktionieren,
sondern inspirieren – und die den Aufenthalt
für Gäste unvergesslich machen.
Selmer GmbH
T +43 (0)6216 20210
info@selmer.at
www.selmer.at
www.architektur-online.com
83
Produkt News
Mit britischem Charme
Der Stadtentwicklungsgesellschaft Hansestadt Herford lag viel daran, die Originalsubstanz
des ehemaligen Kasernengebäudes zu erhalten und das Gebäude
zügig nutzbar zu machen. Mit der Start-Up Lounge sollte darin ein belebter und
vielseitiger Treffpunkt im Zentrum des Quartiers für Kongresse, Lesungen oder
Meetings entstehen.
Entsprechend flexibel fiel die Gestaltung und Möblierung
der großzügigen Lounge aus, in der zudem eine
Wandgestaltung in kräftigem Royalblau und Tannengrün
für den passenden Rahmen sorgt. Ein kräftiger
sowie ein zarter Grünton wechseln sich mit zwei
Blautönen ab, unterbrochen von originalen Backsteinwänden.
Eingesetzt wurden dabei Produkte vom
Farbenspezialisten Brillux: Für die innenliegenden
Wände das Allroundprodukt Superlux 3000, das insbesondere
bei kritischen Lichtverhältnissen punktet.
An der Fensterfront war eine sehr große Diffusionsoffenheit
gefragt – der ideale Einsatzbereich für die
hochdeckende Silikat-Innenfarbe Profisil 1906. Für
die Fassadengestaltung fand eine Außendispersion
des Farben- und Lackherstellers Verwendung – in
diesem Fall Extrasil 1911.
Brillux Farben GmbH
T +43 (0)732 370740-0
info@brillux.at
www.brillux.at
architektur FACHMAGAZIN
84
Produkt News
Alte Hülle, neuer Kern
Wo einst das Aroma von frisch gerösteten Cornflakes die Luft erfüllte, entsteht in
Bremen in einer lange leerstehenden Industriebrache aktuell ein urbanes Quartier.
Der imposante Silo, der immer noch den ikonischen Kellog‘s-Schriftzug auf dem
Dach trägt, beherbergt seit August 2024 das „John & Will Hotel“, benannt nach den
beiden Gründern der berühmten Cornflakes-Marke, John und Will Kellogg.
Die nach Plänen von Delugan Meissl Associated Architects
eingebauten 117 Hotelzimmer bieten einen
unvergleichlichen Blick auf die Bremer Skyline und
die markante Zimmerform macht die „Stuuv“, wie die
Zimmer hier auf Plattdeutsch genannt werden, zu
etwas ganz Besonderem.
Bei der Auswahl der Türen dieses Projekts setzten
die Verantwortlichen auf Produkte des Türen- und
Torherstellers Teckentrup: Zum Einsatz kamen dabei
neben Stahltüren auch Rohrrahmentüren aus
Aluminium und Glas, die gerade für Räume mit
hohen ästhetischen Anforderungen eine designorientierte
Alternative bieten. Einzigartig ist dabei
die falzoffene Profilgeometrie der Schüco FireStop
Plattform, die den Nachhaltigkeitsansprüchen des
Hotels vollkommen entspricht. Sie ermöglicht selbst
Anpassungen im laufenden Betrieb, ohne dass die
Zulassung beeinträchtigt wird. Sie sind Cradle to
Cradle zertifiziert und ermöglichen bei Nutzungsänderungen
eine flexible nachträgliche Umrüstung der
Türen – etwa zusätzliche Kabel zur Elektrifizierung
der Türen, den Tausch der Schlosstechnik oder die
Nachrüstung von automatischen Bodendichtungen.
Teckentrup GmbH & Co. KG
T +43 (0)676 674 31 30
stephan.rist@teckentrup.biz
www.architektur-online.com
85
Produkt News
Großformatiges Relief
im Wiener Künstlerhaus
Iris Kohlweiss realisierte für die Ausstellung „Raumerkundungen“ ein rund 4 mal
4 Meter großes Relief auf weißen Max Compact Interior-Platten, in die eine Zeichnung
eingefräst wurde. Das Werk thematisiert Raumwahrnehmung über Licht
und Bewegung und zeigt, wie künstlerische Form und architektonischer Kontext
aufeinandertreffen.
Das Relief basiert auf einem komplexen Linien- und
Formsystem, das organische und geometrische Elemente
verbindet. Für die Künstlerin markiert dieses
Werk eine Materialwende: von Papier und Textil hin
zu einem festen Werkstoff, der neue Möglichkeiten
für Wahrnehmung und Resonanz eröffnet.
Die Stabilität, Dauerhaftigkeit und Präzision der
Max Compact Interior-Platten waren entscheidend
– genauso wie die homogene, matte Oberfläche, die
besondere visuelle Tiefe erzeugt und die Linienführung
betont. Die Umsetzung erfolgte durch Compact
Elements, das Bearbeitungsservice von Fundermax
für Zuschnitt und CNC-gesteuerte Bearbeitung.
Eine Zeichnung der Künstlerin wurde präzise eingefräst,
sodass die Kernfarbe gezielt sichtbar wird.
Iris Kohlweiss erklärt: „Die Max Compact- Platten erlauben
große Flächen ohne Verzug und sind auch
bei Belastung witterungs- und formstabil. Für mein
Relief war das entscheidend.“
FunderMax GmbH
T +43 (0)5 9494-0
www.fundermax.at
office@fundermax.at
architektur FACHMAGAZIN
86
Produkt News
Revitalisierung ohne Stillstand
Die Bestandsfenster eines elfgeschossigen Bürogebäudes in Frankfurt aus den
1960er-Jahren wiesen zahlreiche Schäden auf – dies verursachte Energieverluste,
minderte den Schallschutz und sorgte für punktuelle Einregnungen. Da auch ein
wirksamer Sonnenschutz fehlte, überhitzten zudem die Innenräume im Sommer.
Statt eines kompletten Fassadentauschs mit rund acht Monaten zusätzlicher
Bauzeit sowie Mietausfällen und Ausweichanmietungen fiel die Entscheidung auf
eine selektive Revitalisierung der Fenster, die den laufenden Betrieb weitgehend
unbeeinträchtigt lässt.
Auf Basis einer umfassenden Bestandsaufnahme und
der klaren Vorgabe, Eingriffe für Nutzer und Betrieb
so gering wie möglich zu halten, wurde gemeinsam
mit WICONA ein projektspezifischer Sanierungsflügel
auf Grundlage des Systems WICLINE 60 entwickelt.
Das Prinzip: Die bestehende, weiterhin tragfähige
Rahmenkonstruktion verbleibt im Gebäude, während
lediglich die Fensterflügel ausgetauscht werden.
Diese sind mit exakt auf den Bestand abgestimmten
Beschlägen, neuen Dichtungen sowie einer energieeffizienten
Dreifachverglasung ausgestattet. Ergänzt
wird das Konzept durch einen außenliegenden Sonnenschutz
mit ZIP-Markisen inklusive Steuerung.
Der große Vorteil dieser Lösung liegt nicht nur in der
technischen Verbesserung, sondern vor allem in der
Umsetzung: Die Arbeiten erfolgen abschnittsweise
und nutzerkoordiniert bei laufendem Betrieb – ohne
lange Ausfallzeiten, ohne Leerstand und ohne tiefgreifende
Eingriffe in die Bausubstanz. Gleichzeitig
verbessert sich die Performance deutlich: Der U-Wert
sinkt von ≥ 1,7 auf ≤ 1,1 W/m²K, der Heizenergieverlust
reduziert sich um etwa 35 %, der Innenlärm um rund
5 % und der sommerliche Energieeintrag durch die
Verschattung um circa 87 %.
Fotos: WICONA/Mediashots
Hydro Building Systems Austria GmbH
T +43 (0)6212 20000
info@wicona.at
www.wicona.at
Noch vor Ort auf der Baustelle werden die ausgebauten Fensterflügel in Containern
nach den End-of-Life-Materialien Aluminium, Glas und EPDM-Dichtungen
getrennt und dann in die jeweiligen Recyclingwerke transportiert.
Nach der Fertigung im Werk von Heidersberger Fassadenbau werden die neuen
Fensterflügel aus der nachhaltigen Aluminiumlegierung Hydro CIRCAL 75R „justin-time“
zur Baustelle geliefert und montiert.
www.architektur-online.com
87
Produkt News
Licht lenken, Klima schützen
In Lindau am Bodensee entsteht mit dem Vierlinden-Quartier auf einer Gesamtfläche
von 33.000 Quadratmetern ein zukunftsweisendes Stadtviertel: Das Projekt
wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem
Vorzertifikat in Gold ausgezeichnet.
Ausgestattet sind die dort situierten Gebäude mit
außenliegendem Sonnenschutz von HELLA: Die rund
2.000 Raffstores regulieren den Lichteinfall, schützen
vor Überhitzung und schaffen gleichzeitig Privatsphäre
– ein entscheidender Beitrag zum nachhaltigen
Gebäudekonzept. Raffstores von HELLA sorgen
mit ihren hochwertigen randgebördelten C-, S- und
Z-Lamellen für perfektes Licht – je nach Bedarf von
angenehm hell bis nahezu ganz dunkel. Neben der
Lichtlenkung haben sie Einfluss auf das Raumklima,
da sie die Hitze der Sonne reflektieren und auf diese
Weise erheblich zum sommerlichen Wärmeschutz
beitragen. Die Z-Lamelle kombiniert Tageslichtlenkung
mit modern geometrischer Kontur optik. Auffallendstes
Merkmal der HELLA S-Lamelle ist der
sanfte Schwung, der ihr den Namen gibt. Die S-Form
der Raffstorelamelle bringt mit ihrer konvex-konkaven
Form gegenüber der C-Lamelle bis zu 30 % mehr
Tageslichtverteilung im Raum.
HELLA Sonnen- und
Wetterschutztechnik GmbH
T +43 (0)4846 6555-0
office@hella.info
www.hella.info
architektur FACHMAGAZIN
88
Produkt News
In Harmonie mit der Natur
Wie lässt sich umweltfreundliches Wohnen mit gehobenem Lebensstandard
verbinden? Antworten auf diese Frage gibt das neue Solarlux Konzepthaus
im oberösterreichischen Salzkammergut. Das fast zur Gänze in Holzbauweise
errichtete Gebäude wurde als atmosphärischer Ort konzipiert, der moderne
und nachhaltige Architektur mit allen Sinnen erlebbar macht.
Fotos: Wolfgang Zlodej
Dies gelang dem Architekten und Experten für solares
Bauen Dr. Peter Kuczia unter anderem durch
eine behutsame Integration in die einzigartige Berglandschaft,
großzügige, bewegliche Glasfassaden,
die fließende Übergänge zwischen Innen und Außen
schaffen, eine Loggia als Klimapuffer sowie eine
Haus technik, die konsequent auf regenerative Energiequellen
setzt.
Das Solarlux-Haus zeigt beispielhaft, wie Gebäude
mit gehobenem Wohnstandard ressourcenschonend
und im Einklang mit der umgebenden Natur errichtet
werden können. Entscheidend ist die optimale
Nutzung der Standortbedingungen. So fängt die
große Glasfassade auf der Südseite die Sonnenwärme
ein, die große Doppelfassade in der Loggia reguliert
auf natürliche Weise das Wohnklima. Strom
erzeugt die im Dach integrierte Photovoltaikanlage.
Kühle Frischluft strömt vom See ins Haus und wird
zur Klimatisierung herangezogen. Erdsonden nutzen
wetterunabhängig die konstanten Temperaturen im
Erdinneren. Nicht zuletzt ist die Nordseite des Gebäudes
konsequent geschlossen, sodass die Wärme
im Haus bleibt.
Solarlux Austria GmbH
T +43 (0)512 209023
info.at@solarlux.com
www.solarlux.com
www.architektur-online.com
89
Produkt News
Wohnen im Holzbau
Am Rande des Dorfzentrums der Gemeinde Holzgau im Lechtal wurden von der
Alpenländischen Gemeinnützigen Wohnbau GmbH zwei Wohnhäuser in Holzbauweise
errichtet: Basierend auf der Planung der Arbeitsgemeinschaft DIN A4 Architektur
und Architekturstube Lechtal beherbergen zwei kompakte dreigeschossige
Baukörper fünf Mietwohnungen, sieben Wohnungen für betreutes Wohnen sowie
vier Startwohnungen für junge Menschen.
Fotos: Alpenländische / Florian Scherl
Als Planungsvorgaben war das Gebäudeensemble in
Passivhausqualität und im Rahmen der budgetären
Vorgaben der Wohnbauförderung zu errichten. Durch
eine Photovoltaikanlage, die jährlich 19 Megawattstunden
Strom liefert, und eine moderne Wärmepumpe
werden Effizienz und Klimafreundlichkeit des Projekts
unterstützt und die laufenden Kosten reduziert.
Zu den nachhaltigen Materialien, die bei diesem
Projekt verwendet wurden, zählt die RIGIPS Riduro
Holzbauplatte, die speziell für den Einsatz als aussteifende
Beplankung im Holzrahmenbau entwickelt
wurde. Damit wurden die Zwischenwände der
Wohngebäude beplankt: Vorteilhaft ist, dass die voll
recyclingfähig Holzbauplatte über eine Vielzahl an
Systemprüfungen für die Brandschutzanforderung
REI 60 bzw. 90 verfügt.
Saint-Gobain Austria GmbH
RIGIPS Austria
T +43 (0)3622 505-0
rigips.austria@saint-gobain.com
www.rigips.at
architektur FACHMAGAZIN
90
Produkt News
Terrazzo-Optik für Pflastersteine
Creazzo Steindesign: Künftig können beim burgenländischen Unternehmen Friedl
Steinwerke auch geschliffene Oberflächen bei Pflastersteinen und Terrassenplatten
hergestellt werden. Eine neue Veredelungsanlage macht den Designschliff möglich.
Die dadurch erzeugte Terrazzo-Optik kann von den Architekturschaffenden individuell
kreiert werden und eröffnet noch mehr Möglichkeiten, Flächen zu gestalten.
Mit der neuen Anlage bieten Friedl Steinwerke eine
Reihe neuer Designs an, wobei von der Betonsteinproduktion
bis zur Veredelung alle Fertigungsschritte
an einem Standort ausgeführt werden, was in dieser
Form einzigartig in Österreich ist.
Für das Creazzo Wunschdesign werden die Grundfarbe
des Betonsteins, die Körnung und ihr Anteil
individuell zusammengestellt. Von Granit über Marmor,
Dolomit, Basalt bis hin zu Porphyr stehen eine
Vielzahl an Körnungen von 4 mm bis 16 mm zur Verfügung
und können bei Steingrößen von 15 x 20 cm
bis 120 x 120 cm umgesetzt werden.
Rund 100 Stein- und Plattenformate sowie über 15
Kombipflaster (diese setzen sich aus mehreren Steingrößen
zusammen) haben Friedl Steinwerke im Programm,
bei denen ein Designschliff möglich ist. Da die
Steine vor dem Schleifen kalibriert werden, bestechen
Creazzo Produkte neben ihrem Design und der hohen
Qualität auch durch minimale Dickentoleranzen.
Friedl Steinwerke GmbH
T +43 (0)2618 3208-0
weppersdorf@steinwerke.at
www.steinwerke.at/creazzo
www.architektur-online.com
91
Produkt News
In Grün gehüllt
Mit seiner auffälligen Silhouette repräsentiert der Innovationsbogen im Zentrum
des Augsburger Innovationsparks nicht nur fortschrittliche Architektur, sondern
steht auch als Symbol für die enge Zusammenarbeit zwischen universitärer
Forschung, innovativen Unternehmen und dem Engagement für Nachhaltigkeit.
Entworfen von Architekt Hadi Teherani fügt sich das Gebäude harmonisch in die
natürliche Umgebung Augsburgs ein.
Ein besonderes Highlight ist dabei die Begrünung des
Schrägdachs, die nicht nur zur Energieeffizienz des
Gebäudes beiträgt, sondern auch ein wichtiger Faktor
für die ökologische Nachhaltigkeit ist: Sie verbessert
das Mikroklima, reduziert die Aufheizung des Gebäudes
und bietet gleichzeitig einen Lebensraum für
Pflanzen und Insekten. Umgesetzt wurde das Projekt
mit dem Optigrün Schubsicherungssystem P, bei dem
die speziell für die Schrägdachbegrünung entwickelte
Schrägdachplatte FKD 58SD aus druckstabilem
EPS (Expandiertes Polystyrol) zum Einsatz kommt.
Sie zeichnet sich durch Wasserspeicherkammern mit
Überlauffunktion und gleichzeitig hoher Dränfähigkeit
aus. Die Schrägdachplatte mit passgenauem Z-Falz
wird direkt auf das Trenn-, Schutz- und Speichervlies
RMS 500 dicht gestoßen verlegt und mit Extensivsubstrat
E verfüllt bzw. überfüllt. Eine extensive Begrünung
bzw. vorkultivierte Vegetationsmatten zur
schnellen Vegetationsetablierung als oberste Schicht
der Systemlösung umhüllen den Innovationsbogen
vom Erdgeschoss bis in die oberste Etage.
Optigrün international AG
T +43 (0)7 20111-310
info@optigruen.at
www.optigruen.at
architektur FACHMAGAZIN
92
Produkt News
Beton mit Zukunft
Mit dem ECOPlanet RC – einem CEM II/C-M (S-F) 42,5 N – setzt Holcim neue Maßstäbe
für ressourcenschonende Betonbauweisen. Der Zement kombiniert einen deutlich
reduzierten Klinkeranteil mit einem hohen Anteil an rezykliertem Betonabbruch und
schafft damit einen praxisnahen Ansatz für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft.
Fotos: Foto FISCHER
ECOPlanet RC verfügt über einen reduzierten Klinkeranteil
von bis zu 50 % und nutzt rezyklierten Betonabbruch
als Zumahlstoff. Der Recyclinganteil liegt
bei über 50 %. Dadurch wird Material, das bisher ausschließlich
als Abbruch galt, in einen hochwertigen
Produktionskreislauf zurückgeführt. Das reduziert
Primärrohstoffe, schont Ressourcen und schafft einen
echten Mehrwert für die Circular Economy im Baubereich.
Auf der Baustelle wirkt sich der Einsatz messbar
aus: Im Vergleich zur branchenüblichen Kombination:
90 % CEM II/B + 10 % AHWZ kann durch die Verwendung
von 100 % ECOPlanet RC der CO 2 -Fußabdruck
von Beton um bis zu 16 % pro m³ reduziert werden –
ohne Kompromisse bei Leistung und Verarbeitbarkeit.
Holcim
(Österreich) GmbH
T+43 (0)1 588 89-0
www.holcim.at
www.architektur-online.com
Langfristig geschützt
Ein Brunnen im öffentlichen Raum ist wechselnden Temperaturen,
stehendem Wasser sowie dauerhafter Belastung
durch Nutzung und Witterung ausgesetzt. Bei der
Erhaltung wird deshalb besonderes Augenmerk auf die
Robustheit, Langlebigkeit und eine dauerhaft sichere
Abdichtung aller wasserführenden Bauteile gelegt.
Besonders sensibel sind dabei starre Bodenfugen im
Brunnenbecken, die dauerhaft dicht sein müssen, damit
keine Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringen kann.
Aus diesem Grund war bei einem Stadtbrunnen in Wörgl
eine bestehende Bodenfuge durchgängig und dauerhaft
abzudichten. Zum Einsatz kam dafür das Flüssigkunststoff-System
Triflex SmartTec, wobei die Arbeiten
direkt auf der Baustelle von einem Anwendungstechniker
von Triflex begleitet wurden. Das 1-komponentige,
vliesarmierte Produkt eignet sich ideal für mineralische
Untergründe, ist dampfdiffusionsoffen und hält auch
dauerhaftem Wasserkontakt stand. Dank seiner hohen
Haftungseigenschaften und der schnellen Verarbeitung
konnte die Abdichtung des gut 13 Quadratmeter großen
Brunnens in Wörgl inklusive aller Vorarbeiten an einem
Tag durchgeführt werden.
Triflex GesmbH
T +43 (0)7667 21505
info@triflex.at
www.triflex.at
93
Produkt News
www.isover.at
AUF
SCHRITT
U N D
TRITT
ISOVER Trittschallschutz
Mineralwolle-Dämmplatten für mehr Ruhe
in den eigenen vier Wänden:
bis zu 10 dB leiser als EPS-Produkte
architektur FACHMAGAZIN
94
Produkt News
Holzfassade mit Charme
Die alte Arbeiterkammer in Ried im Innkreis war in die Jahre gekommen und
entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Daher wurde ein optimierter,
zeitgemäßer Neubau geplant, der exakt auf die neuen Funktionen zugeschnitten
ist. Das neue Gebäude beeindruckt durch seine außergewöhnliche Architektur
und die Wahl der verwendeten Materialien entsprechen den Vorgaben nach nachhaltigem,
zukunftsweisendem Bauen.
Die anspruchsvolle hinterlüftete Holzfassade erhielt
ihren besonderen Charme und ihre Witterungsbeständigkeit
dabei durch die speziell schnell trocknende
Mittelschichtlasur DANSKE Aqua Rapid
(SynthesaGruppe). DANSKE Aqua Rapid basiert auf
wässrigen Acrylatharzen und wurde speziell entwickelt,
um Holzoberflächen zu schützen und zu verschönern.
Das Produkt bietet hervorragenden Schutz
gegen UV-Strahlen, was die Lebensdauer des Holzes
verlängert, und schützt das Holz vor verschiedenen
Witterungseinflüssen wie Regen und Schnee. Durch
wärmeunterstützte Trocknungsverfahren ist die
Lasur schnell getrocknet und hinterlässt nach dem
Trocknen eine seidenglänzende Oberfläche, die das
Holz optisch aufwertet.
Synthesa Chemie
Gesellschaft m. b. H.
T +43 (0)7262 560-0
office@synthesa.at
www.synthesa.at
www.architektur-online.com
95
Produkt News
Beleuchtung
Visualisierung der Kostengliederung über alle Kostenträger
Auch für die
Wohnungswirtschaft
Control
Panel
Audio
Fassade
Die G&W Software AG bietet mit CaliforniaX nicht nur eine
AVA- und Baukostenmanagementlösung für Ingenieure und
Architekten, sondern richtet sich auch gezielt an die Auftraggeberseite.
Bauherren, Baugenossenschaften und die Immobilienwirtschaft
profitieren von maßgeschneiderten Funktionen
für eine wirtschaftliche und transparente Projektsteuerung
– von der ersten Kostenplanung bis zum nachhaltigen Gebäudebetrieb.
Die vielfältigen Aufgaben von Unternehmen
mit eigener Bauabteilung, seien es Sanierungen, Neubau,
Instandhaltung, Modernisierung und wiederkehrende Unterhaltsmaßnahmen,
sind mit CaliforniaX kostenseitig durchgängig
und umfassend zu planen und zu verwalten. Das schafft
eine reibungslose Verbindung zwischen der technischen und
kaufmännischen Welt.
Mediensteuerung
Gerätemanagement
Heizung,
Lüftung,
Klima
G&W Software AG
T +49 (0)89 51506-4
info@gw-software.de
www.gw-software.de
digitalBAU
2026 Köln
Halle: 8
Stand: 420
architektur FACHMAGAZIN
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edv
Künstliche Intelligenz
Teil 4: KI für die Planung
Auch für die Planung werden inzwischen zahlreiche KI-Werkzeuge angeboten.
Teil 4 dieser Serie stellt Lösungen für die automatisierte Baumassenund
Grundrissplanung oder BIM-Modellierung vor.
Text: Marian Behaneck
Neben der KI-gestützten Baufortschrittskontrolle
(architektur 5/2024) oder KI-Bildgeneratoren
für die Visualisierung erster
Entwurfsideen (architektur 8/2024) gibt es
inzwischen auch KI-Programme für städtebauliche
Studien, die Generierung und
Optimierung von Baumassen und Grundrissen
in der Vorentwurfs- und Entwurfsphase
oder eine automatisierte BIM-Modellierung
und Planerstellung für die Baueingabe- oder
Werkplanung. Dieser Beitrag geht speziell
auf diese KI-Programme ein, zeigt die Vorteile
und Möglichkeiten, aber auch Schwächen,
Grenzen und Herausforderungen auf.
Was können KI-Planungswerkzeuge?
KI-Planungswerkzeuge nutzen smarte Algorithmen
für eine automatisierte Erstellung
von städtebaulichen Bebauungsstudien,
von Gebäudegrundrissen oder BIM-Modellen,
deren Optimierung und Bewertung
der baulichen Dichte, Nutzungsqualität, Erschließung,
Belichtung, Wirtschaftlichkeit
und anderer Parameter. Sie kombinieren dafür
Technologien des Generativen Designs,
regelbasierter Systeme, der graphbasierten
Modellierung sowie Simulationen, um funktionale,
regelkonforme und für bestimmte
Vorgaben optimierte Entwürfe zu erzeugen.
Beim Generativen Design erzeugt die Software
auf Basis definierter Entwurfsziele,
Regeln und Randbedingungen selbstständig
eine Vielzahl von Entwurfsvarianten,
bewertet und optimiert diese selbstständig.
Bei der graphbasierten Modellierung
werden räumliche und funktionale Beziehungen,
Erschließungen, Zonierungen oder
funktionale Anforderungen algorithmisch
erfasst in Form von Graphen dargestellt.
Das ist ein Netzwerk aus Knoten, die beispielsweise
Räume repräsentieren und
Kanten, die Verbindungen, Beziehungen
oder Abhängigkeiten darstellen. Dabei
KI-Planungstools ermöglichen städtebauliche Studien, generieren und optimieren Grundrisse
oder BIM-Modellie. © Skema
kann beispielsweise vorgegeben werden,
dass Nassräume aus Installationsgründen
möglichst nebeneinander oder gegenüber
liegen oder Verkehrsflächen möglichst minimiert
werden. Solche Regeln werden als
Kanten im Graphen definiert und bei der
automatischen Grundriss-Erstellung berücksichtigt.
Diese Methode erlaubt eine
regelbasierte, dynamische Anpassung von
Baukörpern und Grundrissen an Änderungen
des Baugrundstücks, der Gebäudegeometrie,
Nutzungs- und Qualitätsanforderungen
oder andere Parametern, quasi in
„Echtzeit“. Simulationen, also in definierten
Zeitschritten ausgeführte Berechnungen,
werden für rechnergestützte Echtzeit-Analysen
und Bewertungen der funktionalen
Qualität eines Entwurfs genutzt. Simuliert
und optimiert werden beispielsweise der
Sonnenlichteinfall, die Verschattung, die
Luftzirkulation, Lärm- und Windverhältnisse
etc. Für die Wirtschaftlichkeitsbewertung
von Grundstücken lässt sich häufig parallel
anzeigen, wie viele Wohneinheiten, Nutzflächen,
Verkehrsflächen, Arbeitsplätze oder
Parkplätze etc. möglich oder notwendig
sind. Damit erhalten Planer und Investoren
eine verlässliche und schnelle Rückmeldung
zu essenziellen Fragestellungen, was Entscheidungsprozesse
beschleunigt.
Wie funktionieren
KI-Planungswerkzeuge?
Jede Software hat ein eigenes Funktionsund
Bedienkonzept – im Prinzip sind die
Abläufe aber ähnlich: Zunächst müssen
Anwender die Rahmenbedingungen und
Anforderungen wie das Gelände und Baugrundstück,
die Nutzungsart, Raumanzahl,
Flächenvorgaben, Raumbeziehungen, die
Belichtung, Erschließung etc. definieren.
Die KI erzeugt anschließend, basierend
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edv
Die Bandbreite reicht von städtebaulichen Studien, der Generierung
und Optimierung von Baumassen, … © Urbanistic
… von Grundrissen in der Vorentwurfs- und Entwurfsphase, …
© SmartScapes Studio / Architechtures
auf Regeln (z. B. Raumbeziehungen, Tageslicht,
Erschließung, Bauvorschriften)
per Generativem Design und einer KI-Optimierung
automatisch mehrere Varianten.
Unterstützt die Software eine graphbasierte
Modellierung, lassen sich Baumassenverteilungen
und Raumbeziehungen
definieren und danach Gebäude- oder
Grundrisslayouts iterativ optimieren, um
sich schrittweise dem gewünschten Ziel
zu nähern. Echtzeit-Simulationen ermöglichen
eine Feinabstimmung in Bezug auf
Belichtung/Verschattung, Lärm/Wind etc.
Automatische Fehler-Checks prüfen im
Hintergrund auf Vorgaben- und Normkonformität
und funktionale Qualität. Die generierten
Varianten können anschließend vom
Anwender verglichen, bewertet, individuell
angepasst und über Schnittstellen oder direkt
im nativen Datenformat in CAD- oder
BIM-Programme wie Revit, Rhino, Sketchup,
Archicad etc. importiert und dort weiterbearbeitet
werden.
… bis zur automatisierten BIM-Modellierung und Planerstellung für die Baueingabe- oder
Werkplanung. © Swapp
Schwächen und Grenzen
Neben den Vorteilen wie Zeiteinsparung,
Variantenvielfalt und Optimierung weisen
die Tools auch einige Schwächen auf. So erzeugen
sie zwar funktionale, den Vorgaben
folgende Baukörper- oder Grundrisslayouts.
Diese verfügen aber meist über eine
begrenzte architektonische Qualität, Kreativität
und gestalterische Raffinesse. Bauund
Brandschutzvorschriften oder Vorgaben
zur Barrierefreiheit werden teilweise
nur grob oder überhaupt nicht berücksichtigt
und müssen manuell ergänzt werden.
Auch Exportformate, etwa für BIM-Projekte
sind nicht immer vollständig kompatibel
mit dem IFC-Standard, so dass ebenfalls
eine Nachbearbeitung in den BIM-Autorenprogrammen
erforderlich ist. Manche
KI-generierten Vorschläge sind auch inhaltlich
nicht nachvollziehbar und dahinter
stehende Prozesse intransparent. Die meisten
KI-Generatoren sind auf den Wohnbau
oder Bürogebäude sowie auf US-Normen
und Richtlinien trainiert und optimiert.
Komplexere Gebäudetypen wie öffentliche
Gebäude, Gewerbebauten oder Änderungen
am Bestand lassen sich nicht oder nur
eingeschränkt abbilden. Außerdem fehlt es
meist an Kollaborations-Schnittstellen zur
TGA-, Tragwerks- oder Brandschutz-Fachplanung,
die gerade in frühem Projektstadium
sehr wichtig ist. Achten sollte man bei
cloudbasierten Programmen auch auf die
Lizenzmodelle, Preise, Kündigungsfristen
und mögliche Risiken im Umgang mit sensiblen
Projektdaten. Als Herausforderung
können sich auch ein Umstieg auf andere
Systeme, inklusive Projektdatenmitnahme
und der Support aufgrund von Sprach- und
Zeitunterschieden erweisen.
Welche KI-Planer sollte man kennen?
Aus der inzwischen beachtlichen Vielzahl
an KI-Planungswerkzeugen fallen die folgenden
Lösungen durch besondere Funktionen
oder eine häufige Nennung in einschlägigen
Übersichten auf. Die meisten
Lösungen sind kostenpflichtig und setzen
eine Registrierung voraus. Einige bieten,
nach einer Anmeldung über ein Googleoder
Facebook-Konto, auch eine kostenfreie
Testmöglichkeit einer limitierten Version
(z.B. Arc, Hypar, Skema etc.).
Architechtures: Diese webbasierte Entwurfsplattform
für Architekten, Bauträger
und Projektentwickler verspricht völlig
neuartige Entwurfsprozesse für Wohngebäude.
Anwender können dabei in frühen
Entwurfsphasen in einem iterativen Prozess
anhand von Variantenvergleichen zu
vorgegebenen Geometrien, Zielen und Entwurfskriterien
optimierte Lösungen entwickeln.
Die Ergebnisse werden in Echtzeit als
BIM-Modell angezeigt, das im IFC-, XLSXund
DXF-Format exportiert werden kann.
Die monatlichen Kosten liegen bei 41 und
246 Euro für die Pro- und Business-Version.
(www.architechtures.com)
u
architektur FACHMAGAZIN
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edv
Ark: Über diese KI-Plattform können Architekten
und Projektentwickler auf spezifische
Projektanforderungen zugeschnittene
und im Hinblick auf die Raumnutzung,
Rentabilität, Energieeffizienz etc. optimierte
schematische Entwürfe und Machbarkeitsstudien
erstellen, die im PDF- und
Revit-Format exportiert werden können.
Individuelle und komplexe Gebäudetypologien
oder -geometrien erfordern manuelle
Anpassungen. Die Grundversion kostet monatlich
180, die Vollversion 1.800 US-Dollar,
eine eingeschränkte Testversion ist kostenlos.
(www.arkdesign.ai)
Forma Site Design: … ermöglicht Stadtplanern
und Projektentwicklern KI-gestützte
Standortanalysen und Baukörper-Volumenstudien.
Anhand von KI-Echtzeitsimulation
für Wind, Lärm, Tageslicht, Verschattung
etc. lassen sich Baukörper optimieren und
auf dem Baugründstück ausrichten. Die
Konzeptstudien können anschließend in
Autodesk Retiv weiterbearbeitet werden.
Forma Site Design kostet separat monatlich
203 Euro und als Teil der Autodesk AEC
Collection monatlich 488 Euro. (www.autodesk.com/de)
Finch 3D: … ist ein parametrisches Designwerkzeug
für Architekturbüros mit Fokus
auf Wohnbau und BIM-Integration, mit dem
Grundriss-Varianten nach Anwender-Vorgaben
automatisiert erstellt und beispielsweise
bezüglich der Flächengrößen optimiert
werden können. Gebäudeentwürfe
lassen sich dynamisch und in Echtzeit optimieren.
Ebenso ermöglicht das Programm
Echtzeit-Analysen von Tageslicht, Flächenverteilung
oder CO 2 -Fußabdruck sowie eine
nahtlose Anbindung an Revit und Rhino.
Die monatlichen Kosten liegen bei 49 Euro
für Einzelanwender, für ein 3er-Team 1.000
Euro. (www.finch3d.com)
Hypar: … ist eine Web-Plattform für Architekten,
BIM-Planer und Projektentwickler,
die mithilfe parametrischem und generativem
Design Grundrisslayouts, Raumprogramme
und Gebäudekonzepte erstellen
möchten. Die Stärke liegt in der API-basierten
Anpassbarkeit und Integration in bestehende
Programme und Arbeitsabläufe von
Revit, Rhino oder Grasshopper. Eine Hürde
für Einsteiger ist die komplexe Bedienung.
Ein Hypar-Arbeitsplatz kostet 25 US-Dollar
pro Monat, für Teams gibt es Staffelpreise.
(www.hypar.io)
Maket: … generiert individuelle Wohnungsgrundrisse,
macht Designvorschläge beispielsweise
zur Raumeinrichtung, die anschließend
individuell modifiziert werden
können, bietet eine virtuelle Beratung zu
Kosten-, Design- und Materialfragen oder
Bauvorschriften und soll so die Architektur-
planung vereinfachen. Maket kostet in der
Basic-Version nichts und in der Pro-Version
monatlich 30 US-Dollar. (www.maket.ai)
Skema: … ist ein in Autodesk Revit integrierbares
Online-Designwerkzeug für Gebäude
unterschiedlicher Nutzung, mit dem Schemapläne
auf der Grundlage von Anwendervorgaben
und früherer Entwürfe generiert
und daraus automatisiert BIM-Modelle bis
zum Detaillierungsgrad LOD 350 erstellt
werden können. Die Stärken liegen in der
automatisierten Raumprogrammierung, der
Möglichkeit, Nutzerbedürfnisse zu berücksichtigen
und funktionale Raumbeziehungen
zu optimieren. Ein Einzelarbeitsplatz
kostet 199, eine 5er-Teamlizenz 750 US-Dollar,
eine 30-Tage-Testversion ist kostenfrei.
Spacio AI: … ist ein browserbasiertes Entwurfswerkzeug
für Planer, das eine intuitive
Skizzierung, automatische 3D- und
BIM-Modellierung und Echtzeit-Analysen
ermöglicht, inklusive einer KI-Optimierung
von Volumen, Ausrichtungen, Belichtung,
Nutzungsdichte oder Erschließung. Auf
realen Geodaten basierende, automatisch
generierte Standortmodelle ermöglichen
städtebauliche Bewertungen.. Die nach
Bauteilen und Raumtypen strukturierten
BIM-Modelle können im Revit-, Rhino- oder
IFC-Format exportiert werden. Die Einzellizenz
kostet 25, eine 5er-Teamlizenz 100
US-Dollar pro Monat. (www.spacio.ai)
Swapp: Auf der Grundlage einfacher
Raumlayouts können entsprechend den
konstruktiven Vorgaben des Anwenders
komplette Revit-Modelle inklusive aller
Grundriss-, Schnitt- und Detailzeichnungen
erstellt werden. Swapp automatisiert die Erstellung
von BIM-Modellen und Bauplänen
und richtet sich an größere Planungsunternehmen,
die repetitive Projektplanungen
rationalisieren wollen. Preise auf Anfrage.
(www.swapp.ai)
TestFit: … ist ein KI-gestütztes Tool zur
Machbarkeitsanalyse und Grundstücksausnutzung
für Planer, Projektentwickler und
Investoren. Es zeigt an, wie viele Wohneinheiten,
Parkplätze oder Fensterflächen
möglich sind – inklusive Wirtschaftlichkeitskennzahlen
und bietet eine schnelle
Variantenbildung, Echtzeit-Finanzkennzahlen
sowie eine Revit-Integration. Die Kosten
reichen von monatlich 100 bis jährlich
8.000 US-Dollar für verschiedene Versionen.
(www.testfit.io)
Urbanistic: … ist eine deutsche Web-Plattform
für die Planung von 3D-Stadtmodellen,
KI-gestützte Analysen und die Kollaboration
mit Projektbeteiligten. 3D-Stadtmodelle
werden auf der Grundlage amtlicher Geodaten
automatisch generiert. 2D-Zeichen- und
3D-Modellierwerkzeuge ermöglichen das
Smarte 3D-Baumassenstudien ermöglichen
eine Optimierung der baulichen Dichte, Nutzung
oder Erschließung … ©TestFit
… oder Nutzflächen- und Wirtschaftlichkeitsbewertungen
von Grundstücken und Gebäudekonzepten.
© Skema
Erstellen und Verändern von Baukörpern,
Grünflächen und Straßen. KI-gestützte
Analysen, Kennzahlen und Schlüsselwerte
unterstützen Potenzial- und Risikobewertungen,
dynamische Checks prüfen Entwürfe
auf Baurechtskonformität. Preise auf
Anfrage. (www.urbanistic.de)
Chancen und Herausforderungen
KI-Werkzeuge für Planer entwickeln sich
rasant und decken inzwischen alle Phasen
eines Bauprojekts ab – von der ersten Skizze,
über die Konzeption und Vorplanung,
die Genehmigungs-, Ausführungs- und
Detailplanung, bis zur Kontrolle und Dokumentation
der Bauausführung. Speziell für
die automatisierte Baumassen- und Grundrissplanung
oder BIM-Modellierung sind die
Einsatzpotenziale, trotz einiger Schwächen,
vielversprechend und können sogar begeistern,
wenn man den herkömmlichen manuellen
Aufwand vergleicht. Welche der oben
genannten Lösungen sich in der Praxis als
nützlich erweisen und in die vorhandene
Bürosoftware einfügen, muss man individuell
herausfinden. In jedem Fall sollte man
sich mit KI-Planungswerkzeugen beschäftigen,
denn sie werden künftig nicht nur
konventionelle CAD- oder BIM-Programme,
sondern auch die Arbeitsweise und vermutlich
sogar das Berufsbild von Architekten
und Städteplanern verändern.
•
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