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2024

Abschlussbericht

DVS-Forschung

Widerstandspunktschweißen

von Aluminiumdruckgusslegierungen

und

Aluminiumknetlegierungen



Widerstandspunktschweißen von

Aluminiumdruckgusslegierungen

und Aluminiumknetlegierungen

Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben

IGF-Nr.: 22.700 N

DVS-Nr.: 04.3645

RWTH Aachen Institut für Schweißtechnik

und Fügetechnik (ISF)

Förderhinweis:

Das IGF-Vorhaben Nr.: 22.700N / DVS-Nr.: 04.3645 der Forschungsvereinigung Schweißen

und verwandte Verfahren e.V. des DVS, Aachener Str. 172, 40223 Düsseldorf, wurde über die

AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)

vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen

Bundestages gefördert.


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind online abrufbar

unter: http://dnb.dnb.de

© 2024 DVS Media GmbH, Düsseldorf

DVS Forschung Band 614

Bestell-Nr.: 170724

Kontakt:

Forschungsvereinigung Schweißen

und verwandte Verfahren e.V. des DVS

T +49 211 1591-0

F +49 211 1591-200

forschung@dvs-hg.de

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung in andere Sprachen, bleiben

vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages sind Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen nicht gestattet.


Schlussbericht vom 30.05.2025

zum IGF-Vorhaben 01IF22700N

Thema

Widerstandspunktschweißen von Aluminiumdruckgusslegierungen und Aluminiumknetlegierungen

Berichtszeitraum

01.12.2023 bis 30.11.2024

Forschungsvereinigung

DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V.

Aachener Straße 172

40223 Düsseldorf

Forschungseinrichtung(en)

RWTH Aachen University

Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik (ISF)

Pontstraße 49

52062 Aachen

IGF-VORDRUCK DLR-PT Stand: Januar 2025


Inhaltsverzeichnis

1 Förderhinweis und Danksagung ..................................................................................................... 11

2 Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeiten ....................................................... 12

3 Einleitung ..................................................................................................................................... 13

3.1 Widerstandspunktschweißen (RP) ................................................................................................ 13

3.2 Herausforderungen beim RP von Aluminiummischverbindungen ................................................ 15

4 Forschungsziel .............................................................................................................................. 17

5 Gegenüberstellung der durchgeführten Arbeiten und des Ergebnisses mit den Zielen ..................... 18

6 Methodik ..................................................................................................................................... 20

6.1 Werkstoffe ..................................................................................................................................... 20

6.2 Proben-Geometrien ...................................................................................................................... 28

6.3 Anlagentechnik .............................................................................................................................. 28

6.4 Schweißparameter ........................................................................................................................ 34

7 Ergebnisse und Diskussion ............................................................................................................ 39

7.1 Anwendung der VDA 238-401 ....................................................................................................... 39

7.2 Wärmefeldmanipulation durch Modifikation der Prozessbedingungen ....................................... 79

7.3 Stromabschaltversuch: Zeitabhängige Schweißlinsenbildung ...................................................... 87

7.4 Einfluss der Elektrodenkraft auf die Schweißlinsenausprägung.................................................... 89

7.5 Verringerung des Abkühlgradientens ............................................................................................ 93

8 Darstellung des wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Nutzens der erzielten Ergebnisse

insbesondere für KMU sowie ihres innovativen Beitrags und ihrer industriellen

Anwendungsmöglichkeiten ........................................................................................................... 99

9 Zusammenfassung ...................................................................................................................... 101

9.1 Prozessoptimierung ..................................................................................................................... 102

10 Ausblick ...................................................................................................................................... 103

11 Verwendung der Zuwendung ...................................................................................................... 104

12 Ergebnistransfer in die Wirtschaft ................................................................................................ 105

12.1 Durchgeführte Transfermaßnahmen (von Projektbeginn bis Projektende) ................................ 105

12.2 Geplante Transfermaßnahmen (nach Projektende) .................................................................... 108

13 Durchführende Forschungseinrichtung ........................................................................................ 109

Seite 2

Zwischenbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22700N


3 Einleitung

Im Fokus des Forschungsvorhabens liegt das Widerstandspunktschweißen von Mischverbindungen aus

Aluminiumknetlegierungen an Aluminiumdruckgusslegierungen. Beide Werkstoffsysteme werden

zunehmend im Automobilbau verwendet, bspw. im Antriebsstrang (Ersatz von Stahlguss durch

Aluminiumguss, bspw. in Getriebedeckeln) sowie im Rohbau und Karosseriestrukturen (Substitution von

Stahlblechen durch Aluminiumbleche, vergleiche Abbildung 1), inzwischen aber auch für Teile von

Unterbodenverstärkungsstrukturen und großvolumige Gussbauteile (kompletter Hinterwagen, Tesla [1]).

Abbildung 1: Aluminiumintensives Multimaterialdesign am Beispiel des Audi R8 Coupé V10 nach [2]

Insbesondere Al-Druckgusslegierungen mit hohen Siliziumgehalten werden aufgrund ihrer hervorragenden

Gießeigenschaften, auch bei dünnwandigen Bauteilen, zunehmend in der PKW-Fertigung eingesetzt.

Gleichzeitig werden Al-Walz- und Al-Profilstrukturen (bspw. aus 6000er Legierungen) vielfach aufgrund der

hohen spezifischen Festigkeit (Zugfestigkeit bezogen auf die Dichte) sowie der guten Umformbarkeit und

Aushärtbarkeit in Karosseriestrukturen eingesetzt [3]. Aktuell verfügbare Normen und Richtlinien, die

geeignete Prozessführung zum Widerstandspunktschweißen von Aluminium-Mischverbindungen zwischen

Aluminiumdruckguss- und Aluminiumknetlegierungen behandeln gibt es derzeit jedoch nicht.

3.1 Widerstandspunktschweißen (RP)

Das Widerstandspunktschweißen (RP) ist ein Pressschweißverfahren, bei dem die zu fügenden Bauteile im

Überlappstoß unter Einwirkung einer vordefinierten Elektrodenkraft aneinandergepresst werden und

elektrischer Strom über die Elektroden durch die Fügepartner geleitet wird. Abbildung 2 zeigt schematisch

das Verfahrensprinzip des RP.

IGF-VORDRUCK DLR-PT Stand: Januar 2025


Abbildung 2: a) Schematische Darstellung Funktionsprinzip des RP mit Kennzeichnung der Stoffwiderstände (R1, R2, R6, R7) und

Kontaktwiderstände (R3 – R5) [4]; b) Verlustwärmemengen beim Widerstandsschweißen (Q W: Schweißwärme, Q VE:

Verlustwärmemenge über Elektroden, Q VU: Verlustwärmemenge über Umgebung, Q VB: Verlustwärmemenge über Blechebene) nach

[5]

Das RP beruht auf dem Prinzip der Widerstandserwärmung, bei dem die in das Bauteil eingebrachte

Wärmemenge Q gemäß des Joule’schen Gesetzes aus dem Schweißstrom I, dem elektrischen

Widerstand R ges und der Schweißzeit t wie folgt abhängt:

t = t Strom

Q = ∫ I 2 (t) ∙ R

t = t 0 ges (t) dt [4]

Dabei setzt sich der elektrische Widerstand R ges aus den Stoff- und Kontaktwiderständen R 1 – R 7 zusammen

(Abbildung 2 b). Die tatsächliche Wirkwärmemenge Q W, die für die Verbindungsbildung umgesetzt wird ist

jedoch abhängig von den Verlustwärmemengen, die aus der Wärmeableitung über die wassergekühlten

Elektroden (Q VE), der Umgebung (Q VU) und der Blechebene (Q VB) resultieren und setzt sich wie folgt

zusammen:

Q W = Q − Q V [4]

mit Q V = Q VE + Q VU + Q VB [4]

Untersuchungen an Mischverbindungen aus ferritischem und austenitischem Stahl konnten in der

Vergangenheit bereits aufzeigen, dass hierbei im Falle von Mischverbindungen eine weitere Unterscheidung

der Q VB entsprechend der Fügepartner notwendig ist. [6] Die entstehende Verbindung, die Schweißlinse

und deren geometrische Ausprägung sind somit durch die Einstellung des Schweißprozesses in Abhängigkeit

der zu fügenden Werkstücke manipulierbar.

Zu den wesentlichen Vorteilen des RP zählen dessen hohe Prozessgeschwindigkeiten, kombiniert mit

geringen Prozesskosten sowie einer hohen Prozesssicherheit und einer guten Reproduzierbarkeit der

Schweißpunktqualität und -eigenschaften bei geeigneter Parameterwahl. Zusätzlich kommt das RP

vollständig ohne die Verwendung zusätzlicher Hilfsfügeteile aus und kann bei Bedarf mit Klebstoffen

(Hybridfügeverfahren) kombiniert werden. Aufwändige Spannvorrichtungen sowie Anlagen- und

Gerätetechnik (bspw. auf jede Fügeaufgabe individuell angepasste Matrizen) werden nicht benötigt [7] und

eine bestehende Anlage kann für das Fügen unterschiedlicher Fügeaufgaben hinsichtlich der

Legierungsauswahl (bspw. Blech/Guss- und Blech/Blech-Verbindungen) oder der Bauteilanordnung genutzt

werden.

Seite 14

Zwischenbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22700N


Obwohl das RP in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend für das Fügen von Konstruktionsbauteilen aus

Stahlwerkstoffen genutzt wurde, gewinnt das RP von Aluminium, insbesondere im Hinblick auf die damit

erzielbaren Gewichtseinsparungen bewegter Massen bei hoher spezifischer Festigkeit, an Bedeutung. Doch

während das RP von Konstruktionsbauteilen aus artgleichen Aluminiumlegierungen der 5000-er und 6000-

er Legierungen bereits in der industriellen Serienfertigung eingesetzt wird, stellt das RP von Aluminium-

Mischverbindungen den Anwender weiterhin vor Herausforderungen, insbesondere beim RP artungleicher

Aluminiumlegierungen.

3.2 Herausforderungen beim RP von Aluminiummischverbindungen

Das RP von Aluminium-Mischverbindungen ist aufgrund der bei Aluminium bereits durch kleine

Änderungen in der Legierungszusammensetzung resultierenden, signifikante Änderungen der

physikalischen und metallurgischen Werkstoffeigenschaften weitgehend unüblich. Grund ist die dabei

oftmals reduzierte Qualität der durch RP erzeugten Mischverbindungen, die aufgrund verschiedener

Schweißpunktunregelmäßigkeiten, wie z. B. Poren oder Heißrissen, nicht den für einen industriellen Einsatz

geforderten hohen Qualitätsstandards entsprechen.

Ergänzend zu der in Kapitel 3.1 erläuterten Wärmebilanz treten beim RP von Aluminium mit Mittelfrequenz-

Gleichstrom-Technologie (MFDC) zusätzliche thermoelektrische Effekte auf, allen voran der sogenannte

Peltier-Effekt. Dabei wird an der Anode beim Elektronenübergang zwischen Werkstoffen mit

unterschiedlichen elektrischen Potenzialen zusätzliche Wärme frei, während kathodenseitig Wärme für den

Elektronenübergang verbraucht wird. Die sogenannte Peltier-Wärme (Q P) ist dabei proportional zur

Potentialdifferenz zwischen den in elektrischem Kontakt stehenden Werkstoffen. Bei der vorliegenden

Kombination aus Kupferelektrode und Aluminiumwerkstück beträgt die Differenz circa 2 V. Die dadurch

resultierende Wärmefeldverschiebung bewirkt jedoch nicht nur eine Verschiebung der Schweißlinse in den

anodenseitig ausgerichteten Fügepartner, ein typischer Nebeneffekt des Peltier-Effektes ist bspw. auch ein

anodenseitig stärker auftretender Elektrodenverschleiß. Die lokal stärkere thermische Belastung begünstigt

die Diffusionsvorgänge zwischen Aluminium und Kupfer und treibt so den Verschleiß durch

Legierungsbildung, bzw. Bildung intermetallischer Phasen voran. [8]

Speziell beim RP von Mischverbindungen zwischen Aluminiumdruckgusslegierungen (Al-DG) und

Aluminiumknetlegierungen (Al-Knet) resultieren aufgrund der unterschiedlichen Legierungskonzepte

weitere Herausforderungen, die bislang den Einsatz und die Validierung eines RP-Prozesses für die

industrielle Anwendung weitgehend verhindert haben. Dazu zählen:

• Die im Vergleich zu Feinblechen größeren Wandstärken bei Aluminiumdruckgussbauteilen und

resultierende große Gesamtverbindungsdicken erfordern nach jetzigem Kenntnisstand den Einsatz

höherer Elektrodenkräfte. [9]

• Die infolge des unterschiedlichen Legierungsdesigns resultierenden unterschiedlichen chemischen,

physikalischen und mechanisch-technologischen Werkstoffeigenschaften, wie z.B. steigender

elektrischer Widerstand mit steigendem Gehalt an Legierungselementen sowie mitunter geringere

thermische Leitfähigkeit der Si-haltigen Aluminiumgusslegierungen. [8, 10–12]

• Die bei derartigen Mischverbindungen auftretende, für Aluminium atypischen Härteverläufe mit

Aufhärtung der Schweißlinse und Härteverlust im Bereich der Wärmeeinflusszonen. [13–15]

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Zwischenbericht zu dem IGF-Vorhaben 01IF22700N

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