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2026

DVS-BERICHTE

Elektronische

Baugruppen und

Leiterplatten

EBL 2026

Sicherung der europäischen

Wertschöpfungsketten


Elektronische

Baugruppen und

Leiterplatten

EBL 2026

Sicherung der europäischen

Wertschöpfungsketten

Vorträge der 13. DVS/GMM-Fachtagung in Fellbach

am 24. und 25. Februar 2026

Veranstaltet von:

In ideeller Zusammenarbeit mit:

und


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

DVS-Berichte Band 404

ISBN: 978-3-96144-320-8 (E-Book)

Alle Rechte, einschließlich Übersetzungsrecht, vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung

dieses Bandes oder von Teilen desselben nur mit Genehmigung der DVS Media GmbH,

Düsseldorf.

© DVS Media GmbH, Düsseldorf ⋅ Februar 2026


Vorwort

Die "Negativ-Nachrichten" überschlagen sich Tag für Tag, und das Gefühl, dass irgendwie alles

aus dem Lot geraten ist, drängt sich förmlich auf. Politische Instabilitäten und eine weltweit

schwächelnde Wirtschaft machen sich insbesondere in unseren Leitindustrien bemerkbar, zu

denen die Elektrotechnikbranche ohne Frage zählt. Dieser Zustand ist aber nicht ausschließlich

den jüngsten Entwicklungen geschuldet. Vielmehr handelt es sich um das Ergebnis einer

Vielzahl von Versäumnissen, welche Politik und Wirtschaft gemeinsam zu verantworten

haben.

Wie anfällig die Lieferketten sind und wie empfindlich die globalisierte Wirtschaft auf Ausfälle

reagiert, hat die jüngere Vergangenheit gezeigt. Mit dem European Chips Act wurden erste

Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen, um die Souveränität auf einem wichtigen

technologischen Gebiet zu stärken. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die

Chiptechnologie zwar ein wichtiger Schlüssel, aber bei weitem nicht das einzige kritische

Element in der Wertschöpfungskette ist. Elektronische Systeme erfordern die Beherrschung

der gesamten Baugruppentechnologie, die vor allem aus Kostengründen zunehmend nach

Asien verlagert wurde. Dabei geht es nicht nur um einzelne Komponenten, sondern um ganze

Technologien – einschließlich der Fähigkeit, diese industriell und wettbewerbsfähig

herzustellen. Dies führt zwangsläufig zu Abhängigkeiten, die in einer funktionierenden

Weltwirtschaft nicht sofort sichtbar werden – jedoch umso deutlicher, wenn es einmal nicht

mehr reibungslos funktioniert. Auch wenn es vermutlich keinen "European PCB Act" oder

ähnliche Initiativen für andere wichtige Technologien geben wird, bleibt deren Beherrschung

für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie entscheidend. Dabei muss die

Baugruppentechnologie mit der stetigen Entwicklung der Chiptechnologie schritthalten

können, sodass der innovative Vorsprung europäischer Entwickler und Hersteller von

wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung ist. Die Leiterplatten- und

Baugruppentechnologie muss weiterentwickelt werden, damit die Chiptechnologie zum

Tragen kommen kann. Sie ist die technologische Plattform für das Embedding elektronischer

Komponenten, die Hochfrequenztechnik, die Leistungselektronik und die Digitalisierung sowie

für Anwendungen der Photonik bis hin zum Quantencomputing. Dafür benötigen wir eine

resiliente Lieferkette innerhalb der europäischen Region, die ebenfalls einen hohen Grad an

vertikaler Integration aufweist. Diesen Themen widmet sich auch die Tagung EBL 2026 und

leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Informationsaustausch, zur Vernetzung und zur

Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere für die europäischen KMU.

Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer und eine spannende Tagung.

Bernd Enser

Vorsitzender der Programmkommission

Prof. Dr. Mathias Nowottnick

Wissenschaftlicher Tagungsleiter


Inhaltsverzeichnis

Vorträge

Session I: Wissenschaftlicher Nachwuchs

Reflowlöten auf Aluminiumleiterstrukturen – ZIM-Projekt ALUSolder ........................ 1

P. Schletterer, T. Wenger, M. Reichenberger, M. Bisges, M. Muckelbauer, M. Schiffmann

Atmosphärisches Plasmaspritzen zur Applikation von Lotdepots auf

leistungselektronischen Halbleiterbauelementen mit Kupfer-Zinn

Pseudolegierungen .................................................................................................. 13

A. Gökçen, C. Hecht, J. Franke, M. Ockel

Framework zur effizienten Erstellung und Nutzung von Simulationsmodellen

für Systeme mit den Charakteristika automatisierter Linienproduktionen

an Beispielen aus der Leistungselektronik ......................................... 24

P. Enser, K. Sing, M. Barth, M. Friedlein

Session II: Wissenschaftlicher Nachwuchs

Unüberwachte Lernverfahren zur Analyse und Korrelation von Inspektionsdaten

in der Elektronikfertigung ............................................................................... 37

M. Romero, T. Dobs

Generic transient thermal surrogate model-based digital twin for evaluating

the thermal performance of automotive high-power LEDs ....................................... 52

G. Vellaisamy Muniyandi, H. Schwan, G. Elger

Digital Twin Predictive Model for Inverter Manufacturing . ........................................ 62

A. R. Alkasabreh, F. Steinberger, G. Elger

Session III: Modul- und Baugruppenfertigung I

Selektive Hochtemperaturverbindungen auf Standard-PCB mit Cu-Inlays für

Leistungselektronik-Baugruppen ............................................................................. 79

J. Meyer, K. Meier, K. Bock, R. Metasch, M. Roellig, R. Kuntzsch, M. Gebhardt,

D. Pavlyuchkov, J. Schuh

Effiziente SiC-Leistungsmodule – Herausforderungen und Lösungsansätze

zum großflächigen Silber-Sintern von „Active Metal Brazed“-Substraten

auf Aluminium-Bodenplatten .................................................................................... 89

S. Fritzsche, K. Stenger, F. Koser, N. Glaab, B. Fabian, F. Seifert


Siebdruck von kohlenstoffbasierten Dickschichtpasten auf biologisch

abbaubaren Substraten ........................................................................................... 99

M. Fischer, A. Toth, M.-P. Schmidt

Miniaturisierungsmöglichkeiten von CubeSats durch innovative additive

mechatronische Integration ................................................................................... 107

K. S. Siah, J. Pinsker, J. Franke, M. Ockel

Session IV: Technische Sauberkeit, Verunreinigungen

Prozessintegrierte Überwachung des Flussmittelauftrags ..................................... 120

U. Wittreich, A. Neiser

Umsetzung der Anforderungen an Technische Sauberkeit entlang

der Lieferkette ........................................................................................................ 122

H. Schweigart, M. R. Meier, S. Strixner

Verfahren zur Erfassung von Durchschlägen in elektrischen Feldern bis

1000 VDC infolge von Partikel-Verunreinigungen ................................................. 128

P. Knoch, P. Brag, K. Meier, K. Bock

Reduzierung der Kondensatrückstände im Reflowprozess durch gezielte

Steuerung chemischer Reaktionen ........................................................................ 138

V. Rawinski

Session V: Schaltungsträger, neue Materialien und Anforderungen

Herstellung biobasierter Leiterplattensubstrate aus pflanzlichen Blattskeletten

als umweltfreundliche Substratalternative ............................................................. 147

T. Tiedje, V. Köst, R. Nair, A. Weißbach, H. Kleemann, A. Sambale, J. Panchenko, K. Leo

Lötstoppmaske als zuverlässige Isolationsschicht auf Leiterplatten –

Verschiedene Layouts und Materialien unter Feuchtigkeit und Hochspannung .... 155

M. Vogt, M. R. Meier, H. Schweigart, L. Henneken, M. Schleicher, D. Schucht,

J. Müller, N. Kaminski

Glasbasierte Substrate für Chipletsysteme ............................................................ 167

C. Landstorfer, A. Meierfrankenfeld, S. Borchardt, R. Kahle, D. Hahn, A. Ostmann

Einsatz von Glas-Core Substraten im Packaging-Bereich ..................................... 174

H.-J. Albrecht, D. Buße, A. Dahlbüdding, J. Trodler

Session VI: Modul- und Baugruppenfertigung I

Designregeln und Technologiepotentiale für das Nutzentrennen .......................... 175

P. Stockbrügger


Baugruppenlayouts aus Sicht des Betriebsmittelbaus für ein optimales

Nutzentrennergebnis ............................................................................................. 181

O. Hagemes

Vom Energieausweis für THT-Lötstellen und intelligenten Lötmaschinen ............. 190

R. Seidel

Einfluss von Prozesstechnologie, Designfaktoren und Kundenanforderungen

für die Entwicklung stabiler und kosteneffizienter THT-Lötprozesse ..................... 197

C. Zehnder, D. Welslau, T. Schmidt, P. Lange

Session VII: Zuverlässigkeit, Feuchte

Lötstopplack als Isolator - Wechselwirkungen auf Leiterplatten unter

Feuchtelast ............................................................................................................ 203

L. Henneken

Bewertung der Robustheit elektronischer Baugruppen durch eine neu

definierte Betauungsprüfung .................................................................................. 220

A. Kandziora, B. Wittig, U. Pape

Kompetenzaufbau von Umweltsimulationslaboren am Beispiel

unterschiedlicher Betauungstests .......................................................................... 229

P. Bott

Prozessbegleitende Ionenchromatographie zur Sicherstellung der

Baugruppenzuverlässigkeit .................................................................................... 236

M. Eckardt, H. Schweigart

Session VIII: Digitalisierung, KI

AI-Assisted Component Recognition for Product Lifecycle Assessment in

Microelectronics ..................................................................................................... 243

K. Shousha, U. Oestermann, M. Anastasiadis, B. Sirbu, M. Ashour, T. Tekin

Vom Fehlschlag zur Serienreife: Großflächiges Kupfersintern durch

KI-gestützte Entwicklungsmethodik ....................................................................... 254

Dr. A. Hutzler

Integration von KI-basierten Methoden in die Lebensdauerprädiktion von

Lotverbindungen ..................................................................................................... 261

G. Elger, A. Zippelius, J. Shah, M. Schmid


Session IX: AVT, Montage Leistungselektronik

Untersuchung der Wiederaufschmelztemperatur von Kompositlötverbindungen

auf Basis von niedrigschmelzenden bleifreien Lötverbindungen ........................... 272

A. Novikov, M. Nowottnick

Neuentwicklung hochzuverlässiger Lotlegierungen für die Automobilindustrie

der Zukunft ............................................................................................................ 281

N. Kopp, C. Kandora, K. Watanabe

iBFE R2-Projekt: Zuverlässigkeit und Prozessverhalten von niedrigschmelzenden

Lotlegierungen ............................................................................... 287

D. Dudek, Dr. T. Ahrens

Session X: Zuverlässigkeit, Materialeigenschaften

Erhöhung der Zuverlässigkeit elektronischer Baugruppen durch eine

verbesserte Vorhersage der Alterungsbeständigkeit von Vergussmassen

und Klebstoffen unter zyklischer thermischer Beanspruchung .............................. 300

J. Kolbe, O. Hesebeck, P. H. Evangelista Fernandes, O. Hölck

„Entwicklung eines Prüfstandes zur zyklischen Charakterisierung des

Dehnungsverhaltens von Polymerproben über sphärisch und ellbogenförmig

konturierte Oberflächen“ ........................................................................................ 320

V. C. Köst, J. Israel, T. Lehmann, K. Nieweglowski, K. Bock, T. Tiedje

Einfluss von Fe-Nanopartikeln auf Elektromigrationseffekte in SAC305-

Lötverbindungen .................................................................................................... 331

I. Wodak, A. Géczy, O. Krammer, B. Illés, T. Walter, G. Khatibi, J. Nicolics

Session XI: Digitalisierung, KI

Development and Evaluation of a RAG System for Local Knowledge Retrieval

with Integrated Trustworthiness Metrics in Industrial Environments ...................... 344

F. Mahr, H. H. Vardhan, J. Franke, M. Ockel

AdaPEdge: Edge-Computing-Module für eine resiliente Elektronikfertigung

mit adaptiver Prozessoptimierung ......................................................................... 355

M. Heimann, P. Fruehauf, M. Erdmann, R. Blank, J.-P. Peters, K.-F. Becker, S. Voges,

A. Hofmeister, S. Gottwald, P. Lopuszanski, C. Tschoban, L. Becker, M. Thieß, F. Wittenfeld,

M. Fehrenz

Modellierung von nichtlinear-viskoelastischen Materialen hochverformbarer

Vergusspolymere für eine präzise virtuelle Auslegung moderner Elektronik ......... 365

R. Schwerz, M. Roellig


Session XII: AVT, Montage Leistungselektronik

Untersuchungen zum drucklosen Niedertemperatur-Sinterverfahren mit in situ-

Nanosilber Precursor Paste ................................................................................... 380

C. Zhang, M. Türpe

Einfluss von Prozessparametern auf die Qualität gesinterter Interconnects .......... 393

F. Steinberger, S. Barthels, S. Tarofawala, W. Chen, S. König, C. Goth, G. Elger

Laseroberflächenbehandlung von DCB-Substraten für das Weichlöten

von Leistungshalbleiterbauelementen ................................................................... 404

J. Schickel, C. Hecht, T. Haberstroh, M. Sprenger, J. Franke, M. Ockel

Session XIII: Zuverlässigkeit, Lebensdauer, Diagnostik

Zuverlässigkeit von Flachbaugruppen nach 15 Jahren Temperaturwechselprüfungen-Testergebnisse

und Prognostik ............................................... 415

R. Dudek, P. Frühauf, R. Tank-Döring, S. Richter-Trummer, L. Kreher, J. Albrecht,

S. Rzepka, A. Weigart, L. Scheiter

Lebensdauerevaluierung von Drahtbondverbindungen in LED-Systemen

mit Hilfe beschleunigter mechanischer Alterung und vergleichenden FEM ........... 435

T. Walter, B. Czerny, M. Hartleb, G. Khatibi, M. Li, S. Listl

Elektrische Impedanzspektroskopie (EIS) – Eine zerstörungsfreie

Methode zur Qualitätskontrolle von Isolationsmaterialien der Signalund

Leistungselektronik ......................................................................................... 444

M. R. Meier, M. Eckhardt, H. Schweigart

Kontaktthermografie und Multi-Energie-Röntgendiagnostik an gesinterten

Si-Nacktchips – Erste Ergebnisse gespiegelt an den sichtbaren Strukturen

nach Chip-Entfernung ............................................................................................ 451

M. Oppermann, O. Albrecht, J. Meyer, V. Neumann, T. Zerna, T. Mikolajick

Session XIV: Energieeffizienz, Thermisches Management

Trendanalyse in der Entwicklung von Kühlkonzepten für elektronische

Baugruppen ........................................................................................................... 467

M. Nowottnick, A. Novikov, I. Cherunova, D. Seehase

Verbundprojekt DauerPower – Neue Impulse für den Antriebsumrichter .............. 475

J. Hofmann, M. Rittner, E. Hoene, D. Seidenstücker, P. Fuchs

Entwicklung und Integration von Phase Change Materials zur lokalen

Begrenzung der Arbeitstemperatur ........................................................................ 486

D. Seehase, A. Novikov, M. Nowottnik, L. Lorenz


Session XV: AVT, Oberflächen und additive Verfahren

Reactive Multilayer System (RMS) Bonding als Alternative in additiver

Fertigung von Sensor-Prototypen ......................................................................... 500

L. E. Jazdzewski, A. Schumacher, S. Knappmann, S. Pelster, A. Dehé

Atmosphärisches Plasmaspritzen als additives Fertigungsverfahren für thermomechanische

Bondbuffer auf leistungselektronischen Halbleiterbauelementen .... 501

M. Ockel, A. Gründl, C. Hecht, J. Franke

Drahtbondstandards für Oberflächenqualität und Bondbarkeit –

Anforderungen für prozesssichere Bondoberflächen ............................................. 511

S. Schmitz

Session XVI: Integrierte Funktionen, Advanced Packaging

Hochfrequenz-Leiterplatten mit integrierten Waveguides für hochintegrierte

Radarsensoren ...................................................................................................... 520

C. Tschoban, H. Pötter, I. Ndip, M. Schneider-Ramelow

Direktmetallisierte Molding Compounds – Haftfestigkeitsoptimierung und

Teststrategien zur Qualifizierung für EMV-Schirmung, Komponentenmontage

und Antennenintegration auf Packages ................................................................. 533

N. Gahein-Sama, F. Müller, O. Nallaweg, O. Hölck, T. Thomas, K.-F. Becker, T. Braun,

M. Schneider-Ramelow

Session XVII: Wirtschaftlichkeit und Resilienz

Fertigung von Telekommunikationsmodulen für die Automobilindustrie in

Deutschland? ......................................................................................................... 559

J. Trodler, D. Löffler, P. Limani, G. Ehl, H. Öttl

Aktivgelötete Cu-Si3N4 Substrate für die Leistungselektronik

„Made in Germany“ ................................................................................................ 563

A. Rost, M. Kuczynski, E. Zschippang, P. Dold, J. Hörig, S. Mosch, M. Scharrer, S. dos Santos,

P. Gierth, J. Winhauer, J. Pfeiffer, J. Schilm, M. Herrmann

Autorenverzeichnis ............................................................................................. 576


Reflowlöten auf Aluminiumleiterstrukturen – ZIM-Projekt

ALUSolder

P. Schletterer 1 , T. Wenger 1 , M. Reichenberger 1 , M. Bisges 2 , M. Muckelbauer 3 ,

M. Schiffmann 4 , 1 Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Nürnberg,

Deutschland, 2 Plasma Innovations GmbH, Attnang-Puchheim, Österreich, 3 Powerlyze

GmbH, Nürnberg, Deutschland, 4 PCB-Systems GmbH, Bad Aibling, Deutschland,

philipp.schletterer@th-nuernberg.de

https://doi.org/10.53192/EBL20260001

Im ZIM-Kooperationsprojekt „ALUSolder“, gefördert durch das Bundesministerium für

Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des IraSME-Netzwerks mit Partnern aus

Deutschland und Österreich, wird der Ersatz von Kupfer durch Aluminium entlang der

gesamten Prozesskette der Leiterplattenfertigung untersucht. Der Projektansatz

basiert auf der selektiven Beschichtung der Anschlussflächen aus Aluminium mit einer

chemisch aufgebrachten Nickel-Phosphor-Schicht. Dieses Metallisierungsverfahren

ist mit den für starre Leiterplatten verwendeten Kunststoffen und Kompositmaterialien

kompatibel und ermöglicht lötfähige Oberflächen für den anschließenden einseitigen

Reflowlötprozess bei einlagigen Leiterplatten. Im weiteren Verlauf wird untersucht,

welche Leiterbahnstrukturen mit der eingesetzten Aluminiumlegierung zuverlässig

realisiert werden können. Zudem wird die Haftfestigkeit zwischen Leiterbahn und

Epoxidverbundsystem im Vergleich zu herkömmlichen Kupferleiterbahnen analysiert.

Zur Bewertung der Zuverlässigkeit und Lebensdauer werden verschiedene Umweltsimulationstests

durchgeführt. Anschließend werden die gealterten Lötverbindungen

umfassend hinsichtlich ihrer mechanischen und elektrischen Eigenschaften

charakterisiert und den Lötverbindungen konventioneller Kupferleiterplatten

gegenübergestellt. Ziel des Projekts ist es, die technologischen Grundlagen für den

industriellen Einsatz von Aluminiumleiterstrukturen zu schaffen und somit einen

Beitrag zur Elektronikproduktion der Zukunft zu leisten.

The ZIM cooperation project “ALUSolder,” funded by the German Federal Ministry for

Economic Affairs and Climate Protection as part of the IraSME network with partners

from Germany and Austria, is investigating the replacement of copper with aluminum

along the entire process chain of printed circuit board manufacturing. The project

approach is based on the selective coating of the aluminum connection surfaces with

a chemically applied nickel-phosphorus layer. This metallization process is compatible

with the plastics and composite materials used for rigid printed circuit boards and

enables solderable surfaces for the subsequent single-sided reflow soldering process

for single-layer printed circuit boards. The next step is to investigate which conductor

track structures can be reliably realized with the aluminum alloy used. In addition, the

adhesive strength between the conductor track and the epoxy composite system is

analyzed in comparison to conventional copper conductor tracks. Various

environmental simulation tests are carried out to evaluate reliability and service life.

The aged solder joints are then comprehensively characterized in terms of their

mechanical and electrical properties and compared with the solder joints of

conventional copper circuit boards. The aim of the project is to establish the

technological basis for the industrial use of aluminum conductor structures and thus

contribute to the electronics production of the future.

DVS 404 1


1 Einleitung

Die voranschreitende Energiewende, Elektrifizierung und Digitalisierung treiben die

Nachfrage nach effizienten und nachhaltigen Elektroniklösungen zunehmend voran.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Löten auf Aluminiumleiterstrukturen als

Alternative zu herkömmlich verwendeten Kupferleitern an Bedeutung. Aluminium ist

das dritthäufigste Element der Erdkruste und bietet aufgrund seiner physikalischen

Eigenschaften wichtige Vorteile. So ermöglicht Aluminium bei gleichem Leitwert eine

Gewichtseinsparung von etwa 50 % gegenüber Kupfer [1], was vor allem in mobilen

und gewichtskritischen Anwendungen von großer Relevanz ist. Zudem lassen sich

durch den Einsatz von Aluminium derzeit Kosteneinsparungen von rund 85 %

realisieren [2], was die wirtschaftliche Attraktivität unterstreicht. Trotz dieser Vorteile

bringt Aluminium auch spezifische Herausforderungen mit sich. Eine in Kontakt mit

Luft spontan entstehende Oxidschicht verhindert eine ausreichende Benetzbarkeit mit

den für die Elektronikfertigung üblichen Loten. Darüber hinaus besitzt Aluminium einen

rund 40 % höheren Wärmeausdehnungskoeffizienten im Vergleich zu Kupfer [1], was

in der Baugruppe zu verstärkten mechanischen Spannungen führen kann. Solche

Spannungen können die Langzeitstabilität der Verbindungen beeinträchtigen und

potenziell zu einem früheren Ausfall der elektronischen Baugruppen führen. Ziel des

vorliegenden Forschungsprojektes ist es, Verarbeitbarkeit und Langzeitverhalten von

einlagigen Leiterplatten mit nickelbeschichteten Aluminiumstrukturen sowie darauf

hergestellten Lötstellen systematisch auf Benetzungsfähigkeit, Metallisierungshaftung

und mechanische sowie elektrische Messwerte vor und nach Alterungstests zu

untersuchen und im Vergleich zu herkömmlichen Cu-Strukturen zu bewerten.

2 Herstellung und Material

2.1 Aluminiumleiterplatten, Ätz- und Beschichtungsprozess

Die eingesetzten Leiterplatten mit einer Dicke von 1,55 mm bestehen aus

glasfaserverstärktem Epoxidharz (FR4). Auf der Ober- und Unterseite ist eine 50 µm

starke Aluminiumfolie (Aluminium-legierung 8011) auf laminiert.

Das chemische Ätzen von Aluminium ist eine besondere Herausforderung, da

Aluminium in wässrigen Lösungen sowohl oxidativ als auch amphoter reagiert. Bereits

geringe Schwankungen in pH-Wert oder Temperatur führen zu ungleichmäßiger

Materialabtragung, die hauptsächlich durch Rückätzung bedingt ist, bei der die

Ätzlösung lateral die effektive Linienbreite verringert. In diesem Kontext ist die

Entfernung der Oxidschicht durch die Plasmaätz-Vorstufe von zentraler Relevanz, da

partiell oxidierte Oberflächen zu lokalen Ätzunterschieden führen. Der Einsatz

gepufferter Ätzlösungen mit definiertem Komplexbildneranteil führt zu einer

stabilisierten Ätzrate und signifikant reduzierten lateralen Erosion. In Kombination mit

einer präzisen Prozessführung wird eine homogene Abtragung über die gesamte

Substratfläche ermöglicht.

Der Prozess der Oberflächenbeschichtung beginnt mit einer Entfettung (Degreasing)

der Substrate. Darauf aufbauend erfolgt eine Plasmavorbehandlung. Das

nachfolgende Plasmaätzen dient der gleichmäßigen Entfernung der

Aluminiumoxidschicht. Die nachgeschaltete nasschemische Beschichtung mit Zinkat,

die darauffolgende Desmut-Behandlung zur Entfernung unerwünschter

Metallrückstände und eine abschließende Zinkat-Beschichtung resultieren in der

Erzeugung einer dünnen, gleichmäßigen Zink-Zwischenschicht. Diese fungiert als

Schutzschicht für das Aluminium vor weiterer Oxidation und dient als metallurgische

Haftvermittlerschicht. Die abschließende autokatalytische Nickel-Phosphor-

DVS 404 2


Abscheidung dient als lötfähige Endoberfläche. Die Kontakt- und Lötpads sind mit

einer Ni-P-Solldicke von 3 µm beschichtet und haben einem Phosphorgehalt von etwa

6 % - 9 %.

Bild 1. Prozessablauf der Nickelbeschichtung

2.2 Testlayout und eingesetzte Materialien

Das Testlayout umfasst 20 Widerstände der Größe 1210 sowie 20 Widerstände der

Größe 2512 (R1 bis R40). Zusätzlich sind zwei QFN-Daisy-Chain-Dummy-Bauteile der

Größe 3 mm x 3 mm in der Mitte der Leiterplatte vorgesehen. Die Anschlussflächen

sind mit Testflächen (T1 bis T76) versehen und elektrisch verbunden, um eine

Messung der auftretenden Widerstände zu ermöglichen. Die Pads für die 1210-

Widerstände weisen eine Abmessung von 1,30 mm x 2,50 mm auf, die Pads der 2512-

Widerstände von 1,45 mm x 3,40 mm. Die QFN-Groundpads haben eine Größe von

1,75 mm x 1,75 mm, die QFN-Kontaktpads von 0,65 mm x 0,25 mm. Die eine Hälfte

der Leiterplatte ist mit Kontaktpads versehen, deren benetzbare Fläche durch

Lötstopplack definiert ist (SMD). Die eine Hälfte der Leiterplatte ist mit Pads versehen,

deren benetzbare Fläche durch Lötstopplack definiert ist (SMD). Bei der anderen

Hälfte ist kein Lötstopplack auf dem Kontaktpadrand vorhanden, sodass die

benetzbare Fläche durch das geätzte Pad selbst vorgegeben ist (NSMD). Die

benetzbare Fläche der Lötkontakte ist bei beiden Varianten gleich groß. Da sich die

SMD- und NSMD-Werte in den Scherkraftmessungen nicht unterscheiden, wird darauf

im Weiteren nicht näher eingegangen.

Bild 2. Verwendetes Leiterplattenlayout, dargestellt an einer Al+Ni-P-Testbaugruppe

Die Anschlussmetallisierung der Nullohmwiderstände ist Sn über einer Ni-

Diffusionsbarriere [3]. Die QFN-Bauteile besitzen 16 Anschlussflächen mit einem

Rasterabstand von 0,5 mm, die Endoberfläche auf dem Cu-Leadframe ist ebenfalls

Sn. Als Referenz eingesetzte, in Cu-Technik hergestellte Vergleichsleiterplatten aus

FR-4 sind ebenfalls 1,55 mm dick, mit einer beidseitigen 35 µm starken Cu-Auflage

und Lötstopplack. Als Endmetallisierung wird zum einen ENIG mit 3 µm - 6 µm Ni-P

und 0,05 µm - 0,10 µm Au eingesetzt. Zum anderen kommt organischer

Oberflächenschutz (OSP) zum Einsatz. Als Lotpasten werden kommerziell erhältliche

DVS 404 3


Serienprodukte des Herstellers MacDermid Alpha eingesetzt. Dabei handelt es sich

um ALPHA CVP-520 (42Sn57,6Bi0,4Ag, Typ 4, ROL0) mit einem Schmelzbereich von

etwa 137 °C bis 139 °C, die für den Aufbau aller bestückten Testbaugruppen

verwendet wurde, sowie um ALPHA CVP-390V (SAC305, Typ 4, ROL0) mit einem

Schmelzbereich von 217 °C bis 219 °C. Das SAC-Lot wird ausschließlich für die

Fixierung von Lötösen für Abzugsversuche eingesetzt (vgl. 3.2).

3 Experimentelles

3.1 Aufbau Testschaltungen, Lötprozess, Alterungsuntersuchungen

Die SnBiAg-Lotpaste wird mittels Schablonendrucks aufgetragen. Dabei kommt eine

120 µm dicke Schablone mit einer umlaufenden 10-prozentigen Reduzierung der

Aperturen zum Einsatz. Die Bauteile werden anschließend mit einer Pick-and-Place-

Anlage auf der Leiterplatte bestückt. Das Umschmelzen des Lotes findet im

Durchlaufkonvektionsofen unter Normalatmosphäre statt. Das resultierende

repräsentative Lötprofil (Temperatursensor mittig platziert) mit einer Peaktemperatur

von 175 °C und einer Liquiduszeit von 90 Sekunden ist in Bild 3 dargestellt.

Bild 3. Resultierendes Konvektionslötprofil für das SnBiAg-Lot

Zur Bewertung der Diffusionsvorgänge in den Lötstellen werden die Baugruppen

gemäß DIN EN 60068-2-2 bei konstanten 125 °C ausgelagert und zu den Zeitpunkten

200 h, 500 h, 1000 h sowie 1500 h entnommen und mechanisch charakterisiert. Zur

Bewertung des Einflusses des gegenüber Cu höheren thermischen

Ausdehnungskoeffizienten von Al auf die Lötstellenintegrität werden die Baugruppen

einer zyklischen Temperaturwechselbelastung, zwischen – 20 °C und + 85 °C gemäß

DIN EN 60068-2-14 ausgesetzt. Die Haltezeiten auf den beiden Temperaturniveaus

betragen jeweils 15 Minuten, die Temperaturgradienten beim Wechsel zwischen den

Niveaus liegen bei 4 K/min. Im Rahmen der Untersuchung werden Baugruppen zudem

mit einer Zyklenzahl von 200, 400, 600, 800, 1000 und 1500 Zyklen entnommen und

mechanisch sowie elektrisch charakterisiert. Die Alterung wird im Klimaschrank MKF

56 (Binder) durchgeführt.

3.2 Mechanische und elektrische Charakterisierung

Die mechanische Charakterisierung der Lötstellen und der Haftfestigkeit der

Leiterbahnen wird mit dem Bondtester Condor Sigma Lite von XYZTech durchgeführt.

Die Haftfestigkeitsmessung der Al-Kaschierung auf dem Substrat erfolgt durch das

Aufbringen einer Lötfahne mit Öse, die anschließend mit dem genannten Bondtester

abgezogen wird. Da in Vorversuchen mit SnBiAg-Lot überwiegend ein Bruch in der

Lötstelle festzustellen ist und damit keine Aussage zur Schichthaftung getroffen

werden kann, werden die Lötfahnen mit dem genannten SAC-Lot und einem vom

Hersteller angegebenen Temperaturprofil [6] im Konvektionsofen auf den NSMD-

DVS 404 4


Anschlussflächen der 1210-Widerstände aufgelötet. Um den Einfluss von erhöhter

Temperatur auf die Leiterbahnhaftung bewerten zu können, werden Abzugsversuche

bei Raumtemperatur sowie bei einer Leiterplattentemperatur von 80 °C durchgeführt.

Der Aufbau ist in Bild 4 schematisch im Querschnitt dargestellt. Die maximale Zugkraft

bis zum Ablösen der Lötkontakte wird gemessen und daraus mit der Kontaktfläche die

Bruchspannung berechnet.

Bild 4. Messung der Haftfestigkeit bei Raumtemperatur und erhöhter Temperatur

Die Ermittlung der Scherkraft erfolgt nach DIN EN 62137-1-2:2007. Das resultierende

Bruchbild wird gemäß den dort vorgegebenen Ausfallarten kategorisiert [4]. Für das

Abscheren wird ein Schermeißel mit einer Breite von 10 mm verwendet, der auf einer

Scherhöhe von 80 µm mit einer Geschwindigkeit von 150 µm/s verfährt. Nach einem

Abfall der Scherkraft um mehr als 50 % gegenüber dem Ausgangswert gelten die

Lötstellen als ausgefallen [5].

Die elektrischen Widerstände werden vor und nach der Entnahme aus den

Alterungstests einzeln mittels Vierleitermessung ermittelt. Die Messung der

elektrischen Widerstände erfolgt an den Messkontakten auf der Leiterplatte über eine

4-Leitermessung mit dem Keithley 2450 Sourcemeter und runden gefederten

Messspitzen. Der elektrische Widerstand wird an 20 Bauteilen je Variante gemessen.

Nach einem Anstieg des Widerstands um mehr als 20 % im Bezug zum Ausgangswert

gelten die Lötstellen eines Bauteils als ausgefallen.

4 Ergebnisse

Zunächst werden die durch den Ätzprozess erzielbaren Strukturbreiten bei

Aluminiumleiterbahnen erläutert. Anschließend wird die Haftfestigkeit der

Aluminiumleiterbahn auf dem Substrat mit der von herkömmlichen Kupferleiterbahnen

verglichen. Abschließend werden die unter konstanter Wärme oder

Klimawechselzyklen gealterten Leiterplattenvarianten mittels mechanischer,

elektrischer und metallographischer Untersuchungen verglichen.

4.1 Erzielbare Aluminiumleiterbahn Strukturen

Derzeit sind reproduzierbare Leiterbreiten von bis zu 100 µm realisierbar. In Bild 5 wird

das Al+Ni-P-Kontaktpad, deren Ätzkante ausgefranzt ist, im Vergleich zur

herkömmlichen ENIG-Kupferleiterbahn mit glatter Ätzkante dargestellt. Dies lässt sich

durch die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der die Legierungsbestandteile geätzt

werden, erklären. Dagegen ist die Al-Folienunterseite glatt im Gegensatz zur rauen

DVS 404 5


Cu-Folienunterseite, dies kann potenziell zu einer verminderten Haftung führen, was

in Kapitel 4.3. untersucht wird.

a) b)

Bild 5. Querschliff Kante-Lötpad a) Ni-P beschichtetes Aluminium, b) ENIG

beschichtetes Kupfer

4.2 Visuelle Bewertung der Oberflächenbenetzung

Ein Vergleich der Benetzung von SnBiAg-Lot auf den Al+Ni-P-QFN-Kontaktflächen zu

der auf ENIG und OSP ist in Bild 6 a - c dargestellt. Die dargestellten QFN-

Kontaktflächen sind mit Lötstopplack definiert (SMD). Es werden für Al+Ni-P-

Oberflächen Lötergebnisse nach IPC A-610-F Klasse 2 erreicht. Die Benetzung auf

ENIG wird vollständig erreicht und ist somit noch etwas besser als die der Ni-P

beschichteten Al-Kontaktflächen. OSP erreicht eine mit Al+Ni-P vergleichbare

Benetzung, wobei nur manche Randbereiche unbenetzt sind. Im Bild 6 d wird ein auf

der Ni-P-Oberfläche verlötetes QFN-Bauteil im Querschliff gezeigt, die Ni-P-

Oberfläche zeigt hier eine gute Lötstellenqualität.

DVS 404 6


a) b) c)

d)

Bild 6. Benetzung der QFN-Kontaktflächen (SMD) mit SnBiAg-Lot a) Al+Ni-P, b)

ENIG, c) OSP, d) Querschliff durch QFN-Bauteil auf Al+Ni-P-Kontaktpads (SMD) mit

SnBiAg-Lot

4.3 Beurteilung der Metallisierungshaftung

Bei Raumtemperatur haftet Aluminium signifikant besser auf dem Substrat als

konventionelle Kupferstrukturen. Eine Erhöhung der Prüftemperatur auf 80 °C durch

eine Heizplatte verändert die Bruchspannung nicht signifikant, wie in Bild 7 dargestellt

ist.

Bild 7. Bruchspannung bei Raumtemperatur und 80 °C

Um den Einfluss der Alterung der Leiterplatten durch Temperaturwechsel auf die

Haftung der Leiterbahn auf dem Substrat bewerten zu können, werden die

Leiterplatten in einem Klimaschrank zyklisch thermisch belastet, wie in Kapitel 3.1

beschrieben. Die Messung selbst wird bei Raumtemperatur durchgeführt. Die

Bruchspannung der mit 1000 Temperaturzyklen belasteten Al+Ni-P-Kontaktpads

verändert sich zum Ausgangszustand nicht signifikant, wie Bild 8 zu entnehmen ist.

DVS 404 7


Die Haftung der Cu-Kontaktpads nimmt dagegen nach 1000 Temperaturzyklen

signifikant zu und zeigt damit ähnlich gute Ergebnisse wie Al+Ni-P. Ein

Erklärungsansatz für dieses Verhalten könnte eine Nachvernetzung der Harzmatrix

während der Auslagerung sein.

Bild 8. Bruchspannung im Ausgangszustand und nach 1000 Zyklen

4.4 Beurteilung der Alterung durch konstante Wärme

Um den Einfluss von konstant hoher Temperatur auf die Lötstellen beurteilen zu

können, werden die Testbaugruppen bei 125 °C gelagert und der Einfluss auf die

Lötstellen durch Schertests zu verschiedenen Entnahmezeitpunkten verglichen. Die

Scherkraft der Lötverbindungen nimmt mit der Dauer der Hochtemperaturlagerung bei

allen untersuchten Testbaugruppen ab, unterschreitet aber bis zum Prüfende nach

1500 h nicht die Grenze von 50 % der anfänglichen Scherkraft im Ausgangszustand

bei 0 h (Bild 9). Somit gelten die Lötstellen auf allen Leiterbahnvarianten auch nach

Auslagerung als intakt. Die Variante Al+Ni-P mit 1210-Widerständen zeigt dabei mit

den ENIG-Lötstellen vergleichbare Scherkräfte. Die OSP-Lötstellen haben eine über

den gesamten Zeitraum leicht höhere mittlere Scherkraft. Bei den gealterten

Baugruppen mit 2512-Widerständen sind die Varianten vergleichbar. Bei den 1210-

Widerständen zeigt sich überwiegend die Versagensart 3 (Lot) nach DIN EN 62137-1-

2:2007, bei den 2512-Widerständen überwiegt dagegen die Versagensart 1B

(Bauteilkörper-Elektrode).

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a) b)

Bild 9. Scherkräfte der Widerstände nach Lagerung bei 125 °C zu verschiedenen

Entnahmezeitpunkten, a) 1210-Widerstände, b) 2512-Widerstände

Bild 10 zeigt Lötstellen auf den drei Oberflächenvarianten direkt nach dem Lötprozess

und nach 1500 h Hochtemperaturlagerung im Querschliff. Die Variante Al+Ni-P hat

eine mit ENIG vergleichbare Wachstumsgeschwindigkeit und chemische

Zusammensetzung der intermetallischen Phasen (IMP). Zwischen Ni-P und dem Lot

bildet sich eine Ni3Sn4- und NiSn4-Schicht, wie auch [7],[8],[9],[10] gezeigt haben. Bei

Al+Ni-P wächst die IMP von 1,0 ± 0,3 µm nach Reflow auf 2,6 ± 0,3 µm nach

1500 h an. Für ENIG ergibt sich ein Wachstum von 0,9 ± 0,3 µm auf 2,1 ± 0,3 µm,

dass mit [9] in etwa vergleichbar ist. Bei OSP-beschichteten Kupferleiterplatten bildet

sich zwischen Cu und Lot eine Cu3Sn- und Cu6Sn5-Schicht, wie auch in [8],[11],[12]

beschrieben. Diese wachsen deutlich stärker, wie in [10] beschrieben ist. Bei OSP

wächst die IMP von 0,8 ± 0,3 µm nach Reflow auf 8,6 ± 0,3 µm nach Alterung. Das

SnBiAg-Lot zeigt bei allen gealterten Lötverbindungen eine Vergröberung der

Gefügestruktur. Ein Auflösen der Zn-Zwischenschicht durch die Bildung von IMP mit

Ni oder Al kann potenziell zu einer reduzierten Haftung führen. Zwischen der Zn-

Schicht und der Ni-P-Beschichtung ist jedoch kein Auflösen durch Bildung von Ni-Zn-

IMP zu erwarten, da sich diese laut [13] erst bei einer deutlich höheren Temperatur

bilden. Zwischen Zn und Al bilden sich, wie in [14] dargestellt, keine klassischen,

stöchiometrisch definierbaren intermetallischen Phasen.

Al+Ni-P ENIG OSP

125 °C, 1500 h

nach Reflow

Bild 10. Lötstelle nach Reflow mit SnBiAg-Lot; Lötstelle nach 1500 h bei 125 °C mit

SnBiAg-Lot

DVS 404 9


4.5 Beurteilung der Alterung durch Temperaturzyklen

Um den Einfluss zyklisch wechselnder Temperaturen auf die Lötstellen beurteilen zu

können, werden die Testbaugruppen zu verschiedenen Zeitpunkten mittels Schertests

verglichen. Bild 11 zeigt die Scherkraft der Widerstände. Die Variante Al+Ni-P zeigt

einen nicht signifikant niedrigeren Mittelwert als die herkömmlichen ENIG- und OSP-

Lötstellen. Die Lötstellen erreichen aber bis 1500 Zyklen nicht die Grenze von 50 %

der Scherkraft nach dem Reflowlöten. Somit gelten die Lötstellen auf

Leiterbahnvarianten auch bei Testende als intakt. Bei den 1210-Widerständen zeigt

sich wie nach Alterung in konstanter Wärme überwiegend Versagensart 3, bei den

2512-Widerständen dagegen überwiegend Versagensart 1B.

a) b)

Bild 11. Scherkraft von Widerständen nach Temperaturwechseln zwischen

- 20°C / + 85 °C zu verschiedenen Entnahmezeitpunkten a) 1210-Widerstände, b)

2512-Widerstände

Bei den elektrischen Widerstandsmessungen zu den jeweiligen Entnahmezeitpunkten

waren alle Lötstellen der drei Varianten intakt. Es wurden je Variante 20 Bauteile

gemessen. Die Al+Ni-P-Testbaugruppen weisen somit bis 1500 Zyklen eine

vergleichbare elektrische Zuverlässigkeit wie die ENIG- und OSP-Testbaugruppen

auf.

Es zeigen sich bei metallographischen Schliffen der Lötstellen nach

1500 Temperaturzyklen noch keine Risse in den Lötstellen. Alle Varianten sind somit

vergleichbar beständig gegen Rissbildung durch Temperaturzyklen. Al+Ni-P zeigt ein

Wachstum der IMP von 1,0 ± 0,3 µm nach Reflow auf 1,3 ± 0,3 µm nach 1500 Zyklen.

ENIG von 0,9 ± 0,3 µm auf 1,0 ± 0,3 µm und OSP von 0,8 ± 0,3 µm auf 1,5 ± 0,3 µm.

Die durch Temperaturzyklen belasteten Lötstellen zeigen somit auch nach

1500 Zyklen nur ein moderates Wachstum der IMP.

5 Zusammenfassung und Ausblick

Die Lötergebnisse von nickelbeschichteten Aluminiumleiterstrukturen, die mit der

eingesetzten SnBiAg-Lotpaste im Konvektionslötprozess unter Normalatmosphäre

gelötet wurden, sind mit herkömmlichen ENIG- oder OSP-Oberflächen vergleichbar.

Im Rahmen von Haftfestigkeitsuntersuchungen der Al-Leiterstrukturen auf dem FR-4-

Substrat werden vergleichbare mechanische Stabilitäten wie beim Cu-FR-4-Verbund

erreicht. Nach einer Alterung durch konstante Wärme und zyklisch wechselnde

Temperaturen weisen die Lötstellen auf den Baugruppen mit Aluminiumleiterbahnen

eine vergleichbare mechanische Stabilität auf wie die Lötstellen auf den

DVS 404 10


konventionellen Baugruppen mit Kupferleiterbahnen. Auch wird eine vergleichbare

elektrische Zuverlässigkeit nach Alterung durch Temperaturwechselzyklen festgestellt.

Aluminium als Leiterbahnmaterial steht noch am Anfang seiner technologischen

Entwicklung. Die Ergebnisse dieser Arbeit stellen jedoch eine positive Grundlage für

die weitere Entwicklung dar. Für einen flächendeckenden Ersatz von Kupfer in

Leiterplatten durch Aluminium ist noch weiterer Forschungsbedarf erforderlich, um

beispielsweise Durchkontaktierungen, Vias und Multilagen-PCB realisieren zu können.

6 Danksagung

Ein großer Dank gilt für die Förderung des Forschungsprojekts „ALUSolder“

(16KN098748) durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des

Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Für die Bereitstellung der

Lotpaste gilt der Dank der Firma MacDermid Alpha.

7 Schrifttum

[1] H. Kuchling und T. Kuchling, „Tabellen“, in Taschenbuch der Physik, Carl

Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 2022, S. 617–693. doi:

10.3139/9783446473645.043.

[2] „westmetall. marktdaten. preise“. Zugegriffen: 27. Oktober 2025. [Online].

Verfügbar unter: https://www.westmetall.com/de/markdaten.php

[3] “Thick Film Chip Resistors”. Zugegriffen: 27. Oktober 2025. [Online]. Verfügbar

unter: https://www.royalohm.com/assets/pdf/products/smd/1.pdf

[4] DIN EN 62137-1-2:2007 Oberflächenmontage-Technik – Verfahren zur Prüfung

auf Umgebungseinflüsse und zur Prüfung der Haltbarkeit von Oberflächen-

Lötverbindungen – Teil 1-2: Scherfestigkeitsprüfung

[5] „Einfluss der Temperaturwechselbedingungen auf Fehlermechanismus und

Lebensdauer von SnAgCu Lotverbindungen“. Zugegriffen: 27. Oktober 2025.

[Online]. Verfügbar unter: https://depositonce.tuberlin.de/bitstreams/048e337d-ea23-43ad-9015-ea77fca77277/download

[6] M. A. E. Solutions, „ALPHA® CVP-390V Innolot MXE Solder Paste Technical

Data Sheet“, Zugegriffen: 27. Oktober 2025. [Online]. Verfügbar unter:

https://www.macdermidalpha.com/ sites/default/files/2025-01/ALPHA-CVP-

390V-Innolot-MXE-SDP-TDS-GL-EN-06Mar2024.pdf

[7] K. N. Prabhu, M. Varun, und Satyanarayan, „Effect of Purging Gas on Wetting

Behavior of Sn-3.5Ag Lead-Free Solder on Nickel-Coated Aluminum

Substrate“, J. of Materi Eng and Perform, Bd. 22, Nr. 3, S. 723–728, März 2013,

doi: 10.1007/s11665-012-0339-4.

[8] Y. Liu, K.N. Tu, Low melting point solders based on Sn, Bi, and In elements,

https://doi.org/10.1016/j.mtadv.2020.100115

[9] C. Fuchs, T. Schreck, und M. Kaloudis, „Interfacial reactions between Sn–57Bi–

1Ag solder and electroless Ni-P/immersion Au under solid-state aging“, J Mater

Sci, Bd. 47, Nr. 9, S. 4036–4041, Mai 2012, doi: 10.1007/s10853-012-6257-x

[10] C. Chen und S. Chen, „Electromigration effects upon the low-temperature Sn/Ni

interfacial reactions“, Journal of Materials Research, Bd. 18, Nr. 6, S. 1293–

1296, Juni 2003, doi: 10.1557/JMR.2003.0177.

DVS 404 11


[11] F. Q. Hu, Q. K. Zhang, J. J. Jiang, und Z. L. Song, „Influences of Ag addition to

Sn-58Bi solder on SnBi/Cu interfacial reaction“, Materials Letters, Bd. 214,

S. 142–145, März 2018, doi: 10.1016/j.matlet.2017.11.127.

[12] Q. K. Zhang, H. F. Zou, und Z. F. Zhang, „Influences of Substrate Alloying and

Reflow Temperature on Bi Segregation Behaviors at Sn-Bi/Cu Interface“, J.

Electron. Mater., Bd. 40, Nr. 11, S. 2320–2328, Nov. 2011, doi:

10.1007/s11664-011-1742-6.

[13] Y. Tan u. a., „Diffusional behaviors and mechanical properties of Ni-Zn system“,

Journal of Alloys and Compounds, Bd. 881, S. 160581, Nov. 2021, doi:

10.1016/j.jallcom.2021.160581.

[14] F. Weitzer, K. Remschnig, J. C. Schuster, und P. Rogl, „Phase equilibria and

structural chemistry in the ternary systems M–Si–N and M–B–N (M = Al, Cu, Zn,

Ag, Cd, In, Sn, Sb, Au, Tl, Pb, Bi)“, J. Mater. Res., Bd. 5, Nr. 10, S. 2152–2159,

Okt. 1990, doi: 10.1557/JMR.1990.2152.

DVS 404 12


Atmosphärisches Plasmaspritzen zur Applikation von Lotdepots

auf leistungselektronischen Halbleiterbauelementen

mit Kupfer-Zinn Pseudolegierungen

Aleyna Gökçen, Christoph Hecht, Prof. Dr. Jörg Franke, Manuela Ockel

https://doi.org/10.53192/EBL20260013

Die fortschreitende Miniaturisierung und steigende Leistungsdichte moderner Leistungshalbleiterbauelemente

erfordern neue Verbindungstechnologien mit deutlich verbesserter

thermischer und mechanischer Stabilität. Eine vielversprechende Methode

stellt das Diffusionslöten dar, bei dem durch fest-flüssig Diffusion intermetallische Phasen

entstehen, die höhere Schmelzpunkte, als die verwendete Temperatur im Lötprozess

besitzen. In dieser Arbeit wird ein alternativer Ansatz zur Aufbringung von Lotdepots

aus Kupfer-Zinn Pseudolegierungen durch atmosphärisches Plasmaspritzen vorgestellt.

Hierbei werden dünne Schichten aus Kupfer und Zinn mit einer Dicke von

20-100 µm auf der Rückseite des Halbleiterchips abgeschieden. Zwei Pulverförderer

sorgen für eine in-situ-Mischung der Pulver und erlauben so eine flexible Einstellung

des Mischverhältnisses. Auf diese Weise wird eine schnelle Bildung homogener intermetallische

Phasen während des Diffusionslötens erreicht. Erste Ergebnisse zeigen

eine homogene Schichtbildung und bestätigen die grundsätzliche Eignung dieses Verfahrens

zur Aufbringung von (Diffusions-)Lotdepots. Darüber hinaus vereinfacht die

direkte Beschichtung der Chiprückseite mit Lotdepots das Handling im Fertigungsprozess.

1 Einführung

Effiziente Leistungsmodule sind entscheidend für die zuverlässige Energiewandlung

in modernen elektronischen Systemen. Ihre Zuverlässigkeit bestimmt maßgeblich die

Funktionalität, Kosteneffektivität und Lebensdauer der gesamten Baugruppe. Um das

volle Potenzial von Wide-Band-Gap-Halbleitern (WBG) auszuschöpfen, müssen die

angrenzenden Aufbau- und Verbindungstechnologien (AVT) eine hohe thermische

und mechanische Stabilität aufweisen sowie eine effiziente Wärmeableitung sicherstellen.

Als etablierte Hochtemperatur-Die-Attach Technologie gilt das Silbersintern mit Nanopartikeln,

das Betriebstemperaturen über 300 °C erlaubt. Dieses Verfahren erfordert

jedoch hohen Prozessdruck und kostenintensive Materialien, was seine industrielle

Anwendung einschränkt [1]. Eine technisch vielversprechende und zugleich kostengünstigere

Alternative stellt das Diffusionslöten (engl. Transit Liquid Phase Bonding,

TLPB) dar, das auf der Bildung intermetallischer Phasen (IMPs) zwischen einem hochschmelzenden

(z. B. Cu) und einem niederschmelzenden (z. B. Sn) Metall basiert [2].

Während des Prozesses lösen sich Cu-Atome im geschmolzenen Sn und bilden die

intermetallischen Phasen wie Cu₆Sn₅ und Cu₃Sn, die zu einer Verbindung mit deutlich

erhöhter Wiederaufschmelztemperatur führen [2].

Der Diffusionslötprozess lässt sich grundsätzlich in vier Schritte gliedern: (1) Aufbau

der Diffusionslotwerkstoffe, (2) Erhitzen über die Liquidustemperatur des niederschmelzenden

Werkstoffes im Diffusionslot, (3) isothermes Erstarren durch Interdiffusion

und (4) abschließende Homogenisierung durch thermische Nachbehandlung.

DVS 404 13


Abhängig von den technischen und wirtschaftlichen Anforderungen kann dieser Prozess

variabel angepasst werden [2].

Bild 1. Prozessschritte des TLPB für die First-Level Verbindung in Leistungsmodulen.

Die Diffusionslotwerkstoffe können vertikal, beispielsweise durch kombinierte Cu-Sn

Preforms, oder horizontal, durch nebeneinander applizierte Cu- und Sn-Pasten, erfolgen.

Konventionell kommen metallische Lagen in Form von Preforms oder Pasten zum

Einsatz. Diese werden zwischen die Fügepartner eingebracht und während des Prozesses

legiert [3]. Ottinger et al. [4] entwickelten hierzu ein mehrlagiges Cu-Sn Preform

Konzept, kombiniert mit einer direkten Kupfermetallisierung auf der Chiprückseite. Andere

Ansätze, beispielsweise von Syed-Khaja [2], nutze das atmosphärische Plasmaspritzen

(APS), um Cu-Partikel beziehungsweise Cu-Schichten auf vorgedruckte Snhaltige

Lotpaste abzusetzen.

Im Rahmen dieser Studie wird das APS-Verfahren eingesetzt, um Kupfer- und Zinnpartikel

simultan direkt auf das Bare-Die abzuscheiden. Auf diese Weise soll das herkömmliche

Aufbringen von Lötpasten in einem einzigen Prozessschritt ersetzt werden.

Durch die gleichzeitige Abscheidung beider Metalle entsteht unmittelbar ein bleifreies

Lotdepot in dem Kupfer und Zinn in horizontaler und vertikaler Richtung verteilt ist.

Hierdurch wird eine homogene Pseudolegierung erzeugt, in der Cu- und Sn-Partikel

zunächst nur mechanisch miteinander verbunden sind und ihre jeweiligen Grenzflächen

erhalten bleiben. Erst im anschließenden Diffusionslötprozess kommt es zur Legierungsbildung,

die gezielt homogene intermetallische Phasen wie Cu₆Sn₅ und

Cu₃Sn entstehen lässt. Dieser Ansatz bietet entscheidende Vorteile, da der Abstand

zwischen den beiden Elementen minimiert und somit die homogene Bildung intermetallischer

Phasen durch kurze Diffusionsstrecken gefördert wird.

2 Versuchsaufbau

Bevor die Pseudolegierungen hergestellt werden konnten, wurden zunächst zwei verschiedene

Zinnpulver hinsichtlich ihrer morphologischen und fördertechnischen Eigenschaften

charakterisiert, woraufhin das geeignetere Pulver für die weiteren Versuche

ausgewählt wurde. Anschließend erfolgte die Bestimmung der Förderraten für Zinnund

Kupferpulver sowie die Messung der Partikeltemperatur und -geschwindigkeit, um

eine präzise Prozessführung und reproduzierbare Beschichtungsergebnisse sicherzustellen.

Das verwendete Kupferpulver ist durch eine Partikelgrößenverteilung mit

d₅₀ = 11,86 µm und d₉₀ = 20,21 µm bei sphärischer Form charakterisiert. Zur Abscheidung

des Zinnanteils wurden zudem zwei verschiedene Sn-Pulver hinsichtlich ihrer

Fließeigenschaften untersucht. Das erste Pulver weist eine tropfenförmige Morphologie

und Partikelgrößen unter 63 µm auf, während das zweite Pulver (plasmadust®)

sphärische Partikel bei einer Partikelgröße unter 20 µm besaß. Aufgrund der besseren

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