unternehmen - Ausgabe 11, September 2009
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das Wirtschaftsmagazin im südwesten Ausgabe 11 | 18. September 2009 | 2,00€
Outdoor
isttrend
Geschäftsführerin vonVaude
und Mutter: Antje von Dewitz
muss gut organisieren können
Beratung Mehr und mehr gefragt bei Handel, Industrie und Handwerk Seite 8
Geldanlage Harmonische Aufstellung, guter Kick Seite 32
High end Hörbarer Genuss: Wenn Kunstauf Elektronik trifft Seite 42
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[inhalt]
[verantworten]
04 suche nach sparpotenzial Energienutzung in Oberschwaben
08 mehr und mehr ist rat gefragt Unternehmensberatung der Kammern
[titelthema]
12 kleine fluchten aus dem alltag Gespräch mit Antje vonDewitz,
[führen]
Geschäftsführerin desOutdoorherstellersVaude in Tettnang
20 Ohne it-investitionen geht es nicht Informationstechnologie
[er]finden
24 die Versorger mit den grünen schuhen Marketing vonStadtwerken
26 das netz für die Werbung Digitale Kommunikation schreitet voran
[machen]
32 harmonische aufstellung, guter kick Tippszum Vermögensmanagement
40 für ein lächeln arbeiten Zahnärzteals Unternehmer
[spezial]
36 Ja, aber bescheiden Tagungen, Kongresse
[leben]
42 Wenn kunst auf elektronik trifft High End
[namen &nachrichten]
30 zweite runde für den marketing-Preis
31 mutig, mutig: gründen in der krise
45 „gute stube“ ist wieder da
46 bestesJahr der messe friedrichshafen
46 Impressum
40
08 32
Musik genießen –dank
modernster technischer
Ausstattung Seite 42
liebe leserinnen,
liebe leser,
licht am ende
des tunnels wollen
manche
schon erblickt
haben, andere
wähnen sich
noch in der Talsohle
und hoffen,
dass esbald wieder
bergauf geht.
Die weltweite
Wirtschaftskrise,
Lorenz Koch,
Redaktionsleiter
unternehmen[!]
die gerade erst auf den Arbeitsmarkt
durchzuschlagen beginnt,hat ihre kräftigen
Auswirkungen auch auf so manches
Unternehmen der sonst soprosperierenden
Region zwischen Alb und
Bodensee.Wie größere Unternehmen
oder auch kleine Handwerker dagegen
ansteuern können, zeigen ihnen Beratungen
durch die Kammern; wie man
offensiv um neue Kunden und neue Absatzmärkte
kämpft,zeigt die im Online-
Zeitalter angekommene digitale Werbung,
zeigen die neuen Wege, die
Marketing jetzt geht.Für manche sind
es Wege, die sie am liebsten in Turnschuhen
gehen –noch dazu in grünen
Schuhen wie die Verantwortlichen der
Ulm/Neu-Ulmer Stadtwerke SWU.
Für alle,die jetzt angesichts niedriger
Zinsen für ihr hart erarbeitetes Vermögen
bessere Anlageformen suchen, geben
erfahrene Bänker der Region
Tipps, deren Tenor ,grob zusammengefasst,„Abkehr
von der Gier“ lauten
könnte. Ebenso zeigt diese neue Ausgabe
desWirtschaftsmagazins „unternehmen[!]“,
dass esnicht lohnt,an
modernen Technologien zu sparen.
Auch ausgesprochene Mutmacher
werden wieder vorgestellt.Wie Zahnärzte,
die ihre Praxis zu einem florierenden
Unternehmen umgewandelt
haben. Oder wie Antje von Dewitz, die
den Beruf als Geschäftsführerin und
das Privatleben als vierfache Mutter so
gut unter einen Hut bekommt,die junge,
seit Januar amtierende Chefin eines
der bekanntesten und führenden
Outdoorhersteller Europas, desTettnanger
Unternehmens Vaude.
Und wer seine Mußestunden nutzt,um
Musik zu hören, findet alles über die
High End-Ausstattung im Beitrag eines
absoluten Spezialisten, desAutors
Wolfgang Tunze.
Dabei viel Spaß –sowie bei der Lektüre
Ihres „unternehmen[!]“
3
Die Energie effizienter nutzen, gleichzeitig die Kosten reduzieren
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
und dabei auch die Umwelt entlasten: Die Ziele, die ein Netzwerk
von Firmen in Oberschwaben erreicht hat.
4
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[verantworten]
suche nach sparpotenzial
Elf Firmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben ließen nach Schwachstellen bei ihrer energienutzung suchen. Paten
waren EnBW, die IHK und das Fraunhofer ISI. Die positive Bilanz: Die Anstrengungen waren erfolgreicher als erwartet.
Der Ort der Präsentation ist mit Bedacht
gewählt: die riesige freitragende Halle
der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen,
wo der Zeppelin NT gebaut wird. Das Datum
stimmt auch. Es ist der 171. Geburtstag
des Luftschiffpioniers Graf vonZeppelin, und
die OEW, Anteilseigner der EnBW, wird 100
Jahre alt. Erinnerungen an technische Meisterleistungen
und den Pioniergeist um die
Jahrhundertwende werden wach.
Als Pioniere sehen sich auch die Teilnehmer
der EnBW-Abschlussveranstaltung: Unternehmer,
Kaufleute, Wissenschaftler. Sie fühlen
sich als Avantgarde eines neuen Trends,
der darauf hinausläuft, die Produktionsprozesse
in den Betrieben so zu optimieren, dass
bei vertretbaren Kosten möglichst viel Energie
gespart wird. In erster Linie Elektrizität,
Gas und Öl. Als sie zusammenfanden, wussten
sie nicht, wohin genau die Reise gehen
würde. Sie setzten sich ein ehrgeiziges Ziel:
Ihr Energieverbrauch sollte um 7,6 Prozent
reduziert werden. Es wurden 8,3 Prozent. Das
bedeutet, dass sie sukzessive Energieschlupflöcher
gestopft haben, durch die früher 16,7
Millionen Kilowattstunden verpufften, und
dass sie nun Jahr für Jahr die Atmosphäre um
die beteiligten
unternehmen
Veriplast Germany GmbH, RV
AwecoAppliance Systems GmbH &
Co.KG, Neukirch
Bronner +Martin KG,Emmingen-Lipt.
HTU Härtetechnik GmbH, Uhldingen
ifm electronic GmbH, Tettnang
Ravensburger Spieleverlag GmbH, RV
Simon Firmengruppe,Aichhalden
Südpack Holding GmbH, Erlenmoos/
Ochsenhausen
Thermopal GmbH, Leutkirch
ToxPressotechnik GmbH &Co. KG,
Weingarten
4450 Tonnen Kohlendioxid entlasten. Anschaulich
gemacht heißt das, dass mit der gesparten
Energie 836 Haushalte mit 2500 Bewohnern
auf Dauer versorgt werden könnten.
Auch die finanziellen Einsparungen können
sich sehen lassen. Für das letzte Projektjahr,
2008, zu Zeiten der höchsten Effektivität, sind
es rund 1,6 Millionen Euro. Davon machen
die rein kostensenkenden Maßnahmen zwar
„nur“ knapp 0,6 Millionen aus, doch die verminderten
Aufwendungen für preiswertere
Brennstoffe, Spitzenlastoptimierungen und
geringere Nebenkosten bringen noch einmal
einen erklecklichen Batzen, der auch künftig
in der Firmenkasse verbleibt. Auch die Wirtschaftlichkeit
der Veränderungen kann sich
sehen lassen. Die mittlere Amortisationsdauer
beträgt ganze 1,7 Jahre, bereits am Ende des
Projekts haben sich die meisten der Investitionen
bezahlt gemacht.
bis zu einem drittel
In vierteljährlichen Meetings hat jede der Firmen
ihren Erfahrungsschatz preisgegeben,
Ratschläge angenommen und ihre neue Ausstattung
demonstriert.Mit Hilfevon Experten
wurde unentwegt nach noch effizienterem
Energieeinsatz geforscht. Als besonders effektiv
erwies sich die Suche bei Beleuchtung,
Druckluft und Wärmeerzeugung, wo bis zu
einem Drittel der früher verbrauchten Mengen
nicht mehr produziert werden müssen.
Jede Firma hatte so eigene Stärken und besondere
Methoden, ihr Sparpotenzial zu nützen.
Das wird belohnt. In einer feierlichen Preisverleihung
wird nach der Präsentation jede
herausragende Effizienzleistung gewürdigt.
5
[verantworten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Oberschwäbische Unternehmer: Avantgarde
dabei, die Produktionsprozesse so
zu optimieren, dass bei vertretbaren Kosten
möglichstviel Energie gespart wird.
Die ifm electronic GmbH in Tettnang, auf optoelektronische
Sensoren spezialisiert, erreicht
die höchste prozentuale Minderung an
Kohlendioxid. HTU in Uhldingen, Konzeptentwickler
für innovative Wärmebehandlungsverfahren,
erzielt durch konsequente
Modernisierung aller alten Wärmeanlagen
die höchste Brennstoffeinsparung. Der Ravensburger
Spieleverlag hat seine Beleuchtung
so umgebaut, dass sich die Intensität
automatisch der wechselnden Tageshelligkeit
anpasst. Bei Südpack in Ochsenhausen
schlägt vor allem die enorme Stromeinsparung
zu Buche. Thermopal in Leutkirch
bringt es auf die effektivste Reduktion bei
Kosten und Kohlendioxidausstoß. TOX Pressotechnik
in Weingarten und Veriplast in Ravensburg
schaffen mit zehn Prozent die
höchsten prozentualen Energieeinsparungen,
und die Simongruppe kann künftig auf
umweltfreundliche Wärme aus einer Biogasanlage
bauen.
nur ein erster schritt
Natürlich weiß man in Wirtschaftskreisen,
dass die Netzwerkarbeit nur ein erster Schritt
sein kann. Manbewegt sich ja ausschließlich
auf der Ebene der betrieblichen Infrastruktur,
Sparpotenzial schlummert aber überall. Bei
der Podiumsdiskussion in Friedrichshafen
wird immer wieder betont, dass es nach wie
vor wahrhafter Technologiesprünge bedürfe,
um auch die Produktionsprozesse auf Energieeffizienz
zu trimmen. Es sei sinnvoller,auf
Energieeinsparungen bis zu einem Drittel: Das ist
die positive Bilanz der Netzwerkarbeit.
die Lebenszykluskosten eines Anlagensystems
unter Beachtung der Einzelkomponenten
zu achten als dem günstigeren Preis den
Vorzug zu geben. Und man müsse sich verstärkt
Gedanken machen, wie durch Innovationen
die eigene Produktpalette so umgestaltet
werden kann, dass es auch bei den Kunden
nicht zu Energieverschwendung kommt. Die
Zukunft könnte so aussehen, dass in jeder Firma,
gerade bei mittelständischen Unternehmen,
ein Energieeffizienz-Experte beschäftigt
wird, der ein regelrechtes Energiemanagement
betreibt.
Ein schönes Beispiel dafür,wie eine Kette der
Energieeinsparung in einem Unternehmen
aufgebaut werden kann, ist ein Ventilatorenhersteller,der
zuerst an einem Netzwerk teilnahm,
dann seinen Maschinenpark unter
Energiegesichtspunkten umrüstete und
schließlich auf die Idee kam, auch seine Produkte
verbrauchsärmer zu konstruieren. Seitdem
benötigen seine Ventilatoren um den
Faktor 3weniger Strom.
nach schWeizer VOrbild
Das Organisationsschema für Netzwerke, wie
das der EnBW, stammt aus der Schweiz, als
1986 ein Beratender Ingenieur aus Zürich die
zündende Idee hatte. Seitdem ist er ein vielbeschäftigter
Mann, und die Schweiz spielt die
Vorreiterrolle. Allein seit 2002 wurden in der
Schweiz 70 Netzwerke gegründet, 20 sind es
eben in Deutschland. Bezogen auf Schweizer
Verhältnisse müssten es 700 sein. Zwölf der
Netzwerke leitet und organisiert die EnBW.
Die teilnehmenden Firmen sind über das ganze
Bundesgebiet verstreut, den Schwerpunkt
bildet aber der Südwesten, in dem allein im
Raum Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Ravensburg
fünf Netzwerke angesiedelt sind. Ravensburg
wird in den Annalen der EnBWimmer einen
besonderen Platz einnehmen: als erstes von
ihr initiiertes Netzwerk und als bundesweit
bisher erfolgreichstes. [!] HARTMUT MAUSCH
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insolvenzrechtsänderung –
sichert sanierungsfähigeUnternehmen
überschuldet…… na und?!
keine insolvenzantragspflicht bei positiver
fortführungsprognose
DasBundeskabinetthatsicham13.08.2009
auf Vorschlag von Bundesjustizministerin
BrigitteZypriesmit einer Änderung zum Insolvenzrecht
befasst. Die Regelung soll als
Gesetzentwurf durch die Fraktionen von
CDU/CSU und SPD im Deutschen Bundestag
eingebracht werden.DerVorschlag sieht
vor, eine ursprünglich bis 31.12.2010befristete
Änderung desÜberschuldungsbegriffs
in der Insolvenzordnung um drei Jahre zu
verlängern. Damit führt auch nach dem
1.1.2011 eine bilanzielle Überschuldung
nicht zur Insolvenz, wenn eine positiveFortführungsprognose
besteht.
Der Begriff der Überschuldung wurde als
Reaktion auf die Finanzkrise im Herbst
2008 mit dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz
geändert. danach muss ein unternehmen
trotz rechnerischer überschuldung
keinen insolvenzantrag stellen,
wenn es mittelfristig seine laufenden
zahlungen voraussichtlich leisten kann.
es kommt also darauf an, ob die so genannte
fortführungsprognose positiv
ausfällt, beispielsweise, weil ein betrieb
den zuschlag für einen großauftrag erhalten
hat und damit seine zahlungsfähigkeit
über den gesamten Prognosezeitraum
gewährleistet ist.
Der durch das Finanzmarktstabilisierungsgesetz
dahingehend geänderte Überschuldungsbegriff
soll bis zum 31. Dezember
2013 weiter gelten.
Ursprünglich wardie Geltung desgeän-derten
Überschuldungsbegriffs bis zum
31. Dezember 2010 befristet. Die zeitweilige
Rückkehr zu dem vor Inkrafttreten der Insolvenzordnung
gültigen „modifizierten
zweistufigen Überschuldungsbegriff“ habe
sich aber „in der Praxis bewährt“ und dazu
beigetragen, „dass inZeiten der gegenwärtigen
Finanzmarktkrise Insolvenzverfahren
verhindert werden konnten“, heißt es in der
Begründung des Gesetzentwurfs. Bei Inkrafttreten
desFinanzmarktstabilisierungsgesetzes
sei man davon ausgegangen,
„dass sich die Wirkungen der Finanzkrise
innerhalb des nächsten Jahres wesentlich
abschwächen würden“. Diese Erwartung
bestehe nun nicht mehr,deshalb solle über
das Jahr 2010 hinaus der „modifizierte
zweistufige Überschuldungsbegriff“ gelten.
„Die gegenwärtige Finanzkrise hat zu erheblichen
Wertverlusten insbesondere bei
Aktien und Immobilien geführt. Dies kann
bei Unternehmen, die von diesen Verlusten
besonders massiv betroffen sind, zu einer
bilanziellen Überschuldung führen. Können
diese Verluste nicht durch sonstige Vermögenswerte
ausgeglichen werden, sind die
Geschäftsführer dieser Unternehmen nach
geltendem Recht verpflichtet,innerhalb von
drei Wochen nach Eintritt dieser rechnerischen
Überschuldung einen Insolvenzantrag
zu stellen. Dies gilt selbst dann, wenn
für das Unternehmen an sich eine positive
Fortführungsprognose gestellt werden kann
und der Turnaround sich bereits inwenigen
Monaten abzeichnet. Solche Unternehmen
sollen künftig nicht mehr verpflichtet sein,
sofort einen Insolvenzantrag zu stellen“,
sagteBundesjustizministerin BrigitteZypries.
(1)
„Selbstverständlich profitieren von dieser
Neuregelung nicht nur Finanzmarktunternehmen,
sondern auch alle übrigen Unternehmen,
sie kommt alsoauch insbesondere
kleinen und mittleren Unternehmen aus anderen
Branchen zugute. Damit helfen wir
auch einem mittelständischen Handwerksbetrieb
in der Rechtsform einer GmbH, der
vielleicht im Moment formal überschuldet
ist, aber den Zuschlag für einen Großauftrag
bekommen hat. Nach geltendem Recht
müssteerbinnen drei Wochen Insolvenzantrag
stellen, obwohl schon heute feststeht,
dass nach Abwicklung des Großauftrages
nur wenige Wochen später die Überschuldung
entfällt“, unterstrich Zypries. (1)
Der insolvenzrechtliche Begriff der Überschuldung
soll deshalb so angepasst werden,
dassUnternehmen, die voraussichtlich
in der Lagesind, mittelfristig ihreZahlungen
Dr.Dorothée Lang-Dankov,
Rechtsanwältin, Fachanwältin
für Insolvenzrecht
zu leisten, auch dann nicht den Gang zum
insolvenzrichter antreten müssen, wenn
eine vorübergehende bilanzielle unterdeckung
vorliegt. Mit dieser Regelung wird
gerade in Krisenzeiten an sich gesunden
Unternehmen der Wegzueiner Sanierung
geebnet. Damit werden die Regelungen
über den Finanzmarktstabilisierungsfonds
wirksam flankiert, die auch systembedingt
notleidenden Unternehmen mit einer klaren
Restrukturierungsperspektive den Zugang
zu diesemFonds ermöglichen.
Begriff der positiven Fortführungsprognose
im System desInsolvenzrechtes
Auslöser für eine Fortführungsprognose ist
eine Unternehmenskrise, die die Zahlungsfähigkeit
desUnternehmens gefährdet.
Eine Fortführungsprognose beinhaltet eine
begründeteAussage darüber,obdas Unternehmen
nachhaltig seine geschäftlichen
Aktivitäten unter Einhaltung der Zahlungsverpflichtungen
führen kann.
(1) Quelle Pressemitteilung BMJ v. 19.08.2009
7
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Wo soll‘s in der Zukunft hingehen, welche Richtung führt zum Erfolg? Berater können Fingerzeige geben.
mehr und mehr istrat gefragt
Handwerk, Handel, Industrie, kleiner,mittlerer oder großer Betrieb: Ohne die Hilfe von externen Beratern sind
heute viele Situationen und Herausforderungen wohl nicht mehr zu managen. Ein Blick darauf, wie die
Kammern mit kostenfreien beratungsangeboten ihre Mitglieder pflegen.
ObHandwerker oder Unternehmer –für sie führt in Deutschland
noch kein Wegander Pflichtmitgliedschaft in den
Kammern vorbei. Ihre Daseinsberechtigung versuchen
Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern
auch durch ein umfangreiches Beratungsangebot zu erbringen. Gerade
in einer Wirtschaftskrise ist unternehmerische Beratung besonders
gefragt, zumal sie für die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer
und der Handwerkskammer kostenfrei ist.
Die Nachfrage nach einer unternehmerischen Beratung beim „Runden
Tisch“ der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK) zeigt eine
deutliche Tendenz, nämlich nach oben. 32mal suchten Unternehmen
im Jahr 2005 einen Rat beim „Runden Tisch“. In den Folgejahren ist
ihre Zahl bis auf 59 im Jahr 2008 gestiegen, und im ersten Halbjahr
2009 waren es bereits 60 Fälle. Der „Runde Tisch“ist ein Beratungsprojekt,
das von der KfW-Mittelstandsbank finanziert wird. Unternehmen,
die daran teilnehmen, erhalten kostenfrei eine bis zu 10 Tage
lange Beratung, die eine intensiveProblemanalyse und das Aufzeigen
vonLösungsschritten beinhaltet. Über dieses erfolgreiche und gut genutzte
Instrument der KfW zeigt sich IHK-Geschäftsführer Bernd
Radtke sehr zufrieden. „Der Runde Tisch ist eine Erfolgsgeschichte par
excellence und setzt an der richtigen Stelle an.“
der runde tisch hilft
Die Kammer selbst bietet ihren Mitgliedern eine große Palette hilfreicher
Erstinformationen oder Erstberatungen bei Fragen des Rechts,
der Finanzierung und der Außenwirtschaft– und diese sind kostenfrei.
8
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[verantworten]
Ob daraus ein Runder-Tisch-Projekt entsteht,
entscheidet sich vonFall zu Fall. Eine
weitergehende Beratung, die mehrere Tage
oder Wochen dauert, dürfe, wolle und könne
die IHK nicht anbieten, versichert Bernd
Radtke, hierfür gebe es zahlreiche freiberufliche
Unternehmerberater oder Beratungsunternehmen.
Da diese aber oft mit
vierstelligen Tageshonoraren arbeiten und
weil vor allem kleinere mittelständische
Unternehmen, die in eine Krise geraten
sind oder drohen, in eine Krise zu geraten,
diese Beträge nicht zahlen können, deckt
die KfW mit ihrem geförderten „Runder-Tisch“-Projekt, das die IHK
organisiert, eine Marktlücke ab.
Bernd Radtke, IHK Ulm:
Lob des Runden Tisches.
schärferer
blick auf
den betrieb
von
außerhalb
drei Wesentliche themen
Dem Ratsuchenden sitzen am „Runden Tisch“erfahrene und vonder
KfW zertifizierte Berater gegenüber, die von der IHK Ulm aus einem
Pool von etwa 25 Spezialisten ausgewählt werden. Mal ergreifen Unternehmer
selbst die Initiativeund wenden sich an die IHK, gelegentlich
empfiehlt es ihnen die Hausbank, oder sie sind
durch Informationsveranstaltungen darauf aufmerksam
geworden. Letztlich drehen sich die Beratungsgespräche
immer um drei wesentliche Themen:
35 Prozent der Unternehmen stecken in einer
Ertragskrise, weil der Gewinn schrumpft. Ungefähr
30 Prozent steuern auf die Zahlungsunfähigkeit zu,
auch Liquiditätskrise genannt. Selbst scheinbar gesunde
Firmen sind davon betroffen, wenn das Forderungsmanagement
zu wünschen übrig lässt oder
sichere Absatzmärkte plötzlich zusammenbrechen.
In 10 Prozent aller Fälle ist es wie in einer schlechten Ehe, sprich
die Beziehung ist gestört, wobei die Hausbank die Rolle des Partners
spielt. Undwie unter Ehepartner empfiehlt es sich auch zwischen Banken
und Unternehmen, das große Schweigen zu vermeiden und rechtzeitig
miteinander zu reden. Oftmals schlüpft der Berater dabei in die
Rolle eines Moderators, der zwischen den Parteien vermittelt und wieder
eine stabile Gesprächsgrundlage schafft. Bernd Radtke beziffert die
Erfolgsquote beim „Runden Tisch“auf erstaunliche 75 Prozent!
An der Gewichtung der Branchen, aus denen die Ratsuchenden kommen,
lässt sich zumindest teilweise ablesen, wo es derzeit in der Wirtschaft
klemmt, wo sich die Krise auswirkt und wo sie möglicherweise
überstanden ist oder gar noch bevorsteht. Fast jede zweite Anfrage (47
Prozent) rechnet die IHK derzeit dem Dienstleistungsgewerbe zu, jeweils
16 Prozent machen Anfragen aus dem Handel sowie der verarbeitenden
Metall-Industrie aus, mit 9Prozent folgt die Textilindustrie.
Zu den Vorteilen des „Runden Tisch“zählt, dass aufgrund des großen
Berater-Pools nahezu jedes auch noch so spezielle Thema qualifiziert
bearbeitet werden kann, in der Regel ohne nennenswerte Wartezeit.
Die Beratung selbst erfolgt überwiegend an Ort und Stelle, also im Betrieb,
teilweise aber auch in der IHK Ulm, wenn mehrere Beteiligte an
einen, eben den „Runden Tisch“gebracht werden sollen.
„Oftmals hilft unsere Erstberatung, bei der wir eine Lotsenfunktion
übernehmen, Schwachstellen aufdecken und Lösungswege zeigen“,
berichtet der IHK-Geschäftsführer,„ein erfahrener Berater vonaußerhalb
hat einen schärferen Blick auf den Betrieb und kann als neutrale
Person mögliche Probleme deutlich ansprechen.“ Die Umsetzung
müssen die Unternehmen dann entweder aus eigener Kraft leisten
oder einen Berater außerhalb des IHK-Pools dafür
engagieren.
Seit 1. April 2009 unterstützt die KfW (Kreditanstalt
für Wiederaufbau) die Unternehmen bei diesem
zweiten Schritt mit ihrer Turnaround-Beratung,
die sich vor allem an kleinere und mittlere
Betriebe richtet. Die KfW fördert die Arbeit ihrer
gelisteten Berater in den alten Bundesländern bis
zu einem Honorar von 8000 Euro mit 50 Prozent;
Voraussetzung ist eine Schwachstellenanalyse eines
unabhängigen Beraters wie zum Beispiel durch
den „Runden Tisch“der IHK. Bernd Radtke hält dieses Förderangebot
für sehr sinnvoll, da es sich nahtlos an den „RundenTisch“anschließt.
„Aktuell laufen im Bereich der IHK Ulm vier Fälle“, berichtet der IHK-
Geschäftsführer, „wir haben einen guten Eindruck von dem neuen
Produkt gewonnen.“ Ähnliche Förderleistungen für eine mittel- bis
längerfristige Beratung bietet zudem das RKW (Rationalisierungs-
9
[verantworten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft) an, das vomWirtschaftsministerium
und den Kammern getragen wird. Das RKW
kommt regelmäßig zu Sprechtagen zur IHK Ulm und stößt auf gute
Nachfrage. Im Jahr 2008 leistete das RKW, das einen guten Rufals bodenständiger
und solider Partner der Wirtschaft hat, im Bezirk der IHK
Ulm 12 zweitägige Betriebsberatungen sowie 20 längerfristige Beratungen.
„Wichtig ist auf jeden Fall, dass Unternehmen frühzeitig an
uns herantreten und wir mit ihnen die verschiedenen Hilfestellungen,
die angeboten werden, durchsprechen können“ lautet das Fazit von
Bernd Radtke.
gründen und übernehmen im handWerk
Unter allen Beratungsangeboten der Handwerkskammer Ulm, die von
der betriebswirtschaftlichen über die technische und rechtliche Beratung
bis zur Umweltschutzberatung reicht, bildet die Existenzgründungsberatung
eindeutig den Schwerpunkt. Bei der Handwerkskammer
finden Ratsuchende persönliche Unterstützung bei der
Ausarbeitung und Prüfung der Geschäftsidee, den Anmeldeformalitäten
oder bei der Suche nach öffentlichen Fördergeldern. Nicht zu vergessen
eine Rentabilitätsvorschau, die den künftigen Unternehmer im
Handwerk umfassend über seine Chancen und Risiken aufklärt. Zudem
hilft die Handwerkskammer bei der Suche geeigneter Betriebe
zur Übernahme mit der bundesweiten Betriebsbörse „Nexxt Change“,
die gemeinsam mit den IHKs, Sparkassen und Volksbanken getragen
wird. Bei Betriebsberatungen im klassischen Sinne geht es fast immer
um die Finanzen: Wie können Investitionen finanziert und rentabel
gemacht werden, wo gibt es öffentliche Finanz- oder Liquiditätshilfen,
welche Ursachen sind dafür verantwortlich, dass der Gewinn nicht
stimmt oder die Bank droht, den Geldhahn zuzudrehen.
„Wir erbringen wie ein Allgemeinarzt eine erste Diagnose, die höchstens
einen Tag dauert“, erläutert Hermann Schneider, einer von drei
betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammer Ulm und
zuständig für den Landkreis Ravensburg und den Bodenseekreis. Seine
Kollegen Frieder Wendnagel mit Sitz in Schwäbisch Gmünd und
Bernd Juhl mit Sitz in Ulm decken die Gebiete Ostalbkreis und Landkreis
Heidenheim ab sowie Ulm, den Alb-Donau-Kreis und den Landkreis
Biberach. Ihre für die Mitgliedsbetriebe kostenfreien Beratungen
fördern Land und Bund finanziell.
Schnelligkeit in der Not zählt bei den Beratern der Handwerkskammern
zu den selbstverständlichen Stärken: „Innerhalb von 14Tagen
ist ein Termin möglich“, sagt Schneider. Unter den ratsuchenden
Handwerkern machen die kleineren Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern
zusammen 80 Prozent der Fälle aus. Die Berater werten vor
allem Bilanzen aus, vergleichen sie mit anderen Betrieben, um so Personalkosten,
Mietausgaben oder Kalkulation zu bewerten.
In der Beratungsstatistik der Handwerkskammer Ulm fällt auf, dass
die Zahl der ratsuchenden Existenzgründer deutlich niedriger als in
den Vorjahren ist. „Für das Handwerk ist die Wirtschaft im Jahr 2008
gut gelaufen“, sagt Schneider,„die Existenzgründungen scheinen erst
in jüngster Zeit wieder leicht zuzunehmen, da offenbar Entlassungen
erwartet werden.“ Grundsätzlich bewertet er das Handwerk als weniger
krisenanfällig –ausgenommen jene Branchen, die als Zulieferer
vonder Industrie oder aber vomExport abhängig sind. Vorallem das
Bau- und Ausbaugewerbe sei teilweise so gut ausgelastet wie nie zuvor;
es profitiere vonverunsicherten Kapitalanlegern und Förderprogrammen
zur energetischen Sanierung vonGebäuden.
Generell scheinen im Handwerk nicht nur die Unternehmen, sondern
auch die Probleme kleiner zu sein. Ausder Beratungspraxis der Handwerkskammer
heraus könne zum Beispiel kaum auf eine Kreditklemme
geschlossen werden, berichtet Hermann Schneider. Erstelle vielmehr
„eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen“fest –und eine
daraus resultierende sinkende Nachfrage nach Krediten. Weniger
Nachfrage, weniger Vergabe –ein Problem scheint das für das Handwerk
nicht zu sein. [!]
THOMASZEHENDER
der umsatz der branche verteilte sich im
vergangenen Jahr auf die einzelnen Beratungsgebiete
wie folgt: 44,4 Prozent Organisations-
und Prozessberatung, 23,7 Prozent
Strategieberatung, 21,6 Prozent
IT-Beratung und 10,3 Prozent Personal-Maberatungsfirmen
wachsen in der krise
bei den deutschen unternehmensberatern
stehen im Krisenjahr 2009 die Zeichen
unverdrossen auf Wachstum. Nach
einem Umsatzplus von fast 11Prozent
auf 18,2 Milliarden Euro 2008 will die
Branche 2009 um weitere 3Prozent zulegen.
Bedarf sehen die Unternehmensberater
vor allem beim Kostensparen, beim
Risikomanagement und bei der Anpassung
von Geschäftsmodellen.
dies sind ergebnisse der Marktstudie
„Facts &Figures zum Beratermarkt
2008/2009“ sowie des BDU-Geschäftsklima-Index
für Unternehmensberatungen.
Für die Studie hat der Bundesverband
Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.
Zahlen und Einschätzungen von mehr als
700 Beratungsgesellschaften ausgewertet.
nagementberatung. Am stärksten haben
Unternehmen aus dem verarbeitenden
Gewerbe und Finanzdienstleister die Beraterfirmen
engagiert.
nach angaben des bdu haben im Jahr
2008 knapp 86 000 Unternehmensberater
inetwa 13600 Beratungsfirmen gearbeitet.Während
die Zahl der Berater gestiegen
ist, sank gleichzeitig die Zahl der
Beratungsfirmen, da vor allem ältere Einzelberater
ihr Geschäft ohne Nachfolge
aufgegeben haben.
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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[titelthema]
kleine fluchten
aus dem alltag
Der Name hat Klang über die Branche hinaus: Vaude in Tettnang ist ein führendes
Unternehmen im Outdoorbereich. Bekleidung, Schuhe, Rucksäcke, Taschen
für Stadt und Sport: Die Palette ist umfassend. Geführt wird Vaude von antje
vondewitz,Tochter des Firmengründers und Mutter von vier Kindern.
Sie sind seit Januar Chefin bei Vaude. Was überwiegt,der
Spaß oder der Stress?
Der Spaß überwiegt auf jeden Fall, aber es ist schon
auch sehr stressig.
Sie haben auch eine große Familie.Wie bringen Sie
das alles unter einen Hut?
Ich muss gut und viel organisieren. Aber ich nehme
mir auch immer wieder bewusst die Zeit für meine Familie.
Das heißt, ich höre auch mal um fünf Uhr nachmittags
auf und arbeite dann spätabends weiter. Ich
hole mir zudem die Hilfe, die ich brauche, zum Beispiel
zum Putzen.
Wie alt sind denn Ihre vier Kinder?
Zwischen zehn und zwei Jahren.
Sie haben Kulturwirtschaft studiert, Praktika in
Kulturinstituten, Frauennetzwerken und Medien
gemacht. Wann war Ihnen klar, dass Vaude doch
Ihre Berufung ist?
In der Studienzeit habe ich all das ausprobiert, was
mich interessiert hat. Dahinter steckte immer der
Wunsch, wirklich was bewegen zu können. Als ich am
Ende meines Studiums bei Vaude das erste Praktikum
gemacht habe, hatte ich das Gefühl, angekommen zu
sein. Zumeinen weil ich wieder in der Umgebung bin,
in der ich aufgewachsen bin. Das ist für mich wichtig,
aber das hatte ich erst da erkannt. Zum anderen, weil
man als Unternehmer auch am meisten bewegen kann,
egal ob es um Produkte, um Mitarbeiter oder die Unternehmenspolitik
geht.
Sind Sie ein Outdoor-Typ –und falls ja, wasmachen
Sie am liebsten?
Ichbin so der Typ, der mit dem Rucksack auf dem Rücken
drei Monate wandern geht oder einfach gern mal
im Wald unterwegs ist.
Eine Drei-Monats-Wanderung dürfte Ihnen im Moment
schwer fallen, oder?
(lacht): Das geht zurzeit überhaupt nicht. Als ich meine
ersteTochterbekam,habenwireineAbwägunggemacht,
was dafür und was dagegen spricht. Dagegen gabesnur
einen Punkt: Mein Freund und ich hatten eine Weltreise
mit dem Fahrrad geplant. Das ging dann so aus, dass wir
uns sofort einen Anhänger fürs Fahrrad schenken ließen.
Wirsind mit unserer kleinen Tochter nach Slowenien in
Fahrradurlaub gefahren und haben da festgestellt, dass
unsere Tochter das hasst. Spätestens da habe ich erkannt,
dass es im Leben verschiedene Phasen gibt, und dass jetzt
nicht die Phase meiner heißesten Outdoor-Zeit ist.
Sie gehören zu den nach wie vorwenigen Frauen in
Deutschland, die ein Unternehmen leiten. War der
Start in der von Männern dominierten Outdoorbranche
schwierig?
Den Haupteinsatzbereich habe ich hier intern im Unternehmen,
und die Frauenquote bei Vaude liegt schon
seit längerem bei über 60 Prozent. Extern habe ich natürlich
vorallem mit Männern zu tun. Ichhabedaaber
eher das Gefühl, dass ich als Mutter von vier Kindern
ein Exot bin, der mit Neugier betrachtet wird. Ichpasse
in keine Schublade.
Was machen Ihre beiden Schwestern, die ja auch
Anteile am Unternehmen haben?
Die eine ist Lehrerin und die andere Sozialpädagogin.
Beide sind stille Teilhaber.Sie freuen sich, dass das Unternehmen
weitergeführt wird.
zur Person
antje von dewitz hat
eine für die Geschäftsführerin
eines
Unternehmens unübliche
Ausbildung: Die
heute 36-Jährige studierte
Kulturwirtschaft.InHohenheim
promovierte sie in
Ökonomie.Heute
vierfache Mutter von
Kindern zwischen
zehn und zwei Jahren,
arbeitete sie bei einer
Frauenorganisation,
im Goethe-Institut an
der Elfenbeinküste,
bei Medien –und von
1998 an im vomVater
gegründeten Unternehmen
Vaude.
Antje von Dewitz, Chefin von Vaude, Mutter von vier Kindern, wirdmit Neugier beobachtet
13
[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Outdoor profitiert in Krisenzeiten,
meint Antje von Dewitz:
Viele haben wieder Interesse
an der nahen Natur.
Ihr Vater Albrecht von Dewitz wirkte sehr dominant.Wie
ist das heute? Kommt er täglich vorbei?
Er hat den Vaude-Beirat gegründet und hat somit beratende
Funktion. Er macht im Unternehmen einige große
Projekte, zum Beispiel den Neubau der Logistik oder
den Aufbau unserer Produktionsstätte in Vietnam. Das
ist beides sehr umfangreich und fordert ihn ganz.
Haben Sie bisher schon in Vietnam
produziert?
Ja, aber nicht in einem eigenen
Werk. Wir haben seit langem eine
eigene Produktionsstätte in China
und langjährige Produktionspartner
in Vietnam.
Wirhaben
sozusagen
unseren
eigenen
regenwald
Inwiefern unterscheidet sich Ihr
Führungsstil von dem Ihres Vaters?
VomTyp her sind wir uns ähnlich. Aber er ist der Gründer
gewesen, hat jede Abteilung aufgebaut und überall
seine Finger mit drin gehabt.
Delegieren Sie mehr?
Ichbin eher der Teamspieler,weil ich auch darauf angewiesen
bin. Als ich ins Unternehmen gekommen
bin, habe ich 420 Fachkräfte vorgefunden, die alle jeweils
in ihren Fachgebieten stärker sind als ich.
Sprechen wir doch mal über IhreBranche.Eine Studie
des Branchenverbands European Outdoor
Group hat ergeben, dasstrotz der Wirtschaftskrise
die meisten Konsumenten ihre Freizeitaktivitäten
in der freien Natur keinesfalls einschränken wollen.
Folglich wird die Branche weiter wachsen. Wie erklären
Sie sich das?
Outdoor ist ein Trend, das war schon in den vergangenen
Jahren so. Wirhaben auch früher bereits die Erfahrung
gemacht, dass in Krisenzeiten
Outdoor zunächst profitiert. Das
liegt daran, dass dann mehr Urlaub
im eigenen Land und mehr in der
freien Natur verbracht wird. Vielleicht
konzentrieren sich MenscheninKrisenzeitenmehrauf
das
Wesentliche, auf die Familie und
eben auch auf die Natur. Outdoor
ermöglicht kleine Fluchten aus
dem Alltag. Aber unsere Branche
ist dafür sehr wetterabhängig. Wenn ein Winter beispielsweise
zu warm ist, dann schüttelt uns das stärker.
Und wie sieht es aus,wenn ein Sommer so wechselhaft
ist wie in diesemJahr?
Das ist gut. Ein paar Regentage und dann mal wieder
die Sonne, das hilft uns beim Verkauf. Aber wenn der
Winter zu warm ist, dann braucht man die warmen Jacken
nicht.
14
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[titelthema]
Dann gehört Vaude zu den Krisengewinnern –vorausgesetzt,das
Wetter passt?
Zumindest sind wir keine Krisenverlierer.Aber Krisengewinner?
Das ist mir zu hart, zumal die Kaufkraft ja
dennoch sinkt.
Welche Rolle spielt beim Bergsportausrüster Vaude
der Umweltschutz?
Umweltschutz spielt bei uns eine große Rolle. Das was
wir tun, haben wir „VAUDE ecosystem“ getauft. Es beginnt
bei der Produktentwicklung. Wir lassen möglichst
viele natürliche Materialien einfließen und wir
sorgen für unseren CO 2 -Ausgleich. Das tun wir durch
unsere Solaranlage auf dem Dach und mit Wiederaufforstungsprojekten,
die wir unterstützen in Costa Rica.
Wirhaben sozusagen unseren eigenen Regenwald. Zudem
sind wir Mitglied bei „bluesign“. Das ist der härteste
Textilstandard der Welt, der eben nicht nur das Produkt
betrachtet, sondern den gesamten Prozess. Seit
2001 haben wir eine ganze Produktsparte mit
„bluesign“-Zertifizierung, wir stellen langfristig alles
darauf um. Das ist das Beste, was man machen kann.
Zukunft wirdauch im
„weißen Raum“, einem
Atelier von Vaude, gestaltet:
Antje von Dewitz mit
Sinja Witte (rechts), Produktmanagerin
für Mountain-Kleidung,
beim Prüfen
von Stoffmustern.
Haben diese Standards vordergründig mit Recycelfähigkeit
zu tun oder eher damit,dassman mit einem
möglichstgeringen Energieaufwand produziert?
Das ist erst der Anfang des Kreislaufs. Alles was eingesetzt
wird, muss einwandfrei sein. Da geht es darum,
dass der Faden, die Farben, die Maschinen zertifiziert
15
[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Freude über die gesetzliche
Regelung des Landes: Auch
Vaude ist nicht mehr Bittsteller
für sein Kinderhaus.
sind mit Blick auf Umwelt sprich beispielsweise Naturverträglichkeit
und Ressourcen-Schonung, aber auch
Gesundheit und Sicherheit. Dann ist der zweite Schritt
der naturverträgliche Umgang mit der Ausrüstung. Da
arbeiten wir mit Bergschulen, beispielsweise dem
Deutschen Alpenverein zusammen, der sich für naturgerechte
Ausübung von Bergsport einsetzt und in
Deutschland anerkannter Naturschutzverband
ist. Wir sind aber
auch Partner des Bundesverbands
für Natur- und Waldkindergärten,
also auch für den pädagogisch
wertvollen Umgang mit der Natur.
Am Schluss des Kreislaufs sind wir
beim Recyceln. Wir haben dafür
unseren Kundenservice, der Reparaturen
anbietet.
Gilt das auch für Produkte anderer Outdoor-Ausrüster?
(lacht): Ja, immer wieder gehen auch Konkurrenzprodukte
bei uns ein. Fremde Produkte werden dann eben
zeitlich nach hinten geschoben, aber letztendlich versuchen
wir sie zu reparieren.
Aber man kann Ihnen Ihre Produkte auch zurückgeben,
wenn man sie wirklich nicht mehr gebrauchen
will?
Wirhaben seit 1994 unser eigenes Recycling-Netzwerk.
Das heißt Ecolog. Aber bisher kam sehr wenig zurück.
Je höher
man steigt,
destomehr
überwiegt
die funktion
Woran liegt das,was meinen Sie?
Ichglaube, dass es gegen die Mentalität geht, solche Sachen
wieder zurückzugeben. Die meisten Menschen
fühlen sich wohl besser,wenn sie die Kleidung in Sammelcontainer
werfen. Aber wir versuchen jetzt gerade,
das Recyclingsystem auf Branchenebene anzusiedeln.
Wenn wir das alle machen, dann fällt vielleicht diese
kulturelle Umgewöhnung leichter,
eine Jacke dem Hersteller zurückzugeben.
Macht Recycling von Outdoor-
Kleidung wirklich Sinn? Kritiker
sagen ja, dass das Zerlegen in
die einzelnen Werkstoffe zu viel
Energie kostet.
Es ist schon so, dass das Recyceln
der Kleidung Energie spart. Wirhaben
das von der Universität in Berlin untersuchen
lassen.
Wie lange hält denn eine Jacke imSchnitt?
Das ist wohl ein weiteres Problem, denn die Jacken halten
einfach sehr lang. Wenn man dann auf die Idee
kommt, sie wegzuwerfen, erinnert man sich vielleicht
gar nicht mehr daran, dass es eine Rücknahmemöglichkeit
gibt. Wirbekommen immer wieder Mails über 20
Jahre alte Zelte oder 15 jährige Jacken, die noch voll im
Einsatz sind.
Robustheit von Outdoor-Kleidung ist die eine Sache,
die andere ist doch aber der Trend zur Mode.
Widerspricht sich das nicht? Mode bedeutet ja
eher Kurzfristigkeit.
Ja, das stimmt. Die Langlebigkeit spielt aber bei den
Hardcore-Sachen schon eine dominierende Rolle. Man
kann sagen, je höher man auf dem Berg unterwegs ist,
desto mehr überwiegt die Funktion. Je mehr man runter
kommt, desto mehr überwiegt die Mode.
Sie haben inzwischen eigene Vaude-Läden aufgemacht,
darunter in Ravensburg, Kempten und im
polnischen Krakau. Wie viele sind es weltweit und
was planen Sie noch?
Weltweit sind es rund 10 Geschäfte. Wirplanen allein
in Deutschland, und da vor allem im Süden, bis 2010
zehn Geschäfte, bis 2011 etwa 15.
Bei Vaude hat die Familie einen
hohen Stellenwert: Plauderei
mit einem Jungen im
Kinderhaus.
Ist das Indiz dafür, dass Sie mit dem Verkauf über
den Sporthandel nicht zufrieden sind?
Unter Marketinggesichtspunkten ist ein eigener Laden
einfach nicht zu schlagen. Wirhaben ein sehr reichhaltiges
Produktportfolio, dazu gehören die Sparten
„Mountain Sports“, „Bike Sports“ und „Urban Outdoor“,
wozu unsere Taschenlinie und die funktionelle Lifestyle-Bekleidung
gehören. So geballt findet man das
16
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[titelthema]
einfach nicht im Sportladen. Ein eigener Vaude-Laden
ist eine tolle Möglichkeit, die Marke Vaude darzustellen.
Das gilt auch für unsere Marke Edelrid für technische
Kletterprodukte, in der auch die Marke Markill
inzwischen aufgegangen ist.
Gibt es bei Vaude noch ein Produkt, das in der Palette
fehlt,aber noch wichtig wäre?
Wirsind Vollausrüster.Vor zwei Jahren haben wir auch
noch eine Schuhlinie gestartet, so dass wir jetzt komplett
sind.
Alsokeine eigene Bergbahn, die dann die Kletterer
zum Einstieg bringt?
(lacht): Nein, im Augenblick nicht.
AufIhrer Homepageschreiben Sie,dassIhreMitarbeiter
in der Kältekammer übernachten, um Zelte
und Schlafsäcke zu testen. Machen Sie so was
auch?
(lacht): Ichmuss sagen, in der Klimakammer habe ich
noch nicht übernachtet, das ist ein echtes Manko. Neue
Mitarbeiter oder Praktikanten verbringen eher mal
freiwillig eine Nacht in der Klimakammer (lacht wieder).
Aber ich teste unsere Produkte im eigenen Urlaub
und bei Outdoor-Aktivitäten.
2008 war das beste Geschäftsjahr für Vaude. Wie
läuft es bisher 2009?
Wasdie Zuwachsraten angeht, läuft das Jahr 2009 wie
das Jahr 2008. Wir profitieren auch stark davon, dass
wir im Zuge des Übergangs der Geschäftsführung relativ
stark in die Produktentwicklung investiert haben.
Das zahlt sich aus.
Wo sind denn die Hauptmärkte vonVaude? Gehört
dazu Polen, schließlich haben Sie ja in Krakau einen
Flagstore.
Der Hauptmarkt ist nach wie vorDeutschland. Rund 50
Prozent unseres Umsatzes machen wir im Inland. Dann
kommen als nächstes die Nachbarländer: Österreich,
Schweiz, aber auch die Benelux-Länder,vor allem Niederlande
und Belgien. Wir haben Sondermärkte wie
China, wo wir eine eigene Vaude-Linie haben. Dann
gibt es noch Russland und die USA, in den Ländern gibt
es noch unglaubliches Potenzial.
17
[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
das unternehmen
das 1974 entstandene Unternehmen
VAUDE Sport wirdinder Rechtsform einer
GmbH &Co. KG geführt.Geschäftsführerin
desvon ihrem VaterAlbrecht von
Dewitz gegründeten Unternehmens mit
dem Stammsitz in Obereisenbach, nordöstlich
vonTettnang im Bodenseekreis,
istseit Jahuar 2009 Antje vonDewitz.
Vaude istzu100 Prozent im Familienbesitz.
Nach der Hinzunahme desBergausrüsters
Edelrid vorwenigen Jahren bietet
es die Marken: Vaude und Edelrid an, wobei
in letzterer jetzt auch die frühereMarke
„Markill“ aufgegangen ist.
die mitarbeiterzahl vonVaude liegt am
Stammsitz Obereisenbach bei 420, dazu
kommen rund 100Mitarbeiter bei Edelrid.
Mit den ausländischen Vertretungen und
vorallem den Produktionsstätten summiert
sich die Mitarbeiterzahl auf gegenwärtig
rund 1300.SozialesEngagement ist
im Unternehmen Vaude ebensotiefverankert
wie Familienfreundlichkeit: So können
sich die Mitarbeiter –zum 60 Prozent
Frauen –ihreArbeitszeiten flexibel einteilen,
um sowohl arbeiten als auch ihr Privatleben
gestalten zu können. Im Betrieb
duzt man sich, und viele der Mitarbeiter
gehen auch an Wochenenden gemeinsam
in die Berge oder zum Sport.
zum umsatz macht Vaude „derzeit“ (so
Antje vonDewitz) keine Angaben. Vermutungen,
die Zahl dürfteknapp über der
100-Millionen-Euro-Grenzeliegen, weist
sie als „zu optimistisch“ zurück.
die Palette der Vaude-Produkte umfasst
Bergsport-Ausrüstung, Funktionsbekleidung,
Schuhe,Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke,
Radtaschen und Accessoires. Zur
Fahrrad-Fachmesse Eurobike2009 hat
Vaude eine eigene Kollektion an Radschuhen
vorgestellt.Die Edelrid-Produkte:Seile,Gurte,
Helme,Bänder,Karabiner,Steigeisen,
Eisgeräte, Kocher und schon
expeditionsgeeignetes Zubehör.
Antje von Dewitz: Der asiatische
Markt erfordert eine eigene
Vaude-Kollektion: andere
Schnitte, andereFarben.
Nochmal zurück zu Polen. Wieso gibt es in Krakau
einen Vaude-Shop? Gibt es besondere Beziehungen
zudem Land oder ist der Markt soattraktiv?
Wir haben ganz enge Beziehungen, weil wir dort eine
Produktionsstätte hatten und dort auch an unserem
Vertrieb beteiligt sind. Aber Polen leidet im Moment
sehr stark unter der Krise.
Sie haben gesagt, Sie haben eine eigene Linie für
China. Liegt das daran, dass den Chinesen westliche
Schnitte nicht passen?
Ichwar gerade zwei Wochen in Asien und habe mir angeschaut,
was dort gefragt ist: Mindestens zwei Zentimeter
kürzere Ärmel, mindestens zwei Zentimeter kürzere
Beine und schmalere Schultern. Das bedeutet,
man muss eine eigene asiatische Kollektion haben. Die
Chinesen haben auch einen anderen Geschmack als
Europäer. Sie stehen beispielsweise bei Bergsportbekleidung
auf pastellige Töne. Das haben wir einmal
hier versucht und das war ein Flop. Fürdie Berge wollen
hier alle klare und sportliche Farben. Chinesen haben
eine komplett andere Vorstellung vonMode. Klassische
Linien kommen in China nicht an. Sie wollen
lieber bunte Gürtel und dekorative Elemente, also
sichtbare Nettigkeiten.
Aber Outdoor an sich ist ein Thema in China? Gehen
die Menschen in die Natur und wandern, klettern
oder zelten?
Ja, mit steigender Begeisterung. Der Markt für Outdoor-Produkte
entwickelt sich zum größten Marktpotenzial.
Sie haben es vorhin schon gesagt, Outdoor ist ein
Trend. Den haben nach und nach auch die großen
Sportartikelhersteller entdeckt. Sehen Sie es als
Vorteil an, sich in diesem Markt als kleiner Mittelständler
zu bewegen, oder schauen Sie manchmal
neidisch auf die Großen?
Beides. Alles hat seine Vor- und seine Nachteile. Manchmal
macht es schon etwas neidisch, wenn man die Marketingbudgets
der Großen sieht. Wirmüssen eben un-
18
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[titelthema]
sere Vorteile nutzen. Dazu gehören die schlanke
Produktion und die flache Hierarchie. Dazu gehört
aber auch, dass wir bei Vaude mehr Seele haben als ein
Unternehmen, das schon an den dritten Investor verkauftwordenist.
Apropos verkaufen: Haben die Großen bei Vaude
angeklopft?
Ja,sie klopfen regelmäßig an.
Alsobisher gabesfür Kaufinteressenten
immer Absagen. Wieso?
Mir macht es deshalb auch soviel
Spaß, Unternehmerin zu sein, weil
ich eben diese Freiheit habe, das
Unternehmen zu gestalten. Wirhaben
beispielsweise das Kinderhaus.
Ichglaube nicht, dass unter dem Dach eines Investors
so was gebaut worden wäre. Jetzt, Jahre später, wissen
wir,dass das Kinderhaus läuft. Das wussten wir vorher
nicht, das war eine Bauchentscheidung, die mit meiner
eigenen familiären Situation zu tun hatte. Oder wir
sind Pächter eines Freibads. Mankann mit den gnädigsten
Kalkulationen der Welt nicht herausrechnen, dass
das positiv für die Unternehmensbilanz ist.
Wie kam Vaude zum Freibad?
Es gab zwei Freibäder, eines in Tettnang und eines in
Obereisenbach. Die Stadt Tettnang wollte das Bad bei
uns in Obereisenbach schließen. Daraufhin hat sich
hier ein „Bädlesverein“ formiert, der uns dann angesprochen
hatte.
Aber Badebekleidung produziert Vaude noch
nicht?
(lacht): Nein, machen wir nicht.
Wie funktioniert denn das Kinderhaus auf Ihrem
Betriebsgelände? Werbezahlt das?
Bisher war das immer so, dass wir alle Kosten übernommen
haben bis auf die Personalkosten. Die wurden von
den festen Zuschüssen des Landes, die es damals gab,
und vonden Elternbeiträgen finanziert. Gedeckelt hat
das dann die Stadt Tettnang. Seit Jahresanfang gibt es
erstmalig eine gesetzliche Grundlage für Betriebskindergärten
und wir müssten ganz normal einen Zuschuss
kriegen wie andere Kindergärten auch. Das ist
angenehm, weil wir jetzt aus der Bittstellerposition
rauskommen.
investoren
hätten das
kinderhaus
wohl nicht
gebaut
In der gemischten Gruppe werden auch Kinder betreut,
die nachmittags aus der Schule kommen.
Vaude ist den Menschen am Stammsitz also sehr
eng verbunden und Sie sind es wiederum Ihrem
Unternehmen. Klar,dass daein Verkauf eher nicht
in Fragekommt.Aber wie sieht es mit Zukäufen Ihrerseits
aus?
Ichbin auf der Outdoor-Messe von
einer Investorenzeitung daraufhin
angesprochen worden. Ichhabegeantwortet,
dass wir in den nächsten
Jahren auf internes Wachstum ausgerichtet
sind. Aber ich habe auch
gesagt, wenn was kommt, schaue
ich es mir immer gerne an. Seither
bekomme ich wöchentlich Angebote
von Unternehmen. Deshalb
sage ich es jetzt deutlich: Vaude ist nicht an Zukäufen
interessiert.
Die Outdoor-Messe inFriedrichshafen stellt jedes
Jahr neue Trends vor. Da gab esmal Schlafsäcke,
die für warme Frauenfüße sorgensollten. Dann waren
Babytragen fürs Gebirge in. Was ist denn jetzt
im Trend?
Also das Thema Umweltschutz ist wichtig, darauf achten
die Kunden. Zudem gibt es auch neue Zielgruppen,
beispielsweise Menschen, die mit dem Elektrorad zur
Arbeit fahren. Die brauchen Schutzkleidung. Im Alpinismus
geht der Trend zu extrem leichten und hochfunktionalen
Expeditionsausrüstungen. Wasbei uns
auch gut läuft, ist eine tragbare Solar-Anlage für Rucksäcke,
mit deren Hilfe man beispielsweise Handys aufladen
kann. Neu ist jetzt eine Fernbedienung für eine
solarbetriebene LED-Leuchte für Zelte. Wenn man
nachts auf dem Platz sein Zelt sucht, dann drückt man
die Fernbedienung, und das Zelt fängt zu blinken an.
Das ist wie mit den Autos im Parkhaus. [!]
KAREN EMLER, LORENZ KOCH
FOTOS: ROLF SCHULTES
Beim Gespräch am Vaude-
Firmensitz in Obereisenbach:
KarenEmler,Leiterin der
Wirtschaftsredaktion der
SÜDWEST PRESSE, Lorenz
Koch, Redaktionsleiter „unternehmen[!]“,
Antje von Dewitz
(von links).
Wieviele Kinder besuchen das Kinderhaus?
Im Moment sind es 28 Kinder. 18inder großen gemischten
Gruppe für die Altersspanne ein bis zehn Jahre.
Undzehn Kinder haben wir in der Krippe, die Kinder
voneinem halben Jahr an bis drei Jahren aufnimmt.
19
[führen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Ohne it-investitionen geht es nicht
Gerade mittelständische Unternehmen sind auf funktionierende informationstechnologie angewiesen. Werdanicht
investiert, verliert rasch den Anschluss. Undvom Investieren wiederum profitieren die IT-Unternehmen aus der Region.
Die lange andauernde Wirtschaftskrise
zwingt viele Unternehmen dazu, den
Gürtel enger zu schnallen. Doch ganz
ohne Investitionen geht es auch in mageren
Zeiten nicht. Davon profitieren zum Beispiel
die IT-Unternehmen in der Region, deren
Kunden fast ausschließlich im Mittelstand zu
finden sind.
Die Gerling Consulting GmbH in der Ulmer
Industriestraße konzentriert sich auf mittelständische
Unternehmen, die in einem Umkreis
von 200 Kilometern angesiedelt sind.
Geschäftsführer Marcus Gerling: „Wir arbeiten
hauptsächlich mit Kunden aus den Bereichen
Lebensmittel, Groß- und Einzelhandel
und Produktion zusammen. Die Größenordnung
der EDV-Abteilungen bewegt sich dabei
zwischen zwei und 80 Computer-Nutzern.“
Die momentane Krise hat zwar den Mittelstand
erfasst, sich auf sein Unternehmen jedoch
noch nicht negativ ausgewirkt. Im Gegenteil,
im vergangenen Jahr konnte Gerling
ein Umsatzwachstum verzeichnen –und im
Juni dieses Jahres sogar zwei weitere Mitarbeiter
einstellen.
Marcus Gerling: „Viele unsere Kunden weiten
aufgrund der Schwächen im Inland ihre Aktivitäten
momentan auch auf andere europäische
Länder aus.“ Das ist auch gut für die Gerling
Consulting GmbH, die davon profitiert,
dass Unternehmen auch in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten an der Optimierung der
EDVund der gesamten Arbeitsprozesse nicht
vorbei kommen.
rückgrat der Wirtschaft
Auch das IT-Unternehmen Fritz &Macziol
blickt guten Mutes in die Zukunft. Die aktuell
675 Betriebswirte, Informatiker, Techniker,
Ingenieure und Verwaltungsspezialisten be-
Dieser Anschluss ist wichtigfür den Mittelstand: Die
Netzwerkverbindung.
20
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[führen]
treuen über 3000
Kunden, die in
Deutschland und
zum Teil auch in
der Schweiz ansässig
sind. „75 Prozent
unserer Kunden
kommen aus
dem Mittelstand,
der für mich weiterhin
das Rückgrat
der Wirtschaft Celos: Noch kein Jubel.
Jörg Toleikis, Systemhaus
ist“, erklärt Fritz &
Macziol-Geschäftsführer Heribert Fritz.
Auch der Geschäftsführer des 1987 gegründeten
Unternehmens im Hörvelsinger Wegim
Ulmer Norden bestätigt einen leichten Investitionsrückgang
derzeit bei seinen Kunden, ist
sich jedoch ganz sicher: „Die mittelständischen
Betriebe gehen die Sache auch weiterhin
mutig an und kaufen dann, wenn sie etwas
benötigen. Denn wir bieten ihnen Lösungen
an, mit denen sie mehr Transparenz bei den
Buchhaltungsdaten oder in der Vertriebsleistung
bekommen. Dennoch sind die Zyklen für
die Ausgaben etwas größer geworden.“
Auch für Fritz &Macziol war und ist gerade
die Zeit der Wirtschaftskrise die Zeit, zu handeln
und noch flexibler auf den Markt zuzugehen:
„Für unsere Kunden ist es in der heutigen
Zeit besonders wichtig, dass wir ihnen Lösungen
anbieten, die sich schnell rentieren und
deren Mehrwert fix errechnet ist.“
Doch auch intern reagiert das Unternehmen,
das sich den Slogan „Global denken, regional
handeln“ auf die Firmenfahne geschrieben
hat, auf die leicht gesunkene Nachfrage nach
Hard- und Software.
QualifikatiOn der schlüssel
Dennoch wurde trotz eines speziell ausgearbeiteten
Kostensenkungsplanes die Ausbildungsmaßnahmen
erhöht: „Der Schlüssel
zum Erfolg ist nach wie vor die Mitarbeiterqualifikation,
denn, nur wenn man als Systemanbieter
die Situation des Marktes richtig
Erich Striedacher,Kumatronik:
Personal gehalten.
einschätzen kann
und versteht, kann
man auch richtig
agieren.“ Eine Formel
mit Erfolg,
denn im ersten
Halbjahrhat„FuM“
seinen Personalstamm
noch einmal
aufgestockt.
Undwas bringt die
Zukunft? Heribert
Fritz sagt dazu optimistisch:
„Beim jetzigen Niveau ist ein kleines
Wachstum möglich.“
Bei der Firma Kumatronik, die Komplettlösungen
vonder Beratung bis hin zur Installation
der Software und einem umfassenden
Support anbietet, kommen 90 Prozent der
Kundschaft aus dem mittelständischen Bereich.
Auch Geschäftsführer Erich Striedacher
berichtet von Kunden, bei denen das Geld
eben nicht mehr so locker sitzt wie noch vor
21
[führen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
fünf Jahren: „Die Austauschzyklen sind im
Mittelstand leider größer als in der Großindustrie.
Viele Kunden arbeiten noch mit Computersystemen,
die längst überholt oder erneuert
werden müssten.“
Das Unternehmen mit 100 Mitarbeitern –40
davon in Ulm –betreut Kunden im Südwesten
vomSteuerberater bis hin zum Pharmaunternehmen.
Dieser Mix kann mitunter auch
ein Nachteil sein: „Die Wirtschaftsstruktur im
Süden ist stärker geprägt vom exportorientierten
Maschinen-, Anlagen und Automobilbau.
Unddiese Branchen sind nun einmal am
stärksten vonder Krise betroffen.“
Dennoch blickt der IT-Spezialist optimistisch
nach vorne: „Der Bodensatz ist erreicht. Und
für uns war es in den vergangenen Monaten
ganz wichtig, dass wir unsere qualifizierten
Mitarbeiter trotz Krise halten konnten, damit
wir sie Anfang 2010 an Bord haben, wenn es
wieder deutlich aufwärts geht.“
die träger der goldmedaille
Das IT-Systemhaus fritz &macziol mit Sitz Ulm hat sich aufs schwierige ökonomische Umfeld seiner Kunden ausgerichtet und
weiter profiliert. Als erster IBM-Partner in Europa erreichte es die höchste Stufe der Zertifizierung, gehört zur „Speciality Elite“
„Speciality Elite“ nennt der Weltkonzern
IBM seine Goldmedaille für Kompetenz im
Rahmen seiner Initiative „Dynamic Infrastructure“,
wobei Rechenzentren von Kundenunternehmen
im Fokus stehen, ihr Aufund
vorallem Ausbau. Bei Bestandsanlagen
ist es oft so wie bei einem älteren, im Laufe
der Jahre immer wieder angestückelten
Häuschen: Es gibt verwinkelte, endlose Gänge,
tote Winkel, ungenutzte Kammern und
großen Modernisierungsstau für effizienten
Energieeinsatz. IT-Infrastrukturen von Unternehmen,
Firmen oder Kommunen, sagt
Geschäftsführer Heribert Fritz, haben oft eine
vergleichbare Entstehungsgeschichte.
Resultat: Rechnerkapazität wird ungenügend
genutzt, Server sind veraltet und daher
Stromfresser,bei den Anwendungen gibt es
ärgerliche Lücken. Hier Abhilfe zu leisten,
damit hat Fritz &Macziol (FuM) seine Antwort
auf die derzeitige Wirtschaftskrise gefunden
und die Goldmedaille erhalten.
Wenn Aufträge für komplette Großanlagen
zurückgehen, müsse der Schwerpunkt der
Aktivitäten auf die Optimierung bestehender
gerichtet werden, ist derzeit die Marschrichtung
der nach wie vorüberdurchschnittlich
erfolgreichen Unternehmensgruppe,
die selbst im Krisenjahr 2009 wächst. „Virtualisierung“
und „Konsolidierung“ lauten die
Schlüsselbegriffe des derzeitigen Arbeitsschwerpunkts.
Gemeint ist die Optimierung
der Leistung von Rechnern und Speichern
sowie der Anwendungen. Beziehungsweise
die Vereinheitlichung vonSystemen und die
Beseitigung vonoft
sogar unbeherrschbarem
„Wildwuchs“
darin, natürlich
nicht als
Selbstzweck, natürlich
ganz der Beobachtung
des Geschäftsführers
konform, dass ein Heribert Fritz vom IT-
Mittelständler „immer
nur dann in-
Haus Fritz &Macziol.
vestiert, wenn er etwas braucht“.
„Ziel ist immer, bei unseren Kunden Einsparpotenziale
zu heben“, erklärt Fritz, „sei
es durch mehr Automation, höhere Effizienz
und Verbesserungen in der Datenauswertung,
sei es beim Energieverbrauch“. Viel
Potenzial biete die Steigerung der „Business
Intelligence“. „Durch die bessere Auswertung
längst im Haus vorhandener Daten
können Kunden ein besseres Bild ihrer Kunden
und ihres eigenen Unternehmens gewinnen“,
verdeutlicht Fritz. Den Aspekt des
Energieeinsparens veranschaulicht er im
hauseigenen Rechenzentrum. Dort werden
gerade Hunderte von Kabeln ausgetauscht
–die neuen brauchen nur noch halb so viel
Strom. Zudem werden neueste Hochleistungsserver
installiert. Undein Fachbüro ist
beauftragt, eine ökonomische Nutzung für
die beträchtliche Abwärme zu finden, die im
Moment durch die Klimaanlage mit großem
Stromaufwand „bekämpft“ statt für Heizzwecke
sinnvoll genutzt wird. Bei einer Optimierung
solcher Rechenzentren lasse sich
der Energieeinsatz um rund 15 bis 25 Prozent
senken, peilt Fritz übern Daumen und
bezieht sich dabei auf die IBM-Initiative
„Smart Cities“, die Expertenwissen zur Organisation
der in Zukunft noch mehr wuchernden
Städte sammelt und generiert.
Zukunftsmusik. Die Gegenwart aber heißt
weltweite Wirtschaftskrise, und darin überwiege
in der Wirtschaft Kurzfristigkeit im
Planen. Daran anknüpfend, sind die Ziele
der vorgeschlagenen IT-Maßnahmen mit
entsprechend zeitnahem Horizont angesetzt.
Der Return on Invest solle möglichst
in weniger als zwölf Monaten erreicht werden,
nennt Fritz die ehrgeizige Zeitmarke.
Mit dem neuen Arbeitsschwerpunkt trägt
das Systemhaus ebenso der zweiten augenscheinlichen
Veränderung im Kundenverhalten
Rechnung, wonach „die Scheibchen
an IT-Investitionen immer kleiner werden“.
Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds
bewegt sich Fritz &Macziol weiterhin
im Vorwärtsgang. Im ersten Halbjahr 2009
hat sich der Mitarbeiterstab noch einmal
um 23 auf jetzt rund 675 Köpfe erhöht.
Nach Fritz’ Angaben kletterte der Umsatz
um 15 Prozent, bei allerdings sinkenden Gewinnmargen.
Das Unternehmen reagiert
darauf mit einem Sparprogramm, „das die
Kosten überall drückt, nur nicht bei den Mitarbeitern“.
Allein in deren Weiterbildung
flössen jährlich 4,5 Millionen Euro –Voraussetzung
auch für den nun erreichten Status
einer „Speciality Elite“. THOMASVOGEL
22
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[führen]
Jörg Toleikis vom Systemhaus Celos möchte
in solche Jubelarien noch nicht mit einsteigen:
„Wir haben Kunden, die etwa zehn Prozent
weniger bestellen, aber auch Unternehmen,
die ihre Aufträge drastisch reduziert
haben.“ Doch das IT-Unternehmen im Ulmer
Donautal setzte vonAnfang an auf eine solide
Vertriebsstruktur und damit auf in- und ausländische
Kunden aus den verschiedensten
Branchen: „Wenn regelmäßige Aufträge wegfallen,
muss man sich eben verstärkt auf Projektarbeiten
konzentrieren“, so der Vertriebsleiter.
Zudem möchte das Unternehmen nun
mit deutlich vereinfachten Systemlösungen
den Kunden unter die Arme greifen: „Wir
schaffen die Werkzeuge, mit den die Mitarbeiter
in den einzelnen EDV-Abteilungen nun
noch einfacher umgehen können.“
mit einem blauen auge ...
Rückblickend bleibt die Feststellung, dass die
IT-Unternehmen in der Region wohl mit einem
blauen Auge aus der derzeit schwierigen
Unternehmen brauchen Verbindung zu der und für die Zukunft.
Wirtschaftslage davonkommen werden. Bei
Marcus Gerling kommt sogar noch ein lachendes
Auge hinzu, denn sein Unternehmen
ist seit Juli einer von900 „Gold Certified Partner“
in Deutschland. Diese Auszeichnung erhält
man unter anderem durch erhöhte Microsoft-Kompetenzen,
bestätigte Kundenreferenzen
und erfolgreiche Projektabschlüsse.
Undauch dieser Preis macht mehr Mutfür die
Zukunft. [!]
STEFAN LOEFFLER
23
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Ganz links ist der heutige Sitz der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm erkennbar.Die Zeichnung zeigt die projektierten Bürogebäude des Versorgungsunternehmens.
die Versorgermit den grünen schuhen
Offensiv vertreten die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ihre unternehmensphilosophie: Sie haben sich in des Wortes
doppelter Bedeutung „grüne Schuhe angezogen“. Bringt solch spektakuläres Auftreten nur Aufsehen –oder auch Erfolg?
Matthias Berz, der Chef der Stadtwerke
Ulm/Neu-Ulm SWU, und
weitere Vertreter der Führungsriege
des Versorgungsunternehmens
erscheinen zu offiziellen Anlässen
schon einmal in grünen Schuhen. Der „Grüne
Schuh“steht nämlich seit dem Frühjahr 2008
für den neuen Kurs der Stadtwerke der Doppelstadt:
„Die SWU übernehmen Verantwortung
für die Menschen der Region“, schrieben
sie in ihrer Selbstdarstellung: „Dabei spielen
Nachhaltigkeit in der Energiegewinnung, die
Sicherheit der Versorgung und der Kundenservice
die drei Schlüsselrollen“.
strommix 2013
Kohle
28%
45%
13%
8%
Wasserkraft
5%
Biomasse
Windkraft
Erdgas*
*In dieser Rechnung ist der Anteil an
„Grünem Strom“, den die Schweizer heute
liefern und dann vielleicht noch beisteuern
werden, nicht berücksichtigt.
Diese Neuausrichtung erscheint zeitgemäß.
Völlig freiwillig kommt sie allerdings nicht
daher. Denn eine Zeitlang hatten die SWU
mitzuhalten versucht im bundesweit ausgetragenen
Wettkampf der Energieversorger
um neue Kunden. Mit aufwendiger Werbung
und günstigen Konditionen hatten sie binnen
kurzem außerhalb ihres Stammgebiets 70 000
Stromkunden für ihren „Schwabenstrom“
hinzugewonnen –und diese Kunden, sobald
die Konditionen ausliefen, zum Teil ebenso
schnell wieder verloren: Im Jahr 2008 verkauften
die SWUfast ein Viertel weniger Strom als
noch im Jahr 2007.
Bis zum Jahr 2013 wollen die SWU
über Kraftwerksbeteiligungen und in
selbst projektierteAnlagen rund 940
Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.
Etwa zwei Drittel des Strombedarfs
der SWU-Kunden –Haushalt,Gewerbe
und Industrie –sollen dann
durch Eigenerzeugung gedeckt werden.
Hauptenergieträger wird Erdgas
sein mit 45 Prozent Anteil, auf Kohle
werden 28 Prozent entfallen. Wasserkraft
wird einen Anteil von etwa 13Prozent
einnehmen, Biomasse 8Prozent
und Windkraft 5Prozent.
So hatte Berz während seines Jahresberichts
vor dem Ulmer Hauptausschuss Mitte Juni
diesen Jahres denn auch betont, dass die SWU
nicht länger versuchten, mit den Großen auf
dem Strommarkt und ihren Dumpingangeboten
zu konkurrieren. Sie wollen nur noch
Strom an jene Kunden verkaufen, bei denen
sich das auch rechnet.
Die Entscheidung, diesen Wegeinzuschlagen,
liegt mittlerweile fast zwei Jahre zurück. „Die
Idee und Strategie, die SWU verstärkt an der
Nachhaltigkeit auszurichten, wurde Ende
2007 mit Unterstützung durch Fachberater
intern ausgearbeitet,“ berichtet SWU-Sprecher
Bernd Jünke. Die „Ideenwerkstatt“ hat
ihre Ergebnisse im Slogan „Zusammen für eine
bessere Umwelt“ zusammengefasst. Das
Motto diente Agenturen als Vorlage, die Anfang
2008 Vorschläge für die Kommunikation
derStrategieauszuarbeitenhatten.DieSchwäbisch
Gmünder Agentur Eberle setzte sich in
dieser Ausschreibung mit ihrer Idee vom
„Grünen Schuh“durch.
umWeltgerechte PrOJekte
Warum ziehen sich die SWU diesen Schuh
an? „Umweltgerechtes Handeln ist für uns
seit vielen Jahren der Leitgedanke“, sagt Jünke.
Der werde imBetriebsalltag gelebt. Das
beweisen das regelmäßig erneuerte Öko-Audit,
die Zertifizierung nach dem europäischen
Gütesiegel „EMAS“ oder der erste Platz beim
24
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[er]finden
baden-württembergischen Umweltpreis
2006. Vorkurzem erst ist die Planung für den
SWU-Neubau an der Ulmer Karlstraße von
der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges
Bauen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet
worden.
Umweltgerechtes Handeln werde aber auch
in Projekten verwirklicht, berichtet er weiter:
mit der Holzvergasungsanlage in Senden, deren
Baubeschluss in diesem Jahr geplant ist,
oder der Ende 2008 ans Netz gegangenen Photovoltaik-Großanlage
auf dem Dach einer
Evo-Bus-Halle im Neu-Ulmer Industriegebiet.
Im Oktober wird das Wasserkraftwerk Kostheim
am Main in Betrieb genommen. Die
Stauspiegelerhöhung für die Böfinger Halde
befindet sich in der Genehmigungsphase, eine
Beteiligung am künftigen Windpark Borkum-West
in der Nordsee ist beschlossene
Sache.
Derzeit bieten die SWU „grünen Strom“ aus
zwei Erzeugungsquellen an: dem Wasserkraftwerk
Böfinger Halde, das etwa 45 Millionen
Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt
(das reicht für rund 13 000 Drei-Personen-
Haushalte), und Wasserkraftstrom aus der
Schweiz. Mit dessen Lieferanten sei ein langfristiger
Bezugsvertrag abgeschlossen über 65
Millionen Kilowattstunden pro Jahr.
„Schon heute tragen erneuerbare Energien zu
einem Viertel des von den SWU verkauften
Stroms bei“, sagt Jünke. Bundesweit seien es
15 Prozent. Die Stadtwerke hätten sich vorgenommen,
bis 2020 ihre Erzeugungskapazitäten
so auszubauen, „dass
der Bedarf der SWU-
Haushaltskunden
vollständig mit
Strom aus erneuerbaren
Quellen gedeckt
werden kann“.
Undwie sieht es mit der Bereitschaft der Kunden
aus, sich vom„Grünen Schuh“überzeugen
zu lassen und den etwas teueren Naturstrom
zu bestellen? „Momentan zählen wird 9100
Haushaltskunden in diesem Bereich“, berich-
markenlogo, dann
corporate design
Nachdem die Schwäbisch Gmünder
agentur eberle den Etat der SWU
Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm gewonnen
hatte, überarbeitete sie zunächst Markenlogo
und das Corporate Design.
Dann folgten eine Imagekampagne und
der verschiedene Produktkampagnen.
Ein erster Schritt war eine Kampagne
für SWU NaturStrom mit
dem Ulmer Oberbürgermeister
als Testimonial.
tet der Pressesprecher. „Es
dürften schon ein paar
mehr sein“. Aber auch hier zeige sich, dass
zum ökologischen Bewusstsein ein Stück Idealismus
hinzukommen müsse, um die Automatik,
immer auf das preiswerteste Angebot
zurückzugreifen, zu durchbrechen. [!]
JÜRGEN BUCHTA
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Der Bildschirm ist
nicht nur zum Arbeiten
da: Das weltumspannende
Netz wird
auch für ein modernes
und zielgerichtetes
Marketing genutzt.
dasnetz für die Werbung
Werben, indem man Plakate an Litfaßsäulen klebt: Das war einmal. Heute sind die Litfaßsäulen nicht nur in die
Wohnzimmer und Büros gewandert und heißen dort PC, Note- oder Netbook, die Art der Werbung hat sich auch
gewandelt. „Virales marketing“ begegnet uns in immer mehr Facetten –und sei es als E-Mail oder Newsletter.
Ein neuer Trend: „Virales Marketing“,
eine Marketingform, die soziale
Netzwerke und Medien nutzt,
um mit oft ungewöhnlichen oder
hintergründigen Nachrichten auf Marke,
Produkt oder Kampagne aufmerksam zu
machen. Ehe Niels Zimmermann von der
Ulmer Agentur Schönle, Zimmermann &
Partner darauf eingeht, wirft er einen bekannten
Begriff in den Raum: Homepage.
Die zu haben, sei für Unternehmen heute Niels Zimmermann: Die
unabdingbar, sei Basis für alles, was sich Kunst des Werbers.
mit digitalem Marketing verbindet. Bespielt
werden können Computer, Handy, tragbare Computer. Die
Kunst des Werbers ist, die Kunden seiner Kunden auf die Homepage zu
locken, auf der die vertieften Informationen stehen.
WerimOnline-Marketing aktiv ist, benötigt Spezialkenntnisse, die
über den klassischen Rahmen der Agentur-Tätigkeit hinausgehen. Ein
Team bei Schönle, Zimmermann &Partner macht sich da Gedanken,
wie sich der Online-Auftritt vonFirmen so verbessern lässt, dass sie bei
Internetanfragen auf den Ergebnislisten ganz oben aufscheinen. Es
muss wissen, wie die Technik der Suchmaschinen zum Ordnen und
Gewichten von Informationen funktioniert. Denkt Zimmermann an
Online, denkt er zuerst an Google, den Suchmaschinen-Giganten: „Bei
Google gefunden zu werden, bei der Suche weit oben zu stehen, ist für
viele überlebenswichtig.“ Eine Agentur könne Einfluss nehmen, „eine
Web-Seite so gestalten, dass sie vonder Suchmaschine leicht gefunden
wird“, so Zimmermann. Rutscht die Homepage aber immer weiter
nach hinten, wäre dies „der Todesstoß“.
Gefragt sind Web-Designer, die sich aufs Programmieren verstehen,
während der grafische Aufbau erst nicht so wichtig ist. Gefragt sind
zudem fundierte Texter: Zum Suchmaschinen-Marketing gehört das
Gespür dafür,welche Begriffe die meisten Kunden anziehen. Nötig ist
auch, für die Homepage ein attraktives Umfeld zu schaffen –wie durch
Aktionen, die auf sie locken. Die Medien, über die diese verbreitet werden,
können die klassischen sein wie Plakat, Printanzeige, Funkspot,
oder digitale wie Podcast oder Mailings, zählt Zimmermann auf. Nicht
für jeden Kunden und jeden Zweck passe alles, schränkt er ein, die
Kompetenz einer Agentur zeige sich in der richtigen Beratung.
Dass er seine Full-Service-Anbieter gut aufgestellt sieht, versteht sich.
Indes unterliegt auch Schönle, Zimmermann &Partner stetem Anpassungsdruck.
Sei die Verwaltung von Werbebudgets für Kunden, bislang
das Hauptgeschäft, tendenziell rückläufig, so sei Online-Marketing
mit all seinen Erscheinungsformen ansteigend. So ist ein Teil des
26
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[er]finden
aus 16 Mitarbeitern bestehenden Teams auf Marketing-Formen spezialisiert,
die der Medienrevolution geschuldet sind.
Bunte Bilder,oft verbunden mit kurzen Videos und Ton, treten in Konkurrenz
zu Radio und Fernsehen. 2008 sollen Banner am Bildschirmrand,
Pop-ups, gesponserte Webseiten oder kurze Filme im Wert von
1,3 Milliarden Euro geschaltet worden sein, so der Branchenverband
Bitkom: ein Plus von 29Prozent zu 2007. Erstmals sollen 2009 die
Deutschen mehr Zeit im Internet als vorm Fernseher verbringen, 2010
in den USAdie Online-Werbung höher sein als die in Magazinen.
messbar über die Visits
Waslockt wen wohin? Manmüsse eine Homepage unbedingt verlinken,
eine Web-Präsenz müsse immer wieder Neues bieten, als Anreiz,
dass sie oft angeklickt wird. Im Nebeneffekt schafft das Transparenz
wie nie über den Erfolg einer Kampagne. Er wird messbar über die Zahl
der Klicks („Visits“). Die Werber können nicht nur feststellen, welche
Medien die höchste Resonanz auslösen, sondern auch, wo es lohnt,
Anzeigen zu schalten oder einen Spot, und wo nicht, Die Formel ist
simpel: Je mehr Besuche, desto erfolgreicher die Web-Seite.
Zwischen 20 und 30 Prozent des Umsatzes generiert die Agentur laut
Zimmermann inzwischen über Aufträge für digitales Marketing, Tendenz
steigend. Grund: Weil nach seiner Auffassung „die junge Zielgruppe
von10bis 19 Jahren über klassische Medien
kaum noch zu erreichen ist“. Undwie über digitale
Medien? Das können selbst Experten nicht einfach
beantworten. „Communities“ wie StudiVZ oder regional
„Team Ulm“ spielen jedenfalls eine große
Rolle bei den Überlegungen, bei denen mehr denn
je das Wissen der Nachwuchskräfte gefordert ist.
„Wir dürfen uns nicht zu schade sein, da Praktikanten
zu befragen“, denn: „Alles wird nicht nur professioneller,sondern
auch immer schnelllebiger.“
Hier kommt erneut das virale Marketing ins Spiel,
das versucht, nicht durch direkte, sofort erkennbare Werbung, sondern
durch ungewöhnliche oder hintergründige Nachrichten die Aufmerksamkeit
auf Marke, Produkt oder Kampagne zu richten. Bei Erfolg
lockt eine epidemische Verbreitung der Botschaft, ähnlich der
Mundpropaganda. „Viral“ besagt, dass Informationen in kürzester Zeit
information
wandert wie
ein Virus
vonmensch
zu mensch
wie ein biologisches Virus von Mensch zu
Mensch getragen werden. Der virale Werber
bedient sich verschiedener Methoden,
um die Nachricht zu publizieren, darunter
Postkarten, Filmclips oder einfache Beiträge
in Internetforen und Blogs. Vorteil laut
Zimmermann: „Geringer Aufwand, oft eine
verblüffende Reichweite.“ Der Erfolg lässt
sich aber nicht exakt in Zahlen ausdrücken,
da eine genaue Kontrolle der Verbreitung
gar nicht möglich ist. So rät Zimmermann
vonder Konzentration aller Mittel auf digitales
Marketing ab.„Will sich ein Chef über
Thomas Striegl, Gründer
von Mission One.
andere Firmen informieren, holt ihn seine Sekretärin doch nicht an
den Bildschirm, sie legt ihm Flyer oder Imagebroschüren vor.“
Zugespitzt ist die Position vonThomas Striegl, Gründer und geschäftsführender
Vorstand des Neu-Ulmer Internet-Vermarkters Mission
One. Er sieht die Zeitenwende: den Wechsel vomMassen- zum Individualmarketing,
auf das sich sein 1999 gegründetes Unternehmen konzentriert.
Schwerpunkte sind Kundenkommunikation und Absatzförderung
mithilfe elektronischer Medien. Mit 80 festen Mitarbeitern
entwickelt die Agentur,die sich dabei zu den führenden Europas zählt,
Lösungen für E-Mail-Marketing, Kundenbeziehungs-Management
und Database-Marketing.
die drei meistbesuchten Portale im netz
Mission One knüpft an, wo Unternehmen mit immer
dickleibigeren Katalogen an Grenzen stießen.
Ein Teil dieser Kataloge ist längst ins Internet gewandert,
mit aktiver Unterstützung von Mission
One. Haupttätigkeitsfeld aber ist, die Kommunikation
zwischen den Anbietern und Kunden zu organisieren:
Elektronisches Dialogmarketing. Medium
dafür ist das Internet in Gestalt vonE-Mail und
Newsletter.Von Mission One betreute Kampagnen
für Dienstleistung, Handel und produzierendes Gewerbe im B2B- und
B2C-Bereich würden derzeit in 32 Ländern weltweit empfangen, erreichten
ein Volumen von50Millionen E-Mails monatlich.
Die Kunst nun besteht darin, die „Consumer“ in spe nicht mit allgemeiner
Massenpost zu überschwemmen und so den Verdruss zu förmyspace
ermöglicht es, Benutzerprofile
mit Fotos und Videos oder Blogs einzurichten.
Das Netzwerk für Privates und
Freizeit wird häufig auch von Musikern
als Plattform genutzt.
facebook bildet und unterhält als Website
soziale Netzwerke. Jeder Benutzer kann
sich vorstellen, Fotos/Videos hochladen,
chatten, Besucher können Nachrichten hinterlassen.
250 Millionen Nutzer.
Youtube ist das Internet-Videoportal, auf
dem Benutzer kostenlosVideo-Clips ansehen
und hochladen können. Populär ist
es, weil sehr viele die Dateien hochladen,
bewerten und kommentieren können.
27
[er]finden Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
dern anstatt den Kaufanreiz. Bestreben ist vielmehr,die Kommunikation
passgenau einzurichten und die individuellen Bedürfnisse des
Empfängers zu treffen.
Hinter dem Versand von E-Mail-Newslettern steckt eine komplexe
Technologie, die dafür sorgt, dass selbst bei Millionen Abonnenten
jeder seinen persönlichen Newsletter mit individuellen Inhalten erhält,
erläutert Unternehmenssprecherin Diana Dehner. Die Software
für Versand und Gestaltung ist vonMission One neu entwickelt worden.
Dehner: „Sie ist klarer im Layout, intuitiver und flexibler in der
Anwendung.“ Das größte Augenmerk gelte aber der Datensicherheit.
„Wer nicht bestmögliche Sicherheit bieten kann, hat im E-Mail-Marketing
nichts verloren.“ Mit lästigem Spam haben E-Mail-Newsletter
nichts zu tun, so Dehner.„Deutsche Agenturen und Unternehmen versenden
nach dem Grundsatz des „Permission Marketings“ nur E-Mails
an Empfänger,die damit ausdrücklich einverstanden sind.“
Bereits zum fünften Malhintereinander erhielt Mission One auf den
Nürnberger Mailingtagen den „Mailingtage-Award“ in Silber, den
wichtigsten Preis im Direkt- und Dialogmarketing.
Eine Jury zeichnete damit ein vierstufiges Lotterie-
Spiel („Adler Losglück“) aus, das für die Adler Modemärkte
entwickelt wurde.
Zu denen, die den Fokus auf Online und neue Medien
gelegt haben, gehört die 1995 gegründete
Rrooaarr interactive solutions rainbold &scheer
GbR (www.rrooaarr.com) mit Hauptsitz Ulm, ein
Spezialistine-Marketingunde-Business.Geschäftsführer
Thomas Scheer: „Online-Angebote im
Dienstleistungsbereich müssen und können heute
weitaus mehr leisten als die reine Präsentation des Unternehmens im
Internet.“ Dank seines Dialogpotenzials spiele das Medium Internet
gerade im Servicebereich die Stärken aus. Neben der Bereitstellung
von zielgruppenorientierten Informationspaketen würden längst
komplette Geschäftsprozesse nach Online verlagert. Die Vorteile wie
bewährtes aus der Praxis
In der Praxis haben sich besonders
E-Business-Anwendungen
in folgenden Konstellationen
bewährt:
unternehmen –kunde
Internet-Präsenz, Online-
Shop,E-Mail-Newsletter,
Kundenpflege (Customer Relationship
Management), interaktiveWissensvermittlung.
Beispiel: Besonders
erklärungsbedürftige Produkte
oder Dienstleistungen,
Online-Support.
unternehmen –lieferant
Elektronische Beschaffung,
elektronische Marktplätze,
Online-Bestellverfahren,
elektronischer Informationsaustausch
oder Bereitstellung
von Informationen, Vertriebsunterstützung
unternehmen –mitarbeiter
Intranet (Mitarbeiter-Informationsportal),
Workflow-
Management,
Lagerverwaltung und Warenwirtschaft,Informationsvermittlung
(Beispiel: durch eine
Wissensdatenbank)
unternehmen –niederlassungen/außendienst/
händler
Extranet (geschlossener,
passwortgeschützer Internetbereich),
elektronischer
Informationsaustausch, Vertriebsunterstützung
bedürfnisse
passgenau
und
individuell
treffen
Alex Chalaby von Ikons (links) und
Thomas Scheer von Rrooaarr (rechts).
Schnelligkeit und Verfügbarkeit
des Internet würden
noch nicht von allen
Unternehmern in voller
Tragweite erkannt. Scheer:
„Dies sind erhebliche Kosteneinsparungen
für beide
Seiten und ein entscheidender
Mehrwert an Service-
Leistungen für die Nutzer.“
Voraussetzung sei allerdings
die „intelligente
Strukturierung der Prozesse“.
Fürden Rrooaarr-Geschäftsführer ist das Internet in der Kommunikation
von Unternehmen mit Kunden, somit der Kundenpflege,
unverzichtbar, etwa bei der interaktiven Wissensvermittlung besonders
erklärungsbedürftiger Produkte oder Dienstleistungen sowie
dem Online-Support. „Die Integration wichtiger
Geschäftsprozesse in Internet-Anwendungen ist
eine wertvolle Maßnahme zur Verbesserung von
Kommunikation, Service und Kundenbindung“, so
Scheer. Dadurch verbesserten sich Image und
Wahrnehmung bei relevanten Zielgruppen und
unterstützten die Markenbildung.
Jörg Ehret ist Geschäftsführer der 1998 gegründeten
Werbe- und Konzeptagentur Ikons Intermedia
Concepts GmbH (www.ikons.de) in Ulm, die mit
Rrooaarr kooperiert. „Alles was man auf dem Bildschirm
sieht, ist von uns, alles was man nicht sieht, ist von den Partnern“,
fasst er die Arbeitsteilung bei der Erarbeitung medienübergreifender
Kommunikationslösungen zusammen, die speziell für kleine
und mittelständische Unternehmen angeboten werden.
Wasman auf den ersten Blick sieht, ist die Website, „eine Synthese aus
Inhalten, Design und Technik“. Sie stehe im Mittelpunkt aller Online-
Marketingaktivitäten. „Versagt die Unternehmenswebsite, kann man
sich den Rest an Online-Marketing-Maßnahmen sparen“, so Ehret.
Um die Webseite attraktiv zu halten, bedürfe es eines möglichst einfachen
Content Management Systems. „Dann kann man autorisierten
Mitarbeitern oder einzelnen Bereichen die Möglichkeit geben, Informationen
auf einer Internetseite zu veröffentlichen oder zur Verfügung
zu stellen.“ Der Ikons-Mitbegründer warnt aber: „Nicht alles, was
auf den ersten Blick praktisch aussieht, ist für den Nutzer komfortabel.“
„Technologiegetriebene“ Entwürfe entwickelten eine kontraproduktiveWirkung,
wenn sie Kunden und Lieferanten überfordern und
sich diese entnervt abwenden. Ehret: „Das beste Content Management
System nützt nichts, wenn der Anwender es nicht bedienen kann.“
Im Mittelpunkt habe die „Usability“ zu stehen, die Nutzerfreundlichkeit.
Scheer fügt hinzu: „Die Kürbesteht darin, eine Lösung zu schaffen,
die von ansprechendem Design und strukturierter Benutzerführung
geprägt ist und zur Nutzung einlädt. Dass das System mit dem
Unternehmens mitwachsen kann und keine Insellösung darstellt,
sollte selbstverständlich sein.“
Darüber hinaus sollte auf die Auswertung des Navigationsverhaltens
der diversen Nutzergruppen nie verzichtet werden: „Diese Analyse
offenbart nicht selten Hemmnisse, die bereits im Vorfeld ausgeräumt
und optimiert werden können.“ [!]
THOMASVOGEL
28
[namen &nachrichten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Zweite Runde für
den Ulmer
Marketing-Preis
FürAgenturen wie Marketingabteilungen
bedeutet die Auszeichnung
mit dem Ulmer Marketing-Preis,die
alle zwei Jahre
vomMarketing-Club Ulm/Neu-
Ulm ausgelobt wird, großes Renommee.
Mitte Novemberist
die Preisverleihung. Der Marketing-Preis
war bei seiner ersten
Auflage vorzwei Jahren schon
spannend. Umso interessanter
ist, wer diesmal die Trophäe gewinnen
wird, sagt Wolfgang
Röhr,Präsident des Marketing-
Clubs, der den Wettbewerb ins
Leben gerufen hat. Erster
Hauptpreisträger war vorzwei
Jahren die Ulmer Uzin UtzAG.
Der Ulmer Marketing-Preis ehrt
herausragende Ideen, Kampagnen
und konsequentes Handeln
in der Markenführung und ist
in drei Kategorien geteilt: als
Hauptpreis „Ulmer Marketing-
Preis 2009“, dazu als „Special
Award“ für eine besondere Einzelleistung
und,
neu, als Preis für
eine herausragende
Marketing-Persönlichkeit
der Region.
Mehr zum Marketing
Preis unter
www.mculm.de
oder
www.ulmermarketingpreis.de
Auftritt von
Realgrund zeigt
Unterschiede
Uni-Start im Januar
Mit ihren Bachelor-Studiengängen in Politikwissenschaften, in
Kommunikations- und Kulturwissenschaften sowie in Wirtschaftswissenschaften
ist die Zeppelin Universität ZU in Friedrichshafen
die einzige deutsche Universität,die einen Studienstart
für das Frühjahrssemester Anfang Januar anbietet.
Realgrund Immobilienmanagement
GmbH oder Realgrund
AG,beide in Ulm? Damit die
Unterscheidung der zwei in Tätigkeit
und in Gesellschafterstruktur
unterschiedlichen und
eigenständigen Unternehmen
deutlicher wird, tritt die Realgrund
Immobilienmanagement
GmbH jetzt mit neuem Erscheinungsbild
auf. Voretwa zwei
Jahren erwarben die Gesellschafter
und Geschäftsführer
der Realgrund Immobilienmanagement
GmbH, Horst M.
Wendel und Thomas Löhlein,
die Firmenanteile vonden Aktionären
der Realgrund AG.
Schwerpunkt der Realgrund
Immobilienmanagement
GmbH ist das integrierte Immobilien-Management
für institutionelle
Großanleger.Sie
managt Gewerbeimmobilien
vorwiegend in Top-Citylagen.
Das Immobilienmanagement
hat die Optimierung der Immobilie
zum Ziel. Nicht nur das Logo
der Realgrund Immobilienmanagement
GmbH wurde
verändert, auch der Firmenauftritt
wurde überarbeitet. Das
zeigt die neugestaltete Homepage
www.realgrund-immo.de
Liebherr-Werk in
Biberach mit
neuer Führung
Horst Zerza, Geschäftsführer
des Biberacher Liebherr-Werks,
geht nach 35 Jahren im Konzern
in den Ruhestand. Seine
Aufgaben übernehmen Norbert
Stanger (Krantechnik, Technische
Datenverarbeitung) und
Klaus Graner (Antriebs- und
Steuerungstechnik).
Alno verbessert
ergebnis trotz
roter Zahlen
Der seit Jahren krisengeschüttelte
Küchenmöbelhersteller
Alno, Pfullendorf, schreibt nach
wie vorrote Zahlen. Von49,5
Millionen Euro im Vorjahr hat
sich das Minus auf nur noch 0,9
Millionen reduziert. Für2008
stellt Alno ein positives EBIT in
Aussicht und rechnet mit überdurchschnittlich
gutem Ergebniszuwachs.
Trotz des Erfolgs
gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung.
Georg Kellinghaus
verlässt im Einvernehmen
das Unternehmen. Sein Nachfolger
als Vorstandsvorsitzender
und Finanzvorstand ist Jörg
Deisel. Der 55-Jährige war seither
unter anderem in führenden
Positionen bei der Flachglas
AG und der Dynamit Nobel.
2008 kam Deisel zu Alno, wo er
das Ressort Vertrieb und Marketing
verantwortete.
Ravensburger
gründet Firma
für digitale Spiele
Um seine Kompetenz bei digitalen
Spielen zu unterstreichen,
gründet der Ravensburger Spieleverlag
das Tochterunternehmen
Ravensburger Digital, Sitz
in München. Alle wesentlichen
Online-Plattformen werden mit
Produkten des digitalen Sektors
bedient. Ravensburger trägt so
dem Umstand Rechnung, dass
sich Grenzen zwischen traditionellen
und digitalen Spielen
verwischen. ZumGeschäftsverlauf
im Inland äußert sich das
Unternehmen verhalten optimistisch,
nennt die Lage insgesamt
stabil und rechnet nicht
mit nennenswertem Umsatzrückgang.
Bei den Auslandsmärkten
zeichnet sich durch
die wirtschaftliche Krise vorallem
in Spanien, Großbritannien
und USAein Abschwung an.
30
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[namen &nachrichten]
techniData mit
kontinuierlichem
Wachstum
Das Software-Unternehmen
TechniData AG in Markdorf
wächst kontinuierlich weiter,
wenn auch die 12 bis 25 Prozent
Plus der letzten Jahre heuer
nicht erreicht werden. VonUmsatzeinbrüchen,
Kurzarbeit
oder Stellenabbau ist nicht die
Rede. Fachkräfte werden nach
wie vorgesucht. TechniData
produziert branchenübergreifend
eine spezielle Software, die
bei der Entwicklung neuer Produkte
automatisch überprüft,
inwieweit gesetzliche Vorgaben
hinsichtlich Produktsicherheit,
Gesundheitsgefährdung und
Umweltschutzauflagen berücksichtigt
werden müssen. Die
Dienstleistung reicht bis zur
Kennzeichnung vonEtikettierungen,
wenn Gefahrensymbole
anzugeben sind. Seinen Erfolg
führt das Unternehmen auf
die zunehmende Regulierungsdichte
zurück und auf die rasch
wachsende Globalisierung auch
der mittelständischen Wirtschaft.
Beim Export in ferne
Länder müssen die dort gültigen
Bestimmungen berücksichtigt
werden. Im vergangenen
Jahr haben bei TechniData 486
Mitarbeiter 64,9 Millionen Euro
Umsatz und 5,5 Millionen Gewinn
vorZinsen und Steuern
erwirtschaftet.
Hymer setzt auf
Stabilisierung
des Marktes
Mutig, mutig: Gründen in der Krise
Gründer in der Krise: Sind sie risikofreudiger oder optimistischer? Haben sie ein Geschäftsmodell,
das zur Wirtschaftsentwicklung passt? Silke Balsys,32-jährige PR-Beraterin hat sich in Biberach
selbstständig gemacht –die Entwicklung von „PR Süd“ liegt deutlich über der Planung.
In der Halbjahresbilanz des laufenden
Geschäftsjahrs verzeichnet
die Hymer AG in Bad Waldsee
gegenüber dem Vorjahr
einen herben Umsatzrückgang
von25,4 Prozent. Aufden Exportmärkten
sind die Einbußen
besonders stark, wenn sie auch
unterhalb der Durchschnittszahlen
liegen, die die Branche
in diesen Ländern verzeichnet.
Dänemark und Großbritannien
sind am stärksten betroffen. Die
Exportquote lag im Vorjahr bei
über 65 Prozent. In Deutschland
sieht der Absatz günstiger
aus. Jetzt setzt Hymer auf eine
Stabilisierung des Marktes und
auf die Wirksamkeit seiner Krisenmaßnahmen.
ZumRestrukturierungsprogramm
gehören
eine neue Vertriebsstruktur mit
mehr Nähe zum Händler,die
Straffung des Produktprogramms
und das Insourcing der
Möbelfertigung, um Arbeitsplätze
zu erhalten.
Hymer: Hoffnung auf Stabilisierung
des Marktes in Deutschland.
tognum erweitert
sein Werk für
einspritzpumpen
Der Technik-Konzern Tognum,
zu dem die Marke MTU in
Friedrichshafen am Bodensee
gehört, baut sein Werk für Dieselmotoren-Injektoren
in Glatten
bei Freudenstadt weiter aus.
Elf Millionen Euro werden dort
bei der Tochtergesellschaft
L‘Orange für eine neue Fertigungshalle
und für neue Maschinen
investiert. Die neuen
Einspritzpumpen sind für
MTU-Motoren der Baureihe
4000 bestimmt. In Glatten sollen
in Zukunft 220 Mitarbeiter
beschäftigt werden.
Im Vorstand vonTognum übernimmt
Ulrich Dohle das Ressort
Technology &Operations von
Michael Wolters. Neue Aufsichtsratsmitglieder
bei Tognum
sind jetzt die Daimler-Manager
Edgar Krökel und
AndreasRenschler.
Haller erschließt
sich neue Märkte
mit Prototyping
Der CNC-Spezialist Präzisionstechnik
Oliver Haller in Bermatingen
bei Salem fertigt Drehund
Frästeile von
außergewöhnlicher Genauigkeit.
Das vorneun Jahren als
Ein-Mann-Betrieb gegründete
Unternehmen beschäftigt heute
zehn Mitarbeiter an insgesamt
drei hochmodernen CNC-Bearbeitungszentren.
Um die Produktion
auszuweiten, wurden
in diesem Jahr die Hallenfläche
auf 1000 qm verdoppelt und der
Maschinenpark für 1,2 Millionen
Euro modernisiert. Haller
sucht neue Märkte in der Automobil-,
Flugzeug- und Maschinenbauindustrie,
wo das Unternehmen
für seine
hochkomplexen Teile in kleinen
Losgrößen Chancen in der
Forschung und beim Prototyping
sieht. [!]
31
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Welche Aufstellung ist die richtige? Die riskante, die GegentoreinKauf nimmt, oder die sichere, die weniger Gewinnchancen bietet. Fragen auch für Anleger.
harmonische aufstellung, guter kick
WieBanken beim Vermögensmanagement auf die Finanzkrise antworten. Vorder Krise konnten Renditen oft nicht
hoch genug sein, Risiken wurden ausgeblendet. Jetzt rücken Sicherheit und Sachwerte wieder stärker ins Bewusstsein.
Beim Fußball ist es eine Frage der Einund
Aufstellung, ob man mit Risiko
spielt. Werauf Sicherheit spielt, wird
kaum verlieren, aber wenig gewinnen. Wer
bedingungslos angreift, fängt leicht Gegentore
ein –und Niederlagen. Passt die Aufstellung,
harmoniert das Team, wird’s ein guter
Kick, das Ergebnis stimmt. Im Gegensatz zu
Sepp Herberger („Die Leute gehen hin, weil sie
nicht wissen, wie‘s ausgeht“) scheinen Karlheinz
Schabel, Vorstandsmitglied der Volksbank
Ulm-Biberach, und Axel Stork, für Anlage-
und Vorsorgeberatung verantwortlich, zu
wissen, wie das Spiel an der Börse verlaufen
wird. Sie rechnen, in der Fußball-Sprache, mit
Gegentoren: „Wir sehen noch Enttäuschungspotenzial.“
Kein Wunder, dass sie raten, Nervenzubehalten,
langfristig zu denken, in Zeiträumen
von10, 20 und mehr Jahren.
VonAktien-Euphorie bei der Volksbank Ulm-
Biberach also keine Spur, Chancen und Risiken
werden mit Bedacht gewählt. Man habe
bereits 2006 den Kunden geraten, ihre Bestände
an Einzelaktien abzubauen. „Unsystematisches
Risiko“ gelte es zu vermeiden, und für
manchen Kunden dürfte die Anlagesumme
auch schlicht zu gering sein, um mit einzelnen
Titeln eine ausgewogene Mischung zu
erzielen. Zudem hat die Volksbank Ulm-Biberach
dem fatalen Trend zu hochriskanten
Zertifikaten widerstanden –und damit dem
Wunsch so mancher Anleger. „Wir sind von
Kunden ständig damit konfrontiert worden
und heute froh, dass wir unsere Philosophie
durchgehalten haben“, sagt Schabel.
die struktur entscheidet
Nach Einschätzung Storks ist bei der Geldanlage
zu 80 Prozent die Mischung, die Vermögensstruktur,entscheidend.
Die beiden anderen
Faktoren, Titelauswahl (12 Prozent) und
Zeitpunkt vonKauf oder Verkauf (8 Prozent),
scheinen fast vernachlässigbar.Siehe Aufstellung
beim Fußball. Wichtig sei das Verständnis
vonSicherheit, das der Anleger pflegt: Versteht
er darunter Verfügbarkeit zu jeder Zeit,
Erreichen einer gewählten Rendite oder Bildung
vonRücklagen für den letzten Lebensabschnitt?
Auch nimmt die Bank Trends auf wie
Tagesgeld („Cash is King“), Gold, Immobilien,
Anleihen, Garantie- und Sachwertefonds.
Das Vermögensmanagement staffelt die
Volksbank nach Größenklassen. Sie bietet ein
standardisiertes Vermögensmanagement, das
sich auf Fondsvermögensverwaltung (Union
Investment) in Luxemburg oder der Schweiz
stützt. Je nach Anlagesumme werden Anleihen,
Immobilien und Gold beigemischt, wird
Aktienmanagement in engem Kontakt zum
Berater geboten, es kommt Vermögensverwaltungsmandat
in Luxemburg oder der Schweiz
in Betracht mit Mehrwertleistungen wie Verwaltungvon
Kunstobjekten. Obwohl der Mythos
Schweiz noch reizt, empfiehlt Schabel,
„im Euro-Raum zu bleiben“.
Wie bei der Anlagestrategie setzt die Volksbank
Ulm-Biberach bei der Personalentwicklung
auf Kontinuität und ambitionierte Nachwuchskräfte
aus eigenen Reihen. Nur
vereinzelt verstärkt die Bank ihr Berater-Team
mit externen Bewerbern. „Wir sprechen nicht
vonVerkäufern“, betonen Schabel und Stork.
32
33
[machen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Provision? nein, danke!
Weshalb honorarberater Objektivität
versprechen. WerGeld in Aktienfonds
anlegen will, dem empfiehlt wohl jede
Bank Produkte der mit ihr verbundenen
Fondsgesellschaft: Volksbanken die Union
Investment-Fonds,Sparkassen die Deka-Fonds,die
Deutsche Bank DWS-Fonds.
Dies nährt Zweifel an einer unabhängigen,
sprich objektiven Vermögensberatung.
Zudem fördert jede Fondsgesellschaft
ihren Vertrieb durch
Abschluss- und Bestandsprovisionen. Allerdings
sind die Banken gesetzlich verpflichtet,den
Anleger über solche Rückvergütungen
(Kick-Backs) vor
Vertragsabschluss aufzuklären (BGH-Urteile
XI ZR 56/05 und XI ZR 586/07).
hundertprozentige unabhängigkeit und
Objektivität versprechen jene Finanzdienstleister
oder Vermögensberater,die sich als
Honorarberater bezeichnen. Sie leben ausschließlich
von den Gebühren, die sie für eine
Finanz- und Vermögensberatung berechnen,
und verkaufen dem Anleger Fonds
und andere Finanzprodukte zum Nettopreis,also
provisionsfrei. Wie stark ein Berater,
ob angestellt oder freiberuflich, von
Provisionen abhängig ist, sagt jedoch nicht
zwingend etwas über die Qualität seiner
Beratungsleistung aus.Zudem ist die Bezeichnung
Honorarberater bislang weder
geschützt,noch gibt es bisher eine verbindliche
gesetzliche Definition der Honorarberatung.
um die meinungsführerschaft und um
Mitglieder unter den Honorarberatern
kämpfen inDeutschland zwei Organisationen:
Der imJahr 2000 gegründeteVDH
Verbund Deutscher Honorarberater bezeichnet
sich als „marktführender
Dienstleister für Honorarberater“. Erst
im März 2009 hat sich die „Initiative der
qualifizierten und unabhängigen Honorarberater“
mit Sitz in Berlin gegründet.
Nach eigenen Angaben engagiert sich die
Initiative als bundesweite Interessengemeinschaft
für die Etablierung der Honorarberatung
in Deutschland. Mit einem
bundesweiten „Honorarberatergipfel“ am
19.November in Berlin will sie weiter auf
sich aufmerksam machen.
Weiter fügt sich ins Bild der Volksbank Ulm-
Biberach die ständige Weiterbildung der Berater,
die die ganze Bandbreite der Vermögensberatung
abdecken. Reine Aktienspezialisten
sind nicht gefragt. „Wir gehen diesen Wegseit
zehn Jahren konsequent“, sagt Schabel, „statt
Gewinnmaximierung für die Bank halten wir
uns ans Genossenschaftsprinzip, handeln bedarfsorientiert
für unsere Mitglieder.“ Die
Konkurrenz hat die Volksbank Ulm-Biberach
im Blick, hält aber an Grundsätzen fest. „Aus
dem Wettbewerb um extrem günstige Baufinanzierungenhabenwirunsherausgehalten“,
sagt Schabel, verweist auf die Philosophie der
Bank: „Konzeption vorKondition“.
Schabels Urteil über Konkurrenzkampf und
sinkende Margen: „Betriebswirtschaftlich wenig
lukrativ, jedoch als Instrument zur Kundenbindung
geeignet.“ Die Honorarberatung
haben die Volksbank-Experten im Blick, glauben
aber,dass die Mehrzahl der Kunden dafür
noch nicht bereit sei.
resistent gegen fusiOnen
Bei der Raiffeisenbank Dellmensingen gehen
die Uhren anders –nicht langsamer.Als eine
der kleinsten selbstständigen Volks- und Raiffeisenbanken
rund um Ulm/Neu-Ulm wirbt
sie mit „Klein aber fein“, zeigt sich resistent
gegenüber Fusion oder Übernahmen. Mit Eugen
Schlachter fungiert ein profilierter Oberschwabe
und Landtagsabgeordneter der Grünen
als Vorstandssprecher.
„Was die großen Banken bei der Vermögensberatung
leisten, können wir auch“, sagt Prokurist
Hans-Dieter Fuchs, „nur auf unsere Weise,
weil wir eine andere Klientel haben.“ Kundennähe
nimmt die Raiffeisenbank Dellmensingen
wörtlich: Sowohl im Haupthaus Dellmensingen,StadtteilvonErbach(Alb-Donau-Kreis)
als auch in der Filiale Stetten, Ortsteil von
Achstetten (Kreis Biberach), stößt der Kunde
laut Fuchs auf „100 Prozent Entscheidungskompetenz
am Ort“, erhält umfassende
Beratung in allen Vermögensfragen.
Wieviel der Kunde auf die hohe Kante
legen will, spielt bei der Vermögensberatung
zunächst keine Rolle. Wie intensiv
die persönliche Beratung letztlich ist,
hängt nach Philosophie der Raiffeisenbank
allein ab von Wissen, Antrieb und
Bedürfnissen des Kunden. „Bei Anfragen
selektieren wir nicht nach Vermögen“,
sagt Schlachter,„wir hören jedem Kunden
genau zu und unterwerfen die Gespräche
nicht dem Controller.“ Weil auch in Dellmensingen
und Stetten (Beratungs-)Zeit
Geld kostet, liegt die Bank beim Personalaufwand
über dem Durchschnitt. Für
Schlachter aber ein wesentlicher Schlüssel
zu Erfolg, Kundenbindung und Profilierung:
„Wir sind eine Lösungsbank, keine
Produktebank.“
Diesem Anspruch wird der Vorstand dadurch
gerecht, dass er auf Mitarbeiter keinen
Verkaufsdruck für bestimmte Segmente
oder Produkte ausübt. „Eine
Vertriebssteuerung wie bei einer großen
Bank funktioniert bei uns nicht“, sagt
Fuchs, der die Gesamtschau pflegt ebenso
wie die Begriffe Nachhaltigkeit und Genossenschaftsprinzip.
Haben Geschäftsverbindungen
über Generationen Bestand, gilt dies
bei der Raiffeisenbank als nachhaltig. Das Genossenschaftsprinzip,
auf das sich alle Volksund
Raiffeisenbanken berufen, betrachten
Schlachter und Fuchs differenziert. „Dass wir
keinen kurzfristigen Einzelzielen nachgehen,
ist zentraler Erfolg unserer
Bank“, sagt Fuchs, „unsere Erfolge
sind immer die Erfolge
unserer Mitglieder“.
Von der Vertrauenskrisegegenüber
Großbanken hat
die kleine Raiffeisenbank
profitiert:
Das Anlagevolumen
der
Kunden stieg 2008 um über 10 Prozent,
die meisten Anleger entschieden sich
für ein Geldmarktkonto oder Geldmarktfonds.
Doch muss sich die Raiffeisenbank
Dellmensingen in einem „heftig umkämpften
Markt“ (so Fuchs) behaupten. Bei den
20- bis 40-Jährigen tummelten sich viele
Versicherungsvertreter,die nebenbei Anlageprodukte
verkaufen, sowie Berater von
Strukturvertriebs-Gesellschaften. Ein Stachel
imFleisch der selbstbewussten Dellmensinger,
zumal der Ort seine Eigenständigkeit
pflegt bis hin zur einst geforderten
Loslösung vonErbach. „Gerade bei den Jüngeren
gehtdafür das Bewusstsein ein Stück
verloren“, sagt Fuchs, „die wenigen eigen-
34
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[machen]
ständigen Dellmensinger Institutionen werden
nicht mehr so unterstützt wie früher.“
Aufder anderen Seite wird die Bank durch die
„überbordende Bürokratie“ belastet. Gut gemeinte
gesetzliche Regelungen wie das Verbot
telefonischer Kaltakquise oder das für 2010
geplante Anlegerschutzgesetz mit der Protokollpflicht
für sämtliche Beratungsgespräche
lassen aus Sicht vonSchlachter
und Fuchs eine Differenzierung
vermissen. Da müsse die kleine
Raiffeisenbank den selben
bürokratischen Aufwand
treiben wie die
Großbank. Die oberschwäbische
Weisheit, die Schlachter
auf die Finanzkrise bezieht,
könnte auch für die Auswirkung
der ungeliebten Bürokratie gelten:
„Wenn’s lange regnet, werden alle nass.“
Nach der Finanzkrise sind die meisten Banken
schlauer,manche waren es schon Jahre zuvor
–oder so vorsichtig wie die Sparkasse Neu-
Ulm/Illertissen. 2004 hatte der Vorstand intern
über ein Investment in strukturierte Papiere
beraten, aber bewusst darauf verzichtet
–und dies durchgehalten. In ihrer Beratungspraxis
ist sich die Sparkasse treu geblieben.
Hans Rauth, stellvertretendes Vorstandsmitglied,
hält das Thema Vertrauen hoch. Zudem
sei der Auftrag der Sparkasse als Anstalt des
öffentlichen Rechts aktueller denn je: sämtliche
Finanzdienstleistungen den Kunden anzubieten.
Deshalb leistet sich die Sparkasse
eine hauseigene Finanzierungsabteilung für
private Immobilienkunden.
Über allem schwebt der Begriff ganzheitlicher
Ansatz. Dazu zählen aus Rauths Sicht ausschließlich
„Produkte, die verstanden werden“,
das Können, „die richtigen Produkte für
die richtigen Kunden“zufinden, und die Nähe
zu den Kunden. Seinem Bekenntnis zu den
Kapitalprodukten der Sparkassen-Finanzgruppe
(unter anderem DEKA-Fonds) folgt die
plausible Begründung: „Damit haben wir die
meiste Erfahrung und kennen sämtliche Details,
die für den Anleger den Ausschlag
geben können.“
Vermögensberatung ist für die
Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen
weniger eine Frage des Anlagevermögens
als der Ziele des Kunden.
Weil sich Ziele nach Alter,
Einkommen und Lebensumständen
öfters ändern, sieht Rauth in der
Vermögensberatung „eine das ganze
LebendurchgehendeAngelegenheit,dienicht
erst bei einer halben Million Euro beginnt.“
VOm kindesalter an
Die Sparkasse bemüht sich mit der Marke S-
Jung und eigenen Beratern um junge Kunden
vomKindesalter an. Eine Neu-Ulmer Spezialität
(„Vorreiter unter den bayerischen Sparkassen,
eine Art Denkfabrik“), die sich bezahlt
macht. Gerade in den letzten zwei Jahren stieg
die Abschlussquote bei Bausparverträgen
deutlich an. Das Engagement der S-Jung-Truppe
dürfte eine Ursache sein, auf der anderen
Seite eine Renaissance der Sachwerte. Hinzu
kommen derzeit das ausgeprägte Sicherheitsdenken
der Kunden, der Wunsch nach dem
zeitlich überschaubaren Anlagehorizont und
transparenten, verständlichen Produkten. Die
unsichere Lage auf dem Arbeitsmarkt führt
dazu, dass viele Anleger mehr sofort verfügbares
Geld vorhalten
als gemeinhin erforderlich. „Liquidität
scheint oft vor Rentabilität zu gehen“,
so die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen.
Sicherheit für die Anleger versprechen viele
Banken, für Rauth bieten jedoch die öffentlich-rechtlich
Sparkassen, vergleichbar genossenschaftlichen
Volksbanken, durch die Institutssicherung
unbegrenzten und 100-prozentigen
Kapitalschutz, mehr als die Leistungen
des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands
deutscher Banken. Zudem müsse bedacht
werden, dass der Einlagensicherungsfonds
im Fall einer Bankpleite Zinsen nur in
marktüblicher Höhe erstatte und die Erstattung
vonder Zustimmung des Kunden abhängig
gemacht werden kann.
„Wäre der ursächliche Zusammenhang zwischen
Chance und Risiko beachtet worden,
hätten wir keine Finanzkrise“, sagt Rauth. Das
Streben mancher Anleger nach maximaler
Rendite stellt er ebenso infrage wie den Anspruch
voller Unabhängigkeit, mit dem Honorarberater
für sich werben: „Auch Honorarberater
brauchen Verträge mit Anbietern von
Finanzprodukten und haben Präferenzen.“
Aktuell erschließt die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen
ein neues Feld für jene Anleger, die
langfristig denken und in ihre Immobilie investieren
wollen. Energiesparen und speziell
Photovoltaik erscheinen erfolgversprechend
und zukunftsträchtig. „Jeder Kundenberater
muss davon Ahnung haben und wird vonuns
geschult“, sagt Rauth und blickt offenbar sonnigen
Zeiten entgegen. [!] THOMAS ZEHENDER
35
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Konferieren mit Donaublick: In aufs Tagungsgeschäft eingerichteten Hotels in der Ulmer Region wie dem „Mövenpick“ in Neu-Ulm (Bild) ist das möglich.
Ja –aber bescheiden
Deutschland ist Spitze. Europäische Veranstalter bewerten die Bundesrepublik als die führende tagungsnation. Auch die
Region Ulm ist gut aufgestellt. In der wirtschaftlichen Krise spielt das Preis-Leistungs-Verhältnis eine wesentliche Rolle.
PetraKreibich, KAD-Kongress-Agentur
in Sulzberg.
Tagungen und Kongresse sind wichtig
für Planung, Schulung und Kommunikation
in Unternehmen, Parteien und
Verbänden –aber das Geld sitzt nicht mehr so
locker wie vorder Krise. „Es wird gespart wie
nie zuvor“, weiß Walter Heiligenstetter,Maritim-Regionaldirektor
in Ulm. „Kein Unternehmen
will auf der einen Seite Mitarbeiter
entlassen und auf der anderen Seite groß feiern.“
Der Rotstift ist bei der Planung von Tagungen
und Kongressen zum wichtigen Utensil
geworden. Dennoch, es wird weiter getagt,
wenn auch oft in bescheidenerem Rahmen.
Thomas Eifert, Bauherr des neuen Tagungsund
Kongresshotels „Lago“inder Ulmer Friedrichsau,
hat beim Einrichten der Doppelzimmer
reagiert: Alle Doppelbetten des Hotels,
das am 18. Januar 2010 eröffnet, sind zu Einzelbetten
auseinander zu fahren. Manches
Unternehmen will trotz immer stärker genutzter
Videokonferenzen nicht auf mehrtägige
Treffen verzichten,
aber laut
Eifert ist es nichts
Außergewöhnliches
mehr, wenn
sich zwei Mitarbeiter
ein Doppelzimmer
teilen müssen.
Da ist es durchaus
hilfreich, wenn sie
auf Distanz schlafen
können.
Wie viele Tagungen
und Kongresse alljährlich in Deutschland
über die Bühne gehen, hat auch der Europäische
Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.
(EVVC) im hessischen Bad Homburg nicht genau
aufgeschlüsselt. Insgesamt bewegt sich
der Veranstaltungsmarkt aber weiter auf sehr
hohem Niveau. Berlin, München und Frankfurt
am Main sind laut EVVC-Pressespreche-
rinAntjeMünsterbergdiedeutschenTagungs-
hauptstädte. Deutschland hat derzeit 6330
Tagungs- und Veranstaltungsstätten zu bieten,
zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr
Veranstalter bedeuten mehr Konkurrenz. Das
gilt auch für die Region Ulm.
regiOn bestens aufgestellt
Selbst wenn mit dem „Lago“jetzt ein weiterer
Wettbewerber dazukommen wird, so ist sich
Jürgen Eilts, Geschäftsführer der Ulmmesse,
doch sicher,dass es auch in Zukunft gutes Einvernehmen
zwischen den großen Tagungshotels
wie dem „Maritim“ auf Ulmer und auch
dem „Mövenpick“ auf Neu-Ulmer Donauseite
geben wird. Eilts, der nun mit dem „Lago“ein
Hotel direkt neben der Messe erhält, hofft auf
einen gebündelten Wettbewerb der Region
Ulm gegen den „Rest der Welt“.
Dass die Region Ulm ein Kongress-Standort
für gehobene Ansprüche ist, hat sie bereits
36
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[spezial]
beim Deutschen Ärztetag im vorigen Jahr bewiesen.
Da ging es nicht nur um die Kapazität
an Sälen für die zahlreichen Veranstaltungen,
sondern auch darum, für alle Bereiche die passenden
Hotelzimmer anbieten zu können.
Wersich international behaupten will, muss
ebenso über Suiten in ausreichender Zahl für
Vorstandsmitglieder oder andere Topleute
wie auch über genügend Zimmer für „normale“
Tagungsgäste verfügen.
Die Zukunft der Region sieht Multi-Gastronom
Eifert vor allem als Tagungs- und Kongressort.
„Gegen die Konkurrenz Stuttgart
und Friedrichshafen ist Ulm als Messeort
chancenlos. Aber als Tagungs- und KongressveranstalterhabenwirriesigeMöglichkeiten“,
da für diese Zwecke „irrsinnig“ viel Platz vorhanden
sei. Der Neue im Verbund der Anbieter
für technisch perfekte Tagungs- und Kongressräume
sieht die Region jetzt bestens
aufgestellt, Großprojekte zu stemmen. Alle
sind sich einig, dass der Hotelneubau in der
Friedrichsau den Standort Ulm stärkt.
Auch die Ulmesse, deren neuer Donausaal
den modernsten technischen Anforderungen
an einen Tagungsort angepasst wurde, freut
sich über den Zuwachs vor der Haustür. Geschäftsführer
Eilts: „Jetzt ist eine individuellere
Betreuung der Kunden möglich.“
Die Region Ulm/Neu-Ulm kann offensiv für
sich als Tagungsstätte werben. Dass die Stadt
nicht über einen Flugplatz verfügt, wird von
allen Tagungsprofis als kein wesentlicher
Nachteil angesehen. Auch Anna Christina
Mack, die im „Mövenpick“ die Veranstaltungsorganisation
leitet, verweist lieber auf die gute
Autobahnanbindung (A 8und A7)sowie
die Möglichkeit, mit dem ICE nach Ulm zu
Spielen bald eine Rolle bei Tagungen in Ulm: Das
neue Hotel „Lago“ in der Friedrichsau (unten)
und dessen Betreiber Thomas Eifert (oben)
reisen. Zudem liege die Region zentral in Süddeutschland,
und auch die Schnittstelle zwischen
den Bundesländern Bayern und Baden-
Württemberg sei durchaus ein Vorteil.
Natürlich hat sich jedes Tagungshotel im Lauf
der Zeit Stammkunden erworben. Doch alle
müssen um mögliche neue Kunden kämpfen.
Regionaldirektor Heiligenstetter weist mit
Stolz darauf hin, dass „Maritim“ die größte
deutsche Tagungskette darstellt. Insgesamt
seien 80 Mitarbeiter im Außendienst beschäftigt,
die bei Unternehmen und Verbänden für
„Maritim“-Hotels werben. Auch Eifert spricht
von „hartem Marketing“ für das „Lago“, und
Anna Christina Mack weist ebenfalls darauf
hin, dass ein neuer Interessent erst intensiv
überzeugt werden muss.
langfristige Planungen
Die Planung für Großveranstaltungen beginnt
oft schon zwei Jahre vorher und noch
früher. Aber immer öfter haben es die Ausrichterjetzt
auch mitKunden zu tun, die „last
minute“ entscheiden. „Es wird immer kurzfristiger“,
sagt Heiligenstetter. Jeanspruchsvoller
das Programm rund um Tagung oder
Kongress, desto länger sollte der Vorlauf sein
–mindestens drei bis sechs Monate bei größeren
Veranstaltungen auf jeden Fall.
Im Konzert der Tagungs- und Kongresshotels
in der Region spielt auch das „Best Western
Atrium Ulm“ mit. Eigentümer Oliver Schreiber
ließ während der letzten Monate das Hotel
für eine Million Euro komplett umbauen und
verfügt jetzt über neun Tagungsräume, in welchen
bis zu 80 Personen Platz finden. Die Veranstaltungstechnik
ist auf neuestem Stand.
Wenn vom Tagungsgast auch ein Rahmenprogramm
gewünscht wird, kann Schreiber
auf seine eigene Veranstaltungsabteilung setzen,
es wird auch sehr eng mit der Ulm/Neu-
Ulm Touristik UNT zusammengearbeitet.
Je größer Unternehmen oder Verband, desto
wahrscheinlicher, dass eine Agentur außer
Haus mit Tagungs- oder Kongressstätten verhandelt.
Petra Kreibich, Geschäftsführerin der
KAD Kongress Agentur in Sulzberg bei Kempten,
weiß aus langer Erfahrung, dass etwa die
Hälfte ihrer renommierten Kunden wie Deutsche
Bahn, Telekom und die Bausparkasse
37
[spezial] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Schwäbisch Hall
bei Auftragsvergabe
genau vorgibt,
was sie will, so
auch den Veranstaltungsort
und
das Hotel. „Konzeptionell
stricken
wir aber immer
wieder das Rahmenprogramm“,
Oliver Schreiber: Jetzt mit
erklärt Kreibich, dem Best Western dabei.
deren KAD-Agentur
auch Kongresse im Ausland organisiert.
Es gibt fast nichts, was nicht im Vorfeld zwischen
Kunden, eventuell eingeschalteter
Agentur und Tagungs- oder Kongressplatz abgeklärt
wird. Beamer oder Overhead-Projektor
und Leinwand sind Standard. Es gibt aber eine
Fülle anderer Dinge, die gefragt sind: vonBleistift
und Schreibblock über Rednerpult bis
zum Einsatz von Dolmetschern und einer Simultananlage.
Nicht zu vergessen Getränke
und der Imbiss zwischendurch.
Es ist ein Riesenpaket, das voreiner größeren
Tagung oder einem Kongress geschnürt wird.
Neben der Arbeit soll für die Teilnehmer auch
Entspannung geboten werden. Auch da hat
die Region Ulm einiges. Vomkulinarischen
Angebot der Tagungs- und Kongresshotels abgesehen
preisen Eifert und Eilts, die sich nicht
nur als technisch bestens vernetztes Team
verstehen, die gute Anbindung der Messe oder
des „Lago“per Straßenbahn an die Stadt an.
bis zum sPrung in den see
Oldtimer-Fan Eifert kann sich für die Zukunft
auch Oldtimer-Ausflüge für seine Gäste vorstellen.
Dass vielleicht gar ein Sprung in den
Ausee vom hoteleigenen Steg möglich sein
wird, sei ein zusätzlicher
Anreiz. Der
nahe Golfplatz ist
für alle Tagungshotels
ein Plus. Heiligenstetter
vom
„Maritim“ verweist
auf spezielle Stadtführungen,
AusflügewiezumBlautopf
oder Schiffsfahrten
auf der Donau. Wer
Walter Heiligenstetter leitet
das „Maritim“inUlm.
will, kann sich in einem Klettergarten beweisen.
Die vorJahren fast unvermeidlichen Gocart-Rennen
sind allerdings out.
Eine wichtige Rolle in der Doppelstadt spielt
auch der Tagungspool Ulm/Neu-Ulm, der Einrichtungen
aus dem Tagungs-, Kongress- und
Eventbereich unter Federführung der Ulm/
Neu-Ulm Touristik GmbH zusammenfasst.
Neben den führenden Hotels verweist der Tagungspool
auch auf so besondere Veranstaltungsorte
wie den Business Park, das Stadthaus
und das Kornhaus.
Es sei wichtig, sich in den Kunden hineinzudenken.
„Unsere Chance ist, mehr Service zu
bieten“, sagt Eilts von der Ulmmesse, und er
verweist darauf, dass wie auch bei den Mitbewerbern
ein hauseigener Fullservice möglich
sei. „Wir haben starke Partner.Das gilt für den
Blumenschmuck genauso wie für Catering,
Technik, Dolmetscher, Vip-Fahrdienst oder
Bewachung.“
Wasgeboten wird, das liegt einzig und allein
daran, was gewünscht wird, wie viel Zeit vorhanden
ist –und natürlich auch daran, wie
viel derKunde zu zahlen bereit ist. [!]
EBERHARD GROSSE
die großen
Das maritim auf der Ulmer Donauseite
hat 287Zimmer,darunter 11 Suiten. Im
angeschlossenen Congress Centrum
hat der Einstein-Saal mit bis zu 1500
Personen die größte Kapazität.Neben
dem Einstein-Saal stehen weitere 17
Bankett- und Konferenzräume für bis
zu 330 Personen zur Verfügung.
Das mövenpick auf der Neu-Ulmer Donau-Seite
hat 135Zimmer und 3Suiten.
Zusammen mit dem angeschlossenen
Kongresszentrum der Stadt
Neu-Ulm, dem Edwin-Scharff-Haus,
verfügt das Hotel über eine Bankettkapazität
von mehr als 800 Personen. Es
gibt 5Seminarräume.
Das lago in der Ulmer Friedrichsau
liegt nahe der Donau und ist direkt mit
den Räumen der Ulmmesse verbunden.
Es verfügt über 60 Doppelzimmer
und 2Suiten. Räume für Tagungen und
Feste imHotel oder bei der Ulmmesse.
Im neuen teilbaren Donausaal finden
bis zu 600 Personen Platz, in der Donauhalle
bis 2280 Besucher.Das Hotel
wird am18. Januar 2010 eröffnet.
Das best Western atrium in Ulm-Böfingen
verfügt über 73 Zimmer in zwei Kategorien.
Für Tagungen stehen nach dem gerade abgeschlossenen
Umbau 9klimatisierte Räume
mit modernsterTagungstechnik zur
Verfügung.
Der landgasthof hirsch im Neu-Ulmer
Ortsteil Finningen bietet 52 Zimmer.Für Tagungen
und Kongresse gibt es 7multifunktionale
Räume.ImVeranstaltungsstadel finden
120 Personen Platz. Die restlichen 6
Tagungsräume verfügen über eine Kapazität
bis zu 60 Personen.
der dachverband Der Europäische Verband
der Veranstaltungs-Centren e.V. EVVC
mit Sitz im hessischen Bad Homburg repräsentiert
mehr als 560 Veranstaltungszentren,
Kongresshäuser,Arenen und Special
Event Locations in Europa.Jährlich finden
in den Mitgliedseinrichtungen des EVVC etwa
130 000 Veranstaltungen mit mehr als
70 Millionen Besuchern statt.Bei den Meetings,
Tagungen, Seminaren oder Kongressen
steht der Arbeitscharakter imVordergrund.
Bei den Incentives und Events geht
es vergnüglicher zu.
Wenn getagt wird Bei einer Tagung
oder einem Kongress treffen sich Personen,
die in oder an einem speziellen
Themenbereich arbeiten. Vorträge,
Präsentationen und Kontaktpflege stehen
im Vordergrund. Damit dabei alles
möglichst effektiv erfolgt,müssen die
Tagungsraumausstattung, die technischen
Möglichkeiten, die Unterbringung
der Teilnehmer und das Freizeitprogramm
eine Einheit bilden.
der bekannteste kongress Zum weltweit
bekanntesten aller Kongresse trafen
sich vom September 1814 bis Juni
1815 in Wien Staatsmänner,umEuropa
nach dem Sturz Napoleons I. politisch
neu zu ordnen. In Wien entstand auch
das (oft und meist leicht abgewandelt
zitierte) Wort „Der Kongress tanzt,
aber er kommt nicht vorwärts. Es sickert
auch nichts durch als der
Schweiß der tanzenden Herren“ –geprägt
vom belgischen Diplomaten
CharlesJoseph de Ligné. Es wurde
nicht nur getanzt: In Wien wurden für
die Zukunft Europas wichtige Entscheidungen
getroffen.
38
[machen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
für ein lächeln arbeiten
Der Arzt als Dienstleister: So sehen die Ulmer Zahnmediziner Michael und Margit Weiss und Engin Aksoy ihr „Dental-
Concept“, das Basis ist für ihre unternehmerischen Ansprüche –als Praxis und als dental-klinik Opus dc mitten in Ulm.
Wir sind halt Schwaben, und in
Schwaben steckt der Unternehmer.“
Dr.Michael Weiss, geboren in Göppingen,
lacht, wie seine Frau. Sie, Dr. Margit
Weiss, stammt aus Leutkirch. In Ulm, beim
Studium der Zahnmedizin, haben sie sich
kennengelernt. Dritter im Bunde ist Dr.Engin
Aksoy,laut Weiss „auch so ein Urschwabe“: Er
ist zwar in Istanbul geboren, aber im zarten
Aller vonvier Wochen nach Albstadt-Ebingen
gekommen, hat auch in Ulm studiert.
Die drei Schwaben betreiben in Ulm nicht nur
das, was man früher einmal Zahnarztpraxis
nannte: Es ist mehr, ist ein Dental-Unternehmen,
eine technisch auf dem Niveau einer
Universitätsklinik, also bestens ausgestattete
Zahnklinik. Als Michael Weiss einst in die
Praxis in der Ulmer Stadtmitte einstieg, bestand
die, 130 Quadratmeter groß, aus einem
Zahnarzt und fünf Helferinnen. Heute sind es
mehr als 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,darunter
14 Ärzte. Gerade hat Opus DC 10
neue Auszubildende eingestellt, davon 6zur
Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte,
4der Richtung Bürokommunikation.
Sie ergänzen die seither 9Auszubildenden,
vondenen gerade 3übernommen wurden.
Das Team praktiziert auf 2000 Quadratmetern,
hat eine Filiale nach seinem Konzept in
Weiler,eine zweite folgt bald. „OPUSDC“ heißen
Konzept und Klinik, alles soll in einer Art
„Corporate Identity“ der Weiss-Weiss-Aksoyschen
Maxime folgen: den Patienten bessere
Zahngesundheit und bessere Rahmenbedingungen
dafür zu bieten im Dental Concept.
Ohne aufnahmestOPP
Das in der Rechtsform einer GmbH &Co. KG
betriebene Gesundheitsunternehmen entwickele
sich „antizyklisch zur Branche“, sagt
Michael Weiss, strebe nach dem Umsatz von
etwa 7Millionen Euro im vergangenen Jahr
für 2009 ein Wachstum von20Prozent an auf
projektierte 8Millionen Euro Umsatz. 17 000
Patienten werden derzeit betreut.
Besprechung: Dr.Michael Weiss, Dr.Ellen Ritterbusch, Dr.Engin Aksoy,Dr. Margit Weiss (von links).
Es gibt keinen Aufnahmestopp: Zwischen 150
und 170 neue Patienten kommen, so berichten
die Ärzte, jeden Monat neu in die Praxen
in der Ulmer Neuen Straße und in Weiler,darauf
seien Räume und Strukturen auch ausgerichtet.
Zum Beispiel mit Rahmenbedingungen
wie Behandlungszeiten von7bis 23 Uhr,
mit dem Samstag als regulärem Tag. Bewältigt
werden kann das im Zwei-Schicht-Betrieb.
„Wenn der Patient Schmerzen hat, kommt er
gleich dran, sonst gibt es einen Termin innerhalb
vondrei bis vier Tagen“, sagt Weiss. Und
zieht einen Trumpf für Personalausstattung
und Betreuung: Ein durchschnittlicher Zahnarzt
behandle 30 bis 40 Patienten pro Tag. Bei
120 bis 160 Patienten täglich in den Opus DC-
Praxen seien es 8bis 10 Patienten pro Arzt und
Tag: „Wir können also sehr individuell auf jeden
eingehen.“ Und dafür arbeiten, dass der
Patiente Zähne zeigen, also lächeln kann.
Auch andere Umstände entsprechen Weiss‘
Anspruch, führend zu sein. So haben die Ärzte
voreinigen Jahren das der Praxis benachbarte
Haus, früher Bekleidungsgeschäft, erworben
und für 3Millionen Euro zur Opus DC-Dentalklinik
umgebaut. Sie wird als Privatklinik
40
unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[machen]
geführt, stellt aber Räume und Technik –wie
3D-Röntgen –bei Bedarf der kompletten Praxis
zur Verfügung. „Jeder kann an den Vorteilen
teilhaben“, sagt Michael Weiss.
gesund erhalten geht VOr
Die Zahnärzte der Dentalklinik haben gleich
mehrere Fachgebiete, auf die sie sich spezialisiert
haben –und in denen sie ihre Erkenntnisse
bei Seminaren und Kursen im Haus an
andere Zahnärzte weitergeben. „Ästhetische
und funktionale Zahnmedizin“beschreibt das
eine ihrer Broschüren. „Als Patient werden sie
bei uns zum Gast“, heißt es dort. Fürempfindliche
Naturen wird in Schlafnarkose behandelt.
Ein Gebiet, für das Patienten auch aus
dem Ausland anreisen, ist die Implantologie,
das Einsetzen „ohne Aufschneiden“: „Es blutet
nicht“, sagt Michael Weiss. Ein anderes sind
Gesamtsanierungen. Die nach Weiss’ Vorstellung
so ablaufen können: „Der Patient kommt
morgens ohne Zähne –und geht abends wieder
mit eigenen, festen Zähnen.“
Begutachtung am Röntgenbild bei Opus DC: Dr.
Engin Aksoy,Dr. Michael Weiss (von links).
Vordem Sanieren aber sehen die Zahnärzte
die Prophylaxe als wichtigstes Element der
Gesunderhaltung: „Das Auto kriegt ja auch
Ölwechsel und Inspektion.“ Die Grundphilosophie
ist, dass man Geld in die Hand nehmen
müsse, um in die Gesundheit zu investieren
und damit viel mehr Geld zu sparen, das später
Heilung und Wiederherstellung kosten
würden. In diese Richtung werde auch das Gesundheitswesen
gehen. Auch der Patient spare,
wenn er in die Gesunderhaltung investiere:
„Sonst muss er ja später zuzahlen.“
Die Ulmer Zahnärzte haben den Präventions-
Wegschon seit Jahren beschritten, haben dafür
auch ein Prohylaxe-Konzept entwickelt.
Dass sie mit dem Versuch, es vor einem Jahrzehnt
als Franchise-System zu verbreiten, damals
an berufsrechtlichen Fragen scheiterten,
nahmen sie als Anlass, es selbst auszubauen.
20 bis 25 Prozent des Umsatzes, schätzt Weiss,
werde heute mit der Prävention erzielt.
„Wir sind Schwaben“, lachen Margit und Michael
Weiss, „nicht nur Macher,sondern auch
Tüftler.“ So macht die „schwäbische Kombination“
auch Erfindungen. Die Weiss’ haben
Patente –nicht nur in der Zahnbehandlung.
Margit Weiss zum Beispiel hat das Patent auf
eine Schnarcherschiene. [!] LORENZ KOCH
41
[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
High End hat die Tabus zu den Akten gelegt:
Betagte Röhrentechnik und der digitale iPod vertragen sich prächtig.
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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[leben]
Wenn kunstauf elektronik trifft
high end gilt als die feinste Art, Musik mit elektronischen Mitteln in den privaten vier Wänden zu zelebrieren. Fürdie
Betreiber der hehren Technik bedeutet der Begriff viel mehr: Hobby,Lebensgefühl und Balsam für die Seele.
Als sich die Erfinder des Begriffs
High End vorfast drei
Jahrzehnten anschickten,
ihre Musikmaschinen mit einem
neuen Adelsprädikat vom Allerwelts-HiFi
abzugrenzen, hatte dieser
Schritt etwas Elitäres. Folglich betrachtete
der Rest der Welt den Vorgang mit gebührender
Distanz: Die Verfechter des Guten,
Wahren und Schönen kamen Normalverbrauchern
oft genug wie lebensferne Ton-
Esoteriker vor. Unddie Szene lieferte dazu
immer wieder gern frischen Anlass: Sie verteufelte
noch alles Digitale, als die Vinylschallplatte
sich längst aus dem Massenmarkt
verabschiedet hatte. Und sie
propagierte oft genug Wunderwässerchen
und sinistres Zubehör als Schlüssel zur
elektroakustischen Offenbarung.
Dies alles hat sich bis heute gründlich
geändert. Der harte Kern der High-
End-Szene pflegt zwar immer noch
die eher handwerkliche Produktion in
kleinsten Serien. Doch selbst Edeltüftler
und Manufakturen haben heute Zugriff auf
die modernsten Techniken unserer Zeit.
Und sie entwickeln einen fast fröhlichen
Pragmatismus, der sie Altes mit Neuem
kombinieren lässt –überlieferte Lösungen
mit dem Charme verflossener Dekaden und
pfiffige Utensilien der iPod-Ära. Geblieben
ist der Anspruch: Für die Reproduktion tönender
Kulturgüter ist kein Aufwand in den
Disziplinen Feinmechanik und Elektronik zu
hoch. Die Wiedergabegeräte sind Teil des Gesamtkunstwerks.
erdbebensicherer unterbau
Besonders augenscheinlich manifestieren
sich solche Grundüberzeugungen in den Geschöpfen
der wenigen noch verbliebenen Spezialistenfür
feineanaloge Plattenspieler.Das
wohl gewaltigsteModell, das je gebaut wurde,
entstammt dem Jahrgang 2009, hört auf den
Namen Argos und zählt zur deutschen Marke
Transrotor. Esspielt mit zwei 12-Zoll-Tonarmen
zusammen, ruht samt erdbebensicherem,
kardanisch aufgehängtem Unterbau auf
einem brusthohen, verchromten Rack und
treibt den Plattenteller komplett berührungsfrei
über ein rotierendes Magnetfeld an. Mit
unterschiedlich großen Messingplatten beplankt,
soll das Oberdeck der Maschine jede
Resonanzschwingung schon im Keim ersticken.
Alles an diesem Scheibendreher ist
atemberaubend, vomEinsatzgewicht, das 280
Kilogramm beträgt, bis hin zum Preis, der
dem Gegenwert eine Dreizimmer-Immobilie
in attraktiver Lage entspricht.
Natürlich gibt es auch Analogplattenspieler
von lebensnahem Kaliber. Clearaudio, die
Schlanke Gehäuse, überragender Klang: Die Boxen
Nuvero14des schwäbischen Tüftlers Günther
Nubert
zweite wichtige Plattenspieler-Manufaktur in
Deutschland, baut sie –etwa in Gestalt des
jüngsten Modells mit dem programmatischen
Namen Innovation. Eine Schichtkonstruktion
aus Panzerholz und Edelstahl verleiht dem
geschwungenen Chassis dieses Geräts eine
unverwechselbare, elegante Silhouette, und
eine spezielle Magnetlagerung sorgt auch hier
für reibungslose Rotation.
der Warme klang der rÖhre
Zu solchen Monumenten der Feinmechanik
passt natürlich Verstärker-Elektronik, die
statt profaner Halbleiter immer noch glimmende
Glaskolben als aktive Bauelemente
einsetzt. Auch hier paart sich die Ästhetik des
Archaischen mit eigentümlichem Klangzauber:
Dass High-End-Jünger den Röhrenkonstruktionen
besonders warme Klänge nachsagen,
ist nicht nur ein Stück Branchen-Mythos,
sondern lässt sich sogar als messtechnisches
Phänomen verifizieren. Die vielleicht eindrucksvollste
Art, äußere und akustische
Schönheit harmonisch zu vereinen, beherrscht
der italienische Röhrenspezialist
Unison –zuerleben etwa mit dem Modell Performance.
Hier vereinen sich polierte Holzoberflächen,
schimmernde Edelstahl-Decks
und im Halbkreis arrangierte Endstufenröhren
zum Stoff, aus dem die HiFi-Träume sind.
Andere Hersteller verleihen dem Hang zur
Röhre eine fast selbstironische Note.
TL Audio, ein britischer Konfektionär von
Studio-Elektronik, baut mit seinem iTube 452
einen ebenso souverän klingenden wie dekorativen
Röhrenvollverstärker, der über eine
Docking-Station den Kontakt zum iPod herstellt
–ein elektronisches Bekenntnis zum
Miteinander der Generationen.
Ein bedeutender Teil der High-End-Branche
wendet sich der Gegenwart allerdings wesentlich
konsequenter zu. T+A zum Beispiel, in
Herford ansässig und für Kenner der Inbegriff
exquisiter HiFi-Komponenten, bewegt sich
komplett auf der Höhe der jüngsten Digital-
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[leben] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
high end gadgets
Analogschönheit mit ausgeprägtem
Hightech-Charme: Der Plattenspieler
innovation von Clearaudio.
Ungemein luftig, präzise und detailtreu:
Das exquisite kopfhörer-flaggschiff hd
800 von Sennheiser.
Vollverstärker und Jukebox: Im Behold
Gentle G192 steckt ein 100-Gigabyte-
Festspeicher für ein ganzes Musikarchiv.
Musik im drahtlosen Netzwerk: Das Sonos-system
verteilt Ton-Schätze von
der PC-Festplatte imganzen Haus.
Röhre meets iPod: Der Verstärker itube
452 vonTLAudio kontaktiert den Apple-
Knirps über eine Docking-Station.
Glaskolben in Reinkultur: Der Vollverstärker
Performance von Unison zählt
zu den Schönsten seiner Art.
trends. Das belegt zum Beispiel ein Gerät mit
dem programmatischen Namen Caruso, das
mit seiner schlichten kubischen Bauhaus-Gestalt
aus Edelstahl und Aluminium irgendwo
zwischen Mini-Anlage und Tischradio oszilliert.
Der Caruso zapft alles an, was digitale
Töne liefern kann: Er spielt CDs und DVDs,
Musik vom USB-Massenspeicher oder vom
iPod, der auf dem Oberdeck seine Dockingstation
findet. Der Clou: Caruso kann über ein
Heimnetzwerk auch Musikarchive wiedergeben,
die auf der Festplatte eines PCs lagern –
Streaming heißt der neudeutsche FachausdruckfürdiedezentraleArtdesMusikzugriffs.
Da ist der Wegins Internet nicht weit: Caruso
empfängt auch tausende Radioprogramme
aus dem World Wide Web.
selbst im autO angekOmmen
Manche Hersteller haben sich dem Netzwerkgedanken
sogar komplett verschrieben. Dazu
gehört die amerikanische Firma Sonos. Ihre
Komponenten definieren den Begriff der HiFi-
Anlage völlig neu: Drahtlos miteinander verbundene
Komponenten tauschen untereinander
tönende Daten aus und geben
Festplattenarchive imganzen Haus wieder –
gesteuert von einer zentralen, interaktiven
Fernbedienung, die mit ihrem großen, berührungsempfindlichen
Farbbildschirm elegantes
Navigieren durch die gesammelten Musikschätze
erlaubt.
Selbst im Auto ist die High-End-Szene angekommen.
Dieter Burmester, einer ihrer frühesten
und wichtigsten Protagonisten in
Deutschland, hat sich weit über unsere Landesgrenzen
hinweg in Jahrzehnten einen
überragenden Ruf als Lieferant kompromissloser
Wohnzimmerelektronik erarbeitet. Jetzt
rüstet der Berliner das neue Flaggschiff des
Hauses Porsche mit einer standesgemäßen
Musikanlage aus, kein geringeres Gefährt als
den sportiven Viertürer Panamera. Die dürren
Eckdaten der Burmester-Sonderausstattung
seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt:
16 Verstärker-Kanäle, 2400 Quadratzentimeter
Fläche der Lautsprechermembranen, 1000
Watt Leistung für die Kraft der Töne. Entscheidend
aber ist, was dabei herauskommt: Nichts
weniger als der wohl schnellste Konzertsaal
des Planeten. [!]
WOLFGANG TUNZE
Im schnellsten Konzertsaal: High-Ender Dieter Burmester hat den Porsche Panameraakustisch veredelt.
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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009
[namen &nachrichten]
Hüni blickt auf
150 Jahre
Firmengeschichte
Bessere Kühlung
schafft mehr
Leistungskraft
Seit 150 Jahren gibt es das Familienunternehmen
Hüni +Co
KG,Friedrichshafens älteste Firma,
ältester deutscher Betrieb
für Kunststoffbeschichtungen.
Als Hans Heinrich Hüni aus
Horgen am Zürichsee 1859 die
Hüni &Cie in Friedrichshafen
gründet, produziert sie Leder
für verschiedenste Zwecke. 100
Jahre lohnte sich das trotz
schwieriger Zeiten, Kriegen und
Wirtschaftskrisen, doch mit
dem Siegeszug vonChemischer
Industrie und Kunstleder geriet
Hüni in existentiell bedrohliche
Lage. Mansattelt um auf Kunststoffindustrie,
produziert resistente
Beschichtungen aus
Kunstharzen für Tanks und Behälter,die
Getränke nicht angreifen
und vorKorrosion
schützen. Zunächst für lokale
und regionale Winzer und
Obstbauern, dann für die Großindustrie.
In den letzten 50 Jahre
verzwölffacht sich der Umsatz.
Heute leitet Peter Hüni in
fünfter Generation das Unternehmen
mit 40 Mitarbeitern
und einem Exportanteil von20
Prozent vorallem nach Österreich
und in die Schweiz. Hüni
betreibt außerdem eine Immobilienverwaltungsgesellschaft
und einen Gewerbepark.
Kumavision hat
als Partner von
Microsoft erfolg
Einer der beiden größten Partner
vonMicrosoft bei Business
Solutions in Deutschland ist die
Kumavision AG in Markdorf
am Bodensee. Zwei Drittel des
Umsatzes von25,8 Millionen
Euro erwirtschaftete das Unternehmen
2008 mit Einführung,
Anpassung und Betreuung von
ERP-Software auf Basis Microsoft
Dynamics NAVund mit
„GuteStube“ist wieder da
Die traditionsreiche Kleber Post in Bad Saulgau ist wieder eröffnet.Der
legendäreTreff von Politik, Literatur und Wirtschaft
knüpft an den Ruf als Gourmettempel an, wendet sich aber
auch moderner Hotellerie zu. DasVier-Sterne-Haus (49Zimmer)
bietet einen großzügigen Wellness- und Fitnessbereich.
Beratungsleistung, ein Drittel
mit Softwarelizenzen. Der Erfolg
schlägt sich auch bei Gewinn
und Personal nieder.Um
7,8 Prozent verbesserte sich das
EBIT,die Mitarbeiterzahl stieg
um 18 Prozent auf 200. Kumavision
gehört zur Kumagroup
und unterhält zwölf Niederlassungen
in Deutschland.
Avira setzt seine
erfolgsgeschichte
trotz Krise fort
Der Computer-Software-Hersteller
Avira in Tettnang setzt
trotz Wirtschaftskrise seine Erfolgsgeschichte
fort. Bekannt
wurde das 1988 gegründete Unternehmen
durch das Antiviren-Programm
AntiVir,das 80
Millionen private Nutzer und
25 000 Firmen weltweit vor
Schädlingsbefall aller Art aus
dem Internet schützt. Um satte
54 Prozent konnte Avira im vorigen
Geschäftsjahr seinen Umsatz
steigern. In diesem Jahr
sind es im ersten Halbjahr 39
Prozent. In der Branche rechnet
man mit jährlichen Zuwachsraten
vonvier bis acht Prozent. 45
Millionen Euro Umsatz peilt
das Unternehmen in diesem Geschäftsjahr
an. Zurzeit beschäftigt
Avira 275 Mitarbeiter,180
davon alleine am Stammsitz in
Tettnang.
35 Grad im Schatten: Nach heißen
Tagen im August fühlten
sich viele müde und schlapp.
Besonders die, die in nicht klimatisierten
Räumen, im Freien
oder an Hitzearbeitsplätzen arbeiten
mussten. Leistungsvermögen
und Konzentration waren
reduziert, Unfälle häuften
sich. Zudem sind heiße Tage
teuer.2007 hat das Kieler Institut
für Weltwirtschaft IfW herausgefunden,
dass die Arbeitsproduktivität
an extremen
Hitzetagen um bis zu 12 Prozent
sinkt. So waren schon Mitte
August nach dem IfW-Szenario
2,4 Milliarden Euro der
deutschen Wirtschaftsleistung
durch Hitzetage verloren gegangen.
Erklärung für den Leistungsabfall:
Der Körper wird
durch Verdunsten vonSchweiß
auf der Haut gekühlt. Jeder Liter
Schweiß kostet aber 2400 Kilojoule
Energie. Wendet der Körper
schon an kühlen Tagen 75
Prozent seiner Energie für die
Wärmeregulation auf, sind das
bei körperlicher Arbeit oder hohen
Temperaturen bis zu 90
Prozent, so Prof. Winfried Joch
vonder UniMünster.Erhat in
einer Studie festgestellt, dass
Kühlwesten wie die „Cooline“
des 2004 gegründeten Ulmer
Life Science Unternehmens
„pervormance“ dies reduzieren.
Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes
(DLV) verwendeten
die Westen bei der
Weltmeisterschaft in Berlin.
Die Produkte werden fünf Sekunden
unter den Wasserhahn
gehalten, kurz ausgedrückt und
kühlen durch Verdunstungskälte
bis zu 40 Stunden. Die Kollektion
umfasst Kühlwesten,
Handtücher,Kühlbänder für Arme,
Stirn und Nacken, Caps und
Helm-Inlays für Arbeitshelme.
Unternehmen nutzen sie bereits
für ihre Mitarbeiter. [!]
45
[namen &nachrichten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]
Bestes Jahr der Messe Friedrichshafen
Verlag/herausgeber
Neue Pressegesellschaft
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Frauenstraße 77
89073 Ulm
redaktion
Lorenz Koch (verantwortlich)
Anschrift wie Verlag
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Jan Steinbach (Layout),
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Dr.Thomas Baumann
(verantwortlich)
Anschrift wie Verlag
Objektleitung
Tobias Lehmann
druck
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Kronenbergstraße 10
74321 Bietigheim
Auflage: 15 000 Exemplare
kontakt &mediadaten
www.swp.de/unternehmen
unternehmen@swp.de
Telefon 0731 156-515
Fax0731 156-481
nächste ausgabe
30.November 2009
anzeigenschluss
06.November 2009
Die Messegesellschaft Friedrichshafen verzeichnet ihr bisher bestes Geschäftsjahr.Die Besucherzahl
stieg um 148 000 auf 734 000,die Zahl der Aussteller von 5375 auf 7806,der Umsatz
um 6auf 27,4 Millionen Euro,der Gewinn drehte auf 763 000 Euro vom Minus von 368 000 Euro
im Vorjahr.Wegen der Krise rechnet die Messe 2009 mit einem leichten Dämpfer und einem
Umsatz von 25Millionen Euro.Das Bild zeigt den Andrang bei der Fahrradmesse Eurobike.
Windkraft sucht
Wegzustabilem
Wachstum
Rahmenbedingungen ändern
sich auch für die Windenergiewirtschaft,
die lange Zeit nur
Positives meldete. Fördermittel
fließen spärlicher,esgibt Anzeichen
einer Marktsättigung in
Zulieferbereichen, die außereuropäische
Konkurrenz schließt
auf, etablierte Betreiber und
Komponentenanbieter treffen
auf großindustrielle Wettbewerber
mit schlanker Produktion,
Logistik und Administration.
Die Zukunft hängt davon
ab,obder Übergang aus der langen
starken Wachstumsphase
in ein stabiles Wachstum so gelingt,
dass die Betriebe wettbewerbstauglich
bleiben. Optimierungschancen
gibt es in der
Logistik. Um Verbesserungsprozesse
realisieren zu können,
muss die Wertschöpfung untersucht
werden. Dazu hat das Ulmer
Beratungsunternehmen Ingenics
AG die Studie „Supply
Chain Excellence –Strategies
and Solutions for the Wind
Market“ initiiert, die erstmals
die gesamte Logistikkette vom
Anlagenhersteller bis zur Montage
vorOrt analysiert, um Einsparpotenziale
zu ermitteln. Eine
möglichst große Datenbasis
braucht Windparkbetreiber,
Anlagenhersteller,Zulieferer,
Ingenieurbüros als Mitwirkende.
Unternehmen können sich
bis Ende Oktober 2009 beteiligen,
die Ergebnisse der Studie
stehen Teilnehmern ab Ende Januar
2010 zur Verfügung.
www.ingenics.de/wind-studie
Bei Möbel inhofer
21 Auszubildende
hinzugekommen
Am 1. September starteten bei
Möbel Inhofer in Senden 21
junge Leute ihre Ausbildung.
Damit stieg die Zahl der Auszubildenden
im neuen Ausbildungsjahr
auf 63 an. 16 Auszubildende
beendeten ihre
Ausbildung im Möbelhaus mit
Erfolg und wurden vonder Geschäftsleitung
beglückwünscht.
Bei den neuen Auszubildenden
in „Europas größter Wohnwelt“
(so Inhofers Werbeslogan) handelt
es sich um 5Bürokaufleute,
8Kaufleute im Einzelhandel, 3
Schreiner,1Fachkraft für Lagerlogistik
und 4Fachkräfte für
Möbel-, Küchen- und Umzugs-
Service. Dr.Peter Schorr aus der
Unternehmerfamilie Inhofer
hob Stellenwert und Qualität
der Ausbildung im Einrichtungshaus
hervor.Möbel Inhofer
ist einer der größten Ausbildungsbetriebe
der Region und
für das Engagement in der Ausbildung
mit dem Zertifikat für
Nachwuchsförderung der Bundesagentur
für Arbeit ausgezeichnet.
„Daher ist Inhofer als
Ausbildungsbetrieb sehr begehrt“,
so Ausbildungsleiter Peter
Amann. Vonden 16 Lehrlingen
mit bestandener Ausbildung
haben alle, die nicht noch
weiterführende Schulen besuchen,
im Einrichtungshaus eine
feste Stelle erhalten und sie
auch angenommen. [!]
46
ditis IT-Security und Datenschutz
>Security-Analyse
>Penetration-Tests, Security-Quick-Check; WLAN-Scans
>Analyse der aktuellen Sicherheitssituation in Ihrem Unternehmen
>Risikoanalyse nach BSI und ISO27001
>Beratung und Zertifizierung
>Abstimmung und Erweiterung Ihrer Sicherheitspolitik
auf Basis der internationalen Norm ISO/IEC 27001
>Beratung und Zertifizierung von IT-Sicherheitssystemen durch unsere ausgebildeten
BSI-Grundschutz- und ISO-Auditoren
>Planung und Durchführung von Awareness-Kampagnen und
Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Administratoren zur Sicherheits-Sensibilisierung
>Security-Systeme und Tools
>Auswahl und Implementierung von IT-Sicherheitssystemen (Firewalls, Intrusion- und
Anomaly-Detection-Systeme, Virenschutz-Lösungen, Web-Contentfilter, SPAM-Schutz)
>24Stunden, 7Tage die Woche Wartung für IT-Sicherheitssysteme
durch unser globales IT-Support-Team
>eLearning Tools (WBT) für Datenschutz und IT-Sicherheit
>Datenschutz
>Datenschutz Quick-Check
>Erarbeitung von Datenschutzkonzepten und Vorgehensmodellen (Coaching oder Outsourcing)
>Externer betrieblicher Datenschutzbeauftragter
>Schulungen
>Wir schulen Sie durch unsere ausgebildeten Trainer im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz
(ISO27001, Hacking, Computerforensik, Datenschutz, gesetzliche Grundlagen, Risk-Management)
ditis Service GmbH The Security Company ein Unternehmen des Voith Konzerns
Lise-Meitner-Straße 13 89081 Ulm
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