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unternehmen - Ausgabe 11, September 2009

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das Wirtschaftsmagazin im südwesten Ausgabe 11 | 18. September 2009 | 2,00€

Outdoor

isttrend

Geschäftsführerin vonVaude

und Mutter: Antje von Dewitz

muss gut organisieren können

Beratung Mehr und mehr gefragt bei Handel, Industrie und Handwerk Seite 8

Geldanlage Harmonische Aufstellung, guter Kick Seite 32

High end Hörbarer Genuss: Wenn Kunstauf Elektronik trifft Seite 42



unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[inhalt]

[verantworten]

04 suche nach sparpotenzial Energienutzung in Oberschwaben

08 mehr und mehr ist rat gefragt Unternehmensberatung der Kammern

[titelthema]

12 kleine fluchten aus dem alltag Gespräch mit Antje vonDewitz,

[führen]

Geschäftsführerin desOutdoorherstellersVaude in Tettnang

20 Ohne it-investitionen geht es nicht Informationstechnologie

[er]finden

24 die Versorger mit den grünen schuhen Marketing vonStadtwerken

26 das netz für die Werbung Digitale Kommunikation schreitet voran

[machen]

32 harmonische aufstellung, guter kick Tippszum Vermögensmanagement

40 für ein lächeln arbeiten Zahnärzteals Unternehmer

[spezial]

36 Ja, aber bescheiden Tagungen, Kongresse

[leben]

42 Wenn kunst auf elektronik trifft High End

[namen &nachrichten]

30 zweite runde für den marketing-Preis

31 mutig, mutig: gründen in der krise

45 „gute stube“ ist wieder da

46 bestesJahr der messe friedrichshafen

46 Impressum

40

08 32

Musik genießen –dank

modernster technischer

Ausstattung Seite 42

liebe leserinnen,

liebe leser,

licht am ende

des tunnels wollen

manche

schon erblickt

haben, andere

wähnen sich

noch in der Talsohle

und hoffen,

dass esbald wieder

bergauf geht.

Die weltweite

Wirtschaftskrise,

Lorenz Koch,

Redaktionsleiter

unternehmen[!]

die gerade erst auf den Arbeitsmarkt

durchzuschlagen beginnt,hat ihre kräftigen

Auswirkungen auch auf so manches

Unternehmen der sonst soprosperierenden

Region zwischen Alb und

Bodensee.Wie größere Unternehmen

oder auch kleine Handwerker dagegen

ansteuern können, zeigen ihnen Beratungen

durch die Kammern; wie man

offensiv um neue Kunden und neue Absatzmärkte

kämpft,zeigt die im Online-

Zeitalter angekommene digitale Werbung,

zeigen die neuen Wege, die

Marketing jetzt geht.Für manche sind

es Wege, die sie am liebsten in Turnschuhen

gehen –noch dazu in grünen

Schuhen wie die Verantwortlichen der

Ulm/Neu-Ulmer Stadtwerke SWU.

Für alle,die jetzt angesichts niedriger

Zinsen für ihr hart erarbeitetes Vermögen

bessere Anlageformen suchen, geben

erfahrene Bänker der Region

Tipps, deren Tenor ,grob zusammengefasst,„Abkehr

von der Gier“ lauten

könnte. Ebenso zeigt diese neue Ausgabe

desWirtschaftsmagazins „unternehmen[!]“,

dass esnicht lohnt,an

modernen Technologien zu sparen.

Auch ausgesprochene Mutmacher

werden wieder vorgestellt.Wie Zahnärzte,

die ihre Praxis zu einem florierenden

Unternehmen umgewandelt

haben. Oder wie Antje von Dewitz, die

den Beruf als Geschäftsführerin und

das Privatleben als vierfache Mutter so

gut unter einen Hut bekommt,die junge,

seit Januar amtierende Chefin eines

der bekanntesten und führenden

Outdoorhersteller Europas, desTettnanger

Unternehmens Vaude.

Und wer seine Mußestunden nutzt,um

Musik zu hören, findet alles über die

High End-Ausstattung im Beitrag eines

absoluten Spezialisten, desAutors

Wolfgang Tunze.

Dabei viel Spaß –sowie bei der Lektüre

Ihres „unternehmen[!]“

3


Die Energie effizienter nutzen, gleichzeitig die Kosten reduzieren

[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

und dabei auch die Umwelt entlasten: Die Ziele, die ein Netzwerk

von Firmen in Oberschwaben erreicht hat.

4


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[verantworten]

suche nach sparpotenzial

Elf Firmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben ließen nach Schwachstellen bei ihrer energienutzung suchen. Paten

waren EnBW, die IHK und das Fraunhofer ISI. Die positive Bilanz: Die Anstrengungen waren erfolgreicher als erwartet.

Der Ort der Präsentation ist mit Bedacht

gewählt: die riesige freitragende Halle

der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen,

wo der Zeppelin NT gebaut wird. Das Datum

stimmt auch. Es ist der 171. Geburtstag

des Luftschiffpioniers Graf vonZeppelin, und

die OEW, Anteilseigner der EnBW, wird 100

Jahre alt. Erinnerungen an technische Meisterleistungen

und den Pioniergeist um die

Jahrhundertwende werden wach.

Als Pioniere sehen sich auch die Teilnehmer

der EnBW-Abschlussveranstaltung: Unternehmer,

Kaufleute, Wissenschaftler. Sie fühlen

sich als Avantgarde eines neuen Trends,

der darauf hinausläuft, die Produktionsprozesse

in den Betrieben so zu optimieren, dass

bei vertretbaren Kosten möglichst viel Energie

gespart wird. In erster Linie Elektrizität,

Gas und Öl. Als sie zusammenfanden, wussten

sie nicht, wohin genau die Reise gehen

würde. Sie setzten sich ein ehrgeiziges Ziel:

Ihr Energieverbrauch sollte um 7,6 Prozent

reduziert werden. Es wurden 8,3 Prozent. Das

bedeutet, dass sie sukzessive Energieschlupflöcher

gestopft haben, durch die früher 16,7

Millionen Kilowattstunden verpufften, und

dass sie nun Jahr für Jahr die Atmosphäre um

die beteiligten

unternehmen

Veriplast Germany GmbH, RV

AwecoAppliance Systems GmbH &

Co.KG, Neukirch

Bronner +Martin KG,Emmingen-Lipt.

HTU Härtetechnik GmbH, Uhldingen

ifm electronic GmbH, Tettnang

Ravensburger Spieleverlag GmbH, RV

Simon Firmengruppe,Aichhalden

Südpack Holding GmbH, Erlenmoos/

Ochsenhausen

Thermopal GmbH, Leutkirch

ToxPressotechnik GmbH &Co. KG,

Weingarten

4450 Tonnen Kohlendioxid entlasten. Anschaulich

gemacht heißt das, dass mit der gesparten

Energie 836 Haushalte mit 2500 Bewohnern

auf Dauer versorgt werden könnten.

Auch die finanziellen Einsparungen können

sich sehen lassen. Für das letzte Projektjahr,

2008, zu Zeiten der höchsten Effektivität, sind

es rund 1,6 Millionen Euro. Davon machen

die rein kostensenkenden Maßnahmen zwar

„nur“ knapp 0,6 Millionen aus, doch die verminderten

Aufwendungen für preiswertere

Brennstoffe, Spitzenlastoptimierungen und

geringere Nebenkosten bringen noch einmal

einen erklecklichen Batzen, der auch künftig

in der Firmenkasse verbleibt. Auch die Wirtschaftlichkeit

der Veränderungen kann sich

sehen lassen. Die mittlere Amortisationsdauer

beträgt ganze 1,7 Jahre, bereits am Ende des

Projekts haben sich die meisten der Investitionen

bezahlt gemacht.

bis zu einem drittel

In vierteljährlichen Meetings hat jede der Firmen

ihren Erfahrungsschatz preisgegeben,

Ratschläge angenommen und ihre neue Ausstattung

demonstriert.Mit Hilfevon Experten

wurde unentwegt nach noch effizienterem

Energieeinsatz geforscht. Als besonders effektiv

erwies sich die Suche bei Beleuchtung,

Druckluft und Wärmeerzeugung, wo bis zu

einem Drittel der früher verbrauchten Mengen

nicht mehr produziert werden müssen.

Jede Firma hatte so eigene Stärken und besondere

Methoden, ihr Sparpotenzial zu nützen.

Das wird belohnt. In einer feierlichen Preisverleihung

wird nach der Präsentation jede

herausragende Effizienzleistung gewürdigt.

5


[verantworten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Oberschwäbische Unternehmer: Avantgarde

dabei, die Produktionsprozesse so

zu optimieren, dass bei vertretbaren Kosten

möglichstviel Energie gespart wird.

Die ifm electronic GmbH in Tettnang, auf optoelektronische

Sensoren spezialisiert, erreicht

die höchste prozentuale Minderung an

Kohlendioxid. HTU in Uhldingen, Konzeptentwickler

für innovative Wärmebehandlungsverfahren,

erzielt durch konsequente

Modernisierung aller alten Wärmeanlagen

die höchste Brennstoffeinsparung. Der Ravensburger

Spieleverlag hat seine Beleuchtung

so umgebaut, dass sich die Intensität

automatisch der wechselnden Tageshelligkeit

anpasst. Bei Südpack in Ochsenhausen

schlägt vor allem die enorme Stromeinsparung

zu Buche. Thermopal in Leutkirch

bringt es auf die effektivste Reduktion bei

Kosten und Kohlendioxidausstoß. TOX Pressotechnik

in Weingarten und Veriplast in Ravensburg

schaffen mit zehn Prozent die

höchsten prozentualen Energieeinsparungen,

und die Simongruppe kann künftig auf

umweltfreundliche Wärme aus einer Biogasanlage

bauen.

nur ein erster schritt

Natürlich weiß man in Wirtschaftskreisen,

dass die Netzwerkarbeit nur ein erster Schritt

sein kann. Manbewegt sich ja ausschließlich

auf der Ebene der betrieblichen Infrastruktur,

Sparpotenzial schlummert aber überall. Bei

der Podiumsdiskussion in Friedrichshafen

wird immer wieder betont, dass es nach wie

vor wahrhafter Technologiesprünge bedürfe,

um auch die Produktionsprozesse auf Energieeffizienz

zu trimmen. Es sei sinnvoller,auf

Energieeinsparungen bis zu einem Drittel: Das ist

die positive Bilanz der Netzwerkarbeit.

die Lebenszykluskosten eines Anlagensystems

unter Beachtung der Einzelkomponenten

zu achten als dem günstigeren Preis den

Vorzug zu geben. Und man müsse sich verstärkt

Gedanken machen, wie durch Innovationen

die eigene Produktpalette so umgestaltet

werden kann, dass es auch bei den Kunden

nicht zu Energieverschwendung kommt. Die

Zukunft könnte so aussehen, dass in jeder Firma,

gerade bei mittelständischen Unternehmen,

ein Energieeffizienz-Experte beschäftigt

wird, der ein regelrechtes Energiemanagement

betreibt.

Ein schönes Beispiel dafür,wie eine Kette der

Energieeinsparung in einem Unternehmen

aufgebaut werden kann, ist ein Ventilatorenhersteller,der

zuerst an einem Netzwerk teilnahm,

dann seinen Maschinenpark unter

Energiegesichtspunkten umrüstete und

schließlich auf die Idee kam, auch seine Produkte

verbrauchsärmer zu konstruieren. Seitdem

benötigen seine Ventilatoren um den

Faktor 3weniger Strom.

nach schWeizer VOrbild

Das Organisationsschema für Netzwerke, wie

das der EnBW, stammt aus der Schweiz, als

1986 ein Beratender Ingenieur aus Zürich die

zündende Idee hatte. Seitdem ist er ein vielbeschäftigter

Mann, und die Schweiz spielt die

Vorreiterrolle. Allein seit 2002 wurden in der

Schweiz 70 Netzwerke gegründet, 20 sind es

eben in Deutschland. Bezogen auf Schweizer

Verhältnisse müssten es 700 sein. Zwölf der

Netzwerke leitet und organisiert die EnBW.

Die teilnehmenden Firmen sind über das ganze

Bundesgebiet verstreut, den Schwerpunkt

bildet aber der Südwesten, in dem allein im

Raum Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Ravensburg

fünf Netzwerke angesiedelt sind. Ravensburg

wird in den Annalen der EnBWimmer einen

besonderen Platz einnehmen: als erstes von

ihr initiiertes Netzwerk und als bundesweit

bisher erfolgreichstes. [!] HARTMUT MAUSCH

6


Anzeige

insolvenzrechtsänderung –

sichert sanierungsfähigeUnternehmen

überschuldet…… na und?!

keine insolvenzantragspflicht bei positiver

fortführungsprognose

DasBundeskabinetthatsicham13.08.2009

auf Vorschlag von Bundesjustizministerin

BrigitteZypriesmit einer Änderung zum Insolvenzrecht

befasst. Die Regelung soll als

Gesetzentwurf durch die Fraktionen von

CDU/CSU und SPD im Deutschen Bundestag

eingebracht werden.DerVorschlag sieht

vor, eine ursprünglich bis 31.12.2010befristete

Änderung desÜberschuldungsbegriffs

in der Insolvenzordnung um drei Jahre zu

verlängern. Damit führt auch nach dem

1.1.2011 eine bilanzielle Überschuldung

nicht zur Insolvenz, wenn eine positiveFortführungsprognose

besteht.

Der Begriff der Überschuldung wurde als

Reaktion auf die Finanzkrise im Herbst

2008 mit dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz

geändert. danach muss ein unternehmen

trotz rechnerischer überschuldung

keinen insolvenzantrag stellen,

wenn es mittelfristig seine laufenden

zahlungen voraussichtlich leisten kann.

es kommt also darauf an, ob die so genannte

fortführungsprognose positiv

ausfällt, beispielsweise, weil ein betrieb

den zuschlag für einen großauftrag erhalten

hat und damit seine zahlungsfähigkeit

über den gesamten Prognosezeitraum

gewährleistet ist.

Der durch das Finanzmarktstabilisierungsgesetz

dahingehend geänderte Überschuldungsbegriff

soll bis zum 31. Dezember

2013 weiter gelten.

Ursprünglich wardie Geltung desgeän-derten

Überschuldungsbegriffs bis zum

31. Dezember 2010 befristet. Die zeitweilige

Rückkehr zu dem vor Inkrafttreten der Insolvenzordnung

gültigen „modifizierten

zweistufigen Überschuldungsbegriff“ habe

sich aber „in der Praxis bewährt“ und dazu

beigetragen, „dass inZeiten der gegenwärtigen

Finanzmarktkrise Insolvenzverfahren

verhindert werden konnten“, heißt es in der

Begründung des Gesetzentwurfs. Bei Inkrafttreten

desFinanzmarktstabilisierungsgesetzes

sei man davon ausgegangen,

„dass sich die Wirkungen der Finanzkrise

innerhalb des nächsten Jahres wesentlich

abschwächen würden“. Diese Erwartung

bestehe nun nicht mehr,deshalb solle über

das Jahr 2010 hinaus der „modifizierte

zweistufige Überschuldungsbegriff“ gelten.

„Die gegenwärtige Finanzkrise hat zu erheblichen

Wertverlusten insbesondere bei

Aktien und Immobilien geführt. Dies kann

bei Unternehmen, die von diesen Verlusten

besonders massiv betroffen sind, zu einer

bilanziellen Überschuldung führen. Können

diese Verluste nicht durch sonstige Vermögenswerte

ausgeglichen werden, sind die

Geschäftsführer dieser Unternehmen nach

geltendem Recht verpflichtet,innerhalb von

drei Wochen nach Eintritt dieser rechnerischen

Überschuldung einen Insolvenzantrag

zu stellen. Dies gilt selbst dann, wenn

für das Unternehmen an sich eine positive

Fortführungsprognose gestellt werden kann

und der Turnaround sich bereits inwenigen

Monaten abzeichnet. Solche Unternehmen

sollen künftig nicht mehr verpflichtet sein,

sofort einen Insolvenzantrag zu stellen“,

sagteBundesjustizministerin BrigitteZypries.

(1)

„Selbstverständlich profitieren von dieser

Neuregelung nicht nur Finanzmarktunternehmen,

sondern auch alle übrigen Unternehmen,

sie kommt alsoauch insbesondere

kleinen und mittleren Unternehmen aus anderen

Branchen zugute. Damit helfen wir

auch einem mittelständischen Handwerksbetrieb

in der Rechtsform einer GmbH, der

vielleicht im Moment formal überschuldet

ist, aber den Zuschlag für einen Großauftrag

bekommen hat. Nach geltendem Recht

müssteerbinnen drei Wochen Insolvenzantrag

stellen, obwohl schon heute feststeht,

dass nach Abwicklung des Großauftrages

nur wenige Wochen später die Überschuldung

entfällt“, unterstrich Zypries. (1)

Der insolvenzrechtliche Begriff der Überschuldung

soll deshalb so angepasst werden,

dassUnternehmen, die voraussichtlich

in der Lagesind, mittelfristig ihreZahlungen

Dr.Dorothée Lang-Dankov,

Rechtsanwältin, Fachanwältin

für Insolvenzrecht

zu leisten, auch dann nicht den Gang zum

insolvenzrichter antreten müssen, wenn

eine vorübergehende bilanzielle unterdeckung

vorliegt. Mit dieser Regelung wird

gerade in Krisenzeiten an sich gesunden

Unternehmen der Wegzueiner Sanierung

geebnet. Damit werden die Regelungen

über den Finanzmarktstabilisierungsfonds

wirksam flankiert, die auch systembedingt

notleidenden Unternehmen mit einer klaren

Restrukturierungsperspektive den Zugang

zu diesemFonds ermöglichen.

Begriff der positiven Fortführungsprognose

im System desInsolvenzrechtes

Auslöser für eine Fortführungsprognose ist

eine Unternehmenskrise, die die Zahlungsfähigkeit

desUnternehmens gefährdet.

Eine Fortführungsprognose beinhaltet eine

begründeteAussage darüber,obdas Unternehmen

nachhaltig seine geschäftlichen

Aktivitäten unter Einhaltung der Zahlungsverpflichtungen

führen kann.

(1) Quelle Pressemitteilung BMJ v. 19.08.2009

7


[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Wo soll‘s in der Zukunft hingehen, welche Richtung führt zum Erfolg? Berater können Fingerzeige geben.

mehr und mehr istrat gefragt

Handwerk, Handel, Industrie, kleiner,mittlerer oder großer Betrieb: Ohne die Hilfe von externen Beratern sind

heute viele Situationen und Herausforderungen wohl nicht mehr zu managen. Ein Blick darauf, wie die

Kammern mit kostenfreien beratungsangeboten ihre Mitglieder pflegen.

ObHandwerker oder Unternehmer –für sie führt in Deutschland

noch kein Wegander Pflichtmitgliedschaft in den

Kammern vorbei. Ihre Daseinsberechtigung versuchen

Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern

auch durch ein umfangreiches Beratungsangebot zu erbringen. Gerade

in einer Wirtschaftskrise ist unternehmerische Beratung besonders

gefragt, zumal sie für die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer

und der Handwerkskammer kostenfrei ist.

Die Nachfrage nach einer unternehmerischen Beratung beim „Runden

Tisch“ der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK) zeigt eine

deutliche Tendenz, nämlich nach oben. 32mal suchten Unternehmen

im Jahr 2005 einen Rat beim „Runden Tisch“. In den Folgejahren ist

ihre Zahl bis auf 59 im Jahr 2008 gestiegen, und im ersten Halbjahr

2009 waren es bereits 60 Fälle. Der „Runde Tisch“ist ein Beratungsprojekt,

das von der KfW-Mittelstandsbank finanziert wird. Unternehmen,

die daran teilnehmen, erhalten kostenfrei eine bis zu 10 Tage

lange Beratung, die eine intensiveProblemanalyse und das Aufzeigen

vonLösungsschritten beinhaltet. Über dieses erfolgreiche und gut genutzte

Instrument der KfW zeigt sich IHK-Geschäftsführer Bernd

Radtke sehr zufrieden. „Der Runde Tisch ist eine Erfolgsgeschichte par

excellence und setzt an der richtigen Stelle an.“

der runde tisch hilft

Die Kammer selbst bietet ihren Mitgliedern eine große Palette hilfreicher

Erstinformationen oder Erstberatungen bei Fragen des Rechts,

der Finanzierung und der Außenwirtschaft– und diese sind kostenfrei.

8


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[verantworten]

Ob daraus ein Runder-Tisch-Projekt entsteht,

entscheidet sich vonFall zu Fall. Eine

weitergehende Beratung, die mehrere Tage

oder Wochen dauert, dürfe, wolle und könne

die IHK nicht anbieten, versichert Bernd

Radtke, hierfür gebe es zahlreiche freiberufliche

Unternehmerberater oder Beratungsunternehmen.

Da diese aber oft mit

vierstelligen Tageshonoraren arbeiten und

weil vor allem kleinere mittelständische

Unternehmen, die in eine Krise geraten

sind oder drohen, in eine Krise zu geraten,

diese Beträge nicht zahlen können, deckt

die KfW mit ihrem geförderten „Runder-Tisch“-Projekt, das die IHK

organisiert, eine Marktlücke ab.

Bernd Radtke, IHK Ulm:

Lob des Runden Tisches.

schärferer

blick auf

den betrieb

von

außerhalb

drei Wesentliche themen

Dem Ratsuchenden sitzen am „Runden Tisch“erfahrene und vonder

KfW zertifizierte Berater gegenüber, die von der IHK Ulm aus einem

Pool von etwa 25 Spezialisten ausgewählt werden. Mal ergreifen Unternehmer

selbst die Initiativeund wenden sich an die IHK, gelegentlich

empfiehlt es ihnen die Hausbank, oder sie sind

durch Informationsveranstaltungen darauf aufmerksam

geworden. Letztlich drehen sich die Beratungsgespräche

immer um drei wesentliche Themen:

35 Prozent der Unternehmen stecken in einer

Ertragskrise, weil der Gewinn schrumpft. Ungefähr

30 Prozent steuern auf die Zahlungsunfähigkeit zu,

auch Liquiditätskrise genannt. Selbst scheinbar gesunde

Firmen sind davon betroffen, wenn das Forderungsmanagement

zu wünschen übrig lässt oder

sichere Absatzmärkte plötzlich zusammenbrechen.

In 10 Prozent aller Fälle ist es wie in einer schlechten Ehe, sprich

die Beziehung ist gestört, wobei die Hausbank die Rolle des Partners

spielt. Undwie unter Ehepartner empfiehlt es sich auch zwischen Banken

und Unternehmen, das große Schweigen zu vermeiden und rechtzeitig

miteinander zu reden. Oftmals schlüpft der Berater dabei in die

Rolle eines Moderators, der zwischen den Parteien vermittelt und wieder

eine stabile Gesprächsgrundlage schafft. Bernd Radtke beziffert die

Erfolgsquote beim „Runden Tisch“auf erstaunliche 75 Prozent!

An der Gewichtung der Branchen, aus denen die Ratsuchenden kommen,

lässt sich zumindest teilweise ablesen, wo es derzeit in der Wirtschaft

klemmt, wo sich die Krise auswirkt und wo sie möglicherweise

überstanden ist oder gar noch bevorsteht. Fast jede zweite Anfrage (47

Prozent) rechnet die IHK derzeit dem Dienstleistungsgewerbe zu, jeweils

16 Prozent machen Anfragen aus dem Handel sowie der verarbeitenden

Metall-Industrie aus, mit 9Prozent folgt die Textilindustrie.

Zu den Vorteilen des „Runden Tisch“zählt, dass aufgrund des großen

Berater-Pools nahezu jedes auch noch so spezielle Thema qualifiziert

bearbeitet werden kann, in der Regel ohne nennenswerte Wartezeit.

Die Beratung selbst erfolgt überwiegend an Ort und Stelle, also im Betrieb,

teilweise aber auch in der IHK Ulm, wenn mehrere Beteiligte an

einen, eben den „Runden Tisch“gebracht werden sollen.

„Oftmals hilft unsere Erstberatung, bei der wir eine Lotsenfunktion

übernehmen, Schwachstellen aufdecken und Lösungswege zeigen“,

berichtet der IHK-Geschäftsführer,„ein erfahrener Berater vonaußerhalb

hat einen schärferen Blick auf den Betrieb und kann als neutrale

Person mögliche Probleme deutlich ansprechen.“ Die Umsetzung

müssen die Unternehmen dann entweder aus eigener Kraft leisten

oder einen Berater außerhalb des IHK-Pools dafür

engagieren.

Seit 1. April 2009 unterstützt die KfW (Kreditanstalt

für Wiederaufbau) die Unternehmen bei diesem

zweiten Schritt mit ihrer Turnaround-Beratung,

die sich vor allem an kleinere und mittlere

Betriebe richtet. Die KfW fördert die Arbeit ihrer

gelisteten Berater in den alten Bundesländern bis

zu einem Honorar von 8000 Euro mit 50 Prozent;

Voraussetzung ist eine Schwachstellenanalyse eines

unabhängigen Beraters wie zum Beispiel durch

den „Runden Tisch“der IHK. Bernd Radtke hält dieses Förderangebot

für sehr sinnvoll, da es sich nahtlos an den „RundenTisch“anschließt.

„Aktuell laufen im Bereich der IHK Ulm vier Fälle“, berichtet der IHK-

Geschäftsführer, „wir haben einen guten Eindruck von dem neuen

Produkt gewonnen.“ Ähnliche Förderleistungen für eine mittel- bis

längerfristige Beratung bietet zudem das RKW (Rationalisierungs-

9


[verantworten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft) an, das vomWirtschaftsministerium

und den Kammern getragen wird. Das RKW

kommt regelmäßig zu Sprechtagen zur IHK Ulm und stößt auf gute

Nachfrage. Im Jahr 2008 leistete das RKW, das einen guten Rufals bodenständiger

und solider Partner der Wirtschaft hat, im Bezirk der IHK

Ulm 12 zweitägige Betriebsberatungen sowie 20 längerfristige Beratungen.

„Wichtig ist auf jeden Fall, dass Unternehmen frühzeitig an

uns herantreten und wir mit ihnen die verschiedenen Hilfestellungen,

die angeboten werden, durchsprechen können“ lautet das Fazit von

Bernd Radtke.

gründen und übernehmen im handWerk

Unter allen Beratungsangeboten der Handwerkskammer Ulm, die von

der betriebswirtschaftlichen über die technische und rechtliche Beratung

bis zur Umweltschutzberatung reicht, bildet die Existenzgründungsberatung

eindeutig den Schwerpunkt. Bei der Handwerkskammer

finden Ratsuchende persönliche Unterstützung bei der

Ausarbeitung und Prüfung der Geschäftsidee, den Anmeldeformalitäten

oder bei der Suche nach öffentlichen Fördergeldern. Nicht zu vergessen

eine Rentabilitätsvorschau, die den künftigen Unternehmer im

Handwerk umfassend über seine Chancen und Risiken aufklärt. Zudem

hilft die Handwerkskammer bei der Suche geeigneter Betriebe

zur Übernahme mit der bundesweiten Betriebsbörse „Nexxt Change“,

die gemeinsam mit den IHKs, Sparkassen und Volksbanken getragen

wird. Bei Betriebsberatungen im klassischen Sinne geht es fast immer

um die Finanzen: Wie können Investitionen finanziert und rentabel

gemacht werden, wo gibt es öffentliche Finanz- oder Liquiditätshilfen,

welche Ursachen sind dafür verantwortlich, dass der Gewinn nicht

stimmt oder die Bank droht, den Geldhahn zuzudrehen.

„Wir erbringen wie ein Allgemeinarzt eine erste Diagnose, die höchstens

einen Tag dauert“, erläutert Hermann Schneider, einer von drei

betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammer Ulm und

zuständig für den Landkreis Ravensburg und den Bodenseekreis. Seine

Kollegen Frieder Wendnagel mit Sitz in Schwäbisch Gmünd und

Bernd Juhl mit Sitz in Ulm decken die Gebiete Ostalbkreis und Landkreis

Heidenheim ab sowie Ulm, den Alb-Donau-Kreis und den Landkreis

Biberach. Ihre für die Mitgliedsbetriebe kostenfreien Beratungen

fördern Land und Bund finanziell.

Schnelligkeit in der Not zählt bei den Beratern der Handwerkskammern

zu den selbstverständlichen Stärken: „Innerhalb von 14Tagen

ist ein Termin möglich“, sagt Schneider. Unter den ratsuchenden

Handwerkern machen die kleineren Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern

zusammen 80 Prozent der Fälle aus. Die Berater werten vor

allem Bilanzen aus, vergleichen sie mit anderen Betrieben, um so Personalkosten,

Mietausgaben oder Kalkulation zu bewerten.

In der Beratungsstatistik der Handwerkskammer Ulm fällt auf, dass

die Zahl der ratsuchenden Existenzgründer deutlich niedriger als in

den Vorjahren ist. „Für das Handwerk ist die Wirtschaft im Jahr 2008

gut gelaufen“, sagt Schneider,„die Existenzgründungen scheinen erst

in jüngster Zeit wieder leicht zuzunehmen, da offenbar Entlassungen

erwartet werden.“ Grundsätzlich bewertet er das Handwerk als weniger

krisenanfällig –ausgenommen jene Branchen, die als Zulieferer

vonder Industrie oder aber vomExport abhängig sind. Vorallem das

Bau- und Ausbaugewerbe sei teilweise so gut ausgelastet wie nie zuvor;

es profitiere vonverunsicherten Kapitalanlegern und Förderprogrammen

zur energetischen Sanierung vonGebäuden.

Generell scheinen im Handwerk nicht nur die Unternehmen, sondern

auch die Probleme kleiner zu sein. Ausder Beratungspraxis der Handwerkskammer

heraus könne zum Beispiel kaum auf eine Kreditklemme

geschlossen werden, berichtet Hermann Schneider. Erstelle vielmehr

„eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen“fest –und eine

daraus resultierende sinkende Nachfrage nach Krediten. Weniger

Nachfrage, weniger Vergabe –ein Problem scheint das für das Handwerk

nicht zu sein. [!]

THOMASZEHENDER

der umsatz der branche verteilte sich im

vergangenen Jahr auf die einzelnen Beratungsgebiete

wie folgt: 44,4 Prozent Organisations-

und Prozessberatung, 23,7 Prozent

Strategieberatung, 21,6 Prozent

IT-Beratung und 10,3 Prozent Personal-Maberatungsfirmen

wachsen in der krise

bei den deutschen unternehmensberatern

stehen im Krisenjahr 2009 die Zeichen

unverdrossen auf Wachstum. Nach

einem Umsatzplus von fast 11Prozent

auf 18,2 Milliarden Euro 2008 will die

Branche 2009 um weitere 3Prozent zulegen.

Bedarf sehen die Unternehmensberater

vor allem beim Kostensparen, beim

Risikomanagement und bei der Anpassung

von Geschäftsmodellen.

dies sind ergebnisse der Marktstudie

„Facts &Figures zum Beratermarkt

2008/2009“ sowie des BDU-Geschäftsklima-Index

für Unternehmensberatungen.

Für die Studie hat der Bundesverband

Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.

Zahlen und Einschätzungen von mehr als

700 Beratungsgesellschaften ausgewertet.

nagementberatung. Am stärksten haben

Unternehmen aus dem verarbeitenden

Gewerbe und Finanzdienstleister die Beraterfirmen

engagiert.

nach angaben des bdu haben im Jahr

2008 knapp 86 000 Unternehmensberater

inetwa 13600 Beratungsfirmen gearbeitet.Während

die Zahl der Berater gestiegen

ist, sank gleichzeitig die Zahl der

Beratungsfirmen, da vor allem ältere Einzelberater

ihr Geschäft ohne Nachfolge

aufgegeben haben.

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11


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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[titelthema]

kleine fluchten

aus dem alltag

Der Name hat Klang über die Branche hinaus: Vaude in Tettnang ist ein führendes

Unternehmen im Outdoorbereich. Bekleidung, Schuhe, Rucksäcke, Taschen

für Stadt und Sport: Die Palette ist umfassend. Geführt wird Vaude von antje

vondewitz,Tochter des Firmengründers und Mutter von vier Kindern.

Sie sind seit Januar Chefin bei Vaude. Was überwiegt,der

Spaß oder der Stress?

Der Spaß überwiegt auf jeden Fall, aber es ist schon

auch sehr stressig.

Sie haben auch eine große Familie.Wie bringen Sie

das alles unter einen Hut?

Ich muss gut und viel organisieren. Aber ich nehme

mir auch immer wieder bewusst die Zeit für meine Familie.

Das heißt, ich höre auch mal um fünf Uhr nachmittags

auf und arbeite dann spätabends weiter. Ich

hole mir zudem die Hilfe, die ich brauche, zum Beispiel

zum Putzen.

Wie alt sind denn Ihre vier Kinder?

Zwischen zehn und zwei Jahren.

Sie haben Kulturwirtschaft studiert, Praktika in

Kulturinstituten, Frauennetzwerken und Medien

gemacht. Wann war Ihnen klar, dass Vaude doch

Ihre Berufung ist?

In der Studienzeit habe ich all das ausprobiert, was

mich interessiert hat. Dahinter steckte immer der

Wunsch, wirklich was bewegen zu können. Als ich am

Ende meines Studiums bei Vaude das erste Praktikum

gemacht habe, hatte ich das Gefühl, angekommen zu

sein. Zumeinen weil ich wieder in der Umgebung bin,

in der ich aufgewachsen bin. Das ist für mich wichtig,

aber das hatte ich erst da erkannt. Zum anderen, weil

man als Unternehmer auch am meisten bewegen kann,

egal ob es um Produkte, um Mitarbeiter oder die Unternehmenspolitik

geht.

Sind Sie ein Outdoor-Typ –und falls ja, wasmachen

Sie am liebsten?

Ichbin so der Typ, der mit dem Rucksack auf dem Rücken

drei Monate wandern geht oder einfach gern mal

im Wald unterwegs ist.

Eine Drei-Monats-Wanderung dürfte Ihnen im Moment

schwer fallen, oder?

(lacht): Das geht zurzeit überhaupt nicht. Als ich meine

ersteTochterbekam,habenwireineAbwägunggemacht,

was dafür und was dagegen spricht. Dagegen gabesnur

einen Punkt: Mein Freund und ich hatten eine Weltreise

mit dem Fahrrad geplant. Das ging dann so aus, dass wir

uns sofort einen Anhänger fürs Fahrrad schenken ließen.

Wirsind mit unserer kleinen Tochter nach Slowenien in

Fahrradurlaub gefahren und haben da festgestellt, dass

unsere Tochter das hasst. Spätestens da habe ich erkannt,

dass es im Leben verschiedene Phasen gibt, und dass jetzt

nicht die Phase meiner heißesten Outdoor-Zeit ist.

Sie gehören zu den nach wie vorwenigen Frauen in

Deutschland, die ein Unternehmen leiten. War der

Start in der von Männern dominierten Outdoorbranche

schwierig?

Den Haupteinsatzbereich habe ich hier intern im Unternehmen,

und die Frauenquote bei Vaude liegt schon

seit längerem bei über 60 Prozent. Extern habe ich natürlich

vorallem mit Männern zu tun. Ichhabedaaber

eher das Gefühl, dass ich als Mutter von vier Kindern

ein Exot bin, der mit Neugier betrachtet wird. Ichpasse

in keine Schublade.

Was machen Ihre beiden Schwestern, die ja auch

Anteile am Unternehmen haben?

Die eine ist Lehrerin und die andere Sozialpädagogin.

Beide sind stille Teilhaber.Sie freuen sich, dass das Unternehmen

weitergeführt wird.

zur Person

antje von dewitz hat

eine für die Geschäftsführerin

eines

Unternehmens unübliche

Ausbildung: Die

heute 36-Jährige studierte

Kulturwirtschaft.InHohenheim

promovierte sie in

Ökonomie.Heute

vierfache Mutter von

Kindern zwischen

zehn und zwei Jahren,

arbeitete sie bei einer

Frauenorganisation,

im Goethe-Institut an

der Elfenbeinküste,

bei Medien –und von

1998 an im vomVater

gegründeten Unternehmen

Vaude.

Antje von Dewitz, Chefin von Vaude, Mutter von vier Kindern, wirdmit Neugier beobachtet

13


[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Outdoor profitiert in Krisenzeiten,

meint Antje von Dewitz:

Viele haben wieder Interesse

an der nahen Natur.

Ihr Vater Albrecht von Dewitz wirkte sehr dominant.Wie

ist das heute? Kommt er täglich vorbei?

Er hat den Vaude-Beirat gegründet und hat somit beratende

Funktion. Er macht im Unternehmen einige große

Projekte, zum Beispiel den Neubau der Logistik oder

den Aufbau unserer Produktionsstätte in Vietnam. Das

ist beides sehr umfangreich und fordert ihn ganz.

Haben Sie bisher schon in Vietnam

produziert?

Ja, aber nicht in einem eigenen

Werk. Wir haben seit langem eine

eigene Produktionsstätte in China

und langjährige Produktionspartner

in Vietnam.

Wirhaben

sozusagen

unseren

eigenen

regenwald

Inwiefern unterscheidet sich Ihr

Führungsstil von dem Ihres Vaters?

VomTyp her sind wir uns ähnlich. Aber er ist der Gründer

gewesen, hat jede Abteilung aufgebaut und überall

seine Finger mit drin gehabt.

Delegieren Sie mehr?

Ichbin eher der Teamspieler,weil ich auch darauf angewiesen

bin. Als ich ins Unternehmen gekommen

bin, habe ich 420 Fachkräfte vorgefunden, die alle jeweils

in ihren Fachgebieten stärker sind als ich.

Sprechen wir doch mal über IhreBranche.Eine Studie

des Branchenverbands European Outdoor

Group hat ergeben, dasstrotz der Wirtschaftskrise

die meisten Konsumenten ihre Freizeitaktivitäten

in der freien Natur keinesfalls einschränken wollen.

Folglich wird die Branche weiter wachsen. Wie erklären

Sie sich das?

Outdoor ist ein Trend, das war schon in den vergangenen

Jahren so. Wirhaben auch früher bereits die Erfahrung

gemacht, dass in Krisenzeiten

Outdoor zunächst profitiert. Das

liegt daran, dass dann mehr Urlaub

im eigenen Land und mehr in der

freien Natur verbracht wird. Vielleicht

konzentrieren sich MenscheninKrisenzeitenmehrauf

das

Wesentliche, auf die Familie und

eben auch auf die Natur. Outdoor

ermöglicht kleine Fluchten aus

dem Alltag. Aber unsere Branche

ist dafür sehr wetterabhängig. Wenn ein Winter beispielsweise

zu warm ist, dann schüttelt uns das stärker.

Und wie sieht es aus,wenn ein Sommer so wechselhaft

ist wie in diesemJahr?

Das ist gut. Ein paar Regentage und dann mal wieder

die Sonne, das hilft uns beim Verkauf. Aber wenn der

Winter zu warm ist, dann braucht man die warmen Jacken

nicht.

14


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[titelthema]

Dann gehört Vaude zu den Krisengewinnern –vorausgesetzt,das

Wetter passt?

Zumindest sind wir keine Krisenverlierer.Aber Krisengewinner?

Das ist mir zu hart, zumal die Kaufkraft ja

dennoch sinkt.

Welche Rolle spielt beim Bergsportausrüster Vaude

der Umweltschutz?

Umweltschutz spielt bei uns eine große Rolle. Das was

wir tun, haben wir „VAUDE ecosystem“ getauft. Es beginnt

bei der Produktentwicklung. Wir lassen möglichst

viele natürliche Materialien einfließen und wir

sorgen für unseren CO 2 -Ausgleich. Das tun wir durch

unsere Solaranlage auf dem Dach und mit Wiederaufforstungsprojekten,

die wir unterstützen in Costa Rica.

Wirhaben sozusagen unseren eigenen Regenwald. Zudem

sind wir Mitglied bei „bluesign“. Das ist der härteste

Textilstandard der Welt, der eben nicht nur das Produkt

betrachtet, sondern den gesamten Prozess. Seit

2001 haben wir eine ganze Produktsparte mit

„bluesign“-Zertifizierung, wir stellen langfristig alles

darauf um. Das ist das Beste, was man machen kann.

Zukunft wirdauch im

„weißen Raum“, einem

Atelier von Vaude, gestaltet:

Antje von Dewitz mit

Sinja Witte (rechts), Produktmanagerin

für Mountain-Kleidung,

beim Prüfen

von Stoffmustern.

Haben diese Standards vordergründig mit Recycelfähigkeit

zu tun oder eher damit,dassman mit einem

möglichstgeringen Energieaufwand produziert?

Das ist erst der Anfang des Kreislaufs. Alles was eingesetzt

wird, muss einwandfrei sein. Da geht es darum,

dass der Faden, die Farben, die Maschinen zertifiziert

15


[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Freude über die gesetzliche

Regelung des Landes: Auch

Vaude ist nicht mehr Bittsteller

für sein Kinderhaus.

sind mit Blick auf Umwelt sprich beispielsweise Naturverträglichkeit

und Ressourcen-Schonung, aber auch

Gesundheit und Sicherheit. Dann ist der zweite Schritt

der naturverträgliche Umgang mit der Ausrüstung. Da

arbeiten wir mit Bergschulen, beispielsweise dem

Deutschen Alpenverein zusammen, der sich für naturgerechte

Ausübung von Bergsport einsetzt und in

Deutschland anerkannter Naturschutzverband

ist. Wir sind aber

auch Partner des Bundesverbands

für Natur- und Waldkindergärten,

also auch für den pädagogisch

wertvollen Umgang mit der Natur.

Am Schluss des Kreislaufs sind wir

beim Recyceln. Wir haben dafür

unseren Kundenservice, der Reparaturen

anbietet.

Gilt das auch für Produkte anderer Outdoor-Ausrüster?

(lacht): Ja, immer wieder gehen auch Konkurrenzprodukte

bei uns ein. Fremde Produkte werden dann eben

zeitlich nach hinten geschoben, aber letztendlich versuchen

wir sie zu reparieren.

Aber man kann Ihnen Ihre Produkte auch zurückgeben,

wenn man sie wirklich nicht mehr gebrauchen

will?

Wirhaben seit 1994 unser eigenes Recycling-Netzwerk.

Das heißt Ecolog. Aber bisher kam sehr wenig zurück.

Je höher

man steigt,

destomehr

überwiegt

die funktion

Woran liegt das,was meinen Sie?

Ichglaube, dass es gegen die Mentalität geht, solche Sachen

wieder zurückzugeben. Die meisten Menschen

fühlen sich wohl besser,wenn sie die Kleidung in Sammelcontainer

werfen. Aber wir versuchen jetzt gerade,

das Recyclingsystem auf Branchenebene anzusiedeln.

Wenn wir das alle machen, dann fällt vielleicht diese

kulturelle Umgewöhnung leichter,

eine Jacke dem Hersteller zurückzugeben.

Macht Recycling von Outdoor-

Kleidung wirklich Sinn? Kritiker

sagen ja, dass das Zerlegen in

die einzelnen Werkstoffe zu viel

Energie kostet.

Es ist schon so, dass das Recyceln

der Kleidung Energie spart. Wirhaben

das von der Universität in Berlin untersuchen

lassen.

Wie lange hält denn eine Jacke imSchnitt?

Das ist wohl ein weiteres Problem, denn die Jacken halten

einfach sehr lang. Wenn man dann auf die Idee

kommt, sie wegzuwerfen, erinnert man sich vielleicht

gar nicht mehr daran, dass es eine Rücknahmemöglichkeit

gibt. Wirbekommen immer wieder Mails über 20

Jahre alte Zelte oder 15 jährige Jacken, die noch voll im

Einsatz sind.

Robustheit von Outdoor-Kleidung ist die eine Sache,

die andere ist doch aber der Trend zur Mode.

Widerspricht sich das nicht? Mode bedeutet ja

eher Kurzfristigkeit.

Ja, das stimmt. Die Langlebigkeit spielt aber bei den

Hardcore-Sachen schon eine dominierende Rolle. Man

kann sagen, je höher man auf dem Berg unterwegs ist,

desto mehr überwiegt die Funktion. Je mehr man runter

kommt, desto mehr überwiegt die Mode.

Sie haben inzwischen eigene Vaude-Läden aufgemacht,

darunter in Ravensburg, Kempten und im

polnischen Krakau. Wie viele sind es weltweit und

was planen Sie noch?

Weltweit sind es rund 10 Geschäfte. Wirplanen allein

in Deutschland, und da vor allem im Süden, bis 2010

zehn Geschäfte, bis 2011 etwa 15.

Bei Vaude hat die Familie einen

hohen Stellenwert: Plauderei

mit einem Jungen im

Kinderhaus.

Ist das Indiz dafür, dass Sie mit dem Verkauf über

den Sporthandel nicht zufrieden sind?

Unter Marketinggesichtspunkten ist ein eigener Laden

einfach nicht zu schlagen. Wirhaben ein sehr reichhaltiges

Produktportfolio, dazu gehören die Sparten

„Mountain Sports“, „Bike Sports“ und „Urban Outdoor“,

wozu unsere Taschenlinie und die funktionelle Lifestyle-Bekleidung

gehören. So geballt findet man das

16


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[titelthema]

einfach nicht im Sportladen. Ein eigener Vaude-Laden

ist eine tolle Möglichkeit, die Marke Vaude darzustellen.

Das gilt auch für unsere Marke Edelrid für technische

Kletterprodukte, in der auch die Marke Markill

inzwischen aufgegangen ist.

Gibt es bei Vaude noch ein Produkt, das in der Palette

fehlt,aber noch wichtig wäre?

Wirsind Vollausrüster.Vor zwei Jahren haben wir auch

noch eine Schuhlinie gestartet, so dass wir jetzt komplett

sind.

Alsokeine eigene Bergbahn, die dann die Kletterer

zum Einstieg bringt?

(lacht): Nein, im Augenblick nicht.

AufIhrer Homepageschreiben Sie,dassIhreMitarbeiter

in der Kältekammer übernachten, um Zelte

und Schlafsäcke zu testen. Machen Sie so was

auch?

(lacht): Ichmuss sagen, in der Klimakammer habe ich

noch nicht übernachtet, das ist ein echtes Manko. Neue

Mitarbeiter oder Praktikanten verbringen eher mal

freiwillig eine Nacht in der Klimakammer (lacht wieder).

Aber ich teste unsere Produkte im eigenen Urlaub

und bei Outdoor-Aktivitäten.

2008 war das beste Geschäftsjahr für Vaude. Wie

läuft es bisher 2009?

Wasdie Zuwachsraten angeht, läuft das Jahr 2009 wie

das Jahr 2008. Wir profitieren auch stark davon, dass

wir im Zuge des Übergangs der Geschäftsführung relativ

stark in die Produktentwicklung investiert haben.

Das zahlt sich aus.

Wo sind denn die Hauptmärkte vonVaude? Gehört

dazu Polen, schließlich haben Sie ja in Krakau einen

Flagstore.

Der Hauptmarkt ist nach wie vorDeutschland. Rund 50

Prozent unseres Umsatzes machen wir im Inland. Dann

kommen als nächstes die Nachbarländer: Österreich,

Schweiz, aber auch die Benelux-Länder,vor allem Niederlande

und Belgien. Wir haben Sondermärkte wie

China, wo wir eine eigene Vaude-Linie haben. Dann

gibt es noch Russland und die USA, in den Ländern gibt

es noch unglaubliches Potenzial.

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[titelthema] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

das unternehmen

das 1974 entstandene Unternehmen

VAUDE Sport wirdinder Rechtsform einer

GmbH &Co. KG geführt.Geschäftsführerin

desvon ihrem VaterAlbrecht von

Dewitz gegründeten Unternehmens mit

dem Stammsitz in Obereisenbach, nordöstlich

vonTettnang im Bodenseekreis,

istseit Jahuar 2009 Antje vonDewitz.

Vaude istzu100 Prozent im Familienbesitz.

Nach der Hinzunahme desBergausrüsters

Edelrid vorwenigen Jahren bietet

es die Marken: Vaude und Edelrid an, wobei

in letzterer jetzt auch die frühereMarke

„Markill“ aufgegangen ist.

die mitarbeiterzahl vonVaude liegt am

Stammsitz Obereisenbach bei 420, dazu

kommen rund 100Mitarbeiter bei Edelrid.

Mit den ausländischen Vertretungen und

vorallem den Produktionsstätten summiert

sich die Mitarbeiterzahl auf gegenwärtig

rund 1300.SozialesEngagement ist

im Unternehmen Vaude ebensotiefverankert

wie Familienfreundlichkeit: So können

sich die Mitarbeiter –zum 60 Prozent

Frauen –ihreArbeitszeiten flexibel einteilen,

um sowohl arbeiten als auch ihr Privatleben

gestalten zu können. Im Betrieb

duzt man sich, und viele der Mitarbeiter

gehen auch an Wochenenden gemeinsam

in die Berge oder zum Sport.

zum umsatz macht Vaude „derzeit“ (so

Antje vonDewitz) keine Angaben. Vermutungen,

die Zahl dürfteknapp über der

100-Millionen-Euro-Grenzeliegen, weist

sie als „zu optimistisch“ zurück.

die Palette der Vaude-Produkte umfasst

Bergsport-Ausrüstung, Funktionsbekleidung,

Schuhe,Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke,

Radtaschen und Accessoires. Zur

Fahrrad-Fachmesse Eurobike2009 hat

Vaude eine eigene Kollektion an Radschuhen

vorgestellt.Die Edelrid-Produkte:Seile,Gurte,

Helme,Bänder,Karabiner,Steigeisen,

Eisgeräte, Kocher und schon

expeditionsgeeignetes Zubehör.

Antje von Dewitz: Der asiatische

Markt erfordert eine eigene

Vaude-Kollektion: andere

Schnitte, andereFarben.

Nochmal zurück zu Polen. Wieso gibt es in Krakau

einen Vaude-Shop? Gibt es besondere Beziehungen

zudem Land oder ist der Markt soattraktiv?

Wir haben ganz enge Beziehungen, weil wir dort eine

Produktionsstätte hatten und dort auch an unserem

Vertrieb beteiligt sind. Aber Polen leidet im Moment

sehr stark unter der Krise.

Sie haben gesagt, Sie haben eine eigene Linie für

China. Liegt das daran, dass den Chinesen westliche

Schnitte nicht passen?

Ichwar gerade zwei Wochen in Asien und habe mir angeschaut,

was dort gefragt ist: Mindestens zwei Zentimeter

kürzere Ärmel, mindestens zwei Zentimeter kürzere

Beine und schmalere Schultern. Das bedeutet,

man muss eine eigene asiatische Kollektion haben. Die

Chinesen haben auch einen anderen Geschmack als

Europäer. Sie stehen beispielsweise bei Bergsportbekleidung

auf pastellige Töne. Das haben wir einmal

hier versucht und das war ein Flop. Fürdie Berge wollen

hier alle klare und sportliche Farben. Chinesen haben

eine komplett andere Vorstellung vonMode. Klassische

Linien kommen in China nicht an. Sie wollen

lieber bunte Gürtel und dekorative Elemente, also

sichtbare Nettigkeiten.

Aber Outdoor an sich ist ein Thema in China? Gehen

die Menschen in die Natur und wandern, klettern

oder zelten?

Ja, mit steigender Begeisterung. Der Markt für Outdoor-Produkte

entwickelt sich zum größten Marktpotenzial.

Sie haben es vorhin schon gesagt, Outdoor ist ein

Trend. Den haben nach und nach auch die großen

Sportartikelhersteller entdeckt. Sehen Sie es als

Vorteil an, sich in diesem Markt als kleiner Mittelständler

zu bewegen, oder schauen Sie manchmal

neidisch auf die Großen?

Beides. Alles hat seine Vor- und seine Nachteile. Manchmal

macht es schon etwas neidisch, wenn man die Marketingbudgets

der Großen sieht. Wirmüssen eben un-

18


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[titelthema]

sere Vorteile nutzen. Dazu gehören die schlanke

Produktion und die flache Hierarchie. Dazu gehört

aber auch, dass wir bei Vaude mehr Seele haben als ein

Unternehmen, das schon an den dritten Investor verkauftwordenist.

Apropos verkaufen: Haben die Großen bei Vaude

angeklopft?

Ja,sie klopfen regelmäßig an.

Alsobisher gabesfür Kaufinteressenten

immer Absagen. Wieso?

Mir macht es deshalb auch soviel

Spaß, Unternehmerin zu sein, weil

ich eben diese Freiheit habe, das

Unternehmen zu gestalten. Wirhaben

beispielsweise das Kinderhaus.

Ichglaube nicht, dass unter dem Dach eines Investors

so was gebaut worden wäre. Jetzt, Jahre später, wissen

wir,dass das Kinderhaus läuft. Das wussten wir vorher

nicht, das war eine Bauchentscheidung, die mit meiner

eigenen familiären Situation zu tun hatte. Oder wir

sind Pächter eines Freibads. Mankann mit den gnädigsten

Kalkulationen der Welt nicht herausrechnen, dass

das positiv für die Unternehmensbilanz ist.

Wie kam Vaude zum Freibad?

Es gab zwei Freibäder, eines in Tettnang und eines in

Obereisenbach. Die Stadt Tettnang wollte das Bad bei

uns in Obereisenbach schließen. Daraufhin hat sich

hier ein „Bädlesverein“ formiert, der uns dann angesprochen

hatte.

Aber Badebekleidung produziert Vaude noch

nicht?

(lacht): Nein, machen wir nicht.

Wie funktioniert denn das Kinderhaus auf Ihrem

Betriebsgelände? Werbezahlt das?

Bisher war das immer so, dass wir alle Kosten übernommen

haben bis auf die Personalkosten. Die wurden von

den festen Zuschüssen des Landes, die es damals gab,

und vonden Elternbeiträgen finanziert. Gedeckelt hat

das dann die Stadt Tettnang. Seit Jahresanfang gibt es

erstmalig eine gesetzliche Grundlage für Betriebskindergärten

und wir müssten ganz normal einen Zuschuss

kriegen wie andere Kindergärten auch. Das ist

angenehm, weil wir jetzt aus der Bittstellerposition

rauskommen.

investoren

hätten das

kinderhaus

wohl nicht

gebaut

In der gemischten Gruppe werden auch Kinder betreut,

die nachmittags aus der Schule kommen.

Vaude ist den Menschen am Stammsitz also sehr

eng verbunden und Sie sind es wiederum Ihrem

Unternehmen. Klar,dass daein Verkauf eher nicht

in Fragekommt.Aber wie sieht es mit Zukäufen Ihrerseits

aus?

Ichbin auf der Outdoor-Messe von

einer Investorenzeitung daraufhin

angesprochen worden. Ichhabegeantwortet,

dass wir in den nächsten

Jahren auf internes Wachstum ausgerichtet

sind. Aber ich habe auch

gesagt, wenn was kommt, schaue

ich es mir immer gerne an. Seither

bekomme ich wöchentlich Angebote

von Unternehmen. Deshalb

sage ich es jetzt deutlich: Vaude ist nicht an Zukäufen

interessiert.

Die Outdoor-Messe inFriedrichshafen stellt jedes

Jahr neue Trends vor. Da gab esmal Schlafsäcke,

die für warme Frauenfüße sorgensollten. Dann waren

Babytragen fürs Gebirge in. Was ist denn jetzt

im Trend?

Also das Thema Umweltschutz ist wichtig, darauf achten

die Kunden. Zudem gibt es auch neue Zielgruppen,

beispielsweise Menschen, die mit dem Elektrorad zur

Arbeit fahren. Die brauchen Schutzkleidung. Im Alpinismus

geht der Trend zu extrem leichten und hochfunktionalen

Expeditionsausrüstungen. Wasbei uns

auch gut läuft, ist eine tragbare Solar-Anlage für Rucksäcke,

mit deren Hilfe man beispielsweise Handys aufladen

kann. Neu ist jetzt eine Fernbedienung für eine

solarbetriebene LED-Leuchte für Zelte. Wenn man

nachts auf dem Platz sein Zelt sucht, dann drückt man

die Fernbedienung, und das Zelt fängt zu blinken an.

Das ist wie mit den Autos im Parkhaus. [!]

KAREN EMLER, LORENZ KOCH

FOTOS: ROLF SCHULTES

Beim Gespräch am Vaude-

Firmensitz in Obereisenbach:

KarenEmler,Leiterin der

Wirtschaftsredaktion der

SÜDWEST PRESSE, Lorenz

Koch, Redaktionsleiter „unternehmen[!]“,

Antje von Dewitz

(von links).

Wieviele Kinder besuchen das Kinderhaus?

Im Moment sind es 28 Kinder. 18inder großen gemischten

Gruppe für die Altersspanne ein bis zehn Jahre.

Undzehn Kinder haben wir in der Krippe, die Kinder

voneinem halben Jahr an bis drei Jahren aufnimmt.

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[führen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Ohne it-investitionen geht es nicht

Gerade mittelständische Unternehmen sind auf funktionierende informationstechnologie angewiesen. Werdanicht

investiert, verliert rasch den Anschluss. Undvom Investieren wiederum profitieren die IT-Unternehmen aus der Region.

Die lange andauernde Wirtschaftskrise

zwingt viele Unternehmen dazu, den

Gürtel enger zu schnallen. Doch ganz

ohne Investitionen geht es auch in mageren

Zeiten nicht. Davon profitieren zum Beispiel

die IT-Unternehmen in der Region, deren

Kunden fast ausschließlich im Mittelstand zu

finden sind.

Die Gerling Consulting GmbH in der Ulmer

Industriestraße konzentriert sich auf mittelständische

Unternehmen, die in einem Umkreis

von 200 Kilometern angesiedelt sind.

Geschäftsführer Marcus Gerling: „Wir arbeiten

hauptsächlich mit Kunden aus den Bereichen

Lebensmittel, Groß- und Einzelhandel

und Produktion zusammen. Die Größenordnung

der EDV-Abteilungen bewegt sich dabei

zwischen zwei und 80 Computer-Nutzern.“

Die momentane Krise hat zwar den Mittelstand

erfasst, sich auf sein Unternehmen jedoch

noch nicht negativ ausgewirkt. Im Gegenteil,

im vergangenen Jahr konnte Gerling

ein Umsatzwachstum verzeichnen –und im

Juni dieses Jahres sogar zwei weitere Mitarbeiter

einstellen.

Marcus Gerling: „Viele unsere Kunden weiten

aufgrund der Schwächen im Inland ihre Aktivitäten

momentan auch auf andere europäische

Länder aus.“ Das ist auch gut für die Gerling

Consulting GmbH, die davon profitiert,

dass Unternehmen auch in wirtschaftlich

schwierigen Zeiten an der Optimierung der

EDVund der gesamten Arbeitsprozesse nicht

vorbei kommen.

rückgrat der Wirtschaft

Auch das IT-Unternehmen Fritz &Macziol

blickt guten Mutes in die Zukunft. Die aktuell

675 Betriebswirte, Informatiker, Techniker,

Ingenieure und Verwaltungsspezialisten be-

Dieser Anschluss ist wichtigfür den Mittelstand: Die

Netzwerkverbindung.

20


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[führen]

treuen über 3000

Kunden, die in

Deutschland und

zum Teil auch in

der Schweiz ansässig

sind. „75 Prozent

unserer Kunden

kommen aus

dem Mittelstand,

der für mich weiterhin

das Rückgrat

der Wirtschaft Celos: Noch kein Jubel.

Jörg Toleikis, Systemhaus

ist“, erklärt Fritz &

Macziol-Geschäftsführer Heribert Fritz.

Auch der Geschäftsführer des 1987 gegründeten

Unternehmens im Hörvelsinger Wegim

Ulmer Norden bestätigt einen leichten Investitionsrückgang

derzeit bei seinen Kunden, ist

sich jedoch ganz sicher: „Die mittelständischen

Betriebe gehen die Sache auch weiterhin

mutig an und kaufen dann, wenn sie etwas

benötigen. Denn wir bieten ihnen Lösungen

an, mit denen sie mehr Transparenz bei den

Buchhaltungsdaten oder in der Vertriebsleistung

bekommen. Dennoch sind die Zyklen für

die Ausgaben etwas größer geworden.“

Auch für Fritz &Macziol war und ist gerade

die Zeit der Wirtschaftskrise die Zeit, zu handeln

und noch flexibler auf den Markt zuzugehen:

„Für unsere Kunden ist es in der heutigen

Zeit besonders wichtig, dass wir ihnen Lösungen

anbieten, die sich schnell rentieren und

deren Mehrwert fix errechnet ist.“

Doch auch intern reagiert das Unternehmen,

das sich den Slogan „Global denken, regional

handeln“ auf die Firmenfahne geschrieben

hat, auf die leicht gesunkene Nachfrage nach

Hard- und Software.

QualifikatiOn der schlüssel

Dennoch wurde trotz eines speziell ausgearbeiteten

Kostensenkungsplanes die Ausbildungsmaßnahmen

erhöht: „Der Schlüssel

zum Erfolg ist nach wie vor die Mitarbeiterqualifikation,

denn, nur wenn man als Systemanbieter

die Situation des Marktes richtig

Erich Striedacher,Kumatronik:

Personal gehalten.

einschätzen kann

und versteht, kann

man auch richtig

agieren.“ Eine Formel

mit Erfolg,

denn im ersten

Halbjahrhat„FuM“

seinen Personalstamm

noch einmal

aufgestockt.

Undwas bringt die

Zukunft? Heribert

Fritz sagt dazu optimistisch:

„Beim jetzigen Niveau ist ein kleines

Wachstum möglich.“

Bei der Firma Kumatronik, die Komplettlösungen

vonder Beratung bis hin zur Installation

der Software und einem umfassenden

Support anbietet, kommen 90 Prozent der

Kundschaft aus dem mittelständischen Bereich.

Auch Geschäftsführer Erich Striedacher

berichtet von Kunden, bei denen das Geld

eben nicht mehr so locker sitzt wie noch vor

21


[führen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

fünf Jahren: „Die Austauschzyklen sind im

Mittelstand leider größer als in der Großindustrie.

Viele Kunden arbeiten noch mit Computersystemen,

die längst überholt oder erneuert

werden müssten.“

Das Unternehmen mit 100 Mitarbeitern –40

davon in Ulm –betreut Kunden im Südwesten

vomSteuerberater bis hin zum Pharmaunternehmen.

Dieser Mix kann mitunter auch

ein Nachteil sein: „Die Wirtschaftsstruktur im

Süden ist stärker geprägt vom exportorientierten

Maschinen-, Anlagen und Automobilbau.

Unddiese Branchen sind nun einmal am

stärksten vonder Krise betroffen.“

Dennoch blickt der IT-Spezialist optimistisch

nach vorne: „Der Bodensatz ist erreicht. Und

für uns war es in den vergangenen Monaten

ganz wichtig, dass wir unsere qualifizierten

Mitarbeiter trotz Krise halten konnten, damit

wir sie Anfang 2010 an Bord haben, wenn es

wieder deutlich aufwärts geht.“

die träger der goldmedaille

Das IT-Systemhaus fritz &macziol mit Sitz Ulm hat sich aufs schwierige ökonomische Umfeld seiner Kunden ausgerichtet und

weiter profiliert. Als erster IBM-Partner in Europa erreichte es die höchste Stufe der Zertifizierung, gehört zur „Speciality Elite“

„Speciality Elite“ nennt der Weltkonzern

IBM seine Goldmedaille für Kompetenz im

Rahmen seiner Initiative „Dynamic Infrastructure“,

wobei Rechenzentren von Kundenunternehmen

im Fokus stehen, ihr Aufund

vorallem Ausbau. Bei Bestandsanlagen

ist es oft so wie bei einem älteren, im Laufe

der Jahre immer wieder angestückelten

Häuschen: Es gibt verwinkelte, endlose Gänge,

tote Winkel, ungenutzte Kammern und

großen Modernisierungsstau für effizienten

Energieeinsatz. IT-Infrastrukturen von Unternehmen,

Firmen oder Kommunen, sagt

Geschäftsführer Heribert Fritz, haben oft eine

vergleichbare Entstehungsgeschichte.

Resultat: Rechnerkapazität wird ungenügend

genutzt, Server sind veraltet und daher

Stromfresser,bei den Anwendungen gibt es

ärgerliche Lücken. Hier Abhilfe zu leisten,

damit hat Fritz &Macziol (FuM) seine Antwort

auf die derzeitige Wirtschaftskrise gefunden

und die Goldmedaille erhalten.

Wenn Aufträge für komplette Großanlagen

zurückgehen, müsse der Schwerpunkt der

Aktivitäten auf die Optimierung bestehender

gerichtet werden, ist derzeit die Marschrichtung

der nach wie vorüberdurchschnittlich

erfolgreichen Unternehmensgruppe,

die selbst im Krisenjahr 2009 wächst. „Virtualisierung“

und „Konsolidierung“ lauten die

Schlüsselbegriffe des derzeitigen Arbeitsschwerpunkts.

Gemeint ist die Optimierung

der Leistung von Rechnern und Speichern

sowie der Anwendungen. Beziehungsweise

die Vereinheitlichung vonSystemen und die

Beseitigung vonoft

sogar unbeherrschbarem

„Wildwuchs“

darin, natürlich

nicht als

Selbstzweck, natürlich

ganz der Beobachtung

des Geschäftsführers

konform, dass ein Heribert Fritz vom IT-

Mittelständler „immer

nur dann in-

Haus Fritz &Macziol.

vestiert, wenn er etwas braucht“.

„Ziel ist immer, bei unseren Kunden Einsparpotenziale

zu heben“, erklärt Fritz, „sei

es durch mehr Automation, höhere Effizienz

und Verbesserungen in der Datenauswertung,

sei es beim Energieverbrauch“. Viel

Potenzial biete die Steigerung der „Business

Intelligence“. „Durch die bessere Auswertung

längst im Haus vorhandener Daten

können Kunden ein besseres Bild ihrer Kunden

und ihres eigenen Unternehmens gewinnen“,

verdeutlicht Fritz. Den Aspekt des

Energieeinsparens veranschaulicht er im

hauseigenen Rechenzentrum. Dort werden

gerade Hunderte von Kabeln ausgetauscht

–die neuen brauchen nur noch halb so viel

Strom. Zudem werden neueste Hochleistungsserver

installiert. Undein Fachbüro ist

beauftragt, eine ökonomische Nutzung für

die beträchtliche Abwärme zu finden, die im

Moment durch die Klimaanlage mit großem

Stromaufwand „bekämpft“ statt für Heizzwecke

sinnvoll genutzt wird. Bei einer Optimierung

solcher Rechenzentren lasse sich

der Energieeinsatz um rund 15 bis 25 Prozent

senken, peilt Fritz übern Daumen und

bezieht sich dabei auf die IBM-Initiative

„Smart Cities“, die Expertenwissen zur Organisation

der in Zukunft noch mehr wuchernden

Städte sammelt und generiert.

Zukunftsmusik. Die Gegenwart aber heißt

weltweite Wirtschaftskrise, und darin überwiege

in der Wirtschaft Kurzfristigkeit im

Planen. Daran anknüpfend, sind die Ziele

der vorgeschlagenen IT-Maßnahmen mit

entsprechend zeitnahem Horizont angesetzt.

Der Return on Invest solle möglichst

in weniger als zwölf Monaten erreicht werden,

nennt Fritz die ehrgeizige Zeitmarke.

Mit dem neuen Arbeitsschwerpunkt trägt

das Systemhaus ebenso der zweiten augenscheinlichen

Veränderung im Kundenverhalten

Rechnung, wonach „die Scheibchen

an IT-Investitionen immer kleiner werden“.

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds

bewegt sich Fritz &Macziol weiterhin

im Vorwärtsgang. Im ersten Halbjahr 2009

hat sich der Mitarbeiterstab noch einmal

um 23 auf jetzt rund 675 Köpfe erhöht.

Nach Fritz’ Angaben kletterte der Umsatz

um 15 Prozent, bei allerdings sinkenden Gewinnmargen.

Das Unternehmen reagiert

darauf mit einem Sparprogramm, „das die

Kosten überall drückt, nur nicht bei den Mitarbeitern“.

Allein in deren Weiterbildung

flössen jährlich 4,5 Millionen Euro –Voraussetzung

auch für den nun erreichten Status

einer „Speciality Elite“. THOMASVOGEL

22


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[führen]

Jörg Toleikis vom Systemhaus Celos möchte

in solche Jubelarien noch nicht mit einsteigen:

„Wir haben Kunden, die etwa zehn Prozent

weniger bestellen, aber auch Unternehmen,

die ihre Aufträge drastisch reduziert

haben.“ Doch das IT-Unternehmen im Ulmer

Donautal setzte vonAnfang an auf eine solide

Vertriebsstruktur und damit auf in- und ausländische

Kunden aus den verschiedensten

Branchen: „Wenn regelmäßige Aufträge wegfallen,

muss man sich eben verstärkt auf Projektarbeiten

konzentrieren“, so der Vertriebsleiter.

Zudem möchte das Unternehmen nun

mit deutlich vereinfachten Systemlösungen

den Kunden unter die Arme greifen: „Wir

schaffen die Werkzeuge, mit den die Mitarbeiter

in den einzelnen EDV-Abteilungen nun

noch einfacher umgehen können.“

mit einem blauen auge ...

Rückblickend bleibt die Feststellung, dass die

IT-Unternehmen in der Region wohl mit einem

blauen Auge aus der derzeit schwierigen

Unternehmen brauchen Verbindung zu der und für die Zukunft.

Wirtschaftslage davonkommen werden. Bei

Marcus Gerling kommt sogar noch ein lachendes

Auge hinzu, denn sein Unternehmen

ist seit Juli einer von900 „Gold Certified Partner“

in Deutschland. Diese Auszeichnung erhält

man unter anderem durch erhöhte Microsoft-Kompetenzen,

bestätigte Kundenreferenzen

und erfolgreiche Projektabschlüsse.

Undauch dieser Preis macht mehr Mutfür die

Zukunft. [!]

STEFAN LOEFFLER

23


[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Ganz links ist der heutige Sitz der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm erkennbar.Die Zeichnung zeigt die projektierten Bürogebäude des Versorgungsunternehmens.

die Versorgermit den grünen schuhen

Offensiv vertreten die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ihre unternehmensphilosophie: Sie haben sich in des Wortes

doppelter Bedeutung „grüne Schuhe angezogen“. Bringt solch spektakuläres Auftreten nur Aufsehen –oder auch Erfolg?

Matthias Berz, der Chef der Stadtwerke

Ulm/Neu-Ulm SWU, und

weitere Vertreter der Führungsriege

des Versorgungsunternehmens

erscheinen zu offiziellen Anlässen

schon einmal in grünen Schuhen. Der „Grüne

Schuh“steht nämlich seit dem Frühjahr 2008

für den neuen Kurs der Stadtwerke der Doppelstadt:

„Die SWU übernehmen Verantwortung

für die Menschen der Region“, schrieben

sie in ihrer Selbstdarstellung: „Dabei spielen

Nachhaltigkeit in der Energiegewinnung, die

Sicherheit der Versorgung und der Kundenservice

die drei Schlüsselrollen“.

strommix 2013

Kohle

28%

45%

13%

8%

Wasserkraft

5%

Biomasse

Windkraft

Erdgas*

*In dieser Rechnung ist der Anteil an

„Grünem Strom“, den die Schweizer heute

liefern und dann vielleicht noch beisteuern

werden, nicht berücksichtigt.

Diese Neuausrichtung erscheint zeitgemäß.

Völlig freiwillig kommt sie allerdings nicht

daher. Denn eine Zeitlang hatten die SWU

mitzuhalten versucht im bundesweit ausgetragenen

Wettkampf der Energieversorger

um neue Kunden. Mit aufwendiger Werbung

und günstigen Konditionen hatten sie binnen

kurzem außerhalb ihres Stammgebiets 70 000

Stromkunden für ihren „Schwabenstrom“

hinzugewonnen –und diese Kunden, sobald

die Konditionen ausliefen, zum Teil ebenso

schnell wieder verloren: Im Jahr 2008 verkauften

die SWUfast ein Viertel weniger Strom als

noch im Jahr 2007.

Bis zum Jahr 2013 wollen die SWU

über Kraftwerksbeteiligungen und in

selbst projektierteAnlagen rund 940

Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

Etwa zwei Drittel des Strombedarfs

der SWU-Kunden –Haushalt,Gewerbe

und Industrie –sollen dann

durch Eigenerzeugung gedeckt werden.

Hauptenergieträger wird Erdgas

sein mit 45 Prozent Anteil, auf Kohle

werden 28 Prozent entfallen. Wasserkraft

wird einen Anteil von etwa 13Prozent

einnehmen, Biomasse 8Prozent

und Windkraft 5Prozent.

So hatte Berz während seines Jahresberichts

vor dem Ulmer Hauptausschuss Mitte Juni

diesen Jahres denn auch betont, dass die SWU

nicht länger versuchten, mit den Großen auf

dem Strommarkt und ihren Dumpingangeboten

zu konkurrieren. Sie wollen nur noch

Strom an jene Kunden verkaufen, bei denen

sich das auch rechnet.

Die Entscheidung, diesen Wegeinzuschlagen,

liegt mittlerweile fast zwei Jahre zurück. „Die

Idee und Strategie, die SWU verstärkt an der

Nachhaltigkeit auszurichten, wurde Ende

2007 mit Unterstützung durch Fachberater

intern ausgearbeitet,“ berichtet SWU-Sprecher

Bernd Jünke. Die „Ideenwerkstatt“ hat

ihre Ergebnisse im Slogan „Zusammen für eine

bessere Umwelt“ zusammengefasst. Das

Motto diente Agenturen als Vorlage, die Anfang

2008 Vorschläge für die Kommunikation

derStrategieauszuarbeitenhatten.DieSchwäbisch

Gmünder Agentur Eberle setzte sich in

dieser Ausschreibung mit ihrer Idee vom

„Grünen Schuh“durch.

umWeltgerechte PrOJekte

Warum ziehen sich die SWU diesen Schuh

an? „Umweltgerechtes Handeln ist für uns

seit vielen Jahren der Leitgedanke“, sagt Jünke.

Der werde imBetriebsalltag gelebt. Das

beweisen das regelmäßig erneuerte Öko-Audit,

die Zertifizierung nach dem europäischen

Gütesiegel „EMAS“ oder der erste Platz beim

24


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[er]finden

baden-württembergischen Umweltpreis

2006. Vorkurzem erst ist die Planung für den

SWU-Neubau an der Ulmer Karlstraße von

der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges

Bauen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet

worden.

Umweltgerechtes Handeln werde aber auch

in Projekten verwirklicht, berichtet er weiter:

mit der Holzvergasungsanlage in Senden, deren

Baubeschluss in diesem Jahr geplant ist,

oder der Ende 2008 ans Netz gegangenen Photovoltaik-Großanlage

auf dem Dach einer

Evo-Bus-Halle im Neu-Ulmer Industriegebiet.

Im Oktober wird das Wasserkraftwerk Kostheim

am Main in Betrieb genommen. Die

Stauspiegelerhöhung für die Böfinger Halde

befindet sich in der Genehmigungsphase, eine

Beteiligung am künftigen Windpark Borkum-West

in der Nordsee ist beschlossene

Sache.

Derzeit bieten die SWU „grünen Strom“ aus

zwei Erzeugungsquellen an: dem Wasserkraftwerk

Böfinger Halde, das etwa 45 Millionen

Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt

(das reicht für rund 13 000 Drei-Personen-

Haushalte), und Wasserkraftstrom aus der

Schweiz. Mit dessen Lieferanten sei ein langfristiger

Bezugsvertrag abgeschlossen über 65

Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

„Schon heute tragen erneuerbare Energien zu

einem Viertel des von den SWU verkauften

Stroms bei“, sagt Jünke. Bundesweit seien es

15 Prozent. Die Stadtwerke hätten sich vorgenommen,

bis 2020 ihre Erzeugungskapazitäten

so auszubauen, „dass

der Bedarf der SWU-

Haushaltskunden

vollständig mit

Strom aus erneuerbaren

Quellen gedeckt

werden kann“.

Undwie sieht es mit der Bereitschaft der Kunden

aus, sich vom„Grünen Schuh“überzeugen

zu lassen und den etwas teueren Naturstrom

zu bestellen? „Momentan zählen wird 9100

Haushaltskunden in diesem Bereich“, berich-

markenlogo, dann

corporate design

Nachdem die Schwäbisch Gmünder

agentur eberle den Etat der SWU

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm gewonnen

hatte, überarbeitete sie zunächst Markenlogo

und das Corporate Design.

Dann folgten eine Imagekampagne und

der verschiedene Produktkampagnen.

Ein erster Schritt war eine Kampagne

für SWU NaturStrom mit

dem Ulmer Oberbürgermeister

als Testimonial.

tet der Pressesprecher. „Es

dürften schon ein paar

mehr sein“. Aber auch hier zeige sich, dass

zum ökologischen Bewusstsein ein Stück Idealismus

hinzukommen müsse, um die Automatik,

immer auf das preiswerteste Angebot

zurückzugreifen, zu durchbrechen. [!]

JÜRGEN BUCHTA


[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Der Bildschirm ist

nicht nur zum Arbeiten

da: Das weltumspannende

Netz wird

auch für ein modernes

und zielgerichtetes

Marketing genutzt.

dasnetz für die Werbung

Werben, indem man Plakate an Litfaßsäulen klebt: Das war einmal. Heute sind die Litfaßsäulen nicht nur in die

Wohnzimmer und Büros gewandert und heißen dort PC, Note- oder Netbook, die Art der Werbung hat sich auch

gewandelt. „Virales marketing“ begegnet uns in immer mehr Facetten –und sei es als E-Mail oder Newsletter.

Ein neuer Trend: „Virales Marketing“,

eine Marketingform, die soziale

Netzwerke und Medien nutzt,

um mit oft ungewöhnlichen oder

hintergründigen Nachrichten auf Marke,

Produkt oder Kampagne aufmerksam zu

machen. Ehe Niels Zimmermann von der

Ulmer Agentur Schönle, Zimmermann &

Partner darauf eingeht, wirft er einen bekannten

Begriff in den Raum: Homepage.

Die zu haben, sei für Unternehmen heute Niels Zimmermann: Die

unabdingbar, sei Basis für alles, was sich Kunst des Werbers.

mit digitalem Marketing verbindet. Bespielt

werden können Computer, Handy, tragbare Computer. Die

Kunst des Werbers ist, die Kunden seiner Kunden auf die Homepage zu

locken, auf der die vertieften Informationen stehen.

WerimOnline-Marketing aktiv ist, benötigt Spezialkenntnisse, die

über den klassischen Rahmen der Agentur-Tätigkeit hinausgehen. Ein

Team bei Schönle, Zimmermann &Partner macht sich da Gedanken,

wie sich der Online-Auftritt vonFirmen so verbessern lässt, dass sie bei

Internetanfragen auf den Ergebnislisten ganz oben aufscheinen. Es

muss wissen, wie die Technik der Suchmaschinen zum Ordnen und

Gewichten von Informationen funktioniert. Denkt Zimmermann an

Online, denkt er zuerst an Google, den Suchmaschinen-Giganten: „Bei

Google gefunden zu werden, bei der Suche weit oben zu stehen, ist für

viele überlebenswichtig.“ Eine Agentur könne Einfluss nehmen, „eine

Web-Seite so gestalten, dass sie vonder Suchmaschine leicht gefunden

wird“, so Zimmermann. Rutscht die Homepage aber immer weiter

nach hinten, wäre dies „der Todesstoß“.

Gefragt sind Web-Designer, die sich aufs Programmieren verstehen,

während der grafische Aufbau erst nicht so wichtig ist. Gefragt sind

zudem fundierte Texter: Zum Suchmaschinen-Marketing gehört das

Gespür dafür,welche Begriffe die meisten Kunden anziehen. Nötig ist

auch, für die Homepage ein attraktives Umfeld zu schaffen –wie durch

Aktionen, die auf sie locken. Die Medien, über die diese verbreitet werden,

können die klassischen sein wie Plakat, Printanzeige, Funkspot,

oder digitale wie Podcast oder Mailings, zählt Zimmermann auf. Nicht

für jeden Kunden und jeden Zweck passe alles, schränkt er ein, die

Kompetenz einer Agentur zeige sich in der richtigen Beratung.

Dass er seine Full-Service-Anbieter gut aufgestellt sieht, versteht sich.

Indes unterliegt auch Schönle, Zimmermann &Partner stetem Anpassungsdruck.

Sei die Verwaltung von Werbebudgets für Kunden, bislang

das Hauptgeschäft, tendenziell rückläufig, so sei Online-Marketing

mit all seinen Erscheinungsformen ansteigend. So ist ein Teil des

26


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[er]finden

aus 16 Mitarbeitern bestehenden Teams auf Marketing-Formen spezialisiert,

die der Medienrevolution geschuldet sind.

Bunte Bilder,oft verbunden mit kurzen Videos und Ton, treten in Konkurrenz

zu Radio und Fernsehen. 2008 sollen Banner am Bildschirmrand,

Pop-ups, gesponserte Webseiten oder kurze Filme im Wert von

1,3 Milliarden Euro geschaltet worden sein, so der Branchenverband

Bitkom: ein Plus von 29Prozent zu 2007. Erstmals sollen 2009 die

Deutschen mehr Zeit im Internet als vorm Fernseher verbringen, 2010

in den USAdie Online-Werbung höher sein als die in Magazinen.

messbar über die Visits

Waslockt wen wohin? Manmüsse eine Homepage unbedingt verlinken,

eine Web-Präsenz müsse immer wieder Neues bieten, als Anreiz,

dass sie oft angeklickt wird. Im Nebeneffekt schafft das Transparenz

wie nie über den Erfolg einer Kampagne. Er wird messbar über die Zahl

der Klicks („Visits“). Die Werber können nicht nur feststellen, welche

Medien die höchste Resonanz auslösen, sondern auch, wo es lohnt,

Anzeigen zu schalten oder einen Spot, und wo nicht, Die Formel ist

simpel: Je mehr Besuche, desto erfolgreicher die Web-Seite.

Zwischen 20 und 30 Prozent des Umsatzes generiert die Agentur laut

Zimmermann inzwischen über Aufträge für digitales Marketing, Tendenz

steigend. Grund: Weil nach seiner Auffassung „die junge Zielgruppe

von10bis 19 Jahren über klassische Medien

kaum noch zu erreichen ist“. Undwie über digitale

Medien? Das können selbst Experten nicht einfach

beantworten. „Communities“ wie StudiVZ oder regional

„Team Ulm“ spielen jedenfalls eine große

Rolle bei den Überlegungen, bei denen mehr denn

je das Wissen der Nachwuchskräfte gefordert ist.

„Wir dürfen uns nicht zu schade sein, da Praktikanten

zu befragen“, denn: „Alles wird nicht nur professioneller,sondern

auch immer schnelllebiger.“

Hier kommt erneut das virale Marketing ins Spiel,

das versucht, nicht durch direkte, sofort erkennbare Werbung, sondern

durch ungewöhnliche oder hintergründige Nachrichten die Aufmerksamkeit

auf Marke, Produkt oder Kampagne zu richten. Bei Erfolg

lockt eine epidemische Verbreitung der Botschaft, ähnlich der

Mundpropaganda. „Viral“ besagt, dass Informationen in kürzester Zeit

information

wandert wie

ein Virus

vonmensch

zu mensch

wie ein biologisches Virus von Mensch zu

Mensch getragen werden. Der virale Werber

bedient sich verschiedener Methoden,

um die Nachricht zu publizieren, darunter

Postkarten, Filmclips oder einfache Beiträge

in Internetforen und Blogs. Vorteil laut

Zimmermann: „Geringer Aufwand, oft eine

verblüffende Reichweite.“ Der Erfolg lässt

sich aber nicht exakt in Zahlen ausdrücken,

da eine genaue Kontrolle der Verbreitung

gar nicht möglich ist. So rät Zimmermann

vonder Konzentration aller Mittel auf digitales

Marketing ab.„Will sich ein Chef über

Thomas Striegl, Gründer

von Mission One.

andere Firmen informieren, holt ihn seine Sekretärin doch nicht an

den Bildschirm, sie legt ihm Flyer oder Imagebroschüren vor.“

Zugespitzt ist die Position vonThomas Striegl, Gründer und geschäftsführender

Vorstand des Neu-Ulmer Internet-Vermarkters Mission

One. Er sieht die Zeitenwende: den Wechsel vomMassen- zum Individualmarketing,

auf das sich sein 1999 gegründetes Unternehmen konzentriert.

Schwerpunkte sind Kundenkommunikation und Absatzförderung

mithilfe elektronischer Medien. Mit 80 festen Mitarbeitern

entwickelt die Agentur,die sich dabei zu den führenden Europas zählt,

Lösungen für E-Mail-Marketing, Kundenbeziehungs-Management

und Database-Marketing.

die drei meistbesuchten Portale im netz

Mission One knüpft an, wo Unternehmen mit immer

dickleibigeren Katalogen an Grenzen stießen.

Ein Teil dieser Kataloge ist längst ins Internet gewandert,

mit aktiver Unterstützung von Mission

One. Haupttätigkeitsfeld aber ist, die Kommunikation

zwischen den Anbietern und Kunden zu organisieren:

Elektronisches Dialogmarketing. Medium

dafür ist das Internet in Gestalt vonE-Mail und

Newsletter.Von Mission One betreute Kampagnen

für Dienstleistung, Handel und produzierendes Gewerbe im B2B- und

B2C-Bereich würden derzeit in 32 Ländern weltweit empfangen, erreichten

ein Volumen von50Millionen E-Mails monatlich.

Die Kunst nun besteht darin, die „Consumer“ in spe nicht mit allgemeiner

Massenpost zu überschwemmen und so den Verdruss zu förmyspace

ermöglicht es, Benutzerprofile

mit Fotos und Videos oder Blogs einzurichten.

Das Netzwerk für Privates und

Freizeit wird häufig auch von Musikern

als Plattform genutzt.

facebook bildet und unterhält als Website

soziale Netzwerke. Jeder Benutzer kann

sich vorstellen, Fotos/Videos hochladen,

chatten, Besucher können Nachrichten hinterlassen.

250 Millionen Nutzer.

Youtube ist das Internet-Videoportal, auf

dem Benutzer kostenlosVideo-Clips ansehen

und hochladen können. Populär ist

es, weil sehr viele die Dateien hochladen,

bewerten und kommentieren können.

27


[er]finden Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

dern anstatt den Kaufanreiz. Bestreben ist vielmehr,die Kommunikation

passgenau einzurichten und die individuellen Bedürfnisse des

Empfängers zu treffen.

Hinter dem Versand von E-Mail-Newslettern steckt eine komplexe

Technologie, die dafür sorgt, dass selbst bei Millionen Abonnenten

jeder seinen persönlichen Newsletter mit individuellen Inhalten erhält,

erläutert Unternehmenssprecherin Diana Dehner. Die Software

für Versand und Gestaltung ist vonMission One neu entwickelt worden.

Dehner: „Sie ist klarer im Layout, intuitiver und flexibler in der

Anwendung.“ Das größte Augenmerk gelte aber der Datensicherheit.

„Wer nicht bestmögliche Sicherheit bieten kann, hat im E-Mail-Marketing

nichts verloren.“ Mit lästigem Spam haben E-Mail-Newsletter

nichts zu tun, so Dehner.„Deutsche Agenturen und Unternehmen versenden

nach dem Grundsatz des „Permission Marketings“ nur E-Mails

an Empfänger,die damit ausdrücklich einverstanden sind.“

Bereits zum fünften Malhintereinander erhielt Mission One auf den

Nürnberger Mailingtagen den „Mailingtage-Award“ in Silber, den

wichtigsten Preis im Direkt- und Dialogmarketing.

Eine Jury zeichnete damit ein vierstufiges Lotterie-

Spiel („Adler Losglück“) aus, das für die Adler Modemärkte

entwickelt wurde.

Zu denen, die den Fokus auf Online und neue Medien

gelegt haben, gehört die 1995 gegründete

Rrooaarr interactive solutions rainbold &scheer

GbR (www.rrooaarr.com) mit Hauptsitz Ulm, ein

Spezialistine-Marketingunde-Business.Geschäftsführer

Thomas Scheer: „Online-Angebote im

Dienstleistungsbereich müssen und können heute

weitaus mehr leisten als die reine Präsentation des Unternehmens im

Internet.“ Dank seines Dialogpotenzials spiele das Medium Internet

gerade im Servicebereich die Stärken aus. Neben der Bereitstellung

von zielgruppenorientierten Informationspaketen würden längst

komplette Geschäftsprozesse nach Online verlagert. Die Vorteile wie

bewährtes aus der Praxis

In der Praxis haben sich besonders

E-Business-Anwendungen

in folgenden Konstellationen

bewährt:

unternehmen –kunde

Internet-Präsenz, Online-

Shop,E-Mail-Newsletter,

Kundenpflege (Customer Relationship

Management), interaktiveWissensvermittlung.

Beispiel: Besonders

erklärungsbedürftige Produkte

oder Dienstleistungen,

Online-Support.

unternehmen –lieferant

Elektronische Beschaffung,

elektronische Marktplätze,

Online-Bestellverfahren,

elektronischer Informationsaustausch

oder Bereitstellung

von Informationen, Vertriebsunterstützung

unternehmen –mitarbeiter

Intranet (Mitarbeiter-Informationsportal),

Workflow-

Management,

Lagerverwaltung und Warenwirtschaft,Informationsvermittlung

(Beispiel: durch eine

Wissensdatenbank)

unternehmen –niederlassungen/außendienst/

händler

Extranet (geschlossener,

passwortgeschützer Internetbereich),

elektronischer

Informationsaustausch, Vertriebsunterstützung

bedürfnisse

passgenau

und

individuell

treffen

Alex Chalaby von Ikons (links) und

Thomas Scheer von Rrooaarr (rechts).

Schnelligkeit und Verfügbarkeit

des Internet würden

noch nicht von allen

Unternehmern in voller

Tragweite erkannt. Scheer:

„Dies sind erhebliche Kosteneinsparungen

für beide

Seiten und ein entscheidender

Mehrwert an Service-

Leistungen für die Nutzer.“

Voraussetzung sei allerdings

die „intelligente

Strukturierung der Prozesse“.

Fürden Rrooaarr-Geschäftsführer ist das Internet in der Kommunikation

von Unternehmen mit Kunden, somit der Kundenpflege,

unverzichtbar, etwa bei der interaktiven Wissensvermittlung besonders

erklärungsbedürftiger Produkte oder Dienstleistungen sowie

dem Online-Support. „Die Integration wichtiger

Geschäftsprozesse in Internet-Anwendungen ist

eine wertvolle Maßnahme zur Verbesserung von

Kommunikation, Service und Kundenbindung“, so

Scheer. Dadurch verbesserten sich Image und

Wahrnehmung bei relevanten Zielgruppen und

unterstützten die Markenbildung.

Jörg Ehret ist Geschäftsführer der 1998 gegründeten

Werbe- und Konzeptagentur Ikons Intermedia

Concepts GmbH (www.ikons.de) in Ulm, die mit

Rrooaarr kooperiert. „Alles was man auf dem Bildschirm

sieht, ist von uns, alles was man nicht sieht, ist von den Partnern“,

fasst er die Arbeitsteilung bei der Erarbeitung medienübergreifender

Kommunikationslösungen zusammen, die speziell für kleine

und mittelständische Unternehmen angeboten werden.

Wasman auf den ersten Blick sieht, ist die Website, „eine Synthese aus

Inhalten, Design und Technik“. Sie stehe im Mittelpunkt aller Online-

Marketingaktivitäten. „Versagt die Unternehmenswebsite, kann man

sich den Rest an Online-Marketing-Maßnahmen sparen“, so Ehret.

Um die Webseite attraktiv zu halten, bedürfe es eines möglichst einfachen

Content Management Systems. „Dann kann man autorisierten

Mitarbeitern oder einzelnen Bereichen die Möglichkeit geben, Informationen

auf einer Internetseite zu veröffentlichen oder zur Verfügung

zu stellen.“ Der Ikons-Mitbegründer warnt aber: „Nicht alles, was

auf den ersten Blick praktisch aussieht, ist für den Nutzer komfortabel.“

„Technologiegetriebene“ Entwürfe entwickelten eine kontraproduktiveWirkung,

wenn sie Kunden und Lieferanten überfordern und

sich diese entnervt abwenden. Ehret: „Das beste Content Management

System nützt nichts, wenn der Anwender es nicht bedienen kann.“

Im Mittelpunkt habe die „Usability“ zu stehen, die Nutzerfreundlichkeit.

Scheer fügt hinzu: „Die Kürbesteht darin, eine Lösung zu schaffen,

die von ansprechendem Design und strukturierter Benutzerführung

geprägt ist und zur Nutzung einlädt. Dass das System mit dem

Unternehmens mitwachsen kann und keine Insellösung darstellt,

sollte selbstverständlich sein.“

Darüber hinaus sollte auf die Auswertung des Navigationsverhaltens

der diversen Nutzergruppen nie verzichtet werden: „Diese Analyse

offenbart nicht selten Hemmnisse, die bereits im Vorfeld ausgeräumt

und optimiert werden können.“ [!]

THOMASVOGEL

28



[namen &nachrichten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Zweite Runde für

den Ulmer

Marketing-Preis

FürAgenturen wie Marketingabteilungen

bedeutet die Auszeichnung

mit dem Ulmer Marketing-Preis,die

alle zwei Jahre

vomMarketing-Club Ulm/Neu-

Ulm ausgelobt wird, großes Renommee.

Mitte Novemberist

die Preisverleihung. Der Marketing-Preis

war bei seiner ersten

Auflage vorzwei Jahren schon

spannend. Umso interessanter

ist, wer diesmal die Trophäe gewinnen

wird, sagt Wolfgang

Röhr,Präsident des Marketing-

Clubs, der den Wettbewerb ins

Leben gerufen hat. Erster

Hauptpreisträger war vorzwei

Jahren die Ulmer Uzin UtzAG.

Der Ulmer Marketing-Preis ehrt

herausragende Ideen, Kampagnen

und konsequentes Handeln

in der Markenführung und ist

in drei Kategorien geteilt: als

Hauptpreis „Ulmer Marketing-

Preis 2009“, dazu als „Special

Award“ für eine besondere Einzelleistung

und,

neu, als Preis für

eine herausragende

Marketing-Persönlichkeit

der Region.

Mehr zum Marketing

Preis unter

www.mculm.de

oder

www.ulmermarketingpreis.de

Auftritt von

Realgrund zeigt

Unterschiede

Uni-Start im Januar

Mit ihren Bachelor-Studiengängen in Politikwissenschaften, in

Kommunikations- und Kulturwissenschaften sowie in Wirtschaftswissenschaften

ist die Zeppelin Universität ZU in Friedrichshafen

die einzige deutsche Universität,die einen Studienstart

für das Frühjahrssemester Anfang Januar anbietet.

Realgrund Immobilienmanagement

GmbH oder Realgrund

AG,beide in Ulm? Damit die

Unterscheidung der zwei in Tätigkeit

und in Gesellschafterstruktur

unterschiedlichen und

eigenständigen Unternehmen

deutlicher wird, tritt die Realgrund

Immobilienmanagement

GmbH jetzt mit neuem Erscheinungsbild

auf. Voretwa zwei

Jahren erwarben die Gesellschafter

und Geschäftsführer

der Realgrund Immobilienmanagement

GmbH, Horst M.

Wendel und Thomas Löhlein,

die Firmenanteile vonden Aktionären

der Realgrund AG.

Schwerpunkt der Realgrund

Immobilienmanagement

GmbH ist das integrierte Immobilien-Management

für institutionelle

Großanleger.Sie

managt Gewerbeimmobilien

vorwiegend in Top-Citylagen.

Das Immobilienmanagement

hat die Optimierung der Immobilie

zum Ziel. Nicht nur das Logo

der Realgrund Immobilienmanagement

GmbH wurde

verändert, auch der Firmenauftritt

wurde überarbeitet. Das

zeigt die neugestaltete Homepage

www.realgrund-immo.de

Liebherr-Werk in

Biberach mit

neuer Führung

Horst Zerza, Geschäftsführer

des Biberacher Liebherr-Werks,

geht nach 35 Jahren im Konzern

in den Ruhestand. Seine

Aufgaben übernehmen Norbert

Stanger (Krantechnik, Technische

Datenverarbeitung) und

Klaus Graner (Antriebs- und

Steuerungstechnik).

Alno verbessert

ergebnis trotz

roter Zahlen

Der seit Jahren krisengeschüttelte

Küchenmöbelhersteller

Alno, Pfullendorf, schreibt nach

wie vorrote Zahlen. Von49,5

Millionen Euro im Vorjahr hat

sich das Minus auf nur noch 0,9

Millionen reduziert. Für2008

stellt Alno ein positives EBIT in

Aussicht und rechnet mit überdurchschnittlich

gutem Ergebniszuwachs.

Trotz des Erfolgs

gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung.

Georg Kellinghaus

verlässt im Einvernehmen

das Unternehmen. Sein Nachfolger

als Vorstandsvorsitzender

und Finanzvorstand ist Jörg

Deisel. Der 55-Jährige war seither

unter anderem in führenden

Positionen bei der Flachglas

AG und der Dynamit Nobel.

2008 kam Deisel zu Alno, wo er

das Ressort Vertrieb und Marketing

verantwortete.

Ravensburger

gründet Firma

für digitale Spiele

Um seine Kompetenz bei digitalen

Spielen zu unterstreichen,

gründet der Ravensburger Spieleverlag

das Tochterunternehmen

Ravensburger Digital, Sitz

in München. Alle wesentlichen

Online-Plattformen werden mit

Produkten des digitalen Sektors

bedient. Ravensburger trägt so

dem Umstand Rechnung, dass

sich Grenzen zwischen traditionellen

und digitalen Spielen

verwischen. ZumGeschäftsverlauf

im Inland äußert sich das

Unternehmen verhalten optimistisch,

nennt die Lage insgesamt

stabil und rechnet nicht

mit nennenswertem Umsatzrückgang.

Bei den Auslandsmärkten

zeichnet sich durch

die wirtschaftliche Krise vorallem

in Spanien, Großbritannien

und USAein Abschwung an.

30


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[namen &nachrichten]

techniData mit

kontinuierlichem

Wachstum

Das Software-Unternehmen

TechniData AG in Markdorf

wächst kontinuierlich weiter,

wenn auch die 12 bis 25 Prozent

Plus der letzten Jahre heuer

nicht erreicht werden. VonUmsatzeinbrüchen,

Kurzarbeit

oder Stellenabbau ist nicht die

Rede. Fachkräfte werden nach

wie vorgesucht. TechniData

produziert branchenübergreifend

eine spezielle Software, die

bei der Entwicklung neuer Produkte

automatisch überprüft,

inwieweit gesetzliche Vorgaben

hinsichtlich Produktsicherheit,

Gesundheitsgefährdung und

Umweltschutzauflagen berücksichtigt

werden müssen. Die

Dienstleistung reicht bis zur

Kennzeichnung vonEtikettierungen,

wenn Gefahrensymbole

anzugeben sind. Seinen Erfolg

führt das Unternehmen auf

die zunehmende Regulierungsdichte

zurück und auf die rasch

wachsende Globalisierung auch

der mittelständischen Wirtschaft.

Beim Export in ferne

Länder müssen die dort gültigen

Bestimmungen berücksichtigt

werden. Im vergangenen

Jahr haben bei TechniData 486

Mitarbeiter 64,9 Millionen Euro

Umsatz und 5,5 Millionen Gewinn

vorZinsen und Steuern

erwirtschaftet.

Hymer setzt auf

Stabilisierung

des Marktes

Mutig, mutig: Gründen in der Krise

Gründer in der Krise: Sind sie risikofreudiger oder optimistischer? Haben sie ein Geschäftsmodell,

das zur Wirtschaftsentwicklung passt? Silke Balsys,32-jährige PR-Beraterin hat sich in Biberach

selbstständig gemacht –die Entwicklung von „PR Süd“ liegt deutlich über der Planung.

In der Halbjahresbilanz des laufenden

Geschäftsjahrs verzeichnet

die Hymer AG in Bad Waldsee

gegenüber dem Vorjahr

einen herben Umsatzrückgang

von25,4 Prozent. Aufden Exportmärkten

sind die Einbußen

besonders stark, wenn sie auch

unterhalb der Durchschnittszahlen

liegen, die die Branche

in diesen Ländern verzeichnet.

Dänemark und Großbritannien

sind am stärksten betroffen. Die

Exportquote lag im Vorjahr bei

über 65 Prozent. In Deutschland

sieht der Absatz günstiger

aus. Jetzt setzt Hymer auf eine

Stabilisierung des Marktes und

auf die Wirksamkeit seiner Krisenmaßnahmen.

ZumRestrukturierungsprogramm

gehören

eine neue Vertriebsstruktur mit

mehr Nähe zum Händler,die

Straffung des Produktprogramms

und das Insourcing der

Möbelfertigung, um Arbeitsplätze

zu erhalten.

Hymer: Hoffnung auf Stabilisierung

des Marktes in Deutschland.

tognum erweitert

sein Werk für

einspritzpumpen

Der Technik-Konzern Tognum,

zu dem die Marke MTU in

Friedrichshafen am Bodensee

gehört, baut sein Werk für Dieselmotoren-Injektoren

in Glatten

bei Freudenstadt weiter aus.

Elf Millionen Euro werden dort

bei der Tochtergesellschaft

L‘Orange für eine neue Fertigungshalle

und für neue Maschinen

investiert. Die neuen

Einspritzpumpen sind für

MTU-Motoren der Baureihe

4000 bestimmt. In Glatten sollen

in Zukunft 220 Mitarbeiter

beschäftigt werden.

Im Vorstand vonTognum übernimmt

Ulrich Dohle das Ressort

Technology &Operations von

Michael Wolters. Neue Aufsichtsratsmitglieder

bei Tognum

sind jetzt die Daimler-Manager

Edgar Krökel und

AndreasRenschler.

Haller erschließt

sich neue Märkte

mit Prototyping

Der CNC-Spezialist Präzisionstechnik

Oliver Haller in Bermatingen

bei Salem fertigt Drehund

Frästeile von

außergewöhnlicher Genauigkeit.

Das vorneun Jahren als

Ein-Mann-Betrieb gegründete

Unternehmen beschäftigt heute

zehn Mitarbeiter an insgesamt

drei hochmodernen CNC-Bearbeitungszentren.

Um die Produktion

auszuweiten, wurden

in diesem Jahr die Hallenfläche

auf 1000 qm verdoppelt und der

Maschinenpark für 1,2 Millionen

Euro modernisiert. Haller

sucht neue Märkte in der Automobil-,

Flugzeug- und Maschinenbauindustrie,

wo das Unternehmen

für seine

hochkomplexen Teile in kleinen

Losgrößen Chancen in der

Forschung und beim Prototyping

sieht. [!]

31


[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Welche Aufstellung ist die richtige? Die riskante, die GegentoreinKauf nimmt, oder die sichere, die weniger Gewinnchancen bietet. Fragen auch für Anleger.

harmonische aufstellung, guter kick

WieBanken beim Vermögensmanagement auf die Finanzkrise antworten. Vorder Krise konnten Renditen oft nicht

hoch genug sein, Risiken wurden ausgeblendet. Jetzt rücken Sicherheit und Sachwerte wieder stärker ins Bewusstsein.

Beim Fußball ist es eine Frage der Einund

Aufstellung, ob man mit Risiko

spielt. Werauf Sicherheit spielt, wird

kaum verlieren, aber wenig gewinnen. Wer

bedingungslos angreift, fängt leicht Gegentore

ein –und Niederlagen. Passt die Aufstellung,

harmoniert das Team, wird’s ein guter

Kick, das Ergebnis stimmt. Im Gegensatz zu

Sepp Herberger („Die Leute gehen hin, weil sie

nicht wissen, wie‘s ausgeht“) scheinen Karlheinz

Schabel, Vorstandsmitglied der Volksbank

Ulm-Biberach, und Axel Stork, für Anlage-

und Vorsorgeberatung verantwortlich, zu

wissen, wie das Spiel an der Börse verlaufen

wird. Sie rechnen, in der Fußball-Sprache, mit

Gegentoren: „Wir sehen noch Enttäuschungspotenzial.“

Kein Wunder, dass sie raten, Nervenzubehalten,

langfristig zu denken, in Zeiträumen

von10, 20 und mehr Jahren.

VonAktien-Euphorie bei der Volksbank Ulm-

Biberach also keine Spur, Chancen und Risiken

werden mit Bedacht gewählt. Man habe

bereits 2006 den Kunden geraten, ihre Bestände

an Einzelaktien abzubauen. „Unsystematisches

Risiko“ gelte es zu vermeiden, und für

manchen Kunden dürfte die Anlagesumme

auch schlicht zu gering sein, um mit einzelnen

Titeln eine ausgewogene Mischung zu

erzielen. Zudem hat die Volksbank Ulm-Biberach

dem fatalen Trend zu hochriskanten

Zertifikaten widerstanden –und damit dem

Wunsch so mancher Anleger. „Wir sind von

Kunden ständig damit konfrontiert worden

und heute froh, dass wir unsere Philosophie

durchgehalten haben“, sagt Schabel.

die struktur entscheidet

Nach Einschätzung Storks ist bei der Geldanlage

zu 80 Prozent die Mischung, die Vermögensstruktur,entscheidend.

Die beiden anderen

Faktoren, Titelauswahl (12 Prozent) und

Zeitpunkt vonKauf oder Verkauf (8 Prozent),

scheinen fast vernachlässigbar.Siehe Aufstellung

beim Fußball. Wichtig sei das Verständnis

vonSicherheit, das der Anleger pflegt: Versteht

er darunter Verfügbarkeit zu jeder Zeit,

Erreichen einer gewählten Rendite oder Bildung

vonRücklagen für den letzten Lebensabschnitt?

Auch nimmt die Bank Trends auf wie

Tagesgeld („Cash is King“), Gold, Immobilien,

Anleihen, Garantie- und Sachwertefonds.

Das Vermögensmanagement staffelt die

Volksbank nach Größenklassen. Sie bietet ein

standardisiertes Vermögensmanagement, das

sich auf Fondsvermögensverwaltung (Union

Investment) in Luxemburg oder der Schweiz

stützt. Je nach Anlagesumme werden Anleihen,

Immobilien und Gold beigemischt, wird

Aktienmanagement in engem Kontakt zum

Berater geboten, es kommt Vermögensverwaltungsmandat

in Luxemburg oder der Schweiz

in Betracht mit Mehrwertleistungen wie Verwaltungvon

Kunstobjekten. Obwohl der Mythos

Schweiz noch reizt, empfiehlt Schabel,

„im Euro-Raum zu bleiben“.

Wie bei der Anlagestrategie setzt die Volksbank

Ulm-Biberach bei der Personalentwicklung

auf Kontinuität und ambitionierte Nachwuchskräfte

aus eigenen Reihen. Nur

vereinzelt verstärkt die Bank ihr Berater-Team

mit externen Bewerbern. „Wir sprechen nicht

vonVerkäufern“, betonen Schabel und Stork.

32


33


[machen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Provision? nein, danke!

Weshalb honorarberater Objektivität

versprechen. WerGeld in Aktienfonds

anlegen will, dem empfiehlt wohl jede

Bank Produkte der mit ihr verbundenen

Fondsgesellschaft: Volksbanken die Union

Investment-Fonds,Sparkassen die Deka-Fonds,die

Deutsche Bank DWS-Fonds.

Dies nährt Zweifel an einer unabhängigen,

sprich objektiven Vermögensberatung.

Zudem fördert jede Fondsgesellschaft

ihren Vertrieb durch

Abschluss- und Bestandsprovisionen. Allerdings

sind die Banken gesetzlich verpflichtet,den

Anleger über solche Rückvergütungen

(Kick-Backs) vor

Vertragsabschluss aufzuklären (BGH-Urteile

XI ZR 56/05 und XI ZR 586/07).

hundertprozentige unabhängigkeit und

Objektivität versprechen jene Finanzdienstleister

oder Vermögensberater,die sich als

Honorarberater bezeichnen. Sie leben ausschließlich

von den Gebühren, die sie für eine

Finanz- und Vermögensberatung berechnen,

und verkaufen dem Anleger Fonds

und andere Finanzprodukte zum Nettopreis,also

provisionsfrei. Wie stark ein Berater,

ob angestellt oder freiberuflich, von

Provisionen abhängig ist, sagt jedoch nicht

zwingend etwas über die Qualität seiner

Beratungsleistung aus.Zudem ist die Bezeichnung

Honorarberater bislang weder

geschützt,noch gibt es bisher eine verbindliche

gesetzliche Definition der Honorarberatung.

um die meinungsführerschaft und um

Mitglieder unter den Honorarberatern

kämpfen inDeutschland zwei Organisationen:

Der imJahr 2000 gegründeteVDH

Verbund Deutscher Honorarberater bezeichnet

sich als „marktführender

Dienstleister für Honorarberater“. Erst

im März 2009 hat sich die „Initiative der

qualifizierten und unabhängigen Honorarberater“

mit Sitz in Berlin gegründet.

Nach eigenen Angaben engagiert sich die

Initiative als bundesweite Interessengemeinschaft

für die Etablierung der Honorarberatung

in Deutschland. Mit einem

bundesweiten „Honorarberatergipfel“ am

19.November in Berlin will sie weiter auf

sich aufmerksam machen.

Weiter fügt sich ins Bild der Volksbank Ulm-

Biberach die ständige Weiterbildung der Berater,

die die ganze Bandbreite der Vermögensberatung

abdecken. Reine Aktienspezialisten

sind nicht gefragt. „Wir gehen diesen Wegseit

zehn Jahren konsequent“, sagt Schabel, „statt

Gewinnmaximierung für die Bank halten wir

uns ans Genossenschaftsprinzip, handeln bedarfsorientiert

für unsere Mitglieder.“ Die

Konkurrenz hat die Volksbank Ulm-Biberach

im Blick, hält aber an Grundsätzen fest. „Aus

dem Wettbewerb um extrem günstige Baufinanzierungenhabenwirunsherausgehalten“,

sagt Schabel, verweist auf die Philosophie der

Bank: „Konzeption vorKondition“.

Schabels Urteil über Konkurrenzkampf und

sinkende Margen: „Betriebswirtschaftlich wenig

lukrativ, jedoch als Instrument zur Kundenbindung

geeignet.“ Die Honorarberatung

haben die Volksbank-Experten im Blick, glauben

aber,dass die Mehrzahl der Kunden dafür

noch nicht bereit sei.

resistent gegen fusiOnen

Bei der Raiffeisenbank Dellmensingen gehen

die Uhren anders –nicht langsamer.Als eine

der kleinsten selbstständigen Volks- und Raiffeisenbanken

rund um Ulm/Neu-Ulm wirbt

sie mit „Klein aber fein“, zeigt sich resistent

gegenüber Fusion oder Übernahmen. Mit Eugen

Schlachter fungiert ein profilierter Oberschwabe

und Landtagsabgeordneter der Grünen

als Vorstandssprecher.

„Was die großen Banken bei der Vermögensberatung

leisten, können wir auch“, sagt Prokurist

Hans-Dieter Fuchs, „nur auf unsere Weise,

weil wir eine andere Klientel haben.“ Kundennähe

nimmt die Raiffeisenbank Dellmensingen

wörtlich: Sowohl im Haupthaus Dellmensingen,StadtteilvonErbach(Alb-Donau-Kreis)

als auch in der Filiale Stetten, Ortsteil von

Achstetten (Kreis Biberach), stößt der Kunde

laut Fuchs auf „100 Prozent Entscheidungskompetenz

am Ort“, erhält umfassende

Beratung in allen Vermögensfragen.

Wieviel der Kunde auf die hohe Kante

legen will, spielt bei der Vermögensberatung

zunächst keine Rolle. Wie intensiv

die persönliche Beratung letztlich ist,

hängt nach Philosophie der Raiffeisenbank

allein ab von Wissen, Antrieb und

Bedürfnissen des Kunden. „Bei Anfragen

selektieren wir nicht nach Vermögen“,

sagt Schlachter,„wir hören jedem Kunden

genau zu und unterwerfen die Gespräche

nicht dem Controller.“ Weil auch in Dellmensingen

und Stetten (Beratungs-)Zeit

Geld kostet, liegt die Bank beim Personalaufwand

über dem Durchschnitt. Für

Schlachter aber ein wesentlicher Schlüssel

zu Erfolg, Kundenbindung und Profilierung:

„Wir sind eine Lösungsbank, keine

Produktebank.“

Diesem Anspruch wird der Vorstand dadurch

gerecht, dass er auf Mitarbeiter keinen

Verkaufsdruck für bestimmte Segmente

oder Produkte ausübt. „Eine

Vertriebssteuerung wie bei einer großen

Bank funktioniert bei uns nicht“, sagt

Fuchs, der die Gesamtschau pflegt ebenso

wie die Begriffe Nachhaltigkeit und Genossenschaftsprinzip.

Haben Geschäftsverbindungen

über Generationen Bestand, gilt dies

bei der Raiffeisenbank als nachhaltig. Das Genossenschaftsprinzip,

auf das sich alle Volksund

Raiffeisenbanken berufen, betrachten

Schlachter und Fuchs differenziert. „Dass wir

keinen kurzfristigen Einzelzielen nachgehen,

ist zentraler Erfolg unserer

Bank“, sagt Fuchs, „unsere Erfolge

sind immer die Erfolge

unserer Mitglieder“.

Von der Vertrauenskrisegegenüber

Großbanken hat

die kleine Raiffeisenbank

profitiert:

Das Anlagevolumen

der

Kunden stieg 2008 um über 10 Prozent,

die meisten Anleger entschieden sich

für ein Geldmarktkonto oder Geldmarktfonds.

Doch muss sich die Raiffeisenbank

Dellmensingen in einem „heftig umkämpften

Markt“ (so Fuchs) behaupten. Bei den

20- bis 40-Jährigen tummelten sich viele

Versicherungsvertreter,die nebenbei Anlageprodukte

verkaufen, sowie Berater von

Strukturvertriebs-Gesellschaften. Ein Stachel

imFleisch der selbstbewussten Dellmensinger,

zumal der Ort seine Eigenständigkeit

pflegt bis hin zur einst geforderten

Loslösung vonErbach. „Gerade bei den Jüngeren

gehtdafür das Bewusstsein ein Stück

verloren“, sagt Fuchs, „die wenigen eigen-

34


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[machen]

ständigen Dellmensinger Institutionen werden

nicht mehr so unterstützt wie früher.“

Aufder anderen Seite wird die Bank durch die

„überbordende Bürokratie“ belastet. Gut gemeinte

gesetzliche Regelungen wie das Verbot

telefonischer Kaltakquise oder das für 2010

geplante Anlegerschutzgesetz mit der Protokollpflicht

für sämtliche Beratungsgespräche

lassen aus Sicht vonSchlachter

und Fuchs eine Differenzierung

vermissen. Da müsse die kleine

Raiffeisenbank den selben

bürokratischen Aufwand

treiben wie die

Großbank. Die oberschwäbische

Weisheit, die Schlachter

auf die Finanzkrise bezieht,

könnte auch für die Auswirkung

der ungeliebten Bürokratie gelten:

„Wenn’s lange regnet, werden alle nass.“

Nach der Finanzkrise sind die meisten Banken

schlauer,manche waren es schon Jahre zuvor

–oder so vorsichtig wie die Sparkasse Neu-

Ulm/Illertissen. 2004 hatte der Vorstand intern

über ein Investment in strukturierte Papiere

beraten, aber bewusst darauf verzichtet

–und dies durchgehalten. In ihrer Beratungspraxis

ist sich die Sparkasse treu geblieben.

Hans Rauth, stellvertretendes Vorstandsmitglied,

hält das Thema Vertrauen hoch. Zudem

sei der Auftrag der Sparkasse als Anstalt des

öffentlichen Rechts aktueller denn je: sämtliche

Finanzdienstleistungen den Kunden anzubieten.

Deshalb leistet sich die Sparkasse

eine hauseigene Finanzierungsabteilung für

private Immobilienkunden.

Über allem schwebt der Begriff ganzheitlicher

Ansatz. Dazu zählen aus Rauths Sicht ausschließlich

„Produkte, die verstanden werden“,

das Können, „die richtigen Produkte für

die richtigen Kunden“zufinden, und die Nähe

zu den Kunden. Seinem Bekenntnis zu den

Kapitalprodukten der Sparkassen-Finanzgruppe

(unter anderem DEKA-Fonds) folgt die

plausible Begründung: „Damit haben wir die

meiste Erfahrung und kennen sämtliche Details,

die für den Anleger den Ausschlag

geben können.“

Vermögensberatung ist für die

Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen

weniger eine Frage des Anlagevermögens

als der Ziele des Kunden.

Weil sich Ziele nach Alter,

Einkommen und Lebensumständen

öfters ändern, sieht Rauth in der

Vermögensberatung „eine das ganze

LebendurchgehendeAngelegenheit,dienicht

erst bei einer halben Million Euro beginnt.“

VOm kindesalter an

Die Sparkasse bemüht sich mit der Marke S-

Jung und eigenen Beratern um junge Kunden

vomKindesalter an. Eine Neu-Ulmer Spezialität

(„Vorreiter unter den bayerischen Sparkassen,

eine Art Denkfabrik“), die sich bezahlt

macht. Gerade in den letzten zwei Jahren stieg

die Abschlussquote bei Bausparverträgen

deutlich an. Das Engagement der S-Jung-Truppe

dürfte eine Ursache sein, auf der anderen

Seite eine Renaissance der Sachwerte. Hinzu

kommen derzeit das ausgeprägte Sicherheitsdenken

der Kunden, der Wunsch nach dem

zeitlich überschaubaren Anlagehorizont und

transparenten, verständlichen Produkten. Die

unsichere Lage auf dem Arbeitsmarkt führt

dazu, dass viele Anleger mehr sofort verfügbares

Geld vorhalten

als gemeinhin erforderlich. „Liquidität

scheint oft vor Rentabilität zu gehen“,

so die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen.

Sicherheit für die Anleger versprechen viele

Banken, für Rauth bieten jedoch die öffentlich-rechtlich

Sparkassen, vergleichbar genossenschaftlichen

Volksbanken, durch die Institutssicherung

unbegrenzten und 100-prozentigen

Kapitalschutz, mehr als die Leistungen

des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands

deutscher Banken. Zudem müsse bedacht

werden, dass der Einlagensicherungsfonds

im Fall einer Bankpleite Zinsen nur in

marktüblicher Höhe erstatte und die Erstattung

vonder Zustimmung des Kunden abhängig

gemacht werden kann.

„Wäre der ursächliche Zusammenhang zwischen

Chance und Risiko beachtet worden,

hätten wir keine Finanzkrise“, sagt Rauth. Das

Streben mancher Anleger nach maximaler

Rendite stellt er ebenso infrage wie den Anspruch

voller Unabhängigkeit, mit dem Honorarberater

für sich werben: „Auch Honorarberater

brauchen Verträge mit Anbietern von

Finanzprodukten und haben Präferenzen.“

Aktuell erschließt die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen

ein neues Feld für jene Anleger, die

langfristig denken und in ihre Immobilie investieren

wollen. Energiesparen und speziell

Photovoltaik erscheinen erfolgversprechend

und zukunftsträchtig. „Jeder Kundenberater

muss davon Ahnung haben und wird vonuns

geschult“, sagt Rauth und blickt offenbar sonnigen

Zeiten entgegen. [!] THOMAS ZEHENDER

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[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Konferieren mit Donaublick: In aufs Tagungsgeschäft eingerichteten Hotels in der Ulmer Region wie dem „Mövenpick“ in Neu-Ulm (Bild) ist das möglich.

Ja –aber bescheiden

Deutschland ist Spitze. Europäische Veranstalter bewerten die Bundesrepublik als die führende tagungsnation. Auch die

Region Ulm ist gut aufgestellt. In der wirtschaftlichen Krise spielt das Preis-Leistungs-Verhältnis eine wesentliche Rolle.

PetraKreibich, KAD-Kongress-Agentur

in Sulzberg.

Tagungen und Kongresse sind wichtig

für Planung, Schulung und Kommunikation

in Unternehmen, Parteien und

Verbänden –aber das Geld sitzt nicht mehr so

locker wie vorder Krise. „Es wird gespart wie

nie zuvor“, weiß Walter Heiligenstetter,Maritim-Regionaldirektor

in Ulm. „Kein Unternehmen

will auf der einen Seite Mitarbeiter

entlassen und auf der anderen Seite groß feiern.“

Der Rotstift ist bei der Planung von Tagungen

und Kongressen zum wichtigen Utensil

geworden. Dennoch, es wird weiter getagt,

wenn auch oft in bescheidenerem Rahmen.

Thomas Eifert, Bauherr des neuen Tagungsund

Kongresshotels „Lago“inder Ulmer Friedrichsau,

hat beim Einrichten der Doppelzimmer

reagiert: Alle Doppelbetten des Hotels,

das am 18. Januar 2010 eröffnet, sind zu Einzelbetten

auseinander zu fahren. Manches

Unternehmen will trotz immer stärker genutzter

Videokonferenzen nicht auf mehrtägige

Treffen verzichten,

aber laut

Eifert ist es nichts

Außergewöhnliches

mehr, wenn

sich zwei Mitarbeiter

ein Doppelzimmer

teilen müssen.

Da ist es durchaus

hilfreich, wenn sie

auf Distanz schlafen

können.

Wie viele Tagungen

und Kongresse alljährlich in Deutschland

über die Bühne gehen, hat auch der Europäische

Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.

(EVVC) im hessischen Bad Homburg nicht genau

aufgeschlüsselt. Insgesamt bewegt sich

der Veranstaltungsmarkt aber weiter auf sehr

hohem Niveau. Berlin, München und Frankfurt

am Main sind laut EVVC-Pressespreche-

rinAntjeMünsterbergdiedeutschenTagungs-

hauptstädte. Deutschland hat derzeit 6330

Tagungs- und Veranstaltungsstätten zu bieten,

zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr

Veranstalter bedeuten mehr Konkurrenz. Das

gilt auch für die Region Ulm.

regiOn bestens aufgestellt

Selbst wenn mit dem „Lago“jetzt ein weiterer

Wettbewerber dazukommen wird, so ist sich

Jürgen Eilts, Geschäftsführer der Ulmmesse,

doch sicher,dass es auch in Zukunft gutes Einvernehmen

zwischen den großen Tagungshotels

wie dem „Maritim“ auf Ulmer und auch

dem „Mövenpick“ auf Neu-Ulmer Donauseite

geben wird. Eilts, der nun mit dem „Lago“ein

Hotel direkt neben der Messe erhält, hofft auf

einen gebündelten Wettbewerb der Region

Ulm gegen den „Rest der Welt“.

Dass die Region Ulm ein Kongress-Standort

für gehobene Ansprüche ist, hat sie bereits

36


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[spezial]

beim Deutschen Ärztetag im vorigen Jahr bewiesen.

Da ging es nicht nur um die Kapazität

an Sälen für die zahlreichen Veranstaltungen,

sondern auch darum, für alle Bereiche die passenden

Hotelzimmer anbieten zu können.

Wersich international behaupten will, muss

ebenso über Suiten in ausreichender Zahl für

Vorstandsmitglieder oder andere Topleute

wie auch über genügend Zimmer für „normale“

Tagungsgäste verfügen.

Die Zukunft der Region sieht Multi-Gastronom

Eifert vor allem als Tagungs- und Kongressort.

„Gegen die Konkurrenz Stuttgart

und Friedrichshafen ist Ulm als Messeort

chancenlos. Aber als Tagungs- und KongressveranstalterhabenwirriesigeMöglichkeiten“,

da für diese Zwecke „irrsinnig“ viel Platz vorhanden

sei. Der Neue im Verbund der Anbieter

für technisch perfekte Tagungs- und Kongressräume

sieht die Region jetzt bestens

aufgestellt, Großprojekte zu stemmen. Alle

sind sich einig, dass der Hotelneubau in der

Friedrichsau den Standort Ulm stärkt.

Auch die Ulmesse, deren neuer Donausaal

den modernsten technischen Anforderungen

an einen Tagungsort angepasst wurde, freut

sich über den Zuwachs vor der Haustür. Geschäftsführer

Eilts: „Jetzt ist eine individuellere

Betreuung der Kunden möglich.“

Die Region Ulm/Neu-Ulm kann offensiv für

sich als Tagungsstätte werben. Dass die Stadt

nicht über einen Flugplatz verfügt, wird von

allen Tagungsprofis als kein wesentlicher

Nachteil angesehen. Auch Anna Christina

Mack, die im „Mövenpick“ die Veranstaltungsorganisation

leitet, verweist lieber auf die gute

Autobahnanbindung (A 8und A7)sowie

die Möglichkeit, mit dem ICE nach Ulm zu

Spielen bald eine Rolle bei Tagungen in Ulm: Das

neue Hotel „Lago“ in der Friedrichsau (unten)

und dessen Betreiber Thomas Eifert (oben)

reisen. Zudem liege die Region zentral in Süddeutschland,

und auch die Schnittstelle zwischen

den Bundesländern Bayern und Baden-

Württemberg sei durchaus ein Vorteil.

Natürlich hat sich jedes Tagungshotel im Lauf

der Zeit Stammkunden erworben. Doch alle

müssen um mögliche neue Kunden kämpfen.

Regionaldirektor Heiligenstetter weist mit

Stolz darauf hin, dass „Maritim“ die größte

deutsche Tagungskette darstellt. Insgesamt

seien 80 Mitarbeiter im Außendienst beschäftigt,

die bei Unternehmen und Verbänden für

„Maritim“-Hotels werben. Auch Eifert spricht

von „hartem Marketing“ für das „Lago“, und

Anna Christina Mack weist ebenfalls darauf

hin, dass ein neuer Interessent erst intensiv

überzeugt werden muss.

langfristige Planungen

Die Planung für Großveranstaltungen beginnt

oft schon zwei Jahre vorher und noch

früher. Aber immer öfter haben es die Ausrichterjetzt

auch mitKunden zu tun, die „last

minute“ entscheiden. „Es wird immer kurzfristiger“,

sagt Heiligenstetter. Jeanspruchsvoller

das Programm rund um Tagung oder

Kongress, desto länger sollte der Vorlauf sein

–mindestens drei bis sechs Monate bei größeren

Veranstaltungen auf jeden Fall.

Im Konzert der Tagungs- und Kongresshotels

in der Region spielt auch das „Best Western

Atrium Ulm“ mit. Eigentümer Oliver Schreiber

ließ während der letzten Monate das Hotel

für eine Million Euro komplett umbauen und

verfügt jetzt über neun Tagungsräume, in welchen

bis zu 80 Personen Platz finden. Die Veranstaltungstechnik

ist auf neuestem Stand.

Wenn vom Tagungsgast auch ein Rahmenprogramm

gewünscht wird, kann Schreiber

auf seine eigene Veranstaltungsabteilung setzen,

es wird auch sehr eng mit der Ulm/Neu-

Ulm Touristik UNT zusammengearbeitet.

Je größer Unternehmen oder Verband, desto

wahrscheinlicher, dass eine Agentur außer

Haus mit Tagungs- oder Kongressstätten verhandelt.

Petra Kreibich, Geschäftsführerin der

KAD Kongress Agentur in Sulzberg bei Kempten,

weiß aus langer Erfahrung, dass etwa die

Hälfte ihrer renommierten Kunden wie Deutsche

Bahn, Telekom und die Bausparkasse

37


[spezial] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Schwäbisch Hall

bei Auftragsvergabe

genau vorgibt,

was sie will, so

auch den Veranstaltungsort

und

das Hotel. „Konzeptionell

stricken

wir aber immer

wieder das Rahmenprogramm“,

Oliver Schreiber: Jetzt mit

erklärt Kreibich, dem Best Western dabei.

deren KAD-Agentur

auch Kongresse im Ausland organisiert.

Es gibt fast nichts, was nicht im Vorfeld zwischen

Kunden, eventuell eingeschalteter

Agentur und Tagungs- oder Kongressplatz abgeklärt

wird. Beamer oder Overhead-Projektor

und Leinwand sind Standard. Es gibt aber eine

Fülle anderer Dinge, die gefragt sind: vonBleistift

und Schreibblock über Rednerpult bis

zum Einsatz von Dolmetschern und einer Simultananlage.

Nicht zu vergessen Getränke

und der Imbiss zwischendurch.

Es ist ein Riesenpaket, das voreiner größeren

Tagung oder einem Kongress geschnürt wird.

Neben der Arbeit soll für die Teilnehmer auch

Entspannung geboten werden. Auch da hat

die Region Ulm einiges. Vomkulinarischen

Angebot der Tagungs- und Kongresshotels abgesehen

preisen Eifert und Eilts, die sich nicht

nur als technisch bestens vernetztes Team

verstehen, die gute Anbindung der Messe oder

des „Lago“per Straßenbahn an die Stadt an.

bis zum sPrung in den see

Oldtimer-Fan Eifert kann sich für die Zukunft

auch Oldtimer-Ausflüge für seine Gäste vorstellen.

Dass vielleicht gar ein Sprung in den

Ausee vom hoteleigenen Steg möglich sein

wird, sei ein zusätzlicher

Anreiz. Der

nahe Golfplatz ist

für alle Tagungshotels

ein Plus. Heiligenstetter

vom

„Maritim“ verweist

auf spezielle Stadtführungen,

AusflügewiezumBlautopf

oder Schiffsfahrten

auf der Donau. Wer

Walter Heiligenstetter leitet

das „Maritim“inUlm.

will, kann sich in einem Klettergarten beweisen.

Die vorJahren fast unvermeidlichen Gocart-Rennen

sind allerdings out.

Eine wichtige Rolle in der Doppelstadt spielt

auch der Tagungspool Ulm/Neu-Ulm, der Einrichtungen

aus dem Tagungs-, Kongress- und

Eventbereich unter Federführung der Ulm/

Neu-Ulm Touristik GmbH zusammenfasst.

Neben den führenden Hotels verweist der Tagungspool

auch auf so besondere Veranstaltungsorte

wie den Business Park, das Stadthaus

und das Kornhaus.

Es sei wichtig, sich in den Kunden hineinzudenken.

„Unsere Chance ist, mehr Service zu

bieten“, sagt Eilts von der Ulmmesse, und er

verweist darauf, dass wie auch bei den Mitbewerbern

ein hauseigener Fullservice möglich

sei. „Wir haben starke Partner.Das gilt für den

Blumenschmuck genauso wie für Catering,

Technik, Dolmetscher, Vip-Fahrdienst oder

Bewachung.“

Wasgeboten wird, das liegt einzig und allein

daran, was gewünscht wird, wie viel Zeit vorhanden

ist –und natürlich auch daran, wie

viel derKunde zu zahlen bereit ist. [!]

EBERHARD GROSSE

die großen

Das maritim auf der Ulmer Donauseite

hat 287Zimmer,darunter 11 Suiten. Im

angeschlossenen Congress Centrum

hat der Einstein-Saal mit bis zu 1500

Personen die größte Kapazität.Neben

dem Einstein-Saal stehen weitere 17

Bankett- und Konferenzräume für bis

zu 330 Personen zur Verfügung.

Das mövenpick auf der Neu-Ulmer Donau-Seite

hat 135Zimmer und 3Suiten.

Zusammen mit dem angeschlossenen

Kongresszentrum der Stadt

Neu-Ulm, dem Edwin-Scharff-Haus,

verfügt das Hotel über eine Bankettkapazität

von mehr als 800 Personen. Es

gibt 5Seminarräume.

Das lago in der Ulmer Friedrichsau

liegt nahe der Donau und ist direkt mit

den Räumen der Ulmmesse verbunden.

Es verfügt über 60 Doppelzimmer

und 2Suiten. Räume für Tagungen und

Feste imHotel oder bei der Ulmmesse.

Im neuen teilbaren Donausaal finden

bis zu 600 Personen Platz, in der Donauhalle

bis 2280 Besucher.Das Hotel

wird am18. Januar 2010 eröffnet.

Das best Western atrium in Ulm-Böfingen

verfügt über 73 Zimmer in zwei Kategorien.

Für Tagungen stehen nach dem gerade abgeschlossenen

Umbau 9klimatisierte Räume

mit modernsterTagungstechnik zur

Verfügung.

Der landgasthof hirsch im Neu-Ulmer

Ortsteil Finningen bietet 52 Zimmer.Für Tagungen

und Kongresse gibt es 7multifunktionale

Räume.ImVeranstaltungsstadel finden

120 Personen Platz. Die restlichen 6

Tagungsräume verfügen über eine Kapazität

bis zu 60 Personen.

der dachverband Der Europäische Verband

der Veranstaltungs-Centren e.V. EVVC

mit Sitz im hessischen Bad Homburg repräsentiert

mehr als 560 Veranstaltungszentren,

Kongresshäuser,Arenen und Special

Event Locations in Europa.Jährlich finden

in den Mitgliedseinrichtungen des EVVC etwa

130 000 Veranstaltungen mit mehr als

70 Millionen Besuchern statt.Bei den Meetings,

Tagungen, Seminaren oder Kongressen

steht der Arbeitscharakter imVordergrund.

Bei den Incentives und Events geht

es vergnüglicher zu.

Wenn getagt wird Bei einer Tagung

oder einem Kongress treffen sich Personen,

die in oder an einem speziellen

Themenbereich arbeiten. Vorträge,

Präsentationen und Kontaktpflege stehen

im Vordergrund. Damit dabei alles

möglichst effektiv erfolgt,müssen die

Tagungsraumausstattung, die technischen

Möglichkeiten, die Unterbringung

der Teilnehmer und das Freizeitprogramm

eine Einheit bilden.

der bekannteste kongress Zum weltweit

bekanntesten aller Kongresse trafen

sich vom September 1814 bis Juni

1815 in Wien Staatsmänner,umEuropa

nach dem Sturz Napoleons I. politisch

neu zu ordnen. In Wien entstand auch

das (oft und meist leicht abgewandelt

zitierte) Wort „Der Kongress tanzt,

aber er kommt nicht vorwärts. Es sickert

auch nichts durch als der

Schweiß der tanzenden Herren“ –geprägt

vom belgischen Diplomaten

CharlesJoseph de Ligné. Es wurde

nicht nur getanzt: In Wien wurden für

die Zukunft Europas wichtige Entscheidungen

getroffen.

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[machen] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

für ein lächeln arbeiten

Der Arzt als Dienstleister: So sehen die Ulmer Zahnmediziner Michael und Margit Weiss und Engin Aksoy ihr „Dental-

Concept“, das Basis ist für ihre unternehmerischen Ansprüche –als Praxis und als dental-klinik Opus dc mitten in Ulm.

Wir sind halt Schwaben, und in

Schwaben steckt der Unternehmer.“

Dr.Michael Weiss, geboren in Göppingen,

lacht, wie seine Frau. Sie, Dr. Margit

Weiss, stammt aus Leutkirch. In Ulm, beim

Studium der Zahnmedizin, haben sie sich

kennengelernt. Dritter im Bunde ist Dr.Engin

Aksoy,laut Weiss „auch so ein Urschwabe“: Er

ist zwar in Istanbul geboren, aber im zarten

Aller vonvier Wochen nach Albstadt-Ebingen

gekommen, hat auch in Ulm studiert.

Die drei Schwaben betreiben in Ulm nicht nur

das, was man früher einmal Zahnarztpraxis

nannte: Es ist mehr, ist ein Dental-Unternehmen,

eine technisch auf dem Niveau einer

Universitätsklinik, also bestens ausgestattete

Zahnklinik. Als Michael Weiss einst in die

Praxis in der Ulmer Stadtmitte einstieg, bestand

die, 130 Quadratmeter groß, aus einem

Zahnarzt und fünf Helferinnen. Heute sind es

mehr als 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,darunter

14 Ärzte. Gerade hat Opus DC 10

neue Auszubildende eingestellt, davon 6zur

Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte,

4der Richtung Bürokommunikation.

Sie ergänzen die seither 9Auszubildenden,

vondenen gerade 3übernommen wurden.

Das Team praktiziert auf 2000 Quadratmetern,

hat eine Filiale nach seinem Konzept in

Weiler,eine zweite folgt bald. „OPUSDC“ heißen

Konzept und Klinik, alles soll in einer Art

„Corporate Identity“ der Weiss-Weiss-Aksoyschen

Maxime folgen: den Patienten bessere

Zahngesundheit und bessere Rahmenbedingungen

dafür zu bieten im Dental Concept.

Ohne aufnahmestOPP

Das in der Rechtsform einer GmbH &Co. KG

betriebene Gesundheitsunternehmen entwickele

sich „antizyklisch zur Branche“, sagt

Michael Weiss, strebe nach dem Umsatz von

etwa 7Millionen Euro im vergangenen Jahr

für 2009 ein Wachstum von20Prozent an auf

projektierte 8Millionen Euro Umsatz. 17 000

Patienten werden derzeit betreut.

Besprechung: Dr.Michael Weiss, Dr.Ellen Ritterbusch, Dr.Engin Aksoy,Dr. Margit Weiss (von links).

Es gibt keinen Aufnahmestopp: Zwischen 150

und 170 neue Patienten kommen, so berichten

die Ärzte, jeden Monat neu in die Praxen

in der Ulmer Neuen Straße und in Weiler,darauf

seien Räume und Strukturen auch ausgerichtet.

Zum Beispiel mit Rahmenbedingungen

wie Behandlungszeiten von7bis 23 Uhr,

mit dem Samstag als regulärem Tag. Bewältigt

werden kann das im Zwei-Schicht-Betrieb.

„Wenn der Patient Schmerzen hat, kommt er

gleich dran, sonst gibt es einen Termin innerhalb

vondrei bis vier Tagen“, sagt Weiss. Und

zieht einen Trumpf für Personalausstattung

und Betreuung: Ein durchschnittlicher Zahnarzt

behandle 30 bis 40 Patienten pro Tag. Bei

120 bis 160 Patienten täglich in den Opus DC-

Praxen seien es 8bis 10 Patienten pro Arzt und

Tag: „Wir können also sehr individuell auf jeden

eingehen.“ Und dafür arbeiten, dass der

Patiente Zähne zeigen, also lächeln kann.

Auch andere Umstände entsprechen Weiss‘

Anspruch, führend zu sein. So haben die Ärzte

voreinigen Jahren das der Praxis benachbarte

Haus, früher Bekleidungsgeschäft, erworben

und für 3Millionen Euro zur Opus DC-Dentalklinik

umgebaut. Sie wird als Privatklinik

40


unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[machen]

geführt, stellt aber Räume und Technik –wie

3D-Röntgen –bei Bedarf der kompletten Praxis

zur Verfügung. „Jeder kann an den Vorteilen

teilhaben“, sagt Michael Weiss.

gesund erhalten geht VOr

Die Zahnärzte der Dentalklinik haben gleich

mehrere Fachgebiete, auf die sie sich spezialisiert

haben –und in denen sie ihre Erkenntnisse

bei Seminaren und Kursen im Haus an

andere Zahnärzte weitergeben. „Ästhetische

und funktionale Zahnmedizin“beschreibt das

eine ihrer Broschüren. „Als Patient werden sie

bei uns zum Gast“, heißt es dort. Fürempfindliche

Naturen wird in Schlafnarkose behandelt.

Ein Gebiet, für das Patienten auch aus

dem Ausland anreisen, ist die Implantologie,

das Einsetzen „ohne Aufschneiden“: „Es blutet

nicht“, sagt Michael Weiss. Ein anderes sind

Gesamtsanierungen. Die nach Weiss’ Vorstellung

so ablaufen können: „Der Patient kommt

morgens ohne Zähne –und geht abends wieder

mit eigenen, festen Zähnen.“

Begutachtung am Röntgenbild bei Opus DC: Dr.

Engin Aksoy,Dr. Michael Weiss (von links).

Vordem Sanieren aber sehen die Zahnärzte

die Prophylaxe als wichtigstes Element der

Gesunderhaltung: „Das Auto kriegt ja auch

Ölwechsel und Inspektion.“ Die Grundphilosophie

ist, dass man Geld in die Hand nehmen

müsse, um in die Gesundheit zu investieren

und damit viel mehr Geld zu sparen, das später

Heilung und Wiederherstellung kosten

würden. In diese Richtung werde auch das Gesundheitswesen

gehen. Auch der Patient spare,

wenn er in die Gesunderhaltung investiere:

„Sonst muss er ja später zuzahlen.“

Die Ulmer Zahnärzte haben den Präventions-

Wegschon seit Jahren beschritten, haben dafür

auch ein Prohylaxe-Konzept entwickelt.

Dass sie mit dem Versuch, es vor einem Jahrzehnt

als Franchise-System zu verbreiten, damals

an berufsrechtlichen Fragen scheiterten,

nahmen sie als Anlass, es selbst auszubauen.

20 bis 25 Prozent des Umsatzes, schätzt Weiss,

werde heute mit der Prävention erzielt.

„Wir sind Schwaben“, lachen Margit und Michael

Weiss, „nicht nur Macher,sondern auch

Tüftler.“ So macht die „schwäbische Kombination“

auch Erfindungen. Die Weiss’ haben

Patente –nicht nur in der Zahnbehandlung.

Margit Weiss zum Beispiel hat das Patent auf

eine Schnarcherschiene. [!] LORENZ KOCH

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[rubrik] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

High End hat die Tabus zu den Akten gelegt:

Betagte Röhrentechnik und der digitale iPod vertragen sich prächtig.

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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[leben]

Wenn kunstauf elektronik trifft

high end gilt als die feinste Art, Musik mit elektronischen Mitteln in den privaten vier Wänden zu zelebrieren. Fürdie

Betreiber der hehren Technik bedeutet der Begriff viel mehr: Hobby,Lebensgefühl und Balsam für die Seele.

Als sich die Erfinder des Begriffs

High End vorfast drei

Jahrzehnten anschickten,

ihre Musikmaschinen mit einem

neuen Adelsprädikat vom Allerwelts-HiFi

abzugrenzen, hatte dieser

Schritt etwas Elitäres. Folglich betrachtete

der Rest der Welt den Vorgang mit gebührender

Distanz: Die Verfechter des Guten,

Wahren und Schönen kamen Normalverbrauchern

oft genug wie lebensferne Ton-

Esoteriker vor. Unddie Szene lieferte dazu

immer wieder gern frischen Anlass: Sie verteufelte

noch alles Digitale, als die Vinylschallplatte

sich längst aus dem Massenmarkt

verabschiedet hatte. Und sie

propagierte oft genug Wunderwässerchen

und sinistres Zubehör als Schlüssel zur

elektroakustischen Offenbarung.

Dies alles hat sich bis heute gründlich

geändert. Der harte Kern der High-

End-Szene pflegt zwar immer noch

die eher handwerkliche Produktion in

kleinsten Serien. Doch selbst Edeltüftler

und Manufakturen haben heute Zugriff auf

die modernsten Techniken unserer Zeit.

Und sie entwickeln einen fast fröhlichen

Pragmatismus, der sie Altes mit Neuem

kombinieren lässt –überlieferte Lösungen

mit dem Charme verflossener Dekaden und

pfiffige Utensilien der iPod-Ära. Geblieben

ist der Anspruch: Für die Reproduktion tönender

Kulturgüter ist kein Aufwand in den

Disziplinen Feinmechanik und Elektronik zu

hoch. Die Wiedergabegeräte sind Teil des Gesamtkunstwerks.

erdbebensicherer unterbau

Besonders augenscheinlich manifestieren

sich solche Grundüberzeugungen in den Geschöpfen

der wenigen noch verbliebenen Spezialistenfür

feineanaloge Plattenspieler.Das

wohl gewaltigsteModell, das je gebaut wurde,

entstammt dem Jahrgang 2009, hört auf den

Namen Argos und zählt zur deutschen Marke

Transrotor. Esspielt mit zwei 12-Zoll-Tonarmen

zusammen, ruht samt erdbebensicherem,

kardanisch aufgehängtem Unterbau auf

einem brusthohen, verchromten Rack und

treibt den Plattenteller komplett berührungsfrei

über ein rotierendes Magnetfeld an. Mit

unterschiedlich großen Messingplatten beplankt,

soll das Oberdeck der Maschine jede

Resonanzschwingung schon im Keim ersticken.

Alles an diesem Scheibendreher ist

atemberaubend, vomEinsatzgewicht, das 280

Kilogramm beträgt, bis hin zum Preis, der

dem Gegenwert eine Dreizimmer-Immobilie

in attraktiver Lage entspricht.

Natürlich gibt es auch Analogplattenspieler

von lebensnahem Kaliber. Clearaudio, die

Schlanke Gehäuse, überragender Klang: Die Boxen

Nuvero14des schwäbischen Tüftlers Günther

Nubert

zweite wichtige Plattenspieler-Manufaktur in

Deutschland, baut sie –etwa in Gestalt des

jüngsten Modells mit dem programmatischen

Namen Innovation. Eine Schichtkonstruktion

aus Panzerholz und Edelstahl verleiht dem

geschwungenen Chassis dieses Geräts eine

unverwechselbare, elegante Silhouette, und

eine spezielle Magnetlagerung sorgt auch hier

für reibungslose Rotation.

der Warme klang der rÖhre

Zu solchen Monumenten der Feinmechanik

passt natürlich Verstärker-Elektronik, die

statt profaner Halbleiter immer noch glimmende

Glaskolben als aktive Bauelemente

einsetzt. Auch hier paart sich die Ästhetik des

Archaischen mit eigentümlichem Klangzauber:

Dass High-End-Jünger den Röhrenkonstruktionen

besonders warme Klänge nachsagen,

ist nicht nur ein Stück Branchen-Mythos,

sondern lässt sich sogar als messtechnisches

Phänomen verifizieren. Die vielleicht eindrucksvollste

Art, äußere und akustische

Schönheit harmonisch zu vereinen, beherrscht

der italienische Röhrenspezialist

Unison –zuerleben etwa mit dem Modell Performance.

Hier vereinen sich polierte Holzoberflächen,

schimmernde Edelstahl-Decks

und im Halbkreis arrangierte Endstufenröhren

zum Stoff, aus dem die HiFi-Träume sind.

Andere Hersteller verleihen dem Hang zur

Röhre eine fast selbstironische Note.

TL Audio, ein britischer Konfektionär von

Studio-Elektronik, baut mit seinem iTube 452

einen ebenso souverän klingenden wie dekorativen

Röhrenvollverstärker, der über eine

Docking-Station den Kontakt zum iPod herstellt

–ein elektronisches Bekenntnis zum

Miteinander der Generationen.

Ein bedeutender Teil der High-End-Branche

wendet sich der Gegenwart allerdings wesentlich

konsequenter zu. T+A zum Beispiel, in

Herford ansässig und für Kenner der Inbegriff

exquisiter HiFi-Komponenten, bewegt sich

komplett auf der Höhe der jüngsten Digital-

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[leben] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

high end gadgets

Analogschönheit mit ausgeprägtem

Hightech-Charme: Der Plattenspieler

innovation von Clearaudio.

Ungemein luftig, präzise und detailtreu:

Das exquisite kopfhörer-flaggschiff hd

800 von Sennheiser.

Vollverstärker und Jukebox: Im Behold

Gentle G192 steckt ein 100-Gigabyte-

Festspeicher für ein ganzes Musikarchiv.

Musik im drahtlosen Netzwerk: Das Sonos-system

verteilt Ton-Schätze von

der PC-Festplatte imganzen Haus.

Röhre meets iPod: Der Verstärker itube

452 vonTLAudio kontaktiert den Apple-

Knirps über eine Docking-Station.

Glaskolben in Reinkultur: Der Vollverstärker

Performance von Unison zählt

zu den Schönsten seiner Art.

trends. Das belegt zum Beispiel ein Gerät mit

dem programmatischen Namen Caruso, das

mit seiner schlichten kubischen Bauhaus-Gestalt

aus Edelstahl und Aluminium irgendwo

zwischen Mini-Anlage und Tischradio oszilliert.

Der Caruso zapft alles an, was digitale

Töne liefern kann: Er spielt CDs und DVDs,

Musik vom USB-Massenspeicher oder vom

iPod, der auf dem Oberdeck seine Dockingstation

findet. Der Clou: Caruso kann über ein

Heimnetzwerk auch Musikarchive wiedergeben,

die auf der Festplatte eines PCs lagern –

Streaming heißt der neudeutsche FachausdruckfürdiedezentraleArtdesMusikzugriffs.

Da ist der Wegins Internet nicht weit: Caruso

empfängt auch tausende Radioprogramme

aus dem World Wide Web.

selbst im autO angekOmmen

Manche Hersteller haben sich dem Netzwerkgedanken

sogar komplett verschrieben. Dazu

gehört die amerikanische Firma Sonos. Ihre

Komponenten definieren den Begriff der HiFi-

Anlage völlig neu: Drahtlos miteinander verbundene

Komponenten tauschen untereinander

tönende Daten aus und geben

Festplattenarchive imganzen Haus wieder –

gesteuert von einer zentralen, interaktiven

Fernbedienung, die mit ihrem großen, berührungsempfindlichen

Farbbildschirm elegantes

Navigieren durch die gesammelten Musikschätze

erlaubt.

Selbst im Auto ist die High-End-Szene angekommen.

Dieter Burmester, einer ihrer frühesten

und wichtigsten Protagonisten in

Deutschland, hat sich weit über unsere Landesgrenzen

hinweg in Jahrzehnten einen

überragenden Ruf als Lieferant kompromissloser

Wohnzimmerelektronik erarbeitet. Jetzt

rüstet der Berliner das neue Flaggschiff des

Hauses Porsche mit einer standesgemäßen

Musikanlage aus, kein geringeres Gefährt als

den sportiven Viertürer Panamera. Die dürren

Eckdaten der Burmester-Sonderausstattung

seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt:

16 Verstärker-Kanäle, 2400 Quadratzentimeter

Fläche der Lautsprechermembranen, 1000

Watt Leistung für die Kraft der Töne. Entscheidend

aber ist, was dabei herauskommt: Nichts

weniger als der wohl schnellste Konzertsaal

des Planeten. [!]

WOLFGANG TUNZE

Im schnellsten Konzertsaal: High-Ender Dieter Burmester hat den Porsche Panameraakustisch veredelt.

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unternehmen [!] Ausgabe 11 |September 2009

[namen &nachrichten]

Hüni blickt auf

150 Jahre

Firmengeschichte

Bessere Kühlung

schafft mehr

Leistungskraft

Seit 150 Jahren gibt es das Familienunternehmen

Hüni +Co

KG,Friedrichshafens älteste Firma,

ältester deutscher Betrieb

für Kunststoffbeschichtungen.

Als Hans Heinrich Hüni aus

Horgen am Zürichsee 1859 die

Hüni &Cie in Friedrichshafen

gründet, produziert sie Leder

für verschiedenste Zwecke. 100

Jahre lohnte sich das trotz

schwieriger Zeiten, Kriegen und

Wirtschaftskrisen, doch mit

dem Siegeszug vonChemischer

Industrie und Kunstleder geriet

Hüni in existentiell bedrohliche

Lage. Mansattelt um auf Kunststoffindustrie,

produziert resistente

Beschichtungen aus

Kunstharzen für Tanks und Behälter,die

Getränke nicht angreifen

und vorKorrosion

schützen. Zunächst für lokale

und regionale Winzer und

Obstbauern, dann für die Großindustrie.

In den letzten 50 Jahre

verzwölffacht sich der Umsatz.

Heute leitet Peter Hüni in

fünfter Generation das Unternehmen

mit 40 Mitarbeitern

und einem Exportanteil von20

Prozent vorallem nach Österreich

und in die Schweiz. Hüni

betreibt außerdem eine Immobilienverwaltungsgesellschaft

und einen Gewerbepark.

Kumavision hat

als Partner von

Microsoft erfolg

Einer der beiden größten Partner

vonMicrosoft bei Business

Solutions in Deutschland ist die

Kumavision AG in Markdorf

am Bodensee. Zwei Drittel des

Umsatzes von25,8 Millionen

Euro erwirtschaftete das Unternehmen

2008 mit Einführung,

Anpassung und Betreuung von

ERP-Software auf Basis Microsoft

Dynamics NAVund mit

„GuteStube“ist wieder da

Die traditionsreiche Kleber Post in Bad Saulgau ist wieder eröffnet.Der

legendäreTreff von Politik, Literatur und Wirtschaft

knüpft an den Ruf als Gourmettempel an, wendet sich aber

auch moderner Hotellerie zu. DasVier-Sterne-Haus (49Zimmer)

bietet einen großzügigen Wellness- und Fitnessbereich.

Beratungsleistung, ein Drittel

mit Softwarelizenzen. Der Erfolg

schlägt sich auch bei Gewinn

und Personal nieder.Um

7,8 Prozent verbesserte sich das

EBIT,die Mitarbeiterzahl stieg

um 18 Prozent auf 200. Kumavision

gehört zur Kumagroup

und unterhält zwölf Niederlassungen

in Deutschland.

Avira setzt seine

erfolgsgeschichte

trotz Krise fort

Der Computer-Software-Hersteller

Avira in Tettnang setzt

trotz Wirtschaftskrise seine Erfolgsgeschichte

fort. Bekannt

wurde das 1988 gegründete Unternehmen

durch das Antiviren-Programm

AntiVir,das 80

Millionen private Nutzer und

25 000 Firmen weltweit vor

Schädlingsbefall aller Art aus

dem Internet schützt. Um satte

54 Prozent konnte Avira im vorigen

Geschäftsjahr seinen Umsatz

steigern. In diesem Jahr

sind es im ersten Halbjahr 39

Prozent. In der Branche rechnet

man mit jährlichen Zuwachsraten

vonvier bis acht Prozent. 45

Millionen Euro Umsatz peilt

das Unternehmen in diesem Geschäftsjahr

an. Zurzeit beschäftigt

Avira 275 Mitarbeiter,180

davon alleine am Stammsitz in

Tettnang.

35 Grad im Schatten: Nach heißen

Tagen im August fühlten

sich viele müde und schlapp.

Besonders die, die in nicht klimatisierten

Räumen, im Freien

oder an Hitzearbeitsplätzen arbeiten

mussten. Leistungsvermögen

und Konzentration waren

reduziert, Unfälle häuften

sich. Zudem sind heiße Tage

teuer.2007 hat das Kieler Institut

für Weltwirtschaft IfW herausgefunden,

dass die Arbeitsproduktivität

an extremen

Hitzetagen um bis zu 12 Prozent

sinkt. So waren schon Mitte

August nach dem IfW-Szenario

2,4 Milliarden Euro der

deutschen Wirtschaftsleistung

durch Hitzetage verloren gegangen.

Erklärung für den Leistungsabfall:

Der Körper wird

durch Verdunsten vonSchweiß

auf der Haut gekühlt. Jeder Liter

Schweiß kostet aber 2400 Kilojoule

Energie. Wendet der Körper

schon an kühlen Tagen 75

Prozent seiner Energie für die

Wärmeregulation auf, sind das

bei körperlicher Arbeit oder hohen

Temperaturen bis zu 90

Prozent, so Prof. Winfried Joch

vonder UniMünster.Erhat in

einer Studie festgestellt, dass

Kühlwesten wie die „Cooline“

des 2004 gegründeten Ulmer

Life Science Unternehmens

„pervormance“ dies reduzieren.

Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes

(DLV) verwendeten

die Westen bei der

Weltmeisterschaft in Berlin.

Die Produkte werden fünf Sekunden

unter den Wasserhahn

gehalten, kurz ausgedrückt und

kühlen durch Verdunstungskälte

bis zu 40 Stunden. Die Kollektion

umfasst Kühlwesten,

Handtücher,Kühlbänder für Arme,

Stirn und Nacken, Caps und

Helm-Inlays für Arbeitshelme.

Unternehmen nutzen sie bereits

für ihre Mitarbeiter. [!]

45


[namen &nachrichten] Ausgabe 11 |September 2009 unternehmen [!]

Bestes Jahr der Messe Friedrichshafen

Verlag/herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH &Co. KG

Frauenstraße 77

89073 Ulm

redaktion

Lorenz Koch (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

gestaltung

Karsten Middeldorf

(Art Director), Daniela Joser,

Jan Steinbach (Layout),

Ana Borrero (Bild)

fotos

Matthias Kessler,Rolf Schultes,

Getty Images, dpa, AP,

Fotolia, Wodicka, Werkfotos,

Archiv SÜDWEST PRESSE

anzeigen

Dr.Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Objektleitung

Tobias Lehmann

druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim

Auflage: 15 000 Exemplare

kontakt &mediadaten

www.swp.de/unternehmen

unternehmen@swp.de

Telefon 0731 156-515

Fax0731 156-481

nächste ausgabe

30.November 2009

anzeigenschluss

06.November 2009

Die Messegesellschaft Friedrichshafen verzeichnet ihr bisher bestes Geschäftsjahr.Die Besucherzahl

stieg um 148 000 auf 734 000,die Zahl der Aussteller von 5375 auf 7806,der Umsatz

um 6auf 27,4 Millionen Euro,der Gewinn drehte auf 763 000 Euro vom Minus von 368 000 Euro

im Vorjahr.Wegen der Krise rechnet die Messe 2009 mit einem leichten Dämpfer und einem

Umsatz von 25Millionen Euro.Das Bild zeigt den Andrang bei der Fahrradmesse Eurobike.

Windkraft sucht

Wegzustabilem

Wachstum

Rahmenbedingungen ändern

sich auch für die Windenergiewirtschaft,

die lange Zeit nur

Positives meldete. Fördermittel

fließen spärlicher,esgibt Anzeichen

einer Marktsättigung in

Zulieferbereichen, die außereuropäische

Konkurrenz schließt

auf, etablierte Betreiber und

Komponentenanbieter treffen

auf großindustrielle Wettbewerber

mit schlanker Produktion,

Logistik und Administration.

Die Zukunft hängt davon

ab,obder Übergang aus der langen

starken Wachstumsphase

in ein stabiles Wachstum so gelingt,

dass die Betriebe wettbewerbstauglich

bleiben. Optimierungschancen

gibt es in der

Logistik. Um Verbesserungsprozesse

realisieren zu können,

muss die Wertschöpfung untersucht

werden. Dazu hat das Ulmer

Beratungsunternehmen Ingenics

AG die Studie „Supply

Chain Excellence –Strategies

and Solutions for the Wind

Market“ initiiert, die erstmals

die gesamte Logistikkette vom

Anlagenhersteller bis zur Montage

vorOrt analysiert, um Einsparpotenziale

zu ermitteln. Eine

möglichst große Datenbasis

braucht Windparkbetreiber,

Anlagenhersteller,Zulieferer,

Ingenieurbüros als Mitwirkende.

Unternehmen können sich

bis Ende Oktober 2009 beteiligen,

die Ergebnisse der Studie

stehen Teilnehmern ab Ende Januar

2010 zur Verfügung.

www.ingenics.de/wind-studie

Bei Möbel inhofer

21 Auszubildende

hinzugekommen

Am 1. September starteten bei

Möbel Inhofer in Senden 21

junge Leute ihre Ausbildung.

Damit stieg die Zahl der Auszubildenden

im neuen Ausbildungsjahr

auf 63 an. 16 Auszubildende

beendeten ihre

Ausbildung im Möbelhaus mit

Erfolg und wurden vonder Geschäftsleitung

beglückwünscht.

Bei den neuen Auszubildenden

in „Europas größter Wohnwelt“

(so Inhofers Werbeslogan) handelt

es sich um 5Bürokaufleute,

8Kaufleute im Einzelhandel, 3

Schreiner,1Fachkraft für Lagerlogistik

und 4Fachkräfte für

Möbel-, Küchen- und Umzugs-

Service. Dr.Peter Schorr aus der

Unternehmerfamilie Inhofer

hob Stellenwert und Qualität

der Ausbildung im Einrichtungshaus

hervor.Möbel Inhofer

ist einer der größten Ausbildungsbetriebe

der Region und

für das Engagement in der Ausbildung

mit dem Zertifikat für

Nachwuchsförderung der Bundesagentur

für Arbeit ausgezeichnet.

„Daher ist Inhofer als

Ausbildungsbetrieb sehr begehrt“,

so Ausbildungsleiter Peter

Amann. Vonden 16 Lehrlingen

mit bestandener Ausbildung

haben alle, die nicht noch

weiterführende Schulen besuchen,

im Einrichtungshaus eine

feste Stelle erhalten und sie

auch angenommen. [!]

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ditis IT-Security und Datenschutz

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