unternehmen - Ausgabe 54, Dezember 2016
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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 54 | Dezember 2016 | 3,00 €
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Zug um Zug –
Mythos Märklin
Florian Sieber führt den traditionsreichen
Modellbahnhersteller zurück in die Erfolgsspur. Ein
Gespräch über Emotionen, Digitales und Marketing.
Arbeitszeit Wie Unternehmen attraktiver werden SEITE 6
Entspannung Tipps für kurze Auszeiten in der Alltagshektik SEITE 32
Umfrage Was für Führungskräfte an Weihnachten wichtig ist SEITE 46
Zeit für Pioniere.
Die Meister Driver Chronoscope zeigt nicht nur die
Zeit an, sondern bringt eine ganze Epoche zurück: die
Anfangsjahre des modernen Automobils und die Stunde
der großen Technik pioniere. Ihr Äußeres ist inspiriert
von der Gestaltung historisch bedeutender Oldtimer
und deren Instrumententafeln. Wie keine andere verbindet
sie den einzigartigen Charme dieser Automobile
mit unserer Leidenschaft für mechanische Zeitmesser.
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[inhalt]
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,
Alexander Bögelein,
Redaktionsleiter
unternehmen [!]
was bleibt im Rückblick auf dieses Jahr für
die erfolgsverwöhnte Wirtschaft in Baden-
Württemberg? Wie wäre es mit Dankbarkeit?
Während viele Länder in Krisen und
Kriegen versinken, geht es bei uns im siebten
Jahr in Folge bergauf. Die Firmen sind
gut ausgelastet – und gut aufgestellt. Das
gilt auch für Märklin, wenngleich der Wettbewerb
um Regalfläche im Handel für den
Modellbahnhersteller herausfordernd ist,
wie unser Titelinterview mit Märklin-Chef
Florian Sieber zeigt (S. 10). Doch die gute
Auftragslage hat auch ihre Kehrseite: Manche
Chefs fordern viel und gehen mit ihren
Mitarbeitern, aber auch mit sich selbst,
nicht gut um. Das kann gefährliche Folgen
haben und für Firmen teuer werden (S. 28).
Dabei wäre es so einfach, sich Auszeiten zu
gönnen (S.32). In unserer Umfrage geht es
dieses Mal um Weihnachtserlebnisse. Ich
wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Ihr Alexander Bögelein
[führen]
6 Wann es euch gefällt Mit Vertrauensarbeits
zeit zum attraktiven Arbeitgeber
40 Bühne für die Suche nach den Besten
1200 Besucher beim zweiten
Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE
[titelthema]
10 Weichensteller für die digitale
Zukunft Märklin-Chef Florian Sieber
im Gespräch
[spezial]
20 Auf die Plätze – fertig – Haus
In Günzburg stehen Europas modernste
Fertighäuser
36 Flott gemacht Viel Geld mit
Fuhrparkmanagement sparen
[finanzieren]
22 Die Tücke der Versorgungslücke
Altersvorsorge: Keine Angst vor bösen
Überraschungen
[machen]
26 Fensterbauer mit glasklarer
Ausrichtung Gugelfuss aus Elchingen
42 Gemeinsam besser entsorgen
Recycling im Netzwerk: Knittel aus
Vöhringen
[verantworten]
28 Gefährliche Abwärtsspirale Wie gute
Chefs ihre Mitarbeiter vor Burnout
schützen
32 Moment mal Expertentipps für mehr
Achtsamkeit sich selbst gegenüber
[gründen]
44 Vom Flüchtling zum Unternehmer
Rashed Mohebbi macht sein Ding
[leben]
46 Ein Kater im Weihnachtsbaum
Umfrage unter Führungskräften zu ihren
Weihnachtswünschen und -erlebnissen
[namen & nachrichten]
4 Freiraum für digitale Talente
5 Angespannter Immobilien-Markt,
aber keine Preisblase
20 Erster Mieter für Sedelhöfe
50 Britax Römer: In Leipheim
angekommen
50 Impressum
26 42
28 06
22
3
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Freiraum für digitale Talente
Die Wirtschaftsregion Ulm ist
stark. Doch was ist nötig, damit
das auch 2030 der Fall ist? Eine
Initiative von Unternehmern hat
den Verein „initiative.ulm.digital“
gegründet. Dessen Ziel: Ulm
zum digitalen Marktplatz für junge
Talente zu machen, für diese
und damit auch für Fachkräfte
attraktiv zu sein. Ulms Oberbürgermeister
Gunter Czisch ist Beiratsmitglied.
Er beschäftigt sich
seit mehr als zehn Jahren mit Digitalisierung,
ist unter anderem
beim Nationalen E-Government
Kompetenzzentrum aktiv und in
IT-Führungskreisen extrem gut
vernetzt. „Innovation kann man
nicht organisieren, man kann
nur ein Milieu schaffen, in dem
sich Kreativität entfaltet“, sagt
Czisch. Für ihn ist Digitalisierung
vor allem ein Thema der
Stadtentwicklung: „Man muss
stets fragen: An welcher Stelle
kann und muss eine Stadt selbst
etwas tun?“ Neben dem neu gegründeten
Verein ist das Verschwörhaus
ein Teil der Initiative.
In diesem Reallabor haben
junge Leute Freiräume, ihre Ideen
umzusetzen. Aktuell geht es
auch um den Aufbau eines Sensoren-Netzwerks.
Wofür das gut
sein soll? Um Lösungen zu finden,
an die man heute noch nicht
denkt. Im spanischen Santander
wurden 20.000 Sensoren angebracht.
Diese liefern nun Daten
an eine zentrale Kontrollstelle.
Damit werden die Parkplätze in
der City wie in einem riesigen
Parkhaus organisiert.
Im Verschwörhaus gibt es derzeit
Arbeitsgruppen für die Themen
„Open Data“ und „CNC-Maschinen
und gefährliche Geräte“ sowie
Einführungskurse fürs „Offene
Editieren“ von Wikipedia und
wöchentlich offene Abende (ab
18.30 Uhr.) Die Bandbreite der Interessierten
reicht von 6 bis 60
Jahren. Auch haben dort Jugendliche
zum Beispiel in einem Löt-
Workshop gelernt, einen TV-Ausknipser
zu bauen. [!] AMB
Machen Ulm attraktiv für Digital-Talente: OB Gunter Czisch (links) und Heribert
Fritz, Vorsitzender des Vereins „initiative.ulm.digital“.
Dietenheim wird zum Wissenschaftslabor
Mit gläsernen Produktionen und
Design-Werkstätten will Dietenheim
(Alb-Donau-Kreis) an seine
Tradition als Textilstandort anknüpfen.
„Unser Ziel ist es, die
Wirtschaftskraft unserer Stadt
auszubauen und die Innenstadt
neu zu beleben“, sagt Bürgermeister
Christopher Eh. Gefördert
wird sein Ansinnen vom Land
Baden-Württemberg, das ein Forschungsprojekt
der Universität
Ulm und der Hochschule Reutlingen
mit knapp einer Million
Euro fördert. Mit einem „ReallaborE
wollen die Wissenschaftler
mit den 6700 Einwohnern Lösungen
und Wege für die Zukunft
ausfindig machen. Bereits im Juli
wurde deshalb in der Dietenheimer
Innenstadt ein Nähcafé für
wöchentliche Workshops und
Strickkurse eröffnet.
„Wer verantwortungsvoll handelt,
wendet sich ab von Billigtextilien
und hin zu fair gehandelten,
umweltverträglichen
Produkten, die sich durch Qualität
und Langlebigkeit auszeichnen“,
erklärt Professor Dr. Martin
Müller von der Universität Ulm
die Philosophie des auf mehrere
Die erste Messe „Dietenheim zieht an!“ lockte viel Besucher an.
Jahre angelegten Forschungsprojektes.
Eine erste Kostprobe gab
es mit der Ausstellung „Dietenheim
zieht an!“, bei der 15 Hersteller
und Händler aus der Region
nachhaltige Mode und
innovative Ideen aus der Textilwirtschaft
präsentierten, darunter
Miet- und Tauschkonzepte für
hochwertige Bekleidung. Auch
Andreas Merkel möchte den Textilstandort
wieder aufleben lassen.
Der Geschäftsführer der Gebrüder
Otto GmbH & Co. KG,
einer Traditionsspinnerei, weiß:
„Das Prinzip des klassischen Einzelhandels
funktioniert nicht
mehr. Deshalb müssen wir im
Ort ein Einkaufserlebnis für die
ganze Familie schaffen.“[!] LOE
4
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[namen & nachrichten]
Angespannter Immobilien-Markt, aber keine Preisblase
Die Gefahr einer Immobilienblase
steigt in deutschen Großstädten,
nicht aber in der Region. Einen
Spitzenplatz nimmt nach
dem Blasenindex des Berliner Beratungsunternehmens
Empirica
Stuttgart ein. Dort sei es deutlich
schwieriger geworden, einen
Wohnungskauf über Vermietung
zu refinanzieren, weil sich Preise
und Mieten auseinander entwickeln.
Zudem lässt sich mit dem
dortigen Einkommen schlechter
eine Eigentumswohnung finanzieren.
Empirica-Marktforscher
Reiner Braun sieht die Situation
kritisch: „In Stuttgart gibt es viel
zu wenig Neubau.“ In den Landkreisen
Göppingen, Alb-Donau,
Ravensburg und Bodensee sei die
Lage eher unproblematisch.
Der Kreis Biberach sei eine der
wenigen Regionen, in denen „zu
viel“ gebaut werde. „Die Preise
und Mieten haben sich zuletzt
schon etwas beruhigt. Es gibt
aber großen Nachholbedarf wegen
der guten Arbeitsplatzentwicklung“,
sagt Braun. Allerdings
müsse man beobachten, ob langfristig
mehr als 1000 Wohneinheiten
pro Jahr fertiggestellt werden.
„Das wäre dann wohl etwas
zu viel.“ Gleichwohl sei es in Biberach,
am Bodensee und in der
Stadt Ulm im dritten Quartal
schwieriger gewesen, einen Wohnungskauf
über die Miete zu refinanzieren.
In Ulm sei es auch
komplizierter geworden, mit
dem regionalen Einkommen eine
Wohnung zu kaufen. [!] AMB
Die Penthouse-Wohnungen im Brückenhaus in Neu-Ulm gehören zu den teuersten
und exklusivsten Lagen, die die Region Ulm zu bieten hat.
Aufschwung
solide, gute
Auslastung
Die Konjunktur in Baden-Württemberg
läuft weiter gut. Die IHK
Ulm spricht von einem soliden
Aufschwung. Die Stimmung in
den Unternehmen ist positiv. Für
die kommenden Monate wird eine
Entwicklung auf ähnlichem
Niveau erwartet. Bei mehr als der
Hälfte aller Betriebe laufen die
Geschäfte gut. Weitere 42 Prozent
vermelden eine befriedigende
Geschäftslage. Ursache hierfür
sind laut IHK ordentliche Umsatzzahlen.
Zudem habe sich die
Ertragslage gegenüber dem Frühjahr
noch einmal verbessert.
Blendend ist die Stimmung im
Handwerk. Nach den Angaben
der Handwerkskammer Ulm, die
18.400 Betriebe zwischen Jagst
und Bodensee betreut, sind drei
Viertel der Firmen mit ihrer wirtschaftlichen
Situation zufrieden.
Die Auslastung ist gut[!] AMB
Daimler TSS holt sich den
Titel „attraktivste Firma“
Die 20 beliebtesten Firmen in der
Region Ulm/Neu-Ulm
1. Daimler TSS
2. Ratiopharm GmbH
3. Liebherr-International
Deutschland
4. Airbus Defence and Space
5. Seeberger
6. Wieland-Werke
7. Gardena Deutschland
8. Liqui Moly
9. Peri
10. Drogeriemarkt Müller
Rund 1800 junge Leute haben
Daimler TSS zum attraktivsten
Arbeitgeber in der Region Ulm/
Neu-Ulm gewählt. Die IT-Tochter
des Daimler-Konzerns mit Sitz in
Ulm (siehe auch Seite 6) verteidigte
damit ihren Titel. Für die
Studie hatte die Hochschule Neu-
Ulm mehr als 1700 Studenten
sowie Berufsschüler und erstmals
auch Fachkräfte in Weiterbildung
befragt. Es ging um drei
Fragen: Ob man das Unternehmen
kennt. Ob man es sympathisch
findet. Und ob man sich
dort bewerben würde. In die Studie
aufgenommen wurden alle
Unternehmen mit Sitz in der Region
Ulm/Neu-Ulm, die einen
Jahresumsatz von mindestens 50
Millionen Euro erzielen: 72 Firmen
an der Zahl. [!] AMB
11. SWU Stadtwerke Ulm/NU
12. Iveco-Magirus AG
13. Magirus GmbH
14. Settele Schwäbische
Spezialitäten & Feinkost
15. Möbel Inhofer
16. Finkbeiner
17. Held & Ströhle
18. Zwick
19. R-Pharm
20. Reinz
Präsident
bis 2018:
Peter Kulitz
Den Rang als einen der aktivsten
Fürsprecher des Wirtschaftsstandorts
Baden-Württemberg
kann
Peter Kulitz
niemand so
schnell streitig
machen. Auch
wenn dieser
nach drei Peter Kulitz ist seit
Amtsperioden
und sechs Jahren
2003 Präsident
der IHK Ulm.
sein Amt
als Präsident des Baden-Württembergischen
Industrie- und Handelskammertages
abgegeben hat.
Sein Nachfolger ist Wolfgang
Grenke (Baden-Baden) In Ulm
bleibt der Unternehmer und
Rechtswalt noch bis 2018 Präsident
der dortigen IHK und wird
die Führung dann nach 15 Jahren
an der Spitze abgeben. [!] KÖ
5
Starre Arbeitszeiten lösen sich auf: Was bei
großen Beratungsfirmen oder im IT-Bereich dank
Vernetzung selbstverständlich ist, erfasst nun
auch andere Branchen.
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unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[führen]
Wann es euch gefällt
Fixe Bürozeiten adé: Im modernen Berufsleben entkoppelt sich dank digitaler Möglichkeiten die Arbeit von Zeit
und Raum. Der Wunsch nach flexiblen Lösungen ist bei vielen Beschäftigten groß. Im Zeitalter des
Fachkräftemangels werden Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit zum Werbefaktor für attraktive Arbeitgeber.
Bei mehr als 800 Mitarbeitern existieren bei Daimler TSS mehr
als 165 Arbeitszeitmodelle. „Vom Prinzip her ist alles möglich“,
erklärt Heike Tyrtania, die Leiterin Human Resource
(HR) des Ulmer Unternehmens. „Manche Mitarbeiter kommen
nur an einzelnen Tagen, andere immer vormittags, manche erledigen
ihre Aufgaben zum Teil von unterwegs oder arbeiten zuhause.“
Die Arbeitszeit muss auch nicht notwendigerweise am Stück erbracht
werden. „Es ist auch denkbar, dass erst gearbeitet
wird, dann etwas Privates erledigt
wird, und dann geht es wieder zurück an
die Arbeit.“
Die Mitarbeiter müssen natürlich die vertraglich
vereinbarten Wochenstunden arbeiten.
Sie müssen diese auch dokumentieren.
Doch wann sie arbeiten und wo sie
arbeiten stimmen sie mit ihrem Vorgesetzten
und den Kollegen ab. Das geht sogar
soweit, dass im Fall der Fälle sogar Kinder
mit ins Büro gebracht werden können, Heike Tyrtania, Leiterin
wenn es zuhause nicht mit der Betreuung HR bei Daimler TSS.
klappt. Dafür ist extra ein Familienzimmer
eingerichtet worden.
Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben bei potenziellen Mitarbeitern
mit großer zeitlicher Flexibilität und der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf. Dass sich wirklich etwas getan hat und der klassische
Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr nicht mehr der Standard ist, zeigen
Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Zwei Drittel der
Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben demnach flexible
Tages- und Wochenarbeitszeiten, sieben von zehn Betrieben bieten
individuelle Arbeitszeiten, fast vier Fünftel der Firmen bieten ihren
Mitarbeitern Teilzeit an. Doch bei aller Flexibilität: Den Rahmen hierfür
steckt immer noch das deutsche Arbeitszeitgesetz ab.
STARRE OBERGRENZEN PRO TAG
Kern der deutschen Arbeitszeitvorschriften ist der Achtstundentag.
Bis zu zehn Stunden pro Tag sind möglich, wenn innerhalb von sechs
Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt
acht Stunden pro Werktag nicht überschritten werden. Auch der
Samstag zählt zu den Werktagen. Damit beträgt die zulässige Wochenarbeitszeit
48 Stunden. Allerdings gelten zahlreiche Ausnahmen, zum
Beispiel für Klinikmitarbeiter, Beamte oder leitende Angestellte.
„Den Unternehmen sind die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse nach
flexiblen Arbeitszeiten wichtig“, sagt Götz A. Maier, Geschäftsführer
der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm. Bewerber fragen nach seinen
Worten in jüngster Zeit immer wieder danach. Allerdings sei es nicht
immer einfach, diese beide Seiten der Flexibilität unter einen Hut zu
bekommen. Er würde sich wünschen, dass zum Beispiel die Zeit zwischen
zwei Arbeitstagen flexibler gehandhabt werden dürfte.
Die aktuelle Gesetzeslage erlaube es nicht immer, die Bedürfnisse der
Arbeitgeber und auch gerade der Beschäftigten abzubilden: „Wenn der
Arbeitnehmer vielleicht früher nach Hause gegangen ist, um Zeit für
die Familie zu haben und dann, wenn die Kinder im Bett sind, abends
um 22 Uhr auf dem Sofa noch schnell 15 Minuten E-Mails durcharbeiten
will, darf er am nächsten Tag erst wieder nach 9 Uhr arbeiten“, sagt
Maier. In Europa gebe es meist nur eine Obergrenze der Arbeitszeit pro
Woche, in Deutschland zusätzlich noch eine pro Tag. „Diese tägliche
Grenze wegzulassen, würde die Flexibilität für beide Seiten spürbar
verbessern, auch ohne dass insgesamt mehr gearbeitet werden würde“,
sagt der Südwestmetall-Geschäftsführer aus Ulm.
STATT ANWESENHEIT ZÄHLT DIE AUFGABE
Für das gewerkschaftsnahe Wirtschafts - und Sozialwissenschaftliche
Institut (WSI) ist die Flexibilität schon jetzt groß genug. Die bestehenden
tariflichen Regelungen zur Arbeitsgestaltung würden eine Fülle
an Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bieten, heißt es
in einer WSI-Analyse. So bestehe nahezu in allen Tarifbereichen die
Möglichkeit der unregelmäßigen Verteilung der tariflichen Regelarbeitszeit.
Hinzu komme als wichtigste weitere Möglichkeit der Flexibilisierung
das Überschreiten der Regelarbeitszeit durch Mehrarbeit.
Schon nach dem derzeitigen rechtlichen Rahmen sind die unterschiedlichsten
Arbeitszeitmodelle möglich. Grob werden drei verschiedene
Modelle unterschieden: Die klassische Gleitzeit besteht aus
einer Kernarbeitszeit mit allgemeiner Anwesenheitspflicht und einer
Ein- und Ausgleitspanne. Arbeitnehmer können Beginn und Ende der
täglichen Arbeitszeit in der vorgesehenen Zeitspanne selbst festlegen.
Aus Sicht des Unternehmens sollen so Fehlzeiten verringert werden,
etwa durch Arztbesuche, da die Arbeitnehmer es selbst in der Hand
haben, ihre persönlichen Termine außerhalb der Kernzeiten zu legen.
Bei der Funktionszeit legt das Unternehmen fest, in welchen Zeiträumen
bestimmte Betriebsteile funktionsfähig sein müssen. Die Mitarbeiter
können dann innerhalb dieser Funktionszeiten ihre jeweiligen
Arbeitszeiten in Absprache mit den Kollegen selbst bestimmen. Im
Mittelpunkt dieses Arbeitszeitmodells steht nicht mehr die Anwesenheit,
sondern dass eine vereinbarte Aufgabe erledigt wird.
Die Vertrauensarbeitszeit lässt die weiteste Autonomie. Das Modell
der Stechuhr spielt hier überhaupt keine Rolle mehr. Es wird rein er-
7
[führen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
„Inzwischen wird nicht mehr von Homeoffice geredet, sondern von mobiler Arbeit“, sagt Hochschul-Professorin Jutta Rump.
gebnisorientiert gearbeitet. Manche Modelle sehen allerdings Zielvereinbarungen
zwischen Mitarbeitern und Arbeitgeber vor, in denen
festgelegt wird, welches Arbeitszeitvolumen zur Erledigung einer bestimmten
Aufgabe nötig ist.
Jutta Rump ist Professorin
für Personalmanagement.
FLEXIBILITÄT AUCH IN DER PRODUKTION
Jutta Rump ist Professorin für Personalmanagement und Organisationsentwicklung
an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des
Instituts für Beschäftigung und Employability. „Was die technische
Machbarkeit betrifft, sind wir kurz davor, neue Dimensionen der Flexibilität
zu erreichen.“ Inzwischen werde nicht mehr von Homeoffice
geredet, sondern von mobiler Arbeit. In dieser Wortwahl schon zeigt
sich, dass eine starke Entkopplung der Arbeit von Raum und Zeit stattgefunden
hat. Diese Entkopplung gilt schon jetzt für sehr viele Bürotätigkeiten.
Mit der Industrie 4.0, also der Digitalisierung der Produktionsprozesse,
ist es möglich, diese Flexibilität auch auf die Produktion
zu übertragen. „Dann ist zu überlegen, ob ein Schichtbetrieb, wie er
heute noch gängig ist, überhaupt noch nötig ist“, sagt Rump. „Um etwa
eine Anlage zu steuern, muss nicht unbedingt jemand vor Ort sein.
Das könnte auch von einem anderen Ort aus geschehen.“
Flexible Arbeitszeiten sind kein Thema mehr, mit dem vor allem Frauen
angesprochen werden sollen. Die neuen Modelle richten sich an
alle Mitarbeiter. „Sie tragen zur Attraktivität als Arbeitgeber bei“, sagt
Rump. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels stößt die Freiheit an
Grenzen. „Früher konnte man die Zeit, die ein Mitarbeiter weniger arbeitet,
weil er sich für Teilzeit entschieden
hat, mit neuen Kräften aus dem Arbeitsmarkt
auffüllen“, erklärt sie. „Heute geht
das nicht mehr so einfach.“
Arbeitnehmer und Unternehmen wünschen
sich gleichermaßen flexible Arbeitszeiten.
Jedoch aus völlig unterschiedlichen
Motive. Unternehmen sind getrieben
durch Globalisierung, Wettbewerb und
Kunden. Arbeitnehmer hingegen versuchen
sich über Flexibilität an die unterschiedlichen
starren Zeitsysteme anzupassen,
die sie umgeben: Einkauf, Schule,
Behörden und vieles mehr. Im schlimmsten Falle stehen die Bedürfnisse
von Arbeitnehmern und Unternehmen im Widerspruch. Im besten
Falle gibt es ein System, das beide berücksichtigt.
Der IT-Spezialist Daimler TSS entwickelt Software- und IT-Lösungen.
Kernthemen sind Car-IT und Mobility, Information Security, Analytics,
Shared Services und Digital Customer Experience. Schon seit
einiger Zeit wird Daimler TSS zu Deutschlands besten Arbeitgebern
gezählt und schafft regelmäßig Top-Platzierungen beim Arbeitgeberwettbewerb
„Great Place to Work“. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter
sind Akademiker, die meisten Ingenieure. Eine Gruppe, die schon
während der Ausbildung gelernt hat, sich selbst zu organisieren und
selbstständig Probleme zu lösen.
FLEXIBILITÄT ALS WERBEFAKTOR
„Diese hohe Flexibilität bei der Arbeitszeit setzt voraus, dass die Mitarbeiter
wissen, wie sie mit ihren Freiheiten umgehen“, erklärt Tyrtania.
Daher sei das Modell nicht unbedingt auf jede Firma übertragbar. Zum
Beispiel gibt es bei Daimler TSS kaum einen Job, der tatsächlich acht
Stunden am Stück besetzt sein muss. Mit dieser Flexibilität lässt sich
gut werben. Das Unternehmen lebe vor allem von der Kreativität und
Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter. „Wenn wir diese Mitarbeiter
wollen, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit bieten, kreativ
und innovativ zu arbeiten und ihnen den Freiraum geben, den sie dafür
brauchen“, sagt Heike Tyrtania. [!]
HENNING ZANDER
Dehnbare Arbeitszeiten
Gilt für eine Firma ein Tarifvertrag, so gilt dieser vor den gesetzlichen
Regeln. Laut Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie
im Südwesten beträgt die Wochenarbeitszeit 35
Stunden. Diese kann mit Zustimmung des Arbeitnehmers auf
bis zu 40 Stunden steigen, soweit nicht mehr als 18 Prozent aller
Arbeitnehmer des Betriebes einen solchen 40-Stunden-Vertrag
haben. Unter bestimmten Umständen darf diese Quote auf
50 Prozent steigen. Mehrarbeit ist bis zu 10 Stunden in der Woche
und bis zu 20 Stunden im Monat zulässig. Die Wochenarbeitszeit
kann ungleichmäßig auf mehrere Wochen verteilt werden,
soweit eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird.
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unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[titelthema]
Weichensteller für
die digitale Zukunft
Ein Werkzeug-Satz der Marke Märklin? Wenn es nach Florian Sieber geht,
vergibt der Modellbahnhersteller schon bald Lizenzen. Mit Herzblut,
Kompetenz und einer Kultur des Zuhörens modernisiert der 31-Jährige
das 157 Jahre alte Unternehmen und belebt den Mythos von Märklin.
In Nordrhein-Westfalen haben Diebe in einem
Spielzeugfachgeschäft Loks für 40.000 Euro erbeutet,
und andere Dinge stehen lassen. Was geht
Ihnen bei solch einer Nachricht durch den Kopf?
Im ersten Moment habe ich an den Händler gedacht.
Der steht erstmal vor einem riesigen Chaos.
Und im zweiten …
… habe ich mich gewundert, dass es die Diebe auf ein
Modelleisenbahngeschäft abgesehen hatten und nicht
auf einen Juwelier oder ein Uhrengeschäft.
Bei den Kunden war Märklin hingegen weniger gefragt
als erwartet. Sie mussten Ihre Umsatzziele
korrigieren …
Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben nach wie
vor eine stabile Nachfrage. Dass die Zahlen zurückgegangen
sind, liegt mitunter daran, dass wir bewusst auf
Umsätze verzichtet haben. Beispielsweise solche, die
von uns subventioniert waren und an denen wir kaum
verdient haben.
Zum Beispiel?
Wir machen keine Aktion mit Aldi mehr, die meist
rund zwei Millionen Euro Umsatz gebracht hat. Von
diesen Einnahmen blieb allerdings kaum etwas hängen.
Wir verkaufen seit dem Jahr 2013 sehr fair und
stabil. Des Weiteren gibt es keine Sonderangebote
mehr für größere Internethändler. Stattdessen behandeln
wir alle gleich. Aus unserer Sicht ist das eine wichtige
Basis, um den Fachhandel in der Breite zu stützen.
Was sind die Vor-, was die Nachteile einer solchen
Aktion mit Discountern?
Sicher konnten wir den ein oder anderen Neukunden
akquirieren. Allerdings waren diese Startpackungen
abgespeckt, um den günstigen Preispunkt von 99,99
Euro zu erreichen. Dadurch entstanden Produkte, die
auf den ersten Blick nicht vollends begeistern. Aus Kostengründen
konnten wir auch nicht auf die neuesten
Technologien zurückgreifen.
Haben Sie ein Beispiel für eine solche Technologie?
Die Steuerung in den Aldi-Packungen war im Gegensatz
zu unseren sonstigen Steuerungen nicht mobil,
sondern per Kabel mit dem Gleis verbunden. Wir mussten
unter anderem auch bei der Lok sparen. Sie war
anders als unsere sonstigen Produkte nicht aus Metall
und hatte keinen Sound.
Am Tag der offenen Tür rennen Ihnen die Besucher
die Werkshallen ein. Zudem ist Märklin zur Marke
des Jahrhunderts gewählt worden. Demnach müsste
Ihr Unternehmen nicht knapp 100 Millionen Euro
Umsatz machen, sondern eine Milliarde. Warum
hinkt der Umsatz dem Markenwert hinterher?
Der Bekanntheitsgrad der Marke Märklin ließ schon
immer ein viel größeres Unternehmen vermuten. Das
hängt damit zusammen, dass die Marke unheimlich
emotional aufgeladen ist. Unser Produkt ist allerdings
nicht überlebenswichtig, sondern mit einem Hobby
verbunden. Die meisten unserer Kunden sind älter. Sie
verbinden schöne Erinnerungen mit Märklin, haben
vielleicht schon als Kind mit Modellbahnen gespielt
und greifen in höherem Alter ihr Hobby wieder auf. Die
Markenbekanntheit bringt uns viele Vorteile, schürt
aber auch hohe Erwartungen, die an andere Unternehmen
in unserer Umsatzklasse nicht gestellt werden.
Wie wollen Sie das Potenzial besser ausschöpfen?
Zur Person
Seit 2013 steht Florian
Sieber an der Spitze
von Märklin.
Seither hat sich der
geschäftsführende
Gesellschafter bei
Sammlern und Mitarbeitern
viel Respekt
erarbeitet. Sein Vater
Michael (60) führt
den Spielwarenhersteller
Simba-Dickie.
Der heute 31-Jährige
wuchs im mittelfränkischen
Städtchen
Lauf mit zwei Geschwistern
(28, 23)
auf. Nach dem Abitur
studierte er an der
privaten Universität
Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft.
Für
sein Master-Studium
ging er nach Barcelona
und Paris. Die Freizeit
verbringt der Wochenendpendler
am
liebsten mit Freundin
und Freunden. Seine
Hobbys: Snowboarden
und Fußballschauen.
Sieber ist
Fan von Greuther
Fürth und Bayern
München.
Ob Produkte oder Marketing: Firmenchef Florian Sieber bringt die Märklin-Welt in die digitale Spur.
11
[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Als kleiner Junge spielte er
Modelleisenbahn mit seinem
Opa. Heute führt er das Traditionsunternehmen
und baut
ein 11,3 Millionen Euro teures
Museum.
Das Modellbahngeschäft ist zwar stabil, aber große
Wachstumsraten sind auch in den nächsten Jahren
nicht zu erwarten. Daher wollen wir über andere Geschäftsfelder
und Produktkategorien wachsen. Wir haben
die vergangenen Jahre viele kleine Pflänzchen gesetzt,
die wir jetzt pflegen.
Ein bisschen konkreter bitte.
Ein Beispiel dafür sind unsere Kinderspiellinien Märklin
„My World“ für Kinder im Vorschulalter und Märklin
„Start Up“ für Kinder ab sechs Jahren und aufwärts.
Anders als im Modellbahnmarkt sind wir in diesem
Segment noch ein kleiner Fisch. Mitwettbewerber wie
Brio, Lego und Playmobil haben ebenfalls Eisenbahnen
im Sortiment. Unsere zwei Kinderspiellinien tragen
momentan noch nicht viel zum Umsatz bei. Doch wir
bauen sie jetzt auf, damit sie künftig zum Wachstum
des Gesamtunternehmens beitragen.
Welche Pläne haben Sie außerdem?
Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Marke
Märklin auch in anderen Bereichen nutzen können
und wollen Lizenznehmer mit ins Boot holen. Wir suchen
in Kooperation mit der Frankfurter Agentur Alicentia
nach geeigneten Unternehmen. Deren Produkte,
Qualität und Image müssen natürlich zu unserem
Markenkern passen. Darauf aufbauend haben wir Kriterien
festgelegt, die mögliche Lizenznehmer erfüllen
müssen.
Was gehört zum Markenkern?
Hochwertige Metallverarbeitung und Elektrik sowie
filigrane Formen machen schon immer Märklin-Spielzeug
aus. Neben den aktuellen technischen Entwicklungen
sind uns Nostalgie und Emotion ebenso wichtig.
Wir wollen eine Verbindung zwischen den
Generationen schaffen. Auch dass unsere Produkte
Söhne, Väter und Opas gleichermaßen begeistern und
zusammenbringen.
Und wer passt zu Ihnen?
Basierend auf diesen Eigenschaften können wir uns
den Namen Märklin etwa für Werkzeuge vorstellen.
Viele unserer Kunden sind richtige Heimwerker, die
neben der Modellbahn auch anderes selbst fertigen.
Deshalb führen wir unter anderem Gespräche mit
möglichen Lizenznehmern in naheliegenden Bereichen,
die in Deutschland produzieren, aber selbst nur
eine weniger starke Marke haben.
Soll das Lizenzgeschäft zur zweiten Säule werden?
Ja, aber davon sind wir noch weit entfernt, da das Unternehmen
in der Vergangenheit keine ähnlichen Versuche
unternommen hat. Bei Produkten außerhalb unserer
Sparte sehen wir es als sinnvollen Schritt an, uns
kompetente Partner zu suchen, die in ihrem Fach Spezialisten
in Fertigung, Vertrieb und Marketing sind.
Umgekehrt kennen sie das Lizenzgeschäft ja über
die Simba-Dickie-Gruppe, die ihr Großvater
Fritz und ihr Vater Michael gegründet haben.
Das ist der Inbegriff eines Spielzeugherstellers,
der durch Lizenzen
groß geworden ist.
Das stimmt. Ich kenne das Geschäft von der
anderen Seite. Simba Dickie gehört zu den größten
Lizenznehmern für Spielwaren in Europa.
Haben Sie eigentlich als Kind Modelleisenbahn
gespielt?
Als ich etwa sieben Jahre alt war, habe ich zusammen mit
meinem Opa im Keller an einer Modelleisenbahn gebaut.
Das waren bestimmt zwei, drei Abende die Woche.
Hand aufs Herz, war das eine Märklin?
Das war eine Märklin. Mein Opa meinte immer, es gäbe
nur eine Marke für Modelleisenbahnen.
Was tun Sie dafür, dass mehr Ihrer Produkte für
Kinder von „My World“ und „Start Up“ unter dem
Weihnachtsbaum liegen?
Gegenüber dem Vorjahr haben wir unsere Anstrengun-
12
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[titelthema]
gen im Marketing erhöht. Zum Beispiel durch eine
großangelegte TV-Kampagne in der Vorweihnachtszeit.
Unsere Spots sind vier Wochen lang auf drei Kinder-Sendern
hauptsächlich zwischen sechs und neun
Uhr morgens gelaufen. So wollen wir Märklin „My
World“ bei den Kids bekannter machen.
Und für Märklin „Start Up“?
Hier setzen wir auf eine umfangreiche Online-Kampagne
auf Youtube, Google, Facebook und Co. Dazu gehören
Videos und Themenseiten, mit denen wir die Themenwelt
„Containerverladung“ bewerben. Diese läuft
parallel zur TV-Kampagne. Wir erhoffen uns dadurch
eine deutliche Steigerung der Abverkäufe im Handel.
Wie hoch ist der Umsatz mit Produkten für Kinder?
Die zwei Kinderlinien machen noch unter 10 Prozent
unseres Umsatzes aus. Es gibt aber auch Kinder, die die
Produkte für Profis kaufen.
Welche neuen Wege gehen Sie, um den Fachhandel
zu unterstützen?
In Hamburg und Schleswig-Holstein läuft gerade ein
Pilotprojekt, das gezielt den Fachhandel stärken soll.
Die breitangelegte Markenkampagne bespielt mehrere
Kommunikationskanäle. Einmal sind das 2,9 Millionen
Posteinwurfsendungen, wie „Einkauf aktuell“, in
denen Märklin-Produkte auf der Titelseite und der Seite
3 zu sehen sind. Weitere Bausteine sind TV- und Radiowerbungen
auf regionalen Sendern, sowie Plakate
Florian Sieber will die Marke
Märklin in Lizenz vergeben.
Mit einer Agentur sucht er
Partner, die zur Göppinger
Traditionsfirma passen.
WAS ZÄHLT SIND
WERTE,
AUSDRUCK
UND SIE.
Know your classics. USM pflegt die wohlüberlegte Reduktion:
klassisches Design, klare Formen, unaufdringliche Eleganz.
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13
Florian Sieber stärkt den
Fachhandel. Im Zuge einer Pilot-Kampagne
für die Zielgruppe
55plus tauscht Märklin
alte Gleise in neue um.
im öffentlichen Nahverkehr und im Fachhandel. Das
Ganze läuft unter dem Mantel „Deutschland sucht den
Märklin Schatz“.
An wen richtet sich die Kampagne?
Primär an die Zielgruppe 55plus. Ziel ist es, dass der
Opa mit seinem Enkel das Hobby Modelleisenbahn
aufgreift. Durch verständlich aufbereitete Informationen
soll dem Großvater der Sprung in die Digitalwelt
erleichtert werden, in der sich die Enkel ohnehin auskennen.
Jeder, der sich anmeldet, nimmt automatisch
an einem Gewinnspiel teil. Zusätzlich bekommt er die
Möglichkeit, alte Metallgleise inklusive
Trafo dank eines saftigen
Rabattes in moderne C-Gleise und
ein digitales Fahrgerät umzutauschen.
Wie messen Sie die Entwicklung
der Abverkäufe?
Das läuft über unseren Stammsitz
Göppingen. Kunden, die sich anmelden,
werden hier erfasst und
bekommen ihr Informations-Set per Post zugeschickt.
Zu diesem gehört eine Liste mit Fachhändlern in der
jeweiligen Region, an die sich der Kunde bei Fragen
wenden kann. Die ausgewählten Händler sind sehr
kompetent und können beispielsweise auch alte, analoge
Loks instand setzen und digitalisieren. Dem Paket
liegt außerdem eine Einführung in die Digitalwelt bei.
Ein reales Großvater-Enkel-Paar aus Stuttgart – Horst
und Tim – erklären, wie die Modellbahn heute funktioniert
und was nötig ist, um alte Bahnen aufzurüsten.
Warum gerade im hohen Norden und nicht in Baden-Württemberg?
Weil wir einen repräsentativen Schnitt für ganz
Deutschland benötigen. In Baden-Württemberg ist
Märklin sehr bekannt, deshalb wäre das Ergebnis nicht
übertragbar. Im Norden kennt man uns weniger. Hamburg
repräsentiert den städtischen Raum, Schleswig-
Holstein den ländlichen. Das heißt, wir haben auf der
Hilfe für
Großväter
beim Einstieg
in moderne
Märklin-Welt
einen Seite hohes Einkommen, aber wenig Platz. Auf
der anderen Seite etwas weniger Einkommen dafür
mehr Fläche, die ist zum Modelleisenbahnbau wichtig.
Firmen wie Lego und Playmobil haben es geschafft,
sich neu zu erfinden? Was kann Märklin tun, um im
Einzelhandel nicht abgehängt zu werden?
Wir sind in der Fläche nicht mehr so breit vertreten wie
früher, haben aber nach wie vor beispielsweise mit
Müller, Conrad, Toys „R“ Us, Spielemax und My Toys
große Partner. Im Spielwarenfachhandel, der nicht auf
Modelleisenbahnen spezialisiert ist, haben wir mit unseren
Kinderprodukten wieder
Fuß gefasst. Das ist ein schwieriger
Kampf. Wir müssen uns für jedes
Geschäft Maßnahmen überlegen,
mit denen wir die Abverkäufe steigern
und dem Händler ausreichend
Marge und Drehgeschwindigkeit
bieten können. Da spielen
TV-Kampagnen, Online-Aktionen
und unser Auftritt am Point of Sale
(POS) mit rein.
Was sind geeignete Maßnahmen in den Läden?
Bestenfalls haben wir eine Spielfläche, auf der Kinder
und Eltern unser Produkt sehen und erleben. Viele Eltern
denken noch immer: Märklin ist teuer und kompliziert.
Wenn sie das Produkt aber ausgepackt in der
Hand halten, bemerken sie, dass es sich hier um ein
bezahlbares, leicht zu bedienendes Kinderspielzeug
handelt. Das verschafft uns nachweislich bessere Umschlagsgeschwindigkeiten
und Umsätze. Jedes Jahr
statten wir 20 bis 30 Geschäfte mit modernen POS-
Ständen aus.
Märklin ist für sein großes Sortiment bekannt.
2016 haben Sie das Angebot für Sammler verringert.
Wie waren die Reaktionen?
Wir haben es in der Vergangenheit nicht geschafft, alle
Produkte, die wir neu angekündigt haben, innerhalb
des Jahres auszuliefern. Wir haben stets 50 bis 100 Pro-
14
dukte ins neue Jahr genommen. Daher haben wir weniger
Produkte angekündigt, um die Liste aus den Vorjahren
abzuarbeiten. Trotz der Aufarbeitung der Vorjahre
liefern wir mehr Produkte aus als im vergangenen Jahr.
Schaffen Sie es, alle angekündigten Produkte in
diesem Jahr auszuliefern?
Nein, nicht ganz. Das liegt zum einen daran, dass wir
einen kleinen Puffer benötigen und manchmal auch
von Lieferanten nicht rechtzeitig beliefert werden. Wir
sammeln im Laufe des Jahres Aufträge, die teilweise
noch im Januar und Februar abgearbeitet werden. Früher
lief das bis weit in den April hinein.
Der Modelleisenbahnmarkt ist seit Jahren schwierig.
Woran liegt das?
Modelleisenbahnen sind teurer geworden. Das hängt
mit dem Anspruch der Kunden zusammen. Die Bahnen
müssen immer filigraner, technisch auf dem neuesten
Stand und mit vielen Features wie Sound und Licht ausgestattet
sein. Das hat die Preise in die Höhe getrieben
und einige Kunden mit weniger Budget vergrault.
Gleichzeitig haben sich Stückzahlen verringert …
Was ebenfalls die Herstellungskosten pro Stück erhöht.
Heute stellen wir bei einer Neukonstruktion
nicht mehr 20.000 Bahnen her, sondern etwa 5000 in
mehreren Varianten.
Warum investieren Sie die stolze Summe von 11,3
Millionen Euro in das Märklin-Museum?
Das Museum ist für uns ein Prestige-Projekt. Als wir das
Märklin-Museum zum ersten Mal sahen, konnten wir
kaum glauben, dass solch eine große Marke in den
Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses untergebracht
ist. Eher ein Shop als ein Museum. Dazu kamen
Briefe von Märklinisten, die extra nach Göppingen
gereist und enttäuscht waren, als sie das Museum
besichtigt hatten. Dass dort etwas passieren muss, war
uns klar. Priorität hatten aber zunächst die Investitionen
in Produktion und Vertrieb.
Wie finanzieren Sie das Großprojekt?
Einen Teil der Finanzierung stemmen wir, indem wir
die Märklin-Sammlung an eine Stiftung der Sparkasse
Göppingen verkaufen. Über die Hälfte der Investition
müssen wir selbst aufbringen. Auch wenn es uns nicht
leicht gefallen ist, die Sammlung abzugeben, wissen
Der Märklin-Chef bremst bei
der Zahl der neuen Produkte.
Lieber weniger ankündigen,
aber diese auf den Markt
bringen, lautet die Devise.
Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.
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15
[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Produktion in Göppingen: In den Märklin-Produkten steckt viel Handarbeit. Für Kinder ab drei Jahren geeignet: der „My world“-Zug LINT.
Zügig in die digitale Welt
Mit Schwung führt Firmenchef Florian
Sieber die Gebr. Märklin & Cie. GmbH in
die digitale Welt. Dazu tragen auch die
Produktlinien „My world“ für Vorschulkinder
und „Start Up“ für Kinder ab sechs
Jahren bei. In die Entwicklung von neuen
Produkten im Einsteiger-Segment investiert
das Unternehmen im Geschäftsjahr
2016/17 mehr als eine 1 Million Euro.
Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes
von zuletzt 96 Millionen Euro entfallen jedoch
auf Produkte für Modellbahnprofis
und Sammler. Sieber hat auch das Märklin-Marketing
modernisiert. Die Kundenansprache
erfolgt mittlerweile auch über
Facebook und Twitter. Zudem setzt Märklin
bei der Vorstellung seiner Produktneuheiten
auf Augmented Reality. Über
eine zuvor heruntergeladene App können
Fans der Marke sich per Smartphone-Kamera
beispielsweise Loks dreidmensional
zeigen lassen und Licht- und Soundeffekte
auslösen. Zum 1859 als Blechspielzeughersteller
gegründeten Unternehmen
zählen die Marken Märklin, Trix und
Lehmann-Gartenbahn. Das Unternehmen
beschäftigt in Göppingen und Györ (Ungarn)
knapp 1200 Mitarbeiter – 470 davon
im Stammwerk Göppingen. Die Höhe
des Gewinns nennt Märklin nicht. AMB
wir sie in guten Händen und garantieren damit ihren
Verbleib in Göppingen.
Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus?
Museen sind nur in den seltensten Fällen profitabel zu
betreiben. Unser Ziel ist eine schwarze Null. Sprich,
wenn unsere Investitionen, die damit verbundenen
Abschreibungen und laufende Kosten
annähernd durch die späteren
Einnahmen gedeckt werden, sind
wir zufrieden. Das Museum wird
die Marke Märklin aber im Hinblick
auf PR und Marketing aufwerten
sowie überregionale Besucher
nach Göppingen bringen.
Spaß haben
beim
Rangieren im
neuen
Museum
Was wird diese erwarten?
Im Jahr 2018, in dem das Museum
eröffnet werden soll, können wir nicht nur Exponate in
Vitrinen stellen und hübsch beleuchten. Wir wollen den
Gast – auch Nicht-Sammler und Familien – von der Modelleisenbahnwelt
begeistern. Das schaffen wir nur
durch interaktive Gestaltungselemente. Besucher sollen
selbst ausprobieren können. Etwa mittels Rangierwettbewerben,
bei denen sie Container verladen müssen
oder die Anlage mit Tablet und Handy steuern können.
Die Gäste sollen sich als Teil der Märklin-Welt fühlen.
Wie wird diese Welt aussehen?
Diese wird aus drei Teilen bestehen. Einen davon bildet
die Ausstellung der Exponate, die vor allem für Sammler
und Märklinisten interessant
sein wird. Dann wird es interaktive
Bereiche geben. Wir wollen auf
moderne Weise zeigen, dass Modelleisenbahnen
nichts Altbackenes
sind, sondern dass innovative
Technik in den Aufbauten steckt.
Als dritten Teil bauen wir eine große
Anlage, die sich ständig weiterentwickelt.
Gäste können live mitverfolgen,
wie man so etwas
aufzieht. So wollen wir die Menschen nicht nur einmal,
sondern immer wieder nach Göppingen ziehen.
Es soll ja einen Sammler geben, der die weltgrößte
Märklin-Sammlung besitzt. Gibt es Pläne, diese
nach Göppingen zu holen?
16
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[titelthema]
Wir sind mit dem Mann aus Belgien in Kontakt und
planen, Teile seiner Sammlung als Leihgabe bei uns in
Göppingen zu zeigen. Hierfür haben wir bereits seine
Zusage. Bisher waren diese Sammlerstücke nicht öffentlich
zugänglich. Für uns ist das eine tolle Möglichkeit,
um immer wieder Highlights nach Göppingen zu
holen.
Warum eigentlich haben Sie und Ihr Vater vor drei
Jahren Märklin aus der Insolvenz gekauft?
Wir hatten diesbezüglich viele Gespräche. Anfang
2009 hat mein Vater erst abgewunken, da wir das Modellbahngeschäft
nicht kannten und es wenige Synergien
gibt. Auch die Kundschaft ist eine andere als die
bei Simba Dickie. Die hohe Komplexität von Modelleisenbahnen
war mit keinem unserer anderen Produkte
zu vergleichen. Mitte 2012 haben wir uns trotzdem
entschieden, die Produktion anzuschauen. Das Knowhow
und die Einstellung der Mitarbeiter haben uns
von Anfang an begeistert. Wir spürten, dass die Belegschaft
eine große Familie ist und Märklin wieder in die
Spur bringen wird. Das hat uns überzeugt.
Obwohl Modellbahn kein boomender Markt ist?
Das war uns bewusst. Und auch, dass wir den Umsatz
im ersten Schritt vermutlich nicht halten können. Das
haben wir in Kauf genommen, weil das Unternehmen
genug Substanz hat, um sinkende Umsätze auszugleichen.
Unser oberstes Ziel ist es, profitabel zu sein. Das
sind wir seit der Übernahme 2013. Nur so können wir
weiter investieren und neue Projekte aufziehen.
Warum sind sie als Geschäftsführer eingestiegen?
Das war anfangs nicht geplant. Ich sollte den Prozess in
Göppingen begleiten, kleine Synergien heben und die
Modellbahn verstehen lernen. Es stellte sich aber heraus,
dass der zweite Geschäftsführer andere Strategievorstellungen
hatte als wir. Daher trennten wir uns
von ihm. Auf die Schnelle fanden wir niemanden Neues.
Deshalb bin ich eingesprungen.
Manche Sammler bezeichnen Sie als Glücksfall für
das Unternehmen. Wie schwierig war es – für Sie
als damals 27-Jährigen – das Vertrauen der Sammler
und Mitarbeiter zu gewinnen?
Die Mitarbeiter haben einen gewissen Durchsatz an
Seit dem Jahr 2013 führt Sieber
den Modelleisenbahnhersteller.
Sein Einstieg als Geschäftsführer
war anfangs
nicht vorgesehen.
17
[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
„So wie ich Wolfrad Bächle
vertraue, vertraut er mir“,
sagt Florian Sieber im Gespräch
mit Alexander Bögelein,
dem Redaktionsleiter
„unternehmen [!]“. Die Geschlossenheit
der beiden Geschäftsführer
ist einer der
Faktoren für die erfolgreiche
Neuausrichtung.
Geschäftsführern erlebt. Aber es war lange kein geschäftsführender
Gesellschafter mehr da. Dass meiner
Familie das Unternehmen gehört, hat mir Rückhalt gegeben.
Dazu kam, dass ich mich von Anfang an sehr gut
mit meinem Kollegen Herrn Bächle (dem Technik-Geschäftsführer,
Anmerkung der Redaktion) verstanden
habe. Er kennt das Unternehmen und die Mitarbeiter
sehr gut. Schnell war klar, dass wir nicht, wie so oft in
der Vergangenheit gegeneinander, sondern miteinander
arbeiteten. Sowie ich ihm mein volles Vertrauen
geschenkt habe, vertraut er auch
mir. Das spüren die Mitarbeiter,
selbst diejenigen, die anfangs Zweifel
hatten. Wir stehen zu dem, was
wir bei der Übernahme von Märklin
versprochen haben: Nämlich,
dass wir alle Mitarbeiter in Göppingen
behalten wollen und auch weiterhin
auf unseren Standort in Ungarn
setzen.
Wir stehen zu
dem, was wir
beim Kauf
versprochen
haben
richtigen Entscheidungen treffen kann. Ich musste
mich in vielen Fällen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter
stützen, habe mich beraten lassen und in viele
Themen eingelesen. Was ich heute aus dem Stehgreif
beantworten kann, musste ich damals aufwändig recherchieren.
Wie schwierig ist es, für eine so komplexe Firma wie
Märklin Entscheidungen zu treffen?
Man muss sich Zeit für wichtige Entscheidungen nehmen.
Und natürlich war ich nicht
alleine: Herr Bächle, mein Vater
und die anderen Geschäftsführer
der Simba-Dickie-Gruppe standen
mir jederzeit zur Seite. Trotzdem
haben wir hin und wieder den falschen
Weg eingeschlagen. Auch
das gehört dazu – Fehler zu erkennen
und einen Schritt zurückzugehen.
Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Wie schwierig
war es, die richtigen Stellschrauben für die Neuausrichtung
zu finden?
Es dauert einige Zeit, sich in die Modellbahn einzufinden.
Deshalb habe ich mir auch nicht eingebildet, dass
ich nur allein aufgrund meiner Position immer die
Sie sind zugleich auch Junior Chef der Simba-Dickie-Gruppe
in Fürth. Sind Sie dort auch in Entscheidungen
involviert?
Nein, dadurch, dass ich hier in Göppingen von früh bis
spät beschäftigt bin, bekomme ich vom Tagesgeschäft
nicht alles mit. Allerdings werde ich über alle relevan-
18
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[titelthema]
FACHKRÄFTETAG
ULM & NEU-ULM
ten Entwicklungen informiert und mein Vater und ich
besprechen wichtige Themen in Nürnberg oder am Telefon.
Ich tue mein Bestes, um mich auf dem Stand der
Dinge zu halten und mitzuverfolgen, wo die Reise in
Fürth hingeht. Hin und wieder muss ich auch einen
Märklin-Tag opfern, wenn wichtige Ereignisse oder
Kundenbesuche im Ausland anstehen.
Was war ihr schönstes Erlebnis in den vergangenen
drei Jahren?
Schön ist es immer wieder, wenn Märklinisten auf Messen
oder am Tag der offenen Tür auf uns zukommen
und sich bedanken, dass wir das Unternehmen fortführen.
Wenn sie uns Feedback geben oder Mut machen,
dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das positive Feedback
gibt uns Rückhalt und bestärkt uns. Deshalb habe
ich trotz leichter Umsatzrückgänge keine Bedenken,
dass wir das nicht hinbekommen. Die Führungsmannschaft
hier im Unternehmen ist eine tolle, schlagkräftige
Truppe. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, seit ich
2013 hier angekommen bin. Die Arbeit macht mir Spaß
und ich bin stolz, die Entwicklung dieser großartigen
Marke mitzugestalten.
Wie lange bleiben Sie Märklin erhalten?
Das ist offen. Einen konkreten Termin für meine Rückkehr
nach Fürth gibt es nicht.
DAS INTERVIEW FÜHRTEN
JOA SCHMID, STELLVER-
TRETENDER REDAKTIONS-
LEITER DER NWZ IN
GÖPPINGEN UND
ALEXANDER BÖGELEIN,
REDAKTIONSLEITER
UNTERNEHMEN [!]
DOKUMENTATION:
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FOTOS:
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19
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Auffanglösung
für Ravensburger
Großmetzgerei
Die insolvente Metzgerei Walser
+ Schwaderer GmbH aus Ravensburg
hat einen Käufer: Die
Auffanggesellschaft Walser Spezialitäten.
Deren Hauptgesellschafter
Guido Meurer ist geschäftsführender
Gesellschafter
der Bösinger Fleischwaren
GmbH (Kreis Rottweil). Auch
die bisherigen Geschäftsführer
Oliver Kvas und Reinhard Wrobleksi
sind Gesellschafter. Im
Sommer hatte die Walser +
Schwaderer GmbH (Jahresumsatz
von 12,5 Millionen Euro),
Insolvenz angemeldet. Die
Großmetzgerei hat 23 Filialen,
unter anderem in Ravensburg,
Friedrichshafen, Wangen und
und Biberach. Die Filialen und
mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze
sollen erhalten bleiben.
Deutsche Bahn
investiert in
Lindau
130 Millionen Euro wird die
Bahn AG in Lindau investieren,
unter anderem in den Insel-
Bahnhof für den Regionalverkehr
und den Bahnhof für Fernund
Nahverkehrszüge im
Ortsteil Reutin. Bis Ende 2020
soll die Strecke Lindau –München
elektrifiziert werden,
ebenso die Strecke Friedrichshafen
– Ulm. Die Fahrt nach
Stuttgart verkürzt sich dadurch
um 45 Minuten. Lindau soll in
Zukunft Bahnknoten für Allgäu,
Bodensee, Vorarlberg und
die Ostschweiz sein.
Sana Kliniken
investieren
in Biberach
Ein Akutkrankenhaus mit 370
Betten und sieben OP-Sälen entsteht
ab Frühjahr 2017 in Bibe
Erster Mieter für Sedelhöfe
Die Drogeriemarkt-Kette DM ist der erste Mieter des Ulmer
Einkaufszentrums Sedelhöfe, das 2019 eröffnet werden soll.
Dort laufen die Bauarbeiten (rechter Bildrand) ebenso wie für
die Tiefgarage am Bahnhof mit 520 Plätzen. Im Laufe der
nächsten fünf Jahre kommt der Bau der zweiten Straßenbahnlinie
samt Haltestellen sowie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes
hinzu. Dementsprechend hoch ist die Staugefahr.
Das Bild entstand außerhalb der Hauptverkehrszeiten.
rach. Kostenpunkt: 100 Millionen
Euro. Wie bei den anderen
drei Sana-Kliniken im Kreis Biberach,
ist Beate Jörißen Geschäftsführerin.
Die Baugenehmigung
umfasst 13
Aktenordner. Die Sana Kliniken
AG ist mit 48 Krankenhäusern
und 30.000 Mitarbeitern der
drittgrößte Klinikverbund in
Deutschland.
Geno-Bank
schließt neun
weitere Filialen
Foto: Siegfried Geyer
Die Volksbank Raiffeisenbank
Laupheim-Illertal schließt im
April 2017 neun weitere Geschäftsstellen
in Baltringen,
Baustetten, Bußmanns hausen,
Hörenhausen, Orsenhausen,
Schönebürg, Oberholzheim, Ellwangen
und Haslach. In Kirchberg,
Dettingen und Tannheim
reduziert das Institut die Öffnungszeiten.
Derzeit wird geprüft,
ob die Geno-Bank ihren
älteren Menschen auf Bestellung
Bargeld ins Haus bringt.
Solarauto aus
Bad Saulgau geht
an den Start
Ende des Jahres soll es seine
Straßenzulassung erhalten: Das
Solar-Auto „G-Cart“ des mittelständischen
Unternehmens Ge-
Ho Solartechnik aus Bad
Saulgau (Kreis Sigmaringen). 45
Stundenkilometer ist es schnell,
480 Kilo schwer und soll weniger
als 20.000 Euro kosten. Die
Serien-Fertigung wird in Bad
Saulgau sein. Die Materialien
dafür stammen überwiegend
von Firmen aus der Region. Geschäftsführer
Gerhard Holderried
verspricht eine Reichweite
von 100 Kilometern. Hauptzielgruppe
sind Golfclubs, Pizza-
Services oder Medikamenten-
Auslieferer.
Im Südwesten
bleiben 7200
Lehrstellen leer
Viele Betriebe in Baden-Württemberg
suchen händeringend
nach qualifizierten Bewerbern
für offene Lehrstellen. Für das
Ausbildungsjahr 2016/2017
konnten 7168 Stellen nicht besetzt
werden. Das sind 17 Prozent
mehr als noch vor einem
Jahr, sagte der Stuttgarter Regionalchef
der Bundesagentur für
Arbeit, Christian Rauch. Groß
ist der Nachwuchsmangel in
Hotel- und Gastgewerbe, im
Handel und bei zahnmedizinischen
Fachangestellten.
Grenzenlose
Finanzierung
des Allgäus
Die Ferienregion Allgäu-Bodensee
beteiligt sich ab Januar mit
50.000 Euro jährlich an der bayerischen
Marketing-Gesellschaft
Allgäu GmbH. Sie will
damit den Anschein des „Trittbrettfahrens“
vermeiden, teilte
das Gästeamt Wangen mit. Bislang
wird die Gesellschaft von
den vier bayerischen Allgäuer
Landkreisen und den dortigen
kreisfreien Städten finanziert.
Das Gesamtbudget der Allgäu
GmbH lag im vergangenen Jahr
bei 3,8 Millionen Euro. [!]
20
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[spezial]
Nicht nur zum Auftakt strömen die Besucher in die Fertighauswelt nach Günzburg.
Auf die Plätze – fertig – Haus
Ihre Bauzeit ist kurz, die Grundrisse flexibel, sie erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen und erfreuen sich im
Südwesten großer Beliebtheit: Europas modernste Ausstellung von Fertighäusern steht in Günzburg.
Die Erwartungen an die Besucherresonanz
waren hoch, „doch sie sind bei
weitem übertroffen worden“, sagt
Christoph Windscheif, Marketing-Chef des
Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF).
Rund 17 Millionen Euro hat der Verband in
die Fertighauswelt Günzburg investiert. Allein
am Eröffnungswochenende strömten
8300 Menschen dorthin, um sich 17 Musterhäuser
auf der 22.000 Quadratmeter großen
Anlage anzuschauen. Das waren mehr als bei
der Eröffnung der Fertighauswelten in Köln,
Wuppertal, Hannover und Nürnberg. Bis Ende
November und damit in den ersten acht
Wochen waren es rund 20.000. Zum Vergleich:
Ursprünglich waren 50.000 Besucher pro Jahr
angepeilt. Diese Zahl zu Grunde gelegt würde,
nach einer Faustregel in der Branche, die Fertighaus-Welt
Günzburg als erfolgreich gelten,
wenn pro Jahr 0,8 Prozent der angepeilten Besucher,
sprich rund 400 Menschen, dort ein
Haus kaufen. Der Standort in Günzburg bietet
viele Vorzüge. Er liegt verkehrsgünstig an der
A8 in einer wirtschaftsstarken Region. Das benachbarte
Legoland Deutschland lockt Familien
mit Kindern an, also die Hauptzielgruppe
der Fertigbauer. Zudem liegt die Fertighaus-
Welt direkt an der Landesgrenze zu Baden-
Württemberg. Im Südwesten liegt der Marktanteil
der Fertigbauer mit 30 Prozent über
dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent.
KONKURRENZ ZU ULM
Bundesweit gibt es 18 Hausausstellungen, ihr
je weiliges Einzugsgebiet reicht anderthalb
Fahr stunden. Dass mit dem Hausbaucenter
Ulm und der Fertighauswelt Günzburg zwei
nur 30 Kilometer voneinander entfernte
Standorte existieren, ist selten. Der Hintergrund:
Der BDF hielt den Auftritt und den Besucher-Service
des Hausbaucenters Ulm für
verbesserungswürdig. In Günzburg befindet
sich nach Windscheifs Worten nun die modernste
Fertighausausstellung Europas. Zum
Konzept für Günzburg gehören hohe Anforderungen
an nachhaltiges Bauen, sagt BDF-Präsident
Johannes Schwörer. Die Branche sei
Trendsetter in den Themen Energieeffizienz,
Dämmung und Haustechnik. Weiterer Vorteil:
Vom Vertragsabschluss über die Fertigung im
Werk bis zur Montage auf der Baustelle liegen
nur vier bis sechs Monate. Die Bauausführung
sei wegen der industriellen Vorfertigung gut
und der Bauherr bekomme alles aus einer
Hand. Aktuell komme Schwung in das Thema
„Smart Home“, auch weil sich die Einstellung
der Verbraucher in den vergangenen zehn Jahren
zu der Technik verändert habe. Auch für
das Zeitalter der E-Mobilität sieht er die Branche
gerüstet. Viele Fertighäuser sind Plus-
Energie-Häuser, sie verbrauchen weniger
Energie, als sie erzeugen. „Die Energie, die das
Haus tagsüber erzeugt, können die Bewohner
abends nutzen“, sagt Schwörer – und damit das
Elektro-Auto aufladen. [!]
AMB
www.fertighauswelt-guenzburg.de
21
[finanzieren] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Die Tücke der Versorgungslücke
Viele Selbstständige und Freiberufler sorgen privat für ihren Ruhestand vor. Doch kaum jemand hat eine
Vor stellung davon, wie viel Geld er zurücklegen muss, damit nicht im Alter herbe finanzielle Einbußen drohen.
Das deutlich sinkende Niveau
der gesetzlichen Rente
und niedrige Zinsen am Kapitalmarkt
machen die
Alter svorsorge zum Spagat.
22
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
Kommende Rentnergenerationen in
Deutschland werden den Gürtel enger
schnallen müssen. Jüngsten Prognoserechnungen
des Bundesarbeitsministeriums
zufolge wird das Niveau der gesetzlichen Rente
bis zum Jahre 2030 auf 44,5 Prozent des letzten
Brutto-Einkommens absinken. Mit dieser
Altersrente kann allerdings nur der so genannte
Eckrentner rechnen, der 45 Jahre lang
gearbeitet hat und in dieser Zeit stets den sozialversicherungspflichtigen
Durchschnittsverdienst
erzielt hat.
Viele Unternehmer und Freiberufler werden
sich mit diesen Zahlen gar nicht erst beschäftigen.
Denn selbst wenn sie Ansprüche in der
gesetzlichen Rentenversicherung durch Anrechnungs-
und Beitragszeiten im Rahmen
einer Festanstellung gesammelt haben – mit
der Rente, die daraus in 20 oder 30 Jahren resultiert,
haben sie kaum ein komfortables
Auskommen im Alter. Mit dem Wechsel in
die Selbstständigkeit sorgen die meisten privat
fürs Alter vor. Doch auch in diesem Fall
drohen herbe Versorgungslücken, denn die
niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt drücken
die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen
ebenso wie etwa die Rentenzusagen von
berufsständischen Pensionskassen. Gleichzeitig
wirft das eigene Sparvermögen auf Bankkonten
kaum noch Erträge ab. Das bringt viele
Rentenpläne ins Wanken.
[finanzieren]
VORSORGE IM BLINDFLUG
Dabei haben die meisten Selbstständigen,
wenn überhaupt, nur eine vage Vorstellung
davon, wie hoch ihre Rentenlücke ausfällt.
„Die Rentenlücke ist wie das Bermuda-Dreieck
der Geldanlage. Jeder hat davon gehört,
aber keiner weiß etwas Genaues“, sagt Torsten
Homann, Portfoliomanager bei Taunus Investment.
Schließlich lässt sich kaum abschätzen,
wie sich die Renditen an den Kapitalmärkten,
aber auch die allgemeinen
Lebenshaltungskosten in den kommenden
Jahren, geschweige denn Jahrzehnten, entwickeln
werden.
Außerdem verfügen Freiberufler und Unternehmer
nicht über ein festes Einkommen. Sie
können bestenfalls schätzen, wie viel sie zum
Ende ihrer aktiven Berufsphase hin verdienen
werden. Dazu kommt, dass angesichts von
Termin- und Arbeitsdruck viele Selbstständige
den Aufwand in Sachen Nachjustierung bei
der eigenen Altersvorsorge scheuen. „Häufig
wird das erstbeste, vermeintlich passende Produkt
genommen – und damit das Thema Altersvorsorge
abgehakt“,
beschreibt
Michael Huber,
Mitglied der Geschäftsführung
des Beratungsunternehmens
VZ
Vermögenszentrum,
einen Kardinalfehler.
Dabei besteht Michael Huber, Vermögenszentrum
München.
auch für Selbstständige,
die gut
verdienen, fast immer Handlungsbedarf, wie
Berechnungen von zwei Experten zeigen, die
unternehmen[!] zu einem Vorsorgecheck von
zwei Beispielfällen gebeten hat. Denn auch
wer viel Geld in seine Altersvorsorge steckt,
muss damit rechnen, dass im Alter die Versorgungslücke
viel größer ist als angenommen.
„Das Versorgungsziel sollte bei etwa 80 Prozent
des geschätzten letzten Netto-Einkommens
liegen“, gibt Gerhard Miller, Vorsitzender
des Regionalverbands Süd des
Bundesverbands deutscher Versicherungskaufleute,
eine Richtmarke vor. „Von diesem
Betrag ziehe ich dann ab, was ich an Versorgungsansprüchen
habe und weiß, was ich
dann noch bräuchte, wenn ich diese Lücke
schließen will.“ Das klingt nach einer einfachen
Rechnung, aber der Teufel steckt im Detail
– weil sich zum Beispiel Ablaufleistungen
von Lebensversicherungen nur schätzen lassen.
„Dazu kommen steuerliche Gesichtspunkte
und die Frage, ob Wohneigentum vorhanden
ist. Dadurch wird das Thema sehr
schnell komplex“, erläutert Miller.
ANSPARSUMME 760.000 EURO
Das zeigt sich bereits beim ersten Beispiel: Susanne
Kerber arbeitet seit zwei Jahren als selbständige
Grafikerin. Die 34-Jährige ist ledig
und Mutter eines dreijährigen Kindes. Nach
dem Studium, das sie mit 25 Jahren beendet
hat, arbeitete Kerber zunächst bei verschiedenen
Agenturen in fester Anstellung. Der Bruttoverdienst
lag im Schnitt bei 40.000 Euro. In
dieser Zeit hat sie in die gesetzliche Rentenversicherung
eingezahlt, einen Riestervertrag
abgeschlossen, auf dem mittlerweile rund
12.000 Euro angespart sind, und privat rund
10.000 Euro in Fonds und auf Sparkonten angespart.
Mit der Geburt ihres Sohnes hat Kerber
zuerst die Elternzeit genutzt und danach
erste freie Aufträge angenommen. Nachdem
ihr Kind nunmehr in den Kindergarten geht,
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23
[finanzieren] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Das 2 x 2 zur Altersvorsorge
Die Experten Michael Huber und Gerhard Miller
stellen ihre Überlegungen zu unseren zwei
Fallbeispielen vor (Renteneintritt mit 67 Jahren):
Klaus Marten (49) ist angestellter
Geschäfts führer. Jahresgehalt 200.000 Euro
plus erfolgsabhängige Komponente im Durchschnitt
von 100.000 Euro. 12.000 Euro in einem Rürup-Vertrag,
100.000 Euro Vermögen (in Wertpapieren).
Schuldenfreies Haus. Die Restschuld eines
Appartements: 65.000 Euro (monatliche Belastung
500 Euro aus Darlehen).
Beispielrechnung Michael Huber
Risikobereitschaft
mittel
Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) > 3,5%
Versorgungsziel
Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 6000 €
Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 8569 €
Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 3450 €
Verbleibendes Versorgungsziel 5119 €
Sparziele bis Ruhestand
Notwendiges Kapital 4) 1.340.000 €
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3050 €
Empfohlene Sparvehikel
neu
weiterzuführen
Beispielrechnung Gerhard Miller
ETF Sparplan (Aktienindizes)
gesetzl. Rentenversicherung
Kapitallebensversicherng
Gesetzliche Rente 2500 €
betriebliche Rente 1500 €
Gesamt 4000 €
Nettoeinkommen 14.000 €
Versorgungsziel: netto 80% 11.000 €
Versorgungslücke 7000 €
Sparziele bis Ruhestand
Notwendiges Kapital 6) 1.000.000 €
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3000 €
Empfohlene Sparvehikel
weiterzuführen
Anmerkungen:
1)
Eigener Anteil
Basisrente, Riester-Rente, Fondssparplan
gesetzl. Rentenversicherung, Betriebsrente,
Kapitallebensversicherng
2)
Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.
3)
Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.
4)
Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.
5)
Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen
Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.
6)
Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender
Kapitalerträge
baut sie diese freiberufliche Tätigkeit aus. Sie erwartet, dass sie im
kommenden Jahr etwa 50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht. Sie
will sich nun absichern und für ihr Alter vorsorgen.
Nach Berechnungen von VZ-Experte Huber muss die Grafikerin bis
zum Beginn der Rente 760.000 Euro ansparen und dafür 1000 Euro pro
Monat zurücklegen. „Das wirkt sehr hoch“, sagt Huber. „Aber es ist zu
berücksichtigen, dass in diesem Fall nur geringe gesetzliche Rentenansprüche
bestehen und auch keine weiteren Beiträge zur gesetzlichen
Rentenversicherung mehr geleistet werden. Somit gibt es auch
mehr Spielraum, die notwendige Sparrate zu leisten.“ Dennoch: Das
monatliche Sparziel für die junge Mutter ist hoch. Bei dem von ihr
angepeilten Jahresumsatz ist das – wenn überhaupt – nur dann zu
schaffen, wenn sie auf eine staatlich geförderte Anlageform wie die
Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, zurückgreift.
KAUM GELD ZUM LEBEN
Versicherungsexperte Miller empfiehlt neben der Basisrente zudem,
den Riestervertrag so hoch wie möglich weiter zu besparen und dessen
Steuervorteile zu nutzen. Sie könne auch überlegen, freiwillig
weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Damit
erhöhe sich die gesetzliches Rente zwar, doch das reiche nicht, um
im Alter abgesichert sein.
Er empfiehlt der Grafikerin zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung,
um das Risiko einer Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Dazu
eine Risikolebensversicherung über mindestens 100.000 Euro, um
ihre Familie abzusichern. Auch kann sich die Freiberuflerin überlegen,
sich privat statt weiterhin gesetzlich krankenzuversichern. „Alles
in allem kommt sie damit in eine finanzielle Größenordnung, bei
der ihr kaum noch genug Geld zum Leben bleibt. Sie kann also nicht
mehr Geld zurücklegen.“
Dieses Problem stellt sich im anderen Beispielfall nicht: Klaus Marten
ist angestellter Geschäftsführer einer mittelständischen GmbH. Nach
dem Studium hat der 49-Jährige bei mehreren Unternehmen gearbeitet
und ist schnell aufgestiegen. Sein festes Jahresgehalt liegt bei
200.000 Euro, dazu kommt eine erfolgsabhängige Komponente, die
im Mittel 100.000 Euro beträgt. Er und seine Ehefrau, die nicht arbeiten
geht, besitzen bares Anlagevermögen von etwa 100.000 Euro und
eine Lebensversicherung (Vertragssumme 100.000 Euro), die in seinem
67. Lebensjahr fällig wird. Zudem zahlt er Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze
in die gesetzlichen Rentenversicherung. Er
hat die Zusage für eine Betriebsrente von 1500 Euro pro Monat. Das
Ehepaar besitzt eine eigene, selbst genutzte Immobilie, die schuldenfrei
ist. Zusätzlich haben die beiden vor vier Jahren ein Appartement
erworben, das ihrer Tochter zur Verfügung steht, die dort ein
Studium aufgenommen hatte. Nachdem diese ihr Studium abgeschlossen
hat, und finanziell auf eigenen Beinen steht, vermietet
Marten das Appartement (Restschuld 65.000 Euro). Die monatliche
Belastung aus dem Darlehen beträgt 500 Euro. Das Barvermögen
hat Marten eher konservativ in Wertpapieren und Fonds
angelegt. 20.000 Euro liegen auf Konten bei der Bank.
Auf den ersten Blick scheinen der 49-Jährige und seine Frau gut
versorgt. Seine Renten-Ansprüche liegen von heute aus gesehen
bei etwa 4000 Euro pro Monat. Bei einem Einkommen von rund
14.000 Euro (ohne Sonderzahlungen) liegt jedoch das Versorgungsziel
des Geschäftsführers bei etwa 11.000 Euro pro Monat.
„Das zeigt, dass bei der Altersvorsorge vieles relativ ist“, sagt Miller.
24
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[finanzieren]
„Mit seinem hohen Einkommen hat sich Herr Marten einen gewissen
Lebensstandard aufgebaut, den er wahrscheinlich halten möchte. Dazu
muss er auch im Alter Rücklagen bilden zur Instandhaltung der
Immobilien.“
Will er steuerliche Vorteile für seine Altersvorsorge nutzen – was sich
bei seinem hohen Einkommen anbietet –, wäre für ihn die Basisrente
die einzige Möglichkeit. Bei der Basis-Rente, auch Rürup-Rente genannt,
können Sparer 2016 einen Teil ihrer
Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung
geltend machen. 2016 sind das
82 Prozent. Jedoch gibt es einen
Höchstbetrag. Er orientiert sich
an der Beitragsbemessungsgrenze
zur Rentenversicherung und
am Beitragssatz zur knappschaftlichen
Rentenversicherung
(24,8 Prozent). 2016 ergibt sich so
ein Höchstbetrag von 22.766 Euro
zur Rürup-Rente. Der maximale Beitrag,
den Versicherte steuerlich anrechnen
lassen können, wächst demzufolge
auf 18.668 Euro (82 Prozent des Höchstbetrages) an. Verheiratete
können die doppelte Summe einzahlen, die in der Steuererklärung
berücksichtigt wird.
Eine Alternative ist, dass Marten privat mehr Geld anspart.
„Dabei sollte er unbedingt schwerpunktmäßig in
Aktien – etwa über Fonds – investieren und er sollte sofort
damit anfangen und regelmäßig investieren“, sagt
Huber. „Denn erstens ist sein Anlagehorizont lang genug,
weil es noch einige Jahre hin sind bis zum Renteneintritt.
Zweitens ist seine Risikobereitschaft mindestens
moderat, eher überdurchschnittlich hoch. Und drittens
verfügt Herr Marten bereits über ein hohes Gesamtvermögen
und hat seine Hausaufgaben gemacht.“ Zumal: Selbst
wenn der Geschäftsführer einen Aktienstock von 150.000 Euro aufbaut
– in der Betrachtung seines Gesamtvermögens ist er damit immer
noch ein konservativer Anleger. „Aktien haben zweifellos Risiken,
aber das größere Risiko ist es, keine Aktien zu haben“, sagt Huber
mit Blick auf die historisch guten Anlageergebnisse von Dividendenpapieren.
Zur Vorsicht rät er dagegen bei Immobilien. „Es heißt zwar
immer: Immobilien sind sinnvoller Baustein zur eigenen Altersvorsorge.“
Doch dafür sieht er Einschränkungen: „Der Käufer sollte sich
die laufende Rate auch im Worst-Case-Szenario leisten können. Er
sollte noch Eigenkapital übrig haben, nachdem er einen Teil des Kaufpreises
der Immobilie mit eigenen Mitteln gedeckt hat. Und drittens
darf ich nicht zu teuer einkaufen“, warnt Huber. Die Gefahr zu hoch
einzusteigen, ist jedoch groß. Die niedrigen Zinsen treiben derzeit die
Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern in die Höhe. Eigentumswohnungen
haben sich dem F+B-Immobilienindex zufolge
innerhalb der vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.
In Berlin oder München sind die Preissprünge noch höher.
Fraglich, ob sich der Einstandspreis bei einem Verkauf im Alter erzielen
lässt. „Das Risiko, mit der eigenen Immobilie etwas falsch zu machen
ist mindestens so groß wie die Chance, dass es ein gelungener
Bestandteil meiner Vorsorgestrategie wird“, sagt Huber. [!]
Gerhard Miller vom BVK,
Regionalverband Süd.
THOMAS LUTHER
Susanne Kerber (34), selbständige
Grafikerin, ledig, Mutter eines dreijährigen
Kindes. Neun Jahre angestellt mit einem Brutto-Jahresverdienst
40.000 Euro. Sie hat in einem
Riestervertrag 12.000 Euro und zudem 10.000
Euro angespart (davon 3500 Euro in einem Mischfonds).
Sie erwartet, dass sie im nächsten Jahr etwa
50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht.
Beispielrechnung Michael Huber
Risikobereitschaft
eher gering
Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) 2,0%
Versorgungsziel
Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 1700 €
Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 3268 €
Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 360 €
Verbleibendes Versorgungsziel 2908 €
Sparziele bis Ruhestand
Notwendiges Kapital 4) 760.000 €
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 1000 €
Empfohlene Sparvehikel
neu
perspektivisch, daher weiter Tagesgeld aufbauen
Beispielrechnung Gerhard Miller
Rürup-Rente
Selbstgenutzte ETW
Bruttoverdienst Nettoverdienst 3300 € 2310 €
Versorgungslücke netto 2310 €
Regelaltersrente Lücke 984 € 1326 €
Erwerbsminderungsrente 748 €
Lücke bei voller
Erwerbsminderung
Lücke bei teilweiser
Erwerbsminderung
1562 € 1936 €
Hinterbliebenenrente Lücke 630 € 1680 €
Riester
jährlicher Eigenbeitrag 1430 €
Zulage (eigene + Kinderzulage 300 €) 454 €
Steuerersparnis 402 €
BU
BU-Rente 1800 €
Fondsguthaben bei 3% Wertentwicklung 24.087 €
Beitrag pro Monat 7) 150 €
Basisrente
monatlicher Beitrag 200 €
jährlicher Bruttoaufwand 2400 €
Nettoaufwand 1609 €
mögliches Fondsguthaben bei Renteneintritt 99.957 €
Anmerkungen:
1)
Eigener Anteil; sie geht davon aus, dann in einer Partnerschaft zu leben.
2)
Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.
3)
Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.
4)
Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.
5)
Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen
Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.
6)
Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender
Kapitalerträge
7)
Durchschnittswert
8)
Bei einer unterstellten Durchscnittsrendite von 3%
25
[machen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Fensterbauer mit
glasklarer Ausrichtung
Früher holte der Bartel bei Gugelfuss in Elchingen das Fass für den Most ab. Das
ist Geschichte. Das Familienunternehmen hat sich neu erfunden. Mit seiner
hochmodernen Produktion gehört es zu den Großen der Fensterbau-Branche.
Hochmoderne Fensterproduktion in Elchingen: Die Gugelfuss GmbH hat in den vergangenen Jahren rund 10 Millionen Euro am Stammsitz investiert.
Wer in der Unternehmensgeschichte
der Gugelfuss GmbH blättert, die
neue Produktionshalle nach einem
Rundgang in frischer Erinnerung, reibt sich
verwundert die Augen: Auf den alten Aufnahmen
spielen Fässer eine wichtige Rolle, ab
1960 werden Grünfuttersilos dokumentiert;
betrieben wurden zu dem Zeitpunkt eine
Mosterei und eine Brennerei und im Keller
gab es einen Verkaufsraum für Wein und Spirituosen.
Die ursprüngliche Küferei und ihre
Nebenlinien – alles längst Geschichte.
Heute, im Jahr 125 nach der Gründung, zählt
das Unternehmen aus Elchingen (Kreis Neu-
Ulm) zu den großen Anbietern im Fensterund
Türenbau. Das Unternehmen hat in den
vergangenen Jahren kräftig investiert und
fertigt heute stark automatisiert. Mit der neuen
Produktions- und Montagehalle am Elchinger
Stammsitz ging vor wenigen Jahren
ein vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb.
2017 soll das alte Zuschnitt- und Bearbeitungszentrum,
das Herzstück der Produktion,
durch ein neues ersetzt werden, die den
Automatisierungsgrad nochmals erhöht.
Rund zehn Millionen Euro wurden binnen
weniger Jahre investiert, sagt Anton Gugelfuß,
der sich mit seinem Neffen Martin die
Geschäftsführung teilt. Dritte im Familien-
Bunde auf der Leitungsebene ist mit Susanne
Gugelfuß-Dannerbauer als Prokuristin dessen
Schwester. Sie stehen für die vierte und fünfte
Generation des Familienunternehmens.
Das zuletzt hohe Investitionsniveau – beim
Umsatz hofft man in diesem Jahr die 40-Millionen-Euro-Schwelle
zu überschreiten – ist
gleichzeitig Ausdruck und Indiz für den rasanten
Wandel in der Branche. Sie ist nach wie
vor relativ kleinteilig und zersplittert. Aber
immer mehr der kleineren und kleinsten Betriebe
stellen die Produktion ein und verlegen
sich auf die Montage als Partner der Großen.
Diese wiederum unterliegen dem Zwang zu
weiterem Wachstum. Die Kehrseite ist, dass
mit der Ausweitung der Kapazitäten auch der
Druck auf die Preise zunehme, erläutert Martin
Gugelfuß. Zudem schüren osteuropäische
Billiganbieter den Konkurrenzdruck. „Es
herrscht Verdrängungswettbewerb“, ergänzt
sein Onkel. Doch im Moment – Spiegelbild
der guten Baukonjunktur – laufe der Absatz
gut.
Das Unternehmen profitiert dabei von der guten
Marktdurchdringung über die mehr als
650 Händler-Kunden. Diese kommen aus einem
Radius von 400 Kilometern und sorgen
für Aufträge und Absatz. Die zweite Vertriebschiene
ist das Direktgeschäft in einem engeren
Umkreis. Hier übernimmt Gugelfuss auch
die Montage. Auslieferungen erfolgen mit der
eigenen Transporter-Flotte.
Trotz industrieller Fertigung sind größere Serien
mit gleichem Maß selten. „Im Grunde ist
jedes Fenster ein Prototyp“, erläutert Martin
Gugelfuß. Das liegt an den unterschiedlichen
Die Firmenchefs: Martin Gugelfuß und sein
26
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[machen]
Wie im Fußball,
so im Geschäftsleben
Anton Gugelfuß ist in der Region Ulm
als Unternehmer, aber auch durch sein
Ehrenamt bekannt. Er ist neben Roland
Häußler und Thomas Oelmayer einer
der drei gleichberechtigten Vorstände
des Regionalligisten SSV Ulm 1846
Fußball und damit an federführender
Stelle mitbeteiligt an der Konsolidierung
und der Erholung des Vereins, der
bereits drei Mal insolvent war. Angefragt
vom Insolvenzverwalter, sei er
„aus der Num mer einfach nicht mehr
rausgekommen“, erzählt er und kann
sich auch hier auf der Erfolgsspur wähnen:
„Als ich anfing, waren es acht.
Heute sind es 170.“ Gemeint ist die Zahl
der Sponsoren, zu denen sein Unternehmen
bereits seit mehr als 40 Jahren
zählt. Auf die Frage, ob es zwischen
dem aktuellen Ulmer Fußball und der
Gugelfuss GmbH Gemeinsamkeiten gebe,
zögert Gugelfuß erst, dann antwortet
er mit seiner Maxime: „Niemals abheben,
immer die Bodenhaftung TV
Größen, aber auch an den unterschiedlichen
Anforderungen an Schall-, Brand- und Einbruchschutz
sowie unterschiedlichen Wärmewerten.
Diese Ausdifferenzierung habe
dazu geführt, „dass es herkömmliche, einfache
Fenster kaum mehr gibt“. Und selbst bei
Fenstern gibt es Trends. Derzeit sind graue
Profile und bodentiefe Formate angesagt.
130 unterschiedliche Hauptprofile, bezogen
von zwei Herstellern, enthält der „Baukasten“
des Fensterbauers. Die Komplexität von Produkt
und Aufgabe kommt ebenso im „Leitfaden
zur Montage“ des Instituts für Fensterbau
(Rosenheim) zum Ausdruck, der inzwischen
299 Seiten umfasst. Der Leitfaden definiert die
Onkel Anton Gugelfuß.
Standards der Branche und bildet bei Gugelfuss
die Basis für die internen Schulungen.
„In den zurückliegenden Jahren sind die Anforderungen
rasant gewachsen“, berichtet
Martin Gugelfuß. Eine hohe Kompetenz ist
das eine. „Das andere ist, dass unsere Kunden
gerne mit uns zusammenarbeiten sollen“,
nennt er eine weitere Möglichkeit der Profilierung.
Das Unternehmen habe Stammkunden
gewinnen können, „die nur auf uns setzen“.
Als die kleine Küferei um 1970 in den Kunststoff-Fensterbau
einstieg, waren weder Erfolg
noch weitere Perspektiven daraus absehbar,
erinnert sich Anton Gugelfuß. Mittlerweile
zählt das Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten
in Elchingen und weiteren 80 in den
Werken Straß (Kreis Neu-Ulm) und Beerwalde
(Thüringen) zu den Großen der Branche.
Gugelfuss verkauft jährlich rund 100.000
Scheiben-Einheiten und 4.800 Haustüren.
Alu-Fenster haben die Elchinger zwar ebenfalls
im Angebot, der weitaus größere Teil aber
wird aber aus PVC gefertigt. Den Anteil von
Kunststoff-Fenstern im Fensterbau allgemein
beziffert Anton Gugelfuß auf 65 Prozent. Der
Vorteil: Produktionsreste könnten komplett
recycelt werden. Stark rückläufig sei hingegen
der Anteil von Holzfenstern. [!]
THOMAS VOGEL
27
[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Gefährliche Abwärtsspirale
Dauerstress und in der Folge Burnout verursachen hohe Kosten für Unternehmen. Es ist höchste Zeit, dass das Thema
Gesundheit zur Chefsache wird und Mitarbeiter lernen, sich zu schützen, sagt Präventionsexperte Norbert Hüge.
Foto: © Simon Dannhauer / Fotolia.com
Christine Jung (Name von der Redaktion
geändert) sieht blass aus. „Ich fühle
mich schrecklich“, sagt sie. Die Endvierzigerin
arbeitet im Vertrieb eines Ulmer
Unternehmens, seit vier Monaten vertritt sie
zusätzlich einen erkrankten Kollegen.
„Manchmal ist mir schwindlig, manchmal fallen
mir die Wörter nicht mehr ein, abends bin
ich einfach nur noch platt“, erzählt sie. Aussicht
auf eine ruhigere Phase hat sie nicht.
All das, was Jung erzählt, sind Warnzeichen
für eine Überlastung, die in einem Burnout
münden kann. Dieser Begriff gehört zwar
nicht zum Abrechnungskatalog der Krankenkassen,
doch er ist eine Tatsache. Mit diesem
Syndrom beschreiben Ärzte und Therapeuten
einen psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand.
Das
Krankheitsbild
hat viele Facetten:
Die Symptome reichen
von Magenschmerzen,
Sodbrennen
und
Rückenschmerzen
bis zu Herzrasen,
Hörsturz, Drehschwindel,
aber
auch zu Antriebslosigkeit,
Schlafder
des Verbands DBVB.
Norbert Hüge, Vorsitzenstörungen,
Stimmungsschwankungen
und Angstzuständen.
Einer Studie zufolge gehen in Deutschland 60
Millionen Fehltage pro Jahr auf psychische
Belastungen zurück. Laut dem „Gesundheitsatlas
2015“ der Betriebskrankenkassen haben
sich die Krankentage wegen seelischer Leiden
seit 2003 mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche
Dauer der Krankschreibung gehört
mit 40 Tagen zu den längeren.
Das Thema Burnout hat viel mit unserer Leistungsgesellschaft
zu tun. „Viele Menschen
Wer nicht achtsam mit sich ist, dem droht ein
Weg in den Burnout und weit nach unten.
28
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[verantworten]
setzten sich immer neue Ziele, um sich zu beweisen.
Erfolge feiern sie nicht, vielmehr steigen
die Erwartungen. Doch je höher die Ziele,
umso mehr Energie muss ich aufwenden, um
sie zu erreichen. Das fällt immer schwerer“,
erläutert Norbert Hüge, Vorsitzender des
Deutschen Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe
und Prävention (DBVB). Weil der
Mensch ein Gewohnheitstier sei, stelle er sich
zunächst auf den höheren Stresslevel ein.
Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft
für Psychosomatische Medizin und Ärztliche
Psychotherapie (DGPM) in Berlin lösen hohes
Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringe Gestaltungsspielräume,
paralleles Arbeiten an mehreren
Aufgaben und ständige Erreichbarkeit
chronischen Stress aus. Zur totalen körperlichen
und geistigen Erschöpfung kommt es,
wenn ein Arbeitnehmer nicht abschalten und
sich auch in seiner Freizeit nicht mehr erholen
kann. „Der Körper ist dann in einem Dauer-Alarmzustand“,
erklärt Hüge.
KÖRPER IM DAUERALARM
Während die meisten Menschen zügig zur
nächsten Werkstatt fahren, wenn ein rotes
Lämpchen im Auto brennt, würden viele die
Zeichen ihres Körpers nicht ernst nehmen.
Dabei lässt Hüge keinen Zweifel daran: „Dieser
Dauer-Alarmzustand muss unterbrochen
werden! Das Herz pumpt wie verrückt, unser
Körper hat einen höheren Verschleiß, die Zellen
werden geschädigt und auch die Lust auf
Sex lässt nach. Es lohnt sich nicht, chronischen
Stress zu ertragen“, wird Hüge deutlich.
Stressempfinden, so stellt der Burnout-Prophylaxe
Trainer aus München klar, ist etwas
sehr individuelles. „Für den einen sind 50
Mails täglich im Postfach Stress pur, ein anderer
läuft sich erst bei 200 Mails richtig warm“,
sagt Hüge. Manche Menschen setzten sich
selbst unter Druck durch Denkmuster wie
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29
[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
zum Beispiel: „Ich will beliebt sein, ich will
anerkannt werden, ich muss perfekt sein, alles
selber machen, sonst wird es nicht gut.“
Wer dauernd seinen Energietopf anzapft, seine
Hobbys nicht pflegt, sich keine Zeit für sich
selbst nimmt, der leert seinen Akku. Diese
Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse äußert
sich in schlechten Ernährungsgewohnheiten,
mangelnder Bewegung und auch darin,
Freundschaften nicht mehr zu pflegen.
Das Krankheitsbild des Burnout hat der Psychologe
und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger
(1929 bis 1999) in zwölf Phasen
beschrieben (siehe Infokasten). Für Betroffene
sind laut Hüge Coaching-Maßnahmen bis
Phase fünf sinnvoll. Wenn Betroffene aber
bereits ihr Wertesystem umdeuten, private
Kontakte vermeiden oder es wegen des Burnouts
gar in der Partnerschaft kriselt, sei eine
ärztliche Begleitung nötig. Ab Stufe neun
oder zehn, wenn das Gefühl des automatenhaften
Funktionierens und der inneren Leere
die Oberhand gewinnen, sei es Zeit in eine
Klinik zu gehen.
So verbreitet psychische Störungen in der Gesellschaft
sind, so häufig werden sie immer
noch abgetan. Deswegen gingen die Leute
krank zur Arbeit, sagt Hüge und verweist auf
Untersuchungen: Auf dem Weg in den Burnout
steige die Fehlerhäufigkeit der betroffenen
Mitarbeiter um das Sechsfache.
Die Firmen sollten ein großes Interesse daran
haben, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Seit dem Jahr 2013 sind Unternehmen nach
dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet auch
eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung
am Arbeitsplatz vorzunehmen: Wie
sieht die Umgebung des Arbeitsplatzes aus?
Wie agiert die Führungskraft? Wie gehen
die Kollegen miteinander um? „Doch die wenigsten
Firmen machen das oder sehen dies
als erforderlich an “, sagt Hüge. Dabei sei es in
deren Interesse zu fragen: Was benötigen Mitarbeiter,
um gesund zu bleiben? Davon profitierten
die Firmen in Form von weniger Fehltagen,
aber auch weil es sie zu einem
attraktiven Arbeitgeber mache und sie sich
von anderen Firmen abheben. Nötig sei, das
Thema Gesundheit zur Chefsache zu machen
und die Führungskräfte zu schulen. Diese sollten
Unterstützung erhalten, um selbst gesund
zu bleiben, und Anleitung, wie sie dem Burnout
von Mitarbeitern vorbeugen können.
80 PROZENT REICHEN AUCH
Aber auch die Mitarbeiter müssten an sich arbeiten
und sich fragen: Was sind meine Werte?
Was gibt meinem Leben Sinn? Werden die
Werte, die mir wichtig sind, in „meiner“ Firma
gelebt. Sie sollten Stressquellen am Arbeitsplatz
identifizieren und verringern. Und sie
sollten lernen, auch Nein zu sagen und sich
fragen: Bei welcher Aufgabe reichen statt einer
perfekten Ausführung auch mal 60 oder
80 Prozent. Was brauche ich im Moment, damit
es mir gut geht? Darüber hinaus empfiehlt
Hüge gezielte Entspannung, zum Beispiel
mit progressiver Muskelentspannung,
Autogenem Training, Yoga, Tai Chi oder Qi
Gong; regelmäßige Bewegung, ausreichend
Schlaf, sich Auszeiten nehmen (Handy, Laptop,
Tablet ausschalten) und sich gesund zu
ernähren. [!] ALEXANDER BÖGELEIN
Ein Krankheitsbild,
zwölf Phasen
Der Psychoanalytiker Hermann Freudenberger
untergliedert den Burnout
in diese Phasen: 1. Übertriebener Ehrgeiz
und der Zwang, sich zu beweisen.
2. Übertriebene Leistungsbereitschaft
aufgrund der eigenen hohen Anforderungen.
3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse
(Schlaf, regelmäßige Ernährung).
4. Bewusstes Verdrängen und
Überspielen von Konflikten und Bedürfnissen.
5. Verzerrte Wahrnehmung
der Realität. Alte Grundsätze verlieren
an Wert, Freundschaften werden als
Belastung empfunden. 6. Verleugnung
von Problemen, Zynismus und zunehmende
Intoleranz. 7. Emotionaler und
sozialer Rückzug. 8. Verhaltensänderung
in Form einer Abwehrhaltung gegenüber
Kritik aber auch gegenüber
Zuwendung. 9.Depersonalisation durch
den Wahrnehmungsverlust und die
Verneinung der eigenen Persönlichkeit.
10. Gefühl der inneren Leere und Nutzlosigkeit.
11. Depression geprägt von
Sinnlosigkeit, Erschöpfung und Gleichgültigkeit.
12. Totale geistige, emotionale
und körperliche Erschöpfung, die
zum Suizid führen kann.
AMB
Ein Führungsstil, der auf Lob, Anerkennung ,
Wertschätzung und Vertrauen beruht, hilft Mitarbeitern
und kann diese vor dem Ausbrennen
schützen, sagt Verbandschef Norbert Hüge.
Foto: © Tino Neitz / Fotolia.com
30
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Neueröffnung Januar 2017
Klinik ChiemseeWinkel Seebruck
www.gesundheitswelt.de
Bild Image Florian Werner • Skizzen: Rudolf Bachhuber GmbH&CoKG
Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie auf
Vier-Sterne-Plus-Niveau: Integrativ – Individuell – Innovativ
Die neue Klinik ChiemseeWinkel ist eine den
höchsten Ansprüchen genügende Fachklinik
für Psychosomatik und Psychotherapie.
Sie ist konzipiert in einem hochwertigen
Ambiente auf Vier-Sterne-Plus-Niveau für
privat- und beihilfeversicherte Patienten/
innen sowie für Selbstzahler/innen, mit 50
Einzelzimmern – ein „Geschützter Raum für
Heilung.“
Die Klinik ChiemseeWinkel arbeitet nach dem
bewährten Behandlungskonzept der Klinik
St. Irmingard in Prien und der Simssee Klinik
in Bad Endorf. Deutschlandweit werden Privatversicherte,
Beamte sowie Selbstzahler
mit Depressionen, Ängsten, Burnout, Somatisierungsstörungen
angesprochen – dies direkt
am Chiemseeufer in Seebruck, mit erstklassiger
Behandlung durch ein hochqualifiziertes,
multiprofessionelles Team unter der
Führung des erfahrenen Chefarztes Dr. Franz
Pfitzer.
Für Dr. Pfitzer ist Stationäre Psychosomatik
multimodale, multiprofessionelle integrative
Teamarbeit, d. h. die gute Zusammenarbeit
vieler psychotherapeutischer Spezialisten
ist entscheidend. In der Privatklinik
bringt der Chefarzt in besonderer Weise seine
bewährten und beständig fortentwickelten
Therapiekonzepte ein, die unterschiedliche
wissenschaftlich fundierte Therapieverfahren
aus Tiefenpsychologie, Trauma-, Verhaltensund
Familientherapie vernetzen und neueste
Erkenntnisse aus der Neurobiologie berücksichtigen.
Unsere Stärken
· Aufnahme innerhalb kürzester Zeit
· Bewährtes, innovatives Therapiekonzept
von Chefarzt Dr. Pfitzer
· Individuelle Atmosphäre – 50 exklusive
Einzelzimmer
· Ruhige, höchst attraktive Lage direkt am
Chiemsee
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Behandlungsschwerpunkte
· Psychische Erkrankungen (Depressionen,
Angst-, Panikstörungen, Zwänge)
· Störungen der Organfunktionen (psychosomatische
Störungen, funktionelle Störungen,
die oft schon lange bestehen)
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· Bindungs- und Beziehungsstörungen, einschließlich
arbeitsplatzbezogener Konflikte
· Psychotherapie bei älteren Menschen
· Krisen und traumatische Reaktionen nach
Unfällen, Verlusterfahrungen, schweren
Krankheiten oder Operationen
· Lebenskrisen, Sinnkrisen, Beziehungskrisen,
berufliche und persönliche Identitätskrisen
Wir bieten auch spezialisierte Behandlungsangebote
für Ärzte, Führungskräfte und
Selbstständige, Lehrer und Menschen in anderen
„helfenden Berufen“. In der therapeutischen
Gemeinschaft werden eingeschliffene
krankheitsbedingte Muster von Rückzug und
Vermeidung verändert. Neugier, Lebensfreude
und Lebendigkeit werden wieder wahrgenommen.
„Im geschützten Rahmen der Klinik soll durch
neue Beziehungserfahrung Heilung ermöglicht
werden. Dafür bietet die Klinik Chiemsee-
Winkel mit dem spezifischen Therapiekonzept,
der therapeutischen Gemeinschaft und
der überschaubaren Klinikgröße sowie der
besonderen Lage und dem Ambiente den optimalen
Ort.“
Zitat Dr. Franz Pfitzer,
Chefarzt Klinik ChiemseeWinkel Seebruck
Verantwortlich in der Geschäftsführung ist Dominique
Hannig gemeinsam mit Dietolf Hämel,
Vorstand Geschäftsbereich Medizin der Gesundheitswelt
Chiemgau AG in Bad Emdorf.
[ Interessierte dürfen sich gerne bewerben:
bewerbung@gesundheitswelt.de]
Neueröffnung im Januar 2017
Anmeldungen und Informationen sind
bereits jetzt möglich.
Telefonische Informationen unter:
Chefarzt-Sekretariat: Eva Frühholz
+49 (0)8667/87930-71; E-Mail:
e.fruehholz@klinik-chiemseewinkel.de
Sekretariat Geschäftsführung:
Kathrin Ruchotzki +49 (0)8051-599
E-Mail: k.ruchotzki@klinik-chiemseewinkel.de
www.klinik-chiemseewinkel.de
31
[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Moment mal
Anhalten, den Atem spüren und zu sich kommen: Im hektischen Jahresendspurt tun das nur wenige.
Doch wem Gesundheit und Wohlbefinden wichtig sind, der sollte bewusst Auszeiten nehmen. Tipps, wie man
Achtsamkeit sich selbst gegenüber lernen kann.
Stade Zeit nennen die Bayern und Österreicher den Advent. Doch
die Tage vor Weihnachten sind alles andere als ruhig und besinnlich.
Ganz im Gegenteil. In den Firmen gehört der Dezember zu
den anstrengendsten Zeiten im Jahr.
Dementsprechend stressig empfinden viele die Arbeitstage. Projekte müssen
vor den Weihnachtsferien abgeschlossen sein, die Jahresziele erreicht
werden. Viele Mitarbeiter fühlen sich in dieser Situation wie in einem
Hamsterrad, das stetig schneller läuft. Da hilft nur, achtsam mit sich umzugehen.
Doch das haben viele Menschen nicht gelernt. „Entsprechende
Übungen sind für viele ungewohnt. Sie lassen sich aber gut in den Alltag
einbauen“, erklärt Achtsamkeitstrainer Günter Hudasch. Er ist Vorsitzender
des Verbands der MBSR- und MBCT-Lehrer in Deutschland. Die beiden Abkürzungen
stehen für entsprechende Trainingsprogramme (Mindfulness-
Based Stress Reduction, Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression).
„Wer das Grundprinzip verinnerlicht, kann mit kleinen
Übungseinheiten große Wirkung erzielen und Gelassenheit entwickeln“,
sagt Hudasch. Er hat diese fünf Tipps:
bewußt genießen . . .
Tee trinken
Statt den Tee im Büro nebenbei zu schlürfen und gleichzeitig E-Mails zu
checken, lautet die Aufgabe: Schmecken und riechen Sie ihn bewusst.
Spüren Sie das Gewicht der Tasse. Und die Wärme, die von ihr ausgeht.
Foto: © contrastwerkstatt / Fotolia.com
intensiv spüren . . .
Duschen Sie mit allen Sinnen
Statt morgens unter der Brause schon daran zu denken, welche Aufgaben im Job auf einen
warten, heißt es dieses Mal: der Stimme im Kopf keine Beachtung schenken, sondern sich
mit allen Sinnen auf das Duschen konzentrieren und es genießen. Achten Sie darauf, wie das
Rauschen des Wassers klingt, wie es sich anfühlt. Wie spüren Sie es auf der Kopfhaut? Wie
riecht die frisch geduschte Haut?
Foto: © eldarnurkovic / Fotolia.com
32
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[verantworten]
Atmen
Den eigenen Atem nehmen viele normalerweise gar nicht wahr. Das
soll sich bei dieser Übung ändern: Setzen Sie sich aufrecht hin. Durch
die Nase einatmen. Fühlen Sie, wie die Luft in Ihren Körper hineinund
wieder hinausströmt. Spüren Sie, wie sich der Brustkorb hebt
und senkt. Entspannen Sie, so gut es geht, mit der Ausatmung.
Foto: © olly / Fotolia.com
mich entspannen . . .
Barfuß laufen
Am besten gleich morgens nach dem Aufstehen: barfuß übers
Gras im Garten. Gehen Sie langsam, rollen Sie die Füße ab und
lassen Sie die Anspannung los. Das Tautreten ist eine Methode
von Sebastian Kneipp. Idealerweise startet man das im Sommer,
doch es geht auch in der kalten Jahreszeit. Wer ein bisschen abgehärtet
ist, probiert das Schneegehen aus. Dafür reichen wenige
bis maximal 30 Sekunden barfuß im frisch gefallenen Schnee.
Damit die Füße nicht auskühlen, halten Sie trockene Strümpfe
und Schuhe bereit und bleiben Sie in Bewegung.
Foto: © David Pereiras / Fotolia.com
anders fühlen . . .
Den Körper erkunden
Beim sogenannten „Body Scan“ geht es darum, den eigenen Körper
von unten bis oben zu erspüren. „Am besten üben Sie das erst einmal
mit einer CD“, sagt Hudasch. „Auf diese Weise trainieren Sie,
Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Ihre Wahrnehmung für sich zu
vertiefen und sich so mehr mit sich selbst zu verbinden. Versuchen
Sie einmal, Ihren kleinen Zeh am linken Fuß zu spüren.
Dann gehen Sie Stück für Stück den Körper nach oben durch, bis
Sie am Scheitel angekommen sind. Am besten geht es im Liegen
auf dem Rücken mit geschlossenen Augen.“ Foto: © fizkes / Fotolia.com
Foto: © Stefan Arendt / Fotolia.com
zu mir finden . . .
Auf der Homepage des Verbandes besteht die Möglichkeit, entsprechende Kurse in der
Umgebung zu suchen: www.mbsr-verband.de (unter Kurse/Kompaktkurse)
33
Sonderveröffentlichung
Natürlich online sichtbar
Ein Internetseite ist heute Pflicht, sagt die Ulmer Heilpraktikerin Anja Hirth. Anfangs hat die Spezialistin für
Hypnotherapie das Thema unterschätzt. Seit drei Jahren lässt sie sich von der NPG Digital betreuen.
Anja Hirth hat Lehrgeld bezahlt. Bereits vor
Jahren entschloss sich die Heilprakterin für
Psychotherapie, dass sie online sichtbar sein
will. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt
sie. Bei einem Grafiker ließ sie sich eine Webseite
bauen für rund 5000 Euro bauen. „Ich
dachte, ich mache das einmal und dann ist es
das“, erzählt Hirth. „Ich hatte damals keine
Vorstellung wie schnell, eine Internetseite
veraltet und lediglich eine Kulisse darstellt,
die in kürzester Zeit nichts mehr wert ist.“
Obwohl Hirth damals eine der ersten Praxen
in Ulm war, die Hypnotherapie anbot und ihre
Homepage neu war, war sie bei Google
schlecht zu finden.
Marc Wiedbrauck, Online-Marketingberater
von NPG Digital, kennt diese Irrtümer von
Selbstständigen, Einzelhändlern und kleinen
Firmen in Sachen Online-Auftritt: „Der ist eine
langfristige Angelegenheit, die Seite muss
kontinuierlich gepflegt werden.“ Der Grund:
Die meisten Menschen suchen heute von unterwegs
mit ihrem Smartphone oder Tablet
über Google nach Themen und Dingen, die
sie interessieren.
MOBIL-OPTIMIERT IST PFLICHT
„Wer dann mit einem Klick auf eine veraltete
Internetseite kommt; eine, die nicht für mobile
Geräte optimiert und deswegen für die
Nutzer umständlich zu handhaben ist, der
fühlt sich vergrault und ist mit einem Klick
weiter bei der Konkurrenz“, erklärt Wiedbrauck
und betont: „Ein Internetauftritt ist
heute ein Muss. Wer im Internet nicht zu finden
ist, der existiert förmlich nicht.“ Das machen
auch diese Zahlen deutlich: Drei Viertel
aller Bundesbürger in Deutschland nutzen
das Internet – durchschnittlich mehr als zwei
Stunden am Tag. Rund 40 Millionen Menschen
surfen mit ihrem Smartphone im Netz,
informieren sich, planen und erledigen ihre
Einkäufe.
Auch für Anja Hirth war klar: „Nur eine für
Smartphones optimierte Seite macht Sinn.“
Am Vorgehen der NPG Digital GmbH, die früher
unter Südwest Presse Online-Dienste
GmbH firmierte, gefiel ihr, dass „sie offen und
ehrlich beraten haben und die Seite nicht nur
technisch umgesetzt, sondern sich viel Mühe
gegeben haben, meine Kolleginnen und mich
zu verstehen“, sagt Anja Hirth. Sie entschied
sich für ein Gesamtpaket, um das Therapiezentrum
für Hypnotherapie & Osteopathie
darzustellen. Dabei war ihr die Möglichkeit
wichtig, Inhalte selbst ergänzen zu können.
„Für uns ist es der oberste Grundsatz, uns
möglichst gut in die Lage der Kunden zu versetzen
und sie dauerhaft zu begleiten“, sagt
Wiedbrauck und betont: „Nur so können wir
unsere Kunden nachhaltig betreuen und beraten.
Die Online-Welt ist ein sehr schnelllebiges
Medium. Was heute Standard ist, kann in
ein paar Wochen schon wieder veraltet sein.
Damit sich unsere Kunden nicht mit dem
Thema befassen müssen, dafür haben sie
uns.
BEZAHLBARER MONATSTARIF
Das spiegelt sich auch in den Tarifmodellen
der NPG Digital wider. „Mit unseren drei Website-Paketen
(Basis, Plus und Premium) wollen
wir auch den Einzel- und Kleinunternehmern
die Möglichkeit bieten, eine hoch
professionelle Website zu haben, auf der sie
sich präsentieren können und das zu bezahlbaren
Monatstarifen“, sagt Wiedbrauck.
Die Investition lohnt sich. „Die Resonanz der
Patienten war super“, erinnert sich Anja
Hirth. Die NPG Digital habe die Seite gut
Heilpraktikerin Anja Hirth mit ihrer Homepage:
„Ein guter erster Eindruck ist wichtig.“
34
Sonderveröffentlichung
strukturiert, die
Texte gut aufbereitet.
„Es sind schöne
Bilder aus der
Praxis und die Online-Besucher
finden
sich gut zurecht.
Für mich ist
wichtig, dass Suchende
mich und
Online-Marketingberater
Marc Wiedbrauck. keiten anschauen
meine Räumlich-
und sich einen ersten
Eindruck verschaffen können. Denn Psychotherapie
ist Vertrauenssache.“
Vor der Zusammenarbeit mit der NPG Digital
kümmerte sich die online-affine Heilpraktikerin
noch selbst um Themen, wie ihre Homepage
bei Google gerankt wird und wie sie mit
dem Google-Dienst „AdWords“ mehr Besucher
auf die Internetseite lotst. Bei dem
Dienst „AdWords“ können Werbetreibende
Anzeigen schalten, die sich vor allem an den
Google-Suchergebnissen von Nutzern orientieren.
Doch um diese ganzen Fragen kümmert
sie sich nun nicht mehr. „Ich konzentriere
mich lieber auf die Arbeit mit meinen
Patienten“, sagt sie.
Derweil kümmert sich das Team von NPG Digital
um die Überarbeitung der Website und
steht Anja Hirth bei sämtlichen Fragen zum
Thema Online-Marketing zur Seite. Dazu gehört
auch eine so genannte SEO-Optimierung.
Die NPG-Onlineexperten versehen die Texte
mit Schlüsselwörtern. Damit erreichen sie,
dass Hirths Seite www.natuerlich-ganz-gesund.de
bei der lokalen Suche über Google
weit oben in den Ergebnislisten der Suchmaschine
steht. Die Praxis mitsamt ihren Angeboten
ist damit online gut sichtbar.
Zum Service der NPG Digital gehört ein kostenloser
Check der Webseite, bei der unter
anderem Ladezeiten, mobile Optimierung
und Nutzerführung geprüft werden. Das Erstellen
einer Webseite ist eine Sache, ein andere,
dass diese bekannt, gesehen und besucht
wird. „Die Maßnahmen die wir hier
anbieten sind Displaywerbung (Banner), zielgruppengerechte
Werbung auf Facebook und
mit Google Ad-Words. Für den Aufbau von
Neukunden und deren langfristige Bindung“,
so Wiedbrauck, „bieten wir die richtige Lösung
mit Hilfe von Newsletter-Marketing“.
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Online-Marketing
Die NPG Digital ist die Online-Marketing-Agentur
der SÜDWEST PRESSE
und seit 2008 aktiv. Sie ist Dienstleisterin
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35
[rubrik] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Firmenwagen, wo früher Pershing-II-Rakten standen: In Buch (Kreis Neu-Ulm) übernimmt das Autokontor Bayern die Logistik für Firmenflotten.
Flott gemacht
Große Unternehmen mit einer Vielzahl an Firmenautos und Lkw wissen: Mit professionellem Fuhrparkmanagement
lässt sich viel Geld sparen. Doch viele kleinere Unternehmen ignorieren das Sparpotenzial: Ein teurer Fehler.
Wann steht der nächste TÜV an, sind
die Fahrzeugpapiere kontrolliert
und alle Autos von der Reparatur
zurück? Wer mehr als ein Fahrzeug in seinem
Unternehmen verwalten muss, weiß: Die Liste
der täglich zu klärenden Punkte ist oftmals
so lang wie die Reihe der Fuhrparkautos. Und
die ist mitunter sehr lang.
Wer da die Übersicht verliert, macht schnell
auch viel Geld kaputt – und das aus reiner Unwissenheit
heraus. „Die Tragweite und die
Komplexität eines Fuhrparkmanagements
wird von vielen Betrieben vollkommen unterschätzt.
Ich kenne eine Menge Firmeninhaber,
die deswegen ihren Fokus auf andere Themen
legen“, sagt Marc-Oliver Prinzing, der Vorsitzende
des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement
mit Sitz in Mannheim „Der große
Nachteil daran: Viele Geschäftsführer erkennen
deshalb auch mögliche Einsparpotentiale
nicht. Doch ein gut geführter Fuhrpark verursacht
bis zu 40 Prozent weniger Kosten als eine
schlecht oder sogar schlampig geführte
Fahrzeugflotte.“
Der Verbandschef ist auch als Ausbilder für
die Dekra Akademie GmbH tätig und hat
schon mehrmals erlebt, dass Fuhrpark-Verantwortliche
in seinen Seminaren sitzen und
aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas
verblüfft feststellen: „Eigentlich müsste mein
Geschäftsführer hier sitzen und nicht ich.“
Tut er jedoch in den wenigsten Fällen und dies
ist in der Tat ein großer, wenn auch nicht seltener
Fehler, der wiederum fatale Folgen hat.
„Die Fuhrparkverantwortlichen bekommen
oftmals nicht die erforderlichen Mittel zur
36
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[spezial]
Hand, die für ein professionelles Management
dringend notwendig wären, sagt Prinzing.
Deshalb gelingt die Fuhrparküberwachung in
vielen Fällen nicht gut.“
UNTERSCHÄTZTE AUFGABE
Doch auch die Lernwilligen unter denen, die
die Aufgabe der Dienstwagen-Aufsicht intern
übertragen bekommen haben, gehen oftmals
leer aus. Denn eine gesetzlich geregelte Berufsausbildung
gibt es in Deutschland bislang
nicht. Hilfe gibt es dennoch, denn bei der Dekra
Akademie kann man sich in drei Wochen
zum zertifizierten Fuhrparkmanager ausbilden
lassen. Zudem bietet die Stuttgarter Bildungsorganisation
weitere berufsbegleitende
Fuhrpark-Management Seminare an, die unter
anderem die
Themen Kostenrechnung,
IT-Lösungen,
operative
Aufgaben, Finanzierung
und Verwertung
beinhal-
Marc-Oliver Prinzing,
Chef des Bundesverbandes.
ten.
Stellt sich die Frage:
Ab welcher
Fuhrparkgröße ist
ein professionelles
Management
zwingend erforderlich?
Für Marc-Oliver Prinzing ist das eine
einfache Rechnung. Für ihn lohnt sich ein externer
Anbieter immer dann, wenn intern keiner
die Aufgaben machen will oder kann:
„Man muss generell zwischen dem wirtschaftlichen
und rechtlichen Aspekt unterscheiden.
Bei der Halterhaftung ist es egal, ob ich zwei
Rund 80 Prozent der Firmenwagen sind geleast
Bundesweit gibt es 1,6 Millionen Fuhrparks mit 4,5 Millionen Autos und Kleintransportern.
Rund 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter
sind in Deutschland als Flottenfahrzeuge
in rund 1,6 Millionen Firmenfuhrparks
unterwegs. Insgesamt gab es
2014 rund 44,4 Millionen Pkw in Deutschland.
Ein Bestand, der von 2006 bis 2009
rapide abnahm, jedoch seit 2010 wieder
moderat wächst. Der gewerbliche Anteil
ist nach Angaben des Verband markenunabhängiger
Fuhrparkmanagementgesellschaften
konstant und beträgt rund
10,1 Prozent. Rund 80 Prozent der Firmen
fahr zeuge im Bestand sind mittlerwei
le über Finanz- oder Fullserviceleasing
finanziert. Das Flotten-Leasing-Neugeschäft
2015 stieg nach den Angaben
des Verbandes deutscher Leasingunternehmen
um 6,5 Prozent auf 32,8 Milliarden
Euro. 80 Prozent davon entfallen auf
Pkw, 20 Prozent auf Nutzfahrzeuge. LOE
oder 2000 Fahrzeuge im Fuhrpark habe. Denn
ich muss jederzeit sicherstellen, dass die
rechtlichen Anforderungen gewährleistet
sind, sprich zum Beispiel die Führerscheine
der Mitarbeiter in Ordnung sind und die Fahrer
die gesetzlich erforderlichen Unterweisungen
erhalten haben. Wirtschaftlich gesehen
arbeiten alle Unternehmen professionell,
wenn sie auf die Betriebskosten achten und
Verbrauchsstatistiken lesen. Gerade kleinere
Firmen überlassen dies oftmals den Fahrern,
was jedoch nicht immer funktioniert. Denn
für Fahrer sind Dienstwagen reine Arbeitsinstrumente,
mit denen sie ihren Job verrichten.
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37
[spezial] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Die Energieversorgung Filstal setzt auf Umweltfreundlichkeit: Zu ihrer Flotte gehören 62 Erdgasautos.
Die täglich anfallenden Kosten interessieren
sie wenig bis gar nicht. Deshalb muss in einem
Unternehmen sichergestellt sein, dass
sich jemand um den Fuhrpark kümmert.“
Doch es genügt eben nicht, dass man darauf
achtet, ob die Sitze sauber sind und genügend
Sprit im Tank ist. Marc-Oliver Prinzing: „Ein
professionelles Fuhrparkmanagement umfasst
alle Prozesse von der Bestellung der Fahrzeuge
bis zur deren Rückgabe oder deren Vermarktung.“
VORGABEN FÜR MITARBEITER
Die Liste der Tätigkeiten eines Fuhrparkmanagers
reicht von der Reparatur-Steuerung,
der Prüfung von Rechnungen, der Bearbeitung
von Bußgeldbescheiden bis hin zur Sicherstellung
der Reifenqualität sowie der Betreuung
der Fahrer. Zu dieser gehört unter
anderem die von der Berufsgenossenschaft
geforderte Einweisung des Personals bei einem
neuen Fahrzeug. Im Idealfall lässt die
Geschäftsführung die Fahrer Nutzungsüberlassungsverträge
unterzeichnen, in denen geregelt
ist, wie diese mit den überlassenen
Fahrzeugen umzugehen haben, wo sie diese
im Pannenfall reparieren lassen dürfen oder
auch welche Kraftstoffe je nach Fahrzeugtyp
zu tanken sind. „Natürlich muss man dahinter
her sein, dass diese Punkte auch strikt eingehalten
werden“, so Marc-Oliver Prinzing,
der weiß, dass die etwa zehn großen deutschen
Dienstleister für externes Flottenmanagement
ihren Kunden entweder einen Rundum-Service
oder verschiedene Module
anbieten.
Eines davon ist das äußerst komplexe Thema
Schadensmanagement. Bei diesem haben die
Verantwortlichen viel mit Anwälten, Gutachtern
und Versicherungen zu tun. „Im Grunde
können diese Anbieter jedoch nicht das Management,
sondern lediglich einen Teil der
Fuhrparkverwaltung übernehmen“, sagt Prinzing.
„Strategische Entscheidungen, zum Beispiel
über Investitionen, können ausschließlich
die Unternehmen selbst treffen“, erläutert
er. „Dennoch benötige ich immer jemanden
im Unternehmen, der sich vor Ort um die
Fahrzeuge und um das Controlling des Dienstleisters
kümmert und als Ansprechpartner
überprüft, ob alle Aufgaben erfüllt werden.“
Das klingt einfacher, als es im Alltag ist. Denn
kleinere Unternehmen
mit einem
Fuhrpark mit
bis zu 50 Fahrzeugen
können oft
keine professionellen
Fuhrparkmanagement-Gesellschaften
für
sich gewinnen, da
sich für diese die Dr. Martin Bernhart,
Zusammenarbeit EVF-Geschäftsführer
nicht rentiert.
So oder so. Das Thema Wirtschaftlichkeit
steht bei allen Unternehmen, egal wie viel
Fahrzeuge sie nun betreiben, an erster Stelle.
Es geht um die höchstmögliche Effizienz und
darum, Kosten zu sparen. Dabei sticht die ökonomische
Sichtweise die ökologische aus.
Marc-Oliver Prinzing weiß, dass der Umweltgedanke
bei vielen Fuhrparkleitern noch
nicht sehr ausgeprägt ist: „Der Einsatz von
schadstoffarmen Elektroautos spielt in den
Fuhrparks aus wirtschaftlichen Gründen derzeit
eine noch eher untergeordnete Rolle.“ Der
Grund: Sie sind noch nicht ohne weiteres in
der Praxis einsetzbar. Erdgas-Fahrzeuge hingegen
haben nach seinen Worten mittlerweile
eine sehr gute Reichweite und sind kostengünstiger
als Elektroautos. „Doch auch diese
stoßen auf eine sehr verhaltene Akzeptanz.
Zwar haben viele Fuhrparkleiter ein Ohr am
Markt, aber dennoch liegt hier noch ein langer
Weg vor uns“, sagt der Verbandschef.
Nicht so für die Göppinger Energieversorgung
Filstal GmbH & Co. KG (EVF). Denn 62
der insgesamt 71 Fahrzeuge ihres Fuhrparks
haben einen Erdgas-Antrieb. Der regionale
Energieversorger, der auch drei eigene Erdgastankstellen
in Göppingen, Geislingen und
Wiesensteig betreibt, fährt so mit gutem Beispiel
voran.
Für Dr. Martin Bernhart ist dies der richtige
Schritt in die Zukunft: „Im Vergleich zu Diesel
entstehen bei Erdgas bis zu 95 Prozent weniger
Stickoxide. Ruß und Feinstaub werden
nahezu vollständig vermieden. Bei dem hohem
Verkehrsaufkommen in unseren Städten
wirkt sich das positiv auf das Klima und die
Gesundheit der Menschen aus“, erklärt der
EVF-Geschäftsführer: „Zudem sind Erdgasautos
in Anschaffung und Betrieb kaum teurer
als Benzin- und vergleichbare Dieselmodelle.“
Auch dieser Aspekt ist ein Argument für professionelles
Flottenmanagement. [!]
STEFAN LOEFFLER
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Benzinmotor 233 kW (317 PS).
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[führen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Bühne für die Suche nach den Besten
Gute Vorträge, kostenlose Service-Angebote und die Möglichkeit, ungezwungen Firmen kennenzulernen. Das Konzept
des Fachkräftetags der SÜDWEST PRESSE geht auf. Das zeigen 1200 Besucher und zufriedene Aussteller.
Der Saal ist brechend voll, doch es ist
mucksmäuschenstill. 180 Besucher
des Fachkräftetags hören gebannt zu.
Business-Coach Petra Bergmann aus Blaubeuren
gibt Tipps zu Gehaltsverhandlungen und
erklärt, warum viele Frauen ihre Leistung vor
ihren Chefs schlecht verkaufen können. Das
liege an mehreren Faktoren: Mangelnde Vorbereitung,
fehlendes Selbstbewusstsein, eine
falsche Taktik, sein Gegenüber nicht richtig
einzuschätzen oder ein Gespräch, bei dem die
Anwesenden nicht aktiv zuhören. Mit im Publikum
sitzt auch Annegret R. (Name von der
Redaktion geändert), die im Gesundheitswesen
arbeitet. „Der Vortrag war klasse!“, sagt sie.
Auch das Thema zuvor „Sieben Todsünden
der Bewerbung“ fand sie spannend. Dabei ist
sie selbst gar nicht auf Stellensuche. Den
2.Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE in der
Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm besucht sie,
um Tipps für ihre Tochter zu sammeln, die
kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht.
Rebecca Stadelmaier, die Projektleiterin der
Veranstaltung, freut sich über zufriedene Besucher.
„Zu unserem Konzept gehört es, den
Besuchern Nutzwert und Service zu geben“,
sagt die Stellenmarktverantwortliche der
SÜDWEST PRESSE. Interessante Vorträge und
kostenlose Services, unter anderem Bewerbungsberatung
und –fotos, lockten 1200 Besucher
an. Davon profitierten wiederum die
ausstellenden Firmen.
Zur Premiere im vergangenen Jahr waren es
zwar noch etwas
mehr, dennoch
sind Stadelmaier
und ihr Team sehr
zufrieden. Denn
die Resonanz der
Aussteller fällt positiv
aus. Die 31
Unternehmen auf
der ausgebuchten
Messe waren von
der Qualität der Rebecca Stadelmaier, Projektleiterin
Fachkräftetag.
Gespräche angetan.
„Das ist fast
schon unheimlich, wie gut die Besucher an
unserem Stand unserer Zielgruppe entsprechen“,
sagte beispielsweise Maria Arruda, Personalreferentin
der Deutz AG.
„TOLLE GESPRÄCHE“
Roland Huemer, Fertigungsmeister der
Schwegler Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG
aus Vöhringen (Kreis Neu-Ulm) sagt: „Wir haben
tolle Gespräche.“ Wie Firmenchef Rainer
Schwegler ist auch Huemer stark gefragt. Das
Unternehmen mit 210 Mitarbeitern und
Standorten in der Türkei und China sucht „am
liebsten Zerspanungsmechaniker, die Werkzeuge
schleifen können“.
Zeni Sulejmani von der Mayser GmbH & Co.
KG in Ulm ist überrascht: „Der Andrang ist
Auf dem Fachkräftetag in der Ratiopharm-Arena
machten sich 31 Firmen als Arbeitgeber sichtbar.
40
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[führen]
riesig. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so qualitativ
hochwertige Gespräche am Stand führen.“
Im Nachgang gingen bei dem Spezialist
für Sicherheits- und Schaumstofftechnik
mehr als 20 Bewerbungen ein. Viele der Standbesucher
seien zwischen 30 und 50 Jahre alt
gewesen. Mehr erhofft vom Fachkräftetag hat
sich dagegen das Team der MBDA-Gruppe.
Der Konzern für Rüstungstechnik hat in Ulm
einen kleinen Standort mit 70 Mitarbeitern.
In Schrobenhausen, dem Sitz der MBDA
Deutschland GmbH, subd etliche Stellen unbesetzt.
Die Entfernung von 130 Kilometern
sei den meisten Besuchern zu viel: „Die suchen
in der Region Ulm.“
Direkt gegenüber begutachten Melina (20)
und ihr Begleiter Thorsten (33) die freien Stellen
der ausstellenden Unternehmen, die an
der „Job-Wall“ aushängen. Beide sind über die
Facebook-Werbekampagne der SÜDWEST
PRESSE auf die Veranstaltung aufmerksam
geworden. „Ich finde es gut, mich direkt über
Firmen informieren zu können, die man nicht
so kennt“, sagt die junge Frau. Auch Soman
Hipp ist über Facebook auf den Fachkräftetag
aufmerksam geworden. Der 28-Jährige, der
mit seiner Partnerin und deren Freundin, in
die Ratiopharm-Arena gekommen ist, verfügt
über zwei Ausbildungen: IT-Systemelektroniker
und Zerspanungsmechaniker. Derzeit ist
er bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, doch
er sucht einen festen Job: „Am liebsten Montage,
das macht mir viel mehr Spaß, als in der
Fabrik zu stehen“, sagt er und schlendert weiter
– vorbei an Stella Rosenbach.
GESUCHT, GEFUNDEN
Sie ist die Personalverantwortliche von
Scherr+ Klimke und wollte mit dem Messestand
auf dem Fachkräftetag nur den Bekannheitsgrad
des Unternehmens mit 110 Mitarbeitern
steigern. Scherr+Klimke ist in
Architektur- und Baukreisen als General- und
Fachplaner bekannt. Doch dann stand eine
27-jährige Wirtschaftsingenieurin vor ihr, die
im Fachgebiet „Supply Chain“ fit ist. „Das war
wie bestellt“, sagt Rosenbach. Denn die junge
Frau passt genau auf eine freie Stelle im Bereich
„Logistik Engineering“. Dieser optimiert
für Kunden innerbetriebliche Warenströme
und Lagersysteme. „Ich dachte, die Stelle zu
besetzen wird echt schwierig“, erzählt Rosenbach.
Doch auf ein „sehr gutes Gespräch“ am
Stand, folgte die Bewerbung in der Woche darauf,
vier Tage später das Vorstellungsgespräch,
drei Tage darauf war der Vertrag unter Dach
und Fach. „Der zeitliche Ablauf war unfassbar“,
sagt Rosenbach, die sich für den Fachkräftetag
2017 bereits angemeldet hat. [!] AMB
Dritter Fachkräftetag
am 7. Oktober 2017
Nähere Informationen zum Konzept
und zum 3. Fachkräftetag im Jahr 2017
gibt Rebecca Stadelmaier telefonisch
unter 0731 156 619 oder per E-Mail:
r.stadelmaier@swp.de
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41
Handhabbar im Quadrat: Im Knittel-Recyclingcenter werden voluminöse Abfälle wie Pappe, Folien und Dosen zu Ballen gepresst.
Fotos: Marc Hörger
Gemeinsam besser entsorgen
High-Tech, Rohstoffkreisläufe, Umweltschutz. Der Vöhringer Unternehmer Werner Knittel hat ein nachhaltig gutes
Geschäftsmodell aufgebaut. Der Grundstein: die Gründung eines Mittelstands-Netzwerks vor mehr als 20 Jahren.
Allein in München holen die Mitarbeiter
von Werner Knittel pro Woche 150
Tonnen verpackte Lebensmittel ab
und bringen diese nach Erkheim (bei Memmingen)
in eine Bioabfall- und Speiserestevergärungsanlage,
die der Unternehmer bereits
1998 mit einem Partner aufgebaut hat. Dort
werden sie vollautomatisch entpackt und vergoren.
So entstehen Strom und Wärme. „Mir
liegt die sinnvolle Verwertung von Abfällen
am Herzen“, sagt der 63jährige Unternehmer
aus Vöhringen (Neu-Ulm).
Dass Handelsketten Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum
überschritten ist,
nicht einmal mehr verschenken dürfen, auch
wenn sie noch genießbar sind, gibt der Gesetzgeber
vor. Große Handelsketten wie Edeka
und Aldi schreiben die Entsorgung bundesweit
oder auf Ebene der Bundesländer aus.
„Als einzelner Mittelständler hat man da keine
Chance, zum Zuge zu kommen“, sagt Knittel.
„Zwar sind wir nahe am Kunden und treffen
Entscheidungen schnell, aber als
Mittelständler hat man auch Nachteile: Wir
haben geringere Einkaufsvolumen als die großen
Konkurrenten, deswegen schlechtere
Konditionen und weniger Möglichkeiten, Synergien
zu nutzen. Als Kleiner kannst du
auch nicht die ganze Palette der Dienstleistungen
anbieten“, sagt Knittel, der seit 40 Jahren
Sprecher der schwäbischen Entsorger ist.
KOOPERATION DER KLEINEN
Wie kommt es dann, dass seine Fahrzeuge von
Oberstdorf bis Donauwörth, von Garmisch-
Partenkirchen bis München Lebensmittel ein-
42
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[machen]
sammeln? Vor 20 Jahren hatte er die Idee zu
einer Kooperation mit anderen mittelständischen
Entsorgern. Aus anfangs 7 Gesellschaftern
sind 42 geworden. Das Netzwerk Logex
steht heute für 150 Unternehmen, 600 Millionen
Euro Umsatz, 5000 Mitarbeiter und 2500
Fahrzeuge. Die 60 Mitarbeiter von Logexsind
Dienstleister für die Mitglieder. Sie setzen sich
beispielsweise mit neuen Gesetzen auseinander
und was diese für die Firmen bedeuten.
Die Unternehmer tauschen sich zudem über
ihre Themen im Betrieb aus.
Logex beteiligt sich aber auch an bundesweiten
Ausschreibungen und vergibt den Gesamtauftrag
an seine Gesellschafter. „Jeder hat
sein Gebiet. Das ist ein Recht, aber auch eine
Verpflichtung“, sagt Knittel über das Netzwerk,
das beim Kartellamt angemeldet ist. In
anderen Teilen der Republik sind mittelständische
Entsorgungsbetriebe in den vergangenen
Jahren verschwunden – nicht so in Süddeutschland.
Das Netzwerk sei die Basis dafür,
dass der Mittelstand mit den Großen mithalten
kann. „Auf dieser Kooperation beruht ein
Großteil meines Erfolgs“, sagt Knittel.
Die Bandbreite an Dienstleistungen hat er stetig
vergrößert. 1974 stieg er – viel früher als
geplant – im Alter von 21 in den Betrieb ein.
Statt damals 10 Mitarbeitern beschäftigt das
Familienunternehmen heute 130 Menschen.
Die Fahrzeugflotte wuchs von sechs auf 60.
Das Wachstum des Unternehmens sei aufgrund
der höheren Abfallmengen und der gestiegenen
Bedeutung des Umweltschutzes
fast zwangsläufig gestiegen, gibt sich Knittel
bescheiden.
MODERNE ANLAGENTECHNIK
Er hat das einstige Müllabfuhr-Unternehmen
zu einem Entsorgungsspezialisten für Industrie,
Gewerbe und Handel weiterentwickelt.
Auf diesen Bereich entfallen mehr als 60 Prozent.
des Jahresumsatzes. In 12 Landkreisen
ist Knittel Komplettentsorger für alle Kfz-
Werkstätten von BMW, Opel und Ford: vom
Altöl über Fensterscheiben bis zum Airbag.
„Lager-, Behandlungs- und Verwertungsanlagen
sind heute unverzichtbar, wenn man seinen
Kunden ein professioneller Partner sein
will“, betont Knittel. Im Sommer hat er eine
1,5 Millionen teure, hochmoderne Anlage
eingeweiht. In dieser werden unter Vakuum
und Hitze Wasser-Ölgemische, die in Metallbetrieben
anfallen, getrennt und das Öl aufbereitet.
Zudem investiert er 1,5 Millionen Euro
in ein neues Recycling-Center.
Entsorgungskonzepte für Firmen und Kommunen
Firmenchef Werner Knittel vor der neuen Emulsionsverwertungsanlage. Mitarbeiter Thomas
Ostheimer begutachtet eine Probe des ölhaltigen Konzentrats.
Mit einem Magirus-Lkw begann die Firmengeschichte
1953. Damals gründete
Werner Knittels Vater das Unternehmen,
anfangs noch als Sand-und Kiestransporteur.
Früh kam die damals noch freiwillige
Hausmüllabfuhr dazu. Heute erledigt die
Knittel GmbH (Vöhringen/Iller) mit ihren
130 Mitarbeitern die Hausmüllentsorgung
für 300.000 Einwohner in den Kreisen
Alb-Donau, Neu-Ulm und Biberach,
Die Mischung aus Tätigkeitsbereichen, verschieden
langen Vertragslaufzeiten, Geschäften
mit höherer und geringerer Marge hat
Knittel gewählt, um das Unternehmen möglichst
krisenfest zu machen. Sein Grundsatz:
„Ich frage mich bei jeder Entscheidung: Was
ist langfristig das Beste fürs Unternehmen?“
Im Moment stelle er den Betrieb für die nächste
Generation auf. „Da soll es keinen Investitionsstau
geben“, sagt Knittel. Weil seine beiden
Kinder noch studieren und zu jung für die
Geschäftsführung sind, hat Knittel „ganz bewusst“
vor 15 Jahren Oliver Sauter eingestellt,
der zur Geschäftsleitung gehört. Er selbst will
erfasst und vermarktet Wertstoffe. Ihr
wichtigste Standbein sind Entsorgungskonzepte
für Industrie und Handel. Darauf
entfallen 10 von 16 Millionen Jahresumsatz,
auf das Geschäft mit Kommunen
5 und auf das mit Privatleuten 1 Million
Euro. Neben einem Recycling-Center unterhält
die Firma eine Vergärungs- und
Emulsionsverwertungsan lage und ein
Sonderabfallzwischenlager. AMB
„in drei bis vier Jahren vom Gas gehen“. Bisher
absolviert Knittel noch regelmäßig seine Fortbildung
als gewerblicher Kraftfahrer und
kennt jeden Teilbereich seiner Firma aus dem
Effeff. Für ihn gehört das zum Selbstverständnis:
„Als Firmenchef musst du wissen, was
deine Mitarbeiter leisten.“ Bei Betriebsfeiern
ist es ihm wichtig, dass auch Partner und Kinder
dabei sind. „Wir erbringen eine Dienstleistung,
die nicht nach Stechuhr funktioniert.
Manchmal müssen Mitarbeiter auch kurz vor
Feierabend wegen eines verstopften Rohres
ausrücken. Da braucht es das Verständnis des
Partners.“ [!]
ALEXANDER BÖGELEIN
43
[gründen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Vom Flüchtling zum Unternehmer
Der Anlauf zur Existenzgründung dauerte lange, doch Rashed Mohebbi hat an seinem Traum festgehalten. Der
25-Jährige verkauft seit Juni Lebensmittel, repariert Handys und hat bereits einen Mitarbeiter eingestellt.
Schon an seinem ersten Tag in Göppingen
fallen Rashed Mohebbi die Geschäftsräume
in der Gerberstraße auf.
Gerade erst ist der Afghane in der örtlichen
Flüchtlingsunterkunft angekommen. „Damals
war es noch ein Internetcafé“, erinnert
sich der 25-Jährige, „ich wusste sofort, so einen
Laden will ich.“ Doch bis zur Eröffnung
im Juni 2016 war es ein langer Weg.
Rashed Mohebbi stammt aus Afghanistan, ist
aber größtenteils im Iran aufgewachsen. „In
Afghanistan kannst du nicht leben, zu viel
Krieg“, erklärt er. 2007, mit 16 Jahren, eröffnet
der Perser seinen ersten Reparaturservice. Nebenher
besucht er Kurse bei Microsoft und
wird zum IT-Experten. Allerdings muss alles
unter falschem Namen stattfinden. „Afghanen
sind im Iran nicht gern gesehen“, sagt Mohebbi.
Weiterbildungen an Schulen oder Universitäten
sind ihnen verwehrt. Auch
alltägliche Dinge, wie Autofahren, sind für
afghanische Flüchtlinge nicht möglich.
DREI JAHRE OHNE SPRACHKURS
Den geschäftstüchtigen Migrant belastet das
Versteckspiel. Er will frei leben. 2011 flüchtete
er schließlich nach Deutschland und landet
in Göppingen. Drei Jahre vergehen bis der
Asylantrag des jungen Mannes bewilligt wird.
Drei Jahre ohne Arbeit, Sprachkurs und eigenen
Wohnraum. Trotzdem gibt Mohebbi
nicht auf, bringt sich wichtige Alltagssätze
per Internet bei. Er träumt vom eigenen Service-Geschäft
für Handys, Laptops und Tablets.
Der junge Flüchtling will in Deutschland
Karriere machen.
2013 bricht Mohebbi für anderthalb Jahre
nach Bonn auf. Dort besucht er Sprach- und
Integrationskurse. Sein Ziel hat er fest vor Augen.
Doch schnell stellt sich heraus, dass es in
der Großstadt am Rhein ein Überangebot an
Reparatur-Shops gibt. „In Göppingen aber
nicht“, fällt dem Einsteiger ein. Er kehrt zurück
in die Kreisstadt und arbeitet mithilfe
des Bildungszentrums Donner und Partner
innerhalb von vier Monaten einen Businessplan
aus. Mohebbi entscheidet sich für ein
Zwei-Säulen-Geschäftsmodell. Neben Reparaturen
und Elektronikzubehör sollen persische
Lebensmittel bei ihm erhältlich sein. So
kann er seine Waren günstiger anbieten. Zudem
hofft er, dass Kunden, die Lebensmittel
bei ihm kaufen, sich bei Problemen mit Handy
und Computer an ihn erinnern.
20.000 EURO STARTKAPITAL
„Und auf einmal hing ‚Zu vermieten‘ am Laden
in der Gerberstraße‘“, grinst der Jungunternehmer.
Das Glück scheint perfekt. Doch
noch fehlt das Kapital. Mohebbi beantragt
Einstiegsgeld beim Jobcenter. Zuvor legt er
seinen Plan Gernot Irmgard, dem stellvertretenden
Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer
vor. Fördermittel bekommt der Afghane
zwar keine, doch dafür steht ihm Irmgard mit
Rat und Tat zur Seite. Mithilfe seiner Familie
bringt Mohebbi 20.000 Euro Startkapital auf
und beginnt im Mai sein Geschäft einzurich-
Rashed Mohebbis verkauft in Göppingen persische
Spezialitäten und repariert Laptops.
44
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[gründen]
ten. „Während ich renoviert habe, kam schon
ein Kunde mit seinem Handy“, berichtet er
stolz. Vom Wände streichen bis zum Thekenbau
macht Mohebbi alles selbst. Am 1. Juni
eröffnet „Pixel Technologies“.
Bekannte und Freunde des Persers sind seine
ersten Kunden. Manche reisen extra von Ulm
oder Esslingen an, um sich mit heimischen
Leckereien einzudecken. Doch auch immer
mehr Deutsche bringen Handys mit Displayschaden
und streikende Laptops vorbei. Oder
sie probieren eine der 25 verschiedenen Teesorten.
Weil die Geschäfte gut laufen, hat der
Mohebbi einen Mitarbeiter eingestellt.
„Meine Kunden sind sehr unterschiedlich“,
weiß der Geschäftsmann. So sei es Menschen
aus seiner Heimat und benachbarten Ländern
wichtig, dass das kaputte Elektrogerät binnen
kürzester Zeit wieder funktioniert. Deutsche
hingegen werden misstrauisch, wenn der Displayaustausch
nur 60 Minuten dauert. „Qualität
ist hier wichtiger als Zeit“, hat Mohebbi
gelernt.
Der Existenzgründer liebäugelt sogar schon
mit einem zweiten Geschäft. Denn langfristig
plant er Lebensmittel und Elektronik voneinander
zu trennen. Auch diese Idee stammt
aus einer Beobachtung der deutschen Kunden:
„Reparatur braucht einen ruhigen Platz.“
Das schaffe mehr Vertrauen bei den Klienten.
Sein nächstes Ziel ist es aber erstmal, den Kundenstamm
auszubauen „durch mehr Reklame
und mehr Arbeit“. Montag bis Samstag, 9:15
Uhr bis 20 Uhr ist der Einwanderer für seine
Kunden da.
„ALLES IST GUT HIER“
Als Angestellter in einer Firma zu arbeiten,
kommt für den 25-Jährigen übrigens nicht in
Frage. Mohebbi: „Ich will selbst verantwortlich
sein und mein Leben gestalten.“ Deutschland
soll seine neue Heimat werden: „Alles ist
gut hier. Ich glaube viele Deutschen wissen
das nicht.“ Dann fällt dem Selbstständigen
doch noch eine Sache ein, die ihm hierzulande
Kopfzerbrechen bereitet. Die Steuererklärung.
„Dass jeder Steuern zahlt, finde ich richtig“,
sagt der Gründer, „aber ich verstehe die
Papiere nicht.“ Rashed Mohebbi ist in
Deutschland angekommen. [!] RONJA GYSIN
Migranten sind
Gründerprofis
40 Prozent aller Neugründungen im
Jahr 2014 wurden von Personen mit
ausländischer Staatsangehörigkeit
durchgeführt. Dabei sind Newcomer
mit Migrationshintergrund nach den
IHK-Erfahrungen nicht besser oder
schlechter vorbereitet als deutschstämmige
Gründer. Da zwei Drittel der
migrantengeführten Unternehmen in
den Branchen Baugewerbe, Handel
und Gastronomie agieren, übernehmen
Einwanderer in vielen Gegenden die
Nahversorgung. Mit rund 2,5 Millionen
Arbeitsplätzen stärken sie gleichzeitig
die deutsche Gesamtwirtschaft. GYS
Wachsen ist einfach.
Wenn man für Investitionen einen Partner hat,
der Ideen von Anfang an unterstützt.
ksk-gp.de
sparkasse-ulm.de
45
[leben] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Oh du schöner Weihnachtsschmuck! Auch manche Kater haben ihre Freude daran: Der Christbaum zieht sie magisch an.
Foto: © Trevor Allen / Fotolia.com
Volker Munk, Inhaber der Ulmer
Firmen Munk Immobilien
und Munk Bauen & Wohnen,
verzichtet auf Kundengeschenke
und spendet Geld an soziale
Einrichtungen.
Andrea Grusdas genießt den
Heiligabend mit ihrem Mann
und ihren beiden Hunden in
aller Stille. Die 47-Jährige ist
seit Oktober 2012 Vorstandsmitglied
bei der Sparkasse Ulm.
1) Wir haben neben der jährlichen Weihnachtsfeier am 23. Dezember
immer einen Umtrunk in der Firma, bei dem es Sekt oder Champagner
und Räucherlachs gibt. Zu diesem Termin werden auch alle
Weihnachtsgeschenke, die uns überreicht wurden, in einer Tombola
verlost.
2) Wir beschenken unsere Kunden nicht zu Weihnachten, stattdessen
spenden wir an soziale Einrichtungen. Statt Weihnachtskarten verschicken
wir seit mehr als 25 Jahren unseren individuell geschriebenen
Weihnachtsbrief an mehr als 3000 Kunden.
3) Am 24. Dezember nehme ich mir grundsätzlich eine Stunde Zeit, in
der ich alleine einen Spaziergang mache und über das vergangene
Jahr nachdenke. Vieles wird dann noch einmal überdacht und die
Vorsätze für das kommende Jahr gefasst.
4) Das schönste Weihnachten war der Heiligabend, an dem meine beiden
Kinder das erste Mal Weihnachten aufgrund ihres Alters so
richtig erleben konnten. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen
in einem behüteten Umfeld?
5) Bei klarem Verstand und ohne große körperlichen Gebrechen alt
werden – und das Leben jeden Tag als Geschenk verstehen.
1) JedeAbteilung gestaltet ihre Weihnachtsfeier individuell. Mal mit
einem kleinen Umtrunk, mal mit einem gemeinsamen Abendessen.
Ich finde das sehr schön und versuche, an möglichst vielen Feiern
teilzunehmen.
2) Die Sparkasse Ulm gestaltet jedes Jahr einen wunderschönen Wandkalender
mit Fotomotiven aus dem Alb-Donau-Kreis und Ulm. Diesen
verschenken wir zum Jahresende.
3) Traditionell gibt es bei uns an Heiligabend ein Fleisch-Fondue mit
vielen verschiedenen Saucen und Beilagen. Bei einem gemütlichen
Beisammensein genießen mein Mann und ich einen ruhigen Abend
mit unseren beiden Hunden.
4) Ich kann mich an ein Fest erinnern, bei dem wir den ganzen Abend
damit beschäftigt waren, unseren Kater aus dem geschmückten
Baum zu holen und den Weihnachtsschmuck vor seinen Pfoten zu
retten. Irgendwann haben wir aufgegeben und den Baum schon an
Heiligabend abgeschmückt und einfach „grün“ stehen lassen – sehr
zur Freude unseres Katers.
5) Als jemand, der sich im Tierschutz engagiert, wäre mein Wunsch,
dass Freude, Würde und Gesundheit nicht nur für Menschen, sondern
auch für Tiere gesichert wäre.
46
unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016
[leben]
Ein Kater im Weihnachtsbaum
Mit innerer Ruhe und klarem Verstand das Leben betrachten – und an Heiligabend mit Kindern und Freunden
feiern: Sechs Führungskräfte haben unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler in einer Umfrage ihre persönlichen
Erlebnisse und Wünsche für das kommende Weihnachtsfest verraten.
1) Wie feiern Sie Weihnachten in Ihrem Unternehmen?
2) Wie beschenken Sie Kunden, Partner und Mitarbeiter?
3) Und privat: Verraten Sie uns eines Ihrer Weihnachtsrituale?
4) Was war Ihr schönstes oder schrägstes Erlebnis an
Weihnachten?
5) Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – und bereits gesichert
ist, dass alle Menschen in der Welt in Frieden,
Würde und Gesundheit leben – wie lautet dieser?
Foto: © sek_suwat / Fotolia.com
Foto: © emuck / Fotolia.com
Toastbrot statt Lachs. Melanie
Kloker, die Geschäftsführerin der
Kamo Frischwarmwassersystem
GmbH in Ehingen, nahm ein verdorbenes
Weihnachtsessen mit
Humor.
WIR
GESTALTEN
MIT
1) Wir machen eine kleine Weihnachtsfeier bei uns in der Firma mit feinem Essen, Tanz und
guten Unterhaltungen.
2) Für unsere Kunden haben wir jedes Jahr verschiedene Geschenke, die zumeist persönlich von
unseren Mitarbeitern übergeben werden. Für unsere mehr als 80 Beschäftigten versuchen wir
immer etwas Besonderes mit persönlichem Touch zu finden, was nicht immer einfach ist.
Meinen Partner zu beschenken ist nach über 25 Jahren auch nicht einfach, da man sich schon
so einiges geschenkt hat. Dennoch finde ich es wichtig, sich wirklich Gedanken zu machen.
3) Unsere Familie trifft sich an Heiligabend schon mittags zum Kaffee, um die Hektik aus dem
Tag zu nehmen. Danach machen wir einen Spaziergang, um dann langsam zur Bescherung
überzugehen.
4) Meine Eltern hatten tollen Graved Lachs für das Weihnachtsmenü besorgt. Leider bemerkten
wir beim Servieren, dass der Lachs am Heiligabend schlecht war. So bestand unser Weihnachtsessen
aus Toastbrot. Wir haben das aber mit Humor genommen.
5) Oh je, diese Frage finde ich schwierig. Natürlich habe ich viele Wünsche, aber welches „der
Wunsch“ ist, kann ich nicht sagen.
mediaservice ulm
Frauenstraße 77
89073 Ulm
www.mediaservice-ulm.de
47
[leben] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Hartmut Koch-Czech ist seit
2001 Geschäftsführer der Eduard
Merkle GmbH & Co. KG in
Blaubeuren. Seine Familie und
er fanden an Heiligabend einmal
ein frierendes Kätzchen im
Schnee – und nahmen es auf.
1) Die Belegschaft und die Rentner sitzen zusammen beim Christbaum
aus dem Steinbruch. Trompetenklänge stimmen mit ein paar
Weihnachtsliedern auf das Fest ein. Nachdem ich einen Jahresrückblick
gegeben habe und eine besinnliche Geschichte vorgelesen
wurde, wird gut gegessen und lange gesessen.
2) Kunden und Partner erhalten einen persönlichen Weihnachtsgruß.
Im Jahresverlauf gibt es eine Einladung zur „Blaubeurer Sommerbühne“
oder zu „Kunst im Steinbruch“.
Foto: © Stauke / Fotolia.com
3) Nach dem Kirchgang wird zuhause
die Weihnachtsgeschichte
nochmals gelesen und gesungen.
Danach folgen die Bescherung
und ein festliches Menü. An
den Feiertagen kommen wir
mit der Familie zusammen.
4) An einem Heiligabend fanden
wir nach dem Gottesdienst
ein ca. 12 Wochen
altes Kätzchen,
das jämmerlich
miauend
und halb erfroren
im Schnee unter
der Haustreppe lag.
Die Kinder haben es bei uns
aufgenommen und umsorgt.
5) Weihnachten einfach als Jesu
Geburtstag feiern – nicht
mehr und nicht weniger!
Foto: © Claudia Paulussen / Fotolia.com
Foto: © Thomas Francois / Fotolia.com
Immer mit der Ruhe. Michaela
Braunmüller, selbstständige
Friseurmeisterin und Obermeisterin
der Friseurinnung Göppingen,
wünscht sich mehr Gelassenheit.
1) Ich schenke meinen Kunden in der Adventszeit Tee, Kaffee und
Glühwein aus. Und Weihnachtsgebäck gibt es auch.
2) Jede Kundin und jeder Kunden erhält von mir ein persönliches, auf
sie beziehungsweise ihn zugeschnittenes Geschenk. Ich lasse mir
jedes Jahr etwas Neues einfallen.
3) Ohne Weihnachtsbaum läuft bei uns gar nichts. Der muss bis unter
die Zimmerdecke reichen und wird von mir stundenlang mit einer
Unmenge von Weihnachtsschmuck dekoriert. An Weihnachten kochen
und essen wir gemeinsam mit unseren Kindern und guten
Freunden – drei Tage lang.
4) Das war im Jahr 1992 die Geburt meines Sohnes, der 24 Minuten vor
Heiligabend, also am 23. Dezember um 23.36 Uhr, auf die Welt kam.
5) Gelassenheit. Wir Menschen müssen wieder lernen Freude zu empfinden.
Und damit meine ich auch Spaß an der Arbeit. Denn wir leben
doch in einer hektischen, durchgeknallten Welt.
Hans-Georg Ehekircher, Inhaber
der gleichnamigen Sanitär-
Heizung-Flaschnerei in Geislingen,
wünscht sich oftmals mehr
Planungssicherheit im Leben.
1) In der Regel wird von meinen Mitarbeitern eine kleine Weihnachtsfeier
in einer Gaststätte organisiert. Ich übernehme die Kosten bis
zu einer bestimmten Höhe.
2) Kunden und Partner erhalten eine individuelle Grußkarte. Die Mitarbeiter
bekommen etwas Nützliches, zum Beispiel Winterjacken
oder sonstige Bekleidung.
3) An Heiligabend ist ein gemeinsames Essen mit meiner Schwester
und deren Familie angesagt, anschließend ein Kirchgang. Am zweiten
Weihnachtsfeiertag ist Treffen mit der Familie meiner Frau in
Esslingen.
4) Der Sturm Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ist mir noch
sehr gut in Erinnerung. Wir waren gerade am Aufbrechen zum Familientreffen,
als er loslegte. Dieses Treffen war dann nicht mehr
möglich. Anschließend stand das Telefon nicht mehr still. Wir hatten
vollen Einsatz. Bei unseren Kunden waren Dächer abgedeckt
und sonstige Beschädigungen an den Häusern waren zu beheben.
Das Weihnachtsfest war schlagartig beendet.
5) Etwas mehr Glück und weniger Sorgen für mich und meine Familie
wären nicht schlecht. Das Leben ist sehr kompliziert. Oft weiß man
nicht, was der Tag bringt. Hier wäre mir mehr Planungssicherheit
wichtig.
48
Da braut sich was Gutes zusammen!
Im Frühjahr 2017 öffnen das RiKu HOTEL und die Barfüßer
Hausbrauerei inmitten des Ulmer Zentrums ihre Türen.
Während das RiKu HOTEL 40 komfortabel und modern eingerichtete
Zimmer für Sie bereit hält, heißt Sie die Barfüßer Hausbrauerei mit
selbst gebrautem Bier und bayrisch-schwäbischen Schmankerln
herzlich willkommen.
Aufgrund der direkten Anbindung des RiKu HOTELs an die Barfüßer
Hausbrauerei lässt sich beides hervorragend miteinander kombinieren:
So kann ein erfolgreicher Arbeitstag in dem gemütlichen Ambiente
der Barfüßer Hausbrauerei ausgeklungen werden, wohlwissend, dass
die Übernachtungsmöglichkeit für Geschäftspartner von auswärts nur
einen Katzensprung entfernt ist.
Das RiKu HOTEL und das Barfüßer Team freuen sich auf Sie!
www.barfuesser-brauhaus.de www.riku-hotel.de
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]
Mit Konzept
für Freizeitbad
erfolgreich
Ausgezeichnet:
Natalie
Falkenstein.
Die 28-jährige Natalie Falkenstein
aus Biberach ist mit dem
Kulturpreis
Bayern als
beste Abs0lventin
der
Hochschule
Neu-Ulm
ausgezeichnet
worden.
Der Grund:
Ihre herausragende
Masterarbeit.
Der Lohn: die mit 2.000 Euro
dotierte Auszeichnung. Die
„Master of Advanced
Management“-Absolventin hatte
in ihrer Abschlussarbeit ein
kundenorientiertes Marketing-
Konzept für das Freizeitbad Bad
Blau in Blaustein entwickelt.
Dafür hatte die Betriebswirtin
Besucher befragt und das Kundenverhalten
entlang des Kaufprozesses
untersucht.
„Es fehlen Leute,
die das Geld
verplanen“
Britax Römer: In Leipheim angekommen
Bis zum Jahresende schließt der Hersteller
von Auto-Kindersitzen Britax Römer seinen
Umzug nach Leipheim auf das interkommunale
Gewerbegebiet „Areal pro“ ab. Ulm verliert
damit 380 Arbeitsplätze. Als letzter Bereich
verlässt die Fertigung das verwinkelte Gebäude
in der Blaubeurer Straße. Der neue 18.000
In Baden-Württemberg fehlen
Ingenieure. Nach einer Erhebung
des arbeitgebernahen Instituts
der deutschen Wirtschaft
und des Verbands Deutscher Ingenieure
kommen auf 100 arbeitslose
Ingenieure im Südwesten
388 offene Stellen, im
Bundesdurchschnitt sind es
261. Der Fachkräftemangel
wird mittlerweile für den öffentlichen
Dienst zur Herausforderung.
„Der findet keine
Leute“, sagte IW-Arbeitsmarktexperte
Oliver Koppel. Baden-
Württembergs Wohnungsbauministerium
bestätigte die
schwierige Suche nach geeignetem
Personal. Die Folge: Es sei
zwar Geld für Sanierungen und
Straßenbau da. „Aber jetzt fehlen
die Leute, um das Geld zu
verplanen.“ Gesucht seien derzeit
Ingenieure aus den Bereichen
Bau, Vermessung und Gebäudetechnik.
Mit bekömmlich
darf Härle
nicht werben
Auch das Oberlandesgericht
Stuttgart hat dem Leutkircher
Brauer Gottfried Härle untersagt,
sein Bier „bekömmlich“ zu
nennen, es ließ aber Revision
beim Bundesgerichtshof (BGH)
zu. Bei Redaktionsschluss dieser
Ausgabe wusste Härle noch
Quadratmeter große Hauptsitz hat einen zweistelligen
Millionenbetrag gekostet und verfügt
unter anderem über eine hochmoderne Crash-
Test-Anlage. Britax Römer stellt 90 Prozent
seiner Kindersitze in Europa her, davon zwei
Drittel in Deutschland. Weltweit beschäftigt
das Unternehmen rund 1220 Mitarbeiter.
nicht, wie er sich entscheidet.
Bisher hat ihn der Streit einen
„ordentlichen“ fünfstelligen Betrag
gekostet. Die Brauerei bewirbt
seit 1902 manche Biersorte
als „bekömmlich“. Weil aber
EU-Recht gesundheitsbezogene
Werbung für Getränke mit einem
Alkoholgehalt von mehr
als 1,2 Volumenprozent verbietet,
klagte der Verband Sozialer
Wettbewerb. Härle ärgert das,
für ihn ist der Begriff eine „reine
Qualitätsaussage“. Zudem lasse
die EU-Verordnung unter bestimmten
Voraussetzungen
Ausnahmen zu. [!]
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