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unternehmen [!]
Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten
SIEGFRIED WEISHAUPT: Unternehmer, Mäzen, Sammler
Glück ist, etwas Neues
zu entdecken
[verantworten] RATIOPHARM – Auf der Suche nach neuer Balance
[er]finden INTERVIEW mit Lothar Späth – Keine Angst vor Professoren!
[machen] ZF FRIEDRICHS HAFEN AG – Mit Hybrid und acht Gängen
€ 2,00 :: Ausgabe 01 :: 30.11.2007
[inhalt]
[verantworten]
04 :: RATIOPHARM ::
Auf der Suche nach neuer Balance
[er]finden
07 :: INTERVIEW mit Lothar Späth ::
Keine Angst vor Professoren!
10 :: BOEHRINGER INGELHEIM ::
Blockbuster aus Biberach
[titelthema]
14 :: INTERVIEW mit Siegfried Weishaupt ::
Glück ist, etwas Neues zu entdecken
[führen]
22 :: ROBERT STRAUB GMBH ::
Mit Budget auf die Überholspur
25 :: 100 JAHRE NUTZFAHRZEUGBAU in der Region ::
Das fast vergessene Jubiläum
[machen]
40 :: WALTER FEUCHT ::
Pomp, Duck und große Brötchen
43 :: ZF FRIEDRICHS HAFEN AG ::
Mit Hybrid und acht Gängen
46 :: SÜDWESTMETALL ::
„Wir bieten prächtige Perspektiven“
[spezial]
48 :: BRAUEREIEN :: Bier von Hier
[leben]
52 :: GOLF :: Drive um Ulm
58 :: Impressum
Editorial
Dass die Unternehmen
im Südwesten
eine Klasse für sich
darstellen, muss eigentlich
nicht eigens
betont werden.
Längst hat
sich herumgesprochen,
wo Deutschlands
größte Wirtschaftskraft
und wo
Thomas Brackvogel,
Geschäftsführer
SÜDWEST PRESSSE
vor allem seine unternehmerische
Stärke zu finden sind. Und doch lohnt
sich ein genauer Blick auf die Unternehmen,
die eine Tendenz haben,
ihre Erfolge im Stillen zu feiern. Die
lieber in professioneller Bescheidenheit
nach vorn blicken als öffentlich
und spektakulär sich und die letzten
Jahresabschlüsse zu feiern. Die als
Unternehmen wie als Unternehmer
ihre Bindung an Heimat und Region
bewahren. Die Innovation in großen
und PR in kleinen Lettern buchstabieren.
Sie halten nun das erste Heft unternehmen!
in Händen. Der Titel ist Programm:
unternehmen!
Ob Siegfried Weishaupt, der im großen
Interview Einblick gewährt in
Glücksmomente und Verantwortung.
Ob Walter Feucht mit „Pomp, Duck
und große Brötchen“. Ob Lothar
Späth zur Zukunft der Region.
unternehmen! ist das neue Wirtschaftsmagazin
aus dem Hause der
SÜDWEST PRESSE, ein Magazin, das
die Unternehmer und Unternehmen
im Südwesten zum Thema macht.
unternehmen! bringt Ihnen wenigstens
vier mal im Jahr Geschichten,
in denen Sie, die Kompetenz Ihrer
Unternehmen und die Stärke der Region
von Ulm bis zum Bodensee, im
Mittelpunkt stehen.
unternehmen! spricht mit einer verbreiteten
Auflage von 15.000 Exemplaren
die Entscheider aus Wirtschaft
und Kommunen sowie die Leser an
Universitäten und Hochschulen in unserer
starken Wirtschaftsregion an.
:: 3
[verantworten]
ratiopharm
AUF DER SUCHE NACH
NEUER BALANCE
Ein Andachtsraum für die Mitarbeiter
ist bei einem Pharmaunternehmen
nicht unbedingt zu vermuten.
Ein Betriebskindergarten ist
ebenfalls nicht selbstverständlich,
ebenso wenig wie die Vielzahl von
Arbeitszeitmodellen, der Familienfreundlichkeit
wegen. Bei ratiopharm
ist so manches anders – auch
die Kampagne, die den mühsamen
Weg aus der zurückliegenden Krise
begleitet.
Eine offen bekundete christliche Einstellung
und ein immenser, wenn es sein muss,
knallhart durchgesetzter, unternehmerischer
Ehrgeiz – in die Philosophie des
Multi-Unternehmers Adolf Merckle ist
bei des tief eingeschrieben. Sohn Dr. Philipp
Daniel Merckle, der seit August 2005 an
der Spitze (CEO) von ratiopharm steht,
lässt bei vielen Gelegenheiten die religiöse
Einstellung und die Prägung durch sein
Elternhauses durchblicken, gerade dann,
wenn er über die Aufräumarbeiten beim
Ulmer Generikahersteller spricht.
Gottes Beistand würde dem Familienunternehmen
zweifelsohne gut tun, das
derzeit eine schwierige Phase durchläuft.
Etwa 750 Präparate umfasst die Produktpalette,
der Absatz summierte sich zuletzt
auf 170 Millionen Arzneischachteln
pro Jahr, vom Schmerzmittel ratiopharm
ASS bis zu Vitaminkapseln. Mit einem
weltweiten Umsatz von 1,7 Milliarden
Euro in 2006 und Niederlassungen in 24
„WORLD IN BALANCE“ – heißt die neue
Kampagne des Pharamazieunternehmens.
Das Unternehmen
Die „ratiopharm GmbH“ mit Sitz in
der Graf-Arco-Strasse 3 in Ulm hat
sich auf die Entwicklung, Produktion
und den Vertrieb generischer
Arzneimittel spezialisiert. Neben
dem Stammsitz Deutschland ist das
Unternehmen mit Niederlassungen
weltweit vertreten. Der Umsatz von
ratiopharm Deutschland beläuft sich
auf 815 Millionen Euro (2006, inkl.
Partnerfirmen), in der Gruppe wurden
weltweit 1,702 Milliarden Euro (2006)
erzielt. Das Unternehmen beschäftigt
in Deutschland 2932 Mitarbeiter,
weltweit 5373 (Stand: 2006).
Vorsitzender der Geschäftsführung
ist Dr. Philipp Daniel Merckle.
Ländern Europas und 38 Ländern weltweit
spielt man in der Liga der Global Player.
Die, mittlerweile abgesetzte, Zwillingskampagne
„Gute Preise, gute Besserung“
beförderte den Aufstieg zu einem der bekanntesten
Markenhersteller Deutschlands.
Umso mehr wuchs damit jedoch auch das
mediale Interesse an dem 1974 gegründeten
Unternehmen, das bis dato, ganz im
Sinne der Familientradition, zu den eher
öffentlichkeitsscheuen im Lande zählte.
In die Bücher lässt man sich zwar nach
wie vor nicht blicken, die Höhe des Gewinns,
der mit 5300 Mitarbeitern weltweit
(Inland: rund 3000) erzielt wird, gehört
weiterhin zum gut gehüteten Geheimnis.
Wenn dennoch eine kleine Kulturrevolution
zu konstatieren ist, so hat dies mit
der neuen Kampagne „World in Balance“
(„Welt im Gleichgewicht“) zu tun, mit
Werbespots zur besten Fernsehzeit und der
Inszenierung eines Stars, der gänzlich unbescheiden
zum Aufbruch in eine neue Zeit
auffordert. Es ist der junge Chef persönlich.
In der parallelen Veranstaltungsreihe
in mehreren Großstädten, abgehalten auf
Ausflugsdampfern mit Dinner und Vorträgen,
trat Dr. Philipp Daniel Merckle, bis
dahin weitgehend unbeschrieben, höchst
persönlich ans Mikrophon. Seine von philosophischen
Gedanken über Harmonie,
Stille und Liebe durchdrungene Ansprache
brachte nicht jedem seiner Gäste einen Erkenntnisgewinn.
Wer auf diese Art als Chef einem Unternehmen
ein persönliches Gesicht gibt, ist
bereit, ein beträchtliches Risiko einzugehen.
Einmal, weil Merckle künftig an den
eigenen Aussagen gemessen wird. Zum
andern, weil er von eher schüchterner
Natur ist und so gar nichts vom nassfor-
4 ::
Dr. Philipp Daniel Merckle
Gemeinsamer Aufbruch
in eine neue Zeit
Philipp Daniel Merckle ist am 1. Oktober
1966 als zweiter Sohn des strenggläubigen
Ehepaars Ruth und Adolf
Merckle geboren. Mit drei Geschwistern
wuchs er im schwäbischen Blaubeuren
auf, wo sein Vater auf der Basis
eines kleinen Pharmazieunternehmens
ein milliardenschweres Familienim -
pe rium aufbaute. Mit dem Ziel, selbst
Verantwortung darin zu übernehmen,
absolvierte er nach einer strengen
Erziehung eine berufsakademische
Wirtschaftsausbildung und ein Pharmaziestudium
in Tübingen. Die ersten
beruflichen Schritte unternahm er 1998
in einer der Beteiligungen, bevor er von
2003 an die Bereiche Forschung und
Personal in der ratiopharm-Gruppe
übernahm, die er seit 2005 operativ
führt.
Außerhalb seines eigenen Umfelds war
Merckle junior, der fünffacher Vater ist,
bis dahin so gut wie unbekannt. Umso
mehr verwunderte es, als er plötzlich
via Werbespot vor ein Millionenpublikum
trat, gefilmt wie ein Filmstar. „Doktor
Philipp Daniel Merckle bricht mit
Freunden aus ganz Deutschland auf für
eine neue Zeit“, eröffnete eine Stimme
aus dem Off. Der Spot war Bestandteil
der Werbekampagne „World in Balance“.
Dass sich ein Mitglied des Merckle-Clans
freiwillig ins Scheinwerferlicht
begibt, erschien ebenso ungewohnt
wie die seltsam verrätselte Botschaft.
WiB ist gleichzeitig Name einer Stiftung,
in die ein Cent pro verkaufter Medikamentenpackung
fließt und in deren
Genuss bislang die Böhm-Stiftung und
ein Nachwuchspianist kamen.
Nicht nur diese Auftritte Merckles
hinterlassen bei vielen Beobachtern
Rätsel. Besucher berichten von „Gesprächen“
mit ihm, worin er seinen Part
fast ausschließlich aufs Zuhören reduzierte.
Glaubwürdigkeit hat dem jungen
Chef bislang niemand abgesprochen.
Mit vorschnellen Urteilen über sich
konfrontiert zu sein, scheint zu seinem
Schicksal zu gehören. Eher zerbrechlich
wirkend, ist der Unternehmer in seiner
Freizeit sportlich zu Höchstleistungen
fähig. Skisport und Triathlon sind seine
Disziplinen.
schen Habitus eines auf Durchsetzungsfähigkeit
getrimmten Managers an sich hat.
Er formuliert verklausuliert, schwäbelt, ist
eigentlich keiner, der gerne vor ein großes
Publikum tritt. So jemand wird gerne voreilig
unterschätzt.
Dazu kommt: Er ist der Sohn des Patriarchen,
der das Familienimperium groß
gemacht hat und dessen Schatten lang
ist. Die Merckles herrschen unter anderem
über den Medikamentengroßhändler
Phönix, die HeidelbergCement und den
Pistenbully-Produzenten Kässbohrer. Die
Umsatzkurve bei ratiopharm wies bis vor
kurzem steil nach oben. Mit dem Erfolg
entfaltete sich eine außergewöhnliche Firmenkultur.
Mit Staunen sind die Angebote
zu notieren, die der besseren Vereinbarkeit
von Beruf und Familie dienlich sind. Sie
reichen von einer sechsjährigen Elternzeit
über ein differenziertes System an Arbeitszeitmodellen,
einen Einkaufs- und Bügelservice
bis hin zur betrieblichen Tagesstätte
für Kinder zwischen sechs Monaten und
sechs Jahren.
Merckle junior, studierter Betriebswirt
und Pharmazeut, trat ausgerechnet
zu einem Zeitpunkt an die Spitze, als die
Erfolgsgeschichte in eine kritische Phase
trat. Fragwürdige Vertriebspraktiken,
die staatsanwaltliche Ermittlungen nach
sich zogen, kratzten am bisher tadellosen
Image. Ärzte und Apotheker waren systematisch
und mit Mengenrabatten gelockt
worden. Der neue Chef stellte die Absatzförderung
am Rande der Legalität ab und
griff hart durch. Im Unternehmen, das sogar
eine hauptamtliche Pastorin beschäftigt,
mussten fünf der acht Geschäftsführer
den Hut nehmen. Persönlich stellte er sich
den verunsicherten Mitarbeitern des Vertriebs.
Besorgt um das eigene Einkommen,
leuchteten nicht allen die neuen, ethisch
begründeten Vorgaben sofort ein.
Die ungemütliche Situation wurde
noch verstärkt, als im Zuge der Gesundheitsreform
und des neuen Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes
zunehmend dunkle Wolken über dem
Generika-Markt aufzogen. Bislang war
die Geschäftsidee, nach Ablauf des Patentschutzes
von Originalpräparaten diese mit
Kopien (Generika) preislich zu unterbieten,
glänzend aufgegangen. Anfangs von den
forschenden Arzneimittelherstellern an ge -
feindet, stieg ratiopharm in den 1990er
Jahren in Deutschland zum Marktführer in
seiner Sparte auf und profitierte vom Anstieg
des Marktanteils von Nachahmer-Medikamenten
auf derzeit etwa 40 Prozent. >
:: 5
[verantworten]
Heute aber herrscht auch auf diesem
Markt ein harter Verdrängungskampf,
ausgelöst von den Krankenkassen, die
mit Rabattverträgen immer neue Preissenkungen
zu erzwingen suchen. Mit den
drei Branchenführern, neben ratiopharm
sind dies Hexal und Stada, hat die AOK,
die etwa 40 Prozent der Krankenversicherten
vertritt, noch keine Einigung erzielt.
In Folge verlor das Trio Marktanteile und
ratiopharm 2006 in Deutschland erstmals
in seiner Unternehmensgeschichte Umsatz.
Hinzu kommt, dass die Aufgaben immer
komplexer und somit schwieriger kalkulierbar
werden. Bislang war es für Generikahersteller
verhältnismäßig einfach,
die von anderen entwickelten Wirkstoffe
nachzubauen, sobald deren Schutz nach
spätestens 20 Jahren gefallen war. Künftig
jedoch werden vermehrt Patente auf Biopharmazeutika
wie Insulin, Interferone
und Wachstumshormone ablaufen, die auf
dem Generikamarkt ein besonders starkes
Wachstum versprechen. Crux ist, dass Bio -
tech-Wirkstoffe wesentlich aufwendiger in
der Herstellung sind und damit auch die
Kopisten vor weitaus schwierigeren Aufgaben
stehen als bisher. Besteht ein Aspirinmolekül
aus 21 Atomen, so sind bei
Insulin als einem der einfachsten Proteine
schon 843 Atome richtig anzuordnen. Dutzende
Verfahrensschritte sind nötig. Schon
kleinste Änderungen der Rezeptur durch
Fehler im Produktionsprozess könnten fatale
Folgen bei den Anwendern auslösen.
ratiopharm ist bei diesem Wettlauf um
die Wachstumspillen der Zukunft mit dabei
und hat insgesamt 41 Millionen Euro
in zwei Produktionsanlagen für Biowirkstoffe
gesteckt. Ein Einstieg, der in besonderem
Maße zum Gradmesser für die Innovationskraft
des Unternehmens wird. Was
dort genau hergestellt werden soll, darüber
gibt es wegen der Geheimhaltungspolitik
bislang nur Spekulationen: Hormone zur
Blutbildung, Interferone zur Krebsbehandlung.
Gemunkelt wird darüber, dass sich
ratiopharm für die Finanzierung der teuren
klinischen Studien Partner sucht.
Nicht zuletzt wird immer wieder über einen
möglichen Verkauf spekuliert, zu dem
sich Vater Adolf womöglich doch noch
Moderne Technik und ständige Qualitätskontrollen: Arzneimittelherstellung bei ratiopharm.
Die Firmenzentrale ratiopharm in Ulm.
entschließen könnte. Dass diesem in geschäftlichen
Dingen sentimentale Gefühle
gänzlich fremd sind, bewies er 2005, als er
die Keimzelle des Imperiums, die nach dem
Krieg in Blaubeuren gegründete Merckle
GmbH, nach Italien veräußerte. Doch das
war eine Ausnahme. Die Welt der Fonds
und der Heuschrecken ist Adolf Merckle
mindestens so suspekt wie die Pflicht zur
Transparenz in seinen börsennotierten Unternehmen.
Zu seinen Unternehmereigenschaften
zählt nicht nur ein untrügerisches
Gespür für Chancen, sondern ebenso Beharrungsvermögen.
Kein anderes Unternehmen
der Merckle-Gruppe repräsentiert
dies offensichtlicher als die jüngste Firma
darin, die Blauwald GmbH & Co KG,
deren Basis 8000 Hektar Wald ist. Wer es
allein auf die Optimierung der Rendite anlegt,
investiert anders.
Gegen die Veräußerung von ratiopharm
sprechen außerdem die bisherigen Verhaltensmuster
der Unternehmerfamilie,
die von Kontinuität und Berechenbarkeit
bestimmt sind, des weiteren die Eigenkapitalstärke
sowie die Position unter den
Top 5 weltweit. Position 1 auf dem deutschen
Generikamarkt ging allerdings in
2005 an Hexal verloren. In der Hauszeitschrift
werden Verkaufsgerüchte als motivationshemmend
dargestellt und vom jungen
Chef entsprechend dementiert. Wenn
er sein Unternehmen mit der Metapher einer
„Menschengemeinschaft“ umschreibt,
legt er einmal mehr seine persönliche
Glaubwürdigkeit in die Waagschale. Die
Welt von Philipp Daniel Merckle geriete
durch einen solchen Schnitt jedenfalls gehörig
aus dem Gleichgewicht.
THOMAS VOGEL
6 ::
[er]finden
Interview mit Lothar Späth zu Chancen
und Risiken der Wissenschaftsstadt Ulm
KEINE ANGST
VOR PROFESSOREN!
„Ich sehe auch jetzt große Chancen
für die Wissenschaftsstadt Ulm“,
sagt Lothar Späth, Gründungsvater
des Großprojektes. Aber die
Forschungsstadt muss sich auf
neue Herausforderungen einstellen.
Heute heißen diese Technologietransfer
und Nachwuchsförderung.
Vor 21 Jahren wurde die Wissenschaftsstadt
Ulm aus der Taufe gehoben.
Sie waren als baden-württembergischer
Ministerpräsident einer der wichtigsten
Wegbereiter. Wie beurteilen Sie Ihr
Werk heute?
Es hat die Erwartungen erfüllt. Damals
waren große Teile der Ulmer Industrie in
der Krise. Das Farbbildröhrenwerk von
Videocolor machte dicht, die Lastwagenbauer
hatten Probleme, tausende von
Arbeitsplätzen gingen verloren. Wir hätten
damals versuchen können, diese Problembranchen
mit viel Geld aufzupäppeln.
Aber wir haben uns entschlossen, das Geld
lieber in einen Strukturwandel zu stecken.
Wir haben die Universität ausgebaut und
dafür gesorgt, dass Unternehmen dort ihre
Forschungseinrichtungen ansiedeln.
Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Natürlich. Inzwischen arbeiten 8.600 Menschen
in der Wissenschaftsstadt Ulm. Wenn
das kein Erfolg ist. Und die Zahl der Menschen,
die in einem hochwissensbasierten
Bereich arbeiten, liegt in Ulm doppelt so
hoch wie im Durchschnitt in Deutschland.
Ministerpräsidenten unter sich: Der amtierende baden-württembergische Ministerpräsident
Günther Oettinger, die ehemaligen Minister präsidenten Erwin Teufel und Lothar Späth
und der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (v. l.). bei einem Empfang
zum 70. Geburtstag Lothar Späths.
Ulm rangiert laut Prognosstudie unter den
Zukunftsregionen auf Platz 18.
Die industrielle Forschung in der Wissenschaftsstadt
boomt nicht gerade.
Zugegeben, da haben wir uns verschätzt.
Das ist schade.
Die Forschungsstadt auf dem Oberen
Eselsberg war in den Anfangsjahren
ein bundesweit beachtetes Modell. Das
ist zwei Jahrzehnte her. Wie müsste sie
weiterentwickelt werden?
Wir müssen schon aufpassen, dass kein
Ermüdungseffekt eintritt. Die Medizin
und die Wirtschaftswissenschaften an der
Universität müssen weiter ausgebaut werden.
Wir müssen dafür werben, dass junge
Leute Lust bekommen, Unternehmer zu
werden. Wir brauchen Firmenneugründungen,
auch damit moderne Arbeitsplätze
geschaffen werden.
Die meisten Arbeitsplätze im Land gibt
es in mittelständischen Betrieben. Wenn
aber jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge
ins Unternehmeralter kommen, müssen
wir eine überdurchschnittliche Zahl junger
Leute motivieren können, eine neue Firma
aufzumachen. Sonst wird es in Deutschland
immer weniger Firmen und damit
auch Arbeitsplätze geben. Jährlich verschwinden
viele Firmen. Diese Gefahr hat
noch gar keiner wahrgenommen.
>
:: 7
[er]finden
Alle reden von der Notwendigkeit
eines schnellen Wissenstransfers aus
den Hochschulen in die Betriebe.
Aber fehlt nicht ein effektives Bindeglied?
Die Firmenchefs haben doch gar
keine Zeit, immer wieder anzufragen
und Kontakt zu halten.
Da ist was dran. Das muss die Steinbeis-
Stiftung erreichen. Unternehmer dürfen
keine Angst vor Professoren haben. Wir
brauchen offene Universitäten.
Fehlt nicht als Ergänzung zu den Naturwissenschaften
und den Ingenieurwissenschaften
ein stärker geisteswissenschaftlich
orientierter Zweig, um die Einbettung
in gesamtgesellschaftliche Fragen sicherzustellen?
Die Technikfolgenabschätzung
wurde in Ulm nicht realisiert, und das
FAW-Institut ist geschlossen.
Ich würde in Ulm jetzt nicht neu etwa
mit Philosophie anfangen. Für mich stellt
sich eher die Frage, ob man solche Leute
verstärkt von anderen Universitäten holt,
vielleicht durch das Studium Generale.
Kooperationen mit anderen Universitäten
wären der richtige Weg, weil ein Neuaufbau
viel zu viel kostet.
Der frühere Uni-Rektor Professor
Theodor Fliedner, auch einer aus der
Gründermannschaft, wirbt für den
nächsten großen Wurf für die Wissenschaftsstadt.
Wie soll der aussehen?
Manchmal sind auch kleine Schritte angesagt.
Das Ergebnis des Exzellenzwettbewerbs
für Ulm mit der Graduiertenschule
ist ja etwas Positives. Ich denke, es gibt
gute Gründe für Gelassenheit. Jede Zeit
hat ihre Probleme und ihre Lösungen.
Muss die Forschung nicht deutlich
intensiviert werden, um international
auf Augenhöhe zu bleiben?
Deutschland hält im europäischen Vergleich
gut mit.
Müsste sich nicht die Wirtschaft viel
stärker für die Wissenschaftsstadt Ulm
engagieren, weil deren Erfolg auch auf
sie zurückfällt?
Wir haben noch ein Aktivierungsproblem
in bestimmten Bereichen. Aber wir müssen
auch aufpassen. Die steuerliche Belastung
der Unternehmen ist wieder gestiegen, und
der internationale Wettbewerb ist härter
geworden. Die Politik muss sich überlegen,
ob sie nicht besser die Forschung in mittelständischen
Unternehmen durch kürzere
Abschreibungsfristen unterstützt.
Was sind die Chancen des Standortes
Ulm?
Die liegen in der hervorragenden Infrastruktur.
Und in unbürokratischen Hilfestellungen
für Unternehmensgründer.
Und wo liegen die Gefahren?
In einer Gewöhnung und einem Zufriedengeben
mit dem Vorhandenen. Die Konkurrenten
schlafen nicht. Und darin, dass man
nicht energisch genug ein Umfeld schafft,
in dem sich junge Leute auch getrauen zu
investieren. Aber für mich überwiegen in
Ulm die Chancen deutlich.
WILLI BÖHMER
Lothar Späth
Er plädiert für einen
schnelleren Technologietransfer
in die
Unternehmen
Lothar Späth wurde am 16. November
1937 in Sigmaringen geboren. Er wurde
1965 Beigeordneter und Finanzreferent
der Stadt Bietigheim und zwei
Jahre später Bürgermeister. Von 1970
bis 1974 war er Geschäftsführer der
Neuen Heimat in Stuttgart und Hamburg
und bis 1977 im Vorstand beziehungsweise
Aufsichtsrat der Baufirma
C. Baresel AG in Stuttgart.
Bereits 1968 wurde er für die CDU in
den Landtag von Baden-Württemberg
gewählt, 1972 wurde er Fraktionsvorsitzender.
1978 nahm er das Amt
des Innenministers an und nach dem
Rücktritt Filbingers als Ministerpräsident
wurde er am 30. August 1978
zum fünften Ministerpräsidenten gewählt.
Bis 1991 blieb er in diesem Amt,
war Landesvorsitzender der CDU, von
1981 bis 1989 auch stellvertretender
Bundesvorsitzender.
Als Ministerpräsident war er maßgeblich
beteiligt an der Gründung der
Wissenschaftsstadt Ulm. Nach der
„Traumschiff-Affäre“ wechselte er in
die Privatwirtschaft, wurde Geschäftsführer
den Jenoptik GmbH in Jena (bis
2003), er moderierte auf n-tv vier Jahre
lang die wöchentliche Gesprächssendung
„Späth am Abend“, wurde im Mai
2005 Vorsitzender der Geschäftsführung
der Investmentbank Merrill Lynch
und ist seit Juli 2007 Aufsichtsratsvorsitzender
der J & M Management Consulting
AG in Mannheim.
8 ::
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Wichtige Änderungen im
Wohnungs eigentumsrecht
IMMOBILIENRECHT
Am 01.07.2007 ist das neue Wohnungseigentumsgesetz
in Kraft
ge treten. Grund genug für einen
kurzen Überblick über die wichtigsten
Neuerungen:
1. Mehrheitsbeschlüsse bei baulichen
Veränderungen
Bisher galt für bauliche Veränderungen am
gemeinsamen Haus das Prinzip der Einstimmigkeit
der Eigentümer. Dieses Prinzip
wurde nun durch die Reform des WEG
zugunsten des Prinzips der sog. doppelt
qualifizierten Mehrheit gelockert. Möchten
die Eigentümer zukünftig die gemeinschaftliche
Wohnanlage z. B. dem Stand der Technik
anpassen, ist zukünftig nur noch eine
Mehrheit von ¾ der stimm berechtigten
Woh nungseigentümer nach Köpfen notwendig.
Zusätzlich müssen diese zusammen
mindestens die Hälfte aller Miteigentumsanteile
halten. Ein so ge fasster Be schluss
wirkt auch gegenüber den Eigentümern,
welche die Maßnahme abgelehnt haben.
2. Verteilungsmaßstab für Betriebs- und
Verwaltungskosten – Änderung mit
einfacher Mehrheit
Der Verteilungsmaßstab für Betriebs- und
Verwaltungskosten kann künftig mit einfacher
Mehrheit geändert werden (§ 16
Abs. 3 WEG). Eine Umlegung der Betriebsund
Verwaltungskosten nach Miteigentumsanteilen
führt in den Wohnungseigentumsgemeinschaften
meist zu Ungereimtheiten. Nun
kann innerhalb der Eigentümergemeinschaft
mit einfacher Mehrheit ein Maßstab beschlossen
werden, der auf den individuellen
Verbrauch der Wohnungen Rücksicht nimmt.
Beispielhaft sei hier nur der Eigentümer der
Parterrewohnung genannt, der die Fahrstuhlkosten
bisher anteilig mittragen muss.
3. Teilrechtsfähigkeit der Wohnungseigentümergemeinschaft
Auch die schon höchstrichterlich anerkannte
sog. Teilrechtsfähigkeit der Wohnungseigentümergemeinschaft
ist nunmehr
in Gesetzesform gegossen (§ 10 Abs. 6
WEG). Damit kann die Wohnungseigentümergemeinschaft
nun selbst klagen und
verklagt werden und auch selbst Verträge
schließen. Die Haftung der einzelnen Wohnungseigentümer
für Forderungen gegen
die Gemeinschaft ist jetzt auch begrenzt
auf die Höhe ihres Miteigentumsanteils.
4. Sammlung der Gemeinschafts beschlüsse
Auch das Informationsrecht der Wohnungseigentümer
wurde durch die Einführung
des § 24 Abs. 7 WEG gestärkt. Denn hierdurch
wird die Verpflichtung normiert, eine
Sammlung der Gemeinschaftsbeschlüsse zu
führen. Interessant ist dies insbesondere für
Erwerber von Wohnungseigentum, die sich
über die Rechte und Pflichten in der Eigentümergemeinschaft
informieren wollen.
5. Erhöhte Prozesskosten bei Streitigkeiten
Allerdings bringt das neue WEG auch
nach teilige Änderungen mit sich. So werden
wohnungs eigentumsrechtliche Streitigkeiten
künftig nicht mehr nach dem
Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit,
sondern nach der Zivilprozessordnung geführt.
Die Gerichtsgebühren sind dann in
etwa viermal so hoch wie zuvor. ®
Dr. Kai-Udo Wiedenmann
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:: 9
[er]finden
Boehringer Ingelheim
BLOCKBUSTER
AUS BIBERACH
Der Standort Biberach des Arzneimittelkonzerns
Boehringer Ingelheim
steht mit an der Weltspitze.
Hier werden momentan fünf
der weltweit erfolgreichsten biotechnischen
Arzneimittel hergestellt.
Das beweist einmal mehr:
Die ländliche Lage ist kein Hinderungsgrund
für Innovation und Erfolg.
Die Beschäftigten zählen mit
zu den zufriedensten in der chemischen
Industrie.
Einen nicht geringen Teil ihrer Arbeitszeit
verwenden die Beschäftigten der 2003 eingeweihten
biotechnischen Produktionsanlage
in Biberach mit dem sorgfältigen Anund
Ausziehen ihrer Berufskleidung. Rund
eineinhalb Stunden täglich benötigen sie
allein dafür. Die desinfizierten Spezialanzüge
sind Ganzkörpermodelle, die weder
Haar noch Augen aussparen. Naheliegend,
dass ihr Anblick Assoziationen an einen
Science-Fiction-Film auslöst. Doch anders
als in der Welt des Kinos sind hier die Menschen
die potenziellen Gefährder, nicht irgendwelche
phantastischen Killerzellen.
Schon ein klitzekleines Haar oder die Berührung
mit menschlicher Haut bedeutet
ein höchstes Risiko. Zellkulturen im Dienste
der Pharmaindustrie reagieren nun mal
höchst sensibel auf Verunreinigungen.
So liegen diese Arbeitsplätze in einer
hochaseptischen Welt. Sie befindet sich in
einem siebenstöckigen Gebäude, das nicht
aus ästhetischen, sondern aus reinigungs-
Produktionskapazität verdoppelt: Zellfermentation in der biopharmazeutischen Wirkstoffherstellung.
technischen Gründen ganz aus Stahl und
Glas besteht. Ein Blick in dieses Reich der
zwanghaften Sauberkeit ist folglich lediglich
durch eine Glasscheibe zu erhaschen.
220 Arbeitsplätze sind hier verortet, nicht
einmal sonderlich viele angesichts der
knapp 4.000 Köpfe, die das Unternehmen
allein in Biberach beschäftigt. Aber wegen
des unbedingten Reinheitsgebots in Europas
größter biotechnischer Produktionsanlage
sind die Produktionsprozesse so weit
als möglich vollautomatisiert. Etwa 255
Millionen Euro steckte die Boehringer Ingelheim
Pharma GmbH & Co. KG in den
2003 eingeweihten Komplex – die größte
Summe bislang für ein Einzelprojekt in der
Firmengeschichte. Damit verfügt Boehringer
in Biberach jetzt über zwölf Fermenter
mit einem Fassungsvermögen von je 15.000
Litern. Die Verdopplung der Produktionskapazität
war zum einen Reaktion auf den
rapiden Umsatzanstieg in diesem Bereich,
zum andern kamen neue Präparate hinzu,
darunter ein Medikament zur Therapie des
akuten Herzinfarktes (Metalyse®) und des
Schlaganfalls (Actilyse®).
Es sind solche Investitionen, welche die
oberschwäbische Kreisstadt als eines der
mittlerweile weltweit größten Zentren für
die Entwicklung und Herstellung von Bio -
pharmazeutika ausweisen. 2005 folgte gleich
der nächste Superlativ, als das Marktforschungsinstitut
IMS das Unternehmen
zum weltweit wachstumsstärksten
Arzneimittelhersteller erklärte. Mit dem
Atemwegsmedikament Spiriva verfügt der
Konzern, der weltweit rund 38.000 Mitarbeiter
beschäftigt, erstmals über einen >
10 ::
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[er]finden
Arbeit im Labor: Forschung und Entwicklung
sind für das Familienunternehmen wichtige
Erfolgsfaktoren.
„Blockbuster“, also ein Produkt, das die
Eine-Milliarde-Dollar-Umsatzschwelle
überschritt. In Biberach hergestellt werden
unter anderem das Blutdruckmittel Micardis,
das Herzinfarktmedikament Metalyse
und das Schlaganfallpräparat Actilyse. Außerdem
werden hier Präparate im Auftrag
anderer Unternehmen entwickelt und auch
gefertigt, etwa Betaferon oder das Darmkrebsmedikament
Erbitux.
Erfahrungen mit der Produktion für
Bio pharmazeutika konnte man in Biberach
schon seit 1982 sammeln, als man hier
mit der Forschung und Entwicklung auf
diesem Gebiet anfing, gemeinsam mit dem
US-amerikanischen Biotech-Unternehmen
Genentech. Die erste großtechnische Produktionsanlage
auf Zellkulturbasis ging
1985 in Betrieb. Heute sind von den insgesamt
rund 4000 Mitarbeiten am Standort
1600 mit Biotechnologie befasst.
Eine Produktionskette auf diesem Gebiet
zieht sich über mehrere Monate hin.
In einem ersten Schritt werden ausgewählte
Zellen, beispielsweise von Hamstern,
genetisch so verändert, dass sie einen
gewünschten Wirkstoff, etwa Enzyme,
Rezeptoren oder Antikörper, produzieren.
Diese Zellen werden dann selektiert,
kopiert und anschließend vermehrt (Fermentation).
Aus einer Basis von weniger
als 100 Millilitern wird im Fermenter eine
Menge von besagten 15.000 Litern. Dieser
aufwendige und komplexe Vorgang dauert
sechs bis zwölf Wochen und setzt höchste
Sterilität und Arbeiten in höchster Präzision
voraus. Der Wirkstoff wird danach
gereinigt und schlussendlich zu einem anwendungsfähigen
Arzneimittel, das ebenfalls
unter Reinraumbedingungen abgefüllt
wird. Selbst bei den Glasfläschchen ist
Perfektion gefordert. Sie durchlaufen eine
automatische Aussortieranlage und werden
anschließend noch einmal von zwei
Mitarbeiterinnen mit bloßem Auge auf
feinste Kratzer überprüft. So sollen Reklamationen
selbst der kritischsten Kunden,
und das seien die Japaner, vermieden werden.
Alles vor Ort erledigen zu können, von
der Ideenfindung bis zur Herstellung, hat
sich längst als großer Vorzug erwiesen.
Beim Buhlen um die besten Köpfe ist die
Lage abseits der Metropolregionen Rhein-
Neckar, München und Nürnberg kein
Nachteil. Was an groß- und weltstädtischen
Angeboten im Städtle und im Umland fehlt,
wird durch das familienfreundliche Umfeld
und das gute Forschungsklima im Unternehmen
mehr als wett gemacht. Die Belegschaft
ist international, an die 140 der beschäftigten
Wissenschaftler besitzen einen ausländischen
Pass. Sie ließen sich bis aus den USA
und Australien an die Riss anlocken.
Das Unternehmen
Die Boehringer Ingelheim Pharma
GmbH & Co. KG ist zu 100 Prozent in
Familienbesitz. 1885 von Albert Boehringer
gegründet, erforscht, entwickelt,
produziert und vermarktet das
Unternehmen weltweit Arzneimittel.
Es zählt zu den 20 größten Pharmafirmen.
Zum Verbund gehören 137
Gesellschaften auf allen Kontinenten.
Mit rund 38.000 Beschäftigten wird
ein Umsatz von 10,5 Milliarden Euro
erzielt. Vom Umsatz fließen 15 Prozent
in Forschung und Entwicklung.
In Deutschland gehört Boehringer
Ingelheim zu den zehn größten Unternehmen
der Pharmabranche. Geschäftsbereiche
sind Humanpharma
(Praxis/Klinik, Biopharmazeutika und
Selbstmedikation), Chemikalien, Tiergesundheit
und Mikrosystemtechnik.
In Deutschland ist das Familienunternehmen
mit drei operativen Einheiten
vertreten: in Ingelheim, wo auch die
internationale Unternehmenszentrale
angesiedelt ist, in Biberach und in
Dortmund.
Alles rosig? Nicht ganz. Das Unternehmen
muss höllisch aufpassen, auch in
Zukunft genügend Nachwuchskräfte an
sich binden zu können. Es hat deshalb den
Ausbau der Fachhochschule Biberach um
den Studiengang „Pharmazeutische Biotechnologie“
mit angestoßen und mitfinanziert.
Der Studienbetrieb läuft seit dem
Wintersemester 2006/2007, die derzeit
35 Plätze sollen langfristig auf 200 aufgestockt
werden. Zweckmäßigerweise ist das
Lehrgebäude der Hochschule nur wenige
Gehminuten entfernt.
Die Angeln wurden noch weiter ausgelegt.
Gymnasien in Biberach und Ulm erhielten
Unterstützung bei der Einrichtung
biotechnischer Labors, bei der IHK wurde
der neue Ausbildungsberuf „Produktionsfachkraft
für Biotechnik“ entwickelt. Vielfältige
Kontakte und Kooperationen mit
Universitäten und Forschungseinrichtungen
gehören ebenfalls zu diesem Netzwerk, das
gespannt ist, um den nötigen qualifizierten
Nachwuchs gewinnen zu können.
In den zurückliegenden Jahren bewies
Boehringer Ingelheim eindrucksvoll,
dass auch aus eigener Kraft ein starkes
Wachstum möglich ist. Während in der
Pharma branche gerade die Fusionitis wütet
– Bayer schluckte Schering, Altana gab
seine Medizinsparte an den dänischen Arzneimittelhersteller
Nycomed ab – setzt das
forschungsstarke Familienunternehmen
weiterhin auf Eigenständigkeit und widersetzt
sich damit ein Stück weit dem Gesetz
der Größe. Dies steht in Zusammenhang
mit den beträchtlichen Risiken des Pharmageschäfts,
bei dem Fehlversuche nicht
zu vermeiden sind, dabei jedoch jedes Mal
hohe Kosten auslösen, die nicht selten im
oberen dreistelligen Millionenbereich liegen.
Wessen Portfolio zu klein ist oder wegen
auslaufender Patente gar schrumpft,
kann rasch in eine Schieflage geraten.
Bei allem Erfolgsdruck scheint bei Boehringer
Ingelheim die Motivation der Mitarbeiter
nicht zu leiden, im Gegenteil: Der
Konzern zählt zu den beliebtesten Arbeitgebern
hierzulande, wie die jährlichen
Umfragen des Führungskräfteverbandes
der chemischen Industrie belegen. Auch
dies ein Grund dafür, warum hoch qualifizierte
und weltweit begehrte Wissenschaftler
sich in die schwäbische Provinz locken
lassen.
THOMAS VOGEL
12 ::
Anzeige
SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm
WIE DIE KUNDEN
ENERGIE EINSPAREN
Will mehr Unabhängigkeit von den großen Energiekonzernen:
Matthias Berz, Geschäftsführer
der SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH.
Die Diskussion um die steigenden
Energiepreise haben die SWU
Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm in den
vergangenen Wochen mit einer offensiven
Informationskampagne
begleitet. Mit Anzeigen, die durch
weiterführende Informationen im
Internet ergänzt wurden, beleuchtete
die SWU dieses Thema aus
ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.
„Strom ist in Deutschland sicherlich zu
teuer. Denn die Energieerzeugung wird
von den vier großen Energiekonzernen dominiert,
die damit auch die Großhandelspreise
ein gutes Stück weit vorgeben“, beschreibt
SWU-Geschäftsführer Matthias
Berz die eine Facette des Problems. Steigen
die Einkaufspreise für Energie an, wie das
derzeit der Fall ist, bleibt der SWU nichts
anderes übrig, als sie an ihre Kunden weiterzugeben.
Mehr Unabhängigkeit von den großen
Energiekonzernen könnte helfen, solche
Preisanstiege zumindest zu dämpfen.
Deswegen investiert die SWU in eine Reihe
von Kraftwerksprojekten. In der Region
liegt der Schwerpunkt auf dem Ausbau der
regenerativen Energien, insbesondere von
Wasserkraft und Biomasse. Gleichzeitig investiert
die SWU aber auch in Zukunftstechnologien,
etwa durch das Engagement
für die Ulmer Brennstoffzellenmanufaktur.
„Bei allem Bemühen um den Ausbau
regenerativer Energieerzeugung werden
wir nicht in wenigen Jahren allen Strom
in Deutschland regenerativ erzeugen können.
Deshalb werden wir mittelfristig nicht
ohne die fossilen Energieträger auskommen“,
sagt Berz. Ein Teil der Investitionen
fließt deswegen gleichzeitig auch in moderne
Gas- und Kohlekraftwerke, die künftig
sehr viel effizienter Energie erzeugen, als
das heute noch möglich ist.
Trotz aller Investitionen steht jedoch
fest, dass die Energiepreise auch in Zukunft
weiter steigen werden. Denn Strom
ist gleichzeitig viel zu billig. Die Vorräte an
fossilen Energieträgern schrumpfen und
müssen mit immer höherem Aufwand erschlossen
werden. „Gleichzeitig droht uns
der Klimawandel – ein Problem, das ohne
zusätzliche Investitionen nicht gelöst werden
kann. Investiert aber wird nur, wenn
damit Geld zu verdienen ist. Klimaschutz
gibt es nicht zum Billigtarif“, so Matthias
Berz.
Das sehen inzwischen auch viele Verbraucher
so und sind bereit, dafür auch etwas
mehr zu bezahlen. Die SWU hat ihren
Kunden in der Grundversorgung deswegen
das Angebot gemacht, zum exakt gleichen
Preis auf das neue Produkt „SWU-Strom
natur“ zu wechseln. Damit wird die Lieferung
von Strom aus 100 Prozent regenerativer
Erzeugung garantiert, von dem ein
Großteil aus eigenen Wasserkraftwerken
stammt. Dieses neue Stromangebot können
aber auch kleine Gewerbebetriebe bestellen.
Schon bald wird die SWU auch für
größere Unternehmen ähnliche Angebote
auf den Markt bringen.
„Trotz des Ausbaus der erneuerbaren
Energien müssen wir in Zukunft noch effizienter
mit Energie umgehen, um tatsächlich
etwas gegen den Klimawandel bewirken
zu können. Und das beginnt hier bei
uns vor Ort“. Für Matthias Berz steht deswegen
das Thema Energieberatung weiterhin
ganz oben auf der Agenda. Schon seit
Jahren legt die SWU als Stadtwerk einen
Schwerpunkt auf dieses Thema. Die Energieberater
helfen sowohl einem Privathaushalt
als auch einem Unternehmen, den
Energieverbrauch deutlich zu senken.
Mit der neuen SchwabenEnergieAgentur
hat die SWU dieses Angebot weiter
ausgebaut und externe Energieberater in
ein Netzwerk der Beratung eingebunden.
Mit dem neuen Dienstleistungszentrum in
Ulms Neuer Mitte bringt sie diesen Service
noch näher zum Kunden. „Gemeinsam mit
unseren Kunden leisten wir so viele nachhaltige
Beiträge für eine bessere Umwelt
– und das hier vor Ort “, lautet das Fazit
von Matthias Berz. Gerade diese regionale
Verantwortung ist es, die in seinen Augen
Stadtwerke wie die SWU auszeichnet und
von allen anderen Energieanbietern unterscheidet:
„Wer verantwortungsvoll handelt,
kann das Thema ‚Energie’ nicht mehr
allein nur über den Preis definieren. Dazu
sind die Auswirkungen auf die Umwelt
und das Klima viel zu groß. ®
Infos:
Tipps zur Energieeinsparung gibt es
bei der Energieberatung der SWU:
Tel.: 07 31 / 166 – 1531
Internet: www.swu.de
:: 13
[titelthema]
„Mein Wunsch ist,
dass die Führung
in der Familie bleibt“
Siegfried Weishaupt
14 ::
Interview mit Siegfried Weishaupt
GLÜCK IST,
ETWAS NEUES ZU ENTDECKEN
Als Unternehmer leitet er einen
mittelständischen Betrieb mit fast
3.000 Mitarbeitern, für seine Sammlung
hat er eine Kunsthalle in Ulms
Neuer Mitte gebaut und die Verbundenheit
mit seinem Geburtsort
Schwendi zeigt sich in sozialem Engagement
– der 68-jährige Siegfried
Weishaupt zählt zu den herausragenden
Unternehmer-Persönlichkeiten
im Südwesten. Thomas Zehender,
Siegfried Bauer und Hans-
Jörg Wiedenhaus, sprachen mit
Weishaupt über Erfolgsrezepte, unternehmerische
Pflichten und sein
Verhältnis zur Kunst.
Was sind die Kernpunkte Ihres unternehmerischen
Erfolgs über so lange Zeit?
Ganz vorne steht die Innovationskraft von
der ersten Stunde an bis zum heutigen Tag,
und das verbindet sich bei uns mit dem
Anspruch höchster Zuverlässigkeit. Nicht
umsonst heißt der Slogan von Weishaupt
„Das ist Zuverlässigkeit“.
... das ist nur ein Wort. In welchem Sinne?
Zunächst im technischen Bereich. Hier haben
wir seit mehr als 50 Jahren eine Entwicklung
nach der anderen auf den Markt
gebracht, und zwar niemals vorschnell,
sondern erst nach sorgfältiger Vorbereitung
und ausführlicher Prüfung. Und dies
gilt genauso im kaufmännischen Bereich.
Derzeit erleben wir eine Diskussion über
SÜDWEST PRESSE-Chefredakteur Hans-Jörg Wiedenhaus (li.), Siegfried Bauer und Thomas Zehender.
die Zukunft von Öl und Gas, verbunden
mit harten Preiskämpfen. Der ganze Markt
steht unter erheblichem Druck, verursacht
durch Rückgänge bis zu 30 Prozent. Wir
sind davon auch betroffen im Kleinbrennergeschäft,
machen aber den Rückgang
durch Zuwachs im Großbrennergeschäft,
wo wir Weltmarktführer sind, wieder wett.
Wir halten Kurs und machen nicht jede
Verrücktheit bei der Preisgestaltung mit,
um unbedingt Marktanteile zu gewinnen.
Zurzeit gibt es nichts zu gewinnen.
Sie verfolgen also eine Art „Miele“-
Strategie: Wenn die anderen im Preis
runtergehen, bleiben Sie oben?
Ja, das kann man so sagen. Wir verstehen
uns als Premium-Anbieter und wollen dies
bleiben. Technisch perfekte Produkte wie
die unsrigen haben einfach ihren Preis. So
können wir auch bei unseren neuen Produkten
wie etwa Solarthermie oder Wärmepumpe
nicht die Billigsten sein.
Wie verbindet sich Zuverlässigkeit mit
einer Führungsfigur wie Ihnen als Unternehmer?
Damit hat mein Vater begonnen. Er war
geradezu Ordnungsfanatiker. Ich habe diesen
Geist der Sauberkeit, der Klarheit und
Verlässlichkeit fortgeführt. Mittlerweile
haben ihn die Mitarbeiter verinnerlicht.
Die große Kontinuität in der Führung des
Unternehmens über 25 Jahre hinweg ist
hierfür wohl von großer Wichtigkeit. Dies
zeigt sich auch in einer stabilen Belegschaft
ohne nennenswerte Fluktuation. Weishaupt
fördert dies durch besondere soziale
Leistungen.
>
:: 15
[titelthema]
Zum Beispiel?
Eine Altersversorgung mit außergewöhnlichen
Leistungen. Je nach Betriebszugehörigkeit
erhält ein Mitarbeiter beim Ausscheiden
in den Ruhestand bis zu einigen
Jahresgehältern.
Wie gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern um:
Sind Sie mehr ein Patriarch alter Schule,
oder ein Team-Mensch?
Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.
Aber ich schlage nicht auf den Tisch. Man
muss auf das Fachwissen seiner Mitarbeiter
Bezug nehmen, aber die Entscheidung
liegt am Ende immer bei einem selbst. Typisch
für Weishaupt ist, dass alle Unternehmensbereiche
mit Mitarbeitern besetzt
sind, die eine große Entscheidungsfreiheit
haben und nur mir gegenüber verantwortlich
sind.
Müssen Sie überzeugt
oder überredet werden?
Ich muss überzeugt werden, überreden
lasse ich mich nicht.
Wie schafft man Strukturen für ein Unternehmen,
das im globalen Wettbewerb
bestehen will?
Die Hauptschritte hat bereits mein Vater
unternommen. Er erkannte früh, dass wir
noch näher am Markt sein müssen, und
hat 30 Niederlassungen in Deutschland
aufgebaut. Ich habe die Produktpalette
wesentlich erweitert und die Tochterunternehmen
im Ausland erheblich ausgebaut
auf heute 20.
Haben Sie das ganze Unternehmen
noch permanent im Blick?
Ich denke schon. So erhalte ich beispielsweise
neben vielen anderen Unterlagen
jeden Montag von allen Tochterunternehmen
die wesentlichen Daten, ebenso
einmal pro Monat von unseren Niederlassungen.
Alles in allem analytisch perfekt
aufbereitete Zahlen.
Wie viel Zeit bringen Sie im Jahresdurchschnitt
täglich für das Unternehmen auf?
Mit dem Unternehmen bin ich rund um die
Uhr beschäftigt, ja man kann sagen verheiratet.
Selbst im Urlaub bin ich täglich
mehrfach in Kontakt.
Würden Sie sich als einen typischen
schwäbischen Unternehmer bezeichnen?
Die Festlegung auf einen Typus ist für mich
schwierig zu beantworten. Jedenfalls bin
ich eher ein großzügiger Mensch.
Wie zeigt sich das?
Zum Beispiel gewähren wir zum 75-jährigen
Bestehen des Unternehmens jedem
Mitarbeiter weltweit eine Jubiläumsprämie
von bis zu einem Monatsgehalt. Und
ich habe aus diesem Anlass bis auf Südafrika
sämtliche Tochterfirmen besucht. Es
war schon wohltuend zu erleben, wie die
Mitarbeiter sich über diese Geste – sowohl
des Besuches als auch die Prämie – gefreut
haben.
Haben Sie Führungsprinzipien?
Gradlinigkeit, Offenheit und Zuverlässigkeit.
Gab es bei Weishaupt auch schwierige
Phasen mit Entlassungen?
Es gab schon einige wenige Phasen mit geringen
Umsatz-Dellen, aber wir konnten
uns immer gut behaupten. Entlassungen?
Um Gottes willen, nein! Andererseits haben
wir auch nicht hektisch eingestellt und
können deshalb eine hohe Arbeitsplatzsicherheit
garantieren.
Derzeit erleben wir allerdings einen
starken Umsatzrückgang bei kleinen Ölbrennern,
wie anfangs schon angesprochen.
Eine Folge politischer Entscheidungen von
Bund und Land, die die Verbraucher verunsichern.
Auch die teilweise unsinnige
Förderpolitik macht uns zu schaffen. Der
Energiepolitik fehlt einfach die Stetigkeit.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein kompetent
besetzter, nationaler oder auch internationaler
wissenschaftlicher Beirat zuverlässigere
Antworten zu diesem eminent
wichtigen Thema erarbeiten könnte.
16 ::
Wie reagieren Sie als Unternehmen
auf solche Veränderungen in der Energiepolitik?
Vor über 2 Jahren haben wir entschieden,
uns intensiver mit der Wärmepumpe zu
beschäftigen. In diesem Jahr verkaufen wir
schon die ersten tausend Stück, für den
Anfang sehr beachtlich.
Zudem sind wir seit geraumer Zeit auf
dem Feld der Solarthermie aktiv. Und mit
der Brennwerttechnik sind wir schon seit
über 10 Jahren im Markt, teils mit ganz
wichtigen interessanten Entwicklungen,
mit denen wir die Energie aus der Abwärme
von Öl- und Gasgeräten zu fast 100
Prozent nutzen.
Wie wird Ihr Unternehmen
in zehn Jahren aussehen?
Die Kernkompetenz bei den Bennern werden
wir mit Sicherheit behalten. Wir haben
gerade in eine große Versuchsanlage investiert,
in der Großbrenner für die Industrie
mit Leistungen bis zu 25.000 kW getestet
und weiterentwickelt werden können. Die
Industrie benötigt weltweit solche leistungsstarken
Brenner. Mit Photovoltaik oder Solarenergie
kann man diese Leistungen nie
erreichen. Aber auch bei den erneuerbaren
Energien sind wir mit dabei wie z. B. beim
Verbrennen von Biogas und Bioöl.
Als Familienunternehmer beobachten
Sie eine Welt, in der Konzerne, Investmentbanken
und Pensionsfonds zunehmend
das Sagen haben und immer
mächtiger werden.
Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Ich sehe diese Fehlentwicklung wie etwa
die Fusion von Daimler und Chrysler recht
kritisch. Wir jedenfalls gehen auch weiterhin
unseren eigenen Weg. Grundsätzlich
wollen wir ein Familienunternehmen bleiben.
Hier sind die Entscheidungswege kürzer
und wir sind flexibler. Wachstum um
der Größe willen war nie unser Ziel. Ganz
wichtig ist aber auch der Service, eine weitere
Säule unseres Erfolgs.
Deshalb dürfen Ihre Geräte teurer sein
als bei der Konkurrenz?
Nein, sie müssen sogar teurer sein. Davon
müssen wir unsere Kunden überzeugen,
weil unser Service auch an Heiligabend
und Silvester für sie da ist.
Aber man braucht doch eine bestimmte
Größe, um auf dem Markt bestehen zu
können?
Diese Größe haben wir innerhalb unserer
Branche durchaus. Bei Brennern großer
Leistung erreichen wir hohe Marktanteile
teilweise erheblich über 50 Prozent. Bei
den neuen Entwicklungen natürlich noch
nicht.
Gibt es Strategien für Zukäufe?
Wir sind auf unserem Kerngebiet immer
aus eigener Kraft gewachsen. Hier gab es
nie Zukäufe. Eine andere Frage ist die Erweiterung
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:: 17
[titelthema]
Kompetenz erworben durch Zukauf des
Unternehmens Neuberger in Rothenburg
ob der Tauber.
Wie geht es in Ihrem Unternehmen mit
der Nachfolge weiter, auch im Blick auf
die Verantwortung für die Mitarbeiter?
Eigenverantwortung besonders auf der
Führungsebene ist in einem typischen
Familienunternehmen besonders wichtig.
Das wissen wir und danach handeln wir.
Und die Nachfolge?
Mein Wunsch ist, dass die Führung in der
Familie bleibt.
Das Unternehmerbild in Deutschland
ist derzeit so schlecht wie es selten
zuvor gewesen ist, verursacht durch
gravierende Fehlentscheidungen,
bestimmte Personen, unverdient
horrende Abfindungen und Skandale.
Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Was in der Führung einiger Großunternehmen
in jüngster Zeit passiert ist, halte
ich für katastrophal, wie etwa Skandale
bei VW oder die Korruption bei Siemens.
Auch im Mittelstand agieren teilweise Personen,
die nicht meiner Idealfigur des Unternehmers
entsprechen.
Sehen Sie die Unternehmer in der Pflicht,
mehr für vernünftig bezahlte Arbeitsplätze
zu tun?
Arbeitsplätze entstehen als Folge innovativen
und wirtschaftlich unternehmerischen
Handelns. Unternehmen müssen
rentabel geführt werden. Soziale Verantwortung
liegt darin, dass die entstandenen
Arbeitsplätze gehalten und womöglich
ausgebaut werden können.
Wie groß ist die Gefahr, dass Weishaupt
als mittelständisches Unternehmen gegenüber
den Großkonzernen unter Kostenund
Preisdruck gerät?
Die Mittelständler sind dort erfolgreich,
wo sie Spezialisten und Marktführer sind.
Bei der Brenner-Technik ist das bei Weishaupt
so. Baden-Württemberg ist ein Land
der „hidden champions“, wie Professor
Radermacher sagt.
Ist Weishaupt ein „hidden champion?“
Ich glaube schon.
Wann empfinden Sie Glück?
Wenn man von Glück spricht, dann denkt
man zunächst an den privaten Bereich.
Und hier heißt dies für mich in erster Linie
Geborgenheit in der Familie. Geschäftlich
bedeutet für mich Glück, wenn die getroffenen
Entscheidungen sich als richtig
erweisen. Zusammengefasst: wenn das
Unternehmen sich erfolgreich entwickelt.
Bei der Kunst kommt vielleicht ein anderer
Aspekt dazu: Wenn man etwas Neues
entdeckt.
Was verstehen Sie unter unternehmerischer
Verantwortung? Fühlen Sie sich
in der Pflicht, der Gesellschaft etwas
von Ihrem Erfolg zurückzugeben?
Ja. Das haben schon meine Eltern getan.
Das Unternehmen und die Familien haben
sich gleichermaßen engagiert. Im Schwäbischen
spricht man vom „Gutes tun“. Als
Beispiele nenne ich nur das Altenpflegeheim
in Schwendi, das nicht umsonst den
Namen meiner Mutter Sofie Weishaupt
trägt, die Realschule, die nach meinem Vater
benannt ist, das Ärztehaus in Schwendi
oder in besonderem Maße unsere betriebliche
Altersversorgung. Soziale Verantwortung
ist für unser Unternehmen kein Sonntagsreden-Wort.
Was bedeutet Ihnen Geld?
Unabhängigkeit. Aber zugegeben, vielleicht
verliert man etwas den Bezug dazu,
wenn man nicht wie viele andere jeden Tag
jeden Euro zweimal umdrehen muss.
Jetzt zur Kunst:
Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin gewissermaßen familiär vorbelastet.
Mütterlicherseits gibt es eine besondere
musikalische Veranlagung, unter den
Vorfahren meines Vaters befinden sich
Kunstmaler, wovon einer unter anderem
den Blaubeurer Altar restauriert hat. Die
Initialzündung hat mein Vater ausgelöst,
18 ::
der sich schon während meines Studiums
mit der Hochschule für Gestaltung in Sachen
Produktgestaltung in Verbindung
gesetzt hat. Er hat einen Mitarbeiter des
früh verstorbenen Hans Gugelot – Hans
Sukopp – übernommen, der hier im Haus
alles umgekrempelt hat – von den Vorhängen
bis zu den Möbeln. So ist auch die
Kunst ins Unternehmen und bei mir ins
Haus gekommen.
Was hat bei Ihnen „klick“ gemacht?
Was war das erste Kunstwerk, das Sie
gekauft haben?
In der Galerie von Hans Mayer in Krefeld
habe ich 1967 ein Bild von Josef Albers gesehen,
das mich fasziniert hat. Ein weißes
Quadrat in der Mitte, außen grau verlaufend.
Es war damals leider schon verkauft,
jedoch konnte ich es 15 Jahre später doch
noch erwerben.
Wie finden Sie Kunstwerke? Haben Sie
Scouts oder werden Sie benachrichtigt,
wenn etwas Interessantes auf den Markt
kommt?
Es geht nicht ohne fachkundige Begleitung
aus der Kunstszene. Aber einen festen Beraterstab
wollte ich nie haben. Wohl aber
gab es immer ein freundschaftliches Verhältnis
zu dem Galeristen Hans Mayer,
übrigens ein Ulmer. Er hat zum Beispiel
Andy Warhol nach Schwendi gebracht, wo
er eines seiner typischen Porträts auch von
meinem Vater gemacht hat. Ich habe nie
neue Strömungen aufgespürt oder bin Moden
nachgegangen.
Aber noch mal: Wie sammeln Sie? Die
Palette reicht von Max Bill über Günter
Uecker, bis Pop Art und Andy Warhol.
Zufall, oder gibt es ein Konzept?
Ich sammle nicht nach Konzept, aber nach
meiner eigenen Linie. Und das hat mit Bauhauskünstlern
– wie schon gesagt – begonnen
und baut in erster Linie auf Abstraktion
auf, das Zusammenspiel von Farbe
und Form. Die Entwicklung geht aber weiter.
Wohin sie mich führen wird, werden
wir sehen. Ansätze dazu gibt es aber jetzt
schon in der Eröffnungs ausstellung der
„kunsthalle weishaupt“ in Ulm zu sehen.
Gehen Sie viel auf Ausstellungen
oder Messen?
Viele Kunstmessen interessieren mich nicht
so sehr, aber Basel besuche ich jedes Jahr,
meiner Meinung nach die beste Kunstmesse
der Welt. .
Sind Sie zufrieden mit dem Bau
der Kunsthalle?
Ja sehr. Es war schon ein Risiko, an dieser
Stelle mitten in der Altstadt in Ulm zu bauen.
Zum Glück sind die meisten Leute und
Architektur kritiker, soweit mir bekannt,
begeistert. Das bestärkt mich.
THOMAS ZEHENDER
FOTOS: MATTHIAS KESSLER
:: 19
[titelthema]
Siegfried Weishaupt
„Einsatz für die Gesellschaft und
für die Menschen der Region“
Siegfried Weishaupt wurde am 20. Februar
1939 in Schwendi (Landkreis Biberach)
geboren. Nach dem Maschinenbau-Studium
an der TH Aachen trat
er 1965 als Diplom-Ingenieur in die Firma
seines Vaters Max Weishaupt ein
und war zunächst in Forschung und
Entwicklung tätig.
1972 wurde er in die Geschäftsleitung
berufen und leitete die Firma gemeinsam
mit seinem Vater. Seit dessen Tod
im Jahr 1982 ist Siegfried Weishaupt
alleiniger geschäftsführender Gesellschafter
der Max Weishaupt GmbH.
An dem Familienunternehmen hält er
die Mehrheit, die restlichen Anteile gehören
zwei weiteren Familienstämmen.
Weishaupt ist verheiratet, hat zwei Söhne
und eine Tochter. Er wohnt in Laupheim.
Der Vollversammlung der IHK Ulm gehörte
der Unternehmer 25 Jahre lang
als ehrenamtliches Mitglied an. 1986
wurde er zum Vizepräsidenten gewählt,
von 1993 bis 2003 stand er als Präsident
an der Spitze der IHK Ulm. Bis
heute ist Siegfried Weishaupt einer von
zwei Ehrenpräsidenten der IHK Ulm.
Für seinen jahrzehntelangen Einsatz in
der IHK erhielt er 2005 die Verdienstmedaille
des Landes Baden-Württemberg.
Als einer von drei Gründungsgesellschaftern
rief Siegfried Weishaupt im
Jahr 2003 die private Zeppelin University
in Friedrichshafen mit ins Leben.
Zudem gehört er den Beiräten der Landesbank
Baden-Württemberg und der
Baden-Württembergischen Bank an.
Dem Verein BioRegio Ulm stand Weishaupt
von der Gründung 1997 bis ins
Jahr 2004 vor.
Die Verbundenheit mit Oberschwaben
zeigt sich unter anderem in Weishaupts
Engagement als Präsident des Kuratoriums
der Gesellschaft Oberschwaben
für Geschichte und Kultur e. V. und als
Vorsitzender des Stiftungsvorstands
Stiftung Oberschwaben. Diese hat sich
die wissenschaftliche Erforschung der
Geschichte und Kultur Oberschwabens
zur Aufgabe gemacht.
In Schwendi trägt Weishaupt wesentlich
zur Infrastruktur der 6.300 Einwohner
zählenden Gemeinde bei. An erster
Stelle ist das im Januar 2006 eröffnete
ASB Seniorenzentrum Sofie Weishaupt
zu nennen, das ohne den finanziellen
und persönlichen Einsatz der drei Weishaupt-Familienstämme
nicht möglich
gewesen wäre. Sie übernahmen die
Kosten für den Bauplatz, erhöhten die
Zahl der Pflegeplätze um drei auf 40 für
eine bessere Wirtschaftlichkeit und finanzierten
die sechs Einheiten für das
betreute Wohnen. Zudem finanzierte
die Weishaupt GmbH den Bau eines
Ärztehauses in Schwendi, das eine
Apotheke und mehrere Arztpraxen beherbergt.
1997 eröffnete das bislang einzige
Hotel mit gehobenem Restaurant in
Schwendi, der Oberschwäbische Hof
– ein Projekt, mit dem Siegfried Weishaupt
gastronomisch und architektonisch
Maßstäbe für die Region gesetzt
hat. Aus den 72 Beiträgen des Architekturwettbewerbes
wählte er seinen
Favoriten aus und mit Elmar Reisch
den Küchenchef seines Vertrauens.
Zwar nur auf Anfrage zugänglich, aber
weithin sichtbar ist das Weishaupt-Forum,
das von 1989 bis 1992 auf dem
Firmengelände entstand und als zentrales
Schulungs-, Ausstellungs- und
Sozialgebäude dient. Entworfen hat es
der New Yorker Star-Architekt Richard
Meier. Weil die Formensprache des
Weishaupt-Forums dem Ulmer Stadthaus
auf dem Münsterplatz ähnlich ist,
nennt es der Volksmund den „kleinen
Meier-Bau“.
Auch der Golfclub Reischenhof nahe
Wain kann auf den Schwendier Unternehmer
bauen: Mit einem Darlehen ermöglichte
er den Bau eines repräsentativen
Clubhauses und die Erweiterung
von 18 auf 27 Spielbahnen.
Siegfried Weishaupt führt die Tradition
des gesellschaftlichen Engagements
seiner Eltern fort. So hat sein Vater Max
Weishaupt wesentlich zur Gründung
der nach ihm benannten Realschule in
Schwendi beigetragen. 1960 baute er
in Schwendi ein Kino, das – inzwischen
liebevoll restauriert – als „Kleine Bühne“
ein beliebter Veranstaltungsort ist.
Auch der Erhalt des Pfarrhauses, dem
einst der Abriss drohte, geht auf das
Konto des Firmengründers.
Die große Leidenschaft Siegfried Weishaupts
gehört jedoch der modernen
Kunst der 50er und 60er Jahre. Seine
Sammlung zählt zu den bedeutendsten
des Landes und wurde erstmals im
1999 eröffneten Zentrum für Kunst und
Medientechnologie in Karlsruhe in größerem
Umfang öffentlich gezeigt. Seit
24. November ist die Sammlung Weishaupt
in Ulms Neuer Mitte zu sehen – in
der aus eigener Tasche mit 8,5 Millionen
Euro finanzierten Kunsthalle Weishaupt.
Die künstlerische Leitung hat Siegfried
Weishaupt seiner Tochter Kath rin Weishaupt-Theopold
übertragen.
THOMAS ZEHENDER
20 ::
Das Unternehmen
Eine typisch schwäbische Unternehmensgeschichte
hat ihren Ursprung in
einem Handwerksbetrieb für Schmiedeherde
und Orgelgebläse in der Ortsmitte
von Schwendi. Dort montierte
Max Weishaupt im Jahr 1952 den ersten
Ölbrenner mit dem inzwischen
legendären Namen Monarch. Der Markenname
steht bis heute für neueste
Technik und höchste Qualität.
Öl-, Gas- und Zweistoffbrenner in verschiedenen
Leistungsstufen bilden
nach wie vor den wichtigsten Geschäftsbereich
der Max Weishaupt
GmbH. Durch stetig hohe Investitionen
in Forschung und Entwicklung am
Stammsitz in Schwendi hat sich Weishaupt
weltweit eine führende Stellung
bei der Feuerungstechnik erarbeitet.
Die Haushalts- und Großbrenner des
Unternehmens gelten ebenso wie komplette
Heizsysteme als vorbildlich bei
Energieausbeute und Umweltfreundlichkeit.
Für ihr vorbildliches Produktdesign
wurden die Weishaupt-Geräte
mehrfach ausgezeichnet.
Seit 2002 setzt die Max Weishaupt
GmbH auch auf alternative Energien.
Das Geschäft mit Solartechnik verzeichnet
hohe Zuwachsraten und
macht das Unternehmen weniger abhängig
von der Baukonjunktur.
Querschnitt durch den Weishaupt Monarch-
Brenner WM L-10. Es ist eine komplett
neu entwickelte Generation der legendären
Monarch-Serie.
Jüngstes Geschäftsfeld ist die Wärmepumpentechnik:
Die Weishaupt Luft/Wasser-
Wärmepumpen machen sich die kostenlose
Umgebungsluft als Energiequelle zunutze.
Mit der Neuberger Gebäudeautomation
GmbH & Co KG in Rothenburg/Tauber
ist Weishaupt im Bereich Schaltanlagen
und Gebäudeautomation erfolgreich
auf dem Markt aktiv; Neuberger wurde
1995 vollständig in die Weishaupt-
Gruppe eingegliedert.
Jüngstes Geschäftsfeld der Max Weishaupt
GmbH ist die Wärmepumpentechnik,
mit der Energie aus Luft, Wasser
oder Sole gewonnen wird. Hier sieht
das Unternehmen deutliche Wachstumsmöglichkeiten
für die Zukunft.
Im Jahr 2006 hat die Max Weishaupt
GmbH mit 410 Millionen Euro einen
Umsatzrekord erzielt. Auch für dieses
Jahr wird nochmals eine Umsatzsteigerung
erwartet.
Weishaupt beschäftigt fast 3.000 Mitarbeiter,
davon mehr als 1.000 im Stammwerk
in Schwendi (Landkreis Biberach).
Produziert wird ausschließlich in
Schwendi, Rothenburg/Tauber und im
schweizerischen Sennwald (Kanton St.
Gallen). Ein weltweites Vertriebs- und
Servicenetz mit Tochtergesellschaften,
Niederlassungen und Vertretungen unterstreicht
die führende Marktposition.
Seit der Gründung ist Weishaupt ein
Familienunternehmen geblieben, das
Siegfried Weishaupt als alleiniger geschäftsführender
Gesellschafter in der
zweiten Generation leitet.
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Robert Straub GmbH
MIT BUDGET
AUF DIE ÜBERHOLSPUR
Die Branche der Autovermieter
war bis vor kurzem noch stark
unter Druck: Ein schrumpfender
Markt führte zu einer anhaltenden
Konsolidierung unter den Anbietern.
Doch jede Krise bietet auch
ihre Chancen. Der Biberacher
Unternehmer Robert Straub hat
sie genutzt und seine Firma mit
Geschick binnen weniger Jahre in
die nationale Liga geführt. Gelungen
ist ihm das in gerade einmal
15 Jahren. Ziel ist es, mittelfristig
zum drittgrößten Autovermieter in
Deutschland aufzusteigen.
Der Vater hat’s begonnen, der Sohn rasant
ausgebaut – so lässt sich die Erfolgsgeschichte
der Robert Straub GmbH zusammenfassen.
Deren Wurzeln liegen in Bad
Schussenried, wo Vater Eugen Straub 1954
mit einem Reifenhandel nebst Taxibetrieb
und kleiner Autovermietung begann. Als
1984 der Generationenwechsel anstand,
übernahm der Bruder erstere Sparte, die
beiden anderen, mit damals drei Mietfahrzeugen
inklusive, gingen an Robert Straub,
der sich 1992 ganz auf die Autovermietung
konzentrierte und damit in die Nachbarstadt
Biberach umzog.
Wenig später schon die erste Bewährungsprobe,
als der bis dahin abgezirkelte
Markt der Autoversicherer dereguliert wird
und in Folge die „bis dahin üppigen“ Verdienstspannen
bei den Unfall-Ersatzfahrzeugen
stark zurückgehen. Straub, damals
unterm Dach des CC Raule-Verbunds,
greift 1994 in Ulm und Augsburg zu, wo
Kollegen aufgeben mussten, und wagt so
erstmals den Sprung aus der Stadtgrenze
hinaus. Zwischen 1996 und 2006 war die
Biberacher GmbH dann Lizenznehmer von
Hertz. Sie wuchs so rasant, dass sie zuletzt
größer war als alle weiteren Partner dieses
Verbunds zusammen. Ein anschließendes
Der Markt
Von den 1600 Autovermietungen im
Jahr 1993 sind derzeit noch rund 580
Anbieter auf dem Markt. Tendenz:
weiter abnehmend. Das Gesamtvolumen
beträgt 2,4 Milliarden Euro
(1995). Damit ist Deutschland in diesem
Sektor der größte Markt für Autovermietungen
in Europa. Marktführer
ist Sixt (24 Prozent) vor Europcar (22
Prozent). Auf dem dritten Platz liegt
Avis (16 Prozent), gefolgt von Hertz
(14 Prozent). Mit weitem Abstand
folgt Budget/Straub (4 Prozent).
22 ::
Interim mit National wurde aufgrund
unterschiedlicher Vorstellungen über die
weitere Wachstumsstrategie gelöst, denn
schon seit längerem war die Branche von
einer Pleitewelle erfasst. Dadurch boten
sich reichlich Kaufgelegenheiten. Die Folge:
Von 1600 Autovermietungen im Jahr
1993 sind heute noch etwa 580 Anbieter
übrig. Tendenz: weiter abnehmend.
Um unabhängiger vom Geschäft mit
den Unfallersatzwagen zu werden, womit
Vermietunternehmen heute im Schnitt nur
mehr 11 Prozent ihres Umsatzes erzielen,
setzte Straub auf neue Geschäftsfelder, die
unter dem Dach einer Holding gebündelt
sind. Diese umfasst die Straub Truck and
Trailer GmbH (Sitz in Neu-Ulm; Vermietung
von Trailern sowie Lastern ab zwölf
Tonnen), die Straub Handel GmbH (Handel
von Fahrzeugen) sowie die an Firmenkunden
ausgerichtete Straub Lease and
Finance GmbH.
Wichtigstes Standbein aber ist nach
wie vor das Vermietgeschäft von Pkw >
Robert Straub wurde 1963 im oberschwäbischen
Bad Schussenried geboren.
Der gelernte Kfz-Mechaniker
trimmte nach dem Einstieg in den väterlichen
Betrieb und der Übernahme
der Vermietersparte diesen Bereich
auf einen rasanten Expansionskurs.
Die Robert Straub GmbH, in der die
Aktivitäten mit der Vermietung von
Kfz und leichten Lkw gebündelt ist,
Robert Straub
Das elterliche
Unternehmen auf
Expansionskurs
getrimmt
ist eine von fünf Tochterfirmen, die
unter dem Dach der inhabergeführten
Straub Holding zusammengefasst
sind. Der Unternehmer fungiert in dem
Joint Venture als Vorsitzender der Geschäftsführung
und verantwortet darin
die Ressorts Vertrieb, Marketing und
Netzwerkentwicklung. Der 44-Jährige
ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
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und leichten Lkw, zusammengefasst in der
Budget Autovermietung – Robert Straub
GmbH. Dabei handelt es sich um ein im
September 2007 besiegeltes Joint Venture
mit der Budget Car and Van Rental Auto-
Mobil AG & Co KG, die den Markennamen
Budget sowie ihre 50 Stationen mit
einbrachte. „Das hat optimal gepasst, zeitlich,
von den Tätigkeitsfeldern wie auch
vom Verbreitungsgebiet“, sagt Straub, der
an der GmbH 69 Prozent hält und Vorsitzender
ihrer Geschäftsführung ist.
Der Partner war fast ausschließlich in
der nördlichen Hälfte Deutschlands vertreten
sowie stark an Flughäfen, beides
bis dato weiße Flecken für die Biberacher.
Aktuell umfasst die Flotte etwa 6.500
Pkw sowie 1.000 Lkw bis zwölf Tonnen
Nutzlast, verteilt auf 140 Stationen, womit
im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Umsatz
von etwa 180 Millionen Euro erzielt
wurde.
Dabei soll es längst nicht bleiben, die
Weichen sind auf weitere Expansion gestellt.
Bis 2010 soll das Netz um jährlich
20 auf dann 200 Stationen wachsen, wofür
drei Möglichkeiten offen stehen, die
alle genutzt werden sollen: die Vergabe
von Lizenzen, Zukäufe und die Eröffnung
eigener „Corporate-Stationen“.
Überaus ehrgeizig erscheint das Ziel, mittelfristig
zum drittgrößten nationalen Autovermieter
aufzusteigen. Diesen Rang
nimmt derzeit Avis mit einem Marktanteil
von 16 Prozent ein, gefolgt von Hertz (14
Prozent) und Budget/Straub mit weitem
Abstand von vier Prozent. Marktführer ist
Sixt (24 Prozent) vor Europcar (22 Prozent).
Der zwischen 2000 und 2005 um rund
zehn Prozent geschrumpfte Markt für
Kfz-Vermietungen weise seit 2006 wieder
jährliche Steigerungsraten von fünf Prozent
aus, benennt Straub die Marktdaten.
Gleichzeitig werde die Zahl der kleineren,
auf Regionen oder gar nur auf einzelne
Städte beschränkte Anbieter weiter zurückgehen.
Die jetzige Größe biete die beste Voraussetzung,
um den deutschen Autovermietermarkt,
mit einem Marktvolumen
2005 von 2,4 Milliarden Euro immerhin
der größte in Europa, das nach den USA
wiederum zweitgrößter Markt weltweit
ist, erobern zu können. Dabei setzt Straub
auf mehrere Faktoren: Stark auf den Fak-
Unter dem Markennamen Budget will Robert Straub den Markt der Autovermieter aufmischen
und das Unternehmen als drittgrößten Anbieter auf dem deutschen Markt etablieren.
tor „Synergien“ und die internationale
Anbindung durch den Verbund mit Budget,
die wiederum weltweit die Nummer
drei ist und 230.000 Fahrzeuge laufen hat.
Dazu auf den Trend, dass Firmen eigene
Fahrzeugparks zunehmend durch gemietete
Flotten ersetzen. Auf Firmenkunden entfallen
auf dem deutschen Vermieter-Markt
derzeit immerhin 53 Prozent des Geschäfts.
Hinzu kommt jedoch eine schwäbisch-mittelständlerische
Komponente.
Alle großen Mitbewerber außer der
börsennotierten Sixt AG gehörten mittlerweile
Finanzinvestoren. Von denen hält
Straub nicht allzu viel, wie er im Gespräch
durchblicken lässt. Denn diese neigten zu
kurzfristigen Strategien, „hübschten“ ihre
Töchter ohne Rücksicht auf die gewachsene
Firmenkultur auf, um sie dann möglichst
schnell und gewinnbringend an der
Börse versilbern zu können.
Dem hält Straub die Tugend der Beharrlichkeit
und den Geist gediegenen
Unternehmertums entgegen: „Wir sind
berechenbar, bei uns wechselt nicht alle
paar Monate der Geschäftsführer.“ Nur
in einem Punkt sieht der 44-Jährige eine
schwäbische Prägung als Handicap. Das
2006 gegründete Service-Center, das den
kompletten Kundenservice abwickelt, wurde
bewusst in Rostock angesiedelt. Dies hat
nicht nur mit den niedrigeren Ost-Löhnen
zu tun, sondern auch sprachliche Gründe:
„Kunda auf Schwäbisch aaschwätza, dess
got oifach itt.“
THOMAS VOGEL
Die Geschäftsfelder
Die verschiedenen Geschäftsfelder
von Straub sind unter dem Dach einer
Holding gebündelt. Diese umfasst die
Straub Truck and Trailer GmbH (Sitz
in Neu-Ulm; Vermietung von Trailern
sowie Lastern ab zwölf Tonnen), die
Straub Handel GmbH (Handel mit
Fahrzeugen) sowie die an Firmenkunden
ausgerichtete Straub Lease and
Finance GmbH. Das Vermietgeschäft
von Pkw und leichten Lkw, nach wie
vor wichtigstes Standbein, ist in der
Budget Autovermietung – Robert
Straub GmbH zusammengefasst.
24 ::
100 Jahre Nutzfahrzeugbau in der Region
DAS FAST VERGESSENE
JUBILÄUM
Den Lastwagen hat Gottlieb Daimler
1896 erfunden und schon ein
Jahr zuvor Carl Benz den ersten
motorisierten Omnibus. Als der Ulmer
Fahrzeugbauer Karl Kässbohrer
vor genau 100 Jahren sein erstes
kombiniertes Fahrzeug baute,
legte er nicht nur den Grundstein
für einen bedeutenden Industriezweig,
der in Ulm und der Region
mehreren Generationen Brot und
Arbeit gab oder immer noch gibt:
Er sorgte für grundsätzliche Verbesserungen
im Nutzfahrzeugbau.
Zu der Zeit, als der junge Wagnermeister
Karl Kässbohrer seine Werkstatt in Ulm
eröffnete – es war das Jahr 1893 – wurden
die meisten Fahrzeuge von „Hafermo-
toren“ – Zugpferden also – gezogen. Kässbohrer
fertigte Kutschen und Jagdwagen,
ja sogar Pferdeomnibusse in offener Bauweise,
die bis zu 18 Sitzplätze hatten. Sie
wurden vor allem für Stadtrundfahrten
und erste touristische Besichtigungstouren
eingesetzt.
Ein anderes geschätztes Kässbohrer-Produkt
war die um 1900 gebaute Überland-
Pferdekutsche für die Königlich Württembergische
Post mit einem Erster- und
Zweiter-Klasse-Abteil. In diesen neuartigen
Fahrzeugvarianten zeigte sich schon
der Geschäftssinn des Wagnermeisters,
der sich am Machbaren und am Gefragten
orientierte. Ihm ist es auch zu verdanken,
dass die Stunde des Nutzfahrzeugbaus bereits
1907 in Ulm geschlagen hat. Ein Jubiläum,
das fast vergessen ist. Dabei hatte
dieser Zweig der Automobilindustrie
so großen Einfluss auf die wirtschaftliche
Entwicklung Ulms, das sich nach dem >
Karl Kässbohrer (1864–1922):
Firmengründer, Fahrzeugbauer
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26 ::
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3 C, hatte Kardanantrieb und einen 40 PS
starken Magirus-Vierzylinder-Motor des
Typs V 110, mit dem er eine Geschwindigkeit
von 25 km/h erreichte.
Viele Jahre später folgte schließlich der
dritte, über die Grenzen Deutschlands hinaus
renommierte Nutzfahrzeughersteller
in Ulm. Franz Xaver Kögel gründete im
Mai 1934 eine Wagnerei für Karosseriebau
in Neu-Ulm. 1937 kam Kögel dann nach
Ulm, wo sich die damals kleine Firma in
der Blaubeurer Straße niederließ. Nach >
Vom kombinierten Lieferwagen zum modernen Reisebus.
Ersten Weltkrieg zum industriellen Zentrum
entwickelte.
Mit seinem kombinierten Lieferwagen
für den Brauereigasthof „Kalte Herberge“
in Klingenstein (heute Ortsteil der Stadt
Blaustein) schuf Kässbohrer sein erstes
Nutzfahrzeug. Es war auf einem Saurer-
Fahrgestell aufgebaut und hatte einen
pritschenähnlichen Aufbau mit Segeltuch-
Verdeck. Unter der Woche diente es zum
Transport von Bierfässern, und sonntags
fand es als Ausflugsbus Verwendung. Der
Ladeboden dieses Kombifahrzeugs war
längs geteilt. Aus dem Hohlraum zwischen
Pritschenboden und Fahrgestellrahmen ließen
sich gepolsterte Sitzbänke und Lehnen
hervorklappen. Das Kässbohrer-Automobil
hatte schon damals Eigenschaften, die
dem Marktsegment entsprechen, in dem
Setra auch heute noch Marktführer ist: bei
multifunktionalen Kombibussen, die für
den Linien- und Gelegenheitsverkehr eingesetzt
werden.
Diese für den Fahrzeugbau wegweisende
Entwicklung setzte auch in der Region
Ulm ein deutliches Zeichen für die
noch junge Automobilindustrie. 1916 begann
die Feuerwehr Requisitenfabrik C. D.
Magirus AG auf Anordnung der Reichsheeresverwaltung
in Berlin mit der Entwicklung
und Fertigung eines so genannten
„Regel lastwagens“, der drei bis vier
Tonnen Nutzlast haben, über mindestens
40 PS verfügen und eine Geschwindigkeit
von 30 km/h erreichen musste. Der erste
Magirus Lastwagen trug die Bezeichnung
Vorläufer des
heutigen
Fahrerhauses
Der kombinierte Lastwagen von Kässbohrer
– wochentags wurden Bierfässer
transportiert, sonntags Ausflügler
– hatte als Novum ein Segeltuch-Verdeck,
unter dem Chauffeur und Beifahrer
einigermaßen geschützt und
von oben trocken saßen. Dieses
Fahrzeugkonzept wurde schließlich
1910 patentiert. Zuvor hatten die
Fahrzeuge nur einen Kutschbock,
ohne jeden Schutz.
Die Brummi-Fahrer, die heute in
höchst komfortablen Fahrerhäusern
sitzen, sollten Karl Kässbohrer für
diese Erfindung dankbar sein, denn
sein Segeltuch-Verdeck war der Vorläufer
des Fahrerhauses bei Lastwagen.
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:: 27
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dem letzten Krieg arbeitet Kögel eng mit
Magirus-Deutz zusammen und baute seine
Fabrik im Donautal auf. Später entwickelte
sich Kögel neben Kässbohrer zum namhaften
Anbieter für Anhänger und Aufbauten.
Ulm war zu einem Zentrum des deutschen
Nutzfahrzeugbaus geworden.
1911, vier Jahre nach seinem ersten
motorisierten Fahrzeug, erkannte Kässbohrer
die Bedeutung des Fahrzeugbaus
für die voranschreitende Industrialisierung
des Landes. So baute er den ersten Linienomnibus
mit 18 Sitz- und Stehplätzen, der
auf der Strecke Wiblingen – Ulm eingesetzt
wurde.
Nur wenig mehr als ein Jahr benötigte
Kässbohrer nach dem Krieg, um den Omnibusbau
ein weiteres Mal zu revolutionieren:
Im Frühjahr 1950 fiel die Entscheidung, einen
Bus in selbsttragender Bauweise zu entwickeln.
1951, während der ersten IAA der
Nachkriegszeit, stellte das Unternehmen
den Setra S 8 offiziell vor.
Gründe, neue Wege zu beschreiten, gab
es viele. Doch es gehörten Weitsicht und
Risikobereitschaft dazu, diesen Schritt
zu wagen. „Viele wohlmeinende Freunde
haben uns damals in bester Absicht gewarnt“,
schreibt Otto Kässbohrer später.
„Ein Automobil zu bauen sei für uns Außenseiter
schwierig. Das könnte sehr leicht
ins Auge gehen! Und was viele zunächst als
Unterwegs mit dem Stralis von Iveco.
einmaliges Experiment angesehen hatten,
geriet zum Wendepunkt für den gesamten
Omnibusbau“, so Otto Kässbohrer in seinen
Erinnerungen weiter.
Mit dem selbsttragenden Gerippe des
Setra aus verschweißten Vierkantrohren
schlug Kässbohrer gleich mehrere Fliegen
mit einer Klappe: Da die Karosserie nicht
mehr an jedes einzelne Fahrgestell angepasst
werden musste, ließen sich Omnibusse
nun in Großserie herstellen. Die mit
Diagonalstreben versteifte Gerippekonstruktion
war stabiler als ein bisheriger
Busaufbau. Das geringe Gewicht kam
Nutzlast, Fahrleistung und Verbrauch zugute.
Der Omnibus war für seine Zeit eine
technische Sensation und führte ob seiner
vielen konstruktiven Finessen zu großem
Staunen in der Omnibusbranche.
Als der Gesetzgeber in der noch jungen
Bundesrepublik Deutschland die Zulassung
von Omnibusanhängern verbot, brachte
dies für Kässbohrer den Verlust eines beachtlichen
Produktsegments und stellte
gleichzeitig eine neue Herausforderung für
den Omnibusbau dar. Die Verkehrsbetriebe
drängten auf eine Alternative, denn ihnen
fehlten plötzlich Großraumfahrzeuge
für die Bewältigung ihrer wachsenden Aufgaben.
So kam es zur Entwicklung des Gelenkbusses,
der damals noch völlig unbekannt
war.
Setra
Mit der Entwicklung des selbsttragenden
Gerippes (Setra) revolutionierte
Kässbohrer den Omnibusbau:
Durch diese Technik ließen sich die
Fahrzeuge jetzt in Großserie herstellen.
Die neue Konstruktion war stabiler
als bisherige Busaufbauten.
Die Vorteile, die sich schon beim Setra
S 8 zeigten: mehr Nutzlast, bessere
Fahrleistung und geringerer Verbrauch.
Ganze fünf Tonnen brachte
der erste Setra auf die Waage, bei
einer Zuladung von maximal 3,7 Tonnen.
Er verbrauchte auf 100 Kilometer
Überlandstrecke 19 l Kraftstoff und
schaffte im ersten Gang Steigungen
von dreißig Prozent. Der Radstand
betrug 5 m, der Wendekreis 17,5 m.
Eine günstige Gewichtsverteilung
dank Heckmotor führte zusammen
mit einer sorgfältig abgestimmten
Federung zu außerordentlich guten
Fahreigenschaften.
Der erste Gelenkbus Europas war somit
ein Kässbohrer. Ein zweiachsiger MAN-
Motorwagen des Typs MKN 26 und ein eigen
entwickelter zweiachsiger Nachläufer
bildeten das Fahrzeugkonzept dieses Vaters
aller Gelenkbusse, der mit einer Doppeltür
im Vorderteil, einer zweiten hinter
dem Faltenbalg und einer dritten hinter
der dritten Achse ausgestattet war.
In den exakt 50 Jahren, die nach der
Präsentation des ersten Setra S 8 vergingen,
brachte das Ulmer Traditionsunternehmen
insgesamt fünf Omnibusbaureihen hervor.
Das Durchschnittsalter einer Baureihe von
rund zehn Jahren ist leicht ersichtlich. Die
erste Baureihe wurde bis 1967 gefertigt.
Im Jahr 1967 folgte die Baureihe 100 und
1976 die Baureihe 200.
Im Jahr 1991 wurde die Baureihe 300
präsentiert und im Jubiläumsjahr 2001
(50 Jahre Setra) hatte die TopClass 400
Premiere. Deren Erweiterung durch die
Reisebusse der ComfortClass 400 erfolgte
im Jahr 2004. Im September 2005 folgten
schließlich die neuen Überlandlinienbusse
der MultiClass 400 und im IAA-Jahr 2006
deren Niederflurtyp S 415 NF.
DIETER MUTARD
28 ::
Cluster Nutzfahrzeuge
GEMEINSAME FAHRT IN DIE ZUKUNFT
Die Region Ulm/Neu-Ulm ist im bundesweiten
Vergleich der Nutzfahrzeugstandort
Nummer eins, denn hier findet sich die
höchste Konzentration an Nutzfahrzeugherstellern.
Allein die Großen der Branche
beschäftigen in der Region rund 10.000
Mitarbeiter.
Nach den Angaben der Prognos-AG,
die im Auftrag der „Innovationsregion
Ulm – Spitze im Süden e.V.“ eine Clusteranalyse
durchgeführt hat, liegt der Beschäftigtenanteil
der Nutzfahrzeugbranche
bei 4,7 Prozent. Im Bundesvergleich ist
das deutlich mehr: Dort liegt der Beschäftigtenanteil
bei 3,3 Prozent.
Mit dem im September gegründeten
Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben (CNS)
– ihm gehören die sechs großen Hersteller
EvoBus GmbH, IVECO Magirus AG,
Kässbohrer Geländefahrzeug AG, Kögel
Fahrzeugwerke GmbH, Liebherr-Werk
Ehingen GmbH und Airbus Deutschland
GmbH sowie über 20 Zulieferer- und
Dienstleistungsunternehmen der Branche
an – die vorhandenen Unternehmen untereinander
zu vernetzen und den Austausch
mit Wissenschaft und Forschungseinrichtungen
zu suchen.
Einen der Vorteile des Clusters sieht die
IHK Ulm darin, dass die Nutzfahrzeughersteller
verschiedene Marktsegmente abdecken
und keine unmittelbaren Wettbewerber
sind. Positiv sei auch, dass auf Seiten
der Wissenschaft die Hochschullandschaft
Eine starke Region: Lkw-Produktion bei Iveco.
sehr gut aufgestellt ist. Insbesondere das
neue Automotive Center der Hochschule
Ulm könne eine tragende Rolle übernehmen.
Durch die gemeinsame Bearbeitung
zukunftsorientierter Projekte sollen dauerhafte
Wettbewerbsvorteile für die Beteiligten,
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Ausschreibungen im Bereich Investitionen und
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bis hin zum Abschluss
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Auffassungsgabe sowie selbstsicheres Auftreten und
Durchsetzungsvermögen mit ausgeprägter Bereitschaft
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Aufgabenbeschreibung:
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Einkaufssachgebietes im Nfz-Ersatzteile und After Sales
Vertreten der Ersatzteil/After-Sales Anforderungen
bereits in frühen Phasen von Neuprodukt-Projekten
am Standort Burtenbach
Abschluss von Verträgen und Rahmenverträgen bzw.
Gestaltung der Verträge in Abstimmung mit dem Bereich
Zentraleinkauf:
- Mitwirken bei der Weiterentwicklung von Methoden
und Einkaufsprozessen sowie Erarbeitung von
Lieferanten- und Materialgruppenstrategien
- Einholen von Angeboten, Prüfen, Vergleichen und
Bewerten der Unterlagen und Vorbereiten von Entscheidungsunterlagen
- Vorbereiten und Führen von Lieferanten-Verhandlungen
nach definierten Zielen bzw. gemeinsam mit
Materialgruppeneinkäufern im Bereich Serie
- Festlegen von Lieferanten in Abstimmung mit interdisziplinären
Projektteams
Voraussetzungen:
Abgeschlossenes Studium (Wirtschaftsingenieurwesen)
oder Fachwirt Einkauf/ Materialwesen
Mehrjährige Berufserfahrung, idealerweise im Ersatzteil-Einkauf
Reisebereitschaft, Engagement und Flexibilität,
ausgeprägte Auffassungsgabe sowie selbstsicheres
Auftreten und Durchsetzungsvermögen mit ausgeprägter
Bereitschaft zur interdisziplinären Teamarbeit
Fremdsprachen: Englisch verhandlungssicher
Sicherer Umgang mit den gängigen MS-Office-
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Aufgabenbeschreibung:
Erteilung von Fahrzeugfreigaben
Verwaltung der Fahrzeugbriefe
Einholung und Verwaltung von Bankauskünften
Unterstützung bei der Liquiditätsplanung
Verantwortung von Teilprojekten
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Voraussetzungen:
Erfolgreich abgeschlossene Bankausbildung
Erfahrungen im Leasingbereich von Vorteil
Englisch in Wort und Schrift
Versierter Umgang mit den gängigen MS-Office-
Programmen
Kommunikationsstärke und Verhandlungssicherheit
Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein
und Teamfähigkeit
Sachbearbeiter(in)
Bilanzen & Steuern
Aufgabenbeschreibung:
Mitarbeiten bei der Durchführung von monatlichen
und jährlichen Abstimmaufgaben
Mitarbeiten bei der Abstimmung der Umsatzsteuer
und der Erstellung der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen
und Umsatzsteuererklärungen
Mitarbeiten bei der Erstellung der Steuerbilanz
Mitarbeiten bei der Erstellung des Antrags auf Vergütung
der ausl. Umsatzsteuer
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Voraussetzungen:
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Dipl. Finanzwirt(in) oder Fachkraft aus Steuerkanzlei
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[führen]
Branche boomt: Das Beispiel Kögel Fahrzeugwerke GmbH
50 PROZENT MEHR UMSATZ
Der MAXX ist eine von drei Marken von Kögel.
Die Kögel Fahrzeugwerke GmbH in Burtenbach hat die Anhänger-Produktion deutlich erweitert.
Die Nutzfahrzeugsbranche boomt. Das
macht sich auch bei den Unternehmen in
der Region positiv bemerkbar: So legte
beispielsweise die Kögel Fahrzeugwerke
GmbH im 1. Halbjahr 2007 gegenüber
dem Vorjahreszeitraum sowohl beim
Umsatz wie auch beim Auftragseingang
deutlich zu. Nach den Angaben des Unternehmens
erhöhte sich der Auftragseingang
von Januar bis Ende Juni (kumuliert)
um mehr als 165 Prozent gegenüber dem
Vergleichszeitraum 2006. Mit rund 1000
Beschäftigten im In- und Ausland erwirtschaftete
Kögel im Vorjahr einen Umsatz
von über 275 Mio. Euro.
Zufrieden zeigt sich daher Alexander
Tietje, Vorsitzender der Geschäftsführung:
„Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt,
derzeit haben wir mehr als 15.000 Fahrzeuge
im Auftragsbestand“. Der Umsatz in
den beiden ersten Quartalen legte nach seinen
Angaben um mehr als 50 Prozent zu.
Er werde zum Jahresende die Marke von
400 Millionen Euro deutlich überschreiten.
Diese „überaus positive Entwicklung“
führt Tietje teilweise auf die gute Entwicklung
der Transportbranche insgesamt
zurück: „Besonders stark profitieren wir
jedoch von den Marktanteilszuwächsen
in den Exportmärkten.“ Vor allem in den
neuen EU-Staaten und in Russland konnte
Kögel im 1. Halbjahr 2007 seine Position
weiter ausbauen.
Dank erheblicher Investitionen steigerte
Kögel die Produktion von Sattelaufliegern
und Anhängern auf derzeit 90 Einheiten
pro Tag. „Die Standorte Burtenbach in
Bayern und Chozen in der Tschechischen
Republik werden in diesem Jahr gemeinsam
20.000 Fahrzeuge produzieren“, teilt
das Unternehmen mit. 2006 wurden rund
12.000 Fahrzeuge produziert, von denen
über zwei Drittel ins europäische Ausland
geliefert wurden. Für 2008 seien weitere
Investitionen in die bestehende Produktion,
aber auch in zusätzliche Fertigungsstandorte
geplant. Dadurch steigt die
Produktionskapazität auf deutlich über
30.000 Einheiten jährlich.
Kögel unterteilt seine Produkte in drei
unterschiedliche Marken: in die Hauptmarke
Kögel MAXX, in Kögel foxx und
Kögel Phoenixx. Die letztere Marke gilt als
Premium-Marke. Hier wird beispielsweise
der Kohlefaserverbundwerkstoff Carbon
verwendet.
Neben den beiden Produktionsstandorten
betreibt Kögel, das seinen Hauptsitz
in Burtenbach (Landkreis Günzburg) hat,
einen zentralen After-Sales-Bereich am
Standort Ulm. ®
32 ::
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Mercedes-Benz Ulm/Neu-Ulm. Das modernste Autohaus der Region mit einer starken Performance.
Mercedes-Benz Ulm/Neu-Ulm
www.mercedes-benz-erleben.de
Unter dem Motto „Mercedes-Benz erleben“
steht der Auftritt des Mercedes-Benz
Niederlassungsverbundes Ulm/Schwäbisch
Gmünd. Den Kunden des Hauses die Marke
Mercedes-Benz erlebbar zu machen ist der
Anspruch des Direktors des Niederlassungsverbundes,
Manfred Hommel.
Der Mythos der Marke und die Faszination
Oldtimer waren der Antrieb für das Projekt
„Donau-Masters Ulm Budapest“, deren Ziel
es ist, die Wirtschaft und die Kultur im
Donauraum zu fördern. Über 80 Oldtimer
fahren auch im kommenden Jahr entlang der
Donau von Ulm nach Budapest. Außerdem
unterstützen alle Teilnehmer und Sponsoren
die SOS-Kinderdörfer in den Ländern entlang
der Donau. Mercedes-Benz ist als Hauptsponsor
zugleich Organisator dieser Tour.
Mit zahlreichen Events hat sich Mercedes-
Benz in der Region nachhaltig in Erinnerung
gebracht. So erlebten 250 geladene Gäste
jüngst eine Veranstaltung der ganz besonderen
Art: ein Rendezvous der besonderen Klasse:
die exklusive Premiere des neuen CL-Coupes
auf der Landesgartenschau in Heidenheim.
In außergewöhnlichem Ambiente hatte
der Mercedes-Benz Niederlassungsverbund
Ulm/Schwäbisch Gmünd zu einem abendlichen
Spaziergang über das Gelände der
Landesgartenschau in Heidenheim eingeladen.
Die Wege zu den einzelnen Stationen des
Abends waren feierlich mit Fackeln, Schwedenfeuern
und Kerzen illuminiert. Neben
der eigentlichen Präsentation der neuen
CL-Klasse fand der Vortrag des bekannten
Design-Beraters und Fahrzeug-Analysten
Professor Czerwinski großen Anklang.
Eine Artistik- und Feuershow begleitete die
Gäste zur letzten Station, einer Kaffee- und
Zigarrenlounge. Als Hauptsponsor der
Landesgartenschau war die Niederlassung
über 5 Monate in Heidenheim präsent:
In einem eigens für diese Gartenschau konzipierten
Pavillon präsentierte Mercedes-Benz
den rund 1 Million Besuchern unter dem
Motto „Mercedes-Benz erleben“ die Themen
Mensch, Mobilität und Umwelt. So wurden
im Innen- und Außenbereich des Pavillons
Informationen und Exponate zu folgenden
Inhalten dargestellt: Familie und Freizeit,
Historie und Rennsport, Visionen und Forschung
und More Mobility.
Auch die Präsentation der CLS-Klasse im
September 2004 unter dem Motto „Eine
Nacht der Verführung“ war in ihrer Art
einzigartig. Aus dichtem Nebel auf einem See
in der Friedrichsau Ulm tauchte das neue
Modell begleitet von venezianischen Gondeln
auf. Anschließend ließen sich die Gäste im
LAGO von kulinarischen Genüssen verführen.
Eine Parfümerie, eine Chocolaterie und eine
Zigarrenlounge sorgten dafür, dass auch alle
weiteren Sinne ihren Ansprüchen gerecht
wurden.
Im Jahr darauf war der Zeppelinhangar in
Friedrichshafen Schauplatz der Präsentation
der neuen S-Klasse. Das Motto „Die Kunst
des Aufstiegs“ war in dieser einzigartigen
Location allgegenwärtig, stand doch ein
Zeppelin in Originalgröße in derselben
Halle, in der auch die gesamte Historie der
S-Klasse zu sehen war. Der Höhepunkt des
Der Mythos lebt: Bei den Donau Masters
und in der neuen CL-Klasse.
Abends war die neue S-Klasse, die an einem
Hubschrauber hängend vor den Augen der
Gäste eingeflogen wurde.
Durch die neue PKW Niederlassung in der
Von-Liebig-Straße präsentiert sich Mercedes-
Benz in Ulm/Neu-Ulm nun mit dem modernsten
Autohaus der Region. Das neue Haus soll
in Zukunft nicht nur ein Ort für exklusive
Veranstaltungen sein, sondern auch für die
breite Öffentlichkeit. Mehrere Familien- und
Öffentlichkeitstage in den letzten Monaten
fanden in der Bevölkerung sehr großen
Anklang. Kultur- und Kunstveranstaltungen
sind in der Zukunft geplant.
:: 33
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[gut zu wissen]
Eine starke Region
INNOVATIONSMOTOR
WIRTSCHAFT
Zwischen Stuttgart und München,
zwischen Würzburg und St. Gallen.
Der Alb-Donau-Kreis mit der Stadt Ulm
liegt mitten im herrlichen Süden, in strategisch
günstiger Lage zu den Metropolen
und geografisch eingebettet in eine wundervolle
Landschaft. Manchmal braucht
und finden ihre ehrwürdige Fortsetzung
in der Dynamik der Wirtschaft, die dieses
Land heute in eine herausragende Position
gehoben hat.
Es sind die Unternehmer, die mit einem
festen Glauben an ihr Können und einem bewundernswerten
Maß an Risikobereitschaft
eine ausgezeichnete Arbeitsmarktsituation
verfügt und sich aus innerer Kraft heraus zu
einer attraktiven, echten Zukunftsregion
aufgestellt hat. Wir sind auf einem guten
Weg und werden ihn gemeinsam mit den
Menschen und Unternehmen konsequent
weiter verfolgen. Als seriöser Finanzpartner,
Am Puls der Zeit. Gut, wenn man in einer innovativen Region lebt.
es einen Perspektivwechsel, um die eigenen
Standpunkte neu erleben zu können. Um
eigene Vorzüge wieder zu entdecken und
die Einmaligkeit dieser Region, der Kultur
und Mentalität mit dem offenen Blick
von Außen aufs Neue erfahren zu können.
Generationen innovativer Menschen und
Unternehmerpersönlichkeiten haben diese
Region über Jahrhunderte hinweg geprägt
Arbeitsplätze schaffen und für die Qualifizierung
der Mitarbeiter und Nachwuchskräfte
sorgen. Es ist das beispielhafte Zusammenspiel
zwischen den Bildungseinrichtungen
und der Wirtschaft, das von klugen Menschen
in weiser Voraussicht vor vielen Jahren
auf den Weg gebracht und sich zu einer
fruchtbaren Symbiose weiterentwickelt hat.
Deutschland blickt auf diese Region, die über
der seine Kunden durch alle Auf und Abs
begleitet. Als aufmerksames Mitglied dieser
Gesellschaft, das Herausforderungen offensiv
angeht und sinnvolle Visionen in kompetenten
Kooperationen auf den Weg bringt.
Gemeinsam. Gut.
Podcast www.sparkasse-ulm.de
34 ::
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[gut zu wissen]
Neugierige Kinder sind die Forscher von morgen
IN BILDUNG INVESTIEREN
Warum können Bienen fliegen und
Computer denken? Das war der Titel
einer Fernsehsendung, die im Frühjahr
dieses Jahres in der Sparkasse Neue Mitte
aufgezeichnet wurde. Wissenschaftler, Unternehmer
und Pädagogen diskutierten in
der TV-Reihe Gespräch im Studio. Aus der
Kleinen am Experimentieren und Ausprobieren
zu fördern. Denn neugierige Kinder sind
die Forscher von morgen und erarbeiten die
Grundlagen für Entwicklungen und Innovationen
in der Wirtschaft.
In der Wuselvilla in Ulm dürfen die Kinder
mit Forscherpaketen, die regionale Firmen
zeichnet hochkultivierte Gesellschaften aus
und ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen
Erfolg und Wohlstand. Mehr denn je
muss heute in die Qualifizierung junger Menschen
investiert werden, um der Wirtschaft
leistungsstarke Mitarbeiter bereitzustellen
und im globalen Wettbewerb die Nase vorne
Es ist gut, den Forschergeist bei jungen Menschen zu wecken. Denn neugierige Kinder sind die Forscher von morgen.
Sparkasse Neue Mitte über den Wert von
Bildung für die Zukunftsfähigkeit unserer
Gesellschaft. Dabei stellten Werner Kress,
ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Gardena
AG, Professor Frank Lehmann von der
Uni Ulm und Hermann Schleicher-Rövenstrunck
von der Kindertagesstätte Wusel villa
in Ulm fest: Forschergeist wird in jungen
Jahren geweckt und es ist gut, die Freude der
zur Verfügung stellen, naturwissenschaftlichen
Phänomenen hinterherspüren und
im eigenen Forschungslabor Experimente
durchführen. Die Hochschulen veranstalten
Tage der offenen Tür für interessierte Besucher,
die einen Einblick in die Welt der Wissenschaft
erleben möchten. Gut, wenn viele
Aktionen dazu beitragen, den Wissensdurst
junger Menschen zu fördern. Denn Bildung
zu haben. Eine Aufgabe, die die Sparkasse
Ulm zusammen mit Unternehmen, Verbänden
und Kommunen in vielfältigen Maßnahmen
gerne wahrnimmt und unterstützt.
Podcast www.sparkasse-ulm.de
:: 35
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[gut zu wissen]
Renditen erzielen und Kosten senken
ERNEUERBARE ENERGIEN
Angesichts weltweit steigender Energiekosten
wird der Einsatz erneuerbarer
Energien immer rentabler. Allein
auf dem Sektor der Solarenergie trägt die
Hochtechnologie in Deutschland zu interessanten
Effizienzsteigerungen bei. In Zusammenarbeit
mit der Sparkasse Ulm entsteht
GmbH & Co. KG und produzieren rund 7
Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.
Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist
und mit derzeit 9 Cent pro Kilowattstunde
vergütet. Die Windkraftanlage wurde
zusammen mit der Sparkasse Ulm realisiert
und versorgt rund 1.750 durchschnittliche
einige tausend Kubikmeter Holz aus den umliegenden
Staats-, Kommunal- und Privatwäldern
zu hochwertigen Hackschnitzeln auf.
Die Stadt Ulm und den Alb-Donau-Kreis als
echte Zukunftsregion mit hoch entwickelten
Arbeitsplätzen und einem engen Netzwerk
von Anbietern und Dienstleistern im Bereich
Mit erneuerbaren Energien lassen sich gute Renditen erzielen. Auch in unserer Region.
bei Laichingen auf einer Fläche von 50 000
Quadratmetern der größte Solarpark Baden-
Württembergs. Die Energiepark Schwäbische
Alb GmbH und Co. KG investiert in rund
26 000 Solarmodule, die eine Jahresleistung
von 1.634 Kilowattstunden Strom erzeugen
werden. Auf der Albhochfläche drehen
sich die riesigen Rotorblätter der vier Windkrafträder
der Alb-Windkraft-Westerheim
Vierpersonenhaushalte mit umweltfreundlicher
und sauberer Energie. Ein enormes
Energiepotenzial bieten die heimischen
Wälder. Das Lohnunternehmen Reichardt
GbR in Altheim hat sich aus einem landwirtschaftlich
orientierten Lohnunternehmen zu
einem schlagkräftigen Dienstleister im Bereich
Energieholzbergung, Aufarbeitung und
Vermarktung entwickelt und bereitet jährlich
der erneuerbaren Energien aufzustellen, ist
eine ehrgeizige Aufgabe, die die Sparkasse
Ulm zusammen mit Dr. Franz Alt bereits vor
einem Jahr ausführlich thematisiert hat.
Podcast www.sparkasse-ulm.de
36 ::
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[gut zu wissen]
Jungen Menschen Finanzkompetenz vermitteln
SCHULDENFALLEN VERMEIDEN
Wenn´s um Geld geht, sollten Jugendliche
so früh wie möglich Selbstsicherheit
und Kompetenz erlernen. Denn
junge Leute sind die Unternehmer von morgen
und müssen sich sicher auf dem Bankett
der Geschäfts- und Finanzpolitik bewegen,
Gewinnchancen realistisch einschätzen und
zunehmend in die Schuldenfalle. Negativeinträge
bei der Schufa, Geldsorgen und psychische
Belastungen in jungen Lebensjahren
sind die Konsequenzen. Die Banken tragen
bei dieser Problematik eine große Verantwortung,
letztlich geht es um die Geschäftspartner
und Arbeitgeber von morgen.
Um die Finanzkompetenz so früh wie
möglich zu fördern, startet die Sparkasse Ulm
zusammen mit Pädagogen und Schuldnerberatern
eine Informationskampagne an regionalen
Schulen. Dabei sollen die Schülerinnen
und Schüler auf spielerische Art und Weise
lernen, wann Geld sinnvoll investiert oder
besser gespart wird. „Es geht darum, die Kinder
durch eigenes Erleben stark und selbstbewusst
im Umgang mit ihrem Taschengeld
zu machen“, betont Wolfgang Knapp, der
als Familientherapeut die Nöte verschuldeter
Familien und Jugendlicher kennt. Denn
auch wenn Baden-Württemberg im aktuellen
Schulden Kompass der Schufa bundesweit die
geringsten Privatverschuldungen aufweist, ist
Der sinnvolle Umgang mit Geld will gelernt sein. Die Sparkasse Ulm startet Schuldenpräventionskampagne an regionalen Schulen.
finanzielle Risiken abwägen können. Was so
selbstverständlich klingt, ist bei einem Teil
der jungen Erwachsenen aber alles andere
als normal. Denn immer mehr Mädchen und
Jungen ab 18 Jahren haben Schwierigkeiten
im Umgang mit Geld. Unseriöse Kreditvergaben
und Leasingangebote, die nicht über die
finanziellen Folgebelastungen aufklären, treiben
die gerade volljährig gewordenen Leute
es im volkswirtschaftlichen Sinne verantwortungsbewusst,
in eine starke und kompetente
Jugend zu investieren.
Podcast www.sparkasse-ulm.de
:: 37
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[gut zu wissen]
Marketing Club Ulm/Neu-Ulm
DAS MARKETING UND SEINE
BEDEUTUNG FÜR DIE REGION
Was Manfred Oster, Vorstandsvorsitzender
der Sparkasse Ulm, bei der
Verleihung des 1. Ulmer Marketing-Preises
sagte, gilt nicht nur für ein Geldinstitut
wie die regional so bedeutsame Sparkasse:
„Dass der Preis bei uns im Hause verliehen
wird, ist für uns außerordentlich wichtig,
Manfred Oster, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ulm, begrüßt die Gäste bei der Verleihung des Marketing-Preises im Festsaal der Sparkasse Ulm.
denn Marketing ist für die Sparkasse essentiell,
da sie ja kein Produkt verkauft,
das man sehen kann – und trotzdem muss
etwas rüber kommen.“ Die Sparkasse betone
so den Stellenwert des Marketing.
Den Preis ausgeschrieben hatte der Marketing-Club
Ulm/Neu-Ulm, der seit 1968 besteht
und die Informationsbörse für Knowhow-Transfer,
Erfahrungsaustausch und
Begegnungen unter den Marketing-Fachleuten
der Region ist – mit rund 140 Mitgliedern
verschiedener Branchen und Funktionen.
Da sich Märkte verändern, wächst der
Bedarf an qualifizierten Informationen aus
der Marketing-Praxis. Hier bietet der Marketing-Club
die Möglichkeiten zur Fortbildung,
um Märkte von heute zu gestalten
und Trends von morgen zu erkennen
– mit Vorträgen, Diskussionen, Seminaren,
Workshops. Dabei begegnen sich Wirtschaft
und Wissenschaft, Marketing-Profis
und Newcomer. Agenturen und Unternehmen
verschiedenster Branchen kommen
ins Gespräch, Synergien entstehen, die
die Marketing-Kompetenz der Mitglieder
und Mitgliedsfirmen stärken. Dies macht
auch der 1. Ulmer Marketing-Preis deutlich,
den die Ulmer Uzin Utz AG erhielt.
Der Bauchemie-Hersteller hatte auf zentrale
Marketingfragen überzeugende Antworten
gegeben, die – wie die Dachmarke
Ufloor-Systems – international ausstrahlen
und nachweislich den Umsatz positiv
beeinflussen. Ausgezeichnet wurden auch
das Marketing der Stadtwerke Ulm/Neu-
Ulm GmbH und der Al-Ko Kober AG.
Den Preis will der Marketing-Club alle
zwei Jahre verleihen.
Podcast www.sparkasse-ulm.de
38 ::
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Walter Feucht
POMP, DUCK UND
GROSSE BRÖTCHEN
Ein Mann wie er gibt niemals Ruhe
– entweder redet er oder er tut was,
oder er tut was mit Reden. Auf jeden
Fall sorgt Walter Feucht, Unternehmer
aus Leidenschaft mit
schwäbischen Wurzeln und dem
Hang zur großen weiten Welt, fast
überall für Bewegung und für Emotionen.
Und mit 58 ist noch lange
nicht Schluss.
Wahrscheinlich hätte einer wie Walter
Feucht, der ebenso tatendurstige wie erfolgreiche
Bäckermeistersohn aus der Ulmer
Vorstadt Söflingen, auch eine Chance
als OB-Kandidat. Sicher wäre zumindest,
dass sein Wahlkampf lebhaft und originell
ausfallen würde. Aber ein Instinktmensch
wie Feucht weiß, wie weit er zu weit gehen
darf. Schließlich kennt er sich aus in
der Kommune mit all ihren Schattierungen
und Verbändelungen – die hat er während
seiner Zeit als Stadtrat am Ulmer Ratstisch
(1999 bis 2004) aus nächster Nähe erlebt
und ist dabei zur glasklaren Einsicht gelangt:
Die Kommunalpolitik ist nicht meine
Welt, da kann ich zu wenig bewegen!
Sein vorzeitiger Abschied aus dem honorigen
Rathaus-Zirkel war die logische Konsequenz.
Aber seitdem ist es um den umtriebigen
Söflinger, der einen Teil seiner wirtschaftlichen
Erfolge als Chef des mittelständischen
Backmittel-Unternehmens Uldo
einer breiten Öffentlichkeit zugänglich
macht, keineswegs ruhiger geworden. Regelmäßig
lässt er Taten sprechen, wenn ihm
Walter Feucht und das tägliche Brot: Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (mitte)
lässt’s sich erklären von uldo-Chefbackmeister Georg Schwennig (rechts).
danach zumute ist. Nicht gerade im Stillen,
meist von Beifall begleitet. Möglichst
demonstrativ und spektakulär, die Medien
stets an seiner Seite. Wie zum Beispiel bei
der spontanen Boiler-Spende fürs Neu-Ulmer
Obdachlosenheim. Andere hätten sich
das vielleicht auch leisten können, aber sie
kamen erst gar nicht auf die Idee für ein solches
Manöver, das Neu-Ulms OB Noerenberg
und seine zaudernden Räte als saftige
Ohrfeige empfinden durften – sie hatten gemeint,
kaltes Wasser reiche für die Obdachlosen
ja auch aus.
Einen Namen in seiner Stadt Ulm hat
sich Walter Feucht durch sein Jogging-Brot
gemacht – die zündende Idee hatte er 1984
beim Anblick eines Sportplakats vor einem
Bahnübergang im Schweizerischen Kreuzlingen,
wo er eine Viertelstunde lang warten
musste. „Das Brot muss einfach gut schmecken
und knackig aussehen, hab’ ich mir ge-
sagt“, schildert er seinen Geistesblitz. Und
bei der Rückkehr in heimatliche Gefilde
wurde die Idee sogleich in die Tat umgesetzt
– mit Banane und 1000 Backversuchen. Das
Endprodukt ist mittlerweile sogar weltweit
bekannt. Und seitdem ging’s mit der Firma
Uldo, die er 1983 gekauft hatte, nur noch
bergauf.
Kleine Brötchen backen wollte Walter
Feucht freilich nie. Sein Jogging-Brot öffnete
ihm viele Türen, brachte ihn mit renommierten
Sportartikel-Firmen in Verbindung.
Dort traf er Weltmeister und Olympiasieger
wie Klaus Wolfermann (bis heute ein treuer
Freund) oder Brasiliens Fußball-Idol Pele.
Und schon bald waren Kontakte auf allen
Ebenen hergestellt. Das spektakuläre Ergebnis
präsentierte der Söflinger den staunenden
Freunden in der Heimat seit 1987
in seinen bisher neun „Knallbonbons“, den
illustren Benefiz-Veranstaltungen zugunsten
40 ::
Illustre Gäste: Auch Top-Model Heidi Klum
war Gast in Feuchts Dinner-Zelt.
leukämiekranker Kinder mit einem Gesamt-
Erlös von rund einer Million Euro.
Besonders stolz ist der Initiator über die
glorreichen Gratis-Auftritte vieler Sportund
Musikstars – wirklich ohne jede Gage.
Sein Meisterstück war der komplette Auftritt
der frischgebackenen Meisterelf des FC
Bayern 1989 nach nächtlicher Siegesfeier
im Söflinger Klosterhof. Walter Feucht,
der pfiffige Vorstadt-Unternehmer, hatte
sie gerufen – und sie waren tatsächlich alle
gekommen. Wie zuvor und danach noch
zahlreiche andere Promis. Spätestens jetzt
merkten die Skeptiker, dass das Knallbonbon
kein Rohrkrepierer war – und sein Erfinder
kein Scharlatan.
Mit viel Zivilcourage, Phantasie und Instinkt
pflegt der Uldo-Chef seine oft phantastischen
Ideen zu verwirklichen. Dabei hat
er sich die Erfolgswege meist selbst geebnet
– zum richtigen Zeitpunkt am richtigen
Ort. Geduld gehörte noch nie zu seinen bevorzugten
Tugenden. Sein Lebensmotto ist
entsprechend direkt ausgerichtet:
Tatsächlich sah er sich in dieser Zielsetzung
gleich mehrfach bestätigt – nicht
zuletzt auch, weil ihn, wie er selbst sagt, in
entscheidenden Situationen stets eine ganze
Menge Glück begleitete. Sowohl im Beruf,
wo er als gelernter Bäcker und Bankkaufmann
im Eiltempo dazulernte und mit der
„Das Ziel ist das Ziel –
der Weg dahin ist nur
ein kleiner Teilbereich!“
Zielsicherheit eines Jagdhundes stets die
Erfolgsspur fand, als auch im harmonischen
Privatbereich, den er seit fast 30
Jahren mit Frau Lela und den zwei Töchtern
Tanja und Jenny teilt.
Zeit seines Lebens versuchte Tausendsassa
Feucht von Glück und Erfolg etwas
zurückzugeben. Als großzügiger Sponsor
in Sport, Kultur und Sozialbereichen ist
er regelmäßig im Gespräch – aber nicht
nur wegen imagefördernder Schlagzeilen,
sondern aus innerem Antrieb. „Das sind
für mich Herzensangelegenheiten“, sagt
er im Brustton der Überzeugung. So war
er neben seinem Knallbonbon auch bei
der Gründung des Söflinger Theater-Cafés
KCC (Kuss Creative Center) beteiligt, >
75 Jahre
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:: 41
[machen]
Kultur- und Sportfest KUSS „seiner“ TSG: Walter Feucht mit der Kunstpreisträgerin 2007, Birte Horn.
und so nebenbei leistete er sich den Luxus,
in Berlin das in Schwierigkeiten geratene
Dinner-Show-Spektakel „Pomp Duck &
Circumstances“ wieder in gewinnträchtige
Bahnen zu lenken – weil ein Freund ihn
darum gebeten hatte. Mittlerweile ist der
vielseitige Söflinger auch dort als Chef eingestiegen
und hat den noblen Zirkus in die
alte Luftfrachthalle am Stuttgarter Flughafen,
direkt neben der neuen Messe, umdirigiert
– weil dort laut Feucht pro Jahr zwölf
Millionen Leute vorbeikommen. Die neue
Spielzeit ist bereits angelaufen – und dem
Publikum aus nah und fern hat’s gefallen.
Das Erstaunlichste am Erfolgsmenschen
Walter Feucht, der vor einem Jahr für seine
Lebensleistung mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet wurde, ist seine
Zeiteinteilung. Eigentlich müsste für den
Multimacher jede Minute ausgebucht sein.
Aber das Gegenteil ist der Fall. Für spontane
Gespräche und originelle Ideen ist er
immer zu haben. Telefonieren ist eine seiner
großen Leidenschaften – für die er auch immer
Zeit hat. Und wenn er sich mal richtig
erholen will, dann fliegt er in sein Refugium
nach Florida, wo er Zugang zum Golfspiel
gefunden hat (mittlerweile Handicap 18).
Versteht sich fast von selbst, dass er auch
Golfturniere in der Region veranstaltet. Zuletzt
kamen dabei 10.000 Euro für notleidende
Kinder zusammen.
Geerbt hatte der rastlose Ulmer gar
nichts außer seinem gesunden Menschenverstand
und kerniger Gesundheit. Und
er besitzt jede Menge Selbstvertrauen, mit
dem er sich in allen Kreisen dieser Welt zu
behaupten versteht. Schließlich unterhält er
neben seinem Uldo-Hauptsitz in Schwaighofen
auch noch Produktionsstandorte in
Melrose (USA) und im polnischen Krakau.
In heimatlichen Gefilden herrscht mittlerweile
auch internationales Flair: Unter dem
Vorsitz von Walter Feucht etablierte sich
die TSG Söflingen als zweitgrößter Ulmer
Sportverein – mit dem Luxusproblem einer
Handballmannschaft, die von der untersten
Klasse im Eiltempo zum Drittligisten avancierte
und (irgendwann) die zweite Liga erreichen
soll.
Selbstredend hat Sport-Fan Feucht auch
die Hände bei den Ulmer Basketballern im
Spiel – als Co-Sponsor und Berater. Nur
zum Fußball, für den eigentlich sein Herz
schlägt, hat er (derzeit) ein gestörtes Verhältnis.
Aktiv hatte er einst für den TSV Neu-
Ulm in der 1. Amateurliga gegen den Ball
getreten, der ihm später die schwärzesten
Stunden seines Lebens bescheren sollte. In
seiner Eigenschaft als Spitzensportmanager
beim großen Nachbarn SSV Ulm 1846 hatte
er zur Jahrtausendwende die Sterne vom
Fußball-Himmel in die Sportprovinz Ulm
holen wollen – es gelang nur kurz und endete
durch eine Verkettung fataler Ereignisse
im Desaster.
Der Absturz der „Spatzen“ aus der Bundesliga
in die Fünftklassigkeit und des Vereins
in die Insolvenz beschäftigt ihn heute,
sechs Jahre nach dem Supergau, noch immer.
Aber die Chancen für ein „Comeback“
hält er unter den gegenwärtigen Verhältnissen
für unrealistisch, obwohl er von verschiedenen
Seiten immer wieder darauf angesprochen
wird. Andererseits: Wer Feucht
kennt, der könnte sich durchaus vorstellen,
dass er diese Scharte irgendwann noch einmal
auswetzen will.
Er selbst hält sich für einen realistischen
Romantiker und Menschenfreund mit dem
Talent, Strömungen in seinem Umfeld zu
erkennen und darauf zu reagieren. Seine
Tochter Tanja, übrigens Geschäftsführerin
bei „Pomp Duck“, nennt ihn einen „unverzeihlichen
Perfektionisten“, der nichts
für unmöglich hält – folglich wäre nicht
auszuschließen, dass Walter Feucht auch in
Sachen Fußball nochmals auf den Plan tritt.
Zeit genug hätte er ja, wenn er will . . .
ALFRED KOCH
Dreimal Walter Feucht: Nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes mit Oberbürgermeister Ivo Gönner,
mitten mit seiner Tochter Tanja, rechts in jüngeren Jahren mit Fußball-Legende Pelé.
42 ::
ZF Friedrichs hafen AG
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*(+,+!-
MIT HYBRID
UND ACHT GÄNGEN
„Die individuelle Mobilität muss
sich mit der Schonung der natürlichen
Ressourcen vereinbaren
lassen“ – Diese Anforderung lag
und liegt den neuesten Entwicklungen
der ZF Friedrichshafen AG
zugrunde: Sie zielen sowohl auf
Kraftstoffeinsparungen als auch
auf Fahrdynamik, erhöhen sowohl
die Sicherheit als auch den Fahrspaß,
leisten einen Beitrag sowohl
zur Ressourcenschonung als auch
zur Leistungssteigerung.
Weltweit aktiv: Montage von Pkw-Achsen im
chinesischen Changchun.
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E+)6FCGHCCCI,,
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E+)6FLLHCCCI,,
B,@$--()A6/*+* FCJ-D
E+)6?GKHCCCI,,
M(*'/6+%(A6/*+* FGN-D
E+)6BG?HCCCI,,
Während derzeit kontrovers darüber diskutiert
wird, welchen Anteil am CO ² -Ausstoß
der Mensch allgemein, der Verkehr
im Besonderen oder der Pkw im Speziellen
verursacht, bietet ZF bereits heute
serienreife Produkte, die dazu beitragen,
den Kraftstoffverbrauch und damit auch
die Emissionen zu senken. Vor diesem
Hintergrund verfolgt ZF mehrere Ansätze:
Innovative Technologie und neue,
verbrauchsgünstige Produktgenerationen
in der Antriebstechnik zum einen, Leichtbau
und Gewichtsreduktion vor allem im
Fahrwerk zum anderen, sowie schließlich
die Realisierung von Einsparpotenzialen
beim Energiemanagement – etwa bei Servolenkungen.
„Diese Produkte rechnen sich auch für
die Fahrer, weil sie weniger Kraftstoff benötigen“,
heißt es dazu bei dem Unternehmen.
Daher geht ZF von einer raschen –
oder weiteren Durchsetzung seiner umweltschonenden
Technologie im Markt
aus.
Als Beispiele werden von den Entwicklern
unter anderem die jüngsten Getriebegenerationen
wie das Sechsgang-Automatgetriebe
oder die Neuentwicklung
des Achtgang-Automatgetriebes genannt:
Sie stellten ein Höchstmaß an Leistung,
Komfort und Fahrdynamik bereit. Das
Sechsgang-Automatgetriebe sei das agilste
derzeit am Markt verfügbare Pkw-Automatgetriebe,
das neu entwickelte Achtgang-Automatgetriebe
werde bei den
Schnellschalt-Eigenschaften mit ihm ebenbürtig
sein.
Zusätzlich zu diesen Komfort- und Dynamikeigenschaften
sei die Erhöhung der
Energieeffizienz bei der Produktentstehung
das dominierende Thema gewesen. Die
Sechsgang-Automatgetriebe sorgen nach
den Angaben des Unternehmens seit ihrem
Serienstart im Herbst 2006 für eine >
O622(!/"+%/P!4'( FLC-D A4!H
%#/!;%%(!4()'$ $*0!H Q")'(*"*!" (I
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:: 43
[machen]
Kraftstoffeinsparung von 3 % bei Benzinmotoren
und 6 % bei Dieselmotoren.
Grund für die unterschiedlichen Werte
ist, dass seither für Dieselmotoren ein spezieller
Drehmomentwandler zum Einsatz
kommt, dessen Wandlerüberbrückungskupplung
noch schneller geschlossen werden
kann. Die kraftstoffintensive Fahrt
„im Wandlerschlupf“ werde also deutlich
verkürzt. Doch selbst von dieser Basis wird
das Achtgang-Automatgetriebe noch einmal
den Kraftstoffverbrauch (für Dieselwie
für Benzinmotoren) um 6 % senken.
„Ein Fahrzeug mit diesem ZF-Neuprodukt
wird im Schnitt 21 g CO ² pro km weniger
emittieren als ein Pkw, der mit dem
Sechsgang-Automat der ersten Generation
aus dem Jahr 2001 ausgestattet ist“, rechnen
die Fachleute vor. Das wäre bereits ein
Großteil der Einsparungen, die notwendig
seien, um in Europa vom durchschnittlichen
Flottenwert des Jahres 2004 (160 g/
km) auf die Vorgaben des EU-Umweltkommissars
für das Jahr 2012 (130 g/km)
zu kommen.
Parallel dazu intensiviert ZF die Entwicklung
von kraftstoffsparenden Hybridantrieben:
Schon heute werde die ganze
Bandbreite – von der Komponente bis
hin zum Hybridsystem – angeboten. Welche
besondere Bedeutung das Thema Hybrid
bei ZF hat, wird ebenfalls am neuen
Achtgang-Automatgetriebe deutlich: Es
wurde so konzipiert, dass es künftig mit
Hybridmodulen kombinierbar ist. Dank
optimiertem Bauraum können Elektromotor,
Kupplung, Torsionsdämpfer und Hydraulik
Platz sparend und effizient in das
Getriebe eingepasst werden.
Das Unternehmen
ZF-Vorstand: Hans-Georg Härter ist Vorstandsvorsitzender
der ZF Friedrichshafen AG.
Die ZF Friedrichshafen AG ist ein weltweit
führender Automobilzulieferkonzern
in der Antriebs- und Fahrwerktechnik an
120 Standorten in 25 Ländern. ZF beschäftigt
rund 55.000 Mitarbeiter, davon
etwa 22.000 im Ausland. Im Jahr 2006
erzielte ZF einen Umsatz von 11,7 Milliarden
Euro. Auf der Weltrangliste der
Automobilzulieferer ist ZF unter den 15
größten Unternehmen.
Gegründet wurde das Unternehmen im
Jahre 1915 zur Entwicklung und Produktion
von Getrieben für Luftschiffe
und Fahrzeuge. Heute gehören Getriebe
und Lenkungen sowie Fahrwerkkomponenten
und komplette Achssysteme und
-module zum Produktprogramm. In allen
Kernprodukten hält der Konzern eine
erste, zweite oder dritte Position im
Weltmarkt.
Anteilseigner des Unternehmens sind
mit 93,8 Prozent die Zeppelin-Stiftung,
die von der Stadt Friedrichshafen verwaltet
wird, sowie mit 6,2 Prozent die
Dr.-Jürgen-Ulderup-Stiftung, Lemförde.
Gleichzeitig entwickelt ZF die operativen
Funktionen für das Hybridgetriebe
mit den genannten Aggregaten. Durch eine
funktionale Vernetzung ergibt sich dann
ein effizientes Hybridmanagement des
gesamten Systems, das im optimalen Fall
(Stadtzyklus) bis zu 30 % Kraftstoffeinsparung
im Fahrbetrieb möglich macht.
Auch die Leichtbauweise kann zur
Ressourcenschonung beitragen. Neuestes
Beispiel dafür, welche Vorteile sich in der
Pkw-Fahrwerktechnik aus neuen Konstruktionen
und Herstellungsverfahren
ergeben können, ist ein Blechlenker mit integriertem
Radgelenk – kurz SMiCA. Die
Abkürzung steht für „Sheet Metal integrated
Control Arm“.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Blechlenkern
kommt SMiCA ohne Nieten oder
Schraubverbindungen aus. Alle erforderlichen
Gummi-Metall-Elemente und das
Radgelenk werden per Laserschweiß-Verfahren
angebracht. Das bringt nach den Erfahrungen
der ZF-Entwickler viele Vorteile:
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44 ::
Mit Elektrolenkung weniger Schadstoff
ZF-Lenkung: Mit der Elektrolenkung Servoelectric
lässt sich Kraftstoff sparen.
Mit der neuen Elektrolenkung lässt
sich nach Angaben der ZF Friedrichshafen
gegenüber einer vom Motor angetriebenen
Servolenkung bis zu 0,3 l
Kraftstoff auf 100 km einsparen.
23,7 g CO ² stößt ein durchschnittlicher
Pkw mit Benzinmotor pro Liter
aus. Ein Pkw mit Elektrolenkung spart
0,3 l auf 100 km ein. Bei einer angenommenen
jährlichen Fahrleistung
von 10.000 km entspricht das einer
Spriteinsparung von 30 l oder 711 g
CO ² . Die bislang produzierten 5 Millionen
Elektrolenkungen sparen daher
jährlich 150 Millionen l Kraftstoff oder
eine Emission von 356 Millionen Kilogramm
CO ² .
SMiCA benötigt weniger Bauraum und kinematische
Punkte können, dank der 360-
Grad-Verbindung, variabel positioniert
werden. Vor allem aber ist SMiCA 20 %
leichter als herkömmliche Blechlenker.
Wie sich verbessertes Energiemanagement
mit Produktinnovation vereinen lassen,
zeigt auch die Elektrolenkung Servolectric
und die Lenkungspumpe Varioserv.
Beide kommen von der ZF Lenksysteme
GmbH, einem 50 : 50-Joint-Venture der
Robert Bosch GmbH und der ZF Friedrichshafen
AG.
Mit der Servolectric lassen sich im Vergleich
zu hydraulischen Lösungen bis zu
85 % Energie sparen, so die Berechungen
des Unternehmen. Das Geheimnis der
Elektrolenkung: Sie benötigt nur dann Leistung,
wenn tatsächlich gelenkt wird. Die
Lenkmechanik basiert auf dem Prinzip der
Zahnstangenlenkung, sie wird bei der Elektrolenkung
mit einer hoch entwickelten
Elektronik verknüpft. Sobald der Fahrer
eine Lenkbewegung durchführt, registrieren
Sensoren das entsprechende Lenkmoment
und die Lenkgeschwindigkeit.
Aus diesen Daten errechnet ein Steuergerät
innerhalb von Millisekunden die
erforderliche Lenkunterstützung, ein Servomotor
überträgt das optimale Servomoment
über ein Schnecken- oder Kugelumlaufgetriebe
auf Lenksäule, Ritzel,
Doppelritzel oder Zahnstange der mechanischen
Zahnstangenlenkung. ®
:: 45
[machen]
Südwestmetall
„WIR BIETEN PRÄCHTIGE
PERSPEKTIVEN“
Bessere Vereinbarkeit von Familie
und Beruf, hohes Ausbildungsniveau,
Sonderprogramme für notenschwache
Schulabgänger, Zusammenarbeit
mit Schulen und
Hochschulen, Qualifizierung von
Mitarbeitern sowie Zeitarbeit: Für
Südwestmetall sind das Ansätze,
um dem zunehmenden Fachkräftemangel
gegenzusteuern.
Tarifverhandlungen mit der IG Metall sind
das eine, eine juristische und arbeitswirtschaftliche
Begleitung beispielsweise bei der
Einführung einer neuen Entgeltstruktur in
den Betrieben und der Positionierung bei
der Altersteilzeit das andere. Die dritte Säule
des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall
umfasst Programme, von denen die Unternehmen
der Metall- und Elektroindustrie
ebenso profitieren wie deren aktuelle und
künftige Mitarbeiter.
Bei zunehmendem Facharbeitermangel
seien gute Ansätze gefragt, sagt Dr. Tobias
Mehlich, der seit 2000 Geschäftsführer
der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm ist.
Beispielsweise dürfe man an der Einrichtung
Zeitarbeit nicht schrauben. „Sie ist ein
Job-Motor in Deutschland und schafft unseren
Unternehmen Flexibilität“, sagt Mehlich,
„und bringt mehr Menschen einen
Arbeitsplatz.“
Allein in der Region konnte die Metallund
Elektroindustrie in diesem Jahr 1.200
Arbeitsplätze schaffen, die Hälfte davon
über Zeitarbeitsfirmen. Deutschlandweit
waren es 100.000 neue Jobs, wiederum die
Dr. Tobias Mehlich, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall:
Zeitarbeit ist Job-Motor.
Hälfte über Personaldienstleister. „Und das
Schöne ist: Es sind aktuell bei uns noch 300
weitere Arbeitsplätze frei“, sagt Mehlich.
Auch die Aus- und Weiterbildung ist für
Mehlich eines der bestimmenden Themen.
Nur mit qualifizierten Mitarbeitern könne
die Metall- und Elektroindustrie im internationalen
Wettbewerb bestehen und die
Arbeitsplätze an ihren heimischen Standorten
sichern.
„In der Region hat die Zahl an neuen
Lehrstellen gegenüber dem Vorjahr nochmals
um 4,6 Prozent zugenommen“, sagt
Mehlich, „unser Ausbildungsengagement
ist seit Jahren konstant hoch. Die gute Kon-
junktur führt jetzt zu einer noch weiteren
Steigerung, sodass jetzt rund 2069 Auszubildende
in unseren Lehrwerkstätten lernen
– Stand Frühjahr 2007“, fügt er hinzu.
Die notenschwachen Schulabgänger will
Tobias Mehlich dabei nicht vergessen. Im
Rahmen des Programms „Start 2000 Plus“
sind unter den neuen Auszubildenden der
Region allein im neuen Ausbildungsjahr
auch 55 lernschwache Schulabgänger zu
finden. Zehn von ihnen haben nach den Angaben
Mehlichs eine Einstiegsqualifizierung
im Grundausbildungslehrgang Metall begonnen,
für 45 hat der Verband zusätzliche
reguläre Ausbildungsplätze geworben. „Die
46 ::
meisten der angehenden Elektroniker, Teilezurichter
oder Mechaniker verschiedener
Fachrichtungen hätten auf dem normalen
Ausbildungsmarkt wohl keine Chance gehabt“,
betont Mehlich.
Ein weiterer Baustein im „Start 2000
Plus“ ist die Schüler-Ingenieur-Akademie
(SIA). „In vielen Projekten begleiten wir
Schülerinnen und Schüler von Gymnasien
mit Kursen zur Berufswahl, Studium und
Karriere“, sagt Mehlich. In Zusammenarbeit
mit Schulen und Hochschulen kommen
dabei Projekte zustande, die jungen Leuten
den Ingenieurberuf und die mathematischnaturwissenschaftlichen
Fächer näherbringen
sollen.
„Wir haben enormen Bedarf an Ingenieuren,
Ende dieses Jahres sind in Deutschland
48.000 offene Stellen in diesem Bereich
zu verzeichnen“, unterstreicht Mehlich,
„unsere Region sucht mindestens 150 Ingenieure.
Hier bieten wir den jungen Menschen
eine prächtige Perspektive direkt vor
der Haustür.“ ®
Familie und Beruf
Um Familie und Beruf besser verbinden
zu können, hat der Verband der Metallund
Elektroindustrie das Pilotprojekt
„Familie in Beruf und Leben (Fa.i.B.Le)“
entwickelt.
Südwestmetall hat drei Modellregionen
eingerichtet, in denen erprobt wird, wie
Unternehmen und Kindertagesstätten
gemeinsam zu einer Verbesserung der
Kinderbetreuung beitragen können, wie
darüber hinaus kindlicher Forschergeist
gefördert und das Zusammenspiel von
Kindergarten und Grundschule verbessert
werden kann. Insgesamt eine
Million Euro stellt Südwestmetall bis
einschließlich 2008 für das Projekt „Fa.
i.B.Le“ bereit.
„Das ist ein guter Baustein für die Betreuung,
aber auch für Bildung. Diese
ist schließlich die Voraussetzung
für Innovationen und damit im zweiten
Schritt für mehr Arbeitsplätze“, sagt
Dr. Tobias Mehlich, der Geschäftsführer
der Südwestmetall Bezirksgruppe
Ulm. 30 Unternehmen und Institutionen
der Region seien in diesem Fa. i. B. Le.-
Netzwerk mittlerweile integriert.
Chance für den Nachwuchs: Ausbildung
in der Metall- und Elektroindustrie.
:: 47
[spezial]
Brauereien
BIER VON HIER
Tradition und Treue zum heimisch
gebrauten Bier sind in der Region
stark verwurzelt – im Gegensatz
zum allgemeinen Trend, der zeigt,
dass deutlich mehr importiertes
Bier aus Europa getrunken wird.
Die regionalen Brauereien können
sich auf ihre Kunden verlassen. Beweis:
Familiengeführte Biermarken
wie Gold Ochsen Ulm oder Günzburger
Weizenbier, die sich ohne
fremde Beteiligungen behaupten.
44 Brauereien gab es anno 1870 auf dem
Höhepunkt der Brauerzunft in Ulm. Damals
waren die Ulmer Brauer Spitze in
Württemberg, produzierten sie doch das
Doppelte an Bier wie die Kollegen in Stuttgart.
Und dann der Verbrauch: In Ulm
wurde das Vierfache an Bier konsumiert
wie im Reichsdurchschnitt. Bier gehörte
auch zu Ulms wichtigsten Exportartikeln
– ein Viertel des Gesamtausstoßes wurde
exportiert.
Der Expansion des Brauwesens in Ulm
folgte eine Phase der Konzentration, an deren
Ende zwei Großbetriebe standen: Die
„Ulmer Brauereigesellschaft“ (Münsterbier)
und die heute noch existente Brauerei
Gold Ochsen GmbH, die der Ulmer Wirt
Gabriel Mayer 1597 gründete und die seit
1868 im Besitz der Ulmer Familie Leibinger
ist. Gold Ochsen kann also auf über
400 Jahre Brautradition zurückblicken
– eine stolze Zahl und lange Zeitspanne, in
der sich viel verändert hat. Das Handwerk
des Brauers wird zwar immer noch von
Das traditionsreiche Sudhaus der Brauerei Gold Ochsen.
traditionellen Werten geprägt, doch das
Management muss heute den veränderten
Markt- und Absatzchancen gerecht werden.
Brauereien, die sich nicht den Trends
stellen, haben kein leichtes Spiel mehr.
Kunden holen nicht mehr ihr Bier im
Offen-Ausschank in der Milchkanne oder
kaufen es flaschenweise: Es sind trendige
Jugendliche und Menschen, die ihr Bier
zuhause trinken wollen, wenn das Auto
in der Garage steht. Die Verkaufsstellen
sind Kioske, Lebensmittelgeschäfte, der Supermarkt
oder der gut sortierte Getränkehandel.
Dies stellt eine regional agierende Sortimentsbrauerei
wie Gold Ochsen mit 18
verschiedenen Biersorten vor große Aufgaben,
doch kann Gold Ochsen die Gastronomie
mit einem vollständigen Sortiment
bedienen. Eine andere Problematik ist die
wachsende Zahl der Billiganbieter und
Discount-Biere, die es einem mittelständischen
Familienbetrieb schwer machen
können.
48 ::
Gold Ochsen:
Alle Rohstoffe kommen
aus der Region
Heimisches Bier schafft gesellige Runden.
Ulrike Freund, geschäftsführende Gesellschafterin
der Brauerei Gold Ochsen, leitet
in der 5. Generation das fest in der Region
verankerte Familienunternehmen. Das konsequente
Festhalten an traditionellen Werten
ist für das Haus von größter Bedeutung.
„Ulms flüssiges Gold“ wird nach alten Rezepturen
und dem Reinheitsgebot von 1516
gebraut. Dazu kommen die kalte und lange
Gärung und die fachgerechte Lagerung.
Das zeigt sich auch in den Investitionen von
rund 50 Millionen Euro in den letzten 15
Jahren: Sie galten auch einem Vollgutlager
und dem Lagerkeller, der im Frühjahr 2007
in Betrieb genommen wurde.
Die Rohstoffe (Tettnanger Aromahopfen,
Malz aus Laupheim) kommen ebenso
wie über 200 der insgesamt 400 Lieferanten
des Unternehmens aus der Region.
Ulrike Freund hat mehrere Argumente
dafür: „Wir fühlen uns mit dieser Region
verbunden – und Land und Leute wissen
dies zu schätzen. Hier unterscheiden wir
uns den europäischen Großbrauereien.
Bier braucht Heimat – und die hat Gold >
Gute Freundschaften sollten
Sie pflegen!
Das hefefrische Vergnügen
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:: 49
[spezial]
Ochsen in Ulm. Die Kunden entscheiden
sich ganz bewusst für Bier von hier. Was
wir aus der Region erhalten, das geben wir
auch wieder zurück.“
Das Distributionsgebiet erstreckt sich
auf einen Umkreis von gut 100 Kilometer
um Ulm – bis zum Schwarzwald, Bayerisch-
Schwaben, Bodensee und Hohenloherland,
selbst in die nahe Schweiz. Als eines der
letzten Familienunternehmen dieser Größe
in der Getränkewirtschaft behauptet
sich Gold Ochsen mit Innovationen. Dem
hohen Marktdruck mit sinkendem Absatzvolumen
(der Pro-Kopf-Verbrauch in
Deutschland ist seit 2000 von 125,6 Litern
auf jetzt 116 Liter gesunken) begegnet
Gold Ochsen mit neuen Produkten für die
heute gefragten „Szene-Biere“. Im Gegensatz
zum klassischen Biermarkt wächst der
Bier-Mix-Markt. Mit der Einführung von
„OXX Lemon“ und „OXX Grapefruit“
im Frühjahr 2007 wurde dem Rechnung
getragen.
Malz aus hiesiger Produktion: Grundlage heimischen Bieres.
Brauertradition bei der
Günzburger Familie Bucher:
Klein und fein in der Region
Eine der bekanntesten Biermarken in und
um Ulm ist Günzburger Weizen aus der
Radbrauerei. Sie ist zwar wesentlich kleiner,
aber die Kompetenz in Sachen Weizenbier
ist unangefochten. Es ist die Tradition
der Familie Georg Bucher, die Qualität und
Kontinuität von Brauerei und Produkten
prägen. Geschäftsführer Georg L. Bucher
Traditionelles Bier, gebraut mit modernster Technik.
Brauereibesitzer Georg L. Bucher und Geschäftsführer
Hans Bucher von der Radbrauerei.
ist in sechster Generation Braumeister und
Brauereibesitzer, an seiner Seite steht noch
sein Onkel Hans Bucher als Geschäftsführer.
Die Radbrauerei füllt mit ihrer vollautomatischen
Füllanlage bis zu 20.000
Flaschen Bier in der Stunde ab. Tradition
und Handwerk bestimmen auch bei dieser
Brauerei in der Region das Geschehen.
Aber die Geschäftsentwicklung der letzten
Jahre war auch von der Notwendigkeit
zur Erweiterung des Familienbetriebs
bestimmt. Die drängende Enge am alten
Standort, ausgelöst auch durch den Wei-
zenbier-Erfolg, zwang zum Umzug. Zwischen
1984 und 1997 entstanden im Industriegebiet
Donauried Reifekeller, Lager
und Verladung, zuletzt das Sudhaus. Über
die schwierige Zeit getrennter Produktionsstätten
und Bauaktivitäten gelang es
Seniorchef Georg Bucher – er ist heute im
Ruhenstand –, die handwerkliche Qualität
auf dem hohen Niveau zu halten, das die
Verbraucher am Günzburger Weizenbier
schätzen und kennen.
Georg L. Bucher unterstreicht: „Dass
die hohe Qualität garantiert werden kann,
liegt daran, dass die Zeit für die Flaschen-
50 ::
Lebendige Hefe und
kurze Lagerzeiten
als Qualitätsgarant
gärung von drei Wochen eingehalten wird
und die Hefe nur einmal zum Vergären benutzt
wird. Danach wird sie als Viehfutter
weiter verwendet“. Dies ist nicht alles,
was zur Qualitätssicherung beiträgt. Die
Radbrauerei Günzburg hat einen eigenen
Hefestamm im Mekka der Bierbrauer, in
Weihenstephan bei München, von wo regelmäßig
neue Hefe bezogen wird, die
dann in Günzburg vermehrt wird. Diese
lebendige Hefe und kurze Lagerzeiten sind
der Grund für Frische und Wohlgeschmack
des Bieres.
„Die Strategie unseres Familienunternehmens“,
sagt Georg L. Bucher, „ist auch
schon auf die nächste Generation ausgelegt,
denn wir wollen als zwar kleine,
aber feine Marke selbstständig bleiben“.
Der moderne Lagerkeller der Brauerei Gold Ochsen.
Die Basis dafür ist die bewusste Regionalisierung
der Vertriebswege. 50 Kilometer,
von Neresheim bis Memmingen im Süden,
Dillingen bis Ehingen und Göppingen bis
Biberach ist der Radius.
Hauptabsatzgebiete aber sind Ulm/Neu-
Ulm und der Alb-Donau-Kreis. 80 Prozent
des Ausstoßes werden über den Getränkefachgroßhandel
abgesetzt. 90 Prozent der
Produktion ist Hefe-Weizenbier, 10 Prozent
verteilen sich auf Weizenbock, Ur-Weizen,
Günzburger Radbier hell und Günzburger
Märzen Spezial, das nur in Günzburg und
Umland vertrieben wird. ®
Ulrike Freund
„Wir Frauen gehen
weniger Risiko ein“
Die Brauerei Gold Ochsen ist nicht nur
ein gut geführtes Familienunternehmen:
Mit der Geschäftsführenden Gesellschafterin
Ulrike Freund steht seit 1991
eine Frau an der Spitze – das ist sehr
selten in der Männerdomäne Brauereiwirtschaft.
Unter der Leitung der agilen
Absolventin der Verwaltungs- und
Wirtschaftsakademie München hat die
Brauerei jenen Modernisierungskurs erfahren,
der notwendig ist, um in einem
Markt, der von sich veränderndem Zeitgeschmack
und der Öffnung aller Handelsgrenzen
innerhalb der EU geprägt
ist, bestehen zu können. „Entscheidungen,
die ich treffe“ sagt sie, „haben
für mich und meine Familie einen sehr
nachhaltigen Charakter, denn für Fehler,
die auch ich mache wie jeder andere,
muss ich als Unternehmer geradestehen.“
Doch sie betont, dass Frauen nicht
ganz so risikofreudig sind wie Männer:
„Wir überlegen länger und hinterfragen
mögliche Probleme intensiver. Insofern
sehe ich einen Vorteil darin, wenn mehr
Frauen in Führungspositionen stehen.“
Und sie gibt ein klares Bekenntnis zu
Ulm und ihrem Unternehmen ab. „Ich
möchte meiner Heimatstadt die einzig
verbliebene Braustätte erhalten. Die
alte Brautradition dieser Stadt verlangt
dies einfach. Mit einem lebendigen und
natürlichen Produkt, das in Maßen genossen
auch gesund ist, möchte ich
garantieren, dass die Kunden auch
weiterhin die von ihnen bevorzugten
Biersorten bei uns bekommen und sich
nicht auf Massenprodukte konzentrieren
müssen.“
:: 51
[leben]
Golf
DRIVE UM ULM
Wer Golf mag, muss mit Widerspruch
rechnen. Die einen können
nicht genug davon kriegen, die anderen
wenden sich ab. Zwischen
Faszination und Vorurteilen steht
der grüne Sport hierzulande weiter
hoch im Kurs. Auch Unternehmer
haben Golf als neue und nützliche
Spielwiese entdeckt.
Für echte Golfer sind Entfernungen von
100 Kilometern gemeinhin kein Handicap,
wenn nach dieser Anfahrt eine reizvolle
Runde in eindrucksvoller Landschaft
winkt. Ein solcher Ausflug kostet freilich
viel Zeit – und auch Geld. Beides ist vor
allem bei der jüngeren Generation naturgemäß
nur selten im Überfluss vorhanden.
Dennoch häufen sich Events und Turniere
– auch unter der Woche – auf den immer
zahlreicheren Golf-Anlagen. Zumal immer
mehr Arbeitgeber und Interessengruppen
entgegen früheren Vorbehalten die Golfszene
als nützliche Spielwiese entdeckt haben:
für Imagepflege, Charity und Geschäfte,
gekoppelt mit allerlei Sonderwünschen des
„fahrenden Volkes“.
Da liegt es nahe, dass sich die meisten
Golfclubs auf die veränderten Ansprüche
einzustellen versuchen und ihre traditionellen
Zöpfe zunehmend abschneiden.
Allgemeine Einsicht: Die ausschließliche
Ausrichtung auf Dauermitglieder wird
der mobilen Klientel nicht mehr gerecht.
Entsprechend flexibel werden Aufnahme-
und Spielbedingungen gehandelt. Jahresmitgliedschaften
gehören mittlerweile
180 Meter : – )
fast überall zum Standard-Angebot, auch
Mondschein-Tarife oder halbe Runden entsprechen
den Vorstellungen vieler (eiliger)
Kunden, sogar Firmenmitgliedschaften sind
keine Seltenheit mehr. Gleichzeitig wird die
Palette der Spielmöglichkeiten immer umfangreicher.
Auf der Golf-Landkarte in Deutschland
gibt es nur noch wenige weiße Stellen, wo
es nötig ist, mehr als 50 Kilometer bis zur
nächstgelegenen Abschlags-Station im Grünen
zurückzulegen.
Geradezu aus dem Vollen schöpfen
können die Golf-Enthusiasten und solche,
die es werden wollen, in der Region Ulm/
Neu-Ulm, wo innerhalb von weniger als 40
Kilometern gleich fünf Destinationen unterschiedlichster
Art zum Einlochen einladen:
Allen voran der „leading“ Golfclub Ulm in
der Wochenau bei Illerrieden, 15 Kilometer
südlich die 27-Loch-Anlage am Reischenhof
in Wain, im Osten der schmucke Parklandkurs
rund um Schloss Klingenburg (bei
Ichenhausen), dazu der 9-Loch-Stadtparcours
des GTK Neu-Ulm im Steinhäule und
seit Juni diesen Jahres der quicklebendige
Sprössling Donau-Riss in Rißtissen vor den
Toren Ehingens.
Ein weiterer Platz wird demnächst auf
der Alb in Feldstetten gebaut. Außerdem
dürfen die Doppel-Anlage Bad Waldsee mit
zwei hervorragenden Plätzen und direkt
angrenzendem Sporthotel an der Peripherie
Oberschwabens (60 km von Ulm) ebenso
wie die Hochplateau-Kurse Bad Überkingen
(bei Geislingen/40 km) und Hofgut Hochstatt
bei Neresheim (50 km) noch ins erweiterte
Einzugsgebiet einbezogen werden.
Zuschnitt auf Berufs-
Pendler
Auch beim selbst ernannten Branchen-Leader,
dem Golfclub Ulm, hat die Vorstandschaft
die Zeichen der Zeit erkannt und
einige neue Einstiegsmodelle angekündigt.
52 ::
„Der Bedarf an zeitlich begrenzten Mitgliedschaften
ist größer geworden“, hat
Club-Präsident Georg Rampf erkannt,
„da müssen und werden wir reagieren!“
Bisher war eine Jahresmitgliedschaft für
1800 Euro zu haben – allerdings nur für
anderweitig registrierte Golfer mit zweimaliger
Verlängerungsoption. Für Neueinsteiger,
die in Sachen Golf-Zukunft noch
unsicher sind, empfiehlt sich eine Schnuppermitgliedschaft
auf exakt zwölf Monate
für 1250 Euro. Darüber hinaus kann sich
Rampf auch Drei- oder Fünf-Jahres-Mitgliedschaften
vorstellen – besonders auf Berufs-Pendler
bezogen.
Grundsätzlich ist Ulms Vorzeigeclub
in der Wochenau offen für individuelle
Lösungen, nicht zuletzt auch bei Firmenmitgliedschaften.
Bisher wurden solche
„Sonderfälle“, derzeit zehn, wie Normalmitglieder
behandelt. Das heißt, ein interessiertes
Unternehmen muss für einen Golf-Pass,
der pro Jahr nur für eine bestimmte Person
gilt, die üblichen Einstiegsbeträge berappen
– dies wären 4100 Euro Investitionszulage,
1800 Euro Aufnahmegebühr und nochmals
1250 Euro pro Spieljahr. Club-Chef Rampf
rechtfertigt die hohen Summen so: „Wir
verkaufen an die jeweiligen Firmen ja volle
Mitgliedschaften und keine austauschbaren
Spielberechtigungen. Somit gibt’s auch keine
Unterschiede in der Zahlungsweise“.
Variabler behandelt der Club externe Turnierveranstalter,
die ihren Geschäftsfreunden
und Mitarbeitern ein eigenes Turnier
in der Wochenau offerieren wollen. Hier
gilt die Leitlinie: 65 Euro pro Spieler für
Greenfee, Organisation und Turnierverwaltung.
„Mindestens ein Drittel unserer eigenen
Mitglieder sollte aber schon mitspielen
dürfen, sonst wird’s teurer“, betont Rampf.
Die Gegenleistung ist schließlich erstklassig
– wie es einem „leading Club“ nun mal zusteht.
Dieses Elite-Prädikat lässt sich die Clubführung
pro Jahr 5000 Euro kosten. Die
Rechnung ging bisher überraschend glatt
auf. Bereits im ersten („leading“) Jahr
gab’s Greenfee-Einnahmen wie noch nie
– außer diesem „angenehmen Nebeneffekt“,
so Rampf, würden vor allem weitere
Qualitätsverbesserungen und Image-Gewinn
angestrebt. Dazu gehören bereits die
Sterne-Küche von Paul Linsell im feudalen
Clubhaus und ein erstklassiges Golflehrer-
Angebot mit Langer-Berater Bernd Hofmann
an der Spitze. Bis einschließlich 28.
Februar 2008 ruht die Gastronomie – was
freilich eingeschränkten Spielbetrieb auf
Wintergrüns bei geeigneter Witterung nicht
ausschließt.
Greenfee-Rekord in Wain
Die Schotten dicht sind ab Anfang Dezember
auch bei den oberschwäbischen Nachbarn
vom Golfclub Reischenhof bei >
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Wain, aus Richtung Ulm am besten erreichbar
über die Autobahn-Ausfahrt Illertissen.
Die 27 Bahnen und eine Not-Umkleide bleiben
derweil geöffnet, um den „Winterspielern“
alle Möglichkeiten offen zu lassen.
Die hügelige Topografie der 140-Hektar-
Anlage inmitten einer Moränen-Landschaft
verlangt freilich auch im Sommer viel
Stehvermögen, gleichwohl tummeln sich
immer mehr Schlägerschwinger auf den
drei anspruchsvollen 9-Loch-Abschnitten
Hörnle, Autenweiler und Esch. „In diesem
Jahr haben wir ein Rekordergebnis erzielt“,
sagt Steffen Augustyn, rechte Hand von
Clubchef Ernst Blattert, nicht ohne Stolz –
und dies ohne Startzeiten, die auch künftig
nicht vorgesehen sind.
Im 20. Jahr ihres Bestehens haben sich
die Reischenhofer vom alternativen Streuobstwiesen-Club
zu einem attraktiven Ausflugsziel
gemausert, das allen Ansprüchen
hinsichtlich sportlicher Herausforderung
und zeitgemäßen Komforts gerecht wird.
Dazu beigetragen haben auch die Neugestaltung
von Clubhaus-Terrasse und Parkplatz,
so dass ein Golftag in Wain ein ungetrübtes
Vergnügen verspricht. Ausdauer-Golfer
können zudem für ein Tages-Greenfee von
45 Euro (Wochenende 60) an 27 Löchern
ihren Standort bestimmen, anschließend
lädt das mit Hilfe von Hauptsponsor Weishaupt
finanzierte Clubhaus zur Erholung
für Körper und Geist ein.
Um sein Publikum bei der Stange zu halten,
hat sich der Golfclub Reischenhof trotz
aller Verbesserungen eine moderate Finanz-
Strategie bewahrt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis
stimmt – und das Konzept offenbar
auch. Besonders gut angenommen wurde
das Neueinsteiger-Paket für 399 Euro, das
zehn Trainerstunden mit möglicher Platzreife
und die Nutzung der Club-Einrichtungen
über drei Monate enthält. Jahresmitgliedschaften,
derzeit für 1750 Euro zu
haben, gehörten von Anfang an zum Club-
Angebot. Firmen-Mitgliedschaften waren
laut Augustyn bisher kein Thema, für Firmen-
oder Privatturniere aber bietet der
Club alle Voraussetzungen. Präsident und
Club-Gründer Blattert, selbst Firmen-Inhaber
(häwa-Maschinenbau), ist auf individuelle
Verhandlungen eingestellt. Und wer am
Reischenhof ein Wochenende verbringen
will, der ist im Oberschwäbischen Hof im
nahe gelegenen Schwendi zu Golf-Sonderkonditionen
bestens aufgehoben.
Schmuckstück
im Barockwinkel
Lohnenswert ist auch ein Golf-Ausflug
in die östliche Provinz, wo im so genannten
schwäbischen Barockwinkel zwischen
Ichenhausen und Burgau (Autobahn-Ausfahrt)
der prächtige 18-Loch-Parklandkurs
auf 110 grünen Hektar rund um Schloss
Klingenburg als ein Schmuckstück unter
Deutschlands 700 Golfplätzen gilt. Im angrenzenden
Flecken Schönenberg sind zwar
keine aktiven Golfer beheimatet, dafür ist
es aber Greenkeeper Martin Gräfe, der mit
seiner ebenfalls aus der Region stammenden
Platzmannschaft für das perfekte Outfit der
Golf-Verführung Klingenburg sorgt. Nicht
von ungefähr wurde die Augenschmaus-
Anlage im Hochtal der Mindel von einem
renommierten Fachblatt (Golfjournal)
unter die Top-14 der Republik eingestuft.
Ganz ohne Lobby, wohlgemerkt.
Die einzige „Verbindung nach oben“
besteht in der Person Norbert Löhleins,
ehemals Club-Präsident und mittlerweile
Boss des Bayerischen Golfverbandes. Sein
Nachfolger Jochen Laue bevorzugt eher die
leisen Töne und Lösungen in kleinen Schritten.
So wurde unter seiner Regie die Vision
eines neuen Clubhauses verworfen und
stattdessen ein schmucker Anbau realisiert.
Vor allem bei Senioren willkommen ist die
Einführung von E-Carts. Zudem erhält der
Platz sein regelmäßiges Peeling mittels Intensiv-Pflege,
die auch mal zur Frischzellenkur
auswachsen kann, wenn zuviel Nässe
auf empfindlichem Moorboden operative
Eingriffe wie Drainage-Maßnahmen erfordert.
Unabhängig davon bleiben die Sommergrüns
grundsätzlich auch im Winter
anspielbar, sofern es die Wetterverhältnisse
erlauben.
In der schwäbisch-bayerischen Idylle mit
dem 15 Kilometer entfernten Günzburg als
nächst größerer Stadt ist das Golf-Potenzial
relativ rar. Um so bemerkenswerter sind
die fast 700 Gesamt-Mitglieder als Wohlfühl-Resultat
einer familiären Atmosphäre,
gesteuert mit rationeller Preispolitik. Dies
heißt nicht billiger Jakob, aber Stabilität.
Die erst kürzlich eingeführte Jahresmitgliedschaft
kostet mit Caddie-Box 2188
Euro. Dieser Betrag wird bei Umwandlung
in eine Vollmitgliedschaft mit übertrag-
54 ::
schäftsführer der Firma Ulmer Spatz, momentan
nicht für vorrangig: „Wir sollten
nichts überstürzen und lieber die bestehende
Anlage erst einmal verfeinern“. Fazit: Auf allen
Ebenen wird versucht, Vertrauen zurück
oder neu zu gewinnen. Dazu gehören auch
verstärkte Kontakte zu befreundeten Firmen.
Eine Vereinbarung mit einem ortsansässigen
Unternehmen über zehn Mitgliedschaften
soll bereits unterschriftsreif sein.
barem KG-Anteil (7668 Euro, Einmalzahlung)
angerechnet. Auch Firmenmitgliedschaften
sind erwünscht, wobei der Preis
von Anzahl und Laufzeit abhängt. Für
Einsteiger empfiehlt sich ein Probejahr für
1464 Euro, das um ein weiteres Jahr verlängert
werden kann.
Durchatmen nach Neustart
Vergleichsweise kleinere Brötchen werden
beim GTK Neu-Ulm im Steinhäule gebacken.
GTK steht für Golf- und Tennis-Klub
(ehemals Blau-Weiß), der nach leidlich
überstandenem Insolvenz-Infarkt seit dem
Neustart im April wieder vorsichtig durchatmen
kann. Die Genesung scheint indes
auf gutem Weg – ein Teil der verunsicherten
Mitglieder kehrte zurück, ein paar neue
kamen dazu (insgesamt derzeit 350), der
stadtnahe 9-Loch-Platz mit Münsterblick
befindet sich in einwandfreiem Zustand,
Neuling gleich voll im
Geschäft
Bereits einen Schritt weiter ist in dieser Hinsicht
der Golfclub Donau-Riss. Der Szene-Neuling
hat innerhalb eines Jahres sein
Domizil samt 18 interessanter Bahnen im
Ehinger Ortsteil Rißtissen gegen allerlei Widerstände
aus der heimischen Bevölkerung
im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden
gestampft. Und auch in puncto Mitgliederwerbung,
Selbstdarstellung und Marketing
ist er seit der Eröffnung am 22. Juli
2007 bereits voll im Geschäft. Kein Wunder,
stammt doch ein Teil der Führungsriege
aus dem Schlecker-Konzern. Womit professionelle
Aufbauarbeit garantiert ist.
Horst Lossmann, ehemals IT-Direktor
bei Schlecker, hat auf seine „alten Tage“
die neue Leidenschaft Golf entdeckt. Und
er bringt seine berufliche Erfahrung auf
dem Sektor Informationstechnik jetzt mit
viel Engagement beim Golfclub als Sponsoren-Beauftragter
und Medien-Experte
ein. Mit Uwe Blank als Marketing-Be- >
mit Mark Southern steht ein kompetenter
Pro parat, die Club-Führung liegt in seriösen
Händen, und auch die Stimmung hat
sich schlagartig wieder positiv gewandelt.
Wilfried Rudolph, neuer Abteilungsleiter
Golf, zieht eine realistische Zwischenbilanz
mit überraschenden Erkenntnissen.
Der Trend geht hin zu reduzierter Spielzeit,
die verstärkt angebotenen 9-Loch-
Turniere, quasi nach Feierabend, wurden
bevorzugt angenommen. Dauermitgliedschaften
waren weniger gefragt, dafür
flexible Bedingungen. In dieser Hinsicht
findet die Kundschaft beim GTK offene
Ohren. Neben Jahres-Pass (1080 Euro)
und Zweitmitgliedschaft (830 Euro) gehören
auch „halbe“ Greenfees (20 Euro für
9er-Runde) zu allen Tageszeiten oder Zehnerkarten
(180/260) zum Standard. Selbst
Monatskarten, auch nur für die Driving
Range, sind in naher Zukunft denkbar.
Einen Ausbau auf 18 Spielbahnen hält
Rudolph, langjähriger Vorsitzender des
Backmittelverbandes und ehemals Gegemeinsam
über den tellerrand schauen.
raum schaffen für inspirierende begegnungen.
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Küchen Planung Lebensräume
:: 55
[leben]
auftragtem gehört ein weiterer Schlecker-
Direktor zum erweiterten Führungsstab
mit Rechtsanwalt Christian Dangel an der
Spitze. Erste Erfolge zeichnen sich bereits
ab. Nachdem sich die örtliche Protestszene
weitgehend beruhigt hat, konnten zu den
vorhandenen 400 Mitgliedern zehn namhafte
Hauptsponsoren gewonnen werden,
die für solide Finanzen garantieren. Wir
wollen uns dem einheimischen Publikum
öffnen“, gibt Lossmann als Sympathie-
Parole aus. Derweil wird die Suche nach
weiteren 40 Vollmitgliedern mit einem
Bonus vorangetrieben, um möglichst bald
die magische Zahl 300 zu erreichen. Wer
zu diesen „Pionieren“ zählt, hat zugleich
den Vorteil erworben, seine Mitgliedschaft
übertragen oder vererben zu können. Kostenpunkt:
7000 Euro einmalig, dazu 1220
Euro Jahresbeitrag. „Ab 300 ist Schluss“,
macht Lossmann Druck, danach gibt’s
nur noch Normal-Mitglieder. Ansonsten
hat sich der GC Donau-Riss bereits im
Eilverfahren etabliert. Die Gastronomie,
„Die Zukunft im Fokus“
Der Personaldienstleister
mit über 300 Mitarbeitern
II Unsere Philosopie
„Wertschätzung für Mitarbeiter und
Kunden – der Schlüssel zum Erfolg!“
Unsere Kunden und Mitarbeiter sehen wir
als Partner, mit denen wir Hand in Hand
arbeiten. Wir identifizieren uns mit den
Aufgaben, tauschen Wissen und
Ressourcen aus und lassen eine motivierte
Unternehmenskultur entstehen, die
Qualität garantiert. Flexibel und offen für
Veränderungen nutzen wir die Chancen,
die sich daraus ergeben.
Wir sind der Ansicht:
In einer angenehmen Atmosphäre macht
Arbeit Spaß!
Das Potenzial einer
Gemeinschaft ist die Einheit!
II Unsere Strategie
„Unsere Kunden schätzen es, wenn ihnen
kompetente Kräfte aus der Region für die
Region zur Seite stehen. Die optimale
Auswahl der Mitarbeiter und schnelle
Reaktionszeiten sichern den Erfolg.“
M. Milosevic
Teamgeist
Jeder Einzelne ist ein wertvoller Bestandteil
eines erfolgreichen Teams. Nur motivierte
und begeisterte Mitarbeiter bringen
sehr gute Leistungen. Leistungen, auf die
sich unsere Kunden voll und ganz
verlassen können.
Vertrauen
Der persönliche Kontakt und das
gegenseitige Vertrauen sind uns bei der
Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern
und Kunden besonders wichtig – denn es
profitieren alle davon.
Lösungen
Wir erarbeiten für unsere Kunden und Mitarbeiter
individuelle Lösungen.
Engagement, Verantwortungsbewusstsein
und Kompetenz zeichnen uns dabei aus.
II Unsere Leistungen
Arbeitnehmerüberlassung
Wir unterstützen Sie mit genau den
qualifizierten und motivierten Mitarbeitern,
die Sie brauchen. Sie geben uns einfach
Ihr gewünschtes Anforderungsprofil und
wir werden schnell und flexibel auf Ihre
aktuellen Bedürfnisse reagieren.
Arbeitnehmervermittlung
Sie suchen eine neue Herausforderung?
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Fachkenntnissen zahlreiche renommierte
Unternehmen in der Region kennen lernen,
ohne den Arbeitgeber zu wechseln.
Wir entlohnen nach IGZ-Tarif.
Personalberatung
Professionelle Lösungen für effizientes
Personalmanagement – als unabhängiger
Berater stehen wir Ihnen gern in allen
Personalfragen zur Seite.
Projektmanagement
Beratung, Konzeption und Durchführung
aus einer Hand. Unsere qualifizierten
Mitarbeiter werden direkt vor Ort in Ihre
Projekte integriert. So schaffen wir Ihnen
Freiräume für Ihr Kerngeschäft.
Mitarbeitercoaching
Mitarbeiter fordern und fördern – darauf
legen wir Wert. Und deswegen unterstützen
wir unsere Mitarbeiter in ihrer persönlichen
und beruflichen Entwicklung mit
einem auf sie abgestimmten Coachingprogramm.
M. Milosevic Geschäftsführer
T. Ulrich Leitung Personaldisposition
S. Reichle Leitung Personalverwaltung
A. Wiecker Marketing/PR
Personal Service Ehingen GmbH
Hauptstraße 81
89584 Ehingen/Do.
Telefon 07391/587 509-0
Telefax 07391/587 509-20
info@psa-ehingen.de
Niederlassung Biberach
Schwanenstraße 18
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Tel. 07351/578 98-34
Fax 07351/578 98-36
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56 ::
für jedermann zugänglich, ist ganzjährig
geöffnet, ebenso ein öffentlicher Vier-Bahnen-Kurzplatz.
Bei Bedarf steht auch Golflehrer
Florian Mödl, der demnächst noch
Verstärkung erhält, in den Wintermonaten
sporadisch zur Verfügung.
Selbstverständlich existieren in Rißtissen
auch schon allerlei differenzierte Einstiegs-
und Zahlungsmodelle. So können
(begründete) Fernmitgliedschaften abgeschlossen
werden, je nach Entfernung zwischen
300 und 750 Euro pro Jahr. Zudem
wird neben Firmenmitgliedschaften (nach
Absprache) ein Jahresspielrecht für 1590
Euro angeboten. Ein Gäste-Greenfee kostet
wochentags 40 Euro (Wochenende
60), günstigere Greenfee-Blocks sind in
Vorbereitung. Ebenso das noch fehlende
Caddie-Gebäude, das 2008 die Anlage
komplettieren wird.
Simulation in der Halle
Wer auch bei Eis und Schnee nicht auf seine
Schwung-Einheiten verzichten will, der kann
sich in der hochmodernen Indoor-Anlage
im Neu-Ulmer Golf-Centrum in der Lessingstraße
von morgens 9 Uhr bis abends 21
Uhr abreagieren – auf Wunsch mit Trainer-
Anleitung. Für ein Tagegeld von 12 Euro
lassen sich alle Golf-Situationen simulieren,
vom Abschlag bis zum Putten. Sogar eine
aufwändige Sandgrube ist vorhanden. Und
gleich daneben Bar und Restaurant, wo sich
bei einem Drink oder individuellem Catering
trefflich diskutieren und planen lässt – für
die bevorstehende Sommersaison.
ALFRED KOCH
Golf Club Ulm e.V.,
Wochenauer Hof 2, 89186 Illerrieden
Tel. 07306 – 929 500.
E-Mail: GolfClubUlm@t-online.de
Internet: www.GolfClubUlm.de
Golfclub Reischenhof e.V.,
Reischenhof 1, 88489Wain
Tel.: 07353 – 1732.
E-Mail: info@golfclub-reischenhof.de
Internet: www.golfclub-reischenhof.de
Golf Club Schloss Klingenburg e.V.,
Schloss Klingenburg,
89343 Jettingen-Scheppach
Tel. 08225 – 3030.
E-Mail: info@golf-klingenburg.de
Internet: www.golf-klingenburg.de
GTK Golf- und Tennisklub
Neu-Ulm e.V.,
Steinhäulesweg 9, 89231 Neu-Ulm
Tel. 0731 – 724 937.
E-Mail: golfundtennis@gmx.de
Golfclub Donau-Riss e.V.,
Herrschaftslüssen 1,
89584 Ehingen-Rißtissen
Tel. 01520 – 90 12 727.
E-Mail: info@golfclub-donau-riss.de
Internet: www.golfclub-donau-riss.de
Indoor-Golf-Centrum – Golfschule,
Lessingstr. 10b, 89231 Neu-Ulm
Tel. 0731 – 725 49 34
E-Mail: info@golf-centrum.de
Internet: www.golf-centrum.de
Golf- und Vitalpark Bad Waldsee,
Hopfenweiler, 88339 Bad Waldsee
Tel. 07524 – 40 17-0
E-Mail: info@waldsee-golf.de
Internet: www.waldsee-golf.de
Golfclub Oberschwaben Bad Waldsee,
Hofgut Hopfenweiler, 88339 Bad Waldsee
Tel. 07524 – 5900
E-Mail: info@golfclub-oberschwaben.de
Internet: www.golfclub-oberschwaben.com
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