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unternehmen [!]
Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten
Uta Feser: Die Präsidentin baut eine Business School in Neu-Ulm
Aus der Region für die Welt
[er]finden IAA – Ulmer Premieren für Hannover
[leben] LOFTS – Die Decke fällt nicht auf den Kopf
[spezial] CATERING – Fliegende Entenbrüste am laufenden Band
€ 2,00 :: Ausgabe 05 :: 12.09.2008
Beginnen Sie
eine eigene Tradition.
Eine Patek Philippe gehört
einem nie ganz allein.
Man erfreut sich ein Leben
lang an ihr, aber eigentlich
bewahrt man sie schon für
die nächste Generation.
Herrenuhr Calatrava
Ref. 5296G von Patek Philippe.
[inhalt]
[machen]
04 :: MICHAEL GLOS :: Sichern Sie Ihre Exporte ab
07 :: VERARBEITENDES GEWERBE ::
Biberach führt bei den Exporten
10 :: FRITZ & MACZIOL :: Große Freiheit, gute Zahlen
[titelthema]
14 :: INTERVIEW MIT PROF. DR. UTA M. FESER ::
Business School aus der Region für die Welt
[führen]
24 :: GASTBEITRAG :: Steuern und Führen
[er]finden
27 :: IAA :: Ulmer Premieren für Hannover
31 :: ENTWICKLUNG :: Am Stammort schwerer Lastwagen
36 :: DAIMLER :: Die Bus-Entwickler aus Neu-Ulm
[verantworten]
38 :: NETZWERK :: Wie 16 Firmen Energie sparen wollen
42 :: CENTROTHERM ::
Die Sonne speist den Goldgräber-Strom
[spezial]
45 :: CATERING UND EVENT :: Essen am laufenden Band
[leben]
51 :: WEIN :: Volltreffer aus dem Weingut
56 :: MODE :: Kleider machen Macher
59 :: LOFTS :: Die Decke fällt nicht auf den Kopf
[namen und nachrichten]
13 :: Dr. Peter Kulitz als Präsident der IHK Ulm bestätigt
21 :: IHK Bodensee-Oberschwaben: Grieshaber Präsident
23 :: Sommerfest der Porsche-Familie
50 :: Donau Masters wieder ein großer Erfolg
55 :: Wechsel bei Ravensburger
62 :: Impressum
Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser,
die Wirtschaftsdaten
sind beeindruckend
– immer
noch: Unsere Unternehmen
wachsen,
die Beschäf ti g- Thomas Brackvogel
tenzahlen steigen. Geschäftsführer
Firmen kämpfen um SÜDWEST PRESSE
neue Mitarbeiter. Von Lehrstellenmangel
ist keine Rede mehr – das ganze
Gegenteil ist der Fall. Die Arbeitslosenzahlen
feiern einen Tiefststand
nach dem andern. Trotz sorgenvoller
Prognosen können wir (noch) nicht
klagen. Schon gar nicht hier im Süden.
Wenn sich die Konjunktur tatsächlich
abschwächen sollte – und
viel spricht dafür, dass es so kommen
wird – wer wäre besser darauf vorbereitet
und wer könnte stärker in den
umkämpften Märkten agieren als gerade
unsere Unter nehmen?
Was macht die Region Ulm/Oberschwaben
so überaus erfolgreich? Es
ist wohl dieser besondere Mix aus bodenständiger
Schaffenskraft, unaufgeregtem,
stabilem Unternehmertum
und Management sowie eine weitsichtige,
schon früh eingeleitete Orientierung
hin zur Innovations- und
Wissensgesellschaft. Und dieser Mischung
widmet sich die neue Ausgabe
von unternehmen[!]. Was etwa
leistet eine Business School von Neu-
Ulm aus für die Region? Die Präsidentin
der HNU, Frau Prof. Dr. Feser steht
dazu im unternehmen[!]-Gespräch
Rede und Antwort. [er]finden geht
den neuesten Entwicklungen im Nutzfahrzeuge-Bau
auf den Grund und im
[spezial] erläutern unter anderem Irmgard
Silberbaur (küche & raum) und
Thomas Eifert (gastromenü) weshalb
die gastronomische Leistung der Region
besser ist als ihr Ruf.
Wir immer wünschen wir Ihnen viel
Spaß bei der Lektüre.
:: 3
[machen]
Gastbeitrag des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie
Michael Glos
SICHERN SIE
IHRE EXPORTE AB
Wer im Exportgeschäft tätig ist,
kennt die Exportkreditgarantien
des Bundes – häufig unter ihrem
geläufigeren Namen Hermesdeckungen.
Sie sind eine der
zentralen Säulen der deutschen
Außenwirtschaftsförderung. Mit
ihnen unterstützt die Bundesregierung
seit 1949 erfolgreich die deutsche
Exportwirtschaft. Annähernd
630 Mrd. Euro sind seither über
den Bundeshaushalt abgesichert,
fast 35 Mrd. an Exporteure und
ihre Banken ausgezahlt worden.
Durch Prämieneinnahmen und
Rückflüsse trägt sich das System
langfristig selbst und weist derzeit
einen kumulativen Überschuss von
mehr als 600 Mio. Euro auf.
Zielmärkte der Exportkreditgarantien sind
Schwellen-, Entwicklungs- und Transformationsländer.
Insgesamt entfielen rund
93 % der Hermesdeckung auf diese Ländergruppen.
Durchschnittlich 5,8 % des
Exports in diese Länder sind mit Exportkreditgarantien
abgesichert; einzelne Länder
weisen deutlich höhere Anteile auf.
Heute reicht für ein erfolgreiches Auslandsgeschäft
technische und produktive
Exzellenz allein nicht immer aus. Die Exporteure
müssen in wachsendem Maße
auch attraktive Finanzierungen anbieten.
Die Hermesdeckungen unterstützen hierbei
die Unternehmen. Sie übernehmen unkalkulierbare
politische und wirtschaftliche
Risiken zu einem angemessenen Preis und
ermöglichen dadurch eine weiter S. 6 >
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos: Die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure unterstützen und dadurch Arbeitsplätze in Deutschland sichern.
4 ::
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Allgemeine Geschäftsbedingungen
DIE AGB –
EIN ALTER HUT?
Dr. Dorothée Lang-Dankov, Rechtsanwältin,
Fachanwältin für Insolvenzrecht.
3 Jahre nach der Integration der
Vorschriften des AGB-Gesetzes
in das Bürgerliche Gesetzbuch
(§§ 305 ff) im Zuge der Schuldrechtsreform
empfiehlt es sich, einen
Blick auf die Entwicklung in
der Rechtsprechung sowie auf die
seither erfolgten gesetzgeberischen
Änderungen zu werfen.
Nach der Definition des § 305 Abs.1 Satz
1 BGB sind AGB alle für eine Vielzahl
von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen,
die der Verwender der anderen
Vertragspartei bei Abschluss eines
Vertrages einseitig stellt. Gegenüber Endverbrauchern
genügt die einmalige Verwendung,
soweit diese aufgrund der Vorformulierung
auf ihren Inhalt keinen
Einfluss nehmen können. Wichtiges Merkmal
der AGB ist, dass sie vom Verwender
einseitig in den Vertrag eingebracht werden.
Die Vertragsbedingungen werden damit
also nicht zwischen den Vertragspartnern
individuell ausgehandelt. Nach einem
Urteil des BGH genügt es nicht, wenn der
Verwender der AGB dem Vertragspartner
die Unterzeichnung „freistellt“, es ist erforderlich,
dass der Vertragspartner den
Sinn erfasst und die tatsächliche Möglichkeit
hat, den Inhalt der Vertragsbedingungen
zu beeinflussen. Ein Verstoß gegen
die AGB-Bestimmungen zieht erhebliche
rechtliche Konsequenzen für den Verwender
nach sich.
Wir raten deshalb generell davon ab,
Allgemeine Geschäftsbedingungen selbst
zu erstellen oder Muster-AGB oder sogar
fremde AGB ungeprüft zu verwenden. Der
zulässige Wortlaut von AGB kann für einzelne
Branchen unterschiedlich sein. Die
Klauseln müssen für das Unternehmen im
besonderen Einzelfall formuliert werden.
Wenn eine unzulässige Bestimmung verwendet
wird, gilt im Streitfall die gesetzliche
Regelung, die meist ungünstiger ist,
als eine nach dem AGB-Gesetz zulässige.
Sind AGB notwendig?
AGB sind meist unentbehrlich, soweit für
den gewünschten Vertragstyp eine gesetzliche
Regelung nicht vorhanden ist (z.B.
Factoring-, Leasing-, Franchise-Vertrag),
nicht ausreicht oder wegen geänderter
wirtschaftlicher Gegebenheiten nicht
passt. Zwar besteht aufgrund der Vertragsfreiheit
keine Pflicht zur Verwendung von
AGB, doch empfiehlt es sich aus den oben
genannten Zweckmäßigkeitsgründen in
der betrieblichen Praxis meist AGB aufzustellen
und zu verwenden.
Wie sind AGB zu gestalten?
Allgemein trifft den AGB-Verwender ein
Verständlichkeitsgebot. Sie müssen so
verständlich formuliert werden, dass sie
auch ein Nicht-Jurist verstehen kann. Der
Kunde muss sie in zumutbarer Weise zur
Kenntnis nehmen können. Dazu gehört,
dass die verwendeten AGB ohne weiteres
(z.B. nicht mit einer Lupe) wahrnehmbar
und lesbar sein müssen.
Wie werden AGB Vertragsbestandteil?
Da die AGB nicht automatisch in den Vertrag
einbezogen werden, sind selbst die besten
AGB ohne Einbeziehung wertlos. Im
Geschäftsverkehr mit dem privaten Verbraucher
sind aufgrund seiner besonderen
Nutzwürdigkeit hinsichtlich der Einbeziehungsvoraussetzung
strenge Maßstäbe anzusetzen.
Als Fazit kann festgehalten werden:
AGB kommt nicht aus der Mode. Ganz im
Gegenteil. Ihre weiterhin große praktische
Bedeutung für das Geschäftsleben werden
die AGB-Vorschriften auch nach ihrer Integration
in das BGB behalten. Daher ist es
wichtig, stets die neuesten Entwicklungen
der Rechtsprechung und die Bewegung in
der Gesetzgebung in Sachen AGB kontinuierlich
zu beobachten, um auch in der
Zukunft den rechtssichersten Weg zu beschreiten.
R
Rechts
:: 5
[machen]
Quelle: Halbjahresbericht 2008, Euler Hermes Kreditversicherungs-AG.
kostengünstige Finanzierung. Gerade kleine
und mittlere Unternehmen können einen
Forderungsausfall schlechter verkraften.
Er kann sogar Existenz bedrohende
Dimensionen annehmen.
Für viele Unternehmen spielen heute bei
der Nutzung der Bundesdeckungen Fragen
der Liquidität eine immer wichtigere Rolle.
Mit Instrumenten für die Absicherung von
Avalen sowie mit einem Deckungsangebot
für kurzfristige Bankkreditlinien hat die
Bundesregierung Möglichkeiten geschaffen,
um exportierenden Mittelständlern zu
mehr finanziellem Spielraum zu verhelfen.
Die hohe Anzahl der mittelständischen
Unternehmen, die auf dem Weltmarkt
agieren, spiegelt sich auch bei den Exportkreditgarantien
wider. Sie stellen fast 70 %
der Anträge. Allein im Erscheinungsgebiet
von „unternehmen[!]“ haben über 360 mittelständische
Exporteure ihren Sitz, die die
Möglichkeiten der Hermesdeckungen bereits
für sich nutzen.
Für diese Exporteure sichert die Bundesregierung
jährlich Auftragswerte von
fast 700 Mio. Euro ab.
Die Bundesregierung und die in ihrem
Auftrag handelnden Gesellschaften Euler
Hermes Kreditversicherung und PricewaterhouseCoopers
sind im besonderen Maße
auf den Mittelstand eingestellt. Gerade
kleine und mittlere Unternehmen sind gern
gesehene Kunden bei den Exportkreditgarantien
und erhalten eine gezielte Beratung,
wenn gewünscht auch vor Ort. Alle Deckungsformen
stehen ihnen zur Verfügung,
wobei einige Produkte an ihren speziellen
Bedürfnissen ausgerichtet sind. Grundsätzlich
genießen Mittelständler die gleichen
Deckungskonditionen wie etwa auch international
aufgestellte Großunternehmen –
unabhängig vom Volumen ihres Geschäfts.
Die Zugehörigkeit zum Mittelstand spielt
bei der Prüfung der Förderungswürdigkeit,
die Voraussetzung der Hermesdeckung
ist, eine wichtige Rolle. Das hat zur Folge,
dass die Bundesregierung ein Geschäft
mit einem höheren Schadenrisiko unter Berücksichtigung
der Bedeutung für das mittelständische
Unternehmen gegebenenfalls
dennoch in Deckung nehmen kann.
Die Exportkreditgarantien müssen sich
im nationalen und internationalen Umfeld
bewähren. Wir sind dabei auf dem
richtigen Weg und nehmen weltweit eine
führende Rolle ein. Das deutsche Instrumentarium
der Hermesdeckungen wurde
2008 bereits zum vierten Mal zur „besten
Exportkreditagentur“ von den Lesern der
britischen Fachzeitschrift Trade Finance
Magazine gewählt. Diese Auszeichnung
verstehen wir als Ansporn. Neue Entwicklungen
auf den internationalen Märkten
nehmen wir zum Anlass, die Exportkreditgarantien
bedarfsgerecht fortzuentwickeln.
Dabei spielt der intensive Austausch
mit Exporteuren, Banken und Verbänden
eine wichtige Rolle. Als zuständiger Minister
verfolge ich das Ziel, die internationale
Wettbewerbsfähigkeit unserer Exporteure
zu unterstützen und dadurch Arbeitsplätze
in Deutschland und besonders auch im
Südwesten der Republik mit seiner traditionell
hohen Mittelstandsquote zu sichern.
Die deutsche Exportwirtschaft wird deshalb
auch in Zukunft eine leistungsfähige
staatliche Exportkreditversicherung an ihrer
Seite haben. MICHAEL GLOS
Hinaus in die weite Welt: Der Container-Bahnhof in Dornstadt ist ein bedeutender Umschlagplatz.
6 ::
Verarbeitendes Gewerbe über dem Bundesdurchschnitt
BIBERACH FÜHRT
BEI DEN EXPORTEN
„Wir haben viele Länder auf dem
Radar“, sagt Karl Schick: China
und Indien, Russland, die Vereinigten
Arabischen Emirate,
Saudi-Arabien, speziell aber die
„vor unserer Haustür“ liegenden
Staaten des südosteuropäischen
Donauraumes. Darunter vor allem
das mit großer Dynamik sich entwickelnde
Rumänien, auch Ungarn,
das einen neuen Schub an
Wirtschaftskraft verzeichnet, aber
auch die „interessanten“ Staaten
Slowakei, Polen oder Tschechien.
Karl Schick ist bei der Industrie- und Handelskammer
Ulm zuständig für „Internationales“
– so steht es im Organigramm –,
also für Fragen der Außenwirtschaft, des
Exports.
Deutschlands Wirtschaft ist in weiten
Bereichen exportorientiert. Sie stützt sich
derzeit auf die Außenbeziehungen, >
:: 7
[machen]
weil die Kauflust vieler Konsumenten im
Inland zu wünschen übrig lässt. Die Wichtigkeit
dieser ausländischen Märkte ist
an den Exportquoten festzumachen. Diese
Quote lag, so die für das verarbeitende
Gewerbe verfügbaren Zahlen für 2007,
deutschlandweit und über alle Unternehmen
betrachtet, bei 45,1 Prozent. Baden-Württemberg
stellt diese Zahl in den
Schatten: Im Südweststaat betrug die Exportquote
2007 exakt 49,2 Prozent.
Für den Bereich der Industrie- und Handelskammer
Ulm beziffert Karl Schick die
Exportquote mit 47,3 Prozent: „Nicht
ganz auf baden-württembergischen Niveau,
aber über dem Bundesdurchschnitt.“
Das Land gewinnt seinen Vorsprung seit
vielen Jahren unter anderem schon durch
die hohen Exportquoten der Stuttgarter,
Zuffenhausener und Neckarsulmer Autohersteller
…
Doch lohnt es sich, die IHK-Zahlen
nochmals nach den drei Kreisen zu unterteilen,
für die die Ulmer IHK zuständig ist.
Dies ergibt ein doch differenzierteres
Bild: Im Stadtkreis Ulm liegt die
Exportquote der Wirtschaft bei
„nur“44,6 Prozent. Der Alb-
Donau-Kreis hat einen
Vorsprung – allerdings
nur einen hauchdünnen:
Die Exportquote
der hier ansässigen
Unternehmen
liegt bei 44,7 Prozent.
Unangefochten
eine Spitzenstellung,
weit
über den bundesdeutschen
und
auch den badenwürttembergischen
Zahlen, hat
das verarbeitende
Gewerbe im Landkreis
Biberach: Seine
Exportquote liegt bei
hohen 51,6 Prozent. Erst
dadurch kann der gesamte
IHK-Bezirk übers Deutschland-Niveau
klettern.
Ist für Deutschlands verarbeitendes
Gewerbe das Nachbarland Fran-
Die ganze Welt: Marktplatz für die Unternehmen
aus der Region.
kreich anteilsmäßig insgesamt wichtigster
Exportmarkt, so sind es für Baden-Württemberg
die Vereinigten Staaten von Nordamerika
als außereuropäisches Land.
Europa hat für das Land einen Anteil von
rund 70 Prozent am gesamten Export,
knapp 60 Prozentpunkte davon entfallen
auf den EU-Raum, die restlichen 12,4 auf
die anderen europäischen Länder, zum Beispiel
die Schweiz oder Russland. Gerade
letzteres Land ist für Karl Schick, allen gegenwärtigen
politischen Unwägbarkeiten
zum Trotz, eines, „das unsere Produkte
nachfragt.“ Da werde, so prophezeit er,
„die Nachfrage boomen“, wenn erst einmal
der Drang nach schnellem Konsum
und Luxus befriedigt sei.
Positive Beurteilungen gibt er auch für
die südosteuropäischen Länder ab, „unsere
Nachbarn auch mental und emotional“,
weil ebenso europäisch, weil auf der gleichen
Tradition fußend. Rumänien mit seinen
22 Millionen Einwohnern, das nicht
einmal halb so große Ungarn, das sind
nach Schicks Voraussage die dort zukunftsträchtigsten
Märkte für das heimische verarbeitende
Gewerbe.
Im Fokus stehen – natürlich – auch
die asiatischen Riesen: „China mit seinen
1,3 Milliarden Menschen ist ja nicht nur
Lieferant für uns, sondern auch ein Absatzmarkt“,
sagt Karl Schick – und registriert
gleichzeitig, dass sich der Subkontinent Indien
immer mehr öffnet und Investitionen
zulässt. Gerade hier gebe es Zukunftschancen,
weil Indien doch in vielem recht
nahe an Europa sei: „Durch das auf britischem
Vorbild aufgebaute Rechtssystem,
durch die Sprache. Das eher zentralistisch
und autoritär geprägte China „zieht einmal
getroffene Entscheidungen dann auch
durch, also auch die wirtschaftliche Entwicklung.“
Wie sicher ist es nun für das verarbeitende
Gewerbe aus Ulm oder Oberschwaben,
mit ausländischen Partnern Geschäfte
zu machen? Da baut Schick ganz auf
die Erfahrung und Geschäftstüchtigkeit
der heimischen Unternehmer:
„Viele arbeiten bei
Neukunden erst einmal
mit Vorkasse oder Anzahlungen.“
Man taste
sich so vor, entwickle
die Beziehungen
kontinuierlich, bekomme
das Gespür
für das, was
möglich sei. Akkreditive
oder ein
„Letter oft Credit“,
diese Verfahren
seien standardisiert
und routiniert.
Hermes-
Bürgschaften griffen
bei großen Projekten,
eher also im Anlagenbau.
Und die Unternehmen
nutzten auch die
Recherchemöglichkeiten,
welche die Industrie- und Handelskammern,
ob nun die Ulmer
oder die in Weingarten ansässige für
Oberschwaben und den Bodensee, über
die jeweiligen deutschen Außenhandelskammern
bieten.
LORENZ KOCH
8 ::
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Herrmann & Wiedenmann Rechtsanwälte
DIE REFORM DES
GMBH-RECHTS KOMMT!
Der Deutsche Bundestag hat am
26.06.2008 das Gesetz zur Modernisierung
des GmbH-Rechts und
zur Bekämpfung von Missbräuchen
(MoMiG) in 2./3. Lesung
verabschiedet. Damit steht zwei
Jahre nach Vorlage des Referentenentwurfs
und ein Jahr nach Vorlage
des Regierungsentwurfs die in der
Praxis dringend erwartete GmbH-
Reform bevor. Für den 19.09.2008
ist der zweite Durchgang im Deutschen
Bundesrat vorgesehen. Das
MoMiG könnte dann am ersten Tag
des auf die Verkündung im Bundesgesetzblatt
folgenden Monats in
Kraft treten, das wäre voraussichtlich
der 01.11.2008. Was sind die
wesentlichen Neuerungen der Reform
für den Gründer einer GmbH?
1. Mindeststammkapital der klassischen
GmbH
Nach erheblichen Diskussionen in Wissenschaft
und Praxis bleibt es bei einem
Mindeststammkapital der „klassischen“
GmbH von € 25.000. Noch im Referentenund
Regierungsentwurf war ein Mindeststammkapital
von € 10.000 vorgesehen.
Die Diskussion über die Absenkung des
Mindeststammkapitals einer GmbH erscheint
aber weit überzogen. Das Mindeststammkapital
stellt keinen Haftungsfonds
für die Gläubiger dar. Vielmehr kann es
für die Geschäftstätigkeit der GmbH jederzeit
aufgebraucht werden. Daher ist es aus
Gläubigergesichtspunkten letztlich gleichgültig,
ob das Stammkapital € 25.000 oder
€ 10.000 beträgt; im Krisen- bzw. Insolvenzfall
ist das einmal erbrachte Stammkapital
ohnehin aufgebraucht. Der Gesetzgeber
hat aber zutreffend darauf abgestellt,
dass der GmbH nach wie vor eine gewisse
„Seriösitätsschwelle“ anhaften muss. Welche
Entwicklungen eine Gesellschaftsform
ohne eine solche Mindeststammkapitalgröße
nehmen kann, zeigt die englische Limited,
der aufgrund der zahlreichen Gründungen
– um es vorsichtig auszudrücken
– zu fragwürdigen Zwecksetzungen im geschäftlichen
Verkehr kaum noch Vertrauen
entgegen gebracht wird.
2. Einführung der Unternehmergesellschaft
(haftungsbeschränkt)
Umso bedauerlicher ist es, dass auch der
deutsche Gesetzgeber meint, sich dem europäischen
Wettbewerb der Gesellschaftsrechte
unterwerfen und eine Unterform
der GmbH einführen zu müssen, die der
englischen Limited ähnelt: die sog. „Unternehmergesellschaft“.
Entscheidender Unterschied
der Unternehmergesellschaft zur
klassischen GmbH ist, dass sie bereits mit
einem Stammkapital von € 1 gegründet
werden kann. Sie wird künftig damit die
entscheidende Rolle bei Existenzgründern
spielen, da nur ein geringes Anfangskapital
benötigt wird, zugleich aber die Vorzüge
einer Kapitalgesellschaft mit einer umfassenden
Haftungsbeschränkung gelten.
Wie viele „schwarze Schafe“ die Gesellschaftsform
nutzen werden, lässt sich derzeit
nicht abschätzen. Jedenfalls ist positiv
zu bemerken, dass zur Sicherung einer angemessenen
Eigenkapitalausstattung und
Dr. Kai-Udo Wiedenmann
damit aus Gläubigerschutzgesichtspunkten
eine gesetzliche Rücklage gebildet werden
muss, in die ein Viertel des jeweiligen Jahresüberschusses
einzustellen ist. Dass die
Rücklage nun aber, außer für Kapitalerhöhungen,
auch zum Ausgleich eines Jahresfehlbetrags
bzw. Verlustvortrags verwendet
werden kann, macht den Gläubigerschutz
bereits wieder löchriger als nötig.
3. Notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrags
bzw. des „Musterprotokolls“
Entgegen den ursprünglichen Planungen
bleibt es jetzt auch – man kann nur sagen
„zum Glück“ – bei der notariellen Beurkundung
des Gesellschaftsvertrags einer
GmbH bzw. des sog. „Musterprotokolls“.
Der noch im Regierungsentwurf vorgesehene
Mustergesellschaftsvertrag für einfache
Standardgründungen, bei dessen
Verwendung keine notarielle Beurkundung
erforderlich sein sollte, sondern nur die notarielle
Beglaubigung der Unterschriften,
wird also nicht Gesetz. In der Praxis zeigt
es sich, dass es eine Standardgründung
nicht gibt und dem Gründer in jedem Fall
eine juristische Beratung zukommen muss.
Daher ist die Beibehaltung der notariellen
Beurkundung zu begrüßen.
Die Kanzlei für Handels- und
Gesellschaftssrecht.
HERRMANN & WIEDENMANN
RECHTSANWÄLTE
Büro Ulm
München · Ulm · Freising
Neue Straße 85 (am Rathaus)
89073 Ulm
Tel.: 0731–14015-50
Fax: 0731–14015-51
www.herrmann-wiedenmann.de
info@herrmann-wiedenmann.de
:: 9
[machen]
FRITZ & MACZIOL
GROSSE FREIHEIT,
GUTE ZAHLEN
Fritz & Macziol hat bei Umsatz
und Mitarbeiterzahl erneut stark
zugelegt. Dieser Satz birgt keine
wirkliche Neuigkeit mehr. Denn
er war bislang noch für jede Bilanzmeldung
gültig, die das Ulmer
Hard- und Softwareunternehmen
Zeit seines Bestehens vorgelegt hat.
Seit nunmehr 20 Jahren wird an
dieser Erfolgsgeschichte vom Ulmer
Stammhaus aus geschrieben.
Heribert Fritz,
Geschäftsführer
FRITZ & MACZIOL
Zweistellige Wachstumsraten, darauf
scheint FuM eine Art Dauerabonnement zu
besitzen. Um satte 31 Prozent konnte das im
Hörvelsinger Weg im Gewerbegebiet Ulm-
Jungingen ansässige Systemhaus seine Umsätze
im Durchschnitt jedes Jahr steigern,
um 21 Prozent vergrößerte sich die Mannschaft.
500 Köpfe waren beim Jahreswechsel
an Bord, im Moment, peilt Heribert
Fritz über den Daumen, dürften es so
550 sein. Der Unternehmensmitbegründer
und Sprecher der Geschäftsführung stapelt
allerdings lieber tief als dass er abhöbe.
„Nicht viel mehr als ein Promille, nicht
mehr.“ Gemeint ist der zuletzt erzielte eigene
Umsatz von 170 Mio. Euro in 2007
in Relation zu den Gesamtausgaben in
Deutschland für Informationstechnologie
– 140 Mrd. Euro.
Ein Zwerg ist FuM gleichwohl längst
nicht mehr. Das Unternehmen ist nicht
nur Top-Partner von IBM, sondern gleichzeitig
einer der größten Geschäftspartner
des Giganten in der so genannten
D-A-CH-Region Deutschland, Österreich
und Schweiz überhaupt. FuM ist hier durch
Geschäftsstellen flächendeckend vertreten.
„Als einer der wenigen der 6.000 Partner
von IBM können wir sämtliche 16 der
Geschäftsfelder des Multis abdecken“,
so Fritz. Weil den Kunden somit alles
aus einer Hand geboten werden könne,
sei die Unternehmensgröße ein ganz
klarer Vorteil auf den hart umkämpften
Märkten. In diesem Jahr wollen sie sich
ein 200 Mio. Euro großes Stück aus
dem Milliardenkuchen holen.
Seit je her steht das Unternehmen
unverändert auf drei Geschäftssäulen,
wovon die erste noch in der Inkubationszeit
der Software-Branche errichtet wurde.
1983 brachte IBM den ersten Personalcomputer
auf den Markt. Fritz und sein späterer
Geschäftspartner Eberhard Macziol
waren damals noch in der Ausbildung:
BWL-Studium in Augsburg, im Anschluss
daran die Berufsakademie in Heidenheim
und parallel als Werksstudenten bei IBM in
Ulm zugange. Die beiden zeigten Interesse
an dem Kasten, für den es damals noch keine
Software gab, ergatterten einen Job und
stellten ihn in diesem Rahmen bei örtlichen
Firmen vor. „Die Neugierde war da.“ Bald
gab es die ersten Programme. „Eine revolutionäre
Zeit, damals.“ Die beiden taten
sich zusammen, nutzen die Gunst der Stunde
und die Kontakte zu IBM und wagten
1987 die Gründung der eigenen Firma, was
im Rückblick als ein fast schon zwangsläufiger
Schritt erscheint.
Während andere in dieser Gründerzeit
in der IT-Branche einen wahren Bauchladen
an Marken mit sich herumschleppten,
setzten FuM von Anfang an allein auf
IBM-Hardware und avancierten mit diesem
Zuschnitt schließlich zum Partner des Multis.
Zum Handel mit IT-Ausrüstung kam
rasch die zweite Säule hinzu, der Bereich
Software. Wiederum setzt FuM auf IBM,
doch gleichzeitig auf eine Reihe anderer
Größen wie SAP und Microsoft. Bei letzterem
Konzern konnten die Ulmer ebenfalls
eine privilegierte Stellung erreichen, diesmal
über die Tochter Infoma, die mit FuM
die „Fritz & Macziol-Group“ bildet. Man
ist seit 2007 „Certified for Microsoft Dynamics
NAV“, was der Bestätigung gleichkommt,
dass die Komplettlösung new-
10 ::
café I restaurant I mittagstisch I cocktails I bar
fine dine I events I empfänge I jubiläen
Geschäftsführung von FRITZ & MACZIOL : INFOMA vor dem Ulmer Münster, von links nach rechts
Eberhard Macziol, Oliver Couvigny, Frank Haines, Oliver Schallhorn, Heribert Fritz.
Catering
Was auch immer es in Ihrem Unternehmen
zu Feiern gibt: Wir übernehmen
das Catering und den Service bei
Ihren Firmenveranstaltungen. Ob Flying
Buffet oder festlich gedeckte Tafel
– bei unseren freundlichen Mitarbeitern
sind Ihre Geschäftspartner in den
besten Händen. Fragen Sie uns – wir
zeigen Ihnen die Möglichkeiten.
Die Gründer
FuM – „FRITZ & MACZIOL“. Die Biographie
der beiden Unternehmensgründer
weist einige Gemeinsamkeiten
auf. Beide stammen sie aus
Bayerisch-Schwaben, Heribert Fritz
(Jahrgang 1963) aus Jettingen bei
Günzburg, Eberhard Macziol (Jahrgang
1962) aus Burlafingen. Beide
studierten sie BWL, beide verbindet
sie eine Freundschaft, „die auch 20
Jahre Geschäftspartnerschaft überstanden
hat“ (Fritz).
Heribert Fritz, verheiratet, eine Tochter,
wohnt in Ulm. Eberhard Macziol,
verheiratet, ein Sohn, wohnt nach
wie vor in seiner alten Heimat.
system auf kommunalem Einsatzgebiet die
höchsten Standards für Microsoft-Partner-
Softwarelösungen erfüllt. „Veredelungen“
und Eigenentwicklungen („Groupware
& Applications“) sind ebenfalls Bestandteil
des zweiten Geschäftsfelds. Ein umfassendes
Service-Angebot schließlich bildet
die dritte Säule.
„Ein simples Modell, an dem sich nie
wieder etwas Grundsätzliches verändert
hat“, wobei Fritz dann in einem Nebensatz
eine Relativierung hinzufügt: „Natürlich
hat sich alles sehr weit ausdifferenziert,
natürlich gehen IT-Lösungen heute sehr
viel mehr in die Tiefe.“ Hinter newsystem
etwa verbirgt sich eine ausgewachsene Produktfamilie
aus einem Analyse- und Steuerungssystem,
das ganz im Sinne der Verwaltungsmodernisierung
das Finanzwesen
in die zentrale Rolle rückt.
Zu den Kontinuitäten wiederum zählt
der Kundenkreis, zum überwiegenden Teil
mittelständische Unternehmen aus den
Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung
plus – via Infoma – der kommunale
Sektor. Ziel ist im Grunde immer das
Gleiche: sämtliche Abläufe in der Organisation,
Produktion oder Verwaltung rationeller,
effektiver und transparenter zu machen.
2.350 Firmen stehen inzwischen auf der
Kundenliste, daher auch der Aufbau eines
Netzes aus 17 Niederlassungen: „Un- >
Events
Sie suchen den Genuß im festlichen
Rahmen? Dann feiern Sie mit Ihren
Gästen doch im Stadthaus Ulm. Egal
zu welcher Gelegenheit, ob Firmenevent,
private Feier, Empfang oder Jubiläum,
wir sorgen mit fantastischen
Buffets, abwechslungsreichen Menüs
und unserem freundlichen Service für
rundum gelungene Veranstaltungen.
Café Restaurant Stadthaus Ulm
Münsterplatz 50 89073 Ulm
Fon 07 31. 6 00 93 Fax 07 31. 6 00 94
www.cafe-restaurant-stadthaus.de
:: 11
[machen]
sere Kunden, die verlangen jemanden, den
sie greifen können.“ Auf der andere Seite
sei es so, das es für FuM sehr wohl Kanäle
in die Tiefen des IBM-Universums gibt,
sollten sich einmal Probleme auftun.
Noch nie ein Projekt nicht abgeschlossen
zu haben, das addiert Fritz zu den Firmenerfolgen.
Was plagt, aber das betrifft
die allermeisten Unternehmen der Branche,
sei der gravierende Fachkräftemangel. Um
qualifiziertes Personal zu gewinnen, nutze
man alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
„Gute Leute können bei uns
sofort anfangen.“ Intern werde der Personalentwicklung
und -schulung ein hoher
Stellenwert eingeräumt. Auf über vier
Mio. Euro addierten sich die jährlichen
Kosten allein dafür. Was im Hause FuM
traditionell allerdings nicht kommuniziert
wird, sind die Gewinne. Die Ertragslage sei
sehr zufrieden stellend, lässt Fritz schließlich
doch ein wenig in die Karten blicken.
Seit 2006 gehört die FuM mitsamt
„Schwester“ Infoma zum niederländischen
Technologiekonzern Imtech N.V. Der Verkauf
war ein Schritt, der für Beobachter
überraschend kam und den Fritz zum einen
mit dem Wunsch begründet, das persönliche
finanzielle Risiko abschütteln zu
wollen. Zum andern habe die Absicherung
des Wachstumskurses einen wichtige Rolle
bei diesem Schritt gespielt.
Seither sind er und sein Partner Konzern-Angestellte,
ebenso wie die weiteren
Geschäftsführer-Kollegen Oliver Schallhorn
und Oliver Couvigny. „Mehr hat sich
nicht geändert.“ Soll heißen: Es gab keine
Die Mutter
Der börsennotierte Mutterkonzern
Imtech N.V. mit Sitz im holländischen
Gouda meldete zuletzt gute Unternehmenszahlen.
Die Betriebsleistung stieg
im Geschäftsjahr 2007 um 17,9 Prozent
auf 3,346 Milliarden Euro, das
EBITDA erhöhte sich um 38,1 Prozent
auf 156,5 Millionen Euro. Insgesamt
sind unter dem Konzerndach
mehr als 18.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Als Imtech Deutschlands ist der Konzern
hauptsächlich in der technischen
Gebäudeausrüstung aktiv und sieht sich
auf diesem Gebiet als Anlagenbauer in
Seit 2006 gehört das Unternehmen zum niederländischen Technology Konzern Imtech.
Zäsur, die Kontinuität bleibt trotz Besitzerwechsels
auch personell gewahrt. Der Ex-
Inhaber sieht das als nicht außergewöhnlich
an: „Wir schreiben gute Zahlen, also
haben wir große Freiheiten.“ An der „langen
Leine“ geführt? – „Falscher Begriff“,
so die knappe Antwort.
Kommen die Zuwächse einerseits aus
organischem Wachstum, so hat man anderseits
am Hörvelsinger Weg die Spielräume
für eine Einkaufstour genutzt. Vier
Firmenakquisitionen sind seither getätigt
worden, weitere „thematische Zukäufe“
sollen noch in diesem Jahr erfolgen. „Damit
wollen wir Felder abdecken, die uns im
Moment noch fehlen.“
Andere Lücken schließt man durch eigene
Entwicklungen. Große Erwartungen
einer führenden Position. Firmensitz ist
Hamburg. Über 4.000 Mitarbeiter planen,
bauen und betreiben Energie-, Klima-,
Kommunikations- und Sicherheitstechnik
für Stadien, Arenen, Flughäfen,
Industrieanlagen und andere Gebäude.
In über 60 Niederlassungen in Deutschland
sowie in einigen Ländern Osteuropas
bietet Imtech seinen Kunden Services
in Kraftwerks- und Energietechnik,
Contracting, Reinraumtechnik, Daten-,
Netzwerk- und Sicherheitstechnik, Umweltsimulation
und Prüfstandtechnik
sowie Schiffbau- und Dockbautechnik.
setzt der Geschäftsführer auf ein neu entwickeltes
Abfallnachweisverfahren. „Wir
sind damit bereits in der Vermarktung,“
ein erster Erfolg ist ebenfalls schon verbucht:
Für das entsprechende eANV-
Portal habe sich mit Remondis eines der
weltweit größten privaten Dienstleister in
der Wasser- und Kreislaufwirtschaft entschieden.
Bei dieser Entwicklung hat der
Gesetz geber den Takt vorgegeben, der die
Unternehmen bis in etwa zwei Jahren die
Pflicht auferlegt, den weiteren Weg ihrer
Abfälle zu dokumentieren und zu archivieren.
Längst ist FuM zudem über die Grenzen
des D-A-CH-Raums hinaus aktiv. Weil
dort beispielsweise die Zement- und Bauindustrie,
der Adressat für Abrechnungssysteme
für Schüttgut der „VAS-Produktfamilie“,
in der Tendenz stagniere, habe
man zum einen die großen, international
tätigen Konzerne avisiert. Einer davon,
Omya, ist bereits FuM-Kunde. Die zweite
Stoßrichtung war auf die „Hotspots“ dieser
Branchen ausgerichtet, vor allem auf
den arabischen Raum. Resultat ist ein im
saudi-arabischen Riad ansässiges Joint-
Venture, das Fritz seit 2005 jede Menge
Gesprächstoff liefert. Beim ersten Besuch
vor Ort wunderte er sich noch über den
Zeitpunkt, an dem ein erstes Meeting angesetzt
wurde – sechs Uhr morgens. In der
Mittagszeit war es ihm klar, warum: „Es
hatte 49 Grad draußen.“ Und geschäftlich?
„Läuft gut. Steil nach oben.“ Wie
auch sonst.
THOMAS VOGEL
12 ::
[namen und nachrichten]
DR. PETER KULITZ
ALS PRÄSIDENT DER
IHK ULM EINSTIMMIG
BESTÄTIGT
„Grenzen überwinden“, so lautet das Motto
auch für die zweite Amtsperiode von Dr.
Peter Kulitz. „Wir möchten die Grenzen
überwinden zwischen Schule und Wirtschaft,
Wissenschaft und Wirtschaft, sowie
zwischen Gesellschaft und Wirtschaft.
Grenzen zu überwinden gilt es auch beim
Ausbau unserer Infrastruktur“, so Kulitz
zu seinen Perspektiven für die Wahlperiode
2008 bis 2013.
Die 49 Mitglieder der Vollversammlung
haben Mitte Juli das sechsköpfige Präsidium
gewählt. An der Spitze steht Dr. Peter
Kulitz, der bereits in den vergangenen fünf
Jahren Präsident der IHK Ulm war. Nach
seiner Wiederwahl bedankte sich Kulitz
für das Vertrauen: Er freue sich, das Präsidentenamt
für eine weitere Wahlperiode
zu übernehmen.
Unter dem Motto „Grenzen überwinden“
hatte der IHK-Präsident bereits während
seiner letzten Amtsperiode zahlreiche
Projekte angestoßen, wie das Kooperationszentrum
Verkehr und Logistik der
IHK Ulm und der IHK Schwaben oder die
Gründung der Internationalen Schule in
Neu-Ulm.
Schwerpunkte der künftigen IHK-Arbeit
werden die Bildung in der Region sein,
die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft
in der Gesellschaft und die Rolle
der Unternehmer in der Gesellschaft sowie
der Ausbau der Infrastruktur. Die geplante
Schaffung eines Stiftungslehrstuhls für Familienunternehmen
soll die Bedeutung familiengeführter
Unternehmen für Wirtschaft
und Gesellschaft deutlich machen.
Dem Präsidium gehören außerdem
fünf Vizepräsidenten an. Wiedergewählt
wurden: Friedrich Kolesch, geschäftsführender
Gesellschafter, Kolesch Textilhandels
GmbH, Biberach; Andreas Maier,
geschäftsführender Gesellschafter, Hartmetallwerkzeugfabrik
Andreas Maier
GmbH, Schwendi-Hörenhausen; Harald
Seifert, geschäftsführender Gesellschafter,
Seifert Logistics GmbH, Ulm. Neu im Gremium
sind: Clemens Keller, persönlich haftender
Gesellschafter, Seeberger KG, Ulm;
Dr. H. Werner Utz, Vorstandsvorsitzender,
Uzin Utz Aktiengesellschaft, Ulm. Sie folgen
auf Klaus Sudhoff, geschäftsführender
Gesellschafter, sudhoff technik GmbH,
Ulm; und Dr. Jörg Hanisch, Prof. Fett &
Partner, Rechtsanwalt, Ulm, die aus dem
Präsidium ausscheiden.
Das Präsidium wird für fünf Jahre gewählt.
Die Mitgliedschaft in der Vollversammlung
sowie das Präsidentenamt sind
Ehrenämter. Für dieses Engagement gibt es
keine Aufwandsentschädigungen.
Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer IHK Ulm;
Dr. H. Werner Utz, Vorstandsvorsitzender,
Uzin Utz AG, Ulm; Clemens Keller,
pers. haft. Gesellschafter, Seeberger
KG, Ulm; Dr. Peter Kulitz, Präsident IHK
Ulm; Friedrich Kolesch, geschäftsführender
Gesellschafter, Kolesch Textilhandels
GmbH, Biberach; Harald Seifert,
geschäftsführender Gesellschafter, Seifert
Logistics GmbH, Ulm; Andreas Maier,
geschäftsführender Gesellschafter, Hartmetallwerkzeugfabrik
Andreas Maier GmbH,
Schwendi-Hörenhausen (von links).
:: 13
[titelthema]
„Auch eine Hochschule
kann unternehmerisch
geführt werden“
Prof. Dr. Uta M. Feser
14 ::
Interview mit Prof. Dr. Uta M. Feser
BUSINESS SCHOOL
AUS DER REGION FÜR DIE WELT
Bei der Hochschule Neu-Ulm
(HNU) gehören die Pionierjahre
der Vergangenheit an. Äußere Anzeichen
dafür sind die neue Corporate
Identity der Hochschule sowie
der Umzug in einen Neubau an der
Wiley-Straße in Neu-Ulm. Für die
HNU-Präsidentin Prof. Dr. Uta M.
Feser sind damit die Weichen für
weiteres Wachstum gestellt. Siegfried
Bauer und Thomas Zehender
sprachen mit ihr über die unternehmerische
Rolle einer Hochschul-Präsidentin,
das Verhältnis
zur regionalen Wirtschaft und die
Zukunft der HNU.
Sind Sie als Präsidentin einer Hochschule
auch eine Unternehmerin?
Eigentlich bin ich Hochschulpräsidentin
geworden, damit ich das, was ich in der Betriebswirtschaft
lehre, in die Praxis umsetzen
kann. Zudem wird meines Erachtens
der nächste unternehmerische Zyklus die
Bildungspolitik sein. Ja, auch eine Hochschule
kann unternehmerisch geführt werden,
obwohl sie ein staatlich regulierter
Bereich ist, in dem nicht das gesamte
betriebswirtschaftliche Instrumentarium
funktioniert.
Wie führt man eine Hochschule
unternehmerisch?
Als ich im März 2006 als Präsidentin nach
Neu-Ulm gekommen bin, bestimmten noch
Sparmaßnahmen der Mittelstraßkommission
die Hochschulpolitik. Damals zählten
wir einschließlich Weiterbildung etwa
1.750 Studierende. Zunächst habe ich mit
allen Mitarbeitern ein extern moderiertes
Strategie-Meeting gemacht. Zwei Tage
lang haben wir uns Gedanken gemacht,
was unsere Hochschule auszeichnet, wo
wir in den nächsten zehn Jahren hin wollen,
was unsere Stärken und Schwächen
sind. In einem Konsensprozess haben wir
unsere Strategie verabschiedet, die sich
in dem Slogan „Wir sind die Business
School aus der Region für die Welt“ spiegelt.
Schließlich ist die Betriebswirtschaftslehre
unser Hauptfach. Aus der Strategie
ist die Struktur der Hochschule Neu-Ulm
entstanden mit den beiden Fakultäten Betriebswirtschaft
sowie Informationsmanagement
und Unternehmenskommunikation.
Innerhalb der Betriebswirtschaft
haben wir unterschiedliche Kompetenzzentren
gegründet: Logistik, Gesundheitsmanagement,
Marketing und Sales. Im
Laufe der Zeit werden vielleicht noch ein
oder zwei Kompetenzzentren hinzukommen.
Aus dem Strategie-Meeting sind weitere
konkrete Dinge entstanden wie der
Name Hochschule Neu-Ulm (HNU), die
aktuelle Corporate Identity und der neue
Internet-Auftritt. Parallel dazu haben wir
die Verwaltung neu organisiert, wobei aus
bisher zwölf Referaten sieben gebildet wurden.
Eine wichtige Rolle als front office
spielt das Studien- und Informationscenter
(SIC), das etwa 80 Prozent aller Anfragen
der Studenten abdeckt und so die Referate
entlastet. Und mit unserem neuen Gebäude
haben wir uns bezüglich des Außenauftritts
quasi neu erfunden. Außerdem haben
wir ein Personalentwicklungsprogramm in
der Verwaltung über zwei Jahre gestartet,
das in Bayern einzigartig ist.
Wo gibt es noch Unterschiede zu einem
normalen Unternehmen?
Wir sind zwar autonom, müssen uns aber
an bestimmte Vorschriften halten. Ich
kann zum Beispiel mein Produkt nicht >
Familienfreundlichkeit auf 163 Meter Länge:
Die neue Hochschule Neu-Ulm.
:: 15
[titelthema]
Jetzt haben wir viel über das Unternehmen
„Hochschule“ gesprochen. Wie
verbunden sind Sie mit den Unternehmen
in der Region?
Neu-Ulm ist praktisch als „Unternehmen“
Fachhochschule ins Leben gerufen worden.
Es gibt einen Förderverein, in dem fast alle
Unternehmen in der Umgebung Mitglied
sind. Derzeit besuche ich auch aus Anlass
der Festwoche etwa 25 bis 30 Unternehmen,
um zu erfahren, wo wir eine strategische
Partnerschaft eingehen oder verstärken
können. Das Interessante ist: Bei fast
allen Firmen treffe ich gleich auf einen unserer
Absolventen.
Beschränkt sich das auf die Vergabe von
Diplomarbeiten oder gibt es längerfristige
Kooperationen?
Einmal im Jahr veranstalten wir ein Mittelstandsforum.
Dann bin ich durch die
Hochschule Mitglied im Club der Industrie
und auch unsere ProfessorInnen haben
sehr viel mit den Unternehmen in der
Region zu tun. Außerdem machen einige
Firmen bei uns regelmäßig Konzeptionsseminare,
zum Beispiel im Bereich Marketing-
und Gesundheitsmanagement.
Hochschul-Präsidentin Uta M. Feser im Gespräch mit SÜDWEST PRESSE-Wirtschaftsressortleiter
Siegfried Bauer (links) und Thomas Zehender.
ganz unabhängig bestimmen, weil das Ministerium
die Studiengänge genehmigen
muss. Auch Professoren kann ich nicht
ohne Genehmigung des Ministeriums einstellen.
Beamten kann ich nur beschränkt
Leistungszulagen gewähren, und ich muss
mich an bestimmte Ausschreibungsverfahren
in der Beschaffung halten. So sind zum
Beispiel schon ab 750 Euro drei Angebote
vorgeschrieben.
Wie sieht die Zukunft der Hochschule
Neu-Ulm aus?
Für die nächsten fünf Jahre gibt es eine
konkrete Ausbauplanung mit mehr als
300 neuen Erstsemesterstudienplätzen,
das heißt mehr als 1.000 neue Studienplätze
und mindestens 25 zusätzliche Professoren.
In meiner Anfangszeit zählte die
Hochschule Neu-Ulm 1.750 Studierende.
Mit dem Kanzler war ich mir als Betriebswirtschaftlerin
einig, dass dies keine optimale
Betriebsgröße ist – vor allem im Blick
auf die Verwaltung. Rund 2.500 bis 3.000
Studierende wären optimal.
Was sind die besonderen Eigenschaften
der Hochschule Neu-Ulm?
Besonders beeindrucken mich der Elan
und die Motivation der Studierenden, die
bei der Umsetzung unserer Konzepte mitwirken.
Wir haben 2006 eine Studierendenbefragung
durchgeführt und 2007 eine
Mitarbeiterbefragung; beides haben Studierende
ausgewertet als Diplom- bzw. Projektarbeit.
Auch bei der neuen Corporate
Identity, beim Campus TV, beim Newsletter
und vielem mehr haben Studierende
wichtige Arbeit geleistet. Gleiches gilt für
die Festwoche im Oktober diesen Jahres.
Manches hat sich bereits ausgezahlt: Wir
haben ein europäisches Qualitätssiegel erhalten
für unseren internationalen Bereich
und wir sind für die Verwaltung der Studiengebühren
mit einem ersten Preis ausgezeichnet
worden.
Sie dürfen alles, nur Ihren Etat nicht
überschreiten, oder?
Ja. Aber durch die laufende Bildungsoffensive
in Bayern und da wir neue Studienplätze
schaffen, bekommen wir eine sehr
gute Unterstützung.
Wie groß ist die Nachfrage der regionalen
Industrie nach Absolventen der Hochschule
Neu-Ulm?
Schätzungsweise 50 Prozent unserer Absolventen
bleiben in der Region. Seit ich
Präsidentin bin, war kaum jemand bei mir,
weil er nach dem Studium keine Anstellung
bekommen hätte. Im Gesundheitsmanagement
war dies noch nie ein Problem, weil
diese Absolventen sofort vom Markt aufgesaugt
werden, von Unikliniken, größeren
Praxen oder Beratungsgesellschaften.
Wie sieht ein normaler Tagesablauf der
Unternehmerin Feser aus?
Ich bin nicht der absolute Frühaufsteher und
trinke morgens gerne in Ruhe meinen Kaffee,
lese die Zeitung und schaue im Fernsehen
das Morgenmagazin an. In der Regel bin ich
gegen 9 Uhr an der Hochschule. Abends arbeite
ich eher lange, weil es dann ruhiger ist.
Tagsüber zwischen 10 und 17 Uhr sind viele
Termine, Sitzungen und Besprechungen.
Wichtig ist mir die interne Kommunikation.
Einmal im Semester treffen wir uns zum
HNU Meeting, einer Dienstbesprechung für
alle Mitarbeiter. Dann gibt es eine regelmäßige
Kooperationssitzung mit der anderen
Seite der Donau sowie die Rektoren- und
Präsidentenkonferenz.
Sind Sie mehr Managerin als Wissenschaftlerin?
Mittlerweile ja. Aber eine Hochschule ist
immer eine Hochschule für angewandte
Wissenschaften. Betriebswirtschaftslehre
ist immer anwendungsorientiert auf das
16 ::
Unternehmen ausgerichtet. Das heißt:
Je besser wir das betriebswirtschaftliche
Instrumen tarium einsetzen, desto mehr
können wir unsere eigene Hochschule gestalten
und unternehmerisch führen.
Sind Sie lieber Managerin als
Wissenschaftlerin?
Das Eine schließt das Andere nicht aus. Im
Bereich Gesundheitsmanagement betätige
ich mich immer noch wissenschaftlich
und arbeit gerade an Fallstudien. In meinen
sehr gegensätzlichen Steckenpferden,
nämlich Controlling und Marketing im
Krankenhaus.
Geht es beim Krankenhausmanagement
nur darum, die vorhandenen Geldmittel
zu verteilen oder kann man da auch mit
betriebswirtschaftlichen Instrumenten
operieren?
Das muss man sogar wegen der Auflagen
im Gesundheitswesen. Rationalisierung
wirkt sich dabei immer positiv auf
die Qualität aus. Häufig ist zu hören, dass
Rationalisierung zu Lasten der Patienten
geht, weil immer weniger Personal vorhanden
ist. Wenn Prozesse geregelt sind,
dann haben Arzt oder Krankenschwester
wieder mehr Zeit für den Patienten. Insgesamt
müsste in den Krankenhäusern mehr
investiert werden …
… bei Ausstattung oder Personal?
Teilweise müsste auch in die Gebäude
selbst investiert werden, zum Beispiel im
Blick auf die Energiekosten.
Wie steht es um die Zukunft
der kleineren
Krankenhäuser?
Kann es ein
Weg sein, solche
Häuser zu
spezialisieren?
Selbstverständlich,
aber man braucht den entsprechenden
Arzt und Leistungsträger dazu. >
:: 17
[titelthema]
Mas terabschlüsse im betriebswirtschaftlichen
Bereich waren schon immer weltweit
anerkannte Studienabschlüsse. Übrigens
haben wir über den Namen unserer
Hochschule demokratisch abgestimmt.
Den Namen Hochschule Neu-Ulm oder
HNU wollen wir langfristig in der Öffentlichkeit
durchsetzen.
In welchen Bereichen wünschen Sie sich
noch etwas mehr Innovation?
Ich möchte unsere Studierenden noch
mehr dazu bewegen, dass sie über Kunst,
Kultur und Leadership nachdenken. Man
muss Ziele vorgeben und Menschen motivieren
können.
Viele Kliniken haben mittlerweile ihr Leistungsprogramm
umgestellt.
Wie beurteilen Sie die Lage der Krankenhäuser
in Ulm und der Umgebung?
Mit der Universitätsklinik für die Maximalversorgung,
dem Bundeswehrkrankenhaus
und dem Rehabilitationskrankenhaus
Ulm (RKU) und vielen spezialisierten medizinischen
Versorgungszentren sind wir
sehr gut aufgestellt.
Sind wir überversorgt in der Ulmer
Gegend mit Krankenhäusern, Krankenbetten
und ärztlichen Leistungen?
In den kommenden zehn Jahren wird noch
einiges wegbrechen. Bei der momentanen
Struktur sind wir nicht überversorgt, aber
es gibt ein betriebswirtschaftliches Optimierungspotenzial.
Im Gesundheitswesen
ist es wichtiger zu rationalisieren bevor wir
Leistungen rationieren.
Zurück zur Hochschule Neu-Ulm. Der
Begriff Business School klingt etwas nach
Schule, zumindest für deutsche Ohren.
Ja, für deutsche Ohren schon. Aber Sie
würden nie bei einer Harvard Business
School oder einer London Business School
sagen, das ist eine Schule. Bachelor- und
Bilden Sie Ihre Studierenden überhaupt
im Management- oder Führungsaufgaben
aus?
Ja, sicherlich. Unternehmensführung ist ein
großer Block innerhalb des Studiums.
Zur Zeit gibt es eine große Diskussion
über den Werteverfall in der deutschen
Wirtschaft. Wie bringen Sie Ihren Studierenden
Werte und Ethik nahe?
Unternehmensethik gehört zum Inhalt des
Studiums. Wichtig ist für mich, das Ausfüllen
von Ehrenämtern an der HNU. So haben
wir zum Beispiel seit Jahren sehr gute
Kooperationen mit afrikanischen Ländern.
Aktuell bilden wir 25 Studierende aus fünf
afrikanischen Ländern im Krankenhausbereich
aus. Wir haben ein Friends-Programm
eingerichtet, in dem Leute aus der
Region die Studierenden betreuen. Das
kommt sehr gut an, auch weil man so auf
eine ganz bodenständige Art und Weise
der Ausländerfeindlichkeit entgegentritt.
Hochschule Neu-Ulm auf einen Blick
Als Teil der Fachhochschule Kempten/
Neu-Ulm beginnt im Januar 1994 der
Lehrbetrieb in Neu-Ulm mit 120 Studierende
im Fach Betriebswirtschaft.
Im Oktober 1998 erlangt die Fachhochschule
Neu-Ulm ihre Selbstständigkeit.
Heute sind an der Hochschule Neu-Ulm
(HNU) 1.800 Studierende eingeschrieben,
davon etwa 1.600 in den Bachelor-Studiengängen
Betriebswirtschaft,
Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation.
Wirtschaftsingenieurwesen,
Logistik und Wirtschaftsinformatik.
Etwa 200 Studierende haben
sich für einen MBA-Studiengang entschieden.
An der HNU lehren 40 Professoren
und etwa 180 Lehrbeauftragte,
in der Verwaltung sind etwa 60 Mitarbeiter
beschäftigt. Im August ist die
Hochschule in einen Neubau an der
Wileystraße umgezogen. Neubau und
das zehnjährige Bestehen der HNU
sind Anlasse für eine Festwoche vom
7. bis zum 12. Oktober.
www.hs-neu-ulm.de
18 ::
Intern haben wir die Karibunis als Ehrenamtliche;
Karibunis heißt Freunde auf
Kishuaeli. Damit fördern wir die Verantwortlichkeit
auch für Dinge, die außerhalb
von Studium und Klausuren liegen. Letztlich
wollen wir ein Kultur- und Kompetenzprogramm
auflegen. Im Wintersemester
starten wir mit drei Wahlpflichtfächern
und weiteren gemeinschaftlichen Aktivitäten.
Werden auch aktuelle Themen wie der
Siemens-Skandal in der Hochschule
behandelt und diskutiert?
Ja, das spielt schon eine Rolle beim Thema
Unternehmensführung. Unsere Postgraduierten
haben gerade eine Fallstudie zu Siemens
erstellt.
Ein ganz anderes Thema:
Weshalb stehen nach wie vor so wenige
Frauen an der Spitze von Unternehmen?
Zunächst haben Frauen in dieser Hinsicht
einen Nachholbedarf. Einen Anteil von >
Mit Brief und Siegel!
Unsere Porsche Approved Gebrauchtwagen
Wir haben ein ständig wechselndes Angebot von Werkswagen und
jungen Gebrauchten bei uns vor Ort. Selbstverständlich mit der
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info@porsche-ulm.de
:: 19
[titelthema]
Prof. Dr. Uta M. Feser
Neu-Ulm, Oberbayern, Afrika
Uta Feser (Jahrgang 1959) stammt aus
einer Nürnberger Beamtenfamilie und
ist mit drei Geschwistern aufgewachsen.
Das Studium der Wirtschafts- und
Sozialpädagogik an der Universität
Erlangen-Nürnberg hat sie als Diplom-
Handelslehrerin abgeschlossen. Anschließend
promovierte sie mit dem
Thema „Berufsausbildung im Bankgewerbe“.
Ihre Hochschulkarriere begann
Uta Feser als akademische Rätin für allgemeine
Versicherungs- und Bankbetriebswirtschaftslehre
der Universität
Erlangen-Nürnberg und wechselte anschließend
als verantwortliche Teamleiterin
für Klinikmanagement zu einer Beratungsgesellschaft
und anschließend
als Leiterin der betriebswirtschaftlichen
Abteilung und des Controllings zur Europäischen
Klinik Treuhand und Management
AG Nürnberg. Im September
2000 kam Uta Feser als Professorin für
Gesundheitsmanagement an die Fachhochschule
Neu-Ulm, im Dezember
2005 hat sie der Senat einstimmig zur
Präsidentin gewählt.
Uta Feser hat eine Tochter, wohnt in
Ulm und genießt als Ausgleich zu ihrem
Beruf besonders gerne die meditative
Ruhe der Bergwelt Oberbayerns. Außerdem
gibt sich die Hochschul-Präsidentin
als leidenschaftlicher Afrika-Fan
zu erkennen.
40 Prozent Frauen in Führungspositionen
wie in Norwegen würden wir wohl nur mit
einer Quotenregelung hinbekommen.
Wäre eine Quotenregelung denn
vernünftig?
Ich würde eine Quotenregelung nicht unbedingt
befürworten. Für mich gibt’s aber
erst dann eine Gleichberechtigung, wenn
mindestens ebenso viele mittelmäßige
Frauen in Führungspositionen sind wie
mittelmäßige Männer.
Werden Frauen zu wenig gefördert?
Sie haben nicht solche Netzwerke wie
Männer. Und es fehlt ihnen manchmal der
Mut und das Selbstvertrauen, wie ich aus
Bewerbungsgesprächen erfahren habe.
Wie fördern Sie konkret Frauen an der
Hochschule Neu-Ulm?
Unser Ziel ist die familienfreundliche
Hochschule; dabei werden wir noch im
Herbst von der Hertie-Stiftung zertifiziert.
Außerdem arbeiten wir an einem Gleichstellungskonzept
und fördern Führungskräfte
in der Verwaltung und der Lehre. Es
gibt viele Teilzeitangebote und ab Herbst
eine „Kinder-Insel“ als Tagespflege-Einrichtung
für Kinder im Alter zwischen acht
Wochen und 15 Jahren. Das Angebot richtet
sich an unsere Studierende und Mitarbeiter
sowie an die Unternehmen in der
Umgebung. Finanziert wird es teilweise als
Modellprojekt, teils vom Sozialministerium,
vom Landratsamt, der Stadt Neu-Ulm
und der Hochschule selbst.
Wenn Sie so eine starke unternehmerische
Ader haben, wäre es dann nicht
konsequent gewesen, an eine private
Hochschule zu gehen?
Das hat sich nicht ergeben. Der Trend ist
auch eher umgekehrt, denn die staatlichen
Hochschulen erhalten viele Bewerbungen
aus privaten Hochschulen.
Die Hochschule Neu-Ulm ist vor kurzem
umgezogen. Was verbinden Sie mit dem
Neubau?
Der Neubau ist als logische Folge aus der
Wachstumsstrategie der HNU entstanden.
Und eine gewisse äußere Hülle gehört
einfach dazu. Als ich im Wintersemester
2000/01 nach Neu-Ulm gekommen
bin, hatte die Hochschule fünf oder sechs
ausländische Studierende, im kommenden
Wintersemester sind es 37. Wenn wir das
steigern wollen, müssen wir in jeder Hinsicht
attraktiv sein.
Nehmen die Pläne für eine dritte Fakultät
schon Gestalt an?
Jein. Ich will nicht per se eine dritte Fakultät
haben. Unternehmenspolitisch betrachtet
sind Fakultäten möglicherweise
ein überholtes Konzept. Interdisziplinarität
ist dagegen wichtig. Wir sind auch in
der Diskussion mit der anderen Seite der
Donau – aber es muss einen Sinn haben.
Was in unser Konzept passen würde, wäre
der Bereich Wirtschaftspädagogik oder Sozialmanagement.
Zudem bieten wir alle
Inhalte des grundständigen Studiums als
Weiterbildung an wie zum Beispiel MBA
für Ärzte, für Ingenieure und in Betriebswirtschaft
und einen MBA für strategisches
Informationsmanagement vom kommenden
Wintersemester an.
Stimmt es, dass Sie auch Wirtschaftsjournalismus
anbieten wollen?
Ja, das stimmt und es passt zu unserem
Selbstverständnis als Business School. Beginn
ist im Wintersemester 2010/11.
THOMAS ZEHENDER
FOTOS: MATTHIAS KESSLER, ARCHIV
20 ::
[namen und nachrichten]
IHK BODENSEE-
OBERSCHWABEN:
GRIESHABER IST
NEUER PRÄSIDENT
Heinrich Grieshaber, Vorstand der Grieshaber
Logistik AG Weingarten, ist der
neue Präsident der Industrie- und Handelskammer
Bodensee-Oberschwaben (IHK).
Die Vollversammlung der IHK hat ihn in
ihrer konstituierenden Sitzung mit überwältigender
Mehrheit gewählt. In der IHK
vollziehe sich ein Generationenwechsel,
berichtet der scheidende IHK-Präsident
Jürgen Winterhalter, der am 20. September
in Weingarten sein Amt übergeben wird.
Dann wird auch Professor Dr. Peter Jany
als Nachfolger von IHK-Hauptgeschäftsführer
Helmut Schnell, der in den Ruhestand
geht, offiziell eingeführt.
Dem neuen IHK-Präsidenten Grieshaber
steht ein neues Präsidium mit sechs Vizepräsidenten
zur Seite: Michael Leibinger
Das neu gewählte Präsidium der IHK Bodensee-Oberschwaben (von links): Michael Grossmann
(Bodenseekreis), Hans Steidle und Bernhard Eisele (beide Landkreis Sigmaringen), Präsident Heinrich
Grieshaber, Anne Schmieder und Michael Leibinger (beide Landkreis Ravensburg) sowie Günter
Bittelmeyer (Bodenseekreis).
(Geschäftsführer Brauerei Max Leibinger
GmbH), Anne Schmieder (Geschäftsführerin
Schmieder GmbH Fronreute), Günter
Bittelmeyer (Prokurist MTU Friedrichshafen
GmbH), Michael Grossmann (persönlich
haftender Gesellschafter Fritz
Grossmann KG Friedrichshafen), Bernhard
Eisele (Geschäftsführer Franz Eisele
& Söhne GmbH & Co. KG Sigmaringen)
sowie Hans Steidle (Geschäftsführer Emil
Steidle GmbH & Co. KG. Sigmaringen).
„Mich hat das Präsidentenamt voll
ausgefüllt, und es hat Spaß gemacht“, so
Winterhalter, der auf 25 Jahre ehrenamtliches
Engagement für die IHK zurückblicken
kann. Die Vollversammlung wählte
ihn einstimmig zum Ehrenpräsidenten
der IHK.
:: 21
[namen und nachrichten]
TERRA-S GEWINNT
PATENTSTREIT
Ein jahrelanger Patentrechtsstreit zwischen
der in Owingen am Bodensee ansässigen
Terra-S und dem japanischen Sumitomo-Konzern,
zu dem die deutsche
Dunlop gehört, ist entschieden. Sumitomo
hatte 2004 vor dem Landgericht Düsseldorf
geklagt, Terra-S, weltweit führender
Anbieter von Reifendichtegelen für
Pannenbehebungen, habe den deutschen
Teil eines Europäischen Patents verletzt
und damit zunächst Erfolg gehabt. Terra-
S wehrte sich mit einer Teilnichtigkeitsklage
vor dem Bundespatentgericht in München,
das die Schutzfähigkeit des Patents
nun in relevanten Passagen für nichtig erklärte.
Namhafte Automobilfirmen wie
Porsche, VW, BMW, Peugeot und Honda
hatten in Verhandlungen mit Terra-S Automotive
Systems bereits Nervosität wegen
des Rechtsstreits erkennen lassen. Terra-S
beschäftigt 70 Mitarbeiter, macht 20 Mio.
Euro Umsatz und unterhält Vertriebsbüros
in 25 Ländern.
PFLEIDERER
INVESTIERT
NEUN MILLIONEN
Die Pfleiderer AG in Neumarkt/Oberpfalz
investiert in ihren Standort in Leutkirch im
Allgäu 9 Mio. Euro. Beim Hersteller für
Holzwerkstoffe entsteht neben einem neuen
Lager für imprägnierte Dekorpapiere
vor allem ein Imprägnierkanal für die Produktion
leicht zu säubernder Oberflächen
in scheuerfester Ausführung nach nanotechlogischen
Verfahren für die Möbelindustrie
und den Innenausbau.
MESSE AUF
ERFOLGSKURS
Bei der Messe Friedrichshafen weisen die
Zahlen für das vergangene Jahr bei Umsatz,
Ausstellern und Besuchern Rekorde
aus. 5.400 Aussteller aus 59 Ländern locken
586.000 Besucher nach Friedrichshafen,
so dass die Messe einen Umsatz von
24,1 Mio. Euro verbuchen kann. Als Zugpferde
erweisen sich Tuning World Bodensee,
Eurobike, Outdoor und Interboot.
Auch die Aussichten werden optimistisch
eingeschätzt. Der Vertrag mit den Outdoor-Veranstaltern
ist bis 2013 verlängert
und der für die Fakuma gar bis 2020. Darüber
hinaus nutzen heimische Firmen wie
Hymer oder Daimler, das Fernsehen und
Musikgruppen das Messegelände für Tagungen
oder Events. Nur beim Gewinn hapert
es noch: der liegt mit 368.000 Euro
im Minus. Für das laufende Geschäftsjahr
wird eine schwarze Null erwartet.
SCHULER PROFITIERT
VON MÜLLER
WEINGARTEN
Müller Weingarten trägt entscheidend dazu
bei, dass der weltgrößte Pressenhersteller
Schuler, Göppingen, beim Halbjahresumsatz
kräftig zulegen kann. Während der
im Vorjahreszeitraum 239,5 Mio. betrug,
klettert er jetzt auf 418,3 Mio. Euro. Auch
das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird
von 7,7 auf 16,6 Mio. Euro mehr als verdoppelt.
Müller Weingarten wurde erst
im September vorigen Jahres von Schuler
übernommen.
MIT „TOP 100 “
AUSGEZEICHNET
Der Finanzdienstleister GECAM aus Wangen/Allgäu
und das Pharmaunternehmen
ratiopharm in Ulm sind in diesem Jahr mit
dem Gütesiegel „Top 100 “ für Innovationsstärke
mittelständischer Unternehmen
in Deutschland ausgezeichnet worden. Die
Auszeichnung wird seit 16 Jahren von einer
Jury vergeben, der namhafte Wirtschaftsführer
und Wissenschaftler angehören. In
fünf zentralen Bereichen des Innovationsmanagements
muss das Innovationspotenzial
nachgewiesen werden. Die GECAM
AG, die sich auf individuelle Portfolioverwaltung
spezialisiert hat, konnte durch
eine ungewöhnlich hohe Zahl an Verbesserungsvorschlägen
pro Mitarbeiter überzeugen.
Ratiopharm, das jährlich rund 20
Patente anmeldet, fiel durch sein innovatives
Unternehmensklima auf.
EUROPÄISCHE-
AUSZEICHNUNG
FÜR VAUDE
Der Sportausrüster VauDe in Tettnang erhält
als erstes europäisches Outdoor-Unternehmen
von der EU das EMAS-Zertifikat
für vorbildliches Umweltmanagement. Der
EMAS-Standard (Eco Management and Audit
Scheme) wurde von der Europäischen
Union eingeführt mit dem Ziel, die Umweltleistung
von Unternehmen zu überwachen
und ständig zu verbessern. VauDe hat
sich ein Jahr lang einem Öko-Audit externer
Gutachter unterworfen. Das Zertifikat, das
drei Jahre gültig ist, wird regelmäßig von
externen Gutachtern validiert, ob die gesetzten
Umweltziele erreicht werden.
LANDESPREIS JUNGE
UNTERNEHMEN
Drei Firmen aus der Region Oberschwaben/Bodensee
sind in die Endausscheidung
für den Landespreis für junge Unternehmen
gekommen, der von L-Bank gestiftet
wird und mit 100.000 Euro dotiert ist. Es
sind dies die Dokuwerk KG in Friedrichshafen,
die S.I.M.E.O.N. Medical GmbH in
Tuttlingen und die Firma Sichtbetonkosmetik
Kopp in Emerkingen bei Biberach.
Der Landespreis für junge Unternehmen
wird seit 1998 vergeben. Die Verleihung
findet am 4. November statt.
WALDNER BAUT
LOGISTIKZENTRUM
Die Waldner-Gruppe in Wangen im Allgäu
bezieht ein neues 900 qm großes Logistikzentrum,
das sie auf dem Gelände einer
ehemaligen Fleischfabrik für 1,3 Millionen
Euro gebaut hat. Die Warenanlieferung für
die Firmen der Waldner-Gruppe wird effizienter,
Verkehrsstaus werden vermieden.
22 ::
ENTHÜLLUNG BEIM SOMMERFEST DER PORSCHE-FAMILIE
Des Porsches transparente Kleider: Verborgen und doch sichtbar präsentierte sich der neue 911.
„Das war ganz toll“, ist Johannes Strobel,
Geschäftsführer des Porsche-Zentrums
Ulm/Neu-Ulm, heute noch immer
begeistert vom großen Erfolg des Porsche-
Sommerfests. Die „Porsche-Familie“, so
nennt Strobel die Freunde der Zuffenhausener
Fahrzeuge, hat im „Lago“ am Unteren
Ausee in der Ulmer Friedrichsauaber
nicht nur einen schönen Abend mit bester
Unterhaltung und kulinarischen Hochgenüssen
gefeiert, sondern auch eine Enthüllung.
Denn bei diesem Ereignis wurde der
neue Porsche 911 erstmals den Porsche-
Enthusiasten vorgestellt. Genau genommen
muss es ja heißen: der Porsche 997
zweite Generation, denn unter dieser offiziellen
Typenbezeichnung rangiert der neue
911. Ein Facelifting – unter anderem mit
dem Einsatz von LED – verändert das Erscheinungsbild
des 911, belässt ihn aber in
seinen traditionellen und gewohnten Formen.
Entscheidender dafür manche Änderung
unterm Blech, zum Beispiel an den
Motoren, die jetzt auf deutlich mehr Sparsamkeit
und weniger CO 2
-Emissionen ausgerichtet
sind. Besonders attraktiv machte
den erst unter Tüchern verborgenen neuen
Porsche, dass ein kurzer Regenguss (der
die Festgäste im Lago und auf der Terrasse
nicht störte) ihm ein semitransparentes
Outfit verpasste …
LORENZ KOCH
Beim Sommerfest der „Porsche-Familie“ im „Lago“ ging es nicht nur um das neue Auto, sondern auch um Gespräche, Fröhlichkeit und gutes Essen.
Wir gehen für Sie mit der Zeit.
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FLEXIBEL
LOYAL
:: 23
[führen]
Gastbeitrag Roland Berger Strategy Consultants
ZENTRAL STEUERN,
DEZENTRAL FÜHREN
Eine starke Zentrale, die alles steuert,
oder dezentrale Einheiten,
die alles selbst entscheiden? Diese
„Entweder-oder“-Frage stellt sich
in vielen Unternehmen heute nicht
mehr. Vielmehr geht es darum, zentrale
Federführung und dezentrale
Flexibilität ausgewogen zu kombinieren
und so die Vorteile beider
Organisationsformen für das Gesamtunternehmen
zu nutzen.
Firmen, die sich heute im Wettbewerb behaupten
wollen, müssen einen schwierigen
Spagat meistern: Einerseits müssen sie profitabel
sein, das heißt, kosteneffizient arbeiten.
Andererseits müssen sie innovativ
sein, um nachhaltig bestehen und wachsen
zu können. Kosteneffizienz auf der einen
und Innovationsfähigkeit auf der anderen
Seite verlangen nach unterschiedlichen
Entscheidungsstrukturen: Kontrolle über
die Kosten lässt sich am besten durch zentral
ausgerichtete Führungsstrukturen und
zentralisierte Entscheidungskompetenzen
erreichen. Innovationen dagegen – egal
ob mit neuen Produkten oder Dienstleistungen,
neuen Prozessen oder Vertriebswegen
oder durch das Erschließen neuer
Märkte – verlangen nach Kreativität und
Entscheidungsfreiheit, wofür sich wiederum
dezentrale Organisationsstrukturen
am besten eignen.
Es bleibt also ein Zielkonflikt: Zu viel
Hierarchie erstickt Innovationen und behindert
damit Wachstum, während ein
Die Autoren Dr. Tim Zimmermann links und Maren Hauptmann rechts.
Mangel an zentraler Steuerung Skaleneffekte
und Effizienzgewinne bremst und somit
die Profitabilität eines Unternehmens
herabsetzt. Umgekehrt heißt das: Verfügt
eine Firma über einen optimalen Mix
zentraler und dezentraler Elemente in ihren
Entscheidungsstrukturen, kann sie die
Vorteile beider Organisationsformen nutzen
und Nachteile weitgehend vermeiden.
Dies zeigt auch die Studie „Profitables
Wachstum organisieren: zentral steuern,
dezentral führen“, für die Roland Berger
Strategy Consultants fünf erfolgreiche und
wachstumsstarke Unternehmen untersucht
hat: General Electric, Lufthansa, Inditex,
Starbucks und Adidas haben jeweils ihren
Weg gefunden, um die Vorteile zentraler
und dezentraler Entscheidungsstrukturen
miteinander zu verknüpfen und für ihre
Strategie nutzbar zu machen. So wird etwa
bei Starbucks das operative Geschäft überwiegend
dezentral in den Regionen verantwortet,
während gleichzeitig ein zentral
gesteuertes Marketing dafür sorgt, dass
die Kunden weltweit in allen Filialen das
typische „Starbucks-Feeling“ vorfinden.
Lufthansa steuert seit Anfang 2007 das
Kerngeschäft nicht mehr zentral, sondern
hat drei selbstständige Bereiche eingeführt,
die „näher am Kunden“ sind und zum Beispiel
eigenständig über Flugplanung und
Preisgestaltung entscheiden. Das Aufstellen
von Richtlinien, die Ressourcenverteilung
sowie Querschnittsaufgaben wie Human
Resources, IT und Controlling liegen
dagegen weiterhin bei der Zentrale.
Wie findet eine Firma nun den richtigen
Mix aus Zentralität und weiter S. 26 >
24 ::
Anzeige
BERTRANDT SERVICES: Dienstleistungen auf hohem Niveau
Nur wer zur richtigen Zeit auf die richtigen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzt, behauptet
sich langfristig an der Spitze des
Marktes. Diesen Anspruch hat Bertrandt
Services als professioneller Dienstleistungspartner
für Industrie und Mittelstand an
sich. Das Tochterunternehmen der Bertrandt
AG bietet an 16 Standorten in Deutschland
mit seinen qualifizierten Fach- und
Führungskräften technische und kaufmännische
Dienstleistungen in den Branchen
Elektrotechnik, Energie, Informationstechnologien,
Maschinenbau/Metall, Medizintechnik,
Pharma/Chemie, Telekommunikation
und Versicherungen/Banken an.
Absolute Kundenorientierung, hohe
Qua lität und fundierte Erfahrung – dafür
steht die Bertrandt Services GmbH.
Am Standort Ulm bietet das Unternehmen
ein umfangreiches Portfolio an Dienstleitungen.
Dabei liegt der Schwerpunkt auf
den technischen und kaufmännischen
Fach- und Führungspositionen. Standortleiterin
Adele Frommholz: „Wir möchten
uns als dauerhafter Dienstleistungspartner
in Ulm etablieren. Dabei können wir auf
langjährige Erfahrung und umfangreiches
Branchen-Know-how zurückgreifen“.
Leistungsmix ermöglicht weiteres
Wachstum
Mit seiner Tochtergesellschaft weitet Bertrandt
die in über 30 Jahren gesammelte,
fundierte Prozess- und Schnittstellenkompetenz
auf neue Branchen aus. Die bestehenden
Erfahrungen aus dem klassischen
Engineering nutzt Bertrandt Services, um
Kundenbedürfnisse in langfristigen Partnerschaften
zu erfüllen. Dabei steht das Unternehmen
für umfangreiche Leistungen, die
an den individuellen Bedürfnissen der einzelnen
Branchen und Berufsgruppen ausgerichtet
sind. Zum Leistungsspektrum gehören
im technischen Bereich beispielsweise
Engineering sowie Qualitäts-, Prozess- und
Projektmanagement. Kaufmännisch werden
Kunden in den Feldern Einkauf, Personal,
Schulungen, Marketing, Vertrieb,
IR/PR, Recht, IT/SAP und Finanzen/Controlling
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:: 25
[führen]
Dezentralität? Hierfür hat Roland Berger
ein Analyseraster entwickelt, mit Checkliste
für das Management. Diese Matrix sieht
vier Kategorien mit verschiedenen Kriterien
vor: in der Kategorie „Informationen“
etwa die Kriterien Kundensegmentierung
(homogene oder heterogene Zielgruppe?),
regionale Segmentierung (homogener oder
heterogener Zielmarkt?) und Haltbarkeit
der Informationsgrundlage (konstant oder
unvorhersehbar?). Die Kategorie „Incentivierung“
beinhaltet beispielsweise das Kriterium
Zeithorizont (langfristig oder kurzfristig?),
die Kategorie „Aufgaben“ die
Frage nach der Standardisierbarkeit und
die Kategorie „Wettbewerb“ das Thema
Wettbewerbsvorteil (Preis oder Innovationen?).
Jedes dieser Kriterien lässt sich auf
einer Skala zwischen „vollständige Zentralität“
bis „vollständige Dezentralität“
einordnen. Das Ergebnis dieser Analyse ist
ein detailliertes Funktionsprofil, das Hinweise
für die Aufstellung der Organisationsstruktur
gibt.
Der Bedarf an zentraler Steuerung kann
auch innerhalb eines Unternehmens stark
variieren. Daher gilt es einzelne Funktionen
differenziert zu betrachten und entsprechend
ihren Besonderheiten mit einem
unterschiedlichen Grad zentraler oder dezentraler
Entscheidungsbefugnisse auszustatten.
Funktionen, deren primärer Werttreiber
Effizienz ist – meist kundenferne
Funktionen – benötigen einen eher hohen
Zentralisierungsgrad. Eher kundennahe
Funktionen, die ihren Wert vor allem aus
Flexibilität und detailliertem Vor-Ort-Wissen
schöpfen, sollten dagegen weitgehend
dezentral aufgestellt werden. Hierfür ist
der Adidas-Konzern ein gutes Beispiel: Die
Marken Adidas, Reebok und TaylorMade
verantworten jeweils dezentral Forschung
& Entwicklung, Design und Marketing.
Dadurch können die Marken mit ihren jeweiligen
Kollektionen und Logos eigenständig
am Markt auftreten und gegenüber
dem Kunden ihre Identität wahren.
Kundenfernere Funktionen wie Beschaffung,
Produktion und Teile der Logistik,
bei denen Skalen- und Synergieeffekte Kosten
sparen helfen, steuert Adidas hingegen
markenübergreifend zentral.
Auch beim spanischen Textilkonzern
Inditex arbeiten die einzelnen Marken eigenständig:
Die Geschäftseinheiten verantworten
dezentral sämtliche Funktionen der
Wertschöpfungskette und orientieren sich
dabei an ihren jeweiligen Kundengruppen.
Innerhalb der dezentralen Einheiten kontrolliert
dagegen ein zentrales Management
die Wertschöpfungskette und stimmt
die einzelnen Aufgaben aufeinander ab.
Diese Struktur ermöglicht es, schnell auf
Markttrends zu reagieren und sich flexibel
an regionale Besonderheiten anzupassen
– zwei herausragende Wettbewerbsvorteile
von Inditex. Wöchentlich verändern
die Marken ihre Sortimentspräsentation,
einzelne Kollektionen und Teile werden
im Zwei-Wochen-Rhythmus ausgetauscht.
Die jeweilige Markenzentrale behält dabei
stets den Überblick, welche Schnitte, Farben
und Formen in welchen Regionen gerade
gefragt sind.
Die Beispiele zeigen, dass Dezentralisierung
deutlich das Wachstum fördert,
indem sie etwa Entscheidungswege verkürzt
und Informationen über Märkte und
Kunden schneller verfüg- und verwertbar
macht. Diese Effekte kommen für das
Gesamtunternehmen allerdings nur zum
Tragen, wenn sie mit den Vorteilen einer
Zentralisierung kombiniert werden. Ein
allgemein gültiges Patentrezept für den
richtigen (De-)Zentralisierungsgrad gibt
es nicht. Jedes Unternehmen muss die optimale
Mischung aus zentral und dezentral
angesiedelten Entscheidungskompetenzen
für sich selbst definieren.
Die Autoren: Dr. Tim Zimmermann,
Partner im Kompetenzzentrum Corporate
Performance bei Roland Berger
Strategy Consultants und Maren Hauptmann,
Principal im Kompetenzzentrum
Corporate Perfomance bei Roland
Berger Strategy Consultants
26 ::
[er]finden
IAA Nutzfahrzeuge: Der Öko-Truck wird im Blickpunkt stehen
ULMER PREMIEREN
FÜR HANNOVER
Die 62. IAA Nutzfahrzeuge
(25. September – 2. Oktober) in
Hannover – unter dem Motto
„Nutzfahrzeuge: Für alle unterwegs“
– wird als weltweit wichtigste
Mobilitätsmesse nicht nur
mit zahlreichen Neuheiten und Innovationen
aufwarten. Die Entwicklung
der Kraftstoffpreise stellt
Lösungen für den Öko-Truck in
den Vordergrund. Unter den über
2.000 Ausstellern sind auch zahlreiche
Firmen aus der Wirtschaft-
Region.
Im Weichbild des Ulmer Münsters entwickelt und gebaut: Weltneuheit Setra TopClass.
Der Verband der Automobilindustrie e. V.
(VDA), der Veranstalter der Mammutschau
IAA Nutzfahrzeuge ist, will mit dem
Motto das Image der Brummis verbessern
und die unverzichtbare Rolle der Nutzfahrzeuge
für die Versorgung der Bürger
und das Funktionieren der Wirtschaft unterstreichen.
Doch wie schon bei der letzten
großen Nutzfahrzeugausstellung in Europa,
der RAI 2007 in Amsterdam, wird
auch bei der bevorstehenden 62. IAA der
„grüne Öko-Truck“ im Vordergrund >
PEUGEOT Nutzfahrzeuge
Das Modellprogramm :
PEUGEOT Bipper - Der kleinste unter den Nutzfahrzeugen überzeugt
durch seine Kompaktheit und Wendigkeit, ideal für die City und das Umland.
PEUGEOT Partner - Der kleine Transporter überzeugt seit vielen
Jahren durch seine Zuverlässigkeit.
PEUGEOT Expert - Das Multitalent überzeugt durch seine Vielseitigkeit.
Er ist sowohl als Transporter als auch als Großraumlimousine erhältlich.
Als PEUGEOT-Nutzfahrzeug Zentrum
sind wir ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um
das Thema Nutzfahrzeuge, Umbauten und Ausbauten geht.
PEUGEOT Boxer - Dieses Ausnahmetalent
vereint Kraft, Robustheit und Individualität.
Ob als Kastenwagen in verschiedenen Längen
und Höhen, als Pritschenwagen oder als Plattform-
Fahrgestell, lässt der Boxer keine Wünsche offen.
AUTOHAUS
89081 Ulm-Söflingen
Herrlinger Straße 64
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:: 27
[er]finden
stehen. Dieser Trend ist deutlich zu erkennen,
wertet man die vorliegenden Vorabmeldungen
zur diesjährigen IAA aus der
Industrie aus.
Alle Hersteller sind auf dem Weg, Lastwagen,
Omnibusse und Transporter umweltfreundlicher
zu gestalten. Der Gedanke
des
Umweltschutzes
ist übergreifend. Ein Ziel dieser Anstrengungen
sind alternative Treibstoffe auf
Basis von Nahrungsmitteln (Zuckerrohr,
Mais, Reis, Weizen). Dabei fehlt mancherorts
noch die Erkenntnis, dass diese Treibstoffe
keine langfristige Alternative sein
können, denn sie verbrauchen Nahrungsmittel
und treiben die Rohstoffpreise gerade
in diesem Segment in die Höhe. Die
Suche nach alternativen Antriebssystemen
muss sich auf Verfahren konzentrieren,
die geringere Kraftstoffverbräuche
ermöglichen, weitgehend ohne die konventionellen
Rohstoffe Erdöl und Erdgas
arbeiten und die Sinnhaftigkeit der Ersatztreibstoffe
technisch und ökologisch rechtfertigen.
Am großen Ziel „Null-Emissionen“ arbeiten
alle Fahrzeughersteller mit Hochdruck.
Aber auf dem Weg zum emissionsfreien
Automobil sind noch viele technische
und physikalische Hürden zu überwinden.
Mit Hybridfahrzeugen und erdgasbetriebenen
Lastwagen können wirksame Beiträge
zur Umweltbilanz durch Verminderung
der Emissionen geleistet werden.
Längerfristig ist der Wechsel zu erneuerbaren
Treibstoffen die richtige Lösung.
Hier steht die Brennstoffzelle, die 1994
erstmals überhaupt im Ulmer Forschungszentrum
der Daimler AG auf dem Eselsberg
in einem Fahrzeug eingebaut und präsentiert
wurde, im Vordergrund. Bis dieses
immer noch teure ,aufwendige Antriebsverfahren
serienreif wird (etwa 2010 soll es so
weit sein), wird vor allem der umweltoptimierte
Dieselmotor mit BlueTec sein Entwicklungspotenzial
nutzen
müssen.
Die Hersteller aus der
Region, unter ihnen die Omnibusmarke Setra
und der Anhängerhersteller Kögel, warten
anlässlich der IAA mit Weltpremieren
in ihrem Produktprogramm auf. Die aus
Ulm kommende Premium-Omnibusmarke
des Daimler-Konzerns, Setra, stellt in Hannover
den 15 m langen Setra S 419 GT-HD
vor. Der imponierende Reisehochdecker
Weltpremieren
aus der Region
bietet 60 Sitzplätze und ist ein Fahrzeug
für den Reisebus-Unternehmer, das mit
seinem Sitzplatzangebot wirtschaftlich interessant
ist. IAA-Premiere hat auch die
umfangreich aufgewertete neue Generation
der Setra TopClass 400. Das patentierte
passive Sicherheitssystem Front Collison
Guard einschließlich verschiebbarem
Arbeitsplatzmodul ergänzt nun als weitere
Sicherheitseinrichtung ein Notbremsassistent.
Er leitet bei akuter Gefahr eines Auffahrunfalls
nach abgestuften Warnhinweisen
selbstständig eine Vollbremsung ein.
In die Rubrik Umweltverträglichkeit
und Reduktion des Kraftstoffverbrauchs
fällt der neue superleichte Megatrailer
Phoenixx M55 von Kögel. Bei diesem Auflieger
handelt es sich um einen Volumentrailer
mit einer nutzbaren Innenhöhe von
3,0 Meter und einem Leergewicht von nur
5.500 kg. In der Grundausstattung bietet
der Phoenixx M 55 über eine Tonne Nutzlast
mehr als ein herkömmliches Wettbewerbsprodukt.
Dadurch kann der Spediteur
mehr laden, und der leichtere
Anhänger wirkt sich positiv
beim Spritverbrauch
aus. Erreicht
wurde das
sehenswerte Ergebnis
bei Kögel
durch Erfahrungen
mit
Material und
Produktionstechnik.
Entwickelt
wurde aber
auch nach Kundenmeinungen
und Marktanforderungen.
Zu den weiteren namhaften Ausstellern
aus der Region zählen der Lkw-Hersteller
Iveco-Magirus und der Kühlaufbautenspezialist
Kiesling aus Dornstadt bei Ulm, der
verschiedene interessante Detaillösungen
für den Transport von frischer und tiefgekühlter
Ware zeigt. Kiesling ist der einzige
Hersteller in Europa, der ein Hygiene-Zertifikat
vom TÜV München für seine Aufbauten
erhalten hat. DIETER MUTARD
Die KAMAG Transporttechnik GmbH & Co. KG
zeigt auf der IAA 2008 in Hannover die aktuelle
Generation des „Wiesel“. Als eines der
leistungsstärksten Spezialfahrzeuge zum Umsetzen
von Wechselbehältern in Logistikhöfen
ist es zwischenzeitlich die führende Fahrzeuglösung
für den anspruchsvollen Dauereinsatz.
28 ::
Sie haben Ihr Ziel erreicht!
Wir sind dabei!
Nutzfahrzeugregion
CNS Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben e.V.
Der Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben (CNS) ist eine gemeinsame
Initiative der IHK Ulm und der IHK Schwaben
in Augsburg. Die Region des CNS verfügt über eine sehr
ausgeprägte Konzentration an Nutzfahrzeugaktivitäten in
Deutschland.
Weltmarktführende Unternehmen, u.a. IVECO Magirus mit
deren Brandschutztechnik, LIEBHERR mit Mobilkränen,
Kässbohrer mit Pistenpflegegeräten, AIRBUS Kabinentechnik,
ziehen mit zahlreichen anderen in der Nutzfahrzeugbranche
tätigen Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben an einem Strang.
Automotive-Center an den regionalen Universitäten und
Hochschulen bilden einen starken Wissenschaftshintergrund.
Der Top-Standort in Schwaben für
starke Unternehmen
n Verkehrsgünstige Lage und hervorragende Infrastruktur
(A7/A8)
n Containerbahnhof und Güterverkehrszentrum
n Gewerbeflächen schon ab 23 Euro/m 2
n Hochwertige Gewerbeimmobilien
n Attraktives Umfeld mit starken Unternehmen und
Forschungseinrichtungen
n Prämierte Lebensqualität 10 Jahre „Spitze im Süden“
Die intelligente Standort-Alternative zwischen Stuttgart
und München.
CNS Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben e.V.
c/o IHK Ulm • Olgastrasse 95 • D-89073 Ulm
Telefon +49(0)731/173–246 • Telefax +49(0)731/173–249
cns.mahn@ulm.ihk.de • www.cns-ulm.com
Innovationsregion Ulm Spitze im Süden e.V.
Olgastraße 101 • D-89073 Ulm
Telefon +49(0)731/173-121 • Telefax +49(0)731/173-291
innovationsregion@ulm.ihk.de • www.innovationsregion-ulm.de
[er]finden
Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben ist in Hannover mit dabei
Bei der IAA Nutzfahrzeuge 2008 ist
auch das Cluster Nutzfahrzeuge
Schwaben (CNS) vertreten. Cluster-
Vorstand Gottfried Mahn wird bei einer
Forumsveranstaltung am 26. September
Referent sein. Es geht um Spezialisierung
und Standardisierung – ein
Thema für Zulieferer, Aufbautenhersteller
und Fahrzeugproduzenten. Mahns
These, vorab im Gespräch mit „unternehmen[!]“
angerissen: Selbst in Boom-
Jahren wären im Nutzfahrzeugbereich
noch um 10 bis 20 Prozent höhere Umsätze
möglich gewesen, hätte es eine
bessere Ausbalancierung zwischen
Herstellern und Zulieferern gegeben.
Bei der Veranstaltung in Hannover werden
aus der Region auch die Unternehmen
Kögel und Kiesling vertreten sein.
CNS Vorstandsvorsitzender Gottfried Mahn.
In dem von den IHKs Ulm und Schwaben
initiierten Netzwerk CNS sind neben
den sechs Nutzfahrzeugherstellern Evobus,
Iveco, Kässbohrer, Kögel, Liebherr
und Airbus auch 30 kleinere und mittlere
Unternehmen sowie die Innovationsregion
Ulm organisiert. Mit im Boot
die regionalen Hochschulen Universität
Ulm, Hochschule Ulm und Hochschule
Neu-Ulm. CNS-Sprecher Mahn: „Wir
wollen unsere Position als Nutzfahrzeugstandort
Nummer eins weiter ausbauen
und besser kommunizieren.“
Im Vorstand des CNS sind als Stellvertreter
Mahns Prof. Achim Bubenzer,
Hochschule Ulm, Dr. Ulrich Hamme,
Liebherr-Werk Ehingen, und Landrat
Heinz Seiffert, Innovationsregion Ulm,
und Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer
der IHK Ulm, als geschäftsführenden
Vorstand dabei. Clustermanager ist der
ehemalige Vertriebsvorstand von Kögel,
Manfred Mayer. LORENZ KOCH
30 ::
Iveco-Entwicklungszentrum Ulm
AM STAMMORT
SCHWERER LASTWAGEN
Es hat etwas länger gedauert, bis
beim europäischen Nutzfahrzeugkonzern
Iveco – Standorte Italien,
Deutschland, Spanien, Frankreich,
Schweiz – die Zeit der
sinnvollen Neuordnung der Entwicklungsaktivitäten
anbrach.
Heute werden die mittelschweren
und schweren Straßen- und
Baufahrzeuge hauptverantwortlich
in Ulm entwickelt.
Norbert Holzer und sein Team
entwickeln im Ulmer Donautal
das Fahrgestell für den Fernverkehrs-Lkw
„Stralis“, und
Klaus-Dieter Diepold ist mit
seiner Mannschaft für die Bau- und
Sonderfahrzeuge „Trakker“ verantwortlich.
Eine Reminiszenz an die Geschichte
des Nutzfahrzeugs: Das erste Nutzfahrzeug
in Ulm wurde nicht in der Lastwagenfabrik
von Magirus gebaut, sondern
beim Omnibushersteller Kässbohrer,
damals noch in der Hartmannstraße,
der heutigen Karlsstraße.
Und dabei war es Karl Kässbohrer,
Gründer des später international
renommierten Fahrzeugbauunternehmens,
der als erster
in Deutschland ein geschlossenes
Fahrerhaus baute, dem Vorläufer
des heute für alle Marken wichtigen
Alleinstellungsmerkmals.
Fakt ist, dass die Iveco bei ihrer
Gründung im Jahr 1975 mit
ihrem Firmennamen ein Kurzwort
wählte, das aus den Anfangsbuchstaben
von Industrial
weiter S. 34 >
Ivecos Flaggschiff Stralis
Go!
Beste Chancen
für den Start
in den Beruf!
in Ulm - Tel. (0731) 14068-0
in Biberach - Tel. (07351) 58797-0
www.start2000plus.de
www.suedwestmetall.de/ulm
:: 31
Anzeige
Erfolg durch persönlichen Einsatz, neue Techniken und
ein breites Angebotsspektrum:
20 JAHRE ZAHNARZTPRAXIS
GRONEWALD, DORNSTADT
Am 03.Oktober 1988 war es soweit:
vor 20 Jahren eröffnete Rosemarie
Gronewald im Alleingang
ihre Zahnarztpraxis. Damals befanden
sich die Räume noch in der
ersten Etage des Gebäudes „Alte
Landstraße 1“. Schon kurze Zeit
später erhielt die Praxis durch den
Ehemann Klaus Gronewald Verstärkung
und der stetige Aufstieg
setzte sich fort. Bereits 1990 wurde
der Schichtbetrieb eingeführt, den
sich das Ehepaar zwischen 7.00
Uhr und 20.00 Uhr aufteilte. Heute
verfügt das Unternehmen über 26
Beschäftigte darunter 4 Allgemein-
Zahnärzte mit unterschiedlichen
Tätigkeitsschwerpunkten,
Zahntechniker, die im
angegliederten Labor arbeiten,
zahn-
medizinische Fachangestellte mit
umfangreichen Zusatzausbildungen,
Verwaltungsangestellte und
Auszubildende.
Im Jahr 2006 wurde die Praxis umgebaut
und modernisiert. Auf 2 Etagen stehen
jetzt 5 Behandlungszimmer, 2 Prophylaxezimmer,
1 OP-Raum und 2 Besprechungszimmer
zur Verfügung. Im Seminarraum
mit modernster Medientechnik finden
Patientenseminare statt oder Seminare
für die Weiterbildung von Kollegen. Die
Atmosphäre ist sympathisch, hell und
modern. Das Angebotsspektrum umfasst
alle Bereiche der Zahnheilkunde. Dazu
gehört die Ästhetische-Zahnheilkunde, die
Implantologie und Parodontologie, Zahntechnik,
Prophylaxe, Kieferorthopädie
und die Kinderzahnheilkunde.
BM: Frau Gronewald, wie definieren Sie
Ihr Erfolgskonzept?
RG: Schon bei der Eröffnung 1988 war
es mein Ziel, eine Praxis aufzubauen, die
den „Menschen“ in den Mittelpunkt stellt.
Sein Wohlbefinden ist uns wichtig. Dazu
trägt nun auch das Arbeiten auf 2 Etagen
bei: die Rezeption im Erdgeschoss ist von
den Behandlungsräumen im ersten Stock
getrennt. Dadurch wird viel Ruhe geschaffen.
Unsere Patienten erhalten eine
individuelle Beratung, eine respektvolle
Behandlung und eine würdevolle Betreuung.
Wir nehmen uns Zeit für jeden einzelnen
Menschen. Die Privatsphäre wird
dabei gewahrt. Das spüren und schätzen
auch unsere Patienten.
BM: Herr Gronewald, das Angebot Ihrer
Praxis ist vielfältig. Hat dies zum Erfolg
beigetragen?
KG: Auf jeden Fall! Wir bieten dem Patienten
eine einzige Anlaufstelle. Damit vermeiden
wir die Überweisung an andere
Adressen, sparen dem Patienten Zeit und
lange Wege sowie Doppeluntersuchungen
und Informationsverluste. Meine Frau ist
spezialisiert auf Kieferorthopädie und Kinderzahnheilkunde,
unsere Partnerin, Frau
Ann-Kathrin Gaiser, widmet sich der Parodontologie
und ich selbst übernehme die
Implantologie, Prothetik und Oralchirurgie.
Diese Spezialisierung und die breite
Angebotspalette haben sicher zum Erfolg
beigetragen. Nicht zu vergessen ist auch die
harte Arbeit und der unermüdliche Einsatz
aller Mitarbeiter an 6 Tagen die Woche!
v.l.n.r.: Rosemarie Gronewald, Klaus Gronewald,
Ann-Kathrin Gaiser.
32 ::
Anzeige
HEADLINE KLEIN
BM: Frau Gronewald, welche Bedeutung
haben neue Werkstoffe bei Ihrer Arbeit?
RG: Es gibt ständig neue Entwicklungen
von Werkstoffen und Techniken. Wir investieren
sehr viel Zeit in unsere Fortbildung,
damit wir auf dem modernsten Stand bleiben.
So arbeiten wir mit technisch ausgereiften
und biokompatiblen Werkstoffen.
Dabei verwenden wir Kunststoffe, Keramik
und Gold. Amalgam wird bei uns
nicht mehr verarbeitet.
BM: Herr Gronewald, es wurden „neue
Techniken“ erwähnt. Welche Rolle spielen
diese bei Ihrer Arbeit?
KG: Der Einsatz neuer Techniken hilft,
Behandlungszeiten zu verkürzen und die
Kosten für zum Beispiel keramische Arbeiten
niedrig zu halten. Wir haben ein integriertes
zahntechnisches Labor. So kann
der Zahntechniker vor Ort und mit dem
Patienten gemeinsam die passende Keramikfarbe
bestimmen. Im Labor arbeiten
wir mit computergestützter Fertigung von
Inlays, Kronen und Brücken (Cerec 3D).
Ein Keramikinlay kann mit Hilfe des Cerec-3D-Gerätes
in nur einer Sitzung ohne
Abdrucknahme oder Provisorium eingegliedert
werden. Unsere Behandlungszimmer
sind mit Lasertechnik ausgestattet. Bei
allen Eingriffen am Zahn bietet uns der Laser
die Möglichkeit, substanzschonend und
schmerzarm zu arbeiten. Alle Behandlungszimmer
verfügen über ein digitales Röntgengerät.
Damit können schnell und zeitnah
Aufnahmen gemacht werden, die für
den Patienten sogar weniger als 10 Prozent
der normalen Strahlenbelastung bedeuten.
BM: Herr Gronewald, wann kommt denn
Lasertechnologie zum Einsatz?
KG: Der Laser kann bei Wurzelbehandlungen
eingesetzt werden. Er ermöglicht
die Desinfektion der feinen Wurzelkanäle.
Dadurch erhöht sich die Erfolgsquote
deutlich. Es ist ebenfalls möglich, mit dem
Laser die „Zahntaschen“ zu desinfizieren,
in denen wir eine Brutstätte der Paradontose
sehen. Auf diese Weise kann der Patient
oftmals auf die Einnahme von Antibiotikas
verzichten. Außerdem können kleine
Löcher punktgenau mit dem Laser behandelt
werden. Das schont die Zahnsubstanz
und ist eventuell weniger schmerzhaft.
BM: Frau Gronewald, Sie sind spezialisiert
auf Kieferorthopädie. Gibt es auch dort
neue Techniken?
RG: Ja, neue Zahntechnik ermöglicht
auch eine unsichtbare Zahnregulierung.
Das ist vor allem für Erwachsene ein wichtiger
Vorteil. Wir arbeiten auf Wunsch
des Patienten mit transparenten und herausnehmbaren
Spangen (Invisalign ® ).
Eine optimale Zahnstellung ist, abgesehen
von der Ästhetik, auch eine wichtige Prophylaxe-Maßnahme,
um Erkrankungen
wie Karies oder Erkrankungen des Zahnhalteapparates
zu vermeiden. Sogar körperliche
Beschwerden wie z.B. Migräne,
Kopfschmerzen, Haltungsschäden, Sprachstörungen
und Verdauungsprobleme können
dadurch gelindert oder behoben werden.
BM: Herr Gronewald, die Angst vor einem
Zahnverlust sitzt tief. Welche Chancen eröffnen
sich mit der Implantologie?
KG: Bei teilweisem oder vollständigem
Zahnverlust gewährleistet die Festverankerung
eines Zahnersatzes im Kieferknochen
mit Implantaten eine Haltestruktur,
die einem natürlich gewachsenen Zahn
nahe kommt. Alle dafür notwendigen
chirurgischen Maßnahmen, inklusive Gewebe-
und Knochenaufbau, werden von
uns durchgeführt. Damit verliert der Zahnverlust
an Schrecken!
BM: Frau Gronewald, im Oktober blicken
Sie auf 20 Praxisjahre in Dornstadt zurück.
Wird gefeiert?
RG: Ja, wir möchten mit unseren Patienten
gemeinsam feiern und werden uns ab dem
03.Oktober 2008 mit diversen Aktionen
gebührend bedanken.
DAS INTERVIEW FÜHRTE
TEAM-ENTLASTUNG: BIRGIT MANN
:: 33
[er]finden
Norbert Holzer (l.) und Klaus-Dieter Diepold verantworteten
die Baureihen Stralis und Trakker.
Vehicles Corporation besteht. Ein Fehler
insofern, denn unter „Industrial Vehicles“
werden eigentlich Maschinen und Geräte
mit Industriemotoren verstanden und keine
Lkw mit Fahrzeugmotoren, die Wirtschaftlichkeit
und entsprechenden Umweltnormen
gerecht werden. Das kaum
beachtete Versehen entspricht irgendwie
den „Schleifen“, die der italienische Konzern
flog, bis er zur heute konsequenteren
Ausrichtung seines Geschäfts gekommen
ist. Mit der Präsentation der 2. Generation
des Flaggschiffs „Stralis“ 2007 hat Iveco
die Baureihe noch einmal aufgewertet und
damit unterstrichen, im internationalen
Nutzfahrzeugmarkt neben den ganz großen
wie Daimler und Volvo/Renault sowie
MAN, Scania und DAF eine gute Position
einzunehmen.
Basis des ersten Iveco-Produkt- und
Vertriebsprogramms bei den schweren
Straßen- und Baufahrzeugen (z. B. Magirus-Deutz
Baubullen) waren in den ersten
gut 15 bis 17 Jahren die Modelle der Gründungsunternehmen
(Magirus-Deutz, Ulm,
Fiat, Lancia und OM, Italien und Unic,
Frankreich). Diese Produkte waren konstruktiv
und technisch noch mehr oder
weniger von einer multinational ausgerichteten
Kundenstruktur geprägt. Im Jahr
1992 kamen dann in dem für jeden Hersteller
bedeutenden oberen Segment von
18 – 41 t mit „EuroStar“, „EuroTech“ und
„EuroTrakker“ die ersten von Iveco komplett
entwickelten Modell-Reihen. Produktphilosophie
und Ingenieurskunst hatten
sich nach dieser Zäsur total verändert.
Jetzt war die Zeit reif für die Integration
aller Ideen und Erfahrungen von Iveco-Ingenieuren
aus Italien, Deutschland und anderen
europäischen Ländern.
Unter der Leitung des schwedischen
Nutzfahrzeugingenieurs Sam Burman
wurde die Gesamtentwicklung aller mittleren
und schweren Lastwagen der Iveco
zusammengefasst. Mit dem „Stralis“ kam
der Verantwortungsschwerpunkt für das
Fahrgestell, den Antriebsstrang einschließlich
Bremsen und Elektrik nach Ulm, den
traditionsreichen Stammort schwerer Lastwagen.
Das Fahrerhaus wird in Turin entwickelt,
die Motoren in der kleinen, feinen
Technologieschmiede in Arbon am Bodensee
(Schweiz).
Unter den insgesamt etwa 620 Mitarbeitern
Burmans in den Iveco Entwicklungszentren
in Turin, Ulm, Arbon und
dem oberitalienischen Brescia, wo alle mittelschweren
„EuroCargo“ (6 – 16 t) entstehen,
nimmt die Ulmer Entwicklungsmannschaft
einen wichtigen Part ein. Insgesamt
310 Mitarbeiter (210 Ingenieure, 100
Monteure) arbeiten hier für „Stralis“ (18 –
26 t) und den schweren Baustellen-Lkw
„Trakker“ (18 – 41 t). Unter der Projektleitung
von Klaus-Dieter Diepold werden
die Trakker entwickelt, die mit insgesamt
sechs Radformeln vom 4 x 2 (Zweiachser)
bis zum 8 x 8 x 4 (Vierachser) konzipiert
sind. Produziert werden die Trakker im
Iveco-Werk in Madrid.
Norbert Holzer verantwortet die Straßenfahrzeuge
und Sattelschlepper der Baureihe
Stralis mit bis zu drei Achsen, die auch
in Ulm gebaut werden. Darüber hinaus
werden in Ulm auch alle Prototypen der
schweren Fahrzeuge im Versuch geprüft
und auf den Teststrecken im Donautal sowie
in Markbronn auf der Schwäbischen
Alb ausgiebig erprobt. Zu der weltweiten
Zuständigkeit für beide Baureihen kommt
auch jene für Exoten wie beispielsweise die
Stralis-Road Trains in Australien, Lkw-
Kombinationen mit mehreren Anhängern,
die eine Gesamtlänge von bis zu 53,5 m
haben und mit maximal 140 t Gesamtgewicht
auf den über 550.000 Kilometern
Staubpisten des australischen Kontinents
unterwegs sind.
„Wir arbeiten heute mit unseren Kollegen
innerhalb der Iveco unter der Maßgabe
der jeweiligen Aufgabenstellungen in enger
Abstimmung zusammen. Dies ist meines
Erachtens der beste Weg, um auch die
wirklich besten Ideen und Realisierungsschritte
für neue Produkte einzuleiten“,
sagt Norbert Holzer. Und es müssen auch
nicht mehr ganze Heerscharen von Technikern
und Kaufleuten um die Welt reisen,
um wesentliche Fragen abzustimmen. In
einem sogenannten „Decionsroom“ im Ulmer
Iveco-Werk im Donautal werden regelmäßige
Besprechungen mit modernsten
Kommunikationsmitteln durchgeführt.
Mit Hilfe von digitalem „mock up“, einem
Versuchsmodell in 3-D-Version, können
einzelne Entwicklungsschritte und Probleme
direkt am Bildschirm zwischen den
Ingenieuren in Ulm, Turin und Brescia diskutiert
werden. Die neuen Arbeitsprozesse
in der zusammengefassten Einheit der Iveco-Entwicklung
funktionieren und haben
mit „Stralis“ und „Trakker“ auch vorzeigbare
Ergebnisse gebracht. Jetzt sollen in
Ulm 40 Ingenieure eingestellt werden, um
das wachsende Arbeitsaufkommen bewältigen
zu können. DIETER MUTARD
Der Baustellen-Lkw Trakker: Für anspruchsvolle Einsätze im Off-Road-Bereich.
34 ::
[er]finden
Weltmarktführer Daimler Buses
DIE BUS-ENTWICKLER
AUS NEU-ULM
Mit einem weltweiten Gesamtabsatz
von 39.050 Omnibussen und
Fahrgestellen über 8 t (im Vorjahr
36.190 Einheiten) im Jahr 2007
hat die Daimler AG ihre seit langem
bestehende Position als Weltmarktführer
bestätigt. Kein anderer
Hersteller verkauft so viele
Einheiten in diesem Fahrzeugsegment.
Der weltweit zweitgrößte
Anbieter (Volvo) kann nur 50 Prozent
des Daimler Volumens absetzen.
Als größtes Omnibus-Entwicklungszentrum
des Konzerns
hat der Standort Neu-Ulm zweifellos
seinen Anteil an dieser exorbitanten
Position im Weltmarkt.
Richard Averbeck, Leiter der Entwicklung
des Bereichs Daimler
Buses, über die Aufgabenstellung
der 350 Neu-Ulmer Entwickler.
Die Daimler AG hat in Neu-Ulm – vor
allem seit dem Jahr 2001 unter der Leitung
des heute 51-jährigen Wirtschaftsingenieurs
Richard Averbeck – das weltweit
größte Kompetenzzentrum für Omnibusentwicklung
im Konzern geschaffen. Insgesamt
hat der Ausbau des ehemaligen
Iveco-Entwicklungszentrums bis heute
mehrere Millionen Euro gekostet. Gekauft
hat die gesamte Anlage im Jahr 1995 – in
unmittelbarer Nachbarschaft zum damals
Richard Averbeck, Leiter der Entwicklung
Daimler Buses.
gerade in Betrieb gegangenen Omnibus-
Montagewerk – noch die ehemalige Karl
Kässbohrer Fahrzeugwerke GmbH.
Heute sind hier, wo sich die Entwicklungsverantwortung
für alle Hochbodenfahrzeuge
(Reisebusse und Überland-
Linienbusse) der Marken Setra und
Mercedes-Benz konzentriert, die Abteilungen
Entwicklungs-Strategie und
-Planung, Konstruktion und
Versuch sowie das Design
Center, das die weltweite
Verantwortung für alle
Daimler Busse hat, untergebracht.
Der Daimler
Buses Entwicklungsverbund
wird
von Richard Averbeck
verantwortet. Er hat
sein Hauptbüro in
Neu-Ulm, aber auch
eines in Mannheim.
Darüber hinaus muss
er auch in den USA,
Mexiko, Brasilien und
der Türkei präsent sein.
Ein Job also, der Flexibilität
und Mobilität erfordert.
Im Mannheimer Werk werden
die Niederflurbusse für
den Stadtverkehr entwickelt, in USA die
Niederflurbusse der Marke Orion, von
der schon über 2.500 Hybridfahrzeuge
im Markt bzw. fest bestellt sind und in
São Paulo (Brasilien) sowie teilweise in
Neu-Ulm liegt die Verantwortlichkeit für
die Fahrgestellentwicklung der Marke
Mercedes-Benz.
„Kreativität“, sagt Richard
Averbeck, „ist eine unendliche
Ressource“.
Damit spielt er
nicht nur auf die
in all den Jahren
immer wieder
erreichten Programmneuheiten
und vielfältigen
Assistenzsysteme
zur
Steigerung der
Wirtschaftlichkeit
und Sicherheit
bei Omnibussen,
sondern
auch auf die große
Tradition des Omnibusbaus
in Ulm
an. Für Averbeck
36 ::
Die Bus-Designer in Ulm sind für die Gestaltung des kompletten, weltweiten Omnibusprogramms
des Stuttgarter Automobilkonzerns verantwortlich.
hat in dieser Hinsicht alles mit dem Setra
des Otto Kässbohrer („eine der großen
und sicher wegweisende Innovationen im
Omnibusbau“) begonnen. Heute ist die Setra
TopClass 400 nicht nur die beste Reisebusgeneration
der Welt, sondern auch das
Premiumprodukt des Stuttgarter Automobilkonzerns
bei Omnibussen.
Neuester „Sicherheits-Baustein“ ist hier
der Front Collision Guard (FCG), ein zum
Patent angemeldetes, passives Sicherheitssystem,
das es bisher in der Setra TopClass
gibt. Die drei Buchstaben FCG stehen für
ein Höchstmaß an Schutz für Fahrer, Beifahrer
und Fahrgäste. Er bietet außerdem
einem etwaigen Unfallgegner einen Unterfahrschutz
ähnlich der von der EU in anderen
Fahrzeugklassen geforderten Norm
ECE-R-93. Wesentliche Elemente des Systems
sind die integrierte Absorberstruktur
sowie das Frontmodul, das bei einem Aufprall
den kompletten Fahrerplatz inklusive
Fahrersitz, Lenkrad und Pedalerie um
bis zu 20 Zentimeter nach hinten schiebt.
Diese Technik ist in ihrer Wirksamkeit einmalig.
Der Front Collision Guard wurde in
zahlreichen Crash-Simulationen sowie Real-Tests
optimiert und zur Serienreife gebracht.
Der Omnibus erfährt mit dieser
Neu-Ulmer Entwicklung eine weitere Steigerung
als das schon bisher sicherste Verkehrsmittel
im Personentransport.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung
des Sicherheitssystems der Front Collision
Guard verweist Richard Averbeck
auf die wertvollen Forschungs-Grundlagen
des Konzerns und dessen technischem
Know-how. „Wir arbeiten in vielen Dingen
sehr eng mit den Kollegen im Daimler Forschungszentrum
am Ulmer Eselsberg oder
der Truck Entwicklung in Stuttgart zusammen.
Hier können wir vieles abrufen.
Diese Synergie bietet uns handfeste wirtschaftliche
Vorteile, denn selbst 39.000
Omnibusse und mehr im Jahr rechtfertigen
nicht immer einen Aufwand, der für die
Stückzahlen bei Transportern und Lastwagen
mit insgesamt weit über 500.000
Einheiten selbstverständlich ist“. Dies gilt
auch für den Hybridantrieb bei Stadtlinienomnibussen.
Auch in diesem Segment
ist Daimler Weltmarktführer und wird den
momentan in der Mannheimer Entwicklung
befindlichen Mercedes-Benz Citaro
Bluetec mit Hybridantrieb im nächsten
Jahr auf die Straße bringen.
Insgesamt werden jährlich 9.000 Komplettbusse
der Marken Setra und Mercedes-
Benz gebaut und ausgeliefert. Davon ist
kaum ein Fahrzeug wie das andere und
insgesamt müssen die Entwicklungszentren
in Neu-Ulm und Mannheim für diese
Produktionszahl auch noch 18.000 Kunden-Sonderwünsche
realsieren. Ein Mammutprogramm,
das auch viele der Zulieferer
einbindet. Deshalb haben sich schon
einige der mittelständischen Lieferanten
in der Region niedergelassen, um in der
Nähe der Omnibusfabrik zu sein und ihre
busspezifischen Entwicklungen direkt
vor Ort abstimmen zu können. „Die Zusammenarbeit
mit diesen Firmen ist sehr
interessant und bringt auch uns immer
wieder wertvolle Impulse“, unterstreicht
Averbeck.
DIETER MUTARD
:: 37
[verantworten]
Netzwerk
WIE 16 FIRMEN GEMEINSAM
ENERGIE SPAREN WOLLEN
Unternehmen aus der Region wollen
bis Ende 2010 ihren Energieverbrauch
um durchschnittlich 8,5
Prozent senken. Darauf hat sich
das „Netzwerk Energieeffizienz
Donau-Alb“ festgelegt. Das Ziel
der beteiligten Firmen: Energie effizienter
nutzen, Kosten reduzieren
und die Umwelt entlasten.
Die Kosten für Strom, Gas und Öl steigen
und steigen – und in mancher Branche
führt das zu fast existenzbedrohenden
Belastungen. Das betrifft vor allem diejenigen,
bei denen der Energiekostenanteil bei
der Produktion sehr hoch ist.
Den Energieverbrauch senken, die eingesetzte
Energie effizienter nutzen und damit
Kosten sparen und gleichzeitig die Umweltbelastungen
senken: Wie sich das im
Betriebsalltag umsetzen lässt, wollen 16
Unternehmen aus der Region – von Ostwürttemberg
bis zum Südschwarzwald –
im Netzwerk gemeinsam ermitteln.
Diese Betriebe sind aus unterschiedlichsten
Branchen von der Metall- und
Elektronikindustrie bis zur Kunststoff-,
Holz- und Stahlverarbeitung. „Insgesamt
entspricht ihr jährlicher Energieverbrauch
dem von circa 20.000 durchschnittlichen
Haushalten“, heißt es dazu beim Energieversorger
EnBW Energie Baden-Württemberg
AG, der mit der IHK Ulm im vorigen
Herbst das Projekt ins Leben gerufen hat.
Ihr gemeinsames Ziel: durch effizienteren
Einsatz von Energie innerhalb von
drei Jahren die Energiekosten um durchschnittlich
8,5 Prozent senken. Dies haben
die Unternehmen bei einem Netzwerktreffen
beschlossen. Das soll durch gemeinsame
Workshops und Beratungstage in den
Unternehmen erreicht werden, beschreibt
Werner Kühl, Umweltreferent der IHK
Ulm, die Vorgehensweise.
Vier Schritte seien während der dreijährigen
Laufzeit des Projekt geplant:
1. den Ist-Zustand ermitteln;
2. Schwachstellen analysieren;
3. einen Maßnahmenkatalog erstellen, der
zeigen soll, wie in einzelnen Bereichen
Energie gespart werden kann;
4. durch Controlling ermitteln, ob die
Ziele erreicht worden sind oder nicht.
Die ersten Schritte sind bereits getan. Jetzt
geht es darum, einen Maßnahmenkatalog
zu entwickeln, der spezifisch auf das
jeweilige Unternehmen zugeschnitten ist.
„Es wird eine Hitliste aufgestellt, die die
Bereiche mit den größten Energieverbräuchen
aufzeigt“, sagt IHK-Umweltreferent
Werner Kühl. Daraus zeige sich, wo es die
größten Handlungspotenziale gebe >
38 ::
Seit 1949 energieeffizient
durch Kraft-Wärme-Kopplung
FUG Fernwärme -
gut für’s Klima
:: 39
[verantworten]
Energie-Manager hilft Kosten senken
Die Senkung des Energieverbrauches,
der Einsatz von Effizienztechnologien
und die Anwendung eines professionellen
Energiemanagements: Für Unternehmen
wird es immer wichtiger,
ihre Energiekosten zu senken, auch
um damit die Wettbewerbsfähigkeit zu
sichern.
Für die professionelle Umsetzung gibt
es bei der IHK Ulm den neuen berufsbegleitenden
Lehrgang zum Energie-
Manager IHK. Er startet am 10. Oktober
2008 und umfasst 160 Unterrichtsstunden.
80 Stunden davon werden über
Online-Learning abgedeckt. Die Teilnehmer
sollen die notwendigen Kenntnisse
erlangen, um die Energieanwendungen
des Unternehmens technisch
zu optimieren, gezielt zu managen und
auf Veränderungen am Energiemarkt
zu reagieren. Inhalte des Lehrgangs:
energietechni sche Grundlagen, Energiedatenmanagement,
Gebäudeenergieausweis,
energiebewusstes Bauen,
Heizungs-, Kälte-, Solartechnik, Energie-
und Emissionshandel.
Angesprochen sind Fach- und Führungskräfte,
zum Beispiel Betriebsleiter,
Produktionsleiter, Energiebeauftragte,
Prozessingenieure, Betriebstechniker
und Energiedienstleister, Umweltbeauftragte
und Facility Manager.
INFO Sylvia Wehner, IHK Ulm
Tel. 0731/173-141,
Fax: 0731/173-5141,
E-Mail: wehner@ulm.ihk.de
www.ulm.ihk24.de
und die höchsten Einsparpotenziale. Der
Handlungskatalog werde nach und nach
abgearbeitet. Einsparpotenziale könnten
teilweise mit einfachen Mitteln ohne größere
Investitionen getätigt werden; wenn
es um Maschinen gehe, fielen deutliche Investitionskosten
an.
Erste Ergebnisse sind laut Kühl vielversprechend:
So würden allein bei einem Unternehmen
Einsparmöglichkeiten zwischen
300.000 und 400.000 Euro erwartet.
Das Netzwerk arbeitet mit einem Mix
von Beratung direkt in den Unternehmen
und begleitenden Workshops, bei denen
unter anderem über neue technische Entwicklungen
informiert wird. Als Beispiel
nennt Kühl die intelligente Nutzung der
Abwärme, mit der der Gesamtenergieverbrauch
gesenkt werden könne. Vier solcher
Workshops gab es bislang, der nächste
findet im Herbst statt. Bei der jüngsten
Sitzung, die im Juli stattfand, legten die beteiligten
Firmen das Einsparziel von 8,5
Prozent fest.
40 ::
Diese Treffen dienen zudem dem gegenseitigen
Kennenlernen und dem Erfahrungsaustausch.
„Die Teilnehmer am
Netzwerk sind hoch motiviert, sagt Kühl,
wissen sie doch von der immer größeren
Bedeutung, die das Thema Energieverbrauch
in den kommenden Jahren haben
wird. Über das Netzwerk werden zudem
Kontakte zwischen den Unternehmen geknüpft,
die auch zu dualen Kommunikationsmöglichkeiten
genutzt werden.
Die Erfahrungen mit bisherigen Netzwerken
zeigen, dass sie auch über die reine
Projektdauer hinaus funktionieren, sagt
Kühl. Er verweist in diesem Zusammenhang
auf den so genannten „Energieeffizienz-Tisch“,
an dem sich zwölf Firmen und
Institutionen zusammengefunden hatten
– darunter Evobus, FUG, Gardena, Marabu,
Merckle ratiopharm, Ulmer Fleisch,
Schlacht und Zerlegebetrieb, Schwäbische
Härtetechnik Ulm und die Universität Ulm
– um nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.
Ein großer Teil davon trifft sich auch
Energieeffizienz: Mehr als nur der Austausch
von Glühbirnen.
nach Projektende weiterhin regelmäßig,
um sich auszutauschen.
„Das ist für uns eine wichtige Grundidee“,
sagt Umweltreferent Werner Kühle,
aus einem solchen begleitenden Projekt
solle ein Selbstläufer werden. Das zeige
auch, dass diese Netzwerke für die Unternehmen
einen hohen Mehrwert haben. Der
schlägt sich in den einzelnen Unternehmen
auch in Euro und Cent nieder. So sparte
beispielsweise ein Unternehmen, das sich
am „Energieeffizienz-Tisch“ beteiligte,
durch entsprechende Maßnahmen bis zu
400.000 Euro Energiekosten im Jahr ein.
Ein anderer Betrieb nutzte den Umzug in
modernisierte Hallen zur weiteren energetischen
Optimierung mit der positiven Folge,
dass der Energieverbrauch um 15 Prozent
sank.
Insgesamt konnten die Projektteilnehmer
den CO 2
-Ausstoß um knapp 40 Prozent
verringern, zieht Kühl Bilanz. Im
Durchschnitt erreichten die Unternehmen
Effizienzfortschritte von rund 5,5 Prozent.
JOSEF WEGERER
INFO
Werner Kühl ist Umweltreferent
der IHK Ulm.
Kontakt: Tel. 0731/173-170,
Fax: 0731/173-174,
E-Mail: kuehl@ulm.ihk.de,
www.ulm.ihk24.de
:: 41
[verantworten]
centrotherm photovoltaics AG
DIE SONNE SPEIST
DEN GOLDGRÄBER-STROM
Ein paar hundert Meter Luftlinie
vom Blautopf erhält Blau beuren
eine asiatische Note. Die Beete im
Firmenareal, das mitten im Urdonautal
liegt, sind geschwungen.
Harmonie, das war der Ansatz für
die Krümmung des Verwaltungsgebäudes,
das sich den Linien des
urzeitlichen Flusses anschmiegt. Es
handelt sich um das Headquarter
der centrotherm photovoltaics AG
– das wie die Außenanlagen nach
Feng-Shui-Kriterien angelegt ist.
Der Ferne Osten und das Blautopf-Städtle
– man kann neuerdings deutliche Anzeichen
enger Verbindungslinien finden, zumindest
vom weitläufigen Firmenareal des
Solaranlagen-Herstellers aus, wo auch mal
die chinesische Flagge aufgezogen wird,
wenn sich eine Delegation aus dem Reich
der Mitte zum Erinnerungsfoto postiert.
„Ah, damit der Geldfluss nicht abreißt“,
bekommt Vorstandssprecher Robert M.
Hartung des Öfteren zu hören, wenn er
die Gäste auf die Feng Shui-Adaption hinweist.
Im Moment schaut es ausgesprochen
gut aus, dass dieser Fall so bald nicht
eintritt. Aufträge im Wert von rund einer
Mrd. Euro bis zum Jahr 2010 stehen in den
Büchern des Unternehmens, das 2007 an
die Börse ging, bald danach in den TecDax
aufgenommen wurde und sich zu den weltweit
führenden Technologie- und Dienstleistungsanbietern
für die Herstellung von
Solarzellen und Solarsilizium zählt. Allein
18 so genannter „Turnkey-Linien“ zur
Produktion der Siliziumzellen seien derzeit
im Auftragsbestand enthalten.
Ein ganzes Bündel an Vorteilen führt
Hartung (41) an, die sein Unternehmen
aus dem Börsengang gezogen habe. Durch
höhere Bekanntheit und größere Aufmerksamkeit
sei es nun einfacher, hochqualifiziertes
Personal in die zweifelsohne etwas
provinzielle Lage zu locken.
Dem Aufwand, der etwa durch die regelmäßigen
Quartalsberichte anfalle, stünde
der Vorteil gegenüber, nun die Chance
zu haben, an Großaufträge heran zu
kommen. Der geglückte Börsengang, der
134 Mio. Euro in die Firmenkasse spülte,
habe die Voraussetzung geschaffen, den
unabdingbaren Expansionskurs zu finanzieren.
„Über die herkömmliche Bankenfinanzierung
wäre dieses Wachstum nur
schwer umsetzbar gewesen“, so Hartung.
Grundlagen für den Einstieg in den Solarbereich
legte schon 1979 eine Vorläufergesellschaft
der Unternehmerfamilie Hartung
mit der Fertigung von Öfen für die
Halbleiterindustrie. 2001 war man, auf
gemeinsame Forschungsprojekte mit dem
Fraunhofer Institut für Solare Systeme aufbauend,
in der Lage, Solarzellenproduzenten
mit Schlüsselequipment zu beliefern.
Seither ist man dabei beim Solar-Boom.
Als die Dünnschicht-Technologie aufkam,
fiel in Blaubeuren der Beschluss, auch
hier einzusteigen, zunächst ab 2004 mit
Engineering-Dienstleistungen. Mittlerweile
liegt auch in diesem Bereich eine erste
Produktionslinie in der Pipeline. Nächstes
Frühjahr soll sie an den Start gehen, in Taiwan.
Sie steht für ein Auftragsvolumen von
44 Mio. Euro. Liege der Anteil dieser Technik
an der Solarstromproduktion derzeit
noch bei unter zwei Prozent, so kön- >
Nahe beim idyllischen Blautopf: Hightech in der Produktion von Centrotherm.
42 ::
Robert M. Hartung
Der Stratege aus der Gründerfamilie
Robert Michael Hartung (41) hat Wirtschaftsingenieurwesen
an der Technische
Universität Darmstadt und Informatik
an der Fachhochschule Darmstadt
studiert.
Im Jahr 1999 trat er in die Centrotherm
Elektrischen Anlagen GmbH & Co. KG
ein und gründete gemeinsam mit seinem
Vater die centrotherm photovoltaics
Solutions KG. Seit Gründung der
centrotherm photovoltaics im Jahr 2005
gehört er dem Vorstand an. Hartung ist
Mitglied der Gründerfamilie und verantwortet
in seiner Funktion als Vorstandssprecher
die Bereiche Strategie,
Konzernmanagement, Recht und den
Geschäftsbereich Solarsilizium.
Hartung ist wohnhaft im Blau beurer
Ortsteil Seißen, wo, wie er lachend sagt,
„drei wartende Autos bereits als Stau
gelten“.
wir machen...
...jeden Umzug mit!
HARDER
logistics
Danieli & Spann OHG
Robert-Bosch-Straße 1 · 89269 Vöhringen · Telefon 0 73 06-96 40-0 · Fax 0 73 06-96 40-29 · info@speditionharder.de · www.speditionharder.de
:: 43
[verantworten]
Solarzellenfertigung: Im Diffusionsofen entsteht durch Phosphordiffusion das elektrische Feld, das
später in der fertigen Solarzelle bei Lichteinfall Strom erzeugt.
ne er mittelfristig auf 30 Prozent steigen,
prognostiziert Hartung. Pluspunkte dieser
Technik sind, dass sie weitgehend ohne
das nur mit hohem Energieaufwand herzustellende
Silizium auskommt, auch keinen
„hochreinen Sand“ benötigt, größere
Module erlaubt und über kurz oder lang in
den Herstellungskosten stark sinke.
Ein Problem der Solarindustrie ist im
Moment der stark gestiegene Siliziumpreis.
Als sich abzeichnete, dass sich dieser
Grundstoff immer mehr zum Flaschenhals
für die Expansion der Photovoltaic und die
notwendige Verbilligung des Solarstroms
entwickelt, stiegen die Blaubeurer auch in
dieses Gebiet ein, wiederum auf der Ebene
der Planung und des Baus von Anlagen.
Einzelne Komponenten wie Konverter und
Reaktoren stellt die nicht zur AG, aber
zum Hartung’schen Familienimperium gehörende
Firma Centrotherm Thermal Solutions
her, deren komplette Produktion
an die AG gebunden ist.
Von den rund 320 Mio. Euro, die eine
Anlage zur Silizium-Produktion kostet, entfielen
derzeit rund 80 Mio. auf Leistungen
seines Unternehmens, so Hartung, der hier
eine der Ansätze für seine Visionen ableitet:
Schritt für Schritt sollen die Leistungen
auf weitere Stufen der Wertschöpfungskette
ausgedehnt werden, um in Zukunft
alle wesentlichen Komponenten auf beiden
Feldern – sowohl Solarzelle als auch
Dünnschicht – anbieten zu können.
Von Aktionärsseite besteht kaum Gefahr,
dass diese Strategie durchkreuzt
wird. Über 66 Prozent der Anteile liegen
direkt oder über Beteiligungsgesellschaften
bei den Firmengründern und bei Mitgliedern
von Vorstand und Aufsichtsrat. Lediglich
33,5 Prozent, sind in Streubesitz.
Die Aktie ist relativ volatil und hat sich
von ihrem Höchstkurs von 75 Euro wieder
deutlich entfernt, sie liegt jedoch immer
noch deutlich über dem Ausgabekurs von
34,50 Euro. Für das Gesamtjahr erwartet
Hartung einen Umsatz zwischen 330 bis
350 Mio. Euro, was ebenfalls einer Verdoppelung
gleichkäme. Der Gewinn solle
sich, so der jüngste Quartalsbericht, zwischen
41 und 44 Mio. Euro belaufen. Dividende
solle es weiterhin keine geben, das
Geld werde für die Finanzierung des rasanten
Wachstums benötigt.
Die Kräne auf dem Firmenareal, wo
derzeit eine neue Produktionshalle entsteht,
sind ein untrügerisches Indiz dafür,
dass dieser Absicht konkrete Taten folgen.
Die Expansion solle jedoch gleichfalls
durch Zukäufe gestemmt werden. Strom
aus Photovoltaic und damit die Module
müssten billiger werden. Auch die Preise
für die Produktionsanlagen könnten sinken,
wenn sie erst einmal in größerer Serie
hergestellt werden.
Nicht zuletzt auf Produktseite gebe es
noch große Spielräume, wenn es gelingt,
den Wirkungsgrad ( Siliziumzelle: 16 bis
17 Prozent, Dünnschicht: 8 bis 10 Prozent)
deutlich zu steigern.
Wissenschaftler wie Eicke Weber, Chef
des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesystems
in Freiburg, erkennen hier noch
großes Potential für Innovationen. Theoretisch
sei sogar ein Wirkungsgrad von bis
zu 50 Prozent möglich. Gleichzeitig erwartet
der Solar-Experte Stephan Droxner,
Aktienanalyst bei der Landesbank Baden-
Württemberg, dass die Herstellungskosten
für Photovoltaic gewaltig sänken, auf wenigstens
die Hälfte bis in fünf Jahren, wenn
zugleich der große Durchbruch zu erwarten
sei. Das Potential, das die Sonne bereit
hält, ist riesig. Das Zehntausendfache
des weltweiten Energieverbrauchs schickt
sie mit ihren Strahlen täglich auf die Erde,
nur ein Bruchteil wird davon genützt. Der
Druck zu innovativen Lösungen werde daher
in Zukunft eher weiter zunehmen, der
Wettbewerb schärfer. Die AG unterhält
über ihre Tochtergesellschaft centrotherm
photovoltaics Technology in Konstanz ein
Forschungs- und Entwicklungszentrum, in
dem neue Technologien und Prozesse im
Bereich Solarzelle entwickelt werden.
Betroffen vom Preisdruck werden nach
Hartungs Einschätzung jedoch in erster
Linie die Produzenten sein. Was die energieintensive
Silizium-Produktion betrifft,
würden damit die Produktionsstandorte
noch entscheidender. „Wichtig ist günstiger
Strom.“ Deutschland hat es da gegenüber
Asien deutlich schwerer, sich
durchzusetzen. Laut Hartung kommt noch
erschwerend hinzu, dass Genehmigungsverfahren
für Siliziumfabriken in Deutschland
deutlich langwieriger sind, am Markt
indes Schnelligkeit entscheidet..
Gelten Solarmodule als Allerweltsprodukt,
böten sich den Ausrüstern weit mehr
Gelegenheiten, sich von Wettbewerbern
abzuheben. Bei den Blaubeurern steht hier
ganz oben auf der Plusliste, schlüsselfertige
Komplettlösungen anbieten zu können.
„Wir begleiten unsere Kunden von der Genehmigungsphase
über Planung und Aufbau
bis zur Inbetriebnahme der Anlage.“
Hartungs Optimismus deckt sich mit
dem des Verbands Deutscher Maschinenund
Anlagenbau, der für die Solarausrüster
in den kommenden Jahren stabile
zweistellige Zuwachsraten prognostiziert.
Angesichts solcher Perspektiven ziehen Beobachter
bereits einen Vergleich zum amerikanischen
Goldrausch vor 150 Jahren.
Damals hatten nicht die Goldgräber, sondern
die Lieferanten von Schaufeln und
Waschsieben das große Geld gemacht. Die
Story könnte sich jetzt wiederholen.
THOMAS VOGEL
44 ::
[spezial]
Branchen-Report Catering & Event-Gastronomie
FLIEGENDE ENTENBRÜSTE:
ESSEN AM LAUFENDEN BAND
Das kalt-warme Buffet hat seine
Schuldigkeit getan. Wer bei seinen
Gästen Eindruck machen will,
muss heute mehr bieten als Spanferkel
und Lachsröllchen – eine
Herausforderung für Catering und
Eventgastronomie. Deshalb muss
die Branche rasch reagieren auf die
neuesten Trends, die ebenso wie bei
Musik und Mode immer schneller
kommen und gehen. Wie ein Blick
hinter die Kulissen zeigt, führen
durchaus mehrere Konzepte zum
Erfolg.
Veronika Distler und Thomas Settele sind ein eingespieltes Team.
Mitte der 80er-Jahre verdiente Thomas Eifert
mit Kochen erstmals Geld. Damals panierte
er Schnitzel als Ferienarbeiter in der
Großküche seines Schwiegervaters Hans
Ott im Ulmer Industriegebiet Donautal.
Seine Begeisterung und Leidenschaft fürs
Kochen entdeckte er Jahre später, nachdem
er ein Ingenieur-Studium der Produktionstechnik
abgeschlossen und eine Kochlehre
im Grimmelfinger „Adler“ absolviert
hatte. „Ich habe zwei Jahre lang nur gekocht“,
berichtet er mit leuchtenden >
Essenziell
genießen
fühlen
reden
kochen
erleben
begegnen
Besondere Abende
des Kochens
und Erlebens:
Für Gruppen
und Firmen
als Incentive, Feier
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:: 45
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Augen: Er sammelte Erfahrungen, um
schließlich im Februar 1988 in den Betrieb
des Schwiegervaters einzusteigen und ihn
1999 zu übernehmen.
Heute steht gastromenü auf vier Beinen,
ein fünfter Geschäftszweig kommt hinzu.
Vor allem in der traditionellen Großküche,
die hauptsächlich Firmen-Casinos betreibt,
hat sich seit den 90-Jahren viel verändert.
„Die Firmen verlangten nach mehr
Dienstleistung“, sagt Eifert, „von Automaten
für Kaffee oder Snacks über Vesperversorgung
bis
hin zum Personal,
das Mitarbeiter und
Gäste bewirtet.“
Klassische Kantinen
hätten keine Berechtigung
mehr. Die
Leistungen von gastromenü reichen von
Planung, Gestaltung und Einrichtung von
Casinos bis zu bargeldlosen Zahlungssystemen.
Derzeit betreibt gastromenü 25
Casinos in 150 Kilometer Umkreis.
„Ernährung spielt heute eine wichtige
Rolle“, sagt Eifert, „verantwortungsvolle
Unternehmen wollen eine gesunde Ernährung.“
Folgerichtig verlangen sie zunehmend
nach Bio-Produkten – ein Wunsch,
den gastromenü als regionale Großküche
mit Bio-Zertifikat erfüllen kann.
Eifert hat die gastronomische Dienstleistung
als Wachstumsmarkt entdeckt: Die
Versorgung von Altenheimen, Kliniken
oder Kindertagesstätten und ein Menü-
Bringdienst für ältere Leute sollen als weiteres
Standbein ausgebaut werden.
Aus langjährigen Kontakten zu Firmen
und deren positiven Erfahrungen mit dem
Dienstleistungsangebot von gastromenü
entwickelte Eifert den Geschäftszweig
Event-Catering für Firmenveranstaltungen.
Und seine Tochterfirma Ulm Messe Catering
& Events verantwortet die Gastronomie
auf dem Ulmer Messegelände.
Eher still und leise hat sich Thomas Eifert
einen vierten Geschäftszweig aufgebaut,
der vor 14 Jahren mit dem „Moritz“
in der Ulmer Platzgasse als erstem Objekt
begann, damals noch mit einem Partner.
Heute zählen in Ulm Spazz, Bellavista,
Lago, das Schnellrestaurant Flo´s im Donautal
sowie die Gastronomie im Knopfmuseum
Warthausen dazu.
Die Gastronomie-Betriebe dienen auch
als Trendscouts. So sieht Thomas Eifert die
Unternehmen
wollen Bio-Produkte
Zeit von Fingerfood und Flying Dinner am
Abklingen. Der neueste Schrei heißt „preta-diner-Show“.
Nach dem Vorbild einer
Modenschau rollt das Essen auf Laufbändern
an den Tischen der Gäste vorbei, die
sich nehmen, was ihnen gefällt.
Fliegende Entenbrüste, vermeintlich
mordende Kellner oder eine der Torte entsteigende
Tänzerin sind Irmgard Silberbaurs
Sache nicht. Oberflächlicher Unterhaltung
und schnellem Konsumieren
begegnet sie mit dem Konzept „Küche und
Raum“, das ihrem
Unternehmen in der
Ulmer Frauenstraße
den Namen gibt.
Seit 29 Jahren plant
und verkauft die gelernte
Hauswirtschafterin
(„Ich komme aus der Praxis“)
Kücheneinrichtungen mit dem Anspruch,
dass Koch-, Ess- und Wohnkultur sich verbinden
mögen. Diesen Anspruch verwirklicht
Irmgard Silberbaur abseits der Verkaufsräume
im „Lebensraum“, der neben
einer perfekt eingerichteten Funktionsküche
mit neuesten Geräten eine Tafel für 16
Personen und eine Lounge nebst Bartheke
bietet. Alle Details hat sie mit Bedacht
ausgewählt – die Komposition wirkt har-
Gemeinsam Kochen unter professioneller Anleitung:
Imgard Silberbaur arrangiert Abende für
Firmengruppen und Genießerrunden, bei denen
die Kommunikation im Vordergrund steht.
46 ::
Christian Becker (Hintergrund) und sein Küchenchef Jahn. Gekocht wird in einer geräumigen
Küche, die sich über die ganze Fläche des Stadthauses im Untergeschoss erstreckt.
monisch und ausgleichend: Lärmende Küchenparties
sind hier fehl am Platz. Stattdessen
treffen sich hier zum gemeinsamen
Kochen Gruppen aus Firmen – zu Seminaren,
Besprechungen oder als Incentive.
Auch die private Genießerrunde ist willkommen,
um einen Abend zu gestalten
vom Zubereiten eines Menüs bis zur Tischdekoration.
Damit nichts anbrennt, stellt
Silberbaur dem kochenden Kollektiv professionelle
Köche aus Ulm und Umgebung
zur Seite. Was Namen angeht, sagt sie nur,
dass Peter Ebbinghaus aus Burgrieden, ein
sensibler Perfektionist seiner Zunft, nach
ihrem Geschmack ist. Im Vordergrund soll
alltagstaugliches Kochen stehen, die Profis
wirken eher in der zweiten Reihe.
„Kochen als Kulturgut ist verlorengegangen“,
bedauert Irmgard Silberbaur.
Koch- und Dinnershows verlieren nach ihrer
Einschätzung an Reiz, obwohl sie noch
immer Fernseh- und Veranstaltungsangebote
beherrschen. Man spürt ihre tiefe Abneigung
gegen den bloßen Eventbegriff im
Zusammenhang mit Kochen und Essen.
Menschen wollten mit Gleichgesinnten
kommunizieren, gemeinsam gestalten und
genießen. Da geschähen im „Lebensraum“
sogar kleine Wunder: Wenn zwei Mitarbeiter
eines Unternehmens, die sich sonst aus
dem Weg gehen, beim Kochen plötzlich
Gemeinsamkeiten entdecken und am Herd
Hand in Hand arbeiten. Dann klappt’s am
nächsten Tag auch im Büro.
Ein eigenes Selbstverständnis pflegt
auch der gelernte Koch und Metzgermeister
Thomas Settele, der sich als „kochenden
Logistiker“ bezeichnet. Nach der
Devise „Alles aus einer Hand“ liefert Settele
für private Feiern wie für Firmenveranstaltungen
alles: vom Zelt über Tische
und Stühle, Geschirr und Gläser bis zur
Musikanlage oder dem Zauberkünstler
und einer „sehr guten Küche.“ Fünf ausgebildete
Köche, von denen einige schon bei
namhaften Restaurants gearbeitet haben,
sowie ein Lehrling kommen dem selbst gesetzten
Anspruch nach. Die Kunden wissen
es offenbar zu schätzen, denn Settele
hat nach eigenen Angaben seinen Umsatz
in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.
Die Stamm-Belegschaft zählt 35 Mitarbeiter
mit steigender Tendenz, darunter auch
400 Euro-Kräfte. Für professionelle Dekoration
von der Auswahl der Möbel bis zum
Blumen-Arrangement sorgt Veronika Distler
von DiDeKu (Distler Dekoration und
Kunst) mit sicherer Hand. Neben privaten
Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen
richtet Settele Firmenveranstaltungen aus,
die hohen Anforderungen genügen. Sei es
ein Event für 500 Gäste unter Tage im Haigerlocher
Salzbergwerk oder ein Fünf-Länder-Büffet
für 1.500 Gäste eines Pharma-
Konzerns. Kundenspezifische Wünsche
sollen verwirklicht, die Besonderheiten des
Veranstaltungsorts müssen berücksichtigt
und alle Details geplant werden.
Ja, es darf wieder etwas Besonderes sein!
War Spanferkel einst ein Klassiker am Buffet,
verlangen die Gäste heute nach frischen,
leichten Gerichten. Auch die sich
fleischlos Ernährenden wollen berücksichtigt
werden, machen sie doch durchschnittlich
zehn Prozent bei einer Veranstal- >
:: 47
[spezial]
tung aus. „Italienische Buffets sind derzeit
am meisten gefragt“, sagt Thomas Settele,
„auch Fingerfood, flying dinner oder running
dinner kommen sehr gut an.“ Grundsätzlich
stellt er fest, dass die Ansprüche
der Kunden an Küche und Service steigen.
„Gut beraten, aber nicht beeinflussen“, so
beschreibt Settele seine Strategie.
Weil Veranstaltungsräume mit Ambiente
in Ulm und Umgebung mangels Auswahl
oft ausgebucht sind, hat Settele im
Industriegebiet Schwaighofen ein ehemaliges
Autohaus erworben und nach seinen
Vorstellungen umgebaut. Eine ideales Objekt
für Events mit bis zu 250 Personen,
wie sich schnell zeigte. Die lichte Ausstellungshalle
wirkt wie ein modernes Restaurant,
die große Küche befindet sich direkt
dahinter und die ehemalige Werkstatt hat
sich zur beliebten Partymeile gewandelt, in
der bis in den frühen Morgen gefeiert werden
kann; mangels Nachbarn im Industriegebiet
stört das niemand.
Christian Becker begann 1992 als Wirt
in der Altstadt-Kneipe „Trödler“ in Ulm.
1994 übernahm er gemeinsam mit seiner
Schwester Tina den „Kornhauskeller“, der
sich unter Monika Rindle einen legendären
Ruf als „Cafè Wichtig“ erwarb. Heute
zählen zu Beckers Unternehmen neben
dem „Trödler“ noch die „Cubar“, das
„Riolet“ und das „Becker’s“ sowie als prominentestes
Objekt das Stadthaus auf dem
Münsterplatz. Aus
Gefragt ist
die leichte Küche
Thomas Eifert in der Produktion seines Bertiebs
„gastromenü“ im Ulmer Donautal.
dem Kornhauskeller
hat er sich 2007
zugunsten seiner
Schwester zurückgezogen.
Becker verfolgt
in jedem Betrieb
ein unterschiedliches Konzept, nutzt
aber die Synergie-Effekte beim Personal:
Kein Betrieb ist weiter als ein paar hundert
Meter vom anderen entfernt.
Im Stadthaus steht Becker unter Erfolgszwang
und öffentlicher Beobachtung.
Schließlich verantwortet er die Bewirtung
sämtlicher Veranstaltungen im Stadthaus-
Saal sowie das Catering auf dem Münsterplatz
am Schwörmontag einschließlich
des Künstler-Caterings. Letzteres ist offenbar
eine besondere Herausforderung angesichts
der Wünsche vermeintlicher Stars.
„Was Pink alles zum Essen bestellt hat, obwohl
sie so eine zierliche Frau ist“, berichtet
Becker über den Auftritt des Pop-Sternchens
im vergangenen Jahr und schweigt
vielsagend über die Einzelheiten.
Von April bis Juni und September/Oktober
ist das Stadthaus stark von Firmen
für geschlossene Veranstaltungen gebucht.
„Was wir als Caterer bieten, entscheidet
ob diese Kunden im nächsten Jahr wieder
kommen“, sagt Becker und fügt hinzu:
„Wir können fast jeden Wunsch erfüllen
bis zum roten Teppich auf dem Münsterplatz
oder einem Feuerwerk.“
Köche bekommt im Stadthaus niemand
zu Gesicht: Im Untergeschoss erstreckt sich
eine großzügige Küche nebst Konditorei.
Der Blick in Töpfe, Pfannen und Vorratsräume
bestätigt Beckers Aussage, dass er
auf Convenience-
Produkte verzichtet.
Gefragt ist in jüngster
Zeit eine leichte,
gerne auch internationale
Küche.
Gleichzeitig stellt
Christian Becker erfreut fest, dass sich immer
mehr Gäste wieder auf die Qualität
und Zubereitung heimischer Produkte besinnen.
„Die deutschen Winzer machen es
vor“, sagt Becker, „deutscher Wein hat erheblich
an Qualität gewonnen.“
Bei der Sitzordnung scheint es dagegen
kein Zurück mehr zu geben. Entertainment
während des Essens und das verbreitete
flying buffet stehen immer häufiger auf
der Wunschliste der Stadthaus-Kunden.
„Die Leute wollen weg von einer starren
Sitzordnung, es soll mehr Bewegung entstehen
und das Gespräch der Gäste untereinander
gefördert werden“, erläutert
Becker.
48 ::
Planung ist alles: Peter Burger überlässt für das „2. Biker Event Allgäu“ nichts dem Zufall.
Veranstaltungen
werden hochwertiger
Der Name Burger Zelte ist seit 40 Jahren
ein Begriff – und Beispiel dafür, wie
sich ein Betrieb verändern muss, will er
überleben oder neue Märkte erschließen.
Gab es früher kaum ein Volksfest zwischen
Alb und Bodensee ohne Burger, so hat sich
das Unternehmen aus diesem Geschäft seit
Mitte der 90-er Jahre fast völlig zurückgezogen.
Ausnahme: das Laupheimer Heimatfest.
Zu groß das wirtschaftliche Risiko
durch schlechtes Wetter, zu gering der
Rückhalt in der Bevölkerung für Volksfeste
– so beschreibt der 40jährige Peter
Burger die Lage.
Peter Burger, der das Unternehmen in
zweiter Generation führt, konzentriert
sich auf Großveranstaltungen von Firmen
aus der Region, mit denen er durch ganz
Deutschland reist, oft auch nach Österreich
oder Frankreich. Zu seinen Referenzen
zählen EvoBus, Iveco, Kögel oder
Liebherr. Vollen Einsatz fordern besucherstarke
Termine wie die Tage der offenen
Tür des Memminger Flughafens oder einer
Memminger Brauerei, das Ulmer Weinfest
oder der Ulmer Weihnachtsmarkt.
Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungs-
oder Cateringbetrieben verfügt Burger
nicht über eine eigene Küchenmannschaft.
Stattdessen baut er am Ort eine
mobile Küche oder ein komplettes Küchenzelt
auf und bezieht Küchen- und Servicepersonal
von externen Dienstleistern.
Lebensmittel und Getränke kauft Burger
möglichst nahe am Veranstaltungsort. Geplant
und gesteuert wird alles mit 17 festangestellten
Mitarbeitern am Firmensitz
in Weinried, einem kleinen Ort südlich
von Babenhausen im Landkreis Unterallgäu.
„Wir verstehen uns als Komplettanbieter
vom Zelt über die Bewirtung bis zu
Licht- und Tonanlage, Sicherheitsdienst
und der Vermittlung von Musikgruppen“,
sagt Burger. Firmenveranstaltungen sind
für ihn richtungsweisend. Seine Erfahrung:
„Die Veranstaltungen sollen wieder hochwertiger
werden, damit sich die Unternehmen
aus der Masse herausheben können.“
Burger hat sich dies zu eigen gemacht.
Im Juli ist er erstmals in die Rolle des Veranstalters
geschlüpft und hat auf dem Memminger
Flughafengelände das „Biker Event
Allgäu“ ins Leben gerufen. Die Bilanz der
fünf Veranstaltungstage: 25 Musikgruppen,
37 Auftritte, sechs Stunt-Shows mehrmals
täglich, ein breites Angebot für die
Freunde schwerer Motorräder und Ami-
Schlitten – und denkbar schlechtes Wetter.
„Es gehört zu meinem Job, auch mal etwas
zu wagen“, sagt Burger, der sich mit dem
„Biker Event“ einen Wunsch erfüllt hat.
Die positive Resonanz der 10.000 bis
12.500 Besucher hat ihn bestärkt, für 2009
die Fortsetzung in Angriff zu nehmen. Allein
die gewaltigen Ausmaße des Memminger
Flughafengeländes, dessen 26 Hangars
an einer fast zwei Kilometer langen Straße
liegen, machen den besonderen Reiz aus.
Für das zweite „Biker Event Allgäu“ sind
die Flugblätter bereits gedruckt und Peter
Burger hofft im kommenden Jahr – ordentliches
Wetter vorausgesetzt – auf 25.000
bis 30.000 Besucher. Die Kraft für seinen
aufreibenden Beruf schöpft der gebürtige
Weinrieder aus der ländlichen Umgebung
seiner Heimat Weinried und aus seiner Familie.
„Ohne deren Rückhalt läuft nichts“,
sagt Peter Burger. THOMAS ZEHENDER
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:: 49
[namen und nachrichten]
DONAU MASTERS WIEDER EIN GROSSER ERFOLG
Tausend Kilometer voller Erlebnisse, voller
Freude, aber auch mancher Sorge ums
Material: Das waren für die 90 gestarteten
Teams die „Donau Masters 2008“.
Jubeln über den Sieg konnte am Ende in
Budapest das Team Michael Rinder/Hans
Urthaler (Porsche 356 B). Auf dem zweiten
Platz: Jürgen und Gisela Mohilo (Mercedes-Benz
190 SL) vor zwei Teams auf
dem dritten Platz: Werner und Beate Brendel
(Alfa Romeo Giulia Spider) und Thomas
Gummert/Eckhard Schirorsky (Triumph
TR 6). Die „Donau-Masters“ waren neben
dem sportlichen Wettstreit durch vier Länder
an der Donau auch wieder ein karitativ
bedeutendes Ereignis. Letzteres, weil wieder
bemerkenswerte Spenden für benachteiligte
Kinder in Deutschland, Österreich,
Slowakei und Ungarn von Donau Masters-
Organisator Manfred Hommel übergeben
werden konnten.
WIR VERGIBT
INNOVATIONSPREISE
Die Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft
Landkreis Ravensburg,
WIR, vergibt den Innovationspreis an die
Unternehmen Lissmac Maschinen- und
Diamantwerkzeuge GmbH Bad Wurzach,
Smart Embedded Technologies, SET, Wangen
und Virtuelle Flurbereinigung Riedhausen
GbR Riedhausen bei Pfullendorf.
Lissmac erhält die Auszeichnung für eine
Maschine, die bei mehreren Blechwerkstücken,
die laser-, plasma- oder autogen
geschnitten sind, in einem Arbeitsgang
Schnittkanten entgratet und verrundet. Die
Innovation: Eine beidseitige Oberflächenbearbeitung
ist simultan möglich, weil gegeneinander
laufende Schleifeinheiten die
Bleche oben und unten im rechten Winkel
zur Transportrichtung glätten. Riefen, die
beim manuellen Schleifen mit Winkelschleifern
entstehen, werden vermieden. Die Bearbeitungszeit
pro Werkstück wird bei besserer
Qualität um mindestens 50 Prozent
reduziert. Lissmac wurde 1979 gegründet,
beschäftigt 200 Mitarbeiter, produziert in
Bad Wurzach und hat Verkaufsbüros in
Tianjin in China und in New York.
SET in Wangen hat ein Gerät zur Echtzeitsimulation
des elektrophysikalischen Verhaltens
von elektrischen Systemkomponenten
wie Elektromotoren entwickelt. Damit
sind keine aufwändigen Testarrangements
im Labor notwendig, um Motorenparameter
wie Massenträgheit, Reibung oder magnetische
Kopplung sukzessive zu studieren.
Die Parameterveränderungen lassen
sich realitätsnah in Echtzeit simulieren und
erfassen. Das Gerät macht bereits 25 Prozent
des Gesamtumsatzes von SET aus und
hat sein Können beim Bau des A 380 unter
Beweis gestellt. SET baut Elektronik-,
Mess- und Prüfsysteme für die Luftfahrtund
Automobilindustrie, beschäftigt 40
Mitarbeiter und zählt neben Airbus namhafte
Unternehmen wie Bosch, Liebherr
und Lufthansa Technik zu seinen Kunden.
Die Virtuelle Flurbereinigung Riedhausen
bedient sich des satellitengestützten Navigationssystems
GPS, um kleinstrukturierte
Parzellen – für Oberschwaben typisch –
virtuell zu vergrößern und so landwirtschaftliche
Größenordnungen herzustellen,
die rationeller bearbeitet werden
können. Dank der Positionskoordinaten,
die vom GPS in Schlepper oder Mähdrescher
erfasst werden, können die Bearbeitungszeiten
und Erntemengen exakt erfasst
werden. Feldüberlappungen werden vermieden,
Bodenverdichtungen minimiert.
Auf den optimierten Bearbeitungsflächen
werden die Erträge um rund zehn Prozent
erhöht. Zur Virtuellen Flurbereinigung
Riedhausen haben sich 12 Landwirte zusammengeschlossen.
Der Innovationspreis wird von WIR zusammen
mit der Kreissparkasse Ravensburg
alle zwei Jahre ausgeschrieben.
SCHULER WÄCHST
IM FIRMENVERBUND
Das Ingenieurdienstleistungsbüro Schuler
Konstruktionen schafft mit 16,4 Millionen
Euro einen um 20 Prozent höheren Umsatz
und weitet seine Mitarbeiterzahl um 18
Prozent auf aktuell 260 aus. In die Zahlen
einbezogen sind neben dem Stammsitz in
Ravensburg die Opal Maschinenentwicklung
GmbH in Chemnitz und die Schuler
Konstruktionen Schweiz AG. Zum wachsenden
Firmenverbund gehören seit letztem
Jahr auch die Schuler Hangarter Maschinenbau
GmbH in Ravensburg und die
Schuler Hangarter Fördertechnik GmbH
in Tettnang.
50 ::
[leben]
Mit Württembergern Staat machen
VOLLTREFFER
AUS DEM WEINGUT
„Mit Wein landet man immer einen
Volltreffer“, weiß Dr. Günter
Bäder, Direktor des Staatsweinguts
in Weinsberg. Denn: „Ein gutes
Fläschle legt sich doch jeder gerne
in den Keller.“ Und wer den alkoholischen
Trank doch verschmäht,
kann ihn ja selber weiterverschenken.
Das Staatsweingut in Weinsberg, das zur
Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für
Wein- und Obstbau gehört, beliefert eine
Vielzahl von Unternehmen, die Kunden oder
Geschäftspartnern ihre Wertschätzung in
flüssiger Form zum Ausdruck bringen wollen.
Wein, sagt Bäder, habe sich da bestens
bewährt, „Wein ist zeitlos.“ Also zum Verschenken
viel besser geeignet als beispielsweise
Uhren und Bücher, glaubt er.
Für das staatliche Weingut mit einem
Jahresumsatz von zwei Mio. Euro – zum
Angebot gehören auch Spirituosen, Sekte,
Säfte und sogar Speisewürzen – sind die
Präsente „ein sehr bedeutender Faktor“.
Nicht nur zur Weihnachtszeit werden die
Aufträge erledigt, es gibt auch Firmen, die
lassen Geburtstagslisten abarbeiten, „bis
zu drei Flaschen Wein, manchmal mit einer
Tafel hochwertiger Schokolade dazu“, verrät
die Frau im modernen Verkaufsraum.
Die „richtig guten Geschenkweine“ kosteten
mindestens sieben Euro, sagt Bäder.
Häufig würden edle Tropfen im Wert von
rund 50 Euro in Auftrag gegeben, „zum
Beispiel zwei Barrique-Weine“. Das Weingut
kann mit einem umfassenden Sortiment
dienen, dennoch verlangen viele Unternehmen
nur nach einem ganz speziellen Premiumwein
– „Traum“ heißt die rote Cuvée
vornehmlich aus anstaltseigenen Neuzüchtungen.
Das Fläschchen kostet 44 Euro, >
:: 51
[leben]
Der Verkaufsraum des Staatsweingutes: Ein geschmackvoll-zeitgeistig eingerichteter Laden, der so gar nichts von muffigem Gewölbeklischee hat.
dennoch geht die Hälfte der Abfüllung als
Geschenksendung aus dem Haus.
„Man sieht schon der Flasche an,
dass sie sehr hochwertig ist“, betont der
Direktor. Gleichwohl wollen es einige Beschenkte
ganz genau wissen. Regelmäßig
gebe es Anrufer, die sich nach dem Preis
erkundigten.
Im Trend liegt derzeit das Besondere,
„etwas ganz Herausgehobenes oder Rares“,
wie Günter Bäder sagt. Das Interesse
an alten Jahrgängen aus der Schatzkammer
habe dagegen nachgelassen. Dabei
lagern hinter dem verschlossenen Gitter
15.000 Flaschen, angefangen mit einem
1947 geernteten Riesling für 400 Euro.
Jüngere Jahrgänge kosten meist um
30 Euro. Wer sich das ganz Exklusive
leisten möchte, muss für eine edelsüße
Trockenbeerenauslese von 1959 um
die 700 Euro
investieren.
Der Geschenkservice
ist
für das Weingut ein gutes Geschäft,
„weil es auf Gegenseitigkeit beruht“.
Wer mit einer Flasche aus Weinsberg
beglückt werde, komme oft auf den
Geschmack und werde selber zum Kunden.
Die Auswahl ist zwischen Taubertal
und Albtrauf so groß wie nirgendwo. Kein
anderes Anbaugebiet leistet sich den Luxus
derart vieler Sorten und Ausbauarten.
Mit einem Wein aus Württemberg
sei durchaus Staat zu machen, sagt Bäder:
„Wir werden international ernst genommen.“
Seinen Stellenwert bewies der
Württemberger bei einer Blindverkostung
in der Weinbauschule. Dort wurden von
Experten 18 Cabernets probiert. Drei der
vier vorderen Plätze belegten heimische
Kreszenzen.
Deshalb bestellen auch immer mehr Firmen
ihren „Haustrunk“ bei einem Winzer
oder einer Genossenschaft in Württemberg.
Die Johanniter warben für ihre Unfallhilfe
mit einem Weißwein gleichen Namens aus
Weinsberger Züchtung. Anspruchsvolle
Kunden verlangen nach einer eigens für sie
abgestimmten Cuvée. „Das machen wir ab
1.000 Flaschen“, sagt Günter Bäder. Ein
solcher Kundendienst, ergänzt der Fachmann,
sei keineswegs auf das Staatsweingut
beschränkt: „Das ist branchenüblich.“
Weinprobe: Kaum ein
Wunsch ist unerfüllbar
Der Wein schmeckt am Urspung am
besten, glauben vinophile Zeitgenossen.
Demnach müsste ein Schluck in
den Überresten
eines römischen
Gutshofes bei
Lauffen am Neckar ein
ganz besonderes Erlebnis sein. Weil
dort Archäologen Reste eines Rebmessers
und Traubenkerne gefunden habe, darf
angenommen werden, dass der landwirtschaftlich
tätige Besatzer aus dem Süden
die Weinkultur ins heutige Württemberg
gebracht hat.
52 ::
Die Weingärtnergenossenschaft Lauffen
lässt dort regelmäßig ihre Roten, Weißen
und Rosés verkosten. Auch für Firmen
wird eine solche stilvolle Weinprobe organisiert,
sagt Vorstandschef Ulrich Maile:
„Wir machen das, zu jeder Tages- und
Nachtzeit, das kommt sehr gut an.“
Weinproben unter freiem Himmel erfreuten
sich wachsender Beliebtheit. „Die
Leute wollen halt nicht in einem Raum sitzen“,
hat Maile beobachtet, „die wollen
Kultur und Landschaft erleben.“
Ausgerichtet wird, was die Kundschaft
wünscht, vom Bauernvesper über das
Grillfest bis zum stilvollen Büfett, letzteres
ab 25 Euro pro Person.
Flexibel wie die Lauffener sind die meisten
Weinerzeuger. Etliche haben sich als
zeitgeistige Eventmanager erwiesen. Ob
um die Mittagszeit mit Jazz oder als Galaabend
mit Sieben-Gänge-Menü und Streichquartett
– kaum ein Wunsch ist unerfüllbar.
HANS GEORG FRANK
Wein, Weib und Gesang: Weinfeste in Deutschland
Nach der Weinlese beginnt die Fest-
Saison: Mit Weinprinzessinnen, Musik
und natürlich reichlich Rebensaft wird
die neue Ernte gefeiert.
Als weltweit größtes Weinfest gilt –
trotz des irreführenden Namens – der
Dürkheimer Wurstmarkt, der vom 12.
bis 16. und 19. bis 22. September stattfindet.
Wahrzeichen ist das Dürkheimer
Riesenfass, das 1,7 Mio. Liter fassen
könnte und als Restaurant genutzt
wird. Um das Fass herum feiern jährlich
mehr als 600.000 Besucher aus aller
Welt. Viele Fahrgeschäfte und der Ausschank
von ausschließlich Dürkheimer
Qualitätsweinen sorgen für gute Laune
(www.duerkheimer-wurstmarkt.de).
Gesamtdeutsche Weine präsentiert
das Neustädter Weinlesefest vom 3. bis
13. Oktober. Hier sind traditionell alle 13
Weinbauregionen Deutschlands vertreten.
Highlight ist der Winzerfestumzug
am 12. Oktober mit der dann neu gekrönten
Deutschen Weinkönigin.
An die Anfänge des Weinbaus erinnert
das „Römische Kelterfest“ in Piesport
an der Mosel vom 10. bis 12. Oktober
2008. Eine rekonstruierte 2000 Jahre
alte Kelteranlage, in der „echte“ Römer
den Wein mit den Füßen treten, steht
im Mittelpunkt des historischen Festes
(www.moselvielfalt.de).
Vom 29. bis 30. September bietet die
Federweißermeile in Diesbar-Seußlitz
Musik und Aktionen rund um den neuen
Wein (www.weinbaugemeinschaftdiesbar-seusslitz.de).
Weitere Feste: www.deutscheweine.de
:: 53
[namen und nachrichten]
WECHSEL BEI
RAVENSBURGER
Otto Julius Maier, 77, Gesellschafter der
Ravensburger AG, legt sein Aufsichtsratsmandat
aus Altersgründen nieder. Ebenso
scheidet Dr. Manfred Antoni, 55, aus
dem Gremium aus. Neue Mitglieder sind
Carel Halff, 56, Geschäftsführer der Verlagsgruppe
Weltbild GmbH, und Dr. Dieter
Kurz, 60, Vorstandsvorsitzender der
Carl Zeiss AG.
CHEFWECHSEL BEI
KAVO BIBERACH
Der Dentaltechnik-Hersteller KaVo Dental
in Biberach/Warthausen wird von einem
neuen Geschäftsführer geleitet. Henner
Witte, 47, übernimmt von Alexander
Granderath die Standortleitung und von
Christoph Gusenleitner Geschäftsführeraufgaben.
Gusenleitner verlässt das Unternehmen.
Granderath bleibt Vice Chairman
für den Geschäftsbereich Europa des US-
Konzerns Danaher, zu dem KaVo Dental
gehört. Granderath hatte den Leitungsposten
in Doppelfunktion ausgeübt.
NEUE FÜHRUNG
BEI HYMER
Hans-Jürgen Burkert, 65, zusammen mit
seinem Vorstandskollegen Hans Knüppel
maßgeblich verantwortlich für den rasanten
Aufschwung des Wohnmobil-Herstellers
in Bad Waldsee, verabschiedet sich
in den Ruhestand. Seine Aufgaben übernimmt
Hermann Pfaff, 51, der bereits mehrere
Führungsaufgaben im Konzern bekleidet
hat. Er wechselt von der italienischen
Konzerntochter Laika in die Zentrale.
HANDTMANN ERHÄLT
GRÜNDERPREIS
Der Biberacher Unternehmer Arthur
Handtmann, 81, erhält für sein Lebenswerk
den Gründerpreis der baden-württembergischen
Sparkassen. Aus einer Gießerei
mit 18 Mitarbeitern hat Handtmann
ein Unternehmen mit 2400 Mitarbeitern
und 500 Mio. Euro Umsatz gemacht.
Handtmann ist der größte deutsche Gießereibetrieb
in Familienbesitz und Weltmarktführer
für Wurstmaschinen. Der Seniorchef
arbeitet noch immer 40 Stunden
pro Woche mit.
ZF KAUFT
CHERRY
ZF Friedrichshafen komplettiert die Autozulieferkompetenz
durch den Zukauf von
Cherry Corporation. Das Elektronikunternehmen
mit Sitz in Pleasant Prairie in Wisconsin/USA
wird vom kleinen Auerbach in
der bayerischen Oberpfalz aus gemanagt,
wo auch die Hälfte der weltweit 3.100
Mitarbeiter beschäftigt ist. Cherry hat sich
früh durch die Cherry-Tastatur für Computer
einen Namen gemacht. Heute werden
neben Massenprodukten für die „Weiße
Ware“ der Haushaltsgeräte vor allem
Computer für die Automobilindustrie gefertigt.
Spezialgebiet ist die Verbindung
von Mechanik und Elektronik in der Antriebs-
und Fahrwerktechnik. 80 Prozent
der in Westeuropa hergestellten Autos enthalten
schon Komponenten von Cherry. ZF
will das technologische Wissen vor allem
für die Weiterentwicklung von Automatgetrieben
und Hybridlösungen nutzen. Cherry
wird bei ZF als ZF Electronic GmbH
geführt und dem Geschäftsfeld „Elektronikkomponenten“
zugeschlagen. Über den
Kaufpreis herrscht Stillschweigen.
GROSSAUFTRAG VON
FIRST UK BUS AN ZF
ZF Friedrichshafen wickelt für First UK
Bus, eine der weltweit größten Transportgesellschaften,
einen Großauftrag im Wert
von 160 Mio. Euro ab. Das britische Unternehmen
muss in den nächsten Jahren
seine gesamte Busflotte modernisieren und
ordert für seine neuen Doppelstockbusse
das neue Automatgetriebe ZF-EcoLife
und ZF-Portalachsen für geräumige Stockwerkshöhen.
Die Fahrzeuge werden vom
Busbauer Wrightbus auf Volvo-Chassis
gefertigt und ausgeliefert. In England und
Irland sind bereits Doppelstockbusse mit
den Neuheiten aus dem Hause ZF seit letztem
Jahr im Einsatz.
:: 55
[leben]
Wer gut angezogen ist, tritt überzeugend auf
KLEIDER MACHEN MACHER
Ferkinghoff
Der Sakko sitzt schlecht und der
Rock ist einfach zu schrill: Oft entscheiden
Zentimeter und Farbnuancen
darüber, ob das Business-
Outfit stimmt oder gnadenlos
daneben liegt. Modeexperten geben
Tipps, wie man bei Geschäftspartnern
einen tadellosen Eindruck
hinterlässt.
Keine Frage: Das Parkett im Konferenzraum
ist manchmal glatt, nicht nur wenn
es um die heikle Diskussion nach der Powerpoint-Präsentation
geht. Auch in Sachen
Kleidung kann man schnell auf die
Nase fallen. Modische Ausrutscher führen
im Extremfall sogar so weit, dass ein viel
versprechendes Geschäft platzt.
„Geschäftsleute geben außer ihrer gedruckten
noch zwei weitere Visitenkarten
ab – die Kleidung und die Ausstrahlung“,
betont Heiko Seitz, im Ulmer
Modehaus Walz für Herren-Businessmode
zuständig. Und Regina Bleicher
von der Walz-Geschäftsführung ergänzt:
„Je mehr Geld auf dem Spiel steht, desto
perfekter muss das Outfit sein.“
Das bedeutet: In der Oberliga des Managements
dominiert edles Tuch – etwa aus
kostbarem Kaschmir – in zurückhaltenden
Farben, die Krawatten dazu in klassischen
Dessins. „Auf keinen Fall mit Teddybärchen
drauf“, warnt Regina Bleicher.
Hochwertige „Berufskleidung“ ist obendrein
noch gerne dem Träger auf den Leib
geschneidert. Bei Walz zum Beispiel können
Kunden für Anzüge des italienischen
Nobelschneiders Zegna Maß nehmen lassen:
„su misura“ nennt man das.
Der Businesslook ist nicht nur hierarchie-,
sondern auch branchenabhängig.
Was für einen Börsenmakler der stilistische
Crash, ist für den Ingenieur die optische
Zugmaschine. Er macht etwa bei der Begutachtung
einer Fertigungsstraße auch in
Sakko, Jeans und Rolli eine prima Figur.
Ein Business-Outfit zu wählen, das bei
aller Konformität auch noch Persönlichkeit
zeigt, das ist die hohe Kunst des Modeberaters.
So liegt eine „Fehlerquelle“ zum
Beispiel in der nicht altersge rechten Erscheinung.
„Ein Mann, der zu jugendlich
angezogen ist, fällt schnell negativ auf. Ein
viel zu enger Anzug beim reiferen Herrn,
das geht ins Auge“, sagt Regina Bleicher.
Und ganz nebenbei steckt der Teufel auch
noch im Detail: Der Gürtel-Dorn sollte bei
Herren wie bei Damen grundsätzlich im
dritten Loch ab Gürtelspitze sitzen. Apropos
Gürtel: Ob kugeliger Bier- oder glatter
Waschbrettbauch – die Krawattenspitze
hat immer an der Gürtelschließe zu enden.
Bei so vielen, meist wenig bekannten
Codes, konsultiert man am besten Experten.
Heiko Seitz kennt die Tücken der Kleiderordnung
und erklärt, wie zum Beispiel
ein junger Ein- oder Aufsteiger bei Geschäftspartnern
punkten kann: Im figurbetont
geschnittenen schwarzen Sakko,
mit schmalem Revers, dazu eine schmale
Krawatte. „Der Baumwolle beigemischtes
Elastan sorgt für Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit“,
erklärt Seitz die Beschaffenheit
des Stoffes. Aktuelle Modelle – wie
von Drykorn – haben zum Beispiel liebevolle
Details wie die kleine Billetttasche.
56 ::
Ganz genaue Vorstellungen vom dynamischen
Auftritt hat auch Dieter Ebe, Chef
von „Manuel Ritz Riro Menswear“ in
Ulm. „Ein schmal geschnittener Anzug in
Schwarz oder Grau, unifarben oder dezent
gemustert, mit höchstens zwei, am besten
einem Knopf zum Schließen, gehört dazu.
Ganz aktuell sind dabei verkürzte Sakkos.
Und dazu eine schmale Hose und ein antailliertes
Hemd“, beschreibt Ebe den Ideallook
und nennt als bevorzugte Hersteller
Prada, Dolce & Gabbana, Neil Barrett und
John Richmond. Statt einer Krawatte könne
auch ein unifarbener oder dezent gemusterter
Langschal umgebunden werden.
„Jetzt im Herbst trägt man über den
Anzug einen dunklen, figurbetonten Kurzmantel
aus leichter Wolle oder Nylon“,
sagt Dieter Ebe. I-Tüpfelchen – oder besser
Ausrufezeichen – ist eine Symbiose aus
Schal und Halstuch: „Das kann dann ruhig
auffälliger sein, etwa in Lila, Französischblau
oder Dottergelb.“ Als besondere
„Fußnote“ rät Dieter Ebe zu einem
„spitz zulaufenden Schnürer oder edlen
Sneaker“.
„An den Schuhen erkennt man den
Mann“, ist sich Regina Bleicher sicher. Heiko
Seitz erklärt, worauf es bei der Schuhwahl
ankommt. Natürlich zeugen exklusive,
rahmengenähte Schuhe von besonderer
Stilsicherheit. Auch der neutrale „Blücher“
– der klassische Herrenschnürschuh
benannt nach Generalfeldmarschall Fürst
Blücher von Wahlstatt – und edle Stiefeletten
betreten bevorzugt die flauschigen Teppiche
der Vorstandsetagen.
Ob jugendlicher Kreativdirektor oder
etablierter Vorstandsvorsitzender: Der Anzug
muss sitzen. Dabei gelten – kurz und
knapp formuliert – folgende Regeln:
Sakko: Die Länge ist ideal wenn die Finger
bei locker herunterhängendem Arm
die Saumkante umfassen können. Die
richtige Ärmellänge bestimmt den guten
Sitz des Sakkos. Es gilt der Merksatz:
Etwa ein Zentimeter der Hemdmanschette
sollte unterm Ärmel hervorblitzen. Ferkinghoff >
:: 57
[leben]
Strenesse
Hemd: Die Kragenweite stimmt dann,
wenn zwei Finger zwischen Hals und
Hemd passen. Ganz wichtig: Halbarmhemden
haben im Business-Bereich
nichts verloren.
Hose: Die Hose sitzt am Bund perfekt,
wenn sie ohne Gürtel hält. Was die Länge
betrifft, sollte das Hosenbein vorne
mit einem leichten Knick auf dem
Schuhspann aufliegen und hinten etwa
mit dem Schuhabsatz oder knapp darunter
abschließen.
Bei der Beantwortung der Kleiderfrage genießen
Geschäftsfrauen mehr Freiheiten als
ihre männlichen Pendants. Sie dürfen eher
in den Farbtopf greifen und auch mal ausdrucksstark
gemustert gehen. Doch selbst
die Frauen haben keinen Freibrief dafür,
dass der Berufsdress „Jacke wie Hose“ ist.
Viele Möglichkeiten machen die Wahl
zugleich schwer. So soll der Look zum Beispiel
die Vorzüge des Körpers unterstreichen,
aber nicht ausdrücklich betonen. Im
Klartext: Sexy Klamotten haben in der seriösen
Geschäftswelt nichts verloren, Business
kommt nicht von „Bussi“.
Regina Bleicher rät ihren Kundinnen zu
einem klassischen Blazer in „Ganzjahresqualität“
aus leichter Wolle mit etwas
Elastan. „Der Blazer sollte dabei über oder
an den Po reichen.“ Und nicht vergessen:
„Wenn man sich setzt, immer den obersten
Knopf schließen, damit es gut aussieht.“
Hosen sollten gerade geschnitten sein,
auch schlanke Siebenachtelhosen haben
ihre Berechtigung. Während zu letzteren
Ballerinas ausnehmend gut harmonieren,
können zu langen Hosen, Röcken und Blusen
Pumps und Slingpumps getragen werden.
Aber aufgepasst: Tabu sind Sandalen
und generell eine Absatzhöhe, die sieben
Zentimeter übersteigt.
Bei Röcken und Kleidern empfiehlt Regina
Bleicher knieumspielende Säume. „So
wirkt das Knie bedeckt, ist es aber nicht.“
Die Modelle dürften die Figur betonen,
ein kurzer Gehschlitz sorge dabei für genügend
Bewegungsfreiheit. Als vorherrschende
Farben nennt sie Schwarz, Grau,
Dunkelblau, Beige und Braun. „Weiß
sollte man im Geschäftsleben vermeiden.“
Das einzige ärmellose Kleid, das toleriert
wird, ist das Etuikleid, wenn es die Achseln
bedeckt. Und für den Halsausschnitt
gibt sie folgende Regel vor: „Er darf nicht
größer sein als eine Handbreit unter dem
Brustbein.“ Das bedeutet auch, dass Blusen
dementsprechend geknöpft sind und
auf keinen Fall der Knopf unter dem BH
der letzte geschlossene ist.
„Wie sich eine erfolgsorientierte Geschäftsfrau
kleidet, muss auf ihr Business
abgestimmt sein“, meint Ruth Stocker,
Inhaberin von „Ruth Stocker Womenswear“
in Ulm. „Mit Sicherheit
setzt der Dresscode in einer
Vorstandsposition den
klassischen Hosenanzug
oder das feminine
Kostüm in Schwarz
oder Grautönen
voraus. Jedoch ist
in einer Marketingabteilung
ein
modischer Samtblazer
zur Designerjeans
denkbar.“ Um
die richtige Interpretation
für einen Look
zu finden, sei eine kompetente
Fachberatung
unumgänglich. „Meine
Kundinnen erwarten von
mir, dass modische Kombina-
St.Emile
tionen ihre Personality eindrucksvoll darstellen
und somit ihre berufliche Karriere
durch sicheres Auftreten fördern“, resümiert
die Modeexpertin.
„Beim klassischen Hosenanzug wird
die gerade geschnittene Hose jetzt gegen
die weite Marleneform ausgetauscht“, beobachtet
Susanne Dannegger, Teamleiterin
der Designabteilung im Trendhaus Reischmann
in Ravensburg. Der Proportionen
wegen fielen die Blazer deshalb kürzer aus.
„Statt eines Blazers kann die Geschäftsfrau
nun auch einen Cardigan mit schmalem,
feinem Gürtel tragen“, beschreibt sie den
neuesten Trend. Bei den Blusen gehörten
ausladende Kragen der Vergangenheit an:
„Jetzt sind kleine, so genannte Vatermörderkragen
in.“ Topaktuell bei den Damen
ist übrigens das Insignum der Männerberufswelt
in schlanker Form: „Eine schmale,
kleine Krawatte, die über der Bluse getragen
wird.“
BIRGIT EBERLE
58 ::
Wohnen und Arbeiten im Loft
DIE DECKE FÄLLT
NICHT AUF DEN KOPF
Drei Meter. Mindestens. Näher darf
die Decke nicht sein. Und möglichst
in einem alten Industriebau.
Ein Loft. Es ist nicht nur Chance
fürs Recyceln von Büro- oder Gewerbeobjekten,
sondern interessante
Alternative zu traditionellen
Wohn- oder Geschäftsformen.
„Loft“ – was ist das? Nach Langenscheidts
Wörterbuch: ein Dachboden beziehungsweise
Speicher. Paul Kaszay, Architekt und
Partner im Neu-Ulmer Büro Nething Generalplaner,
ist einer der Pioniere des Loft-
Stils in Ulm und Neu-Ulm – und erzählt alles
über Loft-Geschichte und Loft-Adaption.
Die Suche nach Geburtsstätte und Geburtszeit
des Loft-Living geht in die USA und
in die späten 40er Jahre zurück: Künstler
hielten nach großen, vor allem preiswerten
Räumen Ausschau, in denen Wohnen und
Arbeiten in der Stadt kombiniert werden
konnte. Erst illegal, wurden ältere leer stehende
Lager- und Fabrikhäuser zu Wohnzwecken
umgenutzt. Ein schwieriger Weg:
Es gab für die einfachsten und unkomfortablen
Lofts keine behördliche Genehmigung.
Betten waren an Flaschenzügen
aufgehängt oder konnten hinter Wandverkleidungen
versteckt werden, wenn Kontrollen
drohten.
Ende der 50er-Jahre wurden die ersten
offiziellen, also genehmigten Lofts in New
York registriert. Der Künstler Robert Rauschenberg
bezog 1953 sein Loft in Downtown
Manhattan. Ein Journalist, der ihn
besuchte, beschrieb es: „Ein großes Dachgeschoss,
fünf Meter hohe Wände, aber
keine Heizung, kein fließendes Wasser. Die
Miete zehn Dollar im Monat. Im Hinterhof
standen ein Eimer und ein Wasserschlauch
zur Verfügung. Er badete bei Freunden in
deren Wohnung.“
Weitere Künstler folgten in dieses Gebiet,
Soho wurde vom Problemstadtteil
zum Zentrum innovativer Künstler.
Gleichzeitig galten als gängige internationale
Mittelklasse-Ideale, als Symbole
des Erfolgs: Häuschen im Vorort, Familie,
Auto, Garten. Loft-Living entwickelte sich
also gegen den Main-Stream, war nicht nur
eine ökonomische, sondern auch eine politisch
alternative Wohnform. Auch vor politischem
Hintergrund die deutsche Loft-
Entwicklung: Erste Hausbesetzungen in
Berlin-Kreuzberg, das Wohnen in Kommunen
in vom Abriss bedrohten preiswerten
Altbauten Ende der 60er Jahre.
Bis in die 70er Jahre war Loft-Wohnen
weder chic noch komfortabel. Dann wurden
die Qualitäten erkannt. Der Künstler
Andy Warhol war einer der ersten, der
Loft-Wohnen „kultivierte“.
Neues über Lofts in den Medien, Kinos,
Fachzeitschriften, die Akzeptanz dieser
Wohnform in der Gesellschaft und die
Zusammenarbeit von Juristen, Geschäftsleuten,
Stadtplanern und Architekten bildeten
die Grundlage und die Kraft dieser
neuen Bewegung. Auch erkannten die Behörden
die Chancen dieser Wohnform und
förderten die Umwandlung alter Fabriken
und Warenhäuser in Lofts zu Wohnungen
in zum Teil problematischen Stadtvierteln.
So konnten eine neue Lebens- und
Wohnform, aber auch ein höchst in- >
:: 59
[leben]
Attraktiv und unkonventionell: Offenes Wohnen im neu errichteten XXL Loft.
teressantes Wohnumfeld entstehen. Unterschiedliche
Menschen fanden sich Seite an
Seite. Ganze Stadtteile entwickelten sich
mit Leben, Restaurants, traditionellen Läden
und neuen Geschäften.
Dieser Prozess stellte und stellt noch
scheinbar gefestigte und seit Jahrzehnten
vorgeformte Wohnformen in Frage. Räume
können verändert werden, neue Arbeitsformen
kombiniert mit Wohnen sind
möglich, starr Festgemauertes wird veränderbar.
Eine neue, spannende Chance.
Inzwischen etabliert, weder experimentell
noch trendy, ist Loft-Living eine noch
lange nicht ausentwickelte Wohnform. Die
Loft-Kultur wächst weiter, nicht nur in
Millionen-Metropolen.
Obwohl die Originalidee von Loft-Living,
maximaler Raum zu minimalen Kosten,
oft durch Projektentwickler Kompromisse
erfahren musste: Das Prinzip, die
Freiheit zu haben, sein eigenes Heim nach
individuellen Vorstellungen zu realisieren,
macht das Konzept immer noch verlockend.
Heute mehr denn je, denn durch
Medien und Kommunikationstechnik sind
individuelle Arbeits- und Lebensformen
möglich und gefragt. Veränderbare, großzügige
Raumsituationen bilden die Basis.
In Städten mit beschränktem Angebot
an Altbauten und adäquater Substanz entstehen
neue Lofts mit allem Anspruch an
zeitgemäßen Wohnkomfort und der Freiheit,
aus jeder Wohnung ein Unikat zu formen,
maßgeschneidert auf die persönliche
Vorstellung und Lebensweise.
Würde man die Vorzüge eines Lofts
zusammenfassen, könnte man sagen größer,
höher, heller, variabel und, bezogen
auf den Quadratmeter-Vergleichspreis von
Standardwohnungen, preiswerter. Ganz
einfach „Lofty“. So weit Paul Kaszay.
Nach Ulm kamen Lofts erst Ende des
letzten Jahrtausends, mit dem „Loft 21“,
der alten Tabakwarenfabrik in der Römerstraße.
„Keiner wollte an dieses Gebäude
‘ran“, erinnert sich Volker Munk, Ulmer
Bauträger und Immobilienmakler, „aber
als ich es gesehen habe, habe ich gedacht:
Das wird ein Loft.“ Der Denkmalschutz
machte mit, war froh, dass sich einer um
das bis dahin der Andrea Noris Zahn AG
in Frankfurt gehörende Gebäude küm-
Klassisch geprägte Architektur für moderne
Wohnformen: Ein XXL Loft.
merte. „Wir haben 30 Einheiten geplant“,
sagt Volker Munk, „davon waren 20 innerhalb
von sechs Wochen verkauft.“ Ein
klarer Beweis, dass auch im Schwäbischen
diese Wohnform angekommen war.
„Wir haben aber in Ulm ein Problem:
Es gibt keine historischen Fabrikgebäude
mehr in der Stadt“, blickt Volker Munk auf
die Gegenwart – und wenn es, wie in Neu-
Ulm, noch welche gebe, lägen die in reinen
Gewerbegebieten, was eine Wohn-Nutzung
unmöglich mache. Ein wenig trauert
er Gebieten wie dem Magirus-Areal an
der Schillerstraße nach – was da möglich
gewesen wäre, wenn … „Also haben wir
neue Lofts gebaut, die XXL-Lofts“, sagt
Munk. Die bringen Raumhöhe und Variabilität
der Grundrisse – und sind günstiger
als „normales“ Wohnen. Über 80
solcher Lofts hat Munk inzwischen in Ulm
und Neu-Ulm realisiert – und sein Konzept
auch an andere Bauträger weiterverkauft,
zum Beispiel nach Landsberg am Lech für
33 Lofts oder, demnächst zu realisieren,
nach Augsburg und Ludwigsburg.
„Loft-Wohnen interessiert eine Vielzahl
von Menschen“, weiß Volker Munk aus
den Jahren seiner Erfahrung, „aber nur ein
kleiner Kreis verwirklicht es.“ Dieser Kreis
bilde dann aber „völlig andere“ Hausgemeinschaften:
Ein harmonisches Miteinander
herrsche, Sommerfeste seien überall an
der Tagesordnung, spontan und gemeinschaftlich
selbst veranstaltet.
Und ein weiteres gerade aktuelles Thema
griffen die Lofts auch auf: das Generationen-Wohnen.
Nicht nur, dass viele
Altersgruppen zusammenlebten, auch die
bauliche Struktur komme dieser gesellschaftlichen
Veränderung entgegen. Weil
keine festen Innenwände festgefügte Strukturen
vorgäben, seien die Wohnungen
wandlungsfähig, die Grundrisse immer an
die jeweiligen Bedürfnisse anpassbar.
Im Ulmer Westen steht noch einer der
von Volker Munk so vermissten alten Industriekomplexe.
Heute heißt er „Stadtregal“,
war früher Produktionsstätte der
Magirus-Lastwagen, später dann Großhandelslager
des inzwischen dort verschwundenen
Handelshauses Abt. Jetzt
baut die Ulmer „Projekt-Entwicklungs-
Gesellschaft“, die PEG, den riesigen, fünf
Stockwerke hohen Komplex zu Lofts um.
Der zweite Bauabschnitt ist bis auf gewerbliche
Einheiten voll belegt, der dritte
60 ::
Nicht nur zum Wohnen geeignet: Gewerbliche Nutzung im Stadtregal.
Bauabschnitt wird gerade realisiert und bis
Herbst 2009 fertiggestellt, dann folgen im
Jahresrhythmus die Bauabschnitte 4 (Verkaufsbeginn
Anfang 2009) und 5. Derzeit
liegen die Preise für gewerbliche Einheiten
schlüsselfertig bei 1.500 Euro pro Quadratmeter,
für Wohneinheiten je nach Lage
und Ausstattung bei rund 2.000 Euro.
Petra Wohlhüter ist bei der stadteigenen
(und deshalb in ihrem Aktionsradius auf
das Ulmer Stadtgebiet beschränkten) PEG,
„einem verlängerten Arm der Ulmer Wirtschaftsförderung“,
für das Marketing zuständig.
Die Lofts im „Stadtregal“ seien
„echte Lofts“, sagt sie – mit Raumhöhen
von vier Meter in den oberen Etagen und
gar sieben Meter im Erdgeschoss. Meist
entstehen in den beiden unteren Stockwerken
Büros oder gewerbliche Einheiten,
oben dann Wohnungen. „Aber das ist kein
Muss“, sagt Petra Wohlhüter, „man kann
auch unten wohnen oder oben arbeiten.“
In den sieben Metern Höhe „unten“ sei ja
sogar ein „Haus im Haus“ möglich, sogar
mit Freisitz oder Terrasse nach Süden …
Die Loft-Größen sind variabel und richten
sich nur nach den Rastermaßen des Industriebaus:
ab 60 über 120 Quadratmeter
bis – „nach oben offen“, sagt Petra Wohlhüter.
Doch wissen müsse man, dass bei
diesen, hier ist das Wort wieder: „echten
Lofts“ in eine 120-Quadratmeter-Fläche
„eben keine Drei-Zimmer-Wohnung ’reingeht.“
Es sei ja auch nicht Sinn des Lofts,
es zu unterteilen „in kleine Räume, die
dann wie ein Schlauch wirken.“
Gerade Kapitalanlegern – vorwiegend
aus der Region – bietet die PEG laut
Wohlhüter ein „Rundum-Sorglos-Paket“:
Es gebe eine Erstvermieter-Garantie. Interessant
sei die Investition ins „Stadtregal“
allemal, weil der Industriekomplex als Sanierungsgebiet
anerkannt sei und somit ein
Großteil der Investition als Sanierungsaufwendung
steuerlich geltend gemacht werden
könne.
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