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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 09 | 12. Juni 2009 | 2,00 €
Der Retter aus Ulm
Michael Pluta und seine Kanzlei gehören zu den
bekanntesten Insolvenzverwaltern Deutschlands
Marktführer „Scharfmacher“ Vollmer wird 100 Seite 4
Gesundheit Schlechte Manager ihrer selbst Seite 20
Immobilien In Ulm herrscht wenig Leerstand Seite 34
Verführt für immer.
Das neue E-Klasse Coupé.
Und eine Probefahrt bei Mercedes-Benz Ulm/Neu-Ulm.
Mercedes-Benz Niederlassungsverbund Ulm/Schwäbisch Gmünd der Daimler AG
Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm, Telefon 07 31/7 00-0, www.mercedes-benz-erleben.de
unternehmen [!] Ausgabe 08 | April 2009
[inhalt]
Liebe
Leserinnen,
liebe Leser,
[führen]
04 Die Scharfmacher aus Oberschwaben 100 Jahre Vollmer
[titel]
10 Langer Atem Gespräch mit Michael Pluta,
Insolvenzverwalter aus Ulm
[machen]
20 Schlechte Manager ihrer Gesundheit Tipps zu Vorsorgemaßnahmen
27 Ein Realist mit Visionen Innowake-Geschäftsführer Thorsten Bernecker
28 Was ist das Mindestmaß an Sicherheit? IT-Sicherheit für den Mittelstand
30 An mehr als nur die Rente denken Altersvorsorge für Selbstständige
[verantworten]
24 Das Gute bewahren und das Neue wagen Tradition im Handwerk
[er]finden
34 Hoher Leerstand war gestern Gewerbeimmobilienmarkt in Ulm
[spezial]
38 Absolutes Überholverbot am Buffet Unfallfrei von Vorspeise bis Dessert
[leben]
44 Fünf Zentimeter über dem Asphalt Am Lenkrad eines Rennwagens
[namen und nachrichten]
09 Boom für Andritz Hydro
19 Ulmer helfen Elektroautos
23 Neues Autohaus für BMW und Mini
42 Edelrid hält fest an den Wachstumsraten
46 Impressum
34
10 44
es gibt Menschen,
denen man – so nett
sie sein mögen –
nicht begegnen
Thomas Brackvogel
möchte. Michael Pluta
ist so einer. Jeden-
SÜDWEST PRESSE
Geschäftsführer
falls wenn es ums
Unternehmen geht. Der Ulmer gehört
zu den meistgefragten Insolvenzverwaltern
in Deutschland. Und wenn man ihn
ruft, dann ist es wirklich ernst. So wie
bei Märklin in Göppingen. Aber in der
Regel kann er helfen. Mit seinem Unternehmen
ist er so erfolgreich, weil er die
Krisen der anderen bewältigt. Nebenbei:
Seine Erwartung an die Wirtschaft ist
verhalten, auch wenn er fest an den
nächsten Aufschwung glaubt. Bis zu
zwei Millionen Arbeitslose mehr hält er
für denkbar.
Und was können Sie noch vom neuen
„unternehmen[!]“ erwarten?
Eigentlich wussten wir es schon immer:
Männer sind Gesundheitsmuffel und je
höher ihre Position, desto schlechter
managen sie die eigene Gesundheit.
Und das rächt sich. Der Ulmer Arzt
Dr. Horst Hohmuth weiß Rat.
Rat auch auf anderem Feld. Etikette-
Trainer Heinz Bader gibt Gästen und
Gastgebern Tipps, wie sie unfallfrei von
der Vorspeise bis zum Dessert kommen.
Denn wer nicht aufpasst, wird bestraft –
im Zweifel durch Ächtung.
Und kennen Sie die Vollmer-Unternehmensgruppe?
Sie ist Weltmarktführer
auf dem Gebiet der Schärf- und Erodiermaschinen.
Seit 100 Jahren ist sie im
Markt und nie war sie so erfolgreich wie
heute.
Zum Schluss noch etwas für die großen
Kinder: Wer davon träumt, am Steuer
eines Rennwagens zu sitzen (und ihn
auch zu fahren), der sollte sich an Top-
SpeedRacing aus Laichingen wenden.
Das Unternehmen erfüllt den Traum –
etwa auf dem Hockenheimring. Dabei
viel Spaß, so wie bei der Lektüre Ihres
„unternehmen[!]“
03
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Die Scharfmacher
aus Oberschwaben
Vor 100 Jahren entwickelte Heinrich Vollmer die erste Sägenschärfmaschine. Heute ist die Vollmer-
Unternehmensgruppe der Weltmarktführer auf dem Gebiet der Schärf- und Erodiermaschinen – sowohl für die
Holz- als auch für die Metallbearbeitung. Seinen Stammsitz hat das Unternehmen in Biberach an der Riß.
Fototermin mit Biberachs Oberbürgermeister
Thomas Fettback (SPD). Er ist
gekommen, weil bei Vollmer, den
„Scharfmachern aus Oberschwaben“, nicht
nur gebaut, sondern auch renaturiert wurde.
Der Weißgerberbach fließt rund 300 Meter
durch das Firmengelände. Im Zuge der Baumaßnahmen
rund um das neue Technologieund
Dienstleistungszentrum wurden die
Bachufer neu begrünt. Eine Oase der Ruhe im
hoch technisierten Betrieb.
Am 5. Juli wird die Öffentlichkeit beim ersten
„Tag der offenen Tür“ in der Firmengeschichte
den „neuen“ Weißgerberbach, aber vor allem
die Firma kennen lernen. „Die meisten Menschen
wissen gar nicht, dass wir hier High
Tech bauen“, erklärt Dr.-Ing. Stefan Brand, der
alleinige Vollmer-Geschäftsführer, der es
nicht ungern sieht, dass „seine“ Firma in der
Region dann ein wenig das Image der „grauen
Maus“ ablegen wird.
Auf dem Weltmarkt ist Vollmer aber alles andere
als eine „graue Maus“. Da spielt das mittelständische
Unternehmen aus dem schwäbischen
Biberach die führende Rolle unter
den Anbietern für modernste Schärf- und Erodiermaschinen.
Und auch wenn die Firma
derzeit laut Brand „die komplette Wucht der
Wirtschaftskrise“ abbekommt, so ist dem
Chef der Unternehmensgruppe, die zu 70 Prozent
in privater Hand ist, vor der Zukunft
nicht bange. „Die schlechten Zeiten stehen
wir auch durch.“ Der Betrieb hatte in seiner
hundertjährigen Geschichte schon mehrfach
schwierige Phasen zu bewältigen. Selbst der
Firmengründer Heinrich Vollmer, der anno
1961 starb, musste zweimal wieder bei Null
anfangen.
Neues Technologie-zentrum
Laut Brand ist es ein großer Vorteil, dass in
dem Unternehmen Familienmitglieder das
Sagen haben, auch wenn sie sich nicht im operativen
Geschäft engagieren. „Eine Familie
hält auch in schweren Zeiten mehr aus, weil
sie nicht nur auf Profit ausgerichtet ist“, erklärt
der Geschäftsführer, der zudem betont,
dass in einem Familienunternehmen schneller
und pragmatischer entschieden werden
kann.
Rechtzeitig zum hundertsten Geburtstag wurde
das neue Technologie- und Dienstleistungszentrum
fertiggestellt. Der Glaspalast, der
rund 6 Millionen Euro kostete, bietet all das,
04
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[führen]
Links: Stolz aufs
Unternehmen bei
der Gesellenprüfung
1921. Rechts:
Entwicklung in acht
Jahrzehnten – von
der Schleifmaschine
1923 zur Moderne
des neuen Jahrtausends.
was als Firmenphilosophie gilt: Mehr Transparenz.
Im wahrsten Sinne des Wortes wurden
die Wände des alten Gebäudes eingerissen,
um mehr Freiheit für die Teamarbeit zu
bekommen. Viel Licht, viel Glas und ein hochmoderner
Schauraum, dessen Boden in Orange,
der Firmenfarbe, gehalten ist. Die Kunden
können sich dort über die Vielfalt der Vollmer-
Maschinen informieren. In den vergangenen
fünf Jahren wurden im Unternehmen 26 neue
Produkte entwickelt. In der Zwischenzeit machen
sie bereits 70 Prozent des Umsatzes (110
Millionen Euro) aus. Nicht ohne Stolz weist
Geschäftsführer Brand darauf hin, dass die
Entwicklungszeit einer neuen Maschine früher
vier Jahre gedauert hat und jetzt nur noch
18 Monate.
Bis heute wurden bei Vollmer rund 400 Produkte
entwickelt. Das Programm umfasst
Schärf- und Erodiermaschinen für die Holz
und Metall verarbeitende Industrie. Vollmer-
Maschinen sind echte Scharfmacher. Egal, ob
es sich um ein Schneidwerkzeug für Holz –
„Wir haben beim Sägen das Sagen“ – oder Metall
handelt, im Angebot findet sich die richtige
Schärfmaschine. Das mittelständische
Unternehmen entwickelt modernste Erodiermaschinen
für PKD-Werkzeuge (polykristalliner
Diamant), Schärfmaschinen für Bandsägeblätter
sowie Kreissägeblätter aus
Hartmetall oder HSS (High Speed Steel) und
versteht sich als professioneller Partner für
Werkzeughersteller, Schärfdienste und Sägewerke.
Die Maschinen, die höchste Präzision
garantieren, sind einfach zu bedienen und
verfügen über einen hohen Sicherheitsstandard
bei allen Funktionen.
„Hi-Q for you“
Die meisten Produkte, die bei Vollmer ausgeliefert
werden, sind „von der Stange“. Das
Spektrum beinhaltet aber auch Sonderkon-
05
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Das macht das Sägeblatt scharf: Detail einer der Maschinen, die Vollmers Führerschaft auf dem Weltmarkt mit errungen haben (oben).
Unten: Permanente Schulung ist eines der wichtigsten Elemente, um die Qualität auch der modernsten Maschinen (rechts) sicherzustellen.
struktionen. Die kleinste Schärfmaschine ist
für 5000 Euro zu haben, die größte kostet
500.000 Euro, und wer sich ein ganzes System
leisten will, der muss mit einer Investition
von rund einer Million Euro rechnen. Der
Weltmarktführer aus Biberach liefert alles,
was der Kunde zum Schärfen benötigt. Selbst
ein Richtbock ist zu haben, auf dem die Sägeblätter
noch manuell bearbeitet werden. Die
passenden Hämmer eingeschlossen. Dieses
Modell wird aber fast nur noch in Südamerika
eingesetzt.
„Hi-Q for you“ - hohe Qualität, aber auch hohe
Qualifikation - steht bei Vollmer ganz oben,
wobei sich das Unternehmen von der reinen
Produktionsfirma immer stärker zum Technologie-
und Dienstleister hin entwickeln
Nach solider Analyse
Deutsche Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen
sind
weltweit Marktführer – bei
Technologie und Umsatz.
21.800 Beschäftigte in 210 Betrieben
produzierten 2008
Holzbearbeitungsmaschinen
und Werkzeuge im Wert von
4,2 Milliarden Euro. Auf der
wichtigsten Branchenmesse,
der Ligna 2009 in Hannover
präsentierte Vollmer sein erweitertes
Serviceangebot und
gab Einblick ins in Biberach
eingeweihte Technologie- und
Dienstleistungszentrum TDZ.
will. Beispielgebend ist das neue Firmenzentrum,
das auch als Trainingsakademie für die
eigenen Mitarbeiter und die Kunden genutzt
werden soll. Für Geschäftsführer Brand ist der
Bau des neuen Zentrums zudem „ein klares
Bekenntnis zum Standort Biberach“.
Produziert wird bei Vollmer in Biberach (490
Mitarbeiter), in Dornhan im Landkreis Rottweil
(50 Mitarbeiter), im hessischen Mörlenbach
(50) und neuerdings auch im chinesischen
Taicang, wo ebenfalls rund 50
Mitarbeiter Kreissägen-Schleifmaschinen für
den dortigen Markt fertigen. Schon durch seine
Größe ist China für die Vollmer-Unternehmensgruppe
ein wichtiger Wachstumsmarkt.
06
Anzeige
Unternehmenskauf – M&A
Geschäft boomt nach wie vor
„Das M&A Geschäft boomt“ – diese Aussage
gilt seit Jahren unverändert, auch
wenn die Marktverhältnisse sich durch
die Finanzkrise deutlich zu Gunsten der
Käufer verschoben haben. Viele Unternehmen
werden durch die nach wie vor
zunehmende Internationalisierung und
Globalisierung der Märkte herausgefordert.
Konzentrationsentwicklung in vielerlei
Branchen und überaus liquide Finanzinvestoren
– insbesondere „Private
Equity“ fördern diese Entwicklung noch
zusätzlich, auch wenn seit der Finanzkrise
dieser Trend deutlich rückläufig
scheint – jetzt schlägt die Stunde der
strategischen Investoren.
In Europa wird der Trend noch verstärkt
durch den stetig wachsenden europäischen
Binnenmarkt und die Währungsunion sowie
die zunehmende europäische Rechtssetzung
und Vereinheitlichung. Zu dem sehen
sich immer mehr außereuropäische Unternehmen
(insbesondere auch aus China und
der Arabischen Welt) in Europa um, um
recht zeitig „einen Fuß in der Tür zu haben“.
Auch der ungebrochen festzustellende
Restrukturierungsbedarf zahlreicher
deutscher Unternehmen – insbesondere im
Blick auf die vielfach anstehenden Unternehmensfolge
speziell bei mittelständischen Familienunternehmen
– lässt auch für die kommenden
Jahre eine weiterhin lebhafte M&A
Aktivität (Mergers and Acquisitions) erwarten,
obwohl der Steuergesetzgeber das bisher
geltende Halbeinkünfteverfahren ab
01.01.2009 durch das sogenannte Teileinkünfteverfahren
abgelöst hat.
Die steuerlichen Vergünstigungen für Unternehmens-
und Beteiligungsveräußerungen
sind nach wie vor attraktiv. Im Rahmen einer
notwendigen Umgestaltung der Beteiligungs-
und Kapitalverhältnisse im Unternehmen
oder bei der Schaffung eines „ neuen
Standbeins“ kann eine Betriebs- oder
Firmenübernahme durchaus von Interesse
sein. Sie hat für den Erwerber gegenüber der
Neugründung einer Gesellschaft den entscheidenden
Vorteil, das bereits verwertbare
Erfahrungswerte bestehen und Zukunftsrisiken
dadurch kalkulierbarer und besser
beherrschbarer werden, weil für Umsatzund
Kostenplanungen bereits Daten aus früheren
Jahren vorliegen ( „ der Markt ist bereits
getestet, die Kalkulationen sind bereits
erprobt.“).
In der Zukunft wird seitens der Käufer noch
mehr Sorgfalt auf die Due Diligene (Prospektive
Risikoprüfung) gelegt werden, um
die rechtliche, finanzielle/wirtschaftliche
und/oder steuerliche Durchleuchtung des
Zielunternehmens durchzuführen bzw. zu
begleiten oder gar federführend zu organisieren.
Auf Käuferseite verhandeln meist Berater,
die gewiefte Taktiker und Psychologen
sind, um in ihrer Parteirolle den Preis
nach unten zu optimieren und um die gegebenen
Einwirkungsmöglichkeiten auf die Gegenseite
optimal auszunutzen („Erkennen
von Angriffsflächen“). Die Berater erkennen
recht schnell die Stärken und Schwächen
des „Gegners“, sei es in dessen Person
bzw. deren persönlichen oder wirtschaftlichem
Umfeld, sei es in der Sache, also im zu
verkaufenden Unternehmen/ der zur Disposition
stehenden Beteiligung und in den
finanziellen und wirtschaftlichen Hintergründen
sowie den allgemeinen Rahm enbedingungen
des konkreten Kaufs
(Konzernge bundenheit, Krisenanfälligkeit,
Marktchancen, Synergieeffekte, steuerliche
Optimierungsmodelle,).
In der Zukunft wird sicher an Bedeutung gewinnen,
der
· Leveraged Buy-Out (LBO), hierunter wird
der finanzierte (Auf-) Kauf von Gesellschaften
mit dem Ziel verstanden, den Kauf ganz
oder zum größten Teil durch das gekaufte
Unternehmen selbst finanzieren zu lassen.
· Owner`s buy out (OBO), wobei die Eigentümer
des Unternehmens das Unternehmen
etwa aufgrund der positiven steuerlichen
oder bilanzpolitischen Folgen oder zu Sanierungszwecken
selbst über ein von ihnen zu
diesem Zweck neu gegründetes Unternehmen
kaufen. Zukünftig wird sich ein solches
Vorgehen - vom Steuergesetzgeber nachgerade
gewollt- womöglich verstärkt für Betriebsgrundstücke
und – immobilien, auswirken.
Aber auch die sogenannten Takeover games/öffentliche
Übernahmeangebote,
Dr. Dorothée Lang-Dankov,
Rechtsanwältin, Fachanwältin
für Insolvenzrecht
wer den an Bedeutung gewinnen. Hierbei
handelt es sich um Angebote die sich von
dritter Seite unter Umgehung des Managements
ohne Bestehen einer Rechtspflicht an
die Anteilseigner direkt wenden, um deren
Aktien, Bezugsrechts oder Erwerbsrechte zu
einem bestimmten Preis in bar oder im
Tausch gegen Aktien oder andere Wertpapiere
zu erwerben.
Aufgrund der meist sehr gut beratenen Käuferseite,
ist es für die Verkäufer unverzichtbar,
vor Beginn der Verkaufsverhandlungen,
seine Verhandlungsposition klar zu fassen.
Insbesondere sollte der Verkäufer selbst vor
Verhandlungsbeginn eine due diligence seines
Unternehmens erstellen. Der Verkäufer
kann somit „böse“ Überraschungen vermeiden,
denn er weis selbst um die Schwächen
seines Unternehmens. Er kann aber im Gegenzug
die Stärken seines Unternehmens in
den Vordergrund stellen. Er optimiert seine
Verhandlungsposition.
07
[führen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Ein Unternehmen in Bildern: Links unten Heinrich Vollmer und Otto
Vetter 1929, darüber die Werkshalle mit Transmissionsantrieben 1920,
oben die Vollmer Werke AG im Jahr 1929. Rechts unten die China-Dependance
von Vollmer, oben Dr.-Ing. Stefan Brand, der seit September
2008 alleiniger Geschäftsführer ist.
Das Unternehmen
Hauptsitz der Vollmer-Unternehmensgruppe ist Biberach/
Riß. Deutsche Produktionsstätten sind weiter
Dornhan (Schwarzwald) und Mörlenbach
(Hessen). Ausländische Produktionsstätten
liegen in Dinan (Frankreich) und Taicang (China).
Vollmer verfügt über Niederlassungen in
Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien,
USA, Brasilien, China und Japan. Insgesamt
beschäftigt das exportorientierte Unternehmen
720 Mitarbeiter, die überwiegende Zahl
in Biberach (490).
Dort gibt es auch 50 Auszubildende. Im Herbst werden bei
Vollmer wieder 16 neue Ausbildungsplätze besetzt.
Ein Familienunternehmen
70 Prozent der Vollmer-Unternehmensgruppe sind in Familienhand.
Über 50 Prozent verfügt Sieglinde Vollmer, die 84-jährige
Tochter des Firmengründers. 20 Prozent sind im
Besitz ihrer Nichten. Die Familienmitglieder sind
nicht am operativen Geschehen beteiligt, sitzen
aber im Aufsichtsrat der Vollmer Werke Maschinenfabrik
GmbH. Seit 1988 wird das Unternehmen
von einem familienfremden Geschäftsführer geleitet.
Seit September 2008 ist Dr.-Ing. Stefan Brand
(Jahrgang 1962) alleiniger Geschäftsführer. Der
gebürtige Niedersachse, der in Hannover promovierte,
gehört dem Unternehmen seit 2003 an. Vor
seinem Einstieg bei Vollmer hatte Brand führende Positionen in
mehreren Maschinenbauunternehmen inne.
Vollmer bietet aber nicht nur Schärfmaschinen
verschiedenster Ausführungen an, es
steht seinen Kunden auch mit Beratungsund
Serviceangeboten zur Seite. Die Dienstleistungen
beginnen bei der betriebswirtschaftlichen
Analyse und Beratung und
reichen über die Reorganisation von Arbeitsabläufen,
Servicekonzepte bis hin zu Finanzierungsmodellen.
Das Unternehmen sieht bei sich (170 Patente)
einen technologischen Vorsprung gegenüber
den Mitbewerbern. Und daran soll sich auch
in Zukunft nichts ändern. Die technologische
Entwicklung in den zurückliegenden hundert
Jahren hat Vollmer nachhaltig beeinflusst.
Steinwerkzeuge mit Schneidkante gab es aber
bereits vor 2,4 Millionen Jahren. Die ältesten
wurden in Äthiopien entdeckt. „Bereits in der
Steinzeit hing die Qualität eines Werkzeugs
von dessen Schärfe und Standfestigkeit ab --
bis heute unsere Unternehmensmaxime“,
sagt Dr. Brand, der sein Unternehmen auch
für die Zukunft gut aufgestellt sieht.
Die Scharfmacher aus Biberach wollen weiterhin
nicht nur beim Schärfen der Sägen das
Sagen haben.
EBERHARD GROSSE
08
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[namen & nachrichten]
Boehringer
wächst stärker
als der Weltmarkt
Der Pharmakonzern Boehringer
Ingelheim mit Forschungs- und
Entwicklungszentrum in Biberach
verzeichnet für das vergangene
Jahr ein Umsatzplus von
6 Prozent auf 11,6 Milliarden
Euro. Er ist damit stärker gewachsen
als der Weltmarkt für
diese Branche. Beim Gewinn
gab es allerdings einen Dämpfer,
weil verstärkt in Forschung
und Entwicklung investiert
wurde und der starke Euro aufs
Betriebsergebnis drückte. Von
den Investitionen entfallen
122 Millionen Euro auf den
Standort Biberach. Für das laufende
Geschäftsjahr wird ein
Anstieg der Erlöse erwartet.
Ingenics zeigt
Visionen und
Methoden
„Visionen, Strategien, Methoden
der Zukunftsgestaltung in
Unternehmen“ – unter diesem
Motto hat das Industrie-Beratungsunternehmen
Ingenics
AG zu den Ulmer Gesprächen
ins Ulmer Stadthaus geladen.
Fast 200 Vertreter national und
international bekannter Unternehmen
beschäftigten sich mit
der Frage, welche Antworten
das „Industrial Engineering“
auf die Herausforderungen der
Zukunft bietet.
Zwei Referenten, der Demographie-Experte
und Politik-Berater
Prof. Dr. Meinhard Miegel
und der Zukunftsforscher Dr.
Pero Micic, präsentierten ihre
Erwartungen der Rahmenbedingungen
und Märkte von
Morgen.
Oberland-Glas
wächst mit
Russland-Tochter
Der Glashersteller Saint-Gobin
Oberland in Bad Wurzach
steigert seinen Umsatz von
467 Millionen auf 556 Millionen
Euro und erwirtschaftet
nach Steuern ein Konzernergebnis
von 52,5 Millionen Euro,
nach 35,9 Millionen im Vorjahr.
Der Wachstumssprung ist in
erster Linie einer russischen
Tochter zu verdanken, die 2008
mehrheitlich übernommen
und in diesem Jahr erstkonsolidiert
wurde. Auf dem Inlandsmarkt
ist bei Glasprodukten für
den Getränke- und Lebensmittelbereich
ein Umsatzrückgang
von 2,6 Prozent zu verzeichnen,
lediglich die Beteiligungen an
russischen und ukrainischen
Glashütten führt dazu, dass
Oberland-Glas am letztjährigen
Aufschwung in Osteuropa partizipieren
kann.
Boom für Andritz Hydro
Andritz Hydro in Ravensburg, früher VA Tech Escher Wyss, erwartet
2009 den Rekordumsatz von 150 Millionen Euro (2008:
etwa 100 Mio.). Das Geschäft mit Turbinen für Wasserkraftwerke
und mit Schiffsantrieben ist so langfristig, dass die derzeitige
Wirtschaftskrise der Branche nichts anhaben kann. Zur Zeit
ist Andritz Hydro mit der Modernisierung eines Wasserkraftwerks
in Rumänien und dem Bau zweier riesiger Anlagen in Venezuela
und in Indien am Fuße des Himalaja gut im Geschäft.
Schuler streicht
in Weingarten
70 Stellen
Weil Schuler Göppingen Aufträge
wegbrechen und es absehbar
nicht mit Besserung rechnet,
baut der weltgrößte Pressenhersteller
5500 Arbeitsplätze
ab, 360 in Deutschland, 70 in
Weingarten, davon 55 bei Müller
Weingarten, 15 bei der
Werkzeugbautochter Schuler
Cartec. Müller Weingarten wurde
erst vor zwei Jahren von
Schuler übernommen, 2008 gab
es noch Auftragsplus und Umsatzwachstum.
Man interpretiert
den Arbeitsplatzverlust als
Abbau von Kapazitäten aus der
jüngsten Boomphase. Zurzeit
werden 1000 Mitarbeiter beschäftigt.
[!]
setzt Energien frei
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Luft- und Klimatechnik Versorgungstechnik www.gaiser-online.de
09
Das Reorganisieren, das Sanieren,
das Restrukturieren:
Das sind drei der Aufgaben,
denen sich Insovenzverwalter
Michael Pluta stellt.
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[titelthema]
Langer Atem
Seine Anwaltskanzlei hat der Ulmer Michael Pluta mit seiner Ehefrau 1982 gegründet,
seine Rechtsanwalts-GmbH 2002. Heute zählt Pluta zu den bekanntesten
Insolvenzverwaltern – auch durch die von ihm betreute Insolvenz von Märklin.
Die international tätige Kanzlei hat heute 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wie würden Sie den Beruf des Insolvenzverwalters
beschreiben: Totengräber, Seelentröster oder Notarzt?
Das gehört alles zusammen. Wir graben manche Leichen
wieder aus, die falsch bestattet wurden. Auf der
anderen Seite haben wir aber auch lebende Patienten,
die wir retten können. Wir entscheiden, ob wir das Unternehmen
fortführen oder nicht. Und wenn wir es
fortführen, dann kämpfen wir auch darum. Das tun wir
häufig. Aktuell ist unsere Kanzlei gewissermaßen eine
Konzernzentrale, zu der mehr als 1000 Firmen und
10000 Privatleute gehören, die alle eines gemeinsam
haben: Sie sind pleite.
Sie verwalten mehr als 1000 sanierungsbedürftige
Unternehmen?
Ja, um genau zu sein, kümmern wir uns zur Zeit parallel
sogar um rund 1050 Unternehmen, die für einen
Gesamtwert von fast einer Milliarde Euro auf 12 500
Konten und mehr als 6000 Mitarbeiter stehen. Pro Jahr
kommen etwa 240 neue Firmen dazu.
Hat Ihr Geschäft angesichts der Wirtschaftskrise
angezogen?
Nein, die Krise hat noch nicht durchgeschlagen. Das
kommt bei uns mit Verzögerung und zwar in den Aufschwung
hinein, wenn die Firmen diesen nicht mehr
finanzieren können. Die Krise trifft vor allem die Automobilindustrie,
die Autozulieferer und den Autohandel.
Aber die Insolvenzwelle kommt erst noch. Momentan
wird noch alles abgefedert mit Abbau von
Zeitarbeitskonten und Kurzarbeitsgeld. Wir rechnen
eigentlich erst nach der Bundestagswahl damit, dass
die Krise voll auf die Unternehmen durchschlagen und
sich die Zahl der Insolvenzen erhöhen wird.
Wie schlimm wird es Ihrer Einschätzung nach werden?
Die Zahl der Arbeitslosen könnte durchaus um zwei
Millionen steigen. Ich glaube schon, dass wir auf den
Stand kommen werden, den wir schon 2002 hatten.
Das ist aber nichts Neues, wir erleben immer wieder
solche Zyklen von sieben bis zehn Jahren. Nach jedem
Auf kommt wieder ein Ab. Neu an der jetzigen Krise ist
aber, dass sie weltweit gleichzeitig ausgebrochen ist.
Dann spüren Sie zurzeit weder gute noch schlechte
Auswirkungen der Krise?
Das stimmt so nicht ganz. Unsere Insolvenzverwaltungsfirma
lebt ja vom Reorganisieren, vom Sanieren
und Restrukturieren. Das bedeutet, wenn wir einen Betrieb
fortführen wollen, haben wir das gleiche Problem,
wie es zuvor der Unternehmer hatte. Wir sind am gleichen
Markt tätig und müssen uns dem stellen. Deshalb
sind uns ganz normale ausgeglichene wirtschaftliche
Zeiten am liebsten. Dann können wir das Unternehmen
schneller restrukturieren und schneller verkaufen.
Können Sie ein Beispiel nennen für einen Fall, der
ohne Wirtschaftskrise besser zu handhaben gewesen
wäre?
Wenn ich einen Automobilzulieferer habe wie zum
Beispiel aktuell Lamitec Dielektra in Neu-Ulm, der vor
einem halben Jahr eine Firma mit 150 Mitarbeitern gekauft
hat und nun plötzlich nur noch zehn Prozent der
Aufträge hat. In der Kasse sind noch 25 Euro und die
täglichen Stromkosten betragen rund 5000 Euro. Da
kann man nichts mehr sanieren. Vor einem Jahr hätten
wir solch ein Unternehmen innerhalb von zwei Monaten
verkauft gehabt. Das funktioniert zur Zeit nicht.
Keiner gibt Geld dafür her.
Sie sind seit 1982 als Insolvenzverwalter tätig. Wie
hat sich seither die Branche verändert?
Vom Insolvenzrecht her hat sich nichts geändert außer
dem Namen, denn M e r hieß es Konkursordnung, heute
ist es die Insolvenzordnung. Aber alles, was wir heu-
Zur Person
Michael Pluta macht
sein Job Freude.
Er spürt mit Vorliebe
Überresten nach, als
Insolvenzverwalter
und auch als Privatperson.
Sein großes
Hobby ist die Architektur.
Im Urlaub
streift er mit seiner
Ehefrau auch durch
antike Ruinenfelder,
am liebsten in Italien.
In seiner Kanzlei gehört
es zu seiner Führungsphilosphie,
dass
die Mitarbeiter nicht
zu viel arbeiten.
Er selbst verbrachte
allerdings seinen 59.
Geburtstag im Büro,
unter anderem beim
Interview mit „unternehmen[!]“.
Pluta ist
verheiratet und hat
vier erwachsene Kinder.
In seiner Freizeit
hört er klassische Musik
und Jazz. Zum Klavier
spielen kommt er
kaum noch. In seiner
Freizeit wandert er
gerne, vor allem in
Oberstdorf. Dort hat
er ein Feriendomizil,
Zudem engagiert er
sich im Ulmer Münsterbauverein.
Das
hängt wohl mit Kindheitserinnerungen
zusammen:
Er ist im
Schatten des Münsters
aufgewachsen.
11
[titelthema] Ausgabe 09 | Junil 2009 unternehmen [!]
te machen, konnten wir damals auch schon tun. Unternehmen
fortführen durften wir auch früher schon, es
steht jetzt zwar ausdrücklich im Gesetz, aber das heißt
nicht, dass es deshalb häufiger passiert als früher. Ansonsten
kann man sagen, dass der Wettbewerb stärker
geworden ist. Früher gab es vielleicht 300 Insolvenzverwalter,
heute sind es 1800. Und es hat eine völlige Professionalisierung
der Verwalter eingesetzt. Auch unser
Büro hat mittlerweile eine Iso-Zertifizierung
und ein Rating durchlaufen.
Handelt es sich bei dem Rating
um die Zertifizierung, die der frühere
Insolvenzrichter Hans Haarmeyer
auf den Weg gebracht hat,
um die Spreu vom Weizen zu
trennen?
Ja, diesem Verfahren haben wir uns
vergangenes Jahr auch gestellt und
mit der Bestnote „Tripple A plus“ abgeschlossen. Bewertet
werden alle Fälle, die die Insolvenzverwalter einer
Kanzlei je bearbeitet haben. Diese Prüfung hat bei
uns zwölf Wochen gedauert. Die Kriterien der Bewertung
sind: Was kommt für die Gläubiger raus? Arbeitet
der Verwalter womöglich nur für sich? Wie lange
brauchte der Verwalter für das Verfahren? Wieviele Arbeitsplätze
wurden erhalten? Das fließt in eine Datenbank
und wird mit dem Branchendurchschnitt verglichen.
Stärkerer
Wettbewerb
auch bei den
Insolvenz-
Verwaltern
Trotz aller Ratingverfahren und Zertifikaten tummeln
sich weiter schwarze Schafe auf dem Markt.
Häufig wird beklagt, dass es an Kontrolle mangelt,
weil sowohl Rechtspfleger als auch Konkursrichter
nicht genau wissen, worauf es ankommt. Stimmt
das?
Das Problem haben wir an manchen Gerichten in der
Tat. Es gibt eine Faustregel: Je kürzer ein Richter oder
Rechtspfleger in dem Referat arbeitet,
desto weniger kann er die Arbeit
des Insolvenzverwalters beurteilen.
Das Problem ist, dass in der Justiz
eine lange Verweildauer auf einem
Posten nicht gerade karriereförderlich
ist. Es gibt Gerichte, an denen
alle zwei Jahre der Konkursrichter
wechselt. Das macht eine Kontrolle
schwierig.
Sie sagten vorhin, Sie kämpfen
um den Erhalt eines Unternehmens. Das haben Sie
auch beim Ulmer Druckerhersteller Tally getan. Wie
hart war der Kampf?
Der Kampf war vor allem kompliziert. Die Mutterfirma
sitzt in den USA. Dort lagen die Patente, das gesamte
Warenwirtschaftssystem war in den USA angesiedelt.
Die Buchhaltung lag in Händen einer britischen Tochtergesellschaft.
Als die Mutterfirma in den USA zahlungsunfähig
wurde und Insolvenz beantragt hat, hatte
ich hier in Ulm 68 Tally-Mitarbeiter sitzen und ein
12
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[titelthema]
ganzes Warenlager voller Drucker und noch 15 Tochterfirmen
weltweit, die daran hängen. Und der Verwalter
in den USA hat beschlossen, dass ihn Europa nicht
mehr interessiert.
Welche Folgen hatte das für Tally in Ulm?
Der US-Verwalter, beziehungsweise der Käufer der US-
Mutter, hat uns einfach den Hahn zugedreht, um den
Kaufpreis zu drücken. Das haben wir uns aber nicht
gefallen lassen. Aus dem ursprünglichen Kaufangebot
150 000 Euro, das der amerikanische Käufer uns unterbreitet
hat, sind letztlich 4,5 Millionen Euro geworden.
Zudem werden bei Tally von den 68 Mitarbeitern über
50 ihren Arbeitsplatz behalten können.
Sein Selbstverständnis heißt:
Dienstleister sein. Das gilt bei
der internationalen Ausrichtung
von Michael Plutas
Kanzlei und den internationalen
Wirtschaftsverflechtungen
der Unternehmen
auch für den Umgang mit
den Gläubigern eines Unternehmens.
Nehmen solche grenzüberschreitenden Probleme
zu?
Natürlich, es gibt kaum noch ein Verfahren ohne Auslandsbezug.
Es reicht ja schon, wenn Sie im Ausland
Gläubiger haben. Ich habe Sitzungen erlebt, da waren
nur Italiener anwesend.
Sie haben darauf bereits reagiert und halten auf
Ihrer Internetseite die Formulare für die Gläubiger
in zehn verschiedenen Sprachen bereit. Ist es nicht
sehr aufwändig, Gläubiger in anderen Ländern zu
betreuen, weil diese ja das Deutsche Insolvenzrecht
und damit ihre Möglichkeiten gar nicht kennen?
Ja, wir erklären jedem Gläubiger, der auf uns zu kommt,
wie das Verfahren ablaufen wird. Unsere Kanzlei versteht
sich als Dienstleister. Wir setzen Dolmetscher
ein, damit alle Gläubiger auf den Versammlungen
nachvollziehen können, wie der Stand der Dinge ist.
Ich kenne jede Menge Insolvenzverwalter, die das anders
handhaben und den Gläubigem einfach ein Formblatt
zuschicken, das nur zum Ziel hat, sich die Gläubiger
mit juristischen Phrasen vom Hals zu halten. Diese
Kunden werden sicher nicht zufrieden sein. Wir dagegen
beantworten jede Anfrage.
Sie haben schon angesprochen, dass die neue Insolvenzordnung
die Fortführung des Unterneh-
13
[titelthema] Ausgabe 09 | Junil 2009 unternehmen [!]
Michael Pluta stellt sich
der Realität: Man kann
auch nicht mit den Mitteln
der Insolvenz den Fortbestand
einer Firma sichern,
die sich im Wettbewerb
nicht halten kann.
mens gegenüber seiner Liquidierung bevorzugt.
Das klingt gut, doch wie sieht es in der Praxis aus?
Nicht jedes Unternehmen ist fortführungsfähig. Nehmen
wir das Beispiel der Bauindustrie. Deren Markt
schrumpft seit Jahren. Angesichts solch einer Entwicklung
kann man nicht mit den Mitteln der Insolvenz
den Fortbestand einer Firma sichern, die sich letztlich
im Wettbewerb nicht halten kann. Zu den Mitteln der
lnsolvenz gehört, dass die Firma drei Monate keine Gehälter
zahlt. Das übernimmt das Arbeitsamt in Form
von Insolvenzgeld. Die insolvente Firma zahlt auch
keine Zinsen mehr. Solch eine Rettungsaktion ist in einem
schrumpfenden Markt volkswirtschaftlich nicht
sinnvoll.
Was sind aus Ihrer Erfahrung die Kardinalfehler, die
zu Insolvenzen führen? Sind es strategische Fehlentscheidungen,
kaufmännisches Ungeschick oder
sind es Familienstreitigkeiten?
Streit in der Firma beziehungsweise in den Eigentümerfamilien
ist sicher ein Sargnagel. Nehmen wir das
Beispiel Märklin, da waren es 23 Familienmitglieder
aus drei Familiensträngen. Die hatten sich nicht so gut
vertragen und deshalb auch drei Geschäftsführer bestellt,
damit jedes Interessenslager gleichermaßen vertreten
war. Das führte zu einem Stellvertreterkrieg in
der Geschäftsführung.
Aber letztlich haben sich die drei Gesellschafterfamilien
doch zum Verkauf entschlossen.
Ja, dann wurde Märklin an Finanzinvestoren verkauft,
14
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[titelthema]
die von vornherein nur angetreten waren, um nach
drei bis fünf Jahren wieder rauszugehen. Sie haben weiterhin
drei Geschäftsführer bestellt, wenn auch nicht
die, die von den Familienstämmen berufen worden waren.
Hinzu kamen noch Berater, die der Finanzinvestor
beauftragt hatte. Dabei heißt es nicht umsonst, zu viele
Köche verderben den Brei. Bei Märklin
mit seinen 1400 Mitarbeitern
waren extrem viele Köche am Werk,
und jeder hat nach seinem eigenen
Rezept gekocht. Jetzt gibt es nur
noch einen Geschäftsführer. Das
reicht völlig aus.
Oft sind die
Werte der
Firmen in der
ganzen Welt
verstreut
Erweist sich der Generationswechsel
auch als Stolperstein bei
Familienunternehmen?
Der Stabswechsel ist eine der großen Aufgaben der Familienfirmen,
doch den haben wir schon weitgehend
hinter uns. Die Probleme, die wir jetzt haben, beginnen
meist damit, dass Finanzinvestoren bei Unternehmen
einsteigen und versuchen, über Geld, das sie aus den
Firmen herausgeholt haben, den Kaufpreis zu bezahlen.
Damit werden die Firmen viel zu sehr belastet.
Aber zu dieser Kategorie zählt der Modelleisenbahnbauer
Märklin ausdrücklich nicht. Dessen Investoren
haben sogar, als es Märklin immer schlechter ging, in
die Firma investiert und verlieren jetzt durch die Insolvenz
dieses Geld.
Erschwert das Vorgehen der Finanzinvestoren
Ihre Arbeit?
Ja, denn wir haben es im Rahmen
solcher lnvestoreneinstiege oft mit
Firmen zu tun, deren Werte auf der
ganzen Welt verstreut sind. Das ist
schwierig, wenn es zur Zahlungsunfähigkeit
kommt, denn es gibt ja
kein Konzerninsolvenzrecht. In Europa
existieren dafür einige Regelungen,
um beispielsweise klar zu stellen, an welchem
Gericht in welchem Land das Hauptverfahren angesiedelt
wird. Das hat bei Märklin funktioniert. Alle Töchter
werden von Göppingen aus in der Insolvenz betreut.
In den USA aber gibt es das nicht. Deshalb war der Fall
Tally so problematisch.
15
[titelthema] Ausgabe 09 | Junil 2009 unternehmen [!]
Das Unternehmen
„Ich bin aus Faulheit gewachsen. Immer
wenn mir die Arbeit zu viel wurde,
habe ich jemand eingestellt“, sagt Michael
Pluta über die rasante Entwicklung
seiner Kanzlei. Die hat er 1982 in
einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Ulm
gegründet, anfangs nur mit seiner
Frau, und spezialisiert auf Insolvenzen.
Die Kanzlei wächst rasch.
2002 gründet er mit den Partnern
Martin Prager (München), Stephan
Thiemann (Münster), Michael Schorr
(Leipzig), Fritz Zanker (Stuttgart) und
Joachim Geßler die Pluta Rechtsanwalts
GmbH. Die gehört heute zu den
Top-Insolventskanzleien in Deutschland
und finanziert sich ausschließlich
über Eigenkapital. Der Umsatz betrug
zuletzt rund 21 Millionen Euro.
In den mittlerweile 24 Niederlassungen
in Deutschland (21), Italien (Mai-
land) und Spanien (Madrid, Barcelona)
arbeiten rund 230 Mitarbeiter, 90
davon in Ulm.
Jährlich kommen etwa 240 Insolvenzverfahren
hinzu. Derzeit sind 30 Insolvenzverwalter
der Pluta GmbH von
Amtsgerichten bestellt und betreuen
zahlungsunfähige Unternehmen. 50
Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich
um Verbraucherinsolvenzen. amb
www.pluta.net
Inwiefern?
Der Richter in den USA hatte entschieden, dass das Warenzeichen
Tally den Amerikanern gehört und wir das
in Deutschland nicht mehr benutzen dürfen. Wir haben
nach Europäischen Recht widersprochen, weil die
Amerikaner beim Erwerb des Warenzeichens formale
Fehler gemacht und letztlich auch die Kaufsumme
nicht bezahlt hatten. Doch nach Amerikanischem
Recht sieht das anders aus. Das führte dazu, dass der
amerikanische Tally-Käufer uns die Verwendung des
Markenzeichens überall dort verbieten konnte, wo
Amerikanisches Recht sich gegenüber Europäischem
durchgesetzt hat.
Was wären die möglichen Konsequenzen gewesen,
wenn Sie sich nicht daran gehalten hätten?
Als Insolvenzverwalter hätte ich bei einer Einreise in
die USA eine Strafe von vielleicht ein bis drei Millionen
Euro bezahlen müssen, die Amerikaner hätten mich
folglich nur gegen Kaution wieder ausreisen lassen.
Das hatte zur praktischen Konsequenz, dass meine
Frau an Ostern meine Tochter, die zur Zeit in San Diego
lebt, alleine besucht hat. Denn für mich wäre der Familienausflug
zu teuer geworden. Ich hatte allerdings zur
selben Zeit sieben Verfügungen gegen den amerikanischen
Tally-Käufer erwirkt, dem dann auch eine Strafe
geblüht hätte, wen er nach Europa gekommen wäre.
Sie erzählen das so locker. Nehmen Sie solche Auseinandersetzungen
eher sportlich?
Ja klar, was denn sonst. Als Juristen sind wir ja darauf
getrimmt, mit allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten
zu leben.
Bei einer Insolvenz heißt es doch immer, es muss
alles möglichst schnell gehen. Solche Streitereien
ziehen das Verfahren doch in die Länge.
Ja, das Aufbauen von einstweiligen Verfügungen ist
wie das Auffahren von Kanonen. Das sind Schreckschüsse,
schließlich sind die Verfügungen auch nur
einstweilig. Doch im Fall Tally hat das den Druck auf
beide Seiten erhöht. Wir haben die Lieferanten in Fernost
informiert und ihnen gesagt, dass sie so oder so - entweder
gegenüber uns oder gegenüber den Amerikanern
- eine Patentrechtsverletzung begehen, wenn sie das
Markenzeichen benutzen. Daraufhin haben diese die
Lieferung eingestellt. Wir bei Tally in Ulm hatten hohe
16
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[titelthema]
Lagerbestände, deshalb war der Schaden bei uns durch
diesen Streit auch viel kleiner als bei der Amerikanischen
Muttergesellschaft. Letztlich wurde der Streit für
beide Seiten so teuer, dass wir uns einigen mussten. Uns
hat das am Ende mehr Geld eingebracht.
Ohne
Englisch
geht es in
der Branche
nicht mehr
Dann braucht man in Ihrem Job
vor allem einen langen Atem?
Ein Insolvenzverwalter braucht Nerven
wie Drahtseile, aber auch eine
Mannschaft guter Juristen und in
dem genannten Fall auch ein gutes,
internationales Netzwerk. Als es um
Tally ging, hatten wir Probleme, an
die Buchhaltung ranzukommen,
weil die in den Händen einer britischen
Tochterfirma lag. Deren Verwalter
wollte die Tochtergesellschaft einfach schließen.
Das sah für uns nach einem abgekarteten Spiel
mit der US-Mutter aus. Wir haben deshalb mit Hilfe
eines britischen Anwaltes den Verwalter der Tochtergesellschaft
abgesetzt und uns so Zugang zur Buchhaltung
geschafft. Dieser Fall macht deutlich, weshalb jeder
Insolvenzverwalter Englisch beherrschen muss.
Ohne das geht es in der Branche nicht mehr.
Nochmal zurück zu Märklin. Sie haben selbst mit
Märklin-Modellen gespielt. Als Student haben Sie
Modelleisenbahnen von ihren Studienkollegen gekauft
und an Sammler veräußert.
Betreuen Sie den Göppinger
Fall mit besonders viel
Herzblut?
Es ist einfach eine schöne Firma,
deren Marke emotional positiv besetzt
ist. Auch für mich, obwohl
ich keine Eisenbahn im Keller habe,
die hat mein Schwiegervater.
Über solch eine Marke wie Märklin
freut sich jeder. Es sind schöne Produkte,
die gesammelt werden und einen hohen Bekanntheitsgrad
haben. Deshalb hat die Öffentlichkeit
auch so ein großes Interesse an dem Fall. Das birgt angesichts
der rund 85 000 Märklin-Fans, die es weltweit
gibt, auch die Gefahr, letztlich mit faulen Eiern beworfen
zu werden, wenn die Sanierung schieflaufen sollte.
prinz
wohnen.
ulm -einsingen
tel. 07305/ 96 26-0
17
[titelthema] Ausgabe 09 | Junil 2009 unternehmen [!]
Beim „unternehmen[!]“-
Gespräch in seiner Ulmer
Kanzlei: Insolvenzverwalter
Michael Pluta diskutiert
temperamentvoll und gestenreich
mit Karen Emler (mitten),
Ressortleiterin der
Wirtschaftsredaktion der
SÜDWEST PRESSE, und
Wirtschaftsredakteur
Alexander Bögelein (rechts).
Es gibt viele Internetforen von Märklin-Fans. Bekommen
Sie von diesen auch Ratschläge?
Ja, wir bekommen jede Menge Fan-Post. Das kann man
sich so vorstellen wie im Fußball, wo jeder ein selbsternannter
Experte ist. Das Positive ist jedenfalls die Anteilnahme
an dem Schicksal der Marke. Wir diskutieren
jedenfalls, was an uns herangetragen wird, geben
Anregungen und Kritik an das Marketing weiter. Mit
dem Absatzmarkt so kommunizieren zu können, ist
ausgesprochen wertvoll.
Ein Schweizer Fan hat Ihnen 300 Euro als Spende
angeboten, um Märklin zu retten. Gab es noch
mehr solcher Offerten?
Ja, bis hin zu 100 000 Euro gibt es alle mögliche Angebote,
wobei es den Initiatoren um Beteiligungen geht.
Einige Fans haben sogar einen eigenen Rettungsfonds
gegründet.
Wie kommen Sie eigentlich zu solchen Fällen? Weshalb
wählte der Konkursrichter Sie für Märklin
aus?
Wir haben zum Glück den Ruf, dass wir zu den Top Ten
der lnsolvenzberater in Deutschland gehören, und sind
deshalb auch gefragt, wenn es um größere Fälle geht.
Oder wie bei Märklin um einen Fall, der besonders viel
Aufmerksamkeit genießt. Zudem liegt Märklin ja in
unmittelbarer Nähe.
Wie sieht denn die Zeitachse aus, wenn Sie solch
einen Fall übernehmen?
Das geht von null auf hundert, Vollgas. Nachdem uns das
Amtsgericht beauftragt hat, nehmen wir umgehend Gespräche
mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat
auf und beschaffen uns den Zugang zu den Konten. Typisch
bei solchen Unternehmen ist es, dass die Zahlen,
die sie uns vorlegen, nicht stimmen. Das Krasseste, was
wir je erlebt haben, war mal ein Fall, in dem der Finanzchef
uns gesagt hat, es gebe keine Lieferantenverbindlichkeiten.
Dann haben wir nachgeprüft und sind auf
240 Millionen Euro gekommen. Dass wir den Finanzchef
nicht behalten haben, versteht sich von selbst.
Als Insolvenzverwalter werden Sie sicher nicht mit
offenen Armen empfangen. Wie verhält sich meist
die Belegschaft Ihnen gegenüber?
Also bei Märklin haben wir gleich am zweiten Tag mit
den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung gesprochen,
und die Reaktion fiel sehr gemäßigt aus. Was
wir zu sagen hatten, hat sie zumindest nicht groß überrascht.
Dann wissen die Mitarbeiter meist ganz gut, wie es
um das Unternehmen steht und was schief gelaufen
ist?
Natürlich, das sehen sie doch, wenn zum Beispiel Überkapazitäten
vorhanden sind. Bei Märklin war die größte
Sorge der Mitarbeiter, dass wir zu viel ins Ausland
verlagern. Das tun wir aber nicht. Wir müssen einfach
sehen, dass wir für die Produkte solche Preise bekommen,
dass wir sie in Deutschland produzieren können.
Gibt es in Ihrem Beruf auch Situationen, in denen
Sie mal schmunzeln müssen?
Klar gibt es solche Situationen. Zum Beispiel gab es gerade
bei Märklin die komischste Forderungsanmeldung,
die ich je in einem Insolvenzverfahren erlebt
habe. Der Geschäftsführer, der jetzt altershalber in Ruhestand
gegangen ist, hat eine Forderung von mehreren
hunderttausend Euro erhoben als vertraglich vereinbarte
Durchhalteprämie.
Überlegen Sie mal, was das heißt: Sie bekommen von
Ihrem Arbeitgeber dafür, dass Sie überhaupt Ihren Vertrag
einhalten, eine Prämie. Also nicht für den Erfolg
Ihrer Arbeit, sondern für das bloße Durchhalten. Das
ist doch kurios, oder? [!]
18
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[namen & nachrichten]
EADS-Astrium
spürt nichts von
der Krise
An der zum europäischen
Raumfahrtkonzern EADS gehörenden
Astrium AG in Friedrichshafen
geht die Wirtschaftskrise
bis jetzt spurlos vorbei. Bis
Jahresende plant das Unternehmen,
80 neue Mitarbeiter einzustellen.
Die Firmenleitung geht
nicht davon aus, dass die Bundesrepublik
ihr engagiertes
Raumfahrtprogramm kurzfristig
abspecken wird. Zumindest
für die nächsten zwei Jahre gilt
das Geschäft aber als gesichert.
An den aktuellen zwölf Projekten
für die EADS arbeiten zur
Zeit bei Astrium in Friedrichshafen
937 Mitarbeiter.
Kammer des
Handwerks hat
neu gewählt
Die Vollversammlung der
Handwerkskammer Ulm hat
Dr. Tobias Mehlich (links ) zum
Nachfolger von Hauptgeschäftsführer
Hermann Stangier
(rechts) gewählt. Stangier geht
nach 35 Jahren bei der Kammer
im April 2010 in Ruhestand.
Mehlich, gebürtig
in Bad
Nauheim, ist
41 Jahre alt.
Er hat an den
Unis Frankfurt
und Passau
Jura studiert,
war dort
wissenschaftlicher
Assistent und wurde dort
auch promoviert. Nach einer
Tätigkeit als Rechtsanwalt ist er
seit 2000 Geschäftsführer des
Verbandes der Metall- und Elektroindustrie
Baden-Württemberg
– Südwestmetall – in Ulm.
Mehlich ist verheiratet und hat
Ulmer helfen Elektroautos
Das Ulmer Institut des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung
Baden-Württemberg (ZSW) präsentierte
auf der „Achema“, internationale Leitmesse der Prozessindustrie,
neue Werkstoffe, die Lithium-Ionen-Batterien den Weg in
Pkw ebnen könnten. Diese leistungsfähigsten Energiespeicher
sind nicht für den Fahrzeugeinsatz ausgereift. Dafür entwickeln
die Ulmer neue Materialkombinationen. „Große Chancen
für Fahrzeuganwendungen räumen Fachleute Kathodenmaterialien
mit Olivinstruktur, etwa Lithiumeisenphosphat oder
Lithiummanganphosphat ein“, sagt Prof. Werner Tillmetz vom
ZSW. „Sie besitzen ausgezeichnete thermische und chemische
Stabilität, die Rohstoffe stehen ausreichend zur Verfügung.“
drei Kinder. Seine Position als
Hauptgeschäftsführer der
Handwerkskammer Ulm wird
er am 1. Mai 2010 beginnen.
ZF verlässt
sich auf seine
Liquidität
Der unter der Absatzkrise bei
Automobilen leidende Getriebehersteller
ZF in Friedrichshafen
gibt sich verhalten optimistisch.
Zwar ist im letzten Jahr
der Umsatz mit 12,5 Milliarden
Euro nahezu gleich geblieben
und das Ergebnis nach Steuern
mit 434 Millionen das zweithöchste
der Firmengeschichte,
doch der Umsatzrückgang in
diesem Jahr um rund ein Drittel
lässt wenig Gutes erwarten. Rote
Zahlen schließt die Geschäftsführung
nicht mehr aus.
Doch die solide Liquidität der
Stiftung lässt hoffen, ohne größere
Blessuren durch die Krise
zu kommen. 1,1 Milliarden Euro
beträgt die Nettoliquidität,
42 Prozent die Eigenkapitalquote.
Dennoch sollen am Kapitalmarkt
zusätzlich 500 Millionen
Euro als Vorsorgemaßnahme
aufgenommen werden. An betriebsbedingte
Kündigungen
denkt man bei ZF nicht.
Tognum macht
keine Abstriche
an der Prognose
Der Technologie-Konzern Tognum
in Friedrichshafen hält an
seinen Geschäftszielen für 2009
fest. Obwohl die Zahlen für das
erste Quartal des Kalenderjahres
einen Rückgang bei Umsatz
und Gewinn ausweisen, macht
sich die Konzernleitung wenig
Sorgen, ihre Prognose zu erfüllen,
weil das letzte Jahr mit einem
Umsatzplus von 10,5 Prozent
und einem Ergebnisplus
von vier Prozent abschloss.
Kurzarbeit ist nicht in Sicht
und die Stammbelegschaft von
weltweit 9000 Mitarbeitern soll
auf jeden Fall gehalten werden.
Ascona gewinnt
Preis für
Messtechnik
Beim Innovationswettbewerb
der Volks- und Raiffeisenbanken
für mittelständische Unternehmen
in der Region Bodensee-Oberschwaben
gewinnt die
Ascona GmbH in Meckenbeuren
den ersten Preis. Sie wird
für ein optisches Messgerät ausgezeichnet,
das es ermöglicht,
die Oberflächenbeschaffenheit
von Aluminium-, Metall-, Gummi-
und Kunststoffprofilen direkt
in der Produktion qualitativ
auf Ebenmäßigkeit zu
überprüfen und Ausschussware
schnell und kostengünstig zu
erkennen. Ascona ist Spezialist
für Software und Problemlösungen
im Bereich der optischen
Profilmesstechnik.
Werkstatt für
Schüler ist
ein Renner
Viel Zuspruch findet die Wissenswerkstatt
„Technik erleben
– Technik begreifen“ in Friedrichshafen.
Kinder und Jugendliche
können hier selbstständig
experimentieren und sogar kleine
Roboter programmieren. Mit
der technischen Wissensvermittlung
sollen Schüler über
den Unterricht hinaus mit physikalischen
Fragen konfrontiert
und zur einschlägigen Berufswahl
angeregt werden. Stadt
Friedrichshafen, ZF und der Verein
Deutscher Ingenieure haben
den Modellversuch initiiert
und sich mit einem Millionen-
Betrag beteiligt. [!]
19
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Schlechte Manager
ihrer Gesundheit
Männer sind Gesundheitsmuffel. Einen besonders intensiven Raubbau an ihrer Gesundheit
betreiben speziell die Führungskräfte unter ihnen. Vorsorgemaßnahmen fehlen sehr häufig auf der
Liste ihrer abzuarbeitenden Aufgaben völlig.
Ein chronisch prall gefüllter Terminkalender,
immenser Leistungsdruck, selten
sich verflüchtigender Stress und nagende
Versagensängste – all dieses trägt dazu
bei, dass Manager ein beträchtliches gesundheitliches
Risiko in sich tragen. Etwa zwei
Drittel von ihnen, schlägt der Ulmer Mediziner
Dr. med. Horst Hohmuth Alarm, „weisen
erhebliche gesundheitliche Defizite auf“. Der
Urologe, Androloge und Sportmediziner ist
Mitbegründer des Menfit-Instituts Ulm und
gefragter Experte in Sachen Männergesundheit.
Von Managern hat er ein ziemlich klares
Bild: Er erfährt sie als „Arbeitstier“, immer unter
Hochspannung stehend, gewohnt, unter
Stressbedingungen zu arbeiten. „Sie sind von
ihrer Ausrichtung her rücksichtslos, und zwar
auch gegen sich
selbst.“
Kein Wunder
also, dass sie
auch bei einschlägigen
Untersuchungen
an der Spitze
stehen. Die Gesundheit
jeder
vierten Führungskraft
in
Dr. med. Horst Hohmuth,
Mediziner aus Ulm.
Deutschland
gilt als stark gefährdet.
Gar 85 Prozent, sagt Hohmuth, litten
unter eindeutigen gesundheitlichen Risikofaktoren.
Wer nun mutmaßt, diese Tatsache und ihr hoher
Bildungsstand machte die Manager zu
besonders gesundheitsbewussten Menschen,
irrt gewaltig.
„45 Prozent von ihnen gehen nie zu einer Gesundheitsprüfung“,
greift Hohmuth zur Statistik.
Ein ebenso hoher Prozentsatz leide unter
Burn-Out-Symptomen, erbrachte eine
Studie der Uni Freiburg, worin neben der hohen
Arbeitsbelastung auch eine nur geringe
Anerkennung der geleisteten Arbeit als Ursachen
dafür erkannt wurden.
Ein mieses Arbeitsklima und generell das Fehlen
einer gesundheitlichen Unternehmenskultur
schlügen direkt auf die Gesundheit der
Beschäftigten durch, die Führungsetagen
nicht ausgenommen. Manager spielten mit
20
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[machen]
hohem Risiko, was den Erhalt ihrer eigenen
Leistungsfähigkeit betrifft.
Dass gerade Männer in diesem Punkt einen
großen Nachholbedarf haben, kommt deutlich
in einer kürzeren Lebenserwartung zum
Ausdruck. Bei etwas über 80 Jahren liegt sie
bei Frauen, hingegen bei 76 Jahren bei Männern.
Ein gesunder Lebensstil, das Vermeiden
von Risikofaktoren und Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen,
werden vom starken Geschlecht
eher ignoriert. Können Manager in
der Regel die aktuellen Geschäftszahlen raufund
runterrasseln, so müssten sie bei ihren
Blutdruck- und Cholesterinwerten häufiger
passen als ihre Kolleginnen. Und krankheitsbedingte
Auszeiten gelten in ihren Kreisen als
besonders unschicklich und sind gepaart mit
der Furcht vor einem Karriereknick.
Lob der Siesta
Wer sich mittags eine halbe Stunde
schlafen legt, verringert das Risiko,
an Herz-Kreislauferkrankungen
zu sterben, um gut ein Drittel.
Solch ein Mittagsschläfchen - in
den Mittelmeerländern hat die regelmäßige
Siesta Tradition und ist
anerkannt - kann die schädlichen
Auswirkungen von Stress deutlich
dämmen. Bei der Vorstellung einer
entsprechenden Studie im US-
Fachmagazin „Archives oft Internal
Medicine“ wurde auf diese gesundheitsfördernde
Wirkung hingewiesen.
Ausrede: Terminkalender
„Männer gehen oft erst zum Arzt, wenn sie aus
dem letzten Loch pfeifen“, greift Hohmuth zu
einer drastischen Formulierung. Manager
schöben dann gerne ihren prall gefüllten Terminkalender
als Erklärung vor. Oft kämen
Vorsorgemaßnahmen dann zu spät, oder es
würden die vorgeschlagenen ärztlichen Gegenmaßnahmen
einfach nicht befolgt.
Durch die Brille des Männergesundheitsexperten
sind insbesondere ausgeprägte Erektionsstörungen
ein Warnsignal. „In so einem
Fall ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
um 65 Prozent erhöht.“
Der Großgruppe der sitzenden Berufe angehörend,
sind Manager mit dabei, wenn sich der
andauernde Bewegungsmangel zum gesundheitlichen
Problem auswächst. Anlässe für
Bewegung suchen, rät der Mediziner, den Terminkalender
besser organisieren. Wenn’s geht,
das Auto mal stehen lassen und ein kürzeres
Stück zu Fuß zurücklegen. Die Faustregel Hohmuths
lautet: Drei bis viermal die Woche je
zumindest eine halbe Stunde Ausdauertraining.
Indoor-Cycling („Spinning“) hält er für
eine gute Möglichkeit, „das macht man in der
Gruppe, das steigert die Motivation“.
Die Liste der Belohnungen bei sportlicher Betätigung
ist noch viel länger: ein abgesenktes
Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen,
Schlaganfälle, für Darm-, Prostata- oder
Brustkrebs; der Blutdruck werde positiv beeinflusst,
die Knochendichte ebenso; das
Gleichgewichtsgefühl profitiere, das Immunsystem
werde gestärkt, das psychische Wohlbefinden
nehme zu.
21
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Ein schweißtreibendes Unterfangen ist „Spinning“ – aber das Indoor-Radfahren puscht den Kreislauf.
Bei Fettsucht sinke die Lebenserwartung „signifikant“.
Zwischen Adipositas und verschiedenen
chronischen Erkrankungen bestehe
ein enger Zusammenhang, darunter seien
Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipoproteinämie
(Fettstoffwechselstörungen), Hypertonie
(Bluthochdruck) sowie Glukosestoffwechselerkrankungen.
Ein Kekschen beim Meeting, ein Schnittchen
in der Konferenzpause, ein Törtchen als Nachtisch.
Zu süß, zu fettreich ernährten sich viele
Menschen. 35 Prozent aller Krebsfälle sind
laut Hohmuth auf falsche Ernährung und deren
Folgen zurückzuführen. Mehr als aufs
Konto des Rauchens (30 Prozent) gehen. Dass
Obst, Gemüse und Vollkornprodukte aufs
Buffet gehören, ist für ihn zwingende Logik.
Tückische „Rettungsringe“
Tückisch sei Bauchfett, weil die Fettzellen
Leptin produzierten, was wiederum die Insulinempfindlichkeit
mindere und somit die
Entstehung von Diabetes begünstige. „Rettungsringe“
um den Bauch rauben Lebensjahre“,
zieht Hohmuth als Fazit und bezieht eine
Studie der Weltgesundheitsorganisation
WHO in seine Betrachtung mit ein. „In absehbarer
Zeit wird es erstmals in der Geschichte
der Menschheit mehr Über- als Untergewichtige
geben. Oder anders: Die Welt vermopst.
Falsch verstandene Stresskompensation trägt
ihren Teil dazu bei. Zu Hause erschöpft aufs
Sofa sinken, eine Flasche Wein und eine Tüte
Chips, sei exakt das Falscheste, wie auf solche
Situationen reagiert werden sollte. Bei Essen
und Lebensführung „Maß halten“, so eine
Faustregel des Männerarztes. Für nicht weniger
wichtig hält er „geistige Ruhe“, die in gewissen
Intervallen gesucht werden sollte.
Was auch nicht im Managerhandbuch steht:
Ist in der Medizin vom metabolischen Syndrom
die Rede, sind keine abstürzenden Umsatzzahlen
gemeint, sondern ein tödliches
Quartett.
Vier Kreuzchen zutreffend bei folgenden Werten,
und es schaut kritisch aus: Bauchumfang
größer als 102 cm bei Männern oder 88 cm bei
Frauen; Triglyzeride-Wert größer als 150 mg/
dl; HDL-Cholesterinwert größer als 40 mg/dl,
höherer Blutdruck als 130/85 mmHG; höhere
Nüchternglukose als 7,0 mmol/l.
„Eine gesunde Ausrichtung des Lebensstils
bahnt den Weg zu einem gesünderen Älterwerden.“
Und wie heißt in diesem Fall das
Zauberwort? „Bitte – ein Gesundheits-Coaching.“
Hierbei kann der Arzt seinen Patienten
mit strukturierten Programmen Hilfestellung
anbieten.
Weil der Dauerstress die Berufskrankheit der
Manager ist, stehen für Hohmuth Anti-Stress-
Programme bei den präventionsmedizinischen
Angeboten ganz obenan. Spricht‘s –
und macht sich am Ende eines langen
Arbeitstags auf ins Fitness-Studio.
THOMAS VOGEL
22
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[namen & nachrichten]
Zeppelin kauft
Anlagenbauer
Reimelt Henschel
Der Zeppelin-Konzern in Friedrichshafen
übernimmt von
MBB Industries den Anlagenbauer
Reimelt Henschel mit
Hauptsitz Kassel. Der Hersteller
von Mischsystemen für die
Nahrungsmittel- und Chemieindustrie,
der weltweit 560 Mitarbeiter
beschäftigt, macht
rund 100 Millionen Euro Umsatz.
Die Übernahme gilt für die
Zeppelin-Industriesparte Silos
& Systems mit ihren Großraumbehältern
aus Aluminium
und Edelstahl und verfahrenstechnischen
Anlagen für
Schüttgutaufbereitung für die
Kunststoffindustrie als strategische
Ergänzung. Zeppelin Silos
& Systems beschäftigt weltweit
670 Mitarbeiter und bringt es
auf einen Umsatz von 239 Millionen
Euro.
Neues Autohaus für BMW und Mini
entsteht im Ulmer Westen
Bis Ende November entsteht das neue Autohaus
Reisacher in der Blaubeurer Straße in
Ulm. „Wir freuen uns sehr“, sagt Peter Reisacher,
Geschäftsführer der Autohaus Reisacher
GmbH. Die Investition: 7 Millionen Euro. „Das
Haus wird neue Maßstäbe setzen, besonders
beim Dienstleistungsangebot“, so Reisacher.
Den Kunden erwarten eine repräsentative
Ausstellung für Neu- und Gebrauchtwagen,
eine modernst eingerichtete Werkstatt und
ein Serviceberatungsbereich mit kompletten
Leistungen. Derzeit beschäftigt Reisacher in
Ulm 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im
neuen Haus gibt es 20 weitere Arbeits- und
Ausbildungsplätze. In der Ulmer Kleiststraße
werden die Kunden während der Bauphase
beraten. Reisacher gehört mit sieben Betrieben
und 400 Mitarbeitern (Ulm, Krumbach,
Memmingen, Landsberg Augsburg Stadtmitte,
Augsburg-Göggingen, Augsburg-Lechhausen)
mit Hauptsitz in Memmingen zu den zehn
größten BMW-Autohäusern in Deutschland.
Hymer streicht
jeden zehnten
Arbeitsplatz
Der Reisemobil- und Wohnwagenhersteller
Hymer streicht
am Stammsitz in Bad Waldsee
jeden zehnten der 1000 Arbeitsplätze.
Damit sollen sieben Millionen
Euro Kosten gespart werden.
Vor allem Mitarbeiter in
Verwaltung und Logistik sind
betroffen. Außerdem kündigt
die Geschäftsführung auch für
andere Teile des Konzerns tiefe
Einschnitte an. Zum Hymer-
Konzern gehören Marken wie
Movera, Carado und
Niesmann+Bischoff. Europaweit
werden rund 3000 Mitarbeiter
beschäftigt.
Japaner steigen
bei myonic als
Investoren ein
Die Leutkircher myonic GmbH,
Spezialist für Präzisionskugellager
für Medizintechnik und die
Luft- und Raumfahrtdustrie,
wird von der japanischen Minebea-Gruppe
übernommen. Seitherige
Eigentümer waren die
Süd Private Equity Management
und die DZ Equity. Die
Minebea will sich mit myonic
einen Stammsitz in Europa
schaffen, und myonic will mit
Hilfe der Japaner den Vertrieb
ausbauen und die Produktionsabläufe
verbessern. Minebea
zählt zu den größten Kugellager-Herstellern
weltweit. Über
die Kaufsumme wurde Stillschweigen
vereinbart. Die myonic
GmbH hat jüngst den mit
einer Millionen Umdrehungen
pro Minute schnellstdrehenden
Elektromotor der Welt vorgestellt..
Futronic setzt
sich in der
Weltspitze fest
Mit 8,1 Millionen Euro Umsatz
2008 und 57 Mitarbeitern zählt
die Futronic GmbH in Tettnang
zu den kleineren Unternehmen.
Was ihre Produkte angeht, gehört
sie zu den drei Top-Adressen,
die den Weltmarkt für elektronische
Steuerungen von
Automaten in der Glasbehälterindustrie
beherrschen. Futronic
hat sich in einer hochspezialisierten
Nische festgesetzt und
verzeichnet kontinuierliches
Wachstum und volle Auftragsbücher.
Das Unternehmen konzentriert
sich ganz auf Komplettlösungen
für
Steuerungssysteme und meidet
bewusst den Anlagen- und Maschinenbau.
Futronic wurde
2005 von der Glasbehälter produzierenden
Saint-Gobain
Oberland AG in Bad Wurzach
an die Jetter AG in Ludwigsburg
verkauft.
Diehl Ako forciert
das Geschäft mit
Wechselrichtern
Die zum Teilkonzern Diehl
Controls gehörende Diehl Ako
Stiftung & Co. KG in Wangen,
Hersteller von Steuerungen für
die internationale Hausgeräteund
Heizungsindustrie, forciert
das Geschäft mit Wechselrichtern
für Photovoltaikanlagen.
Seit Erschließung des Marktes
2005 haben sich die Umsätze
jährlich verdoppelt. Für 2009
wird die Produktion von 20 000
Wechselrichtern mit einer Kapazität
von 80 Megawatt angepeilt.
Auf der Messe Intersolar
präsentiert Diehl Ako eine neue
Generation ihrer Vorzeigeprodukte.
[!]
23
[verantworten] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Das Gute bewahren
und das Neue wagen
Gesunde Strukturen, kurze Entscheidungswege, die hohe Qualität der breit angelegten Berufsausbildung und der folgend die
Qualifizierung der Mitarbeiter: Das alles zeichnet die Betriebe des Handwerks traditionell aus. Und noch eine Tradition prägt
sie: die stete Bereitschaft, Neues zu wagen und dabei das Gute zu bewahren. Manche tun das schon seit vielen Jahrhunderten.
Mein Ururgroßvater hat 1863 die Brauerei
übernommen“, lacht Hedwig
Gnann. Aber die 146 Jahre, die seitdem
vergangen sind und die für die Familie
Gnann ebenso wie für andere Betriebe schon
eine lange Zeitspanne sind, die sind doch noch
nicht einmal die Hälfte der dokumentierten
Historie des wohl ältesten Handwerksbetriebs
im weiten Umkreis um Ulm – zumindest in
dem von der Ostalb bis zum Bodensee reichenden
Bezirk der Handwerkskammer Ulm.
Denn dort ist die „Pflugbrauerei“ in Hörvelsingen,
einem heute zu Langenau gehörenden
kleinen Ort ein Dutzend Kilometer nördlich
von Ulm, als der älteste Handwerksbetrieb
registriert.
Das Gründungsdatum der Pflugbrauerei steht
– wenigstens offiziell – genau fest: Es war der
15. Mai des Jahres 1681. Damals schon war das
Bierbrauen ein anerkanntes Handwerk – heute
hat man angesichts der in der Branche so
genannten „Fernsehbiere“, also der mit großem
Einsatz werbenden nationalen und internationalen
Bierfabriken, als Konsument
manchmal eher den Eindruck, es handele sich
bei Bier um irgendein industrielles Produkt.
Neugier aus Tradition
Dass dem nicht so ist – wenigstens wenn man
dem Uralt-Spruch folgt „Bleib‘ im Land und
nähre dich redlich“ – das beweist nicht nur
der (und dies hier als Anerkennung gemeint)
„kleine“ Familienbetrieb der Gnanns im idyllisch
gelegenen Hörvelsingen, sondern ebenso
die im nationalen Vergleich ebenfalls kleine,
verglichen mit der Pflugbrauerei aber doch
riesige Brauerei Gold Ochsen im nahen Ulm.
Auch sie ist ein Familienunternehmen, ihre
Geschichte reicht sogar noch fast ein Jahrhundert
weiter zurück als die der Pflugbrauerei,
nämlich ins Gründungsjahr 1597. Und auch
Gold Ochsen hat die lange Familientradition:
1867 kaufte Johann Michael Leibinger die
Brauerei, und mit Ulrike Freund – einer Tochter
des seit 1940 die Brauerei führenden August
Leibinger (III) – führt bereits seit 1991
eine durchaus bemerkenswerte Frau das Unternehmen.
Was die Pflugbrauerei aber hier so
Die reiche Tradition des Handwerks zeigt sich schon in den historischen Darstellungen.
24
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[machen]
Gut,
dass wir sie haben!
Die kleinen und mittelständischen Unternehmen, vom Handwerker bis zu den Handels- und Gewerbetreibenden,
bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stellen das Gros an Arbeitsplätzen. In Ulm
und dem Alb-Donau-Kreis verdienen rund 95 000 Menschen hier ihr täglich Brot und bewahren so das
Wissen vieler Generationen. Dieses Unternehmertum ist unverzichtbar und stellt das kapitale und ideelle
Vermögen einer ganzen Region dar. Auch in schwierigen Zeiten bleibt die Sparkasse Ulm der faire Partner
unseres Mittelstandes. Weil es gut ist, dass wir sie haben!
33
[verantworten] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
bemerkenswert macht, ist, dass sie eben ein
eingetragener Handwerksbetrieb ist.
„Im Handwerk spielt die Tradition eine große
Rolle“, sagt Hermann Stangier, Hauptgeschäftsführer
der Handwerkskammer Ulm –
und präzisiert den Satz: „Weil Handwerk das
Gute bewahrt und das Neue wagt“. Das heiße
also, dass nicht handwerkliche Tradition um
der Tradition Willen gepflegt, sondern dass
das der Zukunft Zugewandte stets gefördert
werde. Den Handwerkern bescheinigt Stangier
eine sozusagen „latente Unzufriedenheit“
mit dem Bestehenden, besser definiert als
„Neugier auf Neues“, und das nicht aus irgendeiner
Fortschrittsgläubigkeit heraus, sondern
aus der Notwendigkeit: „Der Handwerker ist
innovativ, weil er es braucht, entwickelt Neues,
weil er es braucht“ – im steten Bemühen,
seinem Kunden, den der Handwerker auch als
Ratgeber, Kritiker und Impulsgeber anerkennt,
das Optimum zu bieten.
Dass sie immer ihr Ohr am Puls der Zeit haben,
das haben die altehrwürdigen Handwerksbetriebe
des Kammerbezirks zwischen
Ostalb und Bodensee über Jahrhunderte bewiesen.
Hier einige aus der Liste derer, die
Als Handwerk noch Handarbeit hieß . . .
dann nach der Pflugbrauerei, aber als noch im
18. Jahrhundert, in den Verzeichnissen der
Handwerkskammer aufscheinen: die Schmiede
E. Ilg aus Börslingen mit dem denkwürdigen
Gründungsdatum 1. Januar 1700, die am
1. März 1735 erstmals erwähnte Kürschnerei
Josef Mayer am Marktplatz in Wangen, der
1754 entstandene und heute sich um Landmaschinen
kümmernde Betrieb von Peter Glökler
aus Schelklingen, die 1762 ersterwähnte
Metzgerei Müller in Essingen, die aufs Gründungsdatum
1764 gewiss stolze Konditorei
Heinzelmann in Langenau oder der auf den
Gründungstag 1. Januar 1779 zurückblickende
Schuhmachermeister Franz Breitfeld in
Riedlingen, ebenso der mit Betriebsbeginn ein
Jahr später, also 1780 dokumentierte Schlosser
Walter Renner aus Adelmannsfelden.
Dass sich Betriebe über Jahrhunderte halten,
hat auch mit den Strukturen zu tun: Es sind
Familienbetriebe, die Entscheidungen liegen
in der Hand der Inhaber und fallen demzufolge
schnell; die Mitarbeiter sind nahe am Chef
und auch gut ausgebildet. Stangier: „Bei der
hohen Qualität der Berufsausbildung gibt es
im Handwerk keine Nivellierung.“
Senior Fritz Gnann führt die Pflugbrauerei,
Sohn Jörg Gnann ist Braumeister, ein paar wenige
Festangestellte, so bleibt die Tradition
übersichtlich und erhalten. „Wir wollen klein
bleiben“, sagt Hedwig Gnann, weiß aber auch,
dass ohne die eigene Gaststätte und die treuen
Kunden – alle im Umkreis von rund zehn Kilometer
um Hörvelsingen – das Weitermachen
schwieriger wäre. „Der Umsatz steigt ja
eher nicht, und wir können hier auf dem Dorf
doch nicht die Preise nehmen wie die Gasthausbrauereien
in der Stadt.“
LORENZ KOCH
Auf dem Weg zum Neuen: Da kennt das Handwerk sich aus.
34
[machen]
Ein Realist
mit Visionen
Als der Diplom-Informatiker Thorsten Bernecker vor rund zehn Jahren begann
seine Visionen in einem eigenen Unternehmen umzusetzen, ahnte er wohl nicht,
dass er einmal der Hausherr des neuen IT-Towers in Senden sein würde.
Der Weg des Besuchers zu Thorsten
Bernecker führt treppauf in den vierten
Stock, der Weg von Bernecker in
sein Büro erst einmal zu jedem seiner mittlerweile
30 Mitarbeiter, die er jeden Morgen persönlich
am Arbeitsplatz begrüßt. Es würde
nicht wundern, hätte er seinen Schreibtisch
mitten unter ihnen im zweiten oder dritten
Stock aufgebaut: Der Geschäftsführer der innoWake
gmbh ist so gar nicht der Typ für die
Chefetage. Bodenständigkeit ist sein Schlüssel
zum Erfolg. Und so ist sein Unternehmen
mittlerweile für eine Vielzahl internationaler
Kunden aus verschiedensten Branchen bei
der Realisation von IT-Projekten die erste Adresse.
Mit 15 Jahren schrieb der Sendener erste Spiele-Programme
am Computer, konnte sich aber
noch nicht vorstellen, wie sich mit Informatik
Geld verdienen lässt. Nach dem Studium
Software-Entwickler in einem Ulmer IT-Unternehmen,
erkannte der damals 28-Jährige
schnell, dass er seine Visionen im eigenen Unternehmen
umsetzen wollte. 2000 nahm er
seine berufliche Karriere selbst in die Hand:
„Zur Gründung der eigenen Firma gehört ja
neben zukunftsgerichtetem Denken auch ein
gewisses Maß an Risikobereitschaft und Naivität.“
Prompt setzten er und
seine Frau Simone auf den falschen
Steuerberater, mussten
den Sprung in die Selbstständigkeit
unterm Dach des TFU Gründer-
und Technologiezentrums
Neu-Ulm ohne jeden Cent vom
Staat bewältigen: „Die ersten
Monate lebten wir nur von
Simones Gehalt.“
Doch schnell hat der Ex-Wakeboard-Weltmeister
bewiesen,
dass er sich gut an der Wasseroberfläche
halten und seine Visionen
leben konnte. Dies zeigt auch die stetig
gewachsene Mitarbeiterzahl. 2002 zog die innoWake
gmbh von Neu-Ulm mit acht Leuten
ins Donautal, 2007 folgte die Gründung einer
Vertriebsniederlassung in San Francisco.
Schon bald reichten die Räume im Donautal
nicht mehr. Fündig wurde Bernecker im verlassenen
Büroturm der Donau-Fertigteil
GmbH in Senden. Jetzt firmiert das sanierte
Gebäude, dort sitzt auch die Hardware-Partnerfirma
KTK Consulting, als IT-Tower.
Auch Wachstum hat Grenzen
Die neue Schaltzentrale ist auch Symbol für
Berneckers Unternehmensphilosophie vom
nachhaltigen Wachstum. Das soll nicht grenzenlos
sein und wird spätestens gestoppt,
wenn die Raumkapazität im IT-Tower ausgeschöpft
ist. Denn der Realist weiß: „Wenn man
mit der Zukunftssicherung zu spät beginnt,
wackelt das Fundament sehr schnell.“ Damit
der Sockel von innoWake nicht ins Wanken
gerät, hat ihm der Geschäftsführer vor zwei
Jahren eine tragfähigere Struktur verpasst:
„Bis 2007 war ich quasi unabkömmlich. Auch
wenn ich mit Frau und Tochter im Urlaub
war, konnte ich nie abschalten.“ An übermäßige
Freizeit war in den ersten Jahren sowieso
Schnell hat Ex-Wakeboard-Weltmeister Thorsten Bernecker bewiesen, dass
er sich mit der innoWake gmbh gut an der Wasseroberfläche halten kann.
nicht zu denken. Die Verantwortung, dass alles
mit ihm steht und fällt, war Bernecker für
die Zukunft zu groß. So ernannte er mit Mirko
Schliemann einen weiteren Geschäftsführer
und installierte eine zweite Führungsebene.
Auf seine Mitarbeiter kann sich Thorsten
Bernecker hundertprozentig verlassen: „Hat
ein Unternehmen Erfolg, partizipieren davon
auch sie, die neben den Kunden unser wichtigstes
Gut sind.“ Dies zeigt sich auch im offenen
Umgang, den beide Geschäftsführer mit
ihnen pflegen. So gibt es jeden Freitag ein
Meeting in der „Oase“, einem Raum, in dem
Mitarbeiter kochen, flippern oder sich ausruhen
können. Bernecker: „Dabei wird alles besprochen,
so dass jeder Mitarbeiter immer
weiß, was war und was sein wird.“ Auch bei
der Wahl des neuen Firmensitzes waren die
Mitarbeiter eingebunden. Eine Antwort blieb
Bernecker dem Team noch nie schuldig: „Ich
habe gelernt, dass es immer zwei Seiten der
Medaille gibt und man sich auch in die Perspektive
der Angestellten versetzen muss.“
Für deren Wohlbefinden ist gesorgt. Stets
steht eine Biokiste mit frischem Obst bereit,
am Ende der Arbeitswoche spendiert das Unternehmen
jedem Mitarbeiter im Firmengebäude
eine 20-minütige Massage. Auch in der
Freizeit treffen sich die Mitarbeiter
– zum Kartfahren, Beachvolleyball
oder Samba-Workshop.
Auch im Hochseilklettergarten
war die Belegschaft schon, zwar
gut gesichert, doch ohne Boden
unter den Füßen. Dass dies im Arbeitsalltag
nicht passiert, dafür
sorgt Bernecker, der auch in Zeiten
der Krise auf jeden Einzelnen
setzt: „Wichtig ist, dass wir alle aktiv
sind und nicht nur auf Anforderungen
des Marktes reagieren.“
STEFAN LOEFFLER
27
[machen]
Ein Mindestmaß
an Sicherheit
Firewall und Virenschutzprogramm: Zwei durchaus nützliche Helfer bei der IT-Sicherheit. Aber nur, wenn sie
immer aktualisiert werden, nicht veraltet sind. Was schon nach wenigen Tagen passieren kann. Doch wie viel Sicherheit
kann sich ein Unternehmen leisten? Hier wichtige Tipps (besonders) für den Mittelstand.
Wenn man mittelständische Unternehmen
befragt, wie es um ihre IT-
Sicherheit steht, bekommt man
häufig die Antwort „Wir sind sicher. Wir haben
eine Firewall und ein Virenschutzprogramm“.
Schaut man genauer hin, so stellt
sich heraus, dass der Virenscanner vor einem
Länge der Aufrechterhaltung des Betriebs
ohne folgende Dienste
Telefon
Eigener File-Server
Eigenes ERP-System*
Buchhaltung
Internetrecherche
Eigener Internetauftritt
Eigener Internethandel
weniger als
eine Stunde
bis zu vier
Stunden
*Dieser Dienst wurde 2008 erstmals abgefragt
halben Jahr beschafft, jedoch nie aktualisiert
wurde. Die Firewall wurde zwar angeschafft,
jedoch über die Grundeinstellungen hinaus
nicht konfiguriert; das Konfigurationspasswort
lautet „admin“.
Auf der anderen Seite sehen gängige Sicherheitskonzepte
wie beispielsweise der BSI-
bis zu
einem Tag
bis zu einer
Woche
2008
2007
mehr als
eine Woche
Grundschutz ein Sicherheitsniveau vor, das
sich eigentlich nur Großunternehmen leisten
können – sowohl vom notwendigen Aufwand
als auch vom notwendigen Know How her.
Tauglich sind diese Konzepte für einen typischen
Mittelstandsbetrieb nicht, den die Fülle
an technischen Details erschlägt. Wenn er
deswegen deren 1:1-Umsetzung an einen
Dienstleister auslagert, dann überfordert ihn
das finanziell. Also macht er logischerweise
nichts oder kauft sich eben – um das eigene
Gewissen zu beruhigen – einen Virenscanner
und eine Firewall.
Notwendig sind Sicherheitskonzepte und
Vorgehensmodelle, die sich speziell an der Situation
mittelständischer Unternehmen orientieren
und diese dort abholen, wo sie stehen
– in Schritten, die sie finanziell, zeitlich und
organisatorisch nicht überfordern.
Dabei sollten beispielsweise verschiedene organisatorische
und technische Dinge umgesetzt
werden, um böse Überraschung von vorne
herein zu minimieren (siehe Übersicht auf
der nächsten Seite). Diese Auflistung kann
nur einen grundsätzlichen Überblick geben,
28
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[machen]
Organisatorische
Maßnahmen
• Schriftliche Ernennung eines Sicherheitsverantwortlichen
für das Unternehmen.
• Fixierung der Aufgaben, Pflichten sowie
der Rechte dieser Person.
• Regelmäßige Schulung aller Mitarbeiter,
um einen routinierten Umgang mit EDV,
E-Mail etc. sicherzustellen.
• Erstellung einer IT-Richtlinie und Kommunikation
dieser Vorgaben an alle Mitarbeiter.
Jeder Angestellte muss schriftlich
bestätigen, dass er diese Maßnahmen verstanden
hat und auch in der Zukunft anwenden
wird.
• Die eigenen Daten müssen regelmäßig
gesichert werden. Dazu bedarf es eines
durchdachten Konzeptes, das immer wieder
auf dessen Funktionsfähigkeit hin
überprüft wird.
• Die erstellten Sicherungen (Bänder,
CDs/DVDs o. ä.) müssen an einem sicheren
Ort aufbewahrt werden. Der Zugriff
auf diese Speichermedien ist sehr restriktiv
zu handhaben.
Technische
Maßnahmen
• Installation einer Anti-Viren-Software
und Durchführung regelmäßiger
Aktualisierungen.
• Permanente Überprüfung der eigenen
EDV-Infrastruktur nach Schädlingen aller
Art.
• Sicherung des Unternehmensnetzwerks
vor Zugriffen von außen durch eine
Firewall.
• Es muss sichergestellt werden, dass die
verwendeten Betriebssysteme immer auf
den neuesten Stand gehalten werden (sog.
Updatemanagement).
• Ein weiterführender Schutz vor Spionage-
Software aller Art ist dringend anzuraten.
• Die Komplexität der Passworte muss
dem folgenden Mindeststandard genügen:
mind. sieben Zeichen, die sich aus einem
alphanumerischen Zeichensatz inkl.
Sonderzeichen zusammensetzen.
• Es ist kritisch zu überprüfen, in wie weit
alle Mitarbeiter auf die Infrastruktur wie
USB-Anschluss, CD- bzw. DVD-Brenner
Zugriff haben müssen.
an welche Maßnahmen die Entscheidungsträger
denken müssen, um ein Mindestmaß an
Sicherheit zu erreichen. Dabei darf aber nicht
vergessen werden, dass nicht nur die digitalen
Daten zu schützen sind – auch die papierbasierten
Informationen müssen mit großer
Sorgfalt behandelt werden. Darüber hinaus
haben die unangenehmen Schlagzeilen der
jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass eine gesetzeskonforme
Umsetzung des Datenschutzes
eine zwingende Notwendigkeit darstellt.
Daher muss auch dieses Thema mit großer
Sorgfalt und dem notwendigen Sachverstand
umgesetzt und den Angestellten näher gebracht
werden!
Immer wieder sind Sicherheits-Fachleute mit
den immens hohen Kosten für die oben beschriebenen
Maßnahmen konfrontiert. Sicherlich
sind die hier dargestellten Bemühungen
mit hohen Kosten und zeitintensiven
Aufwendungen zu bewerten. Doch man darf
nie die Frage aus dem Auge lassen, was durch
eine korrekte und nachhaltige Umsetzung der
einzelnen Sicherheitsbausteine erreicht werden
kann. Zum letzten Mal wird hierfür die
Umfrage des NEG herangezogen. Es wurde eruiert,
wie lange ein Unternehmen auf die grundlegenden
Arbeitsutensilien Telefon, File-Server,
E-Mail etc. verzichten kann. Die Abbildung auf
Seite 28 zeigt, dass hier sehr hohe Anforderungen
existieren, die den bereits dargestellten
Aufwand in jedem Fall rechtfertigen.
Abschließend muss noch einmal herausgestellt
werden, dass eine hundertprozentige
Sicherheit nie erreicht werden kann. Doch eine
verantwortungsvolle Geschäftsführung
muss darauf bedacht sein, grundlegende
Schutzmaßnahmen zu implementieren. Dabei
darf aber nicht vergessen werden, dass sich
immer wieder gezeigt hat, dass der Mensch
die Schwachstelle Nummer 1 ist. Gerade deshalb
muss ein ausgereiftes und individuell
angepasstes System aufgebaut und immer
wieder kritisch hinterfragt werden.
Bei Fragen rund um das Thema Imformationssicherheit
steht den Unternehmen das bundesweite
„Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr
(NEG)“ für Einzelfragen oder auf
Veranstaltungen zur Verfügung (www.ec-net.
de) Es ist eine Fördermaßnahme des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Technologie
für Mittelstand und Handwerk. [!]
Das Verzeichnis der Medienprofis Ihrer Region
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29
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
An mehr als nur die
Rente denken
Weil die berufliche Selbstständigkeit nicht nur mit Chancen, sondern auch mit Risiken verbunden ist,
empfiehlt sich eine krisenfeste und umfassende Altersvorsorge. Praktische und neutrale Tipps weit über das
Thema Rente hinaus geben die Steuerberater.
Wer sich selbstständig macht, will die
Chancen seiner unternehmerischen
Freiheit nutzen, die abhängig Beschäftigten
entgeht oder die für sie von untergeordneter
Bedeutung ist. Der Unterschied
zeigt sich am Ende des Erwerbslebens – und in
wirtschaftlich schlechten Zeiten: Arbeiter
und Angestellte fängt ein soziales Netz auf,
das der Staat für sie bereit hält. Selbstständige
müssen sich ihr Netz selber knüpfen – und
entscheiden über die Weite seiner Maschen.
Mögliche Webfehler in der Altersvorsorge treten
vor allem in Krisenzeiten zutage, sagt Ingeborg
Zeljak. Die Reutlinger Steuerberaterin
ist Mitglied im Vorstand der Steuerberaterkammer
Stuttgart, der Berufskammer für alle
Steuerberater, Steuerbevollmächtigten und
Steuerberatungsgesellschaften in Nord- und
Südwürttemberg mit etwa 7 500 Mitgliedern.
Der schwerwiegendste Fehler aus Erfahrung
der Steuerberater: Selbstständige verpfänden
ihre Altersvorsorge, in der Regel die Lebensversicherung,
für Betriebskredite. Platzen die
Kredite oder droht die Insolvenz, dann gehen
wirtschaftliche Existenz und Altersvorsorge
im Gleichschritt verloren. „Ist der Betrieb weg,
ist auch die Altersvorsorge weg“, sagt Zeljak.
Nicht zu Pfänden
Anders bei der 2005 eingeführten Basis-Rentenversicherung,
als Rürup-Rente bekannt:
Sie bleibt während der Ansparphase von Pfändung
ausgeschlossen, bei Arbeitslosigkeit
Vom Kind zur Greisin: Eindrücklich stellt diese
französische Zeichnung den Lebensweg der
Frauen dar – aus der Sicht damaliger Zeit.
Anzeige
Zukunftsvorsorge intelligent gestalten
Gezielt vorsorgen zahlt sich doppelt aus.
Darauf macht die Volksbank Ulm-Biberach
aufmerksam und weist auf die Steuervorteile
und Förderung des Staates hin,
die Selbständige, Freiberufler und Arbeitnehmer
erhalten.
Altersvorsorge ist ein Thema für jedes Unternehmen,
erklärt Axel Stork, Experte für Vorsorgekonzepte
der Volksbank Ulm-Biberach.
Die Volksbank hat vor kurzem für erstklassige
Vorsorgeberatung das begehrte TÜV-Zertifikat
erhalten. Wir haben Axel Stork zum
Thema „Altersvorsorge“ nach seiner Meinung
befragt.
Herr Stork, warum ist Altersvorsorge ein
Thema für jedes Unternehmen?
Mit den Einkommenseinbußen mit Eintritt in
den wohlverdienten Ruhestand sollte sich
jeder beschäftigen. Denn eine zusätzliche
Rente bzw. ein gesichertes Einkommen im
Alter wird dringend benötigt, nicht nur um
den Lebensstandard aufrecht erhalten zu
können, sondern beispielsweise auch, um
steigende Gesundheitskosten bezahlen zu
können. Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren
von einer gezielten Vorsorge. Sie sparen
Steuern und sichern sich attraktive Ertragschancen.
Welche Vorsorge-Möglichkeiten empfehlen
Sie?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Staat an
seiner persönlichen Altersvorsorge zu beteiligen.
Riester- und RürupRente können besonders
vorteilhaft sein. Aber es gibt eine
Vielzahl weiterer Möglichkeiten von der betrieblichen
Altersvorsorge bis hin zu Lösungen,
mit denen die Abgeltungssteuer vermieden
werden kann.
Für wen kommt die RürupRente in Frage?
Die RürupRente ist vom ersten Euro an für
Selbständige, Freiberufler, aber auch für Arbeitnehmer
attraktiv. Anleger ab 50 Jahre
profitieren in besonderem Maße. Neben den
steuerlichen Vorteilen gibt es den Insolvenzschutz,
die Hartz-IV-Sicherheit und die Vererbbarkeit
mit Hinterbliebenenschutz. Zu-
Karlheinz Schabel, Mitglied des Vorstandes der
Volksbank Ulm-Biberach (links), und Axel Stork,
Direktor der Ulmer Volksbank, empfehlen Vorsorgeberatungen
mit TÜV-Zertifikat.
sätzlich wird eine lebenslange Rente
ga ran tiert, eine Gesundheitsprüfung ist
nicht erforderlich. Der hohe Gestaltungsspielraum
ermöglicht es, dass die individuellen
Bedürfnisse in besonderem Maße berücksichtigt
werden können. Die persönliche
Beratung bei unserer Volksbank lohnt sich
auf jeden Fall.
VR-RürupRente
Jetzt doppelt profitieren:
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Wer den Bogen raus hat, nimmt seine Altersvorsorge selbst
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31
Von der Geburt übers Spielen bis zum vom Stock gestützten Alter: Das ist der Lebensweg des Mannes – rund ums Paradies und die Versuchung.
Auf die Liquidität achten
Ratschlag für Selbstständige aus der
Steuerberater-Praxis: Immer auf Liquidität
achten! Der zwei- bis dreifache
Monatsgewinn sollte kurzfristig verfügbar
sein, damit etwa ein halbes Jahr bei
sinkenden Umsätzen überbrückt werden
kann. Psychologisch hilfreich und
wird sie nicht dem Vermögen zugerechnet. In
der Rentenphase kann nur der Teil der Auszahlungen
gepfändet werden, der über der
Pfändungsfreigrenze liegt.
Für steuerpflichtige Selbstständige bietet die
Rürup-Rente hohe steuerliche Vorteile, da
2009 gezahlte Beiträge (maximal 20 000 Euro,
bei Ehegatten das Doppelte) zu 68 Prozent als
Sonderausgaben angesetzt werden können.
Der steuerfreie Anteil steigt jährlich um
zwei Prozentpunkte an, bis 2025 schließlich
100 Prozent erreicht sein werden. Wichtigstes
Argument aus Sicht der Steuerberaterin aber
ist der Schutz der Altersvorsorge bei einer
Pleite: „Die Rürup-Rente betrachten wir als
wirksamen Selbstschutz für jeden Selbstständigen.“
Als weitere Vorsorgemaßnahme empfiehlt sie
eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit,
wobei der feine juristische Unterschied zwischen
Berufs- und Erwerbsunfähigkeit zu beachten
ist. Wer in seinem ursprünglichen Beruf
nicht mehr arbeiten kann, gilt als berufs-,
aber nicht automatisch als erwerbsunfähig.
Letzteres trifft erst dann zu, wenn selbst einfachste
oder leichteste Arbeiten nicht mehr
möglich sind.
im Blick auf die Liquidität sinnvoll ist
zudem ein gesondertes Steuersparkonto,
auf dem die abzuführende Umsatzsteuer
sowie die zu erwartenden Einkommen-
und Gewerbesteuerzahlungen
geparkt werden. So verlieren Steuertermine
ihren Schrecken. tz
Seit 2001 schützt die gesetzliche Rentenversicherung
nur noch Personen, die vor dem 2.
Januar 1961 geboren sind, vor Berufsunfähigkeit.
Jüngere müssen sich privat versichern, so
dass sie bei ärztlich begutachteter Berufsunfähigkeit
sofort Rente erhalten. Dazu gibt Steuerberaterin
Zeljak zwei Praxis-Tipps: „In Verbindung
mit einer Risiko-Lebensversicherung
fallen die Beiträge niedriger aus als in Verbindung
mit einer Kapital-Lebensversicherung.“
Ganz wichtig sei zudem der Passus „Ohne Verweis
auf andere Tätigkeit“ im Versicherungsvertrag,
da man sonst allenfalls gegen Erwerbsunfähigkeit
abgesichert sei.
Eher für das Risiko
Und was geschieht bei Unfall oder Tod? Auch
hier stuft die Steuerberaterin die Kapital-Lebensversicherung
als vergleichsweise teuer
ein und zieht deshalb die Risiko-Lebensversicherung
vor – für Verheiratete oder Selbstständige
mit Familie ein beruhigender Schutz,
von dem Ehepartner und Kinder profitieren.
Wichtig: Unbedingt klären, ob man als Selbstständiger
ohne Mitarbeiter gegen betriebliche
Unfälle in der Berufsgenossenschaft pflichtversichert
ist; dies trifft nur bei etwa der Hälfte
der Berufsgenossenschaften zu! Eine freiwillige
Versicherung zu recht günstigen Beiträgen
ist aber möglich; alternativ zur freiwilligen
Versicherung dort kann auch eine private Unfallversicherung
abgeschlossen werden.
Altersrente – eines der wichtigsten und unübersichtlichsten
Vorsorge-Themen. Klarheit
aus neutraler Sicht schafft ein Besuch bei der
Beratungsstelle der Rentenversicherung Bund
(früher BfA). Tipp: Bei der Terminvereinbarung
gleich fragen, welche Daten und Unterlagen
beim Besuch vorgelegt werden sollten.
Wer im Berufsleben vom Angestelltendasein
in die Selbstständigkeit wechselt, behält seinen
Anspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung,
falls er fünf Jahre lang Beiträge
32
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[machen]
gezahlt hat. Eine freiwillige Beitragszahlung
im Nachhinein ist stets sinnvoll, um den Mindestanspruch
zu sichern. Bis auf Handwerker,
die 180 Monate lang in der gesetzlichen Rentenversicherung
versichert sein müssen, ist
eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige
nicht gesetzlich zwingend. Sie können
je nach persönlicher Situation jedoch
zwischen freiwilliger oder Pflichtversicherung
wählen. Eine Entscheidung, die überlegt
sein will und innerhalb von drei Jahren nach
Beginn der Selbstständigkeit getroffen werden
muss.
Zeit der Exoten ist vorbei
Rentenversicherungspflichtig sind Selbstständige
bestimmter Berufsgruppen wie zum
Beispiel Lehrer oder Gesundheitsberufe, aber
auch andere Selbstständige, wenn sie überwiegend
für einen Arbeitgeber tätig sind oder
wenn sie fünf Sechstel ihres Umsatzes mit
nur einem einzigen Kunden erzielen. In letzterem
Fall kann man sich jedoch zu Beginn
der Selbstständigkeit für die ersten drei Jahre
von der Rentenversicherungspflicht befreien
lassen.
Ein Ratschlag von Steuerberaterin Ingeborg
Zeljak für alle verheirateten Selbstständigen:
Arbeitet die Ehefrau im Angestelltenverhältnis
und verdient sie mehr als 450 Euro im
Monat, kann er ohne eigene Beitragszahlungen
mit der Grundzulage eine Riester-Rente
aufbauen, wenn sie einen Riester-Vertrag abschließt.
Ist der selbstständige Ehepartner der
Arbeitgeber, erweist sich eine Direktversicherung
bei einer Pensionskasse als günstig.
Wenig bekannt ist aus Erfahrung der Steuerberaterkammer,
dass auch Selbstständige
Baden-Württembergs Bevölkerungspyramide
Altersaufbau der Bevölkerung
am 31.12.2007.
Bevölkerung insgesamt: 10 749 755
über 99 Jahre
95
Deutsche
90
Ausländische
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
99 400 49 700 0 49 700 99 400
Anzahl pro Altersjahr
über 99 Jahre
95
90
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
Voraussichtliche Entwicklung
am 31.12.2025.
Bevölkerung insgesamt: 10 631 358
Männer Frauen Männer Frauen
über 99 Jahre
95
Insgesamt
90
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
über 99 Jahre
95
90
85
80
75
70
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
91 815 45 907 0 45 907 91 815
Anzahl pro Altersjahr
Schutz vor Arbeitslosigkeit genießen. Für
einen geringen Monatsbeitrag ist seit 2006
eine Arbeitslosenversicherung möglich, sofern
sie zu Beginn der Selbstständigkeit abgeschlossen
wird. Leistungen erhalten Selbstständige
laut Steuerberaterkammer bereits
dann, wenn die Auftragslage eine wöchentliche
Arbeitszeit von 15 Stunden unterschreitet.
Fazit: Altersvorsorge bedeutet speziell für
Selbstständige weit mehr als Rente und
Vermögensbildung für die Zeit nach dem Berufsleben.
Ganz offensichtlich ist die Zeit exotischer
Steuersparmodelle bis hin zu Schiffsbeteiligungsfonds
und dergleichen vorbei.
Stattdessen rücken Sparkassen als öffentlichrechtliche
Geldinstitute, die genossenschaftlich
organisierten Volks- und Raiffeisenbanken
oder Bundeswertpapiere in den
Blickpunkt. Solide schwäbisch empfiehlt Ingeborg
Zeljak vor allem die eigene Immobilie
zur Altersvorsorge. „Dann kann man im Alter
mietfrei wohnen“, sagt die Steuerberaterin –
zumal die derzeit niedrigen Zinsen die Immobilienfinanzierung
wesentlich erleichtern.
Allerdings sollte man darauf achten, dass
Sondertilgungen im Kreditvertrag ausdrücklich
zugelassen sind. THOMAS ZEHENDER
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
Wir haben uns dem Kompetenztest der FOCUS-Money-Redaktion gestellt und wurden zum zweiten Mal in Folge als einzige „kleine“ Kanzlei
in der Region mit dem Prädikat „TOP-Steuerberater“ ausgezeichnet (FOCUS-Money, Heft Nr. 35/2007 vom 22.08.2007 und Heft 35/2008 vom 20.08.2008)
Tätigkeitsschwerpunkte: Jahresabschlüsse – Steuererklärungen – Unternehmensnachfolge – Lebensarbeitszeitkonten
Geschäftsführende Gesellschafter:
Glasgasse 12, 89073 Ulm
Diplom-Kaufmann Georg Kungl, Steuerberater Telefon 0731.92274.0
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33
Geringer
Leerstand
und gute
Perspektiven
für die Zukunft:
Das
zeichnet die
Situation bei
Gewerbe-
Immobilien
in Ulm aus.
30
unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[er]finden
Hoher Leerstand
war gestern
Der Gewerbeimmobilienmarkt in Ulm ist trotz Wirtschaftseinbruch und
Finanzkrise intakt geblieben. Die Leerstandsquoten sind niedrig und werden
dies wohl auch in Zukunft bleiben…
Transaktionsmarkt.“
Zu Schlagzeilen wie diesen zum deutschen
Gewerbeimmobilienmarkt be-
,,Schockgefrorener
steht in Ulm kein Anlass. Weil es keine Überhitzung
gab, folgt in harten Zeiten auch keine
schmerzhafte Korrektur. Die Attraktivität des
Standorts ist ungebrochen.
Gar als „Stadt der Seligen“ bezeichnet ihn Davor
Osswald, Teamleiter Verkauf bei Munk
Immobilien, eine Einschätzung, die Ulrich
Soldner, Geschäftsführer des Ulm/Neu-Ulmer
Stadtentwicklungsverbands, sicherlich teilt.
Soldner verweist da vor allem auf die Zahl der
leerstehenden Ladengeschäfte in marktgängigen
Lagen. Waren es vor Jahren noch rund 50,
so ließen sie sich derzeit an zwei Händen abzählen.
Dieser nur minimale Leerstand „wird
auch weiterhin so bleiben“, wagt Osswald eine
Prognose. Den Schub sieht Soldner in engem
Zusammenhang mit der Neuen Mitte,
maßgeblich der Tiefgarage. Geben Geschäfte
auf, stünden die Lokale seither nie lange leer:
„Da läuft sehr viel.“
Zurückhaltender seine Aussagen, was andere
Bereiche gewerblicher Immobilien betrifft.
Die hauseigene „Gewerbeflächenbörse“ enthalte
rund 200 Objekte. Weil jedoch nicht in
jedem Fall die Kunde bis zum Entwicklungsverband
dringt, wenn sich ein neuer Nutzer
gefunden hat, sei die Zahl von jährlich 10 bis
20 „Abgängen“ aus dieser Liste etwas mit Vorsicht
zu genießen.
Bei Objekten wie Lager oder Produktionsstätten
sei derzeit viel Bewegung, sagt Osswald:
Trotz aller Seligkeit spürten viele Betriebe
doch die Rezession. Nicht wenige verkleinerten
oder seien inmitten einer Verlagerung.
Der Markt gilt jedoch als schwierig, da freiwerdende
Gebäude dieser Art meist sehr spezielle
Zuschnitte haben. In Folge der oft nur
bedingten Drittverwendungsfähigkeit müssten
die Besitzer nicht selten hohe Abschläge
bei einem Verkauf
hinnehmen,
berichtet
Werner Penschke,
Geschäftsführer
der Immobilien
GmbH
Ulm, einer Tochter
der Volksbank
Ulm-Biberach,
und lenkt
Ulrich Soldner, Stadtentwicklungsverband
Ulm/Neu-Ulm. nen ergänzen-
den Blick auf eiden
Aspekt. Bei
erfolgreicher Nachfolgeregelung müsse ein
Objekt erst gar nicht auf den unsicheren „großen
Markt“ gebracht werden.
Wichtiger im Immobilienhandel sind auf
jeden Fall die Transaktionen im Bereich
Büroimmobilien, die nach Osswalds Beobachtung
„weiterhin stagnieren“ bis leicht
rückläufig seien. Das bleibe nicht ohne Auswirkung
auf die Mietpreise, die in Folge ebenfalls
„leicht bröckeln“. Zu einer leichten Belebung
aus Maklersicht werde die geplante
Sedelhof-Passage beitragen, da dieses Vorhaben
einigen dort situierten Büros einen Umzug
abverlangen wird. Für einige könnte das
Probleme mit sich bringen.
Unter vier Prozent
Denn der Leerstand in Ulm ist auch bei Büroimmobilien
relativ niedrig, „er liegt bei
rund vier Prozent“, schätzt Osswald. So schön
das für die Vermieter ist, so problematisch ist
das für Firmen, die auf der Suche nach Büroräumen
sind, denn zumindest in guten Innenstadtlagen
ist derzeit nur sehr schwer etwas
zu kriegen. „Büros zwischen 1000 und 2000
Quadratmeter sind dort derzeit so gut wie gar
nicht zu haben“, sagt Horst Wendel, Geschäftsführer
der Realgrund Immobilienmanage-
35
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Die Stadt zieht stark an: Immobilienexperten registrieren auch bei Büros diesen Trend
ment GmbH. Volksbänker Peschke sieht zumindest
mittelfristig weiteren Bedarf an
neuen Büroflächen in Ulm, das als Standort
zwar nicht in der Spitzenliga des Landes, aber
bereits eine Ebene darunter mitspiele. „Mit
dem Bahnprojekt Stuttgart 21 wird die Attraktivität
mit Sicherheit weiter steigen.“
Wird in Ulm derzeit zu wenig gebaut? Ulm
hat jedenfalls nicht die Entwicklung von
Großstädten wie München oder Frankfurt
mitgemacht, wo sehr viel neue Bürofläche dazu
gekommen ist und nun in der Krise entsprechend
hohe Leerstände zu verzeichnen
sind.
Ulm habe solche Überhitzungen noch nie
mitgemacht, so Wendel. Die ganz großen Immobilien-Entwickler,
erläutert Wendel, machten
einen Bogen um Mittelstädte wie Ulm; die
Anleger verlangen von ihnen, dass sie in
Großstädten investierten, weil sie da „größere
Sicherheit“ sähen. Ob die Rechnung noch aufgeht
bei einem Mietermarkt, steht auf einem
anderen Blatt. In Großstädten sind die Ausschläge
nach oben und, so wie derzeit, nach
unten weit größer als in Ulm, so Wendel.
Ulm ist gut aufgestellt
Horst Wendel, Realgrund Immobilienmanagement
GmbH: Ulm ist „gut aufgestellt“,
es gibt nur wenig Leerstand.
Gefragt sind ist bei Interessenten überwiegend
zentrale, bahnhofsnahe Lage,
eine „Adresse“, ansprechende Architektur
und gute Mieterstruktur.
Davor Osswald, Munk Immobilien: Ulm
ist noch eine Stadt der Seligen, die
Leerstandsquote bei Büroflächen gerade
vier Prozent. Es gibt den Trend zurück
in die Stadt auch bei Büros, Bahnhofsnähe
ist gefragt. Bei Läden gibt es
fast kein Angebot, seit der Neuen Mitte
fast keinen Leerstand mehr. Ulm werde
attraktiv bleiben, auch wegen Stuttgart
21 und dem Ausbau der ICE-Strecke.
Zurück in die Stadt
Die Folge ist laut Osswald, dass Ulm nur noch
leicht unter dem Preisniveau von München
oder Stuttgart liege. Für Büros in guten Lagen
sei ein Mietpreis von 10 bis 12 Euro üblich,
Spitzenmieten lägen bei bis zu 17 Euro, der
Schnitt belaufe sich zwischen 8 und 10 Euro.
Was ebenfalls stabilisierend wirkt, ist der
Trend zurück in die Stadt auch bei Büros, wo
sich die Nachfrage auf hochwertige, moderne
Flächen im Innenstadtbereich konzentriere.
Bahnhofsnähe sei ein wichtiges Kriterium.
Weil Ulm andererseits durchs Raster der Branchen-Größen
unter den Projektentwicklern
falle, wundert es nicht, dass das Ulmer Bauträgerunternehmen
Realgrund AG keine Mühe
hatte, auch den letzten Abschnitt des Büroparks
Karlsbau, nämlich den Umbau des ehemaligen
Produktionsgebäudes von Waffen
Walther, relativ rasch mit Mietern zu füllen.
Dennoch geht das Unternehmen derartige gewerbliche
Bauten nur dann an, wenn ein institutioneller
Investor, etwa eine Pensionskasse,
dahinter steht.
Die städtische Projektentwicklungsgesellschaft
PEG macht eben dies nicht zur Voraussetzung,
„wir treten, wenn nötig, in Vorleistung“,
weist Marketing-Frau Petra Wohlhüter
auf die Zweckbestimmung der Gesellschaft
hin, Instrument städtischer Wirtschaftsförderung
zu sein. Gerade im Science-Park sind die
Spuren der PEG-Tätigkeit abzulesen. Werden
erstellte Gebäude schließlich an Investoren
weitergereicht, kümmert sich die PEG weiter
um die Vermietung. Auch baut sie im Auftrag
von Unternehmen, die sich verlagern (Beispiel
Waffen-Walther) oder neu in Ulm ansiedeln
wollen. Und die PEG tritt selbst als Immobilienentwickler
in Erscheinung wie beim
„Stadtregal“ im Ulmer Westen, ein ehemaliges
Fabrikgebäude, das abschnittsweise für
Wohnen und Gewerbe um- und ausgebaut
wird. Man kann kaufen oder mieten. Abschnitt
drei wird bald fertig, die Wohnungen
sind laut Wohlhüter weg, einige Gewerbeeinheiten
noch frei. Die Abschnitte vier und fünf
sollen 2010 und 2011 auf den Markt kommen.
Begleitet ist das „Wohnregal“ von einem auffallend
großen Marketingeinsatz, galt es doch
anfangs, die einstige Industriebrache, die heute
einen bunte Branchen-Mix vom Designbüro
bis zur Schneiderei beherbergt, als „Adresse“
ins Bewusstsein zu bringen.
Architektonisch Akzente zu setzen, eine gute
Mieterstruktur aufzuweisen, kurz: eine „Adresse“
darzustellen, war von Anfang an Konzept
beim Karlsbau und seinen Erweiterungen
auf inzwischen 30.000 Quadratmeter
Bürofläche. Neben der guten Lage bietet auch
die Größe des Komplexes Vorteile. Wendel:
„Dass sich Mieter innerhalb des Areals verändern
können.“ Die selbstständige Realgrund
Immobilienmanagement übernimmt das Management
der Immobilie bis hin zur Vermietung.
Im Turmbau können die Mieter einen Pförtner-Service
in Anspruch nehmen. Sie können
aber auch die Einmietung mit einem viel breiteren
Angebot an Dienstleistungen koppeln.
Als Dienstleister rund ums Büro hat sich das
„Service-Center Ulm“ etabliert. Die Mannschaft
von Gründerin Ramona Probst übernimmt
den Büroservice und vermietet an seinen
zwei Standorten Büros: 15 im Science-Park,
11 im Stadtregal. Erstmals und mit vielversprechender
Resonanz 2004 beim Ulmer Unternehmertag
präsentiert, beschäftigt sie heute
fünf feste Kräfte, zwei Azubis und bei Bedarf
freie studentische Mitarbeiter. Die Palette an
Tätigkeiten, die diese nach einem Baukastenprinzip
für die Auftraggeber übernehmen, ist
breit, von Buchhaltung bis Mailing, von telefonischer
Akquise bis zur Entgegennahme
von Anrufen unterm Firmennamen des Kunden.
Das zweite Geschäftsfeld, die Vermietungen,
nutzen etablierte Firmen, die einen Stützpunkt
suchen, ebenso wie neu gegründete
Minibetriebe: „Wir sind Starterplattform.“
Langfristige Vertragsbindungen entfallen.
Einmietungen sind möglich für ein Projekt
oder sogar nur tage-, ja stundenweise, erläutert
Probst ihr Konzept, mit dem sie aus dem
Stand weg reüssierte. THOMAS VOGEL
36
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Die Mitarbeiter sind das Kapital
Die Kompetenz von Harder logistics unter den Top 5 der Branche
Die Spezialisierung auf (inter-)nationale Umzüge,
Betriebs- und Produktionsverlagerungen,
Objektumzüge, Transporte aller Art, Lagerung
und Montagen, EDV-Transport und
Umzugs-Dienstleistungen bescherte dem
Vöhringer Unternehmen mit weiteren Niederlassungen
in den vergangenen fünfeinhalb
Jahren ein enormes Wachstum.
Kompetenz aus einer Hand
Dieses Wachstum basiert auf einer perfekten
Dienstleistung: von der CAD-Zeichnung der
künftigen Raumeinteilung über die komplette
Demontage bis zur Remontage inkusive aller
Schreinerarbeiten, Elektro- und Elektronikinstallationen
wird alles vom eigenen Personal
fachmännisch umgesetzt. „Die Synergien zwischen
den anfallenden Arbeitsvorgängen erfordern
eine hohe Flexibiltät der Mitarbeiter“,
beschreibt Geschäftsführer Marcello Danieli
die Stärke des Unternehmens.
Geringe Hierarchien
Ohne kompetente Mitarbeiter wäre das Arbeitsvolumen
nicht realisierbar. Dem guten
Marcello Danieli, Geschäftsführer
Ruf des Unternehmens ist es zu verdanken,
dass der Mitarbeiterstamm im Lauf dieser
Zeit von 11 auf 61 aufgestockt wurde. „Wir sind
stolz, dass unsere Mitarbeiter sich mit dem
Unternehmen identifizieren und Spaß an der
Arbeit haben“, begründet Danieli seine hierarchiearme
Mitarbeiterführung.
Mitarbeitermotivation
Nachdem die Ausrichtung des Unternehmens
mit allen Neuinvestitionen abgeschlossen
war, flossen Gelder primär in die Mitarbeitermotivation.
Prämienauszahlungen beteiligen
den Einzelnen am Gewinn, Betriebsausflüge
fördern den Teamgeist.
„Und wenn auch wir den Gürtel künftig etwas
enger schnallen müssen, werde ich der Erste
sein, der als Vorbild voran geht. Lieber etwas
kürzer treten, als Mitarbeiter entlassen zu
müssen.“ Danielis Engagement für seine Mitarbeiter
spiegelt sich im ganzen Unternehmen
wider. Die erfolgreichen Zahlen und ein
zufriedener Kundenstamm sprechen für sich.
Weitere Informationen und Referenzen
Harder logistics
Danieli & Spann OHG
Robert-Bosch-Straße 1
89269 Vöhringen
Telefon 07306 / 96400
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35
35
[spezial]
Absolutes Überholverbot
am Buffet
Was haben Straßen und Buffets gemeinsam? Hier wie dort sind Drängler und Geisterfahrer unterwegs, ist die Kenntnis der Regeln
oft lückenhaft und werden Zuwiderhandelnde bestraft: Entweder mit Punkten in Flensburg oder durch gesellschaftliche Ächtung.
Wie Gastgeber und Gäste unfallfrei von der Vorspeise bis zum Dessert gelangen, erläutert Etikette-Trainer Heinz Bader.
Ob Jubiläumsveranstaltung des Unternehmens
oder eine Feier aus privatem
Anlass – eine Frage sollte am Anfang
stehen und sorgfältig beantwortet werden:
Was will ich erreichen? Soll der kulinarische
Teil die Veranstaltung beherrschen und einen
lang anhaltenden Erinnerungswert schaffen
oder soll das Buffet als appetitliche Begleitmusik
helfen, trockene Reden und langatmige
Vorträge besser zu verdauen? Vor dem ersten
Gespräch mit dem Caterer sollte auch geklärt
werden, wie viele Personen eingeladen sind,
ob seriös wirkende Anzugträger ein Menü im
Sitzen zu sich nehmen oder modisch-flippiges
Partyvolk Fingerfood-Häppchen im Stehen
einwerfen will. Größter Fauxpass aus der Erfahrung
des Etikette-Trainers aus Thalfingen:
„Nichts hat schlimmere Folgen als mangelnder
Platz für Buffet und Gäste“, sagt Heinz Bader,
„nämlich Geschiebe und Gedränge.“ Verkehrschaos
am Buffet – nein danke!
Wer sich auf der Straße im Rechtsverkehr zuhause
fühlt, wird sich auch dem Buffet in der
korrekten Gehrichtung nähern, nämlich von
rechts nach links. Ist das Buffet an einer Wand
aufgebaut, erschließt sich dem Rechtshänder
dieser Sinn von selbst, denn mit rechts wird er
zugreifen und seinen Teller beladen, sich im
Vorwärtsgang von den Vorspeisen über die
Hauptgerichte bis zum Dessert bewegen –
weshalb, man ahnt es schon, auch die Speisen
von rechts nach links aufgebaut sind. Ganz
anders beim frei stehenden Buffet in größeren
Räumen: Hier sind alle Speisen spiegelbildlich
angeordnet, so dass Gäste von beiden Seiten in
gewohnter Reihenfolge zugreifen können.
Ladekapazität des Tellers
Ob der Caterer sein Handwerk perfekt beherrscht,
erkennt der Auftraggeber an vermeintlichen
Kleinigkeiten: Teller, Besteck, Brot
und Butter nebst Servietten sind am Anfang
des Buffets platziert, die Suppentassen direkt
neben dem Suppentopf, der auf die kalten Vorspeisen
folgt. Brot, Butter und Teller finden sich
ein zweites Mal bei der Käse-Auswahl, die Dessert-Teller
bei den Desserts, die das Buffet beschließen.
Jetzt geht‘s los! Aber erst, nachdem der Gastgeber
das Buffet eröffnet hat. Für den Etikette-
Trainer Heinz Bader heißt das am Tisch Platz zu
38
[spezial]
Immer schön der Reihe nach und nicht drängeln: So geht‘s am Buffet.
nehmen und abwarten bis die Ehrengäste,
Amts- und Würdenträger mit gefülltem Teller
vom Buffet zurückkehren. „Ein perfekter Gastgeber
geht immer zuletzt ans Buffet“, erläutert
Bader die stilgerechte Reihenfolge. Angenehm
wirkt es, wenn alle Gäste eines Tisches gemeinsam
aufstehen, auswählen und essen. Besteck
und Teller bleiben stets am Tisch zurück, wobei
geschulte Servicekräfte an der Position von
Messer und Gabel erkennen, ob sie abräumen
sollen: Mit der Schneide nach unten liegt das
Messer parallel über der Gabel am rechten Tellerrand,
etwa auf der Uhrenzeigerposition
„halb fünf“.
korrekter abstand
Wer nicht ins Fettnäpfchen treten will, sollte
ähnlich wie auf der Straße die wichtigsten Verkehrsregeln
während der rush hour am Buffet
beachten. Hier gilt absolutes Überholverbot,
Gehrichtung von rechts nach links, Drängeln
und Schieben auch bei starkem Hungergefühl
unterlassen und die Ladekapazität des Tellers
nicht bis zum letzten Quadratzentimeter ausnutzen,
stattdessen besser mehrfach zum Buffet
gehen. Eindrückliche Erlebnisse müssen es
gewesen sein, die der parkettsichere Etikette-
Trainer zu folgender Regel verarbeitet hat:
„Naschen am Buffet ist absolut verpönt!“ Auch
Drängler, mit zu seinem dunklen Anzug kontrastierendem
Kartoffelsalat auf dem Teller,
verabscheut er zutiefst: „Peinlich und unangenehm,
noch schlimmer als am Würstelstand
oder der Supermarktkasse!“ Den korrekten Sicherheitsabstand
bemisst Bader mit einer guten
Armlänge, sonst wird es ungewollt intim.
Mit allen Sinnen genießen...
individuell – einfallsreich – kompetent – und natürlich:
Einfach köstlich!
METZGEREI – CATERING & PARTYSERVICE
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Ludwigstraße 25, Neu-Ulm
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39
[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Serviette und Brot gelten bei Etikette-Bewussten
als Prüfsteine für gutes und korrektes Benehmen
bei Tisch. Hat der Gast Platz genommen,
darf er die kunstvoll gefaltete Serviette
von ihrem Platz nehmen und links neben dem
Teller ablegen. Dort liegt die Serviette auch,
wenn man vom Tisch aufsteht – also nicht auf
dem Stuhl, wie in den USA üblich. Ansonsten
gehört die Serviette auf den Schoß, sobald der
Gastgeber das Buffet eröffnet hat oder beim
Menü der Service beginnt. Hälftig zusammengelegt
mit der offenen Seite zum Körper, führt
man die Serviette vor jedem Schluck aus dem
Glas zum Mund und klappt ihren oberen Teil
vorm Abwischen nach oben. Heinz Bader: „So
bleiben Gläser, Hose oder Kleid sauber.“
Oberste Regel für den Verzehr von Brot: Niemals
schneiden, immer mundgerechte Stücke
abbrechen und mit dem kleinen Messer ein
Flöckchen Butter darauf verteilen. Einzige
Ausnahme bleibt das Frühstück – nur dort erlaubt
die Etikette die großflächige Stullenschmiertechnik,
Scheibe für Scheibe.
THOMAS ZEHENDER
Elf Fragen
1. An welchem Veranstaltungsort
würden Sie gerne
einmal ein Catering
bieten?
2. Was war bislang Ihr anspruchsvollster
Auftrag?
3. Wo greifen Sie bei einem
Buffet selbst am
liebsten zu?
4. Und um welches Gericht
machen Sie eher einen
großen Bogen?
5. Welche Rolle spielen
bei Ihnen regionale Produkte
und Lebensmittel
als ökologischem Anbau?
6. Lieber Prosecco oder
deutschen Winzersekt
als Aperitif?
7. Ihr größtes Erfolgserlebnis?
8. Pech & Pannen?
9. Von wem würden Sie
sich gerne selbst bekochen
lassen?
10. Beschreiben Sie bitte
den idealen Gast für ein
Buffet!
11. Welche Rolle spielen
Dekoration und Ambiente
für das Gelingen eines
Caterings?
an Christian Becker
Gastronomiebetriebe Becker, Ulm
An jedem Ort, da es immer
wieder eine Herausforderung
ist.
Die Eröffnungsveranstaltung
einer Großbank.
Bei kleinen Gerichten.
Innereien und Rahmgerichte.
Eine große Rolle.
Deutschen Winzersekt.
Galadinner mit 270 Gästen in
verschiedenen Räumen einschließlich
gesamter Event-
Abwicklung.
Fällt mir jetzt nicht wirklich
etwas ein, wahrscheinlich erfolgreich
verdrängt.
Tim Mälzer.
Der alle Speisen probiert.
Das Auge sieht das Schöne,
die Zunge schmeckt das Gute.
an Petra Gnamm
Geydan-Gnamm, Neu-Ulm
„Dinner in the dark“! In Dunkelheit
mit allen Sinnen zu genießen,
ist unvergesslich!
Das minutiös geplante Top-
Event eines regionalen Großunternehmens,
am Donauufer.
Spontan bei Gerichten, deren
Frische der Zutaten mich
schon optisch anspricht.
Um lieblos angerichtete
Industrie-Fertigprodukte!
Eine überaus große Rolle!
Fleisch, Eier, Kartoffeln: Fast
alle unsere Rohstoffe kommen
aus bäuerlichen Kleinbetrieben
der Region.
Beides gleichermaßen! Es
kommt immer auf die Rahmenbedingungen
an.
… erleben wir täglich live mit
einem motivierten Team.
Als der Fahrer einen Unfall
hatte. Für 150 Gäste musste
alles neu gezaubert werden!
Von einer echten italienischen
„Mamma“ in einer urigen, alten
Landhausküche mitten in
der Toskana.
Am „idealen Buffet“ ist jeder
Gast der „ideale Gast“, da jeder
sein Lieblingsgericht ideal
lecker angerichtet findet!
Jedes Gericht erlangt seine
vollkommene Schönheit erst
durch eine warme, dezent
festliche Raumbeleuchtung.
an Settele
Partyspezialist, Neu-Ulm
Auf einer großen Hochseeyacht.
Die VIP-Veranstaltung einer
renommierten Firma.
Beim Vorspeisenbuffet.
–
Wir verwenden überwiegend
Produkte von heimischen
Erzeugern und aus kontrolliertem
Anbau.
Sowohl als auch, dies
bestimmt die Richtung des
Buffets.
Die Eröffnung des eigenen
Event-Lokals.
Eine Woche zu früh gekocht
für eine Hochzeit.
Von meiner Mutter.
Der Genießer mit dem Sinn
fürs Detail.
Dekoration und Ambiente
sind sehr wichtig für das Wohlbefinden
des Gastes.
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Am Puls der Zeit
Das Unternehmen DIGITAL-ZEIT GmbH bietet innovative Softwarelösungen
von der Zeiterfassung zum umfassenden Controlling
Das Untermehmen in Dornstadt bei Ulm wurde
im Jahr 1984 gegründet. Die Software-Spezialisten
liefern unter dem Namen AVERO
maßgeschneiderte Programme zur Personalzeiterfassung
und Zutrittskontrolle für Industrie
und Gewerbe. Die heute 22 Mitarbeiter
starke Softwareschmiede fokussiert sich zudem
auf die Entwicklung von Systemen zur
Betriebsdatenerfassung (BDE) für Produktionsunternehmen.
Zusätzlich zu den personenbezogenen
Auftragsdaten aus der BDE
werden über die Maschinendatenerfassung
(MDE) Produktions- und Stillstandszeiten sowie
Mengen direkt an den Maschinen erfasst.
Zusammen gewährleisten die Systeme der
DIGITAL-ZEIT GmbH eine optimale Fertigungsplanung
und -steuerung für jedes Produktionsunternehmen.
Potenziale erkennen, Kapazitäten planen
Durch die Verknüpfung von Zeit- und Betriebsdatenerfassung
mit der Maschinendatenerfassung
und Zutrittskontrolle entsteht ein
Manufacturing Execution System (MES) – ein
prozessnah operierendes Fertigungsmanagementsystem.
Mit einem MES stehen dem
Management alle relevanten Informationen
online zur Verfügung. Die ganzheitliche Betrachtung
aller Personal- und Produktionsdaten
aus verschiedensten Datenquellen bildet
die Basis für ein effizientes Controlling.
MES ist das strategische Hilfsmittel zur Produktivitätssteigerung
im Unternehmen. Die
innovativen
AVERO Systemlösungen,
die
direkt mit den
ERP- und PPS-
Systemen der
Kunden kommunizieren,
sind unter anderem
bei Produktionsbetrieben
wie Knoll Geschäftsführer Wolfgang Volz
Das Firmengebäude der DIGITAL-ZEIT GmbH in Dornstadt bei Ulm.
Maschinenbau, Centrotherm, Hosokawa und
Märkisches Werk im Einsatz.
Langjährige Partnerschaften
„Wir sind stolz, dass wir Weltfirmen mit tausenden
Mitarbeitern bei der Organisation
ihrer Personal- und Betriebsdaten so erfolgreich
unterstützen können“, freut sich Wolfgang
Volz, Geschäftsführer der DIGITAL-ZEIT
GmbH. Schon seit dem Jahr 1989 arbeitet das
Unternehmen für den Generika-Hersteller
ratiopharm und setzt an den Produktionsstätten
und Verwaltungssitzen in Ulm und
Blaubeuren das System AVERO ein. Über eine
Schnittstelle werden die erfassten Daten in
das SAP-System von ratiopharm übertragen.
Arbeitszeiten von derzeit zirka 4.000 Mitarbeitern
werden so korrekt erfasst.
National und international tätig
Gleich in mehreren Bereichen und in vielen
Ländern ist die DIGITAL-ZEIT GmbH für das
europaweit agierende Drogerieunternehmen
Schlecker aktiv. So erfolgt am Stammsitz des
Großunternehmens in Ehingen und in den
Zentrallagern in Deutschland, Frankreich, den
Niederlanden, Tschechien und Polen die Verwaltung
der Zeitkonten, teilweise auch die Zutrittskontrolle
über AVERO. Im Bereich Homeshopping
können die Arbeitszeiten und
Einsätze des Personals mit einer Personaleinsatzplanung
(PEP) flexibel organisiert werden.
Auch das BAUHAUS baut auf die DIGITAL-
ZEIT GmbH. In allen 120 deutschen Niederlassungen
der Baumarkt-Kette und damit für
12.500 Mitarbeiter wird die Software aus
Dornstadt eingesetzt. Die fruchtbare und erfolgreiche
Partnerschaft mit BAUHAUS funktioniert
bereits seit 1987 bestens.
DIGITAL-ZEIT live erleben
Gelegenheit dazu haben Sie auf der diesjährigen
Messe IT & Business, die in diesem Jahr
zum ersten Mal stattfindet. Vom 6. bis 8. Oktober
2009 präsentiert die DIGITAL-ZEIT
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Entwicklungen aus den Bereichen Zeiterfassung,
Betriebsdatenerfassung und MES.
Kontakt und weitere Informationen
DIGITAL-ZEIT GmbH
Zeppelinstraße 9
89160 Dornstadt
Telefon 07348-9872-0
www.digital-zeit.de
41
[namen & nachrichten] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Vetter setzt
unbeirrt auf
Wachstum
Das Familienunternehmen Vetter
Pharma-Fertigung in Ravensburg
setzt bei seiner mittelfristigen
Planung trotz
Wirtschaftskrise auf einstellige
Wachstumsraten. In diesem
Jahr sollen es fünf Prozent sein,
der Umsatz soll 258 Millionen
Euro erreichen. Auch die Belegschaft,
derzeit 1900 Mitarbeiter
überwiegend aus dem Raum
Ravensburg, soll aufgestockt
werden. Vetter produziert Verpackungen
für Pharmaunternehmen
in aller Welt. Vetter ist
spezialisiert auf die Abfüllung
hochwertiger und empfindlicher
biotechnischer Medikamente
in Spritzen, Arzneimittelfläschchen
und andere
Systeme. In letzter Zeit hat Vetter
mit einer Doppelkammerspritze
für extrem teure Medikamente
aus Zellextrakten und
Lösungsmitteln gegen Diabetes
und rheumatische Arthritis Furore
gemacht.
Forschung über
familiengeführte
Unternehmen
Familienunternehmen soll in
Zukunft mehr Aufmerksamkeit
der Wissenschaft zuteil werden.
Deshalb wird an der Zeppelin
Universität in Friedrichshafen
ergänzend zur ZU das Friedrichshafener
Institut für Familienunternehmen
gegründet.
Träger sind die Industrie- und
Handelskammern Ulm, Schwaben
und Bodensee-Oberschwaben,
die Stiftung Familienunternehmen
und namhafte Familienunternehmer.
Ideelle Unterstützung
kommt aus dem Bundeswirtschaftsministerium,
das
die Gründung begrüßt. Bisher
forschen 3000 Wissenschaftler
über 30 Dax-Unternehmen,
aber nur 30 über drei Millionen
Edelrid hält fest an den
Wachstumsraten
Satte 17 Prozent Wachstum bei einem Umsatz von zwölf Millionen
Euro verzeichnet Bergsportausrüster Edelrid in Isny (105
Mitarbeiter) für 2008. Daran soll sich auch 2009 nichts ändern.
Der Erfolg liegt auch an der Zusammenarbeit mit dem
Sportartikelhersteller VauDe in Tettnang, von dem Edelrid,
Marktführer bei Kletterseilen, 2006 übernommen wurde. Die
Produktpaletten beider Unternehmen ergänzen sich komplett.
Die immens hohen Investitionen in Marketing und qualitativ
hochwertige neue Produkte zahlen sich aus.
Familienunternehmen, die
rund 95 Prozent aller Deutschen
Unternehmen stellen.
Waldner Laborbau
setzt auf neues
Programm Scala
Der Spezialist für Laboreinrichtungen
Waldner in Wangen
stellt auf der Messe Achema in
Frankfurt sein Programm Scala
vor. Es zeichnet sich durch
mehr Flexibilität beim Einrichtungsbau,
erhöhte Energieeffizienz,
gesteigerte Sicherheitsvorsorge
und neues Design aus.
In Scala stecken 60 Jahre Erfahrung
im Laborbau und sechs
Jahre Entwicklungsarbeit. Die
Entwicklungskosten für das Laborprogramm
belaufen sich auf
mehr als fünf Millionen Euro.
In Deutschland will die Waldner
GmbH ihren Marktanteil
von 35 Prozent halten, in Europa
soll der Marktanteil mit dem
neuen Programm von 16 auf 20
Prozent ausgebaut werden.
MTU rechnet
mit Einbruch
beim Umsatz
Der Großmotorenhersteller
MTU in Friedrichshafen rechnet
für das laufende Jahr mit einem
Umsatzeinbruch von 10
bis 20 Prozent. Dabei war das
vergangene Jahr trotz eines verhagelten
vierten Quartals das
Beste in der 100-jährigen Firmengeschichte.
MTU macht
vor allem der Auftragsschwund
bei Motoren für Luxusyachten
zu schaffen, deren Markt in den
USA und Europa zusammengebrochen
ist. Als stabil erweist
sich dagegen der Absatz von
Motoren für militärische Transportmittel
zu Lande und zur
See. Für MTU hat der Mutterkonzern
Tognum soeben einen
Großauftrag über 111 Millionen
Euro verbucht. Malaysia
will dies in den nächsten fünf
Jahren für Ersatzteile, Maschinenwartung
und Ausbildungsprogramme
für die Marine ausgeben.
Rund 70 Großmotoren
aus Friedrichshafen sind bereits
bei der Marine des asiatischen
Staates im Einsatz.
Umzug
für die
Karriere
Wenn es um ihre Karriere geht,
sind die Deutschen flexibler als
erwartet. Eine Umfrage zeigt:
Neun von zehn Arbeitnehmern
würden für eine neue Stelle den
Wohnort wechseln. Der größte
Anreiz für den beruflichen Umzug
ist das Geld: 79,2 Prozent
würden für einen Job umziehen,
wenn der besser vergütet
ist als die aktuelle Stelle und ihnen
Karrierechancen bietet. [!]
42
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[machen] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
Fünf Zentimeter
über dem Asphalt
Wer hat noch nie davon geträumt, selbst einmal hinter dem Lenkrad eines echten Formelrennwagens zu sitzen?
Das Laichinger Unternehmen TopSpeedRacing macht dieses Erlebnis auf mehreren Rennstrecken, unter anderem
dem Hockenheimring, möglich.
In den fünf Jahren des Bestehens entwickelte
sich TopSpeedRacing aus Laichingen zur
größten Rennschule Deutschlands. „Durch
unsere starke Präsenz am Hockenheimring
und am EuroSpeedway Lausitz bedienen wir
heute ungefähr 70 Prozent des deutschen
Marktes“, sagt Firmengründer und Inhaber
Gerd Schwenk.
Der Besuch eines Events am Hockenheimring
lässt hinter die Kulissen blicken und den Funken
überspringen. Ein Dutzend Männer verschiedenen
Alters hat sich zum Schnupperkurs
eingefunden. Allein schon das Flair hat
etwas. Start- und Zielgerade, riesige Zuschauertribünen,
Boxengasse, Siegertribüne, alles
sieht genau so aus wie man es vom Fernsehen
kennt. Man hört die Motoren, riecht das Benzin,
obwohl noch Ruhe herrscht. Erstes Rennfahrer-Feeling
kommt auf.
Dem Check-In folgt die Einkleidung. Roter
Rennoverall, Schuhe, Handschuhe, Helm liegen
in passenden Größen bereit. Auf dem Weg
zum Briefing fällt der Blick auf die Rennautos,
an denen die Mechaniker Reifen montieren.
Mitarbeiter Volker erläutert wichtige theoretische
Grundlagen. Was ist erlaubt, was verboten?
Wie schaltet man das Renngetriebe?
Der Ostkurs in Hockenheim misst 3,5 Kilometer.
Der Streckenverlauf erlaubt Vollgas in der
langgezogenen Parabolica, dann folgt eine 180
Grad-Spitzkehre. „Mit dem Bremsen und
Schalten müsst ihr vorher fertig sein, in der
Kurve ist es dafür zu spät“, mahnt er. Was tun,
wenn das Auto ins Rutschen kommt? Mit aller
Kraft bremsen, dann behält das Auto die Richtung
bei. Gefahren wird in Vierer-Gruppen,
ein erfahrener Guide voraus gibt das Tempo,
Bremspunkte sowie die Kurvengeschwindigkeiten
vor. Soviel zur Theorie.
Der Puls erlebt einen Schub
Dann kommt die Aufforderung zum Einsteigen.
Tief und tiefer rutscht man ins Stahlrohrkorsett.
Von Bewegungsfreiheit keine Rede
mehr. Die Ausstattung spartanisch, die Sitzposition
mehr liegend als sitzend, nur fünf
Zentimeter überm Asphalt. Um das unmittelbare
Zusammenspiel von Fahrer und Technik
nicht zu verfälschen, verzichtet man auf alle
elektronischen Fahrhilfen. Mensch und „Maschine
Fahrzeug“ werden eins.
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unternehmen [!] Ausgabe 09 | Juni 2009
[leben]
Die Kurvengeschwindigkeit und das Zupacken der Bremsen gehen an die Grenzen der Physik und stehen in keinem Verhältnis zu dem Straßenalltag.
Dann das Kommando: „Motor starten“. Der
Puls erlebt einen Schub. Lärmend aggressiv
erwacht der Motor zum Leben, hautnah im
Rücken. Ein Geräusch, das süchtig machen
kann.
Endlich geht es los. Die selbe Strecke, auf der
2008 Lewis Hamilton den Großen Preis von
Deutschland gewann. Die Fahrbahn wirkt unglaublich
breit und verlangt dennoch höchste
Konzentration. Beschleunigung, Kurvengeschwindigkeit
und Bremse gehen an die Grenzen
der Physik und stehen in keinerlei Verhältnis
zu dem, was man so aus dem
Straßenalltag kennt. Von Runde zu Runde
wächst der Fahrspaß – und alle geben mehr
Gas. Zwanzig Minuten Fahrzeit vergehen wie
im Flug, es folgt eine ebenso lange Pause.
Das Rennsportunternehmen TopSpeedRacing
gründete Gerd Schwenk im Jahr 2003 in seinem
Heimatort Laichingen. Die Geschäftsidee
ist ungewöhnlich, geboren aus der Leidenschaft
des Firmengründers, der bei allen Fahrtagen
persönlich anwesend ist. Nur zum selber
fahren kommt Schwenk weniger denn je.
„Ladies Day“
Die Formel-Rennschule bietet exklusives
Fahrtraining für jedermann in Form von
mehrstündigen Schnupper- und Basic-Kursen
bis zum ganztägigen Premiumkurs sowie Incentive-Programme
für geschäftliche Anlässe.
Neu ist ein „Ladies Day“, der Frauen vorbehalten
ist. Das Unternehmen ist offizieller Partner
des EuroSpeedway Lausitz, der größten
und modernsten Anlage in Deutschland, 60
km nördlich von Dresden. Im Süden ist man
exklusiv am Hockenheimring vertreten. Auch
Sicherheit zuerst
Auch eine
Spaß bringende
Fahrt mit
Formel-
Boliden
will sorgfältig
vorbereitet
sein. Dazu
Gerd Schwenk
gehört vor
allem aber
ein sicheres Equipment – rundum, wie
es der TopSpeedRacing-Inhaber Gerd
Schwenk den Teilnehmern bietet: gute
Rennwagen, Overalls, Handschuhe, vor
allem der den Kopf schützende Helm.
Kunden aus Österreich und der Schweiz reisen
hierher an.
Waren es 2007 noch 35 Veranstaltungen, wurden
2008 bereits 55 durchgeführt – mit rund
4000 Hobbyrennfahrern. 18 Formel-König-
Fahrzeuge mit 120 PS sowie 14 Opel-Lotus mit
160 PS umfasst der firmeneigene Fuhrpark,
dazu einen speziell umgebauten Doppelsitzer
für den, der (noch) nicht selbst am Steuer sitzen
will. Auch bis zu 300 km/h rasante Mitfahrten
im Porsche Carrera GT3 oder im Ferrari
430 Challenge werden gerne gebucht. Sogar
einen KTM X-Bow bietet TopSpeedRacing an.
Die 120 oder 160 PS der reinrassigen Rennwagen
klingen zunächst nach nicht allzu viel.
Bedenkt man das Gewicht von nur 420 Kilogramm,
relativieren sich die Zahlen. Trotz Beschleunigungswerten
von 0 auf 100 km/h in
3,5 Sekunden und der Höchstgeschwindigkeit
von etwa 200 km/h ist niemand gezwungen,
schneller zu fahren, als er sich zutraut.
Die Formel König – benannt nach dem schwäbischen
Sitzhersteller Richard König – galt als
Einsteigerklasse für Nachwuchspiloten. Michael
Schumacher gewann neun von zehn
Rennen und legte einen Grundstein seiner
Karriere. Durch eine Änderung des Reglements
kam 2004 das Aus für die Klasse, und
Schwenk konnte seinen Fuhrpark damit ausstatten.
Eine optimierte Sitzposition lässt Fahrer
bis zu 1,95 m Körpergröße Platz finden,
und ein gut bestücktes Ersatzteillager sichert
die Zukunft.
Um live dabei zu sein, muss man allerdings
etwas tiefer in die Tasche greifen. Der hohe
technische Aufwand, die Anmietung der
Rennstrecke, Versicherungen sowie das Team,
das für und mit dem Motorsport lebt, rechtfertigen
dies. Die selbe Professionalität wie bei
der Technik setzt man auch für die Vermarktung
ein. TopSpeedRacing betreibt gezielt Öffentlichkeits-
und Pressearbeit mit regionalen
und überregionalen Printmedien, lokalen
Funk- und Fernsehsendern und kooperiert mit
Incentive-Agenturen und Geschenkportalen.
Viele Privatkunden bekommen das Event als
Geschenk, beobachtet Schwenk. Und Firmen
spendieren das prickelnde Erlebnis zur Mitarbeitermotivation,
zur Kommunikationsförderung
im Team sowie zur Bindung wichtiger
Kunden oder dem Akquirieren von Neukunden.
Tiefe Eindrücke und ein kleiner Pokal zur
Erinnerung sind in jedem Fall garantiert.
THOMAS LÖFFLER
www.topspeed-racing.de
45
[namen & nachrichten] Ausgabe 09 | Juni 2009 unternehmen [!]
unternehmen [!]
Verlag/Herausgeber
Neue Pressegesellschaft
mbH & Co. KG
Frauenstraße 77
89073 Ulm
Redaktion
Lorenz Koch (verantwortlich)
Anschrift wie Verlag
Gestaltung
Karsten Middeldorf (Art
Director), Martin Hoffmann
(Layout), Ana Borrero (Bild),
Titelkonzept: Halma,
Agentur für Kommunikation
und Design, Ulm
Fotos
Matthias Kessler (auch Titel),
Thomas Zehender, dpa,
fotolia, Getty images, ETH
Zürich, Cultura/vario images
(S. 20 o.), Firmenfotos, Archiv
Anzeigen
Dr. Thomas Baumann
(verantwortlich)
Anschrift wie Verlag
Objektleitung
Tobias Lehmann
Druck
Druck- und Verlagsgesellschaft
Bietigheim mbH
Kronenbergstraße 10
74321 Bietigheim
Auflage: 15 000 Exemplare
Kontakt & Mediadaten
www.swp.de/unternehmen
unternehmen@swp.de
Telefon 0731 156-515
Fax 0731 156-481
Nächste Ausgabe
18. September 2009
Anzeigenschluss
28. August 2009
Top-Platzierung für Fritz & Macziol
Dem Ulmer Systemhaus Fritz & Macziol wurde
seine am Kunden ausgerichtete Unternehmensführung
bestätigt: Beim Wettbewerb „Deutschlands
Kundenchampions 2009“ erreichte es eine
Top-6-Platzierung als bestplatziertes IT-Unternehmen.
Initiatoren des Rankings sind das Unternehmermagazin
impulse, die Deutsche Gesellschaft
für Qualität und die forum! Marktforschung. Ziel
ist, am Beispiel der 50 bewerteten Unternehmen
aller Branchen den Erfolg nachhaltiger Service-
Zukunftssalon
zeigt Wege
durch die Krise
Über 150 Unternehmer und Unternehmerinnen
erhielten beim
fünften Zukunfts-Salon, einer
Veranstaltungsreihe des Forums
für Existenzgründerinnen und
Unternehmerinnen Ulm/Neu-
Ulm und der Ulmer Volksbank,
praktische Anregungen zum
Umgang mit der Wirtschaftskrise
von Dr. Bertold Ulsamer.
Ulsamer, erfahrener „Reiseführer
durch Krisen“, beeindruckte
mit Vergleichen aus dem Spitzensport.
Seiner Erfahrung
nach geht es unter anderem darum,
für sich selbst gut zu sorgen,
Ressourcen aus gut überstandenen
Krisen zu schöpfen
und alte Strategien auf ihre Anwendbarkeit
auf die heute sehr
veränderte Welt hin zu überprüfen.
Beim Abend wurde eine
Aktion des Forums, der Ulmer
Volksbank und des BVMW Bundesverband
mittelständische
Wirtschaft mit Karl-Heinz Raguse
abgeschlossen. Als soziales
Engagement von Forum und
Partnern ging eine Spende von
777,77 Euro ans Ulmer Projekt
„JAZz“. „JAZz“ steht für „Jung +
Alt = Zukunft zusammen“ und
unterstützt Schüler und Schülerinnen
beim Übergang von der
Schule ins Berufsleben.
Ravensburger
Leistungen
in Vorarlberg
und Kundenorientierung darzustellen. Für Heribert
Fritz, Geschäftsführer von Fritz & Macziol,
war die erstmalige Teilnahme eine Bestätigung:
„Fixpunkt unserer Orientierung ist und bleibt der
Erfolg unserer Kunden. Wir werden weiter nach
dem MOT-Prinzip Mensch-Organisation-Technik
handeln und mit Leistung und Image konsequent
unser Ziel verfolgen: mit zufriedenen Mitarbeitern
begeisterte Kunden mit hoher emotionaler
Bindung zu unserem Unternehmen machen.“
Sechs Unternehmen aus dem
Landkreis Ravensburg haben
sich auf einem Gemeinschaftsstand
bei der 20. „intertech“-
Technologiemesse in Dornbirn
(Vorarlberg) präsentiert. Organisiert
wurde der Auftritt von
der Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft
Landkreis Ravensburg (WiR) sowie
von den Wirtschaftsförderern
der Stadt Ravensburg, des
Bodenseekreises und des Landes
Vorarlberg. Die „intertech“ ist
eine der bedeutendsten internationalen
Technologiemessen im
Bodenseeraum. Präsentiert wurden
Neuheiten aus Robotik, Automatisierung,
Maschinenbau,
Fertigung und Arbeitssicherheit.
In Dornbirn präsentierten
sich neben anderen, die Firmen
Bolz Intec GmbH (Argenbühl),
die Peter Diem Systementwicklung,
die Nold Kunststoff-Technik
GmbH (Weingarten),
die Renoplast Kunststofferzeugnisse
GmbH (Weingarten), die
Jäckle Schweiß- und Schneidtechnik
GmbH (Bad Waldsee)
und die Pro Ion GmbH (Blitzenreute).
[!]
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ZELTE & CATERING e.K.
wir machen jeden Umzug mit!
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