Oldenburgische Wirtschaft März 2026
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
03 2026 Magazin der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer
Güterverkehr per Bahn
Die Wirtschaft
aufs Gleis bringen
Delegationsreise
nach Marokko
Junge Firma:
Nordwest-Wanddruck
Foto: © whitestorm_stock.adobe.com
Nachhaltigkeit
im Unternehmen
Ihre Investition in die Zukunft.
ESG zahlt sich aus.
Wachsen Sie mit unserem S-Transformationskredit für
nachhaltige Investitionsvorhaben, zum Beispiel in den
Bereichen Energieeffizienz, Elektromobilität oder
erneuerbare Energien. Weil’s um mehr als Geld geht.
Mehr dazu unter
lzo.com/transformation
Unsere Nähe bringt Sie weiter.
kommentiert
Foto: Foto - und Bilder w erk
Den Nordwesten gemeinsam
auf die Schiene bringen
Das Schienennetz im Nordwesten ist in Teilen überaltert,
störanfällig und an der Belastungsgrenze. Jahrzehntelange
Unterfinanzierung hat auch bei uns zu einem
massiven Sanierungs- und Modernisierungsstau
geführt. Die Folgen spüren Unternehmen, Beschäftigte
und Reisende gleichermaßen. Eine leistungsfähige,
resiliente Bahn ist jedoch zentrale Voraussetzung
für Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und die
Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene. Auch
sicherheitspolitisch gewinnt sie an Bedeutung: Militärische
Mobilität und kritische Infrastruktur rücken
stärker in den Fokus.
Mit der 2. Regionalen Bahnkonferenz für das
Oldenburger Land haben Politik, Wirtschaft und
Verbände deutlich gemacht, dass gemeinsames
Handeln der Schlüssel ist. Der zweigleisige und elektrifizierte
Ausbau der Strecke Oldenburg–Osnabrück
sowie der Ersatz zentraler Brückenbauwerke in Oldenburg
und Elsfleth-Ohrt sind unverzichtbar. Ebenso
wichtig sind nachhaltige Finanzierung, mehrjährige
Planungssicherheit und schnellere Verfahren
durch parallele Planungen und optimierte Prozesse.
Der geplante Neubau der Eisenbahnklappbrücke in
Oldenburg zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem
Strang ziehen. Entscheidend ist nun, Tempo zu halten:
mit verbindlichen Zeitplänen, klarer politischer
Priorisierung und transparenter Kommunikation der
Deutschen Bahn über Abläufe und Einschränkungen
bis zur Fertigstellung. Das Beispiel Elsfleth-Ohrt
belegt, dass abgestimmtes Vorgehen Jahre sparen
kann.
Als IHK erwarten wir, dass das Gemeinwohlinteresse
klar über Einzelinteressen gestellt wird. Der
Nordwesten ist eine Zukunftsregion mit kritischer Infrastruktur
– jetzt gilt es, sie entschlossen fit zu machen.
Felix Jahn
IHK-Geschäftsführer Verkehr
oldenburgische wirtschaft 03 2026
3
Kein Bock mehr?
Schmeiß’ hin und finde
einen Job, der Dich begeistert.
Das Jobportal der Marktführer.
Scan mich!
Arbeite bei den Besten
8 nicht
Das Potenzial des
Güterverkehrs auf
der Schiene ist längst
ausgeschöpft.
22
Einblicke ins marokkanische
Berufsbildungssystem.
Foto: ©Leeyintung_stock.adobe.com
Unser Thema
2. Bahnkonferenz Oldenburger Land 8
Zügige Planung: Brücken als Vorbild 10
Reaktivierung von Strecken 11
Fragen an den Verkehrsminister 12
Unsere Region
Digitale Kleinstsupermärkte 14
Wissenswertes zum Azubi-Ticket 16
Jubiläen 18
Benefits: Candyshop für Mitarbeiter 20
Junge Firma: Nordwest-Wanddruck 21
20
Benefits sind wertvolle
Instrumente, um Mitarbeiter
zu rekrutieren und zu halten.
Foto: CoolGraphics_stock.adebe.com
Foto: IHK/Werle
Ihre IHK
Delegationsreise Marokko 22
Biodiversität für Unternehmen 24
Fachkräfte aus Vietnam 27
Termine 31
Seminare und Lehrgänge 32
Online-Ausgabe: ihk.de/oldenburg/owi
oldenburgische wirtschaft 03 2026
5
spektrum
BAMF-Sprachkurse
Sprachkompetenz ist zentral für nachhaltige
Beschäftigung. Arbeits- und ausbildungsbegleitende
Berufssprachkurse unterstützen Unternehmen
und fördern die betriebliche Integration.
Wenn Integrationskurskapazitäten gekürzt
und Zulassungen für lernwillige Geflüchtete
ohne Teilnahmeanspruch durch das BAMF eingeschränkt
werden, entfällt eine wichtige vorgelagerte
Stufe des Spracherwerbs. Das birgt
Risiken: Verzögerte Sprachförderung führt erfahrungsgemäß
zu längeren Transferleistungsbezügen
und erschwert die Integration in Arbeit.
Damit Unternehmen die Kompetenzen
Geflüchteter – auch aus der Ukraine – nutzen
können, soll der Zugang zu Sprachangeboten
für diese Gruppe gesichert bleiben. Katrin Werle,
IHK-Fachkräfteberatung
Neue Strategien
Umgang mit
Ressourcen
Die Verfügbarkeit wichtiger Materialien
wird für Betriebe immer mehr zur Frage
des Erfolgs. Steigende Rohstoffpreise,
geopolitische Unsicherheiten und
schwankende Märkte fordern neue Strategien
in Einkauf und Produktion. Unsere
Fachveranstaltung am 28. April, 14
bis 18 Uhr, zeigt, wie Unternehmen diesen
Herausforderungen mit praxisnahen
Lösungen begegnen können – von Kreislaufwirtschaft
und Ressourceneffizienz
bis zu widerstandsfähigen Lieferketten
und neuen gesetzlichen Anforderungen.
Im Mittelpunkt steht der Erfahrungsaustausch
mit Expertinnen und Experten sowie
Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher
Branchen.
t1p.de/wm9uv
Erwerbsquote
Väter bleiben
seltener zuhause
In welchem Umfang Mütter und Väter
minderjähriger Kinder dem Arbeitsmarkt
zur Verfügung stehen, prägt
nicht nur den Familienalltag, sondern
wirkt sich auch auf gesellschaftliche
Strukturen und die Gesamtwirtschaft
aus. Wie das Landesamt für Statistik
(LSN) mitteilt, waren 2024 in Niedersachsen
76,8 Prozent der Mütter und
92,6 Prozent der Väter, die mit mindestens
einem minderjährigen Kind in einem
Haushalt lebten, erwerbstätig.
Landkreis
Cloppenburg
Stadt
Wilhelmshaven
Stadt
Oldenburg
Landkreis
Friesland
Landkreis
Oldenburg
Landkreis
Wesermarsch
Niedersachsen
Landkreis
Vechta
Landkreis
Ammerland
Statistik
Gründungsindex 2025
Der Landkreis Cloppenburg lag mit 83 Neugründungen pro
10.000 Einwohner an der Spitze im Oldenburger Land. Der Landkreis
Ammerland wies den niedrigsten Neugründungsindex aus.
22,0
Neugründungen je 10.000 Einwohner
Bei Vätern schwankte die Erwerbstätigenquote,
also der Anteil der Erwerbstätigen
an der Bevölkerung, unabhängig
vom Alter des jüngsten Kindes
zwischen 91,8 und 93,9 Prozent. Bei
Müttern zeigte sich hingegen ein deutlicher
Zusammenhang: Mit zunehmendem
Alter des jüngsten Kindes stieg
ihre Erwerbsbeteiligung. So waren
65,2 Prozent der Mütter mit Kindern
unter drei Jahren erwerbstätig.
78,2
78,1
78,1
77,0
75,8
74,9
73,0
71,9
82,9
Oldenburger
Land
78,4
32,0 42,0 52,0 62,0 72,0 82,0
Quelle: Landesamt für Statistik und Niedersachsen, IHK-Berechnungen
Foto: © goodluz_fotolia.com
6 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Verbraucherpreisindex
2024 Jahresdurchschnitt
2025 Jahresdurchschnitt
2025 Januar
2025 Dezember
2026 Januar
3,9
Prozent Bevölkerungswachstum wird bis
2045 in der Gemeinde Ganderkesee erwartet.
In den meisten niedersächsischen
Regionen hingegen wird ein deutliches Minus
von bis zu zehn Prozent prognostiziert.
Der Landkreis Ammerland kommt
mit minus 0,25 Prozent noch recht glimpflich
davon. t1p.de/rns23
Basis 2020 = 100
*) Veränderungen gegenüber dem Vorjahresmonat,
Quelle: Statistisches Bundesamt
119,3
121,9
120,3
122,7
122,8
%*)
+ 2,2
+ 2,2
+ 2,9
+ 1,8
+ 2,3
Wettbewerb
Weibliche Nachfolge
Der Verband der Unternehmerinnen
in Deutschland e. V. (VdU) zeichnet
mit dem „she succeeds award“
bereits zum neunten Mal erfolgreiche
Unternehmensnachfolgerinnen
aus. Die Sicherung der Nachfolge
in bestehenden Unternehmen
zählt längst zu einer der größten Herausforderungen
im Mittelstand. Bis
2030 suchen laut Institut für Mittelstandsforschung
rund 186.000 Unternehmen
eine Nachfolge. Gleichzeitig
ist der Anteil von Frauen, die
ein Unternehmen übernehmen und
den Schritt in die Selbstständigkeit
wagen, mit 21 Prozent weiterhin gering.
Anspruch und Wirklichkeit fallen
so weiterhin weit auseinander.
Mit dem Award kürt der VdU außergewöhnliche
Frauen, die diesen mutigen
Schritt als erfolgreich gegangen
sind. Der Preis ist in den Kategorien
„familieninterne Nachfolge“ und „externe
Nachfolge“ ausgeschrieben. In
der internen Kategorie müssen mindestens
zehn Mitarbeitende beschäftigt
sein, in der externen mindestens
fünf. Es gibt keine Einschränkungen
bezüglich der Branche. Nominierungsschluss
ist der 31. März.
t1p.de/ra5v2
Foto:©AndreyPopov_stock.adobe.com
Unser Pitch für Firmenkunden:
Wir kennen Ihre Pläne
und alle passenden
Fördermittel.
Hier alle
Vorteile
anschauen
Wir machen den Weg frei. Gemeinsam mit den Spezialisten der Genossenschaftlichen Finanz-
Gruppe Volksbanken Raiffeisenbanken: Bausparkasse Schwäbisch Hall, Union Investment, R+V
Versicherung, easyCredit, DZ BANK, DZ PRIVATBANK, VR Smart Finanz, DZ HYP, MünchenerHyp,
Reisebank.
oldenburgische wirtschaft 03 2026
7
Unser Thema
2. Bahnkonferenz Oldenburger Land
Allianz für
die Schiene
Foto: ©Sticha.Camphol_stock.adobe.com
Lange wurde die Bahn kaputtgespart. Dank Milliardeninvestitionen
sollen Stillstand und Verfall nun ein Ende haben.
Auf der 2. Regionalen Bahnkonferenz herrschte deshalb
vorsichtiger Optimismus.
Von Berit Böhme und Elisabeth Ahrends
8 oldenburgische wirtschaft 03 2026
ZZu alt, zu störanfällig,
zu voll. Das Schienennetz
im Nordwesten
ist deutlich in die Jahre
gekommen. Jahrzehntelange
Unterfinanzierung
sorgte für
einen massiven Sanierungs- und Modernisierungsstau.
So blieb auch die
Verlagerung des Güterverkehrs von der
Straße auf die Schiene vielerorts auf der
Strecke.
Das könnte sich nun dank des milliardenschweren
Sondervermögens
Schiene des Bundes ändern. Sofern die
Fördermittel gezielt aufs Gleis gebracht
werden und alle wesentlichen Akteurinnen
und Akteure an einem Strang
ziehen. Darin waren sich die Expertinnen
und Experten kürzlich auf der
„2. Bahnkonferenz für das Oldenburger
Land“ einig. Gut 90 Gäste aus Politik
und Wirtschaft folgten der Einladung
des Kooperationsverbundes „Das
Oldenburger Land“ (DOL) und der IHK.
Nachhaltige Finanzierung
„Elementar ist die nachhaltige Finanzierung
und möglichst einfache und schnelle
Planungsprozesse“, sagte Ute Plambeck,
Konzernbevollmächtigte der Deutschen
Bahn AG für die Länder Bremen, Hamburg,
Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Sie verwies auch auf den „großen Nachholbedarf“.
Teufelskreis durchbrechen
Allein 2026 werde es bundesweit
28.000 Bahnbaustellen geben. „Für
das große Bauprogramm brauchen wir
die Industrie maßgeblich.“ Die sei dabei
aber auf eine verlässliche Finanzierung
angewiesen, um wiederum selbst
nachhaltig in Technik und Wissen zu
investieren. Zugleich müsse man heraus
aus dem Teufelskreis von „Gas geben
und Bremsen“, den die vorläufige
Haushaltsführung des Bundes in den
Jan Müller, Ute Plambeck und Grant Hendrik Tonne (v.l.).
vergangenen Jahren verursacht habe. DOL-Region Petra Gerlach. „Wir müssen
„Wir brauchen einen mehrjährigen Planungsprozesse parallelisieren“, betonte
Planungshorizont“, sagte die Bahnbevollmächtigte
der Minister. Dadurch ließen sich
und verwies auf die erfolgreichen
bei der Umsetzung Jahre sparen, unterstrukturfinanzierungen
mehrjährigen Bahn-Infrastrich
Plambeck. Denn der Nordwesten
in Österreich sei eine Zukunftsregion mit kritischer
und der Schweiz.
Infrastruktur, die es jetzt fit zu machen
gelte. Auch vor dem Hintergrund der immer
Sanierung und Digitalisierung
stärker in den Fokus rückenden mi
„Die Infrastruktur aus dem laufenden litärischen Mobilität, so der Tenor der
Haushalt ins Laufen zu bringen ist nicht Konferenzteilnehmer.
machbar“, bekräftigte auch der Ammerländer
Bundestagsabgeordnete und
Öffentliches Interesse
Haushaltspolitiker Dennis Rohde (SPD). Hilfreich für mehr Planungseffizienz
Deshalb sei es richtig, ein Sondervermögen
und -schnelligkeit könne die Einstugen.
für die Infrastruktur aufzulefung
von Bahnprojekten als „überra
Allein 107 Milliarden Euro will gendes öffentliches Interesse“ sein.
der Bund in den kommenden vier Jahren
Diese Karte gelte es allerdings nicht zu
allein in die Schiene investieren, überreizen, mahnte Rohde.
führte Rhode noch einmal vor Augen. „Wir haben uns heute das gegenseitige
Er mahnte aber zugleich: „Geld allein
Versprechen gegeben, die Planun
macht noch keine pünktlichen Züge.“ gen zu beschleunigen. Dafür sind wir
Wichtig sei es bei den Investitionen Sanierung
hier vor Ort bereit, alle an einem Strang
und Digitalisierung vorrangig zu ziehen“, betonte Müller. Unterhaken
zu betrachten – „und Prozesse zu optimieren,
und miteinander aktiv werden, lautet
um schneller zu werden“. die Prämisse. Dabei müsse das Gemein
wohlinteresse über den Interessen Einzelner
Prozesse parallelisieren
stehen. „Gemeinsame Ziele de
Das unterstrichen auch IHK-Präsident finieren, in eine Richtung ziehen und
Jan Müller, Niedersachsens Wirtschafts- Hindernisse zusammen aus dem Weg
und Verkehrsminister Grant Hendrik
räumen – so kommt man schneller ans
Tonne und die Vorsitzenden der Ziel“, resümierte
Plambeck.
Foto: IHK/Ahrends
oldenburgische wirtschaft 03 2026
9
Unser Thema
Infrastruktur
Brücken als Impulsgeber
Zur maroden Schieneninfrastruktur gehören die Eisenbahnbrücken über die Hunte in Oldenburg
und in Elsfleth-Ohrt. Gleichzeitig sind beide Vorbilder für beschleunigte Planung.
SSie ist Jahrgang 1955 und ein
störanfälliges Nadelöhr für
Bahn und Schiffahrt: Die Oldenburger
Eisenbahn-Rollklappbrücke
über die Hunte.
„Allen Beteuerungen zum Trotz ist diese
Brücke ein untragbarer Zustand und
eine Belastung für die Wirtschaft und
den gesamten Nordwesten“, kritisierte
IHK-Präsident Jan Müller noch Mitte Januar
die Entwicklungen. Kurz zuvor war
bekannt geworden, dass sich das Bauwerk
nicht mehr öffnen lässt – mit erheblichen
Auswirkungen für den Schiffsverkehr
im Hafen. Müllers Worte waren
deutlich: „Es braucht jetzt einen Neubau.
Die Geduld der Region ist am Ende!“
Einigkeit statt Zwist
Der Ärger schweißte die Beteiligten zusammen.
Statt sich mit gegenseitigen
Schuldzuweisungen aufzuhalten, arbeiteten
Wirtschaft, Politik und Deutsche
Bahn (DB) im Rahmen eines Runden
Tisches an einer Lösung. Und
präsentierten schon wenige Tage später
ihr Ergebnis: eine neue, feste Bahnbrücke
über die Hunte samt neuem Stellwerk
als logistischem Knotenpunkt und
neuer Pferdemarktbrücke. Bis Mitte der
2030er-Jahre soll dafür ein Millionenbetrag
investiert werden.
Gemeiscnhaftsaufgabe Infrastruktur
Das Beispiel aus Oldenburg zeigt, dass
gemeinsam mehr erreicht werden
kann. Das betonte auch Ute Plambeck,
Konzernbevollmächtigte der DB für
Norddeutschland, auf der IHK-Bahn-
Die Brücke bei Elsfleth wird nach dem
Vorbild der Friesenbrücke neu gebaut.
konferenz. „Man muss Infrastruktur
als Gemeinschaftsaufgabe betrachten“,
sagte sie. „Wir werden damit wahrgenommen“,
ergänzte Müller. Um ein
Thema, wie den Brückenneubau voranzutreiben
brauche es aber einen
Kümmerer, betonte der IHK-Präsident.
„Und wenn es eine Steuerungsgruppe
mit mehreren Akteuren ist. Es muss jemand
das Ganze in die Hand nehmen.“
Nicht bei Null beginnen
Selbst dann ist gemeinsames Agieren
nur ein Teil der Lösung. Zugleich spielen
Zeit und Geld eine entscheidende
Rolle, um Projekte wie den Eisenbahnbrückenneubau
in Oldenburg zu realisieren.
Dabei zeigt sich der Nordwesten
ebenfalls als Vorreiter. Stichwort ist die
Friesenbrücke im Landkreis Leer: Sie
diente als Grundlage für den Neubau der
ebenfalls beschädigten Huntebrücke in
Elsfleth-Ohrt – ganz nach dem Prinzip
„copy and paste“, wie Plambeck es nannte.
Denn die Eisenbahnbrücke über die
Hunte wird als technisches Duplikat der
Friesenbrücke, die bei Weener über die
Ems führt, errichtet werden. Dadurch
könnten die Planungen um mehrere Jahre
verkürzt werden. Bis zu vier Jahre,
wie die Konzernbevollmächtigte für das
Beispiel in der Wesermarsch sagte. Zugleich
waren Vergabe- und Planfeststellungsverfahren
gemeinsam angeschoben
worden, um auch dabei die Effizienz
zu steigern. Ziel ist so eine Fertigstellung
bis Ende 2027/Anfang 2028
Bleibt die Frage nach dem Geld. „Bei
der Infrastruktur wurde lange auf Verschleiß
gefahren, nun gibt es eine Kehrtwende
im Bund“, sagte Niedersachsens
Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne.
Umso wichtiger sei es, die Bedeutung
der Bahninfrastruktur im Zulauf der
Häfen in den Fokus zu rücken. Denn die
spielt längst nicht mehr nur aus touristischer
und wirtschaftlicher Sicht eine
bedeutende Rolle, sondern wird auch für
die militärische Mobilität immer wichtiger.
„Wir sind eine Zukunftsregion“,
ist sich der Parlamentarische Staatssekretär
beim Bundesminister der Finanzen,
Dennis Rohde, sicher. Und künftig
hoffentlich auch dank ihrer zukunftsweisenden
neuen Brückenbauwerke.
Elisabeth Ahrends
Foto: Torsten von Reeken
10 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Foto: GS Genossenschaft
GS in Garrel hat
Millionen in die
Schienenanbindung
investiert.
Reaktivierungen haben viel Potenzial
Für mehr Gleisanschlüsse
Ein Güterzug ersetzt 50 bis 60 Schwerlasttransporte auf der Straße. Reaktivierungen von
Gleiskörpern könnten mehr Frachten auf die Schiene bringen.
DDie Verlagerung des Güterverkehrs
von der Straße
auf die Schiene ist bei
vielen Unternehmen noch
Zukunftsmusik. Nicht so
bei GS Die Genossenschaft eG in Garrel.
Seit Frühjahr 2025 rollen dort Züge
über den firmeneigenen Gleisanschluss
zum Mischfutterwerk in Garrel. GS-Vorstand
Cord Schiplage berichtete auf der
IHK-Bahnkonferenz von seinen Erfahrungen
mit dem Gleisanschluss.
Anschluss mit Potenzial
Der Inbetriebnahme und Anbindung an das
öffentliche Bahnnetz ist eine lange Planungsphase
vorausgegangen. „Eine multimodale
Anbindung gab es nicht“, sagte
Schiplage. „2018 gab es die ersten Planungen.“
Die Gesamtkosten des Vorhabens
bezifferte er mit 15 Millionen Euro. „Das
wird sich mit dem Blick nach vorne wirtschaftlich
lohnen“, ist Schiplage überzeugt.
„Das Thema wird Fahrt aufnehmen.“
Das „Löschen“ der Getreidewaggons
geht bei GS dank ausgeklügelter Rangierhilfe
und moderner Anlage mit einer Annahmeleistung
von 400 Tonnen pro Stunde
schnell über die Bühne. Das Lager
könne effizient und schnell befüllt werden,
heißt es seitens der Genossenschaft.
Dank der Nutzung der Schiene spart die
GS „dutzende Lkw-Fahrten pro Lieferung“
ein. Und reduziert somit deutlich die
CO 2
-Emissionen und die straßenseitige
Verkehrsbelastung in der Region. Neben
dem Klimaschutz sei auch der wachsende
Mangel an Lkw-Fahrern ein Beweggrund
für das Setzen auf die Schiene.
Das Beispiel hat Schule gemacht. Auch
andere Unternehmen in Garrel und Friesoythe
liebäugeln mit der Schiene. Etwa
für den Umschlag von Kies und Holz. Dafür
müsste die Strecke bis zur Stadtgrenze
von Friesoythe ertüchtigt werden.
Strecke Blexen-Nordenham
Kronos Titan in Nordenham wünscht sich
eine Reaktivierung der sechs Kilometer
langen Bahnstrecke Nordenham - Blexen.
Bislang würden die Rohstoffe vom Schiff
auf den Lkw umgeladen, sagte Werksleiter
Carsten Büsing. „Wir müssen gucken,
dass wir auf ein anderes System umstellen.“
Neben dem Fahrermangel sei auch
CO 2
-Neutralität ein Faktor. Und Kronos
stehe mit seinen Bahnanschluss-Plänen
nicht alleine da. „Wir in Nordenham haben
einen sehr guten Schulterschluss.“
Das habe sich schon bei dem Vorhaben
„H2-Marsch“ für eine Wasserstoffleitung
in Richtung Nordenham bewährt.
Carla Eickmann vom Niedersächsischen
Verkehrsministerium verwies auf
die Verschränkungen von Güter- und Personennahverkehr.
Die Entwicklung des
Schienenpersonennahverkehrs (SPNV)
könne im Nachgang auch den Güterverkehr
beflügeln. „SPNV ist aber nicht das
Allheilmittel. Da wo Schienenreaktivierung
funktioniert ist, wo man gute, starke
Unternehmen hat.“
Eickmann verwies aber auch auf die
beschränkten Möglichkeiten des Landes
aufgrund der Zuständigkeiten. „Die Strecke
Oldenburg-Osnabrück müsste eigentlich
vom Bund elektrifiziert werden.“
Auch die Arbeitsgemeinschaft „Das
Oldenburger Land“ (Arbeitsgemeinschaft
der Landkreise und kreisfreien Städte in
unserer Region) und die IHK fordern schon
lange eine Elektrifizierung und den zweigleisigen
Ausbau der Strecke.
Nutzen-Kosten-Index
Die Landesregierung bewertet in regelmäßigen
Abständen die Chancen für Reaktivierungen
von Strecken. Dafür werden
die Kosten und Nutzen gegeneinander gestellt.
Als lohnenswert gilt ein „Nutzen-
Kosten-Index“ über 1. Die Strecke Blexen-Nordenham
wurde im Sommer 2025
mit einem NKI von 6,33 eingestuft. Die Infrastrukturinvestitionen
werden auf rund
44 Millionen Euro geschätzt, die Planungskosten
auf 8,1 Millionen und die Betriebskosten
auf 1,3. Aber von der Papierlage ist
es noch ein weiter Weg bis zu ersten Maßnahmen.
Berit Böhme
oldenburgische wirtschaft 03 2026
11
Unser Thema
Schiene als Wirtschaftsfaktor
Der Gütertransport auf der Schiene ist nicht nur in ökologischer Hinsicht ein Gewinn. Wir fragten
Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD), wie er gestärkt werden kann.
WWo sehen Sie den
größten Handlungsbedarf?
Im Zustand des bestehenden
Schienennetzes.
Die notwendige Sanierung zentraler
Strecken ist unvermeidlich, verursacht
aber erhebliche Einschränkungen.
Gleichzeitig besteht auch abseits der
Hauptachsen ein hoher Erneuerungsbedarf.
Der Schaden an der Huntebrücke
in Oldenburg hat gezeigt, wie schnell
einzelne Defekte große Auswirkungen
haben können. Zwar wurde der Schaden
zügig behoben, er verdeutlicht jedoch
den Bedarf an früherer und systematischer
Erneuerung, häufig erst nach einer
Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik.
In Oldenburg gilt daher:
erst neues Stellwerk, dann neue Brücke.
Vorrangig müssen bestehende Engpässe
im Netz beseitigt werden, insbesondere
im Schienengüterverkehr.
Bevor über neue Hochgeschwindigkeitsstrecken
diskutiert wird, muss das
bestehende Netz leistungsfähiger werden.
Dafür braucht es einfachere Finanzierungsstrukturen.
Die InfraGO ist ein
richtiger Ansatz, reicht aber nicht aus.
Zudem sind die vom Bund bereitgestellten
Mittel insgesamt nicht ausreichend.
Welche Prioritäten setzt das Land beim
Ausbau der Schienen- Infrastruktur?
Da das Netz überwiegend dem Bund gehört,
liegt die Hauptverantwortung dort.
Das Land setzt sich für den Ausbau von
Strecken und Knotenpunkten ein, insbesondere
zur besseren Anbindung der
Häfen. Elektrifizierung und Kapazitätsausbau
sind zentrale Ziele des Bundes-
Grant
Hendrik
Tonne
verkehrswegeplans 2030. Im Schienenpersonennahverkehr
unterstützt das
Land Investitionen, etwa in Bahnhöfe.
GVFG-Maßnahmen werden kofinanziert,
auch nicht bundeseigene Strecken
erhalten Landesförderung. Vorrang hat
die kurzfristige Stabilisierung und Leistungssteigerung
des Netzes.
Die Seehäfen haben eine Schlüsselrolle
für den Wirtschaftsstandort, die Energiewende,
Sicherheit und Verteidigung.
Wann rücken Redundanzen bei Schienenanbindung
und -netz in den Fokus?
Die steigenden Transportmengen unterstreichen
die Bedeutung der Seehäfen
im Nordwesten. Zusätzliche Kapazitäten
werden bereits für Energiewende
und militärische Mobilität genutzt. Um
Ausfälle zu vermeiden, habe ich dem
Bund ein eigenes Finanzierungsinstrument
für besonders störanfällige Infrastrukturen
vorgeschlagen.
Der weitere Ausbau wird durch
neue Anforderungen komplexer. Hier
braucht es klare Zuständigkeiten und
verlässliche Finanzierung. Ergänzend
kann die Binnenschifffahrt stärker ge-
Foto: IHK/Böhme
nutzt werden, etwa über standardisierte
Mikrokorridore.
Die Elsflether Brücke zeigt, wie schnell
Planung sein kann. Wie erreichen wir
die gleiche Geschwindigkeit für den
Schienenausbau und den Neubau der
Oldenburger Bahnbrücke?
Die Projekte in Oldenburg und Elsfleth
sind nicht direkt vergleichbar. In Oldenburg
ist zunächst der Bau eines
neuen Stellwerks erforderlich. Zudem
muss geklärt werden, welche Anforderungen
die neue Brücke künftig erfüllen
soll. Diese Fragen werden derzeit
mit der Deutschen Bahn (DB) und der
Region abgestimmt, ebenso die Finanzierung.
Bis zum Baubeginn bleibt die
bestehende Brücke in Betrieb. Die DB
sorgt durch eine umfassende Instandsetzung
für einen sicheren Zustand.
Welche Strategie verfolgt Niedersachsen,
um den Ausbau der Schiene im
Nordwesten zu finanzieren?
Aus Sicht des Landes sollte der Bund
seine Mittel ausgewogen einsetzen und
den Fokus stärker auf die Leistungsfähigkeit
des bestehenden Netzes legen.
Zusätzliche Kapazitäten müssen dort
geschaffen werden, wo sie kurzfristig
benötigt werden.
Im Nahverkehr beteiligt sich das
Land mit eigenen Mitteln, um Angebot
und Elektrifizierung voranzubringen.
Auch der Deutschlandtakt muss so ausgestaltet
werden, dass der Nordwesten
davon profitiert. Dabei ist festzuhalten,
dass der aktuelle Fokus stark auf dem
Hochgeschwindigkeitsverkehr liegt.
Interview: Elisabeth Ahrends
12 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Garrel hat jetzt
einen Hafen.
Weichen stellen für die Rohwarenlogistik von morgen.
Unser neuer Gleisanschluss in Garrel ist mehr als Infrastruktur – er ist eine
Einladung. Als GS agri verlagern wir Transporte konsequent auf die Schiene:
weniger Lkw-Verkehr, geringere Emissionen, neue logistische Spielräume
für die gesamte Region.
Wenn auch dein Unternehmen von direkter Schienenanbindung in der
Rohwarenlogistik für Futtermittel profitieren kann, sprechen wir gerne über
eine gemeinsame Nutzung – und eine Partnerschaft, die sich für alle rechnet.
Du bist unser Partner
für zukunftsfähige Logistik?
Wir sind bereit.
oldenburgische wirtschaft 03 2026
13
Unser Thema
Einzelhandel auf dem Land
Kompakt
aber oho
Einkaufen
auf
dem Land
hat wieder
eine Perspektive.
Digitale Kleinstsupermärkte können Versorgungslücken
auf dem Land schließen. Im Oldenburger Land sind sie aber
erst vereinzelt anzutreffen.
Von Berit Böhme
Foto: Tante Enso
MMal eben fußläufig
ein paar Besorgungen
machen
oder um
die Ecke den Wocheneinkauf
erledigen?
Für viele Menschen „auf dem
Land“ ist die wohnortnahe Versorgung
schon längst nicht mehr gegeben. Digitale
Kleinstsupermärkte, neudeutsch
auch Smart Stores genannt, können
Versorgungslücken in ländlichen Regionen
schließen. Auch als Ergänzung zu
klassischen Hofläden.
„Instrument der Daseinsvorsorge“
Niedersachsenweit ist das Geschäftsmodell
im Kommen, es gibt nach
14 oldenburgische wirtschaft 03 2026
IHK-Informationen bereits etwa 90 digitale
Kleinstsupermärkte. „Smart Stores
sind mehr als nur Mini-Supermärkte
und keinesfalls ein vorübergehender
Trend. Sie sind inzwischen ein ernstzunehmendes
Instrument der Daseinsvorsorge“,
sagt die Hauptgeschäftsführerin
der IHK Niedersachsen, Monika
Scherf. „Diese innovativen Handelskonzepte
verbinden digitale Technologien
mit realen Bedürfnissen und
geben Menschen in unterversorgten
Regionen eine konkrete Perspektive.“
Nicht nur Lebensmittel
Charakteristisch für die niedersächsischen
Konzepte sind Verkaufsflächen
von bis zu 500 Quadratmetern, ein minimaler
Personaleinsatz und vollautomatisierte
Abläufe. Immer mehr Standorte
gehen dabei bewusst über den
reinen Lebensmitteleinkauf hinaus:
Bankautomaten, Postservices oder sogar
telemedizinische Angebote machen
die Läden zu multifunktionalen Anlaufstellen
im Ort. „Damit leisten sie einen
messbaren Beitrag zu gleichwertigen
Lebensverhältnissen, auch jenseits der
Ballungsräume“, betont Scherf.
Hybrides Konzept „Tante Enso“
Rund ums Oldenburger Land, etwa
rechts der Weser, in Ostfriesland oder
im Emsland, sind bereits mehrere
Smart Stores zu finden. Im Oldenburger
Land hingegen ist es bislang
nur einer: ein „Tante Enso“ in Seefeld
(Kreis Wesermarsch). Er öffnete seine
Pforten im Sommer 2025. Tante Enso
hat bundesweit bereits über 80 Filialen.
„Es können sich immer Dörfer bei
uns bewerben um einen Tante Enso“,
sagt Jessica Renziehausen von der
Enso ECommerce GmbH. Der Anbieter
„hat personalbesetzte Zeiten und ist
ein Vollversorger-Supermarkt auf kleiner
Fläche, im Schnitt 230 Quadratmeter.“
Das Sortiment sei üppiger als bei
manchem Discounter. Die Voraussetzungen
für einen Standort: „Zwischen
1000 bis 3000 Einwohner und im Umkreis
von fünf Kilometern kein anderer
Supermarkt. Toll ist, wenn es im Ort
Leerstand gibt und eine geeignete Immobilie,
in die Tante Enso als Mieterin
einziehen kann.“
Autonome C-Boxen
Die Bünting AG aus Nortmoor setzt auf
autonome „C-Boxen“. „Eine C-Box bietet
rund 1400, 1500 Artikel“, so Bünting-Sprecherin
Johanna Ammermann.
Die Boxen beschränken sich bislang auf
das Emsland und Ostfriesland. Nach
dem Roll Out kann sich das Unternehmen
nach eigenen Angaben aber auch
Standorte im Oldenburger Land vorstellen.
„Grundsätzlich sehen wir weiterhin
großes Potenzial für Smart-
Store-Lösungen – insbesondere in der
ländlichen Nahversorgung. Nach den
ersten eröffneten Standorten erleben
wir durchweg positives Feedback sowie
eine große Dankbarkeit und Freude
in der Bevölkerung.“ Die Voraussetzungen
sind ähnlich wie bei Tante Enso,
gerne werden ehemaligen Bankfilialen
oder Bäckereien genutzt. „Neben klassischen
Kennzahlen spielen beispielsweise
auch lokale Besonderheiten eine
Rolle – etwa eine stark frequentierte
Straße, touristische Nachfrage oder
größere Arbeitgeber vor Ort. Ebenso
kann das Sortiment abhängig von Fläche
und Bedarf angepasst werden.“
Keine einheitlichen Regelungen
Rechtlich bewegen sich Smart Stores
laut IHKN in einem bundesweiten Flickenteppich:
In fünf Bundesländern
existieren bereits spezifische gesetzliche
Regelungen, in weiteren laufen politische
Debatten. Auch in Niedersachsen
wird derzeit über einen Gesetzentwurf
diskutiert, insbesondere im Hinblick
auf die Sonntagsöffnung. „Für viele
Smart Stores ist der Sonntag kein
Randthema, sondern wirtschaftlich
entscheidend“, betont IHKN-Handelssprecherin
Kathrin Wiellowicz. „Bis zu
30 Prozent des Umsatzes werden an
diesem Tag erzielt. Zu enge oder unklare
Vorgaben gefährden damit genau
die Versorgungsangebote, die unsere
ländlichen Räume dringend brauchen.“
Die IHKN appelliert an die Landesregierung,
schnell klare, praxistaugliche
und unbürokratische Regeln für Smart
Stores zu schaffen.
Wirtschaftlichkeit ein Muss
„Wir sind bereits in gutem Austausch
mit der Politik“, heißt es seitens Tante
Enso. „Bisher gibt es keine Einschränkungen,
und wir wünschen uns natürlich,
dass dies so bleibt.“ Sachsen-Anhalt
habe 2025 ein „sehr zeitgemäßes Gesetz
für hybride Smartstores wie unsere auf
den Weg gebracht; auch mit einer Flächenbegrenzung
bis 400 Quadratmetern
könnten wir leben, Nur 150 Quadratmeter
wie in Bayern sind ein Problem – damit
lässt sich kein Vollversorgungssortiment
barrierefrei anbieten und auch
noch wirtschaftlich betreiben.“
„Die Sonntagsöffnung ist für das
wirtschaftliche Funktionieren personalloser
Smart Stores grundsätzlich ein
wichtiger Bestandteil des Konzepts“,
sagt die Bünting-Sprecherin. „Dabei
ist uns wichtig zu betonen, dass sonntags
keine Tätigkeiten vor Ort stattfinden
– es wird weder Ware verräumt
noch werden andere Arbeiten ausgeführt,
auch wenn Regale zeitweise leer
sein sollten. Mehrere Bundesländer wie
Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg
haben bereits rechtliche Regelungen
geschaffen, an denen wir uns derzeit
orientieren. Die Entwicklungen in
Niedersachsen verfolgen wir aufmerksam
und begrüßen eine klare rechtliche
Grundlage für digitale Nahversorgungskonzepte.“
oldenburgische wirtschaft 03 2026
15
Unsere Region
Vergünstigt unterwegs im Öffentlichen Personennahverkehr
Einfach zum Azubi-Ticket
Es brauchte einen langen Vorlauf, doch zum Jahresbeginn ging endlich das Azubi-Ticket an
den Start. Das Wesentliche in Kürze.
BBus und Bahn sind umweltfreundliche
Verkehrsträger.
Doch ihre Nutzung
ist vielerorts eine kostspielige
Angelegenheit – gerade
für junge Menschen mit knappem
Lehrlingsgehalt. Günstige und unkomplizierte
Abhilfe schafft seit Januar das
Azubi-Ticket Niedersachsen. Die offizielle
Abkürzung „D-Ticket Azubi NI“
klingt etwas abschreckend. Dahinter
verbirgt sich aber ein lohnenswertes,
landesweit erhältliches, ermäßigtes
Deutschlandticket.
Land gewährt Zuschuss
Nutznießerinnen und Nutznießer des
neuen Angebots sind Auszubildende in
betrieblicher oder schulischer Ausbildung.
Sowie Menschen, die ein Freiwilliges
Soziales Jahr, ein Freiwilliges
Ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst
leisten. Vorausgesetzt,
ihr Wohn-, Dienst- oder Ausbildungsort
liegt in Niedersachsen. Das Land
Niedersachsen gewährt einen Landeszuschuss
von 20 Prozent auf den jeweils
Foto: ©M.Schuppich_stock.adobe.com
aktuellen Deutschlandticket-Preis. Der
liegt momentan bei 63 Euro im Monat.
Arbeitgeberbeteiligung
Beteiligt sich ein Arbeitgeber oder eine
Arbeitgeberin über ein D-Jobticket
als Basis, ist laut Tarifbestimmungen
zum Deutschlandticket ein Arbeitgeber-Mindestzuschuss
von 25 Prozent
erforderlich. Das Ticket kostet dann
maximal 31,50 Euro im Monat.
Beispielrechnung
Deutschlandticket: 63 Euro
• minus Rabatt Job-Ticket:
3,15 Euro (5 Prozent)
• minus Anteil Ermäßigung durch
das Land (20 Prozent): 12,60 Euro
• minus Anteil Ermäßigung durch
Arbeitgeber/Arbeitgeberin
(25 Prozent): 15,75 Euro
= monatlicher Ticketpreis: 31,50 Euro
Bei einem höherem Arbeitgeber
Zuschuss sinkt der Ticketpreis entsprechend.
Das Azubi-Ticket ist eine
vergünstigte Variante des
Deutschlandtickets.
Ticket ohne Arbeitgeber-Zuschusss
Sollte es keine Arbeitgeberbeteiligung geben,
zum Beispiel bei schulischen Ausbildungen,
bezuschusst das Land – quasi als
Rückfallebene – ein reguläres Deutschlandticket
ebenfalls mit 20 Prozent.
Beispielrechnung
Deutschlandticket: 63 Euro
• minus Anteil Ermäßigung durch
das Land (20 Prozent): 12,60 Euro
= monatlicher Ticketpreis: 50,40 Euro
Der Landeszuschuss ist unmittelbar im
Ticketpreis berücksichtigt. Berechtigte
müssen keine Förderanträge oder ähnliches
stellen.
Zentrale Vertriebsstelle
Die Niedersachsentarif GmbH (NITAG)
übernimmt als zentrale Vertriebsstelle
die Ticketabwicklung. Arbeitgeber oder
Arbeitgeberinnen melden ihre Azubis
direkt an. Berechtigte ohne Arbeitgeberbeteiligung
beantragen selbst und
laden Nachweis hoch. Die Ausgabe erfolgt
vorrangig als digitales Barcode-Ticket.
Das Ticket steht unmittelbar nach
Kaufprozess zur Verfügung. Eine Bereitstellung
als Chipkarte ist möglich,
hat aber einen gewissen Vorlauf.
Die IHK Niedersachsen hatte sich
in den vergangenen Jahren mit Nachdruck
für eine landesweite Lösung eingesetzt.
Ziel war, Azubis den Studierenden
gleichzustellen. Letztere profitieren
seit vielen Jahren von günstigen Sondertickets.
azubiticket-niedersachsen.de
16 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Förderprojekte der Metropolregion Nordwest
Akzente zur Energiewende
Drei Pilotprojekte aus den Bereichen
maritime Wirtschaft, standorte Wilhelmshaven
moniak werden die Hafen-
Bauwesen und Wärmeversorgung
zeigen exemplarisch, wie künftigen Einsatz klimaneuund
Bremerhaven auf den
Klimaschutz, regionale Wertschöpfung
und gesellschaftreitet.
Ammoniak gilt als viel-
traler Schiffskraftstoffe vorbeliche
Beteiligung erfolgreich versprechender Energieträger,
miteinander verknüpft werden stellt aufgrund seiner Toxizität
können. Sie werden von der jedoch hohe Anforderungen an
Metropolregion Nordwest mit Sicherheit und Infrastruktur.
insgesamt 300.000 Euro geförderttiver
Sicherheits- und Notfall-
Ziel ist die Entwicklung präven-
Einen wichtigen Beitrag konzepte, die gesundheitliche,
zum Klimaschutz kann die Dekarbonisierung
der Schiff-
Risiken systematisch erfassen
ökologische und technische
fahrt leisten. Mit dem Projekt
zur Risikobewertung Das Reallabor Urban Mi-
und bewerten.
bei der Bunkerung von Amning
setzt auf die Vermeidung
von CO₂-Emissionen durch
Minderung des Ressourcenverbrauchs
im Bauwesen. Das
Projekt erprobt praxisnah die
hochwertige Wiederverwendung
von Baustoffen wie Ziegeln,
mineralischem Bauschutt
und Porenbeton, um
Materialkreisläufe zu schließen.
In enger Zusammenarbeit
von Bauwirtschaft, Kommunen
und Forschung werden
technische, rechtliche und
wirtschaftliche Fragestellungen
untersucht sowie standardisierte
Verfahren für eine
Foto: ©Kalyakan_stock.adobe.com
breite Markteinführung entwickelt.
Akzeptanz ist entscheidend
für die Energietransformation.
Hier setzt das Projekt
Erdwärmenetze – genossenschaftliche
CO₂-freie Wärmeversorgung
an. Die Erdwärme-
Dich eG realisiert in Bremen
ein genossenschaftliches
Energienetz, das Erdwärme
über Wärmesonden im Straßenraum
erschließt, auf niedrigem
Temperaturniveau verteilt
und über Wärmepumpen
nutzbar macht.
Unsere Häfen.
Ihre Zukunft.
www.nports.de
Folgen Sie uns auf
oldenburgische wirtschaft 03 2026
17
Jubiläen
150 Jahre
H. Thamann & Leiber GmbH
(Agarhandel)
Bahnhofstr. 24
49434 Neuenkirchen-Vörden
Maximilian und
Annette Maria
Hallerstede
Foto: Hallerstede
50 Jahre
Krentscher GmbH & Co. KG
(Immobilienverwaltung)
Kreyenstr. 41
26127 Oldenburg
Gerold Warntjen
(Versicherungsvertreter)
In der Loge 3
26655 Westerstede
175 Jahre Hallerstede, Oldenburg
Ob ikonische Handtasche, modernes Reisegepäck, ergonomischer Schulranzen oder praktischer
Business-Rucksack – bei Hallerstede werden Suchende fündig. Maximilian und
Katja Hallerstede leiten das inhabergeführte Familienunternehmen in sechster Generation.
Der Fachhändler bietet mit seinem Stammhaus in der Oldenburger City, einem Outlet
in Oldenburg, einer Filiale in Bad Zwischenahn und im Online-Store „ein ganzes Universum
für jede Altersklasse. Egal ob für Reisende, Pendler oder Fashionliebhaber. Wir wollen den
Kunden vom ersten Schulranzen bis zur letzten Handtasche im Laufe des Lebens begleiten.“
Uwe Onken GmbH (Großhandel
für Betriebsbedarf)
Schwarzer Weg 23/29
26215 Wiefelstede
Ralf Jens
(Einzelhandel mit Food und
Non Food Artikeln)
Butjadinger Str. 25
Elisabeth Rechtien-Funke
(Kosmetikstudio)
Beethovenstr. 29
49456 Bakum
Ingrid vom Felde
(Einzelhandel mit Nahrungsund
Genussmitteln)
Beethovenstr. 10
25 Jahre
26954 Nordenham
Alexander Lübben
49429 Visbek
INKARHO GmbH
Olaf-Dirk Riedel (KfZ-Handel)
(Gastgewerbe)
Detlef Brüner
Brannenweg 5 a
Walter-Flex-Weg 1
Am Hogen Hagen 1
(Transportunternehmen)
26160 Bad Zwischenahn
27753 Delmenhorst
26160 Bad Zwischenahn
Ringstr. 15, 49401 Damme
Netzwerk für Arbeitgeber
Job-Inklusion
Hannover. Wie können Unternehmen
Inklusion besser umsetzen und davon
profitieren? Dieser Frage geht das neue
Foto: PathathaiChungyam
_Fotolia.com
Sachverständige
Die IHK hat am 13. Februar
2026 Herrn Michael Nobbe, c/o
Kfz-Sachverständigenbüro Wessel
& Nobbe PartG, Steinfelder Damm
23, 49451 Holdorf, als Sachver-
„Netzwerk Inklusion Niedersachsen“
formationen, Vernetzung und ein offe-
ständigen für „Kraftfahrzeugschä-
nach. Zielgruppe sind Arbeitgerberin-
ner Austausch im Vordergrund stehen“,
den und -bewertung“ öffentlich
nen und Arbeitgeber. „Das übergeord-
heißt es seitens der Initiatoren. Das
bestellt und vereidigt – und zwar zu-
nete Ziel soll die Inklusion von Menschen
nächste Treffen ist Anfang Juni geplant.
nächst für die Dauer von drei Jah-
mit Behinderungen in den allgemeinen
Kontakt für weitere Informationen:
ren.
Arbeitsmarkt sein. Außerdem sollen In-
landesbeauftragte@ms.niedersachsen.de
ihk.de/oldenburg (Nr. 3276220)
18 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Unsere Region
Teilhabe-Portal
Kooperationsbörse des EEN
Hannover. Das Portal REHADAT-Talentplus informiert
praxisorientiert zum Thema Arbeitsleben
und Behinderung. Nun wurde es durch
die neue KI-Suchassistentin „Ariadne“ erweitert.
Die KI soll Nutzerinnen und Nutzern den
Zugang zu komplexen Themen und Zusammenhängen
im Bereich der beruflichen Teilhabe von
Menschen mit Behinderungen erleichtern. Ariadne
kann sich bis zu zehn Fragen und Antworten
merken, sodass ein Dialog mit der KI-Assistentin
möglich ist. Alle Antworten werden mit
weiterführenden Links ergänzt. Das Portal richtet
sich an Betroffene und alle, die sich für ihre berufliche
Teilhabe einsetzen. Alle Angebote sind
barrierefrei und kostenlos zugänglich. REHADAT
ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft
Köln, gefördert vom Bundesministerium
für Arbeit und Soziales aus dem Ausgleichsfonds.
talentplus.de/ki-chat
Das Enterprise Europe Network
(EEN) ist das weltweit größte
Netzwerk von Informations- und
Beratungsstellen für kleine und
mittlere Unternehmen. Es bietet
eine Kooperationsbörse an.
Ein französischer Luft- und
Raumfahrtkonzern sucht konfigurierbare
Standard‐Motorcontroller
(COTS) zur präzisen Positionsregelung
von bürstenlosen
Aktuatoren. Gesucht werden
Unternehmen, die solche Controller
entwickeln und fertigen.
t1p.de/o5k09
Ein österreichisches Bauunternehmen
sucht Hersteller
von Betonfertigteilen, Ziegeln
und Leichtbetonsteinen zur Integration
nachhaltiger Mineralschaum‐Dämmstoffe.
Ziel ist der
Aufbau von Kooperationen mit
Produktions- und Planungsunternehmen
aus dem Bausektor.
t1p.de/135zh
Ein Unternehmen aus Litauen
sucht leichte Verbrennungsmotoren
für UAV‐Anwendungen. Gesucht
werden Motoren mit hoher
Leistungsdichte und vollständig
dokumentierten technischen Daten,
die effizient, vibrationsarm
und für anspruchsvolle Umweltbedingungen
geeignet sind.
t1p.de/bxayd
www.nehlsen.com
WIR HOLEN’S AB
Nehlsen – Ihr regionaler Partner
WIR SPIELEN FÜR SIE EINE
TRAGENDE ROLLE
BIS INS DETAIL.
Nehlsen AWG GmbH & Co. KG
Fuhlrieger Allee 2 | 26434 Wangerland/Wiefels
Tel.: 04461 9987- 0 | info.awg@nehlsen.com
www.stahlhallen-janneck.de
Zum Gewerbegebiet 23 49696 Molbergen 04475 92930-0
Nehlsen Cloppenburg GmbH & Co. KG
In der Riede 3 | 49692 Cappeln
Tel.04471 18432-0 | info.cappeln@nehlsen.com
oldenburgische wirtschaft 03 2026
19
Unsere Region
Foto: © CoolGraphics_stock.adebe.com
Jobräder haben
sich als Benefit
bewährt.
Wohltaten für die Mitarbeiter
Arbeitgebermarke stärken
Unternehmen müssen ihrer Belegschaft etwas bieten, um sie für sich zu gewinnen und zu
halten. Die Möglichkeiten der „Benefits“ sind breit gefächert.
W
Wer bei seinen (potenziellen)
Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern
punkten
möchte, muss sich
über gutes Gehalt hinaus etwas einfallen
lassen. Wie üppig die Möglichkeiten
sind und was dabei beachtet werden
muss, war jüngst Thema einer gemeinsamen
Veranstaltung der IHK und des
Arbeitgeberverbandes Jade bei Nordfrost
in Wilhelmshaven.
Von Gleitzeit bis Sachbezug
Steuerberater Enno Werdermann warb
für eine breite Sichtweise auf das Thema.
Auch Gleitzeit und Home Office seien
bereits Benefits. Unternehmen sollten
sich im Vorfeld der Auswahl fragen
„Was passt zu meiner Firma?“ Das wiederum
locke die Mitarbeiter an, „die
zum Unternehmen passen“. Manche
Benefits seien lohnsteuerfrei, andere
reduzierten die Lohnkosten.
Ein Klassiker ist das Jobticket. Bei
Rädern gebe es verschiedene Modelle.
Einmal das Bereitsstellen eines Firmenrads
„zusätzlich zum Gehalt“ oder Leasingmodelle,
bei denen den Arbeitnehmern
die monatlichen Raten vom Lohn
abgezogen werden. Beliebt seien ebenfalls
vermögenswirksame Leistungen
und die betriebliche Altersvorsorge. Bei
der betrieblichen Altersvorsorge spare
der Arbeitsnehmer zwar auf sein Brutto.
Dafür müsse das Geld aber in der Rente
nachgelagert besteuert werden.
Die private Mit-Nutzung von Betriebsgeräten
wie Handys ist auch eine
Option. Hier müsse gegenüber der Finanzverwaltung
nicht mehr der prozentuale
Nutzungsanteil ausgewiesen
werden. Populär sind zudem Sachbezüge
in Höhe von 50 Euro monatlich
je Arbeitsverhältnis. Das sei unterm
Strich günstiger als eine Gehaltserhöhung.
Sachbezüge sind beispielsweise
Tankgutscheine, die Mitgliedschaft
im Fitness-Studio, Kurse für mentale
Gesundheit oder eine Zusatz-Krankenoder
Pflegeversicherung.
„Candybar für Mitarbeiter“
Personal- und Marketingleiterin Christina
Bourdaillier gab Einblicke in die
Benefit-Praxis der Kirchner Holding
GmbH (Varel). Gute Benefits seien bei
der Rekrutierung neuen Personals
durchaus ein wichtiger Faktor. „Die
Kandidaten recherchieren mehr als je
zuvor, was ein Unternehmen bietet.“
Das Motto bei Kirchner laute: „Nach
dem Recruiting kommt das Behalting“.
Das Unternehmen setze auf „eine Candybar
für Mitarbeiter“. Dazu zählten
zwei Job-Räder statt nur eins. Etwa für
den Partner oder das Rennradtraining.
Im Rahmen einer betrieblichen Krankenversicherung
könne die Belegschaft
die Zuzahlung zu Medikamenten, ein
Einzelzimmer-Update im Krankenhaus
oder eine Zahnreinigung zahlen. Es
gebe auch Module, die bei der Facharztvermittlung
helfen oder bei der Organisation
von Pflegegradeinstufungen.
Zudem zahle Kirchner eine „Erholungsbeihilfe“
für Reisen und Ausflüge. Dafür
müssten aber Quittungen gesammelt
werden. Auch der Zugang zu einem Rabatt-Portal
ist Teil der Firmenpolitik.
E-Bikes sind populär
Anna Heinsenius erläuterte das Modell
der seit 15 Jahren am Markt befindlichen
Firma JobRad. Das Angebot nutzten
mittlerweile mehr als 100.000 Arbeitgeber,
mit zwei Millionen Rädern.
Die Idee fußt auf dem Leasingprinzip.
Mitarbeiter können sich bei einem
Fachhandelspartner ein Rad oder E-Bike
aussuchen, das via Überlassungsvertrag
zur Verfügung steht. Die monatliche
Leasingrate wird vom Gehalt
abgezogen. Der Arbeitgeber zahlt dabei
beispielsweise die Versicherung, Reparaturen
oder die jährliche Inspektion.
Die Leasingdauer umfasse 36 Monate.
Es gebe auch unkomplizierte Rückabwicklungen.
Berit Böhme
20 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Nordwest-Wanddruck,
Wilhelmshaven
Foto: Pruin
Junge
Firmen
Gründung: Juni 2024
Geschäftsmodell: „Wir verfolgen
sowohl ein direktes wie
Köpfe: Rüdiger Pruin (57) und
auch ein indirektes Geschäfts-
Rona Pruin (49). Keine weite-
modell. Das Marketimg erfolgt
ren Mitarbeiter, aber Unter-
sowohl oline wie auch offline
stützung durch externe Frei-
über Empfehlungsmarketing
berufler im Bereich Technik
durch bestehende Kunden.
und Online-Marketing.
Und durch geschäftliche Kontakte
und Netzwerke, die uns
Idee: „Die Idee entstand wit-
bei potenziellen Kunden und
zigerweise durch ein Video auf
Geschäftspartnern ins Ge-
Facebook, das wir im Februar
spräch bringen. Aktuell su-
2024 gesehen haben und mit
dem der Hersteller des Wand-
chen wir weitere Projektpartner
im Weser-Ems-Gebiet.“
Rona und Rüdiger Pruin
druckers Werbung für ein Gerät
und die Geschäftsidee ge-
Wie Kunden profitieren: „Un-
die Wand gedruckt. Die Tin-
Stunde. Die Wand muss mög-
macht hat“, sagt Rüdiger Pruin.
ser Produkt ist der vertikale
te ist abrieb- und wasserfest,
lichst gerade sein, Unebenhei-
„Nach dem Anschauen des Vi-
Wanddruck. Dabei werden Bil-
abwaschbar und schwer ent-
ten werden per Laserabtastung
deos waren wir sofort Feuer
der, die als digitale Vorlagen
flammbar. Wir drucken da-
ausgeglichen.“
und Flamme und haben uns an
vorliegen, mittels eines Tin-
bei mit einer Geschwindigkeit
die Umsetzung gemacht. “
tenstrahlsystems direkt auf
von zwei Quadratmetern pro
nordwest-wanddruck.de
Foto: © malp_stock.adobe.com
Net Zero Nordwest
Wasserstoff-Initiative
Die Wirtschaftsförderung Wesermarsch
erhielt kürzlich es mit Mitteln der Europäi-
Weser-Ems. Gefördert wird
den Zuwendungsbescheid in schen Union im Rahmen der
Höhe von 603.000 Euro für Zukunftsregion JadeBay. Die
das Projekt „Clean Hydrogen Studie ist Teil der Initiative
Coastline WHE“ vom Amt für Net Zero Nordwest Deutschland.
Ziel ist es, die regionale Landesentwicklung
Potenziale
für Erzeugung, Nutzung
und Infrastruktur von grünem
Wasserstoff in der Region
systematisch zu untersuchen.
Und als Beitrag zur
regionalen Energiewende und
zur Entwicklung klimaneutraler
Wirtschaftsstrukturen
konkrete Umsetzungsperspektiven
zu entwickeln. Die
Studienergebnisse werden
als Entscheidungsgrundlage
für weitere Investitionen und
Projekte im Bereich Wasserstoff
dienen.
„Net Zero Nordwest
Deutschland ist das Vorzeigeprojekt
in Niedersachen“, sagt
Prof. Dr. Lutz Stührenberg,
Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung.
„Die niedersächsische
Küstenregion
steht vor einem industriepolitischen
Wendepunkt. Mit dem
Antrag auf Anerkennung als
Valley im Rahmen des europäischen
Net Zero Industry Acts
(NZIA) verfolgt die Region das
Ziel, sich als Modellstandort
für die klimaneutrale industrielle
Transformation zu etablieren.
Die Initiative basiert
auf der Überzeugung, dass die
Energiewende nur dann wirtschaftlich
erfolgreich sein
kann, wenn sie mit industrieller
Wertschöpfung, technologischer
Innovation und gesellschaftlicher
Akzeptanz
verknüpft wird.“
oldenburgische wirtschaft 03 2026
21
Unsere Region
In den Berufsschulen
ist der Frauenanteil
auch in technischen
Berufen hoch.
Delegationsreise
Marokko
Wie werden eigentlich Nachwuchskräfte in Marokko ausgebildet
und auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet? Das war Thema
einer niedersächsischen Delegationsreise mit IHK-Beteiligung.
Von Berit Böhme
22 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Foto: IHK/Werle
IIm Ausland arbeiten und
leben – davon träumen einige
junge Menschen in
Marokko. In vielen deutschen
Branchen wiederum
ist der Bedarf an
Nachwuchskräften groß.
Und so manches Unternehmen aus
dem Oldenburger Land liebäugelt mit
Auszubildenden aus dem nordafrikanischen
Drittstaat. Damit beide Seiten
unter fairen Bedingungen zusammenfinden,
gibt es bilaterale Projekte und
Anlaufstellen wie das IHK Welcome
& Business Center. Ein Schwerpunkt
des Oldenburger Teams ist im Rahmen
des Talent Hub die Unterstützung bei
rechtlichen Fragestellungen und beim
Recruiting aus Marokko. „Wir stehen
für die Unternehmen als Anlaufstelle
zur Verfügung“, sagt IHK-Fachkräfteberater
Curtis Domberg. Die Unterstützung
reicht dabei von Checklisten
bis hin zur Vermittlung von Berufssprachkursen.
Keine duale Ausbildung
Jüngst machten sich Curtis Domberg
und seine Kollegin Katrin Werle vor
Ort ein Bild vom marokkanischen Berufsbildungssystem
und Kooperationsangeboten.
Die Beiden waren im
Rahmen einer niedersächsischen Delegationsreise
zu Gast in der Region Tanger-Tetouan-Al
Hoceima. Unter anderem
standen Besuche in zwei privaten
und einer staatlichen Berufsschule auf
dem Programm. Im Fokus standen dabei
Branchen wie erneuerbare Energien,
Automotive sowie das Hotel- und
Gaststättengewerbe.
Hoher Frauenanteil
Anders als in der dualen Ausbildung in
Deutschland sind die dortigen Schüler
bei keinem Betrieb angestellt, sondern
absolvieren lediglich ein Betriebspraktikum.
Gerade in den privaten Einrich-
Die Delegation war unter anderem zu Gast in Berufsschulen.
tungen sei der Frauenanteil sehr hoch,
so Werle. „Es sind auch mehr Frauen
als bei uns in den MINT-Berufen.“ Die
Ausstattung sei sehr modern. So gab es
in der Hotel- und Gastro-Fakultät der
staatlichen Schule eigene, realitätsnahe
Küchenbereiche für Fisch, Fleisch
und Patisserie und nachgebaute Hotelzimmer.
Sprache wird unterschätzt
„Ziel von vielen Schülerinnen und
Schülern ist, nach Deutschland zu gehen“,
sagt Domberg. Das spiegelt sich
auch in der hohen Einschreibequote
fürs Goethe-Institut wider. „Die Nachfrage
ist sehr hoch, aber die Bestehensquote
sehr schlecht.“ Manche unterschätzen
die Bedeutung der Sprache
für das Fußfassen auf dem deutschen
Arbeitsmarkt.
Langes Warten aufs Visum
Finden Unternehmen und angehende
Auszubildende zusammen, müssen sie
vor dem Kofferpacken trotz Vertrag viel
Geduld mitbringen. „Der Visumsprozess
verläuft sehr schleppend“, sagt Katrin
Werle, die während ihres Besuchs
auch mit Botschaftsvertretern gesprochen
hat. Ein Grund für die bis zu zwölf
Monate Wartezeit sind neben der hohen
Nachfrage auch die genauen Antrags-Prüfungen.
Umfassend vorbereiten
Die Wartezeit könne gut für die weitere
Vorbereitung der angehenden Azubis
genutzt werden, rät die Expertin.
Etwa durch weitere Sprachförderung,
wie das Kurztraining „Deutsch für den
Ausbildungsstart“ des Goethe-Instituts
und des „Netzwerks Unternehmen
integrieren Flüchtlinge“ (NUIF).
Curtis Domberg ermuntert Betriebe
auch dazu, im Vorfeld breit über das
Unternehmen, die Region und Aspekte
wie die Anbindung an den Öffentlichen
Nahverkehr zu informieren. Etwa
in Form von Videos. Einmal im Betrieb
angekommen, seien zudem „Kümmerer“
sinnvoll, die die Neulinge in ihren
ersten vier bis sechs Wochen des
„On-Boardings“ eng begleiten.
Das Welcome & Business Center
plant im Sommer eine Veranstaltung
rund um das Thema Marokko.
F oto: F oto - u nd Bild er w erk
Kontakt:
Curtis Domberg
Tel. 0441 2220-485
welcomecenter@oldenburg.ihk.de
Foto: IHK/Werle
oldenburgische wirtschaft 03 2026
23
Ihre IHK
Foto: © Jonas_stock.adobe.com
Neues IHK-Bündnis Biodervisität
Schutz von Ökosystemen
Die natürlichen Resourcen sind endlich und müssen mit Augenmaß genutzt werden. Deshalb
kommt auch die Wirtschaft am Thema Biodiversität nicht mehr vorbei. Von Thilo Kunze, DIHK
B
Biodiversität und Wirtschaft
– auf den ersten
Blick mögen das zwei verschiedene
Welten sein.
Doch bei genauerem Hinsehen
zeigen sie sich eng miteinander
verknüpft. Eva Baumgärtner und Valentin
Franklyn vom Projekt „Unternehmen
Biologische Vielfalt“ (UBi) bei
der DIHK Service GmbH erläutern, wie
Unternehmen von Biodiversität abhängen
und welche Beziehung zwischen
Wirtschaft und Natur besteht.
Rohstoffmangel
„Gerade das wollen wir vermitteln: dass
Wirtschaft intakte Ökosysteme braucht
und wie eng somit alles mit Biodiversität
zusammenhängt“, sagt Baumgärtner,
Ubi-Projektkoordinatorin. Und das
gilt auch für Branchen, in denen die Abhängigkeit
von natürlichen Ressourcen
nicht direkt ersichtlich ist, wie etwa die
Kfz-Industrie: „Für die Herstellung eines
Autos werden zahlreiche Rohstoffe
benötigt, wie Gummi für Reifen, Metalle
für die Karosserie und Wasser für Produktionsprozesse.
All diese Rohstoffe
liefert die Natur.“
„Wir sensibilisieren kleine und
mittlere Unternehmen für Risiken in
ihren Wertschöpfungsketten, denn
wenn Ökosysteme geschädigt werden,
fehlen uns nicht nur Pflanzen und Tiere,
sondern auch wichtige Rohstoffe für
Industrie, Medizin, Bau und Nahrung“,
ergänzt Projektkoordinator Franklyn.
Katalog an Maßnahmen
UBi richte sich an alle Branchen und biete
Unterstützung in Form von Biodiversitäts-Bündnissen,
die mit den regionalen
IHKs aufgebaut werden. „Der Fokus
liegt darauf, Unternehmen bei Biodiversitätsthemen
zu begleiten. Welche Maßnahmen
zum Schutz von Ökosystemen
beitragen, wie man sie umsetzt und wer
einem dabei helfen kann, erfahren Unternehmen
in unseren Bündnissen.”
Das UBi-Team setzt auf unterschiedliche
Formate. So tauschen sich Unternehmen
digital über ihre Erfahrung mit
der Nachhaltigkeitsberichterstattung
aus. Auch Coachings auf Betriebsgeländen
gehören dazu. Unternehmen erfahren
beispielsweise, wie sie ihre Flächen
so bepflanzen und gestalten, dass sie
Starkregen und Hitze besser standhalten
und gleichzeitig mehr Lebensraum
für Insekten und Kleintiere schaffen.
Das hilft auch im Wettbewerb um Fachkräfte.
„Begrünte Hauswände, Dächer
und blühende Außenanlagen verbessern
die Arbeitsatmosphäre und fördern
die Zufriedenheit”, so Baumgärtner.
Einfluss auf Kreditvergabe
Biodiversität spielt auch für den Finanzsektor
eine zentrale Rolle. Laut
24 oldenburgische wirtschaft 03 2026
einer Studie der Europäischen Zentralbank
hängen 75 Prozent der Unternehmenskredite
von Euro-Banken von
mindestens einer wichtigen Ökosystemdienstleistung
ab. Dies verdeutlicht,
wie stark die finanzielle Stabilität vieler
Unternehmen an die Gesundheit der
Ökosysteme gekoppelt ist. Der Verlust
von Biodiversität kann daher erhebliche
finanzielle Risiken mit sich bringen.
Berichte wie der Global Risk Report
2025 des Weltwirtschaftsforums
unterstreichen diese Bedeutung: Der
Verlust von Biodiversität liegt mittlerweile
auf Platz 2 der größten Risiken im
Zehn-Jahres-Ausblick.
Mehr Extremwetter
Zudem verstärkt der Verlust an Biodiversität
die Folgen extremer Wetterereignisse,
die ebenfalls zu den größten
Gefahren zählen. Umgekehrt können
– wie auf der Website des Bundesamtes
für Naturschutz nachzulesen ist –
intakte Ökosysteme die Auswirkungen
etwa von Starkregen abfedern. Wälder
oder Moore etwa wirken als Wasserspeicher
und mindern so Hochwasserereignisse,
die Unternehmen und Bevölkerung
teuer zu stehen kommen
können.
Der Schutz der Biodiversität ist
also nicht nur ökologisch, sondern
auch ökonomisch essenziell. Entsprechend
trägt die Integration von
Biodiversitätsmaßnahmen in Geschäftsstrategien
dazu bei, die Widerstandsfähigkeit
und Wettbewerbsfähigkeit
von Unternehmen langfristig
zu stärken.
Auftakt für regionales Bündnis
Die Oldenburgische IHK initiiert die
Gründung eines Bündnis Biodiversität
für unsere Region. Den Auftakt bildet
ein Werkstattgespräch am 21. April, das
den Startschuss für die gemeinsame
Ausgestaltung gibt: Ein fachlicher Impuls
ordnet das Thema ein, anschließend
erarbeiten die Teilnehmenden in
einem Workshop mögliche Ziele und
Schwerpunkte des Bündnisses. Ein
Praxisbeispiel aus einem Unternehmen
zeigt zudem konkret, wie Engagement
für Biodiversität umgesetzt werden
kann.
Interessierte Betriebe sind herzlich
eingeladen, sich frühzeitig einzubringen
und das Bündnis aktiv mitzugestalten.
Mehr Informationen finden sich
hier: ihk.de/oldenburg (Nr. 6966834)
oldenburgische wirtschaft 03 2026
25
Ihre IHK
Impulse vom Nordsee-Tourismustag
Branche im Umbruch
Wie können touristische Unternehmen ihre Geschäftsmodelle resilient und zukunftsfähig
ausrichten? Antworten lieferte jüngst der Nordsee-Tourismustag.
Foto: IHK/Böhme
entscheidend wie ein strategisch ausgerichtetes
Destinationsmanagement, das
Gäste- und Einwohnerinteressen gleichermaßen
berücksichtigt.
WWelche Strategien sind
nötig, damit sich die
Nordseeregion zwischen
steigenden Erwartungen
der Gäste,
technologischem Fortschritt und veränderten
politischen Rahmenbedingungen
entwickeln kann? Dieser Frage gingen
mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter
aus Wirtschaft, Politik und Tourismus
auf den Grund. Sie waren der Einladung
der Tourismus-Agentur Nordsee
GmbH (TANO) ins Sparkassen Forum in
Leer gefolgt.
Digitalisierung & KI
Ein Tenor der Tagung: Digitalisierung ist
eine strategische Grundvoraussetzung,
um Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten.
Insbesondere Anwendungen
der Künstlichen Intelligenz (KI) eröffnen
Potenziale in Prozessautomatisierung,
Kundenkommunikation, Datenanalyse
und Angebotssteuerung. Für Unternehmen
bedeutet dies: Effizienzgewinne entstehen
vor allem dort, wo interne Abläufe
systematisch überprüft, Schnittstellen
reduziert und digitale Kompetenzen auf-
gebaut werden. KI ist kein kurzfristiger
Trend, sondern entwickelt sich zur infrastrukturellen
Basis unternehmerischer
Wertschöpfung. Gleichzeitig bleibt das
Kernerlebnis – Servicequalität, Authentizität
und regionale Identität – ein menschlicher
Faktor.
Bürokratie abbauen
Die Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek
(CDU) stellte die neue nationale
Tourismusstrategie des Bundes vor. Ziel
sei es, insbesondere kleine und mittlere
Betriebe zu stärken, bürokratische Hürden
zu reduzieren und Handlungsspielräume
zu erweitern.
Infrastruktur optimieren
Holger Heymann plädierte in seiner Doppelfunktion
als Landrat und TANO Aufsichtsratsvorsitzender
für ein erweitertes
Verständnis von Destinationsmanagement,
das sich nicht allein an Übernachtungszahlen
orientiert, sondern die
Lebensqualität der Einheimischen systematisch
einbezieht. Insgesamt wurde
deutlich: Nachhaltige Investitionen in
Infrastruktur und Mobilität sind ebenso
Alle Akteure mitnehmen
Auf der Agenda standen auch Praxisbeispiele
aus anderen Regionen. Carola
Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer
Tourismusverbandes, zeigte anhand der
Tourismusregion Harz, wie sich eine Destination
konsequent neu ausrichtet: weg
von einem überholten Image, hin zu zeitgemäßen
Erlebnisangeboten, gezielten
Infrastrukturinvestitionen und einer klar
positionierten Markenstrategie. Trotz tiefgreifender
Einschnitte wie Waldwandel,
Klimaanpassung und Arbeitskräftemangel
bleibt der Tourismus dort ein tragender
Wirtschaftsfaktor. Zentrale Erfolgsbedingung
sei eine institutionalisierte Kooperation
aller Akteure entlang der touristischen
Wertschöpfungskette.
Nachhaltiger Tourismus
International sorgte das Nachhaltigkeitsprojekt
„CopenPay“ der Wonderful
Copenhagen für Aufmerksamkeit: Wer
sich in Kopenhagen bewusst umweltfreundlich
verhält, etwa mit dem Fahrrad
anreist, öffentliche Verkehrsmittel
nutzt, an Hafenreinigungen teilnimmt
oder sich in städtischen Gartenprojekten
engagiert, erhält kostenlose oder vergünstigte
Angebote wie Führungen, Mittagessen,
Museumsbesuche, Yogastunden
oder Bootsfahrten. CopenPay zeigt, dass
nachhaltiger Tourismus auch attraktiv gestaltet
werden kann. Dorothee Schaeper
26 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Foto: IHK/Feenders
Daniel Šíp (li.) und Hien Tran (r.)
freuen sich über die Verstärkung
aus Vietnam.
Fachkräfte aus Vietnam
Neue Impulse im Gepäck
Das Oldenburger Restaurant Moto Kitchen hat Ende 2025 vier vietnamesische Fachkräfte
eingestellt. Und damit gute Erfahrungen gemacht.
FFachkräfte aus Drittstaaten
zu rekrutieren lohnt sich –
auch wenn es dabei schon im
Vorfeld einiges zu beachten
gilt. Das Welcome- & Business
Center der Oldenburgischen Industrie-
und Handelskammer steht den
Unternehmen dabei zur Seite. So wie
dem Oldenburger Restaurant Moto Kitchen,
das sein Team kürzlich um vier
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus
Vietnam verstärkt hat.
Zügiges Verfahren
Umgesetzt wurden die Einstellungen
im Rahmen des Projekts „Hand
in Hand for International Talents“ der
Deutschen Industrie- und Handelskammer
(DIHK). Die Idee: Fachkräfte
in ihrem Heimatland fit zu machen
für den Job in Deutschland. Sie haben
bereits die Anerkennung ihres Berufsabschlusses
durchlaufen und den
B1-Deutschkurs abgeschlossen. Und
können somit direkt nach einer Einstellungszusage
das Visum beantragen
und nach Erhalt im Unternehmen eine
Stelle antreten.
Recruiting Videos
Bei Moto Kitchen handelt es sich um
Fachkräfte Küche sowie Fachleute für
Restaurant und Gastronomie. Im Oktober
2025 kam Nguyễn Thị Đông Khang
nach Oldenburg, Nguyễn Thị Cẩm Tiên,
Nguyễn Thoại Bích und Trần Ngọc Quốc
An folgten im Dezember. Geschäftsführer
Hien Tran und Business Development
Manager Daniel Šíp arbeiteten
dafür seit 2024 mit dem Welcome- &
Business Center zusammen. „2024 sind
wir darauf aufmerksam geworden, dass
bereits relativ viel angeboten wird, um
Fachkräfte aus Vietnam nach Deutschland
zu holen. Dann haben wir gehört,
dass es von der IHK selbst auch so ein
Projekt gibt“, sagt Daniel Šíp. „Es ging
recht schnell mit Recruiting-Videos
und dem Kennenlernen los. Und 2025
hat es dann endlich geklappt und danach
ging es Schlag auf Schlag.“
Neuer Schwung fürs Team
Die Entscheidung, gezielt Fachkräfte
aus Vietnam zu rekrutieren, fiel auch,
um die authentische vietnamesische
Küche des Hauses weiter zu stärken.
Zudem hat Hien Tran selbst eine Einwanderungsgeschichte.
Küchensprache ist Deutsch, um das
Team als Einheit zusammen wachsen
zu lassen. Auch wenn drei der vier Neulinge
jetzt erst gezielte Berufssprachkurse
besuchen. „Am Anfang gab es ein
paar Probleme mit der Sprache. Aber
mittlerweile funktioniert es super und
sie können sich gut integrieren und
einwandfrei in der Küche mitarbeiten“,
sagt Hien Tran. Die Neuzugänge hätten
bereits einen „anderen Drive“ und
eine gute Struktur mitgebracht, freuen
sich die Geschäftsführer. Und viele Ideen
für die Speisekarte. Moto Kitchen hat
den Vier ebenfalls Wohnraum zur Verfügung
gestellt.
Noch Betriebe gesucht
Im Rahmen von Hand in Hand sind in
Vietnam derzeit noch über 30 Fachkräfte
in den Startlöchern. Es fehlen aber
auf deutscher Seite noch die passenden
Unternehmen aus Hotellerie und Gastronomie.
Interessierte Betriebe können
sich bei der IHK unter der E-Mail welcomecenter@oldenburg.ihk.de
melden.
oldenburgische wirtschaft 03 2026
27
Ihre IHK
28 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Foto: © Marco2811_fotolia.com
Pro & Contra Teilzeit
Debatte um Arbeitszeitmodelle
Die einen schimpfen auf „Lifestyle Teilzeitler“, die anderen verweisen auf die Lebensumstände
und eine ausgeglichenere Work-Life-Balance.
U
Um die Teilzeitarbeit ist
eine hizige Debatte entbrannt,
die eine differenzierte
Betrachtung erfordert.
Die Teilzeitarbeit an
sich hat durchaus ihren Platz in der
heutigen Arbeitswelt. Gründe dafür
können beispielsweise die Pflege von
Kindern oder Angehörigen sowie ein
berufsbegleitendes Studium oder andere
Fortbildungen sein.
Vielschichtige Gründe
Mitunter kann die Teilzeitarbeit auch
im Interesse der Arbeitgeber liegen,
beispielsweise bei Reinigungskräften,
die in vielen Unternehmen nicht in Vollzeit
beschäftigt werden können, oder
zur Deckung des vorübergehend höheren
Personalbedarfs in Stoßzeiten.
Schließlich – und das ist der Kern der
aktuellen Debatte – entscheiden sich
aber heute viele Arbeitnehmer dazu,
ihre Stunden zu reduzieren, um ihre
Work-Life-Balance zu verbessern.
Verknappung von Arbeitskräften
Die Mehrzahl der Unternehmen benötigt
Vollzeitkräfte. „Die zunehmende
Tendenz zur Teilzeitarbeit in der heutigen
Zeit führt zweifellos zu einer weiteren
Verknappung von Arbeitskräften,
die insbesondere bei hochqualifizierten
Arbeitnehmern nicht zu unterschätzen
ist“, sagt Bernd Seifert, IHK-Geschäftsführer
für den Bereich Recht.
Mehrkosten durch Teilzeit
Zudem sind zwei Teilzeitkräfte insgesamt
grundsätzlich teurer als eine Vollzeitkraft.
Zwar verursachen beide dieselben
Lohn- und Lohnnebenkosten
(Sozialversicherungsbeiträge). Allerdings
muss der Arbeitgeber oftmals eine
doppelte Arbeits-Infrastruktur zur Verfügung
stellen, zum Beispiel Hard- und
Software, Arbeitskleidung und Büroräume.
Und sieht sich mit einer aufwendigeren
Personalbuchhaltung konfrontiert,
weil der administrative Aufwand
für Personalakten, Lohnbuchhaltung
und Meldungen an die Sozialversicherungen
sich erhöht.
Weniger Flexibiliät
Zudem müssen Kosten, die pro Kopf entstehen,
doppelt bezahlt werden. Etwa
die Kosten für betriebliche Schulungen
zur Arbeitssicherheit oder zum Datenschutz
oder – ganz trivial: die Kosten
für Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern.
„Beim Job-Sharing entsteht ein
zusätzlicher Zeitaufwand für Absprachen
und Übergaben, das heißt generell
für die Koordination der Beteiligten“,
erklärt Seifert. Aus Sicht der Führungskräfte
gibt es zudem immer wieder das
Problem, dass Teilzeitkräfte bei kurzfristig
entstehendem zusätzlichem Arbeitsaufwand
oftmals nicht zur Verfügung
stehen.
Höhere Produktivität
Inwieweit Teilzeitkräfte unter dem
Strich produktiver sind als Vollzeitkräfte,
ist nicht abschließend geklärt. Zwar
gibt es Studien, nach denen sich bei Unternehmen
mit einem hohen Teilzeitanteil
eine geringfügig höhere Produktivität
feststellen lässt. Wie groß diese
Steigerung allerdings noch ist, wenn
man die oben genannten Zusatzkosten
auf der Arbeitgeberseite berücksichtigt,
ist bislang nicht geklärt. „Wir gehen davon
aus, dass die Reibungsverluste in
Großunternehmen dabei geringer ausfallen
als in kleinen und mittelständischen
Betrieben“, sagt Seifert.
Kontakt:
Bernd Seifert
Tel.: 0441 2220-360
seifert@oldenburg.ihk.de
F oto: F oto - u nd Bild er w erk
oldenburgische wirtschaft 03 2026
29
Ihre IHK
Impressum
Herausgeber: Oldenburgische Industrie- und
Handelskammer, Moslestraße 6,
26122 Oldenburg, Tel. 0441 2220-0,
info@oldenburg.ihk.de,
www.ihk.de/oldenburg
Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt:
Hauptgeschäftsführer Dr. Torsten Slink
Redaktion: Berit Böhme, Tel. 0441 2220-211,
berit.boehme@oldenburg.ihk.de,
Elisabeth Ahrends, Tel. 0441 2220-210,
elisabeth.ahrends@oldenburg.ihk.de
Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben
nicht in jedem Fall die Ansicht des Herausgebers
und der Redaktion wieder. Keine Gewähr
für unverlangt eingesandte Manuskripte oder
Besprechungsexemplare. Nachdruck und
elektronische Vervielfältigung des Inhalts
nur nach ausdrücklicher Genehmigung, mit
Quellenangabe und unter Einsendung eines
Belegexemplars.
Verlag: Schlütersche Fachmedien GmbH
Ein Unternehmen der
Schlüterschen Mediengruppe
Postanschrift: 30130 Hannover
Adresse: Hans-Böckler-Allee 7,
30173 Hannover
Tel. 0511 8550-0
www.schluetersche.de
Anzeigenverkauf:
Mike Bokelmann, Tel. 0551 8550-8162
mike.bokelmann@schluetersche.de
Basis-Layout: Sebastian Knickmann
Büro für Gestaltung, Bremen
Umsetzung: Rieke Giese
Schriften: IBM Plex Sans / IBM Plex Serif
by Mike Abbink and Bold Monday
Abonnement-Service: 0511 8550-8822,
vertrieb@schluetersche.de
Erscheinungsweise: zehn Ausgaben im Jahr
Erscheinungstermin dieser Ausgabe:
10.3.2026
Bezugspreis: Die Zeitschrift ist das offizielle
Organ der Oldenburgischen Industrie- und
Handelskammer. Der Bezug ist für IHK-zugehörige
Unternehmen kostenlos. Für andere Bezieher
kostet das Jahresabonnement 20,- Euro
inkl. Versandkosten und MwSt. Mindestbezug
ein Jahr, danach gilt eine Kündigungsfrist von
zehn Wochen zum Halbjahresende. Einzelpreis
2,- Euro zzgl. Versandkosten.
Druck: Druckkontor Emden, Wolthuser Str. 1,
26725 Emden
Verbreitete Auflage:
20.708 Exemplare, 4. Quartal 2025
Der Bezug der IHK-Zeitschrift erfolgt im Rahmen
der grundsätzlichen Beitragspflicht als
Mitglied der IHK
WERDEN SIE
ZUKUNFTSSTIFTER!
Junge Menschen wollen ihren eigenen Weg gehen.
Helfen Sie ihnen dabei, die ersten Stufen zu erklimmen
und werden Sie Teil der SOS-Stiftungsfamilie!
Mehr Infos unter www.sos-kinderdorf-stiftung.de
30 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Termine
Anmeldung und weitere
Veranstaltungen:
ihk.de/oldenburg/veranstaltungen
Thema Datum Uhrzeit
Hey KI, wo finde ich den nächsten Blumenladen? – Mit SEO und GEO im Algorithmus sichtbar werden Di, 17. März 18 Uhr
Gesprächsrunde für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe Mi, 18. März 9.30 Uhr
Gemeinsamer Finanzierungssprechtag mit Handwerkskammer und NBank Mi, 18. März ab 10 Uhr
EU-Verpackungsverordnung (PPWR) - Umsetzung aus Unternehmensperspektive Mi, 18. März 10 Uhr
30. Oldenburger Patent- und Markenforum (OPMF) Mi, 18. März 16 Uhr
IHK-Impulstag Transformation: Komplexität meistern - neue Wege für Unternehmen in unsicheren Zeiten Do, 19. März 9 Uhr
Hoher Krankenstand, hohe Kosten?! – Was Politik und Arbeitgeber tun können Do, 19. März 14 Uhr
Roundtable Alabama USA- Experience Hub Mo, 23. März 14 Uhr
Kartenzahlung im Wandel: Was Unternehmen jetzt wissen müssen Do, 26. März 9 Uhr
Webinar zur Steuerlichen Forschungszulage Do, 26. März 14 Uhr
Gemeinsamer Gründungssprechtag: WiFö Stadt Oldenburg, NBank und IHK * Mi, 1. April ab 10 Uhr
Innovations-Sprechtag (online): Fördermittel | Marktreife | Kooperationen * Mi, 8. April ab 9 Uhr
Webinar-Reihe .next innovation - Teil 4: EU-Fördermittel Mo, 13. April 13 Uhr
"Yes, you can!" - Import- und Exportberatung * Di, 14. April ab 9 Uhr
*45-minütige Einzeltermine zur individuellen Beratung
Unsere Veranstaltungen finden online oder in Präsenz statt.
18. März
Oldenburger
Patent- und
Markenforum
Gemeinsam mit der Handwerkskammer
Oldenburg (HWK) und den
Patentanwälten Jabbusch, Siekmann
& Wasiljeff, laden wir Sie
herzlich zu unserem 30. Oldenburger
Patent- und Markenforum
(OPMF) mit dem Thema Branding,
Corporate Identity und Markenschutz
ein.
ihk.de/oldenburg/termintipp1
26. März
Kartenzahlung
im Wandel
In diesem Webinar erfahren
Unternehmen,
welche Möglichkeiten
des Bezahlens neben
Bargeld bestehen,
wie sie von Kundinnen
und Kunden nachgefragt
werden, welche
Kosten entstehen
und wie sich die Verfahren reibungslos in die
eigenen Prozesse integrieren lassen – auch im
Multikanalumfeld. ihk.de/oldenburg/termintipp2
Foto: © lassedesignen_stock.adobe.com
oldenburgische wirtschaft 03 2026
31
Ihre IHK
Seminare und Lehrgänge
Weitere Angebote:
ihk.de/oldenburg/seminare
Unsere Seminare finden in Präsenz bzw. online statt.
Ausbilder und Trainer, Pädagogik
Vorbereitung auf die Ausbilder-
Eignungsprüfung
ihk-oldenburg.
de/LADA
Ausbildungsmarkt im Wandel – Generationen
verstehen und verbinden (Ausbilder-TrainingsCamp)
17. März
Für Auszubildende und Jungkaufleute
Zeitmanagement und Selbstorganisation
für Azubis und junge Kaufleute
17. März
Azubi-Business: Wirtschaft erleben, Entscheidungen
treffen (online)
19. März
Neues Format: IHK-Fachkraft
Mit „IHK-Fachkraft“ bieten wir Ihnen und Ihren Mitarbeitenden
den idealen Einstieg in neue Aufgabenbereiche
– kompakt, praxisnah und berufsbegleitend. Im
April beginnen die neuen Lehrgänge: IHK-Fachkraft Personalwesen
und IHK-Fachkraft Rechnungswesen.
Alle Module sind auch einzeln buchbar.
ab 8. April ihk.de/oldenburg/wbaktuell
Foto: © DayOfVictory_stock.adobe.com
Fit für die Abschlussprüfung (verschiede-
Digitale Kompetenzen
ne Berufe)
ab 23. März
KI-Manager/in (IHK) (online)
ab 18. März
Ferienakademie für Azubis: Rechnungswesen
ab 30. März
Cyber Security Advisor (IHK) (online)
ab 8. April
Personal
KI-Anwendungen erfolgreich im Unternehmen
einsetzen (online)
14. April
BEM Betriebliches Eingliederungsmanagement
– zielgerichtet und verantwortlich
16. März
Zoll und Internationales
IHK-Fachkraft Personalwesen (Zertifikatslehrgang)
ab 8. April
Export- und Zollabwicklung EU und Drittländer
(online)
18. März
Gepr. Personalfachkaufleute (IHK)
ab 10. April
Warenursprung und Präferenzen / Lieferantenerklärungen
2026 (online)
25. März
Kommunikation und Führung
Persönliche Arbeitstechniken – Baustein
Informationen,
Beratung, Anmeldung:
Sandra Baumann
Tel. 0441 2220-421
bildung@oldenburg.ihk.de
Das ausführliche Angebot
der IHK-Weiterbildung
(inkl. Online-Anmeldung):
ihk.de/oldenburg/seminare
Abonnieren Sie den IHK-
Newsletter mit Hinweisen
auf Seminare und Lehrgänge:
ihk.de/oldenburg/newsletter
3 des IHK-Führungstraining
Zeit- und Selbstmanagement optimieren
und professionalisieren
Alltagsdiskriminierung und -sexismus –
verstehen und sensibel reagieren
ab 20. März
13. April
15. April
32 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Anzeige
Umsatzsteuer und Zoll ab 2026 – zentrale Neuerungen im Überblick
Ab 2026 treten im Umsatzsteuer- und Zollrecht mehrere Änderungen
in Kraft, die insbesondere Gastronomie, Hotellerie, Handel,
internationale Lieferketten und gemeinnützige Organisationen betreffen.
Neben der dauerhaften Steuersatzsenkung für Gastronomieleistungen
sind vor allem die Aufhebung der Umsatzsteuerlagerregelung,
neue Vorgaben zur Vorsteueraufteilung, Anpassungen
für gemeinnützige Körperschaften sowie Änderungen bei Einfuhrumsatzsteuer
und Zoll praxisrelevant.
1. Dauerhafte Absenkung des Steuersatzes für Gastronomieleistungen
Ab 1.1.2026 gilt der ermäßigte Steuersatz für Restaurantund
Verpflegungsdienstleistungen ohne Getränke dauerhaft
(§ 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG). Für Leistungen in der Nacht vom
31.12.2025 auf den 1.1.2026 ist aus Vereinfachungsgründen
noch 19 % zulässig. Bei Kombiangeboten kann der Getränkeanteil
pauschal mit 30 % angesetzt werden; im Hotelgewerbe
können Extra-Leistungen (sog. Business-Package) pauschal
mit 15 % dem Regelsteuersatz zugeordnet werden, 85 %
entfallen auf die begünstigte Übernachtung und Verpflegung.
2. Aufhebung der Umsatzsteuerlagerregelung
Die Steuerbefreiung für Waren in Umsatzsteuerlagern
(§ 4 Nr. 4a UStG) entfällt zum 1.1.2026. Für am 31.12.2025
vorhandene Bestände gilt eine Übergangsregelung bis
30.12.2029. Unternehmen sollten die Auswirkungen
auf Liquidität und Finanzierung frühzeitig bewerten.
3. Vorsteueraufteilung bei gemischt genutzten Grundstücken
§ 15 Abs. 4 UStG stellt klar, dass bei gemischt genutzten
Grundstücken grundsätzlich nach dem Verhältnis
der Nutzflächen aufzuteilen ist, sofern keine präzisere
Methode zur Verfügung steht. Flächenaufstellungen und
Nutzungsdokumentationen werden damit zur zentralen
Grundlage einer revisionssicheren Vorsteueraufteilung.
4. Vorsteuerpauschale für gemeinnützige Organisationen
Die Umsatzgrenze für die Inanspruchnahme der Vorsteuerpauschale
nach § 23a UStG steigt ab 2026 von
Christian Loose
Rechtsanwalt, Steuerberater,
Fachberater für Internationales
Steuerrecht, Fachberater für Zölle
und Verbrauchsteuern
45.000 auf 50.000 Euro. Die Pauschalierung kann den
Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren, sollte aber
im Einzelfall wirtschaftlich verglichen werden.
5. Einfuhrumsatzsteuer bei zentraler Zollabwicklung
§ 21b UStG regelt ab 2026 die einfuhrumsatzsteuerlichen
Folgen der zentralen Zollabwicklung (Art. 179 UZK), insbesondere
Ort der Steuerentstehung, Zuständigkeiten
und die Anerkennung ausländischer Zollanmeldungen als
Steuererklärung. Für Unternehmen mit grenzüberschreitenden
Warenströmen kann die Beantragung einer zentralen
Zollabwicklung wirtschaftliche Vorteile bieten.
6. Pauschalzoll ab 1. Juli 2026
Für Warensendungen unter 150 Euro aus Drittländern an Verbraucherinnen
und Verbraucher in der EU wird ein Pauschalzoll
von 3 Euro pro Sendung eingeführt. Ziel ist ein fairerer Wettbewerb
im Online-Handel. Die Freigrenze von 22 Euro für die
Einfuhrumsatzsteuer ist bereits seit dem 1.7.2021 entfallen.
Unterstützung bei der Umsetzung in der Praxis
Die Neuerungen erfordern häufig Anpassungen in Preisgestaltung,
Verträgen, IT-Systemen, Zoll- und Logistikprozessen sowie im Rechnungswesen.
Wir analysieren die Auswirkungen auf Ihr Geschäftsmodell,
prüfen Verträge und Abrechnungsmodelle, optimieren Umsatzsteuer-
und Zollprozesse und bewerten Gestaltungsoptionen
zur Liquiditätssteuerung. Damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren
können – enjoy business.
treuhand.de
Starker Mittelstand.
Starker Partner.
Sie kümmern sich um Ihr Business,
wir um das Drumherum!
Wirtschaftsprüfung ∙ Steuerberatung
Rechtsberatung ∙ Unternehmensberatung
IT-Beratung
oldenburgische wirtschaft 03 2026 33
schlusspunkt
Foto:© VG Bild-Kunst/ Foto Sven Adelaide
Plakat-Kunst
Die Plakatsammlung des Landesmuseums Oldenburg
fristete lange ein Schattendasein. Dank eines
Forschungsprojekts wurde der gut 3000 Objekte umfassende
Schatz nun geborgen, inventarisiert und digitalisiert.
Von nahmhaften Künstlern stammende
Glanzstrücke sind bis zum 21. Juni im Schloss zu sehen.
Außerdem können Interessierte online im Plakatbestand
stöbern. landesmuseum-ol.de
In der nächsten Ausgabe
Aus- und Weiterbildung
Die duale Ausbildung ist ein wesentlicher Qualitäts-Baustein
für die Wirtschaft im Nordwesten. Wir
blicken auf gelungene Beispiele, Tools und die Chancen
durch Weiterbildung.
34 oldenburgische wirtschaft 03 2026
Profis aus der Region
Anzeigen
Arbeitssicherheit
Hafenumschlag
ARBEITSSICHERHEIT.
IHRE VERANTWORTUNG.
MEINE KOMPETENZ.
n Arbeits- und Gesundheitsschutz
n Persönliche Betreuung in Ihrem Unternehmen
n Vorbereitung und Begleitung von QM-Audits
n Lead-Auditor ISO 9001:2015; ISO 45001
n Gefahrgutbeauftragter
KONSTANTIN SIEMER
FACHKRAFT FÜR ARBEITSSICHERHEIT
QM/ASM-AUDITOR
T 0441-9694590 I sicher@konstantinsiemer.de I www.konstantinsiemer.de
JADE-WESER-LOGISTIK
CONTAINER HANDEL & VERMIETUNG
Hafenumschlag / Lagerung / Logistik / Transport
Bürocontainer • Sanitärcontainer • Lagercontainer
Duschcontainer • WC-Container • Kassencontainer
Spezialcontainer • Sonderbaucontainer
Tel.: 04421 5004940 - Fax: 04421 5004949 - E-Mail: info@jwlogistik.de
www.jade-weser-logistik.de
Schulungen
Solarenergie
Die Spezialisten in der Aus- & Weiterbildung von Profis.
Ihre Sicherheit ist unsrere Mission.
• PSAgA mit & ohne Rettung
• Arbeiten in engen Räumen
• Arbeiten auf Dächern
• Verschraubungsmonteur
• Bediener für Stapler, Arbeitsbühnen & Erdbaumaschinen
• Kranausbildung
• Anschlagen von Lasten/Ladungssicherung
• Motorsägenausbildung Module A-C
• Brandschutz- & Evakuierungshelfer
• Atemschutzgeräteträger
• SCC-VAZ 016, 017 & 018 Schulung & Prüfung
• Berufskraftfahrer-Modulschulungen 1-5
Alle Ausbildungen & Schulungen werden
nach den aktuellen DGUV Richtlinien &
DIN-Normen durchgeführt.
Die Schulungen finden wetterunabhängig in
unseren geräumigen, beheizten Trainingshallen statt.
Im Kleigrund 18
26135 Oldenburg
Tel.: +49 441 350 125 - 0
E-Mail: info@oldenworx.de
www.OldenworX.de
Mund auf auf
gegen
Blutkrebs.
www.dkms.de
Wir besiegen Wir besiegen Blutkrebs. Blutkrebs.
Stäbchen rein, rein,
Spender sein. sein.
Weiterbildung
Bildungskontor GmbH
Intensiv-Vorbereitungskurse auf die
Ausbilder-Eignungsprüfung in einer Woche
2026: 2.3. / 4.5. / 18.5. / 13.7. / 31.8. / 7.9. / 26.10. / 23.11.
Meisterprüfung Teil 3 in zwei Wochen
2026: 16.3. / 13.4. / 1.6. / 22.6. / 17.8. / 14.9. / 5.10. / 2.11. /
30.12.
Bildungskontor GmbH • Gerd Wilkens • Am Wendehafen 8-12 • 26135 Oldenburg
Tel.: 0441 - 92 66 13 0 • www.bildungskontor.de • wilkens@bildungskontor.de
Schrankenanlagen
Alarmanlagen
Alarmanlagen
Brandmeldeanlagen
Alarm- und Sicherheitssysteme
ulpts GmbH
Oldenburg, Donnerschweer Str. 199
Tel.: 0441 –– 9932 3299932
32
www.ulpts-technik.de
Verspannungen
loswerden!.
• Endlich schmerzfrei in Nacken,
Schulter und Rücken
• 4 Wochen – 10 Übungen
• Die ganzheitliche Body-Mind-Methode:
effektiv, leicht verständlich und
gut umsetzbar
184 Seiten, 70 Abbildungen
ISBN 978-3-8426-3163-2
€ 22,00
2. Auflage,
168 Seiten
65 Abbildungen
ISBN 978-3-
86910-326-6
€ 22,00
152 Seiten
ca. 60 Abbildungen
ISBN 978-3-
86910-041-8
€ 19,99
152 Seiten
ca. 60 Abbildungen
ISBN 978-3-
86910-690-8
€ 19,99
Dr. med. Ellen Fischer
Verspannungen
sanft lösen
• Das effektive
Selbsthilfe-Programm
• Bei Nacken-, Rückenund
Gelenkschmerzen
• Mit osteopathischen
Techniken
Kay Bartrow
Fit als Vielsitzer
• Die besten Übungen
am Schreibtisch
und Zuhause
• 45 Kleine Trainingseinheiten
für Kraft und Mobilität
Dr. Felix Söller · Ellen Warstat
Rücken ohne Schmerz
• Die besten Tipps zur
schnellen Selbsthilfe
• 5 x 5 Übungen,
die wirklich helfen
• Top Autor: Dr. med. Felix Söller
vom Medizinischen
Versorgungszentrum
Helios, München
Überall im gut sortierten Buchhandel.
www.humboldt.de