Bergwelten Frühjahr 2026
Bergwelten – das Magazin für alle, die die Alpen lieben. Unsere Frühlingsausgabe zeigt die Region rund um Garmisch-Partenkirchen von ihrer schönsten Seite: blühende Almen, inspirierende Wandertouren, regionale Kulinarik und besondere Gastgeber. Mit authentischen Geschichten, starken Bildern und wertvollen Tipps verbindet Bergwelten Naturerlebnis, Lifestyle und Heimatgefühl – für Einheimische, Gäste und alle, die die Berge neu entdecken möchten.
Bergwelten – das Magazin für alle, die die Alpen lieben. Unsere Frühlingsausgabe zeigt die Region rund um Garmisch-Partenkirchen von ihrer schönsten Seite: blühende Almen, inspirierende Wandertouren, regionale Kulinarik und besondere Gastgeber. Mit authentischen Geschichten, starken Bildern und wertvollen Tipps verbindet Bergwelten Naturerlebnis, Lifestyle und Heimatgefühl – für Einheimische, Gäste und alle, die die Berge neu entdecken möchten.
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Ausgabe 63 | Frühjahr 2026
Menschen & Geschichten in Garmisch-Partenkirchen
TOSENDE KRAFT
Die Partnachklamm – ein Naturwunder neu entdecken
STILLES FARBENSPIEL
Regenbogen – Momente zum Innehalten und Genießen
Mit dem
Magazin der
Zugspitz Region
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EDITORIAL
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
STADT LAND GWAND
Wer hier lebt, hat die Partnachklamm in der Regel nicht nur
einmal besucht. Als Kind mit Mama und Papa, als Mama und
Papa mit den Kindern, als Freund und Freundin mit Besuch.
Man kennt die Klamm, man muss nicht unbedingt nochmal hin.
So zumindest dachte ich. Bis ein Bekannter mit dem
Vorschlag daherkam, sie einmal nachts zu besuchen.
Bei einer Fackelwanderung, im Winter. Plötzlich – war alles
anders. So hat die Partnachklamm noch nie ausgeschaut.
Die Eisformationen, die im Licht der Fackeln mal sanft
schimmern, mal bedrohlich leuchten – Kunstwerke der
Natur. Die dunkle Schlucht, in der die Kraft der Natur noch
mächtiger wirkt. Diese Ruhe, obwohl sich das Wasser tosend
laut seinen Weg bahnt. Da steht man, staunend wie ein kleines
Kind, das die Welt entdeckt. Erfüllt von diesem Moment.
Ein ähnliches Gefühl schenken Regenbogen. Sie lassen Menschen
stehen bleiben. Egal, welche Hektik sie angetrieben hat: Dieses
himmlische Farbenspiel bringt sie – zumindest kurz – zur Ruhe.
Es braucht eben nicht viel für ein bisschen Glück im Alltag.
Nur offene Augen, um dieses Glück bewusst zu sehen.
Und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen.
Wir hoffen, Ihnen genau das mit dieser Ausgabe zu schenken:
Momente zum Innehalten. Orte zum (Wieder)Entdecken.
Viel Freude bei der Regenbogenruhe und der neuen
Partnachklammperspektive. Und natürlich auch bei der
international beachteten Bildhauerkunst, der historischen
Abenteuerlust und dem verewigten Musikgenuss.
Ihre Katharina Bromberger
SCHNEIDIG
FRISCH
Fotos Editorial: Manuela Schauer | Foto Titel: Imago/Dreamstime. Der Geroldsee vor dem Karwendelgebirge
Auch Bekanntes kann zum Staunen bringen, wenn man
es neu entdeckt – zum Beispiel die Klamm bei Nacht.
Über Lob, Kritik und
Anregungen freuen
wir uns. Schreiben
Sie uns per E-Mail!
bergwelten@merkur.de
Folgen Sie uns auf Instagram
@bergwelten_gap
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82467 Garmisch-Partenkirchen
www.grasegger.de
Bergwelten Frühjahr 2026 3
INHALT
FOTOSTRECKE
Der bunte Schatz am Himmel: Gemeckert wird oft
über ihn, dabei hat der Regen so wunderbare Seiten –
er erschafft die Bogen, die jeden innehalten lassen. ...............................6
PORTRÄT
Ein Riesen-Christus für Toronto, ein Kreuz fürs Hörnle:
Bischöfe, Adelige und Scheichs gehören zu den Kunden
von Bildhauer Hans-Joachim Seitfudem aus Bad Kohlgrub. ...........18
VORBILDER UND VISIONÄRE
In der Küche die Bergrettung verändert: Dr. Hans Gazert
war Teil der ersten deutschen Antarktis-Expedition 1901,
in Garmisch-Partenkirchen wirkte er als Arzt, war
angesehener Alpinist und ein Pionier der Bergwacht. .................... 28
BERGWELTEN-SPEZIAL
Eine Naturgewalt begreifen .......................................................................... 34
Krachendes Eis, tanzende Baumstämme und aufgespannte
Regenschirme: Historische Zeilen über die Klamm ........................... 35
Am Anfang war’s ein Ozean: Millionen Jahre dauerte es, bis die
Berge entstanden, einige Tausend, bis sich das Partnachwasser
in die Klamm grub, viel später kam der Mensch. ................................ 36
Laser für die Sicherheit: Streng überwacht
Prof. Dr. Michael Krautblatter die Partnachklamm
und ihre Felswände – mit Hightech sorgt er für Sicherheit. ......... 38
„Da bin i Gott am nächsten“: Rudi Achtner hätte in
Berlin Karriere machen können, stattdessen kümmerte
er sich um seine Partnachklamm – seit 23 Jahren. ........................... 40
Wanderungen in und um die Klamm: Drei Tourentipps,
mal mit Tiefblick, mal auf historischen Spuren .................................. 44
DER DIRIGENT HINTER DER MUSIK
Konzert-Erlebnis für zu Hause: Dirigent Rémy Ballot stellt sich
mit Profi-Musikern während der Richard-Strauss-Tage einer
Herausforderung – von der jeder profitieren kann. .......................... 46
RUBRIKEN
Rezepttipp: An Guadn wünscht
S’Wirtshaus in Bad Kohlgrub ........................................................................24
Die Natur und ihre Schätze:
Die Welt durch den Zaun hereinlassen ....................................................26
Host mi? Bayerische Begriffserklärung .....................................................32
Buchtipps ................................................................................................................33
Impressum .............................................................................................................50
FOTOSTRECKE
DER BUNTE
SCHATZ
AM HIMMEL
Erhaben: die Kapelle
Maria Königin am Lautersee
bei Mittenwald mit Blick
auf das Karwendel.
Foto: Sebastian Frölich / www.froelich-natur-fotografie.com
6 Bergwelten Frühjahr 2026
Gemeckert wird oft über ihn, für schlechte Stimmung sorgt er –
vor allem, wenn er zu lange bleibt. Nein, besonders beliebt ist der
Regen allgemein nicht. Doch hat der so wunderbare Seiten. Nicht nur,
weil er Leben erschafft. Sondern auch die herrlichen Bogen, an deren
Ende ein Schatz verborgen liegt. Und die jeden innehalten lassen.
Fotos: Sebastian Frölich, Simon Bauer, Imago, Alpenwelt Karwendel
Bergwelten Frühjahr 2026 7
So wunderschön kann
ein atmosphärischoptisches
Phänomen
sein: ein Regenbogen
in der Abendsonne
über dem Staffelsee.
Foto: Imago / Manngold
8 Bergwelten Frühjahr 2026
Ein bunter Heiligenschein
überstrahlt Mittenwalds
Viererspitze, ein
zweiter schiebt sich
unauffällig darüber.
Foto: Sebastian Frölich / www.froelich-natur-fotografie.com
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Bergwelten Frühjahr 2026 9
Herausragender Blick Richtung
Oberammergau mit dem Laber
(l.) und Kofel (r.): Der Himmel
allein wäre ein Schauspiel,
der von Regen und Licht
geformte Bogen perfektioniert
die Show der Natur.
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Foto: Simon Bauer Photograph
10 Bergwelten Frühjahr 2026
Alpenglühen und zwei
Regenbogen, dazu völlige Ruhe:
Momente wie diese, hier am Ufer
des Lautersees mit Blick auf das
Karwendel mit der Viererspitze,
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Bergwelten Frühjahr 2026 11
12 Bergwelten Frühjahr 2026
Foto: Imago / Dreamstime
Schön und bedrohlich
zugleich: Bei diesem Blick
auf den Geroldsee und die
Karwendelwände vor dem
Gewitterhimmel spürt
man die Kraft der Natur.
Bergwelten Frühjahr 2026 13
Noch prasselt der Regen
nieder, doch die Sonne hat
sich schon wieder ihren
Platz erkämpft – und formt
diesen Regenbogen über
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14 Bergwelten Frühjahr 2026
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Bergwelten Frühjahr 2026 15
Dort hinten muss der
Schatz vergraben sein,
irgendwo dort im Loisach-
Kochelsee-Moor. Doch wird
bei diesem Anblick der
Himmel selbst zum Schatz.
Foto: Huber Images/Christian Bäck
16 Bergwelten Frühjahr 2026
Erst der Regen, dann das
Naturschauspiel: In der
Abendsonne leuchtet der
Himmel über dem Staffelsee.
Foto: Imago / Manngold
Bergwelten Frühjahr 2026 17
PORTRÄT
Auf der ganzen Welt sind
Hans-Joachim Seitfudems
Kunstwerke zu bewundern.
Nicht jeder hat an einen
solchen Weg geglaubt.
Ein Riesen-Christus
für Toronto, ein Kreuz
fürs Hörnle
18 Bergwelten Frühjahr 2026
Bischöfe, Adelige und Scheichs gehören zu
seinen Kunden. Seine Holzfiguren stehen
in der ganzen Welt. Auch in Bad Kohlgrub
schätzen sie die Arbeit von Bildhauer
Hans-Joachim Seitfudem (82). In dem Ort,
in dem er lange nur der Flüchtling war.
Text: Magdalena Kratzer · Fotos: Thomas Sehr, Martin Doll
Was macht die Frau? Schnüffelt in der Werkstatt
herum. Kein „Grüß Gott“, nichts. Nimmt eine
Figur in die Hand, stellt sie zurück. Schaut nach
rechts, nach links. Stellt sich auf die Zehenspitzen. Entdeckt
eine Madonna aus Eichenholz. Bedächtig schaut sie die Figur
an, wie sie friedlich im Regal steht. Ihre Füße blitzen unter
dem Kleid hervor, in ihren Armen hält sie das schlafende
Jesuskind, eingewickelt in eine Decke. „Jetzt weiß ich es“,
murmelt die Frau. Zum ersten Mal sieht sie Hans-Joachim
Seitfudem in die Augen. „Jetzt weiß ich, wer die Madonna
von Stalingrad für den Soldatenfriedhof gemacht hat.“ Der
Bildhauermeister aus Bad Kohlgrub räuspert sich, schiebt
die Brille nach hinten. „Wer san denn Sie?“ Sie ist die jüngste
Tochter des Lazarettarztes und Priesters Kurt Reuber. Am
Weihnachtsabend 1942 malte er die berühmte Stalingradmadonna.
Auf einer russischen Landkarte, bei minus 40
Grad. Mit Kohle, die er zuvor aus dem Feuer herausgeholt
hatte. Über vier Wochen lang hatte die Rote Armee Stalingrad
schon eingeschlossen. An jeder Ecke wartete der Tod.
Kurt Reuber starb 1944 an Fleckentyphus. Nach seiner
Zeichnung, die während der Schlacht von Stalingrad in
einem der letzten Transportflugzeuge ausgeflogen wurde
und so der Nachwelt erhalten blieb, schnitzte Hans-Joachim
Seitfudem die Madonna. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof
in Rossoschka in Russland wurde sie zum Symbol der
Leiden der Soldaten. Zur Einweihungsfeier im Jahr 1999
konnte Seitfudem nicht kommen. Dass zwei Jahre später
die Tochter von Kurt Reuber extra nach Bad Kohlgrub
reiste, um ihn zu besuchen, berührt ihn heute noch.
Für jedes Werk ein Miniaturformat
Der Bildhauer, heute 82, rückt sich einmal mehr mit der
rechten Hand seine Brille zurecht. Mit Hut und Strickjanker
steht er seiner Werkstatt an der Erlestraße. „Servus“, sagt einer
beim Vorbeigehen. „Servus“, sagt Seitfudem. Hier kennt man
sich. Dann dreht er sich um. Zu seinen Figuren, die zu Dutzenden
vor der Werkstatt stehen. Drinnen haben sie keinen
Platz mehr gefunden, weil in jeder Ecke Heilige, Engel und
Madonnen stehen sowie Krippen mit dem Jesuskind. Von der
Decke hängen die Gekreuzigten. Auf der ganzen Welt finden
sich Seitfudems Werke. In Kirchen und Königshäusern. Sein
Riesen-Christus steht in Toronto. Ein Falke, der auf einem
Kristall thront, steht bei einem Scheich in Abu Dhabi. Alle
Werke besitzt er ein zweites Mal in Miniaturformat. Denn
sobald ein Auftrag beendet ist, schnitzt er für sich eine kleine
Kopie nach. „Zu jeder Figur habe ich eine Geschichte.“
1958 beendete er nach drei statt vier Jahren seine
Lehre in Oberammergau. Zehn Jahre später legte
er die Meisterprüfung ab. Ein Lehrer hatte ihm
seinen Weg prophezeit, als er noch ratlos war.
Ein letzter Brunch.
Zum Abschluss mit Bar-Feeling.
Der Werdenfelserei-Brunch geht in die letzte Runde – aber nicht,
ohne sich gebührend zu verabschieden.
Am Sonntag, den 19. April 2026, feiern wir eine Brunch Party, die
noch einmal alles vereint, was die Sonntage in der Werdenfelserei
so besonders gemacht hat: Knuspriges, Cremiges, Fruchtiges,
Herzhaftes – und ganz viel Zeit für Lieblingsmenschen.
Für alle, die noch mal brunchen wollen. Für alle, die noch einen
Gutschein haben. Für alle, die den Genuss zelebrieren möchten,
bevor ein neues Kapitel beginnt. Für die Brunch-Party ist diesmal
auch unsere Bar ab 11 Uhr geöffnet.
Wir sagen nicht „Pfiadi“, sondern: Bis ganz bald – beim Frühstück,
bei der Marenn, beim Wiedersehen.
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Bergwelten Frühjahr 2026 19
Die berühmte Stalingradmadonna: Für einen deutschen Soldatenfriedhof
in Russland hat Hans-Joachim Seitfudem eine geschnitzt – und
die Tochter ihres Erschaffers Kurt Reuber enorm berührt.
Zeitungen in ganz Deutschland haben schon über
Hans-Joachim Seitfudem und seine Aufträge berichtet. Ein
paar Ausschnitte hat er ans Fenster seiner Werkstatt geklebt.
In der achten Klasse wusste er nicht recht, was er als Berufswunsch
schreiben sollte. „Du wirst Schnitzer“, sagte sein Lehrer. „Der hat das
ganz gut erkannt.“ Schon als Bub fertigte er gerne kleine Pferde aus
Holz. Seine fünf Jahre ältere Schwester und sein vier Jahre älterer
Bruder hatten dazu keinen Bezug. „Ich bin aus der Art geschlagen.“
Das ganze Geld seiner Konfirmation kratzte er zusammen für ein
Schnitzeisen. 180 Mark. Mit seinem Bildhauermeister in Oberammergau
fuhr er vor dem Ausbildungsstart ins Stubaital, um das
wichtigste Werkzeug zu kaufen. Der Meister warf das Eisen erst
einmal in die Luft. „Hörst Du’s ned?“, fragte er den damals 14-Jährigen.
„Das klingt schee nach.“ Wenn es klingt, ist der Stahl gut. Ein
Kriterium, das Hans Joachim Seitfudem bis heute beherzigt. Bei
seinen Lehrlingen flog immer erst das Schnitzeisen in die Höhe.
Zuerst die Hände genau angeschaut
Viele bildete Seitfudem aus. Darunter zahlreiche Bundes- und
Kammersieger. Manche sind heute berühmt. Wie der Bildhauer
und Künstler Jürgen Lingl-Rebetez. Auch Mira Bergmüller
oder Johannes Rössle haben sich einen Namen gemacht.
Seitfudem war ein strenger Lehrer. „Ich hatte es bei dir nicht
gut“, sagte sein Neffe einmal zu ihm. „Dafür ist er ein guter
Schnitzer geworden.“ Der Bad Kohlgruber lacht. Bewirbt sich
jemand bei ihm, schaut er sich zuerst die Hände genau an. „Da
seh‘ ich schon, ob einer für den Beruf taugt oder nicht.“
Auch Seitfudem ging durch eine harte Ausbildung. Er lernte
bei dem renommierten Oberammergauer Meister Hohenleitner.
Die theoretischen Fächer sowie Modellieren, Zeichnen
und Kunstgeschichte in den Werkstätten der Schnitzschule.
Neben ihm übten 18 weitere Lehrlinge. Er war der kleinste,
1,48 Meter klein. Nicht nur wegen seiner Größe haben ihn die
anderen gehänselt, ausgeschlossen. Es sprach sich herum, dass
er kein gebürtiger Bad Kohlgruber ist. Dass seine Familie aus
Schlesien kommt. „Sauflüchtling“, riefen sie ihm hinterher.
Aaron Seitfudem hieß sein Großvater, dessen Nachnamen er mit
Stolz trägt. Der Vater seines Vaters, den er nie kennenlernte. Er
fiel vor seiner Geburt. Seine Mutter flüchtete mit der kleinen
Tochter, dem Sohn und einem Baby aus Breslau. 1945 kam sie
in Bad Kohlgrub an, wo der andere Großvater in einem Flüchtlingsheim
lebte. Sein Schwiegersohn Paul Maljunke, ein Ober-
20 Bergwelten Frühjahr 2026
Kunstwerke überall: Marien und
Jesuskinder, Sagenfiguren, Engel und
Heilige stehen auch vor der Werkstatt.
„Zu jeder Figur habe ich eine Geschichte“:
Entsprechend viele Geschichten weiß
Hans-Joachim Seitfudem zu erzählen.
feldwebel, holte ihn aus dem Konzentrationslager in Oranienburg
und brachte sie in Sicherheit. „Ein toller Kerl“, sagt Seitfudem.
In Bad Kohlgrub gründete er das Flüchtlingshaus „Rübezahl“.
„Für einen Flüchtling bist du weit gekommen“
Oft schon wurde Seitfudem auf seinen Nachnamen angesprochen.
Als er einen Jakobus für Kardinal Joachim Meisner
schnitzte, kam der auf dem Weg nach Rom bei ihm in Bad
Kohlgrub vorbei. „Wo sind Sie her?“, fragte der großgewachsene
Geistliche. „Mit so einem Namen kommt man nicht aus
Bad Kohlgrub.“ Lange unterhielten sie sich über Breslau. Der
Heimat, aus der auch der Kardinal als Kind flüchten musste.
Einmal traf er einen alten Kohlgruber, der auf seiner Hausbank saß.
„Für einen Flüchtling bist du schon weit gekommen“, meinte der
trocken. Er meinte damit Seitfudems Position bei der Feuerwehr,
1964 war er beigetreten und später zum Ehrenkommandanten
ernannt worden. Von 1975 bis 1978 war er Zweiter Vorsitzender
des Krieger- und Veteranenvereins, bis 2016 Erster Vorsitzender.
Bei der Einweihung der Krieger- und Gedenkkapelle im Kurgarten
1992, machte er eine ein Meter große Stalingradmadonna, die
vom damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl gestiftet wurde.
Seitfudem klingt nachdenklich. „Es gibt so Geschichten, da kannst
ned raus. Das wird dir auferlegt und du musst durch.“ Seine „Kohlgruber“,
wie er sie nennt, mag er trotzdem, auch wenn er für manch
einen der Flüchtling geblieben ist. „Ich fand es immer schön hier.“
Darum nahm er 1980 das Angebot seiner Vermieterin an.
Seit fünf Jahren arbeitete der Bildhauer damals selbstständig,
er brauchte mehr Platz. Die Garage reichte nicht mehr.
„Eigentlich wollte ich weg.“ Dann stellte sie ihm das Haus
zur Verfügung, in dem er heute noch lebt. „Sie hat mich gemocht,
obwohl sie mich am Anfang nicht haben wollte.“
Tür an Tür mit dem Sohn arbeiten
Die Werkstatt seines erstgeborenen Sohnes ist direkt daneben.
Zwei Bildhauer, komplett unterschiedliche Werke. Moderne
Skulpturen und abstrakte Kunst fertigt Joachim Seitfudem. Auch er
hat Kunden in der ganzen Welt. Einige Figuren packte er gerade in
Luftpolsterfolie und Styropor, sie fliegen nach Katar. Der Zwil-
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Bergwelten Frühjahr 2026 21
Seit 2023 thront das
neue Gipfelkreuz auf
dem Hörnle, dem
Hausberg von Bad
Kohlgrub. Geschaffen
hat es Hans-Joachim
Seitfudem.
lingsbruder Rafael, er wohnt nebenan, lernte ebenfalls Schnitzer.
„Der war auch sehr gut“, sagt sein Vater. Doch wollte er umlernen
auf Mechatroniker, dann ging er zur Bundeswehr. Als Sternekoch
arbeitete der jüngste Sohn Darius lange in Kuala Lumpur, dann
in Katar, derzeit in Bangkok. Die jüngste Tochter Miriam – sie hat
eine andere Mutter als die Söhne – wuchs in Schweinfurt auf,
in Bremen studierte sie Theaterwissenschaft. Sie trägt seinen
Nachnamen, obwohl er mit ihrer Mutter nie verheiratet war.
Nach ihrer Geburt in Starnberg ging er höchstpersönlich aufs
Standesamt. „Ich stehe zu ihr. Das wäre sonst ja noch schöner.“
Keine Papiere, kein Geld
Foto: Martin Doll
Als uneheliches „Kuckusei“ hatte es Hans-Joachim Seitfudem
nicht leicht. Seine Geschwister sind Halbgeschwister. „Für mich
bekam meine Mutter keine Rente.“ Seine Papiere gingen bei der
Flucht aus Schlesien verloren. Auf der Meisterschule wollte er
wie seine Kollegen einen Zuschuss vom Arbeitsamt beantragen.
Der Sachbearbeiter schüttelte nur den Kopf. Ohne Papiere,
kein Geld. „Sie sind ein trauriger Fall“, sagte er. Seitfudem solle
sich beim Fürsorgeamt melden. Der dachte sich: „Ihr könnt
mir den Buckel runterrutschen.“ Vor der Meisterschule war er
bei der Bundeswehr und tat seinen Dienst bei den Fallschirmjägern
in Nagold und Altenstadt. „Da haben sie mich geholt.“ Da
war er quasi gut genug – und jetzt, wo er den Staat brauchte,
bekam er nichts. Er stellte nie mehr einen Antrag. „Meine Mutter
zog mich mit Kartoffeln groß. Das ging auch.“ Also ging er
abends in die Werkstatt statt mit den Kollegen auf ein Bier.
Bei der Bundeswehr werkelte er ebenfalls in jeder freien Minute.
Der Stadt Nagold schnitzte er eine Madonna. Dafür gab’s einen
22 Bergwelten Frühjahr 2026
ging er spazieren, als ihn „hohe Leute aus dem Irak“ ansprachen.
Sie fragten ihn, ob er ein Porträt von dem 1999 ermordeten Großajatollah
Mohammad-Sadiq al-Sadr aus Holz fertigen könne.
Einmal schnitzte er die Lebensgeschichte eines Amerikaners als
Relief, mit Mini-Porträts von den Eltern, den Kindern, den Enkeln.
Auch in der Heimat sind seine Werke zu sehen. Für die Marienkapelle
in Bad Kohlgrub schnitzte er eine neue Madonna, bei der
Hörnlealm steht ein Heiliger Michael. Er fertigte auch das neue
Gipfelkreuz mit dem Christus, das im Juni 2023 aufgestellt wurde.
Ruhestand? Daran denkt Hans-Joachim Seitfudem auch mit 82 Jahren nicht.
Goldtaler. Ein Artikel über ihn erschien in der Badischen Zeitung
mit der Überschrift: „Was machen Soldaten in ihrer Freizeit?“
Viele weitere Berichte über ihn hängen in seiner Werkstatt, hingepickt
mit einem Reißnagel. An einen Holzbalken zwischen den
Marien und Jesuskindern, den Luzifern, Engeln und Heiligen.
Auf einem Zeitungsausschnitt, schon etwas vergilbt, ist er mit
Kardinal Meisner zu sehen, auf einem anderen steht er neben
dem Bischoff von Würzburg. Einmal übergibt er der königlichen
Hoheit Franz von Bayern eine besondere Madonna, sie
war ein Hochzeitsgeschenk für einen ungarischen Prinzen.
Hans-Joachim Seitfudem kam viel herum. Mit seinen 82 Jahren ist
der vierfache Großvater immer noch viel unterwegs. Stellt überall
dort aus, wo er eingeladen wird, auch schon mit seinem Sohn
Joachim gemeinsam. Ans Aufhören denkt er nicht. „Es kommen
einfach immer wieder Leute.“ Immer wieder neue Aufträge,
darunter so „Zufallsdinger“. Bei einer Ausstellung in Starnberg
An den Augen erkennt man einen Seitfudem
Von seinen Figuren spricht er wie von Menschen. Er kennt die
Geschichten der Heiligen, zitiert passende Bibelstellen. „Wenn
ich eine heilige Katharina oder heilige Barbara schnitze, muss
ich den Hintergrund wissen.“ Viel recherchierte er zu Jesus.
Seitfudem ist überzeugt, dass der Messias das Heilen nicht von
heute auf morgen beherrschte. Er kennt Bücher, wonach er
lange durch Nepal und Indien reiste. „Er muss es dort gelernt
haben.“ Manchmal setzt er seinen Jesus in den Schneidersitz.
Er schenkt ihm Gewand in fröhlichen Farben und lässt ihn die
rechte Hand heben. Wie Buddha. Wegen dieser Jesus-Darstellung
beschuldigte ihn eine Nonne einmal der Blasphemie.
Auch seine Weihnachtskrippen sind besonders. Der Ochs verneigt
sich vor dem Jesuskind. „In der Bibel steht’s geschrieben.“ Er rezitiert
das Kapitel 1.3 im Buch Jesaia: „Aber Ochs und Esel wissen wo der
Herr ist und wissen wo die Futterkrippe ist.“ Die Augen des Schafs,
sind auf das Baby gerichtet. Es ist das Lamm, dass die Sünden der
Welt trägt und geopfert wird. „Bei mir haben alle Figuren richtige
Augen.“ Daran erkenne man einen echten Seitfudem.
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von traditionell bis modern
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Bergwelten Frühjahr 2026 23
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Geräuchertes
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in Kartoffelknödeln
Zutaten
(für 4 Personen)
800 Gramm Kartoffeln (mehligkochend, Typ C)
200 Gramm griffiges Mehl
80 Gramm Weichweizengrieß (feiner Grieß)
1 Ei
300 Gramm Schweinenacken (geräuchert)
Glattes Mehl (zum Bestäuben der Arbeitsfläche)
Salz
24 Bergwelten Frühjahr 2026
Jan Pischel
GEBURTSDATUM:
28. Juni 1981
WOHNORT: Bad Kohlgrub
GEBÜRTIG AUS: dem
tschechischen Riesengebirge
(Krkonoše)
IM S'WIRTSHAUS SEIT: der Wiedereröffnung 2025
WARUM DIESES GERICHT: Es ist typisch für unsere
Heimat – und wir wollen den Gästen das Beste geben,
was unsere heimische, tschechische Küche zu bieten
hat. Zudem eignet sich das Gericht hervorragend für die
Frühlingszeit – sättigend und zugleich angenehm leicht.
Alles für die
Küche...
Messer
Gabel
Löffel
Töpfe
Pfannen
Teller
Tassen
Gläser
Geschenkartikel voller Ideen, originell verpackt
und zu jedem Anlass!
Zubereitung
Die Kartoffeln in der Schale weich kochen und vollständig
auskühlen lassen. In der Zwischenzeit das geräucherte
Fleisch vollständig mit Wasser bedeckt etwa 20 Minuten
kochen. Herausnehmen, abkühlen lassen und in kleine
Würfel schneiden. Die abgekühlten Kartoffeln schälen
und fein reiben oder durch eine Kartoffelpresse drücken.
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Zugspitzstraße 49
Tel. 0 88 21 / 5 99 09
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Zum geriebenen Kartoffelteig Mehl, Grieß und das
Ei hinzufügen. Das Ganze salzen und zunächst mit
einem Kochlöffel, anschließend mit den Händen zu
einem weichen, nicht klebenden Teig verarbeiten.
Fotos: Thomas Sehr
Diesen Teig in vier Teile teilen und auf einer bemehlten
Arbeitsfläche jeweils zu einer etwa 0,5 bis 1 Zentimeter
dicken Platte ausrollen. In Quadrate von circa 8 Zentimeter
Kantenlänge schneiden. Damit der Teig nicht wässrig
wird, während er auf das kochende Wasser wartet, nun
einen großen Topf mit mindestens 3 Litern Salzwasser
füllen und zum Kochen bringen. Erst danach mit
dem Formen der Knödel fortfahren. In die Mitte jedes
Quadrats etwas vom geräucherten Fleisch geben.
Alle vier Ecken des Teigs zusammenführen und den Knödel in
die Hand nehmen. Die Hände zuvor leicht mit glattem Mehl
bestäuben. Nun den Knödel in den Händen rund formen
und darauf achten, dass alle Öffnungen gut verschlossen
sind. Die fertigen Knödel auf ein bemehltes Brett legen.
Anschließend vorsichtig ins kochende Wasser geben, erneut
zum Kochen bringen, mit dem Kochlöffel vom Topfboden
lösen und je nach Größe 10 bis 12 Minuten kochen. Danach
abseihen, jeden Knödel mit einer Gabel einstechen und sofort
servieren – gerne mit Rotkohl, unsere liebste Kombination.
TIPP: Wenn die Knödel nicht sofort verzehrt werden,
können sie in geschmolzenem Schmalz oder Öl gewendet
werden, damit sie nicht austrocknen oder zusammenkleben.
Auf dem Teller mit fein gehackten, in Schmalz goldbraun
gebratenen Zwiebeln übergießen. Als Beilage eignet sich auch
gedünstetes Sauerkraut sehr gut.
n
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Bergwelten Frühjahr 2026 25
DIE NATUR UND IHRE SCHÄTZE
Die Welt durch
den Zaun hereinlassen
Foto: Smarterpix / Ron Chapple Stock
Foto: Sebastian Gabriel
DANIEL HASER
35 Jahre alt, Landwirt
aus Bad Bayersoien,
Vorsitzender im
Gartenbauverein
Geschichte:
Mit dem Haserhof fing 2016 alles
an. Daniel Haser betrieb ihn ohne
Subventionen. Unabhängig. Um
seine Ideen zu leben. Im Zentrum
stand die Nachhaltigkeit. Das
gilt bis heute. Daniel Haser will
einen Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft
schaffen, lebt
nach dem Grundsatz, Nährstoffkreisläufe
zu schließen. Seinen
Hofladen jedoch hat er derzeit
geschlossen. Er bereitet sich auf die
Prüfungen zum Gärtnermeister
Fachrichtung Gemüsebau vor.
26 Bergwelten Frühjahr 2026
Menschen bauen Zäune um ihre Gärten, setzen Grenzen. Kolumnist Daniel Haser sieht
darin so viel mehr. Für ihn bestehen Zäune auch aus Gedanken, Haltung, Normen.
Ein bisschen weniger davon, hält er für gut. Vor allem wünscht er sich solche, die trennen
und verbinden zugleich. Solche, die Vögel füttern und der Natur ein Zuhause geben.
Gartenzäune erzählen Geschichten. Die einen errichten sie
aus Ordnungsliebe, manche aus Vorsicht, viele aus Gewohnheit,
immer wieder aus Schönheitssinn, gelegentlich
aus Pragmatismus. Nicht jeder Zaun ist dabei ein Manifest,
nicht jeder Zaunbauer ein Abgrenzer, ein Ausgrenzer. Ab und
an wird die Kultur unhinterfragt nachgeahmt. Wer aus dem
Fenster sieht, entdeckt freundliche, breitmaschige, ozondurchlässige
Zäune. Manche Grundstücke verzichten ganz auf sie,
die liberale Methode, freiheitlich und inklusiv. Keine Grenzen,
keine Mauern. Offenbar leben wir in einer Vielfalt von Grenzformen,
die sich nicht leicht auf einen Begriff reduzieren lassen.
Der Gartenzaun spricht, wenn man ihm zuhört. Er sagt: „Bis hierher.
Hier beginnt meine Welt – und dort deine.“ Manchmal sagt
er es streng, manchmal freundlich. Psychologisch kann man im
Zaun vieles lesen: den Wunsch nach Ruhe, nach Übersicht, nach
einem Ende der Verantwortung oder dem Anfang derselben.
Oscar Wilde hätte ihn vielleicht bewundert als Rahmen um das
banale Alltägliche. Henry Miller hätte ihn wohl verspottet und
nachts überstiegen. Dostojewski hätte gefragt, ob ein schöner Zaun
durch seine Schönheit die Menschheit retten könne. Kafka wäre
vermutlich unten als Laubholzbockkäfer Gregor durchgeschlüpft
auf der Flucht vor Leistungsdruck und familiärer Ausbeutung.
Ein bisschen Nervenkitzel
In den Zäunen steckt auch Nervenkitzel: das Verbotene auf Augenhöhe.
Drüber- und durchluren, während man so tut, als sähe
man nichts. Der Zaun als diskreter Voyeurismus, das versteckte
Teilnehmen am Leben der anderen. Man weiß, wann dort drüben
geliebt, getrunken, gearbeitet, gefaulenzt, schon wieder getrunken,
gelacht, gestritten wird – aber man bleibt sittsam auf seiner Seite.
Doch lieber die blickdichte Variante gegen die nachbarschaftliche
Neugier? Zum Schutz des eigenen Paradieses. Zeitraffersonntage, Beckenbodenfrischluftkur,
Träume tanzen und Tänze träumen – einfach
alles ist sinnlicher und erfüllender bei Windbrisen und Sonnenstreicheleien
auf der Haut. Hinterhofwellness mit Sonnenschutzfaktor 30.
In einer Welt, in der Flächen versiegelt und Räume geglättet
werden, wird der Zaun zu einer ökologischen Entscheidung.
Nicht ob wir begrenzen, ist die Frage, sondern wie wir es tun. Ein
Sichtschutz aus Plastik trennt, ohne zu geben. Eine Hecke trennt
und verbindet zugleich: Sie schützt vor Blicken und schenkt
zugleich Luft, Lebensraum und Lebensmittel. Sie erlaubt dem
Menschen, privat zu sein und lässt zugleich die Welt herein.
Vielleicht könnte man sagen: Der zeitgemäße Zaun ist kein Bollwerk
mehr, sondern ein Übergang. Er schützt, ohne zu verhärten. Er
ordnet, ohne zu vernichten. Er gibt dem Garten Kontur und der
Natur Gelegenheit. Zwischen Hasel, Schlehe und Wildrose entsteht
etwas Drittes: weder Besitz noch Wildnis, sondern Beziehung.
Eine Entscheidung für Artenvielfalt
Wer heute einen Zaun errichtet, entscheidet also nicht nur
über Stil und Nachbarschaft, sondern auch über Temperatur,
Artenvielfalt und Durchlässigkeit. Ein geschlossener Sichtschutz
speichert Hitze. Eine Hecke kühlt. Ein Betonwall wirft Schatten
ohne Nahrung. Ein lebender Zaun füttert Vögel und Insekten
sowie die Psyche und den Augapfel des Betrachters.
Vielleicht ist der schönste Zaun jener, der sich selbst relativiert:
eine wilde Hecke, ein unordentliches Geflecht aus lebendem
Holz, eine Grenze, die mehr einlädt als abwehrt. Ein Zaun,
der sagt: Ich bin da, aber ich glaube nicht an mich, ich wachse
einfach so vor mich hin. Lebensraum für alle. Er blüht,
fruchtet und wirft ab, verteilt Lebensmittel, frische Luft und
Nährstoffe. Er belastet die Welt nicht, er bereichert sie. Amsel,
Igel, Haselmaus, Weinbergschnecken und viele andere finden
Festtafeln auf einem Meter Wildhecke. Aber Vorsicht: Im Herbst
verunreinigt sie ohne Moral Garten und Gehweg mit Laub.
Der Zaun bleibt, was er immer war: ein Zeitgeistspiegel. Früher
opulent. Heute eher dezent. Aber noch immer sagt er dasselbe:
„Hier ist deine Welt zu Ende – und hier beginnt meine.“ Lassen wir
ihn zu einem Ort der Vermittlung werden – zwischen Ordnung
und Wildnis, zwischen Schutz und Offenheit, zwischen Menschen,
Tieren und Pflanzen.
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Bergwelten Frühjahr 2026 27
VORBILDER UND VISIONÄRE
Geschichten von Persönlichkeiten
In loser Serie erzählen wir Geschichten von herausragenden
Persönlichkeiten, die die Region mit ihren Ideen, ihrem
Schaffensgeist und ihrem Engagement geprägt haben.
Menschen, deren Spuren heute noch sichtbar sind, genauso
wie Menschen, deren Spuren wir wiederentdecken.
In der Küche
die Bergrettung
verändert
Nach ihm ist eine Landzunge benannt:
das Cap Gazert im Indischen Ozean.
Dr. Hans Gazert war dabei, als sie entdeckt
wurde. Ein kleiner unbedeutender Ort
während eines bedeutenden Abenteuers:
der ersten deutschen Antarktis-Expedition
1901. In Garmisch-Partenkirchen wirkte
er als Arzt, war zudem ein angesehener
Alpinist – der den „Münchner alpinen
Spießbürger“ nicht leiden konnte –
und baute den Bergrettungsdienst auf.
Text: Tanja Brinkmann · Fotos: privat, Repro: Tanja Brinkmann
Der edelste Dienst des Menschen ist die Hilfe an seinem
Nächsten“ – diese Worte stammen von Dr. Hans
Gazert. Auf der Homepage der Partenkirchner Sanitätskolonne
erinnern sie an ihren Gründer. Perfekt passen
seine Worte zu dem Ehrenamt, aber auch zu dem Mediziner,
der sich dem Dienst am Nächsten verschrieben hat.
Ein Pionier der Bergwacht – und so viel mehr: Dr. Hans Gazert. In ihrer Wache
erinnert die Bergwachtbereitschaft Garmisch-Partenkirchen mit diesem
Bild – entstanden am Kreuzeck – an den Arzt, Alpinisten und Vordenker.
Möglicherweise wurde ihm das Helfen in die Wiege gelegt.
Sein Vater Ludolph Friedrich Gazert war Direktor des Krankenhauses
in Harburg an der Elbe, heute ein Stadtteil im Süden
Hamburgs. Dort kam Hans Gazert 1870 zur Welt. „Bereits in
früher Jugend interessierte er sich für naturwissenschaftliche,
medizinische und polare Themen“, weiß Marktarchivar Leonhard
Herr. Und für die Berge. Als Zehnjähriger kam er zum ersten
Mal in die Alpen. Sein Sohn Volker Gazert erzählt von einer
großen Tour, die sein Vater während der Sommerferien mit
seinen Geschwistern Fritz und Lies und zwei Begleitern unternahm:
Durchs Ötztal gingen sie über das Hochjoch nach Südtirol.
Auf dem Hin- und Rückweg wohnten sie jeweils einige
Tage in Partenkirchen, im Gasthof Melber in der Ludwigstraße.
Bau des Münchner Hauses:
Gazert kritisiert Projekt
Bei der ersten deutschen Expedition in die Antarktis 1901 war Dr. Hans
Gazert dabei. Mit seiner Kamera hielt der Arzt eine der Schlittenreisen
vom Forschungsschiff zur Küste und zum entdeckten Gaußberg fest.
Später weckte sein Schwager, der bergsteigende Schriftsteller
Josef Ruederer, Gazerts Begeisterung für die Berge. Schon während
seines Medizinstudiums in München – 1896 promovierte
er mit einer Arbeit über den Wundstarrkrampf – zog es ihn
häufig in die Alpen. Als Bergsteiger distanzierte er sich deutlich
von den Möchtegerns. „Der Münchner alpine Spießbürger will
einmal in der Woche ein alpines Thema hören und – in echter
Gebirgsjoppe mit der Pfeife im Munde, und bemüht, möglichst
Gebirgsdialekt zu sprechen – dasselbe kritisieren und durch
Erzählung von Selbsterlebtem das Gehörte übertrumpfen“,
Repro oben: Tanja Brinkmann
28 Bergwelten Frühjahr 2026
Dr. Hans Gazert suchte das Abenteuer. Das Bild zeigt ihn der
Familie zufolge nach einer „Frühjahrsschlittenreise“ im September
1902 während der dreijährigen Expedition ins Eis..
schrieb er an Professor Erich von Drygalski. Deutlich kritisierte
Gazert den Stil der Sektion München des Alpenvereins, der
er 1892 beigetreten war. Unter anderem stellte er sich gegen
den Bau des Münchner Hauses auf der Zugspitze. Wegen der
gewaltigen Kosten und weil man den höchsten Gipfel des Deutschen
Reiches nicht mit einem Wirtshaus verunzieren dürfe.
Mit der Zugspitze verband Gazert ein herausragendes alpinistisches
Erlebnis: Ihm gelang 1895 die Erstbegehung
über die Route vom Eibsee über das Bayrische Schneekar.
Im selben Jahr stand er als erster Bergsteiger auf
dem Öfelekopf-Westgipfel. Im Dezember 1895 gründete
er mit Gleichgesinnten die Sektion Bayerland. Bis an
sein Lebensende blieb er dort Mitglied. Unzählige Touren
hat er unternommen, alle detailliert dokumentiert.
Damit war zunächst Schluss, als Gazert von der geplanten
ersten deutschen Expedition in die Antarktis gehört hatte.
Nach einem Vortrag des Polarforschers und Geologieprofessors
Drygalski bewarb er sich dafür. Am 11. August 1901 gehörte der
Arzt zu den 32 Teilnehmern, die von Kiel aus mit dem Forschungsschiff
Gauß in See stachen. Ziel war es, einen bis dahin
unbekannten Teil der Ostantarktis zu erforschen. Ein gefährliches
Unterfangen. „90 Kilometer von der Küste entfernt, noch
diesseits des Polarkreises, fror das Schiff für ein ganzes Jahr im
Eis fest“, berichtet Gazerts Sohn Volker. Schlittenreisen zur Küste
führten ihm zufolge meist zum entdeckten Schwarzen Berg,
einem erloschenen Vulkan, der später Gaußberg genannt wurde.
Sein Vater fungierte als Expeditionsarzt, übernahm zudem
die Wetterbeobachtungen, kümmerte sich mit Drygalski um
die Vermessung des 370 Meter hohen Gaußbergs und half bei
dessen Eis- und Schneeuntersuchungen. Auf der langen Liste
mit allen geographischen Objekten, die die Gauß-Mannschaft
entdeckte, steht auch das Cap Gazert. Es liegt an der Westküste
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Bergwelten Frühjahr 2026 29
Das Forschungsschiff Gauß sitzt fest: Ein Jahr lang war es 90 Kilometer von der Küste entfernt im Eis eingefroren.
32 Männer waren an Bord, einer von ihnen kehrte 1903 nicht nach Deutschland zurück.
der Insel Heard, einem subantarktischen australischen Außengebiet
im Indischen Ozean, am Ende einer felsigen Landspitze.
Keine weitere Polarexpedition:
Patienten gehen vor
Auch der Meteorologe Josef Enzensberger, der von 1900 bis 1901
der erste Wetterbeobachter auf der Zugspitze gewesen war und
dort allein den Winter über ausgeharrt hatte, nahm an der Expedition
teil. Er kam als Einziger nicht lebend zurück. Im Basislager,
einer Kerguelen-Insel in der Südsee, starb er an Beriberi,
einer Vitamin-Mangelerkrankung. Polarexpertin Dr. Cornelia
Lüdecke von der Uni München meint, dass die Erkrankung auf
den Zugspitz-Aufenthalt zurückgeführt werden könnte. Gazerts
Beschreibungen und Deutungen des Krankheitsverlaufs während
der Expedition leisteten „einen wertvollen Beitrag zur damals
neuen Theorie der Vitamin-Mangelkrankheiten“, betonte sie in
einem Vortrag. Den Expeditionsteilnehmern hatte der Mediziner
frische Nahrung empfohlen. Im Gegensatz dazu ernährte sich
die Gruppe von fünf Wissenschaftlern, darunter Enzensberger,
auf den Kerguelen nur von Lebensmitteln aus Konserven.
1903 kehrten die Forscher mit Unmengen an wissenschaftlichem
Material heim. Die Aufarbeitung wurde erst 1932 abgeschlossen.
Gazert und Drygalski verband durch dieses Abenteuer in der
Antarktis eine Freundschaft fürs Leben, erzählt Volker Gazert.
„Das ging auch auf die Familien und die Nachkommen über.“
Bald fand Gazert mit seiner Familie in Partenkirchen eine neue
Heimat. 1907 zog er an den Fuß des Wanks, dort ließ er sich zunächst
als Arzt nieder, dann wurde er Chefarzt im Gemeindekrankenhaus
und blieb es, bis er 1946 in den Ruhestand ging. „Mehrere
spätere Versuche, an weiteren Polarexpeditionen teilzunehmen,
scheiterten daran, dass er keine ihm geeignet erscheinende
Vertretung finden konnte, der er für Monate das Wohl seiner
Kranken anzuvertrauen vermochte“, schrieb Dr. Otto Abs, wissen-
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30 Bergwelten Frühjahr 2026
schaftlicher Mitarbeiter in der Deutschen Gesellschaft für
Polarforschung, im Nachruf auf Gazert. „Dazu war er eben
ein zu gewissenhafter Arzt.“ Immerhin führten ihn noch
zwei Ferienreisen (1958 und 1959) mit seiner Familie – aus
zwei Ehen hatte er Marktarchivar Herr zufolge fünf Kinder
– nach Norwegen und Schweden. Da war der „südliche
Polargreis am Nordpolarkreis“, wie sich Gazert selbst betitelte,
schon 88 und 89 Jahre alt, aber immer noch körperlich fit.
Sanitätskolonne ins Leben gerufen
Wenig später, im Alter von 90 Jahren, erhielt er das Große
Verdienstkreuz der Bundesrepublik. Bereits zu seinem
80. Geburtstag hatte ihn seine Wahlheimat zum Ehrenbürger
ernannt und zuvor die Rosen- und Fichtenstraße
nach ihm umbenannt. Unter anderem hat der Ort Gazert
die Sanitätskolonne Partenkirchen zu verdanken.
In der Übergangszeit vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte sich
der Fremdenverkehr im Werdenfelser Land rasant entwickelt.
Zwar standen für Einheimische und Urlauber bereits zwei
Krankenhäuser und ein paar Ärzte zur Verfügung, aber große
Probleme gab es bei der Erstversorgung und dem Transport
von Verletzten. Den dringenden Bedarf an Sanitätern hatte
Gazert sofort erkannt. Deshalb rief er am 10. Januar 1910 mit
14 Männern die Sanitätskolonne Partenkirchen-Garmisch
ins Leben, die dritte im Landkreis nach Murnau und Mittenwald.
Die ersten zwölf Jahre war sie für beide Orte zuständig.
Weil allein das nicht reichte, versammelte Gazert ein paar
Bergführer und enge Freunde in seinem Haus, um mit ihnen
einen Bergrettungsdienst aufzubauen. „Vorschriften über die
Ausbildung oder Anweisungen zum Bau von Rettungsgeräten
gab es nicht, sie mussten erst erdacht und werden“, heißt es in
der Chronik der hiesigen Bergwachtbereitschaft. „Die Küche
im Gazert’schen Haus sah nachts oft aus, als hätten Vandalen
darin gehaust, nicht aber Bergwacht-Männer geübt.“ Dort
bereiteten die Männer sich auf ihre schwierigen Einsätze vor,
schienten simulierte Brüche mit Holzscheiten, Ästen, Skistöcken.
Im winterlichen Garten „wurden nachts noch neu
erfundene Schlittenmodelle bei Kerzenschein erprobt“.
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Gazert entwirft Abzeichen der Bergwacht
Von 1925 bis 1927 dauerte es, bis der Gebirgsunfalldienst im
Roten Kreuz (GUD) stand. Mit 100 Mitgliedern übernahm
Gazert 1936 den Rettungsdienst bei den Olympischen Winterspielen
in Garmisch-Partenkirchen. Später wurde der GUD mit
der Bergwacht vereinigt. „Das heutige Abzeichen der Bergwacht,
das Rote Kreuz im Edelweiß, ist von ihm entworfen
worden“, weiß Abs. Seine Verdienste um das Sanitäts- und
alpine Rettungswesen haben Peter Adam und Anton Jocher
zufolge „geschichtlichen Wert“. Unter Gazerts Ägide „wurden
Rettungsgeräte und -schlitten entwickelt“, schreiben sie in
ihrem Buch „Die Straßennamen von Garmisch-Partenkirchen“.
Noch wenige Monate vor seinem Tod am 27. November 1961
kümmerte sich Gazert um seine Patienten. Viele von ihnen betreute
der überaus beliebte Mediziner unentgeltlich, schreiben
Adam und Jocher. „Welches Vertrauen er bis zuletzt bei ihnen
genossen hat, geht wohl zu Genüge daraus hervor, dass man
von ihm nur als von ,unserem Sanitätsrat‘ gesprochen hat“, berichtet
Abs. Viele Einheimische gaben ihm das letzte Geleit auf
den Partenkirchner Friedhof.
n
Bergwelten Frühjahr 2026 31
In der Rubrik „Host mi?“
stellen wir in jeder
Ausgabe einen selten
gewordenen bayerischen
Begriff vor. Die Auswahl
trifft jeweils Siegfried
Bradl vom Förderverein
für Bairische Sprache
und Dialekte e.V. (FBSD).
Weitere Informationen
unter www.fbsd.de.
Karikatur:
Hermann Wiegand
Das Essen will streng geprüft sein
Das kulinarische Wien bietet sicher
Stoff für mehrseitige Beiträge. Als
Nicht-Wien-Experte kennt man die
österreichische Stadt besonders für seine
Kaffeehaus-Kultur. Verlängerter, Mokka,
Kapuziner, Großer Brauner, Melange – lang
ist die Spezialitätenliste. Wichtig in diesem
Zusammenhang: in welchem Gefäß sie serviert
werden. Gerne in einem Haferl oder
Hafal (die Wiener nennen’s Häferl, aber solche
klanglichen Varianten überlassen wir
mal den Österreichern), wenn’s eine größere
Portion sein soll. S’Hafal allein also nutzt
man in erster Linie im Kaffeejargon. Doch
verbinden die Wiener damit eine Geschichte
und brachten einen wunderbaren Begriff
nach Oberbayern: den Hafalgugga, dessen
Interesse weit über den Kaffee hinausgeht.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
dürfte der Hafalgugga erstmals aufgetaucht
sein. So hat’s der Schriftsteller Gottfried
Heindl recherchiert und so ist’s auf der
historischen Wissensplattform der Stadt
„Wien Geschichte Wiki“ nachzulesen. 1671
hat Kaiser Leopold I. demnach versucht,
in seinem „Luxuspatent“ die Ausgaben für
Schmuck, Kleider und Essen zu limitieren.
Je nach sozialer Klasse legte er Maximalbeträge
für Festessen zu verschiedenen
Anlässen fest. Weniger Import von Delikatessen,
mehr heimische Nahrungsmittel,
so hat sich das die Regierung vorgestellt.
Und irgendwer musst‘ ja prüfen, ob die
Essensvorschriften eingehalten wurden.
Dafür zuständig: die Häferlgucker.
Die gibt’s heut noch, nur ohne offiziellen
Auftrag. Ihr erster Weg daheim bei da
Mama führt zum Herd, sofort schaut er
oder sie – die Hafalguggerin gibt’s bloß
ned, weil da Herr Ministerpräsident Söder
ja das Gendern verboten hat – rein in die
Kochtöpfe. Was keine rein kulinarischen
Gründe hat. Denn eine grundlegende
Eigenschaft eint alle Hafalgugger, die
weit über die Küche hinausgeht: Mordsneugierig
sind sie. Da brauchen sie kein
Hafal, um ihre Nase in Dinge zu stecken,
in denen sie nichts zu suchen hat.
Gerümpft wird eben jene beim Blick
unter den Kochtopfdeckel vor allem
dann recht häufig, wenn es sich um einen
recht gschleckerten, hoakligen Vertreter
handelt. Dem schmeckt eh nix.
An die Preißn unter den Lesern – jene
also, die nach der Schrift sprechen und/
oder sich mit „tschüss“ verabschieden
– noch ein wichtiger Hinweis: Zerlegen
Sie den Hafalgugga nicht einfach in
seine Wortbestandteile. S‘Hafal funktioniert
isoliert wunderbar. S’Guggn nicht.
Klingt’s doch zu sehr nach „Gucken“, zu
Ihrem „Kucken“ ist’s da nicht weit. Und
da stellt’s unsereins alle Haare auf.
n Katharina Bromberger
Foto: Smarterpix / wsf pan
32 Bergwelten Frühjahr 2026
Ausgabe 01/2026
spitze!
Das Magazin der Zugspitz Region GmbH
Respektvoll unterwegs
Hegezeit in der Zugspitz Region
STADTRADELN
Klimaschutz im Alltag
Kuhstall statt Klassenzimmer
Lernorte für Schulen im Landkreis
Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser,
jetzt, nach langen Wintermonaten, erwacht
die Natur in der Zugspitz Region zu neuem
Leben. Zarte Knospen, erste Blüten und das
leise Summen der Insekten kündigen den
Beginn einer sensiblen Phase an: der Hegezeit.
In dieser Zeit brüten Vögel, Wildtiere
ziehen ihren Nachwuchs groß und viele
Pflanzen befinden sich in wichtigen Wachstumsphasen.
Jetzt brauchen die heimischen
Tier- und Pflanzenarten vor allem eines:
Ruhe und Respekt.
Ruhe und Respekt, darauf lag auch der Fokus
unseres letztjährigen Fotowettbewerbs. Neben
der beeindruckenden Fotografie stand
hier der respektvolle und achtsame Umgang
mit der Natur im Vordergrund. Nachhaltigkeit
beginnt dabei schon mit der Anreise: Wer
zum Beispiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln
anreist, etwa mit dem MVV, setzt ein Zeichen
für Entschleunigung und für ein bewusstes
Naturerlebnis. Darauf setzt auch die alljährliche
Aktion STADTRADELN im Mai. Jede noch
so kurze Fahrt, die mit dem Rad anstatt mit
Inhalt
STADTRADELN mit Radlkino Tour
Vom 2. bis 22. Mai gemeinsam radeln
für mehr Klimaschutz im Alltag .......................................................................3
Respektvoll unterwegs
Verantwortung für die Natur ............................................................................4
Landkreis jetzt Teil des MVV
Kostenfreie Fahrten mit der Gästekarte .......................................................5
Wirtschaftsfaktor Tourismus
Kompakt erklärt .......................................................................................................5
Zukunftsfähigen Tourismus
in der Zugspitz Region gemeinsam gestalten
auf dem Nachhaltigkeitsfestival des Explorer Hotels in Farchant ...6
Inser Hoamat Partner im Spotlight
Handwerkskunst hautnah! ................................................................................6
Kuhstall statt Klassenzimmer
Praxisnahe Bildungsangebote und
kostenlose Unterrichtsmaterialien .................................................................7
Berufsorientierung braucht Verlässlichkeit
und zeitgemäße Werkzeuge
10 Jahre Ausbildungskompass im
Landkreis Garmisch-Partenkirchen ...............................................................8
Preisverleihung 2025 des 6. Fotowettbewerbs unter dem Motto „Fokus auf Ruhe und Respekt“
(Bericht in Ausgabe Winter 2025): v.l. Dr. Johannes Huber (Juror, Fotoverlag Huber),
Stephanie Daser (Dachmarkenmanagerin), Sebastian Hartel (2. Platz), Peter Fütterer (1. Platz),
Doris Jocher (3. Platz), Sebastian Kramer (Geschäftsführer Zugspitz Region GmbH)
dem Auto zurückgelegt wird, macht einen
Unterschied im Klimaschutz.
Wie Nachhaltigkeit im Handwerk aussehen
kann, zeigt das nächste Klimanetzwerktreffen
am Beispiel Bäckerhandwerk. Hier geht es
vorrangig um Energieeffizienz, jedoch hat
die Zugspitz Region auch fest im Blick, dass
es für zukunftssichere Strukturen ausreichend
Fachkräfte bedarf. Wer als Arbeitgeber
in der Region sichtbar werden möchte, ist
deshalb bei den Projekten Ausbildungskompass,
Jobfahrt oder auf der Zukunftsmesse
genau richtig, um sich als attraktiver
Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber in der
Region zu präsentieren. Hier entsteht echtes
Wachstum, wenn Arbeitssuchende, Auszubildende
und Arbeitgeber miteinander
vernetzt werden.
In diesem Sinne – lassen Sie sich von der
Dynamik des Frühlings inspirieren – durch
innere Ruhe und Wachstum!
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen
Sebastian Kramer
Geschäftsführer der Zugspitz Region GmbH
Die berufliche Zukunft vor Ort entdecken
Jobfahrt 2026 ..........................................................................................................8
Als Arbeitgeber der Region sichtbar werden
Zukunftsmesse 2026: Unternehmen
können sich jetzt anmelden .............................................................................9
Familienfreundlichkeit gewinnt Fachkräfte
Impulse & Austausch für Unternehmen .....................................................9
Longevity: Fit und gesund
in der Zugspitz Region
Woche der Gesundheit lädt zu Bewegung,
Begegnung und Prävention ein ..................................................................10
„Es geht längst nicht nur um
Wohnungen. Es geht um Zukunft.“
Interview mit Clemens Stafflinger,
kaufmännischem Geschäftsführer der
Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen gGmbH ......................................11
Energieeffizienz im Handwerk
Klimanetzwerktreffen am 11. März zeigt Lösungen
aus der Praxis, Einsparpotenziale und Fördermöglichkeiten ......... 12
Impressum .................................................................................................. 12
Titelbild: ©Zugspitz Region GmbH, Foto: Kriner Weiermann | Foto Editorial: ©Zugspitz Region GmbH, Foto: Max Merget
2 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
STADTRADELN mit Radlkino-Tour
Vom 2. bis 22. Mai gemeinsam radeln für mehr Klimaschutz im Alltag
„
Hier ist in den vergangenen Jahren eine
”
Bei vielen, die sich seit Jahren bei der
Aktion STADTRADELN engagieren, ist
die Vorfreude auf den diesjährigen Aktionszeitraum
vom 2. – 22. Mai bereits groß!
richtig tolle Gemeinschaft entstanden,
die jedes Jahr weiterwächst.
freut sich Projektleiterin Anna-Lena Huber.
Das ist vor allem auch der Verdienst vieler
engagierter Schulen, Kindergärten, Vereine
sowie Unternehmen, die mit eigenen Teams
und internen Wettbewerben zur Teilnahme
am STADTRADELN aufrufen und hiermit
dazu motivieren, im Alltag mehr auf das Rad
umzusteigen.
Fotos unten: Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, Foto: Philipp Gülland | Foto oben: ©Zugspitz Region GmbH, Tobias Köhler
Gemeinsam Spitzenleistung
aus dem Vorjahr toppen
„
„ ”
”
Ein besonders bemerkenswertes Ergebnis
aus dem vergangenen Jahr sind die 3.000
zusätzlichen Fahrten, die die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer im Vergleich zum Vorjahr
mit dem Rad zurücklegten – schließlich ist
STADTRADELN kein sportlicher Wettkampf,
sondern eine Gemeinschaftsleistung für mehr
Klimaschutz. Jede noch so kurze Fahrt, die
mit dem Rad anstatt dem Auto zurückgelegt
wird, macht einen Unterschied.
Das Schöne beim STADTRADELN
ist, dass ein Kindergartenkind mit
seinem Laufrad genauso seinen Beitrag
leisten kann wie der Berufspendler,
der seinen Arbeitsweg mit
dem Rennrad bestreitet
betont Klimaschutzmanager Florian Diepold-
Erl, der mit seinem Team im Landratsamt
Garmisch-Partenkirchen gemeinsam mit der
Zugspitz Region GmbH die Aktion STADT-
RADELN initiiert.
Radeln anstatt Elterntaxi –
Wettbewerb für Schulen
und Kindergärten
Ein besonderer Fokus beim STADTRADELN
liegt seit jeher auf der Einbindung der Kinder
und Jugendlichen. Während Schulen sich im
deutschlandweiten Wettbewerb SCHULRA-
DELN mit anderen Einrichtungen messen
können, sorgt ein weiterer landkreisinterner
Wettbewerb zwischen Klassen und Kindergartengruppen
für faire Bedingungen.
So haben die Kinder und
Jugendlichen unabhängig von der
Größe ihrer Einrichtung die Möglichkeit,
einen Preis für ihre Klassen- bzw.
Gruppenleistung zu erhalten.
erklärt Marion Billmeir vom Landratsamt
Garmisch-Partenkirchen.
Neues Highlight 2026:
Radlkino-Tour
2026 geht das STADTRADELN mit einem neuen
Konzept an den Start: Statt einer Verlosung
am Ende erwartet die Teilnehmenden gleich
zu Beginn ein besonderes Gemeinschaftserlebnis:
In den ersten drei Aktionstagen findet
eine Radlkino-Tour statt, die in Bad Kohlgrub,
Murnau und Garmisch-Partenkirchen Halt
macht. Das Besondere daran: Der Strom für
die Filmvorführung wird im Wechsel von
jeweils zehn Radlerinnen und Radlern selbst
erzeugt. Gezeigt werden ausgewählte Kurzfilme
mit Bezug zur Region, Sport, Natur und
„Enkeltauglichkeit“. Die Radlkino-Tour wird
unter anderem von Middlewood e.V. und den
Explorer Hotels unterstützt. Die Teilnahme
ist im Rahmen von STADTRADELN und dem
KLIMAFRÜHLING kostenfrei.
Radlkino-Tour: In die Pedale treten
für ein gemeinsames Kinoerlebnis
Merk’s da moi –
Radlkino-Tour 2026
Samstag, 2. Mai | Bad Kohlgrub
Ort: Kursaal, Bad Kohlgrub
Veranstaltungsbeginn: 18:00 Uhr
Vorstellungsbeginn: 18:30 Uhr
Sonntag, 3. Mai | Murnau
Ort: Aula Staffelsee-Gymnasium, Murnau
Veranstaltungsbeginn: 18:00 Uhr
Vorstellungsbeginn: 18:30 Uhr
Unterstützer: Staffelsee-Gymnasium,
Radlstadl, Velowelt & RadlSpeicher
Montag, 4. Mai | GAP
Ort: Hans-Langmatz-Saal,
Berufliches Schulungszentrum
Garmisch-Partenkirchen
Veranstaltungsbeginn: 18:00 Uhr
Vorstellungsbeginn: 18:30 Uhr
Unterstützer: DAV Sektion Garmisch-
Partenkirchen & Berufliches Schulungszentrum
Garmisch-Partenkirchen
SEID DABEI –
Weitere Infos
zu STADTRADELN
und der Radlkino-
Tour unter:
spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026 3
Respektvoll unterwegs
Die einzigartige Landschaft der Zugspitz
Region ist Lebensraum für zahlreiche
Tier- und Pflanzenarten – und zugleich ein
Ort der Erholung für uns Menschen. Damit
dieses wertvolle Gleichgewicht erhalten
bleibt, braucht es die aktive Verantwortung
aller, die sich in der Natur bewegen. Im April
beginnt deshalb in Bayern wieder die Hegezeit.
Verantwortung für die Natur
Von Anfang April bis Ende September dürfen
Wiesen zum Schutz der heimischen Tier- und
Pflanzenwelt nicht betreten werden. In dieser
sensiblen Zeit brüten Vögel, Wildtiere ziehen
ihren Nachwuchs groß und viele Pflanzen befinden
sich in wichtigen Wachstumsphasen.
Nachhaltigkeit beginnt dabei schon bei der
Anreise: Nutzen Sie die vielfältigen Angebote
des öffentlichen Nahverkehrs und reisen Sie
möglichst umweltschonend an. Zahlreiche
Touren in der Region sind so konzipiert, dass
sie bequem mit Bus und Bahn erreichbar sind.
Gemeinsam können wir dazu beitragen, die
natürliche Vielfalt der Region zu bewahren
und ein harmonisches Miteinander von
Mensch und Natur zu ermöglichen – heute
und für kommende Generationen.
Tipps fürs
Wandern ohne
Auto in der
Zugspitz Region:
DOs
• Auf markierten und
beschilderten Wegen bleiben
• Wiesen und Weideflächen
meiden (April bis September)
• Öffentliche Verkehrsmittel für eine
umweltfreundliche Anreise nutzen
• Schutz- und Ruhezonen
respektieren
• Hunde stets an der Leine führen
• Rücksichtsvoll unterwegs sein
und Natur bewusst erleben
DON‘Ts
• Wiesen betreten oder
Abkürzungen nehmen
• Wildtiere aufscheuchen oder
Wildfütterungsstellen aufsuchen
• Wege verlassen oder gesperrte
Bereiche betreten
• Hunde frei laufen lassen
• Lärm verursachen
• Müll hinterlassen
Foto unten: ©Zugspitz Region GmbH, Kriner Weiermann | Foto links: ©Zugspitz Region GmbH, Julian Rohn | Foto rechts: ©Zugspitz Region GmbH, Fabian Sixt
4 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
Landkreis jetzt Teil des MVV
Kostenfreie Fahrten mit der Gästekarte
Seit dem 1. Januar ist der Landkreis
Garmisch-Partenkirchen offiziell Teil
des MVV – Münchner Verkehrs- und Tarifverbund.
Damit profitieren Einwohnerinnen
und Einwohner ebenso wie Gäste
von einem modernen, einheitlichen und
digitalen Nahverkehrssystem. Der Beitritt
bringt zahlreiche Vorteile mit sich – darunter
ein einheitlicher Tarif, der vereinfachte Zugang
zu digitalen Tickets und eine Echtzeit-
Fahrplanauskunft.
Ein Ticket für alle
Verkehrsmittel
Mit dem MVV-Beitritt löst der MVV-Tarif alle
bisherigen Nahverkehrstarife im Landkreis
ab. Frühere Bustickets oder separate Tickets
für den Zugverkehr verlieren ihre Gültigkeit.
Ein MVV-Ticket ermöglicht die Nutzung aller
integrierten Verkehrsmittel – dazu zählen
Ortsbusse, Regionalbusse, Regionalzüge,
S-Bahnen, U-Bahnen und Trambahnen.
Das heißt konkret: Beim Umstieg, etwa vom
Ortsbus in den Regionalzug, ist künftig kein
zusätzlicher Fahrschein mehr erforderlich.
Wichtige Hinweise:
• Auf der Buslinie 323 gilt im Abschnitt
Badersee – Eibsee ein Sondertarif; hierfür
ist ein separates Ticket notwendig:
– Erwachsene: 7 Euro
– Kinder von 6 bis 14 Jahren: 3 Euro
– Kinder von 0 bis 6 Jahren: kostenlos
Auch das Deutschland-Ticket, Bayern-Ticket
und Regio-Ticket Werdenfels werden
auf dieser Teilstrecke nicht anerkannt.
Ausnahme: Gästekarte von Grainau
• Auf allen Bergbahnen sowie auf der
Zahnradbahn (Linie RB64) findet der
MVV-Tarif keine Anwendung.
Kostenfreie MVV-Nutzung
für Gäste mit Gästekarte
Ein besonderer Mehrwert ergibt sich auch
für Übernachtungsgäste: Mit der Gästekarte
können Gäste den Öffentlichen Nahverkehr
im jeweiligen Geltungsbereich kostenfrei
nutzen.
Geltungsbereiche der Gästekarte:
• Alpenwelt Karwendel, Ammergauer
Alpen, Blaues Land & ZugspitzLand:
MVV Zonen 5 – 12
• Garmisch-Partenkirchen und Grainau:
MVV Zonen 9 – 12
Die Gästekarte berechtigt zur Nutzung aller
im MVV integrierten Verkehrsmittel.
Mit dem MVV-Beitritt wird der öffentliche
Nahverkehr im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
deutlich einfacher, attraktiver und
nachhaltiger – für Einheimische und für Gäste.
Wirtschaftsfaktor Tourismus
Kompakt erklärt
Wie wichtig der Tourismus für den
Landkreis ist, zeigt die vom dwif
(Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches
Institut für Fremdenverkehr) durchgeführte
Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“. Ab Mitte
Januar ist die dazugehörige Minibroschüre
verfügbar, sie bietet eine kompakte Übersicht
der Ergebnisse der Studie Wirtschaftsfaktor
Tourismus für die Zugspitz Region 2024.
Tourismus im Landkreis interessieren. Die
vollständigen Ergebnisse der Studie können
auf Anfrage ebenfalls gerne zur Verfügung
gestellt werden.
Foto oben: ©DB Regio Bayern, Uwe Miethe
Auf wenigen Seiten wird die Zugspitz Region
mit ihren sechs Destinationen sowie
zentralen Kennzahlen übersichtlich und
verständlich dargestellt. Die Broschüre gibt
Einblick in Umsätze, Einkommenswirkungen
und Beschäftigungseffekte und beleuchtet
zugleich die aktuellen Herausforderungen
für die touristische Entwicklung in der Region.
Einheitlich aufgebaut und kompakt
aufbereitet, dient sie als informative Grundlage
für Kommunen, Betriebe und alle, die
sich für die wirtschaftliche Bedeutung des
spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026 5
Zukunftsfähigen Tourismus
in der Zugspitz Region gemeinsam gestalten
auf dem Nachhaltigkeitsfestival des Explorer Hotels in Farchant
Wie kann Tourismus in der Zugspitz Region
zukunftsfähig gestaltet werden?
Diese Frage sowie weitere Aspekte rund um
eine nachhaltige Zukunftsgestaltung stehen
im Mittelpunkt des Nachhaltigkeitsfestivals
Eco Lounge der Explorer Hotels, das am
Freitag, 17. April, im Explorer Hotel Garmisch
in Farchant stattfindet.
Das Festival bringt Menschen zusammen, die
Nachhaltigkeit nicht nur diskutieren, sondern
aktiv umsetzen wollen – von Klimaschutz
über Kreislaufwirtschaft bis hin zu sozialer
Nachhaltigkeit und Tourismus. Unter dem
Motto „Zukunft gemeinsam gestalten“ treffen
sich Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger,
Wissenschaft, Kreative sowie Vertreterinnen
und Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu
einem Tag voller Inspiration, Austausch und
konkreter Ideen. Das Programm reicht von
Keynotes und Impulsen zu nachhaltigem
Wirtschaften über Workshops bis hin zu einem
Marktplatz, auf dem innovative Projekte,
Produkte und Initiativen präsentiert werden.
Die Zugspitz Region ist Teil des Nachhaltigkeitsfestivals.
Gemeinsam mit Partnern
wird gezeigt, wie die Zugspitz Region aktiv
an einer zukunftsfähigen touristischen Entwicklung
arbeitet. Dabei steht besonders der
Dialog im Mittelpunkt. Denn eine nachhaltige
touristische Entwicklung kann nur gelingen,
wenn auch die Perspektiven der Einheimischen
und der Gäste berücksichtigt werden.
In einem offenen Workshop werden daher
sowohl die positiven als auch die herausfordernden
Auswirkungen des Tourismus
diskutiert. Ein besonderes Augenmerk liegt
dabei auf den Themen Verkehr und Mobilität
rund um die touristischen Destinationen
der Region.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der
Region sowie Gäste sind herzlich eingeladen.
Wo und wann?
Explorer Hotel Garmisch, Farchant
Freitag, 17. April
13.00 – 18.00 Uhr
Weitere Infos
finden Sie hier:
Ab sofort rückt die Zugspitz Region ihre
Inser Hoamat Partner alle zwei Wochen
in den Mittelpunkt – mit einem exklusiven
Reel auf ihrem Instagramkanal! Stephanie
Daser besucht die Betriebe direkt vor Ort
und wirft einen Blick hinter die Kulissen. In
persönlichen Interviews erfährt man mehr
über das Handwerk und die Leidenschaft zur
Herstellung von regionalen Produkten. In der
Folge bei der Chocolaterie Amelie durfte man
im Gespräch mit Linus Käßer erleben, wie viel
echte Handarbeit und Liebe zum Detail in jeder
einzelnen Schokoladentafel steckt. Auch die
Inser Hoamat Partner im Spotlight
Handwerkskunst hautnah!
Töpferei Winsi wurde bereits eindrucksvoll
porträtiert. Carolin Neumeyer aus dem Team
der Zugspitz Region begleitet das Format
filmisch und fängt die besonderen Momente
authentisch ein – so entstehen einzigartige
Einblicke in die Welt der Inser Hoamat Unikate.
BLEIBT DRAN –
es lohnt sich!
@zugspitzregion
Foto unten: Caro Neumeyer | Foto oben: ©Zugspitz Region GmbH, Julian Rohn
6 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
Kuhstall statt Klassenzimmer
Praxisnahe Bildungsangebote und kostenlose Unterrichtsmaterialien
Fotos: oben: Zugspitz Region GmbH, karlmeise, Matthias Fend | rechts: Zugspitz Region GmbH, Foto: Lisa Loth
Wo kommt die Milch her und wie sieht
der Arbeitsalltag auf einem Bauernhof
aus? Um diese Fragen nicht nur theoretisch
zu beantworten, bietet der Landkreis
Garmisch-Partenkirchen eine Sammlung der
Lernangebote unter freiem Himmel. Mit der
verpflichtenden Projektwoche „Schule fürs
Leben“ im bayerischen Lehrplan rückt die
Praxisorientierung in den Schulen stärker in
den Fokus. Die Zugspitz Region GmbH dient
hierbei als zentrale Schnittstelle: Sie fasst Angebote
von Erlebnisbauernhöfen, Imkern und
Gartenbäuerinnen zusammen, um Lehrkräften
die Planung von Ausflügen, Wandertagen oder
Unterrichtseinheiten zu den Themen „Wald“
und „Wiese“ zu erleichtern.
Wissen zum Anfassen
und Mitmachen
Ein besonderes Highlight für die Klassenzimmer
sind die kostenlosen Materialien der
Zugspitz Region GmbH.
• Heu Heimat – für Kinder: Die 60-seitige
Broschüre begleitet die Kuh „Glocke“ und
den Ameisenbläuling „Knopf“ durch das
landwirtschaftliche Jahr. Es wird gelesen,
gerätselt und die Welt vom Stall bis zur Alm
spielerisch entdeckt (empfohlen für die 2.
bis 5. Klasse).
• Heu Heimat – Ein Blick in unsere Landwirtschaft:
Ein Hintergrundwerk für ältere
Schüler (ab 6. Klasse) und Lehrkräfte, das
die Besonderheiten und Funktionen der
heimischen Betriebe beleuchtet. Aber auch
für alle, die einen spannenden Blick hinter
die Kulissen der Landwirtschaft werfen
möchten.
• Blütenpracht bei uns dahoam: Dieses
Blüten-Bestimmungsheft entstand in Zusammenarbeit
mit dem P-Seminar des Werdenfels-Gymnasiums.
Es gibt Antworten auf
Fragen nach Giftpflanzen, Heilkräften und
geschützten Arten – ideal für den Einsatz
auf der Wiese.
Mehr Infos
unter:
Anbieter gesucht!
Ist Ihr Hof, Ihr Betrieb oder Ihre Imkerei
bereits dabei? Die Zugspitz Region
GmbH sucht kontinuierlich nach
weiteren Partnern, die Angebote für
Kindergärten und Schulen im Landkreis
bereithalten. Ob Bauernhofbesuch
oder Kräuterführung – melden Sie
sich zur Aufnahme in die Übersicht
unter: regionalmanagement@
zugspitz-region.de
spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026 7
Berufsorientierung braucht
Verlässlichkeit und zeitgemäße Werkzeuge
10 Jahre Ausbildungskompass im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Der Ausbildungskompass ist als regionales
Magazin seit Jahren fest an den Schulen
etabliert und hochwirksam im Berufsorientierungsunterricht.
Auf dieser starken Basis wird
das Angebot jetzt gezielt weiterentwickelt
– durch den Ausbau der digitalen Plattform.
Print und Digital greifen dabei ineinander. Das
Magazin schafft Orientierung, Überblick und
regionale Sichtbarkeit. Die digitalen Funktionen
vertiefen diesen Prozess, begleiten
Jugendliche von der ersten Orientierung
bis zur Bewerbung und entlasten Schulen
im Alltag.
Für Unternehmen bedeutet das Präsenz im
Unterricht und digitale Sichtbarkeit genau
dort, wo Jugendliche sich weiter informieren
und Entscheidungen vorbereiten. Für Schulen
entsteht ein verlässliches Gesamtsystem,
das Berufsorientierung strukturiert abbildet.
Die Zugspitz Region hat den Ausbildungskompass
in Kooperation mit den regionalen
Gremien der IHK, der Agentur für Arbeit, der
HWK und der Kreishandwerkerschaft Oberland
ins Leben gerufen.
Anmeldeschluss für Unternehmen: 20. Mai
Interessierte Unternehmen finden hier weiterführende
Informationen und können sich
anmelden: www.ausbildungskompass.de
Die berufliche Zukunft vor Ort entdecken
Jobfahrt 2026
Viele Jugendliche fragen sich nach dem
Schulabschluss: Wie geht es weiter? Die
Entscheidung fällt oft schwer – nicht zuletzt
wegen der großen Auswahl an Ausbildungsberufen.
Die sechste Jobfahrt bietet dafür
eine klare Orientierung. Vom 16. März bis
27. März erhalten die Vorabgangsklassen der
weiterführenden Schulen exklusive Einblicke
hinter die Kulissen regionaler Unternehmen.
Mit dem Angebot möchte die Zugspitz Region
die Fachkräftesicherung in der Region unterstützen,
Schüler und Unternehmen vernetzen
und die Transparenz über Ausbildungsmöglichkeiten
und duale Studiengänge im Landkreis
Garmisch-Partenkirchen erhöhen. Diese
zwei Wochen sind eine wertvolle Chance:
Neben den bekannten Ausbildungswegen
gibt es auch neue, innovative Karrierepfade
zu entdecken und passende Ferienjobs oder
Praktika zu finden.
Fotos unten: ®Zugspitz Region GmbH | Foto oben: ©Ausbildungskompass
8 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
Als Arbeitgeber der Region sichtbar werden
Zukunftsmesse 2026: Unternehmen können sich jetzt anmelden
Die Zukunftsmesse der Zugspitz Region
geht in die nächste Runde: Nach dem
erfolgreichen Start des neuen Messekonzepts
im November 2025 wird die bewährte Ausbildungsmesse
auch in diesem Jahr erneut
durch ein Jobforum am Folgetag ergänzt. Die
zweitägige Veranstaltung im Kongresshaus
Garmisch-Partenkirchen hat sich als zentrale
Plattform für Unternehmen, Institutionen und
Menschen auf der Suche nach beruflichen
Perspektiven in der Region etabliert.
Mit großem Erfolg: Über 50 Betriebe nutzten
im vergangenen Jahr die Möglichkeit, sich an
beiden Messetagen zu präsentieren und damit
ein deutlich erweitertes Publikum zu erreichen.
Das Interesse der Besucherinnen und Besucher
übertraf die Erwartungen aller Beteiligten.
Neben Schulabsolventinnen und -absolventen
informierten sich auch Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger
sowie weitere Interessierte aus
dem Landkreis über berufliche Perspektiven
in der Region. Besonders geschätzt wurde der
persönliche, unkomplizierte Austausch mit regionalen
Arbeitgebern sowie das ergänzende
Beratungsangebot vor Ort.
Nutzen auch Sie die Gelegenheit, Ihr Unternehmen
als attraktiven Ausbildungsbetrieb und
Arbeitgeber in der Region zu präsentieren. Eine
Beteiligung ist an beiden Messetagen oder auch
gezielt an einem Veranstaltungstag möglich:
• Tag der Ausbildung
Donnerstag, 22. Oktober 9:00 – 16:00 Uhr
Gewinnen Sie zukünftige Schulabsolventinnen
und -absolventen für eine Ausbildung
in Ihrem Unternehmen.
• Jobforum für alle
Freitag, 23. Oktober 14:00 – 17:00 Uhr
Präsentieren Sie Ihr Unternehmen als Arbeitgeber
in der Region und zeigen Sie auf,
welche Beschäftigungs- und Einstiegsmöglichkeiten
Sie für unterschiedliche Zielgruppen
bieten.
Jetzt bis zum 30. Juni anmelden!
Informationen zu
den unterschiedlichen
Beteiligungsmöglichkeiten
und Anmeldung
unter:
www.zukunftsmesse-gap.de
Familienfreundlichkeit gewinnt Fachkräfte
Impulse & Austausch für Unternehmen
©Zugspitz Region GmbH, Foto: Marc Gilsdorf
Der Fachkräftemangel stellt viele Unternehmen
vor große Herausforderungen.
Gleichzeitig wird die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie für Beschäftigte immer wichtiger
– und damit zu einem entscheidenden
Wettbewerbsfaktor in der Personalgewinnung
und -bindung.
Die Veranstaltung „Familienfreundlichkeit
gewinnt Fachkräfte“ zeigt, wie Unternehmen
aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen
familienfreundliche Maßnahmen
gezielt einsetzen und davon profitieren
können.
Termin
Dienstag, 28. April, ab 17:30 Uhr
Ort
Sitzungssaal und Foyer des
Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen
Programm
• Vorstellung des Familienpakets Bayern
Das kostenfreie Servicepaket und landesweite
Siegel für engagierte Unternehmen
– inklusive konkreter Hinweise,
wie das Siegel gezielt für die Bewerbung
des eigenen Unternehmens als attraktiver
Arbeitgeber genutzt werden kann.
• Praxisdialog mit Unternehmen
aus dem Landkreis
Unternehmerinnen und Unternehmer
berichten aus dem Arbeitsalltag über
Erfahrungen, Herausforderungen und
praxiserprobte Lösungen.
• Markt der Möglichkeiten
Austausch mit verschiedenen Serviceanbietern
rund um das Thema Familienfreundlichkeit
– von Beratung bis zu
konkreten Unterstützungsangeboten.
• Netzwerken
Offener Austausch bei Snacks und Getränken
in angenehmer Atmosphäre.
Herzlich eingeladen sind alle Unternehmen
aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen,
denen die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie am Herzen liegt und
die dieses Thema bewusst als Wettbewerbsvorteil
in der Fachkräftewerbung
nutzen möchten.
Partner gesucht!
Sie bieten Serviceleistungen oder Beratung
für Unternehmen im Bereich Familienfreundlichkeit
und möchten am Markt der
Möglichkeiten teilnehmen? Dann kommen
Sie gerne auf uns zu.
Weitere Infos und
kostenfreie Anmeldung
bis 24. April unter:
spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026 9
Longevity: Fit und gesund
in der Zugspitz Region
Woche der Gesundheit lädt zu Bewegung, Begegnung und Prävention ein
Nach dem kontinuierlichen Erfolg der
Gesundheitstage in den vergangenen
Jahren veranstaltet die Gesundheitsregion plus
in diesem Jahr erstmals eine ganze Woche
der Gesundheit zu dem wichtigen Thema
Longevity und Prävention. Vom 4. bis 9.
Mai erwartet die Bürgerinnen und Bürger in
der gesamten Zugspitz Region ein vielfältiges
Programm rund um gesundes Leben,
Vorsorge und aktives Älterwerden.
Zahlreiche Test- und Informationsangebote
ermöglichen eine niederschwellige Gesundheitsvorsorge,
wie ein HIV-Test-Mobil, das
Gesundheitsmobil der AOK mit Schwerpunkten
auf Bewegung und Ernährung sowie
ein Informationsmobil von Digi Onko zum
Thema Brustkrebs. Ergänzt wird das Angebot
durch geführte Wanderungen, Vorträge
und vielfältige Mitmachaktionen, die von
regionalen Partnerinnen und Partnern aus
dem Gesundheitsbereich gestaltet werden.
„ Aktiv leben. Fit bleiben. Gesund werden. –
”
Seien Sie dabei und entdecken Sie neue
Impulse für Ihre Gesundheit!
– Hannes Sörgel
Ein besonderer Höhepunkt und Abschluss der
Woche ist der Kongress der Herzschwäche
Deutschland e. V., der am 9. Mai unter dem
Motto „Herzschwäche: hör auf dein Herz“
im Kongresshaus Garmisch-Partenkirchen
stattfindet. Mit einem spannenden und praxisnahen
Vortragsprogramm sowie einem
Gesundheitsmarkt richtet sich die Veranstaltung
sowohl an Betroffene und deren
Angehörige wie auch an Fachleute und die
interessierte Öffentlichkeit.
Eine vollständige Übersicht über alle Veranstaltungen
und Aktionen der Gesundheitswoche
finden Sie unter:
www.gesundheitstag-zugspitzregion.de
Gesund durchs Jahr mit
der Gesundheitsregion plus
Gesundheit betrifft uns alle – heute und
in Zukunft. Deshalb hat die Gesundheitsregion
plus für 2026 erneut zahlreiche
Angebote geplant, die die Menschen
im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
dabei unterstützen, aktiv zu leben, fit zu
bleiben und gesund zu werden:
04. – 09. Mai – Woche
der Gesundheit
Longevity & Prävention |
Aktionen – Vorträge – Tests
Erstes Halbjahr – Hitzeaktionsplan
Wie wirkt sich der Klimawandel
auf unsere Gesundheit aus
Ganzjährig – Schüler retten Leben
Wiederbelebungstrainings für
Schülerinnen und Schüler an
Schulen des Landkreises
September – Bayerische
Demenzwoche
Programm mit Informationen
zur Sensibilisierung
10. Oktober – Tag der
seelischen Gesundheit
Veranstaltung mit Austausch für
Betroffene und Interessierte
Ganzjährig – Pflege & Zukunft
Pflegeführerschein für Schülerinnen
und Schüler & Pflegenetzwerktreffen
2026 – Gesundheitstourismus
Vitales Altern und Tourismus-
Excellenz in Stadt und Land
(Kooperation mit PMU Salzburg)
BLEIBEN SIE
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abonnieren Sie
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Fotos oben und unten: ©Zugspitz Region GmbH, Max Merget, Fotos Mitte: ©Zugspitz Region GmbH, Marc Gilsdorf
10 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
„Es geht längst nicht nur um
Wohnungen. Es geht um Zukunft.“
Interview mit Clemens Stafflinger, kaufmännischer Geschäftsführer der
Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen gGmbH zur Initiative „Gemeinsam
Wohnraum schaffen“ des Regionalmanagements der Zugspitz Region GmbH
Fotos: ©Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen gGmbH, Grafik: ©Zugspitz Region GmbH, Agentur Nagel
Als kaufmännischer Geschäftsführer einer
der großen Arbeitgeber unserer Region
im Gesundheitssektor ist das Thema „bezahlbarer
Wohnraum“ für Clemens Stafflinger
essentiell, um Fachkräfte zu gewinnen und
langfristig in der Region halten zu können.
Doch die Sorge um das, was innerhalb unserer
Region aktuell passiert, ist groß – vor allem um
das, was droht zu verschwinden. Die Initiative
„Wohnraum schaffen“ der Zugspitz Region
GmbH begrüßt Clemens Stafflinger deshalb
nachdrücklich.
Herr Stafflinger, bezahlbarer Wohnraum –
wie sehr betrifft dieses Thema Ihre Klinik?
„Sehr. Und auf vielen Ebenen. Ich spreche
täglich mit unseren Mitarbeitenden. Was
viele nicht sehen: Es sind nicht nur neue
Fachkräfte, die Schwierigkeiten haben, hier
anzukommen. Es sind auch die Menschen, die
bereits bei uns arbeiten. Gerade Mitarbeitende
mit Familien. Wenn sie uns verlassen, liegt es
sehr häufig nicht am Job, nicht am Team,
nicht am Arbeitgeber. Es liegt daran, dass sie
in eine andere Region ziehen – weil sie sich
ein Leben hier nicht (mehr) leisten können.“
Wie kommt das? Die Menschen
leben doch bereits hier?
„Na ja, für Singles oder junge Paare, am besten
beide voll berufstätig, findet man mit etwas
Glück oft noch ein Apartment oder eine kleine
Wohnung. Aber sobald Kinder dazukommen,
ist es fast unmöglich. Familienfreundlichen
Wohnraum zu einem bezahlbaren Preis gibt
es hier faktisch nicht. Viele sagen: Ein Leben
als Familie können wir uns im Landkreis
Garmisch-Partenkirchen nicht mehr leisten,
erst recht nicht, wenn ein Elternteil wegen
dem Kind beruflich kürzertreten und für das
Kind da sein möchte, anstatt Vollzeit arbeiten
zu gehen. Oder nehmen wir einen unserer
Bereichsleiter. Er und seine Frau haben zwei
Kinder. Sie leben seit Jahren als vierköpfige
Familie in einer 3-Zimmer-Wohnung. Und
sie suchen seit Jahren etwas Größeres –
vergeblich. Mit kleineren Kindern geht das
vielleicht noch. Aber mit zwei Jugendlichen
ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht.
Das zehrt.“
Wird bezahlbarer Wohnraum damit
zum größten Hindernis bei der
Fachkräftegewinnung und -bindung?
„Ja, definitiv, bezahlbarer Wohnraum ist der
größte Hemmschuh für uns – und für viele
soziale und medizinische Einrichtungen in
der Region. Wir könnten mehr Leistungen
anbieten, wir könnten Kapazitäten besser
ausschöpfen. Aber uns fehlen die Menschen,
die dafür gebraucht werden. Und oft scheitert
es nicht an der Motivation, nicht an der
Qualifikation – sondern ganz banal an einer
Wohnung.“
Was muss geschehen?
„Viele Menschen in unserer Region besitzen
Wohnraum, der leer steht. Mehr als 2.000
Wohnungen, sagt die Statistik. Wir müssen
uns die Frage stellen, warum das so ist. Ich
höre immer wieder: Aus Angst vor Mietnomaden
oder vor dem bürokratischen Aufwand.
Andere haben Ferienwohnungen, die sie
nur – so glauben sie zumindest – mit großem
Aufwand steuerrechtlich umwidmen
könnten. Ich verstehe diese Sorgen. Aber sie
blockieren eine Entwicklung, die wir dringend
brauchen. Wir sollten wegkommen vom
problemorientierten Denken, hin zu einer
lösungsorientierten Betrachtungsweise. Jeder
leerstehende Wohnraum, der einer Familie
ein neues Zuhause gibt, ist ein Baustein für
die Zukunft unserer Region.“
Was passiert, wenn wir nicht
handeln, wenn sich nichts ändert?
„Bezahlbarer Wohnraum hat direkten Einfluss
auf die Lebensqualität aller Menschen in der
Zugspitz Region. Das gilt insbesondere, wenn
bezahlbarer Wohnraum für Fachkräfte im
Bereich Soziales und Gesundheit fehlt. Wenn
wir nicht genügend Fachkräfte anziehen
– und wenn sogar diejenigen wegziehen,
die schon da sind –, dann ist irgendwann
niemand mehr da, der die Versorgung aufrechterhält.
Das ist keine ferne Zukunftsvision.
Das passiert schon jetzt. Mein Appell daher
an die Bürgerinnen und Bürger: Wenn unser
Landkreis auch in Zukunft ein guter Ort für
die Gesundheitsversorgung, für ältere und
pflegebedürftige Menschen sein soll, dann
brauchen wir Wohnraum für diejenigen, die
diese Lebensqualität und diese Versorgung
sichern. Jede Wohnung, die entsteht, jede
Wohnung, die wieder bewohnbar wird, jede
Entscheidung, die Wohnraum möglich macht
– sie hilft uns allen.“
Mehr Infos zur Kampagne unter
www.wohnraumschaffen-zugspitzregion.de
spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026 11
Energieeffizienz im Handwerk
Klimanetzwerktreffen am 11. März zeigt Lösungen aus der Praxis,
Einsparpotenziale und Fördermöglichkeiten
Hohe Energiekosten, steigende Anforderungen
an Effizienz und der Wunsch
nach zukunftssicheren Betriebsstrukturen
beschäftigen viele Handwerksbetriebe im
Landkreis. Gleichzeitig lassen sich durch gezielte
Maßnahmen in nahezu jedem Gewerk
spürbare Energie- und Kosteneinsparungen
erzielen. Wie das konkret aussehen kann,
zeigt das nächste Klimanetzwerktreffen der
Zugspitz Region.
Dieses findet am 11. März auf Einladung der
Bäckerei Aurhammer und in Kooperation
mit der Handwerkskammer für München
und Oberbayern statt. Ziel ist es, praxisnahe
Lösungsansätze vorzustellen, Orientierung zu
geben und den Austausch unter Betrieben
sowie mit Experten zu fördern.
Praxisbeispiel: Backstube
Bäckerei Aurhammer
Veranstaltungsort ist die Backstube der Bäckerei
Aurhammer in Oberammergau, die
mit einem durchdachten energieeffizienten
Betriebskonzept als Praxisbeispiel dient. Nach
dem Eintreffen der Teilnehmenden und einem
kurzen Networking bei einem kleinen
Imbiss aus der Backstube gibt Benjamin
Aurhammer anschauliche Einblicke in das
energetische Gesamtkonzept des Betriebs.
Praktische
Handlungsempfehlungen
durch die Handwerkskammer
Dirk Bräu als Energieberater der Handwerkskammer
für München und Oberbayern
schließt mit einem Überblick zu gewerkübergreifenden
Möglichkeiten der Energieeinsparung
im Handwerk hieran an. Thematisiert
werden unter anderem Lastgangoptimierung,
Wärmerückgewinnung, Druckluft, Beleuchtung,
Photovoltaik und Solarthermie, Dämmung
der Gebäudehülle sowie Heizung und
Klimatisierung. Darüber hinaus informiert er
über Beratungsangebote, Förderprogramme
und die Antragstellung. Der abschließende
offene Erfahrungsaustausch bietet Raum
für individuelle Fragestellungen aus dem
betrieblichen Alltag.
Termin
11. März 2026, Beginn 16:30 Uhr
Veranstaltungsort
Backstube Bäckerei Aurhammer
Erlbachweg 10, 82487 Oberammergau
Ablauf
16:30 Uhr Eintreffen der Teilnehmenden &
Networking bei kleinem Imbiss
17:00 Uhr Praktische Einblicke in das
energieeffiziente Konzept
der Backstube
17:30 Uhr Impulsvortrag Energieeffizienz
im Handwerk
18:00 Uhr Fragerunde &
Erfahrungsaustausch
18:30 Uhr Ende der Veranstaltung
Das Klimanetzwerktreffen bietet Handwerksbetrieben
eine kompakte und praxisorientierte
Gelegenheit, konkrete Einsparpotenziale zu
erkennen, Fördermöglichkeiten kennenzulernen
und wertvolle Impulse für den eigenen
Betrieb mitzunehmen.
Kostenfreie
Anmeldung
für Unternehmen:
i mpressum
Herausgeber:
Zugspitz Region GmbH
Burgstraße 15
82467 Garmisch-Partenkirchen
Telefon: 08821 751 561
E-Mail: kontakt@zugspitz-region.de
Geschäftsführer: Sebastian Kramer,
Günter Hopfensperger V.i.S.d.P.
Verlag: Zeitungsverlag Oberbayern GmbH & Co. KG
Pfaffenrieder Straße 9
82515 Wolfratshausen
Redaktion: Zugspitz Region GmbH
kontakt@zugspitz-region.de
Grafik:
Druck:
Erscheinungsweise: vierteljährlich in den Monaten März (Frühling), Juni (Sommer),
September (Herbst) und Dezember (Winter) als Heft im Heft in den „Bergwelten“
des Münchner Merkur (Garmisch-Partenkirchner und Murnauer Tagblatt)
Nina Wanke, PMS GmbH, Penzberg
Gotteswinter und FIBO
Druck- und Verlags GmbH
Foto: ®Zugspitz Region GmbH, Marc Gilsdorf
12 spitze! – Das Magazin der Zugspitz Region GmbH – 01/2026
Unsere
Buchtipps
Ein Bergbuch mit
langer Geschichte
Auf Virtuelles
einlassen
Verbrecherjagd
in Irland
Foto oben: Smarterpix / t_n_06
Kaum ein Bergbuch dürfte auf so eine
lange Geschichte zurückblicken können:
Bereits zum 150. Mal ist das Jahrbuch der
Alpenvereine in Deutschland, Österreich
und der Schweiz erschienen. Der Großvenediger
mag – wie schon im allerersten
Jahrbuch 1865 – im Zentrum der Jubiläumsausgabe
stehen. Doch behandelt
das Werk viele Aspekte, die sich so nicht
nur an, auf und um Salzburgs höchsten
Gipfel erleben lassen, sondern auch im
heimischen Gebirge. Das Gletschersterben
etwa, die Frage nach der Eigenverantwortung
am Berg, den Siegeszug des
Elektromotors für Mountainbikes, Sternefotografie,
Gedanken zur Zukunft der
Gams und natürlich außergewöhnliche
Bergmenschen. Die Mischung aus Informativem
und Unterhaltsamem zeichnet
das Buch aus genauso wie Themen und
Aussagen, die nachdenklich stimmen.
Denn längst sind die Berge kein reiner
Wohlfühlort mehr, längst kämpfen sie
mit Problemen, die sich nicht ignorieren
lassen. Mit jährlich rund 20.000 verkauften
Exemplaren dürfte das AV-Jahrbuch
BERG die auflagenstärkste
deutschsprachige
Publikation
im Bergbuchbereich
sein.
Diese Ausgabe
zeigt,
weshalb.
n kat
256 Seiten | Tyrolia-Verlag
ISBN 978-3-7022-4320-3 | 25 Euro
Von seinen Alpenkrimis hat sich Jörg
Maurer längst verabschiedet. Damit
auch von lieb gewonnenen Charakteren.
Der Autor aus Garmisch-Partenkirchen
will einfach nicht immer dasselbe
schreiben. An seinem Kommissar hält
er aber fest. In seinem 16. Fall sieht sich
Hubertus Jennerwein mit einem „tintendunklen
Verdacht“ konfrontiert. Bei seinen
Ermittlungen stößt er, der gerade als
Vortragsreisender um die Welt tingelt,
auf einen virtuellen Buchclub. Dessen
Mitglieder sind Literatur-Fanatiker,
tauchen als Goethe, Schiller, Brecht und
andere im Netz auf. Und sind außer sich,
als sich ein Kultusminister abfällig über
korrekte Rechtschreibung und Klassiker
auf dem Lehrplan äußert. Kein Wunder,
dass der Verdacht auf sie fällt, als der Politiker
tot in seiner Wohnung liegt. Wer
einen klassischen Krimi erwartet, sollte
die Finger von diesem Buch lassen. Wer
bereit ist, sich auf virtuelle Welten und
Künstliche Intelligenz einzulassen, erlebt
ein großes Vergnügen
– samt
Klassikern
der Literaturgeschichte.
Maurer macht
sie zu Co-Stars.
Das inspiriert,
mal wieder
einen aus dem
Bücherregal
zu holen.
n tab
368 Seiten | Fischer-Verlag
ISBN 978-3-7587-0032-3 | 25 Euro
Nicola Förg und ihre Kommissarin Irmi
Mangold haben eines gemeinsam: Sie
sind frei. Seit die Werdenfelserin in
Pension ist, kann sie überall auf Verbrecherjagd
gehen. Das nutzt ihre
Schöpferin, um die Hauptfigur in eines
ihrer Sehnsuchtsländer zu schicken:
Irmi folgt dem Ruf nach Irland, wo die
Tochter ihrer Mitbewohnerin lebt. Sie
glaubt nicht an einen Unfall, als ihre
Freundin tot auf den Klippen gefunden
wird. Malcolm, der Student aus Schottland,
den Irmi seit ihren Ermittlungen
am Bannwaldsee kennt, reist mit. Die
zwei bilden ein großartiges Gespann – sie
punktet mit kriminalistischem Spürsinn,
er mit Computerkenntnissen und Wissen
über soziale Medien. Schnell stoßen
sie auf eine Verbindung der Toten zum
grausamen Geschäft mit Greyhounds,
die für Hunderennen gequält und ausgebeutet
werden. Damit greift Förg auch in
Mangolds 17. Fall „Schroffe Klippen“ ein
für sie wichtiges Thema auf. Neben der
hervorragenden Unterhaltung macht
die Autorin
Lust auf Irland.
Sie kennt das
Land, hat mal
einen Reiseführer
darüber
geschrieben.
Für das Buch
gönnte sie sich
einen Auffrischungsurlaub.
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320 Seiten | Piper-Verlag
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Bergwelten Frühjahr 2026 33
SPEZIAL
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34 Bergwelten Frühjahr 2026
EINE NATURGEWALT
BEGREIFEN
Ein Naturdenkmal ist die Partnachklamm hochoffiziell bereits
seit 1912. Ein „Nationales Geotop“ seit 2006. Aktuell gehört
sie neben der Zugspitze laut Umfrage zu den TOP 100
Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Doch nicht ihre Titel zeichnen
sie aus, auch nicht allein ihre Schönheit. Besonders wird sie,
sobald man ihre Historie kennt, von ihrer Hightech erfährt und
vor allem, wenn man Rudi Achtner zuhört – und die Klamm, ihre
Naturgewalt und ihre tosende Ruhe durch ihn neu begreift.
Krachendes Eis, tanzende Baumstämme und aufgespannte Regenschirme
Vor vielen Jahren schon haben Journalisten und
Schriftsteller von ihr geschwärmt und über die Holzarbeiter
sowie Touristen berichtet. Drei Beispiele.
Draußen Blüthen, innen Eis – „Im März, ja sogar im Mai –
nachdem der laue Wind Herr geworden ist in der Welt oder
nicht. Die Schlucht starrt noch von Eis, wenn draußen die
Blüthenknospen aufspringen. Da muß man Glück haben und
einmal hineinkommen, wenn so ein breiter Wasserfall von Eis,
unten durch laue Tropfen längst morsch gemacht, urplötzlich
krachend abfällt. Der Alte vom Berge spricht auch hier seine
Sprache: wie Schlachtendonner dröhnt es aus dem Abgrund, in
welchem die Eisorgel, die mit einem Gewicht von tausend Centnern
am Felsen klebt, zu glasigen Splittern zerschlagen wird.“
Heinrich Noë, Deutsches Alpenbuch,
Salzkammergut Oberbayern Allgäu, 1877,
Schilderung von 1870
Von der „erstaunlichen Kraft“ der Holzarbeiter – „Ein Fußpfad
führt über die Höhe dieser Klamm, sowie ein Holzsteg unten
durch dieselbe, welche das eigentliche Operationsfeld für die
beim Triften beschäftigten Holzarbeiter ist. […] Die Scheite,
Blöcke und Stämme hüpfen, tanzen, springen und überschlagen
sich in dem schäumenden Strudel, sie verrennen sich
hier in eine Felsenecke, dort hängen sie sich an eine seichte
Erhebung oder sie verstricken sich unter sich selbst zu einem
wirren Haufen, der aufgelöst werden muss. Die stämmigen
Holzarbeiter verstehen es vortrefflich, mit langen Stangen, an
welchen scharfe Eisenhaken befestigt sind, alle diese Unordnungen
zu beseitigen; aber es gehören eine erstaunliche Kraft,
eine bewunderungswürdige Gewandtheit und eine Ausdauer
sondergleichen dazu, diese Titanenarbeit zu bewältigen […].
Eine gegenseitige Verständigung der Arbeiter ist nicht möglich;
jeder muss selbst wissen, wie und wo er anzupacken hat; denn
das Brüllen des Wassers, das Donnern der fallenden Holzmassen
übertäubt jeden Laut aus der menschlichen Kehle.“
Artikel aus der Zeitschrift „Die Gartenlaube“, Heft
18, 1899, online: https://de.wikisource.org/wiki/
Holztriften_durch_die_Partnachklamm )
Bunte Besucherscharen – Moderne statt Drachen – „Die
Partnachklamm ist das Felsentor zum Reintal […]. Wäre
nicht ein versicherter Steig ausgesprengt, so könnte man
vermuten, dem Drachen zu begegnen […]. Stattdessen
Dirndlgewänder, Sandaletten, Strohhütte und aufgespannte
Regenschirme. Dazwischen einige eilige Kletterer, die
vom Oberreintal kommen […]. Ein gebeugtes altes Weiblein
geht vorbei mit einem Kübel voll roter Erdbeeren.“
Fritz Schmitt, Autor der Alpinmonografie Wetterstein, 1979
Bergwelten Frühjahr 2026 35
Am Anfang war's ein Ozean
Millionen Jahre hat es gedauert, bis die Berge entstanden. Einige Tausend Jahre, bis sich
das Partnachwasser tief in die Klamm gegraben hat. Viel später kam der Mensch, nutzte
sie zwei Jahrhunderte lang für die Holzarbeit, dann als Naturschauspiel. Heute werden
die bis zu 500.000 jährlichen Besucher durch Hightech-Installationen geschützt.
Text: Christian Rauch · Reproduktionen: Imago/Tschanz-Hofmann
Von der Trias in die Eiszeit:
Wettersteingebirge und Partnach entstehen
245 bis 235 Mio. Jahre vor Christus: Im Erdzeitalter der Mittleren
Trias erstreckt sich ein riesiger Ozean namens Tethys im
Werdenfelser Land und weit südlich und östlich davon. In dem
Meeresbecken beginnt vor ca. 245 Millionen Jahren die Ablagerung
von Alpinem Muschelkalk (dunkelgraue Kalksteine), später
lagern sich darüber die Partnachschichten (kalkhaltiger Ton) ab.
110 bis 45 Mio. Jahre vor Christus: Mittlerweile haben sich
die Kontinente gebildet. Afrika driftet nach Norden, auf Eurasien
zu. Viele Millionen Jahre dauert die Bewegung an,
die Erdplatten drücken immer stärker gegeneinander.
45 bis 1 Mio. Jahre vor Christus: Durch die Plattenkollision
verschwindet der Tethys-Ozean und die Alpenketten
heben sich heraus (die Hebung hält bis heute an). Wo später
die Partnachklamm liegt, bilden der Alpine Muschelkalk
und die Partnachschichten einen Höhenzug zwischen Hausberg
und Eckbauer, den Wamberger Sattel. Eine Ur-Partnach
fließt aus dem Wetterstein. Sie biegt vor dem Wamberger
Sattel nach Osten ab, entlang des heutigen Ferchenbachs.
1 Mio. bis 10.000 Jahre vor Christus: Nach ersten wechselnden
Kalt- und Warmzeiten legt ab 115.000 vor Christus
die Würm-Eiszeit viele Hundert Meter dicke Eispanzer über
das Wettersteingebirge und die Täler – um 15.000 bis 20.000
vor Christus reicht er bis in das Alpenvorland. Durch Eis- und
Schmelzphasen werden vor allem die oberen weichen Partnachschichten
des Wamberger Sattels abgetragen.
10.000 vor Christus bis heute: Die Partnach schürft ab dem
Ende der letzten Eiszeit auch den härteren Muschelkalk des
Wamberger Sattels aus. Die Partnachklamm entsteht, eng und
tief eingeschnitten. Da die Partnach das gesamte Reintal inklusive
des Zugspitzplatts und seiner Restgletscher entwässert,
fließen im Mittel rund 2.000 Liter Wasser pro Sekunde durch
die Klamm, in Hochwasserphasen bis über 15.000 Liter.
Von der Holztrift zur Lasermessung:
Menschen und Touristen in der Klamm
18. Jahrhundert: Die Freisinger Bischöfe, zu denen die Grafschaft
Werdenfels bis zur Säkularisierung 1803 gehört, erlauben die
Waldrodung oberhalb der Partnachklamm. Zuvor entnahmen
die Menschen das Holz aus nahegelegenen Waldungen im Tal.
Das nun in den Bergwäldern geschlagene Holz wird, im Frühling
zur Schneeschmelze, mit einem Stempel (Hausmarch) markiert
und in die Partnach geworfen. Der Wildbach transportiert das
Um 1900 entstehen diese beiden Photochromdrucke. Unter
anderem zeigen sie die lebensgefährliche Arbeit der Holztrifter
auf dem Triftsteig, der ab 1886 durch die Klamm führt.
Holz durch die Klamm in den Ort. Diese Methode des Triftens,
das auch in anderen Regionen zur Anwendung kommt, nutzt
man bis in die 1960er Jahre. Ein riskantes Unterfangen. Bleiben
Baumstämme in der Klamm hängen, müssen Holzknechte
sie unter lebensgefährlichen Bedingungen befreien. Immer
wieder passieren tödliche Unfälle. Davon zeugen Marterl am
Wegesrand, die Besucher auf dem Weg zur Klamm passieren.
1820 bis 1851: Die ersten Zugspitzersteiger, wie Josef Naus im
August 1820, umgehen die Klamm auf ihrem Weg ins Reintal.
Vermutlich auf einem Steig über die heutige Partnachalm und den
heute verfallenen Reintaler Hof, den damals stolzen Reintalbauer.
1870/71: Der Reiseschriftsteller Heinrich Noë besucht im Dezember
1870 die winterliche Partnachklamm und schildert sie ausführlich
und bildhaft. Im August 1871, im Rahmen seiner Erstbesteigung
der Dreitorspitze, schreibt der Nordalpenerschließer
Hermann von Barth, er sei durch die Partnachklamm und dann
zum Graseck gestiegen. Einen zumindest ein wenig in die Klamm
hineinführenden Steig muss es also schon gegeben haben.
1886: Erstmals entsteht ein durchgehender Steig durch die Klamm:
Mit Holzbohlen belegte Eisenträger führen an den Felswänden
über dem Wasser entlang. Dieser Triftsteig dient in erster Linie den
Holzarbeitern, wird aber zunehmend auch von Touristen begangen.
1910 bis 1912: Der Triftsteig wird mit großem Aufwand und unter
hohen Kosten zu einem Touristensteig mit Tunneln und Geländern
36 Bergwelten Frühjahr 2026
ausgebaut. 1912 wird die Partnachklamm zum staatlichen
Naturdenkmal erklärt. Damals gehört sie noch dem Deutschen
Alpenverein. Auf Initiative von Adolf Zoeppritz, dem
Vorsitzenden der Sektion Garmisch-Partenkirchen, wird die
Klamm erschlossen. 25.000 Goldmark aus Vereinsmitteln
und ersten Eintrittsgeldern aus der Höllentalklamm werden
investiert. Doch da die Gemeinde Partenkirchen finanziell
stark belastet ist, erhält sie 1930 die Rechte an der Weganlage.
Dafür bekommt die Sektion eine „Anerkennungsgebühr“
von 10.000 Mark und vorübergehend freien Eintritt für
AV-Mitglieder. Nicht jedem im Verein hat diese Übernahme
gefallen – und manch einem gefällt sie bis heute nicht.
1914: Die Eiserne Brücke entsteht. Knapp 80 Meter über
der Klamm verbindet sie das Graseck östlich der Klamm
mit der Partnachalm im Westen. Einen hölzernen Vorläufer
gab es schon seit 1864. Schwer und unrettbar beschädigt
wird die Eiserne Brücke bei einem Sturm 2022.
Unter enormem Aufwand entsteht 2023 eine neue.
1930: Erstmals ist die Partnachklamm auch
im Winter für Besucher geöffnet.
1949: Um den Energiebedarf in der Nachkriegszeit zu decken,
tauchen Pläne für einen 110 Meter hohen Staudamm
am Ende der Klamm auf. Ein riesiger Stausee zur Wasserkraftnutzung
hätte die Partnachklamm entwässert und das
vordere Reintal völlig verändert. Dank massivem Widerstand
der Bevölkerung wird das Projekt nicht umgesetzt.
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1991: Am 1. Juni brechen bei einem Felssturz rund
5000 Kubikmeter Gestein aus den Wänden im hinteren
Klammteil. Vorübergehend entsteht ein natürlicher kleiner
Stausee. Der verschüttete Steigabschnitt wird durch
einen neuen gut 100 Meter langen Tunnel umgangen.
2006: Die Partnachklamm wird "Nationales Geotop".
2020 bis heute: Die Marktgemeinde investiert enorm in
umfangreiche Modernisierungen am Klammzugang (WC-
Anlage, elektronische Tickets und Drehkreuze) und in der
Klamm (Felssicherung, Hochwasserschutz, Notrufsäulen, mehr
Beleuchtung). Die Technische Universität München führt
3D-Lasermessungen an den Felswänden durch und installiert
2023 mehrere Bewegungssensoren für eine dauerhafte
Überwachung (siehe Interview Seite 40). Auch die Klamm
selbst verändert sich weiter, die Natur arbeitet: Jedes Jahr
schneidet das Wasser ein bis zwei Zentimeter tiefer ins weiche
Wettersteinkalk-Gestein.
n
Der Name
Aus zwei Wörtern setzt sich der Name „Partnach“
zusammen: aus „portn“, der indogermanischen
Bezeichnung für Durchgang, und „aha“ (Ache),
dem althochdeutschen Begriff für Wasserlauf.
So ist es in einer Broschüre der Marktgemeinde
zu lesen. Demnach hat der Ortsteil Partenkirchen,
das frühere römische „Patanum“, seinen
Namen nach diesem Flusslauf erhalten.
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Bergwelten Frühjahr 2026 37
Laser für die Sicherheit
Streng überwacht Dr. Michael Krautblatter die Partnachklamm und ihre
Felswände. Damit sorgt der Professor vom Lehrstuhl für Hangbewegungen
an der Technischen Universität München für die Sicherheit der Besucher.
Mit Hightech, die sich an anderer Stelle schon einmal bewährt hat.
Text: Christian Rauch · Fotos: Cornelia Schramm, TU München
Als Kind fuhr Michael Krautblatter mit seinen Eltern fast
jedes Wochenende in die Fränkische Schweiz zu seinen
Großeltern. Was den Buben dort besonders faszinierte:
die Felstürme und Felswände. Ihnen widmete er sein berufliches
Leben, wenn auch solchen in deutlich größerem Format. Seit
2004 untersucht der Geograph und Geologe sowie Professor an
der Technischen Universität München Naturgefahren, Hangbewegungen
und Permafrostsysteme. In der Region ist er vielfältig
tätig. Zunächst forschte er im Reintal, bald auf der Zugspitze, 2015
und 2016 kamen Krautblatter und sein Team für Messungen in
der Höllentalklamm nach Garmisch-Partenkirchen. Sie sollte
der Experte vom Lehrstuhl für Hangbewegungen sicherer machen,
sollte prüfen, ob dort Steinschlag droht. Er möge sich auch
die Partnachklamm näher anschauen, bat die Marktgemeinde
Garmisch-Partenkirchen. 2017 kam die Mannschaft zurück.
Drei Jahre später haben die Spezialisten diese zum ersten Mal
mit einem Laser vermessen. Seitdem vermessen sie beide Klammen
einmal im Jahr komplett. Ein aufwändiges Unterfangen.
Felswände als 100 Millionen Datenpunkte
An rund 50 verschiedenen Stellen in der Partnachklamm stellt das
Team der TU München ein Stativ auf, auf dem der Laser angebracht
ist. Von jeder dieser 50 Positionen tastet der Laser innerhalb weniger
Minuten einen großen Ausschnitt der Felswand ab. Alle vier
Zentimeter entsteht ein Datenpunkt. Für die gesamten Wandpartien
ergeben sich so am Ende rund 100 Millionen Datenpunkte – ein
Naturgefahren, Hangbewegungen und Permafrost erforscht
Prof. Dr. Michael Krautblatter, hier bei Untersuchungen auf der Zugspitze.
virtuelles Modell von der Klamm und von allen potenziell gefährlichen
Felspartien, Türmen und Schuppen in den Wänden entsteht.
„Wir können das neue Modell über das aus dem Vorjahr legen und
stellen sofort fest, wenn sich ein Felsbereich um mehr als zwei bis
drei Zentimeter verschoben hat“, erklärt Krautblatter. Zusätzlich
installierte sein Team im hinteren Klammbereich, in dem sich 1991
ein großer Felssturz ereignet hatte, vier permanente Bewegungssensoren,
die sofort über Funk Alarm schlagen, wenn sich etwas verändert.
„Denn wenn sich Felspartien bewegen oder verschieben, steht
über kurz oder lang ein größerer Steinschlag oder Felssturz bevor.“
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38 Bergwelten Frühjahr 2026
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Einmal im Jahr vermisst das Team der TU München die komplette
Partnachklamm und weiß genau, ob sich Felsbereiche bewegt haben.
Alarm in der Höllentalklamm
In der Partnachklamm blieb bislang alles ruhig, aus der
Höllentalklamm jedoch meldeten die Sensoren schon einmal
eine besorgniserregende Verschiebung. „Da kamen
dann tatsächlich wenige Monate später 400 Kubikmeter
Fels herunter“, erinnert sich Krautblatter an den Vorfall
vor mehreren Jahren. „Glücklicherweise war die Klamm
zu dieser Zeit nicht geöffnet.“ Im Fall einer Alarmmeldung
während der Besuchersaison würde er sofort veranlassen,
die Klamm zu sperren. Ein Mitarbeiter käme umgehend in
die Klamm, um sich die Stelle anzuschauen. „Dann können
wir entscheiden, ob wir die Sperrung aufheben oder ob mehr
Gefahr droht, und weitere Messungen, eventuell eine Umleitung,
Verbauung oder gar Sprengung erforderlich sind.“
Auch Hochwasser kann gefährlich werden
Nicht nur Steinschlag stellt eine Gefahr dar, auch Hochwasser
kann zu gefährlichen Situationen führen. Vor allem im Ferchenbach,
der direkt oberhalb der Partnachklamm von Osten in die
Partnach fließt, besteht das Risiko, dass es durch Hangbewegungen
zu natürlichen Stauungen kommt. Dann sammeln sich
Wassermassen an und brechen irgendwann durch die natürlich
entstandene Staumauer. In der Folge dringt die Flutwelle in die
Klamm, gefährdet dort den Weg, die Gebäude unterhalb und womöglich
sogar den Ort. Daher installierte das TUM-Team am Ferchenbach
2025 kleine Laser, die permanent die Hangbewegungen
messen und gegebenenfalls über Funk sofort informieren.
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Naturgewalt schon vor mehr als 20 Jahren erlebt
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Lange vor der Höllental- und Partnachklamm wurde Krautblatter
in der Region aktiv. „Das Wettersteingebirge hat für
einen Geologen wie mich viel Forschungspotenzial.“ Seit 2007
führen er und seine Mitarbeiter an der Zugspitze Messungen
zum tauenden Permafrost durch – ebenfalls eine Gefahr für
Fels- und Bergstürze. Im Reintal, zwischen Bock- und Reintalangerhütte,
war der spätere Professor im Rahmen seiner
Abschlussarbeit schon vor mehr als 20 Jahren viel unterwegs.
Dort erlebte er die Naturgewalten: „Von den Nordwänden, die
das Tal überragen, brechen immer wieder Felsbereiche ab. Bei
einem Starkregen 2002 kamen mal in einer halben Stunde 56
Tonnen Steinschlag herunter.“ Das Gestein landete auf einem
Netz, dass seine Mannschaft aufgebaut hatte. „Mit großen
Eimern und Fischwaagen haben wir es tagelang gewogen.“ Bis
heute realisieren die Forscher im Reintal – ähnlich wie in der
Partnachklamm – jeden Sommer Laserkartierungen an den
Wänden. Diesen Ort, von der Klamm bis zum Reintalanger,
mag er besonders gerne. Zumal er sich als Wissenschaftler oft
in den Geröllfeldern und an den Felswänden abseits der viel
begangenen Wege aufhält. „Da ist es, wenn kein Stein herunterkommt,
echt ruhig und total beeindruckend.“
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Bergwelten Frühjahr 2026 39
„Da bin i Gott am nächsten“
Rudi Achtner hätte in Berlin Karriere machen können, im Anzug,
mit Zahlen und Terminen. Stattdessen kümmerte sich der Krüner (64)
um seine Partnachklamm – seit nunmehr 23 Jahren. Sie hat ihn verändert.
Text: Magdalena Kratzer · Fotos: Dominik Bartl, Huber Images, privat, Partnachklamm
Es kommt von unten, von den Seiten, von oben. Tropft
aus Spalten, rinnt über die Felsen, spritzt von den Wänden.
Überall ist Wasser. Laut grollt es zwischen den
steilen Felswänden. Die Partnach steigt. Bald muss die Klamm
wegen Hochwassers geschlossen werden. In diesem Moment
ist Rudi Achtner am liebsten drin. „Danach bist du nass wie a
dafte Maus.“ Er lacht. Das mag er. Achtner genießt die Kraft der
Natur, die unbändige Gewalt. „Da bin i Gott am nächsten.“
Als Rudi Achtner im Januar 2000 beim Markt Garmisch-Partenkirchen
in der Kämmerei, der Finanzverwaltung, seine Arbeit
beginnt, ist die Partnachklamm verwaist. Jeder kümmert sich so
ein bisschen um sie, keiner so richtig. Ob er das nicht übernehmen
will, fragt ihn der Kämmerer. „Das ist bestimmt hochinteressant“,
denkt sich Achtner. Anfangs ist er nur zuständig für Personaleinteilung,
Umsätze, Werbung. Ein paar Jahre später übernimmt
er Bau- und Unterhaltsmaßnahmen. Heute liegt alles bei ihm als
Abteilungsleiter: Wege, Brücken, Felssicherungen, Hochwasser,
Sicherheitskonzepte, Besucherlenkung. Seit 23 Jahren ist er jetzt
Mister Partnachklamm. Oder der Klammgeist, wie manch einer ihn
nennt. „Es gibt da drin koa Stoandl und koa Loch, des i ned kenn.“
Ein anderer Blick auf die Natur
Achtner sieht vieles, was andere nicht mehr sehen. Und versucht,
ihnen die Augen dafür zu öffnen. In seinem Büro darf er die Natur
„jeden Tag in ihrer vollen Schönheit und Wildheit erleben“. Ein
Jeden Stein kennt Rudi Achtner: Seit 23 Jahren
ist die Partnachklamm sein zweites Zuhause.
Privileg. Bei seinen Führungen sagt er gerne zu den Besuchern:
„Schaut‘s euch des an. Damit verdiene ich auch noch Geld.“ Seit er
die Klamm verwaltet, geht er anders in die Natur. Aufmerksamer.
Er beobachtet Tiere, selten gewordene Exemplare lassen sich sehen.
Etwa die Wasseramsel, sein Lieblingsvogel. Auch Waldkäuzchen,
Hermelin, Wasserfledermäuse oder Wasserspitzmäuse leben in
und um die Klamm. Tägblich begegnet er einem Fuchs. „Der geht da
immer spazieren. Der wohnt da hinten.“ Um die Tiere zu schützen,
arbeitet die Mannschaft eng mit der Unteren Naturschutzbehörde
zusammen. Anfragen zwecks Lichtinstallationen oder für große
Events schlägt der Markt aus. Wenn im Sommer um 20 Uhr abends
der letzte Besucher die Klamm verlassen hat, herrscht Ruhe.
Foto: Partnachklamm
40 Bergwelten Frühjahr 2026
Selten ist sie tagsüber geworden. Als Achtner begann, lagen
die Besucherzahlen bei zirka 180.000 pro Jahr, heute sind es
480.000. Achtner freut sich darüber, er hat seinen Teil dazu
beigetragen. „Ich bin ja eigentlich ein Verkäufer.“ Was wichtig
ist, glaubt er. Beamte mit Verwaltungsdenken passen in seinen
Augen nicht mit einer touristischen Einrichtung zusammen.
Er hat zwar sein Studium als Diplom-Verwaltungsbetriebswirt
abgeschlossen, arbeitete danach aber für eine große
Aktiengesellschaft im Verkauf, war Bereichsleiter, betreute
zahlreiche Kunden. Von München wollte man ihn nach Berlin
holen, doch er lehnte ab. „Obwohl es finanziell hochlukrativ
gewesen wäre.“ Aber da waren seine Frau, die zwei Söhne
Markus und Manuel, die pflegebedürftige Schwiegermutter,
das kleine Eigenheim. Ein Krüner in Berlin? Rudi Achtner
konnte es sich nicht recht vorstellen. Er setzte sein Verkaufstalent
für die Klamm ein. „Du musst kundenorientiert denken.“
So bekam die Klamm 2005 bereits eine eigene Homepage.
Die Werbemaßnahmen wurden in Zusammenarbeit
mit GaPa Tourismus ausgebaut. Aktionen wie die Fackelwanderungen
starteten. Fristete die Partnachklamm früher
ein „Schattendasein“, wie Achtner es nennt, zieht sie
heute Gäste aus der ganzen Welt an. Ihre Sicherheit steht
für den 64-Jährigen und sein Team an oberster Stelle.
FRÜHLINGS
ERWACHEN
Viele Kameras und Experten für die Sicherheit
Jeden Tag, bevor der erste Besucher an der Kasse steht, war er
schon unterwegs auf Sicherheitsbegehung. Sommer wie Winter.
Er prüft das Geländer, kontrolliert die Wege, beobachtet
Felsen und Gestein. Oft fangen ihn die Kameras in der Klamm
ein. Sie überwachen den Pegel der Partnach und des Ferchenbachs,
um bei Hochwasser schnell reagieren zu können. Auch
im Eingangsbereich hängt eine, sie beobachtet den Besucherzustrom.
An manchen Wochenenden und Feiertagen im
Sommer muss die Kasse immer wieder für einige Zeit schließen,
wenn es in der Klamm zu voll wird. Zudem ist ein Sicherheitsdienst
im Einsatz, damit die Gäste „dosiert“ hineingehen.
Vieles in Sachen Sicherheit bekommen die Touristen nicht
mit. Jedes Jahr beispielsweise kommt ein Geologe und kontrolliert
die Felswände, auch nach schweren Unwettern (siehe
Seite xxx). Eine große Revision gibt es darüber hinaus nach
dem Eisbruch im Frühjahr, oft gibt es danach viele Meter Geländer
zu reparieren. Seit etwa zehn Jahren, schätzt Achtner,
stürzen auch während des Winters Eisplatten herunter
und die Klamm muss vorübergehend schließen. Wegen
der Wärmeeinbrüche, die er so von früher nicht kennt.
Die letzten Jahre und der Klimawandel zeigen Veränderung.
Mehr Starkregen, häufigere und heftigere Unwetter,
Felsstürze, Hangrutschungen, Hochwasser. Die Partnach
lehrte Achtner in all den Jahren eine gewisse Gelassenheit.
Demut vor der Natur. „Es gibt Dinge, die stehen weit
über einem. Gegen die kannst nichts machen.“ 2022 beispielsweise
musste er die „von uns heiß geliebte“ Eiserne
Brücke aus dem Jahr 1884 „zu Grabe tragen“. Irreparabel
hatte sie ein umgestürzter Baum beschädigt. Ein Spezialhubschrauber
aus der Schweiz flog sie im Ganzen weg.
Stück für Stück brachte ein Helikopter die Nachfolgebrücke.
Massive Schäden gab es auch beim Hochwasser
2018 oder 2021. 2024 wurde eine neue Hängebrücke am
Klammausgang eröffnet, weil Muren immer wieder den
Wanderweg nach Vordergraseck weggerissen hatten.
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Bergwelten Frühjahr 2026 41
Prüfender Blick: Bevor jemand die Klamm betritt, schaut Rudi Achtner nach dem Rechten. Die Sicherheit steht an oberster Stelle.
Überraschungspaket Partnachklamm
Schwer lassen sich Problemstellen voraussagen. Heute gibt
es lockere Bereiche am Fels, wo früher alles fest war. Hangrutsche
an Stellen, wo sich bis vor Kurzem nichts bewegte.
„Irgendwie ist die Partnachklamm a kleines Überraschungspaket“,
sagt Achtner. Er zitiert Forrest Gump: „Das Leben ist
wie eine Schachtel Pralinen“, sagt Schauspieler Tom Hanks
in dem berühmten Film. „Das ist da hinten auch so.“
Eine Überraschung der außergewöhnlichen Art erlebte er 2023.
Man hatte beschlossen, dass man sich um die berühmte Madonna
kümmern musste, die seit 1889 auf einem Felsen in der Klamm
wacht. Grau, verkalkt, dreckig war sie über die Jahre geworden.
„Einfach greislig“, sagt Achtner. Das Saubermachen hatte er sich
so einfach vorgestellt, „die spritzen wir mitm Dampfdruckreiniger
bissl ab.“ 25 Jahre zuvor hatte man sie auch nur mit der Bürste
abgeschrubbt. Die Denkmalschutzbehörde intervenierte, ein
Restaurator nahm sich ihrer an. Nach mehreren Monaten kehrte
sie im April 2024 zurück – vollkommen verwandelt, wunderschön
restauriert. Und sie hatte einen kleinen Schatz freigegeben.
Bei seiner Arbeit entdeckte der Restaurator eine Zeitkapsel im
Inneren der Figur, darin ein Münzsatz aus den Jahren zwischen
1866 und 1899, zum Teil prägefrisch. Zudem mehrere Seiten Pergament,
ein Büchlein zur Geschichte, allerdings schwer beschädigt.
Ein Name war noch zu lesen: Wilhelm von Miller, der Bruder von
Oskar von Miller, dem Begründer des Deutschen Museums. Er stiftete
die Madonna als Dank dafür, dass er eine Tochter bekommen
hatte. Eine Spezialfirma aus Berlin untersuchte die Dokumente,
die nun im Original im Gemeindearchiv gelagert sind. „Da hat’s
mich richtig g’froren“, sagt Achtner. „Das ist was ganz Besonderes.“
Fotoshootings und Filmaufnahmen
Einiges hat Achtner in seiner Klamm schon erlebt. Fotoshootings
für Modehäuser oder für SUP-Bretter, Theaterinszenierungen
wie 2009 der „Weibsteufel“ im Rahmen des
damaligen Kultursommers, Aufnahmen für Fernsehsendungen
wie „Verstehen Sie Spaß“, für Kinderdokumentationen mit
dem Sänger Oli P. oder für Filmproduktionen – bereits 1920
entstand der erste Stumm-Kurzdokumentarfilm „Die Partnachklamm
im Winter“ –, etwa jene von Jürgen Vogel, der
2016 dort seinen Kinofilm „Der Mann aus dem Eis“ drehte.
Er lud Achtner sogar zur Premiere nach München ein, „das
hat mich schon richtig gefreut“. Gerne erzählt er Enkelin Lisa
(10) die vielen Klamm-Geschichten. Eine kann er nicht erzählen:
Offiziell geheiratet wurde noch nie in der Klamm.
Holz Steinsdorfer
Fotos: Dominik Bartl
42 Bergwelten Frühjahr 2026
Seit 1889 wacht die Madonna auf ihrem Sockel
in der Klamm – nun wieder golden glänzend.
Das Reisen gefällt Rudi Achtner, besonders
gerne ist er mit seinem Motorrad unterwegs.
Das „Allerpositivste“ für Achtner sind die Inklusionsführungen,
die er und sein Team seit zirka drei Jahren im Sommer auf seine
Initiative hin anbieten. Mit der Tochter eines Kollegen testeten sie
den Besuch mit Rollstuhl. Am Donnerstagabend und Samstagvormittag
können nun auch Rollstuhlfahrer und Schwerbehinderte
die Klamm besuchen. Auch sehbehinderte oder blinde Gäste vom
Aura-Hotel in Saulgrub kommen regelmäßig. Achtner staunt, wenn
er sie durch die Klamm führt. Sie hören das Wasser, fühlen seine
Kraft, tasten Fels, riechen die Feuchtigkeit. „Wie sie das empfinden
und welch einen Dank sie einem entgegenbringen – das ist so
berührend.“ Es gibt sogar einen Tourismusführer in Blindenschrift.
Oft wird er gefragt, warum er sich so für das Thema einsetzt.
Achtner erzählt dann von seiner „über alles geliebten Schwiegermutter“,
die an einer Halbseitenlähmung litt. „Wenn du so
jemanden in der Familie hast, kriegst an ganz anderen Blick.“ Ab
2027 soll es die Führungen auch im Winter geben. Achtners Zeit
als Klammwart ist dann vorbei. Nächstes Jahr geht er in Rente.
„Ich hab's immer narrisch gern g'macht“
Ruhiger soll es dann in diesem „ganz neuen Lebensabschnitt“
werden. Er engagierte sich nicht nur jahrzehntelang für die
Klamm. Sein Amt als Schatzmeister bei der Krüner CSU legte
Achtner 2023 nieder, nach 36 Jahren. Über 20 Jahre leitete er
die Wasserwacht-Ortsgruppe Krün-Wallgau. Doch viele Aufgaben
bleiben. Seit fast fünf Jahrzehnten ist er ehrenamtlich beim
Bayerischen Roten Kreuz und seit fast einem Vierteljahrhundert
Kirchenvorsteher und Mesner in der Evangelischen Kirchengemeinde
Mittenwald-Krün-Wallgau. Zudem hat er Reisepläne.
Ein wenig mehr möchte er auf dem Motorrad sitzen. „Das mach' ich
leidenschaftlich gern.“ Legal seit dem 18. Lebensjahr. Illegal, seit er 14
Jahre ist und im Dorf herumfuhr. „Das hat damals koan interessiert.“
Im Sommer setzt er sich mit seinem besten Freund wieder
auf die Maschine und fährt nach Brindisi, von dort
nach Igoumenitsa, dann nach Piräus und Kreta. Vier Wochen
haben sie eingeplant. Unterwegs ist er mit seiner
Triumph. Sein zweites Gefährt aus dem Jahr 1951 bewegt er
nur zweimal im Jahr. „Aber nur, wenn es nicht regnet.“
Die Partnachklamm hat Rudi Achtner verändert, und er
veränderte sie. So ganz wird er sich nicht von ihr verabschieden.
Mit seiner Ehrenamtskarte kann er die Klamm jederzeit besuchen.
Wenn das Wetter wieder wütet, geht er hinauf und lauscht dem
Grollen, spürt die Kraft. Und ist dankbar. „Ich hab’s immer narrisch
gern g'macht.“
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Bergwelten Frühjahr 2026 43
Wanderungen in
und um die Klamm
Der schnelle Klassiker:
In die Klamm und übers Graseck zurück
Seit über 100 Jahren ist die Partnachklamm für Touristen erschlossen.
Hunderttausende Besucher aus aller Welt folgen jedes
Jahr dem Sträßchen, das vom Skistadion in die schattige Wildenau
vor dem Klammeingang führt. Nachdem man den Eintritt bezahlt
hat, vertraut man sich dem in den Felsen gesprengten Steig mit
seinen Geländern und Tunnel an. Nur wenige Meter marschiert
man zum Teil über dem Partnachwasser, das sich, schäumend und
gurgelnd, seinen Weg durch die enge Klamm sucht. Manche laufen
in fünfzehn Minuten durch, andere verbringen viel Zeit und
machen unzählige Fotos. Der schnellste Weg außerhalb zurück
führt an dem Steig mit neuer Hängebrücke hinauf zum Vordergraseck,
wo man aussichtsreich einkehren kann. Mit der ebenfalls
2024 neu erbauten Graseckbahn geht es schnell wieder hinunter
zum Klammeingang – oder zu Fuß über das steile Sträßchen.
Ausgangspunkt: Parkplatz und Bushaltestelle Skistadion
Gehzeit: 2 bis 2,5 Stunden, mit Graseckbahn etwas
kürzer; 170 Meter Höhenunterschied
Verlauf: Vom Skistadion zu Fuß (Kutschfahrten möglich) zur
Partnachklamm. Durch die Klamm auf dem geländergesicherten
Weg, nach dem Ausgang an der Partnach weiter, bald links abzweigen
und hinauf zum Vordergraseck. Zum Hotel und von dort
auf dem steilen Sträßchen oder mit der Graseckbahn hinab.
Beim Rückweg
von der Klamm
über Vordergraseck
blickt man auf
den frühlingshaft
verschneiten
Wettersteinkamm.
Ob mit oder ohne Eis: Die Partnachklamm lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Vor allem, wenn man sie mit einer Wanderung verbindet.
Auf den Spuren der Zugspitz-Erstersteiger:
Lange Runde über den Reintaler Hof
Im frühen 19. Jahrhundert war die Partnachklamm noch nicht
durch einen Steig erschlossen. Die ersten Besteiger der Zugspitze,
wie Josef Naus 1820, der Partenkirchner Mauermeister Simon
Resch 1823 und die rund 30-köpfige Schar der Gipfelkreuzerrichter
1851 mussten die wilde Klamm umgehen. Einen Weg zur heutigen
Partnachalm und oberhalb weiter gab es damals schon, genannt
der „Hohe Weg“. Auf gut 1000 Meter Höhe, eine knappe Stunde
hinter der Partnachalm, begann der Abstieg über den Reintaler
Bauern bis zur Partnach und von dort wieder aufwärts zur Bockhütte
und zum Anger. Dieser Route kann man auch heute folgen,
mittlerweile auf bequemen Forststräßchen. Beim Reintalbauern,
der in Grundzügen seit dem 17. Jahrhundert besteht, konnten sich
Bergsteiger jahrhundertelang stärken. Eine Zeitlang war es sogar
ein Hotel. Nach der Schließung 1982 verfiel das Anwesen, es wird
mittlerweile in Privatbesitz saniert. Statt weiter Richtung Zugspitze,
führt der Rückweg ruhig an der plätschernden Partnach entlang
– wieder talauswärts, vorbei am kreuzgeschmückten Felsturm des
„Schwarzen Schrofen“. Zum Abschluss wartet die wilde Partnachklamm
– die die frühen Alpinisten noch nicht genießen konnten.
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Foto unten und oben links: Christian Rauch | Foto oben rechts: Gapa Tourismus
44 Bergwelten Frühjahr 2026
Ausgangspunkt: Parkplatz und Bushaltestelle Skistadion
Gehzeit: 3,5 bis 4 Stunden; 330 Meter Höhenunterschied
Verlauf: Vom Stadion zur Klamm, bald rechts ab und den Teerweg
hinauf zur Partnachalm. Den Weg weiter, meist leicht bergauf, ins
Reintal. Nach dem höchsten Punkt (1045 m) bergab, bei der Verzweigung
links zum ehemaligen Reintaler Hof (privat). Bei der
nächsten Verzweigung links hinunter zur Partnach. Dort links
und am Fluss entlang talauswärts zwei Kilometer zur Partnachklamm.
Durch die Klamm (Gebühr) und über die Straße zurück.
Hinweis: Diese Runde wegen Schneefeldern besser
nicht vor Mitte April unternehmen.
Hoch über der Klamm: Kochelbergalm,
Partnachalm und Eiserne Brücke
Die Eiserne Brücke über der Partnachklamm existiert seit über 100
Jahren. 2023 wurde sie erneuert. Fast 18 Meter lang und über sechs
Tonnen schwer überspannt sie nun sicher die bis zu 80 Meter tiefe
Klamm. Der schönste Weg zur Brücke führt über die Kochelbergalm
mit ihrem Teich und die Partnachalm mit ihrem Blick auf die östliche
Wettersteinkette und die Dreitorspitze. Von dort führt der Weg steil
hinunter, dann steht man schon auf der Brücke und blickt hinab in
die tosenden Wassermassen und auf die Wanderer auf dem Klammsteig.
Spannend geht’s hoch über der linken Klammseite auf einem
geländergesicherten Steig talwärts. An einer Stelle sieht man schön
die gebänderten, wulstartigen Felsschichten des Alpinen Muschelkalks,
in den sich die Partnach Jahrtausende lang eingegraben hat.
Ausgangspunkt: Parkplatz Talstation Hausbergbahn
Gehzeit: 3 Std. 280 Meter Höhenunterschied
Verlauf: Vom Parkplatz Hausbergbahn zurück zur Bahnlinie
und an ihr rechts. Bald rechts hinauf zur Kochelbergalm. Dahinter
den Weg weiter zur Partnachalm, links hinab und an der
Verzweigung wieder links hinunter zur Eisernen Brücke mit
Klamm-Tiefblick. Vor der Brücke links auf dem gesicherten Steig
über der Klamm entlang und hinab zum talseitigen Klammeingang
(oder bei der Verzweigung rechts hinunter zur Partnach
und von dort durch die Klamm zum Eingang). Auf der Straße
zum Skistadion, direkt vor dem Stadion links auf den Fußweg,
dann links auf dem Weg an der Bahnlinie zurück zur Bahn.
Tipp: Die Tour ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich:
von Norden mit dem Zug über Bahnhof Garmisch-Partenkirchen
Richtung Reutte/Pfronten zur Haltestelle Garmisch-Hausberg, am
Abstieg nicht bis zur Hausbergbahn zurück, sondern am Skistadion
in den Bus zum Bahnhof Garmisch-Partenkirchen steigen (spart
knapp 30 Minuten Gehstrecke) n Texte: Christian Rauch
Tiefblick: In etwa 80 Meter Höhe führt die Eiserne Brücke über die Partnachklamm.
Nachts durch die Klamm
Ein besonderes Erlebnis bietet
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Nicht nur im Sommer, auch und
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den Teilnehmern eine einzigartige
Atmosphäre. Weitere
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Bergwelten Frühjahr 2026 45
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46 Bergwelten Frühjahr 2026
Richard Strauss gibt es vielfach auf CD
gebrannt. Aber nicht so. Im Rahmen
der Richard-Strauss-Tage in Garmisch-
Partenkirchen entstehen Aufnahmen von
allen Orchesterwerken des Komponisten,
wie sie speziell für das Festival ausgewählt
wurden. Ein herausforderndes Projekt,
sagt Dirigent Rémy Ballot. Bald stellt
er sich diesem ein drittes Mal.
Text: Tanja Brinkmann · Fotos: Wolfgang Ehn, Reinhard Winkler
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Rémy Ballot ist zufrieden. Und gespannt. Darauf, wie
die zweite CD der Richard-Strauss-Edition beim
Publikum ankommt. Der Dirigent weiß schon, wie
die Aufnahme der Sinfonischen Fantasie „Aus Italien“ klingt.
Vom Ergebnis hat er „einen sehr guten Eindruck“. Entstanden
ist sie im Rahmen der Richard-Strauss-Tage im vergangenen
Jahr. Mit einem „etwas anderen, unbekannteren
Strauss“ haben sich er und das Münchner Rundfunkorchester
damals befasst. Im Alter von gerade einmal 22 Jahren kreierte
der Komponist das Werk – dank einer Italienreise.
Inspiriert von den römischen Ruinen
„Ich habe nie so recht an die Anregung durch Naturschönheiten
geglaubt; in den römischen Ruinen bin ich eines Besseren
belehrt worden, da kamen die Gedanken nur so angeflogen“,
schrieb Strauss 1886 an seinen väterlichen Freund Hans von
Bülow, dem er seine Tondichtung „Aus Italien“ später widmete.
Diese sei kein klingender Reiseführer, betonte der Künstler,
sondern bestehe aus „Empfindungen beim Anblick der herrlichen
Naturschönheiten Roms und Neapels, nicht in Beschreibung
derselben“. Die vier Sätze, also die in sich geschlossenen
Teile des Werks, heißen „Auf der Campagna“, „In Roms Ruinen“,
„Am Strande von Sorrent“ und „Neapolitanisches Volksleben“.
Schon beim Sinfoniekonzert in Garmisch-Partenkirchen gelang
es Ballot, den Zuhörern diese poetische Reisebeschreibung mit
dem Rundfunkorchester nahezubringen. Auf diesen Effekt
hofft der 49-Jährige auch, wenn die CD im Rahmen der Strauss-
Tage (6. bis 14. Juni) erscheint. Darauf zu hören sind zudem fünf
Orchesterlieder, gesungen von Sopranistin Joo-Anne Bitter.
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Bergwelten Frühjahr 2026 47
Hier lebte, arbeitete und erholte sich Richard Strauss: seine Villa in
Garmisch-Partenkirchen, wo der berühmte Komponist 1949 starb.
Rémy Ballot bei der Arbeit: Der Pariser Dirigent, der in
Wien lebt, hat das Festival-CD-Projekt mit entwickelt.
Neben dem Titel, dem Orchester und dem Dirigenten sind
auf dem Tonträger die Richard-Strauss-Tage Garmisch-Partenkirchen
vermerkt. Zur Freude von Dr. Dominik Šedivý,
dem Künstlerischen Leiter des Festivals. „Das war uns ein
Anliegen.“ Mit Ballot und dessen Agenten entwickelte er die
Idee für ein neues Projekt: alle Orchesterwerke von Strauss
auf Tonträger zu bannen, als Edition der Strauss-Tage.
Den Anfang machten 2025 „Don Juan“, eine symphonische Tondichtung
aus dem Jahr 1888, und „Ein Heldenleben“ von 1898.
„Highlight-Musik“ nennt Ballot dieses Werk. „Viele Dirigenten
träumen davon, so eine CD zu machen.“ Für manche Kollegen
hat sich dieser Traum erfüllt, berühmte Orchester haben die
„extrem schwierigen“ Kompositionen eingespielt. Im Rahmen
der Richard-Strauss-Tage aber entstehen während der Proben
Sondereditionen: alle Orchesterwerke in der Reihenfolge und in
der Verbindung, die speziell für das Festival ausgewählt wurden.
Für jenes im vergangenen Jahr studierten Ballot und die Pilsner
Philharmonie das CD-Programm eigens ein. „Das gehört nicht
unbedingt zum Repertoire.“ Eine große Sache. Die international
beachtet wurde. Davon zeugt die Nominierung bei den International
Classical Music Awards. Als „tollen Erfolg“ bezeichnet
es Šedivý, dass die Jury die erste CD der Reihe berücksichtigte,
auch wenn es letztendlich nicht zum Preis gereicht hat.
CD bestimmt das Festival-Programm
Unter der Prämisse, dass daraus wieder eine CD entsteht, wählt
Šedivý aus, was beim Festival gespielt wird. „Das bedeutet
einen gewissen Mehraufwand, macht aber auch viel Freude.“
Zumal alle Beteiligten dem Vorhaben sehr aufgeschlossen
gegenüberstehen. In diesem Jahr spielen die Stuttgarter Philharmoniker
unter Ballots Leitung die Metamorphosen und
„Tod und Verklärung“ von Strauss, der 1949 im Alter von 85
Jahren in Garmisch-Partenkirchen gestorben ist. Für die Aufnahme
„muss alles stimmen“, sagt Ballot. Auch und vor allem
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48 Bergwelten Frühjahr 2026
Selbst für Profi-Musiker eine Herausforderung: Für die erste Strauss-CD,
erschienen 2025, studierten die Pilsner Philharmoniker das Programm extra ein.
die Technik. Mikrofone setzt der Verantwortliche stets
sehr sparsam ein, maximal zehn, um die Konzentration
der Musiker nicht zu stören. Das Ergebnis: eine natürlich
klingende CD, die die Emotionen des Konzerts wiedergibt.
Davon können sich Strauss-Fans und solche, die es
werden möchten, ab Juni mit der zweiten CD der Reihe
überzeugen. Der dritte Tonträger wird 2027 erscheinen.
Schon jetzt freut sich Ballot, gebürtig aus Paris, der mit
seiner Frau und mittlerweile zwei Söhnen (sieben Monate
und 13 Jahre) seit 2005 in Wien lebt, bald wieder in
Garmisch-Partenkirchen zu sein. „Das Mekka für Strauss,
der ein Genie in unserer Musikgeschichte war.“ Sein Werk
zu dirigieren, in seine Biographie einzusteigen, sieht er als
Geschenk. „Das nehme ich nicht auf die leichte Schulter.“
Schließlich ist er überzeugt, dass man durch Musik zu
einem besseren Menschen werden kann. „Musik und
Kunst überhaupt machen uns aus.“
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Die Richard-Strauss-Aufnahmen
Die CD „Richard Strauss: Don Juan/Ein
Heldenleben“ mit Rémy Ballot und der Pilsner
Philharmonie ist für 19,90 Euro bei Gramola
(www.gramola.at) sowie im Handel erhältlich.
Der zweite Tonträger dieser Reihe „Aus Italien“
erscheint im Rahmen der Richard-Strauss-
Tage, die vom 6. bis 14. Juni in Garmisch-
Partenkirchen stattfinden. Geplant ist, dass
die CD auch beim Festival verkauft wird.
In diesem Jahr wird die dritte CD eingespielt
mit „Tod und Verklärung“, das am Samstag,
13. Juni, erklingt, und den Metamorphosen,
die am Sonntag, 14. Juni, zu hören sind.
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März bis Juli
2026
Garmisch-Partenkirchen
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erscheint am
4. Juni 2026
Eine Sonderveröffentlichung von:
Verlag
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Verantwortlich für den Inhalt
Stefan Hampel
Anzeigenverkauf
Romina Kasseckert, Uli Halupczok,
Chiara Waffenschmidt,
Yvonne Knaup-Franken
Redaktion
Katharina Bromberger
Tel. 08821 75721
Grafik
Nina Wanke, PMS GmbH, Penzberg
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Druck
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Joseph-Dollinger-Bogen 22
80807 München
Die Bergwelten erscheinen vierteljährlich
in den Monaten März (Frühling),
Juni (Sommer), September (Herbst)
und Dezember (Winter).
Erfüllungsort und Gerichtsstand für
das Mahnverfahren ist München.
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