06.03.2026 Aufrufe

DVS_Bericht_405LP

  • Keine Tags gefunden...

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

2026

DVS-BERICHTE

Schweißen im Anlagenund

Behälterbau


54. Sondertagung

Schweißen im

Anlagen- und

Behälterbau 2026

Vorträge der gleichnamigen Sondertagung

in München vom 10.03. bis 13.03.2026

Gemeinschaftsveranstaltung des DVS

– Deutscher Verband für Schweißen

und verwandte Verfahren e. V.,

Landesverband Bayern und

Bezirksverband München, der

GSI – Gesellschaft für Schweißtechnik

International mbH, Niederlassung SLV

München, und der TÜV SÜD Industrie

Service GmbH


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de

abrufbar.

DVS-Berichte Band 405

ISBN 978-3-96144-321-5 (Print)

ISBN 978-3-96144-322-2 (E-Book)

Die Vorträge wurden als Manuskript gedruckt.

Alle Rechte, einschließlich Übersetzungsrecht, vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung

dieses Bandes oder von Teilen desselben nur mit Genehmigung der DVS Media GmbH,

Düsseldorf.

© DVS Media GmbH, Düsseldorf ⋅ 2026

Offsetdruck: Print Media Group GmbH & Co. KG, Hamm


Vorwort

Die Veranstalter, die GSI mbH, Niederlassung SLV München, die TÜV SÜD Industrie

Service GmbH und der Bezirksverband München des DVS e. V. heißen Sie herzlich

willkommen zur 54. schweißtechnischen Fachtagung „Schweißen im Anlagen- und

Behälterbau“ im Münchner Künstlerhaus.

Die Tagung „Schweißen im Anlagen- und Behälterbau“ bringt Fachleute,

Wissenschaftler und Interessierte aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen,

um die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Schweißtechnik zu erörtern und

zu diskutieren. Die Tagung bietet eine wertvolle Plattform für den Austausch von Ideen

und Erfahrungen und ermöglicht das Erarbeiten neuer Perspektiven, um die

Herausforderungen des modernen Schweißens zu entwickeln.

Die Kombination aus Fachvorträgen und Arbeitsgruppen ermöglicht den Teilnehmern,

innovative Ansätze und Technologien, die von den Fachreferenten in praxisnahen

Vorträgen vorgestellt werden, zu diskutieren. Die Ergebnisse der Diskussionen werden

auf der Homepage http://www.sondertagung.de veröffentlicht und sind für die

Teilnehmer nach der Tagung als Download verfügbar. Zudem werden diese

Informationen in der Fachzeitschrift „SCHWEISSEN und SCHNEIDEN“ des DVS e. V.

veröffentlicht.

Der vorliegende Berichtsband enthält die Manuskripte der Vorträge. Diese stehen

Ihnen außerdem mittels QR-Code zum Download zur Verfügung.

Wir, die Veranstalter dieser Sondertagung, danken den Vortragenden und

Fachreferenten, den Diskussions- und Arbeitsgruppenleitern sowie allen, die zum

Gelingen der Veranstaltung beitragen.

Der DVS Media GmbH gebührt unser Dank für die langjährige, bewährte

Zusammenarbeit und für die unverändert gute Ausstattung des Berichtsbands.

München, im März 2026

Dipl.-Ing. Michael Dey Dipl.-Ing. Paula Pias Peleteiro Prof. Dr.-Ing. Prof. h. c. D. Böhme

GSI mbH, NL SLV München TÜV SÜD Industrie Service GmbH DVS e. V, LV Bayern, BV München


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Basis-Information: Zerstörungsfreie Prüfung – kurz: ZfP

Zerstörungsfreie Prüfverfahren zur Schweißnahtprüfung – Übersicht über die ZfP-

Prüfverfahren und -techniken und Einstufung zur jeweiligen Nachweisfähigkeit für

unterschiedliche Fehlerarten, Personalqualifizierung und -zertifizierung ................................ 1

Bernd Huber, München

Die praktische Umsetzung der Phased-Array-Prüfung (PAUT) auf Grundlage

des ASME BPVC Section VIII Div. 1 unter Anwendung der Workmanship-Based-

Acceptance Criteria ............................................................................................................. 10

Volker Pohl, Rüssingen

ZfP Prüfprotokolle ................................................................................................................ 19

Alexander Droß, Benedikt Lorsbach, Linden, Gießen

Die Schallemissionsanalyse in der Behälterprüfung als ZfP Methode für Inspektion

und permanenten Überwachung ......................................................................................... 23

Horst Trattnig, Michael Häuserer, Wolfratshausen; D. Kraus, Hof

Sensor- und Datensysteme für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz

in der Fügetechnik ............................................................................................................... 27

Benjamin Straß, Saarbrücken

Eröffnungsvortrag

Die Pyramiden von Gizeh: ZfP-Techniken lösen die letzten Rätsel ..................................... 28

Christian U. Große, München

Regelwerke und Qualitätssicherung

Konzept und technischer Ansatz der Normung für die EN 13445-15/13480-11

hinsichtlich Anforderungen im Wasserstoffbereich ............................................................. 32

Andreas Kittel, Pullach

Additive Fertigung von Druckgeräten nach DIN EN 13445-14 (Entwurf):

Verständnis und Umsetzung für Anwender ………. ............................................................. 39

Tim Ahnsorge, Sebastian Schmidt, Mannheim

EN 10204: Prüfbescheinigungen und die Rollen von Bestellern, Herstellern, Händlern

und Abnahmebeauftragten – Ein umfassender Überblick ................................................... 45

David Kunze, München


Aktuellen globalen Herausforderungen mit Schweißen begegnen – Anforderungen

der DIN 2303 an schweißtechnische Betriebe in der Wehrtechnik ...................................... 54

Sven-Christoph Novak, Berlin

Werkstoffe, Prüfung und Verfahren

Inprocess-Qualitätssicherung mittels verschiedenster Sensorik(-kombinationen)

sowie Echtzeitdatenanalyse ............................................................................................... 58

Andreas Breitbarth, Sascha Julia Römhild, Jena

Erkenntnisse aus Schadensfällen an Mischverbindungen zwischen Duplexund

ferritischen Stählen ...................................................................................................... 73

Sascha Morawitz, Pietro Sabatino, Ludwigshafen am Rhein

Teilmechanisches MAG-Schweißen noch einfacher – Ist das überhaupt möglich? ............. 79

Dominik Söllinger, Manuel Mayer, Julian Ahörndl, Franziska Eichhorn, Bernd Rutzinger,

Martin Schörghuber, Thalheim bei Wels/AT

Additive Fertigung mit dem Unterpulverschweißen ............................................................. 87

Anton Schmailzl, Benjamin Fluhrer, Moritz Koller, Parsberg

Korrosion – Schäden im betrieblichen Alltag und deren Vermeidung .................................. 97

Manuel Scholz, Frankfurt

Schweißzusätze im Geltungsbereich der Druckgeräterichtlinie bzw.

Bauproduktenverordnung: Orientierungshilfen für Schweißaufsichten .............................. 101

Stephan Loibl, München

Fertigung und Anwendung

Parts on Demand – Schnelle Ersatzteile und Serienteile durch additive Fertigung

unter der DGRL ................................................................................................................ 108

Stephan Braun, Pegnitz

Qualifikationsnachweis von Einwalzverfahren im Bereich der Druckgeräterichtlinie

2014/68/EU ...................................................................................................................... 119

Christian Lattner, Zwickau

Phased-Array-Ultraschalltechnik – die Zukunft der zerstörungsfreien Prüfung

von dünnwandigen Rohren ............................................................................................... 129

Marco Stausberg, Duisburg

Handgeführtes Laserstrahlschweißen – Sicherheitstechnische Anforderungen,

technische Aspekte und erste Erfahrungen eines Anwenders .......................................... 134

Stefan Angerer, Korbinian Mühlhauser, Schalchen


Aufwendige Reparatur von Heißrissen in Rohrbündelwärmetauschern in der

Fertigung aus unterschiedlichen Blickwinkeln ................................................................... 141

Kevin Specker, Haselünne-Flechum

Verfasserverzeichnis ...................................................................................................... 149

Anhang: Normenliste 2026


Zerstörungsfreie Prüfverfahren zur Schweißnahtprüfung -

Übersicht über die ZfP- Prüfverfahren und -techniken und

Einstufung zur jeweiligen Nachweisfähigkeit für

unterschiedliche Fehlerarten, Personalqualifizierung und -

zertifizierung

B. Huber, Vector München GmbH, C. Schaffer, GSI mbH NL SLV München,

Deutschland

Die Zerstörungsfreie Prüfung, kurz ZfP, bietet eine Vielzahl an Prüfverfahren und Prüftechniken

an, um Unregelmäßigkeiten in geschweißten Bauteilen, Schmiedestücken,

Gussteilen und anderen Produktgruppen aufzufinden. Die Prüfverfahren unterscheiden

sich unter anderem in der Auffindwahrscheinlichkeit für unterschiedliche Unregelmäßigkeiten.

Die richtige Auswahl der Prüfverfahren/-techniken in Abhängigkeit der

aufzufindenden Unregelmäßigkeiten ist somit ein wichtiger Punkt, um eine Aussage

über die Qualität der geprüften Bauteile zu erhalten. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender

Aspekt für eine effektive ZfP ist die Personalqualifizierung, um sicherzustellen,

dass die Prüfungen fachgerecht ausgeführt werden.

1 Hauptverfahren der ZfP

Die Prüfverfahren lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Verfahren, die zur Auffindung

von Oberflächenunregelmäßigkeiten dienen (Tabelle 1) und Verfahren, die die

Möglichkeit bieten, das Innere der Bauteile zu untersuchen, die sogenannten Volumenverfahren

(Tabelle 2).

Tabelle 1. Oberflächenverfahren

VT

PT

MT

Tabelle 2. Volumenverfahren

RT

UT

2 Die Sichtprüfung (VT)

Sichtprüfung

Eindringprüfung

Magnetpulverprüfung

Durchstrahlungsprüfung

Ultraschallprüfung

Die Sichtprüfung basiert auf der Auswertung des Prüfmediums Licht nach dessen

Wechselwirkung mit dem Prüfgegenstand oder anders ausgedrückt, Licht fällt auf die

Oberfläche des Prüfgegenstandes, gelangt von dort, abhängig von der lokalen Reflektionsfähigkeit

der Oberfläche zum Auge. Die vom Auge erfassten Helligkeits- und Farbunterschiede

werden vom Gehirn zu einem Bild verarbeitet.

Bei der Sichtprüfung werden zwei verschiedene Prüftechniken unterschieden, die direkte

und die indirekte Sichtprüfung (DIN EN 13018). Die direkte Sichtprüfung ist durch

einen nicht unterbrochenen Strahlengang des Lichts, von der Prüffläche zum Auge

des Betrachters, gekennzeichnet und setzt eine ausreichende Zugänglichkeit voraus.

Der Betrachtungsabstand muss kleiner gleich 600 mm und der Betrachtungswinkel

größer gleich 30° sein. Wenn diese Vorgaben nicht eingehalten werden können, dürfen

Hilfsmittel wie Spiegel, Lupen oder Endoskope eingesetzt werden, um die Betrachtungsbedingungen

zu verbessern. Bei der Sichtprüfung von Schmelz-

DVS 405 1


schweißverbindungen nach DIN EN ISO 17637 wird außerdem eine Mindestbeleuchtungsstärke

von 350 Lux gefordert.

Bei der indirekten Sichtprüfung ist der Strahlengang des Lichts von der Prüffläche zum

Auge des Betrachters unterbrochen (Videoskopie). Hier ist eine Verfahrenserprobung

vor Durchführung der Prüfung notwendig.

Geeignet ist die Sichtprüfung zur Auffindung von Unregelmäßigkeiten, die sich auf zugänglichen

Oberflächen von Prüfstücken befinden. Für Schmelzschweißverbindungen

stellt die DIN EN ISO 6520-1 einen Katalog von Unregelmäßigkeiten bereit. Typische

Unregelmäßigkeiten, die mit der Sichtprüfung gefunden werden können, sind z. B.

− Risse

− Oberflächenporen

− ungenügende Durchschweißung

− Einbrandkerben

− offene Endkraterlunker

− zu große Naht- oder Wurzelüberhöhung

− Kantenversatz

− Nahtunterwölbung oder Wurzelrückfall

− Durchbrand

− Schweißgutüberlauf

− Schweißspritzer

− Anlauffarben (CrNi-Stahl)

− Zündstellen neben der Schweißnaht

Voraussetzung zur Durchführung von Sichtprüfungen ist neben der bereits erwähnten

Zugänglichkeit auch ein akzeptabler Oberflächenzustand. Im besten Fall ist die

Oberfläche trocken, sauber und frei von störenden Schichten.

Der Vorteil der Sichtprüfung besteht in der Möglichkeit, die wirklichen Größen von

Unregelmäßigkeiten zu ermitteln; ein Nachteil ist die eingeschränkte Auffindbarkeit von

kleinen Unregelmäßigkeiten (z. B. Risse).

3 Die Eindringprüfung (PT)

Die Eindringprüfung basiert auf dem sogenannten Kapillareffekt. Auf die Oberfläche

des Prüfgegenstandes aufgebrachtes Eindringmittel benetzt die Oberfläche und füllt

dadurch an der Oberfläche liegende Materialtrennungen, wie z. B. Risse oder Poren.

Nach einer fachgerecht durchgeführten Zwischenreinigung lassen sich diese Materialtrennungen

auf der Oberfläche mit Hilfe eines Entwicklers sichtbar machen. Zwischen

der entstehenden Anzeige und der reellen Größe der Materialtrennung besteht kein

definierter Zusammenhang. Bild 1 zeigt Anzeigen von zwei Rissen, die mit der Eindringprüfung

gefunden wurden, die entstehende Ausblutung ist aber deutlich breiter

als die Materialtrennung.

DVS 405 2


Bild 1. PT-Anzeigen von Materialtrennungen

Die verschiedenen Techniken der Eindringprüfung und deren Anwendung sind in der

DIN EN ISO 3452-1 geregelt. Prüfungen können mit Farbeindringmitteln, fluoreszierenden

Eindringmitteln oder Mitteln für beide Anwendungsfälle durchgeführt werden.

Ebenso werden verschiedene Techniken der Zwischenreinigung und der Entwicklung

der Anzeigen beschrieben. Wichtige Prüfparameter sind die Betrachtungsbedingungen

und die Prüfflächentemperatur. Letztere hat einen großen Einfluss auf die Verweildauern

der Prüfmittel und sollte standardmäßig zwischen 10 °C und 50°C liegen. Die

Betrachtungsbedingungen hängen vom verwendeten Prüfmittel ab; bei Farbkontrastmitteln

liegt die Mindestbeleuchtungsstärke bei 500 Lux, während bei fluoreszierenden

Prüfmitteln maximal 20 Lux und eine UV-Bestrahlungsstärke 10 W/m² gefordert wird.

Voraussetzung für die Auffindbarkeit von Materialtrennungen mit Hilfe der Eindringprüfung

ist, dass sie zur Oberfläche hin geöffnet sind und keinerlei Verschmutzungen aufweisen,

die das Eindringmittel daran hindern, in die Fehlstellen eindringen zu können.

Einschränkungen der Prüfbarkeit können sich bei porösen Werkstoffen sowie bei Bauteilen,

die durch das Prüfmittel angegriffen werden, ergeben. Die Bewertung von Anzeigen

erfolgt üblicherweise nach einer Klassifizierung der Anzeigen in linienartige

oder nicht linienartige Anzeigen, bei Schweißnähten nach DIN EN ISO 23277. Basis

hierfür ist das Verhältnis der Anzeigenlänge zur Anzeigenbreite, in anderen Produktregelwerken

wird auch die Anzahl auf einer Bezugsfläche oder die Lage der Anzeigen

zueinander berücksichtigt.

Zu den Unregelmäßigkeiten, die mit der Eindringprüfung aufgefunden werden können,

zählen z. B. Oberflächenporen und Risse. Es können aber auch Anzeigen auftreten,

die nicht auf Materialtrennungen zurückzuführen sind, sondern beispielsweise auf

Mängel im Verfahrensablauf, sogenannte Scheinanzeigen.

4 Die Magnetpulverprüfung (MT)

Als weiteres Oberflächenprüfverfahren steht die Magnetpulverprüfung zur Verfügung.

Ferromagnetische Werkstoffe, die einem Magnetfeld ausgesetzt werden, konzentrieren

die magnetischen Feldlinien in ihrem Inneren. Vorhandene Materialtrennungen

stören die Ausbreitung der Feldlinien; das führt zu einem Austreten der Feldlinien an

der Oberfläche des Bauteils, es entsteht ein Streufluss. Dieser Streufluss lässt sich mit

Hilfe des Prüfmittels auf der Oberfläche sichtbar markieren, da das ferromagnetische

Prüfmittel an Stellen mit Streufluss haften bleibt. Bild 2 zeigt eine linienartige Magnetpulveranzeige

in der Wärmeeinflusszone einer Schweißnaht.

DVS 405 3


Bild 2. MT-Anzeige in der Wärmeeinflusszone einer Schweißnaht

Allgemeine prüftechnische Vorgaben zur Magnetpulverprüfung sind in der

DIN EN ISO 9934-1 aufgeführt, die DIN EN ISO 17638 spezifiziert die Anforderungen

zur Magnetpulverprüfung von Schweißnähten. Ähnlich der Eindringprüfung gibt es hier

die Möglichkeit, mit Farbkontrastpulvern oder mit fluoreszierenden Prüfmitteln zu prüfen.

Hier gelten auch weitgehend die gleichen Betrachtungsbedingungen. Des Weiteren

sind verschiedene Techniken der Magnetisierung beschrieben. Dazu zählen die

Magnetisierung mit Handjoch, Spulentechniken oder die Anwendung von Aufsetzelektroden.

Ein besonderes Augenmerk gilt hier einer ausreichend starken Magnetisierung

zur Erzeugung von Streuflüssen und der Magnetisierungsrichtung. Um Unregelmäßigkeiten

in beliebiger Richtung anzeigen zu können, sind zwei um annähernd 90° versetzte

Magnetisierungen notwendig.

Die Magnetpulverprüfung ist nur bei ferromagnetischen Werkstoffen anwendbar, da

nur hier die Unterschiede der Leitfähigkeit von Magnetfeldlinien (Permabilitätsunterschiede)

zwischen dem unversehrten Grundwerkstoff und der Materaltrennung groß

genug sind, um einen ausreichend großen Streufluss zu erzeugen.

Typische Unregelmäßigkeiten, die mittels der Magnetpulverprüfung gefunden werden

können, sind Risse in Schweißverbindungen, Guss- oder Schmiedeteilen. Ebenso

können Flankenbindefehler, die bis zur Bauteiloberfläche reichen, also die

ungenügende Bindung zwischen Schweißgut und dem zu verbindenden

Grundmaterial, gefunden werden. Die Regelwerke zur Bewertung von

Magnetpulveranzeigen, bei Schweißnähten beispielsweise die DIN EN ISO 23278,

klassifizieren wie schon bei der Eindringprüfung linienartige und nicht linienartige

Anzeigen.

Die Prüfempfindlichkeit nimmt mit zunehmender Tiefenlage der Materialtrennungen

rasch ab. Nicht ferromagnetische Schichten auf der Oberfläche des Prüfstücks wirken

sich ebenfalls negativ auf die Prüfempfindlichkeit aus.

5 Die Durchstrahlungsprüfung (RT)

Bei der Durchstrahlungsprüfung wird das Prüfstück mit ionisierender Strahlung (Röntgen-

oder Gammastrahlung) durchstrahlt (siehe Bild 3). Diese besitzt eine weitaus höhere

Energie als normales sichtbares Licht und kann deshalb nicht nur Luft, sondern

auch Metalle durchdringen. Allerdings wird auch die ionisierende Strahlung beim

Durchdringen von Materie geschwächt, und zwar umso mehr, je höher die Ordnungszahl

und Masse der Materie (≈ Materialdichte) sind. Bei Luft ist die Materialdichte sehr

gering und die Strahlung breitet sich weitgehend unvermindert aus. Bei Metallen sind

Ordnungszahl und Masse vergleichsweise sehr hoch und die Strahlungsintensität wird

entsprechend stark abgeschwächt. Und zwar umso mehr, je dicker die durchstrahlte

Materialdicke ist. Befindet sich innerhalb der Prüfzone eine Materialdickenminderung,

dann wird dort die Strahlungsintensität weniger geschwächt und an dieser Stelle dringt

örtlich mehr Strahlung durch das Prüfstück hindurch. Es entsteht also ein örtlicher

DVS 405 4


Intensitätsunterschied zwischen Fehler und Nicht-Fehler. Dieser wird als direkte und

dokumentierbare Projektion von Unregelmäßigkeiten mit einem hinter dem Prüfstück

angebrachten Empfänger sichtbar gemacht, entweder in Form eines klassischen Röntgenfilms

oder eines digitalen Sensors.

Bild 3. Prinzip der Durchstrahlungsprüfung

Dabei ist die Fehlererkennbarkeit umso größer, je größer der Wanddickenunterschied

in Durchstrahlungsrichtung ist. Im Allgemeinen können Fehler nachgewiesen werden,

deren Tiefenausdehnung mindestens 1 % der Wanddicke ausmacht.

Gerade bei flächigen Fehlern wie Flankenbindefehlern ist eine Erkennbarkeit deshalb

oft nicht sicher gegeben, bei Rissen ist Erkennbarkeit Glücksache. Nach Norm wird

aus diesem Grund die Durchstrahlungsprüfung von Schweißnähten mit Röntgendicken

über 40 mm nicht empfohlen.

Der Empfänger kann ein klassischer Röntgenfilm sein, der vor der Auswertung allerdings

in einer Dunkelkammer entwickelt werden muss. Eine hauptsächliche Alternative

hierzu sind Speicherfolien, die mit einem Lesegerät ausgelesen und wieder zurückgesetzt

werden und auf diese Weise mehrere hundertmal wiederverwendet werden können,

die sonst aber in der Anwendung dem Film recht ähnlich sind.

Als Strahlenquelle für die radioaktive Strahlung kommen Isotope, wie z. B. Ir 192,

Co 60 und Se 75 oder Röntgenröhren zum Einsatz. Die jeweilige Auswahl hängt

hauptsächlich von der Zugänglichkeit und den Prüfanforderungen ab. Für mobile Einsätze

sind Isotope leichter einsetzbar, dafür erzeugen sie bei dünnen Wanddicken oft

einen schlechteren Kontrast.

Dieser Zusammenhang, bzw. eigentlich alle prüftechnischen Anforderungen sind detailliert

im Einzelnen in DIN EN ISO 17636-1 (für Filme) und -2 (digital) beschrieben.

Von der Einhaltung dieser normativen Vorgaben und der damit verbundenen Fehlererkennbarkeit

hängt am Ende die Frage ab, inwieweit eine Auswertung durchgeführt,

oder abgelehnt werden kann.

DVS 405 5


Damit eine Durchstrahlungsprüfung durchgeführt werden kann, muss das Werkstück

beidseitig zugänglich sein. Auf einer Seite muss die Strahlenquelle, auf der anderen

Seite ein Empfänger platziert werden können.

T-Stöße und Stutzennähte sind für RT immer problematisch, weil die Radiologie bekanntlich

empfindlich auf Wanddickenänderungen reagiert und aus ihnen Schwärzungsänderungen

erzeugt. Nachdem die Stoßform an sich schon eine Wanddickenänderung

darstellt und gerade die hier besonders kritischen Flankenbindefehler ungünstig

getroffen werden, ist die Aufnahme von vornherein schon schlecht auswertbar und

die Erkennbarkeit dieser Fehler doppelt schwierig.

Die Erkennbarkeit von Schweißnaht-Unregelmäßigkeiten hängt zum einen ab von ihrem

relativen Schwächungsvermögen im Vergleich zum Schweißgut und zum anderen

maßgeblich von ihrer Ausdehnung relativ zum Einstrahlwinkel. Flächige Fehler sind

deshalb oft schwierig nachweisbar.

Tabelle 3. Erscheinungsbild typischer Schweißnahtunregelmäßigkeiten auf dem

Durchstrahlungsbild

Fehlertyp

Risse

Poren

feste Einschlüsse (nur, wenn hohlraumerzeugend)

Wolframeinschlüsse

Bindefehler (nur solange sie weitgehend

parallel zur Durchstrahlungsrichtung

liegen)

ungenügende Durchschweißung

Einbrandkerben/Kerben

Endkrater

Naht-/Wurzelüberhöhung

Nahtunterwölbung/Wurzelrückfall

Schweißspritzer

Erscheinungsbild am Film

dunkle Linien

dunkler als Umgebung

dunkler als Umgebung

helle Punkte

dunkle Linien

dunkle Linien, scharfe Kanten

dunkle Ausbuchtungen

dunkler, runder Fleck

helle Zone, bei tropfenförmigem

Durchhang scharf umrandet

dunkle Zone, kritisch, wenn dunkler

als Grundwerkstoff

helle Punkte

Zu beachten ist, dass die Projektion von Fehlern nicht unbedingt der wahren Größe

der Fehler entspricht und deshalb die Zuordnung eines Durchstrahlungsbildes zu einer

Bewertungsgruppe, z. B. nach DIN EN ISO 5815 oder DIN EN ISO 10042, nicht erfolgen

kann. Zur Bewertung von Aufnahmen stehen DIN EN ISO 10675-1 und -2 zur Verfügung.

DVS 405 6


6 Die Ultraschallprüfung (UT)

Das zweite hauptsächliche Prüfverfahren für die Untersuchung des Inneren von

Schweißnähten ist die Ultraschallprüfung. Ein auf die Bauteiloberfläche aufgesetzter

Prüfkopf wandelt den von einem Ultraschallprüfgerät erzeugten, elektrischen Impuls

im Megahertzbereich in eine mechanische Welle um, die in das Prüfstück eingeleitet

wird und sich dort mit hoher Geschwindigkeit ausbreitet. Trifft die Wellenfront auf einen

akustisch deutlich unterschiedlichen Bereich (z. B. gefüllt mit Luft), wird der Schall an

dieser Grenzfläche reflektiert, es entsteht ein Echo. Das Schallbündel verhält sich dabei

so, wie ein auf einen Spiegel auftreffender Lichtstrahl. Bei einem rechtwinkligen

Auftreffen wird das Echo zurück zum Prüfkopf reflektiert, andernfalls wird es entsprechend

der Anordnung zwischen dem Schallstrahl und der Fehlerfläche weggespiegelt.

Die Energie des zum Prüfkopf zurückkehrenden Teils des Schallbündels wird dort wieder

in ein elektrisches Signal gewandelt und schallwegabhängig auf dem Bildschirm

des Ultraschallprüfgeräts zur Anzeige gebracht. Die Signalhöhe entspricht dabei der

Stärke der elektrischen Impulse. So erscheint der Sendeimpuls am linken Bildrand

recht hoch, während die rechts angezeigten Echos aus dem Bauteil deutlich kleiner

sind. Ein Echo kann nur dann auf dem Display erscheinen, wenn der Sendeimpuls die

Fehleroberfläche/Grenzfläche rechtwinklig trifft und somit das Echo zurück in Richtung

des Prüfkopfs reflektiert wird.

Bild 4. Prinzip der Ultraschallprüfung

Nach diesem Prinzip kann mit Hilfe des vorstehend dargestellten Senkrechtprüfkopfes

die Wanddicke gemessen oder das Bauteil auf Fehler untersucht werden.

Zum Zweck der Schweißnahtprüfung kann erstens der Prüfkopf nicht problemlos auf

die meist unebene Schweißnahtoberfläche aufgesetzt werden und muss zweitens die

Einschallung so erfolgen, dass besonders die kritischen Schweißnahtfehler wie Flankenbindefehler

möglichst zuverlässig nachgewiesen werden können. Für beides bietet

es sich an, mit einem Winkelprüfkopf seitlich neben der Naht einzuschallen, mit einem

Winkel, der möglichst genau senkrecht auf die Nahtflanke auftrifft. Durch das Hin- und

Herschieben des Prüfkopfs von beiden zur Schweißnaht benachbarten Flächen aus

wird das ganze Nahtvolumen abgedeckt.

DVS 405 7


Bild 5. Schweißnahtprüfung mit Schrägeinschallung

Auch T-Stöße lassen sich gut mit Ultraschall prüfen, allerdings nur unter der Voraussetzung,

dass sie durchgeschweißt sind. Was im Übrigen auch für Stumpfnähte gilt.

Zur Bewertung der Befunde, also der Echohöhen von innenliegenden Reflektoren,

werden nach DIN EN ISO 11666 die Echohöhen von Bezugsreflektoren herangezogen.

Dazu erfordert es Vergleichskörper mit künstlich eingebrachten und damit reproduzierbaren

Reflektoren, eine rechnerische Simulation (AVG-Technik) ist jedoch auch

möglich.

Daneben kann auch die Fehlerlage mit einer Genauigkeit im Millimeterbereich ermittelt

werden.

Moderne digitale Ultraschallgeräte bieten Möglichkeiten zur erleichterten Fehlerauswertung,

Dokumentation und Speicherung der Geräteparameter und letztlich auch der

Fehlererkennbarkeit.

Ergänzend zu den beschriebenen Basisanwendungen sind mittlerweile fortgeschrittene

Ultraschalltechniken wie Phased Array, TOFD und TFM gebräuchlich, die es ermöglichen,

die Einsatzgrenzen, Prüfgeschwindigkeiten und Fehlerauffindwahrscheinlichkeit

erheblich zu verschieben, häufig allerdings auch mit einem dann beträchtlichen

Geräteaufwand verbunden.

Die Mindestwanddicke für die UT-Prüfung von Schweißverbindungen beträgt nach

DIN EN ISO 17640 8 mm; im Gegensatz zur Durchstrahlungsprüfung können mit UT

auch große Materialdicken geprüft werden.

Der große Vorteil der Ultraschallprüfung ist der, dass damit flächige, innen liegende

Fehler recht gut nachweisbar sind. Vorausgesetzt, sie werden im richtigen Winkel angeschallt.

Voluminöse Fehler erzeugen zwar immer Echos, streuen aber meist aufgrund

ihrer gekrümmten Oberfläche einen Großteil des auftreffenden Schallbündels.

7 Personalqualifikation

Der Zusammenhang zwischen erwartbarer Prüfqualität/-sicherheit und der Qualifizierung

des ausführenden bzw. verantwortenden Personals ist unstrittig.

Für ZfP-Prüfpersonal gilt in Europa die seit 1993 bestehende EN ISO 9712 (anfangs:

EN 473). Die offizielle Anerkennung Zertifizierungssysteme ist kaum möglich.

Inwieweit qualifiziertes bzw. zertifiziertes Prüfpersonal eingesetzt wird, hängt zunächst

von den zugrundeliegenden Regelwerken ab, bzw. von eigenen Festlegungen. HP4

fordert generell eine Zertifizierung nach EN ISO 9712, DIN EN 13445-5 für alle ZfP

Verfahren außer für VT, wo eine Qualifizierung nach EN ISO 9712 ausreichend ist.

DIN EN 1090 hält es ähnlich wie DIN EN 13445-5, allerdings ist dort für VT keinerlei

Nachweis erforderlich. Was wenigstens erstaunlich ist, weil die Klassifizierung und Bewertung

der Befunde gerade bei VT besonders anspruchsvoll sind.

DVS 405 8


Die Qualifizierung besteht aus den Elementen Ausbildung, praktische und schriftliche

Prüfung. Für eine Zertifizierung muss ergänzend dazu eine angemessene Erfahrungszeit

und ein gültiger Sehtest nachgewiesen werden. Und innerhalb von fünf Jahren ein

Antrag bei derjenigen Zertifizierungsstelle gestellt werden, die die Qualifizierungsprüfung

abgenommen hat!

Sollen über die Basistechniken hinausgehende, besondere Prüftechniken, wie digitale

Radiographie, UT-Phased-Array, UT-TOFD angewandt werden, ist eine ergänzende

Qualifikation erforderlich.

Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig, vorausgesetzt, es liegt ein aktuell gültiger Sehtest

vor.

Nach dem Ablauf von fünf Jahren ist zur Erhaltung eines Zertifikats eine Erneuerung

fällig, zu der seit 2022 auch eine verkürzte Praktische Prüfung abzulegen ist.

Nach zehn Jahren ist im Zuge der Rezertifizierung eine komplette Praktische Prüfung

einschließlich Prüfanweisung erforderlich und damit beginnt das Spiel von vorne. Eine

schriftliche Prüfung ist nur dann erforderlich, wenn die Fristen überschritten worden

sind und eine komplette Neuprüfung abgelegt werden muss.

DVS 405 9

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!