Katalog Meistergrafik 2026
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Meistergrafiken
Master Prints
August Laube
Buch- und Kunstantiquariat
HANS SEBALD BEHAM
Nürnberg 1500 – 1550 Frankfurt
1 l Pacientia (Die Geduld).
1540. In der Platte bezeichnet und signiert: PACIEN-
TIA 1540 SEBALDVS BEHAM PICTOR NORICVS
FACIEBAT. Kupferstich. 7:10.6 cm.
Pauli 141 II (von IV); New Hollstein 149 II (von VI);
Bartsch 138; Müller/Schauerte, Die Gottlosen Maler von
Nürnberg, Ausst. Kat. 2011 Nr. 59; Hollst. GE III S. 81;
Bartrum 99.
Provenienz: Privatsammlung Schweiz.
Um 1520 kam das Kleinformat im Norden für Jahrzehnte
in Mode. Einerseits basierte das Kleinformat
sicherlich auf den italienischen Niello-Drucken, die
im frühen 16. Jahrhundert sehr beliebt waren. Andererseits
entsprachen die kleinen Formate dem
damaligen Brauch, sammelwürdige Grafiken in Bücher
einzukleben. Kleine, sehr detaillierte Stiche mit
ungewöhnlichen Motiven, aber bekannten Formeln
waren sehr beliebt.
Ab den späten 1530er Jahren konzentrierte sich
Sebalds Stil des Kupferstichs stärker auf die Schaffung
klarer Motive in sehr kleinem Massstab. Gleichzeitig
entwickelte er einen sinnlicheren Stil für seine
Motive. Ein Beispiel dafür ist die 1539 entstandene
Geduld.
Im Laufe des Jahres 1539 fertigte Beham mehrere
unabhängige Stiche mit allegorischen Figuren an. Sie
befinden sich immer im nahen Vordergrund und sind
von einigen Attributen umgeben.
Brillanter, gegensatzreicher und nuancierter Frühdruck
mit der Plattenkante sichtbar. In hervorragendem
Zustand. [357025].
Pacientia (Patience).
1540. In the plate annotated and signed: PACIENTIA
1540 SEBALDVS BEHAM PICTOR NORICVS FACIE-
BAT. Engraving. 7:10.6 cm.
Pauli 141 II (of IV); New Hollstein 149 II (of VI); Bartsch
138; Müller/Schauerte, Die Gottlosen Maler von Nürnberg,
Ausst. Cat. 2011 no. 59; Hollst. GE III p. 81;
Bartrum 99.
Provenance: Private collection Switzerland.
Around 1520, the small format became for decades
fashionable in the north. On the one hand, the small
format was certainly based on the Italian niello prints,
which were very popular in the early 16th century. On
the other hand, the small formats were in line with the
custom of the time of gluing collectable prints into
books. Small, very detailed engravings with unusual
motifs but familiar formulas were very popular.
From the late 1530s Sebalds style of engraving became
more focused on the creation of clear designs
on very small scale. At the same time, he developed
a more sensuous approach to his subject-matter. This
is exemplified in Patience produced in 1539. Sebald
was never ashamed to use other artist’s ideas.
During 1539 Beham made several independent engravings
of allegorical figures. They are always set in the
near foreground with a few attributes surrounding them.
Brilliant, detailed and nuanced early impression with
the platemark visible. In excellent condition. [357025].
CHF 9000.–
Meistergrafiken
Master Prints
Meisterwerke aus 5 Jahrhunderten
Masterpieces from 5 centuries
HEINRICH ALDEGREVER
Paderborn 1502 – 1555/61 Soest
1 l
2 l Respice Finem (Die Mahnung an den Tod).
1529. In der Platte monogrammiert und datiert oben
rechts. Bezeichnet auf den Band des Globus «Respice
Finem». Kupferstich. Wasserzeichen: Gothisches
P (1529). 11.4:7.4 cm.
Bartsch 134; New Hollstein 134; Zschelletzschky 134.
Heinrich Aldegrever gehörte nicht wie Dürer zu jenen
Künstlern, die Ihrer Zeit und der nachfolgenden Kunst
Ihren Stempel aufdrückten. Er hat vielmehr die Kunst
seines Meisters weiterentwickelt und Dürer auch in
seinen Blättern eine lange Nachwirkung verschafft.
Obgleich in seinen Werken deutlich das Vorbild des
grossen Nürnberger Meisters durchschimmert, so
weist er doch einen starken eigenen Stil und Schöpferkraft
auf.
In «Die Mahnung an den Tod» zeigt eine sich sofort
aufdrängende Beziehung zu Dürers «Nemesis».
Während Dürer in seiner Darstellung der Frau nichts
idealisieren will, sondern nur die Wahrheit sucht, stellt
Aldegrever die Frau im Sinne eines neuen weiblichen
Schönheitsideals dar. Er zeichnet das Antlitz und die
Gestalt jugendlicher und vermeidet den unschön
wirkenden vorgetriebenen Leib. Er lässt die Figur
schlanker werden und ersetzt die Flügel mit prächtig,
wehendem Haar.
Aus der Nemesis Dürers entstand eine Figur der beliebten
Todes-Allegorien. Die Frau ist von Ihrer Kugel
mit der Aufschrift «Respice Finem» herabgetreten und
befindet sich vor einem frisch ausgehobenen Grab,
über das eine Schaufel und ein Brett gelegt ist. Der
Totenschädel auf dem Grabstein verdeutlicht die
Bestimmung der Grube. Anstelle des Kelches hält
die Frau eine Sanduhr, in der anderen Hand statt
des Zaumzeuges einen Apfel als Anspielung auf den
Sündenfall und die daraus resultierende Folge des
Todes. Dabei darf die aufgehende Sonne als Hoffnung
und Auferstehung betrachtet werden wie die untergehende
Sonne als das Ende, den Tod versinnbildlichen
könnte. Es ist charakteristisch, dass Aldegrever
statt der blendenden Tageshelle die Stunde des
Überganges, des Zwielichtes wählte. Dürer lässt seine
durch einen Wolkenschleier getrennte Nemesis wie
eine Göttin weit oben über der Landschaft schweben.
Aldegrever verfährt umgekehrt: Er stellt in eine
kleine Landschaft eine Gestalt deren mächtiger Körper
riesenhaft wirkt. Dürers packendes Symbol des
unaufhaltbaren Schicksals wird eine moralisierende
Allegorie des Todes, des «Memento-mori»-Motivs.
Ganz ausgezeichneter sehr früher Druck in einwandfreier
Erhaltung. New Hollstein führt nur 13 frühe Drucke
in Museen auf. Sehr selten. [45526]
Respice Finem (The warning to death).
1529. In the plate monogrammed and dated 1529
upper right. Titled on the globe lower left “Respice
Finem”. Engraving. Watermark: Gothic P (1529)
11.4:7.4 cm.
Bartsch 134; New Hollstein 134; Zschelletzschky 134.
Unlike Durer, Heinrich Aldegrever was not one of
those artists who left their mark on their own era
and subsequent art. Rather, he further developed the
art of his master and ensured that Durer continued to
have a lasting influence in his own works. Although
the influence of the great Nuremberg master is clearly
evident in his works, he nevertheless displays a strong
style and creative power of his own.
In “The Admonition of Death,” there is an immediately
apparent connection to Durer’s “Nemesis.”
While Durer does not seek to idealize the woman in
his depiction, but only to seek the truth, Aldegrever
portrays the woman in the sense of a new female
ideal of beauty. He draws the face and figure more
youthful and avoids the unattractive, protruding body.
He makes the figure slimmer and replaces the wings
with magnificent, flowing hair.
Durer’s Nemesis gave rise to a figure of popular allegories
of death. The woman has stepped down from
the sphere bearing the inscription “Respice Finem”
and stands in front of a freshly dug grave covered with
a shovel and a board. The skull on the gravestone
makes clear the purpose of the pit. Instead of the
chalice, the woman holds an hourglass, and in her
other hand, instead of the bridle, she holds an apple,
alluding to the Fall and the resulting consequence of
death. The rising sun can be seen as hope and resurrection,
just as the setting sun could symbolize the
end, death. It is characteristic that Aldegrever chose
the hour of transition, twilight, instead of the blinding
light of day. Durer has his Nemesis, separated by a
veil of clouds, hovering like a goddess high above the
landscape. Aldegrever does the opposite: he places
a figure whose powerful body appears gigantic in a
small landscape. Durer’s gripping symbol of unstoppable
fate becomes a moralizing allegory of death,
the “memento mori” motif.
An excellent very early impression in perfect condition.
New Hollstein lists only 13 early prints in museums.
Very rare. [45526].
CHF 10 000.–
2
August Laube
August Laube 3
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
3 l Hieronymus im Gehäus.
1514. In der Platte monogrammiert und datiert: AD
1514. Ohne Wasserzeichen. Kupferstich. 24.9:18.9 cm.
Bartsch 60; Meder 59 a. Hollstein 59. Schoch/Mende/
Scherbaum 70a.
Provenienz: Rumbler Katalog 10,1979, Nr. 49.
Zwischen 1513 und 1514 schuf Dürer seine „Drei
Meisterstiche“ in fast gleicher Grösse, von denen seit
Langem angenommen wird, dass sie eine konzeptionelle
Einheit bildeten. In einem nach den Regeln
der Zentralperspektive gestalteten Raum sieht man
den Lieblingsheiligen der humanistisch gebildeten
Gesellschaft beim Übersetzen der Bibel aus dem
griechischen Urtext in die lateinische Vulgata. Die
Wirkung des Blatts beruht ganz wesentlich auf der
mit grosser Virtuosität dargestellten Textur der verschiedenen
Gegenstände, beispielsweise dem weichen
Fell des Löwen, den abbröckelnden Kanten des
harten Mauerwerks oder der lebendigen Maserung
der Holzbalkendecke. Einzigartig ist die Wiedergabe
des Lichts, das durch die Butzenscheiben der Fenster
fällt und zarte Kringel auf das Mauerwerk und die
Fensterstreben malt.
Mit dieser Darstellung ordnet sich Dürer in einen breiten
Strom von bildlicher Hieronymus-Überlieferungen
ein. Das Gelehrtenbild entwickelte sich aus christlicher
Vorstellung im frühen Humanismus in Italien
und zeigt den in seinem Studienkabinett lesenden
oder schreibenden Gelehrten. Dürers Darstellung ist
Teil eines humanistischen Hieronymus-Kultes, der im
frühen 16. Jahrhundert auch in Nürnberg blühte. Als
Lazarus Spengler, welcher ebenfalls wie Dürer in der
Zisselgasse wohnte, gegen 1512, die lateinische von
Bischof Eusebius von Cremona verfasste Biografie
«De morte Hieronymi» ins Deutsche zu übersetzten
begann, war Dürer sicher eingebunden.
Prachtvoller, sehr fein zeichnender, nuancenreicher
Druck. Der starke Lichteinfall überflutet das Zimmer
in einen heiligen Glanz und verleiht der stillen Szene
eine freundliche Atmosphäre. Mit dem dunklen, vertikalen
Band stark zeichnend, ein Zeichen für einen
Frühdruck.
Horizontale Hängefalte geglättet. Die Randlinie teils
mit Tusche und Feder ersetzt. Schmaler Streifen um
die Darstellung sorgfältig ergänzt. [345323]
Saint Jerome in his study.
1514. In the plate monogrammed and dated: AD
1514. Without watermark. Engraving. 24.9:18.9 cm.
Bartsch 60; Meder 59 a. Hollstein 59. Schoch/Mende/
Scherbaum 70a.
Provenance: Rumbler catalogue 10,1979, no. 49.
Between 1513 and 1514, Durer created his “Three
Master Engravings” in almost identical sizes, which
have long been assumed to form a conceptual unity.
In a room designed according to the rules of central
perspective, we see the favourite saint of humanistically
educated society translating the Bible from the
original Greek text into the Latin Vulgate. The effect of
the sheet is based largely on the texture of the various
objects, depicted with great virtuosity, such as the
soft fur of the lion, the crumbling edges of the hard
masonry, and the lively grain of the wooden beam
ceiling. The rendering of the light falling through the
bull’s-eye panes of the windows and painting delicate
curls on the masonry and window struts is unique.
With this depiction, Durer joins a broad tradition of
pictorial representations of St. Jerome. The image of
the scholar developed from Christian ideas in early
humanism in Italy and shows the scholar reading
or writing in his study. Durer’s depiction is part of a
humanistic cult of St. Jerome that also flourished in
Nuremberg in the early 16th century. When Lazarus
Spengler, who like Durer lived in Zisselgasse, began
translating the Latin biography “De morte Hieronymi”
written by Bishop Eusebius of Cremona into German
around 1512, Durer was certainly involved.
Magnificent, impression with strong contrasts. The
strong light flooding the room bathes it in a sacred
glow and creates a friendly atmosphere in this quiet
scene. The vertical band is very prominent, which is
a sign of an early impression.
Horizontal hanging fold smoothed. The border line
partially replaced with ink and pen. Narrow strip
around the image carefully restored. [345323].
Preis auf Anfrage
Price on request
4
August Laube
August Laube 5
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
4 l Hl. Georg zu Fuss.
C.1507/08. Wasserzeichen: Ochsenkopf (Meder 62).
Kupferstich. 11,4:7,2 cm.
Meder 55a/b (von f); Bartsch 53; Hollst 55 a; SMS 34 a/b
(von f).
Provenienz: Georg-August-Universität, Göttingen; Kunsthandlung
Helmut H. Rumbler, Kat. «Dürers Dinge». Druckgraphik
aus dem Besitz der Georg-August-Universität,
Göttingen. 1997; Deutsche Privatsammlung.
Der heilige Georg wurde bereits im Mittelalter als einer
der vierzehn Nothelfer verehrt und war der Schutzpatron
der Krieger, der Reisenden und der Ritterorden.
Durch seinen Kampf gegen die Nichtchristen wurde
er zu Dürers Zeit zum Schutzpatron der Kreuzzüge,
welche der St. Georg-Orden im Auftrag von Kaiser
Maximilians gegen die Türken plante.
Die aufrechte Gestalt steht am Rand einer steil abfallenden
Uferkante hoch über einer weiten Küstenlandschaft,
welche die oberen zwei Drittel des Blattes
einnimmt. Zu Füssen des Helden liegt der überwundene
Drache. Georg ist durch einen altertümlichen
Kreisnimbus als Heiliger ausgezeichnet, doch trägt
er einen modernen Harnisch. Seinen Helm hat er auf
dem Boden abgelegt. Göttliche Macht und Gerechtigkeit
haben gesiegt. Die Gestalt des Siegers wird
durch den weissen Hintergrund zusätzlich hervorgehoben,
während der dunkle Erdboden den Drachen
fast vollständig umfängt.
Schützend hält Georg seine Hand über die Stadt
Silena, die vom Drachen tyrannisiert wurde. Ihre Bewohner
hatten ihm zunächst Schafe zum Opfer darbringen
müssen, später auch Menschen; schliesslich
hatte er sogar die Tochter des Königs gefordert. Dürer
zeigt den Heiligen als triumphierenden Ritter. Seine
Lanze hält er in der rechten Hand. Sie weist an ihrem
Ende das Banner des St. Georg-Ritterordens auf, in
deren Beisein Kaiser Maximilian 1508 in Trient die
Kaiserkrone annahm. Der Orden wurde 1467 von Kaiser
Friedrich III. gegründet, dann von seinem Sohn,
Kaiser Maximilian I., gefördert und mit der Idee eines
Kreuzzugs gegen das Osmanische Reich betraut.
Prachtvoll kräftiger gegensatzreicher Abzug mit schönem,
ca. 7 mm breitem Rand. [345305]
St. George on Foot.
C.1507/08. Watermark: Bull’s Head (Meder 62). Engraving.
11,4:7,2 cm.
Meder 55a/b (of f); Bartsch 53; Hollst 55 a; SMS 34 a/b
(of f).
Provenance:Georg-August-Universität, Göttingen; Kunsthandlung
Helmut H. Rumbler, Kat. “Dürers Dinge”. Prints
from the possession of the University Georg-August,
Göttingen. 1997; Private Collection Germany.
St. George was already venerated in the Middle Ages
as one of the fourteen knightly helpers and was the
patron saint of warriors, travelers and knightly orders.
Through his fight against the non-Christians, he became
in Durer’s time the patron Saint of the Crusades,
which the Order of St. George planned on behalf of
Emperor Maximilian against the Turks.
The upright figure stands at the edge of a steeply
sloping shore high above the vast coastal landscape
that occupies the upper two-thirds of the sheet. At
the hero’s feet lies the vanquished dragon. Although
George wears a modern suit of armour. He is distinguished
as a Saint by the traditional circle nimbus.
His helmet is on the ground; divine power and justice
have triumphed. The figure of the victor is further
emphasized by the white background, that contrasts
the dark earthen ground that almost completely surrounds
the dragon.
George holds his hand protectively over the city of
Silena, which was tyrannized by the dragon. At first,
Its inhabitants had to offer the dragon first sheep
for sacrifice, and, later also humans; Eventually the
dragon demanded even the daughter of the king.
Durer shows the Saint as a triumphant knight, holding
his lance in his right hand. At the end of the lance
is the banner of the Order of St. George, in whose
presence Emperor Maximilian accepted the imperial
crown in Trento in 1508. The Order was founded in
1467 by Emperor Frederick III and, then promoted
by his son, Emperor Maximilian I.
Excellent strong impression with good contrasts. and
with nice, ca. 7 mm wide margins. [345305].
CHF 36 800.–
6
August Laube
August Laube 7
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
5 l Der kleine Kurier.
C. 1496. Kupferstich. 11:8 cm.
Meder 79 a (von e); Bartsch 80; Hollstein 79 a (von e);
SMS 10 a (von e).
Provenienz: Kunsthandlung Helmut H. Rumbler 8. März
1994; Privatsammlung Deutschland.
Dürer war fasziniert von Pferden und Reitern. Der
kleine Kurier ist seine erste richtige Behandlung des
Themas im Druck. Er schuf später sehr berühmte
Holzschnitt- und Kupferstichdarstellungen: Die vier
apokalyptischen Reiter und Ritter, Tod und Teufel,
um nur zwei zu nennen.
Dürers kleiner Stich, so voller Tempo und Freude,
war sehr beliebt und wurde mindestens fünfmal von
anderen Stechern kopiert. Er gehört zu einer Gruppe
ähnlich formatierter Drucke mit weltlichen Themen,
die Dürer in den Jahren 1496–97 gestochen hat. Sie
waren bei einem Publikum, das sich nach Darstellungen
des «wirklichen Lebens» sehnte, beliebt, und für
andere Künstler nützlich.
Es sind mehrere Zeichnungen zu diesem Thema überliefert,
vor allem aus den frühen Jahren des Künstlers.
Dieser Kupferstich steht in engem Zusammenhang
mit einer Zeichnung im Stadtmuseum von Danzig (W.
9), die von Dürers Hand bezeichnet ist: «Dz hat wofgang
pewrer gemacht Im 1484 Jor». Offenbar hatte
der junge Dürer bei dieser Zeichnung einen Stich von
Wolfgang Beurer, dem Monogrammisten WB, kopiert.
Prachtvoller Frühdruck, von satter, teils gratiger Wirkung.
In sämtlichen Details kräftig und überaus klar zeichnend.
Vor allen Wisch-Spuren, und vor dem langen
Kratzer, vertikal zum Pferdebauch, wie von Meder für
Frühdrucke gefordert. Auf fein strukturiertem Papier
ohne Wasserzeichen. [345306]
The Small Courier.
C. 1496. Engraving. 11:8 cm.
Meder 79 a (of e); Bartsch 80; Hollstein 79 a (of e); SMS
10 a (of e).
Provenance: Kunsthandlung Helmut H. Rumbler 8. March
1994; Private Collection Germany.
Durer was fascinated by horses and riders. and the
Small Courier is his first proper treatment of the subject
in print. Later, he made later very famous prints
in woodcut and engraving, including “The four Apocalyptic
Riders and Knight” and “Death and the Devil
just to mention a couple”.
Durer’s little engraving of the small courier, so full of
speed and fun, was very popular and was copied at
least five times by other engravers. It is part of a group
of prints similarly formatted with secular subjects that
were engraved by Durer between 1496 and 1497.
These prints were popular with the public, who were
hungry for depictions of “real life”, and also useful to
other artists.
Several drawings on the subject of the courier are recorded,
mostly from Durer’s early years. This engraving
is quite closely related to a drawing in the City Museum
of Gdansk (Danzig), that is inscribed in Durer’s
hand. The inscription reads: “Dz hat wofgang pewrer
gemacht Im 1484 Jor” (‘wofgang pewrer made this
in the year 1484’). Apparently, in this drawing young
Durer copied an engraving by Wolfgang Beurer, the
monogramist WB.
Superb early impression, with a strong, burr.
In all details, a strong and very clear impression. Before
all wiping marks and before the long scratch
vertically to the horse’s belly, as Meder required for
early impressions. On finely structured paper without
watermark. [345306].
CHF 42 000.–
8
August Laube
August Laube 9
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
6 l Das grosse Pferd.
1505. Wasserzeichen: Ochsenkopf (Meder 62), wie
von Meder für a Zustände beschrieben. Kupferstich.
16.7:12 cm.
Meder 94, a (von f); Bartsch 97; Strauss 45; Hollstein 94;
SMS 43 a (von f).
Provenienz: Deutsche Privatsammlung.
Dürer schuf im gleichen Jahr die Pendants das
«Grosse Pferd» und das «Kleine Pferd» in Profilansicht.
Gibt das kleine, ein rassig temperamentvolles
Idealpferd mit orientalischem Einschlag wieder, so ist
hier mit dem grossen Pferd ein stoisch gelassenes,
nordalpines Arbeits- und Schlachtross dargestellt.
Das Tier entsprach dem typischen Schlachtross der
Zeit, welches ohne weiteres einen Mann samt Rüstung
tragen konnte.
Das Pferd wird von einem Krieger am Zaumzeug gehalten,
der sich scheinbar vorwärtsbewegt. Pferde
standen im Mittelpunkt vieler Graphiken von Dürer.
Die Beurteilung und Deutung der Pferde in den beiden
Stichen bereitet bis heute Schwierigkeiten, zumal
die chronologische Abfolge der Blätter nach wie
vor ungeklärt ist. Durch die ungewöhnliche Pose und
in Verbindung mit dem bewusst gewählten Format
wird der Eindruck der Grösse des Pferdes äusserst
wirkungsvoll gesteigert.
Prachtvoller stark gradiger Frühdruck von tiefschwarzer
und samtiger Wirkung. Mit ca. 3 mm Rand um
die Einfassungslinie. [345316]
The Large Horse.
1505. Watermark: Bull’s Head with flower (Meder 62)
as noted by Meder for an “a” impression. Engraving.
16.7:12 cm.
Meder 94, a (of f); Bartsch 97; Strauss 45; Hollstein 94;
SMS 43 a (of f).
Provenance: Private collection Germany.
In the same year, Durer created the counterparts of
“The Large Horse” and “The Small Horse” in profile.
Where the Small Horse is depicted as a temperamental
and ideal horse with an oriental touch, the
Large Horse is depicted as a calm, northern alpine
workhorse and warhorse. The animal corresponds to
the typical warhorse of the time which could easily
carry a man in full armor.
The horse is held by the bridle by a warrior who appears
to be moving forward. Horses are the focus of
many engravings by Durer.
The assessment and interpretation of the horses in
these two engravings still causes difficulties, especially
since the chronological sequence of the sheets
is still unclear. The unusual pose of the horse in combination
with the deliberately restrictive format means
that, the size of the horse is increased extremely effectively.
Superb early impression with strong burr and of deep
black and velvety effect. With about 3 mm margin
around the border line. [345316].
CHF 47 600.–
10
August Laube
August Laube 11
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
7 l Der Fahnenschwinger.
1501/02. Kupferstich. 11.5:7 cm.
Meder. 92 a (von c); Bartsch 87; Hollst. 92;SMS 31 a (von
c).
Provenienz: Karl & Faber Auktion 133, 25. November
1982 Nr. 56.; Deutsche Privatsammlung.
Dieser Kupferstich von Dürer ist wohl eines der frühesten
Beispiele einer isolierten Darstellung eines
Fahnenträgers. Ein Bildmotiv, welches in der Blütezeit
des Landsknechtswesens in der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhundert, von grosser Wichtigkeit war.
In der militärischen Rangordnung nahm der Fähnrich
eine herausragende Stellung ein, und nur die
stärksten und tapfersten wurden für diese Ehre, das
Banner zu tragen und zu verteidigen, auserwählt. Die
schillernd gekleidete, heroische Figur steht auf einer
Anhöhe. Vor niedrigem Horizont erstreckt sich das
weite Meer. Mit ausgreifender Bewegung des rechten
Armes schwingt er die Fahne mit den Insignien
des Ordens vom Goldenen Vlies, das Emblem Maximilians
Reichsherrschaft. Die Linke hält den Knauf
seines Schwertes als Zeichen seiner Wehrhaftigkeit
und Standfestigkeit.
Prachtvoller und klarer Meder a-Abzug. Mit feinem
Rändchen um die Einfassungslinie. [345314]
The Standard Bearer.
1501/02. Engraving. 11.5:7 cm.
Meder 92 a (of c); Bartsch 87; Hollst. 92; SMS 31 a (of c).
Provenance: Karl & Faber auction 133, 25. November
1982 no. 56. Private collection Germany.
This engraving by Durer is probably one of the earliest
depictions of an isolated standard-bearer, a pictorial
motif that was of great importance in the golden
age of lansquenets in the second half of the 16th
century. In the military hierarchy, the standard-bearer
occupied a prominent position and only the strongest
and bravest were chosen for this honour of carrying
and defending the banner. In this engraving the dazzlingly
dressed heroic figure stands on a hill. Before
the low horizon, the wide sea stretches far into the
distance. With a sweeping movement of his right arm,
the standard-bearer waves the flag with the insignia
of the Order of the Golden Fleece, the emblem
of Maximilian’s imperial rule. His left hand holds the
pommel of his sword as a sign of his fortitude and
steadfastness.
Very fine and clear Meder a impression. With fine
margins around the border line. [345314].
CHF 31 000.–
12
August Laube
August Laube 13
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
8 l Maria mit dem Zepter und der Sternenkrone.
1516. Kupferstich. 11,7:7,3 cm.
Bartsch 32; SMS 81 a; Meder 37 a.
«Und es erschien ein grosses Wunder am Himmel:
ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond
unter ihren Füssen, und auf ihrem Haupt eine Krone
mit zwölf Sternen...».(Offenbarung 12.1).
Die Madonna auf der Mondsichel gehört zu den zentralen
Motiven in Dürers Werk. Die stetige Nachfrage
nach Andachtsbildern ermöglichten es Dürer die Thematik
immer wieder neu zu interpretieren. Drei Motive
hat Dürer hier ineinander verwoben; Die lebensnahe
Beobachtung von Mutter und Kind, das apokalyptische
Weib, und die, als Himmelskönigin triumphierende,
Maria.
Ausgezeichneter Druck des a Zustandes in schöner
Erhaltung. [363005].
Virgin on the Crescent with Scepter and Starry
Crown
1516. Engraving. 11,7:7,3 cm.
Bartsch 32; SMS 81 a; Meder 37 a.
“And there appeared a great wonder in heaven, a
woman clothed in the sun, and the moon under her
feet, and upon her head a crown of twelve stars….”.
(Revelation 12.1)
The Madonna on the crescent moon is one of the
central topics of Durer’s work. The steady demand
for devotional images enabled Durer to interpret this
theme again and again.
Durer has interwoven three motifs here: the close
observation of mother and child, the apocalyptic
woman, and the triumphant Mary as queen of
Heaven.
Very fine, silvery impression of Meders a-state.
[363005].
CHF 16 000.–
14
August Laube
9 l Das Schweisstuch, von zwei Engeln gehalten.
1513. Kupferstich. 10:13,9 cm.
Meder. 26 a/b; B. 25; SMS 68 a/b.
In der Druckgraphik nördlich der Alpen wurde das
Tuch mit dem heiligen Antlitz (sog. Vera Icon) anfangs
isoliert abgebildet. In der niederländischen Malerei
des 15. Jahrhunderts bildete sich der Typus einer
stehenden Veronika, die mit ausgebreiteten Händen
die Vera Icon vorführt. Albrecht Dürer nun schlägt
1513 mit diesem Stich einen anderen Weg der Präsentation
ein: Vor nachtdunklem Himmel schweben
zwei von links grell beleuchtete Engel und zeigen dem
Betrachter in stummer Klage das Schweisstuch der
Veronika. Mit suggestiver Kraft blickt der leidende
Christus den Betrachter vom Tuch aus an. Die Falten
des Tuches setzen sich nicht im Antlitz Christi fort,
das plastisch wie vor das Tuch gestellt ist und Dürer
verstärkt damit den Eindruck der realen Präsenz. Den
Zügen des Gesichts hat Dürer im Gegensatz zu der in
Wien befindlichen Vorarbeit Facetten seiner eigenen
Züge verliehen. Verso Spuren von alter Montur und
unten eine abgefallene Faser. [363002]
The Sudarium held by two Angels.
1513. Engraving. 10:13,9 cm.
Meder. 26 a/b; B. 25; SMS 68 a/b.
In the beginning of northern graphic art, the cloth with
the Holy Face (the so-called Vera Icon) was depicted
as an isolated object. In 15th century Dutch painting,
the image of a standing Veronica with her arms
spread out presenting the Sudarium, was developed.
However, in 1513, Albrecht Durer presented an altogether
different image: two angels are hanging in the
air, in front of a dark sky, brightly lit from the left. The
angels are presenting the Sudarium to the onlooker
in silence. Untouched by the cloth’s folds, Christ’s
face is made to look vividly more prominent, thus
enforcing the vision of a real presence. Unlike Durer’s
preliminary work for the print, now in Vienna, the face
shows aspects of the artist’s own features. Verso a
trace of an old mounting. In the lower margin a fallen
off fibre. Otherwise in very good condition. [363002].
CHF 17 000.–
August Laube 15
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
10 l Die Geburt Christi.
um 1510. Holzschnitt. 12.8:10 cm.
Meder 129 b-c, Schoch, Mende, Scherbaum
190 b-c, Bartsch 20.
Provenienz: Privatsammlung Schweiz.
Schöner Druck des b-c-Zustandes nach
der lateinischen Ausgabe von 1511. Spitz
der unteren linken Ecke ergänzt, sowie geschlossener
kleiner Einriss. Rechter Rand
kleiner Einriss.
Holzschnitt mit Darstellung der Geburt
Christi. Maria und Joseph knien vor dem
neugeborenen Kind, das in der Mitte auf
dem Boden liegt. Ein Engel schwebt darüber,
rechts nähern sich Hirten. Die Szene
spielt in einem einfachen, teilweise verfallenen
Stall, im Hintergrund öffnet sich eine
Landschaft. Über der Szene erscheint der
Stern von Bethlehem. Der Holzschnitt ist
klar und kontrastreich gearbeitet. Kräftige
Linien und Schraffuren formen die Figuren,
die Kleidung und die Architektur. Typisches
religiöses Blatt aus Dürers früher Schaffenszeit,
das eine verständliche, erzählerische
Darstellung mit genauer Beobachtung
und handwerklicher Präzision verbindet.
[357031]
The Nativity.
um 1510. Woodcut. 12.8:10 cm.
Meder 129 b-c, Schoch, Mende, Scherbaum
190 b-c, Bartsch 20.
Provenance: Private collection Switzerland.
Fine impression of the b-c state after the
Latin edition of 1511. Tip of lower left corner
replaced and joined small tear. Right corner
small tear.
Woodcut depicting the birth of Christ. Mary
and Joseph kneel before the newborn child,
who lies on the ground in the center. An
angel hovers above, while shepherds approach
on the right. The scene takes place
in a simple, partially dilapidated stable, with
a landscape opening up in the background.
The star of Bethlehem appears above the
scene. The woodcut is clear and rich in
contrast. Strong lines and hatching form
the figures, clothing and architecture. A
typical religious print from Durers early period,
combining a comprehensible, narrative
representation with precise observation and
technical precision. [357031].
CHF 2900.–
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
16
August Laube
11 l Das letzte Abendmahl.
um 1508/09. Holzschnitt. 12.8:10 cm.
Meder 133 IIIa; SMS 194 IIIa; Bartsch 24.
Provenienz: Privatsammlung Schweiz.
Die kleine Passion ist Dürers umfangreichste druckgraphische
Folge. Die 37 Holzschnitte, einschliesslich
des Titelblattes entstanden innerhalb von ca. 3
Jahren. Im Jahr 1511 erschien sie im Selbstverlag als
Buch unter dem Titel «Passio Christi ab Alberto Durer
Nurenbergensi effigiata cum varij generis carminibus
Fratris Benedicti Chelidonij Musophili»
Die Szene spielt in einem geschlossenen Innenraum.
Für das Abendmahl, welches an einem Runden
Tisch stattfindet wählt Dürer den Moment an welchem
Christi seinen Verrat durch einer seiner Jünger
verkündet. Die Jünger sind sichtlich aufgeregt und
diskutieren wild miteinander, lediglich der an Christi
angelehnte Johannes ruht unbekümmert. Rechts im
Vordergrund etwas isoliert sitzt der vor entsetzten erstarrte
Judas, erkennbar durch seinen prall gefüllten
Beutel in seiner Hand. Schöner Druck nach dem Text
mit schönem 5 mm Rändchen. Riss in der Mitte des
rechten Randes[357021]
The last supper.
um 1508/09. Woodcut. 12.8:10 cm.
Meder 133 IIIa; SMS 194 IIIa; Bartsch 24.
Provenance: Private collection Switzerland.
The Small Passion is Dürer's most extensive series
of prints. The 37 woodcuts, including the title page,
were created over a period of approximately three
years. In 1511, he self-published them as a book entitled
“Passio Christi ab Alberto Durer Nurembergensi
effigiata cum varij generis carminibus Fratris Benedicti
Chelidonij Musophili.”
For the Last Supper, which takes place at a round
table, Durer chooses the moment when Christ announces
his betrayal by one of his disciples. The
disciples are visibly agitated and discuss wildly
with each other, only John, leaning against Christ,
is resting carefree. On the right in the foreground,
somewhat isolated, sits Judas, frozen in shock,
recognizable by the heavily filled bag in his hand.
Beautiful print according to the text with a beautiful
5 mm border. Tear in the middle of the right margin.
[357021].
CHF 2600.–
August Laube 17
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
12 l Die heilige Sippe mit zwei musizierenden
Engelknaben.
1511. Wasserzeichen: Grosser Bär (Meder 89). Holzschnitt.
21.4:21.4 cm.
Meder 216 a (von d); Bartsch 97; Hollst. 216; SMS 227
a (von d).
Provenienz: Privat Sammlung Deutschland.
Das komplizierte genealogische Beziehungsgeflecht
der fünf Generationen umfassenden Verwandtschaft
der heiligen Anna –volkstümlich niedergelegt in der
«Legenda Aurea» gewann im 15. und 16. Jh. in vielerlei
Weise an Gestalt.
Die Konnotation der Trinubium Legende, die um
1500 auf dem Höhepunkt des Annenkults besonders
häufig dargestellt wurde, fördert die Herstellung von
Einblattdrucken mit der Wiedergabe der Ahnen und
Nachkommenschaft Annas.
Der Holzschnitt zeigt den engsten Kreis des «hayligen
geschlechte». Um Anna und Maria gruppieren
sich Joseph und Annas drei Gatten sowie ihre beiden
nachgeborenen Töchter.
Sehr schöner Druck des ersten Zustandes in einwandfreier
Erhaltung. [333105]
The holy kingship with the lute playing angels.
1511. Watermark: Large Bear (Meder 89). Woodcut.
21.4:21.4 cm.
Meder 216 a (of d); Bartsch 97; Hollst. 216; SMS 227 a
(of d).
Provenance: Private collection Germany.
The complicated genealogical network of Saint Anna’s
relationship which comprises five generations
– popularly set down in the “Legenda Aurea” appeared
in numerous different shapes during the 15th
and 16th century. The tradition of the trinubiums legend,
which was often illustrated around 1500, when
the cult of Saint Anna reached its peak, encourages
the production of single sheet woodcuts to represent
Saint Anna’s ancestors and descendants. The
woodcut shows the intimate circle of the “hayligen
geschlechte”. Joseph and Saint Anna’s three husbands
as well as her two late-born daughters are
grouped around Saint Anna and Maria.
Good impression of the first state in perfect condition.[333105].
CHF 12 000.–
18
August Laube
August Laube 19
ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg 1528
13 l Das Sonnenweib und der siebenköpfige
Drache.
C. 1497. Monogrammiert im Holzstock. Holzschnitt.
39:28 cm.
Bartsch 71; Meder 173; SMS 121.
Sehr feiner, kräftiger Druck, wobei die Strahlen links
von Gottvater fast vollständig erhalten sind. Originalausgabe
in deutscher Sprache, gedruckt 1498. Textrückseite
in deutscher Sprache.
Die Frau der Apokalypse und der siebenköpfige Drache;
die geflügelte Frau steht links auf einem Halbmond,
geschmückt mit zwölf Sternen, und darüber
empfängt Gott ihr neugeborenes Kind.
Rechts steht der siebenköpfige Drache. Eines der
Köpfe schleudert einen Schwall Wasser nach dem
Weib um sie zu ertränken. Jedoch öffnet sich die
Erde und verschlingt den Strom. Die fantasiereiche
Individualisierung der Köpfe zeigt Dürers Vorliebe für
das Diabolische. Die sieben Tierköpfe des Drachen
gelten als Verweis auf die die sieben Todsünden.
Mittlere Falte abgeflacht. Kleine Flecken entlang der
linken Seite durch die Einbandbindung. Drei winzige,
unauffällige Wurmlöcher im Bild. Flecken in der unteren
rechten Ecke. [45636]
Woman Clothed with the Sun, and the Seven-
Headed Dragon.
C. 1497. Monogrammed in the Woodblock. Woodcut.
39:28 cm.
Bartsch 71; Meder 173; SMS 121.
Strong impression, with the rays to the left of God the
Father almost completely preserved. Original edition
in German, printed in 1498. Text on the reverse side
in German.
The woman of the Apocalypse and the seven-headed
dragon; the winged woman stands on the left on
a crescent moon adorned with twelve stars, and
above her God receives her newborn child. On the
right stands the seven-headed dragon. One of the
heads hurls a torrent of water at the woman to drown
her. However, the earth opens up and swallows the
stream. The imaginative individualization of the heads
shows Durer’s preference for the diabolical. The seven
animal heads of the dragon are considered a reference
to the seven deadly sins.
Middle fold flattened. Small stains along the left side
due to binding. Three tiny, inconspicuous wormholes
in the image. Stains in the lower right corner. [45636].
CHF 25 000.–
20
August Laube
August Laube 21
MICHAEL OSTENDORFER
Um 1490 Regensburg 1559
14 l Von Gottes Gnaden Ludovicus Pfalzgraffe
beym Rhein Herzog und Churfürst in Nydern
und Obern Bayern.
1544. Unter der Darstellung: Gedruckt durch Hans
Guldenmundt. 1544. Jar. Schön kolorierter Holzschnitt
auf Bütten mit Wasserzeichen: Schmale hohe
Krone, ähnlich Briquet 4971, datiert 1538. Sheetsize:
40.5:29.8 cm.
Max Geisberg/Walter L. Strauss, The German Single-Leaf
Woodcut 1500–1550, New York 1974, III, S. 931, Nr.
974-1; Hollstein 31: Strauss, 931; Röttinger 222, nr 53
(als Stör).
Provenienz: Herzogliche Sammlung, Gotha, oben rechts
mit der alten Inv. Nr. «126» in Feder, korrigiert zu «127»,
1948 oder später veräussert; Deutsche Privatsammlung;
Auktion Gutekunst und Klipstein, Bern, 4. Juni 1957, Los
219; Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 22. Juni 1994, Los
111; dort erworben Eberhard W. Kornfeld, Bern, Lugt
913b.
Das Porträt zeigt Ludwig V. von der Pfalz genannt
der «Friedfertige» (1478 –1544). Ludwig erhielt seine
Erziehung vom Humanisten Johannes Reuchlin und
dem Prediger Jadocus Gallus. Er trat 1508 die Nachfolge
seines Vater als Kurfürst an. Auf dem Reichstag
zu Augsburg 1518 erreichte er die Aufhebung
der Reichsacht gegen die Kurpfalz. 1519 stimmte
er bei der Kaiserwahl für Karl V. Ab 1525 nahm er
an verschiedenen Schlachten gegen die Bauern teil
und 1529 wurden in seinem Auftrag, auf Grund des
Wiedertäufermandats 350 Täufer hingerichtet.
Ludwig hatte grosses Interesse an der Medizin und
den Wissenschaften. Er verfasse von 1525 bis zu
seinem Tode deutschsprachige medizinische Texte
welche nach seinem Tode durch Ottmar Stab, den
pfalzgräflichen Hofprediger geordnet und zu einem
13-bändigen Manuskript zusammengestellt wurde.
Sehr selten. [369020]
Von Gottes Gnaden Ludovicus Pfalzgraffe beym
Rhein Herzog und Churfürst in Nydern und
Obern Bayern.
1544. Below image: Gedruckt durch Hans Guldenmundt.
1544. Jar. Beautifully coloured woodcut on
laid paper with watermark: high crown, similar to Briquet
4971, dated 1538. Sheetsize: 40.5:29.8 cm.
Max Geisberg/Walter L. Strauss, The German Single-Leaf
Woodcut 1500–1550, New York 1974, III, p. 931, no.
974-1; Hollstein 31 ; Strauss, 931; Röttinger 222, no. 53
(as Stör).
Provenance: Herzogliche Sammlung, Gotha, with the
old inv. no. «126» in pen above right, corrected to «127»,
1948 or later sold; German private collection; Auction
Gutekunst und Klipstein, Bern, 4. June 1957, Lot 219;
Auction Galerie Kornfeld, Bern, 22. June 1994, Lot 111;
there bought by Eberhard W. Kornfeld, Bern, Lugt 913b.
The portrait shows Ludwig V of the Palatinate, known
as “the Peaceful” (1478–1544). Ludwig was educated
by the humanist Johannes Reuchlin and the preacher
Jadocus Gallus. He succeeded his father as Elector
in 1508. At the Imperial Diet of Augsburg in 1518,
he achieved the lifting of the imperial ban against the
Electoral Palatinate. In 1519, he voted for Charles V
in the imperial election. From 1525 onwards, he took
part in various battles against the peasants, and in
1529, 350 Anabaptists were executed on his orders
under the Anabaptist Mandate.
Ludwig had a keen interest in medicine and the
sciences. From 1525 until his death, he wrote medical
texts in German, which were organized after his
death by Ottmar Stab, the Palatinate court preacher,
and compiled into a 13-volume manuscript. 369020].
Very rare. [369020]
CHF 10 000.–
22
August Laube
August Laube 23
HANS BROSAMER
Um 1500 – 1552 wohl in Frankfurt am Main
15 l Von Gottes Gnaden Christoff Herzog zu
Wirttenberg (Württenberg) zu Teck/Graf zu
Wümpelgarten (Montpellier).
Um 1540–1550. Gedruckt zu Augsburg durch Hans
Hofer Briefmaler/ im klainen Sachssen gesslin. Unikat.
Prachtvoll kolorierter Holzschnitt auf Büttenpapier.
Sheetsize: 40.2:29 cm.
Max Geisberg/Walter L. Strauss, The German Single-
Leaf Woodcut 1500–1550, New York 1974, I, S. 390, Nr.
422–1 (das erwähnte Blatt); Nicht im New Hollstein; 1 unkoloriertes
Exemplar findet sich im zweiten Klebeband der
Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek, Bad Arolsen.
Provenienz: Herzogliche Sammlung, Gotha, oben rechts
mit der alten Inv. Nr. in Feder «117», 1948 oder kurz danach
veräussert; Deutsche Privatsammlung: Auktion
Gutekunst und Klipstein, Bern, 28. April 1955, Los 169;
Dort erworben von Eberhard W. Kornfeld, Bern, Lugt
913b.
Herzog Christoph von Württemberg war einer der
bedeutendsten Regenten Württembergs. Er war eine
ausgeprägte Persönlichkeit von tiefer religiöser Überzeugung
und Friedliebend. Christoph prägte weitgehend
den Charakter seines Landes für 250 Jahre.
Nach der Vertreibung seines Vaters und der Besetzung
Württembergs durch den Schwäbischen Bund
wuchs Christoph in der staatsmännischen Schule
Kaiser Karls V. zu Innsbruck und an anderen Orten
auf. Seine politische Ausbildung und sein Verhandlungsgeschick
verhalfen ihm seine Lande wieder zu
erlangen. Durch den Einbau der Stände in die Landesverfassung
gab er Württemberg eine bis 1805
währende Rechtsform. Zahlreiche Ordnungen regelten
Recht und Sitte, sowie die Vereinheitlichung von
Mass und Gewicht wurde eingeführt, das Schulwesen
neu geordnet und die Kirchenverfassung endgültig
festgelegt. Auf dem Grundsatz der Einheit von
Kirche und Staat erfolgte die Reformation der Klöster.
Christoph schuf eine Behörde aus dem sich der
Kirchenrat entwickelte, welcher die Verwaltung des
«Kirchengut» aller Güter und Einkünfte der Kirchen,
Klöster und geistlichen Stiftungen zum Unterhalt von
Gebäuden und Schulen oblag. Durch den Buchdruck
entstand die Möglichkeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts
diese Art von Bildnissen von Herrschern, kirchlichen
Würdenträgern und später auch von Hauptvertretern
der Reformation in Form von Flugblättern,
einer grösseren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Sie waren folglich grossem Verschleiss unterworfen
und sind in der Regel nur in einigen wenigen oder gar
als Unika erhalten.
Leichte nicht störende Stockflecken. [45798]
Von Gottes Gnaden Christoff Herzog zu Wirttenberg
(Württenberg) zu Teck/ Graf zu Wümpelgarten
(Montpellier).
Um 1540–1550. Gedruckt zu Augsburg durch Hans
Hofer Briefmaler/ im klainen Sachssen gesslin..Only
impression known. Magnificently colored woodcut
on laid paper. Sheetsize: 40.2:29 cm.
Max Geisberg/Walter L. Strauss, The German Single-
Leaf Woodcut 1500–1550, New York 1974, I, p. 390, no.
422–1 (this impression listed); Not in New Hollstein; One
uncolored impression is found in the second Volume of
the Albums in the Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek,
Bad Arolsen.
Provenance: Herzogliche Sammlung, Gotha, above right
with the old Inv. no. in pen «117», 1948 or later sold; Privat
collection Germany: Auction Gutekunst und Klipstein,
Bern, 28. April 1955, Lot 169; There bought from Eberhard
W. Kornfeld, Bern, Lugt 913b.
Duke Christoph of Württemberg was one of Württemberg’s
most important rulers. He was a distinguished
personality with deep religious convictions and a love
of peace. Christoph had a profound influence on the
character of his country for 250 years.
After his father was expelled and Württemberg was
occupied by the Swabian League, Christoph grew up
in the statesmanlike school of Emperor Charles V in
Innsbruck and other places. His political education
and negotiating skills helped him regain his country.
By incorporating a council of estates into the state
constitution, he gave Württemberg a legal form that
lasted until 1805. Numerous regulations governed
law and customs, weights and measures were standardized,
the school system was reorganized, and the
constitution of the church was finally established. The
Reformation of the monasteries was based on the
principle of the unity of church and state. Christoph
created an authority from which the Synod Council
developed, which was responsible for the administration
of the “church property” of all goods and income
of the churches, monasteries, and ecclesiastical foundations
for the maintenance of buildings and schools.
At the beginning of the 16th century, the invention of
printing made it possible to make this type of portrait
of rulers, church dignitaries, and later also of leading
representatives of the Reformation accessible to a
wider public in the form of broadsheets. As a result,
they were subject to heavy wear and tear and are
usually preserved only in a few copies or even as
unique examples.
Slight, unobtrusive foxing. [45798].
CHF 11 000.–
24
August Laube
August Laube 25
HANS BALDUNG , GEN. GRIEN
Weyersheim ca. 1476 – 1545 Strassburg
16 l Christus am Kreuz mit Maria, Johannes,
Magdalena und Stephaton.
C. 1505. Holzschnitt. 26.6:16 cm.
Hollstein 12 I ( v. II); Bartsch app. 6 (als Dürer); Karlsruhe
Kat. Nr. 8; Shestak, Hans Baldung Grien Prints & Drawings
1981 Nr. 7.
Die Komposition gehört zu einer Gruppe von zwölf
in den Massen annähernd übereinstimmenden Holzschnitten,
welche Baldung während seiner Nürnberger
Gesellenzeit 1503 –1507 in der Werkstatt Dürers
anfertigte. Die Holzschnitte, welche in der Werkstatt
eines Meisters in dessen Auftrag von einem Gehilfen
angefertigt wurden, durften nach herrschendem
Zunftgebrauch nicht mit der Signatur des Gesellen
versehen sein. Die Stöcke blieben auch nach Baldungs
Weggang aus Nürnberg Eigentum Dürers
und wurden mit dessen Monogramm versehen. Auf
Grund der konzeptionellen Eigenschaften des Entwurfs
schlägt Shestack vor, dass dieser Holzschnitt
in Kombination mit der Beweinung Christi und der
Kreuzabnahme wohl als Triptychon angesehen werden
kann.
Obwohl Baldung die Hauptelemente seiner Graphik
von Dürers Kompositionen von dramatischer und
erzählerischer Intensität auslieh, so behandelt er sie
jedoch grundlegend anders. Indem er sich auf die
Hauptfiguren seiner Darstellung konzentriert, diese
vergrössert und sie in eine strenge geometrische
Form setzt, bewirkt er eine zurückhaltende, angespannte
Betrachtung im Gegensatz zu Dürers erzählerischer
Aktion. Seine Technik unterstützt diese
Stimmung aufs Beste. Er erarbeitet die Darstellung
unter Verwendung von geordneten Schraffuren und
Kreuzschraffuren unter erheblicher Verwendung von
regelmässigen Parallelen. Die Komposition ist ebenfalls
unterteilt in grosse, zusammenhängende helle
und dunkle Bereichen, ein Beweis das Baldung Dürers
Holzschnitte zum Marienleben, 1503 –05, kannte
(Shestack S. 80.).
Ausgezeichneter früher Druck vor Dürers Monogramm.
[800022]
Christ on the Cross with the Virgin and Saints
Longinus, Mary Magdalen, and John.
C. 1505. Woodcut. 26.6:16 cm.
Hollstein 12 I ( of II); Bartsch app. 6 (as Dürer); Karlsruhe
cat. no. 8; Shestak, Hans Baldung Grien Prints & Drawings,
1981 no. 7.
This woodcut belongs to a group of twelve, which
Baldung created between 1503–1509 during his apprenticeship
with Albrecht Durer in Nuremberg. According
to the guild rules, woodcuts that were created
in the workshop of a Master artisan, on their orders,
were not permitted to bear the apprentice’s signature.
After Baldung departed Nuremberg, the blocks used
for producing woodcuts became the property of Durer
and were later marked with his monogram. On the
basis of their conceptual design, Shestack suggests
that this print, in combination with the Lamentation
and the Descent from the Cross, was designed as
part of a triptych.
Although Baldung borrowed the principal elements
of dramatic and narrative intensity from Durer’s compositions,
his treatment is fundamentally different. By
focusing upon the main protagonists, enlarging the
scale of his figures, and locking them into a simplified,
geometrically fixed composition, Baldung creates an
image of restrained contemplation, rather than narrative
action. His use of orderly hatching and crosshatching,
which makes considerable use of regular
parallels, further contributes to the reflective mood
of the woodcut. The division of the composition into
relatively large and visually coherent sections of light
and dark, suggests that Baldung was familiar with
Durer’s Life of the Virgin woodcuts from c.1503–05.
(Shestack p. 80).
Very fine early impression before Durer's monogram.
[800022].
CHF 25 000.–
26
August Laube
August Laube 27
HANS BALDUNG GEN. GRIEN
Weyersheim 1476 – 1545 Strassburg
17 l Sündenfall.
1519. Holzschnitt mit grauer Kolorierung. 25.4:9.5 cm.
B. 2. Hollst. 2; Geis. 58, Karlsruhe 1959 II, H 2, Washington
1981, 75, Hollst. 2, Mende, Schwäbisch Gmünd,
2000, 73; Hans Baldung in Freiburg, Ausstellungskatalog
2001, p. 93. Wz. Gotisches P mit Wappen und Reichsapfel,
vergl.: Meder 324 ca. 1580.
Provenienz: Fürsten von Liechtenstein –Auktion 184,
Kornfeld & Klipstein Bern, 24 Juni 1983, Nr. 9; Privatsammlung
Schweiz.
In seinem dritten und letzten Einblattholzschnitt zu
Adam und Eva aus dem Jahr 1519 richtet Hans Baldung
den Fokus seiner Darstellung deutlich auf die
beiden Figuren. Die weite und detaillierte Landschaft
der früheren Drucke tritt zugunsten einer Komposition
zurück, in der Adam und Eva in einem ungewöhnlich
hohen und schmalen Format dominieren.
Der dargestellte Moment unterscheidet sich von
früheren Darstellungen durch das Weglassen der
Schlange und des Greifens nach den Früchten. Dadurch
wird ein Zeitpunkt nach der eigentlichen Versuchung
angedeutet.
Charakteristisch ist der expressive Einsatz der Linie.
Die Konturen sind klar gezogen, die Linienzeichnung
dicht und lebhaft. Die Komposition verzichtet auf
landschaftliche Ausdehnung und konzentriert sich
vollständig auf die Spannung zwischen den Figuren.
Technisch konnten Holzschnitte durch nachträgliche
Bearbeitung oder Kolorierung aufgewertet werden.
Dieses Exemplar der Adam und Eva von 1519, aus
der Sammlung der Fürsten von Liechtenstein in Vaduz,
wurde feinfühlig in dunklem Grau koloriert und ist
nach dem Wasserzeichen um 1580 gedruckt worden.
Da Baldungs Holzschnitte teilweise der Andachts–
graphik zuzuordnen sind, ist bei ihnen grundsätzlich,
mit Kolorit zu rechnen.
Hans Baldung Grien war einer der eigenständigsten
Künstler der deutschen Renaissance. In seinen Grafiken
und Gemälden verband er religiöse Themen mit
einer ausgeprägten Vorliebe für das Sinnliche. Seine
Darstellungen zeichnen sich durch psychologische
Spannung und eine oft provokante Bildsprache aus,
die ihn deutlich von seinen Zeitgenossen abhebt.
[800023]
Fall of Man.
1519. Woodcut with gray coloring. 25.4:9.5 cm.
B. 2. Hollst. 2; Geis. 58, Karlsruhe 1959 II, H 2, Washington
1981, 75, Hollst. 2, Mende, Schwäbisch Gmünd,
2000, 73; Hans Baldung in Freiburg, exhibition catalog
2001, p. 93. Wz. Gothic P with coat of arms and imperial
orb, cf.: Meder 324 ca. 1580.
Provenance: Dukes of Liechtenstein –auction 184, Kornfeld
& Klipstein Bern, June 24, 1983, no. 9; private collection
Switzerland.
In his third and final single-sheet woodcut of Adam
and Eve from 1519, Hans Baldung clearly focuses
his depiction on the two figures.
The expansive and detailed landscape of the earlier
prints recedes in favour of a composition in which the
moment depicted differs from earlier representations
in that the serpent and the reaching for the fruit have
been omitted. This suggests a moment after the actual
temptation.
The expressive use of line is characteristic. The contours
are clearly drawn, the internal lines dense and
lively. The composition dispenses with landscape
expanses and concentrates entirely on the tension
between the figures.
Technically, woodcuts could be enhanced by subsequent
processing or coloring. Our impression of
the Adam and Eve from 1519, from the collection of
the dukes of Liechtenstein in Vaduz, was delicately
colored in dark gray and according to the watermark,
it was printed around 1580. Since some of Baldung’s
woodcuts can be classified as devotional prints, they
can generally be expected to be colored.
Hans Baldung Grien was one of the most independent
artists of the German Renaissance. In his prints
and paintings, he combined religious themes with a
pronounced preference for the physical and sensual.
His depictions are characterized by psycholo gical
tension and an often-provocative visual language
that clearly sets him apart from his contemporaries.
[800023].
CHF 35 000.–
28
August Laube
August Laube 29
HANS BURGKMAIR / JOST DE NEGKER
1473 Augsburg 1531 / Antwerpen 1480 – 1546
18 l Schlussbild zum «Theuerdank». (Theuerdank
auf den Schwertern stehend, aus Die
geuerlicheiten vnd einsteils der geschichten
des loblichen streytparen vnd hochberümbten
helds vnd Ritters herr Tewrdannckhs).
1512–17. Holzschnitt. 15.6:13.6 cm.
Hollst. 428. Stuttgart Kat. 172. Kaiser Maximilian I und die
Kunst der Dürerzeit, Albertina 2012, SS. 95–98; Landau/
Parshall The Renaissance Print, London 1994 S. 209 Illust.
220.
Provenienz: Privatsammlung Schweiz.
Ausst.: Tilman Falk, Hans Burgkmair, das Graphische
Werk, Stuttgart, 1973, Nr. 172, Illust. 150.
Das Projekt Theuerdank wird erstmals in den Jahren
1505 und 1508 erwähnt. Es beschreibt Episoden
aus dem Leben Kaiser Maximilians, vor allem seine
Abenteuer und die Brautwerbung um die Hand von
Maria von Burgund. Der Text wurde als Epos in Versen
gestaltet und 1514 fertiggestellt. Melchior Pfintzing,
Propst des Domkapitels in Nürnberg, übersetzte
den Text in Reime und Verse. Konrad Peutinger überwachte
die Illustrationen. Die Drucklegung erfolgte
in Augsburg bei Hans Schönsperger dem Älteren.
Tilman Falk vermutet, dass die 118 Holzschnitt-
Illustrationen für den Theuerdank zwischen 1511 und
1515 entstanden sind.
Ein Sammelalbum mit 101 Probedrucken, das 1516
entstanden ist, befindet sich in der Wiener Staatsbibliothek
(Cod. 2833). Unter diesen Probedrucken
befindet sich der einzige andere frühe Druck dieser
Darstellung, einer von zwei bekannten Probeabzügen
dieses ersten, frühen Zustands.
Im hier vorliegenden frühen Zustand steht Theuerdank
zwischen seinen treuen Gefährten Ehrenhold
und Neydelhardt, die Gut und Böse repräsentieren.
Auf Wunsch des Kaisers wurden die beiden Gefährten
im zweiten Zustand durch Büsche ersetzt. Als
der Kaiser 1519 starb, blieben die Genealogie, der
Weisskunig, Freydal, die Heilige Sippe, das Gebetbuch
und der Triumphzug unvollendet. Lediglich der
Theuerdanck 1517 und der Triumphbogen 1517–
1518 wurden im Druck realisiert, obwohl Maximilian
noch immer nicht die Druckstöcke des Triumphbogens
abgerechnet hatte.
Prachtvoller, starker Abzug. Einige dünne Stellen im
Papier nur rückseitig ersichtlich. Es sind nur zwei
Exemplare in diesem frühen Zustand bekannt.
[99025]
Final illustration to Theuerdank ( Theuerdank
Walking on Swords, from Die geuerlicheiten
vnd einsteils der geschichten des loblichen
streytparen vnd hochberümbten helds vnd Ritters
herr Tewrdannckhs).
1512–17. Woodcut. 15.6:13.6 cm.
Hollst. 428. Stuttgart Kat. 172. Kaiser Maximilian I und die
Kunst der Dürerzeit, Albertina 2012, SS. 95–98; Landau/
Parshall The Renaissance Print, London 1994 p. 209 illust.
220.
Provenance: Private Collection Switzerland.
Exhib.: Tilman Falk, Hans Burgkmair, das Graphische
Werk, Stuttgart, 1973, no. 172, Illust. 150.
The project of the Theuerdank is first mentioned in
the years 1505 and 1508. It describes episodes from
the life of Emperor Maximilian, mainly his adventures
and the quest for his bride, Mary of Burgundy. The
project was designed as an epic in verses and the
text for the narrative was finished by 1514. Melchior
Pfintzing, provost of the cathedral chapter in Nuremberg
transformed the text into rhymes and verses,
and Konrad Peutinger supervised the illustrations,
while the printing was done in Augsburg by Hans
Schönsperger the Elder. Tilman Falk suggests that
the 118 woodcut illustrations for the Theuerdank were
executed between 1511 and 1515.
A collection album containing 101 proof impressions,
which was composed in 1516, is kept at the Vienna
State library (Cod. 2833). Among these proofs is the
only other impression of this print. One of two known
proof impressions of this first state.
In the present early state Theuerdank is standing between
his faithful companions Ehrenhold and Neydelhardt
who represent good and evil. On request of
the Emperor, the two companions where replaced by
bushes in the second state.
When the Emperor died in 1519 the Genealogy,
Weisskunig, Freydal, Heilige Sippe, Prayerbook, and
Triumphal Procession remained unfinished. Only the
Theuerdanck 1517 and the Triumphal Arch 1517–
1518 were realized in publication, though even then
Maximilian had still not settled his accounts on the
blocks for the Triumphal Arch.
Superb strong impression. Some skinned arears visible
only on the verso. Only two impression in this
early state are kown. [99025].
CHF 42 000.–
30
August Laube
August Laube 31
HANS SEBALD LAUTENSACK
Bamberg 1524 – Nürnberg 1566
19 l Landschaft mit einer Wassermühle unter
überhängendem Felsen.
1553. Monogrammiert und datiert 1553. Wappen der
Stadt Ravensburg. Vergleich: Biquet 15921 (datiert
1556 und folgende Jahre).
Katalogreferenz: Stogdon, Landscapes of the 16th
Century, Kat. IX. Radierung. 17:11.5 cm.
Hollstein 17; Bartsch 27; Schmidt 59; TIB 18, S. 392.27.
Der in Bamberg geborene Lautensack taucht erstmals
in den Stadtarchiven von Nürnberg (Schmitt,
S. 50, XXXIV-V) im Zusammenhang mit zwei grossformatigen
Stadtansichten auf.
In seinen frühen Werken ist der Einfluss von Altdorfer
und Huber, aber auch von Nürnberger Künstlern wie
den Behams und Dürer erkennbar, später kommt ein
niederländischer Einfluss hinzu. 1554 wurde Lautensack
von Kaiser Ferdinand I. nach Wien berufen, um
die kaiserliche Münzsammlung zu entwerfen und zu
veröffentlichen, eine Aufgabe, die erst 1561 in Angriff
genommen wurde.
Die Serie der hochformatigen Landschaften haben
alle die gleiche Grösse und sind auf 1553 oder 1554
datiert.
Die Tatsache, dass Lautensack sich im August 1554
offenbar in Wien aufhielt, um seinen Auftrag entgegenzunehmen,
bedeutet nicht, dass er nicht vorübergehend
nach Nürnberg zurückkehrte, um die Taufe
seines Sohnes zu feiern, und seine Familie nach Wien
zu holen. Das Porträt von Schurstab, dem Bürgermeister
von Nürnberg, bestätigt, dass sich der Künstler
1554 in der Stadt aufhielt.
Das Ravensburg-Papier wird stark mit der Druckkunst
in Nürnberg in Verbindung gebracht, und es
scheint sehr wahrscheinlich, dass er seine Landschaftsplatten
an einem so offensichtlichen Druckort
und nicht in Wien gedruckt hat.
Feiner Druck. Die Radierung ist leicht ungleichmässig,
wie oft bei frühen Drucken. An den Plattenkante
beschnitten. [41910]
A mill on a Stream under an overhanging rock.
1553. Monogrammed and dated. Wm.: The arms of
Ravensburg (city gate or double tower mark). Briquet
15921 (datable to 1556 and following years),
see for explanation Stogdon, Cat IX, Landscapes of
the 16th century). Etching. 17:11.5 cm.
Hollstein 17; Bartsch 27; Schmidt 59; TIB 18, S. 392.27.
Born in Bamberg, Lautensack first enters the city
records of Nuremberg (Schmitt, p.50, XXXIV-V) in
connection with two large views of the city.
The influence of Altdorfer and Huber, but also of the
Nuremberg artists like the Behams and Dürer are
evident in his earlier work, later a Netherlandish in–
fluence enters his work.
In 1554 Lautensack was summoned to Vienna by
Emperor Ferdinand I to design and publish the imperial
coin collection, a task not begun until 1561.
The series of upright landscapes are all the same
size and are dated from 1553 or 1554. The fact that
Lautensack seems to have been in Vienna in August
of 1554, to receive his commission, does not mean
that he did not return temporarily to Nuremberg for his
son’s Christening, and bring his family to Vienna. The
portrait of Schurstab, Mayor of Nuremberg, places
the artist in the city in 1554.
The Ravensburg paper is strongly associated with
printmaking in Nuremberg and it seems very likely
he printed his landscapes plates in such an obvious
printing place rather than in Vienna.
Fine impression. The biting slightly uneven, as often
in early impressions. Trimmed on the plate mark.
[41910].
CHF 10 000.–
32
August Laube
August Laube 33
DOMENICO BECCAFUMI
Valibiena 1486 – 1551 Siena
20 l Glockengiesserei. Holzschnitt. 17.8:12 cm.
Pass. VI, 152, 16. le bl. 16. Nagler S. 355. Landau/Parshall,
The Renaissance Print, London, 1994, Nr. 284.
Der aus Montaperti stammende Künstler war während
seines ganzen Lebens vor allem in Siena tätig.
Ausser einem kurzen Aufenthalt 1540 in Genua bei
Andrea Doria und einer zwei Jahre dauernden Reise
nach Rom. arbeitete Beccafumi in Siena, wo er 1551
verstarb.
Beccafumi war ein ausserordentlich vielseitiger Künstler,
der als Maler, Bildhauer, Formschneider und Stecher
tätig war. Seine Blätter zählen zu den schönsten
und eigenwilligsten werken des 16. Jahrhunderts.
Er transformierte die Anregungen florentinischer
und römischer Kunst der Hochrenaissance in einen
höchst individuellen Stil, in dem das Raffinierte und
Kapriziöse, aber auch das Kraftvolle und Expressive
derart übersteigert werden, dass in Verbindung mit
einem flackernden helldunkel und leuchtenden , Farben
eine phantastische Bilderwelt entsteht.
Obwohl Beccafumi anlässlich seiner Reise nach Rom
ab 1510 bereits Kontakt mit dem Medium Holzschnitt
hatte, engagierte er sich erst in den Jahren 1530
anlässlich der Illustration der « Abhandlung über die
alchemistischen Eigenschaften des Metalls», die zehn
Blätter beinhaltete. Diese charmanten, mysteriösen,
ja eher bizarren Holzschnitte zeigen klar Beccafumi’s
unkonventionelle Auffassung gegenüber dem Holzschnitt.
[45530].
Bell Foundry. Woodcut. 17.8:12 cm.
Pass. VI, 152, 16. le bl. 16. Nagler, p. 355. Landau/Parshall,
The Renaissance Print, London, 1994, no. 284.
The artist, who came from Montaperti, worked mainly
in Siena throughout his life. Apart from a brief stay
in Genoa with Andrea Doria in 1540 and a two-year
trip to Rome, Beccafumi worked in Siena, where he
died in 1551.
Beccafumi was an exceptionally prolific artist who
worked as a painter, sculptor, engraver, and etcher.
His prints are among the most beautiful and idiosyncratic
works of the 16th century.
He transformed the influences of Florentine and Roman
High Renaissance art into a highly individual style
in which the refined and playful, but also the powerful
and expressive, are exaggerated to such an extent
that, in combination with flickering chiaroscuro and
bright colors, a fantastic world of images emerges.
Although Beccafumi had already come into contact
with the medium of woodcut during his trip to Rome
in 1510, he did not become involved in it until 1530,
when he illustrated the “Treatise on the Alchemical
Properties of Metal,” which consisted of ten sheets.
These charming, mysterious, even bizarre woodcuts
clearly show Beccafumi’s unconventional approach
to woodcut printing. [45530]. [45530].
CHF 10 000.–
34
August Laube
August Laube 35
GIOVANNI ANTONIO CANAL (CALLED CANALETTO)
1697 Venedig 1768
21 l Paesaggio con pilastro e rovine classiche
(Landschaft mit Ruinen). Mit Signatur unten im
Rand. Radierung. De V. 28.Montecuccoli degli Erri,
Canaletto incisore, Venezia 2002 Nr. 21 stato unico;
Kainen 26; Bromberg 31 C. 13.7:21.5 cm.
Giovanni Antonio Canal erlernte das Zeichnen und
Malen im Studio seines Vaters, welcher der wichtigste
Entwerfer von Theater Szenen im Venedig seiner Zeit
war. Canal erlernte das Radieren erst am Höhepunkt
seiner Karriere. Seine Bilder wurden vom englischen
Adel bestellt, namentlich von Joseph Smith, Sammler
und Konsul von Venedig. Die schöne Vedutenserie
ist ihm gewidmet, und es ist sehr gut möglich, dass
er diese auch in Auftrag gegeben hat.
Radierung mit Darstellung einer Ruinenlandschaft. Zu
sehen sind zerfallene alte Bauwerke- Mauerreste liegen
in der Landschaft und sind teilweise von Pflanzen
überwachsen. Kleine Figuren sind eingefügt, um die
Grössenverhältnisse der Bauwerke zu zeigen. Die Radierung
ist mit feinen Linien gearbeitet. Durch Schraffuren
werden Licht, Schatten und die Oberflächen der
Steine dargestellt. Typisches Beispiel für Ruinenbilder
des 18. Jahrhunderts, die den Verfall alter Bauwerke
zeigen. [333025]
Paesaggio con pilastro e rovine classiche (Landscape
with ruined monuments). With signature
below the borderline. Etching. De V. 28. De V. 28.
Montecuccoli degli Erri, Canaletto incisore, Venezia
2002 no. 21 stato unico; Kainen 26; Bromberg 31
C. 13.7:21.5 cm.
Giovanni Antonio Canal learned drawing and painting
in his father’s studio, who was the most important designer
of theatre scenes in Venice at the time. Canal
only learned etching at the height of his career. His
pictures were commissioned by the English nobility,
notably Joseph Smith, collector and consul of Venice.
The beautiful series of vedute is dedicated to him,
and it is very possible that he also commissioned it.
The landscape shows old, ruined buildings—remnants
of walls lie scattered across the landscape,
some of them overgrown with plants. Small figures
have been added to show the scale of the buildings.
The etching is worked with fine lines. Hatching is
used to depict light, shadow, and the surfaces of the
stones. Typical example of 18th century images of
ruins showing the decay of old buildings. [333025].
CHF 9000.–
36
August Laube
GIOVANNI BATTISTA PIRANESI
Mogliano 1720 – 1778 Rom
22 l Veduta dell’Arco di Tito.
1771. Radierung. 47:71 cm.
Hind 98 I (von IV) Erste römische Ausgabe 1745/8–1771;
Wilton-Ely 231; Focion 755.
G.B. Piranesi zeigt eine Ansicht des Forum Romanum
mit dem Titusbogen, der Villa Farnese an den Hängen
des Palatin, dem Tempel des Jupiter Stator, dem Friedenstempel
und dem Kapitolshügel im Hintergrund.
In Rom gab es eine ständige Nachfrage von Touristen
nach Stadtansichten. Für einen jungen, ehrgeizigen
Künstler, der sich einen Namen machen und Geld verdienen
wollte war dies eine gute Möglichkeit. Piranesi
begann mit seiner Serie mit dem Titel «Le Vedute die
Roma». Zunächst waren viele der Ansichten, die er
radierte, vom modernen Rom, aber er fügte auch
einige der berühmtesten antiken Monumente hinzu
und mit der Zeit spielten römische Überreste eine
immer grössere Rolle in dieser Serie. Bis zu seinem
Tod im Jahr 1778 fügte er weitere Ansichten hinzu.
Die Serie mit 137 Tafeln bildet seine bei weitem wichtigste
Gruppe von individuell veröffentlichten Blättern.
Sehr schöner früher Abdruck. Drei Feuchtigkeitsflecken
in Verbindung mit einigen Verfärbungen im linken
unteren Rand. [45138]
Veduta dell’Arco di Tito.
1771. Etching. 47:71 cm.
Hind 98 I (of IV) First Roman edition 1745/8–1771; Wilton-
Ely 231; Focion 755.
G.B. Piranesi depicts a view of the Roman Forum with
the Arch of Titus, Villa Farnese on the slopes of the
Palatine Hill, the Temple of Jupiter Stator, the Temple
of Peace, and the Capitol Hill in the background.
In Rome there was a steady demand for views of the
city from tourists. For a young ambitious artist anxious
to make his mark and some money, they were obviously
a suitable type of etching to produce. Piranesi
started on his series entitled “ Le Vedute die Roma”.
At first many of the views he etched were of modern
Rome, but he included some of the most fames ancient
Monuments and in time Roman remains played
an increasingly large role in this series. He continued
to add plates to it until his death in 1778 and it forms
with 137 plates, by far his most important group of
individually published prints.
Very fine early impression. Three humidity stains in
connection with some discoloration visible in the
lower left margin. [45138].
CHF 4300.–
August Laube 37
GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO
Venedig 1696 – 1770 Madrid
23 l Sitzende Frau mit Kind und ein Magier.
C. 1743/45. Radierung. 22:17,4 cm.
Aus: Scherzi (Rizzi 18; De Vesme 27; Russell 29; Schulze
Altcappenberg, G. B. Tiepolo und sein Atelier, Berlin,
1996 Nr. 91.
Die Radierungen der Capricci und Scherzi von Giovanni
Battista Tiepolo sind hinsichtlich ihrer Ikonographie
bis heute nicht eindeutig zu entschlüsseln.
Während einige Autoren ihnen eine verborgene symbolische
Bedeutung zuschreiben, betrachten andere
sie als freie Bildfantasien des Künstlers.
Zahlreiche erhaltene Zeichnungen stehen in engem
Zusammenhang mit beiden Folgen. Die Scherzi gehen
aus den Capricci hervor und entwickeln deren
Motive weiter; ähnliche Figuren erscheinen erneut, jedoch
mit gesteigerter Dramatik, prägnanteren Gesten
und stärkerer Betonung geheimnisvoller, magischer
Handlungen, wodurch eine eher unheimliche als melancholische
Atmosphäre entsteht.
Ein sehr schöner, früher Abzug des ersten Zustandes
(vor der Nummer) mit schmalen Rändern.
Sehr schöner prägnanter Druck des ersten Zustandes
ohne die Nummer. Breitrandig. [333016]
Woman, Child, and Man with Ox in a Landscape.
C. 1743/45. Etching. 22:17,4 cm.
From: Scherzi (Rizzi 18; De Vesme 27; Russell 29;
Schulze Altcappenberg, G. B. Tiepolo und sein Atelier,
Berlin, 1996 no. 91.
The iconography of Giovanni Battista Tiepolo’s Capricci
and Scherzi etchings remains unclear to this
day. While some authors attribute hidden symbolic
meanings to them, others regard them as the artist’s
free visual fantasies.
Numerous surviving drawings are closely related to
both series. The Scherzi emerge from the Capricci
and further develop their motifs; similar figures reappear,
but with increased drama, more concise
gestures, and a stronger emphasis on mysterious,
magical actions, creating an atmosphere that is more
eerie than melancholic.
A very beautiful, early impression of the first state
(before the number) with narrow margins.
Very fine strong impression of the first state without
the number. Large margins. [333016].
CHF 8 000.–
38
August Laube
August Laube 39
GIUSEPPE ARCIMBOLDO NACH
um 1526 Mailand 1593
24 l L’homme de Mesnage. Darunter ein achtzeiliger
Text in französischen Versen von zwei Reihen:
«Vous Critiques tousiours grondans, Mouches, Guiespes,
et Chiens mordans, Censeurs du plus parfait
ouvrage, Misantropes à triple estage, Chargeurs de
gens, railleurs glosans, Vous aués un plain advantage,
Quand nous contemplés cette Image, Ou nous
noyés les accidents/ De mon facecieux visage, Que
l’embarras du mariage, A faconné malgré mes dents,
L’estois garçon bien fait et Sage, Mais conduit par
de faux ardans, Ma liberté se voit en cage, Et ie suis
l’homme de mesnage, qui fait rire les regardans.»
Avec Privilege du Roy. A Paris chez Basset rüe S
Iacques à Se. Genevieve. Radierung. 27.1:18 cm.
Provenienz: Galerie Sarah Sauvin.
Das vorliegende Blatt parodiert laut Text auf surreale
Weise die Auswirkungen des Ehelebens auf den
Mann, dessen Kopf hier in der Manier Arcimboldos
aus Haushaltsutensilien gebildet wird.
Es bildet das Pendant zu dem Blatt Femme de Mesnage,
das in der Bibliothèque Nationale in Paris erhalten
ist (Recueil. Estampes. Caricatures, allégories,
scènes de genre, Nr. 187).
Mit der Adresse des Verlegers André Basset (gen.
Basset le Jeune, tätig um 1750–1785), rue Saint-
Jacques.
Giuseppe Arcimboldo war ein italienischer Künstler
der Renaissance, der aus Mailand stammte und einen
grossen Teil seines Berufslebens am Hof der Habsburger
in Wien und Prag verbrachte. Dort arbeitete er
für mehrere Kaiser und gehörte zu den angesehensten
Hofkünstlern seiner Zeit. Arcimboldo gilt heute
als eine der ungewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten
des 16. Jahrhunderts. Nach seinem Tod geriet
sein Werk zunächst weitgehend in Vergessenheit,
wurde jedoch im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert
wiederentdeckt und kunsthistorisch neu gewürdigt.
Heute sind seine Arbeiten in bedeutenden Museen
vertreten und nehmen innerhalb der europäischen
Kunstgeschichte eine besondere Stellung ein.
Ganz ausgezeichneter kontrastreicher Druck. Zwei
geglättete und restaurierte Mittel-Falten und drei restaurierten
Stellen im Bart der Figur. Sonstige Alterspuren,
aber ein Unikat.
[45539]
L’homme de Mesnage. Below an eight line text in
french verse, arranged in two rows: “Vous Critiques
tousiours grondans, Mouches, Guiespes, et Chiens
mordans, Censeurs du plus parfait ouvrage, Misantropes
à triple estage, Chargeurs de gens, railleurs
glosans, Vous aués un plain advantage, Quand nous
contemplés cette Image, Ou nous noyés les accidents/
De mon facecieux visage, Que l’embarras
du mariage, A faconné malgré mes dents, L’estois
garçon bien fait et Sage, Mais conduit par de faux
ardans, Ma liberté se voit en cage, Et ie suis l’homme
de mesnage, qui fait rire les regardans.” Avec Privilege
du Roy. A Paris chez Basset rüe S Iacques à
Se. Genevieve. Etching. 27.1:18 cm.
Provenance: Gallery Sarah Sauvin.
According to the text below, this sheet surrealistically
parodies the effects of married life on the man, whose
head is formed from household utensils in the style
of Arcimboldo.
This sheet forms the counterpart to the sheet “Femme
de Mesnage”, which is preserved in the Bibliothèque
Nationale in Paris (Recueil. Estampes. Caricatures,
allégories, scènes de genre, no. 187).
With the address of the publisher André Basset
(known as Basset le Jeune, active around 1750–
1785), rue Saint-Jacques.
Giuseppe Arcimboldo (1526–1593) was an Italian
Renaissance artist who came from Milan and spent
much of his professional life at the Habsburg court
in Vienna and Prague. There he worked for several
emperors and was one of the most respected court
artists of his time. Arcimboldo is now considered one
of the most unusual artistic personalities of the 16th
century. After his death, his work was largely forgotten,
but it was rediscovered in the 19th and especially
in the 20th century and gained new recognition in art
history. Today, his works are represented in major
museums and occupy a special place in European
art history.
Superb impression printed on laid paper. Two
smoothed and restored centre folds and three very
small repaired places retouched in ink in the beard,
otherwise in very good condition. Thread margins.
Other signs of age, but the only impression known.
[45539]
CHF 6000.–
40
August Laube
August Laube 41
PIERRE MIGNARD
Troyes 1612 – 1695 Paris
25 l Allegorie des Herbstes: Der Triumph des
Bacchus mit Ariadne auf einem von Panthern
gezogenen Wagen, gefolgt von Silenen.
1684-1696. Radierung von Jean de Poilly nach Pierre
Mignard, publiziert durch Nicolas de Poilly. Radierung.
48.8:70 cm.
Das vorliegende Werk geht auf einen Zyklus der Vier
Jahreszeiten zurück, den Pierre Mignard eigens für
die Apollo-Galerie in Saint Cloud geschaffen hatte.
Seine Zeichnungen sind die einzigen Zeugnisse der
prächtigen, im 19. Jahrhundert, durch einen Brand
zerstörten, Tapisserien.
Das Bacchus-Motiv, wie auch dessen Verbindung
zu Ariadne, geht auf die griechisch-römische Antike
zurück. Der göttliche Bacchus, welcher als Eroberer
Asiens gilt, ist hier mit der sterblichen Ariadne von
Kreta wiedergegeben.
Dieses ausschweifende Festgelage, anekdotenreich,
verkörpert durch trinkende Silenen, wie freizügig musizierende
Damen, haben denn auch als Bacchanale
treffend, Einzug in unseren Wortschatz erhalten. In
Gestalt der beiden Protagonisten scheint zugleich der
Sieg über alle weltliche Begrenztheit treffend erreicht
zu sein. [45131]
Allegory of autumn: The triumph of Bacchus
with Ariadne.on a chariot drawn by panthers,
followed by Silenen.
1684-1696. Etching by Jean de Poilly after Pierre
Mignard, published by Nicolas de Poilly. Etching.
48.8:70 cm.
The present work goes back to a cycle of the Four
Seasons, which Pierre Mignard had created especially
for the Apollo Gallery in Saint Cloud.
His drawings are the only evidence of the magnificent
tapestries, which were destroyed by fire in the
19th century.
The Bacchus motif, as well as its connection to Ariadne,
dates back to Greco-Roman antiquity. The
divine Bacchus, who is considered the conqueror
of Asia, is depicted here with the mortal Ariadne of
Crete.
These debauched feasts, anecdotally embodied by
drinking silenes as well as free-spirited ladies making
music, have aptly entered our vocabulary as bacchanals.
In the shape of the two protagonists, victory over
all worldly limitations seems to have been achieved
at the same time. [45131].
CHF 2500.–
42
August Laube
August Laube 43
JACOB MATHAM / NACH HENDRICK GOLTZIUS
1571 Haarlem 1631 / Mühlbracht 1558 – 1617 Haarlem
26 l Ohne Ceres und Bacchus und Venus würde
frieren.
C. 1588. 3. HG Invenit. Unter der Darstellung im
Rand; vier Zeilen lateinischer Text in zwei Spalten.
“Alma Ceres, Venus alma, simul pater almus Hiacchus,
/Numine cuncta fouent emitriuntque suo.”; “His
sine nil constant, nil nascitur, omina pessum,/si sterilis
Bacchus, si Venus, atque Ceres”.
Wasserzeichen: Gekrönter Adler. Radierung.
30,1:20,8 cm.
New Hollst. Matham 350 I (von II); New Hollst. Goltzius
644 I (von II). Tafel 3 aus einer Folge von acht mythologischen
und allegorischen Motiven.
Der Satz geht auf die Liebeskomödie Eunuchus des
antiken Autors Terenz zurück, in der Chremes in der
fünften Szene des vierten Akts diese Worte zu Pythias
sagt: «Ohne Ceres und Bacchus würde Venus
erfrieren» (utque sine Cerere et Baccho friget Venus).
Mit anderen Worten: «Ohne Essen und Wein erfriert
die Liebe», ein bedeutungsvolles Gefühl für hart arbeitende
Männer und Frauen in einem Land, das oft kalt,
feucht und dunkel war.
Von 1588 bis 1606 kehrte Goltzius immer wieder zu
diesem Thema zurück und behandelte es in verschiedenen
Gemälden, Zeichnungen und Stichen. [45126]
Without Ceres and Bacchus and Venus would
freeze.
C. 1588. 3. HG Invenit. Below image four lines Latin
text in two columns in margin: Alma Ceres, Venus alma,
simul pater almus Hiacchus, /Numine cuncta fouent
emitriuntque suo.”; “His sine nil constant, nil nascitur,
omina pessum,/si sterilis Bacchus, si Venus, atque
Ceres.
Watermark: Crowned Eagle. Engraving. 30,1:20,8 cm.
New Hollst. Matham 350 I (of II); New Hollst. Goltzius 644 I
(of II). Plate 3 of a set Of Eight Mythological and Allegorical
Subjects.
The phrase goes back to the love comedy Eunuchus
by the ancient author Terence, where Chremes says
these words to Pythias in the fifth scene of the fourth
act: “without Ceres and Bacchus, Venus would freeze”
(utque sine Cerere et Baccho friget Venus). In other
words, “without food and wine, love freezes,” a meaningful
sentiment for hard working men and women in a
country often cold, damp, and dark.
From 1588 to 1606, Goltzius returned repeatedly to
the theme, treating it variously in painting, drawing, and
engraving. [45126].
CHF 2000.–
44
August Laube
PETRUS SCHENK
Eberfeld 1660 – 1711 Leipzig
27 l Huis Duinrel.
1701. „(Gewidmet) C. de Jonge ab Ellemeett, dem
General-Schatzmeister von Duinrei, als dem würdigsten
Besitzer dieser Ländereien/ dieses Besitzes.“.
Kupferstich. 48.5:58 cm.
Hollstein, Dutch and Flemish Etchings, Engravings and
Woodcuts, Vol. XXV (Pieter Schenck der Ältere), Nr.
55,Amsterdam 1981
Das Bild zeigt eine weitläufige Schlossanlage mit
einem zentralen Hauptgebäude und symmetrisch
angeordneten Seitenbauten. Im Vordergrund und
entlang des Platzes finden sich zahlreiche Hinweise
auf die höfische Jagd. Mehrere Figuren führen Jagdhunde,
andere sind als Reiter oder Begleiter zu erkennen.
Gebäude, Figuren und Vegetation sind mit feiner Linienführung
ausgearbeitet. Durch die gleichmässige
Schraffur entsteht eine klare Raumwirkung, die den
Blick vom belebten Vordergrund zum Schloss in der
Bildmitte führt.
Die Schlossansicht verbindet eine genaue Wiedergabe
der Architektur mit der Darstellung höfischer
Lebensformen. Jagd, Bewegung und Begegnung
strukturieren den Platz und verweisen auf die Funktion
des Schlosses als Zentrum von Verwaltung, Repräsentation
und Freizeit.
Petrus Schenk war ein bedeutender Kupferstecher
und Verleger des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts.
Er entstammte einer bekannten Stecher- und
Verlegerfamilie und arbeitete sowohl als ausführender
Künstler als auch als Herausgeber eigener Druckgrafiken.
[45652]
Huis Duinrel.
1701. “(Dedicated) to C. de Jonge ab Elleemeet,
the general treasurer of Duinrei, as the most worthy
owner of these lands/this property.”. Copper engraving.
48.5:58 cm.
Hollstein’s Dutch and Flemish Etchings, Engravings and
Woodcuts, Vol. XXV, Pieter Schenck, No. 55, Amsterdam
1981
Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden
Künstler, Vol. XXX, Leipzig 1936.
The picture shows a sprawling castle complex with a
central main building and symmetrically arranged side
buildings. In the foreground and along the square,
there are numerous references to courtly hunting.
Several figures are leading hunting dogs, while others
can be identified as horsemen or companions.
The buildings, figures, and vegetation are rendered
with fine lines. The uniform hatching creates a clear
spatial effect that leads the eye from the lively foreground
to the castle in the center of the picture.
The view of the castle combines an accurate reproduction
of the architecture with a depiction of courtly
life. Hunting, movement, and encounters structure the
square and refer to the castle’s function as a center
of administration, representation, and leisure.
Petrus Schenk was an important engraver and publisher
of the late 17th and early 18th centuries. He
came from a well-known family of engravers and
publishers and worked both as an artist and as a
publisher of his own prints. [45652].
CHF 2000.–
August Laube 45
ALEXANDER VOET D. J. / JACOB JORDAENS NACH
1637 – nach 1695 / 1593 – 1678
28 l Der alte Narr und seine Katze in ornamentalem
Rahmen nach Jacob Jordaens. I. Iordaens
invent. Alex Voet inuor. Sculcit et excud.
(Herausgeber Gaspar Huberti).
1650 – 1690. Beschriftungen: In der Kartusche unter
dem Fenster betitelt. «FATVO RIDEMVR IN VNO».
(Lasst uns übereinander lachen). Im unteren Rand vier
Spalten mit je zwei Zeilen, mit französischen und niederländischen
Versen: «Rions de touts fantastiques..
/.. al s’Werelts wijsen». Radierung. 43,4:33,5 cm.
Hollstein. Dutch and Flemisch…. IX, 228, 49 (Voet II);
Wurzbach A. Voet nach Jordaens Nr. 35 Die Narrheit. Ein
lachendes altes Weib mit der Schellenkappe und einer
Katze. G.-fol. ; Nagler 25; Le Blanc 25; D. Hulst 1993.
Jacob Jordaens II Drawings and Prints B 90.
Das Bild zeigt einen Mann, der frontal aus einem Bildrahmen
herausschaut. Er trägt die Kleidung eines
Narren mit Kappe und Feder und hält eine Katze im
Arm. Sein Gesichtsausdruck ist ruhig und leicht lächelnd,
während seine rechte Hand in einer sprechenden
Geste erhoben ist. Der Narr wird von einem
reich ornamentierten Rahmen umgeben, der mit grotesken
Köpfen, Putten und Rollwerk geschmückt ist.
Die Darstellung verbindet Porträt und Allegorie. Der
Narr erscheint nicht als lächerliche Figur, sondern als
ruhig beobachtender Charakter. Die Katze verstärkt
den vieldeutigen Eindruck und kann als Symbol für
Eigenwilligkeit oder List verstanden werden.
Die Ausführung ist sehr detailreich. Gesicht, Hände
und Stoffe sind fein schraffiert und sorgfältig modelliert.
Der ornamentale Rahmen ist ebenso präzise gearbeitet
wie die zentrale Figur und bildet mit ihr eine
geschlossene Einheit. Durch die klare Trennung von
Figur, Rahmen und Hintergrund bleibt das Bild trotz
seiner Fülle gut lesbar.
Abraham de Voet war ein flämischer Kupferstecher
des 17. Jahrhunderts. Er arbeitete häufig an allegorischen
und emblematischen Darstellungen, in denen
Bild und Text eng miteinander verbunden sind. Seine
Blätter zeichnen sich durch handwerkliche Präzision,
reiche Ornamentik und eine klare, erzählerische Bildsprache
aus, die auch für ein breiteres Publikum gut
verständlich ist. [45394]
The elderly fool and his cat in ornamental frame
after Jacob Jordaens. I. Iordaens invent. Alex
Voet inuor. Sculcit et excud. (Published py: Gaspar
Huberti).
1650 – 1690. Inscriptions: Titled in cartouche below
window. “FATVO RIDEMVR IN VNO”. (Let’s laugh at
each other). Lettered in lower margin with four columns
with two lines each, with French and Dutch
verses: “Rions de touts fantastiques.. /.. al s’Werelts
wijsen”. Engraving. 43,4:33,5 cm.
Hollstein. Dutch and Flemisch…. IX, 228, 49 (Voet II);
Wurzbach A. Voet nach Jordaens Nr. 35 Die Narrheit. Ein
lachendes altes Weib mit der Schellenkappe und einer
Katze. G.-fol. ; Nagler 25; Le Blanc 25; D. Hulst 1993.
Jacob Jordaens II Drawings and Prints B 90.
The picture shows a man looking out of a picture
frame. He is dressed as a jester, wearing a cap and
feather, and is holding a cat in his arms. His expression
is calm and slightly smiling, while his right hand is
raised in a gesturing motion. The jester is surrounded
by a richly ornamented frame decorated with grotesque
heads, cherubs, and scrollwork.
The depiction combines portraiture and allegory. The
jester does not appear as a ridiculous figure, but as
a calmly observing character. The cat reinforces the
ambiguous impression and can be understood as a
symbol of idiosyncrasy or cunning.
The execution is very detailed. The face, hands, and
fabrics are finely hatched and carefully modeled. The
ornamental frame is as precisely crafted as the central
figure and forms a cohesive whole with it. The clear
separation of figure, frame, and background makes
the image easy to read despite its richness.
Abraham de Voet was a 17th-century Flemish engraver.
He often worked on allegorical and emblematic
representations in which image and text are
closely linked. His prints are characterized by technical
precision, rich ornamentation, and a clear, narrative
visual language that is easily understandable
to a wider audience. [45394].
CHF 5800.–
46
August Laube
August Laube 47
CORNELIUS GALLE D.Ä.
1576 Antwerpen 1650
29 l Lucifer nach Ludovico Cigoli.
C. 1590/1600. Kupferstich. 27,5:20 cm.
Hollstein 277.
Emanzipiert von den beigefügten Kommentaren,
Beglaubigungen und Schemata, behauptet sich die
Figur des Teufels als zentrale Figur und gegen den
literarischen Text, der sie geschaffen hat.
In der Mitte stehend, mit dreiköpfigem Kopf und Fledermausflügeln,
steht der „Herrscher des Reiches
des Schmerzes“ im eisigen Wasser und verschlingt
Judas, während Virgil und Dante, gekennzeichnet mit
V und D, schliesslich ihren Aufstieg an die Oberfläche
beginnen.
Dieses Blatt über Dantes Inferno sollte wahrscheinlich
als eine Art Anschauungsmaterial für akademische
Vorträge und Debatten über Dante dienen.
Grosse Ränder (Blattgrösse 30:39 cm). Verso Papierstreifen
am linken Rand sowie ein grösserer Streifen
auf der rechten Seite zur Verstärkung. Verlust der
rechten unteren Randecke und in der Mitte des rechten
Randes, ein Einriss mit einigen damit verbundenen
Papierverlusten. [45545]
Lucifer after Ludovico Cigoli.
C. 1590/1600. Engraving. 27,5:20 cm.
Hollstein 277.
Emancipated from the attached commentaries, authentications
and schemata, the figure of the devil
asserts itself as the central figure and against the
literary text that created it.
Standing in the centre, with a three-headed head
and bat wings, the ‘ruler of the realm of pain’stands
in the icy water and devours Judas, while Virgil and
Dante, marked with V and D, finally begin their ascent
to the surface.
This sheet on Dantes Inferno was probably intended
to serve as a kind of illustrative material for academic
lectures and debates on Dante.
Large margins. (Sheet size 30:39 cm). Left side verso
a stripe of paper as well as a larger stripe on the right
side for reinforcement. Loss of lower right margin corner
and in the middle of the right margin a tear with
some associated paper loss. [45545].
CHF 6500.–
48
August Laube
August Laube 49
HENDRICK GOLTZIUS
Muhlbrecht 1558 – 1617 Haarlem
30 l Bauerngehöft in einer Flachlandschaft.
C. 1597–1598. Wz.: Griechisches Kreuz, doppel konturig
(Caduceus) Bricquet 5516 Osnabrück 1594 (ehemals
Amsterdam 1600). Chiaroscuro Holzschnitt von
drei Stöcken, schwarz für den Zeichnungsblock und
zwei Töne in Hellgrün und Olivgrün. 11,5:14,5 cm.
Bartsch 244; Hirschmann 380II/2; Strauss 411 II (v.II);
Hollst. 380 I (v.II); New Hollst. 309 II; Bialler Goltzius
Chiaro. 51 II; Leeflang/Luijten, Hendrick Goldtzius, Ausstellungskat.
Amsterdam 2003, 70.5.
Provenienz: Colnagi Nr. C40277; W. P. Babcock, Boston
(1826– 1899) Lugt 207; 1900 vermacht an das Museum
of Fine Arts, Boston (Lugst 282, mit deren Ausscheidungsstempel).
Bauerngehöft in einer Flachlandschaft gehört in die
Serie von vier Landschaften. Sie werden von Leefland
und Luijten in die Jahre 1597/1598 datiert. Unter den
vier Landschaften ist das Bauerngehöft wohl die am
meisten holländisch anmutende Darstellung; Strohdächer
waren bei Bauernhäusern im späten 16. Jahrhundert
sehr verbreitet, das Terrain ist flach, und am
rechten Horizont zeichnet sich eine Stadt ab. Ein sein
Geschäft verrichtender Hund im Vordergrund und ein
nistender Storch auf dem Schornstein betonen noch
das Alltägliche.
Die Chiaroscuro-Holzschnitte gehören zu den beliebtesten
Graphikblättern im Werk von Hendrik Goltzius.
Erste Beispiele für den Druckprozess, in dem
die schwarze Linienplatte, durch eine oder mehrere
Farbtafeln ergänzt wird, stammen von Lucas Cranach
und Hans Burgkmair.
Nur wenige Jahre nach ihrer Erfindung in Deutschland
wurden die ersten Chiaroscuro Meisterwerke in
Italien von Ugo da Carpi gedruckt. Obwohl er fälschlicherweise
behauptete, die neue Technik erfunden
zu haben, war er in der Tat für seine revolutionäre
Entwicklung verantwortlich, indem er den schwarzen
Linienstock ebenfalls durch einen, in den Linien unregelmässig
geschnittenen Farbblock ersetzte. Auch
in den Niederlanden wurden die neuen Techniken
schnell erkannt und von ihrem wichtigsten Vertreter,
Hendrik Goltzius umgesetzt.
Die einzelnen Blätter wurden im ersten Zustand nur
mit dem Zeichenblock auf blaues Papier abgezogen
und meist mit Weisshöhung versehen. Erst im zweiten
Zustand wurde die Darstellung mit zwei Tonblöcken
versehen und als Chiaroscuro gedruckt.
Schöner Druck des zweiten Zustandes mit den Lücken
im rechten Rand. Mit kleinem Rändchen um die
Einfassungslinie. Kleine Fehlstellen im unteren Rand,
oberes, linkes Ecklein und unteres, rechtes Ecklein
ausserhalb der Darstellung. Aufgezogen. [99152]
Landscape with a Farmhouse
C. 1597–1598. Wm.: Pole with a snake (Caduceus)
Bricquet 5516 Osnabrück 1594 (formaly Amsterdam
1600). Chiaroscuro woodcut from three blocks, the
line block is printed in black, one in light green tones,
and one in olive green tones. 11,5:14,5 cm.
Bartsch 244; Hirschmann 380II/2; Strauss 411 II (v.II);
Hollst. 380 I (v.II); New Hollst. 309 II; Bialler Goltzius
Chiaro. 51 II; Leeflang/Luijten Hendrick Goldtzius, Exhibition
catalogue, Amsterdam 2003, 70.5.
Provenance: Colnagi no. C40277; W. P. Babcock, Boston
(1826 – 1899) Lugt 207. Bequeathed to the Museum of
Fine Arts, Boston in 1900 (Lugt 282, with their deaccession
stamp).
The farmhouse in a flat landscape belongs to a series
of four landscapes dated by Leefland and Luijten to
1597/1598. Of the four landscapes, the farmhouse
is probably the most typical Dutch scene; thatched
roofs were very common on farmhouses in the late
16th century, the ground is flat, and a town can be
seen on the right horizon. A dog doing its business
in the foreground and a stork nesting on the chimney
further emphasize the everyday nature of the scene.
Chiaroscuro Woodcuts are among the most popular
of Goltzius’prints. The first examples of the printing
process in which the black line plate is supplemented
by one or more colour plates were done by Lucas
Cranach and Hans Burgkmair.
Only a few years after its invention in Germany, the
first masterpieces of the chiaroscuro woodcut were
created in Italy by Ugo da Carpi. Although he falsely
claimed to have invented the new technique, he was
in fact responsible for its revolutionary future development,
insofar as he successively dispensed with
the black line plate and created the composition from
colour plates with irregularly carved colour fields. The
new techniques were also quickly recognized in the
Netherlands and implemented by their most important
representative, Hendrik Goltzius.
The first edition of these landscapes was almost always
printed with the line block on blue paper and
then was often heightened by hand with bodycolor.
The second edition was printed as chiaroscuro woodcuts
with two tone blocks.
Very beautiful second state impression with the gaps
in the right outline. Small margins all around. Small
losses in the lower margin and in the upper and lower
left corners outside the subject. Mounted. [99152].
[99152].
CHF 22 000.–
50
August Laube
August Laube 51
HARMENSZOON VAN RIJN REMBRANDT
Leiden 1606 – 1669 Amsterdam
31 l Abrahams Opfer.
1655. Radierung und Kaltnadel auf Büttenpapier.
15.6:13.1 cm (Platte). Blattgrösse: 15,8:13,4 cm
(sheet).
B. R. S. 35; Hind 283; New Hollstein 287 einziger Zustand;
Biörklund 55-B.
Provenienz: George Hibbert (1757-1837), his mark on
recto (Lugt 2849); Fogg Art Museum, Harvard University,
Cambridge, Massachusetts, USA (Lugt 4835); Roger
Passeron (1927-2013) with his handwritten notes on the
mount –see also Lugt 4096/4097); Private Collection,
Blois (France).
Rembrandt widmete mehrere seiner zahlreichen biblischen
Illustrationen der Geschichte des Patriarchen
Abraham aus dem Alten Testament, die in Genesis
22 ihren Höhepunkt findet, der Episode, in der Abraham
auf Gottes Geheiss hin zustimmt, seinen Sohn
Isaak zu opfern.
Rembrandt stellte diese schreckliche Szene in sehr
eindrucksvoller Weise dar. Gott hatte nie die Absicht,
Abraham seinen einzigen Sohn zu nehmen, sondern
wollte lediglich seinen Glauben auf die Probe stellen.
Der Moment, in dem der Himmel das Messer aufhält
und der Engel mit einer fast körperlichen Vorwärtsbewegung
in die Szene stürzt; Abraham, mit wildem
Bart und erschrockenen Augen, dreht seinen Kopf zu
dem Boten, während seine kräftige Hand Isaak festhält.
Rembrandt wählt den Wendepunkt, die hauchdünne
Grenze zwischen Untergang und Erlösung.
Jedes Element – Gestik, Licht und Komposition –
dient diesem Übergang von Gehorsam zu Gnade.
Die ausdrucksstarke Geste und der starke Ausdruck
von Abrahams Gesicht, der fast an Wahnsinn grenzt,
zeigen einen Moment grosser emotionaler Spannung,
ausgedrückt in dynamischen Formen und Linien, die
durch eine breite Palette von Tönen zum Ausdruck
kommen, von einem klaren Schwarz auf der linken
Seite bis zu einem zarten Silberigen Ton auf der rechten
Seite.
Rembrandt verstärkt die Spiritualität der Szene, indem
er deutlich sichtbare diagonale Strahlen himmlischen
Lichts herabfallen lässt.
Hervorragender stimmungsvoller Eindruck, sehr klarer
und scharfer Druck, mit viel Grat, wunderbaren malerischen
Effekten, schönen Kontrasten und grosser
Klarheit, alle feinen Linien sind noch vorhanden. Sehr
guter Zustand. [45658]
Abraham’s Sacrifice.
1655. Etching and drypoint on laid paper.
15.6:13.1 cm (plate). Sheetsize:15,8:13,4 cm.
B. R. S. 35; Hind 283; New Hollstein 287 only state; Biörklund
55-B.
Provenance: George Hibbert (1757-1837), his mark on
recto (Lugt 2849); Fogg Art Museum, Harvard University,
Cambridge, Massachusetts, USA (Lugt 4835); Roger
Passeron (1927-2013) with his handwritten notes on the
mount –see also Lugt 4096/4097); Private Collection,
Blois (France).
Rembrandt devoted several of his numerous biblical
illustrations to the story of the Old Testament patriarch
Abraham, which culminates Genesis 22, the episode
in which Abraham, at God’s request, agrees to sacrifice
his son Isaac.
Rembrandt depicted the horrifying scene in a highly
impressive manner. God never intended to deprive
Abraham of his only son, but simply to test his faith.
The instant when heaven interrupts the knife and the
angel lunges into the scene with a forward thrust that
is almost physical; Abraham, beard wild and eyes
startled, whips his head toward the messenger while
his heavy, calloused hand holds Isaac. Rembrandt
chooses the hinge, the hairline seam between doom
and deliverance. Every element—gesture, light, and
composition—serves this pivot from obedience to
reprieve.
The expressive gesture and the strong expression
of Abrahms face, which almost borders on madness
shows a moment of great emotional tension,
expressed in dynamic forms and lines expressed by
a wide range of tones from a crisp black at left to a
delicate silverpoint at right.
Rembrandt heightens the scene’s spirituality by including
visible beams of heavenly light streaming
down diagonally.
Superb atmospheric impression, printing very crisp
and sharp, with much burr with and wonderful painterly,
effects, beautiful contrasts and great clarity, all
fine lines still present. Very fine condition. [45658].
Preis auf Anfrage
Price on request
52
August Laube
August Laube 53
FRANCISCO JOSE DE GOYA Y LUCIENTES
Fuendetodos 1746 – 1828 Bordeaux
32 l Ya van desplumados. (Da gehen sie, gezupft).
Tafel 20 aus der ersten Edition der «Carpichos».
Radierung und aquatinta mit Zeitgenössischer
Handkolorierung. 21,5:15 cm.
Harris 55 III 1. Erste Ausgabe 1799. [333037]
Ya van desplumados. (There they go plucked)
Plate 20. From the First Edition of “Caprichos”.
Etching and aquatint contemporary Hand-coloring.
21,5:15 cm.
Harris 55 III 1 Frist Edition 1799. [333037].
CHF 2800.–
33 l I Qual la descanonan! (Wie sie sie rupfen!).
1799. Tafel 21 aus der ersten Edition der “Carpichos”.
Radierung und aquatinta mit Zeitgenössischer Handkolorierung.
21,5:15 cm.
Harris 56 III 1. Erste Ausgabe 1799.
I Qual la descanonan! (How They Pluck Her!).
1799. Plate 21. From the First Edition of “Caprichos”.
Etching and aquatint with contemporary Hand-coloring.
21,5:15 cm.
Harris 56 III 1 Frist Edition 1799.
CHF 2800.–
Tafeln aus der ersten Edition von Goyas Caprichos.
Im Jahr 1799 wurde diese Folge von 80 Aquatintas
unter dem Namen «Caprichos» veröffentlicht.
Francisco de Goya veröffentlichte seine Serie Los
Caprichos ursprünglich als schwarz-weisse Drucke.
Darin setzte er sich kritisch mit der Gesellschaft seiner
Zeit auseinander und zeigte Themen wie Aberglauben,
Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch auf
eindrucksvolle Weise.
Ein wichtiger Teil dieser Kritik richtete sich auch gegen
den Klerus, den Adel und andere mächtige Gruppen.
Goya stellte Priester, Mönche und Autoritätspersonen
oft übertrieben oder lächerlich dar, um Machtmissbrauch
sichtbar zu machen. Diese Darstellungen
kamen bei den Betroffenen nicht gut an und galten
als Provokation.
Schon zu Lebzeiten Goyas wurden viele dieser Radierungen
von Hand koloriert. Dabei ging es nicht nur
darum, die Darstellung verständlicher und schöner
zu machen. Die Farben veränderten oft, wie man die
Motive wahrnimmt. Bestimmte Figuren wirken dadurch
stärker, bedrohlicher oder auch lächerlicher.
Manche Details fallen durch die Farbe erst richtig auf.
Die Zeitgenossen Goyas, welche die Drucke kolorierten,
brachten ihre eigenen Ideen und ihr eigenes
Verständnis der Darstellungen ein. Sie interpretierten
die Szenen neu und passten sie an den Geschmack
ihrer Zeit an. Dadurch entstanden neue Versionen, die
sich von den ursprünglichen Drucken unterscheiden.
Die handkolorierten Radierungen sind deshalb nicht
minderwertige Werke, weil sie nicht nur zeigen, wie
Goya gearbeitet hat, sondern auch, wie seine Kunst
später gesehen und verstanden wurde. Man erkennt
an ihnen, dass sich Kunst mit jeder Generation verändert.
[333029].
Plates from the first edition of Goya’s Caprichos. In
1799, this series of 80 aquatint prints was published
under the name “Caprichos”.
Francisco de Goya originally published his series Los
Caprichos as black-and-white prints. In it, he took a
critical look at the society of his time and impressively
depicted themes such as superstition, injustice, and
abuse of power.
An important part of this criticism was also directed
at the clergy, the nobility, and other powerful groups.
Goya often depicted priests, monks, and authority
figures in an overly exaggerated or ridiculous manner
in order to highlight their abuse of power. These
depictions did not resonate well with those affected
and were considered provocative.
Already in Goyas time many of these etchings were
colored by hand. This was not only to make the depictions
more understandable and beautiful. The
colors often changed how the motifs were perceived.
Certain figures appear stronger, more threatening, or
even more ridiculous as a result. Some details only
really stand out because of the color. The persons
who colored the prints contributed their own ideas
and their own understanding of the images. They
reinterpreted the scenes and adapted them to the
tastes of their time. This resulted in new versions and
interpretations that differ from the original works.
The hand-colored etchings are not inferior works because
they show not only how Goya worked, but
also how his art was later seen, understood, and
developed. They demonstrate that art changes with
each generation. [333029].
54
August Laube
August Laube 55
FÉLIX BUHOT
1847 Balognes – 1898 Paris
34 l L’hiver de 1879 à Paris.
1879. Radierung, Aquatinta, Weichgrundrad. und
Kaltnadel auf Büttenpapier. 29:43 cm.
Bourcard 128. IV (of IX).
Provenienz: Provenienz: Marcel Bergeon.
Diese Darstellung gehört zu den wohl meist gesammelten
Blättern von Felix Buhot. «Winter in Paris»,
hier im ersten veröffentlichten Zustand, also der vierte
Zustand von neun Zuständen, mit dem Titel «l’Art»,
welcher in dem Schneehaufen unter der Lampe erscheint
und der Adresse von Salmon unter der Darstellung,
jedoch vor den Überarbeitungen, auf den
Hunden und vor den Aufhellungen, der Aquatinta.
Während die Protagonisten in der zentralen Darstellung
vom Schnee und der eisigen Kälte nur mässig
in ihrer Tätigkeit beeinflusst sind, so sieht es in
der Randdarstellung völlig anders aus. Hier leiden
Mensch und Tier unter den Strapazen des harten
Winters.
Ein markantes und sehr attraktives Merkmal von
Buhot’s Graphik sind die Randskizzen, welche die
zentrale Darstellung umgeben. Buhot nannte diese
«Marges Episodiques» und «Marges Symphoniques».
Die ersteren beziehen sich thematisch auf das Hauptbild,
die letzteren dienen rein als dekorative Verzierung.
[44111]
L’hiver de 1879 à Paris (The winter of 1879 in
Paris).
1879. Etching, Aquatint, drypoint, sulphur tint, soft
ground and roulette on wove paper. 29:43 cm.
Bourcard 128. IV (of IX).
Provenance: Provenance: Marcel Bergeon.
One of Buhot’s most widely collected prints “L’hiver
à Paris” here in its first published state (four of nine
states) with the title “L’Art” which appears in the
snowbank under the lamp-post at the lower left, and
the address of the printer Salmon below the image,
but before the extensive reworking on the dogs, and
before the highlights into the aquatint.
While the dogs and shoppers are only slightly inconvenienced
by the weather, by contrast, the margins
detail the hardships and suffering brought on by
heavy snow.
A distinctive and highly attractive feature of Buhot’s
prints is the use of marginal sketches to surround
the central image. Buhot termed these “marges épisodiques”
and “marges sympho niques”. The former
type relating in theme to the main image, the latter
type serving as purely decorative embellishments.
[44111].
CHF 2200.–
56
August Laube
JEAN-BAPTISTE CAMILLE COROT
1796 Paris 1875
35 l La lecture sous les arbres.
1874. Autographie. 25.5:18 cm.
D. 33. Bouret 48.
Jean-Baptiste-Camille Corot gilt als einer der wichtigsten
Wegbereiter der modernen Landschaftsmalerei
und beeinflusste massgeblich den Impressionismus.
Viele seiner Werke entstanden direkt nach
Beobachtungen in der freien Natur. Seine Arbeiten
wirken ruhig und ausgewogen und verzichten auf
starke Kontraste. Licht und Stimmung spielen in seinen
Darstellungen eine wichtige Rolle und prägen
ihren harmonischen Gesamteindruck.
Sehr feiner Abdruck mit reichen Kontrasten auf gelbem
dünnem Papier (bulle jaune). Die Auflage umfasste
100 Exemplare, die auf drei verschiedenen
Papiersorten gedruckt wurden. Corot fertigte den
Entwurf dieser Komposition im Juli 1874 bei Robaut
in Arras an. „Sans rien perdre de son harmonie, le
dessin est devenu aussi large et aussi hardi qu’il est
possible.“ (J. Laran, in: Vingt Estampes de Corot,
1932). [37886].
La lecture sous les arbres (Reading under the
trees).
1874. Chalk-autograph. 25.5:18 cm.
D. 33. Bouret 48.
Jean-Baptiste-Camille Corot is considered one of
the most important pioneers of modern landscape
painting. He had a significant influence on Impressionism.
Many of his works were created directly from
observations in the great outdoors. His works appear
calm and balanced, eschewing strong contrasts.
Light and mood play an important role in his paintings
and shape their harmonious overall impression.
Very fine impression of rich contrasts on yellow thin
paper (bulle jaune). The edition was 100 copies
printed on three different papers. Corot did the draft
of this composition at Robaut in Arras in July 1874.
“Sans rien perdre de son harmonie, le dessin est devenu
aussi large et aussi hardi qu’il est possible.” (J.
Laran, in: Vingt Estampes de Corot, 1932). [37886].
CHF 4500.–
August Laube 57
THÉOPHILE ALEXANDRE STEINLEN
Lausanne 1859 – 1923 Paris
36 l Chat assis.
Januar 1898. Radierung. 28,8:19,5 cm.
Creuzat 6. Einziges bekanntes Exemplar.
Das einzige bekannte Exemplar dieses charmanten
Porträts einer Katze, welches Steinlen im
Winter 1898, radiert hat. Unten links beschriftet:
«Epreuve unique».
Sehr schöner Probedruck in braun-schwarz auf
elfenbeinfarbenem Bütten.
Radierung mit Darstellung einer sitzenden Katze
in Seitenansicht. Das Tier ist ruhig und geschlossen
dargestellt, der Körper leicht gedreht, der
Kopf nach oben gewandt. Hintergrund und Boden
sind nur angedeutet und lenken den Blick
ganz auf die Katze. Die Radierung ist mit dichten,
freien Linien gearbeitet. Durch starke Schraffuren
entsteht eine dunkle, flächige Wirkung, die das
Fell und die Körperform betont. Typisches Werk
Steinlens, der für seine klaren, einfachen Tierdarstellungen
bekannt ist und das Alltägliche ohne
idealisierende Überhöhung zeigt.
Ausgezeichneter Druck in einwandfreiem Zustand.[45062]
Chat assis.
Januar 1898. Etching. 28,8:19,5 cm.
Creuzat 6. Only known impression.
The only known impression of this charming portrait
of a cat Steinlen executed in Winter of 1898.
Bottom left inscribed: “Epreuve unique”.
Very fine proof printed in brown-black on ivory
laid paper.
Etching depicting a seated cat in profile. The
animal is depicted calmly and closed, its body
slightly turned, its head turned upward. The
background and floor are only hinted at, drawing
the viewer’s gaze entirely to the cat.
The etching is worked with dense, free lines.
Strong hatching creates a dark, flat effect that
emphasizes the fur and body shape. This is typical
of Steinlen’s work, who is known for his clear,
simple depictions of animals and shows everyday
life without idealizing it.
Superb impression in excellent condition. [45062].
CHF 4400.–
58
August Laube
August Laube 59
RODERIC O'CONOR
Milton 1860 – 1940 Nueil-sur-Layon
37 l Dune et maison au Pouldu.
1893. Radierung auf Büttenpapier. 19:19,6 cm.
Johnson 5.
Provenienz: Notiz in Bleistift längs der unteren Papierkante:
«7 février 1956 1/29 no 15 1/29 Procès verbal
Drouot Bellier Cailac Vente O’Conor»; Atelierstempel der
Künstlers O’Conor; Monogramm stempel von Doctor Ronan
Taburet verstorb. Saint Renan 2022. (L. 6158).
In vielen dieser Drucke spielen leere Räume als Teil
der Grundkomposition eine entscheidende Rolle. Eine
einzige diagonale Linie markiert den Mittelgrund, wodurch
die Komposition asym metrisch wird und ein
Gefühl von Spontaneität und Weite suggeriert, das für
viele japanische Grafiken charakteristisch ist.
Ausgezeichneter feiner Abdruck mit schönem Plattenton
auf elfenbeinfarbigem Büttenpapier. Vollrandig,
minimer Lichtrand. [45541]
Dune et maison au Pouldu.
1893. Etching on laid paper. 19:19,6 cm.
Johnson 5.
Provenance: Note in prencil along the lower margin:
“7 février 1956 1/29 no 15 1/29 Procès verbal Drouot
Bellier Cailac Vente O’Conor”; Studio stamp of the artist
O’Conor; Monogramm stamp of Doctor Ronan Taburet
died Saint Renan 2022 (L. 6158).
In many of these prints empty spaces play a crucial
role as part of the foreground compo sition. A single
diagonal line marks the middle ground, making the
composition asymmetric and suggesting a feeling
of spontaneity and space, a characteristic of many
Japanese prints.
A very fine impression printed with plate tone on ivory
coloured laid paper. Full margins. [45541].
CHF 4500.–
60
August Laube
38 l Paysage. (Landscape.).
1893. Radierung. 29,5:20,5 cm.
Johnson 4.
Provenienz: Atelierstempel O’Conor; Monogramm-
Stempel von Doctor Ronan Taburet verstorb. Saint
Renan 2022 (L. 6158).
Die Radierung zeigt eine frei erfasste Landschaft
mit Bäumen und dichter Vegetation. Im
Vordergrund stehen markant bewegte Baumformen,
deren geschwungene und teilweise
überlagerte Linien dem Blatt eine starke Dynamik
verleihen. Im Hintergrund setzt sich die
Vegetation in locker angedeuteten Formen
fort, sodass ein räumlicher Eindruck entsteht.
Die Darstellung wirkt bewusst skizzenhaft und
spontan, wobei weniger Detailgenauigkeit als
vielmehr Rhythmus, Struktur und Atmosphäre
der Natur im Mittelpunkt stehen. Die lebendige
Linienführung unterstreicht den unmittelbaren
Charakter der Arbeit. Sehr schöner, differenzierter
Druck mit charaktervoller Linienwirkung.
Ausgezeichneter feiner Abdruck mit schönem
Plattenton auf elfenbeinfarbigem Büttenpapier.
Vollrandig minimer Lichtrand. [45542]
Paysage. (Landscape.).
1893. Etching. 29,5:20,5 cm.
Johnson 4.
Provenance: Studio stamp of the artist O’Conor;
Monogramm stamp of Doctor Ronan Taburet died
Saint Renan 2022 (L. 6158).
The etching depicts a freely captured landscape
with trees and dense vegetation. In the
foreground are strikingly dynamic tree forms,
whose curved and partially overlapping lines
lend the sheet a strong sense of dynamism.
In the background, the vegetation continues
in loosely sketched forms, creating a sense of
space. The depiction is deliberately sketchy
and spontaneous, focusing less on detail and
more on the rhythm, structure, and atmosphere
of nature. The lively lines emphasize
the immediate character of the work. A very
beautiful, nuanced print with characterful lines.
A very fine impression printed with plate tone
on ivory coloured laid paper. Full margins.
[45542].
CHF 4200.–
August Laube 61
EDGAR DEGAS
1834 Paris 1917
39 l Femme nue debout à sa toilette.
1891–92. Mit Bleistift unten links signiert. Auf dickerem
crème Büttenpapier. Lithographie (Transfer von
einer Monotypie, Kreidelithographie und Schaber).
33:23.5 cm. Papiergrösse: 37.3:26.4 cm.
Reed-Shapero 61 VI (von VI); Delteil 65 (beschreibt nur
vier Zustände).
Provenienz: Paul Prouté SA, catalogue «Degas» 1971 Nr.
223.
Die Bäderlithographien waren Degas letzter Versuch
in der Druckgraphik. Degas konzentriert sich
hier auf den Rücken eines Models beim abtrocknen,
nach dem waschen. Diese kraftvolle Pose wird in
sechs separaten Lithografien dargestellt. Allein bei
diesem Sujet hat er die Technik in sechs verschiedenen
Zuständen erforscht. In Bezug auf die verwendeten
Techniken gibt es noch immer unbeantwortete
Fragen. Degas und der Drucker verwendeten
ungewöhnliche Kombinationen von Materialien und
Verfahren, die oft nicht mehr nachvollziehbar sind.
Der sechste Zustand zeigt erneut eine Bearbeitung
mit Säure, bei der ein grosser Bereich der linken
Seite der Darstellung ausradiert wurde. Es wurden
Elemente entfernt, darunter die gesamte Rückseite
des Polsterstuhls, aber die Grösse des Bildes wurde
nicht reduziert.
Reed-Shapero hat acht Abzüge ausfindig gemacht.
Stogdon spricht in seinem Degas-Katalog von zwölf
Abzügen in diesem Zustand. Sehr schöner Abdruck
in ausgezeichnetem Zustand. [345022]
Femme nue debout à sa toilette (Nude Woman
standing, drying herself).
1891–92. Signed in pencil lower left “Degas”. Lithograph,
transfer from monotype crayon, tusche, and
scraping. On strong crème colored wove paper.
33:23.5 cm. Papersize: 37.3:26.4 cm.
Reed-Shapero 61 VI (of VI); Delteil 65 (describes only four
states).
Provenance: Paul Prouté SA, catalogue “Degas” 1971
no. 223.
The bather lithographs were Degas last attempt in
printmaking. Degas has focused here on the back
of a model performing her toilette. He explores this
powerful pose in six separate lithographs. Alone
this image, he explored the technique in six different
states. With regards to the techniques used,
there are still unanswered questions. Degas and the
printer used unusual combinations of materials and
processes, that are often no longer comprehensible.
The sixth final state shows again the work with acid
in which a large area of the left side of the print is
bleached out. Elements have been removed, including
the entire back of the chase, but the size of the
image has not been reduced.
Reed-Shapero has located eight impressions. Stogdon
in his Degas catalogue speaks of twelve impressions
of this state. Very fine impression in excellent
condition. [345022].
CHF 40 000.–
62
August Laube
August Laube 63
FÉLIX VALLOTTON
Lausanne 1865 – 1925 Paris
40 l Apprêts de visite.
1898. Signiert und bezeichnet mit Bleistift: «t.a. 12/25.
fvallotton» Unten links im Block betitelt «Apprêts de
visite» und unten rechts monogrammiert: «FV». Holzschnitt.
17,7:22,3 cm. Blattgrösse: 25:32,4 cm.
Vallotton-Georg 195 c.
Provenienz: Privatsammlung Genf.
Blatt 8 der 10-teiligen Folge «Intimités». Eines von nur
25 signierten Exemplaren.
Der Künstler konnte sich bei diesem Blatt nicht sofort
für einen Titel entscheiden. Auf der Vorzeichnung sind
verschieden Titel aufgeführt, was darauf hinweist,
dass Vallotton eine gespannte, zwischenmenschliche
Situation darstellen wollte.
Die Folge «Les Intimités» 1897-1898, sind als Separt-
Edition der «Revue blanche», erschienen.
Für dieses zwischenmenschliche Thema verlässt Vallotton
in seinen Bildern das Thema der Menschenmenge
und konzentriert sich auf das Individuum.
Schwarze Flächen nehmen einen grossen Teil des Bildes
ein und isolieren das Weiss des Blattes. Eine drückende
Stimmung, in welcher Ambiguität herrscht.
Jede Szene erzählt eine emotionale Begegnung
zwischen einem Mann und einer Frau, die nur teils
interpretiert werden kann. Während jede Kontur linie
eine beschreibende ist, vermeiden die schwarzen Flächen
die Fortsetzung der Geschichte, welche vom
Betrachter nur erahnt werden kann. Vallottons bemerkenswerte
Leistung besteht darin, in einer Reihe
vordergründig, einfacher Szenen, eine grosse Varietät
menschlicher Emotionen widerzugeben. [45133]
Apprêts de visite.
1898. Signed and numbered in pencil: “t.a. 12/25
fvallotton”. Lower left in the block titled “Apprêts de
visite” and lower right monogrammed “FV”. Woodcut.
17,7:22,3 cm. Papersize: 25;32,4 cm.
Vallotton-Georg 195 c.
Provenance: Private collection Geneva.
Plate 8 of the 10-part series “Intimités”. One of 25
signed impressions.
The artist could not immediately decide on a title for
this sheet. Various titles are listed on the preparatory
drawing, which shows that Vallotton wanted to depict
a tense, interpersonal situation.
The series “Les Intimités” (1897-1898) was published
as a separate edition of the “Revue blanche.”
For this interpersonal theme, Vallotton departs from
the subject of crowds in his prints and focuses on the
individual. Black areas take up a large part of the image
and isolate the white of the page. An oppressive
mood prevails, in which ambiguity reigns.
Each scene depicts an emotional encounter between
a man and a woman that can only be partially interpreted.
While each contour line is descriptive, the
black areas prevent the story from continuing, leaving
the viewer to guess at what might happen next. Vallotton’s
remarkable achievement is to capture a wide
variety of human emotions in a series of seemingly
simple scenes. [45133].
CHF 8000.–
64
August Laube
August Laube 65
FÉLIX VALLOTTON
Lausanne 1865 – 1925 Paris
41 l Les trois baigneuses.
1894. Unten links im Block monogrammiert: “FV”.
Holzschnitt. 18.3:11.2 cm. Paper size: 32.8:25 cm.
Vallotton-Georg 133 b.
Provenienz: Michel Romand (1929–2013), Urenkel von
Edmond Sagot (1857–1917).
Les trois baigneuses wurde in der Ausgabe Nr. 28
der "Revue Blanche" von Februar 1894 veröffentlicht.
Während der 1890er Jahre führte Vallotton viele Holzschnitte
aus, die in der grossen Pariser Presse, wie
zum Beispiel "Le Cri de Paris" oder "Le Rire" weite Verbreitung
fanden. Jedoch verlangten auch europäische
Zeitungen nach Illustrationen des Künstlers. In seinen
Holzschnitten erarbeitete sich Vallotton einen neuen
lebendigen Stil in enger Beziehung zur Avantgarde,
den Postimpressionisten, dem Jugendstil und speziell
zu den Idealen der Gruppe der Nabis. Er arbeitete in
seinen Holzschnitten ausschliesslich in Schwarz und
Weiss, hob die Konturen stark hervor und setzte das
tiefe Schwarz und das pure Weiss in starken Kontrast
zueinander. Schon seine Zeitgenossen erkannten die
revolutionäre Neuheit in seiner Graphik.
Kleine Beschädigungen an den Rändern des Blattes.
[45588]
Three bathers.
1894. Monogrammed at the bottom left in the block:
“FV”. Woodcut. 18.3:11.2 cm. Paper size: 32.8:25 cm.
Vallotton-Georg 133 b.
Provenance: Michel Romand (1929–2013), great-grandson
of Edmond Sagot (1857–1917).
Les trois baigneuses was published in issue no. 28 of
the “Revue Blanche” in February 1894.
During the 1890s Vallotton executed many woodcuts,
which were used as illustrations by the large Parisian
publishers, such as "Le Cri de Paris" or "Le Rire".
European newspapers also asked him for illustrations.
In his woodcuts, Vallotton acquired a new original
style closely related to the avant-garde, the post-impressionists,
the art nouveau, and especially the ideal
of the Nabis. Vallotton exclusively worked in black and
white in his woodcuts. Emphasizing the contours he
outlines, deep black against pure white. His contemporaries
acknowledged the revolutionary originality of
his work. Minor damage to the edges of the sheet,
some already restored. [45588].
CHF 2200.–
66
August Laube
42 l Le Piston.
1897. Unten rechts mit blauem Stift signiert und numeriert:
«fvallotton, 53». Unten links im Block monogrammiert:
«FV» und unten rechts im Block betitelt:
«Le Piston». Holzschnitt. 22,5:17,7 cm.
Vallotton-Georg 176 a.
Blatt 6 der 6-teiligen Serie «Les instruments de musique».
Eines von 100 signierten und nummerierten
Exemplaren des a-Zustandes auf creme-farbenem
Arches-Velin. Blattgrösse 32:25 cm. [45132]
Le Piston.
1897. Lower right with blue pencil signed and numberd:
“fvallotton 53”. Lower left in the block monogrammed
“FV” and titled “Le Piston”. Woodcut.
22,5:17,7 cm.
Vallotton-Georg 176 a.
Plate 6 of the serie of 6 musical instruments. One
of 100 copies signesd and numbered of the a-state
printed on cream arches wove paper. Sheetsize
32:25 cm. [45132].
CHF 6200.–
August Laube 67
DANIEL NIKOLAUS CHODOWIECKI
Danzig 1726 – 1801 Berlin
43 l Drei Damen am Fenster.
1764. Unten links in der Platte sign.: D. Chodowiecki.
Radierung auf Büttenpapier. 12.8:8 cm.
Engelmann, Wilhelm S. 26, Nr. 35..
Die Darstellung „Drei Damen am Fenster“ zeigt eine
fein beobachtete Interieurszene aus dem bürgerlichen
Leben des 18. Jahrhunderts. Zwei elegant gekleidete
Frauen befinden sich in einem Zimmer an einem geöffneten
Fenster. Eine Dame sitzt auf einem gepolsterten
Stuhl und ist mit einer Handarbeit beschäftigt,
während die andere auf der Fensterbank sitzt und den
Blick nach draussen richtet. Die Darstellung lebt von
der sorgfältigen Wiedergabe der Stoffe, der Möbel
und der Raumdetails, insbesondere der schweren
Vorhänge und der Fensternische. Chodowiecki gelingt
es, mit wenigen Mitteln eine ruhige, intime Alltagssituation
einzufangen, die zugleich Neugier und
gesellschaftliche Beobachtung andeutet. [357027]
Three ladies by the window.
1764. Signed in the plate lower left: D. Chodowiecki.
Etching on wove paper. 12.8:8 cm.
Engelmann, Wilhelm. p. 26, no. 35..
The engraving “Three Ladies at the Window” shows
a finely observed interior scene from 18th-century
bourgeois life. Two elegantly dressed women are in
a room by an open window. One lady is sitting on
an upholstered chair, busy with needlework, while
the other is sitting on the windowsill, looking outside.
The depiction thrives on the careful rendering
of the fabrics, furniture, and room details, especially
the heavy curtains and window recess. With minimal
means, Chodowiecki succeeds in capturing a calm,
intimate everyday situation that simultaneously hints
at curiosity and social observation. [357027].
CHF 1500.–
68
August Laube
44 l Die beiden sitzenden Damen. (Demoiselle
Quantin und die Gattin des Künstlers).
1758. In der Platte signiert: «Dan. Chodowiecki fec.
1758. Berol». Radierung. 14.2:9.3 cm.
Engelmann 11 II. Ohne die dritte Dame.
Provenienz: Schweizer Privatsammlung.
Durch seine vielen tausend Zeichnungen und Miniaturstiche
wurde Chodowiecki zum grössten Berichterstatter
seiner Zeit in Deutschland. Chodowiecki
zeichnete unablässig, wo immer er war, auf der
Strasse, bei Empfängen und Bällen, meist so, dass
die porträtierten Personen nichts davon merkten. Er
schuf einmalige Sitten- und Alltagsschilderungen und
erhielt in der Folge Illustrationsaufträge zu den Werken
vieler Dichter seiner Zeit.
Chodowiecki wurde von seinen Zeitgenossen hoch
geschätzt. Johann Caspar Lavater bezeichnete ihn
als „den besten und gefühlvollsten Illustrator, den ich
kenne”, Für seine „Physiognomische Fragmente zur
Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe“,
erschienen 1774 fertigte Chodowiecki über
100 Kupferstiche. [357026]
Die beiden sitzenden Damen. (The two ladies
seated. Miss Quantin and the wife of the artist).
1758. Signed in the plate: “Dan. Chodowiecki fec.
1758. Berol”. Etching. 14.2:9.3 cm.
Engelmann 11 II. without the third lady.
Provenance: Swiss private collection.
Chodowiecki’s many thousands of drawings and miniature
engravings made him the greatest reporter of
his time in Germany. Chodowiecki drew incessantly
wherever he was, on the street, at receptions and
balls, usually in such a way that the people portrayed
did not notice. He created unique depictions of the
customs and everyday life of his time and was subsequently
commissioned to illustrate the works of
many poets of his time.
Chodowiecki was highly valued by his contemporaries.
Johann Caspar Lavater described him as
“the best and most sensitive illustrator I know.” Chodowiecki
produced over 100 copperplate engravings
for his “Physiognomic Fragments for the Promotion
of Knowledge of Human Nature and Human Love,”
published in 1774. [357026].
CHF 1200.–
August Laube 69
ALFONS MARIE MUCHA
Eibenschütz / Ivancice 1860 – Prag 1939
45 l Poster für: Le «Salon des Cent».
1896. In Bleistift unten rechts signiert und nummeriert:
«A. Mucha 20». Lithographie gedruckt in fünf
Farben: Beige, dunkel oliv-grün, carmin-rot, oliv-grau
und gold, auf Japanpapier. 61,5:40 cm.
Malhotra 628; Bridges A7; Rennert/Weill 12 Variant 1.
Provenienz: Sammlung Sam Josefowitz, Pully.
Das Plakat «Salon des Cent» zeigt eine junge Frau im
Profil mit lang herabfliessendem, dekorativ stilisiertem
Haar, das in geschwungenen Linien einen grossen
Teil der Bildfläche einnimmt. Sie trägt einen weiten
Hut mit Schleier und hält eine Hand in ruhiger, nachdenklicher
Geste an die Lippen. Der Hintergrund ist
mit ornamentalen Formen und Schriftzügen gestaltet,
sodass Bild und Text eine harmonische Einheit
bilden. Die klaren Konturen, die flächige Farbgebung
und die elegante Linienführung sind typische Merkmale
des Jugendstils und verleihen dem Werk seine
dekorative Wirkung.
Alphonse Mucha zählt zu den bedeutendsten Künstlern
des Jugendstils um 1900. Bekannt wurde er vor
allem durch seine Plakate, Illustrationen und dekorativen
Entwürfe mit idealisierten Frauenfiguren und
floralen Ornamenten. In Paris arbeitete er für Theater,
Ausstellungen und Verlage und entwickelte eine unverwechselbare
Bildsprache, die grossen Einfluss auf
die Grafik und Werbung seiner Zeit hatte.
Eines von 50 Exemplaren der Deluxe-Ausgabe, der
ersten von zwei Varianten der originalen Posterversion.
Gedruckt bei F. Champenois, Paris.
Prachtvoller farbfrischer Druck vor dem Text in ausgezeichnetem
Zustand. [45500]
Poster for: Le “Salon des Cent”.
1896. Signed and numbered in pencil lower right:
“A. Mucha 20”. Lithograph printed in five colours:
Beige, dark olive-green, carmine-red, olive-grey and
gold, on Japanese paper. 61,5:40 cm.
Malhotra 628; Bridges A7; Rennert/Weill 12 Variant 1.
Provenance: Collection Sam Josefowitz, Pully.
The poster “Salon des Cent” shows a young woman
in profile with long, flowing, decoratively stylized hair
that takes up a large part of the picture in sweeping
lines. She wears a wide hat with a veil and holds one
hand to her lips in a calm, thoughtful gesture. The
background is designed with ornamental shapes and
lettering, so that the image and text form a harmonious
whole. The clear contours, flat coloring, and
elegant lines are typical features of Art Nouveau and
give the work its decorative effect.
Alphonse Mucha is one of the most important Art
Nouveau artists of around 1900. He became famous
above all for his posters, illustrations, and decorative
designs featuring idealized female figures and floral
ornaments. In Paris, he worked for theaters, exhibitions,
and publishers and developed a distinctive
visual language that had a major influence on the
graphic design and advertising of his time.
One of 50 copies of the deluxe edition, the first of two
variants of the original poster version. Printed by F.
Champenois, Paris.
Superb impression with bright colors before the text.
In excellent condition. [45500].
CHF 33 000.–
70
August Laube
August Laube 71
KÜNSTLERVERZEICHNIS ARTIST DIRECTORY
Künstler Artist
Seite Page
ALDEGREVER HEINRICH.................................................. 2
ARCIMBOLDO (nach) GIUSEPPE...................................... 40
BALDUNG (GRIEN) HANS................................................. 26,28
BECCAFUMI DOMENICO.................................................. 34
BROSAMER HANS........................................................... 24
BUHOT FÉLIX.................................................................... 56
BURGKMAIR HANS.......................................................... 30
CAMILLE COROT JEAN-BAPTISTE.................................. 57
CANAL (CANALETTO) GIOVANNI ANTONIO .................... 36
CHODOWIECKI DANIEL NIKOLAUS................................. 68,69
DEGAS EDGAR................................................................. 62
DÜRER ALBRECHT.......................................................... 4–20
GALLE CORNELIUS.......................................................... 48
GOLTZIUS HENDRICK...................................................... 50
GOYA Y LUCIENTES FRANCISCO JOSE DE..................... 54
LAUTENSACK HANS SEBALD.......................................... 32
MATHAM JACOB.............................................................. 44
MIGNARD PIERRE............................................................ 42
MUCHA ALFONS MARIE................................................... 70
O'CONOR RODERIC......................................................... 60,61
OSTENDORFER MICHAEL................................................ 22
PIRANESI GIOVANNI BATTISTA........................................ 37
REMBRANDT HARMENSZOON VAN RIJN........................ 52
SCHENK PETRUS............................................................. 45
SEBALD HANS BEHAM.................................................... Cover
STEINLEN THÉOPHILE ALEXANDRE................................ 58
August Laube
Buch- und Kunstantiquariat
Kirchgasse 32
CH-8001 Zürich
+41 44 256 88 99
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www.augustlaube.ch
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