08.03.2026 Aufrufe

BigShots Maximal (Leseprobe)

Antony Zacharias BIG SHOTS! Maximal – Mehr ist mehr 144 Seiten, Paperback, Euro (D) 25 | Euro (A) 25.70 | CHF 33 ISBN 978-3-03876-371-0 (Midas Collection) Entdecken Sie 50 Möglichkeiten, wie Sie in Ihrer Fotografie eine »Mehr ist mehr«-Ästhetik schaffen können, von gesättigten Farben und Überlagerungen bis hin zu Nachbearbeitungstechniken wie Collagen. Mit Ratschlägen zu Komposition, Ausgewogenheit, Form, Textur und Erzählung lässt sich dieses Buch von den Meistern des Maximalismus inspirieren und zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Linse mit einer Vielzahl von Ansätzen mit Faszination füllen können. Illustriert mit den besten Beispielen von Fotografen wie Hassan Hajjaj, Lindsay Adler, Mickalene Thomas, Horst P. Horst und Maisie Cousins, erklärt dieses Buch die wichtigsten Techniken, die den Maximalismus ausmachen, und gibt leicht verständliche Ratschläge, wie Sie kühne, lebendige Fotos schaffen, die die Schönheit im Chaos einfangen.

Antony Zacharias
BIG SHOTS! Maximal – Mehr ist mehr
144 Seiten, Paperback, Euro (D) 25 | Euro (A) 25.70 | CHF 33
ISBN 978-3-03876-371-0 (Midas Collection)

Entdecken Sie 50 Möglichkeiten, wie Sie in Ihrer Fotografie eine »Mehr ist mehr«-Ästhetik schaffen können, von gesättigten Farben und Überlagerungen bis hin zu Nachbearbeitungstechniken wie Collagen. Mit Ratschlägen zu Komposition, Ausgewogenheit, Form, Textur und Erzählung lässt sich dieses Buch von den Meistern des Maximalismus inspirieren und zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Linse mit einer Vielzahl von Ansätzen mit Faszination füllen können. Illustriert mit den besten Beispielen von Fotografen wie Hassan Hajjaj, Lindsay Adler, Mickalene Thomas, Horst P. Horst und Maisie Cousins, erklärt dieses Buch die wichtigsten Techniken, die den Maximalismus ausmachen, und gibt leicht verständliche Ratschläge, wie Sie kühne, lebendige Fotos schaffen, die die Schönheit im Chaos einfangen.

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BIG SHOTS ! MAXIMAL

ANTONY ZACHARIAS


BIG SHOTS! MAXIMAL

Mehr ist mehr in der Fotografie

© 2026

Midas Collection

Ein Imprint der Midas Verlag AG

ISBN 978-3-03876-371-0

1. Auflage

Übersetzung: Claudia Koch

Lektorat: Petra Heubach-Erdmann

Layout: Ulrich Borstelmann

Cover: Agentur 21

Midas Verlag AG, Dunantstrasse 3, CH 8044 Zürich

Webseite: www.midas.ch, E-Mail: kontakt@midas.ch

Midas Büro Berlin, Mommsenstraße 43, D 10629 Berlin

E-Mail: berlin@midasverlag.com (GPSR)

Englische Originalausgabe:

»The Maximalist Photographer«

Laurence King Publishing Ltd, London

An Hachette UK Company

Text © 2026 Antony Zacharias

Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet unter www.dnb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und

Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung

des Verlages urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt

insbesondere für die Erstellung und Verbreitung von Kopien

auf Papier, Datenträgern oder im Internet.


BIG SHOTS!

MAXIMAL

MEHR IST MEHR

IN DER FOTOGRAFIE

ANTONY

ZACHARIAS


INHALT

6 Einführung

8 Was ist Maximalismus?

Komposition

12 Exzess

14 Visuelle Intensität

16 Organisiertes Chaos

18 Führungslinien

20 Mehrere Fokuspunkte

22 Überlagerung

24 Muster

28 Symmetrie

30 Übertriebene Perspektiven

Licht, Farbe und Kontrast

34 High Key

36 Low Key

38 Schatten

42 Dynamische Beleuchtung

44 Langzeitbelichtung

46 Explosive Farben

48 Emotionale Farben

50 Monochrom

52 Schwarz und Weiß

54 Gemusterte Farbe

56 Kontrast

58 Farbebenen


Kreative Techniken

62 Collage

66 Bildausschnitt

68 Reflexionen

70 Wiederholungen

72 Ausbrechen

74 Texturen

76 Mehrfachbelichtung

78 Form und Geometrie

80 Makro

82 Abstrakt

138 Index

142 Bildnachweise

144 Autor / Dank

Storytelling

86 Schönheit im Chaos

90 Ruhige Momente

94 Wunder und Entzücken

98 Nostalgie

100 Verletzlichkeit

102 Surrealismus

106 Verspieltheit

110 Mehrere Narrative

112 Porträts

116 Tradition

118 Symbolismus

122 Theatralisch

124 Alltägliches Leben

126 Innenräume

128 Essen

130 Gegenüberstellung

132 Mehrdeutigkeit

134 Bedeutungsebenen

136 Energie in Stille


EINFÜHRUNG

Die Fotografie ist eine Kunst der Auswahl, die von unserer Sichtweise

und Absicht geprägt ist: was wir beim Fotografieren in ein Bild aufnehmen

oder weglassen und wie wir das Motiv oder die Szene innerhalb des

Bildausschnitts anordnen.

Ein Foto erzählt in der Regel eine Geschichte, weckt Emotionen oder

vermittelt eine Erzählung, was oft leichter zu erreichen ist, wenn man

den Inhalt für den Betrachter vereinfacht. Die maximalistische Fotografie

kehrt dies jedoch um. Anstatt Zurückhaltung zu fördern, geht es

darum, Überfluss und Komplexität zu begrüßen und reichhaltige Details

einzubeziehen, um eine alternative und vielleicht sogar überzeugendere

Möglichkeit zu bieten, visuelle Geschichten zu erzählen.

Der Maximalismus in der Fotografie lebt von Überfluss, um vielschichtige,

komplexe Kompositionen zu schaffen, die eine Erkundung

erfordern – und auch belohnen. Es ist ein Stil, der dem Betrachter ein

überwältigendes Sinneserlebnis bietet, bei dem jedes Foto voller Details,

Texturen, Farben und Erzählungen ist, die alle gleichzeitig um Aufmerksamkeit

werben.

Ganz gleich, ob Sie lebhafte Straßenszenen, hochstilisierte Porträts

oder komplexe Stillleben fotografieren – mit den Prinzipien des

Maximalismus können Sie energiegeladene und unvergessliche Bilder

schaffen. Dabei geht es darum, die Fotografie nicht nur als Mittel zur

Erfassung der Realität zu betrachten, sondern als Möglichkeit, reichhaltige,

komplexe Bildkompositionen zu entwerfen, die sowohl dynamisch

als auch fesselnd sind.

Dieser Ansatz lehnt zwar die Vorstellung ab, dass ein Foto einfach

sein muss, um wirkungsvoll zu sein, doch beim Maximalismus geht

es nicht nur darum, so viel wie möglich in ein Foto zu packen. Seine

Umsetzung erfordert Geschick – ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen

Komplexität und Absicht. Es geht nicht nur darum, den Bildausschnitt

um seiner selbst willen zu füllen, sondern Elemente harmonisch

und logisch anzuordnen.

6


Dieses Buch ist als kreativer Begleiter für Fotografen gedacht, die die

Kunst des Maximalismus in ihren Bildern beherrschen möchten. Auf

den folgenden Seiten lernen Sie eine Reihe von Techniken kennen, mit

denen Sie die herkömmlichen Grenzen dessen, was als »zu viel« gilt,

herausfordern und reichhaltigere und lebendigere Fotos erstellen können.

Ausgehend von der Komposition – dem Grundpfeiler jeder Fotografie

– lernen Sie, wie Sie ein überzeugendes maximalistisches Foto

erarbeiten. Sie werden sehen, wie Licht, Farbe und Kontrast das Motiv

oder die Szene beeinflussen, und kreative Ideen und Techniken entdecken,

die zu einem gut gestalteten und immersiven visuellen Erlebnis

führen können. Schließlich werden Sie Möglichkeiten erkunden, wie Sie

die Geschichte hinter einem Bild thematisieren, die Erzählung lenken

und durch einen maximalistischen Rahmen eine Reihe von Emotionen

beim Publikum hervorrufen können.

Probieren Sie diese Techniken aus und lassen Sie Ihrer Kreativität

freien Lauf. Brechen Sie mit traditionellen Regeln, trauen Sie sich

an gewagte Entscheidungen heran und entwickeln Sie Ihren eigenen

maximalistischen Stil. Ob Sie sich nun zu energiegeladenen Kompositionen,

extravaganten Farben oder detailreichen Geschichten hingezogen

fühlen – dieses Buch gibt Ihnen die Werkzeuge an die Hand, um Fotos

zu schaffen, die so komplex, fesselnd und faszinierend sind wie die Welt

um Sie herum.

7


WAS IST MAXIMALISMUS?

Maximalismus ist mehr als nur ein visueller Stil: Er ist eine Art zu denken,

zu sehen und zu gestalten. Er lehnt den minimalistischen Ansatz

der Einfachheit und Zurückhaltung ab, um Klarheit zu erreichen, und

schwelgt stattdessen in Fülle, Komplexität und Details. Ob in der Kunst,

im Design, in der Mode, in der Literatur, in der Musik oder sogar in der

Wahl des Lebensstils – Maximalismus lebt von der Idee des »mehr ist

mehr« und dass kühne, aufwendige, lebendige Ebenen ein tieferes und

intensiveres Erlebnis für das Publikum schaffen können.

Obwohl der Begriff »Maximalismus« relativ modern ist, gibt es diese

Ästhetik schon seit Jahrhunderten und sie taucht in verschiedenen Formen

in unterschiedlichen Epochen und Kulturen auf. Historisch lässt

sie sich bis zum Barock und Rokoko zurückverfolgen, wo aufwendige

Ornamente, komplizierte Muster und luxuriöse Materialien verwendet

wurden, um dramatische und kraftvolle Werke zu schaffen. Im 19.

Jahrhundert verfolgten die Viktorianer einen maximalistischen Ansatz

in ihrer Innenarchitektur mit reich verzierten Räumen, gemusterten

Tapeten und einer Fülle von Möbeln und Dekoration.

In letzter Zeit erlebt der Maximalismus ein Comeback. Er taucht in

verschiedenen Formen wieder auf, von den kühnen Mustern der postmodernen

Architektur bis hin zum eklektischen Stilmix in der zeitgenössischen

Mode und Innenarchitektur. Heute entwickelt sich der Maximalismus

weiter und manifestiert sich in allen Bereichen, von der digitalen

Kunst und Musik bis hin zum Branding und den sozialen Medien. Auch

wenn er sich in den verschiedenen Disziplinen unterscheidet, liegt ihm

doch ein universeller Ansatz zugrunde, der das Übermaß begrüßt.

In der Fotografie bedeutet Maximalismus, mehr einzubeziehen,

als zunächst notwendig erscheint: mehr Ebenen, mehr Textur, mehr

Kontrast, mehr Erzählung. Er zieht den Betrachter in den Bildausschnitt

hinein und lädt ihn ein, diesen langsam zu erkunden, anstatt ihn mit

einem einzigen Blick zu erfassen; er belohnt Zeit und Aufmerksamkeit.

Maximalismus ist ein Stil, der Neugierde begrüßt und den Betrachter

dazu ermutigt, durch das Foto zu schweifen und Momente, Gesten,

Kontraste, Symbole und Bedeutungen zu entdecken, die in den Ebenen

des Bildausschnitts verborgen sind.

Beim Maximalismus geht es jedoch nicht nur um Quantität. Es handelt

sich um eine bewusste und künstlerische Anordnung von Elementen.

Ein maximalistisches Foto enthält sorgfältig kuratierte Komplexität;

es ist ein Rahmen voller Absicht, in dem jedes Element sorgfältig

ausgewählt wurde und jedes Detail zur Gesamtkomposition beiträgt.

8


Die Ebenen des Chaos sind an der Oberfläche sichtbar, doch darunter

verbirgt sich ein komplexes Gerüst aus Gedanken und Absichten.

Entscheidend: Die maximalistische Fotografie beschränkt sich nicht

auf ein bestimmtes Genre oder Motiv. Sie findet sich in vielfältigen Themen

und Szenen wieder: von chaotischen Straßen in Stadtfotografien

über die satten Muster eines hochstilisierten Mode-Shootings bis hin zu

den intimen Schichten, die man in Wohnräumen findet. Ein maximalistisches

Bild kann mehrere Elemente oder Objekte enthalten oder nur

wenige, die jedoch mit einer solchen Tiefe, Wiederholung oder Variation

aufgenommen wurden, dass es komplex und gesättigt wirkt. Entscheidend

ist nicht die Anzahl der Elemente im Bildausschnitt, sondern wie

sie interagieren, um ein komplexes visuelles Erlebnis zu schaffen.

Die maximalistische Fotografie bezieht ihre Kraft oft aus Kompositionstechniken

wie Reflexionen, Mustern, Dichte und Schichtung, um

Spannung aufzubauen, Harmonie zu schaffen oder beim Betrachter

Überraschung hervorzurufen. Insbesondere Farbe kann im Maximalismus

eine wichtige Rolle spielen. Kräftige, lebendige Farbpaletten

oder hochgesättigte Farbtöne verstärken die Intensität eines Bildes,

aber maximalistische Farbe kann auch mit subtilen Beziehungen zu tun

haben – mit Verschiebungen in Farbton oder mit der Schichtung von

Farben, die die Szene vertiefen, ohne sie zu überwältigen. Ein maximalistisches

Bild kann laut oder überraschend gedämpft sein oder sogar

ganz ohne Farbe auskommen, aber in allen Fällen wird Farbe nicht nur

dekorativ, sondern strukturell eingesetzt. Sie wird zu einem Werkzeug,

das dabei hilft, Kontraste und Tiefe zu erzeugen und Emotionen

zu wecken.

Auch die Erzählung spielt im maximalistischen Ansatz eine zentrale

Rolle. Das Foto ist nicht nur ein flüchtiger Moment – es erzählt eine

Geschichte mit mehreren konkurrierenden oder sich überschneidenden

Strängen. Diese Geschichten müssen nicht wörtlich genommen werden.

Sie lassen sich durch Gesten, Komposition, Raumaufteilung oder sogar

durch die chaotische visuelle Überladung selbst erahnen. So nimmt der

Betrachter aktiv daran teil, in den Fragmenten, Details und anderen

Aspekten des Bildausschnitts eine Bedeutung zu finden.

Letztendlich geht es beim Maximalismus jedoch um mutiges Storytelling

und die Würdigung von Reichtum, Detailtreue und Komplexität.

Ob in der Kunst, im Design oder im Alltag – der Maximalismus erinnert

uns daran, dass manchmal mehr wirklich mehr ist.

9



KOMPOSITION


[Komposition]

Chicago Board of Trade II, Andreas Gursky, 1999


EXZESS

IM CHAOS HARMONIE FINDEN

[1] Siehe Schönheit

im Chaos

S. 86–89

[2] Siehe Alltägliches

Leben

S. 124–126

[3] Siehe Führungslinien

S. 18–19

[4] Siehe Bildausschnitt

S. 66–67

Die maximalistische Fotografie gedeiht am Rande des Chaos, wobei jedes

Detail im Bild um Aufmerksamkeit ringt. Es geht jedoch nicht darum,

Unordnung einzufangen oder zu schaffen, sondern darum, im Überfluss die

Balance zu finden.

Um Überfluss in ein Foto zu integrieren, müssen Sie jeden Gedanken an

eine Vereinfachung der Szene aufgeben. Jeder Winkel des Bildausschnitts

sollte mit Textur, Farbe, Mustern, Schatten und Licht gefüllt sein, sodass

er nicht mehr nur ein einzelnes isoliertes Motiv enthält, sondern zu einem

Netzwerk miteinander verbundener Teile wird. Die Absicht ist wichtig, denn

ohne sorgfältige Überlegungen kann das Foto leicht seine Wirkung verlieren

und überwältigend wirken. Wenn jedes Element zur Geschichte beiträgt,

wirkt die resultierende Komposition dicht und zielgerichtet.

Andreas Gurskys Chicago Board of Trade II dreht sich um Überfluss. Das

Bild fängt eine überfüllte Szene voller Farben und Details ein. Auf den ersten

Blick wirkt es chaotisch, aber bei genauerer Betrachtung erkennt man einen

komplexen Rhythmus: Die Menschen und verstreuten Papiere schaffen ein

Gefühl der Harmonie, in dem jedes Element zur größeren Geschichte der

Wirtschaftseuphorie beiträgt. Das Bild verwandelt überwältigende Fülle in

etwas Strukturiertes und Dynamisches und bietet dem Betrachter die Möglichkeit,

in die Energie und Aktivität des Finanzhandels einzutauchen. [1]

Wenn Überfluss bewusst eingesetzt wird, verstärkt er Emotionen. Ein

Foto voller Inhalte zieht den Betrachter auf natürliche Weise in seinen Bann

und lädt zum Entdecken und Eintauchen ein. Wenn jedes Element im Bild

zur Erzählung beiträgt, wird Überfluss zu einer Stärke statt zu einer Ablenkung.

Überfluss kann überwältigen, spiegelt dabei aber wider, wie wir oft das

echte Leben erleben. [2]

Eine der Herausforderungen besteht darin, dass das Foto ein einheitliches

Gesamtbild ergibt. Hier kommt der Komposition eine entscheidende

Bedeutung zu. Techniken wie Führungslinien, Rahmung oder Schichtung

können dabei helfen, den Betrachter durch das Bild zu führen und ein

Gefühl von Ordnung zu vermitteln, ohne dabei die Spontaneität und Lebendigkeit

des Augenblicks zu verlieren.

[3] [4]

Bei der Komposition eines Bildes fällt es oft schwer, die Angst vor »zu

viel« abzulegen. Suchen Sie zunächst nach Umgebungen, die von Natur aus

geschäftig und unübersichtlich sind, wie Märkte, Festivals oder dicht besiedelte

städtische Räume. Anstatt Ihren Fokus einzuengen, nehmen Sie mehr

in Ihr Bild auf. Achten Sie darauf, wie die Elemente miteinander interagieren

und wie sich das Bild insgesamt darstellt. Letztendlich sollte der Überfluss

dazu beitragen, die Szene zu einer lebendigen Darstellung mit vielen Details

zu machen.

13


VISUELLE INTENSITÄT

DEN BILDAUSSCHNITT SINNVOLL FÜLLEN

[1] Siehe Mehrere

Narrative

S. 110–111

[2] Siehe Übertriebene

Perspektiven

S. 30–31

[3] Siehe Organisiertes

Chaos

S. 16–17

Ein maximalistisches Foto enthält natürlich eine Fülle von Details, aber

der Bildausschnitt sollte nicht mit Elementen gefüllt sein, die logisch

nicht zusammenpassen oder nicht zusammenwirken. Den Bildausschnitt

bewusst auszufüllen bedeutet, den verfügbaren Platz zu nutzen, um

viele Elemente einzubeziehen, die eine reichhaltigere, eindringlichere

Geschichte erzählen. [1]

Alles, was im Bildausschnitt enthalten ist, muss eine klare Funktion

erfüllen, sei es, um den Betrachter zu führen, die Stimmung zu bestimmen,

Emotionen zu verstärken oder wesentliche Details der Szene zu offenbaren.

Dieses Bild zeigt, wie eine Stadtszene mit sinnvollen Inhalten gefüllt

werden kann. An einem verschneiten Tag in Manhattan dominieren Taxis

den Vordergrund, während ein Fußgänger die Straße überquert, eingerahmt

von den Autos. Die hoch aufragenden Gebäude erheben sich zu beiden

Seiten und erweitern die Tiefe des Bildausschnitts. Obwohl die Szene voller

visueller Informationen ist, hat man das Gefühl, dass jeder Teil des Bildes

bewusst aufgenommen wurde. Die Stadtarchitektur tritt in den Hintergrund

und fügt Kontext hinzu, ohne zu einer bloßen Unordnung zu werden.

Selbst der Schneefall trägt zur Atmosphäre bei und unterstreicht die kühlen

Bedingungen und das hektische Tempo des Stadtlebens.

Wichtig ist, darauf zu achten, wie Sie Ihr(e) Hauptmotiv(e) im Verhältnis

zu anderen Elementen im Bildausschnitt positionieren. Hier stehen die

Taxis im Vordergrund, ohne jedoch die Person oder die Gebäude zu überstrahlen.

Der Blickwinkel auf Straßenhöhe vermittelt das Gefühl, mitten im

Geschehen zu sein, [2] was ein Gefühl der Immersion erzeugt, das für den

Maximalismus von zentraler Bedeutung ist. Anstatt sich zurückzulehnen

und zu beobachten, wird der Betrachter in die Szene hineingezogen und ist

von allen Seiten von Details umgeben. Sie müssen auch darauf achten, was

an den Rändern und Ecken geschieht. Wenn sich ein Teil der Komposition

unvollendet oder irrelevant anfühlt, besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit

des Betrachters vom Kern der Geschichte abgelenkt wird.

Auch die Beziehung zwischen den einzelnen Elementen ist wichtig.

Jedes Objekt, jede Textur und jede Farbe sollte zur Ausgewogenheit und

zum Rhythmus der Komposition beitragen. Das visuelle Gewicht spielt

dabei eine wichtige Rolle: Stärkere Elemente verankern die Szene, während

kleinere Details Verbindungen schaffen, die das Bild vereinen und erklären.

Durch eine sorgfältige Platzierung wird sichergestellt, dass die Fülle an

Informationen ansprechend bleibt und nicht überwältigend wirkt. Die Herausforderung

besteht darin, den Blick des Betrachters auf eine bewusste

visuelle Reise zu führen, bei der jedes Element für die Geschichte von

Bedeutung ist. [3]

14


[Komposition]

West Side Winter, NYC, Antony Zacharias, 2007


[Komposition]

Coney Island 2, Jeffrey Milstein, 2017


ORGANISIERTES CHAOS

UNORDNUNG MIT STRUKTUR AUSGLEICHEN

[1] Siehe Übertriebene

Perspektiven

S. 30–31

Jeffrey Milsteins Foto Coney Island 2 zeigt den Freizeitpark von oben: Die

Fahrgeschäfte, Zelte und andere Attraktionen füllen das Bild mit einer chaotischen

Mischung aus Formen und Farben. Das Auge springt ganz natürlich

von einem Bereich oder Objekt zum nächsten, da jedes um Aufmerksamkeit

buhlt. Doch trotz der Fülle der Szene entsteht ein überraschendes Gefühl der

Harmonie, da sich aus den Wegen natürliche Linien bilden, die uns durch das

Bild führen. Das Zusammenspiel von Struktur und Chaos macht das Bild so

faszinierend. [1]

Bei organisiertem Chaos geht es darum, durch visuelle Überlastung ein

Gefühl für eine Erzählung zu erzeugen. Auch wenn alle Objekte oder Elemente

auf den ersten Blick unkoordiniert oder zufällig erscheinen mögen,

bilden sie zusammen ein einheitliches und bedeutungsvolles Ganzes. Sie alle

erfüllen einen Zweck innerhalb der übergeordneten Geschichte, die Sie erzählen,

ohne vom Hauptfokus abzulenken.

Auf diese Weise lässt sich eine detailreiche Szene so darstellen, dass der

Betrachter sie als zusammenhängendes Bild wahrnimmt, auch wenn dies nicht

sofort offensichtlich ist. Erreicht wird dies durch die sorgfältige Platzierung

von Elementen – Farben, Texturen, Formen und Motiven – im gesamten Bildausschnitt.

Diese sind möglicherweise nicht offensichtlich, wenn man kleinere

Ausschnitte des Bildes betrachtet, treten jedoch hervor, wenn man das Bild als

Ganzes sieht. Im Zentrum dieser Technik steht die Idee, dass selbst scheinbar

überwältigende Kompositionen eine zugrunde liegende Struktur besitzen, die

die Elemente zu einem sinnvollen visuellen Erlebnis vereint.

Die Komposition sollte lebendig und nicht überladen wirken, damit der

Betrachter dazu angeregt wird, sich weiter damit zu beschäftigen, ohne sich

überfordert oder eingeschüchtert zu fühlen. Eine gute Möglichkeit hierfür ist

es, Muster und Rhythmen hervorzuheben, die einer Szene Struktur verleihen.

Auch Farben, Formen und Geometrie sorgen für Ordnung in einer unruhigen

Szene und tragen zur Gesamtbalance der Komposition bei.

Die Beleuchtung (und damit auch die Schatten) kann das Gefühl des Chaos

noch verstärken oder abschwächen. Bei hellem Tageslicht wirken alle Farben

und Formen lebendig, wodurch die Szene dynamisch und voller Leben

erscheint. Umgekehrt mildert ein bewölkter Himmel das Licht, reduziert den

Kontrast und dämpft die Farbtöne, was selbst der komplexesten Komposition

ein Gefühl der Ruhe oder Subtilität verleihen kann.

Auch ein guter Blickwinkel kann das Chaos innerhalb einer Szene ordnen.

In diesem Bild offenbart die Vogelperspektive ein komplexes Design, das aus

Augenhöhe nicht zu erkennen ist. Die Höhe bietet eine natürliche Möglichkeit,

die Szene einzurahmen, sodass der Betrachter erkennen kann, wie die

einzelnen Elemente miteinander interagieren.

17


FÜHRUNGSLINIEN

DAS AUGE DURCH DIE KOMPLEXITÄT FÜHREN

[1] Siehe Übertriebene

Perspektiven

S. 30–31

Führungslinien als grundlegendes Werkzeug in der fotografischen Komposition

helfen dabei, den Blick des Betrachters durch eine Szene zu lenken.

In einem Bild voller Details, Texturen und komplexen visuellen Informationen

wird der strategische Einsatz von Führungslinien noch wichtiger.

Anstatt den Betrachter zu überwältigen, können Linien ein Gefühl für Richtung

und Fluss durch das Bild erzeugen. Diese kompositorischen Linien

können dazu beitragen, sich in der visuellen Komplexität zurechtzufinden.

Die Linien müssen nicht gerade oder offensichtlich sein. Sie können

gekrümmt sein, sich überschneiden, im Zickzack verlaufen oder fragmentiert

erscheinen, und dennoch tragen sie dazu bei, das Bild zu strukturieren

und seine Bestandteile miteinander zu verbinden. Sie müssen auch nicht

immer zu einem einzigen Motiv führen. Im Maximalismus geht es oft

darum, die Aufmerksamkeit auf eine umfassendere Komposition zu lenken

oder einen Weg durch verschiedene Bedeutungsebenen anzudeuten.

In dieser dramatischen Meereslandschaft spielen Führungslinien eine

subtile, aber wirkungsvolle Rolle, indem sie den Betrachter durch die Komposition

führen. Die geschwungene Küstenlinie beginnt im Vordergrund

und verläuft sanft zu den hoch aufragenden Felsformationen in der Ferne,

wodurch der Blick über die gesamte Tiefe der Szene gelenkt wird, während

die sich wiederholenden Linien des Wassers, die von den zurückweichenden

Wellen hinterlassen wurden, das Gefühl von Bewegung und Rhythmus

verstärken. Diese Elemente wirken zusammen und schaffen ein maximalistisches

Bild, das sowohl weitläufig als auch immersiv ist, wobei die Linien

Struktur und Fluss durch die Komplexität verleihen.

In manchen Bildern können die Linien selbst das Motiv sein, aber

auch mit anderen Mitteln kombiniert werden, um Ordnung und Ausgewogenheit

im visuellen Chaos herzustellen. Ein diagonaler Weg kann

beispielsweise zu Blickpunkten führen, während sich kreuzende Linien ein

Raster bilden können, das das Bild in interessante Bereiche unterteilt. Sich

wiederholende Linien können ein Gefühl von Rhythmus erzeugen und

dem Bild eine weitere Ebene hinzufügen.

Auch die Perspektive spielt eine wichtige Rolle. Kamerawinkel und

-position bestimmen, wo die Linien platziert werden, während die Brennweite

Einfluss auf deren Darstellung im Bildausschnitt hat. Mit einem

Weitwinkelobjektiv lassen sich Raum und Tiefe übertrieben darstellen,

wodurch der Betrachter in die Szene hineingezogen wird. [1]

Es ist wichtig, die Führungslinien nicht zu starr zu verwenden. Linien

sollten natürlich und integriert wirken, nicht erzwungen oder dominant.

In einer Szene, die bereits voller visueller Reize ist, sollten sie den Blick

des Betrachters durch Ihr Foto lenken.

18


[Komposition]

Reynisfjara, Antony Zacharias, 2011


[Komposition]

Tehauntepec, Mexico, Alex Webb, 1985


MEHRERE FOKUSPUNKTE

ÜBER EIN EINZELOBJEKT HINAUS

[1] Siehe Bildausschnitt

S. 66–67

[2] Siehe Übertriebene

Perspektiven

S. 30–31

[3] Siehe Mehrere

Narrative

S. 110–111

[4] Siehe Führungslinien

S. 18–19

Bilder mit mehr als einem Fokuspunkt laden den Betrachter dazu ein,

den Bildausschnitt aktiv zu erkunden und verschiedene Geschichten zu

entdecken, die sich gleichzeitig entfalten. Das Ergebnis kann ein spannendes

Foto mit vielfältiger Bedeutung sein, das verschiedene Zusammenhänge,

Details und Bildebenen offenbart. Solche Bilder können,

wenn sie bewusst aufgenommen werden, unglaublich fesselnd sein.

Die Grenze zwischen visueller Komplexität, Chaos und überwältigender

Verwirrung ist jedoch schmal. Ein Übermaß an Objekten oder Szenen

lässt den Betrachter verunsichert und verwirrt zurück, während er

nach einer Bedeutung oder einem Verständnis für Ihr Bild sucht. Jedes

visuelle Element sollte seine eigene Stärke behalten und gleichzeitig zur

Gesamtgeschichte beitragen. Während das Auge durch das Bild wandert,

sollte jeder Fokuspunkt nicht nur Interesse wecken, sondern auch Teil

einer größeren Geschichte sein.

Alex Webb setzt diesen maximalistischen Ansatz in dem hier gezeigten

Bild um. Es fängt eine alltägliche Szene voller Leben und Aktivität

ein, in der jeder Einzelne mit seinen eigenen Handlungen beschäftigt

ist. Im Vordergrund dreht ein Junge einen Ball auf seinem Finger, was

unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber das Kind, das lässig an einer

Säule lehnt und uns anschaut, sowie andere Figuren im Bild sorgen für

zusätzliche Spannung und narrative Möglichkeiten. Die Kombination

aus architektonischen Details und einer ansprechenden Farbgebung verstärkt

das Gefühl für den Ort und die visuelle Komplexität des Bildes.

Jeder einzelne Fokuspunkt erzählt eine andere Geschichte, doch zusammen

bilden sie Teil einer viel größeren Szene.

Um mehrere Fokuspunkte effektiv einzufangen, sollten Perspektive,

Schärfentiefe und Bildausschnitt berücksichtigt werden. [1] Ein weiter

gefasster Blickwinkel lässt mehr Elemente und verschiedene Ebenen in

das Bild einfließen, wobei ein Weitwinkelobjektiv hilfreich sein kann. [2]

Eine große Schärfentiefe sorgt für Klarheit im gesamten Bild. Dies kann

durch eine kleine Blendeneinstellung erreicht werden. Dadurch wird

auch sichergestellt, dass jeder Fokuspunkt mit gleicher Schärfe und

Gewichtung im Bild erscheint. [3]

Durch Fokuspunkte in unterschiedlicher Entfernung innerhalb des

Bildausschnitts entstehen Ebenen, die ein Gefühl von Dimension und

Faszination vermitteln. Ebenen bieten auch einen natürlichen Weg

durch die Komposition, der dazu beiträgt, ein Gefühl für die Erzählung

zu schaffen. Farben, Kontraste und Kompositionslinien können das

Auge des Betrachters subtil zwischen diesen Punkten führen und so für

ein Gefühl der Kohärenz inmitten einer Fülle von Details sorgen. [4]

21


ÜBERLAGERUNG

VERBINDUNGEN DURCH EBENEN HERSTELLEN

[1] Siehe Mehrere

Fokuspunkte

S. 20–21

[2] Siehe Gegenüberstellung

S. 130–131

[3] Siehe Bildausschnitt

S. 66–67

[4] Siehe Übertriebene

Perspektiven

S. 30–31

Die Überlagerung von Motiven in einer bildreichen Szene verleiht einem

Foto Tiefe und Komplexität und kann ein Gefühl von zusammenhängender

Fülle erzeugen. Durch das Stapeln von Motiven, das Überlagern

visueller Elemente und das teilweise Freilegen anderer Elemente können

Sie eine Szene strukturierter und bewusster gestalten.

Wenn sich Elemente innerhalb des Bildausschnitts überschneiden

und miteinander interagieren, können Beziehungen zwischen ihnen

entstehen, die nicht nur das Auge des Betrachters lenken, sondern auch

zur Erzählung des Bildes beitragen. Es entsteht ein subtiles Gefühl von

Rhythmus, das dem Betrachter hilft, sich von einem Abschnitt zum

nächsten durch die Szene zu bewegen, anstatt innerhalb des Bildausschnitts

von einem Bereich zum nächsten zu springen. [1]

Überschneidungen spiegeln auf natürliche Weise wider, wie wir die

Welt wahrnehmen. Unsere Umgebung ist selten ordentlich organisiert

oder isoliert zu betrachten – sie besteht aus Schichten von Objekten

und Subjekten, die ständig miteinander verschmelzen. Diese Realität

einzufangen, lädt den Betrachter ein, in die Szene einzutauchen, und

gibt ihm das Gefühl, Teil davon zu sein.

Das Bild zeigt einen Teil der Skyline von London mit verschiedenen

Baustilen, die sich überlagern und so eine abwechslungsreiche visuelle

Erzählung schaffen. Die niedrigeren, älteren Backsteingebäude im

Vordergrund stehen im Kontrast zu den hoch aufragenden, modernen

Glaswolkenkratzern. [2] Die Fassaden der Stadtgebäude und ihre präzise

Anordnung von Fenstern, Ziegeln und Glasplatten erzeugen subtile

visuelle Rhythmen, die das Bild zusammenhalten.

Achten Sie sorgfältig auf Ausrichtung, Kontrast und Platzierung des

Motivs, damit überlappende Elemente zur Ausgewogenheit und Klarheit

des Bildes beitragen und sie nicht beeinträchtigen. Überlagerungen

sollten natürlich wirken.

Ihr Blickwinkel, der Bildausschnitt und die Entfernung können

sich darauf auswirken, wie die überlappenden Elemente wahrgenommen

werden. [3][4] Wenn Sie aus einer leicht abgewinkelten Position

fotografieren – statt frontal –, kann dies die Tiefe der Szene optisch

komprimieren, wodurch sich Ebenen dramatischer überlagern, während

erhöhte oder abgesenkte Blickwinkel die Reihenfolge und Beziehung

der visuellen Elemente manipulieren können. Gleichzeitig kann eine

längere Brennweite eine Szene abflachen und das Gefühl der Schichtung

verstärken, indem sie den sichtbaren Raum und die Tiefe reduziert. Dies

wird in diesem Bild deutlich, das mit einem 200-mm-Teleobjektiv aufgenommen

wurde, um die architektonischen Ebenen zu komprimieren.

22


[Komposition]

Docklands, London, Antony Zacharias, 2018


[Komposition]

Lined Up, Antony Zacharias, 2022


MUSTER

WIEDERHOLUNG FÜR RHYTHMUS UND BEWEGUNG

[1] Siehe Organisiertes

Chaos

S. 16–17

Muster in eine maximalistische Komposition zu integrieren, ist sehr

wirkungsvoll, um Rhythmus, Struktur und Komplexität zu erzeugen.

Wiederholungen können ein Gefühl von Bewegung vermitteln, was eine

zusätzliche Dimension schafft.

Der Schlüssel zur effektiven Integration von Mustern liegt in der Art

und Weise, wie sie mit den anderen Elementen im Bildrahmen interagieren.

Sie müssen entscheiden, wie auffällig das Muster sein soll: Es

kann als passiver Hintergrund oder als aktiverer Teil der Komposition

dienen. Beide Varianten können die visuelle Wirkung verstärken, jedoch

auf sehr unterschiedliche Weise.

Einheitliche Muster nutzen die hypnotische Wirkung von Wiederholungen.

Wenn sich ein Element durch das gesamte Bild zieht, kann dies

ein Gefühl von Ordnung und Stabilität vermitteln, das dazu beiträgt,

eine ansonsten überwältigende Szene zu verankern. Die sich wiederholenden

Elemente tragen zur Komplexität des Bildes bei, führen aber

auch den Betrachter durchs Bild und gönnen ihm eine kurze Pause von

den Details der Komposition.

In Lined Up – einem Bild von sauber einsortierten Flaschen in

einem Laden – ist jede Reihe nach Marke oder Farbe sortiert. In einem

maximalistischen Stil füllt die gesamte Wand aus Flaschen den Bildausschnitt

und präsentiert eine Wiederholung, die eher geordnet als überwältigend

wirkt. Der Betrachter wird dazu verleitet, seinen Blick von

einer Reihe zur nächsten wandern zu lassen und dabei zu beobachten,

wie die einzelnen Farbtöne ineinander übergehen und sich die Formen

aneinanderreihen. Trotz der Fülle an Details vermittelt das einheitliche

Muster ein beruhigendes und methodisches Gefühl von Rhythmus. Ein

Vorteil: Ein einheitliches Muster hilft, sich in einem Bild zurechtzufinden.

Jedes sich wiederholende Muster vermittelt eine Vertrautheit,

die eine Szene trotz der potenziellen visuellen Überlastung als kohärent

erscheinen lässt.

Kompositorisch kann man ein Muster auf verschiedene Weise

angehen. Eine direkte Frontalansicht zeigt jede Wiederholung deutlich,

während eine schräge Ansicht ein Gefühl von Tiefe vermitteln kann,

da sich wiederholende Formen in den Hintergrund zurückziehen. Das

Neigen der Kamera kann einen dynamischen Effekt erzeugen, ohne die

Kraft des Musters zu mindern. [1]

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[Komposition]

Afterglow, Antony Zacharias, 2018


MUSTER

[2] Siehe Abstrakt

S. 82–83

[3] Siehe Explosive

Farben

S. 46–47

[4] Siehe Emotionale

Farben

S. 48–49

[5] Siehe Form und

Geometrie

S. 78–79

[6] Siehe Wiederholungen

S. 70–71

Unregelmäßige Muster betonen die Schönheit des Unvorhersehbaren.

Veränderungen in Form, Farbe oder Position können eine Energie und

ein Gefühl von Bewegung ausstrahlen, die den Blick des Betrachters auf

sich ziehen. [2] In Afterglow wurden abends die verschwimmenden Neonleuchten

von Fahrgeschäften auf einem Jahrmarkt festgehalten. Durch

die bewusste Unschärfe des Objektivs entstanden lebhafte Streifen in

leuchtenden Farben, die sich durch das Bild zu drehen scheinen. Trotz

ihrer Uneinheitlichkeit bilden die sich überlagernden Lichter chaotische

Muster, die zum Motiv werden und vor Energie zu sprühen scheinen.

Da keine zwei Elemente genau gleich sind, hat das Bild nicht die starre

Struktur des vorherigen Fotos, und es gibt keinen offensichtlichen Weg,

dem der Betrachter durch die Szene folgen kann. Die Ähnlichkeit der

Formen und Farben deutet jedoch auf ein »Muster im Muster« hin, das

die Komposition lebendig hält und Neugier weckt; es ist Aufgabe des

Betrachters, sein eigenes Gefühl für Ordnung zu entwickeln.

Unregelmäßige Muster zu fotografieren, erfordert sorgfältige Überlegungen,

wenn es darum geht, die Fülle an Formen oder Farben auszugleichen,

ohne dass sie zu zufällig und chaotisch wirken. Ein Ansatz

besteht darin, einen Fokuspunkt zu identifizieren, der sich natürlich aus

dem Muster ergibt, und ihn strategisch im Bildausschnitt zu platzieren.

Dies kann dem Bild Struktur verleihen und eine »Basis« schaffen, von

der aus der Betrachter das Foto erkunden kann.

Überlegen Sie, welche Rolle Farben in maximalistischen Kompositionen

mit Mustern spielen. Helle, lebhafte Farbtöne können die

Wirkung eines Musters verstärken oder es deutlicher hervorheben [3] ,

während gedämpfte Farbtöne Muster harmonischer miteinander verschmelzen

lassen und so ein Gefühl von Tiefe erzeugen, ohne das Bild

zu dominieren. [4]

Kontraste und Variationen innerhalb der Muster wirken sich ebenfalls

auf die Attraktivität des Bildes für das Publikum aus. Die Kombination

starker geometrischer Formen mit anderen, organischeren Elementen

führt oft zu einer dynamischen Komposition, die interessanter und

fesselnder wirkt. [5]

Letztendlich können Muster als strukturelle und gestalterische

Elemente dienen, die eine Szene verwandeln können, wobei sowohl

Wiederholungen als auch Variationen zur Energie eines Bildes beitragen.

Durchdachte Überlagerungen und Integration können zu Bildern

führen, die Überfluss zelebrieren und gleichzeitig ein Gefühl von

Zusammenhalt bewahren. [6]

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SYMMETRIE

BALANCE ZWISCHEN KOMPLEXITÄT UND VISUELLEN

ANKERPUNKTEN

[1] Siehe Reflexionen

S. 68–69

[2] Siehe Form und

Geometrie

S. 78–79

[3] Siehe Muster

S. 25–28

[4] Siehe Bildausschnitt

S. 66–67

[5] Siehe Führungslinien

S. 18–19

[6] Siehe Wiederholungen

S. 70–71

Symmetrie ist ein Grundpfeiler, um visuelles Übermaß zu ordnen. Sie hilft

dabei, überwältigende Details in etwas Überlegteres und Geordneteres zu

verwandeln, und ermöglicht es dem Auge, sich flüssiger durch die Szene

zu bewegen. Diese Symmetrie muss jedoch nicht perfekt sein – oft entsteht

sie durch Beinahe-Wiederholungen, gespiegelte Formen oder eine

Verteilung der visuellen Gewichtung. [1]

Hier wird die Wirkung der brutalistischen Architektur durch die

zentrierte Komposition verstärkt, mit einer starken Mittelachse durch die

Bildmitte. Dies hebt die starken konvergierenden Linien und vertikalen

Säulen hervor, die den Blick auf die Türen lenken. Die Kombination aus

Symmetrie und Maximalismus verleiht dem geometrischen Design der

Linien und Formen ein Gefühl der Ausgewogenheit. [2]

In diesem Beispiel ist Symmetrie nicht nur ein kompositorisches

Merkmal – sie trägt dazu bei, die visuelle Dichte und Größe der Formen zu

betonen. Obwohl die Struktur komplex ist, vereinfacht die Symmetrie den

Betrachtungsprozess und ermöglicht es dem Auge, Details zu erkunden,

ohne dabei die Orientierung zu verlieren.

Um Symmetrie in Ihre maximalistische Fotografie zu integrieren,

müssen Sie zunächst genau beobachten. Suchen Sie nach detailreichen

Umgebungen und identifizieren Sie starke visuelle Ankerpunkte wie

Türen, Bögen oder zentrale Figuren, die als Blickfang dienen können.

Diese Ankerpunkte können dabei helfen, die Fülle an Texturen, Mustern,

Formen und Licht innerhalb des Bildausschnitts zu organisieren. [3]

Experimentieren Sie mit der Bildkomposition, um immersive Erlebnisse

zu schaffen, die Komplexität in visuelle Ordnung verwandeln. [4] Führungslinien

können dabei helfen, den Blick auf die Bildmitte zu lenken, um die

Ausgewogenheit und den Fluss der Komposition zu verbessern. [5] Unterschiedliche

Blickwinkel und Kamerapositionen tragen ebenfalls dazu bei,

einzigartige Perspektiven zu entdecken, die die Symmetrie unterstreichen.

Allerdings können schon kleine Fehlausrichtungen oder Unregelmäßigkeiten

in den Mustern das Gleichgewicht leicht stören. Verwenden Sie daher

für eine präzise Bildkomposition ein Stativ und die Grid-Overlay-Funktion

Ihrer Kamera.

Die Bildbearbeitung spielt auch eine Rolle bei der Feinabstimmung der

Bildbalance, indem sie Fehlausrichtungen korrigiert oder die Attraktivität

sich wiederholender Muster verstärkt. [6] Jedoch ist hier Zurückhaltung

gefragt – Symmetrie sollte die Komplexität des Bildes unterstützen und

die bereits vorhandene Struktur verstärken, anstatt künstliche Perfektion

zu erzwingen.

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Courthouse Steps, Antony Zacharias, 2011

[Komposition]


[Komposition]

Paris, Antony Zacharias, 2015


ÜBERTRIEBENE PERSPEKTIVEN

DEN RAUM FÜR VISUELLE DRAMATIK VERZERREN

[1] Siehe Ausbrechen

S. 72–73

[2] Siehe Überlagerung

S. 22–23

[3] Siehe Organisiertes

Chaos

S. 16–17

Auf diesem Bild ist die Pariser Skyline von einem hohen Aussichtspunkt

aus eingefangen und zeigt ein komplexes und scheinbar endloses Geflecht

aus Gebäuden, Dächern und Fenstern, das sich ohne erkennbares Ende

ausbreitet. [1] Dieser weite, erhöhte Blick hebt nicht nur die schiere Menge

der Gebäude hervor, sondern verdichtet sie auch und verstärkt so den

Eindruck einer überfüllten Stadt. Was leicht als chaotisches architektonisches

Gewirr erscheinen könnte, wird zu einer komplexen Komposition

aus Formen und Farben, wobei jede sich überlappende Form den Eindruck

verstärkt, dass sich diese städtische Ausdehnung weit über den Bildausschnitt

hinaus fortsetzt. [2] Die Perspektive wirkt fast surreal, als würden wir

eher ein Miniaturmodell als eine echte Stadt betrachten. Diese Spannung

zwischen Realität und Abstraktion ist Teil dessen, was übertriebene Perspektiven

in einem maximalistischen Kontext so faszinierend macht, da sie

es ermöglichen, Vertrautes völlig neu zu sehen.

Die Perspektive prägt die Art und Weise, wie wir Tiefe, Maßstab und

räumliche Beziehungen in einem Bild wahrnehmen. Wenn diese übertrieben

dargestellt werden, wird der Betrachter tief in das Bild hineingezogen

und von der Interpretation der darin enthaltenen Elemente gefesselt. Diese

Übertreibung erreichen Sie, indem Sie mit Maßstab, Winkeln, Blickwinkeln

und Brennweiten spielen, um das Gefühl von Tiefe und Komplexität im Bild

zu verstärken. Anstatt eine Szene aus Augenhöhe aufzunehmen, suchen Sie

nach Möglichkeiten, den visuellen Raum zu strecken oder zu komprimieren,

damit jedes Detail verstärkt wahrgenommen wird. Dies kann bedeuten, dass

Sie aus einem sehr hohen oder niedrigen Winkel fotografieren oder Techniken

anwenden, die das Distanzgefühl des Betrachters verzerren.

Bei der Arbeit mit übertriebenen Perspektiven muss man oft sorgfältig

über die Wahl des Objektivs und die Position nachdenken. Ein Weitwinkelobjektiv

kann den Vordergrund erweitern und den Hintergrund in die

Ferne rücken, wodurch nahe Objekte unverhältnismäßig groß erscheinen.

Umgekehrt komprimiert ein Teleobjektiv Entfernungen und stapelt Elemente

übereinander, sodass eine dichte Stadtlandschaft noch überfüllter

und vielschichtiger wirkt.

Übertriebene Perspektiven bieten auch die Möglichkeit, mit Maßstäben

zu spielen. Ein alternativer Blickwinkel oder eine verstärkte Tiefenwirkung

und Verzerrung ermöglichen einen neuen Blick auf ein Motiv oder eine

Szene. In einem maximalistischen Bildausschnitt, in dem viele Elemente

um Aufmerksamkeit konkurrieren, kann eine Perspektive den Blick des

Betrachters auf wichtige Bereiche lenken. [3] Als Stil, der von visueller Fülle

lebt, wird die Übertreibung der Perspektive zu einer Möglichkeit, noch

mehr in den Bildausschnitt zu packen, ohne dabei die Intimität der Details

zu verlieren, die einen wichtigen Teil der Geschichte ausmachen.

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