18.03.2026 Aufrufe

CLICK KUNST MÄR/APR 2026

Das Kunst-E-Magazin von arttv.ch

Das Kunst-E-Magazin von arttv.ch

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

CK CLICK KUNST

Das E-Magazin für Kunst, Fotografie, Design und Architektur

MÄR/APR 26


EDITORIAL

«Ein aktuelles Beispiel ist die

Installation ‹BREATHE WITH

PILATUS› der Experience-

Designerin Annabelle Schneider

– eine begehbare Kunstwolke

hoch oben auf dem Pilatus.»

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

HINWEIS:

Wenn nicht anders

vermerkt, findest du

die Bildlegenden auf

unserer Website.

Cover: Philipp Fenner, unsere Entdeckung an der photoSCHWEIZ 2026.


Liebe CLICK-KUNST-Community

Es erstaunt mich immer wieder, welche magische Anziehungskraft

Kunstevents entfalten können. Kaum taucht irgendwo eine spannende

Intervention, eine Ausstellung oder eine ungewöhnliche Installation auf,

beginnt es in mir zu kribbeln – und plötzlich schwärme ich wieder aus.

Kunst hat diese besondere Fähigkeit: Sie bringt uns an Orte, an die man

sonst vielleicht nie gegangen wäre.

Ein aktuelles Beispiel ist die Installation BREATHE WITH PILATUS der

Experience-Designerin Annabelle Schneider – eine begehbare

Kunstwolke hoch oben auf dem Pilatus. Ohne diese Intervention wäre ich

wohl kaum auf den Luzerner Hausberg gefahren. Zu viele Vorurteile hatte

ich im Kopf: zu touristisch, zu überlaufen, zu kommerziell. Umso positiver

war ich überrascht: Statt Massenabfertigung fand ich hochwertigen

Tourismus – erstaunlich unaufgeregt und angenehm zurückhaltend. Keine

Abzocke, kein aufdringlicher Souvenirschrott, wie man ihn leider an

anderen touristischen Orten in der Schweiz manchmal erlebt, wo

internationale Gäste mit belanglosen Mitbringseln und überrissenen

Preisen richtiggehend abgezockt werden.

Darum hier eine kleine Empfehlung: Mit der letzten Bahn am Abend auf

den Berg fahren, im denkmalgeschützten Hotel Pilatus Kulm übernachten

und im wunderschönen Jugendstilsaal ein hervorragendes Abendessen

geniessen. Am nächsten Morgen früh aufstehen. Wenn die Sonne über

den Alpen aufgeht und – so wie bei mir – ein Steinbock ganz in der Nähe

gemütlich grast, den man beinahe streicheln könnte, dann entsteht ein

Moment, der sich mit dem eigentlichen Anlass der Reise, dem

Kulturevent, zu einer bleibenden Erinnerung verbindet.

Zumindest bei mir war es so. Aber natürlich: alles ohne Garantie.

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

PS: Ach ja, und noch etwas, das mein Herz aufgehen lässt: Philipp Fenner,

unsere Entdeckung an der photoSCHWEIZ 2026.


ANZEIGE

Cut it!

Nicolas Bernière, Ursula Rutishauser

und Bruno Weber

21. März bis 14. Juni 2026

ANZEIGE


ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Nicht hier für

den Gossip.

Hier für

die Kunst.


Richard Paul Lohse,

Ausstellungsansicht I

exhibition view Museum

Haus Konstruktiv, 2026, Foto

I photo: Stefan Altenburger ©

Richard Paul Lohse-Stiftung /

2026, ProLitteris, Zürich

Richard Paul Lohse, Ausstellungsansicht I

exhibition view Museum Haus Konstruktiv, 2026,

Foto I photo: Stefan Altenburger © Richard Paul

Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich


KOSMOS[KA·OS]

im Kunsthaus

Zofingen

Eine Schlüsselfigur

der Zürcher

Konkreten im Haus

Konstruktiv


Titelbild: Richard Paul Lohse, Ausstellungsansicht

I exhibition view Museum Haus Konstruktiv, 2026,

photo I Foto: Stefan Altenburger © Richard Paul

Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich

Richard Paul Lohse:

Logik, Ästhetik und

gesellschaftliche

Verantwortung

Das Museum Haus Konstruktiv besticht

mit einer umfassenden Retrospektive

des Schweizer Künstlers Richard Paul

Lohse (1902–1988). Über 50 Werke –

Gemälde, Entwürfe und

Konstruktionszeichnungen – zeigen

Lohses Weg von frei schwebenden

geometrischen Formen zu streng

orthogonal strukturierten, nicht

hierarchischen Bildsystemen, die seine

Vision einer modernen, demokratischen

Gesellschaft widerspiegeln.


Kunst mit gesellschaftlicher Verantwortung

Richard Paul Lohse, Zürcher Künstler, Grafiker und Theoretiker, zählt zu den

Schlüsselfiguren der konstruktiv-konkreten Kunst. Seine Arbeit ist geprägt von der

Überzeugung, dass Ästhetik ohne gesellschaftliche Verantwortung nicht denkbar

ist. Nach einer entbehrungsreichen Jugend setzte sich Lohse zeitlebens für soziale

Gleichheit ein, engagierte sich kulturpolitisch und politisch. «Meine Arbeiten»,

erklärte er, «versuchen ein Bild davon zu geben, wie die Strukturen der Welt

verbessert werden könnten.» Er war Mitbegründer der Künstlervereinigung Allianz,

initiierte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und engagierte sich gegen

den Faschismus in Deutschland, Frankreich und Italien.

Vom Entwurf zum Bild

Lohses Entwürfe, Konstruktionszeichnungen und Farbtabellen zeigen, wie er seine

Bildkompositionen Schritt für Schritt entwickelte: Viele Arbeiten basieren auf festen

Zahlensystemen, mathematischen Prinzipien und seinem Konzept der modularen

und der seriellen Ordnungen. Häufig liegen Konzeption und Ausführung Jahre

auseinander – erkennbar an den charakteristischen Doppeldatierungen.

Wegweisende Impulse hatte Lohse von der niederländischen De-Stijl-Bewegung

und dem russischen Konstruktivismus erhalten. Ab den frühen 1940er-Jahren schuf

er orthogonal strukturierte Bildfelder, in denen alle Farben und Formen

gleichwertig sind. Werke wie Vertikaler Rhythmus (1942) sowie die grossformatigen

Variationen Serielles Reihenthema in achtzehn Farben (Variation A, B, C;

1981/1982) veranschaulichen eindrucksvoll seine auf System und Logik basierende

Arbeitsweise. Sie veranlasste ihn zu der augenzwinkernden Behauptung: «Meine

Bilder kann man durchs Telefon geben.»

Internationale Bedeutung

Als Mitglied der Zürcher Konkreten – gemeinsam mit Max Bill, Camille Graeser und

Verena Loewensberg – setzte sich Lohse intensiv für die Anerkennung der

konstruktiv-konkreten Kunst ein. International machte ihn die Teilnahme an der

Biennale von São Paulo (1965), an der documenta 4 (1968) und 7 (1982) in Kassel

sowie an der Biennale von Venedig (1972) bekannt. Rückblickend zeigt die

Ausstellung, wie Lohses systematische Malerei Entwicklungen vorwegnahm, die

später in der Farbfeldmalerei, der Minimal Art und der konzeptuellen Kunst zentral

wurden.


Richard Paul Lohse, Serielles Reihenthema in achtzehn Farben, Variation C, 1981/82,

Ausstellungsansicht I exhibition view Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto I photo:

Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich



Titelbild: Richard Paul Lohse, Ausstellungsansicht I

exhibition view Museum Haus Konstruktiv, 2026, Foto I

photo: Stefan Altenburger © Richard Paul Lohse-

Stiftung / 2026, ProLitteris, Zürich. Folgeseite: Richard

Paul Lohse, Fünfzehn systematische Farbreihen mit

heller Betonung B, 1987, Öl auf Leinwand,

Privatsammlung, Foto I photo: Jan Etter/ Courtesy

Hauser & Wirth, © Richard Paul Lohse-Stiftung / 2026,

ProLitteris, Zürich

Die Ausstellung wurde vom MASI Lugano initiiert und in

Zusammenarbeit mit der Richard Paul Lohse-Stiftung produziert,

ebenso das begleitende Buch. Die wissenschaftliche Konzeption,

Auswahl der Werke und die Konzeption und Redaktion der

Publikation wurden von Tobia Bezzola in seiner Doppelfunktion als

Direktor MASI und als Präsident der Richard Paul Lohse-Stiftung

gemeinsam mit Taisse Grandi Venturi, Kuratorin MASI

verantwortet.

Das Haus Konstruktiv, Zürich (5. Februar bis 10. Mai 2026), das

Josef Albers Museum, Bottrop, und das Wilhelm-Hack-Museum,

Ludwigshafen am Rhein (21. November 2026 bis 4. April 2027)

übernehmen die Ausstellung und präsentieren sie in ihren Häusern.

Der erwähnte Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen (d/e/i):

Mit Beiträgen von Tobia Bezzola, Evelyne Bucher, Taisse Grandi

Venturi, Sabine Schaschl und Linda Walther.


VIDEO

Richard Paul Lohse | Museum

Haus Konstruktiv | bis 10. Mai

2026


Die Sammlung neu

gelesen: Simon

Starlings

künstlerische

Dekonstruktion


Simon Starling | Project for an Exhibition, Part 2: The Time Team Visits the Museum, 2024/2025 © 2025, Pro Litteris, Zurich


Oben: Ausstellungsansicht: Simon Starling |

Kunst Museum Winterthur | 28. Januar bis 5. Juli

2026 © Panofilms | arttv.ch

Unten: Ausstellungsansicht: Simon Starling |

Kunst Museum Winterthur


Ein britischer Künstler

im Dialog mit Werken

von Adolph Menzel,

Caspar Wolf und

anderen Künstler:innen

aus der Stiftung Oskar

Reinhart.

Die Ausstellung im Kunst Museum

Winterthur / Reinhart am Stadtgarten

zeigt, wie Simon Starling historische

Bildwelten in zeitgenössische Reflexionen

über Stadt, Natur und Wandel

transformiert. Der 1967 in Epsom (UK)

geborene Künstler wandte sich wiederholt

Meisterwerken der Kunst- und

Kulturgeschichte zu: Fiat und Piaggio

ebenso wie Tiepolo und eben Adolph

Menzel.


Geschichte als Material — nicht als Monument

Simon Starling gehört zu jenen Künstlern, die Geschichte nicht

illustrieren, sondern bearbeiten. Seine Arbeiten sind keine nostalgischen

Rückblicke, sondern präzise Eingriffe in kulturelle Überlieferungen.

Ausgangspunkt ist häufig ein konkretes Objekt, ein Bild oder ein Ort —

doch daraus entstehen komplexe Transformationen, in denen Zeit,

Kontext und Bedeutung neu verschoben werden. Im Winterthurer Dialog

mit der Sammlung Oskar Reinhart wird besonders deutlich, wie Starling

historische Werke nicht kommentiert, sondern in Bewegung versetzt. Er

nutzt sie als Rohmaterial für künstlerische Prozesse, die Fragen nach

Autorschaft, Erinnerung und kulturellem Erbe aufwerfen. Vergangenheit

erscheint hier nicht als abgeschlossene Epoche, sondern als offenes

System, das in der Gegenwart weitergeschrieben wird.

Menzel im Spiegel der Gegenwart

Ein Schlüsselbeispiel ist Starlings Auseinandersetzung mit Adolph

Menzel. Ausgangspunkt bildet dessen intime Ölstudie eines Berliner

Hinterhofs aus den Jahren 1847/48 — ein unspektakulärer Blick aus

einem Fenster, der dennoch ein präzises Zeitdokument urbaner Realität

darstellt. Starling übersetzt diese historische Perspektive in eine

skulpturale Intervention: Eine Figur des Künstlers, der eine Menzel-Maske

trägt und Gipsabgüsse der Hände des beidändig arbeitenden Malers

hält. Das Werk oszilliert zwischen Hommage, Aneignung und ironischer

Distanz. Wer blickt hier wen an — der Künstler sein Vorbild oder die

Gegenwart ihre eigene Vergangenheit? Die Arbeit zeigt exemplarisch,

wie Starling kunsthistorische Autoritäten nicht entthront, sondern in ein

performatives Verhältnis setzt. Geschichte wird körperlich, beinahe

theatralisch erfahrbar.


Ausstellungs Simon Starling | Kunst Museum Winterthur | © Panofilms | arttv.ch


Landschaft, Klimawandel und die Mobilität der Bilder

Noch deutlicher politisch wird Starlings Installation „One Ton III“.

Sie basiert auf einem historischen Fotonegativ des

Morteratschgletschers aus dem Jahr 1879, das restauriert, neu

produziert und anschliessend mit einem speziell entwickelten

Transport- und Präsentationssystem an den ursprünglichen

Aufnahmeort zurückgebracht wurde — in eine Landschaft, die

sich inzwischen drastisch verändert hat. Hier wird das Bild selbst

zum reisenden Körper. Es dokumentiert nicht nur

Naturgeschichte, sondern auch deren Verlust. Vergangenheit und

Gegenwart fallen auseinander — und genau diese Differenz

bildet das eigentliche Thema der Arbeit. Indem Starling

historische Darstellungen von Gletschern neben zeitgenössische

Installationen stellt, verwandelt sich das Museum in ein Labor für

ökologische Erinnerung. Landschaft erscheint nicht mehr als

romantisches Motiv, sondern als politisch aufgeladener Raum.

Zwischen Sammlung und Intervention

Die Ausstellung macht deutlich, wie produktiv der Dialog

zwischen zeitgenössischer Kunst und historischen Sammlungen

sein kann. Statt die alten Meister unangetastet zu präsentieren,

werden sie Teil eines lebendigen Diskurses. Starling nutzt die

Autorität der Sammlung, um neue Bedeutungsräume zu öffnen

— und zugleich die Mechanismen musealer Präsentation sichtbar

zu machen. So entsteht kein klassischer Überblick über sein Werk,

sondern eine präzise komponierte Begegnung zwischen

Jahrhunderten. Von Menzel bis zur Gegenwart spannt sich ein

Kontinuum künstlerischer Fragen: Wie wird Realität dargestellt?

Wer schreibt Geschichte? Und welche Bilder bleiben bestehen,

wenn sich die Welt verändert?


Claire Fontaine: Point five out of five

Kunst als Zeitmaschine — ohne

Rückfahrkarte

Am Ende zeigt sich Starlings

eigentliche Stärke: Er

produziert keine Antworten,

sondern Denkbewegungen.

Seine Arbeiten führen vor

Augen, dass kulturelle

Überlieferung kein statisches

Archiv ist, sondern ein

dynamischer Prozess von

Übersetzungen, Verlusten und

Neubewertungen. Die

Ausstellung im Reinhart am

Stadtgarten macht dies

eindrucksvoll erfahrbar. Sie

lädt dazu ein, vertraute Bilder

neu zu sehen — und zu erkennen, dass jede

Gegenwart ihre eigene Vergangenheit

konstruiert.

VIDEO

Simon Starling | Kunst Museum

Winterthur | 28. Januar bis 5.

Juli 2026 | The Artist, Wearing a

Mask of Adolph Menzel, Holds

Plaster Casts of the

Ambidextrous German

Painter’s Left and Right Hands

(and Other Interventions) |

Reinhart am Stadtgarten



Ein Emoji statt

1000 Worte: Claire

Fontaine und ihre

Readymade-

Emotionen


Vorderseite: Claire Fontaine, Is it

cake?, 2024, 3D-gedruckte Skulptur,

essbarer nicht essbarer Kuchen, 38 x

50 x 63 cm, Courtesy of Claire

Fontaine, Foto: Fausto Brigantino |

Diese Seite: Claire Fontaine,

Collapse, 2025, LED-3D-

Buchstaben, Plexiglas, Vinyl, Kabel

und Transformator, 250 x 120 x 8 cm,

Courtesy of Claire Fontaine, Foto:

Fausto Brigantino


Die Ausstellung «Sugar

Free» im Kunst Museum

Winterthur fordert uns

dazu auf, unsere digitalen

Kommunikationsgewohnheiten

zu hinterfragen

Das Kunst Museum Winterthur präsentiert

erstmals eine umfassende

Einzelausstellung des international

renommierten Künstlerduos Claire

Fontaine in der Schweiz. Die Schau

thematisiert die tiefgreifenden

Veränderungen menschlicher

Kommunikation im digitalen Zeitalter und

reflektiert die zunehmende

Standardisierung von Sprache, Emotionen

und sozialen Beziehungen.


Das provokante Künstlerduo

Bekannt wurde Claire Fontaine unter anderem durch die

neonleuchtenden Schriftzüge «Fremde überall», die 2024 als Leitmotiv

der Biennale von Venedig internationale Aufmerksamkeit erlangten. Das

2004 in Paris gegründete Kollektiv – bestehend aus Fulvia Carnevale und

James Thornhill – beschäftigt sich mit Fragen von Entfremdung, Identität,

Machtstrukturen und gesellschaftlicher Transformation. Der Name «Claire

Fontaine», gewählt in Anlehnung an eine französische

Schreibwarenmarke sowie an Marcel Duchamps berühmtes Readymade

Fountain, verweist auf ihre künstlerische Strategie: Aneignung,

Bedeutungsverschiebung und die Infragestellung von Autorschaft bilden

das Fundament ihrer Arbeit. Für die Ausstellung in Winterthur verwandelt

das Duo die Räume in eine begehbare Landschaft digitaler Zeichen. Im

Zentrum stehen leuchtende Emoji-Skulpturen aus der sogenannten «Anti-

NFT»-Serie, die während der Coronapandemie entstand. Ausgangspunkt

war die Frage, wie sich die fortschreitende Entmaterialisierung sozialer

Beziehungen sichtbar machen lässt.

Standardisierte Gefühle

Claire Fontaine bezeichnet Emojis als «Readymade-Emotionen»:

vorgefertigte Gefühlszeichen, die Kommunikation vereinfachen sollen –

und sie zugleich normieren. Als physische Skulpturen verlieren die

Zeichen ihre ursprüngliche Funktion und machen sichtbar, wie

selbstverständlich digitale Symbole zu Ausdrucksmitteln unserer

Emotionen geworden sind. Die Ausstellung zeigt, wie Kommunikation

zunehmend durch Auswahl statt durch sprachliches Aushandeln bestimmt

wird und wie dabei individuelle Nuancen verloren gehen. Der Titel

«Sugar Free» lässt sich dabei als Metapher lesen: Emojis verkörpern die

«süssen» Verführungen digitaler Kommunikation – leicht konsumierbar,

emotional wirksam und sozial anschlussfähig. Wie Zucker versprechen sie

schnelle Befriedigung ohne nachhaltige Tiefe. «Zuckerfrei» zu leben

bedeutet in diesem Sinne, sich der emotionalen Vereinfachung und der

ökonomischen Instrumentalisierung von Gefühlen entziehen zu wollen.

Claire Fontaine stellt damit eine zentrale Frage unserer Zeit: Wie lässt sich

individuelle Ausdruckskraft in einer zunehmend standardisierten digitalen

Kommunikationswelt bewahren?


Claire Fontaine: Point five out of five

VIDEO

Claire Fontaine | «Sugar Free» |

Kunst Museum Winterthur |

Reinhart am Stadtgarten | bis

14. Juni 2026


Ordnung für die Kunst

in «Containers Love

Disorder»


Matthias Sohr, Treppenlift-

Skulptur #2, 2017. Photo:

Hamburger Bahnhof –

Nationalgalerie der Gegenwart,

Eric Bell. Courtesy: der Künstler,

Eric Bell.


In der Kunst Halle Sankt

Gallen wird der Frage

nachgegangen, wie

(un-)geordnete Strukturen

künstlerisch

wahrgenommen und

reflektiert werden

Die Gruppenausstellung «Containers Love

Disorder» vereint sieben in der Schweiz

aktive Kunstschaffende und Kollektive, die

sich mit Strategien des Einordnens und

Verortens auseinandersetzen. Gezeigt

werden Arbeiten von Michèle Graf und

Selina Grüter, Dominic Michel, Mathis

Pfäffli, Matthias Sohr, Kelly Tissot, Paulo

Wirz sowie das 2023 von Anaïs Wenger

initiierte kollaborative Projekt «La

Bibliothèque des Ready-Mades».


Gesellschaftliche Ordnungsstrukturen

Wie der Titel der Ausstellung andeutet, steht der Container als Sinnbild und

Modell für gesellschaftliche Organisation. Die normierten Metallgehäuse

bilden eine zentrale Voraussetzung für die globalisierte Warenzirkulation.

Bildlich gesprochen schaffen Container Räume, weisen Dingen ihren Platz zu

und moderieren Beziehungen und Handlungen. In diesem Sinne lässt sich

auch eine Institution – etwa eine Kunsthalle – als Container verstehen: als Ort

für Kunst, Netzwerke und Diskurse. Versuche, Kunst einzuordnen, sind dabei

stets mit Fragen nach Autorität, Positionierung sowie nach Dynamiken des

Ein- und Ausschlusses verbunden. Die eingeladenen Künstler:innen

reflektieren diese Produktions- und Zugangsbedingungen von Kunst und

reagieren mit Skulpturen oder

installativen Eingriffen auf die

räumlichen und kontextuellen

Gegebenheiten der Kunsthalle.

Zwischen Ordnung und

Unordnung

Die ausgestellten Arbeiten

untersuchen aus

unterschiedlichen Perspektiven

das Verhältnis zwischen

Menschen und Infrastrukturen.

Paulo Wirz, Caçador, 2024. Photo: Villa Bernasconi, Paulo

Wirz. Courtesy: der Künstler.

Sie machen sichtbar, wie

ökonomische Kreisläufe unser

Denken und Handeln prägen, schärfen den Blick für technisierte

Umgebungen oder greifen Geschichten und Rituale auf, die sich in

Alltagsobjekte einschreiben. Sammeln, Aufzeichnen, Recyceln und Aneignen

werden dabei zu künstlerischen Strategien im Umgang mit einer Welt des

Überflusses. Die Ausstellung «Containers Love Disorder» geht von der Idee

aus, dass jeder Ordnung eine entropische Kraft innewohnt. Unordnung

erscheint hier nicht nur als Auflösung, sondern auch als Möglichkeit für

Widerstand, Aufbruch und neue Anordnungen – als produktive Spannung

zwischen Struktur und Veränderung.



links: Kelly Tissot, «Leave a

Hello», Ausstellungsansicht

Kunsthalle Basel, 2023.

Photo: Finn Curry. Courtesy:

die Künstlerin.

Beteiligte Kunstschaffende

MICHÈLE GRAF UND SELINA GRÜTER

(*1987 in Wetzikon/CH und *1991 in Zürich/CH) leben und

arbeiten in New York/USA.

LA BIBLIOTHÈQUE DES READY-MADES

(*seit 2023) wurde als kollaboratives Projekt von Anaïs

Wenger (*1991 in Genf/CH) initiiert.

DOMINIC MICHEL

(*1987 in Klingnau/CH) lebt und arbeitet in Zürich/CH.

MATHIS PFÄFFLI

(*1983 in Luzern/CH) lebt und arbeitet in Zürich/CH.

MATTHIAS SOHR

(*1980 in Düsseldorf/DE) lebt und arbeitet in Lausanne/CH.

KELLY TISSOT

(*1995 in Annecy/FR) lebt und arbeitet in Basel/CH.

PAULO WIRZ

(*1990 in Pindamonhangaba/BR) lebt und arbeitet

in Zürich/CH.

«Containers Love Disorder» |

Kunst Halle Sankt Gallen |

bis 31. Mai 2026


Von Ritualen und

Resonanzräumen:

Annette Barcelo und

Aio Frei im Haus für

Kunst Uri


links: Annette Barcelo,

BELLEZZE (2022/23),

Acrylic on canvas,

Acryl auf Leinwand, 70

x 50 cm each/je

Zwei Kunstschaffende

füllen die

Ausstellungsräume

mit Figuren,

Geschichten und

Klängen

Die Frühlingsausstellung im Haus für Kunst

Uri stellt zwei Generationen von

Kunstschaffenden einander gegenüber, die in

unterschiedlichen Medien arbeiten und doch

verwandte Fragen bewegen: die 83-jährige

Malerin Annette Barcelo und die nonbinäre

Soundkünstler:in Aio Frei begegnen Mythen,

Geschichten und Figuren, die uns durch

Zeiten und Welten begleiten – die eine in

eindringlichen Bildern, die andere in

kollaborativen, forschenden Klangräumen.


Myttenmätteli/Chindlistein, Riedertal,

Polaroid: Suza Husse, Dezember 2025.

Todesurteil Catrina Simmen,1667, aus

Urner Hexenprozesse, Dr. Alex Christen,

Historisches Neujahrsblatt 1988/89,

Staatsarchiv Uri.


Ein Haus, zwei künstlerische Welten: Zwischen Fabelwesen und

Hexenklängen

Zwei Generationen, zwei Ausdrucksformen – und doch ein gemeinsamer

Resonanzraum zwischen Mythos, Natur und Widerstand: Annette Barcelo

(1943, lebt und arbeitet in Basel) und Aio Frei (1982, lebt und arbeitet in

Zürich) begegnen sich in einem Dialog, der das Haus selbst zum

erzählenden Körper werden lässt.

Fabelwesen und Übergänge

Annette Barcelo hat über Jahrzehnte hinweg ein unverwechselbares

Œuvre geschaffen, bevölkert von fantastischen Tieren, hybriden Gestalten

und geheimnisvollen Übergangswesen. Ihre Malereien und Zeichnungen

erzählen vom Zusammenleben mit fabelhaften Kreaturen, von

verborgenen Wissensformen und von der Präsenz mystischer

Geschichten in unserer Welt. Natur erscheint bei ihr nicht als Kulisse,

sondern als durchdrungener Raum voller Zeichen, Übergänge und

Passagen – als Schwelle zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem,

zwischen Realität und Imagination.

Hexenklänge und Wideraneignung

Demgegenüber entwickelt Aio Frei für den Dachstock des Museums eine

neue ortsspezifische Arbeit. Die kollaborative Soundinstallation speist

sich aus Recherchen zu einem mystischen Urner Weltverständnis, zu den

Hexenverfolgungen in der Region und zu sonischen Formen der

Wideraneignung gemeinsamer ritueller Praktiken. Zu hören sind

Wolfstöne – jene heulenden, flackernden oder schwebenden Klänge auf

Streichinstrumenten –, Fieldrecordings unter anderem vom Galgen in

Hospental, Stimmen von Steinzeug:innen, Gesänge vom Myttenmätteli

sowie kodierte queere Fluch- und Bannsprüche. Der Dachstock wird so zu

einem akustischen Erfahrungsraum zwischen Geschichte, Mythos und

Gegenwart.


Annette Barcelo,

BELLEZZE (2022/23),

Acrylic on canvas, Acryl

auf Leinwand, 70 x 50

each/je


Ein vielstimmiges Kollektiv

Die Installation entsteht in Zusammenarbeit mit

Lucy Railton, Suza Husse, Yara Dulac Gisler,

Martian M. Mächler, Tristan Amor Rabit, Corsin

Danioth und Alexandra Holenstein von

Queerpoint Uri, Nikki Buzzi sowie mit einem

Gedicht von CAConrad. Gemeinsam entsteht

ein vielstimmiges Werk, das Vergessenes hörbar

macht – und das Haus in einen vibrierenden

Resonanzkörper verwandelt.

VIDEO

Annette Barcelo «Bestie,

Bellezze e altre Compagne» |

Aio Frei «Es Ring Wolf Stein» –

Dedicated to Katharina

Simmen von Steinbergen | Haus

für Kunst Uri | 15. März bis 10.

Mai 2026


Die Suche nach der

Nadel im Heuhaufen:

Philipp Fenner


300 Fotograf:innen

präsentierten sich an

der Photo Schweiz

2026, eine Position

überzeugte

besonders

Die Teilnehmerzahl an der Photo Schweiz

beeindruckt – zumindest auf den ersten Blick

– und man darf sie durchaus positiv lesen.

Sie zeigt, wie gross der Wunsch ist, sich

fotografisch auszudrücken, sichtbar zu

werden und Teil einer öffentlichen Plattform

zu sein. Die Lust am Fotografieren scheint

offensichtlich ungebrochen. Doch die Suche

nach Exzellentem unter all den

Teilnehmenden brauchte Zeit. arttv.ch hat

sich genau dieser Arbeit gestellt und mit

Philipp Fenner eine ausserordentliche

Position entdeckt.


Wurzeln in der

Zukunft


Sichten, Zweifeln, Finden

Wir haben uns die Mühe gemacht, sämtliche 300 Dossiers im Presseordner

vollständig durchzugehen. Nicht selektiv, nicht nach Namen, nicht nach

Marktwert – sondern mit dem Anspruch, jene Arbeit zu finden, die uns

fotografisch besonders überzeugt, ein Thema stringent verfolgt und über eine

eigenständige Bildsprache verfügt. Das war zeitaufwendig. Und stellenweise

ernüchternd. Denn je länger man sucht, desto deutlicher wird, wie gross die

Diskrepanz zwischen Teilnahme und Qualität ist. Vieles ist technisch korrekt,

sauber produziert, ästhetisch gefällig – aber ohne Zuspitzung, ohne klare

Setzung. Einige Arbeiten wirken wie ambitionierte Freizeitfotografie: ordentlich,

engagiert, aber ohne konzeptionelle Tiefe oder formale Konsequenz. Bilder, die

man schnell wieder vergisst. Und dennoch: Exzellentes ist durchaus vorhanden.

Es besteht jedoch die Gefahr, dass ohne die nötige Zeit, sich durch eine grosse

Menge durchschnittlicher Arbeiten zu bewegen, die wirklich starken Positionen

übersehen werden. Aber die Auseinandersetzung lohnt sich – und wir wurden

fündig.

Philipp Fenner alias botbrainery

Mit Philipp Fenner alias botbrainery stellen wir exklusiv jene

Position vor, die uns im Rahmen der Photo Schweiz

besonders überzeugt hat. Nicht, weil sie die Einzige wäre,

die Aufmerksamkeit verdient – auch andere Arbeiten wären

es Wert gewesen, ins Licht gerückt zu werden. Philipp

Fenner ist jedoch jener Teilnehmer an der Photo Schweiz

2026, der uns am meisten überzeugte. Der im Kanton

Zürich lebende Künstler arbeitet an der Schnittstelle von

Fotografie, künstlicher Intelligenz und Street Culture. Seine

Bildwelten verbinden Hyperrealismus, Couture und urbane Codes zu einer

eigenständigen Ästhetik. KI ist dabei nicht Effekt, sondern Werkzeug für Fragen

von Identität, Körperlichkeit und digitaler Verletzlichkeit. Unter dem Alias

botbrainery entstehen hyperrealistische AI-Porträts zwischen Street Culture, High

Fashion und digitalem Mythos. Albino-ähnliche Figuren, Chrom, Tattoos und

Goldketten treffen auf Masken, florale Formen und künstliche Perfektion. Die

Bilder wirken kühl und elegant, zugleich fragil und zurückhaltend. Identitäten

erscheinen hier zwischen Eleganz, Strasse und Maschine – klar gesetzt,

konzentriert ausgearbeitet, ohne erklärende Umwege.



Philipp Fenner | Photo Schweiz

2026 | Die photoSCHWEIZ 2026

fand vom 6. bis 10. Februar statt.

Die Daten für die nächste

Ausgabe stehen bereits fest:

Sie findet vom 5. bis 9. Februar

2027 erneut im Kongresshaus

Zürich statt.


30 Jahre Migros

Museum für

Gegenwartskunst:

Solidarität als

Programm


Titelbild zum Artikel:

Mohamed Bourouissa,

Cercle imaginaire

(2008), © Mohamed

Bourouissa

Das kostenlos

zugängliche Museum

feiert sein 30-jähriges

Bestehen mit einem

Jubiläumsjahr, das

Zusammenhalt über

Polarisierung stellt

Seit 1996 ist das Migros Museum für

Gegenwartskunst in Zürich eine feste

Grösse im Schweizer Kunstbetrieb. Wie

kaum ein anderes Haus dieser Qualität

ist es kostenlos zugänglich, diskursiv

ausgerichtet und gesellschaftlich

engagiert. Zum 30-Jahr-Jubiläum 2026

richtet das Museum den Blick nicht

nostalgisch zurück, sondern nach vorne:

auf Solidarität, Selbstermächtigung und

neue Formen der Verständigung.


Kunst als sozialer Raum

Im Zentrum des Jubiläumsjahres stehen Ausstellungen, die Polarisierung und

Vereinzelung hinterfragen. Statt das autonome Genie zu feiern, rückt das

Museum kollektive Prozesse in den Fokus. Selbstermächtigung wird hier als

gemeinschaftlicher Akt gedacht – als etwas, das im Austausch entsteht. Die

gezeigten Positionen verhandeln Fragen von Zugehörigkeit, Teilhabe und

gesellschaftlicher

Verantwortung. Wie

gelingt Dialog über

soziale, kulturelle und

sprachliche Grenzen

hinweg? Und welche Rolle

kann Kunst dabei spielen?

Das Migros Museum

versteht sich dabei als

Plattform, nicht als Kanzel.

Co-Leitung als Haltung

Dass das Haus von einer

fünfköpfigen Co-Leitung

getragen wird, ist mehr als

ein organisatorisches

Detail. Das Modell steht

exemplarisch für eine

Shamiran Istifan, A House With No Past (2022). Foto: Jack Elliott Struktur, die Vielfalt nicht

nur thematisiert, sondern

lebt. Entscheidungen werden geteilt, Perspektiven gebündelt, Diskurse

gemeinsam entwickelt. Im Austausch mit Besucher:innen sowie Kunst- und

Kulturschaffenden entsteht ein Museum, das Beteiligung ernst nimmt – nicht

als Schlagwort, sondern als Praxis. Das Jubiläumsjahr 2026 zeigt ein Haus, das

gesellschaftliche Spannungen nicht ausblendet, sondern produktiv macht –

und das Kunst als Möglichkeit versteht, Differenzen auszuhalten und Dialog zu

ermöglichen.


Sylvie Fleury, She-Devils on Wheels -

Headquarters (1997), Sammlung Migros

Museum für Gegenwartskunst,

Ausstellungsansicht MAMCO Genf, 2008.

Foto: Ilmarie Kalkkinen, © Sylvie Fleury



Kostenlose Formate für echte Teilhabe

Zum Jubiläum baut das Museum seine kostenlosen

Vermittlungsangebote weiter aus. Dazu gehören:

«Resonance Journey» – Bewegungs- und Stimmübungen im

Dialog mit aktuellen Ausstellungen, die einen körperlichsinnlichen

Zugang zur Kunst eröffnen.

«Art Friday» – Kreativangebote für Menschen mit

Fluchterfahrung, die Raum für Austausch und Ausdruck

schaffen.

«Art & Healing Workshops» – kunsttherapeutische Formate für

Menschen mit psychischen Belastungen, die künstlerische

Prozesse als Ressource erfahrbar machen.

Jahresprogramm 2026

bis 25. Mai 2026: «Disobedience Archive»

13. Juni bis 6. September 2026: Mohamed Bourouissa

26. September 2026 bis 17. Januar 2027: Sammlungsdialog

Sylvie Fleury und Shamiran Istifan

26. September 2026 bis 17. Januar 2027: Nicole L'Huillier

30 Jahre | Migros Museum für

Gegenwartskunst | Der freie

Eintritt, den das Museum bietet,

ist zentral. Gerade in Zeiten

wachsender sozialer

Ungleichheit ist der kostenlose

Zugang zur Gegenwartskunst

ein kulturpolitisches Statement.

arttv.ch sagt: «HAPPY

BIRTHDAY!»


Hinter Glas –

historische und

zeitgenössische

Positionen im

Dialog


links: Silvia

Gertsch, Shupei

III, 2020, Öl auf

Glas, 77 x 53 cm |

Foto: Markus

Mühlheim, Worb

Eine Ausstellung

über die Aktualität

einer alten Technik

Das Nidwaldner Museum

Winkelriedhaus bringt

Hinterglasgemälde aus mehreren

Jahrhunderten zusammen und zeigt,

wie eine vermeintlich traditionelle

Kunstform bis heute weiterentwickelt

wird. Zeitgenössische Werke stehen

historischen Arbeiten gegenüber

und eröffnen neue Perspektiven auf

Bildsprache, Material und

Blickbeziehungen.


Diese Seite und Folgeseiten:

Ausstellungsansicht:Hinter Glas – Historische

und zeitgenössische Positionen im Dialog |

Nidwaldner Museum Winkelriedhaus, Stans | 27.

Februar bis 7. Juni 2026 | © Viviane Barbieri

Historische Vielfalt, aktuelle Positionen

Die Präsentation vereint Werke von Silvia Gertsch, Romuald Etter,

Flavio Micheli und Esther Wicki-Schallberger mit Hinterglasmalereien

aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Historische Positionen wie jene von

Robert Zünd (1827–1909) oder Franz Amstad (1892–1961) sowie

kostbare Gemälde der Künstlerfamilien Abesch und Meyer machen

sichtbar, wie unterschiedlich die Technik im Laufe der Zeit eingesetzt

wurde – zwischen religiöser Volkskunst, Landschaftsstudien und

heutigen Bildmotiven. Die Familie Abesch, mit der bedeutenden

Hinterglasmalerin Anna Maria Barbara Abesch (1706–1773), prägte im

18. Jahrhundert eine der ersten professionellen Werkstätten dieser

Technik in Sursee, während die Familie Meyer aus Grosswangen im

18. und 19. Jahrhundert für ihre regionale Verbreitung steht und damit

die historische Bedeutung dieser Kunstform in der Zentralschweiz

belegt. Die Auswahl zeigt, wie sehr Hinterglasmalerei auf regionale

Traditionen zurückgeht und dennoch offen bleibt für neue Themen

und Ausdrucksformen. So entsteht ein breites Panorama einer

Technik, die immer wieder neu angepasst und befragt wurde.


Material, Oberfläche, Wahrnehmung

Im Fokus steht, was passiert, wenn Licht, Oberfläche und Spiegelung zu

einem festen Bestandteil des Werkes werden. Die Betrachter:innen sind nie

nur Zuschauer:innen – sie werden Teil des Bildes, das ihre eigene Präsenz

reflektiert. «Hinter Glas» macht deutlich, dass die Technik nicht nostalgisch

wirkt, sondern im Austausch mit aktuellen künstlerischen Fragestellungen

neue Relevanz gewinnt. Gleichzeitig wird spürbar, dass die besondere

Materialität eine eigene visuelle Sprache hervorbringt, die im musealen

Kontext ebenso überzeugt wie in der zeitgenössischen Kunstproduktion

ausserhalb traditioneller Ausstellungspraxen. Silvia Gertsch etwa

interpretiert die Hinterglasmalerei radikal neu – ihre Serien wie «Handy

Girls» zeigen Alltagsszenen junger Frauen und holen das Glasmedium

mitten in unsere Gegenwart. Romuald Etter und Flavio Micheli erweitern

das Spektrum: Etter mit gestisch-expressiven Nachtlandschaften und

Micheli mit grossformatigen abstrakten Arbeiten auf Opalglas – beide

zeigen, wie flexibel und modern Hinterglas heute sein kann. Esther Wicki-

Schallberger verbindet in ihren Werken die Hinterglas-Tradition mit

zeitgenössischer Bildsprache und spannt so einen Bogen zwischen alter

Volkskunst und aktueller Kunstproduktion.


Robert Zünd und Franz Amstad: Zwei Perspektiven auf

Hinterglasmalerei

Robert Zünd (1827–1909): Den Luzerner Landschaftsmaler kennt man vor

allem für seine naturalistischen Naturdarstellungen. Weniger bekannt, aber

für diese Ausstellung zentral: Zünd experimentierte auch mit

Hinterglasmalerei und schuf kleinformatige Ölskizzen auf Glas, in denen er

Licht, Farbe und

Reflexion bewusst

herausforderte. Diese

Werke zeigen ihn als

neugierigen

Beobachter, der über

die traditionelle

Leinwand hinausdenkt

und eine Technik

erkundet, die

Bildwirkung und

Wahrnehmung neu

verhandelt.

Franz Amstad (1892–

1961): Amstad steht

für die Weiterführung der Hinterglasmalerei als Teil der religiösen

Volkskunst der Zentralschweiz. Seine Werke verbinden handwerkliche

Tradition mit alltäglichen Glaubensbildern und entwickeln dabei eine

eigene Ausdruckskraft, die durch die Materialität des Glases intensiviert

wird. Licht und Oberfläche werden zu aktiven Bestandteilen des Bildes –

nicht als Effekt, sondern als zentrales Gestaltungsmittel.

Im Dialog: Während Zünds Hinterglasarbeiten als künstlerischer Versuch

gelten, die Landschaftsmalerei zu öffnen, repräsentiert Amstad eine

gewachsene Tradition, die über Generationen weitergegeben wurde.

Gemeinsam zeigen sie, wie vielseitig Hinterglasmalerei in der Schweiz war

– und wie fruchtbar die Verbindung von Experiment und Volkskunst sein

kann.


Romuald Etter, Le petit

cauchemar 21, 2015/16, Öl und

Siebdruck auf Glas; Öl, Kunstharz

und Siebdruck hinter Glas 120 x

100 cm | Fotografie: Beat

Brechbühl, Luzern

VIDEO

Hinter Glas – historische und

zeitgenössische Positionen im

Dialog | Nidwaldner Museum

Winkelriedhaus, Stans | bis

7. Juni 2026 | Kuration: Bettina

Staub


Gerry Hofstetter

und das Lunar

New Year



Cover zum Artikel:

Tiger on Eiger - Das

grösste Kunstwerk

der Welt

Projektion zum

Chinesischen Jahr

des Tiger 2022 und

zur Eröffnung der

Winter Olympiade in

Beijing, China.

Der Tiger ist über 5,3

km lang und 1,6 km

hoch.

Foto Frank

Schwarzbach

Der international

bekannte Lichtkünstler

zeigt seine Fotos im

Mandarin Oriental Savoy

zum ersten Mal nach 27

Jahren

Mit der Ausstellung von Gerry Hofstetter

wird das Lunar New Year im Mandarin

Oriental Savoy, Zurich erstmals öffentlich

verhandelt. Dass das Zürcher Luxushotel

dieses Fest aufgreift, ist kein Zufall. Das

Mandarin Oriental Savoy trägt ein

doppeltes asiatisches Erbe in sich: Die

Wurzeln der Hotelgruppe liegen nämlich

in Hongkong und Bangkok.


Lichtkunst als Ausgangspunkt

Im Zentrum des Programms steht die Ausstellung von Gerry Hofstetter, die

ab Ende Februar im gesamten Haus zu sehen ist. Gezeigt werden erstmals

öffentlich Fotografien seiner Lichtkunstprojektion an der Chinesischen

Mauer, realisiert im Oktober 2025. Das Projekt entstand im Rahmen des

Jubiläums 75 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen der Schweiz und

China und markiert einen besonderen Moment in Hofstetters Werk: Er war

der erste Künstler, der dieses über 2200 Jahre alte Bauwerk mit Licht

inszenierte. Ergänzt werden die Arbeiten durch Motive vom Temple of

Heaven in Peking sowie durch Werke, die sich thematisch dem Lunar New

Year widmen, darunter erstmals mehrere Darstellungen chinesischer

Tierkreiszeichen – passend dazu auch das Pferd als Symbol des Jahres

2026. Weitere internationale Projekte, von beleuchteten Eislandschaften bis

zu ikonischen Bauwerken, ordnen die China-Arbeiten in einen globalen

Kontext ein.

Das Hotel als öffentlicher Raum

Auffällig ist die Art der Präsentation: Die Werke von Hofstetter sind nicht in

einem separaten Ausstellungsraum konzentriert, sondern im gesamten

Gebäude verteilt – von den Schaufenstern zur Poststrasse über Lifte und

Lounge bis zur Brasserie. Dadurch verschränkt sich Kunst mit dem Alltag

des Hotelbetriebs und wird auch für ein Publikum sichtbar, das nicht gezielt

eine Ausstellung besucht. Das Lunar New Year dient hier als thematischer

Rahmen, um kulturelle Rituale, Symbolik und zeitgenössische Kunst in

einem urbanen Kontext zusammenzuführen. Das Zürcher Luxushotel wird so

für einige Wochen selbst zum Schauplatz kultureller Auseinandersetzung.



Fata Titanica – 100 Jahre Gedenktag der Tragödie.

Projektion der Titanic in Originalgrösse von 269m, exakt 100

Jahre später am 12. April 2024 2340h auf die Minute genau

als die Titanic mit dem Eisberg kollidierte. Die Beleuchtung

fand in der Arktis statt, an dem Ort, wo der Eisberg «geboren»

wurde, der nach über 3'000 km Fahrt im Eismeer, die Titanic

versenkte.



links oben: Chinese Zodiacs –

China 2025.

Die Projektion auf die

Chinesische Mauer fanden statt

für 75 Jahre Diplomatische

Freundschaft China Schweiz und

für das im Jahr 2026 kommende

Jahr des Chinesischen

Sternzeichens Feuer Pferd.

links unten: Buddha of Bhutan –

2024

Beleuchtung der Statue im

Rahmen des Nationalfeiertages

von Bhutan und der

Lichtkunsttour durch Bhutan.

Zur Person: Gerry

Hofstetter

Gerry Hofstetter (*1962 in

Zumikon) ist ein Schweizer

Lichtkünstler, der seit den

1990er-Jahren international

tätig ist. Bekannt wurde er

durch temporäre

Lichtinstallationen an Natur- und

Kulturdenkmälern, darunter das Matterhorn,

die Pyramiden von Gizeh, historische Paläste

in Indien sowie Eislandschaften in der Arktis

und Antarktis. Hofstetters Arbeiten bewegen

sich an der Schnittstelle von Kunst, Umwelt

und öffentlichem Raum und sind stets

zeitlich begrenzt. 2025 realisierte er als

erster Künstler eine Lichtkunstprojektion an

der Chinesischen Mauer.

Lichtkunst Gerry Hofstetter |

Mandarin Oriental Savoy,

Zürich | bis 25. Mai 2026

VIDEO


BANNERWERBUNG AUF ARTTV.CH & CLICK

E-MAGAZINE


BANNERWERBUNG AUF ARTTV.CH & CLICK

E-Magazine


«Énergies fossiles»:

Kunst zwischen

Geologie und

Erinnerung im

Rehmann-Museum

Laufenburg


links: Pauline Marx,

Räucherschale, 2025, Keramik

und diverse Materialien2025

Eine Ausstellung, die

Millionen Jahre

Erdgeschichte sinnlich

erfahrbar macht —

zwischen Fossilien,

Klang und urzeitlichen

Düften.

Mit «Énergies fossiles» verwandelt ein

internationales Künstler:innen-Kollektiv

unter der Leitung von Pauline Marx das

Rehmann-Museum in Laufenburg in eine

unterirdische Traumlandschaft. Fossilien,

Mineralien und Erde werden hier nicht als

wissenschaftliche Objekte gezeigt,

sondern als Träger von Energie,

Erinnerung und Zeit — ein

multisensorisches Erlebnis, das den Blick

auf Natur und Ressourcen radikal

erweitert.


oben: Frauke Roloff, Schale

und Vase. Grosses

Ensemble, 2025,

Rauchbrandkeramik Foto:

Frauke Roloff

rechts: Pauline Marx,

Crinoide, 2026, Keramik

glasiert Foto: Pauline Marx



Wenn Steine zu sprechen beginnen

Die Ausstellung verlässt bewusst den klassischen

Museumsmodus. Statt Informationstafeln und Vitrinen erwartet

die Besucher:innen eine immersive Umgebung aus Licht, Klang,

Duft und Textilien. Fossilien, Kupfer, Tonerde und Pflanzen aus

dem Jurapark Aargau bilden das materielle Fundament dieses

Projekts — rohe Substanzen, die Millionen Jahre Erdgeschichte

in sich tragen. So entsteht eine chthonische, also unterirdisch

anmutende Sphäre, in der Zeit nicht linear erzählt, sondern

körperlich erfahrbar wird. Man hört die mineralische

Vergangenheit, riecht urzeitliche Pflanzen, spürt die Präsenz des

Gesteins. Die Ausstellung schlägt damit eine Brücke zwischen

Kunst, Wissenschaft und alchemistischem Denken — zwischen

rationaler Erkenntnis und archaischer Erfahrung. Gestein

erscheint hier nicht als totes Material, sondern als Speicher von

Leben, Bewegung und Transformation.

Eine Reise in die Tiefen der Erde — und des Bewusstseins

Initiiert wurde das Projekt von der Künstlerin und Musikerin

Pauline Marx, die gemeinsam mit einem internationalen Team

eine interdisziplinäre Installation entwickelte. Keramik,

Duftkunst, Klangforschung, Performance und Textilarbeit

verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, das bewusst Grenzen

zwischen Kunstformen und Wissenssystemen auflöst. Die

Ausstellung fragt damit auch nach unserem heutigen Verhältnis

zu fossilen Ressourcen. Was bedeutet «fossil» in einer Zeit

ökologischer Krisen? Welche Geschichten stecken in den

Stoffen, auf denen unsere Zivilisation basiert? «Énergies fossiles»

antwortet nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern mit

Erfahrung: Wer sich darauf einlässt, begegnet einer planetaren

Zeitdimension, die das menschliche Leben relativiert — und

zugleich neu verortet. Das Rehmann-Museum wird so zum

Resonanzraum für eine elementare Erkenntnis: Unsere

Gegenwart ist untrennbar mit der tiefen Vergangenheit der Erde

verbunden.


Aëla Maï Cabel und

Jérémy Piningre,

ohne Titel, 2025,

Keramik glasiert

Foto: Aëla Maï Cabel

und Jérémy Piningre

VIDEO

Énergies fossiles | Rehmann-

Museum | bis 5. Juli 2026 |

Laufenburg



Till Langschied – in

der Galerie SEE YOU

NEXT TUESDAY


Zwischen

Hyperverbindung

und innerem

Rauschen

Der 1987 in Frankfurt am Main geborene

und in Basel lebende Künstler Till

Langschied untersucht, was mit uns

passiert, wenn Bedeutung zerfällt und

Gegenwart zum Dauerzustand wird. In

der Galerie SEE YOU NEXT TUESDAY

verdichtet der Künstler zentrale Fragen

seiner Praxis: Wie reagiert unsere Psyche

auf eine Welt, die permanent online ist,

in der sich das «Jetzt» endlos ausdehnt

und vertraute Sinnzusammenhänge

brüchig werden?


Digitale Überforderung als Gefühl

Langschied interessiert sich für die emotionalen Nachbilder unserer

Tech-Gesellschaft. Zwischen Attention Economy und Self-Care-

Apps spürt er einem diffusen Unbehagen nach – einer Entkopplung

von Realität trotz maximaler Vernetzung. Seine Arbeiten kreisen um

den Zusammenbruch von Zeichensystemen und um die Frage, wie

Orientierung möglich bleibt, wenn alles gleichzeitig passiert.

Zwischen virtuell und analog

Ob Skulptur, Video, Installation, Malerei oder Poesie: Langschieds

Werke bewegen sich an den Schnittstellen von digitalen und

physischen Räumen. Internationale Residenzen in Lugano, China,

Mexiko-Stadt und Paris haben diese Praxis ebenso geprägt wie sein

Engagement im queeren Schreibkollektiv Q.U.I.C.H.E. In Basel wird

daraus eine Ausstellung, die keine Antworten liefert, sondern

präzise Störsignale sendet – leise, poetisch und hochaktuell.

Till Langschied – «CLOUDED

CLAIRVOYANCE» | SEE YOU

NEXT TUESDAY | bis 24. April

2026


Nina Stähli in der

Margaretha Dubach –

Gewürzmühle

Poesie der Fundstücke


links: Maske | © Margaretha

Dubach

Im Kunst(Zeug)Haus

Rapperswil-Jona zeigt die

Luzerner Künstlerin wie

scheinbar unscheinbare

Materialien zu

geheimnisvollen

Bildwelten werden.

Holz, Knochen, Stoffreste oder

Dinge vom Flohmarkt: In den

Händen von Margaretha Dubach

verwandeln sich solche Materialien

in rätselhafte Figuren und

poetische Objekte. Die Schau im

Kunst(Zeug)Haus führt in das

eigenwillige Universum einer

Künstlerin, die seit Jahrzehnten aus

Alltagsresten Kunst von

überraschender Intensität formt.


Collage von Margaretha

Dubach | © Margaretha

Dubach


Dinge mit Vergangenheit

Margaretha Dubach arbeitet seit den 1970er-Jahren mit

gefundenen Materialien. Sie sammelt Gegenstände, die

bereits ein Leben hinter sich haben – Holzstücke, Werkzeuge,

Knochen oder Stoffe – und setzt sie zu Skulpturen, Masken

und Assemblagen zusammen. Diese Arbeiten wirken oft wie

Relikte aus einer anderen Zeit: vertraut und gleichzeitig fremd.

Inspiration findet Dubach sowohl in der Volkskultur als auch in

Mythen und Ritualen. Die Dinge verlieren dabei ihre

ursprüngliche Funktion und werden zu poetischen Zeichen,

die neue Geschichten erzählen.

Eine begehbare Wunderkammer

Im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona entfaltet sich dieser

Kosmos als vielschichtige Installation. Figurenhafte Objekte,

fragile Konstruktionen und geheimnisvolle Formen treten

miteinander in Dialog und verwandeln den Ausstellungsraum

in eine Art Wunderkammer. Zwischen Humor, Magie und

leiser Irritation entsteht eine Atmosphäre, in der scheinbar

banale Materialien eine überraschende Kraft entwickeln.

Gerade diese Fähigkeit zur Verwandlung macht Margaretha

Dubachs Werk zu einer eigenständigen Position innerhalb der

Schweizer Gegenwartskunst.


Beide Figurenbilder, diese und Folgeseite:

Werkgruppe Margaretha Dubach | © Margaretha

Dubach


Margaretha Dubach (geboren 1938 in

Luzern), studierte an der

Kunstgewerbeschule und bei Max von

Moos. Nach Anfängen als Malerin

wandte sie sich der Objektkunst zu,

verarbeitet Fundstücke und Masken.

Inspiriert von der Volkskultur der

Innerschweiz, schafft sie fabelhafte,

geheimnisvolle Werke, die Leben,

Tod und Magie verknüpfen. Sie

lebt und arbeitet in Zürich.

VIDEO

Margaretha Dubach

«Zauberwelten erwachen» |

Kunst(Zeug)Haus

Rapperswil‐Jona | bis 10. Mai

2026


Über den Wolken

atmen – Annabelle

Schneiders

Installation «BREATHE

WITH PILATUS»




Eine begehbare

Stoffwolke verwandelt

das Hotel Pilatus-Kulm in

einen Raum der

Entschleunigung und

verbindet Naturerlebnis

mit multisensorischer

Kunst

Hoch über dem Vierwaldstättersee wird

Kunst zur Erfahrung für den ganzen

Körper: Mit ihrer preisgekrönten

Installation «BREATHE WITH PILATUS»

lädt die Experience-Designerin

Annabelle Schneider Besucher:innen ein,

in eine atmende Wolke aus Stoff

einzutreten – ein poetischer Ort zwischen

Design, Meditation und alpiner

Landschaft und eine Aktion um den

Pilatus, wo weder Winterwandern noch

Skifahren möglich ist, auch in der kalten

Jahreszeit attraktiv zu machen.


Eine Wolke zum Betreten

Noch bis am 26. April verwandelt sich das Hotel Pilatus-Kulm in einen

ungewöhnlichen Kunstraum. In einem begehbaren Installationsraum entsteht

eine weiche, atmende Stofflandschaft, die sich langsam bewegt und so eine

Atmosphäre von Ruhe und Konzentration erzeugt. Die Installation wirkt wie

eine Wolke, in die man eintreten kann. Licht, Material und Bewegung

verschmelzen zu einem multisensorischen Erlebnis, das die Besucher:innen

entschleunigt und sie bewusst atmen lässt. Gerade in der winterlichen

Berglandschaft entfaltet diese

Erfahrung eine besondere

Wirkung: Draussen die klare

alpine Luft, drinnen ein

künstlerischer Raum der Stille.

Ein internationales

Kunstprojekt

Die Installation hat bereits

eine beeindruckende Reise

hinter sich. Stationen in New

York, Barcelona, Taschkent,

Gainesville, Toronto und

Dubai sowie Präsentationen

im Umfeld der Art Basel

machten das Projekt

international

bekannt. Mehrfach

ausgezeichnet – unter

anderem mit den

NYCxDESIGN Awards sowie

dem German Design Award –

Experience-Designerin Annabelle Schneider steht das Werk exemplarisch

für eine neue Form von

Erlebnisdesign, das Kunst, Architektur und Wahrnehmung miteinander

verbindet. Auch beim Schweizer Design Preis gehörte das Projekt zu den

Spitzenplatzierungen.


Kunst als Winter-Impuls für den Pilatus

Die Installation ist zugleich Teil einer Idee, den Pilatus

auch im Winter neu zu beleben. Während der Berg das

ganze Jahr über internationale Gäste anzieht, ist er für

die lokale Bevölkerung in den Wintermonaten weniger

attraktiv als viele andere Destinationen der Region. Der

Grund ist einfach: Zwar bietet der Pilatus eine

spektakuläre Aussicht über die Zentralschweiz, doch

klassische Winteraktivitäten wie Skifahren oder

ausgedehnte Winterwanderungen sind hier kaum

möglich. Projekte wie «BREATHE WITH PILATUS» setzen

deshalb bewusst auf Kultur und Erlebnis – und schaffen

einen zusätzlichen Anlass, den Berg auch in der ruhigen

Jahreszeit zu besuchen. Gerade im Winter, wenn der

Pilatus über Kriens mit Panorama-Gondelbahn und

Dragon Ride erreichbar ist, wird der Berg so zu einem

Ort, an dem sich Natur, Architektur und Kunst zu einem

besonderen Erlebnis verbinden.

VIDEO

Kunstinstallation Annabelle

Schneider | «BREATHE WITH

PILATUS» | bis 26. April 2026 |

Der Besuch der Installation ist

kostenlos; erforderlich jedoch

ein gültiges Ticket der Pilatus-

Bahnen für die Berg- und

Talfahrt


ANZEIGE

NOT

ON PAPER

Zeichnen auf unkonventionellen Materialien

Dessin – Zentralschweizer Zeichnung

23.10.2025

24.5.2026

?

www.verkehrshaus.ch/hansernimuseum

HANS ERNI

MUSEUM


ANZEIGE


Von den Anfängen

queerer Sichtbarkeit


Interno con Hendrik Andersen e John

Briggs Potter, Andreas Martin

Andersen, 1894 | Bildcredit: Museo

Hendrik C. Andersen, Roma


Freundinnen, Irène Zurkinden, 1937

© Nachlass der Künstlerin / estate of

the artist | Kunstmuseum Basel,

Überweisung des

Finanzdepartements Foto: Max

Ehrengruber


Eine Ausstellung im

Kunstmuseum Basel

erzählt, wie Kunst

Identität formte, lange

bevor es die passenden

Worte gab

Mit «The First Homosexuals» zeigt das

Kunstmuseum Basel eine Ausstellung von

grosser historischer und kultureller

Tragweite. Anhand von rund hundert

Gemälden, Fotografien, Arbeiten auf

Papier und Skulpturen wird sichtbar, wie

sich zwischen 1869 und 1939 neue

Vorstellungen von Sexualität, Geschlecht

und Identität herausbildeten. Die Kunst

erweist sich dabei als zentraler

Möglichkeitsraum: als Ort, an dem

gleichgeschlechtliches Begehren und

Geschlechtervielfalt Ausdruck fanden.


Nackte Fischer und Knaben am grünen Gestade, Ludwig von Hofmann, 1900,

Bildcredit: Museum der bildenden Künste Leipzig

Kunst als Sprache vor der Sprache

1869 taucht der Begriff «homosexuell» erstmals im

deutschsprachigen Raum auf – und verändert seine

Bedeutung in den folgenden Jahrzehnten grundlegend.

Zwischen medizinischer Zuschreibung, gesellschaftlicher

Stigmatisierung und der Suche nach Selbstbestimmung

formiert sich allmählich eine Identität, die sich selbst

bejaht. Künstler:innen reagieren früh auf diesen Wandel.

Sie porträtieren Freund:innen und Liebhaber:innen, zeigen

Paare im Alltag oder experimentieren mit Rollenbildern

und Körperbildern. Vertraute kunsthistorische Motive,

insbesondere der Akt, werden zu Trägern diskreter Codes,

in denen sich Begehren, Nähe und Zugehörigkeit

einschreiben.


Netzwerke, Codes und globale Perspektiven

In thematisch gegliederten Kapiteln erzählt die Ausstellung von

queeren Netzwerken, mutigen Lebensentwürfen und der parallelen

Entwicklung homosexueller und Trans-Identitäten im späten 19. und

frühen 20. Jahrhundert. Dabei richtet sie den Blick auch über Europa

hinaus und untersucht koloniale Zuschreibungen von Sexualität ebenso

wie künstlerische Gegenpositionen aus anderen Weltregionen. Die

Basler Adaption verbindet internationale Leihgaben – einige davon

erstmals in der Schweiz zu sehen – mit bedeutenden Werken aus der

eigenen Sammlung. So entsteht ein vielschichtiges Panorama, das

sowohl kunsthistorische Linien sichtbar macht als auch die frühe

Geschichte der LGBTQIA+-Community nachzeichnet.

Fructidor, Gabriel

Morcillo, ca. 1932,

Bildcredit: Dr. Adolfo

Planet, Valencia, Spain


Schweizer Narziss, Paul Camenisch, 1944 © Nachlass des

Künstlers / estate of the artist, Bildcredit: Kunstmuseum

Basel, Depositum der Freunde des Kunstmuseums Basel

Photo Credit: Martin P. Bühler


Portait de Maurice Deriaz,

Gustave Courtois, 1907,

Bildcredit: Commune de

Baulmes

«The First Homosexuals. Die

Entstehung neuer Identitäten

1869–1939» | Kunstmuseum

Basel | Neubau |bis 2. August

2026 | Kurator:innen: Jonathan

D. Katz, Johnny Willis | Basler

Adaption: Rahel Müller, Len

Schaller



Experimentierfeld

Ausstellung: Junge Kunst

von Davina Andrea

Deplazes


Fundstücke und

Materialspiele

eröffnen neue

Perspektiven im

Ausstellungsraum.

Davina Andrea Deplazes hinterfragt

in ihrer Ausstellung das Ausstellen

selbst. Mit Fundstücken, die

Geschlechterrollen und

normierende Bildwelten

reflektieren, fragt sie: Für wen ist

Kunst eigentlich bestimmt? Im

Rahmen der Reihe «Der Stand der

Dinge» der Akku Kunstplattform

gestaltet sie eine experimentelle,

reflexive Präsentation, die Räume,

Formate und gesellschaftliche

Bezüge neu auslotet.



Zwischen Material, Raum und Erinnerung

Davina Andrea Deplazes (*1999) wuchs im

rätoromanischen Surrein und im Val Sumvitg im Kanton

Graubünden auf. 2023 schloss sie den Bachelor in Spatial

Design an der Hochschule Luzern ab. Künstlerische

Erfahrungen sammelte sie unter anderem als Assistentin

bei Victorine Müller, im Studio von Raphael Hefti, im Berlin

Glassworks Studio sowie in der Kunstgiesserei St. Gallen.

2023 wurde sie mit dem Solo-Preis der Kunstgesellschaft

Luzern ausgezeichnet, 2024 erhielt sie eine kantonale

Förderung. Ihre Arbeiten waren unter anderem im

Bündner Kunstmuseum, im Kunstmuseum Luzern sowie im

ZAZ Bellerive zu sehen. Zudem nahm sie am

internationalen Residenz- und Ausstellungsprojekt

KOSMOS[KA·OS] teil, das von Felix Schenker initiiert und

von Claudia Waldner kuratiert wurde, seinen Ausgang im

Schloss Gleina (Deutschland) nahm und in einer

weiterentwickelten Folgeausstellung im Kunsthaus

Zofingen präsentiert wurde. Letztere wurde gemeinsam

von Direktorin Eva Bigler und Claudia Waldner kuratiert.

Deplazes verbindet in ihren Arbeiten traditionelles

Handwerk mit zeitgenössischen Verfahren und entwickelt

daraus poetisch verdichtete Installationen, die Materialität,

Raum und Zeitlichkeit sinnlich erfahrbar machen.


Caspar Danuser

ist seit 2024

Direktor der akku

Kunstplattform

«Der Stand der Dinge» ist ein von der akku Kunstplattform initiiertes

Ausstellungsformat zur Förderung junger Kunstschaffender. Die Reihe

eröffnet den eingeladenen Künstler:innen die Möglichkeit, eine

inhaltlich und formal frei entwickelte Einzelausstellung zu realisieren,

welche den aktuellen Stand ihrer künstlerischen Praxis sichtbar macht.

VIDEO

Davina Andrea Deplazes | Der

Stand der Dinge | akku

Kunstplattform | 7. März bis 12.

April 2026 | Die Künstlerin war

auch Teil der kürzlich zu Ende

gegangenen Ausstellung

KOSMOS [KA-OS] im

Kunstmuseum Zofingen und

der gleichnamigen Kunstshow

2025 im Schloss Gleina.


ANZEIGE


ANZEIGE

Ein Projekt von

20 Jahre arttv.ch –

stellvertretend für

die Künstlerinnen

einer Generation,

die viel bewegt

haben und doch zu

wenig gesehen

wurden.

BUCH BESTELLEN

Eine vielseitige Künstlerin

wiederentdeckt:

Erna Schillig und ihr Werk

Gebunden

224 Seiten, 170 farbige und

38 s/w-Abbildungen

20 x 26,5 cm

ISBN 978-3-03942-295-1

CHF 49.00

zzgl. Versandkosten


CLICKMAGS


powered by

IMPRESSUM

arttv.ch

Schöneggplatz 10

8004 Zürich

kontakt@arttv.ch

PRÄSIDIUM

Dr. Jean-Pierre Hoby

GESCHÄFTSLEITUNG

lic. phil Georg Kling

CHEFREDAKTION

lic. phil Felix Schenker

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!