Verbandsmagazin Frühgeborene | Ausgabe 1 | März 2026
Verbandsmagazin des Bundesverbandes Frühgeborene mit aktuellen Informationen rund um die Verbandsarbeit, Neustem aus Wissenschaft und Forschung, Berichten von Eltern und ehemals zu früh geborenen Erwachsenen, Veranstaltungstipps und für Familien generell interessanten Themen.
Verbandsmagazin des Bundesverbandes Frühgeborene mit aktuellen Informationen rund um die Verbandsarbeit, Neustem aus Wissenschaft und Forschung, Berichten von Eltern und ehemals zu früh geborenen Erwachsenen, Veranstaltungstipps und für Familien generell interessanten Themen.
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1. Ausgabe 2026 | März | gratis
Frühgeborene
Online-Magazin des Bundesverbandes Frühgeborene e.V.
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1. Online-Ausgabe
Frühgeb
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Infos aus dem Verband
Erfahrungsberichte
Frühchen-Wissen
Neues aus
Medizin & Forschung
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Kolostrum ist die erste – und für den frühen Lebensstart überlebenswichtige – Nahrung
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2 Frühgeborene 1 · 2026
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Ausstreichtrichter Kolostrumauffänger
In dieser Ausgabe
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Willkommen 4
!
Õ
In eigener Sache 7
Regionalstellenzuwachs in Weilheim 11
„Einmal Frühchen, immer Frühchen?“ –
Lehrvideo für Lehrkräfte und Eltern 12
"Musik ist eine Ressource, die jeder in sich trägt“ 16
Neuer Name – gleiche Ziele 18
Aktuelle Meldungen 21
Neue Leitlinie zum Beikoststart 22
BVKJ warnt vor unwissenschaftlicher
Beeinflussung von Impfempfehlungen 24
Biomarker im Blut als Frühwarnsystem für drohende
Komplikationen bei Frühgeborenen? 26
UNICEF-Bericht: Weiter zu viele Kinder ohne Perspektive 28
Kurz & knapp 31
Erfahrungsberichte 35
Ich habe ein erfülltes, glückliches und gesegnetes Leben 36
Es gibt immer Wunder, man muss nur ganz fest daran glauben! 39
Nach jedem Sturm kommt ein Regenbogen –
egal, wie lange er braucht... 40
Ein Vogel, der fliegen kann... 42
Viel lief gut, aber Potenzial ist da... 43
Unsere Geschichte zeigt: ein guter Verlauf ist möglich 46
Lesenswert 47
Gut zu wissen 49
Die "Goldene Stunde" in der Frühgeborenenversorgung 50
Zahlen & Fakten 51
Termine 53
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§
Alltag & Familie 57
Ungebetene Gäste im Haar: Läusezeit in Kita & Schule 58
Frühlingsanfang: zwischen Sonne und Statistik 61
Eltern fragen 63
Sollen wir die Frühgeburt in der Schule ansprechen? 64
Ein Gedanke, der bleibt... 65
Impressum 67
Frühgeborene 1 · 2026
3
Willkommen
Willkommen
Liebe Leserinnen und Leser,
mit der vorliegenden Ausgabe beginnt für diese Publikation ein neues Kapitel. Nach vielen Jahren in
gedruckter Form haben wir uns entschieden, den Schritt vom Print- zum Online-Format zu gehen.
Dieser Wandel ist mehr als eine technische Umstellung – er ist Ausdruck eines veränderten Leseverhaltens,
neuer Kommunikationswege und unseres Anspruchs, Inhalte zeitgemäß, zugänglich und
nachhaltig bereitzustellen.
Das gedruckte Wort hatte stets seinen besonderen Reiz: das Rascheln der Seiten, die Haptik des
Papiers, die bewusste Entschleunigung beim Lesen. All das hat unsere Publikation geprägt und viele
treue Leserinnen und Leser über Jahre begleitet. Dafür sind wir dankbar.
Gleichzeitig eröffnet uns die digitale Veröffentlichung neue Möglichkeiten. Inhalte können aktueller,
flexibler und multimedial aufbereitet werden. Beiträge lassen sich leichter teilen, recherchieren
und archivieren. Zudem erreichen wir ein breiteres Publikum – unabhängig von Ort und Zeit. Nicht
zuletzt trägt der Verzicht auf Druck und Versand zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen
bei.
Unser inhaltlicher Anspruch bleibt unverändert: Qualität, Sorgfalt und Relevanz stehen weiterhin im
Mittelpunkt. Wir verstehen den Wechsel ins Online-Format als Chance, Bewährtes zu bewahren und
zugleich neue Wege zu gehen.
Wir freuen uns, wenn ihr uns auch in dieser neuen Form begleiten werdet – neugierig, kritisch und
im Dialog mit uns.
Herzlichst
Dr. med Maria Hitzschke
Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende
Bundesverband Frühgeborene e.V.
4 Frühgeborene 1 · 2026
An Eurer Seite
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Wir helfen weiter !
• persönliche Beratung
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• regionale Vernetzung
• Hilfe zur Selbsthilfe
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Gesprächsbedarf?
kostenfreie Servicenummer
0800 - 875 877 0
mo., di., do., fr.: 9.00 Uhr - 13.00 Uhr
mi.: 16.00 Uhr - 20.00 Uhr
QR-Code einscannen und Nummer
qdirekt aufs Smartphone laden
Bundesverband Frühgeborene e.V.
Überregionaler Zusammenschluss von Elterninitiativen und Fördervereinen
für Frühgeborene und kranke Neugeborene in Deutschland
sowie angrenzenden deutschsprachigen Ländern
In eigener Sache
Herzlich willkommen,
In eigener Sache
Dr. Vitor Paixão Gatinho!
8 Frühgeborene 1 · 2026
In eigener Sache
Gemeinsame Sache mit Dr. Vitor
Paixão Gatinho
Wir freuen uns sehr über einen neuen Unterstützer
unserer Arbeit, den wir gerne an dieser
Stelle kurz vorstellen möchten.
Als Kinderarzt mit langjähriger Erfahrung auf
Kinderintensivstationen kennt Dr. Vitor Paixão
Gatinho die besonderen medizinischen und
emotionalen Herausforderungen rund um Frühgeburtlichkeit
aus nächster Nähe. Auch heute
begleitet er Frühgeborene und ehemalige Frühgeborene
in seiner kinderärztlichen Praxis weiter
und erlebt, wie wichtig eine kontinuierliche,
sensible Betreuung über die ersten Lebensjahre
hinaus ist.
„Ich habe viele Jahre dort gearbeitet, wo
Leben oft viel zu früh beginnt.
Auf Kinderintensivstationen durfte ich Frühgeborene
und ihre Familien in Momenten
begleiten, die voller Hoffnung, aber auch
voller Angst waren. Diese ersten Tage und
Wochen prägen nicht nur die Kinder – sie
prägen ganze Familien.
Zu erleben, wie viel Stärke in so kleinen
Menschen steckt und wie sehr Eltern in
dieser Zeit Halt brauchen, hat meinen Blick
auf Medizin und Menschlichkeit für immer
verändert.“
Dr. Vitor Paixão Gatinho
Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagiert sich
Dr. Gatinho als einer der bekanntesten medizinischen
Influencer im deutschsprachigen Raum.
Unter dem Namen Kids.Doc erreicht er über
Social Media rund eine Million Menschen mit
verständlicher, evidenzbasierter Aufklärung zu
Kindergesundheit, Prävention und Erster Hilfe.
Er ist Gründer einer eigenen Eltern-App, die Familien
im Alltag begleitet, bietet digitale Kurse
zu Erste Hilfe und Kindergesundheit an und ist
SPIEGEL-Bestseller-Autor mehrerer Ratgeber
für Eltern sowie Kinderbücher, die medizinische
Themen kindgerecht vermitteln.
Als Vater von drei Kindern verbindet er fachliche
Expertise mit persönlicher Perspektive. Für
ihn steht fest: Frühgeborene brauchen nicht nur
medizinische Spitzenversorgung, sondern auch
gut informierte, gestärkte Eltern und ein Umfeld,
das versteht, was diese Familien leisten.
In seiner Rolle als Botschafter des Bundesverbandes
setzt sich Dr. Gatinho dafür ein, das
Bewusstsein für die Situation von Familien mit
Frühgeborenen zu schärfen. Sein Anliegen ist es,
Awareness zu schaffen, Orientierung zu geben
und Eltern frühzeitig den Zugang zu den richtigen
Hilfen zu ermöglichen – damit kein Kind und
keine Familie diesen Weg allein gehen muss.
Hier geht es direkt zum Podcast mit Vitor; „Der
KidsDoc – Mehr Gesundheit für dein Kind“
Folge dem Kids.Doc auf Instagram: https://
www.instagram.com/kids.doc.de/
Frühgeborene 1 · 2026
9
In eigener Sache
Stand: 15. März 2026
10 Frühgeborene 1 · 2026
In eigener Sache
Regionalstellenzuwachs in Weilheim
Mit Freude verkünden wir offiziell unsere 13.
Regionalstelle in Weilheim in Oberbayern.
Initiatorin ist Stefanie Quiring. Sie ist selbst
erwachsene Frühgeborene und möchte Frühchen-Familien
eine regionale Anlaufstelle
bieten. Beginnen sollen die Angebote der
Regionalstelle mit der Raupengruppe, einem
Frühchen-Krabbel-Treff.
Auch über das Einbringen der Elternsicht und
das Mitwirken von Frühchen-Eltern beim Gestalten
der Regionalstellenarbeit würde sich
Stefanie sehr freuen. Interessierte Frühchen-Eltern,
die den Krabbel-Treff besuchen möchten
oder mitwirken wollen, melden sich bitte per E-
Mail unter elternini.weilheim@fruehgeborene.
de oder telefonisch unter 0176 51774537 bei
Stefanie.
Wie die Landkarte auf der linken Seite zeigt,
sind vor allem in den neuen Bundesländern
noch weitere Aktive gefragt, um das hilfreiche
Angebot der lokalen Selbsthilfe auszubauen,
wenn es dort noch nichts Vergleichbares für
betroffene Eltern gibt. Uns bekannte Angebote
findet man auf unserer Webseite unter https://
www.fruehgeborene.de/familie/selbsthilfeinitiativen.htm
Unsere Regionalstellen
Das Regionalstellen-Modell des Bundesverbandes
möchte es an einer lokalen Selbst-
hilfe-Arbeit Interessierten erleichtern,
unkompliziert in ihrer Region für andere
Betroffene aktiv zu werden, wenn es dort
noch kein Angebot einer bereits aktiven
Gruppe gibt. Dabei bleiben ihnen Art und
Umfang der angebotenen Aktivitäten selbst
überlassen. Das kann z.B. ein Elterntreff,
eine Krabbelgruppe, ein telefonischer Aus-
tausch sein.
Mit der Gründung einer Regionalstelle
unter dem Dach des Bundesverbandes ent-
fällt die bürokratisch aufwendige Gründung
eines eigenständigen Vereins, der viele
Verwaltungsaufgaben mit sich bringt. Das
kann in Anbetracht von knappen Zeitressourcen
neben Familienalltag und Berufs-
leben schnell zur persönlichen Überlastung
führen. Deshalb hat der Bundesverband
das Regionalstellen-Modell entwickelt.
Ihr seid an unserem Regionalstellen-Modell
interessiert? Dann schickt uns doch
einfach eine Nachricht an selbsthilfe@
fruehgeborene.de und lasst euch unverbindlich
und kostenfrei über mögliche
Inhalte und das Konzept beraten. Ansprechpartnerin
ist unsere Frankfurter Geschäftsstellenleiterin
Jessica Franz, die eine
Regionalstelle in Gelnhausen aufgebaut
hat.
Frühgeborene 1 · 2026
11
In eigener Sache
„Einmal Frühchen, immer Frühchen?“
– Lehrvideo für Lehrkräfte und Eltern
Frühgeborene e.V.
Frühgeborene Kinder zeigen sehr unterschiedliche
Entwicklungs- und Lernverläufe. Während
einige Kinder im schulischen Kontext kaum Unterstützungsbedarf
haben, können bei anderen
besondere Herausforderungen auftreten. Vor
diesem Hintergrund kann es hilfreich sein, mögliche
Zusammenhänge besser zu verstehen.
Der Vortrag „Einmal Frühchen, immer Frühchen?“
greift diese Thematik auf und vermittelt,
ohne pauschale Aussagen über alle Kinder
zu treffen, ein grundlegendes Verständnis dafür,
wie sich das Lernvermögen frühgeborener
Kinder darstellen kann und welche Rahmenbedingungen
Lernprozesse positiv beeinflussen
können. Ziel ist es, Lehrkräfte und Eltern dabei
zu unterstützen, individuelle Lernvoraussetzungen
wahrzunehmen und Lernumgebungen entsprechend
anzupassen – im Unterricht ebenso
wie beim Lernen zuhause.
Das Lehrvideo ist die professionelle Aufzeichnung
eines Seminars, das am 7. Juli 2025 in
der Essener Grundschule Haarzopf – Haus des
Lernens – durchgeführt wurde.
Es ist in zwei Teile gegliedert:
• Medizinischer Teil: Darstellung möglicher
neurobiologischer Zusammenhänge und
Entwicklungsbesonderheiten.
12 Frühgeborene 1 · 2026
In eigener Sache
• Pädagogischer Teil: Einordnung für den
schulischen Alltag sowie Anregungen, wie
Lernbedingungen individuell angepasst
werden können.
Die Inhalte stehen allen interessierten Lehrkräften
und Eltern über unsere Mediathek
öffentlich und kostenfrei zur Verfügung.
Eine Anerkennung von Fortbildungspunkten ist
mit der Aufzeichnung nicht verbunden.
Zu den Referentinnen:
Dr. med. Britta Hüning ist Mitglied des wissenschaftlichen
Beirats des Bundesverbandes,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit
Schwerpunkt Neonatologie, Ärztliche Leitung
der Elternberatung sowie der Sozialmedizinischen
Nachsorge am Universitätsklinikum Essen,
Vorstandsmitglied Bundesverband Bunter
Kreis e.V.
Die Schulerfahrungen von Kindern, die zu früh zur Welt kamen, können sehr
unterschiedlich sein. Neben Kindern, die ihre Schullaufbahn „ganz normal“
meistern, gibt es andere, die intensive sonderpädagogische Hilfen benötigen.
Alle Zwischenstufen sind denkbar.
Nicht wenige ehemals Frühgeborene verfügen zwar über eine normale
Intelligenz, haben aber im Schulalltag mit Lernproblemen verschiedener Art
zu kämpfen. Welche Ursachen diesen Lernstörungen zugrunde liegen können,
wie man sie jeweils diagnostizieren, therapeutisch begleiten sowie pädagogisch
auf sie reagieren kann, erläutern kompetente Fachleute knapp und
verständlich.
Darüber hinaus erfährt man, wie man sich im eigenen Bundesland über die
Modalitäten der Einschulung sowie der sonderpädagogischen Unterstützung
informieren kann. Finanzielle Hilfen sowie wichtige gesetzliche Regelungen
werden thematisiert.
Ergänzend geben Erfahrungsberichte von Frühgeborenen bzw. ihren Eltern
einen intensiven Einblick in den Alltag betroffener Familien. Sie schildern
z. B. die Themen Schüchternheit, Langsamkeit, Teilleistungsproblematiken,
Aufmerksamkeitsstörungen, geistige oder körperliche Behinderung in ihren
schulischen Auswirkungen von der Phase der Schulwahl bis hin zur Berufsfindung.
Diese umfassende, kompakte und kompetente Zusammenstellung bietet Eltern
und Pädagogen einen ersten Zugriff auf die wichtigsten Informationen
zum Themenfeld „Frühgeborene und Bildung“.
Karin Jäkel ist Mutter eines zu früh geborenen
Sohnes und Oberstudienrätin an einem Gymnasium
im Westerwald. Sie arbeitet seit vielen
Jahren eng mit dem Bundesverband Frühgeborene
e.V. zusammen.
Wir bedanken uns bei der Feith-Stiftung für die
freundliche Unterstützung bei der Realisierung
des Projektes.
Das Video steht allen Interessierten kostenfrei
zur Ansicht auf unserem YouTube Kanal zur
Verfügung. Diesen finden Interessierte hier:
https://www.youtube.com/@fruehgeborene1
Unter folgendem Link kann es auch auf unserer
Homepage direkt aufgerufen werden: https://
www.fruehgeborene.de/mediathek/filme.htm
Frühgeborene & Schule -
ermutigt oder ausgebremst?
Erfahrungen, Hilfen, Tipps
Karin Jäkel u.a.
Frühgeborene und Schule
Ermutigt oder ausgebremst? Erfahrungen, Hilfen, Tipps
Karin Jäkel
u.a.
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Karin Jäkel u.a.
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Broschierte Ausgabe | 440 Seiten
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Kinder Rheinland-Pfalz“ e. V. (Hrsg.)
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Frühgeborene 1 · 2026
13
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Module. Der gesamte Betrag kann bis zu vier Wochen vor
n überwiesen werden. Die Anzahl der Teilnehmenden ist
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50 % der Teilnahmegebühr in Rechnung gestellt. Bei
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ebühr erhoben.
Weiterqualifizierung
Professionelle psychosoziale
Elternberatung in
der Perinatalmedizin
Weiterqualifizierung
Einführung: Professionelle
psychosoziale Elternberatung
in der Perinatalmedizin
Grundlagen • Kompetenztraining • Praxisbezug
Modul I:
Modul II:
Modul III:
5 Tage (Loccum)
2 Tage (Frankfurt am Main)
5 Tage (Loccum)
Aktuelle Termine
und ausführliche
Infos
zum Programm
sind hier zu
finden.
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bleiben über unsere Projekte und Angebote
für betroffene Familien und im Bereich
Frühgeborene beruflich Aktive.
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Veranstalter
Bundesverband Frühgeborene e.V. und
Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische
Intensivmedizin (GNPI)
Zielgruppe
Fachkräfte, die über eine anerkannte berufliche,
beraterische Weiterbildung bzw.
abgeschlossene psychologische und/oder
sozialpädagogische Qualifikation verfügen
oder diese anstreben.
Teilnahmevoraussetzungen
Mindestens 25 Jahre; vorteilhaft ist eine
bereits begonnene Tätigkeit als professionalle
psychiosoziale Elternberatende in
der Perinatalmedizin
Anmeldung
Online per Formular unter folgendem Link
14 Frühgeborene 1 · 2026
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In eigener Sache
"Musik ist eine Ressource, die jeder
in sich trägt“
Ein Gespräch mit Dr. rer. medic. Friederike B. Haslbeck
Der Bundesverband Frühgeborene
e.V. freut sich, Dr. rer. medic.
Friederike B. Haslbeck vorzustellen.
Sie ist Mitglied des
wissenschaftlichen Beirats,
Pionierin der interaktiven neonatologischen
Musiktherapie und
Präsidentin von amiamusica. Im
Interview berichtet sie über ihre jahrzehntelange
Verbindung zum Verband, ihren
ungewöhnlichen Weg in die Neonatologie und
die besondere Kraft der Musik für frühgeborene
Kinder und ihre Familien.
BV: Liebe Friederike, vielen Dank, dass du
dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Seit
wann unterstützt du den Bundesverband
Frühgeborene e.V.?
F: Ui, das kann ich gar nicht auf den Tag genau
sagen. Aber es sind definitiv schon über zwanzig
Jahre. Ich glaube, seit 2006 – das heißt, ich
feiere in diesem Jahr sogar mein Jubiläum.
BV: Was bedeutet dir diese lange Zusammenarbeit?
Warum ist es dir so wichtig, den Bundesverband
zu unterstützen?
F: Es gibt zwei prägende Situationen in meinem
Leben, die ich nie vergessen werde. Die erste
liegt weit zurück, da war ich noch Teenager.
Meine Cousine, gleichzeitig meine Patentante,
arbeitete damals auf der Neonatologie. Wir
waren gemeinsam auf einem Sommerfest, als
ihr Pieper ging. Sie musste sofort zurück ins
Krankenhaus und nahm mich ohne zu zögern
mit.
Ich stand dann plötzlich in einer Frühgeborenenstation.
Notfallstimmung, spätes Abendlicht,
winzige Babys und damals waren keine
Eltern zu sehen. Dieses Bild hat mich tief berührt.
Es war ein Moment, der sich eingebrannt
hat und mich nie wieder losgelassen hat.
BV: Wie hat dich dieser Moment weiter begleitet?
F: Ich habe später Geige studiert und bin danach
noch Musiktherapeutin geworden. Das
erste Kind, das ich während meines Musiktherapiestudiums
begleitete, war ein ehemaliges
Frühgeborenes und da kam mir dieses Bild
wieder in den Sinn. Ich wollte der Frage nachgehen,
ob man frühgeborene Kinder und ihre
Familien nicht schon eher und vor allen Dingen
präventiver mit Musiktherapie unterstützen
könnte. Daher habe ich dann in meiner Masterarbeit
theoretisch den Ansatz der Kreativen
Musiktherapie in der Neonatologie entwickelt.
BV: Du hast an vielen Orten der Welt gearbeitet.
Wie kam es dazu?
F: Ja, ich durfte schon mit Menschen aus der
ganzen Welt arbeiten. In Australien, Florida,
New York und an vielen europäischen Zentren.
Über verschiedene Stationen und Projekte
hinweg bin ich schließlich am UniversitätsSpital
Zürich, der Universität Zürich und der Zürcher
Hochschule der Künste gelandet. Dort lebe und
arbeite ich nun schon seit vielen Jahren, klinisch,
forschend und lehrend.
BV: Was ist das Besondere an deiner Arbeit in
der neonatologischen Musiktherapie?
16 Frühgeborene 1 · 2026
In eigener Sache
F: Ich versuche immer die ganze Familie zu sehen
und der Familie zu helfen, an dieser Krise
zu wachsen und nicht an ihr zu zerbrechen.
Musik, vor allen Dingen wenn wir mit und für
die Kinder in der Interaktion und in echter Resonanz
singen, ist dafür ein unglaublich starkes
Medium. Aus diesem Wunsch heraus ist auch
amiamusica entstanden.
BV: Erzähl uns bitte mehr über amiamusica.
F: Ich erlebe immer wieder, dass Eltern gar
nicht wissen, welche kraftvollen Ressourcen sie
in sich tragen. Ihre Stimme ist ein Instrument,
das sie direkt mit ihrem Baby verbindet – emotional,
körperlich und neurologisch. Musiktherapie
hat kaum Nebenwirkungen. Man kann
ein Kind mit sanftem Singen in der Interaktion
kaum„überreizen“, wenn man auf die
Signale des Kindes achtet. Im Gegenteil:
Wenn die Eltern mit ihrem Kind bezogen
sprechen und singen, können sie ihm
damit helfen, sich zu regulieren, sich zu
beruhigen, die Bindung stärken die frühkindliche
Entwicklung fördern.
Dafür möchte ich motivieren und ich
freue mich jedes Mal, wenn Eltern dieses
kleine Samenkorn zum Blühen bringen.
heruntergeladen werden. Er soll Familien, aber
auch Fachpersonen Orientierung geben und
Mut machen, die eigene Stimme bewusst einzusetzen.
BV: Liebe Friederike, vielen Dank für das Gespräch.
F: Danke euch. Ich freue mich immer, wenn ich
etwas über meine Arbeit erzählen und damit
vielleicht Eltern und Fachpersonen inspirieren
kann.
Mehr Infos zum Projekt "Deine Stimme für die
Kleinsten" - Wegweiser für Akustik, Stimme
und Musik auf der Neonatologie, das in Kooperation
mit dem Bundesverband Frühgeborene
e.V. entstanden ist, sind unter https://amiamusica.ch/home/wegweiser/
zu finden.(em)
Deine Stimme für die Kleinsten
WEGWEISER
für Akustik, Stimme und Musik auf der Neonatologie
BV: Du arbeitest nicht nur mit Eltern,
sondern auch mit Fachpersonal, richtig?
F: Ja, ich biete Weiterbildungen für
Musiktherapeut*innen an, um sich für
die Neonatologie und Frühgeborenenversorgung
zu spezialisieren. Wissen weiterzugeben
ist mir ein großes Anliegen,
damit Musiktherapie noch mehr Familien
erreicht.
BV: Und du hast auch noch einen wichtigen
Wegweiser mit entwickelt?
F: Ja, der Wegweiser liegt mir sehr am
Herzen. Er ist kostenlos und kann direkt
über die Webseite von amiamuisca
Für weitere Infos
Frühgeborene 1 · 2026
17
In eigener Sache
Neuer Name –
gleiches Ziel
Frühgeborene e.V.
Sprache prägt Bewusstsein – und Bewusstsein
schafft Veränderung. Deshalb haben wir als
Verband einen wichtigen Schritt vollzogen:
Aus Bundesverband „Das frühgeborene Kind“
e.V. ist Bundesverband Frühgeborene e.V. geworden.
Diese Namensänderung ist weit mehr als eine
formale Anpassung. Sie ist Ausdruck unseres
gewachsenen Selbstverständnisses. "Frühgeborene"
ist keine Bezeichnung für eine kurze
Lebensphase, sie sind Persönlichkeiten mit
eigenen Geschichten, Stärken und Perspektiven.
Vom ersten Lebenstag an und weit darüber
hinaus.
Der bisherige Name stellte das Kind in den
Mittelpunkt. Und das war richtig, denn der
Start ins Leben ist prägend. Doch unsere Arbeit
begleitet Frühgeborene und ihre Familien oft
über viele Jahre hinweg. Mit der neuen Bezeichnung
öffnen wir bewusst den Blick und
machen deutlich: Wir stehen für alle Frühgeborenen
– für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
sowie für ihre Angehörigen.
Für unsere Mitglieder, Partner und Unterstützenden
ändert sich durch die Umbenennung
nichts Grundsätzliches. Es handelt sich weiterhin
um denselben eingetragenen Verein, mit
unveränderter Struktur und Ausrichtung. Lediglich
der Name wurde angepasst.
Wir freuen uns sehr, diesen Weg gemeinsam
mit Ihnen und Euch weiterzugehen. Danke für
das Vertrauen, das Engagement und die Unterstützung,
denn ohne dieses gemeinsame Wir
wäre unsere Arbeit nicht möglich.
Das Forum für betroffene Väter auf facebook unter
https://www.facebook.com/groups/fruehchenpapas
18 Frühgeborene 1 · 2026
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die Phototherapie
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„... vielleicht können wir damit
ein kleines Schmunzeln trotz
ernster Situation erzeugen ...“
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20 Frühgeborene 1 · 2026
Aktuelle Meldungen
Aktuelle Meldungen
Neue Leitlinie zum Beikoststart
Eine neue S3-Leitlinie empfiehlt das ausschließliche
Stillen bis zum Ende des sechsten Lebensmonats
und die Einführung von Beikost ab Beginn
des siebten Lebensmonats. Damit endet
der umstrittene deutsche Sonderweg.
Zu der Neuerung sagt Kathrin Herold, kommissarische
DHV-Bundesbeauftragte für Stillen und
Ernährung:
„Die neue S3-Leitlinie zur Stilldauer empfiehlt
sechs Monate ausschließliches Stillen und eine
Mindeststilldauer von zwölf Monaten. Das begrüßt
der DHV ausdrücklich. Mit der Veröffentlichung
kehrt Deutschland nach gut 15 Jahren
Sonderweg zur international etablierten WHO-
Empfehlung zurück. Stillen ist ein zentraler physiologischer
Prozess mit erheblicher Bedeutung
für die Gesundheit von Stillenden und Kindern.
Es ist gleichzeitig ein Bereich, in dem gesellschaftlicher
Nutzen oft gegen wirtschaftliche
Interessen verteidigt werden muss. Die Leitlinie
ist damit ein Schritt in die richtige Richtung.”
DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer ergänzt:
22 Frühgeborene 1 · 2026
Aktuelle Meldungen
„Gesamtgesellschaftlich erhoffen wir uns von
der neuen Leitlinie eine Verlängerung der Stilldauer,
die in Deutschland vergleichsweise kurz
ist. Stillen bietet nicht nur zahlreiche gesundheitliche
Vorteile für das Kind, sondern auch für
die Mutter. Im Gesamtkollektiv sind stillende
Mütter, korreliert mit der Stilldauer, auch im
Alter gesünder als Personen, die nicht gestillt
haben. Insofern kann die Neuerung auch die
Frauengesundheit, der leider immer noch viel
zu selten Beachtung geschenkt wird, fördern.”
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt
schon lange, die ersten sechs Lebensmonate
ausschließlich zu stillen und dann ab dem
Beginn des siebten Lebensmonats begleitend
Beikost einzuführen, während bis zum Alter
von zwei Jahren bzw. so lange Mutter und Kind
dies wünschen, weiter gestillt wird. Deutschland
war in den letzten 15 Jahren einen Sonderweg
gegangen.
Dieser empfahl die begleitende Beikosteinführung
nach dem abgeschlossenen vierten
Lebensmonat. Grund dafür waren Studien zur
Allergieprophylaxe, die zu dem Ergebnis kamen,
dass die Beikosteinführung noch während
der Stillzeit erfolgen sollte. Anstatt auf eine
Verlängerung der Stilldauer abzuzielen, wurde
daraufhin die Beikosteinführung nach vorne
gezogen.
Quellen: S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur
Stillförderung
https://hebammenverband.de/neue-s3-leitlinie-stillenbeikost
Leitsätze zur Ernährung von zu früh geborenen Kindern
Die Leitsätze zur Ernährung von zu früh geborenen
Kindern vermitteln wesentliche Aspekte rund um die
Ernährung bei Frühgeborenen und kranken Neugeborenen.
Sie verstehen sich als Handlungsempfehlungen
und wollen das Bewusstsein dafür schärfen, wie komplex
das Thema Ernährung von Frühgeborenen ist.
Leitsätze zur Ernährung
von zu früh geborenen Kindern
Ein Projekt des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V.
1
Die Leitsätze können unter folgendem Link direkt
als PDF kostenfrei heruntergeladen werden:
https://www.fruehgeborene.de/fachdisziplinen/
broschueren.htm
Die dankenswerterweise von der Medela Medizintechnik
GmbH & Co. Handels KG unterstützte Printversion
kann in unserem Shop gegen eine Versandkostenpauschale
von € 3,50 bestellt werden. Der Link zum Shop
lautet: https://shop.fruehgeborene.de/
Frühgeborene 1 · 2026
23
Aktuelle Meldungen
BVKJ warnt vor unwissenschaftlicher
Beeinflussung von Impfempfehlungen
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen
e.V. (BVKJ) äußert große Besorgnis
über die jüngsten Entwicklungen in den USA,
wo die Zahl der empfohlenen Kinderimpfungen
drastisch reduziert werden soll. Der Verband
betont nachdrücklich: der unwissenschaftliche
Angriff auf Schutzimpfungen gefährdet die Gesundheit
von Kindern über die USA hinaus.
Das US-Gesundheitsministerium hatte in der
vergangenen Woche bekannt gegeben, die Zahl
der empfohlenen Schutzimpfungen für Kinder
von bislang 17 auf 11 reduzieren zu wollen.
Nach Überzeugung des BVKJ handelt es sich
dabei um eine Entscheidung, die wissenschaftlich
teilweise nicht zu begründen ist.
Dr. Michael Hubmann, Präsident des BVKJ, betont:
„Wir beobachten mit großer Sorge, dass
politische Entscheidungen zunehmend in medizinische
Empfehlungen eingreifen. Impfungen
dürfen nicht nach politischen Mehrheiten bewertet
werden, sondern nach evidenzbasierten
Kriterien, die über Jahrzehnte hinweg Krankheiten
verhindert und Leben gerettet haben.
Jede Streichung von empfohlenen Impfungen
gefährdet die Gesundheit von Kindern sowie
die öffentliche Gesundheit insgesamt.“
Der Berufsverband warnt ausdrücklich davor,
wissenschaftlich fundierte Impfempfehlungen
ohne medizinische Grundlage infrage zu stellen
oder zurückzunehmen. „Solche Entscheidungen
können weitreichende Folgen haben“, so Hubmann
weiter. „Infektionskrankheiten machen
nicht an Landesgrenzen halt. Sinkende Impfquoten
in einem Land können langfristig auch
andere Regionen betreffen – auch Europa und
Deutschland.“
Auch die European Confederation of Primary
Care Pediatricians (ECPCP) hat in einem jüngst
veröffentlichten Statement große Sorge über
die Änderung der US-amerikanischen Empfehlungen
zur Kinderimpfung geäußert. Sie betont,
dass universelle Impfprogramme auf jahrzehntelanger
wissenschaftlicher Evidenz beruhen,
entscheidend für hohe Durchimpfungsraten
sind, Krankheitsausbrüche verhindern, gesundheitliche
Ungleichheiten reduzieren und Vertrauen
in Gesundheitssysteme stärken. Selektive
Impfstrategien seien schwerer umzusetzen,
verstärkten soziale Ungleichheiten und gefährdeten
insbesondere vulnerable Kinder. Aus
kinderrechtlicher Sicht sei Impfen ein zentrales
Instrument von Solidarität und Gerechtigkeit;
eine Abkehr davon stelle einen Rückschritt in
der Prävention dar.
Quelle: https://www.bvkj.de/politik-und-presse/pressemitteilung/bvkj-warnt-vor-unwissenschaftlicher-beeinflussung-von-impfempfehlungen-schutzimpfungen-fuerkinder-sind-unverzichtbar/
24 Frühgeborene 1 · 2026
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Aktuelle Meldungen
Biomarker im Blut als Frühwarnsystem
für drohende Komplikationen
bei Frühgeborenen?
Neonatale Frühgeburtlichkeit führt zu erheblicher
Morbidität und Mortalität, unter anderem
aufgrund erworbener Erkrankungen wie bronchopulmonaler
Dysplasie (BPD), intraventrikulärer
Blutung (IVH), nekrotisierender Enterokolitis
(NEC) und Frühgeborenenretinopathie (ROP).
Standardmäßige, auf Gestationsalter und Geburtsgewicht
basierende Klassifizierungen der
Frühgeburtlichkeit erfassen die Variabilität der
Gesundheitsergebnisse von Neugeborenen nur
unzureichend.
Daher besteht ein dringender Bedarf an Risikostratifizierungsinstrumenten
für vulnerable
Neugeborene, um frühzeitig die jeweils geeignetsten
Behandlungspfade einleiten zu können.
Wir vermuteten, dass die Stoffwechselprofile
von Neugeborenen über die derzeitigen Messgrößen
hinaus zusätzliche Risikoinformationen
liefern.
Insgesamt 13.536 Neugeborenen-Screening-
Bluttests (NBS) von Frühgeborenen in Kalifornien
mit zugehörigen klinischen Folgen der
Frühgeburt wurden verwendet, um einen NBSbasierten
metabolischen Gesundheitsindex zu
entwickeln. Dieser dient der Risikostratifizierung
von Frühgeborenen hinsichtlich BPD, IVH,
NEC und ROP (12.096 Fälle mit einer oder mehreren
Erkrankungen und 1440 Kontrollen).
Hierfür wurde ein Deep-Learning-Modell eingesetzt,
das einen einzelnen Indexwert liefert
und gleichzeitig Subgruppen identifiziert. So
lassen sich Personen mit den stärksten metabolischen
Biomarker-Signalen für negative Folgen
der Frühgeburt ermitteln. Der metabolische
Gesundheitsindex erfasste Risikosignale, die
sich von Gestationsalter und Geburtsgewicht
unterschieden, und übertraf andere Machine-Learning-Algorithmen
sowie auf klinischen
Risikovariablen basierende Modelle bei der Risikostratifizierung
für negative Folgen der Frühgeburt.
Der metabolische Gesundheitsindex wurde extern
in einer unabhängigen retrospektiven Kohorte
von 3299 sehr frühgeborenen Kindern
aus Ontario, Kanada (2117 Fälle und 1182 Kontrollen)
validiert, die gängige metabolische Risikogruppen
widerspiegelte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die
Kombination eines umfassenden Metaboliten-
Screenings mit Deep Learning einen generalisierbaren
biologischen Risikofaktor für Frühgeburtlichkeit
etabliert hat.
Quelle: Chang AL, Reiss JD, Culos A, Becker M, Mayo JA,
Marić I, De Francesco D, Phongpreecha T, Espinosa CA,
Mataraso SJ, Berson E, Kim Y, Xue L, Xie F, Shu CH, Fallahzadeh
R, Bidoki NH, Xenochristou M, Zhang M, Profit J,
Lee HC, Gaudillière B, Angst MS, Hawken S, Wilson K, Stevenson
DK, Shaw GM, Sylvester KG, Aghaeepour N. Quantitative
assessment of neonatal health using dried blood
spot metabolite profiles and deep learning. Sci Transl
Med. 2026 Jan 21;18(833):eadv4942. doi: 10.1126/scitranslmed.adv4942.
Epub 2026 Jan 21. PMID: 41564154.
26 Frühgeborene 1 · 2026
Gemeinsam für den bestmöglichen Start ins Leben
Damit jedes Neugeborene weltweit die bestmögliche Versorgung erhält, verbinden wir Menschen, Expertise
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Persönlichkeiten, die unsere globale Mission mittragen und aktiv mitgestalten möchten:
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Sie steuern und überwachen unsere Finanzprozesse, sorgen für Transparenz in Planung und Reporting und
schaffen die Grundlage für nachhaltige, wirkungsorientierte Entscheidungen.
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Sie verantworten sämtliche rechtliche Fragestellungen der Organisation, prüfen und gestalten Verträge und
sichern die rechtliche Basis unserer internationalen Arbeit.
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koordinieren zentrale Projekte und Prozesse.
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Über GFCNI
Die Global Foundation for the Care of Newborn Infants (GFCNI) ist die erste globale Organisation und das erste
Netzwerk, das Patient:innen, Familien, Gesundheitsfachkräfte, medizinisches Personal und Wissenschaftler:innen aus
verschiedenen Disziplinen, Fachbereichen und Ländern zusammenbringt – mit dem gemeinsamen Ziel, die Gesundheit
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uns eine Zukunft, in der jedes Neugeborene zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Versorgung erhält!
Darauf können Sie sich bei uns freuen:
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global foundation
for the care of
newborn infants
Die im Rahmen des Bewerbungsverfahrens erhobenen personenbezogenen Daten werden
ausschließlich zum Zweck der Durchführung und Bewertung des Bewerbungsprozesses verarbeitet.
Eine Nutzung zu anderen Zwecken erfolgt nicht. Rechtsgrundlage für die Verarbeitung
ist Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen) sowie § 26 BDSG.
Aktuelle Meldungen
UNICEF-Bericht: Weiter zu viele Kinder
ohne Perspektive
Belastungen spüren.
Das zeigt sich
zum Beispiel an der
starken Zunahme
von körperlichen
und psychischen
Beschwerden, über
die mittlerweile 40
Prozent der Jugendlichen
berichten.
Wichtige Ergebnisse
des Berichts:
Der neue UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder
2025 in Deutschland zeigt, dass weiterhin viel
zu viele Kinder mit Blick auf ihre Chancen für
ein gutes Aufwachsen und Zukunftsperspektiven
zu stark ins Hintertreffen geraten. Mehr
als einer Million Kinder fehlen wesentliche
Voraussetzungen für Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben und für späteren beruflichen
Erfolg. Sie haben beispielsweise keinen Platz,
um Hausaufgaben zu machen, können sich
kein zweites Paar Schuhe oder vollwertige
Mahlzeiten leisten und nehmen kaum an Freizeitaktivitäten
Gleichaltriger teil. Nach wie
vor entscheidet in Deutschland die familiäre
Situation sehr stark über die Möglichkeit zur
gesellschaftlichen Teilhabe der Kinder.
Der Bericht macht auch deutlich, dass viele
Kinder und Jugendliche in Deutschland große
Die ungleichen materiellen
und sozialen
Voraussetzungen
in den Familien
wirken sich auf alle
Lebensbereiche der Kinder aus. Der Abstand
zwischen bestens unterstützten und besonders
benachteiligten Kindern wächst. Immer
mehr Kinder können beispielsweise nicht gut
lesen (25 Prozent, 5 Prozentpunkte mehr als in
2018). 41 Prozent der Achtklässlerinnen und
Achtklässler verfügen lediglich über rudimentäre
digitale Kompetenzen (2013: 29 %). Dabei
sind Kinder aus finanziell schlechter gestellten
Elternhäusern deutlich überrepräsentiert.
Hinzu kommt, dass insbesondere diese benachteiligten
Kinder und Jugendlichen sich von
ihrem Umfeld, also Eltern und Lehrkräften,
vergleichsweise selten gut unterstützt fühlen.
Jährlich verlassen über 62.000 die Schule ohne
Abschluss.
28 Frühgeborene 1 · 2026
Aktuelle Meldungen
Eine beträchtliche Zahl von Kindern in Deutschland
ist von den konkreten Folgen von Armut
betroffen. So wurden über eine Million Kinder
als depriviert eingestuft, mussten also auf die
Erfüllung grundlegender Bedürfnisse wie den
Ersatz abgetragener Kleidung, eine beheizte
Wohnung oder warme Mahlzeiten verzichten.
44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder
leben in überbelegten Wohnungen. Mindestens
130.000 Kinder sind wohnungslos und in
kommunalen Unterkünften untergebracht.
Im internationalen Vergleich ist der Anteil der
Kinder, bei denen grundlegende Bedürfnisse
aus finanziellen Gründen nicht gestillt werden
können, in Deutschland deutlich höher als in
einigen anderen europäischen Ländern. Dazu
gehören wirtschaftlich starke Länder wie Finnland
oder Norwegen, aber auch wirtschaftlich
schwächere, wie Slowenien oder Portugal.
Bei der Bekämpfung von Kinderarmut stagniert
die Entwicklung in Deutschland seit Jahren.
Die relative Armut von Kindern bewegt sich
konstant um die 15 Prozent, 2023 waren es 14
Prozent. 1,9 Millionen Kinder leben heute von
dem Bürgergeld ihrer Familie. Hinzu kommen
Kinder, die mit Asylbewerberleistungen auskommen
müssen.
Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden
regelmäßig an gesundheitlichen Beschwerden.
Im Jahr 2022 gaben 40 Prozent der 11-bis
15-Jährigen an, dass sie mehrfach pro Woche
oder sogar täglich Beschwerden wie Kopfschmerzen,
Bauchschmerzen oder Schlafprobleme
haben. Bei der früheren Erhebung im Jahr
2014 waren es nur 24 Prozent.
Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen
in Deutschland schätzt die eigene psychische
Gesundheit und Lebenszufriedenheit als nicht
gut ein. Auch hier sind die Werte alarmierend:
Sie liegen bei 51 bis 67 von 100 Punkten –
variierend nach Geschlecht und familiärem
Wohlstand. Den niedrigsten Durchschnittswert
haben finanziell benachteiligte Mädchen mit
einem Wert von 51 – das liegt damit nur knapp
über dem Schwellenwert von 50, der als Anzeichen
einer Depression interpretiert wird.
Der UNICEF-Bericht unterstreicht die zentrale
Rolle, die unterstützende Eltern und das weitere
Umfeld für das Aufwachsen von Kindern haben.
Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen
fühlt sich zwar durch ihre Familien unterstützt,
doch fällt Deutschland auch hier im internationalen
Vergleich ab. Nur 54 Prozent der 15-jährigen
Mädchen in Deutschland berichten von
einer hohen familiären Unterstützung; in der
Schweiz liegt der Anteil bei 69 Prozent. Auch
von ihren Lehrkräften fühlen sich die Jugendlichen
eher wenig unterstützt: Nur 26 Prozent
der 15-jährigen Mädchen in Deutschland erleben
die Unterstützung als hoch, in Norwegen
zum Beispiel sind es dagegen 53 Prozent.
Quelle: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/unicef-bericht-zur-lage-der-kinder-indeutschland-2025/385504
UNICEF
UNICEF (United Nations Children's Fund)
ist das 1946 gegründete Kinderhilfswerk
der Vereinten Nationen, das in über 190
Ländern für das Recht jedes Kindes auf
eine Kindheit arbeitet. Mit Fokus auf Gesundheitsversorgung,
Bildung, Schutz vor
Ausbeutung und Nothilfe in Krisengebieten
setzt sich UNICEF weltweit für die Umsetzung
der UN-Kinderrechtskonvention ein.
Mehr Infos unter: https://www.unicef.de/
30 Frühgeborene 1 · 2026
Kurz & knapp
!
!
Kurz & knapp
KI für Frühgeborene im Einsatz
Am Klinikum in Nürnberg soll ein Modellprojekt
mit KI die Chancen von Frühchen verbessern.
Das Projekt soll dazu beitragen, die Sicherheit
für extrem früh geborene Babys durch eine
automatisierte Überwachung mittels Künstlicher
Intelligenz zu verbessern, wie das Gesundheitsministerium
in München mitteilte. Das
laut Ministerium in Deutschland bislang einmalige
Projekt wird vom Freistaat mit 150.000
Euro gefördert. Das Modellprojekt „KI in der
Neonatologie“ beinhaltet drei Themen: KI-gestützte
Patientensicherheit durch automatisierte
Überwachung, KI-optimierte Ernährung zur
Förderung von Wachstum und neurologischer
Entwicklung sowie KI-gestützte Steuerung der
künstlichen Plazenta. Die Projektphase dauert
bis zum 31.01.2028. Dann wird anhand der
Ergebnisse über eine mögliche bayernweite
Anwendung der erarbeiteten KI-Modelle entschieden.
Quelle: https://www.stmgp.bayern.de/gerlach-bayernbaut-engagement-beim-einsatz-kuenstlicher-intelligenzin-der-fruehgeborenen/
★
Aktuelle Impfempfehlung der STIKO
Die STIKO empfiehlt für Kinder und Jugendliche
im Alter von ≥2 bis einschließlich 17 Jahren mit
folgenden Risikofaktoren für schwere Pneumokokken-Erkrankungen
eine Pneumokokken-
Impfung:
• Angeborene oder erworbene Immundefekte
• Sonstige chronische Krankheiten, die mit
einer erhöhten Gefährdung für Pneumokokken-Infektionen
einhergehen
• Anatomische oder fremdkörperassoziierte
Risiken für eine Pneumokokken-Meningitis.
Die Empfehlung zur Grundimmunisierung von
Säuglingen mit einem 13-valenten oder 15-valenten
PCV (PCV13 oder PCV15) bleibt weiterhin
bestehen und ist nicht Gegenstand der
Aktualisierung.
Quelle: https://www.dgkj.de/aktuelles/news/detail/
post/stiko-aktualisierung-pneumokokken-impfung
★
Hilfreiche Begleitung in der Schwangerschaft
Eine Frühgeburt kann für Eltern und Kind belastend
sein. Eine britische Studie zeigt nun:
Schwangere, die kontinuierlich von einer Gemeindehebamme
begleitet werden, hatten ein
deutlich geringeres Risiko, ihr Kind zu früh zur
Welt zu bringen.
Quelle: https://www.aponet.de/artikel/fruehgeburt-mithebamme-ist-das-risiko-geringer-32669
★
750.000 Kinder von Tabakrauch im Auto
betroffen
Eine Sonderanalyse im DAK-Präventionsradar
zeigt: Rauchen im Auto belastet mehr als
750.000 Kinder und Jugendliche. In Deutschland
ist das Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln
verboten, im privaten Auto jedoch
erlaubt. Die Folge: Jedes zehnte Schulkind
(10,9 Prozent) ist „oft“ oder „sehr oft“ Tabakrauch
im Auto ausgesetzt. Rund 36 Prozent
geben zudem an, dass sie „manchmal“ oder
„selten“ von Passivrauch betroffen sind. Jugendliche
mit einem niedrigen sozialen Status
fahren häufiger in einem privaten Auto, in dem
geraucht wird, als Teenager aus höheren sozialen
Schichten. Für den DAK-Präventionsradar
hat das IFT-Nord in Kiel im Schuljahr 2024/2025
mehr als 26.500 Schülerinnen und Schüler in
14 Bundesländern befragt. Die Daten zeigen:
32 Frühgeborene 1 · 2026
Kurz & knapp
!
Schulkinder, die Passivrauch im Auto ausgesetzt
sind, konsumieren häufiger selbst Nikotinprodukte.
Experten warnen vor Gesundheitsrisiken
und einer frühen Nikotinabhängigkeit
junger Menschen. DAK-Vorstandschef Storm
und Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin
von der Decken fordern daher ein Rauchverbot
im Auto bei Anwesenheit von Minderjährigen
und werben um mehr Aufmerksamkeit im
privaten Umfeld zum Schutz von Kindern und
Jugendlichen.
Quelle: https://www.dak.de/presse/bundesthemen/
kinder-jugendgesundheit/tabakrauch-im-auto-belastetmehr-als-750-000-kinder-und-jugendliche_161970
★
Neuer Ratgeber zu Steuerfragen
Ab sofort steht das bewährte Merkblatt des
bvkm wieder als aktuelle barrierefreie Online-
Version zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Der jährlich aktualisierte Ratgeber gibt
Steuertipps für Familien mit behinderten Kindern
und folgt Punkt für Punkt dem Aufbau der
Formulare für die Einkommensteuererklärung
2025. Berücksichtigt sind die Erhöhung des
Kinderfreibetrages sowie des Grundfreibetrags.
Auf die Erhöhung der Pendlerpauschale zum 1.
Januar 2026 geht der Ratgeber ebenfalls ein.
Quelle: https://bvkm.de/wp-content/uploads/2026/01/
PM_bvkm_Steuermerkblatt_2026.pdf
★
HPV Impfung schützt vor Krebs
Seit 2007 ist die Impfung gegen Humane-Papillomviren
(HPV) in Deutschland zugelassen. Um
nachweisen zu können, dass sie Gebärmutterhalskrebs
verhindert, bedarf es langer Beobachtungszeiträume,
denn Krebserkrankungen
entstehen langsam. Zwei Übersichtsarbeiten
und eine jüngst veröffentlichte Bevölkerungsstudie
fassen nun die bisherigen Studiendaten
zusammen. Sie belegen: Die Impfung ist sicher
und kann das Risiko von Gebärmutterhalskrebs
deutlich reduzieren – besonders bei Frauen, die
in jungen Jahren geimpft wurden. In Deutschland
empfiehlt die Ständige Impfkommission
die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen
neun und 14 Jahren. Bis zum 18. Geburtstag
kann sie auf Kosten der Gesetzlichen Krankenkassen
nachgeholt werden. Ausführliche Infos
dazu hat das DKFZ hier veröffentlicht.
Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/krebsvorbeugen/hpv-impfung
★
Fast Food und Softdrinks mit gefährlichen
Nebenwirkungen
Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu ultraverarbeiteten
Lebensmitteln (UPF) und Kindern fasst
Erkenntnisse aus aller Welt zusammen, die
belegen, wie der steigende UPF-Konsum die
Ernährung, Gesundheit und das Wohlbefinden
von Kindern beeinträchtigt. Die Arbeit liefert
starke Hinweise darauf, dass der UPF-Konsum
bei Kindern mit einer schlechten Ernährungsqualität,
Übergewicht und Adipositas sowie
Karies einhergeht. Immer mehr Forschungsergebnisse
bringen den UPF-Konsum bei Kindern
zudem mit Unterernährung, Mikronährstoffmangel,
psychischen Problemen, Stoffwechselveränderungen
und einem erhöhten Risiko für
chronische Erkrankungen im späteren Leben
in Verbindung. Diese Erkenntnisse bilden die
Grundlage für die Forderung bzw. Entwicklung
von stärkeren rechtlichen Maßnahmen und
Richtlinien, um dem Anstieg von UPF in der
Ernährung von Kindern entgegenzuwirken. Ziel
ist es, das Ernährungsumfeld von Kindern zu
schützen und ihre Rechte über kommerzielle
Interessen zu stellen.
Quelle: https://knowledge.unicef.org/resource/ultra-processed-foods-and-children-state-art-review
Frühgeborene 1 · 2026
33
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Erfahrungsberichte
Erfahrungsberichte
Ich habe ein erfülltes, glückliches
und gesegnetes Leben
Ich wurde 1960 nach 24+ 6 SSW zu früh geboren.
Ich war 34 cm klein und habe 1080
Gramm, später 860 Gramm gewogen und
musste 18 Wochen im Inkubator verbringen.
Meine Eltern durften mich in diesen 18 Wochen
nur durch eine Scheibe anschauen… Kein
Kontakt… Gott sei Dank bekam ich die abgepumpte
Muttermilch meiner Mutter.
Auch ich war eine Kämpferin, und ich bin mir
absolut sicher, dass ich es nur durch die Liebe
meiner Eltern, hier insbesondere die seelische
Verbindung zwischen meiner Mutter und mir,
geschafft habe, zu überleben.
Meine Mutter und ich hatten von Anfang an
eine intensive Bindung und Beziehung zueinander,
und ich war die ersten Jahre sehr auf sie
fixiert und habe überhaupt nicht wahrgenommen,
dass da auch noch eine ältere Schwester
ist (9 Jahre älter), die auch ein Anrecht auf
unsere Mutter hat.
Ich hatte einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus,
und so manche Nacht ist meine Mutter
mit mir auf dem Arm durch die Wohnung
gelaufen, weil ich nicht schlafen konnte und geweint
habe. Als ich ungefähr sechs Monate alt
war, stellten meine Eltern fest, dass etwas mit
meinen Augen nicht stimmt und haben einen
Augenarzt aufgesucht. Dieser sagte ihnen, dass
ich blind sei.
Nach Rücksprache mit dem Krankenhaus wurde
meinen Eltern gesagt, dass ich im Inkubator
zu viel Sauerstoff bekommen hätte und dadurch
meine Sehnerven zerstört wurden, aber:
„Sie wollten ja ein Kind, das lebt! Und außerdem
müssen Sie damit rechnen, dass ihr Kind
nicht laufen können, nicht sprechen können
und eine geistige Behinderung haben wird.“
Meinen Eltern wurde hier der Boden unter den
Füßen weggezogen, und sie wurden mit alldem
völlig alleine gelassen. Meine Mutter hatte ihr
ganzes Leben lang Schuldgefühle deswegen.
Sie hat aber von Anfang an versucht, mich
nach ihren Möglichkeiten zu fördern und mich
selbstständig werden zu lassen.
Als kleines Kind spielte ich mit anderen Kindern
vor dem Haus draußen, bin alleine mit meinem
kleinen Fahrrad auf dem Weg vor unserem
Haus gefahren (dass ich dabei auch mal in die
Büsche oder auf den Rasen gefahren bin, tat
meiner Freude keinen Abbruch), ich bin Rollschuhe
gelaufen, habe mit anderen Kindern
verstecken gespielt und so weiter.
Das war für meine Mutter bestimmt nicht so
einfach, mich mit anderen Kindern draußen
spielen zu lassen, aber sie hat es getan, mich
aber auch immer dabei im Auge behalten.
Damals war mir nicht bewusst, dass ich „anders“
bin als die anderen Kinder.
Meine Mutter wusste immer ganz genau, was
für mich gut oder nicht gut war.
Mit drei Jahren besuchte ich dann einen Kindergarten
für blinde und sehbehinderte Kinder
in Hamburg, danach die Vorschule und dann
die Grundschule. In den ersten Jahren war
auch ich ein sehr ängstliches und schüchternes
Kind, hatte aber keinerlei Therapien. So etwas
36 Frühgeborene 1 · 2026
Erfahrungsberichte
gab es damals gar nicht. Die erste Klassenreise
in der Grundschule war für mich eine Strafe,
und ich hatte sehr großes Heimweh.
Nach der Grundschule besuchte ich mit meiner
sehbehinderten Freundin und anderen Kindern
für zweieinhalb Jahre das Heinrich-Hertz-Gymnasium
in Hamburg. Dort wurde 1972 der erste
„Modellversuch“ mit blinden Kindern gestartet,
diese zusammen mit sehenden Kindern
in einem Klassenverband zu unterrichten. Das
war für mich eine ganz wichtige Zeit; hatte ich
doch das Gefühl, nun endlich auf eine „normale“
Schule zu gehen. In unserer Klasse waren 36
Kinder, und meine Freundin und ich waren in
die Klassengemeinschaft voll integriert. Leider
gab es damals noch nicht so viele Hilfsmittel,
wie das heute der Fall ist. Es musste viel zu
Hause nachgearbeitet werden.
Nach den zweieinhalb Jahren wechselte ich
dann zur Realschule und danach besuchte ich
die Handelsschule der Schule am Borgweg.
Danach habe ich 41 Jahre lang in der Stadtverwaltung
unserer Stadt in mehreren Bereichen
Vollzeit gearbeitet. Ich war auch in der Schwerbehindertenvertretung
unserer Stadt aktiv.
In diesem Jahr, 2026, bin ich seit fünf Jahren
eine glückliche Rentnerin, die jeden Tag das
Gefühl hat, Urlaub zu haben und ihr Leben in
vollen Zügen genießt. Gesundheitlich habe ich
keinerlei Beeinträchtigungen.
Meinen Haushalt erledige ich selbstständig
alleine. Für das Einkaufen nutze ich eine App
oder die Begleitung von Freundinnen, wenn
diese auch etwas erledigen müssen. Widersprechen
möchte ich der Aussage, das Frühgeborene
immer ihr ganzes Leben lang mit den
Auswirkungen zu kämpfen haben. In manchen
Fällen mag das sein, aber es ist sicher nicht bei
allen so.
Auch dass sich einige Institutionen anmaßen,
den Müttern einzureden, eine zu enge Beziehung
zu ihrem Kind zu haben, sollte man
kritisch hinterfragen und immer als Mutter den
eigenen Instinkten und dem eigenen Gefühl
vertrauen. Denn wer kennt sein Kind besser als
die eigene Mutter?
Eine enge und tragfähige Beziehung zwischen
Mutter und Kind ist das Fundament für ein
ganzes Leben und entwickelt sich im Laufe
des Lebens eines Kindes ganz natürlich immer
weiter.
Meine Familie und ich haben alle Herausforderungen
zusammen wunderbar gemeistert.
Mein Blindsein habe ich sehr schnell akzeptiert
und nur ganz selten nach dem Warum gefragt
oder damit gehadert.
Allen, die mich auf meinem Lebensweg begleitet
haben, und hier insbesondere meiner
lieben Mutter und meine gesamte Familie,
danke ich sehr oft, auch im Stillen, von ganzem
Herzen. Ich habe ein erfülltes, glückliches und
gesegnetes Leben.
Christiane Brämer
Social Media
Hier sind wir zu finden
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Frühgeborene 1 · 2026
37
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für eine wissenschaftliche
Studie?
Auch dieses Anliegen findet Platz auf
unserem neuen Info-Board :)
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relevanten Eckpunkten an
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wir hier veröffentlichen und
bestenfalls melden sich dann
schon bald Interessierte auf
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Kontakt: info@fruehgeborene.
de
Austausch in SÜW gesucht!
Hallo, wir sind eine kleine, glückliche
Familie mit einem 27Wochen Frühchen,
mittlerweile 1,5 Jahre alt. Unsere Tochter
ist gleichzeitig zu krank & zu gesund als
dass es uns möglich wäre, uns irgendwo
einzuordnen, daher fällt es uns oft
schwer Kontakte zu knüpfen, die halten.
Wir suchen daher Familien, denen es
ähnlich geht für Austausch, nette Treffen,
kleine Ausflüge etc. miteinander. Wir
wohnen im Landkreis SÜW und freuen
uns auf alles was kommt.
Kontakt: 0151-53307959
Aufbau Regionalstelle Würzburg
Wer könnte sich denn vorstellen, in
Würzburg eine Anlaufstelle mit aufzubauen?
Viele Grüße, Michaela Götz
Kontakt: micha.shana.goetz@web.de
Erfahrungsberichte
Es gibt immer Wunder, man muss nur
ganz fest daran glauben!
Es war eine Risikoschwangerschaft, die Cerclage
wurde schon im ersten Trimenon gelegt. Montags
das erste CTG beim Frauenarzt, alles war
super. Dann kam der 10.09.2024, der morgen
fing mit leichten Rückenschmerzen an. Am
Abend waren es starke Wehen mit Abständen
von 3-5 Minuten, wir fuhren ins Krankenhaus.
Erste Lungenreife-Spritze wurde gespritzt. Mit
allen Mitteln wurde versucht die Geburt aufzuhalten
und die Wehen zu stoppen, nichts half.
Meine Entzündungswerte lagen bei 92 (in der
Schwangerschaft höchstens bis 20 normal). Dies
hatte sich auch auf das Baby übertragen.
Am 11.09.24 dann die Entscheidung der Oberärztin,
Kaiserschnitt und zwar sofort. Wir benötigten
beide sofort Antibiotika aufgrund der
schlechten Werte. Da wuchs die Angst, Millionen
Gedanken, wird unsere Tochter gesund
sein, wird sie es schaffen, die Zeit reichte nicht
für die zweite Lungenreife Spritze welche Auswirkungen
hat es. Und plötzlich war sie da. Viel
zu früh, in der SSW 28+2 wurde unsere Tochter
Fiona Luise mit 40 cm und 1240 Gramm geboren.
Der erste Schrei, ein kurzer Moment der
Erleichterung, sie lebt!
Sofort wurde sie versorgt, ein kurzer Blick in
den Inkubator wurde mir ermöglicht danach
wurde sie auf die Neonatologie verlegt. Da lag
ich in meinem Zimmer. Neben mir eine Frau mit
ihrem Neugeborenen im Arm, ich alleine mit
meiner Angst um unsere Tochter.
7 Wochen verbrachte sie im Krankenhaus. Ich
machte täglich den Spagat zwischen zu Hause
bei der 3 jährigen Schwester und Krankenhaus
bei unserer Kämpferin. Tag für Tag machte sie
große Fortschritte. Von den Ärzten wurde sie
immer als „Vorzeige-Frühchen“ bezeichnet.
Wir hatten großes Glück. Sie war kerngesund,
ohne Probleme oder Beeinträchtigungen
musste sie einfach noch etwas reifen und
wachsen. Trotzdem war täglich die Angst da,
dass ihr etwas passieren könnte. Täglich plagte
das schlechte Gewissen egal bei welchem der
Mädchen ich war, das andere gerade „alleine“
lassen zu müssen.
Während der Krankenhauszeit habe ich einfach
nur funktioniert. Zusätzlich alle 2-3 Stunden abgepumpt,
jede Nacht den Wecker gestellt denn
Baby war ja keins da. Es war die schlimmste Zeit
meines Lebens, dennoch bin ich sehr stolz auf
uns und auf unsere Mädchen, wie tapfer und
stark sie das beide durchgestanden haben.
Dann kam endlich der große Tag, am
03.11.2024 durften wir unsere kleine Kämpferin
mit 2212 Gramm mit nach Hause nehmen.
Endlich waren wir alle vier beisammen, endlich
komplett! Doch dann kam auch der Alltag. Und
es kam irgendwann die Zeit zum nachdenken.
Und alles kam hoch, nichts hatte ich verarbeitet,
alles nur verdrängt. Erst jetzt wurde mir
bewusst, was da eigentlich passiert war.
Frühgeborene 1 · 2026
39
Erfahrungsberichte
Und ich möchte andere dazu ermutigen, es ist
keine Schande, sich Hilfe zu suchen, es ist wichtig
zu reden und alles aufzuarbeiten.
Eine Frühgeburt ist alles andere als schön, so
viele Dinge die einem genommen werden, so
viel Angst, Wut, Trauer, Fragen, Zweifel etc., die
entstehen. Aber ihr dürft nie den Glauben verlieren
denn es gibt immer Hoffnung!
Unsere Kleine ist heute 18 Monate alt. Selbst
die Ärzte sagen, es ist Wahnsinn, wie schnell
sie alles aufgeholt hat, denn sie ist sowohl körperlich
(Größe und Gewicht) als auch von ihrer
gesamten Entwicklung her auf dem gleichen
Stand bzw. teilweise sogar weiter entwickelt
wie Gleichaltrige Reifgeborene.
Ich möchte anderen Eltern Mut machen mit
unserer Geschichte. Es war ein viel zu früher
Start ins Leben und doch hat diese frühe Geburt
ihr Leben gerettet und es gibt immer Wunder,
man muss nur ganz fest daran glauben!
Nach jedem Sturm kommt ein Regenbogen
– egal, wie lange er braucht...
Unser Sohn Ayato kam bei 24+4 Schwangerschaftswochen
zur Welt.
Am 15.08. früh morgens wurden wir mit dem
Rettungswagen in die Klinik gebracht – Verdacht
auf einen Blasensprung. Leider bestätigte
sich dieser. Von da an hieß es: liegen, aufstehen
nur noch für den Weg ins Badezimmer,
warten. Hoffen.
Am späten Abend begannen Blutungen. Es ging
in den Kreißsaal, Dauer-CTG, Antibiotika.
Meine Werte wurden schlechter, auch die von
Ayato. Ich erinnere mich noch genau daran,
wie ich zur Hebamme sagte: „Ich halte diese
Ungewissheit nicht aus. Ich brauche klare Entscheidungen,
wie es weitergeht.“
Dann hieß es: Ayato muss jetzt geholt werden.
Und plötzlich ging alles viel zu schnell.
Das Gespräch mit dem Kinderarzt hat mich
zutiefst erschüttert. Zu hören, was passieren
kann, wenn ein Baby so früh auf die Welt
kommt. Die Frage, ob wir eine Maximalversorgung
möchten.
40 Frühgeborene 1 · 2026
Erfahrungsberichte
Die Worte über mögliche Schäden, über das
Risiko, dass er es vielleicht nicht schaffen könnte.Entscheidungen
über Leben und Überleben
treffen zu müssen – das war grausam.
Zwischen Angst und Hoffnung – die Zeit auf
der Neonatologie
Ich weiß noch, dass ich gezögert habe. Ich
konnte mich nicht freuen, aber auch nicht richtig
trauern. Ich war wie in einer anderen Welt.
Ich hatte Angst, Ayato anzufassen.
Am schwersten war es, ihn jeden Tag zurückzulassen.
Während man im Wochenbett eigentlich
kuschelt, ankommt und genießt, bin ich
jeden Tag über eine Stunde gefahren – nur um
zwei Stunden bei meinem Sohn sein zu können.
Der schlimmste Moment war eine Infektion.
Wir wollten Ayato gerade aus dem Bettchen
holen, als er plötzlich nicht mehr richtig atmen
konnte. Tiefe Sättigungsabfälle, hektische
Bewegungen – sogar die Ärztin musste sofort
dazukommen. Am Abend kam der Anruf: Sie
müssten ihn intubieren, um ihn zu stabilisieren.
Ob wir das möchten.
Angst, Machtlosigkeit und Hilflosigkeit begleiteten
mich täglich. Kurz kamen sogar Gedanken,
ob wir diesem kleinen Körper nicht zu viel zumuten.
Heute weiß ich: Diese Gedanken entstanden
aus purer Liebe und Verzweiflung.
Das ständige Auf und Ab war kaum auszuhalten
– ein Schritt nach vorne, zwei zurück. Erst als
Ayato vom CPAP auf High-Flow wechseln konnte,
hatte ich das Gefühl: Es geht voran.
Der Weg nach Hause
Der Tag der Entlassung war geprägt von großer
Freude, aber auch von Vorwürfen aus Teilen
der Familie, die diesen Moment überschatteten.
Deshalb ist dieser Tag bis heute mit gemischten
Gefühlen verbunden.
Der Alltag mit einem so zarten Baby und zwei
größeren Geschwistern war herausfordernd.
Sie liebten Ayato von der ersten Sekunde an,
doch da waren auch viele Termine und die
ständige Angst vor Infekten.
Heute
Heute ist Ayato weiterhin entwicklungsverzögert
und sehr anfällig für Infekte. Aber er ist
vor allem eines: ein freundlicher, lebensfroher
kleiner Junge. Er ist unser Sonnenschein.
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich viel
stärker bin, als ich jemals dachte. Dass Vertrauen
wichtig ist. Und dass wir als Familie ein
starkes Team sind.
Meine Botschaft an andere Frühchen-Eltern
Fragt nach. Informiert euch. Seid für euren
kleinen Mini-Menschen da. Lasst alles Schlechte
draußen und geht mit guten Gedanken zu
eurem Kind – sie spüren mehr, als wir glauben.
Vertraut darauf, dass euer Kind seinen eigenen
Weg gehen wird und begleitet es dabei.
Nach jedem Sturm kommt ein Regenbogen –
egal, wie lange er braucht.
Michelle Rothbarth
Erfahrungsberichte gesucht!
Wir freuen uns über eure Beiträge rund
ums Thema Frühgeborene, die wir gerne
in dieser Rubrik abdrucken - auch anonym,
falls gewünscht. Egal, ob anfängliche
Akutphase, Kleinkindzeit, Schulphase oder
Pubertät - lasst uns wissen, was euch bewegt,
was euch Kraft gibt, was euch weitergeholfen
hat und vielleicht noch immer
hilft. Ihr wolltet schon immer mal über eure
Erlebnisse berichten? Dann schickt uns eine
entsprechende Mail mit dem Betreff Erfahrungsbericht
an info@fruehgeborene.de
Frühgeborene 1 · 2026
41
Erfahrungsberichte
Ein Vogel, der fliegen kann...
Ein Vögelchen, wie aus dem Nest gefallen, so
klein so zart. Mir wird ein Foto vom Krankenhausfotografen
überreicht, auf dem meine
Tochter im Inkubator zu sehen ist. Sie liegt
seitlich, eine Sonde, ein Herzpflaster. Ich solle
es immer
beim Abpumpen anschauen, das fördere den
Milchfluss.
Hier gelten Regeln, die mir neu sind. Sätze, die
ich vor ein paar Monaten nicht in meinem Kopf
hatte, wenn ich an die Zeit mit meinem erstgeborenen
Kind dachte.
„So stark, ein Hummelchen. Die Beine strampeln
immer, wenn Sie nicht da sind“, freut sich
die Schwester, wenn ich am Morgen nach der
Desinfektionsschleuse zum Inkubator gehe und
die Tür öffne.
Wörter und Begriffe, die ich neu lerne: Neonatologie,
Lungenreife, Känguruhen. „Sie haben
Glück, es ist ein Mädchen, die sind stärker.“ Ein
Satz, der mir Hoffnung gibt. Und von der Ärztin
gesprochen, die es ja wissen muss.
1070g, sehr klein und sehr leicht, VLBW. Ich
beginne, mir Abkürzungen zu merken. Arbeite
mich ein in Abläufe und Gewichtsdokumentationen
und mit jedem Tag werde ich geübter in
meinen Handgriffen. Es gibt so viel zu tun. Ich
strecke meine riesengroße Hand durch die Tür,
lege sie auf den Rücken und spüre die Fragilität.
Und auch die Kraft, den Atem, den Herzschlag.
Nach wenigen Tagen ist die Plastikfolie, die die
Haut schützt, nur noch eine surreale Erinnerung.
Das erste Mal Känguruhen ist Neuland. So
wie ich vor 10 Jahren als Backpackerin Australien
betreten hatte, ohne zu ahnen, dass die
Beuteltaktik mir und meiner Tochter Nähe in
einem sterilen Umfeld schenken würde. Stunden
voller Wärme, begleitet von einem leisen
Summton, der uns beide beruhigt. Passagen
aus ‚Märchen für mutige Mädchen‘ vorlesend.
Die Bradykardien, eine fiebrige Infektion, Bilirubin-Werte
– alles vergessen, wenn sich unser
Herzschlag synchronisiert. Piepsgeräusche,
Warnlaute und eilige Schritte gelten nicht für
uns, wenn die Flasche leergetrunken wird.
Nach 3 Wochen Neo, zuvor 3 Wochen präpartal
werden wir entlassen. Der Maxi-Cosi steht in
der Wohnung und ich schaue ungläubig auf uns
beide. Und uns drei. Man traut es uns zu.
Vor 19 Jahren war ich noch keine 30 und die
Gynäkologin scherzte, dass ich in Berlin den
Altersdurchschnitt gehörig nach unten korrigierte.
Während des 3. Ultraschalls war die
Unbekümmertheit schnell dahin. Kolleginnen
eilten herbei und ein Notfall wurde ausgerufen.
Dann eine viel zu lang dauernde fassungslose
Autofahrt ins Krankenhaus. Tage voller Verzweiflung,
Tränen und mit wenig Hoffnung.
Eine goldene Regel, die mich eine Hebamme
lehrte und die alles veränderte: an nichts als
ans Jetzt denken. Nicht an den kommenden
Tag. Nicht an die Wochen. Nicht an die Geburt.
Nicht an die Zeit danach. Sich ein Beispiel nehmen
am Straßenfeger, der Momo erklärt, dass
man sich nie die lange Straße vorstellen soll.
42 Frühgeborene 1 · 2026
Erfahrungsberichte
Stattdessen den Blick richten auf den kleinen
Abschnitt, der vor einem liegt. Und diesen mit
Hingabe fegen.
Und wenn man dann 19 Jahre später zurückschaut,
sieht man, was für Meilensteine sich
fast wie von allein ergeben haben: an der Brust
trinken, krabbeln, die ersten Schritte, eine große
Schwester sein, Kinderladen und Schule, ein
Schwimmabzeichen, erste Reisen allein, Gymnasium,
Freunde und Beziehungen, Bühnenauftritte,
Abitur, Führerschein, Auslandsreisen.
Und noch so viel mehr.
Ein Vogel, der fliegen kann.
Ira Lenz
★
Viel lief gut, aber Potenzial ist da...
Unsere kleine Maus kam ganze 13 Wochen
zu früh per Notkaiserschnitt auf die Welt. Der
Grund war eine Entzündung der Plazenta, die
unbemerkt blieb. Lediglich etwas weißlicher
Ausfluss, den mein Arzt als Pilzinfektion angetan
hat. (Tipp: Zweitmeinung, wenn euch das
komisch vorkommt!!!)
Die Kleine ist unser erstes Kind, daher wusste
ich nicht, dass die Krämpfe in der Nacht schon
die Wehen waren. Am Morgen ging es dann
also mit Notarzt und RTW ins dafür ausgestattete
Krankenhaus (etwa 24 km entfernt vom
Wohnort).
Dort angekommen wurde mitgeteilt, dass
bereits ein Fuß zu ertasten war und die Kleine
sofort geholt werden muss.
Sofort waren etwa 15 Menschen dabei, mich
umzuziehen, Zugänge zu legen, beruhigend auf
mich einzureden und noch eben Allergien abzufragen,
bevor ich schlafen gelegt wurde.
Als ich wach wurde, war da so ein leeres Gefühl.
Ich schluckte und, die anwesende Psychologin
sah mich an und nickte lächelnd. "Es ist
alles gut" und "Wie heißt sie denn?" fragte sie,
während sie mir das erste Foto unseres kleinen
Wunders in die Hand gab. Da traten mir Tränen
in die Augen, ich teilte den Namen mit und
fragte nach meinem Mann. Der war unterwegs
und traf kurz nach der Frage auch ein.
Wir wurden in das Familienzimmer auf der
Wöchnerinnenstation gebracht und nach fünf
Stunden war mein Wochenbett vorbei. Aufstehen,
abpumpen und zum Kind gehen.
Es folgten zwei lange Monate auf der Neointensivstation.
Für mich hieß es alle zwei
Stunden abpumpen für den Milchfluss, für die
Kleine kämpfen und wachsen. Glücklicherweise
hat unser kleiner Sonnenschein einen richtigen
Sturkopf. Sie ist ohne größere Komplikationen
einfach weiter gewachsen. Und hat immer,
wenn sie Veränderungen brauchte, dafür gesorgt:
Sie zog sich irgendwann ständig schreiend
ihren CPAP (Atemmaske) ab, sodass sie am
Frühgeborene 1 · 2026
43
Erfahrungsberichte
HighFlow (Nasenbrille) sein durfte. Natürlich
immer erst mit kurzen Einheiten, aber sie hat
den CPAP kontinuierlich abgezogen. Sie zog sich
irgendwann ständig die Sonde, sodass sie öfter
aus der Flasche trinken durfte, bis sie keine
Sonde mehr brauchte.
Bei allem, was so gut lief, war es für uns als
Eltern trotzdem schwer, sie dort immer liegen
zu lassen. Wir versuchten also so viel Zeit wie
möglich mit Känguru-Kuscheln, Vorlesen am
Inkubator usw. zu verbringen. Auch der Austausch
mit unseren Zimmernachbarn, die regelmäßigen
Gespräche mit der Psychologin oder
mit einigen Mitarbeitenden der Station haben
wirklich geholfen.
Viele hatten tröstende oder aufbauende Worte.
Aber dort ist es, wie überall sonst: Es gibt
die sozialen Menschen, die auch gern mit den
Eltern sprechen und ihnen Dinge zeigen, und
die, die einfach möglichst ohne viel Gerede
ihren Job machen möchten. An manchen Tagen
hat mich das echt getroffen, gerade wenn dann
das Gefühl aufkam, man nervt nur oder macht
nichts richtig... Das war etwas schade, denn so
sehr ich auch verstehe, dass nicht jeder Lust
auf Elterngespräche hat... Gehört das doch gerade
auf der Neo-Intensivstation mit zum Job?
Nach 1,5 Monaten kam der große Tag: Der Umzug
auf die Neugeborenenstation! Dort haben
wir gelernt, auf unser Kind zu achten und nicht
bloß auf den Monitor. Das war vorher gar nicht
so bewusst, das da so eine "Abhängigkeit" da
ist. Aber es hat geklappt. Und nach weiteren
zwei Wochen durften wir nach Hause. Das war
ein sehr besonderer Tag. Und an der Stelle bin
ich sehr dankbar, das unser Kind keinen Anteil
der Entzündung abbekommen hat. Sondern
einfach gewachsen ist!
Leider gab es wenig Angebote zur Nachsorge,
gerade bzgl. Psyche der Eltern. So kämpfe ich
immer noch mit diesem plötzlichen "Verlust"
vom dritten Trimester und den Dingen, die
man da so tut. Damit, dass ich nicht so gebären
konnte, wie ich wollte. Dass ich kein Wochenbett
hatte. Dass ich nicht stillen konnte und
kann... Da wäre wirklich viel Potenzial, dieser
Belastung noch mal anders zu begegnen. So
muss ich das jetzt zusätzlich irgendwie bewältigen,
neben den ganzen Terminen, die für ein
Frühchen halt so anstehen.
Was im Nachhinein auch zweifelhaft war,
waren die ganzen Informationen, die man erst
aus dem Entlassungsbrief erhalten hat: So
wurde uns beispielsweise nicht mitgeteilt, dass
die kleine Maus bei Geburt keinen Herzschlag
mehr hatte und reanimiert wurde. Das wäre
etwas, das ich doch gern irgendwann vorher
in den zwei Monaten mal erfahren hätte, statt
plötzlich mit dieser Information alleine Zuhause
zu sitzen.
Also: Viel lief gut, aber Potenzial ist da. Daher
würde ich sagen, als Lehre oder Tipps:
• Fragt vorher schon mal, wie die Geburt war,
wenn ihr das wissen möchtet.
• Schämt euch nicht, die Akte/Kurve zu verlangen
und zu lesen: Es ist euer Kind! Fragt nach,
wenn ihr etwas in der Kurve lest, was keiner
euch gesagt hat.
• Nehmt es dem Personal nicht übel, wenn sie
"nur" ihren Job machen und keine Lust auf
Gespräche haben.
• Nehmt euch Hilfe, wenn ihr merkt, dass ihr
Hilfe braucht. Das heißt nicht, dass man
schwach ist, sondern stark für sein kleines
Wunder sein möchte!
• Vergleicht euch nicht mit anderen, ihr und
euer Kind seid einzigartig!
• Frühchenvereine machen ganz wunderbare
Arbeit, Unterstützung gibt's dort auf jeden
Fall auch – vergesst aber nicht, zurück zu
unterstützen, wenn ihr könnt!
44 Frühgeborene 1 · 2026
Frühgeborene e.V.
Unsere Nummer gegen
Frühchen-Kummer
Beratungserfahrene Mütter sind montags,
dienstags, donnerstags und freitags in der
Zeit von 9 Uhr bis 13 Uhr und mittwochs
in der Zeit von 16 Uhr bis 20 Uhr zu erreichen,
können oft sofort einen ersten Rat
geben oder an Experten verweisen.
kostenfreie Service-Nummern
für Anrufe aus Deutschland und Österreich
D 0800 – 875 877 0
Au 0800 - 878 877
App für Geschwister
Hallo Frühchen
Die App „Hallo Frühchen“ wurde vorrangig
für Kinder im Vorschulalter konzipiert. Sie
informiert auf kindgerechte Weise anschaulich
sowie erzählerisch über das Thema
Frühgeburt. Damit trägt sie ergänzend
dazu bei, dass Geschwister, aber auch ehemals
zu früh geborene Kinder selbst, ein
besseres Verständnis für die erlebte besondere
Anfangssituation entwickeln können.
Entwickelt wurde die App im Auftrag des
Bundesverbandes Frühgeborene e.V. von
KIDS interactive - der Agentur für junge
Medien mit Sitz in Erfurt.
Die App steht zum kostenlosen Download
für die Betriebssysteme iOS, Android und
Windows zur Verfügung.
Mit freundlicher Unterstützung der
BARMER
Unterstützt durch die Patenschaft von
Experten-Sprechstunde
Information & Aufklärung rund um
entwicklungsrelevante Themen
aktuelle Termine
Kostenfreies
Eltern-Webinar
Frühgeborene 1 · 2026
45
Erfahrungsberichte
Unsere Geschichte zeigt: ein guter
Verlauf ist möglich
Unsere Tochter wurde im März 2023 völlig unerwartet
bei 25 + 6 Schwangerschaftswochen
geboren. Sie wog nur 845 Gramm und war 35
Zentimeter groß. Die Geburt erfolgte spontan
aufgrund eines Amnioninfektionssyndroms –
nichts deutete im Vorfeld darauf hin, und wir
wurden von der Situation vollkommen überrascht.
Nach der Geburt wurde unsere Tochter intensivmedizinisch
auf der Neonatologie versorgt.
Glücklicherweise durften wir sie noch am
selben Tag besuchen, was für uns emotional
unglaublich wichtig war. Sie benötigte eine
Atemunterstützung mit CPAP und konnte
bereits nach vier Wochen auf High-Flow umgestellt
werden. Insgesamt hat sie eine wirklich
bemerkenswerte Entwicklung gezeigt: Zwei
Monate Krankenhausaufenthalt hat sie ohne
Komplikationen überstanden.
Für uns als Eltern war diese Zeit dennoch geprägt
von großen Ängsten, Unsicherheit und
einer enormen emotionalen Belastung. Was
uns sehr geholfen hat, war die Unterstützung
unserer Familie – und vor allem auch die positiven
Mutmachgeschichten anderer Eltern, die
gezeigt haben, dass gute Verläufe möglich sind,
selbst bei extrem frühen Geburten.
Nach zwei Monaten durfte unsere Tochter nach
Hause entlassen werden. Heute, kurz vor ihrem
dritten Geburtstag, ist sie ein völlig normal entwickeltes
kleines Mädchen. In manchen Bereichen
ist sie ihren gleichaltrigen Freunden sogar
voraus: Sie ist größer als viele andere Kinder,
motorisch sehr sicher und sprachlich weiterentwickelt
als manche Gleichaltrige. Dafür
empfinden wir eine tiefe Dankbarkeit.
Uns ist sehr bewusst, dass ein solcher Verlauf
bei einer so frühen Schwangerschaftswoche
keineswegs selbstverständlich ist. Genau deshalb
möchten wir unsere Geschichte teilen – in
der Hoffnung, anderen betroffenen Eltern in
einer sehr schweren Zeit Mut, Zuversicht und
Hoffnung zu geben.
Viel zu früh und viel zu klein, aber nicht allein...
Wir helfen weiter! Auch Du kannst helfen.
Mit einer Spende, die ankommt!
Unser Spendenkonto
SozialBank AG
IBAN: DE 53 3702 0500 0008 6250 00
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46 Frühgeborene 1 · 2026
Lesenswert
Lesenswert
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Vorsitzenden Dr. med. Maria Hitzschke
Eine Handvoll Wunder — Alles über deinen Weg
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Alina Stockhaus, M.A., Schleswig, ist freiberufliche Illustratorin und Grafikdesignerin. Persönlich geprägt
ist ihre Arbeit durch die Geburt ihrer Tochter, die als Frühchen zur Welt kam. Aus dieser Erfahrung
entstand der Wunsch, ein Buch zu gestalten, das Familien mit einem ähnlichen Start begleitet
und an die Kraft und den Mut in dieser besonderen Zeit erinnert.
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48 Frühgeborene 1 · 2026
Gut zu wissen
Õ
Õ
Gut zu wissen
Die "Goldene Stunde" in der Frühgeborenenversorgung
Die „Goldene Stunde“ (Golden Hour) bezieht
sich auf die ersten ein bis zwei Stunden nach
der Geburt, eine sensible Phase für die Mutter-
Kind-Bindung und Gesundheit, geprägt durch
ununterbrochenen Haut-zu-Haut-Kontakt, der
Ruhe, Wärme und den Herzschlag des anderen
spüren lässt. Diese Nähe fördert die emotionale
Entwicklung, stabilisiert Herzschlag, Atmung
und Blutzucker des Babys und erleichtert das
Stillen. Störende Eingriffe wie Baden oder Messungen
werden verzögert, was die natürlichen
Instinkte des Neugeborenen unterstützt (Self-
Attachment).
Der Begriff "Goldene Stunde" stammt ursprünglich
aus der Notfallmedizin, wo er die
ersten 60 Minuten nach einem Unfallereignis
bezeichnet. Er wurde in die Geburtshilfe übernommen
und bezog sich zunächst vor allem auf
die Behandlung von Frühgeborenen unmittelbar
nach der Geburt.
Warum ist die „Goldene Stunde“ so wichtig?
• Bindung und Sicherheit: Das Baby fühlt sich
durch den vertrauten Herzschlag und die
Wärme der Mutter sicher und geborgen,
was Stress reduziert und die emotionale
Bindung stärkt.
• Gesundheitliche Vorteile: Haut-zu-Haut-
Kontakt hilft, die Körpertemperatur, Herzund
Atemfrequenz des Babys zu stabilisieren
und senkt das Stresslevel.
• Erfolgreicher Stillstart: Der direkte Kontakt
fördert Reflexe, die das Baby zur Brust führen,
was den Beginn des Stillens erleichtert
und die Stillrate erhöht.
• Minimierung von Störungen: Untersuchungen
und medizinische Prozeduren werden
auf ein Minimum reduziert, um die ungestörte
Zeit zu schützen.
Was beinhaltet die „Goldene Stunde“?
• Haut-zu-Haut-Kontakt (Kangaroo Care): Das
Baby wird, oft nur mit einer Decke bedeckt,
direkt auf die nackte Brust der Mutter gelegt.
• Verzögerte Maßnahmen: Baden, Impfungen
oder Fußabdrücke werden aufgeschoben,
bis die erste Stillmahlzeit stattgefunden hat.
• Geduld und Ruhe: Die erste Stunde ist eine
Zeit des Kennenlernens und der Erholung
für Mutter und Kind, auch bei einem Kaiserschnitt.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass
diese Maßnahmen mit einer besseren Wärmeregulierung
des Neugeborenen, geringerem
Stressniveau der Mutter und des Kindes sowie
längerfristig mit einer höheren Stillrate und
einer längeren Stilldauer in Verbindung gebracht.
Ist die „Goldene Stunde“ immer möglich?
Krankenhäuser und Geburtszentren streben
danach, diese Stunde zu ermöglichen, da sie
entscheidend für das Wohlbefinden von Mutter
und Kind ist.
Ausnahmen: Bei medizinischen Komplikationen
kann der Hautkontakt unterbrochen werden,
aber das Ziel bleibt, Mutter und Kind so schnell
wie möglich zu vereinen.
50 Frühgeborene 1 · 2026
Gut zu wissen
Õ
Die „Goldene Stunde“ legt den Grundstein
für eine gesunde Entwicklung und eine starke
Eltern-Kind-Beziehung, aber die Nähe und das
Bonding setzen sich über die ersten Tage und
Wochen fort.
Die "Goldene Stunde" in der Frühgeborenenversorgung
Bei der nachgeburtlichen Versorgung von
Frühgeborenen hat die "Goldene Stunde" noch
eine andere Bedeutung. Studien haben gezeigt:
Auch bei ihnen spielt diese erste Phase unmittelbar
nach der Geburt eine maßgebliche Rolle,
vor allem was weitere Prognosen betrifft.
Nur wenn in dieser sogenannten „Golden
Hour“ die Erstversorgungsmaßnahmen schnell
und kompetent durchgeführt werden können,
lassen sich insbesondere bei extrem unreif geborenen
Kindern irreversible Langzeitschäden
verhindern. Unterkühlung (Hypothermie) und
Unterzucker (Hypoglykämie) sind gefürchtete
Risiken für diese extrem unreifen Neugeborenen.
Einer US-Klinik gelang es, mithilfe einer
Qualitätsinitiative diese Problematik zu reduzieren.
Das evidenzbasierte, strukturierte
Protokoll für die ersten 60 Minuten nach der
Geburt zielt darauf ab, durch optimierte Atemwegsunterstützung,
Thermoregulation, Infektionsprophylaxe
und frühe Stabilisierung (Hautzu-Haut,
verzögerte Abnabelung) Morbiditäten
wie Hirnblutungen und BPD zu senken.
Quellen: Neonatologie Scan 2020; 09(03): 181
DOI: 10.1055/a-1078-3852
Reynolds RD, Pilcher J, Ring A, Johnson R, McKinley P.
The Golden Hour: care of the LBW infant during the first
hour of life one unit's experience. Neonatal Netw. 2009
Jul-Aug;28(4):211-9; quiz 255-8. doi: 10.1891/0730-
0832.28.4.211. PMID: 19592362.
Harriman TL, Carter B, Dail RB, Stowell KE, Zukowsky
K. Golden Hour Protocol for Preterm Infants:
A Quality Improvement Project. Adv Neonatal
Care. 2018 Dec;18(6):462-470. doi: 10.1097/
ANC.0000000000000554. PMID: 30212389.
Doyle KJ, Bradshaw WT. Sixty golden minutes. Neonatal
Netw. 2012 Sep-Oct;31(5):289-94. doi: 10.1891/0730-
0832.31.5.289. PMID: 22908049.
Zahlen & Fakten
Die
Kaiserschnittquote
lag
2024 in Deutschland
bei 34,11 %.
Im
Jahr 2024
kamen insgesamt
664.366
Kinder zur Welt.
661.591 davon
lebend.
49.485
dieser Kinder
wurden als
Frühgeborene vor
der 37.SSW geboren
*Quelle: Bundesauswertung AJ 2025 nach DeQS-RL PM-GEBH
Frühgeborene 1 · 2026
51
Jetzt Mitglied werden!
Gemeinsam für die Allerkleinsten!
Jedes Jahr kommen in Deutschland tausende Kinder zu früh zur Welt.
Für betroffene Familien beginnt damit eine herausfordernde Zeit
voller Sorgen, Fragen – aber auch Hoffnung.
Genau hier setzt der Bundesverband Frühgeborene e.V. an:
Wir stehen Familien mit früh- und risikogeborenen Kindern
zur Seite, geben Orientierung, vermitteln Austausch und vertreten
ihre Interessen in Politik und Gesellschaft. Doch unsere
Stimme wird stärker mit jeder Familie, die sich uns anschließt.
Warum Mitglied werden?
Gemeinschaft erleben
Mit anderen Betroffenen austauschen, die Deine Situation verstehen – ehrlich, einfühlsam und
auf Augenhöhe.
Wissen erhalten
Von fundierten Informationen, Beratungsangeboten und praxisnahen Materialien rund um
Frühgeburt, Nachsorge und Entwicklung profitieren.
Interessen vertreten
Gemeinsam setzen wir uns für bessere Versorgungsstrukturen, familienfreundliche Rahmenbedingungen
und mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit ein.
Netzwerk stärken
Unterstützt ein bundesweites Netzwerk aus Elterninitiativen, Fachkräften und Helfenden, das
Familien in einer sensiblen Lebensphase auffängt.
Eure Mitgliedschaft macht den Unterschied
Mit Eurem Beitritt helft Ihr nicht nur Eurer eigenen Familie, sondern auch vielen anderen. Ihr
stärkt unsere Arbeit langfristig und tragt dazu bei, dass Frühgeborene und ihre Familien die
Unterstützung bekommen, die sie verdienen.
Werdet Teil einer starken Gemeinschaft – für unsere Kinder. Für unsere Familien. Für eine bessere
Zukunft.
Jetzt informieren und Mitglied werden beim Bundesverband Frühgeborene e.V.
Gemeinsam geben wir den Kleinsten eine laute Stimme.
Termine
Termine
Vorschau
Unsere Bilderserie
Walter Schels: Über|Leben
Teil 1-3
26.-27. März 2026
Münchner Symposium Frühförderung 2026
17.-19. Juni 2026
52. Jahrestagung GNPI in Mannheim
26.-27. September 2026
Forum Frühgeborene | Voneinander lernen -
miteinander wachsen | Interdisziplinäre Fachtagung
| Ernährung von Frühgeborenen in
Frankfurt/Main
21-24. Oktober 2026
66. DGGG-Kongress in München
15. November 2026
Welt-Frühgeborenen-Tag
Die Bilderserie begleitet sechs zu früh geborene
Kinder in regelmäßigen Abständen
seit ihrer Geburt mit der Kamera. Zum
ersten Mal wurden die Kinder während
der Akutphase auf der neonatologischen
Intensivstation fotografiert. Weitere Aufnahmen
folgten im Alter von zwei und fünf
Jahren. Entstanden sind beeindruckende
Aufnahmen, die wohl keinen Betrachter
unberührt lassen...
Walter Schels, geboren 1936 in Landshut,
ist ein leidenschaftlicher Erforscher der
menschlichen Physiognomie. Ihm geht es
darum, Wesen und Persönlichkeit eines
Motivs in der Fotografie sichtbar zu machen.
Bekannt wurde er mit Charakterstudien
von Künstlern und Politikern, von
Prominenten der Kultur- und Geisteswelt.
Für seine Arbeiten erhielt er u.a. den
»Hansel-Mieth-Preis«, die Goldmedaille
des Art Directors Club für Deutschland,
den »Lead Award« der Akademie für neue
Bildsprache und den »World Press Photo
Award«. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen
Ausstellungen im In- und Ausland
gezeigt. Mehr Infos zum Projekt
54 Frühgeborene 1 · 2026
Save the date!
Termine
Forum Frühgeborene
Voneinander lernen - miteinander wachsen!
GEMEINSAM FÜR DIE ALLERKLEINSTEN * GEMEINSAM FÜR DIE ALLERKLEINSTEN *
Interdisziplinäre Fachtagung
Ernährung von Frühgeborenen
am 26. und 27. September 2026
in Frankfurt am Main
Zusammenhänge verstehen
Probleme erkennen
Situationen einordnen
Eltern begleiten
Familien entlasten
Weitere Infos und Anmeldung
Impulsvorträge | Diskussionsrunden
Workshops | World Café
Eine Veranstaltung des Bundesverbandes Frühgeborene e.V.
Frühgeborene 1 · 2026
55
Überarbeitete Auflage
ELTERN AUF DER NEO-INTENSIVSTATION
Ein Feedback für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Unsere zwischenzeitlich vergriffenes
Eltern-Feedback ist nach
einer Überarbeitung und inhaltlichen
Erweiterung um die
Themen Hygiene sowie Trauerund
Sterbebegleitung ab sofort
wieder im Online-Shop des
Bundesverbandes unter www.
fruehgeborene.de erhältlich.
ELTERN AUF DER
NEO-INTENSIVSTATION
Ein Feedback für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Bundesverband
„Das frühgeborene Kind” e.V.
In Originalzitaten schildern
Eltern ihre persönlichen Erlebnisse
während der Akutphase
und geben einen ungewöhnlich
direkten Einblick in die Gefühlslage
von frisch betroffenen
Familien.
Die Broschüre ist nicht nur bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den neonatologischen
Stationen gefragt, sondern erfreut sich auch in der Pflegeausbildung großer Beliebtheit. Sie
kann unter https://shop.fruehgeborene.de/eltern-auf-der-neointenivstation-ein-feedback_
neoteam-01.htm bestellt oder unter https://www.fruehgeborene.de/fachdisziplinen/publikationen.htm
kostenfrei heruntergeladen werden.
Mit dem Oktopus durchs Liedermeer
Das Buch kann direkt in unserem Frühchen-Shop bestellt
werden.
Der Preis beläuft sich derzeit auf 15,00 Euro pro Stück zzgl.
Versandkosten, der zu 100% in die nächste Auflage dieses
schönen Liederbuchs fließt.
Gerne hat unser Verband die Erstauflage mit einem Testimonial
und einem Liedbeitrag unterstützt :)
Hier geht es direkt zum Liederbuch
Alltag & Familie
Alltag & Familie
Ungebetene Gäste im Haar: Läusezeit
in Kita & Schule
Plötzlich juckt es am Kopf und beim genaueren
Hinsehen zeigen sich kleine ungebetene
Gäste im Haar. Oh Schreck, ein Läusebefall!
Dieser kommt oft überraschend. Besonders
Kinder sind häufig betroffen. Kopfläuse sind
zwar lästig, aber kein Grund zur Panik. Wissen
und richtiges Handeln helfen schnell weiter.
Es beginnt meist harmlos. Das Kind kratzt sich
häufiger am Kopf, wirkt unruhig und dann der
Schreck beim Nachsehen. Kopfläuse! Gerade
bei Kindern sind die winzigen Krabbler schnell
unterwegs. So unangenehm der Gedanke ist:
Läuse sind kein Drama. Mit Ruhe, Wissen und
den richtigen Schritten lässt sich das Problem
gut lösen.
Kopfläuse sind kleine, flügellose Parasiten,
die ausschließlich auf dem menschlichen Kopf
leben. Sie werden nur wenige Millimeter groß,
sind grau bis bräunlich gefärbt und ernähren
sich mehrmals täglich von Blut aus der Kopfhaut.
Besonders wohl fühlen sie sich in warmen
Bereichen wie hinter den Ohren, im Nacken
oder an den Schläfen. Dort legen sie auch ihre
Eier ab, die sogenannten Nissen. Diese kleben
fest am Haaransatz und entwickeln sich innerhalb
weniger Tage zu neuen Läusen.
Am häufigsten betroffen sind Kinder im Kindergarten-
und Grundschulalter. Der Grund dafür
ist nicht mangelnde Hygiene, sondern der enge
Kontakt beim Spielen, Toben oder Kuscheln.
Kopfläuse werden fast ausschließlich durch
direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt übertragen. Sie
können weder springen noch fliegen. Außerhalb
des menschlichen Körpers überleben
Läuse nur ein bis zwei Tage, weshalb Haustiere
keine Rolle bei der Übertragung spielen.
Woran man einen Läusebefall erkennt
Das häufigste Anzeichen für Kopfläuse ist starker
Juckreiz. Dieser entsteht durch eine allergische
Reaktion auf den Speichel der Läuse, der
beim Blutsaugen in die Haut gelangt. Allerdings
tritt Juckreiz nicht immer sofort auf – besonders
bei einem erstmaligen Befall kann er erst
nach Tagen oder Wochen einsetzen. Deshalb
bleibt ein Läusebefall manchmal zunächst unbemerkt.
Neben Juckreiz können Rötungen, kleine Kratzwunden
oder nässende Stellen auf der Kopfhaut
auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu
bakteriellen Infektionen, wenn sich die Haut
entzündet. Zur sicheren Diagnose reicht ein
bloßes Hinschauen oft nicht aus. Empfohlen
wird das gründliche Auskämmen der feuchten
Haare mit einem speziellen Läusekamm. Besonders
effektiv ist diese Methode in Kombination
mit einer Pflegespülung, da sich die Läuse
so schlechter festhalten können. Lebende
Läuse oder fest am Haaransatz haftende Nissen
sind ein eindeutiger Hinweis auf einen Befall.
Das ist nun zu tun
Wird ein Läusebefall festgestellt, sollte umgehend
gehandelt werden. In Apotheken sind
geprüfte Läusemittel erhältlich, die entweder
chemisch oder physikalisch wirken. Physikalische
Mittel umhüllen die Läuse und ersticken
sie, während chemische Präparate in ihr Ner-
58 Frühgeborene 1 · 2026
Alltag & Familie
Kopfläuse - lästig, aber harmlos
vensystem eingreifen. Entscheidend ist, das
Mittel exakt nach Packungsbeilage anzuwenden.
Ebenso wichtig wie die Erstbehandlung ist die
Wiederholungsbehandlung nach etwa 8 bis 10
Tagen. Sie stellt sicher, dass auch Läuse abgetötet
werden, die zwischenzeitlich aus den Nissen
geschlüpft sind. Zusätzlich sollte das Haar in
den folgenden zwei bis drei Wochen regelmäßig
nass ausgekämmt werden. So lässt sich ein
erneuter Befall frühzeitig erkennen.
Auch das Umfeld sollte berücksichtigt werden:
Bettwäsche, Handtücher, Mützen, Schals und
Kleidung, die engen Kontakt zum Kopf hatten,
sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen
werden. Nicht waschbare Textilien können für
drei Tage luftdicht verpackt oder alternativ für
kurze Zeit eingefroren werden. Kämme, Bürsten
und Haarspangen sollten gründlich mit heißem
Wasser und Seife gereinigt werden, damit
Nissen keine Chance haben.
Auf aggressive Reinigungsmittel oder groß
angelegte Desinfektionsaktionen in der Wohnung
kann verzichtet werden, da diese keinen
zusätzlichen Nutzen bringen. Alle im Haushalt
lebenden Personen sollten kontrolliert werden.
Eine Behandlung ohne nachgewiesenen Befall
ist jedoch nicht notwendig und wird nicht
empfohlen.
Es besteht Meldepflicht
In Kindergärten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen
besteht eine Meldepflicht
bei Kopfläusen. Eltern sind verpflichtet, die
Einrichtung umgehend zu informieren, damit
andere Familien aufmerksam gemacht werden
können. Ziel ist es, weitere Ansteckungen zu
verhindern und den Befall möglichst schnell
einzudämmen.
Frühgeborene 1 · 2026
59
Alltag & Familie
Das betroffene Kind darf die Einrichtung in
der Regel wieder besuchen, sobald eine sachgerechte
Erstbehandlung durchgeführt wurde.
Eine ärztliche Bescheinigung ist meist nicht erforderlich,
die genauen Regelungen können jedoch
je nach Bundesland unterschiedlich sein.
Offenheit und eine sachliche Kommunikation
helfen, unnötige Ängste oder Stigmatisierung
zu vermeiden.
Umgang mit dem Thema und Prävention
Für viele Familien ist ein Läusebefall emotional
belastend. Scham oder Schuldgefühle
sind jedoch unbegründet. Wichtig ist, Kindern
ruhig zu erklären, was Läuse sind und warum
sie nichts mit „schmutzig sein“ zu tun haben.
Ein entspannter Umgang hilft, Ängste zu reduzieren
und die Behandlung stressfreier zu
gestalten. Zur Vorbeugung können lange Haare
im Alltag zusammengebunden werden. Regelmäßige
Kontrollen, besonders nach Bekanntwerden
eines Befalls in der Einrichtung, sind
sinnvoll. Absoluten Schutz gibt es jedoch nicht
– selbst bei größter Vorsicht kann es jederzeit
zu einer Ansteckung kommen.
Quellen:
Kopfläuse bei Kindern sind lästig, aber harmlos.
Sie lassen sich mit den richtigen Maßnahmen
zuverlässig behandeln. Entscheidend sind eine
frühe Erkennung, konsequente Anwendung
geeigneter Mittel und eine offene Kommunikation
mit Betreuungseinrichtungen. Mit Wissen,
Gelassenheit und Konsequenz lässt sich ein
Läusebefall schnell und effektiv in den Griff bekommen.(hm)
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Neuigkeitenund-Presse/Soziale-Medien/Posts/Kopflauese_Ratgeber.
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankeskind/kopflaeuse/behandlung/
https://www.gesundheit.gv.at/leben/lebenswelt/kindergarten/laeuse.html
https://www.deine-gesundheitswelt.de/krankheit-behandlung-und-pflege/laeuse-bei-kindern
Unser SUPPORTER-BUTTON
Ihr unterstützt unsere Arbeit als Werbepartner
oder Sponsoren und Förderer?
Dann könnt ihr euer Engagement ab sofort mit
unserem Supporter-Button bspw. auf eurer
Homepage sichtbar machen.
Meldet euch bei Interesse einfach in unserer
Frankfurter Geschäftsstelle per Mail an info@
fruehgeborene.de oder telefonisch unter 069-
58700990.
Wir freuen uns über eure Nachrichten:)
60 Frühgeborene 1 · 2026
Alltag & Familie
Frühlingsanfang: zwischen Sonne
und Statistik
Es wirkt, als hätten wir den kalten Winter
überstanden, denn die Tage werden wieder
länger, die Sonne steht höher und die Natur
erwacht langsam. Doch der Start in den Frühling
richtet sich nicht immer nach denselben
Regeln. Wir erklären, warum das so ist und
welche Daten dabei zählen.
Die Tage werden länger, morgens ist es früher
hell, und die Temperaturen steigen langsam
an. Gleichzeitig taucht in den Nachrichten und
im Wetterbericht häufig eine Meldung auf: Der
Frühling hat begonnen! Das sorgt nicht selten
für Verwirrung. Denn je nachdem, welche Definition
man zugrunde legt, beginnt der Frühling
entweder bereits am 1. März oder erst um den
20. März. Beide Angaben sind korrekt. Sie beziehen
sich jedoch auf unterschiedliche Arten,
den Jahresverlauf einzuordnen.
Tatsächlich gibt es nicht nur einen Frühlingsbeginn.
Man unterscheidet vor allem den meteorologischen
und den kalendarischen bzw.
astronomischen Frühlingsanfang. Beide verfolgen
unterschiedliche Ziele und beruhen auf
verschiedenen Grundlagen.
Jedes Jahr gleich
Der meteorologische Frühling beginnt immer
am 1. März. Dieses Datum ist festgelegt und
ändert sich nicht von Jahr zu Jahr. Der Hintergrund
ist vor allem praktischer Natur. Für
die Auswertung von Wetter- und Klimadaten
braucht es klare, gleich lange Zeiträume. Meteorologen
teilen das Jahr in vier Jahreszeiten
ein, die jeweils drei volle Monate umfassen.
Der meteorologische Frühling besteht aus
März, April und Mai, der Sommer aus Juni, Juli
und August, und so weiter. Diese Einteilung erleichtert
statistische Auswertungen erheblich.
Meteorologen, Klimaforscher und Wetterdienste
müssen riesige Mengen an Daten
vergleichen wie Temperaturen, Niederschläge,
Sonnenstunden oder Extremwerte. Das funktioniert
deutlich besser, wenn Jahreszeiten immer
auf Monatsanfänge fallen und aus ganzen
Monaten bestehen. So lassen sich Mittelwerte,
Summen und Rekorde sauber berechnen und
über viele Jahre hinweg vergleichen.
Für den Alltag bedeutet das: Mit dem Beginn
des Monats März startet offiziell auch der meteorologische
Frühling – unabhängig davon, ob
draußen noch Schnee liegt oder bereits milde
Temperaturen herrschen. Gerade für langfristige
Klimabetrachtungen ist diese feste Regelung
unverzichtbar.
In Mitteleuropa passt dieser Zeitpunkt häufig
recht gut zur tatsächlichen Wetterentwicklung.
Anfang März nimmt die Sonneneinstrahlung
deutlich zu, und auch wenn es noch winterliche
Rückschläge geben kann, steigt die Durchschnittstemperatur
meist langsam an.
Tagundnachtgleiche im März
Der kalendarische, auch astronomische Frühlingsbeginn
richtet sich nicht nach festen
Monatsgrenzen, sondern nach der Stellung
der Erde zur Sonne. Er beginnt mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche,
auch Äquinoktium
Frühgeborene 1 · 2026
61
Alltag & Familie
genannt. An diesem Tag sind Tag und Nacht
nahezu gleich lang. Dieser Zeitpunkt fällt meist
auf den 20. März, kann aber auch auf den 19.
oder 21. März fallen. Ursache dafür ist, dass
ein Sonnenjahr nicht exakt 365 Tage dauert.
Zusätzlich beeinflussen Schaltjahre die genaue
Lage dieses Termins im Kalender. Für Deutschland
gilt zum Beispiel in diesem Jahr der 20.
März, 15:46 Uhr Mitteleuropäischer Zeit als
kalendarischer Frühlingsanfang.
Viele Kalender, Medien und offizielle Stellen
orientieren sich an diesem astronomischen
Ereignis, wenn sie den Frühlingsbeginn angeben.
Auch kulturell und historisch hat die
Tagundnachtgleiche eine große Bedeutung, da
sie einen klaren Wendepunkt im Jahresverlauf
markiert.
Darum gibt es zwei Frühlingsanfänge
Der Grund dafür, weshalb der Frühling zweimal
beginnt, ist einfach. Meteorologie und Astronomie
verfolgen unterschiedliche Ziele. Der meteorologische
Frühling ist ein Ordnungssystem
für Wetter- und Klimadaten. Er ist übersichtlich,
konstant und eignet sich ideal für Vergleiche
über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Der
kalendarische Frühling hingegen beschreibt ein
konkretes astronomisches Ereignis, das sich aus
der Bewegung der Erde um die Sonne ergibt. Er
ist naturwissenschaftlich exakt, aber nicht an
ein festes Datum gebunden.
Vereinfacht gesagt: Der eine Frühlingsbeginn
dient der Statistik, der andere beschreibt die
tatsächliche Position der Erde im Sonnensystem.
Wenn die Natur entscheidet
Neben diesen beiden Definitionen gibt es noch
den phänologischen Frühling. Dabei spielen
weder Kalenderdaten noch astronomische
Berechnungen eine Rolle. Stattdessen wird beobachtet,
wann bestimmte Pflanzen zu blühen
beginnen oder Tiere wieder aktiv werden.
Typische Anzeichen sind etwa die Blüte von Haselnuss
oder Obstbäumen. Der phänologische
Frühling beginnt nicht überall gleichzeitig. In
Städten setzt er oft früher ein als auf dem Land,
im Süden früher als im Norden und im Flachland
früher als im Gebirge. Auch von Jahr zu
Jahr kann es große Unterschiede geben. In milden
Wintern startet der phänologische Frühling
sehr früh, in kälteren Jahren deutlich später.
Ob der Frühling am 1. März oder erst zur Tagundnachtgleiche
beginnt, hängt davon ab, welche
Perspektive man einnimmt. Beide Definitionen
sind korrekt und erfüllen unterschiedliche
Zwecke. Der meteorologische Frühlingsbeginn
hilft dabei, Wetter und Klima systematisch
zu erfassen und vergleichbar zu machen. Der
kalendarische Frühling orientiert sich an astronomischen
Gegebenheiten und markiert einen
wichtigen Punkt im Jahreslauf. Der phänologische
Frühling schließlich zeigt, wie unterschiedlich
Natur auf klimatische Bedingungen
reagiert. Damit wird klar: Der Frühling beginnt
nicht an einem einzigen Tag, sondern auf verschiedene
Weise gleichzeitig.(hm)
Quellen: https://meteonews.ch/de/News/N14977/
Verschiedene-Fr%C3%BChlingsanf%C3%A4ngeim-%C3%9Cberblick
https://de.wikipedia.org/wiki/
Fr%C3%BChlingsanfang
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/3/21.html
62 Frühgeborene 1 · 2026
Eltern fragen
?
?
Eltern fragen
Sollen wir die Frühgeburt in der
Schule ansprechen?
Unsere Tochter wurde vor 7 Jahren in der 29.
SSW geboren und hat sich, abgesehen von anfänglichen
unreifebedingten Anpassungsproblemen,
bisher gut entwickelt. Der niedergelassene
Kinderarzt war begeistert, wie schnell
sie körperlich und kognitiv zu reifgeborenen
Altersgenossen aufgeschlossen hat. Auch die
Schuleingangsuntersuchung hat sie unauffällig
gemeistert. Dennoch sind wir immer wieder
reflexhaft am überlegen, die Klassenlehrerin
prophylaktisch über den zu frühen Start unserer
Tochter zu informieren. Macht das Sinn?
Oder wäre das vielleicht sogar nachteilig? Wir
haben so viel über mögliche Herausforderungen
von Frühgeborenen im schulischen Kontext
gelesen, dass wir ständig in Sorge sind, ob
Themen wie Reizüberflutung, Konzentrationsund
Aufmerksamkeitsprobleme noch auf uns
zukommen.
Das lässt sich pauschal schwer beurteilen.
Wenn es bisher aber keine Anzeichen für Probleme
gibt, dann könnte es auch ratsam sein,
einfach wachsam zu begleiten und sich regelmäßig
ein Feedback der Lehrkräfte einzuholen.
Auch wenn anfangs kleine Frühgeborene wie
Eure Tochter statistisch ein erhöhtes Risiko für
entsprechende Probleme oder Auffälligkeiten
haben, heißt das noch nicht, dass diese Probleme
auch zwangsläufig auftreten werden.
Der niedergelassene Kinderarzt kann in diesem
Zusammenhang ein wertvoller Begleiter sein.
Er kennt die Vorgeschichte und kann bei sich
abzeichnenden Entwicklungsauffälligkeiten
beratend zur Seite stehen. Wenn die Lehrkraft
in Klassenleitungsfunktion vertrauensvoll über
die Sorgen der Eltern informiert ist, dann kann
auch aus dieser Perspektive noch einmal gezielter
nach sich abzeichnenden Auffälligkeiten
geschaut werden, ohne dass gleich zu befürchten
ist, dass vielleicht Defizite gesucht werden,
wo gar keine sind.
Wertvolle Informationen rund ums Thema
Schule sind auch auf unserer Webseite unter
https://www.fruehgeborene.de/familie/schule.
htm zu finden.
Auch ihr habt dringliche Fragen rund ums
Thema Frühgeborene, die wir in dieser Rubrik
veröffentlichen dürfen?
Wir beantworten euch diese mit Unterstützung
unserer Expert:innen im Wissenschaftlichen
Beirat des Bundesverbandes aus
den Bereichen Geburtshilfe, Neonatologie,
Nachsorge an dieser Stelle gerne anonym
und kostenlos.
Schreibt uns einfach per Mail mit dem Betreff:
"Eltern fragen" an
info@fruehgeborene.de
64 Frühgeborene 1 · 2026
Ein Gedanke,
M
der bleibt...
Manchmal sind die kleinsten Meilensteine die größten.
Momente der Ruhe, in denen nicht mehr ständig der
Alarmton des Monitors zu hören ist,
der Tag, an dem das Baby nicht mehr von Kabeln und
Schläuchen umgeben ist,
das erste Mal Kangorooing – Haut auf Haut,
der Moment, in dem das Baby zum ersten Mal die
Augen öffnet, wenn es eure Stimme hört...
Auf der NEO sehen Meilensteine anders aus.
Sie werden nicht immer mit Luftballons oder Baby-
Büchern gefeiert, sondern mit Tränen der
Erleichterung, Flüstern der Dankbarkeit und dem
leisem Aufatmen, nach einer langen Zeit des Luft
Anhaltens.
Jedes Gramm mehr ist ein Gewinn,
jedes mit der Zeit verzichtbare Kabel ein Geschenk,
jeder bewältigte Tag ein Wunder!
Das rentiert sich!
Deine Mitgliedschaft im Bundesverband bietet viele Vorteile und trägt dazu bei, dass unsere
Stimme für Frühgeborene und deren Familien ein bisschen lauter wird. Ausführliche Infos zur
Mitgliedschaft und ihren Vorteilen sind hier zu finden.
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§
Impressum
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Lektorat: Jessica Franz, Helena Muhm
Gestaltung: Bundesverband Frühgeborene e.V.
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stock.adobe | S. 38/48 ©kishivan - stock.adobe S. 40 © My PNG Collection - stock.adobe | S. 42 ©Alexander Potapov
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