Taxi Times DACH - 1. Quartal 2026
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1. QUARTAL 2026 7,50 €
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DAS BRANCHEN-JOURNAL
DIGITALISIERUNG, KI
UND MARKETING
22-JÄHRIGER
FORDERT
UBER
HERAUS
Überlebensstrategien
LEIPZIGER ZENTRALEN
IM BRENNGLAS
Krankenfahrten
ABSCHLUSS HIER,
FRUST DORT
6 Sonderseiten Taxiverbände und -zentralen
Konformität
PTB WILL KEINE
KOMPROMISSE
Taxi-Ausstattung beim
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Das abgebildete Fahrzeug zeigt Sonderausstattung. 1) Zusätzlich zu den bei Volkswagen bestellbaren Ausstattungen können die
gezeigten/beschriebenen Umbauten von einem Drittanbieter (Umbauspezialisten) eingebaut werden. Die Ausstattung des Grundfahrzeugs
muss in Abstimmung mit dem Umbauspezialisten für den gewünschten Aufbau und Einsatzzweck gewählt werden.
Die Volkswagen AG übernimmt keine Haftung für die hier gezeigten/beschriebenen Umbauten des Umbauspezialisten.
ZUKUNFTS-ALLERLEI
Liebe Leser,
auf sieben Seiten beschäftigen
wir uns in dieser Ausgabe mit
der Zukunft der klassischen
Taxizentralen. Fakt ist: Ein Weiter-so
kann es nicht geben, doch
die Optionen für einen Wandel
sind sehr vielfältig. In keiner
anderen Stadt wird das Allerlei
so deutlich wie in Leipzig (siehe
Seite 6). Doch was mich persönlich
am meisten bei all diesen Recherchen begeistert hat: Da gibt
es den selbstbewussten Jungunternehmer Lucas Kleinecke, der
seine Generation Z von Uber zum Taxi holen will – mit einem
klaren Konzept und einer faszinierenden Geschwindigkeit (siehe
Seite 11). „KI wird die größte Chance für Taxizentralen sein, um
Uber einholen zu können. Wir müssen diese Möglichkeit nutzen
und dürfen den Zug nicht verpassen, wie wir es damals getan
haben.“
Fällt Ihnen an diesem Zitat von Lucas Kleinecke etwas auf? Er
spricht von „wir“, sieht sich also selbst schon als Teil der Branche.
Natürlich will er mit seiner Firma Geld verdienen, das ist völlig
legitim. Bezahlen müssen ihn die Taxizentralen und Betriebe.
Einige haben sich bereits von seinem Konzept überzeugen lassen.
Ich bin gespannt, wie offen die vielen anderen Taxizentralen sind
– oder eben auch Betriebe im ländlichen Bereich.
Dort ist die Rückbesinnung auf die junge Zielgruppe ebenso
notwendig, denn die Konzentration auf den Geschäftsbereich Krankenfahrten
wird für die Taxi- und Mietwagenbetriebe zunehmend
unwirtschaftlich – unter anderem deswegen, weil manche Krankenkassen
mit ihrem Preisdumping inzwischen die „Ubers vom
Land“ sind. Wir widmen dem Thema Krankenfahrten vier Seiten
(ab Seite 20) und wünschen Ihnen auch bei allen anderen exklusiven
Geschichten dieser Ausgabe gute Unterhaltung!
Herzlichst
INHALT
PERSONEN
4 Kostenlose PR zum Firmenjubiläum
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
5–11 Leipziger Allerlei, Blick nach Europa, L. Kleinecke
12 Jubiläum einer Erfurter Taxizentrale
PBEFG + AUSSTATTUNG
14 PBefG-Bilanz, Spiegeltaxameter-Stopp bei VW
UNFALLVERMEIDUNG
16 Dashcamsysteme mit KI
KRANKENFAHRTEN + RECHT
20–23 Kolumne Spitzlei, Kassenfrust- und abschluss
24 Bei Anruf Betriebspflicht?
TAXI INTERNATIONAL UND REGIONAL
31–32 Meet the Cab, Gutschein-App in Tirol
33–36 News aus Hamburg, Berlin und München
FAHRZEUGTECHNIK
40 Gespräch mit der PTB
SONDERVERÖFFENTLICHUNGEN
25–30 Mitteilungen der Verbände und Zentralen
37–39 Taxi-Partner stellen sich vor
42 Taxi Times auf Reisen, Impressum
Jürgen Hartmann (Chefredakteur)
UNSER VERSPRECHEN: EINE TAXI-TIMES-AUSGABE MIT 100 PROZENT EXKLUSIVEN INHALTEN
TITEL: Lucas Kleinecke FOTO: Taxi Times
Liebe Leser! Freuen Sie sich auf exklusive
Inhalte mit viel Hintergrund! Alle von
uns verfassten Artikel sind ausschließlich
in der Printversion nachlesbar – es
sind also keine aufgewärmten Geschichten,
die Sie schon Wochen zuvor im
Internet gelesen haben.
Diese Printausgabe erhalten alle unsere
Premium-Abonnenten und alle Taxiverbände
oder Taxizentralen, die mit dem
Taxi-Times-Verlag eine Kooperation
abgeschlossen haben. Davon profitieren
dann auch die Mitglieder / Teilnehmer
dieser Verbädne bzw. Zentralen: Sie
erhalten Taxi Times kostenlos. Einfach in
der Taxizentrale abholen oder auf den
Postboten warten.
Nachfolgend listen wir unsere Kooperationspartner
auf, alphabetisch sortiert
nach Städten. Sollte Ihr Verband oder
Ihre Zentrale nicht dabei sein, haben Sie
die Möglichkeit, Taxi Times zu abonnieren
(siehe QR-Code unten rechts).
Augsburg: Taxi eG; Bamberg: Taxi eG;
Bielefeld: Bieta; Berlin: Bundesverband
BVTM; Berlin: Innung; Berlin: Taxi ONE;
Berlin: Taxi Deutschland e. V.; Berlin:
taxi.eu; Bonn: Taxi eG; Braunschweig:
Taxi-Ruf; Bremen: Fachvereinigung;
Bremen: Taxi-Ruf; Celle: TFR; Dortmund:
Taxi eG; Dortmund: VSPV;
Dresden: Taxi eG; Düsseldorf: Rhein-
Taxi; Erfurt: LTV; Eschborn: best.ways;
Essen: Taxi eG; Frankfurt a. M.: Taxi eG;
Frankfurt a. M.: Taxi Deutschland;
Freiburg: Taxi 55 55 55; Hamburg:
Hansa-Taxi; Hamburg: Taxen-Union;
Hamburg: Taxi Alstertal; Hannover:
Hallo Taxi; Heidelberg: Taxi eG;
Heilbronn: Taxi Unterland; Kassel: FPH;
Koblenz: VDV; Köln: Taxiruf; Leipzig:
4884; Lübeck: Taxi 8 11 22; Mannheim:
Taxi eG; München: IsarFunk; München:
TVM; München: LVBTM; Münster: Taxi
eG; Rosenheim: Edelweiß; Rostock: Taxi
eG; Schweinfurt: Taxi eG; Solingen: Taxi
eG; Stuttgart: TAZ; Wiesbaden: FTD;
Wiesbaden: Taxi eG
TAXI 1. QUARTAL 2026
3
PERSONEN
WIE MAN IN DIE
ZEITUNG KOMMT
Wenn Taxi- und Mietwagenbetriebe ein
Jubiläum feiern, ist das oft auch für die Medien
Anlass für eine positive Berichterstattung.
Hier ein Beispiel aus Brandenburg.
Werbung für einen Taxibetrieb ist teuer – außer es
gelingt, dass die Zeitung redaktionell über das Unternehmen
berichtet. In Pritzwalk hat der Nordkurier
das zehnjährige Jubiläum des dortigen Betriebs Taxi Wagner zum
Anlass für ein kurzes Firmenporträt genommen.
Dadurch erfährt der Leser (und potenzielle Taxikunde), dass
das Unternehmen heute zu den größten Taxibetrieben in der Prignitz
zählt. Inhaberin Katja Pfennigschmidt übernahm den Betrieb
Anfang des Jahres 2016. Der Firmenname geht auf Horst Wagner
zurück, der das Beförderungsunternehmen 1990 gründete. Die
gelernte Finanzbuchhalterin wagte damals den Schritt aus der
Gastronomie in die Personenbeförderung – eine Geschichte, die
Lokalredaktionen gern aufgreifen, weil sie Unternehmergeist und
regionale Verbundenheit verbindet.
Heute beschäftigt Taxi Wagner 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sie sichern nicht nur den klassischen Taxiverkehr, sondern
auch den Schülertransport in der Region. Darüber hinaus
gehören Krankentransporte, Fahrten für mobilitätseingeschränkte
Menschen sowie Geschäfts- und Privatfahrten zum Portfolio. Mit
einem Fuhrpark von mehr als 30 Fahrzeugen gewährleistet das
Unternehmen eine 24-Stunden-Rufbereitschaft an sieben Tagen
in der Woche.
PR bedeutet: Mit guten Geschichten
wahrgenommen werden.
Das Beispiel aus Pritzwalk zeigt: Jubiläen sind mehr als interne
Feiern. Sie sind ein willkommener Anlass für Pressearbeit.
Entscheidend ist, der Redaktion konkrete Anknüpfungspunkte
zu liefern – etwa Unternehmenszahlen, besondere Leistungen
(z. B. Schülerverkehr oder Inklusionsfahrten), die Entwicklung der
Mitarbeiterzahl oder soziales Engagement vor Ort.
Wer rechtzeitig eine gut strukturierte Pressemitteilung versendet
und Ansprechpartner für Rückfragen benennt, erhöht die
Chance auf eine redaktionelle Berichterstattung erheblich. Der
Vorteil: Glaubwürdige PR durch unabhängige Medien erzielt oft
mehr Wirkung als jede bezahlte Anzeige – und kostet außer etwas
Vorbereitung kaum Geld.
nu
Katja Pfennigschmidt hat den Besuch des Bürgermeisters
auch in den sozialen Medien gepostet.
Auch die lokale Politik würdigte das Engagement: Bürgermeister
Ronald Thiel (parteilos) gratulierte persönlich zum Jubiläum.
Solche Bilder und Statements sind für die mediale Wirkung besonders
wertvoll, weil sie die Bedeutung des Betriebs für die Stadt
unterstreichen. Zusätzlich übernahm Pfennigschmidt übrigens
2019 eine Patenschaft für eine Bank im Stadtgebiet – direkt vor
ihrem Firmensitz. Auch damals berichtete die Lokalpresse. Dieses
Detail zeigt lokale Verwurzelung und gesellschaftliches Engagement,
zwei Aspekte, die zur positiven Berichterstattung führen.
IN DIE SCHLAGZEILE FAHREN – ERFOLGREICHE
PRESSEARBEIT FÜR DIE TAXIBRANCHE
Auf Wunsch unserer Leser
veranstaltet Taxi Times ein
Webinar „In die Schlagzeile
fahren - erfolgreiche Pressearbeit
für die Taxibranche“ am
Donnerstag, 16. April 2026,
um 14 Uhr (Dauer 60 Min). Es
richtet sich an Taxiverbände,
Zentralen und Taxibetriebe mit
eigener Fahrtenvermittlung. Taxi-Times-Redakteurin Nicola
Urban, früher selbst Chefin vom Dienst bei einer Tageszeitung,
gibt wertvolle Tipps, wie man positiv „in die Zeitung“
kommt – egal ob mit einem Jubiläum oder aus einem
anderen Anlass.
Das Webinar ist für alle Premium-Abonnenten der Taxi
Times kostenlos, ebenso für Mitarbeiter/Vorstände von
Taxizentralen und Taxiverbänden, sofern diese Kooperationspartner
des Taxi-Times-Verlags sind. Für alle anderen
kostet die Teilnahme 190 Euro zzgl. MwSt.
Anmeldung bitte per Mail an redaktion@taxi-times.com.
FOTOS: KI-generiert, Taxi Wagner, Taxi Times
4 1. QUARTAL 2026 TAXI
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
ÜBERLEBENSSTRATEGIEN
DER TAXIZENTRALEN
Für Deutschlands Taxizentralen wird 2026 ein wegweisendes Jahr.
Um sich zu behaupten, sind neue Strategien und Kooperationen gefragt.
FOTO: KI-generiert
Deutschlands Taxizentralen stehen
mehrheitlich massiv unter Druck.
Rückläufige Vermittlungszahlen führen
zu sinkenden Teilnehmerzahlen. Damit
fehlt das Geld zur Finanzierung wichtiger Marketingmaßnahmen,
mit denen die Kundenwanderung
vom Taxi zu Vermittlungsplattformen
gestoppt werden soll. „Mehr Werbung für die
eigene Taxizentrale und die eigene App“, fordern
vielerorts die Genossen von ihren Vorständen.
Doch wenn diese dann zur Refinanzierung
eine Erhöhung der Vermittlungsgebühren zur
Abstimmung stellen, scheitern sie vielerorts.
So wie kürzlich in Hamburg, als bei Hansataxi
eine einzige Stimme für einen Mehrheitsbeschluss
pro Marketing fehlte.
In München, bei der Taxi München eG, hatte
man aufgrund der Dringlichkeit den Marketingetat
zunächst ohne Anpassung der Teilnehmergebühr
erhöht, was dann zu einem
einkalkulierten Minus in der Jahresbilanz führte
und dazu, dass die Genossen daraufhin den
Jahresabschluss „nicht feststellten“ und erst bei
einer zweiten Mitgliederversammlung letztlich
zustimmten.
Doch reicht ein höherer Marketingetat,
um sich gegen Plattformen wie Uber und Bolt
behaupten zu können? Und welche Maßnahmen
führen letztlich zum Erfolg? Der Jungunternehmer
Lucas Kleinecke setzt auf Videos und einen
WhatsApp-Chatbot mit Künstlicher Intelligenz
(siehe Seite 10).
Hermann Waldner, Chef der Berliner Taxizentrale,
hat den Auftragsrückgang im Jahr
2025 stoppen können. In seiner Zentrale werden
mittlerweile mehr als 70 Prozent aller
Bestellungen automatisiert entgegengenommen.
Zum Einsatz kommen Sprachcomputer
und Künstliche Intelligenz. Die Kostenersparnis
von mehr als einer Million Euro wurde gezielt
in Marketing reinvestiert.
Berlins Taxizentrale, geführt unter der
Marke „TAXI ONE“, ist ein schlagkräftiger Player
im Haifischbecken der Fahrtenvermittler, in
dem sich seit 2014 auch Uber & Co. tummeln.
Diese Stärke soll nun auch anderen Taxizentralen
zugutekommen. Mit Leipzig wurde eine
Kooperation begonnen (siehe Seite 6) und bei
der verkaufswilligen Taxi Frankfurt eG bietet
Waldner ebenfalls mit. Er tritt dort gegen keinen
Geringeren an als den Uber-Generalunternehmer
Thomas Mohnke (siehe Seite 8).
HINTERGRUND-
WISSEN
Über viele der in
diesem Artikel
angesprochenen
Entwicklungen hat
Taxi Times bereits
berichtet. Über
die nachfolgenden
QR-Codes können
Sie all das nachlesen.
Die Beschlüsse
der Generalversammlung
der
Taxi München eG
Plattformkooperationen:
Sackgasse oder
ein neuer Weg?
Taxizentralen:
Überlebenskampf?
Ja.
Todeskampf?
Nein!
Taxi Düsseldorf
übernimmt Taxi
Bochum
Welche Optionen haben Taxizentralen im Haifischbecken
mit all den anderen Plattformen?
Welche Optionen bieten sich den in Schieflage geratenen
Taxizentralen noch? Nicht wenige liebäugeln
mehr oder weniger offen mit einer Kooperation mit
Plattformen. Die Hallo Taxi 3811 in Hannover führt
dazu lose Gespräche mit freenow by Lyft. Andere wie
die Hamburger Stadtrandzentrale Alstertal oder der
Stuttgarter Platzhirsch „TAZ“ sind solche Kooperationen
schon eingegangen.
Ist das nun gut oder schlecht für die Taxizentralen?
Und vor allen Dingen: Ist das gut oder schlecht
für die Taxiunternehmer, von denen sich viele sowieso
schon an Uber und freenow by Lyft angeschlossen
haben? In Erfurt wurde dies während des Deutschen
Taxi- und Mietwagentags ebenso diskutiert wie beim
Taxitreffen in Glückstadt (siehe Seite 42) oder beim
Meet the Cab in Wien (siehe Seite 11 und 31). Die
Positionen dazu sind unterschiedlich, ebenso die
Herangehensweisen.
Die Frage, was letztlich am besten ist, gleicht
einem Blick in die Glaskugel. Nur eines muss klar
sein: Ein „Weiter so“ könnte für manche Zentralen
so enden wie das Schicksal der genossenschaftlich
geführten Bochumer Taxizentrale. Sie hatte zum
Jahreswechsel Insolvenz anmelden müssen. Das Aus
für den Fahrtenvermittler und dessen Teilnehmer
bedeutete das aber noch nicht. Der Insolvenzverwalter
fand einen Käufer, die Zentrale wird als GmbH
weitergeführt – unter der Geschäftsführung eines
Mannes, welcher der Taxi Düsseldorf eG vorsteht.
Man darf gespannt sein, über welche Entwicklungen
im Laufe des Jahres aus anderen Städten berichtet
werden kann.
jh
TAXI 1. QUARTAL 2026
5
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
LEIPZIGER ALLERLEI
BEI DEN TAXIZENTRALEN
Drei Leipziger Taxizentralen zeigen sehr unterschiedliche Wege auf, mit den
aktuellen Veränderungen umzugehen. Der Blick in die Sachsenmetropole wirkt
wie ein Brennglas für das, was sich auch im Rest der Republik anbahnt.
denden Problem. Viele Unternehmer sind seit Jahrzehnten dabei,
Nachfolger fanden sich kaum noch. Hinzu kam ein strukturelles
Dilemma: Große Firmenkunden mussten zuverlässig bedient werden,
während spontane Fahrten für Privatkunden immer schwieriger
zu vermitteln waren. Sinkende Unternehmerzahlen bedeuteten
am Ende: keine Fahrzeuge, keine Vermittlung. Was blieb, waren
zuletzt noch rund 25 meist kleine Betriebe – zu wenig, um eine
eigene Vermittlungszentrale wirtschaftlich zu betreiben.
Neues Team: Thomas Bühnert und Thomas Voigt (links und rechts)
schließen sich mit Hermann Waldner (TAXI ONE, Berlin) zusammen.
Kulinarisch gesehen ist Leipzig berühmt für sein Gericht
„Leipziger Allerlei“ – eine traditionelle Gemüse-Mischung
(meist mit Erbsen, Möhren, Spargel, Blumenkohl usw.).
Mit Blick auf das örtliche Taxigewerbe ist das, was sich bei den
dortigen Taxizentralen abspielt, ein weiteres „Allerlei“. Um beim
Bild einer Mahlzeit zu bleiben: Drei Taxizentralen in Leipzig müssen
täglich den Hunger der Taxiunternehmer stillen, die sich Ihrer
Fahrtenvermittlung angeschlossen haben. Doch sie verwenden
höchst unterschiedliche Zutaten, um am Ende des Tages alle satt
zu bekommen.
Das Grundproblem, das die Taxizentralen Löwen-Taxi, 4884 und
520 520 haben, ist nahezu gleich: schwindende Teilnehmerzahlen,
Lücken bei der Bedienbarkeit der Kunden, hohe Betriebskosten,
sinkende Einnahmen, Rückgang bei den Fahrtvermittlungen. Bei
Löwen-Taxi wurde die Altersstruktur der Mitglieder zum entschei-
GEBURTSTAGSFEIER WÄHREND DER LIQUIDATION
Die Konsequenz: Die traditionsreiche Genossenschaft, hervorgegangen
aus dem Leipziger Droschkenverein von 1876, wird ihren
150. Geburtstag im Zustand der Liquidation begehen. Die Abwicklung
der Genossenschaft hat begonnen, Immobilien wurden bereits
veräußert, die Vermögensverteilung an rund 100 Mitglieder soll
im Herbst beschlossen werden. Die vollständige Liquidation ist
bis Ende 2026 angesetzt.
Inzwischen werden die verbliebenen Unternehmer über den
Mitbewerber, die Funktaxenzentrale 4884, disponiert. Noch während
sich die lokale Presselandschaft mit dem Verlust einer Traditionszentrale
beschäftigte, bastelten die Vorstände Thomas Voigt
und Thomas Bühnert an einer großen Lösung. Mit der Übernahme
der Fahrten und der Teilnehmer von Löwen-Taxi alleine hätte man
noch nicht die Stärke erreicht, um dem Kosten- und Wettbewerbsdruck
gegen die Plattformanbieter zu bestehen. Also suchte man
sich einen starken Verbündeten außerhalb der Leipziger Stadtgrenze
– und wurde in Deutschlands Hauptstadt fündig.
Ende Januar gab man einen Zusammenschluss mit der Berliner
Taxizentrale TAXI ONE bekannt. Somit wird die 4884, Leipzigs
älteste Funktaxenzentrale, künftig von der Berliner Taxizentrale
unterstützt. „Die Berliner und Leipziger Taxizentrale haben vereinbart,
ihre Betriebe zu einer schlagkräftigeren Einheit zusammenzuführen“,
heißt es in der dazu veröffentlichten Pressemeldung.
Man wolle mit diesem Zusammenschluss angesichts der Herausforderungen,
mit denen die Taxibranche konfrontiert ist, als eine
starke und wettbewerbsfähige Einheit auftreten.
RÜCKGANG GESTOPPT
In der Hauptstadt agiert die Berliner Taxizentrale, deren unterschiedliche
Marken unter dem Dach der TAXI ONE zusammengeführt
sind. Deren Geschäftsführer Hermann Waldner konnte den
negativen Trend bereits 2025 stoppen. Durch die konsequente
Einführung digitaler und KI-gesteuerter Technik konnte die Auftragsannahme
größtenteils automatisiert werden. Das beschleunigte
die Auftragsannahme und reduzierte die Kosten. So konnte
der Rückgang der Vermittlungszahlen gestoppt und ein positives
Geschäftsergebnis eingefahren werden. Begünstigt wurde diese
Entwicklung durch gewerbepolitische Erfolge, weil die Berliner
Aufsichtsbehörde durch konsequente Maßnahmen für einen spürbaren
Rückgang der Mietwagenkonzessionen sorgte und Festprei-
FOTO: Taxi One
6
1. QUARTAL 2026 TAXI
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
Kommentar
zum Leipziger
Taxi-Beben
FOTOS: Talex Mobile Solutions, Taxi Times
Alexander Brandenstein (links) überreicht
einen Award für 10.000 KI-Bestellungen
an Vater und Sohn Müller.
Hermann Waldner,
Geschäftsführer von
TAXI ONE in Berlin.
se für Taxis einführte. Die Berliner Taxizentrale gehörte dann zu
den Ersten, die dies mit der Möglichkeit verknüpfte, dass Kunden
bestellte Festpreisfahrten auch gleich im Voraus bezahlen konnten.
Sobald auch in Leipzig Festpreise für Taxis eingeführt werden,
werde man diese Option auch dort sofort einführen. Möglich ist
das, weil beide Zentralen mit dem Vermittlungssystem von FMS
arbeiten – inklusive der App von taxi.eu. Es wird nicht die einzige
Maßnahme sein, mit der das Know-how, die Ressourcen und die
Innovationskraft der beiden Zentralen gebündelt werden sollen.
Man sieht sich durch diesen Zusammenschluss bestens gerüstet,
die Taxikundschaft weiterhin zuverlässig und professionell
zu bedienen – und eine Alternative zu den Plattformen zu sein,
die sich längst auch in Leipzig breitgemacht haben. Uber schon
länger, aber in noch geringer Mietwagenanzahl, Bolt seit Kurzem
und sehr aggressiv mit Dumping-Kampfpreisen.
AUTOMATISIERTE KI-BESTELLUNG
Dabei haben diese Plattformen, obwohl sie mit ihren taxiähnlichen
Mietwagenmodellen den Taxibetrieben auf unredliche Weise das
Geschäft wegnehmen, auch innerhalb der Taxibranche ihre Partner.
Zu ihnen zählt beispielsweise die kleine Leipziger Taxizentrale
520 520. Dessen Geschäftsführer Matthias Müller hatte schon
vor über einem Jahr sämtliche telefonischen Auftragsannahmen
eingestellt und stattdessen voll und ganz auf die Taxivermittlung
über die Uber- und Bolt-App gesetzt. Kunden, die bis dahin telefonisch
bestellt hatten, wird seitdem über einen Hinweis auf der
Website empfohlen, sie mögen ihr Taxi doch bitte über die Uber-
App bestellen. Auf komplizierte Fahrten, wie etwa Krankenfahrten,
verzichtet die Zentrale. Man konzentriert sich ausschließlich auf
die schnell und einfach zu bedienenden Spontanfahrten.
Als nun aber im Herbst die Spatzen erste Töne von den Dächern
pfiffen, dass Löwen-Taxi demnächst in die Liquidation gehen würde,
wollte Müller den Telefonmarkt doch nicht mehr kampflos den anderen
überlassen. Er installierte den KI-Telefonassistenten „Toby“, der
vom Systemanbieter Talex für dessen Taxi.de-Software entwickelt
wurde. Kaum war dies geschehen, wurde die stillgelegte Rufnummer
wieder aktiviert. Wer dort seitdem anruft, kann rund um die Uhr
eine Taxibestellung voll automatisiert aufgeben. Der KI-Telefonassistent
sorgt für hohe Erreichbarkeit und kurze Wartezeiten. Eine
Rückfallebene für Anrufer ist nicht eingerichtet. Auch hier gilt das
Geschäftsmodell: Es geht nur um die schnellen und unkomplizierten
Taxibestellungen.
Trotz dieses Servicemankos und obwohl die Wieder-Aktivierung
der Telefonnummer nirgendwo beworben wurde, habe man
innerhalb von zehn Wochen schon 10.000 Bestellungen generiert.
Alexander Brandenstein, Gründer von Taxi.de, nahm dies
zum Anlass, Matthias Müller mit einem Award auszuzeichnen.
„10.000 Bestellungen in nur 10 Wochen sind ein starkes Signal
für die Leistungsfähigkeit von Toby und den Innovationsmut von
520520 Leipzig Taxi e.K.“, lobt Alex Brandenstein und ist überzeugt:
„Die schnelle Akzeptanz bei den Kundinnen und Kunden
zeigt, dass KI-basierte Bestellannahme im Taxigewerbe nicht nur
technisch funktioniert, sondern auch im Alltag überzeugt. Dieses
Projekt setzt einen neuen Maßstab für Effizienz und Zukunftsfähigkeit
im Taxigewerbe.“
Leipziger Allerlei also in der Sachsenmetropole: Während diejenigen,
die den Pakt mit den Plattformen gemacht haben, mit
einem KI-gestützten Telefonassistenten jetzt wieder einen Weg
zurück zur Telefonannahme gefunden haben, setzt eine Taxizentrale,
die weit mehr als nur Spontanbestellungen anbietet, auf eine
städteübergreifende Stärkung. Und kann damit allen Teilnehmern
und Mitgliedern von Löwen-Taxi eine neue Heimat geben – jener
Taxizentrale, die immerhin den Absprung noch vor der Insolvenz
geschafft hat.
jh
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ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
»MEINE TAXIZENTRALE
FÜHLT SICH WIE EINE
PLATTFORM AN«
Mögliche neue Strategien und Umwälzungen beschäftigen nicht nur deutsche
Taxizentralen. Bei einem Diskussionspanel im Rahmen einer internationalen
Taxiveranstaltung ging es um nichts Geringeres als die »Zukunft des Taxisektors«.
Die Runde bildete einen Höhepunkt
des zweitägigen internationalen
Treffens „Meet The Cab“ in Wien,
zu dem die Wiener Zentrale Taxi 40100 eingeladen
hatte. Sie wurde in Englisch abgehalten
und von Gregor Beiner moderiert.
Die Situation variiert von Land zu Land,
doch einiges bleibt konstant: weltweit ein
harter Wettbewerb mit Plattformen, Debatten
um den Status von Plattformfahrern,
Fahrermangel, der Druck der Digitalisierung
und der ökologischen Umstellung, die
Plattformisierung von Taxiunternehmen,
die mehrere Nutzergruppen bedienen,
mangelnde Loyalität unter den Fahrern und
der Aufstieg der digitalen Generationen.
„Vier Länder und Systeme im Fokus –
wie sieht die ideale Zukunft aus?“, fragte
GREGOR BEINER
ist seit letztem November Präsident
des Bundesverbandes Taxi und
Mietwagen e. V. (BVTM), seit 2018
Vorsitzender der Organisation Taxis
for Smart Mobility (T4SM) und seit
einem Jahr Vizepräsident der IRU-
Taxigruppe.
Beiner. Antworten gaben die Chefs vierer
Taxizentralen, die allesamt verschiedene
Systeme nutzen: Zwei von ihnen selbstentwickelte,
einmal FMS und einmal iCabby.
Letzteres kommt bei TCA Amsterdam mit
800 Taxis zum Einsatz. Deren Geschäftsführerin
Hedy Borreman erklärte, ihr
Unternehmen fühle sich wie eine Plattform
an, da die Anteilseigner zunehmend weniger
loyal zur Marke seien und bereitwillig
Fahrten für Uber annähmen, wodurch sie
weniger verdienten als mit TCA-Aufträgen.
„Eine seltsame Mentalität“, findet sie.
Matthew Bezzina, Geschäftsführer des
maltesischen Technologieunternehmens
eCabs mit eigenem System, das als Taxiund
Mietwagenbetrieb begann, sieht sich
als „Plattformbetreiber mit Taxi-Hintergrund“
und drittgrößter Vermittler in Malta
(landesweit 5.000 Taxis). Das Unternehmen
strebt internationale Konsolidierung und
Zusammenarbeit im Taxigewerbe an.
Anders sieht es bei Frankreichs größter
Taxivermittlung G7 aus (10.000 Taxis
in Paris, 5.000 im übrigen Land, nutzen
ebenfalls ein eigens entwickeltes System),
so Zentralenchef Armand Joseph-Oudin
(zugleich Präsident der IRU-Taxigruppe).
G7 will „Mobilität für alle, indem wir unseren
Kunden den bestmöglichen Service bieten
und die Arbeitsbedingungen und das
Einkommen unserer Fahrer optimieren.“
Rund 80 Prozent der Bestellungen gehen
digital ein. Dazu Christian Holzhauser (Taxi
40100 Wien, 1.600 Taxis, FMS): „Uns erreichen
aktuell 70 Prozent der Bestellungen
digital, aber mit dem neuen Callbot können
wir G7 nächstes Jahr übertreffen.“
In Paris ist das Kundenerlebnis von
zentraler Bedeutung, doch auch der Fahrer
gilt als Eckpfeiler des Systems. Fahrten
und Fahrer werden bewertet, und es finden
monatliche Treffen und Sonderveranstaltungen
mit den Fahrern statt. Veränderungen,
beispielsweise um die ältere wie auch
eine jüngere Kundengruppe anzusprechen,
werden in Paris nicht abrupt und revolutionär,
aber kontinuierlich umgesetzt.
Bei eCabs erfolgen 60 bis 70 Prozent der
Bestellungen digital. Bezzina sieht bei jüngeren
Kunden ein anderes Bestellverhalten.
Holzhauser freut sich, dass Österreich
sich – wie die Niederlande und Dänemark
– von Mietwagen verabschiedet hat. Ein
substanzielles Marketingbudget ist entscheidend,
vielleicht nicht die 20 Prozent
von Uber & Co., aber dennoch beträchtlich.
„Marktposition, Kundenzufriedenheit
und die Wertschätzung der Fahrer sind
essenziell“, sagt Joseph-Oudin. „Plattformfahrer
in Paris arbeiten durchschnittlich 18
Monate, während unsere Fahrer etwa zehn
Jahre bei uns bleiben. Auch mit Robotaxis
werden wir weiterhin Qualität bieten.“ wf
Über weitere Inhalte des Treffens berichten
wir auf Seite 31.
Christian Holzhauser, Armand Joseph-Oudin, Matthew Bezzina und Hedy Borreman (v.l.n.r.).
FOTO: Taxi Times
8 1. QUARTAL 2026 TAXI
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
22-JÄHRIGER
FORDERT
UBER
HERAUS
Ein Jungunternehmer will das Taxi neu
erfinden und damit die junge Generation
von Uber ins Taxi holen. Daraus könnte
sogar die von so vielen geforderte
einheitliche Taxi-App entstehen.
FOTO: Lucas Kleinecke
Lucas Kleinecke ist 22 Jahre alt. Er verkörpert die so oft
zitierte Generation Z, also jene Menschen, die zwischen
1990 und 2010 geboren wurden und somit die erste Generation
waren, die als echte Digital Natives aufwuchsen, mit Smartphones,
Internet und sozialen Medien. Lucas ruft niemanden mehr
an, um zum Geburtstag zu gratulieren. Er wählt auch keine Nummer,
um ein Taxi zu bestellen. Für viele aus der Generation von
Lucas ist „Taxi“ ein „Uber“.
Lucas hat das selbst mit einer Befragung von einhundert Menschen
der Generation Z herausgefunden. 75 Prozent von Ihnen, so
berichtet er in einem ausführlichen Gespräch mit Taxi Times, haben
auf die Frage „Uber oder Taxi – was würden Sie wählen?“ mit Uber
geantwortet. Als Grund haben sie nicht etwa angegeben, dass Uber
billiger sei, sondern dass Uber cooler sei und mehr Spaß mache.
Lucas setzt seit einiger Zeit ein großes Ziel um: Er möchte diese
Zahl umkehren. Er möchte, dass endlich auch das Taxi von seiner
Generation als cool angesehen wird und die jungen Menschen
künftig ein Taxi bestellen. Nötig sind dafür aus seiner Sicht zwei
Schritte: Erstens müssen Taxizentralen (ganz egal, ob als reine
Vermittler oder – im ländlichen Bereich – als eigenständige Taxibetriebe)
die Bestellprozesse, die immer gleich ablaufen, digitalisieren
und automatisieren. Mit der so gewonnenen Schnelligkeit
bei gleichzeitiger Kostenersparnis lässt sich dann zweitens ein
Narrativ aufbauen, dass Taxi besser als Uber ist.
Ein Narrativ bezeichnet die Art und Weise, wie über jemanden
gesprochen wird. Das ist die Außenwahrnehmung. „Derzeit ist die
Außenwahrnehmung bei Taxis: alt, öde, teuer, nicht sexy“, sagt
Lucas. Sein Plan: Mit speziell gedrehten Videos die Außenwahrnehmung
umprogrammieren und die Marke Taxi vor allem bei
der jungen Zielgruppe einheitlicher und attraktiver zu machen.
Diese Videos mit den Taxifahrern beginnen meist mit einer
Frage. Zum Beispiel: Wer war dein unhöflichster Promigast? Natürlich
wird die Antwort erst am Ende des Videos gegeben, nach u
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TAXI 1. QUARTAL 2026
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
Blick hinter die
Kulissen eines
Video-Drehs.
etwa einer Minute. Oder, wie speziell bei diesem Beispiel, auch
gar nicht. Dann müssen die Nutzer in den Kommentaren selbst
raten, wer das war. So bleiben die Menschen noch länger auf dem
Video, es wird dadurch öfter abgespielt. Das verbessert die Erinnerungsrate,
welche wiederum dafür verantwortlich ist, wie vielen
Menschen das Video ausgestrahlt wird.
Das Ergebnis sind hohe Zugriffe: „Wir haben es geschafft, mit 30
Videos über 3,3 Millionen Impressionen zu erreichen. In Bremen
mit sechs Videos über 500.000. In Berlin liegen wir mittlerweile
bei über einer Million“, erzählt Lucas.
WERDEN DARAUS AUCH BESTELLUNGEN?
Die Taxizentralen, mit denen Lucas bisher zusammenarbeitet, freuen
sich über diese Resonanz. Sie hinterfragen allerdings kritisch und
zu Recht, wie aus diesen Kontakten dann auch konkrete Taxibestellungen
werden. Solche Fragen hat Thomas Sell kürzlich beim Treffen
der Taxi-Nordverbände in Glückstadt beantwortet. Sell ist der
Partner und Mentor von Lucas. Er ist dem Taxigewerbe seit Langem
verbunden – jahrelang während seiner Telekom-Funktion, danach
dann als Berater. „Sämtliche Videos sind mit der App verlinkt, mit
der die jeweilige Taxizentrale zusammenarbeitet“, berichtet Sell.
In Berlin beispielsweise landen die Nutzer im App- oder Playstore
von taxi.eu, bei den GefoS-Zentralen bei der Taxi Deutschland-App
etc. Was dann passiert, kann genau nachvollzogen werden: Haben
die Nutzer die App heruntergeladen, sich registriert und ihre Zahlungsdaten
hinterlegt? Haben sie auch bereits ein Taxi bestellt und
dabei die Festpreisfunktion genutzt? Welchen Wert hatte die Fahrt?
Ist der Kontakt über Instagram, TikTok oder Facebook entstanden?
Lucas macht diese Daten für die Taxizentralen sichtbar und
in Echtzeit abrufbar. Er hat dafür ein Dashboard entwickelt. Die
Darstellung erfolgt in Diagrammform. Man bezeichnet solche Auswertungen
„Monitoring“. Es ermöglicht den Taxizentralen und
Betrieben eine exakte Kosten-Nutzen-Analyse – und es beantwortet
die Frage, ob die Videos für mehr Taxifahrten sorgen.
All das ist Lucas noch nicht genug. Er möchte seinen Kunden,
den Taxibetrieben und Taxizentralen, wieder eine Zukunft geben –
mit Taxibestellungen der Generation Z. Wir erinnern uns: Das sind
jene Menschen, die niemandem mehr telefonisch zum Geburtstag
gratulieren. Das sind Menschen, die eigentlich auch schon keine
App mehr bedienen, weil sie eine noch schnellere Methode nutzen
wollen, um ein Fahrzeug zu bestellen.
Hier kommt nun das wichtigste Produkt ins Spiel, das Lucas
für seine Kunden entwickelt hat: einen eigenen Taxi-WhatsApp-
Kanal, der mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet ist, der
also automatisiert Fahrtbestellungen aufnimmt. Man nennt solche
Kanäle auch „Chatbots“.
Bei dem Taxi-Kanal von Lucas sollen die Kunden, die über
seine Videos den Zugang zum Taxi gefunden haben, das Taxi
FIRMA UND ZIELE
Lucas Kleinecke ist Gründer und Geschäftsführer
der Taxi-Flow GmbH. Deren Vison ist es, die Marke
Taxi zu vereinheitlichen und alle Prozesse in Taxi-
Zentralen zu digitalisieren und automatisieren.
Lucas und sein Team sind überzeugt, dass die
Branche wettbewerbsfähig ist, wenn man digitalisiert
ist und an ihrem Image arbeitet. Sie kennen
die junge Zielgruppe und deren Interessen sehr gut
und möchten die User-Experience von Taxi-Zentralen
optimieren und an das Nutzerverhalten der
jüngeren Zielgruppe adaptieren.
Das Credo: „KI wird die größte Chance für Taxi-
Zentralen sein, um Uber einholen zu können. Wir
müssen diese Möglichkeit nutzen und dürfen den
Zug nicht verpassen, wie wir es damals getan
haben.“ Man bietet allen Taxizentralen ein kostenloses
Strategiegespräch an. jh
Per Dashboard wird das Nutzerverhalten transparent.
FOTOS: Lucas Kleinecke
10 1. QUARTAL 2026 TAXI
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
So arbeitet die
KI hinter dem
WhatsApp-Taxikanal.
Der Video-Kanal des Taxiruf Bremen.
(anstelle des Uber) per Sprache bestellen. „Das geht viel schneller
als mit Schreiben und es wird auch viel individueller“, nennt
Lucas die Vorteile. Die Künstliche Intelligenz, die dafür zur
Anwendung kommt, sitzt in einem Frankfurter Datencenter. Sie
wurde trainiert und trainiert sich selbst. Sie kennt alle Straßennamen
und wichtigen Adressen der Stadt, aus der angerufen
wird, und kann diesen Fundus mit den Angaben des Anrufers
abgleichen. Bei undeutlicher Aussprache des Kunden (Dialekt
oder auch ein gewisser alkoholbedingter Zungenschlag) fragt
die KI gezielt nach. Damit wird die Fehlerrate bei der Auftragsannahme
reduziert.
KI MERKT SICH DEN ANRUFER
Zudem merkt sich die KI alle personenbezogenen Angaben des
Anrufers. Bestimmte Merkmale wie beispielsweise Handicap-
Angaben (blind, Rollstuhl etc.) werden bei der nächsten Bestellung
von selbst abgefragt. Wenn dann alles geklärt ist, wird diese
Information an die Taxizentralen oder den Taxibetrieb weitergegeben.
Lucas agiert hier aber nicht als Vermittler, sondern als
jemand, der neue Zielgruppen für das Taxi begeistert und sie mit
einer einfachen Methode zum Buchen bringt.
Die so erzeugte Bestellung wird dann über eine API-Schnittstelle
in das Buchungssystem der jeweiligen Taxizentrale eingespeist.
„Dieser Taxikanal soll ein Marketingssondierungskanal sein, der
nicht gleich eine Buchungsmaschine dahinter hat“, beschreibt
Thomas Sell das Konzept. Derzeit landen alle Bestellungen über
diesen Kanal bei Taxi Deutschland, dem Verbund der Taxizentralen.
Sie werden von dort in die Taxi-Apps der Mitgliedszentralen
weitergeleitet, von denen die meisten mit der Taxi-Deutschland-
App arbeiten. Aber auch die Verknüpfung zu taxi.eu oder Cab4me
ist möglich. Berechnet wird dafür eine Lizenzgebühr.
Als Thomas Sell das Konzept im Glückstädter Kreis vorstellte,
wurde allen Beteiligten schnell klar, dass dieser Taxikanal die seit
Langem geforderte bundesweit einheitliche Bestellmöglichkeit sein
könnte. Allerdings müssten dafür auch alle Systemanbieter mitspielen
– FMS, GefoS, Seibt & Straub, Taxi.de, MPC, Taxikomm24,
eCabs etc., die aber lieber auf eigens entwickelte (oder noch zu
entwickelnde) Lösungen setzen.
In Glückstadt entstand daraus eine Spontan-Initiative. Thomas
Sell und Jens Marggraf (letzterer bekannt durch seinen Taxi-to-
Go-Podcast) wurden beauftragt, einen runden Tisch mit allen Systemanbietern
zu initiieren.
Wenn das gelingt und dort eine für alle Seiten einvernehmliche
Lösung gefunden wird, könnte aus dem Geschäftskonzept
von Lucas, die Generation Z ins Taxi zu holen, sogar weit mehr
werden: eine bundesweit einheitliche Bestellmöglichkeit für Taxikunden
jeden Alters – denn WhatsApp nutzen schließlich nahezu
alle Menschen.
jh
LINNE
KRAUSE
FORSCHUNG
GUTACHTEN
BERATUNG
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
EINE ZENTRALEN-
GESCHICHTE, DIE
IN DER DDR BEGANN
In Erfurt feierten im vergangenem Jahr zwei Taxi-Rufnummern
runde Geburtstage. Sie klingen sehr ähnlich und laufen beide
bei einer Taxizentrale zusammen. Der Zusammenschluss erfolgte
noch in den neunziger Jahren des vorigen Jahrtausends.
ausgegliedert und an Heinz Küthe verkauft, der dann die
Taxizentraler Erfurt 5 11 11 GmbH gründete.
Küthes Vermittlung und die seit 1952 existierende Taxigenossenschaft
Erfurt sollten im Laufe der folgenden Jahrzehnte
nicht die einzige Taxizentrale bleiben. 1992 hatte sich beispielsweise
auch die Genossenschaft City Taxi eG gegründet.
Dessen Mitgründer: Wolfgang Schwuchow.
Und jener Wolfgang Schwuchow führte – zusammen mit
Mitstreitern – dann die Betriebe Das Taxi GmbH und die
City Taxi eG zur Gesellschaft das City Taxi AG mit der Rufnummer
5 55 55 zusammen und übernahm wenig später die
Rufnummer 5 11 11.
Wolfgang Schwuchow (rechts) gründete die City Taxi AG in Erfurt,
seine Kinder Michaela und Daniel führen die Zentrale samt eigener
Taxis heute weiter.
Es ist die älteste Taxirufnummer Erfurts und doch gibt es
zwei unterschiedliche Varianten bei der Aussprache. Die
einen sagen „Fünf Elf Elf“, andere sprechen von der „fünf
und viermal die Eins“. Doch ganz gleich, wie man die Ziffern kombiniert:
Wer die Nummer wählt, bekommt noch heute das gleiche
wie schon vor 60 Jahren, im Jahr 1965: Ein Taxi zur gewünschten
Abholadresse.
Damals zählte Erfurt noch zum Staatsgebiet der Deutschen
Demokratischen Republik (DDR) und die Taxis wurden noch
über die Erfurter Verkehrsbetriebe vermittelt. Dann kam 1989
die Wende und Deutschland wurde wiedervereinigt. Zwei Jahre
später wurde der Taxibereich aus den Erfurter Verkehrsbetrieben
EIN STÜCK ERFURTER TAXIGESCHICHTE
„Mit dem Erwerb der Taxirufnummer sicherten wir uns ein
Stück Erfurter Taxigeschichte, denn die 5 11 11 ist die älteste
Taxirufnummer Erfurts und der historische bzw. traditionelle
Aspekt spielt auch im Taxigewerbe eine wichtige Rolle“, heißt
es auf der Internetseite von Das City Taxi AG. „Die 5x5 war
übrigens eine alte Stasi-Nummer“, ergänzt Michaela John im
Gespräch mit Taxi Times. Sie ist die Tochter und arbeitet seit
2001 in der Verwaltung von Das City Taxi AG.
Als Meilensteine der letzten 30 Jahre nennt Michaela
Schwuchow den Wechsel von der klassischen vollautomatischen
Funkvermittlung auf das System der Taxikomm24
im Jahr 2012.
Der Hintergrund war, dass wir unsere Vermittlungsbeiträge
hätten anheben müssen. Über die Zeit waren die Betriebe
entweder geschrumpft, sind weggegangen oder wurden durch
Tod oder andere Dinge sozusagen aufgegeben“, erläutert Frau
John. „Das ist die logische Konsequenz eines gleichbleibenden
Kostenblocks bei einer sinkenden Zahl an Anschlusspartnern.
Für eine 24/7-Zentrale sind 4,75 Personalstellen nötig. Wir
mussten also mit weniger Einnahmen durch unsere Teilnehmer
weiterhin vier Festangestellte und einige Teilzeitkräfte
bezahlen.
Also prüfte man bereits 2011 die verschiedenen Optionen
einer kostengünstigeren Fahrtenvermittlung. Man führte
Verhandlungen mit der Wettbewerberzentrale in Form eines
Zusammenschlusses, die allerdings scheiterten. Auch eine
Mitvermittlung bei einer sächsischen Taxizentrale erwies
sich als nicht tragfähig. Schließlich entschied man sich für
FOTO: Taxi Times
12 1. QUARTAL 2026 TAXI
ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN
Bei den Vorstandswahlen
wurde Daniel Schwuchow
(rechts) erstmals in den Vorstand
des Bundesverbands
Taxi (BVTM) gewählt. Ebenfalls
neu sind Hans-Peter
Kratz (Mitte), Gregor Beiner
als neuer Präsident und
Bärbel von Teufel als neue
Vizepräsidentin. Aleksandar
Dragigevic (links) wurde im
Vorstand bestätigt.
FOTO: Taxi Times
einen Systemwechsel zu Taxikomm24. Mit dessen Inhaber Guido
Kuth hatte Wolfgang Schwuchow bei der Europäischen Taximesse
Kontakt aufgenommen.
Hier war es ein großer Vorteil, dass man zwei Rufnummern
zur Verfügung hatte, denn die Schwuchows konnten eine davon
für einen Testlauf nutzen – um dann sehr schnell festzustellen,
dass diese Vermittlung tatsächlich funktioniert. Seitdem landen
die Kunden immer direkt in den Taxis. Die Fahrer sind also gleichzeitig
Taxifahrer und Disponenten. Dieser Wechsel sei zu Beginn
nicht einfach gewesen, denn die Fahrer mussten erst einmal „das
Telefonieren“ lernen. Michaela John erklärt, was damit gemeint ist:
„Ein Fahrer war es gewohnt, dass der einsteigende Fahrgast sagt
„ich möchte zum Bahnhof“. Das war das Fahrtziel. Der anrufende
Kunde bestellte ebenfalls ein Taxi zum Bahnhof, meinte damit
jedoch das Ziel. Ergo gab es zu Beginn Fehlanfahrten. Wir schulten
daraufhin unsere Mitarbeiter, den Gesprächsfaden zu übernehmen:
„Wann möchten Sie von wo nach wo befördert werden? …“
Heute hat sich das längst eingespielt, jeder beherrscht die Doppelfunktion.
Allerdings ist heute nur noch ein Bruchteil der damaligen
Teilnehmer dabei. Viele haben aus Altersgründen aufgehört,
andere haben sich einer anderen Zentrale angeschlossen.
STADT MIT DREI TAXIZENTRALEN
Erfurt hat 216.000 Einwohner und leistet sich den Luxus, drei Taxizentralen
zu betreiben. Positiv ist allerdings, dass es nur circa 90
Taxikonzessionen gibt, so dass jedes Taxi auch zufriedenstellend
ausgelastet ist. Seit diesem Jahr ist allerdings auch Bolt in der
Stadt, Uber hat sich für den Sommer angekündigt.
Trotzdem ist den Schwuchows klar, dass der Vorteil der etablierten
Telefonnummer irgendwann aufgebraucht sein wird. „Meine
Tochter ist 22 Jahre, die ruft nirgendwo mehr an, die macht das
alles digital“, sagt Michaela John. „Uns ist bewusst, das wird
irgendwann auslaufen.“
Die Möglichkeit der App-Bestellung hat man über das System
von Taxikomm24 bereits 2020 eingeführt. Seitdem werden die
App und die Telefonnummer beworben. „In jedem Schreiben, in
jeder E-Mail, in jeder Rechnung werden gleichrangig sowohl die
Telefonnummern als auch die App genannt – die App sogar als
erstes und dann erst die Rufnummern.“
An dieser Stelle mischt sich auch Daniel Schwuchow ins
Gespräch ein: „Wir forcieren ganz bewusst weiterhin die Nummern,
auch wenn es uns richtig Geld kostet, diese Doppelstruktur
aus Rufnummer und App zu erhalten. Wir vergessen eben nicht,
dass es noch Menschen gibt, die vielleicht noch nicht so versiert
sind mit einer App. Diese Menschen, die bei Uber und Bolt im
Prinzip alle hinten runterfallen würden, nehmen wir noch mit.“
Daniel Schwuchow ist der jüngere Bruder von Michaela. Er hat
zwölf Taxis in Erfurt, fährt auch noch selber, unterstützt seine
Schwester in der Verwaltung und ist mit seinen 44 Jahren jemand,
der an die Zukunft der Branche glaubt. Und der sich für diese
Zukunft auch engagiert. Im Sommer 2021 wurde er innerhalb der
Fachvereinigung Personenverkehr Thüringen im Landesverband
Thüringen des Verkehrsgewerbes LTV zum neuen Vorsitzenden
gewählt: Er trat damals die Nachfolge seines Vaters Wolfgang
Schwuchow an, der den Vorsitz rund 15 Jahre innehatte und im
Jahr 2024 seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte.
Das Erbe des gewerbepolitischen Engagements hat nun der
Sohn übernommen und geht damit sogar noch weiter als sein
Vater: Im Herbst 2025 wurde Daniel Schwuchow in den Vorstand
des Bundesverbands Taxi und Mietwagen (BVTM) gewählt. jh
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PERSONENBEFÖRDERUNGSGESETZ
Weil wichtige Neuerungen
immer noch
nicht umgesetzt sind,
ist das eigentliche Ziel
der PBefG-Novelle nicht
erreicht: ein Wettbewerb
auf Augenhöhe
zwischen Taxis und
Plattformen.
GUT GEMEINT
– SCHLECHT
UMGESETZT
Viereinhalb Jahre ist die PBefG-Novelle nun in
Kraft. Zahlreiche Änderungen sollten vor allen
Dingen den ungleichen Wettbewerb zwischen
Plattformen und Mietwagen wieder auf
Augenhöhe einpendeln. Ist das gelungen?
Als wichtigstes Instrument für
einen fairen Wettbewerb wird die
Möglichkeit gesehen, dass Kommunen
ein Mindestbeförderungsentgelt
(MBE) für Mietwagen festsetzen können.
Weil die Behörden jedoch zu unerfahren
und die Kommunalpolitiker zu zaghaft
waren, ist diese Option fünf Jahre nach der
Novelle des Personenbeförderungsgesetzes
(PBefG) erst in einer Handvoll Gebieten
in Deutschland (Landkreis Lörrach, Heidelberg
und Essen) eingeführt.
Zugutehalten muss man der Kommunalpolitik
und den Behörden, dass sie immerhin
in vielen deutschen Städten Festpreise
für Taxis erlaubt haben. Mittlerweile ist die
Euphorie darüber aber der Ernüchterung
gewichen. Zum einen, weil man schnell
erkennen musste, dass Festpreise ohne
ein MBE nur wenig wert sind, zum anderen,
weil die Branche sich auch vorwerfen
lassen muss, die notwendigen Begleitmaßnahmen
verschlafen zu haben. Man hatte
es schlicht und einfach verpasst, im Vorfeld
städteübergreifend auszudiskutieren,
welche Arten von Festpreisen sinnvoll sind
– mit der Konsequenz, dass nahezu jede
Stadt ihr eigenes Festpreis-Süppchen kocht
– mit von Stadt zu Stadt unterschiedlichen
Korridoren.
Noch fataler ist, dass die Taxizentralen
die Festpreis-Option nicht automatisch
mit der Möglichkeit verknüpft haben, dass
Kunden die gebuchte Festpreisfahrt auch
schon während der Bestellung bargeldlos
bezahlen können. Einzig Berlin hat dies
im vergangenen Jahr eingeführt, und das
auch mit dem frechen Slogan „Nie mehr im
Taxi bezahlen“ medial vermarktet.
Erst nach und nach bieten Taxizentralen
anderer Städte diese Option an. Sie sind
darauf angewiesen, dass der Systemanbieter
dies technisch umsetzt. Zentralenvorstände
bzw. Geschäftsführer müssen
diesen Schritt aber auch in der eigenen
Zentrale aktiv anstoßen, wofür dann wiederum
allzu oft die Fachkompetenz und
vor allem die Manpower fehlt.
Fazit: Rund fünf Jahre nach Inkrafttreten
der PBefG-Novelle muss man festhalten:
Selbst dort, wo manche der gut
gemeinten Maßnahmen auf Kommunalebene
umgesetzt worden sind, haben sie noch
immer keinen Wettbewerb auf Augenhöhe
zwischen den Plattformen und dem Taxigewerbe
bewirkt.
Mit gutem Willen kann man konstatieren,
dass man dadurch bewirken konnte,
dass die Kluft nicht noch größer geworden
ist. Doch die Politik wollte damals mehr
– und deshalb muss die Politik jetzt auch
noch einmal nachbessern.
jh
POLITISCHE EVALUIERUNG – ZURÜCK IN DIE KÖPFE DER POLITIKER
Mit der PBefG-Novelle wurde im Paragraf 66 des PBefG auch
geregelt, dass im Sommer 2026 eine Evaluierung stattfinden
muss. Eine Evaluierung ist eine Art Beurteilung, ob und wie
ein neues Gesetz das bewirkt hat, was ursprünglich beabsichtigt
war. Soviel zur Theorie. In der Praxis wird sich die
Evaluierung der PBefG-Novelle lediglich auf Sachmängel
oder Fehler auf der Formulierungsebene des Gesetzestextes
konzentrieren. „Erfolg oder Misserfolg der neuen Regelungen
im Alltag stehen dabei gar nicht infrage“, machte der
Rechtsanwalt Thomas Grätz während einer Taxiveranstaltung
Für Grätz sei die Evaluation aber sehr wohl geeignet, das
PBefG wieder in die Köpfe der Politik zu holen. Sie habe damit
das Potenzial, über politische Anfragen zu einzelnen Elementen
noch einmal Bewegung ins Thema zu bringen. Daher sei
es jetzt vor der Evaluation an der Zeit, sich branchenseitig
Gedanken darum zu machen, welche machbaren Änderungen
oder Korrekturen man sich noch im PBefG wünscht. Welche
konkreten Verbesserungsvorschläge hierfür wieder
auf die politische Agenda gehoben werden
sollten, können Sie auf der Website der Taxi Times
im Herbst vergangenen Jahres deutlich.
nachlesen (siehe nebenstehenden QR-Code). jh
FOTO: Ki-generiert
14 1. QUARTAL 2026 TAXI
AUSSTATTUNG
AUS FÜR VW-
SPIEGELTAXAMETER
Für die meisten Taximodelle des Volkswagen-Konzerns ist ab sofort die
Verwendung eines Spiegeltaxameters ausgeschlossen. Hintergrund für diese
Notwendigkeit ist die EU-Verordnung 2019/2144, die auch Deutschland umsetzt.
Bislang galt der Spiegeltaxameter
immer als die eleganteste
Lösung, um mit möglichst wenig
Umbaumaßnahmen im Bereich des Armaturenbretts
die Taxiumrüstung durchzuführen.
Die Tage des Spiegeltaxameters
sind, zumindest bei Volkswagen, bereits
Geschichte, denn eine gesetzliche Bestimmung
macht es erforderlich, dass alle Fahrzeuge
ab Zulassungsdatum 1. Juli 2026 mit
einer Fahrerbeobachtungskamera ausgestattet
sein müssen. Diese Kameras erfüllen
letztlich den Zweck, dass der Zustand
des Fahrers überwacht werden kann. Ist er
beispielsweise müde und unaufmerksam,
dann empfiehlt der Wagen eine Pause.
KAMERA FÜR BLINZELFREQUENZ
Für diese Kameras, die über keinen eigenen
Speicher verfügen und nur abstrakte
Daten erfassen, wie etwa die Blinzelfrequenz,
müssen die Hersteller
einen Platz für die zusätzliche
Technik finden. Bei Caddy, Multivan,
ID. Buzz und allen PKW-
Modellen von Volkswagen ist
das eben der Rückspiegel.
Die Entscheidung ist auch
unabhängig davon, ob das Taxi
ab Werk oder wie der ID. Buzz
werknah umgerüstet wird. Bei
den Pkw-Modellen ist das letzte
Fahrzeug, welches mit einem
NOCH MEHR
FAHRZEUG-
MELDUNGEN
Volkswagen
Caravelle Taxi:
Hier noch ohne
Fahrerbeobachtungskamera.
Spiegeltaxameter ausgerüstet wurde, der
VW Touran. Neu bestellen kann man ihn
seit Anfang Februar nicht mehr. Wer dennoch
ein neues Touran-Taxi haben
möchte, kann auf eines der vielen
Bestandsfahrzeuge, die bei den Händlern
stehen, zurückgreifen.
Ebenfalls neu ist, dass die
werkseitigen Taxis von Volkswagen
Nutzfahrzeuge – die Rede ist
vom Caddy Maxi und dem Multivan
– ab sofort gar nicht mehr
mit Taxameter ab Werk ausgestattet
werden. Hintergrund ist
hier, dass alle Taxis ab Werk
inklusive Taxiausstattung homologiert
werden müssen. Gibt es
eine Änderung am Taxameter, muss dieser
kostspielige Prozess erneut durchlaufen
werden. Hier können sich jetzt die Taxameterdienste
vor Ort einbringen. Neben der
Montage des Taxameters steht dann natürlich
noch eine entsprechende Eichung aus.
Unter dem Motto „Keine Ausnahme
ohne Regel“ gibt es aber auch noch Licht
am Ende des Tunnels: Volkswagen Nutzfahrzeuge
arbeitet derzeit daran, im Rahmen
der werknahen Taxiumrüstung für
den neuen Transporter und den Caravelle
optional einen Spiegeltaxameter anbieten
zu können. Möglich wäre dies, weil bei diesem
Fahrzeugmodell die Fahrerbeobachtungskamera
anstatt im Rückspiegel auf
dem Armaturenbrett verbaut ist. sg
Weniger Unfälle durch den Einsatz
intelligenter Cloud-Kameras
FOTO: Taxi Times
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TAXI 1. QUARTAL 2026
15
UNFALLVERMEIDUNG
DASHCAMSYSTEME
MIT KI: LUKRATIV AUCH
OHNE UNFÄLLE
Eine Unfallkamera
kann nicht nur als
Beweismittel bei
Haftungsfragen die
Rettung sein. Sie führt
bei KI-unterstütztem
Einsatz auch zur
Kostensenkung für das
Unternehmen durch
Schadensvermeidung
und Optimierung des
Fahrerverhaltens.
In der Printausgabe des 4. Quartals 2025 informierte Taxi
Times über wichtige Dashcam-Kaufkriterien für Einzelfahrzeuge
(Bestellmöglichkeit über nebenstehenden QR-Code).
Für Flotten mit mehreren Fahrzeugen gibt es heute aber bereits
Systeme neuerer Generation, gegen die bisherige Dashcams beinahe
veraltet wirken. Der Versicherungsmakler Dittmeier aus
Würzburg hat sich auf Dashcam-Pakete für Personenbeförderer
spezialisiert, die sehr viel mehr können als Unfallflüchtige zu
identifizieren, Unfälle zu klären und lügende Unfallgegner zu
überführen – wobei schon diese Basisfunktionen regelmäßig Schäden
in vier- und fünfstelliger Höhe abwenden. Doch
Florian Wäsch und Oliver Guth zeigen in Webinaren
regelmäßig Funktionen der von ihnen vermittelten
Produkte, die jedem Unternehmer enorme laufende
zur Heft-
Kosten ersparen können – jährlich hohe dreistellige
Bestellung
Eurobeträge pro Fahrer sind keine Seltenheit.
Vom Anfang: Eines der ursprünglich größten Probleme bei
Dashcams, die hohe Wetter- und Verschleißanfälligkeit von
Akkus, wurde schon vor Jahren gelöst – durch eine Kombination
aus Stromversorgung aus der Fahrzeugbatterie
und Kondensatoren, die bei Abriss des Energieflusses
für ein sicheres Speichern der aktuellen Aufnahme
sorgen.
Das vielleicht zweitgrößte Problem ist die
Anfälligkeit der Speicherkarten. Auch die in
Dashcams verwendeten SD-Datenspeicher,
wie sie ebenso in Smartphones zur Anwendung
kommen, sind langfristig gesehen
Verschleißteile. Dass sie permanent neu
beschrieben werden, ist in Privatautos, die
vielleicht ein, zwei Stunden am Tag genutzt
werden, noch kein Problem. In Taxis, Transportern
oder Linienbussen, die im Optimalfall einen Großteil
des Tages unterwegs sind, ist die Lebensdauer dagegen deutlich
geringer. Ein Versagen des Datenspeichers kann im ungünstigen
Fall dazu führen, dass die Unschuld des eigenen Fahrers am
15.000-Euro-Schaden nicht nachgewiesen werden kann. Zudem
steigt mit der Flottengröße auch die Unübersichtlichkeit bei der
Verwaltung der Datenspeicher.
SPEICHERUNG IN DER CLOUD
Die Lösung für dieses Problem sind Cloud-Systeme. Das heißt, dass
die Daten nicht mehr auf einem anfälligen physischen Speicher
im Gerät abgelegt werden, sondern online in einer Daten-„Wolke“,
also auf einem Speicherserver in einem Rechenzentrum, auf den
die Daten im Ereignisfall live hochgeladen werden. Von dort aus
können sie dann weiterverarbeitet bzw. ausgewertet werden. Diese
Verknüpfung aus Telekommunikation und Informatik heißt im
Fachjargon Telematik. Dittmeier wirbt daher mit „Telematik-Systemen
und intelligenten Cloud-Kameras“ und deren Wirkung:
„Mehrere Tausend Euro Ersparnis pro Jahr,
weniger Unfälle, mehr Rechtssicherheit
bei strittigen Ereignissen, reduzierter
Verbrauch und Verschleiß,
Optimierung der Fahrsicherheit
und obendrein auch noch eine
Erhöhung des Fahrkomforts
für die Fahrgäste.“
Heutige Systeme können
durch KI-Unterstützung
viel mehr, als nur
das Geschehen vor, hinter
und ggf. in dem Fahrzeug in
Oliver Guth Bild und Ton zu speichern.
FOTOS: Dittmeier GmbH
16
1. QUARTAL 2026 TAXI
UNFALLVERMEIDUNG
»Taxifahrer haben bei gerichtlichen
Auseinandersetzungen schon aufgrund der hohen
Betriebsgefahr ihrer Fahrzeuge keine allzu gute
Ausgangsposition bei Unfällen.«
Oliver Guth, Dittmeier-Versicherung
Florian Wäsch
KEIN RECHTLICHES TABU MEHR
Noch immer hören Wäsch und Guth von Kunden
häufig die Frage, ob der Einsatz von Dashcams
in Fahrzeugen zur gewerblichen Personenbeförderung
überhaupt erlaubt ist. „Ja, sind sie. Es
gibt bereits eine Reihe von Gerichtsurteilen, bei
denen Videoaufnahmen zugelassen wurden. Es
muss allerdings die Datenschutz-Grundverordnung
(DSGVO) eingehalten werden.“ Dittmeier
vermittelt Systeme, die „das alles einhalten und
noch viel darüber hinaus bieten“. Auch „Compliance“
müsse gegeben sein, weshalb in größeren
Unternehmen auch Betriebsräte und Arbeitnehmervertretungen
in das Thema einzubeziehen
seien. „Wir setzen uns auch gerne mit Ihnen
zusammen, denn das sollte im Teamwork passieren.“
Zur Einhaltung des Datenschutzes biete
die KI vielfältige Möglichkeiten, von Anonymisierung
über Verpixelung bis zur Verwaltung der
Berechtigungen, welche Hierarchieebene eines
Unternehmens welchen Zugang zu sensiblen
Daten erhält.
Sie können nicht nur wie eine Blackbox Fahrzeugbewegungen festhalten,
sondern auch Schlüsse ziehen und Auskunft über positive
wie negative Auffälligkeiten bei der Fahrweise dokumentieren,
etwa ob ein Fahrer energiesparend fährt, genügend Abstand hält,
Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Vorfahrtregeln beachtet.
Sogar die physikalischen Kräfte bei Bremsungen und heftigen
Lenkbewegungen werden gemessen. Was man als Fahrer gefühlsmäßig
kennt – je langsamer die Lenkbewegungen und je sanfter
der Bremsdruck, umso angenehmer für die Fahrgäste –, drücken
moderne Dashcamsysteme in Zahlen aus.
Die Dittmeier GmbH ist auf die Versicherung von Personenbeförderern
spezialisiert und hat zahlreiche private Busunternehmen
mit größeren Flotten in ihrem Kundenkreis, doch die
Zahl der Mehrwagenunternehmen im Taxi- und Mietwagenbereich
wächst derzeit besonders. Prokurist Oliver Guth hat gegenüber
Taxi Times erläutert, warum sich eine Versicherungsagentur
mit Dashcam-Systemen befasst: Busfahrer wie auch Taxifahrer
haben bei gerichtlichen Auseinandersetzungen schon aufgrund
der hohen „Betriebsgefahr“ ihrer Fahrzeuge keine allzu gute Ausgangsposition,
etwa nach Unfällen mit Radfahrern oder Fußgängern.
Auch wird von professionellen Fahrern eher als von Laien
erwartet, den Überblick über das Verkehrsgeschehen zu haben und
Situationen einschätzen und Unfälle vermeiden zu können. Daher
sind objektive Beweise für Personenbeförderer besonders wichtig.
Dittmeier hat bisher rund 450 Unternehmen mit solchen Systemen
ausgestattet. In deren 10.000 Fahrzeugen, überwiegend
Bussen, werden rund 30.000 Ereignisse pro Monat gezählt, also
Unfälle, Beinahe-Unfälle und andere auffällige Situationen, in
denen eine Relevanz der Kameraaufnahme gegeben ist. Situationen
wie ein Beinahe-Unfall durch das Missachten eines Stoppschildes
durch einen Fahrer würden von einer herkömmlichen Dashcam
zwar aufgezeichnet, dem Unternehmer jedoch wahrscheinlich
nicht zur Kenntnis gelangen, solange nichts Ernstes passiert, da
niemand in der Firma sich von früh bis spät Dashcam-Aufnahmen
ansieht. Die KI eines telematischen Systems würde eine solche
Situation dagegen entdecken, da die KI das Stopp-Schild identifizieren
und die Missachtung erkennen kann.
SECHS FAHRER-CHARAKTERE
Wie können Unternehmer also durch den Einsatz von Dashcams
über die Aufklärung von Unfällen hinaus Kosten sparen? IT-Leiter
Wäsch hat aus den vielen Dashcam-Aufnahmen, die er in seiner
langjährigen Tätigkeit bereits ausgewertet hat, sechs Gruppen von
Fahrern nach ihrem hauptsächlichen Verhalten am Steuer charakterisiert:
die Sicherheitsbewussten (10 %), die Selbstkritischen (7
%), die Unauffälligen (33 %), die Gleichgültigen (15 %), die Gestressten
(25 %) und die Draufgänger (10 %). Die vergleichsweise kleine,
aber temperamentvolle Gruppe der Draufgänger ist für einen
hohen Anteil der nicht fremdverschuldeten Unfälle verantwortlich.
Die tatsächlichen Unfälle sind allerdings nur die Spitze des
Eisbergs. Was Dashcam-Aufnahmen darüber hinaus zeigen, u
TAXI 1. QUARTAL 2026
17
UNFALLVERMEIDUNG
ist der weitaus größere Teil unterhalb der
Wasseroberfläche: die Beinahe-Unfälle.
Hinzu kommt Fehlverhalten von Fahrern.
Diese beiden Kategorien sind eine Größe,
die sich dank der Dashcam-Aufnahmen
reduzieren lassen. Mit Fahreraufklärung
durch Video-Vorführungen und Besprechungen,
Fahrer-Trainings und innerbetrieblichen
Wettbewerben, etwa welcher
Fahrer in bestimmten Kategorien das beste
Fahrverhalten zeigt und dafür belohnt wird, haben die Kunden von
Dittmeier zum Teil ungeahnte Kostensenkungen erzielen können.
Aus Sicht des Fahrers stellt sich bei alledem möglicherweise die
Frage: „Werde ich dann nur noch überwacht und gemaßregelt? Es
muss doch ausreichen, wenn ich das Fahrzeug nach der Schicht
unbeschadet zurückgebe und einen guten Umsatz gemacht habe.“
Dazu erläutert Wäsch, dass es ganz und gar nicht um Überwachung
geht, sondern um das berechtigte Anliegen des Unternehmers,
Fahrern und Fahrgästen ein Maximum an Sicherheit zu
bieten und gleichzeitig Kosten zu minimieren. Erhält ein Fahrer
Rückmeldung über Parameter seiner Fahrweise und sieht einen
Vergleich zu anderen Fahrern, kann er einschätzen, an welchen
Stellen es ihm selbst sinnvoll erscheint, sein Verhalten anzupassen.
Beispielsweise ist jeder Fahrer bestrebt, zügig vorwärtszukommen.
Dass mancher sehr oft zu wenig Sicherheitsabstand
einhält, ist dem Einzelnen wahrscheinlich weniger bewusst als
Geschwindigkeitsüberschreitungen, die man in einer Abwägung
Von außen ist kaum zu ahnen,
was in den Geräten steckt.
aus Verantwortungsgefühl und Bestreben
nach Zeitersparnis meist bewusst vollzieht.
Während eine geringere Geschwindigkeit
aber zumindest gefühlt und (in geringerem
Maße auch objektiv) einen Nachteil
bringt, der etwa an der nächsten Ampel
deutlich wird, die man bei etwas höherer
Geschwindigkeit noch hätte passieren können,
ist der Nachteil durch ein paar Meter
mehr Abstand zum Vordermann oft verschwindend
gering, bringt aber einen mindestens ebenso hohen
Zugewinn an Sicherheit. Solche Zusammenhänge werden den
Fahrern beim gemeinsamen Ansehen und Auswerten von Dashcam-Aufnahmen
im Betrieb oft erst nachhaltig bewusst. Die daraus
resultierenden Anpassungen des Fahrverhaltens haben bei
vielen Dittmeier-Kunden zu messbaren Kostensenkungen geführt.
UNTERSTÜTZUNG IN SECHS SCHRITTEN
Das Hauptgeschäftsfeld von Dittmeier, das Vermitteln günstiger
Versicherungen, wird flankiert vom Bestreben, Unfälle zu reduzieren.
Dies geschieht nach einem Ablaufplan mit sechs Schritten,
der das Ausmaß des Ärgers im Schadenfall überschaubar
hält. Bei jedem Schritt bietet die Firma aktive Unterstützung und
Anleitung. Ziel ist es, aus erfolgten und auch aus abgewendeten
Schäden Schlüsse zu ziehen, um weitere Schäden möglichst zu vermeiden.
Hierbei sind moderne Dashcam-Systeme der klassischen
Dashcam weit überlegen, da sie kostbare zusätzliche Möglichkeiten
Zu geringer Abstand: Was dem Chef entgeht, sieht die KI – und kann dem Fahrer Rückmeldung geben, an welchen Stellen er sein
Fahrverhalten optimieren sollte.
FOTOS: Dittmeier GmbH
18
1. QUARTAL 2026 TAXI
UNFALLVERMEIDUNG
mit KI-Unterstützung bieten. Da es mit solchen Systemen gelingen
kann, schlechte Fahrer, die man eigentlich entlassen würde,
durch gezieltes Coaching zu qualifizieren, wirkt die Investition
auch dem Fahrermangel entgegen.
Ein Plus für Fahrer besteht in der Möglichkeit des Nachweises,
dass man sich am Steuer richtig verhalten hat. Dazu hat Dittmeier
kommentierte Kameramitschnitte von Dashcam-Aufnahmen
seiner Kunden archiviert, die für Interessenten einen besonders
anschaulichen Einblick bieten. Bei teils haarsträubenden Lügen
von Unfallgegnern, die etwa an einer Bushaltestelle bei blendender
Sonne im Rückwärtsgang in die Vorderfront eines Linienbusses
fahren und dann behaupten, der Busfahrer sei ihnen
hinten aufgefahren, hätte man ohne Dashcam-Mitschnitt schlechte
Karten. Solche Beweise nutzen natürlich in mindestens ebenso
hohem Maße dem Unternehmer. Er profitiert darüber hinaus von
Aufnahmen, aus denen unvorsichtiges oder unkonzentriertes
Verhalten eines Fahrers hervorgeht, sodass er diesem eine mahnende
Rückmeldung und damit die Möglichkeit zur Verhaltensänderung
geben kann.
Für Unternehmer, die befürchten, mit der Verwaltung und Auswertung
der vielen Aufnahmen zeitlich überfordert zu werden,
hat Wäsch eine beruhigende Antwort. Zwar sei es nicht so, dass
man die Kameras einbaue, um dann „gar nichts zu machen“. Man
brauche eine „gewisse Betreuung“, könne das aber auch „sehr gut
managen“. Aufgrund der hohen Nachfrage hat die Agentur hierzu
ein Angebot an ihre Kunden erarbeitet, das Wäsch als „Service-
Paket on top“ bezeichnet. „Das heißt, Sie müssen sich dann um
nichts mehr kümmern. Wir würden alles übernehmen: jedes einzelne
Video klassifizieren, qualifizieren, Auffälligkeiten ermitteln
usw. Einmal im Monat gibt es dann einen Report, ganz transparent
und mit klaren Handlungsempfehlungen. Wenn Sie die abarbeiten,
holen Sie das Optimum aus dem System heraus. Man kann
das alles also selber machen, aber man kann es auch professionalisieren
und sich auf sein Hauptgeschäft konzentrieren.“ Das
heißt selbstverständlich nicht, dass Dittmeier-Mitarbeiter sich
nächtelang mit dem Sichten der Aufnahmen beschäftigen. Das
erledigt zum größten Teil eine KI, so dass die Kosten für den Kunden
überschaubar sind.
AKZEPTANZ BEI FAHRERN
Das Kundenfeedback, das die Firma bekommt, spricht klar für die
Produkte. Zufrieden mit einem bei Dittmeier gekauften Dashcam-
System äußert sich beispielsweise – ausführlich und sachlich – der
Geschäftsführer eines Unternehmens aus dem Berchtesgadener
Land mit über 100 Fahrzeugen. Er beschreibt in ausführlichen
Einzelheiten, welch großen Nutzen ihm das Produkt der Firma
Samsara bereits gebracht hat. Er spricht über dokumentierte
Unfälle und Übergriffe, ein laufendes Ermittlungsverfahren, bei
dem die Polizei begeistert auf die Beweise reagiert hat, und über
die Akzeptanz bei seinen Fahrern, die sich mit den Kameras als
„täglicher Begleiter“ sicherer fühlen. Zahlen aus weiteren Unternehmen
zeigen, dass die Investition sich nicht nur in absehbarer
Zeit amortisiert, sondern durch weit darüber hinausgehende Einsparungen
in hohem Maße bezahlt macht.
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ist Florian Wäsch, Prokurist/Leiter IT
von Dittmeier Versicherungsmakler
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QR-Code.
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TAXI 1. QUARTAL 2026
INTAX.de
KRANKENFAHRTEN
WENN MAN MIT
EINEM FINGER AUF
UBER & CO. ZEIGT ...
... zeigen drei Finger auf einen selbst. Gisela Spitzlei appelliert: Leute, beklagt
nicht, was die Dumping-Anbieter können! Zeigt, was wir besser machen und
wie wichtig unser Gewerbe für die Daseinsvorsorge ist!
Grundsätzlich ist mein Thema ja der Bereich Krankenfahrten,
aber auch hier zieht inzwischen der Gedanke
an Uber & Co. in die Köpfe der Verantwortlichen bei den
Krankenkassen ein. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich
in einer Zeit, in der die Krankenkassen dank falscher Politik mit
einem Einnahmeproblem kämpfen.
So richtig und wichtig die Aktionen in Sachen Uber & Co. sind,
so wichtig ist es aber auch zu zeigen, was dieses Gewerbe alles kann
und tut. Wenn ich die Pressemitteilungen der Medien und auch
die Reaktionen in Leserbriefen nach den Protesten höre oder lese,
kommt dort immer das Echo, Uber ist modern, Uber ist schnell,
Uber ist billig; die Taxis sind zu teuer, machen keine Kurzfahrten,
sind nicht modern usw. Gerade mit den in den Protesten immer
wieder präsentierten Schildern gegen Dumpingpreise machen
wir doch eigentlich sogar auf das „billiger“ der Plattformen aufmerksam.
Das wird natürlich auch bei den Krankenkassen wahrgenommen.
Immer wieder kommen Forderungen auf, dass die
Gewerbevertretungen doch endlich etwas tun müssen. Das tun sie
doch aber: Die Verbände sind nicht nur die Geschäftsführer, der
Vorstand und die vielen die sich dort ehrenamtlich engagieren.
Das Gewerbe, das sind wir und seid IHR ALLE!
Uber hat gerade in den Städten seinen Anfang genommen. Wie
viele Unternehmer haben sich, als es begann, direkt dort angemeldet,
um noch schnell die eine oder andere Fahrt zu bekommen,
egal wie viel Provision gefordert wurde, statt ihre Zentrale
zu unterstützen, gemeinsam mit guter Dienstleistung Kunden an
die Zentrale zu binden.
PROVISIONEN BESSER NUTZEN
Mit dem Geld der Provisionen, die bereitwillig an die Plattformen
gezahlt wurden, hätten die Zentralen modernisiert werden
können, in Mitgliederversammlungen der Zentralen die ewig gestrigen
überzeugt werden können, dass Veränderungen notwendig
sind. Statt aktiv die Zentrale mitzugestalten, wurden nur Beiträge
gezahlt, und damit hatten die gewählten Vorstände Fahrten
heranzuschaffen.
Ansonsten wollte man in Ruhe gelassen werden. Gerade in den
Städten waren Krankenfahrten in der Vermittlung nicht besonders
beliebt, da hier ja auf jeden Fall ein höherer Dienstleistungsaufwand
anfällt. Lieber die schnelle Fahrt an der Ecke, die man vielleicht auch
noch unter der Hand machen konnte. Noch 2011 brüstete man sich
in der Presse:
BILD: KI-generiert
20 1. QUARTAL 2026 TAXI
KRANKENFAHRTEN
Auszug aus einem Artikel des Bonner General-Anzeigers:
Der Fahrer rechnet vor: 2.000 Euro kostet das Taxi monatlich
fix. Als Alleinfahrer kann er mit einer 60- bis 70-Stunden-Woche
4.500 bis 5.000 Euro Umsatz machen.
Um die Investitionen in überschaubarer Zeit wieder hereinzuholen,
muss der Betreiber am Limit fahren und steckt in der Regel
etwa 2.000 Euro vom Umsatz schwarz ein. Dafür müssen der
Tacho und die Buchhaltung manipuliert werden, Tankquittungen
verschwinden. Der Insider versichert, dass die entsorgten Quittungen
im Monat einen Wert von 500 Euro haben können. Wenn
der Unternehmer einen Fahrer einstellt, der offiziell als Aushilfe
beschäftigt ist, faktisch aber zum Beispiel nachts voll arbeitet,
erwirtschaftet dieser Angestellte zusätzlich etwa 4.500 Euro
Umsatz. Der Nachtfahrer kriegt davon 2.000 Euro auf die Hand
und beantragt, da er offiziell kaum etwas verdient, als geringfügig
Beschäftigter Transferleistungen wie Hartz IV, Arbeitslosen-
oder Wohngeld.
Dieser Artikel ist noch heute in Internet zu finden. Darum ist nur
der Hinweis auf die Dumpingpreise der Plattformen für Medien
kein Grund, sich pro Taxi zu positionieren. Dass sich der Markt
gewandelt hat, dass hinter den Taxitarifen hohe Kosten stehen, die
mit den Einnahmen gedeckt werden müssen, dass die Bürokratie
in den ehrlichen und ordentlichen Betrieben erheblichen und teuren
Aufwand verursacht, all das ist kaum bekannt.
Statt weiter auf die Billigpreise der Plattformen hinzuweisen,
ist es wichtig, auf unsere Leistung und das, was hinter den Preisen
steht, hinzuweisen. Die Plattformen sind doch nicht nur billig, sie
sind immer dann, wenn es brennt, sogar sehr, sehr teuer.
Unsere Bundes- und Landesverbände kämpfen für dieses Gewerbe
an allen Fronten, aber diesen Kampf können sie nur gewinnen,
wenn alle Beteiligten ihren Teil dazu beitragen. Wie der Kollege
Iordanis Georgiadis (Danis) es bei der letzten Demo in Esslingen
absolut treffend gesagt hat: Es geht nicht um ein paar Umsätze,
die eventuell irgendjemandem verlorengehen. Es geht um einen
Diebstahl am deutschen Staat (der wir alle ja sind).
Die Verstöße und Rechtsbrüche sind bekannt und bewiesen,
und jeder, der mitmacht oder wegschaut, macht sich mitschuldig.
Daher sage ich Euch, angelehnt an ein bekanntes Zitat: Erst,
wenn der letzte ehrliche Taxi- oder Mietwagenunternehmer in die
Insolvenz gegangen ist, werdet ihr sehen, dass „mobil zum Billigpreis“
vorbei ist.
gs
GISELA SPITZLEI
war von 1974 bis 2005 Taxiunternehmerin
und steht seit 1980 dem
Abrechnungszentrum Spitzlei vor.
Gewerbepolitisch engagiert sie sich
seit 1974 und ist seit den 1990er-Jahren
im Fachausschuss Krankenfahrten des
Bundesverbands Taxi und Mietwagen,
seit 1999 als dessen Vorsitzende.
FOTO: Taxi Times
SCHLUSS MIT WERBUNG FÜR UBER
Darum macht Schluss mit der Werbung für Uber & Co., in dem ihr
ständig auf das „billig“ hinweist! Fordert die Einhaltung von Rechten
und Pflichten! Hört auf, in euren Fahrzeugen Verbindungen
zu allen Plattformen zu halten, um ja noch eine Fahrt einzufangen,
auch wenn nichts dabei übrigbleibt! Jede Fahrt, die so übernommen
wird, stärkt die Plattformen, denn sie können doch nur
deshalb so schnell bedienen, weil es immer wieder Unternehmer
und Fahrer gibt, die hier mitspielen. Sprecht davon, was dieses
Gewerbe kann, wie zuverlässig und preisbewusst wir sind. Zeigt
eure Dienstleistung; auch kurze Fahrten sind es wert, gefahren
zu werden. Nicht jeder, aber viele Fahrgäste sind hier auch bereit,
ein entsprechendes Trinkgeld zu geben, wenn sie nicht das Gefühl
bekommen, eine Zumutung zu sein. Diese Fahrten graben euch
sonst die Plattformen mit ihren ständig kreisenden Fahrzeugen
ab – und der Kunde wird immer öfter darauf zugreifen.
Gerade in den Städten gibt es noch erhebliches Potential für
Krankenfahrten. Ja, die Kassen zahlen zu schlecht, auch das ist
oft durch unsere eigenen Leute verursacht. Immer wieder hört
man bei den Verhandlungen, dass Unternehmer auf die vereinbarten
Tiefpreise noch Rabatte bis zu 30 Prozent anbieten. Auch
den Kassen ist klar, dass das nicht wirtschaftlich tragbar ist, aber
wie hieß es da einmal: „Ist uns doch egal, wenn der das nicht
überlebt, der nächste Idiot steht doch dann schon bereit.“ Gerade
darum ist es notwendig, dass es grundsätzlich Mindesttarife für
die Personenbeförderung gibt, die durchaus wie die Taxitarife je
Region unterschiedlich ausfallen können, die aber auf einer soliden
Kalkulation beruhen und einen ordentlichen Betrieb möglich
machen müssen.
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TAXI 1. QUARTAL 2026
21
KRANKENFAHRTEN
ILLEGAL IM
UNVERSICHTEREN
TOURAN
In Mecklenburg-Vorpommern hängt der Haussegen schief.
Die Taxi- und Mietwagenunternehmer fordern 88 Prozent mehr
von den Kostenträgern. AOK & Co. bieten lediglich fünf Prozent.
Man stelle sich einmal folgende
skurrile Situation vor: Ein Taxiunternehmer
setzt für die Krankenfahrt
einen Privat-Pkw ein, der von
einem nicht angemeldeten Fahrer gefahren
wird. Und trotzdem fährt der Unternehmer
für eine 20 Kilometer lange Fahrt
einen Verlust von vier bis sechs Euro ein.
So rechnet es zumindest der Landesverband
für das Taxi- und Mietwagengewerbe
Mecklenburg-Vorpommern e. V. den Krankenkassen
vor. Er beruft sich auf eine Autokosten-Berechnung
des ADAC vom Herbst
2025. Ein VW Touran SCR Comfortline
DSG (7 Gang) – eines der am häufigsten
genutzten Taxis in Meck-Pomm – kostet in
der privaten Nutzung laut Automobilclub
74 Cent pro Kilometer. Würde man also mit
solch einem Privatfahrzeug 20 Kilometer
zurücklegen, entstünden reine Fahrzeugkosten
von 14,80 €. Wenn nun ein Taxiunternehmer
solch ein privates – und damit
dann illegales – Fahrzeug für eine gewerbliche
Personenbeförderung einsetzen würde,
Selbst mt einem Privat-Pkw
ließe sich keine wirtschaftliche
Krankenbeförderung
durchführen.
um damit eine zehn Kilometer lange Krankenfahrt
in Stralsund durchzuführen, und
er dafür einen unangemeldeten Fahrer einsetzt,
der den gesetzlichen Mindestlohn von
13,90 Euro schwarz und bar auf die Hand
erhalten würde, würden für diese Fahrt
trotzdem Kosten von 28,70 Euro entstehen.
KASSENANGEBOT ZU NIEDRIG
Warum? Weil zu den zehn Kilometern
besetzter Hin- noch eine ebenso lange
unbesetzte und unbezahlte Rückfahrt dazukommt.
Und weil für Hin- und Rückfahrt
ein Personaleinsatz von 60 Minuten eingeplant
werden muss.
„Tatsächlich müsste der ordentliche und
rechtschaffene durchschnittliche Taxiunternehmer
in Mecklenburg-Vorpommern
bei dieser Krankenbeförderung ein Beförderungsentgelt
in Höhe von 40,60 Euro
erhalten, um wirtschaftlich auskömmlich
arbeiten zu können“, rechnet der Verband
den Kassen vor. Doch deren Angebot liegt
deutlich niedriger. Die beispielhaft aufgeführte
Krankenfahrt über 20 Kilometer
hin und zurück würde laut aktuellem Vertragsangebot
mit 24,70 Euro vergütet.
Folglich wäre selbst bei Umgehung
sicherheits- und sozialversicherungsrechtlicher
Vorschriften jede Fahrt defizitär. Solche
hanebüchenen Entlohnungen kennt
man sonst eigentlich aus den Großstädten,
wo Plattformen wie Uber und Bolt mit Dumpingpreisen
die eigenständigen Mietwagenunternehmer
in die Illegalität treiben.
Etwas provokant könnte man davon
sprechen, dass AOK & Co. in Meck-Pomm
(und übrigens auch in Brandenburg) das
Uber des ländlichen Bereichs verkörpern.
Der Landesverband hat den aktuellen
Rahmenvertrag zwischen AOK und anderen
Kassen zum 31.3.2026 gekündigt. Somit
sind die zahlreichen Mitglieder des Verbands
zum 1. April vertragslos und nicht
mehr verpflichtet, die Patienten von AOK,
Barmer und anderen zu den bisher gültigen
Entgelten zu befördern. Zum Ende des ersten
Quartals kommt es nun also zum Kräftemessen,
bei dem man gespannt sein darf,
wer daraus am Ende als Sieger hervorgeht.
Schaffen es die Krankenkassen, genügend
Taxi- und Mietwagenbetriebe zu finden und
mit Einzelverträgen auszustatten, um so die
mobile Grundversorgung sicherzustellen?
Oder halten die Taxi- und Mietwagenbetriebe
in Mecklenburg-Vorpommern zusammen
und lange genug durch, um den Druck auf
die Krankenkassen zu erhöhen? Taxi Times
wird über das Ergebnis auf seiner Website
unter www.taxi-times.com berichten.
In Hessen hatten die dortigen Taxi- und
Mietwagenunternehmen mit ihrer Hartnäckigkeit
die DAK im Januar 2025 zu Verhandlungen
auf Augenhöhe gebracht. All
den Beförderungsunternehmern in Meck-
Pomm (und ebenso in Brandenburg) ist zu
wünschen, dass am Ende die Vernunft und
die Gerechtigkeit siegt. Kein Sparzwang
der Krankenkassen rechtfertigt Tarife, mit
denen man als Unternehmer in die Illegalität
getrieben wird.
jh
FOTO: Ki-Generiert
22 1. QUARTAL 2026 TAXI
KRANKENFAHRTEN
MINDESTLOHN-
ERHÖHUNG
KOMPENSIERT
Der Fachverband Pkw-Verkehr Hessen
e. V. (FPH) hat mit den Ersatzkassen
einen neuen Vergütungsabschluss für
Liegend- und Tragestuhltransporte
erzielt. Die Vereinbarung gilt
rückwirkend zum 1. Januar 2026.
FOTO: Ki-Generiert
Die Vergütung mit einer Laufzeit bis
Ende nächsten Jahres wird in zwei
Stufen angehoben. Die Grundpauschale
steigt von 67 Euro im Jahr 2025 auf
73 Euro im Jahr 2026 und auf 76 Euro ab
2027. Gleichzeitig erhöht sich die Besetztkilometervergütung
von 2,30 Euro auf 2,50
Euro beziehungsweise 2,60 Euro. Über die
gesamte Laufzeit ergibt sich daraus eine
durchschnittliche Vergütungssteigerung
von rund elf Prozent. In einer Zeit, in der
viele Kostenträger ihre Ausgaben begrenzen,
wird das Ergebnis innerhalb der Branche
als bemerkenswertes Signal gewertet.
Nach betriebswirtschaftlicher Bewertung,
die Geschäftsführer Mathias Hörning
vorgestellt hat, reicht diese Anpassung
aus, um die Auswirkungen der kommenden
Mindestlohnsteigerungen vollständig
zu kompensieren. Bei einem Personalkostenanteil
von etwa 60 Prozent ergibt sich
durch die Mindestlohnentwicklung in den
Jahren 2026 und 2027 ein rechnerischer
Kostenanstieg von durchschnittlich 6,69
Prozent. Die vereinbarte Vergütungssteigerung
von rund 11,04 Prozent gleicht diesen
Effekt nicht nur aus, sondern schafft
zusätzlich etwa 4,35 Prozent finanziellen
Spielraum. Dieser kann zur Abfederung
steigender Sachkosten genutzt werden, die
bei einem Anteil von 40 Prozent an den
Gesamtkosten rechnerisch um rund 10,9
Prozent steigen könnten.
ENTGELT FÜR TREPPENSTEIGER
Zusätzlich konnte der Einsatz elektrischer
Treppensteighilfen nun auch bei den Ersatzkassen
vertraglich verankert werden. Die
ursprünglich geforderten Abschläge wurden
im Verlauf der Verhandlungen deutlich
reduziert. Künftig gilt ein Abschlag von
fünf Euro auf die Grundgebühr sowie 20
Cent pro besetztem Kilometer. Die Regelung
orientiert sich an bestehenden Vereinbarungen
mit Primärkassen und sorgt
für zusätzliche Planungs- und Rechtssicherheit.
Für Taxi- und Mietwagenunternehmen
stellen Liegend- und Tragestuhltransporte
ein wichtiges wirtschaftliches Standbein dar.
Der Abschluss verbessert die Kalkulationssicherheit
bis Ende 2027, gleicht steigende
Lohnkosten aus und trägt dazu bei, die
Belastungen durch steigende Betriebs- und
Fahrzeugkosten abzufedern. Gleichzeitig
wird das Ergebnis in Branchenkreisen als
möglicher Maßstab für kommende Verhandlungen
mit weiteren Kostenträgern gesehen.
Aus Sicht der Taxibranche stärkt die
Vereinbarung damit die wirtschaftliche
Stabilität im Patiententransport. In einem
Umfeld steigender Kosten und wachsender
Anforderungen schafft der Abschluss Planungssicherheit
und zeigt, dass auch unter
schwierigen Rahmenbedingungen tragfähige
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RECHT
BEI ANRUF
BETRIEBSPFLICHT?
Außerhalb von Großstädten sind häufig die Taxistände leer. Ruft dann ein
Kunde an, stellt sich die Frage nach einem Verstoß gegen die Betriebspflicht,
wenn der Unternehmer kein Taxi zur Verfügung hat.
Kein Taxi am Halteplatz:
Wenn der
Kunde dann telefonisch
bestellt, stellt
sich die Frage nach
der Betriebspflicht.
Nach § 21 (Betriebspflicht) Absatz 1
PBefG ist der Unternehmer „verpflichtet,
den ihm genehmigten
Betrieb aufzunehmen und während der Geltungsdauer
der Genehmigung den öffentlichen
Verkehrsinteressen und dem Stand
der Technik entsprechend aufrechtzuerhalten“.
Das bedeutet u. a., dass Taxis an den
behördlich zugelassenen Stellen bereitgehalten
werden (§ 47 Absatz 1 PBefG).
Für den Taxiverkehr werden die Landesregierungen
durch § 47 Absatz 3 PBefG
ermächtigt, den Umfang der Betriebspflicht
zu regeln, was überall außer in Berlin, Hamburg
und dem Saarland auf örtliche bzw.
regionale Behörden übertragen wurde. Die
konkrete Ausgestaltung der Betriebspflicht
kann also von Ort zu Ort unterschiedlich
sein. Häufig enthalten die Taxiordnungen
dazu allerdings keine Regelungen.
Daher kommt den wenigen hierzu ergangenen
Gerichtsentscheidungen erhebliche
Bedeutung zu:
So hatte das Bundesverwaltungsgericht
bereits 1976 festgestellt, dass eine jederzeitige
Erreichbarkeit und Benutzbarkeit von
Taxis nicht Gegenstand der Betriebspflicht
sind. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz
ging 2013 deutlich weiter und
stellte fest, dass der Taxiunternehmer nicht
bereits von Gesetzes wegen verpflichtet sei,
Beförderungsdienstleistungen in einem
bestimmten Umfang bereitzustellen. Inhalt
und Umfang der Betriebspflicht seien daher
notwendigerweise durch den Erlass einer
Verordnung zu konkretisieren. Das Oberlandesgericht
Celle entschied 2017, dass
eine solche Verordnung durch entsprechende
Regelungen zum Bereithalten von
Taxen in Sonderfällen einschließlich eines
Bereitschaftsdienstes und Regelungen zur
Annahme und Ausführung von telefonisch
erteilten Fahraufträgen gerade auch zur
Nachtzeit eine Verfügbarkeit von Taxen für
die Bevölkerung sicherstellen kann.
BEREITHALTEN IM HOME-OFFICE
Gerade auf dem Land muss die Behörde
also etwaige Versorgungslücken durch die
Aufstellung von Dienstplänen schließen
und dabei berücksichtigen, dass die Kosten
der Taxiunternehmer die Einnahmen nicht
dauerhaft übersteigen dürfen. Daher kann
zum Beispiel die nächtliche Versorgung mit
Taxen eingeschränkt werden.
„Bereithalten“ meint aber nicht nur das
Warten am Taxistand. So entschied das
Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg
2010, dass jedes Verhalten des Taxifahrers
oder Unternehmers, das die Bereitschaft zur
Durchführung eines Beförderungsvertrags
zum Ausdruck bringt, als „Bereithalten“
gilt. Dazu gehört nach dem Oberlandesgericht
Celle auch die telefonische Entgegennahme
von Aufträgen, sowohl zur
sofortigen Beförderung als auch zur Vorbestellung
für einen späteren Zeitpunkt.
Allerdings darf der Taxiunternehmer nach
dieser Gerichtsentscheidung telefonisch
eingehende Beförderungsaufträge ablehnen,
wenn ihm kein Taxi zur Verfügung
steht, obwohl er die Anzahl der von ihm
regelmäßig eingesetzten Taxen nach dem
durchschnittlichen Beförderungsbedarf der
Bevölkerung ausgerichtet hat. Ob andere
Gerichte diese Auffassung teilen, halte ich
für offen. Es wäre daher sehr zu begrüßen,
wenn die zuständigen Behörden durch entsprechende
Regelungen in den Taxiordnungen
Rechtssicherheit schaffen würden.
Abschließend ist noch zu erwähnen,
dass eine Verletzung der Betriebspflicht
weder ordnungswidrig noch strafrechtlich
relevant ist. Allerdings kann in schwerwiegenden
Fällen die Genehmigung widerrufen
werden.
tk
TOBIAS KIPHUTH
ist seit 2007 Rechtsanwalt
und seit 2018
Mitarbeiter der Kanzlei
LIEB.Rechtsanwälte
in Erlangen. Er ist
Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz
und berät unter anderem
verschiedene Taxizentralen und
Taxiunternehmen bundesweit im
Wettbewerbs- und Personenbeförderungsrecht.
FOTOS: Axel Rühle, LIEB Rechtsanwälte
24 1. QUARTAL 2026 TAXI
VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG 1. QUARTAL 2026
www.taxi-times.com
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
H
HAMBURG
B
BERLIN
K
KÖLN
RHEINLAND-
PFALZ
H
HEIDELBERG
S
STUTTGART
TAXIZENTRALE BERLIN
KEINE RÜCKWANDERUNG
BEI DEN MIETWAGEN
VSPV
DIE NEUE ALTE
UNABHÄNGIGKEIT
VDV
TAXI AUF BÜHNE DES
NAHVERKEHRS
TAXIZENTRALE STUTTGART
KAMPFANSAGE VOR DEM
LANDRATSAMT
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
KÖLN VOLLSTRECKT DAS ANTI-UBER-URTEIL
Im Zuge einer Kooperationsvereinbarung mit dem Taxi-Times-
Verlag berichten zahlreiche Taxiverbände und Zentralen auf den
folgenden Seiten von ihren Aktivitäten in Form von eigens verfassten
Berichten. Vom Kölner Taxiruf erfahren wir, dass er nun für die
Vollstreckung eines Uber-Urteils die dafür nötige Sicherheitsleistung
hinterlegt hat. In Koblenz freut sich der VDV, dass das Taxi
beim kommenden Nahverkehrstag des ÖPNV so gut eingebunden
ist, und bei Hansataxi sorgt ein umstrukturierter Schichtplan
dafür, dass die Dispo stets bedarfsgerecht besetzt ist.
Manche Berichte machen die Gefühlslage deutlich: In Heidelberg
ist es die große Dankbarkeit für den „besten Chef“, der nun
in den Ruhestand gegangen ist. In Stuttgart wird die Wut deutlich,
die sich gegenüber untätigen Behörden
aufgestaut und kürzlich in einer Taxidemo
entladen hat. Und in Berlin spürt man die
große Erleichterung über einen endlich verhängten Konzessionsstopp
durch die Einführung eines Beobachtungszeitraums.
Wie sieht eine erfolgreiche Zukunft der Taxibranche aus? Für
taxi.eu ist es die Option der Vorabbezahlung bei Festpreisen. Die
Hamburger Taxenunion plädiert für gemeinsames Handeln. Der
VSPV will mit einer „neuen alten Unabhängigkeit“ Stärke demonstrieren.
Wir wünschen eine kurzweilige Lektüre auf den folgenden
fünf Seiten.
DIE ZUKUNFT LIEGT IN UNSERER HAND
Die Zukunft des Taxigewerbes wird nicht nur
auf der Straße entschieden, sondern wesentlich in der Gewerbepolitik.
Landes- und Bundesverbände sollten ein gemeinsames Ziel
verfolgen: die Zusammenführung des traditionell
kleinteiligen Gewerbes mit dem Ziel einer bundesweiten
Taxibestellung – vom Gewerbe für das
Gewerbe. Denn nur wenn wir digitale Strukturen
selbst entwickeln und kontrollieren, sichern wir
uns unsere eigene Wertschöpfung.
Dazu braucht es neue Kooperationen und starke
Bündnisse – zwischen Unternehmern, Zentralen
und Verbänden über Grenzen hinweg. Einzelinteressen dürfen
nicht länger Fortschritt verhindern.
Gleichzeitig müssen wir die Macht internationaler Plattformen
und dominierender Softwareanbieter begrenzen.
Wer Marktzugang, Daten und Zahlungsströme
bündelt, kontrolliert das Gewerbe. Hier braucht
es eine klare und einheitliche gewerbepolitische
Positionierung!
Dafür bin ich vor vielen Jahren Taxiunternehmer
geworden: für Freiheit und Unabhängigkeit!
Jan Grupe, Vorstand Taxenunion Hamburg
DIGITALE VORAB-BEZAHLUNG BRINGT
MEHRERE VORTEILE
Taxi.eu hat sich mit einer Reihe von Rückmeldungen
von Taxizentralen über positive wie negative Kritik der
Kundschaft befasst. Die Gründe für Lob sind sehr vielfältig und
bestärken das Taxigewerbe darin, bei der Qualität der Dienstleistung
nicht nachzulassen.
Bei den Beschwerden haben sich zwei Gründe besonders häufig
gezeigt. Einer ist das Unverständnis, wenn eine Fahrt einen
anderen Preis kostet als den, als vorher angekündigt wurde. Die
Antwort, die im Gewerbe jeder kennt (verkehrsbedingte Wartezeiten,
Umleitungen, tageszeitabhängige Tarifstufen usw.), ist so
banal wie unbefriedigend für den Fahrgast.
Ein zweiter häufiger Punkt ist der nicht erfüllte Wunsch nach
bargeldloser Zahlung im Taxi, sei es aufgrund angeblicher kurzzeitiger
technischer Probleme oder aus sonstigen Gründen.
Für beide genannten Kritikpunkte haben wir in die App taxi.
eu digitale Lösungen implementiert, die zu einer signifikanten
Erhöhung der Akzeptanz geführt haben: In den (noch wenigen)
Gebieten, in denen die Taxitarife Festpreisfahrten innerhalb von
Tarifkorridoren zulassen, ist der Anteil der Bestellungen mit
Festpreiswunsch schnell auf ein Niveau von rund 80 Prozent der
App-Bestellungen gestiegen. Noch größeren Erfolg brachte die im
August 2025 eingeführte Möglichkeit der Vorabbezahlung in der
App. Mit dem Werbeslogan „Nie wieder im Taxi bezahlen“ machten
wir der Kundschaft den Vorteil bewusst, der im Wegfall der
Suche nach Bargeld oder der Karte am Ende der Taxifahrt liegt.
Von allen Aufträgen mit hinterlegter Zahlungsart (Google Pay,
Apple Pay usw.) kletterte der Anteil der vorab bezahlten Fahrten
von August bis Januar von 15,2 auf satte 59,5 Prozent.
Mit diesen neuen Möglichkeiten konnten wir einen weiteren
Wettbewerbsnachteil gegenüber den Vermittlungsplattformen
eliminieren.
FOTOS: Taxen Union, taxi.eu
26
1. QUARTAL 2026 TAXI
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
VOLLSTRECKUNG DES ANTI-UBER-URTEILS: ES KANN LOSGEHEN
Wir haben gegen den dem Taxiverkehr
gleichkommenden Mietwagenverkehr durch Uber sowie
die SafeDriver ennoo CGN Klage erhoben und in erster Instanz
obsiegt. Das Urteil reiht sich in vergleichbare Entscheidungen
aus den Jahren 2019 (Frankfurt am Main) und 2020 (Düsseldorf)
ein. Gesetzlich ist normiert, dass Mietwagenaufträge ausschließlich
am Betriebssitz entgegengenommen und von dort aus an die
Fahrer vermittelt werden dürfen. Das Landgericht Köln ist zu der
Auffassung gelangt, dass die Funktionsweise der von Plattform-
Fahrdiensten eingesetzten Applikationen diesen Vorgaben nicht
entspricht.
Mit Urteil vom September 2025 wurde den Beklagten untersagt,
die „Smartphone-Applikation UBER X für Mietwagenfahrer und
Mietwagenunternehmer zur Vermittlung von Fahraufträgen einzusetzen
[…]“. Für den Fall der Zuwiderhandlung hat das Gericht
Ordnungsgelder von bis zu 250.000 Euro angedroht, ersatzweise
Ordnungshaft von bis zu zwei Jahren gegen die Geschäftsführer.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Zwangsvollstreckung
ist daher nur gegen Stellung einer Sicherheitsleistung von
100.000 Euro zulässig.
Die Hinterlegung ist mit weiteren formalen Anforderungen
verbunden. Besonders hervorzuheben ist hierbei die finanzielle
Unterstützung durch den BVTM sowie durch die Taxizentralen
Stuttgart, Leverkusen und München. Hierfür bedanken wir uns
ausdrücklich.
Nach der Hinterlegung sind wir berechtigt, Ordnungsmittel
gegen Uber sowie gegen die SafeDriver enno GmbH zu beantragen,
sofern im Einzelfall nachgewiesen werden kann, dass gegen die
im Tenor des Urteils festgelegten Vorgaben, insbesondere gegen
die Betriebssitzregelung, verstoßen wurde.
Es bleibt abzuwarten, wie der Rechtsstaat Deutschland verhängte
Ordnungsgelder gegenüber international agierenden Plattformanbietern
vollziehen wird. Vor dem Hintergrund bisheriger
Erfahrungen bestehen gewisse Zweifel, insbesondere, da bekannte
Plattformunternehmen ihren rechtlichen Sitz außerhalb Deutschlands
haben und die Vollstreckung ausländischer Entscheidungen
in einzelnen Rechtsordnungen erheblichen Einschränkungen
unterliegt.
VSPV – DIE NEUE ALTE UNABHÄNGIGKEIT
Der VSPV e. V. steht seit jeher für die gesamte
Breite des privaten Personenverkehrs: Taxi,
Mietwagen, Bus, qualifizierter Krankentransport und privater Rettungsdienst.
Diese integrative Branchenperspektive unterscheidet
ihn strukturell von reinen Spartengebilden und begründet seinen
Anspruch, Mobilität als zusammenhängendes System zu denken
und zu vertreten.
In der Taxi- und Mietwagensparte ließ sich der VSPV in den
Jahren 2023 bis 2025 vorübergehend auf Bundesebene durch
den TMV vertreten. Zuvor stets völlig unabhängig, wollten wir
den Anschluss an einen Dachverband bewusst ausprobieren. Mit
Ablauf des Jahres 2025 hat der VSPV dieses Experiment beendet
und seine bundespolitische Interessenvertretung seit Jahresbeginn
wieder vollständig in eigene Verantwortung übernommen – mit
einem eigenen Hauptstadtbüro und „Mr. Taxi“ Patrick Meinhardt.
Der Austritt aus dem TMV erfolgte, um Präsenz, Geschwindigkeit
und Durchsetzungskraft unmittelbar selbst zu organisieren und
strategische Weichenstellungen – insbesondere mit Blick auf die
anstehende PBefG-Novelle – eigenständig zu gestalten.
Interessenvertretung versteht der VSPV dabei nicht als Verwaltung
des kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern als aktive
Gestaltung im Interesse einer heterogenen Branche. Die organisatorische
Aufstellung folgt diesem Anspruch: kurze Wege, unmittelbare
politische Ansprache, eigene Expertise über alle Verkehrsarten
hinweg und eine Verbandskultur, die Umsetzung vor Proklamation
stellt. Bereits die Projekte der vergangenen Jahre zeigen, dass der
Verband Mobilitätspolitik nicht nur kommentiert, sondern operativ
vorantreibt – vom Daten- und Digitalisierungsansatz bis zur
Integration des Gelegenheitsverkehrs in multimodale Systeme.
Seit 2026 gilt daher wieder uneingeschränkt wie von 1984 bis
2022: Der VSPV vertritt die Interessen seiner Branchen selbst –
umfassend, agil und aus einer Hand. Denn Interessenvertretung
entsteht nicht aus Struktur, sondern aus Haltung: Machen ist wie
reden – nur viel krasser.
FOTOS: Axel Rühle, VSPV
TAXI 1. QUARTAL 2026
27
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
taxi
zentrale heidelberg
06221
30 20 30
Sicher. Schnell. Zuverlässig.
DER LOTSE GEHT VON BORD!
WAS TUN, WENN ALLE AUFTRÄGE GLEICHZEITIG EINGEHEN?
Die Durststrecken schwächerer Auftragslage
werden länger, während
immer mehr Fahrgäste in immer kürzeren Zeitfenstern gleichzeitig
einen Wagen benötigen. Was tun? „Die Lösung dieses Problems“,
sagt Ozan Baltaci, Vorstand beim Hansa-Funk, „gleicht
normalerweise einer Quadratur des
Kreises. Aber es gibt Mittel und Wege;
man muss es nur wollen!“
Tatsächlich ergibt die Analyse
des Vorstandes seit etwa zwei Jahren
immer wieder, dass die Amplituden
(Spitzen) in der Nachfragekurve
im Vergleich zu vor der Corona-Krise
kürzer, dafür aber umso stärker ausgeprägt
sind. Dass die Nachfrage nicht
immer zu 100 % zu decken ist, ist jeder
Zentrale bekannt.
Dass das Auftragsaufkommen allerdings
insbesondere in der Nacht stark
zurückgegangen ist und sich übermäßig
auf die Stoßzeiten des Tagesgeschäftes
verlagert hat und dann
für besetzte Leitungen sorgt,
kurze Zeit später wieder auf einen
Anschluss anruf gewartet wird, ist
kontra produktiv.
Um diesem Trend zu begegnen, hat sich Ozan Baltaci in die Statistik
eingearbeitet. Analysiert hat er die Nachfragewerte und die
Besetzung in seiner Disposition von über zwei Jahren, heruntergebrochen
auf dreißigminütige Bewertungsräume. „Es gilt“, so Baltaci,
„nicht das Rad neu zu erfinden oder kostenineffizient Personal hinzuzunehmen,
sondern die kurz- und
mittelfristigen Trends zu erkennen
und effizient darauf zu reagieren.“ So
hat er seit Mitte 2025 den Schichtplan
umstrukturiert. Es sind nun stets (nur)
so viele Disponenten im Einsatz wie
nötig. Es wurden geteilte Schichten
ermöglicht, um dem hohen Aufkommen
morgens und abends mit mehr
Manpower zu begegnen. Mit Mitarbeitern,
die niedrige Annahmequoten
verzeichnen, wird über Optimierungsmöglichkeiten
gesprochen.
Bisheriges Ergebnis: kürzere
Annahmezeiten der Gespräche (20-prozentige
Verbesserung bei 10 Prozent
weniger Personaleinsatz), deutlich
mehr geführte Kundentelefonate sowie
weniger verlorene Anrufe und Besetztzeichen
– sowie unter dem Strich mehr
vermittelte Touren.
FOTOS: Auto-Funktaxi Heidelberg, Hansataxi
28
1. QUARTAL 2026 TAXI
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
RÜCKWANDERUNG VOM MIETWAGEN ZUM TAXI GEFÄHRDET
QUALITÄT
Der Berliner Senat hat Mitte Februar einen Beobachtungszeitraum
in Kraft gesetzt, der die vierstellige
Zahl von Anträgen auf Konzessionen in
Berlin für ein Jahr auf Eis gelegt hat. Das begrüßen
wir, da auch wir die Ursache für diese hohe
Nachfrage zu spüren bekommen: Dadurch, dass
die Berliner Politik so konsequent gegen unseriöse
Mietwagenunternehmen vorgeht, flüchten
Kriminelle nicht nur ins Umland, sondern auch
in das Taxigewerbe – aus dem viele aufgrund
der Fiskaltaxameterpflicht seit 2017 „geflüchtet“
waren, um wirksamen Kontrollen zu entgehen.
Nicht nur, dass das Berliner Straßenbild
neben auswärtigen Mietwagen auch immer mehr
von Taxis mit Uber- oder Bolt-Türwerbung geflutet
wird. Auch die Anwärter, die zur Fahrerprüfung bei der Zentrale
erscheinen, sind zu einem immer größer werdenden Teil schlecht
qualifiziert. Derzeit fallen rund drei Viertel der Teilnehmer durch
unsere Prüfung.
Wir sehen uns gezwungen, die Hürden aufrechtzuerhalten,
um die Qualität in unserer Fahrerschaft nicht weiter absinken zu
lassen. Uns ist klar, dass solche Fahrer, die keine Aufträge von
Taxi Berlin erhalten, aber trotzdem als Taxifahrer arbeiten möchten,
sich Aufträge bei den berüchtigten Vermittlungsplattformen
holen werden und so dennoch zur Verschlechterung des Rufes
des Gewerbes beitragen.
Uns bleibt das Vertrauen in den kritischen Blick der Kundschaft:
Wer in ein Taxi ohne Türwerbung einer Vermittlungsplattform
steigt, hat die höhere Wahrscheinlichkeit auf eine
qualifizierte Fahrerin oder einen qualifizierten Fahrer als jemand,
der in ein Taxi oder einen Mietwagen mit vier großen Buchstaben
auf der Tür steigt.
Da wir trotz eindeutiger Gerichtsurteile Uber und Bolt auf
absehbare Zeit nicht wegbekommen, bleibt dem seriösen Teil des
Taxigewerbes nur übrig, mit Qualität zu punkten. Wir können und
müssen besser sein als die anderen. Unsere qualitätsbewusste
Kundschaft wird es uns danken.
MOLO ERNEUT PARTNER DES DEUTSCHEN NAHVERKEHRSTAGS IN
KOBLENZ – TAXI GEHÖRT AUF DIE BÜHNE DES NAHVERKEHRS
FOTOS: Axel Rühle, VDV
Der Deutsche Nahverkehrstag ist seit
Jahren eine der wichtigsten Plattformen für die Zukunft des
öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Dass dort auch Taxi- und
Mietwagen-Themen vertreten sind, ist das Ergebnis kontinuierlicher
Verbandsarbeit.
Als VDV Rheinland e. V. und über unseren Dachverband MOLO
– Mobilität und Logistik Rheinland-Pfalz e. V. haben wir uns dafür
eingesetzt, die Branche in dieses Umfeld einzubetten. Von Beginn
an war es uns wichtig, diesen Weg gemeinsam mit dem Bundesverband
Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) zu gehen, der sich hier
stark engagiert und maßgeblich inhaltliche Impulse gesetzt hat
– zuletzt unter anderem durch Beiträge des GF Michael Oppermann,
des ehem. Präsidenten RA Herwig Koller und Dr. Hubertus
Baumeister von der Kanzlei BBG & Partner.
Gerade im Kontext von On-Demand-Verkehren, kommunalen
Bedarfsangeboten und sog. ÖPNV-Taxis zeigt sich, wie stark unser
Gewerbe bereits heute in öffentliche Mobilitätsstrukturen eingebunden
ist. Taxi- und Mietwagenunternehmen sichern Mobilität
in Randzeiten, in ländlichen Räumen und überall dort, wo starre
Linienverkehre an ihre Grenzen stoßen. Diese Kompetenz gehört
in die strategische Debatte – nicht an den Rand.
Mit der Verankerung dieser Perspektive auch programmatisch
beim Nahverkehrstag erhält unsere Branche dort
Gehör, wo verkehrspolitische Weichen gestellt werden.
Unternehmerinnen und Unternehmern bietet der
Kongress daher mehr als nur Einblicke in den klassischen
ÖPNV. Er ist eine Gelegenheit, die eigene Rolle
im Mobilitätsmix aktiv mitzudefinieren, Kontakte zu
Aufgabenträgern, Entscheidern und Partnern zu knüpfen
und die Zukunft des Gewerbes mitzugestalten.
Wir laden deshalb alle Kolleginnen und Kollegen
ein, diese Plattform zu nutzen und Präsenz zu zeigen.
Wir gehören in die Mitte der Mobilitätsdebatte – nicht
an ihren Rand.
23.–25. Juni 2026 – www.deutschernahverkehrstag.de
TAXI 1. QUARTAL 2026
29
VERBÄNDE UND ZENTRALEN
ESSLINGEN WAR KEIN PROTEST. ES WAR EINE KAMPFANSAGE.
UND SIE WAR ERST DER ANFANG.
Die Demonstration der Stuttgarter Taxifahrer
in Esslingen war kein höfliches Signal,
kein diplomatischer Hinweis und schon gar kein Appell an das
gute Gewissen der Verantwortlichen. Es war eine klare, unmissverständliche
Kampfansage an ein Behördenversagen, das längst
jede Grenze überschritten hat.
Wir reden hier nicht über kleine Fehler. Wir reden über ein
strukturelles, chronisches, jahrelang geduldetes Wegschauen, das
illegale Strukturen wachsen lässt, während legale Betriebe systematisch
zerstört werden. Ein Wegschauen, das den Rechtsstaat
aushöhlt und die öffentliche Sicherheit gefährdet.
Und wir sagen es offen: Wer wegschaut, ist Teil des Problems.
Die Lage ist eskaliert, und zwar nicht durch uns, sondern durch
Untätigkeit. Die Situation auf den Straßen ist außer Kontrolle.
Illegale Mietwagen operieren ohne Standards, ohne Regeln, ohne
Rücksicht auf Sicherheit oder Gesetz.
Sie tun es, weil sie es können. Und sie können es, weil Behörden
nicht handeln.
Die Verantwortlichkeiten sind klar verteilt: Die Politik darf
nicht länger so tun, als sei sie überrascht. Die Behörden müssen
endlich aufhören, sich hinter Ausreden, Personalmangel und internen
Komfortzonen zu verstecken. Die Bevölkerung muss erfahren,
welche Standards das Taxi erfüllt und wie bewusst illegale Anbieter
diese Standards umgehen.
Parallel braucht es eine sichere, legale Alternative zu diesen
illegalen Schattenstrukturen, die sich wie ein Tumor durch die
Städte fressen.
Stuttgart hat geliefert. Die Behörden haben versagt. Wir haben
dokumentiert, Verstöße gesammelt, Beweise geliefert, die so eindeutig
sind, dass man sie nur ignoriert, wenn man es bewusst tut.
Und genau das ist der Skandal: Die Behörden haben alles, was sie
brauchen – und handeln trotzdem nicht!
Geltendes Recht ist kein Vorschlag.
Es ist keine Empfehlung.
Es ist die Grundlage unseres
Rechtsstaats. Wer es nicht
durchsetzt, gefährdet die öffentliche
Sicherheit, die Daseinsvorsorge,
die Mobilität einer ganzen
Region.
„Personalmangel“ ist keine
Erklärung. Es ist Kapitulation.
Wenn Behörden sagen, sie hätten
zu wenig Personal, dann
sagen sie im Klartext: „Wir lassen
illegale Strukturen gewähren,
weil es uns zu anstrengend ist, sie zu bekämpfen.“ Das ist
keine Entschuldigung. Das ist ein Offenbarungseid. Und wir akzeptieren
ihn nicht. Wir kommen wieder. Und wir kommen überall hin.
»Wir kommen so lange,
bis der Rechtsstaat
wieder funktioniert, bis
illegale Strukturen nicht
mehr geduldet werden.«
Esslingen war ein Warnschuss. Der nächste wird lauter. Und er
wird nicht der letzte sein. Wenn eine Behörde geltendes Recht
nicht umsetzt, kommen wir. Wir kommen nach Esslingen. Wir
kommen nach Ludwigsburg. Wir kommen nach Reutlingen, Böblingen,
wir kommen in jede Stadt, in der Behörden glauben, sie
könnten Rechtsbruch aussitzen.
Wir kommen so lange, bis der Rechtsstaat wieder funktioniert.
Wir kommen so lange, bis die Behörden ihre Arbeit machen. Wir
kommen so lange, bis illegale Strukturen nicht mehr geduldet
werden.
Es geht nicht um Privilegien. Es geht um den Kern des Rechtsstaats.
Wir kämpfen nicht für Vorteile. Wir kämpfen nicht für
Sonderbehandlung. Wir kämpfen für etwas, das eigentlich selbstverständlich
sein müsste: die Einhaltung geltender Gesetze.
Wir kämpfen für Sicherheit. Wir kämpfen für Standards. Wir
kämpfen für die Daseinsvorsorge. Wir kämpfen gegen eine massive
Gefährdung der öffentlichen Verkehrsinteressen. Und wir
kämpfen, weil es sonst niemand tut.
An jede Stadt, die glaubt, sie könne dieses Problem ignorieren:
Ihr irrt euch.
Unser Rat ist klar und radikal einfach: Sammelt Beweise. Konfrontiert
die Politik. Konfrontiert die Behörden. Und wenn all
das nichts bringt, geht auf die Straße. Denn wer schweigt, macht
sich mitschuldig. Wer schweigt, stärkt illegale Strukturen. Wer
schweigt, lässt den Rechtsstaat erodieren.
Und wer handelt, schützt die öffentliche Mobilität einer ganzen
Region.
FOTOS: TAZ Stuttgart
30 1. QUARTAL 2026 TAXI
TAXI INTERNATIONAL
1
1 Übers Taxi kann man
überall diskutieren,
demnächst auch in
Australien.
2 Blair Davies, Australien,
lud zu seiner
Konferenz nach
„Down Under“ ein.
3 Jantine Vochteloo,
Niederlande.
4 Gastgeber von
„Meet the Cab“:
Christian Holzhauser
und Julia Schellnast
von Taxi 40100.
3
2
4
DAS LANGE
WARTEN AUF DIE
UBER-ENTSCHÄDIGUNG
Einen weltweiten Überblick über das Taxigewerbe bot das Treffen
»Meet the Cab«. Wir fassen die Vorträge aus Australien, den Niederlanden
und Bulgarien zusammen.
FOTOS: Taxi Times
Die Vorträge zeigten deutliche
Unterschiede, außer bei den
Plattformaktivitäten, denn die
sind nahezu allgegenwärtig. In Australien
(25.000 Taxis), so Blair Davies, Geschäftsführer
des australischen Taxiverbandes
ATIA, wartet die Taxibranche auf die Zahlung
(erst im Jahr 2027) aus der 160-Millionen-Euro-Sammelklage
gegen Uber wegen
des illegalen Markteintritts.
Der Markt für Taxivermittlung ist
hochtechnologisch geprägt, mit zahlreichen
Dritt anbieter-Apps und nur noch
14 Prozent telefonischen Bestellungen.
Uber-Fahrer befinden sich, ähnlich wie in
Großbritannien, in einer Zwischenstellung
zwischen Angestellten und Selbstständigen,
und wie in Europa wird auch hier über
ihre korrekte Einstufung diskutiert.
Eine Richtlinie für Plattformarbeiter
(PWD-Richtlinie) steht, genau wie in der
EU, noch aus. Auffällig ist, dass Uber sich
weitgehend um die Beförderung von Menschen
mit Behinderungen, insbesondere
Rollstuhlfahrern, drückt. Dieser Markt wird
von Taxiunternehmen mit barrierefreien
Fahrzeugen dominiert.
Derzeit findet in der Branche eine Konzentration
durch Übernahmen statt, und
Uber dringt mit seinem Autocab-System
in den Taximarkt ein, um so eine Zusammenarbeit
zu forcieren. Das niederlän-
dische Taxigewerbe war unter anderem
vertreten durch Jantine Vochteloo, Sekretärin
des Königlichen Niederländischen
Taxiverbandes (KNV). 75 Prozent dieser
Taxis und Kleinbusse sind für den sozialen
Sektor tätig, beispielsweise für Menschen
mit Behinderungen und Schulkinder.
Diese Sparte sorgt für etwa 85 Prozent des
Umsatzes im Taxibereich. Es wird weiter
über den Status von Plattformfahrern
debattiert (Taxi Times berichtete online).
FAHRERMANGEL
Auch hier leidet das Taxigewerbe unter
akutem Fahrermangel und einer starken,
landesweit expandierenden Plattformpräsenz.
Bemerkenswert ist, dass die Fahrtenüberwachung
in Kürze vom Bordcomputer
im Taxi auf die automatische Direktübermittlung
relevanter Fahrtdaten an die
Umwelt- und Verkehrsaufsichtsbehörde
(ILT) umgestellt wird, wie es in Flandern
bereits seit einigen Jahren üblich ist.
Bereits 35 Prozent der Taxis fahren lokal
emissionsfrei.
Um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern
und die Kosten zu stabilisieren,
wird derzeit ein neues Konzept entwickelt,
bei dem Fahrgäste so oft wie möglich mit
öffentlichen Verkehrsmitteln befördert
werden. An anderen Orten kommt – mit
einem zusätzlichen Umstieg – der Einsatz
von Großraumtaxis zum Einsatz. Regionale
Zentren müssen diesen Angebotsmix steuern
und koordinieren.
Hedy Borreman sprach als Amsterdamer
Zentralechefin zu den internationalen
Taxigästen: „Ich möchte nicht fünf,
geschweige denn zehn Jahre in die Zukunft
blicken. Veränderungen vollziehen sich so
schnell. Wir sind alle lokal verankert, Teil
des Lebens der Menschen. Robotaxis werden
wahrscheinlich schneller kommen, als
wir denken.“
Im Beitrag des Bulgaren Oggy Popov
vom neuen Taxiunternehmen Volt Premium
Taxi in Sofia kristallisierte sich ein
Schlüsselelement heraus, das von vielen
Taxiunternehmen – trotz des starken Wettbewerbs
durch die Plattformen – vernachlässigt
wird: gezieltes Marketing mit einem
beträchtlichen Budget. „Unser Team kann
von ihrer Expertise lernen. Vor allem brauchen
wir gute rechtliche Rahmenbedingungen,
kein Wildwest, Nähe zum Kunden und
ein intensives Marketingprogramm.” Es
gibt in der internationalen Taxiwelt also
viele Parallelen.
wf
Mehr zu „Meet the Cab“ auf Seite 10.
Meldung von 2024:
Uber muss in Australien
93 Millionen Euro
Entschädigung zahlen
TAXI 1. QUARTAL 2026
31
ÖSTERREICH
DIGITALE
TAXIGUTSCHEINE
ALS GAMECHANGER
Wenn Busse leer bleiben und Budgets schrumpfen, braucht es flexible
Lösungen. Digitale Taxigutscheine gewinnen in Tirol und darüber hinaus
an Bedeutung – als sichere, planbare und kosteneffiziente Ergänzung
zum öffentlichen Verkehr.
Tirol steht unter Spardruck – und
der öffentliche Verkehr ebenso.
Der Verkehrsverbund Tirol (VVT)
hebt Ticketpreise an, kürzt Linien oder
stellt sie ganz ein. Vor allem schwach frequentierte
Strecken geraten ins Wanken.
Genau hier setzt „Calemo“ an – eine digitale
Gutscheinplattform der Wirtschaftskammer
Tirol, die Taxiunternehmen neue
Perspektiven eröffnet. Seit gut zwei Jahren
können Gemeinden, Betriebe oder Veranstalter
digitale Taxigutscheine erwerben
und gezielt weitergeben. Eingelöst werden
sie per App direkt bei der Fahrt, der Betrag
wird automatisch vom Fahrpreis abgezogen.
Alternativ sind klassische Papiergutscheine
erhältlich. „Mit CALEMO bieten
wir Gemeinden, Betrieben und Familien
eine intelligente, flexible und vor allem
sichere Mobilitätslösung“, betont Markus
Freund, Fachgruppenobmann der Tiroler
Taxi-Innung.
EFFIZIENTE ABRECHNUNG
Der Vorteil liegt auf der Hand: Taxis fahren
nur bei Bedarf. Anstatt leere Busse durch
die Region zu schicken, werden tatsächlich
genutzte Fahrten gefördert. Für Gemeinden
bedeutet das planbare Kosten, für Fahrgäste
mehr Flexibilität und für Taxiunternehmen
zusätzliche, faire Auslastung – ohne neue
Infrastruktur oder Systemkosten. Praxisbeispiele
zeigen das Potenzial. Im Bezirk
Schwaz erhalten Dahoamcard-Besitzer im
Zillertal und am Achensee jährlich 50 Euro
an Taxiguthaben. Die Stadt Schwaz digitalisierte
ihr Frauen-Nachttaxi über Calemo.
Mädchen und Frauen ab 16 Jahren buchen
die Fahrt per App – einfacher und effizienter
als frühere Papierlösungen.
Ein weiteres Beispiel ist die Gemeinde
Langkampfen: Seit August 2025 bekommen
alle 16- bis 18-Jährigen jährlich 60 Euro
in vier Tranchen. Rund 150 Jugendliche
Rund ein Drittel der
Tiroler Taxibetriebe
profitiert durch
Calemo in Form von
zusätzlicher Auslastung
ohne neue
Systemkosten.
profitieren. Die Gutscheine sind zeitlich
nicht beschränkt und werden vor allem
abends genutzt, wenn Busverbindungen
fehlen. „Wichtig ist, dass Jugendliche sicher
nach Hause kommen“, betont Gemeinderat
Georg Juffinger. Für die Gemeinde ist das
Modell kalkulierbar: Abgerechnet werden
nur eingelöste Beträge, nicht genutztes
Guthaben wird rückerstattet. Auch außerhalb
Tirols setzt man auf das System. In
der Region Marchfeld in Niederösterreich
ersetzte Calemo das eingestellte Anrufsammeltaxi.
Statt eines kostenintensiven
Systems erhalten mobilitätseingeschränkte
Personen nun gezielt Taxigutscheine –
175 Euro pro Quartal in der Startphase.
Digitale Taxigutscheine
werden per
App eingelöst – der
Betrag wird automatisch
vom Fahrpreis
abgezogen.
Die Abwicklung erfolgt digital oder analog,
die Fahrten werden direkt mit regionalen
Taxiunternehmen durchgeführt. Aktuell
beteiligen sich 163 Tiroler Taxiunternehmen
– rund ein Drittel aller Betriebe im
Land. Für die Branche eröffnet sich damit
ein zukunftsfähiges Geschäftsfeld: bedarfsorientiert,
regional verankert und eng mit
Gemeinden vernetzt.
In Zeiten knapper Kassen könnte
Calemo mehr sein als ein Gutscheinmodell.
Es ist ein Baustein für einen flexiblen
Nahverkehr, der Mobilitätslücken schließt,
Sicherheit schafft und das Taxi als unverzichtbaren
Partner im öffentlichen Mobilitätsmix
positioniert.
nu
FOTOS: Calemo
32 1. QUARTAL 2026 TAXI
HAMBURG
René und Marcel Meyer
und Patrick Amting
(v.l.n.r.) haben die Vermittlung
der Hamburger
Inklusionstaxis aufgebaut.
INKLUSIONSTAXIS
IN HAMBURG –
DA GEHT WAS
In Hamburg nimmt das Inklusionstaxi langsam Fahrt auf.
Und tatsächlich gibt es dafür gute Gründe.
FOTOS: Taxi Times, CarryCab
Die Headline mag etwas sarkastisch klingen,
denn das Inklusionstaxi wird in der Regel nur
dann benötigt, wenn der Fahrgast eben nicht
mehr gehen kann. Dieser Wortwitz darf nicht darüber
hinwegtäuschen, wie wichtig diese Fahrzeuge sind
und wie ernst zu nehmen die diesbezügliche Vorgabe
der UN-Menschenrechtskonvention ist.
Was das Hamburger Inklusionstaxi sicherlich
einen großen Schritt nach vorn gebracht hat, ist neben
dem unermüdlichen Einsatz der Hamburger Kollegen
die üppige Förderung der Stadt, die aktuell für jedes
vollelektrische Inklusionstaxi 20.000 Euro investiert.
Förderungen gibt es zwar auch in anderen Kommunen.
Die wirkliche Neuerung für Hamburg ist, dass
dort die erste ernst zu nehmende Spontanvermittlung
von Inklusionstaxis umgesetzt wurde.
Rund 67 der insgesamt 2.872 konzessionierten
Hamburger Taxis sind mittlerweile auf die Beförderung
von Menschen in Rollstühlen ausgelegt und
es sollen noch mehr werden. Seit dem 1. November
haben die Taxiunternehmer, gemeinsam mit der Verkehrsbehörde
und Freenow by Lyft, eine Vermittlungsplattform
für die Rollstuhltaxis ins Leben gerufen.
Bestellen kann man ein Inklusionstaxi auf mehreren
Wegen. Beispielsweise telefonisch unter der
Nummer 040 2500 500, die von den beiden Hamburger
Taxibetrieben CarryCab Hamburg und der Nissen
Taxen GmbH eingerichtet wurde. Beide Unternehmen
haben ihren Betrieb auf die Rollstuhlbeförderungen
ausgelegt. Die 24/7-Erreichbarkeit wird zudem auch
von Sterntaxen und Großraumtaxen Wefels unterstützt.
Die telefonisch bestellten Fahrten werden
zunächst vom Dispatcher-Tool von Freenow by Lyft
NOCH MEHR
HAMBURGER
TAXITHEMEN
Warum es
in München
immer noch
keinen Rollstuhlzuschlag
gibt.
Mehr Infos zur
Hamburger
Spontanvermittlung
von
Inklusionstaxis.
aufgenommen, von wo aus die Fahrten dann an freie
Fahrzeuge in der Nähe des Fahrgastes zugeteilt werden.
Bestellungen sind auch über die Freenow-by-
Lyft-App möglich. Der Großteil der Fahrten, so Marcel
Meyer, der gemeinsam mit seinem Bruder René und
Patrick Amting hinter der Webseite Inklusionstaxihamburg.de
steht, werde aber telefonisch angenommen.
Drei Monate nach Start des Angebots hat Taxi
Times nachgefragt, wie sich das Hamburger Inklusionstaxi
weiterentwickelt hat. Laut Marcel Meyer
läuft es gut, wenn auch nur langsam: “Das Hamburger
Inklusionstaxi hat sich positiv weiterentwickelt.
Es sind fast alle Hamburger Inklusionstaxis bei uns
angeschlossen und auch die Fahraufträge werden stetig
mehr.”
Langsames Wachstum, das aber auch den Vorteil
hat, dass das Taxigewerbe entsprechend der Nachfrage
mitwachsen kann. Sehr hilfreich ist auch der
gestaffelte Festpreis, der in Hamburg von einem Inklusionstaxi
verlangt werden kann. Für eine Wegstrecke
bis zwölf Kilometer werden beispielsweise 46 Euro
verlangt. In diesem Betrag ist bereits der Großraumzuschlag
inkludiert. Wartezeiten werden gesondert,
mit 38 Euro pro Stunde berechnet.
Ist die Strecke zwischen zwölf und 20 Kilometer
lang, beträgt der Festpreis 60 Euro. Bei einer Strecke
von 20 bis 35 Kilometern wiederum 90 Euro. Auf
Wunsch kann der Fahrgast aber auch auf Taxameter
gefahren werden. Falls ein Kunde das wünscht, muss
er aber mit längeren Wartezeiten rechnen, denn Fahrgäste,
welche vorab zum Pauschalpreis gebucht haben,
werden bevorzugt befördert.
sg
TAXI 1. QUARTAL 2026
33
BERLIN
WIRD SCHMIDT DAS
PENDANT ZU SCHOPF?
Berlin hat mit den Mietwagen aufgeräumt, auch dank Tino Schopf. Jetzt ist
Brandenburg am Zug, wohin viele kriminelle Unternehmer abwandern, um Berlin
weiter mit Uber- und Bolt-Fahrzeugen zu fluten. Kann Schopfs Parteigenossin
Martina Maxi Schmidt hier ebenfalls ein Aufräumen anstoßen? Und will sie es?
Das Berliner Uber-Problem
kommt inzwischen überwiegend
aus dem Umland, so
auch aus dem Landkreis Barnim, der
politischen Heimat von Martina Maxi
Schmidt, die bis 2024 im Kreistag saß.
Heute ist sie verkehrspolitische Sprecherin
der SPD-Fraktion im brandenburgischen
Landtag.
Im Zeitalter der sozialen Medien
war es ein Fauxpas, der die 37-jährige
Verkehrsbetriebswirtin im Taxigewerbe bekannt machte: Als
Schmidt sich in die Thematik des illegalen taxigleichen Mietwagenverkehrs
einarbeitete, sprach sie zwecks Meinungsbildung mit
allen Akteuren, auch mit einem Uber-Pressesprecher. Anscheinend
war dieser so gut als Märchenerzähler geschult, dass seine
positive Haltung ansteckend wirkte. „Gute Gespräche“ mit einem
„konstruktiven Austausch“ ließen Schmidt schwärmen: „Uber
steht für innovative Mobilitätslösungen und bringt Fahrgäste,
Fahrerinnen und Fahrer sowie Städte digital zusammen. Plattformbasierte
Fahrdienste leisten damit einen Beitrag
zu flexibler Mobilität. Gleichzeitig waren Fahrdienste
zuletzt auch kritisch in den Medien präsent. Diese Herausforderungen
nehmen alle Beteiligten sehr ernst“, so
der Beginn ihres Posts, den Schmidt nach zahlreichen
kritischen Kommentaren aber schon kurze Zeit später
zurücknahm.
Die SPD-Politikerin will ihre notwendigen Gespräche
mit allen nicht als Ausdruck der Zustimmung zu irgendetwas
interpretiert wissen. „Entwicklungen müssen
eingeordnet, geprüft und bewertet werden – und das
NOCH MEHR
BERLINER
TAXITHEMEN
gelingt nur im Dialog“ – eine Einstellung,
die viele Politiker heutzutage vermissen
lassen. Gegenüber Taxi Times
spricht Schmidt in ihrer umfangreichen
Stellungnahme betreffend Kontrollen
und Stilllegungen von Mietwagen von
„notwendigem konsequenten Vollzug“.
Sie will den Landkreisen helfen und
sich mit Unterstützung ihres Berliner
Kollegen Tino Schopf dafür einsetzen,
„dass Berlin und Brandenburg schnell
ein abgestimmtes Vorgehen hinsichtlich Genehmigungen, Kontrollen
und des Tarifgefüges entwickeln“. Sie strebt an, Akteneinsicht
bei den Genehmigungsbehörden zu nehmen.
Weitere Aussagen: „Problematisch sind die unterschiedlichen
rechtlichen Rahmenbedingungen und Marktzugangsvoraussetzungen
für Taxi- und Mietwagendienste, an denen politisch gearbeitet
werden muss. [...] Der Taxi- und Mietwagenmarkt ist
ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Mobilität und der
Daseinsvorsorge.
Gleichzeitig gehören Plattformen als Marktakteure
ebenfalls klar in die Verantwortung genommen. Sie
sind Teil der aktuellen Entwicklungen und müssen
sich an die bestehenden gesetzlichen Vorgaben halten.“
Es gehe ihr nicht darum, so Schmidt, einzelne Angebote,
Anbieter oder Plattformen hervorzuheben oder zu
bevorzugen. Ihr Anspruch sei es, unterschiedliche Perspektiven
zusammenzuführen, Sorgen ernst zu nehmen
und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die praktikabel,
rechtssicher und für alle Beteiligten nachvollziehbar
sind.
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MÜNCHEN
UBER IST SCHARF
AUF DIE MÜNCHNER
SENIOREN
Zuerst Berlin – jetzt München. Der Fahrtenvermittler Uber hat für die
bayerische Landeshauptstadt die Funktion Uber-Assist neu eingeführt.
Dahinter verbirgt sich ein spezielles Angebot für Senioren.
Die Absicht ist klar: Mit diesem
Feature will der Plattformvermittler
seinen
Münchner Kundenstamm auch auf
die ältere Generation ausweiten. Bei
der Ankündigung lässt man dann
auch gleich die ganz großen Töne
erklingen, schließlich will man mit
dem Angebot etwas für die Gesellschaft
tun. Uber-Deutschland-Chef
Weigler formuliert das wie folgt: „Mit
Uber Assist wollen wir die Mobilitätswende
in München inklusiver gestalten
und die Teilhabe benachteiligter
Menschen am sozialen Leben erhöhen.“
Mit diesen Worten beschreibt Weigler,
dass ab sofort Fahrgäste mit
Rollator, klappbarem Rollstuhl und
zusammenfaltbarem Roller befördert
werden können. On Top hilft man den
Fahrgästen auch beim Einsteigen ins
Auto – und das komplett ohne Aufpreis,
aber nicht umsonst, weil diese
guten Nachrichten natürlich auch
eine gute PR für ein Unternehmen
bedeuten, das häufig auch mit negativen
Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird. Frei nach dem
Motto „Tu Gutes und rede drüber“ funktioniert dann auch die PR.
TÜR-ZU-TÜR UNTERSTÜTZUNG
In der Münchner „tz“ wird beispielsweise geschrieben: „Mit
Uber Assist erhalten Fahrgäste Tür-zu-Tür-Unterstützung.“
Auf der eigenen Webseite beeilt sich Uber dann aber
zu betonen, dass die Fahrer nicht verpflichtet sind,
jemanden in dessen Wohnung oder Haus zu begleiten.
Damit Uber Assist aber mehr ist, als bei Bedarf
seinen Fahrgästen ins Auto zu helfen, hat sich das
Unternehmen der BAGSO angeschlossen – der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Seniorenorganisationen.
Aus dieser Verpartnerung ist eine Schulung entstanden,
mit welcher die Uber-Assist-Fahrer nicht nur
Tipps für die physische Unterstützung beim Einstieg
bekommen, sondern auch im Umgang mit Menschen
NOCH MEHR
MÜNCHNER
TAXITHEMEN
mit Seh- oder Hörbehinderungen sensibilisiert
werden. Über den Umfang
der Schulung und ob sie überhaupt
eine Voraussetzung für ‚Uber Assist‘
ist, macht Uber in seiner Pressemeldung
keine weiteren Angaben.
FÜR TAXLER NORMAL
Uber sieht sich also veranlasst, Schulungen
für Servicedienstleistungen
anzubieten, die eigentlich selbstverständlich
sein sollten – und die bei
den Münchner Taxlern auch genau
das sind, denn die machen das schon
seit Jahrzehnten so. Man denke an
die Schüler-, Patienten- und Seniorentaxis,
die tagtäglich für die
Mobilität jenseits des schnellen
Gelegenheitsgeschäfts sorgen. In der
Münchner Tageszeitung „tz“ spricht
Thomas Kroker von der Taxi München
eG dann auch aus, was viele
Taxler denken: „Das ist bei uns Standard.“
Trotzdem sollte diese Nachricht
für alle Münchner Taxler eine Warnung
sein. Die zunehmende Smartphone-Affinität
auch der älteren Generation ist den Plattformen
nicht entgangen. Uber hat vom Taxi gelernt und will neue Zielgruppen
für sich gewinnen. Zielgruppen, die bisher größtenteils
der Taxibranche treu geblieben sind. Das gilt es nun zu
verteidigen. Durch konsequente serviceorientierte Leistung
gerade gegenüber Senioren.
Hinsichtlich der Pressearbeit zu diesem Thema
kann sich die Taxibranche etwas abschauen, was man
selbst sehr stiefmütterlich behandelt: eine regelmäßige
und gelungene Taxi-PR. Getreu dem Motto: Nichts ist
selbstverständlich und jede noch so kleine gute Nachricht
lässt sich medial durch den Fleischwolf drehen.
Tipps dazu gibt Taxi Times übrigens in einem Webinar
„In die Schlagzeilen fahren“ am 16. April 2026 um
14 Uhr. PR-Experten der Taxizentralen und solche,
die es werden wollen, sind herzlich dazu eingeladen.
sg / jh
FOTO: KI-Generiert
36 1. QUARTAL 2026 TAXI
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ZEIT FÜR DEN DIGITALEN WECHSEL
Die klassische Plastikkarte war gestern. Heute
werden Smartphones zu digitalen Tankkarten. Das spart Gebühren,
Wartezeiten und funktioniert sofort – ganz ohne Bonitätsprüfung
oder Bankbürgschaften.
Wie viel Zeit verbringen Ihre Fahrer pro Schicht an der Tankstelle?
Nicht mit dem Tanken selbst, sondern mit dem „Drumherum“:
Parken, an der Kasse anstehen, PIN eingeben – Zeit, in der
das Rad stillsteht und kein Geld verdient wird.
Klassische Tankkarten lösen zwar das Barbeleg-Problem, bringen
aber oft monatliche Gebühren, Wartezeiten auf Ersatzkarten
und hohe Hürden wie Bankbürgschaften mit sich. Das Karlsruher
Technologieunternehmen PACE Mobility macht damit Schluss.
Das Prinzip: Das Smartphone wird zur Tankkarte. Die Idee ist
so simpel wie effektiv: Fast jeder Fahrer besitzt heute ein Smartphone.
PACE Drive Business nutzt genau das. Statt Plastikkarten
zu verwalten, laden Sie Ihre Fahrer per E-Mail in die PACE-Drive-
App ein. An der Tankstelle wählt der Fahrer die Zapfsäule in der
App und autorisiert die Zahlung direkt aus dem Auto. Der Weg in
den Shop entfällt komplett.
Perfekte Abdeckung im urbanen Taxi-Revier. Taxis operieren
lokal – genau dort glänzt PACE. Von über 9.000 europäischen
Stationen (u. a. Jet, Raiffeisen, bft) liegen über 92 Prozent in Ballungsräumen.
In Metropolen wie Hamburg, Berlin oder dem Ruhrgebiet
haben Ihre Fahrer Zugriff auf bis zu 45 digitale Tankstellen
im direkten Umkreis (10 km). Zeitraubende Umwege gehören der
Vergangenheit an.
Steuerkonformität auf Knopfdruck: Während Ihre Fahrer Zeit an
der Säule sparen, sparen Sie Zeit im Büro. Im „Team-Tarif“ werden
Belege digital gespeichert und für den Steuerberater exportfertig
aufbereitet: inklusive automatischer Netto/MwSt.-Trennung und
klarer Zuordnung von Fahrer, Fahrzeug, Kilometerstand und Kennzeichen.
Ein Klick reicht. Die Zeiten, in denen Sie Thermopapier
aufkleben mussten, sind vorbei.
Eine Rechnung, die sich sofort lohnt: Der Team-Plan für professionelles
Flottenmanagement startet bei 9,99 € im Monat (inkl.
Flottenmanager und bis zu vier Fahrern). Jeder weitere Fahrer
kostet nur 2,00 €. Rechnen Sie selbst: Wenn ein Fahrer durch
„Pay-at-Pump“ im Monat nur einen einzigen 15-minütigen Stopp
an der Kasse vermeidet, hat sich das System bereits rentiert. Der
Tarif wächst mit Ihrer Flottengröße; für Großflotten (ab 20 Fahrzeugen)
gibt es den maßgeschneiderten „Fleet+“-Tarif.
Fazit: Digitalisieren Sie einen der lästigsten Prozesse im Fuhrparkmanagement
in unter zehn Minuten. Wer heute startet, hat
morgen keine Zettel mehr im Handschuhfach.
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38
1. QUARTAL 2026 TAXI
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WIE TAXIZENTRALEN WIEDER KONTROLLE ÜBER NACHFRAGE,
FAHRER UND PREISE GEWINNEN
Apps, damit lokale Anbieter im Alltag mit den globalen Plattformen
mithalten können.
Technisch setzt eCabs Technologies auf eine moderne Softwareund
App-Architektur, konsequent auf Echtzeit und Skalierung
ausgelegt – plus über 50 offene Schnittstellen, damit bestehende
Partner (Buchhaltung/ERP, Telefonie, B2B-Portale, Auftragsquellen)
integriert werden können.
eCabs bietet eine Plattform, die Kundenbindung, Fahrermotivation
und dynamische Preissteuerung in einem System verbindet.
Damit bieten wir die Antwort auf Plattformdruck, Fahrer, die zwischen
Apps wechseln und abwandernde Stammkunden, während
die eigene Vermittlungssoftware weder Marketing noch Preislogik
wirklich steuern kann. Das Ergebnis: verlorene Buchungen,
unnötige Leerfahrten und endlose Debatten darüber, was „gefühlt
läuft“ und was nicht. Wer Nachfrage, Angebot und Preis nicht aktiv
steuert, wird zum reinen Abwickler.
eCabs Technologies ist kein reiner Softwareanbieter: In Malta
betreibt das Unternehmen selbst eine Taxizentrale. Aus dieser
Betreiberperspektive entstand eCabs Technologies – das Softwareunternehmen
für die Vermittlung von Taxis und Mietwagen
inklusive moderner Fahrer- und Fahrgast-Apps. Entscheidend:
Rund 80 Prozent der Entwicklungsarbeit fließen in genau diese
Der Kern ist ein integrierter Kreislauf aus Kundenbindung
und Fahrersteuerung:
• Kundenbindung: Segmentierung, Treueprogramme, Aktionen
und mehrkanalige Kampagnen (Push, SMS, E-Mail) – mit automatischer
Budgetkontrolle.
• Fahrermotivation: Heatmaps, transparente Boni, Ein-Klick-
Annahme/Auto-Annahme und Aktivitäts-Score gegen Stornos.
• Preis-Engine: vollautomatische Preissteuerung nach Zeit, Zonen,
Kundengruppen und Marketingbudget – ohne IT-Abteilung.
Aus Implementierungen werden u. a. weniger Stornos (14 Prozent –
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TAXI 1. QUARTAL 2026
39
FAHRZEUGTECHNIK
EIN GESPRÄCH MIT
FESTGEFAHRENEN
FRONTEN
Das Taxi- und Mietwagengewerbe benötigt dringend Entlastung bei der
zunehmend komplexen Konformitätsbewertung von Fahrzeugen. Doch das
Brett, das dafür bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)
gebohrt werden muss, ist sehr dick.
Das wurde auch bei einem Gespräch
deutlich, das der Taxi- und Mietwagenverband
Deutschland (TMV)
mit der PTB Anfang Februar geführt hat. Der
TMV-Delegation (siehe Foto) saßen seitens
der PTB Vizepräsident Prof. Dr. Frank Härtig
gegenüber sowie mehrere leitende Fachund
Abteilungsleiter, vor allem aber auch
seine für Taxameter und Wegstreckenzähler
zuständige PTB-Kollegin Helga Grohne.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand das
seit Jahren wachsende Problem immer aufwendigerer
Zulassungsverfahren für Taxis
und Mietwagen. Auch wenn seitens der PTB
Verständnis vermittelt wurde, konnten im
Rahmen dieses Treffens noch keine gangbaren
Optionen ermittelt werden, wie sich vor
allem die Bestimmungen um die Konformitätsregelung
vereinfachen ließen.
Die Problematik liegt hier nicht nur
bei der PTB, sondern parallel auch bei
den Autoherstellern, die sich nur ungern
durch eine Schnittstellenfreigabe in die
Karten schauen lassen möchten. Taxameter
und Wegstreckenzähler benötigen ein
elektronisches Geschwindigkeitssignal, um
die zurückgelegte Fahrstrecke messen zu
können. Dieses aber wurde als Herzstück
der Messelektronik moderner Fahrzeuge
schon in der Entwicklung nicht für eine
Freigabe an Dritte angelegt und ist auch
daher kaum zugänglich.
PTB WILL KEINE KOMPROMISSE
Gleichzeitig sieht sich die PTB aber daran
gebunden, hier keinerlei Kompromisse
zuzulassen. Und so schiebt sie der Industrie
schon seit Jahren den Schwarzen Peter
zu, während die Fahrzeugindustrie dem
Gewerbe vermittelt, dass es einfach keine
ausreichenden Stückzahlen abnimmt, um
hier eine gewerbespezifische Sonderlösung
zu ermöglichen.
Wer sich nun als Elektronik-Spezialist
selbst auf die Suche begibt, mag zwar fündig
werden, durchbricht damit aber die
v. l. n. r.: Nico Höttges, Uwe Wieland,
Randolf Stephany, Stephen Schubert,
Dr. Michael Stehr.
Firewall des Fahrzeugs und lässt so automatisch
die Werksgarantie erlöschen. So
sind und bleiben auch die Einbaubetriebe
vollständig davon abhängig, was die Industrie
freigibt, auch wenn sie eigentlich über
das Know-how verfügen, das für eine Freilegung
des Geschwindigkeitssignals notwendig
wäre.
Eine andere Option wäre noch der
App-basierte Taxameter, der anstatt der
Fahrstrecke über Land die zurückgelegte
Strecke via GPS in kurzen Abständen misst
und so ebenfalls einen individuellen fahrstreckenabhängigen
Fahrpreis ermitteln
könnte. Doch die PTB verweist regelmäßig
darauf, dass sie gesetzlich verpflichtet
sei, Taxameter und Wegstreckenzähler zu
eichen, und Satelliten könne man nun mal
nicht eichen. Außerdem befürchtet man
dort, dass GPS-Signale beispielsweise in
Tunneln oder durch technische Probleme
nicht zuverlässig genug verfügbar seien.
Beide Seiten signalisierten so zwar
Einigkeit darüber, dass Handlungsbedarf
besteht, und verständigten sich darauf,
gemeinsam an praktikablen Lösungen zu
arbeiten, um das Verfahren zu vereinfachen,
ohne die gesetzlichen Anforderungen
aus dem Blick zu verlieren. Eine wirkliche
Perspektive war aber bisher noch nicht zu
erkennen, wie ein Teilnehmer berichtete.
Als nächster Schritt soll zeitnah ein
erweitertes Treffen folgen. Geplant ist eine
Sitzung mit der Arbeitsgemeinschaft Messund
Eichwesen der Bundesländer (AGME),
Vertretern der Automobil- und Taxameterindustrie,
den Bundesverbänden sowie der
PTB. Ziel sei es, eine tragfähige, zukunftssichere
Lösung für alle Beteiligten zu entwickeln.
Die Hoffnung im Gewerbe ist nach wie
vor groß: Dass am Ende ein Verfahren steht,
das Rechtssicherheit schafft – und gleichzeitig
wirtschaftlich machbar bleibt. rw + nu
FOTO: TMV
40
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TAXI 1. QUARTAL 2026
41
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WENN DAS BÜRO IN DEN ICE
VERLAGERT WIRD…
… dann ist mal wieder Reisezeit für die Taxi-Times-Redakteure. Die Stunden in den
Zügen kann man gut nutzen, um die Beiträge zu jenen Veranstaltungen zu schreiben,
von denen man gerade nach Hause fährt. Wir fassen die wichtigsten zusammen.
Zum Nachlesen der Beiträge aktivieren Sie einfach die QR-Codes auf dieser Seite.
Treffen der Nordverbände
in Glückstadt
Seit der letzten Print-Ausgabe der Taxi
Times gab es viele Taxi-Veranstaltungen.
Die Reise-Route der Taxi-Times-Redakteure
ging unter anderem über Bamberg,
Baunatal, Erfurt, Rostock und Wien bis
nach Glückstadt.
In letzterem trafen sich die Nordverbände,
lauschten Vorträgen und diskutierten
untereinander zu allerlei Themen. Interessant
dabei war, dass man immer wieder
auf die gleiche Schlussfolgerung
kam: Die Branche
braucht einen einheitlichen
Bestellkanal.
FPH-Versammlung in Baunatal
Um ein einheitliches und geschlossenes
Auftreten ging es auch bei der Mitgliederversammlung
des Fachverbands
Personenverkehr Hessen e. V. Der Verband
hat einen sehr hohen Organisationsgrad
und konnte mehr als 300 Mitglieder in
die Stadthalle von Baunatal
locken. Entsprechend selbstbewusst
fiel dann auch die
Jahresbilanz aus.
Versammlung des LV Mecklenburg-
Vorpommern in Rostock
Weniger optimistisch blickt man derweil
in Mecklenburg-Vorpommern in die
Zukunft, der Frust über unzumutliche
Entgelte der Krankenkassen war bei der
gut besuchten Mitgliederversammlung
in Rostock überall zu spüren. Um künftig
erfolgreicher verhandeln zu können, hat
sich der Landesverband des Taxi- und
Mietwagengewerbes Mecklenburg-Vorpommern
e. V. mit
einem erfahrenen Berater aus
Thüringen verstärkt.
Jeden Dienstag:
Die Taxiwelt im Taxi Times-
Newsletter.
Hier geht’s zur
Anmeldung:
Think-Tank des TMV in Bamberg
Nicht nur die Landesverbände sind aktiv,
auch die Bundesverbände haben bemerkenswerte
Veranstaltungen auf die Beine
gestellt. Beim Think-Tank des Taxi- und
Mietwagenverbands Deutschlands (TMV)
in Bamberg wurde an zwei Tagen über die
Zukunft der Branche diskutiert, aber nicht
lamentiert. Unser Fazit für
dieses Event: Note Eins.
Deutscher Taxi- und Mietwagentag
des BVTM in Erfurt
Sehr gut, weil unglaublich abwechslungsreich,
war auch der Deutsche Taxi-
und Mietwagentag des Bundesverbands
Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) in
Erfurt. Bis zu drei Fachvorträge fanden
an beiden Veranstaltungstagen gleichzeitig
statt. Zehn Meldungen wurden
dazu auf der Taxi-Times-Website veröffentlicht.
Sie behandeln Themen wie
kleine Fachkunde, Tarifkorridor, Plattformkooperationen,
Krankenfahrten
und auch autonomes
Fahren.
Meet the Cab in Wien
Es war übrigens die erste Taxiveranstaltung
überhaupt, bei der Robotaxis thematisiert
wurden. Es sollte aber nicht die
letzte sein. Beim Meet the Cab in Wien
hatten die Veranstalter der Taxizentrale
40100 der Thematik einen ganzen Tag
gewidmet und dazu Experten aus den
USA und Europa eingeladen. Deren Fazit:
Autonomes Fahren ist längst zu Ende
entwickelt. Jetzt geht es noch darum, wer
bei der Organisation der selbstfahrenden
Flotten seine Hände im Spiel
hat – einem Spiel, bei dem
durchaus auch das Taxigewerbe
mitwirken kann.
IMPRESSUM
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Veröffentlichung gemäß § 8, Absatz 3 des
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42 1. QUARTAL 2026 TAXI
Jetzt noch entspannter ans Ziel
. . . und nie mehr im Taxi zahlen . . .
dank einfacher Vorabbezahlung.
In immer mehr Städten
besteht die Möglichkeit,
Fahrten zum Festpreis
zu buchen und diese
vorab zu bezahlen:
Antwerpen, Aschaffenburg,
Berlin, Düsseldorf, Gaggenau,
Gent, Hamburg, Linz,
München, Rastatt, Wien
Darauf reagiert taxi.eu
mit neuen Bestellangeboten
zum Festpreis und der
Vorabbezahlung per App.
Jetzt im neuen Design
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Der Zahlungsprozess am
Ende der Fahrt entfällt –
nicht das Trinkgeld
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