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Taxi Times DACH - 1. Quartal 2026

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1. QUARTAL 2026 7,50 €

www.taxi-times.com

DAS BRANCHEN-JOURNAL

DIGITALISIERUNG, KI

UND MARKETING

22-JÄHRIGER

FORDERT

UBER

HERAUS

Überlebensstrategien

LEIPZIGER ZENTRALEN

IM BRENNGLAS

Krankenfahrten

ABSCHLUSS HIER,

FRUST DORT

6 Sonderseiten Taxiverbände und -zentralen

Konformität

PTB WILL KEINE

KOMPROMISSE


Taxi-Ausstattung beim

Umbauspezialisten erhältlich. 1)

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Nutzen Sie Raum und Zeit.

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begegnen – mit dem Tayron sind Sie stets vorn dran.

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hinteren Rücksitzreihen Platz für bis zu 2.090 Liter Gepäck und

macht dank effektiver Antriebe zahlreiche Kundenfahrten möglich.

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Das abgebildete Fahrzeug zeigt Sonderausstattung. 1) Zusätzlich zu den bei Volkswagen bestellbaren Ausstattungen können die

gezeigten/beschriebenen Umbauten von einem Drittanbieter (Umbauspezialisten) eingebaut werden. Die Ausstattung des Grundfahrzeugs

muss in Abstimmung mit dem Umbauspezialisten für den gewünschten Aufbau und Einsatzzweck gewählt werden.

Die Volkswagen AG übernimmt keine Haftung für die hier gezeigten/beschriebenen Umbauten des Umbauspezialisten.


ZUKUNFTS-ALLERLEI

Liebe Leser,

auf sieben Seiten beschäftigen

wir uns in dieser Ausgabe mit

der Zukunft der klassischen

Taxizentralen. Fakt ist: Ein Weiter-so

kann es nicht geben, doch

die Optionen für einen Wandel

sind sehr vielfältig. In keiner

anderen Stadt wird das Allerlei

so deutlich wie in Leipzig (siehe

Seite 6). Doch was mich persönlich

am meisten bei all diesen Recherchen begeistert hat: Da gibt

es den selbstbewussten Jungunternehmer Lucas Kleinecke, der

seine Generation Z von Uber zum Taxi holen will – mit einem

klaren Konzept und einer faszinierenden Geschwindigkeit (siehe

Seite 11). „KI wird die größte Chance für Taxizentralen sein, um

Uber einholen zu können. Wir müssen diese Möglichkeit nutzen

und dürfen den Zug nicht verpassen, wie wir es damals getan

haben.“

Fällt Ihnen an diesem Zitat von Lucas Kleinecke etwas auf? Er

spricht von „wir“, sieht sich also selbst schon als Teil der Branche.

Natürlich will er mit seiner Firma Geld verdienen, das ist völlig

legitim. Bezahlen müssen ihn die Taxizentralen und Betriebe.

Einige haben sich bereits von seinem Konzept überzeugen lassen.

Ich bin gespannt, wie offen die vielen anderen Taxizentralen sind

– oder eben auch Betriebe im ländlichen Bereich.

Dort ist die Rückbesinnung auf die junge Zielgruppe ebenso

notwendig, denn die Konzentration auf den Geschäftsbereich Krankenfahrten

wird für die Taxi- und Mietwagenbetriebe zunehmend

unwirtschaftlich – unter anderem deswegen, weil manche Krankenkassen

mit ihrem Preisdumping inzwischen die „Ubers vom

Land“ sind. Wir widmen dem Thema Krankenfahrten vier Seiten

(ab Seite 20) und wünschen Ihnen auch bei allen anderen exklusiven

Geschichten dieser Ausgabe gute Unterhaltung!

Herzlichst

INHALT

PERSONEN

4 Kostenlose PR zum Firmenjubiläum

ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

5–11 Leipziger Allerlei, Blick nach Europa, L. Kleinecke

12 Jubiläum einer Erfurter Taxizentrale

PBEFG + AUSSTATTUNG

14 PBefG-Bilanz, Spiegeltaxameter-Stopp bei VW

UNFALLVERMEIDUNG

16 Dashcamsysteme mit KI

KRANKENFAHRTEN + RECHT

20–23 Kolumne Spitzlei, Kassenfrust- und abschluss

24 Bei Anruf Betriebspflicht?

TAXI INTERNATIONAL UND REGIONAL

31–32 Meet the Cab, Gutschein-App in Tirol

33–36 News aus Hamburg, Berlin und München

FAHRZEUGTECHNIK

40 Gespräch mit der PTB

SONDERVERÖFFENTLICHUNGEN

25–30 Mitteilungen der Verbände und Zentralen

37–39 Taxi-Partner stellen sich vor

42 Taxi Times auf Reisen, Impressum

Jürgen Hartmann (Chefredakteur)

UNSER VERSPRECHEN: EINE TAXI-TIMES-AUSGABE MIT 100 PROZENT EXKLUSIVEN INHALTEN

TITEL: Lucas Kleinecke FOTO: Taxi Times

Liebe Leser! Freuen Sie sich auf exklusive

Inhalte mit viel Hintergrund! Alle von

uns verfassten Artikel sind ausschließlich

in der Printversion nachlesbar – es

sind also keine aufgewärmten Geschichten,

die Sie schon Wochen zuvor im

Internet gelesen haben.

Diese Printausgabe erhalten alle unsere

Premium-Abonnenten und alle Taxiverbände

oder Taxizentralen, die mit dem

Taxi-Times-Verlag eine Kooperation

abgeschlossen haben. Davon profitieren

dann auch die Mitglieder / Teilnehmer

dieser Verbädne bzw. Zentralen: Sie

erhalten Taxi Times kostenlos. Einfach in

der Taxizentrale abholen oder auf den

Postboten warten.

Nachfolgend listen wir unsere Kooperationspartner

auf, alphabetisch sortiert

nach Städten. Sollte Ihr Verband oder

Ihre Zentrale nicht dabei sein, haben Sie

die Möglichkeit, Taxi Times zu abonnieren

(siehe QR-Code unten rechts).

Augsburg: Taxi eG; Bamberg: Taxi eG;

Bielefeld: Bieta; Berlin: Bundesverband

BVTM; Berlin: Innung; Berlin: Taxi ONE;

Berlin: Taxi Deutschland e. V.; Berlin:

taxi.eu; Bonn: Taxi eG; Braunschweig:

Taxi-Ruf; Bremen: Fachvereinigung;

Bremen: Taxi-Ruf; Celle: TFR; Dortmund:

Taxi eG; Dortmund: VSPV;

Dresden: Taxi eG; Düsseldorf: Rhein-

Taxi; Erfurt: LTV; Eschborn: best.ways;

Essen: Taxi eG; Frankfurt a. M.: Taxi eG;

Frankfurt a. M.: Taxi Deutschland;

Freiburg: Taxi 55 55 55; Hamburg:

Hansa-Taxi; Hamburg: Taxen-Union;

Hamburg: Taxi Alstertal; Hannover:

Hallo Taxi; Heidelberg: Taxi eG;

Heilbronn: Taxi Unterland; Kassel: FPH;

Koblenz: VDV; Köln: Taxiruf; Leipzig:

4884; Lübeck: Taxi 8 11 22; Mannheim:

Taxi eG; München: IsarFunk; München:

TVM; München: LVBTM; Münster: Taxi

eG; Rosenheim: Edelweiß; Rostock: Taxi

eG; Schweinfurt: Taxi eG; Solingen: Taxi

eG; Stuttgart: TAZ; Wiesbaden: FTD;

Wiesbaden: Taxi eG

TAXI 1. QUARTAL 2026

3


PERSONEN

WIE MAN IN DIE

ZEITUNG KOMMT

Wenn Taxi- und Mietwagenbetriebe ein

Jubiläum feiern, ist das oft auch für die Medien

Anlass für eine positive Berichterstattung.

Hier ein Beispiel aus Brandenburg.

Werbung für einen Taxibetrieb ist teuer – außer es

gelingt, dass die Zeitung redaktionell über das Unternehmen

berichtet. In Pritzwalk hat der Nordkurier

das zehnjährige Jubiläum des dortigen Betriebs Taxi Wagner zum

Anlass für ein kurzes Firmenporträt genommen.

Dadurch erfährt der Leser (und potenzielle Taxikunde), dass

das Unternehmen heute zu den größten Taxibetrieben in der Prignitz

zählt. Inhaberin Katja Pfennigschmidt übernahm den Betrieb

Anfang des Jahres 2016. Der Firmenname geht auf Horst Wagner

zurück, der das Beförderungsunternehmen 1990 gründete. Die

gelernte Finanzbuchhalterin wagte damals den Schritt aus der

Gastronomie in die Personenbeförderung – eine Geschichte, die

Lokalredaktionen gern aufgreifen, weil sie Unternehmergeist und

regionale Verbundenheit verbindet.

Heute beschäftigt Taxi Wagner 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sie sichern nicht nur den klassischen Taxiverkehr, sondern

auch den Schülertransport in der Region. Darüber hinaus

gehören Krankentransporte, Fahrten für mobilitätseingeschränkte

Menschen sowie Geschäfts- und Privatfahrten zum Portfolio. Mit

einem Fuhrpark von mehr als 30 Fahrzeugen gewährleistet das

Unternehmen eine 24-Stunden-Rufbereitschaft an sieben Tagen

in der Woche.

PR bedeutet: Mit guten Geschichten

wahrgenommen werden.

Das Beispiel aus Pritzwalk zeigt: Jubiläen sind mehr als interne

Feiern. Sie sind ein willkommener Anlass für Pressearbeit.

Entscheidend ist, der Redaktion konkrete Anknüpfungspunkte

zu liefern – etwa Unternehmenszahlen, besondere Leistungen

(z. B. Schülerverkehr oder Inklusionsfahrten), die Entwicklung der

Mitarbeiterzahl oder soziales Engagement vor Ort.

Wer rechtzeitig eine gut strukturierte Pressemitteilung versendet

und Ansprechpartner für Rückfragen benennt, erhöht die

Chance auf eine redaktionelle Berichterstattung erheblich. Der

Vorteil: Glaubwürdige PR durch unabhängige Medien erzielt oft

mehr Wirkung als jede bezahlte Anzeige – und kostet außer etwas

Vorbereitung kaum Geld.

nu

Katja Pfennigschmidt hat den Besuch des Bürgermeisters

auch in den sozialen Medien gepostet.

Auch die lokale Politik würdigte das Engagement: Bürgermeister

Ronald Thiel (parteilos) gratulierte persönlich zum Jubiläum.

Solche Bilder und Statements sind für die mediale Wirkung besonders

wertvoll, weil sie die Bedeutung des Betriebs für die Stadt

unterstreichen. Zusätzlich übernahm Pfennigschmidt übrigens

2019 eine Patenschaft für eine Bank im Stadtgebiet – direkt vor

ihrem Firmensitz. Auch damals berichtete die Lokalpresse. Dieses

Detail zeigt lokale Verwurzelung und gesellschaftliches Engagement,

zwei Aspekte, die zur positiven Berichterstattung führen.

IN DIE SCHLAGZEILE FAHREN – ERFOLGREICHE

PRESSEARBEIT FÜR DIE TAXIBRANCHE

Auf Wunsch unserer Leser

veranstaltet Taxi Times ein

Webinar „In die Schlagzeile

fahren - erfolgreiche Pressearbeit

für die Taxibranche“ am

Donnerstag, 16. April 2026,

um 14 Uhr (Dauer 60 Min). Es

richtet sich an Taxiverbände,

Zentralen und Taxibetriebe mit

eigener Fahrtenvermittlung. Taxi-Times-Redakteurin Nicola

Urban, früher selbst Chefin vom Dienst bei einer Tageszeitung,

gibt wertvolle Tipps, wie man positiv „in die Zeitung“

kommt – egal ob mit einem Jubiläum oder aus einem

anderen Anlass.

Das Webinar ist für alle Premium-Abonnenten der Taxi

Times kostenlos, ebenso für Mitarbeiter/Vorstände von

Taxizentralen und Taxiverbänden, sofern diese Kooperationspartner

des Taxi-Times-Verlags sind. Für alle anderen

kostet die Teilnahme 190 Euro zzgl. MwSt.

Anmeldung bitte per Mail an redaktion@taxi-times.com.

FOTOS: KI-generiert, Taxi Wagner, Taxi Times

4 1. QUARTAL 2026 TAXI


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

ÜBERLEBENSSTRATEGIEN

DER TAXIZENTRALEN

Für Deutschlands Taxizentralen wird 2026 ein wegweisendes Jahr.

Um sich zu behaupten, sind neue Strategien und Kooperationen gefragt.

FOTO: KI-generiert

Deutschlands Taxizentralen stehen

mehrheitlich massiv unter Druck.

Rückläufige Vermittlungszahlen führen

zu sinkenden Teilnehmerzahlen. Damit

fehlt das Geld zur Finanzierung wichtiger Marketingmaßnahmen,

mit denen die Kundenwanderung

vom Taxi zu Vermittlungsplattformen

gestoppt werden soll. „Mehr Werbung für die

eigene Taxizentrale und die eigene App“, fordern

vielerorts die Genossen von ihren Vorständen.

Doch wenn diese dann zur Refinanzierung

eine Erhöhung der Vermittlungsgebühren zur

Abstimmung stellen, scheitern sie vielerorts.

So wie kürzlich in Hamburg, als bei Hansataxi

eine einzige Stimme für einen Mehrheitsbeschluss

pro Marketing fehlte.

In München, bei der Taxi München eG, hatte

man aufgrund der Dringlichkeit den Marketingetat

zunächst ohne Anpassung der Teilnehmergebühr

erhöht, was dann zu einem

einkalkulierten Minus in der Jahresbilanz führte

und dazu, dass die Genossen daraufhin den

Jahresabschluss „nicht feststellten“ und erst bei

einer zweiten Mitgliederversammlung letztlich

zustimmten.

Doch reicht ein höherer Marketingetat,

um sich gegen Plattformen wie Uber und Bolt

behaupten zu können? Und welche Maßnahmen

führen letztlich zum Erfolg? Der Jungunternehmer

Lucas Kleinecke setzt auf Videos und einen

WhatsApp-Chatbot mit Künstlicher Intelligenz

(siehe Seite 10).

Hermann Waldner, Chef der Berliner Taxizentrale,

hat den Auftragsrückgang im Jahr

2025 stoppen können. In seiner Zentrale werden

mittlerweile mehr als 70 Prozent aller

Bestellungen automatisiert entgegengenommen.

Zum Einsatz kommen Sprachcomputer

und Künstliche Intelligenz. Die Kostenersparnis

von mehr als einer Million Euro wurde gezielt

in Marketing reinvestiert.

Berlins Taxizentrale, geführt unter der

Marke „TAXI ONE“, ist ein schlagkräftiger Player

im Haifischbecken der Fahrtenvermittler, in

dem sich seit 2014 auch Uber & Co. tummeln.

Diese Stärke soll nun auch anderen Taxizentralen

zugutekommen. Mit Leipzig wurde eine

Kooperation begonnen (siehe Seite 6) und bei

der verkaufswilligen Taxi Frankfurt eG bietet

Waldner ebenfalls mit. Er tritt dort gegen keinen

Geringeren an als den Uber-Generalunternehmer

Thomas Mohnke (siehe Seite 8).

HINTERGRUND-

WISSEN

Über viele der in

diesem Artikel

angesprochenen

Entwicklungen hat

Taxi Times bereits

berichtet. Über

die nachfolgenden

QR-Codes können

Sie all das nachlesen.

Die Beschlüsse

der Generalversammlung

der

Taxi München eG

Plattformkooperationen:

Sackgasse oder

ein neuer Weg?

Taxizentralen:

Überlebenskampf?

Ja.

Todeskampf?

Nein!

Taxi Düsseldorf

übernimmt Taxi

Bochum

Welche Optionen haben Taxizentralen im Haifischbecken

mit all den anderen Plattformen?

Welche Optionen bieten sich den in Schieflage geratenen

Taxizentralen noch? Nicht wenige liebäugeln

mehr oder weniger offen mit einer Kooperation mit

Plattformen. Die Hallo Taxi 3811 in Hannover führt

dazu lose Gespräche mit freenow by Lyft. Andere wie

die Hamburger Stadtrandzentrale Alstertal oder der

Stuttgarter Platzhirsch „TAZ“ sind solche Kooperationen

schon eingegangen.

Ist das nun gut oder schlecht für die Taxizentralen?

Und vor allen Dingen: Ist das gut oder schlecht

für die Taxiunternehmer, von denen sich viele sowieso

schon an Uber und freenow by Lyft angeschlossen

haben? In Erfurt wurde dies während des Deutschen

Taxi- und Mietwagentags ebenso diskutiert wie beim

Taxitreffen in Glückstadt (siehe Seite 42) oder beim

Meet the Cab in Wien (siehe Seite 11 und 31). Die

Positionen dazu sind unterschiedlich, ebenso die

Herangehensweisen.

Die Frage, was letztlich am besten ist, gleicht

einem Blick in die Glaskugel. Nur eines muss klar

sein: Ein „Weiter so“ könnte für manche Zentralen

so enden wie das Schicksal der genossenschaftlich

geführten Bochumer Taxizentrale. Sie hatte zum

Jahreswechsel Insolvenz anmelden müssen. Das Aus

für den Fahrtenvermittler und dessen Teilnehmer

bedeutete das aber noch nicht. Der Insolvenzverwalter

fand einen Käufer, die Zentrale wird als GmbH

weitergeführt – unter der Geschäftsführung eines

Mannes, welcher der Taxi Düsseldorf eG vorsteht.

Man darf gespannt sein, über welche Entwicklungen

im Laufe des Jahres aus anderen Städten berichtet

werden kann.

jh

TAXI 1. QUARTAL 2026

5


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

LEIPZIGER ALLERLEI

BEI DEN TAXIZENTRALEN

Drei Leipziger Taxizentralen zeigen sehr unterschiedliche Wege auf, mit den

aktuellen Veränderungen umzugehen. Der Blick in die Sachsenmetropole wirkt

wie ein Brennglas für das, was sich auch im Rest der Republik anbahnt.

denden Problem. Viele Unternehmer sind seit Jahrzehnten dabei,

Nachfolger fanden sich kaum noch. Hinzu kam ein strukturelles

Dilemma: Große Firmenkunden mussten zuverlässig bedient werden,

während spontane Fahrten für Privatkunden immer schwieriger

zu vermitteln waren. Sinkende Unternehmerzahlen bedeuteten

am Ende: keine Fahrzeuge, keine Vermittlung. Was blieb, waren

zuletzt noch rund 25 meist kleine Betriebe – zu wenig, um eine

eigene Vermittlungszentrale wirtschaftlich zu betreiben.

Neues Team: Thomas Bühnert und Thomas Voigt (links und rechts)

schließen sich mit Hermann Waldner (TAXI ONE, Berlin) zusammen.

Kulinarisch gesehen ist Leipzig berühmt für sein Gericht

„Leipziger Allerlei“ – eine traditionelle Gemüse-Mischung

(meist mit Erbsen, Möhren, Spargel, Blumenkohl usw.).

Mit Blick auf das örtliche Taxigewerbe ist das, was sich bei den

dortigen Taxizentralen abspielt, ein weiteres „Allerlei“. Um beim

Bild einer Mahlzeit zu bleiben: Drei Taxizentralen in Leipzig müssen

täglich den Hunger der Taxiunternehmer stillen, die sich Ihrer

Fahrtenvermittlung angeschlossen haben. Doch sie verwenden

höchst unterschiedliche Zutaten, um am Ende des Tages alle satt

zu bekommen.

Das Grundproblem, das die Taxizentralen Löwen-Taxi, 4884 und

520 520 haben, ist nahezu gleich: schwindende Teilnehmerzahlen,

Lücken bei der Bedienbarkeit der Kunden, hohe Betriebskosten,

sinkende Einnahmen, Rückgang bei den Fahrtvermittlungen. Bei

Löwen-Taxi wurde die Altersstruktur der Mitglieder zum entschei-

GEBURTSTAGSFEIER WÄHREND DER LIQUIDATION

Die Konsequenz: Die traditionsreiche Genossenschaft, hervorgegangen

aus dem Leipziger Droschkenverein von 1876, wird ihren

150. Geburtstag im Zustand der Liquidation begehen. Die Abwicklung

der Genossenschaft hat begonnen, Immobilien wurden bereits

veräußert, die Vermögensverteilung an rund 100 Mitglieder soll

im Herbst beschlossen werden. Die vollständige Liquidation ist

bis Ende 2026 angesetzt.

Inzwischen werden die verbliebenen Unternehmer über den

Mitbewerber, die Funktaxenzentrale 4884, disponiert. Noch während

sich die lokale Presselandschaft mit dem Verlust einer Traditionszentrale

beschäftigte, bastelten die Vorstände Thomas Voigt

und Thomas Bühnert an einer großen Lösung. Mit der Übernahme

der Fahrten und der Teilnehmer von Löwen-Taxi alleine hätte man

noch nicht die Stärke erreicht, um dem Kosten- und Wettbewerbsdruck

gegen die Plattformanbieter zu bestehen. Also suchte man

sich einen starken Verbündeten außerhalb der Leipziger Stadtgrenze

– und wurde in Deutschlands Hauptstadt fündig.

Ende Januar gab man einen Zusammenschluss mit der Berliner

Taxizentrale TAXI ONE bekannt. Somit wird die 4884, Leipzigs

älteste Funktaxenzentrale, künftig von der Berliner Taxizentrale

unterstützt. „Die Berliner und Leipziger Taxizentrale haben vereinbart,

ihre Betriebe zu einer schlagkräftigeren Einheit zusammenzuführen“,

heißt es in der dazu veröffentlichten Pressemeldung.

Man wolle mit diesem Zusammenschluss angesichts der Herausforderungen,

mit denen die Taxibranche konfrontiert ist, als eine

starke und wettbewerbsfähige Einheit auftreten.

RÜCKGANG GESTOPPT

In der Hauptstadt agiert die Berliner Taxizentrale, deren unterschiedliche

Marken unter dem Dach der TAXI ONE zusammengeführt

sind. Deren Geschäftsführer Hermann Waldner konnte den

negativen Trend bereits 2025 stoppen. Durch die konsequente

Einführung digitaler und KI-gesteuerter Technik konnte die Auftragsannahme

größtenteils automatisiert werden. Das beschleunigte

die Auftragsannahme und reduzierte die Kosten. So konnte

der Rückgang der Vermittlungszahlen gestoppt und ein positives

Geschäftsergebnis eingefahren werden. Begünstigt wurde diese

Entwicklung durch gewerbepolitische Erfolge, weil die Berliner

Aufsichtsbehörde durch konsequente Maßnahmen für einen spürbaren

Rückgang der Mietwagenkonzessionen sorgte und Festprei-

FOTO: Taxi One

6

1. QUARTAL 2026 TAXI


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

Kommentar

zum Leipziger

Taxi-Beben

FOTOS: Talex Mobile Solutions, Taxi Times

Alexander Brandenstein (links) überreicht

einen Award für 10.000 KI-Bestellungen

an Vater und Sohn Müller.

Hermann Waldner,

Geschäftsführer von

TAXI ONE in Berlin.

se für Taxis einführte. Die Berliner Taxizentrale gehörte dann zu

den Ersten, die dies mit der Möglichkeit verknüpfte, dass Kunden

bestellte Festpreisfahrten auch gleich im Voraus bezahlen konnten.

Sobald auch in Leipzig Festpreise für Taxis eingeführt werden,

werde man diese Option auch dort sofort einführen. Möglich ist

das, weil beide Zentralen mit dem Vermittlungssystem von FMS

arbeiten – inklusive der App von taxi.eu. Es wird nicht die einzige

Maßnahme sein, mit der das Know-how, die Ressourcen und die

Innovationskraft der beiden Zentralen gebündelt werden sollen.

Man sieht sich durch diesen Zusammenschluss bestens gerüstet,

die Taxikundschaft weiterhin zuverlässig und professionell

zu bedienen – und eine Alternative zu den Plattformen zu sein,

die sich längst auch in Leipzig breitgemacht haben. Uber schon

länger, aber in noch geringer Mietwagenanzahl, Bolt seit Kurzem

und sehr aggressiv mit Dumping-Kampfpreisen.

AUTOMATISIERTE KI-BESTELLUNG

Dabei haben diese Plattformen, obwohl sie mit ihren taxiähnlichen

Mietwagenmodellen den Taxibetrieben auf unredliche Weise das

Geschäft wegnehmen, auch innerhalb der Taxibranche ihre Partner.

Zu ihnen zählt beispielsweise die kleine Leipziger Taxizentrale

520 520. Dessen Geschäftsführer Matthias Müller hatte schon

vor über einem Jahr sämtliche telefonischen Auftragsannahmen

eingestellt und stattdessen voll und ganz auf die Taxivermittlung

über die Uber- und Bolt-App gesetzt. Kunden, die bis dahin telefonisch

bestellt hatten, wird seitdem über einen Hinweis auf der

Website empfohlen, sie mögen ihr Taxi doch bitte über die Uber-

App bestellen. Auf komplizierte Fahrten, wie etwa Krankenfahrten,

verzichtet die Zentrale. Man konzentriert sich ausschließlich auf

die schnell und einfach zu bedienenden Spontanfahrten.

Als nun aber im Herbst die Spatzen erste Töne von den Dächern

pfiffen, dass Löwen-Taxi demnächst in die Liquidation gehen würde,

wollte Müller den Telefonmarkt doch nicht mehr kampflos den anderen

überlassen. Er installierte den KI-Telefonassistenten „Toby“, der

vom Systemanbieter Talex für dessen Taxi.de-Software entwickelt

wurde. Kaum war dies geschehen, wurde die stillgelegte Rufnummer

wieder aktiviert. Wer dort seitdem anruft, kann rund um die Uhr

eine Taxibestellung voll automatisiert aufgeben. Der KI-Telefonassistent

sorgt für hohe Erreichbarkeit und kurze Wartezeiten. Eine

Rückfallebene für Anrufer ist nicht eingerichtet. Auch hier gilt das

Geschäftsmodell: Es geht nur um die schnellen und unkomplizierten

Taxibestellungen.

Trotz dieses Servicemankos und obwohl die Wieder-Aktivierung

der Telefonnummer nirgendwo beworben wurde, habe man

innerhalb von zehn Wochen schon 10.000 Bestellungen generiert.

Alexander Brandenstein, Gründer von Taxi.de, nahm dies

zum Anlass, Matthias Müller mit einem Award auszuzeichnen.

„10.000 Bestellungen in nur 10 Wochen sind ein starkes Signal

für die Leistungsfähigkeit von Toby und den Innovationsmut von

520520 Leipzig Taxi e.K.“, lobt Alex Brandenstein und ist überzeugt:

„Die schnelle Akzeptanz bei den Kundinnen und Kunden

zeigt, dass KI-basierte Bestellannahme im Taxigewerbe nicht nur

technisch funktioniert, sondern auch im Alltag überzeugt. Dieses

Projekt setzt einen neuen Maßstab für Effizienz und Zukunftsfähigkeit

im Taxigewerbe.“

Leipziger Allerlei also in der Sachsenmetropole: Während diejenigen,

die den Pakt mit den Plattformen gemacht haben, mit

einem KI-gestützten Telefonassistenten jetzt wieder einen Weg

zurück zur Telefonannahme gefunden haben, setzt eine Taxizentrale,

die weit mehr als nur Spontanbestellungen anbietet, auf eine

städteübergreifende Stärkung. Und kann damit allen Teilnehmern

und Mitgliedern von Löwen-Taxi eine neue Heimat geben – jener

Taxizentrale, die immerhin den Absprung noch vor der Insolvenz

geschafft hat.

jh

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ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

»MEINE TAXIZENTRALE

FÜHLT SICH WIE EINE

PLATTFORM AN«

Mögliche neue Strategien und Umwälzungen beschäftigen nicht nur deutsche

Taxizentralen. Bei einem Diskussionspanel im Rahmen einer internationalen

Taxiveranstaltung ging es um nichts Geringeres als die »Zukunft des Taxisektors«.

Die Runde bildete einen Höhepunkt

des zweitägigen internationalen

Treffens „Meet The Cab“ in Wien,

zu dem die Wiener Zentrale Taxi 40100 eingeladen

hatte. Sie wurde in Englisch abgehalten

und von Gregor Beiner moderiert.

Die Situation variiert von Land zu Land,

doch einiges bleibt konstant: weltweit ein

harter Wettbewerb mit Plattformen, Debatten

um den Status von Plattformfahrern,

Fahrermangel, der Druck der Digitalisierung

und der ökologischen Umstellung, die

Plattformisierung von Taxiunternehmen,

die mehrere Nutzergruppen bedienen,

mangelnde Loyalität unter den Fahrern und

der Aufstieg der digitalen Generationen.

„Vier Länder und Systeme im Fokus –

wie sieht die ideale Zukunft aus?“, fragte

GREGOR BEINER

ist seit letztem November Präsident

des Bundesverbandes Taxi und

Mietwagen e. V. (BVTM), seit 2018

Vorsitzender der Organisation Taxis

for Smart Mobility (T4SM) und seit

einem Jahr Vizepräsident der IRU-

Taxigruppe.

Beiner. Antworten gaben die Chefs vierer

Taxizentralen, die allesamt verschiedene

Systeme nutzen: Zwei von ihnen selbstentwickelte,

einmal FMS und einmal iCabby.

Letzteres kommt bei TCA Amsterdam mit

800 Taxis zum Einsatz. Deren Geschäftsführerin

Hedy Borreman erklärte, ihr

Unternehmen fühle sich wie eine Plattform

an, da die Anteilseigner zunehmend weniger

loyal zur Marke seien und bereitwillig

Fahrten für Uber annähmen, wodurch sie

weniger verdienten als mit TCA-Aufträgen.

„Eine seltsame Mentalität“, findet sie.

Matthew Bezzina, Geschäftsführer des

maltesischen Technologieunternehmens

eCabs mit eigenem System, das als Taxiund

Mietwagenbetrieb begann, sieht sich

als „Plattformbetreiber mit Taxi-Hintergrund“

und drittgrößter Vermittler in Malta

(landesweit 5.000 Taxis). Das Unternehmen

strebt internationale Konsolidierung und

Zusammenarbeit im Taxigewerbe an.

Anders sieht es bei Frankreichs größter

Taxivermittlung G7 aus (10.000 Taxis

in Paris, 5.000 im übrigen Land, nutzen

ebenfalls ein eigens entwickeltes System),

so Zentralenchef Armand Joseph-Oudin

(zugleich Präsident der IRU-Taxigruppe).

G7 will „Mobilität für alle, indem wir unseren

Kunden den bestmöglichen Service bieten

und die Arbeitsbedingungen und das

Einkommen unserer Fahrer optimieren.“

Rund 80 Prozent der Bestellungen gehen

digital ein. Dazu Christian Holzhauser (Taxi

40100 Wien, 1.600 Taxis, FMS): „Uns erreichen

aktuell 70 Prozent der Bestellungen

digital, aber mit dem neuen Callbot können

wir G7 nächstes Jahr übertreffen.“

In Paris ist das Kundenerlebnis von

zentraler Bedeutung, doch auch der Fahrer

gilt als Eckpfeiler des Systems. Fahrten

und Fahrer werden bewertet, und es finden

monatliche Treffen und Sonderveranstaltungen

mit den Fahrern statt. Veränderungen,

beispielsweise um die ältere wie auch

eine jüngere Kundengruppe anzusprechen,

werden in Paris nicht abrupt und revolutionär,

aber kontinuierlich umgesetzt.

Bei eCabs erfolgen 60 bis 70 Prozent der

Bestellungen digital. Bezzina sieht bei jüngeren

Kunden ein anderes Bestellverhalten.

Holzhauser freut sich, dass Österreich

sich – wie die Niederlande und Dänemark

– von Mietwagen verabschiedet hat. Ein

substanzielles Marketingbudget ist entscheidend,

vielleicht nicht die 20 Prozent

von Uber & Co., aber dennoch beträchtlich.

„Marktposition, Kundenzufriedenheit

und die Wertschätzung der Fahrer sind

essenziell“, sagt Joseph-Oudin. „Plattformfahrer

in Paris arbeiten durchschnittlich 18

Monate, während unsere Fahrer etwa zehn

Jahre bei uns bleiben. Auch mit Robotaxis

werden wir weiterhin Qualität bieten.“ wf

Über weitere Inhalte des Treffens berichten

wir auf Seite 31.

Christian Holzhauser, Armand Joseph-Oudin, Matthew Bezzina und Hedy Borreman (v.l.n.r.).

FOTO: Taxi Times

8 1. QUARTAL 2026 TAXI


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

22-JÄHRIGER

FORDERT

UBER

HERAUS

Ein Jungunternehmer will das Taxi neu

erfinden und damit die junge Generation

von Uber ins Taxi holen. Daraus könnte

sogar die von so vielen geforderte

einheitliche Taxi-App entstehen.

FOTO: Lucas Kleinecke

Lucas Kleinecke ist 22 Jahre alt. Er verkörpert die so oft

zitierte Generation Z, also jene Menschen, die zwischen

1990 und 2010 geboren wurden und somit die erste Generation

waren, die als echte Digital Natives aufwuchsen, mit Smartphones,

Internet und sozialen Medien. Lucas ruft niemanden mehr

an, um zum Geburtstag zu gratulieren. Er wählt auch keine Nummer,

um ein Taxi zu bestellen. Für viele aus der Generation von

Lucas ist „Taxi“ ein „Uber“.

Lucas hat das selbst mit einer Befragung von einhundert Menschen

der Generation Z herausgefunden. 75 Prozent von Ihnen, so

berichtet er in einem ausführlichen Gespräch mit Taxi Times, haben

auf die Frage „Uber oder Taxi – was würden Sie wählen?“ mit Uber

geantwortet. Als Grund haben sie nicht etwa angegeben, dass Uber

billiger sei, sondern dass Uber cooler sei und mehr Spaß mache.

Lucas setzt seit einiger Zeit ein großes Ziel um: Er möchte diese

Zahl umkehren. Er möchte, dass endlich auch das Taxi von seiner

Generation als cool angesehen wird und die jungen Menschen

künftig ein Taxi bestellen. Nötig sind dafür aus seiner Sicht zwei

Schritte: Erstens müssen Taxizentralen (ganz egal, ob als reine

Vermittler oder – im ländlichen Bereich – als eigenständige Taxibetriebe)

die Bestellprozesse, die immer gleich ablaufen, digitalisieren

und automatisieren. Mit der so gewonnenen Schnelligkeit

bei gleichzeitiger Kostenersparnis lässt sich dann zweitens ein

Narrativ aufbauen, dass Taxi besser als Uber ist.

Ein Narrativ bezeichnet die Art und Weise, wie über jemanden

gesprochen wird. Das ist die Außenwahrnehmung. „Derzeit ist die

Außenwahrnehmung bei Taxis: alt, öde, teuer, nicht sexy“, sagt

Lucas. Sein Plan: Mit speziell gedrehten Videos die Außenwahrnehmung

umprogrammieren und die Marke Taxi vor allem bei

der jungen Zielgruppe einheitlicher und attraktiver zu machen.

Diese Videos mit den Taxifahrern beginnen meist mit einer

Frage. Zum Beispiel: Wer war dein unhöflichster Promigast? Natürlich

wird die Antwort erst am Ende des Videos gegeben, nach u

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TAXI 1. QUARTAL 2026


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

Blick hinter die

Kulissen eines

Video-Drehs.

etwa einer Minute. Oder, wie speziell bei diesem Beispiel, auch

gar nicht. Dann müssen die Nutzer in den Kommentaren selbst

raten, wer das war. So bleiben die Menschen noch länger auf dem

Video, es wird dadurch öfter abgespielt. Das verbessert die Erinnerungsrate,

welche wiederum dafür verantwortlich ist, wie vielen

Menschen das Video ausgestrahlt wird.

Das Ergebnis sind hohe Zugriffe: „Wir haben es geschafft, mit 30

Videos über 3,3 Millionen Impressionen zu erreichen. In Bremen

mit sechs Videos über 500.000. In Berlin liegen wir mittlerweile

bei über einer Million“, erzählt Lucas.

WERDEN DARAUS AUCH BESTELLUNGEN?

Die Taxizentralen, mit denen Lucas bisher zusammenarbeitet, freuen

sich über diese Resonanz. Sie hinterfragen allerdings kritisch und

zu Recht, wie aus diesen Kontakten dann auch konkrete Taxibestellungen

werden. Solche Fragen hat Thomas Sell kürzlich beim Treffen

der Taxi-Nordverbände in Glückstadt beantwortet. Sell ist der

Partner und Mentor von Lucas. Er ist dem Taxigewerbe seit Langem

verbunden – jahrelang während seiner Telekom-Funktion, danach

dann als Berater. „Sämtliche Videos sind mit der App verlinkt, mit

der die jeweilige Taxizentrale zusammenarbeitet“, berichtet Sell.

In Berlin beispielsweise landen die Nutzer im App- oder Playstore

von taxi.eu, bei den GefoS-Zentralen bei der Taxi Deutschland-App

etc. Was dann passiert, kann genau nachvollzogen werden: Haben

die Nutzer die App heruntergeladen, sich registriert und ihre Zahlungsdaten

hinterlegt? Haben sie auch bereits ein Taxi bestellt und

dabei die Festpreisfunktion genutzt? Welchen Wert hatte die Fahrt?

Ist der Kontakt über Instagram, TikTok oder Facebook entstanden?

Lucas macht diese Daten für die Taxizentralen sichtbar und

in Echtzeit abrufbar. Er hat dafür ein Dashboard entwickelt. Die

Darstellung erfolgt in Diagrammform. Man bezeichnet solche Auswertungen

„Monitoring“. Es ermöglicht den Taxizentralen und

Betrieben eine exakte Kosten-Nutzen-Analyse – und es beantwortet

die Frage, ob die Videos für mehr Taxifahrten sorgen.

All das ist Lucas noch nicht genug. Er möchte seinen Kunden,

den Taxibetrieben und Taxizentralen, wieder eine Zukunft geben –

mit Taxibestellungen der Generation Z. Wir erinnern uns: Das sind

jene Menschen, die niemandem mehr telefonisch zum Geburtstag

gratulieren. Das sind Menschen, die eigentlich auch schon keine

App mehr bedienen, weil sie eine noch schnellere Methode nutzen

wollen, um ein Fahrzeug zu bestellen.

Hier kommt nun das wichtigste Produkt ins Spiel, das Lucas

für seine Kunden entwickelt hat: einen eigenen Taxi-WhatsApp-

Kanal, der mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet ist, der

also automatisiert Fahrtbestellungen aufnimmt. Man nennt solche

Kanäle auch „Chatbots“.

Bei dem Taxi-Kanal von Lucas sollen die Kunden, die über

seine Videos den Zugang zum Taxi gefunden haben, das Taxi

FIRMA UND ZIELE

Lucas Kleinecke ist Gründer und Geschäftsführer

der Taxi-Flow GmbH. Deren Vison ist es, die Marke

Taxi zu vereinheitlichen und alle Prozesse in Taxi-

Zentralen zu digitalisieren und automatisieren.

Lucas und sein Team sind überzeugt, dass die

Branche wettbewerbsfähig ist, wenn man digitalisiert

ist und an ihrem Image arbeitet. Sie kennen

die junge Zielgruppe und deren Interessen sehr gut

und möchten die User-Experience von Taxi-Zentralen

optimieren und an das Nutzerverhalten der

jüngeren Zielgruppe adaptieren.

Das Credo: „KI wird die größte Chance für Taxi-

Zentralen sein, um Uber einholen zu können. Wir

müssen diese Möglichkeit nutzen und dürfen den

Zug nicht verpassen, wie wir es damals getan

haben.“ Man bietet allen Taxizentralen ein kostenloses

Strategiegespräch an. jh

Per Dashboard wird das Nutzerverhalten transparent.

FOTOS: Lucas Kleinecke

10 1. QUARTAL 2026 TAXI


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

So arbeitet die

KI hinter dem

WhatsApp-Taxikanal.

Der Video-Kanal des Taxiruf Bremen.

(anstelle des Uber) per Sprache bestellen. „Das geht viel schneller

als mit Schreiben und es wird auch viel individueller“, nennt

Lucas die Vorteile. Die Künstliche Intelligenz, die dafür zur

Anwendung kommt, sitzt in einem Frankfurter Datencenter. Sie

wurde trainiert und trainiert sich selbst. Sie kennt alle Straßennamen

und wichtigen Adressen der Stadt, aus der angerufen

wird, und kann diesen Fundus mit den Angaben des Anrufers

abgleichen. Bei undeutlicher Aussprache des Kunden (Dialekt

oder auch ein gewisser alkoholbedingter Zungenschlag) fragt

die KI gezielt nach. Damit wird die Fehlerrate bei der Auftragsannahme

reduziert.

KI MERKT SICH DEN ANRUFER

Zudem merkt sich die KI alle personenbezogenen Angaben des

Anrufers. Bestimmte Merkmale wie beispielsweise Handicap-

Angaben (blind, Rollstuhl etc.) werden bei der nächsten Bestellung

von selbst abgefragt. Wenn dann alles geklärt ist, wird diese

Information an die Taxizentralen oder den Taxibetrieb weitergegeben.

Lucas agiert hier aber nicht als Vermittler, sondern als

jemand, der neue Zielgruppen für das Taxi begeistert und sie mit

einer einfachen Methode zum Buchen bringt.

Die so erzeugte Bestellung wird dann über eine API-Schnittstelle

in das Buchungssystem der jeweiligen Taxizentrale eingespeist.

„Dieser Taxikanal soll ein Marketingssondierungskanal sein, der

nicht gleich eine Buchungsmaschine dahinter hat“, beschreibt

Thomas Sell das Konzept. Derzeit landen alle Bestellungen über

diesen Kanal bei Taxi Deutschland, dem Verbund der Taxizentralen.

Sie werden von dort in die Taxi-Apps der Mitgliedszentralen

weitergeleitet, von denen die meisten mit der Taxi-Deutschland-

App arbeiten. Aber auch die Verknüpfung zu taxi.eu oder Cab4me

ist möglich. Berechnet wird dafür eine Lizenzgebühr.

Als Thomas Sell das Konzept im Glückstädter Kreis vorstellte,

wurde allen Beteiligten schnell klar, dass dieser Taxikanal die seit

Langem geforderte bundesweit einheitliche Bestellmöglichkeit sein

könnte. Allerdings müssten dafür auch alle Systemanbieter mitspielen

– FMS, GefoS, Seibt & Straub, Taxi.de, MPC, Taxikomm24,

eCabs etc., die aber lieber auf eigens entwickelte (oder noch zu

entwickelnde) Lösungen setzen.

In Glückstadt entstand daraus eine Spontan-Initiative. Thomas

Sell und Jens Marggraf (letzterer bekannt durch seinen Taxi-to-

Go-Podcast) wurden beauftragt, einen runden Tisch mit allen Systemanbietern

zu initiieren.

Wenn das gelingt und dort eine für alle Seiten einvernehmliche

Lösung gefunden wird, könnte aus dem Geschäftskonzept

von Lucas, die Generation Z ins Taxi zu holen, sogar weit mehr

werden: eine bundesweit einheitliche Bestellmöglichkeit für Taxikunden

jeden Alters – denn WhatsApp nutzen schließlich nahezu

alle Menschen.

jh

LINNE

KRAUSE

FORSCHUNG

GUTACHTEN

BERATUNG


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

EINE ZENTRALEN-

GESCHICHTE, DIE

IN DER DDR BEGANN

In Erfurt feierten im vergangenem Jahr zwei Taxi-Rufnummern

runde Geburtstage. Sie klingen sehr ähnlich und laufen beide

bei einer Taxizentrale zusammen. Der Zusammenschluss erfolgte

noch in den neunziger Jahren des vorigen Jahrtausends.

ausgegliedert und an Heinz Küthe verkauft, der dann die

Taxizentraler Erfurt 5 11 11 GmbH gründete.

Küthes Vermittlung und die seit 1952 existierende Taxigenossenschaft

Erfurt sollten im Laufe der folgenden Jahrzehnte

nicht die einzige Taxizentrale bleiben. 1992 hatte sich beispielsweise

auch die Genossenschaft City Taxi eG gegründet.

Dessen Mitgründer: Wolfgang Schwuchow.

Und jener Wolfgang Schwuchow führte – zusammen mit

Mitstreitern – dann die Betriebe Das Taxi GmbH und die

City Taxi eG zur Gesellschaft das City Taxi AG mit der Rufnummer

5 55 55 zusammen und übernahm wenig später die

Rufnummer 5 11 11.

Wolfgang Schwuchow (rechts) gründete die City Taxi AG in Erfurt,

seine Kinder Michaela und Daniel führen die Zentrale samt eigener

Taxis heute weiter.

Es ist die älteste Taxirufnummer Erfurts und doch gibt es

zwei unterschiedliche Varianten bei der Aussprache. Die

einen sagen „Fünf Elf Elf“, andere sprechen von der „fünf

und viermal die Eins“. Doch ganz gleich, wie man die Ziffern kombiniert:

Wer die Nummer wählt, bekommt noch heute das gleiche

wie schon vor 60 Jahren, im Jahr 1965: Ein Taxi zur gewünschten

Abholadresse.

Damals zählte Erfurt noch zum Staatsgebiet der Deutschen

Demokratischen Republik (DDR) und die Taxis wurden noch

über die Erfurter Verkehrsbetriebe vermittelt. Dann kam 1989

die Wende und Deutschland wurde wiedervereinigt. Zwei Jahre

später wurde der Taxibereich aus den Erfurter Verkehrsbetrieben

EIN STÜCK ERFURTER TAXIGESCHICHTE

„Mit dem Erwerb der Taxirufnummer sicherten wir uns ein

Stück Erfurter Taxigeschichte, denn die 5 11 11 ist die älteste

Taxirufnummer Erfurts und der historische bzw. traditionelle

Aspekt spielt auch im Taxigewerbe eine wichtige Rolle“, heißt

es auf der Internetseite von Das City Taxi AG. „Die 5x5 war

übrigens eine alte Stasi-Nummer“, ergänzt Michaela John im

Gespräch mit Taxi Times. Sie ist die Tochter und arbeitet seit

2001 in der Verwaltung von Das City Taxi AG.

Als Meilensteine der letzten 30 Jahre nennt Michaela

Schwuchow den Wechsel von der klassischen vollautomatischen

Funkvermittlung auf das System der Taxikomm24

im Jahr 2012.

Der Hintergrund war, dass wir unsere Vermittlungsbeiträge

hätten anheben müssen. Über die Zeit waren die Betriebe

entweder geschrumpft, sind weggegangen oder wurden durch

Tod oder andere Dinge sozusagen aufgegeben“, erläutert Frau

John. „Das ist die logische Konsequenz eines gleichbleibenden

Kostenblocks bei einer sinkenden Zahl an Anschlusspartnern.

Für eine 24/7-Zentrale sind 4,75 Personalstellen nötig. Wir

mussten also mit weniger Einnahmen durch unsere Teilnehmer

weiterhin vier Festangestellte und einige Teilzeitkräfte

bezahlen.

Also prüfte man bereits 2011 die verschiedenen Optionen

einer kostengünstigeren Fahrtenvermittlung. Man führte

Verhandlungen mit der Wettbewerberzentrale in Form eines

Zusammenschlusses, die allerdings scheiterten. Auch eine

Mitvermittlung bei einer sächsischen Taxizentrale erwies

sich als nicht tragfähig. Schließlich entschied man sich für

FOTO: Taxi Times

12 1. QUARTAL 2026 TAXI


ZUKUNFT DER TAXIZENTRALEN

Bei den Vorstandswahlen

wurde Daniel Schwuchow

(rechts) erstmals in den Vorstand

des Bundesverbands

Taxi (BVTM) gewählt. Ebenfalls

neu sind Hans-Peter

Kratz (Mitte), Gregor Beiner

als neuer Präsident und

Bärbel von Teufel als neue

Vizepräsidentin. Aleksandar

Dragigevic (links) wurde im

Vorstand bestätigt.

FOTO: Taxi Times

einen Systemwechsel zu Taxikomm24. Mit dessen Inhaber Guido

Kuth hatte Wolfgang Schwuchow bei der Europäischen Taximesse

Kontakt aufgenommen.

Hier war es ein großer Vorteil, dass man zwei Rufnummern

zur Verfügung hatte, denn die Schwuchows konnten eine davon

für einen Testlauf nutzen – um dann sehr schnell festzustellen,

dass diese Vermittlung tatsächlich funktioniert. Seitdem landen

die Kunden immer direkt in den Taxis. Die Fahrer sind also gleichzeitig

Taxifahrer und Disponenten. Dieser Wechsel sei zu Beginn

nicht einfach gewesen, denn die Fahrer mussten erst einmal „das

Telefonieren“ lernen. Michaela John erklärt, was damit gemeint ist:

„Ein Fahrer war es gewohnt, dass der einsteigende Fahrgast sagt

„ich möchte zum Bahnhof“. Das war das Fahrtziel. Der anrufende

Kunde bestellte ebenfalls ein Taxi zum Bahnhof, meinte damit

jedoch das Ziel. Ergo gab es zu Beginn Fehlanfahrten. Wir schulten

daraufhin unsere Mitarbeiter, den Gesprächsfaden zu übernehmen:

„Wann möchten Sie von wo nach wo befördert werden? …“

Heute hat sich das längst eingespielt, jeder beherrscht die Doppelfunktion.

Allerdings ist heute nur noch ein Bruchteil der damaligen

Teilnehmer dabei. Viele haben aus Altersgründen aufgehört,

andere haben sich einer anderen Zentrale angeschlossen.

STADT MIT DREI TAXIZENTRALEN

Erfurt hat 216.000 Einwohner und leistet sich den Luxus, drei Taxizentralen

zu betreiben. Positiv ist allerdings, dass es nur circa 90

Taxikonzessionen gibt, so dass jedes Taxi auch zufriedenstellend

ausgelastet ist. Seit diesem Jahr ist allerdings auch Bolt in der

Stadt, Uber hat sich für den Sommer angekündigt.

Trotzdem ist den Schwuchows klar, dass der Vorteil der etablierten

Telefonnummer irgendwann aufgebraucht sein wird. „Meine

Tochter ist 22 Jahre, die ruft nirgendwo mehr an, die macht das

alles digital“, sagt Michaela John. „Uns ist bewusst, das wird

irgendwann auslaufen.“

Die Möglichkeit der App-Bestellung hat man über das System

von Taxikomm24 bereits 2020 eingeführt. Seitdem werden die

App und die Telefonnummer beworben. „In jedem Schreiben, in

jeder E-Mail, in jeder Rechnung werden gleichrangig sowohl die

Telefonnummern als auch die App genannt – die App sogar als

erstes und dann erst die Rufnummern.“

An dieser Stelle mischt sich auch Daniel Schwuchow ins

Gespräch ein: „Wir forcieren ganz bewusst weiterhin die Nummern,

auch wenn es uns richtig Geld kostet, diese Doppelstruktur

aus Rufnummer und App zu erhalten. Wir vergessen eben nicht,

dass es noch Menschen gibt, die vielleicht noch nicht so versiert

sind mit einer App. Diese Menschen, die bei Uber und Bolt im

Prinzip alle hinten runterfallen würden, nehmen wir noch mit.“

Daniel Schwuchow ist der jüngere Bruder von Michaela. Er hat

zwölf Taxis in Erfurt, fährt auch noch selber, unterstützt seine

Schwester in der Verwaltung und ist mit seinen 44 Jahren jemand,

der an die Zukunft der Branche glaubt. Und der sich für diese

Zukunft auch engagiert. Im Sommer 2021 wurde er innerhalb der

Fachvereinigung Personenverkehr Thüringen im Landesverband

Thüringen des Verkehrsgewerbes LTV zum neuen Vorsitzenden

gewählt: Er trat damals die Nachfolge seines Vaters Wolfgang

Schwuchow an, der den Vorsitz rund 15 Jahre innehatte und im

Jahr 2024 seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte.

Das Erbe des gewerbepolitischen Engagements hat nun der

Sohn übernommen und geht damit sogar noch weiter als sein

Vater: Im Herbst 2025 wurde Daniel Schwuchow in den Vorstand

des Bundesverbands Taxi und Mietwagen (BVTM) gewählt. jh

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PERSONENBEFÖRDERUNGSGESETZ

Weil wichtige Neuerungen

immer noch

nicht umgesetzt sind,

ist das eigentliche Ziel

der PBefG-Novelle nicht

erreicht: ein Wettbewerb

auf Augenhöhe

zwischen Taxis und

Plattformen.

GUT GEMEINT

– SCHLECHT

UMGESETZT

Viereinhalb Jahre ist die PBefG-Novelle nun in

Kraft. Zahlreiche Änderungen sollten vor allen

Dingen den ungleichen Wettbewerb zwischen

Plattformen und Mietwagen wieder auf

Augenhöhe einpendeln. Ist das gelungen?

Als wichtigstes Instrument für

einen fairen Wettbewerb wird die

Möglichkeit gesehen, dass Kommunen

ein Mindestbeförderungsentgelt

(MBE) für Mietwagen festsetzen können.

Weil die Behörden jedoch zu unerfahren

und die Kommunalpolitiker zu zaghaft

waren, ist diese Option fünf Jahre nach der

Novelle des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) erst in einer Handvoll Gebieten

in Deutschland (Landkreis Lörrach, Heidelberg

und Essen) eingeführt.

Zugutehalten muss man der Kommunalpolitik

und den Behörden, dass sie immerhin

in vielen deutschen Städten Festpreise

für Taxis erlaubt haben. Mittlerweile ist die

Euphorie darüber aber der Ernüchterung

gewichen. Zum einen, weil man schnell

erkennen musste, dass Festpreise ohne

ein MBE nur wenig wert sind, zum anderen,

weil die Branche sich auch vorwerfen

lassen muss, die notwendigen Begleitmaßnahmen

verschlafen zu haben. Man hatte

es schlicht und einfach verpasst, im Vorfeld

städteübergreifend auszudiskutieren,

welche Arten von Festpreisen sinnvoll sind

– mit der Konsequenz, dass nahezu jede

Stadt ihr eigenes Festpreis-Süppchen kocht

– mit von Stadt zu Stadt unterschiedlichen

Korridoren.

Noch fataler ist, dass die Taxizentralen

die Festpreis-Option nicht automatisch

mit der Möglichkeit verknüpft haben, dass

Kunden die gebuchte Festpreisfahrt auch

schon während der Bestellung bargeldlos

bezahlen können. Einzig Berlin hat dies

im vergangenen Jahr eingeführt, und das

auch mit dem frechen Slogan „Nie mehr im

Taxi bezahlen“ medial vermarktet.

Erst nach und nach bieten Taxizentralen

anderer Städte diese Option an. Sie sind

darauf angewiesen, dass der Systemanbieter

dies technisch umsetzt. Zentralenvorstände

bzw. Geschäftsführer müssen

diesen Schritt aber auch in der eigenen

Zentrale aktiv anstoßen, wofür dann wiederum

allzu oft die Fachkompetenz und

vor allem die Manpower fehlt.

Fazit: Rund fünf Jahre nach Inkrafttreten

der PBefG-Novelle muss man festhalten:

Selbst dort, wo manche der gut

gemeinten Maßnahmen auf Kommunalebene

umgesetzt worden sind, haben sie noch

immer keinen Wettbewerb auf Augenhöhe

zwischen den Plattformen und dem Taxigewerbe

bewirkt.

Mit gutem Willen kann man konstatieren,

dass man dadurch bewirken konnte,

dass die Kluft nicht noch größer geworden

ist. Doch die Politik wollte damals mehr

– und deshalb muss die Politik jetzt auch

noch einmal nachbessern.

jh

POLITISCHE EVALUIERUNG – ZURÜCK IN DIE KÖPFE DER POLITIKER

Mit der PBefG-Novelle wurde im Paragraf 66 des PBefG auch

geregelt, dass im Sommer 2026 eine Evaluierung stattfinden

muss. Eine Evaluierung ist eine Art Beurteilung, ob und wie

ein neues Gesetz das bewirkt hat, was ursprünglich beabsichtigt

war. Soviel zur Theorie. In der Praxis wird sich die

Evaluierung der PBefG-Novelle lediglich auf Sachmängel

oder Fehler auf der Formulierungsebene des Gesetzestextes

konzentrieren. „Erfolg oder Misserfolg der neuen Regelungen

im Alltag stehen dabei gar nicht infrage“, machte der

Rechtsanwalt Thomas Grätz während einer Taxiveranstaltung

Für Grätz sei die Evaluation aber sehr wohl geeignet, das

PBefG wieder in die Köpfe der Politik zu holen. Sie habe damit

das Potenzial, über politische Anfragen zu einzelnen Elementen

noch einmal Bewegung ins Thema zu bringen. Daher sei

es jetzt vor der Evaluation an der Zeit, sich branchenseitig

Gedanken darum zu machen, welche machbaren Änderungen

oder Korrekturen man sich noch im PBefG wünscht. Welche

konkreten Verbesserungsvorschläge hierfür wieder

auf die politische Agenda gehoben werden

sollten, können Sie auf der Website der Taxi Times

im Herbst vergangenen Jahres deutlich.

nachlesen (siehe nebenstehenden QR-Code). jh

FOTO: Ki-generiert

14 1. QUARTAL 2026 TAXI


AUSSTATTUNG

AUS FÜR VW-

SPIEGELTAXAMETER

Für die meisten Taximodelle des Volkswagen-Konzerns ist ab sofort die

Verwendung eines Spiegeltaxameters ausgeschlossen. Hintergrund für diese

Notwendigkeit ist die EU-Verordnung 2019/2144, die auch Deutschland umsetzt.

Bislang galt der Spiegeltaxameter

immer als die eleganteste

Lösung, um mit möglichst wenig

Umbaumaßnahmen im Bereich des Armaturenbretts

die Taxiumrüstung durchzuführen.

Die Tage des Spiegeltaxameters

sind, zumindest bei Volkswagen, bereits

Geschichte, denn eine gesetzliche Bestimmung

macht es erforderlich, dass alle Fahrzeuge

ab Zulassungsdatum 1. Juli 2026 mit

einer Fahrerbeobachtungskamera ausgestattet

sein müssen. Diese Kameras erfüllen

letztlich den Zweck, dass der Zustand

des Fahrers überwacht werden kann. Ist er

beispielsweise müde und unaufmerksam,

dann empfiehlt der Wagen eine Pause.

KAMERA FÜR BLINZELFREQUENZ

Für diese Kameras, die über keinen eigenen

Speicher verfügen und nur abstrakte

Daten erfassen, wie etwa die Blinzelfrequenz,

müssen die Hersteller

einen Platz für die zusätzliche

Technik finden. Bei Caddy, Multivan,

ID. Buzz und allen PKW-

Modellen von Volkswagen ist

das eben der Rückspiegel.

Die Entscheidung ist auch

unabhängig davon, ob das Taxi

ab Werk oder wie der ID. Buzz

werknah umgerüstet wird. Bei

den Pkw-Modellen ist das letzte

Fahrzeug, welches mit einem

NOCH MEHR

FAHRZEUG-

MELDUNGEN

Volkswagen

Caravelle Taxi:

Hier noch ohne

Fahrerbeobachtungskamera.

Spiegeltaxameter ausgerüstet wurde, der

VW Touran. Neu bestellen kann man ihn

seit Anfang Februar nicht mehr. Wer dennoch

ein neues Touran-Taxi haben

möchte, kann auf eines der vielen

Bestandsfahrzeuge, die bei den Händlern

stehen, zurückgreifen.

Ebenfalls neu ist, dass die

werkseitigen Taxis von Volkswagen

Nutzfahrzeuge – die Rede ist

vom Caddy Maxi und dem Multivan

– ab sofort gar nicht mehr

mit Taxameter ab Werk ausgestattet

werden. Hintergrund ist

hier, dass alle Taxis ab Werk

inklusive Taxiausstattung homologiert

werden müssen. Gibt es

eine Änderung am Taxameter, muss dieser

kostspielige Prozess erneut durchlaufen

werden. Hier können sich jetzt die Taxameterdienste

vor Ort einbringen. Neben der

Montage des Taxameters steht dann natürlich

noch eine entsprechende Eichung aus.

Unter dem Motto „Keine Ausnahme

ohne Regel“ gibt es aber auch noch Licht

am Ende des Tunnels: Volkswagen Nutzfahrzeuge

arbeitet derzeit daran, im Rahmen

der werknahen Taxiumrüstung für

den neuen Transporter und den Caravelle

optional einen Spiegeltaxameter anbieten

zu können. Möglich wäre dies, weil bei diesem

Fahrzeugmodell die Fahrerbeobachtungskamera

anstatt im Rückspiegel auf

dem Armaturenbrett verbaut ist. sg

Weniger Unfälle durch den Einsatz

intelligenter Cloud-Kameras

FOTO: Taxi Times

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TAXI 1. QUARTAL 2026

15


UNFALLVERMEIDUNG

DASHCAMSYSTEME

MIT KI: LUKRATIV AUCH

OHNE UNFÄLLE

Eine Unfallkamera

kann nicht nur als

Beweismittel bei

Haftungsfragen die

Rettung sein. Sie führt

bei KI-unterstütztem

Einsatz auch zur

Kostensenkung für das

Unternehmen durch

Schadensvermeidung

und Optimierung des

Fahrerverhaltens.

In der Printausgabe des 4. Quartals 2025 informierte Taxi

Times über wichtige Dashcam-Kaufkriterien für Einzelfahrzeuge

(Bestellmöglichkeit über nebenstehenden QR-Code).

Für Flotten mit mehreren Fahrzeugen gibt es heute aber bereits

Systeme neuerer Generation, gegen die bisherige Dashcams beinahe

veraltet wirken. Der Versicherungsmakler Dittmeier aus

Würzburg hat sich auf Dashcam-Pakete für Personenbeförderer

spezialisiert, die sehr viel mehr können als Unfallflüchtige zu

identifizieren, Unfälle zu klären und lügende Unfallgegner zu

überführen – wobei schon diese Basisfunktionen regelmäßig Schäden

in vier- und fünfstelliger Höhe abwenden. Doch

Florian Wäsch und Oliver Guth zeigen in Webinaren

regelmäßig Funktionen der von ihnen vermittelten

Produkte, die jedem Unternehmer enorme laufende

zur Heft-

Kosten ersparen können – jährlich hohe dreistellige

Bestellung

Eurobeträge pro Fahrer sind keine Seltenheit.

Vom Anfang: Eines der ursprünglich größten Probleme bei

Dashcams, die hohe Wetter- und Verschleißanfälligkeit von

Akkus, wurde schon vor Jahren gelöst – durch eine Kombination

aus Stromversorgung aus der Fahrzeugbatterie

und Kondensatoren, die bei Abriss des Energieflusses

für ein sicheres Speichern der aktuellen Aufnahme

sorgen.

Das vielleicht zweitgrößte Problem ist die

Anfälligkeit der Speicherkarten. Auch die in

Dashcams verwendeten SD-Datenspeicher,

wie sie ebenso in Smartphones zur Anwendung

kommen, sind langfristig gesehen

Verschleißteile. Dass sie permanent neu

beschrieben werden, ist in Privatautos, die

vielleicht ein, zwei Stunden am Tag genutzt

werden, noch kein Problem. In Taxis, Transportern

oder Linienbussen, die im Optimalfall einen Großteil

des Tages unterwegs sind, ist die Lebensdauer dagegen deutlich

geringer. Ein Versagen des Datenspeichers kann im ungünstigen

Fall dazu führen, dass die Unschuld des eigenen Fahrers am

15.000-Euro-Schaden nicht nachgewiesen werden kann. Zudem

steigt mit der Flottengröße auch die Unübersichtlichkeit bei der

Verwaltung der Datenspeicher.

SPEICHERUNG IN DER CLOUD

Die Lösung für dieses Problem sind Cloud-Systeme. Das heißt, dass

die Daten nicht mehr auf einem anfälligen physischen Speicher

im Gerät abgelegt werden, sondern online in einer Daten-„Wolke“,

also auf einem Speicherserver in einem Rechenzentrum, auf den

die Daten im Ereignisfall live hochgeladen werden. Von dort aus

können sie dann weiterverarbeitet bzw. ausgewertet werden. Diese

Verknüpfung aus Telekommunikation und Informatik heißt im

Fachjargon Telematik. Dittmeier wirbt daher mit „Telematik-Systemen

und intelligenten Cloud-Kameras“ und deren Wirkung:

„Mehrere Tausend Euro Ersparnis pro Jahr,

weniger Unfälle, mehr Rechtssicherheit

bei strittigen Ereignissen, reduzierter

Verbrauch und Verschleiß,

Optimierung der Fahrsicherheit

und obendrein auch noch eine

Erhöhung des Fahrkomforts

für die Fahrgäste.“

Heutige Systeme können

durch KI-Unterstützung

viel mehr, als nur

das Geschehen vor, hinter

und ggf. in dem Fahrzeug in

Oliver Guth Bild und Ton zu speichern.

FOTOS: Dittmeier GmbH

16

1. QUARTAL 2026 TAXI


UNFALLVERMEIDUNG

»Taxifahrer haben bei gerichtlichen

Auseinandersetzungen schon aufgrund der hohen

Betriebsgefahr ihrer Fahrzeuge keine allzu gute

Ausgangsposition bei Unfällen.«

Oliver Guth, Dittmeier-Versicherung

Florian Wäsch

KEIN RECHTLICHES TABU MEHR

Noch immer hören Wäsch und Guth von Kunden

häufig die Frage, ob der Einsatz von Dashcams

in Fahrzeugen zur gewerblichen Personenbeförderung

überhaupt erlaubt ist. „Ja, sind sie. Es

gibt bereits eine Reihe von Gerichtsurteilen, bei

denen Videoaufnahmen zugelassen wurden. Es

muss allerdings die Datenschutz-Grundverordnung

(DSGVO) eingehalten werden.“ Dittmeier

vermittelt Systeme, die „das alles einhalten und

noch viel darüber hinaus bieten“. Auch „Compliance“

müsse gegeben sein, weshalb in größeren

Unternehmen auch Betriebsräte und Arbeitnehmervertretungen

in das Thema einzubeziehen

seien. „Wir setzen uns auch gerne mit Ihnen

zusammen, denn das sollte im Teamwork passieren.“

Zur Einhaltung des Datenschutzes biete

die KI vielfältige Möglichkeiten, von Anonymisierung

über Verpixelung bis zur Verwaltung der

Berechtigungen, welche Hierarchieebene eines

Unternehmens welchen Zugang zu sensiblen

Daten erhält.

Sie können nicht nur wie eine Blackbox Fahrzeugbewegungen festhalten,

sondern auch Schlüsse ziehen und Auskunft über positive

wie negative Auffälligkeiten bei der Fahrweise dokumentieren,

etwa ob ein Fahrer energiesparend fährt, genügend Abstand hält,

Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Vorfahrtregeln beachtet.

Sogar die physikalischen Kräfte bei Bremsungen und heftigen

Lenkbewegungen werden gemessen. Was man als Fahrer gefühlsmäßig

kennt – je langsamer die Lenkbewegungen und je sanfter

der Bremsdruck, umso angenehmer für die Fahrgäste –, drücken

moderne Dashcamsysteme in Zahlen aus.

Die Dittmeier GmbH ist auf die Versicherung von Personenbeförderern

spezialisiert und hat zahlreiche private Busunternehmen

mit größeren Flotten in ihrem Kundenkreis, doch die

Zahl der Mehrwagenunternehmen im Taxi- und Mietwagenbereich

wächst derzeit besonders. Prokurist Oliver Guth hat gegenüber

Taxi Times erläutert, warum sich eine Versicherungsagentur

mit Dashcam-Systemen befasst: Busfahrer wie auch Taxifahrer

haben bei gerichtlichen Auseinandersetzungen schon aufgrund

der hohen „Betriebsgefahr“ ihrer Fahrzeuge keine allzu gute Ausgangsposition,

etwa nach Unfällen mit Radfahrern oder Fußgängern.

Auch wird von professionellen Fahrern eher als von Laien

erwartet, den Überblick über das Verkehrsgeschehen zu haben und

Situationen einschätzen und Unfälle vermeiden zu können. Daher

sind objektive Beweise für Personenbeförderer besonders wichtig.

Dittmeier hat bisher rund 450 Unternehmen mit solchen Systemen

ausgestattet. In deren 10.000 Fahrzeugen, überwiegend

Bussen, werden rund 30.000 Ereignisse pro Monat gezählt, also

Unfälle, Beinahe-Unfälle und andere auffällige Situationen, in

denen eine Relevanz der Kameraaufnahme gegeben ist. Situationen

wie ein Beinahe-Unfall durch das Missachten eines Stoppschildes

durch einen Fahrer würden von einer herkömmlichen Dashcam

zwar aufgezeichnet, dem Unternehmer jedoch wahrscheinlich

nicht zur Kenntnis gelangen, solange nichts Ernstes passiert, da

niemand in der Firma sich von früh bis spät Dashcam-Aufnahmen

ansieht. Die KI eines telematischen Systems würde eine solche

Situation dagegen entdecken, da die KI das Stopp-Schild identifizieren

und die Missachtung erkennen kann.

SECHS FAHRER-CHARAKTERE

Wie können Unternehmer also durch den Einsatz von Dashcams

über die Aufklärung von Unfällen hinaus Kosten sparen? IT-Leiter

Wäsch hat aus den vielen Dashcam-Aufnahmen, die er in seiner

langjährigen Tätigkeit bereits ausgewertet hat, sechs Gruppen von

Fahrern nach ihrem hauptsächlichen Verhalten am Steuer charakterisiert:

die Sicherheitsbewussten (10 %), die Selbstkritischen (7

%), die Unauffälligen (33 %), die Gleichgültigen (15 %), die Gestressten

(25 %) und die Draufgänger (10 %). Die vergleichsweise kleine,

aber temperamentvolle Gruppe der Draufgänger ist für einen

hohen Anteil der nicht fremdverschuldeten Unfälle verantwortlich.

Die tatsächlichen Unfälle sind allerdings nur die Spitze des

Eisbergs. Was Dashcam-Aufnahmen darüber hinaus zeigen, u

TAXI 1. QUARTAL 2026

17


UNFALLVERMEIDUNG

ist der weitaus größere Teil unterhalb der

Wasseroberfläche: die Beinahe-Unfälle.

Hinzu kommt Fehlverhalten von Fahrern.

Diese beiden Kategorien sind eine Größe,

die sich dank der Dashcam-Aufnahmen

reduzieren lassen. Mit Fahreraufklärung

durch Video-Vorführungen und Besprechungen,

Fahrer-Trainings und innerbetrieblichen

Wettbewerben, etwa welcher

Fahrer in bestimmten Kategorien das beste

Fahrverhalten zeigt und dafür belohnt wird, haben die Kunden von

Dittmeier zum Teil ungeahnte Kostensenkungen erzielen können.

Aus Sicht des Fahrers stellt sich bei alledem möglicherweise die

Frage: „Werde ich dann nur noch überwacht und gemaßregelt? Es

muss doch ausreichen, wenn ich das Fahrzeug nach der Schicht

unbeschadet zurückgebe und einen guten Umsatz gemacht habe.“

Dazu erläutert Wäsch, dass es ganz und gar nicht um Überwachung

geht, sondern um das berechtigte Anliegen des Unternehmers,

Fahrern und Fahrgästen ein Maximum an Sicherheit zu

bieten und gleichzeitig Kosten zu minimieren. Erhält ein Fahrer

Rückmeldung über Parameter seiner Fahrweise und sieht einen

Vergleich zu anderen Fahrern, kann er einschätzen, an welchen

Stellen es ihm selbst sinnvoll erscheint, sein Verhalten anzupassen.

Beispielsweise ist jeder Fahrer bestrebt, zügig vorwärtszukommen.

Dass mancher sehr oft zu wenig Sicherheitsabstand

einhält, ist dem Einzelnen wahrscheinlich weniger bewusst als

Geschwindigkeitsüberschreitungen, die man in einer Abwägung

Von außen ist kaum zu ahnen,

was in den Geräten steckt.

aus Verantwortungsgefühl und Bestreben

nach Zeitersparnis meist bewusst vollzieht.

Während eine geringere Geschwindigkeit

aber zumindest gefühlt und (in geringerem

Maße auch objektiv) einen Nachteil

bringt, der etwa an der nächsten Ampel

deutlich wird, die man bei etwas höherer

Geschwindigkeit noch hätte passieren können,

ist der Nachteil durch ein paar Meter

mehr Abstand zum Vordermann oft verschwindend

gering, bringt aber einen mindestens ebenso hohen

Zugewinn an Sicherheit. Solche Zusammenhänge werden den

Fahrern beim gemeinsamen Ansehen und Auswerten von Dashcam-Aufnahmen

im Betrieb oft erst nachhaltig bewusst. Die daraus

resultierenden Anpassungen des Fahrverhaltens haben bei

vielen Dittmeier-Kunden zu messbaren Kostensenkungen geführt.

UNTERSTÜTZUNG IN SECHS SCHRITTEN

Das Hauptgeschäftsfeld von Dittmeier, das Vermitteln günstiger

Versicherungen, wird flankiert vom Bestreben, Unfälle zu reduzieren.

Dies geschieht nach einem Ablaufplan mit sechs Schritten,

der das Ausmaß des Ärgers im Schadenfall überschaubar

hält. Bei jedem Schritt bietet die Firma aktive Unterstützung und

Anleitung. Ziel ist es, aus erfolgten und auch aus abgewendeten

Schäden Schlüsse zu ziehen, um weitere Schäden möglichst zu vermeiden.

Hierbei sind moderne Dashcam-Systeme der klassischen

Dashcam weit überlegen, da sie kostbare zusätzliche Möglichkeiten

Zu geringer Abstand: Was dem Chef entgeht, sieht die KI – und kann dem Fahrer Rückmeldung geben, an welchen Stellen er sein

Fahrverhalten optimieren sollte.

FOTOS: Dittmeier GmbH

18

1. QUARTAL 2026 TAXI


UNFALLVERMEIDUNG

mit KI-Unterstützung bieten. Da es mit solchen Systemen gelingen

kann, schlechte Fahrer, die man eigentlich entlassen würde,

durch gezieltes Coaching zu qualifizieren, wirkt die Investition

auch dem Fahrermangel entgegen.

Ein Plus für Fahrer besteht in der Möglichkeit des Nachweises,

dass man sich am Steuer richtig verhalten hat. Dazu hat Dittmeier

kommentierte Kameramitschnitte von Dashcam-Aufnahmen

seiner Kunden archiviert, die für Interessenten einen besonders

anschaulichen Einblick bieten. Bei teils haarsträubenden Lügen

von Unfallgegnern, die etwa an einer Bushaltestelle bei blendender

Sonne im Rückwärtsgang in die Vorderfront eines Linienbusses

fahren und dann behaupten, der Busfahrer sei ihnen

hinten aufgefahren, hätte man ohne Dashcam-Mitschnitt schlechte

Karten. Solche Beweise nutzen natürlich in mindestens ebenso

hohem Maße dem Unternehmer. Er profitiert darüber hinaus von

Aufnahmen, aus denen unvorsichtiges oder unkonzentriertes

Verhalten eines Fahrers hervorgeht, sodass er diesem eine mahnende

Rückmeldung und damit die Möglichkeit zur Verhaltensänderung

geben kann.

Für Unternehmer, die befürchten, mit der Verwaltung und Auswertung

der vielen Aufnahmen zeitlich überfordert zu werden,

hat Wäsch eine beruhigende Antwort. Zwar sei es nicht so, dass

man die Kameras einbaue, um dann „gar nichts zu machen“. Man

brauche eine „gewisse Betreuung“, könne das aber auch „sehr gut

managen“. Aufgrund der hohen Nachfrage hat die Agentur hierzu

ein Angebot an ihre Kunden erarbeitet, das Wäsch als „Service-

Paket on top“ bezeichnet. „Das heißt, Sie müssen sich dann um

nichts mehr kümmern. Wir würden alles übernehmen: jedes einzelne

Video klassifizieren, qualifizieren, Auffälligkeiten ermitteln

usw. Einmal im Monat gibt es dann einen Report, ganz transparent

und mit klaren Handlungsempfehlungen. Wenn Sie die abarbeiten,

holen Sie das Optimum aus dem System heraus. Man kann

das alles also selber machen, aber man kann es auch professionalisieren

und sich auf sein Hauptgeschäft konzentrieren.“ Das

heißt selbstverständlich nicht, dass Dittmeier-Mitarbeiter sich

nächtelang mit dem Sichten der Aufnahmen beschäftigen. Das

erledigt zum größten Teil eine KI, so dass die Kosten für den Kunden

überschaubar sind.

AKZEPTANZ BEI FAHRERN

Das Kundenfeedback, das die Firma bekommt, spricht klar für die

Produkte. Zufrieden mit einem bei Dittmeier gekauften Dashcam-

System äußert sich beispielsweise – ausführlich und sachlich – der

Geschäftsführer eines Unternehmens aus dem Berchtesgadener

Land mit über 100 Fahrzeugen. Er beschreibt in ausführlichen

Einzelheiten, welch großen Nutzen ihm das Produkt der Firma

Samsara bereits gebracht hat. Er spricht über dokumentierte

Unfälle und Übergriffe, ein laufendes Ermittlungsverfahren, bei

dem die Polizei begeistert auf die Beweise reagiert hat, und über

die Akzeptanz bei seinen Fahrern, die sich mit den Kameras als

„täglicher Begleiter“ sicherer fühlen. Zahlen aus weiteren Unternehmen

zeigen, dass die Investition sich nicht nur in absehbarer

Zeit amortisiert, sondern durch weit darüber hinausgehende Einsparungen

in hohem Maße bezahlt macht.

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intelligenter Cloud-Kameras“ teilnehmen, das Taxi

Times in Zusammenarbeit mit der Dittmeier GmbH

anbietet. Es beginnt um 14 Uhr und dauert 45

Minuten zuzüglich 15 Minuten für Fragen. Referent

ist Florian Wäsch, Prokurist/Leiter IT

von Dittmeier Versicherungsmakler

GmbH. Die Teilnahme ist kostenlos.

Zur Anmeldung geht es über diesen

QR-Code.

Optional Folierungen mit farbiger Lackschutzfolie.

TAXI 1. QUARTAL 2026

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KRANKENFAHRTEN

WENN MAN MIT

EINEM FINGER AUF

UBER & CO. ZEIGT ...

... zeigen drei Finger auf einen selbst. Gisela Spitzlei appelliert: Leute, beklagt

nicht, was die Dumping-Anbieter können! Zeigt, was wir besser machen und

wie wichtig unser Gewerbe für die Daseinsvorsorge ist!

Grundsätzlich ist mein Thema ja der Bereich Krankenfahrten,

aber auch hier zieht inzwischen der Gedanke

an Uber & Co. in die Köpfe der Verantwortlichen bei den

Krankenkassen ein. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich

in einer Zeit, in der die Krankenkassen dank falscher Politik mit

einem Einnahmeproblem kämpfen.

So richtig und wichtig die Aktionen in Sachen Uber & Co. sind,

so wichtig ist es aber auch zu zeigen, was dieses Gewerbe alles kann

und tut. Wenn ich die Pressemitteilungen der Medien und auch

die Reaktionen in Leserbriefen nach den Protesten höre oder lese,

kommt dort immer das Echo, Uber ist modern, Uber ist schnell,

Uber ist billig; die Taxis sind zu teuer, machen keine Kurzfahrten,

sind nicht modern usw. Gerade mit den in den Protesten immer

wieder präsentierten Schildern gegen Dumpingpreise machen

wir doch eigentlich sogar auf das „billiger“ der Plattformen aufmerksam.

Das wird natürlich auch bei den Krankenkassen wahrgenommen.

Immer wieder kommen Forderungen auf, dass die

Gewerbevertretungen doch endlich etwas tun müssen. Das tun sie

doch aber: Die Verbände sind nicht nur die Geschäftsführer, der

Vorstand und die vielen die sich dort ehrenamtlich engagieren.

Das Gewerbe, das sind wir und seid IHR ALLE!

Uber hat gerade in den Städten seinen Anfang genommen. Wie

viele Unternehmer haben sich, als es begann, direkt dort angemeldet,

um noch schnell die eine oder andere Fahrt zu bekommen,

egal wie viel Provision gefordert wurde, statt ihre Zentrale

zu unterstützen, gemeinsam mit guter Dienstleistung Kunden an

die Zentrale zu binden.

PROVISIONEN BESSER NUTZEN

Mit dem Geld der Provisionen, die bereitwillig an die Plattformen

gezahlt wurden, hätten die Zentralen modernisiert werden

können, in Mitgliederversammlungen der Zentralen die ewig gestrigen

überzeugt werden können, dass Veränderungen notwendig

sind. Statt aktiv die Zentrale mitzugestalten, wurden nur Beiträge

gezahlt, und damit hatten die gewählten Vorstände Fahrten

heranzuschaffen.

Ansonsten wollte man in Ruhe gelassen werden. Gerade in den

Städten waren Krankenfahrten in der Vermittlung nicht besonders

beliebt, da hier ja auf jeden Fall ein höherer Dienstleistungsaufwand

anfällt. Lieber die schnelle Fahrt an der Ecke, die man vielleicht auch

noch unter der Hand machen konnte. Noch 2011 brüstete man sich

in der Presse:

BILD: KI-generiert

20 1. QUARTAL 2026 TAXI


KRANKENFAHRTEN

Auszug aus einem Artikel des Bonner General-Anzeigers:

Der Fahrer rechnet vor: 2.000 Euro kostet das Taxi monatlich

fix. Als Alleinfahrer kann er mit einer 60- bis 70-Stunden-Woche

4.500 bis 5.000 Euro Umsatz machen.

Um die Investitionen in überschaubarer Zeit wieder hereinzuholen,

muss der Betreiber am Limit fahren und steckt in der Regel

etwa 2.000 Euro vom Umsatz schwarz ein. Dafür müssen der

Tacho und die Buchhaltung manipuliert werden, Tankquittungen

verschwinden. Der Insider versichert, dass die entsorgten Quittungen

im Monat einen Wert von 500 Euro haben können. Wenn

der Unternehmer einen Fahrer einstellt, der offiziell als Aushilfe

beschäftigt ist, faktisch aber zum Beispiel nachts voll arbeitet,

erwirtschaftet dieser Angestellte zusätzlich etwa 4.500 Euro

Umsatz. Der Nachtfahrer kriegt davon 2.000 Euro auf die Hand

und beantragt, da er offiziell kaum etwas verdient, als geringfügig

Beschäftigter Transferleistungen wie Hartz IV, Arbeitslosen-

oder Wohngeld.

Dieser Artikel ist noch heute in Internet zu finden. Darum ist nur

der Hinweis auf die Dumpingpreise der Plattformen für Medien

kein Grund, sich pro Taxi zu positionieren. Dass sich der Markt

gewandelt hat, dass hinter den Taxitarifen hohe Kosten stehen, die

mit den Einnahmen gedeckt werden müssen, dass die Bürokratie

in den ehrlichen und ordentlichen Betrieben erheblichen und teuren

Aufwand verursacht, all das ist kaum bekannt.

Statt weiter auf die Billigpreise der Plattformen hinzuweisen,

ist es wichtig, auf unsere Leistung und das, was hinter den Preisen

steht, hinzuweisen. Die Plattformen sind doch nicht nur billig, sie

sind immer dann, wenn es brennt, sogar sehr, sehr teuer.

Unsere Bundes- und Landesverbände kämpfen für dieses Gewerbe

an allen Fronten, aber diesen Kampf können sie nur gewinnen,

wenn alle Beteiligten ihren Teil dazu beitragen. Wie der Kollege

Iordanis Georgiadis (Danis) es bei der letzten Demo in Esslingen

absolut treffend gesagt hat: Es geht nicht um ein paar Umsätze,

die eventuell irgendjemandem verlorengehen. Es geht um einen

Diebstahl am deutschen Staat (der wir alle ja sind).

Die Verstöße und Rechtsbrüche sind bekannt und bewiesen,

und jeder, der mitmacht oder wegschaut, macht sich mitschuldig.

Daher sage ich Euch, angelehnt an ein bekanntes Zitat: Erst,

wenn der letzte ehrliche Taxi- oder Mietwagenunternehmer in die

Insolvenz gegangen ist, werdet ihr sehen, dass „mobil zum Billigpreis“

vorbei ist.

gs

GISELA SPITZLEI

war von 1974 bis 2005 Taxiunternehmerin

und steht seit 1980 dem

Abrechnungszentrum Spitzlei vor.

Gewerbepolitisch engagiert sie sich

seit 1974 und ist seit den 1990er-Jahren

im Fachausschuss Krankenfahrten des

Bundesverbands Taxi und Mietwagen,

seit 1999 als dessen Vorsitzende.

FOTO: Taxi Times

SCHLUSS MIT WERBUNG FÜR UBER

Darum macht Schluss mit der Werbung für Uber & Co., in dem ihr

ständig auf das „billig“ hinweist! Fordert die Einhaltung von Rechten

und Pflichten! Hört auf, in euren Fahrzeugen Verbindungen

zu allen Plattformen zu halten, um ja noch eine Fahrt einzufangen,

auch wenn nichts dabei übrigbleibt! Jede Fahrt, die so übernommen

wird, stärkt die Plattformen, denn sie können doch nur

deshalb so schnell bedienen, weil es immer wieder Unternehmer

und Fahrer gibt, die hier mitspielen. Sprecht davon, was dieses

Gewerbe kann, wie zuverlässig und preisbewusst wir sind. Zeigt

eure Dienstleistung; auch kurze Fahrten sind es wert, gefahren

zu werden. Nicht jeder, aber viele Fahrgäste sind hier auch bereit,

ein entsprechendes Trinkgeld zu geben, wenn sie nicht das Gefühl

bekommen, eine Zumutung zu sein. Diese Fahrten graben euch

sonst die Plattformen mit ihren ständig kreisenden Fahrzeugen

ab – und der Kunde wird immer öfter darauf zugreifen.

Gerade in den Städten gibt es noch erhebliches Potential für

Krankenfahrten. Ja, die Kassen zahlen zu schlecht, auch das ist

oft durch unsere eigenen Leute verursacht. Immer wieder hört

man bei den Verhandlungen, dass Unternehmer auf die vereinbarten

Tiefpreise noch Rabatte bis zu 30 Prozent anbieten. Auch

den Kassen ist klar, dass das nicht wirtschaftlich tragbar ist, aber

wie hieß es da einmal: „Ist uns doch egal, wenn der das nicht

überlebt, der nächste Idiot steht doch dann schon bereit.“ Gerade

darum ist es notwendig, dass es grundsätzlich Mindesttarife für

die Personenbeförderung gibt, die durchaus wie die Taxitarife je

Region unterschiedlich ausfallen können, die aber auf einer soliden

Kalkulation beruhen und einen ordentlichen Betrieb möglich

machen müssen.

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TAXI 1. QUARTAL 2026

21


KRANKENFAHRTEN

ILLEGAL IM

UNVERSICHTEREN

TOURAN

In Mecklenburg-Vorpommern hängt der Haussegen schief.

Die Taxi- und Mietwagenunternehmer fordern 88 Prozent mehr

von den Kostenträgern. AOK & Co. bieten lediglich fünf Prozent.

Man stelle sich einmal folgende

skurrile Situation vor: Ein Taxiunternehmer

setzt für die Krankenfahrt

einen Privat-Pkw ein, der von

einem nicht angemeldeten Fahrer gefahren

wird. Und trotzdem fährt der Unternehmer

für eine 20 Kilometer lange Fahrt

einen Verlust von vier bis sechs Euro ein.

So rechnet es zumindest der Landesverband

für das Taxi- und Mietwagengewerbe

Mecklenburg-Vorpommern e. V. den Krankenkassen

vor. Er beruft sich auf eine Autokosten-Berechnung

des ADAC vom Herbst

2025. Ein VW Touran SCR Comfortline

DSG (7 Gang) – eines der am häufigsten

genutzten Taxis in Meck-Pomm – kostet in

der privaten Nutzung laut Automobilclub

74 Cent pro Kilometer. Würde man also mit

solch einem Privatfahrzeug 20 Kilometer

zurücklegen, entstünden reine Fahrzeugkosten

von 14,80 €. Wenn nun ein Taxiunternehmer

solch ein privates – und damit

dann illegales – Fahrzeug für eine gewerbliche

Personenbeförderung einsetzen würde,

Selbst mt einem Privat-Pkw

ließe sich keine wirtschaftliche

Krankenbeförderung

durchführen.

um damit eine zehn Kilometer lange Krankenfahrt

in Stralsund durchzuführen, und

er dafür einen unangemeldeten Fahrer einsetzt,

der den gesetzlichen Mindestlohn von

13,90 Euro schwarz und bar auf die Hand

erhalten würde, würden für diese Fahrt

trotzdem Kosten von 28,70 Euro entstehen.

KASSENANGEBOT ZU NIEDRIG

Warum? Weil zu den zehn Kilometern

besetzter Hin- noch eine ebenso lange

unbesetzte und unbezahlte Rückfahrt dazukommt.

Und weil für Hin- und Rückfahrt

ein Personaleinsatz von 60 Minuten eingeplant

werden muss.

„Tatsächlich müsste der ordentliche und

rechtschaffene durchschnittliche Taxiunternehmer

in Mecklenburg-Vorpommern

bei dieser Krankenbeförderung ein Beförderungsentgelt

in Höhe von 40,60 Euro

erhalten, um wirtschaftlich auskömmlich

arbeiten zu können“, rechnet der Verband

den Kassen vor. Doch deren Angebot liegt

deutlich niedriger. Die beispielhaft aufgeführte

Krankenfahrt über 20 Kilometer

hin und zurück würde laut aktuellem Vertragsangebot

mit 24,70 Euro vergütet.

Folglich wäre selbst bei Umgehung

sicherheits- und sozialversicherungsrechtlicher

Vorschriften jede Fahrt defizitär. Solche

hanebüchenen Entlohnungen kennt

man sonst eigentlich aus den Großstädten,

wo Plattformen wie Uber und Bolt mit Dumpingpreisen

die eigenständigen Mietwagenunternehmer

in die Illegalität treiben.

Etwas provokant könnte man davon

sprechen, dass AOK & Co. in Meck-Pomm

(und übrigens auch in Brandenburg) das

Uber des ländlichen Bereichs verkörpern.

Der Landesverband hat den aktuellen

Rahmenvertrag zwischen AOK und anderen

Kassen zum 31.3.2026 gekündigt. Somit

sind die zahlreichen Mitglieder des Verbands

zum 1. April vertragslos und nicht

mehr verpflichtet, die Patienten von AOK,

Barmer und anderen zu den bisher gültigen

Entgelten zu befördern. Zum Ende des ersten

Quartals kommt es nun also zum Kräftemessen,

bei dem man gespannt sein darf,

wer daraus am Ende als Sieger hervorgeht.

Schaffen es die Krankenkassen, genügend

Taxi- und Mietwagenbetriebe zu finden und

mit Einzelverträgen auszustatten, um so die

mobile Grundversorgung sicherzustellen?

Oder halten die Taxi- und Mietwagenbetriebe

in Mecklenburg-Vorpommern zusammen

und lange genug durch, um den Druck auf

die Krankenkassen zu erhöhen? Taxi Times

wird über das Ergebnis auf seiner Website

unter www.taxi-times.com berichten.

In Hessen hatten die dortigen Taxi- und

Mietwagenunternehmen mit ihrer Hartnäckigkeit

die DAK im Januar 2025 zu Verhandlungen

auf Augenhöhe gebracht. All

den Beförderungsunternehmern in Meck-

Pomm (und ebenso in Brandenburg) ist zu

wünschen, dass am Ende die Vernunft und

die Gerechtigkeit siegt. Kein Sparzwang

der Krankenkassen rechtfertigt Tarife, mit

denen man als Unternehmer in die Illegalität

getrieben wird.

jh

FOTO: Ki-Generiert

22 1. QUARTAL 2026 TAXI


KRANKENFAHRTEN

MINDESTLOHN-

ERHÖHUNG

KOMPENSIERT

Der Fachverband Pkw-Verkehr Hessen

e. V. (FPH) hat mit den Ersatzkassen

einen neuen Vergütungsabschluss für

Liegend- und Tragestuhltransporte

erzielt. Die Vereinbarung gilt

rückwirkend zum 1. Januar 2026.

FOTO: Ki-Generiert

Die Vergütung mit einer Laufzeit bis

Ende nächsten Jahres wird in zwei

Stufen angehoben. Die Grundpauschale

steigt von 67 Euro im Jahr 2025 auf

73 Euro im Jahr 2026 und auf 76 Euro ab

2027. Gleichzeitig erhöht sich die Besetztkilometervergütung

von 2,30 Euro auf 2,50

Euro beziehungsweise 2,60 Euro. Über die

gesamte Laufzeit ergibt sich daraus eine

durchschnittliche Vergütungssteigerung

von rund elf Prozent. In einer Zeit, in der

viele Kostenträger ihre Ausgaben begrenzen,

wird das Ergebnis innerhalb der Branche

als bemerkenswertes Signal gewertet.

Nach betriebswirtschaftlicher Bewertung,

die Geschäftsführer Mathias Hörning

vorgestellt hat, reicht diese Anpassung

aus, um die Auswirkungen der kommenden

Mindestlohnsteigerungen vollständig

zu kompensieren. Bei einem Personalkostenanteil

von etwa 60 Prozent ergibt sich

durch die Mindestlohnentwicklung in den

Jahren 2026 und 2027 ein rechnerischer

Kostenanstieg von durchschnittlich 6,69

Prozent. Die vereinbarte Vergütungssteigerung

von rund 11,04 Prozent gleicht diesen

Effekt nicht nur aus, sondern schafft

zusätzlich etwa 4,35 Prozent finanziellen

Spielraum. Dieser kann zur Abfederung

steigender Sachkosten genutzt werden, die

bei einem Anteil von 40 Prozent an den

Gesamtkosten rechnerisch um rund 10,9

Prozent steigen könnten.

ENTGELT FÜR TREPPENSTEIGER

Zusätzlich konnte der Einsatz elektrischer

Treppensteighilfen nun auch bei den Ersatzkassen

vertraglich verankert werden. Die

ursprünglich geforderten Abschläge wurden

im Verlauf der Verhandlungen deutlich

reduziert. Künftig gilt ein Abschlag von

fünf Euro auf die Grundgebühr sowie 20

Cent pro besetztem Kilometer. Die Regelung

orientiert sich an bestehenden Vereinbarungen

mit Primärkassen und sorgt

für zusätzliche Planungs- und Rechtssicherheit.

Für Taxi- und Mietwagenunternehmen

stellen Liegend- und Tragestuhltransporte

ein wichtiges wirtschaftliches Standbein dar.

Der Abschluss verbessert die Kalkulationssicherheit

bis Ende 2027, gleicht steigende

Lohnkosten aus und trägt dazu bei, die

Belastungen durch steigende Betriebs- und

Fahrzeugkosten abzufedern. Gleichzeitig

wird das Ergebnis in Branchenkreisen als

möglicher Maßstab für kommende Verhandlungen

mit weiteren Kostenträgern gesehen.

Aus Sicht der Taxibranche stärkt die

Vereinbarung damit die wirtschaftliche

Stabilität im Patiententransport. In einem

Umfeld steigender Kosten und wachsender

Anforderungen schafft der Abschluss Planungssicherheit

und zeigt, dass auch unter

schwierigen Rahmenbedingungen tragfähige

Lösungen erzielt werden können. nu

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RECHT

BEI ANRUF

BETRIEBSPFLICHT?

Außerhalb von Großstädten sind häufig die Taxistände leer. Ruft dann ein

Kunde an, stellt sich die Frage nach einem Verstoß gegen die Betriebspflicht,

wenn der Unternehmer kein Taxi zur Verfügung hat.

Kein Taxi am Halteplatz:

Wenn der

Kunde dann telefonisch

bestellt, stellt

sich die Frage nach

der Betriebspflicht.

Nach § 21 (Betriebspflicht) Absatz 1

PBefG ist der Unternehmer „verpflichtet,

den ihm genehmigten

Betrieb aufzunehmen und während der Geltungsdauer

der Genehmigung den öffentlichen

Verkehrsinteressen und dem Stand

der Technik entsprechend aufrechtzuerhalten“.

Das bedeutet u. a., dass Taxis an den

behördlich zugelassenen Stellen bereitgehalten

werden (§ 47 Absatz 1 PBefG).

Für den Taxiverkehr werden die Landesregierungen

durch § 47 Absatz 3 PBefG

ermächtigt, den Umfang der Betriebspflicht

zu regeln, was überall außer in Berlin, Hamburg

und dem Saarland auf örtliche bzw.

regionale Behörden übertragen wurde. Die

konkrete Ausgestaltung der Betriebspflicht

kann also von Ort zu Ort unterschiedlich

sein. Häufig enthalten die Taxiordnungen

dazu allerdings keine Regelungen.

Daher kommt den wenigen hierzu ergangenen

Gerichtsentscheidungen erhebliche

Bedeutung zu:

So hatte das Bundesverwaltungsgericht

bereits 1976 festgestellt, dass eine jederzeitige

Erreichbarkeit und Benutzbarkeit von

Taxis nicht Gegenstand der Betriebspflicht

sind. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz

ging 2013 deutlich weiter und

stellte fest, dass der Taxiunternehmer nicht

bereits von Gesetzes wegen verpflichtet sei,

Beförderungsdienstleistungen in einem

bestimmten Umfang bereitzustellen. Inhalt

und Umfang der Betriebspflicht seien daher

notwendigerweise durch den Erlass einer

Verordnung zu konkretisieren. Das Oberlandesgericht

Celle entschied 2017, dass

eine solche Verordnung durch entsprechende

Regelungen zum Bereithalten von

Taxen in Sonderfällen einschließlich eines

Bereitschaftsdienstes und Regelungen zur

Annahme und Ausführung von telefonisch

erteilten Fahraufträgen gerade auch zur

Nachtzeit eine Verfügbarkeit von Taxen für

die Bevölkerung sicherstellen kann.

BEREITHALTEN IM HOME-OFFICE

Gerade auf dem Land muss die Behörde

also etwaige Versorgungslücken durch die

Aufstellung von Dienstplänen schließen

und dabei berücksichtigen, dass die Kosten

der Taxiunternehmer die Einnahmen nicht

dauerhaft übersteigen dürfen. Daher kann

zum Beispiel die nächtliche Versorgung mit

Taxen eingeschränkt werden.

„Bereithalten“ meint aber nicht nur das

Warten am Taxistand. So entschied das

Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg

2010, dass jedes Verhalten des Taxifahrers

oder Unternehmers, das die Bereitschaft zur

Durchführung eines Beförderungsvertrags

zum Ausdruck bringt, als „Bereithalten“

gilt. Dazu gehört nach dem Oberlandesgericht

Celle auch die telefonische Entgegennahme

von Aufträgen, sowohl zur

sofortigen Beförderung als auch zur Vorbestellung

für einen späteren Zeitpunkt.

Allerdings darf der Taxiunternehmer nach

dieser Gerichtsentscheidung telefonisch

eingehende Beförderungsaufträge ablehnen,

wenn ihm kein Taxi zur Verfügung

steht, obwohl er die Anzahl der von ihm

regelmäßig eingesetzten Taxen nach dem

durchschnittlichen Beförderungsbedarf der

Bevölkerung ausgerichtet hat. Ob andere

Gerichte diese Auffassung teilen, halte ich

für offen. Es wäre daher sehr zu begrüßen,

wenn die zuständigen Behörden durch entsprechende

Regelungen in den Taxiordnungen

Rechtssicherheit schaffen würden.

Abschließend ist noch zu erwähnen,

dass eine Verletzung der Betriebspflicht

weder ordnungswidrig noch strafrechtlich

relevant ist. Allerdings kann in schwerwiegenden

Fällen die Genehmigung widerrufen

werden.

tk

TOBIAS KIPHUTH

ist seit 2007 Rechtsanwalt

und seit 2018

Mitarbeiter der Kanzlei

LIEB.Rechtsanwälte

in Erlangen. Er ist

Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz

und berät unter anderem

verschiedene Taxizentralen und

Taxiunternehmen bundesweit im

Wettbewerbs- und Personenbeförderungsrecht.

FOTOS: Axel Rühle, LIEB Rechtsanwälte

24 1. QUARTAL 2026 TAXI


VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG 1. QUARTAL 2026

www.taxi-times.com

VERBÄNDE UND ZENTRALEN

H

HAMBURG

B

BERLIN

K

KÖLN

RHEINLAND-

PFALZ

H

HEIDELBERG

S

STUTTGART

TAXIZENTRALE BERLIN

KEINE RÜCKWANDERUNG

BEI DEN MIETWAGEN

VSPV

DIE NEUE ALTE

UNABHÄNGIGKEIT

VDV

TAXI AUF BÜHNE DES

NAHVERKEHRS

TAXIZENTRALE STUTTGART

KAMPFANSAGE VOR DEM

LANDRATSAMT


VERBÄNDE UND ZENTRALEN

KÖLN VOLLSTRECKT DAS ANTI-UBER-URTEIL

Im Zuge einer Kooperationsvereinbarung mit dem Taxi-Times-

Verlag berichten zahlreiche Taxiverbände und Zentralen auf den

folgenden Seiten von ihren Aktivitäten in Form von eigens verfassten

Berichten. Vom Kölner Taxiruf erfahren wir, dass er nun für die

Vollstreckung eines Uber-Urteils die dafür nötige Sicherheitsleistung

hinterlegt hat. In Koblenz freut sich der VDV, dass das Taxi

beim kommenden Nahverkehrstag des ÖPNV so gut eingebunden

ist, und bei Hansataxi sorgt ein umstrukturierter Schichtplan

dafür, dass die Dispo stets bedarfsgerecht besetzt ist.

Manche Berichte machen die Gefühlslage deutlich: In Heidelberg

ist es die große Dankbarkeit für den „besten Chef“, der nun

in den Ruhestand gegangen ist. In Stuttgart wird die Wut deutlich,

die sich gegenüber untätigen Behörden

aufgestaut und kürzlich in einer Taxidemo

entladen hat. Und in Berlin spürt man die

große Erleichterung über einen endlich verhängten Konzessionsstopp

durch die Einführung eines Beobachtungszeitraums.

Wie sieht eine erfolgreiche Zukunft der Taxibranche aus? Für

taxi.eu ist es die Option der Vorabbezahlung bei Festpreisen. Die

Hamburger Taxenunion plädiert für gemeinsames Handeln. Der

VSPV will mit einer „neuen alten Unabhängigkeit“ Stärke demonstrieren.

Wir wünschen eine kurzweilige Lektüre auf den folgenden

fünf Seiten.

DIE ZUKUNFT LIEGT IN UNSERER HAND

Die Zukunft des Taxigewerbes wird nicht nur

auf der Straße entschieden, sondern wesentlich in der Gewerbepolitik.

Landes- und Bundesverbände sollten ein gemeinsames Ziel

verfolgen: die Zusammenführung des traditionell

kleinteiligen Gewerbes mit dem Ziel einer bundesweiten

Taxibestellung – vom Gewerbe für das

Gewerbe. Denn nur wenn wir digitale Strukturen

selbst entwickeln und kontrollieren, sichern wir

uns unsere eigene Wertschöpfung.

Dazu braucht es neue Kooperationen und starke

Bündnisse – zwischen Unternehmern, Zentralen

und Verbänden über Grenzen hinweg. Einzelinteressen dürfen

nicht länger Fortschritt verhindern.

Gleichzeitig müssen wir die Macht internationaler Plattformen

und dominierender Softwareanbieter begrenzen.

Wer Marktzugang, Daten und Zahlungsströme

bündelt, kontrolliert das Gewerbe. Hier braucht

es eine klare und einheitliche gewerbepolitische

Positionierung!

Dafür bin ich vor vielen Jahren Taxiunternehmer

geworden: für Freiheit und Unabhängigkeit!

Jan Grupe, Vorstand Taxenunion Hamburg

DIGITALE VORAB-BEZAHLUNG BRINGT

MEHRERE VORTEILE

Taxi.eu hat sich mit einer Reihe von Rückmeldungen

von Taxizentralen über positive wie negative Kritik der

Kundschaft befasst. Die Gründe für Lob sind sehr vielfältig und

bestärken das Taxigewerbe darin, bei der Qualität der Dienstleistung

nicht nachzulassen.

Bei den Beschwerden haben sich zwei Gründe besonders häufig

gezeigt. Einer ist das Unverständnis, wenn eine Fahrt einen

anderen Preis kostet als den, als vorher angekündigt wurde. Die

Antwort, die im Gewerbe jeder kennt (verkehrsbedingte Wartezeiten,

Umleitungen, tageszeitabhängige Tarifstufen usw.), ist so

banal wie unbefriedigend für den Fahrgast.

Ein zweiter häufiger Punkt ist der nicht erfüllte Wunsch nach

bargeldloser Zahlung im Taxi, sei es aufgrund angeblicher kurzzeitiger

technischer Probleme oder aus sonstigen Gründen.

Für beide genannten Kritikpunkte haben wir in die App taxi.

eu digitale Lösungen implementiert, die zu einer signifikanten

Erhöhung der Akzeptanz geführt haben: In den (noch wenigen)

Gebieten, in denen die Taxitarife Festpreisfahrten innerhalb von

Tarifkorridoren zulassen, ist der Anteil der Bestellungen mit

Festpreiswunsch schnell auf ein Niveau von rund 80 Prozent der

App-Bestellungen gestiegen. Noch größeren Erfolg brachte die im

August 2025 eingeführte Möglichkeit der Vorabbezahlung in der

App. Mit dem Werbeslogan „Nie wieder im Taxi bezahlen“ machten

wir der Kundschaft den Vorteil bewusst, der im Wegfall der

Suche nach Bargeld oder der Karte am Ende der Taxifahrt liegt.

Von allen Aufträgen mit hinterlegter Zahlungsart (Google Pay,

Apple Pay usw.) kletterte der Anteil der vorab bezahlten Fahrten

von August bis Januar von 15,2 auf satte 59,5 Prozent.

Mit diesen neuen Möglichkeiten konnten wir einen weiteren

Wettbewerbsnachteil gegenüber den Vermittlungsplattformen

eliminieren.

FOTOS: Taxen Union, taxi.eu

26

1. QUARTAL 2026 TAXI


VERBÄNDE UND ZENTRALEN

VOLLSTRECKUNG DES ANTI-UBER-URTEILS: ES KANN LOSGEHEN

Wir haben gegen den dem Taxiverkehr

gleichkommenden Mietwagenverkehr durch Uber sowie

die SafeDriver ennoo CGN Klage erhoben und in erster Instanz

obsiegt. Das Urteil reiht sich in vergleichbare Entscheidungen

aus den Jahren 2019 (Frankfurt am Main) und 2020 (Düsseldorf)

ein. Gesetzlich ist normiert, dass Mietwagenaufträge ausschließlich

am Betriebssitz entgegengenommen und von dort aus an die

Fahrer vermittelt werden dürfen. Das Landgericht Köln ist zu der

Auffassung gelangt, dass die Funktionsweise der von Plattform-

Fahrdiensten eingesetzten Applikationen diesen Vorgaben nicht

entspricht.

Mit Urteil vom September 2025 wurde den Beklagten untersagt,

die „Smartphone-Applikation UBER X für Mietwagenfahrer und

Mietwagenunternehmer zur Vermittlung von Fahraufträgen einzusetzen

[…]“. Für den Fall der Zuwiderhandlung hat das Gericht

Ordnungsgelder von bis zu 250.000 Euro angedroht, ersatzweise

Ordnungshaft von bis zu zwei Jahren gegen die Geschäftsführer.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Zwangsvollstreckung

ist daher nur gegen Stellung einer Sicherheitsleistung von

100.000 Euro zulässig.

Die Hinterlegung ist mit weiteren formalen Anforderungen

verbunden. Besonders hervorzuheben ist hierbei die finanzielle

Unterstützung durch den BVTM sowie durch die Taxizentralen

Stuttgart, Leverkusen und München. Hierfür bedanken wir uns

ausdrücklich.

Nach der Hinterlegung sind wir berechtigt, Ordnungsmittel

gegen Uber sowie gegen die SafeDriver enno GmbH zu beantragen,

sofern im Einzelfall nachgewiesen werden kann, dass gegen die

im Tenor des Urteils festgelegten Vorgaben, insbesondere gegen

die Betriebssitzregelung, verstoßen wurde.

Es bleibt abzuwarten, wie der Rechtsstaat Deutschland verhängte

Ordnungsgelder gegenüber international agierenden Plattformanbietern

vollziehen wird. Vor dem Hintergrund bisheriger

Erfahrungen bestehen gewisse Zweifel, insbesondere, da bekannte

Plattformunternehmen ihren rechtlichen Sitz außerhalb Deutschlands

haben und die Vollstreckung ausländischer Entscheidungen

in einzelnen Rechtsordnungen erheblichen Einschränkungen

unterliegt.

VSPV – DIE NEUE ALTE UNABHÄNGIGKEIT

Der VSPV e. V. steht seit jeher für die gesamte

Breite des privaten Personenverkehrs: Taxi,

Mietwagen, Bus, qualifizierter Krankentransport und privater Rettungsdienst.

Diese integrative Branchenperspektive unterscheidet

ihn strukturell von reinen Spartengebilden und begründet seinen

Anspruch, Mobilität als zusammenhängendes System zu denken

und zu vertreten.

In der Taxi- und Mietwagensparte ließ sich der VSPV in den

Jahren 2023 bis 2025 vorübergehend auf Bundesebene durch

den TMV vertreten. Zuvor stets völlig unabhängig, wollten wir

den Anschluss an einen Dachverband bewusst ausprobieren. Mit

Ablauf des Jahres 2025 hat der VSPV dieses Experiment beendet

und seine bundespolitische Interessenvertretung seit Jahresbeginn

wieder vollständig in eigene Verantwortung übernommen – mit

einem eigenen Hauptstadtbüro und „Mr. Taxi“ Patrick Meinhardt.

Der Austritt aus dem TMV erfolgte, um Präsenz, Geschwindigkeit

und Durchsetzungskraft unmittelbar selbst zu organisieren und

strategische Weichenstellungen – insbesondere mit Blick auf die

anstehende PBefG-Novelle – eigenständig zu gestalten.

Interessenvertretung versteht der VSPV dabei nicht als Verwaltung

des kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern als aktive

Gestaltung im Interesse einer heterogenen Branche. Die organisatorische

Aufstellung folgt diesem Anspruch: kurze Wege, unmittelbare

politische Ansprache, eigene Expertise über alle Verkehrsarten

hinweg und eine Verbandskultur, die Umsetzung vor Proklamation

stellt. Bereits die Projekte der vergangenen Jahre zeigen, dass der

Verband Mobilitätspolitik nicht nur kommentiert, sondern operativ

vorantreibt – vom Daten- und Digitalisierungsansatz bis zur

Integration des Gelegenheitsverkehrs in multimodale Systeme.

Seit 2026 gilt daher wieder uneingeschränkt wie von 1984 bis

2022: Der VSPV vertritt die Interessen seiner Branchen selbst –

umfassend, agil und aus einer Hand. Denn Interessenvertretung

entsteht nicht aus Struktur, sondern aus Haltung: Machen ist wie

reden – nur viel krasser.

FOTOS: Axel Rühle, VSPV

TAXI 1. QUARTAL 2026

27


VERBÄNDE UND ZENTRALEN

taxi

zentrale heidelberg

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Sicher. Schnell. Zuverlässig.

DER LOTSE GEHT VON BORD!

WAS TUN, WENN ALLE AUFTRÄGE GLEICHZEITIG EINGEHEN?

Die Durststrecken schwächerer Auftragslage

werden länger, während

immer mehr Fahrgäste in immer kürzeren Zeitfenstern gleichzeitig

einen Wagen benötigen. Was tun? „Die Lösung dieses Problems“,

sagt Ozan Baltaci, Vorstand beim Hansa-Funk, „gleicht

normalerweise einer Quadratur des

Kreises. Aber es gibt Mittel und Wege;

man muss es nur wollen!“

Tatsächlich ergibt die Analyse

des Vorstandes seit etwa zwei Jahren

immer wieder, dass die Amplituden

(Spitzen) in der Nachfragekurve

im Vergleich zu vor der Corona-Krise

kürzer, dafür aber umso stärker ausgeprägt

sind. Dass die Nachfrage nicht

immer zu 100 % zu decken ist, ist jeder

Zentrale bekannt.

Dass das Auftragsaufkommen allerdings

insbesondere in der Nacht stark

zurückgegangen ist und sich übermäßig

auf die Stoßzeiten des Tagesgeschäftes

verlagert hat und dann

für besetzte Leitungen sorgt,

kurze Zeit später wieder auf einen

Anschluss anruf gewartet wird, ist

kontra produktiv.

Um diesem Trend zu begegnen, hat sich Ozan Baltaci in die Statistik

eingearbeitet. Analysiert hat er die Nachfragewerte und die

Besetzung in seiner Disposition von über zwei Jahren, heruntergebrochen

auf dreißigminütige Bewertungsräume. „Es gilt“, so Baltaci,

„nicht das Rad neu zu erfinden oder kostenineffizient Personal hinzuzunehmen,

sondern die kurz- und

mittelfristigen Trends zu erkennen

und effizient darauf zu reagieren.“ So

hat er seit Mitte 2025 den Schichtplan

umstrukturiert. Es sind nun stets (nur)

so viele Disponenten im Einsatz wie

nötig. Es wurden geteilte Schichten

ermöglicht, um dem hohen Aufkommen

morgens und abends mit mehr

Manpower zu begegnen. Mit Mitarbeitern,

die niedrige Annahmequoten

verzeichnen, wird über Optimierungsmöglichkeiten

gesprochen.

Bisheriges Ergebnis: kürzere

Annahmezeiten der Gespräche (20-prozentige

Verbesserung bei 10 Prozent

weniger Personaleinsatz), deutlich

mehr geführte Kundentelefonate sowie

weniger verlorene Anrufe und Besetztzeichen

– sowie unter dem Strich mehr

vermittelte Touren.

FOTOS: Auto-Funktaxi Heidelberg, Hansataxi

28

1. QUARTAL 2026 TAXI


VERBÄNDE UND ZENTRALEN

RÜCKWANDERUNG VOM MIETWAGEN ZUM TAXI GEFÄHRDET

QUALITÄT

Der Berliner Senat hat Mitte Februar einen Beobachtungszeitraum

in Kraft gesetzt, der die vierstellige

Zahl von Anträgen auf Konzessionen in

Berlin für ein Jahr auf Eis gelegt hat. Das begrüßen

wir, da auch wir die Ursache für diese hohe

Nachfrage zu spüren bekommen: Dadurch, dass

die Berliner Politik so konsequent gegen unseriöse

Mietwagenunternehmen vorgeht, flüchten

Kriminelle nicht nur ins Umland, sondern auch

in das Taxigewerbe – aus dem viele aufgrund

der Fiskaltaxameterpflicht seit 2017 „geflüchtet“

waren, um wirksamen Kontrollen zu entgehen.

Nicht nur, dass das Berliner Straßenbild

neben auswärtigen Mietwagen auch immer mehr

von Taxis mit Uber- oder Bolt-Türwerbung geflutet

wird. Auch die Anwärter, die zur Fahrerprüfung bei der Zentrale

erscheinen, sind zu einem immer größer werdenden Teil schlecht

qualifiziert. Derzeit fallen rund drei Viertel der Teilnehmer durch

unsere Prüfung.

Wir sehen uns gezwungen, die Hürden aufrechtzuerhalten,

um die Qualität in unserer Fahrerschaft nicht weiter absinken zu

lassen. Uns ist klar, dass solche Fahrer, die keine Aufträge von

Taxi Berlin erhalten, aber trotzdem als Taxifahrer arbeiten möchten,

sich Aufträge bei den berüchtigten Vermittlungsplattformen

holen werden und so dennoch zur Verschlechterung des Rufes

des Gewerbes beitragen.

Uns bleibt das Vertrauen in den kritischen Blick der Kundschaft:

Wer in ein Taxi ohne Türwerbung einer Vermittlungsplattform

steigt, hat die höhere Wahrscheinlichkeit auf eine

qualifizierte Fahrerin oder einen qualifizierten Fahrer als jemand,

der in ein Taxi oder einen Mietwagen mit vier großen Buchstaben

auf der Tür steigt.

Da wir trotz eindeutiger Gerichtsurteile Uber und Bolt auf

absehbare Zeit nicht wegbekommen, bleibt dem seriösen Teil des

Taxigewerbes nur übrig, mit Qualität zu punkten. Wir können und

müssen besser sein als die anderen. Unsere qualitätsbewusste

Kundschaft wird es uns danken.

MOLO ERNEUT PARTNER DES DEUTSCHEN NAHVERKEHRSTAGS IN

KOBLENZ – TAXI GEHÖRT AUF DIE BÜHNE DES NAHVERKEHRS

FOTOS: Axel Rühle, VDV

Der Deutsche Nahverkehrstag ist seit

Jahren eine der wichtigsten Plattformen für die Zukunft des

öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Dass dort auch Taxi- und

Mietwagen-Themen vertreten sind, ist das Ergebnis kontinuierlicher

Verbandsarbeit.

Als VDV Rheinland e. V. und über unseren Dachverband MOLO

– Mobilität und Logistik Rheinland-Pfalz e. V. haben wir uns dafür

eingesetzt, die Branche in dieses Umfeld einzubetten. Von Beginn

an war es uns wichtig, diesen Weg gemeinsam mit dem Bundesverband

Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) zu gehen, der sich hier

stark engagiert und maßgeblich inhaltliche Impulse gesetzt hat

– zuletzt unter anderem durch Beiträge des GF Michael Oppermann,

des ehem. Präsidenten RA Herwig Koller und Dr. Hubertus

Baumeister von der Kanzlei BBG & Partner.

Gerade im Kontext von On-Demand-Verkehren, kommunalen

Bedarfsangeboten und sog. ÖPNV-Taxis zeigt sich, wie stark unser

Gewerbe bereits heute in öffentliche Mobilitätsstrukturen eingebunden

ist. Taxi- und Mietwagenunternehmen sichern Mobilität

in Randzeiten, in ländlichen Räumen und überall dort, wo starre

Linienverkehre an ihre Grenzen stoßen. Diese Kompetenz gehört

in die strategische Debatte – nicht an den Rand.

Mit der Verankerung dieser Perspektive auch programmatisch

beim Nahverkehrstag erhält unsere Branche dort

Gehör, wo verkehrspolitische Weichen gestellt werden.

Unternehmerinnen und Unternehmern bietet der

Kongress daher mehr als nur Einblicke in den klassischen

ÖPNV. Er ist eine Gelegenheit, die eigene Rolle

im Mobilitätsmix aktiv mitzudefinieren, Kontakte zu

Aufgabenträgern, Entscheidern und Partnern zu knüpfen

und die Zukunft des Gewerbes mitzugestalten.

Wir laden deshalb alle Kolleginnen und Kollegen

ein, diese Plattform zu nutzen und Präsenz zu zeigen.

Wir gehören in die Mitte der Mobilitätsdebatte – nicht

an ihren Rand.

23.–25. Juni 2026 – www.deutschernahverkehrstag.de

TAXI 1. QUARTAL 2026

29


VERBÄNDE UND ZENTRALEN

ESSLINGEN WAR KEIN PROTEST. ES WAR EINE KAMPFANSAGE.

UND SIE WAR ERST DER ANFANG.

Die Demonstration der Stuttgarter Taxifahrer

in Esslingen war kein höfliches Signal,

kein diplomatischer Hinweis und schon gar kein Appell an das

gute Gewissen der Verantwortlichen. Es war eine klare, unmissverständliche

Kampfansage an ein Behördenversagen, das längst

jede Grenze überschritten hat.

Wir reden hier nicht über kleine Fehler. Wir reden über ein

strukturelles, chronisches, jahrelang geduldetes Wegschauen, das

illegale Strukturen wachsen lässt, während legale Betriebe systematisch

zerstört werden. Ein Wegschauen, das den Rechtsstaat

aushöhlt und die öffentliche Sicherheit gefährdet.

Und wir sagen es offen: Wer wegschaut, ist Teil des Problems.

Die Lage ist eskaliert, und zwar nicht durch uns, sondern durch

Untätigkeit. Die Situation auf den Straßen ist außer Kontrolle.

Illegale Mietwagen operieren ohne Standards, ohne Regeln, ohne

Rücksicht auf Sicherheit oder Gesetz.

Sie tun es, weil sie es können. Und sie können es, weil Behörden

nicht handeln.

Die Verantwortlichkeiten sind klar verteilt: Die Politik darf

nicht länger so tun, als sei sie überrascht. Die Behörden müssen

endlich aufhören, sich hinter Ausreden, Personalmangel und internen

Komfortzonen zu verstecken. Die Bevölkerung muss erfahren,

welche Standards das Taxi erfüllt und wie bewusst illegale Anbieter

diese Standards umgehen.

Parallel braucht es eine sichere, legale Alternative zu diesen

illegalen Schattenstrukturen, die sich wie ein Tumor durch die

Städte fressen.

Stuttgart hat geliefert. Die Behörden haben versagt. Wir haben

dokumentiert, Verstöße gesammelt, Beweise geliefert, die so eindeutig

sind, dass man sie nur ignoriert, wenn man es bewusst tut.

Und genau das ist der Skandal: Die Behörden haben alles, was sie

brauchen – und handeln trotzdem nicht!

Geltendes Recht ist kein Vorschlag.

Es ist keine Empfehlung.

Es ist die Grundlage unseres

Rechtsstaats. Wer es nicht

durchsetzt, gefährdet die öffentliche

Sicherheit, die Daseinsvorsorge,

die Mobilität einer ganzen

Region.

„Personalmangel“ ist keine

Erklärung. Es ist Kapitulation.

Wenn Behörden sagen, sie hätten

zu wenig Personal, dann

sagen sie im Klartext: „Wir lassen

illegale Strukturen gewähren,

weil es uns zu anstrengend ist, sie zu bekämpfen.“ Das ist

keine Entschuldigung. Das ist ein Offenbarungseid. Und wir akzeptieren

ihn nicht. Wir kommen wieder. Und wir kommen überall hin.

»Wir kommen so lange,

bis der Rechtsstaat

wieder funktioniert, bis

illegale Strukturen nicht

mehr geduldet werden.«

Esslingen war ein Warnschuss. Der nächste wird lauter. Und er

wird nicht der letzte sein. Wenn eine Behörde geltendes Recht

nicht umsetzt, kommen wir. Wir kommen nach Esslingen. Wir

kommen nach Ludwigsburg. Wir kommen nach Reutlingen, Böblingen,

wir kommen in jede Stadt, in der Behörden glauben, sie

könnten Rechtsbruch aussitzen.

Wir kommen so lange, bis der Rechtsstaat wieder funktioniert.

Wir kommen so lange, bis die Behörden ihre Arbeit machen. Wir

kommen so lange, bis illegale Strukturen nicht mehr geduldet

werden.

Es geht nicht um Privilegien. Es geht um den Kern des Rechtsstaats.

Wir kämpfen nicht für Vorteile. Wir kämpfen nicht für

Sonderbehandlung. Wir kämpfen für etwas, das eigentlich selbstverständlich

sein müsste: die Einhaltung geltender Gesetze.

Wir kämpfen für Sicherheit. Wir kämpfen für Standards. Wir

kämpfen für die Daseinsvorsorge. Wir kämpfen gegen eine massive

Gefährdung der öffentlichen Verkehrsinteressen. Und wir

kämpfen, weil es sonst niemand tut.

An jede Stadt, die glaubt, sie könne dieses Problem ignorieren:

Ihr irrt euch.

Unser Rat ist klar und radikal einfach: Sammelt Beweise. Konfrontiert

die Politik. Konfrontiert die Behörden. Und wenn all

das nichts bringt, geht auf die Straße. Denn wer schweigt, macht

sich mitschuldig. Wer schweigt, stärkt illegale Strukturen. Wer

schweigt, lässt den Rechtsstaat erodieren.

Und wer handelt, schützt die öffentliche Mobilität einer ganzen

Region.

FOTOS: TAZ Stuttgart

30 1. QUARTAL 2026 TAXI


TAXI INTERNATIONAL

1

1 Übers Taxi kann man

überall diskutieren,

demnächst auch in

Australien.

2 Blair Davies, Australien,

lud zu seiner

Konferenz nach

„Down Under“ ein.

3 Jantine Vochteloo,

Niederlande.

4 Gastgeber von

„Meet the Cab“:

Christian Holzhauser

und Julia Schellnast

von Taxi 40100.

3

2

4

DAS LANGE

WARTEN AUF DIE

UBER-ENTSCHÄDIGUNG

Einen weltweiten Überblick über das Taxigewerbe bot das Treffen

»Meet the Cab«. Wir fassen die Vorträge aus Australien, den Niederlanden

und Bulgarien zusammen.

FOTOS: Taxi Times

Die Vorträge zeigten deutliche

Unterschiede, außer bei den

Plattformaktivitäten, denn die

sind nahezu allgegenwärtig. In Australien

(25.000 Taxis), so Blair Davies, Geschäftsführer

des australischen Taxiverbandes

ATIA, wartet die Taxibranche auf die Zahlung

(erst im Jahr 2027) aus der 160-Millionen-Euro-Sammelklage

gegen Uber wegen

des illegalen Markteintritts.

Der Markt für Taxivermittlung ist

hochtechnologisch geprägt, mit zahlreichen

Dritt anbieter-Apps und nur noch

14 Prozent telefonischen Bestellungen.

Uber-Fahrer befinden sich, ähnlich wie in

Großbritannien, in einer Zwischenstellung

zwischen Angestellten und Selbstständigen,

und wie in Europa wird auch hier über

ihre korrekte Einstufung diskutiert.

Eine Richtlinie für Plattformarbeiter

(PWD-Richtlinie) steht, genau wie in der

EU, noch aus. Auffällig ist, dass Uber sich

weitgehend um die Beförderung von Menschen

mit Behinderungen, insbesondere

Rollstuhlfahrern, drückt. Dieser Markt wird

von Taxiunternehmen mit barrierefreien

Fahrzeugen dominiert.

Derzeit findet in der Branche eine Konzentration

durch Übernahmen statt, und

Uber dringt mit seinem Autocab-System

in den Taximarkt ein, um so eine Zusammenarbeit

zu forcieren. Das niederlän-

dische Taxigewerbe war unter anderem

vertreten durch Jantine Vochteloo, Sekretärin

des Königlichen Niederländischen

Taxiverbandes (KNV). 75 Prozent dieser

Taxis und Kleinbusse sind für den sozialen

Sektor tätig, beispielsweise für Menschen

mit Behinderungen und Schulkinder.

Diese Sparte sorgt für etwa 85 Prozent des

Umsatzes im Taxibereich. Es wird weiter

über den Status von Plattformfahrern

debattiert (Taxi Times berichtete online).

FAHRERMANGEL

Auch hier leidet das Taxigewerbe unter

akutem Fahrermangel und einer starken,

landesweit expandierenden Plattformpräsenz.

Bemerkenswert ist, dass die Fahrtenüberwachung

in Kürze vom Bordcomputer

im Taxi auf die automatische Direktübermittlung

relevanter Fahrtdaten an die

Umwelt- und Verkehrsaufsichtsbehörde

(ILT) umgestellt wird, wie es in Flandern

bereits seit einigen Jahren üblich ist.

Bereits 35 Prozent der Taxis fahren lokal

emissionsfrei.

Um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern

und die Kosten zu stabilisieren,

wird derzeit ein neues Konzept entwickelt,

bei dem Fahrgäste so oft wie möglich mit

öffentlichen Verkehrsmitteln befördert

werden. An anderen Orten kommt – mit

einem zusätzlichen Umstieg – der Einsatz

von Großraumtaxis zum Einsatz. Regionale

Zentren müssen diesen Angebotsmix steuern

und koordinieren.

Hedy Borreman sprach als Amsterdamer

Zentralechefin zu den internationalen

Taxigästen: „Ich möchte nicht fünf,

geschweige denn zehn Jahre in die Zukunft

blicken. Veränderungen vollziehen sich so

schnell. Wir sind alle lokal verankert, Teil

des Lebens der Menschen. Robotaxis werden

wahrscheinlich schneller kommen, als

wir denken.“

Im Beitrag des Bulgaren Oggy Popov

vom neuen Taxiunternehmen Volt Premium

Taxi in Sofia kristallisierte sich ein

Schlüsselelement heraus, das von vielen

Taxiunternehmen – trotz des starken Wettbewerbs

durch die Plattformen – vernachlässigt

wird: gezieltes Marketing mit einem

beträchtlichen Budget. „Unser Team kann

von ihrer Expertise lernen. Vor allem brauchen

wir gute rechtliche Rahmenbedingungen,

kein Wildwest, Nähe zum Kunden und

ein intensives Marketingprogramm.” Es

gibt in der internationalen Taxiwelt also

viele Parallelen.

wf

Mehr zu „Meet the Cab“ auf Seite 10.

Meldung von 2024:

Uber muss in Australien

93 Millionen Euro

Entschädigung zahlen

TAXI 1. QUARTAL 2026

31


ÖSTERREICH

DIGITALE

TAXIGUTSCHEINE

ALS GAMECHANGER

Wenn Busse leer bleiben und Budgets schrumpfen, braucht es flexible

Lösungen. Digitale Taxigutscheine gewinnen in Tirol und darüber hinaus

an Bedeutung – als sichere, planbare und kosteneffiziente Ergänzung

zum öffentlichen Verkehr.

Tirol steht unter Spardruck – und

der öffentliche Verkehr ebenso.

Der Verkehrsverbund Tirol (VVT)

hebt Ticketpreise an, kürzt Linien oder

stellt sie ganz ein. Vor allem schwach frequentierte

Strecken geraten ins Wanken.

Genau hier setzt „Calemo“ an – eine digitale

Gutscheinplattform der Wirtschaftskammer

Tirol, die Taxiunternehmen neue

Perspektiven eröffnet. Seit gut zwei Jahren

können Gemeinden, Betriebe oder Veranstalter

digitale Taxigutscheine erwerben

und gezielt weitergeben. Eingelöst werden

sie per App direkt bei der Fahrt, der Betrag

wird automatisch vom Fahrpreis abgezogen.

Alternativ sind klassische Papiergutscheine

erhältlich. „Mit CALEMO bieten

wir Gemeinden, Betrieben und Familien

eine intelligente, flexible und vor allem

sichere Mobilitätslösung“, betont Markus

Freund, Fachgruppenobmann der Tiroler

Taxi-Innung.

EFFIZIENTE ABRECHNUNG

Der Vorteil liegt auf der Hand: Taxis fahren

nur bei Bedarf. Anstatt leere Busse durch

die Region zu schicken, werden tatsächlich

genutzte Fahrten gefördert. Für Gemeinden

bedeutet das planbare Kosten, für Fahrgäste

mehr Flexibilität und für Taxiunternehmen

zusätzliche, faire Auslastung – ohne neue

Infrastruktur oder Systemkosten. Praxisbeispiele

zeigen das Potenzial. Im Bezirk

Schwaz erhalten Dahoamcard-Besitzer im

Zillertal und am Achensee jährlich 50 Euro

an Taxiguthaben. Die Stadt Schwaz digitalisierte

ihr Frauen-Nachttaxi über Calemo.

Mädchen und Frauen ab 16 Jahren buchen

die Fahrt per App – einfacher und effizienter

als frühere Papierlösungen.

Ein weiteres Beispiel ist die Gemeinde

Langkampfen: Seit August 2025 bekommen

alle 16- bis 18-Jährigen jährlich 60 Euro

in vier Tranchen. Rund 150 Jugendliche

Rund ein Drittel der

Tiroler Taxibetriebe

profitiert durch

Calemo in Form von

zusätzlicher Auslastung

ohne neue

Systemkosten.

profitieren. Die Gutscheine sind zeitlich

nicht beschränkt und werden vor allem

abends genutzt, wenn Busverbindungen

fehlen. „Wichtig ist, dass Jugendliche sicher

nach Hause kommen“, betont Gemeinderat

Georg Juffinger. Für die Gemeinde ist das

Modell kalkulierbar: Abgerechnet werden

nur eingelöste Beträge, nicht genutztes

Guthaben wird rückerstattet. Auch außerhalb

Tirols setzt man auf das System. In

der Region Marchfeld in Niederösterreich

ersetzte Calemo das eingestellte Anrufsammeltaxi.

Statt eines kostenintensiven

Systems erhalten mobilitätseingeschränkte

Personen nun gezielt Taxigutscheine –

175 Euro pro Quartal in der Startphase.

Digitale Taxigutscheine

werden per

App eingelöst – der

Betrag wird automatisch

vom Fahrpreis

abgezogen.

Die Abwicklung erfolgt digital oder analog,

die Fahrten werden direkt mit regionalen

Taxiunternehmen durchgeführt. Aktuell

beteiligen sich 163 Tiroler Taxiunternehmen

– rund ein Drittel aller Betriebe im

Land. Für die Branche eröffnet sich damit

ein zukunftsfähiges Geschäftsfeld: bedarfsorientiert,

regional verankert und eng mit

Gemeinden vernetzt.

In Zeiten knapper Kassen könnte

Calemo mehr sein als ein Gutscheinmodell.

Es ist ein Baustein für einen flexiblen

Nahverkehr, der Mobilitätslücken schließt,

Sicherheit schafft und das Taxi als unverzichtbaren

Partner im öffentlichen Mobilitätsmix

positioniert.

nu

FOTOS: Calemo

32 1. QUARTAL 2026 TAXI


HAMBURG

René und Marcel Meyer

und Patrick Amting

(v.l.n.r.) haben die Vermittlung

der Hamburger

Inklusionstaxis aufgebaut.

INKLUSIONSTAXIS

IN HAMBURG –

DA GEHT WAS

In Hamburg nimmt das Inklusionstaxi langsam Fahrt auf.

Und tatsächlich gibt es dafür gute Gründe.

FOTOS: Taxi Times, CarryCab

Die Headline mag etwas sarkastisch klingen,

denn das Inklusionstaxi wird in der Regel nur

dann benötigt, wenn der Fahrgast eben nicht

mehr gehen kann. Dieser Wortwitz darf nicht darüber

hinwegtäuschen, wie wichtig diese Fahrzeuge sind

und wie ernst zu nehmen die diesbezügliche Vorgabe

der UN-Menschenrechtskonvention ist.

Was das Hamburger Inklusionstaxi sicherlich

einen großen Schritt nach vorn gebracht hat, ist neben

dem unermüdlichen Einsatz der Hamburger Kollegen

die üppige Förderung der Stadt, die aktuell für jedes

vollelektrische Inklusionstaxi 20.000 Euro investiert.

Förderungen gibt es zwar auch in anderen Kommunen.

Die wirkliche Neuerung für Hamburg ist, dass

dort die erste ernst zu nehmende Spontanvermittlung

von Inklusionstaxis umgesetzt wurde.

Rund 67 der insgesamt 2.872 konzessionierten

Hamburger Taxis sind mittlerweile auf die Beförderung

von Menschen in Rollstühlen ausgelegt und

es sollen noch mehr werden. Seit dem 1. November

haben die Taxiunternehmer, gemeinsam mit der Verkehrsbehörde

und Freenow by Lyft, eine Vermittlungsplattform

für die Rollstuhltaxis ins Leben gerufen.

Bestellen kann man ein Inklusionstaxi auf mehreren

Wegen. Beispielsweise telefonisch unter der

Nummer 040 2500 500, die von den beiden Hamburger

Taxibetrieben CarryCab Hamburg und der Nissen

Taxen GmbH eingerichtet wurde. Beide Unternehmen

haben ihren Betrieb auf die Rollstuhlbeförderungen

ausgelegt. Die 24/7-Erreichbarkeit wird zudem auch

von Sterntaxen und Großraumtaxen Wefels unterstützt.

Die telefonisch bestellten Fahrten werden

zunächst vom Dispatcher-Tool von Freenow by Lyft

NOCH MEHR

HAMBURGER

TAXITHEMEN

Warum es

in München

immer noch

keinen Rollstuhlzuschlag

gibt.

Mehr Infos zur

Hamburger

Spontanvermittlung

von

Inklusionstaxis.

aufgenommen, von wo aus die Fahrten dann an freie

Fahrzeuge in der Nähe des Fahrgastes zugeteilt werden.

Bestellungen sind auch über die Freenow-by-

Lyft-App möglich. Der Großteil der Fahrten, so Marcel

Meyer, der gemeinsam mit seinem Bruder René und

Patrick Amting hinter der Webseite Inklusionstaxihamburg.de

steht, werde aber telefonisch angenommen.

Drei Monate nach Start des Angebots hat Taxi

Times nachgefragt, wie sich das Hamburger Inklusionstaxi

weiterentwickelt hat. Laut Marcel Meyer

läuft es gut, wenn auch nur langsam: “Das Hamburger

Inklusionstaxi hat sich positiv weiterentwickelt.

Es sind fast alle Hamburger Inklusionstaxis bei uns

angeschlossen und auch die Fahraufträge werden stetig

mehr.”

Langsames Wachstum, das aber auch den Vorteil

hat, dass das Taxigewerbe entsprechend der Nachfrage

mitwachsen kann. Sehr hilfreich ist auch der

gestaffelte Festpreis, der in Hamburg von einem Inklusionstaxi

verlangt werden kann. Für eine Wegstrecke

bis zwölf Kilometer werden beispielsweise 46 Euro

verlangt. In diesem Betrag ist bereits der Großraumzuschlag

inkludiert. Wartezeiten werden gesondert,

mit 38 Euro pro Stunde berechnet.

Ist die Strecke zwischen zwölf und 20 Kilometer

lang, beträgt der Festpreis 60 Euro. Bei einer Strecke

von 20 bis 35 Kilometern wiederum 90 Euro. Auf

Wunsch kann der Fahrgast aber auch auf Taxameter

gefahren werden. Falls ein Kunde das wünscht, muss

er aber mit längeren Wartezeiten rechnen, denn Fahrgäste,

welche vorab zum Pauschalpreis gebucht haben,

werden bevorzugt befördert.

sg

TAXI 1. QUARTAL 2026

33


BERLIN

WIRD SCHMIDT DAS

PENDANT ZU SCHOPF?

Berlin hat mit den Mietwagen aufgeräumt, auch dank Tino Schopf. Jetzt ist

Brandenburg am Zug, wohin viele kriminelle Unternehmer abwandern, um Berlin

weiter mit Uber- und Bolt-Fahrzeugen zu fluten. Kann Schopfs Parteigenossin

Martina Maxi Schmidt hier ebenfalls ein Aufräumen anstoßen? Und will sie es?

Das Berliner Uber-Problem

kommt inzwischen überwiegend

aus dem Umland, so

auch aus dem Landkreis Barnim, der

politischen Heimat von Martina Maxi

Schmidt, die bis 2024 im Kreistag saß.

Heute ist sie verkehrspolitische Sprecherin

der SPD-Fraktion im brandenburgischen

Landtag.

Im Zeitalter der sozialen Medien

war es ein Fauxpas, der die 37-jährige

Verkehrsbetriebswirtin im Taxigewerbe bekannt machte: Als

Schmidt sich in die Thematik des illegalen taxigleichen Mietwagenverkehrs

einarbeitete, sprach sie zwecks Meinungsbildung mit

allen Akteuren, auch mit einem Uber-Pressesprecher. Anscheinend

war dieser so gut als Märchenerzähler geschult, dass seine

positive Haltung ansteckend wirkte. „Gute Gespräche“ mit einem

„konstruktiven Austausch“ ließen Schmidt schwärmen: „Uber

steht für innovative Mobilitätslösungen und bringt Fahrgäste,

Fahrerinnen und Fahrer sowie Städte digital zusammen. Plattformbasierte

Fahrdienste leisten damit einen Beitrag

zu flexibler Mobilität. Gleichzeitig waren Fahrdienste

zuletzt auch kritisch in den Medien präsent. Diese Herausforderungen

nehmen alle Beteiligten sehr ernst“, so

der Beginn ihres Posts, den Schmidt nach zahlreichen

kritischen Kommentaren aber schon kurze Zeit später

zurücknahm.

Die SPD-Politikerin will ihre notwendigen Gespräche

mit allen nicht als Ausdruck der Zustimmung zu irgendetwas

interpretiert wissen. „Entwicklungen müssen

eingeordnet, geprüft und bewertet werden – und das

NOCH MEHR

BERLINER

TAXITHEMEN

gelingt nur im Dialog“ – eine Einstellung,

die viele Politiker heutzutage vermissen

lassen. Gegenüber Taxi Times

spricht Schmidt in ihrer umfangreichen

Stellungnahme betreffend Kontrollen

und Stilllegungen von Mietwagen von

„notwendigem konsequenten Vollzug“.

Sie will den Landkreisen helfen und

sich mit Unterstützung ihres Berliner

Kollegen Tino Schopf dafür einsetzen,

„dass Berlin und Brandenburg schnell

ein abgestimmtes Vorgehen hinsichtlich Genehmigungen, Kontrollen

und des Tarifgefüges entwickeln“. Sie strebt an, Akteneinsicht

bei den Genehmigungsbehörden zu nehmen.

Weitere Aussagen: „Problematisch sind die unterschiedlichen

rechtlichen Rahmenbedingungen und Marktzugangsvoraussetzungen

für Taxi- und Mietwagendienste, an denen politisch gearbeitet

werden muss. [...] Der Taxi- und Mietwagenmarkt ist

ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Mobilität und der

Daseinsvorsorge.

Gleichzeitig gehören Plattformen als Marktakteure

ebenfalls klar in die Verantwortung genommen. Sie

sind Teil der aktuellen Entwicklungen und müssen

sich an die bestehenden gesetzlichen Vorgaben halten.“

Es gehe ihr nicht darum, so Schmidt, einzelne Angebote,

Anbieter oder Plattformen hervorzuheben oder zu

bevorzugen. Ihr Anspruch sei es, unterschiedliche Perspektiven

zusammenzuführen, Sorgen ernst zu nehmen

und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die praktikabel,

rechtssicher und für alle Beteiligten nachvollziehbar

sind.

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34 1. QUARTAL 2026 TAXI


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MÜNCHEN

UBER IST SCHARF

AUF DIE MÜNCHNER

SENIOREN

Zuerst Berlin – jetzt München. Der Fahrtenvermittler Uber hat für die

bayerische Landeshauptstadt die Funktion Uber-Assist neu eingeführt.

Dahinter verbirgt sich ein spezielles Angebot für Senioren.

Die Absicht ist klar: Mit diesem

Feature will der Plattformvermittler

seinen

Münchner Kundenstamm auch auf

die ältere Generation ausweiten. Bei

der Ankündigung lässt man dann

auch gleich die ganz großen Töne

erklingen, schließlich will man mit

dem Angebot etwas für die Gesellschaft

tun. Uber-Deutschland-Chef

Weigler formuliert das wie folgt: „Mit

Uber Assist wollen wir die Mobilitätswende

in München inklusiver gestalten

und die Teilhabe benachteiligter

Menschen am sozialen Leben erhöhen.“

Mit diesen Worten beschreibt Weigler,

dass ab sofort Fahrgäste mit

Rollator, klappbarem Rollstuhl und

zusammenfaltbarem Roller befördert

werden können. On Top hilft man den

Fahrgästen auch beim Einsteigen ins

Auto – und das komplett ohne Aufpreis,

aber nicht umsonst, weil diese

guten Nachrichten natürlich auch

eine gute PR für ein Unternehmen

bedeuten, das häufig auch mit negativen

Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird. Frei nach dem

Motto „Tu Gutes und rede drüber“ funktioniert dann auch die PR.

TÜR-ZU-TÜR UNTERSTÜTZUNG

In der Münchner „tz“ wird beispielsweise geschrieben: „Mit

Uber Assist erhalten Fahrgäste Tür-zu-Tür-Unterstützung.“

Auf der eigenen Webseite beeilt sich Uber dann aber

zu betonen, dass die Fahrer nicht verpflichtet sind,

jemanden in dessen Wohnung oder Haus zu begleiten.

Damit Uber Assist aber mehr ist, als bei Bedarf

seinen Fahrgästen ins Auto zu helfen, hat sich das

Unternehmen der BAGSO angeschlossen – der Bundesarbeitsgemeinschaft

der Seniorenorganisationen.

Aus dieser Verpartnerung ist eine Schulung entstanden,

mit welcher die Uber-Assist-Fahrer nicht nur

Tipps für die physische Unterstützung beim Einstieg

bekommen, sondern auch im Umgang mit Menschen

NOCH MEHR

MÜNCHNER

TAXITHEMEN

mit Seh- oder Hörbehinderungen sensibilisiert

werden. Über den Umfang

der Schulung und ob sie überhaupt

eine Voraussetzung für ‚Uber Assist‘

ist, macht Uber in seiner Pressemeldung

keine weiteren Angaben.

FÜR TAXLER NORMAL

Uber sieht sich also veranlasst, Schulungen

für Servicedienstleistungen

anzubieten, die eigentlich selbstverständlich

sein sollten – und die bei

den Münchner Taxlern auch genau

das sind, denn die machen das schon

seit Jahrzehnten so. Man denke an

die Schüler-, Patienten- und Seniorentaxis,

die tagtäglich für die

Mobilität jenseits des schnellen

Gelegenheitsgeschäfts sorgen. In der

Münchner Tageszeitung „tz“ spricht

Thomas Kroker von der Taxi München

eG dann auch aus, was viele

Taxler denken: „Das ist bei uns Standard.“

Trotzdem sollte diese Nachricht

für alle Münchner Taxler eine Warnung

sein. Die zunehmende Smartphone-Affinität

auch der älteren Generation ist den Plattformen

nicht entgangen. Uber hat vom Taxi gelernt und will neue Zielgruppen

für sich gewinnen. Zielgruppen, die bisher größtenteils

der Taxibranche treu geblieben sind. Das gilt es nun zu

verteidigen. Durch konsequente serviceorientierte Leistung

gerade gegenüber Senioren.

Hinsichtlich der Pressearbeit zu diesem Thema

kann sich die Taxibranche etwas abschauen, was man

selbst sehr stiefmütterlich behandelt: eine regelmäßige

und gelungene Taxi-PR. Getreu dem Motto: Nichts ist

selbstverständlich und jede noch so kleine gute Nachricht

lässt sich medial durch den Fleischwolf drehen.

Tipps dazu gibt Taxi Times übrigens in einem Webinar

„In die Schlagzeilen fahren“ am 16. April 2026 um

14 Uhr. PR-Experten der Taxizentralen und solche,

die es werden wollen, sind herzlich dazu eingeladen.

sg / jh

FOTO: KI-Generiert

36 1. QUARTAL 2026 TAXI


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Die klassische Plastikkarte war gestern. Heute

werden Smartphones zu digitalen Tankkarten. Das spart Gebühren,

Wartezeiten und funktioniert sofort – ganz ohne Bonitätsprüfung

oder Bankbürgschaften.

Wie viel Zeit verbringen Ihre Fahrer pro Schicht an der Tankstelle?

Nicht mit dem Tanken selbst, sondern mit dem „Drumherum“:

Parken, an der Kasse anstehen, PIN eingeben – Zeit, in der

das Rad stillsteht und kein Geld verdient wird.

Klassische Tankkarten lösen zwar das Barbeleg-Problem, bringen

aber oft monatliche Gebühren, Wartezeiten auf Ersatzkarten

und hohe Hürden wie Bankbürgschaften mit sich. Das Karlsruher

Technologieunternehmen PACE Mobility macht damit Schluss.

Das Prinzip: Das Smartphone wird zur Tankkarte. Die Idee ist

so simpel wie effektiv: Fast jeder Fahrer besitzt heute ein Smartphone.

PACE Drive Business nutzt genau das. Statt Plastikkarten

zu verwalten, laden Sie Ihre Fahrer per E-Mail in die PACE-Drive-

App ein. An der Tankstelle wählt der Fahrer die Zapfsäule in der

App und autorisiert die Zahlung direkt aus dem Auto. Der Weg in

den Shop entfällt komplett.

Perfekte Abdeckung im urbanen Taxi-Revier. Taxis operieren

lokal – genau dort glänzt PACE. Von über 9.000 europäischen

Stationen (u. a. Jet, Raiffeisen, bft) liegen über 92 Prozent in Ballungsräumen.

In Metropolen wie Hamburg, Berlin oder dem Ruhrgebiet

haben Ihre Fahrer Zugriff auf bis zu 45 digitale Tankstellen

im direkten Umkreis (10 km). Zeitraubende Umwege gehören der

Vergangenheit an.

Steuerkonformität auf Knopfdruck: Während Ihre Fahrer Zeit an

der Säule sparen, sparen Sie Zeit im Büro. Im „Team-Tarif“ werden

Belege digital gespeichert und für den Steuerberater exportfertig

aufbereitet: inklusive automatischer Netto/MwSt.-Trennung und

klarer Zuordnung von Fahrer, Fahrzeug, Kilometerstand und Kennzeichen.

Ein Klick reicht. Die Zeiten, in denen Sie Thermopapier

aufkleben mussten, sind vorbei.

Eine Rechnung, die sich sofort lohnt: Der Team-Plan für professionelles

Flottenmanagement startet bei 9,99 € im Monat (inkl.

Flottenmanager und bis zu vier Fahrern). Jeder weitere Fahrer

kostet nur 2,00 €. Rechnen Sie selbst: Wenn ein Fahrer durch

„Pay-at-Pump“ im Monat nur einen einzigen 15-minütigen Stopp

an der Kasse vermeidet, hat sich das System bereits rentiert. Der

Tarif wächst mit Ihrer Flottengröße; für Großflotten (ab 20 Fahrzeugen)

gibt es den maßgeschneiderten „Fleet+“-Tarif.

Fazit: Digitalisieren Sie einen der lästigsten Prozesse im Fuhrparkmanagement

in unter zehn Minuten. Wer heute startet, hat

morgen keine Zettel mehr im Handschuhfach.

Jetzt informieren und

Flotte anlegen unter:

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38

1. QUARTAL 2026 TAXI


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FAHRER UND PREISE GEWINNEN

Apps, damit lokale Anbieter im Alltag mit den globalen Plattformen

mithalten können.

Technisch setzt eCabs Technologies auf eine moderne Softwareund

App-Architektur, konsequent auf Echtzeit und Skalierung

ausgelegt – plus über 50 offene Schnittstellen, damit bestehende

Partner (Buchhaltung/ERP, Telefonie, B2B-Portale, Auftragsquellen)

integriert werden können.

eCabs bietet eine Plattform, die Kundenbindung, Fahrermotivation

und dynamische Preissteuerung in einem System verbindet.

Damit bieten wir die Antwort auf Plattformdruck, Fahrer, die zwischen

Apps wechseln und abwandernde Stammkunden, während

die eigene Vermittlungssoftware weder Marketing noch Preislogik

wirklich steuern kann. Das Ergebnis: verlorene Buchungen,

unnötige Leerfahrten und endlose Debatten darüber, was „gefühlt

läuft“ und was nicht. Wer Nachfrage, Angebot und Preis nicht aktiv

steuert, wird zum reinen Abwickler.

eCabs Technologies ist kein reiner Softwareanbieter: In Malta

betreibt das Unternehmen selbst eine Taxizentrale. Aus dieser

Betreiberperspektive entstand eCabs Technologies – das Softwareunternehmen

für die Vermittlung von Taxis und Mietwagen

inklusive moderner Fahrer- und Fahrgast-Apps. Entscheidend:

Rund 80 Prozent der Entwicklungsarbeit fließen in genau diese

Der Kern ist ein integrierter Kreislauf aus Kundenbindung

und Fahrersteuerung:

• Kundenbindung: Segmentierung, Treueprogramme, Aktionen

und mehrkanalige Kampagnen (Push, SMS, E-Mail) – mit automatischer

Budgetkontrolle.

• Fahrermotivation: Heatmaps, transparente Boni, Ein-Klick-

Annahme/Auto-Annahme und Aktivitäts-Score gegen Stornos.

• Preis-Engine: vollautomatische Preissteuerung nach Zeit, Zonen,

Kundengruppen und Marketingbudget – ohne IT-Abteilung.

Aus Implementierungen werden u. a. weniger Stornos (14 Prozent –

6 Prozent) und bessere Verfügbarkeit in Spitzenzeiten (bis +19 Prozent)

berichtet. Für den DACH-Markt ist eCabs Technologies bestens

vorbereitet: deutschsprachige Website (ecabstech.com), technischer

Support durch Muttersprachler sowie integrierte DSGVO-Compliance,

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wirtschaftlich zu steuern und den administrativen

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gefahrenen Kilometern und erbrachten Leistungen

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TAXI 1. QUARTAL 2026

39


FAHRZEUGTECHNIK

EIN GESPRÄCH MIT

FESTGEFAHRENEN

FRONTEN

Das Taxi- und Mietwagengewerbe benötigt dringend Entlastung bei der

zunehmend komplexen Konformitätsbewertung von Fahrzeugen. Doch das

Brett, das dafür bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)

gebohrt werden muss, ist sehr dick.

Das wurde auch bei einem Gespräch

deutlich, das der Taxi- und Mietwagenverband

Deutschland (TMV)

mit der PTB Anfang Februar geführt hat. Der

TMV-Delegation (siehe Foto) saßen seitens

der PTB Vizepräsident Prof. Dr. Frank Härtig

gegenüber sowie mehrere leitende Fachund

Abteilungsleiter, vor allem aber auch

seine für Taxameter und Wegstreckenzähler

zuständige PTB-Kollegin Helga Grohne.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand das

seit Jahren wachsende Problem immer aufwendigerer

Zulassungsverfahren für Taxis

und Mietwagen. Auch wenn seitens der PTB

Verständnis vermittelt wurde, konnten im

Rahmen dieses Treffens noch keine gangbaren

Optionen ermittelt werden, wie sich vor

allem die Bestimmungen um die Konformitätsregelung

vereinfachen ließen.

Die Problematik liegt hier nicht nur

bei der PTB, sondern parallel auch bei

den Autoherstellern, die sich nur ungern

durch eine Schnittstellenfreigabe in die

Karten schauen lassen möchten. Taxameter

und Wegstreckenzähler benötigen ein

elektronisches Geschwindigkeitssignal, um

die zurückgelegte Fahrstrecke messen zu

können. Dieses aber wurde als Herzstück

der Messelektronik moderner Fahrzeuge

schon in der Entwicklung nicht für eine

Freigabe an Dritte angelegt und ist auch

daher kaum zugänglich.

PTB WILL KEINE KOMPROMISSE

Gleichzeitig sieht sich die PTB aber daran

gebunden, hier keinerlei Kompromisse

zuzulassen. Und so schiebt sie der Industrie

schon seit Jahren den Schwarzen Peter

zu, während die Fahrzeugindustrie dem

Gewerbe vermittelt, dass es einfach keine

ausreichenden Stückzahlen abnimmt, um

hier eine gewerbespezifische Sonderlösung

zu ermöglichen.

Wer sich nun als Elektronik-Spezialist

selbst auf die Suche begibt, mag zwar fündig

werden, durchbricht damit aber die

v. l. n. r.: Nico Höttges, Uwe Wieland,

Randolf Stephany, Stephen Schubert,

Dr. Michael Stehr.

Firewall des Fahrzeugs und lässt so automatisch

die Werksgarantie erlöschen. So

sind und bleiben auch die Einbaubetriebe

vollständig davon abhängig, was die Industrie

freigibt, auch wenn sie eigentlich über

das Know-how verfügen, das für eine Freilegung

des Geschwindigkeitssignals notwendig

wäre.

Eine andere Option wäre noch der

App-basierte Taxameter, der anstatt der

Fahrstrecke über Land die zurückgelegte

Strecke via GPS in kurzen Abständen misst

und so ebenfalls einen individuellen fahrstreckenabhängigen

Fahrpreis ermitteln

könnte. Doch die PTB verweist regelmäßig

darauf, dass sie gesetzlich verpflichtet

sei, Taxameter und Wegstreckenzähler zu

eichen, und Satelliten könne man nun mal

nicht eichen. Außerdem befürchtet man

dort, dass GPS-Signale beispielsweise in

Tunneln oder durch technische Probleme

nicht zuverlässig genug verfügbar seien.

Beide Seiten signalisierten so zwar

Einigkeit darüber, dass Handlungsbedarf

besteht, und verständigten sich darauf,

gemeinsam an praktikablen Lösungen zu

arbeiten, um das Verfahren zu vereinfachen,

ohne die gesetzlichen Anforderungen

aus dem Blick zu verlieren. Eine wirkliche

Perspektive war aber bisher noch nicht zu

erkennen, wie ein Teilnehmer berichtete.

Als nächster Schritt soll zeitnah ein

erweitertes Treffen folgen. Geplant ist eine

Sitzung mit der Arbeitsgemeinschaft Messund

Eichwesen der Bundesländer (AGME),

Vertretern der Automobil- und Taxameterindustrie,

den Bundesverbänden sowie der

PTB. Ziel sei es, eine tragfähige, zukunftssichere

Lösung für alle Beteiligten zu entwickeln.

Die Hoffnung im Gewerbe ist nach wie

vor groß: Dass am Ende ein Verfahren steht,

das Rechtssicherheit schafft – und gleichzeitig

wirtschaftlich machbar bleibt. rw + nu

FOTO: TMV

40

1. QUARTAL 2026 TAXI


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TAXI 1. QUARTAL 2026

41


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WENN DAS BÜRO IN DEN ICE

VERLAGERT WIRD…

… dann ist mal wieder Reisezeit für die Taxi-Times-Redakteure. Die Stunden in den

Zügen kann man gut nutzen, um die Beiträge zu jenen Veranstaltungen zu schreiben,

von denen man gerade nach Hause fährt. Wir fassen die wichtigsten zusammen.

Zum Nachlesen der Beiträge aktivieren Sie einfach die QR-Codes auf dieser Seite.

Treffen der Nordverbände

in Glückstadt

Seit der letzten Print-Ausgabe der Taxi

Times gab es viele Taxi-Veranstaltungen.

Die Reise-Route der Taxi-Times-Redakteure

ging unter anderem über Bamberg,

Baunatal, Erfurt, Rostock und Wien bis

nach Glückstadt.

In letzterem trafen sich die Nordverbände,

lauschten Vorträgen und diskutierten

untereinander zu allerlei Themen. Interessant

dabei war, dass man immer wieder

auf die gleiche Schlussfolgerung

kam: Die Branche

braucht einen einheitlichen

Bestellkanal.

FPH-Versammlung in Baunatal

Um ein einheitliches und geschlossenes

Auftreten ging es auch bei der Mitgliederversammlung

des Fachverbands

Personenverkehr Hessen e. V. Der Verband

hat einen sehr hohen Organisationsgrad

und konnte mehr als 300 Mitglieder in

die Stadthalle von Baunatal

locken. Entsprechend selbstbewusst

fiel dann auch die

Jahresbilanz aus.

Versammlung des LV Mecklenburg-

Vorpommern in Rostock

Weniger optimistisch blickt man derweil

in Mecklenburg-Vorpommern in die

Zukunft, der Frust über unzumutliche

Entgelte der Krankenkassen war bei der

gut besuchten Mitgliederversammlung

in Rostock überall zu spüren. Um künftig

erfolgreicher verhandeln zu können, hat

sich der Landesverband des Taxi- und

Mietwagengewerbes Mecklenburg-Vorpommern

e. V. mit

einem erfahrenen Berater aus

Thüringen verstärkt.

Jeden Dienstag:

Die Taxiwelt im Taxi Times-

Newsletter.

Hier geht’s zur

Anmeldung:

Think-Tank des TMV in Bamberg

Nicht nur die Landesverbände sind aktiv,

auch die Bundesverbände haben bemerkenswerte

Veranstaltungen auf die Beine

gestellt. Beim Think-Tank des Taxi- und

Mietwagenverbands Deutschlands (TMV)

in Bamberg wurde an zwei Tagen über die

Zukunft der Branche diskutiert, aber nicht

lamentiert. Unser Fazit für

dieses Event: Note Eins.

Deutscher Taxi- und Mietwagentag

des BVTM in Erfurt

Sehr gut, weil unglaublich abwechslungsreich,

war auch der Deutsche Taxi-

und Mietwagentag des Bundesverbands

Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) in

Erfurt. Bis zu drei Fachvorträge fanden

an beiden Veranstaltungstagen gleichzeitig

statt. Zehn Meldungen wurden

dazu auf der Taxi-Times-Website veröffentlicht.

Sie behandeln Themen wie

kleine Fachkunde, Tarifkorridor, Plattformkooperationen,

Krankenfahrten

und auch autonomes

Fahren.

Meet the Cab in Wien

Es war übrigens die erste Taxiveranstaltung

überhaupt, bei der Robotaxis thematisiert

wurden. Es sollte aber nicht die

letzte sein. Beim Meet the Cab in Wien

hatten die Veranstalter der Taxizentrale

40100 der Thematik einen ganzen Tag

gewidmet und dazu Experten aus den

USA und Europa eingeladen. Deren Fazit:

Autonomes Fahren ist längst zu Ende

entwickelt. Jetzt geht es noch darum, wer

bei der Organisation der selbstfahrenden

Flotten seine Hände im Spiel

hat – einem Spiel, bei dem

durchaus auch das Taxigewerbe

mitwirken kann.

IMPRESSUM

Verlag

taxi-times Verlags GmbH

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Geschäftsführer und V. i. S. d. P.

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Redaktion (tt)

Simon Günnewig (sg), Jürgen Hartmann (jh),

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Mitarbeiter dieser Ausgabe

Wim Faber (wf), Tobias Kiphuth (tk),

Gisela Spitzlei (gs), Remmer Witte (rw)

Grafik & Layout

Katja Stellert (Artdirektion),

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Veröffentlichung gemäß § 8, Absatz 3 des

Bayerischen Pressegesetzes: Gesellschafter

(100 %) der taxi-times Verlags GmbH,

Engelsberg ist Jürgen Hartmann.

FOTO: Pixabay, Taxi Times, Montage: Taxi Times

42 1. QUARTAL 2026 TAXI



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